<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Der Schurke von Gor</book-title><annotation><p>Jason Marshall, einst ein freier Erdenmensch, entledigt sich seiner Sklavenketten auf Gor. Auf der Suche nach seiner Schicksalsgef�hrtin, die mit ihm verschleppt wurde, ger�t er in kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem Stadtstaat Ar und dem salireanischen St�dtebund. Er schlie�t sich den ber�chtigten Piraten des Vosk-Flusses an, um deren finstere Pl�ne aufzudecken und ihren Verbrechen das Handwerk zu legen. Doch die grausame Welt von Gor droht seinen Kampf zunichte zu machen.</p></annotation><date>1984</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="15"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Rogue of Gor</book-title><date>1981</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>4C4A0C84-15DD-4D49-8E31-41A9BA8263ED</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Der Schurke von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ich schob mich hinter das M�dchen und ergriff sie abrupt, den Mund fest �ber ihren Mund pressend. Der M�ll, den sie aus dem Haus schaffen sollte, ergo� sich �ber den Boden. Ich zerrte sie r�ckw�rts. Sie wehrte sich und stie� ged�mpfte Laute aus. Im Schutz der Reihe der M�llbeh�lter hinter dem Haus des Oneander von Ar warf ich sie zu Boden. Meine Hand lag an ihrer Kehle und schob den d�nnen Stahlkragen unter das Kinn hoch. �Kein Laut!� sagte ich warnend. Sie war blond und trug die kurze, �rmellose wei�e Tunika der Haussklavin. Sie war barfu�. �Nimm mich schnell�, sagte sie. �Ich mu� bald zur�ck sein.�</p><p>�Wo ist Oneander?� fragte ich nachdr�cklich. Mit den W�chtern am Tor des Anwesens hatte ich wenig Gl�ck gehabt. Ich wu�te kaum mehr, als da� er zur Zeit nicht in der Stadt war.</p><p>�Fort�, antwortete sie. �Nach Norden, gesch�ftlich.�</p><p>�Wohin?� fragte ich. �Wohin?� Meine Hand krampfte sich um ihre Kehle.</p><p>�Ich wei� es nicht, Herr�, fl�sterte sie. �Ich wei� es nicht! Ich bin doch nur eine Sklavin!�</p><p>�Ist die Sklavin Veminia im Haus?� fragte ich. �Eine kleine dunkelhaarige Barbarin aus Vonda, eine Ware des Hauses Andronicus?�</p><p>�Sie wurde von Oneander mit zehn anderen nach Norden gebracht�, fl�sterte sie.</p><p>�Wohin?�</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>�Wer k�nnte es wissen?�</p><p>�Die M�nner in seiner Begleitung�, antwortete sie. �Oneander beh�lt meistens f�r sich, was er plant.�</p><p>�Wer kann es noch wissen?� dr�ngte ich. �Es mu� andere geben.�</p><p>�Alison�, antwortete sie. �Tanzsklavin im Glockenkragen � sie wei� es vielleicht. Oneander sucht bei ihr oft sein Vergn�gen.�</p><p>Ich lie� sie los. Erschrocken fa�te sie sich an den Sklavenreifen, so fest war mein Griff gewesen.</p><empty-line/><p>Ich betrachtete Bauch und H�ften des Tanzm�dchens, das vor mir im Takt der lebhaften Musik kunstvolle Verrenkungen machte.</p><p>�Hast du schon das Neueste geh�rt?� fragte der Mann neben mir.</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>Bis auf zahlreiche Juwelenketten und Armb�nder war das M�dchen nackt. An den Ketten und B�ndern baumelten zahlreiche Glocken, die einen angenehmen Klang verbreiteten. Sie war blond und stammte angeblich von der Erde. In der Mitte ihrer Stirn hing an einer d�nnen Goldkette eine einzelne Perle; sie sah wie ein Tropfen aus.</p><p>�Die langerwartete gro�e Schlacht hat stattgefunden�, sagte mein Nebenmann. �S�dlich von Vonda. Mehr als viertausend Mann waren darin verwickelt. Es wurde heftig gek�mpft. Im Anfang war die Beweglichkeit unserer Formation von gro�em Vorteil; sie trennten sich, um die angreifenden Tharlarion zwischen unsere Linien zu lassen, und isolierten die Ungeheuer schlie�lich.� In gro�er Massierung, das wu�te ich, konnten Infanteristen gegen einen Tharlarionangriff wenig ausrichten, allenfalls mit Grabenanlagen oder angespitzten Pf�hlen. �Dann aber�, fuhr der Mann fort, �w�lzte sich die gegnerische Phalanx auf uns zu. Der Kampf schien verloren, es wurde zum R�ckzug geblasen, aber dieser R�ckzug war von vornherein auf tr�gerisches Gel�nde vorgesehen, auf Felsh�nge und zwischen zerkl�ftete, rauhe Steinformationen. Unsere Gener�le hatten sich das gut �berlegt.� Ich wu�te auch, da� der m�chtigen Phalanx keine starre milit�rische Formation gewachsen war. In den verschiedenen Reihen der �Phalanx� werden unterschiedlich lange Speere gehalten, die l�ngeren von den hinten stehenden K�mpfern. Gleich einer Lawine braust sie vor, dr�hnend, kreischend, vor Stahl strotzend. Ihre Wucht ist unglaublich. Sie vermag Mauern zu zerdr�cken. Wenn sich auf dem Schlachtfeld zwei solche Formationen begegnen, ist der Aufprall pasangweit zu h�ren. Einer Phalanx ist nur mit einer zweiten Phalanx zu begegnen � sonst meidet man sie, versucht darum herumzuman�vrieren. �Unsere Hilfstruppen trieben die wildgewordenen und fauchenden Tharlarions in die Phalanx zur�ck. Am Himmel dr�ngten unsere Tarnk�mpfer die S�ldner des Artemidorus ab. Anschlie�end deckten sie die zerschlagene Phalanx mit Pfeilen ein. Als die Speerk�mpfer ihre Schilde hoben, um sich vor dem Angriff von oben zu sch�tzen, st�rzten sich unsere Regimenter von den H�ngen auf die Feinde.�</p><p>Ich nickte. Mein Blick galt weiter dem M�dchen dicht vor mir. Angeblich kam sie von der Erde. Ich griff nach meinem Paga, hob ihn von dem Tisch, hinter dem ich mit untergeschlagenen Beinen sa�.</p><p>W�hrend sie mir ihre Sch�nheit darbot, sah sie mich an.</p><p>�Das Schlachtfeld geh�rte uns!� rief der Mann. �Nun ist Vonda unseren Truppen schutzlos preisgegeben!�</p><p>Ich nickte. Das M�dchen hatte einen sinnlichen, herausfordernden Blick, sie hatte die Augen einer echten Sklavin. Kaum vorstellbar, da� sie von der Erde stammte.</p><p>�Die Frauen Vondas werden bald unsere Sklavenm�rkte �berschwemmen�, sagte der Mann.</p><p>�Schlecht f�r die Preise�, bemerkte ein anderer d�ster.</p><p>�Angeblich�, sagte ein dritter, �marschieren Streitkr�fte aus Port Olni an, um Vonda zu entsetzen.�</p><p>�Unsere M�nner werden sich nach Nordosten wenden, um ihnen zu begegnen�, bemerkte jemand.</p><p>�Bitte, Herr!� fl�sterte mir das M�dchen zu und streckte eine kleine Hand in meine Richtung, als wolle sie mich ber�hren. Unterdessen setzte sie den Tanz fort.</p><p>�Du gef�llst ihr�, sagte der Mann neben mir.</p><p>Ich betrachtete ihre Fesseln und Schenkel, den s�� gerundeten Bauch, die Br�ste und Schultern, die Lieblichkeit ihrer Erscheinung, ihr Gesicht, ihre Augen, das wirbelnde Haar, den unruhig flirrenden Schmuck an ihrem K�rper.</p><p>�Herr�, sagte sie und tanzte weiter vor mir, bis die Musik einen lauten H�hepunkt erreichte und endete.</p><p>Goreanischer Applaus wurde laut, F�uste wurden gegen die linke Schulter geschlagen.</p><p>Ich stand auf und legte zwei Kupfer-Tarsks auf den Tisch.</p><p>Dann ging ich zu dem M�dchen und versetzte ihr mit der Au�enseite des Fu�es einen Tritt. �In die Nische�, befahl ich.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie, sprang auf und huschte vor mir her zu einer Wandnische. Wieder gab es Beifall, als ich ihr folgte und von innen den Ledervorhang zuzog und verschn�rte. Dann drehte ich mich um.</p><p>Das M�dchen hockte in der Position der Vergn�gungssklavin vor mir, beleuchtet von einer winzigen Lampe.</p><p>�Du bist Alison?� fragte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Das ist ein Erdenname.�</p><p>�Bitte behandle mich deswegen nicht grausam�, bat sie.</p><p>�Kommst du von der Erde?�</p><p>�Ja.�</p><p>�War Alison dort dein Name?�</p><p>�Ja�, antwortete sie. �Meine goreanischen Herren haben ihn mir als Sklavennamen gelassen.�</p><p>�Wie bist du nach Gor gekommen?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich legte mich eines Nachts schlafen und erwachte sp�ter � wieviel sp�ter, wei� ich nicht � und lag nackt und angekettet mit anderen M�dchen in einem Verlies.�</p><p>�Kennst du einen Mann namens Oneander aus Ar?� fragte ich.</p><p>�Er ist Kaufmann�, fl�sterte sie.</p><p>�Kennst du ihn?�</p><p>�Er kommt manchmal in den Glockenkragen�, fl�sterte sie. �Bitte sei nett zu mir, Herr!�</p><p>�Aber du kennst ihn?�</p><p>�Ja, er sucht bei mir seine Freude, wenn ihm danach ist. Busebius, der Wirt, hat eine Abmachung mit ihm. Manchmal werde ich auch in sein Haus geschickt.�</p><p>�Wo ist er?� fragte ich und fa�te sie energisch an den Armen. �Wo?�</p><p>�In Lara!� rief sie verschreckt. Damit meinte sie eine Stadt aus der Salerianischen Konf�deration am Zusammenflu� des Vosk und des Olni. Kein Wunder, da� Oneander seine j�ngsten Reisepl�ne nicht an die gro�e Glocke h�ngte.</p><p>Ich dr�ckte das M�dchen in die Felle.</p><p>Manchmal �u�ert sich ein Mann offen gegen�ber einer Sklavin. Vielleicht beeinflu�t von Tr�nken und Gen�ssen, hatte sich Oneander der Sklavin in seinen Armen anvertraut.</p><p>�Ich durfte das nicht verraten�, schluchzte sie.</p><p>Es war ein k�hner Plan seitens des Kaufmanns. Genaugenommen gab es keinen Krieg zwischen Ar und der Salerianischen Konf�deration. Die Auseinandersetzungen mit St�dten der Konf�deration hatten sich bisher auch nur auf Vonda beschr�nkt. So war sein Vorhaben zwar weder verr�terisch noch ungesetzlich, doch stand es ihm gut an, auf den Stra�en Ars nicht dar�ber zu reden. Lara geh�rte zur Salerianischen Konf�deration � und das schien auf eine gewisse wirtschaftliche Not hinzuweisen. Da ihm die M�rkte von Vonda und vielleicht auch Port Olni und Ti versperrt waren, kam es mir ganz nat�rlich vor, da� Oneander sich nach Lara wandte.</p><p>�Ich durfte das nicht verraten!� schluchzte Alison.</p><p>�Hat Busebius, dein eigentlicher Herr, dir befohlen, nichts zu verraten?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum weinst und zitterst du dann?�</p><p>�Oneander wollte nicht, da� ich etwas verriet�, sagte sie.</p><p>�Aber ich wollte es, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Und du hast gehorcht, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�H�ltst du es f�r klug, da� ein Mann einer Sklavin wie dir Geheimnisse anvertraut?�</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>Ich wandte mich ab und n�herte mich dem Ledervorhang der Nische. Mein H�nde ber�hrten die Schnallen, um sie zu �ffnen.</p><p>�Willst du mich verlassen?� fragte sie hinter mir.</p><p>�Ja.�</p><p>�Du wolltest nichts anderes von mir als Informationen?�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Und die habe ich jetzt.�</p><p>�Bleib noch ein wenig, Herr!� fl�sterte sie.</p><empty-line/><p>�Ich mu� weiter�, sagte ich viel sp�ter.</p><p>�Mein Herr sucht nach einer Sklavin, nicht wahr?� fragte Alison.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�La� sie nur ja nie vergessen, da� sie Sklavin ist!� sagte das M�dchen.</p><p>�Ich mu� los.�</p><p>�Nimm mich noch einmal�, flehte sie.</p><p>Ich kam ihrem Wunsch nach. Erst sp�ter erhob ich mich, �ffnete den Ledervorhang und ri� ihn auf. Die Sch�nke war inzwischen geschlossen, die Tische und St�hle leer. Ich warf dem M�dchen einen letzten Blick zu.</p><p>�Kaum vorstellbar, da� du von der Erde kommst�, sagte ich.</p><p>�Ich bin inzwischen eine goreanische Sklavin, nichts anderes�, erwiderte sie.</p><p>�Du hast gut getanzt�, sagte ich.</p><p>Von hinten n�herte sich ein Tavernenhelfer und f�hrte das M�dchen fort. An der T�r drehte sie sich noch einmal um und warf mir einen Handku� zu. Ich erwiderte die Geste; dann wurde sie zu den Sklavengehegen gef�hrt.</p><p>Gleich darauf kehrte der Mann zur�ck und lie� mich durch die Vordert�r hinaus. Ich h�rte, wie die Riegel hinter mir geschlossen wurden. Ringsum erstreckten sich die Stra�en Ars. Ich blickte an den Zylindern und Br�cken empor auf Mond und Sterne. Dann schlug ich den Weg zur Stra�e der Tarns ein, um in einem der zahlreichen L�dchen und St�nde eine Passage nach Norden zu erstehen, zur salerianischen Stadt Lara.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>�Sei gegr��t, Lady Tima!� sagte ich.</p><p>�Jason!� rief sie und lehnte sich in ihren Fesseln auf. �Tu mir nichts!�</p><p>Am Nachthimmel stand der rote Widerschein der brennenden Stadt.</p><p>�Ein Kupfer-Tarsk�, sagte der Bursche, der an der langen Reihe der Freudengestelle entlangging.</p><p>Ich warf eine M�nze in den kleinen Ledersack, der am Gestell befestigt war.</p><p>Sie wehrte sich weiter gegen ihre Fesseln.</p><p>�Ich kann dich nicht n�her an Lara heranbringen�, hatte der Tarnflieger gesagt, der mich von Ar hierher transportiert hatte. �Tarnk�mpfer aus Ar�, hatte er weiter gesagt, �patrouillieren den Korridor zwischen Vonda und Ar ab, sind aber zahlreich genug, um den Himmel auch au�erhalb zu bewachen. Au�erdem gruppieren sich morgen die Kavalleriestreitkr�fte f�r den Angriff und da wird das Niemandsland nicht mehr bewacht sein.� Nickend war ich aus dem Flugkorb gestiegen und hatte ihn bezahlt. Auf dem R�ckflug nach Ar w�rde er bestimmt Fl�chtlinge oder gefesselte M�dchen mitnehmen.</p><p>�Was gibt es Neues �ber den Krieg?� fragte ich den Burschen, der die lange Reihe der Freudengestelle bewachte. �Ich komme frisch aus Ar.�</p><p>�Wir sind sehr erfolgreich�, antwortete er. �Im Kampf haben wir die Streitkr�fte Vondas als auch die Tarnk�mpfer des Artemidorus aus Cos sofort besiegt. Vonda wird gerade dem Erdboden gleichgemacht. Die Stadt brennt. Dies ist ein Siegeslager, f�r Beute und Vergn�gungen.�</p><p>�Bestimmt wird nun die ganze Salerianische Konf�deration in den Krieg hineingezogen�, sagte ich.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Streitkr�fte aus Lara marschieren nach Norden�, sagte er. �K�mpfer aus Olni stehen keine hundert Meilen von hier und marschieren nach S�den. Sie machen bewu�t langsam, um ihren Angriff auf den der Lara-Soldaten auszurichten.�</p><p>Ich nickte. Hier war eine Zangenbewegung zu erwarten. Der Versuch, die Streitkr�fte aus Ar, die fern von ihren Versorgungsrouten waren, an zwei Fronten in K�mpfe zu verwickeln.</p><p>�Wir m�ssen uns zur�ckziehen�, sagte ich.</p><p>Er lachte. �Nein�, widersprach er. �W�hrend die Leute aus Port Olni ihre Zeit in einem Feldlager vertr�deln, marschieren wir gegen sie. Wir greifen beide Armeen getrennt an. Nach dem Sieg �ber die eine kehren wir nach S�den zur�ck, um den Lara-Soldaten zu begegnen, vielleicht sogar hier, im Angesicht der Asche Vondas.�</p><p>�Verstehe�, sagte ich.</p><p>�Unsere einzige Angst w�re, da� sich die Streitkr�fte Tis in die Auseinandersetzung hineinziehen lassen�, fuhr er fort.</p><p>Ti war die gr��te und bev�lkertste Stadt der Salerianischen Konf�deration. Sie hatte sich bis heute nicht in die Machenschaften Vondas und Cos� verwickeln lassen.</p><p>�Das ist doch ganz sicher nur eine Sache der Zeit�, meinte ich.</p><p>�Anzunehmen�, erwiderte der Mann. �Ebullius Gaius Cassius, Angeh�riger der Kriegerkaste, Administrator von Ti, bespricht sich bereits mit dem Hohen Rat seines Landes.�</p><p>�Das Z�gern ist unerkl�rlich.�</p><p>�M�nner aus Cos, mit Ar verfeindet, und Kaufleute aus Vonda�, sagte der Mann, �haben den Krieg angezettelt in der Hoffnung, die gesamte Konf�deration hineinzuziehen.�</p><p>�Dann wird die Situation also von einer Minderheit gelenkt�, mutma�te ich.</p><p>�Ich nehme es an�, sagte der Mann. �Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, da� Ti oder Ar den gro�en Konflikt wollen.�</p><p>�Wieviel f�r die hier?� fragte ein Mann, der einige Gestelle entfernt stand, und deutete auf eine Blondine.</p><p>�Entschuldige�, sagte mein Gespr�chspartner und wandte sich von mir ab. �Einen Kupfer-Tarsk�, sagte er zu dem anderen.</p><p>Es war Abend. Br�nde auf hohen Masten erhellten das Terrain. Zahlreiche M�nner waren unterwegs. Mein Blick schweifte �ber zahlreiche Zelte, H�tten und schnell errichtete runde Gehege. In diesen abgeteilten Zonen befanden sich vorwiegend Waren und Gefangene. Zwei betrunkene Offiziere torkelten vorbei.</p><p>�Wie bist du gefangengenommen worden?� wandte ich mich an die Lady Tima.</p><p>�Durch Soldaten, in der Stadt�, antwortete sie. �Zusammen mit anderen.�</p><p>�Und dein Sklavenmarkt und die Waren?� fragte ich.</p><p>�Die Geb�ude wurden niedergebrannt�, antwortete sie. �Man raubte mir Waren und Sklaven.�</p><p>�Konnten viele Vondaner entkommen?�</p><p>�Viele.�</p><p>�Als ich vorhin �ber das Gel�nde flog�, sagte ich, �sah ich mehrere Einfriedungen, die zumeist mit Frauen gef�llt waren.�</p><p>�Wir wurden gnadenlos gejagt�, sagte sie verbittert.</p><p>�Doch m�ssen manche Frauen aus der Stadt geflohen sein�, mutma�te ich.</p><p>�Ja�, erwiderte sie, �besonders jene, die fr�h aufgebrochen sind. Viele sind als Fl�chtlinge nach Lara gegangen.�</p><p>Die Blondine, die einige Gestelle weiter angebunden war, begann in ihren Fesseln zu schluchzen und sich zu winden. �Nein, nein!� flehte sie.</p><p>�Was ist mit dem Haus des Andronicus?� wollte ich wissen.</p><p>�Niedergebrannt�, erwiderte sie. �Sklaven und Personal geflohen oder in Gefangenschaft.�</p><p>�Und Lady Gina?� fragte ich. Ich erinnerte mich mit Zuneigung an sie.</p><p>m</p><p>�Versklavt i Essenszelt�, erwiderte sie. �Dort bedient sie M�nner.�</p><p>�Ob sie wohl an diesem Dienst Freude hat?�</p><p>�Die M�nner haben Freude daran, von ihr bedient zu werden!� gab sie �rgerlich zur�ck.</p><p>�Bestimmt�, meinte ich. �Erinnerst du dich an die Sklavin Lola aus dem Haus des Andronicus?�</p><p>�Ja. Aber ich wei� nicht, was aus ihr geworden ist.� Die M�dchen Lola und Tela hatten mich die goreanische Sprache gelehrt. Sie waren die ersten goreanischen Sklavinnen, die ich �berhaupt zu Gesicht bekommen hatte. Diesen Moment hatte ich nie vergessen. Da� es solche Frauen geben konnte, noch dazu als Sklavinnen, war f�r mich eine ersch�tternde und willkommene Erkenntnis gewesen.</p><p>�Du hattest eine Helferin�, fuhr ich fort, �eine hervorragende Schauspielerin, die eine einfache Sklavin von der Erde spielte, einschlie�lich des Kragens und der Ta-Teera, und die mich f�r den Verkauf auf deinem Sklavenmarkt gut vorbereitete.�</p><p>�Lady Tendite�, sagte sie. �Ber�hr mich nicht!�</p><p>�Ja, sie�, �u�erte ich nachdenklich. �Sie hat mich wirklich zum Narren gehalten.�</p><p>�Nein, nicht, Jason!�</p><p>�Ich glaubte ihr.�</p><p>�Jason!� flehte sie. �Nein!�</p><p>�Der Verkauf mu� sehr am�sant gewesen sein.�</p><p>�Deine H�nde!� schluchzte sie.</p><p>�Habt ihr das zusammen geplant?� fragte ich. �Dein K�rper scheint kleiner und hilfloser zu sein, als ich ihn in Erinnerung habe�, fuhr ich fort.</p><p>�Ja, ja!� schluchzte sie. �Aber urspr�nglich war es ihr Plan, ihre Idee. Sie dachte, es w�re am�sant, dir so etwas anzutun.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Bitte h�r auf, mich zu ber�hren!� sagte sie.</p><p>Die Blondine, die ein St�ck entfernt an ihrem Gestell hing, warf pl�tzlich den Kopf in den Nacken und schrie hilflos ihre Unterwerfung hinaus.</p><p>Lady Tima erschauderte und hob dann ihren K�rper meinen H�nden entgegen. Aber da ber�hrte ich sie nicht mehr.</p><p>�Wo ist sie?� fragte ich.</p><p>�Sie ist fr�h aus Vonda geflohen�, antwortete sie. �Sie ging nach Lara. Bitte ber�hr mich weiter.�</p><p>�Wie ich sehe, tr�gst du noch kein Brandzeichen�, stellte ich fest.</p><p>�Wir kamen als freie Frauen auf die Gestelle. Um uns zu besch�men. Was f�r ein rauher Scherz der Goreaner, die freien Frauen aus Vonda auf die Gestelle zu schnallen, wie Sklavinnen, jedem Passanten f�r einen Kupfer-Tarsk preisgegeben!�</p><p>�Gro�artig! Gro�artig!� sagte ich.</p><p>Sie schaute mich entsetzt an. �Bist du ein Goreaner?� fragte sie.</p><p>Ich zuckte die Achseln. Ich wu�te es nicht.</p><p>Und wieder hob sie mir ihren K�rper entgegen. �Du hast mich erregt�, fl�sterte sie. �Du wei�t es.�</p><p>�Das Vergn�gungsgestell ist ein interessantes Ger�t�, bemerkte ich und untersuchte die Hebel und Holzr�der, die es mit Hilfe von Drehpunkten, Gleitbrettern, zahnradartigen Arretierungen erm�glichen, die darauf gespannte Frau in eine Vielzahl von Positionen zu bringen. Nicht alle Freudengestelle waren so raffiniert wie das Ger�t, auf das meine fr�here Herrin, die ehemalige Sklavenh�ndlerin Lady Tima aus Vonda, gebunden war. Zweifellos war es aus der Stadt hierhergebracht worden.</p><p>Ich drehte Lady Tima hierhin und dorthin � und wandte mich schlie�lich ab.</p><p>�Jason!� rief sie. �Jason!�</p><p>Langsam kehrte ich zu dem Gestell zur�ck. Flehend sah sie mich an.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Du hast dich deinen Gef�hlen auf wirklich eindrucksvolle Weise hingegeben, Lady Gina�, sagte ich. In einem Winkel des Essenszeltes lagen wir zwischen anderen Paaren im Stroh. Sie hatte mich beim Essen bedient, und ich hatte ihr befohlen, mir auf das Stroh zu folgen.</p><p>�Ich h�tte es nie f�r m�glich gehalten, da� es solche Gef�hle gibt�, antwortete sie.</p><p>�Du mu�t doch unz�hlige wonnetrunkene Sklavinnen erlebt haben�, bemerkte ich. �Schlie�lich warst du Sklavenh�ndlerin.�</p><p>�Ja�, antwortete sie, �aber bis eben hatte ich keine Ahnung, was sie wirklich empfanden.� Sie l�chelte. �Kein Wunder, da� die fiebernden kleinen Dirnen auf ihre Sklavenkragen so stolz sind.�</p><p>�Nun wei�t du es � in dem Ausma�, wie du es zur Zeit empfinden kannst.�</p><p>�Gibt es denn mehr?�</p><p>�Was es bedeutet, eine sich in allem unterwerfende Sklavin zu sein, kannst du in diesem Augenblick noch nicht ann�hernd ermessen�, sagte ich.</p><p>�Ich beginne es zu ahnen�, sagte sie. �Was du mir angetan hast, ist unumst��lich. Ich kann nie wieder dieselbe stolze freie Frau sein, die ich fr�her war.�</p><p>Ich zuckte die Achseln. Mir bedeutete das nic hts.</p><p>�Dabei bin ich viel zu unansehnlich als Sklavin�, sagte sie schluchzend.</p><p>�Bist du noch nicht mit ihr fertig?� fragte eine barsche Stimme.</p><p>Verbl�fft hoben wir den Blick. Am Rand des Strohs stand ein gro�er, ungeschlachter Kerl im Gewand der Tarnpfleger. �O doch�, sagte ich l�chelnd, stand auf und trat einen Schritt zur Seite.</p><p>�Taugt sie was?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Sie ist ziemlich gut. Und wer wei�, wie gut sie noch wird, wenn sie erst versklavt ist und sich in den H�nden des richtigen Herrn befindet.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte er und musterte sie erneut. Ein seltsam sanfter, weicher Ausdruck stand in den Augen der Lady Gina, die zu dem Fremden aufblickte. Urspr�nglich kam sie mir sehr hilflos und verwundbar vor. Es war, als habe sie sich von grundauf gewandelt.</p><p>�Sie ist wundersch�n�, sagte er.</p><p>�Ja�, sagte ich � denn es war vielleicht wahr, urpl�tzlich, mit der Erkenntnis und der Hinnahme ihrer wahren Natur und ihres wahren Standes.</p><p>Ihr stockte der Atem, und sie begann zu zittern.</p><p>Der Mann versetzte ihr einen Tritt. �Mach dich bereit, Frau aus Vonda!�</p><p>Ich lie� die beiden allein und wanderte zwischen den Tischen hindurch, zwischen den Soldaten und Kaufleuten und anderen Personen und den nackten, angeketteten Vondanerinnen, die hier im Essenszelt bedienten. �Unsere Streitkr�fte sind bereits nach Norden marschiert�, sagte ein Mann. �Die Truppen aus Lara k�nnen erst in zwei Tagen hier sein�, bemerkte ein anderer. �Und dann finden sie hier nur noch die Asche Vondas!� lachte ein dritter. �F�r Handelskarawanen ist es ein gef�hrliches Pflaster�, �u�erte ein Mann. �Viele sind angegriffen worden�, sagte ein anderer. �Es hei�t, die Flu�piraten sind die schlimmsten von allen�, schaltete sich jemand ein. �Mit dem Abzug der Truppen aus Lara werden sie frech. Sie sind sogar ins eigentliche Lara vorgesto�en und haben sich dann auf ihre Galeeren zur�ckgezogen.� � �Vielleicht bewegt das die Lara-Soldaten zur Umkehr�, hoffte jemand, �zum Schutze der eigenen Stadt.� � �Nein�, widersprach ein anderer, �sie haben sich anders festgelegt.� � �Sie sollen auf den M�rkten am Flu� verkauft werden�, sagte jemand, an dem ich vorbeiging. Ich begriff den Sinn der Bemerkung nicht. Frauen aus Vonda konnten nicht gemeint sein. Es w�re schwierig, sie auf die Flu�m�rkte zu schaffen, die unten am Vosk lagen, hinter Lara, au�erdem lie�en sich im S�den vermutlich h�here Preise erzielen. Die meisten weiblichen Gefangenen w�rden wohl auf den Sklavenbl�cken Ars landen.</p><p>Als ich das Essenszelt durch den Eingang verlie�, rempelte mich ein gro�er Mann an. Er trug eine Maske. �Pa� doch auf, wohin zu trittst!� sagte er �rgerlich. Ich trat zur�ck, antwortete aber nicht. Ich war w�tend. Es wollte mir scheinen, als w�re er gegen mich gelaufen und nicht umgekehrt. Pl�tzlich verharrte er und schaute mich eine Sekunde lang an. Anscheinend glaubte er mich zu kennen. Auch ich hatte den vagen Eindruck, ihn schon einmal gesehen zu haben. Ohne ein weiteres Wort dr�ngte er sich an mir vorbei und betrat das Zelt. Er war allein. Ich wu�te ihn nicht unterzubringen. Ich wandte dem Essenszelt den R�cken und begab mich zu den Tarn-Gehegen. Ich hoffte dort eine Transportm�glichkeit in die N�he Laras zu finden. In meinem Besitz befanden sich noch f�nf Silber-Tarsks, eine betr�chtliche Summe. Ich war ziemlich sicher, einen Tarnk�mpfer, vielleicht aus einer neutralen Stadt, �berzeugen zu k�nnen, mich auf Umwegen in die Umgebung Laras zu bringen.</p><p>Offenbar waren erst k�rzlich einige Tarns aus dem Westen eingetroffen. Zum Teil schienen sie Fl�chtlinge bef�rdert zu haben. Ich sah Verwundete. Hier und dort hockten kleine Gruppen von M�nnern und schauten betr�bt ins Leere. Frauen sah ich nicht, auch keine Sklavinnen. Einige trugen das Gold und Wei� der Kaufleute, einige auch Masken. Sie sa�en an w�rmenden Feuerstellen.</p><p>�Was sind das f�r Leute?� fragte ich einen der Tarnpfleger.</p><p>�Meistens Kaufleute�, antwortete er. �Opfer der Flu�piraten bei Lara.�</p><p>�Einige tragen Masken�, �u�erte ich.</p><p>�Trotzdem sind uns die meisten bekannt�, sagte der Mann. �Trotz der Masken. Dort, ohne Masken, sitzen Splenius und Zarto. Du kennst Zarto, den Eisenh�ndler?�</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>�Er hat seine s�mtlichen Wagen mit Eisenbarren verloren�, erkl�rte der Mann. �Neben ihm sitzt Horemius, maskiert. Ihm wurden acht Steingewichte Parf�m geraubt. Und weiter links, in der braunen Maske, das ist Zadron, der Silberh�ndler. Er hat so gut wie alles verloren. Der Mann in der roten Maske ist Publius, ebenfalls Silberh�ndler. Ihm blieb lediglich der Silbergurt �ber seiner Schulter.�</p><p>�Ich sehe bei diesen Leuten keine Frauen, keine Sklaven�, stellte ich fest.</p><p>�Es gab heftige K�mpfe�, erkl�rte der Mann. �Um mit dem Leben davonzukommen, mu�ten sie ihre Waren und Sklaven aufgeben.�</p><p>�Sie kommen alle aus Lara und Umgebung?�</p><p>�Ja. Sie hatten nicht gewu�t, da� die Lara-Soldaten nach Osten ausr�cken und die Piraten das so k�hn ausn�tzen w�rden.�</p><p>�Sind das alle Betroffenen?� fragte ich gespannt.</p><p>�Nein�, antwortete der Mann. �Einige sind zum Essenszelt gegangen.�</p><p>�Geh�rte ein Mann namens Oneander dazu, ein Salzund Lederh�ndler?�</p><p>�Ja�, sagte der Mann.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Das M�dchen bewegte sich unruhig. Sie hatte die Beine angezogen. Sie trug das knappe Sklavengewand Ta-Teera und einen Metallkragen. Sie lag in einem Winkel der Sch�nke auf einer Sklavenmatte. Ich hatte sie dort angebunden.</p><p>Mit untergeschlagenen Beinen sa� ich hinter einem der niedrigen Tische des Lokals und kaute an einer Brotrinde. Der Sch�nkenraum war verlassen; die letzten G�ste waren am fr�hen Morgen hinausgeworfen worden.</p><p>�Das macht zehn Kupfer-Tarsk�, hatte der Mann gestern abend gesagt und eine Schale Sul-Brei vor mich hingestellt. Ich hatte nicht widersprochen und bezahlt.</p><p>�Du kannst mich nicht hinauswerfen!� hatte eine freie Frau den Wirt angebr�llt.</p><p>�Du hast schon f�r die gestrige Nacht nicht bezahlt�, antwortete er. �Gib mir daf�r das Geld und gleich f�r heute mit, sonst mu�t du die Sch�nke verlassen.�</p><p>�Ein Silber-Tarsk f�r eine �bernachtung!� rief sie. �Das ist unerh�rt! Unehrenhaft! Wucher! Du hast nicht das Recht, solche Preise zu nehmen!�</p><p>Andere, die am Tresen des Wirts standen, fielen in diese Klage ein. Wir befanden uns in der Sch�nke des Strobius in Lara, am Zusammenflu� des Olni und des Vosk. Zahlreiche Fl�chtlinge aus Vonda dr�ngten sich hier. Viele hundert waren aus Vonda geflohen, die meisten auf dem Flu� nach S�den. Sie hatten viel Geld bezahlt f�r die Fahrten mit Barken, Ruderbooten, Galeeren und sogar Lederkanus.</p><p>�Das sind nun mal meine Preise!� sagte Strobius.</p><p>�Sleen!� tobte mehr als einer.</p><p>�Man holt eben heraus, was man kriegen kann�, hatte ein Bursche an meinem Tisch gegrinst.</p><p>�Ich bin eine freie Frau aus Vonda!� klagte die Frau am Tresen.</p><p>Ich hob den Sul-Brei an die Lippen. Die Maske, die ich trug, bedeckte nur den oberen Teil meines Gesichts.</p><p>Es wurde laut an die T�r des Lokals geklopft. W�chter �ffneten eine kleine Sichtluke und schauten hindurch. Dann lie�en sie eine neue kleine Fl�chtlingsgruppe eintreten. F�r sie � wie schon f�r viele andere G�ste � gab es keine Zimmer mehr, doch auch sie w�rden einen ganzen Silber-Tarsk f�r die Nacht zahlen m�ssen, auch wenn sie sie nur im Korridor verbrachten. Die Sch�nke des Strobius galt</p><p>ie nicht als sonderlich gutes Lokal, aber s war gro� und fest gebaut. Au�erdem war sie eines der wenigen Gasth�user, die in der Stadt noch offen hatten. Viele verzweifelte Fl�chtlinge hatten in Lara gar nicht erst an Land gehen d�rfen, sondern waren weiter flu�abw�rts getrieben worden. Und hier und dort trieben Flu�piraten ihr Unwesen auch in der Stadt � sie hatten es besonders auf Frauen abgesehen.</p><p>Au�er mir trugen viele andere M�nner Masken. Ich stellte den Sul-Brei wieder auf den Tisch. Er war nicht besonders gut, aber wenigstens hei�.</p><p>�Ich bin eine freie Frau aus Vonda!� rief die Frau am Tresen. �Du kannst mich nicht hinauswerfen!�</p><p>Oneander aus Ar, der Salz- und Lederkaufmann, hatte im Beutelager vor Vonda eine Maske getragen � wie auch etliche andere. Damit war er vielleicht gut beraten gewesen. Immerhin hatte er Handel treiben wollen mit Lara, einer Mitgliedstadt der Salerianischen Konf�deration. Das brachte ihm in Ar oder den Besitzungen Ars keine Freunde. Au�erdem war er � das hatte ich in Erfahrung gebracht � am S�dufer des Olni von Flu�piraten �berfallen worden und hatte sich und seinen M�nnern das �berleben gesichert, indem er den Angreifern Waren und Sklaven �berlie�. Daher war es kein Wunder, da� er sein Gesicht zu verh�llen trachtete. Er wollte dem Zorn der Ar-Bewohner entgehen und gedachte zweifellos auch seinen Kummer und seine Scham zu verbergen, die ihm der unangenehme Ausgang seines gesch�ftliches Vorsto�es in den Norden gebracht hatte.</p><p>Ich hatte vor dem Essenszelt des Beutelagers gewartet. Im Westen war der Himmel rotgef�rbt: dort brannte Vonda.</p><p>�Bist du Oneander aus Ar?� fragte ich den Burschen, der aus dem Zelt kam.</p><p>�Nein�, antwortete er.</p><p>�Ich glaube aber, du bist Oneander aus Ar�, beharrte ich.</p><p>�Sprich nicht so laut!� hatte er geantwortet und sic h umgesehen. �Du Dummkopf!�</p><p>Daraufhin hatte ich ihn an der Tunika gepackt und zu mir herangezogen.</p><p>�Setz die Maske ab!� forderte ich.</p><p>�Will mich denn niemand sch�tzen?� rief er.</p><p>�Was geht hier vor?� fragte ein W�chter.</p><p>�Ich glaube, dies ist Oneander aus Ar�, sagte ich.</p><p>�Ich hatte schon geh�rt, da� er im Lager sei�, antwortete der W�chter. �Bist du es?�</p><p>�Ja�, sagte der Mann z�gernd. Er war sichtlich w�tend.</p><p>�Nimm die Maske ab!� befahl ich. �Sonst tue ich es f�r dich!�</p><p>Zornig nahm er die Maske ab.</p><p>�Tats�chlich Oneander!� sagte der W�chter unangenehm ber�hrt.</p><p>�La� mich nicht mit ihm allein!� rief Oneander aus Ar.</p><p>Aber der W�chter hatte sich bereits abgewandt und war gegangen.</p><p>�Wer bist du?� fragte Oneander nerv�s</p><p>�Fr�her war ich Seidensklave�, antwortete ich. �Vielleicht erinnerst du dich. Vor einigen Monaten begegneten wir uns in Ar auf der Stra�e, in der N�he des Ladens von Philebus. Du schicktest mir zwei Sklaven auf den Hals.�</p><p>�Bring mich nicht um!� fl�sterte er.</p><p>�Ich habe geh�rt, du seist bei Lara �berfallen worden und habest Sklaven und Waren verloren.�</p><p>�Am S�dufer des Olni�, sagte er. �Ja, es stimmt.�</p><p>�Es war gut von dir�, bemerkte ich, �dich und deine M�nner zu retten.�</p><p>�Ich habe viel verloren�, bemerkte er.</p><p>�Was ist wohl das Schicksal deiner Waren und Sklaven?�</p><p>�Sie geh�ren nicht mehr mir�, stellte er fest. �Sie sind jetzt im Besitz der Flu�piraten, nach dem Recht des Schwertes und der Macht.�</p><p>u</p><p>�Stimmt�, �u�erte ich. �Aber was meinst d � was wird aus ihnen?�</p><p>�Nicht anzunehmen, da� sie in Lara oder weiter n�rdlich verkauft werden�, sagte er. �Normalerweise setzen die Flu�piraten ihre G�ter und Beutesklaven irgendwo am Flu� ab, in einer der zahlreichen Flu�st�dte.�</p><p>�Was f�r St�dte sind das?� fragte ich.</p><p>�Es gibt da zwei Dutzend�, sagte er. �Vielleicht Ven, Port Cos, Iskander, Tafa � wer wei�?�</p><p>�Der Mann, der dich �berfiel, der Piratenh�uptling�, fragte ich, �wer war das?�</p><p>�Die Flu�piraten haben sich zu vielen Banden zusammengeschlossen. �</p><p>�Wer war der Mann?�</p><p>�Kliomenes, ein Leutnant des Policrates�, antwortete er.</p><p>�In welcher Stadt verkauft er seine Beute?�</p><p>�Da gibt�s ein Dutzend M�glichkeiten�, meinte Oneander. �Ich wei� es nicht.�</p><p>Ich packte ihn an der Tunika und sch�ttelte ihn durch.</p><p>�Ich wei� es nicht! Ich wei� es nicht!�</p><p>Ich lie� ihn nicht los.</p><p>�Bitte t�te mich nicht�, flehte er.</p><p>�Na sch�n�, hatte ich gesagt und ihn losgelassen. Anschlie�end hatte ich mich umgedreht und war zu den Tarngehegen des Beutelagers gegangen, in der Hoffnung, einen Tarnflieger zu finden, der mich auf Umwegen in die N�he Laras brachte.</p><empty-line/><p>Wieder regte sich das M�dchen, das in der Ecke lag. Ein Knie war angezogen. In ihrem knappen Gewand bot sie einen verlockenden Anblick. Ich fragte mich, ob sie bereits das rauhe Gewebe der Sklavenmatte unter sich sp�rte. Ich nahm es nicht an.</p><p>�Ich bin eine freie Frau aus Vonda!� hatte die Frau am Tresen gestern abend gerufen. �Du kannst mich nicht hinauswerfen!�</p><p>�Entweder bezahlen oder auf die Stra�e!� hatte Strobius geantwortet.</p><p>�Du kannst mich doch nicht auf die Stra�e setzen!�</p><p>Ich hatte einen weiteren Schluck meines Sul-Breis zu mir genommen.</p><p>Die Frau am Tresen war verschleiert gewesen, wie es bei Goreanerinnen �blich ist, besonders in den hohen Kasten und den gro�en St�dten. Da� auch die Goreaner sich gelegentlich maskieren, hat verschiedene Gr�nde. Oneander hatte eine Maske getragen, weil er den Zorn der M�nner aus Ar wegen seiner Gesch�fte mit Lara f�rchtete und wohl auch wegen der Scham �ber seinen Fehlschlag. Auch jetzt in der Sch�nke waren etliche M�nner maskiert, vermutlich um ihre Identit�t zu verschleiern. Es waren unruhige Zeiten. Es mochte von Nachteil f�r sie sein, erkannt zu werden - beispielsweise als M�nner von Reichtum oder hoher Stellung, die nun in Schwierigkeiten steckten. Einige waren vielleicht zur Erpressung eines L�segelds gefangengehalten worden. Andere wollten wom�glich in Lara nicht erkannt werden, weil sie sich wegen des Niedergangs der Stadt Vonda sch�mten � oder ihrer Flucht aus dieser Stadt. Auch Ge�chtete tragen zuweilen Masken.</p><p>�Ich bin eine freie Frau!� rief die Verschleierte.</p><p>�Dieser Zustand k�nnte sich als vor�bergehend erweisen�, erwiderte der Wirt.</p><p>�Ich wei� nicht, wohin ich mich wenden soll. Und die Stadt drau�en ist f�r mich nicht sicher genug.�</p><p>�Du schuldest mir einen Silber-Tarsk f�r die letzte Nacht�, sagte er. �Und wenn du bleiben willst, wird ein zweiter f�llig.�</p><p>�Ich habe das Geld nicht�, schluchzte sie.</p><p>�Dann mu� ich dich hinauswerfen.�</p><p>�Nimm mein Gep�ck�, sagte sie, �meine Koffer!�</p><p>�Kein Interesse.�</p><p>Ich hatte die Absicht, mir am n�chsten Morgen eine Transportm�glichkeit auf dem Flu� zu besorgen, stromabw�rts. Mein Anliegen lie� sich nicht in Lara erledigen, sondern nur weiter westlich auf dem Flu�. �brigens waren nicht allzu viele Fl�chtlinge in Lara geblieben, das dem Kriegsschauplatz viel zu nahe war. Es lag innerhalb des Aktionsradius der Tarn-Kavallerie, wie sie mit so schrecklichen Folgen auf den Feldern und H�geln s�dlich von Vonda zum Einsatz gekommen war. Kleine Schiffe sorgten f�r die Verbindung zwischen Lara und den benachbarten St�dten weiter unten am Flu�, zum Beispiel Wei�wasser und Tancreds Furt.</p><p>�Du kannst mich nicht hinauswerfen!� rief sie.</p><p>�Sei froh�, erwiderte Strobius, �da� ich dich nicht entkleiden und als Sklavin verkaufen lasse!�</p><p>�Was geht hier vor?� hatte ich gefragt und war aufgestanden und zum Tresen gegangen.</p><p>�Wir schicken sie fort�, sagte Strobius. �Sie schuldet mir zwei Silber-Tarsks.�</p><p>�Ich glaube, der Betrag stimmt so�, sagte ich und legte zwei Silberm�nzen auf den Tisch.</p><p>�In der Tat�, erwiderte Strobius, wischte die M�nzen vom Tresen in seine Hand und steckte sie irgendwo unter seine Sch�rze.</p><p>�Da hast du dein Geld, Mann!� sagte die freie Frau herablassend zu Strobius, der sich grinsend vor ihr verbeugte.</p><p>�Sei bedankt�, fuhr die Frau fort und blickte zu mir auf.</p><p>�Keine Ursache.�</p><p>�Ich bin dir dankbar.�</p><p>�Vielleicht m�chtest du mir an meinem Tisch Gesellschaft leisten. Es gibt kaum etwas anderes als Sul-Brei, aber ich k�nnte dir eine Schale bestellen.�</p><p>�Unter den gegebenen Umst�nden mu� man sehen, wie man auskommt�, erwiderte sie.</p><p>�Hast du Wein?� fragte ich Strobius.</p><p>Er l�chelte. �Ja�, antwortete er.</p><p>�M�chtest du gern Wein?� fragte ich die Frau.</p><p>Die Augen �ber dem Schleier funkelten. Vermutlich hatte sie sich seit einiger Zeit keinen Wein leisten k�nnen. �Ja�, erwiderte sie, �es w�re mir eine gro�e Freude, deinen Wein zu trinken.�</p><p>�Bitte geh zum Tisch�, sagte ic h, �dann sorge ich f�r das N�tige.�</p><p>�Sch�n�, sagte sie und wandte sich ab.</p><p>�Sul-Brei�, sagte Strobius, �kostet zehn Kupfer-Tarsks. F�r zwei Becher Wein nehme ich vierzig Kupfer-Tarsks.�</p><p>�In Ordnung�, sagte ich.</p><p>Gleich darauf brachte ein Helfer ein Tablett mit dem Sul-Brei und dem Wein zum Tresen. Ich bezahlte den Wirt.</p><p>�Ach, noch etwas�, sagte ich. �H�ttest du ein P�ckchen Tassa-Pulver f�r mich?�</p><p>Er grinste und griff unter den Tisch. �Ja�, sagte er.</p><p>�Wieviel schulde ich dir?�</p><p>�F�r die da�, antwortete er und deutete mit einer Kopfbewegung zu meinem Tisch hin�ber, �ist das Pulver frei. Mit einer Empfehlung des Hauses.�</p><p>�Sehr gut�, sagte ich.</p><p>Das M�dchen drehte sich unruhig auf der Sklavenmatte. Sie schien zu sp�ren, da� der Morgen nahe war.</p><empty-line/><p>Ich blickte mich um. Das Lokal war verlassen. �berall die Spuren einer hastigen Evakuierung. Angeblich stand ein Angriff durch Tarnk�mpfer aus Ar bevor. Die Evakuierung der Sch�nke war ein Teil der Evakuierung von ganz Lara gewesen. Inzwischen waren die Stra�en wieder leer und still. Ich vermutete, da� sich nur noch wenige Leute in Lara aufhielten.</p><p>Ich beobachtete das M�dchen, dessen Fingerspitzen vorsichtig �ber das Gewebe der Matte fuhren. Pl�tzlich, erwachend, fuhr sie auf.</p><p>�Wo bin ich?� fragte sie.</p><p>�In der Sch�nke des Strobius�, antwortete ich, �in Lara.�</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Du warst berauscht�, antwortete ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und sah mich an. Ich nahm nicht an, da� sie mich schon deutlich wahrnahm.</p><p>�Du h�ttest meinen Wein nicht trinken d�rfen�, sagte ich.</p><p>�Wo sind meine Sachen?�</p><p>�Dein Gep�ck und deine Habe habe ich fortgeworfen, verbrannt oder sonstwie vernichtet�, sagte ich. �Bis auf die Ta-Teera, die du jetzt tr�gst, und den Kragen.�</p><p>�Ich trage einen Sklavenkragen?� fl�sterte sie ungl�ubig und sch�ttelt den Kopf. �Ich erinnere mich an dich. Du hast f�r meine �bernachtung bezahlt und mir Wein eingeschenkt.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Es war ein Mittel darin.�</p><p>�Selbstverst�ndlich!�</p><p>�Gib mir den Schl�ssel zu dem Kragen!� rief sie br�sk und sprang auf.</p><p>�Knie nieder!� fuhr ich sie an.</p><p>Entsetzt gehorchte sie.</p><p>�Die Ta-Teera wie auch den Kragen habe ich bei deinen Sachen gefunden�, sagte ich. �Wirklich ungew�hnliche Besitzt�mer f�r eine freie Frau.�</p><p>�Im Haus von Tima hatte ich mit freien Sklavenh�ndlerinnen zu tun�, antwortete sie. �Von Zeit zu Zeit ben�tigte ich solche Objekte bei meiner Arbeit.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Kenne ich dich?� fragte sie.</p><p>�Tust du das?�</p><p>�Du tr�gst eine Maske � da bin ich nat�rlich im Nachteil.�</p><p>�Es stimmt, da� du wesentlich entbl��ter bist�, stellte ich fest.</p><p>Sie err�tete. �Kennst du mich?� fragte sie.</p><p>�Ja, aus Vonda.�</p><p>Sie zuckte �rgerlich die Achseln. �Da k�nntest du einer von tausend sein�, sagte sie.</p><p>�Bin ich aber nicht.�</p><p>�Nein, vermutlich nicht.�</p><p>Ich ging zu ihr und kauerte mich neben ihr nieder.</p><p>�Du hast meinen Namen hier in der Sch�nke geh�rt�, sagte sie.</p><p>�Ja�, antwortete ich, �aber auch so habe ich dich sofort erkannt.�</p><p>�Trotz des Schleiers?�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie wich ein wenig vor mir zur�ck. �Wie hei�e ich denn?�</p><p>�Du bist Lady Tendite aus Vonda�, erwiderte ich, �die fr�here Assistentin der Sklavenh�ndlerin Lady Tima aus Vonda, Inhaberin des Hauses von Tima.�</p><p>�Wer bist du?� fragte sie angstvoll.</p><p>Ich nahm die Maske ab.</p><p>�Erinnerst du dich an mich?� fragte ich. �Ich war einmal Seidensklave. Ich hei�e Jason.�</p><p>Ein Ausdruck des Erkennens erschien in ihren Augen. �Nein�, fl�sterte sie. �Nein!� Sie versuchte sich zu wehren, doch ich dr�ngte sie zur�ck, und bald lag sie hilflos vor mir. �Nein�, fl�sterte sie, �nein, nein.�</p><p>�Doch�, fl�sterte ich ihr ins Ohr. �Doch.�</p><empty-line/><p>Lady Tendite lag ausgestreckt auf der Sklavenmatte.</p><p>�Du wirst mir helfen, den verha�ten Kragen loszuwerden, nicht wahr?� schnurrte sie, legte mir die Arme um den Hals und dr�ckte ihre Lippen auf die meinen.</p><p>�Bittet Darlene mich darum?�</p><p>�Darlene!� rief sie und lehnte sich aufgebracht zur�ck.</p><p>�Ist das nicht der Name, der auf dem Kragen steht?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Bittet Darlene mich darum?�</p><p>�Ja�, schnurrte sie und k��te mich erneut.</p><p>�Die Bitte wird abgeschlagen�, antwortete ich.</p><p>W�tend dr�ckte sie sich auf die Knie hoch und zerrte an dem Kragen. �Du Sleen!� fauchte sie.</p><p>Ich l�chelte sie an. Sie hatte eine aufreizende Figur. Kein Wunder, da� M�nner Frauen zu ihren Sklavinnen machen.</p><p>�Sleen! Sleen!� schluchzte sie.</p><p>�Still!� rief ich abrupt.</p><p>Erschrocken sah sie mich an.</p><p>�Verla� die Matte nicht�, befahl ich und stand auf. Langsam ging ich zu einem der schmalen, vergitterten Fenster. F�nf bewaffnete M�nner liefen die Stra�e entlang.</p><p>�Bestimmt Flu�piraten�, sagte ich.</p><p>Sie st�hnte auf und versuchte sinnloserweise ihre Bl��e zu bedecken. Ich drehte mich zu ihr um. �Glaubst du, in den Fesseln der Piraten w�rde dir Schamhaftigkeit gestattet sein?� Ich kehrte zu ihr zur�ck. �Sie kommen nicht�, sagte ich. �Ich glaube eher, sie sind im Begriff, Lara zu verlassen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Und doch rieche ich keinen Rauch�, stellte ich fest. �Interessant.�</p><p>�Was geht hier vor?� wollte sie wissen.</p><p>�Kannst du dir das nicht denken?�</p><p>�Nein.�</p><p>Ich fa�te sie an den Armen und warf sie unter mir auf den R�cken.</p><p>�Meine liebe Lady Tendite � oder �Darlene�, wie ich dich auch nennen k�nnte, ich glaube, wir k�nnen an diesem Ort nicht allzu lange verweilen.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Und du wirst ihn ein wenig eher verlassen als ich�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte sie und st�hnte auf, als ich in sie eindrang. Sie versuchte mich fortzuschieben, es gelang ihr aber nicht. Im n�chsten Moment klammerte sie sich an mich.</p><p>�Ausgezeichnet, Darlene�, sagte ich.</p><p>�Was weckst du in mir?� fl�sterte sie.</p><p>�Ahnst du es nicht?�</p><empty-line/><p>�Du hast gesiegt, Jason�, fl�sterte sie, neben mir liegend, den Kopf auf den ausgestreckten Arm gelegt. �Du hast mich dazu gebracht, dir v�llig zu erliegen, ohne Vorbehalt, hilflos, wie eine Sklavin.�</p><p>�Als freie Frau�, antwortete ich, �ahnst du nicht, was es bedeutet, wenn sich eine Sklavin der F�lle ihrer Gef�hle hingibt.�</p><p>�Doch, ich ahne, was es bedeutet�, fl�sterte sie, �der Gnade eines Herrn ausgeliefert zu sein, voll und ganz und nach dem Buchstaben des Gesetzes.�</p><p>�Findest du diese Gedanken gut?� fragte ich.</p><p>�Ich mu� sie mir aus dem Kopf schlagen�, sagte sie. �Ich darf es nicht einmal wagen, ihnen nachzuh�ngen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Sie sind viel zu weiblich.�</p><p>�Und das pa�t nicht zu einer stolzen freien Frau?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Eher w�ren sie f�r eine Sklavin geeignet?�</p><p>�Ja�, sagte sie l�chelnd. �Einer solchen Frau ist es gestattet, sich selbst gegen�ber ehrlich zu sein.�</p><p>�Ich w�rde eher sagen, sie hat keine andere Wahl.�</p><p>Sie wandte mir ihr Gesicht zu. �Du wirst mir nicht helfen, den Kragen loszuwerden, nicht wahr?� fragte sie und streichelte mir die Schulter.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Du weckst seltsame Gef�hle in mir, Jason�, bemerkte sie.</p><p>�Ach?�</p><p>�Ich bin es gew�hnt, da� die M�nner tun, was ich will.�</p><p>�Da w�rde ich vorschlagen, Lady Tendite�, erwiderte ich, �da� du dich daran gew�hnst, den W�nschen der M�nner nachzukommen!�</p><p>�Was tust du?� fragte sie. Ich hatte in der N�he M�nnerstimmen und das Klappern von Waffen vernommen. Ich zerrte sie zur T�r der Sch�nke. Ich �ffnete das Sichtfenster und schaute hinaus. Soweit erkennbar, war die Stra�e leer. Ich schlo� das Fenster wieder und hob die schweren Riegel. Dann �ffnete ich die T�r und schaute hinaus. Niemand zu sehen. Lady Tendite hielt ich am Oberarm fest. Sie war barfu� und trug zu ihrem Kragen die knappe Ta-Teera. Ich schleuderte sie die wenigen Stufen hinab. Ein St�ck vor der Sch�nke fiel sie auf H�nde und Knie nieder, rappelte sich nach einem Moment der Benommenheit auf und sah sich um. Schon schlo� ich die T�r wieder und lie� die schweren Sicherungsbalken in die Halterungen fallen. Sie lief zur T�r und hieb mit den F�usten dagegen. �La� mich ein!� rief sie. �La� mich ein!�</p><p>Ich verlie� den gro�en Gastraum der Sch�nke und begab mich in das Obergescho�, um mir von einem der vorderen Fenster einen �berblick �ber die Stra�e zu verschaffen. Ich h�rte sie noch immer gegen die Eingangst�r h�mmern. �La� mich hinein, Jason!� schluchzte sie.</p><p>Aus dem Fenster blickend, sah ich sie schlie�lich in die Mitte der Stra�e laufen. Sie wandte sich unsicher hierhin und dorthin. Sie schluchzte.</p><p>�Halt, Sklavin!� rief eine Stimme. M�nner waren in der Stra�e aufgetaucht. Wie vermutet, trugen sie die Uniformen Ars.</p><p>Verzweifelt machte das M�dchen kehrt, doch schon wurde ihr der Weg abgeschnitten. Die M�nner der Patrouille umringten ihre Beute, fesselten sie und setzten ihren Weg fort. Nach etwa zwanzig Metern schaute das M�dchen noch einmal zur�ck und sah mich am Fenster stehen. Aber schon wurde sie weitergezerrt.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Der Besitzer der Taverne packte das rothaarige Tanzm�dchen am Arm, so da� es aufschrie, und stie� es aus der Sandarena. Sie trug ein Kost�m aus zehn schmalen Silberketten, die von ihrem Halskragen herabhingen, f�nf vorn und f�nf hinten. Sie st�rzte seitlich zu Boden und wandte geduckt den Kopf.</p><p>�Dies ist Jason!� rief der Wirt und deutete auf mich. �Er wettet zehn Kupfer-Tarsks, da� er jeden Mann im Haus besiegt!�</p><p>�Stimmt!� rief ich, trat auf den Sand und zog meine Tunika aus.</p><p>�Ich halte dagegen!� rief ein gro�gewachsener Bursche, ein Bauer aus dem Gebiet n�rdlich des Flusses.</p><p>Ein Helfer des Wirts nahm die M�nzen in Verwahrung.</p><p>Die anderen G�ste in der Taverne schlossen Wetten ab.</p><p>M�nner r�ckten n�her zusammen. Zwischen ihnen kauerten nackte Pagasklavinnen, bronzene Gef��e an Lederriemen tragend.</p><p>Der klobige Mann st�rzte sich auf mich. Ich lie� ihn zuschlagen. Aber gleichzeitig bewegte ich mich mit seinem Schlag r�ckw�rts, so da� die Wirkung weitgehend aufgehoben wurde. Meine Reaktion aber spiegelte vor, ich sei schwer getroffen. Die M�nner br�llten vor Vergn�gen. Auf t�nzelnden F��en und mit vorzuckenden F�usten hielt ich meinen Gegner auf Abstand.</p><p>�Er k�mpft gut�, sagte einer der M�nner.</p><p>Allm�hlich erholte ich mich und packte den Burschen, damit er seine H�nde nicht mehr frei benutzen konnte. Ich durfte bei diesen K�mpfen nicht allzu ge�bt erscheinen. Diesen Fehler hatte ich schon einmal begangen, in Tancreds Furt, und war in der Folge auf meine hinausgebr�llten Herausforderungen ohne Gegner geblieben. Statt dessen hatten mich W�chter aufgefordert, die Stadt unverz�glich zu verlassen. In Tancreds Furt hatte ich insgesamt nur zehn Kupfer-Tarsks verdienen k�nnen.</p><p>�K�mpft!� riefen Zuschauer.</p><p>�Ungeschickt!� br�llte jemand.</p><p>�Feigling!� tobte der Mann.</p><p>�Feigling!� sagte auch der Bauer.</p><p>Dies reizte mich. Ich gab meine Entschlossenheit, ihn auf eine bestimmte Weise zu behandeln, auf. Von einer schnellen Schlagfolge getroffen, sank er schlaff in den Sand. Ich tat, als w�re ich ersch�pft und desorientiert und k�nne mich kaum noch auf den Beinen halten.</p><p>�Was f�r Gl�ckshiebe!� ert�nte hier und dort.</p><p>Ich blickte auf den gro�en Burschen nieder, der benommen im Sand hockte. Ich versuchte ungl�ubig zu erscheinen, als k�nne ich es nicht fassen, da� er am Boden liege, da� ich ihn irgendwie von den Beinen gebracht h�tte.</p><p>�Steh auf!� br�llten Stimmen.</p><p>An den Armen wurde er auf die Seite gezerrt.</p><p>�Zehn Tarsks�, rief ein anderer Bauer, �da� ich ihn besiege!�</p><p>�Kannst du weiterk�mpfen, Jason?� fragte der Wirt besorgt. K�mpfe dieser Art, wenn sie unter Aufsicht stattfanden, waren gut f�r seine Taverne.</p><p>�Ich werd�s versuchen�, sagte ich.</p><p>Der zweite Bursche legte in gro�er Eile seine Tunika ab, st�rmte in den Sand, z�gerte kaum einen Atemzug lang und begann mich mit trommelnden F�usten zu bearbeiten. Ich glaube, er war verbl�fft, weil er nur selten zu treffen vermochte. Es dauerte nicht lange, da wurden ihm die Arme lahm. Diesmal trieb ich das Spiel l�nger als beim ersten Kampf. Als das Interesse an dem Wettbewerb nachzulassen schien, brachte ich ihn schnell zu Ende. Er wurde an den F��en aus der kleinen Arena gezogen.</p><p>�Ich begreife nicht, wie ein Mann, der sich so ungeschickt anstellt und so wenig Ahnung vom K�mpfen hat, so oft gewinnt�, bemerkte ein Mann an der Kampfarena.</p><p>�Noch hat er nicht gegen Haskoon gek�mpft�, sagte jemand zuversichtlich.</p><p>�Ich bin Haskoon�, �u�erte ein Barkenschiffer und trat in den Sand. Haskoon hielt seine Deckung zu hoch.</p><p>Der Mann nach Haskoon war eher Ringer als Faustk�mpfer. Ich verzichtete allerdings darauf, ihm das R�ckgrat zu brechen.</p><p>Der f�nfte Gegner arbeitete als Ruderer auf einer Korngaleere. Er war sehr kr�ftig, aber � wie die anderen � unge�bt. Da� ihm der Kieferknochen brach, war ein Versehen.</p><p>�Jason d�rfte am Ende seiner Kr�fte sein�, sagte der Wirt aufgekratzt. �Wer tritt als n�chster gegen ihn an?�</p><p>Aber es kam wie erwartet: niemand wagte sich vor.</p><p>Ich hob die H�nde und zog meine Tunika �ber. Ich atmete nicht schwer. Ich war bei guter Laune. Ich spendierte eine Runde Paga f�r die f�nf M�nner, die mir dabei geholfen hatten, mir meine Passage zur n�chsten Stadt flu�aufw�rts zu verdienen. Auch ihre Stimmung schien sich dabei etwas zu bessern. Meine R�cklagen, die zehn Silber-Tarsks, die ich beim Verkauf meiner fr�heren Herrin Lady Florence aus Vonda beim Sklavenh�ndler Tenalion aus Ar erzielt hatte, waren schon ziemlich angegriffen. Normalerweise h�tte eine solche Summe auf Gor f�r Monate ausgereicht. Es waren jedoch harte Zeiten, und da f�hrten meine Anspr�che und die Preise � besonders die in Lara � direkt auf diesen Weg der zus�tzlichen Geldbeschaffung.</p><p>�Du bist kein gew�hnlicher Raufbold�, sagte der erste Mann, der gro�gewachsene Bauer. �Erz�hl es nicht herum�, bat ich ihn. �Sch�n�, sagte er. Einer der anderen M�nner bemerkte: �Zum letztenmal hab� ic h mich so gef�hlt, als ich von f�nf Bosk niedergetrampelt wurde.�</p><p>�Ich bin euch allen dankbar�, sagte ich.</p><p>Umgeben war ich von Sklavinnen, die mir Paga einschenken wollten. Die Sklavenkragen machten sich h�bsch an ihren H�lsen.</p><p>Der Wirt n�herte sich dem Tisch, und ich stand auf und hielt ihm zur Begr��ung meinen Pagakelch entgegen.</p><p>�Gut hast du gek�mpft, Jason�, sagte er.</p><p>�Danke�, gab ich zur�ck, doch mein Blick galt bereits der rothaarigen Sklavin, die sich an mein rechtes Knie klammerte.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Frauen kommen fast immer nackt zur Auktion. Auf diese Weise sieht man, was man erwirbt.</p><p>Ich wandte mich von der B�hne des scheunen�hnlichen Geb�udes in Fina ab, einer der zahlreichen St�dte am Vosk. Das Geschrei des Auktionators wurde leiser hinter mir. Sicher w�rde er f�r die Br�nette einen guten Preis erzielen. Sie geh�rte zu den letzten Angeboten des Abends. Ehe sie auf die Plattform gezerrt wurde, hatte ich mir die verbleibenden M�dchen im Bereitschaftsk�fig angeschaut. Die gesuchte Beverly Henderson war nicht darunter.</p><p>Vor dem scheunenartigen Bau wurde ich von zwei W�chtern angehalten.</p><p>�Du bist Jason, der Raufbold?� fragte einer.</p><p>�Ja.�</p><p>�Du wirst Fina noch heute nacht verlassen�, riet mir der W�chter.</p><p>�Sch�n�, sagte ich.</p><p>Ich hatte Fina ohnehin schon vor dem Morgengrauen den R�cken kehren wollen. �brigens passierte es mir nicht zum erstenmal, da� W�chter mich zum Verlassen der Stadt aufforderten. Ich hatte das schon einmal erlebt, in Tancreds Furt.</p><p>Meine Abreise aus Lara lag nun schon mehrere Tage zur�ck. Die Truppen aus Ar, Tarnkavallerie, hatten Lara nicht niedergebrannt. Vielmehr � und das war wohl eine �berraschung � hatten sie kaum etwas anderes gemacht, als die Stadt von Flu�piraten zu s�ubern und hier und dort etwas Beute zu machen, darunter einige Frauen � vorwiegend Fl�chtlinge aus Vonda, die ihnen in die H�nde fielen. Der eigentliche Einsatz gegen Lara aber hatte in den Reihen der Lara-K�mpfer, die in Richtung Vonda marschierten, ziemliche Verwirrung und Verwunderung ausgel�st. So gesehen hatten sich die Dinge f�r die K�mpfer aus Ar gut entwickelt, denn in ihrem Erstaunen hatten die Truppen aus Lara auf ihrem Marsch nach Norden innegehalten. Folglich wurden sie nicht mit in die Ereignisse verwickelt, die sich kurze Zeit sp�ter nord�stlich von Vonda entwickelten. Bei diesen Ereignissen waren die Streitkr�fte von Port Olni allerdings �berraschenderweise von Truppen aus Ti unterst�tzt worden, unter dem Kommando von Thandar aus Ti, einem der S�hne des Ebullius Gaius Cassius. Es war eine heftige, aber nicht entscheidende Schlacht gewesen. Bei Anbruch der Dunkelheit des zweiten Tages hatten sich beide Armeen vom Schlachtfeld zur�ckgezogen. Ars Infanterie war zahlenm��ig unterlegen gewesen, doch hatten ihre Mobilit�t und die Unterst�tzung durch die Tarn-Kavallerie den Mangel an Schlagkraft in gewisser Weise wettgemacht. Thandar aus Ti forderte Ar interessanterweise nicht am Himmel heraus, sondern hatte die S�ldner des Artemidorus aus Cos auf Aktionen gegen die Versorgungswege Ars geschickt. Nachdem man mehrere Tage nerv�s in Lagern zugebracht hatte, setzten sich die Wahrsager von Port Olni, Ti und Ar auf neutralem Boden zusammen und ermittelten durch Omen, durch die Deutung von Leber und Eingeweiden geschlachteter Verr, da� f�r beide Armeen der R�ckzug angebracht sei. Mit dieser Vorgehensweise wurde sichergestellt, da� keine der beiden Seiten an Ehre und Gesicht verlor. Die Deutungen der Omen waren lediglich von Wahrsagern aus Vonda und Cos angezweifelt worden. Es herrschte allgemein der Eindruck vor, da� weder die Salerianische Konf�deration noch die Stadt Ar einen umfassenden Krieg wollten. Man war sich klar dar�ber, da� Vonda, in Verschw�rung mit Cos, die Feindseligkeiten eingeleitet hatte. Indem es Vonda niederbrannte und vernichtete, hatte Ar das milit�risch Notwendige getan. Auf �hnliche Weise konnte die Salerianische Konf�deration, die immerhin die Truppen Ars zum Stillstand gebracht hatte, sich in dem Gef�hl wiegen, seiner Ehre Gen�ge getan zu haben. F�r mich gibt es keinen Zweifel, da� die Beendigung der Feindseligkeiten im Norden wesentlich auf die Gro�z�gigkeit der K�mpfer aus Ar zur�ckzuf�hren war, die Lara das Schicksal Vondas ersparten � eine nach meinem Daf�rhalten nicht unangebrachte Zur�ckhaltung. Sie hatten demonstriert, da� sie Lara h�tten vernichten k�nnen, diesen Schritt aber nicht f�r angebracht hielten. Man nahm diese Handlungsweise als einen Ausdruck des Desinteresses Ars, sich auf einen umfassenden Krieg mit der Salerianischen Konf�deration einzulassen. Nat�rlich war die Aktion auch dazu angetan, die Konf�deration hinsichtlich ihrer Einstellung zu Ar k�nftig in Uneinigkeit zu st�rzen. Als n�mlich offenkundig wurde, da� Ar Lara praktisch verschont hatte, waren die Lara-Soldaten umgekehrt, noch ehe sie sich mit den K�mpfern aus Port Olni und Ti vereinigen konnten. In Lara war das Stimmungsbarometer inzwischen zweifellos zu Gunsten von Ar umgeschlagen. Dies gab Ar ein politisches �bergewicht am Zusammenflu� von Olni und Vosk � eine strategisch wichtige Position f�r den Fall, da� Cos jemals am Vosk entlang ostw�rts vorr�cken sollte. Lara war der Angelpunkt zwischen der Salerianischen Konf�deration und den Voskst�dten.</p><p>�Beeilung!� forderte der W�chter.</p><p>Ich hob die Hand zur Best�tigung, da� ich ihn geh�rt hatte, und setzte meinen Weg zum Hafen von Fina fort.</p><p>Seit mehreren Wochen zog ich nun schon von einer Hafenstadt zur n�chsten, sah mir die Sklavenm�rkte an und versuchte Informationen �ber die Piraten Kliomenes zu sammeln. Viele Leute, da war ich sicher, wu�ten �ber diesen Burschen mehr, als sie zugaben. Anscheinend war sein Name wie der seines Kapit�ns Policrates am Flu� gef�rchtet. Ich mu� betonen, da� es sich bei den Flu�piraten nicht um vereinzelte halsabschneiderische Banden handelte. Verschiedene Gruppen besa�en eigene Festungen und Schiffe. Es war nicht ungew�hnlich, da� ein einziger Kapit�n �ber bis zu drei- oder vierhundert Mann und acht bis zehn Schiffe gebot. Dar�ber hinaus gab es Verbindungen zwischen diesen Banden, eine Aufteilung von Territorien und auch Allianzen. Sie waren eine reale Macht am Flu�.</p><p>Ich trat zur Seite, um eine verschleierte freie Frau und ein Kind vorbeizulassen.</p><p>Ich war von Lara nach Wei�wasser gereist und hatte dabei den Barkenkanal benutzt, der die Untiefen umging, und von dort nach Tancreds Furt. Sp�ter war ich flu�abw�rts nach Iskander, Waldhafen und Ar-Station gereist. Ar-Station liegt �brigens in der N�he des Ortes, wo sich vor vielen Jahren die Horden Pa-Kurs versammelten, eines Angeh�rigen der Kaste der Attent�ter, der damals eine Allinaz aus zw�lf St�dten, verst�rkt durch S�ldner und Attent�ter, gegen die Stadt Ar anf�hrte. Dieser Krieg wird �brigens auf typisch goreanische Weise mit mehreren Liedern gefeiert. Die ber�hmtesten d�rften die Lieder um Tarl aus Bristol sein. Die Schlacht hatte angeblich im Jahr 10.110 C.A., Contaste Ar, seit der Gr�ndung Ars, stattgefunden. Nach dieser Zeitmessung schrieben wir jetzt das Jahr 10.127. �brigens gab es Ar-Station noch nicht, als Pa-Kurs Horden sich zusammenfanden. Es wurde vier Jahre sp�ter am S�dufer des Vosk gegr�ndet, als Vorposten und Handelsstation. Es stellt im �brigen den Endpunkt einer der gro�en Stra�en dar, der Viktel Aria, Ars Triumph, die nach Ar f�hrte. Die Stra�e ist auch als Vosk-Stra�e bekannt, besonders bei jenen, die sie vom Flu� aus betrachten. Von Ar-Station war ich am Flu� weiter nach Westen gezogen und hatte Jorts F�hre, Alfreds Kuppe, Jasmine, Siba, Sais und Sulport besucht. Station hatte ich au�erdem in Hammerfest und Ragnars Dorf gemacht- das allerdings inzwischen zu einer handfesten Stadt herangewachsen ist. Darin mag man es im Gegensatz zu Tetrapoli sehen, das viel weiter westlich am Flu� liegt. Ragnars Dorf begann als winziger Flecken und erweiterte sich von dieser Keimzelle aus. Tetrapoli dagegen hat seinen Ursprung in vier getrennten Orten, Ri, Teibar, Heiban und Azdak, der Legende nach von vier Br�dern gegr�ndet. Diese Orte wuchsen am Flu� zusammen und fanden irgendwann auch zu einer politischen Einheit. In den vier Stadtbezirken bewahren sich erwartungsgem�� die urspr�nglichen Namen. Das Wort �Tetrapoli� bedeutet auf goreanisch �brigens �Vier St�dte�.</p><p>Mein Ziel waren die Hafenanlagen Finas. Von Zeit zu Zeit kamen mir M�nner entgegen. Bald erreichte ich den Flu�bezirk.</p><p>�Eine Bootspassage, Herr?� fragte ein Mann.</p><p>�Lieber mit anderen�, antwortete ich.</p><p>�Wir sind billig!� rief er. �Billig!�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich und setzte meinen Weg fort. Schon in mehreren Orten hatte ich festgestellt, da� sich unten am Wasser die g�nstigsten Preise aushandeln lie�en.</p><p>Meine Gedanken richteten sich auf Mi� Beverly Henderson, die ich auf diesem Planeten suchte. Manchmal glaubte ich schon nicht mehr daran, da� es mir gelingen w�rde. Wie konnte man nur hoffen, ein M�dchen unter Tausenden oder gar Zehntausenden ausfindig zu machen, die �berall verstreut waren in den St�dten und D�rfern, auf den Wiesen und Feldern von Gor. Wenn sie inzwischen von Karawanen oder Tarnfliegern weitertransportiert worden war, konnte sie sich �berall aufhalten. Dennoch war ich entschlossen, die Suche fortzusetzen. Dabei sprachen zwei Dinge zu meinen Gunsten. Ich wu�te, sie war erst k�rzlich erbeutet worden, und zwar von dem Piraten Kliomenes. Meine Suche war daher alles andere als hoffnungslos. Ich war ziemlich sicher, Mi� Henderson finden zu k�nnen, wenn sich nur feststellen lie�, auf welchem Markt � oder M�rkten � Kliomenes seine j�ngste Beute zu Geld machen wollte.</p><p>�Du da, Bursche�, sagte ein Kapit�n am Kai zu mir. �Du scheinst kr�ftig zu sein. Suchst du Arbeit?�</p><p>�Ich will flu�abw�rts�, antwortete ich.</p><p>�Unser Ziel ist Tafa�, antwortete er. �Uns fehlt ein Ruderer.�</p><p>Die n�chsten St�dte westlich am Flu� waren Victoria und Tafa. Westlich Tafas lag Port Cos, das vor gut einem Jahrhundert von Siedlern aus Cos gegr�ndet worden war. Die gr��ten St�dte westlich von Port Cos waren Tetrapoli, Ven und Turmus, wobei Ven am Zusammenflu� des Ta-Thassa Cartius mit dem Vosk und Turmus am Ostende des m�chtigen Voskdeltas lag, die letzte Stadt am Flu� �berhaupt.</p><p>�Ich will nach Victoria�, sagte ich. Victoria war die n�chste Flu�stadt in Richtung Westen.</p><p>�Du bist ein ehrlicher Bursche, nicht wahr?� fragte der Kapit�n.</p><p>�Das kann man hoffentlich von mir behaupten�, sagte ich langsam. �Warum fragst du?�</p><p>�Wenn du eine ehrliche Haut bist�, antwortete der Kapit�n, �warum willst du dann nach Victoria?�</p><p>�In Victoria mu� es doch auch ehrliche Leute geben�, sagte ich z�gernd.</p><p>�Ich nehme es an.�</p><p>�Ist es denn ein gef�hrlicher Ort?� fragte ich.</p><p>�Du mu�t neu sein am Flu�.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann meide Victoria.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Bist du Sklavenh�ndler?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann meide Victoria.�</p><p>�Warum denn blo�?�</p><p>�Die Stadt ist eine einzige Diebesh�hle�, antwortete er.</p><p>�Dort findest du kaum etwas anderes als Kaufleute und Sklaven.�</p><p>�Gibt es dort einen wichtigen Sklavenmarkt?�</p><p>�Manchmal bekommt man reizvolle Ware zu g�nstigen Preisen.�</p><p>�Warum sind die Preise manchmal g�nstig?� wollte ich wissen.</p><p>�M�dchen, die nichts kosten, lassen sich billig verkaufen�, antwortete er.</p><p>�Die M�dchen, die dort zum Verkauf kommen, sind also vorwiegend bei �berf�llen erbeutet worden?�</p><p>�Nat�rlich � �berall am Flu� ist bekannt, da� Victoria einer der wichtigsten Umschlagpl�tze f�r die Waren der Flu�piraten ist.�</p><p>�Ich mu� dorthin�, sagte ich eifrig.</p><p>�Mein Ziel ist Tafa�, bemerkte er. �Ich lege in Victoria nicht an.�</p><p>�Dann la� mich bis Tafa mitrudern�, sagte ich. �Dort gehe ich dann an Land. Ich schleiche mich zu Fu� in die Stadt.�</p><p>�Es ist sicher n�tzlich, einen zus�tzlichen Ruderer zu haben�, sagte er, �und wenn es nur bis Victoria w�re. Au�erdem fahren wir mit der Str�mung.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht finden wir westlich von Victoria auch einen neuen Ruderer.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich.</p><p>Er musterte mich.</p><p>�Du brauchst mir auch nichts zu bezahlen�, sagte ich. �Ich rudere ohne Lohn.�</p><p>�Ernsthaft?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>Er grinste. �Abfahrt in der n�chsten Ahn�, sagte er.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>�Was wird f�r dieses M�dchen geboten?� rief der Auktionator. �Ich h�re!�</p><p>Es ging um ein blondes Bauernm�dchen mit rundlichen Fesseln und voller Figur; sie stammte aus dem Gebiet s�dlich des Vosk. Der Verkauf fand auf einer primitiven Plattform am Kai von Victoria statt. Sie trug einen Kettenkragen</p><p>�Zwei kleine Tarsks!� rief jemand aus der Menge.</p><p>Ich schob mich durch das Gedr�nge am Wasser. An der Kais stauten sich Waren und Menschen. Die Masten vor Flu�galeeren bildeten einen un�bersichtlichen Wald, es roch nach Flu� und Fischen.</p><p>�Ich habe ger�chteweise geh�rt, der Topas werde nach Osten gebracht�, sagte ein Kaufmann zu seinem Nachbarn!</p><p>�Das l��t f�r die Sicherheit am Flu� nichts Gutes erwarten�, antwortete der Mann.</p><p>Ich zw�ngte mich an den beiden vorbei. Und wich abrupt zur�ck. Ein brauner Sleen sprang w�tend ans Ende einer kurzen, dicken Kette. Er entbl��te fauchend seine Rei�z�hne. Ein solches Tier konnte einem Mann mit einer einzigen Bewegung des m�chtigen Mauls das Bein am Oberschenkel abrei�en.</p><p>�Ruhig, Taba�, sagte einer der Kaufleute.</p><p>Zischend duckte sich das Ungeheuer; seine Schulterbl�tter zeichneten sich spitz unter dem erregt hochstehender Fell ab, die vier Hinterbeine waren noch sprungbereit angespannt. Es wollte mir nicht unm�glich erscheinen, da� es, wenn es wollte, den im Holz versenkten Ring losrei�en konnte, an dem es angekettet war. R�ckw�rts wich ich vor der Erscheinung zur�ck. Die Kaufleute beachteten mich nicht weiter und setzten ihr Gespr�ch fort. �Victoria hat die Tributzahlung verweigert�, sagte einer der beiden.</p><p>�Man scheint zu glauben, da� sie keine anderen M�rkte finden k�nnen�, bemerkte der andere.</p><p>�Das ist t�richt gedacht.�</p><p>�Sie k�nnten ihre Verk�ufe in Tafa t�tigen�, meinte der zweite Mann.</p><p>�Oder sie erst wieder nach Victoria zur�ckverlegen, wenn die Stadt geh�rig eins draufbekommen hat�, �u�erte der erste.</p><p>�Richtig.�</p><p>�Es stimmt � sie k�nnen Victoria diese Frechheit nicht durchgehen lassen. Durchaus m�glich, da� sich die anderen kleinen St�dte am Flu� diesem Beispiel anschlie�en w�rden.�</p><p>�Sie sind bestimmt der Ansicht, da� Victoria bestraft werden mu߫, sagte der erste Kaufmann.</p><p>�Vielleicht wird deswegen der Topas nach Osten gebracht.�</p><p>�Es w�re das erstemal seit zehn Jahren.�</p><p>�Und doch ist es irgendwie interessant�, bemerkte der erste, �denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, da� sie wirklich den Topas brauchten, um Victoria zu unterdr�cken.�</p><p>�Sie sind auch ohne stark genug�, stimmte der zweite Kaufmann zu.</p><p>�Vielleicht ist es also nur ein Ger�cht, da� der Topas nach Osten gebracht wird�, meinte der erste Mann.</p><p>�Wollen wir es hoffen.�</p><p>�Wenn er nach Osten getragen wird, geht es wohl um mehr als die Bestrafung Victorias.�</p><p>�Das steht zu f�rchten�, sagte der zweite Mann.</p><p>Ich wandte mich um und lie� die beiden Kaufleute stehen. Ich hatte von dem Gespr�ch nichts verstanden.</p><p>Noch vor dem Morgengrauen war ich einige Pasangs entfernt flu�aufw�rts an Land gesetzt worden. Ich hatte mich eine Pasang weit ins Landesinnere begeben, um den Flu�-Tharlarion aus dem Weg zu gehen, und war parallel zum Flu� nach Victoria marschiert. Vor etwa einer Ahn hatte ich die Stadt betreten.</p><p>�S��igkeiten! S��igkeiten!� rief eine verschleierte Frau.</p><p>Sie trug ihre Waren auf einem Tablett vor sich her, das mit einem Gurt um ihren Hals befestigt war.</p><p>�Hei�es Fleisch!� pries ein anderer K�ufer. �Hei�es Fleisch!�</p><p>�Hier frisches Gem�se!� rief eine Frau.</p><p>�Verr-Milch! Vulo-Eier!� t�nten Stimmen.</p><p>Ein anderer Kaufmann schob sich an mir vorbei. Gefolgt wurde er von einer statuesken Br�netten in einer kurzen Tunika, die ein B�ndel auf dem Kopf balancierte.</p><p>Im n�chsten Moment mu�te ich einer Gruppe von acht Bauern ausweichen, die B�ndel mit Sa-Tarna-Korn auf den Schultern zu den Kaianlagen hinabschleppten.</p><p>�Juwelen! Juwelen!� lockte eine Stimme.</p><p>Ich trat ein wenig zur Seite und blieb vor einer auf den Brettern ausgebreiteten Decke stehen. Auf der Decke lagen Dutzende von Nadeln und Broschen, Klammern und Schnallen, Ringe, Hals- und Armb�nder, Schmuckh�nger, Armreifen und K�rperketten. Ein vertr�glich aussehender Mann, der eine Wolltunika trug, sa� im Schneidersitz hinter der Decke.</p><p>�Kauf deinen Schmuck bei mir�, sagte er. �Meine Waren sind billig und attraktiv. Versch�ne deine Sklavinnen.�</p><p>�Siehst du, Herr?� fragte ein M�dchen, das neben ihm kniete, im Sklavenkragen, nackt, beh�ngt mit Schmuckst�cken.</p><p>�Kauf etwas Sch�nes f�r deine Sklavin�, sagte der Mann und hob ein Halsband von der Decke. �Hier, dies wurde einer freien Frau genommen, die jetzt auf dem Platz des Iphicrates das Pflaster schrubbt.�</p><p>�Ich besitze keine Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Dann verkaufe ich dir die hier�, sagte er und deutete auf die Pr�sentationssklavin neben sich. �F�r einen Silber-Tarsk.�</p><p>�Kauf mich, Herr!� sagte sie lachend. �Ich bin h�bsch. Ich arbeite schwer. Ich vermag meinem Herrn in den Fellen zu gefallen.�</p><p>�Das stimmt�, sagte der Mann l�chelnd.</p><p>�Gewi� sind in Victoria Frauen f�r weniger als eine Silber-Tarsk zu haben�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Stimmt�, grinste der Bursche, und ich erkannte, da� er sein M�dchen nicht wirklich verkaufen wollte.</p><p>�Du sagtest, das Halsband sei einer freien Frau weggenommen worden.�</p><p>�Durch einen Piraten�, antwortete er.</p><p>�Du sprichst sehr offen.�</p><p>�Wir sind hier in Victoria.�</p><p>�D�rfte ich nach der Besatzung fragen, zu der der betreffende Pirat geh�rt hat?�</p><p>�Zur Mannschaft des Polyclitus�, erwiderte er. �Die Festung dieser Horde liegt in der N�he von Turmus.�</p><p>�Zweifellos suchen sie auch die Handelsstra�en heim, die das Vosk-Delta umgehen.�</p><p>�Ab und zu�, sagte er. �Ja, es geschah dort, da� ihnen dieser h�bsche kleine Pfirsich in die H�nde fiel.� Er deutete auf das M�dchen neben sich. �Kannst du dir vorstellen, da� sie einmal die Tochter eines reichen Kaufmanns war?�</p><p>�Es scheint unvorstellbar.�</p><p>�Er hat mich gut zum Kragen erzogen�, schnurrte sie und k��te seinen Arm.</p><p>�Das ist bei jeder Frau m�glich� sagte er.</p><p>�Kennst du einen Piraten namens Kliomenes?� erkundigte ich mich und hoffte, da� meine Stimme kein unangebrachtes Interesse erkennen lie�.</p><p>�Er ist ein �bler Patron�, sagte der Mann. �Ein Leutnant des Policrates.�</p><p>�Wei�t du, ob er sich zur Zeit in Victoria aufh�lt?�</p><p>�Ja�, sagte der Mann. �Er ist nach Victoria gekommen, um Waren und Sklaven zu verkaufen.�</p><p>�Und wo soll das geschehen?�</p><p>�Die G�ter sind bereits verkauft�, sagte der Mann, �an den Kaufmannspiers.�</p><p>�Und die Sklaven?�</p><p>�Die sollen heute abend verkauft werden�, antwortete er, �in der Verkaufshalle des Lysander.�</p><p>�Ich nehme diese K�rperkette�, sagte ich zu dem Mann.</p><p>�Aber ich dachte, du h�ttest keine Sklavin?� fragte er.</p><p>�Trotzdem m�chte ich dir irgendwie danken�, erwiderte ich. �Du hast mir sehr geholfen.�</p><p>�Ein kleiner Tarsk�, sagte er.</p><p>Die d�nne Kette, die etwa f�nf Fu� lang war, konnte einer Frau mehrmals um den Hals gelegt werden oder ihren K�rper sonstwie zieren. Die Kette war nicht schwer, aber auch nicht zu leicht; sie bildete ein kompaktes Gewicht in der Hand. Ein praktisches Zwischending zwischen Schmuckst�ck und Fessel.</p><p>Ich gab dem Mann die geforderte M�nze und schwang die Kette pr�fend hin und her.</p><p>�Guten Erfolg auf dem Sklavenmarkt!� rief der Verk�ufer mir nach.</p><p>�Vielen Dank�, antwortete ich und l�chelte vor mich hin. Dann setzte ich meinen Weg fort und fragte mich, warum ich so etwas Seltsames wie eine K�rperkette gekauft hatte � ein Schmuckst�ck, das doch offensichtlich f�r den K�rper einer Sklavin bestimmt war.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Sonst noch Gegner?� fragte ich und wischte mir mit der Unterarm Schwei� und Sand aus dem Gesicht.</p><p>Ehe ich die Taverne des Tasdron an der Lycurgus-Avenue betrat, hatte ich Kassensturz gemacht und dabei festgestellt, da� ich nur noch siebzig Kupfer-Tarsks besa�, einschlie�lich f�nf Tarsks, die ich zu meiner �berraschung von dem Kapit�n der Barke f�r meine T�tigkeit als Ruderer von Fina bis kurz vor Victoria erhalten hatte. Ich wu�te nicht, wieviel eine Sklavin im Markt von Lysander kosten mochte, doch wollte ich genug bei mir haben, um vern�nftig und wirkungsvoll mitbieten zu k�nnen, sollte ein bestimmtes M�dchen zum Verkauf gestellt werden.</p><p>Ich spuckte in den Sand und rieb mir die Handfl�chen an den Oberschenkeln trocken.</p><p>Gegen sieben Mann hatte ich gek�mpft und sie mit einer Eleganz und Schnelligkeit beseitigt, die wohl sogar Kenneth und Barus gefallen h�tten, meinen fr�heren Lehrmeistern in diesen Disziplinen. Ich h�tte mir wohl mehr Zeit gelassen und damit weitere Gegner auf die Matte gelockt, doch ich wollte zum Bietungsbeginn im Markt von Lysander sein. Und ich war nicht gerade ungl�cklich �ber die Ertr�ge, hatte ich doch zwei Silber-Tarsks und sechzehn Kupfer-Tarsks zusammenbekommen. Und ich war zuversichtlich, da� ich in Victoria keinen W�chtern begegnen w�rde, die mich im Interesse ehrlicher B�rger aus der Stadt weisen wollten.</p><p>�Keine weiteren Herausforderer?� fragte ich.</p><p>Es war still im Raum. Ich beugte mich zu einem kleinen Tisch nahe der Sandarena, um meine Gewinne an mich zu nehmen.</p><p>�Ein Silber-Tarsk�, sagte eine unangenehme Stimme.</p><p>Ich richtete mich auf.</p><p>Auf der anderen Seite des Schankraums, etwa f�nfzig Fu� entfernt, war ein Mann aufgestanden. Der Tisch war mir schon fr�her aufgefallen; sieben oder acht Mann hatten daran gesessen, unrasiert, narbig, m�rrisch. Zwei trugen Ohrringe, einige hatten Taschent�cher um die K�pfe gebunden, nach Art von Ruderern, die sich vor der Sonne sch�tzen wollten. Alle waren bewaffnet.</p><p>�Ihr Herren, nein!� rief Tasdron, der Wirt.</p><p>Und pl�tzlich ert�nte ein Ger�usch, das Scharren einer kurzen Metallklinge, die aus der Scheide glitt.</p><p>�Ein Silber-Tarsk�, wiederholte der Bursche, die blanke Klinge in der Hand. Goreaner ziehen selten ihre Waffe, wenn sie sie nicht benutzen wollen.</p><p>Ich mu�te trocken herunterschlucken.</p><p>�Mit Stahl kenne ich mich nicht aus�, sagte ich so freundlich ich konnte.</p><p>�Dann solltest du keine Klinge bei dir haben�, erwiderte der Mann. Einige seiner Begleiter lachten.</p><p>�Hier finden nur waffenlose K�mpfe statt, das haben wir klar gesagt!� rief Tasdron mit zitternder Stimme.</p><p>�Nimm deine Klinge!� forderte mich der Mann auf. Die Spitze seiner Waffe machte eine unmerkliche Bewegung. Er deutete auf meine Kleidung, die samt Geldbeutel und Klinge neben der Arena lag.</p><p>�Ich kann nicht mit dem Schwert gegen dich k�mpfen�, sagte ich. �Ich kenne mich damit nicht aus.�</p><p>�Flieh!� fl�sterte mir Tasdron zu.</p><p>�Besetzt die Ausg�nge!� rief der Mann seinen Freunden zu. Vier standen auf; einer ging zur Seitent�r, einer zur K�che, und die beiden anderen besetzten den Hauptausgang. Sie hatten ebenfalls blank gezogen. Zwei M�nner waren am Tisch sitzengeblieben. Einer der beiden schien der Anf�hrer der Gruppe zu sein. Er beobachtete mich und trank Paga.</p><p>�Nimm deine Klinge!� forderte mich der Mann auf.</p><p>�Nein.�</p><p>�Na sch�n�, sagte er. �Es liegt ganz bei dir.� Er ging um seinen Tisch herum und kam Schritt f�r Schritt n�her, wobei er mich nicht aus den Augen lie�. Pl�tzlich trat er gegen einen Tisch, der vor ihm stand, und bahnte sich damit einen Weg zu mir. Zwei M�nner, die an dem Tisch gesessen hatten, ergriffen die Flucht. Eine Paga-Sklavin, die im Hintergrund kauerte, begann zu schreien.</p><p>�Ich bin nicht bewaffnet�, sagte ich.</p><p>Er machte einen weiteren Schritt in meine Richtung. Ich verfolgte die Bewegungen der Klingenspitze.</p><p>�Er ist neu in Victoria�, sagte Tasdron verzweifelt. �Nimm seine Kleidung, sein Geld, seine Sachen. La� ihn leben!�</p><p>Der Mann schaute nicht einmal in Tasdrons Richtung. Wieder trat er einen Schritt vor.</p><p>Ich wich zur�ck und sp�rte eine Tischkante in den Kniekehlen.</p><p>�Ich bin unbewaffnet�, sagte ich.</p><p>Der Bursche grinste und hob erneut das Bein.</p><p>�Gestatte mir, meine Waffe aufzunehmen�, sagte ich.</p><p>Wieder grinste er und r�ckte weiter vor. Ich wu�te, ich hatte nicht die Zeit, mich umzudrehen und die Waffe aufzugreifen, die in der Scheide steckte; und selbst wenn ich dazu in der Lage gewesen w�re, h�tte es wohl nichts gen�tzt. Ich sah, wie der Mann mit dem Stahl umging und da� die Klinge recht mitgenommen aussah. Sie hatte schon so manchen Kampf erlebt. Selbst mit Schwert w�re ich gegen�ber diesem Mann so gut wie wehrlos gewesen.</p><p>�Ich bin nicht bewaffnet�, sagte ich. �Ist es deine Absicht, mich kaltbl�tig umzubringen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Es wird mir Spa� machen�, sagte er. Ich sah, wie er die Klinge zur�ckzog.</p><p>�Halt!� meldete sich da eine Stimme.</p><p>Der Mann trat zur�ck und schaute an mir vorbei. Ich drehte mich um. Etwa zwanzig Fu� entfernt stand ein gro�gewachsener, unrasierter Mann in einer schmutzigen Wolltunika. Obwohl er ziemlich heruntergekommen wirkte, stand er in diesem Moment sehr aufrecht da.</p><p>�Du Bursche�, wandte er sich an mich, �m�chtest du einen Champion f�r dich k�mpfen lassen?�</p><p>Der Mann trug Waffen. �ber seiner linken Schulter hing eine Lederscheide. Allerdings hatte er sich noch nicht die M�he gemacht, sein Schwert zu ziehen.</p><p>�Wer bist du?� fragte der Mann, der mich bedroht hatte.</p><p>�Soll ein Champion f�r dich k�mpfen?� fragte der Mann erneut.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Wer bist du?� wiederholte der andere Mann.</p><p>�Willst du mich zwingen, meine Klinge zu ziehen?� fragte der gro�gewachsene Mann. Bei diesen Worten str�ubten sich mir die Nackenhaare.</p><p>�Wer bist du?� fragte der Mann zum drittenmal und trat einen Schritt zur�ck.</p><p>Der Mann antwortete nicht. Statt dessen schlug er mit einer Hand die Tunika �ber die Schulter zur�ck. Ein Aufschrei ging durch die Taverne.</p><p>Der Mann trug das Scharlachrot der Kriegerkaste.</p><p>�Nein�, sagte der Mann, der mich bedroht hatte. �Ich m�chte dich nicht zwingen, deine Klinge zu ziehen.� Er wich zur�ck. Als er seinen Tisch erreichte, steckte er sein Schwert zornig in die Scheide. Anschlie�end verlie� er mit den M�nnern, die die T�ren bewacht hatten, das Lokal.</p><p>�Paga, Paga f�r alle!� rief Tasdron. Paga-Sklavinnen liefen los, um auszuschenken. �Musik!� rief er. F�nf Musiker, die sich in der N�he der K�che aufgehalten hatten, eilten an ihre Pl�tze. Tasdron klatschte zweimal in die H�nde, woraufhin eine Tanz-Sklavin, die �berall am K�rper bemalt war, in den Sand eilte.</p><p>Unsicheren Schritts begab ich mich an den Tisch des gro�en Mannes. Er schien mich kaum zu beachten. Als das M�dchen ihm Paga einschenkte und er nach dem Kelch griff, sah ich, da� seine Hand zitterte. Abrupt hob er die Last, versch�ttete Fl�ssigkeit auf den Tisch. Er bebte am ganzen K�rper.</p><p>�Ich verdanke dir mein Leben�, sagte ich. �Vielen Dank.�</p><p>�Verschwinde!� antwortete er. Seine Augen waren glasig. Pl�tzlich wirkte er gar nicht mehr so stolz und kr�ftig wie eben noch, als er dem anderen Mann getrotzt hatte. Seine H�nde, die um den Paga-Kelch lagen, bebten. �Verschwinde�, wiederholte er.</p><p>�Wie ich sehe, tr�gst du noch immer das Rot, Callimachus�, sagte eine Stimme.</p><p>�Verspotte mich nicht�, erwiderte der Mann am Tisch.</p><p>Der Sprecher war der Mann, den ich f�r den Anf�hrer der rauhen Burschen hielt, von denen mich einer bedroht hatte.</p><p>Er selbst hatte den Angreifer weder unterst�tzt, noch zur�ckzuhalten versucht. Offenbar hielt er sich f�r erhaben �ber Streitigkeiten in gew�hnlichen Tavernen; m�glicherweise war er ein Mann von Bedeutung.</p><p>�Es ist lange her seit unserer letzten Begegnung in der N�he von Port Cos�, sagte der Mann, der n�hergekommen war.</p><p>Der Mann am Tisch, der mich gerettet hatte, hielt den Paga-Kelch in den H�nden und sagte nichts.</p><p>�Dieser Abschnitt des Flusses�, fuhr der Stehende fort, �geh�rt mir.� Dann blickte er auf den anderen nieder. �Ich nehme dir das in Port Cos nicht �bel�, fuhr er fort.</p><p>Der Sitzende trank. Seine H�nde bebten noch immer.</p><p>�Du warst immer schon ein mutiger Bursche, Callimachus�, fuhr der andere Mann fort. �Deswegen habe ich dich stets bewundert. W�re es dir nicht so darum gegangen, dich an den Kodex zu halten, h�ttest du es weit bringen k�nnen. Vielleicht h�tte ich sogar in meiner Organisation einen Posten f�r dich gefunden.�</p><p>�Statt dessen�, sagte der Sitzende, �stie�en wir bei Port Cos aufeinander.�</p><p>�Dein Einsatz heute abend hat sich bezahlt gemacht�, sagte der Stehende. �Von �hnlichen K�hnheiten w�rde ich dir k�nftig aber abraten.�</p><p>Der sitzende Mann trank.</p><p>�Es war dein Gl�ck, lieber Callimachus, da� mein Freund Kliomenes, der unangenehme Bursche, der eben die Taverne verlassen hat, dich nicht kennt. So ist ihm im Gegensatz zu mir nicht bekannt, da� dein Auge nicht mehr so scharf ist wie fr�her, da� deine Hand ihre T�cke verloren hat, da� du abgebrannt und heruntergekommen bist, da� das Rot deiner Kleidung keine Bedeutung mehr hat, au�er als vage Erinnerung an einen l�ngst verflossenen Ruhm.�</p><p>Wieder f�hrte der Sitzende den Kelch an den Mund.</p><p>�Wenn er dich kennen w�rde wie ich�, fuhr der andere Mann fort, �w�rst du jetzt tot.�</p><p>Der Sitzende schaute in den leeren Kelch vor sich auf dem Tisch. Seine H�nde krampften sich darum, seine Finger waren wei�. Sein Blick hatte etwas Leeres, die unrasierten Wangen waren bleich und eingefallen.</p><p>�Paga!� rief der stehende Mann. �Paga!� Ein blondes nacktes M�dchen, um dessen Sklavenkragen eine Perlenkette gewickelt war, eilte herbei und schenkte aus dem Bronzegef��, das sie an einem Gurt �ber der Schulter trug, Paga ein. Der Stehende gab ihr eine kleinen Tarsk, und sie eilte fort. Das M�dchen kam mir irgendwie bekannt vor, doch ich wu�te nicht, wo ich sie schon einmal gesehen hatte.</p><p>�Trink, Callimachus�, sagte der Stehende. �Trink.�</p><p>Der �ltere hob unsicher den Kelch.</p><p>Im n�chsten Moment wandte sich der Wortf�hrer ab und verlie� das Lokal. R�ckw�rtsgehend entfernte ich mich von dem Tisch.</p><p>�Der Mann, der mich bedroht hat�, wandte ich mich an Tasdron, �dieser Kliomenes. Wer ist das?�</p><p>�Kliomenes, ein Pirat, Leutnant des Policrates�, antwortete der Wirt.</p><p>�Und der andere?� fragte ich. �Der am Tisch stand und mit meinem Retter sprach?�</p><p>�Sein Kapit�n�, erwiderte Tasdron, �Policrates pers�nlich.�</p><p>Ich mu�te schlucken.</p><p>�Du hast Gl�ck, da� du noch am Leben bist�, stellte Tasdron fest. �Ich glaube, es w�re ratsam f�r dich, Victoria zu verlassen.�</p><p>�Wann beginnen die Verk�ufe im Markt des Lysander?�</p><p>�Sie haben bereits begonnen�, sagte Tasdron.</p><p>Hastig eilte ich zu dem Tisch, auf dem ich meine Sachen abgelegt hatte. Ich zog mich an und warf mir das Schwert �ber die Schulter. Ich raffte meine Gewinne ein. Mein Blick fiel auf das blonde Paga-M�dchen, das mich beobachtete. Ich hatte irgendwie das Gef�hl, da� ich sie schon einmal gesehen hatte. Ich verstaute meine Gewinne im Geldbeutel und band ihn an meinem G�rtel fest. Ich konnte mich nicht erinnern, wo ich ihr schon einmal begegnet war. Sie war nicht unattraktiv. Dann eilte ich aus der Taverne und machte mich auf den Weg zur Verkaufsarena des Lysander.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Diese rothaarige Sch�nheit�, rief der Auktionator, �wurde von Kapit�n Thrasymedes gefangen. Sie kann Lyra spielen.�</p><p>Rauhes Gel�chter ert�nte. �Wie gut ist sie in den Fellen?� rief eine Stimme.</p><p>Das M�dchen wurde f�r vier Kupfer-Tarsks verkauft.</p><p>�Sind die M�dchen des Kliomenes schon �ber den Block gegangen?� fragte ich einen Mann.</p><p>�Ja�, antwortete dieser, und ich stie� einen Laut der Best�rzung aus. �Die meisten jedenfalls�, sagte ein anderer.</p><p>�Die meisten?�</p><p>�Ja�, meinte er, �ich glaube, es kommen noch andere, die in der N�he von Lara gefangen wurden.�</p><p>�Wie lautet das Gebot auf diese Blondine?� rief der Auktionator.</p><p>�Sind die denn nicht l�ngst verkauft?� fragte der erste Mann, der mir geantwortet hatte.</p><p>�Nein, ich glaube, nicht alle�, antwortete der zweite.</p><p>Ich lie� sie stehen und dr�ngte mich durch die Menge, um n�her an den hohen, runden, mit S�gemehl bestreuten Auktionsblock heranzukommen.</p><p>�Pa� doch auf, wohin zu gehst, Kerl!� fauchte mich ein Mann an.</p><p>Vom Bereitschaftsk�fig, in dem die n�chsten M�dchen auf ihre Versteigerung warteten, wurde ich verscheucht.</p><p>�Sind dies alle M�dchen, die noch verkauft werden?� fragte ich den W�chter.</p><p>�Nein.�</p><p>�Stehen noch M�dchen des Kliomenes zum Verkauf an?� wollte ich verzweifelt wissen.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete er. �Ich habe die Unterlagen nicht.�</p><p>Bedr�ckt wandte ich mich ab, um in der Menge zu warten.</p><p>Die Blondine erbrachte sechs Tarsks.</p><p>�Und hier�, verk�ndete der Auktionator, �haben wir eine weitere Blondine. Sie war einmal frei.�</p><p>Gel�chter brandete auf. �Sie soll die Peitsche k�ssen!� rief ein Mann.</p><p>�Auf die Knie, M�dchen, k�� die Peitsche!� befahl der Mann. Das M�dchen gehorchte.</p><p>Etwa zweihundert M�nner waren zu dem Sklavenverkauf gekommen, die in den Sklavenm�rkten Victorias h�ufig vorkommen und manchmal mehrere N�chte dauern. Im Fr�hling und Sommer gehen die Gesch�fte am besten, denn da ist der Verkehr auf dem Flu� am lebhaftesten und die Piraten machen die beste Beute. Viele M�nner waren berufsm��ige Sklavenh�ndler aus anderen St�dten und suchten nach frischer Ware.</p><p>�Verkauft an Targo aus Ar!� rief der Auktionator.</p><p>Ich war w�tend, denn ich wu�te nicht einmal, ob Mi� Henderson �berhaupt verkauft werden sollte oder vielleicht schon �ber den Block gegangen war. War sie schon verkauft, dann mochte sie, w�hrend ich hier hilflos herumstand, bereits aus Victoria fortgeschafft werden. Meine F�uste waren geballt. Ich hatte feuchte Handfl�chen.</p><p>Die n�chsten beiden M�dchen, Br�nette, gingen an Lucilius aus Tyros. Die folgenden vier wurden von einem Mann namens Publius ersteigert, der f�r einen gewissen Mintar aus Ar auftrat.</p><p>Die Auktion belebte sic h etwas, und das Publikum wurde immer zahlreicher. F�nfmal wurde der Bereitschaftsk�fig geleert und wieder gef�llt, es war eine z�gige Versteigerung.</p><p>So sehr war ich benommen von meinem Tr�bsal, da� ich erst gar nicht mitbekam, was der Auktionator mit dem n�chsten M�dchen anstellte, das er in seiner Nacktheit der beeindruckten Menge vorf�hrte. Seine Pr�sentation der Sklavin lie� keinen Zweifel, was der Erwerber zu erwarten hatte. Schweratmend stand die Sklavin schlie�lich auf dem Block; sie hatte Tr�nen in den Augen, er hatte ihr keine Ruhe gelassen.</p><p>�Zweiundzwanzig Tarsks!� rief ein Mann.</p><p>�Dreiundzwanzig!� bot ein anderer.</p><p>Ich war derma�en verbl�fft, da� ich mich an der Bieterei, die schon eine Weile im Gange war, gar nicht beteiligte. Ich hatte mir nicht ertr�umen lassen, da� sie so sch�n sein konnte. Wie t�richt sind doch die M�nner der Erde, ihren Frauen das Leben so leicht zu machen, sie nicht zu zwingen, ihre Sch�nheit in der F�lle ihrer Begehrlichkeit zu verwirklichen. Die Frau auf dem Block kam von der Erde. Bewies sie damit nicht, wie sch�n Erdenfrauen sein konnten?</p><p>�F�nfundzwanzig Tarsks!�</p><p>�Drei�ig!�</p><p>�Kauf sie�, schien mir eine Stimme einzufl�stern. �Kauf die Sklavin! Unterwirf sie dir!�</p><p>�Nein, nein!� sagte ich halblaut. �Das kann ich nicht!�</p><p>�Was hast du gesagt?� fragte der Mann neben mir.</p><p>�Nichts, nichts!�</p><p>�Vierzig!� bot jemand.</p><p>Ich konnte einfach nicht mitbieten. Ich vermochte kaum noch zu atmen. Das Herz schlug mir bis in den Hals. Da� sie so sch�n sein konnte, hatte ich nicht geahnt. Beinahe hatte ich das Gef�hl, nicht mehr sprechen zu k�nnen. Ich vermochte den Blick nicht fortzurei�en von dem M�dchen unter den Fackeln, von dem Stahlkragen an ihrem Hals. Ich zitterte.</p><p>�Sechsundvierzig!�</p><p>Ich zitterte. Ich hatte gesehen, wie Mi� Beverly Henderson die Peitsche k��te. Ich hatte gesehen, wie sie als Sklavin vorgef�hrt wurde.</p><p>�Achtundvierzig!� wurde geboten.</p><p>�F�nfzig!�</p><p>Pl�tzlich schrie das M�dchen erschrocken auf. Es war ein zuckender, unkontrollierbarer Reflex gewesen. Dann legte sie den Kopf in die H�nde und begann zu schluchzen.</p><p>�Neunzig Tarsks!� rief ein Mann.</p><p>Die Peitsche in der Hand, entfernte sich der Auktionator einen Schritt von dem M�dchen.</p><p>�Kaltes Blut hat sie nicht�, sagte der Mann neben mir.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Nein.�</p><p>�Vierundneunzig Tarsks!�</p><p>�Vierundneunzig Tarsks sind geboten!� rief der Auktionator. �H�re ich mehr?�</p><p>Stille.</p><p>�Ich schlie�e gleich meine Hand!� rief der Auktionator.</p><p>�Achtundneunzig!� entfuhr es mir, und ich war erschrocken �ber den Laut meiner eigenen Stimme.</p><p>Matt hob das M�dchen den Kopf.</p><p>�Achtundneunzig, achtundneunzig sind geboten�, sang der Auktionator. �Bietet jemand mehr? Mehr?�</p><p>Keine Stimme meldete sich.</p><p>�Ich schlie�e gleich die Faust�, sagte der Auktionator, �die Hand ist geschlossen!�</p><p>Mi� Henderson geh�rte mir.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Mi� Henderson wurde von der Plattform gesto�en. Ich dr�ngte mich nach vorn. Alles schien um mich zu kreisen. Ich wu�te kaum, was ich tat. Es war, als tr�umte ich.</p><p>�Jason?� fragte sie.</p><p>Dem W�chter reichte ich die Quittung �ber die achtundneunzig Tarsks, die ich bezahlt hatte. Der Mann versetzte dem M�dchen einen Tritt. �Wei�t du nicht, da� du vor deinem Herrn niederknien mu�t?� knurrte er.</p><p>Hastig lie� sie sich nieder.</p><p>Ich zerrte sie hoch und nahm sie in die Arme.</p><p>�Bist du es, Jason?� fl�sterte sie. �Bist du es wirklich?�</p><p>�Ja�, antwortete ich. �Ja.�</p><p>Sie begann zu weinen, und ich dr�ckte sie an mich. Sie erbebte schluchzend in meinen Armen. Ich sp�rte ihre Tr�nen durch meine Tunika. �Ich bin ja so gl�cklich�, sagte sie.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ja.� Vorsichtig streichelte ich ihr �ber den Kopf.</p><p>�Du hast mich gekauft, Jason�, sagte sie. �Ich bin deine Sklavin.� Ich verstand kaum, was sie sagte. �Ich will versuchen, dir zu gefallen � ich m�chte nicht ausgepeitscht werden.�</p><p>�Was meinst du?� fragte ich.</p><p>Sie lehnte sich in meinen Armen ein St�ck zur�ck und hob den Kopf. In ihren Augen standen Tr�nen, ihre Lippen zitterten. Sie schien ungemein gl�cklich zu sein. �All die Dinge, die du je mit mir anstellen wolltest�, fuhr sie fort, �kannst du jetzt tun. Alles, was du dir je von einer Frau ertr�umt hast, mu� ich dir jetzt geben. Ich mu� dir in allen Dingen gehorchen.�</p><p>�Den Schl�ssel!� rief ich.</p><p>�Den Schl�ssel?� fragte sie.</p><p>Der Schl�ssel zum Verkaufskragen des M�dchens wurde mir in die Hand gedr�ckt, und ich �ffnete damit das st�hlerne Band.</p><p>�Herr, was tust du?� fragte sie erschrocken.</p><p>�Nenn mich nicht �Herr�!� rief ich mit erstickter Stimme.</p><p>M�nner verfolgten ratlos die Szene.</p><p>�Wo ist dein Kragen f�r mich?� fragte sie.</p><p>�Ich habe keinen Kragen f�r dich�, sagte ich.</p><p>�Herr?�</p><p>�Nenn mich nicht �Herr�!�</p><p>�Nein, Herr�, erwiderte sie. �Ich meine: �Nein, Jason!��</p><p>�Du bist eine Frau von der Erde�, sagte ich. �Du wei�t, wie du dich benehmen mu�t.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Rede mir nicht davon, da� du dich mir in allem unterwerfen willst�, fuhr ich fort. �Da� du mir gehorchen oder dienen willst.�</p><p>�Aber ich bin Sklavin�, sagte sie. �Und ich geh�re dir!�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich trage das Brandzeichen.�</p><p>�Das hat nichts zu bedeuten � es ist nicht deine Schuld.�</p><p>�Aber die Schuld von M�nnern � und du kannst dir vorstellen, was es f�r ein M�dchen bedeutet, das Zeichen zu tragen! Was hast du mit mir vor?�</p><p>�Ich will dich freigeben�, sagte ich. �Ich gebe dir, was dein Herz am meisten ersehnt, deine absolute Freiheit.�</p><p>Sie starrte mich entsetzt an. �Du willst mich nicht�, fl�sterte sie.</p><p>�Sei unbesorgt�, fuhr ich fort, �ich werde deine Situation nicht ausnutzen und dich auch nicht mi�brauchen. Du wirst mit dem Respekt behandelt, der dir zusteht. In allen Dingen wirst du mir gleichgestellt sein.�</p><p>�Wie kann eine Sklavin ihrem Herrn gleichgestellt sein?� fragte sie.</p><p>�Du bist frei�, sagte ich.</p><p>�Irgendein Goreaner h�tte mich kaufen k�nnen�, sagte sie, �der mich in Ansehen gehalten und verehrt h�tte, der mich dazu gebracht h�tte, ihm gut und hingebungsvoll zu dienen.�</p><p>�Ich habe dir die Freiheit gegeben. Bist du nicht gl�cklich?� fragte ich verwirrt.</p><p>�Ich bin nackt�, sagte sie.</p><p>�Verzeih!� Ich eilte zu einem der K�figw�rter und erstand f�r einen kleinen Tarsk eines der Sklavent�cher, in denen die M�dchen auf den Block gef�hrt wurden.</p><p>Ich lief zu ihr zur�ck und blieb, den Stoff in der Hand haltend, vor ihr stehen. Einen Sekundenbruchteil lang war mir schwindelig, so wundersch�n war sie. H�tte ich sie nicht nackt durch die Stra�en Victorias f�hren sollen, zum Erg�tzen anderer M�nner, als stolzer Besitzer dieser Sch�nheit?</p><p>�Schau mich nicht an, du l�sternes Ungeheuer!� rief sie. �Bedecke mich, schnell!�</p><p>Hastig legte ich das Tuch um sie, und sie griff von innen danach und zog den Stoff eng um sich. Die Umrisse ihrer kleinen F�uste zeichneten sich deutlich unter dem Gewebe ab.</p><p>�Wir wollen von hier verschwinden�, sagte ich.</p><p>�Ja, dies ist ein widerlicher Ort�, bemerkte sie. �Mich st�rt der Sklavengestank.�</p><p>Hastig verlie�en wir den Sklavenmarkt des Lysander.</p><p>�Wo wohnst du?� fragte sie.</p><p>�Ich habe beim Hafen ein ganz kleines Zimmer gemietet.�</p><p>�Ich werde auch eins brauchen.�</p><p>�Ich kann mir nicht viel leisten.�</p><p>�Dann m�ssen wir das Zimmer irgendwie aufteilen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte ich.</p><p>�Au�erdem mu�t du losgehen und Kleidung f�r mich kaufen�, forderte sie. �Ich kann doch nicht immer in diesem Tuch herumlaufen.�</p><p>�Wie w�r�s mit einer Sklaventunika?�</p><p>�Mach keine Witze, Jason!�</p><p>�Hier entlang�, sagte ich und deutete auf eine Stra�e, die zum Flu� f�hrte.</p><p>�Ich habe kein Geld�, sagte sie, �und keinen Heimstein. Und ich habe keinen Beruf erlernt.�</p><p>�Ein Beruf steht allen Frauen offen�, stellte ich fest.</p><p>�Ich hab� dir schon eben gesagt, scherze nicht mit mir! Das ist nicht am�sant.�</p><p>�K�chin�, sagte ich.</p><p>�Sehr komisch!�</p><p>�Wie gedenkst du dir deinen Unterhalt zu verdienen?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, mir meinen Unterhalt zu verdienen�, antwortete sie. �Das erwarte ich vielmehr von dir.�</p><p>�Und was willst du daf�r tun?�</p><p>�Nichts, absolut nichts�, entgegnete sie. �Ich habe nicht darum gebeten, gekauft zu werden.�</p><p>�Es sieht nicht so aus, als h�tte ich mit dir eine gute Investition gemacht�, sagte ich.</p><p>�Du kannst mir ja jederzeit eine Glocke und einen M�nzbecher umh�ngen und mich zum Anschaffen auf die Stra�e schicken�, sagte sie.</p><p>�Das w�re ein Gedanke!� rief ich.</p><p>Sie schnaubte zornig durch die Nase, und wir setzten unseren Weg fort.</p><p>�Hast du Arbeit?� fragte sie.</p><p>�Nein.�</p><p>�Du mu�t dir welche beschaffen.�</p><p>�Das w�re wohl angebracht�, erwiderte ich. Ich spielte mit dem Gedanken, als Ruderer oder Hafenarbeiter anzuheuern. Ich war kr�ftig. Auf keinen Fall wollte ich mir weiter Geld verdienen, indem ich in Tavernen andere M�nner zum Kampf herausforderte. Dabei konnte ich leicht auf Gegner sto�en, die mit Messer oder Schwertern antraten. Erst vorhin war ich von einem ziemlich heruntergekommenen Mann gerettet worden, Callimachus, der vielleicht aus Port Cos stammte, weiter unten am Flu�. W�re er nicht eingeschritten, h�tte mich der Pirat Kliomenes bestimmt umgebracht.</p><p>�Wir m�ssen uns feste Regeln f�r unsere gemeinsame Unterkunft geben�, sagte sie.</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Ich werde als erste baden.�</p><p>�Wir haben eine kleine Kupferwanne�, bemerkte ich.</p><p>�Und jeder wird seinen Anteil besorgen beim Kochen, Saubermachen und der sonstigen Hausarbeit.�</p><p>�Ich soll am Tage arbeiten�, widersprach ich, �und dann noch die halbe Hausarbeit machen?�</p><p>�Du kannst nicht erwarten, da� ich die Schmutzarbeit f�r dich tue�, sagte sie. �Ich bin eine freie Frau. Ich k�mmere mich um meine Sachen, du um die deinen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Das Zimmer liegt doch nicht etwa in diesem schrecklichen Haus!� Ziemlich entsetzt blickte sie in den Schein einer Pendellaterne, die �ber der Schwelle einer Sch�nke hing.</p><p>�Doch.�</p><p>�Da m�ssen wir uns noch verbessern!�</p><p>Ich musterte sie von oben bis unten und spielte mit dem Gedanken, ihr das Tuch vom Leibe zu rei�en. Dann aber brachte ich mir zu Bewu�tsein, da� sie eine freie Frau war und vom Planeten Erde stammte, meiner Heimatwelt. Sie war keine Goreanerin, sondern etwas H�heres, Feineres � eine Erdenfrau.</p><p>�Du hast nicht mal einen vollen Silber-Tarsk f�r mich bezahlt!� sagte sie zornig. �Andere M�dchen haben zwei bis drei Silber-Tarsk gebracht.�</p><p>�Das waren auch sehr sch�ne Frauen, zum Teil aus hoher Kaste, die zu Vergn�gungssklavinnen ausgebildet worden waren.�</p><p>�Und du w�rdest mich am liebsten auch wieder versklaven!�</p><p>�Das ginge ohne weiteres!� sagte ich zornig.</p><p>�Du w�rdest es nicht wagen!�</p><p>�Bring mich nicht in Versuchung!� sch�umte ich.</p><p>�Du bist zu schwach, um mich als Sklavin zu behandeln, als Frau!� sagte sie herausfordernd.</p><p>Ich packte sie an den Oberarmen und sch�ttelte sie. �Oh!� japste sie. �Bitte, Herr, geh sanft mit mir um!� Erschrocken blickte sie zu mir auf.</p><p>�Das Wort �Herr� ging dir aber sehr leicht �ber die Lippen�, stellte ich fest.</p><p>Sie raffte das Gewebe um sich und senkte den Blick.</p><p>�Verzeih mir!� rief ich. �Es tut mir leid, ich habe mich wie ein Idiot benommen.�</p><p>�Ich bin eine Frau von der Erde�, sagte sie leise, �kein goreanisches M�dchen.�</p><p>�Das wei� ic h sehr wohl. Es tut mir ehrlich leid.�</p><p>�Ich wei�, du wirst mich nicht deiner Kraft unterwerfen.�</p><p>�Entschuldige, aber ich war w�tend geworden.�</p><p>�Du bist ein Mann von der Erde�, sagte sie, �anst�ndig und r�cksichtsvoll, z�rtlich und zuvorkommend, von dem Wunsch beseelt, einer Frau Freude zu bereiten. Du solltest dir immer vor Augen halten, da� Frauen von M�nnern wie dir nichts zu bef�rchten haben.�</p><p>�Verzeih.�</p><p>�Und k�nftig fa�t du mich nicht mehr an!�</p><p>Wie sehr hatte ich Mi� Henderson gekr�nkt!</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, da� ich deines Respekts w�rdig bin � und meiner eigenen Selbstachtung als freie Frau.�</p><p>�Bist du nicht dankbar, da� ich dich aus der Sklaverei befreit habe?�</p><p>�Sehr sogar�, erwiderte sie. �Du kannst dir ja nicht vorstellen, wir herrlich es ist, frei zu sein. Genau das w�nscht sich jede Frau.�</p><p>�Du hast deine Dankbarkeit aber noch nicht sonderlich deutlich zum Ausdruck gebracht.�</p><p>�Und wie hast du dir als Mann das vorgestellt?� fragte sie schneidend.</p><p>Err�tend senkte ich den Blick.</p><p>�Hast du mich gekauft, damit ich dir als schwache, dumme Frau in Dankbarkeit meine Gunst erweise?�</p><p>Ich hob den Blick nicht.</p><p>�Eine Gunst, die auf andere Weise zu erringen du zu schwach warst.�</p><p>�Es tut mir leid.�</p><p>�Aber denke nur nicht, da� ich nicht dankbar bin�, fuhr sie fort, �ich werde dich lehren, ein echter Mann zu sein, r�cksichtsvoll und umg�nglich, so ungef�hr.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich und ber�hrte ihre Wange mit meinen Lippen.</p><p>�Genug!� rief sie. Wieder hatten sic h meine H�nde um ihre Oberarme gelegt. �Du bist kr�ftig, Jason�, sagte sie. Ohne es zu merken, hatte ich sie von den F��en gehoben.</p><p>�Da� du mich nie wieder mit solcher Lust anschaust!� forderte sie. �Ich bin eine Frau der Erde!�</p><p>Ich zuckte �rgerlich die Schultern.</p><p>�Es wird nicht leicht sein, dich zu einem echten Mann zu machen.�</p><p>�Ich m�chte dich noch einmal k�ssen�, sagte ich.</p><p>�Nach dem, was da eben passiert ist, werde ich dir so schnell nicht wieder gestatten, mich zu k�ssen � wenn �berhaupt.�</p><p>�Bitte, Beverly!�</p><p>�Es war ein anstrengender Tag, ich habe Kopfschmerzen�, sagte sie. �Au�erdem m�ssen wir noch die Trennung des Zimmers arrangieren. Und morgen mu�t du fr�h aufstehen und mir Kleidung kaufen und zum Markt gehen. Anschlie�end gilt es Arbeit zu finden.�</p><p>�Ja, Beverly�, sagte ich und folgte ihr in die Sch�nke.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>�Ich nehme die da mit in die Nische�, sagte ich zu Tasdron und warf einen kleinen Tarsk auf den fleckigen Tresen.</p><p>�Sie geh�rt dir�, erwiderte der Wirt und wischte mit einem weichen, gro�en Tuch einen Pagakelch aus.</p><p>Ich marschierte durch Tasdrons Taverne und betrat die Nische. Das blonde M�dchen erwartete mich bereits.</p><p>�Herr?� fragte sie.</p><p>�Erinnerst du dich an mich?� fragte ich. �Erinnerst du dich, da� ich in dieser Taverne verschiedene Herausforderungen zum Kampf ausgesprochen habe und dann von dem Piraten Kliomenes bedroht wurde? Woraufhin dann Callimachus zu meiner Rettung einschritt?�</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie. �Ich war hier. Ich erinnere mich. Callimachus aus Port Cos.�</p><p>�Er geh�rte einmal der Kriegerkaste an?�</p><p>�Ich nahm es an�, meinte sie. �Die M�dchen erz�hlen es.�</p><p>�Hattest du mich vorher schon einmal gesehen?� fragte ich.</p><p>�Das erscheint mir kaum m�glich, Herr. Ich bin doch nur eine unbedeutende Sklavin.�</p><p>�Ich hatte bei meinem letzten Besuch in der Taverne den Eindruck�, sagte ich, �als reagiertest du wie auf jemanden, den du schon einmal gesehen hattest, der dir irgendwie vertraut w�re.�</p><p>�Das stimmt�, sagte sie. �Ich hatte irgendwie den Eindruck.�</p><p>�Wie hei�t du?�</p><p>�Peggy�, antwortete sie, �wenn es dem Herrn recht ist.�</p><p>�Das ist ein Erdenname�, stellte ich fest. �Kommst du vom Planeten Erde?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Erdenm�dchen geben ausgezeichnete Sklavinnen ab.�</p><p>�Danke, Herr.�</p><p>�Sprichst du die Erdensprache Englisch?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ich beherrsche diese Sprache ebenfalls�, sagte ich. �Unterhalten wir uns darin.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie auf Englisch.</p><p>�Wie lautete dein Name auf der Erde?�</p><p>�Peggy. Peggy Baxter.�</p><p>�Und wo hast du gearbeitet?�</p><p>�In einer Stadt namens New York�, antwortete sie, �als Garderobiere in einem Restaurant.�</p><p>�Ja!� rief ich. �Das ist es.�</p><p>�Herr?� fragte sie erschrocken.</p><p>�Ich hatte ebenfalls den Eindruck, dich schon einmal gesehen zu haben. Dort mu� es gewesen sein.�</p><p>�Dort?�</p><p>�Du trugst schwarze Pumps, schwarze Netzstr�mpfe, einen schwarzen Minirock und eine lang�rmelige wei�e Seidenbluse. Und im Haar ein schwarzes Band.� Ich nickte. �Anscheinend war ich nicht der einzige, dem du auffielst�,</p><p>Du fuhr ich fort. � wurdest jedenfalls ausgew�hlt, als Sklavin nach Gor gebracht zu werden.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�Soviel Geschmack ist zu loben�, sagte ich.</p><p>�Vielen Dank, Herr.�</p><p>�Wie lief deine Entf�hrung ab?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich verlie� das Restaurant sp�t in der Nacht, nach der Arbeit�, berichtete sie. �In der N�he wartete ein Taxi, das sich als speziell konstruiertes Entf�hrungsfahrzeug entpuppte. Gas wurde in die Kabine geleitet. Ich verlor das Bewu�tsein. Ich kam erst wieder zu mir, als ich bereits in einem Verlies auf Gor angekettet lag. Sehr schnell mu�te ich erfahren, was es bedeutete, Sklavin zu sein.�</p><p>�Ich glaube, ich und eine Bekannte�, sage ich, �wurden in demselben Taxi entf�hrt, auf dieselbe Weise.� Mir fiel ein, da� der Taxifahrer in der Garage davon gesprochen hatte, ein weiteres Opfer aufnehmen zu m�ssen. Zweifellos hatte es sich dabei um die liebliche, langbeinige Mi� Baxter gehandelt.</p><p>�Mein Herr beherrscht das Englische sehr gut�, sagte das M�dchen nerv�s. Unsicher bewegten sich ihre H�nde.</p><p>�Wurdest du in das Haus des Andronicus nach Vonda gebracht?� fragte ich.</p><p>�Ja, und dort erhielt ich meine erste Ausbildung als Sklavin und lernte die Anfangsgr�nde der goreanischen Sprache. Ich wurde schlie�lich an einen Wirt in Tancreds Furt verkauft. Tasdron sah mich dort, und ich gefiel ihm. Er kaufte mich und brachte mich hierher, wo ich nun seinen Kragen trage.� Ihr Blick richtete sich auf mein Gesicht. �Bist du Sklavenh�ndler?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wie kommt es dann, da� der Herr Englisch spricht?�</p><p>�Es ist meine Muttersprache�, antwortete ich. �Ich wurde mehr oder weniger zuf�llig nach Gor gebracht, als Sklave. Sp�ter erhielt ich die Freiheit.�</p><p>�Es ist grausam von meinem Herrn, eine elende Sklavin zu verspotten�, sagte das M�dchen.</p><p>�Inwiefern verspotte ich dich?�</p><p>Sie lachte. �Du darfst nicht erwarten, da� ich dem Herrn glaube, ein Erdenmann zu sein�, sagte sie, �ich bin nicht dumm!�</p><p>�Ich wurde auf dem Planeten Erde geboren.�</p><p>�Du bist grausam.�</p><p>�Warum glaubst du mir nicht, da� ich von der Erde stamme?� fragte ich verwirrt.</p><p>�Du bist nicht pathetisch schwach�, sagte sie. �Deine Augen, sie mustern mich und sehen mich als Sklavin.�</p><p>Ich l�chelte. In der Tat � sie war wundersch�n.</p><p>�Die goreanischen M�nner sind stark�, fuhr sie fort. �Unter ihnen gibt es keine Schw�chlinge, die mit sich selbst nicht im reinen sind. Sie sind nicht hin- und hergerissen. Sie sind integer und gefa�t und stolz. Sie erkennen ihre Stellung in der wahren Ordnung der Natur. F�r sie sind Frauen echte Frauen, Sklavinnen, und sie selbst die M�nner, die Herren. Wenn wir ihnen nicht gefallen, strafen oder t�ten sie uns. Wir lernen unseren Platz in dieser Ordnung sehr schnell einzusch�tzen. Nur wo es echte M�nner gibt, kann es auch echte Frauen geben.�</p><p>�Aber du bist nackt und gefesselt und hockst in einer Paga-Taverne.�</p><p>�Ich bin eine Frau�, sagte sie l�chelnd, �etwas, das ich auf der Erde nie wirklich gewesen bin.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Wir sind klein und schwach und zart und sch�n�, fuhr sie fort, �und neigen zum Nachgeben und zum Lieben und selbstlosen Dienen. Wir sehnen uns nach einem Herrn. Erst wenn wir ihn finden, finden wir auch Erf�llung. Und auf Gor�, fuhr sie fort, �blicken wir auf und sehen ihn zu unserer �berraschung vor uns stehen, die Peitsche in der Hand. Sie dulden kein Ausbrechen, die M�nner. Ist es da ein Wunder, da� wir sie so sehr lieben?�</p><p>�F�rchtest du deinen Herrn auch?� fragte ich.</p><p>�Aber ja doch, denn er hat die Macht �ber Leben und Tod.�</p><p>�Und doch findest du ihn erregend?�</p><p>�Sehr sogar�, sagte sie, �gef�hlsm��ig wie auch physisch. Ich kann nicht in die N�he eines solchen Mannes gehen, ohne da� mir der Atem stockt und die Glieder zittern.�</p><p>�Du bist das Eigentum des Mannes.�</p><p>�Ja, voll und ganz.�</p><p>�Du bist Sklavin�, sagte ich. �Bist du gl�cklich?�</p><p>�Ja, sehr.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Das Leben als Sklavin bringt meine Fraulichkeit zur vollen Bl�te � und mein Herr gibt sich mit nichts weniger zufrieden. Auf Gor bin ich zum erstenmal eine ganze Frau, total erf�llt. Ich bin unglaublich gl�cklich.�</p><p>Als der Morgen d�mmerte, lagen wir in tiefer Ersch�pfung nebeneinander. Als sie noch einmal zu mir kriechen wollte, schob ich sie grob zur Seite und zog meine Tunika an. Ich mu�te fr�h auf den Piers erscheinen, um mir Arbeit zu beschaffen.</p><p>�Sind alle Frauen solche Sklaven wie du?� fragte ich.</p><p>Sie l�chelte mich aus den Fellen an. �Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>Ich wandte mich zum Gehen.</p><p>�Herr.�</p><p>Ich drehte mich noch einmal um.</p><p>�Du hast viel gesprochen von dem Umstand, da� ich auf der Erde geboren und jetzt Sklavin bin�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Es gibt da doch ein anderes M�dchen, f�r das du dich interessierst, nicht wahr?� fragte sie.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Ist sie Sklavin?�</p><p>�Nein.� Ich hatte ihr die Freiheit gegeben.</p><p>�Dann versklave sie!�</p><p>�Sie ist anders als du.�</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, sagte das M�dchen offen. �Warum sollte ich Sklavin sein, und sie frei?�</p><p>�Wenn sie hier w�re�, sagte ich, �w�rdest du vor ihr niederknien und ihr gehorchen m�ssen.�</p><p>Das M�dchen, das den Sklavenkragen trug, erschauderte. Sklavinnen haben gro�e Angst vor freien Frauen. Kein Wunder � freie Frauen sind oft �u�erst grausam, vielleicht weil sie die Sklavinnen um ihren Eisenreifen beneiden.</p><p>Hastig kniete das M�dchen vor mir nieder. �Ich versichere dir, sie ist ebenfalls eine Sklavin.�</p><p>�Du kennst sie nicht.�</p><p>�Vielleicht bist du es, der sie nicht kennt.�</p><p>Ich lachte.</p><p>�Rei� die Initiative an dich�, sagte sie. �Nimm ihr die Kleidung, stecke sie in den Kragen, la� sie vor dir niederknien. Du wirst es sehen!�</p><p>Lachend schlug ich mir nach goreanischer Art auf die Schenkel, so unsinnig klangen ihre Worte in bezug auf die liebliche Mi� Henderson. Sie � eine Sklavin?</p><p>�Ist mit dem anderen M�dchen schwer auszukommen?� fl�sterte die Sklavin. �Ist sie manchmal abweisend und unangenehm?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Geht sie dir manchmal auf die Nerven?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Darf ich einen Vorschlag machen?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Kauf dir eine Peitsche.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Vergi� nicht, da� du eine ausgehaltene Frau bist!� sagte ich.</p><p>�Ausgehaltene Frau!� rief sie.</p><p>�Ich sagte es!�</p><p>�Ich sehe mich aber nicht als ausgehaltene Frau.�</p><p>�Leider ist es genau das, was du bist�, widersprach ich.</p><p>�Wo warst du gestern abend und heute?� wollte sie wissen.</p><p>�Ich schulde dir keinen Nachweis �ber meine Zeit�, erwiderte ich. �Ist mein Abendessen bereit?�</p><p>�Ich habe bereits gegessen, mach dir selbst etwas.�</p><p>�Das Haus ist schmutzig�, stellte ich fest.</p><p>�Solche Arbeiten sind nichts f�r mich. Wenn du Wert auf Sauberkeit legst, kauf dir eine Sklavin.�</p><p>Ich hatte ein kleines Haus gemietet, das einige Querstra�en von den Hafenpiers entfernt lag. Es war klein, aber fest gebaut, wie die meisten goreanischen H�user, und verf�gte �ber ein Obergescho�. Bei dem geringen Lohn, den ich auf den Piers erhielt, war es ein wenig teuer f�r mich, doch andererseits nicht unpraktisch. Oben gab es zwei Schlafzimmer, unten eine Halle, ein Wohnzimmer und eine K�che. Mi� Hendersons Schlafzimmer hatte eine Veranda, von der man auf einen kleinen, von einer hohen Mauer umschlossenen Garten blicken konnte.</p><p>�M�chtest du lieber wieder in eine Taverne ziehen?�</p><p>�Das Haus ist nicht unsch�n�, erwiderte sie. �Aber es enth�lt einige beunruhigende Dinge.�</p><p>�Und die w�ren?� In Anbetracht meiner Verm�genslage hielt ich das Haus f�r ausgesprochen h�bsch.</p><p>�Am Fu� meiner Schlafcouch h�ngt ein schwerer Eisenring.�</p><p>�Ein Sklavenring�, erkl�rte ich. �Den Zweck kennst du sicher.�</p><p>�Ebenso mi�f�llt mir der Sklavenk�fig im Vorflur.�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Es ist ein goreanisches Haus.�</p><p>�Wieviel Geld hast du heute verdient?� wollte sie wissen.</p><p>Der Betrag war von Tag zu Tag verschieden, je nach Arbeitsanfall und Art der Arbeit.</p><p>�Das geht dich nichts an.�</p><p>Ihre Schultern verkrampften sich unter der Verh�llungsrobe, und ihre Augen blitzten zornig �ber dem Rand des Hausschleiers, unter dem ich vage die Umrisse von Lippen und Mund ausmachen konnte.</p><p>�Du hast nichts vom Markt mitgebracht�, stellte sie fest. �Dementsprechend habe ich f�r dich nur sehr wenig zu essen im Haus.�</p><p>�Warst du nicht einkaufen?� fragte ich. �Ich habe dir Geld gegeben.�</p><p>�Mir war nicht danach.�</p><p>�Dann esse ich ausw�rts.�</p><p>�Das ist aber teuer. Wir haben noch Brot und Trockenfleisch.�</p><p>�Ich esse ausw�rts!�</p><p>�Die M�dchen in den Paga-Tavernen sind h�bsch, nicht wahr?� fragte sie spitz.</p><p>�Das m�ssen sie auch, sonst w�rden sie f�r ihre Herren nicht viel Geld verdienen.�</p><p>�Ich habe geh�rt, da� solche M�dchen �hei�bl�tig� sind.�</p><p>�Stimmt.�</p><p>�Und wenn sie mal nicht in Stimmung w�ren?�</p><p>�Sie wissen es besser, sich solche Launen nicht zu leisten�, erwiderte ich.</p><p>�Ich bin m�de�, sagte sie und zog die Robe um ihren K�rper zusammen. �Ich gehe nach oben.�</p><p>�La� den Riegel deiner T�r offen�, befahl ich. Sie hatte sich bisher eingeschlossen, was mich st�rte.</p><p>�Es ist mein Schlafzimmer�, stellte sie fest.</p><p>�Ich aber bin der Hauptmieter dieses Hauses � nur weil ich damit einverstanden bin, ist der Raum dein Schlafzimmer.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte sie abweisend, �ich bin ja deine ausgehaltene Frau!�</p><p>�Du kannst jederzeit gehen�, sagte ich. �Verkauf dich an einen impotenten Herrn.�</p><p>Mit zornigem Blick wandte sie sich ab und erstieg die Treppe.</p><p>Ich lauschte und h�rte, wie sie die T�r schlo� und den eisernen Riegel vorlegte.</p><p>Mit untergeschlagenen Beinen sa� ich hinter dem kleinen K�chentisch. Dann erhob ich mich, ging zur Speisekiste, nahm Brot und Trockenfleisch heraus und begann langsam zu kauen. Als ich mit der Mahlzeit fertig war, wischte ich mir den Mund und ging zur Treppe.</p><p>Mi� Henderson schrie abrupt auf und raffte das Bettzeug um sich zusammen.</p><p>Ich stand auf der Schwelle; die T�r hing schief in den Angeln. Der Riegel war mitsamt der Halterung aus der Wand gerissen worden.</p><p>Sie kroch auf dem Bett r�ckw�rts gegen die Wand. �Tu mir nichts�, flehte sie. �Ich h�tte auch bestimmt die T�r ge�ffnet!�</p><p>Ich trat mit gro�en Schritten auf sie zu. �Eine Sklavin k�nnte f�r eine solche L�ge ihr Leben verlieren�, sagte ich.</p><p>Ich ri� ihr das d�nne Gewand vom Leib.</p><p>�Verschwinde aus meinem Schlafzimmer!� rief sie schluchzend.</p><p>�Sei froh, da� ich dich nicht zwinge, heute nacht deinen Unterhalt zu verdienen!� sagte ich. �Zwischen einem Mann und seiner ausgehaltenen Frau hat es keinen Riegel zu geben � es sei denn, er bestimmt es so. F�r heute nacht ist dies nicht dein Schlafzimmer � du schl�fst unten im Sklavenk�fig!�</p><p>Ich packte sie an den Haaren und schleppte sie zur T�r.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Zur f�nften Ahn kehrte ich ins Haus zur�ck. In der Taverne des Cleanthes hatte ich ein wenig geschlafen. In Victoria besuchte ich verschiedene Tavernen, von denen es in der Stadt mehrere gab. Gewisserma�en hatte jede ihre Reize. Alles in allem war ich aber am liebsten bei Tasdron zu Gast, bei dem die fr�here Peggy Baxter ihre Sklavendienste verrichtete.</p><p>Ich entz�ndete eine kleine Tharlarion�l-Lampe im Flur und holte das M�dchen aus dem K�fig.</p><p>�Ich friere und habe Hunger�, sagte sie.</p><p>�In der K�che gibt es zu essen � Brot und Trockenfleisch. Auch liegt dort Geld. Du k�nntest heute auf den Markt gehen. Hast du geschlafen?�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>�Ich mu� zum Anheuern in den Hafen�, sagte ich.</p><p>�Du stinkst nach Paga-Taverne�, sagte sie.</p><p>Ich wandte mich ab und legte meinen Geldbeutel fort. Normalerweise nahm ich ihn nicht mit zum Hafen.</p><p>�Waren die M�dchen h�bsch?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�So h�bsch wie ich?�</p><p>�Ich nehme es an�, erwiderte ich. �Einige jedenfalls.�</p><p>�Hast du dich gut am�siert?�</p><p>�Ja.� Ich ging zu einem Wassereimer in der Ecke des Zimmers, nahm den Deckel ab, sch�pfte mit einer Kelle Wasser und wusch mir H�nde und Gesicht.</p><p>�Ist in der Taverne etwas Ungew�hnliches vorgefallen?� wollte sie wissen.</p><p>�Es sind W�chter aus Ar-Station in Victoria�, sagte ich.</p><p>�Und was wollen sie hier?�</p><p>�Hast du schon von dem Topas erz�hlen h�ren?� fragte ich.</p><p>�Ja, Leute auf dem Markt sprachen davon.�</p><p>�Es ist ein Symbol der Verpflichtung, das anscheinend unter Flu�piraten �blich ist, wenn sie sich f�r massive Aktionen zusammenfinden.�</p><p>�Die M�nner aus Ar-Station suchen nach dem Topas?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Sie f�rchten, da� ihr Posten angegriffen wird.�</p><p>�Ja�, best�tigte ich und trocknete mir das Gesicht mit einem Handtuch. �Und sollte Ar-Station vernichtet werden, w�re der �stliche Teil des Flusses zwischen Tafa und Lara den Piraten mehr oder weniger hilflos ausgeliefert.�</p><p>�Und als n�chstes k�me Port Cos an die Reihe?� fragte sie.</p><p>�So etwas vermutet man.�</p><p>�Haben die W�chter aus Ar-Station den Topas denn nun gefunden?� fragte sie.</p><p>�Meines Wissens nicht�, sagte ich. �Ich und andere wurden vor der Taverne des Cleanthes angehalten. Sp�ter wurden alle G�ste der Taverne durchsucht, mit Ausnahme derjenigen, die sich die W�chter vor kurzer Zeit schon drau�en vorgenommen hatten.�</p><p>�Du wurdest also kein zweitesmal durchsucht?� fragte sie.</p><p>�Nein. Es waren dieselben M�nner, die die Kontrolle in der Sch�nke durchf�hrten.�</p><p>�Sollte der Topas die Festung des Policrates erreichen�,</p><p>ie sagte sie, �w�re der Weg frei f�r d Vereinigung der Piratenstreitkr�fte aus Ost und West.�</p><p>�Vielleicht ist der Stein l�ngst in der Festung des Policrates�, sagte ich.</p><p>�Bestimmt werden alle Zufahrtsstra�en zu einer solchen Zitadelle �berwacht.�</p><p>�Wirkungsvoll l��t sich so etwas nur durchf�hren�, meinte ich, �wenn man eine gro�e Zahl von Leuten einsetzt. Ich glaube, ein umsichtiger Kurier h�tte keine M�he, die Zitadelle zu erreichen.�</p><p>�Welche Hoffnung besteht dann f�r jene, die den Topas von Policrates fernhalten wollen?�</p><p>�Man macht sich Hoffnung, den Kurier abzufangen, ehe er in die Zitadelle gelangt.�</p><p>�Eine Hoffnung, die auf schwachen Beinen steht.�</p><p>�Da bin ich ganz deiner Meinung.�</p><p>�Ich m�chte nicht im Besitz des Steines sein�, sagte sie.</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte ich l�chelnd.</p><p>�Du hast mich letzte Nacht in den K�fig gesteckt�, sagte sie.</p><p>�Das ist mir nicht fremd.�</p><p>�Ich werde die T�r zwischen uns nicht mehr verschlie�en.�</p><p>�Das w�rde ich dir auch raten.�</p><p>Sie trat dicht vor mich hin. Ich mu�te mich beherrschen, um sie nicht an mich zu rei�en.</p><p>�Jason�, sagte sie.</p><p>�Ja?�</p><p>Sie zog ihre Robe herab, bis ein St�ck Schulter frei war. �Ich bin bereit, meinen Unterhalt zu verdienen�, sagte sie.</p><p>�Du sprichst wie eine Sklavin�, sagte ich tadelnd.</p><p>�Sklavinnen verdienen sich nicht ihren Unterhalt�, sagte sie. �Sie tun, was ihnen befohlen wird.�</p><p>�Ich frage mich, ob du eine gute Sklavin abgeben w�rdest.�</p><p>�Versklave mich!� sagte sie. �Dann siehst du es.�</p><p>�Du bist eine Frau der Erde.�</p><p>�Auf dieser Welt werden viele Erdenfrauen als absolute Sklavinnen gehalten.�</p><p>Ich blickte sie an.</p><p>Pl�tzlich kniete sie vor mir nieder. �Versklave mich!� flehte sie. �Ich werde dir eine gute Dienerin sein!�</p><p>�Steh auf!� forderte ich verwirrt. �Du bist eine Erdenfrau. Mu� ich ausgerechnet dir, einer kleinen Feministin, beibringen, wie sich eine echte Person verh�lt.�</p><p>�Wir sind hier nicht auf der Erde, sondern auf Gor. Solche Dinge habe ich hinter mir gelassen. Ich habe zuviel dazugelernt.�</p><p>�Steh auf!�</p><p>�Auf Gor brauche ich mich nicht mehr zu verstellen. Hier brauche ich keine Marionette enger Moralbegriffe mehr zu sein. Hier bin ich endlich frei, mich als Frau auszuleben.�</p><p>�Steh auf!� br�llte ich.</p><p>�Erf�lle meine Bed�rfnisse, bitte!� flehte sie.</p><p>�Du mu�t so tun, als h�ttest du sie nicht!�</p><p>�Wir sind hier nicht auf der Erde!� wiederholte sie. �Warum sollte ich mich nach den dortigen Vorstellungen richten?�</p><p>�Geh auf dein Zimmer, Mi� Henderson!� sagte ich.</p><p>�Und soll ich mich dort ausziehen und auf dich warten?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ein M�dchen ist wahrhaft sicher in deiner Gesellschaft!� bemerkte sie sarkastisch.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Benimmst du dich gegen�ber den Dirnen in den Paga-Tavernen ebenso?� fragte sie.</p><p>�Die sind anders�, entgegnete ich. �Die sind Sklavinnen.� Und f�gte mi�gestimmt hinzu: �Und nichts anderes!�</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie. �Ich beneide die elenden Kreaturen.�</p><p>�Du bist eine Frau von der Erde�, sagte ich. �Ich habe nicht die Absicht, dich zu mi�brauchen.�</p><p>�Daf�r bin ich dir dankbar, Aushalter!� sagte sie sp�ttisch.</p><p>�rgerlich beugte ich mich �ber meinen Beutel. Ich wollte mir Geld herausnehmen, um es im Saum meiner Tunika zu verstecken � eine Angewohnheit, die unter den Arbeitern Gors weit verbreitet ist.</p><p>�Was ist los?� fragte das M�dchen hinter mir.</p><p>�Das hier hatte ich vorhin noch nicht�, sagte ich und zog etwas aus meinem Beutel.</p><p>�Was ist es?� fragte sie.</p><p>Langsam drehte ich den Gegenstand in der Hand hin und her. Es war das Bruchst�ck eines geschliffenen Steins, Teil eines gro�en rechteckigen Juwels mit eingeschliffenen schr�gen Facetten. Das Gebilde war etwa faustgro�, gelblich und mit einer komplizierten, ungew�hnlichen br�unlichen Verf�rbung an der Stelle, wo es offenbar aus einem gr��eren Gebilde herausgebrochen worden war.</p><p>�Was ist das?� fragte sie.</p><p>�Ich wei� es nicht genau�, sagte ich. �Ich glaube, ein Topas.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Ich ging noch einmal nach drau�en und brachte die anderen Dinge ins Haus, die ich hier und dort in Victoria erstanden hatte. Dann verriegelte ich die T�r.</p><p>�Wer ist da?� rief Mi� Henderson von oben.</p><p>�Jason�, antwortete ich. Die Sklavin z�hlte nicht.</p><p>�Wer ist das?� fragte Mi� Henderson, die oben am Treppenabsatz erschienen war.</p><p>�Liegt das nicht auf der Hand?� fragte ich. �Eine Sklavin. Ich nenne sie Lola.� Dies schien mir angemessen, da sie diesen Namen im Haus des Andronicus getragen hatte.</p><p>�Wer ist sie?� fragte Lola. Ich l�chelte. Vor einem Goreaner h�tte die Sklavin nicht so offen sprechen d�rfen.</p><p>Best�rzt stand Mi� Henderson oben an der Treppe.</p><p>�Sie ist h�bsch�, sagte Lola, �und wohnt in deinem Haus. Trotzdem tr�gt sie keinen Kragen. Wie ich sehe, hast du dich seit damals im Haus des Andronicus nicht ver�ndert, Jason.�</p><p>�Unversch�mte Sklavin!� rief Mi� Henderson.</p><p>Lola hatte mich mit meinem Namen angesprochen; daf�r hatte sie eine Bestrafung verdient.</p><p>�Es mu� eingekauft werden�, sagte ich zu Mi� Henderson. �K�mmere dich darum.�</p><p>�Ich will nicht!�</p><p>�K�mmere dich darum!� wiederholte ich.</p><p>�Ja, Jason�, sagte sie zornig, kam die Treppe herab, holte Geld aus der K�che und verlie� das Haus. Ich verriegelte die T�r wieder hinter ihr.</p><p>Lola blickte mich an. �Wenigstens werde ich hier ein sch�nes Sklavenleben haben�, sagte sie.</p><p>Ich hatte sie w�hrend meiner Mittagspause gefunden, w�hrend ich beil�ufig durch die Hafenm�rkte wanderte, in denen billige M�dchen zum Verkauf kamen. Zehn Kupfer-Tarsks hatte sie mich gekostet. Anschlie�end hatte ich mir den aufgelaufenen Lohn auszahlen lassen und den Nachmittag frei genommen, wof�r mein Chef und die anderen Arbeiter gro�es Verst�ndnis zeigten. Auf dem R�ckweg erstand ich noch Sklaventunika, Sklavenkragen und Ketten � und das alles in doppelter Ausfertigung, ohne da� ich einen Grund daf�r h�tte angeben k�nnen.</p><p>Ich schnalzte mit den Fingern, und gehorsam eilte die Sklavin herbei, um abzur�umen.</p><p>�Eine wirklich unterw�rfige Dirne�, sagte Mi� Henderson, die auf der anderen Seite des Tisches kniete.</p><p>Lola hob den Blick nicht.</p><p>�Ziemlich ver�ndert seit heute nachmittag, als du sie ins Haus brachtest�, fuhr sie fort. �Was hast du mit ihr angestellt?�</p><p>�Sie daran erinnert, da� sie Sklavin ist�, antwortete ich.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Mi� Henderson.</p><p>Lola erhob sich und brachte auf nackten Sohlen das Geschirr in die K�che.</p><p>�Ihre Tunika hat keine �rmel und ist zu kurz�, bemerkte Mi� Henderson.</p><p>�Es gef�llt mir so.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Sie geh�rt ja dir.�</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen kniete Lola im Sklavenk�fig und blickte zu mir auf. �Du bist doch ganz anders als fr�her�, sagte sie.</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>Sch�chtern streckte sie den Arm zwischen den Gitterst�ben hindurch und ber�hrte mich. �Wirst du bald wieder dein Vergn�gen bei mir suchen?� wollte sie wissen.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Ich bin froh, da� du mich gekauft hast�, fl�sterte sie. �Ich will versuchen, dir gut zu dienen.�</p><p>�Bilde dir nicht ein, da� du es hier leicht hast�, sagte ich warnend. �Wir haben eine freie Frau im Haus.�</p><p>�Ich werde ihr gehorchen�, sagte Lola, �als vollkommene Sklavin.�</p><p>�Aber vergi� nicht, da� du mir geh�rst, und nicht ihr.�</p><p>�Das werde ich nicht vergessen�, sagte sie l�chelnd, k��te ihre Fingerspitzen, streckte die Hand durch die Gitterst�be und ber�hrte mich an der H�fte. �Ich wei� sehr wohl, wer mein Herr ist.�</p><empty-line/><p>�Du bist ein h�bsches Ding, Lola�, sagte Mi� Henderson nach dem Essen. Schwarzer Wein stand auf dem Tisch.</p><p>�Danke Herrin�, antwortete Lola mit gesenktem Kopf.</p><p>�Die M�nner finden dich bestimmt attraktiv�, sagte Mi� Henderson.</p><p>�M�glich�, antwortete Lola, �einige zumindest.� Ich l�chelte vor mich hin. Der Mann, der Lola nicht anziehend fand, mu�te schon ziemlich ausgetrocknet sein.</p><p>�Wie lange bist du schon Sklavin?� wollte Mi� Henderson wissen.</p><p>�Vier Jahre, Herrin.�</p><p>�Hast du in dieser Zeit mehrere Herren gehabt?�</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>�Hast du ihnen als Sklavin gedient?�</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>�Voll und ganz?�</p><p>Lola senkte den Kopf noch mehr. �Ja, Herrin�, fl�sterte sie.</p><p>�Genie�t du es, die Hand deiner Herrin am K�rper zu sp�ren?� fragte Mi� Henderson.</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>�Wie ich sehe, bist du eine echte Sklavin.�</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>��brigens�, sagte ich zu Mi� Henderson, �ich m�chte, da� du deine Sachen aus dem gro�en Schlafzimmer schaffst.�</p><p>�Es ist mein Schlafzimmer!� rief sie.</p><p>�Nicht mehr. Jetzt nehme ich es. Es ist gr��er. Und es hat die Veranda, und man kann von dort den Garten und den Himmel sehen. Ich bin der Mieter des Hauses, ich nehme das Zimmer.�</p><p>�Nein!� sagte sie.</p><p>�Au�erdem steht in dem Zimmer die gro�e Couch mit dem Sklavenring am Fu�ende.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Mi� Henderson und warf einen zornigen Blick auf Lola. Dann sprang sie auf und eilte zornig nach oben.</p><p>Genu�voll trank ich meinen schwarzen Wein aus. Als ich fertig war, hie� ich Lola abr�umen und sich um die K�chenarbeit zu k�mmern.</p><p>Einige Zeit sp�ter ging ich nach oben. Mi� Henderson hatte das Zimmer ausger�umt und sa� in ihrem neuen Raum am Fu�ende der Couch. Ich holte meine Sachen aus diesem Zimmer und brachte sie in den gro�en Schlafraum. Von dort trat ich auf die Veranda hinaus und betrachtete den pr�chtigen Himmel. Als ich wieder nach unten ging, begegnete ich Mi� Henderson, die ebenfalls nach unten wollte.</p><p>�Du scheinst erz�rnt zu sein�, sagte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum gehst du nach unten?�</p><p>�Um die Sklavin zu beaufsichtigen�, sagte sie. �M�dchen dieser Art sind faul und tun nichts, wenn man sie nicht im Auge beh�lt.�</p><p>Ich trat zur Seite und lie� sie vorgehen. Sie war eine freie Frau, eine Frau von der Erde. Sie war keine Sklavin, die ihrem Herzen zu folgen hatte.</p><empty-line/><p>�Komm zu mir, Lola!� sagte ich.</p><p>Es war fr�her Abend. Mi� Henderson und ich lagen ausgestreckt im Wohnzimmer und genossen einen turianischen Lik�r.</p><p>�Du kannst unm�glich w�tend sein�, sagte ich zu Mi� Henderson, �da� ich sie gekauft habe.� Ich drehte Lola, die neben mir stehengeblieben war, zur Seite und streichelte ihr das Bein. �Schau dir ihre Schenkel an und die verlockenden Rundungen ihres K�rpers, ihre Br�ste und Schultern, und ihren Hals, der meinen Kragen tr�gt.�</p><p>�Ja�, sagte Mi� Henderson gepre�t, �du hast mit ihr wirklich einen guten Kauf gemacht!�</p><p>�Wenn du heute mit der Arbeit fertig bist, Lola�, sagte ich, �gehst du wieder nach oben und erwartest mich.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und eilte in die K�che.</p><p>�Findest du sie sch�ner als mich?� fragte Mi� Henderson m�rrisch.</p><p>�Sie ist sehr sch�n�, entgegnete ich, �aber sicher nicht sch�ner als du. Du bist wirklich sch�n.�</p><p>�Und doch kniet sie an deinem Lager und nicht ich.�</p><p>Ich knirschte mit den Z�hnen und verdr�ngte hastig die Vorstellung, Mi� Henderson k�nnte nackt in meinen Fellen liegen. Sie war die attraktivste Frau, die ich je gekannt hatte.</p><p>�Du bist eine freie Frau�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht g�be ich eine gute Sklavin ab.�</p><p>�Ich habe dir Respekt gezollt, ich habe dir die Freiheit gegeben. Und Geld. Nichts habe ich dir verweigert. Trotzdem bist du unzufrieden.�</p><p>�Eins hast du mir verweigert.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Den Sklavenkragen.�</p><p>�Geh auf dein Zimmer�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte sie, �ich m�chte dich auch nicht l�nger von deiner Dirne fernhalten.�</p><p>Ich folgte ihr die Treppe hinauf und betrat mein Zimmer. Die T�r verriegelte ich hinter mir.</p><p>Lola kniete nackt vor der Couch. �Ich bin bereit, dir Vergn�gen zu schenken, Herr�, sagte sie l�chelnd.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Die T�r stand offen.</p><p>Ich war fr�h aus dem Hafen zur�ckgekehrt. Es hatte nur wenig Arbeit gegeben.</p><p>Da� die T�r offen war, machte mir Sorgen.</p><p>�Lola!� rief ich und trat �ber die Schwelle. �Lola!�</p><p>Ich h�rte ein leises Jammern, ged�mpft, beinahe unh�rbar.</p><p>Ich lief zum Sklavenk�fig, der links im Vorflur stand. Lola hockte gefesselt und geknebelt darin.</p><p>Der Schl�ssel lag in der N�he. Ich �ffnete den K�fig, hob das M�dchen heraus und befreite es von dem dicken Knebel.</p><p>�Die Herrin�, sagte sie. �Sie ist oben.�</p><p>Ich sah mich um. Im Haus herrschte ein unbeschreibliches Durcheinander, alles war durchw�hlt worden. Kreuz und quer lag die Einrichtung herum. Mein Geldbeutel, den ich zu Hause gelassen hatte, war auf dem Boden ausgeleert worden.</p><p>�Wer hat das getan?� fragte ich.</p><p>�Ein Mann�, antwortete die Sklavin. �Ein gro�er Mann. Er trug eine purpurne Maske.�</p><p>�Ist er noch im Haus?�</p><p>�Nein�, japste sie.</p><p>�Was wollte er?�</p><p>�Ich wei� es nicht, Herr.�</p><p>Nachdem ich auch Lolas Fesseln gel�st hatte, eilte ich nach oben. Mi� Henderson lag im gro�en Schlafzimmer auf der Couch. Sie blickte mich kummervoll an. Man hatte sie wie eine Sklavin gefesselt. Ihr K�rper wies blaue Flecken auf.</p><p>Meine Habe war durchsucht und �berall verstreut worden.</p><p>Lola, die inzwischen ihre Sklaventunika angezogen hatte, erschien an der T�r. �Die Herrin war ganz arglos�, sagte sie, �und �ffnete. Der Mann dr�ngte sich ins Haus und hielt ihr sofort ein Messer an die Kehle. �Nicht fliehen oder schreien!� sagte er, �sonst stirbt deine Herrin. Bring T�cher und Fesselschnur.� Ich gehorchte, und er fesselte uns.�</p><p>Zornig musterte ich Mi� Henderson. Wie t�richt von ihr, gedankenlos die T�r zu �ffnen!</p><p>Sie b�umte sich in ihren Fesseln auf.</p><p>�Soll ich sie losbinden, Herr?� fragte Lola.</p><p>�Nein�, sagte ich aufgebracht.</p><p>Ich schaute kurz in Mi� Hendersons Schlafzimmer, das ebenfalls von oben bis unten v�llig durchw�hlt worden war.</p><p>�Die K�che ist sicher ebenfalls verw�stet�, sagte ich zu Lola, als ich in das gro�e Schlafzimmer zur�ckkehrte.</p><p>�Ja.�</p><p>�Was hat er mitgenommen?�</p><p>�Soweit ich wei�, nichts.�</p><p>�Geh in die K�che, Lola�, befahl ich, �und mach Ordnung.�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie.</p><p>Ich schlo� die T�r hinter ihr. Ich hatte keinen Zweifel, worauf es der Besucher abgesehen hatte.</p><p>Mi� Henderson wimmerte.</p><p>�Wie dumm von dir, die T�r zu �ffnen, ohne die Identit�t deines Besuchers zu kennen!� sagte ich.</p><p>Tr�nen schossen ihr in die Augen, die mich zugleich zornig ansahen.</p><p>�Aber zumindest bist du ein h�bscher kleiner Dummkopf�, fuhr ich fort.</p><p>Zornig drehte sie sich in den Fesseln.</p><p>Ich kniete mich auf die Couch und nahm ihr vorsichtig den Knebel ab. �Der Mann versteht sein Handwerk�, sagte ich. �Offenbar wei� er, wie man Gefangene behandelt.�</p><p>�Nachdem er mich nach oben gebracht und gefesselt hatte, ist er �ber mich hergefallen. Er hat mich dazu gebracht, ihn darum anzuflehen!�</p><p>�Du machst dich gut so! Wie eine Sklavin liegst du gefesselt vor mir.�</p><p>Sie b�umte sich hilflos auf. �Bitte mach mich los!�</p><p>Ich schaute sie an.</p><p>�Der Topas ist fort�, bemerkte sie.</p><p>�Sprich leise!� befahl ich. �Lola ist Sklavin. Sie braucht von dem Topas nichts zu wissen.�</p><p>�Er ist fort�, sagte sie leise.</p><p>�Ach?�</p><p>�Ich war so ver�ngstigt, da� ich ihm sofort sagte, wo er ist.� W�tend blickte sie mich an. �Und trotz meiner Mithilfe nannte er mich dann �Sklavin� und unterwarf mich seinem Willen!�</p><p>�Welches Versteck hattest du ihm denn angegeben?� fragte ich.</p><p>�Deinen Geldbeutel, der unten lag. Dort bewahrtest du ihn doch auf.�</p><p>�Dort war der Stein seit Tagen nicht mehr.�</p><p>�Wo ist er denn?�</p><p>�An einem anderen Ort.�</p><p>Sie musterte mich stumm.</p><p>�Dein Gl�ck, da� er dich wie eine Sklavin behandelt hat. H�tte er dich f�r eine freie Frau gehalten, w�re er vielleicht wieder nach oben gekommen, um dir die Kehle durchzuschneiden. Er vermutete wohl, da� du als Sklavin nicht genau wissen konntest, wo ein so wertvoller Gegenstand aufbewahrt wurde. Jedenfalls hat er den Topas nicht gefunden - sonst h�tte er das Haus auch nicht v�llig durchw�hlt.�</p><p>�Ich dachte, er h�tte ihn�, sagte Mi� Henderson. �Auf den Gedanken, da� du mir das neue Versteck nicht verraten w�rdest, bin ich nicht gekommen.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Und indem du mich nicht in dein Vertrauen zogst, hast du mich wie eine Sklavin behandelt, nicht wahr, Jason?�</p><p>�Damit habe ich dir vielleicht das Leben gerettet.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie zornig.</p><p>�Au�erdem lag auf der Hand, da� du das Versteck des Topases sofort verraten h�ttest, davon ging ich jedenfalls aus. Aber es ist wichtig, da� er Policrates nicht in die H�nde f�llt. Wenn das n�mlich gesch�he, w�rden die Hauptstreitkr�fte der Piraten am �stlichen Vosk zumindest vor�bergehend mit denen des Westens vereinigt werden. Das mu� m�glichst verhindert werden. Da du das Versteck des Topases nicht kanntest, konntest du es logischerweise nicht verraten, es sei denn, du w�rst zuf�llig darauf gesto�en. Je weniger Leute das Versteck kennen, desto besser.�</p><p>�Wo ist der Topas, Jason?�</p><p>�Ich m�chte es dir nicht sagen.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte sie, �du l��t deine Sklavinnen im dunkeln tappen.�</p><p>�Verwechsle dich nicht mit einer Sklavin, Mi� Henderson�, sagte ich. �W�rst du meine Sklavin, w�rdest du das ganz deutlich sp�ren.�</p><p>�Da bin ich nicht so sicher. Darf ich fragen, wie lang ich hier noch so gefesselt leiden mu�?�</p><p>�Eine oder zwei Ahn�, antwortete ich. �Ich lasse von Lola wieder Ordnung machen. Wenn sie fertig ist, wirst du losgebunden und kannst auf dein Zimmer gehen. Morgen darfst du wieder nach unten kommen.�</p><p>�Jason�, sagte sie.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich habe mich dem Mann hingegeben�, sagte sie.</p><p>�Als Sklavin?�</p><p>�Ja � bin ich denn nun immer noch keine Sklavin?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Dir werde ich niemals wonnevoll erliegen!� sagte sie aufgebracht. �Du kannst mich nicht dazu zwingen!�</p><p>Ich l�chelte � war sie keine Frau? Dann schlug ich mir solche Gedanken aus dem Kopf. Sie war Mi� Beverly Henderson von der Erde. Leise schlo� ich die T�r hinter mir.</p><p>�Ich hasse dich!� rief sie mir nach.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Lola!� rief ich. �Lola!�</p><p>Es war ein langer Tag auf den Hafenpiers gewesen. Ich freute mich auf die F�rsorge der h�bschen kleinen Sklavin.</p><p>�Lola!� rief ich.</p><p>Wo war sie? Sie h�tte l�ngst zu mir eilen und fr�hlich vor mir knien m�ssen.</p><p>�Lola!� Allm�hlich wurde ich b�se. Wurde das M�dchen nachl�ssig? Vielleicht mu�te sie an ihre Pflichten erinnert werden.</p><p>�Sie ist nicht hier�, sagte Mi� Henderson leichthin.</p><p>�Du hast sie Einkaufen geschickt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wo ist sie dann?� fragte ich. �Du wei�t, ich habe sie gern um mich, wenn ich nach Hause komme.�</p><p>�Sie ist nicht hier�, antwortete Mi� Henderson ausweichend.</p><p>�Wo?�</p><p>�Sie war eine �rmliche Sklavin�, sagte Mi� Henderson. �Sie war faul. Ihre Arbeit war nicht zufriedenstellend.�</p><p>�Wo ist sie?�</p><p>�Ich war unzufrieden mit ihr.�</p><p>�Wo ist sie?�</p><p>�Ich habe sie verkauft!�</p><p>Ungl�ubig starrte ich sie an.</p><p>�Ihre Arbeit war nicht zufriedenstellend�, wiederholte sie. �Ich befahl ihr, sich fesseln zu lassen, was sie als Sklavin nicht ablehnen konnte. Ich f�hrte sie daraufhin zum Hafen, wo ich sie verkaufte.�</p><p>�An welchen H�ndler?� fragte ich zornig.</p><p>�Nach dem Namen habe ich nicht gefragt.�</p><p>�Auf welchem Kai war der Markt?�</p><p>�Ich habe zwei Kupfer-Tarsks f�r sie bekommen.�</p><p>�Der Markt stand auf welchem Kai?�</p><p>�Wenn du willst, gebe ich dir die beiden Kupfer-Tarsks.�</p><p>�Auf welchem Kai!�</p><p>�Ich habe nicht darauf geachtet�, sagte sie. �Sicher ist sie l�ngst weiterverkauft worden, Jason! La� mich los!�</p><p>Ich hatte sie grob an den Armen gepackt und hob sie beinahe von den F��en.</p><p>�Es stand dir nicht zu, sie zu verkaufen!� sagte ich.</p><p>�Sie arbeitete nicht gut�, antwortete sie. �Ich habe Anteil an diesem Haushalt.�</p><p>�Es stand dir trotzdem nicht zu!�</p><p>�Ich gebe dir die beiden M�nzen�, sagte sie. �Wir k�nnen uns eine andere Arbeitssklavin kaufen, eine bessere Arbeiterin, mit der wir beide zufrieden sind.�</p><p>�Lola hat vorz�glich gearbeitet�, sagte ich.</p><p>�Ich mochte sie nicht. � Jason!�</p><p>Ich hatte sie w�tend quer durch das Zimmer geschleudert.</p><p>�Vorsicht! Ich bin frei!�</p><p>�Du hattest nicht das Recht, sie zu verkaufen!�</p><p>�Ich bin frei. Ich tue, was mir gef�llt!�</p><p>Aufgebracht starrte ich sie an. Dann wandte ich mich ab.</p><p>�Wohin gehst du?� fragte sie.</p><p>�Zum Hafen.�</p><p>�Sie ist bestimmt l�ngst verkauft!� rief sie. �Du wirst sie niemals finden!�</p><p>�Wann hast du sie zum Verkauf gebracht?�</p><p>�Heute fr�h, kurz nach deinem Weggang.�</p><p>�Du hast dir das gut �berlegt.�</p><p>�Du wirst sie niemals finden!�</p><p>Zornig verlie� ich das Haus und knallte die T�r hinter mir zu. Dann begann ich in Richtung Hafen zu laufen.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Ich hing in den Seilen. Mein R�cken schmerzte von den Peitschenhieben, die ich empfangen hatte.</p><p>�Soweit wir feststellen k�nnen�, sagte der W�chter aus Port Cos, �wei� er nichts �ber den Verbleib des Topases.�</p><p>�Ich b�rge f�r ihn�, sagte Tasdron. �Er ist ein ehrlicher Arbeiter, �berall im Hafen bekannt. Er ist schon wochenlang in Victoria.�</p><p>Als ich Tasdrons Taverne verlie�, wo ich bei Peggy Trost gesucht hatte wegen des Verlustes meiner Sklavin, hatte ich pl�tzlich einer Gruppe W�chter gegen�bergestanden, die die Livree von Port Cos trugen. Mehrere Armbr�ste waren auf mich gerichtet.</p><p>�La� die H�nde von den Waffen!� hatte man mir befohlen. �Leiste keinen Widerstand!�</p><p>�Ist er das?� hatte der Anf�hrer der W�chter gefragt.</p><p>�Ja�, hatte Mi� Henderson gesagt.</p><p>�Du bist verhaftet�, hatte der Offizier mir daraufhin verk�ndet.</p><p>�Wessen werde ich beschuldigt?� wollte ich wissen.</p><p>�Landstreicherei!�</p><p>�Das ist absurd!�</p><p>�Deine Unschuld, wenn du denn unschuldig bist, kann sich sp�ter noch erweisen.�</p><p>�Wir sind hier in Victoria�, stellte ich fest.</p><p>�Die Macht von Port Cos begleitet seine Soldaten, wohin sie auch gehen�, antwortete der Mann. �Fesselt ihn.�</p><p>Man hatte mir die H�nde auf dem R�cken zusammengebunden.</p><p>�Ich bin fertig mit dir, Jason�, sagte Mi� Henderson. Dann hatte sie sich dem Anf�hrer der W�chter zugewandt. �Und jetzt meine Bezahlung.�</p><p>�Fesselt sie ebenfalls�, hatte er geantwortet. Zu ihrer Verbl�ffung erlitt sie dasselbe Schicksal wie ich. �Bringt sie beide ins Hauptquartier!� befahl der Anf�hrer.</p><p>�Ich b�rge f�r ihn�, wiederholte Tasdron. �Er ist ein ehrlicher Arbeiter.�</p><p>�Kam er aus dem Osten oder aus dem Westen?� fragte der W�chter.</p><p>�Soweit ich wei�, aus dem Osten, aus Lara�, erwiderte Tasdron.</p><p>�Das behauptet er ebenfalls.�</p><p>�In meiner Taverne�, fuhr Tasdron fort, �geriet er mit dem Piraten Kliomenes aneinander. Er h�tte leicht das Leben verlieren k�nnen. Der Kurier Ragnar Voskjards w�rde sich wohl kaum in eine solche Situation begeben. Au�erdem scheint er sich im Schwertkampf nicht auszukennen.�</p><p>�Niemand behauptet, da� er der Kurier sei�, sagte der W�chter. �Man meint nur, da� er wei�, wo sich der Topas befindet.�</p><p>�Gibt es einen Grund f�r diese Vermutung?�</p><p>�Nur das Wort einer freien Frau, die er ausgehalten hat.�</p><p>�Ich verstehe�, meinte Tasdron. �Und hast du schon einmal �hnliche Situationen erlebt?�</p><p>�Viermal�, sagte der W�chter angewidert.</p><p>�Zweifellos hast du seine Wohnung durchsucht�, bemerkte Tasdron.</p><p>�Er hat ein kleines Haus. Wir haben Haus und Garten abgesucht.�</p><p>�Und was habt ihr gefunden?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Was hast du f�r einen Eindruck � ist die Frau ihm wohlgesonnen?� wollte Tasdron als n�chstes wissen.</p><p>�Sie ha�t ihn.�</p><p>�Und scheint sie sich f�r die Belohnung zu interessieren, die auf das Auffinden des Topases ausgesetzt wurde?�</p><p>�Ja. Das Geld ist ihr anscheinend sehr wichtig.�</p><p>�Zehn Silber-Tarsks � das ist eine betr�chtliche Summe�, meinte Tasdron. �Die W�chter aus Ar-Station, die ebenfalls in Victoria nach dem Stein suchen, bieten nur sechs Silber-Tarsks.�</p><p>�Schneidet ihn los�, befahl der Anf�hrer der W�chter.</p><p>Als die Fesseln meiner Handgelenke durchgeschnitten wurden, ging ich zu Boden, ohne aber v�llig von den F��en zu sinken.</p><p>�Kr�ftig ist er�, sagte der Anf�hrer.</p><p>Meine Tunika war bis zur H�fte aufgerissen. �Vielen Dank, Tasdron, da� du dich f�r mich verwendet hast�, sagte ich.</p><p>�Keine Ursache�, erwiderte er und verlie� den Raum.</p><p>�Du kannst gehen�, sagte der Anf�hrer der W�chter zu mir. �Deine Sachen bekommst du an der T�r zur�ck.�</p><p>�H�ttet ihr den Topas gefunden�, fragte ich, �was w�re dann aus mir geworden?�</p><p>�Du h�ttest dich im g�nstigsten Fall auf einen lebenslangen Dienst an Bord einer Staatsgaleere freuen k�nnen, am Ruder angekettet.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Vergi� deine Sachen nicht.�</p><p>�Sch�n.�</p><p>An der T�r zog ich die Tunika enger, nahm meinen Geldbeutel und den Schwertgurt samt Waffe. Neben meiner Habe kniete Mi� Henderson, an H�nden und F��en gefesselt, am K�rper die Robe einer freien Frau.</p><p>�Vergi� sie nicht�, sagte der Anf�hrer der W�chter. �Sie geh�rt dir.�</p><p>Ich schaute auf sie nieder. Sie begegnete meinem Blick nicht.</p><p>�M�nner in �hnlichen Situationen�, sagte der W�chter, �haben solche Frauen sofort auf den Sklavenmarkt gebracht.�</p><p>Ich hockte neben Mi� Henderson nieder und l�ste ihre Fu�fesseln. Dann zog ich sie hoch und befreite sie auch von den Schn�ren um die Arme. Dann verlie� ich das kleine Victoria-Hauptquartier der Gardisten. Sie folgte mir nach drau�en. Einige Schritte von dem Geb�ude entfernt, drehte ich mich zu ihr um.</p><p>�Wenn du Geld brauchtest oder besitzen wolltest�, sagte ich, �h�tte ich dir welches gegeben.�</p><p>�Bleib heute nacht bei mir�, bat sie.</p><p>�Ich gehe in die Paga-Taverne.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Dort findet man die interessanteren Frauen!�</p><p>�Warum sind Sklavinnen interessanter als freie Frauen?�</p><p>�Weil sie Sklavinnen sind, die fraulichsten aller Frauen.�</p><p>�Widerlich�, sagte sie. �Meinen Willen k�nnte nie ein Mann brechen.�</p><p>�So etwas sagt stets nur eine Frau, die sich danach sehnt, von einem starken Mann �berw�ltigt zu werden.�</p><p>�Ja, �berw�ltige mich heute nacht�, bat sie. �Mach mich zur Sklavin!�</p><p>�Du bist eine Frau der Erde.�</p><p>�Ich verstehe � zu nobel und zu fein, ganz anders als eine Sklavin.�</p><p>�Nat�rlich � mu� ich dir das immer wieder sagen?�</p><p>�Jason�, fragte sie, �wo ist der Topas?�</p><p>�Welcher Topas?� fragte ich zur�ck.</p><p>Sie stie� einen zornigen Schrei aus, aber ich hatte mich schon abgewandt und machte mich auf den Heimweg.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>�Haltet den Dieb!� rief der rundliche Mann, dem die Roben um den Leib schlackerten.</p><p>Ein fixer kleiner Bursche huschte von ihm fort, eine pralle B�rse in der Hand, deren Schnur er durchgeschnitten hatte. In der Rechten schwenkte der kleine Mann einen langen Dolch.</p><p>M�nner traten zur Seite, um den Dieb durchzulassen.</p><p>�Aufhalten!� rief der rundliche Mann keuchend und stolperte ungeschickt hinter dem Fliehenden her. Einen Ballen Repfasern auf dem R�cken tragend, verfolgte ich die Szene.</p><p>Als der Fliehende in meine N�he kam, setzte ich den Ballen ab und schob ihn ihm abrupt in den Weg. Er prallte dagegen, stolperte dar�ber und rollte auf den Holzdielen der Pier ab. Ich st�rzte mich auf ihn. Auf dem R�cken liegend, hieb er mit der Klinge nach mir, doch ich umfa�te sein Handgelenk mit beiden H�nden und zerrte ihn hoch. Die B�rse lie� er dabei fallen. Zweimal wirbelte ich ihn am Handgelenk herum und schleuderte ihn, getrieben von gro�em Anschwung, in einen Berg Nagelf�sser, die etwas seitlich gelagert waren. Sie ergossen sich �ber ihn. Als ic h ihn wieder zu mir zerrte, war er schon ziemlich benommen und blutete auch aus einigen Wunden. Splitter steckten in seiner Tunika und in seinem Gesicht. Mit beiden H�nden brach ich ihm das Handgelenk und trat das Messer zur Seite, das zu Boden fiel. Anschlie�end drehte ich ihn zu mir herum. Seinen Unterarm umklammernd, starrte er mich aus weit aufgerissenen Augen an. Ein Knochenst�ck ragte durch die Haut. Ich versetzte ihm einen energischen Tritt, und er br�llte vor Schmerzen. Ich drehte ihn um, packte ihn am Nacken, dr�ngte ihn zum Kai, wo ich sein Fu�gelenk packte und ihn kopf�ber ins Wasser st�rzen lie�. Er schwamm sofort zur K�ste und watete gleich darauf hastig aus dem Wasser. Zweimal schrie er noch auf. Als er dann zwischen den St�tzen der n�chsten Pier im flachen Wasser stand, schlug er sich verzweifelt gegen die Beine, in dem Bem�hen, zwei Flu�aale loszuwerden, die sich festgebissen hatten. Torkelnd, breitbeinig, ging er wieder an Land.</p><p>�Wo sind die W�chter, ihn zu verhaften!� japste der Beleibte, der die Kastenfarben Wei� und Gold trug und offensichtlich Kaufmann war.</p><p>�Es gibt in Victoria keine W�chter�, sagte ich. �Zwei Kupfer-Tarsks, f�r jeden von euch�, sagte der Kaufmann zu zwei Hafenarbeitern in der N�he, �wenn ihr den Kerl einfangt, fesselt und zu mir bringt.�</p><p>Hastig machten sich die beiden an die Verfolgung.</p><p>Obwohl etliche M�nner herumstanden, hatte niemand den Versuch gemacht, die B�rse des Kaufmanns zu stehlen, die in der N�he lag. Die meisten Menschen, die in Victoria leben, sind ehrlich.</p><p>Einer reichte dem Kaufmann seinen Besitz zur�ck.</p><p>�Wie hei�t du, Mann?� wandte er sich dann an mich.</p><p>�Jason.�</p><p>�Aus Victoria?�</p><p>�Hier lebe ich zur Zeit�, antwortete ich.</p><p>Der Mann l�chelte. Am Flu� gibt es viele Fremde, die nicht se�haft werden; sie kommen aus ganz Gor. �Du hattest schon einmal Schwierigkeiten mit W�chtern?� fragte er.</p><p>�In Tancreds Furt und Fina � ein wenig�, sagte ich.</p><p>�Ich bin Glyco aus der Kaste der Kaufleute von Port Cos. Du bist ein mutiger Bursche. Ich bin dir dankbar f�r deine Hilfe.�</p><p>�Es war nichts Besonderes�, sagte ich.</p><p>Der jammernde Dieb wurde uns von den beiden Hafenarbeitern vorgef�hrt. Er litt gro�e Schmerzen und konnte kaum noch stehen. Aus den Resten seines Hemdes hatte man eine Handfessel f�r ihn gedreht. Die M�nner dr�ckten ihren Gefangenen vor dem Kaufmann auf die Knie.</p><p>Der Dicke wandte sich zu mir um. Er nahm einen Silber-Tarsk aus dem Beutel und reichte ihn mir.</p><p>�Du brauchst mir nichts zu geben�, sagte ich. �Es war nicht weiter wichtig.�</p><p>�Nimm das Geld als Zeichen meiner Dankbarkeit.�</p><p>Ich griff zu. �Vielen Dank�, sagte ich. Einige der Umstehenden spendeten dem Mann auf goreanische Weise Beifall, indem sie sich gegen die Schultern schlugen. Er war sehr gro�z�gig. F�r die meisten Goreaner ist eine solche M�nze ein gro�er Betrag. Meistens wird er mit hundert Kupfer-Tarsks gleichgesetzt, die in den meisten Orten jeweils zehn bis zwanzig kleine Tarsks wert sind. Zehn Silber-Tarsks machen im allgemeinen ein Goldst�ck aus, wie es von den gro�en St�dten ausgegeben wird. Allerdings mu� gesagt werden, da� es in diesen Dingen nur geringe �bereinstimmung gibt, denn es h�ngt viel von den Realgewichten der M�nzen und ihren Anteilen an Edelmetallen ab, wie sie von den amtlic hen Pr�gestempeln ausgewiesen werden. Manchmal werden M�nzen auch durchgetrennt oder abgespant. Oft kommen �ber bestimmte M�nzen auch �ble Ger�chte in Umlauf � so machen sich M�nzenh�ndler Waagen wie Ger�chte zunutze. Eines der wichtigsten Geldst�cke auf Gor ist die goldene Tarnscheibe aus Ar, auf die viele andere St�dte ihre Goldst�cke abstellen. Andere allgemein bekannte M�nzen sind der Silber-Tarsk aus Tharna, die goldene Tarnscheibe aus Ko-ro-ba und der goldene Tarn von Port Kar, der vordringlich am westlichen Vosk verbreitet ist, in der Gegend des Tamber-Golfes und einige hundert Pasangs n�rdlich und s�dlich des Vosk-Deltas.</p><p>Nun wandte sich der Kaufmann dem Dieb zu. �Ich werde ihn nach Port Cos bringen lassen, vor die Pr�toren�, sagte er.</p><p>�Bitte, Herr!� flehte der Dieb. �Nicht vor die Pr�toren!�</p><p>�H�ngst du so sehr an deinen H�nden?� fragte der Kaufmann. Mir fiel auf, da� das linke Ohr des Diebes bereits eine Kerbe aufwies. Dieses S�hnezeichen stammte offensichtlich nicht aus Victoria.</p><p>�Bitte, Herr, la� Gnade walten!� flehte der Dieb.</p><p>�Er hat schon einen ziemlich miesen Tag hinter sich�, legte ich ein gutes Wort f�r ihn ein.</p><p>�Dann sollten wir ihm gleich die Kehle durchschneiden!� rief jemand.</p><p>Der Dieb begann zu jammern. �Nein! Nein!� flehte er.</p><p>�Was schl�gst du vor?� fragte mich der Kaufmann.</p><p>��berla� ihn mir�, sagte ich.</p><p>�Nein, bitte, Herr!� wimmerte der Dieb.</p><p>�Er geh�rt dir�, entschied der Kaufmann.</p><p>Ich zerrte den Burschen hoch und schob ihm den Silber-Tarsk in den Mund, so da� er nicht sprechen konnte. �Geh zu einem Arzt�, sagte ich, �der sich um deine Hand k�mmert. Sie scheint gebrochen zu sein. Und morgen bist du nicht mehr in Victoria.� Dann drehte ich ihn um und versetzte ihm einen wohlgezielten Tritt, der ihn �ber den Pier stolpern lie�.</p><p>�Du mu�t W�chter sein�, sagte der Kaufmann.</p><p>Die M�nner blickten dem davonhumpelnden Dieb nach.</p><p>�Du bist gro�z�gig�, sagte der Kaufmann.</p><p>�Er war keine Frau�, sagte ich. �Au�erdem hat er nicht meine B�rse gestohlen.�</p><p>Der Kaufmann lachte.</p><p>Ich blickte hinter dem Fliehenden her. Ich nahm nicht an, da� ehrliche B�rger Victorias von ihm noch etwas zu bef�rchten hatten.</p><p>�Noch etwas, Mann�, sagte der Kaufmann. �Ich bin gesch�ftlich in Victoria. Ich suche einen Mann aus Port Cos, einen Krieger namens Callimachus.�</p><p>Es erstaunte mich, diesen Namen zu h�ren. Es war der Name des Mannes, der mich vor einigen Wochen vor der Klinge des Piraten Kliomenes gerettet hatte.</p><p>�Abends trinkt er oft in der Taverne des Tasdron�, gab ich Auskunft. �Dort findest du ihn vielleicht.�</p><p>�Vielen Dank, Mann�, sagte der Kaufmann, drehte sich l�chelnd um und verschwand zwischen den Kisten und Ballen auf der engen Pier.</p><p>�Habt ihr heute gar nichts zu tun?� fragte der Mann, bei dem ich an diesem Tage angestellt war.</p><p>�O doch, Herr�, sagte ich grinsend und setzte meine Arbeit fort.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>�Zur�ck!� sagte der Pirat.</p><p>Zwei Klingen, die seine und das Schwert eines Gef�hrten, waren auf meine Brust gerichtet.</p><p>�Beverly!� rief ich. Meine schwitzende Hand schwebte �ber meinem Waffengriff.</p><p>�Keine unbedachte Bewegung!� sagte der Pirat, der als erster gesprochen hatte.</p><p>�Wer ist dieser Bursche?� fragte Beverly hochm�tig. Sie kniete in der Haltung einer freien Frau hinter dem kleinen Tisch.</p><p>�Komm sofort mit mir nach Hause�, sagte ich. �Ich habe dich lange gesucht.�</p><p>Vom Hafen nach Hause zur�ckkehrend, hatte ich das Haus leer vorgefunden. Spuren eines gewaltsamen Eindringens oder eines Kampfes gab es nicht. Besorgt hatte ich Victorias Lokale abgesucht. Nach zwei Ahn hatte ich sie nun hier allein in der Piratenkette gefunden, einer sehr miesen Kaschemme, die einem gewissen Hibron geh�rte.</p><p>�Ich m�chte nicht mit dir nach Hause kommen�, sagte sie schnippisch, und ein Schwall Ka-la-na schwappte aus dem Silberkelch, den sie in der Hand hielt. Auf Befehl Kliomenes�, der im Schneidersitz neben ihr hockte, f�llte eine Paga-Sklavin Mi� Hendersons Trinkgef�� nach.</p><p>�Du kleine N�rrin � komm mit nach Hause!� forderte ich, obwohl ich die beiden Schwertspitzen durch meine Tunika auf der Haut sp�rte.</p><p>�Wenn du dein Vergn�gen in Tavernen suchen kannst�, sagte sie, �kann ich das schon lange!�</p><p>�Freie Frauen kommen nicht hierher. Die Sch�nke liegt zu dicht am Haufen. Wir sind hier auf Gor!�</p><p>�Ich habe keine Angst!� rief sie lachend.</p><p>�Du hast keine Ahnung von der Gefahr, in der du dich befindest�, sagte ich.</p><p>�Darf ich dir meinen neuen Freund vorstellen?� fragte sie. �Kliomenes, ein Flu�kapit�n.�</p><p>�Du erinnerst dich sicher gut an ihn�, sagte ich. �Er und seine M�nner waren es, die dich Oneander entf�hrten und verkauften.�</p><p>�Vielleicht war das ein Fehler�, bemerkte Kliomenes und grinste die Frau an.</p><p>�Mich zu entf�hren?� fragte sie verwirrt.</p><p>�Nein, dich dann zu verkaufen!�</p><p>Sie lachte schrill und versetzte ihm spielerisch einen leichten Sto�. �Beleidige mir keine freie Frau, Sleen!� rief sie lachend.</p><p>Daraufhin wurde in der Runde br�llend gelacht, doch in dem Lachen lag etwas Drohendes, das von dem M�dchen wohl nicht wahrgenommen wurde.</p><p>j</p><p>�Aber das liegt etzt alles hinter mir�, sagte sie zu mir und trank einen gro�en Schluck. �Kliomenes ist Kaufmann�, fuhr sie fort. �Ich bin eine freie Frau. Wir begegnen uns als Gleichgestellte. Er ist wirklich ein netter Mann, mein Freund.�</p><p>�Komm sofort mit�, forderte ich. �Begleite mich nach Hause.�</p><p>�Das m�chte ich aber nicht. Kliomenes gibt mir etwas zu trinken aus � er ist wirklich ein Ehrenmann, ein echter Mann!�</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� sie dir geh�rt�, bemerkte Kliomenes am�siert. �Das ist pr�chtig!�</p><p>�Ich geh�re nicht ihm!� widersprach das M�dchen. �Ich bin eine freie Frau!�</p><p>�Bist du seine Gef�hrtin?� wollte Kliomenes wissen.</p><p>�Nein! Ich teile nur sein Quartier. Wir sind nicht einmal Freunde.�</p><p>�Machst du dir Sorgen um sie?� fragte Kliomenes am�siert.</p><p>�Ich m�chte, da� sie mich nach Hause begleitet!�</p><p>�Aber sie selbst w�nscht das nicht�, sagte er l�chelnd.</p><p>�Ich will nicht!� best�tigte sie.</p><p>�Dann verschwinde, du T�lpel!� sagte Kliomenes. �Und denk an unsere erste Begegnung!�</p><p>�Verschwinde, du T�lpel!� lachte das M�dchen.</p><p>�Sei unbesorgt�, grinste Kliomenes, �ich sorge daf�r, da� man sich ihrer annimmt.� M�nner lachten. �Es sei denn, du willst die Sache mit der Klinge ausfechten.�</p><p>Meine schwei�feuchte Hand �ffnete und schlo� sich nerv�s �ber dem Schwertgriff an meiner H�fte.</p><p>Grinsend musterte mich Kliomenes.</p><p>�Bitte, Herr�, sagte Hibron, der Wirt der heuntergekommenen Sch�nke. �Ich m�chte keinen �rger.�</p><p>Zornig wandte ich mich ab und verlie� mit gro�en Schritten das Lokal. Tr�nen hilflosen Zorns stachen mir in den Augen. Ich wu�te, da� ich Kliomenes und den anderen nicht gewachsen war. Mit dem Schwert, das ich trug, konnte ich nicht umgehen. Beim Verlassen der Sch�nke h�rte ich das Lachen Kliomenes� und seiner M�nner. Das M�dchen lachte ebenfalls.</p><p>Drau�en blieb ich mit geballten F�usten stehen. Ich h�rte Kliomenes rufen: �Mehr Wein f�r Lady Beverly, die freie Frau!� Gel�chter brandete auf.</p><p>Ich kehrte nach Hause zur�ck. Lange wartete ich auf die R�ckkehr Beverlys. Am Morgen ging ich wie �blich zum Hafen, um Arbeit zu suchen. Als ich am Abend nach Hause zur�ckkehrte, war sie noch immer nicht da, und auch nicht am folgenden Morgen.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>�Du mu�t sie vergessen, Herr�, fl�sterte Peggy. Sie hob den Kopf von den Fellen und k��te mich. Wir lagen in einer Nische der Taverne des Tasdron.</p><p>�Das habe ich schon�, sagte ich.</p><p>Peggy lachte. �Ich bin zwar eine Sklavin, aber dumm bin ich nicht.�</p><p>�Es f�llt schwer, sich die kleine Dirne aus dem Kopf zu schlagen.�</p><p>�In Victoria ist allgemein bekannt, wie �bel sie dich verraten hat.�</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte ich. �Und wieso bin ich, ein einfacher Hafenarbeiter, in Victoria bekannt?�</p><p>�Tasdron hat freien M�nnern seiner Taverne von dir erz�hlt�, antwortete sie, �und ich und andere Sklavinnen haben das mitgeh�rt.�</p><p>Vermutlich gab es in Victoria nur wenig, was den nackten oder halbnackten Tavernensklavinnen entging. Solche M�dchen wissen oft trotz ihrer Kragen mehr �ber die Ereignisse in einer Stadt als viele freie Einwohner.</p><p>�Bestimmt lacht ganz Victoria �ber mich!� sagte ich verbittert.</p><p>�Nein, Herr�, entgegnete sie. �Allerdings wissen viele nicht recht, warum du sie damals nicht gleich zu deiner Sklavin gemacht hast.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Man kennt und respektiert dich in Victoria�, fuhr sie fort. �Wegen deiner Geschicklichkeit mit den F�usten, was ein Goreaner gut versteht, wegen deiner Arbeit am Hafen, wegen deiner St�rke.�</p><p>�Ist es auch bekannt, da� ich aus der Taverne des Hibron geflohen bin, obwohl ich eigentlich Lady Beverly mit nach Hause nehmen wollte?�</p><p>�Ja�, sagte sie l�chelnd, �ganz Victoria wei�, was sich in Hibrons Taverne abgespielt hat, doch niemand wirft dir etwas vor. Du bist kein Schwertk�mpfer, und selbst wenn du es gewesen w�rst, h�tten die Piraten doch eine �bermacht gegen dich geschickt. Niemand macht dir Vorw�rfe, das kannst du mir glauben. Viele halten dich sogar f�r ausgesprochen mutig, �berhaupt in die Sch�nke gegangen zu sein, um die widerspenstige N�rrin aus der Lage zu befreien, in die sie sich selbst gebracht hatte.�</p><p>�Ich habe nicht gek�mpft�, sagte ich.</p><p>�Du hattest keine andere Wahl.�</p><p>�Ich zog mich zur�ck!�</p><p>�Du hattest keine Wahl.�</p><p>�Ich bin ein Feigling.�</p><p>�Das stimmt nicht�, sagte sie. �In einer solchen Situation h�tte nur ein meisterlicher Schwertk�mpfer zur Waffe gegriffen � oder ein Dummkopf oder Wahnsinniger.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Ein kluger Mann h�tte sich zur�ckgezogen � wie du.�</p><p>�Oder ein Feigling.�</p><p>�Du bist kein Feigling�, versicherte sie mir. �Glyco, der Kaufmann aus Port Cos, hat sich �ber deine mutige Tat am Hafen frei ge�u�ert.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Und der fixe Grat, der Dieb, der in Victoria lange sein Unwesen trieb, ist deinem Kommando gefolgt und hat fluchtartig die Stadt verlassen.�</p><p>�Das ist interessant�, sagte ich. Ich hatte nicht einmal seinen Namen gekannt.</p><p>�Es gibt sogar Stimmen, die W�chter f�r Victoria fordern � und dich als Anf�hrer f�r diese Truppen�, fuhr sie fort.</p><p>Ich lachte. Es war am�sant, sich einen W�chter vorzustellen, der nicht einmal mit einem Schwert umgehen konnte.</p><p>Wir schwiegen eine Weile.</p><p>�Die Festung des Policrates ist uneinnehmbar�, bemerkte sie.</p><p>�Du bist eine intelligente Frau.�</p><p>�La� den Versuch.�</p><p>Ich wu�te, ich hatte notfalls die M�glichkeit, in die d�stere, hohe Festung einzudringen, an deren Fu� sich eine ausgemauerte Flu�bucht erstreckte.</p><p>�Vergi� die Frau, Herr�, sagte Peggy.</p><p>�Ich habe in der Taverne Glyco aus Port Cos gesehen�, bemerkte ich. �Er wollte Callimachus treffen. Seither habe ich die beiden an mehreren Abenden bei Gespr�chen beobachtet, Glyco nachdr�cklich, Callimachus eher m�rrisch und abweisend.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Peggy.</p><p>�Wor�ber unterhalten sie sich?�</p><p>�Ich wei� es nicht, Herr. Man hat uns M�dchen verboten, an ihren Tisch zu gehen, au�er wenn wir bedienen m�ssen, und dann sprechen sie mit uns nur das N�tigste.�</p><p>�Wie lange will Glyco in Victoria bleiben?� fragte ich.</p><p>�Das wei� ich nicht, Herr�, antwortete sie. �Vielleicht ist er bereits fort, denn meines Wissens ist er heute noch nicht in der Taverne gewesen. Der Herr scheint sich sehr daf�r zu interessieren.�</p><p>�Ich h�tte zu gern gewu�t, was Glyco mit Callimachus zu schaffen hat�, sagte ich.</p><p>�Eins kann ich dir noch sagen�, bemerkte sie. �Glyco wohnt bei den W�chtern aus Port Cos in Hafenn�he.�</p><p>�Nicht in einer Sch�nke?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Au�erdem hei�t es, Glyco sei kein einfacher Kaufmann, sondern bekleide im Kaufmannsrat von Port Cos eine hohe Stellung.�</p><p>�Ich frage mich, was ein solcher Mann in Victoria zu suchen hat � au�er mit Callimachus zu sprechen.�</p><p>�Ich wei� es nicht, Herr.� Und abrupt dr�ngte sie sich an mich, getrieben von dem hilflosen Begehren einer Sklavin.</p><p>Ich nahm sie in die Arme.</p><p>Sp�ter lagen wir nebeneinander, ihr Kopf ruhte auf meiner H�fte.</p><p>�Die Festung des Polycrates ist uneinnehmbar�, sagte sie pl�tzlich. �Du mu�t die Frau vergessen.�</p><p>�Woher wei�t du, was ich denke?� fragte ich l�chelnd.</p><p>�Sklavinnen m�ssen wissen, was M�nner bewegt�, erwiderte sie, �denn sie sind ihre Herren.�</p><p>Ich l�chelte. Ihre Worte entsprachen der Wahrheit.</p><p>�Zweifellos tr�gt sie l�ngst die Stahlreifen eines Vergn�gungsm�dchens bei den Piraten.�</p><p>Ich hielt das f�r nicht unwahrscheinlich.</p><p>�Du hast Geld�, sagte Peggy. �Kauf dir ein anderes M�dchen, das dich zufriedenstellt.� Sie r�ckte dicht an mich heran. �Kauf Peggy, wenn du m�chtest�, fl�sterte sie mir ins Ohr.</p><p>�M�chtest du, da� ich dich kaufe?�</p><p>�Nur von einem anderen Mann auf Gor w�rde ich mich noch lieber kaufen lassen�, sagte sie, �und der hat mich noch nie besessen. Er nimmt kaum Notiz von mir und scheint nicht einmal zu wissen, da� es mich gibt. Doch werde ich beinahe ohnm�chtig vor Freude, wenn ich nur daran denke, ihm dienen zu k�nnen.�</p><p>Ich betrachtete sie. Sie war sehr sch�n.</p><p>�Wer ist es?�</p><p>�Bitte zwing mich nicht, seinen Namen auszusprechen, Herr�, sagte sie.</p><p>�Sch�n.�</p><p>Stumm lagen wir eine Zeitlang nebeneinander. Stimmengewirr aus dem Hauptraum der Taverne drang zu uns herein.</p><p>�Hast du Neues �ber den Topas erfahren?� fragte ich schlie�lich.</p><p>�Nein, Herr. Aber man vermutet ihn in Victoria.�</p><p>�Die Einwohner Victorias�, sagte ich, �scheinen darauf bestehen zu wollen, Policrates seinen Tribut vorzuenthalten.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie l�chelnd.</p><p>Ich hielt das f�r ausgesprochen mutig, wu�te aber nicht recht, ob es auch klug gehandelt war. Es war die erste St�rung in den Beziehungen zu den Piraten seit f�nf Jahren. Bei den letzten Unruhen hatten die Piraten der finsteren Festung Feuer �ber ein Dutzend angelegte Schiffe gebracht, woraufhin der Tribut schleunigst bezahlt worden war. Gewi�, seither waren die Piraten mehr denn je auf die M�rkte Victorias angewiesen, um ihre Beute abzusetzen. Angesichts dieser Tatsache glaubten viele Victorianer endlich so sehr am l�ngeren Hebel zu sitzen, da� sie sich von der besch�menden Last des Tributs befreien konnten.</p><empty-line/><p>�Was ist das f�r ein Ger�usch?� fragte ich viel sp�ter.</p><p>�Du hast deine Sklavin sehr gl�cklich gemacht, Herr�, sagte sie und dr�ngte sich an mich.</p><p>�H�rst du es nicht?�</p><p>�Ich h�re Gespr�che und das Klirren von Paga-Kelchen aus der Taverne�, antwortete sie.</p><p>�Meine Sandalen!� bellte ich.</p><p>Ein goreanisches Kommando mu� nicht wiederholt werden. Erschrocken richtete sich Peggy auf und ergriff meine Sandalen. Ich stand in der niedrigen Nische auf und zog meine Tunika an. Unterdessen legte mir Peggy die Sandalen an und schn�rte sie zu. Ich legte den G�rtel samt Geldbeutel um. Den Schwertgurt mit der Waffe warf ich mir �ber die linke Schulter. �Herr?� fragte Peggy.</p><p>�H�rst du nichts?� fragte ich.</p><p>�Unten in der Taverne ist es still geworden�, sagte sie ver�ngstigt. �Die Gespr�che sind verstummt.�</p><p>�H�r doch!�</p><p>�Ich h�re es�, sagte sie. �Was ist das?�</p><p>�Eine Alarmstange wird angeschlagen. Im Hafen.�</p><p>�Was bedeutet das?�</p><p>Ich begann den Ledervorhang vor der Nische aufzuschnallen. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Wohin gehst du, Herr?�</p><p>�Zum Hafen.�</p><p>�Geh nicht!�</p><p>Ich ri� den Vorhang zur Seite, dann blickte ich zu ihr zur�ck. Angstvoll kniete sie auf den Fellen.</p><p>Ich wandte mich ab und ging mit schnellen Schritten zwischen den Tischen hindurch. Die M�nner, die daran sa�en, hatten sich noch nicht erhoben. Niemand begegnete meinem Blick. Niemand erbot sich, mich zu begleiten.</p><p>�Geh nicht!� riet mir Tasdron.</p><p>Ich antwortete nicht, sondern verlie� die Taverne und machte mich im Laufschritt auf den Weg zu Hafen.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>�Zur�ck, sonst geschieht dir etwas!� rief ein Mann.</p><p>Zwei B�rger der Stadt packten mich und zerrten mich in die Menschenmenge. Ich blutete. Meine Tunika war zerschnitten. Das Schwert eines Piraten, trunken im Kreis gef�hrt, hatte mich an der Brust gestreift. Andere B�rger bem�hten sich, die Menschenmenge mit Schiffshaken, wie sie beim An- und Ablegen goreanischer Galeeren verwendet werden, zur�ckzuhalten. Ich sp�rte das Holz der Stange vor meinem Bauch. Von allen Seiten bedr�ngten mich Victorianer. Lachend wandte sich der Pirat ab.</p><p>�Wo sind die W�chter von Port Cos?� fragte ich. �Wo die W�chter der Ar-Station?� In Victoria hielten sich Soldaten beider St�dte auf.</p><p>Rauch wallte durch die Luft. F�nf Lagerh�user und benachbarte Geb�ude standen in Flammen.</p><p>�Sie bleiben auf ihren Posten�, sagte ein Mann grimmig. �Sie sch�tzen das eigene Hauptquartier.�</p><p>�Victoria k�mmert sie nicht�, bemerkte ein anderer verbittert.</p><p>Ich beobachtete die etwa sechzig Piraten, die sich unangefochten zwischen den Lagerh�usern und Piers bewegten, an denen zwei Piratengaleeren festgemacht hatten. Von Schwertern bedroht, waren einige Stadtbewohner dabei, Ballen auf die Galeeren zu laden. Mehrere Piraten trugen Fackeln.</p><p>�Bis morgen ist der Tribut bezahlt�, sagte ein Mann in meiner N�he.</p><p>Etliche Piraten hielten Pagaflaschen in den H�nden, aus denen sie sich freiz�gig bedienten, w�hrend sie herumstolzierten und zuweilen innehielten, um mit dem Schwert in einen Ballen zu stechen oder ein Fa� umzusto�en, dessen Inhalt sich �ber die Bretter der Piers ergo�.</p><p>Der Mann an der Alarms�ule setzte sein sinnloses Tun fort. Die Piraten gaben sich keine M�he, dem verzweifelten Treiben Einhalt zu gebieten.</p><p>�Wir sind mit f�nfzig zu eins in der �berzahl�, sagte ich. �Wir m�ssen uns auf sie st�rzen, sie aufhalten!�</p><p>�Sie sind die Herren �ber Victoria�, sagte der Mann. �Tu nichts Un�berlegtes.�</p><p>Ich h�rte eine Frau schreien; �ber den Schultern eines lachenden, kr�ftigen Piraten liegend, wurde sie an Bord einer Galeere geschleppt.</p><p>�Was wird aus ihr?� fragte eine Frau in meiner N�he entsetzt.</p><p>�Wenn sie sch�n ist�, antwortete ein Mann, �darf sie vielleicht den M�nnern in der Festung des Policrates dienen. Wenn nicht, wird sie wom�glich umgebracht.�</p><p>Angstvoll hob die Frau eine Hand an ihren Schleier.</p><p>�Ich an deiner Stelle�, fuhr der Mann fort, �w�rde in der Menge verschwinden und mich verstecken oder fliehen.�</p><p>�Aber ich bin frei�, sagte sie.</p><p>�Das waren die anderen auch�, sagte der Mann zornig und deutete auf die an der Reling der Piratengaleere festgebundenen Frauen.</p><p>Erschrocken wich die Frau zur�ck.</p><p>Ein St�ck entfernt entdeckte ich Kliomenes, der seine M�nner und die Zwangsarbeiter herumkommandierte.</p><p>�Du da, Frau!� rief ein Pirat pl�tzlich und deutete auf die Verschleierte neben mir. �Tritt vor!�</p><p>Die M�nner, die die Schiffshaken hielten, senkten erschrocken die H�lzer.</p><p>�Tritt vor!�</p><p>Die Frau sch�ttelte den Kopf und versuchte in der Menge zu verschwinden.</p><p>�Schleier ab!� befahl der Pirat.</p><p>Die Frau wurde aus der Menge gezerrt und endete ebenfalls auf dem Schiff.</p><p>�Bestimmt hat sie sich den Kragen insgeheim ersehnt�, �u�erte ein Mann.</p><p>�Das tun sie doch alle�, bemerkte ein anderer.</p><p>Diese M�nner kannten nat�rlich eine Frau wie Mi� Beverly Henderson nicht. Sie konnte niemals Sklavin sein.</p><p>�Wir werden morgen fr�h den Tribut zahlen�, sagte ein Victorianer.</p><p>�Wir haben keine andere Wahl�, best�tigte jemand.</p><p>�Wir h�tten uns niemals auflehnen sollen.�</p><p>�Stimmt.�</p><p>Der Rauch lie� meine Augen tr�nen. Der Mann an der Alarms�ule hatte aufgegeben. Die Menge blieb stumm. Das Knistern der Flammen war deutlich zu vernehmen.</p><p>�Wir haben unsere Lektion begriffen�, sagte einer der M�nner.</p><p>Ich wandte mich ab und verlie� die Menge. Langsamen Schritts verlie� ich das Hafengebiet und kehrte zur Taverne des Tasdron zur�ck.</p><p>Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf.</p><p>Ich hatte gesehen, wie eine freie Frau Victorias entkleidet wurde, als w�re sie eine Sklavin. Nackt hatte sie vor dem Piraten gekniet, vor Hunderten von Mitb�rgern, ehe sie auf das Schiff gebracht wurde.</p><p>Entgangen war mir nicht die mangelnde Organisation der Victorianer, ihre Angst, ihre geringe Moral. Ich hatte den Hochmut der Piraten beobachtet, ihre Brandschatzung, ihre Pl�nderungen.</p><p>Und obwohl die M�nner Victorias entscheidend in der �berzahl gewesen waren, hatten sie nicht gegen die Piraten gek�mpft.</p><p>Morgen w�rde man den Tribut bezahlen.</p><p>Ich war mir au�erdem dar�ber klar geworden, da� ich Mi� Beverly Henderson doch begehrte, und zwar st�rker als jede andere Frau. Ich wollte sie besitzen.</p><empty-line/><p>�Nicht!� rief ich. Ich packte die Gestalt, die sich �ber das Schwert duckte, die Spitze in den Bauch gedr�ckt, den Griff in eine Fuge des Pflasters geschoben. �Nein!� Es gab einen kurzen Kampf, dann hatte ich das Schwert zur Seite getreten, das durch die Tunika schnitt und zu Boden fiel. Der Mann fiel auf H�nde und Knie nieder, erbrach sich und versuchte das Schwert zu packen. Zornig und frustriert schrie er auf, die Klinge in der Hand. Torkelnd richtete er sich auf. �Wer bist du, da� du dich einfach so einmischst?� fauchte er. Die Klinge hebend, st�rzte er sich auf mich. Ich sah den Stahl zittern. Er versuchte sic h zu beherrschen und legte am Waffengriff eine Hand �ber die andere. Ich r�hrte mich nicht vom Fleck, obwohl die Waffe erneut angehoben wurde. Ich nahm nicht an, da� er wirklich zuschlagen w�rde. Dann wurde die Waffe wieder gesenkt, und schluchzend sank der Mann gegen eine Wand und sackte daran hinab in eine sitzende Position, das Schwert neben sich auf dem Pflaster. Den Kopf in den H�nden bergend, beugte er sich vor. �Wer bist du, da� du dich einmischst!� schluchzte er.</p><p>�Sicher gibt es andere, gegen die es sich eher lohnen w�rde, das Schwert zu erheben, als gegen dich selbst!� tadelte ich zornig.</p><p>�Gib mir etwas zu trinken�, forderte er.</p><p>�Ist es denn schon soweit gekommen � der Ruhm, die Kriegerehre, der Stahl?�</p><p>�Ich m�chte etwas zu trinken.�</p><p>�Ich komme eben von den Piers�, sagte ich. �Sicher hast du den Alarm geh�rt � wie die anderen G�ste?�</p><p>�An den Piers habe ich nichts zu schaffen�, sagte er.</p><p>�Trotzdem hattest du die Taverne verlassen. Willst du mir einreden, da� dein Ziel nicht der Flu�hafen war?�</p><p>�Ich kann nichts tun�, antwortete er. �Ich konnte nichts dagegen tun.�</p><p>�Trotzdem verlie�est du das Lokal, bedr�ckt, in der Wirrnis deiner Sinne. Diese Stra�e f�hrt zum Flu�.�</p><p>�Ich bin gest�rzt. Ich konnte nicht einmal gehen.�</p><p>�M�chtest du h�ren, was sich auf den Piers abgespielt hat?� fragte ich zornig.</p><p>�Ich bin ein nutzloser alter Mann�, sagte er. �Ich k�nnte doch nichts tun! Mich braucht man nicht mehr.�</p><p>�Piraten sind �ber die Hafenanlagen hergefallen, kaum mehr als ein halbes Hundert M�nner, unter dem Kommando von Kliomenes, Leutnant des Policrates.�</p><p>�Ich m�chte nichts davon h�ren!�</p><p>�Im Angesicht von vielen hundert Victorianischen M�nnern haben die wenigen Piraten gebrandschatzt und gepl�ndert und lachend freie Frauen dieser Stadt versklavt.�</p><p>Wieder senkte er den Kopf in die H�nde.</p><p>�Ich h�tte geglaubt�, fuhr ich fort, �M�nner wie du w�ren geeignet, die Piraten mit Entsetzen zu erf�llen.�</p><p>�Gib mir etwas zu trinken�, forderte er.</p><p>�Du bist also Kliomenes und Policrates so sehr zugetan, da� du gern bereit bist, ihnen die Frauen und andere Sch�tze dieser Stadt zu �berlassen.�</p><p>�Ich bin nicht aus Victoria.�</p><p>�Anscheinend sind nur wenige aus Victoria�, stellte ich fest. �Und doch wohnen viele Menschen hier. Wenn nicht M�nner wie wir � wer ist dann wirklich aus Victoria?�</p><p>�Ich bin krank�, sagte er.</p><p>�An den Piers gab es keinen Anf�hrer. Diese Stadt wurde frech beleidigt. Ich sah Hunderte von M�nnern, die angstvoll durcheinanderliefen und die keinen Anf�hrer hatten. Sie wurden eingesch�chtert von einer Handvoll organisierter und r�cksichtsloser Burschen, die eitel wie Vulos herumstolzierten. Ich sah, wie freie M�nner gezwungen wurden, Beute auf den Diebesgaleeren zu verstauen. Ohne Gegenwehr, voller Furcht sahen M�nner zu, wie ihr Besitz fortgeschleppt oder in Brand gesteckt wurde. Noch immer sind die Feuersbr�nste an den Piers nicht gel�scht. Der Rauch h�ngt in der Luft.�</p><p>Er schwieg.</p><p>�Du hast uns gefehlt am Hafen�, sagte ich.</p><p>�Warum hast du dich in meine Angelegenheiten eingemischt?� fragt er.</p><p>�Du hast mir einmal in der Taverne des Tasdron das Leben gerettet�, antwortete ich. �Ist es also nicht mein Recht, dich zu retten?�</p><p>�Dann w�ren wir ja quitt�, sagte er verbittert. �Wir schulden dann einander nic hts mehr. Geh, la� mich allein.�</p><p>�Ich habe in den letzten Tagen beobachtet, wie sich ein Kaufmann, ein bedeutender Kaufmann aus Port Cos namens Glyco, eingehend mit dir unterhielt. Ich bin sicher, er wollte dich aus Sorge vor einer Vereinigung der Piraten aus Ost und West dazu bewegen, einer Widerstandsbewegung beizutreten.�</p><p>�Du bist klug�, sagte der Mann.</p><p>�Aber wie ich sehe, haben seine Bitten nichts gefruchtet.�</p><p>�Ich kann ihm nicht helfen�, sagte der Mann.</p><p>�Da� er aber zu dir kam, scheint doch anzudeuten, da� dein Mut, deine hervorragenden F�higkeiten in solchen Dingen noch unvergessen sind.�</p><p>�Ich bin l�ngst nicht mehr, was ich einmal war.�</p><p>�Soweit ich wei�, nahmst du bei den W�chtern von Port Cos einen hohen Rang ein.�</p><p>�Ich war fr�her Hauptmann in Port Cos�, antwortete er. �Ja, ich war es, der die Bande des Policrates aus der Umgebung von Port Cos vertrieb.� Er blickte zu mir auf. �Aber das ist lange her. Ich erinnere mich heute nicht mehr an diesen Hauptmann. Ich glaube, er ist untergegangen.�</p><p>�Was wurde aus ihm?�</p><p>�Er entwickelte eine gr��ere Zuneigung zum Paga als zu den Ehrenvorschriften seiner Kaste. In Ungnade gefallen, wurde er entlassen. So kam er am Flu� nach Westen, nach Victoria.�</p><p>�Wie hie� er?�</p><p>�Ich habe den Namen vergessen.�</p><p>�W�rst du unten am Hafen gewesen, h�tten die Dinge vielleicht eine andere Wendung genommen.�</p><p>�Warum hast du die B�rger nicht angef�hrt?� fragte er zornig.</p><p>�Ich bin nur ein Schw�chling und Dummkopf�, antwortete ich. �Und mir fehlt die Ausbildung.�</p><p>Er antwortete nicht.</p><p>�Ein Mann deines Kalibers h�tte sicher etwas ausgemacht.�</p><p>Er streckte mir die rechte Hand hin. Sie war gro�, zitterte aber sichtlich.</p><p>�Es gab einmal eine Zeit�, sagte er, �da konnte ich tausendmal zuschlagen und dabei immer dieselbe Stelle treffen. Ich vermochte tausendmal zuzusto�en und einen Kreis von einer halben Hort zu treffen � heute aber, schau nur, was aus mir geworden ist!� Seine zitternde Hand fiel herab. Er schlo� die Faust und pre�te sie gegen die Steine der dunklen Stra�e. Er begann zu weinen. �Policrates h�tte mich in der Taverne t�ten k�nnen�, fuhr er fort. �Er kannte meine Schw�che. Er tat es aber nicht. Um der alten Zeiten willen, so vermute ich, in der Erinnerung an verflossene Realit�ten, verschonte er mich. Wir verbrachten unsere Jugend zusammen auf den Piers von Port Cos�, fuhr er fort und blickte mich an. �Beide wandten wir uns dem Beruf des Schwertk�mpfers zu � ich als Offizier, er als Pirat.�</p><p>�Was wollte Glyco von dir?�</p><p>�Er wollte einen Plan, eine Keimzelle f�r den Widerstand, einen Anf�hrer, einen Angriff auf die Festung des Policrates.�</p><p>�Und was hast du ihm geantwortet?�</p><p>�Da� man dazu hundert Belagerungsschiffe und zehntausend M�nner brauchte.�</p><p>Ich nickte. Ich nahm nicht an, da� seine Einsch�tzung falsch war. In Anbetracht der Streitkr�fte, die man realistischerweise am Flu� zusammentrommeln konnte, war Policrates� Position so gut wie unangreifbar. �hnliche Einsch�tzungen hatte ich schon von anderen vernommen. Mi� Beverly Henderson, das ging mir in diesem Moment durch den Kopf, war nun hinter diesen hohen schwarzen Mauern eingesperrt.</p><p>�Dann ist die Lage also hoffnungslos?� fragte ich.</p><p>�Ja, hoffnungslos.�</p><p>er</p><p>�Morgen�, fuhr ich fort, �soll d Tribut an Policrates gezahlt werden.�</p><p>Der Mann zuckte die Achseln.</p><p>�Es hei�t, die Piraten verf�gen �ber Victoria�, bemerkte ich.</p><p>�Das stimmt�, sagte er.</p><p>�Und gibt es niemanden, der ihnen das streitig macht?�</p><p>�Niemanden.�</p><p>�Was kann ich f�r dich tun?�</p><p>�Gib mir etwas zu trinken.�</p><p>Ich wandte mich von ihm ab und wanderte die Stra�e entlang zur Taverne des Tasdron, die noch immer ge�ffnet war, auch wenn dort das L�rmen und Treiben nachgelassen hatte. Ich sprach mit niemandem, auch begegnete niemand meinem Blick. Ich erstand eine Flasche Paga, die ich anschlie�end zu der Gestalt brachte, die zusammengesunken an der Hausmauer lehnte. Ich blieb vor dem Mann stehen, und er hob den Kopf von den Knien und blickte mich benommen an. Ich reichte ihm die Flasche, nach der er hastig griff. Mit den Z�hnen zog er den Korken aus der Flasche. Mit beiden H�nden umklammerte er das Glas. Vor mir sitzend, blickte er auf.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte ich, �da� ich dich mit so grausamen Worten bedacht habe. Das war nicht recht von mir. Ich war w�tend und frustriert. Es tut mir ehrlich leid.�</p><p>�Bemitleidest du mich?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>Von einem eiskalten Willen getrieben, voller Zorn, stemmte er sich langsam und unsicher hoch. In seinen Augen loderte eine schreckliche Wut. �Du bemitleidest mich? Mich?�</p><p>�Ich wei�, da� du in Ungnade gefallen bist�, sagte ich, �da� dir das Rot genommen wurde. Es ist nicht deine Schuld. Ich werfe dir nichts vor.�</p><p>�Das Rot kann mir von niemandem genommen werden, wenn es erst einmal verliehen ist�, sagte er gepre�t. �Es sei denn, durch das Schwert.�</p><p>Er ri� die Tunika auf, die er trug, und enth�llte darunter das scharlachrote Gewand, das in der Dunkelheit schw�rzlich wirkte.</p><p>�Dies�, sagte er, �kann man mir nur mit dem Schwert entrei�en. Wer das will, mu� dazu erst einmal den Mut aufbringen.�</p><p>�Du bist am Ende�, sagte ich. �Trink.�</p><p>Best�rzt und �rgerlich blickte er auf die Flasche, die er in der rechten Hand hielt.</p><p>�Du hast den Namen des Kriegers vergessen�, fuhr ich fort, �der in Port Cos geboren wurde. Ihn gibt es nicht mehr. Trink!�</p><p>Nun nahm der Mann die Flasche in beide H�nde und hob sie hoch. Lange Zeit starrte er sie an. Pl�tzlich w�lbten sich seine Schultern vor, und er st�hnte schmerzvoll auf. Langsam und voller Pein richtete er seinen K�rper auf. Er hob seinen Kopf den goreanischen Monden entgegen und �u�erte einen verqu�lten, wilden Schrei, der durch die dunkle Gasse hallte. Was als Schmerzensschrei begann endete in einem Aufheulen des Zorns. Er drehte sich um und zerschmetterte mit abrupter Bewegung die Flasche an der Mauer hinter sich. Glassplitter trafen und verletzten ihn, der herumspritzende Paga benetzte sein Gewand.</p><p>�Ich erinnere mich an ihn�, sagte er.</p><p>�Wie hie� er?�</p><p>�Callimachus. Er hie� Callimachus und stammte aus Port Cos.�</p><p>�Ist er fort?� wollt ich wissen.</p><p>Mit abrupter Bewegung schmetterte der Mann beide F�uste gegen die Mauer. �Nein�, sagte er mit schrecklichem Nachdruck. Blut lief �ber seine H�nde, dunkle Str�me zwischen seinen Fingern.</p><p>�Wo ist er?�</p><p>Langsam drehte sich der Mann zu mir um. �Er ist hier�, antwortete er. �Ich bin dieser Mann.�</p><p>�Das freut mich zu h�ren.� Ich b�ckte mich, nahm die zu Boden gefallene Klinge auf und reichte sie ihm. �Dies�, sagte ich, �geh�rt dir.�</p><p>Er steckte das Schwert in die Scheide. Dann musterte er mich lange Zeit. �Du hast mir einen Dienst erwiesen�, sagte er. �Wie kann ich dir das vergelten?�</p><p>�Ich habe einen Plan�, sagte ich. �Lehre mich den Umgang mit dem Schwert.�</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Verziert mit Gl�ckchen und anderem Schmuck, tanzte die nackte Sklavin auf den roten Kacheln der gro�en Halle.</p><p>Policrates, der neben mir an dem breiten, niedrigen Tisch sa�, hielt nachdenklich die beiden St�cke des gelbbraunen Steins zusammen, die beiden H�lften des zerteilten Topases. Und wieder �berraschte und beeindruckte es mich zu sehen, wie sich aus den br�unlichen Verf�rbungen in den beiden Steinsplittern, sobald sie zusammengef�hrt wurden, die Umrisse einer Flu�galeere heraussch�lten. Kein Zweifel war m�glich � es waren die beiden zusammengeh�rigen H�lften eines Steins.</p><p>�Faszinierend�, sagte Policrates. �Und wie geht es meinem Freund Ragnar Voskjard?�</p><p>�Gut�, antwortete ich, �und er l��t nat�rlich auch nach deinem Wohlergehen fragen.�</p><p>�Mir geht es ebenfalls gut�, sagte Policrates, �und du kannst ihm bei deiner R�ckkehr versichern, da� ich begierig bin, unser gemeinsames Vorhaben in die Tat umzusetzen.�</p><p>�In zwanzig Tagen�, sagte ich, �stehen wir vor eurem Wassertor � diese Zeit ben�tigen wir f�r meine R�ckkehr und die Ausr�stung unserer Schiffe.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Policrates.</p><p>�Wir werden dann nach Ar-Station vordringen, um die dortigen Vorr�te einzukassieren und die Ar-Schiffe zu verbrennen. Anschlie�end werden wir Port Cos entsprechend heimsuchen. Sind diese beiden gr��ten H�fen erst einmal lahmgelegt, geh�rt der Flu� mehr oder weniger uns.�</p><p>�Eine am�sante Vorstellung�, sagte Policrates, �da� die Animosit�ten zwischen Cos und Ar ein Zusammengehen ihrer Streitkr�fte am Flu� verhindern.�</p><p>�Die Torheit unserer Gegner in dieser Hinsicht�, sagte ich, �m��te sich wesentlich zu unserem Vorteil auswirken.�</p><p>�Richtig!� rief Policrates lachend. �Darauf wollen wir trinken!�</p><p>Er hob seinen Kelch, und wir stie�en an, dann beugte ich mich vor, langte mit meinem Kelch an Policrates vorbei und entbot meinen Gru� auch dem m�rrischen Kliomenes, der rechts von Policrates sa�. Dann tranken wir gleichzeitig. Kliomenes musterte mich aus zusammengekniffenen Augen.</p><p>Ich wandte mich ab und konzentrierte mich auf die Sklavin, die vor mir tanzte.</p><p>�Ich hatte damit gerechnet, da� mir der Topas eher geliefert w�rde�, sagte Policrates. �Ich habe Ragnar Voskjard vor mehr als f�nfzig Tagen entsprechend Bescheid gegeben.�</p><p>�In der Festung Ragnars wurde hin und her �berlegt�, antwortete ich. �Unternehmungen dieser Art beginnt man nicht leichtfertig. Au�erdem wurde ich in Victoria aufgehalten. Es gibt in dieser Stadt viele W�chter aus Port Cos wie auch aus Ar-Station, und sie alle suchen nach dem �berbringer des Steins.�</p><p>�Mir w�re wohler�, sagte Kliomenes, �wenn ich dein Gesicht sehen k�nnte.�</p><p>�Die Maske, die ich trage, mu� meine Identit�t sch�tzen�, erwiderte ich.</p><p>�Kliomenes�, sagte Policrates, �es ist durchaus �blich, da� der Kurier, der den Topas bringt, in fremden Festungen seine Z�ge verh�llt. Die Geheimhaltung seiner wahren Person ist entscheidend f�r die Wirkung seiner Arbeit.�</p><p>�Vielleicht bin ich ja Ragnar Voskjard�, sagte ich zu Kliomenes.</p><p>Dieser zuckte sichtlich zusammen.</p><p>�Aber du bist es nicht�, warf Policrates ein, �denn Ragnar, ein schlauer Bursche, w�rde sich niemals auf eine so gef�hrliche Sache wie die �berlieferung des Topas einlassen.�</p><p>�Ich glaube, das kann man wohl sagen�, bemerkte ich grinsend. �Jedenfalls ist es richtig, da� ich nicht Ragnar Voskjard bin.�</p><p>�Du hast etwas an dir, das mir bekannt vorkommt�, bemerkte Kliomenes. �Sind wir uns schon einmal begegnet?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Siehst du, Kliomenes�, sagte Policrates, �unser Freund ist am Flu� vielleicht bestens bekannt. Wenn das stimmt, ist es weder in Ragnar Voskjards, noch in unserem noch in seinem Interesse, als Kurier des Topases erkannt zu werden. Sollte er in irgendeiner Stadt am Flu� eine hohe Stellung bekleiden, w�re seine N�tzlichkeit f�r Voskjard und f�r uns wesentlich eingeschr�nkt, k�me heraus, da� eine so wichtige Person mit M�nnern wie uns und Voskjard gemeinsame Sache macht.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Kliomenes.</p><p>�Und wir k�nnen von der Gewi�heit ausgehen, da� unser Freund in mindestens einer Stadt am Flu� gut bekannt ist.�</p><p>�Richtig�, sagte ich. In der Tat � in Victoria war ich einigerma�en bekannt.</p><p>Die Musik endete mit einem lauten Wirbel, und das M�dchen streckte sich mit klirrenden Gl�ckchen vor Policrates� Tisch aus. Gleich darauf trat sie ab und wurde von einigen Piraten mit Beschlag belegt. Kurze Zeit sp�ter h�rte ich sie vor Wonne st�hnen.</p><p>�Ich wei�, an wen du mich erinnerst�, sagte Kliomenes pl�tzlich.</p><p>�An wen?�</p><p>�An einen Tavernenraufer und Hafenarbeiter aus Victoria�, antwortete er. �Jason hei�t er.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Es gibt da in der Tat eine gewisse �hnlichkeit�, sagte Policrates.</p><p>�Jason aus Victoria�, bemerkte Kliomenes, �kannte sich im Schwertkampf nicht aus.�</p><p>�Wie k�nnte ich es dann tun?� fragte ich.</p><p>�Zieh!� br�llte Kliomenes, sprang �ber den Tisch und ri� seine Klinge heraus.</p><p>Gelassen wandte ich mich an Policrates. �Meine Identit�t d�rfte ausreichend durch die Vorlage des Topases best�tigt sein�, sagte ich. �Du wirst doch nicht etwa glauben, jemand, der nicht der Gruppe Ragnar Voskjard angeh�rt, k�nnte so wagemutig sein, den Stein zu dir zu bringen. Was h�tte das f�r einen Sinn?�</p><p>�Deine Worte klingen logisch�, erwiderte Policrates, �trotzdem scheint es da eine �hnlichkeit zu geben, wie mein Leutnant gesagt hat.�</p><p>�Das kann man doch wohl kaum mir anlasten!� rief ich l�chelnd.</p><p>�W�rde es dich schmerzen, es auf eine Probe ankommen zu lassen?� fragte Policrates.</p><p>Ich grinste. �Nein�, sagte ich. �Aber andererseits ist �berall am Flu� bekannt, da� es sich bei Kliomenes um einen ausgezeichneten Schwertk�mpfer handelt. Man mu� mir schon verzeihen, wenn ich nicht begierig darauf bin, von ihm aufgespie�t zu werden.�</p><p>�Zieh!� forderte Policrates l�chelnd.</p><p>Ich warf meinen Umhang hinter mich und entbl��te die Klinge, die ich an der H�fte trug. Mit einem Fu� dr�ckte ich den niedrigen Tisch zur Seite, wobei ich Kliomenes nicht aus den Augen lie�, damit er mich nicht angriff, w�hrend ich noch nicht bereit war.</p><p>Dies entging Kliomenes nat�rlich nicht.</p><p>Stille herrschte pl�tzlich in dem gro�en Saal. Die Piraten, die sich an den niedrigen Tischen ihrem Festmahl gewidmet hatten, hielten inne und beobachteten uns. Die M�dchen, die mit Tabletts und Gef��en unterwegs waren, verharrten stumm und wandten die K�pfe in unsere Richtung. Es war schlie�lich so still, da� man das Knistern der Fackeln an den W�nden vernehmen konnte.</p><p>Pl�tzlich stie� Kliomenes zu, und ich parierte energisch, ohne ihn selbst treffen zu wollen.</p><p>Weitere dreimal hieb er los, und dreimal wehrte ich den Stahl ab.</p><p>An den Tischen entstand Gemurmel. Er war zu leicht abgewehrt worden. Zornig werdend, griff Kliomenes nun ernsthaft an. Drei oder vier Ehn lang hieb er wild auf mich ein. Schwitzend und voller Zorn senkte er schlie�lich sein Schwert. Absichtlich hatte ich energisch pariert, besonders in den letzten beiden Ehn. Beim Schwertkampf ist nicht nur Geschick vonn�ten, man braucht auch Kraft � ein Umstand, der von vielen Laien nicht richtig verstanden wird. Die Anforderungen an die Kraft werden gr��er, je mehr sich die Auseinandersetzung in die L�nge zieht. Man kann zwar eine Stahlklinge zur Seite ableiten, doch l��t sich das auch mit kr�ftigem Schwung machen, was dann einen zus�tzlichen Kraftaufwand des Angreifers erfordert, seinen Stahl wieder in die Ausgangslage zu bringen. Um sich selbst zu sch�tzen, mu� er seine Klinge unter diesen Umst�nden durch einen gr��eren Bogen f�hren, und unter verst�rktem Druck und mit gr��erem Tempo.</p><p>�Offensichtlich kann dieser Mann nicht Jason aus Victoria sein�, sagte Policrates l�chelnd.</p><p>Zornig schob Kliomenes seine Klinge in die Scheide. Ich steckte meine Waffe ebenfalls wieder fort. Ich hatte jeden Versuch unterlassen, auf seinen Angriff einzugehen, und mich nur verteidigt. Auf diese Weise hatte ich das Risiko einer Bl��e gemieden und war kaum in Gefahr gewesen, jedenfalls nicht in der kurzen Zeit des Kampf es. Nat�rlich ist es schwierig, einen Schwertk�mpfer, der sowohl erfahren, als auch vorsichtig ist, zu treffen. Andererseits mu� es �ber l�ngere Zeit gef�hrlich sein, sich nur auf die Verteidigung zu verlassen. Zum einen k�nnte der Angreifer k�hner werden und immer gef�hrlichere Attacken vortragen, unbeeinflu�t von der Notwendigkeit, sich selbst zu sch�tzen. Zweitens k�nnte nat�rlich die eigene Abwehr sich �ffnen, besonders, wenn eine gewisse Zeit vergeht. Eine auch nur so geringe Unaufmerksamkeit konnte irreparable Sch�den zur Folge haben. Wer sich nur auf die Verteidigung konzentriert und nicht selbst angreift, kann logischerweise nicht gewinnen � und dann mu� er �ber kurz oder lang verlieren. Keine Mauer ist so dick, da� sie nicht eines Tages doch einbricht.</p><p>Kliomenes kehrte an seinen Platz zur�ck, w�hrend ich den Tisch wieder zurechtschob und mich ebenfalls setzte.</p><p>�Du scheinst ersch�pft zu sein, Kliomenes�, bemerkte Policrates.</p><p>�Ich wollte ihn nur auf die Probe stellen�, sagte Kliomenes, �und bestimmen, ob er sich mit dem Schwert auskennt.�</p><p>�Und was ist dein Urteil?�</p><p>�Sein Schwertgeschick scheint angemessen�, �u�erte Kliomenes.</p><p>�Den Eindruck hatte ich auch�, sagte Policrates l�chelnd.</p><p>Ich war ihm sehr dankbar, meinem Lehrer, Callimachus aus Port Cos. In den letzten Tagen hatten wir vom Morgengrauen bis zur Abendd�mmerung und auch noch beim Lampenschein den Schwertkampf ge�bt. Er hatte mir Techniken eingedrillt und Erwartungshaltungen und Reflexe und Besorgnisse und taktische �berlegungen. Ich glaube nicht, da� ich mich allzu ungeschickt anstellte. Dennoch waren mir die Grenzen meiner F�higkeiten nur allzu klar bewu�t. Gro�es Geschick im Umgang mit dem Stahl l��t sich nicht so einfach anlernen, insbesondere wenn es um die ganz feinen Unterschiede und Aspekte und zus�tzlichen Dimensionen geht, die den gro�en Meister ausmachen.</p><p>�Ich wollte ihn nur auf die Probe stellen�, sagte Kliomenes, �ich wollte sehen, ob er das Schwert beherrscht. T�ten wollte ich den Kurier Ragnar Voskjards nicht.�</p><p>�Das wei� ich nat�rlich�, sagte Policrates l�chelnd. �Musik!� forderte er. �Und eine neue T�nzerin und Bedienung! Das Fest soll weitergehen!�</p><p>Die Musiker setzten ihr Spiel fort; die sinnliche, melodische, erregende wilde Musik Gors hallte von neuem durch den gro�en Raum.</p><p>Ich nahm einen Vuloschenkel und bi� hinein. Da� ich insgeheim erleichtert war, lie� ich mir nicht anmerken. Kliomenes sprach weiterhin zornig dem Wein zu. Eine neue Sklavin erschien auf der Tanzfl�che und begann einen Peitschentanz vorzuf�hren. Wenig bekleidete Sklavinnen erschienen an den Tischen und servierten Speisen und Getr�nke. Ich lie� meinen Blick zwischen ihnen herumwandern. Mi� Beverly Henderson sah ich nicht, daf�r aber mehrere andere, die ich sehr gern mein eigen genannt h�tte.</p><p>�Wein, Herr?� fragte ein rothaariges M�dchen, das sich zwei Ledergurte um den Leib gebunden hatte.</p><p>�Brot, Herr?� fragte eine blonde Sch�nheit, kaum da� das andere M�dchen weitergegangen war. Sie hielt mir ein silbernes Tablett hin, auf dem dampfendes goreanisches Brot aus Sa-Tarna-Korn lag. Ich nahm ein St�ck und go� mir aus dem kleinen Silbergef�� hei�e Butter dar�ber. Dann schickte ich das M�dchen mit einer Kopfbewegung fort.</p><p>�Trotz allem�, sagte Kliomenes, �w�re mir lieber, wenn er keine Maske tr�ge.�</p><p>�Du mu�t endlich begreifen�, sagte Policrates, �da� seine wahre Identit�t geheimbleiben mu�.� Er deutete in die Runde. �Was sollte geschehen, wenn einer dieser M�nner zum Verr�ter w�rde und sp�ter unseren Gast identifizierte und blo�stellte, etwa gegen Gold? Oder wenn sein Gesicht von einer Sklavin gesehen w�rde, die sp�ter, wenn sie verkauft oder verschenkt worden ist, dem Mann begegnet und ihn gegen ihren Willen durch ihre Reaktion verr�t?�</p><p>Kliomenes nickte m�rrisch und wandte sich wieder seinem Wein zu.</p><p>�Wissen denn hier sogar die Sklavinnen, da� ich Ragnar Voskjards Kurier bin?� fragte ich.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, erwiderte Policrates. �Dieses Fest wurde anl��lich deiner Ankunft angeordnet, zur Feier des Versprechens, das der Topas darstellt. Und selbst wenn das nicht so w�re, ist es schwierig, Ger�chte dieser Art in den K�chen und Gehegen zu unterbinden. Die kleinen Dirnen, auch wenn sie Ketten tragen, klatschen gern und erz�hlen jede Kleinigkeit sofort weiter.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Fleisch, Herr?� fragte ein nacktes M�dchen, das neben mir kniete. Sie hielt mir ein Tablett mit kleinen W�rfeln ger�steten Boskfleisches hin, in denen Spie�e steckten. Ich nahm mehrere und tauchte sie vor dem Essen noch in eine Sauce, die auf demselben Tablett stand. Die kleinen Spie�e legte ich anschlie�end wieder auf das Tablett.</p><p>�Glaubst du wirklich�, wandte sich Policrates an mich, �da� die Flotte des Ragnar Voskjard in zwanzig Tagen voll getakelt und ausger�stet zur Stelle sein kann?�</p><p>�Ich sehe in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten�, versicherte ich ihm.</p><p>�Gut�, gab er zur�ck.</p><p>�Trauben, Herr?� fragte eine leise M�dchenstimme dicht neben mir. Ich schaute die Sklavin an, unterdr�ckte aber jede Reaktion. Es war die ehemals freie Frau, die auf den Piers von Victoria versklavt worden war. Eine unglaubliche Ver�nderung war mit ihr vorgegangen. Sie war lieblich anzuschauen, eine voll erbl�hte Frau, die sich ihrer selbst und ihrer Stellung klar bewu�t war. �Herr?� fragte sie. Ich l�chelte. Am liebsten h�tte ich sie in die Arme genommen.</p><p>�Wie ich sehe, gef�llt sie dir�, sagte Policrates. �Wenn du willst, kannst du sie sp�ter in deiner Kammer empfangen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich achselzuckend.</p><p>Der Peitschentanz nahm seinen Fortgang.</p><p>�Obst, Herr?� fragte eine andere sch�chterne Stimme vor mir. Das M�dchen hatte angstvoll den Kopf gesenkt.</p><p>�Sie hat Angst vor dir�, sagte Policrates, �denn sie wei�, da� du der Kurier Ragnar Voskjards bist. Au�erdem ist sie vielleicht durch meine N�he eingesch�chtert � sie wei�, welche Stellung ich hier innehabe. Sie ist neu und noch nicht richtig ausgebildet.�</p><p>Das dunkle Haar t�rmte sich locker auf ihrem Kopf. Ein geflochtenes gelbes Band hielt es zusammen.</p><p>�Exquisit, nicht wahr?� fragte Policrates.</p><p>Ich legte der Sklavin den Daumen unter das Kinn und hob ihren Kopf. Die sanften braunen Augen begegneten angstvoll meinem Blick. In ihnen stand ein Ausdruck, der mir von anderen M�dchen, die vor ihrem Herrn standen, bekannt war. Das fand ich interessant. Sie erkannte mich nicht.</p><p>Ich fand, da� Mi� Beverly Henderson eine pr�chtige kleine Sklavin abgab.</p><p>�Ein h�bsches Ding�, sagte ich und blickte hinter Mi� Henderson her, die wir weitergeschickt hatten. �Wie nennst du sie?�</p><p>�Beverly.�</p><p>�Du bist grausam�, bemerkte ich l�chelnd, �du gibst ihr einen Erdennamen.�</p><p>�Sie kommt von der Erde.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Magst du Erdenm�dchen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Die da ist noch ungeschliffen�, bemerkte er, �doch mit der Zeit wird sie sich zu einer ausgezeichneten Sklavin mausern.�</p><p>�Zweifellos.�</p><p>�Kliomenes hat sie in der Piratenkette, der Taverne des Hibron, aufgetan�, sagte er. �Sie glaubte sich bei ihm sicher und erz�hlte ihm, auf der Erde habe sie Beverly gehei�en. Und, stell dir vor, sie lehnte die Hilfe eines Mannes ab, eines gewissen Jason aus Victoria, des Mannes, dem du ein wenig �hnlich siehst!�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Kliomenes brauchte nicht einmal Thassa-Pulver anzuwenden�, fuhr er fort. �Er schleppte sie einfach her, aber da war es f�r sie schon zu sp�t, ihren Irrtum zu erkennen.�</p><p>Als der Peitschentanz zu Ende ging, stand ich langsam auf.</p><p>�Das Fest hat doch eben erst begonnen!� rief Policrates lachend.</p><p>�Ich bin ersch�pft�, sagte ich. �Ich glaube, ich werde mich zur�ckziehen.�</p><p>�Wie du willst!� sagte er. �Du hast eine lange Reise hinter dir. Ich werde dir nat�rlich ein M�dchen zum Waschen und f�r das Sonstige schicken.�</p><p>�Policrates ist gro�z�gig.�</p><p>�Keine Ursache.�</p><p>Er stand auf. Gemeinsam blickten wir uns an den Tischen um.</p><p>�Such dir ein M�dchen aus�, sagte er.</p><p>�Am meisten w�rde mich Beverly interessieren�, sagte ich.</p><p>�Nimm dir eine andere�, sagte er.</p><p>�Warum?�</p><p>�Sie ist noch ungeschliffen, eine armselige Sklavin.�</p><p>�Trotzdem finde ich sie nicht ohne Reiz.�</p><p>�Na sch�n. Ich lasse sie dir in der n�chsten Ahn ins Gemach schicken.�</p><p>�Sei bedankt, Policrates�, erwiderte ich. �Oh�, fuhr ich fort, �vielleicht w�rde ich gern in der Abgeschiedenheit meines Zimmers die Maske abnehmen!�</p><p>�Ich verstehe�, sagte er. �Ich werde ihr die Augen verbinden lassen.�</p><p>�Vielen Dank, Polic rates.�</p><p>�Keine Ursache.�</p><p>Ich verneigte mich vor meinem Gastgeber Policrates und auch vor seinem Leutnant und Vertrauten Kliomenes. Dann drehte ich mich um und suchte mein Gemach auf.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>Ich tr�umte, Beverly Henderson l�ge nackt zu meinen F��en.</p><p>Dann erwachte ich, verlie� die Couch und ging darum herum.</p><p>Und dort lag Beverly Henderson. Sie schlief nicht. Sie erhob sich auf die Knie und neigte unterw�rfig den Kopf.</p><p>�Es mu� bald wieder Tag sein, Herr�, sagte sie. Genau wissen konnte sie es nicht, denn sie trug � wie schon die ganze Nacht � eine Augenbinde.</p><p>Ich nahm sie an den Oberarmen und hob sie hoch. Sanft nahm ich sie in die Arme und legte sie auf die Felle der Couch.</p><p>�Danke, Herr�, sagte sie, �da� du mir die Ehre deines Lagers gegeben hast.�</p><p>Ich schwieg. Ich hatte die ganze Nacht nichts gesagt, damit sie mich nicht erkannte.</p><p>�Mein Herr hat mich letzte Nacht heftig genommen�, fuhr sie fort. �Er brachte mir bei, da� ich eine Sklavin bin. Ich werde versuchen, ihm erneut zu gefallen. Ich geh�re meinem Herrn. Das gef�llt mir sehr.�</p><p>Ich begann sie an Hals und Nacken zu k�ssen. Lachend neigte sie den Kopf zur�ck und keuchte, als ich in sie eindrang.</p><empty-line/><p>�Verla� mich nicht, Herr!� flehte sie sp�ter. �Nimm mich mit, mach mich zu deinem Eigentum, mein goreanischer Herr! Ich geh�re dir. Nimm mich mit. Mein Herr Policrates w�rde mich bestimmt f�r dich freigeben, wenn du ihn nur darum bittest!�</p><p>Ich verlie� die Couch und nahm meine Sachen vom Boden auf und legte sie an. Dann setzte ich wieder die Maske auf. Es klopfte an der T�r, und ich �ffnete. Vor mir stand ein Pirat, der Mann, der gestern abend Beverly zu mir gebracht hatte und mich jetzt zum Fr�hst�ck holen wollte.</p><p>Ich wollte die Festung des Policrates schnellstens wieder verlassen, angeblich um flu�abw�rts zu Ragnar Voskjard zur�ckzukehren. Dieser sollte seine Flotte zum Auslaufen fertigmachen, und die vereinigten Piratenstreitkr�fte wollten die Garnisonen von Ar-Station und Port Cos �berw�ltigen und auf Hunderte von Pasang die Herrschaft am Flu� an sich rei�en.</p><p>Ich nickte dem Piraten zu und bekundete ihm damit meine Bereitschaft, ihn zu begleiten.</p><p>Er blickte an mir vorbei zur Couch und zog ein �berraschtes Gesicht. �Ist das Beverly?� fragte er. Neugierig schob sich der Mann an mir vorbei und trat vor das M�dchen hin, das angstvoll zur�ckwich. �Tats�chlich � es ist Beverly.� Sie zitterte. Er streckte die Hand aus und ber�hrte sie an den Schultern. Sie erschauderte unter seiner Ber�hrung und senkte den Kopf. �Was hast du mit ihr gemacht?� fragte er grinsend. �Gestern war sie noch eine versklavte Frau. Heute ist sie eine volle Sklavin. Ich w�rde sagen, du hast sie erheblich verbessert: ihr scheint aufgegangen zu sein, was es hei�t, eine Sklavin zu sein. Was ist mit ihr geschehen?�</p><p>�Ein Herr hat mich besessen�, antwortete sie.</p><p>�Das ist offenkundig�, antwortete er und erhob sich. Dann wandte er sich grinsend zu mir um. �Policrates wird sich freuen�, sagte er und deutete mit einer Daumenbewegung auf das M�dchen.</p><p>Ich zuckte die Achseln. Ein M�dchen, das auf diese Weise erobert worden ist, wei� nat�rlich jedem Mann mehr zu geben.</p><p>Der Pirat wandte sich um. An mir vorbeigehend verlie� er den Raum, und ich folgte ihm.</p><p>Ein letztesmal drehte ich mich zu Beverly Henderson um. �Herr!� rief sie mir jammernd nach, aus der Dunkelheit der Augenbinde, die kleinen H�nde ausstreckend. �Herr!�</p><p>Dann trat ich �ber die Schwelle und schlo� die T�r hinter mir. �Herr!� h�rte ich sie weinen. �Herr!�</p><p>Und schon hatte ich sie zur�ckgelassen, ein M�dchen am Fu�e einer Couch, eine einfache Sklavin, die einem Gast ihres Herrn gedient hatte.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>�Fort mit dir, Sklavin�, sagte Tasdron, Besitzer der Taverne des Tasdron in Victoria, an der Stra�e des Lycurgus gelegen.</p><p>�Ja, Herr�, sagte Peggy, neigte unterw�rfig den Kopf und entfernte sich mit anmutigen Schritten r�ckw�rts, wie es sich f�r eine Sklavin geh�rte. Sie war barfu� und trug einen kurzen Fetzen durchsichtige Vergn�gungsseide. Das lange blonde Haar wurde von einem gelben Band zusammengehalten. Der enge Stahlkragen hob sich reizvoll von ihrem Hals ab. Das Klimpern der Sklavengl�ckchen an ihrem linken Fu�gelenk war leise und sinnlich. Sie zog sich in die entgegengesetzte Ecke des Raums zur�ck und kniete dort nieder.</p><p>Callimachus, der mir gegen�ber sa�, betrachtete sie. Unf�hig, dem Blick eines solchen Mannes zu begegnen, senkte sie den Kopf. Ich sah, da� sie zu zittern begonnen hatte, und l�chelte vor mich hin. Mir war aufgefallen, wie sie Callimachus beim Bedienen gemustert hatte: in ihren Augen hatte die Liebe einer hilflosen Sklavin geleuchtet. Ich erinnerte mich an ihre Bemerkung, da� es nur einen Mann gebe, dem sie lieber geh�ren w�rde als mir, und da� er sie bisher kaum oder gar nicht wahrgenommen habe. Ich hatte nicht nach dem Namen gefragt. Jetzt aber war ich sicher, hinter ihr Geheimnis gekommen zu sein. In ihrem Herzen war das versklavte Erdenm�dchen die Liebessklavin von Callimachus, dem Krieger, der einmal Port Cos gedient hatte. Sie wagte es nicht, ihm ihre Gef�hle zu offenbaren. Sie wollte nicht ihr Leben verlieren. Folglich durfte sie ihn nicht anders behandeln wie jede normale Sklavin, die ihn im Lokal ihres Herrn Tasdron bediente. Trotz ihrer Sch�nheit und seiner h�ufigen Besuche in der Taverne hatte er sie noch nicht in eine Nische zu sich kommen lassen. Im Elend seiner Verkommenheit, das ihn l�hmte und unentschlossen machte, hatte er sich lieber dem Selbstmitleid und den halluzinatorischen Tr�stungen des Pagas ergeben, als sich der frohlockenden, stolzen Willens�u�erung zu widmen, als dominierender Mann, gegen�ber den Herzen und K�rpern zuckender Sklavinnen. Als er dann doch zu den Ehrenvorstellungen seiner Kaste zur�ckgekehrt war, hatte er sich vorgenommen, solche Rechte und Siege und Freuden und Triumphe gegen�ber Sklavinnen zur�ckzustellen, bis gewisse in Aussicht genommene Dinge erledigt waren. Und wegen dieser Pl�ne hatten wir uns an diesem Abend in der Taverne des Tasdron zusammengefunden.</p><p>�Euch ist nat�rlich klar�, sagte Tasdron, �da� es f�r mich schon gef�hrlich ist, von solchen Dingen auch nur zu wissen.�</p><p>Callimachus wandte den Blick von dem M�dchen ab. Sie war nur eine Sklavin.</p><p>�Sollten M�nner wie Kliomenes oder Policrates erfahren, da� wir hier solche Themen besprechen, d�rfte meine Taverne im Handumdrehen ein Opfer der Flammen sein, wenn nicht gar Schlimmeres passiert.�</p><p>�Das wissen wir nat�rlich, Tasdron�, sagte Callimachus. �Die Gefahr, in der du schwebst, kennen wir.�</p><p>�Die Gefahr f�r dich d�rfte allerdings viel gr��er sein�, bemerkte der Wirt.</p><p>�Wir akzeptieren die Risiken�, meinte Callimachus.</p><p>�Dann will ich darin nicht zur�ckstehen�, erkl�rte Tasdron.</p><p>�Gut.�</p><p>Wir unterhielten uns leise. Wir sa�en an einem kleinen Tisch im Hinterzimmer von Tasdrons Taverne. Callimachus hatte seine Wiederauferstehung als K�mpfer vor den Victorianern geheimgehalten. Wenn er sich in der �ffentlichkeit zeigte, waren seine Schultern noch immer gebeugt, sein Blick war verschleiert, sein Schritt unsicher, seine H�nde zittrig. Nur in Augenblicken wie diesem, wenn er mit Vertrauten zusammen war, sa� und sprach er wie ein echter Krieger. Victoria kannte ihn als gefallenen Mann, als Besiegten, der den Kodex seiner Kaste nicht mehr ernst nahm, als jemand, der tr�ge und jammernd in seinen eigenen Fallen sa�. Nach wie vor galt er als Herumtreiber und Trunkenbold - und dabei wollten wir es im Interesse unserer Pl�ne lassen. Die Victorianer wu�ten nicht, da� der einst tief Gesunkene wieder aufgestiegen war; da� er sich wieder voller Stolz nach den Regeln und Vorstellungen seiner Zunft richtete, da� die Fesseln, mit denen er sich vor langer Zeit schmerzvoll und doch auch geschickt selbst eingeschn�rt hatte, l�ngst zerrissen und abgeworfen worden waren, da� er sich gleichsam wie ein erz�rnter Larl aus einem Netz befreit hatte, das zu schwach f�r ihn geworden war. Er hatte sich daran erinnert, da� er Callimachus war, Angeh�riger der Kriegerkaste, ein Mann, dem der Stahl und das rote Tuch dieser stolzen Vereinigung anvertraut worden war. Ich nahm nicht an, da� er diese Dinge jemals wieder vergessen w�rde.</p><p>�Ich habe mit Glyco, dem Kaufmann aus Port Cos gesprochen�, berichtete Callimachus. �Er wird Callisthenes holen, Hauptmann der Soldaten aus Port Cos in Victoria, beauftragt mit der Suche nach dem Topas. Er wird zur zwanzigsten Ahn hierher kommen.�</p><p>�Er mu� sich verkleiden�, forderte Tasdron. ��berall gibt es Spione.�</p><p>�Das wird Glyco ihm schon klarmachen�, meinte Callimachus.</p><p>Ich beobachtete Peggy, das langhaarige, langbeinige blonde Sklavenm�dchen von der Erde, das vor der gegen�berliegenden Mauer kniete. Ihre Schultern zuckten, so heftig schluchzte sie. Sie war dem Manne so nahe, den sie r�ckhaltlos und verzweifelt liebte; trotzdem durfte sie als hilflose Sklavin kein Wort dar�ber verlieren.</p><p>�Hast du unter den M�nnern aus Victoria herumgehorcht?� wandte sich Callimachus an Tasdron. �Gibt es in der Stadt Unterst�tzung f�r unser Tun?�</p><p>�Ich habe mich auf das Unauff�lligste erkundigt�, sagte Tasdron bedr�ckt, �aber ich f�rchte, wir haben hier bei gef�hrlichen Machenschaften dieser Art mit wenig Hilfe zu rechnen.�</p><p>�Dann k�nnen wir aus Victoria also keine Hilfe erwarten?� fragte Callimachus.</p><p>�Nein.�</p><p>Mein Blick kehrte zu dem M�dchen an der Wand zur�ck. Sie, eine Sklavin, war dorthin verbannt worden, damit sie das Gespr�ch von M�nnern und Sklavenherren nicht mith�ren konnte. Gleichzeitig war sie dicht genug bei uns, um schnellstens zu neuem Dienst herbeigerufen zu werden. Sie weinte immer noch. Ich wandte den Blick ab. Sie war ja nur eine Sklavin, und Sklavinnen hatten keine Bedeutung.</p><p>�Wir m�ssen daf�r sorgen, da� Aemilianus, Hauptmann der Streitkr�fte von Ar-Station in Victoria, ebenfalls heute abend an diesem Treffen teilnimmt�, sagte Callimachus.</p><p>�Sicher ist es deiner Aufmerksamkeit nicht entgangen�, sagte Tasdron l�chelnd, �da� Cos und Ar sich derzeit im Kriegszustand befinden.�</p><p>�Nein�, erwiderte Callimachus. �Trotzdem meine ich, da� die gemeinsamen Flu�interessen von Port Cos und Ar-Station, und auch von Cos und Ar selbst, dazu f�hren m��ten, da� unser Plan gr�ndlich gepr�ft wird.�</p><p>�Die Verantwortlichen aus Port Cos und Ar-Station w�rden sich eher gegenseitig an die Kehle fahren, als sich in Victoria zu einem Wein zusammenzusetzen�, meinte Tasdron.</p><p>�Die Probleme von Port Cos sind nicht identisch mit denen, die Cos hat�, widersprach Callimachus, �und das gleiche gilt f�r die Probleme der Ar-Station gegen�ber denen von Ar.�</p><p>�Genaugenommen ist Ar-Station ein Vorposten Ars�, sagte Tasdron. �Ganz im Gegensatz zu Port Cos, bei dem es sich um eine Kolonie handelt und dessen Bindungen zu Cos weitgehend historisch und kulturell betont sind.�</p><p>�Dennoch sind W�chter dieser beiden Instanzen seit Wochen in Victoria und haben keine Anstrengung unternommen, gegeneinander vorzugehen.�</p><p>�Vielmehr sind sie sich geflissentlich aus dem Weg gegangen�, sagte Tasdron nachdenklich.</p><p>�Die Lage der Hauptquartiere d�rfte beiden Seiten bekannt sein�, meinte Callimachus.</p><p>�Stimmt�, r�umte Tasdron ein.</p><p>�Und doch hat keiner die Stellung der anderen gest�rmt.�</p><p>�Stimmt�, wiederholte Tasdron.</p><p>�Hast du dann nicht auch den Eindruck, da� die Soldaten andere Dinge im Sinn haben, die wichtiger sind als die Differenzen, die zwischen beiden St�dten bestehen?�</p><p>�Mag sein.�</p><p>�Ich unterstelle, da� die Sicherheit am Flu� beiden wichtiger ist als die fernen Kriege ihrer Verb�ndeten�, meinte Callimachus.</p><p>�Das mag stimmen�, sagte Tasdron, �aber es w�re doch auf keinen Fall etwas, was man offen zugibt.�</p><p>�Was k�nnte klarer darauf hindeuten, als die Anwesenheit beider Parteien in Victoria, ohne da� es zu Auseinandersetzungen gekommen ist?�</p><p>�Aemilianus wird sich niemals mit uns besprechen, wenn er erf�hrt, da� auch Callisthenes an den Beratungen teilnehmen soll, ebenso wird Callisthenes an keinem Treffen teilnehmen, zu dem jemand von Ar-Station kommt.�</p><p>�Keiner der beiden braucht vom Kommen des anderen vorher zu wissen�, sagte Callimachus.</p><p>�Und was wirst du tun, wenn sie die Wahrheit dann doch erfahren?�</p><p>�Versuchen, Blutvergie�en zu vermeiden�, antwortete Callimachus.</p><p>�Ich hoffe, das wird dir gelingen�, sagte Tasdron d�ster. �Sollte Aemilianus oder Callisthenes in meiner Taverne get�tet werden, w�rde der Vorfall der Aufmerksamkeit der verb�ndeten W�chter wohl kaum entgehen.�</p><p>�Darauf kannst du wetten�, sagte Callimachus l�chelnd. �Ihre Rache w�re zweifellos prompt und gnadenlos.�</p><p>Tasdron erschauderte. In gewissen Dingen sind Goreaner sehr ungeduldig.</p><p>�Glyco, der ja ein Kaufmann aus Port Cos ist, kann sich offen mit Callisthenes treffen, ohne Verdacht zu erwecken. Es wird also keine M�he machen, Callisthenes hierher zu holen. Anders steht es mit Aemilianus. Kaum anzunehmen, da� wir uns unauff�llig mit ihm in Verbindung setzen k�nnen. Darin liegt eine gewisse Gefahr. Zweifellos wird er � wie auch Callisthenes � von Spionen der Piraten �berwacht.�</p><p>�Ich habe Hunger�, sagte ich.</p><p>�Peggy!� rief Tasdron laut.</p><p>Hastig sprang das M�dchen auf und eilte mit klirrenden Gl�ckchen herbei. �Ja, Herr?�</p><p>�Bring mir Brot und Fleisch�, sagte ich zu ihr.</p><p>�Mir auch�, befahl Callimachus und schien durch sie hindurchzusehen.</p><p>�Ja, Herr�, best�tigte sie. Ihre Unterlippe zitterte.</p><p>�Mir auch�, gab Tasdron auf. �Und bring auch gleich K�se und Datteln mit.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. �W�nschen die Herren etwas zu trinken?�</p><p>�Wasser�, bestellte Callimachus.</p><p>Tasdron und ich lie�en schwarzen Wein kommen.</p><p>�Es w�re ratsam, heute abend keinen Paga zu reichen�, bemerkte Tasdron, als das M�dchen davongehuscht war.</p><p>�In der Tat�, sagte Callimachus l�chelnd.</p><p>�Hast du Angst vor der Zusammenkunft?� fragte Tasdron.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Callimachus. �Ich bin kein Dummkopf.�</p><p>�Ich h�tte gedacht, du hast vor nichts Angst.�</p><p>�Nur ein Dummkopf sp�rt niemals Angst�, �u�erte Callimachus.</p><p>�Was wei�t du von Callisthenes?� wollte ich von Callimachus wissen.</p><p>�Er ist Hauptmann der W�chter von Port Cos�, antwortete dieser. �Er kennt sich mit dem Schwert aus. Er ist schlau, ich halte ihn f�r einen guten Offizier.�</p><p>�Er war es doch, der in Port Cos dein Nachfolger war, als du des Dienstes enthoben wurdest.�</p><p>�Ja�, sagte Callimachus l�chelnd, �aber ich versichere dir, da� ich ihm das nicht vorwerfen werde, auch wird das unsere Zusammenkunft nicht negativ beeinflussen.�</p><p>�Wenn er mit dir zusammenarbeiten will�, sagte ich.</p><p>�Richtig.�</p><p>�Meinst du, er wird sich an dich erinnern?�</p><p>�Ich nehme es doch an�, sagte Callimachus nachdenklich.</p><p>�Beweise, die vor f�nf Jahren von Callimachus in Port Cos vorgelegt wurden, kosteten Callisthenes eine fr�he Bef�rderung; es ging um eine kleine Unterschlagung.�</p><p>�Solche Dinge sind nicht selten�, sagte Callimachus, �doch ich wollte sie in meinem Kommando nicht dulden.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich, denn ich respektierte die Kastenehre. Ehre war Ehre, in kleinen wie auch in gro�en Dingen. Ja, wie kann man wohl in gro�en Dingen ehrenvoll handeln, wenn man das bei Kleinigkeiten nicht tut?</p><p>�Und sp�ter�, fuhr Tasdron fort, �waren es die Aussagen Callisthenes�, die zu Callimachus� Verlust seines Kommandos f�hrten.�</p><p>�Er tat seine Pflicht, wie ich zuvor die meine getan hatte�, sagte Callimachus. �Als Soldat kann ich ihm das nic ht vorwerfen. Heute bedaure ich nur, da� ich nicht selbst zur�ckgetreten bin. Damit h�tte ich die Schande der Anh�rung, der Ermahnung meiner Offizierskollegen und der �ffentlichen Entfernung aus meinen �mtern entgehen k�nnen.�</p><p>�Mag dies sein, wie es will�, sagte Tasdron, �jedenfalls sind das alles keine guten Vorzeichen f�r unsere Pl�ne.�</p><p>�Daran l��t sich nichts mehr �ndern�, stellte Callimachus fest. �Wenn ihr wollt, ziehe ich mich aus der Angelegenheit zur�ck.�</p><p>�Unsinn!� sagte Tasdron. �Man erinnert sich in Port Cos voller Zuneigung an dich. Ich wei� das von Glyco. Warum sollte er dich sonst in Victoria aufgesucht haben?�</p><p>�Ich verspreche, da� ich mit Callisthenes gut zusammenarbeiten werde�, sagte Callimachus.</p><p>�Was wi�t ihr �ber Aemilianus aus Ar-Station?� fragte ich Callimachus und Tasdron.</p><p>�Victoria liegt dichter bei Port Cos als bei Ar-Station�, antwortete Tasdron. ��berhaupt ist Ar vorwiegend eine Landmacht. �ber M�nner wie Aemilianus wissen wir hier wenig. Ich habe sagen h�ren, er sei ein guter Offizier.�</p><p>�Ich wei� nichts �ber ihn�, antwortete Callimachus, und seine Stimme hatte sich etwas versch�rft, �au�er da� er aus Ar stammt.�</p><p>�Du l��t dir anmerken, da� du mit Cos sympathisierst�, sagte ich warnend. �Es f�hrt wirklich zu nichts, sollten dieser Bursche und du das Bed�rfnis versp�ren, euch gegenseitig in St�cke zu hauen.�</p><p>�Noch dazu in meiner Taverne!� grollte Tasdron.</p><p>�Das unmittelbare Problem bleibt ungel�st�, sagte Callimachus. �Wie setzen wir uns mit Aemilianus in Verbindung und bringen ihn zu dieser Zusammenkunft, ohne die Spione des Policrates zu alarmieren?�</p><p>�Ich glaube, wir haben keine andere Wahl, als ihn direkt anzusprechen und dabei die unvermeidlichen Risiken einzugehen�, sagte Tasdron.</p><p>�Und selbst wenn uns das gel�nge�, warf Callimachus ein, �meinst du, da� er als Krieger aus Ar, als Hauptmann, sich so einfach verkleidet und eine Zusammenkunft in Vic toria aufsucht? Bestimmt wei� er, da� es in dieser Stadt viele Leute gibt, die Ar keine Sympathien entgegenbringen. Er wird mi�trauisch sein.�</p><p>�Sicher verlangt er, da� das Treffen in seinem Hauptquartier stattfindet�, meinte Tasdron.</p><p>�Dann brauchen wir Callisthenes nur dazu zu bringen�, bemerkte Callimachus verbittert, �sich in die Gewalt der Soldaten aus Ar-Station zu begeben.�</p><p>�Vielleicht ist er tollk�hner, als wir glauben�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe das nicht.�</p><p>�Weshalb ist er nach Victoria gekommen?� fragte ich.</p><p>�Um den Topas zu finden�, sagte Tasdron.</p><p>�Ich habe einen Plan!� verk�ndete ich.</p><p>�Und der w�re?�</p><p>�Hast du den Hauptschl�ssel f�r die Kragen und Gl�ckchen deiner M�dchen?�</p><p>�Ja�, sagte Tasdron.</p><p>Daraufhin zog ich aus meinem Beutel ein St�ck Seide. Es umh�llte etwas Schweres, das ich vorsichtig auf den Tisch legte. �Ich glaube, die Sache wird nicht so schwierig, wie ihr vermutet�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Tasdron und be�ugte das seidenumh�llte Etwas, das ich auf den Tisch gelegt hatte. Es hatte verr�terisch geklirrt.</p><p>�Herren�, sagte Peggy und stellte ein Tablett auf den Tisch. Darauf standen Teller mit Brot und Fleisch, ein Teller mit K�sesorten, eine Schale Datteln, ein Krug Wasser, ein Topf dampfenden schwarzen Weins, winzige Gef��e mit Zucker und Sahne und drei Kelche. Auf dem Tisch verteilte sie im �brigen kleine Silberl�ffel aus Tharna, die zum schwarzen Wein gebraucht wurden, und vor jedem Mann eine mit einem Kailiaukhorn-Griff versehene E�gabel. Es folgten Fingerhandt�cher und eine silberne Handwaschschale aus Tharna-Silber. Als sie fertig war, kniete sie nieder und blickte mich an.</p><p>Ich faltete die Seide zur Seite und brachte die kleine dreieckige Glocke, die Halskette und das kleine metallene, rechteckige verschlossene M�nzk�stchen zum Vorschein.</p><p>�Wei�t du, was das ist?� fragte ich sie.</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie ver�ngstigt.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Tasdron, �eine ausgezeichnete Idee. Damit erregt sie nicht mehr Aufmerksamkeit als jedes andere M�nz-M�dchen auf der Stra�e.� Und er machte sich daran, sie von ihrem Sklavenkragen und den Gl�ckchen zu befreien.</p><empty-line/><p>�Ob sie wohl Erfolg hat?� fragte Callimachus, nachdem Tasdron das M�dchen belehrt und auf die Stra�e geschickt hatte.</p><p>�Sie ist Sklavin�, antwortete Tasdron. �Es ist durchaus in ihrem Interesse, ihren Auftrag zu erf�llen.�</p><p>�Essen wir�, sagte ich. �Ich habe Hunger.�</p><p>�Ich auch�, sagte Callimachus.</p><p>�Ich auch�, sagte Tasdron.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>�Florence!� rief ich.</p><p>�Herr!� antwortete sie erfreut.</p><p>�Du bist es wirklich!� sagte ich lachend.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie sch�n, dich zu sehen!�</p><p>�Ohne Zweifel ist es f�r einen Mann sch�n, mich zu sehen, wie ich jetzt bin�, sagte sie lachend.</p><p>Es war die achtzehnte Ahn, zwei Ahn vor der zwanzigsten Ahn, der goreanischen Mitternachtsstunde, zu der im Hinterzimmer von Tasdrons Taverne unser Geheimtreffen beginnen sollte. Ich hatte hinten mein Abendessen beendet und war dann, Callimachus und Tasdron im Gespr�ch zur�cklassend, nach vorn in den gro�en Gastraum der Sch�nke gegangen. Bis zur zwanzigsten Ahn wollte ich mir die F��e vertreten.</p><p>�Wie ich sehe, bist du gut gesichert�, stellte ich fest.</p><p>�Mein Herr hat daf�r gesorgt�, entgegnete sie stolz.</p><p>In Tasdrons Taverne gab es � wie in vielen Lokalen � an einer Wand eine Reihe von Ringen, an der man seine Sklaven festbinden konnte, w�hrend man speiste oder trank.</p><p>�Wie sch�n du bist!� sagte ich und ging neben ihr in die Knie. �Welch unglaubliche Ver�nderung!� Ich umfa�te ihr Kinn und drehte ihren Kopf hin und her.</p><p>�Du bist es eben nicht gew�hnt, mich in der Tunika und im Kragen einer Sklavin zu sehen�, sagte sie.</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Hier ist weitaus mehr geschehen.� Ich senkte die Hand.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie l�chelnd.</p><p>Mein Blick wanderte �ber sie dahin und registrierte die angenehmen Rundungen ihrer Br�ste, die Fl�chen ihres Leibes, die Ausschwingungen ihrer H�ften, die liebliche Kr�mmung ihrer Oberschenkel, Knie und Waden, die kleinen, nackten F��e.</p><p>�Du bist erstaunlich sch�n, Florence�, sagte ich.</p><p>�Danke Herr�, erwiderte sie.</p><p>�Dein Herr hat dich gut angekettet � man h�tte M�he, dich zu stehlen�, fuhr ich l�chelnd fort.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Dein Herr mu� dich f�r sehr wertvoll halten.�</p><p>�Ich bin nur eine Sklavin�, sagte sie und senkte l�chelnd den Kopf.</p><p>�Wer ist dein Herr?�</p><p>�Miles aus Vonda�, erwiderte sie.</p><p>�Das habe ich mir doch beinahe gedacht.�</p><p>�Er erstand mich bei einer Geheimauktion�, sagte sie, �die im Lager des Sklavenh�ndlers Tenalion stattfand.�</p><p>�Was hat er geboten?�</p><p>�Hundert Goldst�cke�, sagte sie l�chelnd und ohne den Kopf zu heben.</p><p>�Eitler kleiner Sleen!� rief ich lachend.</p><p>�Es stimmt�, beteuerte sie.</p><p>�Gro�artig! Ich selbst habe von Tenalion nur zehn Silber-Tarsks f�r dich erhalten.�</p><p>�Das Gold war zweifellos weitaus mehr, als ich wert war�, sagte sie.</p><p>�Nicht f�r Miles aus Vonda.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bist du gl�cklich?� fragte ich.</p><p>Hastig hob sie den Kopf. �O ja!� rief sie. �Ja! Ja, ich bin sehr gl�cklich, Herr!�</p><p>�Das freut mich f�r dich.�</p><p>�Als ich noch frei war, hatte ich keine Ahnung, da� Miles sich als echter Mann erweisen k�nnte. H�tte ich das auch nur geahnt, h�tte ich mich ihm zu F��en geworfen und um seinen Kragen gebeten.�</p><p>�W�rst du eine freie Frau geblieben, h�tte er sich dir gegen�ber niemals derma�en als Mann erweisen k�nnen.�</p><p>�Das stimmt�, sagte sie. �Als freie Frau h�tte er mich nicht behandeln k�nnen, wie er und ich es wollten.�</p><p>�Es freut mich, da� du gl�cklich bist�, sagte ich.</p><p>�Aber er ist streng mit mir�, fuhr sie fort. �Ich mu� ihm in allem gehorsam sein.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Meine einzige Angst ist, da� er meiner �berdr�ssig wird oder mich verkauft�, sagte sie. �Ich gebe mir solche M�he, ihm zu gefallen.�</p><p>�Er ist ein gl�cklicher Mann. Wie nennt er dich?�</p><p>�Florence.�</p><p>�Er gab dir deinen alten Namen als Sklavennamen. Wie geht es Miles aus Vonda?�</p><p>Ihr Blick umw�lbte sich. �Er hat es zur Zeit sehr schwer�, entgegnete sie. �Krieger aus Ar kampierten bei ihrem R�ckzug nach S�den auf seinem Besitz. Voller Zorn �u�erte er sich in ihrer Gegenwart �ber Ar. Daraufhin brannten sie seinen Besitz nieder und trieben seine Hurt und Tharlarion auseinander.�</p><p>�Was macht er in Victoria?� wollt ich weiter wissen.</p><p>�Er ist auf dem Weg nach Westen, am Flu� entlang�, sagte sie. �Sein Ziel ist Turmus. Er hat dort Freunde, die einen Kredit f�r ihn aushandeln sollen; er will seinen Besitz wiederaufbauen.�</p><p>�Es ist gef�hrlich, auf dem Flu� zu reisen�, sagte ich. �Die Flu�piraten sind im Augenblick besonders k�hn und aktiv.�</p><p>�Das Risiko m�ssen wir eingehen.�</p><p>�Wir gro� ist sein Gefolge?� fragte ich. Davon hing nat�rlich die Sicherheit seines Vorhabens ab.</p><p>�Er hat nur mich und Krondar bei sich, einen Kampfsklaven.�</p><p>�Nur zwei?� fragte ich.</p><p>�Ja. Seine anderen Sklaven hat er verkauft, um Geld f�r die Reise aufzubringen.�</p><p>�Dich hat er aber nicht verkauft.�</p><p>�Er hat mich behalten�, sagte sie l�chelnd und ver�nderte ihre Position an der Kette.</p><p>�Und Krondar.�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Er mag Krondar, und am Flu� kann ein Kampfsklave sehr n�tzlich sein.�</p><p>�Das stimmt�, sagte ich.</p><p>Ich erinnerte mich an Krondar. Einmal hatte ich ihm sogar in der Kampfgrube gegen�bergestanden; damals war ich ebenfalls Kampfsklave gewesen. Krondar war ein Veteran der Kampfarenen Ars. Er hatte sogar mit dem gespickten Kn�ppel und dem Klingenhandschuh gek�mpft, ein untersetzter, rundlicher, kr�ftiger Mann. Gesicht und Oberk�rper waren von zahlreichen Narben entstellt, unausl�schliche Spuren eines blutigen Lebenslaufes in den Arenen.</p><p>�Ihr solltet Victoria erst wieder verlassen�, sagte ich, �wenn mehrere Schiffe sich zu einem Konvoi nach Westen zusammenfinden.�</p><p>�Mein Herr ist ungeduldig�, sagte sie.</p><p>�Jedenfalls war es gro�artig, dich einmal wiederzusehen, Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Ich m�chte dir noch danken�, sagte Florence, �da� du mich vor langer Zeit gefangen und verkauft hast. Du hast mich zur echten Frau gemacht. Und ohne dich h�tte ich niemals meinen Herrn kennengelernt, Miles aus Vonda.�</p><p>Ich stand auf und verlie� die Taverne. Drau�en sah ich mich um und entdeckte eine st�mmige Gestalt, die neben einigen B�ndeln an der Tavernenmauer hockte. Grinsend n�herte ich mich dem Mann, der den Kopf hob und mich knurrend davor warnte, n�herzukommen.</p><p>�Krondar!� sagte ich.</p><p>Der vernarbte Kopf hob sich noch mehr. Um den Hals lag ein breiter Metallreif. �Herr?� fragte Krondar.</p><p>�Nenn mich nicht �Herr��, sagte ich. �Ich bin Jason, inzwischen in Freiheit lebend. Bei Vonda haben wir einmal gegen dich gek�mpft.�</p><p>�Frei?� fragte das Monstrum und kniete nieder.</p><p>Ich zog ihn hoch. �Ich bin Jason�, sagte ich. �Erinnerst du dich an Jason?�</p><p>Der Sklave musterte mich im Mondschein. Dann stieg ein dumpfes Lachen aus seiner Kehle auf. �Es war ein guter Kampf�, sagte er.</p><p>Im Mondschein umarmten wir uns. Gemeinsam war uns die Br�derschaft der Kampfarena.</p><p>�Es tut gut, dich wiederzusehen, Krondar�, sagte ich.</p><p>�Es tut gut, dich wiederzusehen � Jason�, antwortete er.</p><p>Abrupt wandte ich mich um, denn ich h�rte hinter mir Stahl aus einer Scheide gleiten.</p><p>Ich erblickte Miles aus Vonda, der mich aufgebracht und mit gezogenem Schwert erwartete. Neben ihm stand seine liebliche Sklavin Florence in ihrer kurzen grauen Tunika. Ich trat einen Schritt von Krondar weg und wich ein St�ck zur�ck. Miles aus Vonda folgte mir mit erhobenem Schwert.</p><p>�In der Taverne�, sagte er, �hast du da meine Sklavin bel�stigt?�</p><p>�Ich habe mit ihr gesprochen�, sagte ich.</p><p>�Zieh dein Schwert!� forderte er.</p><p>�Kennst du mich nicht?�</p><p>�Du bist Jason�, sagte er, �ehemals Kampfsklave.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Zieh deine Waffe!�</p><p>�Bitte, Herr!� flehte die Sklavin. �Er wollte nichts B�ses! Bitte!�</p><p>�Schweig, Sklavin!�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie bedr�ckt.</p><p>Einige M�nner waren Miles aus der Taverne gefolgt und beobachteten die Szene.</p><p>�Wird es n�tig sein, dich zu t�ten, w�hrend dein Schwert in der Scheide steckt?� fragte Miles aus Vonda.</p><p>�Bitte nein, Herr!� weinte Florence, sank neben ihm in die Knie und umfa�te sein Bein. Er schob sie mit dem Fu� zur Seite. Weinend lag sie auf dem Pflaster. Sie hatte ohne Erlaubnis gesprochen. Sie hatte sich in die Angelegenheiten von M�nnern eingemischt. Zweifellos w�rde er sie daf�r heute abend bestrafen.</p><p>�Zieh blank!� forderte Miles aus Vonda.</p><p>Die Menge der Zuschauer wurde gr��er. Ein Mann hatte zornig etwas gemurmelt, als er Miles� Herausforderung h�rte. Ich sah, da� mehrere die H�nde auf die Schwertgriffe gelegt hatten. Voller Freude machte ich mir klar, da� diesen Burschen die Szene ganz und gar nicht gefiel. Peggy hatte mir gesagt, da� ich in Victoria nicht unbekannt sei. Nun ging mir auf, da� man mich aus dem Hafen kannte. Vielleicht hatte man auch erfahren, da� ich Grat den Dieb aus Victoria vertrieben und mich in der Taverne des Hibron - allerdings vergeblich � bem�ht hatte, Mi� Henderson aus gro�er Gefahr zu befreien. Vielleicht war ihnen auch bekannt, da� ich von meinem Unwillen �ber die Strafaktion der Piraten auf den Piers von Victoria keinen Hehl gemacht hatte. Mit einigen dieser Burschen hatte ich getrunken und gearbeitet.</p><p>�Zieh!� forderte Miles aus Vonda.</p><p>Ich glaube nicht, da� er die Gefahr erkannte, in der er schwebte. Mir ging es in dieser Lage vor allem darum, sein Leben zu retten.</p><p>�Ich hatte dich f�r einen Mann der Ehre gehalten�, sagte ich.</p><p>�Ich m�chte doch hoffen, da� ich das bin�, antwortete Miles aus Vonda.</p><p>�Ich arbeite hier im Hafen�, sagte ich. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, da� Krondar sich herumdrehte, um mehrere M�nner, die angespannt zuschauten, im Auge zu behalten. Wenigstens ahnte er die Gefahr, in die sich sein Herr begeben hatte. Kein Zweifel, Krondar w�rde gegen eine �bermacht vorgehen, auch wenn er daf�r mehrere Schwerthiebe in die Brust empfangen w�rde. �Wie h�tte ich dann, w�hrend ich auf den Piers arbeitete, die Zeit finden k�nnen, eine Schwertgeschicklichkeit zu entwickeln, die der deinen entspr�che?�</p><p>�rgerlich schob Miles aus Vonda das Schwert wieder in die Scheide. Er brauchte nicht zu wissen, da� ich mir viel Zeit genommen hatte, mich mit dem Schwert vertraut zu machen und da� ich dabei ein gewisses nat�rliches Geschick entwickelte. In Wahrheit, davon war ich �berzeugt, w�re ich gegen den stolzen Vondaner durchaus nicht im Nachteil gewesen. Ich h�tte gern gewu�t, ob ich ihn h�tte t�ten k�nnen. Andererseits wollte ich ihm nicht schaden. Und vor allem sollten die Victorianer nicht erfahren, da� ich das Schwert beherrschte. Jason, der Hafenarbeiter, in Victoria hier und dort bekannt, galt in dieser Beziehung als ahnungslos. So wie Callimachus weiter den Heruntergekommenen spielte, um unsere Pl�ne zu f�rdern, mu�te ich mit meiner Unerfahrenheit im Kampf hausieren gehen.</p><p>�Ich werde dich nicht t�ten�, sagte Miles aus Vonda gereizt.</p><p>�Das ist eine wirklich erfreuliche Nachricht�, bemerkte ich.</p><p>Die M�nner ringsum atmeten auf. Miles aus Vonda wu�te es nicht, doch er hatte sich und Krondar soeben das Leben gerettet und wom�glich auch das seiner Sklavin. Ein Dutzend Klingen h�tten ihn durchbohrt, ehe er �berhaupt an mich herangekommen w�re.</p><p>Ein Gef�hl der Sympathie f�r die M�nner aus Victoria wallte in mir auf.</p><p>�Krondar�, sagte Miles aus Vonda und deutete auf mich. �Schlag ihn zusammen.�</p><p>�Wenn du willst, Herr, greife ich ihn an�, erwiderte Krondar. �Aber schlagen kann ich ihn nicht.�</p><p>�Wie soll dann meiner Ehre Gen�ge getan werden?� fragte Miles aus Vonda und blickte mich an.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich.</p><p>Er kam auf mich zu und versetzte mir mit der rechten Hand eine schmerzende Ohrfeige. Anschlie�end spuckte er mich an. M�nner schrien zornig auf. Krondar schnappte nach Luft. Florence wimmerte. Automatisch spannte ich die Muskeln an � aber dar�ber hinaus reagierte ich nicht.</p><p>Nun drehte sich Miles aus Vonda um und bedeutete Krondar mit einer Handbewegung, die B�ndel aufzunehmen, die er bewacht hatte. Dann marschierte er in die Stra�e des Lycurgus, gefolgt von Florence und einige Schritte danach von Krondar mitsamt seiner Last.</p><p>Ich wischte meine Tunika ab und reinigte mir anschlie�end die Hand am Bein.</p><p>�Warum hast du ihm nicht das Genick gebrochen?� fragte einer der M�nner.</p><p>�Er ist eigentlich ein netter Bursche�, antwortete ich. �Au�erdem solltest du dir mal die Sklavin anschauen.� Wir blickten ihr nach, der kaum bekleideten, br�netten Sch�nheit, die ihrem Herrn auf dem Fu�e folgte. �Wer w�re nicht eifers�chtig, wenn es um eine solche Sklavin ginge?�</p><p>�Vielleicht hast du recht�, sagte der Mann neben mir und grinste.</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Wir schrieben die neunzehnte Ahn, eine Ahn vor der zwanzigsten Ahn, der goreanischen Mitternacht.</p><p>Ich war auf str�fliche Weise unvorsichtig. Ich hatte an Miles aus Vonda gedacht und an seine Sklavin, die ehemalige Lady Florence aus Vonda. Ich freute mich �ber ihr Gl�ck und beneidete ihn ein wenig.</p><p>�Halt!� sagte da eine drohende Stimme.</p><p>In der N�he eines Holzstapels auf einer Pier wirbelte ich herum. Ich befand mich in einer ziemlich einsamen Ecke. Gelegenheit, mein Schwert zu ziehen, hatte ich nicht. Der andere bohrte mir seine Klingenspitze bereits in den Unterleib. Vorsichtig wich ich zur�ck, bis ich mit dem R�cken am Holz stand.</p><p>�Du bist mir also gefolgt, Miles aus Vonda�, sagte ich. Er schwieg.</p><p>�Die Maske ist �berfl�ssig�, fuhr ich fort. �Es ist hier dunkel, und wir sind allein.�</p><p>Das Schwert wurde einige Zoll weit zur�ckgezogen. �Nimm die H�nde an die Seite und knie langsam nieder.�</p><p>Ich gehorchte.</p><p>�Und langsam, behutsam, legst du deinen Schwertgurt mitsamt der Klinge auf den Boden.�</p><p>Langsam lie� ich mir den G�rtel von den Schultern gleiten und legte ihn mit der Waffe auf die Bohlen.</p><p>�Du bist nicht Miles aus Vonda�, sagte ich, denn seine Stimme war mir fremd. �Wer bist du?� fragte ich. �Ein R�uber?�</p><p>Er schwieg. Ich behielt sein Schwert im Auge.</p><p>�Ich habe etwas Geld bei mir�, fuhr ich fort, �das gebe ich dir. Du brauchst mich nicht zu t�ten.�</p><p>�Sei kein Dummkopf�, antwortete er. �Wo ist er?�</p><p>�Wer?�</p><p>�Der Topas!�</p><p>�Du bist der Kurier von Ragnar Voskjard!� rief ich. Es mu�te der Mann sein, der mir, um sich w�hrend der Durchsuchung der Taverne des Cleanthes zu sch�tzen, den Topas in den Beutel geschoben hatte. Ich war im Inneren der Taverne nicht mehr durchsucht worden, weil ich � wie auch einige andere � kurze Zeit vorher schon au�erhalb des Lokals nach dem Topas abgeklopft worden war. Vermutlich war der Kurier ein wichtiger Mann und seine Identit�t ein gut beh�tetes Geheimnis.</p><p>�Wo ist der Topas?� fragte er nachdr�cklich.</p><p>�Du warst es, nicht wahr, der in mein Haus eindrang, es durchsuchte und die Lady Beverly eingehend nach dem Topas befragte!�</p><p>�Ich fand ihn dort nicht�, sagte er drohend.</p><p>�Aber du erhieltest etwas f�r eine M�hen�, erinnerte ich ihn. �Du brachtest Lady Beverly dazu, dich um deine Gunst anzuflehen, die du ihr dann h�flicherweise nicht vorenthieltest.�</p><p>�Sie war nicht unattraktiv�, sagte er.</p><p>�Eine freie Frau zu vergewaltigen ist ein schlimmes Verbrechen�, sagte ich.</p><p>�Ich kenne mich mit Frauen aus�, antwortete er. �Sie war eine geborene Sklavin.�</p><p>�Dazu kann ich nichts sagen�, erwiderte ich.</p><p>�Lady Beverly wandte sich dann aber von dir ab und verst�ndigte die W�chter von Port Cos, die ebenfalls dein Haus und deinen Garten absuchten � aber nichts fanden.�</p><p>�Du bist gut informiert�, stellte ich fest.</p><p>�Wo ist der Topas?� fragte er.</p><p>�In Sicherheit�, antwortete ich. Auf keinen Fall brauchte er zu wissen, da� ich den Stein, einem Plan folgend, Policrates pers�nlich ausgeh�ndigt hatte.</p><p>�M�chtest du auf der Stelle sterben?�</p><p>�Wenn du mich t�test, wie willst du dann den Topas finden?�</p><p>Er zog das Schwert ein St�ck zur�ck. �Ich habe dich beobachtet�, sagte er. �Dabei war ich sehr geduldig. Aber du f�hrtest mich nicht zu dem Topas. Ich kann nicht ewig warten. Es gibt Leute, denen ich eine Antwort schulde.�</p><p>�Wenn ich dir den Stein aush�ndige, welcher Wert h�tte dann mein Leben f�r dich?�</p><p>�Keinen.�</p><p>�Unter diesen Umst�nden verstehst du sicher, da� ich nicht begierig bin, dir den Stein zu �berlassen.�</p><p>�Aber auch ich mu� vielleicht sterben�, sagte er drohend, �wenn ich den Topas nicht ans Ziel bringe.�</p><p>�Du bist wirklich in keiner beneidenswerten Lage � wie ich.�</p><p>�Und da h�tte ich wenig zu verlieren, wenn ich dich umbr�chte.�</p><p>�Diese Tatsache ist mir nicht entgangen�, r�umte ich ein.</p><p>�Es gibt aber eine einfache L�sung f�r unsere Schwierigkeiten�, meinte er, �eine L�sung, die im Interesse von uns beiden ist.�</p><p>�Indem du mich n�mlich verschonst, wenn ich dir den Topas gebe.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Aber welche Garantie h�tte ich, da� du dich an eine solche Abmachung h�ltst?�</p><p>�Ich gebe dir mein Wort�, sagte er.</p><p>�Mit allem gebotenen Respekt mu� ich anmerken�, sagte ich, �da� Piraten und alle, die sich mit ihnen verb�nden, nicht gerade wegen ihrer Ehre bekannt sind.�</p><p>�Hast du eine andere Wahl?� fragte er und hob das Schwert.</p><p>�Ich zeige dir, wo ich den Topas versteckte habe.�</p><p>�Erhebe dich langsam!� befahl er. �Und geh langsam. La� dein Schwert liegen.�</p><p>Ich richtete mich vorsichtig auf und begann behutsam und unbewaffnet zwischen den auf den Piers gelagerten Waren auszuschreiten. Er blieb hinter mir, und das blanke Schwert war kampfbereit erhoben. W�re ich auf ihn losgegangen, h�tte er mich niederschlagen k�nnen, ehe ich auch nur in seine N�he kam. Und ich wagte ihm nicht wegzulaufen, da er mich vermutlich mit seiner Klinge noch erreicht h�tte, ehe ich au�er Reichweite war.</p><p>�Langsam, Langsam!� sagte er warnend.</p><p>�Hier ist das Versteck.� Und wirklich hatte ich den Stein dort verstaut gehabt. Nat�rlich hatte ich ihn sp�ter aus dem Versteck wieder herausgeholt, ehe ich ihn in die Festung des Policrates brachte. Vorsichtig griff ich nach einem der schweren rechteckigen Granitbl�cke, die etwa sechs mal sechs mal achtzehn Zoll ma�en und in einer Art Pyramide inmitten anderer Baumaterialien aufgestapelt lagen. Der urspr�ngliche K�ufer war aus dem Vertrag ausgestiegen, und die Steine sollten nun hier den Winter �ber neben dem Lagerhaus des Steinbruchs liegen, bis im Fr�hling ein guter Auktionspreis zu erzielen war. Das vor�bergehende Festliegen der Steine und ihr Gewicht und ihr geringer Preis hatten mich bewogen, hier das ideale Versteck f�r den Topas zu sehen. Es lag �berdies kaum mehr als vierhundert Meter von der Arbeitsvermittlung des Hafens entfernt, die ich morgens oft aufsuchte, um Besch�ftigung zu finden.</p><p>�Niemand w�rde vermuten, da� der Topas hier versteckt ist�, sagte ich nachdenklich.</p><p>�Hast du ihn noch?� fragte der Mann hinter mir. Er war gro� und hager. Auf den ersten Blick hatte ich ihn f�r Miles aus Vonda gehalten.</p><p>Mir ging auf, da� ich nicht mehr viel Zeit hatte. Vorsichtig bewegte ich einen anderen Stein. Dann nahm ich einen dritten in die H�nde und gab mir den Anschein, als m�sse ich mich damit abm�hen.</p><p>�Du willst mich verschonen, wenn ich dir den Topas gebe�, sagte ich.</p><p>�Ja, ja!� rief er.</p><p>�Hier ist er�, sagte ich.</p><p>Er schlug mit der Klinge zu, und ich stie� im Umdrehen den Granitblock hoch, um den Hieb abzublocken. Funken spr�hten, Gesteinssplitter flogen in alle Richtungen. Ich trat den Mann von dem Stein fort, den ich noch in den H�nden hielt. Er torkelte r�ckw�rts. Ich wartete, bis er aufrecht stand, bis er das Gleichgewicht zur�ckgewonnen hatte. Dann schleuderte ich von unten herauf den Granitblock in seine Richtung. An der linken Schulter wurde er getroffen. Er japste und wirbelte, von dem Stein gedreht, herum. Ich st�rzte mich auf ihn, hielt aber inne, als er sich schnell herumdrehte. Sein Schwertsto� war um etwa einen Fu� zu kurz. Ich trat einen Schritt zur�ck. Er r�ckte nicht vor. Er atmete schwer. Sein linker Arm hing leblos herab. Vermutlich war seine ganze linke Schulter gel�hmt.</p><p>�Ach, der Stein war doch nicht da�, sagte ich. �Ich scheine mich geirrt zu haben.�</p><p>Keuchend und taumelnd kam er auf mich zu. Ich machte kehrt und ergriff schnellf��ig die Flucht. Geschickt kehrte ich zu den Holzstapeln zur�ck, b�ckte mich und nahm das Schwert auf, das ich dort zur�ckgelassen hatte. Als ich mich umwandte, sah ich ihn langsam, m�hsam folgen. Als er gewahrte, da� ich meine Klinge erhoben hatte, blieb er stehen. Diese Reaktion �berzeugte mich, da� der Mann nicht aus Victoria stammen konnte. In Victoria glaubte man, da� ich mich mit dem Schwert nicht auskannte. W�re er aus der Stadt gewesen, h�tte er mich wohl trotz seiner Schmerzen angegriffen.</p><p>�Verr�terischer Sleen!� fauchte er.</p><p>�Nicht ich habe heimt�ckisch mit dem Schwert zugeschlagen�, bemerkte ich.</p><p>�Sleen!� wiederholte er.</p><p>�Holla, zu Hilfe!� rief ich laut. �Heda, was tust du da? Wer bist du! Verschwinde von hier! Wir gestatten es nicht, da� sich auf diesen Piers Diebe herumtreiben!�</p><p>Der Mann erbebte vor Zorn und trat einen Schritt vor.</p><p>�Fort mit dir, du Dieb!� rief ich. �Fort!�</p><p>�Sei still, du Dummkopf!� sagte der Mann.</p><p>�Dieb! Dieb!� rief ich. �Hier stiehlt man nicht ungestraft, Bursche, du bist hier in Victoria!�</p><p>�Was geht hier vor!� rief eine Stimme weiter hinten an der Pier.</p><p>�Hilfe! Hilfe!� rief ich. �Ein Dieb!�</p><p>Ich schaute �ber die Schulter zur�ck und sah eine Laterne n�her kommen. Zwei M�nner n�herten sich mit Sklaven.</p><p>�Sleen!� sagte der Mann mit der Maske, dann machte er kehrt und floh mit schnellen Schritten.</p><p>�Bist du das, Jason?� fragte einer der N�herkommenden.</p><p>�Ja�, erwiderte ich und steckte das Schwert fort.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Ich habe da einen Mann auf den Kais herumschleichen sehen�, sagte ich. �Bestimmt f�hrte er nichts Gutes im Schilde.�</p><p>�Er scheint fort zu sein�, sagte der erste Mann.</p><p>�Ja. Vorhin war er dr�ben beim Steinlager. Er machte sich am Granit zu schaffen, an der festliegenden Ladung.�</p><p>�Dort gibt es aber nichts Wertvolles zu finden�, meinte der zweite Mann.</p><p>�Da hast du recht�, sagte ich.</p></section><section><title><p>27</p></title><p>�Wir haben schon die zweite Ahn�, sagte Callimachus. �Sie kommen bestimmt nicht mehr.�</p><p>Peggy kniete vor Tasdron, ihrem Herrn. Noch immer trug sie die schwere Kette mit der Glocke und dem M�nzkasten.</p><p>�Hast du getan, was Jason dir aufgetragen hat?� fragte Tasdron.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie. �Ich suchte Aemilianus auf, Hauptmann der W�chter von Ar-Station. Kniend bot ich mich ihm dar.�</p><p>�Ja�, sagte Tasdron.</p><p>�Und bei dem Versuch, ihm zu gefallen, fl�sterte ich ihm zu, da� ich von M�nnern gesandt worden sei, die das Versteck des Topases kennen. Wenn er Informationen dar�ber w�nschte, sollte er heute nacht zur zwanzigsten Ahn in die Taverne kommen.�</p><p>�Du bist aber selbst erst um die erste Ahn zur�ckgekehrt.�</p><p>�Ich habe Aemilianus erst kurz vor der zwanzigsten Ahn gefunden.�</p><p>�Warum?� fragte Tasdron.</p><p>�M�nner haben mich aufgehalten�, sagte sie. �Ich trug die Glocke und den M�nzkasten.�</p><p>Ich wog das K�stchen in der Hand. Mehrere M�nzen klapperten darin.</p><p>�Auch Aemilianus hatte seinen Spa� mit mir�, fuhr sie besch�mt fort. Schlie�lich sprach sie vor Callimachus, den sie heimlich liebte.</p><p>�Hat er seine M�nze bezahlt?� fragte Tasdron.</p><p>�Ja�, sagte sie err�tend.</p><p>�Aber er ist jetzt nicht hier�, stellte ich fest.</p><p>�Als er mich wieder fortschickte�, berichtete sie, �sagte er nur, ich solle zu meinem Herrn zur�ckkehren. Ich wei� nicht, ob er kommt.�</p><p>�Bring uns zu essen und zu trinken�, wandte sich Tasdron an Peggy und nahm ihr die Ketten ab. �Wo ist Glyco?� fragte er, als das M�dchen verschwunden war. �Er brauchte doch nur Callisthenes zu holen, den er gut kennt. Das m��te keine Schwierigkeiten machen. Die beiden h�tten vor �ber einer Ahn hier sein m�ssen.�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht sind sie in eine Falle gelaufen�, sagte Tasdron. ��berall gibt es Spione. Vielleicht sind unsere Pl�ne l�ngst verraten.�</p><p>�Die Taverne steht noch nicht in Flammen�, bemerkte ich.</p><p>�Ach, wundervoll!� rief Tasdron gereizt.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Du verstehst doch, welche Gefahren solche Unternehmungen bringen, nicht wahr?� fragte Tasdron.</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Es ist jemand an der Hintert�r�, meldete Callimachus.</p><p>Tasdron eilte zum r�ckw�rtigen Ausgang und durch den Korridor zum Seitenausgang des Geb�udes. Er �ffnete ein Guckloch, schlo� es wieder und �ffnete die T�r. Zwei Gestalten wurden eingelassen, die T�r wieder hinter ihnen verriegelt. Ich erkannte Glyco, rundlich und kurzbeinig, schweratmend, in einen langen braunen Umhang geh�llt, der das Wei�-Gold der Kaufleute verbarg. Der zweite Mann, gro� und breit gebaut, hatte mich im Hauptquartier der Soldaten aus Port Cos verh�rt, als ich vor einigen Tagen, von Mi� Henderson angeschw�rzt, dorthin gebracht worden war. Tasdrons Aussage, ich k�nne unm�glich Ragnar Voskjards Kurier sein, hatte mich gerettet.</p><p>Auch der zweite Mann trug einen braunen Umhang �ber der Uniform. In der linken Hand, an den K�rper gepre�t, hielt er einen Helm, der mit Sleenhaar bekr�nzt war.</p><p>Dieser Mann, das wu�te ich nun, war Callisthenes.</p><p>Seine linke Schulter war ein wenig hochgezogen. Die rechte Hand, kr�ftig, breit und mit langen Fingern, schien gut um einen goreanischen Schwertgriff zu passen.</p><p>�Sei gegr��t, Callisthenes�, sagte Callimachus und erhob sich.</p><p>�Sei gegr��t, Hauptmann�, erwiderte Callisthenes. �Glyco sagte mir, da� du hier sein w�rdest.�</p><p>�Ich bin nicht mehr Hauptmann�, erwiderte Callimachus. �Diesen Posten bekleidest jetzt du.�</p><p>�Es gibt die verschiedensten Hauptleute in Port Cos�, sagte Callisthenes grinsend.</p><p>�Wie geht es den M�nnern?� erkundigte sich Callimachus.</p><p>�Sie � wie ich � erinnern sich deiner in Freundschaft�, entgegnete Callisthenes.</p><p>Die M�nner gaben sich die H�nde. Dies gefiel mir, denn ich hatte bef�rchtet, da� es zwischen den beiden Reibereien geben k�nnte. Schlie�lich war Callimachus aufgrund von Beweisen, die Callisthenes geliefert hatte, um seinen Posten gekommen. Callimachus aber trug ihm das nicht nach.</p><p>�Wir haben fr�her oft zusammen getrunken�, sagte Callimachus zu Tasdron.</p><p>�Nachdem Callimachus von seinem Posten entbunden worden war, ging es haupts�chlich auf seine Empfehlung zur�ck, da� ich zum Hauptmann bef�rdert wurde�, bemerkte Callisthenes.</p><p>�Nobel gehandelt�, sagte Tasdron zu Callimachus.</p><p>�Er war am besten geeignet, mein Nachfolger zu werden�, sagte Callimachus. �Sonst h�tte ich bestimmt nicht so gehandelt, trotz meiner Zuneigung zu ihm.�</p><p>�Ich habe mich bem�ht, deinem Vertrauen gerecht zu werden�, meinte Callisthenes. Dann blickte er in die Runde. �Kenne ich dich nicht?� fragte er mich.</p><p>�Ich war einer von mehreren Verd�chtigen, die im Laufe der Suche nach dem Topas zum Verh�r vorgef�hrt wurden�, sagte ich,</p><p>�Ja!� sagte Callisthenes. �Und hier haben wir ja Tasdron, der f�r dich aussagte. Wie hei�t du?�</p><p>�Jason�, antwortete ich.</p><p>�Richtig, Jason aus dem Hafen.�</p><p>�Ich w�re schon eher gekommen�, sagte Glyco zu Tasdron, �aber ich konnte Callisthenes nicht so schnell finden.�</p><p>�Ich war dienstlich unterwegs�, warf dieser ein.</p><p>�Deine Schulter scheint verletzt zu sein�, bemerkte Tasdron.</p><p>�Ach, das ist nichts�, gab Callisthenes zur�ck und blickte in die Runde. �Was ist hier eigentlich los?� fragte er Callimachus. �Stimmt es, da� du Neues �ber den Topas zu berichten wei�t?�</p><p>�Ich glaube, da� wir dir alles in K�rze erkl�ren k�nnen�, sagte Callimachus.</p><p>�Weshalb die Verz�gerung?� wollte Callisthenes wissen.</p><p>�Wir warten auf eine weitere Person.�</p><p>�Auf wen?�</p><p>�Eine Person, die du unbedingt kennenlernen mu�t�, sagte Callimachus.</p><p>�Na sch�n.�</p><p>Es klopfte leise an der T�r, und Peggy brachte ein Tablett mit Speisen und Getr�nken, die sie auf dem Tisch verteilte.</p><p>�Wir brauchen noch einen Kelch f�r unseren Freund�, befahl Tasdron. �Und einen weiteren f�r den Gast, der noch nicht eingetroffen ist.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte Peggy.</p><p>�Ich hoffe sehr�, sagte Tasdron und musterte die Sklavin, �da� er �berhaupt kommt.�</p><p>�Ich hoffe es auch, Herr�, fl�sterte sie zitternd, richtete sich auf und floh f�rmlich aus dem Zimmer.</p><p>Gleich darauf wurde dreimal energisch an die Seitent�r geklopft.</p><p>Wir sahen uns an. Glyco zog den Mantel enger um sich, bis das Wei� und Gold seiner Robe wieder verh�llt war. Callisthenes machte es ihm nach und verdeckte die Insignien von Port Cos. Tasdron stand auf und ging durch den �u�eren Korridor zur T�r. Wir �brigen erhoben uns.</p><p>Gleich darauf erschien Tasdron wieder auf der Schwelle. �Tritt ein�, sagte er.</p><p>Ein gro�er Mann, der einen neutralen Helm trug, erschien an der T�r. Er warf die Kapuze eines langen braunen Reisemantels zur�ck. Das Surren des Stoffes verriet mir, da� er darunter eine Schwertscheide trug. Er schlo� die T�r hinter sich und betrachtete uns. Sein Haar war braun und im Nacken kurzgeschnitten. Seine Wangen waren glattrasiert, sein Kinn ausgepr�gt, sein Blick offen und klar.</p><p>�Ich bin Tasdron, der Wirt dieser Taverne und habe dich hierher eingeladen�, sagte Tasdron.</p><p>�Ich hei�e Jason�, stellte ich mich vor, �und arbeite auf den Piers von Victoria.�</p><p>�Ich bin Glyco, ein Angeh�riger der Kaufmannskaste.�</p><p>�Und ich Callimachus, Angeh�riger der Kriegerkaste.�</p><p>�Ich kenne nur einen Krieger Callimachus�, antwortete der Mann, �und der war fr�her Hauptmann in Port Cos.�</p><p>�Wer ist das?� wandte sich Callisthenes an Tasdron. Seine Stimme klang unfreundlich. Wir alle waren aufgestanden. Ich bemerkte, da� die rechte Hand Callisthenes� unter seinem Umhang verschwunden war und auf dem Schwertgriff ruhte.</p><p>Der Neuank�mmling hatte ebenfalls seine Waffe umfa�t.</p><p>�Wir sind Leute, die sich wegen einer gemeinsamen Sorge zusammenfinden�, sagte Tasdron.</p><p>�Wer ist das?� wollte der Neuank�mmling von Tasdron wissen und deutete mit einer Kopfbewegung auf Callisthenes.</p><p>An der T�r entstand ein leises Ger�usch, und der neue Mann suchte sofort Schutz mit dem R�cken zur Wand, wobei er keinen von uns aus den Augen lie�.</p><p>Peggy trat ein und brachte die zus�tzlichen Kelche.</p><p>Tasdron seufzte h�rbar.</p><p>Peggy, die die beiden Gef��e auf einem kleinen Tablett trug, drehte sich um und entdeckte den Zuletztgekommenen. Mit hastiger Bewegung kniete sie vor ihm nieder und senkte den Kopf.</p><p>�Die Sklavin!� sagte der Mann.</p><p>�Ja�, entgegnete Tasdron.</p><p>�Wenigstens bin ich hier am richtigen Ort.�</p><p>�Ja�, sagte Tasdron. �Bediene!� wandte er sich an Peggy.</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie, richtete sich auf und begann den Tisch zu decken.</p><p>�Weshalb hat man mich zu dieser Zusammenkunft eingeladen?� fragte der Mann.</p><p>�Damit wir uns bei einem Projekt, das gemeinsame Interessen ber�hrt, gegenseitig unterst�tzen�, erwiderte Tasdron.</p><p>�Wer ist das?� fragte der Mann und deutete mit einer Kopfbewegung auf Callisthenes.</p><p>�Wer ist das?� wollte Callisthenes drohend von Tasdron wissen.</p><p>Ich spannte die Muskeln an. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, da� Callimachus unauff�llig nach seiner Waffe griff.</p><p>�Seien wir doch geduldig!� sagte Tasdron.</p><p>�Ich bin Callisthenes, Hauptmann von Port Cos�, sagte der Offizier pl�tzlich.</p><p>�Und ich Aemilianus, Hauptmann aus Ar-Station�, antwortete der andere.</p><p>Wie auf ein Kommando flogen zwei M�ntel zur�ck und legten die Insignien von Port Cos und Ar-Station frei. Zwei Schwerter sprangen aus den Scheiden. Das M�dchen schrie auf. Ich wich einen Schritt zur�ck.</p><p>�Port Cos!� rief Callisthenes.</p><p>�Herrliches Ar!� schrie Aemilianus.</p><p>Doch kaum hatten sich die Klingen gekreuzt, als pl�tzlich beide auf unerkl�rliche Weise funkenspr�hend in die H�he zu fliegen schienen. Beide M�nner wichen zur�ck. Callimachus stand zwischen ihnen. Sein Schwert hatte beide Klingen hochgeschlagen.</p><p>�Du bist stark�, sagte Aemilianus zu Callimachus.</p><p>Dieser steckte das Schwert fort.</p><p>�Wenn du jemanden niederstrecken m�chtest, Aemilianus, Hauptmann aus Ar-Station, dann mich�, sagte er. Und er wandte sich an Callisthenes. �W�rdest du mich t�ten wollen, alter Freund?� fragte er.</p><p>Callisthenes z�gerte.</p><p>�Dies ist keine Falle?� fragte Aemilianus.</p><p>�Unsere gr��te Gefahr ist es, da� wir uns wie Feinde gegen�berstehen�, �u�erte Callimachus.</p><p>�Meine Herren Offiziere!� flehte Glyco, �steckt die Waffen fort. Wir kommen zwar aus verschiedenen St�dten, aber wir haben gemeinsame Interessen!�</p><p>Verwirrt, z�gernd, senkte Aemilianus die Waffe und sah uns an.</p><p>�Wir wollen dir nichts tun�, sagte ich.</p><p>�Dies ist keine Falle?� fragte Aemilianus.</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>Callisthenes steckte das Schwert fort. Gleich darauf ruhte auch die Klinge des Aemilianus wieder in der Scheide.</p><p>�Kommt und setzt euch an den Tisch�, sagte Tasdron. �Wir haben viel zu besprechen.�</p></section><section><title><p>28</p></title><p>�H�tten wir bei den anderen mehr Unterst�tzung gefunden, k�nnten wir unser Projekt verwirklichen�, sagte Callimachus. �Wie die Dinge aber stehen, f�rchte ich, da� wir es nicht schaffen.�</p><p>Das Deck der flachen Flu�galeere bewegte sich unter unseren F��en, w�hrend sich das Schiff langsam durch die Nebenarme des Flusses auf die Festung des Policrates zubewegte. Das Bauwerk liegt etwa zwei Meilen vom eigentlichen Flu� entfernt.</p><p>�Dein urspr�nglicher Plan war ausgezeichnet�, fuhr Callimachus fort. �Nach der Ab�nderung aber bef�rchte ich das Schlimmste.�</p><p>Callimachus und ich standen auf dem Vorderdeck der Galeere. Ich trug die Maske, die ich bereits in meiner Rolle als Kurier des Ragnar Voskjard getragen hatte. Ich kannte die Losungss�tze und die dazugeh�rigen Antworten, die den Zugang zur Festung durch das Wassertor erm�glichten. Sie waren mir �berlassen worden, damit Ragnar Voskjard sie bei seinem Einr�cken in die Festung anwenden konnte. Urspr�nglich hatte ich geplant, eine gro�e Zahl von Schiffen zusammenzuholen, vorwiegend aus Port Cos und Ar-Station, um damit die Flotte des Ragnar Voskjard vorzut�uschen, die von Policrates erwartet wurde. Damals erschien es mir ziemlich einfach, gen�gend M�nner � angeblich K�mpfer Ragnar Voskjards � in die Festung zu schmuggeln und Policrates damit zu �berrumpeln. Er selbst kannte Ragnar Voskjard nicht. Es war ein k�hner Plan, der mir aber vern�nftig vorgekommen war. Callimachus, der sich in Kriegsdingen auskannte, hatte ihn gutgehei�en. Glyco und Tasdron, die man ehrlich nicht als leichtfertig bezeichnen konnte, waren ebenfalls davon angetan gewesen. Interessanterweise hatten aber die Krieger Callisthenes und Aemilianus von Gefahr und Unausgereiftheit gesprochen. Besonders Callisthenes war gegen meinen Plan gewesen.</p><p>Es war kurz vor der zwanzigsten Stunde, der goreanischen Mitternacht. Wolken standen am Himmel. Die drei Monde leuchteten hoch �ber den B�umen, die den dunklen Wasserlauf s�umten. In der Ferne machte ich die hohen schwarzen Mauern der Policrates-Festung aus, in denen das riesige Wassertor klaffte, eine schwere Eisengitterkonstruktion.</p><p>�Die Flotte Ragnar Voskjards�, hatte Callisthenes gesagt, �kann sich niemals mit der Flotte des Policrates vereinigen. Die Kette wird das verhindern.�</p><p>�Warum warst du dann so besorgt, da� der Topas in Policrates� H�nde fallen k�nnte?� wollte Glyco wissen.</p><p>�Die Angelegenheit war dem Kaufmannsrat sehr wichtig�, antwortete Callisthenes. �Ich tue nur meine Pflicht. Einige Abgeordnete glauben wohl nicht recht an die Wirksamkeit der Kette.�</p><p>�Und zu denen geh�re ich�, stellte Glyco fest. �Das ist mir bekannt�, sagte Callisthenes. �Ist die Kette inzwischen an Ort und Stelle?� fragte Glyco. �Ja�, gab Callisthenes zur�ck.</p><p>�Diese Arbeit mu� dann aber ganz heimlich durchgef�hrt worden sein�, schaltete ich mich ein. In Victoria hatte ich noch nicht davon geh�rt � und das gleiche galt f�r Callimachus und Tasdron.</p><p>�Ich nehme es an�, gab der Offizier aus Port Cos zur�ck, �obwohl die Existenz der Kette in den St�dten des Westens inzwischen bekannt sein d�rfte.�</p><p>�Sie wurde in Cos geschmiedet, auf tausend L�ngen�, berichtete Glyco, �und �ber Land transportiert, um das Delta herum, und dann auf Galeeren von Turmus aus nach Osten. Die Fundamente und St�tzen wurden vorwiegend bei Nacht errichtet. Die Kette liegt westlich von Port Cos und soll uns vor den Piraten sch�tzen.�</p><p>�Sie erm�glicht es Port Cos auch, den Flu�verkehr von Westen her zu kontrollieren�, sagte Tasdron gereizt.</p><empty-line/><p>�Wir stehen unter Druck von Cos�, sagte Glyco. �Pers�nlich bin ich nicht f�r die Kette. Als Kaufmann finde ich, da� ein freier Handel unseren Interessen am besten dient. Au�erdem wird die Kette Port Cos bei ihren Schwesterst�dten nicht gerade beliebter machen.�</p><p>�Soviel ist klar�, sagte Tasdron. �Victoria hat � wenigstens bisher � mehr auf der Seite Cos� gestanden.�</p><p>�Wir aus Ar-Station h�tten eine solche Kette niemals gezogen�, behauptete Aemilianus, und ich fand seine Bemerkung einigerma�en �berfl�ssig.</p><p>�M�glicherweise habt ihr nicht den Weitblick oder die technischen M�glichkeiten�, bemerkte Callisthenes.</p><p>�Unsere Gedanken, meine Herrn Offiziere�, schaltete sich Callimachus ein, �m�ssen in diesem Augenblick den Gefahren gelten, die uns drohen � nicht der politischen Lage zwischen Cos und Ar.�</p><p>�Politische Lage!� rief Callisthenes. �Cos und Ar stehen im Krieg!�</p><p>�Weder Ar noch Ar-Station, Hauptmann�, sagte Aemilianus, �f�hren Krieg gegen Port Cos.�</p><p>�Das stimmt�, bemerkte Tasdron hastig. Und er hatte recht. Bei den goreanischen Stadtstaaten herrschte die klassische Kolonisationsform vor, die im Gegensatz stand zur typischen Kolonisierung von Fl�chenstaaten, die ihre Kolonien meistens voll und ganz beherrschen. Bildet eine goreanische Stadt eine Kolonie, gew�hnlich als Folge des Bev�lkerungsdrucks oder eines internen politischen Streits, geben sich die Kolonisten noch vor der Abreise eine eigene Verfassung und Gesetze. Aus goreanischer Sicht ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, da� die Kolonie bei ihrer Gr�ndung einen eigenen Heimstein erh�lt. So war der Heimstein von Port Cos nicht mit dem Heimstein von Cos identisch. Ar-Station dagegen hatte keinen eigenen Heimstein. Dies alles bedeutet nat�rlich nicht, da� die Kolonie normalerweise keine engen Bindungen zur Heimatstadt hat; dazu gibt es einfach zu viele kulturelle und historische �bereinstimmungen.</p><p>�Die Kette war ungew�hnlich teuer�, sagte Glyco, �und wird sich meiner Meinung nach als wirkungslos erweisen.�</p><p>�Sie wurde in Cos geschmiedet�, sagte Callisthenes.</p><p>�Langfristig wird man aber uns die Kosten aufb�rden�, entgegnete Glyco.</p><p>�Das mag stimmen�, meinte Callisthenes, �aber schlie�lich profitieren wir am unmittelbarsten davon.�</p><p>�Wenn sie �berhaupt einen Vorteil bringt.�</p><p>�Gewi� wird es Port Cos vorteilhaft finden, von den �bergriffen der Piraten verschont zu bleiben�, sagte Callisthenes.</p><p>�Die Kette �ndert bestimmt nichts�, beharrte Glyco. �Deshalb bin ich ja auch nach Victoria gekommen. Ich wollte Callimachus bitten, uns in dieser finsteren Zeit, da der Topas auf Reisen gegangen ist, seinen Rat und seine Schwerthand zu leihen.�</p><p>�In Anbetracht der Existenz der Kette�, sagte Callisthenes, �ist der Topas ohne Bedeutung, wenn ich auch den Auftrag habe, ihn m�glichst abzufangen, was mir dank unseres jungen Freundes nicht gelungen ist.� Callisthenes bedachte mich mit einem vielsagenden Blick. �Den Topas tats�chlich an Policrates auszuh�ndigen, grenzt beinahe an Idiotie!�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Du hast meinen Plan geh�rt�, sagte ich. �Wir wollen Schiffe zusammenholen und uns im Schutze der Dunkelheit als Ragnar Voskjards Flotte ausgeben, um dann in die Festung des Policrates einzudringen.�</p><p>�Ein t�richter Plan!� sagte Callisthenes. �Man w�rde die T�uschung garantiert merken. �berall gibt es Spione. Die Piraten sind bestens informiert.�</p><p>�Nur die Anwesenden in diesem Zimmer kennen den Plan�, sagte ich.</p><p>�Wende dich mit deinem Plan an Aemilianus�, schlug Callisthenes vor. �Die Piraten am �stlichen Vosk sind mehr seine Sorge als meine. Die Kette wird die Piraten des westlichen Vosk aus den Gew�ssern von Port Cos fernhalten.�</p><p>�Ich m�chte mit einem so ungew�hnlichen Abenteuer nicht viele Schiffe und Hunderte von M�nnern riskieren�, sagte Aemilianus. �Woher soll ich au�erdem wissen, da� es sich nicht um einen Trick der Piraten handelt, die die Flotte von Ar-Station in engen Gew�ssern in eine Falle locken wollen?�</p><p>�Du hast mein Wort�, sagte Callimachus. �Das Wort eines Kriegers.�</p><p>�Vielleicht bist du selbst get�uscht worden�, meinte Aemilianus. �Ich mu� an die Sicherheit meiner M�nner und Schiffe denken.� Sein Blick fiel auf mich. �Stammst du aus Ar?� fragte er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Geh�rst du der Kriegerkaste an?�</p><p>�Nein.�</p><p>Aemilianus breitete die H�nde aus. �Wie kann ich ihm dann trauen � in einer so wichtigen Angelegenheit?�</p><p>�Du mu�t ihm trauen!� dr�ngte Tasdron.</p><p>�Ja!� betonte Glyco.</p><p>�Warum solltest du ein solches Risiko eingehen wollen?� fragte mich Aemilianus.</p><p>�Mir geht es um ein M�dchen, eine Sklavin, die sich in der Festung des Policrates befindet�, sagte ich.</p><p>�Du wolltest dich wegen eines M�dchens in ein solches Abenteuer st�rzen?� fragte er.</p><p>�Ich begehre sie�, antwortete ich. �Ich m�chte sie besitzen.�</p><p>�Ist das alles?�</p><p>�Au�erdem habe ich mit den Piraten einige Rechnungen offen.� Zweimal war ich von ihnen gekr�nkt worden, einmal in der Taverne des Tasdron und einmal im Piratenkragen, der Taverne des Hibron.</p><p>�Wir haben daran kein Interesse�, sagte Aemilianus. �Tut mir leid.�</p><p>�Es ist ein k�hner, ein brillanter Plan�, sagte Callimachus.</p><p>�Tut mir leid.�</p><p>�Der Plan ist nicht nur gef�hrlich�, meinte Callisthenes, �sondern auch �berfl�ssig, soweit es darum geht, die Piraten an einer Vereinigung zu hindern. Die Kette wird die Piraten des Westens westlich von Port Cos festhalten.�</p><p>�Eine Kette l��t sich schmieden, l��t sich aber auch durchtrennen�, bemerkte ich.</p><p>�Nat�rlich finden dort Patrouillen statt�, sagte Callisthenes. �Und sollten sich irgendwo Piratenschiffe massieren, k�nnen wir ihnen mit der Flotte von Port Cos entgegentreten. �</p><p>�Die Kette anzubringen war ein ausgesprochen defensiver Akt�, warf Callimachus ein. �Es wird unm�glich sein, sie auf voller L�nge gegen entschlossene Angriffe zu verteidigen. Wiegt euch nicht in einem Gef�hl falscher Sicherheit!�</p><p>�Wenn die Kette angegriffen wird�, sagte Aemilianus, �bin ich bereit, dir Schiffe von Ar-Station zur Hilfe zu schicken.�</p><p>�Wir aus Port Cos k�nnen unsere Angelegenheiten allein bereinigen�, antwortete Callisthenes. �Die Schiffe aus Ar-Station sind in den Gew�ssern Port Cos� nicht willkommen.�</p><p>�Es gibt in diesem Flu� keinen Tropfen Wasser�, widersprach Aemilianus, �den wir aus Ar-Station nicht unter den Kiel unserer Schiffe nehmen k�nnten.�</p><p>�Das w�rdest du voll auf eigenes Risiko tun, mein lieber Hauptmann�, sagte Callisthenes grimmig.</p><p>�Unsere Pl�ne scheitern!� �chzte Tasdron.</p><p>�Hauptmann Callisthenes�, sagte ich, �gewi� sind die Piraten, wie du selbst gesagt hast, gut informiert.�</p><p>�Anscheinend wissen sie alles, was sich am Flu� abspielt�, r�umte er ein.</p><p>�Wenn das der Fall ist�, fuhr ich fort, �dann d�rfte ihnen auch die Herstellung der Kette oder zumindest ihr Transport nach Turmus und sp�ter nach Port Cos, mit der anschlie�enden Montage, bekannt sein.�</p><p>�Angeblich hat das alles unter gr��ter Geheimhaltung stattgefunden�, sagte Callisthenes. �Ich glaube aber, die Piraten wissen, was da geschieht. Ich habe berichten h�ren, da� in verschiedenen St�dten des Westens, in Turmus und Ven, in Tetrapoli und Tafa Ger�chte �ber die Kette im Umlauf sind.�</p><p>�Der Rat hat sogar einen Protest von Ven deswegen erhalten�, sagte Glyco l�chelnd.</p><p>�Einmal angenommen, die Piraten kennen den Zweck der Kette�, sagte ich zu Callisthenes, �erscheint es dir da nicht seltsam, da� sie keine Anstrengung unternommen haben, ihre Anbringung zu verhindern?�</p><p>�Die Montage erfolgte nat�rlich unter strengster Bewachung!�</p><p>�Aber es wurde kein Versuch gemacht, die Arbeiten zu behindern, nicht der geringste, kein Verzweiflungsangriff, kein Sabotageversuch?�</p><p>�Nichts � soweit ich wei߫, sagte Callisthenes.</p><p>�Erscheint dir dieser Mangel an Opposition oder St�rung nicht seltsam, wenn man bedenkt, wie m�chtig und gut organisiert Ragnar Voskjards Leute sind?�</p><p>�Ja�, sagte Callisthenes.</p><p>�Was w�rdest du aus diesem Mangel an Interesse oder Aktion schlie�en?�</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>�Das ist doch klar�, schaltete sich Glyco ein. �Sie haben keine Angst vor der Kette. Sie sehen darin keine Gefahr f�r sich.�</p><p>Stirnrunzelnd musterte Callisthenes den rundlichen Kaufmann. �Wenn sie das glauben, irren sie sich, davon bin ich �berzeugt.�</p><p>�Wir alle wissen�, sagte Tasdron, �da� der Topas nach Victoria gebracht wurde. Zweifellos stellt er ein Versprechen Ragnar Voskjards gegen�ber Policrates dar, das Versprechen, seine Streitkr�fte mit denen von Policrates zu vereinigen. Ich bin sicher, da� die Flotte Ragnar Voskjards dem Topas in K�rze folgen wird.�</p><p>�Voskjard mag schon losmarschiert sein�, sagte Callimachus. �Vielleicht r�ckt seine Streitmacht bereits in �stlicher Richtung auf dem Flu� vor.�</p><p>�Policrates erwartete die Ankunft dieser Flotte�, sagte ich. �Das machte meinen Plan ja auch so durchf�hrbar.�</p><p>�Die Kette wird sie aufhalten!� sagte Callisthenes. �Mu� sie aufhalten!�</p><p>�Ich mu� sofort nach Port Cos zur�ckkehren�, sagte Glyco. �Voskjard mu� an der Kette zur�ckgeschlagen werden.�</p><p>Wir alle erhoben uns.</p><p>�Aber was ist mit der Festung des Policrates?� fragte ich. �M�chtest du einen solchen Feind im R�cken haben?�</p><p>�Dein Plan ist t�richt, und ich w�rde keine gro�e Zahl von M�nnern riskieren�, antwortete Callisthenes. �Aber ich mache dir einen Vorschlag. Ich gebe dir zwanzig Mann, wenn ich so viele Freiwillige finde und wenn Aemilianus aus Ar-Station dir die gleiche Anzahl zur Verf�gung stellt. Solltest du dann wirklich durch das Wassertor eindringen und es halten k�nnen, setzt du ein Licht am Tor. Wir k�nnen dir dann Entsatz durch die schmalen Fahrrinnen schicken. Ich habe in Victoria etwa zweihundert Mann zur Verf�gung und Aemilianus, wie mir gemeldet wurde, eine vergleichbare Zahl.�</p><p>�In der Festung m�ssen wir mit vier- bis f�nfhundert Mann rechnen�, sagte ich. �Du erwartest wirklich von mir, da� vierzig Mann den Angriff wagen und etwa zwei Ahn lang das Wassertor halten?�</p><p>�Sicher�, sagte Callisthenes.</p><p>�Es geht nicht nur um das Tor und die Mauer ringsum und den Turm mit der Winde, sondern auch um die Wehrg�nge innerhalb des ummauerten Hafenbeckens hinter dem Tor, und den Zugang zur eigentlichen Festung.�</p><p>�Schwierig w�re es�, sagte Callisthenes.</p><p>�Unsere Linien w�ren viel zu d�nn, Jason�, sagte Callimachus. �Du mu�t den Plan vergessen.�</p><p>�Manchmal ist es �berraschend�, sagte Callisthenes und musterte mich l�chelnd, �was einige wenige entschlossen und geschickt vorgehende M�nner zu erreichen verm�gen.�</p><p>�Ragnar Voskjard�, sagte ich, �w�rde mit einer Flotte kommen und nicht mit ein oder zwei Schiffen und vierzig Mann.�</p><p>�Leere Getreideschiffe, im Schlepptau mitgebracht, k�nnten im Dunkeln den Eindruck einer solchen Flotte erwecken�, sagte Callisthenes nachdenklich.</p><p>�Akzeptiere Jasons Plan in seiner plausiblen Form, Freund Callisthenes, sonst m�ssen wir uns alles aus dem Kopf schlagen�, sagte Callimachus.</p><p>�Ich bin bereit, es anders zu versuchen�, sagte ich.</p><p>�Das hatte ich mir gedacht�, meinte Callisthenes.</p><p>�Welche Chance gibst du uns?� fragte ich den Krieger.</p><p>Er l�chelte. �Vielleicht eins oder zwei zu tausend�, sagte er.</p><p>�Die �berraschung w�re auf unserer Seite.�</p><p>�Deine Unterst�tzung k�nnte erst mit gro�er Verz�gerung zur Stelle sein�, erwiderte Callimachus.</p><p>�Die Portale und Wehrg�nge, die wir verteidigen m��ten, sind ausreichend schmal�, entgegnete ich. �Ich war schon einmal in der Festung.�</p><p>�Zu viele Positionen m��ten verteidigt werden�, widersprach Callimachus. �Und ihr k�nntet leicht umgangen und in die Zange genommen werden.�</p><p>Ich dachte an die Sklavin, das M�dchen, das einmal Mi� Beverly Henderson gewesen war.</p><p>�Gib mir zwanzig Mann�, sagte ich zu Callisthenes, der mir zunickte.</p><p>�Wenn Port Cos dir zwanzig Mann f�r ein solches Unternehmen gibt�, meldete sich Aemilianus, �dann kann Ar-Station nat�rlich keine kleinere Zahl bereitstellen.�</p><p>�Dein Vorhaben ist tollk�hn, der reinste Wahnsinn, Jason�, sagte Callimachus. �La� dich auf kein so verr�cktes Unternehmen ein!�</p><p>�Du brauchst nicht mitzukommen, mein Freund�, sagte ich.</p><p>�Selbstverst�ndlich werde ich dich begleiten�, sagte Callimachus.</p><empty-line/><p>So lagen wir denn nun unter den hohen, dunklen Mauern der Festung des Policrates. Etwa hundert Fu� hoch ragten sie �ber uns empor.</p><p>Lautlos glitten wir auf das Wassertor zu; unsere Ruder tauchten kaum noch ins Wasser.</p><p>Innerhalb des Wassertors, gut dreihundert Fu� entfernt, sahen wir an einer Mauer eine Laterne flackern. Das eigentliche Tor war f�nfzig Fu� hoch, gro� genug, um eine Frachtgaleere mitsamt den hohen Masten durchzulassen, sobald das metallene Gitter hochgezogen worden war. Zu beiden Seiten standen massive T�rme. Der Turm zur Rechten, von au�en gesehen, beherbergte die Winde, die das Tor hob und senkte. Den Schub lieferten Gefangene und Sklaven, die an die Stempel der Winde gekettet waren � doch h�tten diese M�nner ohne Hilfe der riesigen Gegengewichte, die sich ebenfalls in dem Turm befanden, das Tor um keine Handbreit bewegen k�nnen.</p><p>�Wer da?� rief ein Mann von der Mauer.</p><p>�Zur�ck!� sagte ich zu Callimachus. �Vielleicht erkennt man dich.�</p><p>So stand ich denn allein auf dem Vorderdeck der Galeere. Ich begab mich zum Fu�ende des Buges und richtete mich auf, den linken Arm um den Bugspriet gelegt. Ich trug die Maske, die ich schon als angeblicher Kurier Ragnar Voskjards aufgehabt hatte.</p><p>�Wer da?� wiederholte der Mann.</p><p>�Ich bin der Kurier Ragnar Voskjards!� gab ich zur�ck. �Wir sind vorausgeschickt worden, die Kundschafterschiffe seiner Flotte.� Wir hatten nur vier Schiffe bei uns, von denen drei so gut wie leer waren. Tasdron hatte sie in Victoria besorgt, unter dem Vorwand, einen Sa-Tarna-Transport aus Siba zu organisieren � f�r die Brauerei des Lucian bei Fina, �stlich von Victoria, mit der er manchmal Gesch�fte machte.</p><p>�Die Flotte Ragnar Voskjards erwarten wir erst in zehn Tagen!� rief der Mann zur�ck.</p><p>�Wir sind seine Kundschafter!� br�llte ich. �Ragnar Voskjard steht nur zwei Tage hinter uns!�</p><p>�Der Voskjard scheint es recht eilig zu haben!� rief der Mann.</p><p>�Es gibt St�dte niederzubrennen!� rief ich. �Beute zusammenzuraffen, Frauen zu versklaven!�</p><p>�Wie seid ihr an der Kette vorbeigekommen?�</p><p>�Die Schlacht ist gek�mpft�, antwortete ich. �Sie ist durchtrennt!�</p><p>�Mir gef�llt das nicht�, sagte Callimachus hinter mir. �Es sind zu wenige M�nner auf den Mauern.�</p><p>�Dagegen habe ich nun wirklich nichts�, antwortete ich. �Hoffentlich sind die meisten M�nner und Schiffe Policrates� unterwegs.�</p><p>�Jetzt � wo er eigentlich auf Ragnar Voskjard warten sollte?� gab Callimachus zu bedenken.</p><p>�Nach Ansicht dieser Leute trifft er erst in zehn Tagen ein�, argumentierte ich.</p><p>�Wir wollen zur�ckfahren!� dr�ngte Callimachus.</p><p>�Die Kelche Cos��, rief ich zu dem Mann auf der Mauer empor, �sind nicht die Kelche Ars!�</p><p>�Doch k�nnen beide pr�chtigen Wein enthalten!� gab er zur�ck.</p><p>�Die Schiffe Cos� sind nicht die Schiffe Ars!�</p><p>�Aber die B�uche beider k�nnen h�bsche Sch�tze bef�rdern!� lautete die Antwort.</p><p>�Die Verh�llungsroben Cos� sind nicht die Verh�llungsroben Ars!� rief ich.</p><p>�Was haben sie gemeinsam?� fragte der Mann.</p><p>�Beide enthalten die K�rper von Sklavinnen!�</p><p>�Hebt das Tor!� befahl der Mann und wandte sich ab.</p><p>Langsam, �chzend, Fu� um Fu�, wurde das schwere Gitter des Wassertors hochgezogen, tropfend, im Licht der drei Monde schwarz schimmernd.</p><p>�Es geht zu leicht�, fl�sterte Callimachus. �Wir wollen umkehren, solange es noch geht.�</p><p>�Die �berraschung ist auf unserer Seite�, widersprach ich. �Unsere einzige Hoffnung. Alles h�ngt davon ab!�</p><p>�Fahrt ein, Freunde!� t�nte es.</p><p>Am Bug stehend, gab ich dem Rudermeister mit dem rechten Arm ein Zeichen, der, zwischen den B�nken stehend, leise zu den M�nnern sprach. Er stammte aus Port Cos. Ich blickte zu dem hohen Tor empor, das nun beinahe �ber uns hing. Langsam glitten wir in die �ffnung.</p><p>�Jetzt!� br�llte eine Stimme auf der Mauer �ber uns.</p><p>Pl�tzlich vernahm ich ein lautes, schnelles Klappern.</p><p>�Ruder zur�ck!� rief der Rudermeister, der Mann aus Port Cos. �Ruder zur�ck!�</p><p>Aber dazu blieb keine Zeit mehr. Einige Fu� hinter mir, aus der H�he herabrasend, durch das Vorderdeck der Galeere krachend, st�rzte das m�chtige Eisentor.</p><p>Ich wurde emporgeschleudert; der gesamte Bug, das Schandeck schienen emporzuspringen. Ein ohrenbet�ubendes, krachendes Splittern war zu h�ren, als sich das schwere Tor wie eine Axt in den Schiffsk�rper bohrte. In diesem Bruchteil eines Moments hatte ich durch das enge Gitter des Tors den hinteren Teil der Galeere emporklappen sehen. Callimachus wurde ins Wasser geschleudert, andere M�nner, abrupt emporgehoben, klammerten sich an B�nken fest oder rollten �ber das Deck. Abrupt wimmelte es auf den Innenseiten der Wehrmauern von M�nnern, die sich hinter den Bastionen versteckt haben mu�ten. Der Bug, an den ich mich klammerte, prallte wieder auf das Wasser, und ich sprang in weitem Bogen davon fort. Gleich darauf kam ich japsend wieder an die Oberfl�che und versuchte mich zu orientieren. Ringsum schwammen die Wrackteile des Bugteils. Drau�en ging der Rest der Galeere langsam unter. Von den Mauern regneten Pfeile auf die Wrackteile und Holz herab. Unsere M�nner schwammen von dem Wrack fort, umgeben von Pfeilen, die ringsum ins Wasser stie�en. Ich tauchte zum Fu� des Wassertors hinab. Durch das enge Gitterwerg gab es keinen Ausweg. Auch unter dem Metall f�hrte kein Weg hindurch, ebensowenig wie vorbei. Die Eisenst�be steckten in sechs Zoll breiten, runden L�chern, die in eine flache Schwelle gebohrt worden waren. Schlie�lich kam ich mit schmerzenden Lungen wieder an die Oberfl�che und sch�ttelte mir das Wasser aus den Augen. Ich klammerte mich am Gitter fest. Vor dem Tor war es dunkel. Hier und dort schwammen Holzst�cke im Mondschein, au�erdem war das Wasser von zahlreichen Pfeilen bedeckt. Zweifellos w�rde man sie sp�ter einsammeln und trocknen. Die drei Galeeren, die wir geschleppt hatten, trieben ziellos fort und waren in der Dunkelheit kaum noch auszumachen. Ich h�rte Gel�chter auf der Mauer. Dann gewahrte ich eine Laterne und ein kleines Boot hinter mir. W�hrend ich mich noch an das Eisen klammerte, wurde mir ein Seil um den Hals geschlungen.</p></section><section><title><p>29</p></title><p>�Macht ihm das Leben schwer!� befahl Policrates.</p><p>Die nackte rothaarige Sch�nheit schmiegte sich an mich. Ich b�umte mich in den Ketten auf. Mein Haar war noch na� von dem dunklen Wasser des Vorbeckens der Festung. W�rgemale einer Fessel schmerzten mir am Hals. Die Kleidung war mir vom Leib geschnitten worden, und ich lag mit H�nden und F��en an Ringen angekettet auf dem Boden vor der Plattform mit dem Thron. Policrates sa� l�ssig darauf. Er hob einen Finger und rief damit ein anderes M�dchen zu mir, eine dunkelhaarige Sch�nheit, die vorhin mit dem Namen Tais angesprochen worden war.</p><p>�F�r wen bist du t�tig?�</p><p>�F�r niemanden�, antwortete ich.</p><p>Wieder gab der Piratenf�hrer ein Zeichen, und Lita, einst eine freie Frau in Victoria, eilte herbei und kniete neben mir nieder.</p><p>�Du bist Jason aus Victoria, nicht wahr?� fragte Policrates.</p><p>�Ja�, antwortete ich. Neben dem Stuhl seines Herrschers stand Kliomenes. Er l�chelte. Hinter den beiden standen vier oder f�nf von Policrates� Halsabschneidern und verfolgten mit verschr�nkten Armen die Szene. Rings um den Thron wie auch um die Stufen der Plattform lagerten weitere M�dchen. An einige erinnerte ich mich von der gro�en Feier hier in der Festung. Die meisten aber waren mir fremd. M�nner wie Policrates sind nicht nur reich an Gold, sondern auch an Frauen.</p><p>�Du bist in die Verschw�rung des Tasdron verwickelt, eine Tavernenwirts in Victoria, der sich mit Glyco aus Port Cos zusammengetan hat�, behauptete Policrates.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Um diese Dummk�pfe werden wir uns in K�rze k�mmern�, fuhr Policrates fort. �Und wir werden an Victoria eine Rache vollziehen, von der die Menschen hundert Jahre lang nicht zu sprechen wagen werden.�</p><p>�Es gibt keine Verschw�rung�, sagte ich. �Ich allein hatte den Einfall, mit einigen M�nnern die Festung zu erobern und niederzubrennen.�</p><p>�Und was ist mit dem Lichtsignal, das gesetzt werden sollte?� fragte Policrates, �und mit den Schiffen, die drau�en auf dem Flu� warten � jetzt allerdings vergeblich?�</p><p>Ich schwieg. Offensichtlich wu�te Policrates sehr viel.</p><p>�Relia, Tela, zu ihm!� befahl der Pirat. Auch diese beiden M�dchen knieten neben mir nieder und begannen mich mit H�nden und Lippen zu liebkosen. Ich wand mich in den Ketten, vermochte aber keinen Widerstand zu leisten.</p><p>�Glaubst du wirklich, dir mit einer so einfachen List Zutritt zu unserer Festung verschaffen zu k�nnen?� ging das Verh�r weiter.</p><p>�Ja.� Ich keuchte in den Ketten. Den aufreizenden Ber�hrungen der Sklavinnen konnte ich mich nicht entziehen.</p><p>�Es war der Plan eines Dummkopfs!� sagte der Pirat.</p><p>�Es war ein ausgezeichneter Plan!� widersprach ich. �Woher wu�test du, da� wir nicht Ragnar Voskjards Kundschafterschiffe waren?� Immerhin hatten wir alle Losungen und Gegenlosungen gekannt, w�hrend niemand in der Festung die Flotte Ragnar Voskjards kennen konnte, soviel wir wu�ten.</p><p>�M��te das nicht jedem l�ngst klar sein?� fragte Policrates l�chelnd.</p><p>�Wir wurden verraten�, stellte ich fest.</p><p>�N�tig w�re das nicht gewesen�, meinte Policrates, �aber es war so. Ihr wurdet verraten.�</p><p>�Dann wu�test du also, da� ich anr�cken w�rde � mit meinen Freunden?�</p><p>�Aber ja�, sagte Policrates. Wie sehr hatte er uns zum Narren gehalten! Donnernd war das m�chtige Seetor herabgefallen und hatte unsere erste Galeere zerst�rt!</p><p>�Wer war der Verr�ter?� wollte ich wissen.</p><p>�Vielleicht Tasdron pers�nlich�, sagte Policrates. �Vielleicht sogar Glyco, der sich als Mitverschw�rer ausgab. Vielleicht aber dein guter Freund Callimachus, der insgeheim in unseren Diensten stehen kann. Vielleicht sogar nur eine niedere Sklavin, die von euren Machenschaften erfuhr.�</p><p>�Es k�nnte nat�rlich auch ein Soldat gewesen sein, vielleicht sogar ein K�mpfer auf unseren Galeeren�, sagte ich.</p><p>�Gewi�.�</p><p>�Warst du es, Jason aus Victoria, den wir hier in unserer Festung als Kurier Ragnar Voskjards willkommen hie�en?� fragte Policrates.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich zornig.</p><p>�L�gner!� rief Kliomenes. Diese Worte �berraschten mich. Die Piraten mu�ten doch wissen, da� ich der Mann gewesen war. Der Informant mu�te das wissen!</p><p>�Ich glaube es nicht, Jason�, fuhr Policrates fort, �obwohl ich zugeben mu�, da� du heute abend dieselbe Maske trugst wie der Mann, der sich als Kurier ausgab.�</p><p>�Ich war es!� sagte ich k�hn. �Kein anderer!�</p><p>�Willst du diese t�richte Behauptung aufrechterhalten?�</p><p>�Erkennt ihr meinen K�rperbau nicht, meine Stimme?� gab ich zur�ck.</p><p>�Gewi�, es gibt da eine gro�e �hnlichkeit�, bemerkte Policrates nachdenklich.</p><p>�Warum glaubst du, da� ich es nicht wahr? Hat dein Informant dir nicht klargemacht, da� ich dir den Topas brachte?�</p><p>�Der Topas wurde uns durch den Kurier Ragnar Voskjards ausgeh�ndigt�, sagte Policrates.</p><p>�Ach?�</p><p>�Durch den echten Kurier.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Was hast du mit ihm angestellt?� fragte Policrates.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Ich hoffe, du hast ihn nicht umgebracht�, fuhr Policrates fort, �denn zweifellos w�rde sich Ragnar Voskjard �ber eine solche Nachricht nicht erfreut zeigen.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst�, sagte ich ehrlich verwirrt.</p><p>�Auf seinem R�ckweg zu Ragnar Voskjard hast du den Kurier irgendwie abgefangen�, erkl�rte Policrates. �Von ihm oder vielleicht aus Papieren, die du bei ihm fandest, erfuhrst du die Losungsworte f�r den Zutritt zu unserer Festung.�</p><p>�Nein�, widersprach ich. �Du selbst hast sie mir genannt, die Losungen, als ich in der Rolle des Kuriers bei dir war.�</p><p>�Das stimmt nicht�, behauptete Policrates.</p><p>�Es stimmt doch! Doch!� �chzte ich und wand mich in den Ketten. Warum rief er seine Sklavinnen nicht zur�ck?</p><p>Zwei Piraten aus Policrates� Gefolge lachten.</p><p>�Wir wissen, da� du es nicht warst�, beharrte Policrates.</p><p>�Woher willst du das wissen?� fragte ich und war bereit, meine Behauptung notfalls zu beweisen � mit Beschreibungen der Festung, mit einem Bericht �ber das Fest und unsere Gespr�che, viel zu detailliert, als da� ich sie einem Gefangenen im Verh�r h�tte entrei�en k�nnen.</p><p>�Es gibt da viele Gr�nde�, sagte Policrates. �Der eine ist, da� du ein Mann von der Erde bist. Kein Mann von dieser elenden, terrorisierten Welt, deren M�nner unbedeutend und engstirnig sind, h�tte es gewagt, in diese Festung einzudringen.�</p><p>�Woher wei�t du, da� ich von der Erde stamme?�</p><p>�Von Beverly, einer Sklavin in der Burg.�</p><p>�Trotzdem war ich es!� behauptete ich.</p><p>�Unm�glich!� gab Policrates zur�ck.</p><p>Es ver�rgerte mich, da� Policrates und Kliomenes und die anderen diese M�glichkeit nicht einmal in Betracht zogen. Bestimmt war nicht jeder Erdenmann so bedeutungslos, trivial, gehorsam, wohlerzogen, entmannt und eitel, wie man nach seiner sozialen Stellung erwarten konnte. Ich bezweifelte nicht, da� irgendwo auf der Erde trotz Zensur, Kontrolle der Medien, restriktiver Bildung und offener politischer Unterdr�ckung einige M�nner doch echte M�nner waren.</p><p>�Ich habe mit dem Kurier Ragnar Voskjards im gro�en Saal die Klinge gekreuzt�, meldete sich Kliomenes zu Wort. �Er stellte sich dabei nicht ungeschickt an. Jason aus Victoria dagegen kennt sich mit dem Schwert nicht aus.�</p><p>�Folglich kann ich es nicht gewesen sein?�</p><p>�Auf keinen Fall�, stellte Kliomenes fest.</p><p>�Uns liegen Informationen vor�, sagte Policrates, �da� der echte Kurier Ragnar Voskjards in die Festung kam � unabh�ngig von dem klaren Beweis, da� er uns den Topas gab, ein Stein, der sich nur im Besitz des echten Kuriers befinden konnte.�</p><p>�Informationen?� fragte ich.</p><p>�Die uns ferner zu der �berzeugung bringen�, fuhr Policrates fort, �da� der echte Kurier inzwischen gefangengenommen wurde und sich in der Gewalt der Verb�ndeten von Tasdron und Glyco befindet.�</p><p>Pl�tzlich ging mir auf, was hier gespielt wurde. Wer immer uns verraten hatte, mu�te der Kurier Ragnar Voskjards sein oder mit ihm in Verbindung stehen � der Mann, der mir auf den Piers von Victoria den Topas abjagen wollte. Er oder ein mit ihm verb�ndeter Mann mu�te sich mit Policrates in Verbindung gesetzt haben. Aber ja � der echte Kurier wollte bestimmt nicht ruchbar werden lassen, da� er den Topas verloren hatte, da� ein falscher Kurier sich Zugang zur Festung verschafft hatte. Dem echten Kurier ging es darum, solchen Vorw�rfen aus dem Weg zu gehen. Zweifellos wollte er nicht an den Rammsporn einer Galeere Ragnar Voskjards gebunden werden. Sp�ter konnte er immer behaupten, er habe sich aus Tasdrons Gefangenschaft befreien k�nnen.</p><p>Pl�tzlich kam mir eine Idee � ein Gedanke, der mir vielleicht meinerseits zur Flucht verhelfen konnte.</p><p>�Nein, ich war es�, wiederholte ich, diesmal aber scheinbar stockend.</p><p>Policrates l�chelte.</p><p>�Behauptest du immer noch l�genhaft, als Kurier Ragnar Voskjards aufgetreten zu sein?� fragte er.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich meine, es ist keine L�ge. Ich war es!� Ich lie� meine Stimme erzittern, als habe man mich ertappt.</p><p>�Nimm dich in acht!� sagte Policrates warnend. �Es gibt au�er den Liebkosungen von Sklavinnen, dem schmerzhaften Zug von Ketten und dem Stich gl�hender Eisen und Messer noch andere Folterungen in dieser Festung.�</p><p>Die M�dchen lachten.</p><p>�Er soll sich winden!� befahl Policrates, und ich knirschte mit den Z�hnen.</p><p>�Beverly!� rief Policrates in diesem Augenblick mit energischer Stimme. Ich mu�te mich beherrschen, so gut es ging, als ich das M�dchen in den Saal eilen sah, das einmal Beverly Henderson gewesen war.</p><p>Mit schnellen Schritten lief sie vor das Podium, auf dem Policrates� Thronsessel stand. Mit gesenktem Kopf kniete sie nieder. Sie trug ein knappes Seidengewand, einen Stahlkragen und ihr Brandzeichen. �Ja. Herr?�</p><p>nd</p><p>�Steh auf, dreh dich um, Sklavin, u schau dir den Gefangenen an!� befahl Policrates.</p><p>Anmutig kam das M�dchen dem Befehl nach und sah mich erstaunt an. Als sie eintrat, hatten die anderen Sklavinnen in ihrer T�tigkeit innegehalten und warteten nur auf die weiteren Befehle Policrates�.</p><p>Meine F�uste ballten sich in den Ketten.</p><p>�Kennst du ihn?� fragte Policrates.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete die Sklavin des Piraten. �Das ist Jason aus Victoria. Urspr�nglich kommt er von der Erde � wie ich, deine Sklavin.�</p><p>Ich betrachtete Beverly, die da barfu� in einem knappen Seidengewand vor mir stand. Der Sklavenkragen machte sich pr�chtig an ihrem Hals, und das dunkle Haar lag offen und weich um ihre Schultern. Mir stockte beinahe der Atem beim Anblick ihrer Sch�nheit. Ich erinnerte mich, wie wir uns vor langer Zeit in einem Restaurant in New York getroffen hatten und sie mir Pers�nliches anvertraute, �ngste und Tr�ume, von denen sie heimgesucht wurde. H�tte ich sie damals so sehen k�nnen, wie ich sie jetzt vor mir hatte, h�tte ich ihr Problem sofort erkannt, h�tte ich augenblicklich tief in ihrem Inneren die Sklavin ausgemacht, die auf Verwirklichung dr�ngte.</p><p>�Dieser Bursche behauptet, hier in unsere Festung gekommen zu sein und den Kurier Ragnar Voskjards gespielt zu haben � womit er uns alle get�uscht haben m��te�, sagte Policrates zu dem M�dchen.</p><p>Die Sklavin musterte mich erstaunt, ungl�ubig. �Das ist absurd, Herr�, sagte sie.</p><p>�Du wurdest doch dem Kurier des Ragnar Voskjard f�r die Nacht �berlassen, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Herr. So lautete dein Befehl. Du lie�est mich zu ihm schicken.�</p><p>�Hat er dich zur Hingabe gezwungen?�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie mit gesenktem Kopf. �Er forderte meine Hingabe, und zwar oft und zur G�nze, als seine Sklavin.�</p><p>�Fandest du die Nacht lehrreich?�</p><p>�Ja, Herr. Ich erfuhr, da� ich eine Frau war, eine Sklavin.�</p><p>�Und?�</p><p>�Und, Herr, da� ich es liebte, Frau und Sklavin zu sein.�</p><p>�War dies der Mann, der bei dir lag? Der Mann, der hier angekettet ist?�</p><p>�Nat�rlich nicht, Herr!� rief sie und hob erschrocken den Kopf.</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ja, Herr. Er da ist ein Mann der Erde. Kein Erdenmann k�nnte mich so besitzen.�</p><p>�Bist du sicher?� wiederholte Policrates.</p><p>�Ja. Herr. Die Arme, die mich umfangen hielten, geh�rten einem Goreaner.�</p><p>�Das dachte ich mir�, sagte Policrates l�chelnd. �Nun geh zu ihm und hilf den anderen.�</p><p>�Aber er ist doch nur ein Erdenmann, Herr!� rief sie.</p><p>Policrates warf ihr einen strengen Blick zu.</p><p>�Verzeih mir, Herr!� rief sie und eilte herbei. Im n�chsten Moment sp�rte ich auch ihre Lippen und H�nde an meinem K�rper, die Lippen und H�nde des M�dchens, das einmal Beverly Henderson gewesen war.</p><p>Ich bi� die Z�hne zusammen � aber wie konnte ich den Liebkosungen widerstehen?</p><p>�Wenn du wirklich der Mann warst, der sich als Kurier Ragnar Voskjards ausgab�, sagte Policrates, �dann beschreib mir die Beschaffenheit und Einrichtung des Raums, in dem er hier als unser Gast die Nacht verbrachte.�</p><p>�Das kann ich nicht!� rief ich � meinem Plan gem��.</p><p>Policrates und Kliomenes lachten. Nun konnte keiner mehr glauben, da� ich den Topas in die Festung gebracht hatte. Sollten sie ruhig annehmen � wenigstens f�r den Augenblick �, da� sie den Stein vom echten Kurier Ragnar Voskjards erhalten hatten!</p><p>Ich zerrte in hilfloser Wonne an den Ketten, kam aber nicht frei. Hilflos lag ich vor meinen Feinden, zu deren Vergn�gen erregt.</p><p>�Bring ihm deine Wonnen, Beverly�, befahl er.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Ich sah, wie sie den Kopf senkte, wie das dunkle Haar auf meinen K�rper fiel. Der enge Stahl an ihrem Hals blinkte. Dann sp�rte ich ihre Lippen.</p><p>�Oh!� rief ich. �Aii!� Und schrie meine Erniedrigung und Scham, meinen Zorn und meine Wonne hinaus.</p><p>Mein Blick ruhte auf Beverly. Ich kannte sie von der Erde. F�r mich war sie das sch�nste und erregendste M�dchen, das ich je kennengelernt hatte. Auf der Erde hatte ich sie nie gek��t. Auf der Erde hatte ich kaum ihre Hand zu ber�hren gewagt. Hier auf Gor hatte sie mir h�chste Freuden bereitet; als falscher Kurier Ragnar Voskjards hatte ich erfahren, da�</p><p>n sie eine echte Sklavin war. I diesem Augenblick konnte ich nur bedauern, da� ich sie nicht besa�. �Ich hasse dich�, fl�sterte sie.</p><p>�Bringt ihn fort und kettet ihn an der Winde fest�, befahl Policrates. �Und wir wollen in seinem Interesse hoffen, da� dem Kurier Ragnar Voskjards nichts geschehen ist.�</p><p>Man l�ste meine Fesseln und schleppte mich aus dem Saal.</p></section><section><title><p>30</p></title><p>�H�r auf, uns etwas vorzumachen!� rief der Pirat. �Leg dich ins Zeug!�</p><p>�Ja, Kapit�n!� antwortete ich, obwohl er das ganz bestimmt nicht war.</p><p>Die Peitsche klatschte mir auf den R�cken.</p><p>Schwitzend, Ketten tragend, stemmte ich die nackten F��e gegen die flachen Holzstege, die auf der gro�en Holzscheibe festgenagelt waren, auf der Tretplattform, die etwa f�nf Fu� �ber dem eigentlichen Flu�boden lag und um die Winde herumf�hrte. Ich h�rte, wie sich unterhalb der Plattform die Kette auf die Achse drehte. Das Tor wird mit Muskelkraft hochgezogen, unterst�tzt durch zwei schwere trommel�hnliche Gewichte, die die Last zu einem Teil ausgleichen. Die Muskelkraft wird �ber Metallstangen oder Stempel auf die Winde �bertragen, die wir, im Kreis gehend, in Betrieb hielten. Das Metalltor, schwerer als die fa��hnlichen Gewichte, wird mit Schwerkraft heruntergelassen. Wenn es zu schlie�en ist, dient die Winde, gehalten von den Arbeitern, vorwiegend als Bremse und regelt das Tempo des Abstiegs. In Aufbau und Wirkung glich die Winde in etwa einem Gangspill.</p><p>Ich dr�ckte gegen die schwere Metallstange, die beinahe f�nf Zoll Durchmesser hatte und die wie eine Radspeiche im Schaft der Winde befestigt war. �ber eine Kette, die an meinem Metallkragen endete, war ich an diesem Stempel festgemacht. So wurde ich an Ort und Stelle festgehalten. Auch an Armen und Beinen trug ich Ketten, die mir f�r die F��e etwa zwanzig Zoll Bewegungsfreiheit lie�en und f�nfundzwanzig f�r die H�nde. Dieses Arrangement gilt als theoretisch guter Kompromi� zwischen der Sicherung eines Gefangenen und der Bewegungsfreiheit, die f�r eine wirkungsvolle Bedienung der Winde erforderlic h ist.</p><p>�Stemmen!� br�llte der Pirat.</p><p>Wieder wurde ich von der Peitsche getroffen. Ich warf mich f�rmlich gegen den Stempel. Nun suchte sich die Peitsche ein anderes Ziel, gefolgt von einem Schmerzensschrei und dem Rasseln von Ketten, ausgel�st durch heftige Bewegungen. In die Nabe der Winde waren f�nf gro�e Stempel gesteckt. An jedem m�hten sich f�nf M�nner, die wie ich angekettet waren. Die Stangen waren mittels eines Sicherungsnagels an der Winde festgemacht; sie lie�en sich auch l�sen und von den daran herumgeketteten M�nnern herumtragen.</p><p>�Schiebt, schiebt! Tempo!� rief der Pirat.</p><p>Wieder knallte die Peitsche.</p><p>W�hrend sich die Winde langsam und knackend drehte, h�rten wir seitlich �ber uns die schwingende Bewegung der m�chtigen tonnen�hnlichen Gegengewichte an ihren Ketten. Ohne diese Gegenlast h�tten wir das Wassertor nicht heben k�nnen.</p><p>Und wieder sp�rte ich die Peitsche, ebenso wie meine Nachbarn. Der Pirat ging um uns herum.</p><p>Es ist d�mmrig und ungel�ftet in der Windenkammer. W�hrend des Tages kann es hier sehr hei� werden. Meine H�nde glitten �ber die Stange, dann fand ich wieder Halt. Nachts wird es manchmal sehr kalt. Es roch nach Ausscheidungen. Vielleicht w�re das alles weniger unangenehm gewesen, wenn die W�rter uns Kleidung zugestanden h�tten.</p><p>�Arbeitet! Arbeitet!� rief der Pirat. Aber er schlug nicht mehr zu. Die Gewichte waren in Bewegung.</p><p>Es gibt wenig angenehme Abwechslung in der Windenkammer, einmal abgesehen vom Essen, Trinken und Tr�umen. An einer Wand � dort, wo man uns in den Arbeitspausen ruhen l��t �, befindet sich eine schmale Wasserrinne, die zweimal t�glich aufgef�llt wird. Dort bekommen wir auch unsere Brotbrocken und Fleischfetzen und Fr�chte, normalerweise Abfall von den Piratenfesten. Wenn wir dann nachts trotz der K�lte endlich einschliefen, kamen die Tr�ume. Sie betrafen in der Regel die eine oder andere zarte, warme Sklavin, die uns Gesellschaft leistete � aber eben nur im Traum. Beim Erwachen lagen wir allein im kalten Stroh oder auf den Steinen und sp�rten das feuchte, kalte schwere Eisen unserer Ketten. In meinen Tr�umen erschien vor allem ein M�dchen, die ehemalige Mi� Henderson.</p><p>�Nicht nachlassen, ihr Sleen!� br�llte der Pirat und lie� die Peitsche knallen. �Arbeitet, arbeitet!�</p><p>In den letzten Tagen hatten wir das Wassertor oft ge�ffnet und geschlossen. Ich vermutete, da� diese Arbeit im wesentlichen auf das Kommen und Gehen von Kundschafterschiffen und Versorgungs- und Ausr�stungsbooten zur�ckging. Bis dann gestern das Tor etwas vier Ahn lang offen gestanden hatte. Ich ging davon aus, da� die Flotte des Policrates aufgebrochen war. Im Festsaal hatte ich, kurz bevor ich hinausgeschafft wurde, seine Bemerkung zu Kliomenes geh�rt, er wolle die Flotte nach Osten f�hren. Vermutlich hatte er das jetzt getan. Bestimmt wollte er die St�dte des Ostens davon abhalten, ein B�ndnis zu bilden und Schiffe zur Kette westlich von Port Cos zu entsenden, mit dem Ziel, Ragnar Voskjard aufzuhalten.</p><p>�Weiter!� br�llte der Pirat.</p><p>W�hrend ich m�hselig um die Winde trottete und mich kraftvoll gegen den Windenstempel stemmte, sah ich seitlich an der Wand zwei weitere Gefangenengruppen lagern; sie waren hinter der Wasserrinne kaum auszumachen. Es waren die Reservemannschaften. Niemand war hier unentbehrlich. Diese Erkenntnis spielte zweifellos eine gro�e Rolle bei der Durchsetzung der Ordnung in diesem Raum. Wir wu�ten, da� jeder von uns auf eine Laune des W�chters von der Kette genommen werden konnte.</p><p>�Halt!� rief der Pirat. Das Tor war offen, und wir hielten inne. Er brachte den Bremskeil an, der verhinderte, da� das Tor zur�ckglitt. Schr�g �ber uns pendelten die Gegengewichte an ihren Ketten. Wir kehrten unsere Position an den Stangen um, indem wir uns darunter hindurchduckten und die �sen, an denen die Ketten befestigt waren, mit herumdrehten. Nun standen wir bereit, das Tor wieder hinabzulassen. Ich folgte dem Beispiel etlicher Leidensgenossen und legte den Kopf auf die Windenstange. Es ist anstrengend, das Tor zu heben. Drau�en erreichten oder verlie�en vermutlich ein oder mehrere Schiffe, Flu�galeeren, das see�hnliche Innenbecken der Festung des Policrates. Das Signal zum Bewegen des Tors wird von einem W�chter des westlichen Torturms gegeben, eines der beiden Bauwerke, die das Wassertor flankieren. Es ist ein akustisches Zeichen. Dementsprechend wird seine Echtheit selten angezweifelt. Eine Trompete oder ein Stangensignal kann jeder bedienen. Die Winde befand sich im Westturm.</p><p>Es tat gut, sich einmal ausruhen zu k�nnen.</p><p>Gestern hatte das Tor vier Ahn lang offengestanden, und ich schlo� daraus, da� die Flotte ausgelaufen war. Und da� Policrates seine Schiffe begleitet hatte. Die anstehende Aufgabe war zu wichtig, als da� er sie Untergebenen anvertrauen konnte. Vermutlich f�hrte Kliomenes daf�r nun die Aufsicht �ber die Festung. Wenigstens hoffte ich das.</p><p>�Gleich wird das Tor wieder geschlossen�, sagte der Pirat. �Haltet euch bereit.� Das Tor zu schlie�en geht schneller, doch wegen der Gewichte und dem Druck der Winde, die auf jeden Fall festgehalten werden mu�, ist ebenfalls eine erhebliche Anstrengung erforderlich. Will man das Tor �brigens extrem schnell herabfallen lassen, wie es bei der Zerschmetterung meiner Galeere geschah, braucht man nur eines der Gegengewichte zu l�sen. Die Stempel, mit denen die Winde normalerweise gedreht wird, m��ten dazu nat�rlich gel�st werden. Gesch�he dies nicht, w�rden die Stangen mit der rotierenden Winde auf das Unangenehmste herumrasen. Dies w�re nat�rlich �u�erst gef�hrlich f�r jeden, der sich im Drehbereich der Stangen bef�nde. Wie schon angemerkt, gibt es zwei Gegengewichte. Es gen�gt bereits, eines zu l�sen, um das Tor herunterrasseln zu lassen. W�rde man beide entfernen, k�nnte das Tor selbst Schaden nehmen.</p><p>�Fertig!� rief der Pirat.</p><p>Ich hob den Kopf. Ein goldener Lichtstreifen drang herab und fiel weich in den gro�en Raum. Unz�hlige goldene Staubk�rner wirbelten darin. Ein sch�ner Anblick. Ich registrierte au�erdem, da� das Fenster dort oben zu schmal war, um einen Mann hindurchzulassen.</p><p>�Ich habe Policrates pers�nlich zum Narren gehalten�, sagte ich zu dem Mann neben mir. �Ich brachte ihm den Topas. Er merkte nicht, da� ich der Falsche war, ebensowenig wie der Dummkopf Kliomenes.�</p><p>Der andere starrte mich ausdruckslos an.</p><p>�L�gner!� kreischte der Aufsichtf�hrende Pirat. �Ich habe dich schon mehrmals wegen deiner L�gen verwarnt!�</p><p>Immer wieder h�mmerte die Peitsche auf mich nieder. �Wenn du damit nicht aufh�rst�, rief der Pirat, �trage ich die Sache Kliomenes vor!�</p><p>�Verzeih, Kapit�n�, sagte ich und tat eingesch�chtert. Seine Bemerkung hatte mir aber verraten, da� ich recht hatte mit meiner Vermutung, Policrates sei unterwegs. Bestimmt h�tte er mir mit einer Meldung bei Policrates gedroht, wenn dieser in der Festung gewesen w�re, zumal ich von Policrates gesprochen, hatte. Offensichtlich f�hrte Kliomenes im Moment das Kommando �ber die Anlage. Und das war gut f�r meinen Plan.</p><p>�Tor schlie�en!� h�rten wir einen Mann rufen. �Tor schlie�en!� Hoch �ber uns erschien pl�tzlich ein Pirat auf einem kleinen Balkon, der durch einen Wachraum betreten werden konnte. �Was ist da unten los?� br�llte er.</p><p>�Nichts!� rief der Pirat, der mic h geschlagen hatte.</p><p>�Hast du das Signal nicht geh�rt?� rief der Mann auf dem Balkon.</p><p>Der Windenaufseher warf mir einen zornigen Blick zu. Er lockerte den Bremskeil. Augenblicklich sp�rten wir den Druck an den Stempeln.</p><p>�Pa� auf, du Dummkopf!� rief der Mann vom Balkon. �Das Tor schlie�en!�</p><p>�Das Tor schlie�en!� br�llte unser Aufseher zornig. �Beeilt euch, ihr Idioten!�</p><p>Wir sp�rten den Zug der Stangen an unseren Armen und lie�en das Tor langsam herab, das die Gegengewichte in die H�he zog.</p><p>Endlich war das Gitter unten.</p><p>Ich begegnete dem Blick des Piraten. Wutsch�umend starrte er mich an. Ich senkte den Blick und tat ver�ngstigt. In Wirklichkeit war ich nicht unzufrieden mit den Ereignissen des Tages.</p></section><section><title><p>31</p></title><p>�La�t sie auspeitschen, beide!� befahl Kliomenes.</p><p>Er sa� l�ssig zur�ckgelehnt im Thronsessel des Policrates und hielt Hof.</p><p>Mira und Tala, zwei blonde Schwestern aus Cos, die als Sklavinnen vor ihm knieten, wurden fortgef�hrt. Ihr Herr hatte Beschwerde gegen sie gef�hrt, weil sie ihn nicht zufriedengestellt hatten.</p><p>�F�hrt sie fort!� rief Kliomenes.</p><p>�Weshalb bin ich hier, Kapit�n?� fragte ich den Piraten neben mir, der mich in den Saal gef�hrt hatte. Er hatte normalerweise die Aufsicht �ber die Arbeiter an der Winde.</p><p>�Kliomenes h�lt Hof�, sagte er grinsend.</p><p>�Aber ich habe nichts getan�, wandte ich ein und tat, als h�tte ich eine Todesangst.</p><p>�Dar�ber soll Kliomenes urteilen�, bemerkte er.</p><p>�Bitte nicht, Kapit�n!�</p><p>�Schweig!� befahl er grinsend.</p><p>�Ja, Kapit�n.� Man hatte mich zwar von der Windenstange losgebunden, doch trug ich noch meine Ketten an H�nden und F��en.</p><p>�Was jetzt?� fragte Kliomenes.</p><p>�Die Verteilung von Beute�, sagte der Pirat.</p><p>Er schob f�nf flache Schalen voller M�nzen �ber die Fliesen und deponierte daneben ein Gewirr von Schmuck und eine Schale mit Perlen.</p><p>�Und dann dies�, fuhr der Mann fort und stie� ein angekettetes M�dchen nach vorn. Anmutig blieb sie vor Kliomenes stehen.</p><p>�Ist sie h�bsch?� fragte dieser.</p><p>Irgend etwas an dem M�dchen kam mir bekannt vor, aber ich vermochte ihre Z�ge unter dem d�nnen Schleier nicht auszumachen. Der Pirat hinter ihr ri� den Schleier ab und lie� ihn zu Boden fallen. Unwillk�rlich trat ich einen Schritt zur�ck. Es war die ehemalige Lady Florence aus Vonda. Inzwischen kannte ich sie unter dem Namen Florence, als Sklavin Miles� aus Vonda. Vermutlich war sie nicht mehr sein Eigentum. Ein pr�chtiges Beutest�ck!</p><p>�Sie ist h�bsch�, stellte Kliomenes fest.</p><p>�Ja�, antwortete der Pirat.</p><p>�M�dchen�, sagte Kliomenes.</p><p>�Ja, Herr?�</p><p>�Wie wurdest du gefangengenommen?�</p><p>�Mit Gewalt�, antwortete sie. �Mein Herr, Miles aus Vonda, fuhr auf dem Schiff Blume von Siba von Victoria ab.� Ich kannte das Schiff. Siba ist eine Stadt am Vosk, �stlich von Sais gelegen. �Sein Ziel war Turmus. Er hatte zwei Sklaven bei sich, mich und einen Kampfsklaven namens Krondar.� Meiner Ansicht nach hatte Miles aus Vonda t�richt gehandelt. Ich hatte Florence bei unserem Gespr�ch in der Taverne angedeutet, da� es derzeit gef�hrlich sei, auf dem Flu� zu reisen. Doch offenbar hatte der stolze Vondaner meinen Vorschlag mi�achtet zu warten, bis er sich einem Konvoi anschlie�en konnte. Bestimmt hatten ihm andere �hnliches geraten, denn in den Tavernen und auf den M�rkten am Flu� gab es kaum ein anderes Thema. �Westlich von Tafa wurden wir von zwei Schiffen angegriffen. Wie ich erfahren habe, war das eine Schiff die Galeere Talia aus dieser Festung, unter Sirnaks Kommando, der hier neben mir steht. Das andere war die Galeere Tamira. Ihr Kapit�n Reginald steht im Sold Ragnar Voskjards.�</p><p>�Du solltest doch die Tamira in die N�he der Kette zur�ckbegleiten�, sagte Kliomenes zu dem Piraten, der ihm die Beute pr�sentierte. �Wie konntest du dich da unterwegs solchen prosaischen Dingen widmen?�</p><p>�Es war leichte Beute � Gold, das f�rmlich im Sand lag, Fr�chte, die zum Pfl�cken vor meiner Nase hingen!� antwortete der Pirat achselzuckend.</p><p>�Die Tamira bef�rdert die Losungsworte, das wei�t du�, sagte Kliomenes.</p><p>�Die sind sicher�, antwortete der Pirat.</p><p>�Was ist die Tamira?� fragte ich den Piraten neben mir.</p><p>�Das Kundschafterschiff Ragnar Voskjards�, antwortete er und best�tigte damit meine Vermutung. Um meinen Plan in die Tat umzusetzen, der dann vermutlich von der Erdensklavin Peggy verraten worden war, hatte ich mich als Kapit�n von Kundschafterschiffen ausgegeben, angeblich von Ragnar Voskjard vorausgeschickt. Inzwischen war bereits das echte Vorausschiff der Piraten eingetroffen und wieder auf dem R�ckweg nach Westen, um sich vermutlich dort mit dem Voskjard zu treffen. Da� sie nur ein Schiff geschickt hatten, deutete auf eine gewisse �berheblichkeit der Piraten aus dem Westen hin. Hatten sie wirklich so wenig zu bef�rchten?</p><p>�Die Kette ist noch nicht durchtrennt worden?� fragte ich. Das bisher gef�hrte Gespr�ch brachte mich auf diesen Gedanken. Andererseits wu�te ich nicht recht, wie Voskjards Kundschafterschiff hier h�tte erscheinen k�nnen, wenn es keinen Weg durch die Kette gab.</p><p>�Nein�, antwortete der Pirat neben mir.</p><p>�Wie ist das Schiff dann her�bergekommen?� wollte ich wissen.</p><p>�Ein einzelnes Schiff, das sich als Handelsgaleere ausgibt, hat da keine M�he�, erwiderte er.</p><p>�Ah, die Kette wurde f�r die Tamira ge�ffnet?�</p><p>�Wie f�r alle Schiffe, die in ehrlichen Gesch�ften unterwegs sind.�</p><p>�Es gab keine Schwierigkeiten?�</p><p>�Wir haben Freunde an der Kette�, bemerkte der Pirat.</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Der Kundschafter wird zur�ckkehren, wie er gekommen ist.�</p><p>�Aha.� Innerlich sch�umte ich vor Wut. Wie sinnlos, wie wirkungslos war doch die Kette!</p><p>Kliomenes betrachtete die Sch�tze vor sich.</p><p>�Ist dies wirklich eine gerechte Teilung der Beute der Blume von Siba?�</p><p>�Ich finde sogar, wir haben den besseren Teil�, sagte der Pirat vor der Plattform.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Kliomenes.</p><p>�Auf dem Flu� sind im Moment keine gro�en Werte unterwegs�, fuhr der Pirat fort. �Die Leute haben Angst. Die Beute bleibt meistens in den St�dten.�</p><p>�Wenn wir uns erst mit dem Voskjard verb�ndet haben�, sagte Kliomenes, �k�nnen wir uns das Zeug nach Belieben aus den H�usern holen.�</p><p>�Richtig, Kapit�n!� rief der Pirat.</p><p>�Die M�nzen, der Schmuck und die Perlen kommen zum allgemeinen Schatz�, befahl Kliomenes, und der Piratenkapit�n rief Helfer herbei, die die Dinge hinaustrugen.</p><p>�Das M�dchen�, fuhr Kliomenes nachdenklich fort und betrachtete die Sklavin, die mit gesenktem Kopf vor ihm kniete. �Behaltet sie in der Festung. Ich selbst werde heute abend pr�fen, was sie wert ist.�</p><p>Das schluchzende M�dchen wurde aus dem Saal gezerrt.</p><p>Nun fiel Kliomenes� Blick auf mich, und ich wurde nach vorn gesto�en. Unaufgefordert kniete ich nieder. Das l�ste bei den versammelten Piraten Gel�chter aus. Ich war der letzte Tagesordnungspunkt dieses Morgens. Er hatte mich bis zuletzt aufgehoben.</p><p>�Ich h�tte dich schon vor langer Zeit umbringen sollen�, sagte Kliomenes. �In der Taverne des Tasdron.�</p><p>�Verzeih mir, Kapit�n�, sagte ich mit gesenktem Kopf.</p><p>�Wie mir berichtet wird, bist du ein Prahlhans und L�gner�, fuhr Kliomenes fort.</p><p>�Nein, nein, Kapit�n�, sagte ich hastig.</p><p>�Er behauptet�, meldete der Pirat, der mich zur Audienz gef�hrt hatte, �da� er dich und Policrates t�uschte, indem er den Kurier des Ragnar Voskjard spielte.�</p><p>�Ist dir dein Ansehen bei den anderen Sleen an der Winde so wichtig, da� du solche L�gen riskierst?� fragte Kliomenes.</p><p>Ich hob den Kopf nicht. Ich schien zu zittern.</p><p>�Du hast ihn doch gewarnt, nicht wahr?� wandte sich Kliomenes an den Mann neben mir.</p><p>�Oft sogar, Kliomenes�, antwortete dieser. �Doch noch heute fr�h wiederholte er seine Behauptungen. Er glaubte wohl, ich sei au�er H�rweite.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Au�erdem hat er sich gestern herabw�rdigend �ber dich ge�u�ert.�</p><p>�Was hat er gesagt?� Kliomenes war am�siert.</p><p>�Er nannte dich � einen Dummkopf�, antwortete der Pirat.</p><p>Die Anwesenden lachten. Kliomenes aber, das merkte ich, als ich den Kopf hob, schien sich nicht zu am�sieren. Anscheinend gab es in der Festung Vorbehalte gegen ihn � vielleicht war man eifers�chtig auf ihn und f�rchtete ihn. Vielleicht gab es sogar M�nner, die ihm am liebsten den Stellvertreterposten nach Policrates streitig gemacht h�tten. Kliomenes sah sich um, und das Gel�chter verstummte sofort.</p><p>�Verzeih, Kapit�n!� sagte ich.</p><p>�Der Kurier � oder der Mann, der sich als Ragnar Voskjards Kurier ausgab � war einigerma�en vertraut mit dem Schwert�, sagte Kliomenes.</p><p>�Verzeih, Kapit�n�, flehte ich.</p><p>�T�te ihn nicht, Kliomenes�, sagte einer der M�nner in der N�he der Thronplattform. �Er k�nnte uns noch n�tzlich sein, wenn es darum geht, den echten Kurier Ragnar Voskjards freizubekommen, der von unseren Feinden in Victoria bestimmt gefangengehalten wird.�</p><p>�Die w�rden niemals einen so wichtigen Mann gegen diesen wertlosen Burschen austauschen, einen Hafenarbeiter!� sagte Kliomenes mit Nachdruck.</p><p>�Warte auf Policrates�, beharrte der Mann. �Er soll in dieser Sache entscheiden.�</p><p>�Wenn Policrates nicht hier ist�, sagte Kliomenes, �f�hre ich das Kommando.�</p><p>�Das bestreite ich nicht�, sagte der Mann und trat zornig einen Schritt zur�ck.</p><p>Kliomenes wandte sich wieder in meine Richtung. �Wenn du also wirklich der Mann bist, der hier als Ragnar Voskjards Kurier auftrat, dann mu�t auch du dich mit dem Schwert auskennen.�</p><p>�Verzeih, Kapit�n!� wiederholte ich.</p><p>�Gebt ihm ein Schwert!� befahl Kliomenes.</p><p>Der Mann neben mir, der mich hergebracht hatte, zog seine Klinge blank. Mit dem Griff voran hielt er sie mir hin.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Nein!�</p><p>�Greif zu!� rief Kliomenes gelassen.</p><p>Mit einer angeketteten Hand nahm ich den Schwertgriff. Ich gab mir M�he, die Waffe m�glichst ungeschickt zu halten, wie einen Hammer und viel zu weit oben am Schutzsteg, was im Falle eines Kampfes meine Bewegungsfreiheit entscheidend beschnitten h�tte.</p><p>Einige M�nner lachten. Kliomenes lehnte sich auf seinem Thron zur�ck. Er hatte mich genau beobachtet. Er war ein eitler, arroganter Mann, aber nicht dumm. Er hatte seinen Leutnantposten bei Policrates nicht mit Dummheit errungen.</p><p>�Kannst du mich nicht t�ten, wie ich bin, in Ketten?� fragte ich. �Mu�t du mich noch verspotten?�</p><p>�Bringt ihn nach drau�en�, befahl Kliomenes, stand auf und reckte sich.</p><p>�Bitte, Kapit�n, tu mir einen Gefallen!� flehte ich.</p><p>�Was?�</p><p>�Die M�nner aus dem Windenraum sollen nicht erfahren, was mit mir geschehen ist!�</p><p>�Bringt sie in Ketten nach drau�en!� wandte sich Kliomenes prompt an meinen Bewacher. �Sie sollen beobachten, was mit diesem Burschen geschieht.�</p><p>�Nein, Kapit�n, bitte!�</p><p>Doch schon zerrten mich zwei M�nner an den Armen aus dem Raum.</p><empty-line/><p>Im grellen Licht der Sonne kniff ich die Augen zusammen.</p><p>Ich sp�rte, wie mir die Ketten von Armen und Beinen genommen wurden. Bewaffnete umringten mich. In einer Hand hielt ich noch immer das Schwert des Piraten � und spielte weiter den Unerfahrenen und �ngstlichen.</p><p>Ich sah mich um. Ich stand auf einem etwa zwanzig Fu� breiten Bohlengang, der das Innenbecken der Festung s�umte. Wir befanden uns innerhalb der furchteinfl��end hohen Mauern. In dem Becken lagen nur f�nf Schiffe und kleinere Boote. Rechts von mir erhob sich die gro�e Eisent�r, die in die Tiefen der Festung f�hrte. Auf der anderen Seite des Innenbeckens, etwa hundert Meter Wasserfl�che entfernt, sah ich den Holzgang am Fu�e der Au�enmauer und die Treppe, die zu den Wehrg�ngen der Mauer emporf�hrte. Mein Blick ruhte schlie�lich auf dem n�chsten Wassertor.</p><p>�Du wirst bald erkennen m�ssen, wohin deine Tollk�hnheit f�hrt�, sagte mein W�chter, dessen Schwert ich umklammert hielt.</p><p>Ringsum wurde gelacht.</p><p>Im n�chsten Moment h�rte ich das Klappern von Ketten, die in langsamem Rhythmus bewegt wurden. Meine Leidensgenossen von der Winde wurden ins Freie gef�hrt, um sich mein Schicksal anzuschauen.</p><p>Ich senkte den Kopf, als sei ich besch�mt, als w�rde ich gleich als L�gner vor ihnen stehen. Mit dieser Bewegung verdeckte ich zugleich mein L�cheln �ber die Tatsache, da� die M�nner nicht mehr oben im Windenraum hockten und schwere Transportketten trugen. So w�rde es gewi� mehrere Ehn dauern, ehe sie an die Winde zur�ckkehren und das Wassertor �ffnen konnten.</p><p>�Zur�ck! Macht Platz!� sagte Kliomenes und trat auf mich zu. Erschaudernd wich ich zur�ck. Er reichte einem Begleiter sein Schwert und zog sich die Tunika bis zur H�fte herab. Dann nahm er die Waffe zur�ck und vollf�hrte damit mehrere Hiebe durch die Luft, um die Balance der Klinge zu testen. Es war eine schnelle Waffe. Ich wu�te aber auch, da� meine sich noch schneller bewegen konnte.</p><p>�Wir brauchen Platz�, sagte Kliomenes.</p><p>Die M�nner traten zur�ck und bildeten einen gro�en Kreis. Zwei Begleiter des Kliomenes, das entging mir nicht, hatten blank gezogen. Sollte er zuf�llig in die Enge getrieben werden, so w�rden sie sich bestimmt sofort f�r ihn verwenden. N�tzen konnte es mir in meiner derzeitigen Lage nicht, Kliomenes zu verwunden oder zu t�ten. Mein Ziel war es nicht, mit ihm abzurechnen, sondern aus der Festung freizukommen. Und das schien mir nur m�glich zu sein, wenn es mir gelang, seine Eitelkeit und vielleicht auch eine gewisse Unvernunft in ihm anzustacheln, die mir n�tzen konnten.</p><p>�Bist du bereit, du st�rrischer Einfaltspinsel, du h�bscher Prahlhans, deine gro�en Worte einzul�sen?� fragte Kliomenes.</p><p>Ich betrachtete meine Leidensgenossen von der Winde. M�rrisch standen sie in ihren Ketten vor mir. Ihre niedergeschlagene Stimmung freute mich. Trotz meiner gro�en T�ne an der Winde, die ihnen sicher auf die Nerven gegangen waren, schienen sie sich nicht darauf zu freuen, einen der ihren niedergemetzelt zu sehen. Dies freute mich. Es lie� sich auch hoffen, da� sie es schwierig finden w�rden, sehr schnell in den Windenraum zur�ckzukehren. In ihrer Eile w�rden sie vielleicht sogar st�rzen oder sich in ihre Ketten verwickeln. Solche Dinge geschehen nun mal.</p><p>Abrupt zuckte die Klinge auf mich zu.</p><p>Aus dem Gleichgewicht geworfen, torkelte ich zur�ck.</p><p>�Ein Gl�cksstreich der Abwehr�, sagte einer der Piraten.</p><p>�Hier gibt es keinen Callimachus, der dich rettet, Dummkopf!� fauchte Kliomenes, betrachtete mich absch�tzend und bewegte seine Schwertklinge einen Meter vor meiner Brust hin und her.</p><p>Und wieder fuhr der Stahl wie eine Ost auf mich zu.</p><p>�Der Hafenarbeiter hat Gl�ck�, sagte einer der Piraten.</p><p>Doch nun �berkam mich wirkliche Angst, denn ich erkannte, da� Kliomenes mich diesmal wirklich hatte treffen wollen. Er war einen Schritt zur�ckgetreten und betrachtete mich aufmerksam. Ein Parierstreich mochte Gl�ck sein, aber zwei von der Sorte, hintereinander, offensichtlich ungeschickt gef�hrt und doch gleicherma�en wirkungsvoll, sprachen gegen die Wahrscheinlichkeit bei solchen K�mpfen.</p><p>�Er kennt sich aus�, verk�ndete Kliomenes.</p><p>�Er ist ungeschickt!� rief einer seiner M�nner lachend. Andere fielen in das Lachen ein. �Hast du Angst, Kliomenes?� fragte jemand.</p><p>Kliomenes warf einen Blick auf die beiden M�nner, die ihm am n�chsten standen, die M�nner, die ihre Schwerter gezogen hatten. Es gen�gte ein Wort, und die beiden w�rden sich auf mich st�rzen, wom�glich gefolgt von anderen.</p><p>Ich lie� mein Schwert fallen.</p><p>Kliomenes erstarrte, griff aber nicht an. �Jetzt h�ttest du ihn t�ten k�nnen�, sagte ein Mann.</p><p>Schweratmend und ungeschickt nahm ich die Waffe wieder auf. Ich blickte Kliomenes an, als sei ich zutiefst erschrocken.</p><p>Unentschlossen musterte mich mein Gegner. Er wu�te, da� ich das Schwert wieder an mich h�tte nehmen k�nnen, ehe er mich erreichte. Dagegen konnte er nicht sicher sein, ob ich das ebenfalls wu�te.</p><p>�Sei gn�dig, Herr�, sagte ich.</p><p>�Er hat Angst�, bemerkte einer der Piraten.</p><p>Da erkannte ich, da� ich mich auf ein h�chst gef�hrliches Spiel einlassen mu�te. Nicht die anderen waren von meinem Unverm�gen mit der Klinge zu �berzeugen, sondern Kliomenes selbst. Die Zuschauer waren nicht wichtig.</p><p>�Verzeih mir, Kapit�n�, flehte ich, kniete nieder und legte mein Schwert auf die Bohlen vor mir. Dann schob ich es mit dem Griff voran auf ihn zu.</p><p>Die Piraten machten ihrer Verachtung Luft.</p><p>�Bitte, Kapit�n!� rief ich. �La� mich wieder an die Winde ketten!�</p><p>Kliomenes l�chelte. �Feigling!� riefen mehr als eine Stimme.</p><p>Ich kniete auf dem Holz und war der Gnade des Kliomenes wehrlos ausgeliefert. Er h�tte sich auf mich st�rzen und t�ten k�nnen wie eine angebundene Verr.</p><p>�Bitte, Kapit�n!� schien ich zu bitten, �la� mich wieder an die Winde ketten!�</p><p>Kliomenes sah sich um und l�chelte. Dann schob er die Klinge zu mir zur�ck. �Nimm dein Schwert!� befahl er.</p><p>Ich gehorchte; im gleichen Moment griff er an, und ich begegnete der herabzuckenden Klinge mit empordr�ngendem Stahl und einem Funkenschauer. Kliomenes stand nicht im Gleichgewicht, und ich wuchs dicht vor ihm empor, innerhalb seiner Abwehr, und packte ihn und drehte ihn in der Beuge meines rechten Arms halb herum, die Klinge in dieser Hand haltend. �Zur�ck!� rief ich den herbeieilenden Piraten zu. Meine linke Hand war in seinem Haar vergraben und zog seinen Kopf zur�ck, meine Klinge lag an seiner Kehle.</p><p>�Zur�ck!� fl�sterte Kliomenes angespannt, ohne sich r�hren zu k�nnen. Ohne ihn loszulassen, drehte ich mich um und vergewisserte mich, da� die anderen nicht zu nahe heranr�ckten.</p><p>�Nicht n�herkommen!� warnte ich die Piraten. �Sonst schneide ich ihm die Kehle durch!�</p><p>�Ich bin ausgerutscht�, sagte Kliomenes. �Ausgerutscht.�</p><p>�La� dein Schwert fallen�, sagte ich zu Kliomenes, und er gehorchte.</p><p>�Loslassen!� forderte einer der Piraten. �Du hast keine Chance zur Flucht!�</p><p>�Legt die Schwerter hin!� ordnete ich an. �Hier auf die Bohlen.�</p><p>Sie z�gerten, und Kliomenes bekam ein wenig von der Sch�rfe des Stahls an der Kehle zu sp�ren.</p><p>�Schwerter weg, ihr Dummk�pfe!� rief Kliomenes.</p><p>Ich sah zu, wie Klinge um Klinge, blank gezogen oder in der Scheide, zu Boden gelegt wurde.</p><p>Nun bedrohte meine Waffe den R�cken des Kliomenes. �Du gehst mir voraus nach oben auf die Mauer�, sagte ich zu ihm. �Ihr folgt mir nicht!� rief ich den anderen warnend zu.</p><p>�Gib dein Schwert ab�, forderte Kliomenes.</p><p>�Beeilung!� rief ich.</p><p>�Du hast nichts, womit du uns unter Druck setzen kannst�, sagte er.</p><p>�Doch � dein Leben.� Er erstarrte. �Ehe du nur zwei Schritte machst, kann ich dich mit meinem Schwert in St�cke hauen.�</p><p>�Vielleicht auch nicht�, sagte Kliomenes unsicher.</p><p>�Das ist ein Risiko, das ich gern eingehe. Du auch?�</p><p>Er schaute mich an.</p><p>Ich �ffnete die linke Hand an meiner H�fte: �Notfalls bin ich bereit, dich wie eine Sklavin am Haar auf die Mauer zu f�hren.�</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, gab er zur�ck, machte kehrt und ging mir voraus �ber den Holzgang, der das Innenbecken der Burg s�umte. Ich schaute zur Gruppe der Piraten zur�ck. Sie folgten uns nicht. Sie standen an der Eisent�r, am Eingang zur eigentlichen Festung. Die Schwerter lagen vor ihnen am Boden.</p><p>�Leg deinen Bogen fort!� sagte ich zu einem der M�nner auf der Festungsmauer, als wir die Treppe hinaufstiegen.</p><p>�Leg den Bogen fort!� befahl Kliomenes zornig. Er ging vor mir.</p><p>Gleich darauf hatten wir den oberen Wehrgang erreicht; er verlief auf der Au�enmauer des westlichen Torturms, der in seinen unteren Gefilden die Windenkammer beherbergte.</p><p>Zwei oder drei M�nner, B�gen in den H�nden, schoben sich vorsichtig n�her.</p><p>�Legt die B�gen fort!� befahl ich.</p><p>�Tut, was er sagt!� rief Kliomenes �rgerlich.</p><p>Die B�gen wurden abgelegt. Ich blickte �ber den Mauerrand. Wie beabsichtigt, befanden wir uns in unmittelbarer N�he des Wassertors. Ich wu�te nicht, wie tief es dort drau�en war. Jedenfalls tief genug f�r den Kiel einer schwerbeladenen Beutegaleere.</p><p>�Was hast du vor?� fragte Kliomenes.</p><p>�Sag ihnen, sie sollen ein Seil holen�, sagte ich und deutete auf die M�nner.</p><p>Kliomenes grinste. �Holt ein Seil�, befahl er.</p><p>Die Piraten hasteten die Treppen hinab.</p><p>�Mir scheint, die Flucht wird dir doch gelingen�, bemerkte Kliomenes. Er nahm an, da� ich das Seil auch wirklich benutzen wollte, da� ich damit von der H�he der Mauer hinabsteigen wollte. Das h�tte den Piraten nat�rlic h die Gelegenheit gegeben, mit B�gen auf mich zu zielen. Am Seil w�re ich �u�erst verwundbar gewesen, au�erdem h�tte man das Seil durchschneiden k�nnen.</p><p>�Jetzt sind wir allein auf der Mauer�, sagte ich zu Kliomenes und richtete das Schwert auf ihn. Er trat einen Schritt zur�ck.</p><p>Kliomenes erbleichte. �T�te mich nicht!� flehte er. Hinter ihm g�hnte der Abgrund, der auf dem unteren Bohlengang endete.</p><p>Ich zog den Arm zur�ck, als wollte ich ihn mit der Klinge durchbohren. Er zuckte zur�ck, fuhr herum und floh. Ich lachte ihm nach, ohne mich zu r�hren. Vermutlich w�rde er erst wieder stehenbleiben, wenn er sich zwischen seinen M�nnern in Sicherheit w�hnte. Im n�chsten Moment warf ich das Schwert fort, erstieg die Mauerbr�stung und sprang mit den F��en voran in das tiefe unter mir sch�umende Wasser. Ich hatte den Eindruck, sehr lange in der Luft zu h�ngen. Sie wehte kalt gegen meinen K�rper und zupfte mir am Haar. Dann prallte ich auf, glaubte durch das Wasser hindurchzusto�en und stie� mit gro�er Wucht auf den Schlamm des Flu�grundes. Bis zu den Knien sank ich ein und hatte schon das Gef�hl, mir die Beine gebrochen zu haben. Brausend umtoste mich das Wasser. Ich befreite mich strampelnd aus dem Schlamm und schwamm mit energischen Bewegungen der Oberfl�che entgegen, die ich einige Sekunden sp�ter keuchend durchbrach. Ich sch�ttelte mir das Wasser aus dem Haar, blinzelte es fort. Dann schaute ich nach oben zu den hoch �ber mir liegenden Bastionen. Meine Beine f�hlten sich taub an, doch wenigstens konnte ich sie bewegen. Keine Pfeile prallten rings um mich ins Wasser. Ich holte tief Atem, tauchte und schwamm unter Wasser auf die im Wasser stehenden Schilf- und Buschhaine zu, die den zur Festung f�hrenden Kanal s�umten. Zwischen den Wurzeln und Stengeln suchte ich Schutz. Aus dem Schutz dieser Deckung schaute ich schlie�lich zur�ck und sah erst jetzt M�nner auf den Mauern erscheinen. Ich hatte sie in die Festung schicken lassen. Nun wu�ten sie nicht einmal, in welche Richtung ich geschwommen war. Wieder tauchte ich ein St�ck, bis ich das sumpfige Terrain nordwestlich der Festung erreichte, abgeschirmt durch hohe B�ume. Vermutlich glaubten die Piraten, ich w�rde mich nach Nordosten wenden, die Richtung nach Victoria. Auf jeden Fall hatte ich einen guten Vorsprung vor m�glichen Verfolgern. Bestimmt dauerte es mehrere Ehn, das m�chtige Wassertor zu �ffnen. Daf�r hatte ich gesorgt. Ich konnte die Fahrrinne auch sp�ter noch, im Schutz der Dunkelheit, in Richtung Nordosten durchqueren, um mich nach Victoria zu wenden. Nach Belieben konnte ich aber auch einfach zum S�dufer des Vosk vorsto�en. Von dort fand ich sicher einen Weg zur�ck nach Victoria. Zahlreiche kleine Schiffe befahren den Vosk. So machte ich mich eilig auf den Weg. Mir war kalt. Aber ich war bei bester Stimmung.</p></section><section><title><p>32</p></title><p>�Wir hei�en dein Schwert willkommen�, sagte Callimachus. Wir standen im Bug der langen Galeere, unterhalb der Vorderaufbauten. Der einzelne Mast war umgelegt worden und lag fest angelascht an Deck zwischen den Ruderb�nken.</p><p>Wir lagen beigedreht �stlich der gro�en Kette. Wegen des Nebels konnte man kaum etwas sehen. Es war ein k�hler Morgen. Das Wasser pl�tscherte gegen die Planken. Irgendwo gellte der Schrei einer Voskm�we.</p><p>�Du hattest es nicht n�tig, zur Flotte zu kommen�, sagte Callimachus.</p><p>�Hierher geh�re ich�, sagte ich.</p><p>�Du hast bereits viel riskiert.�</p><p>�Wir wurden verraten.�</p><p>�Ja.�</p><p>Ich war voller Bitterkeit. Das Wassertor hatte meine Galeere zerst�rt, doch ich hatte aus der Gefangenschaft f liehen k�nnen. Ich hatte mich nach Victoria durchgeschlagen und war von dort weiter nach Westen gezogen, als ich von dem Aufmarsch der Schiffe an der Kette erfuhr. Gestern abend war ich an Bord der Tina gegangen, die von Callimachus befehligt wurde.</p><p>�Wenn der Voskjard die Kette gewaltsam durchbrechen will�, sagte Callimachus, �werden wir ihn nicht aufhalten k�nnen.�</p><p>�Verraten hat uns die Erdensklavin Peggy, Tasdrons Besitz�, sagte ich.</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ganz sicher�, antwortete ich. �Oder war es Callisthenes?�</p><p>�Callisthenes kann es nicht gewesen sein�, meinte Callimachus. �Ich kannte ihn. Au�erdem ist er ein Hauptmann aus Port Cos und geh�rt meiner Kaste an.�</p><p>Ich schaute mich um. Backbords und Steuerbords von der Tina, jeweils etwa f�nfzig Meter entfernt, lauerten zwei weitere Galeeren, die Mim aus Victoria und die Teilender aus Fina.</p><p>�Und er ist mein Freund�, setzte Callimachus nach. Es war kalt.</p><p>�Erscheint es dir denkbar, da� Tasdron oder Glyco der Verr�ter war?� wollte ich wissen.</p><p>�Tasdron kann es ebenfalls nicht gewesen sein�, gab Callimachus zur�ck. �Seine Interessen st�nden zu sehr gegen eine solche Handlungsweise. Er ist ja immerhin der Anf�hrer jener victorianischen Kr�fte, die sich der Macht des Policrates widersetzen wollen.�</p><p>�Dann ist es vielleicht Glyco.�</p><p>�Er geh�rt meiner Kaste nicht an�, r�umte Callimachus ein.</p><p>�Tasdron aber auch nicht.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Glyco�, sagte ich, �hat sich um deine Hilfe gegen die Piraten bem�ht.�</p><p>�Er ist nicht bei der Flotte.�</p><p>�Daf�r bem�ht er sich am �stlichen Teil des Flusses, weitere Hilfe herbeizuholen.�</p><p>�Vielleicht�, gab Callimachus zur�ck. �Aber bisher sind keine Schiffe dazugekommen.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� Glyco etwas erreicht�, meinte ich. �Dazu herrscht zwischen den St�dten zuviel Mi�trauen, und man f�rchtet die Piraten zu sehr. Au�erdem steht die Flotte des Policrates �stlich von Victoria, um zu verhindern, da� solche Schiffe zu uns sto�en. Das habe ich dir schon gesagt.�</p><p>Callimachus schwieg.</p><p>�Warum will es dir nicht logisch erscheinen, da� die Sklavin Peggy uns verraten hat?� fragte ich.</p><p>�Sie h�tte nichts h�ren k�nnen�, sagte Callimachus unsicher und zornig.</p><p>�Sie war im gleichen Raum�, gab ich zu bedenken. �Sie mu� etwas geh�rt haben. Sie ist nicht dumm, obwohl sie eine Sklavin ist. Sie h�tte durchaus einiges von unseren Pl�nen mitbekommen k�nnen. Zweifellos gab sie das alles an den Kurier des Ragnar Voskjard weiter oder an einen Piraten in Tasdrons Taverne, vielleicht w�hrend sie gerade lustvoll in seinen Armen st�hnte, in der Hoffnung, durch einen solchen Verrat ihre Freiheit zu erringen.�</p><p>�Sie k�me auf keinen Fall frei�, sagte Callimachus. �Sie m��te damit rechnen, noch weitaus grausamer versklavt zu werden.�</p><p>�Das w��te sie aber nicht�, erwiderte ich. �Sie kommt von der Erde.� Es dauert Jahre, bis ein Mensch von der Erde sich an die Denkungsweise der Goreaner gew�hnt hat. Geduld mit Sklavinnen ist nicht ihre St�rke.</p><p>�Vielleicht wurdest du durch einen von Callisthenes� oder Aemilianus� M�nner verraten�, meinte Callimachus.</p><p>�Durch zuverl�ssige K�mpfer, die ebenfalls kaum Gelegenheit haben konnten, sich mit dem Feind in Verbindung zu setzen?� fragte ich und blickte ihn aufgebracht an. �Warum begreifst du nicht, da� es Peggy war?� Ich begann mich zu fragen, ob ihm etwas an ihr lag.</p><p>�Jemand anders kann es nicht gewesen sein�, stimmte mir Callimachus zu, und seine Stimme hatte einen schrecklichen Klang. Diesen Tonfall begriff ich nicht. Es h�rte sich beinahe an, als w�re er auf irgendeine mir nicht verst�ndliche Weise pers�nlich verraten worden.</p><p>Ich blickte �ber den Bug in den Nebel hinaus. Es war beinahe nichts auszumachen.</p><p>�Wenn wir das Gl�ck haben, diesen Kampf zu �berleben�, fuhr Callimachus fort, �werde ich daf�r sorgen, da� die verr�terische Sklavin bestraft wird.�</p><p>Ich erschauderte.</p><p>�Vielleicht gibt es ja keinen Kampf�, fuhr Callimachus fort. �Wir stehen jetzt schon zwei Tage vor der Kette.�</p><p>�Die Tamira hat sie passiert, nicht wahr?�</p><p>�Die Tamira ist ein Handelsschiff�, sagte Callimachus.</p><p>�Sie ist in Wirklichkeit ein Kundschafterschiff Ragnar Voskjards�, gab ich zur�ck. �Sie kommt von einem Besuch bei Kliomenes in der Festung des Policrates.�</p><p>�Ich vermag das kaum zu glauben�, sagte Callimachus.</p><p>�Wurde sie an der Kette durchsucht?�</p><p>�Nein.�</p><p>�W�re das geschehen�, sagte ich, �h�tte man festgestellt, da� sie Beutest�cke aus der Blume von Siba an Bord trug. Dar�ber hinaus h�tten sich bestimmt Papiere gefunden, die eine Verbindung zu Policrates herstellen, Dokumente �ber Losungsworte und Gegenlosungen, mit denen das Vorgehen der vereinten Piratenflotte koordiniert werden kann.�</p><p>�Du irrst dich�, sagte Callimachus. �Reginald, der Kapit�n, ist ein allseits bekannter Mann.�</p><p>�Ich erfuhr diese Dinge am Hofe des Kliomenes.�</p><p>�Du mu�t dich irren!�</p><p>�Ich rechne fest mit einem Kampf.�</p><p>�Der h�tte l�ngst stattfinden m�ssen�, meinte Callimachus.</p><p>�Durchaus m�glich.�</p><p>�Vielleicht f�rchtet der Voskjard die Kette.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Von Zeit zu Zeit war das unruhige Knirschen der m�chtigen Kettenglieder zu h�ren, die an Pfeilern befestigt waren und sich �ber den Flu� erstreckten. Jedes dieser Glieder war etwa achtzehn Zoll lang und einen Fu� breit; das darin verarbeitete Metall war dick wie ein m�nnlicher Unterarm. An einigen Stellen hing die Kette bis zu einem Fu� unter dem Wasser; an anderen, insbesondere nahe der Pfosten, verlief sie bis zu einem Meter �ber dem Flu�. Mit massiven Ringen war sie an den Pfosten verankert. An f�nf Stellen im Flu� konnte die Kette mit Hilfe gewaltiger Fl��e ge�ffnet werden; hier gab es Wachstationen. W�chter waren auch an den Endpfeilern am Nord- und S�dufer des Flusses stationiert.</p><p>�Wo ist Callisthenes?� fragte ich.</p><p>�In der s�dlichen Wachstation�, antwortete Callimachus. Diese Station galt als der gef�hrdetste Punkt der Anlage. Im allgemeinen besitzen die goreanischen Schiffe, Rundschiffe eingeschlossen, nur einen sehr geringen Tiefgang. Wo es keine ausgebauten Hafenanlagen gibt, werden die Boote �ber Nacht ans Ufer gesetzt. Theoretisch war es daher m�glich, da� die Kette an diesen Punkten umgangen wurde. Die flachen Schiffe konnten ans Ufer geholt und auf Rollen um die Endst�tzen der Kette herumgeschafft werden. Dabei galt die s�dliche Wachstation als verwundbarer, weil sie entlegener war. Zur n�rdlichen Station hin war die Versorgung von Port Cos einfacher darzustellen, Entsatz w�re schneller zur Stelle gewesen, ganz abgesehen davon, da� sich dort auch die Kasernen f�r s�mtliche Wachmannschaften an der Kette befanden. So freute es mich zu h�ren, da� Callisthenes in der s�dlichen Wachstation Posten bezogen hatte. Gerade dort brauchten wir unsere besten Leute. Trotzdem w�rde er uns fehlen, sollte es die Flotte des Voskjard doch wagen, die Kette direkt anzugehen.</p><p>�Vielleicht m��ten wir ebenfalls dort warten�, sagte Callimachus nachdenklich.</p><p>�Die Kette scheint ungemein stark zu sein�, sagte ich. Callimachus und ich hatten sie erst vor kurzem zum erstenmal gesehen und waren auf ihre Wirkung nicht vorbereitet gewesen. Sie stellte eine ungeheure technische Leistung dar. Wenngleich wir an unseren theoretischen Vorbehalten hinsichtlich der Wirksamkeit festhielten, waren wir doch angesichts der Kette ein wenig erleichtert. Wir verstanden, warum M�nner, die die Kette gesehen hatten, positiver �ber die Auswirkungen dachten als wir, die wir im fernen Victoria zum erstenmal dar�ber diskutiert hatten.</p><p>�Vielleicht hat der Voskjard ja Angst vor der Kette�, meinte ich.</p><p>�Auch westlich der Kette m��te es genug Beute f�r ihn geben�, sagte Callimachus.</p><p>�Das meine ich auch.�</p><p>Ich blickte �ber die Reling auf die m�chtige metallverkleidete Holzramme, die ein St�ck aus dem Wasser ragte. An der Steuerbordseite sah ich das gro�e, gekr�mmte Rammmesser, das an der Flanke unseres Schiffs befestigt war. Auf der Backbordseite lauerte das Gegenst�ck, fest verankert in den Planken der Wandung vor den Rudern. Es hie�, da� ein Schiffsbauer aus Port Kar namens Tersites diese Klingen erfunden hatte.</p><p>�Du hast noch keinen Schiffskampf erlebt, nicht wahr?� fragte Callimachus.</p><p>�Nein. Aber es mu� schrecklich sein.�</p><p>�Ich geh�re der Kriegerkaste an�, sagte Callimachus und fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen. Ich erschauderte bei dem Gedanken, was er wohl alles erlebt haben mochte und mir an Wissen voraus hatte. In diesem Augenblick f�rchtete ich ihn. Ich glaubte ihn nicht mehr zu kennen, und es kam mir vor, als sei er ein g�nzlich anderer Typ als ich.</p><p>�Hast du Angst?� fragte Callimachus.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das ist nur nat�rlich.�</p><p>�Um welche Zahlen geht es?�</p><p>Callimachus grinste. �Das ist die Frage eines Kriegers�, sagte er.</p><p>�Bestimmt haben wir Informationen dar�ber.�</p><p>�Es hei�t�, sagte Callimachus, �der Voskjard w�re st�rker als Policrates. Angeblich befehligt er etwa f�nfzig Schiffe und zweitausendf�nfhundert Mann. Unsere Informationen �ber Policrates sind genauer. Er hat vierzig Schiffe und etwa zweitausend Mann unter seinem Kommando.�</p><p>�Sollten sich diese Flotten vereinigen, erg�be das eine m�chtige Streitmacht�, �u�erte ic h.</p><p>�Und ob � und doch vermag Port Cos etwa f�nfzig Schiffe aufzubieten und Ar-Station f�nfundvierzig. Dementsprechend w�ren die Flotten dieser beiden St�dte �berlegen, wenn sie nur zusammen operieren k�nnen.�</p><p>�Wie viele Schiffe aus Ar-Station helfen uns an der Kette?�</p><p>�Zehn�, antwortete Callimachus. �Mehr wollte man uns nicht zur Verf�gung stellen.�</p><p>�Und wie viele aus Port Cos?�</p><p>�Zehn an der Kette, und zwanzig in der N�he der s�dlichen Wachstation.�</p><p>�Also drei�ig insgesamt.�</p><p>�In Port Cos liegen weitere zwanzig Einheiten�, rechnete Callimachus weiter. �Sie sollen allerdings f�r den Notfall die Verteidigung der Stadt sicherstellen.�</p><p>�Wie viele unabh�ngige Schiffe?�</p><p>�Sieben. Zwei aus Victoria, zwei aus Jorts F�hre, zwei aus Kap Alfred, zwei aus Fina. Jorts F�hre und Kap Alfred liegen westlich von Ar-Station und sind im Prinzip auf die Politik Ars eingestimmt.�</p><p>�Folglich haben wir siebenundvierzig Schiffe auf dem Flu߫, stellte ich fest.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und man sch�tzt, da� der Voskjard f�nfzig Schiffe mitbringt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann scheinen mir die Chancen etwa gleichm��ig verteilt.�</p><p>�Oder mit der Kette ein wenig zu unserem Vorteil?�</p><p>�M�glich.�</p><p>�Trotzdem bist du skeptisch?� fragte er.</p><p>�Unsere Schiffe sind �berall verstreut. Sie fahren Streife an der Kette.�</p><p>�Und Voskjards Flotte kann nach Belieben an jeder Stelle angreifen.�</p><p>�Wenn die Piraten die Kette durchschneiden�, meinte ich, �k�nnten sie bei einem oder mehreren K�mpfen die Verteidigerschiffe �berw�ltigen.�</p><p>�Du denkst wie ein Krieger�, bemerkte Callimachus.</p><p>�Wir hoffen nat�rlich, sie lange genug hinter der Kette festzuhalten, um unsere Streitkr�fte massieren zu k�nnen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Du hast vorhin gesagt, du glaubst nicht, da� wir einen konzentrierten Angriff auf die Kette zur�ckwerfen k�nnten. Wieso?�</p><p>�Bedenke eines�, antwortete Callimachus. �Die K�mpfer aus Ar-Station sind im Grunde Landsoldaten, Infanteristen aus Ar, die man an die Ruder von Galeeren gesetzt hat. Sie k�nnen nicht auf dem Wasser k�mpfen. Und die unabh�ngigen Schiffe, zum Beispiel die Tina, werden nicht von Kriegern bemannt, sondern von Freiwilligen, mutigen, aber unerfahrenen M�nnern, zumeist aus niederen Kasten. So beschr�nkt sich unsere Verteidigungskraft im wesentlichen auf die Flotte aus Port Cos.�</p><p>�Das w�ren dann also drei�ig Schiffe aus Port Cos gegen die Flotte des Ragnar Voskjard?� fragte ich besorgt.</p><p>�Im wesentlichen, ja.�</p><p>�Warum bist du dann hier?�</p><p>�Ich geh�re der Kriegerkaste an�, antwortete Callimachus. �Und warum stehst du hier an meiner Seite?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab ich zur�ck.</p><p>�Du bist hier, weil du ebenfalls ein Krieger bist.�</p><p>�Das stimmt nicht.�</p><p>�Nicht jeder Krieger geh�rt sofort der Kriegerkaste an�, bemerkte Callimachus.</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Da� du ein Krieger bist, habe ich in deinen Augen gesehen.�</p><p>�Du bist ja verr�ckt!� sagte ich.</p><p>�Bereits vor zehntausend Jahren�, sagte er, �im Vermengen des Bluts, in der Eroberung hilfloser Frauen, fiel die Wahl der Kaste auf dich.�</p><p>�Du wei�t nicht, was du redest.�</p><p>�Wir werden sehen�, sagte er und zog sein Schwert. �Sehr bald schon.�</p><p>�Warum ziehst du dein Schwert?�</p><p>�Du h�rst es sicher auch.�</p><p>�Was denn? Was?�</p><p>�Ich habe mich geirrt�, sagte er. �Ich dachte, es gebe keinen Kampf.�</p><p>�Ich verstehe deine Worte nicht.�</p><p>�Und doch ist es eigentlich logisch�, fuhr der K�mpfer fort. �Wenn die Tamira wirklich Ragnar Voskjards Kundschafterschiff war und wenn sie vor vier Tagen in westlicher Richtung die Kette passierte und das Treffen in der N�he der Festung des Ragnar Voskjards vereinbart wurde, dann sind die Zeitr�ume nicht unm�glich.�</p><p>�Wovon redest du?� fragte ich.</p><p>�H�rst du es nicht?�</p><p>�Ich h�re nichts!� rief ich. �Du bist ja verr�ckt!� Ich h�rte nur das Wasser an der Schiffswand, das Quietschen der Kette, das Knirschen von Rudern in den Dollen, den gelegentlichen Schrei einer Voskm�we. �Nichts�, fl�sterte ich.</p><p>Doch pl�tzlich str�ubten sich mir die Nackenhaare.</p><p>�Siehst du?� fragte Callimachus, hob das Schwert und deutete in den Nebel hinaus.</p><p>�Nein�, sagte ich. Ich vermochte nichts auszumachen. Doch inzwischen h�rte ich etwas, sehr deutlich sogar.</p><p>Dann tat sich im Nebel eine L�cke auf, und ich entdeckte jenseits der Kette einen un�bersehbaren Schwarm von Schiffen.</p><p>�Die Flotte Ragnar Voskjards�, sagte Callimachus. In seiner Stimme schwang eine Begeisterung, die mir unverst�ndlich war.</p><p>Ich stand erstarrt auf dem Deck und konnte mich sekundenlang nicht r�hren.</p><p>�Du h�ltst das Schwert in der Hand�, sagte Callimachus l�chelnd.</p><p>Ich erinnerte mich nicht, es gezogen zu haben.</p><p>�Blast die Kampfh�rner!� rief Callimachus den M�nnern auf unserem Schiff zu. �Blast die Kampfh�rner!�</p></section></body><binary id="cover" 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