<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Blutsbr�der Von Gor</book-title><annotation><p>Tarl Cabot folgt der Spur der Kurii, jener intelligenten Bestien von den Stahlwelten, und dringt in die unwirtlichen Steppen der Roten Wilden, um sich der Entscheidungsschlacht zu stellen.</p><p>Die Kurii haben sich mit den Feinden der Roten Wilden, der Freunde Tarl Cabots, verb�ndet, und ihre Horden hinterlassen grausame Spuren der Vernichtung, wo immer sie auftauchen.</p><p>Im Zuge des Gegenangriffs brechen die Roten Wilden aus den Tiefen der Steppe; vom Himmel st�rzen die Heere der Tarnk�mpfer herab. Und unter den f�gsamen Sklavinnen erhebt sich teuflischer Verrat. Im Kampf auf Leben und Tod ringen M�nner um ihr Schicksal, harren sch�ne Frauen ihrer �berwinder.</p></annotation><date>1985</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="18"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Blood Brothers of Gor</book-title><date>1982</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>54B31351-EB23-4BA3-B815-ACAAD2E3F748</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Blutsbr�der Von Gor</p></title><section><p/></section><section><title><p>1</p></title><p>�Dort ist sie�, sagte Grunt und deutete schr�g nach vorn. �Siehst du sie?�</p><p>�Ja�, antwortete ich. �Und ich f�hle sie.� Deutlich sp�rte ich das Beben der Erde durch die Pfoten und Beine meiner geschmeidigen, hochm�tigen Kaiila.</p><p>�Bisher habe ich sie erst einmal gesehen�, bemerkte er.</p><p>Ich stellte mich in den Steigb�geln auf, die die Vibrationen weitergaben. Vorhin, als wir noch nicht aufgestiegen waren, hatten wir die H�nde flach auf den Boden gelegt und eine erste Vorahnung der Erscheinung wahrgenommen, aus einer Entfernung von etwa zwanzig Pasangs.</p><p>�Sie kommen!� hatte Cuwignaka fr�hlich gerufen.</p><p>�Ich bin ein wenig verwirrt�, �u�erte Grunt. �Sie kommt fr�h, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka, der links von mir im Sattel seiner Kaiila sa�.</p><p>Wir schrieben den Mond des Takiyuhawi, den Mond, in dessen Verlauf der Tabuk sich paart.</p><p>�Sie ist eigentlich erst im Kantasawi f�llig.� Dies war der Mond, bei dem die Pflaumen rot werden, im �dland die hei�este Zeit des Jahres, gegen Ende des Sommers.</p><p>�Ich wei� nicht, warum sie so fr�h kommt�, sagte Cuwignaka.</p><p>Unsere Kaiila bewegten sich unruhig hin und her. Das Gras der Anh�he reichte ihnen bis zu den Knien.</p><p>�Vielleicht irren wir uns�, meinte ich. �Vielleicht kommt die Vibration von etwas anderem.�</p><p>�Dabei gibt�s keinen Irrtum�, sagte Grunt.</p><p>�Nein�, f�gte Cuwignaka fr�hlich hinzu.</p><p>�K�nnte es sich um eine andere handeln?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Diese Dinge sind wie Sommer und Winter�, erkl�rte Grunt, �wie die Mondphasen, wie Tag und Nacht.�</p><p>�Warum kommt sie dann aber so fr�h?� wollte ich wissen.</p><p>�War sie jemals fr�h hier?� wandte sich Grunt an Cuwignaka.</p><p>�Solange ich zur�ckdenken kann, nicht�, antwortete dieser. �In den alten �berlieferungen ist die Rede davon, da� sie einmal zu sp�t kam, doch an ein fr�hes Eintreffen erinnere ich mich nicht.�</p><p>�Sieht aus, als ob es dort dr�ben regnet�, bemerkte ich.</p><p>�Das ist Staub, der vom Wind bewegt wird�, erkl�rte Cuwignaka. �Die Hufe lassen ihn aufsteigen.�</p><p>�Sie ist da�, sagte Grunt. �Es gibt keinen Zweifel mehr.�</p><p>Ich schaute in die Ferne. Es war wie ein Flu� aus H�rnern und Fellen.</p><p>�Wie lange ist sie?� fragte ich, denn ich vermochte das Ende nicht zu erkennen.</p><p>�Wahrscheinlich etwa f�nfzehn Pasangs�, erwiderte Grunt. �Und vier bis f�nf Pasangs breit.�</p><p>�Es w�rde fast einen Tag dauern, sie zu umreiten�, stellte Cuwignaka fest.</p><p>�Wie viele Tiere machen eine solche Gruppe aus?� fragte ich.</p><p>�Wer z�hlt die Sterne, wer die Grashalme?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Die Gr��e�, sagte Grunt, �wird auf zwei bis drei Millionen Tiere gesch�tzt.�</p><p>�Sicher die gr��te Gruppe ihrer Art im �dland�, meinte ich.</p><p>�Nein�, sagte Grunt. �Es gibt gr��ere. Boswell behauptet, eine Gruppe beobachtet zu haben, die f�r das Durchschwimmen eines Flusses f�nf Tage brauchte.�</p><p>�Wie lange w�rde diese Gruppe dazu brauchen?�</p><p>�Zwei bis drei Tage.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. Der Boswell, von dem er sprach, war mit dem Mann identisch, nach dem der Boswell-Pa� in den Thentis-Bergen benannt war. Er war einer der ersten Erforscher des �dlandes, zu denen auch Diaz, Hogarthe und Bento z�hlten.</p><p>�Ein pr�chtiger, eindrucksvoller Anblick�, sagte ich. �Reiten wir n�her heran!�</p><p>�Aber mit Vorsicht�, sagte Cuwignaka. Er stie� einen Freudenschrei aus, hieb seiner Kaiila die Fersen in die Flanke und galoppierte den Hang hinab.</p><p>Grunt und ich sahen uns an und grinsten. �Er ist noch ein Kind�, sagte Grunt.</p><p>Wir folgten Cuwignaka. Etwa zur Mittagsstunde z�gelten wir unsere Tiere neben ihm auf einer anderen Anh�he. Die Tiere, die unter uns dahinzogen, waren nur noch drei oder vier Pasangs entfernt.</p><p>�Es ist die Pte!� rief Cuwignaka fr�hlich und schaute zu uns zur�ck.</p><p>�Ja�, sagte Grunt.</p><p>Wir konnten die Tiere deutlich riechen. Mein Reittier, eine hochgewachsene schwarze Kaiila mit seidigem Fell, trippelte nerv�s hin und her. Sie hatte die N�stern gebl�ht und die Sturmlider geschlossen, die den gro�en runden Augen eine gelbliche F�rbung verliehen. Die Kaiila, vor einigen Wochen in der Stadt Kailiauk in der Grenzzone erstanden, hatte wohl noch nie solche Tiere gerochen, und auf keinen Fall in solcher Zahl. Staub umwallte uns, und ich mu�te blinzeln. Die N�he solcher Ungeheuer war beeindruckend. Ich wagte mir nicht vorzustellen, wie es w�re, dieser Herde noch n�her zu kommen. Will man einzelne Tiere aus der Masse t�ten, mu� man beinahe auf Ber�hrungsn�he heran, damit die Lanze fest genug gesto�en werden kann oder der Pfeil tief genug eindringt.</p><p>�Gibt es immer soviel Staub?� fragte ich und mu�te ein wenig die Stimme heben, so laut bellten die Ungeheuer und dr�hnten die Hufe.</p><p>�Nein�, antwortete Cuwignaka ebenso laut. �Im Augenblick ist die Herde in Marsch und grast nicht.�</p><p>�Sie ist fr�h dran�, wiederholte ich.</p><p>�Ja�, sagte Grunt. �Das ist interessant. Sie mu� mehr als normal in Bewegung gewesen sein.�</p><p>�Ich schaue mir die Tiere mal an�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Sei vorsichtig!� ermahnte Grunt.</p><p>Wir schauten zu, wie Cuwignaka seine Kaiila den Hang hinabtrieb. Er w�rde sich nicht zu dicht an die Tiere heranbegeben, wof�r es grundlegende traditionelle Gr�nde gab.</p><p>�Die Tiere gleichen einer Flut�, sagte ich, �einem gewaltigen Erdrutsch; sie sind wie Wind oder Donner: ein Naturereignis.�</p><p>�Ja�, sagte Grunt.</p><p>Die Bewegung dieser Herde war im Lager der Isbu-Kaiila, der Kleine-Steine-Bande des Kaiila-Stammes, seit gut zehn Tagen auf einer primitiven Karte verfolgt worden, mit eingekerbten St�cken, deren Markierungen die Tage angaben und deren Position das Vorr�cken der Tiere am fraglichen Tag darstellten. Kundschafter der Sleensoldaten, einer Kriegergemeinschaft der Isbu, behielten die Tiere im Auge, seit sie vor gut zwei Wochen Kaiila-Gebiet erreicht hatten. Es war ein Monat, in dem die Sleensoldaten im Lager die Polizeigewalt innehatten mit der Verantwortung f�r viele verschiedene Dinge: Kundschafterei und Wachestehen, Aufsicht im Lager und das Schlichten kleiner Streitigkeiten. Zu den anderen Pflichten der Sleensoldaten geh�rten nat�rlich die Planung, Organisation und �berwachung der gro�en Wanasapi, der gro�en Jagd.</p><p>Wenige Ehn sp�ter z�gelte Cuwignaka seine schwei�bedeckte Kaiila neben uns; obwohl er schwitzte, war er bester Laune.</p><p>�Herrlich!� rief er.</p><p>�Gut�, sagte Grunt, der sich �ber die Begeisterung des jungen Mannes freute.</p><p>Wer diese Dinge nicht genau kennt, wird kaum begreifen, welche Bedeutung der Pte oder Kailiauk f�r die roten Wilden hat. Sie verehren und lieben dieses Tier, das f�r sie eine wichtige Rolle spielt; ein gro�er Teil ihres Lebens kreist darum. Der Kailiauk ist f�r sie mehr als Fleisch f�r den Magen und Kleidung f�r den R�cken; das Tier ist ein Mysterium und eine besondere Wesenheit; es ist �berladen mit Medizin, es ist eine Gefahr, es bietet Sport, es ist eine Herausforderung � und eine Herzensfreude, wenn man es fr�hmorgens jagt, eine Lanze oder einen Bogen in der Hand, eine schnelle, eifrige Kaiila zwischen den Knien.</p><p>�Schaut!� sagte Grunt und deutete nach rechts.</p><p>In schnellem Galopp n�herte sich ein Reiter, ein roter Wilder. Er trug Lendenschurz und Mokassins. Vor der Brust baumelte eine Kette aus Sleenklauen. Er hatte keine Federn im Haar, und weder er noch sein Tier waren bemalt. Er hatte auch keine Lanze und keinen Schild bei sich. Er war nicht in kriegerischer Absicht unterwegs, obwohl an seinem Sattel ein Bogenetui mit K�cher baumelten und an seiner H�fte eine perlenbesetzte Scheide mit einem Tauschmesser hing.</p><p>�Das ist Hci�, sagte Cuwignaka. Es gab eigentlich keine genaue �bersetzung f�r den Ausdruck �Hci�. Am ehesten konnte man ihn noch als Scharte �bersetzen, wie sie beispielsweise in der Schneide einer Axt entsteht. Im weiteren Sprachgebrauch bedeutet das Wort �Kerbe�, wie man sie mit einer Axt in einen Baum schl�gt, oder auch �Narbe�. Und aus dieser Bedeutung leitet sich der Name offensichtlich her. Hcis linke Gesichtsh�lfte war von einer unregelm��igen, gezackten Narbe entstellt, etwa zwei Zoll lang. Zugezogen hatte er sie sich vor mehreren Jahren, mit siebzehn, bei seinem zweiten Einsatz auf dem Kriegspfad. Ein Gelbmesserkrieger hatte sie ihm im Verlauf eines berittenen Kampfes mit einem langgriffigen Steintomahawk beigebracht. Zuvor ein zug�nglicher junger Mann, hatte er auf eigenen Wunsch den Namen Hci erhalten und war m�rrisch und grausam geworden. Er hatte sich auf die Kameradschaft und die Rituale und Zeremonien der Sleensoldaten geworfen und schien von nun an keinen anderen Lebensinhalt mehr zu haben als �berf�lle und Kampf. Mitglieder der eigenen Gemeinschaft hatten Angst, mit ihm zu reiten, so schnell, so energisch setzte er sich ein, ungeachtet jeder Gefahr. Bei einem Kampf gegen Flieher-Krieger war er einmal von der Kaiila gesprungen und hatte die Lanze durch seine eigene, am Boden schleifende Kampfsch�rpe getrieben, wie seine Organisation sie zu tragen pflegte. Auf diese Weise hatte er sich praktisch inmitten der angreifenden Flieher bewegungsunf�hig gemacht. �Ich gebe diesen Boden nicht preis!� hatte er gebr�llt. Die fliehenden Angeh�rigen seiner Kampfgemeinschaft hatten sich bei diesem Anblick ein Herz gefa�t und die Flieher angegriffen, obwohl sie zahlenm��ig unterlegen waren. Die Flieher hatten schlie�lich den Kampfschauplatz verlassen, da ihnen der Preis des Sieges �ber solche K�mpfer zu hoch erschien. Beim Abr�cken hatten sie vor dem jungen Krieger gr��end die Lanzen erhoben. Ein solcher Mut findet im �dland Anerkennung � sogar durch den Feind.</p><p>Hci z�gelte seine wiehernde Kaiila in einer Staubwolke vor uns.</p><p>Die Entstellung war wirklich sehr auff�llig. Der scharfe Canhpi hatte das Jochbein durchschlagen.</p><p>�Was machst du hier?� wollte Hci im Dialekt der Kaiila wissen. Nach l�ngerem Zusammensein mit Grunt und Cuwignaka und nach meinem Aufenthalt im Isbu-Lager konnte ich den Gespr�chen einigerma�en folgen. In gewissem Ma� vermochte ich mich in dieser ausdrucksvollen, zischelnden Sprache selbst schon auszudr�cken.</p><p>�Wir wollen uns die Pte ansehen�, antwortete Cuwignaka.</p><p>Ich blickte an Hci vorbei auf die Tiere, die zwei oder drei Pasangs entfernt vorbeizogen. Der Kailiauk ist ein gro�es, zottiges, trottendes, dreifach geh�rntes Wandertier. Es besitzt vier M�gen und ein Herz mit acht Kammern. Es ist gef�hrlich und gesellig, hat kleine Augen und ein aufbrausendes Temperament. M�nnchen erreichen in den Schultern eine H�he von zwanzig bis f�nfundzwanzig Hand und wiegen bis zu viertausend Pfund.</p><p>�Du hast kein Recht, hier zu sein�, sagte Hci zornig.</p><p>�Wir schaden niemandem�, gab Cuwignaka zur�ck.</p><p>�Niemand wird bis zur gro�en Jagd einen Pte erlegen�, sagte Hci. �Erst dann geht es los. Die Isbu werden jagen. Die Casmu werden jagen. Ebenso die Isanna und die Napoktan und die Wismahi! Und auch die Kaiila werden erst dann jagen!�</p><p>Die Namen kennzeichneten die f�nf Banden, aus denen sich der Kaiila-Stamm zusammensetzt; dabei ist die Herkunft dieser Namen nicht immer bekannt. Wahrscheinlich bezogen die Isbu oder Kleine-Steine-Bande und die Casmu oder Sand-Bande ihre Namen von geographischen Besonderheiten, wie sie sich in der N�he bestimmter Flu�lager fanden. Die Wismahi- oder Pfeilspitzen-Bande hatte ihr Winterlager angeblich am Zusammenflu� zweier Wasserl�ufe errichtet, einer Stelle, die der Spitze eines Pfeils �hnlich sah. Andere behaupten, die Gruppe habe fr�her in einer feuersteinreichen Gegend gewohnt und einen lebhaften Handel mit den benachbarten St�mmen getrieben. Die Armband-Bande, die Napoktan, tragen kupferne B�nder am linken Handgelenk. Au�erhalb des Kaiila-Stammes wird diese Bande oft auch Mazahuhu-Bande genannt, das ist der Staubfu�-Name f�r �Armband�. Unbekannt ist mir, woher der Name f�r die Isanna kommt, die Kleine-Messer-Bande. Zuweilen leiten sich solche Bezeichnungen � wie ich es auch bei den Napoktan vermutete � von den Besonderheiten bestimmter Anf�hrer her, vielleicht auch von einzigartigen geschichtlichen Ereignissen und vielleicht sogar von Tr�umen. Tr�ume, insbesondere von wichtigen Ereignissen, werden von den roten Wilden sehr ernst genommen. Geschieht es denn nicht in den Tr�umen, da� man sogar die eigentliche Medizinwelt betreten darf? Stimmt es nicht, da� man in Tr�umen an den Feuern der Toten sitzen und mit ihnen sprechen kann? Und ist es nicht so, da� man im Traum sogar die Sprache der Tiere verstehen kann? Und sich pl�tzlich in fernen L�ndern wiederfindet, Monde entfernt, nur um dann in der eigenen Unterkunft wieder zu erwachen, vor der eigenen Feuersglut, im Schutz der eigenen Zeltstangen und H�ute ringsum?</p><p>�Wir sind hier, um uns die Pte anzusehen�, sagte Cuwignaka, �nicht um zu jagen.�</p><p>�Das ist gut f�r dich�, antwortete Hci �rgerlich, �denn du wei�t, welche Strafen auf unerlaubtes Jagen stehen.�</p><p>Cuwignaka lie� sich zu einer Antwort nicht herab. Gewi�, die Strafen waren nicht von der Hand zu weisen. Man konnte �ffentlich entehrt und sogar verpr�gelt werden. Man konnte seine Waffen verlieren, ebenso Kleidung und sonstiges Eigentum. Nach Auffassung der roten Wilden geht das Wohl des Ganzen, des Stammes, dem Wohlergehen des einzelnen unbedingt vor. In den Augen der roten Wilden steht das Recht, die Gemeinschaft zu gef�hrden und zu beschr�nken, nicht dem Individuum zu.</p><p>�Verschwinde!� sagte Hci und schwenkte �rgerlich den Arm.</p><p>Cuwignaka erstarrte auf dem R�cken seiner Kaiila.</p><p>�Das ist ein Befehl�, sagte Grunt auf Goreanisch zu Cuwignaka. �Und er hat die Macht, ihn durchzusetzen. Er ist ein Sleensoldat, und es geh�rt zu seinen Aufgaben, den Kailiauk aufzusp�ren und zu besch�tzen. Du darfst nichts Pers�nliches darin sehen. Er tut als Sleensoldat nur seine Pflicht. An seiner Stelle w�rdest du sicher �hnlich handeln.�</p><p>Cuwignaka nickte.</p><p>Wir zogen die Kaiila herum, um uns zu entfernen.</p><p>�Frauen, Sklaven und Wei�e d�rfen nicht zu den Pte reiten, auch nicht um sie nur anzuschauen!� rief Hci hinter uns her.</p><p>Cuwignaka wendete aufgebracht seine Kaiila. Ich folgte seinem Beispiel und hielt ihn am Arm fest.</p><p>�Ich bin keine Frau!� sagte Cuwignaka.</p><p>Hci lachte. �O doch!� rief er. �Du solltest Kriegern zu Gefallen sein!�</p><p>�Ich bin keine Frau!�</p><p>�Du tr�gst keinen Lendenschurz�, sagte Hci. �Du bist nicht mit auf den Kriegspfad gekommen.�</p><p>�Ich hatte keine H�ndel mit den Fliegern!�</p><p>�Du bist bei den Isbu nicht willkommen. Du tr�gst das Kleid einer Frau und tust Frauenarbeit. Ich glaube, ich werde dir einen Frauennamen geben, ich werde dich Siptopto nennen.�</p><p>Cuwignakas F�uste ballten sich um die Z�gel seiner Kaiila. �Siptopto� ist eine allgemein gebr�uchliche Bezeichnung f�r Perlen.</p><p>�Ich bin ein Isbu�, sagte Cuwignaka. �Ich bin ein Isbu-Kaiila!�</p><p>Mit festem Griff verhinderte ich, da� Cuwignaka den anderen angriff.</p><p>�Man h�tte dich angepflockt liegen lassen sollen�, sagte Hci. �Das w�re f�r die Kaiila besser gewesen.�</p><p>Cuwignaka zuckte die Achseln. �Mag sein�, sagte er. �Ich wei� es nicht.�</p><p>Cuwignaka trug die �berreste eines wei�en Kleides, das aus der Beute eines vernichteten Wagenzuges stammte. Als Sklave hatte er Soldaten gedient, die die Wagen begleiteten. Urspr�nglich ein Isbu-Kaiila, hatte er sich zweimal geweigert, gegen die Flieher, Erbfeinde der Kaiila, in den Kampf zu ziehen. Nach dem erstenmal hatte man ihn in Frauenkleider gesteckt, ihn Frauenarbeit tun lassen und ihm den Namen Cuwignaka � �Frauenkleid� � gegeben. Nach seiner zweiten Kampfweigerung war Cuwignaka gefesselt in der Ihanke, in der Grenzzone zwischen dem �dland und den L�ndereien der Bauern und Viehz�chter, an Wei�e verkauft worden. In der Grenzzone hatte er die goreanische Sprache erlernt. Sp�ter wurde er von Soldaten gekauft und als Dolmetscher ins �dland mitgenommen, zur�ck in seine ehemalige Heimat. Nach der Vernichtung des Wagenzuges war er den Siegern in die H�nde gefallen. Unerh�rte Vergehen wurden ihm zur Last gelegt: Er war ins �dland zur�ckgekehrt, er war Sklave des verha�ten Feindes gewesen. Die Folge war, da� man ihn am Boden festpflockte. Er sollte sterben. Eine unzerbrochene Lanze wurde mit der Spitze nach oben neben ihm in den Boden gesto�en � eine Art Respektbezeigung durch Cuwignakas Bruder Canka, Feuerstahl. Canka hatte auch das Kleid aufgehoben, das Hci ver�chtlich neben ihn auf den Boden geworfen hatte, und es um die Lanze gewickelt. Auf diese Weise hatte Canka die Stelle wie mit einer Fahne auff�llig markiert.</p><p>Ich war der Ansicht, da� Canka damit die Aufmerksamkeit auf seinen Bruder hatte lenken wollen, damit er befreit w�rde; vielleicht wollte er auch selbst sp�ter zur�ckkommen, um seinen Bruder loszubinden, obwohl das auch f�r ihn ein Leben als Ge�chteter bedeutet h�tte. Wie es sich ergab, waren Grunt und ich, die durch das �dland reisten, auf den Jungen gesto�en und hatten ihn befreit. Kurze Zeit sp�ter wurden wir von einer seltsamen Gruppe von Verb�ndeten gefangengenommen � Angeh�rige der Sleen, Gelbmesser und Kaiila, die sich im Angedenken an die Gro�e Erinnerung, wie sie genannt wurde, zum Angriff auf den Wagenzug und die Soldaten zusammengetan hatten.</p><p>Grunt hatte eine Kette wei�er Sklavinnen als Packtiere und Tauschware ins �dland gebracht. Er hatte au�erdem zwei Gefangene gemacht, zwei fr�here Feinde, Max und Kyle Hobart, eigentlich Geschenke von Kriegern des Staubfu�-Stammes. Die Sleen nahmen neben den Hobarts zwei seiner M�dchen als Beute, Ginger und Evelyn, ehemalige Tavernenm�dchen aus der Ihankenstadt Kailiauk. Vier weitere M�dchen wurden von einem Krieger der Gelben Messer fortgef�hrt, zwei Amerikanerinnen, Lois und Inez, eine Engl�nderin namens Priscilla und Corinna, eine kleine dunkelhaarige Franz�sin.</p><p>Die Kaiila-Krieger hatten vorwiegend der Kriegergemeinschaft der Kampfgef�hrten angeh�rt, vergleichbar den Sleensoldaten der Isbu-Kaiila. Sie standen unter dem Befehl Cankas, der Cuwignakas Bruder war. Zu der Gruppe hatte ein weiterer Mann geh�rt, ein �lterer Krieger mit Namen Kahintokapa, Mann-der-vorausgeht, ein Angeh�riger der ber�hmten Kaiila-Reiter. Er geh�rte zu den Casmu, der Sand-Bande.</p><p>Grunts wertvollstes Gut an der Kette, eine wundersch�ne Rothaarige, eine ehemalige Deb�tantin aus Pennsylvanien mit dem Erdennamen Millicent Aubrey-Welles, wurde von Canka als pers�nliche Sklavin erw�hlt. Seine letzte Sklavin durfte Grunt behalten, die dunkelhaarige Sch�nheit Wasnapohdi oder Pickel, die er gegen drei Beile von Staubfu�-Kriegern eingetauscht hatte. Daraus schlo� ich, da� Canka uns im Grunde nichts B�ses wollte. So wie ich die Lage heute beurteilte, freute er sich wahrscheinlich, da� wir Cuwignaka befreit hatten. Vielleicht hatte er Wasnapohdi auch bei Grunt gelassen, weil sie den Kaiila-Dialekt flie�end beherrschte. Das hatte ihn sicher beeindruckt.</p><p>�Sklave�, sagte Hci und musterte mich ver�chtlich.</p><p>Ich begegnete seinem Blick nicht. Nat�rlich hatte ich Cuwignaka losgebunden. Mein Messer hatte die Fesseln durchtrennt, ein Umstand, den Canka als Blotanhunka, als F�hrer dieser Kriegergruppe, nicht hatte �bersehen k�nnen. Unabh�ngig von seiner eigenen Einstellung in dieser Sache konnte er diese Tat nicht durchgehen lassen. Ein Gefangener der Kaiila war befreit worden. Daf�r mu�te jemand b��en. Ich hatte diesen Preis bezahlt, indem ich mich in die Sklaverei der roten Krieger begab.</p><p>�Wei�e M�nner!� rief Hci ver�chtlich und deutete auf mich und Grunt.</p><p>�Ja�, sagte Grunt freundlich.</p><p>�Wie kommt es�, wandte sich Hci an Cuwignaka, �da� ein Sklave Mokassins tr�gt und eine Kaiila reitet?�</p><p>�Canka hat das erlaubt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Steig ab!� forderte mich Hci auf. �Zieh deine Mokassins aus, entledige dich deiner Kleidung.�</p><p>�Er ist nicht dein Sklave!� rief Cuwignaka.</p><p>�Auch nicht deiner�, erwiderte Hci.</p><p>Ich stieg ab, entkleidete mich und zog auch die Mokassins aus, die Canka mir gegeben hatte. So stand ich vor Hcis Kaiila und trug nichts anderes als den perlenbesetzten Lederkragen, der mir vor etwa zwei Wochen umgelegt worden war. Das Muster der Perlen wies mich als Cankas Eigentum aus; in den letzten Tagen hatte ich erfahren m�ssen, da� dies alles in allem von Vorteil war. Canka war ein angesehener, bedeutender junger Krieger; bei der k�rzlichen Aktion im Westen hatte er sogar als Blotanhunka der Kampfgef�hrten gewirkt. Dies verlieh mir ein gewisses Prestige, zumal mich Canka selbst offenkundig mit Respekt behandelte. Er nannte mich Tantankasa, Roter Bulle, aus Sicht der Kaiila ein ehrenvoller Name. Er gab mir Mokassins und lie� mich bekleidet gehen. Er hatte mir sogar den Gebrauch meiner ehemaligen Kaiila zugestanden. Ich brauchte nicht in seinem Bau zu wohnen, sondern blieb bei Cuwignaka in einem heruntergekommenen Lederzelt. In gewisser Weise konnte ich mich im Dorf frei bewegen.</p><p>�Knie nieder!� befahl Hci ver�chtlich.</p><p>Ich gehorchte.</p><p>�Neig den Kopf zur Erde!�</p><p>�Das ist wirklich nicht n�tig�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Halt den Mund, Siptopto!� sagte Hci. �Sonst befehle ich dir, M�nnern zu Gefallen zu sein.�</p><p>�Ich habe keine Angst vor dir!� rief Cuwignaka.</p><p>�Du sprichst k�hn f�r eine Frau�, sagte Hci.</p><p>�Ich bin ein Mann�, gab Cuwignaka zur�ck. �Und was ihn betrifft, da werde ich Canka Bescheid sagen.�</p><p>�Ja, sorg daf�r!� sagte Hci �rgerlich und wendete seine Kaiila. Der von den Hufen aufwirbelnde Staub stieg mir in Mund und Nase. �Und jetzt verschwindet von hier, zur�ck ins Lager!� Anscheinend herrschte keine gro�e Sympathie zwischen Hci und Canka. Wahrscheinlich sah Hci in Canka den Verantwortlichen daf�r, da� Cuwignaka frei war und sich dem Stamm angeschlossen hatte, was viele Isbu, so auch Hci, �rgerlich und besch�mend fanden. Indem er mich erniedrigte, einen Sklaven, den Canka respektvoll behandelte, r�chte er sich gewisserma�en an Canka. Canka seinerseits mochte Hci nicht sehr, vor allem wegen dessen Feindseligkeit gegen�ber seinem Bruder Cuwignaka. In Cankas Augen war Hcis Verachtung gegen�ber Cuwignaka extremer und starrer, als angebracht schien. Cuwignaka lebte und kleidete sich wie eine Frau, er mu�te Frauenarbeit tun und durfte keine Kinder zeugen. Was wollte Hci dar�ber hinaus?</p><p>Ich vermutete, da� es um mehr ging als um Hcis Stammesstolz und Sinn f�r das Angemessene. Canka war ein schnell aufsteigender junger Krieger im Stamm. Schon hatte er als Blotanhunka einer Kriegergruppe gewirkt. Obwohl Hci geschickt und mutig war, hatte er diese Ehre noch nicht empfangen. Dies mochte Hci um so mehr gekr�nkt haben, als er der Sohn Mahpiyasapas war, des Zivilh�uptlings der Isbu. Einem Mann seiner Position h�tte ein solcher Auftrag eher zufallen m�ssen � statt dessen wurde er ihm verwehrt. Der Grund, warum Hci noch keine Kriegergruppe hatte befehligen d�rfen, sah ich nicht darin, da� man ihn bei den Isbu nicht bewunderte oder mochte oder da� seine F�higkeiten bei der Spurensuche und im Kampf nicht angesehen waren, sondern in dem Umstand, da� man seinem Urteil nicht traute. Die Unbesonnenheit, mit der er auftrat, und seine Mi�achtung pers�nlicher Gefahr sprachen nicht gerade f�r seine F�higkeit, als Anf�hrer verantwortungsvoll zu handeln.</p><p>�brigens hatte ich nicht das Gef�hl, da� Hcis Feindseligkeit gegen�ber Canka mit der h�bschen wei�h�utigen, rothaarigen Sklavin Winyela zu tun hatte, die Canka als Beute f�r sich beansprucht hatte, der ehemaligen Millicent Aubrey-Welles, die Grunt f�r Hcis Vater Mahpiyasapa ins �dland gebracht hatte. Hci brauchte solche Sklavinnen nicht; er versorgte sich anderweitig. Mahpiyasapa dagegen war sehr erz�rnt gewesen, da� Canka seine Kriegsrechte gegen�ber dem M�dchen durchgesetzt hatte, obwohl er von ihrer vorgesehenen Bestimmung unterrichtet worden war. Mahpiyasapa war, wie erw�hnt, Zivilh�uptling der Isbu.</p><p>Bei den roten Wilden gibt es verschiedene H�uptlinge, vor allem den Kriegsh�uptling, den Medizinh�uptling und den Zivilh�uptling. Interessanterweise kann man niemals mehr als ein H�uptling gleichzeitig sein. Diese Bestimmung geh�rt wie der regelm��ige Wechsel der Polizeimacht zwischen Kriegergruppen zu den Sicherungsventilen der Stammesregierung. Ausgleichend wirkten auch andere Dinge wie Traditionen und Gebr�uche, die N�he zwischen Regierenden und Regierten, die vielschichtigen Beziehungen zwischen Familien, die H�uptlingswahlen, die Abh�ngigkeit von Ratsbeschl�ssen bei wichtigen Angelegenheiten und schlie�lich die M�glichkeit, den Stamm in gr��eren oder kleineren Zahlen verlassen zu k�nnen. Wegen aller dieser Institutionen ist Despotismus bei den roten Wilden nicht zu finden; er ist unpraktisch, und dieser Umstand ist eine viel sicherere Garantie gegen sein Auftreten als jede noch so laute negative Rhetorik.</p><p>�Geh!� befahl Hci.</p><p>�Gibst du mir diesen Befehl als Hci oder als Sleensoldat?� fragte Cuwignaka �rgerlich.</p><p>�Geh!� sagte Hci drohend.</p><p>�Ich gehorche dir als Sleensoldat�, sagte Cuwignaka. �Ich werde gehen.�</p><p>�Wenn die Jagd beginnt�, sagte Hci zu Cuwignaka, �darfst du nicht daran teilnehmen. Du wirst mit den Frauen Fleisch schneiden.�</p><p>�Das ist mir bekannt.�</p><p>�Denn du bist eine Frau!� rief Hci sp�ttisch.</p><p>�Nein, ein Mann!�</p><p>�H�bsch ist sie ja, nicht wahr?� wandte sich Hci an Grunt.</p><p>Dieser antwortete nicht.</p><p>�Wenn sie dir nicht zu Gefallen ist�, sagte Hci zu Grunt, �mu�t du sie schlagen wie jede andere Frau.� Br�sk zog er sein Reittier herum. Die Kaiila-Pfoten trommelten gegen den Boden, ein Ger�usch, das schnell leiser wurde.</p><p>�Verfolge ihn nicht!� sagte Grunt zu Cuwignaka.</p><p>�Ich bin ein Mann�, sagte Cuwignaka �rgerlich. �Ich mu� gegen ihn k�mpfen!�</p><p>�Nein�, sagte Grunt. �Das w�re nicht klug. Er ist einer der besten Krieger der Isbu.�</p><p>�Steh auf, Mitakola!� sagte Cuwignaka zu mir. �Er ist fort.�</p><p>Ich erhob mich und wischte mir mit dem rechten Unterarm �ber das Gesicht. Grunt reichte mir Kleidung und Mokassins, die ich anlegte. Anschlie�end stieg ich wieder auf meine Kaiila.</p><p>�Hast du keine Lust, ihn zu t�ten?� fragte mich Cuwignaka verbittert.</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Mit seiner Attacke meinte er nicht mich�, sagte ich, �sondern Canka.�</p><p>�Am liebsten w�rde ich ihn umbringen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Nein, das willst du nicht�, widersprach Grunt. �Er geh�rt den Isbu an, deiner eigenen Bande.�</p><p>�M�gen mu� ich ihn aber nicht�, sagte Cuwignaka und begann pl�tzlich zu lachen.</p><p>�Das stimmt�, antwortete Grunt l�chelnd.</p><p>Ich blickte Hci nach, der mir ein von Gef�hlen aufgeputschter, verbitterter junger Mann geworden zu sein schien � eine Entwicklung, die vermutlich mit der Narbe ihren Anfang genommen hatte. Seit jener Zeit schien er f�r kaum etwas anderes zu leben als f�r das T�ten und die Rache � nicht nur gegen Gelbmesser, sondern gegen jeden Feind oder angeblichen Feind des Kaiila-Stammes.</p><p>�Verr�ckt ist er�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich halte ihn f�r verbittert�, sagte ich.</p><p>Hcis Reaktion auf seine Entstellung fand ich interessant. Viele Krieger h�tten sich wegen einer solchen Narbe kaum Gedanken gemacht, zumal sie davon nicht wesentlich behindert worden w�ren. Andere h�tten darin ein willkommenes Symbol f�r ihren Mut gesehen, ein klares Zeichen f�r ihren Einsatz im Nahkampf. Andere h�tte die Narbe als wilde, brutale Steigerung ihres �u�eren empfunden. Nicht aber Hci. Wie so mancher rote Wilde war er ziemlich eitel gewesen, was sogar dazu f�hrt, da� manche junge M�nner ihr Haar fetten und zu Z�pfen flechten und im Lager vor Stammesgenossen stolz herumreiten � wobei es ihnen nat�rlich besonders um die M�dchen geht. F�r Hci kam es nicht mehr in Frage, sich, seine Kaiila und seine tadellos gepflegte Ausr�stung im Lager zur Schau zu stellen. Das Canhpi des Gelbmessers hatte mehr getan, als nur Fleisch und Knochen zu treffen; die Klinge hatte irgendwie auch seine Eitelkeit, seinen Stolz getroffen. Er war gutaussehend gewesen und hatte als Sohn des Zivilh�uptlings Mahpiyasapa eine hohe Position im Stamm innegehabt. In einem einzigen blutigen Augenblick war dies alles zerst�rt worden. Auch sein Umgang mit den M�dchen hatte sich ver�ndert; schon lange kam Hci nicht mehr zu ihren Unterk�nften und spielte dort die Liebesfl�te. Gleichwohl gab es viele M�dchen, denen seine Narbe nichts ausgemacht h�tte, die sie eher reizvoll fanden.</p><p>�Beunruhige dich nicht wegen Hci!� sagte Grunt zu Cuwignaka. �Dein Bruder Canka hat schon Schwierigkeiten genug mit Mahpiyasapa.�</p><p>�Du hast recht�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ich dachte an die schlanke rothaarige Winyela, die ehemalige Deb�tantin aus Pennsylvanien, jetzt Cankas Sklavin. Grunt hatte sie an Mahpiyasapa verkaufen wollen, der sich f�r rothaarige Frauen interessierte; der Preis war auf f�nf Felle des gelben Kailiauk festgesetzt gewesen.</p><p>Cuwignaka und Grunt und ich wandten uns schlie�lich wieder den Pte zu.</p><p>�Die Herde scheint kein Ende zu nehmen�, sagte ich.</p><p>�Ein pr�chtiger Anblick!� rief Cuwignaka.</p><p>�Ja�, sagte Grunt. �Pr�chtig!� Grunt, st�mmig gebaut, rundlich und muskul�s, trug noch immer den breitkrempigen Hut, an den ich mich gut erinnerte; ich hatte ihn �berhaupt noch nie ohne diese Kopfbekleidung gesehen.</p><p>�Wir m�ssen reiten�, sagte Cuwignaka. �Wir m�ssen ins Lager zur�ck.�</p><p>Wieder schaute ich in die Richtung, in der Hci verschwunden war. Den Mann, der ihm die Narbe beibrachte, hatte er get�tet.</p><p>�Pr�chtige Tiere!� rief Cuwignaka, wendete seine Kaiila und ritt den flachen Hang hinab, in Richtung Lager.</p><p>Grunt und ich verhielten noch einen Augenblick lang auf der Anh�he und beobachteten das eindrucksvolle Schauspiel in der Ferne.</p><p>�Bist du sicher?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte er. �Das ist die Bento-Herde.�</p><p>�Sie ist fr�h dran�, wiederholte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete er.</p><p>Dann trieben auch wir unsere Kaiila an und folgten Cuwignaka zum Lager.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Wasnapohdi, auch Pickel genannt, b�umte sich unter mir auf und umklammerte mich keuchend. Hilflos st�hnte sie, und ich sp�rte ihre Fingern�gel an meinem Arm. Sie war den Leidenschaften einer Frau ausgesetzt, die ihre Sklaverei wahrhaft begriffen hat. Ich war froh, da� Grunt, ihr Herr, sie mir �berlie�. Der kr�ftige Mann braucht ein Ventil f�r seine Anspannungen, um nicht krank und neurotisch zu werden.</p><p>�Beeil dich mit ihr�, sagte Cuwignaka, der in diesem Augenblick unsere Unterkunft betrat. �Es gibt einiges zu sehen. Die Isanna sind bereits im Lager und bilden lange Reihen! Das mu�t du dir anschauen! Auch wird gleich die Medizingruppe losziehen, um den Stamm zu f�llen. Viele werden mitgehen. Beeil dich!�</p><p>Mit aufgerissenen Augen starrte Pickel mich an und hielt mich krampfhaft fest. Ich vollzog den Akt des Herrn �ber seine Sklavin, bis sie erschaudernd und schluchzend mit angezogenen Beinen zur Seite rollte. Dann streifte ich meine Tunika �ber und schob die F��e in die Mokassins. Vom Eingang schaute ich noch einmal in das Zelt. Hier und dort waren die Felle zerschlissen und lie�en durch winziger L�cher Licht herein. Helligkeit drang au�erdem durch das Rauchloch unter der Dachspitze herein. Sp�ter w�rden wir vielleicht die Seitenw�nde vier oder f�nf Fu� weit hochrollen, was den Bau zu einer Art luftigem Baldachin werden l��t. Im Winter wird das Fellzelt durch einen Streifen Kailiauk-Fell zus�tzlich abgedichtet. Ich schaute zum M�dchen zur�ck, das eine mehrfache Kette mit billigen funkelnden Glaskugeln um den Hals trug.</p><p>�Zieh dich an, wenn du willst�, sagte ich, �und komm mit!�</p><p>�Die Sklavin ist dankbar f�r die Ber�hrung des Herrn�, fl�sterte sie.</p><p>�Beeil dich!� sagte Cuwignaka ungeduldig zu mir. �Es gibt Wichtiges zu tun!�</p><p>Wir machten uns auf den Weg.</p><p>�Wirf den Reifen, wirf den Reifen, Tatankasa!� rief mir ein kleiner Junge zu.</p><p>Ich ergriff den Reifen und schleuderte ihn nach zwei t�uschenden Ans�tzen pl�tzlich nach links. Der Junge erfa�te die Bewegung aus den Augenwinkeln, fuhr herum und scho� zielsicher einen kleinen Pfeil durch das dahinfliegende Gebilde.</p><p>�Eca! Gut!� rief ich. Die Treffsicherheit des kleinen Teufels erstaunte mich.</p><p>�Noch einmal! Noch einmal, Tatankasa!� rief der Bursche. Mit Spielen dieser Art werden F�higkeiten herangebildet und Reflexe geschult, die f�r einen erwachsenen Krieger sp�ter sehr wichtig sein k�nnen.</p><p>�Geht nicht�, sagte ich.</p><p>�Bitte, Tatankasa!�</p><p>�Ich bin Sklave�, sagte ich. �Ich mu� Cuwignaka begleiten.�</p><p>�Ja�, sagte dieser nachdr�cklich.</p><p>Ich eilte hinter Cuwignaka her, der sich nun beinahe im Laufschritt zwischen den Fellh�tten fortbewegte.</p><p>Ein gez�hmter Sleen fauchte mich an, und ich machte einen gro�en Bogen.</p><p>�Dort!� rief Cuwignaka. �Siehst du sie?�</p><p>�Das sind die Isanna?� fragte ich.</p><p>�Ja!�</p><p>Die Isanna, die Kleine-Messer-Bande des Kaiila-Stammes, kamen aus den Gebieten um den Ratsfelsen im Norden der n�rdlichen Gabelung des Kaiila-Flusses, westlich des Schlangen-Flusses, eines Nebenflusses des N�rdlichen Kaiila. Die verschiedenen Banden des Kaiila-Stammes verteilen sich im Normalfall etwa so: Zun�chst mu� man sich vergegenw�rtigen, da� es den Kaiila-Flu� gibt, der ungef�hr nach S�dwesten flie�t. An einer Stelle mitten im Gebiet des Kaiila-Stammes gabelt sich dieser Strom in zwei L�ufe, die als N�rdlicher und S�dlicher Kaiila gelten. Der Schlangen-Flu�, beinahe s�dlich str�mend, m�ndet in den N�rdlichen Kaiila. Das Land der Napoktan, der Armband-Bande der Kaiila, erstreckt sich �stlich des Schlangen-Flusses und n�rdlich des N�rdlichen Kaiila und des gro�en Kaiila. Die Wishmahi, die Pfeilspitzen-Bande des Stammes, h�lt die n�rdlich gelegenen Territorien innerhalb und ein St�ck s�dlich der Kaiila-Gabelung. Die Isbu bewegen sich in den weiter s�dlich gelegenen Zonen zwischen dem Nord- und dem S�dzweig des Kaiila-Wasserlaufs. Die L�ndereien der Sandbande der Kaiila, der Casmu, schlie�en sich im Westen an die der Isanna an und im Nordwesten an die Gebiete der Isbu, oberhalb des N�rdlichen Kaiila-Flusses. Nicht bekannt ist, ob der Flu� seinen Namen von den roten Wilden herleitet, durch dessen Gebiete er str�mt, oder ob der Stamm sich nach dem Flu� benannt hat. Nach den Stammesgeschichten, die ich geh�rt habe, kann ich nur vermuten, da� die ersten Wilden in diesem Gebiet gro�e Herden wilder Kaiila vorfanden. Wahrscheinlich wegen der Wirkung der Medizin nahmen sie dann den Namen Kaiila an.</p><p>�Ein gro�artiger Anblick!� sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, stimmte ich ihm zu.</p><p>Die Gruppe der Isanna-Kaiila umfa�t sieben- bis achthundert Menschen, die jetzt aus �stlicher Richtung in das Lager einmarschierten, in langen Reihen und pr�chtig herausgeputzt. Die Casmu, die Wismahi und die Napoktan hatten sich den Isbu zur gro�en Sommerversammlung bereits angeschlossen. Die Casmu z�hlten etwa eintausend, die Wismahi, eine der kleineren Banden, f�nf- bis sechshundert. Die Isbu stellten mit etwa siebzehnhundert Mitgliedern die gr��te Gruppe. Die Napoktan, die erst gestern im Lager eingetroffen waren, bildeten die kleinste Bande des Kaiila-Stammes: etwa vierhundert M�nner und Frauen. Die Banden unterteilen sich in ihren Territorien oft in einzelne D�rfer oder Lager mit Gruppierungen von selten mehr als zwei- oder dreihundert Individuen, die meistens von einem Unterh�uptling befehligt werden. Manchmal setzt sich ein solches Lager nur aus sieben oder acht Familien zusammen.</p><p>�Pr�chtig! Pr�chtig!� rief Cuwignaka.</p><p>Zu dritt und viert nebeneinander, angef�hrt vom Zivilh�uptling Watonka, Mann-der-reich-ist, und den dazugeh�rigen Unterh�uptlingen und Hohenkriegern, zogen die Isanna in das Isbu-Lager ein. In verzierten Beh�ltnissen trugen sie gefiederte Lanzen und Kriegsschilde und Medizinschilde. Sie waren mit B�gen und K�chern beh�ngt. Sie hatten sich bunt bemalt und ihren Feststaat angelegt. Das Haar war mit Federn verziert, von denen jede nach den �berlieferungen der Kaiila eine bestimmte Bedeutung hatte und von Taten und Ehren k�ndete. Halsb�nder und primitive Armb�nder funkelten in der Sonne. Hochgew�lbte S�ttel mit breiten Kn�ufen schimmerten poliert. M�nzen und Perlen hingen an Z�geln. Kampfzeichen und Gl�ckssymbole waren den Tieren auf Flanken und Vorderbeine gemalt worden, in den geflochtenen seidenweichen M�hnen steckten B�nder und Federn. Es nahmen auch Frauen an der barbarischen Prozession teil � in Hemdkleidern und knielangen Hosen, geschm�ckt mit Perlenketten, Armb�ndern, bunten Decken und Umh�ngen, auf dem R�cken von Kaiila sitzend wie rote Krieger.</p><p>Etliche Frauen ritten Tiere, an denen Transportgestelle befestigt waren. Andere hatten an ihren Sattelkn�ufen Wiegen festgezurrt: ein Holzgestell, in dem das Kind mit verschn�rten Lederbahnen festgehalten wird. Der Holzrahmen einer solchen Krippe ragte an der Kopfseite in Form zweier Spitzen ein gutes St�ck �ber den Rahmen. Dadurch soll der Kopf des Kindes gesch�tzt werden, sollte die Wiege sich einmal vom R�cken einer galoppierenden Kaiila l�sen. In einem solchen Fall bohrt sich eine Windel oft umgekehrt in den Boden. Das Kind, gut festgeschnallt, kommt dabei meist unverletzt davon.</p><p>�ltere Kinder reiten oft auf H�uten, die zwischen den Stangen von Transportgestellen gespannt sind. Manchmal werden sie auch von Vater oder Mutter vorn im Sattel mitgenommen. Wenn ein Kind etwa sechs Jahre alt ist und die Familie es sich leisten kann, erh�lt es meistens seine eigene Kaiila. Die roten Wilden, ganz besonders die Jungen, sind meistens schon mit sieben Jahren erfahrene Reiter. Das sattellose Reiten ist �brigens vor allem beim Kampf und w�hrend der Jagd �blich. Beim Tauschhandel und bei Besuchsritten werden interessanterweise S�ttel benutzt, vermutlich weil sie sich h�bsch verzieren lassen und ein Mittel vorteilhafter Pr�sentation sind. Auch kann man am Sattelknopf so allerlei befestigen � von Proviant bis hin zu Tauschg�tern.</p><p>In der pr�chtigen Prozession bemerkte ich zahlreiche Kinder auf eigenen Kaiila oder auf Transportgestellen; sie waren ebenfalls pr�chtig aufgemacht, Miniaturausgaben der Erwachsenen. Fr�hlich und stolz oder verwundert verfolgten sie die Ereignisse.</p><p>�Sie bringen ihre Habe mit�, stellte ich fest. Die Transportgestelle waren schwer beladen mit B�ndeln und Zeltfellen und Stangen. Auch die Gestellstangen w�rden sp�ter, wenn alles abgeladen und abgeschirrt war, beim Bau der Unterk�nfte Verwendung finden.</p><p>�So reisen unsere V�lker�, stellte Cuwignaka fest. Nichts wurde zur�ckgelassen; nur gelegentlich lagerte man Dinge in Verstecken ein.</p><p>Neben den Tieren etlicher Krieger gingen unbekleidete wei�e Frauen, die perlenbesetzte Halskragen trugen. Sie waren der Besitz ihrer roten Herren.</p><p>�Die wei�en Frauen dort sind vorwiegend blond�, sagte ich zu Cuwignaka.</p><p>�Ja�, erwiderte er. �Sie werden uns vorgef�hrt.�</p><p>Ich nickte. Blondes Haar war im �dland sehr selten. Die Sklavinnen begriffen sehr wohl, da� sie als Schaust�cke f�r den Reichtum der Isanna galten, wie auch die Silberwimpel in den Kaiilam�hnen, die M�nzen an den Z�geln, die goldbesetzten S�ttel.</p><p>�Die anderen Sklavinnen werden bei den Kaiila gehalten, wie eine kleine Herde, bewacht von Knaben.�</p><p>Eine Blonde kam an mir vorbei, weinend, halb stolpernd, halb gezerrt. Ihr Alter sch�tzte ich auf siebzehn. Ihre Fessel endete in der Faust eines roten Wilden, der selbst kaum mehr als achtzehn Jahre alt sein konnte. Er trieb seine Kaiila zu gr��erer Eile an, vermutlich um einen vorgesehenen Platz in der Prozession zu erreichen; dabei ging er mit seinem h�bschen Besitz nicht r�cksichtsvoll um. Die Sklavin weinte. Sie schien ihren Kragen noch nicht lange zu tragen. Vielleicht war sie eine �berlebende des Wagenzuges, der vor einigen Tagen �berfallen worden war.</p><p>�Mahpiyasapa wird jetzt Watonka begr��en�, sagte Cuwignaka. �Wir wollen uns beeilen, damit wir alles sehen.�</p><p>Obwohl ich das nicht unbedingt f�r eine gute Idee hielt, begleitete ich Cuwignaka. Er war so jung, so �bersch�umend in seiner Lebensfreude, so froh, wieder bei seinem Volk, den Isbu, zu sein, da� er wohl keinen Gedanken an die Frage verschwendete, ob man ihn bei einem solchen Zusammentreffen �berhaupt dabei haben wollte, und sei es nur als Zuschauer.</p><p>Mahpiyasapa, Schwarze Wolke, ging Watonka, Mannder-reich-ist, zu Fu� entgegen und hie� ihn im Isbu-Lager willkommen. Nachdem ihm diese Ehre widerfahren war, stieg Watonka ab. Beide M�nner umarmten sich. Sie waren von Medizinleuten und Hohenkriegern umgeben. Mahpiyasapa war von seinem Sohn Hci und Angeh�rigen der Sleensoldaten begleitet. Canka und etliche Kampfgef�hrten waren ebenfalls zur Stelle. H�uptlinge und Abgesandte der Casmu, Napoktan und Wismahi nahmen an der Feier teil. Unter ihnen bemerkte ich Kahintokapa, Mann-der-vorausgeht, von den Casmu und zwei weitere Mitglieder der ber�hmten Gelben Kaiila-Reiter.</p><p>�Sei gegr��t, Iwoso�, sagte Cuwignaka. �Wie sch�n du geworden bist!�</p><p>Seine Worte galten einem M�dchen, das am Steigb�gel einer Kaiila-Reiterin stand. Sie war mit den Isanna gekommen, neben der Kaiila ihrer Herrin gehend. Sie trug ein ziemlich einfaches Hemdkleid mit knielangen Hosen und Mokassins. In das geflochtene Haar war ein rotes Tuch eingebunden. Glasperlen umspannten ihren Hals. Sie war sehr h�bsch. Dasselbe lie� sich von dem M�dchen im Kaiilasattel sagen, wom�glich war sie noch lieblicher anzuschauen als das zu Fu� gehende M�dchen. Doch wurde ihre Sch�nheit durch die Pracht ihrer Aufmachung noch verst�rkt: Ihr Kleid aus weichgegerbtem, beinahe wei�em Leder wies zahlreiche Fransen und komplizierte Muster aus gelben und roten Perlen auf. Hosen und Mokassins waren entsprechend verziert. Das lange, schimmernde, geflochtene Haar war von einer Silberschnur durchwirkt. Zwei goldene B�nder umschlossen ihr linkes Handgelenk. Sie trug zwei Perlenhalsb�nder und ein anderes Band, an dem in regelm��igen Abst�nden kleine R�hrchen und Figuren aus Silber und Gold befestigt waren. Auf ihrer Stirn hing eine d�nne Silberkette mit kleinen Silbertropfen.</p><p>�Du auch, Bloketu�, f�gte Cuwignaka hinzu und schaute zu dem berittenen M�dchen auf.</p><p>�Sprich nicht mit meiner Zofe�, sagte das M�dchen im Sattel.</p><p>�Iwoso ist eine Angeh�rige des Gelb-Messer-Stammes�, erkl�rte Cuwignaka. �Sie wurde im Alter von zw�lf Jahren gefangengenommen. Bloketu ist Watonkas Tochter.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. Obwohl Iwoso keinen Kragen trug, hatte ich bereits geschlossen, da� sie nicht zu den Isanna geh�rte, sondern allenfalls bei ihnen lebte � dies verrieten mir die Schlichtheit ihres Kleides und die Tatsache, da� sie die Isanna zu Fu� begleitete und dem berittenen M�dchen zu dienen schien.</p><p>�Iwoso bekleidet bei den Isanna eine hohe Stellung�, sagte Cuwignaka. �Wie du siehst, tr�gt sie nicht einmal einen Kragen.�</p><p>�Ja�, sagte ich. Der Name Iwoso bedeutete �brigens �Schmollende Lippen�, was nun wirklich nicht auf ihre Lippen zutraf. Wahrscheinlich reflektierte dieser Name weniger auf ihr �u�eres als auf eine fr�here Stimmung. �Bloketu� der Name des berittenen M�dchens, Tochter des Isanna-H�uptlings Watonka, bedeutete �brigens �Sommer�.</p><p>�Was haben wir denn hier?� fragte Watonka in diesem Augenblick.</p><p>�Ich kenne sie nicht�, sagte Bloketu, ohne sich dazu herabzulassen, Cuwignaka anzuschauen.</p><p>�Du erinnerst dich bestimmt an mich�, sagte Cuwignaka. �Wir lernten uns bei den Sommert�nzen vor langer Zeit kennen. Ich hie� Petuste und suchte dir Blumen. Wir ritten zusammen Kaiila.�</p><p>�Vielleicht erinnert sich meine Zofe an dich�, sagte das M�dchen. �Petuste� das bedeutete �Feuerscheit�. Und darin lag eine gewisse Logik, war er doch der Bruder Cankas, �Feuerstahls�. Bis zu diesem Augenblick hatte ich Cuwignakas fr�heren Namen nicht gekannt.</p><p>�Erinnerst du dich an sie, Iwoso?� wandte sich die Berittene an das M�dchen neben sich.</p><p>�Nein�, antwortete Iwoso.</p><p>�Iwoso!� rief Cuwignaka entr�stet.</p><p>�Du siehst�, sagte Bloketu aus der H�he ihres Sattels, �man erinnert sich nicht.�</p><p>�Wer ist sie denn?� wollte Watonka wissen.</p><p>�Eine Schande der Isbu�, antwortete Mahpiyasapa. Er war noch immer w�tend auf Canka, der es richtig gefunden hatte, seine Siegerrechte auszuspielen und der h�bschen Winyela seinen Kragen umzulegen.</p><p>�Offensichtlich ist sie nichts anderes als eine Isbu-Frau�, sagte ein Mann aus der Gefolgschaft Watonkas.</p><p>�Verschwinde!� sagte Canka zornig zu Cuwignaka. �Du besch�mst uns.�</p><p>�Das ist ihr Bruder�, sagte Hci zu einem Isanna. �Er hat so eine Schwester und durfte doch f�r die Kampfgef�hrten als Blotanhunka reiten.�</p><p>�Ach?� fragte der Mann.</p><p>�Nimm dich in acht, Hci!� sagte Canka warnend.</p><p>�Wovor?� fragte dieser zur�ck. �Sage ich denn nicht die Wahrheit?�</p><p>Zornig ballte Canka die F�uste.</p><p>�Was h�ltst du von einem Mann, der sich eine Frau nimmt, die ins Land gebracht wurde, um an seinen H�uptling verkauft zu werden?� wandte sich Mahpiyasapa an Watonka.</p><p>�Ein solcher Mann h�tte Strafe verdient�, antwortete der H�uptling. �Anschlie�end m��te die Frau dem H�uptling �berlassen werden.�</p><p>�Ich habe nur meine Rechte wahrgenommen�, sagte Canka.</p><p>�Gib den Befehl, und ich und die Sleensoldaten bestrafen ihn�, erbot sich Hci. �La� uns sein Zelt und seine Waffen vernichten. Dann bringen wir dir die Frau nackt und gefesselt.�</p><p>�Ich werde dar�ber nachdenken�, sagte Mahpiyasapa.</p><p>�Ich habe meine Rechte nicht �berschritten�, sagte Canka.</p><p>��berla� mir die Frau!� forderte Mahpiyasapa.</p><p>�Nein�, antwortete Canka. �Sie geh�rt mir.�</p><p>�Vielleicht nehme ich sie mir�, sagte Mahpiyasapa. �Ich werde dar�ber nachdenken.�</p><p>�Sie geh�rt mir.�</p><p>Mahpiyasapa zuckte die Achseln. �Wenn ich sie haben will, nehme ich sie mir.�</p><p>Zornig machte Canka kehrt und verlie� die Gruppe.</p><p>�H�te dich vor einem zornigen jungen Mann!� sagte Watonka zu Mahpiyasapa. Hci blickte hinter Canka her.</p><p>�Vielleicht kommst du uns mal besuchen, um mit uns zu n�hen�, sagte Bloketu hochm�tig zu Cuwignaka.</p><p>Cuwignaka antwortete nicht.</p><p>�Ist sie nicht h�bsch, Iwoso?� fragte Bloketu.</p><p>�Ja�, sagte Iwoso.</p><p>�Ob sie wohl zu den Frauen geh�rt, die Kriegern zu Gefallen sein mu�?� fragte Bloketu.</p><p>Cuwignaka musterte sie zornig. Deutlich war zu erkennen, da� er nichts dagegen gehabt h�tte, der hochm�tigen Bloketu beizubringen, was es bedeutete, M�nnern zu gefallen.</p><p>�Mag sein!� sagte Iwoso lachend.</p><p>Auch dies war sehr schmerzlich f�r Cuwignaka. Er, ein Kaiila-Angeh�riger, mochte es nicht, von einem M�dchen verspottet zu werden, das letztlich doch nur Sklavin war.</p><p>�Man hat dir befohlen zu verschwinden�, sagte Hci zu Cuwignaka. �Mu� eine Schwester ihrem Bruder nicht gehorchen?�</p><p>�Er ist mein �lterer Bruder�, sagte Cuwignaka. �Deshalb gehe ich jetzt.� Er machte kehrt; ich folgte ihm. Hinter uns klang das Lachen der beiden M�dchen.</p><p>�Es ist falsch�, sagte ich, �sich in die Begegnung zwischen Isanna und Isbu zu dr�ngen.�</p><p>�Ganz und gar nicht�, widersprach Cuwignaka. �Wie oft findet denn ein solches Treffen statt? Wer m�chte das schon verpassen? Au�erdem wollte ich die wei�en Sklavinnen und Bloketu und Iwoso sehen.�</p><p>�Du magst solche Frauen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte Cuwignaka. �Ich w�rde sie gern in meinem Besitz haben. Ich m�chte sie in meinem Zelt nackt vor mir sehen und sie Gehorsam lehren.�</p><p>�Und Bloketu und Iwoso?�</p><p>�Wenn sie Sklavinnen w�ren, w�rde ich ihnen das gleiche Schicksal zugedenken.�</p><p>�Iwoso ist doch bereits Sklavin.�</p><p>�Ja�, antwortete Cuwignaka, �gewisserma�en schon. In Wahrheit ist sie aber beinahe frei. Sie ist die Zofe eines M�dchens.�</p><p>�Das stimmt�, sagte ich. �Iwoso trug nicht einmal einen Halskragen.�</p><p>�Wohin gehst du?� fragte ich und mu�te mich beeilen, mit Cuwignaka Schritt zu halten.</p><p>�Um zuzusehen, wie der Stamm gef�llt wird.�</p><p>�Wo findet das statt?� Ich wu�te nicht, was hier vorging.</p><p>�Dieses Jahr ist er nur drei Pasangs vom Lager entfernt.�</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte ich.</p><p>�Dieses Jahr�, sagte Cuwignaka, �werde ich nach der Jagd am gro�en Tanzfest teilnehmen. Ich werde allen zeigen, da� ich ein Mann bin.�</p><p>�Bei diesem Tanz wird der Stamm benutzt?�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Sollten wir nicht unsere Kaiila holen?� fragte ich.</p><p>�Es ist besser, wenn Leute wie wir zu Fu� gehen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Aber andere werden beritten kommen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wer wird das alles sein?�</p><p>�Die Isanna sind nun auch hier�, gab Cuwignaka zur�ck.</p><p>�Viele werden kommen, Angeh�rige der Isbu, der Casmu, der Wismahi, Napoktan und der Isanna.�</p><p>�Wer w�hlt den Stamm aus?�</p><p>�Der Medizinh�uptling des Tanzes�, antwortete Cuwignaka. �Dieses Jahr ist es Cancega von den Casmu.�</p><p>�Und wer wird den Stamm f�llen?� fragte ich. �H�uptlinge?�</p><p>�Nein�, erwiderte Cuwignaka lachend. �Wie wenig Ahnung du doch von diesen Dingen hast!�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>Kurze Zeit sp�ter hatten wir das Zeltdorf verlassen und schritten �ber die Felder. Dabei kamen wir an etlichen Kaiilaherden vorbei. Und an Gruppen zusammengekauerter Sklavinnen. Kleine Jungen, die auf dem R�cken von Kaiila sa�en, bewachten diese Sklavinnen, die man nicht h�bsch genug gefunden hatte, um sie bei der Parade mitzunehmen.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Wie sch�n sie ist!� sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Die unglaubliche Sch�nheit der ehemaligen Mi� Millicent Aubrey-Welles raubte mir beinahe den Atem. Sie war schlank und lieblich anzuschauen. Sie hatte eine helle Haut und zarte, anr�hrende Gesichtsz�ge. Sie war auf das Erlesendste als weiblich zu bezeichnen. Die Sklavenh�ndler, die sie f�r den goreanischen Sklavenkragen ausgesucht hatten, verstanden ihr Gesch�ft. Sie war in die Robe einer Frau der roten Wilden gekleidet � in ein Gewand von barbarischer Pracht. Selbst eine H�uptlingstochter wie Bloketu h�tte sie um den strahlenden Schmuck dieses Gewandes beneiden k�nnen. Das in der Sonne funkelnde rote Haar war nach der Mode der roten Wilden geflochten. Halsb�nder aus Muscheln und Perlen lagen auf dem Oberteil aus weichem Tabukleder; ihre knielangen Hosen zeigten sich pr�chtig verziert. Die H�nde waren ihr zwar auf dem R�cken zusammengebunden, und um den Hals lag das Band, das Cankas Zeichen trug; dies beeintr�chtigte ihre Erscheinung aber nicht.</p><p>�Cancega�, fl�sterte Cuwignaka mir zu.</p><p>Ein Mann ritt langsam vorw�rts und n�herte sich B�umen, die einige hundert Meter entfernt standen. Solche Baumreihen kennzeichnen im �dland oft den Lauf von B�chen, die man hier und dort findet. Solche Fl��chen m�ndeten in diesem Gebiet meistens in den S�dlichen Kaiila und f�hrten in der augenblicklichen Jahreszeit nat�rlich sehr wenig Wasser. Sp�ter im Jahr, im Kantasawi-Mond, konnten viele kleine Fl�sse sogar ganz austrocknen, und selbst breite Str�me wie der S�dliche Kaiila sahen dann mehr wie eine Folge von Pf�tzen in einem Flu�bett aus. Cancega, der kaum mehr als einen Lendenschurz und einen Federschmuck trug, hatte sich am ganzen K�rper mit Medizinfarbe beschmiert. In der Hand trug er einen langen gefiederten Medizinstab.</p><p>�Die f�nf hohen Coups sind bereits errungen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Worum handelt es sich dabei?� wollte ich wissen.</p><p>�Vor einigen Tagen, sobald die Pte gesichtet waren, wurden junge M�nner losgeschickt, mehr als hundert, aus den Banden erw�hlt; sie sind nach dem Baum geritten.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Es ist ein Rennen�, erkl�rte Cuwignaka. �Sie stellen sich in einer Reihe auf. Die ersten f�nf M�nner die Hand, Canhpi, Lanze oder Coupstock gegen den Baum schlagen, erhalten einen hohen Coup zugesprochen.�</p><p>�Haben Canka oder Hci an dem Rennen teilgenommen?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete Cuwignaka. �Beide haben einen solchen Coup schon fr�her errungen.�</p><p>�Die Gruppe setzt sich in Bewegung�, sagte ich.</p><p>�Wir werden sie begleiten�, meinte Cuwignaka.</p><p>Und so wanderten wir mit der Gruppe dahin; einige ritten auf Kaiilas, andere waren wie wir zu Fu�, und alle folgten dem bemalten Reiter.</p><p>�Cancega scheint ein sehr wichtiger Bursche zu sein�, sagte ich.</p><p>�Er ist wichtiger, als du ahnst�, erwiderte Cuwignaka. �Jetzt, w�hrend des Festes, untersteht ihm das ganze Lager. Wir h�ren auf ihn. Wir tun, was er sagt.�</p><p>�Dann ist er also zur Zeit praktisch der H�uptling aller Kaiila?�</p><p>�Ich glaube, ganz so w�rde ich es nicht ausdr�cken�, sagte Cuwignaka ein wenig abwehrend. �Die Zivilh�uptlinge gehorchen ihm zwar, treten ihm aber nicht wirklich ihre Macht ab.�</p><p>�Ich sehe den Unterschied�, sagte ich. �Gibt es keine Situation, in der der Kaiila-Stamm nur einen einzigen H�uptling hat?�</p><p>�Manchmal wird ein Kriegsh�uptling gew�hlt�, sagte Cuwignaka. �Gewisserma�en ist der dann der Oberh�uptling.�</p><p>�Aber ein Kriegsh�uptling kann nicht Zivilh�uptling sein.�</p><p>�Nein. Wir halten es f�r besser, diese Dinge immer zu trennen.�</p><p>�Das ist interessant�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich kann man Kriegsh�uptling und Zivilh�uptling sein�, sagte Cuwignaka, �aber nicht gleichzeitig.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Manchmal macht sich ein Mann in beiden �mtern gut�, meinte Cuwignaka. �Trotzdem sind sie sehr verschieden.�</p><p>Kurze Zeit sp�ter wateten alle anderen durch einen schmalen, flachen Flu�. Die Kiesel auf dem Flu�bett waren durch das Wasser deutlich zu sehen.</p><p>Auf der anderen Seite des Flusses stiegen Cancega und die meisten Berittenen ab.</p><p>Cancega begann langsam und schlurfend zu tanzen. Zwei andere in seiner N�he, die ebenfalls Federschmuck auf dem Kopf trugen, begannen Rasseln zu sch�tteln und mitzutanzen. Der Tanz galt offenbar einem gro�en Baum mit wei�er Rinde. �Es ist der Baum!� intonierte Cancega immer wieder und schwenkte tanzend den Medizinstab. Seine Helfer erg�nzten den Refrain: �Er ist gro� und gerade.� Die Umstehenden fielen ab und zu in den Refrain ein.</p><p>Winyela beobachtete die Szene.</p><p>In der Baumrinde entdeckte ich die Spuren verschiedener Waffen; dort hatten wahrscheinlich die jungen Krieger vor zwei oder drei Tagen zugeschlagen in ihrem Bem�hen, die ersten zu sein und die h�chsten Coups zu erringen.</p><p>�Es ist der Baum!� rief Cancega pl�tzlich, st�rzte zu dem Baum und hieb mit dem Medizinstab dagegen.</p><p>�Er ist lang und gerade!� br�llten seine Sekundanten und die meisten anderen, so auch mein Freund Cuwignaka.</p><p>Zwei M�nner liefen zu Winyela und l�sten ihre Fesseln. Sie wurde nach vorn gesto�en.</p><p>Eine einseitige Axt mit langem Griff wurde ihr in die Hand geschoben. Es war eine Arbeitsaxt mit abgestumpfter R�ckseite, damit man damit Pfl�cke und Keile einschlagen konnte. Das M�dchen hatte schwer daran zu schleppen.</p><p>�Du hast hier nichts zu suchen�, sagte ein Mann zu Cuwignaka. �Dies ist kein Ort f�r freie Frauen.�</p><p>�Ich bin ein Mann�, sagte Cuwignaka.</p><p>Der Fremde zuckte die Achseln.</p><p>Ich sah mich um. Tats�chlich waren keine Frauen anwesend � mit Ausnahme der lieblichen Winyela.</p><p>Unter Anleitung Cancegas und anderer begann sie mit der Axt gegen den Baumstamm zu schlagen.</p><p>Der Baum war f�nfundzwanzig bis drei�ig Fu� gro�, im Grunde kein gro�es Gew�chs. Der Stamm war schlank und pfahl�hnlich und hatte einen Durchmesser von h�chstens zehn Zoll. Mit einem solchen Werkzeug h�tte ein Mann den Baum innerhalb weniger Augenblicke gef�llt. Winyela war kein Mann und auch kein Holzf�ller. Sie war nichts anderes als eine h�bsche Sklavin. Sie hatte die H�nde am Axtgriff zu weit auseinandergenommen und holte nicht gen�gend aus. Cancega und die anderen zeigten viel Geduld mit ihr, obwohl sie eine Sklavin war. Wenigstens bat sie nicht um eine Ruhepause. Ihre Halsb�nder und anderen Schmuckst�cke klimperten und schimmerten mit jeder Bewegung. Vermutlich hielt sie zum erstenmal in ihrem Leben ein solches Werkzeug in der Hand. Deb�tantinnen aus Pennsylvanien greifen selten zur Axt; das gleiche gilt nat�rlich auch f�r goreanische Sklavinnen.</p><p>Canka ritt auf seiner Kaiila herbei. Anscheinend kam er direkt aus dem Lager. Sie blickte zu ihm auf. Er bedeutete ihr weiterzuarbeiten.</p><p>Gleich darauf ert�nte ein Knacken, und nach einigen weiteren Axthieben brach der Baum knirschend, neigte sich und st�rzte schwer zu Boden. F�nf weitere Schl�ge wurden gef�hrt, die die letzten Holzstr�nge durchtrennten, dann lag der Stamm am Boden, gehalten von �sten und Laub.</p><p>Die M�nner brummten zustimmend. Man nahm Winyela die Axt ab und schleifte sie zur�ck.</p><p>�Was passiert jetzt?� fragte ich Cuwignaka.</p><p>�Pa� auf.�</p><p>Unter Anleitung von Cancega begannen mehrere M�nner den umgest�rzten Baum von Rinde und �sten zu befreien. Zwei Gabeln wurden �briggelassen, die eine etwa achtzehn Fu�, die andere dreiundzwanzig Fu� hoch. Hierbei wurde R�cksicht darauf genommen, da� der Stamm sp�ter auf der Tanzfl�che in ein etwa acht Fu� tiefes Loch gestellt werden sollte, so da� sich die Astgabeln dann zehn und f�nfzehn Fu� �ber dem Boden bef�nden.</p><p>Der schmale Baumstamm, von Rinde befreit, lag glatt und wei� vor uns.</p><p>Ein kleines Tongef�� mit Farbe wurde gebracht. Wieder schob man das M�dchen in den Vordergrund.</p><p>Sie war es, die Sklavin, die mit der Farbe verk�nden mu�te, da� der Pfahl Kaiila sei. Bei solchen gro�fl�chigen Anstrichen auf Holz wird ein Pinsel aus kurzgeschnittenem eingedrehten Gras verwendet. Die Farbe war Rot, ein Rot, das wahrscheinlich aus zermahlener Erde oder Ton gewonnen worden war. Vielleicht hatte man auch Felsgestein zerdr�ckt, das Eisenoxid enthielt. Andere Rott�ne lassen sich aus gekochten Wurzeln gewinnen.</p><p>Unter Anleitung Cancegas, des Medizinh�uptlings im Sommerlager aller Kaiila-Banden, machte sich Winyela gehorsam daran, die rote Farbe aufzutragen. �Er ist Kaiila!� sangen dabei viele Umstehende. Dreimal vollf�hrte Winyela das Ritual mit dem Pinsel, w�hrend der Baumstamm auf B�cken liegend, vor ihr gedreht wurde. �Er ist Kaiila!� riefen die M�nner im Singsang.</p><p>Die drei roten Farbstreifen schimmerten grell auf dem wei�en Stamm. Rote Streifen, eins bis f�nf an der Zahl, werden �blicherweise von Kaiilakriegern benutzt, um ihre Waffen zu kennzeichnen, vor allem Lanzen und Pfeile. Diesem Grundzeichen wird das pers�nliche Muster des einzelnen Kriegers hinzugef�gt.</p><p>Die Kaiila werden �brigens im �dland allgemein als �Halsabschneider-Stamm� bezeichnet. Den Farbstreifen wird bei Au�enstehenden � aber auch bei Kaiila-Angeh�rigen � diese Bedeutung gegeben. Ich habe allerdings Kaiila kennengelernt, die eine solche Deutung nicht gelten lie�en, sondern meine Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenkten, da� die Kaiila selbst sich selten als �Halsabschneider� sehen und da� das Symbol f�r einen durchgeschnittenen Hals auf keinen Fall aus mehr als einem Streifen bestehen d�rfte. So ist die wahre Herkunft der umschlie�enden B�nder wohl im Dunkel der Geschichte verloren.</p><p>Die Farbe schimmerte hell auf dem Stamm.</p><p>Die drei Farbstreifen waren so angebracht, da� sie sich, wenn der Stamm im Lager aufgerichtet wurde, ziemlich am unteren Ende befinden mu�ten.</p><p>�Er ist Kaiila!� riefen die M�nner.</p><p>Pl�tzlich schrie das M�dchen auf.</p><p>Ich spannte die Muskeln an.</p><p>�Misch dich nicht ein!� sagte Cuwignaka.</p><p>Die Helfer hatten der Sklavin die Robe vom Leib gerissen, sie streiften ihr die Armreifen ab, entflochten ihr Haar. Nackt kniete sie vor ihren Herren.</p><p>�Was geschieht mit ihr?� fragte ich.</p><p>�Pa� auf!� sagte Cuwignaka.</p><p>Cancega stand vor dem M�dchen und deutete auf den Stamm. Rasseln begannen rhythmisch hinter ihr zu klappern. Ermutigend nickte Cancega der Sklavin zu, die nun den Gesten folgte und z�gernd zu tanzen begann.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>Es schien mir angemessen, da� die Sklavin ihren K�rper lasziv vor dem Stamm bewegte.</p><p>�Ah�, sagt Cuwignaka.</p><p>�Er ist Kaiila!� br�llten die M�nner.</p><p>Pl�tzlich schien eine Ver�nderung mit Winyela vorzugehen. In dem Ma�, wie die Rasseln schneller wurden, bewegte sie sich heftiger, erregter.</p><p>Ich schaute zu Canka hin�ber, der auf dem R�cken seiner Kaiila sa�. Er schaute Winyela zu. Seine Augen funkelten. Er wu�te, er war ihr Herr.</p><p>�Ist sie im Tanzen ausgebildet?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Meines Wissens nicht�, antwortete ich.</p><p>�Jede Frau beherrscht das instinktiv�, sagte Cuwignaka.</p><p>Winyela tanzte ihre Unterwerfung vor dem langen Baum und dadurch vor ihren Herren.</p><p>Mit dem Tanz f�hrte Winyela nat�rlich nicht nur ihre pers�nliche Situation vor, sondern aus Sicht der Kaiila kam im Symbolismus des Tanzes, in der Medizin des Tanzes dar�ber hinaus zum Ausdruck, da� die Frauen von Feinden nichts anderes sein konnten als Sklavinnen der Kaiila. Zweifellos kannten die Flieher und die Gelb-Messer und die anderen V�lker �hnliche Zeremonien, bei denen ein Mann oder eine Frau aus einer anderen Gruppe diese Symbolrolle �bernahm. F�r mich stimmte der Symbolismus �berein mit einem der tiefgreifenden Themen der organischen Natur, dem Thema der Beherrschung und Unterwerfung. Mit dem Tanz, so wie ich ihn sah, brachte Winyela die Herrlichkeit des Lebens und der nat�rlichen Ordnung zum Ausdruck.</p><p>�Er ist Kaiila!� riefen die M�nner.</p><p>�Kaiila!� br�llte auch Cuwignaka.</p><p>Schlie�lich wurde Winyela zur�ckgezerrt. Sie atmete schwer von der Anstrengung des Tanzes. Die M�nner klatschten sich beif�llig auf die Oberschenkel. Die Musik h�rte auf. Winyela hob den Kopf, wurde aber pl�tzlich nicht mehr beachtet. Ihre Kleidung, ihr Schmuck wurde zu einem B�ndel zusammengerollt und in der unteren Astgabel des Stammes festgebunden. Zwei lange Gegenst�nde, an Schn�ren befestigt, wurden in der oberen Astgabel festgemacht. Sp�ter, wenn der Baum dann auf der Tanzfl�che aufgestellt war, w�rde man die beiden Gegenst�nde am Pfahl aufh�ngen. Beide bestanden aus Leder. Der eine war die Darstellung eines Kailiauk. Der andere zeigte den Umri� eines Mannes mit einem �bertrieben gro�en Phallus. Ich mu�te an die Medizin des Stammes und an den gro�en Tanz denken, der darum herum stattfinden sollte. Die Medizin des Stammes und der Tanz hatten offenbar unmittelbar mit der Jagd, mit Fruchtbarkeit und Mannbarkeit zu tun. F�r die roten Wilden ist die Medizinwelt etwas sehr Reales.</p><p>�Du kannst aufstehen�, sagte Cuwignaka zu Winyela, die sich erstaunt umsah und zu ihrem Herrn Canka eilte, der sie liebevoll vor sich in den Sattel zog.</p><p>Unterdessen hatte man Seile an dem Baumstamm festgemacht. Cancega mit seinem Medizinstab trat an die Spitze einer Prozession, in deren Mitte der Stamm, von etlichen Kaiila gezogen, auf den Weg zum Lager gebracht wurde.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>�Es ist fast soweit! Aufwachen!� rief Cuwignaka und sch�ttelte mich an der Schulter. �Bald ziehen wir los.�</p><p>Ich lie� mich in meiner Robe herumrollen und �ffnete die Augen. Ich sah die Zeltst�be, die �ber meinem Kopf zusammentrafen, die allesumschlie�enden Felle. Der Himmel, den ich durch das Rauchloch sehen konnte, war beinahe noch schwarz.</p><p>�Beeil dich!� dr�ngte Cuwignaka.</p><p>Ich warf die Felle zur Seite und richtete mich auf. Im vagen Licht erblickte ich Cuwignaka, der sein Kleid �ber den Kopf streifte und aufstand, um es an sich herabzuziehen. Vor einigen Tagen hatte er die �rmel abgerissen. Wochen zuvor, noch auf dem Schlachtfeld, hatte er es gek�rzt und an der linken Seite eingerissen, um sich besser bewegen zu k�nnen. Die roten Wilden schlafen im allgemeinen nackt. Auch ich war unbekleidet � bis auf Cankas Kragen. Als Sklave durfte ich ihn nicht abnehmen.</p><p>�Wakapapi�, sagte Cuwignaka zu mir, das Kaiila-Wort f�r D�rrmasse. Ein weiches Etwas wurde mir in die Hand gedr�ckt. Ich zerkr�melte es. Im Winter k�nnen solche Fleischkuchen nat�rlich steifgefroren sein; man bricht sie in kleinere St�cke, w�rmt sie in Hand und Mund auf und i�t sie st�ckweise. Ich hob die zerbr�ckelte D�rrmasse an den Mund und a� davon. Die verschiedensten Arten D�rrmasse sind denkbar, je nach Zus�tzen von Kr�utern, Gew�rzen und Gem�se. Ein gebr�uchliches Rezept sieht etwa so aus: Kailiaukfleisch wird in kleine Streifen geschnitten, an Stangen in der Sonne getrocknet und dann fast pulverf�rmig zermahlen. Der Mischung werden dann zerdr�ckte Fr�chte beigegeben, im allgemeinen Kirschen. Das Ganze wird mit Kailiaukfett vermengt und dadurch erh�rtet, um schlie�lich in kleine, flache rundliche Kuchen zerschnitten zu werden. Der Fruchtzucker in der Mischung liefert schnelle Energie, w�hrend das Fleisch f�r langfristig wirkende wertvolle Proteine sorgt. Die Masse wird, wie das pure Trockenfleisch, roh oder gekocht gegessen. Es ist durchaus �blich, beides mit auf die Jagd zu nehmen.</p><p>�Ich schaue nach den Kaiila�, sagte Cuwignaka, �und schirre das Lastengestell an.�</p><p>Ich nickte.</p><p>Er wischte sich mit dem Unterarm �ber den Mund. Er hatte im Halbdunkel dicht neben mir gehockt, nur an seinem wei�en Kleid zu erkennen, und ebenfalls vom D�rrfleisch gegessen.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Beide Kaiila � das Tier, das ihm von seinem Bruder Canka �berlassen worden war, und die schwarze Kaiila, die fr�her mein Eigentum gewesen war und mir jetzt mit Erlaubnis meines Herren Canka von meinem Freund, dem H�ndler Grunt, �berlassen wurde � waren nur wenige Fu� von der Schwelle der Unterkunft entfernt angebunden. Die beiden Lastengestelle, die wir f�r diesen Tag vorbereitet hatten, lagen ebenfalls griffbereit. Cuwignaka hatte es eilig.</p><p>Ich sa� auf den Roben und a� D�rrmasse.</p><p>Ich h�rte, wie ringsum das Lager zum Leben erwachte. Meine Gedanken wanderten zu Sklavinnen, die ich als freier Mann besessen hatte, M�dchen wie Constance, Arlene, Sandra, Vella und Elicia. Sie alle waren hei�bl�tig und boten in ihren Sklavenkragen einen erregenden Anblick. Unter ihnen war keine, deren Lippen ein Mann nicht gern gek��t h�tte. Ich dachte an eine andere Frau, olivenh�utig, gr�n�ugig, schwarzhaarig: Talena, die versto�ene Tochter Marlenus�, des Ubar von Ar. Wie stolz sie gewesen war! Wie heftig sie mich abgelehnt hatte, als sie mich hilflos w�hnte! Trotz der r�umlichen und zeitlichen Entfernung wallte Zorn in mir auf. Ich fragte mich, wie sie sich als entkleidete, gefesselte Sklavin zu meinen F��en ausmachen w�rde.</p><p>Auf den Roben sitzend, verzehrte ich die Trockenmasse. Meine Gedanken waren bei Talena. Sie hatte einmal Rask aus Treve geh�rt. Zweifellos hatte er ihr das Los der Sklaverei beigebracht; doch war ich �berzeugt, ich h�tte einen besseren Lehrmeister abgegeben. Heute lebte sie frei, doch zur�ckgezogen und entehrt in der Stadt Ar, im Zentralzylinder, dem wom�glich bestverteidigten Turm in jener riesigen Stadt. Ein unm�glicher Gedanke, sie dort herauszuholen! Nein, ich mu�te sie mir aus den Kopf schlagen. Ich erinnerte mich an ihre Eitelkeit und Arroganz, an ihren Stolz. Im Zentralzylinder war sie vor den Armfesseln und Schlingen r�ubernder Tarnreiter sicher. Gewi� kam dort niemand an sie heran. Ich dachte an den Spott, die Verachtung, die sie mir bezeugt hatte.</p><p>Eines Tages, so �berlegte ich, mochte ich in Ar mein Gl�ck versuchen. Angeblich gibt es dort gutaussehende Frauen. Ich fragte mich, ob sich nicht in meiner eigenen Festung ein Platz f�r eine solche Frau finden lie�e, zum Beispiel in meiner K�che. Nat�rlich konnte ich sie auch als wertloses Etwas, das mich pers�nlich nicht im geringsten interessierte, einem der unw�rdigsten und geizigsten Tavernenwirte Port Kars �berlassen. Dieser Gedanke am�sierte mich.</p><p>Ich kaute die letzten Brocken D�rrfleisch.</p><p>�Bist du noch nicht fertig?� fragte Cuwignaka, der ins Zelt zur�ckkehrte. �Bist du noch nicht angezogen?�</p><p>�Gleich�, sagte ich.</p><p>Ich streckte den Arm aus, nahm meine Tunika und zog sie mir �ber den Kopf. Dann stand ich auf und zupfte den Stoff zurecht.</p><p>Cuwignaka verschwand wieder nach drau�en.</p><p>Die D�rrmasse hatte mich durstig gemacht.</p><p>�Bereitet eure Pfeile vor!� h�rte ich einen Ruf au�erhalb. �Bereitet eure Pfeile vor! Ebenso die Messer! Wir werden Fleisch erringen! Wir werden Fleisch erringen!� Ein Ausrufer der Sleensoldaten mit Namen Agleskala, Gestreifte Echse, wanderte durch das Dorf.</p><p>Ich schob mich zur Seite und tastete nach dem Wasserbeutel. Es war ein Beutel, den ich auf meiner Pack-Kaiila mitgebracht hatte. Da� der Beutel und etliche andere Utensilien und G�ter im Zelt lagerten, war Grunt zu verdanken. Verschiedene andere Dinge waren von Canka an Cuwignaka oder andere Mitglieder der Isbu verschenkt worden, im allgemeinen an Kampfgef�hrten. Das eigentliche Fellzelt war ihm von Akihoka geschenkt worden. Mann-der-geschickt-ist, einem von Cankas besten Freunden. Bei den roten Wilden geh�rt es zu den guten Sitten, f�reinander einzustehen. Unser Haushalt war zwar etwas bescheiden ausgestattet, aber es reichte. Eine Robe kam sogar von Mahpiyasapa, dem Zivilh�uptling der Isbu, der auf diese Weise mit gutem Beispiel vorangegangen war und damit, was aus Cuwignakas Sicht noch wichtiger war, sein Recht auf weitere Stammeszugeh�rigkeit bekr�ftigt hatte.</p><p>Drau�en bewegten sich mehrere Kaiila vorbei. Wahrscheinlich Kundschafter, die mit den Herdenwachen Kontakt aufnehmen wollten.</p><p>Ich fragte mich, warum die Kailiauk dieses Jahr so fr�h kamen.</p><p>Langsam blickte ich mich im Fellzelt um, das keinen untypischen Anblick bot. Die St�tzstangen waren etwa f�nfundzwanzig Fu� lang. Sie bestanden aus Tem-Holz, das gute Trocknungseigenschaften besitzt und daher sehr langlebig ist. Die Rinde wird entfernt, wenn die Stangen zugeschnitten und auf eine zumeist einheitliche Dicke gebracht werden. Ihr Umfang betr�gt im allgemeinen zw�lf Zoll. Der letzte Meter zum oberen Ende hin wird zugespitzt, um das Zusammenziehen und Festbinden zu erleichtern. Beim Bau der Unterkunft werden drei oder vier Stangen zusammengebunden und aufgerichtet, ein Gebilde, das etwa wie ein Dreifu� aussieht. Die anderen Stangen werden in entsprechendem Abstand dagegengelehnt. Eine lange Lederschnur, vom Boden ausgehend, mehrfach umwunden, verbindet schlie�lich die prim�ren und sekund�ren Stangen miteinander. Das Ende dieser Schnur h�ngt in der N�he des Eingangs, wo man im Notfall sehr schnell mit dem Abbau beginnen kann. Die Abdeckung des Zelts besteht aus mehreren zusammengen�hten Kailiaukfellen. Je nach Gr��e des Baus und der verf�gbaren Felle braucht man etwa neunzehn oder zwanzig Felle. Zwei lange Stangen, leichter als die St�tzstangen, werden an dieser Zeltdecke festgemacht. Mit Hilfe dieser leichteren Stangen wird die Decke angebracht; sie h�ngen schlie�lich in der N�he des Eingangs. Sie werden nicht nur dazu benutzt, die Felle an Ort und Stelle zu bringen, zurechtzur�cken oder zu entfernen, sondern auch um die Rauch�ffnung in der Zeltspitze zu regulieren, was nat�rlich von Au�entemperatur und Windrichtung abh�ngt. Pfl�cke halten die Felle am Boden fest. Im Winter wird noch eine Fell-Innenwand gezogen, im allgemeinen etwa f�nf Fu� hoch, im Notfall auch durch eine Art Holzzaun als Schneebremse erg�nzt. Im Sommer lassen sich die Zeltw�nde, wie erw�hnt, hochrollen und verwandeln den Bau in eine Art Sonnendach.</p><p>Das �u�ere der Unterkunft kann der Bewohner nach Belieben bemalen. Dabei werden oft Jagd- und Kampfthemen gew�hlt. Das Zelt ist also eine sehr pers�nliche Wohnstatt. Nicht alle St�mme verwenden die gleiche Zahl von Zeltstangen. Die Flieher nehmen zwanzig, die Sleen zweiundzwanzig und die Kaiila vierundzwanzig. Auch ihre Lagerpl�tze w�hlen die St�mme nach unterschiedlichen Gesichtspunkten. Die Kaiila sind meistens in der N�he von Wasser zu finden, doch im Freien, einen oder zwei Pasang vom n�chsten Wald entfernt. Sie scheinen die Gefahr eines �berfalls besonders zu f�rchten. Die Flieher ziehen es ebenfalls vor, im Freien zu lagern, doch in Waldn�he, wahrscheinlich wegen des Feuerholzes. Die Gelbmesser schlagen ihr Lager oft in d�nn bewaldeten Bereichen auf, w�hrend Sleen eine dichte Bewaldung oder gar Dickichte vorziehen. Was einem Stamm die gef�hrliche M�glichkeit eines �berfalls zu er�ffnen scheint, ist f�r den anderen der Inbegriff an Schutz und Sicherheit.</p><p>Auch die Mokassins sind bei den St�mmen unterschiedlich gestaltet. Von frischen Spuren kann man oft ablesen, ob hier ein Kaiila- oder Flieher-Mokassin entlanggegangen ist. Bei kriegerischen Eins�tzen werden solche Besonderheiten zuweilen ausgenutzt, indem man Mokassins mit feindlichen Mustern tr�gt. Die beim Zeltbau verwendeten H�ute sind nat�rlich durchscheinend, so da� man sich bei Tageslicht im Innern gut orientieren kann, w�hrend man bei Nacht von drau�en die Schatten der Bewohner erkennt. Von seinem Feuer erleuchtet, kann das Lederzelt dann einen h�bschen Anblick bieten � ein Eindruck, der sich bei einer ganzen Gruppe solcher Unterk�nfte nat�rlich verst�rkt.</p><p>�brigens geht es in einem Lager nachts gew�hnlich sehr laut zu. F�r einen Gelehrten w�re es nicht die richtige Zuflucht. Da� der rote Wilde schweigsam sei, ist ein Ger�cht, das vorwiegend auf Begegnungen in angespannter Situation zur�ckgeht, bei Konfrontationen mit Fremden, die ihm Unbehagen bereiten, oder bei Tauschgesch�ften, bei denen er auf der Hut sein mu�. In seinen D�rfern ist der Wilde offen, gut gelaunt und lebhaft. Er liebt es, zu wetten, anderen Streiche zu spielen und Geschichten zu erz�hlen. Man k�nnte ihn als den idealen Gast bezeichnen � und den bestm�glichen Gastgeber, geh�rt es doch zu seinen gr��ten Freuden im Leben, Freunde zu beschenken und zu bewirten.</p><p>Ich trank einen gro�en Schluck aus dem Wasserbeutel, den ich wieder verschlo� und an der Zeltwand verstaute. Das Zelt hat einen Durchmesser von etwa f�nfzehn Fu� und ist daher ziemlich ger�umig. In solchen Zelten haben Familien von f�nf bis acht roten Wilden bequem Platz. Gewi�, der gr��te Teil der Zeit wird im Freien verbracht, au�erdem m�gen Lebensumst�nde dem einen, der aus einer bestimmten Kultur kommt, beengt erscheinen, w�hrend sie einem anderen mit anderer Herkunft genau richtig und sogar gem�tlich erscheinen. Das Aufeinanderleben in Familie und Gemeinschaft, mit all seinen Vor- und Nachteilen, ist typisch f�r die Existenz des roten Wilden. Ich nahm nicht an, da� er es sich anders w�nschte. Gewi� kommt es vor, da� ein Mann gelegentlich die Unterkunft seiner Kriegergemeinschaft aufsucht, wohin ihm Kinder und Frau nicht folgen d�rfen. In seinem Klub, wenn man das so bezeichnen kann, findet er dann ein wenig Frieden und Ruhe, die ihm zu Hause fehlen. Au�erdem sind die Meditation und das Erstreben von Visionen und Tr�umen einsame T�tigkeiten. Man kann anzeigen, da� man meditiert, indem man sich einfach eine Decke �ber den Kopf zieht, selbst wenn dies mitten in einem �berfl�llten Lager geschieht. Dann wird der Betreffende in Ruhe gelassen. Tr�umen und Visionen geht man allerdings eher in der Wildnis nach.</p><p>�Howo, Tatankasa!� sagte Cuwignaka und schob den Kopf ins Zelt. �Komm, komm, Roter Bulle!�</p><p>�Ich komme ja schon�, sagte ich und trat ins Freie. Obwohl es noch v�llig dunkel war, vermochte ich Gestalten auszumachen, die sich ringsum bewegten. Cuwignaka hatte die beiden Lastengestelle bereits angeschirrt.</p><p>Im Lager herrschte ein aufgeregtes Durcheinander. Ich verschwand zwischen zwei Zelten.</p><p>�Wo hast du gesteckt?� fragte Cuwignaka bei meiner R�ckkehr.</p><p>�Was glaubst du?� fragte ich. �Ich bin dem Ruf der Natur gefolgt!�</p><p>Zwei rote Wilde ritten vorbei. Es waren Sleensoldaten. In einem der beiden erkannte ich Hci.</p><p>�Wir brechen jeden Moment auf�, sagte Cuwignaka. �Das bezweifle ich�, widersprach ich. Hci zog seine Kaiila herum und lie� sie vor uns halten. Er trug eine lange Lederhose und Mokassins. Um seinen Hals baumelte ein Band aus Sleenklauen, und das Haar war zu Z�pfen geflochten. An der linken H�fte f�hrte er den noch nicht gespannten Bogen und einen K�cher mit Pfeilen. Am G�rtel steckte ein Messer in einer perlenbesetzten Scheide. Hcis Kaiila besa� ein Zaumseil, das hinten �ber den Hals f�hrte; ein Hilfsmittel, das beim Kampf oder auf der Jagd allerdings kaum benutzt wird. Der Reiter lenkt das Tier vorwiegend mit den Knien. Auf diese Weise sind seine H�nde frei f�r den Einsatz des Bogens oder anderer Hilfsmittel. �ber dem Hals h�ngt allerdings ein loses St�ck Seil, das seitlich hinter die Kaiila geworfen wird. Sollte der Reiter im Gewirr der Jagd zu Boden m�ssen, kann er sich vielleicht die Kontrolle �ber sein Tier zur�ckholen, indem er das Seil oder einen Steigb�gel packt und hastig wieder aufsteigt. Hci ritt �brigens ein ausgezeichnetes Tier, was durch die eingekerbten Ohren angezeigt wurde. Bei erstklassigen Tieren werden beide Ohren gekennzeichnet.</p><p>�Denk daran, h�bsche Siptopto�, sagte Hci sp�ttisch zu Cuwignaka, �du darfst nicht mitjagen! Du mu�t dich im Hintergrund halten. Deine Aufgabe ist es, mit den anderen Frauen Fleisch zu schneiden.� �Siptopto� war ein beleidigender Spitzname, den Hci manchmal gegen�ber Cuwignaka benutzte, ein Name, wie er einer Sklavin gegeben werden konnte. Das Wort bedeutete �Perlen�.</p><p>�Ich bin keine Frau�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du h�ltst dich beim Jagen im Hintergrund�, sagte Hci. �Du wirst mit den anderen Frauen Fleisch schneiden. Du und dein Sklave.�</p><p>Dann drehte Hci seine Kaiila und folgte den anderen Reitern.</p><p>�Bereitet eure Pfeile vor!� wurde gerufen. �Bereitet eure Pfeile vor! Sch�rft eure Messer! Sch�rft eure Messer! Wir werden Fleisch erringen!� Langsam ritt Agleskala, der Ausrufer der Sleensoldaten, durch das Lager.</p><p>Hinter ihm folgten in einer Reihe etliche J�ger aus der Gemeinschaft der Sleensoldaten. Sie waren �hnlich wie Hci gekleidet und ausger�stet. Zwei M�nner aber trugen anstelle von Pfeil und Bogen kurze breite Jagdlanzen.</p><p>Hinter den Soldaten, sorgsam darauf bedacht, nicht zu weit nach vorn zu geraten, erschienen die ersten J�ger und passierten uns auf ihren Reittieren.</p><p>Einige Meter weiter vorn wartete bereits eine Gruppe von Kaiilareitern, unter ihnen ein �lterer Mann, Mitglied der Sleensoldaten. Er richtete das Wort an eine Gruppe von f�nf oder sechs jungen M�nnern, beinahe noch Knaben. F�r sie war dies wohl die erste Jagd, die sie nicht nur aus der Ferne verfolgen durften, sondern bei der sie sich auch zwischen die Tiere begeben mu�ten. Ich schritt aus, bis ich verstehen konnte, was gesprochen wurde. �Denkt daran�, sagte der �ltere Mann, �ihr jagt heute nicht f�r euch. Ihr jagt f�r andere. Sicher wird es J�ger geben, die heute keine Beute machen. Ihr werdet f�r sie jagen. Und dann jene in den Lagern, die zu schwach und zu gebrechlich sind. Eure Jagd gilt auch ihnen. Und dann die Kranken und Verwundeten. F�r sie alle und viele andere, f�r M�nner, die weniger gut dran sind als ihr, geht ihr heute auf die Jagd. Denkt immer daran, da� dies alles nicht nur f�r euch geschieht. Man jagt niemals f�r sich allein. Man jagt f�r die Kaiila.�</p><p>�Howe, howe!� riefen die Jungen.</p><p>�Gute Jagd!� sagte er zu ihnen. �Oglu waste! Viel Gl�ck!�</p><p>Dann zogen alle die Kaiilas herum, um ihren Platz in der Jagdgruppe einzunehmen.</p><p>Die Beute seiner allerersten Jagd schenkt ein Junge an andere weiter. Nur die Zunge des ersten Tieres, das beliebteste Fleisch, steht ihm f�r seine T�chtigkeit und seinen Mut zu. Diese Sitte scheint die jungen Leute von Anfang an dazu anregen zu wollen, die geb�hrende Gro�z�gigkeit und Fairne� des Kriegers zu �ben.</p><p>Ich kehrte zu Cuwignaka zur�ck.</p><p>�Wir ziehen bald los�, sagte er.</p><p>�Ich glaube, du hast recht�, erwiderte ich.</p><p>Bei einer solchen Jagd werden die Zelte �brigens nicht abgebrochen. Die Pte, eine Herde dieser Gr��e, bewegt sich so langsam, da� sie drei oder vier Tage lang in Reichweite sein w�rde. Nat�rlich lie�e sich das gesamte Lager der roten Wilden schnell aufl�sen; es dauert weniger als zwanzig Ehn, bis ein solches Lager eingerissen, verpackt und weitergezogen ist. Nat�rlich hat dies auch mit der Bauweise der Zelte zu tun. Ohne Hilfe vermag eine Frau einen solchen Bau in f�nfzehn Ehn zu errichten � und in drei Ehn wieder einzurei�en.</p><p>�Canka�, sagte Cuwignaka beim Anblick des Bruders, der seine Kaiila vor uns verhielt.</p><p>�Sei gegr��t, mein Bruder!� erwiderte Canka.</p><p>�Sei gegr��t, Bruder!� rief Cuwignaka fr�hlich. �Was gedenkst du heute fr�h zu tun?�</p><p>�Ich glaube, ich sehe mir mal die Pte an�, antwortete Canka l�chelnd.</p><p>�Wo ist Winyela?� erkundigte sich Cuwignaka. �Reitet sie mit? Soll sie uns begleiten? Wir achten auf sie.�</p><p>�Sie zieht mit�, antwortete Canka. �Aber ich schicke sie mit Wasnapohdi, der Sklavin des H�ndlers Wapeton. Wasnapohdi hat die Jagd schon einmal mitgemacht und wird sich nicht zu weit vorwagen. Sie kann Winyela zeigen, wie Fleisch geschnitten wird.�</p><p>�Winyela ist eine Wei�e�, sagte Cuwignaka. �Sie wird sich beim erstenmal �bergeben. Sie wird nicht viel zustande bringen.�</p><p>�Wenn sie Fleisch verkommen l��t, wird sie bestraft�, sagte Canka.</p><p>�Du hast sie doch noch nie bestraft!� behauptete Cuwignaka.</p><p>�Wenn sie Fleisch verkommen l��t, soll sie die Peitsche sp�ren.�</p><p>�Gut�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Wie ich sehe, kleiner Bruder, willst du auch mitziehen.�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Komm nicht zu nahe an die Herde heran!�</p><p>�Nein, keine Sorge!�</p><p>Cankas Warnung machte mich ein wenig nerv�s. Bisher hatte ich angenommen, da� allein die J�ger sich in Gefahr begaben. Aber nat�rlich war nicht ausgeschlossen, da� die Herde oder Gruppen von Kailiauk Haken schlugen oder im Kreis liefen, womit sie dann in die N�he der Transportgestelle und Frauen geraten konnten. In einem solchen Fall mu�te man sofort die Haltegurte der Gestelle durchschneiden, aufsteigen und so schnell wie m�glich verschwinden. Gewi�, am gef�hrdetsten waren nat�rlich die J�ger, die zwischen die dahinlaufenden Ungeheuer reiten und ihren Todessto� anbringen mu�ten, wenn sie knapp au�erhalb der Reichweite der Dreizack-H�rner waren, beinahe dicht genug heran, um das Tier zu ber�hren.</p><p>�Du und Tatankasa, ihr werdet dort drau�en allein sein. Ich kann mich nicht in eurer N�he aufhalten.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Nimm dich vor Hci in acht!� sagte Canka warnend.</p><p>�Gewi߫, best�tigte Cuwignaka, und mir str�ubten sich die Nackenhaare.</p><p>�Hast du einen meiner Pfeile gesehen?� fragte Canka. �Einer fehlt.�</p><p>�Nein�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Ich mu� ihn verlegt haben.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich mu� an meinen Platz�, sagte Canka.</p><p>�Ich w�nsche dir eine gute Jagd�, sagte Cuwignaka. �Sei vorsichtig! Oglu waste!�</p><p>�Oglu waste!� gab Canka zur�ck und ritt weiter.</p><p>Agleskala machte seine dritte und letzte Runde durch das Lager und schrie seine Botschaft hinaus. �Wir werden Fleisch erringen!�</p><p>Mehrere Reiter fielen in diese Worte ein.</p><p>�Wir werden Fleisch erringen!� rief auch Cuwignaka fr�hlich.</p><p>Die Reihe der Sleensoldaten, die vor Beginn der Morgend�mmerung von keinem J�ger �berholt werden durfte, verlie� das Lager. Ihr folgten die J�ger aus den Reihen der Isbu, Casmu, Isanna, Wismahi und Napoktan, jeweils in F�nferreihen. Von den Hufen ihrer Kaiila stieg Staub auf. Dann kamen die Frauen mit Kaiila und Transportgestellen, deren schleifende Stangen Spuren in den Staub malten. Dieser Gruppe schlo� sich Cuwignaka an, und ich folgte ihm.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>�Bitte�, sagte Wasnapohdi, �hilf mir!�</p><p>Wir halfen ihr dabei, den m�chtigen Stier im Gras auf den Bauch zu drehen, indem wir die Beine ausw�rts zogen. Weibliche Tiere, die leichter waren, wurden im allgemeinen auf der Seite liegend geh�utet und dann gewendet, manchmal mit Hilfe von Kaiila und Seilen, die an den Beinen festgemacht waren.</p><p>Wasnapohdi bohrte das Messer in den Nacken und vollf�hrte den ersten Schnitt, von dem aus die Haut allm�hlich zur�ckgeschlagen werden sollte, um auf jeder Seite die Schulterteile freizulegen. Danach konnte dann die Haut auf �bliche Weise durch die Mitte geschnitten werden.</p><p>Die J�ger hatten dem Tier bereits die Leber genommen � eine Delikatesse, die gew�hnlich roh verzehrt wird.</p><p>�Wie macht sich Winyela?� fragte ich und schaute auf das M�dchen, das mit gesenktem Kopf abseits im Gras kniete.</p><p>�Ihr ist �bel�, antwortete Wasnapohdi.</p><p>Ich n�herte mich dem M�dchen. In ihrer N�he roch es nicht besonders angenehm.</p><p>�Wie geht es dir?� fragte ich.</p><p>�Alles in Ordnung�, erwiderte sie. �Nicht mehr lange, dann werde ich weiterhelfen.�</p><p>�Du bist eine Frau, Winyela�, sagte Wasnapohdi, die �ber ihrer Arbeit schwitzte. �Du mu�t dies lernen.�</p><p>�Ich versuche es gleich noch einmal�, sagte Winyela.</p><p>�Dort dr�ben liegt eine Kuh�, sagte Wasnapohdi, die auf dem R�cken des Tiers kniete und das blutige Messer hob. �Einer von Cankas Pfeilen hat das Tier get�tet. Ich lasse sie an dem Tier arbeiten. Sollte sie sich ungeschickt anstellen, kann er sie r�cksichtsvoll behandeln, da es sich um sein eigenes Beutest�ck handelt.�</p><p>�Glaubst du, er wird sie r�cksichtsvoll behandeln?� fragte ich.</p><p>�Nein�, sagte Wasnapohdi und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.</p><p>�Ich habe keine Angst�, stellte Winyela fest.</p><p>�Ach?� machte ich.</p><p>�Nein. Was immer ich auch tue, Canka wird mich niemals bestrafen.�</p><p>�Wie kommst du darauf?�</p><p>�Er mag mich.�</p><p>�Und du ihn?� fragte ich.</p><p>�Ich liebe ihn�, sagte sie. �Sehr sogar, mehr als alles andere auf der Welt.�</p><p>�K�hne Sklavin!�</p><p>�Gleichwohl�, sagte Wasnapohdi �chzend und bewegte das Messer, �solltest du nicht �berrascht sein, die Peitsche zu sp�ren.�</p><p>�Das w�rde mir Canka niemals antun!�</p><p>Ich l�chelte. Das M�dchen schien noch nicht zu begreifen, was es bedeutete, Sklavin zu sein. Wu�te sie nicht, da� sie der absoluten Disziplin unterlag und da� jeder Herr ihr seinen Willen aufzwingen konnte? Die Herrschaft �ber Sklaven ist keine willk�rliche oder unausgegorene Angelegenheit. Sie stellen ein Besitztum dar. Sie dienen. Wenn nicht, werden sie bestraft.</p><p>�Vielleicht bin ich zu h�bsch, um geschlagen zu werden�, sagte Winyela.</p><p>�Darauf w�rde ich mich nicht verlassen�, �u�erte Wasnapohdi gereizt.</p><p>�Jedenfalls glaube ich, da� Canka mich mag�, sagte Winyela.</p><p>�Hilf mir lieber, das geschnittene Fleisch auf das Transportgestell zu legen!� sagte Wasnapohdi.</p><p>�Mu� ich es dazu ber�hren?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das m�chte ich lieber nicht.�</p><p>�Vielleicht wird Canka dich nicht schlagen�, sagte Wasnapohdi, �aber ich versichere dir, ich h�tte keine Skrupel in dieser Richtung. Beeil dich! An die Arbeit, sonst besorge ich mir einen Knochen und gerbe dir die Haut.�</p><p>�Wasnapohdi kann manchmal ziemlich vulg�r sein�, sagte Winyela zu mir und stand auf.</p><p>�Gehorchst du endlich?� fragte Wasnapohdi.</p><p>�Ja�, sagte Winyela und hob stolz den Kopf.</p><p>Und prompt wurde ihr ein zehn Pfund schwerer blutiger Fleischbrocken in die widerstrebenden H�nde geschoben.</p><p>�Und sp�ter�, befahl Wasnapohdi, �wirst du die Kuh dort dr�ben zerteilen. Ich zeige dir, wie man das macht.�</p><p>�Das brauchst du nicht�, sagte Winyela. �Ich habe schon gesehen, wie es geht.�</p><p>Und sie wandte sich um und brachte das Fleisch zum Transportgestell. Ich nahm Wasnapohdi einen anderen Brocken ab und folgte ihr.</p><p>�Sei kein Dummkopf!� sagte ich zu dem M�dchen, als wir unsere Lasten abluden. �La� dir von Wasnapohdi helfen. Sie ist deine Freundin.�</p><p>�Ich schaffe das allein�, beharrte Winyela. �Und wenn es mir nicht gut gelingt, ist es auch egal.�</p><p>�Dessen solltest du dir nicht zu sicher sein.�</p><p>�In Cankas Zelt kann ich tun und lassen, was ich will.�</p><p>�Vielleicht sollte man dich daran erinnern, da� du Sklavin bist�, sagte ich.</p><p>�Das ist absurd! Ich wei� nat�rlich, da� ich Sklavin bin!�</p><p>�Aber wei�t du das auch im Herzen, in deinem innersten Feuer?�</p><p>Verwirrt sah sie mich an. �Canka wird mich niemals schlagen�, sagte sie und zog ein St�ck Leder �ber das Fleisch, um es vor den Fliegen zu sch�tzen.</p><p>Ich sah mich um. Von hier vermochte ich mindestens ein Dutzend erlegte Tiere auszumachen, die wie dunkle H�gel auf der Ebene lagen. Hier und dort waren Frauen am Werk und verstauten Fleisch auf ihren Transportgestellen.</p><p>�Cuwignaka und ich m�ssen weiterarbeiten�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche dir auch alles Gute, Sklave�, sagte sie.</p><p>�Ich dir auch, Sklavin.� Und ich kehrte zu Cuwignaka zur�ck.</p><p>�Komm, Winyela!� rief Wasnapohdi. �Das Fleisch mu� verstaut werden!�</p><p>�Ich komme!� antwortete Winyela.</p><empty-line/><p>�Ah, was f�r ein h�bsches M�dchen!� rief Bloketu, die Tochter Watonkas, des H�uptlings der Isanna-Kaiila. �Aber warum tr�gt sie das Kleid einer Wei�en?�</p><p>�Vielleicht ist sie eine wei�e Sklavin?� fragte Iwoso.</p><p>�Sei gegr��t, Bloketu. Und du ebenfalls, Iwoso�, sagte Cuwignaka grinsend.</p><p>�Du hast schon viel Fleisch verarbeitet�, stellte Bloketu anerkennend fest.</p><p>�Wir waren schon viermal im Dorf�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ich stellte fest, da� Bloketu und Iwoso davon angemessen beeindruckt waren.</p><p>�Wievielmal wart ihr schon im Dorf?�</p><p>�Einmal�, sagte Bloketu.</p><p>Dies �berraschte mich nicht. Im Verlauf des Nachmittags hatten wir so manchen J�ger zur�ckkommen und mit ihr plaudern sehen. Bloketu war eine Sch�nheit � und eine H�uptlingstochter.</p><p>�Iwoso arbeitet langsam�, sagte Bloketu.</p><p>�Gar nicht!� protestierte Iwoso.</p><p>�Du bist faul und umst�ndlich, Bloketu�, sagte Cuwignaka. �Das ist doch allgemein bekannt. Du kokettierst doch lieber mit den J�gern herum, als deine Arbeit zu tun.�</p><p>�Oh!� rief Bloketu. Iwoso hatte den Kopf gesenkt und l�chelte.</p><p>�Es gen�gt eben nicht, nur sch�n zu sein�, fuhr Cuwignaka fort.</p><p>�Wenigstens h�ltst du mich f�r sch�n�, sagte Bloketu ein wenig bes�nftigt.</p><p>�Das gen�gt aber nicht�, stellte Cuwignaka fest. �Wenn du meine Frau w�rst, w�rdest du hart arbeiten. Und wenn nicht, w�rdest du das schnell sp�ren. O ja, ich w�rde dich t�chtig rannehmen, au�erhalb des Zeltes und drinnen noch mehr.�</p><p>�Oh!� rief Bloketu zornig. �Aber ich bin die Tochter eines H�uptlings!�</p><p>�Du bist eine Frau.�</p><p>�Komm, Iwoso, gute Zofe! Wir wollen gehen. Wir brauchen uns das Gerede dieses dummen M�dchens nicht anzuh�ren.�</p><p>�Du w�rdest eine ausgezeichnete Sklavin abgeben, Bloketu�, sagte Cuwignaka. �Es w�re wahrscheinlich sehr angenehm, dich in einen Sklavenkragen zu stecken.�</p><p>Mit funkelnden Augen schaute Iwoso ihn an. Dann senkte sie wieder den Kopf. Ich verstand diese Reaktion nicht.</p><p>�Oh, oh!� rief Bloketu, vor Zorn fast sprachlos.</p><p>�Halt!� sagte ich zu Cuwignaka. �Hci kommt.�</p><p>Durch das hohe Gras ritt der junge Sleensoldat herbei, Sohn Mahpiyasapas, des Isbu-H�uptlings. �Du bist zu dicht an der Herde�, sagte Hci zu Cuwignaka. Ich war ziemlich sicher, da� das nicht stimmte, und lie� mich dabei von den Bodenersch�tterungen, von dem aufwirbelnden Staub und der Richtung der Spuren leiten.</p><p>�Hci, man hat mich beleidigt�, wandte sich Bloketu an den jungen Mann und deutete auf Cuwignaka. �Bestraf ihn!�</p><p>�Sie?� fragte Hci.</p><p>�Sie!� berichtigte sich Bloketu und kehrte damit zu der im Stamm vorgeschriebenen Anrede f�r Cuwignaka zur�ck.</p><p>�Was hat sie denn gesagt?� wollte Hci wissen.</p><p>�Da� ich faul und umst�ndlich sei!� rief Bloketu. �Und da� sie mich in ihrem Zelt schon an die Arbeit schicken w�rde.�</p><p>�Ach?� fragte Hci. Sein Blick war auf die h�bsche Iwoso gerichtet.</p><p>�Sie ist nur meine Zofe�, sagte Bloketu.</p><p>�Wo ist ihr Kragen?� wollte Hci wissen.</p><p>�Ich habe ihr keinen gegeben.�</p><p>�Sie ist kein Kind mehr und sollte den Kragen und die Kleidung einer Sklavin tragen.�</p><p>Iwoso senkte �rgerlich den Blick.</p><p>�Frau der Gelbmesser�, sagte Hci bitter.</p><p>Sie schaute zu ihm empor.</p><p>�Ein Krieger der Gelben Messer hat mir dies angetan�, sagte der junge Mann und deutete auf die lange, ausgerissene Narbe an seiner linken Kinnseite.</p><p>�Da hat er gut getroffen!� sagte Iwoso nachdr�cklich.</p><p>�Danach lebte er nicht mehr lange�, erwiderte Hci und wandte sich wieder Bloketu zu.</p><p>�T�te sie!� verlangte Bloketu und deutete auf Cuwignaka.</p><p>�Ich bin Krieger�, sagte Hci. �Ich mische mich nicht in Frauenstreitigkeiten ein.�</p><p>�Oh!� rief Bloketu �rgerlich.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Nach meiner Auffassung hatte Hci die Angelegenheit richtig geregelt. Es w�re gewi� unter seiner W�rde gewesen, in einer solchen Frage mitzureden. Als Sleensoldat hatte er am Tag der Jagd Wichtigeres zu bedenken als die verletzte Eitelkeit einer Frau.</p><p>�Die Herde ist zu nahe�, wiederholte Hci. �Ihr m��t alle von hier verschwinden.�</p><p>Wir machten Anstalten, seinem Befehl nachzukommen.</p><p>�Getrennt�, forderte Hci.</p><p>Wieder begannen sich mir die Nackenhaare zu str�uben.</p><p>�Dort�, sagte Hci und wies nach S�dwesten, �liegt ein erlegter Stier, drei�ig Winter alt, ein Bruchhorn.�</p><p>�Der bringt weder gutes Fleisch noch gutes Leder�, sagte Bloketu ratlos.</p><p>�K�mmere dich darum, Bloketu!� forderte Hci.</p><p>�Ja, Hci�, antwortete sie. Bloketu und Iwoso spornten ihre Kaiila an, die die Lastengestelle hinter sich her schleppten. Ich sah zu, wie das Gras hinter den Stangen wieder hochfederte. Schon in wenigen Minuten w�rde nur noch ein erfahrener Spurensucher, auf abgebrochene Halme achtend, die Richtung des Abmarschs feststellen k�nnen.</p><p>�Dort dr�ben�, sagte Hci zu uns und deutete in osts�d�stliche Richtung, �befindet sich eine Senke. Darin liegt ein anderer toter Stier, nicht mehr als sechs Winter alt, ein Glatthorn.�</p><p>�Jawohl, Hci�, sagte Cuwignaka gehorsam. Ein Glatthorn ist ein junges Kailiaukm�nnchen. Seine H�rner sind vom Alter und von ausgedehnten K�mpfen noch nicht angebrochen. Die Gl�tte der H�rner ist �brigens keine reine Naturerscheinung. Die Stiere polieren sie selbst, indem sie sie an H�ngen und B�umen schaben. Manchmal treten sie mit den Vorderhufen Erde von den Oberkanten von Uferh�ngen und benutzen das freigelegte h�rtere Material als Politurmittel. Dieses Polieren hat anscheinend den Zweck, die H�rner zu reinigen und zu sch�rfen � was f�r die gesamte Kailiaukrasse von Vorteil zu sein scheint: die Sch�rfe der H�rner erh�ht die Wirksamkeit des Tr�gertiers beim Kampf, w�hrend die Sauberkeit nach dem Kampf Infektionen verhindert.</p><p>�Wenn ihr angekommen seid�, fuhr Hci fort, �werden eure Kaiila m�de sein. Ihr bindet die Transportgestelle los und la�t die Tiere grasen. Macht sie ganz in der N�he eurer Arbeit fest!�</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka �rgerlich.</p><p>�Und jetzt geht!� befahl Hci und hob den Arm.</p><p>�Jawohl, Hci!� sagte Cuwignaka.</p><p>Als der junge Sleensoldat fortritt, schwitzte ich am ganzen Leib. �Was sollte denn das bedeuten?� fragte ich.</p><p>�Das Fleisch auf unseren Gestellen�, antwortete Cuwignaka, �soll vernichtet werden.� �Ich verstehe das nicht�, sagte ich. �Wir gehen in die Senke�, sagte Cuwignaka. �Na sch�n, wie du willst�, lenkte ich ein.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Die Abendd�mmerung war nahe.</p><p>�Dies wird unsere f�nfte Fleischladung�, sagte ich.</p><p>�O ja�, antwortete Cuwignaka verbittert.</p><p>�Moment!� rief ich.</p><p>Cuwignaka hob ebenfalls den Kopf. Wir befanden uns in einer langen, ziemlich flachen Senke, deren H�nge an der Stelle, wo wir den Glatthorn bearbeiteten, ziemlich steil aufragten, links etwa zwanzig Fu�, rechts sogar drei�ig Fu� hoch.</p><p>Ich sp�rte ein Beben in der Erde unter unseren F��en.</p><p>�Sie kommen�, sagte Cuwignaka. Hastig beugte er sich zu den Lederfesseln nieder, die zwischen den Vorderbeinen unserer Kaiila gespannt waren, um ihnen eine Flucht unm�glich zu machen, und nahm den Tieren das gewundene Leder ab. Wir hatten die Kaiila bereits von den beiden Transportgestellen befreit.</p><p>�Wie viele sind es?� fragte ich.</p><p>�Zweihundert, vielleicht dreihundert�, sagte Cuwignaka und stieg leichtf��ig auf den R�cken seiner Kaiila.</p><p>Deutlich konnten wir es h�ren. Es wehte durch die Senke herbei: das dumpfe Dr�hnen, verst�rkt durch den schmalen Lehm- und Felskorridor, in dem wir uns befanden.</p><p>�Steig auf!� rief Cuwignaka. �Beeil dich!�</p><p>Ich blickte auf das Fleisch. Beinahe im gleichen Augenblick erschien an der n�chsten Biegung des Einschnittes ein Kailiaukbulle, dahinst�rmend, mit der Schulter gegen die Schluchtwand prallend, beinahe ausgleitend auf dem weichen Boden, die roten Augen weit aufgerissen, etwa zweitausendf�nfhundert Pfund schwer.</p><p>Ich sprang zur Seite, und das Ungeheuer galoppierte an mir vorbei. Ich h�tte es beinahe ber�hren k�nnen. Meine Kaiila schrie auf und versuchte mit wirbelnden Hufen die Seite der Senke zu ersteigen, ehe ich sie herumziehen konnte, sich aufb�umend, abgleitend, st�rzend und zur Seite rollend.</p><p>Ein zweiter bellender Kailiauk st�rmte vorbei.</p><p>Ich ergriff die Z�gel meiner Kaiila. Die Senke war voller Staub. Der Boden bebte unter unseren F��en. Das Dr�hnen wurde zu einem ohrenbet�ubenden Donnern, das zwischen den Erdw�llen widerhallte und �berall zu sein schien. Cuwignakas Kaiila schrie und stieg auf die Hinterhand. Zum Gl�ck behielt er das Tier im Griff. Als meine Kaiila wieder auf die Beine kam, stieg ich auf und dr�ckte es zur Seite, fort von den herbeigaloppierenden Pte. So flohen Cuwignaka und ich nur wenige Meter vor der Tierhorde, die wie ein einziger zorniger Angreifer mit gesenkten H�rnern durch die Senke flutete.</p><empty-line/><p>Etwa hundert Meter von der Senke entfernt, standen wir im Gras. Ich hatte meiner Kaiila beruhigend die Hand an den Hals gelegt. Sie zitterte noch immer. Die Masse der in Panik geratenen Kailiauk, die durch die Senke gest�rmt waren, befanden sich schon gut einen Pasang entfernt. Hier und dort liefen noch einzelne Tiere herum, von denen einige bereits wieder langsamer wurden, stehenblieben und zu grasen begannen.</p><p>�Wir wollen in die Senke zur�ckkehren�, sagte Cuwignaka und stieg auf.</p><p>Ich folgte seinem Beispiel. Im Schritt f�hrten wir unsere Kaiila in den engen Einschnitt. Der Boden war aufgew�hlt von den Hufen. Zahlreiche Abdr�cke waren sechs oder sieben Zoll tief.</p><p>�Vermutlich waren die Tiere am anderen Ende der Senke isoliert worden�, sagte Cuwignaka. �Dann holte man den Bullen heraus und jagte ihn die Senke entlang, damit er dort erlegt werden konnte, wo wir ihn fanden.�</p><p>�Ist das wirklich anzunehmen?� fragte ich.</p><p>�Ich bin davon �berzeugt�, erwiderte Cuwignaka. �Manchmal suchen Tiere in einer solchen Senke Schutz oder beginnen beim Erreichen der Vertiefung im Kreis zu gehen, um eine Zeitlang zu verweilen, vielleicht bis zum Morgen.�</p><p>�Es war eine Falle�, meinte ich.</p><p>�Nicht genau�, sagte Cuwignaka. �Wir erhielten den Befehl, die Kaiila abzuschirren. Man forderte uns auf, sie ganz in der N�he anzubinden.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Uns sollte also nichts geschehen�, fuhr Cuwignaka fort.</p><p>Langsam durchritten wir den Einschnitt.</p><p>�Das Fleisch ist fort�, sagte Cuwignaka gleich darauf. �Zerrissen, zertrampelt, verstreut.�</p><p>Hier und dort sah ich Fleischbrocken, die in den Boden gedr�ckt worden waren.</p><p>�Einen Teil k�nnten wir retten�, sagte ich. �Wir m�ssen ihn nur einsammeln und sp�ter im Lager waschen.�</p><p>�Das wollen wir den Fliegen �berlassen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Die Transportgestelle sind ebenfalls vernichtet�, stellte ich fest.</p><p>�Ja.�</p><p>Die Stangen waren zerborsten und zersplittert, die Querstreben zertreten, die H�ute eingerissen. �berall lagen Schnurst�cke und Z�gelteile herum.</p><p>Ich sah mir den aufgew�hlten Boden der Senke an, das halb in den Sand getrampelte Fleisch, die �berreste der Transportgestelle. Der tote Stier war mehrere Fu� weit mitgezerrt und betrampelt worden und lag plattgedr�ckt und halb vergraben im Schmutz. Schon ein einziger Kailiauk vermag eine geradezu be�ngstigende Kraft und Schnelligkeit zu entwickeln. Die Gewalt, die eine Herde aufbringt, �bersteigt mein Vorstellungsverm�gen.</p><p>Cuwignaka stieg ab und begann die Lederschn�re und Geschirreste der zerst�rten Transportgestelle einzusammeln, die sich noch verwerten lie�en.</p><p>�Ich helfe dir�, sagte ich, stieg ab und folgte seinem Beispiel. Unsere Kaiila bewegten sich kaum und blieben bei uns.</p><p>�Der Kopf ist noch da�, sagte Cuwignaka und deutete auf den Sch�del des Tiers, das wir ausgenommen hatten.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wenn wir hier fertig sind, bringen wir ihn aus der Senke. Nach oben auf die Ebene.�</p><p>�Sch�n�, sagte ich. �Da kommt jemand.�</p><p>Wir blickten nach rechts, wo sich die Senke seitlich fortkr�mmte. Langsam, im Schritt kam ein Kaiilareiter in Sicht.</p><p>�Hci�, sagte Cuwignaka.</p><p>Hci z�gelte sein Tier einige Meter vor uns. Bis auf die Reithose und die Mokassins war er nackt. Um den Hals trug er die Kette mit Sleenkrallen. Quer �ber die Oberschenkel hatte er seinen Bogen gelegt, an seiner linken H�fte hing der K�cher. Seine Pfeile, die man aus den toten Tieren gezogen hatte, nachdem sie den Besitzer identifiziert hatten, waren sicher schon wieder vom Blut gereinigt. Nur die Federspitzen wiesen oft noch Blutspuren auf.</p><p>�How, Cuwignaka!� sagte Hci.</p><p>�How, Hci!� antwortete Cuwignaka.</p><p>Hci sah sich in der Senke um. �Ihr habt das Fleisch verloren�, sagte er.</p><p>�Ja�, erwiderte Cuwignaka.</p><p>�Das ist nicht gut. Au�erdem sind eure Transportgestelle zerst�rt worden.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich habe euch gleich gesagt, da� ihr zu dicht an der Herde gearbeitet habt�, sagte Hci. �Ich hatte euch befohlen, diesen Ort zu verlassen.�</p><p>Cuwignaka war zornig, antwortete aber nicht. Wir wu�ten, da� Hcis �u�erungen bis zu diesem Punkt durch Bloketu und Iwoso best�tigt werden konnten.</p><p>�Aber ihr habt nicht auf mich geh�rt�, fuhr Hci fort. �Vielmehr habt ihr aktiven Ungehorsam gegen�ber einem Jagdaufseher ge�bt.�</p><p>�Warum hast du das getan?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Jetzt habt ihr Fleisch verloren.�</p><p>�Du hast es vernichtet�, sagte Cuwignaka. �Du hast das Fleisch vernichtet.�</p><p>Hci sa� gelassen auf dem R�cken seiner Kaiila. �Daf�r k�nnte ich euch beide umbringen�, sagte er. �Aber ich sehe davon ab.�</p><p>Hci sprach sicher die Wahrheit. Wir hatten ein Messer bei uns, ein Schnittmesser. Hci war beritten und verf�gte �ber seinen Bogen.</p><p>Langsam ritt Hci auf uns zu und hielt seine Kaiila erst wieder an, als er dicht bei uns war. Er deutete auf den Kailiaukkopf. �Der mu� aus der Senke geholt werden�, sagte er.</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ohne Eile ritt Hci sodann an uns vorbei, die Senke empor; die Hufe seiner Kaiila schlugen einige Steine los.</p><p>Wir beendeten unsere Arbeit und f�gten die zerrissenen Z�gelleinen und Schn�re zu Rollen zusammen, die wir uns �ber die Schulter warfen.</p><p>�Ich mu� die Isbu verlassen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich bin eine Schande f�r meinen Bruder�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Der Kopf d�rfte schwer sein�, sagte ich. �Wenn wir ihn aus der Senke holen wollen, sollten wir gleich damit beginnen.�</p><p>�Ja.� Und gemeinsam schleppten wir den Kopf zur Steppe empor und setzten ihn etwa f�nfzig Meter vom Beginn der Senke ab.</p><p>�Warum tun wir das?� fragte ich.</p><p>�Der Kailiauk ist ein edles Tier�, erwiderte Cuwignaka. �Die Sonne soll �ber ihm scheinen.�</p><p>�Das ist sehr interessant�, sagte ich.</p><p>�Was?�</p><p>�Na, die Sache mit dem Kopf. Anscheinend war es dir wie Hci sehr wichtig, den Kopf aus der Schlucht zu holen, damit er in der Sonne liege.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Begreifst du nicht? Damit ist doch bewiesen, da� ihr beide Kaiila seid, du nicht weniger als er. Ihr geh�rt beide den Isbu an.�</p><p>�Aber ich bin eine Schande f�r sie.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Ich habe Fleisch eingeb��t�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du hast kein Fleisch eingeb��t�, sagte ich. �Das war Hcis Schuld.�</p><p>�Wahrscheinlich hast du recht�, sagte Cuwignaka l�chelnd. �Aber niemand wird mir glauben.�</p><p>�Hci ist im Lager bestens bekannt�, sagte ich. �Du w�rst sicher �berrascht, wie viele Kaiilakrieger eher dir glauben w�rden als ihm.�</p><p>�Vielleicht hast du recht�, sagte Cuwignaka l�chelnd.</p><p>�Mach dir keine Sorgen!� sagte ich. �Vielmehr solltest du stolz sein.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Immerhin hast du vier Ladungen Fleisch ins Dorf transportiert. Ich glaube nicht, da� ein anderer soviel geschafft hat.�</p><p>�Ganz nett, nicht wahr?�</p><p>�Gro�artig!�</p><p>�M�nner sind immerhin st�rker als Frauen�, sagte Cuwignaka. �Sie k�nnen besser Fleisch schneiden.�</p><p>�Aber die M�nner werden f�r die Jagd ben�tigt�, sagte ich.</p><p>�Ja�, stimmte mir Cuwignaka zu.</p><p>�Und du bist ein Mann.�</p><p>�Ja, ich bin ein Mann.�</p><p>�Dann sollten wir jetzt die Kaiila holen�, sagte ich. �Es wird Zeit, ins Dorf zur�ckzukehren.�</p><p>�Vier Ladungen, das ist ganz nett, nicht wahr?�</p><p>�Gro�artig!� versicherte ich ihm.</p><p>�Ich bin bereit, ins Lager zur�ckzukehren�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Gut.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>�Er hat mich geschlagen!� jammerte Winyela und eilte zu mir. �Er hat mich geschlagen!�</p><p>�Du bist in der Gegenwart eines freien Mannes!� tadelte ich sie und deutete auf Cuwignaka. Sofort lie� sie sich auf die Knie fallen und bat Cuwignaka um Verzeihung.</p><p>Das rote Haar trug sie wie meistens offen. Bis auf Cankas Kragen war sie nackt.</p><p>�Ja�, sagte ich l�chelnd. �Wie man sieht, bist du bestraft worden.�</p><p>�Das ist aber gar nicht lustig�, sagte sie. �Ich dachte, du magst mich.�</p><p>�Du lebst noch�, stellte ich fest.</p><p>Sie blickte mich zornig an. Ich l�chelte. Anscheinend hatte die ehemalige Mi� Millicent Aubrey-Welles zum erstenmal zu sp�ren bekommen, was es bedeutet, den Zorn ihres Herrn zu erwecken. Dabei kam ihr die k�rperliche Z�chtigung beinahe ebenso schlimm vor wie die Schande in den Augen anderer.</p><p>�Du scheinst dar�ber entr�stet zu sein�, sagte ich.</p><p>�Und ob�, sagte sie.</p><p>�W�rdest du diese Erfahrung gern wiederholen?�</p><p>�Nein!� rief sie erschaudernd.</p><p>�Dann scheint die Lektion ja ganz lehrreich gewesen zu sein. Warum wurdest du geschlagen?�</p><p>�Weil ich drau�en auf der Pr�rie nicht gut Fleisch geschnitten habe�, erkl�rte sie.</p><p>�Wasnapohdi hatte dich gewarnt�, sagte ich. �Aber du wolltest dir von ihr nicht helfen lassen.�</p><p>Zornig wand sich Winyela hin und her. �Ich bin besch�mt�, sagte sie, �und w�rde mich am liebsten verstecken. Bitte la� mich in dein Zelt eintreten.�</p><p>Ich �berlegte. �Na, sch�n�, sagte ich dann.</p><p>Sie bedankte sich fl�sternd und kroch ins Innere. Cuwignaka blieb im Freien. Er hatte drei H�ute am Boden festgepflockt und kratzte sie mit einem Messer ab. �berall waren �hnliche Arbeiten im Gange, dazwischen standen Gestelle mit schweren Streifen Kailiaukfleisch, ein gewohnter Anblick im Sommerlager. Das Fleisch bleibt zwei oder drei Tage lang in der Sonne liegen, was gen�gt, um es haltbar zu machen. Zum Schutz vor der Nachtluft wird es abends hereingeholt.</p><p>In meinem Bau lag Winyela schluchzend auf den Roben.</p><p>�Reg dich nicht auf!� sagte ich. �Du bist doch nur eine Sklavin.�</p><p>�Wir stehen im Besitz unserer Herren�, fl�sterte sie. �Aber ich dachte wirklich, Canka w�rde mich nicht schlagen.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Ich hatte geglaubt, er mag mich.�</p><p>�Das d�rfte stimmen�, sagte ich. �Er hat dich ohnehin bisher mit gro�er Nachsicht behandelt, was ich f�r einen Fehler halte. Du wirst feststellen m�ssen, da� es mit seinem Gro�mut aus ist. Wenn ich mich nicht sehr irre, wird sich das Leben f�r dich in seinem Zelt sehr ver�ndern.�</p><p>�Ver�ndern?�</p><p>�Die Disziplin, der du ab sofort unterworfen sein wirst�, sagte ich, �wird dir vermutlich wenig Zweifel �ber dein Sklavendasein lassen. Sie wird hart und genau sein. Weichst du vom schmalen Grat der Vollkommenheit ab, mu�t du mit einer Strafe rechnen. Kurz, du wirst genau das erhalten, was Frauen wie du sich ersehnen und brauchen.�</p><p>Zornig senkte sie den Kopf.</p><p>�Was empfindest du gegen�ber Canka?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich hasse ihn�, sagte sie. �Gleichzeitig habe ich Angst, da� er mich nicht mehr mag.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Er war so abweisend zu mir.�</p><p>�Wahrscheinlich war er zornig auf dich.�</p><p>�Meinst du, er wird mich weggeben?�</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>Schluchzend senkte sie den Kopf.</p><p>�Wei� Canka, da� du hier bist?� fragte ich.</p><p>�Ja. Ich erhielt sogar den Befehl, mich bei dir zu melden.�</p><p>�Nicht bei Cuwignaka?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bei mir pers�nlich?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Wei�t du, was es bedeutet, wenn eine Sklavin nackt und in Fesseln zu einem Mann geschickt wird?�</p><p>�Ich kenne mich mit goreanischen Gebr�uchen nicht aus.�</p><p>�Kannst du dir den Symbolismus nicht denken? Sehr interessant.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Du bist eine sch�ne Sklavin�, sagte ich, �die Sklavin eines hohen Kriegers, der bei den Kampfgef�hrten sogar schon als Blotanhunka gedient hat.�</p><p>Sie warf den Kopf in den Nacken.</p><p>�Angeblich bist du sogar f�nf Felle des gelben Kailiauk wert�, fuhr ich fort. �Das sollte Grunt f�r dich von Mahpiyasapa erhalten.�</p><p>Sie wandte den Kopf ab.</p><p>�Warum bist du dann hierher geschickt worden, zu einem Mann, der wie du nur Sklave ist?�</p><p>�Ich soll bestraft werden�, sagte sie. �Ich habe meine Befehle. Ich soll dir f�r den Nachmittag in jeder Beziehung zu deiner Zufriedenheit dienen � als Sklavin.�</p><p>�Damit w�rst du die Sklavin eines Sklaven!� stellte ich fest.</p><p>�Ja�, sagte sie zornig. �Und nun fang an mit der Bestrafung!�</p><p>�Ich kann mir nicht denken, da� Canka dich wirklich in meinen Armen sehen will�, sagte ich. �Au�erdem finde ich, da� du schon gestraft genug bist.�</p><p>Erstaunt sah sie mich an.</p><p>�Leg dich hier auf die Felle�, sagte ich. �Ruh dich aus. Sp�ter bringe ich dich dann zu Cankas Zelt zur�ck.�</p><p>�Willst du mich nicht?� fragte sie.</p><p>�Dich sehen hei�t, dich zu begehren�, sagte ich.</p><p>�Du kannst mich haben.�</p><p>�Du liebst Canka, du geh�rst ihm.�</p><p>Daraufhin deckte ich sie mit einem kleinen Fell zu.</p><p>�Es ist aber gar nicht kalt�, sagte sie l�chelnd.</p><p>�Ich bin ein Mann�, bemerkte ich. �La� mich nicht schwach werden.� Und ich verlie� das Zelt.</p><p>Drau�en gerbte Cuwignaka noch immer seine Kailiaukh�ute.</p><p>�Wo ist Winyela?� wollte er wissen.</p><p>�Drinnen. Sie schl�ft.�</p><p>�Sie hatte sicher einen schweren Tag.�</p><p>�Bestimmt.� Ich lachte.</p><p>�Wie war sie?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich habe sie schlafen lassen.�</p><p>�Aber sie sollte sich doch bei dir melden! Was hast du dagegen, da� Canka sie dir kurzzeitig zum Geschenk macht?�</p><p>�Nichts!� sagte ich lachend. �Ich meine nur, da� sie f�r heute schon genug gestraft ist.�</p><p>�Das zu entscheiden, d�rfte aber Cankas Sache sein, nicht die deine.�</p><p>�Sicher hast du recht. Er ist ihr Herr.�</p><p>�Und du hast sie schlafen lassen! Wie r�cksichtsvoll du bist!�</p><p>�Mag sein�, sagte ich. Es war lange her, seit mich jemand r�cksichtsvoll genannt hatte.</p><p>Ich schaute mich um.</p><p>�Da hinten sind Bloketu und Iwoso�, sagte ich. �Sie scheinen uns besuchen zu wollen.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Cuwignaka und unterbrach die Arbeit an seiner Kailiaukhaut nicht.</p><p>�Wie kommt es, da� Bloketu dich so ha�t?� fragte ich.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete Cuwignaka. �Wir waren fr�her einmal befreundet.�</p><p>�Sie kommen n�her.�</p><p>Cuwignaka beugte sich noch tiefer �ber seine Arbeit. Seine Bewegungen hatten etwas Zorniges.</p><p>Nat�rlich geschieht es sehr oft, da� Frauen sich �ber ein Stammesmitglied in Cuwignakas Lage lustig machten. Bloketu schien darin allerdings ein besonders b�sartiges Vergn�gen zu haben.</p><p>�Gestern abend habe ich von Bloketu getr�umt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ach?�</p><p>�Ja, im Traum steckte ich sie in meinen Kragen und besa� sie und hatte mein Vergn�gen mit ihr.�</p><p>�Ein guter Traum�, bemerkte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ach, Iwoso!� sagte Bloketu und blieb neben uns stehen. �Hier haben wir ja das h�bsche M�dchen, das wir schon drau�en auf der Pr�rie sahen, du wei�t schon, das M�dchen in dem Kleid einer Wei�en.�</p><p>�Ich erinnere mich�, sagte Iwoso.</p><p>�Sie hatte soviel Fleisch geschnitten! Die Stangen ihres Transportgestells bogen sich durch!�</p><p>�Ja�, sagte Iwoso und blickte hinter sich, als erwartete sie, dort jemanden zu sehen.</p><p>�Aber dann war sie ein b�ses M�dchen�, fuhr Bloketu fort. �Sie war ungehorsam gegen�ber einem Sleensoldaten und verlor das ganze Fleisch.�</p><p>Iwoso lachte.</p><p>�Wie hei�t sie doch gleich? Cuwignaka, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, best�tigte Iwoso.</p><p>�Ah, Cuwignaka�, sagte Bloketu, �du kannst dich wirklich gl�cklich sch�tzen, nicht die Frau eines Kaiila-Kriegers zu sein. Von ihm h�ttest du sicher eine schmerzhafte Strafe empfangen.�</p><p>�Er ist wieder da�, fl�sterte Iwoso ihrer Herrin zu und schaute erneut nach hinten.</p><p>�Ach?� Zornig drehte sich Bloketu um.</p><p>Hci ritt auf dem R�cken seiner Kaiila herbei; er trug das Haar geflochten und ohne Federschmuck. Stumm schaute er auf die beiden M�dchen hinab.</p><p>�Folgst du uns durch das Lager?� fragte Bloketu.</p><p>�Es geht das Ger�cht, da� wir mit den Gelbmessern vielleicht bald Frieden haben�, sagte Hci.</p><p>�Das Ger�cht kenne ich�, erwiderte Bloketu.</p><p>�Die Gelbmesser sind unsere Feinde.� Hcis Blick fiel auf Iwoso.</p><p>�Wenn du Iwoso den Hof machen willst�, sagte Bloketu, �kannst du heute abend zum Bau kommen und dich hinsetzen und die Liebesfl�te spielen. Dann entscheide ich, ob ich meiner Zofe gestatte, den Bau zu verlassen.�</p><p>�Du hast sie noch immer nicht wie eine Sklavin ausstaffiert.�</p><p>�Es ist wirklich �berfl�ssig, Iwoso mit heraush�ngender Zunge zu folgen�, sagte Bloketu.</p><p>�Nicht deshalb folge ich ihr�, erwiderte Hci. �Wenn ich sie wollte, w�rde ich zu deinem Zelt kommen. Ich w�rde eine Kaiila f�r sie bieten und gleich eine Fessel mitbringen.�</p><p>�So redet man nicht, auch nicht als Sleensoldat!� rief Bloketu.</p><p>�Heute fr�h�, sagte Hci, �seid ihr beide mit Watonka aus dem Lager der Isanna geritten.�</p><p>�Er hat uns bespitzelt!� rief Iwoso.</p><p>�Ihr traft euch mit anderen Reitern�, fuhr Hci fort. �Ich habe die Spuren gefunden. Was habt ihr getan?�</p><p>�Nichts�, sagte Bloketu.</p><p>�Was waren das f�r andere Reiter?�</p><p>�Du bist doch ein erfahrener Spurenleser�, entgegnete das M�dchen. �Sag�s uns! Gewi� hast du im Staub nach Mokassinabdr�cken gesucht.�</p><p>�Niemand ist abgestiegen�, sagte Hci.</p><p>�Es waren Isanna-J�ger�, behauptete Bloketu.</p><p>�Heute fr�h haben keine Jagdgruppen der Isanna das Lager verlassen�, widersprach Hci.</p><p>�Oh�, erwiderte Bloketu.</p><p>�Das hatte Watonka pers�nlich angeordnet�, fuhr Hci fort.</p><p>�Es waren Wismahi�, sagte Bloketu.</p><p>�Nein, Krieger der Gelben Messer. Drei K�mpfer�, widersprach Hci.</p><p>�Das kannst du unm�glich wissen!� rief Bloketu unwirsch.</p><p>�Und genau zu einem solchen Anla� w�rdest du die Gelbmesser-Sklavin mitnehmen�, sagte Hci und schaute auf Iwoso. �Um mit diesen Leuten sprechen zu k�nnen.�</p><p>�Sklave!� rief Iwoso aufgebracht.</p><p>�Ja, Sklave!� sagte Hci.</p><p>Bloketu schaute sich um. �Sprich nicht so laut!� sagte sie. �Du hast recht, Hci. Es waren Gelbmesser. Und Iwoso hat uns sehr geholfen. Sie kann mit ihnen sprechen, w�hrend wir nur die Zeichensprache beherrschen. Die Krieger der Gelben Messer haben sich mit Watonka in Verbindung gesetzt. Sie wollen mit den Kaiila Frieden schlie�en.�</p><p>�Das ist ja wunderbar!� sagte Cuwignaka.</p><p>�K�mmere dich um deine Arbeit, M�dchen�, sagte Hci zu Cuwignaka, �sonst teile ich dich zum N�hen ein.�</p><p>Zornig setzte sich Cuwignaka auf die Fersen.</p><p>�Dir ist das wahrscheinlich nicht bekannt, Hci�, sagte Bloketu, �aber Mahpiyasapa und die anderen H�uptlinge wissen Bescheid. Wegen dieser Angelegenheit wird eine Ratsversammlung stattfinden.�</p><p>�Die Gelbmesser sind unsere Feinde!� sagte Hci. �Mit denen gibt es niemals Frieden. Waren es wirklich die Gelbmesser, die sich zuerst bei Watonka meldeten?�</p><p>�Ja�, antwortete das M�dchen.</p><p>�Ich kann mir das kaum vorstellen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich kenne den Stamm der Gelben Messer�, sagte Hci, und seine Hand ber�hrte unwillk�rlich die lange Narbe an der linken Wange. �Ich habe sie kennengelernt, Lanze gegen Lanze, Kn�ppel gegen Kn�ppel, Messer gegen Messer.�</p><p>�Im Leben gibt es mehr als das Sammeln von Coups�, sagte Bloketu.</p><p>�Da magst du recht haben�, entgegnete Hci und betrachtete Iwoso, die hastig den Kopf senkte. Sie war sehr h�bsch. Sie war im Alter von zw�lf Jahren von Gelbmessern erbeutet worden und inzwischen alt genug, da� sich M�nner f�r sie interessieren konnten.</p><p>�Sei unbesorgt, Hci!� sagte Bloketu lachend. �Es waren nur drei, au�erdem haben wir jetzt die Zeit der gro�en T�nze.�</p><p>W�hrend der Sommerfeste, w�hrend der Zeit der gro�en T�nze ruhen gew�hnlich alle Kriege und k�mpferischen Auseinandersetzungen auf der Pr�rie. Es ist eine Zeit des Waffenstillstandes und des Friedens. Der feiernde Stamm enth�lt sich w�hrend dieser Zeit aller kriegerischen Aktivit�ten. Entsprechend halten sich verfeindete Gruppen an diese Ruheperiode, vielleicht aufgrund der darin zum Ausdruck kommenden Vereinbarung, da� auch ihre Festzeiten geachtet werden. F�r die roten Wilden stellen die Feiern w�hrend des Sommers, wann immer sie bei den verschiedenen St�mmen anfallen, im Laufe des Jahres die einzigen Perioden dar, in denen sie politisch und territorial gesch�tzt sind. Ein alles in allem sehr fr�hlicher Zeitabschnitt. Es ist ein angenehmes Gef�hl, sich in dieser Zeit sicher zu wissen. Schon mehr als eine Kriegergruppe, die beim Vorsto� auf feindliches Land tanzende Gegner vorfand, zog sich h�flich zur�ck. Solche Dinge sind nicht ohne Vorbild. Im alten Griechenland galten gewisse Spiele, zum Beispiel die Olympischen Spiele, als Waffenstillstandsperiode, in der die Auseinandersetzungen zwischen den St�dten ruhten. Mannschaften und Zuschauer der verfeindeten poleis konnten dann ungest�rt zwischen den Stadien reisen. Bei den roten Wilden sprachen zwei weitere Gr�nde gegen ein aggressives Verhalten in dieser Zeit. Erstens minderte die Gr��e solcher Zusammenk�nfte, die Massierung des Gegners die N�tzlichkeit einer Attacke. Sich als einzelne Bande gegen eine ganze Nation zu wenden, war nicht ratsam. Zweitens gilt es als schlechte Medizin, w�hrend einer Festlichkeit zu k�mpfen.</p><p>�Man kann Gelbmessern nicht trauen!� sagte Hci.</p><p>�Es ist schon in Ordnung, Hci�, sagte Bloketu. �Wenn du willst, kannst du deinen Vater Mahpiyasapa fragen.�</p><p>Hci zuckte �rgerlich die Schultern.</p><p>�Wegen dieser Frage wird eine Ratsversammlung zusammentreten�, fuhr Bloketu fort.</p><p>Mir erschien das alles durchaus plausibel. Wenn die Gelbmesser einen Frieden anstrebten und sich deswegen mit Watonka in Verbindung gesetzt hatten � oder er sich mit ihnen �, dann war diese Zeit die beste daf�r, die Zeit der T�nze und Feiern. Die ideale Gelegenheit f�r solche Vorst��e und Anfragen und Verhandlungen.</p><p>Iwoso hob den Kopf. Hci hatte den Blick noch nicht von ihr abgewendet. Eine solche Musterung w�re nat�rlich bei einer freien Frau nicht schicklich gewesen.</p><p>�Oh!� lachte Bloketu frei heraus, als versuche sie das Thema zu wechseln. �Anscheinend hast du uns doch nicht nachspioniert, Hci. Du hast nur so getan! Du bist ein raffinierter junger Bursche! Du suchtest einen Vorwand, Iwoso zu folgen!�</p><p>�Nein!�, sagte Hci, dem solcher Spott ganz und gar nicht behagte.</p><p>�Ich wei�, da� du Iwoso attraktiv findest�, lie� Bloketu nicht locker. �Ich bemerke doch deine Blicke.�</p><p>�Sie ist eine Gelbmesser-Sklavin, weiter nichts�, sagte er.</p><p>�Sie lebt seit ihrem zw�lften Lebensjahr bei den Kaiila�, sagte Bloketu. �Sie ist genauso sehr Kaiila wie Gelbmesser.�</p><p>�Nein�, widersprach der junge Mann. �Sie ist eine Gelbmesser. Das steckt in ihrem Blut.�</p><p>�Iwoso�, wandte sich Bloketu an ihre Zofe, �vielleicht gestatte ich Hci, um dich zu werben.�</p><p>�Nein, bitte nicht!� rief Iwoso, die Hci ehrlich zu f�rchten schien. Ich sollte erst sp�ter begreifen, was es mit dieser Empfindung auf sich hatte.</p><p>�Ich werde die Entscheidung treffen�, sagte Bloketu, �ob du ihn erh�ren wirst oder nicht.�</p><p>�Nein, bitte!� flehte Iwoso.</p><p>�Willst du mir widersprechen, Zofe?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Eigentlich m��te sie mit gesenktem Kopf auf dem Boden knien�, sagte Hci.</p><p>�Ihr M�nner wollt doch nichts anderes, als uns alle zu euren hilflosen Sklavinnen zu machen�, sagte Bloketu zornig.</p><p>Ich bemerkte den Blick, der Bloketu von Cuwignaka zugeworfen wurde, und sagte mir, da� er sie in seiner Vorstellung wohl entkleide. Wahrscheinlich versuchte er sich klarzumachen, wie sie als Sklavin aussehen w�rde.</p><p>�M�chtest du Iwoso haben?� fragte Bloketu zornig.</p><p>Hci, direkt angesprochen, zuckte die Achseln. �Sie ist eine Gelbmesser�, sagte er. �Als Sklavin k�me sie vielleicht in Frage, ich wei� nicht.�</p><p>�Wenn du sie haben willst, mu�t du sie richtig umwerben.�</p><p>�Ich umwerbe keine Gelbmesserfrau�, sagte Hci. �Die bringe ich um oder stecke sie in meinen Kragen.� Mit diesen Worten spornte er seine Kaiila an und galoppierte davon.</p><p>�Was f�r ein arroganter junger Mann!� sagte Bloketu.</p><p>�Bitte la� nicht zu, da� er mich umwirbt�, flehte Iwoso.</p><p>�Ich werde tun, was mir gef�llt�, antwortete Bloketu.</p><p>�Ja, Bloketu�, sagte Iwoso.</p><p>�Du hast Angst vor ihm, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Ich h�tte schreckliche Angst, zu ihm in sein Zelt ziehen zu m�ssen.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Du bist frei, die Tochter eines H�uptlings�, sagte Iwoso. �Deshalb verstehst du meine Angst nicht. Ich bin eigentlich nur eine Sklavin.�</p><p>�Ich werde tun, was mir beliebt!�</p><p>�Bitte zwinge mich nicht, seinem Begehren nachzugeben!�</p><p>�Mach mich nicht w�tend, Zofe!� fauchte Bloketu, �sonst schicke ich dich vielleicht f�r die Nacht zu ihm! Bedenke, da� du noch nicht wichtig bist.�</p><p>Iwoso antwortete nicht. Bloketus letzte Formulierung verstand ich nicht. Wieso war Iwoso noch nicht wichtig? Ich schlo� daraus, da� etwas geschehen k�nnte, das Iwoso zu einer wichtigen Person machen w�rde. Sobald dieses Ereignis eingetreten war, brauchte sie sich vermutlich wegen Hci oder anderer Kaiila-Krieger keine Sorgen mehr zu machen.</p><p>�Warum sollte Iwoso einmal wichtig werden?� fragte Cuwignaka in diesem Augenblick und arbeitete weiter an der Tierhaut, die vor ihm gespannt war. Die Frage erschien mir angemessen. Auch wenn sie als Zofe einer H�uptlingstochter arbeitete, war Iwoso im Grunde nur eine Sklavin.</p><p>�Es ist nicht wichtig�, sagte Bloketu.</p><p>�Es hat mit den Gelbmessern zu tun, nicht wahr?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Vielleicht�, antwortete Bloketu l�chelnd. Sie mu�te sehr eitel sein, eine Eigenschaft, die Cuwignaka erkannt zu haben schien.</p><p>�Wenn Iwoso Bedeutung erlangen soll�, fuhr Cuwignaka fort, �wirst du sicher in entsprechendem Ma�e noch bedeutender werden.�</p><p>�Mag sein.�</p><p>�Und wenn du eine wichtige Position bekleidest�, sagte Cuwignaka verwirrt, �dann w�rde dein Vater Watonka sicher in eine noch wichtigere Stellung aufsteigen?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Aber was kann man Bedeutsameres sein als H�uptling der Isanna?� fragte Cuwignaka ratlos.</p><p>�Darf ich etwas sagen, Herrin?� fragte Iwoso.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wenn man es schafft, Frieden zwischen unseren V�lkern zu stiften, den Kaiila und den Gelbmessern�, sagte sie, �dann w�rde man doch vom Prestige her eine sehr wichtige Stellung innehaben.�</p><p>�Stimmt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Eine solche Tat�, fuhr Iwoso fort, �w�re mit dem Erringen von hundert Coups vergleichbar, mit der Rolle eines Oberh�uptlings der Kaiila.�</p><p>�Das stimmt in der Tat�, sagte Cuwignaka und lehnte sich neben der angepflockten Tierhaut zur�ck.</p><p>Bloketu schien erleichtert zu sein. Vage machte ich mir klar, da� Iwoso eine sehr kluge junge Frau zu sein schien.</p><p>�Und ich habe die Hoffnung�, fuhr die Zofe fort, �in dieser Angelegenheit ein wenig helfen zu k�nnen, bei diesem Friedensschlu� zwischen unseren V�lkern.�</p><p>�Deine Motive sind edel, M�dchen�, sagte Cuwignaka. �Ich hoffe, du hast Erfolg.�</p><p>�Danke�, antwortete Iwoso.</p><p>Das ganze Gespr�ch erf�llte mich mit Unbehagen, aber ich vermochte nicht genau zu sagen, was mir daran seltsam vorkam.</p><p>Cuwignaka griff nach seinem Gerbmesser und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit.</p><p>�Wir wollen zu den Zelten der Isanna zur�ckkehren, Herrin�, sagte Iwoso dr�ngend. Bisher hatte ich nicht oft geh�rt, da� sie Bloketu als Herrin anredete. Sie schien es eilig zu haben, uns zu verlassen.</p><p>�Waren wir nicht hergekommen, um dieses h�bsche M�dchen zu besuchen?� fragte Bloketu. �Dabei wurden wir von Hci gest�rt.� Anscheinend hatte sie ihre �berlegenheit gegen�ber Cuwignaka noch nicht genug ausgekostet. Ich wu�te nicht, warum sie ihn so sehr ha�te.</p><p>�Vertr�delt mit mir nicht eure Zeit�, sagte Cuwignaka, ohne von seiner Arbeit aufzuschauen.</p><p>�Du scheinst sehr flei�ig zu sein � was machst du da, h�bsches M�dchen?� fragte Bloketu.</p><p>�Ich gerbe Leder�, antwortete Cuwignaka. �Eine Arbeit, die eigentlich dir anst�nde!�</p><p>�Freches M�dchen!� rief Bloketu.</p><p>�Ich lasse mich nicht gern verspotten.�</p><p>�Du bist sehr ber�hmt�, verk�ndete die H�uptlingstochter. �Alle Kaiila kennen dich. Ebenso die Staubfu�-Krieger, mit denen wir Handel treiben.�</p><p>Cuwignaka brummte gereizt vor sich hin. Nat�rlich hatte sich seine Geschichte im �dland herumgesprochen. Zum Beispiel treiben die Staubf��e Handel mit mehreren fremden St�mmen, die wiederum mit anderen �dland-Bewohnern in Ber�hrung kommen. So sind die Staubf��e und die Flieher zwar ebenso verfeindet wie Kaiila und Flieher, doch handeln die Staubf��e mit den Sleen, die ihrerseits mit Gelbmessern und Fliehern Gesch�fte machen. Auf diesen Wegen konnte sich Cuwignakas Geschichte auch bei feindlichen St�mmen herumgesprochen haben.</p><p>�Was man vermutlich aber nicht wei߫, fuhr Bloketu fort, �ist, wie h�bsch und flei�ig du bist.�</p><p>�H�bschheit allein gen�gt nicht, auch wenn du anscheinend recht gut zurechtkommst�, erwiderte Cuwignaka.</p><p>�Wir wollen gehen, Herrin�, sagte Iwoso.</p><p>�Halt den Mund!� fauchte Bloketu. �Cuwignaka, was meinst du damit!�</p><p>�Bei den Kaiila ist allgemein bekannt�, sagte Cuwignaka, lehnte sich zur�ck und schaute das M�dchen an, �da� du zu kaum etwas taugst.�</p><p>�Oh?� rief Bloketu. Offenbar war sie erschrocken, pl�tzlich dem herausfordernden, offenen Blick des knienden Mannes ausgesetzt zu sein.</p><p>�O ja.�</p><p>�Den meisten M�nnern scheint das aber nichts auszumachen�, nahm Bloketu ihren Hochmut zusammen.</p><p>�Das liegt daran, da� du die Tochter eines H�uptlings bist.�</p><p>�Nein, weil ich sch�n bin!�</p><p>�Wer hat dir das gesagt?�</p><p>�Viele M�nner.�</p><p>�Da mu� es dunkel gewesen sein.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Man sagt dir so etwas, weil du Watonkas Tochter bist, weil die M�nner sich eine Kaiila vom H�uptling erhoffen.�</p><p>�Nein!�</p><p>Cuwignaka zuckte die Achseln, und ich mu�te l�cheln. Sehr schnell hatte er das Ruder herumgerissen und das M�dchen in die Defensive getrieben. Schon bei einem so einfachen Wortwechsel war er ihr geistig �berlegen.</p><p>�Alle sagen, da� ich sch�n bin!� rief Bloketu �rgerlich.</p><p>�Hab� ich es dir jemals gesagt?�</p><p>�Indirekt schon. Drau�en auf der Pr�rie hast du gesagt, es gen�ge nicht, nur sch�n zu sein.�</p><p>�Ach? Na, das mag schon sein. Bei den Kaiila, wo es viel zu tun gibt, gen�gt es bestimmt nicht, einfach nur sch�n zu sein.�</p><p>�Und damit gibst du zu, da� ich sch�n bin!� sagte sie triumphierend.</p><p>�Habe ich gesagt, ich spr�che von dir?�</p><p>�Nein!�</p><p>�Vielleicht meinte ich dich also gar nicht.�</p><p>�Oh!� rief das M�dchen au�er sich.</p><p>�Aber man sollte mal dar�ber nachdenken.�</p><p>�Findest du mich sch�n?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Vielleicht?�</p><p>Cuwignaka stand auf. Er trat vor Bloketu hin und schaute auf sie nieder; immerhin war er einen Kopf gr��er als sie. �Ja, Bloketu�, sagte er, �du bist sch�n.�</p><p>�Jetzt sagst du die Wahrheit!� rief sie.</p><p>�Ich werde dir noch andere Wahrheiten sagen. Du bist sch�n als freie Frau, doch als Sklavin, deinem Herrn ergeben, w�rst du noch tausendmal sch�ner!�</p><p>�Ich bin die Tochter eines H�uptlings!�</p><p>�Nur gut, da� du dem Stamm der Kaiila angeh�rst�, sagte Cuwignaka. �Sonst k�nnte ich n�mlich Lust bekommen, auf den Kriegspfad zu gehen und dich als nackte Beute zu entf�hren.�</p><p>�Oh!�</p><p>�Ich begehre dich, Bloketu�, sagte Cuwignaka. �Mich verlangt nach dir mit einer Sehnsucht, wie sie ein Mann gegen�ber einer Frau nicht st�rker empfinden kann.�</p><p>Das M�dchen machte kehrt und floh entsetzt. Sie hatte sich nicht tr�umen lassen, zum Ziel solcher Leidenschaften werden zu k�nnen.</p><p>Hastig folgte ihr die Zofe Iwoso.</p><p>Cuwignaka blickte hinter den beiden M�dchen her. �H�bsch sind sie, nicht wahr?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ob sie wohl gute Sklavinnen abg�ben?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Wen h�ltst du f�r die sch�nere, Iwoso oder Bloketu?�</p><p>�Bloketu�, antwortete ich.</p><p>�Ich auch.�</p><p>�Teile eures Gespr�chs haben mich beunruhigt�, sagte ich. �Besonders die Bemerkung, da� Watonka noch mehr Bedeutung gewinnen k�nnte.�</p><p>Cuwignaka grinste. �Ich f�rchte, in dieser Sache haben Bloketu und Iwoso nicht gerade offen gesprochen.�</p><p>�Inwiefern?�</p><p>�Anscheinend wollten sie uns glauben machen, Watonkas Erh�hung w�re weitgehend eine Sache des Prestiges.�</p><p>�W�re das denn nicht so?� wollte ich wissen.</p><p>�Prestige ist nat�rlich auch im Spiel�, sagte Cuwignaka l�chelnd, �aber zweifellos w�rden auch viele Geschenke vergeben, und dabei w�rde so manche Kaiila den Besitzer wechseln.�</p><p>�Ich verstehe!�</p><p>�Watonka ist l�ngst der reichste aller Kaiila-Krieger. W�rde es ihm gelingen, diesen Frieden einzuf�deln, was wir doch alle hoffen, wird er zweifellos viele Kaiila zum Geschenk erhalten, vielleicht tausend Tiere, Geschenke der Gelbmesser und Kaiila.�</p><p>�Aha!�</p><p>��ber seinen Herden wird sich der Himmel von Fliehern verdunkeln�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ich l�chelte. Die Position gro�er Kaiila-Herden wird zuweilen von Schw�rmen kreisender Flieher-V�gel angezeigt, die sich von den aus dem Gras aufgescheuchten Insekten ern�hren.</p><p>�So w�re Bloketu als Tochter eines solchen Mannes eine sehr wichtige Person. Und selbst Iwoso, immerhin nur Sklavin, w�rde von mehreren St�mmen gefeiert werden, ist sie doch Zofe in einem reichen Haushalt.�</p><p>Ich lachte. �Angesichts solcher Profite ist verst�ndlich, warum Bloketu und Iwoso diesen Aspekt der Angelegenheit nicht erw�hnen wollten.�</p><p>�Zumal die Angelegenheit noch in der Schwebe zu sein scheint.�</p><p>�Glaubst du, da� es zwischen den Gelbmessern und den Kaiila zum Friedensschlu� kommt?� fragte ich.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Cuwignaka. �Zumindest hoffe ich es.�</p><p>�Dort, eine h�bsche Sklavin�, sagte ich.</p><p>Das blonde M�dchen, das uns passierte, warf mir einen ver�chtlichen Blick zu.</p><p>�Sie ist mit den Isanna ins Lager gekommen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, sagte ich. Das M�dchen hatte beim Einzug in das Lager zu den Beuteschaust�cken der Isanna geh�rt. Schon damals hatte sie mir einen sehr hochm�tigen Eindruck gemacht.</p><p>Ich blickte der blonden Sklavin nach, die zwischen den Zelten verschwand. Sie bewegte sich auf eine interessante Weise.</p><p>�Du h�ttest jetzt gern ein M�dchen�, sagte Cuwignaka l�chelnd.</p><p>Ich antwortete nicht.</p><p>�Im Zelt schl�ft Winyela�, sagte Cuwignaka. �Warum weckst du sie nicht doch? Sie ist nur eine Sklavin. Au�erdem wurde sie dir zur Bestrafung geschickt.�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Man sollte eine Sklavin nicht zu weich behandeln.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Es ist Cankas Wille, da� du sie dir zu Willen machst.�</p><p>�Meinst du?�</p><p>�Nat�rlich! Er ist ein roter Wilder. Das darf dich nicht verwirren.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Er wird wollen, da� sie, wenn sie zu ihm ins Zelt zur�ckkehrt, eine bessere Sklavin ist als vorher.�</p><p>�Mag sein�, sagte ich.</p><p>�Mach sie wach, zeig ihr ihre Pflicht, la� ihr keinen Zweifel, da� M�nner ihre Herren sind.�</p><p>�Ich glaube, ich lasse sie schlafen�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Wie du willst�, meinte Cuwignaka.</p><p>�F�r einen Tag hat sie genug gelitten. Aber�, f�gte ich hinzu, �ich werde Grunt besuchen.�</p><p>�Und nach Wasnapohdi Ausschau halten!� rief Cuwignaka lachend.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Arme Wasnapohdi!�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Tut mir leid�, sagte Grunt, �aber Wasnapohdi ist nicht hier. Sie pfl�ckt gerade Beeren. Ich wei� nicht, wann sie zur�ck sein wird. Anschlie�end soll sie anderen Frauen helfen.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>�H�tte ich gewu�t, da� du sie haben willst, h�tte ich sie hierbehalten.�</p><p>�Schon gut�, sagte ich.</p><p>Wir unterhielten uns in Grunts Zelt, das ihm von seinem Freund Mahpiyasapa dem Zivilh�uptling der Isbu-Kaiila, zur Verf�gung gestellt worden war.</p><p>�Ich habe vorhin mit Cuwignaka gesprochen�, sagte ich. �Er sagte mir, da� du ihm irgendwie sorgenvoll vorgekommen w�rst.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Ja.� Grunt trug seinen gewohnten breitkrempigen Hut. F�r mich war interessant zu beobachten, da� er ihn sogar im Innern des Zeltes nicht abnahm. Ich hatte ihn noch nie ohne Hut gesehen.</p><p>�Stimmt etwas nicht?� fragte ich.</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Was ist denn los?�</p><p>�Hast du die Ger�chte geh�rt?� fragte er. ��ber die Gelbmesser? Da� sie sogar eine Delegation ins Lager schicken wollen?�</p><p>�Ich habe heute fr�h Ger�chte geh�rt, wonach m�glicherweise ein Friedensvertrag mit dem Gelbmesser-Stamm geschlossen wird. Da� die Dinge schon bis zur Entsendung einer Abordnung gediehen sind, wu�te ich allerdings nicht.�</p><p>�Es stimmt aber.�</p><p>�Dann sind die Verhandlungen ja viel weiter, als ich angenommen hatte. Es besteht wirklich die Chance, Frieden zu schlie�en!�</p><p>�Mir gef�llt das alles nicht�, sagte Grunt.</p><p>�Warum nicht? Du m��test die Aussicht auf Frieden doch begr��en.�</p><p>�Ich traue den Gelbmessern nicht.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich habe nie gute Beziehungen zu diesem Stamm gehabt�, erwiderte er.</p><p>Ich l�chelte. Grunt unterteilte die St�mme der roten Wilden in jene, mit denen er enge Kontakte pflegte, und jene, zu denen er keine gute Verbindung hatte. Gut bekannt war er mit den Staubf��en, den Kaiila und den Fliehern. Nicht so gut stand es um seine Verbindung zu den Gelbmessern. Grunt zog seinen Hut ein St�ck nach vorn, eine interessante Geste, die er offenbar ganz gedankenlos vollf�hrte.</p><p>�Sind sie wirklich soviel schlimmer als die Kaiila, die Kailiauk oder die Flieher?� fragte ich.</p><p>�Vermutlich nicht.�</p><p>�Wenn es zum Friedensschlu� kommt, bieten sich dann vielleicht sogar neue M�glichkeiten f�r den Handel.�</p><p>�Darum sollen sich andere k�mmern�, sagte Grunt gereizt.</p><p>�Du scheinst f�r die Gelbmesser nicht viel �brig zu haben.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Hassen sie dich?�</p><p>�Ich nehme es nicht an.�</p><p>�Du scheinst sie nicht zu m�gen.�</p><p>�Ja, wirklich?�</p><p>�Warum?�</p><p>�Egal, das ist nicht wichtig.�</p><p>Ich stand auf. �Wir haben bald Abend�, sagte ich. �Es wird Zeit, Winyela zu wecken und sie in Cankas Zelt zur�ckzubringen.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte Grunt.</p><p>�Ich dir auch�, erwiderte ich und empfahl mich.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Sanft legte ich dem M�dchen die Hand auf die schmale weiche Schulter unter der Felldecke. Vorsichtig sch�ttelte ich sie.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Nein. Ich mu� bestimmt noch nicht ins B�ro.�</p><p>�Aufwachen�, sagte ich.</p><p>Sie �ffnete die Augen und nahm ihre Umgebung wahr. Dann begann sie leise zu lachen. �Ich erwache nackt auf einer fernen Welt, den Sklavenkragen eines Mannes tragend�, sagte sie. �Nein, ich mu� bestimmt nicht ins B�ro.�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Sie lie� sich auf den Bauch rollen und streckte sich unter der Lederdecke. Ihr K�rper bewegte sich auf das Verlockendste.</p><p>�Die verdeckte Sklaverei deiner fr�heren Heimat hast du �berwunden�, bemerkte ich. �Dein Sklaventum kann sich hier offener ausleben.�</p><p>�Ja�, erwiderte sie.</p><p>Ich hob die Decke ein St�ck an. Das M�dchen hatte eine ausgezeichnete Figur.</p><p>Einen Augenblick lang lauschte ich den Ger�uschen des Lagers, das sich auf allen Seiten erstreckte. Irgendwo schrie ein M�dchen, vermutlich eine wei�e Sklavin.</p><p>Ich betrachtete Winyela, die vor mir lag. Ich begann zu schwitzen und zog mit verkrampften Griff die Decke wieder hoch. Ich mu�te mich beherrschen.</p><p>Sie drehte sich zur Seite und stemmte sich auf den Ellenbogen hoch, eine Bewegung, die die Decke bis zur H�fte herunterrutschen lie�. �Vielen Dank, da� du mich hast schlafen lassen�, sagte sie. �Das war sehr nett von dir.�</p><p>�Daf�r schuldest du mir keinen Dank.�</p><p>�Trotzdem m�chte ich mich bedanken.� Sie hob die Lippen den meinen entgegen, doch ich fa�te sie an den Oberarmen und hielt sie von mir fort. �Was ist?� fragte sie.</p><p>�Der Ku� einer Sklavin kann zum Prolog f�r ihre Vergewaltigung werden�, sagte ich.</p><p>�Oh�, entgegnete sie l�chelnd. �Ich liebe es, Eigentum von M�nnern zu sein. Ich finde darin Erregung und Erf�llung.�</p><p>�Du scheinst nicht mehr viel �hnlichkeit zu haben mit Mi� Millicent Aubrey-Welles, der Deb�tantin aus Pennsylvanien�, sagte ich.</p><p>�Die war doch ahnungslos! Das beste, was der im Leben widerfahren konnte, war die Versklavung auf Gor.�</p><p>�In der Tat scheinst du mir Talente zu offenbaren, die die schlichte Millicent nicht besa�.�</p><p>�Ja�, erwiderte sie. �Ich verf�ge nun �ber die Macht einer Sklavin.� Damit hatte sie recht.</p><p>�Wir m�ssen bald zu Cankas Zelt aufbrechen�, sagte ich.</p><p>�Aber du hast mich noch nicht bestraft.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Canka hatte mir eine Strafe zugedacht.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob er das wirklich so gemeint hat.�</p><p>�Nat�rlich. Er ist ein roter Sklavenherr.�</p><p>�Wahrscheinlich hast du recht�, sagte ich und mu�te daran denken, da� Cuwignaka und Grunt derselben Ansicht gewesen waren.</p><p>�Trotzdem hast du nicht die Absicht, mich zu bestrafen? Canka wollte, da� du mich besitzt. Findest du mich nicht attraktiv? Besitze ich nicht wenigstens den geringen Charme einer Sklavin?�</p><p>�Du bist attraktiv und sch�n�, erwiderte ich. �Doch letztlich liegt die Macht bei jenen, die dich besitzen.�</p><p>Ich schnipste mit den Fingern, ein Kommando, dem sie sofort nachkam, indem sie aufsprang.</p><p>�Siehst du, h�bsche Winyela, in letzter Konsequenz z�hlt mein Wille und nicht deine �Macht�.�</p><p>Langsam hob sie den Kopf. �Ganz machtlos bin ich nicht�, sagte sie l�chelnd.</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Ich werde dir zeigen, wie die Sklavin den Mann verf�hren kann.�</p><p>Pl�tzlich legte sie mir die wohlgeformten nackten Arme um den Hals und dr�ckte ihre Lippen auf die meinen. �Ai!� schrie ich erz�rnt auf. Doch ich brachte es nicht fertig, sie fortzusto�en. Sie war eine Sklavin. Es ist nicht leicht, eine Sklavin aus seinen Armen zu entlassen. Endlich l�ste ich mich von ihr. Ihr Ku�, der Ku� einer Sklavin, brannte auf meinen Lippen. Ich war w�tend. Der Ku�, zu kurz, k�stlich schmeckend, hatte mich erbeben lassen. Er war wie eine Chemikalie, ein Katalysatormittel, das mir pl�tzlich eingegeben worden war. Reaktionen und Umwandlungen, umw�lzend, zwingend, unwiderstehbar, gewaltt�tig, schienen in mir vorzugehen. Und wieder hielt sie mir die Lippen hin. �Koste noch einmal den Mund einer Sklavin, Herr�, sagte sie und schmiegte sich in meine Arme. Pl�tzlich schien es nur noch sie und das Dr�hnen meines Blutes zu geben. Im n�chsten Moment hielt ich sie in den Armen. �Siehst du meinen Kragen?� fragte sie lachend.</p><p>�Ja.�</p><p>�Gef�llt dir, wie sich die Sklavin anf�hlt, Herr?� Wieder legte sie mir die Arme um den Hals, wieder trafen sich unsere Lippen. Ich war au�er mir vor Zorn und schleuderte sie zur Seite.</p><p>�Dirne! Tier! Sklavin!� schrie ich.</p><p>�Ja, Herr!� rief sie lachend. �Ich glaube nicht, da� du mir jetzt noch widerstehen kannst.�</p><p>Mein Zorn verrauchte, und ich kniete neben ihr und hob sie in eine halb sitzende Position.</p><p>�Es wird eine gro�e Entehrung f�r mich sein�, sagte sie, �eine schlimme Strafe, von dir genommen zu werden. Denn auch du bist nur Sklave.�</p><p>�Zweifellos�, sagte ich.</p><p>�Nach den Anweisungen meines Herrn Canka�, sagte sie, �soll ich mich dir r�ckhaltlos hingeben, als Sklavin.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber auch ohne den Befehl k�nnte ich wohl nichts anderes tun, als mich dir hilflos zu ergeben, denn ich habe deine H�nde schon gesp�rt, ich wei�, da� du mich dazu bringen kannst, dir meine sklavische Hilflosigkeit hinauszuschreien. Ich bin bereit zu meiner Strafe.�</p><p>�Sch�n�, sagte ich.</p><empty-line/><p>Schlaff lag sie in meinen Armen. �Das war eine herrliche Strafe, Herr�, sagte sie.</p><p>Ich schwieg. Es hatte mir gro�es Vergn�gen bereitet, dieses M�dchen zu strafen. Es ist sehr angenehm, eine Frau in eine sich windende, hilflose Sklavin zu verwandeln.</p><p>�Ich geh�re dir f�r den Nachmittag�, f�gte sie hinzu. �Es ist noch fr�h.�</p><p>Das stimmte sicher nicht. Aber immerhin waren die Kochfeuer f�r das Abendessen noch nicht angez�ndet worden.</p><p>�Herr�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Bestrafe mich noch einmal.�</p><p>�Bittest du mich darum?�</p><p>�Ja, ich erbitte meine Strafe.�</p><empty-line/><p>�Ich liebe meinen Herrn Canka�, sagte sie.</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Ich m�chte ihm in allem gefallen.�</p><p>�Das sei dir auch geraten.�</p><p>�Da hast du recht. Aber seltsam ist es doch.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich bin Cankas Sklavin�, erkl�rte sie. �Doch liebe ich ihn so sehr, da� ich seine Sklavin sein wollte, selbst wenn ich es noch nicht w�re.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Liebe�, sagte sie, �legt jeder Frau Fesseln an, und je mehr sie liebt, desto unterworfener ist sie.�</p><p>�Mag sein�, erwiderte ich.</p><p>�Aber wenn das stimmt�, sagte sie, �m��te daraus folgern, da� keine Frau, die nicht Sklavin ist, wirklich lieben kann.�</p><p>�Ich finde, man mu� daraus schlie�en, da� jede Frau, die wirklich und wahrhaftig liebt, mit einer Sklavin gleichzusetzen ist.�</p><p>�Dann stell dir nur vor�, hauchte sie, �welche Liebe eine echte Sklavin, eine Frau, die im Eigentum ihres Herrn steht, empfinden kann. Wie hilflos sie seiner Zuneigung zu ihm ausgeliefert w�re!�</p><p>�Besitz und Unterwerfung der Frau � das ist ein nat�rlicher N�hrboden f�r die Liebe.�</p><p>�Unbedingt�, sagte sie.</p><p>�Und dem Zwang der Ketten folgt oft der Zwang der Liebe.�</p><p>�Ich rieche Kochfeuer�, sagte sie zufrieden und machte Anstalten, sich aufzurichten, doch ich dr�ckte sie grob wieder auf das Lager. �Herr?� fragte sie.</p><p>�Du scheinst begierig, in das Zelt deines Herrn zur�ckzukehren�, stellte ich fest.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Aber bis ich dich freigebe, mu�t du mir als Sklavin dienen, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Nun denn, ich werde dich gleich freigeben. Aber erst wenn ich mit dir fertig bin, stehst du auf und folgst mir gehorsam zur Unterkunft deines Herrn.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. �Ohhh. Ohhh!�</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Das kleine Biest hatte mich hereingelegt. Nun wollte ich s��e Rache an ihr nehmen.</p><p>�Ohh!� rief sie. �Ohh! Ohhhh!�</p><p>Ja, �berlegte ich, meine Rache war durchaus angemessen.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Wir standen vor Cankas Zelt.</p><p>Er trat ins Freie.</p><p>Sofort fiel Winyela, eine bestrafte Sklavin, auf ihre Knie.</p><p>�Sie hatte mein Mi�fallen erregt�, sagte Canka zu mir.</p><p>�Das wei� sie�, gab ich zur�ck.</p><p>Canka zog das M�dchen hoch. �Sie scheint nicht sonderlich gestraft zu sein�, bemerkte er.</p><p>�Ich glaube, die Disziplinierung, der sie unterworfen wurde, wird sich als ausreichend erweisen�, sagte ich. �Wenn nicht, l��t sich die Strafe immer noch verdoppeln oder verdreifachen.�</p><p>Ich schaute auf das M�dchen nieder. Ich war sicher, sie hatte ihre Lektion gelernt. Intelligente Frauen begreifen ihre Sklavinnenlektion sehr viel schneller als dumme Frauen.</p><p>�Ich hoffe, da� sie ihren Fehler nicht wiederholt�, sagte Canka und bedeutete seiner Sklavin, ihm ins Zelt zu folgen.</p><empty-line/><p>�Canka ist sehr zufrieden�, sagte Cuwignaka, der soeben ins Zelt trat. Es war der Tag nach Winyelas Bestrafung.</p><p>�Das freut mich zu h�ren�, antwortete ich. Ich mochte Canka und hatte guten Grund, ebenfalls zufrieden zu sein, war ich doch genau genommen sein Sklave.</p><p>�Er kleidet sie in weiches Tabukleder�, berichtete Cuwignaka, �kremig-wei� und durchgegerbt. Au�erdem hat er ihr Glasperlen und Mokassins geschenkt und ihr die Haare geflochten. F�r die Zeit des Festes hat er ihr das Gesicht angemalt.�</p><p>�Gro�artig!�</p><p>�Nie habe ich Canka so gl�cklich gesehen�, bemerkte Cuwignaka. �Und erst Winyela! Sie ist frohgemut, verf�hrerisch, bei bester Laune.�</p><p>�Ausgezeichnet.� Der Gedanke, an ihrer Umwandlung mitgewirkt zu haben, stimmte mich froh. Genau genommen hatte ich nichts anderes getan, als die beiden als Herrn und Sklavin endg�ltig zusammenzuf�hren.</p><p>�Auch ich sp�re das Bed�rfnis nach einer Sklavin�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Grunt w�re sicher froh, dir Wasnapohdi zu �berlassen.�</p><p>�Das stimmt schon, aber ich dachte eher an meine eigene Sklavin.�</p><p>�Wahrscheinlich k�nntest du billig eine von den Isanna erstehen�, sagte ich. �In ihren M�dchenherden gibt es so manches h�bsche Ding.�</p><p>�Ich dachte eher an eine rote Sklavin.�</p><p>�Dazu mu�t du dich auf den Kriegspfad begeben, um ein M�dchen zu erobern und sie an der Seite deiner Kaiila nach Hause zu holen.�</p><p>�Ich bin zweimal nicht auf den Kriegspfad gegangen�, erwiderte Cuwignaka, �weil ich mit den Fliehern keinen H�ndel hatte. Nun w�re es sicher ziemlich heuchlerisch von mir, aus egoistischen Motiven, nur wegen eines M�dchens, doch noch auf den Kriegspfad zu gehen und dem Feind Rache und Vernichtung zuzuteilen.�</p><p>�Vielleicht hast du recht.�</p><p>�Ich dachte auch weniger an irgendeine roth�utige Sklavin, als vielmehr an eine bestimmte.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. �Nun ja, mein Freund, den Gedanken an Bloketu solltest du dir aus dem Kopf schlagen. Sie kannst du nicht erbeuten. Sie ist eine Kaiila, au�erdem die Tochter eines H�uptlings.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Cuwignaka l�chelnd. Eine solche Frau, mochte sie auch noch so hochm�tig und frech sein, konnte f�r einen Kaiila keine Beute sein. Vor den Kaiila war sie sicher.</p><p>�Was hast du da?� fragte ich. Cuwignaka hielt einen l�nglichen Gegenstand in der Hand, der in ein St�ck Leder eingebunden war.</p><p>�Ich hab�s nicht vergessen�, sagte er lachend. �Ich bringe dir diesen Gegenstand von Canka.�</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Du darfst sie bis zum Ende der Feiern behalten. Schau!�</p><p>Und er wickelte den Gegenstand aus.</p><p>�Ah!� sagte ich.</p><p>�Canka hat sich �ber deine Arbeit mit Winyela sehr gefreut.�</p><p>�Das sieht man.�</p><p>Cuwignaka hielt mir eine schwere, geschmeidige, perlenbesetzte Kaiilapeitsche hin. Vor allem anderen war sie ein Symbol, das mir Zutritt verschaffte zu allen Sklavinnen der Kaiila, die nicht in privaten Zelten gehalten wurden.</p><p>�Ein sehr gro�z�giges Geschenk�, sagte ich.</p><p>�Er mag dich�, sagte Cuwignaka. �Au�erdem wollte er dich sowieso nie versklaven. Nur mu�te er es tun, wollte er nicht Gefahr laufen, da� du wegen meiner Befreiung angegriffen w�rdest. In Wirklichkeit wartet er wohl nur den geeigneten Augenblick ab, dich freizulassen. Als ehemaliger Blotanhunka mu� er dabei nat�rlich R�cksichten nehmen.�</p><p>�Er ist sehr gro�z�gig�, sagte ich.</p><p>�Ich glaube, er wird dir w�hrend der Feiern und der anschlie�enden Beschenkerei die Freiheit geben�, sagte Cuwignaka l�chelnd. �Jedenfalls schiene mir das der ideale Moment zu sein. Auf jeden Fall kannst du dich bei den Kaiila ab sofort ziemlich sicher f�hlen, auch ohne Kragen. Man hat sich an dich gew�hnt, au�erdem ist allgemein bekannt, da� du mein Freund bist.�</p><p>�Das ist nun wirklich eine angenehme Nachricht�, sagte ich. Schon zu lange hatte ich meine eigentliche Mission im �dland vernachl�ssigt, den Versuch, mit dem Kurii-Kriegsgeneral Zarendargar, auch Halb-Ohr genannt, Kontakt aufzunehmen. Ich mu�te ihn warnen vor dem Exekutionskommando, das unter Kogs und Sardaks Kommando � der letztere ein Blut, ein hoher Offizier der Kurii � nach ihm suchte: Die Gruppe war zwar bei dem �berfall auf den Wagenzug sehr dezimiert worden, doch hatten viele zu allem entschlossene K�mpfer �berlebt. Meine einzige Spur zu Zarendargar war eine Bilderhaut, die im Augenblick von Grunt verwahrt wurde. Dieses Leder zeigte unter anderem die Darstellung eines Schildes mit Zarendargars Bild. Der Eigent�mer dieses Schildes konnte mich hoffentlich auch zu Zarendargar f�hren.</p><p>�Au�erdem�, fuhr Cuwignaka fort, �halte ich es f�r m�glich, da� Canka nach dem Fest dir eine Frau schenken wird, die dir aushelfen und dich in den Fellen warmhalten soll.�</p><p>�Er mu� mit Winyela wirklich zufrieden sein�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Und ob! Ich sollte hinzuf�gen, auch wenn ich nicht wei�, ob dies angebracht ist, da� die beiden sehr verliebt sind.�</p><p>�Trotzdem mu� er sie als Sklavin halten!�</p><p>�Sei unbesorgt�, sagte Cuwignaka. �Canka wird daf�r sorgen.�</p><p>Ich war froh. Der Rotschopf von der Erde w�rde unter der eisernen Disziplin ihres Sklavinnendaseins auf das Sch�nste erbl�hen.</p><p>�Wie gut es uns doch allen geht!� sagte Cuwignaka. �Heute soll im Lager eine Abordnung der Gelbmesser eintreffen. Wir schreiben die Zeit der T�nze und Feiern. Canka ist gl�cklich. Du bist vielleicht bald frei, und ich, Cuwignaka, Frauenkleid, betrete morgen das gro�e Tanzzelt.�</p><p>In der Mitte des Lagers war aus Gezweig eine gro�e Tanzhalle errichtet worden. Die etwa vierzig Fu� hohen Mauern, auf Pf�hlen und Plattformen errichtet, umschlossen eine ges�uberte, festgetretene Tanzfl�che, die einen Durchmesser von f�nfzig Fu� hatte. In der Mitte dieses Raums stand der Pfahl, der aus dem k�rzlich von Winyela gef�llten Baum gestaltet worden war. In die Erde versenkt, von zus�tzlichen schweren St�mmen abgest�tzt, erreichte dieser Pfahl eine H�he von etwa zweiundzwanzig Fu�. Zwei Astgabeln waren dem Stamm gelassen worden, die eine etwa zehn Fu�, die andere f�nfzehn Fu� �ber dem Boden. In der unteren Astgabel befanden sich, zusammengerollt, der Schmuck und die Kleidung, die Winyela getragen hatte. An der oberen Gabel baumelten zwei Lederfiguren: eine Kailiaukdarstellung und die Nachbildung eines Mannes mit einem �bertrieben gro�en Phallus. Diese Bilder hatten offenbar mit dem Symbolismus und der Medizin des Tanzens zu tun. Dieser Tanz ist f�r die roten Wilden etwas Heiliges. Er stellt eine r�tselhafte Medizin dar, weshalb ich auch keine vereinfachte Deutung versuchen will. Jedenfalls hat dieser Tanz im weitesten Sinne mit Dingen wie Gl�ck, Jagd und M�nnlichkeit zu tun.</p><p>�Ich freue mich f�r dich, Cuwignaka�, sagte ich.</p><p>�Jahrelang habe ich darauf gewartet, das Tanzzelt zu betreten�, sagte er. �Der Augenblick wird einer der gr��ten meines Lebens sein.�</p><p>�Ich freue mich f�r dich�, wiederholte ich.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>�F�hrt sie vor, die rothaarige Sklavin!� forderte Mahpiyasapa, H�uptling der Isbu-Kaiila, der vor Cankas Zelt stand.</p><p>Furchtlos blickte Canka ihn an. �Winyela!� rief er.</p><p>Angstvoll kam das M�dchen aus dem Zelt und kniete neben dem Eingang nieder.</p><p>�Sie ist es�, sagte einer der M�nner, die Mahpiyasapa begleiteten.</p><p>�Sie hat am Pfahl getanzt�, sagte ein anderer.</p><p>�Ich m�chte die Frau haben�, sagte Mahpiyasapa zu Canka und deutete auf Winyela.</p><p>�Du bekommst sie nicht�, antwortete Canka.</p><p>�Sprich, Wopeton�, sagte Mahpiyasapa zu Grunt, den er mitgebracht hatte.</p><p>�Mein Freund Canka�, begann Grunt. �Die Frau wurde f�r Mahpiyasapa ins �dland gebracht. Er hat letztes Jahr eine solche Frau bei mir bestellt. F�r ihn erstand ich sie in Kailiauk an der Ihanke, und f�r ihn brachte ich sie mit nach Osten. Es war ein alter Handel, schon letztes Jahr besiegelt. Er ist dein H�uptling. Gib ihm die Frau.�</p><p>�Nein�, beharrte Canka.</p><p>�Ich sollte f�nf Felle des gelben Kailiauk f�r sie erhalten�, fuhr Grant fort. �Andererseits m�chte ich keinen Unfrieden stiften zwischen zwei gro�en Kriegern der Isbu. Gib sie an Mahpiyasapa. Ich verzichte auf die Felle.�</p><p>�Er bekommt die Frau nicht�, sagte Canka. �Nach dem Recht der Gefangennahme geh�rt sie mir. Mahpiyasapa, mein H�uptling, wei� dies sehr wohl. Mahpiyasapa, mein H�uptling, ist ein Kaiila. Er wird sich �ber die Gebr�uche dieses Stammes nicht hinwegsetzen.�</p><p>�Es soll einen ehrlichen Frieden zwischen den Kaiila und den Gelbmessern geben�, sagte Mahpiyasapa. �Watonka hat alles arrangiert. Schon wohnen Zivilh�uptlinge der Gelbmesser in seinem Zelt.�</p><p>�Was hat das mit mir zu tun?� fragte Canka.</p><p>�Du hast dich nicht richtig verhalten�, sagte Mahpiyasapa. �Die Frau geh�rt eigentlich mir. Als H�uptling k�nnte ich sie in mein Zelt entf�hren. Doch als H�uptling werde ich das nicht tun. Ich m�chte dich nicht erz�rnen.�</p><p>�Ich kaufe dir zwei andere Frauen und schenke sie dir�, sagte Canka.</p><p>�Ich m�chte aber die hier haben�, sagte Mahpiyasapa und deutete auf Winyela.</p><p>�Die geh�rt mir.�</p><p>�Ich will sie haben.�</p><p>�Sie geh�rt mir, nach dem Recht der Gefangennahme!�</p><p>Mahpiyasapa schwieg. Er war zornig.</p><p>�Es tut mir leid, H�uptling�, sagte Canka, �wenn ich mich nicht richtig verhalte. Ich bedaure, wenn ich mich auf eine Weise benehme, die mir nicht ansteht. W�rde es sich um eine andere Frau handeln, h�tte ich wohl keinen Moment gez�gert, sie gefesselt in dein Zelt zu f�hren. Diese Frau aber erweckte mein Begehren vom ersten Moment, da ich sie sah.�</p><p>�Ich will sie nicht f�r mich�, sagte Mahpiyasapa, �sondern f�r die Gelbmesser. Ich und meine Begleiter sind im Lager unterwegs und stellen Geschenke f�r die Abgesandten der Gelbmesser zusammen: Kaiila, S�ttel, Decken, Roben, Stoffe und Frauen.�</p><p>�Ich gebe dir eine Kaiila�, sagte Canka.</p><p>�Sie ist wundersch�n, und ihr Teint und ihr Haar sind in unserem Land sehr selten�, fuhr Mahpiyasapa fort. �Sie w�rde ein vorz�gliches Geschenk abgeben.�</p><p>�Sie steht weder dir noch den Gelbmessern zur Verf�gung�, beharrte Canka auf seinem Standpunkt.</p><p>�Ihre Br�ste sind zu klein�, stellte Mahpiyasapa fest.</p><p>�Ich behalte sie�, sagte Canka. �Sie geh�rt mir. Ich will sie besitzen.�</p><p>Als Mahpiyasapa die Bemerkung �ber ihre Br�ste machte, fa�te Winyela unwillk�rlich danach. Ich selbst fand ihre Br�ste wohlgerundet und im rechten Einklang mit ihren sonstigen Proportionen. Mahpiyasapa schien jedoch dem �blichen Geschmack der Wilden zu fr�nen, die schwerbr�stige Frauen vorzogen.</p><p>�Ist dies dein letztes Wort?� fragte Mahpiyasapa.</p><p>�Ja.�</p><p>Daraufhin wandte sich Mahpiyasapa um und marschierte, gefolgt von seinen Begleitern, davon.</p><p>Canka machte ebenfalls kehrt und schaute auf Winyela nieder, die am Eingang seines Zeltes kniete. Sie senkte den Kopf.</p><p>�Vielleicht solltest du mich ausliefern, Herr�, sagte sie. �Meine Br�ste sind wom�glich zu klein.�</p><p>�Red keinen Unsinn!� sagte Canka barsch. �Sie sind vollkommen. Geh kochen!�</p><p>�Ja, Herr!� rief sie fr�hlich.</p><p>�Hast du keine Angst, da� es deswegen �rger gibt?� Cuwignaka und ich hatten in der N�he gestanden und das Gespr�ch zwischen Canka und Mahpiyasapa mitangeh�rt. Wir waren zum Abendessen in Cankas Zelt eingeladen.</p><p>�Ich nehme es nicht an�, sagte Canka. �Aber machen wir uns deswegen keine Sorgen. Diese Tage dienen der Freude.�</p><p>�Morgen werde ich das Tanzzelt betreten�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich habe im Lager einen lebhaften Austausch von Geschenken beobachtet�, bemerkte ich.</p><p>�Es ist eine Zeit des Gl�cks und des Gebens�, sagte Cuwignaka. �Sogar die Kailiauk kamen dieses Jahr sehr fr�h.�</p><p>�Das stimmt�, sagte ich. Noch immer wu�te ich nicht, warum der Zug der Kailiauk so fr�h gekommen war. Noch immer r�tselte ich daran herum.</p><p>�Hattest du Freude an seiner perlenbesetzten Peitsche?� fragte Canka.</p><p>�O ja�, sagte ich, �sehr sogar.� Meine Gedanken galten der blonden Sklavin, die ich mir aus einer Sklavinnenherde herausgesucht hatte: die Sklavin, die mir in diesem Lager schon zweimal voller Hochmut begegnet war. Ich hatte sie gelehrt, was Unterwerfung unter einen Herrn bedeutete. Es war ein sehr vergn�glicher Nachmittag gewesen.</p><p>�Du darfst die Peitsche bis nach dem Fest behalten�, sagte Canka.</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>�Keine Ursache.�</p><p>�Ist das wirklich dieselbe Sklavin?� hatte einer der Sklavenbewacher mich gefragt, als ich die Blonde zur�ckbrachte.</p><p>�Ja�, hatte ich geantwortet.</p><p>�Sieht so aus, als h�ttest du eine Versklavte hier fortgef�hrt und br�chtest uns nun eine Frau, die voll und ganz Sklavin geworden ist.�</p><p>L�chelnd hatte das M�dchen neben uns gekniet.</p><p>�Wie war sie?� hatte einer der jungen W�chter gefragt.</p><p>�Lasziv und willig�, sagte ich, �hilflos, leidenschaftlich, gef�hlvoll.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte einer der M�nner.</p><p>�Vielen Dank!� rief ich und wandte mich ab.</p><p>Das blonde M�dchen winkte einmal kurz und warf mir auf goreanische Art einen Handku� zu. Ich erwiderte den Ku�. Dann machte ich mich auf den R�ckweg ins Dorf. Ich war mit Cuwignaka am Zelt Cankas verabredet. Es sollte zum Abendessen gekochtes Fleisch geben.</p><empty-line/><p>�Das war gut�, sagte ich.</p><p>�Danke, Herr�, erwiderte Winyela.</p><p>�Verdirb mir meine Sklavin nicht�, mahnte Canka.</p><p>�Entschuldigung.�</p><p>Das Essen war wirklich gut gewesen, weit mehr als nur gekochtes Fleisch, vielmehr eine mit Gem�se und Gew�rzen fein abgestimmte Mischung. Einige Zutaten, das wu�te ich, hatte sich Winyela bei Grunt erbettelt.</p><p>�Hat meinem Herrn das Essen geschmeckt?� fragte Winyela.</p><p>�Mag sein�, sagte Canka. �Vielleicht war es wirklich nicht schlecht.�</p><p>�Herr�, fl�sterte Winyela mit feuchten Augen. Er starrte sie intensiv an.</p><p>�Es war reichlich Gem�se beim Fleisch�, sagte ich zu Cuwignaka und tat, als merke ich nichts von der Spannung zwischen Canka und Winyela.</p><p>�Ja�, erwiderte Cuwignaka, �vorwiegend von den Feldern der Waniyanpi.�</p><p>�Das hatte ich mir schon gedacht�, gab ich zur�ck. Bei den Waniyanpi handelte es sich im wesentlichen um landwirtschaftlich t�tige Sklaven. Sie zogen Getreide und Gem�se und verrichteten f�r ihre roten Herren allerlei Arbeiten.</p><p>�Wurden M�nner in die Anlagen hinausgeschickt, um das Gem�se zu holen?� fragte ich.</p><p>�Die Waniyanpi haben ihre Waren selbst geliefert�, antwortete Cuwignaka. �Wie sie es oft tun, wenn das gro�e Lager zusammengetreten ist.�</p><p>�Ah, verstehe�, sagte ich. W�hrend der wichtigen Festlichkeiten, die vorwiegend mit der Ankunft der Kailiauk zusammenh�ngen, waren die Positionen der gro�en Lager der einzelnen St�mme bekannt, was die M�glichkeit er�ffnete, Lebensmittel direkt zu liefern. W�hrend der �brigen Zeit waren die meisten St�mme zersplittert und lebten in Lagern, die immer wieder verlegt und neu aufgebaut wurden.</p><p>�Sind im Moment Waniyanpi im Lager?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete Cuwignaka, �aber sie werden bald wieder aufbrechen.�</p><p>�Wie bald?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Ich habe einmal Waniyanpi kennengelernt�, sagte ich. �Sie kamen von einem Ort, den sie �Garten Elf� nannten. Ich w�rde zu gern wissen, ob die Waniyanpi, die gerade im Lager sind, von dort stammen.�</p><p>�Durchaus m�glich�, sagte Cuwignaka. �Warum?�</p><p>�Ich dachte mir, es k�nnte ganz interessant sein, meine Bekanntschaft mit ihnen zu erneuern�, sagte ich. �Au�erdem w�rde mich das Schicksal einer bestimmten Waniyanpi interessieren, der ehemaligen Lady Mira aus Venna, die von ihren roten Herren dorthin verbannt wurde.�</p><p>�Ich erinnere mich gut an sie�, sagte Cuwignaka verbittert. �Ich verbrachte viele Tage an ihren Wagen gefesselt.�</p><p>�Sicher tut sie dir jetzt leid�, sagte ich.</p><p>�Sie war eine stolze und arrogante Frau�, widersprach Cuwignaka. �Sie tut mir nicht leid. Meinetwegen kann sie in den Gehegen der Waniyanpi verkommen, arbeitsam, unerf�llt.�</p><p>�Du bist grausam.�</p><p>�Ich bin ein Kaiila�, sagte Cuwignaka achselzuckend.</p><p>�Vielleicht w�rdest du ihr Gro�mut zeigen, wenn sie sich vor dich hinw�rfe und um Gnade b�te?�</p><p>�Vielleicht � wenn ich annehmen k�nnte, da� sie nun bereit w�re, eine Frau zu sein, da� sie ihre Lektion begriffen h�tte.�</p><p>�Ah�, sagte ich, �da scheint doch ein Hang zur Gro�z�gigkeit in dir zu schlummern.�</p><p>�Nat�rlich!� sagte Cuwignaka grinsend. �Schlie�lich bin ich ein Kaiila.� Und deutete auf Canka und Winyela. Die Sklavin lag in den Armen ihres Herrn und schluchzte vor Wonne.</p><p>L�chelnd verlie�en Cuwignaka und ich das Zelt.</p><p>�Wo sind die Waniyanpi?� fragte ich.</p><p>�Am unteren Ende des Lagers, ganz weit drau�en. Willst du sie besuchen?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Ich komme lieber nicht mit�, sagte Cuwignaka. �Mir behagt die Gesellschaft von Waniyanpi nicht.�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>�Wir treffen uns sp�ter hier vor Cankas Zelt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Warum das?� fragte ich. Canka und Winyela wollten vielleicht lieber allein bleiben.</p><p>�Ich habe von Akihoka geh�rt, der mit einem der Sleensoldaten befreundet ist, da� Hci heute abend etwas im Schilde f�hrt�, sagte Cuwignaka grinsend.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Genaues wei� ich nicht, aber ich glaube etwas zu ahnen. Und ich wei� auch, wie man ihm die Suppe versalzen kann.�</p><p>�Wovon redest du eigentlich?�</p><p>�Es hat mit den Geschenken zu tun�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Wir treffen uns sp�ter wieder hier�, sagte Cuwignaka. �Einverstanden�, sagte ich.</p><p>�Ich geh�re ganz dir�, h�rten wir Winyela im Zelt schluchzen. �Nur dir!�</p><p>L�chelnd trennte ich mich von Cuwignaka.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Oho!� rief Hci. �In guter Absicht begr��e ich dich. Die Zeit der Festlichkeiten ist heranger�ckt, da wollen wir unser Verh�ltnis festigen!�</p><p>�Sei gegr��t�, antwortete Canka, der vor seinem Zelt stand.</p><p>Hci wurde von zwei Sleensoldaten begleitet. Einer hielt einen dicken Z�gel, an dem zwanzig Kaiila befestigt waren.</p><p>�Zum Zeichen der Zuneigung, die ich in meinem Herzen f�r dich empfinde�, sagte Hci, �schenke ich dir zwanzig Kaiila.� Er gab dem Burschen mit dem Z�gel ein Zeichen.</p><p>�Nicht!� rief Canka.</p><p>�Sie geh�ren dir!� verk�ndete Hci und machte eine ausholende Geb�rde.</p><p>�Ich habe keine zwanzig Kaiila�, sagte Canka. �Ich bin kein H�uptlingssohn.�</p><p>�Du brauchst mir keine Kaiila zur�ckzuschenken�, sagte Hci besorgt. �Wie du wei�t, erleidest du keinen Ehrverlust, wenn du mir ein Gegengeschenk von vergleichbarem Wert machst.�</p><p>�Aber was sollte ich besitzen, das einen solchen Wert hat?� fragte Canka �rgerlich. Offenkundig wollte ihn der andere beim Schenken, bei der Zurschaustellung von Gro�z�gigkeit in den Schatten stellen. Genau genommen h�tte Hci dem anderen nicht Geschenke anbieten d�rfen, denen Canka nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnte. Eine solche Gabe konnte den Empf�nger besch�men.</p><p>�Sie�, sagte Hci und deutete auf Winyela, die am Zelteingang stand. �Ich nehme sie!�</p><p>Winyela erbleichte.</p><p>�Nein!� rief Canka. �Sie gebe ich nicht auf! Sie geh�rt mir!�</p><p>�Ich habe dir ein Geschenk gemacht, das einen gro�en Wert besitzt�, sagte Hci und tat verwirrt. �Und du willst mir keine Gegengabe machen?�</p><p>�Sie bekommst du nicht!� sagte Canka.</p><p>�Na sch�n, mein Freund�, bemerkte Hci und schaute seine Begleiter an. Dann blickte er auf die Zuschauer, die sich inzwischen eingefunden hatten, und l�chelte breit. �Die Kaiila, die ich dir �bergeben habe, geh�ren dennoch dir. Ich bedaure meine Gro�z�gigkeit nicht. Ich bedaure nur, da� du in dieser Sache so kleingeistig reagierst.�</p><p>Einer der Sleensoldaten, die Hci begleiteten, schlug sich vor Vergn�gen auf den Schenkel. Einige Umstehende begannen ebenfalls zu lachen. Die Gruppe der roten Wilden wurde immer gr��er; die Nachricht von Hcis Besuch bei Canka schien sich im Lager schnell herumzusprechen.</p><p>�Ich habe Canka zwanzig Kaiila geschenkt!� rief Hci in die Menge. �Als Gegenleistung g�nnt er mir nicht einmal eine einzige weibliche Kaiila.� Und er deutete auf Winyela.</p><p>Die Zuschauer lachten.</p><p>�Nimm deine Kaiila zur�ck!� sagte Canka barsch.</p><p>�Wie sollte ich das tun?� fragte Hci. �Ich habe sie dir bereits geschenkt.�</p><p>�Ich gebe sie dir dennoch zur�ck!� sagte Canka zornig.</p><p>�Na sch�n�, gab Hci l�chelnd nach. Der Sleensoldat fa�te die Z�gel fester.</p><p>�Hci ist sehr klug�, raunte mir Cuwignaka zu. �Er wei� genau, da� Canka Winyela nicht herausr�cken will. Seine Zuneigung zu ihr ist l�ngst �berall im Lager bekannt. Trotzdem setzte er seinen Plan erst in die Tat um, nachdem Canka sich geweigert hatte, das M�dchen seinem Vater Mahpiyasapa als Geschenk f�r die Gelbmesser zu �berlassen. Wenn Canka sie nicht Mahpiyasapa gab, w�rde er sie auch nicht Hci als Gegengeschenk �berlassen.�</p><p>�Dann hat Hci also nicht damit gerechnet Winyela zu bekommen�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich nicht!� sagte Cuwignaka. �Ich meine fast, da� er sie �berhaupt nicht haben will. Sie ist zwar h�bsch, aber h�bsche M�dchen gibt es im Lager jede Menge. Die Isanna allein besitzen mehr als zweihundert. Au�erdem mag er zwar der Sohn eines H�uptlings sein, doch ist er noch sehr jung. Er w�rde f�r eine solche Frau keine zwanzig Kaiila zahlen wollen. F�r einen jungen Mann wie ihn w�re das ein geradezu verr�ckter Preis. Schlie�lich ist sie nur eine wei�e Sklavin, allenfalls vier oder f�nf Kaiila wert. Die meisten wei�en Sklavinnen werden f�r ein Fell oder weniger verkauft. Au�erdem hat Hci seit seiner Verletzung die Gesellschaft von Frauen weitgehend gemieden, auch von Sklavinnen. Hci liegt mehr daran, Flieher und Gelbmesser zu t�ten, als Sklavinnen zu z�hmen.�</p><p>�Folglich riskiert er gar nichts�, sagte ich.</p><p>�Und gewinnt sehr viel, indem er n�mlich Canka an den Pranger stellt�, sagte Cuwignaka. �Er ist ein schlauer Bursche. Ich mag ihn irgendwie.�</p><p>�Es tut mir sehr leid, mein Freund Canka�, sagte Hci grinsend, �da� du in dieser Sache einen Ehrverlust erlitten hast. Ich hoffe, du wirst mir verzeihen. In gewisser Weise ist es nat�rlich mein Fehler. Ich bin gar nicht auf den Gedanken gekommen, dir zum Friedensschlu� kein gro�es Geschenk zu machen. Nie h�tte ich mir tr�umen lassen, da� dir der Edelmut und die Gro�z�gigkeit des Kaiila-Kriegers abgehen. Nur gut, da� du nur den Kampfgef�hrten angeh�rst. Im Kreis der Sleensoldaten w�re ein Mann wie du niemals willkommen.�</p><p>Ich spannte die Muskeln an, denn ich f�rchtete schon, Canka w�rde sein Messer ziehen und sich auf Hci st�rzen. Hci selbst war sichtlich auf diese M�glichkeit vorbereitet und h�tte den Angriff sicher begr��t. Er hatte leicht die Knie gebeugt, und seine Hand schwebte in der N�he des Messergriffs. Nur zu gern w�re Hci bereit gewesen, seine Differenzen mit Canka der Zuf�lligkeit des Messerkampfes zu �berlassen.</p><p>�Hoho!� prustete Cuwignaka pl�tzlich los und schlug sich auf die Oberschenkel. �Hci begreift gar nicht, wie lustig das alles ist!�</p><p>Die beiden jungen M�nner starrten Cuwignaka an, als habe er den Verstand verloren.</p><p>�Ein guter Witz, Canka�, sagte Cuwignaka. �Du hast ihn richtig get�uscht. Einen Moment lang habe auch ich mich t�uschen lassen!�</p><p>�Wovon redest du?� fragte Canka.</p><p>�Hast du wirklich angenommen, Hci�, sagte Cuwignaka lachend, �da� mein Bruder Canka, der als Blotanhunka gedient hat und der den Kampfgef�hrten angeh�rt und nicht lediglich den Sleensoldaten, f�r eine blo�e Sklavin keine zwanzig Kaiila annehmen w�rde?�</p><p>�Ich gebe das M�dchen niemals auf�, sagte Canka.</p><p>�D�rfte ich mal mit meinem Bruder sprechen?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Aber ja doch�, erwiderte Hci und wandte sich an die Menge. �Hier haben wir die h�bsche Siptopto, Cankas Schwester. Warum sollte eine Schwester sich nicht mit ihrem Bruder beraten d�rfen? Ist es nicht das Privileg einer Schwester, mit ihrem Bruder zu sprechen?�</p><p>�Cinto!� riefen etliche Stimmen. �Aber ja doch!�</p><p>�Danke!� rief Cuwignaka.</p><p>Dann baute er sich zwischen den beiden Wilden auf; er wandte Hci den R�cken zu und legte Canka br�derlich die H�nde auf die Schultern, ein Vorgehen, das auch gleichzeitig daf�r sorgte, da� Canka sich nicht von der Stelle r�hren konnte. Leise sprach er auf Canka ein und trat schlie�lich zur�ck. �Ich meine, der Scherz ist nun weit genug getrieben worden�, sagte er ziemlich laut.</p><p>�Du hast recht, Cuwignaka�, sagte Canka. �Verzeih mir, Hci, ich wollte dich wirklich nicht unn�tig zum Besten halten.�</p><p>Hci musterte ihn verwirrt.</p><p>�Sie geh�rt dir�, sagte Canka und deutete auf Winyela. Das M�dchen verzog entsetzt das Gesicht. Ich f�rchtete schon, sie w�rde das Bewu�tsein verlieren.</p><p>�Sie geh�rt mir?� fragte Hci.</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Canka. �Nimm sie dir, f�hre sie fort.� Entschlossen nahm er dem Sleensoldaten den Kaiilaz�gel aus der Hand.</p><p>�Mir?� fragte Hci.</p><p>�Ja�, entgegnete Canka. �Du sagtest doch, du wolltest sie. Nun nimm sie.�</p><p>�Aber das sind zwanzig Kaiila!� sagte Hci.</p><p>�Die Bedingungen f�r den Tausch wurden von dir festgesetzt�, sagte Canka. �Ich finde sie zwar seltsam, doch ich akzeptiere sie. Nimm das M�dchen.�</p><p>�Bitte, Herr!� flehte Winyela und warf sich vor Canka zu Boden. �Gib mich nicht fort! Ich liebe dich doch! Ich liebe dich!�</p><p>�Schweig, Sklavin!� sagte Canka streng.</p><p>Winyela senkte den Kopf und schluchzte so heftig, da� sie am ganzen K�rper bebte.</p><p>Wie bet�ubt stand Hci vor uns.</p><p>�Was gedenkst du mit ihr zu tun?� fragte Canka freundlich.</p><p>Offenkundig hatte Hci nicht damit gerechnet, das M�dchen zu bekommen; Cuwignaka behielt recht. Er hatte sich noch gar keine Gedanken dar�ber gemacht, was er mit ihr anfangen sollte.</p><p>�Mein Vater wollte sie haben�, sagte Hci. �Ich werde sie ihm f�r die Gelbmesser schenken.�</p><p>�Das ist eine gute Idee�, sagte Canka aufgeschlossen.</p><p>�Hci�, rief ein Mann lachend, �hat f�r eine wei�e Sklavin zwanzig Kaiila gegeben!�</p><p>�Ich glaube nicht, da� ich ihm auch weiterhin meine Tauschgesch�fte �berlasse�, sagte ein zweiter.</p><p>�Es ist sogar doppelt witzig!� meldete sich ein dritter. �Hci wurde dazu gebracht anzunehmen, da� Canka auf den Handel nicht eingehen wolle, dann f�hrte Canka ihn hinters Licht und schlo� ein Gesch�ft ab, das sehr zu seinem Vorteil war!�</p><p>�Wenn ich beim Austausch von Geschenken nur auch so gut abschneiden k�nnte!� rief eine Stimme.</p><p>Gel�chter breitete sich aus.</p><p>�Komm, M�dchen�, sagte Hci zornig zu Winyela. Offenbar wollte er schleunigst diesen Ort verlassen, an dem er, Hci, Sohn eines H�uptlings, pl�tzlich in die Hinterhand geraten war und als Dummkopf hingestellt wurde. Eine unangenehme Wende, die seiner Eitelkeit so gar nicht schmeichelte.</p><p>�Geh mit ihm�, sagte Canka zu Winyela.</p><p>Schwankend richtete sie sich auf.</p><p>Hci machte kehrt. Er hatte noch keine zwei Schritte gemacht, als Canka hinter ihm herrief: �Einen Moment noch, Freund Hci!�</p><p>�rgerlich drehte sich der junge Krieger um. Er hatte die Hand auf den Messergriff gelegt.</p><p>�Wir haben die Zeit der Friedensschl�sse�, sagte Canka. �Die Zeit des Feierns und Tanzens. Die Zeit f�r Geschenke und Freundschaftsbekundungen.�</p><p>Aufgebracht starrte Hci ihn an.</p><p>�Ich schenke dir zwanzig Kaiila!� sagte Canka und hob den Z�gel. �Sie geh�ren dir!�</p><p>�Ich habe nichts von vergleichbarem Wert, das ich dir schenken k�nnte!� br�llte Hci zornig.</p><p>�Ich nehme sie�, sagte Canka und deutete auf Winyela. �Nein!� sagte Hci nachdr�cklich. �Ich wei� nun, da� du sie haben willst. Aber ich behalte sie.�</p><p>�Tu das!� sagte Canka lachend. �Aber dann wird �berall an den Feuerstellen herumerz�hlt werden, wie Hci seine Ehre verlor, wie er sich vom Austausch von Geschenken ausschlo�, wie er damit bewies, da� er ein engstirniger, geiziger Mann ist und den Edelmut und die Gro�z�gigkeit des Kaiila-Kriegers vermissen l��t!�</p><p>�Ich bin Kaiila-Krieger!� br�llte Hci au�er sich. �Ich bin nicht engstirnig und geizig! Hci ist gro�z�gig! Hci ist edel! Hci ist ein gro�z�giger, edler Krieger! Hci ist ein Krieger der Kaiila! Hci verliert nichts von seiner Ehre!�</p><p>�Ach?� fragte Canka.</p><p>�Sie geh�rt dir!� sagte Hci.</p><p>�Und die Kaiila dir�, sagte Canka l�chelnd und reichte den Leitz�gel f�r die zwanzig Reittiere einem der Sleensoldaten in Hcis Begleitung.</p><p>Winyela sank vor Canka in die Knie. Ich f�rchtete, sie w�rde das Bewu�tsein verlieren.</p><p>Hci musterte Canka mit zornigem Blick. Seine Hand �ffnete und schlo� sich �ber dem Messer.</p><p>�Ich glaube, Canka liegt wirklich an der Frau�, sagte ein Mann.</p><p>�Ich auch�, antwortete ein anderer.</p><p>�Interessant�, sagte eine Stimme.</p><p>�Nun ist der Scherz ein dreifacher�, sagte einer der M�nner. �Canka tat, als wolle er nicht tauschen, dann tauschte er doch und legte Hci damit herein; da er aber letztlich die Frau behalten wollte, �bert�lpelte er Hci ein zweitesmal und zwang ihn gegen seine Ehre, sie zur�ckzugeben.�</p><p>Ich l�chelte. F�r mich stand nach diesem lebhaften Gespr�ch fest, da� die Ehre eher Cuwignaka als Canka geb�hrte.</p><p>Seine Schl�ue, so wollte mir scheinen, stand hinter Cankas Sieg und hatte ein Blutvergie�en verhindert. Canka, davon war ich �berzeugt, machte sich in diesem Punkt keine Illusionen.</p><p>�Eine gute Geschichte�, sagte ein Mann, �die im Laufe der Jahre oft erz�hlt werden wird.�</p><p>�Und es ist keine Eigengeschichte�, antwortete sein Nachbar. �Wir alle k�nnen sie erz�hlen.�</p><p>�Ja�, sagte der erste. Viele Geschichten, die bei den roten Wilden erz�hlt werden, stehen im Eigentum einzelner, und k�nnen nur von einem bestimmten Mann erz�hlt werden. Wollte man die Geschichte h�ren, m��te man sich an ihren Eigent�mer wenden. Es ist ein Privileg, eine Geschichte zu besitzen. Sie kann einen zu einer wichtigen Person machen. Manchmal werden solche Geschichten an bestimmten Tagen erz�hlt, und viele Leute kommen zum Zuh�ren. Manche Menschen besitzen kaum etwas anderes als ihre Geschichte, doch eine gute Geschichte zu besitzen macht einen Mann in den Augen der roten Wilden reich.</p><p>Geschichten lassen sich auch wie jeder andere Besitz verschenken oder verkaufen. Dies geschieht aber selten, denn die roten Wilden stellen sich ungern vor, da� eine Geschichte einen Preis hat; f�r sie ist sie zu kostbar zum Verkaufen. Wie alle kostbaren oder unsch�tzbaren Dinge beh�lt man sie oder verschenkt sie h�chstens, wenn einem in einer Hochstimmung danach zumute ist. Manchmal vererbt ein Mann seine Geschichte; so leben gewisse Geschichten seit Generationen in Familien fort; manchmal gibt er sie an jemanden weiter, der sie liebt und von dem er annimmt, da� er sie gut erz�hlen kann.</p><p>�Morgen�, rief Hci zornig und deutete auf Canka, �wird sich mein Vater die Frau nehmen. Morgen mittag wird er sie dir abnehmen, f�r die Gelbmesser!� Wutschnaubend drehte er sich um und verschwand zwischen den Zelten. Die beiden Sleensoldaten folgten ihm; einer f�hrte die Kaiila hinter sich her.</p><p>�Meinst du, er wird das tun?� fragte ich Canka.</p><p>�Nein�, antwortete Canka. �Mahpiyasapa ist zwar b�se auf mich, doch er ist ein guter H�uptling. Er kennt die Sitten der Kaiila. Niemals w�rde er mir die Frau gegen meinen Willen nehmen.�</p><p>Canka hockte sich neben Winyela nieder, zog sie in eine kniende Stellung hoch und pre�te sie an sich.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte er beruhigend.</p><p>�Du hast mich verschenkt�, fl�sterte sie.</p><p>�Doch nur vor�bergehend�, erwiderte er, �und nur weil ich wu�te, wie ein Kaiilakrieger denkt. Es bestand keine Gefahr, da� ich dich verlieren w�rde.�</p><p>�Du hast mich verschenkt�, sagte sie matt.</p><p>�Es ist alles vorbei. Ich werde es nicht wieder tun.�</p><p>�Magst du mich nicht?�</p><p>�O doch, sehr sogar.�</p><p>�Dann schicke mich niemals von dir fort.�</p><p>�Ich werde dich niemals gehen lassen�, sagte er. �Ich liebe dich.�</p><p>Erstaunt blickte sie zu ihm auf und dr�ckte sich dann zitternd und schluchzend in seine Arme. �Ich liebe dich auch, mein Herr!�</p><p>Canka lie� sie eine Zeitlang weinen. Dann hob er sie hoch und trug sie vorsichtig in sein Zelt.</p><p>�Ich fand, da� Canka ziemlich geschickt mit Hci umgesprungen ist�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich finde, Cuwignaka ist mit Hci recht geschickt umgesprungen�, sagte ich. �Und Canka wei� das � und Hci vermutlich auch, leider.�</p><p>�Hci ist ein schlauer Bursche�, meinte Cuwignaka. �Es war an der Zeit, da� er mal seine eigene Arznei zu schmecken bekam.�</p><p>�Wer solche Medizin austeilt, bekommt sie selten gern selbst verschrieben.�</p><p>�Ich glaube, nun habe ich einen befriedigenden Ausgleich gefunden f�r Hcis Trick in der Senke und den Verlust des Fleisches�, sagte Cuwignaka leise lachend.</p><p>�Meinst du, es wird deswegen noch �rger geben?�</p><p>�Nein�, sagte Cuwignaka. �Hci ist w�tend, aber er kann nichts tun. Nach den Gebr�uchen unseres Stammes ist er hilflos.�</p><p>�Aber was ist, wenn er sich �ber die Sitten und Gebr�uche hinwegsetzt?� fragte ich.</p><p>�Das wird er nicht tun. In letzter Konsequenz ist Hci ein hundertprozentiger Kaiila. Er ist ehrenvoll.�</p><p>�Er drohte Canka, Mahpiyasapa w�rde ihm Winyela morgen wegnehmen�, sagte ich. �Er kann auf keinen Fall bestimmt wissen, da� das geschehen wird � eher ist diese Aussage sogar falsch. Auf �hnliche Weise scheint er mir in der Angelegenheit mit dem Fleisch gelogen zu haben.�</p><p>�Das stimmt schon�, sagte Cuwignaka nachdenklich. �Er h�tte das wirklich nicht tun d�rfen.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Das ist nicht recht.�</p><p>�Au�erdem h�ngen Dinge wie Zivilisation und Freundschaft und Verst�ndigung von gegenseitigem Vertrauen ab�, meinte ich.</p><p>�Au�erdem k�nnte ein solches Verhalten gef�hrlich sein�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Inwiefern?� wollte ich wissen.</p><p>�Der eigene Schild k�nnte einen verraten.�</p><p>Ich betrachtete den jungen Mann.</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka. �Es ist eine allgemein bekannte Tatsache. Wenn man l�gt, kann sich der eigene Schild weigern, den K�mpfer zu verteidigen.�</p><p>�Au�erhalb des �dlands verhalten sich Schilde aber nicht so�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Wie ich sehe, bist du skeptisch�, sagte Cuwignaka. �Nun ja, ich kann es dir ganz genau sagen, mein Freund. Ich spreche von den Schilden der V�lker des �dlands. Dabei handelt es sich nicht um gew�hnliche Schilde. Unsere Schilde werden mit Hilfe von Zauberspr�chen gefertigt. Diese Kriegsmedizinen sind wichtig in Aufbau und Entwurf. Es handelt sich bei ihnen nicht einfach nur um Kriegsger�t, nicht nur um Gegenst�nde aus Metall oder Leder. Sie sind heilig. Sie sind kostbar. Sie sind Freunde und Verb�ndete. Gewi� hast du sie schon auf Stativen hinter Zelten gesehen, wo sie der Sonne ausgesetzt wurden?�</p><p>�Ja�, mu�te ich zugeben.</p><p>�Sie sollen die Kraft der Sonne in sich aufsaugen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Bei einem normalen Schild w�rde man das nicht machen, oder?�</p><p>�Im allgemeinen nicht�, sagte ich.</p><p>�Also sind es keine normalen Schilde�, folgerte Cuwignaka.</p><p>�Im Kampf sind einige Krieger sicher erfolgreicher als andere�, bemerkte ich.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Wahrscheinlich ist ihre Kriegsmedizin st�rker.�</p><p>�Aha.�</p><p>�Kehren wir in unser Zelt zur�ck�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du sprichst goreanisch�, sagte ich. �Du hast bei Wei�en gelebt.�</p><p>�Ja?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Glaubst du wirklich an diese Dinge?�</p><p>�Welche Dinge?�</p><p>�Na, an die Sache mit den Schilden.�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Komm, bleib ernst!�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Cuwignaka l�chelnd. �Vielleicht, vielleicht auch nicht.�</p><p>�Glauben alle deine Stammesgenossen daran?�</p><p>�Ich w�rde sagen, die meisten.�</p><p>�Was ist mit Kriegern wie Canka und Hci? Glauben sie daran?�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Gehen wir in unser Zelt�, sagte ich.</p><p>�Ja�, stimmte mir Cuwignaka zu. �Ich mu� mich ausruhen. Morgen mu� ich tanzen. Morgen wird ein herrlicher Tag!�</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�Herr! Herr!� rief das blonde M�dchen entz�ckt und hielt mich an der Hand fest.</p><p>L�chelnd zog sie mich hinter ein Zelt. Bis auf den perlenbesetzten Sklavenkragen war sie nackt. Es war der Morgen des Tages, an dem der gro�e Tanz stattfinden sollte. Hinter dem Zelt kniete sie nieder. �Ich bin ja so gl�cklich, Herr!� sagte sie. �So gl�cklich!�</p><p>Es war das M�dchen, das mir zweimal im Lager begegnet war und das ich sodann mit Hilfe der perlenbesetzten Sklavenpeitsche, die mir Macht �ber Herdensklavinnen verlieh, an einem langen Nachmittag in die wahre Bedeutung der Sklaverei eingef�hrt hatte.</p><p>�Du bist doch nicht etwa fortgelaufen?� fragte ich besorgt.</p><p>�Nein�, antwortete sie lachend. �Man hat mich aus der Herde genommen. Ich habe einen neuen Herrn! Mein alter Herr hat mich verschenkt. Er meinte wohl eine eiskalte, unnahbare Sklavin loszuwerden, doch kaum lag ich auf den Fellen meines neuen Herrn, begann ich ihm auf das Unterw�rfigste zu dienen. Er war entz�ckt. Ich glaube, er ist sehr erfreut �ber mich, er sagte jedenfalls, ich w�re ein pr�chtiges Geschenk. Er hat meinem alten Herrn sogar noch eine Kaiila zus�tzlich geschenkt. Mein alter Herr regte sich sehr auf, weil er mich weggegeben hatte. Doch nun kann er nichts mehr daran �ndern. Ich geh�re jetzt meinem neuen Herrn!�</p><p>�Wundervoll!� sagte ich.</p><p>�Ich habe nun auch einen Namen!�</p><p>�Ja?�</p><p>�Oiputake�, sagte sie.</p><p>�Das bedeutet ja �Kuߋ!� rief ich.</p><p>�Ja�, l�chelte sie. �Und manchmal wei� ich nicht, ob mein Herr mich nur ruft oder mir befiehlt, ihn zu erfreuen.�</p><p>�Als Sklavin d�rftest du kein Risiko eingehen.�</p><p>Sie lachte. �Wenn ich die geringsten Zweifel habe, k�sse ich ihn.�</p><p>Ich hatte dieses M�dchen wirklich durchgreifend ver�ndert. Ihr neuer Herr w�rde viel Vergn�gen mit ihr haben. Von einer frigiden freien Frau hatte sie sich in eine vielversprechende Sklavin verwandelt.</p><p>�Die Dinge stehen wirklich gut f�r die Kaiila�, sagte ich. �Dein Herr hat eine wundersch�ne wei�e Sklavin erstanden. Mein Herr und Freund Canka, Angeh�riger der Isbu-Bande, hat seine Sklavin, die er liebt, behalten k�nnen, ein M�dchen namens Winyela, und mein Freund Cuwignaka wird nach jahrelangem Warten heute endlich das Zelt des gro�en Tanzes betreten.� Ich l�chelte vor mich hin.</p><p>�Das freut mich f�r ihn�, sagte Oiputake.</p><p>�Es gibt �berreichlich Fleisch im Lager�, fuhr ich fort, �und wir feiern Feste und T�nze. Wir besuchen uns gegenseitig und geben Geschenke.�</p><p>�Auch ich war so ein Geschenk�, sagte sie l�chelnd.</p><p>�Zum Kummer deines alten Herrn. Und was noch sch�ner ist, scheint es in K�rze Frieden zwischen den Kaiila und den Gelbmessern zu geben. Die Zivilh�uptlinge der Gelbmesser sind bereits bei uns im Lager.�</p><p>�Das sind keine Zivilh�uptlinge�, sagte sie.</p><p>�Was?�</p><p>�Ich habe die Gelbmesser-H�uptlinge im Dorf gesehen�, sagte die Sklavin. �Ich sah sie vor Tagen ins Lager kommen, als ich noch bei den anderen M�dchen bewacht wurde. Und gestern nacht sah ich sie bei einem sp�ten Essen, als man mich in das Zelt meines Herrn brachte. Und ich sah sie heute fr�h im Isanna-Lager, dicht beim Zelt von Watonka. Es sind keine Zivilh�uptlinge.�</p><p>�Du irrst.�</p><p>�Ich war eine Zeitlang Sklavin bei den Gelbmessern�, sagte Oiputake. �Ich wei� Bescheid.�</p><p>�Es sind nicht Zivilh�uptlinge?� fragte ich.</p><p>�Die Zivilh�uptlinge der Gelbmesser habe ich einmal bei einer Ratsversammlung beobachtet�, erwiderte sie. �Und zwar ist das erst Wochen her. Kurze Zeit sp�ter wurde ich bei einem �berfall von Isanna-Kriegern erbeutet.�</p><p>�Die Zeit f�r eine Ratsversammlung scheint mir zu fr�h gewesen zu sein.�</p><p>�Es hat aber eine stattgefunden.�</p><p>�Waren die Pte schon eingetroffen?� fragte ich. Normalerweise h�ngt eine solche Ratsversammlung mit dem Eintreffen der Pte und der Vereinigung aller Gelbmesser-Banden zur gro�en Jagd zusammen. Die Pte erreichten die Gebiete der Kaiila normalerweise vor denen der Gelbmesser.</p><p>�Nein�, erwiderte sie.</p><p>�Das ist interessant�, sagte ich. �Wei�t du, worum es bei der Ratsversammlung ging?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Vor einigen Wochen�, sagte ich, �fand ein �berfall auf einen gro�en Wagenzug und eine S�ldnerhorde statt. Wei�t du davon?�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Man brachte Gefangene ins Lager der Gelben Messer.�</p><p>�Fand die Ratsversammlung vor oder nach diesem �berfall statt?�</p><p>�Mehrere Tage danach.�</p><p>�Das ist ebenfalls interessant�, bemerkte ich. �Bist du sicher, da� du nicht wei�t, wor�ber beraten werden sollte?�</p><p>�Ganz sicher, Herr�, erwiderte sie. �Niemand lehrte mich den Gelbmesser-Dialekt. Ich kenne nur wenige Worte. Bei den Gelbmessern wurde ich auch nur f�r die einfachsten Arbeiten eingesetzt, angeleitet durch Schl�ge und Peitschenhiebe. F�r die Krieger war ich eine Art Kaiila, ein zweibeiniges Lastentier.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Bei dieser Ratsversammlung�, fuhr das M�dchen fort, �sah ich die Zivilh�uptlinge der Gelbmesser. Und es waren nicht die M�nner, die jetzt bei uns im Lager sind.�</p><p>�Du mu�t dich irren�, sagte ich.</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>�Hast du diese M�nner schon im Lager der Gelbmesser gesehen?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Es sind Zivilh�uptlinge.�</p><p>�Nein, Herr!�</p><p>�Wei�t du, was sie sind?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Was?�</p><p>�Kriegsh�uptlinge.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>�Canka!� rief ich. �Wo ist Canka?�</p><p>Der junge Krieger war nicht in seinem Zelt. Ganz in der N�he hockte im Schneidersitz eine Gestalt auf dem Boden, die Robe halb �ber das Gesicht gezogen, und wiegte den Oberk�rper hin und her.</p><p>�Akihoka!� rief ich. �Wo ist Canka?�</p><p>�Auf der Jagd�, antwortete Akihoka.</p><p>�Wann ist er zur�ck?�</p><p>�Er d�rfte nicht wiederkommen!� rief Akihoka klagend und wiegte sich hin und her. �Er war mein Freund!� jammerte er. �Er war mein Freund.�</p><p>�Ich verstehe das alles nicht. Was ist passiert?�</p><p>�Du bist heute nicht der erste, der ihn sucht�, erwiderte Akihoka, weit vorgebeugt, unter der Robe kaum zu erkennen.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte ich. �Ich habe Informationen. Ich mu� ihn sprechen. Vielleicht bedeuten sie ja nichts, vielleicht aber sehr viel!�</p><p>�Sleensoldaten wollten ihn abholen!� klagte Akihoka. �Aber er war nicht hier. Er war auf der Jagd.�</p><p>�Warum sollten Sleensoldaten Canka abholen wollen?� fragte ich erschrocken.</p><p>�Er hat versucht, Mahpiyasapa zu t�ten�, jammerte Akihoka.</p><p>�Das ist l�cherlich!�</p><p>�Sie haben den Pfeil, der auf Mahpiyasapa abgeschossen wurde�, fuhr Akihoka fort und setzte die kummervolle Bewegung fort. �Es ist ein Pfeil Cankas. Au�erdem hat Hci Canka vom Tatort fliehen sehen.�</p><p>�Canka w�rde niemals auf Mahpiyasapa schie�en�, sagte ich. �Mahpiyasapa ist sein H�uptling.�</p><p>�Angeblich hatte er Angst, Mahpiyasapa w�rde ihm die rothaarige Frau wegnehmen.�</p><p>�Mahpiyasapa w�rde das niemals gegen seinen Willen tun�, sagte ich. �Und Canka wei� das.�</p><p>�Hci behauptete gestern abend das Gegenteil�, meinte Akihoka.</p><p>�Hci hat im Zorn gesprochen.�</p><p>�Hci sah ihn vom Tatort fliehen�, sagte Akihoka bek�mmert.</p><p>�Hast du nicht gesagt, Canka w�re auf die Jagd gegangen?�</p><p>�Es wird behauptet, er habe auf Mahpiyasapa geschossen und w�re dann jagen gegangen.�</p><p>�Absurd!� rief ich. �Niemand schie�t auf seinen H�uptling einen Pfeil ab und reitet dann auf die Jagd.�</p><p>�Der Pfeil geh�rt Canka�, sagte Akihoka, und seine Stimme klang schrill vor Sorge. �Hci sah ihn wegrennen.�</p><p>�Wer hat ihn noch gesehen?� wollte ich wissen.</p><p>�Niemand.�</p><p>�Erscheint dir das wahrscheinlich � in einem �berf�llten Lager?�</p><p>�Es war Cankas Pfeil. Man hat seinen Pfeil. Und Hci sah ihn fliehen.�</p><p>�Hci l�gt!�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Er hat auf seinen Schild geschworen.�</p><p>�Es mu� Hci selbst gewesen sein, der den Pfeil abscho߫, meinte ich.</p><p>�Mahpiyasapa ist Hcis Vater�, gab Akihoka zu bedenken. �Hci w�rde ihn niemals t�ten wollen!�</p><p>�Das nehme ich auch nicht an�, sagte ich. �Ich glaube, Hcis Absicht l�uft darauf hinaus, lediglich den Eindruck zu erwecken, auf seinen Vater sei ein Anschlag ver�bt worden.�</p><p>�Das w�rde Hci niemals tun.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Hci ist ein Kaiila�, sagte Akihoka. �Schande! Schande!� jammerte er los. �Schande f�r Canka. Schande f�r die Kampfgef�hrten. Ich trauere um Canka. Er war mein Freund. Er war mein Freund.�</p><p>�Hci�, sagte ich entschlossen, �hat Canka nicht vom Tatort fliehen sehen.� Mir fiel ein, da� sich Canka am ersten Morgen der gro�en Jagd bei Cuwignaka erkundigt hatte, ob er einen seiner Pfeile gesehen habe. Schon damals schien Hci also seinen Plan in der Brust bewegt zu haben. Bei der offenen Lebensart der roten Wilden, die nichts verstecken oder verschlie�en und f�r die Diebstahl etwas Undenkbares und h�chst �berraschendes ist, w�re es sicher keine Schwierigkeit, sich einen Pfeil zu beschaffen.</p><p>�Hci kann seine Aussagen beschw�ren.�</p><p>�Ein Meineid!�</p><p>�Er schw�rt auf seinen Schild.�</p><p>�Dann leistet Hci auf seinen Schild einen Meineid.�</p><p>Akihoka erstarrte. Er zog die Robe vom Kopf, legte sich den Stoff um die Schultern. �Du bist ein Wei�er�, sagte er. �Du bist nur ein Sklave. Du wei�t nichts von diesen Dingen.�</p><p>�In deinem Herzen wei�t du so gut wie ich�, entgegnete ich, �da� Canka niemals den Versuch machen w�rde, Mahpiyasapa zu t�ten. Ich bin sicher, im Grunde seines Herzens ist Mahpiyasapa derselben �berzeugung.�</p><p>�Aber Hci hat auf seinen Schild geschworen!�</p><p>�Dann war das ein Meineid!�</p><p>�Aber wie w�re das m�glich?� fragte Akihoka verwirrt.</p><p>�Zweifellos spielt Hcis Eitelkeit eine Rolle � und sein Ha� auf Canka.�</p><p>Der andere schaute zu Boden. Als Kaiila-Krieger waren solche Dinge f�r ihn kaum vorstellbar, mochten sie auch noch so plausibel klingen. Es war, als w�ren seine �berzeugungen, sein Vertrauen in gewisse wesentliche Dinge in ihren Grundfesten ersch�ttert.</p><p>�Bei der Liebe, die du f�r Canka empfindest�, sagte ich, �mu�t du ihm nachreiten. Triff dich mit ihm. Finde ihn. Sag ihm, was geschehen ist. Ich versichere dir, er wei� davon nichts. Zu der Anklage ist es bestimmt auch nur gekommen, weil er das Lager verlassen hatte.�</p><p>Akihoka hob den Blick.</p><p>�Du mu�t ihn vor den Sleensoldaten finden�, beharrte ich. �Vielleicht h�ngt sein Leben davon ab. Kl�re ihn �ber die Ereignisse auf. Dann mu� er entscheiden, was geschehen soll.�</p><p>�Er wird zur�ckkehren�, sagte Akihoka.</p><p>�Dann soll er in vollem Bewu�tsein der Ereignisse zur�ckkommen. Nun reite schon los!�</p><p>�Ich wei�, wo er jagen w�rde.�</p><p>�Beeil dich!�</p><p>Akihoka warf seine Robe zu Boden. �Ich reite.�</p><p>�Wo ist Winyela?� fragte ich.</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Ist sie von Sleensoldaten abgeholt und wom�glich in Mahpiyasapas Zelt gebracht worden?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Siehst du?� sagte ich. �Selbst in dieser Situation l��t Mahpiyasapa das M�dchen nicht zu sich bringen. Selbst unter diesen Umst�nden betrachtet er sie noch als Cankas Eigentum. Er wei� bestimmt, da� Hci l�gt.�</p><p>Akihoka machte kehrt und eilte zwischen den Zelten davon. Er w�rde die Leine seiner Kaiila lockern und mit einem Satz auf den R�cken des Tiers springen. Kurze Zeit sp�ter w�rde er sich au�erhalb des Lagers befinden.</p><p>Ich schaute in die Richtung, in die Akihoka gelaufen war; ich konnte ihn schon nicht mehr sehen.</p><p>Eine k�hle Brise umspielte mich. Mahpiyasapa tat mir leid. Es mu�te f�r einen Vater schrecklich sein zu erkennen, da� sein geliebter Sohn gegen die Ehrenvorstellungen des Stammes versto�en hat.</p><p>Dann fielen mir die Informationen ein, die ich eben erst von der h�bschen blonden Sklavin Oiputake erhalten hatte. Ich steckte h�bsch in der Klemme. Nat�rlich hatte ich gehofft, Canka einweihen zu k�nnen. Dies schien mir nicht nur deswegen angemessen, weil er genau genommen mein Herr war, sondern weil er zugleich bei den Kampfgef�hrten eine hohe Position bekleidete. Er h�tte die Situation beurteilen, die Information absch�tzen k�nnen. Noch lieber w�re ich zuerst zu Cuwignaka gegangen, weil ich ihn am besten kannte und Hochachtung empfand vor seinem Durchblick und seinem Urteilsverm�gen, aber dieses Vorgehen kam nicht in Frage, weil er gerade mit den anderen jungen M�nnern im gro�en Zelt tanzte. So wu�te ich nun nicht, was ich tun sollte. Nat�rlich konnte ich vor irgendeinem Passanten niederknien und ihm das Erfahrene mitteilen, aber ich hatte Angst, als Dummkopf abgewiesen zu werden, der sinnloses Zeug faselte. Wer w�rde auf einen Sklaven h�ren, der seine Weisheit zudem noch von einer anderen Sklavin bezogen hatte? Wenn sie sich nun irrte � was dann?</p><p>Grunt! dachte ich. Grunt! Er wei� bestimmt, was zu tun ist. Au�erdem ist er mit Mahpiyasapa eng befreundet. Mahpiyasapa wird ihn anh�ren. Ich mu�te Grunt finden!</p></section><section><title><p>15</p></title><p>�Wo ist Grunt?� rief ich.</p><p>Erschrocken hob Wasnapohdi den Kopf. Sie kniete in dem Zelt, das Mahpiyasapa seinem Freund Grunt zur Verf�gung gestellt hatte.</p><p>�Er ist nicht hier�, antwortete sie.</p><p>�Wo steckt er?�</p><p>�Ich wei� es nicht!� rief sie und schien ver�ngstigt zu sein. �Hast du schon geh�rt, was Canka getan haben soll?�</p><p>�Ja, aber ich glaube es nicht.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte sie. �So etwas ist unm�glich.�</p><p>�Warum bist du allein im Zelt? Warum arbeitest du nicht?�</p><p>�Ich verstecke mich.�</p><p>�Du brauchst keine Angst zu haben. Cankas Probleme haben mit dir nichts zu tun.�</p><p>�Nicht deswegen habe ich Angst.�</p><p>�Hast du eine Ahnung, wo Grunt sein k�nnte?�</p><p>�Vielleicht bei Mahpiyasapa. Er hat das Zelt verlassen, nachdem er von Cankas angeblichem Anschlag erfahren hatte.�</p><p>�Das ist ein guter Gedanke!� rief ich. �Ich gehe zu Mahpiyasapas Zelt!� Als ich mich schon zum Gehen wandte, fuhr ich noch einmal zu dem M�dchen herum. �Warum versteckst du dich?�</p><p>�Ich habe ihn gesehen!� fl�sterte sie.</p><p>�Canka?� fragte ich �berrascht.</p><p>�Nein. Waiyeyeca, Mann-der-viel-findet, meinen fr�heren Herrn!�</p><p>�Du hast schon im Besitz mehrerer Herren gestanden�, sagte ich.</p><p>�Ich habe dir von ihm erz�hlt, als wir uns kennenlernten, kurz nachdem mich mein Herr Grunt am Tauschpunkt erstanden hatte.�</p><p>�Der Junge?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich erinnere mich.� Vor langer Zeit, an einer Handelsstelle der Staubf��e, hatte Grunt Wasnapohdi gegen drei gute �xte eingetauscht. Bei unseren anschlie�enden Gespr�chen hatte sie mir einen Teil ihrer Geschichte erz�hlt. Sie war in einem Waniyanpi-Lager der Kailiauk geboren und sp�ter von einem Kaiila-Krieger gekauft worden � im Alter von acht Jahren. Der Mann hatte sie mit nach Hause genommen und seinem zehnj�hrigen Sohn als Sklavin �berlassen. So hatte sie es fr�h gelernt, M�nnern zu dienen und sie zu beruhigen. Als Kinder waren die beiden aber noch eher Spielgef�hrten gewesen, ehe sie ihre wahre Beziehung zueinander entdeckten.</p><p>Wasnapohdi senkte zitternd den Kopf.</p><p>Der junge Herr und seine Sklavin hatten sich damals wohl sehr geliebt. Seine Zuneigung zu dem M�dchen, die nur eine Sklavin war, hatte ihm von seinesgleichen viel Spott eingetragen � und in diesem Punkt sind rote Krieger sehr empfindlich. So hatte er sie schlie�lich, vermutlich gegen das eigene Gef�hl, verkauft, wonach sie mehrere Herren gehabt hatte. Schlie�lich war sie, wie erw�hnt, von Grunt gekauft worden.</p><p>�Er hei�t Waiyeyeca?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aus welcher Bande?�</p><p>�Napoktan, die Armbandbande.�</p><p>�Aha.� Das Gebiet dieser Krieger liegt ungef�hr nordwestlich des Kaiila-Flusses, im Norden seiner n�rdlichen Abzweigung, allerdings �stlich des Schlangenflusses. Napoktankrieger tragen im allgemeinen zwei Kupferb�nder am linken Unterarm.</p><p>�Hat er dich gesehen?� wollte ich wissen.</p><p>�Nein.�</p><p>�Liebst du ihn noch immer?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Schlie�lich ist das alles lange her, viele Jahre. Er hat mich verkauft!�</p><p>�Und warum versteckst du dich?�</p><p>�Ich habe Angst, da� er mich sieht. Er hat mich verkauft, obwohl ich ihn liebte! Ich m�chte diese alten Wunden nicht wieder aufrei�en!�</p><p>�Unsinn!� sagte ich. �Du suchst nur nach einem Vorwand, deine Arbeit liegenzulassen. Was hatte Grunt dir aufgetragen?�</p><p>�Ich sollte seine Waren s�ubern�, antwortete sie.</p><p>�Im Zelt oder drau�en?�</p><p>�Wahrscheinlich drau�en, damit ich besser sehe, was ich tue.�</p><p>�Dann geh nach drau�en und befolge den Befehl!�</p><p>Ich stand auf und eilte weiter. Ich wollte Grunt finden, um ihn nach der Bedeutung der von Oiputake erhaltenen Informationen �ber die Identit�t der Gelbmesser zu befragen.</p><p>�Tatankasa!� rief ein kleiner Junge. �Wirf mir den Ring! Wirf mir den Ring!�</p><p>�Hast du den H�ndler Wopeton gesehen?� fragte ich.</p><p>�Nein. Aber wirf mir den Ring!�</p><p>�Verzeih mir, kleiner Herr�, sagte ich. �Aber ich habe Dringendes zu tun.�</p><p>�Na sch�n.�</p><p>Im Eilschritt n�herte ich mich dem Zelt Mahpiyasapas.</p><p>�Halt!� rief ein junger Mann.</p><p>Ich blieb stehen und sank vor dem Rufer auf die Knie. Es war der leitende Bewacher der Sklavinnen, aus deren Mitte ich mir das blonde M�dchen herausgesucht hatte � bevollm�chtigt durch die perlenbesetzte Peitsche.</p><p>�Sei gegr��t�, sagte er.</p><p>�Sei gegr��t, Herr.�</p><p>�Die blonde Sklavin, die du dir nahmst�, sagte er, �ist nicht mehr bei der Herde. Sie wurde verschenkt, und ihr neuer Herr ist angeblich sehr zufrieden mit ihr. Anscheinend dient sie ihm jetzt als wertvolle Sklavin in seinem kleinen Zelt.�</p><p>�Das ist eine gute Nachricht, Herr�, sagte ich.</p><p>�Diesen Aufstieg hat sie bestimmt dir zu verdanken�, sagte der junge Mann. �Du hast das Eis in ihrem Bauch schmelzen lassen. Du hast sie zu einer Frau gemacht, die die M�nner braucht.�</p><p>�Danke, Herr.�</p><p>�Sie hat den Namen Oiputake erhalten.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte ich und f�gte pl�tzlich hinzu: �Herr?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Warum bist du im Lager � ich meine, warum ausgerechnet um diese Tageszeit?�</p><p>�Die M�dchen sind ins Lager geholt worden�, sagte er, �an den Rand der Siedlung.�</p><p>�Und die W�chter und Tierherden?�</p><p>�Wurden ebenfalls ins Lager geholt.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Watonka hat das alles angeordnet�, antwortete der junge Mann.</p><p>�Somit ist die Westgrenze des Lagers unbewacht�, sagte ich. Die Isanna waren f�r die Sicherheit des Au�enbezirks verantwortlich.</p><p>�Keine Sorge�, sagte der Junge, �wir haben die Zeit der Feste.�</p><p>�Hast du den H�ndler Wopeton gesehen?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Darf ich gehen?�</p><p>�Aber ja doch�, sagte der junge Mann verwirrt.</p><p>Ich sprang auf und setzte meinen eiligen Weg zu Mahpiyasapas Zelt fort. Dabei kam ich bis auf hundert Meter an das gro�e Tanzzelt heran, das aus hoch aufragenden Astmauern bestand. Drinnen befand sich der Stamm, drinnen tanzten die jungen Krieger, angemalt und herausgeputzt.</p><empty-line/><p>�Mahpiyasapa ist nicht hier�, sagte die Frau, die in der N�he seines Zeltes kniete � eine seiner Ehefrauen. Ihre knochigen Finger umklammerten ein Gerbmesser. Sie sch�rfte das Ger�t auf einem Stein. Das Messer wies sechs Punkte auf, die anzeigten, das es schon sechs Jahre in Gebrauch war. Zwei Finger waren am ersten Gelenk abgeschnitten: sie hatte zwei S�hne verloren.</p><p>�Wei�t du, wo er ist?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Danke, Herrin.� Ich stand auf und trat zur�ck. Ich wu�te nicht mehr, was ich tun sollte, an wen ich mich noch wenden konnte.</p><p>�Warum sollte er nicht im Rat sein?� fragte sie, ohne den Kopf zu heben.</p><p>�Nat�rlich!� rief ich. �Sei bedankt, Herrin!�</p><p>�Es wird dir nichts n�tzen�, meinte sie. �Du kannst ihn nicht sprechen, wenn er dort ist. Das ist nicht gestattet.�</p><p>�Eigentlich suche ich ja Wopeton. K�nnte der auch im Rat sein?�</p><p>�M�glich ist es�, sagte sie achselzuckend, ohne den Blick von ihrer Arbeit zu heben.</p><p>�Vielen Dank, Herrin, du bist sehr freundlich zu mir gewesen.�</p><p>�Wenn er im Rat ist, wirst du ihn ebensowenig sprechen k�nnen.�</p><p>Ich wandte mich ab und eilte weiter. Sie hatte mir sehr weitergeholfen. Stets daran denkend, da� dies der Tag des gro�en Tanzes war � vermutlich wegen Cuwignakas gro�er Vorfreude darauf � und da� die von Oiputake erhaltenen Informationen wirklich Schlimmes verhie�en, hatte ich v�llig vergessen, da� heute auch der Friedensrat stattfinden sollte, ein Tag, der zumindest ansatzweise die Ratifikation eines Friedensvertrages zwischen den Gelbmessern und den Kaiila bringen sollte. Mit schnellen Schritten n�herte ich mich dem Ratszelt. Ich wu�te nicht, ob ich Mahpiyasapa aus dem Rat w�rde rufen k�nnen, oder ob dies �berhaupt ratsam war, doch ich war zuversichtlich, da� ich irgendwie an Grunt herankommen k�nnte, wenn er sich dort befand.</p><empty-line/><p>Grob stie�en mich die beiden Krieger zur�ck. �Knie nieder!� fauchte einer.</p><p>Hastig gehorchte ich. Blanker Messerstahl funkelte.</p><p>�Verzeiht, ihr Herren�, sagte ich. �Ich mu� unbedingt Wopeton sprechen.�</p><p>�Er ist nicht drinnen�, sagte ein Krieger.</p><p>�Dann gebt bitte weiter, da� ich dringend mit Mahpiyasapa sprechen mu�!�</p><p>�Mahpiyasapa ist ebenfalls nicht im Bau�, sagte der Krieger.</p><p>�Keiner der beiden?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Verzeiht, ihr Herren.�</p><p>�Vielleicht kommen sie sp�ter noch�, meinte einer der W�chter. �Die Ratsversammlung hat noch nicht begonnen.�</p><p>�Ja, ihr Herren�, sagte ich. �Vielen Dank, ihr Herren.� Auf den Knien kroch ich ein St�ck zur�ck und behielt dabei die Messer im Auge. Dann stand ich auf und entfernte mich r�ckw�rtsgehend. Die W�chter steckten die Messer fort und kehrten an ihren Posten vor dem Eingang des gro�en Zeltes zur�ck. Mit verschr�nkten Armen standen sie da. Die St�tzstangen des Baus waren etwa f�nfzig Fu� lang und von �ber hundert Kailiaukh�uten bedeckt.</p><p>Ich sah mich um. Wieder wu�te ich nicht, was ich tun sollte. Am besten wartete ich wohl ab, bis Grunt oder Mahpiyasapa auftauchte. Ich h�tte angenommen, da� sie sich l�ngst im Inneren des Ratszeltes befanden. Die Versammlung mu�te bald beginnen.</p><p>�Sklave�, sagte ein Mann, der einige Meter entfernt mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden hockte.</p><p>Ich folgte seinem Winken, und er deutete auf eine Stelle neben sich. Ich kam der Aufforderung nach und kniete mich nieder. Er schliff einen Stein, der ein Hammerkopf werden sollte. Dabei wird eine angefeuchtete Lederschnur immer wieder geduldig �ber die harte Fl�che gezogen. Ich schaute dem Mann bei der Arbeit zu. �Heute�, sagte er, �wird der Rat auf die Stimme Mahpiyasapas verzichten m�ssen.�</p><p>�Warum wird der Rat auf seine Stimme verzichten m�ssen?�</p><p>�Heute�, sagte der Mann und zog die Lederschnur �ber den Stein, �ist Mahpiyasapa in Trauer. Er hat das Dorf verlassen, um sich zu reinigen.�</p><p>�Warum sollte er in Trauer sein?� wollte ich wissen. Die Auskunft, da� er nicht im Lager sei, behagte mir ganz und gar nicht.</p><p>�Ich glaube, es hat damit zu tun, da� Canka ihn umbringen wollte�, antwortete der Mann und beobachtete das Hin und Her des Lederbandes.</p><p>�Oh�, sagte ich. Ich kannte diesen Mann nicht und sah daher keine Veranlassung, ihm meinen Verdacht �ber die wahren Ereignisse um den fehlenden Pfeil zu er�ffnen.</p><p>�Du bist doch Cankas Sklave, nicht wahr?� fragte der Mann.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und du wurdest nicht gefangengenommen oder get�tet.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Interessant�, sagte er und tauchte die Schnur in Wasser und anschlie�end in Sand.</p><p>Ich war �berzeugt, da� Mahpiyasapas Kummer von Hcis verr�terischem Verhalten herr�hrte und nicht von einem angeblichen Verrat Cankas. �hnliche Gedanken, das ahnte ich, bewegten den Mann, der seine Worte an mich richtete. Er war kein Dummkopf. In seiner Besch�mung und Trauer war Mahpiyasapa nicht in die Ratsversammlung gegangen. Vielleicht hatte er das Gef�hl, seinen Genossen nicht gegen�bertreten zu k�nnen. In der Enge eines Schwitzzeltes, mit Fasten und Dampf und hei�en Steinen, w�rde er versuchen, die Ereignisse zu verarbeiten. Anschlie�end mochte er einen einsamen Ort aufsuchen, um einen Traum oder eine Vision zu empfangen, die ihm den weiteren Weg aufzeigte.</p><p>�Herr�, sagte ich.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ist dir bekannt, ob Wopeton Mahpiyasapa begleitet hat?�</p><p>�Das nehme ich an�, antwortete der Mann, der vermutlich schon mehr als zwei Tage an seinem Stein arbeitete: Ich sah die Anf�nge der Kerbe an der Oberfl�che entstehen.</p><p>�Vielen Dank, Herr�, sagte ich.</p><p>�Und das ist ebenfalls interessant�, sagte der Mann.</p><p>�Ja, Herr.� Die Steine, die f�r ein Schwitzzelt bestimmt sind, werden in einem au�erhalb befindlichen Feuer angeheizt und auf St�cken ins Innere getragen, wo sie, mit Wasser �bergossen, Dampf und Hitze erzeugen. K�hlt sich ein Stein wieder ab, wird er neu aufgeheizt. Dieser Teil der Arbeit wird im allgemeinen nicht von dem oder den Insassen des Zeltes verrichtet, sondern von einem Helfer. Ich war ziemlich sicher, da� Grunt seinem Freund Mahpiyasapa entsprechend aushalf, der in seiner Schande und Betr�btheit Mitglieder seines Stammes nicht um sich haben wollte.</p><p>Ich rutschte ein St�ck auf den Knien r�ckw�rts, stand auf und wandte mich von dem Mann ab, der geduldig an seinem Stein arbeitete. Einen letzten Blick warf ich auf das riesige Ratszelt. Die beiden W�chter standen noch immer vor dem Eingang. Verschiedene M�nner gingen zwischen ihnen hindurch und betraten den Bau. Bei einer solchen Versammlung wurden nat�rlich nicht nur die Zivilh�uptlinge der verschiedenen Kaiila-Banden erwartet, sondern auch ihre f�hrenden M�nner, die R�te der einzelnen Gruppierungen sowie hochangesehene Krieger und andere weise Berater. Versammlungen dieser Art standen allen Stammesangeh�rigen offen, die schon etwas geleistet hatten. So w�rde sich in jenem Zelt an diesem Nachmittag die Elite der Kaiila-Nation versammeln, gewisserma�en die Aristokratie. Wie absurd erschienen mir angesichts dieser Entwicklung meine Verd�chtigungen und �ngste! Wo so zahlreiche kluge M�nner zusammentraten, konnte gewi� nichts schiefgehen. Wer war ich schon, ein ignoranter Sklave aus dem Stamm, mich in die Angelegenheiten dieser Pers�nlichkeiten zu mischen? Oiputake mu�te sich geirrt haben! Die Gelbmesser, die sich im Lager aufhielten, konnten unm�glich Kriegsh�uptlinge sein. Das erg�be keinen Sinn!</p><p>Ich entfernte mich aus der N�he des Ratszeltes.</p><p>�Wo ist Watonka?� h�rte ich einen Mann fragen.</p><p>�Er ist noch nicht eingetroffen�, antwortete jemand.</p><p>�Macht er Medizin f�r die Versammlung?�</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>�Er wartet darauf, da� der Schatten schrumpft�, meinte ein Dritter. �Dann erst kommt er zur Versammlung.�</p><p>Ohne recht zu wissen, warum, machte ich mich auf den Weg zu den Isanna-Zelten.</p><p>Mit verschr�nkten Armen standen die drei M�nner in der N�he Watonkas, der sich auf eine kleine Anh�he unweit der Isanna-Zelte begeben hatte. Ich war sicher, da� es sich um Gelbmesser handelte. Nicht da� sie sich auf den ersten Blick von den Kaiila-Kriegern unterschieden. Vielmehr schienen sie im Gesamteindruck anders zu sein, zweifellos das Zusammenwirken zahlreicher kleiner Einzelheiten � vielleicht die Anordnung der Perlenbestickung ihrer Kleidung, die Art und Weise, wie gewisse Ornamente geschnitzt waren, die Einkerbung ihrer �rmel, die Art der Beinbefransung, die Bindung der Federn im Haar, Schnitt und Stil der Mokassins. Dieser M�nner waren keine Kaiila. Sie waren Fremde. Starr und ausdruckslos standen sie da. Watonka schaute in s�d�stlicher Richtung zum Himmel empor. Zu seinen F��en steckte ein d�nner Stock im Boden. Ringsum waren zwei Kreise in den Staub gezeichnet, ein kleiner und ein gro�er. Am Morgen, wenn die Sonne hoch genug stand, um einen Schatten zu werfen, reichte dieser Schatten vermutlich bis zum Au�enkreis. Zur Mittagszeit w�rde die Sonne ihren k�rzesten Schatten werfen, der dann innerhalb des Innenkreises enden mu�te. Begann sich der Schatten wieder auszudehnen, hatte die Sonne ihren h�chsten Punkt �berschritten. Ich schaute zur Sonne empor und dann auf den Stock und seinen Schatten. Meiner Sch�tzung nach war es noch eine halbe Ahn bis zur Mittagszeit.</p><p>Im deutlichen Gegensatz zu den drei Kriegern, die ich f�r Gelbmesser hielt, war Watonka nerv�s. Er schaute auf die Krieger und dann wieder in den Himmel. Es war ein heller, klarer Tag. Unweit der M�nner standen auch Bloketu und Iwoso. Bloketu schien sich ebenfalls unbehaglich zu f�hlen. Dagegen machte Iwoso wie die drei fremden Krieger einen gelassenen Eindruck. Diese sechs Gestalten � wie auch etliche andere Isanna-Krieger, die in der N�he warteten, hatten sich mit gelben Sch�rpen geschm�ckt, die von der linken Schulter zur rechten H�fte f�hrten. Vermutlich sollten diese gelben T�cher sie als Mitglied der Friedensgruppe identifizieren und sch�tzen. Die gelben Streifen mochten dar�ber hinaus eine Medizinwirkung haben, wie sie m�glicherweise einem Beteiligten im Traum eingefallen war.</p><p>Ich wu�te nicht, ob man Bloketu zur Ratsversammlung zulassen w�rde. Normalerweise haben Frauen an solchen Orten keinen Zutritt. Die roten Wilden h�ren sich zwar oft aufmerksam an, was ihre freien Frauen zu sagen haben, und begegnen ihnen ehren- und respektvoll, doch verzichten sie auf kein Quantum ihrer Oberherrschaft. Sie allein treffen alle Entscheidungen. Sie sind die M�nner. Die Frauen gehorchen. Von Iwoso dagegen nahm ich an, da� sie im Ratszelt unentbehrlich sein w�rde. Wahrscheinlich war sie im Lager die einzige Person, die die Gelbmesser- und Kaiila-Sprachen flie�end beherrschte. Interessanterweise trug sie ein d�nnes, geschmeidiges Seil zusammengerollt an der H�fte. Nach der Sonne und dem Schatten des Stocks zu urteilen, h�tten sich Watonka und seine Begleiter l�ngst auf den Weg zum Ratszelt machen m�ssen. Soweit ich wu�te, sollte der Rat zur Mittagszeit zusammentreten. Mir fiel au�erdem auf, da� die Art und Weise, wie die M�nner ihre gelben Sch�rpen gebunden hatten, ihnen die gr��te Bewegungsfreiheit des Waffenarms gew�hrte, sollten sie Rechtsh�nder sein.</p><p>�Bloketu�, sagte ich und trat vor das M�dchen hin.</p><p>�Herrin!� forderte sie.</p><p>�Herrin.�</p><p>�Warum kniest du nicht nieder?�</p><p>Ich fiel auf die Knie. �Ich m�chte bitte mit dir sprechen�, sagte ich.</p><p>�Es war dein Herr Canka�, sagte sie tadelnd, �der heute fr�h Mahpiyasapa umbringen wollte.�</p><p>�Kann ich dich mal sprechen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Allein.�</p><p>Iwoso warf mir einen scharfen Blick zu.</p><p>�Du kannst vor meiner Zofe sprechen�, sagte Bloketu. �Warum auch nicht? Warum sollte sich ein Sklave nicht vor einer anderen Sklavin �u�ern k�nnen?�</p><p>�Verzeih mir, Herrin�, sagte ich. �Vielleicht bin ich ein Dummkopf und ein Narr.�</p><p>�Das erscheint mir nicht unwahrscheinlich.�</p><p>�Aber ich habe Grund zu der Annahme, da� die drei M�nner bei deinem Vater, die Gelbmesser, nicht das sind, was sie zu sein vorgeben.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Ich glaube, sie sind nicht Zivilh�uptlinge der Gelbmesser, sondern m�glicherweise Kriegsh�uptlinge.�</p><p>�L�gnerischer Sklave!� fauchte Iwoso, st�rzte sich auf mich und schlug zu. Sofort schmeckte ich Blut in meinem Mundwinkel.</p><p>�Was geht hier vor?� fragte Watonka und blickte uns an.</p><p>�Dieser Sklave ist ein am�santer Dummkopf�, sagte Bloketu lachend. �Er meint, unsere G�ste w�ren nicht Zivilh�uptlinge der Gelbmesser, die bald unsere Freunde sein werden, sondern Kriegsh�uptlinge.�</p><p>Die Worte wurden den Gelbmessern von Iwoso �bersetzt. Ihre Mienen blieben unbeweglich.</p><p>�Das ist absurd!� rief Watonka und sah sich hastig um. �Ich verb�rge mich pers�nlich f�r diese M�nner.�</p><p>�Du kannst unm�glich solche Informationen haben�, sagte Bloketu zu mir.</p><p>�Im Lager gibt es eine Sklavin�, sagte ich, �ein blondes M�dchen, das fr�her im Eigentum von Gelbmessern stand. Sie hat die M�nner erkannt. Von ihr habe ich meine Informationen.�</p><p>�Sie mu� sich offenkundig irren�, sagte Bloketu. Unser Gespr�ch wurde den Gelbmessern von Iwoso �bersetzt.</p><p>�L�genhaften Sklaven kann die Zunge herausgeschnitten werden�, sagte Watonka �rgerlich und zog seine Klinge.</p><p>In diesem Augenblick legte einer der Gelbmesser Watonka eine Hand auf den Arm. Er sagte etwas, und seine Worte wurden uns allen von Iwoso �bersetzt.</p><p>�Tu dem Sklaven nichts�, sagte er. �Dies ist f�r uns alle eine Zeit des Gl�cks und des Friedens.�</p><p>Erstaunt hob ich den Kopf. Der Mann mu�te wirklich ein Friedensh�uptling sein.</p><p>�La� ihn gehen�, sagte der Gelbmesser.</p><p>�Verschwinde!� sagte Watonka aufgebracht.</p><p>�Ja, Herr�, sagte ich und stand auf.</p><p>�Schlagt ihn!� befahl Watonka zwei Isanna-Kriegern.</p><p>Diese gingen an die Arbeit und h�mmerten mit den Sch�ften ihrer Lanzen auf mich ein. Ich hob die H�nde an den Kopf und brach in die Knie. Schmerzhafte Schl�ge trafen mich an Schultern und K�rper.</p><p>�La�t ihn gehen�, sagte der Gelbmesser.</p><p>�Geh!� rief Watonka.</p><p>Ich m�hte mich hoch und stolperte mit blutendem Gesicht und schmerzendem Leib fort. Hinter mir brandete Gel�chter auf. Man hatte mich t�chtig durchgepr�gelt. Anscheinend waren mir dabei keine Knochen gebrochen worden. Daf�r mu�te meine Haut bald schwarz und blau sein. Beinahe verlor ich das Bewu�tsein, nahm mich aber zusammen und torkelte weiter. Ich hatte getan, was ich konnte: Ich hatte Oiputakes Information einem Manne �berbracht, der im Kaiilastamm einen hohen Posten bekleidete, Watonka, dem Zivilh�uptling der Isanna. Es wollte mir scheinen, ich h�tte nicht mehr erreichen k�nnen, au�er vielleicht mit Mahpiyasapa zu sprechen. Pl�tzlich wallte irrationaler Zorn auf Mahpiyasapa und Grunt in mir auf, wie auch auf Canka und sogar meinen Freund Cuwignaka. Sie alle hatte ich nicht erreichen k�nnen. In meinem elenden Zustand wollte mir fast scheinen, als w�ren sie gewisserma�en f�r die Pr�gel verantwortlich, die ich bezogen hatte. Schlie�lich verbannte ich diesen t�richten Gedanken aus meinem Kopf und machte mich auf den R�ckweg zu dem Zelt, das ich mit Cuwignaka teilte.</p><p>Ich sch�tzte die Zeit auf etwa eine Viertel-Ahn vor der Mittagsstunde.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Cuwignaka!� rief ich erstaunt, als ich unser Zelt betrat.</p><p>Er sa� im Schneidersitz im Zwielicht unseres Baus und hatte den Kopf gesenkt und das Gesicht in den H�nden geborgen. Bei meinem Eintreten schaute er auf. �Man hat mich nicht tanzen lassen�, sagte er. �Cancega pers�nlich, der Medizinh�uptling aller Kaiila, verweigerte mir den Zutritt zum Tanzzelt.�</p><p>�Du hast sicher schon von dem angeblichen Angriff Cankas auf Mahpiyasapa geh�rt?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte er verbittert. �Hci hat gesiegt. Hci hat mir alles abgewonnen.�</p><p>�Es tut mir leid, mein Freund�, sagte ich. In meinem Mitgef�hl f�r Cuwignaka verga� ich meine Wunden und meinen Schmerz. Ich wu�te, da� Cuwignaka seit Jahren davon tr�umte, das Zelt des gro�en Tanzes zu betreten und dort die M�nnlichkeit zu beweisen, die seine Artgenossen ihm �u�erlich verweigerten. Und dort, in der Einsamkeit und im Schmerz des Tanzes, gedachte er wom�glich auch die Wahrheit dieser geheimen und bedeutsamen Angelegenheit zu erfahren.</p><p>�Tatankasa�, sagte Cuwignaka pl�tzlich. �Was ist los?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Du bist verletzt�, stellte er besorgt fest.</p><p>�Ach, es ist nichts.�</p><p>Cuwignaka kroch zu mir her�ber und legte mir die Hand an die Schl�fe. �Deine Haut ist aufgeplatzt�, sagte er.</p><p>Ich zuckte unter der Ber�hrung zusammen. �Man hat mich geschlagen�, sagte ich.</p><p>Cuwignaka begab sich in den Au�enbereich des Zelts und holte ein Tuch. Damit wischte er mir das Blut aus dem Gesicht.</p><p>�Wer hat das getan?� fragte er.</p><p>�Zwei M�nner, Krieger der Isanna, auf Watonkas Befehl.�</p><p>�Was hattest du angestellt?�</p><p>�Es war t�richt von mir�, sagte ich. Im Augenblick seiner gro�en Entt�uschung sollte sich Cuwignaka nicht mit meinen Dummheiten abgeben m�ssen.</p><p>�Sag�s mir�, forderte er mich auf. Ich nahm ihm das Tuch ab, faltete es zusammen und dr�ckte es gegen meine Wunde, um die Blutung zum Stillstand zu bringen.</p><p>�Da� du nicht tanzen durftest, tut mir leid�, sagte ich. �Denn ich wei�, wie sehr du dir gew�nscht hattest, das Zelt zu betreten.�</p><p>�Warum hat man dich verpr�gelt, mein Freund?� fragte er.</p><p>�Heute fr�h�, antwortete ich, �sprach ich mit einer blonden Sklavin, mit der ich mich einmal vergn�gt hatte. Eine Frau aus der hohen Stadt Ar, war sie von Staubf��en erbeutet und versklavt worden. Sp�ter gab man sie an Sleen weiter, die sie den Gelbmessern verkauften. Zu den Isanna kam sie als Beutest�ck eines �berfalls. Aufgrund ihrer Erlebnisse bei den Gelbmessern konnte sie mir mitteilen, da� die drei Gelbmesser, die sich hier bei uns im Lager aufhalten, nicht Zivilh�uptlinge sind, wie behauptet wird, sondern Kriegsh�uptlinge.�</p><p>�Da irrt sie sich offensichtlich�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Offensichtlich�, antwortete ich und ver�nderte meine Position. Ich hatte Schmerzen am ganzen K�rper.</p><p>�Du hast dies Watonka gesagt?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Lieber h�tte ich es jemand anders mitgeteilt�, meinte ich bedauernd, �und genau genommen habe ich auch zu Bloketu gesprochen. Aber Watonka war dabei.�</p><p>�Zu dumm, wegen einer solchen Sache verpr�gelt zu werden�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Da bin ich deiner Meinung�, sagte ich l�chelnd und nahm das Tuch vom Kopf. Die Wunde klebte zuerst fest, l�ste sich dann aber vom Gewebe, ohne da� sie wieder zu bluten begann. �Ich glaube nicht, da� Watonka uns beachtet h�tte, wenn sich nicht Iwoso auf mich gest�rzt und mich geschlagen und als l�gnerischer Sklave bezeichnet h�tte.�</p><p>�Diese Reaktion kommt mir etwas �bertrieben vor�, sagte Cuwignaka. �Was geht sie das �berhaupt an?�</p><p>�Watonka war ebenfalls sehr zornig�, sagte ich. �Ich hatte schon Sorge, er w�rde mich mit seinem Messer angreifen. Einer der Gelbmesser, einer der Zivilh�uptlinge, verwendete sich f�r mich. Ich wurde nur verpr�gelt.�</p><p>�Das scheint mir f�r einen Gelbmesser sehr r�cksichtsvoll gehandelt�, stellte Cuwignaka fest.</p><p>�Er meinte, es w�re eine Zeit des Gl�cks und des Friedens.�</p><p>�Offenkundig ist er Zivilh�uptling�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja.�</p><p>�Oder tut nur so.�</p><p>�Mir tut alles weh.�</p><p>�Er wollte kein Blutvergie�en�, stellte Cuwignaka fest.</p><p>�Sieht so aus.�</p><p>�Warum wohl?�</p><p>�Daf�r kann es viele Gr�nde geben�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht dachte er, es w�re nicht angebracht, so kurz vor dem Beginn eines Friedensrates noch Blut zu vergie�en�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Au�erdem w�re eine solche Tat aufgefallen. Die Leute k�nnten zum Beispiel fragen, warum sie begangen wurde, was das alles sollte.�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �M�glich.�</p><p>�Warum haben sich Watonka und Iwoso so sehr aufgeregt?� fragte er.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich.</p><p>�Wie hat Bloketu reagiert?�</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie mir �bel wollte.�</p><p>�Dieses Ereignis fand vor dem Eingang des Ratszeltes statt?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Nein, zwischen den Zelten der Isanna.�</p><p>�Aber der Vorfall hat sich doch eben erst ereignet, nicht wahr?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Ja, vor kurzem erst.�</p><p>�Watonka und die anderen waren auf dem Weg zum Ratszelt?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Sie schienen zwischen den Zelten zu warten.�</p><p>�Das ist sehr interessant�, stellte Cuwignaka bed�chtig fest. �Man h�tte doch annehmen k�nnen, da� sie um die Zeit schon auf dem Weg zum Rat w�ren, wenn nicht schon innerhalb des Ratszeltes.�</p><p>�Mag sein.� Ich wu�te nicht, worauf Cuwignaka hinauswollte.</p><p>�Die f�hrenden M�nner des Kaiila-Stammes m��ten sich derzeit im Innern des Ratszeltes befinden�, sagte Cuwignaka. �Warum nicht auch Watonka?�</p><p>�Mahpiyasapa ist ebenfalls nicht dort�, sagte ich. �Er ist irgendwohin verschwunden.�</p><p>�Das d�rfte einen anderen Grund haben�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Ich nehme es auch an.�</p><p>�Um die Zeit, die f�r den Beginn der Ratsversammlung vorgesehen war�, sagte Cuwignaka, �scheint es Watonka nicht eilig zu haben, sich in das Ratszelt zu begeben.�</p><p>�Sieht so aus.�</p><p>�Im Zelt haben sich alle f�hrenden Pers�nlichkeiten der Kaiila versammelt, nicht aber Watonka und die Gelbmesser.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Sag mir, Freund Tatankasa�, fuhr Cuwignaka fort, �kommt dir am Lager heute nicht etwas ungew�hnlich vor? Gibt es etwas, das sich auff�llig vom Normalen unterscheidet?�</p><p>�Die M�dchenhorden sind ins Lager gebracht worden�, sagte ich. �Ich begegnete einem der Burschen, die normalerweise drau�en Wache stehen. Von ihm erfuhr ich, da� alle Herden und W�chter der Isanna zur�ckgerufen worden sind.�</p><p>�Auf wessen Befehl?�</p><p>�Watonkas Befehl.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Keine Ahnung�, r�umte ich ein. �Vermutlich weil wir Tage des Friedens und des Tanzens feiern. Weil es keine Gefahren geben kann. In einer solchen Zeit greift kein Stamm den anderen an.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Cuwignaka langsam, �so ist es seit hundert Wintern gewesen.�</p><p>�Als ich zuerst von alledem erfuhr, machte ich mir gewisse Gedanken�, sagte ich, �aber anscheinend bist du der Meinung, da� man sich keine Sorgen machen mu�.�</p><p>�Das Lager ist im Westen ungesch�tzt�, stellte Cuwignaka fest.</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum hat Watonka dies angeordnet?�</p><p>�Wir haben Tage des Friedens�, sagte ich.</p><p>�Au�erdem w�rde vermutlich selbst eine gr��ere Kriegergruppe davor zur�ckschrecken, ein Lager dieses Umfangs anzugreifen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Als du Watonka und die Gelbmesser sahst�, fragte Cuwignaka, �was haben sie da gemacht? �berleg dir die Antwort genau.�</p><p>�Nichts�, sagte ich.</p><p>�Denk nach!�</p><p>�Also, die Gelbmesser warteten in der N�he einer kleinen Erh�hung zwischen den Isanna-Zelten. Auf dieser kleinen Erh�hung stand Watonka. Dicht neben ihm steckte ein Ast im Boden, umgeben von zwei Kreisen. Ich nehme an, mit Hilfe dieses Stocks wurde die Zeit gemessen. Etwa zur Mittagszeit, so sch�tze ich, m��te sich der Schatten des Stocks innerhalb des inneren Kreises befinden.�</p><p>�Interessant�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, best�tigte ich. �Warum messen sie die Zeit nicht einfach nach der Position der Sonne?�</p><p>�Der Stock gibt genauere Auskunft�, sagte Cuwignaka. �Au�erdem kann man den Schatten genau beobachten, w�hrend die Sonne zu sehr blendet.�</p><p>�Die Ratsversammlung soll zur Mittagsstunde beginnen�, sagte ich. �Zweifellos war man an einer genaueren Zeitbestimmung interessiert, als sie sich durch eine einfache Sonnenbeobachtung ergibt.�</p><p>�Warum?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Ich wei� es nicht.� Dabei kam mir die Frage meines Freundes durchaus vern�nftig vor. Den roten Wilden kommt es sonst auf genaue Zeit nicht an.</p><p>�Ist dir au�erdem noch etwas Ungew�hnliches aufgefallen?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Das eine oder andere�, sagte ich.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Watonka schien sich f�r den Himmel zu interessieren.�</p><p>�Den Himmel?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Hat er den gesamten Himmel beobachtet?�</p><p>�Nein, er schien sich nur f�r eine Richtung zu interessieren.�</p><p>�Welche Richtung?� fragte Cuwignaka besorgt.</p><p>�Den S�dosten.�</p><p>�Ich habe pl�tzlich Angst, Tatankasa�, sagte mein Freund. �Gro�e Angst.�</p><p>�Wovor denn?�</p><p>�Die Pte sind aus dem S�dosten gekommen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja?�</p><p>�Sie kamen dieses Jahr fr�h. Sehr fr�h. Sie h�tten nicht so fr�h bei uns sein d�rfen.�</p><p>�Das stimmt�, antwortete ich. Mit dieser Frage hatten wir uns schon besch�ftigt. Aber erst jetzt schien sie f�r Cuwignaka eine gr��ere Bedeutung zu erlangen.</p><p>�Du scheinst besorgt zu sein�, stellte ich fest. Cuwignakas Angst stimmte mich unbehaglich.</p><p>�Es kann nicht sein!� sagte Cuwignaka entschlossen.</p><p>�Was?� fragte ich.</p><p>�War an Watonka und den Gelbmessern sonst noch etwas Ungew�hnliches zu bemerken?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Er und die gesamte Gruppe, so auch Bloketu und Iwoso, trugen gelbe T�cher oder Sch�rpen um die Oberk�rper.�</p><p>�Warum denn das?�</p><p>�Vermutlich zur Identifizierung.�</p><p>�Durch wen?� fragte Cuwignaka. �Im Lager sind alle bestens bekannt.�</p><p>Mir lief ein kalter Schauder �ber den R�cken. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Erinnerst du dich, Tatankasa, an unser Gespr�ch mit Bloketu und Iwoso vor unserem Zelt?� fragte Cuwignaka. �Es ist jetzt einige Tage her, und ich gerbte gerade eine Kailiaukhaut.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Anscheinend sollte Iwoso eine gr��ere Bedeutung erlangen als bisher. Daraus schlossen wir, da� auch Watonka und sogar Bloketu anschlie�end von gr��erer Wichtigkeit sein w�rden.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber was gibt es Wichtigeres in meinem Volk als den Posten des Zivilh�uptlings einer reichen Bande?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Es sei denn, man w�rde Oberh�uptling aller Banden�, sagte ich. �H�uptling �ber das Ganze.�</p><p>�Aber bei den Kaiila gibt es keine Ersten H�uptlinge, keine Oberh�uptlinge�, sagte Cuwignaka. �So wird bei uns nicht regiert.�</p><p>�Vielleicht sind mit dem Friedensschlu�, den er arrangiert hat, f�r Watonka Prestige und Reicht�mer zu gewinnen�, sagte ich und dachte an unsere bisherigen Spekulationen �ber diese Frage.</p><p>�Watonka besitzt l�ngst ein Verm�gen an Frauen und Kaiila�, widersprach Cuwignaka. �Es gibt nur eines, das er bei unserem Volk nicht erringen kann.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Macht.�</p><p>�Was willst du damit sagen?� fragte ich besorgt. �Nun bekomme ich auch schon Angst!�</p><p>�Welche Zeit haben wir?�</p><p>�Es m��te Mittag sein�, sagte ich.</p><p>�Wir haben keine Zeit zu verlieren!� rief Cuwignaka und sprang auf.</p><p>�Was ist denn los?�</p><p>�Das Lager wird angegriffen�, sagte Cuwignaka. �Im Westen sind die Posten zur�ckgezogen worden. Die Pte kamen fr�h! Watonka schaut zum Himmel hoch, nach S�dosten!�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst�, sagte ich.</p><p>�Warum sind die Pte fr�h gekommen?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Sie wurden von einem neuen Volk gejagt, getrieben�, antwortete mein Freund. �Irgend etwas befindet sich hinter ihnen. Eine neue Macht ist in unser Land eingetreten.�</p><p>�Aber Watonka schaute zum Himmel!�</p><p>�Das erschreckt mich ja so�, entgegnete er. �Das Ganze erinnert mich an die alten Geschichten, die vor langer Zeit von Reisenden erz�hlt wurden, von Kriegern, die weiter herumgekommen waren als andere.�</p><p>�Was k�nnen wir tun?�</p><p>�Wir m�ssen das Lager alarmieren�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Selbst wenn du recht hast�, sagte ich, �selbst wenn das Lager in Gefahr w�re, selbst wenn wir jeden Augenblick mit einem Angriff rechnen m��ten, w�rde uns doch niemand glauben. Du tr�gst ein Frauenkleid. Ich bin Sklave. Man wird uns nur verspotten!�</p><p>�Man wird uns nicht verspotten�, sagte Cuwignaka. �Es gibt einen, der uns zuh�ren wird.�</p><p>�Wen meinst du?�</p><p>�Hci!� sagte Cuwignaka zornig.</p><p>Mit diesen Worten eilte er aus dem Zelt. Ich stand auf und hastete hinter ihm her. Drau�en angekommen, schaute er verzweifelt zum Himmel auf, in s�d�stlicher Richtung, und lief zwischen den Zelten davon. Ich schaute ebenfalls in die L�fte. Aber dort oben war nichts zu sehen.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>�Schaut doch!� rief Hci lachend, der mit einigen Freunden vor dem Zelt der Sleensoldaten sa�. �Da kommen die h�bsche Schwester Cankas und Cankas Sklave Tatankasa.�</p><p>�H�r mich an, Hci!� sagte Cuwignaka dr�ngend. �Bitte!�</p><p>�Kniet nieder!� forderte Hci uns auf.</p><p>Wir gehorchten.</p><p>�Sie wollte in die Tanzhalle!� rief Hci lachend und deutete auf Cuwignaka. �Dabei stand ihr das gar nicht zu!�</p><p>Die jungen M�nner, die im Kreis vor dem Zelt sa�en, fielen in sein Lachen ein.</p><p>�Ich mu� dich sprechen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich habe zu tun�, antwortete Hci, und wieder wurden seine Worte mit einem Lachen quittiert.</p><p>�Ich mu� dich sprechen!� wiederholte Cuwignaka.</p><p>�Es ist v�llig sinnlos, mich um Nachsicht f�r deinen t�richten Bruder Canka zu bitten, der heute fr�h meinen Vater Mahpiyasapa umbringen wollte!� sagte Hci.</p><p>�Das Lager ist in Gefahr!� rief Cuwignaka.</p><p>�Was?�</p><p>�Die Gelbmesser, die Watonka ins Lager aufgenommen hat, sind keine Zivilh�uptlinge�, sagte Cuwignaka. �Eine blonde Sklavin, die zuvor im Besitz von Gelbmessern stand, hat sie als Kriegsh�uptlinge erkannt!�</p><p>�Das ist absurd!� sagte Hci.</p><p>�Von der Westflanke des Lagers sind s�mtliche W�chter abgezogen worden�, fuhr Cuwignaka fort. �Watonka hat die Ratsversammlung ebensowenig aufgesucht wie die Gelbmesser. Die Pte sind zu fr�h gekommen. Watonka schaute zum Himmel empor, in s�d�stlicher Richtung!�</p><p>�Zum Himmel empor?� fragte ein Mann aus dem Kreis.</p><p>�Das ist ja wie in den alten Geschichten�, bemerkte ein anderer.</p><p>�Alles nur L�gen�, behauptete Hci. �Ein Trick! Du willst mich l�cherlich machen!�</p><p>�Die W�chter sind wirklich aus dem Westen abgezogen worden�, sagte ein Mann. �Das ist mir bekannt.�</p><p>�Und die Pte waren wirklich fr�h bei uns�, meinte ein anderer. �Das wissen wir alle.�</p><p>�Wer behauptet, Watonka sei nicht im Ratszelt?� fragte Hci.</p><p>�Kurz vor der Mittagsstunde�, antwortete ich, �sah ich ihn noch mit den Gelbmessern im Lager der Isanna. Ich glaube nicht, da� er �berhaupt die Absicht hat, das Ratszelt aufzusuchen. Ich habe gesehen, wie er in den Himmel geschaut hat, in s�d�stlicher Richtung.�</p><p>�Aber die anderen waren schon im Ratszelt?� fragte Hci.</p><p>�Die meisten�, sagte ich. �Ich nehme es an.�</p><p>�Die f�hrenden M�nner unseres Volkes, jedenfalls die meisten, halten sich zur Zeit im Ratszelt auf�, sagte Cuwignaka. �Sie sind an einem Ort versammelt. Du begreifst gewi�, was das bedeuten k�nnte?�</p><p>�Das ist doch alles nur ein Trick von dir!� sagte Hci.</p><p>�Nein!� widersprach Cuwignaka.</p><p>�Wenn deine Behauptungen zutreffen�, sagte Hci, �w�re Watonka ja ein Verr�ter. Er w�rde die Kaiila verraten.�</p><p>�Ich bin �berzeugt, da� es so ist�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Unm�glich!�</p><p>�Um seiner pers�nlichen Ziele willen�, sagte Cuwignaka ernst, �greift so mancher gute Mann zuweilen zu falschen Mitteln. Erscheint dir das nicht glaubhaft, Hci?�</p><p>Hci senkte �rgerlich den Kopf.</p><p>�Kannst du dir so etwas vorstellen, Hci?� fragte Cuwignaka.</p><p>Der andere schaute ihn zornig an. �Ja�, sagte er.</p><p>�Dann unternimm etwas�, forderte Cuwignaka. �Die Sleensoldaten haben im Lager die Polizeigewalt. Tu etwas!�</p><p>�Das ist ein Trick!� sagte Hci.</p><p>�Die Mittagsstunde ist vorbei�, stellte Cuwignaka fest. �Wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>�Ein Trick!�</p><p>�Ich schw�re dir, da� ich dich nicht hereinlegen will�, sagte Cuwignaka. �Bes��e ich einen Schild, w�rde ich darauf schw�ren.�</p><p>Hci blickte den anderen erstaunt an.</p><p>�Das ist ein sehr heiliger Schwur�, bemerkte einer der Sleensoldaten und zog fr�stelnd die Schultern hoch.</p><p>�W�rdest du wirklich auf einen Schild schw�ren?� fragte Hci.</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka. �Und wenn man schw�rt, mu� einem doch geglaubt werden, oder?�</p><p>�Ja�, antwortete Hci, �einem solchen Schwur sollte man glauben.�</p><p>�Niemand w�rde einen falschen Schild-Eid leisten�, sagte ein Mann.</p><p>Hci erbebte.</p><p>�Liegen dir die Gelbmesser so sehr am Herzen?� fragte Cuwignaka. �Hast du sie noch nie bek�mpft?�</p><p>Hci bedachte den anderen mit einem stechenden Blick. Unwillk�rlich zuckte seine Hand an die wei�liche Narbe in seinem Gesicht, die Spur, die ein Canhpi vor Jahren hinterlassen hatte.</p><p>�Wahrscheinlich kennst du die Gelbmesser so gut wie jeder andere im Lager�, fuhr Cuwignaka fort. �Glaubst du wirklich, da� sie auf Frieden aus sind?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann unternimm etwas!�</p><p>�W�rdest du wirklich auf deinen Schild schw�ren?�</p><p>�Ja.�</p><p>Hci stand auf. �Agleskala�, sagte er, �geh zum Ratszelt. Wenn Watonka nicht dort ist, berufst du dich auf die Macht der Sleensoldaten und r�umst das Ratszelt.�</p><p>�Und was hast du vor?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Ich werde die Kriegspfeife blasen�, sagte er, �und den Kampfstab holen.�</p><p>Zwischen den Zelten links von uns gellte Geschrei auf.</p><p>Die Sonne schien sich pl�tzlich zu verdunkeln, obwohl es keine Wolken gab. Der ganze Himmel schien von einem Strom schrecklicher Gestalten ausgel�scht. Es war, als habe sich pl�tzlich ein Unwetter materialisiert und breche �ber das Lager herein. �ber unseren K�pfen grollten und dr�hnten tausend Donnerschl�ge.</p><p>�Zu sp�t!� rief ich.</p><p>�Die Kinyanpi!� rief jemand. �Die Fliegenden. Die Kinyanpi!�</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Einer der Sleensoldaten, der sich eben erheben wollte, wurde herumgerissen; ein Pfeil war ihm durch die Brust gedrungen, und die Spitze ragte an seiner linken H�fte hervor.</p><p>Verzweifelt schaute Hci himmelw�rts.</p><p>Der Tarn landete, und seine Krallen packten Agleskala. Der Aufprall mu�te ihm sofort das R�ckgrat gebrochen haben. Hci und ich bewegten uns stolpernd r�ckw�rts, von den Fl�gelschl�gen zur Seite gedr�ckt. In dem aufwallenden Staub vermochten wir kaum etwas zu erkennen. Der Tarnk�mpfer, der lediglich einen Lendenschurz trug und seinen K�rper mit purpurner und gelber Farbe grell angemalt hatte, stach mit einer langen Tarnlanze nach uns. Die Bewegung erreichte uns aber nicht mehr, da der Tarn sich bereits wieder in die L�fte schwang. Hci und ich lagen im Dreck und schauten empor. In hundert Fu� H�he wurde Agleskalas K�rper losgelassen.</p><p>�Waffen! Holt Waffen!� rief Hci.</p><p>Dicht neben uns traf ein Pfeil auf und versank beinahe bis zu den Federn im weichen Boden.</p><p>Ich roch Rauch. Geschrei gellte ringsum.</p><p>�Kaiila!� rief Hci. �Holt die Kaiila!�</p><p>�Lauft!� rief ein Mann. �Wir haben keine Zeit, Kriegsmedizin zu machen!�</p><p>�Bewaffnet euch!� br�llte Hci. �Holt Kaiila! Versammelt euch am Ratszelt! K�mpft!�</p><p>�Flieht!� schrie ein Mann.</p><p>�Flieht!� fiel ein anderer in das Geschrei ein.</p><p>�Aufpassen!� mahnte ich.</p><p>Ein Tarnreiter, der sich flach �ber den R�cken seines tieffliegenden Vogels gebeugt hatte, senkte die Lanze in unsere Richtung. Ich packte Hci, zerrte ihn zu Boden und sah die gefiederte Lanze wie einen langen, verwischten Schatten �ber uns dahinrasen. Und schon gewann der Vogel wieder an H�he.</p><p>�Tarnk�mpfer k�nnen das Lager nicht einnehmen�, sagte ich. Hier und dort brannten Zelte. Frauen kreischten.</p><p>Die M�nner, die bei uns gewesen waren, hatten sich in alle Winde verlaufen.</p><p>�Fa� mich nicht an!� fauchte Hci barsch.</p><p>Ich l�ste meine H�nde von ihm.</p><p>�Die Leute werden nach Westen fliehen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Das d�rfen sie nicht!� rief ich.</p><p>Wir sahen einen Kaiilareiter auf uns zugaloppieren. Pl�tzlich verlor er die Balance und fiel vom R�cken seines Tiers. Sich �berschlagend, rollte er durch den Staub. Wir liefen zu ihm, und ich nahm ihn in die Arme. Sein R�cken war blutig. �Sie sind im Lager!� keuchte er.</p><p>�Wer?�</p><p>�Gelbmesser!� hauchte der Mann. �Hunderte von Gelbmessern. Zwischen den Zelten!�</p><p>�Sie sind aus dem Westen gekommen�, sagte Cuwignaka grimmig.</p><p>�Watonka mu� sterben�, sagte Hci.</p><p>Ich legte den K�rper des Mannes nieder. Er war tot. Eine Frau mit einem Kind im Arm floh an uns vorbei.</p><p>Hci stand auf und begab sich in das Zelt der Sleensoldaten. Ich schaute zum Himmel auf. Dieser Teil des Lagers wurde nicht mehr direkt angegriffen. Das Interesse der Tarnreiter, davon war ich �berzeugt, w�rde dem Ratszelt und der n�heren Umgebung gelten. Allein wegen seiner Gr��e war das Zelt nicht zu verfehlen, au�erdem hatten die Angreifer von Watonka und seinen Verb�ndeten zweifellos genaue Beschreibungen erhalten. Kein Wunder, da� er wenig Lust gehabt hatte, dieses Zelt zu betreten.</p><p>�Ich gehe zu Grunts Bau�, sagte ich. �Meine Waffen liegen dort. Er hat sie f�r mich aufbewahrt. Au�erdem finde ich dort Wasnapohdi. Sie braucht vielleicht Hilfe.�</p><p>�In meinem Zelt liegt eine Lanze�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wir holen sie unterwegs�, sagte ich. Es war die Lanze, die vor einigen Wochen mit dem Schaft nach unten neben dem angepflockten Cuwignaka im Boden gesteckt hatte. Anschlie�end war er von mir befreit worden.</p><p>Wir sahen zwei M�nner vorbeilaufen.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen�, sagte ich.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>�Nimm die Lanze!� schrie ich.</p><p>Erstaunt waren wir herumgefahren, wenige Meter von unserem Zelt entfernt, aus dem Cuwignaka soeben die Lanze geholt hatte.</p><p>Vorgebeugt und mit gesenkter Lanze galoppierte der Gelbmesserkrieger auf uns zu, und die trommelnden Hufe seiner Kaiila lie�en den Staub aufwirbeln.</p><p>Cuwignaka duckte sich zur Seite und hob dabei die Arme; seine F�uste f�hrten die eigene Lanze. Holz erschauderte, als die beiden Waffen, Cuwignakas auf der Innenseite, sich gegeneinander drehten. Die gegnerische Lanzenspitze fuhr zwischen Cuwignakas Arm und Hals hindurch. Cuwignakas Lanze ri� den Angreifer vom R�cken seiner Kaiila, die herrenlos weiterlief.</p><p>�Er ist tot�, sagte Cuwignaka und blickte zu Boden.</p><p>�Zieh deine Lanze heraus�, sagte ich.</p><p>Mein Freund stellte dem Mann den Fu� auf die Brust und zerrte die Lanzenspitze frei.</p><p>�In einer solchen Situation�, sagte ich, �ist es sicherer, von au�en zuzustechen, und die andere Lanze wegzudr�cken, um dann dar�ber hinweg anzugreifen.�</p><p>�Er ist tot�, wiederholte Cuwignaka.</p><p>�H�tte er die Lanze weiter rechts ausschwingen lassen�, sagte ich, �h�ttest du dich genau in ihre Bahn bewegt.�</p><p>�Ich habe ihn umgebracht�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Schade, da� wir die Kaiila nicht halten konnten�, stellte ich fest.</p><p>�Er ist tot�, sagte Cuwignaka.</p><p>�H�r doch, was ich dir sage!�</p><p>�Ja, Tatankasa�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen�, sagte ich. �Wir sind gleich bei Grunts Zelt.�</p><empty-line/><p>�Alles in Ordnung?� fragte ich Wasnapohdi beim Eintritt in Grunts Zelt.</p><p>�Ja�, sagte das M�dchen, das angstvoll zwischen einigen Ballen kniete. �Was ist los?�</p><p>�Watonka hat das Lager verraten�, sagte ich. �Es wird von Tarnk�mpfern und Gelbmessern angegriffen. Ist Grunt inzwischen zur�ckgekehrt?�</p><p>�Nein, Cuwignaka, bist du verletzt?�</p><p>�Nein�, antwortete er zitternd. �Das Blut stammt nicht von mir.�</p><p>�Wo sind meine Waffen?� fragte ich Wasnaphohdi.</p><p>�Ich habe einen Mann get�tet�, murmelte Cuwignaka.</p><p>�Hier�, sagte Wasnapohdi, holte ein B�ndel von der Au�enwand des Zeltes und �ffnete es. Darin lagen mein G�rtel mit Schwertscheide und Messerh�lle; au�erdem erblickte ich den kleinen Bogen, den ich vor langer Zeit in Kailiauk erworben hatte, samt seinem K�cher mit zwanzig Pfeilen.</p><p>�Tatankasa�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja?� fragte ich und griff nach dem Waffengurt. Seit ich Cankas Sklavenkragen trug, hatte ich ihn nicht mehr umgehabt.</p><p>�Bewaffne dich nicht�, sagte Cuwignaka. �Als Sklave wirst du vielleicht verschont.�</p><p>Ich schnallte den G�rtel um. Ich zog das Kurzschwert ein St�ck aus der Scheide und lie� es wieder hineinfallen. Ich testete das Messer: Die Scheide sa� fest, aber die Klinge lie� sich m�helos ziehen. Dann beugte ich den Bogen und spannte ihn. Den K�cher warf ich mir �ber die Schulter. Zwei Pfeile nahm ich mit dem Bogen in die Hand, einen dritten setzte ich auf die Bogensehne.</p><p>Ich schaute Cuwignaka an.</p><p>�Das Lager ist gro� und bev�lkert. So ohne weiteres l��t es sich nicht erobern, auch nicht mit einem �berraschungsangriff. Es wird Widerstand geben.�</p><p>Cuwignaka sch�ttelte wie benommen den Kopf. �Ich kann nicht k�mpfen�, sagte er. �Das konnte ich nie.�</p><p>�Komm, Wasnapohdi�, sagte ich zu dem M�dchen. �Wir wollen versuchen, andere zu finden. Vielleicht kann ich dich zu Grunt bringen.�</p><p>Sie stand auf.</p><p>�Wenn n�tig�, sagte ich zu ihr, �wirfst du dich vor Gelbmessern auf die Knie. Vielleicht geben sie sich damit zufrieden, dich zu versklaven.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>Am Zeltausgang wandte ich mich noch einmal zu Cuwignaka um.</p><p>�Ich habe einen Mann get�tet�, sagte dieser erschaudernd. �Das k�nnte ich niemals wieder tun. Es ist zu schrecklich.�</p><p>�Der erste Gegner ist der schwerste�, sagte ich.</p><p>�Ich kann nicht k�mpfen�, behauptete er.</p><p>�Wenn du hierbleibst, mu�t du bereit sein, dich wehrlos zu ergeben oder mit den Unschuldigen zu sterben.�</p><p>�Respektierst du mich, Tatankasa?� fragte er.</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Der Tod wird dich aber nicht respektieren. Der hat vor niemandem Respekt. Vor gar nichts.�</p><p>�Bin ich ein Feigling?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Irre ich mich?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich wei� nicht, was ich tun soll. Ich bin v�llig durcheinander.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Mitakola, mein Freund�, sagte ich. �Komm, Wasnapohdi.�</p><p>Ich schaute mich kurz drau�en um und verlie� das Zelt. Wasnapohdi folgte mir. Wir bahnten uns unseren Weg zwischen Zelten hindurch, von denen etliche brannten. Gef�llte Fleischgestelle waren umgesto�en worden. Zum Trocknen aufgespannte Felle hatte man eingerissen und zertrampelt. Einmal wandte ich mich kurz um. Hinter mir war Cuwignaka aufgetaucht, der noch immer sehr mitgenommen wirkte. Er umklammerte seine Lanze mit beiden H�nden. �Ich komme mit�, sagte er. Dann setzten wir unseren Weg fort.</p><empty-line/><p>�Zur�ck!� fl�sterte ich. �Runter!�</p><p>Wir traten zur�ck und suchten hinter einem Zelt Schutz. Elf Reiter trabten vor�ber.</p><p>�Gelbmesser�, sagte ich.</p><p>Etliche Krieger hatten blutige Skalps am G�rtel h�ngen.</p><p>�Wenn du nicht k�mpfst�, fragte ich Cuwignaka, �wer soll dann die Schwachen und Unschuldigen besch�tzen?�</p><p>�Ich kann nicht k�mpfen�, sagte er. �Ich kann nicht anders, es geht einfach nicht.�</p><p>�Wohin wollen wir, Herr?� fragte Wasnapohdi.</p><p>�Wir n�hern uns dem Ratszelt.�</p><p>�Dort liegt sicher das Zentrum des Angriffs�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wir haben keine Kaiila f�r die Flucht�, gab ich zur�ck. �Wenn sich �berhaupt Widerstand herausbildet, dann logischerweise dort, besonders wenn es sich um organisierten Widerstand handelt. Das Ratszelt ist der Mittelpunkt des Lagers. Man kommt leicht dorthin � und kann von dort auch ohne weiteres einen Ausfall machen.�</p><p>�Da hast du recht�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Dann komm�, sagte ich.</p><empty-line/><p>�Vorsichtig!� mahnte ich fl�sternd. �Ganz still jetzt. Da vorn scheint ein Sammelpunkt zu sein.�</p><p>�Wie schrecklich wir M�dchen doch behandelt werden!� japste Wasnapohdi. �Wie Holzst�cke werden wir aneinandergefesselt.�</p><p>Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, da wurde eine wei�e nackte Sklavin zu den anderen Gefangenen gesto�en. Ihr H�scher, ein Gelbmesser, stieg von seiner Kaiila, l�ste seinen kleinen Lederbeutel von seinem G�rtel, tauchte einen Finger hinein und drehte ihn. Dann legte er den Sack fort. Sein Finger war schwarz gef�rbt. Er hielt das M�dchen mit der linken Hand an der Schulter fest und zeichnete ein Mal auf ihre linke Brust. Einen Augenblick lang betrachtete er sein Werk, wischte dann seinen Finger ab und verstaute den Beutel. Das schluchzende M�dchen schaute ebenfalls auf das Zeichen � das Symbol ihres neuen Herrn. Gleich darauf war der Krieger wieder auf seine Kaiila gestiegen und davongaloppiert.</p><p>�Einige gefangene Frauen sind roth�utig�, sagte ich zu Cuwignaka, �zweifellos ehemalige freie Frauen der Kaiila.�</p><p>�Frauen sind dazu geboren, den M�nnern zu dienen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Schau sie dir an�, sagte ich zu Wasnapohdi. �Da sind all die Frauen, nackt und gefesselt, reine Beutest�cke.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Sicher bemitleidest du sie sehr.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Gleichwohl erregt dich ihr Anblick. M�chtest du an ihrer Stelle sein?�</p><p>�Nein, Herr�, antwortete sie. �Ich bin ja bereits mit Sklavenherren zusammen.�</p><p>�Ich bin kein solcher Herr�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ist er einer?� fragte ich Wasnapohdi. Sie war eine Frau. Sie mochte meine Frage beantworten k�nnen.</p><p>�In ihm steckt etwas, das zu einem wahren Sklavenherrn geh�rt�, sagte Wasnapohdi. �Ich sp�re es deutlich.�</p><p>�Ich trage ein Frauenkleid�, wandte Cuwignaka ein. �Und weigere mich zu k�mpfen.�</p><p>�In dir steckt etwas, das dich zum Herrn �ber Sklaven und Gegner machen k�nnte�, sagte Wasnapohdi.</p><p>�Absurd!�</p><p>�Du allein mu�t dar�ber entscheiden�, sagte sie.</p><p>�Wir wollen weiter�, schaltete ich mich ein. �Wir m�ssen in das Zentrum des Lagers.�</p><empty-line/><p>�Das Tanzzelt�, sagte ich.</p><p>Rechts von uns erhob sich das gro�e runde Bauwerk aus Zweigen und Holz. Es umschlo� eine festgetretene Tanzfl�che von etwa f�nfzig Fu� Durchmesser. St�mme und Zweige bildeten die Decke. In der Mitte, durch ein in das Gezweig gerissenes Loch deutlich zu erkennen, erhob sich der schmale, borkenlose, zweifach gegabelte Stamm, den Winyela vor einigen Tagen gef�llt hatte. Der Stamm war offenbar mit Messern und �xten traktiert worden. Auf allen Seiten zeigten sich die W�nde eingerissen; m�glicherweise waren die Gelbmesser durch diese �ffnungen eingedrungen. Drinnen zeigten sich hier und dort Blutflecke im Staub; Spuren wiesen darauf hin, da� K�rper aus dem Zelt gezerrt worden waren.</p><p>�So wie ich die Dinge sehe, war dieser Ort f�r dein Volk etwas Heiliges�, sagte ich. �Er ist entehrt worden.�</p><p>�Ich kann trotzdem nicht k�mpfen�, sagte Cuwignaka kopfsch�ttelnd.</p><empty-line/><p>�Schau nicht hin�, sagte ich warnend zu Cuwignaka. �Es wird dich ersch�ttern.�</p><p>�Tatankasa!� sagte er.</p><p>�Ich habe ihn gesehen�, sagte ich. �Komm weiter.�</p><p>Aber schon kniete Cuwignaka zwischen den Toten nieder und wiegte den kleinen K�rper in den Armen.</p><p>�Gehen wir!� sagte ich.</p><p>�Er war noch ein Kind�, sagte er klagend.</p><p>Wasnapohdi wandte den Blick ab. Ihr schien �bel zu sein. Es war kein h�bscher Anblick.</p><p>�Wir haben ihn gekannt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Dort liegt die Mutter�, sagte ich.</p><p>�Wir kannten ihn!� wiederholte mein Freund.</p><p>�Ja�, sagte ich beruhigend. Ein kleiner Junge der Kaiila: Cuwignaka und ich hatten ihn gut gekannt. Oft hatten wir f�r ihn den Reifen geworfen, den er mit seinen kurzen Pfeilen sicher durchschossen hatte.</p><p>�Er ist tot�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Warum hat man ihm das angetan?� fragte Cuwignaka und wiegte die kleine Leiche in den Armen.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich. In gewisser Weise konnte ich die Kampfriten der roten Wilden verstehen, soweit sie sich zwischen erwachsenen Kriegern abspielten. Sie gaben einer gewissen Erleichterung Ausdruck, sie waren Zeichen des Lebens, des Sieges, des Triumphs. Nicht verstand ich, da� oft Frauen und Kinder davon betroffen waren.</p><p>�Er war doch noch ein Kind�, sagte Cuwignaka verzweifelt. �Warum haben sie das getan?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte ich ratlos.</p><p>�Gelbmesser haben dies getan!� sagte er.</p><p>�Vielleicht auch jene Krieger, die man Kinyanpi nennt�, wandte ich ein. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Feinde haben dies getan�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja.�</p><p>Langsam legte Cuwignaka den toten Jungen hin. Dann schaute er mich an. �Lehre mich zu t�ten�, sagte er.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>�Runter!� fl�sterte ich.</p><p>Wir lagen hinter dem Zelt. F�nf Gelbmesser passierten uns in schnellem Trab auf den R�cken ihrer Kaiila. Als der letzte vorbei war, trat ich hervor und scho� meinen Pfeil ab.</p><p>�Es wird eine Weile dauern, bis sie merken, da� sie nur noch zu viert sind�, sagte ich. �Aber bald brauchen wir Kaiila.�</p><p>�Wir werden sie bekommen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Oh!� rief die Frau, eine von zwei Sklavinnen, die gefesselt am Boden hockten.</p><p>Der Gelbmesser, der sie bewachte, fuhr herum, doch zu sp�t: Cuwignakas Lanze traf ihn in die Brust.</p><p>Die Frau begann zu schreien. Cuwignaka befreite seine Lanze und brachte sie mit einem energischen Schlag an die Schl�fe zum Schweigen. Ihr L�rmen h�tte andere Gelbmesser herbeirufen k�nnen.</p><p>�Hier finden wir auch keine Kaiila�, sagte ich und wu�te nicht recht, warum Cuwignaka �berhaupt Halt gemacht hatte.</p><p>�Dies war ein Sammelpunkt oder sollte einer werden�, sagte Cuwignaka und deutete auf die beiden Frauen.</p><p>�Du meinst, M�dchen sollen an dieser Stelle deponiert oder von hier abgeholt werden?�</p><p>�Ja�, antwortete Cuwignaka. �Und aus der Art der Fesselung, die nicht darauf hindeutet, da� die M�dchen bald fortgef�hrt werden sollen, ist zu schlie�en, da� weitere Gefangene hierhergebracht werden.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. Wir durften also damit rechnen, da� M�nner auf Kaiila kommen w�rden, um weitere Frauen zu bringen, und konnten uns entsprechend in den Hinterhalt legen.</p><p>�Wir sollten ein St�ck entfernt in Deckung gehen�, sagte ich, �denn die Ankommenden halten vielleicht nach dem W�chter Ausschau.�</p><p>�Wir werden Spuren suchen�, sagte Cuwignaka. �Ich glaube nicht, da� das schwierig sein wird.�</p><p>�Interessant, da� wir hier einen W�chter vorfanden�, sagte ich. �Der andere Sammelpunkt war unbewacht.�</p><p>�Das scheint mir darauf hinzudeuten�, sagte Cuwignaka, �da� wir dem Zentrum des Kaiila-Widerstandes langsam n�herkommen.�</p><p>�Noch etwa f�nf Ahn bis Dunkelwerden�, stellte ich fest.</p><p>�Bis dahin, so hoffe ich, haben wir Kaiila und k�nnen uns dem Widerstand anschlie�en�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ich nickte. Eine Flucht aus dem Lager, wom�glich noch mit Fl�chtlingen, hatte nach Einbruch der Dunkelheit die gr��ten Chancen.</p><p>�Du kannst dich aufrichten�, sagte Cuwignaka zu dem M�dchen, das er eben zum Schweigen gebracht hatte. �Das sieht nat�rlicher aus.�</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie und kam seinem Befehl nach.</p><p>Cuwignaka sah mich verwirrt an und begann zu l�cheln. Ganz selbstverst�ndlich hatte ihn das M�dchen als �Herrn� angesprochen.</p><p>Die beiden M�dchen hockten nebeneinander und wagten nicht den Blick zu heben.</p><p>�Ich finde, wir sollten unseren Freund verschwinden lassen�, schlug ich vor und deutete auf den Gelbmesser.</p><p>Cuwignaka, der dem Toten bereits den Skalp genommen hatte, nickte. Es war wirklich nicht ratsam, den Mann hier liegen zu haben, wenn andere Gelbmesser sich der Sammelstelle n�herten.</p><p>Gleich darauf kehrte Cuwignaka mit leeren H�nden zur�ck.</p><p>Kritisch musterte er die Frau, die zu Anfang geschrien hatte und daf�r gestraft worden war.</p><p>�Verzeih mir, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Du bist gefesselt, damit deine Gelbmesser-Herren ihren Spa� mit dir haben k�nnen�, sagte Cuwignaka ver�chtlich und betrachtete ihre wohlgeformte Gestalt.</p><p>�Warum sollten Gelbmesser die ersten sein?� fragte ich.</p><p>Cuwignaka blickte mich an.</p><p>�Hast du schon jemals eine Frau besessen?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Nimm sie�, sagte ich, �ich passe solange auf.�</p><empty-line/><p>�Herr, Herr!� schluchzte das M�dchen, und Cuwignaka schien unwillig zu sein, sie aus seinen Armen zu entlassen.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� es solche Freuden gibt�, sagte er schlie�lich, als er zu mir und Wasnapohdi zur�ckkehrte. �Was f�r Gef�hle! Was f�r ein Triumph!�</p><p>�Es wird Zeit, da� wir uns Kaiila besorgen�, mahnte ich.</p><p>�Wir sollten Spuren suchen�, sagte er.</p><p>Aus einiger Entfernung schauten wir noch einmal auf die beiden gefesselten M�dchen am Sammelpunkt zur�ck.</p><p>�Ich hatte keine Ahnung, da� es solche Freuden gibt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Sie k�nnen so lange oder so kurz, so oberfl�chlich oder so aufw�hlend sein wie du willst�, sagte ich. �Aber vielleicht h�ttest du die Sklavin doch nicht nehmen sollen�, f�gte ich hinzu.</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Vielleicht hat sie dich f�r andere Frauen verdorben�, sagte ich.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Die drei gefesselten M�dchen schrien auf.</p><p>Der Gelbmesser, der hinter ihnen ritt, glitt vom R�cken seiner Kaiila; ein Pfeil hatte ihn in die Brust getroffen.</p><p>Der zweite Gelbmesser senkte seine Lanze in die Angriffsstellung, stie� einen Wutschrei aus und spornte seine Kaiila an. Das Tier st�rmte auf Cuwignaka los.</p><p>�Halte dich auf der Au�enseite seiner Lanze!� br�llte ich. Cuwignaka besa� keinen Schild. Er mu�te den Angriff mit der eigenen Lanze ablenken. Mit Schild h�tte er den Gegner von innen angreifen k�nnen, die Lanze nach links dr�ckend, mit der eigenen Waffe die ge�ffnete Mitte suchend. Ich setzte einen neuen Pfeil aus der Hand auf die Bogensehne; im Kampf werden gew�hnlich einige Pfeile in der Hand oder im Mund in Bereitschaft gehalten, denn im Zweifel kann der Weg vom K�cher zum Bogen zu lang werden.</p><p>Cuwignaka stie� die angreifende Lanze mit seiner Speerspitze zur Seite. Der Angreifer war so schnell gekommen, da� er seine Waffe nicht wieder freibekam. Die Kaiila stoppte in einer Staubwolke, ging auf die Hinterhand nieder und fuhr herum. Ich hob den Bogen � und senkte ihn wieder. Ein genauer Schu� war nicht m�glich. Beim zweiten Durchlauf wich Cuwignaka nach rechts aus. Sein Gegner reagierte mit einem Wutschrei, denn er kam mit seiner Lanze nicht �ber den Hals seiner Kaiila herum. Cuwignakas aufw�rts gerichteter Sto� dagegen wurde m�helos von dem Schild des Gelbmessers abgewehrt � einem dicken Schutz aus undurchdringlichem Kailiauk-Nackenleder, durch Erhitzen und Kaltschrumpfen �ber den Rahmen gespannt.</p><p>Wieder senkte ich fluchend meine Waffe und wechselte die Position.</p><p>Ein zweitesmal fuhr die Kaiila trampelnd und schnaubend herum und lie� explosionsartig den Staub aufsteigen.</p><p>Der Reiter hob die Lanze �ber den Hals des Tiers, vor den Schild an seinem linken Arm. In dieser Position, den Gegner auf der linken Seite attackierend, bewegt sich der Reiter im Schutz seines Schildes � ein wohl mehr als angemessener Ausgleich f�r den eingeschr�nkten Bewegungsradius f�r die Lanze zwischen Schild und Kaiilahals. Die Kaiila war gut trainiert; ihr linkes Ohr wies eine Kerbe auf. Zweifellos w�rde sie sich so bewegen, da� Cuwignaka auf der linken Seite ihres Reiters blieb, auch wenn sie dazu ihren Angriffsweg �ndern mu�te.</p><p>Ich versuchte auf die rechte Seite des Reiters zu gelangen. Doch schon hatte er seine Attacke begonnen. Ich h�rte die beiden Lanzensch�fte gegeneinanderscharren � Cuwignaka dr�ckte die angreifende Spitze zur Seite, dann h�rte ich ein kurzes schlagendes Ger�usch und sah, wie Cuwignaka von der Seite der Kaiila einen Hieb empfing und r�ckw�rts torkelnd zu Boden ging, getroffen von dem vor�berhuschenden Schild, gedr�ckt vom Gewicht der Kaiila und ihres Reiters. Cuwignakas Lanze fiel zu Boden. Bei einer ausgebildeten Kaiila, die sich stets so stellt, da� die Lanze ihres Reiters am besten ins Spiel kommt, ist gegen solche Man�ver kaum ein Kraut gewachsen. Gelangt man dicht genug an den Gegner heran, um wirksam zu k�mpfen, bringt das im allgemeinen auch die Gefahr eines solchen Schildschlages mit sich. Der Hieb war kr�ftig genug gef�hrt worden, da� ich im ersten Moment f�rchtete, Cuwignaka sei das Genick gebrochen worden. Der Reiter lie� seine Kaiila herumwirbeln, nach rechts, so da� sein Schild zwischen ihm und meinem Pfeil blieb. Cuwignaka hatte sich auf den Knie hochgestemmt und sch�ttelte den Kopf. Seine Waffe lag ein Dutzend Schritte entfernt. Der Reiter senkte die Lanze, um sein Opfer zu erledigen.</p><p>�Runter!� br�llte ich.</p><p>Cuwignaka warf sich f�rmlich unter die Hufe der Kaiila und die herabsto�ende Lanze, die nun im Staub landete. Die Kaiila verhielt beinahe �ber Cuwignaka und drehte sich immer wieder mit gesenkter Lanze. In seiner Verzweiflung griff Cuwignaka danach und lie� sich von der Waffe, die unter dem Arm des Gelbmesser-Kriegers steckte, aufw�rts ziehen und halb durch den Sand schleifen. Der Reiter stie� einen Wutschrei aus. Cuwignaka lie� seine Lanze nicht los. Er war an der Schl�fe getroffen, Blut lief ihm in das linke Auge. Ich war nur noch wenige Fu� vom Reiter entfernt. Dieser hatte sich zur Seite gebeugt und versuchte die Kontrolle �ber seine Lanze zur�ckzugewinnen. Cuwignaka befand sich zwischen ihm und meiner Waffe. Der Reiter, der von meiner Anwesenheit wu�te, zog die Kaiila herum und brachte von neuem seinen Schild zwischen uns. Gleichzeitig zerrte er ruckhaft an der Lanze, die Cuwignakas Handfl�chen aufri� und frisches Blut hervortreten lie�. Dann lie� er die Lanze nach unten gegen die Kaiilaflanke schwingen, und Cuwignaka verlor das Gleichgewicht und rollte unter die Hufe des Reittiers. Mit einem Triumphschrei schwenkte der Gelbmesser die Lanze und trieb seine Kaiila an, um einen neuen Angriff zu beginnen. Ich senkte meinen Bogen. Cuwignaka war aufgesprungen und sprintete hinter dem Reiter her. Ich l�chelte. Wenn der Gelbmesser seine Taktik nicht �nderte, mochte Cuwignakas Verzweiflungstat sogar gelingen. Der Gelbmesser lie� seine Kaiila halten, auf die Hinterhand hochsteigen, die Vorderhufe durch die Luft wirbelnd � und beinahe gleichzeitig sprang Cuwignaka von hinten auf den R�cken des Tiers und landete hinter dem Gelbmesser. Die beiden M�nner st�rzten zusammen in den Staub. Gleich darauf erhob sich Cuwignaka mit blutigem Messer.</p><p>�Ich hole die Kaiila�, sagte ich.</p></section><section><title><p>22</p></title><p>�Schaut�, sagte Cuwignaka und deutete nach vorn.</p><p>Ein Kaiilareiter n�herte sich mit senkrecht gestellter Lanze, an der etliche Federn wehten.</p><p>Wir hatten die beiden Kaiila erstiegen, die wir von den Gelbmessern erbeuten konnten. Es war ein angenehmes Gef�hl, die Tiere zwischen den Beinen zu sp�ren. Ich hatte meinen Bogen in die Bogenh�lle des von mir get�teten Gelbmesser-Kriegers gesteckt und seine Pfeile in meinen K�cher �bernommen. Au�erdem hatte ich mir seine Lanze und seinen Schild angeeignet. Cuwignaka hatte seine Lanze an sich genommen und sich dar�ber hinaus mit einen Schild versehen. Wasnapohdi lief an der linken Flanke meiner Kaiila.</p><p>�Ein Kaiila-Krieger�, sagte ich.</p><p>�Es ist Hci!� rief Cuwignaka.</p><p>Mahpiyasapas Sohn z�gelte sein Reittier vor uns. �Zwei Gelbmesser ritten eben in diese Richtung�, sagte er.</p><p>�Sie sind nicht weitergekommen�, sagte Cuwignaka.</p><p>Hci betrachtete die beiden Toten, die in ziemlicher Entfernung voneinander lagen. �Wer hat sie get�tet?� fragte er.</p><p>�Du bist allein�, sagte Cuwignaka. �Hattest du die Absicht, die beiden Gelbmesser allein anzugreifen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du bist ein mutiger Mann�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wie kommt es, da� ihr Kaiila besitzt?� fragte Hci. �Ihre Bemalung und das Geschirr deuten darauf hin, da� sie Gelbmessern geh�ren.�</p><p>�Diese Gelbmesser brauchten sie nicht mehr�, erwiderte Cuwignaka.</p><p>�Wie kommt es, da� ein Sklave Waffen tr�gt?� fragte Hci und musterte mich.</p><p>�Ich habe es ihm erlaubt�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Wer hat diese Gelbmesser get�tet?� fragte Hci.</p><p>�Bist du entt�uscht, da� nicht du es warst?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Nein�, antwortete der junge Krieger. �Es ist egal. Ich habe heute schon viele Coups errungen.�</p><p>In diesem Augenblick schien mir, als bewege sich Hcis Schild aus eigenem Antrieb, als bes��e er eigenes Leben. Er schien ihn festhalten und dicht an sich pressen zu m�ssen. Nie zuvor hatte ich so etwas gesehen.</p><p>�Wer hat die beiden get�tet?� fragte Hci.</p><p>�Zwei, die sich auf die Lauer gelegt hatten�, gab Cuwignaka Auskunft. Auch er hatte die Eigenart von Hcis Schild bemerkt. Es sah so aus, als m�sse Hci s�mtliche Kr�fte seines Arms aufbieten, um den Schild in der Gewalt zu behalten. Im n�chsten Moment zeigte sich der Schild wieder beruhigt, ganz normal, offenkundig nichts anderes als ein Ledergegenstand, bemalt mit Mustern, verziert mit Federn.</p><p>�Isbu?� fragte Hci.</p><p>�Der eine war ein Isbu�, antwortete Cuwignaka, �der andere nicht.�</p><p>�Kanntest du ihre Namen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wer waren sie?�</p><p>��Cuwignaka� und �Tatankasa��, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Es ist ein schlimmer und blutiger Tag f�r die Kaiila�, sagte Hci. �Spiel hier nicht den �berschlauen.�</p><p>�Verzeih mir�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du hast dich sogar dazu verstiegen, dir Skalps an den G�rtel zu heften�, bemerkte Hci. �Woher hast du sie?�</p><p>�Ich nahm sie einigen Burschen ab, die so herumlagen�, antwortete Cuwignaka gelassen.</p><p>�Vergi� nicht, da� du eine Frau bist und nichts weiter � und du Sklave�, sagte Hci und blickte uns nacheinander an.</p><p>�Ich bin keine Frau�, sagte Cuwignaka ruhig.</p><p>�Ihr besitzt nun Kaiila�, fuhr Hci fort. �Das ist gut. Das gibt euch die Chance zu fliehen.�</p><p>�Ist das Lager denn schon verloren?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Nein, wir halten es�, antwortete Hci.</p><p>�Dann werden wir auch nicht fliehen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Die beiden, die die Gelbmesser t�teten � sind sie geflohen?� wollte Hci wissen.</p><p>�Ebensowenig wie wir�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Solltet ihr wieder mit ihnen in Ber�hrung kommen�, sagte Hci, �sagt ihnen, da� sich unsere Streitkr�fte in der N�he des Ratszeltes sammeln sollen.�</p><p>Ich hatte schon vermutet, da� sich der Widerstand in jener Gegend formieren w�rde. Es war der Mittelpunkt des Lagers und lag �berdies ein wenig erh�ht.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Richtest du aus, was ich dir gesagt habe?�</p><p>�Du kannst davon ausgehen, da� deine Nachricht schon ausgerichtet ist�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Gut�, sagte Hci. Dann wendete er seine Kaiila, hielt sie dann aber noch einmal an. �Mahpiyasapa ist zur�ckgekehrt�, sagte er. �Er und Kahintokapa von den Gelben Kaiilareitern leiten unsere Abwehr. Sorgen macht uns nur die m�gliche R�ckkehr der Kinyanpi, der Fliegenden.�</p><p>�Darf ich etwas sagen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte Hci.</p><p>�Gegen die Fliegenden kann man sich zur Wehr setzen�, f�hrte ich aus. �Watonka und seine Begleiter trugen gelbe T�cher oder Sch�rpen, um von den Kinyanpi erkannt zu werden. Deine Krieger k�nnten sich dieses Tricks bedienen. Dann wissen die Kinyanpi nicht mehr, auf wen sie schie�en sollen, besonders im Kampfget�mmel. Au�erdem solltest du dir �berlegen, Bogensch�tzen in die Anflugbereiche zu entsenden; damit lassen sich die eigenen Reiter sch�tzen. Gesch�rfte Pfl�cke k�nnen Tarnangriffe verhindern. Seile, die man zwischen Zelten spannt, behindern Tiefflug-Attacken und versuchte Landungen. T�cher und andere Tarnfl�chen, selbst wenn man sie nur hier und dort spannt, bilden Verstecke und tarnen, was sich darunter befindet, besonders aus gro�en H�hen; andere solche Konstruktionen lenken Bogensch�tzen aus der Luft ab, die kein sicheres Ziel mehr finden.�</p><p>�Hast du solche Ma�nahmen als wirkungsvoll erlebt?� fragte Hci.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Ich spreche mit Mahpiyasapa�, sagte Hci.</p><p>�Grunt ist mein Freund�, fuhr ich fort. �Ist er mit Mahpiyasapa ins Lager zur�ckgekehrt?�</p><p>�Ja, er ist bei uns.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Hci�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja?� fragte Hci.</p><p>�Was ist mit Watonka?� erkundigte sich Cuwignaka. �K�mpft er auf Seiten der Gelbmesser?�</p><p>�Ich hatte die Absicht, ihn zu t�ten�, sagte Hci. �Deswegen ritt ich ins Lager der Isanna. Ich fand ihn dort. Er war bereits tot, ebenso wie etliche andere. Ich glaube, sie wurden von den Gelbmessern umgebracht, die man ins Lager gelassen hatte. Sie waren nicht an Pfeilsch�ssen gestorben, sondern an Messerwunden. Au�erdem waren die Gelbmesser verschwunden. Vermutlich geschah es, als der Angriff der Kinyanpi begann. Da brauchte man ihn nicht mehr.�</p><p>�Und Bloketu?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Die Verr�terin?�</p><p>�Ja, Bloketu, die Verr�terin!�</p><p>�Ich wei� nicht, was aus ihr geworden ist�, sagte Hci.</p><p>�Du hast sie nicht unter den Toten gefunden?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann m�ssen die Gelbmesser sie mitgenommen haben.�</p><p>�Mag sein�, sagte Hci.</p><p>Ich glaube ziemlich sicher zu wissen, was aus der h�bschen verratenen Verr�terin geworden war. Ich erinnerte mich an das aufgerollte d�nne Seil, das ihre Zofe Iwoso an der H�fte getragen hatte. Wegen ihrer Teilnahme an dem �berfall war Iwoso bei den Gelbmessern jetzt sicher eine wichtige Frau � eine hochstehende Dame, der nat�rlich eine Zofe zustand.</p><p>�Da du nur eine Frau und Sklavin bist�, sagte Hci, �w�rde ich dir raten zu fliehen, zumal du jetzt eine Kaiila besitzt.�</p><p>�Vielen Dank f�r deinen f�rsorglichen Rat�, sagte Cuwignaka. Und wirklich � ich konnte mir vorstellen, da� Hci auf seine Art h�flich und r�cksichtsvoll gegen uns sein wollte. In seiner Vorstellung war Cuwignaka eben vorwiegend eine Frau � w�hrend ich f�r ihn nat�rlicherweise ein Versklavter war. Cuwignaka verstand seine Bemerkung also richtig als hilfreichen Rat f�r uns beide. Wir schienen hier einen neuen Hci vor uns zu haben, der weitaus weniger eitel und arrogant war als der alte.</p><p>�Wenn du dich andererseits in die Gegend des Ratszelts begeben m�chtest, um dich dort zu den Frauen und Kindern zu kauern, kannst du das gern tun�, fuhr der junge Krieger fort. �Im Augenblick ist der Weg zum Ratszelt noch frei.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Aber bald wird es dort zu K�mpfen kommen.�</p><p>�Verstanden�, sagte Cuwignaka.</p><p>Hci wendete seine Kaiila und ritt davon.</p><p>�Hast du vorhin die Bewegung seines Schildes bemerkt?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, antwortete ich, �und ich habe so etwas nie gesehen. Es ist unheimlich.�</p><p>�Ich habe Angst�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ein kalter Schauder lief mir �ber den R�cken. Aber ich nahm mich zusammen. Der Himmel war strahlend hell. Flauschige wei�e Wolken bewegten sich �ber uns. Es war ein guter Tag f�r das K�mpfen.</p><p>�Reiten wir zum Ratszelt oder fliehen wir?� fragte ich.</p><p>�Diese Frage werden wir entscheiden, wie es sich f�r einen Angeh�rigen meines Volkes geziemt�, antwortete Cuwignaka. �Siehst du den einsamen Flieger am Himmel?�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Sollte er nach Norden oder Westen fliegen�, sagte er, �reiten wir zum Ratszelt.�</p><p>�Und wenn er sich nach S�den oder Osten wendet?�</p><p>�Dann reiten wir zum Ratszelt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Der Vogel fliegt nach Norden�, bemerkte ich.</p><p>�Dann ist die Sache ja entschieden. Zum Ratszelt!�</p><p>�Ich hoffe, da� es dazu kommen w�rde�, sagte ich.</p><p>�Ich auch�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ein sehr schlauer Flieger.�</p><p>Wir r�ckten unsere Waffen zurecht.</p><p>�Reiten wir�, sagte ich.</p><p>�Was ist mit denen?� fragte Cuwignaka und deutete mit seiner Lanze auf die drei Sklavinnen, die von den Gelbmessern bewacht worden waren.</p><p>�Wir lassen sie hier zur�ck�, sagte ich zu Cuwignaka. �Es sind ja nur Sklavinnen.�</p><p>�Das bin ich auch, Herr�, warf Wasnapohdi ein und schaute zu mir auf.</p><p>�Du darfst uns begleiten�, sagte ich.</p><p>�Danke, Herr.�</p></section><section><title><p>23</p></title><p>�Gut gemacht!� rief ich Cuwignaka zu.</p><p>Beim Aufprall von Schild und Lanze hatte seine Kaiila den Halt verloren, war herumgefahren und hatte sich auf die Hinterhand niedergesetzt. Cuwignaka geriet nicht aus dem Gleichgewicht, sondern konnte sich halten. W�hrend sich sein Tier wieder aufrappelte, hatte er einen vorbeigaloppierenden Gelbmesser unterhalb des Schildes getroffen. Der Schwung des Angreifers hatte Cuwignaka zur Seite herumgezogen, doch wieder lie� er sich nicht vom Kaiilar�cken dr�cken. Aus der gleichen Bewegung heraus war der Gelbmesser wieder von der Lanzenspitze geglitten und gleich darauf in den Sand gest�rzt.</p><p>Ich schaute mich um.</p><p>Rechts von mir k�mpften Hci und Cuwignaka beinahe Seite an Seite.</p><p>Ich schlug eine heranzuckende Gelbmesser-Lanze zur Seite, deren Spitze eine Furche durch meinen Lederschild zog. Zwischen den Kaiila waren auch M�nner zu Fu� in Zweik�mpfe verwickelt, Gelbmesser und Kaiila. Mein Angreifer zog seine Kaiila im gleichen Moment herum, wie ich mein Tier in die neue Richtung brachte. Lanzen prallten gegen Schilde, und wieder waren wir auseinander. Schrille Schreie gellten durch die Luft. Die roten Wilden sind es nicht gew�hnt, ihre K�mpfe in w�rdigem Schweigen zu absolvieren. Ihr Geschrei hat nat�rlich auch einen Zweck. Es soll das Aggressionsgef�hl steigern und Emotionen ablassen. Auch hilft der L�rm vielleicht dabei, den Gegner einzusch�chtern und zu behindern, indem er n�mlich die eigene Seite schrecklicher und unbesiegbarer erscheinen l��t, als sie wirklich ist. Ein solcher Kriegslaut, wird er �berraschend ausgesto�en, kann einen Gegner schon vor�bergehend erstarren lassen, was dann zu einem kurzen Angriffsvorteil f�hrt. �hnliche Erscheinungen gibt es auch in der Tierwelt, beispielsweise bei Larls, die ihre Opfer auf diese Weise erschrecken.</p><p>�Vorsicht!� rief ich.</p><p>Eine Kaiila drehte sich und empfing den Canhpi-Schlag eines Gelbmessers auf dem Schild.</p><p>Ich ri� mein Bein hoch, das blut�berstr�mt war. Mit dem Speerschaft hieb ich nach rechts. Ein zu Fu� k�mpfender Gelbmesser torkelte r�ckw�rts, wurde von den Vorderhufen einer anderen Gelbmesser-Kaiila getroffen und ging zu Boden.</p><p>Pl�tzlich sa� meine Lanze zwischen meinem Tier und dem eines anderen Kriegers fest, ein Kaiila-K�mpfer. Es dauerte einen Augenblick, ehe ich sie wieder freibekam.</p><p>Ich sah, wie Cuwignaka einen gegen Hci gef�hrten Angriff abwehrte, indem er seinen Schild hob und praktisch gewaltsam zwischen Hci und den Angreifer ritt. Hci war unterdessen damit besch�ftigt, einen Angreifer zu seiner Rechten fortzusto�en.</p><p>Viel zu sp�ren war von dem Schnitt an meinem Bein nicht, doch ich beschaute ihn mir genau, um seine Tiefe zu beurteilen. Man mu� in solchen Dingen objektiv handeln und f�r einen festen Verband sorgen, sollte regelm��ig Blut flie�en. Schon so mancher K�mpfer ist an einer Wunde verblutet, die er in der Hitze des Kampfes empfing und kaum sp�rte. Meine Wunde aber schien ganz flach zu sein und nur aus sich selbst zu bluten. Sie war also nicht gef�hrlich. An der betroffenen Stelle gab es auch keine gro�en Adern.</p><p>So spornte ich meine Kaiila erneut an und ritt in den Kampf. Meine Lanze traf einen unberittenen Gelbmesser. Links und rechts von mir prallten andere K�mpfer aufeinander.</p><p>Eine wei�e Sklavin hastete entsetzt �ber das Schlachtfeld. Sie war wundersch�n. Ich wunderte mich, was sie hier zu suchen hatte. Ein junger Kaiilakrieger hatte die Lanze in die linke Hand genommen und beugte sich zur Seite, um ihr ins Haar zu greifen.</p><p>�Nein!� rief ich. �Nein!�</p><p>Der junge Krieger hob erschrocken den Kopf.</p><p>Mit gesenkter Lanze st�rmte ein bemalter Gelbmesser auf ihn zu.</p><p>Verzweifelt zog ich meine Kaiila herum und traf den Angreifer in die Seite. Dichtauf folgten, wie bef�rchtet, seine Flankensch�tzer, die ihm die Zeit verschaffen sollten, seine Lanze wieder freizubekommen. Da meine eigene Lanze festsa�, sprang das Kurzschwert aus Port Kar aus seiner Scheide. Den Lanzensto� des Mannes zu meiner Linken wehrte ich mit dem Schild ab und ver�nderte die Schubrichtung. Der andere Bursche, der sich links vom f�hrenden Krieger gehalten hatte, drehte seine Kaiila in meine Richtung. Ich wendete und fing seine Lanzenspitze ebenfalls mit dem Schild ab. Als er erneut angreifen wollte, schlug ich ihm das Ende der Lanze mit einem Schwerthieb ab. Klingen, die so etwas schaffen, sind im �dland weitgehend unbekannt. Mit einem erstaunten Ausruf zog der Mann seine Kaiila zur�ck und ergriff die Flucht. Ich hieb nach dem Mann, der mich von links bedr�ngte, und fetzte ihm eine gro�e Kerbe in seinen Schild. Er ri� die Augen auf und zog sich ebenfalls zur�ck.</p><p>Solche Klingen kommen nat�rlich vorwiegend bei der Infanterie zum Einsatz. In L�nge und Gewicht sind sie auf ein Optimum ausgerichtet. Sie sind schwer genug, um eine s�belartige Schlagkraft zu erm�glichen, und leicht genug, um mit der Schnelligkeit eines Floretts gef�hrt zu werden. Ihre L�nge reicht aus, um an einen dolchbewaffneten Gegner heranzukommen, und ihre K�rze und Wendigkeit machte es m�glich, die Abwehr l�ngerer, schwerer Waffen zu �berwinden. Sie eignen sich allerdings weniger f�r den Gebrauch vom R�cken einer Kaiila oder eines Tarn. Da� auf Gor nicht h�ufiger S�bel verwendet werden, liegt meiner Meinung nach an der Neigung vieler Krieger, sich ausschlie�lich auf ihre Lanze zu verlassen. Der Krumms�bel der Tahari, f�r einen Kaiilareiter eine sehr n�tzliche Waffe, bildet dabei eine interessante Ausnahme.</p><p>Hier und dorten steckten Lanzen im Boden.</p><p>Ich ritt zu einer dieser Waffen, steckte mein Schwert fort und zog die lange Waffe heraus. Es war eine Gelbmesser-Waffe.</p><p>Ich wandte mich auf der Kaiila um und erblickte das M�dchen, das zwischen M�nnern und Tieren hindurchgelaufen war. Stocksteif stand sie wenige Meter von mir entfernt und zitterte am ganzen Leib. Ich ritt zu ihr hin�ber.</p><p>�Verstehst du goreanisch?� fragte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Bist du eine Sklavin bei den Gelbmessern?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ein Irrtum! Du bist jetzt Kaiila-Sklavin.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie erschaudernd.</p><p>In diesem Augenblick ritt der junge Mann herbei, den ich besch�tzt hatte.</p><p>�Ich glaube, du kennst diese Frau�, sagte ich zu ihm.</p><p>�Ja�, sagte er. �Wir sind uns k�rzlich begegnet.�</p><p>�Wie hei�t du?�</p><p>�Cotanka�, antwortete er, �aus der Bande der Wismahi.�</p><p>Streng blickte ich auf das M�dchen nieder. �Wenn ich dir den Befehl dazu gebe, machst du kehrt und l�ufst hinter die Linien der Kaiila. Dort wirst du einen Wei�en antreffen, der einen breitkrempigen Hut tr�gt. Er hei�t Grunt. Du wirst dich vor ihm hinwerfen und ihm sagen, da� du die Sklavin Cotankas von den Wismahi bist.�</p><p>Sie nickte mit weit aufgerissenen Augen.</p><p>�Nun geh, Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr!� rief sie und lief stolpernd davon.</p><p>�Ich glaube, sie wird eine ganz ordentliche Sklavin abgeben�, sagte ich zu dem jungen Mann.</p><p>�Ich glaube auch�, erwiderte er.</p><p>Damit kehrten wir ins Kampfget�mmel zur�ck.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>�Sie kommen! Sie kommen!� riefen Stimmen. �Die Kinyanpi kommen!�</p><p>Am Nachmittag waren schon mehrmals die Kampfpfeifen erklungen, die aus den Fl�gelknochen der krallenf��igen Herlits geschnitzt werden, mehrmals hatten sich die gefiederten Kampfst�be gehoben und gesenkt und damit ihre Signale an die Kampfteilnehmer weitergegeben, nicht nur an die Kaiila, sondern auch an die Gelbmesser. Ich kannte die Bedeutung der Signale im einzelnen nicht, ebensowenig kannte sich Cuwignaka aus, dem die Ausbildung f�r die wendige Kampftaktik seines Volkes fehlte. Hci dagegen � und viele andere � f�hlte sich damit ausgesprochen heimisch, so wie jeder goreanische Soldat die Bedeutung bestimmter Standartenbewegungen und Trompetensignale und Tarntrommelwirbel zu deuten wei�. Wir folgten dem Beispiel der anderen. Bisher hatte Mahpiyasapa, der seine Befehle durch Pfeifen und Kampfst�be �bermitteln lie�, seinen mutigen K�mpfern kein einzigesmal gestattet, die zur�ckweichenden Gelbmesser zu verfolgen. Dies war eine kluge Ma�nahme, denn soweit ich ausmachen konnte, waren uns die Gegner zahlenm��ig hoch �berlegen. Gewi�, von Zeit zu Zeit hatten sich frische Gelbmesser in den Kampf gest�rzt. Andere waren auf nahegelegenen H�geln aufgetaucht. Der vorget�uschte R�ckzug, der die Verfolger aus ihren Positionen lockt, ist eine beliebte Taktik der roten Wilden. Au�erdem wollten wir das Lager halten, in dem sich Frauen und Kinder aufhielten � und das Fleisch, das die Kaiila durch den bevorstehenden Winter bringen sollte.</p><p>�Sie kommen!� gellten Rufe. �Die Kinyanpi!�</p><p>�Vielleicht sind das kleinere V�gel, die schon viel dichter heran sind�, sagte ein Mann.</p><p>Kampfpfeifen schrillten.</p><p>�Es sind die Kinyanpi!� sagte ein Mann.</p><p>�Wir wollen aufsteigen�, sagte Cuwignaka und schluckte ein St�ck D�rrmasse.</p><p>Ich wischte in aller Ruhe die Flanken meiner Kaiila ab.</p><p>Ringsum bestiegen Krieger ihre Tiere, die zum gro�en Teil bis zum Bauch mit Staub bedeckt waren. Das Haar am Unterkinn vieler Kaiila war steif von getrocknetem Blut, das auf die heftige Bewegung der Z�gel zur�ckzuf�hren war. Vielfach klebte auch Blut an den geflochtenen Lederriemen.</p><p>Ich h�rte M�nner in meiner N�he. Einige z�hlten sich selbst noch einmal ihre Coups auf. Einige gingen ihre Medizinhelfer um Beistand an. Andere sangen ihre Kriegsmedizin. Dann gab es K�mpfer, die auf ihre Schilde und Waffen einsprachen und ihnen mitteilten, was sie von ihnen erwarteten. Viele sangen ihre Todeslieder. �Auch wenn ich sterbe, wird die Sonne weiter am Himmel stehen. Auch wenn ich sterbe, wird das Gras wachsen. Obwohl ich sterbe, wird der Kailiauk kommen, sobald das Gras am h�chsten steht.�</p><p>Ich machte den Z�gel wieder an der Unterlippe meiner Kaiila fest. Dann stieg ich auf, Schild und Lanze im Arm.</p><p>�Glaubst du, wir haben eine Chance gegen die Kinyanpi?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Ich nehme es an�, antwortete ich. �Kahintokapa hat alles gut vorbereitet.� In der Deckung von Zelten und Roben lagen an der Westseite des Lagers zahlreiche Bogensch�tzen auf der Lauer � zwischen den Kinyanpi und unserer Hauptstreitmacht. Wenn die Kinyanpi ihre Angriffstaktik beibehielten, w�rden sie bei diesem Anflug ganz �berraschend auf einen Pfeilhagel sto�en, der aus n�chster N�he abgeschossen wurde. Sollten sie dann immer noch nicht abdrehen, w�rden sie anschlie�end gegen die Seile prallen, die zwischen einigen Zelten aufgespannt worden waren. Sie hatten denselben Zweck wie die frei schwingenden, beinahe unsichtbaren Tarndr�hte, die zuweilen in den gro�en St�dten hingen, Dr�hte, die einem Vogel die Fl�gel abrei�en k�nnen oder einem Reiter Kopf oder Arm. Au�erdem lie�en sich angespitzte Pf�hle, auf k�rzeren, quer �bereinander liegenden Stangen ruhend, an ihrem Fu�e ein Pfeilsch�tze, in die Bahn des Angriffs richten. Damit hofften wir nicht nur Krallenattacken verhindern zu k�nnen, sondern auch Zweik�mpfe auf engstem Raum, wie ihn die roten Wilden lieben.</p><p>Wir gingen davon aus, da� die Kinyanpi aus der Entfernung weitaus weniger wirksam k�mpfen konnten. Aus einer H�he von f�nfzig oder hundert Fu� scho� sich nicht so leicht durch das Netzwerk aus Seilen und T�chern, das nun zwischen etlichen Zelten hing. Solche Vorsorge verwirrte hoffentlich die schnell fliegenden Bogensch�tzen. War ein Ziel doch erkannt, blieb im allgemeinen nicht mehr genug Zeit f�r den Schu�. Der am Boden wartende Bogensch�tze, der Verteidiger, hat festen Grund unter den F��en und kann, weil er den �ffnungen im Tarnnetz so nahe ist, den Anflug des Gegners gut verfolgen und gezielt schie�en. So gesehen befindet er sich gewisserma�en hinter einem Fenster.</p><p>�Glaubst du, die Gelbmesser werden ihren Angriff mit den Kinyanpi abstimmen?� fragte ein Mann.</p><p>�Logisch w�re es�, antwortete ich.</p><p>�Ich glaube eher, sie haben vom K�mpfen im Moment die Nase voll�, sagte Cuwignaka. �Ich glaube, sie werden abwarten, wieviel Arbeit die Kinyanpi ihnen abnehmen k�nnen.�</p><p>�Mag sein�, sagte ich.</p><p>�Ich sehe sie�, meldete Cuwignaka und lie� seine Kaiila im Kreis gehen. �Die Reiter sind deutlich auszumachen. Sie n�hern sich auf dem bekannten Weg.�</p><p>�Ich glaube, dies ist das letztemal, da� die Kinyanpi ein Kaiila-Lager so unvorsichtig angreifen werden�, meinte ich.</p><p>Daraufhin wandten wir uns den Gelbmessern zu, die etwa dreihundert Meter entfernt warteten. Die K�mpfer auf beiden Seiten bildeten lange Linien, die auf unserer Seite zwei und drei Mann tief waren. Zwischen den Reitern hielten wir eine Lanzenl�nge Abstand, womit wir die Treffsicherheit der Kinyanpi zu verringern hofften. Die Kaiila bewegten sich unruhig unter uns. Unter dem Netz aus Seilen und T�chern warteten wir geduldig ab. Ich vernahm Kriegsgesang.</p><p>Pl�tzlich ert�nte der entsetzliche Schrei eines aufgespie�ten Tarn.</p><p>�Schilde �ber die K�pfe!� br�llte ich.</p><p>Ein Tarn, etwa zwanzig Fu� �ber uns, schlug dr�hnend durch die Luft, dichtauf gefolgt von einem zweiten Reittier.</p><p>Andere Tarns wechselten pl�tzlich die Richtung oder begannen wieder zu steigen.</p><p>Unsere Kaiila drehten sich unruhig und stampften nerv�s auf.</p><p>�Behaltet die Gelbmesser im Auge!� rief ich Cuwignaka zu.</p><p>�Sie r�hren sich nicht von der Stelle�, antwortete er. �Sie halten die Position.�</p><p>In diesem Moment verfing sich ein Tarn an den Seilen. Kreischend ri� er sich los und zerrte Leder und Stoffetzen mit. Sein Reiter, von Pfeilen durchbohrt, die Knie unter dem Sattelgurt festgeklemmt, schwankte leblos auf seinem R�cken. Zwei weitere V�gel sa�en in den Netzen fest, der eine mit gebrochenem Hals, der andere mit halb abgerissenem Fl�gel. Die Reiter hatten ihr Ungl�ck nicht �berlebt. Der Tarn mit dem verletzten Fl�gel schnappte mit dem Schnabel nach seinen Angreifern und wurde mit Lanzen erledigt. Ein dritter Tarnreiter st�rzte vom R�cken seines Tieres ab, als dieses im Flug gegen ein Hindernis prallte. Getroffen von Pfeilen, flogen andere Tarns ziellos herum. Mit einem schnellen Blick nach Westen �berzeugte ich mich, da� die Gelbmesser noch immer nicht vorr�ckten.</p><p>�Wie viele waren es?� fragte ich Cuwignaka.</p><p>�Vierzig, f�nfzig?� gab dieser zur�ck. �Keine Ahnung. Jedenfalls nicht so viele wie beim ersten Angriff.�</p><p>Nat�rlich wu�te ich auch nicht, wie viele Tarn beim ersten �berraschungsangriff teilgenommen hatten; ich sch�tzte ihre Zahl auf etwa zweihundert, die sich noch irgendwo in der N�he befinden mu�ten. Cuwignakas Sch�tzung hinsichtlich der jetzigen Angreiferzahl deckte sich mit meinem Eindruck. Die Mehrzahl der Kinyanpi wurde offenbar aus irgendeinem Grund zur�ckgehalten. Dies verwirrte mich. Vielleicht handelte es sich auch nur um einen Versuchsangriff, der der Gegenseite �ber unsere Verteidigung Aufschlu� geben sollte. Wenn das der Fall war, so �berlegte ich grimmig, hatten die Tarnreiter einiges zu vermelden.</p><p>�Was meinst du, warum haben so wenige angegriffen?� fragte ich Cuwignaka.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete er. �Wenn eine kleine Zahl von K�mpfern in den Kampf geht, ist der Ruhm gr��er.�</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Vielleicht hatte Cuwignaka recht. W�hrend ich mich mit milit�rischer Mathematik und Motivation abgegeben hatte, war mir vielleicht die Mentalit�t des Gegners aus dem Blickfeld geraten, die im Falle der roten Krieger auf jeden Fall von Exzentrizit�t gepr�gt war, zumindest von einer ungen�gend eingeweihten oder fremden Perspektive. Wenn dem Feind Ruhm wichtiger ist als ein normales milit�risches Ziel, das man in Kosten und K�mpferverlusten errechnen konnte, dann sollte man die eigene Einstellung in bezug auf diesen Gegner entsprechend umstellen.</p><p>�Aber so l�uft unser Denken normalerweise nicht�, sagte Cuwignaka. �Das �berleben ist uns wichtiger als der Ruhm.�</p><p>�Warum haben dann nur so wenige an dem Angriff teilgenommen?�</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>Ich war gereizt. Meine kunstvoll aufgebaute Erkl�rung war in sich zusammengebrochen. Nun begriff ich ebenso wenig wie Cuwignaka, was es mit dem j�ngsten Angriff auf sich hatte.</p><p>�Schau!� rief er.</p><p>�Ich seh�s�, gab ich zur�ck.</p><p>Ein einzelner Tarnk�mpfer bewegte sich hoch am Himmel auf die Gelbmesser zu und landete hinter ihren Reihen.</p><p>�Nun koordinieren sie bestimmt ihre Aktionen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich nehme es an�, sagte ich.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>�Siehst du?� fragte Cuwignaka.</p><p>Ich nickte. Vor den Reihen der Gelbmesser, die etwa dreihundert Meter entfernt waren, ritten Reiter mit gefiederten Lanzen auf und ab.</p><p>Der Nachmittag ging seinem Ende zu.</p><p>�Sie bereiten sich auf einen Angriff vor�, sagte Cuwignaka. �Sie ermahnen die Krieger, Mut zu beweisen.�</p><p>�Ja�, antwortete ich. Unterdessen hatte ich meine Position zwischen den Kaiila wieder eingenommen. Zuvor war ich noch einmal zu unseren r�ckw�rtigen Positionen geritten, um zum Abschlu� die Aufstellung der Bogensch�tzen, die Positionierung der Spitzpf�hle und die Haltbarkeit der Tarnnetze zu �berpr�fen. Alles war in Ordnung gewesen. W�re ich nicht selbst geritten, h�tte ich meine Vorschl�ge Cuwignaka vorgetragen, der sie seinerseits an Hci weitergegeben h�tte. Von ihm w�ren sie an Mahpiyasapa oder Kahintokapa, Mann-dervorausgeht, weitergeleitet worden, der diesen Abschnitt unserer Stellungen befehligte. Kahintokapa aus der Casmu-Bande war Mitglied der angesehenen Gelben Kaiilareiter. Dieses umst�ndliche Vorgehen erschien mir und Cuwignaka angebracht zu sein, vorausgesetzt die Zeit lief uns nicht davon. Weder Mahpiyasapa noch Kahintokapa h�tten gern direkte Ratschl�ge zweier Burschen angenommen, die im Lager so unbedeutend waren wie wir. Andererseits hatte sich Hci als ungemein ehrlich erwiesen, was uns doch �berraschte: er hatte seinem Vater und Kahintokapa klargemacht, von wem die Empfehlungen f�r die Erstverteidigung gegen die Kinyanpi stammten. Da� er meinen Rat �berhaupt ernst genommen und danach gehandelt hatte, ihn gegen�ber Kahintokapa und Mahpiyasapa sogar als den meinen ausgegeben hatte, war f�r mich und Cuwignaka �berraschend gewesen. Keiner von uns hatte dies von Hci erwartet, der f�r uns der Inbegriff von Arroganz und Eitelkeit war. Zu unserer �berraschung hatten die Krieger bei unserer Ankunft auch ihre Reihen ge�ffnet und uns einen vollen Platz in ihrer Mitte zugestanden. Wir waren nicht geflohen. Wir wollten nicht bei den Frauen und Kindern warten. Wir waren mit Schilden und Lanzen zu ihnen gekommen. Daraufhin �ffneten sie uns ihre Reihen, damit wir bei ihnen Position beziehen konnten: der eine ein Stammesangeh�riger in Frauenkleidung, der andere ein Sklave.</p><p>�Ich glaube, sie werden bald kommen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck.</p><p>Hinter unseren Reihen war mir Kahintokapa begegnet. Er hatte mir zum Gru� die flache Hand hingestreckt. Ich hatte die Geste erwidert. Es war beinahe, als w�re ich gar nicht Sklave in diesem Stamm. Er trug seinen Schild in einer H�lle. Vor dem Kampf w�rde er ihn nat�rlich wieder herausziehen.</p><p>�Wahrscheinlich warten sie auf die Kinyanpi�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Vermutlich.�</p><p>Auf dem R�ckritt zur Kampffront hatte ich bei Grunt Station gemacht. Er befand sich unweit der Frauen und Kinder. Zusammen mit einigen Frauen versorgte er Verwundete. Wasnapohdi war bei ihm. Da� wir den Kinyanpi-Angriff abwehren konnten, hatte ihn befl�gelt. �Wir k�nnen das Lager halten, davon bin ich �berzeugt!� hatte er gesagt.</p><p>�Ich nehme es an�, hatte ich geantwortet.</p><p>�Die Gelbmesser sind ziemlich erfolgreich gewesen�, antwortete er. �Sie haben zahlreiche Kaiila, reichlich andere Beute und Frauen erbeutet. Allerdings haben sie die �berraschung nicht mehr auf ihrer Seite. Ich kenne solche M�nner. Sie werden sich bald zur�ckziehen. Die Beschaffung weiterer Beute w�re nun zu teuer f�r sie.�</p><p>�Noch haben sie sich nicht zur�ckgezogen�, sagte ich.</p><p>�Das verstehe ich nicht�, antwortete er.</p><p>�Ich auch nicht�, hatte ich erwidert. Es wollte mir seltsam erscheinen, da� die Gelbmesser nicht abger�ckt waren, nachdem sie die Schwierigkeit der Lagereinnahme hatten einsehen m�ssen. Bei roten Wilden h�tte man mit einer solchen Reaktion rechnen m�ssen.</p><p>�Sie verharren kampfbereit?� hatte Grunt gefragt.</p><p>�Ja�, hatte ich geantwortet.</p><p>�Interessant�, so lautete sein Kommentar.</p><p>Als ich mich von Grunt abwandte, war ich noch hundert Meter weiter geritten, um mir die �berreste des Ratszeltes anzusehen. Au�er den Verstrebungen war kaum etwas �briggeblieben. Dieser Bau war das Hauptziel des ersten Kinyanpi-Angriffs gewesen. Wie man mir berichtet hatte, waren Hunderte von Pfeilen durch die Lederh�ute des Bauwerks gedrungen. Es war zum Schauplatz eines Massakers geworden. Kein Wunder, da� Watonka nicht begierig gewesen war, an der Ratsversammlung teilzunehmen. Ein gro�es Gl�ck, da� sich Mahpiyasapa und Grunt zur Zeit des Angriffs nicht im Lager aufgehalten hatten. Innerhalb weniger Ehn war die Oberschicht des Kaiila-Stammes, mitsamt ihrer Lebensund F�hrungserfahrung praktisch ausgel�scht worden. Einer der wenigen �berlebenden war Kahintokapa, der sich einen Ausweg durch die H�ute gesucht hatte und geflohen war. Gleichzeitig mit dem Luftangriff war eine Sonderabteilung der Gelbmesser mit Sto�richtung Ratszelt in das Lager eingedrungen, und der Tod der Verwundeten und das Abbrennen des Ratszeltes ging auf ihr Konto. Eine �hnliche Gruppe war gegen die Tanzhalle vorgegangen. Anschlie�end hatten sich die Sonderabteilungen zur�ckgezogen. Kurze Zeit sp�ter war unter F�hrung Mahpiyasapas und Kahintokapas der erste Widerstand aufgeflackert. Ich schaute in den geschw�rzten Kreis, der von kahlen Sch�ften ges�umt war. Dort drinnen lagen noch immer Tote, im Boden steckten noch zahllose Pfeile. F�r die Kaiila war dies in der Tat ein d�sterer, blutiger Tag.</p><p>Ganz allgemein gesprochen stimmten mich mehrere Details des Angriffs nachdenklich. Da war zun�chst die Allianz, die Zusammenarbeit zwischen Gelbmessern und Kinyanpi, die nicht von Natur aus Verb�ndete waren. Es wollte mir ungew�hnlich erscheinen, da� die beiden Gruppierungen bei diesem Feldzug ihre Ma�nahmen so vorz�glich koordiniert hatten. Eine Zusammenarbeit zwischen fremden Stammesgruppen gab es sonst nur in der gemeinsamen Abwehr wei�h�utiger Eindringlinge in das �dland. Eine andere Besonderheit des Angriffs lag in der Art und Weise seiner Leitung. Sie folgte nicht den normalen, ziemlich eingeengten Schmalspurmethoden, wie sie bei Konflikten zwischen roten Wilden �blich waren. Zum Beispiel der betr�gerische Friedensvorsto�, der die Anf�hrer eines ganzen Stammes auf kleinem Raum zusammenf�hren sollte, um sie mit schrecklichem Ausgang angreifen zu k�nnen � so etwas w�re der Intelligenz roter Wilder durchaus zuzutrauen, doch schien es mir nicht zur gewohnten Einstellung zu milit�rischen Dingen zu passen. Auf jeden Fall war diese Art der Kriegsf�hrung f�r das �dland ein wenig �berraschend. Sie schien wenig zu tun zu haben mit den hier gepflegten Traditionen von Ehre und Coup-Z�hlen. Schlie�lich erschien es mir unvorstellbar, da� der Angriff gegen ein anderes Volk zur Zeit der gro�en Feste eingeleitet worden war. Dies kommt im �dland einer Blasphemie gleich, einem Sakrileg. Ich konnte mir kaum vorstellen, da� die Gelbmesser, die selbst zu den roten Wilden geh�rten, sich so etwas hatten ausdenken k�nnen. Auch dies schien mir ein Fingerzeig auf eine neue �berf�hrung zu sein, auf die Annahme neuer Taktiken im �dland. Ich mu�te zugeben, da� der Gesamtplan, besonders in Zusammenarbeit mit Watonka, der sp�ter seinen Verb�ndeten �berfl�ssig erschienen war, bestens funktioniert hatte. Daran f�hrte kein Weg vorbei.</p><p>Wieder schaute ich auf die Leichen und die Pfeile zwischen den �berresten des Ratszeltes.</p><p>Ich war mit dem Anblick alles andere als zufrieden. Endlich wendete ich meine Kaiila.</p><p>Anschlie�end war ich langsam reitend in die vorderen Reihen zur�ckgekehrt. Auf meinem kurzen Ritt war ich an mehreren Kaiila vorbeigekommen, die unter den Tarnstoffen festgebunden worden waren. Es waren bei weitem nicht genug Reittiere f�r alle. Ich passierte umfangreiche Fleischvorr�te, die die Frauen von Gestellen genommen und unter den Tarnnetzen auf T�chern gestapelt hatten. Dieses Fleisch war f�r die Kaiila von gr��ter Bedeutung. Allein vom Fleisch hing es ab, ob der Stamm den Winter gut �berstand oder viele Opfer beklagen mu�te. Auf meinem Ritt kam ich auch an vielen Sklavinnen vorbei. Unter ihnen, ungefesselt, hatte ich Oiputake entdeckt, an die ich mich gut erinnerte. Sie hatte ich zuvor in einer Sklavinnengruppe erw�hlt und mit der Bedeutung ihres Daseins bekannt gemacht. Sie hatte uns auf die Tatsache gebracht, da� die im Lager befindlichen Gelbmesser nicht Zivilh�uptlinge, sondern Kriegsh�uptlinge waren.</p><p>�Herr!� hatte sie gerufen und mir die Arme entgegengestreckt.</p><p>�Schweig, Sklavin!� hatte ich gerufen und war weitergeritten. Ich hatte im Augenblick keine Lust, mit ihr zu sprechen. Daf�r hielt ich meine Kaiila kurz neben einem blonden M�dchen, das zitternd zu mir aufblickte.</p><p>�Wer bist du?� fragte ich.</p><p>�Ich bin eine namenlose Sklavin Cotankas von den Wismahi�, sagte sie.</p><p>Sie war die Sklavin, die von Gelbmessern als Lockm�dchen in das Kampfget�mmel geschickt worden war. Cotanka hatte Gl�ck gehabt. Er war mit dem Leben davongekommen und besa� nun dieses M�dchen. Ich nahm nicht an, da� sie ein leichtes Leben bei ihm haben w�rde.</p><p>Inzwischen ritten keine Gelbmesser mehr vor den Reihen ihrer Stammesgenossen hin und her, das Sch�tteln der Kampfst�be hatte aufgeh�rt, ebenso wie der Gesang.</p><p>Die Kaiila des Gegners waren zu uns herumgedreht worden.</p><p>�Haltet eure Lanzen bereit! Haltet eure Messer bereit!� rief Mahpiyasapa im Singsang und ritt vor unserer Kampflinie entlang. �Ich w�nsche euch scharfe Augen. Ich w�nsche euch einen schnellen Arm! Ich w�nsche euch eine starke Medizin!�</p><p>�Bald kommen sie�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, stimmte ich ihm zu.</p><p>�Worauf warten sie noch?� fragte ein Mann.</p><p>�Auf die Kinyanpi�, antwortete jemand.</p><p>Ich blickte zu Hci hin�ber und bemerkte seinen Schild, der sich wie aus eigenem Antrieb zu bewegen schien, bis er ihn wieder beruhigt hatte. Mir kribbelte es im Nacken, und ich bekam eine G�nsehaut.</p><p>Die Bewegung des Schilds war auch von Mahpiyasapa bemerkt worden, der zu Hci ritt.</p><p>�Was ist mit deinem Schild?� fragte er.</p><p>�Nichts.�</p><p>�Bleib zur�ck�, forderte Mahpiyasapa den anderen auf. �K�mpfe nicht.� Dann ritt er weiter.</p><p>Hci aber verlie� seinen Posten nicht.</p><p>�Vielleicht kommen die Kinyanpi ja gar nicht�, sagte ein Mann.</p><p>�Die Kinyanpi!� t�nte es in diesem Augenblick von hinten, ein Ruf, der von Mann zu Mann weitergegeben wurde.</p><p>Ich schaute mich um.</p><p>�Die Kinyanpi�, sagte Cuwignaka, der sich ebenfalls orientierte.</p><p>�Ja�, sagte ich. Die Fliegenden kamen in zwei Gruppen � zwei dunkle Flecken, der eine aus dem Osten, der andere aus S�dosten.</p><p>Wir richteten die Blicke auf Mahpiyasapa, der uns das Angriffssignal geben mu�te.</p><p>Mahpiyasapa, der vor uns ritt, hob und senkte seine Lanze.</p><p>Wir glaubten ziemlich sicher zu wissen, wie die Taktik der Kinyanpi diesmal aussehen w�rde. Sie w�rden den fr�heren Fehler eines direkten, tiefen Angriffs nicht wiederholen. Entweder w�rden sie auf H�he bleiben und uns mit Pfeilen �bersch�tten, oder die Attacke der Gelbmesser unterst�tzen. Da wir uns vor einfachen Distanzsch�ssen ziemlich gut mit unseren Schilden sch�tzen konnten, lag auf der Hand, da� unsere Feinde gemeinsam handeln w�rden. Wenn wir uns der Gelbmesser erwehrten, konnten wir uns nicht gleichzeitig vor dem Beschu� aus der Luft in acht nehmen. Und wenn wir uns nach oben abschirmten, indem wir die Schilde hoben, lieferten wir uns der Attacke der Gelbmesser aus. Der Gegner vermutete, da� wir seinen Angriff unter den Tarnbespannungen abwarteten. Dies erschwerte den Angriff aus der Luft, �berlie� den Gelbmessern aber den Schwung der Attacke.</p><p>Kaum hatte Mahpiyasapa seine Lanze gesenkt, legten wir alle gelbe Sch�rpen an. Mit diesem Zeichen hatten sich Watonka, Bloketu, Iwoso und andere als Personen identifiziert, die von den Kinyanpi nicht beschossen werden durften.</p><p>Wieder hob und senkte Mahpiyasapa seine Lanze und deutete auf den Feind.</p><p>Wie ein einziges Lebewesen st�rmte unsere breite Kampflinie auf den Feind zu � Kaiila wieherten, M�nner br�llten, Lanzen wurden gesenkt.</p><p>Eine volle Ehn, ehe sich der Himmel von den dahinhuschenden Kinyanpi verdunkelte, trafen wir auf den Gegner, der verbl�fft durcheinanderwimmelte, dessen Kaiila auf die Hinterhand stiegen.</p><p>Der Kampf war kurz; dauerte nur etwa vier oder f�nf Ehn, dann galoppierten die Gelbmesser heulend und schreiend davon und �berlie�en uns das Schlachtfeld. Im Salut an Cuwignaka hob ich meine blutige Lanze. Die Kinyanpi hatten sich ebenfalls zur�ckgezogen. Kaum ein Dutzend Pfeile waren zwischen uns niedergegangen. Und getroffen waren ausschlie�lich Gelbmesser. Welche Verwirrung mu�te die Kinyanpi ergriffen haben angesichts der Vielzahl gelber Signale tief unter ihnen! Gewi� h�tten sie sich sagen k�nnen, da� die meisten von Kaiila getragen wurden, doch im Flug, in schneller Bewegung, ihrer Ziele ungewi�, hatten sie ihre Pfeile weitgehend zur�ckbehalten.</p><p>�Die kommen nicht zur�ck!� rief ein Mann lachend.</p><p>�Seht, das Signal Mahpiyasapas!� sagte ein anderer. �Kehren wir zu unseren Zelten zur�ck.�</p><p>Wir wendeten unsere Kaiila und ritten langsam und zufrieden, m�de, doch still-siegesfroh, zu unserem Lager.</p><p>�Seht doch!� rief ein Mann, als wir unsere Ausgangsposition erreicht hatten, und deutete nach hinten.</p><p>�Das glaube ich einfach nicht!� rief ein zweiter.</p><p>Wir schauten zur�ck, wo sich in drei- oder vierhundert Metern Entfernung auf einer Anh�he Reihen von Gelbmessern zeigten.</p><p>�Sie haben sich neu formiert�, sagte ich. Die Situation war nicht anders zu deuten, doch hatte ich damit nicht gerechnet. Hier �u�erte sich eine Disziplin, wie ich sie von erregten roten Wilden nicht erwartet hatte, und auf keinen Fall so schnell.</p><p>�Ich dachte, sie w�ren fort�, sagte ein Mann.</p><p>�Ich auch!� rief ein zweiter.</p><p>�Sie m�ssen doch l�ngst genug Frauen und Kaiila haben�, meinte ein dritter. �Eigentlich h�tten sie l�ngst verschwinden m�ssen.�</p><p>�Was immer sie jetzt noch erringen k�nnten, k�me sie teuer zu stehen.�</p><p>�Und doch sind sie da�, sagte ein K�mpfer.</p><p>�Das sieht den Gelbmessern gar nicht �hnlich�, �u�erte ein Kaiilakrieger neben ihm.</p><p>�O nein!� best�tigte ein anderer.</p><p>Auch ich wunderte mich �ber die R�ckkehr der Gelbmesser auf das Schlachtfeld.</p><p>Die D�mmerung hatte begonnen � auch das verwirrte mich. Rote Wilde vermeiden es im allgemeinen, bei Dunkelheit zu k�mpfen. Nachts kann man seine Erfahrungen kaum in die Tat umsetzen, au�erdem bringt das Fehlen von Uniformen die Gefahr, da� man Freund und Feind verwechselt. Manche Wilden meiden den Nachtkampf auch aus Medizingr�nden. In diesem Zusammenhang gibt es viele Theorien; ich m�chte an dieser Stelle nur zwei erw�hnen. Die eine besagt, da� ein bei Nacht Get�teter Probleme haben kann, seinen Weg durch die Schw�rze in die Medizinwelt zu finden. Und eine andere basiert auf der Bef�rchtung, da� ein bei Nacht Gefallener das Portal der Medizinwelt wom�glich verschlossen vorfindet. Diese und �hnliche �berzeugungen f�hren nat�rlich dazu, da� Auseinandersetzungen selten bei Nacht ausgetragen werden.</p><p>�Warum verschwinden sie nicht?� fragte ein Mann.</p><p>�Bald ist es dunkel�, f�gte sein Freund hinzu.</p><p>�Sie m�ssen eine starke Medizin haben�, meinte eine Stimme.</p><p>�Vielleicht�, antwortete jemand angstvoll.</p><p>Wieder bemerkte ich, da� Hci M�he mit seinem Schild hatte, den er gewaltsam an sich dr�cken mu�te.</p><p>�Worauf warten sie noch?� gellte die Frage.</p><p>�Ihre Reihen �ffnen sich!� beobachtete jemand.</p><p>�Es kommt etwas hindurch.�</p><p>�Ein Sleen�, vermutete ein Mann.</p><p>�Nein�, sagte ein zweiter.</p><p>�Das Wesen bewegt sich auf allen vieren.�</p><p>�Es mu� ein Sleen sein.�</p><p>�Dazu ist es zu gro�.�</p><p>�Aii!� rief ein Mann. �Er richtet sich auf! Es geht auf zwei Beinen!�</p><p>�Ein Wesen aus der Medizinwelt!� rief ein Mann.</p><p>�Es ist der Medizinhelfer der Gelbmesser!� schrie ein anderer.</p><p>Beinahe im gleichen Augenblick waren hinter uns best�rzte Rufe zu h�ren. �Reiter! Reiter!�</p><p>Wir rissen unsere Kaiila herum. Im hinteren Teil des Lagers gab es Geschrei; das Getrappel und Wiehern zahlreicher Kaiila war zu h�ren. In vollem Galopp stie�en Reiter in mehreren Reihen gegen das Lager vor, mit wehenden Wimpeln und gesenkten Lanzen.</p><p>�Wei�e!� rief ein Mann in meiner N�he.</p><p>Ich sah, wie eine Frau niedergeritten wurde und ein Mann einer Lanze der geordnet vorpreschenden Angreifer zum Opfer fiel.</p><p>�Wei�e!� wurde der Ruf wiederholt.</p><p>�Wendet!� befahl Mahpiyasapa. �K�mpft! Verteidigt das Lager!�</p><p>Unsere Kampfformation fuhr herum, und Mahpiyasapas M�nner galoppierten schrill schreiend unter der Bespannung und zwischen den Zelten hindurch, um sich dem neuen Feind zu stellen. Ich hielt meine Stellung.</p><p>Bei den wei�en Angreifern handelte es sich zweifellos um die K�mpfer Alfreds, des S�ldnerhauptmanns aus Port Olni. Mit etwa tausend Mann war er in das �dland eingedrungen; in seinem Treck hatte er siebzehn Kurii mitgef�hrt, ein Hinrichtungskommando von den Stahlwelten, das es auf Zarendargar, auch Halb-Ohr genannt, abgesehen hatte, einen Kriegsgeneral der Kurii, ehemals Befehlshaber �ber den Versorgungskomplex in der goreanischen Arktis, ein St�tzpunkt, der f�r die vorgesehene Kur-Invasion Gors umger�stet wurde. Dieser Komplex war vernichtet worden. Es gab Beweise f�r eine Flucht Zarendargars in das �dland. Im Norden hatten sich Zarendargar und ich einmal als Soldaten gegen�bergesessen und gemeinsam Paga getrunken. Meine Reise in das �dland hatte das Ziel, ihn vor der Gefahr zu warnen, in der er schwebte. Dabei war ich in die Sklaverei der Kaiilakrieger geraten. Ein Wagenzug mit Siedlern, mit dem sich Alfred zusammengetan hatte, war angegriffen worden. Dem nachfolgenden Massaker war Alfred mit dreibis vierhundert berittenen S�ldnern in Richtung S�dosten entkommen, indem er den gr��ten Teil der ihm Anvertrauten im Stich lie�. Aus dem S�dosten, daran mu�te ich nun denken, waren die Kailiauk dieses Jahr zu fr�h eingetroffen. Aus dem S�dosten waren auch die Kinyanpi herangeflogen.</p><p>Bisher hatte ich vermutet, da� Alfred und seine Leute in die Zivilisation zur�ckgekehrt waren. Nun aber mu�te ich erkennen, da� ich mich geirrt hatte. Irgendwie hatten sie sich mit den Kinyanpi verb�ndet und waren durch sie und aufgrund eines besonderen Umstands, den ich zu kennen glaubte, mit den Gelbmessern in Ber�hrung gekommen und hatten sie zur Mitarbeit verpflichten k�nnen. Urpl�tzlich taten sich h�chst unangenehme Perspektiven auf. Die �berraschende Disziplin der Gelbmesser sah ich nun in einem ganz anderen Licht. Ebenso die anscheinend vorhandene Bereitschaft, in der Abendd�mmerung zu k�mpfen. Erkl�rlich wurde auch pl�tzlich ein f�r das �dland so untypisches Verhalten wie der betr�gerische Friedensvorsto�, das Vorschieben einer Ratsversammlung, die alle f�hrenden Pers�nlichkeiten der Gelbmesser zusammenf�hren sollte, und wie das unglaubliche Sakrileg eines Angriffs auf ein Volk, das gerade seine j�hrlichen Riten abhielt. Diese Dinge deuteten nicht auf Kr�fte aus dem �dland hin, sondern auf Drahtzieher, die hier fremd waren, auf Lenker, die ganz anders dachten. Selbst eine so winzige Tatsache, wie der zuvor erfolgte kleinere Angriff der Kinyanpi wurde mir nun in seiner Bedeutung klar. Es mu�te sich wirklich um einen Versuchsballon gehandelt haben, der unsere Abwehr auf die Probe stellte, ehe die in Reserve gehaltene Hauptstreitmacht vorgeschickt wurde. Auch das hierin zum Ausdruck kommende F�hrungsdenken deutete mir eher auf die St�dte hin, auf wei�e Soldaten � und nicht auf rote Wilde.</p><p>Verzweifelt schaute ich zu den Gelbmessern zur�ck. Wie erwartet, hatten sie ihren Vorsto� begonnen. Ihre gefiederten Lanzen senkten sich in die Angriffsstellung. Die Kaiila r�ckten vor und wurden immer schneller. Wenn sie das Lager der Kaiila erreichten, w�rden sie sich, ohne ersch�pft zu sein, im vollen Galopp bewegen. In diesem Moment wogte die Kette der Gelbmesser an dem Gesch�pf vorbei, das vorhin aus ihren Reihen hervorgetreten war. Es stand im Gras, umgeben von Kriegern. Es war etwa acht Fu� gro�. Es hob die zottigen Arme. Es war ein Kur. Wir w�rden uns an zwei Fronten wehren m�ssen.</p><p>Hinter mir wurde bereits gek�mpft. Ich fuhr herum. Soldaten hackten auf unsere Tarnnetze ein.</p><p>�Kinyanpi!� rief jemand. �Sie kommen schon wieder!�</p><p>�Das ist das Ende�, dachte ich. �Die Kurii haben gesiegt.� Die Kurii, verb�ndet mit den Gelbmessern, unterst�tzt von den Fliegenden, den Kinyanpi, konnten nun systematisch das �dland erforschen und brauchten bei ihrer Suche nach Zarendargar keine Behinderung mehr zu f�rchten � und wenn ihnen ein ganzes Volk, der Kaiila-Stamm, im Weg stand, was machte es, wenn die ganze Nation vernichtet wurde?</p><p>Ich h�rte das Kriegsgeschrei der Gelbmesser lauter werden.</p><p>Dann wendete ich meine Kaiila und ritt in den hinteren Teil des Lagers.</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Von den Vorderhufen meiner Kaiila zur Seite getrieben, schrie eine Sklavin auf. Ein anderes M�dchen blickte angstvoll zu mir auf.</p><p>�Lauft!� schrie eine freie Frau und schnitt den Sklavinnen ihre Fesseln auf. �Bringt euch in Sicherheit!�</p><p>Ich schob meine Kaiila durch das Gedr�nge.</p><p>Seitlich von mir entdeckte ich Oiputake.</p><p>�Wo ist Cotanka?� rief ein M�dchen. �Ich bin Cotankas Sklavin! Wo ist er?� Es war die Sklavin, die ich mitten im Kampfget�mmel gefangen hatte.</p><p>Schr�g links vor mir war ein gro�er Teil der Tarnbespannung heruntergerissen worden. Sklavinnen knieten dort.</p><p>Auf einen Blick war zu erkennen, da� wir bei diesem Kampf keine Chance hatten.</p><p>Die dicke Saite einer Armbrust sirrte. Ein Kaiilakrieger fiel r�ckw�rts von seinem Tier.</p><p>�Flieht!� rief ein Mann im Vorbeireiten. �Flieht!�</p><p>Ich sah mich um. Die Gelbmesser mu�ten sich zun�chst durch das Durcheinander der Sklaven dr�ngen.</p><p>�Gelbmesser kommen!� rief ich und deutete nach hinten. �Gelbmesser im Westen!�</p><p>Mahpiyasapa sah sich hastig um. Dann wehrte er einen Lanzenangriff ab.</p><p>Ein dunkler Schatten raste vor�ber. Mit erhobenem Schild wehrte ich den von oben herbeisirrenden Pfeil ab.</p><p>Ein Kind lief vorbei.</p><p>�Bildet Kampflinien!� rief Mahpiyasapa. �Nach Osten! Nach Westen! Frauen und Kinder zwischen die Linien!�</p><p>Hci erledigte mit geschicktem Sto� einen S�ldner, der von seiner Kaiila fiel.</p><p>Das Kriegsgeschrei der Gelbmesser klang uns in den Ohren. Unsere Streitmacht war in kleine Gruppen zerfallen, unsere Front zeigte sich aufgel�st. Der Kampf wurde zu einem blutigen Gemetzel.</p><p>Ich sah Cuwignaka, der seine Kaiila verloren hatte, im Staub rollen. Ich drehte mein Tier gegen die Schulter eines reiterlosen Tiers und dr�ckte es in Cuwignakas Richtung. Cuwignaka hatte sich bereits wieder aufgerichtet; er blutete am Kopf. Ein Gelbmesser, ein Bodenk�mpfer, lief mit erhobenem Messer auf ihn zu. Die beiden M�nner begannen zu k�mpfen. Schlie�lich torkelte der Gelbmesser mit blutiger Kehle r�ckw�rts. Cuwignaka stand mit erhobener Waffe im Staub. Ich verlor ihn aus den Augen, als zwei Krieger zwischen uns hindurchgaloppierten. Im n�chsten Moment packte ich den Z�gel der reiterlosen Kaiila und zerrte das schnaubende und wiehernde Tier auf Cuwignaka zu. Mein Freund zog einem gefallenen Gelbmesser die Lanze aus dem Leib und sprang behende auf den R�cken des Tiers, das ich ihm gebracht hatte.</p><p>Mahpiyasapa schaltete einen Gelbmesser mit seiner Lanze aus. �Schilde nach oben!� br�llte ich. Ein Pfeilhagel prasselte zwischen uns nieder. Riesige Fl�gel schmetterten �ber unseren K�pfen durch die Luft, der Luftzug zerrte an unserer Kleidung und lie� �berall wirbelnde Staubwolken aufsteigen.</p><p>�Ich bin hier!� rief Cuwignaka.</p><p>�Ich werde Grunt finden!� rief ich durch die Staubnebel. Links von mir liefen zwei Frauen ziellos durch das Gewirr.</p><p>Ich schmetterte eine Lanze zur Seite und lie� meine Kaiila zu der Stelle traben, wo Grunt sich um die Verwundeten gek�mmert hatte.</p><p>Es war ein schrecklicher Anblick. Der Boden war �bers�t mit Verwundeten und Toten. Ich begann mich zu fragen, ob es �berlebende geben w�rde. Zahlreiche Zelte waren umgerissen und verbrannt worden.</p><p>�Aii!� schrillte ein Schrei. Ich hob den Schild, aber der Gelbmesser, der angstvoll die Augen aufgerissen hatte, galoppierte an mir vor�ber, ohne mich zu beachten; seine Z�pfe flatterten hinter ihm durch die Luft.</p><p>�Etwas mu� da dr�ben sein!� sagte Cuwignaka, der sich eine halbe Kaiilal�nge hinter mir befand, und deutete nach vorn.</p><p>Wir trieben unsere Tiere eine kleine Anh�he hinauf und wieder ein St�ck hinab. Auch hier lagen Verwundete.</p><p>�Grunt lebt!� sagte ich.</p><p>Grunt, umgeben von Verwundeten und Toten, stand auf einer kleinen Erhebung.</p><p>�Fort!� br�llte Grunt und schwenkte abwehrend die Arme. Seine Gesten galten zwei berittenen Gelbmessern, die ihn anstarrten. �Fort!�</p><p>Das Gemetzel schienen nur Grunt und Wasnapohdi �berlebt zu haben; die Sklavin kniete mit gesenktem Kopf halb hinter ihm, mit beiden H�nden eine Kaiilaleine haltend.</p><p>Die beiden Gelbmesser machten pl�tzlich kehrt und ergriffen die Flucht.</p><p>Ich mu�te ein Gef�hl der �belkeit bek�mpfen.</p><p>Meine Gedanken wanderten in die Vergangenheit: Vor langer Zeit, noch ehe ich die Stadt Kailiauk in der N�he der Ihanke, der Grenzzone, erreicht hatte, war ich mit einem jungen Mann, einem Tharlarion-Gespannf�hrer, ins Gespr�ch gekommen. Ich hatte ihn gefragt, wieso Grunt als einziger Wei�er so tief in das �dland vordringen d�rfte. �Vielleicht meinen die Wilden, sie h�tten von ihm nichts mehr zu gewinnen�, hatte der junge Mann lachend erwidert und hatte auf meine verst�ndnislose Frage geantwortet: �Das wirst du noch verstehen.� Doch erst in diesem Moment ging mir auf, was er gemeint hatte.</p><p>�Du siehst, warum er noch lebt�, sagte Cuwignaka. �Entscheidend ist dabei der Glaube dieser Menschen an die Medizinwelt.�</p><p>�Anzunehmen�, sagte ich.</p><p>Langsam ritt ich den Rest des Hangs hinab, auf die kleine Erhebung zu, auf der Grunt und Wasnapohdi standen. Bei seiner Einreise in das �dland hatte Grunt neben vielen anderen Tauschwaren eine Kette Sklavinnen mitgef�hrt. Obwohl es sich um h�bsche M�dchen handelte, hatte er meines Wissens niemals n�heren Kontakt zu ihnen gesucht. Dagegen hatte er mich mehr als einmal aufgefordert, meine Erleichterung bei ihnen zu suchen, und daf�r kaum mehr erwartet, als da� ich sie als Sklavinnen behandelte und in gewisser Weise auf ihre k�nftigen Aufgaben vorbereitete. Zu diesen M�dchen hatte die ehemalige Mi� Millicent Aubrey-Welles, eine Deb�tantin aus Pennsylvanien geh�rt, die jetzige Winyela, Cankas Sklavin bei den Isbu-Kaiila. Damals h�tte ich mir nicht tr�umen lassen, da� wir eines Tages im Eigentum desselben Mannes stehen k�nnten. In diesem Augenblick sah ich ein wenig klarer, warum Grunt sich dieser Dinge nicht selbst angenommen hatte.</p><p>�Sei gegr��t�, sagte Grunt zu mir.</p><p>�Sei gegr��t�, erwiderte ich.</p><p>�Jetzt siehst du mich, wie ich bin�, meinte Grunt. �Versuch nicht deinen Ekel zu verbergen.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Ihm ist es bereits widerfahren�, sagte Cuwignaka. �Es ist, als k�nne man nicht mehr get�tet werden oder w�re, als Toter, ins Reich der Lebenden zur�ckgekehrt. Er ist wie ein Wesen aus der Medizinwelt.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Gelegentlich erweist sich mein Zustand als n�tzlich�, sagte Grunt.</p><p>Es geschah zum erstenmal, da� ich Grunt ohne den vertrauten breitkrempigen Hut vor mir sah.</p><p>�Es war vor f�nf Jahren�, sagte er. �Gelbmesser taten mir das an. Ich war bewu�tlos geschlagen worden. Sie hielten mich f�r tot. Ich erwachte sp�ter und �berlebte.�</p><p>�Ich habe von solchen F�llen geh�rt�, sagte ich.</p><p>�Scheu�lich sieht es aus�, meinte er.</p><p>�Ein Teil der Haut ist nachgewachsen�, stellte ich fest. An anderen war nur Narbengewebe auszumachen, hier und dort lag auch der Knochen frei.</p><p>�Mir wurde noch mehr angetan�, sagte Grunt verbittert.</p><p>�Ein Gl�ck f�r dich, da� du nicht verblutet bist�, sagte ich.</p><p>�Ach wirklich?� fragte Grunt zur�ck.</p><p>�Ja.�</p><p>�Vielleicht hast du recht.�</p><p>�Ist dein wahrer Zustand vielen bekannt?� wollte ich wissen.</p><p>�Du wu�test es nicht�, erwiderte Grunt. �Es ist aber nicht allgemein unbekannt.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Wasnapohdi hatte keine Ahnung�, fuhr er fort. �Als sie es zum erstenmal sah, �bergab sie sich ins Gras.�</p><p>�Sie ist nur Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Wunderst du dich jetzt noch�, fragte er, �warum Grunt immer wieder in das �dland strebt, warum er so wenig Zeit bei seinem eigenen Volk verbringt?�</p><p>�Es dauert nicht mehr lange, dann ist das Lager verloren�, sagte ich. �Ich w�rde vorschlagen, da� ihr alle um euer Leben reitet!�</p><p>�Ich ziehe das �dland vor�, sagte Grunt zornig. �Im �dland hat man st�rkere M�gen!�</p><p>�Reiter!� rief Cuwignaka. �Und Kaiila!�</p><p>Wir fuhren herum.</p><p>�Kaiila-Krieger!� rief Cuwignaka.</p><p>F�nf Krieger von den Napoktan-Kaiila verhielten ihre Tiere in unserer N�he; jeder von ihnen f�hrte an Z�geln etliche Kaiila hinter sich.</p><p>�Die Frauen und Kinder�, sagte Cuwignaka und wies den Reitern den Weg, �findet ihr in dieser Richtung.�</p><p>�Wasnapohdi!� rief einer der Krieger in diesem Augenblick. �Bist du es?�</p><p>Wasnapohdi schien sich nicht anders helfen zu k�nnen als haltlos auf die Knie zu sinken. Sie blickte empor, und ihre Unterlippe zitterte, und ihre Augen waren voller Tr�nen. �Ja, Herr!� sagte sie.</p><p>�Beeilung!� rief der Anf�hrer der Krieger, die in die Richtung davongaloppierten, die Cuwignaka ihnen gewiesen hatte.</p><p>Nicht entgangen war mir die Art und Weise, wie Wasnapohdi zu dem jungen Mann �Herr� gesagt hatte � nicht als allgemeine Anrede, sondern mit einer besonderen Betonung.</p><p>�Das war Waiyeyeca�, sagte ich zu ihr.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie, und ihre Augen funkelten vor Tr�nen. Pl�tzlich verstand ich, warum sie sich im Lager vor ihm versteckt hatte. Sie hatte Angst vor ihren Gef�hlen. F�r mich gab es in diesem Moment keinen Zweifel � wohl ebensowenig wie f�r sie �, da� sie diesen Mann wirklich liebte. Ihre Augen, ihre Stimme verrieten, da� sie sich im Herzen noch immer als seine Sklavin sah.</p><p>Auch Grunt war diese Tatsache nicht verborgen geblieben.</p><p>Wasnapohdi richtete sich auf und schaute hinter den Reitern her. Sie streckte die Hand aus.</p><p>�La� mich ihm folgen, Herr�, sagte sie zu Grunt. �Bitte!�</p><p>�Habe ich dir erlaubt aufzustehen, Sklavin?� fragte Grunt.</p><p>Erstaunt blickte sie ihn an. Grunt versetzte ihr eine Ohrfeige, und ihr Gesichtsausdruck bekam etwas Ungl�ubiges. �Du geh�rst nicht ihm�, sagte Grunt barsch. �Sondern mir!�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. Mit ganzem Herzen sehnte sie sich danach, Waiyeyeca zu folgen, doch sie mu�te Grunt begleiten, der jetzt auf seine Kaiila gestiegen war. Ihr Wille bedeutete nichts. Sie war Sklavin.</p><p>�Ich war viel zu sehr mit mir selbst besch�ftigt�, sagte Grunt. �Manchmal lasse ich die Dinge zu dicht an mich herankommen. Ich danke euch beiden, meine Freunde, da� ihr mich zur Vernunft gebracht habt.�</p><p>�Reite�, sagte Cuwignaka. �Es ist beinahe dunkel. Hoffentlich k�nnen viele reitend oder zu Fu� aus dem Lager fliehen.�</p><p>�Du begleitest uns doch sicher�, sagte Grunt.</p><p>�Nein�, gab Cuwignaka zur�ck.</p><p>�K�mpfen ist Sache von Kriegern�, sagte Grunt.</p><p>�Wir sind Krieger�, erwiderte Cuwignaka.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte Grunt.</p><p>�Wir dir auch�, sagte ich.</p><p>�Oglu waste!� sagte Cuwignaka.</p><p>�Oglu waste!� gab Grunt zur�ck. �Viel Gl�ck!�</p><p>Und er ritt seine Kaiila durch das Zwielicht. Wir sahen, wie Wasnapohdi einen gepeinigten Blick in die Richtung warf, in die Waiyeyeca geritten war. Dann eilte sie neben Grunts Kaiila.</p><p>�Er ist der einzige Mann in meiner Bekanntschaft, der das �berlebt hat�, sagte Cuwignaka.</p><p>�F�r sich gesehen ist es nicht t�dlich�, sagte ich. �Nur wird es im allgemeinen an Sterbenden oder Toten vollzogen.�</p><p>�Du hast nat�rlich recht�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Grunt schien in diesem Punkt ziemlich empfindlich zu sein�, sagte ich.</p><p>�Es hat ihm heute das Leben gerettet�, meinte Cuwignaka. �Eher sollte er sich dar�ber freuen.�</p><p>�Vermutlich kann man sich daran gew�hnen�, meinte ich.</p><p>�Scheu�lich sieht es aus.�</p><p>�O ja, bereitwillige Nachahmer wird es nicht geben.�</p><p>�Gewi� nicht!� sagte Cuwignaka lachend.</p><p>�Er ist ein guter Mann�, meinte ich.</p><p>�Ja, und sehr freundlich.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich frage mich, ob Wasnapohdi jemals begreift, wie besorgt Grunt um ihr Leben war.�</p><p>�Irgendwann wird sie es sicher erkennen�, sagte ich. �Sie ist eine intelligente Frau.�</p><p>�Mahpiyasapa wei�, da� das Lager verloren ist�, stellte Cuwignaka fest.</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Die jungen Krieger brachten Kaiila f�r die Evakuierung von Frauen und Kindern.�</p><p>�Meinst du, es werden genug Kaiila zusammenkommen?�</p><p>�Keine Ahnung�, entgegnete ich.</p><p>�Die Tiere werden nicht reichen�, behauptete Cuwignaka.</p></section><section><title><p>27</p></title><p>Hauend und stechend k�mpften wir eine Gruppe von Soldaten nieder.</p><p>�Kaiila! Freunde!� schrie ich mit erhobener Lanze.</p><p>�Tatankasa! Cuwignaka!� rief ein Mann.</p><p>Das d�nne, unregelm��ige, ausged�nnte Oval an Kriegern, etwa hundert Meter lang, �ffnete sich und lie� uns ein. Im Innenkreis dr�ngten sich Frauen und Kinder und Kaiila.</p><p>Mahpiyasapa und seinen Leutnants war es mit der Hilfe von gebr�llten Befehlen und Signalen ihrer Kriegsst�be und Pfeifen gelungen, eine neue Kampflinie zu bilden und einen Abwehrkreis zu formen.</p><p>Wir zogen unsere Kaiila herum und lie�en uns in die Formation eingliedern.</p><p>Zwischen uns landeten Pfeile hochfliegender Kinyanpi.</p><p>Hier und dort stellten Gelbmesser und Soldaten in kurzen, heftigen Scharm�tzeln unsere Verteidigungskraft auf die Probe.</p><p>�Niemand flieht, ehe Mahpiyasapa das Zeichen gibt!� rief ein Mann.</p><p>�Wir m�ssen durchhalten, bis es dunkel wird�, bemerkte ein anderer.</p><p>�Und dann m�ssen wir, die Frauen und Kinder abschirmend, durch die gegnerischen Linien brechen, soweit das m�glich ist.�</p><p>�Es wird eine bedeckte Nacht�, meinte jemand. �Die Kinyanpi werden uns kaum folgen k�nnen.�</p><p>�Bald ist es dunkel�, sagte eine Stimme hoffnungsvoll.</p><p>Hci lenkte seine Kaiila aus der Kampflinie und verhielt sie neben Cuwignakas Tier.</p><p>�Ich hatte nicht geglaubt, da� du zur�ckkommen w�rdest�, sagte er.</p><p>�Ich bin ein Kaiila�, antwortete Cuwignaka.</p><p>Hci kehrte an seinen Posten zur�ck.</p><p>�Ich glaube, wir k�nnen die Stellung bis zur Nacht halten�, sagte ich zu Cuwignaka.</p><p>�Ich bin deiner Meinung. Wenn nicht, gibt es hier ein Blutbad.�</p><p>Pl�tzlich h�rten wir das Klappern von Rasseln und das Dr�hnen kleiner Handtrommeln. Die Gelbmesser �ffneten ihre Linien. Die Soldaten zogen sich ebenfalls ein St�ck zur�ck. In dem nun gebildeten Korridor erschienen T�nzer: Ihre K�rper waren bemalt, sie hatten sich Zweige um Hand- und Fu�gelenke gebunden. Sie sangen, stampften, drehten sich schlurfend im Kreis.</p><p>�Gelbmesser�, sagte ein Mann angstvoll.</p><p>�Sie machen Medizin�, fl�sterte ein anderer.</p><p>Die Masken, die sie trugen, waren gro�, beinahe so breit wie ihre Schultern. Durch die Mundl�cher der Masken vermochte ich die mit gelben Streifen bemalten Gesichter zu erkennen. Die Masken waren ebenfalls bemalt. Sie bestanden aus Holz und Leder.</p><p>�Sie rufen Medizinhelfer!� sagte ein Mann erschrocken.</p><p>F�r den roten Wilden sind solche Masken nicht einfach nur Masken, sondern besitzen eine angsteinfl��ende Macht. Nach der �berlieferung ihrer V�lker konnten die auf solchen Masken festgehaltenen Visionen direkt aus der Medizinwelt stammen.</p><p>Unbehaglich rutschten M�nner auf dem R�cken ihrer Kaiila hin und her. Ein oder zwei Tiere wichen bereits aus der Linie.</p><p>�Haltet eure Pl�tze!� rief Mahpiyasapa. �Wir haben keine Angst vor Holz und Leder!�</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Mahpiyasapas Bemerkung klang mir sehr nach Ketzerei. Andererseits war es in diesem Moment bestimmt nicht in seinem Interesse, die G�ltigkeit der Gelbmesser-Medizin herauszustreichen.</p><p>�Es ist eine falsche Medizin!� rief Mahpiyasapa. �Wir haben keine Angst vor Holz und Leder!�</p><p>Wieder l�chelte ich vor mich hin. Mahpiyasapa hatte eine angemessene Unterscheidung getroffen, indem er unterstellte, da� es falsche und echte Medizin gebe, wobei die Medizin der Kaiila vermutlich die echte sein sollte und die der Gelbmesser unwirksam. Besser h�tte man wohl zwischen schw�cherer und st�rkerer Medizin unterschieden. Der rote Wilde bezweifelt im allgemeinen nicht, da� auch der Feind �ber Medizin verf�gt; dabei hofft er nat�rlich, da� seine Medizin sich als die st�rkere erweisen wird. Sollte die Medizin der Gelbmesser dagegen eine absolut falsche Medizin sein � was gab es dann noch zu bef�rchten?</p><p>Der wahre Test f�r die st�rkere Medizin schien mir letztlich im Erfolg zu liegen, im Sieg.</p><p>�Habt keine Angst!� rief Mahpiyasapa. �Die Medizin der Gelbmesser ist eine falsche Medizin!�</p><p>�Was sind das f�r Medizinwesen, die da auf den Masken dargestellt werden?� fragte ein Mann.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete ein anderer unbehaglich.</p><p>�Ich habe ein solches Ungeheuer noch nie gesehen�, meinte ein dritter.</p><p>�Solche Gesch�pfe gibt es sicher nur in der Medizinwelt�, meinte ein vierter.</p><p>�Die Medizin der Gelbmesser ist falsch!� rief jemand. �Mahpiyasapa hat recht!�</p><p>�Und wenn nicht?�</p><p>�Solche Lebewesen gibt es nicht�, sagte ein Mann. �Nicht einmal in der Medizinwelt!�</p><p>�Woher aber kam die Vision f�r solche Masken?� wollte jemand wissen.</p><p>�Wenn diese Gesch�pfe in der Medizinwelt existierten, w�rden sie die Gelbmesser nicht beg�nstigen.�</p><p>�Das stimmt�, sagte ein Mann.</p><p>�Und was ist, wenn sie es doch tun?� fragte eine Stimme.</p><p>�Dann w�ren wir verloren!� rief der erste Mann.</p><p>Ich beugte mich auf dem Kaiilar�cken vor. Aus dieser Entfernung vermochte ich die auf den Masken nachgestalteten Gesichter einigerma�en deutlich auszumachen. Sofort begannen sich mir die Nackenhaare zu str�uben. Es waren eindeutig Kurgesichter!</p><p>�Haltet eure Position!� bat ich die M�nner links und rechts von mir. �Was auch passiert, weicht nicht zur�ck!�</p><p>�Eure Medizin ist falsch!� rief Mahpiyasapa den Gelbmessern zu, obwohl sie ihn zweifellos nicht verstehen konnten. �Wir haben keine Angst davor! Sie besteht nur aus Holz und Leder!�</p><p>Ein erschreckender Laut ert�nte in den Reihen der Gelbmesser und S�ldner. Es war ein langer, heulender Schrei. Auch den Gelbmessern und ihren Verb�ndeten mu�te dieser Laut schrecklich in den Ohren klingen. Es war ein unmi�verst�ndlicher Schrei � ich hatte ihn schon auf den Felsh�ngen Torvaldslands vernommen, im Sand der Tahari, in den Dschungeln der Ua.</p><p>In diesem Augenblick tauchte in den Reihen des Feindes ein riesiger Kur auf, etwa neun Fu� gro�, ungef�hr neunhundert Pfund schwer. Das Wesen trug einen riesigen Schild mit einer dazu passenden Lanze � die Ausr�stung eines Menschen. Links und rechts dahinter folgten weitere Artgenossen, �hnlich herausgeputzt.</p><p>�Aii!� schrie ein Kaiilak�mpfer und wendete sich zur Flucht.</p><p>�Haltet die Position!� rief Mahpiyasapa.</p><p>Aber schon schrien alle M�nner, ihre Kaiila wimmelten durcheinander, schon l�ste sich die Formation auf. Angst wandelte sich zu Flucht, Flucht zu heillosem Chaos, das Chaos zu sinnloser T�terei. Gelbmesser und S�ldner dr�ngten nach. Frauen und Kinder schrien.</p><p>�Flieht!� br�llte Mahpiyasapa. �Flieht!�</p><p>M�nner liefen los. Frauen und Kinder versuchten die Kaiila zu besteigen, die man f�r sie bereitgestellt hatte.</p><p>Ich senkte meine Lanze und richtete sie auf das Herz des riesigen Kur. Es war Sardak, der Anf�hrer des Hinrichtungskommandos von den Stahlwelten. Im n�chsten Augenblick schoben sich S�ldner zwischen uns, und ich kam nicht mehr an ihn heran. Eine Frau auf einer Kaiila, ein Kind vor sich, galoppierte vor�ber.</p><p>�Cuwignaka!� rief ich.</p><p>�Hier!� kam die Antwort.</p><p>Ich sah ihn ein St�ck entfernt neben seiner Kaiila stehen. Er hatte seine Lanze fortgeworfen und schob gerade ein zweites Kind hinter das erste auf den R�cken seines Reittiers. �Flieht, kleine Br�der!� rief er und versetzte der Kaiila einen Hieb. Wiehernd h�pfte sie davon.</p><p>�Komm!� rief ich ihm zu. �Komm, reite hinter mir!�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Es gibt nicht gen�gend Kaiila!� sagte er.</p><p>Ich stieg neben ihm ab. Zwei Kaiila, geritten von Gelbmessern, galoppierten vor�ber. �berall herrschte das Chaos. Hier und dort wurde gek�mpft. �Auf deine Kaiila, du Dummkopf!� rief Cuwignaka. �Reite fort! Flieh!�</p><p>�Schau!� sagte ich.</p><p>Hci sa� auf seinem Reittier und wirkte starr und stumm. Es sah beinahe aus, als w�re er gel�hmt, als k�nne er sich vor Angst nicht bewegen.</p><p>�Pa� auf!� br�llte ich. Ich sah, wie ein Gelbmesser seine Kaiila herumwirbeln lie� und die Lanze senkte.</p><p>�Pa� auf!� rief ich.</p><p>Hci wendete sein Tier und erblickte den Mann. Der Gelbmesser, der den Vorteil der �berraschung verloren sah, zog die Z�gel seiner Kaiila an, woraufhin das Tier sich beinahe auf die Hinterhand stellte. Als das Tier sich wieder beruhigt hatte, starrte der Mann auf Hci. Hci erwiderte den Blick.</p><p>�Vorsicht!� rief ich.</p><p>Es war beinahe, als sehe Hci den Mann nicht, als schaue er durch ihn hindurch, als seien der greifbare Gegner und die k�rperlich vorhandene Speerspitze aus scharfer Bronze nur die Symbole von etwas, das er weitaus mehr f�rchtete.</p><p>Hci zog seine Kaiila nicht herum. Er machte keine Anstalten, sich der Attacke zu erwehren.</p><p>Verwirrt und unentschlossen z�gerte der Gelbmesser-Krieger. Die Inaktivit�t seines Gegners kam f�r ihn so �berraschend und war so unnat�rlich, so unheimlich, da� er beunruhigt reagierte. Hatte er hier noch einen Menschen vor sich oder etwas anderes, vielleicht einen Gast aus der Medizinwelt, etwas, durch das sein Angriff hindurchgehen w�rde, ohne etwas zu ber�hren, etwas, das sich hinter ihm zu Rauch aufl�sen mochte?</p><p>Im n�chsten Augenblick stie� Hci einen qualvollen Schrei aus. Sein Schild begann sich zu heben. Einen Augenblick lang hatte es den Anschein, als versuche er mit dem Schild zu k�mpfen, der sich aber, wie von einem eigenen Willen beseelt, langsam zu heben begann.</p><p>Der Gelbmesser richtete seine Lanze aus.</p><p>Hci sa� starr auf dem R�cken seiner Kaiila, resigniert, ohne jeden Widerstand, reglos, die Arme zu den Monden Gors gestreckt.</p><p>�Pa� auf!� br�llte ich.</p><p>Die Lanze des Gelbmessers traf ihn links unten am Torso, schleuderte ihn von der Kaiila, und schon galoppierte der Gelbmesser mit einem Siegesschrei weiter.</p><p>�Sein Schild wollte ihn nicht verteidigen�, sagte Cuwignaka entsetzt. �Sein Schild hat ihn verraten. Ich habe von solchen Dingen erz�hlen h�ren! Aber noch nie habe ich es selbst beobachtet � bis jetzt!�</p><p>Ein S�ldner preschte auf einer Kaiila vor�ber. Seine Lanze wirkte schwarz in der D�mmerung.</p><p>Ich packte eine herbeist�rmende Frau am Handgelenk, ehe sie mir ihr Messer in den Leib sto�en konnte. Aufschreiend lie� sie die Waffe fallen, und ich zerrte sie auf meine Kaiila. Cuwignaka nahm das Kind, das zu der Frau geh�rte, und schob den Jungen hinter ihr auf das Reittier.</p><p>�Du willst nicht fliehen?� fragte mich Cuwignaka.</p><p>�Ich verlasse dieses Feld nicht ohne dich�, sagte ich.</p><p>�Los!� br�llte Cuwignaka und versetzte der Kaiila einen energischen Schlag. �Los!� Das Tier trabte in die Dunkelheit, suchte sich einen Weg durch das Gewirr der Menschen.</p><p>�ber uns, keine zwanzig Fu� entfernt, peitschten Tarnfl�gel durch die Luft. Staub wirbelte vom Boden hoch. Die Hufe einer passierenden Kaiila stie�en mich um. Ich rappelte mich wieder auf und wischte mir den Staub aus den Augen.</p><p>�Ich bin hier�, sagte Cuwignaka und packte mich am Arm. �Komm mit.�</p><p>�Kinyanpi!� sagte ich. �Sie werden die Au�enbereiche des Lagers �berwachen und die Felder nach Fl�chtlingen absuchen.�</p><p>�Deshalb m�ssen wir im Lager bleiben�, sagte Cuwignaka. So arbeiteten wir uns durch die Schatten vorw�rts, fort vom Ort des Todes, manchmal rennend, manchmal geduckt kriechend. Kurze Zeit sp�ter hatten wir uns in einem der �briggebliebenen Zelte versteckt. Das Getrappel von Kaiilahufen, das schnell leiser wurde, lie� uns aufhorchen.</p><p>�Sie reiten aus dem Lager, um Fl�chtlinge zu verfolgen!� sagte ich.</p><p>�Hartn�ckig sind sie!� sagte Cuwignaka.</p><p>�Das ist die Disziplin der S�ldner und der Ungeheuer�, antwortete ich.</p><p>�Anzunehmen.�</p><p>�Wohin willst du?�</p><p>�Vielleicht ist er nicht tot�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Hci?� wollte ich wissen.</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Du schleichst dich zur�ck?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich begleite dich.�</p><p>�Das ist nicht n�tig!�</p><p>�Ich begleite dich!�</p><p>�Es ist gef�hrlich.�</p><p>�F�r einen wird es gef�hrlicher sein als f�r zwei�, widersprach ich.</p><p>�Mitakola�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Mitakola�, antwortete ich. In der Sprache der Kaiila bedeutet dieses Wort �mein Freund�.</p><p>Ich hielt es nicht f�r erforderlich, Cuwignaka mitzuteilen, da� ich mich selbst um Hci hatte k�mmern wollen. Ehe wir das Zentrum des Lagers verlie�en, hatte ich gesehen, wie er sich bewegte.</p><p>Verstohlen verlie�en wir das Zelt. Wir mu�ten schnell handeln, ehe die Gelbmesser und die S�ldner ins Lager zur�ckkehrten. Danach w�rde es mit der Disziplin zun�chst vorbei sein. Danach w�rde man sich �ber die Toten hermachen, um Troph�en zu erbeuten.</p></section><section><title><p>28</p></title><p>�Ich habe gelogen�, sagte Hci.</p><p>Er lag im Dunkeln in Grunts Zelt. Es ging auf meinen Wunsch zur�ck, da� wir uns in diesem Zelt versteckt hatten. Hier lagerten Dinge, die mich interessierten. Au�erdem gab es Vorr�te an Trockenfleisch und D�rrmasse.</p><p>�Ich hatte Canka den Pfeil gestohlen�, fuhr er fort. �Ich war es, der den Angriff auf Mahpiyasapa vort�uschte. Ich beschuldigte Canka, ihn umbringen zu wollen.�</p><p>�Das ist uns bekannt�, sagte Cuwignaka. �Ich glaube, da� auch Mahpiyasapa Bescheid wei�, ebenso wie viele andere.�</p><p>�Ich leistete einen Schwur auf meinen Schild�, sagte Hci.</p><p>Cuwignaka antwortete nicht.</p><p>�Der Schild wu�te Bescheid�, sagte Hci. �Er k�mpfte gegen mich. Ehrbefleckt, wie ich war, wollte er mich nicht verteidigen.�</p><p>�Ruh dich aus�, sagte Cuwignaka.</p><p>Wir vernahmen lautes Singen und Gr�len in der Ferne: Gelbmesser und S�ldner feierten dort gemeinsam ihren Sieg.</p><p>�Du bist zur�ckgekommen, um mich zu holen�, sagte Hci.</p><p>�Ja�, erwiderte Cuwignaka.</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich bin ein Kaiila.�</p><p>�Ich hatte nicht geglaubt, da� du ein Kaiila w�rst.�</p><p>�Das war ein Irrglaube.�</p><p>�Ja�, sagte Hci. �Ich habe mich geirrt.� �Ist er tot?� fragte ich. �Nein�, entgegnete Cuwignaka, �er schl�ft nur.�</p></section><section><title><p>29</p></title><p>�Sie genie�en ihre Feier�, sagte Cuwignaka.</p><p>Wir lagen hinter der kleinen Anh�he und schauten auf die Lagerfeuer der Sieger hinab.</p><p>Ich mu�te etwas feststellen. Auch Cuwignaka, der darauf bestanden hatte, mich zu begleiten, wollte etwas in Erfahrung bringen, etwas, f�r das er sich interessierte.</p><p>�Dort�, sagte ich, �im gro�en Kreis, an den Ehrenpl�tzen � siehst du die Ungeheuer?�</p><p>�Ja�, antwortete mein Freund.</p><p>�Das sind Kurii�, erkl�rte ich. �Sie begleiteten die S�ldner Alfreds, des Hauptmanns aus Port Olni. Sie hausten in den kleinen Wagen am Ende der Kolonne.�</p><p>�Als ich noch bei der Kolonne war, als Sklave�, sagte Cuwignaka, �habe ich sie nie zu Gesicht bekommen.�</p><p>�Ihre Anwesenheit wurde sogar vor den S�ldnern geheimgehalten�, sagte ich.</p><p>�Bist du sicher, da� sie nicht von der Medizinwelt stammen?�</p><p>�Du glaubst doch gar nicht an die Medizinwelt!�</p><p>�Ich glaube an das, was ich sehe.�</p><p>�Sie sind so real wie du und ich�, sagte ich. �Sie haben eine eigene Geschichte, sie haben ihre eigenen Ziele � wie die Menschen.�</p><p>�Sie erschrecken mein Volk zutiefst�, stellte Cuwignaka fest.</p><p>�Siehst du dort den gr��ten Kur?�</p><p>�Ja�, antwortete mein Freund.</p><p>Das Ungeheuer hockte an einem Ehrenplatz, am h�chsten Punkt des gro�en Kreises und hatte sein Gewicht auf die F��e und die Handkn�chel verteilt. Auf einer Seite sa�en Alfred, Hauptmann der S�ldner, und einige seiner Leutnants. Auf der anderen Seite sah ich die drei Kriegsh�uptlinge der Gelbmesser, die M�nner, die zuvor im Lager der Kaiila zu Gast gewesen waren. Zweifellos hatten sie ihre Zeit bei Watonka dazu benutzt, das Lager auszukundschaften. In ihrer Gesellschaft befanden sich etliche Hohekrieger des Stammes.</p><p>�Das ist der Anf�hrer der Kurii�, erkl�rte ich. �Sein Name, auf goreanisch �bersetzt, lautet Sardak. Hinter ihm hockt ein zweiter hochstehender Kur, der Kog genannt wird.�</p><p>�Solche Wesen haben Namen?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Ja. Wie viele z�hlst du? La� dir Zeit � die Zahl ist sehr wichtig.�</p><p>�Sieben.�</p><p>�Ich auch�, sagte ich. In der Kolonne Alfreds hatten sich siebzehn der kleinen Wagen befunden, von denen ich vermutete, da� sie Kurii enthielten. Angesichts der Reizbarkeit der Kurii nahm ich an, da� in jedem Wagen nur ein Wesen gehockt hatte. Somit hatte das Hinrichtungskommando urspr�nglich aus siebzehn Kurii bestanden, einschlie�lich der Anf�hrer Sardak und Kog. Als Grunt und ich den Schauplatz des Massakers erreichten, erfuhren wir von K�rbis, dem Waniyanpi-Sklaven, da� die Leichen von neun Ungeheuern gefunden worden waren. Damals hatte ich nicht feststellen k�nnen, ob sich Kog und Sardak unter den Toten befanden. Die Leichen der Ungeheuer waren von roten Wilden fortgezerrt worden. Anscheinend hatten sie nichts anderes mit ihnen anzufangen gewu�t. Sp�ter erfuhr ich von der ehemaligen Lady Mira aus Venna, die von ihren roten Herren zur Waniyanpi-Sklavin gemacht wurde, da� anscheinend eine kleine Gruppe Kurii vom Schlachtfeld hatte entkommen k�nnen. Offenbar hatten die Wilden wenig Lust gehabt, die Monstren anzugreifen. Das M�dchen sch�tzte, da� etwa sieben oder acht Ungeheuer entkommen waren. Au�erdem wu�te ich von dem �berleben eines Kurs, dem ich dort auf der Pr�rie begegnet war: Ich verhinderte, da� das Ungeheuer eine Gruppe Waniyanpi angriff.</p><p>�Einer w�rde schon gen�gen�, sagte Cuwignaka neben mir.</p><p>�Was meinst du?� fragte ich. Ich nahm nicht an, da� ein einzelner Kur sich auf einen Kampf auf Leben und Tod mit Zarendargar, auch Halb-Ohr genannt, einlassen w�rde.</p><p>�Einer w�rde gen�gen, die Gelbmesser zu unterst�tzen�, erkl�rte er, �einer gen�gt, um die Kaiila zu erschrecken und ihnen jeden Mut zu nehmen.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. Befa�t mit meinen Sorgen, mit meinen ureigenen Pl�nen im �dland, die darauf hinausliefen, Zarendargar zu finden und vor dieser Gefahr zu warnen, hatte ich die offensichtliche Rolle der wilden Kurii in der Milit�rpolitik des weiten Graslands �stlich der Thentis-Berge zu wenig bedacht. Cuwignaka kannte meine wahre Mission im �dland nicht. Er glaubte, ich sei ein einfacher Tauschh�ndler wie Grunt.</p><p>�Mit dem Kaiila-Stamm ist es aus�, sagte Cuwignaka resigniert.</p><p>�Viele m�ssen entkommen sein�, tr�stete ich ihn.</p><p>�Sie sind versprengt und ohne Halt. Das Fleisch f�r den Winter ist verloren.�</p><p>�Einige werden sicher �berleben.�</p><p>�Vielleicht �hnlich wie die Staubf��e�, sagte Cuwignaka, �als H�ndler, Diplomaten, Dolmetscher, anderen dienend � nicht l�nger Ubars der Ebene, Meister �ber das Grasland.�</p><p>Ich sch�mte mich. Wie dumm war ich doch gewesen! Wie sehr konzentrierte man sich manchmal doch auf die eigenen Dinge, wie wenig Feingef�hl entwickelte man f�r die Gedanken anderer! Mir ging es um das Leben eines Freundes. Cuwignaka machte sich Gedanken um das �berleben eines Volkes.</p><p>�Vielleicht werden die Kaiila wieder aufsteigen�, sagte ich.</p><p>�Nein, nichts kann sie mehr retten.�</p><p>�Das kannst du nicht wissen�, sagte ich.</p><p>�Was sollte sie retten?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Vielleicht gibt es wirklich nichts.�</p><p>Cuwignaka blickte von der kleinen Anh�he auf die Gruppe der Feiernden hinab.</p><p>�Dort sind die Sieger�, sagte er.</p><p>Auf der gro�en Fl�che wimmelte es von Kriegern und Sklaven. Es gab einen gro�en Kreis, in dem allerlei W�rdentr�ger ihren Platz hatten, daneben zahlreiche kleinere Runden. In der Mitte jeder Gruppe loderte ein Feuer. Im Mittelpunkt des gro�en Kreises prasselte das Riesenfeuer, das von zahlreichen zerbrochenen Zeltst�ben gespeist wurde. Sklavinnen huschten herum und bedienten oder k�mmerten sich um dampfende T�pfe.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Dort, Lanzent�nzer�, sagte Cuwignaka.</p><p>Zwischen den Zelten kam eine lange Reihe von Lanzentr�gern hervor. Schlangengleich bewegte sich diese Reihe auf die Feuerstellen zu und begann sich dann dazwischen hindurchzuwinden; die T�nzer schlurften mit den F��en, b�ckten sich, richteten sich wieder auf und sangen.</p><p>�Ein Tanz der Schlangengemeinschaft, einer Kriegervereinigung der Gelbmesser�, sagte Cuwignaka. �Bei den Kaiila kennen wir einen �hnlichen Tanz, doch jeder Krieger kann ihn vollf�hren, der schon einmal einen Coup errungen hat.�</p><p>�Wenigstens lebt sie noch�, sagte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte Cuwignaka.</p><p>�Ich nehme an, das wolltest du bei unserem kleinen Kundschafterausflug feststellen�, sagte ich.</p><p>�Ja�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Sie bedient jetzt Iwoso.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Glaubst du, sie gibt eine gute Zofe f�r sie ab?�</p><p>�Sie w�rde jedem eine gute Sklavin sein!�</p><p>�Entr�stet es dich, sie dort als Sklavin zu sehen?�</p><p>�Sie hat die Kaiila verraten. Nein!�</p><p>�Zweifellos tr�gt sie jetzt Iwosos Kragen�, sagte ich.</p><p>�Zweifellos�, best�tigte er.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� Bloketu so sch�n ist�, sagte ich. Einer Frau, die nur einen Sklavenkragen tragen darf, f�llt es schwer, ihre Sch�nheit zu verbergen.</p><p>�Ich frage mich, ob Iwoso nicht vielleicht noch sch�ner ist�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Vielleicht wird es eines Tages Sklavenherren geben, die das ganz genau wissen�, sagte ich.</p><p>Cuwignaka blickte mich von der Seite an und l�chelte. �Vielleicht�, sagte er.</p><p>�Hier ist es gef�hrlich�, sagte ich. �Ob es dir wohl gelingt, den Blick von Bloketu loszurei�en?�</p><p>�Sie ist h�bsch, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich vermute, da� die Au�enbezirke des Lagers noch immer �berwacht werden, damit keine Kaiilakrieger zur�ckschleichen und sich Nahrung holen. Aus demselben Grunde d�rfte es schwierig sein, sich Kaiilatiere zu beschaffen und zu fliehen, ohne Hci zur�ckzulassen.�</p><p>�Sie ist so sch�n�, sagte Cuwignaka versonnen.</p><p>�Dementsprechend m�chte ich empfehlen, die Nacht im Lager zu verbringen. Das ist nicht nur in Hcis Interesse, sondern auch in unserem. Morgen fr�h m�ssen wir dann zu fliehen versuchen, nachdem die Wachen zur�ckgerufen worden sind oder sich langsam beruhigt haben � oder das Lager als Ganzes verlassen worden ist.�</p><p>�Wirklich sch�n�, sagte Cuwignaka bewundernd.</p><p>�Was sagst du dazu?�</p><p>�Wozu?�</p><p>�Na, zu meinem Vorschlag, heute nacht im Lager zu bleiben?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Cuwignaka. �Ich k�nnte das Lager ohnehin nicht vor morgen verlassen.�</p><p>�Warum nicht?� fragte ich.</p><p>�Du mu�t doch wissen, was heute f�r ein Tag ist!�</p><p>Ich schaute ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Es ist der H�hepunkt unseres Festes � der erste Tag des gro�en Tanzes!�</p><p>�Na und?� fragte ich.</p><p>�Ich werde tanzen!�</p><p>�Du bist ja verr�ckt!�</p><p>�Das Portal der Tanzhalle d�rfte unbewacht sein�, erkl�rte er. �Niemand wird mir den Eintritt noch verwehren.�</p><p>�Aber es wird auch niemand dort sein, mit dir zu tanzen�, sagte ich. �Niemand, der die Einsamkeit und den Schmerz mit dir teilt.�</p><p>�Ich werde allein tanzen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Heute tanzen aber die Kaiila nicht.�</p><p>�Einer doch.�</p><p>�Das Tanzzelt ist zerst�rt. Der Stamm selbst ist entehrt, die Symbole seiner Macht sind fort. Dein K�rper w�re nicht richtig angemalt. Du h�ttest keine Zweige an deinen Arm- und Fu�gelenken. Du w�rdest es nicht wagen, die Herlit-Pfeife zu blasen.�</p><p>�Glaubst du wirklich, diese Dinge w�ren unbedingt erforderlich?� fragte Cuwignaka l�chelnd.</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Um den Kern des Tanzes zu erleben, braucht man eigentlich sehr wenig�, erkl�rte mein Freund. �Ich werde den Baumstamm haben, mich selbst und meine M�nnlichkeit. Das gen�gt.�</p><p>�Manche M�nner brauchen zwei oder drei Tage, um sich von dem Stamm zu befreien�, sagte ich.</p><p>�Soviel Zeit habe ich nicht�, sagte Cuwignaka. �Ich werde bis morgen fr�h davon los sein.�</p><p>�Damit bringst du dich um.�</p><p>�Ich halte das nicht f�r wahrscheinlich.�</p><p>�Verzichte auf den Tanz!�</p><p>�Irgendwann im Leben, auf die eine oder andere Weise, mu� jeder Mann tanzen. Sonst ist er kein Mann.�</p><p>�Man kann auf viele Arten tanzen.�</p><p>�Ich werde tanzen, wie es bei meinem Volk �blich ist, den Kaiila�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du glaubst ja nicht einmal an die Medizinwelt!� rief ich.</p><p>�Ich glaube an den Tanz.�</p><p>Ich blieb stumm.</p><p>�Vielleicht brauche ich ein wenig Hilfe�, sagte Cuwignaka, �beim Festmachen der Seile, beim Anbringen der Spie�e in meinem Fleisch. Wirst du mir helfen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wenn ich dann mit dem Tanz fertig bin und mich ein wenig ausgeruht habe, brechen wir auf. Wir bauen ein Transportgestell f�r Hci. Wir verlassen das Lager vor Beginn der Morgend�mmerung. Ich kenne in der N�he eine kleine Senke. Wir werden uns dort verstecken und vielleicht morgen abend endg�ltig verschwinden.�</p><p>�Wohin?�</p><p>�Hci mu� gepflegt werden�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich und deutete auf die lodernden Feuerstellen unter uns. �Schau!�</p><p>�Die Gelbmesser bereiten sich auf ihren Siegestanz vor.�</p><p>�Ich habe keine Lust, mir das anzuschauen�, sagte ich.</p><p>�La� sie tanzen�, sagte Cuwignaka. �An einem anderen Ort wird ein anderer Mann ebenfalls tanzen.�</p><p>�Du bist fest dazu entschlossen?�</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka. �Ich werde tanzen.�</p></section><section><title><p>30</p></title><p>Schon aus der Ferne h�rten wir das Rasseln und Klappern.</p><p>Flieger kreisten am Himmel.</p><p>Durch h�fthohes Gras marschierend, zogen wir das Transportgestell, auf dem Hci und unsere Habe lagen. Von einer Anh�he vermochten wir auf die unter uns liegenden Felder zu schauen, hinter denen sich palisadengesch�tzte Bauten erhoben.</p><p>Die Tatsache, da� wir keine Kaiila besa�en, hatte sich anscheinend zu unserem Vorteil ausgewirkt. In den letzten Tagen hatten wir mehrmals einsame Kinyanpi-Kundschafter am Himmel bemerkt und uns jedesmal rechtzeitig im hohen Gras verstecken k�nnen.</p><p>Dankbar nutzten wir die Schr�ge des Hangs aus und zerrten das Gestell zu Tal.</p><p>Am Feldrand war eine primitive Holzplattform errichtet worden, die �ber eine Leiter zu erreichen war. Abgeschirmt wurde diese Plattform durch einen Stoffbaldachin, der sich im Wind bewegte. Auf der Plattform standen zwei Waniyanpi-Frauen; die eine hielt eine Schnur mit einigen daran festgebundenen T�pfen und Pfannen, die andere einen L�ffel und eine Metallpfanne. Beide erzeugten den L�rm, der die Flieger verscheuchen sollte.</p><p>In diesem Moment entdeckten uns die Frauen; eine stieg hastig die Leiter herab und lief auf die ferne Palisade zu. Die andere kam in unsere Richtung.</p><p>�Fort!� br�llte sie.</p><p>Ich schaute in den Himmel. �Wir sollten im Mais Deckung suchen�, sagte ich.</p><p>�Ihr werdet hier nicht willkommen sein�, sagte das M�dchen, das neben uns herlief. �Alle werden fortgeschickt.�</p><p>�Dieser Mann braucht dringend Hilfe.�</p><p>�Das ist egal. Tut mir leid.�</p><p>�Ist dies nicht Garten Elf, ein Waniyanpi-Gehege im Besitz des Kaiila-Stammes?� fragte ich.</p><p>�Wir geh�ren jetzt den Gelbmessern�, sagte die Waniyanpi. �Soldaten haben uns das gesagt.�</p><p>�Ihr steht noch immer im Besitz von Kaiila!� rief Cuwignaka �rgerlich. �Ihr werdet uns Unterkunft und Essen geben.�</p><p>�Wir haben Angst�, sagte sie.</p><p>�Es kommt jemand�, sagte ich.</p><p>Eine Gruppe von etwa f�nfzehn Frauen und M�nnern eilte am Rain des Maisfeldes auf uns zu. Sie alle trugen die langweilige Einheitsuniform der Waniyanpi, ein langes, lose herabh�ngendes Gewand.</p><p>�R�bchen!� rief die Frau an der Spitze zornig. �Was tust du?�</p><p>�Diese Leute suchen Unterkunft, Radieschen�, sagte das M�dchen.</p><p>Ich verschr�nkte die Arme und musterte die aufgebrachte Waniyanpi-Frau.</p><p>�Verschwindet!� sagte Radieschen zornig. �Hier ist kein Platz f�r euch!�</p><p>�Ich m�chte lieber mit einem Mann sprechen�, sagte ich. �Wer hat hier das Kommando?�</p><p>Radieschen zuckte zusammen, als h�tte sie eine Ohrfeige bekommen. �Ich spreche f�r uns alle�, sagte sie.</p><p>�K�rbis?� fragte ich. �Bist du das dahinten? Bist du hier der Anf�hrer?�</p><p>�Nein, nein�, sagte K�rbis hastig und senkte den Kopf. �Es gibt hier keinen Anf�hrer. Wir sind Gleiche. Wir sind alle gleich. Es gibt keine F�hrer. Frieden und Licht und Gelassenheit und G�te seien mit dir.�</p><p>�Friede sei mit dir�, sagte Karotte in der Gruppe.</p><p>�Friede sei mit dir�, sagte auch Kohlkopf neben ihm.</p><p>�Ist diese Frau wom�glich euer Anf�hrer?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht�, sagte Radieschen l�chelnd.</p><p>�Radieschen ist energisch und willensstark�, sagte Karotte.</p><p>�Wir haben hier einen Schwerverwundeten!� rief ich und deutete auf Hci. �Wir ben�tigen Nahrung und Unterkunft.�</p><p>�Die m��t ihr euch woanders suchen�, sagte Radieschen.</p><p>Ich schaute in die Runde, und Karotte senkte besch�mt den Kopf.</p><p>�Es ist nicht nur wegen dir�, sagte Kohlkopf. �Gestern hat Radieschen sogar zwei junge Leute aus dem Gehege verbannt, einen Jungen und ein M�dchen. Sie hatte gemerkt, da� sie sich insgeheim ber�hrten.�</p><p>�Schrecklich!� sagte eine der Waniyanpi-Frauen, obwohl ihre Worte nicht sehr �berzeugend klangen.</p><p>�Fort mit euch!� wiederholte Radieschen. �Hier findet ihr keine Hilfe.�</p><p>Ich schaute die Waniyanpi-M�nner an. �Ihr seid �ble Heuchler�, sagte ich verbittert. �Ihr habt eure M�nnlichkeit der sinnlosen Gleichheitstheorie der Waniyanpi geopfert!�</p><p>�Gehen wir, Tatankasa�, sagte Cuwignaka. �Mitakola.�</p><p>Mein Blick fiel auf K�rbis, an den sich meine Hoffnungen klammerten. Doch er lie� den Kopf h�ngen wie alle anderen.</p><p>�Komm, R�bchen!� sagte Radieschen zornig.</p><p>�O nein!� antwortete das M�dchen und kniete vor mir nieder. �Ich knie vor dir, Herr und neige den Kopf vor dir als Sklavin!�</p><p>�Du besch�mst uns!� kreischte Radieschen. �Steh auf!�</p><p>Aber R�bchen verneigte sich nur noch tiefer vor mir.</p><p>�Du bist ausgesto�en!� schrie Radieschen. �Du geh�rst nicht mehr zu unserem Gehege!�</p><p>R�bchen achtete nicht mehr auf sie. L�chelnd blickte sie zu mir auf. Sie stand auf und streifte das weite Gewand der Waniyanpi ab. Darunter war sie splitternackt. Mit Ausnahme Radieschens warfen ihr die Frauen bewundernde Blicke zu. Die M�nner wandten besch�mt die Blicke ab.</p><p>�Mit dem Recht des Kaiilakriegers �ber jede Sklavin in den Waniyanpi-Gehegen seines Stammes nehme ich diese Frau hiermit zur pers�nlichen Sklavin!� sagte Cuwignaka laut. �Und �berantworte sie ihm.� Und Cuwignaka deutete auf mich.</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie fr�hlich und schaute mich an. �Ich wei� schon seit langem, da� ich nichts anders als eine Sklavin bin, das lehrte mich die Peitsche und das Joch der roten Krieger, ehe ich dieses Gehege erreichte. Aber vor allem wurde es mir hier klar, in den langen Stunden des Nachdenkens, auf den Feldern und in den H�tten. Ich habe keinen Zweifel mehr. Ich bin zur Sklavin geboren!�</p><p>Die Frauen der Waniyanpi erschauderten sichtlich; nur Radieschen blieb unger�hrt.</p><p>�Vor langer Zeit, als ich noch Lady Mira war und du deine Freiheit hattest, wurde ich zum Aufenthalt in einem Waniyanpi-Gehege verurteilt, und du weigertest dich, mich zu deiner Sklavin zu machen. Doch inzwischen habe ich mich ver�ndert, und die Gr�nde, die du damals hattest, gelten vielleicht nicht mehr.�</p><p>�Du scheinst wirklich eine andere Frau geworden zu sein�, sagte ich.</p><p>�Mir ist klar geworden, da� ich eine Sklavin bin, Herr�, sagte sie.</p><empty-line/><p>�Ich liebe es, das Transportgestell mit dir zu ziehen, Herr�, sagte sie.</p><p>�Ich selbst w�nschte mir, vier oder f�nf Sklavinnen f�r diese Arbeit zu haben�, antwortete ich.</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie und senkte den Kopf. �Herr?� fragte sie einige Zeit sp�ter.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich habe noch keinen Namen. Ich h�tte gern einen.�</p><p>�Wie w�r�s mit �R�bchen�?�</p><p>�Oh, bitte, Herr, nicht diesen Namen!� sagte sie lachend. �Der erinnert mich so sehr an die Waniyanpi.�</p><p>�Dein Leben hat sich grundlegend ver�ndert, das wirst du bald erfahren�, sagte ich. �Da w�rde der Name tats�chlich nicht mehr zu dir passen.�</p><p>�Das freut mich zu h�ren.�</p><p>�Vielleicht sollte ich dich �Wowiyutanye� nennen.�</p><p>�Und was bedeutet das?�</p><p>�Versuchung.�</p><p>�Der Herr schmeichelt mir�, sagte sie l�chelnd.</p><p>�Ah, jetzt habe ich einen Namen f�r dich�, sagte ich, �einen sehr einfachen, sehr passenden Namen f�r eine Sklavin.�</p><p>�Ja, Herr.� Welchen Namen ich ihr auch aussuchte, sie w�rde ihn akzeptieren m�ssen.</p><p>�Ich taufe dich ��</p><p>�Ja, Herr?�</p><p>�Ich taufe dich �Mira��, sagte ich.</p><p>�Ich danke dir, Herr!� sagte sie. �Mein Herr wei� eine Sklavin zu besch�men. Dieser Name wurde vor langer Zeit von einer Sklavin getragen, die von ihrer Sklaverei nichts wu�te. Nun ist der Name nicht nur der Name einer Sklavin, sondern auch ein Sklavinnenname!�</p><p>�Ob du wohl eine zufriedenstellende Sklavin sein wirst?� fragte ich.</p><p>�Ich werde dir mit ganzem Herzen dienen, Herr�, sagte sie.</p><p>�Dann zieh, Sklave!�</p><p>�Ja, Herr!�</p></section><section><title><p>31</p></title><p>�Das Lager�, sagte Cuwignaka, �liegt hinter der Anh�he dort.�</p><p>Cuwignaka und ich trotteten hangaufw�rts durch das hohe Gras. Es war sp�ter Nachmittag.</p><p>Hinter uns, etwa f�nfzig Meter entfernt, kam das Transportgestell, gezogen von drei Personen. Unterwegs waren wir dem jungen Mann und dem M�dchen begegnet, die von den Waniyanpi versto�en worden waren. Sie hatten schon viel von ihrer Verklemmung verloren und waren sich in ehrlicher Zuneigung n�hergekommen � wobei das M�dchen die Rolle der Sklavin als v�llig naturgegeben empfand. Er hatte darauf bestanden, beim Ziehen des Gestells zu helfen; so wurde er nun von Sklavinnen flankiert � links von Mira, rechts von seiner blonden Sch�nheit. Er hatte seiner Sklavin aus dem Waniyanpi-Gewand eine attraktive Tunika gemacht, in der sie sich frei bewegen konnte. Mira dagegen hatte von mir noch keine Bekleidung erhalten. Dar�ber wollte ich sp�ter entscheiden. Sie hatte fr�her als Agentin der Kurii gearbeitet; um so intensiver sollte sie ihr Sklavendasein zu sp�ren bekommen.</p><p>�Dort!� rief Cuwignaka, der im hohen Gras auf dem Kamm des kleinen H�gels stand. �Dort liegt das Lager, unter uns, zwischen den B�umen, an dem kleinen Bach. Man kann einige Zelte erkennen.�</p><p>Starr verhielt ich neben Cuwignaka. Kaum beachtete ich das flache Tal mit dem Bach und den zwischen den B�umen versteckten Zelten.</p><p>�Was ist?� fragte Cuwignaka.</p><p>Ich brachte kein Wort heraus. Das Blut begann in meinen Adern zu pulsieren, das Herz klopfte mir bis in den Hals. Ich begann hastig zu atmen und zu zittern.</p><p>�Was ist los mit dir, Mitakola?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Dort!� sagte ich und deutete auf den Hang jenseits des Lagers.</p><p>�Was?�</p><p>�Na, dort!�</p><p>Auf der Anh�he befanden sich zwei B�ume, B�ume mit wei�er Rinde, etwa f�nfzig Fu� hoch, mit leuchtend gr�nen Bl�ttern. Die Entfernung zwischen ihnen betrug drei�ig bis vierzig Fu�, und beide bildeten vor dem Himmel eine dramatische Silhouette.</p><p>�Was ist?� fragte Cuwignaka noch einmal.</p><p>Zitternd starrte ich auf die beiden einsamen B�ume. �Die B�ume�, sagte ich. �Die B�ume.� Es waren Hogarthe-B�ume, benannt nach einem der fr�hen Entdecker des �dlands. In der N�he von Wasserl�ufen sind sie im �dland h�ufiger anzutreffen. In der Form erinnern sie an Pappeln, wie es sie auf der Erde gibt.</p><p>�Nach den beiden B�umen�, sagte Cuwignaka, �ist dieser Ort benannt.�</p><p>�Und wie hei�t er?�</p><p>�Zwei Federn�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Das hielt ich f�r einen M�nnernamen.�</p><p>�Es ist ein Name, der Name dieses Ortes�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wer f�hrt hier das Kommando?�</p><p>�Eigentlich Kahintokapa, Mann-der-vorausgeht, von den Gelben Kaiila-Reitern, wenn er noch lebt.�</p><p>�Er mu� �berlebt haben!� rief ich.</p><p>Und ich lief den Hang hinab auf das Lager zu.</p><p>�Warte!� rief Cuwignaka. �Da kommt jemand!�</p><p>�Tatankasa!� rief Canka, der von den Zelten auf uns zueilte. Aber ich lief an ihm vorbei, ich rannte, als h�tte ich den Verstand verloren. Er und vielleicht auch Akihoka, der losgezogen war, um ihn von der Jagd zur�ckzuholen, mu�ten Fl�chtlinge aus dem �berfallenen Lager getroffen haben und mit ihnen in dieses Lager gezogen sein.</p><p>�Herr!� rief Winyela.</p><p>Aber auch sie lie� ich links liegen.</p><p>�Warte doch!� h�rte ich Cuwignaka hinter mir rufen.</p><p>Aber ich konnte nicht warten. Es war sp�ter Nachmittag, die geeignete Zeit f�r das Sonnen der Schilde, hinter den Zelten auf den Schildgestellen h�ngend, der Zelteingang nach Osten gerichtet, die R�ckseite der Zelte nach Westen.</p><p>Frauen hoben erstaunt den Kopf, so kopflos hastete ich durch das Lager. �Tatankasa!� rief mir mehr als eine zu.</p><p>�Tatankasa!� rief auch Mahpiyasapa.</p><p>Ich, ein Sklave, fiel vor ihm auf die Knie. Er war H�uptling der Isbu-Kaiila.</p><p>�Du lebst!� rief er. �Mein Herz singt!�</p><p>�Herr!� rief ich. �Wo ist Kahintokapas Zelt?�</p><p>�Dort�, sagte Mahpiyasapa verwirrt und zeigte mir die Richtung an.</p><p>�Sei bedankt, Herr!� rief ich.</p><p>Ich ballte die F�uste.</p><p>�Du darfst aufstehen�, sagte Mahpiyasapa, der genau sp�rte, da� es mir wichtig war.</p><p>Ich sprang auf.</p><p>�Tatankasa!� rief Mahpiyasapa.</p><p>�Ja?�</p><p>�Hast du keine Nachrichten von Hci?�</p><p>�Dein Herz hat Grund zur Freude, Herr�, sagte ich. �Dein Sohn lebt!� Ich deutete hinter mich, auf den Hang, auf dem bereits das Transportgestell zu sehen war. Mahpiyasapa eilte strahlend darauf zu. Ich sah, wie sich Canka und Cuwignaka umarmten. Winyela stand daneben und klatschte in die H�nde. Aus dem Lager eilten zahlreiche Gestalten auf die Gruppe zu, um sie zu begr��en.</p><p>Ich lief auf Kahintokapas Zelt zu und verlangsamte meine Schritte erst, als ich es erreicht hatte. Gemessenen Schrittes ging ich schlie�lich um den Bau herum. Sonnenschein w�rmte mir den R�cken. Nie zuvor hatte ich Kahintokapas Schild au�erhalb der H�lle gesehen, selbst als ich ihm vor langer Zeit zum erstenmal begegnete; damals, mit Canka und den Kampfgef�hrten am Ort des �berfalls auf den Wagenzug.</p><p>Es ist nicht ungew�hnlich, da� ein Krieger seinen Schild, wenn er ihn nicht braucht, in einer H�lle aufbewahrt. Sie wird abgenommen, wenn er den Schild zum Sonnen stellt, um Energie und Medizin zu gewinnen aus den flammenden Strahlen des Sterns zweier Welten, Sol oder Tor-tu-Gor, Licht-auf-dem-Heimstein.</p><p>An jenem Sommertag verweilte ich lange Zeit reglos und betrachtete den Schild, der da auf seinem Gestell hing. Das Gebilde bewegte sich im Wind leicht hin und her. Mit R�cksicht auf die Gef�hle der roten Wilden sorgte ich daf�r, da� mein Schatten nicht darauf fiel, w�hrend es in der Sonne hing. In �hnlicher R�cksichtnahme geht man niemals zwischen einem Gast und dem Zeltfeuer vorbei, ohne seine Entschuldigung zu erbitten.</p><p>Ich h�rte Cuwignaka und Canka n�herkommen. Sie betrachteten den Schild ebenfalls.</p><p>�Seht ihr es?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Der J�ger, der vor langer Zeit im Schnee jagte, war Kahintokapa�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Zwei Federn�, sagte ich. �Das war kein M�nnername, sondern die Bezeichnung f�r diesen Ort.�</p><p>�Was meint er?� fragte Canka.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Schaut euch den Schild an�, sagte ich.</p><p>Wir alle betrachteten den Schild. Das Gesicht eines Kur war darauf gemalt, detailgetreu, schwarz umrissen, mit farbigen Pigmenten ausgef�llt. Es war ein breiter, gef�hrlich aussehender Kopf. Die vorragenden Rei�z�hne waren deutlich auszumachen. Die Augen fand ich besonders gut gelungen. Sie schienen uns zu mustern. Das linke Ohr war halb fortgerissen.</p><p>�Zarendargar, Halb-Ohr�, sagte ich.</p><p>�Wer ist Zarendargar?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Ein Wesen, mit dem ich einmal vor langer Zeit und an einem fernen Ort Paga getrunken habe�, sagte ich.</p><p>�Es ist Kahintokapas Medizinhelfer�, sagte Canka.</p><p>�Ich w�rde ihn gern kennenlernen�, sagte ich.</p><p>�Diese Wesen sind sehr pers�nlich�, erwiderte Canka. �Sie werden in Tr�umen gesehen, in Visionen. Wie kann man den Medizinhelfer eines anderen Mannes kennenlernen?�</p><p>�Ich mu� mit Kahintokapa sprechen�, sagte ich.</p><p>�Kahintokapa ist schwer verwundet�, antwortete Canka.</p><p>�W�rdet ihr ihm meinen Wunsch begreiflich machen?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>Ich betrachtete das Gesicht auf dem Schild. Der Kur war gut getroffen. Unter der Habe, die auf dem Lastenschlepper aus Grunts Zelt im Festlager mitgef�hrt worden war, befand sich das bebilderte Leder, das vor langer Zeit im Delta des Vosk in meinen Besitz gekommen war. Auf diesem Leder wurden eine Jagd und die Begegnung mit einem Medizinhelfer geschildert. Diese Darstellung war der Schl�ssel, der nicht nur Kog und Sardak und ihre Verb�ndeten in das �dland gelockt hatte, sondern auch mich. Am Ende der Schilderung auf dem Leder hatte der K�nstler ein Bild des Medizinhelfers niedergelegt, als Portr�t auf einem Schild. Schon diese Nachbildung hatte mich klar an Zarendargar erinnert. Nun hatte ich den eigentlichen Schild vor mir, hier, tief im �dland, n�rdlich des N�rdlichen Kaiila-Flusses, im Land der Casmu-Kaiila.</p><p>Ich drehte mich um.</p><p>Inzwischen hatten sich etliche Zuschauer eingefunden.</p><p>Ich schaute an ihnen vorbei, fort vom Lager, �ber die Pr�rie.</p><p>Dann wandte ich mich wieder Cuwignaka und Canka zu.</p><p>�Ich m�chte gern mit Kahintokapa sprechen�, sagte ich.</p><p>�Du suchst seinen Medizinhelfer?� fragte Canka.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wenn du das tust�, sagte Canka, �mu�t du so handeln, wie es bei uns �blich ist.�</p><p>�Nat�rlich gehe ich auf eure W�nsche ein�, sagte ich.</p><p>�Cuwignaka und ich werden mit Kahintokapa sprechen�, sagte Canka. �Wir werden f�r dich eintreten.�</p><p>�Ich bin euch dankbar�, sagte ich.</p></section><section><title><p>32</p></title><p>�Die Leiche wurde nie gefunden�, sagte ich.</p><p>�Das w�rde einem Tuchuk schon etwas ausmachen�, sagte Kamchak von den Tuchuks.</p><p>Ein kalter Wind wehte �ber das flache Dach des Justizzylinders in Ar.</p><p>Kalt waren die Steine, etwa zwanzig Pasangs westlich des Casmu-Kaiila-Lagers bei Zwei Federn.</p><p>Wieder hielt ich Gras und Erde mit Kamchak von den Tuchuks. Ich sp�rte sie k�hl in der Hand, zwischen den Fingern.</p><p>Es begann zu regnen. Der Regen wusch mir Schmutz und Gras von den H�nden. Die Br�cken Tharnas hatten grau und k�hl im gem�chlichen Regen gelegen.</p><p>Aus der Ferne h�rte ich das Gebr�ll der Zuschauermassen im Tarn-Stadion von Ar.</p><p>Die Silbermaske schien unnat�rlich gro� zu sein. Die Frauenstimme, die dahinter erklang, schien von weither zu t�nen. Dennoch vernahm ich den w�tenden Unterton. �Wir werden uns wiedersehen!� sagte sie.</p><p>Der Tarn erhob sich vom Dach des Palasts. Eine frische Brise zupfte an meiner Kleidung.</p><p>Die Dorna war ein Schiff, ein Tarnschiff, ein Rammschiff mit geringem Tiefgang, geradem Kiel und einer Ruderebene. Es besa� ein Lateinersegel und war gr�n bemalt auf dem bewegten Wasser des Thassa vor Port Kar kaum auszumachen.</p><p>Lara, die ehemalige Tatrix von Tharna, kniete im Lager des Sklavenh�ndlers Targo auf einem roten Teppich vor mir und hielt mir unterw�rfig zwei gelbe Schn�re entgegen.</p><p>Misk, der bei Nacht im Sardargebirge stand, herablassend, geschmeidig, ein gro�artiger Anblick vor den Monden, w�hrend der Wind seine Tentakel bewegte.</p><p>An jenem Abend h�tte ich vielleicht in die Taverne Sapedons in Lydius zur�ckkehren m�ssen, um Vella beim Tanz zuzuschauen. Ich hatte Gesch�fte erledigt.</p><p>�Ein Hurrikan aus Steinen!� br�llte Hassan, und der Wind zerrte an seinem Burnus.</p><p>�Vielleicht wird es heute nacht kalt�, sagte Imnak und beugte sich �ber die Schieferspitze seiner Harpune, die er im Licht einer kleinen Sleen�l-Lampe methodisch mit einem Stein sch�rfte.</p><p>�Ja�, stimmte ich ihm zu.</p><p>�ber die tobende See des Nordens vernahm ich Ivar Gabelbarts m�chtiges Lachen.</p><p>Blitze umzuckten die zerkl�fteten Gipfel der Voltai-Berge.</p><p>�Peitscht ihn aus!� befahl Marlenus aus Ar.</p><p>Hiebe wurden ausgeteilt.</p><p>Meine Wange ber�hrte die kalten, nassen Steine. Man verl��t den Ort der Visionen nicht. Es regnete. Ich streckte die Hand aus und umfa�te Eis. Prasselnd landete es ringsum, prallte von den Steinen zur�ck. Mein R�cken begann zu bluten. Der wei�e Kalk, der meinen K�rper bedeckte, wies zahlreiche Furchen auf. Ich bedeckte meinen Kopf und blieb auf den Steinen liegen. Man verl��t den Ort der Visionen nicht.</p><empty-line/><p>Es war hei�.</p><p>Ich h�rte Vogelgeschrei im Dschungel der Ua.</p><p>�Wir wollen weitermarschieren�, sagte Kisu, und auf dem breiten Flu�, der sich zwischen den feuchten, verfilzten gr�nen Dschungeldickichten erstreckte, tauchten wir erneut unsere Paddel ein.</p><p>Mir war schwindlig. Vielleicht lag es an der Sonne. Ich lag auf dem R�cken. Die hochstehende, hei�e Sonne der Tahari brannte erbarmungslos.</p><p>�Trink!� sagte Hassan, der sich �ber mich beugte. �Schade�, f�gte er hinzu. �Der Wasserbeutel ist leer.�</p><p>�Wenigstens ist es jetzt k�hler�, sagte Samos. �Das ist immerhin eine Erleichterung.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Ein Sturm kommt auf, Kapit�n�, meldete Thurnock. �Um diese Jahreszeit l�uft ein vern�nftiger Kapit�n den Hafen an.�</p><p>Ich schlug das Schwert aus der Hand Marlenus� aus Ar.</p><p>�Will man Medizinhelfer zu Gesicht bekommen, mu� man bestimmte Wege beschreiten�, sagte Canka. �Wenn du etwas erreichen willst, mu�t du auf die richtige Weise danach streben.�</p><p>�Ich werde auf deine W�nsche eingehen�, sagte ich.</p><p>�Es gibt keine Garantie, da� sich der Medizinhelfer wirklich blicken l��t�, sagte Kahintokapa.</p><p>�Das verstehe ich.�</p><p>�Die Sache ist nicht einfach�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Das ist mir klar.�</p><p>Hcis Schild stieg empor wie ein Mond, unaufhaltsam, und entbl��te ihn der Lanze des Gelbmessers. Der Mond bewegte sich schnell hinter den Wolken. Es gibt viele M�glichkeiten, das Gesehene zu deuten.</p><p>Ein kleines Paket, schwer, rechteckig, zwischen den Sachen in Grunts Zelt hervorgekramt, lag in meiner N�he auf den Steinen. Ich versuchte mich auf den Steinen aufzurichten und stemmte dazu die H�nde auf die Knie.</p><p>Ich sp�rte Regen.</p><p>Blitze zuckten am Himmel, Donner grollte wie eine Brandung zwischen den K�sten des Horizonts.</p><p>Kalter Regen, windgetrieben, prasselte herab, dr�hnte auf die Steine, zerrte an den Bl�ttern einiger B�ume.</p><p>�Wer ist die Frau?� fragte ich.</p><p>�Es hei�t, sie war einmal die Tochter Marlenus� aus Ar�, erhielt ich zur Antwort. �Weil sie ihn entehrte, wurde sie versto�en.� Ihre Gestalt, die eine Verh�llungsrobe trug, war aus dem Korridor verschwunden.</p><p>Und wieder erhellten Blitze den Unwetterhimmel und die Regenbahnen, doch dann waren Blitze und Regen verschwunden, und es ert�nten laute, widerhallende Schl�ge, und der schwere Hammer Krons, eines Mitglieds der Kaste der Metallarbeiter, hob und senkte sich und traf einen riesigen Ambo� und lie� Funken durch die Nacht stieben, die in das stille Meer fielen und dort wie Diamanten funkelten, und ich lie� mich auf den R�cken rollen und bemerkte emporschauend, da� die Diamanten am Himmel hingen und Sterne waren.</p><empty-line/><p>Es beginnt im Schwitzzelt � ein kleiner Bau, oval und niedrig gebaut. Ein Mann kann im Innern nicht aufrecht stehen. Zuerst wird ein Astger�st errichtet, das man dann mit Fellen bedeckt. Im Loch in der Mitte werden die drau�en erhitzten Steine abgelegt und mit Wasser �bergossen. Mit dem Schwitzzelt verbinden sich zahlreiche bedeutsame Rituale. Wichtig sind dabei die Steine, das Feuer, die Ausrichtung des Zelts, der Weg zwischen Zelt und Feuer, die Wassermengen und die Art und Weise des Gie�ens und die H�ufigkeit, mit der das Zelt ge�ffnet wird. Ich will diese Dinge nicht im Detail ausf�hren und mich mit der Bemerkung begn�gen, da� die Zeremonie des Schwitzzelts ein detailliertes, komplexes, durchdachtes und sehr symbolisches Ritual ist. Hauptziel ist die Reinigung des Badenden, seine Vorbereitung auf die schwierige Aufgabe, den Traum oder die Vision zu erlangen. Meine Helfer, die sich um das Feuer und die Steine k�mmerten, waren Canka und Cuwignaka.</p><p>Ich folgte dem vorgeschriebenen Ritual nicht in jeder Beziehung; zum einen, weil ich gewisse Vorbehalte hatte und an die Existenz der Medizinwelt nicht recht glauben konnte, zum anderen, weil ich kein Kaiilakrieger war. Meine �berlegungen und Entscheidungen in diesem Punkt wurden von Canka und Cuwignaka respektiert. Gleichwohl hat man viel Zeit zum Nachdenken, w�hrend man da allein im abgedunkelten Innern des Schwitzzeltes sitzt, den Kopf zwischen die Knie gedr�ckt, um in der ungeheuren Hitze nicht ohnm�chtig zu werden. Es ist sicher nicht �bel, wenn der Mensch ab und zu allein ist und Zeit zum Nachdenken hat. Es ist jedenfalls eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Selbsterfahrung.</p><p>Nach Verlassen des Schwitzzelts begibt man sich zu einem Flu� und reinigt sich in kaltem Wasser von Kopf bis Fu�. Dann wird ein kleines Feuer aus Nadeln und S��bl�ttern entz�ndet, dessen Rauch man in seine Haut einmassiert. Schlie�lich reibt man sich mit wei�em Kalk ein: Diese Dinge sollen den menschlichen Geruch verschwinden lassen. Angeblich m�gen Medizinhelfer den Menschengeruch nicht.</p><p>Dann begibt man sich an den Ort der Visionen. Es ist eine hochgelegene, felsige Stelle. Einige B�ume stehen in der N�he. Man kann �ber die Pr�rie hinwegschauen, deren Gras sich im Wind wiegt.</p><p>Dort fastet man. Dort wartet man.</p><p>Man darf ein wenig Wasser trinken. Das Verhungern dauert lange, wochenlang; Durst l��t den Tod schon viel fr�her eintreten.</p><p>Man wartet. Man wei� nicht, ob der Medizinhelfer kommen wird oder nicht.</p><p>Es ist einsam am Ort der Visionen.</p><empty-line/><p>Als ich erwachte, war es grau und kalt; die Morgend�mmerung hatte eben eingesetzt.</p><p>Wie kommt es, da� diese Leute Visionen haben? fragte ich mich.</p><p>Vielleicht hat der mit Entbehrungen gepeinigte K�rper irgendwann genug. Vielleicht fleht er dann das Gehirn um eine Vision an, die ihm Erleichterung bringen k�nnte.</p><p>Nat�rlich ist es hilfreich, an solche Visionen zu glauben und sie als Zeichen aus der Medizinwelt zu akzeptieren.</p><p>Am Ort der Visionen kommt es zu seltsamen Bewu�tseinsverschiebungen; sicher hat das mit Hunger und Durst und der Einsamkeit zu tun. Manchmal f�llt es schwer, zwischen Tr�umen, Visionen und Realit�ten zu unterscheiden.</p><p>Man braucht nicht unbedingt eine Vision. Ein Traum erf�llt denselben Zweck.</p><p>Aber es gibt Menschen, die einfach keine Visionen haben k�nnen; andere wiederum k�nnen sich nicht daran erinnern, was sie im Traum erlebt haben. Sie wissen nicht mehr, was sie im Traumland taten � nur da� sie dort waren.</p><p>Aber solche F�lle behandeln die roten Wilden gn�dig. Sie wissen, da� nicht alle Menschen gleich sind. Es gen�gt ihnen, wenn man den Versuch macht, zu tr�umen, die Vision zu erlangen. Schlie�lich steht es in der Entscheidung des Medizinhelfers zu erscheinen � oder aber auch nicht. Von einem Menschen kann man nicht mehr erwarten, als da� er sich an den Ort der Visionen begibt. Das ist sein Teil an der Sache. Was kann er mehr tun?</p><p>Der Medizinhelfer kommt nicht, redete ich mir ein. Ich habe getan, was ich konnte. Ich bin durch.</p><p>Dann vernahm ich ein Ger�usch und f�rchtete schon, es k�nnte ein Sleen sein.</p><p>M�hsam k�mpfte ich mich in eine sitzende Stellung hoch. Stehen konnte ich nicht mehr. Ich h�rte kleine Steine den Hang hinabklappern. Ich legte die Hand auf meinen Messergriff. Es war die einzige Waffe, die ich hier am Ort der Visionen hatte. Doch meine Finger vermochten sich kaum um den perlenbesetzten Griff zu schlie�en. Ich war zu schwach.</p><p>Den Kopf sah ich zuerst, dann den K�rper des Gesch�pfs. Wenige Fu� von mir entfernt hockte es sich nieder. Es war gro�, gr��er als ein Sleen. Ich legte die H�nde auf die Knie.</p><p>Das Wesen hob den lederumwickelten Gegenstand, den ich vor mir hingestellt hatte. Mit den Z�hnen ri� es die Umh�llung auf.</p><p>Im Zwielicht waren seine Gesichtsz�ge kaum zu erkennen.</p><p>Es kam zu mir und nahm mich in die Arme. Es dr�ckte die m�chtigen Kiefer gegen mein Gesicht, holte aus seinem Vorratsmagen Wasser in seine Mundh�hle und gab mir Schluck f�r Schluck zu trinken. Auf �hnliche Weise �bertrug es mir einen weichen Fleischbrocken, den es ebenfalls aus seinem Vorratsmagen heraufholte. Ich zwang mich dazu, den Brocken zu schlucken.</p><p>�Bist du der Medizinhelfer Kahintokapas?� fragte ich im Dialekt der Kaiila. �Bist du der Medizinhelfer des Mannes-der-vorausgeht?� wiederholte ich auf goreanisch.</p><p>�Ich bin Zarendargar�, t�nte es auf goreanisch aus dem �bersetzungsger�t, �Kriegsgeneral der Kurii.�</p></section><section><title><p>33</p></title><p>Ich blickte zum Himmel auf.</p><p>�Beeil dich!� befahl ich dem M�dchen.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und schnitt hastig Grasbrocken. Die Decke aus �sten und St�ben �ber der Grube deckt man mit lebendigem Gras ab, um zu verhindern, da� sich die Begr�nung innerhalb weniger Stunden verf�rbt. Manchmal mu� man zwei oder drei Tage lang im Loch ausharren.</p><p>Dieses Loch ist etwa zehn Fu� lang, f�nf Fu� breit und vier Fu� tief. Es mu� lang genug sein, um den Fesselstamm, den J�ger und manchmal auch den K�der zu beherbergen.</p><p>Wir h�rten einen Schrei, der von einem Flieger zu kommen schien. Cuwignaka hatte aufgepa�t. �Runter!� sagte ich und dr�ckte das M�dchen in das hohe Gras.</p><p>Fluchend blickte ich zum Himmel auf. Ein einsamer Tarnk�mpfer, einer der Kinyanpi, flog nach Nordwesten.</p><p>Wir befanden uns in einem Gebiet, in dem auch die Kinyanpi so jagten, wie wir es vorhatten.</p><p>�Weitermachen!� sagte ich zu dem M�dchen, meiner Sklavin Mira.</p><p>Der Fesselstamm war letzte Nacht von zwei Kaiila hierhergezerrt worden. Den Aushub aus dem Loch hatten wir unter B�schen versteckt und im Gras verstreut.</p><p>�Fertig�, sagte das M�dchen und setzte den letzten Grasbrocken ein.</p><p>�Steig in die Grube!� sagte ich zu Mira.</p><p>�Ja, Herr.� Ich folgte ihr durch die �ffnung, die wir zum Ein- und Ausstieg gelassen hatten. Dann hockten wir uns gegen�ber hin. Der Fesselstamm befand sich links von mir. Ich band das M�dchen mit dem rechten Fu�gelenk an den Stamm fest. Eine viel dickere Lederleine war um den Stamm gewickelt und lag griffbereit auf dem Holz. Andere Lederseile lagen neben uns in dem Loch.</p><p>Ich blickte durch die �ffnung, die etwa achtzehn Zoll im Quadrat ma�. Eine �hnliche, etwas kleinere �ffnung befand sich am anderen Ende der Vertiefung. Sie hatte ihren Zweck. Durch mein Fenster vermochte ich den Himmel und die Wolken zu sehen.</p><p>�Jetzt warten wir�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p></section><section><title><p>34</p></title><p>Licht fiel durch die L�cher in unsere Grube.</p><p>�hnliche Vertiefungen wie die, in der wir sa�en, allerdings viel kleiner, werden f�r den Fang des krallenf��igen Herlit-Vogels verwendet, der vor allem wegen seines Gefieders gesch�tzt ist. Heute aber hatten wir es nicht auf Herlits abgesehen.</p><p>Nackt ausgestreckt lag das M�dchen vor mir, mit der langen Lederleine am Fesselstamm festgebunden.</p><p>�Still!� sagte ich nach langer Zeit. Ich hatte ein Ger�usch vernommen.</p><p>Vorsichtig kroch ich zu der gr��eren �ffnung in der Decke.</p><p>�Eine Urt�, sagte ich. �Seltsam. Sie ist fort.�</p><p>Ich kehrte an meinen Platz zur�ck. Das Warten in der Falle kann nervenaufreibend sein. In der langen Zeit, die wir nun schon hier zubrachten, hatte es schon mehrere Unterbrechungen gegeben. Zweimal hatten wir den einzelnen Fliegerschrei geh�rt, erzeugt von Cuwignaka, der uns damit anzeigen wollte, da� Kinyanpi unseren Bereich durchflogen. Einmal war ein Pr�rie-Tabuk, ein einh�rniges gazellenartiges Tier, grasend in unsere N�he geraten. Auf eine Weise hatte mich dieses Vorkommnis gefreut, schien es mir doch darauf hinzudeuten, da� sich unsere Jagdbeute in der N�he befinden konnte; in anderer Beziehung war ich nicht so erbaut dar�ber gewesen, weil der Tabuk vielleicht nicht allein war, denn im allgemeinen ziehen diese Tiere in Herden durch die Pr�rie. Einmal hatten wir zwei Fliegerschreie vernommen, aber es stellte sich zu unserem Unmut bald heraus, da� dieses Signal nicht von Cuwignaka kam, sondern von einem echten Fliegervogel.</p><p>Ich lehnte mit dem R�cken an der Querwand des Lochs.</p><p>Mein Blick ruhte auf dem Fesselstamm, der links von mir lag, und dem darauf zusammengerollten Seil. Ich betrachtete die W�nde der Erdgrube und die Decke, deren Astgewirr die Grasnarbe st�tzte; schlie�lich blickte ich in die Lichtbahnen, die durch die beiden �ffnungen hereindrangen.</p><p>In diesem Moment vernahm ich zwei Vogelschreie, die von einem Flieger stammen konnten.</p><p>�Ein Flieger�, sagte Mira, �weiter nichts.�</p><p>Ich stie� sie zur Seite und schob den Kopf durch die gr��ere der beiden �ffnungen.</p><p>Wieder waren die beiden Laute zu h�ren, diesmal nachdr�cklicher.</p><p>Ich stand auf und hob die Schultern aus der �ffnung.</p><p>�Herr?� fragte sie.</p><p>�Das ist kein Vogel�, sagte ich.</p><p>Hastig duckte ich mich wieder in das Loch und zerrte probehalber an dem Lederseil, das am rechten Fu�gelenk des M�dchens befestigt und am anderen Ende zweimal um den Fesselstamm gewickelt war. Dann zog ich die Frau neben mir hoch.</p><p>�Herr!� rief sie bek�mmert.</p><p>Ich schob sie durch die �ffnung ins Freie.</p><p>�Siehst du ihn?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete sie nach kurzem Schweigen. �Er fliegt sehr hoch.�</p><p>�Kreist er?�</p><p>�Schwer zu sagen�, antwortete sie. �M�glich w�re es.�</p><p>�Gut�, sagte ich. �Dann ist er wahrscheinlich auf der Jagd.� Die gem�chlichen Jagdman�ver dieser Tiere in gro�er H�he hatten zuweilen einen Durchmesser von mehreren Pasang.</p><p>�Kann er dich sehen?� fragte er.</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Dann beweg dich ein bi�chen! Geh herum!� Ich sah, wie sie die Lederschnur spannte.</p><p>Das Sehverm�gen unserer Beute war wirklich bemerkenswert. Besonders gut versteht sich der Vogel darauf, Bewegungen auszumachen. Angeblich kann er auf eine Entfernung von zwei Pasang eine Urt ersp�hen und auf eine Pasang jede ungew�hnliche Bewegung im Gras. Ich war davon �berzeugt, da� wir uns auf seine Augen verlassen konnten.</p><p>�Er kreist�, sagte sie.</p><p>�Kann er dich sehen?� fragte ich.</p><p>�Jetzt!� sagte sie erschrocken. �Ja, jetzt sieht er mich wohl.�</p><p>�Verlier ihn nicht aus den Augen!� mahnte ich. �Du darfst dir nicht anmerken lassen, da� du etwas gemerkt hast, aber la� ihn nicht verschwinden. Dein Leben k�nnte davon abh�ngen. Merk dir auch genau die Position des Loches.�</p><p>�Ich wei� genau, wo er ist, Herr�, sagte sie. �Sei unbesorgt.�</p><p>�Es kann jetzt sehr schnell gehen�, sagte ich. �Du verstehst, was ich sage?�</p><p>�Ja, Herr, ja!�</p><p>Unser Opfer durfte nicht viel Zeit haben, sich die Sache anzuschauen.</p><p>�Er sieht mich!� st�hnte sie.</p><p>�Gut!� sagte ich. �Du darfst ihn nicht beachten!�</p><p>�Er kommt!� rief sie. �Er kommt sehr schnell!�</p><p>�Atme tief durch. Verlier ihn nicht aus den Augen!�</p><p>�Ich habe Angst!�</p><p>Pl�tzlich schien die Leine f�rmlich aus dem Loch zu schnellen und spannte sich gleich darauf straff. Mira schrie entsetzt. Ich schob Kopf und Schultern aus dem Loch und sah sie auf dem Bauch im Gras liegen, ein Bein lang nach hinten ausgestreckt, von der Fessel festgehalten. Sie hatte fliehen wollen.</p><p>Ich stemmte mich aus dem Loch und sprang schreiend und fluchend und armschwenkend herum. Der anfliegende Vogel, von meinem �berraschenden Auftauchen verwirrt, bog ab und schwebte wenige Fu� entfernt an mir vorbei; sein riesiger Schatten huschte zwischen mir und der Sonne hindurch.</p><p>�Steh auf!� befahl ich.</p><p>Zitternd gehorchte sie.</p><p>�Du hast uns die Beute gekostet�, sagte ich.</p><p>�Ich h�tte dabei umkommen k�nnen�, sagte sie zitternd. �Verzeih mir, Herr!�</p><p>�In das Loch!� befahl ich. �Noch ein solcher Auftritt, und du wirst bestraft!�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Vielleicht kommt er ja zur�ck.�</p><p>Sie erbebte.</p><p>Wenige Ehn sp�ter erf�llte sich meine Hoffnung � wir h�rten erneut die beiden Fliegerrufe.</p><p>�Vielleicht hat er Hunger�, mutma�te ich.</p><p>Mira hob den Blick, und in ihren Augen stand Entsetzen.</p><p>�Ich konnte mir nicht vorstellen, da� er dich vergessen w�rde, mein h�bscher nackter K�der�, fuhr ich fort und betrachtete sie. �Raus mit dir!�</p><p>�Bitte nicht!�</p><p>Doch ich blieb unerbittlich. Angstvoll, mit zitternden Knien kroch sie aus dem Loch.</p><p>�Er ist da oben�, meldete sie gleich darauf. �Am Himmel. Er kreist. Ich sp�re, da� ich der Mittelpunkt des Kreises bin.�</p><p>�Ausgezeichnet!� sagte ich.</p><p>�Ich m�chte mich verstecken!� flehte sie.</p><p>�Nein.�</p><p>�Er kommt!� kreischte sie pl�tzlich.</p><p>�Ins Loch!� br�llte ich. �Beeil dich!� Der panische Unterton ihrer Stimme machte mir klar, da� der Raubvogel zum Angriff �bergegangen war.</p><p>�Ich kann mich nicht bewegen!� rief sie. �Ich kann mich nicht bewegen!�</p><p>Ich stemmte mich halb aus dem Loch und packte ihr rechtes Fu�gelenk mit der Hand. Sie schrie und schlug die H�nde vor das Gesicht, und ich mu�te sie mit voller Kraft heranzerren. Beinahe im gleichen Moment zuckte ein riesiger K�rper �ber die �ffnung, riesige Krallen schlossen sich, und das vom Flugwind niedergedr�ckte Gras sprang hinter der Erscheinung wieder empor und schien beinahe ausgerissen zu werden.</p><p>Erschauernd klammerte sich Mira an mich.</p><p>�Du warst nicht gehorsam�, sagte ich und stie� sie fort.</p><p>�Ist er weg?� fragte sie schluchzend.</p><p>�Er wird zur�ckkommen�, antwortete ich. �Halte dich in der N�he der �ffnung.�</p><p>Ich band ihr Seil vom Fesselstamm los. Sie beobachtete mich ver�ngstigt. Dann begab ich mich zu der kleineren Decken�ffnung am anderen Ende und griff nach dem Seil, das am Fesselstamm befestigt war.</p><p>�Was tun wir jetzt?� fragte sie.</p><p>�Wart�s ab!�</p><p>Wir mu�ten nicht lange warten.</p><p>Pl�tzlich ert�nte ein intensiver, dumpf-dr�hnender Laut. Es war, als w�re eine halbe Kaiila zu Boden gest�rzt. Ein Ger�usch, das unverwechselbar ist, hat man es einmal vernommen. Die Vibrationen waren durch die W�nde der Grube zu sp�ren.</p><p>�Er ist da�, sagte ich.</p><p>Das M�dchen hob den Kopf und stie� einen Angstschrei aus. Ein gro�es, helles, rundes Auge schaute durch die �ffnung in unser Loch.</p><p>Ein gekr�mmter gelber Schnabel, beinahe zwei Fu� lang, wurde in die Grube gesteckt und wieder zur�ckgezogen. Gleich darauf h�rten wir einen Krallenfu� auf unserem Grasdach herumkratzen.</p><p>�Wir sind hier sicher!� rief das M�dchen.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Wieder erschien der Schnabel und angelte in der Tiefe herum. Er ber�hrte Miras K�rper, und sie begann zu schreien. Der Schnabel schnappte nach ihr, und sie wich zum anderen Ende der Grube zur�ck. Ihr Geschrei erregte das Raubtier. Es stie� den Kopf halb in die �ffnung, um ihr zu folgen. Dann stie� es ebenfalls einen schrillen Schrei aus, zog den Kopf zur�ck und begann wie wild auf die Grasnarbe und die Aststreben einzuhacken. Eine Kralle senkte sich durch die Grasdecke. Holz begann sich zu verschieben und zu splittern.</p><p>Das Tier war ganz auf das M�dchen und die Aufgabe konzentriert, das Hindernis zwischen ihm und ihr zu beseitigen. Ich nutzte die Gelegenheit, mich durch die kleinere �ffnung zu zw�ngen und das Seil des Fesselstammes mit zwei Windungen und zwei Knoten am rechten Bein des Gesch�pfes festzumachen. Dann begann ich zu br�llen und versetzte dem Wesen, das zu mir herumwirbelte, einen Sto�. Den Schnabel wehrte ich mit dem Unterarm ab.</p><p>�Gut gemacht!� rief Cuwignaka, der in diesem Augenblick im Gras erschien. Er stellte sich mit seiner Lanze zwischen mich und das Raubtier. Mit energischer Bewegung bi� der Schnabel den Lanzenschaft durch. Im gleichen Moment erschien auch Hci im hohen Gras; er schwang etliche Seile in den H�nden. Cuwignaka und ich wichen zur�ck. Der Vogel begann mit den Fl�geln zu schlagen und raste auf uns zu, fiel dann aber haltlos auf den Bauch ins Gras und lie� Federn in s�mtliche Richtungen fliegen. Erst in diesem Augenblick erkannte der Tarn, da� er seine Bewegungsfreiheit eingeb��t hatte. Heftig fuhr er herum. Cuwignaka schlug ihm mit dem Lanzenschaft auf den Schnabel und lenkte ihn ab. Hci lief herbei und hieb mit zusammengerollten Seilen zu. Daraufhin erhob sich der Vogel mit m�chtig peitschenden Fl�geln in die Luft und ri� den Fesselstamm aus der Fanggrube, ohne R�cksicht auf das Grasnarbendach.</p><p>�Kr�ftig ist er! Gro�artig!� rief Cuwignaka.</p><p>Er hatte nicht gewu�t, wie stark ein solches Wesen war.</p><p>Mit heftigen, m�hsamen Fl�gelschl�gen, begleitet von lauten Schreien, auf- und niederwippend und schlie�lich H�he gewinnend, k�mpfte der Vogel gegen das Gewicht. Etwa hundert Fu� hoch erhob er sich in die Luft, aber der Stamm pendelte schwer unter ihm und zog ihn langsam wieder herab. Cuwignaka und Hci folgten ihm durch das Gras. Ich wischte mir den Schwei� von der Stirn. Ich war bester Laune.</p><p>Mit schnellen Schritten kehrte ich zu dem Loch zur�ck, dessen Dach halb zerst�rt war, holte zus�tzliche Seile und das M�dchen und folgte Cuwignaka und Hci, um ihnen zu helfen.</p><empty-line/><p>�Ein ausgezeichneter Fang!� rief ich.</p><p>Der Schnabel des Vogels wurde von Seilen zusammengehalten. Das Tier lag auf der Seite. Die F��e waren ebenfalls gefesselt, und auf �hnliche Weise f�hrten Lederschn�re um die Fl�gel und hielten sie am K�rper fest. Schon hatten wir dem Tier einen Sitzgurt verpa�t von der Art, wie ihn die Kinyanpi verwenden, um ihre Knie darunterzuschieben.</p><p>Wir hatten den Vogel auf einem von zwei Kaiila gezogenen Lastenschlepper zu dieser Baumgruppe gebracht, in der sich unser Lager befand, etwa einen Pasang von der Fanggrube entfernt, die wir wieder instandgesetzt hatten.</p><p>Der Vogel spannte alle Muskeln gegen die Fesseln und lag wieder still.</p><p>�Ein ausgezeichneter Fang�, sagte ich.</p><p>�Wir m�ssen es morgen noch einmal versuchen�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Mit dem Erdloch kommt man allerdings nur langsam voran, Tatankasa, Mitankola�, sagte Hci. �Selbst wenn wir Gl�ck haben, fangen wir bis zum Winter nicht gen�gend Tarns, um gegen die Kinyanpi anzutreten.�</p><p>�Mit der Grube gedenke ich nur zwei oder drei zu fangen�, sagte ich.</p><p>�Das d�rfte aber nicht gen�gen�, meinte Hci.</p><p>�F�r sich gesehen nicht�, r�umte ich ein und hob vielsagend die Augenbrauen.</p><p>�Ah!� sagte Hci. �Aber das wird sehr schwierig und gef�hrlich!�</p><p>�Ich sehe keinen anderen Weg�, �u�erte ich. �Oder du?�</p><p>�Nein�, antwortete Hci.</p><p>�Machst du mit?�</p><p>�Selbstverst�ndlich!�</p><p>Dann setzten wir uns vor unserem Zelt nieder, wo Mira auf einigen Bl�ttern Speisen bereitgelegt hatte. Wir kauten die D�rrmasse kalt, da wir an diesem Ort kein Feuer anz�nden wollten.</p><p>Am Himmel stiegen die drei Monde auf.</p></section><section><title><p>35</p></title><p>�Er ist ersch�pft, aber immer noch gef�hrlich!� rief ich. Ich hielt ein Ende des Seils, das sich um den Hals des flatternden Vogels spannte, und Hci zog auf der anderen Seite. �Vorsichtig!� rief ich Cuwignaka zu.</p><p>Beruhigende Worte sprechend, n�herte er sich dem Vogel.</p><p>Wir befanden uns in der N�he des Tarnlochs. Dies war der zweite Tarn, den wir gefangen hatten. Der erste war uns gestern in die Falle gegangen.</p><p>Cuwignaka sprang j�h vor und verschr�nkte die Arme um den Schnabel des Vogels. Das Tier sch�ttelte den Kopf und schleuderte den Mann beinahe zur Seite. Mit einem Arm den Schnabel umfassend, wickelte er eine Fessel darum und sicherte sie. Kurze Zeit sp�ter hatten wir auch die Fl�gel festgebunden und fesselten schlie�lich gemeinsam die Beine.</p><p>Bebend lag das Tier auf der Seite. �Es ist bereit f�r das Transportgestell�, sagte ich.</p><p>Dann machte ich kehrt und stieg wieder in das Tarnloch. Das Grasdach war verschwunden, zerfetzt von dem Fesselstamm, den das Tier in die Luft gerissen hatte.</p><p>Ich schaute in das Loch. Das M�dchen lag auf dem Bauch, die H�nde �ber den Kopf gelegt.</p><p>�Alles in Ordnung?� fragte ich.</p><p>�Habe ich dir letzte Nacht nicht gefallen?� fragte sie bedr�ckt.</p><p>�Ja�, antwortete ich verst�ndnislos.</p><p>�Trotzdem hast du mich wieder als K�der benutzt.�</p><p>�Nat�rlich. Aber nun ist alles vorbei. Wir haben den Vogel.�</p><p>Sie begann hysterisch zu schluchzen.</p><p>�Warum regst du dich so auf?� fragte ich, sprang zu ihr in die Grube und nahm sie in die Arme. �Es ist alles vorbei.�</p><p>Sie schaute mich mit angstvoll geweiteten Augen an. �Wozu ihr uns zwingen k�nnt!� japste sie.</p><p>�Heute hast du dich nicht �bel gehalten�, sagte ich.</p><p>Sie dr�ckte sich weinend an mich. �Empfindest du denn nichts f�r mich?� fragte sie.</p><p>�Du bist Sklavin�, erinnerte ich sie.</p><p>�Nat�rlich, Herr! Wie dumm von mir, etwas anderes zu erhoffen.�</p><p>�Tatankasa!� rief Cuwignaka in diesem Augenblick. �Komm schnell!�</p><p>Ich sprang aus dem Erdloch.</p><p>�Dort!� rief Cuwignaka und deutete himmelw�rts. �Ein Kinyanpi!�</p><p>Ich legte eine Hand �ber die Augen.</p><p>�Es ist kein wilder Tarn. Da ist irgend etwas auf seinem R�cken.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Es mu� ein vorgebeugt sitzender Mann sein.�</p><p>�Aber warum fliegt er so?�</p><p>�Vielleicht versucht er zu verheimlichen, da� der Tarn nicht wild ist�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Vielleicht ist er verwundet�, sagte Hci und legte einen Pfeil auf seinen Bogen.</p><p>�Hat er dich bestimmt gesehen?� fragte ich.</p><p>�Unser gefesselter Tarn wurde gesichtet�, sagte Cuwignaka. �Davon bin ich �berzeugt. Der Vogel wechselte die Flugrichtung. Inzwischen d�rfte er uns auch gesehen haben.�</p><p>�Der Tarn kreist�, sagte Hci.</p><p>�Den gefangenen Tarn k�nnen wir nicht verstecken�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Unser Plan ist mi�lungen. Unsere Hoffnung dahin!� rief Hci.</p><p>�Ein Kinyanpi w�rde aber bestimmt sofort in sein Lager zur�ckkehren, sobald er unsere Anwesenheit im Tarn-Gebiet entdeckt hat�, sagte ich. �Sein Ziel w�re es, so schnell wie m�glich Meldung zu machen und mit anderen zur�ckzukehren.�</p><p>�Warum kreist er noch?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete ich.</p><p>�Was ist, Herr?� fragte Mira, die versch�chtert aus der Grube gekrochen war. Sie stand ein St�ck links hinter mir.</p><p>�Wir wissen es nicht genau�, antwortete ich.</p><p>�Ich glaube, der Vogel will landen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Das ist unglaublich!� rief ich. �Gewi� wird sich kein Kinyanpi gegen drei bewaffnete Krieger stellen!�</p><p>�Er will landen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du hast recht�, best�tigte ich.</p><p>�Warum zeigt sich der Krieger nicht?� fragte Hci.</p><p>�Ich sehe Beine�, sagte Mira.</p><p>�Ich beziehe Position, damit ich mich ein wenig hinter dem Vogel befinde, wenn er auf diesem Kurs bleibt�, sagte Hci und justierte seinen Bogen. �Wenn der Krieger dann absteigt, k�nnen wir ihn in die Zange nehmen.�</p><p>Ich nickte. Der Schild eines K�mpfers sch�tzt nur in eine Richtung.</p><p>�Warum sollte er landen wollen?� r�tselte Cuwignaka.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich.</p><p>Der Vogel raste auf uns zu, hob mehrere Meter entfernt bremsend die Fl�gel und verharrte einen Augenblick lang in der Luft, ehe er die Krallen senkte und landete.</p><p>Vor dem Wind und den aufwirbelnden Staubpartikeln schlossen wir kurz die Augen.</p><p>Mira hob die Hand vor den Mund und schrie auf.</p><p>�Zur�ck!� befahl ich.</p><p>Ich trat vor und packte die Z�gel des Tarn. Das Wesen sch�ttelte den Kopf. Die Lenkz�gel des Tarn scheinen bei den Kinyanpi �hnlich gestaltet zu sein wie das Kaiilageschirr bei den roten Wilden. Dies scheint mir darauf hinzudeuten, da� die Kinyanpi vor den Tarns Kaiila geritten hatten und da� die Z�hmung des Vogels unabh�ngig von der Entwicklung in den L�ndern der Wei�en erfolgt war und beispielsweise nichts mit den Tarnk�mpfern aus Thentis zu tun hatte. In den meisten St�dten werden die Tarns mit zwei gro�en Ringen und sechs Z�geln gelenkt. So leitet der erste Z�gel den Aufstieg ein, w�hrend der Tarn an H�he verliert, wenn man den vierten Z�gel zieht.</p><p>�Was k�nnte so etwas anrichten?� fragte Cuwignaka staunend.</p><p>Ein St�ck hinter uns erbrach sich Mira ins Gras.</p><p>�Ich wei� nicht genau�, sagte ich.</p><p>Hci verlie� seine Deckung und trat n�her. �Aii�, sagte er leise.</p><p>�Was meinst du?� fragte Cuwignaka.</p><p>�So etwas habe ich noch nie gesehen�, bemerkte der junge Krieger. Und er hatte recht � die Kr�fte, die eine solche. Wirkung aus�ben konnten, �berstiegen das Vorstellungsverm�gen.</p><p>Der gelandete Tarn hatte einen breiten Sattelgurt.</p><p>Ich schaute zu Mira zur�ck, die auf allen vieren im Gras kniete. Ihre Beobachtung war richtig: Sie hatte Beine gesehen. Die Knie steckten unter dem Bauchgurt. Es gab auch Oberschenkel und einen Unterleib. Der Oberk�rper fehlte allerdings.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte Cuwignaka fl�sternd.</p><p>�Dies kann nur etwas aus der Medizinwelt getan haben�, meinte Hci.</p><p>Ich blickte pr�fend zum Himmel auf. Die unbekannte Kraft, die hier am Werk gewesen war, mu�te sich noch immer irgendwo befinden.</p><p>�Warum ist der Vogel gelandet?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Er ist ein gez�hmter Tarn�, sagte ich. �Wahrscheinlich m�chte er von den �berresten des Reiters befreit werden. Er sah Menschen unter sich.�</p><p>�Mir ist unwohl�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Mir auch�, bemerkte Hci.</p><p>�Dies ist ein gro�er Gl�cksumstand f�r uns�, sagte ich. �Zieht die Beine unter dem Gurt hervor.�</p><p>�Wie meinst du das?� fragte Cuwignaka, zog mit Hcis Hilfe die �berreste unter dem Gurt hervor und legte sie ins Gras.</p><p>Ich t�tschelte dem Tarn den Hals. �Dies ist ein gez�hmter Tarn�, sagte ich. �Voll ausgebildet. Wir brauchen ihn nicht nur nicht einzuarbeiten, sondern er wird uns auch mit einem entsprechenden Geschirr dabei helfen, die beiden schon gefangenen wilden Tarns auszubilden.� Ich wandte mich um und rief: �Mira!�</p><p>Das M�dchen eilte herbei und kniete vor mir nieder.</p><p>�Es wird dich freuen zu h�ren�, sagte ich, �da� wir im Augenblick genug Tarns beisammen haben. So brauchst du zun�chst nicht wieder den K�der f�r uns zu spielen.�</p><p>�Danke, Herr!� rief sie.</p><p>�Du zerst�rst jetzt die Tarngrube�, sagte ich, �und sorgst daf�r, da� alle unsere Spuren beseitigt werden.�</p><p>�Jawohl, Herr.�</p><p>�Wir nehmen die Kaiila und schnallen sie vor das Transportgestell�, fuhr ich fort. �Dann bringen wir diesen Tarn in unser Lager.�</p><p>�Ja, Tatankasa�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wir wollen nicht l�nger als n�tig im Freien verweilen�, bemerkte ich.</p><p>�Wenn du mit deiner Arbeit noch nicht fertig bist, wenn wir aufbrechen�, sagte ich zu Mira, �folgst du den Spuren des Transportgestells zu unserem Lager. Und nun lauf los.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�Heute abend werden wir uns auf den Weg nach Zwei Federn machen�, sagte ich.</p><p>�Gut�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Unsere Pl�ne kommen gut voran�, sagte ich zu Hci.</p><p>�Ausgezeichnet!� rief dieser. �Aber kannst du so einen Vogel wirklich fliegen, Tatankasa?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ein erstaunlicher Gedanke. Vielleicht besitzen aber die Kinyanpi eine besondere Medizin, eine ganz besondere Kraft.�</p><p>�Nein�, entgegnete ich. �Es sind M�nner wie du und ich.�</p><p>�Die R�ckenfedern des Tarn sind blutdurchtr�nkt�, sagte Hci.</p><p>�Aber beinahe trocken�, sagte ich.</p><p>�Der Vorfall ist also noch nicht allzulange her�, meinte er. �Sicher kann nur eine Erscheinung aus der Medizinwelt so etwas bewirkt haben. Es ist, als f�nde man einen Fu� in einem Mokassin.�</p><p>�Hast du Angst?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das kann ich kaum glauben�, sagte ich.</p><p>�Du wei�t doch, was ich f�rchte, nicht wahr, Cuwignaka, nicht wahr, Mitakola?� fragte Hci.</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Was denn?� wandte ich mich an Cuwignaka.</p><p>�Ach, nichts�, sagte Cuwignaka. �Hci meint einen Mythos.�</p><p>�Was f�r einen Mythos?� fragte ich.</p><p>�Er f�rchtet, hier kann nur Wakanglisapa am Werk gewesen sein�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Wakanglisapa?� fragte ich.</p><p>�Ja, Wakanglisapa, �Schwarzer Blitz�, der Medizintarn�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Das ist eine t�richte Vorstellung, mein Freund�, sagte ich zu Hci.</p><p>�Ich bin anderer Ansicht�, antwortete er. �W�hrend ich im Gras hockte und die Landung des Tarn erwartete, fand ich etwas, das ich euch zeigen m�chte.�</p><p>Cuwignaka und ich schwiegen. Wir sahen zu, wie Hci an die Stelle zur�ckkehrte, an der er sich versteckt und auf die Landung des Tarn gewartet hatte. Kurze Zeit sp�ter kehrte er zu uns zur�ck.</p><p>In der Hand hielt er eine gro�e Feder.</p><p>�Sie ist schwarz�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Es gibt viele schwarze Tarns�, �u�erte ich.</p><p>�Aber schau dir an, wie gro� sie ist, Tatankasa, Mitankola�, sagte Cuwignaka staunend.</p><p>�Gro� ist sie�, r�umte ich ein. Die Feder ma� etwa f�nf Fu�. Sie konnte nur von einem sehr gro�en Tarn stammen.</p><p>�Es ist die Feder Wakanglisapas, des Medizintarns�, sagte Hci.</p><p>�Ein solches Tier gibt es nicht�, widersprach ich.</p><p>�Dies ist seine Feder!� beharrte Hci.</p><p>Ich schwieg.</p><p>Hci lie� den Blick in den Himmel schweifen. �Wakanglisapa beobachtet uns vielleicht auch in diesem Moment�, sagte er.</p><p>Ich legte ebenfalls den Kopf in den Nacken. �Der Himmel scheint frei zu sein�, sagte ich.</p><p>�Die Ungeheuer der Medizinwelt�, erkl�rte Hci, �tauchen auf oder bleiben unsichtbar, wie es ihnen gef�llt.�</p><p>�Red keinen Unsinn, mein Freund!� sagte ich.</p><p>Hci stie� die Feder wie eine Lanze in den Boden. Ich betrachtete sie. Die Fasern bewegten sich im Wind.</p><p>�Wir wollen das Lastengestell selbst ziehen�, schlug Hci vor. �Damit sparen wir Zeit.�</p><p>�Cuwignaka und ich werden es ziehen, nachdem wir die Z�gel dieses Tarn an einer der St�tzstangen festgemacht haben�, antwortete ich. �Du gehst voraus, holst die Kaiila und kommst uns dann entgegen.�</p><p>�Ich halte es f�r besser, wenn wir alle zusammenbleiben�, meinte Hci.</p><p>�Du glaubst, es besteht Gefahr?� fragte ich.</p><p>�Eine gro�e Gefahr�, sagte Hci.</p><p>�Dann warten wir noch auf die Sklavin�, sagte ich.</p><p>Kurze Zeit sp�ter eilte Mira zu uns. Sie hatte sich beeilt.</p><p>�Was tust du?� fragte Hci.</p><p>Ich hatte die Feder aus dem Boden gezogen und auf das Lastgestell gelegt.</p><p>�Ich nehme die Feder mit�, sagte ich. �Vielleicht n�tzt sie uns noch.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob das klug gehandelt w�re, Tatankasa�, bemerkte Hci erschaudernd.</p><p>�Keine Sorge�, beruhigte ich ihn. �Ich habe eine Idee.� Wenn Hci so fest davon �berzeugt war, da� die Feder von dem sagenhaften Medizintarn Wakanglisapa stammte, mochten andere der gleichen Ansicht sein.</p><p>Ich �berzeugte mich, da� die Z�gel des ungefesselten Tarn am rechten Gestellholm festgemacht waren, und stellte mich neben Cuwignaka in das Zuggeschirr. Wir wollten das Lastgestell gemeinsam ziehen. Die Sklavin riefen wir nicht zu uns nach vorn; wir wollten durch ihre k�rzeren Schritte und ihre geringere Kraft nicht aufgehalten werden.</p><p>�Siehst du etwas, Hci?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Nein.�</p><p>�Du glaubst nicht an Wakanglisapa, nicht wahr?� fragte ich Cuwignaka.</p><p>�Manchmal�, antwortete Cuwignaka unsicher, �wei� ich nicht mehr, was ich glauben soll.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Immerhin haben wir die Feder�, sagte mein Freund.</p><p>�Es ist nur die Feder eines sehr gro�en Tarn�, bemerkte ich.</p><p>�Irgend etwas mu� f�r das Ungl�ck verantwortlich sein, das dem Kinyanpi zugesto�en ist�, sagte ich.</p><p>�Da hast du recht.�</p><p>�Und das Wesen ist noch irgendwo da drau�en.�</p><p>�Es war Wakanglisapa!� sagte Hci.</p><p>�Kannst du irgend etwas erkennen?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete Hci.</p><p>�Dann mach dir keine Sorgen!�</p><p>�Tatankasa�, sagte Hci.</p><p>�Ja?�</p><p>�La� die Feder hier drau�en zur�ck!� bat Hci.</p><p>�Nein�, sagte ich und stemmte mich mit vollem Gewicht in das Geschirr. Das Transportgestell rutschte leicht vorw�rts. Der Tarn war zwar riesig, im Vergleich zu seiner Masse aber nicht schwer.</p><p>�Eine Frage verwirrt mich in dieser Sache noch�, sagte ich nach einer gewissen Zeit zu Cuwignaka. �Warum sollte ein Tarn, wenn es sich wirklich um einen Tarn gehandelt hat, einen Fliegenden angreifen? Das ist h�chst ungew�hnlich.�</p><p>�Die Erkl�rung liegt in der Legende Wakanglisapas�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Erz�hl mir davon!� forderte ich.</p><p>�Es hei�t, Wakanglisapa sch�tzt seine Federn und bewacht sie scharf, weil sie eine starke Medizin enthalten.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Vielleicht hatte der Fliegende die Feder gefunden und trug sie bei sich, als Wakanglisapa sie sich zur�ckholen wollte.�</p><p>�Verstehe�, sagte ich.</p><p>�Wir fanden die Feder in der N�he�, mutma�te Cuwignaka. �M�glicherweise hat der Tarnreiter sie fallen lassen.�</p><p>�Denkbar w�re es�, sagte ich.</p><p>�Deshalb wollte Hci die Feder liegenlassen�, fuhr Cuwignaka fort.</p><p>�Ah.�</p><p>�Er f�rchtet, Wakanglisapa k�nnte sich erneut auf die Suche danach machen.�</p><p>Ich erschauderte. �Siehst du etwas, Hci?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete er.</p></section><section><title><p>36</p></title><p>�Ich sage dir, er existiert!� behauptete Hci.</p><p>�Hast du ihn gesehen?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete er. �Mira hat ihn gesehen.�</p><p>�Sie ist doch nur Sklavin.�</p><p>Das M�dchen kniete zitternd neben unserem Zelt bei den Zwei Federn.</p><p>�Du warst mit Cuwignaka fort, um Tarns zu z�hmen�, sagte sie erbebend. �Da raste er pl�tzlich wie ein riesiges schwarzes Ungeheuer schreiend herbei. Durch seinen Vorbeiflug wurden Bl�tter von den B�umen gerissen.�</p><p>�Jetzt aber ist er fort�, stellte ich fest.</p><p>�Es gibt ihn wirklich, Tatankasa�, sagte Hci nachdr�cklich. �Da� du dich da in nichts verrennst! Es gibt ihn wirklich.�</p><p>�Er ist nur ein Tarn�, sagte ich.</p><p>�Es ist Wakanglisapa, der Medizintarn�, sagte Hci.</p><p>�Ich glaube nicht an die Medizinwelt�, entgegnete ich. �Und somit nicht an die Existenz dieses Wesens.�</p><p>�Er verfolgt uns�, behauptete Hci. �Er sucht nach seiner Feder.�</p><p>�Das ist absurd!�</p><p>�Du mu�t die Feder verschwinden lassen�, sagte Hci. �Bring sie wieder ins �dland! Wirf sie fort, verbrenn sie! Sie ist gef�hrlich.�</p><p>�Vielleicht brauchen wir sie noch!�</p><p>�La� sie verschwinden!� forderte Hci.</p><p>�Es ist doch nur eine Feder�, sagte ich.</p><p>�Neben der Feder Wakanglisapas gibt es keine st�rkere oder gef�hrlichere Medizin�, sagte Hci. �Deshalb hat er sich auf die Suche danach gemacht.�</p><p>�Der Medizintarn existiert nicht�, sagte ich.</p><p>�Sie hat ihn aber gesehen!� rief Hci und deutete auf Mira, die vor Angst bleich geworden war.</p><p>�Du bist einer der mutigsten M�nner, die ich je gekannt habe, Hci�, sagte ich. �Wie kommst du nur auf so verquere Gedanken? Wie kannst du dich so seltsam benehmen?�</p><p>�Tatankasa�, sagte er, �du wei�t �ber Tarns mehr als ich. Benehmen sich diese V�gel normalerweise so?�</p><p>�Nein�, mu�te ich einr�umen. �Normalerweise nicht.�</p><p>�Dann ist es kein gew�hnlicher Tarn.�</p><p>�Ich wei� nicht, vielleicht hast du recht.�</p><p>�Erinnerst du dich an den Kinyanpi-Krieger?�</p><p>�Ja�, sagte ich erschaudernd.</p><p>�Das kann nur das Werk Wakanglisapas gewesen sein!�</p><p>�Wakanglisapa existiert nicht!�</p><p>�Ich habe keine Angst vor Menschen�, sagte Hci. �Ich habe keine Angst vor Dingen, die ich sehen kann, die ich bek�mpfen kann.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Dann la� die Feder verschwinden!�</p><p>�Ich glaube nicht an die Medizinwelt�, sagte ich.</p><p>�Ich wei� aber, da� sie existiert�, sagte Hci.</p><p>�Woher?�</p><p>�Weil ich einmal schlimm gelogen habe. Sp�ter, im Kampf wurde ich von meinem eigenen Schild verraten. Es wollte mir nicht gehorchen. Aus eigenem Antrieb stieg es empor und gab mich der Lanze meines Feindes schutzlos preis.�</p><p>�Ich wei�, was geschehen ist�, sagte ich. �Fremd ist uns dagegen der Grund. Solche Dinge sind nicht ganz unbekannt, nicht einmal den �rzten aus den St�dten. Es gibt Bezeichnungen f�r sie. Man versteht solche Erscheinungen noch nicht richtig, denn ihre Gr�nde liegen oft in r�tselhaften Tiefen.�</p><p>�Der Schild stieg empor�, sagte Hci.</p><p>�Der Schild kann nicht allein aufgestiegen sein�, behauptete ich. �Dein Arm bewegte sich aufw�rts.�</p><p>�Ich habe den Arm nicht gehoben!� rief Hci.</p><p>�Solche Bewegungen, �ber die wir keine Kontrolle haben, h�ngen zuweilen mit tieferliegenden Ursachen zusammen � beispielsweise mit Schuldgef�hlen und der �berzeugung, da� gewisse Verhaltensweisen angemessen w�ren. Sie r�hren von unmerklichen Vorg�ngen im Gehirn her. Ein Teil von dir liegt mit einem anderen im Widerstreit. Und zwar ohne da� du Einflu� darauf hast. So etwas kann erschreckend sein.�</p><p>�Der Schild stieg empor wie ein Mond�, sagte Hci.</p><p>�Zweifellos sah es so aus.�</p><p>�Er stieg auf, so fest und unaufhaltsam wie ein Mond.�</p><p>�Die Menschen begreifen Dinge in unterschiedlichen �berzeugungskategorien�, sagte ich. �Von einem Standpunkt aus k�nnte ein Ereignis auf die eine Weise interpretiert werden, von einer anderen �berzeugung aus aber ganz anders.�</p><p>�Das ist schwer zu verstehen�, sagte Hci.</p><p>�Weil du eben nur mit einer �berzeugungskategorie vertraut bist�, sagte ich, �und zwar der eigenen. So bist du es nicht gew�hnt, zwischen dem zu unterscheiden, was gewisserma�en interpretiert werden soll, und seiner Interpretation. Diese beiden Dinge neigen in deinem Denken dazu, zu einer Einheit zu verschmelzen � in diesem Fall zu der �berzeugung, da� dein Schild dich verraten habe.�</p><p>�Das hat er doch aber getan!� rief Hci.</p><p>�Schau empor�, sagte ich. �Siehst du die Monde?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Siehst du nicht, wie sie durch den Himmel fliegen?�</p><p>�Das sind die Wolken, die sich im Wind bewegen�, sagte Hci, �und zwar in die andere Richtung. Deshalb sieht es so aus, als bewegten sich die Monde.�</p><p>�Schau noch einmal hin!�</p><p>Wieder kam Hci meiner Aufforderung nach.</p><p>�Kannst du die Monde fliegen sehen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete er nach einer gewissen Zeit. �So k�nnte ich sie auch sehen.�</p><p>�Jetzt verstehst du sicher, da� es viele M�glichkeiten gibt, etwas Gesehenes zu deuten.�</p><p>�Das verstehe ich�, sagte Hci. �Sind s�mtliche Deutungen gleichwertig?�</p><p>�Nein�, antwortete ich, �die meisten sind vermutlich falsch.�</p><p>�Woher wissen wir, wenn wir die eine wahre Erkl�rung gefunden haben?�</p><p>�Dessen k�nnen wir wohl niemals ganz sicher sein�, erwiderte ich. �Dazu gibt es wohl zu viele theoretisch m�gliche Erkl�rungen.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Wenn man nicht beweisen kann, da� eine Erkl�rung absolut zutrifft, hei�t das noch lange nicht, da� sie nicht doch stimmen k�nnte.�</p><p>�Das verstehe ich�, sagte Hci. �Wei�t du ganz genau, da� die Medizinwelt nicht existiert?�</p><p>�Ich nehme nicht an, da� es sie gibt�, sagte ich.</p><p>�Wei�t du, da� sie nicht existiert?� fragte Hci.</p><p>�Nein�, antwortete ich, �ich wei� nicht, da� sie nicht existiert.�</p><p>�Vielleicht gibt es sie also.�</p><p>�Vielleicht, aber ich wei� es nicht.�</p><p>�Du glaubst nicht daran.�</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>�Ich glaube aber, da� es sie gibt�, sagte Hci.</p><p>�Verstanden.�</p><p>�Vielleicht ist dann ja deine Erkl�rung falsch � und nicht meine.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Wir befinden uns hier im �dland�, sagte er.</p><p>�Da hast du recht.�</p><p>�Vielleicht liegen die Dinge hier nicht so wie in deiner Heimat�, sagte er.</p><p>�Vielleicht.� Vermutlich war es tats�chlich eine Glaubenssache anzunehmen, die Natur m�sse einheitlich sein � ein vernunftgest�tzter Glaube, doch gleichwohl ein Glaube. Kein Zweifel: Das Universum war riesig und r�tselhaft. Vielleicht war es gar nicht verpflichtet, sich nach unseren Vorlieben zu richten. Wenn es unseren Grenzen zu entsprechen schien, so lag das vielleicht daran, da� wir es nur innerhalb dieser Grenzen �berhaupt erfassen konnten. Ahnungslos mochten wir inmitten von Dimensionen und Wundern leben, Dingen, die unsere Werkzeuge nicht zu erreichen vermochten, an die unsere Phantasie, unser Intellekt nicht heranreichte, die zu fremd waren, um sie zu erfassen. Aber dennoch � was f�r k�hne, tollk�hne M�use wir doch waren! Wie edel ist doch der Mensch!</p><p>�Du bist entschlossen, die Feder zu behalten?� fragte Hci.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Begleitest du uns heute nacht?�</p><p>�Wakanglisapa k�nnte unsere Pl�ne zunichte machen�, sagte er.</p><p>�Unsinn! Kommst du mit?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir m�ssen bald aufbrechen.�</p><p>�Ich habe vorher noch etwas zu erledigen�, sagte er.</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Mein Todeslied zu singen�, sagte er.</p></section><section><title><p>37</p></title><p>�Schneller!� rief ich vom R�cken meines Tarn. �Beeil dich!�</p><p>�Sinnlos!� br�llte Hci, der einige Meter von mir entfernt flog, ebenfalls auf einem Tarn; wir rasten etwa zweihundert Meter �ber dem weiten, gewellten Grasland dahin. Rechts von mir trieb auch Cuwignaka seinen Vogel zur Eile an.</p><p>�Sie holen auf!� br�llte Hci. �Sie werden uns abfangen!� Es war eine halbe Ahn nach Beginn der Morgend�mmerung.</p><p>Ich schaute �ber die Schulter nach hinten. F�nf Reiter, Angeh�rige der Kinyanpi, verfolgten uns erbarmungslos. Wir h�rten ihre Kriegsrufe.</p><p>Was unseren Flug langsam machte, waren die Z�gel, die wir umklammert hielten. Hinter jedem von uns, durch Halsleinen miteinander verbunden, flatterten f�nf Tarns, insgesamt f�nfzehn Tiere. Die V�gel der Kinyanpi waren bei Nacht nicht gut bewacht gewesen. In der N�he eines Lagers der Gelbmesser, die ihre Verb�ndeten waren, inmitten von St�mmen, die sich mit Tarns nicht auskannten, hatten sie sich sicher gef�hlt. Wir nahmen nicht an, da� sich diese Nachl�ssigkeit noch einmal wiederholen w�rde.</p><p>Eine wei�h�utige Sklavin, die aus einem der Gelbmesserzelte verbannt worden war, hatte uns gesehen und Alarm geschlagen. Im Mondlicht hatte ich sie sogar wiedererkannt � eine kurzbeinige, h�bsch gerundete Blondine, eine ehemalige Amerikanerin. Sie hatte einmal in Grunts Besitz gestanden und damals den Namen Lois getragen. Nach dem �berfall auf Alfreds Wagenzug war sie von Gelbmessern als Beute mitgenommen worden; �berhaupt hatte Grunt zu dieser Zeit fast seinen gesamten Bestand an M�dchen eingeb��t.</p><p>�Wir haben genug Tarns; mehr k�nnten wir gar nicht bew�ltigen�, hatte ich zu Cuwignaka und Hci gesagt und dem letzten Vogel die Z�gelschlaufe �ber den Schnabel geschoben. �La�t uns verschwinden!�</p><p>Am liebsten h�tten wir die Tarns ein St�ck vom Lager fortgef�hrt, ehe wir uns in die L�fte schwangen, aber dazu blieb nach dem Geschrei der Sklavin keine Zeit mehr. So waren wir sofort aufgestiegen, und das Kreischen der V�gel und ihr lauter Fl�gelschlag hatten das Lager der Gelbmesser und Kinyanpi noch munterer gemacht. Dabei waren wir vor dem Licht der Monde sicher deutlich auszumachen.</p><p>Es wollte uns scheinen, als w�re das Lager kaum unter uns fortgesunken, als sich bereits rote Tarnk�mpfer in die L�fte schwangen und �berst�rzt die Verfolgung aufnahmen. F�nf waren uns ganz nahe, aber sie verfolgten uns auf keinen Fall allein.</p><p>�Wir k�nnen ihnen nicht davonfliegen!� rief Hci.</p><p>Wieder blickte ich �ber die Schulter. Unsere Verfolger hatten noch weiter aufgeholt.</p><p>�N�her heran!� rief ich Hci zu. Als er meiner Aufforderung nachkam, warf ich ihm die Tarnleine zu, die ich in der Hand hielt; das geflochtene Leder fiel �ber den R�cken seines Tarn, und er griff danach und wickelte sie sich um die Faust.</p><p>�Ich drehe um!� rief ich. �Fliegt allein weiter!�</p><p>�Wir geben die Tarns frei!� rief Cuwignaka.</p><p>�Nein!� widersprach ich.</p><p>�Wir drehen auch um und k�mpfen mit dir!� rief Hci.</p><p>�Nein!� br�llte ich zur�ck. �Bringt die Tarns ins Lager! Wir brauchen sie!�</p><p>�Nein!� rief Cuwignaka.</p><p>�Ihr bringt jetzt nicht alles in Gefahr!� rief ich. �Ihr fliegt weiter!�</p><p>�Tatankasa!� rief Cuwignaka.</p><p>�Die Kaiila m�ssen leben!� sagte ich.</p><p>�Tatankasa!� rief auch Hci.</p><p>�Ich habe einen Plan!� rief ich. �Fliegt, fliegt!� Ich brach die Diskussion mit meinen Freunden ab und wendete den Tarn, indem ich heftig an den Z�geln zog. Das Tier schlug die breiten Fl�gel und verharrte beinahe reglos in der Luft. Unter dem Sitzgurt zog ich einen Gegenstand hervor, den ich dort zuvor deponiert hatte. Es war die gro�e schwarze Feder, die ich vor Tagen in der N�he der Tarnfalle erhalten hatte, die Feder, die meinem Freund Hci so gro�e Sorgen bereitete. Nun schwenkte ich sie �ber dem Kopf; dabei hielt ich sie in der Mitte wie einen Speer oder ein Banner.</p><p>Diese Feder, so hoffte ich, w�rde den Kinyanpi noch mehr Angst einfl��en als Hci.</p><p>Mit solchen Federn waren sie, die Kinyanpi, hoffentlich allzu vertraut.</p><p>Der Glaube an die Medizinwelt, darauf zielte ich ab, w�rde den Verstand der Kinyanpi ebenso fesseln, wie er anscheinend das Denken so vieler roter Wilder verwirrte, Freunde und Feinde gleicherma�en.</p><p>Im Abstand von etwa f�nfzig Metern zog der Kinyanpi-Anf�hrer pl�tzlich seine Tarnz�gel an und lie� den Vogel auf der Stelle verharren. Seine Begleiter machten es ihm nach. Er deutete auf mich. Die M�nner berieten sich lautstark durch das Rauschen der Fl�gel.</p><p>Ich hielt die Feder empor, beinahe schwenkte ich sie. Die M�nner sollten wissen, woran sie waren.</p><p>Ich griff nicht nach meinen Waffen. Wozu brauchte ich Waffen, wenn ich �ber die Medizin Wakanglisapas gebot? Und welche Medizin oder Waffen hatten eine Chance dagegen?</p><p>Die Reaktion des Kinyanpi-Anf�hrers schien allerdings mehr �berrascht als �ngstlich gewesen zu sein. Er benahm sich beinahe, als sei er bei einer Unaufmerksamkeit ertappt worden; dabei hatte ich auf Entsetzen gehofft. Leider sollte es dazu nicht kommen.</p><p>Die V�gel, deren Fl�gel auf und nieder peitschten, die mit beinahe senkrecht stehendem R�cken verhielten, die M�nner vorgebeugt unter den Gurten, boten einen pr�chtigen Anblick.</p><p>Ein Umstand freute mich. Jeder Augenblick war kostbar. Cuwignakas und Hcis Vorsprung erh�hte sich immer mehr.</p><p>Zu meiner Best�rzung mu�te ich sodann beobachten, wie die f�nf Tarnreiter ihre Waffen zur Hand nahmen. Offensichtlich wollten sie angreifen.</p><p>Es waren mutige M�nner.</p><p>Au�erdem hatte ich mich wohl verrechnet. Wenn die Feder nicht Wakanglisapa geh�rte, w�rden sie annehmen, da� sie nichts zu f�rchten hatten. Und wenn es Wakanglisapas war, warum sollten sie nicht versuchen, sie zu erobern, die starke Medizin f�r sich zu gewinnen?</p><p>Die f�nf K�mpfer verlie�en ihre Formation, indem sie zur Seite ausschw�rmten und zu kreisen begannen, um Tempo zu gewinnen, und nach kurzer Zeit hatten sie ihre Tiere wieder auf Angriffskurs gebracht.</p><p>Zornig steckte ich die Feder unter den Sitzgurt. Sie hatte mir wirklich viel gen�tzt! Hastig spannte ich meinen kleinen Bogen und zog drei Pfeile aus dem Tabukleder-K�cher an meiner linken H�fte. Einen Pfeil setzte ich auf die Sehne, zwei hielt ich mit der Bogenhand.</p><p>In schnellem Flug kamen die Angreifer n�her.</p><p>Die Formation erinnerte an einen mathematischen K�rper � der Frontreiter w�rde bis auf Lanzenreichweite an mich herankommen. Die anderen vier flogen ein St�ck hinter ihm, links und rechts, oberhalb und unterhalb. Egal wie man dem ersten Reiter ausweicht, die Wahrscheinlichkeit ist gro�, da� man zumindest einem dem nachfolgenden Angreifer einen verwertbaren Vorteil verschafft.</p><p>Unter Ausnutzung der Geschwindigkeit wollte ich versuchen, m�glichst schnell durch die Formation zu sto�en und beim Passieren �ber die linke Schulter zu schie�en.</p><p>Ich mu�te nur den richtigen Augenblick abwarten, um den Tarn zur Eile anzutreiben. Die Kinyanpi mu�ten annehmen, da� ich die Position halten wollte.</p><p>Der Anf�hrer war nur noch etwa hundert Meter entfernt. Ich sah die Lanze herunterkommen, ich sah, wie die am Schaft befestigten Herlit-Federn flatterten. Bei diesem Bild mu�te ich an einen Sleen denken, der beim Angriff die Ohren anlegt.</p><p>Noch wenige Meter, dann mu�te ich die Tarnz�gel bewegen, die Fersen einsetzen und mein Tier mit einem Schrei in Bewegung setzen.</p><p>Ich gab dem Tier die Sporen, zog dann aber die Z�gel wieder an. Der Tarn, beim Anfliegen gehindert, b�umte sich kreischend auf. Ich wurde zur�ckgeworfen, vermochte mich aber festzuhalten.</p><p>Wenige Meter entfernt hatte der erste Angreifer seinen Tarn energisch aus der Bahn gezogen. Ich sah, wie das Tier emporst�rmte, nach rechts abbog und zur�ckflog. Dabei schaute mich der Mann nicht einmal an. Sein Blick schien auf etwas gerichtet zu sein, das sich hinter mir befand. Sein Gesicht schien vor Entsetzen verzerrt zu sein. Er schwang den Tarn herum und begann zu fliehen. Beinahe gleichzeitig reagierten seine Begleiter, gaben die Formation auf, strebten auf allen Seiten von mir wie ein Stern auseinander und wendeten ihre Tarns, als w�re ich nicht mehr interessant f�r sie.</p><p>Ich drehte mich um. Ich sah nichts. Hinter mir erstreckten sich die Wolken, der Himmel.</p><p>Wie von einer pl�tzlichen K�lte ergriffen, erschauderte ich und drehte meinen Tarn.</p><p>F�r den Fall, da� ich weiter verfolgt wurde, schlug ich einen Kurs ein, der mich von Zwei Federn fortf�hrte. Sp�ter wollte ich auf Umwegen zu meinen Kameraden zur�ckkehren.</p><p>Der Himmel schien leer zu sein. Die morgendliche Luft war frisch und k�hl.</p><p>�Und so geschah es�, erz�hlte ich Cuwignaka und Hci. �Im letzten Moment drehten sie pl�tzlich ab und flohen.�</p><p>�Sie haben hinter dir etwas gesehen�, sagte Hci.</p><p>�Was denn?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich.</p><p>�Da kommt nur eins in Frage�, sagte Hci.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Wakanglisapa.�</p><p>�Ich habe nichts gesehen�, sagte ich.</p><p>�Die Wesen aus der Medizinwelt zeigen sich den Menschen, wie es ihnen gef�llt � oder eben nicht.�</p><p>�Wakanglisapa existiert nicht�, behauptete ich.</p><p>�Es ist aber interessant, da� du die Feder hattest und nicht angegriffen wurdest�, sagte Hci. �Vielleicht wurdest du durch die Medizin der Feder besch�tzt.�</p><p>�Ich bin sicher, es gibt da eine ganz logische Erkl�rung�, beharrte ich auf meinem Standpunkt.</p><p>�Was tun wir jetzt?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Wir setzen unsere Pl�ne in die Tat um�, antwortete ich. �Wir schicken Tarnreiter zu den St�mmen der Staubf��e, Flieger und Sleen.�</p><p>�Die Flieger machen bestimmt nicht mit�, meinte Hci. �Sie sind Erzfeinde der Kaiila.�</p><p>�Und von den Sleen k�nnen wir auch nicht viel erwarten�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Die Reiter werden losgeschickt�, sagte ich.</p><p>�Sch�n�, sagte Cuwignaka.</p><p>�In den n�chsten Wochen m�ssen wir Tarnflieger ausbilden�, sagte ich.</p><p>�Die werden einen Blotanhunka brauchen�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Canka�, sagte Hci sofort.</p><p>�Wenn man deinen Tarn mitrechnet, Hci�, sagte ich, �nicht aber meinen Tarn oder Cuwignakas Tier, dann haben wir sechzehn Tarns. Wir bilden daraus zwei Gruppen, jede mit einem Anf�hrer und sieben K�mpfern. Der Blotanhunka einer Gruppe wird Canka sein. Der Blotanhunka der anderen Hci.�</p><p>�Hci?� fragte Hci.</p><p>�Ja.�</p><p>�Vielleicht solltest du besser Cuwignaka bestimmen�, sagte Hci.</p><p>�Du bist ein viel gr��erer Krieger als ich, Hci�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Du w�rdest mir den Posten eines Blotanhunka anvertrauen?� fragte Hci.</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Und damit w�ren sicher alle M�nner einverstanden.�</p><p>�In dir flie�t das Blut Mahpiyasapas�, sagte Cuwignaka. �Du bist ein gro�er Krieger. Du bist der geborene Anf�hrer.�</p><p>�Ich werde mein Bestes tun�, sagte Hci.</p><p>�Wieviel Zeit haben wir?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Der Kaiila-Stamm hat wenig Fleisch�, sagte ich. �Der Winter kommt.�</p><p>�Die Reiter m�ssen ihre Fl�ge absolvieren�, sagte Cuwignaka. �Die M�nner m�ssen ausgebildet werden.�</p><p>�Mir geht es darum, sp�testens Ende Canwapegiwi fertig zu sein�, sagte ich, �am Ende des Mondes, in dem die Bl�tter braun werden.�</p><p>�Das ist ja sehr bald�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Es mu� gejagt werden�, sagte ich. �Man mu� sich auf den Winter vorbereiten.�</p><p>�Da bleibt wirklich nicht viel Zeit�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ich hoffe nur, da� es nicht zu sp�t ist�, sagte ich.</p></section><section><title><p>38</p></title><p>�Du mu�t dich mehr anstrengen, die Gelbmessersprache zu lernen�, sagte Iwoso im Kaiiladialekt zu Bloketu.</p><p>�Es f�llt mir schwer�, sagte Bloketu. Die beiden M�dchen knieten am Boden; Bloketu k�mmte ihrer Herrin das Haar. Beide hielten sich in einem Zelt auf. Wir vermochten sie durch die winzige �ffnung zu beobachten, die wir mit der Messerspitze in die Au�enhaut des Zeltes gebohrt hatten.</p><p>�Ich habe die Kaiilasprache sehr schnell gelernt�, sagte Iwoso.</p><p>�Du wurdest auch schon als Kind gefangen�, antwortete Bloketu. �Du brauchtest zwei Jahre, ehe du ordentlich sprechen konntest.�</p><p>�Willst du unversch�mt werden, Zofe?� fragte Iwoso.</p><p>�Nein, Herrin�, sagte Bloketu hastig.</p><p>Um Bloketus r�tlichbraunen Hals lag ein perlenbesetztes gelbes Band. Zweifellos geh�rte es Iwoso. Sie trug au�erdem ein schlichtes Gewand, das einen starken Gegensatz bildete zu dem auserlesenen, weichen, beinahe wei�en Tabukleder-Kleid ihrer Herrin.</p><p>�Ein sch�nes Gef�hl, dich zu besitzen�, sagte Iwoso.</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>�Auch wenn du v�llig wertlos bist.�</p><p>�Ich war die Tochter eines H�uptlings!�</p><p>�Selbst T�chter von Kaiilah�uptlingen taugen zu nichts anderem, als Sklaven und Zofen von Gelbmessern zu sein�, sagte Iwoso.</p><p>�Ja, Herrin�, best�tigte Bloketu schluchzend.</p><p>�Du geh�rst mir, ich tue mit dir, was mir gef�llt.�</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>�Dein Vater war ein Verr�ter�, fuhr Iwoso fort, �und du hast dich ebenfalls verr�terisch verhalten. Manchmal sage ich mir, da� es das beste w�re, dich den �berlebenden deines Volkes auszuliefern, damit sie �ber dich urteilen. Sicher wissen sie, wie sie mit Verr�tern umgehen m�ssen.�</p><p>�Bitte nicht!� flehte Bloketu.</p><p>�M�chtest du lieber meine Zofe bleiben?� fragte Iwoso am�siert.</p><p>�Ja, Herrin!�</p><p>Mit einem langen, schnellen Messerschnitt �ffnete ich die Lederwand des Zeltes. Ehe die M�dchen reagieren konnten, waren Cuwignaka und Hci in das Innere gest�rmt, packten die M�dchen und dr�ckten sie zu Boden. Dabei hielten sie ihnen den Mund zu.</p><p>Ich folgte meinen Freunden in das Zelt und reichte beiden zusammengerollte Kugeln aus Fell und Leder, mit denen die M�dchen geknebelt wurden, ehe wir sie gr�ndlich fesselten.</p><p>Dann zog ich zwei lange, speziell vorbereitete Leders�cke in das Zelt. Iwoso sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>Mit den F��en voran wurden die M�dchen in die langen, engen, festen S�cke gesteckt, in denen sie sich nur wenig bewegen konnten. Der Sack verf�gte �ber starke Laschen und zwei Griffe, die sich �ber dem Kopf der Gefangenen zusammenbinden lie�en.</p><p>Iwoso stie� dumpfe Laute aus, die ihren Zorn verrieten.</p><p>�Willst du uns etwa sagen, da� wir damit auf keinen Fall durchkommen?� fragte Hci.</p><p>Iwoso nickte lebhaft, und Hci l�chelte.</p><p>�Du machst dich h�bsch in deinem Sklavensack�, sagte er.</p><p>Bloketu stie� leise Wimmerlaute aus und versuchte damit Cuwignakas Aufmerksamkeit zu erregen.</p><p>Endlich schaute er sie an. �Sei still, Sklavin und Verr�terin!� sagte er heftig.</p><p>St�hnend neigte sie den Kopf zur�ck. Tr�nen liefen ihr �ber die Wangen. Sie hatte an die Zuneigung appellieren wollen, die er ihr einmal entgegengebracht hatte.</p><p>�Geht auf eure Posten!� sagte ich zu Cuwignaka und Hci. �La�t mir die Kaiila drau�en. Wir treffen uns an der vereinbarten Stelle.�</p><p>�Der Stamm der Kaiila wird wiederauferstehen�, sagte Hci.</p><p>�Unsere Pl�ne machen Fortschritte�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Die Ratsversammlung aller Banden der Kaiila, der Isbu, der Casmu, der Isanna, der Napoktan und der Wismahi, aller �berreste des Kaiila-Volks, wird Ende Canwapegiwi am Ratsfelsen stattfinden.�</p><p>Cuwignaka, Hci und ich gaben uns die H�nde. Dann verschwanden meine Freunde durch den Schnitt in der Zeltwand.</p><p>Ich betrachtete die beiden h�bschen Gefangenen, die in ihren S�cken hilflos waren, und begann das Feuer zu sch�ren. Ich mu�te ein Weilchen warten.</p><p>Nach einiger Zeit stand ich auf.</p><p>Die M�dchen blickten mich angstvoll an, als ich mich neben ihnen niederhockte, ein Lederseil durch die Griffschlaufen �ber ihren K�pfen zog und beide S�cke auf diese Weise miteinander verband.</p><p>Iwoso bewegte heftig den Kopf hin und her und stie� energische Laute aus.</p><p>�Du m�chtest etwas sagen, nicht wahr, Lady Iwoso?� fragte ich.</p><p>Sie nickte nachdr�cklich.</p><p>�W�rdest du mir versprechen, still zu sein�, fragte ich, �wenn ich dir den Knebel abnehme?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�K�nnte ich mich in dieser Situation auf dein Wort verlassen?� wollte ich wissen.</p><p>Wieder nickte sie.</p><p>Meine H�nde n�herten sich der Fessel. Dann schien ich es mir zu �berlegen. �Ich wage den Knebel doch nicht herauszunehmen�, sagte ich. �Du bist eine sehr intelligente und schlaue Frau. Du w�rdest mich sicher hereinlegen.�</p><p>Beruhigend sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>Ich betrachtete sie nachdenklich. �Unbequem, nicht wahr?� fragte ich.</p><p>Wimmernd nickte sie.</p><p>�Die roten Wilden behandeln ihre Frauen manchmal zu streng, nicht wahr?�</p><p>Iwoso signalisierte mir Zustimmung.</p><p>�Na, vielleicht schadet es doch nichts, wenn ich dir den Knebel ein wenig lockere.�</p><p>Iwoso wimmerte dankbar.</p><p>Ich l�ste den Knoten hinter Iwosos Hals, steckte ihr den Finger in den Mund und lockerte den Knebelballen. Als bek�me ich pl�tzlich Angst, zu gro�z�gig gewesen zu sein, machte ich die Knebelschnur wieder zu, aber nicht mehr so fest wie vorher; au�erdem sicherte ich sie mit einem einfachen Knoten, der keiner langen Beanspruchung standhalten konnte.</p><p>�Ist es besser so?� fragte ich die Gefangene.</p><p>Sie wimmerte mich flehend an, doch ich wandte mich ab und l�chelte innerlich. Glaubte sie wirklich, da� eine Frau wie sie, eine wohlgeformte Sklavin, R�cksichtnahme verdiente?</p><p>Ich ergriff das Seil, das auf dem Boden lag, verlie� das Zelt durch die R�ckseite und machte das Leder am Sattelknauf der Kaiila fest, die dort auf mich wartete. Dann kehrte ich ins Zelt zur�ck, legte eine tarnende Robe an, stieg auf und ritt ohne Eile an. Die beiden S�cke wurden hinter meiner Kaiila aus der Schnitt�ffnung des Zeltes gezogen.</p><p>Ich h�rte Iwoso leise verzweifelte Laute aussto�en. In diesem Moment begann sie wirkliche Angst zu empfinden. Vermutlich machte sie sich zum erstenmal klar, da� wir sie vielleicht tats�chlich aus dem Gelbmesserlager entf�hren konnten � mit allen Konsequenzen, die das f�r sie haben w�rde.</p><p>Doch noch hatte ich keine Eile.</p><p>Im Schritt lenkte ich meine Kaiila auf den breiten leeren Weg zwischen den Gelbmesser-Zelten. Ich sp�rte die Spannung in den Seilen, die links und rechts von der Kaiila zu den schleifenden S�cken f�hrten.</p><p>Einmal schaute ich zur�ck. Iwoso wand sich in ihrem engen Beh�ltnis heftig hin und her. Glaubte die sicher gefesselte kleine Dirne wirklich, sie k�nne freikommen? War ihr nicht klar, da� sie von einem Kaiila-Krieger gefesselt worden war, von Hci? Aber es gab eine einfache Methode, dem Gezappel ein Ende zu machen: Ich erh�hte das Tempo der Kaiila.</p><p>Am Ende der Promenade wendete ich mein Tier und galoppierte mitten auf dem breiten Weg durch das Lager. Am anderen Ende machte ich ebenfalls kehrt � in weitem Bogen, um die Seile nicht durcheinanderzubringen.</p><p>Inzwischen mu�te Iwoso genug Zeit gehabt haben, ihren Knebel zu lockern und auszuspucken.</p><p>Hoffentlich hatte ich ihn nicht zu fest gelassen.</p><p>Im Galopp schaute ich zur�ck. Die S�cke und Seile waren staubbedeckt. Pl�tzlich gab es hinter mir lautes Geschrei, eine schrille Stimme �u�erte Worte, vermutlich in der Gelbmessersprache.</p><p>Ich verhielt meine Kaiila. Iwoso hatte wirklich lange genug gebraucht, sich von dem Knebel zu befreien.</p><p>Sie hatte sich in ihrem Sack aufgerichtet und beugte sich schreiend vor. Ihre Stimme mu�te das Lager wecken.</p><p>Um mir eine g�nstige Ausgangsposition am Ende der breiten Passage zu schaffen, setzte ich meine Kaiila wieder in Bewegung; das sich straffende Seil zerrte Iwoso wieder in eine liegende Stellung. Unentwegt kreischte sie. Ich hielt es f�r angebracht, die Kaiila zu schneller Gangart anzutreiben, schon um sie davon zu �berzeugen, da� ich besorgt sei. Hier und dort kamen Gelbmesser-Krieger aus ihren Zelten.</p><p>Am Ende des breiten Weges lie� ich die Kaiila erneut halten. Von hier vermochte ich in die Nacht zu entkommen.</p><p>�Bitte sei still, Lady Iwoso!� rief ich nach hinten.</p><p>Sie verhielt es wie erwartet f�r angebracht, meine Empfehlung zu mi�achten, so wohlmeinend sie auch gewesen war.</p><p>Etliche M�nner liefen auf uns zu. Mehr Sorgen machten mir jene, die ich nicht sehen konnte, die vielleicht schon hinter ihren Zelten auf Kaiilar�cken sprangen.</p><p>Andere M�nner und Frauen verharrten in der N�he ihrer Zelte, als versuchten sie zu ergr�nden, was geschehen sei. Ich lie� Iwoso noch einige Augenblicke schreien; zu meiner Freude schien sie nicht nur Hilfe herbeirufen zu wollen, sondern l�ngere Ausf�hrungen zu machen. Offensichtlich wollte sie den Gelbmessern etwas Wichtiges mitteilen. Ich beherrschte die Gelbmessersprache nicht, glaubte aber ziemlich sicher zu wissen, wie ihre Botschaft aussah. Es war eine Nachricht, die sie unbedingt loswerden wollte, denn damit hoffte sie das Fundament f�r ihre sp�tere Befreiung zu legen.</p><p>�Jetzt reicht�s, Lady Iwoso�, sagte ich auf Kaiila zu ihr und warf mit einer vielleicht etwas �bertriebenen Geste die Robe zur Seite, die ich getragen hatte. Ich hatte Gl�ck � sie landete auf einem Gelbmesser, der mich von der Seite angreifen wollte, und lie� ihn zu Boden gehen. Ich pre�te meiner Kaiila die Hacken in die Flanken und lie� sie losgaloppieren. Ein Gelbmesserkrieger st�rzte sich auf Iwosos Sack, erreichte sein Ziel aber nicht mehr und fiel in den Staub. Einige Meter entfernt verhielt ich mein Tier erneut. Im Lager herrschte ein lautes Durcheinander. Ich h�rte Wutgeschrei. M�nner liefen hin und her. Nun ritt ich weiter in die Nacht. Ich hatte keine Zeit mehr. Ich mu�te zwei Frauen abliefern, die eine an Cuwignaka, die andere an Hci.</p><p>Mein Ziel war ein erh�hter flacher Stein. Die �bergabe hatten wir mehrmals mit Mira ge�bt. Normalerweise h�tte ich keine Chance gehabt, Gelbmesser-Kaiilas davonzugaloppieren, auf keinen Fall mit einem so geringen Vorsprung und so schweren Lasten.</p><p>Ich vernahm Geschrei hinter mir. Die Verfolger waren n�her, als mir lieb sein konnte.</p><p>Wenige Ehn sp�ter erreichte ich den Felsen und trieb die Kaiila den Hang hinauf. Ihre Hufe rutschten, aber dann fand sie Halt und erreichte die Gipfelplattform, die etwa vierzig Fu� h�her lag als die umgebende Pr�rie.</p><p>Drei volle Monde standen am Himmel.</p><p>Ich stieg ab und zerrte die beiden Sklavens�cke zu mir hoch. Ich l�ste das lange Seil vom Sattelknopf und zerschnitt es in der Mitte. Einen Teil zog ich durch die Schlaufe von Bloketus Sack, band die Enden zusammen und zog die Schlinge als zwei parallele Doppelschlaufen aufw�rts. Die gleiche Vorbereitung traf ich bei Iwosos Sack.</p><p>Die f�hrenden Gelbmesserreiter hatten angehalten. Sie schienen unsicher zu sein, wohin ich geritten war. Vielleicht hatten sie eine fremde Spur gekreuzt. Andere Reiter, die aus dem Dorf nachr�ckten, schlossen sich der Gruppe an.</p><p>Ich suchte den Himmel ab. Von Cuwignaka oder Hci war noch nichts zu sehen.</p><p>Ich schaute auf Iwoso hinab, die hilflos vor mir lag.</p><p>�Dir scheint der Knebel zu fehlen�, sagte ich.</p><p>Sie blieb still. Hatte sie mich nicht dazu verleitet, ihr den Knebel zu lockern, und sich damit die Gelegenheit verschafft, das Lager zu alarmieren? Kein Wunder, da� sie stumm blieb, wu�te sie doch, da� sie hier und jetzt gegen meinen Zorn nichts ausrichten konnte.</p><p>Die Reiter setzten ihren Weg fort und schrien pl�tzlich auf. Sie hatten den n�herkommenden Tarn beinahe im gleichen Moment entdeckt wie ich.</p><p>Cuwignaka kam als erster. Vom Sitzgurt seines Reittiers baumelte ein gro�er Holzhaken.</p><p>�Du kannst die Verfolger schon h�ren�, sagte Iwoso in diesem Augenblick. �Bald sind sie hier. La� mich frei. Du kannst nicht fliehen.�</p><p>Ich hob Bloketu hoch und hielt die Doppelschlaufe mit der rechten Hand bereit.</p><p>�Was tust du?� fragte Iwoso.</p><p>Ich antwortete nicht und behielt den n�herkommenden Tarn im Auge.</p><p>�La� mich frei!� forderte Iwoso. �Du kommst hier niemals weg!�</p><p>Urpl�tzlich schien sich Cuwignakas Tarn auf uns zu st�rzen. Er kam mit gro�em Tempo herbei. Der Holzhaken war nur noch vier oder f�nf Fu� von der Felsfl�che entfernt. Erstaunt schrie Iwoso auf. Ich warf die Doppelschleife �ber den Haken. Bloketu wurde fortgerissen und in die Luft geschwenkt.</p><p>�Nein, nein!� kreischte Iwoso.</p><p>Ich zerrte sie hoch. Mit entsetzt geweiteten Augen starrte sie mich an. Im n�chsten Moment hatte ich die Schlaufe ihres Sklavensacks �ber den Haken an Hcis Tarn geschoben, und ihr Schrei verhallte in der Ferne, so schnell wurde sie fortgezerrt.</p><p>Verbl�fft starrten die Gelbmesser in den Himmel. Ich hoffte, da� Canka ebenfalls bald auftauchen w�rde.</p><p>Einer der Verfolger deutete auf mich. Ich befand mich noch auf dem hohen Felsen. Zwei oder drei Krieger trieben ihre Tiere an.</p><p>Ich machte kehrt. Cankas Kampfvogel fegte herbei, dichtauf gefolgt von meinem Tarn, den er an einem Z�gel mitf�hrte. Ich h�rte Tarnkrallen �ber das Gestein scharren, streckte die H�nde aus und schob meine Arme in das Netzgeflecht, das am Sitzgurt befestigt war. Der dicht �ber die Felsfl�che dahinhuschende Tarn ri� mich von den F��en und hob mich mit wirbelnden Fl�geln in die Luft. Nachdem ich wieder zu Atem gekommen war, kletterte ich am Netz auf den R�cken des Tarn und nahm dort meinen Platz ein. Canka stie� einen Gl�ckwunsch-Schrei aus und schleuderte mir den Z�gel zu; ich rollte ihn ein und steckte ihn unter den Sitzgurt. Cuwignaka und Hci waren schon weit vorausgeflogen. Ich beschrieb einen gro�en Kreis und schaute zur�ck. Etliche Gelbmesserkrieger hatten inzwischen das kleine Felsplateau erreicht.</p><p>Ich zog den Tarn herum, um meinen Freunden zu folgen.</p><p>Gewi�, wir hatten eine Kaiila geopfert, aber das war sicher ein geringer Preis f�r Iwoso.</p><p>Ich schaute in den herrlichen Himmel mit seinen Monden und Wolken und stimmte ein Kriegerlied aus Ko-ro-ba an.</p><p>Als ich mich nach einiger Zeit umschaute, gewahrte ich einen anderen Umri� am Himmel. Er befand sich zwei- oder dreihundert Meter entfernt, schr�g rechts hinter mir. Es war ein gro�er schwarzer Tarn. Ich zog meinen Reitvogel herum, um dem Tier entgegenzufliegen. Wir umkreisten einander. Dann lie� ich meinen Tarn auf der Pr�rie landen. Der andere Tarn setzte in der N�he auf.</p><p>�Sei gegr��t, alter Freund!� sagte ich. �Wir haben uns lange nicht gesehen.�</p></section><section><title><p>39</p></title><p>�Oh!� seufzte Iwoso zusammenfahrend, als ich die Knoten enger zog und sie unl�sbar mit dem dicken Pfosten verband. �Ich bin eine freie Frau!� protestierte sie. �Es geh�rt sich nicht, da� ich an einen Pfahl angebunden bin!�</p><p>�Hci hat es so entschieden�, sagte ich.</p><p>�Hci?� rief sie. �Mit welchem Recht hat er diesen Befehl gegeben?�</p><p>�Er hat dich gefangen.�</p><p>�Oh!� rief sie erschrocken.</p><p>Es gab insgesamt zwei Pfosten, die tief in einen Ri� des Ratsfelsens gekeilt worden waren, dicht am Abgrund. Von den Pf�hlen vermochte man pasangweit �ber die Pr�rie zu schauen, die sich einige hundert Fu� tiefer erstreckte; der Blick schweifte vor allem nach Westen. Da sich die Pfosten dicht am Hang befanden, erm�glichten sie zugleich einen guten Ausblick auf den Hauptweg, der sich steil und schmal zum Gipfel emporwand.</p><p>Bloketu, ebenfalls nackt, stand bereits gefesselt am zweiten Pfahl.</p><p>Die M�dchen hatten nicht nur das gesamte Panorama vor sich, sondern konnten auch von unten vom Weg gut gesehen werden.</p><p>�Welchem Umstand verdanken wir dieses au�erordentliche Privileg?� fragte Iwoso leichthin. �Dies ist doch mal etwas anderes als die abgestandene Luft in unserem Gef�ngniszelt.�</p><p>�Heute�, sagte ich, �soll �ber euch geurteilt werden.�</p><p>Bloketu wand sich wimmernd in den Fesseln, und auch Iwoso war unbehaglich zumute.</p><p>�Krieger, bring mir eine Kaiila!� fl�sterte sie. �Hilf mir fliehen! Ich verschaffe dir gro�en Reichtum bei den Gelbmessern!�</p><p>Sie hatte mich �Krieger� genannt, obwohl ich noch Cankas Kragen trug, obwohl ich noch Sklave war. Ich musterte das M�dchen absch�tzend. �Tut mir leid�, sagte ich schlie�lich, �aber meine Sympathien liegen auf Seiten der Kaiila.�</p><p>Zornig blickte sie mich an. �Ungeheuer!� fauchte sie. �Sleen!�</p><p>Ich wandte mich ab.</p><p>�Oh, Krieger, Krieger!� rief sie verzweifelt.</p><p>�Ja?�</p><p>�Wie l�uft die Ratsversammlung?� wollte sie wissen.</p><p>�Welche Ratsversammlung?� fragte ich.</p><p>�Na, die gro�e Versammlung der Kaiila, aller �berreste der Kaiila-Banden � der Isbu, Casmu, Isanna, Napoktan und Wismahi.�</p><p>�Der Rat?�</p><p>�Der hier und jetzt zusammengetreten ist!�</p><p>�Woher wu�test du davon?� fragte ich.</p><p>�Du sprachst im Lager der Gelbmesser davon, in meinem Zelt.�</p><p>�Oh!�</p><p>�Und glaubst du, ich h�tte nicht all die Zelte gesehen, w�hrend ich vorhin zum Pfahl gebracht wurde?�</p><p>�Vermutlich macht es nichts mehr, da� du Bescheid wei�t, da du gefangen bist�, sagte ich. �Nat�rlich w�re es nicht ratsam, wenn die Ungeheuer davon erf�hren oder die wei�h�utigen S�ldner oder die Gelbmesser oder Kinyanpi.�</p><p>�Nein�, sagte sie, �denn sie k�nnten euch hier umzingeln und auf dem Ratsfelsen belagern.�</p><p>�Nur gut�, sagte ich, �da� unsere Versammlung ein wohlgeh�tetes Geheimnis ist, von dem unsere Feinde keine Ahnung haben.�</p><p>�Ja�, sagte sie, �sonst k�nnte hier die Arbeit, die am Sommerlager begonnen wurde, m�helos beendet werden: mit der totalen Vernichtung des Kaiila-Stammes.�</p><p>�Zum Gl�ck k�nnen unsere Feinde nicht wissen, wo wir sind.�</p><p>�Wir trugen tagelang unsere Sklavenhauben�, sagte Iwoso, �und wissen nicht, wieviel Zeit vergangen ist. K�nntest du einer armen freien Frau nicht sagen, welchen Tag wir heute haben, h�bscher Krieger?�</p><p>�Sicher kann es nichts schaden�, antwortete ich. �Wir haben heute den letzten Tag des Canwapegiwi.�</p><p>�Ah!� rief sie erfreut.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Hatte sie die Staubfahne noch nicht bemerkt? Seit gut einer Viertel-Ahn war sie im Westen auszumachen. Unsere Kundschafter beobachteten die wei�h�utigen Soldaten und die Gelbmesser seit vier Tagen, seit sie den N�rdlichen Kaiila �berquert hatten.</p><p>�Du scheinst dich zu freuen�, sagte ich.</p><p>�Ach, nichts�, sagte sie.</p><p>Glaubte sie wirklich, sie w�re rein zuf�llig an diesem Morgen an den Pfahl gebunden worden, am letzten Tag des Canwapegiwi?</p><p>Unauff�llig begann Iwoso nun das unter uns liegende Terrain zu mustern.</p><p>�Suchst du etwas?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete sie hastig und richtete den Blick auf mich.</p><p>Ich wandte mich von ihr ab und begann ein Seil aufzurollen. Dabei trat ich langsam hinter Iwoso und beobachtete sie aus den Augenwinkeln. Wie erwartet blickte sie forschend �ber die Ebene.</p><p>Pl�tzlich bemerkte ich eine Bewegung ihres K�rpers. Ich war sicher, da� sie den Staub gesehen hatte.</p><p>�Bist du sicher, da� es da unten nichts zu sehen gibt?� fragte ich und trat hinter sie.</p><p>�Nein!� rief sie. �Nein!�</p><p>�Ich wei� nicht recht�, sagte ich nachdenklich und schaute �ber die Pr�rie.</p><p>�Bin ich nicht h�bsch, Krieger?� fragte sie.</p><p>Ich drehte mich zu ihr um. Unter meinem Blick erschauderte sie.</p><p>�Ja�, sagte ich und tat, als wollte ich mich wieder der Pr�rie zuwenden, auf der die Staubwolke schnell gr��er wurde.</p><p>�Schau mich an, h�bscher Krieger!� flehte sie. �Du wei�t, du kannst mit mir tun, was du willst. Schau mich an!�</p><p>�Warum?�</p><p>�Wei�t du das nicht?� fragte sie l�chelnd und dr�ngte ihren K�rper in meine Richtung. �Ich bin eine Frau. Ich m�chte ber�hrt und geliebt werden.�</p><p>�Oh?� sagte ich. �Du redest wie eine Sklavin.�</p><p>�Ja, vielleicht begreife ich in diesem Moment etwas von dem, was es bedeutet, eine hilflose Frau zu sein, die ihren Herrn anfleht, ihr Freuden zu bereiten.�</p><p>�Verstehe ich das richtig, da� du mir am Pfahl dienen willst � als Sklavin?�</p><p>�Ja�, schnurrte sie, schlo� die Augen und sch�rzte die Lippen.</p><p>�Gelbmesser!� ert�nte pl�tzlich ein Schrei. �Gelbmesser!� wurde gebr�llt. M�nner liefen durcheinander. Jeder kannte seine Position und Aufgaben genau. In den letzten Tagen hatten wir diese Abl�ufe oft ge�bt.</p><p>Wir schauten �ber die Pr�rie nach Westen. Kaum einen Pasang entfernt, ganz offen reitend, galoppierten Gelbmesser mit flatternden Federn auf den Ratsfelsen zu, eine riesige Staubwolke aufwirbelnd.</p><p>�Ihr seid �berrascht!� rief Iwoso begeistert. �Jetzt werdet ihr alle sterben! Ihr seid verloren! F�r euch gibt es keine Flucht mehr! Ihr sitzt auf dem Ratsfelsen in der Falle!�</p><p>�Es l�uft wie geplant�, sagte Hci, der mit Cuwignaka herbeigeeilt war.</p><p>�Ja�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Ihr k�nnt nicht mehr fliehen!� rief Iwoso freudig. �Nun ist es aus mit euch, ihr Kaiila-Sleen!�</p><p>Unter uns vermochte ich nur Gelbmesser zu erkennen, war aber davon �berzeugt, da� Alfred, der S�ldnerhauptmann aus Port Olni, mit den Resten seiner Truppe, die ich auf etwa dreihundert Kavalleristen sch�tzte, nicht weit sein konnte. Zweifellos wollte er die Gelbmesser den ersten Angriff reiten lassen, um den st�rksten Widerstand zu brechen; auf diese Weise schonte er seine eigenen M�nner. Die Gelbmesser hatten sicher nichts gegen diesen Plan; ihnen ging es darum, die Kaiila auszul�schen.</p><p>�Bald werden sie unten am Weg stehen!� rief Iwoso. �Dann ist euch der Fluchtweg abgeschnitten!�</p><p>Mahpiyasapa, der Zivilh�uptling der Kaiila, eilte an uns vor�ber. Ihm folgte der ber�hmte Kahintokapa, Anf�hrer der Gelben Kaiila-Reiter von den Casmu.</p><p>�Wi�t ihr nicht, wie man euch gefunden hat?� rief Iwoso und weinte beinahe vor Freude. �Das ist mein Werk! Ich habe es ihnen gesagt! In meinem Zelt h�rte ich, wie dieser t�richte Sklave Ort und Zeit der Ratsversammlung nannte. Ich brachte ihn dazu, meinen Knebel zu lockern, und ehe er mich aus dem Lager schaffen konnte, befreite ich mich davon und informierte mein Volk von eurem Vorhaben!�</p><p>�Es geschah mit Absicht, da� Tatankasa in deinem Zelt von der Versammlung sprach�, sagte Hci.</p><p>�Au�erdem�, fiel Cuwignaka ein, �entsprach es unserem Plan, dir den Knebel zu lockern.�</p><p>�Damit du deinem Volk zubr�llen konntest, was du von unseren Pl�nen wu�test!� rief Hci.</p><p>�Noch eben habe ich euch erneut hereingelegt�, sagte sie, �indem ich diesen Sklaven davon abhielt, den Staub der anr�ckenden Krieger zu erkennen!�</p><p>�Der Staub�, sagte ich, �war schon sichtbar, als er dir noch gar nicht aufgefallen war, lange bevor dir dein raffiniertes Ablenkungsman�ver einfiel.�</p><p>�Und du lie�est mich trotzdem gew�hren?�</p><p>�Es war h�bsch zu sehen, wie du sexuelle Bed�rfnisse vort�uschtest�, sagte ich.</p><p>�Die Gelbmesser st�rmen zielstrebig heran�, sagte Cuwignaka. �Zweifellos hatten sie Angst, es k�nnte jemand entkommen.�</p><p>�Sie sind schon am Fu�e des Weges!� rief Iwoso schluchzend. �Ihr k�nnt nicht mehr entkommen! Ihr seid verloren!�</p><p>Und wirklich � die Gelbmesser ritten am Fu� des Weges, der zum Gipfel des Ratsfelsens emporf�hrte, wild durcheinander. Dieser Weg ist zwischen f�nf bis zehn Fu� breit. Einige Krieger trieben ihre Reittiere bereits den Pfad herauf, zweifellos in dem Bem�hen, als erste Coups zu sammeln. Andere wendeten ihre Kaiila hierhin und dorthin und k�mpften gestikulierend um eine Position auf der schmalen Schr�ge.</p><p>�Ich habe sie hergerufen!� jubilierte Iwoso.</p><p>Ich hielt es nicht f�r klug von den Gelbmessern, ihre Kaiila in solchen Zahlen auf einen so engen Weg zu schicken. Gewi�, sie waren kampflustig, und manchmal ist es schwer, einen roten Wilden von seiner Kaiila zu trennen. Trotzdem w�re in dieser Lage ein Angriff zu Fu� besser gewesen � aber die Gelbmesser w�rden noch eine Weile brauchen, um dieses taktische Gebot einzusehen. Den Hangweg hatten wir jedenfalls hier und dort sehr verengt, um unseren Gegnern den Aufstieg zu erschweren.</p><p>�Es ist aus mit euch, Kaiila-Sleen!� rief Iwoso. �Ihr werdet alle umkommen � mit Frauen und Kindern!�</p><p>�In diesem Lager gibt es keine einzige Frau und kein einziges Kind�, sagte Hci.</p><p>�Wie? Und was ist mit all den Zelten?�</p><p>�Die sind meistens leer�, antwortete Hci. �Unsere Frauen und Kinder befinden sich an einem anderen Ort in Sicherheit.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du damit sagen willst.�</p><p>�Dies ist ein Kriegerlager.�</p><p>�Aber die Ratsversammlung?�</p><p>�Die hat es nie gegeben�, sagte Hci.</p><p>�Aber was macht ihr dann hier?� fragte Iwoso.</p><p>�Wir warten auf die Gelbmesser.�</p><p>�Wir beobachten sie schon seit vier Tagen�, warf Cuwignaka ein.</p><p>�Du hast deine Rolle gut gespielt, deinen Anteil an unseren Pl�nen�, rief Hci.</p><p>�Ich verstehe das nicht!�</p><p>�Wir haben dich gelenkt, get�uscht, hereingelegt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Ohne es zu ahnen, bist du so gehorsam wie eine Sklavin gewesen�, sagte Hci.</p><p>�Nein!� rief Iwoso und wand sich in den Fesseln.</p><p>�Hast du die Gelbmesser nicht hergeholt?� fragte Hci.</p><p>�Ja!�</p><p>�Du hast sie in eine Falle gelockt!�</p><p>�Nein!�</p><p>Zweihundert Meter unter uns ert�nte der Schrei einer Kaiila. Zwei Tiere glitten strampelnd �ber den Wegrand in den Abgrund; �bereinander wirbelnd st�rzten sie in die Tiefe.</p><p>�Ich glaube euch nicht!� rief Iwoso. �Es kann nicht sein!�</p><p>�Warum h�tten wir dich wohl hier so gut sichtbar angebunden? Damit du selbst sehen kannst, was du angerichtet hast!�</p><p>�Nein!� rief Iwoso.</p><p>�Au�erdem hoffen wir, da� die Gelbmesser, wenn sie dich als hohe Frau ihres Stammes hier angebunden sehen, in wilden Zorn geraten.�</p><p>Eine weitere Kaiila wieherte und st�rzte tief unter uns ab.</p><p>Vier oder f�nf Gelbmesser galoppierten nun nebeneinander her auf dem Weg, der etwa hundert Fu� rechts von uns endete.</p><p>Doch ehe diese Vorhut den eigentlichen Gipfel erreichte, wurde ein Gebilde aus Balken und angespitzten H�lzern in seine Position geschoben. Die zwischen den Balken verankerten Spitzen waren wie riesige Holzsterne zusammengebunden. Wiehernde Kaiila, die nicht mehr rechtzeitig anhalten konnten, spie�ten sich hilflos auf. Auf den Spitzen festsitzend, von hinten weiter bedr�ngt, f�llten sie die Luft mit Schreckenslauten, b�umten sich auf, warfen ihre Reiter ab und bissen auf Artgenossen ein. Weitere Kaiila st�rmten von hinten heran, prallten auf die festsitzende, blutige Masse. Reiter rutschten kreischend zwischen Tieren zu Boden. Weitere Kaiila dr�ngten nach. Dutzende von Tieren und Reitern wurden vom Weg geschoben und st�rzten den steilen Hang des Ratsfelsens hinab.</p><p>Ich sah einen der Kriegsh�uptlinge der Gelbmesser, den ich aus dem Sommerlager kannte, mitsamt seiner Kaiila in die Tiefe st�rzen. Immer neue Gelbmesser, die keine Ahnung hatten, was �ber ihnen passierte, versuchten auf dem schmalen Pfad nach oben durchzubrechen. K�mpfer versuchten vom gef�hrlichen Abgrund fortzukommen und stachen dabei sogar auf Stammesgenossen ein.</p><p>Das Geschrei von Menschen und Tieren zerri� die Luft. Lanzen zerbrachen an der Felswand und der Barrikade. M�nner, die zwischen den in Panik geratenen Tieren hindurchkriechen wollten, wurden zertrampelt. Andere Reiter sahen ein, da� ein Vorankommen unm�glich war, und versuchten zu wenden; mit diesem Man�ver dr�ckten sie weitere Aufr�ckende in die Tiefe. Befehle wurden gebr�llt, und ich sah, wie Kriegsst�be sich bewegten. Ihre Zeichen waren aber auf dem gewundenen Weg kaum auszumachen. Der ganze Pfad schien nun voller Gelbmesser zu sein: eine ideale Falle, auf einer Seite eine unerklimmbare Felswand, auf der anderen ein t�dlicher Abgrund.</p><p>�Nein!� schrie Iwoso bei diesem Anblick. �Nein!�</p><p>In diesem Augenblick wurden einige Zelte unseres Lagers umgeworfen, und M�nner zerrten kleine Transportgestelle hervor, die mit Steinen beladen waren. Andere begannen gr��ere Felsen auf den Rand des Abgrunds zuzurollen.</p><p>Bis jetzt hatten wir noch keinen Streich ausgeteilt; gleichwohl sch�tzte ich die Verluste des Gegners bereits auf gut hundertundf�nfzig: Opfer jenes steilen Weges. Nun begann der t�dliche Steinhagel; die gr��eren oder kleineren Geschosse konnten ihre Ziele gar nicht verfehlen. Sie trafen wuchtig auf das Gewirr der Tiere und Menschen hier und dort auf dem Weg. Einige gr��ere Steine taten ihr Werk sogar mehr als einmal; sie fegten M�nner oder Kaiila vom Pfad und polterten dann weiter den Hang hinab, um auf einer tiefer liegenden Wegkehre weitere Verw�stung anzurichten.</p><p>Die Gelbmesser hoben ihre Schilde, was ihnen aber nicht viel n�tzte, weil die st�rzenden Brocken eine zu gro�e Durchschlagskraft entwickelten. M�nner wurden vom R�cken ihrer Kaiila gesto�en. Tiere gerieten v�llig in Panik.</p><p>Entsetzt beobachtete Iwoso die Szene.</p><p>Das verzweifelte Schrillen der Kriegspfeifen vom unteren Teil des Weges hatte endlich die gew�nschte Wirkung. Langsam r�ckten Gruppen von Gelbmessern zur�ck und erm�glichten es den weiter oben festsitzenden Kampfgenossen, sich langsam zu l�sen. Steinsalven und Felsbrocken machten ihnen den R�ckzug allerdings schwer.</p><p>Die Barrikade am oberen Ende des Weges wurde sogar kurz zur Seite geschoben, um einen ganz besonders gro�en Felsbrocken hindurchzulassen. Dieser rollte den Weg hinab. Die Nachhut der zur�ckweichenden Angreifer sah die Masse Gestein unaufhaltsam auf sich zupoltern. Der Felsbrocken fegte etwa zw�lf Mann mit in die Tiefe, h�pfte die Felswand hinab und landete mit unglaublicher Wucht inmitten herumwirbelnder Gelbmesser auf der Pr�rie am Fu�e des Berges.</p><p>Iwoso blickte Hci von der Seite an.</p><p>Die Steine waren in den letzten Tagen gesammelt und auf den Ratsfelsen gebracht worden. Hiervon hatten die M�dchen in ihrem Gef�ngniszelt nat�rlich nichts mitbekommen.</p><p>�Der Weg wird ger�umt�, sagte Cuwignaka. �Meinst du, sie ziehen sich zur�ck?�</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>�Wo stecken die Soldaten?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Sie m�ssen irgendwo sein.�</p><p>�Schau�, sagte Hci und deutete nach unten.</p><p>Ein einzelner Gelbmesser mit bemaltem Oberk�rper und einem Kranz aus Herlitfedern auf dem Kopf lenkte seine Kaiila den Weg herauf.</p><p>�Ein mutiger Mann�, sagte Cuwignaka.</p><p>Kurze Zeit sp�ter ritt der Reiter, seine Medizin singend, unter uns vorbei. Er verzichtete darauf, seinen Schild zu heben.</p><p>�Ich erkenne ihn�, sagte Cuwignaka. �Er ist einer der Kriegsh�uptlinge, die mit Watonka verhandelt haben.�</p><p>�Richtig�, antwortete ich. Drei solcher H�uptlinge waren im Kaiila-Lager gewesen. Einer war beim ersten Angriff gefallen.</p><p>Mahpiyasapa gab keinen Schie�befehl. Damit respektierte er nicht nur den Mut des Mannes, sondern gestattete ihm auch, die Lage auszukundschaften. Die Gelbmesser sollten zu einer bestimmten Form des Angriffs ermutigt werden.</p><p>Wenige Meter vor der blutigen Barriere z�gelte der Mann seine Kaiila.</p><p>Dann wendete er sein Tier ohne Eile und verhielt in der Bewegung. Er hatte die M�dchen an ihren Pf�hlen entdeckt. W�hrend er Bloketu kaum beachtete, verweilte sein Blick eine Weile auf Iwoso. Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Langsam, Medizin singend, setzte er dann seinen Abstieg fort.</p><p>�Er ist w�tend! Ausgezeichnet!� Hci wandte sich an Iwoso. �Sie werden nun besonders heftig k�mpfen, um dich zu retten!�</p><p>Vergeblich b�umte sich das M�dchen in den Fesseln auf.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie noch einmal beritten angreifen werden�, sagte Cuwignaka, und er sollte recht behalten.</p><p>Etwa eine Ahn sp�ter, zur Mittagszeit, entdeckten wir drei- bis vierhundert Gelbmesser, die langsam zu Fu� den Pfad erklommen.</p><p>�Jetzt ist es um euch geschehen�, sagte Iwoso.</p><p>Zur Verteidigung verf�gten wir nur �ber etwa zweihundert Mann, alles was wir nach der Schlacht um das Sommerlager an versprengten Bandengruppen hatten finden k�nnen.</p><p>�Die Gelbmesser sind in der �bermacht!� rief Iwoso begeistert. �Sie werden eure Barriere erst�rmen, die Verteidiger niederk�mpfen und dann euch t�ten!�</p><p>�Ich glaube nicht, da� einer von ihnen die Barriere erreicht�, sagte Hci zuversichtlich.</p><p>�Was meinst du damit? Was tut ihr?� rief Iwoso und versuchte um den Pfahl nach hinten zu schauen, was ihr wegen der Fesselung nicht gelang.</p><p>Aus Zelten, die am Rand des Abgrunds standen, wurden weitere Transportgestelle geholt, auf denen riesige Pfeilb�ndel lagen, Hunderte von Pfeilen in jedem Gebinde. Viele Pfeile waren nicht gut ausgearbeitet, den meisten fehlten sogar Spitzen und Leitfedern. Doch auf kurze Distanz von den starken B�gen der Wilden abgefeuert, konnten sie gleichwohl gef�hrlich werden. Krieger, Frauen und Kinder hatten viele Tage gebraucht, sie zu fertigen.</p><p>�Du mu�t nicht nur an die Zahl der Krieger denken, Iwoso�, sagte ich, �sondern auch an die Schu�kraft.�</p><p>Erstaunt blickte sie auf eines der riesigen Pfeilb�ndel, das neben ihr abgeladen wurde.</p><p>�Manchmal�, fuhr ich fort, �gibt es kaum einen Unterschied zwischen zehn M�nnern, die jeweils einen Pfeil besitzen, und einem Mann, der zehn Pfeile verschie�en kann.�</p><p>Hci und Cuwignaka machten ihre B�gen schu�bereit.</p><p>Auf Mahpiyasapas Kommando sirrten Hunderte von Pfeilen talw�rts. Im Nu waren die Schilde der Gelbmesser von Pfeilen gespickt, doch boten die kleinen Fl�chen kaum Schutz. So mu�ten die Gelbmesser schnell erkennen, da� sie keinem gew�hnlichen Pfeilhagel ausgesetzt waren, einem Schauer, der schnell vor�berging, sondern etwas Neuem, einer gef�hrlichen Erfahrung. Einer der M�nner verlor prompt die Nerven und ergriff die Flucht, und man lie� auch noch die n�chsten beiden fliehen. Dies ermutigte die Gelbmesser, und die ganze Horde machte kehrt; auf dem Weg wimmelte es pl�tzlich von M�nnern, die nur noch an Flucht dachten. Sie gaben ausgezeichnete Ziele ab.</p><p>�Siehst du die Gelbmesser?� wandte sich Hci an Iwoso. �Sie fliehen wie Urts.�</p><p>�Du bist schrecklich!� tobte Iwoso. �Keine Frau k�nnte dich je lieben. Ich hasse dich! Ich hasse dich!�</p><p>�Was werden die Gelbmesser deiner Ansicht nach jetzt tun?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Ich glaube, sie werden ein Lager aufschlagen und unsere Position �berpr�fen.�</p><p>�Ich wollte lieber sterben, ehe ich deine Sklavin w�rde!� rief Iwoso schluchzend.</p><p>�Dort sind Alfred und seine Offiziere�, sagte ich und deutete mit dem Finger. �Zweifellos erhalten sie soeben einen umfassenden Lagebericht.�</p><p>�Siehst du die Ungeheuer?� wollte Cuwignaka wissen.</p><p>�Wahrscheinlich halten sie sich mit den S�ldnern im Hintergrund�, erwiderte ich. �Schau!� f�gte ich hinzu. �Sie gehen auf Patrouille. Das h�tte schon l�ngst passieren m�ssen.�</p><p>Alfred, seine Offiziere und mehrere Gelbmesser ritten langsam nach S�den.</p><p>�Sie werden unsere Position genau erkunden�, sagte Cuwignaka.</p><p>Ich nickte. Kurze Zeit sp�ter bogen die Reiter nach Osten ab und begannen unsere Position zu umreiten. Alfred, der ein guter Soldat war, w�rde sich gr�ndlich orientieren.</p><p>�Die Gelbmesser haben gro�e Verluste erlitten�, sagte Hci. �Ich f�rchte fast, sie werden sich zur�ckziehen.�</p><p>�Ich nehme es nicht an�, sagte ich. �Inzwischen sind ja die Soldaten zur Stelle. Au�erdem d�rfen wir ihr Vertrauen in die Ungeheuer nicht vergessen.�</p><p>�Ich habe von Anfang an meine Bedenken gehabt�, sagte Hci. �Welchen Wert hat eine Falle, aus der sich der in der Falle Sitzende zur�ckziehen kann?�</p><p>�Ohne fremde Hilfe k�nnen wir diese Falle nicht schlie�en�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Vielleicht kommen sie ja gar nicht�, sagte Hci.</p><p>�M�glich�, meinte Cuwignaka.</p><p>�Wovon redet ihr?� fragte Iwoso.</p><p>Ich wandte mich zu ihr um. �Wir sind nicht die Falle�, sagte ich, �sondern der K�der.�</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte sie.</p><p>Hci trat vor sie hin. �Wenn sie sich zur�ckziehen, m��test du alle Hoffnungen fahren lassen.�</p><p>�Und was w�rde dann mit mir geschehen?� fragte sie.</p><p>�Du bist ziemlich h�bsch. W�rdest du gern meine Sklavin sein?�</p><p>�Keine Frau k�nnte dich lieben! Ich k�nnte niemals deine Sklavin sein. Eher w�rde ich sterben!�</p><p>Er hob die Hand an die Seite ihres Gesichts.</p><p>�Fa� mich nicht an!� fauchte sie.</p><p>Seine Hand verharrte einen Zoll von ihrer Wange entfernt und ber�hrte sie dann leicht.</p><p>Ein Schaudern durchlief sie, eine Reaktion, die ihren ganzen K�rper erfa�te, vom Kopf bis zu den Zehen.</p><empty-line/><p>�Glaubst du, die Gelbmesser greifen heute noch einmal an?� fragte Cuwignaka sp�ter.</p><p>�Ich nehme es nicht an.�</p><p>Von Zeit zu Zeit blickte ich zu Iwoso hin�ber, die anscheinend den Blick nicht mehr von Hci losrei�en konnte. Sie war seine Sklavin. Ich fragte mich, ob ihr diese Erkenntnis bereits gekommen war.</p><p>�Dort ist der wei�e Offizier�, sagte Cuwignaka. �Anscheinend hat er seinen Rundritt beendet.�</p><p>Tief unter uns kehrten Alfred und seine Begleiter ins Lager der Gelbmesser zur�ck.</p><p>�Hat er Schw�chen in unserer Verteidigungsstellung gefunden?� fragte Cuwignaka.</p><p>�Er wird es sich jedenfalls einbilden�, sagte ich. Auch ich hatte mir den Ratsfelsen aus den verschiedensten Perspektiven genau angesehen; so manches, was sich aus der Ferne als leicht einnehmbar ausmachte, war ein nicht zu �berwindendes Hindernis.</p><p>�Wollen wir hoffen, da� er sich irrt�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Abgesehen von dem Hauptweg�, sagte ich, �f�hrt keine leichte Route auf den Gipfel des Ratsfelsens.�</p><p>�Aber man kann ihn erklettern�, sagte Hci. �Es w�re nicht das erstemal.�</p><p>�Ja�, sagte ich, �aber unsere Feinde werden feststellen, da� das schwierig und gef�hrlich ist.�</p></section><section><title><p>40</p></title><p>Ich sp�rte Cuwignakas Hand an der Schulter und �ffnete die Augen.</p><p>�Die ersten haben den Gipfel beinahe erreicht�, meldete er.</p><p>�Wir lassen einige heraufkommen, um die anderen zu ermutigen�, sagte ich. �Dann schlagen wir zu.�</p><p>Ich lief durch die pechschwarze Nacht und nahm meine Position ein.</p><p>�Entz�ndet die Ballen!� br�llte ich schlie�lich.</p><p>Ganz in meiner N�he schob sich ein Arm �ber die Felskante. Ein verzerrtes Gesicht erschien. Hci stie� den Mann zur�ck und lie� ihn in die Tiefe st�rzen.</p><p>Eine Fackel wurde gebracht. Ihre Flammen lie�en die riesigen Zweigb�ndel auflodern, die wir an der Felskante bereitgestellt hatten. Ihr Licht erhellte die Angreifer, die wie Insekten in den Felsw�nden hingen. Sie waren unseren Angriffen wehrlos ausgesetzt.</p><empty-line/><p>�Ich h�rte Geschrei gestern nacht�, sagte Iwoso. �Oh!� rief sie.</p><p>Ich zog die Fessel an, die sie an den Pfahl band. Neben ihr war Bloketu bereits festgemacht, wie gestern. Die Morgend�mmerung hatte eingesetzt.</p><p>�Was tragen die denn da?� fragte Hci und schaute in die Tiefe.</p><p>�Sieht aus wie gro�e Schutzschilde�, antwortete ich. �Wahrscheinlich aus �sten und Leder gefertigt. Solche Gebilde konnten den gr��ten Teil unserer Pfeile ablenken.�</p><p>�Einige Soldaten r�cken mit vor�, stellte ich fest.</p><p>�Ja�, sagte Hci.</p><p>�Siehst du irgendeine Spur von den Ungeheuern?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�La� mich frei!� forderte Iwoso. �Eure Position ist unhaltbar, zumal jetzt S�ldner mit angreifen. Erbittet das Privileg, euch ergeben zu d�rfen. Vielleicht behalten dann einige von euch das Leben.�</p><p>�Was hat denn Iwoso heute fr�h?� fragte Hci.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie den Verstand verloren hat�, sagte ich. �Vielmehr habe ich das Gef�hl, da� sie gestern gezwungen war, einen Blick in ihr tiefstes Inneres zu werfen und dort Dinge entdeckte, die ihr Angst machen. Jetzt versucht sie dagegen anzuk�mpfen. Sie ist nicht bereit, diese erstaunlichen, alarmierenden Einsichten zu akzeptieren � heute will sie daf�r um so h�rter erscheinen.�</p><p>�Interessant�, sagte Hci und trat vor Iwoso hin.</p><p>�Sie kommen den Weg herauf�, meldete Cuwignaka.</p><p>Etwa f�nfhundert Gelbmesser und ungef�hr f�nfzig S�ldner r�ckten langsam zum Gipfel vor. Einige hielten die Abschirmung zwischen sich und uns. Andere bewegten sich in diesem Schutz.</p><p>�Die Pr�rie scheint im Westen leer zu sein�, sagte ich.</p><p>�Ja�, antwortete Cuwignaka.</p><p>�Sie passieren die erste Barrikade�, bemerkte Hci. Es war eine Barrikade, die wir gestern weiter unten am Weg in Position gesenkt hatten, um die Umkehr von Kaiila zu erschweren. Sie wurde nicht verteidigt und bildete f�r Infanteristen kein un�berwindliches Hindernis.</p><p>Unsere etwa zweihundert Mann teilten sich in f�nf Gruppen. Zwei dieser Gruppen, jeweils etwa vierzig Mann umfassend, waren in der N�he der Gipfelbarriere stationiert. Eine dieser Gruppen, befehligt von Mahpiyasapa, hatte Verteidigungsaufgaben �bernommen. Angesichts der Enge des Weges konnte diese kleine Truppe einer �bermacht ohne weiteres standhalten. Die zweite Gruppe auf dem Gipfel schien nach au�en hin eine Reserve zu sein, um die Barrikade zu verst�rken, wo immer es n�tig war. In Wirklichkeit aber handelte es sich um eine zweite Angriffsgruppe. Es gab drei andere Gruppen von jeweils vierzig Mann, die ebenfalls besondere Aufgaben zu erf�llen hatten.</p><p>Kurze Zeit sp�ter kamen die Gelbmesser und die S�ldner unter unserer Position vorbei und st�rmten auf die Barrikade los.</p><p>�Mahpiyasapas M�nner halten die Stellung�, sagte Hci.</p><p>Ich nickte. Zumindest eine gewisse Zeit w�rden die Verteidiger keine M�he haben, die Angreifer in Schach zu halten.</p><p>�Die Gegner stehen g�nstig f�r unseren Plan�, sagte ich. �Sie scheinen sich erwartungsgem�� auf die Barrikade zu konzentrieren.�</p><p>Hci, Cuwignaka und ich hasteten am Rand des Abgrunds entlang und schlossen uns einer Gruppe an, die dort bereits auf uns wartete. Hci hob die Hand und senkte sie wieder. Die vierzig Mann unserer Gruppe, zu der auch Cuwignaka und ich geh�rten, packten Seile, die am Rand lagen und von Mitgliedern der vierten Gruppe gehalten wurden, und lie�en sich auf den unter uns vorbeif�hrenden Weg hinab. Dort fielen wir von hinten �ber die Gelbmesser her.</p><p>Die Gegner fuhren erstaunt herum, versuchten sich auf die neue Situation einzustellen.</p><p>�Zur�ck!� br�llte Hci im richtigen Augenblick.</p><p>Hastig liefen wir den Weg hinab.</p><p>Erfreut nahmen die Gelbmesser die Verfolgung auf.</p><p>Im gleichen Moment stieg unsere f�nfte Gruppe f�nfzig Meter hinter uns an Seilen den Hang herab; sie stand unter dem Kommando eines Napoktan-Kriegers namens Waiyeyeca. Die M�nner hatten sich Lanzen auf den R�cken geschnallt. Kaum hatten sie sich mit uns vereint, l�sten sie die Lanzen und stemmten sie schr�g gegen den Boden. Wir machten kehrt und hielten die Position. Nachst�rmende Gelbmesser wurden hilflos gegen die Lanzen gedr�ckt. Mit achtzig Mann hielten wir unsere Position, was auf dem schmalen Weg nicht schwer war. Kn�ppel, Schilde und Messer kamen ins Spiel. �ber die verlassene Barrikade r�ckte unsere zweite Gruppe nach, die sich bisher in Bereitschaft gehalten hatte. Sie trat gegen die Gelbmesser auf dem Weg an, die hoffnungslos in der Klemme steckten, zumal nun noch unsere vierte Gruppe oben am Rand des Abgrunds erschien und mit Pfeilen gezielt auf die Angreifer Jagd machte; diese vierte Gruppe unter dem Kommando Kahintokapas von den Gelben Kaiila-Reitern hatte uns zuvor die Seile gehalten. �brigens diente in dieser Gruppe ein blonder J�ngling, ehemals ein Waniyanpi, der den Namen Wayuhahaka angenommen hatte, �Mann-der-viel-besitzt�.</p><p>Zahlreiche Gelbmesser sahen ihre Unterlegenheit ein und w�lzten sich �ber den Rand und glitten den Felshang hinab. Der eine oder andere mochte diese Flucht sogar �berleben. Es dauerte nicht lange, bis unsere Gruppen die Gegner v�llig verdr�ngt und sich vereinigt hatten. �ber die Seile brachten wir uns wieder auf dem Gipfel in Sicherheit, ehe nachr�ckende Kaiila-Reiter, die untere Barrikade in die Tiefe st�rzend, zu uns aufr�cken konnten. Die Verfolger wurden von einem Pfeilhagel empfangen, dem viele Reiter zum Opfer fielen. Darunter auch der zweite Kriegsh�uptling der Gelbmesser. Er w�rde keine Medizin mehr singen.</p></section><section><title><p>41</p></title><p>�Ich glaube, sie werden zur Mittagszeit vorr�cken�, sagte Cuwignaka.</p><p>Wir schrieben den dritten Tag der Belagerung am Ratsfelsen.</p><p>Gestern nachmittag hatten wir Kinyanpi gesichtet. Gestern nacht hatten wir ein gro�es Feuer entz�ndet, das weit �ber die Pr�rie sichtbar gewesen sein mu�te.</p><p>�Auf sich allein gestellt�, sagte Hci, �h�tten sich die Gelbmesser schon nach dem ersten Tag zur�ckgezogen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, da� die Disziplin der S�ldner bei ihnen noch lange wirken kann.�</p><p>�Sicher haben sie inzwischen die Unterst�tzung der Kinyanpi gewonnen�, sagte ich.</p><p>�Kinyanpi allein gen�gen nicht, um sie wieder vor die Barrikaden zu treiben�, sagte Hci.</p><p>�Du meinst also, es wird nur noch einen gro�en Angriff geben?�</p><p>�Den entschlossensten von allen�, sagte Hci ernst.</p><p>�Und wer w�rde den f�hren?�</p><p>�Nat�rlich die Ungeheuer�, sagte ich.</p><p>�Es ist beinahe Mittag�, sagte Cuwignaka und blickte zum Himmel auf.</p><p>�Ich h�re Trommeln, Medizintrommeln. S�ldner verlassen das Lager. Sie reiten nach S�den.�</p><p>�Interessant�, bemerkte Hci.</p><p>�Dort, ein Kinyanpi!� rief Cuwignaka und deutete in die H�he.</p><p>�Sicher ein Kundschafter�, meinte Hci.</p><p>�Es tut sich etwas im Gelbmesserlager�, sagte ich.</p><p>�Sie kommen.�</p><p>�Wer f�hrt sie an?�</p><p>�Die Ungeheuer�, sagte ich. �Das Ungeheuer, das ganz vorn geht, hei�t Sardak. Dicht bei ihm geht Kog.�</p><p>�Sie sehen gef�hrlich aus�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Bestimmt kommen sie aus der Medizinwelt�, meinte Hci.</p><p>�Sie rechnen damit, da� die Gegner sich ergeben, nur weil sie erscheinen�, sagte Cuwignaka verbittert.</p><p>�Sie bluten und sterben wie Menschen�, sagte ich zu Hci.</p><p>Ein Mann eilte am Rand des Abgrunds auf uns zu. �S�ldner, die sich angeseilt haben, ersteigen die R�ckseite des Bergs!� rief er.</p><p>�Aha, ein koordinierter Angriff�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Dann m�ssen wir bald mit den Kinyanpi rechnen�, meinte ich.</p><p>�Es ist aus mit euch!� rief Iwoso. �Ihr seid verloren!�</p><p>�Schaut!� rief Hci pl�tzlich und deutete nach oben.</p><p>Auf dem Bergpfad h�rten wir das dumpfe Dr�hnen der von den Medizinm�nnern geschlagenen Trommeln. Hinter den Ungeheuern r�ckten die Gelbmesser vor.</p><p>�Schau!� rief Hci.</p><p>Am Himmel war ein Tarn aufgetaucht.</p><p>Mein Herz machte einen Sprung.</p><p>�Wir sind verloren!� rief Hci.</p><p>Ringsum schrien M�nner auf und warfen die H�nde vor die Gesichter.</p><p>Wir duckten uns nieder, um nicht von den Turbulenzen der m�chtigen Fl�gelschl�ge in die Tiefe gerissen zu werden. Und schon war das Monstrum zwischen uns gelandet.</p><p>�Das ist Wakanglisapa!� rief Hci. �Wakanglisapa, der Medizintarn!�</p><p>Langsam n�herte ich mich dem Tier, streckte die Hand aus und ber�hrte seinen Schnabel. Dann nahm ich seinen Kopf in die H�nde und lie� meinen Tr�nen freien Lauf. �Sei gegr��t, Ubar des Himmels!� sagte ich. �Wir sind endlich wieder zusammen!�</p><p>�Im Osten ist eine Wolke aufgetaucht�, meldete ein Mann. �Sie ist klein und schnell.�</p><p>�Das sind die Kinyanpi�, sagte ich. �Mein Freund ist ihnen vorausgeflogen.�</p><p>M�nner schauten sich an.</p><p>�Bringt einen Sitzgurt und Z�gel�, sagte ich. �Und �ffnet die Zelte, die unsere Tarns verh�llen. Wir m�ssen unsere Besucher empfangen.�</p><p>M�nner eilten fort.</p><p>Gestern nacht war auf dem Gipfel des Ratsfelsens ein gro�es Feuer entz�ndet worden � das erste von zehn �hnlichen Signalfeuern. Mit ihrer Hilfe waren im Laufe der Nacht, in Gruppen zu zweit oder dritt, unsere Tarns auf den Ratsfelsen geholt worden, ohne da� unsere Gegner etwas bemerkt h�tten. Wir verf�gten �ber achtzehn Flugv�gel: den Kinyanpi-Tarn, der auf der Ebene zu uns gekommen war, die beiden wilden Tarns, die wir mit der Tarnfalle fangen konnten, und die f�nfzehn, die wir bei unserem �berfall erbeuteten. Diese Tarns hatten wir von Zwei Federn aus in das Waniyanpi-Gehege bringen lassen, das von K�rbis befehligt wurde. Dort, bei Tag versteckt und bei Nacht trainiert, in Reichweite des Ratsfelsens, hatten die Tiere unser Signal erwartet.</p><p>Ich legte dem gro�en schwarzen Tarn den Sitzgurt an und befestigte die Z�gel.</p><p>Das Trommelrasseln auf dem Weg kam n�her.</p><p>�Die S�ldner an der Ostwand sind dem Gipfel nahe�, meldete jemand.</p><p>�Wehrt sie ab, so gut es geht!� sagte ich.</p><p>Zelte wurden umgesto�en, Tarns kamen in Sicht.</p><p>Ich sprang auf den R�cken meines Ubars des Himmels. Man reichte mir meine Waffen.</p><p>Canka, Hci und Cuwignaka eilten ebenfalls zu ihren Tarns.</p><p>Der Ubar des Himmels wartete mein Zeichen nicht ab, sondern streckte den Hals und st�rmte in die L�fte.</p><p>�Ko-ro-ba!� br�llte ich und nannte damit den Namen der Stadt, die auf Gor meine erste Station gewesen war, Ko-ro-ba, die T�rme des Morgens.</p><p>Der Tarn schrie.</p><p>Der Flugwind zerrte an meinem Haar. Die Federn an meiner Temholz-Lanze flatterten wie Flaggen.</p><p>Ich h�rte andere Tarns hinter mir schreien, vernahm ihren Fl�gelschlag. Der Ratsfelsen sackte unter mir fort.</p><p>Wie ein dunkler Pfeil schnitt der gro�e schwarze Tarn durch den Himmel.</p><p>Abrupt drangen wir in die Formation der verbl�fften Kinyanpi ein. Mit Widerstand aus der Luft hatten sie nicht gerechnet; �berhaupt hatten sie die Initiative des Kampfes behalten wollen.</p><p>Meine Lanze schmetterte einen Reiter von seinem Tier. Mit meinem kleinen Schild lenkte ich einen Lanzensto� ab, w�hrend mein Ubar des Himmels �ber einen Artgenossen herfiel. Dann stieg mein Tier empor. Ringsum und unter uns wirbelten Tarns durcheinander. Einige stie�en zusammen und st�rzten ab. Ich gab meinem Vogel die Z�gel frei. Vier Tarns begannen uns zu folgen. Mein Tarn setzte den Aufstieg fort und durchstie� dabei etliche Wolkenformationen. Tief unter uns folgten Tarns und ihre Reiter und erschienen zwischen den wei�en Wolken wie Tiere, die aus Schneeb�nken hervorsprangen.</p><p>�Ist die Sonne dein Ziel?� fragte ich lachend.</p><p>War es m�glich, da� die raffinierten Luftkampftricks dem eifrigen Gehirn meines riesigen Reittiers noch so gew�rtig waren wie vor vielen Jahren? Beherrschte er sie noch mit derselben Genauigkeit, mit derselben kampflustigen St�rke wie in den lange zur�ckliegenden Tagen, da sie ihm hoch �ber den Grasebenen von Ko-ro-ba beigebracht worden waren?</p><p>Ich versuchte zu Atem zu kommen.</p><p>Die gewaltigen Lungen des Tarn weiteten sich aus. Ich sp�rte die Bewegung des Brustkorbs zwischen meinen Knien. Noch immer gewannen wir an H�he.</p><p>Dann endlich machten wir kehrt. Wir hatten die Sonne im R�cken.</p><p>Die anderen Tarns, weit auseinandergezogen, sich abm�hend, schwerf�llig die Fl�gel bewegend, hingen unter uns. Sie waren ersch�pft. Sie vermochten den Steigflug nicht fortzusetzen und begannen umzukehren.</p><p>Aus der Sonne schlug der m�chtige Tarn zu. Wie ich es gelernt hatte, machte ich einen tiefen Atemzug, ehe der Sturzflug begann.</p><p>Unsere Gegner hatten keine Chance, so �berraschend, so heftig kam unsere Attacke. Nur der vierte Tarnreiter vermochte zu fliehen, indem er in den Wolken verschwand.</p><p>Ich folgte ihm unauff�llig durch die Wolken und hoffte, da� sein Bericht bei seinen Kampfgenossen Angst und Entsetzen verbreiten w�rde.</p><p>Als ich wieder Sichtkontakt zu den anderen Tarnreitern hatte, erfreute mich der Anblick allerdings weniger. Unsere mutigen Tarnflieger vom Ratsfelsen waren von Kinyanpi umringt, die mindestens eine zehnfache �bermacht besa�en. Das Ergebnis einer solchen Konfrontation schien unausweichlich zu sein, es sei denn, man konnte ein neues Element einbringen, etwas, das die Balance des Kampfes drastisch st�ren w�rde.</p><p>Da� unsere M�nner so lange durchgehalten hatten, ging auf mehrere Faktoren zur�ck, auf die ich gehofft hatte. Soweit ich wu�te, gab es im �dland nur wenige St�mme, die den Tarn gez�hmt hatte. Die Existenz der Kinyanpi war f�r die Kaiila beinahe etwas Mythisches gewesen, bis die Fliegenden dann auf dramatische Weise �ber dem Sommerlager erschienen. Dies schien mir darauf hinzudeuten, da� Gruppen dieser Art selten waren. Meiner Auffassung nach entsprachen die Kinyanpi gewissen irdischen St�mmen, die im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert sich als erste das Pferd dienbar machten. Dabei schienen sie allerdings mangels Konkurrenz auf dem R�cken ihrer Tarns noch nicht jene unbedingte Kampfgeschicklichkeit entwickelt zu haben, die sie zuvor mit ihren Kaiila erreicht haben mu�ten. Meine frisch auf Tarnr�cken gesetzten Kaiilakrieger wu�ten dagegen noch aus j�ngster Vergangenheit, wie sie mit Schild und Bogen hantieren mu�ten.</p><p>Eine meiner Erwartungen hatte sich allerdings nicht erf�llt: Das Erscheinen des gro�en schwarzen Tarn lie� die Kinyanpi nicht vor Entsetzen erstarren und die Flucht ergreifen. F�nf Tarnreiter, Verfolger nach unserem �berfall auf das Gelbmesserlager, hatten sich von dem schwarzen Tier �berraschen und einsch�chtern lassen. Die unter uns wirbelnden Reiter zeigten dagegen keine Wirkung � wahrscheinlich wegen ihrer gro�en Zahl oder wegen ihres Anf�hrers oder ihrer Medizin, in die sie gro�es Vertrauen setzten.</p><p>Der riesige Vogel mochte ihnen Unbehagen oder gar Angst einfl��en, aber sie zogen sich nicht zur�ck. Ich mu�te sie in Panik versetzen.</p><p>Dazu hatte ich mir einen Plan ausgedacht.</p><p>Wir rasten von oben mitten in die Horde der Kinyanpi, die schreiend auseinanderstoben. Wir griffen niemanden an. Ich hatte die Waffen in Ruhestellung gebracht. Der Schild hing an meiner H�fte.</p><p>Mein Tarn verharrte fl�gelschlagend auf der Stelle, w�hrend die Kinyanpi sich neu formierten.</p><p>Ich deutete nacheinander auf drei M�nner, verschr�nkte die Arme und gab dem Ubar des Himmels einen gesprochenen Befehl. �Einer-Z�gel!� Der Vogel stieg empor.</p><p>Da� die Kinyanpi �berrascht waren, als ich die Z�gel loslie�, entging mir nicht. Sie hatten hoffentlich begriffen, da� der Tarn allein meiner Stimme gehorcht hatte. Ich schaute nicht zur�ck, um die Wirkung meines Abgangs nicht zu zerst�ren. Nat�rlich hoffte ich, da� die drei M�nner mir folgen w�rden.</p><p>Kaum war ich in die Wolken eingedrungen, machte ich meinen kleinen Bogen schu�fertig, wobei ich zwei weitere Pfeile in der Hand bereithielt. Ich ergriff die Z�gel und zog den Tarn herum. Ringsum wallte die graue Nebelmauer. Wie erhofft flogen die Kinyanpi nacheinander in den Dunst. Drei reiterlose Tarns kehrten schlie�lich zu der Formation zur�ck.</p><p>Ich steckte den Bogen fort. Nach einer angemessenen Zeit lenkte ich meinen Tarn erneut zwischen die Kinyanpi. Interessanterweise schien der allgemeine Kampf inzwischen nicht weitergegangen zu sein.</p><p>Dramatisch deutete ich auf einen Mann. Verzweifelt sch�ttelte er den Kopf und wendete seinen Tarn. Ich deutete auf einen anderen Kinyanpi, der meine Einladung ebenfalls ablehnte. Einer der Kinyanpi schlug sich mit einem Aufschrei vor die bemalte Brust, und ich deutete auf ihn und anschlie�end auf zwei weitere. Die drei schauten sich unbehaglich an. Hochm�tig wandte ich den Kopf ab. �Einer-Z�gel�, sagte ich zum Ubar des Himmels.</p><p>Wieder stiegen wir zu den Wolken empor.</p><p>Ich lauschte intensiv: Nur der Mann, der sich auf die Brust geschlagen hatte, folgte mir voller Eifer. Mir blieb kaum Zeit, in die Wolke einzudringen, als er sich bereits auf mich st�rzte. Den Bogen konnte ich nicht mehr ins Spiel bringen. Seine Lanze fuhr auf mich zu, und ich packte sie und hebelte den Angreifer vom R�cken seines Tarn. Schreiend st�rzte der Mann in die Tiefe. Vermutlich w�rde er zwischen seinen Kampfgef�hrten hindurchst�rzen.</p><p>F�r die anderen Kinyanpi mu�te es so aussehen, als w�re der Mann vom Himmel gefallen, auf geheimnisvolle Weise, wie ein Meteor.</p><p>Hoch in den Wolken wartete ich eine angemessene Zeit ab, dann lenkte ich den Ubar des Himmels wieder in die Tiefe und z�gelte ihn erneut mitten zwischen den entsetzten Kinyanpi.</p><p>Hochm�tig und herablassend wies ich sodann auf den H�uptling der Kinyanpi, der von einem Federstabtr�ger begleitet war.</p><p>Heftig sch�ttelte er den Kopf. Mit weit ausholender Geste deutete ich nach Osten, in die Richtung, aus der die Kinyanpi gekommen waren. In hektischer Betriebsamkeit wendete er seinen Tarn, stie� einen Schrei aus und floh, gefolgt von seinen M�nnern.</p><p>�Schnell!� br�llte Cuwignaka, Canka, Hci und den anderen zu. �Zur�ck zum Ratsfelsen!�</p><p>Auf der Ostseite des Ratsfelsengipfels, genau gegen�ber dem Ende des gewundenen Weges, hatten sich S�ldner festgesetzt, die �ber die Felswand dorthin geklettert waren. Andere Soldaten, die sich mit Seilen gesichert hatten, hingen noch in der Felswand. Die gesamte Ostflanke des Ratsfelsens schien vor M�nnern und Seilen zu wimmeln.</p><p>Im n�chsten Augenblick landeten kreischende Tarns zwischen den S�ldnern, die dicht am Abgrund einen ersten Br�ckenkopf gebildet hatten. Scharfe Krallen taten ihr Werk.</p><p>Ich schaute an der Bergklippe hinab auf die Seile mit den M�nnern, die den Gipfel noch nicht erreicht hatten. �Darum sollen sich Tarnreiter k�mmern, die im Sommerlager Frauen und Kinder verloren haben�, sagte ich.</p><p>Dann eilte ich, gefolgt von meinen K�mpfern, �ber den Gipfel des Ratsfelsens. Eine medizinsingende Prozession von Gelbmessern, die langsam den steilen Weg heraufkam, wu�te noch nicht, was auf der Oberseite des Berges geschehen war.</p><p>�Es ist um euch geschehen!� schrie Iwoso. Auch sie hatte die neueste Entwicklung nicht mitbekommen.</p><p>Kaum f�nfundzwanzig Fu� unter mir erschienen die ersten Gelbmesser auf dem Weg. Umgeben von tanzenden und trommelschlagenden Medizinm�nnern, bildeten Sardak und Kog und f�nf andere Kurii die Spitze. Bei den Gelbmessern sah ich au�erdem Alfred mit einigen S�ldnern und einen Gelbmesser-Krieger, in dem ich den dritten der Kriegsh�uptlinge erkannte, die im Sommerlager der Kaiila gewesen waren. Soweit ich wu�te, hatte er an den bisherigen Angriffen nicht teilgenommen. Nun rechnete er bestimmt mit dem Ende der Belagerung, mit einem klaren Sieg seiner Seite.</p><p>Bisher war schon beim Auftauchen der Kurii jeder Widerstand zusammengebrochen.</p><p>Auch jetzt zeigte sich die Barrikade am Ende des Weges verlassen.</p><p>Etwa sechzig Fu� vor dem Hindernis verharrte die Prozession. Die Trommeln h�rten auf zu schlagen. Die Medizinm�nner beendeten ihre T�nze und zogen sich zur�ck.</p><p>Gefolgt von den anderen, traten Kog und Sardak vor. Es war still auf dem steilen Weg.</p><p>Im n�chsten Augenblick war die Barrikade nicht mehr leer. Auf den Balken und Pfl�cken war ein riesiger Kur erschienen. Der Wind spielte mit seinem langen Fell.</p><p>Die Gelbmesser traten erschrocken einen Schritt zur�ck. Sie blickten auf Kog und Sardak, die aber wie erstarrt auf dem Weg stehengeblieben waren und von ihrer Begleitung nichts mehr wahrnahmen.</p><p>Der auf der Barrikade stehende Kur weitete die Nasenfl�gel und nahm Witterung.</p><p>Sardak trat vor. Er richtete sich zu voller Gr��e auf.</p><p>Das Wesen auf der Barrikade legte die Ohren an, von denen eines halb abgerissen war. Sardak ahmte die Geste nach. Beide Ungeheuer hatten ihre langen Krallen ausgefahren.</p><p>Die Gegner sprachen nicht miteinander. Worte waren �berfl�ssig.</p><p>Mit geschmeidigen Bewegungen stieg der Kur von der Barrikade und ging auf den anderen zu, bis sie noch etwa zehn Fu� voneinander entfernt waren. Auf allen vieren begannen sie sich zu umkreisen. Ab und zu streckte einer eine Pranke aus oder fauchte, um die Reaktion des anderen zu testen.</p><p>Meine Nackenhaare begannen sich zu str�uben.</p><p>Pl�tzlich, wie auf ein unh�rbares Kommando, st�rzten sie sich aufeinander und begannen zu ringen, zu rei�en und zu bei�en und verwandelten sich in eine einzige tobende Masse aus Fell und Muskeln.</p><p>Dann trennten sie sich und begannen erneut die Umkreisung, ehe eine zweite Attacke folgte, schlie�lich eine dritte.</p><p>Die Medizinm�nner der Gelbmesser blickten sich erschrocken an. Blut tropfte auf das Gestein. Diese Ungeheuer konnten also wirklich bluten.</p><p>Ich legte einen Pfeil auf die Bogensehne.</p><p>Zarendargar, Halb-Ohr, mein Freund, schaffte es schlie�lich, hinter Sardak zu gelangen. Sardak warf den Kopf in den Nacken, um die empfindliche Stelle zwischen Sch�del und R�ckgrat zu schlie�en, doch es war zu sp�t. Mit einem gewaltigen Bi� machte Zarendargar seinem Leben ein Ende, stemmte den riesigen K�rper seines Gegners empor und schleuderte ihn in die Tiefe.</p><p>Im gleichen Moment jagte ich Kog, dem Begleiter Sardaks, einen Pfeil ins Herz. Er erstarrte und sank zu Boden.</p><p>Links und rechts von mir waren andere Kaiilakrieger an der Felskante in Stellung gegangen und zeigten sich dem Gegner. Die Gelbmesser begannen sich zur�ckzuziehen. Der Kriegsh�uptling br�llte Befehle; offenbar wollte er seine Krieger zum Angreifen bewegen, aber er blieb dabei ebenso erfolglos wie Alfred, der seine wenigen S�ldner um sich scharte.</p><p>In diesem Augenblick erschien der Ubar des Himmels hinter uns, eine schwarze Silhouette vor der Helligkeit des Tages. Er lie� die riesigen Fl�gel schwingen und stie� den Kampfschrei des Tarns aus.</p><p>Die Gelbmesser machten kehrt und flohen.</p><p>Kaiilak�mpfer schw�rmten �ber die Barrikade aus und schwangen Lanzen und Keulen, Schilde und Messer. Auf dem schmalen Pfad entstand Verwirrung. An einem Dutzend Stellen entbrannten K�mpfe.</p><p>�Schaut!� rief ich. Am westlichen Horizont stieg eine Staubwolke auf.</p><p>�Sie kommen!� rief Cuwignaka begeistert.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Es mu�te sich um die Staubf��e, Sleen und Flieher handeln � St�mme, zu denen wir Reiter geschickt hatten.</p><p>Wir waren hier oben auf dem Ratsfelsen der K�der gewesen, der die Gelbmesser und die S�ldner in eine Falle locken sollte, eine Falle, die jene anderen St�mme, gemeinsam vorgehend, nun schlie�en w�rden. Dies war unbedingt im Interesse aller Beteiligten. Durch ihre Zusammenarbeit mit den wei�en S�ldnern hatten die Gelbmesser die �Erinnerung� verraten. Der gemeinschaftlichen Erinnerung zufolge hatte vor langer Zeit eine andere Trag�die, die in den Legenden beinahe vergessen war, auf �hnliche Weise begonnen. Das �dland mu�te besch�tzt werden. Au�erdem war ein Sakrileg begangen worden, der Angriff auf ein Sommerlager. Hierf�r galt es Rache zu nehmen. Und was noch schlimmer war: Die Kinyanpi waren erstmals in westliche L�nder vorgedrungen. B�ndnisse wie zwischen den Gelbmessern, wei�en S�ldnern und Kinyanpi bedrohten die empfindlichen Stammesbeziehungen im �dland. Sie konnten Gewohnheiten der Pte ver�ndern und St�mme aus ihren gewohnten Jagdgr�nden vertreiben. Anscheinend hatten die Argumente unserer Gesandten gewirkt. F�r den eigentlichen Kampf kam die Hilfe zu sp�t, doch konnten die Nachr�ckenden dem demoralisierten Feind die Fluchtwege abschneiden.</p><p>Ich sah, wie Alfred von hinten mit einem h�lzernen Canhpi niedergeschlagen wurde. Auf dem Weg unter uns lagen die f�nf Kurii, die Sardak und Kog begleitet hatten. Sie waren von zahlreichen Pfeilen durchbohrt.</p><p>Es w�rde lange dauern, bis Kaiila oder Gelbmesser solche Wesen wieder f�r �bernat�rliche Kreaturen halten w�rden, f�r Besucher aus der Medizinwelt.</p><p>Iwoso, die an ihren Pfahl gefesselt war, hatte ergeben die Augen geschlossen.</p><p>Ich nahm dem Ubar des Himmels den Sitzgurt ab und entfernte die Z�gel von seinem Schnabel.</p><p>�Du bist frei, guter Freund�, sagte ich und t�tschelte den m�chtigen Schnabel, den der Tarn mir sanft in die Seite dr�ckte. Der Ubar des Himmels war kein Sklave des Menschen, sondern ein freies Tier der L�fte.</p><p>�Der Weg ist frei�, sagte ich zu Hci.</p><p>�Ja�, antwortete er und wandte sich an Iwoso. �Die Gelbmesser sind besiegt�, fuhr er fort. �Sie sind zersprengt. Sie laufen um ihr Leben.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�F�r dich gibt es keine Hoffnung auf Rettung mehr, meine gefesselte Gelbmesser-Dirne�, sagte Hci.</p><p>�Nein, Herr�, erwiderte sie.</p><p>�Du bist allein und geh�rst nun den Kaiila.�</p><p>�Ja, Herr�, entgegnete sie resigniert.</p></section><section><title><p>42</p></title><p>�An der Schuld dieser beiden besteht kein Zweifel�, sagte Mahpiyasapa.</p><p>Die ihn umringenden M�nner brummten zustimmend. �Cinto!� sagten mehrere. �Richtig!�</p><p>Die beiden Frauen, Bloketu und Iwoso, knieten vor den M�nnern.</p><p>�Die Aussagen sind gemacht worden, die Beweise klar. Ihre Beteiligung an der Vorbereitung des Angriffs auf das Sommerlager ist erwiesen. Sie haben sich gegen das Volk der Kaiila verschworen.�</p><p>�Cinto!� riefen die M�nner.</p><p>�Habt ihr dazu irgend etwas zu sagen?� fragte Mahpiyasapa.</p><p>Die M�dchen schluchzten nur.</p><p>�Ich spreche euch schuldig�, fuhr Mahpiyasapa fort. �Da aber eine von euch die Tochter eines Kaiilah�uptlings ist, Watonka, einst ein gro�er Krieger und mein Freund, und die andere ihre Zofe, lasse ich euch nicht foltern.�</p><p>�Mahpiyasapa ist gn�dig�, sagte jemand.</p><p>�Ihr werdet behandelt wie freie Frauen. Morgen fr�h werdet ihr auf den Gipfel gebracht und in die Tiefe gest�rzt.�</p><p>Bloketu blickte den H�uptling entsetzt an.</p><p>�Nein!� schrie Iwoso. �Nein! Nein!�</p><empty-line/><p>Der Wind wehte k�hl am oberen Ende des Weges, unweit der Stelle, wo die Barrikade errichtet gewesen war.</p><p>Es war kurz nach Tagesanbruch.</p><p>�Sind die Gefangenen anwesend?� fragte Mahpiyasapa.</p><p>�Ja�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Dann m�ge das Urteil vollstreckt werden�, befahl der H�uptling, der von den Mitgliedern des Rates umgeben war. Es hatten sich zahlreiche Zuschauer eingefunden, die sich in gr��erem Abstand hielten.</p><p>Cuwignaka packte Bloketu an den Armen. �Nein!� schrie sie heftig und warf den Kopf in den Nacken. �Ich erflehe die Alternative!� rief sie. �Ich erflehe die Alternative, Herr!� Und sie fiel auf die Knie.</p><p>�Herr?� fragte Mahpiyasapa.</p><p>�Ja, �Herr�!� rief sie. �Als Sklavin mu� ich alle freien M�nner so ansprechen. Ich unterwerfe mich hiermit als Sklavin. Ich bin seit Jahren schon im tiefsten Herzen Sklavin der M�nner. Verzeiht mir, ihr Herren!�</p><p>Erstaunt blickte Mahpiyasapa sie an. �Du hast dich zur Sklavin gemacht � nun gibt es kein Zur�ck mehr.� Er wandte sich an seine Ratsmitglieder. �Einer Sklavin steht der ehrenhafte Tod einer freien Frau nicht mehr zu, nicht wahr?�</p><p>Die Ratsmitglieder nickten zustimmend.</p><p>Im gleichen Moment l�ste sich Iwoso aus Hcis Griff und warf sich auf die Knie. �Auch ich bin Sklavin!� schluchzte sie. �Auch ich unterwerfe mich als Sklavin dem Willen aller M�nner.�</p><p>�Meinst du das ernst?� fragte Mahpiyasapa.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Sie l�gt doch nur, um dem Tod zu entgehen�, sagte ein Mann ver�chtlich.</p><p>�Vielleicht glaubt sie zu l�gen, doch wenn sie nicht im Grunde ihres Herzen das ist, was sie zu sein behauptet, w�re ihr dieser Ausweg sicher nicht eingefallen.�</p><p>�Jedenfalls�, sagte ein Mann, �hat sie sich als Sklavin unterworfen.�</p><p>�Euch ist doch klar�, wandte sich Mahpiyasapa an die M�dchen, �da� die Worte allein gen�gen, da� ihr Sklavinnen wurdet, als ihr sie ausspracht?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Dann hebe ich mein fr�heres Urteil hiermit auf.�</p><p>Erfreut blickten die M�dchen zu ihm auf.</p><p>��berla�t sie den Frauen�, fuhr Mahpiyasapa fort.</p><p>�Nein�, sagte Cuwignaka und richtete sich auf. �Ich nehme diese Frau zu meiner Sklavin.� Und er deutete auf das M�dchen, das bisher Bloketu gehei�en hatte.</p><p>Erschaudernd warf sich das M�dchen herum und schmiegte ihre Wange an sein Bein.</p><p>Iwoso warf sich vor Hci auf den Boden. �Ich flehe dich an, Herr!� schluchzte sie. �Nimm mich als deine Sklavin!�</p><p>Er hockte sich zu ihr nieder. �Du hast gesagt, du w�rdest lieber sterben, als meine Sklavin zu sein�, sagte er leise.</p><p>�Das war gelogen!� rief sie. �Ich habe gelogen! Ich bin Sklavin! Und nicht nur das, ich bin deine Sklavin!�</p><p>�Meine Sklavin?� fragte er.</p><p>�Seit Jahren�, sagte sie, �wu�te ich, da� ich dir ergeben war. Bei jedem Blick auf mich mu�t du doch gemerkt haben, da� du mein Herr warst! Gib mir die Gelegenheit, dir zu beweisen, da� ich es wert bin, deine Sklavin zu sein!�</p><p>Mit verschr�nkten Armen richtete er sich wieder auf.</p><p>�So sei es denn�, sagte Mahpiyasapa. �Die Angelegenheit ist geregelt.�</p></section><section><title><p>43</p></title><p>�Die Flieger-Krieger fanden ihn auf der Pr�rie�, sagte ein Mann, �und brachten ihn her.�</p><p>Zwei dicke Seile f�hrten zu seinem Hals und endeten am Sattel zweier Kaiila, zwischen denen das Wesen gef�hrt wurde. M�nner mit Lanzen bewachten es �berdies von hinten.</p><p>Es war der Kur, den ich insgeheim den achten Kur nannte. Anscheinend war er w�hrend des Massakers am Wagenzug von seinen Artgenossen getrennt worden. Ich war ihm schon einmal begegnet; der Kur war auf das Schlachtfeld zur�ckgekehrt, um zu fressen, und hatte dabei die Waniyanpi bedroht. Nachdem Grunt und ich diesen Kur in die Flucht geschlagen hatten, erfuhr ich von K�rbis, da� neun tote Kurii auf dem Schlachtfeld gefunden und von den roten Wilden fortgezerrt worden waren. So hatte ich nicht feststellen k�nnen, ob Kog und Sardak zu den Kur-�berlebenden geh�rten. Insgesamt hatten Alfreds S�ldner siebzehn Kur-Wagen begleitet. Bei neun Toten blieben acht �berlebende Kur, mit denen ich im �dland rechnen mu�te.</p><p>Als Cuwignaka und ich die Siegesfeier der Gelbmesser und S�ldner im Sommerlager beobachteten, hatten wir dort, Kog und Sardak eingerechnet, sieben Kurii gez�hlt. Hier war nun der achte, der anscheinend von seinen Artgenossen getrennt worden war. Nun hatten Flieger ihn eingefangen, was vermutlich kein Zufall war. Wahrscheinlich war er den Kriegern gefolgt, in der Hoffnung, da� ihr Ausr�cken mit den Pl�nen seiner Vorgesetzten zusammenhing.</p><p>�Was tun wir mit ihm?� fragte ein Mann. �Die Flieger wollen ihn nicht behalten. Und sie scheinen Bedenken zu haben, das Wesen zu t�ten.�</p><p>�Bringt ihn zum Zelt des schwarzen Gasts�, sagte ich.</p><p>Der Blick des Kur ruhte auf mir. Anscheinend erinnerte er sich an unsere erste Begegnung ebenso klar wie ich.</p><empty-line/><p>Die nackte, schwerbr�stige rothaarige Sklavin st�hnte hilflos ihre Unterwerfung heraus. Sie war noch immer ziemlich verschmutzt.</p><p>Ich hatte sie als Beuteanteil von den Gelbmessern erhalten.</p><p>�Herr! Herr!� japste sie und starrte mit glasigem Blick zu mir empor.</p><p>�Cespu! Mira!� rief ich. Die beiden Sklavinnen eilten herbei, mein M�dchen Mira und Cuwignakas Sklavin, die ehemalige Bloketu, die nun den Namen Cespu trug, �Warze�.</p><p>Ich deutete auf den Rotschopf vor mir.</p><p>�S�ubert sie von Kopf bis Fu� und k�mmt sie gr�ndlich. Sie soll den besten Eindruck machen.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte Mira.</p><p>�Dann bringt ihr sie als mein Geschenk zu Grunt�, fuhr ich fort. �Er wird schon wissen, was er mit ihr anfangen mu�.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte Cespu.</p><p>�Ja, Herr�, sagte auch Mira.</p></section><section><title><p>44</p></title><p>�Wo finden wir den Mann, der sich Cuwignaka nennt?� �bersetzte der junge hellh�utige, muskul�se Mann.</p><p>Der Krieger, von dem diese Frage ausging, war ein Flieger, der sein Haar in einer hohen, zur�ckgek�mmten Frisur trug. Er war Mitglied der Blauen Himmelsreiter. Grunt und ich hatten ihn vor langer Zeit schon einmal gesehen, in der N�he der Stelle, wo sich das Wagenzug-Massaker ereignet hatte.</p><p>�Ich bin Cuwignaka�, sagte mein Freund und trat vor. Er trug inzwischen einen Lendenschurz, hatte aber noch immer die wei�en Fetzen des Kleides um den Oberk�rper geschlungen. Auch seine Worte wurden von dem hellh�utigen J�ngling �bersetzt.</p><p>�Ich hatte geglaubt, tot zu sein�, hatte Grunt mir gestern anvertraut. �Jetzt aber habe ich das Gegenteil entdeckt. Ich habe bei den Staubf��en einen Sohn!�</p><p>Grunt hatte den Jungen beim Besuch des Staubfu�-Stammes nach dem Massaker im Sommerlager gefunden. Vorwiegend wegen Grunts F�rsprache hatten die Staubf��e den langen Ritt zum Ratsfelsen unternommen, um den Kaiila zu helfen. Die Mutter des Jungen hatte Grunt vor langer Zeit geliebt. Angeblich lebte sie noch. Der Junge besa� Grunts Sprachtalent und Gesch�ftssinn. Er geh�rte zu den wenigen Staubf��en, die in Flieger-Lagern willkommen waren, und hatte ihre Sprache erlernt.</p><p>Grunt und sein Junge hatten beschlossen, k�nftig als Partner zu arbeiten � sicher w�rden sie im �dland bald Ber�hmtheit erlangen. Diesen Winter, so hatte Grunt mir gesagt, wollte er nicht in die Ihanke zur�ckkehren, sondern bei den Staubfu�-Kriegern bleiben. Es gebe dort eine Frau, die ihm einmal viel bedeutet habe. Er wollte sie wiedersehen.</p><p>Der Flieger-Krieger musterte Cuwignaka. �Ich habe von dir geh�rt�, lie� er �bersetzen. �Auf den Ebenen ist allgemein bekannt, da� bei den Kaiila ein Mann lebt, der Cuwignaka, Frauenkleid, genannt wird und der keinen H�ndel mit den Fliegern hat.�</p><p>Cuwignaka musterte sein Gegen�ber wortlos.</p><p>�Deinetwegen�, fuhr der Flieger, �nur deinetwegen sind wir zum Ratsfelsen gekommen.�</p><p>Cuwignaka schaute den anderen verwirrt an.</p><p>�Wei�t du, warum wir zum Ratsfelsen gekommen sind?� fragte der Flieger, �und warum, unseretwegen, die Sleen mitgekommen sind?�</p><p>�Nein�, antwortete Cuwignaka. Die Flieger und Sleen sind Verb�ndete.</p><p>�Weil wir keinen H�ndel mit Cuwignaka haben�, sagte der Flieger lachend.</p><p>Dann wendete er seine Kaiila und ritt davon.</p><p>�Du bist jetzt ein gro�er Krieger, mein Freund�, sagte Hci zu Cuwignaka. �Welchen Namen willst du annehmen? Hast du dir schon einen ausgesucht?�</p><p>�Willst du deinen alten Namen Petuste wieder annehmen?� In der Kaiilasprache bedeutet dieses Wort �Feuerscheit�.</p><p>�Nein�, antwortete Cuwignaka. �Ich behalte meinen Namen Cuwignaka.�</p><p>Hci l�chelte. �Du hast diesen Namen zu einem Kriegernamen gemacht�, sagte er.</p><p>�Und was ist mit dir, mein Freund?� wandte sich Cuwignaka an Hci. �Vor langer Zeit warst du als Ihdazicaka bekannt.� In der �bersetzung bedeutete dieser Name �Mann-der-sich-reich-sch�tzt�.</p><p>�Nein�, antwortete Hci l�chelnd. �Obwohl ich mich nun wirklich reich sch�tzen kann, werde ich den Namen Hci behalten. Es ist ein Name, auf den ich stolz bin. In der Zeit, in der ich diesen Namen trug, habe ich die h�chsten Coups erringen k�nnen. Und zum erstenmal in meinem Leben Freunde gefunden.�</p><p>Wir gaben uns die H�nde.</p><p>Die Niederlage der Gelbmesser lag zehn Tage zur�ck.</p><p>Wir befanden uns in einem gro�en Siegeslager, an einem Flu�lauf gelegen, sieben oder acht Pasangs vom Ratsfelsen entfernt. In diesem Lager lebten Flieger, Sleen, Staubf��e und Kaiila eintr�chtig nebeneinander. Feiern und T�nze hatten stattgefunden. Die Beute aus den Gelbmesser-Lagern war aufgeteilt worden, und es war zu einem lebhaften Austausch von Geschenken gekommen, sogar zwischen Erbfeinden wie den Fliegern und den Kaiila.</p><p>Doch so selten solche Friedensfeste auch waren � das Braunwerden des Grases und der k�hle Wind k�ndeten nur zu klar vom Fortschreiten der Jahreszeiten. Schon verlie�en erste kleine Gruppen das gro�e Lager.</p><p>Auch ich mu�te mich bald auf den Weg machen. Ich mu�te das �dland verlassen und die lange Reise zur Ihanke und von dort zu den Thentis-Bergen und dem Vosk antreten, von wo ich den Tamber-Golf und Port Kar erreichen w�rde.</p><p>Ich machte mich auf den R�ckweg zu dem Zelt, das ich mit Cuwignaka teilte. Bei uns wohnten seine Sklavin Cespu, die ehemalige Bloketu, und Mira, die inzwischen rechtm��ig mein M�dchen war. Cuwignaka wollte sie mir schenken, doch ich hatte darauf bestanden, vier Felle f�r sie zu bezahlen.</p><p>Ein wenig abseits knieten vier Sklavinnen, die einmal Grunt geh�rt hatten und ihm von Gelbmessern genommen worden waren: Lois, Inez, Corinne und Priscilla. Nach der Niederlage waren sie Grunt als Beuteanteil zur�ckgegeben worden. Zwei M�dchen hatte er bereits mit gutem Gewinn weiterverkauft; sie waren nur noch nicht abgeholt worden. Zwei andere M�dchen wollte er als Lastentr�gerinnen bei sich behalten.</p><p>Ich blieb vor Lois stehen und zog ihren Kopf am Haar herum. �Du hast Alarm geschlagen, als ich mit zwei Freunden in einem Gelbmesserlager Kinyanpi-Tarns stehlen wollte.�</p><p>Sie erschauderte.</p><p>�Wu�test du, da� ich zu den Angreifern geh�rte?� fragte ich. �Hattest du mich erkannt?�</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie zitternd.</p><p>�Gut gemacht�, sagte ich.</p><p>Erstaunt blickte sie mich an.</p><p>�Sieh zu, da� du deinem neuen Herrn wom�glich noch besser dienst�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie leise.</p><p>Es befanden sich viele andere im Lager, von deren Schicksal ich nun im nachhinein erfuhr. Zum Beispiel Max und Kyle Hobart und die beiden ehemaligen Erdenm�dchen Ginger und Evelyn, die zusammen mit den M�nnern beim Stamm der Sleen versklavt gewesen waren. Grunt hatte den beiden Hobarts die Freiheit erkauft und die M�dchen gleich mit �bernommen, die den Hobarts als wahre Sklavinnen zugetan waren. Einen befreundeten J�ger sah ich ins Lager zur�ckkehren, Cotanka von den Wismahi; quer vor ihm auf seiner Kaiila lag ein erlegter Tabuk, und ich mu�te daran denken, da� die Gelbmesser noch viel Fleisch zusammentragen mu�ten, um �ber den Winter zu kommen. Zur Begr��ung lief dem jungen J�ger ein blondes Sklavenm�dchen entgegen; sie war w�hrend des Kampfes um das Sommerlager als Lockm�dchen losgeschickt worden.</p><p>�Wasnapohdi!� rief ich einer vorbeigehenden Sklavin zu, die ein zusammengerolltes Kailiaukfell auf der Schulter trug.</p><p>Entz�ckt lief sie zu mir und kniete nieder.</p><p>�Bist du froh �ber deinen neuen Herrn?� fragte ich.</p><p>�Oh!� rief sie atemlos. �Er ist wirklich mein Herr! Tief in meinem Herzen wu�te ich seit Jahren, da� ich nur ihm geh�rte! Jetzt endlich bin ich voll und ganz seine Sklavin! Ich bin so gl�cklich!�</p><p>Ihr neuer Herr war ein junger Mann aus der Napoktanbande, Waiyeyeca, �Mann-der-viel-findet�, der sie vor langer Zeit, als beide noch Kinder waren, schon einmal besessen hatte. Inzwischen war er ein vielversprechender junger Krieger und sie eine ausgereifte, liebesbed�rftige Sklavin. Wer Wasnapohdi im Arm halten durfte, �berlegte ich, war in der Tat ein Mann, der viel gefunden hatte.</p><p>�Ich hatte gro�e Angst, da� er mich nicht kaufen w�rde�, fuhr sie fort. �Mein ehemaliger Herr Grunt hatte den Preis wirklich hoch angesetzt.�</p><p>�Was hast du ihm denn gebracht?� fragte ich, obwohl ich die Antwort wu�te.</p><p>�Vier H�ute des gelben Kailiauk�, antwortete sie.</p><p>Ich tat erstaunt und pfiff durch die Z�hne.</p><p>�Mein Herr war nicht gerade froh, soviel bezahlen zu m�ssen, aber nun ist alles in Ordnung.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. Zweifellos hatte Grunt den Preis so hoch angesetzt, um den jungen Mann vor der Versuchung zu bewahren, seinen Besitz leichtfertig weiterzuver�u�ern. Dies war aber eine Vorsicht, die ich f�r �berfl�ssig hielt. Ich nahm nicht an, da� Waiyeyeca seine Kindheitssklavin jemals fortschicken w�rde.</p><p>Ganz in der N�he stie� ein M�dchen einen Schmerzensschrei aus. Es war die wei�h�utige rothaarige Sklavin, die von Mahpiyasapas Frau mit einer Peitsche beim Wassertragen beaufsichtigt wurde. Die schwerbr�stige Rothaarige, die von ihrem Herrn Mahpiyasapa den Namen Natusa erhalten hatte, schaute mich an. Mein Gesicht blieb ausdruckslos. Es war kein Zufall, da� dieses rothaarige M�dchen zu Mahpiyasapa gekommen war. Als Beuteanteil hatte Canka f�nf gelbe Kailiaukh�ute aus dem Besitz der Gelbmesser erhalten. Diese hatte er Mahpiyasapa �berlassen, in einerseits als Geschenk, doch gewisserma�en auch als Ausgleichszahlung f�r sein Beharren, Winyela zu behalten, die Grunt urspr�nglich f�r Mahpiyasapa in das �dland gebracht hatte. Indem er die f�nf H�ute annahm, hatte Mahpiyasapa Canka die Aus�bung seines Kriegerrechts verziehen, die Winyelas h�bschen Hals in Cankas Kragen gebracht hatte.</p><p>Rein zuf�llig hatte ich unter Gelbmessersklaven das M�dchen entdeckt, das nun den Namen Natusa trug. Ich hatte daf�r gesorgt, da� sie meinem Beuteanteil zugeschlagen wurde, und sie dann Grunt geschenkt. Grunt verkaufte sie erfreut an Mahpiyasapa weiter und erhielt daf�r die f�nf gelben Kailiauk-H�ute, die Mahpiyasapa urspr�nglich von Canka in Empfang genommen hatte. Auf diesem Wege hatte Canka sozusagen mit seinem H�uptling reinen Tisch gemacht und dabei gleichzeitig einen einwandfreien Besitztitel an Winyela erworben. Grunt bekam seine f�nf H�ute, und Mahpiyasapa besa� eine Sklavin mit der im �dland seltenen roten Haarfarbe, wie er sie letztes Jahr bei Grunt bestellt hatte. Mahpiyasapa war sichtlich zufrieden mit diesem Arrangement. Es war im Lager kein Geheimnis gewesen, da� er Winyelas Br�ste als zu klein empfunden hatte.</p><p>Vor meinem Zelt erwartete mich Mira. Sie kniete vor mir nieder. �Aus dem Zelt des schwarzen Gasts ist eine Nachricht eingetroffen�, sagte sie. �Akihoka hat ausgerichtet, der schwarze Gast habe auf das �bersetzungsger�t gedeutet.�</p><p>�Ich verstehe�, antwortete ich. Das �bersetzungsger�t vermittelte zwischen der kurischen und der goreanischen Sprache.</p><p>�Ich glaube, der schwarze Gast m�chte dich sprechen�, sagte Mira.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Aber warum, Herr?� fragte sie. �Was hast du mit dem schwarzen Gast zu schaffen? Und warum befand sich ein �bersetzungsger�t in deinem Gep�ck?�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Wem geh�re ich?� fragte sie.</p><p>�Neugier steht einer Sklavin nicht zu�, sagte ich.</p><p>�Verzeih mir, Herr!�</p><p>�Ich gehe zum Zelt des schwarzen Gasts�, sagte ich. �Wir werden uns unterhalten.�</p></section><section><title><p>45</p></title><p>Cuwignakas Messer fuhr �ber seinen Unterarm, dann �ber den meinen und schlie�lich �ber Hcis Haut.</p><p>�Du kannst zwar kein Mitglied der Sleensoldaten oder der Kampfgef�hrten sein�, hatte Hci gesagt, �denn du bist kein Kaiila und kennst unsere T�nze und Geheimnisse nicht, auch nicht den Inhalt unserer Medizinbeutel.�</p><p>�Aber etwas anderes k�nnen wir tun�, hatte Cuwignaka hinzugef�gt.</p><p>�La�t es uns tun�, hatte Hci gesagt.</p><p>Cuwignaka hielt seinen Arm an den meinen, und ich dr�ckte den meinen gegen Hcis Arm, und Hci ber�hrte seinerseits Cuwignakas Unterarm. Auf diese Weise schlo� sich der Kreis des Blutes.</p><p>�Es ist geschehen�, sagte Cuwignaka.</p><p>�Br�der�, sagte ich.</p><p>�Br�der�, sagte Hci.</p><p>�Br�der�, sagte Cuwignaka.</p></section><section><title><p>46</p></title><p>Ich fesselte Mira die H�nde und hievte sie auf den R�cken einer Kaiila.</p><p>�Meinst du, man wird mich in Port Kar t�ten?� fragte sie angstvoll.</p><p>�Ich nehme es nicht an�, erwiderte ich, �aber an deiner Stelle w�rde ich mich offen und detailliert �u�ern.�</p><p>Sie erschauderte. �Das werde ich tun.�</p><p>Gestern nacht hatte ich dem M�dchen die wahre Identit�t ihres Herrn offenbart. Entsetzt hatte sie sich vor mir gewunden, waren doch ihre schlimmsten Vermutungen wahr geworden. Sie, eine ehemalige Agentin der Kurii, war in die H�nde eines Mannes gefallen, der den Priesterk�nigen gedient hatte, der mit Samos aus Port Kar befreundet war, der vielen als Tarl Cabot, vielen aber auch als Bosk aus Port Kar bekannt war.</p><p>�Wenn du r�ckhaltlos mitmachst�, hatte ich dem entsetzten M�dchen gesagt, �darfst du vielleicht weiterleben � als Sklavin.�</p><p>Ich befestigte Vorr�te an der Kaiila, auf dem das M�dchen sa�. In den B�ndeln, die ich links und rechts verknotete, befand sich auch das �bersetzungsger�t.</p><p>Wir standen auf einer Anh�he unweit des Siegeslagers. Es war fast Morgen. Einige Gestalten waren uns aus dem Lager gefolgt. Der Abschied dauerte nicht lange.</p><p>Ich bestieg meine eigene Kaiila und ritt in westlicher Richtung los.</p><p>Den Tarn, den ich im Tarnland gefangen und gez�hmt hatte, lie� ich zur�ck. Die Kaiila konnten ihn sicher besser gebrauchen als ich. So wie das Aufkommen der Kaiila bei den St�mmen zu einer sozialen und kulturellen Revolution gef�hrt hatte, w�rde nun wohl auch der Tarn Ver�nderungen ausl�sen. Einerseits bereitete mir der Gedanke Kummer, die geschickten Kaiilak�mpfer auf dem Tarnr�cken zu erleben. Andererseits schien mir die Beherrschung des Tarn in gewisser Weise die Gew�hr zu bieten, da� die Lage im �dland weiter stabil blieb. Sollten n�mlich die St�mme, die nicht �ber Tarns verf�gten, den tarnreitenden Wilden weichen m�ssen, so mochte diese Verdr�ngung langfristig die Stabilit�t der Ihanke gef�hrden.</p><p>Ich z�gelte meine Kaiila und schaute zur�ck. Viele meiner Freunde standen auf der Anh�he am Lager und schauten mir nach.</p><p>Zarendargar war nicht darunter.</p><p>Vor zwei Tagen hatte er mich in sein Zelt gerufen. Dort fand ich in Zarendargars Gesellschaft den achten Kur vor, der keine Fesseln trug.</p><p>Dieser Kur berichtete, er sei bei seiner ziellosen Wanderung durch das �dland von einem Schiff der Kurii besucht worden. Seinen Ausf�hrungen nach war das gegen Zarendargar ausgesprochene Todesurteil aufgehoben worden. Er hatte Anweisung auf die Stahlwelten zur�ckzukehren.</p><p>�Das glaubst du doch nicht etwa?� fragte ich Zarendargar, Halb-Ohr, durch das �bersetzungsger�t.</p><p>�Allein deswegen hat mein Kamerad mich hier gesucht�, antwortete der Kur, �was f�r ihn sehr gef�hrlich war.�</p><p>�Glaubst du das?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete Zarendargar. �Es ist die Wahrheit.�</p><p>�Woher willst du das wissen?�</p><p>�Er hat auf die Ringe geschworen�, sagte Zarendargar.</p><p>�Du wirst ihn begleiten?� wollte ich wissen.</p><p>�Ja�, antwortete Halb-Ohr. �Es wurde ein Treffen mit dem Schiff vereinbart.�</p><p>�Wann brecht ihr auf?�</p><p>�Morgen�, antwortete Zarendargar. �Der Treffpunkt ist weit. Es wird eine lange Wanderung.�</p><p>�Warum wurde das Urteil verworfen?�</p><p>�In den Klippen hat es einen Wechsel der politischen Macht gegeben�, sagte er. �Anscheinend werden meine Dienste nun wieder ben�tigt.�</p><p>�Mit welchem Ziel?�</p><p>Die Lippen in dem breiten, zerkl�fteten Kur-Gesicht wurden gespannt und entbl��ten die Rei�z�hne. Es war ein Kur-L�cheln. �Ich glaube nicht, da� es angebracht w�re, dies zu verraten�, t�nte es aus dem Ubersetzungsger�t.</p><p>�Als jemand, der gelegentlich f�r die Sache der Priesterk�nige eingetreten ist, m��te ich dich jetzt wohl t�ten�, sagte ich.</p><p>�Gewi� bist du nicht aus diesem Grund ins �dland gekommen.�</p><p>�Nein�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Und nicht deswegen lie� ich die Bilderhaut nach Westen schaffen.�</p><p>�Du hast das mit Absicht getan?�</p><p>�Ja�, sagte Zarendargar. �Damit wollte ich das Exekutionskommando in das �dland locken, wo ich mit ihm fertigwerden konnte. Au�erdem wollte ich mich deiner Hilfe versichern.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte ich.</p><p>�Ich ging davon aus, da� die anderen Kurii versuchen w�rden, sich der Hilfe von Menschen zu versichern; immerhin ging es um ein Projekt, das aus ihrer Sicht auch die Menschen interessieren mu�te � meine Gefangennahme und Vernichtung. Dazu w�rden sie bestimmt Samos aus Port Kar ansprechen, der mit Sicherheit dich von diesen Pl�nen unterrichten w�rde.�</p><p>�Wir haben ihnen nicht geholfen�, sagte ich. �Sie mu�ten andere Vereinbarungen eingehen � mit S�ldnern.�</p><p>�Damit hatte ich gerechnet�, sagte Zarendargar. �Ich glaube, in diesem Punkt konnte ich die Menschen richtiger einsch�tzen als sie.�</p><p>�M�glich�, sagte ich.</p><p>�Du w�rdest ins �dland kommen, davon war ich �berzeugt. Die Kurii dagegen rechneten nicht damit. Und das war ein schlimmer Fehler. Aber vielleicht kann man es ihnen nicht ver�beln. Schlie�lich konnten sie etwas nicht wissen, das mir gut bekannt war.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Da� wir einmal vor langer Zeit Paga geteilt haben.�</p><p>Gestern fr�h hatten Zarendargar und sein Begleiter das Siegeslager verlassen. Ich machte nat�rlich keinen Versuch, den Kurii zu folgen.</p><p>Mein Blick war auf die Anh�he am Lager gerichtet. Zum Abschied hob ich die Hand.</p><p>Dort dr�ben standen Mahpiyasapa, Zivilh�uptling der Kaiila, und sein Freund Kahintokapa von den Gelben Kaiila-Reitern. Auf seinem Schild leuchtete noch immer das Bild Halb-Ohrs. Neben ihnen verabschiedeten mich Grunt und sein Sohn. Ich sah Canka und Winyela, Wasnapohdi und Waiyeyeca und Oiputake mit ihrem Herrn Wapike. Viele andere waren aus dem Lager gestr�mt, vor allem nat�rlich meine Blutsbr�der Hci und Cuwignaka.</p><p>Und wieder wandte ich mich ab und ritt langsam in westlicher Richtung. Mein Ziel war die Ihanke.</p><p>Zur Mittagsstunde schaute ich einmal hinter mir zum Himmel auf. Mein Blick fiel auf einen gro�en schwarzen Tarn.</p><p>Gem�chlich hob ich Arm und Hand zum goreanischen Gru�. Gleich darauf wandte sich das Tier nach Osten und flog davon. Ich schaute ihm nach, bis es am blauen Himmel �ber der Weite des �dlandes nur noch ein kleiner Punkt war, der gleich darauf verschwand.</p><p>Dann setzte ich meinen Weg fort; den Z�gel der nachfolgenden Kaiila mit der Sklavin hatte ich um meinen Sattelknauf geschlungen.</p></section></body><binary id="cover" 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