<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><author><first-name>Brandon</first-name><last-name>Sanderson</last-name></author><book-title>Das Verm�chtnis des Lichts</book-title><date>2013</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="14"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><author><first-name>Brandon</first-name><last-name>Sanderson</last-name></author><book-title>A Memory of Light</book-title><date>2013</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>88B8A324-FC77-4695-9D46-9F891EC37F54</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><epigraph><p>F�r Harriet, das Licht in Mr.�Jordans Leben,</p><p>und f�r Emily, das Licht in meinem.</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Und der Schatten fiel auf das Land, und die Welt wurde Stein f�r Stein gespalten. Die Ozeane flohen, und die Berge wurden verschlungen und die Nationen in alle acht Ecken der Welt verstreut. Der Mond war wie Blut, und die Sonne war wie Asche. Die Meere brodelten, und die Lebenden beneideten die Toten. Alles wurde zerschmettert, alles ging verloren. Nur die Erinnerungen nicht. Vor allem eine Erinnerung vor allen anderen, die Erinnerung an ihn, der den Schatten gebracht hatte und f�r die Zerst�rung der Welt verantwortlich war. Und sie nannten ihn den Drachen.</p><text-author>� Auszug aus <emphasis>Aleth nin Taerin alta Camora</emphasis>,</text-author><text-author>Die Zerst�rung der Welt.</text-author><text-author>Unbekannter Autor aus dem Vierten Zeitalter</text-author></cite></section><section><title><p>PROLOG</p><p>Durch die Gnade des Lichts und in den Staub getretene Banner</p></title><p>Bayrd dr�ckte fest mit Daumen und Zeigefinger auf die M�nze. Das Metall gab mit einem feuchten Laut nach, der an den Nerven zerrte.</p><p>Er hob den Daumen. Im flackernden Fackelschein zeigte das harte Kupfer nun seinen Abdruck. Bayrd fr�stelte, als h�tte er den ganzen Abend in einem Keller verbracht.</p><p>Sein Magen knurrte. Schon wieder.</p><p>Der Nordwind frischte auf und lie� die Fackeln noch heftiger flackern. Bayrd sa� nahe der Mitte des Kriegslagers mit dem R�cken an einen gro�en Stein gelehnt. Hungrige M�nner w�rmten sich die H�nde an den Feuergruben und murrten; die Vorr�te waren schon vor langer Zeit verdorben. In der N�he breiteten Soldaten alle metallenen Gegenst�nde ��Schwerter, R�stungsschnallen, Kettenhemden�� auf dem Boden aus, als w�re es W�sche zum Trocknen. Vielleicht hofften sie ja, dass das Material bei Sonnenaufgang wieder normal wurde.</p><p>Bayrd rollte die M�nze zwischen den Fingern zu einer Kugel. <emphasis>Das Licht besch�tze uns,</emphasis> dachte er. <emphasis>Das Licht��</emphasis> Er lie� die Kugel ins Gras fallen, dann beugte er sich vor und nahm die Steine wieder auf, mit denen er gearbeitet hatte.</p><p>�Ich will wissen, was hier passiert ist, Karam�, fauchte Lord Jarid. Jarid und seine Berater standen in der N�he an einem mit Karten �bers�ten Tisch. �Ich will wissen, wie sie so nahe kommen konnten, und ich will den Kopf dieser verfluchten Aes-Sedai-K�nigin und Schattenfreundin!� Jarid schlug mit der Faust auf den Tisch. Fr�her hatte in seinem Blick nicht dieser irre Fanatismus gelegen. Der auf ihm lastende Druck ver�nderte alles�� der verdorbene Proviant, die seltsamen Vorkommnisse in der Nacht.</p><p>Hinter ihm lag das Befehlszelt in einem unordentlichen Haufen auf dem Boden. Das Haar wehte ihm ins vom Fackelschein erhellte Gesicht�� es war sehr lang geworden im Exil. Noch immer klebte Gras an seinem Mantel, weil er aus dem zusammengebrochenen Zelt hatte kriechen m�ssen.</p><p>Verwirrte Diener machten sich an den eisernen Zeltn�geln zu schaffen, die wie alles Metall im Lager weich geworden waren. Die Befestigungsringe hatten sich wie warmes Wachs gedehnt und waren gerissen.</p><p>Die Nacht roch falsch. Sie roch muffig, nach Kammern, die jahrelang keiner mehr betreten hatte. Auf einer Waldlichtung sollte die Luft nicht nach altem Staub riechen. Bayrds Magen grollte erneut. Beim Licht, wie gern h�tte er etwas gegessen. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder seiner Arbeit zu und schlug mit einem Stein auf den anderen ein.</p><p>Er hielt die Steine, wie es ihm sein Gro�vater beigebracht hatte, als er noch ein kleiner Junge gewesen war. Das Gef�hl, wie die Steine aufeinanderprallten, half Hunger und K�lte zu vergessen. Zumindest etwas in seiner Welt war noch verl�sslich.</p><p>Lord Jarid starrte stirnrunzelnd in seine Richtung. Bayrd war einer von zehn M�nnern, die den Lord in dieser Nacht zu besch�tzen hatten. �Ich <emphasis>hole</emphasis> mir Elaynes Kopf, Karam�, sagte Jarid und wandte sich wieder seinen Hauptleuten zu. �Diese unnat�rliche Nacht ist das Werk ihrer Hexen.�</p><p>�Ihren Kopf?�, ert�nte Eris skeptische Stimme von der Seite. �Und wie genau soll Euch jemand ihren Kopf bringen?�</p><p>Lord Jarid drehte sich um, genau wie die anderen an dem von Fackelschein beleuchteten Tisch. Eri starrte in den Himmel; der Mann trug das Zeichen des goldenen Ebers vor dem roten Speer. Es war das Zeichen von Jarids Leibwache, aber Eris Stimme verriet nur wenig Respekt. �Womit soll er denn diesen Kopf herunterbekommen, Jarid? Mit seinen Z�hnen?�</p><p>Der ausgesprochen aufs�ssige Satz lie� im Lager Stille einkehren. Bayrd h�rte auf, mit seinen Steinen zu hantieren, und z�gerte. Ja, es hatte Gerede dar�ber gegeben, wie irrsinnig Lord Jarid geworden war. Aber das jetzt?</p><p>Jarid plusterte sich auf, sein Gesicht lief vor Zorn rot an. �Du wagst es, in diesem Ton mit mir zu sprechen? Einer meiner <emphasis>Leibw�chter</emphasis>?�</p><p>Eri schaute weiter in den wolkenverh�llten Himmel.</p><p>�Dein Sold ist f�r die n�chsten beiden Monate gestrichen�, fauchte Jarid, aber seine Stimme zitterte. �Du bist degradiert und bis auf Weiteres zum Latrinendienst abkommandiert. Bei den n�chsten Widerworten schneide ich dir die Zunge heraus.�</p><p>Der kalte Wind lie� Bayrd fr�steln. Eri war der beste Mann von den Resten ihres Rebellenheeres. Die anderen Leibw�chter scharrten mit den F��en und schauten zu Boden.</p><p>Eri schaute den Lord an und l�chelte. Er sagte kein Wort, aber das war irgendwie auch nicht n�tig. Seine Zunge herausschneiden? Jedes St�ck Metall im Lager war so weich wie ein Klumpen Fett geworden. Jarids Messer lag v�llig unbrauchbar auf dem Tisch�� die Klinge hatte sich in die L�nge gezogen, als er sie aus der Scheide zog. Jarids Mantelsch��e klafften auf; er hatte Silberkn�pfe gehabt.</p><p>�Jarid���, sagte Karam. Der Lord eines unbedeutenden Hauses, das loyal zu Sarand stand, hatte ein schmales Gesicht und gro�e Lippen. �Glaubt Ihr wirklich, dass das�� das soll das Werk von Aes Sedai sein? Das ganze Metall im Lager?�</p><p>�Nat�rlich�, bellte Jarid. �Was sollte es sonst sein? Kommt mir ja nicht mit diesen Lagerfeuergeschichten. Die Letzte Schlacht? L�cherlich.� Er schaute wieder auf den Tisch. Dort lag die Karte von Andor, an den Ecken mit kleinen Steinen beschwert.</p><p>Bayrd wandte sich wieder seinen Steinen zu. <emphasis>Klack, klack, klack.</emphasis> Schiefer und Granit. Es hatte einige M�he gekostet, aber sein Gro�vater hatte ihm beigebracht, Mineralien zu erkennen. Der alte Mann hatte sich verraten gef�hlt, als Bayrds Vater losgezogen war, um in der Stadt Metzger zu werden, statt sich dem Familienhandwerk zuzuwenden.</p><p>Weicher, glatter Schiefer. Grober, kantiger Granit. Ja, manche Dinge in der Welt waren noch immer solide. Einige wenige Dinge. In diesen Tagen konnte man sich nur noch auf wenige Dinge verlassen. Einst unersch�tterliche Lords waren nun so weich wie�� nun, weich wie Eisen. Am Himmel pulsierte Finsternis, und mutige M�nner ��M�nner, zu denen Bayrd einst aufgesehen hatte�� zitterten und wimmerten in der Nacht.</p><p>�Ich mache mir Sorgen, Jarid�, sagte Davies. Lord Davies, ein �lterer Mann, kam dem noch am n�chsten, was man als Jarids Vertrauten h�tte bezeichnen k�nnen. �Schon seit Tagen haben wir niemanden mehr gesehen. Keinen Bauern, keine Soldaten der K�nigin. Etwas geschieht. Etwas, das falsch ist.�</p><p>�Sie hat die Menschen weggebracht�, knurrte Jarid. �Sie wird bald zuschlagen.�</p><p>�Ich glaube, sie ignoriert uns�, sagte Karam und betrachtete den Himmel. Noch immer war nur eine dicke Wolkenschicht zu sehen. Es kam Bayrd so vor, als w�re es Monate her, dass er einen klaren Himmel gesehen hatte. �Warum sollte sie sich f�r uns interessieren? Unsere M�nner verhungern. Die Vorr�te verderben st�ndig. Die Zeichen���</p><p>�Sie will Druck auf uns aus�ben�, behauptete Jarid verbissen. �Das ist das Werk der Aes Sedai.�</p><p>Pl�tzlich trat im Lager Stille ein. Stille, die allein von Bayrds Steinen gebrochen wurde. Der Metzgerberuf hatte ihm nie zugesagt, aber in der Leibwache seines Lords hatte er ein Zuhause gefunden. K�he abschlachten oder M�nner, das war sich sehr �hnlich. Es machte ihm zu schaffen, wie einfach dieser Wechsel f�r ihn gewesen war.</p><p><emphasis>Klack, klack, klack.</emphasis></p><p>Eri drehte sich um. Jarid musterte den W�chter misstrauisch, als w�re er bereit, noch drakonischere Strafen zu br�llen.</p><p><emphasis>Er war nicht immer so schlimm, oder?,</emphasis> dachte Bayrd. <emphasis>Er wollte den Thron f�r seine Frau, aber welcher Lord w�rde das nicht wollen?</emphasis> Es fiel schwer, den Namen nicht l�nger ernst zu nehmen. Bayrds Familie diente den Sarand schon seit Generationen treu.</p><p>Eri drehte dem Kommandoposten den R�cken zu und setzte sich in Bewegung.</p><p>�Was glaubst du, wo du hingehst?�, schrie Jarid.</p><p>Eri griff zur Schulter und riss das Abzeichen der Hausgarde Sarands ab. Er warf es weg und verlie� den Lichtkreis, ging hinaus in die Nacht auf den Wind aus dem Norden zu.</p><p>Die meisten M�nner im Lager waren nicht schlafen gegangen. Sie sa�en um die Feuergruben herum, weil sie in der N�he von W�rme und Licht sein wollten. Ein paar versuchten, Gras, Bl�tter oder sogar Lederriemen zu kochen, damit sie etwas zu essen hatten, ganz egal, was es auch war.</p><p>Sie standen auf, als Eri ging, und blickten ihm hinterher.</p><p>�Deserteur�, br�llte Jarid. �Nach allem, was wir durchgemacht haben, geht er. Nur weil die Dinge schwierig geworden sind.�</p><p>�Die M�nner <emphasis>verhungern</emphasis>, Jarid�, wiederholte Davies.</p><p>�Dessen bin ich mir bewusst. Danke, dass Ihr mich mit <emphasis>jedem verdammten Atemzug</emphasis> auf unsere Schwierigkeiten hinweist!� Mit zitternder Hand wischte sich Jarid die Stirn ab, dann schlug er auf die Karte. �Wir m�ssen eine der St�dte angreifen; wir k�nnen ihr nicht entkommen, jetzt, da sie wei�, wo wir sind. Wei�br�cke. Wir nehmen es ein und r�sten uns dort neu aus. Ihre Aes Sedai m�ssen nach ihrem Werk heute Nacht ersch�pft sein, denn sonst h�tte sie angegriffen.�</p><p>Bayrd sp�hte mit zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit. Weitere M�nner standen auf, nahmen Bauernspie�e oder Keulen. Andere verzichteten auf Waffen. Sie nahmen ihre Decken, luden sich Kleiderb�ndel auf die Schultern. Dann verlie�en sie das Lager, ganz lautlos, wie eine Parade aus Geistern. Keine Kettenhemden klirrten, keine Schnallen. Es gab kein Metall mehr. Als h�tte man ihm seine Seele geraubt.</p><p>�Elayne wird es nicht wagen, uns mit vielen M�nnern anzugreifen�, behauptete Jarid und versuchte offensichtlich, sich selbst davon zu �berzeugen. �In Caemlyn muss Unruhe herrschen. All die S�ldner, von denen Ihr berichtet habt, Shiv. Vielleicht gibt es ja Aufst�nde. Elenia wird nat�rlich gegen Elayne arbeiten. Wei�br�cke. Ja, Wei�br�cke ist perfekt.</p><p>Wir halten die Stadt und teilen die Nation in zwei H�lften, versteht Ihr? Wir rekrutieren dort, zwingen die M�nner des westlichen Andor unter unser Banner. Marschieren zu diesem Ort, wie hei�t er noch mal? Die Zwei Fl�sse. Dort sollten wir f�hige H�nde finden.� Jarid schnaubte. �Dort hat es seit Jahrzehnten keinen Lord mehr gegeben, habe ich geh�rt. Gebt mir vier Monate, und ich habe ein Heer, mit dem man rechnen muss. Gro� genug, dass sie es niemals wagt, uns mit ihren Hexen anzugreifen���</p><p>Bayrd hielt seinen Stein ins Fackellicht. Der Kniff, eine ordentliche Speerspitze herzustellen, lag darin, au�en anzufangen und sich nach innen weiterzuarbeiten. Mit Kreide hatte er die Umrisse auf ein St�ck Schiefer gemalt, dann hatte er sich auf die Mitte zugearbeitet, um die Form zu vollenden. Von dort wechselte man von harten Schl�gen zu behutsamem H�mmern und sch�lte kleine Splitter ab.</p><p>Eine Seite hatte er bereits vor einiger Zeit fertiggestellt; die andere war fast vollendet. Beinahe vermeinte er die leise Stimme seines Gro�vaters zu h�ren. <emphasis>Wir stammen vom Stein ab, Bayrd. Ganz egal, was dein Vater sagt. Tief im Inneren stammen wir vom Stein ab.</emphasis></p><p>Weitere Soldaten verlie�en das Lager. Schon merkw�rdig, wie wenige von ihnen sprachen. Endlich bemerkte Jarid es. Er packte eine der Fackeln und hielt sie in die H�he. �Was tun sie da? Gehen sie auf die Jagd? Wir haben schon seit Wochen kein Wild mehr gesichtet. Stellen sie Fallen auf?�</p><p>Niemand gab eine Antwort.</p><p>�Vielleicht haben sie etwas gesehen�, murmelte der Lord. �Vielleicht glauben sie es auch nur. Ich will nichts mehr von Geistern oder anderem Unsinn h�ren; die Hexen erschaffen Trugbilder, um uns den Mut zu rauben. Das�� das muss es sein.�</p><p>In der N�he raschelte es. Karam w�hlte in seinem zusammengest�rzten Zelt herum. Er fand ein kleines B�ndel.</p><p>�Karam?�, sagte Jarid.</p><p>Karam warf dem Lord einen Blick zu, dann senkte er den Blick und schn�rte einen Geldbeutel an den G�rtel. Pl�tzlich hielt er inne und lachte, leerte ihn. Die Goldm�nzen waren zu einem einzigen Klumpen geschmolzen. Karam steckte den Klumpen ein. Er fischte in dem Beutel herum und holte einen Ring heraus. Der blutrote Edelstein in der Mitte war noch immer einwandfrei. �Vermutlich reicht das heute nicht einmal mehr, um einen Apfel zu kaufen�, murmelte er.</p><p>�Ich <emphasis>verlange</emphasis> zu wissen, was Ihr da tut�, knurrte Jarid. �Ist das Euer Werk?� Er deutete auf die abr�ckenden Soldaten. �Ihr habt eine Meuterei angezettelt, ist es das?�</p><p>�Damit habe ich nichts zu tun.� Karam sah besch�mt aus. �Und Ihr eigentlich auch nicht. Ich�� es tut mir leid.�</p><p>Karam verlie� den Lichtkreis. Bayrd versp�rte �berraschung. Lord Karam und Lord Jarid waren Jugendfreunde.</p><p>Lord Davies war der N�chste, lief hinter Karam her. Wollte er den j�ngeren Mann aufhalten? Nein, er setzte sich an Karams Seite. Sie verschwanden in der Dunkelheit.</p><p>�Daf�r bringe ich euch irgendwann zur Strecke!�, br�llte ihnen Jarid mit schriller Stimme hinterher. �Ich werde der Ehemann der K�nigin sein! Zehn Generationen lang wird euch oder den Angeh�rigen eurer H�user kein Mann Unterschlupf gew�hren!�</p><p>Bayrd betrachtete wieder den Stein in seiner Hand. Nur noch ein Arbeitsschritt war �brig, das Gl�tten. Eine gute Speerspitze musste gegl�ttet werden, um gef�hrlich zu sein. Er nahm ein weiteres St�ck Granit, das er f�r den Zweck gesucht hatte, und fing an, die Schieferkante sorgf�ltig zu schleifen.</p><p><emphasis>Anscheinend kann ich das noch besser als erwartet,</emphasis> dachte er, w�hrend Lord Jarid weiterhin tobte.</p><p>Eine Speerspitze herzustellen hatte etwas Machtvolles. Die einfache T�tigkeit schien das Zwielicht zur�ckzudr�ngen. In der letzten Zeit hatte ein <emphasis>Schatten</emphasis> auf ihm und dem Rest des Lagers gelegen. Es war, als w�re�� als k�nnte er einfach nicht im Licht stehen, ganz egal, wie sehr er sich bem�hte. Jeden Morgen erwachte er mit dem Gef�hl, als w�re am Vortag ein geliebter Mensch gestorben.</p><p>Eine derartige Verzweiflung konnte einen zerm�rben. Aber etwas zu erschaffen ��ganz egal was�� k�mpfte dagegen an. Das war eine M�glichkeit, um <emphasis>ihn</emphasis> herauszufordern. Der, den niemand beim Namen nannte. Von dem sie alle wussten, dass er dahintersteckte, ganz egal, was Lord Jarid auch sagte.</p><p>Bayrd stand auf. Eigentlich hatte er sp�ter noch weiter gl�tten wollen, aber tats�chlich sah die Speerspitze bereits gut aus. Er hob den Speerschaft aus Holz ��die Eisenspitze war abgefallen, als das B�se das Lager getroffen hatte�� und band die neue Speerspitze genauso fest, wie es ihm sein Gro�vater vor vielen Jahren beigebracht hatte.</p><p>Die anderen W�chter sahen ihn an. �Davon brauchen wir mehr�, sagte Morear. �Falls Ihr dazu bereit seid.�</p><p>Bayrd nickte. �Wir kommen auf dem Weg an dem H�gel vorbei, wo ich den Schiefer fand.�</p><p>Endlich h�rte Jarid auf zu br�llen; im Fackelschein erschienen seine Augen weit aufgerissen. �Nein. Ihr seid meine Leibwache. Ihr verlasst mich nicht!�</p><p>Mit Mordlust im Blick warf sich Jarid auf Bayrd, aber Morear und Rosse ergriffen den Lord von hinten. Rosse schien selbst �ber seine verr�terische Tat best�rzt zu sein. Trotzdem lie� er nicht los.</p><p>Bayrd steckte ein paar Dinge ein, die neben seiner Bettrolle lagen. Dann nickte er den anderen zu, und sie schlossen sich ihm an�� acht M�nner aus Lord Jarids Leibwache, die den br�llenden Lord durch die �berreste des Lagers zerrten. Sie passierten rauchende Feuer und eingest�rzte Zelte, die von den M�nnern zur�ckgelassen wurden, die nun in immer gr��erer Zahl in die Dunkelheit gingen. Nach Norden. Hinein in den Wind.</p><p>Am Lagerrand suchte Bayrd einen knorrigen Baum aus. Er winkte die anderen herbei, und sie nahmen das Seil, das er mitgenommen hatte, und fesselten Lord Jarid an den Stamm. Der Mann br�llte herum, bis Morear ihn mit dem Taschentuch knebelte.</p><p>Bayrd trat an ihn heran. Er stopfte ihm einen Wasserschlauch in die Armbeuge. �Wehrt Euch nicht zu sehr, sonst lasst Ihr den fallen, mein Lord. Ihr solltet den Knebel entfernen k�nnen, er sieht nicht sehr fest aus, und dann aus dem Schlauch trinken k�nnen. Hier, ich schraube ihn auf.�</p><p>Jarid starrte Bayrd wild an.</p><p>�Das ist nichts Pers�nliches, mein Lord�, fuhr Bayrd fort. �Ihr habt meine Familie stets anst�ndig behandelt. Aber, nun ja, wir k�nnen nicht zulassen, dass Ihr uns folgt und uns das Leben schwer macht. Da gibt es etwas, das wir tun m�ssen, und Ihr hindert alle daran, es zu tun. Vielleicht h�tte jemand fr�her etwas sagen sollen. Nun, dazu ist es nun zu sp�t. Manchmal l�sst man das Fleisch einfach zu lange h�ngen, und dann muss das ganze St�ck weg.�</p><p>Er nickte den anderen zu, die losliefen, um das Bettzeug zu holen. Er zeigte Rosse, in welche Richtung der Schieferbruch lag, und erkl�rte ihm genau, wonach er suchen musste, um gutes Material f�r Speerspitzen zu bekommen.</p><p>Dann wandte er sich wieder an den noch immer gegen die Fesseln ank�mpfenden Lord Jarid. �Das sind nicht die Hexen, mein Lord. Das ist auch nicht Elayne�� obwohl ich sie wohl K�nigin nennen sollte. Schon komisch, ein so h�bsches junges Ding als K�nigin zu betrachten. Ich w�rde sie lieber in einem Gasthaus auf dem Scho� schaukeln, als mich vor ihr zu verneigen, aber Andor braucht eine Herrscherin, der man nach der Letzten Schlacht folgen kann, und Eure Gemahlin ist das nicht. Es tut mir leid.�</p><p>Jarid sackte in seinen Fesseln zusammen, der ganze Zorn schien aus ihm herauszusickern. Er weinte. Irgendwie ein seltsamer Anblick.</p><p>�Den Leuten, denen wir begegnen, falls wir welchen begegnen, werde ich sagen, wo Ihr seid�, versprach Bayrd, �und dass Ihr vermutlich ein paar Juwelen habt. M�glicherweise kommen sie Euch holen. Vielleicht.� Er z�gerte. �Ihr h�ttet Euch nicht in den Weg stellen sollen. Alle scheinen zu wissen, was kommt, nur Ihr nicht. Der Drache wurde wiedergeboren, alte Bande werden zerrissen, alte Eide haben ihren Wert verloren�� und ich lasse mich eher <emphasis>aufh�ngen</emphasis>, als dass ich Andor zur Letzten Schlacht marschieren lasse, ohne dabei zu sein.�</p><p>Bayrd ging in die Nacht hinein und legte den neuen Speer auf die Schulter. <emphasis>Es gibt sowieso einen Eid, der �lter als der zu Eurer Familie ist. Einen Eid, den nicht einmal der Drache ungeschehen machen kann.</emphasis> Es war ein Eid dem Land gegen�ber. Die Steine lagen ihm im Blut, und sein Blut war ein Teil der Steine dieser Nation namens Andor.</p><p>Bayrd scharte die anderen um sich, und sie gingen nach Norden. Hinter ihnen wimmerte ihr Lord alleingelassen, als schlie�lich die Geister durch das Lager huschten.</p><empty-line/><p>Talmanes zog an Selfars Z�geln und lie� das Pferd t�nzeln und den Kopf sch�tteln. Der Rotschimmel erschien voller unterdr�cktem Eifer. Vielleicht sp�rte er ja die nerv�se Stimmung seines Herrn.</p><p>Dichter Rauch erf�llte die Nachtluft. Rauch und Schreie. Talmanes f�hrte die Bande an einer Stra�e entlang, auf der sich ru�verschmierte Fl�chtlinge dr�ngten. Sie bewegten sich wie Dreck auf der Oberfl�che eines schlammigen Flusses.</p><p>Die M�nner der Bande betrachteten die Fl�chtlinge voller Sorge. �Ganz ruhig!�, rief Talmanes ihnen zu. �Wir k�nnen nicht den ganzen Weg nach Caemlyn rennen. Ganz ruhig!� Er f�hrte die M�nner so schnell an, wie er es wagte, fast schon im Laufschritt. Ihre R�stungen klirrten. Elayne hatte die H�lfte der Bande zum Feld von Merrilor mitgenommen, einschlie�lich Estean, und fast die gesamte Kavallerie. Vielleicht glaubte sie, sich f�r einen schnellen R�ckzug bereithalten zu m�ssen.</p><p>Nun, in den Stra�en w�rde man kaum Kavallerie einsetzen k�nnen, denn sie waren zweifellos genauso verstopft wie diese Landstra�e, davon war Talmanes �berzeugt. Selfar schnaubte und sch�ttelte den Kopf. Sie waren jetzt schon ganz nahe; direkt voraus erhoben sich die Stadtmauern wie ein Schatten in der Nacht und sperrten einen w�tenden Lichtschein ein. Als w�re die ganze Stadt eine Feuergrube.</p><p><emphasis>Durch die Gnade des Lichts und in den Staub getretene Banner,</emphasis> zitierte Talmanes fr�stelnd in Gedanken. Gewaltige Rauchwolken stiegen aus der Stadt auf. Das war schlimm. Viel schlimmer als bei den Aiel in Cairhien.</p><p>Schlie�lich lie� er Selfar seinen Willen. Der Rotschimmel galoppierte eine Weile am Stra�enrand entlang, dann erzwang sich Talmanes z�gernd den Weg auf die andere Seite und ignorierte dabei jede Bitte um Hilfe. Die mit Mat verbrachte Zeit lie� ihn sich w�nschen, mehr f�r diese Leute tun zu k�nnen. Es war schon �u�erst seltsam, dieser Einfluss, den Matrim Cauthon auf einen hatte. Talmanes sah die einfachen Leute mittlerweile in einem ganz anderen Licht. Vielleicht lag es auch nur daran, dass er noch immer nicht wusste, ob er Mat nun als Lord betrachten sollte oder doch nicht.</p><p>Auf der anderen Seite der Stra�e musterte er die brennende Stadt und wartete darauf, dass ihn seine M�nner einholten. Er h�tte sie alle reiten lassen k�nnen�� auch wenn es sich nicht um ausgebildete Kavalleristen handelte, verf�gte jeder Angeh�rige der Bande f�r lange Reisen �ber ein Pferd. Aber heute Nacht wagte er das nicht. Weil Trollocs und Myrddraal in den Stra�en lauerten, brauchte er seine M�nner sofort kampfbereit. Armbrustm�nner marschierten mit geladenen Waffen neben dicht gedr�ngten Reihen Pikentr�ger. Er w�rde seine Soldaten keineswegs schutzlos einem Trolloc-Angriff aussetzen, ganz egal, wie dringend ihr Einsatz auch war.</p><p>Aber wenn sie diese Drachen verl�ren��</p><p><emphasis>Das Licht erleuchte uns,</emphasis> dachte er. Die Stadt schien zu kochen, wenn man den ganzen Rauch �ber ihr betrachtete. Doch ein paar Teile der Altstadt ��die sich hoch auf dem H�gel erhob und oberhalb der Mauern zu sehen war�� brannten noch nicht. Der Palast brannte noch nicht. Ob ihn die dort stationierten Soldaten wohl hielten?</p><p>Von der K�nigin war keine Nachricht gekommen, und soweit er wusste, war keine Hilfe f�r die Stadt eingetroffen. Die K�nigin musste noch immer ahnungslos sein, und das war schlimm.</p><p>Sehr, <emphasis>sehr</emphasis> schlimm.</p><p>Voraus entdeckte er Sandip mit einigen Kundschaftern der Bande. Der schlanke Mann versuchte, sich von einer Gruppe Fl�chtlinge zu l�sen.</p><p>�Bitte, guter Herr�, schluchzte eine junge Frau. �Mein Kind, meine Tochter, auf den H�hen der n�rdlichen���</p><p>�Ich muss zu meinem Laden�, br�llte ein st�mmiger Mann. �Meine Glaswaren���</p><p>�Ihr guten Menschen�, rief Talmanes und dr�ngte sein Pferd zwischen sie, �wenn ihr uns wirklich helfen wollt, dann k�nntet ihr aus dem Weg gehen und uns erlauben, die verdammte Stadt zu erreichen!�</p><p>Widerstrebend machten die Fl�chtlinge Platz, und Sandip nickte Talmanes dankbar zu. Mit brauner Haut und dunklen Haaren war Sandip einer der Befehlshaber der Bande und ein erfahrener Feldscher. Aber heute trug der sonst so umg�ngliche Mann eine grimmige Miene.</p><p>�Sandip�, sagte Talmanes und streckte den Arm aus. �Dort!�</p><p>In der N�he dr�ngte sich eine gro�e Gruppe K�mpfer und betrachtete die Stadt.</p><p>�S�ldner�, stie� Sandip mit einem Grunzen hervor. �Wir sind einigen Gruppen davon begegnet. Niemand schien geneigt zu sein, auch nur einen Finger zu r�hren.�</p><p>�Das werden wir ja sehen�, sagte Talmanes. Noch immer str�mten Menschen hustend aus den Stadttoren, hastig zusammengeraffte Besitzt�mer auf den Armen, mit weinenden Kindern an der Hand. Dieser Strom w�rde nicht so bald versiegen. Caemlyn war so voll wie eine Schenke am Markttag; verglichen mit jenen, die noch drinnen waren, w�rden die, die das Gl�ck gehabt hatten, entkommen zu k�nnen, nur einen kleinen Bruchteil ausmachen.</p><p>�Talmanes�, sagte Sandip leise. �Diese Stadt wird sich bald in eine Todesfalle verwandeln. Es gibt nicht gen�gend Ausg�nge. Wenn wir zulassen, dass die Bande drinnen eingekesselt wird���</p><p>�Ich wei�. Aber���</p><p>An den Toren durchfuhr die Fl�chtlinge ein Gef�hl, das sich weiter fortpflanzte. Beinahe war es k�rperlich zu sp�ren, ein Schauder. Die Schreie wurden noch lauter. Talmanes fuhr herum; riesige Gestalten bewegten sich in den Schatten des Tores.</p><p>�Beim Licht!�, stie� Sandip hervor. �Was ist das?�</p><p>�Trollocs!�, sagte Talmanes. �Licht! Sie wollen das Tor erobern, die Fl�chtlinge einsperren.� Die Stadt verf�gte �ber f�nf Tore; falls die Trollocs sie alle hielten��</p><p>Das war bereits ein Gemetzel. Falls die Trollocs die angsterf�llten Menschen an ihrer Flucht hindern konnten, w�rde es noch viel schlimmer werden.</p><p>�Lasst die Reihen schneller vorr�cken!�, br�llte Talmanes. �Alle M�nner zu den Stadttoren!� Er trieb Selfar zum Galopp an.</p><empty-line/><p>An jedem anderen Ort h�tte man das Geb�ude als Gasthaus bezeichnet, aber au�er der Frau mit dem abgestumpften Blick, die sich um die paar schmucklosen Zimmer k�mmerte und fade Mahlzeiten zubereitete, war Isam hier noch niemand anderem begegnet. Ein Besuch an diesem Ort war niemals erfreulich. Er sa� auf einem harten Hocker an einem Tisch aus Pinienholz, der so alt war, dass er vermutlich schon lange vor seiner Geburt jede Farbe verloren hatte. Er vermied es, zu oft mit der Oberfl�che in Ber�hrung zu kommen, damit er sich nicht mehr Splitter einfing, als Aiel Speere hatten.</p><p>Ein verbeulter Zinnbecher war mit einer dunklen Fl�ssigkeit gef�llt, aber Isam trank nicht. Er sa� nahe genug am einzigen Fenster des Schenkraums an der Wand, um die ungepflasterte Stra�e zu beobachten, die jetzt am Abend von ein paar an den Nachbarh�usern h�ngenden verrosteten Laternen kaum ausreichend beleuchtet wurde. Er achtete darauf, sein Profil nie durch das verdreckte Glas sehen zu lassen. Er schaute nie direkt nach drau�en. In dieser Stadt war es immer besser, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.</p><p>Die Stadt. Das war der einzige Name, den der Ort hatte, falls man das �berhaupt als Namen bezeichnen konnte. Im Verlauf von zweitausend Jahren war diese Siedlung aus primitiv gezimmerten Geb�uden zahllose Male neu errichtet worden. Tats�chlich �hnelte sie sogar einer Stadt von ordentlicher Gr��e, wenn man die Augen zusammenkniff und nicht genau hinsah. Die meisten H�user waren von Gefangenen gebaut worden, die oftmals kaum oder auch gar keine Ahnung vom Handwerk hatten. �berwacht hatten sie M�nner, die genauso inkompetent gewesen waren. Eine ordentliche Zahl der Geb�ude schien lediglich von den Nebenh�usern aufrechterhalten zu werden.</p><p>Schwei� rann Isam die Schl�fen hinunter, w�hrend er verstohlen die Stra�e im Auge behielt. Wer w�rde zu ihm kommen?</p><p>In der Ferne konnte er nur m�hsam die Umrisse des Berges ausmachen, der den Nachthimmel spaltete. Irgendwo scharrte Eisen �ber Eisen; es klang wie ein st�hlerner Herzschlag. Auf der Stra�e bewegten sich Gestalten. In Umh�nge geh�llte M�nner, deren Gesichter bis zu den Augen von blutroten Schleiern verborgen wurden.</p><p>Isam achtete darauf, die Blicke nicht auf ihnen ruhen zu lassen.</p><p>Donner grollte. Die H�nge dieses Berges waren voller seltsamer Blitze, die nach oben in die allgegenw�rtigen grauen Wolken zuckten. Nur wenige Menschen wussten von dieser Stadt, die nicht weit vom Thakan�dar-Tal entfernt lag, �ber das sich der Shayol Ghul erhob. Selbst <emphasis>Ger�chte</emphasis> dar�ber waren nur wenigen bekannt. Isam h�tte nichts dagegen gehabt, zu den Unwissenden zu geh�ren.</p><p>Wieder ging ein Mann vorbei. Rote Schleier. Sie hatten sie st�ndig hochgezogen. Nun, jedenfalls so gut wie immer. Wenn man sah, wie einer den Schleier senkte, war es h�chste Zeit, ihn zu t�ten. Tat man das nicht, t�tete er dich. Die meisten der rot verschleierten M�nner schienen keinen Grund zu haben, auf der Stra�e zu sein, wenn man davon absah, dass sie einander finstere Blicke zuwarfen und nach den zahlreichen umherstreunenden wilden Hunden mit den hervortretenden Rippen traten. Die wenigen Frauen, die ihre Unterk�nfte verlassen hatten, huschten mit gesenkten Blicken am Stra�enrand entlang. Kinder waren keine zu sehen, und vermutlich w�rde es auch wenige geben. Die Stadt war kein Ort f�r Kinder. Das wusste Isam. Er war hier aufgewachsen.</p><p>Einer der auf der Stra�e vorbeigehenden M�nner schaute zu Isams Fenster und blieb stehen. Isam verharrte reglos. Die <emphasis>Samma N�Sei</emphasis>, die Sichtblender, waren schon immer empfindlich und voller Stolz gewesen. Nein, empfindlich traf es nicht einmal ann�hernd. Sie brauchten keinen besonderen Grund, um mit dem Messer auf einen der Talentlosen loszugehen. F�r gew�hnlich war es einer der Diener, der daran glauben musste. F�r gew�hnlich.</p><p>Der rot verschleierte Mann starrte weiterhin in seine Richtung. Isam beruhigte seine Nerven und starrte bewusst nicht zur�ck. Der Befehl, sich hier einzufinden, war dringend gewesen, und man ignorierte solche Dinge nicht, wenn man �berleben wollte. Trotzdem�� sollte der Mann noch einen Schritt auf das Geb�ude zu machen, w�rde er hin�ber ins <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> wechseln, in dem sicheren Wissen, dass ihm von diesem Ort nicht einmal einer der Auserw�hlten w�rde folgen k�nnen.</p><p>Abrupt wandte sich der <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> vom Fenster ab. Wie ein Blitz bewegte er sich von dem Haus fort. Isams Anspannung lie� etwas nach, aber sie w�rde nie ganz verschwinden, nicht an diesem Ort. Obwohl er seine Kindheit hier verbracht hatte, war dieser Ort nicht sein Zuhause. Dieser Ort war der Tod.</p><p>Etwas bewegte sich. Isam blickte zum Ende der Stra�e. Ein hochgewachsener Mann kam auf ihn zu; er trug einen schwarzen Mantel und einen ebenfalls schwarzen Umhang, und sein Gesicht war entbl��t. Unglaublicherweise leerte sich die Stra�e, als <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> fluchtartig in Gassen und Nebenstra�en verschwanden.</p><p>Also handelte es sich um Moridin. Isam hatte den ersten Besuch des Auserw�hlten in der Stadt nicht miterlebt, aber er hatte davon geh�rt. Die <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> hatten Moridin f�r einen der Talentlosen gehalten, bis er ihnen das Gegenteil bewies. Ihm waren ihre Einschr�nkungen fremd.</p><p>Die Zahl der toten <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> unterschied sich je nach Erz�hler, aber es waren nie weniger als ein Dutzend. Was er jetzt beobachtete, verriet Isam, dass es sich wohl um die Wahrheit handeln musste.</p><p>Als Moridin die Schenke erreichte, waren nur noch die Hunde auf der Stra�e. Und Moridin ging daran vorbei. Isam verfolgte seinen Weg so aufmerksam, wie er es wagte. Moridin schien weder an ihm noch an der Schenke interessiert zu sein, aber der Befehl hatte gelautet, hier zu warten. Vielleicht hatte der Auserw�hlte noch etwas anderes zu erledigen, und er war zweitrangig.</p><p>Nachdem Moridin au�er Sicht war, nahm Isam endlich ein Schluck von der dunklen Fl�ssigkeit. Bei den Stadtbewohnern hie� sie blo� �Feuer�. Sie machte ihrem Namen alle Ehre. Angeblich hatte sie �hnlichkeit mit einem Getr�nk aus der W�ste. Wie alles andere in der Stadt war es die korrumpierte Version des Originals.</p><p>Wie lange w�rde Moridin ihn wohl warten lassen? Es gefiel ihm hier nicht. Es erinnerte ihn zu sehr an seine Kindheit. Eine Dienerin kam ��das Kleid der Frau bestand praktisch nur noch aus Lumpen�� und knallte einen Teller auf den Tisch. Sie wechselten kein Wort.</p><p>Isam warf einen Blick auf die Mahlzeit. Klein geschnittenes und zerkochtes Gem�se�� haupts�chlich Zwiebeln und Pfefferschoten. Er probierte, dann seufzte er und schob den Teller weg. Das Gem�se war so geschmacklos wie ungew�rzter Hirsebrei. Fleisch gab es gar keins. Das war eigentlich sogar von Vorteil; er a� nicht gern Fleisch, solange er es nicht selbst erlegt hatte. Das r�hrte noch aus seiner Kindheit her. Hatte man es nicht selbst geschlachtet, konnte man sich nie sicher sein. Jedenfalls nicht hundertprozentig. Hier oben bestand bei Fleisch durchaus die M�glichkeit, dass das Tier im S�den gefangen worden war oder es sich um eines handelte, das hier oben aufgezogen worden war, also eine Kuh oder eine Ziege.</p><p>Es konnte aber auch etwas ganz anderes sein. Verlor jemand beim Spiel und konnte seine Wettschulden nicht bezahlen, dann verschwand er. Und oft wurden die <emphasis>Samma N�Sei</emphasis>, die nicht so zur Welt gekommen waren, wie sie sollten, bei der Ausbildung aussortiert. Sie verschwanden. Nur selten erlebten Leichen noch ihr Begr�bnis.</p><p><emphasis>Man sollte diesen Ort niederbrennen,</emphasis> dachte Isam mit aufgew�hltem Magen. <emphasis>Ihn einfach niederbrennen, und zwar mit��</emphasis></p><p>Jemand betrat die Schenke. Ungl�cklicherweise konnte Isam von seinem Platz aus nicht beide Zug�nge beobachten. Sie war eine h�bsche Frau in einem schwarzen, mit Rot abgesetzten Kleid. Isam erkannte weder ihre schlanke Gestalt noch das zarte Gesicht. Eigentlich war er der festen �berzeugung, s�mtliche der Auserw�hlten erkennen zu k�nnen; er hatte sie oft genug im Traum beobachtet. Nat�rlich wussten sie das nicht. Sie hielten sich f�r die Herren dieses Ortes, und einige von ihnen <emphasis>waren</emphasis> sehr geschickt.</p><p>Aber er war genauso geschickt und au�erordentlich gut darin, nicht gesehen zu werden.</p><p>Wer auch immer das war, sie hatte also eine Verkleidung angelegt. Warum sich an diesem Ort damit abgeben? Aber was nun auch dahintersteckte, sie musste diejenige sein, die ihn herbefohlen hatte. Keine Frau kam mit solcher Selbstsicherheit und hochm�tigem Ausdruck in die Stadt, als w�rde sie noch von den Steinen erwarten, dass sie sprangen, wenn man es ihnen befahl. Isam lie� sich langsam auf ein Knie sinken.</p><p>Die Bewegung weckte den Schmerz in seinem Bauch, wo er verwundet worden war. Er hatte sich noch immer nicht von dem Kampf mit dem Wolf erholt. Etwas regte sich in ihm; Luc hasste Aybara. Ungew�hnlich. Normalerweise war Luc eher derjenige, der Verst�ndnis hatte, und Isam der Harte. Nun, so sah er sich eben.</p><p>Aber was diesen besonderen Wolf anging, teilten sie eine Meinung. Einerseits war Isam begeistert; als J�ger hatte er es nur selten mit einer Herausforderung wie Aybara zu tun gehabt. Aber sein Hass sa� tief. Er <emphasis>w�rde</emphasis> Aybara t�ten.</p><p>Isam �berspielte die schmerzerf�llte Grimasse und senkte den Kopf. Die Frau lie� ihn dort knien und setzte sich an den Tisch. Ein paar Augenblicke lang klopfte sie mit dem Finger gegen den Zinnbecher, starrte den Inhalt an und schwieg.</p><p>Isam verhielt sich still. Viele der Narren, die sich selbst hochtrabend Schattenfreunde nannten, wanden sich, wenn jemand Macht �ber sie hatte. Tats�chlich w�rde sich Luc vermutlich ebenfalls winden, wie er z�gernd zugeben musste.</p><p>Isam war ein J�ger. Mehr wollte er auch nicht sein. Wenn man damit zufrieden war, was man darstellte, dann gab es auch keinen Grund, sich dar�ber zu �rgern, wenn man auf seinen Platz verwiesen wurde.</p><p>Verflucht, die Seite seines Bauches <emphasis>brannte</emphasis> wirklich.</p><p>�Ich will ihn tot sehen�, sagte die Frau. Ihre Stimme war leise, aber voller Gef�hle.</p><p>Isam sagte nichts.</p><p>�Ich will, dass man ihn wie ein Tier ausweidet, dass seine Ged�rme zu Boden purzeln, dass sein Blut von den Raben getrunken wird, dass seine Knochen in der Hitze der Sonne bleichen und schlie�lich ganz grau werden und zerspringen. Ich will ihn <emphasis>tot</emphasis> sehen, J�ger.�</p><p>�Al�Thor.�</p><p>�Ja. Du hast in der Vergangenheit versagt.� Ihre Stimme war wie Eis. Ein Fr�steln �berkam ihn. Diese Frau war hart. So hart wie Moridin.</p><p>Nach den vielen Jahren seiner Dienste hatte er f�r die meisten Auserw�hlten schlie�lich nur noch Verachtung �brig. Trotz ihrer Macht und angeblichen Weisheit stritten sie sich wie die Kinder. Diese Frau lie� ihn aufhorchen, und er fragte sich, ob er sie tats�chlich <emphasis>alle</emphasis> ausspioniert hatte. Sie schien anders zu sein.</p><p>�Und?�, fragte sie. �Kannst du deine Fehlschl�ge rechtfertigen?�</p><p>�Jedes Mal, wenn mich einer der anderen mit dieser Jagd beauftragte, berief mich ein anderer wieder ab und wies mir eine neue Aufgabe zu.�</p><p>In Wahrheit h�tte er lieber seine Jagd auf den Wolf fortgesetzt. Er w�rde keine Befehle ignorieren, jedenfalls nicht, wenn sie direkt von den Auserw�hlten kamen. Abgesehen von Aybara war eine Jagd f�r ihn genau wie die andere. Falls es sein musste, w�rde er diesen Drachen t�ten.</p><p>�Das wird dieses Mal nicht geschehen�, verk�ndete die Auserw�hlte, die noch immer seinen Becher anstarrte. Bis jetzt hatte sie ihn noch nicht angesehen, und sie hatte ihm auch nicht die Erlaubnis erteilt aufzustehen, also blieb er knien. �Die anderen haben alle ihren Anspruch auf dich aufgegeben. Und solange der Gro�e Herr selbst dir keinen anderen Befehl erteilt, solange er dich <emphasis>nicht selbst</emphasis> zu sich zitiert, wirst du diese Aufgabe behalten. T�te al�Thor.�</p><p>Eine Bewegung vor dem Fenster veranlasste Isam, zur Seite zu blicken. Die Auserw�hlte sah nicht hin, als eine Gruppe Gestalten mit schwarzen Kapuzen vorbeieilte. Der Wind schien ihren Umh�ngen nichts anhaben zu k�nnen.</p><p>Begleitet wurden sie von Kutschen; ein in der Stadt ungew�hnlicher Anblick. Die Kutschen bewegten sich langsam und schaukelten dennoch auf der schlechten Stra�e. Isam brauchte keinen Blick auf die mit Vorh�ngen verh�llten Kutschenfenster zu werfen, um zu wissen, dass dort dreizehn Frauen fuhren. Genau die gleiche Anzahl wie die Myrddraal. Keiner der <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> kehrte auf die Stra�e zur�ck. F�r gew�hnlich mieden sie derartige Prozessionen. Aus offensichtlichen Gr�nden hatten sie tief verwurzelte Ansichten, was solche Dinge anging.</p><p>Die Kutschen passierten die Schenke. Hatte man also noch einen erwischt. Isam h�tte geglaubt, dass diese Praxis nach der S�uberung des Makels ein Ende fand.</p><p>Bevor er den Blick wieder dem Boden der Schenke zuwenden konnte, sah er zuf�llig etwas, das �berhaupt nicht hierherpasste. Aus den Schatten einer auf der anderen Stra�enseite abzweigenden Gasse schaute ein kleines, schmutziges Gesicht zu. Weit aufgerissene Augen, aber eine verstohlene Haltung. Moridin und das Kommen mehrerer Dreizehn hatten die <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> von der Stra�e vertrieben. Waren sie nicht da, konnten sich die Stra�enkinder einer gewissen Sicherheit erfreuen. Vielleicht.</p><p>Isam wollte dem Kind zubr�llen, dort zu verschwinden. Einfach loszurennen, das Risiko einzugehen und zu versuchen, die F�ule zu durchqueren. Im Magen eines Wurms zu sterben war immer noch besser, als in dieser Stadt zu leben und zu erleiden, was sie mit einem anstellte. Geh! Flieh! <emphasis>Stirb!</emphasis></p><p>Der Augenblick ging schnell vor�ber, der Stra�enbengel zog sich in die Schatten zur�ck. Isam wusste noch ganz genau, wie es war, dieses Kind zu sein. Damals hatte er so viel gelernt. Wie man etwas zu essen fand, das halbwegs vertrauensw�rdig war und man nicht wieder auskotzen musste, sobald man herausgefunden hatte, was es eigentlich war. Wie man mit dem Messer k�mpfte. Wie man vermied, gesehen oder bemerkt zu werden.</p><p>Und nat�rlich wie man einen Mann t�tete. Jeder, der lange genug in der Stadt �berlebte, lernte diese besondere Lektion.</p><p>Die Auserw�hlte starrte seinen Becher noch immer an. Ihm wurde klar, dass sie ihr Spiegelbild betrachtete. Was sah sie wohl darin?</p><p>�Ich werde Hilfe brauchen�, sagte er schlie�lich. �Der Wiedergeborene Drache hat Leibw�chter, und er h�lt sich nur sehr selten im Traum auf.�</p><p>�F�r Hilfe ist gesorgt�, erwiderte sie leise. �Aber du musst ihn <emphasis>finden</emphasis>, J�ger. Keines deiner �blichen Spielchen, zu versuchen, ihn zu dir zu locken. Lews Therin wird eine solche Falle sp�ren. Davon abgesehen wird er jetzt nicht mehr von seiner Sache abr�cken. Die Zeit wird knapp.�</p><p>Sie sprach von dem katastrophalen Einsatz in den Zwei Fl�ssen. Damals hatte Luc das Kommando gehabt. Denn was wusste Isam schon von echten St�dten und echten Menschen? Fast h�tte er so etwas wie ein Verlangen nach diesen Dingen versp�rt, obwohl das vermutlich Lucs Gef�hle waren. Isam war blo� ein J�ger. Menschen waren nur von geringem Interesse f�r ihn, abgesehen von Dingen wie der besten Stelle f�r einen Pfeil, um das Herz zu treffen.</p><p>Dieses Unternehmen in den Zwei Fl�ssen allerdings�� Das stank wie ein Kadaver, den man einfach zum Verwesen liegen gelassen hatte. Er kannte noch immer nicht die wahren Gr�nde. Sollte wirklich al�Thor damit angelockt werden, oder hatte man Isam blo� von irgendwelchen wichtigen Ereignissen fernhalten wollen? Er wusste, dass die Auserw�hlten von seinen F�higkeiten fasziniert waren; er konnte etwas tun, das ihnen verwehrt blieb. Sicher, sie konnten die Weise imitieren, auf die er den Traum betrat, aber sie mussten dazu die Macht lenken, brauchten Wegetore und Zeit.</p><p>Er war es leid, eine Figur in ihren Spielen zu sein. Sollte man ihn doch einfach nur jagen lassen; sollte man aufh�ren, jede Woche ein neues Wild auszusuchen.</p><p>Aber so etwas sagte man den Auserw�hlten nicht ins Gesicht. Er behielt seine Einw�nde f�r sich.</p><p>Schatten verdunkelten den Eingang der Schenke, und die Magd verschwand im hinteren Raum. Damit waren allein Isam und die Auserw�hlte im Gemeinschaftsraum.</p><p>�Du darfst aufstehen�, sagte sie.</p><p>Isam gehorchte hastig, als zwei M�nner den Raum betraten. Gro�, muskul�s und mit roten Schleiern. Sie trugen braune Kleidung wie Aiel, hatten aber weder Speere noch B�gen. Diese Kreaturen t�teten mit viel t�dlicheren Waffen.</p><p>Obwohl Isam sich nichts anmerken lie�, stiegen in ihm Gef�hle auf. Eine Kindheit voller Schmerzen, Hunger und Tod. Ein ganzes Leben lang die Bem�hung, den Blick solcher M�nner zu meiden. Es kostete ihn gro�e Anstrengung, nicht zu zittern, als die M�nner mit der Anmut nat�rlicher Raubtiere zum Tisch kamen.</p><p>Die M�nner senkten die Schleier und entbl��ten die Z�hne. <emphasis>Soll man mich doch zu Asche verbrennen!</emphasis> Ihre Z�hne waren spitz zugefeilt.</p><p>Sie waren Umgedreht worden. Man konnte es in ihren Augen sehen�� Augen, die nicht ganz richtig waren, nicht ganz <emphasis>menschlich</emphasis>.</p><p>Um ein Haar w�re Isam in diesem Augenblick in den Traum gegangen. Er konnte diese M�nner nicht beide t�ten. Er w�re nur noch Asche gewesen, bevor ihm gelungen w�re, einen von ihnen zu erwischen. Er hatte die <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> t�ten sehen. Manchmal taten sie es blo�, um neue M�glichkeiten in der Benutzung ihrer Macht auszuprobieren.</p><p>Sie griffen nicht an. Wussten sie, dass diese Frau eine Auserw�hlte war? Aber warum senkten sie dann die Schleier? <emphasis>Samma N�Sei</emphasis> senkten niemals die Schleier, solange sie nicht t�ten wollten�� und das auch nur, wenn sie es ganz besonders gierig erwarteten.</p><p>�Sie werden dich begleiten�, verk�ndete die Auserw�hlte. �Du sollst auch eine Handvoll der Talentlosen bekommen, um mit al�Thors Leibw�chtern fertigzuwerden.� Sie wandte sich ihm zu und erwiderte zum ersten Mal seinen Blick. Sie erschien�� angewidert. Als ekelte es sie an, seine Hilfe zu brauchen.</p><p><emphasis>Sie werden dich begleiten,</emphasis> hatte sie gesagt. <emphasis>Und nicht, sie werden dir �dienen�.</emphasis></p><p>Verflucht. Das w�rde ein wirklich abscheulicher und hassenswerter Auftrag werden.</p><empty-line/><p>Talmanes warf sich zur Seite und entging nur knapp der Axt des Trollocs. Der Boden erbebte, als die Axt auf dem Stra�enpflaster zerbrach; er duckte sich und rammte der Kreatur seine Klinge in den Oberschenkel. Das Ding hatte eine Stierschnauze, und es warf den Kopf zur�ck und bl�kte.</p><p>�Verflucht, du stinkst ja schrecklich aus dem Maul�, knurrte Talmanes, riss das Schwert heraus und trat zur�ck. Die Kreatur brach zusammen, und er hackte ihre Waffenhand ab.</p><p>Keuchend t�nzelte er zur�ck, w�hrend zwei seiner Gef�hrten dem Trolloc die Speere in den R�cken rammten. Trollocs bek�mpfte man immer am besten als Gruppe. Nun, eigentlich k�mpfte man immer am besten als Gruppe, egal gegen wen, aber zog man Gr��e und Kraft der Tiermenschen in Betracht, war es bei ihnen noch wichtiger.</p><p>Leichen lagen wie M�llhaufen in der Nacht. Talmanes war gezwungen gewesen, die W�chterh�user am Stadttor anzuz�nden, damit sie Licht hatten; das ungef�hr halbe Dutzend W�chter, die �brig geblieben waren, waren f�r den Augenblick Rekruten der Bande.</p><p>Einer schwarzen Welle gleich zogen sich die Trollocs vom Tor zur�ck. Der Angriff hatte sie ihre Reihen zu sehr auseinanderziehen lassen. Nat�rlich hatte man sie dazu gedr�ngt. Ein Halbmensch war bei der Gruppe gewesen. Talmanes ber�hrte die Wunde in seiner Seite. Sie war feucht.</p><p>Die W�chterh�user brannten kaum noch. Er w�rde den Befehl geben m�ssen, ein paar der umstehenden L�den anzuz�nden. Zwar ging man dabei das Risiko ein, dass sich das Feuer weiter ausbreitete, aber die Stadt war ohnehin verloren. Sinnlos, jetzt noch Zur�ckhaltung �ben zu wollen. �Brynt!�, rief er. �Z�ndet den Stall da an!�</p><p>Sandip kam herbei, w�hrend Brynt mit einer Fackel loslief. �Die kommen wieder. Vermutlich schon bald.�</p><p>Talmanes nickte. Da der Kampf im Augenblick beendet war, fluteten die Einwohner aus Gassen und Verstecken, schlugen zaghaft die Richtung zum Tor und damit zur vermeintlichen Sicherheit ein.</p><p>�Wir k�nnen nicht hierbleiben und dieses Tor halten�, sagte Sandip. �Die Drachen���</p><p>�Ich wei�. Wie viele M�nner haben wir verloren?�</p><p>�Ich habe noch keine Z�hlung veranlasst. Mindestens hundert.�</p><p><emphasis>Beim Licht, Mat zieht mir die Haut ab, wenn er davon h�rt</emphasis>. Mat hasste es, M�nner zu verlieren. Dieser Mann verf�gte �ber eine Weichheit, die in etwa seinem Genie gleichkam�� eine merkw�rdige, aber durchaus inspirierende Kombination. �Schickt ein paar Sp�her los, die in der N�he die Stra�en �berwachen und nach anr�ckendem Schattengez�cht Ausschau halten sollen. Schichtet ein paar dieser Trolloc-Kadaver auf, um Stra�ensperren zu errichten; die funktionieren dazu genauso gut wie alles andere. Ihr da, Soldat!�</p><p>Einer der ersch�pften Soldaten, die gerade vorbeigingen, erstarrte. Er trug die Farben der K�nigin. �Mein Lord?�</p><p>�Wir m�ssen die Leute wissen lassen, dass dieses Tor sicher ist, wenn man die Stadt verlassen will. Gibt es ein Hornsignal, das andoranische Untertanen erkennen w�rden? Etwas, das sie herbringt?�</p><p>��Untertanen��, wiederholte der Mann nachdenklich. Das Wort schien ihm nicht zu gefallen. Hier in Andor wurde es nur selten benutzt. �Ja, der K�niginnenmarsch.�</p><p>�Sandip?�</p><p>�Ich setze die Signaltrompeter darauf an, Talmanes�, sagte Sandip.</p><p>�Gut.� Talmanes kniete nieder, um sein Schwert am Hemd eines toten Trollocs zu s�ubern; seine Seite schmerzte. Die Wunde war nicht schlimm. Nicht nach normalen Ma�st�ben. Eigentlich kaum mehr als ein Kratzer.</p><p>Das Hemd war so dreckig, dass er seine Waffe beinahe nicht damit gereinigt h�tte, aber Trolloc-Blut war schlecht f�r eine Klinge, also wischte er das Schwert ab. Die Schmerzen in seiner Seite ignorierend, erhob er sich wieder und ging zur�ck zum Tor, wo er Selfar angebunden hatte. Er hatte es nicht gewagt, das Pferd gegen Schattengez�cht einzusetzen. Er war ein guter Wallach, der aber nicht in den Grenzl�ndern ausgebildet worden war.</p><p>Keiner der M�nner hatte etwas dagegen einzuwenden, als er in den Sattel stieg und Selfar nach Westen lenkte, aus der Stadt heraus zu den S�ldnern, die er zuvor dabei beobachtet hatte, wie sie blo� zuschauten. Es �berraschte ihn nicht, dass sie der Stadt in der Zwischenzeit n�her gekommen waren. Ein Kampf zog Krieger an wie ein Feuer frierende Reisende in einer Winternacht.</p><p>Sie hatten nicht in den Kampf eingegriffen. Talmanes wurde von einer kleinen Gruppe S�ldner begr��t: sechs M�nner mit �beraus starken Armen und vermutlich wenig Hirn im Sch�del. Sie erkannten ihn und die Bande. Mat war in letzter Zeit zu einer richtigen Ber�hmtheit geworden, und damit auch die Bande. Zweifellos entging ihnen auch nicht das Trolloc-Blut an seiner Kleidung und der Verband an seiner Seite.</p><p>Mittlerweile brannte diese Wunde wirklich schlimm. Talmanes z�gelte Selfar, dann klopfte er geduldig die Satteltaschen ab. <emphasis>Irgendwo habe ich hier noch Tabak��</emphasis></p><p>�Und?�, fragte einer der S�ldner. Der Anf�hrer war leicht zu erkennen; er trug die teuerste R�stung. Oftmals wurde man zum Anf�hrer einer solchen Gruppe, einfach weil man am Leben blieb.</p><p>Talmanes fischte seine zweitbeste Pfeife aus der Satteltasche. Wo war der Tabak? Er nahm nie die beste Pfeife mit in die Schlacht. Sein Vater hatte immer behauptet, das w�rde nur Ungl�ck bringen.</p><p><emphasis>Ah,</emphasis> dachte er und zog den Tabaksbeutel hervor. Er stopfte etwas davon in den Pfeifenkopf, dann zog er einen Z�ndzweig hervor und beugte sich vor, um ihn in die Fackel zu halten, die ein misstrauischer S�ldner hielt.</p><p>�Solange man uns nicht bezahlt, k�mpfen wir auch nicht�, verk�ndete der Anf�hrer. Er war ein st�mmiger Mann, �berraschend sauber, allerdings h�tte sein Bart mal geschnitten werden m�ssen.</p><p>Talmanes z�ndete die Pfeife an und blies ein paar Rauchwolken. Hinter ihm ert�nten die Signalh�rner. Wie sich herausstellte, hatte der K�niginnenmarsch eine eing�ngige Melodie. Die Signale wurden von Schreien untermalt, und Talmanes drehte sich um. Trollocs kamen die Hauptstra�e herunter, diesmal ein gr��erer Haufen.</p><p>Armbrustm�nner nahmen in Reihen Aufstellung und er�ffneten nach einem Befehl, den Talmanes nicht h�ren konnte, das Feuer.</p><p>�Solange man uns nicht���, fing der Anf�hrer wieder an.</p><p>�Wisst Ihr, was das ist?�, fragte Talmanes leise um das Mundst�ck seiner Pfeife herum. �Das ist der Anfang vom Ende. Das ist der Untergang der Nationen und die Vereinigung aller Menschen. Das ist die <emphasis>Letzte Schlacht</emphasis>, Ihr verfluchter Narr!�</p><p>Die M�nner scharrten unbehaglich mit den F��en.</p><p>�Sprecht Ihr�� sprecht Ihr f�r die K�nigin?�, fragte der Anf�hrer und versuchte noch etwas zu retten. �Ich will blo� daf�r sorgen, dass meine M�nner versorgt sind.�</p><p>�Wenn ihr k�mpft�, sagte Talmanes, �dann verspreche ich euch allen eine gro�e Belohnung.�</p><p>Der Mann wartete.</p><p>�Ich verspreche euch, dass ihr weiteratmen k�nnt�, sagte Talmanes und sog den Rauch ein.</p><p>�Soll das eine Drohung sein, Cairhiener?�</p><p>Talmanes blies den Rauch aus, dann beugte er sich auf seinem Sattel vor und n�herte sich mit seinem Gesicht dem Anf�hrer. �Heute Nacht t�tete ich einen Myrddraal, Andoraner�, sagte er leise. �Er f�gte mir einen Kratzer mit einer Thakan�dar-Klinge zu, und die Wunde ist schwarz. Das bedeutet, dass ich bestenfalls ein paar Stunden habe, bevor mich das Gift der Klinge von innen verbrennt und ich auf die schmerzhafteste Weise sterben werde, auf die ein Mann sterben kann. Darum schlage ich vor, mein Freund, dass Ihr mir glaubt, wenn ich Euch sage, dass ich wirklich nichts mehr zu verlieren habe.�</p><p>Der Mann blinzelte.</p><p>�Ihr habt zwei M�glichkeiten�, sagte Talmanes, drehte sein Pferd und wandte sich laut an die Gruppe. �Ihr k�nnt wie der Rest von uns k�mpfen und helfen, dass diese Welt noch neue Tage erlebt, und vielleicht bekommt ihr am Ende sogar ein paar M�nzen. Ich kann das nicht versprechen. Oder ihr k�nnt hier rumsitzen, zusehen, wie Menschen abgeschlachtet werden, und euch sagen, dass ihr nicht umsonst arbeitet. Wenn ihr Gl�ck habt und es dem Rest von uns gelingt, die Welt auch ohne eure Hilfe zu retten, dann atmet ihr lange genug, damit man euch an euren feigen H�lsen aufkn�pfen kann.�</p><p>Schweigen. Hinter ihnen bliesen H�rner in der Dunkelheit.</p><p>Der S�ldnerf�hrer sah seine Gef�hrten an. Sie nickten zustimmend.</p><p>�Geht und helft, dieses Tor zu halten�, sagte Talmanes. �Ich rekrutiere die anderen S�ldnergruppen, damit sie uns unterst�tzen.�</p><empty-line/><p>Leilwin betrachtete die vielen verschiedenen Lager, die sich an dem Ort ausbreiteten, der als Feld von Merrilor bekannt war. Da die Wolken am Himmel nun in der Nacht den Mond und die Sterne v�llig verdeckten, konnte sie sich beinahe vorstellen, dass die Kochfeuer Schiffslaternen in einem belebten Hafen waren.</p><p>Vermutlich ein Anblick, den sie nie wieder zu Gesicht bekommen w�rde. Leilwin Schiffslos war kein Kapit�n, und sie w�rde es auch nie wieder sein. Es sich zu w�nschen w�rde der Natur dessen widersprechen, wozu sie geworden war.</p><p>Bayle legte ihr die Hand auf die Schulter. Dicke Finger, schwielig von vielen arbeitsreichen Tagen. Sie griff nach oben und legte ihre Hand darauf. Es war leichtgefallen, sich in Tar Valon durch eines dieser Wegetore zu schleichen. Bayle kannte sich in der Stadt aus, auch wenn ihn der Aufenthalt dort nicht gl�cklich gemacht hatte. �Dieser Ort bereiten mir eine G�nsehaut�, hatte er gesagt, �ich wollten nie wieder durch diese Stra�en gehen. Das wollten ich wirklich nicht.�</p><p>Trotzdem hatte er sie begleitet. Ein guter Mann, dieser Bayle Domon. Wie sie keinen besseren in diesem fremden Land h�tte finden k�nnen, auch wenn er in seiner Vergangenheit zwielichtigen Handel betrieben hatte. Aber das lag hinter ihm. Falls er nicht begriff, wie man sich richtig zu verhalten hatte, versuchte er es zumindest.</p><p>�Das sein ein Anblick�, sagte er und betrachtete das stumme Lichtermeer. �Was wollen du jetzt machen?�</p><p>�Wir finden Nynaeve al�Meara oder Elayne Trakand.�</p><p>Bayle kratzte sich das b�rtige Kinn; er trug den Bart in der Mode der Illianer: mit glatt rasierter Oberlippe. Die Haare auf seinem Kopf wiesen unterschiedliche L�ngen auf; nachdem sie ihm die Freiheit geschenkt hatte, hatte er aufgeh�rt, die eine Kopfseite zu rasieren. Nat�rlich hatte sie das nur getan, damit sie heiraten konnten.</p><p>Aber jetzt erwies es sich als Vorteil; der rasierte Sch�del h�tte hier nur Aufmerksamkeit erregt. Er war ein ganz ordentlicher <emphasis>So�jhin</emphasis> gewesen, nachdem gewisse�� Dinge geregelt gewesen waren. Aber am Ende hatte sie sich jedoch eingestehen m�ssen, dass Bayle Domon nicht zum <emphasis>So�jhin</emphasis> bestimmt war. Dazu hatte er einfach zu viele Kanten, und keine D�nung w�rde diese scharfen Ecken jemals gl�tten. Genauso wollte sie ihn auch, obwohl sie das niemals zugegeben h�tte.</p><p>�Es sein schon sp�t, Leilwin�, sagte er. �Vielleicht wir sollten warten bis morgen fr�h.�</p><p>Nein. Die Lager strahlten Ruhe aus, das schon, aber es war nicht die Ruhe von Schlaf. Es war die Ruhe von Schiffen, die auf den richtigen Wind warteten.</p><p>Sie wusste nur wenig �ber das, was hier vorging�� sie hatte es nicht gewagt, in Tar Valon Fragen zu stellen, denn ihr Akzent h�tte sie als Seanchanerin entlarvt. Eine Versammlung dieser Gr��e geschah nicht ohne vorherige genaue Planung. Die Ausdehnung �berraschte sie; sie hatte nur geh�rt, dass hier ein Treffen stattfinden sollte, an dem die meisten Aes Sedai teilnahmen. Das hier �bertraf jede Erwartung.</p><p>Leilwin setzte sich in Bewegung, und Bayle folgte ihr. Sie gesellten sich wieder zu der Gruppe Diener aus Tar Valon, die sie dank Bayles Bestechungsgeld hatten begleiten d�rfen. Seine Methoden erfreuten sie nicht, aber ihr war auch keine andere M�glichkeit eingefallen. Sie bem�hte sich, nicht zu intensiv �ber seine fr�heren Kontakte in Tar Valon nachzudenken. Nun, wenn sie nie wieder ein Schiff betreten w�rde, w�rde Bayle auch keine Gelegenheit zum Schmuggeln haben. Immerhin ein kleiner Trost.</p><p><emphasis>Du bist Schiffskapit�n. Das ist alles, was du kannst, alles, was du willst. Und jetzt, schiffslos.</emphasis> Ein Fr�steln durchfuhr sie, und sie ballte die H�nde zu F�usten, damit sie nicht die Arme um den K�rper schlang. Den Rest ihrer Tage auf dem ewig gleichen Land verbringen zu m�ssen, sich niemals schneller bewegen zu k�nnen, als ein Pferd lief, niemals mehr die Luft weit drau�en auf dem Meer riechen zu k�nnen, niemals wieder den Bug auf den Horizont zu richten, den Anker zu lichten, die Segel zu setzen und einfach��</p><p>Sie sch�ttelte sich. Nynaeve und Elayne finden. Sie mochte schiffslos sein, aber sie w�rde nicht zulassen, dass sie in die Tiefe sank und ertrank. Sie schlug ihren Kurs ein und ging los. Bayle duckte sich misstrauisch zusammen und versuchte, alle um sie herum gleichzeitig im Auge zu behalten. Ein paarmal sah er auch sie an, die Lippen zu einem schmalen Strich verzogen. Mittlerweile wusste sie, was das bedeutete.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Leilwin, was wir hier wollen?�</p><p>�Das habe ich dir doch erkl�rt. Wir m�ssen sie finden!�</p><p>�Ja, aber warum? Was glaubst du k�nnen zu tun? Sie sind Aes Sedai.�</p><p>�Sie erwiesen mir schon zuvor Respekt.�</p><p>�Also du glauben, sie nehmen uns auf?�</p><p>�Vielleicht.� Sie musterte ihn. �Sprich es aus, Bayle. Du deutest etwas an.�</p><p>Er seufzte. �Warum muss man uns aufnehmen? Wir k�nnten irgendwo ein Schiff f�r uns finden, in Arad Doman. Wo sein weder Aes Sedai <emphasis>oder</emphasis> Seanchaner.�</p><p>�Ich w�rde nicht die Art Schiff f�hren, wie du sie sch�tzt.�</p><p>Er sah sie ausdruckslos an. �Ich wei�, wie man f�hrt ein ehrliches Gesch�ft, Leilwin. Es w�re kein���</p><p>Sie hob die Hand und brachte ihn zum Schweigen, dann legte sie sie ihm auf die Schulter. Sie blieben auf dem Pfad stehen. �Ich wei�, mein Geliebter. Ich wei�. Ich sage Dinge, um mich abzulenken, damit wir uns auf einem Strom drehen, der nirgendwohin f�hrt.�</p><p>�Warum?�</p><p>Das eine Wort qu�lte sie wie ein Splitter unter einem Fingernagel. Warum? <emphasis>Warum</emphasis> war sie diesen langen Weg gegangen, war mit Matrim Cauthon gereist, hatte sich in die gef�hrliche N�he der Tochter der Neun Monde begeben? �Mein Volk sieht die Welt auf eine gravierende Weise verkehrt. Und damit erschafft es ein Unrecht.�</p><p>�Man hat dich versto�en, Leilwin�, sagte er leise. �Du sein nicht l�nger eine von ihnen.�</p><p>�Ich werde <emphasis>immer</emphasis> eine von ihnen sein. Mein Name wurde mir genommen, aber nicht mein Blut.�</p><p>�Die Beleidigung tun mir leid.�</p><p>Sie nickte knapp. �Ich stehe noch immer loyal zur Kaiserin, m�ge sie ewig leben. Aber die <emphasis>Damane</emphasis>�� sie sind das <emphasis>Fundament</emphasis> ihrer Herrschaft. Mit ihnen sorgt sie f�r Ordnung, mit ihnen h�lt sie das Kaiserreich zusammen. Und die <emphasis>Damane</emphasis> sind eine L�ge.�</p><p><emphasis>Sul�dam</emphasis> konnten die Macht lenken. Dieses Talent konnte erlernt werden. Noch Monate nachdem sie die Wahrheit entdeckt hatte, konnte sie l�ngst nicht s�mtliche Folgen �berblicken. Ein anderer w�re mehr am politischen Nutzen interessiert gewesen, ein anderer w�re nach Seanchan zur�ckgekehrt und h�tte diese Entdeckung dazu benutzt, um Macht zu erlangen. Beinahe w�nschte sie sich, sie h�tte genau das getan. Beinahe.</p><p>Aber das Flehen der <emphasis>Sul�dam</emphasis>�� als sie diese Aes Sedai n�her kennengelernt hatte, die so ganz anders waren, als man ihr ein Leben lang eingeh�mmert hatte��</p><p>Etwas musste geschehen. Aber wenn sie es tat, ging sie dann nicht das Risiko ein, das Kaiserreich zu Fall zu bringen? Sie musste sich sehr sorgf�ltig �berlegen, wie sie vorging, wie bei den letzten Z�gen einer Partie <emphasis>Shal</emphasis>.</p><p>Sie folgten der Dienerreihe in der Dunkelheit; Aes Sedai schickten oft Diener nach Dingen, die sie in der Wei�en Burg zur�ckgelassen hatten, also war es nichts Besonderes, dass jemand hin- und herreiste�� f�r Leilwin ein Vorteil. Sie passierten die Grenze des Aes-Sedai-Lagers, ohne angehalten zu werden.</p><p>Diese M�helosigkeit �berraschte sie, bis sie mehrere M�nner am Wegesrand entdeckte. Sie waren leicht zu �bersehen; etwas an ihnen lie� sie mit ihrer Umgebung verschmelzen, vor allem in der Dunkelheit. Sie bemerkte sie erst, als sich einer von ihnen bewegte und nur ein kurzes St�ck hinter ihr und Bayle herging.</p><p>Sekunden sp�ter war es offensichtlich, dass er sie beide ausgesondert hatte. Vielleicht lag es an ihrer Gangart, ihrer Haltung. Sie hatten sich absichtlich schlicht gekleidet, allerdings wies Bayles Bart ihn als Illianer aus.</p><p>Leilwin blieb stehen, legte eine Hand auf Bayles Arm und drehte sich dann um, um sich ihrem Verfolger zu stellen. Anhand von Beschreibungen schloss sie, dass er ein Beh�ter war.</p><p>Der Beh�ter trat n�her. Noch immer befanden sie sich an der Lagergrenze; die Zelte waren kreisf�rmig aufgestellt. Mit Unbehagen war ihr aufgefallen, dass einige Zelte von einem Licht erhellt wurden, das zu gleichm��ig brannte, um von einer Kerze oder Lampe zu stammen.</p><p>�Ho�, sagte Bayle und hob freundlich eine Hand. �Wir suchen eine Aes Sedai mit Namen Nynaeve al�Meara. Sein sie nicht hier, dann vielleicht die, die Elayne Trakand hei�en?�</p><p>�Keine von ihnen hat hier ihr Lager aufgeschlagen�, sagte der Beh�ter. Er war ein kleiner Mann, aber st�mmig. Mit diesen kr�ftigen Beinen h�tte er einen guten Matrosen abgegeben. Seine Z�ge sahen�� unfertig aus. Von einem Bildhauer aus dem Stein gemei�elt, der dann nach halber Arbeit das Interesse verloren hatte.</p><p>�Ah�, sagte Bayle. �Das sein dann unser Fehler. K�nntet Ihr uns zeigen, wo sie lagern? Ihr m�ssen wissen, es sein eine Sache von gro�er Dringlichkeit.� Er sprach fl�ssig, ohne Umschweife. Falls n�tig konnte Bayle sehr charmant sein. Auf jeden Fall mehr als Leilwin.</p><p>�Das kommt darauf an�, sagte der Beh�ter. �Eure Gef�hrtin, will die auch zu diesen Aes Sedai?�</p><p>�Sie will���, setzte Bayle an, aber der Beh�ter hob die Hand. �Ich m�chte es von ihr h�ren�, sagte er und musterte Leilwin.</p><p>�Ich w�nschen es�, sagte Leilwin. �Meine alte Gro�mutter! Diese Frauen, sie uns haben eine Bezahlung versprochen, und ich werden sie bekommen! Aes Sedai l�gen nicht. Das wei� jeder. Wenn Ihr uns nicht zu ihnen bringt, dann holt jemanden, der es tut!�</p><p>Der Beh�ter z�gerte, seine Augen weiteten sich bei dem Wortschwall. Dann nickte er. �Hier entlang.� Er f�hrte sie zur Lagerseite, fort vom Zentrum, aber er schien nicht l�nger misstrauisch zu sein.</p><p>Leilwin stie� leise die Luft aus und ging neben Bayle hinter dem Beh�ter her. Bayle sah sie stolz an und grinste so breit, dass er sie mit Sicherheit verraten h�tte, h�tte sich der Beh�ter umgedreht. Aber sie musste selbst ein L�cheln unterdr�cken.</p><p>Der illianische Akzent war ihr nicht leichtgefallen, aber sie waren beide zu dem Schluss gekommen, dass ihr seanchanischer Akzent gef�hrlich war, vor allem wenn sie sich unter Aes Sedai bewegten. Bayle behauptete noch immer, dass kein wahrer Illianer sie als eine der Ihren akzeptieren w�rde, aber offensichtlich war sie gut genug, um einen Fremden zu t�uschen.</p><p>Sie versp�rte Erleichterung, als sie sich vom Lager der Aes Sedai entfernten. Zwei Freundinnen zu haben, die Aes Sedai waren�� und es waren Freundinnen, trotz ihrer Schwierigkeiten miteinander��, bedeutete nicht, dass sie in einem Lager voller Schwestern sein wollte. Der Beh�ter f�hrte sie zu einer Fl�che ungef�hr in der Mitte des Feldes von Merrilor. Dort befand sich ein sehr gro�es Lager mit vielen kleinen Zelten.</p><p>�Aiel�, raunte Bayle. �Es m�ssen Zehntausende sein.�</p><p>Interessant. Von den Aiel erz�hlte man sich Furcht einfl��ende Geschichten, Legenden, die unm�glich alle der Wahrheit entsprechen konnten. Trotzdem lie�en diese Geschichten trotz ihrer �bertreibungen erahnen, dass es die besten Krieger auf dieser Seite des Ozeans waren. Unter anderen Umst�nden h�tte Leilwin gern mit einem oder auch zwei von ihnen einen �bungskampf absolviert. Sie legte eine Hand auf die Seite ihres Rucksacks; sie hatte ihre Keule in einer langen Tasche an der Seite griffbereit untergebracht.</p><p>Auf jeden Fall waren diese Aiel <emphasis>gro�</emphasis>. Sie kamen an einigen vorbei, die anscheinend v�llig entspannt an Lagerfeuern sa�en. Aber diese Augen beobachteten deutlich sch�rfer als der Beh�ter. Gef�hrliche M�nner, zum T�ten bereit, w�hrend sie sich am Feuer entspannten. Sie konnte die Banner nicht erkennen, die �ber diesem Lager am Nachthimmel flatterten.</p><p>�Welcher K�nig oder welche K�nigin herrscht in diesem Lager, Beh�ter?�, fragte sie laut.</p><p>Der Mann sah sie an; seine Z�ge blieben in den n�chtlichen Schatten unergr�ndlich. �Euer K�nig, Illianerin.�</p><p>Bayle erstarrte.</p><p><emphasis>Mein��</emphasis></p><p>Der Wiedergeborene Drache. Es erf�llte sie mit Stolz, dass sie nicht aus dem Tritt kam, aber es war knapp. Ein Mann, der die Macht lenken konnte. Das war schlimmer als die Aes Sedai, viel schlimmer.</p><p>Der Beh�ter f�hrte sie zu einem Zelt in der ungef�hren Lagermitte. �Ihr habt Gl�ck, ihr Licht brennt.� Am Zelteingang standen keine W�chter, also rief er und erhielt die Erlaubnis zum Eintreten. Mit einer Hand zog er die Plane zur Seite und nickte ihnen zu, aber seine andere Hand lag auf dem Schwertgriff, und seine Haltung war kampfbereit.</p><p>Leilwin verabscheute die Vorstellung, dieses Schwert im R�cken zu haben, aber sie trat wie gebeten ein. Das Zelt wurde von einer dieser unnat�rlichen Lichtkugeln erhellt, und eine vertraute Frau in einem gr�nen Kleid sa� an einem Schreibtisch und schrieb einen Brief. Nynaeve al�Meara war eine <emphasis>Telarti</emphasis>, wie man in Seanchan gesagt h�tte�� eine Frau mit Feuer in der Seele. Leilwin hatte gelernt, dass Aes Sedai eigentlich so ruhig wie die Oberfl�che eines Teichs sein sollten. Nun, gelegentlich mochte das auf diese Frau auch zutreffen�� aber sie war die Art von stillem Wasser, das man nur eine Biegung von einem wilden Wasserfall entfernt fand.</p><p>Nynaeve schrieb weiter, als sie eintraten. Sie trug keinen Zopf mehr; ihr Haar fiel nur noch locker bis zu ihren Schultern. Der Anblick war so seltsam wie ein Schiff ohne Mast.</p><p>�Ich habe sofort Zeit f�r Euch, Sleete�, sagte sie. �Ehrlich, so wie Ihr Euch in letzter Zeit in meiner N�he herumtreibt, l�sst mich an eine Vogelmutter denken, die ein Ei verloren hat. Hatte Eure Aes Sedai nichts f�r Euch zu tun?�</p><p>�Lan ist f�r viele von uns wichtig, Nynaeve Sedai�, erwiderte der Beh�ter ��Sleete�� ganz ruhig mit grollender Stimme.</p><p>�Ach, und f�r mich ist er unwichtig? Also wirklich, ich frage mich, ob man Euch und Euresgleichen nicht losschicken sollte, um Holz zu hacken. Wenn noch ein Beh�ter kommt und fragt, ob ich etwas brauche���</p><p>Sie schaute auf und erblickte endlich Leilwin. Augenblicklich wurde ihre Miene reglos. Kalt. Eiskalt. Leilwin brach der Schwei� aus. Die Frau hielt ihr Leben in den H�nden. Warum hatte dieser Sleete sie nicht zu Elayne bringen k�nnen? Vielleicht h�tten sie Nynaeve besser gar nicht erst erw�hnt.</p><p>�Diese beiden wollten Euch sehen�, sagte Sleete. Sein Schwert hatte die Scheide verlassen. Leilwin hatte das gar nicht bewusst wahrgenommen. Domon murmelte leise etwas. �Sie behaupteten, Ihr h�ttet ihnen eine Arbeit gegeben, und sie seien wegen der Bezahlung hier. Allerdings haben sie nicht in der Burg vorgesprochen und eine M�glichkeit gefunden, durch eines der Wegetore zu schl�pfen. Der Mann kommt aus Illian. Die Frau aus einem anderen Land. Sie verbirgt ihren Akzent.�</p><p>Vielleicht war sie ja doch nicht so gut mit dem Akzent, wie sie gedacht hatte. Sie warf einen Blick auf das Schwert. Wenn sie sich zur Seite rollte, verfehlte er sie vielleicht, vorausgesetzt, er zielte auf Brust oder Hals. Sie konnte die Keule ziehen und��</p><p>Sie stand einer Aes Sedai gegen�ber. Niemals w�rde sie ausweichen k�nnen. Sie w�re in einem Gewebe der Einen Macht gefangen oder Schlimmeres. Sie schaute Nynaeve an.</p><p>�Ich kenne sie, Sleete�, sagte Nynaeve mit k�hler Stimme. �Das war richtig von Euch, sie zu mir zu bringen. Vielen Dank.�</p><p>Sein Schwert glitt zur�ck in die Scheide, und Leilwin versp�rte einen k�hlen Luftzug, als er so leise wie ein Fl�stern aus dem Zelt verschwand.</p><p>�Falls Ihr gekommen seid, um Verzeihung zu erbitten�, sagte Nynaeve, �dann steht Ihr vor der falschen Person. Ich h�tte nicht �bel Lust, Euch den Beh�tern zur Befragung zu �bergeben. Vielleicht k�nnen sie ja aus Eurem verr�terischen Verstand etwas N�tzliches �ber Euer Volk herausbluten lassen.�</p><p>�Ich freue mich auch, Euch wiederzusehen, Nynaeve�, erwiderte Leilwin k�hl.</p><p>�Also was ist passiert?�, verlangte Nynaeve zu wissen.</p><p>Was passiert war? Wovon sprach die Frau da �berhaupt?</p><p>�Ich haben es versucht�, sagte Bayle pl�tzlich voller Bedauern. �Ich haben gegen sie gek�mpft, aber sie haben mich m�helos �berw�ltigt. Sie h�tten mein Schiff anz�nden k�nnen, uns versenken und meine M�nner t�ten.�</p><p>�Es w�re besser, Ihr und alle an Bord w�rt gestorben, Illianer�, sagte Nynaeve. �Das <emphasis>Ter�angreal</emphasis> geriet in die H�nde einer der Verlorenen; Semirhage verbarg sich unter den Seanchanern, gab vor, irgendeine Art Richterin zu sein. Eine Wahrheitssprecherin? Hei�t das so?�</p><p>�Ja�, sagte Leilwin leise. Jetzt war ihr alles klar. �Ich bedaure es, meinen Eid gebrochen zu haben, aber���</p><p>�Ihr <emphasis>bedauert</emphasis> es, Egeanin?�, stie� Nynaeve hervor, schoss in die H�he und stie� dabei ihren Stuhl um. ��Bedauern� ist nicht unbedingt das Wort, das ich w�hlen w�rde, wenn ich die Welt selbst in Gefahr gebracht h�tte, wenn ich uns an den Rand der Finsternis gef�hrt und fast in den Abgrund gesto�en h�tte! Sie hat von dem Ger�t Kopien herstellen lassen, Frau. Eine endete um den Hals des Wiedergeborenen Drachen. <emphasis>Der Wiedergeborene Drache</emphasis>, der von einer der Verlorenen kontrolliert wird!�</p><p>Nynaeve warf die H�nde in die Luft. �Beim Licht! Euretwegen trennten uns nur ein paar Herzschl�ge vom Ende! Dem Ende von allem. Kein Muster mehr, keine Welt mehr, nichts. Wegen Eurer Sorglosigkeit h�tten Millionen von Leben ausgel�scht werden k�nnen.�</p><p>�Ich��� Pl�tzlich erschienen Leilwin ihre Fehler monumental. Ihre Existenz�� weg. Ihr Name�� weg. Ihr Schiff hatte ihr die Tochter der Neun Monde h�chstpers�nlich weggenommen. Und doch war das angesichts dieser Tat alles v�llig bedeutungslos.</p><p>�Ich haben gek�mpft�, sagte Bayle entschieden. �Ich haben gek�mpft mit allem, was mir zur Verf�gung stand.�</p><p>�Anscheinend h�tte ich mich dir anschlie�en sollen�, sagte Leilwin.</p><p>�Ich haben versucht, das zu erkl�ren�, sagte Bayle grimmig. �Viele Male, verflucht, aber das haben ich.�</p><p>�Pah!� Nynaeve rieb sich die Stirn. �Was macht Ihr hier, Egeanin? Ich hatte gehofft, dass Ihr tot seid. W�rt Ihr bei dem Versuch gestorben, Euren Eid zu erf�llen, dann h�tte ich Euch keinen Vorwurf machen k�nnen.�</p><p><emphasis>Ich �bergab es Suroth pers�nlich,</emphasis> dachte Leilwin. <emphasis>Einen Preis, den ich f�r mein Leben bezahlte, der einzige Ausweg.</emphasis></p><p>�Nun?� Nynaeve starrte sie finster an. �Heraus damit, Egeanin.�</p><p>�Diesen Namen trage ich nicht l�nger.� Leilwin ging auf die Knie. �Man hat mir alles genommen, einschlie�lich meiner Ehre, wie es jetzt scheint. Ich �bergebe mich Euch als Bezahlung.�</p><p>Nynaeve schnaubte. �Im Gegensatz zu Euch Seanchanern halten wir keine Menschen wie Tiere.�</p><p>Leilwin blieb knien. Bayle legte ihr die Hand auf die Schulter, versuchte sie aber nicht auf die F��e zu ziehen. Er verstand durchaus, warum sie das tun musste. Er war fast zivilisiert geworden.</p><p>�Hoch mit Euch�, fauchte Nynaeve. �Beim Licht, Egeanin. Ihr wart doch einmal so stark, dass Ihr Steine kauen und Sand ausspucken konntet.�</p><p>�Es ist meine Kraft, die mich dazu verpflichtet�, sagte sie und senkte den Blick. Begriff Nynaeve denn nicht, wie schwierig das war? Es w�re viel leichter gewesen, sich selbst die Kehle durchzuschneiden, nur dass sie einfach nicht mehr genug Ehre hatte, um ein so einfaches Ende verlangen zu k�nnen.</p><p>�Steht auf!�</p><p>Leilwin gehorchte.</p><p>Nynaeve schnappte sich ihren Umhang von der Pritsche und warf ihn sich �ber. �Kommt. Wir bringen Euch zur Amyrlin. Vielleicht wei� sie ja, was man mit Euch anstellen soll.�</p><p>Nynaeve st�rmte in die Nacht hinaus, und Leilwin folgte ihr. Ihre Entscheidung war getroffen. Es gab nur einen Weg, der Sinn machte, einen Weg, um wenigstens einen Funken Ehre zu bewahren und vielleicht dabei ihrem Volk zu helfen, die L�gen zu �berleben, die es sich schon so lange erz�hlte.</p><p>Leilwin Schiffslos geh�rte jetzt zur Wei�en Burg. Was auch immer sie sagen w�rden, was auch immer sie mit ihr anstellten, diese Tatsache w�rde sich nicht �ndern. Sie war ihr Besitz. Sie w�rde die <emphasis>Da�covale</emphasis> dieser Amyrlin sein und diesen Sturm absegeln wie ein Schiff, dessen Segel der Wind zu Fetzen zerrissen hatte.</p><p>Vielleicht konnte sie ja mit den kl�glichen Resten ihrer Ehre das Vertrauen dieser Frau erwerben.</p><empty-line/><p>�Das ist Teil einer alten Schmerzlinderung der Grenzl�nder�, sagte Melten und entfernte den Verband von Talmanes� Seite. �Die Blasenbl�tter verlangsamen den Makel des verfluchten Metalls.�</p><p>Melten war ein schlanker Mann mit einem dichten Haarschopf. Er kleidete sich wie ein andoranischer Waldl�ufer, trug ein einfaches Hemd und einen Umhang, sprach aber wie ein Grenzl�nder. In seinem Beutel trug er einen Satz farbiger Kugeln, mit denen er manchmal f�r die Mitglieder der Bande jonglierte. In einem anderen Leben musste er ein Gaukler gewesen sein.</p><p>Eigentlich passte er nicht in die Bande, andererseits galt das auf die eine oder andere Weise f�r sie alle.</p><p>�Ich wei� nicht, wie es das Gift d�mpft�, sagte er. �Aber das tut es. Es handelt sich ja nicht um normales Gift. Man kann es nicht aus der Wunde saugen.�</p><p>Talmanes dr�ckte die Hand auf die Seite. Der brennende Schmerz f�hlte sich an, als arbeite sich ein Dornenstrauch langsam unter der Haut nach oben und risse mit jeder Bewegung am Fleisch. Er konnte <emphasis>f�hlen</emphasis>, wie das Gift durch seinen K�rper zirkulierte. Beim Licht, tat das weh.</p><p>In der N�he k�mpften sich die M�nner der Bande durch Caemlyn auf den Palast zu. Sie waren durch das S�dtor eingedrungen und hatten es den S�ldnergruppen unter Sandips Befehl �berlassen, das Westtor zu halten.</p><p>Wenn es irgendwo in der Stadt noch einen menschlichen Widerstand gab, dann beim Palast. Ungl�cklicherweise zogen F�uste Trollocs durch das Gebiet zwischen Talmanes� Position und dem K�niginnenpalast. St�ndig stie�en sie auf die Ungeheuer und wurden in K�mpfe verwickelt.</p><p>Talmanes hatte keine M�glichkeit, herauszufinden, ob es dort tats�chlich noch Widerstand gab; dazu musste er sich dorthin begeben. Das bedeutete, dass er seine M�nner zum Palast f�hren musste, sich den ganzen Weg freik�mpfen und das Risiko eingehen musste, von den umherstreifenden Tiermenschen eingekreist zu werden. Aber daf�r gab es keine Alternative. Er musste herausfinden, was von der Verteidigung des Palastes noch �brig war�� ob �berhaupt noch etwas �brig war. Von dort konnte er wieder einen Ausfall in die Stadt anf�hren und versuchen, an die Drachen zu kommen.</p><p>Die Luft roch nach Rauch und Blut; w�hrend einer kurzen Kampfpause hatten sie tote Trollocs an der rechten Stra�enseite aufgeschichtet, um Platz zu schaffen.</p><p>Auch in diesem Stadtteil gab es Fl�chtlinge, auch wenn es kein gro�er Strom war. Eher ein Rinnsal, das aus der Dunkelheit tr�pfelte, w�hrend Talmanes und die Bande Teile der Durchgangsstra�e zum Palast freik�mpften. Diese Fl�chtlinge verlangten nicht, dass die Bande ihren Besitz besch�tzte oder ihre H�user rettete; menschlichen Widerstand zu finden lie� sie vor Freude schluchzen. Madwin hatte den Befehl, sie durch den Sicherheitskorridor, den die Bande freigehackt hatte, in die Freiheit zu schicken.</p><p>Talmanes wandte sich dem Palast oben auf dem H�gel zu, aber in der Nacht waren seine Umrisse kaum auszumachen. Obwohl der gr��te Teil der Stadt brannte, stand der Palast nicht in Flammen; in der rauchigen Nacht erhoben sich seine wei�en Mauern Phantomen gleich. Kein Feuer. Das <emphasis>musste</emphasis> doch ein Hinweis auf Widerstand sein, oder nicht? H�tten ihn die Trollocs nicht als Erstes angegriffen?</p><p>Er hatte Kundschafter die Stra�e hinauf ausgeschickt, w�hrend er sich und seinen M�nnern eine kurze Atempause g�nnte.</p><p>Melten band die Kr�uterbinde fest.</p><p>�Danke, Melten.� Talmanes nickte dem Mann zu. �Ich kann schon f�hlen, wie die Kr�uter wirken. Ihr sagtet, sie sind ein Teil des Schmerzmittels. Was ist der andere Teil?�</p><p>Melten hakte eine Metallflasche vom G�rtel und gab sie ihm. �Unverf�lschter shienarischer Branntwein.�</p><p>�Im Kampf zu trinken ist keine gute Idee, Mann.�</p><p>�Nehmt es�, sagte Melten leise. �Nehmt die Flasche und trinkt ordentlich, mein Lord. Oder Ihr steht beim n�chsten Glockenschlag nicht mehr auf den Beinen.�</p><p>Talmanes z�gerte, dann nahm er die Flasche und trank einen gro�en Schluck. Es brannte wie die Wunde. Er hustete, dann steckte er die Flasche ein. �Ich glaube, Ihr habt Eure Flaschen verwechselt. Das da habt Ihr in einem F�rberbottich gefunden.�</p><p>Melten grinste. �Und da hei�t es, Ihr h�ttet keinen Sinn f�r Humor, Lord Talmanes.�</p><p>�Habe ich auch nicht. Bleibt mit Eurem Schwert in der N�he.�</p><p>Melten nickte. �Schattenschl�chter�, fl�sterte er.</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Ein Titel aus den Grenzlanden. Ihr habt einen Blassen get�tet. Schattenschl�chter.�</p><p>�In dem steckten da aber bereits siebzehn Pfeile.�</p><p>�Das ist egal.� Melten schlug ihm auf die Schulter. �Schattenschl�chter. Wenn Ihr die Schmerzen nicht l�nger ertragt, ballt beide F�uste und hebt sie in meine Richtung. Ich k�mmere mich dann um den Rest.�</p><p>Talmanes stand auf und konnte ein St�hnen nicht unterdr�cken. Sie verstanden sich. Die Grenzl�nder in der Bande waren sich da alle einig; von einer Thakan�dar-Klinge geschlagene Wunden waren unberechenbar. Einige entz�ndeten sich schnell, andere bewirkten langes Siechtum. Aber wenn die Wunde wie bei Talmanes schwarz wurde�� das war das Schlimmste. Er konnte nur gerettet werden, wenn sie in den n�chsten paar Stunden eine Aes Sedai fanden.</p><p>�Es ist gut, dass ich keinen Sinn f�r Humor habe, m�sst Ihr wissen�, murmelte er. �Andernfalls w�rde ich glauben, dass mir das Muster einen Streich spielt. Dennel! Habt Ihr einen Stadtplan?� Beim Licht, was vermisste er doch Vanin.</p><p>�Mein Lord�, sagte Dennel und eilte mit einer Fackel und einem fl�chtig hingekritzelten Stadtplan �ber die dunkle Stra�e. Er war einer der Drachenhauptm�nner der Bande. �Ich glaube, ich habe einen schnelleren Weg zu dem Ort gefunden, an dem Aludra die Drachen untergestellt hat.�</p><p>�Zuerst k�mpfen wir uns zum Palast durch�, erwiderte Talmanes.</p><p>�Mein Lord.� Dennels Worte kamen nun ganz leise �ber seine Lippen. Er fummelte an seiner Uniform herum, als w�rde sie nicht richtig sitzen. �Falls der Schatten diese Drachen erreicht���</p><p>�Ich bin mir der Gefahren durchaus bewusst, Dennel, danke. Wie schnell k�nnt Ihr diese Dinger bewegen, falls wir sie erreichen? Ich sorge mich, dass wir uns verzetteln, und diese Stadt brennt schneller als ein �lgetr�nkter Liebesbrief an die Geliebte eines Hohen Herrn. Ich will die Waffen holen und die Stadt dann so schnell wie m�glich verlassen.�</p><p>�Mit einem oder zwei Sch�ssen kann ich eine Feindstellung dem Erdboden gleichmachen, mein Lord, aber diese Drachen bewegen sich alles andere als schnell. Sie sind auf Karren montiert, was schon hilfreich ist, aber sie werden nicht schneller als�� sagen wir ein Zug Proviantwagen sein. Und sie brauchen ihre Zeit, bis man sie richtig aufgebaut hat, um schie�en zu k�nnen.�</p><p>�Dann gehen wir weiter zum Palast�, erwiderte Talmanes.</p><p>�Aber���</p><p>�Mit etwas Gl�ck k�nnten wir im Palast Frauen finden, die mit der Einen Macht ein Wegetor direkt zu Aludras Lagerhaus erschaffen. Davon abgesehen h�tten wir Freunde im R�cken, falls die Palastgarde noch k�mpft. Wir <emphasis>holen</emphasis> diese Drachen, aber wir tun es mit Klugheit.�</p><p>Er sah, dass Ladwin und Mar von h�gelaufw�rts herbeieilten. �Dort oben sind Trollocs!�, verk�ndete Mar. �Mindestens hundert von ihnen, auf der Stra�e.�</p><p>�Nehmt Aufstellung, M�nner!�, rief Talmanes. �Wir k�mpfen uns zum Palast durch!�</p><empty-line/><p>Im Schwei�zelt kehrte tiefes Schweigen ein.</p><p>Aviendha hatte m�glicherweise Unglauben �ber ihre Geschichte erwartet. Mit Sicherheit aber Fragen. Nicht diese qu�lende Stille.</p><p>Aber auch wenn das unerwartet kam, verstand sie es dennoch. Schlie�lich hatte sie genauso empfunden, nachdem sie in ihrer Vision erlebt hatte, wie die Aiel in der Zukunft langsam das <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> verloren. Sie hatte das Sterben, die Entehrung und die Vernichtung ihres Volkes miterlebt. Zumindest hatte sie jetzt jemanden, mit dem sie diese Last teilen konnte.</p><p>Die erhitzten Steine im Kessel zischten leise. Jemand h�tte mehr Wasser nachgie�en m�ssen, aber keine der sechs Frauen im Zelt machte Anstalten dazu. Die anderen f�nf waren alle Weise Frauen, die genau wie Aviendha nach der Art der Schwei�zelte nackt dasa�en. Sorilea, Amys, Bair, Melaine und Kymer von den Tomanelle Aiel. Jede von ihnen starrte geradeaus; in diesem Moment war jede von ihnen ganz allein mit ihren Gedanken.</p><p>Eine nach der anderen setzten sie sich wieder gerade auf, als h�tten sie eine neue Last geschultert. Das tr�stete Aviendha; nicht, dass sie erwartet hatte, diese Neuigkeit w�rde sie verzweifeln lassen. Trotzdem war es gut zu sehen, dass sie ihren Blick auf die Gefahr richteten, statt ihn abzuwenden.</p><p>�Der Sichtblender ist der Welt nun viel zu nahe gekommen�, sagte Melaine. �Das Muster ist irgendwie verbogen. Im Traum sehen wir noch immer zu viele Dinge, die vielleicht eintreten oder auch nicht, aber es gibt zu viele M�glichkeiten; wir k�nnen sie nicht l�nger voneinander unterscheiden. Den Traumg�ngerinnen ist das Schicksal unseres Volkes v�llig unklar, genau wie das Schicksal des <emphasis>Car�a�carn</emphasis>, sobald er Sichtblender am Letzten Tag ins Auge gespuckt hat. Wir wissen nicht, ob Aviendha die Wahrheit sah.�</p><p>�Wir m�ssen das pr�fen�, sagte Sorilea. Ihre Augen waren wie Steine. �Wir m�ssen es wissen. Erlebt von nun an jede Frau diese Vision statt der anderen, oder war das eine einzigartige Erfahrung?�</p><p>�Elenar von den Daryne�, sagte Amys. �Ihre Ausbildung ist so gut wie beendet. Sie wird Rhuidean als N�chste besuchen. Wir k�nnten Hayde und Shanni bitten, sie etwas zu ermutigen.�</p><p>Aviendha unterdr�ckte ein Schaudern. Sie wusste nur zu gut, wie �ermutigend� die Weisen Frauen sein konnten.</p><p>�Das w�re gut�, sagte Bair und beugte sich vor. �Vielleicht geschieht das ja immer, wenn jemand ein zweites Mal durch die Glass�ulen tritt? Vielleicht ist es darum verboten.�</p><p>Niemand sah Aviendha an, aber sie sp�rte genau, dass die anderen �ber sie nachdachten. Was sie getan hatte, <emphasis>war</emphasis> verboten. �ber das in Rhuidean Erlebte zu sprechen war ebenfalls ein Frevel.</p><p>Eine Zurechtweisung w�rde es nicht geben. Rhuidean hatte sie nicht umgebracht; so hatte sich das Rad eben gedreht. Bair starrte noch immer in die Ferne. Schwei� floss an Aviendhas Wangen und Br�sten herunter.</p><p><emphasis>Ich vermisse B�der nicht,</emphasis> dachte sie. Sie war keine verweichlichte Feuchtl�nderin. Trotzdem war ein Schwei�zelt auf dieser Seite der Berge eigentlich nicht erforderlich. Die N�chte waren nicht bitterlich kalt, also f�hlte sich die Hitze im Zelt blo� erdr�ckend und nicht erfrischend an. Und wenn es gen�gend Wasser zum Baden gab��</p><p>Nein. Entschlossen reckte sie das Kinn. �Darf ich sprechen?�</p><p>�Sei nicht albern, M�dchen�, sagte Melaine. Der Bauch der Frau war weit vorgew�lbt, die Geburt stand kurz zuvor. �Du bist jetzt eine von uns. Du musst nicht um Erlaubnis bitten.�</p><p>M�dchen? Es w�rde noch dauern, bis sie sie wirklich als eine der Ihren betrachteten, aber sie gaben sich M�he. Keiner befahl ihr, Tee zu machen oder Wasser auf die Steine zu gie�en. Ohne Lehrling und <emphasis>Gai�shain</emphasis> in der N�he wechselten sie sich mit diesen Aufgaben ab.</p><p>�Ich mache mir weniger Sorgen dar�ber, dass sich diese Vision wiederholen k�nnte�, sagte Aviendha, �sondern vielmehr �ber das, was ich sah. Wird es geschehen? K�nnen wir es aufhalten?�</p><p>�Rhuidean zeigt zwei Arten von Visionen�, sagte Kymer. Sie war noch nicht so alt, vielleicht nicht ganz zehn Jahre �lter als Aviendha, hatte dunkelrotes Haar und ein langes gebr�untes Gesicht. �Der erste Besuch zeigt das, was sein k�nnte, der zweite in den S�ulen das, was sich zugetragen hat.�</p><p>�Diese dritte Vision k�nnte das eine wie das andere sein�, sagte Amys. �Die S�ulen haben die Vergangenheit stets getreu wiedergegeben; warum sollten sie die Zukunft nicht mit der gleichen Genauigkeit zeigen?�</p><p>Aviendhas Herz setzte einen Schlag aus.</p><p>�Aber warum sollten die S�ulen eine Verzweiflung zeigen, die man nicht �ndern kann?�, meinte Bair leise. �Nein. Ich weigere mich, das zu glauben. Rhuidean hat uns immer das gezeigt, was wir sehen mussten. Um uns zu helfen und nicht, um uns zu vernichten. Auch diese Vision muss einen Sinn haben. Soll sie uns zu einer gr��eren Ehre anspornen?�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, sagte Sorilea kurz angebunden.</p><p>�Aber���, begann Aviendha.</p><p>�Das spielt keine Rolle�, wiederholte Sorilea. �Falls diese Vision nicht zu �ndern ist, falls es unser Schicksal ist, diesen tiefen�� Sturz�� zu erleiden, von dem du erz�hlt hast, w�rde auch nur eine von uns aufh�ren, dagegen anzuk�mpfen, um ihn zu verhindern?�</p><p>Wieder kehrte Stille ein. Aviendha sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wir m�ssen damit umgehen, als k�nnte man es �ndern�, sagte Sorilea. �Es ist besser, nicht �ber deine Frage zu gr�beln, Aviendha. Wir m�ssen entscheiden, was wir tun sollen.�</p><p>Aviendha ertappte sich bei einem Nicken. �Ich�� ja, ja, du hast recht, Weise Frau.�</p><p>�Aber was machen wir?�, fragte Kymer. �Was �ndern wir? Im Augenblick muss die Letzte Schlacht gewonnen werden.�</p><p>�Beinahe w�nschte ich, dass die Vision nicht zu �ndern ist�, sagte Amys, �denn zumindest beweist sie, dass wir diesen Kampf gewinnen.�</p><p>�Sie beweist gar nichts�, erwiderte Sorilea. �Sichtblenders Sieg w�rde das Muster zerbrechen, darum kann keine Vision der Zukunft vertrauensw�rdig sein. Selbst wenn es um Prophezeiungen weit in der Zukunft liegender Zeitalter geht, wenn Sichtblender diese Schlacht gewinnt, findet alles sein Ende.�</p><p>�Diese Vision, die ich hatte, hat mit dem zu tun, was Rand gerade plant�, sagte Aviendha.</p><p>Alle Blicke wandten sich ihr zu.</p><p>�Morgen�, sagte sie. �Wie ihr mir gesagt habt, bereitet er sich auf eine wichtige Enth�llung vor.�</p><p>�Der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> hat eine�� Schw�che�� f�r dramatische Auftritte�, sagte Bair, aber ihre Worte klangen liebevoll. �Er ist wie ein Crockobur, der die ganze Nacht geschuftet hat, um ein Nest zu bauen, damit er allen am n�chsten Morgen davon vorsingen kann.�</p><p>Es hatte Aviendha �berrascht, die Zusammenkunft bei Merrilor zu entdecken; sie hatte sie nur gefunden, weil sie ihren Bund mit Rand al�Thor dazu benutzt hatte, seinen Aufenthaltsort zu bestimmen. Als sie hier eingetroffen war und die versammelten Streitkr�fte der Feuchtl�nder gesehen hatte, hatte sie sich gefragt, ob das wohl schon ein Teil dessen war, was sie gesehen hatte. War diese Zusammenkunft der Beginn der Ereignisse, die sich in ihrer Vision zugetragen hatten?</p><p>�Ich f�hle mich, als w�sste ich mehr, als ich sollte.� Es war beinahe, als w�rde sie mit sich selbst sprechen.</p><p>�Du hattest einen tiefen Einblick darein, was die Zukunft m�glicherweise bringt�, meinte Kymer. �Das wird dich ver�ndern, Aviendha.�</p><p>�Der morgige Tag ist der Schl�ssel�, sagte Aviendha. �Sein Plan.�</p><p>�Deinen Worten zufolge hat es den Anschein, als wollte er die Aiel ignorieren, sein eigenes Volk�, sagte Kymer. �Warum sollte er jedem anderen eine Gunst erweisen, sie aber ausgerechnet denen verweigern, die sie am meisten verdienen? Will er uns beleidigen?�</p><p>�Ich glaube nicht, dass das der Grund ist�, erwiderte Aviendha. �Ich glaube, er will den Versammelten Forderungen stellen und keine Gunst erweisen.�</p><p>�Er erw�hnte einen Preis�, sagte Bair. �Einen Preis, den die anderen zahlen sollen. Niemand konnte ihm das Geheimnis dieses Preises entlocken.�</p><p>�Am fr�hen Abend ist er durch ein Wegetor nach Tear gegangen und hat etwas geholt�, sagte Melaine. �Die T�chter berichteten es�� er h�lt sich jetzt an seinen Eid, sie mitzunehmen. Als wir uns nach dem Preis erkundigten, sagte er, es sei etwas, wor�ber sich die Aiel keine Sorgen zu machen br�uchten.�</p><p>Aviendha runzelte die Stirn. �Er l�sst sich von M�nnern f�r das bezahlen, von dem wir alle wissen, dass er es tun muss? Vielleicht hat er einfach nur zu viel Zeit mit den Leuten vom Meervolk verbracht.�</p><p>�Nein, das ist schon richtig so�, meinte Amys. �Diese Leute verlangen viel vom <emphasis>Car�a�carn</emphasis>. Er hat das Recht, im Gegenzug etwas von ihnen zu verlangen. Sie sind weich; vielleicht will er sie ja st�rker machen.�</p><p>�Und darum l�sst er uns au�en vor, weil er wei�, dass wir bereits stark sind�, sagte Bair leise.</p><p>Schweigen setzte ein. Mit besorgter Miene l�ffelte Amys Wasser auf die erhitzten Steine im Kessel. Zischend stieg Dampf in die H�he.</p><p>�Das ist es�, sagte Sorilea. �Er will uns nicht beleidigen. Er will uns ehren, so wie er es versteht.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Eigentlich sollte er es besser wissen.�</p><p>�Der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> beleidigt oft, ohne es zu wollen�, stimmte Kymer ihr zu, �als w�re er ein Kind. Wir sind stark, also spielt seine Forderung, wie auch immer sie aussieht, keine Rolle. Wenn es ein Preis ist, den die anderen zahlen k�nnen, dann gilt das f�r uns erst recht.�</p><p>�Er w�rde diese Fehler nicht machen, h�tte man ihn anst�ndig in unseren Sitten unterwiesen�, murmelte Sorilea.</p><p>Aviendha erwiderte gleichm�tig ihren Blick. Nein, sie hatte ihn nicht so gut unterrichtet, wie es m�glich gewesen w�re�� aber alle wussten, dass Rand al�Thor dickk�pfig war. Au�erdem war sie ihnen nun gleichgestellt. Auch wenn es ihr schwerfiel, das zu verinnerlichen, w�hrend sie sich Sorileas Missachtung ausgesetzt sah.</p><p>Vielleicht lag es an der vielen Zeit, die sie mit Feuchtl�ndern wie Elayne verbracht hatte, aber pl�tzlich sah sie die Dinge aus Rands Sicht. Die Aiel von seinem Preis auszunehmen ��immer unter der Voraussetzung, dass er es wirklich vorhatte�� war eine Tat der Ehre. H�tte er ihn von ihnen genau wie von den anderen verlangt, dann w�ren die Weisen Frauen vermutlich beleidigt gewesen, zusammen mit den Feuchtl�ndern in einen Topf geworfen zu werden.</p><p>Was hatte er vor? In ihren Visionen hatte es ein paar Andeutungen gegeben, aber sie war zusehends davon �berzeugt, dass der n�chste Tag die Aiel auf den Weg in ihren Untergang schicken w�rde.</p><p>Sie <emphasis>musste</emphasis> daf�r sorgen, dass das nicht geschah. Das war ihre erste Aufgabe als Weise Frau, und vermutlich die wichtigste, die sie je erhielt. Sie w�rde <emphasis>nicht</emphasis> scheitern.</p><p>�Ihre Aufgabe bestand nicht nur darin, ihn zu unterrichten�, sagte Amys. �Was w�rde ich daf�r geben, wenn er unter der Aufsicht einer guten Frau st�nde.� Sie schaute Aviendha bedeutungsvoll an.</p><p>�Er wird mir geh�ren�, sagte Aviendha entschieden. <emphasis>Aber nicht f�r dich, Amys, oder f�r unser Volk.</emphasis> Die St�rke dieser Empfindung schockierte sie. Sie war Aiel. Ihr Volk bedeutete ihr alles.</p><p>Aber diese Entscheidung konnte es nicht treffen. Diese Entscheidung geh�rte allein ihr.</p><p>�Sei gewarnt, Aviendha�, sagte Bair und legte ihr die Hand auf den Unterarm. �Er hat sich ver�ndert, seit du gegangen bist. Er ist stark geworden.�</p><p>Aviendha runzelte die Stirn. �Auf welche Weise?�</p><p>�Er hat den Tod umarmt�, sagte Amys und klang stolz. �Er mag noch immer ein Schwert tragen und sich wie ein Feuchtl�nder anziehen, aber er ist jetzt endlich und wahrhaftig einer von uns.�</p><p>�Davon will ich mich selbst �berzeugen�, sagte Aviendha und stand auf. �Ich werde sehen, was ich �ber seine Pl�ne herausfinden kann.�</p><p>�Dazu ist aber nicht mehr viel Zeit�, warnte Kymer.</p><p>�Eine ganze Nacht�, erwiderte Aviendha. �Das reicht.�</p><p>Die anderen nickten, und Aviendha zog sich an. Unerwarteterweise folgten die Frauen ihrem Beispiel. Anscheinend hielten sie ihre Neuigkeiten f�r wichtig genug, um sie mit anderen Weisen Frauen zu teilen, statt hier weiter zu beratschlagen.</p><p>Aviendha trat als Erste in die Nacht hinaus; nach der dr�ckenden Hitze des Schwei�zeltes f�hlte sich die kalte Luft gut auf ihrer Haut an. Sie nahm einen tiefen Atemzug. Ihr Geist war schrecklich ersch�pft, aber Schlaf w�rde warten m�ssen.</p><p>Hinter den anderen Weisen Frauen raschelte der Zelteingang. Melaine und Amys unterhielten sich leise, als sie in die Nacht eilten. Kymer schritt energisch auf das Lager der Tomanelle zu. Vermutlich w�rde sie mit ihrem Onkel Han sprechen, dem H�uptling der Tomanelle.</p><p>Eine knochige Hand legte sich auf Aviendhas Arm. Sie blickte �ber die Schulter und sah Bair in Bluse und Rock gekleidet dort stehen.</p><p>�Weise Frau�, sagte Aviendha automatisch.</p><p>�Weise Frau�, erwiderte Bair l�chelnd.</p><p>�Kann ich etwas tun��?�</p><p>�Ich m�chte nach Rhuidean gehen�, sagte Bair und schaute in den Himmel. �W�rdest du mir freundlicherweise ein Wegetor �ffnen?�</p><p>�Du gehst durch die Glass�ulen.�</p><p>�Eine von uns muss es tun. Egal, was Kymer sagt, Elenar ist noch nicht so weit, vor allem nicht, um so etwas zu sehen. Das M�dchen verbringt die H�lfte seiner Tage damit, wie ein Bussard �ber den letzten Fetzen eines verfaulenden Kadavers zu kr�chzen.�</p><p>�Aber���</p><p>�Ach, jetzt fang du nicht auch noch an. Du bist jetzt eine von uns, aber ich bin noch immer alt genug, um mich um deine Gro�mutter gek�mmert zu haben, als sie ein Kind war.� Bair sch�ttelte den Kopf; ihr wei�es Haar schien im Mondlicht beinahe zu leuchten. �Von allen bin ich die beste Kandidatin�, fuhr sie fort. �Machtlenker werden f�r die kommende Schlacht gebraucht. Ich lasse nicht zu, dass jetzt irgendein Kind zwischen diese S�ulen tritt. Ich tue das. Was ist jetzt mit dem Wegetor? Erf�llst du mir die Bitte, oder muss ich Amys dazu �berreden?�</p><p>Aviendha h�tte gern dabei zugesehen, wie jemand Amys zu etwas �berredete. Vielleicht h�tte Sorilea das ja geschafft. Aber sie hielt den Mund und erschuf das n�tige Gewebe, um ein Wegetor zu �ffnen.</p><p>Die Vorstellung, dass ein anderer das sah, was sie gesehen hatte, drehte ihr den Magen um. Was w�rde es bedeuten, falls Bair mit genau derselben Vision zur�ckkehrte? Dass diese Zukunft sehr wahrscheinlich war?</p><p>�So schrecklich war das also?�, fragte Bair leise.</p><p>�Es war furchtbar. Es h�tte Speere weinen und Steine zerbr�ckeln lassen k�nnen. Ich h�tte eher mit dem Sichtblender getanzt.�</p><p>�Dann ist es viel besser, wenn ich statt einer anderen gehe. Es sollte die St�rkste von uns tun.�</p><p>Aviendha konnte verhindern, eine Braue zu heben. Bair war so z�h wie gutes Leder, aber die anderen Weisen Frauen waren auch nicht gerade Bl�mchen. �Bair�, sagte sie, als ihr ein Gedanke kam. �Bist du je einer Frau namens Nakomi begegnet?�</p><p>�Nakomi.� Bair sprach das Wort langsam aus, als m�sste sie es schmecken. �Ein uralter Name. Ich kenne keinen, der ihn benutzt h�tte. Warum?�</p><p>�Auf der Reise nach Rhuidean begegnete ich einer Aiel�, erkl�rte Aviendha. �Sie behauptete, keine Weise Frau zu sein, aber sie hatte eine Art an sich��� Sie sch�ttelte den Kopf. �Die Frage war reine Neugier.�</p><p>�Nun, wir werden wissen, welchen Wahrheitsgehalt diese Visionen haben�, sagte Bair und machte einen Schritt auf das Wegetor zu.</p><p>�Und wenn sie zutreffen?�, stie� Aviendha unwillk�rlich hervor. �Was ist, wenn wir nichts dagegen unternehmen k�nnen?�</p><p>Bair drehte sich um. �Du sagst, du sahst deine Kinder?�</p><p>Aviendha nickte. �ber diesen Teil der Vision hatte sie nicht in allen Einzelheiten gesprochen. Das war ihr zu pers�nlich erschienen.</p><p>�Gib einem einen anderen Namen�, schlug Bair vor. �Sprich nie den Namen aus, den das Kind in dieser Vision trug, nicht einmal, wenn wir unter uns sind. Dann wirst du es wissen. Wenn sich eine Sache anders verh�lt, dann ist es auch bei anderen denkbar. Nein, so <emphasis>wird</emphasis> es sein. Das ist nicht unser Schicksal, Aviendha. Es ist ein Weg, den wir vermeiden werden. Zusammen.�</p><p>Unwillk�rlich nickte Aviendha. Ja. Eine einfache Ver�nderung, eine kleine Ver�nderung, aber so bedeutungsvoll. �Danke, Bair.�</p><p>Die alte Weise Frau nickte ihr zu, dann trat sie durch das Wegetor und lief durch die Nacht auf die vor ihr liegende Stadt zu.</p><empty-line/><p>Talmanes rammte die Schulter gegen einen riesigen Trolloc mit Eberschnauze und primitiver R�stung. Die Bestie stank schrecklich, nach Rauch, nassem Fell und Schwei�. Die Gewalt seines Angriffs entlockte ihr ein Grunzen; es schien die Kreaturen stets zu �berraschen, wenn er sie angriff.</p><p>Talmanes wich zur�ck und riss das Schwert aus der Seite des Tiermenschen, der daraufhin zusammenbrach. Dann sprang er wieder vor und rammte ihm die Klinge in den Hals, ohne darauf zu achten, dass die rissigen Fingern�gel �ber seine Beine kratzten. Aus den kleinen, viel zu menschlichen Augen wich das Leben.</p><p>M�nner k�mpften, br�llten, grunzten, t�teten. Die Stra�e f�hrte steil zum Palast hinauf. Dort hatten sich Trolloc-Horden festgesetzt; sie hielten ihre Position und hinderten die Bande daran, die H�gelkuppe zu erreichen.</p><p>Talmanes sackte gegen eine Hauswand�� die n�chste brannte, warf wilde Farben auf die Stra�e und tauchte ihn in ihre Hitze. Verglichen mit den schrecklichen Schmerzen seiner Wunde erschien dieses Feuer ziemlich kalt. Die lodernde Pein raste sein Bein bis zu den Zehen hinunter und fing langsam an, sich quer �ber seine Schultern vorzuarbeiten.</p><p><emphasis>Blut und verdammte Asche,</emphasis> dachte er. <emphasis>Was w�rde ich nur f�r ein paar Stunden mit einer Pfeife und einem Buch geben, ganz allein und in Frieden.</emphasis> Diejenigen, die etwas von einem glorreichen Tod in der Schlacht erz�hlten, waren schreckliche Narren. In diesem Chaos aus Feuer und Blut zu sterben, das war nicht glorreich. Er h�tte jederzeit einen stillen Tod vorgezogen.</p><p>Talmanes k�mpfte sich auf die F��e, Schwei� tropfte von seinem Gesicht. Ein St�ck h�gelabw�rts versammelte sich Schattengez�cht in seinem R�cken. Die Tiermenschen hatten hinter Talmanes� Streitmacht die Stra�e blockiert, aber er konnte sich noch bewegen und schnitt sich einen Weg durch die Ungeheuer vor ihm.</p><p>Ein R�ckzug w�rde kaum m�glich sein. Ein Kampf in der Stadt bedeutete, dass sich die Bestien nicht nur in den Hauptstra�en formierten, sondern in kleinen Gruppen durch die Nebenstra�en kommen und seine Flanken angreifen konnten, und zwar w�hrend ihres Vorsto�es und sp�ter dann bei ihrem R�ckzug.</p><p>�Werft ihnen alles entgegen, was ihr habt, M�nner!�, br�llte er, sprang auf die Stra�e und stellte sich den Trollocs entgegen, die den Weg versperrten. Der Palast war mittlerweile in unmittelbarer N�he. Mit dem Schild fing er die Klinge einer ziegengesichtigen Kreatur ab, bevor sie Dennel den Kopf abhacken konnte. Er bem�hte sich, die Waffe der Bestie zur Seite zu dr�cken, aber Trollocs waren stark, <emphasis>beim Licht</emphasis>! Er konnte den Tiermenschen kaum davon abhalten, ihn zu Boden zu schicken, w�hrend sich Dennel wieder fasste, den Oberschenkel als Ziel aussuchte und darauf einschlug.</p><p>Melten stand pl�tzlich an Talmanes� Seite. Der Grenzl�nder hielt sein Wort, in der N�he zu bleiben, falls Talmanes ein Schwert brauchte, das sein Leben beendete. Die beiden f�hrten den Vorsto� den H�gel hinauf an. Die Trollocs wichen zur�ck, dann scharten sie sich im Feuerlicht zusammen, ein knurrender, br�llender Haufen aus schwarzem Fell, Augen und Waffen.</p><p>Es waren einfach zu viele. Talmanes hatte weniger als f�nfhundert Mann, denn er hatte M�nner am Tor zur�cklassen m�ssen, die den R�ckzug erm�glichten.</p><p>�Nicht nachlassen!�, rief er. �F�r Lord Mat und die Bande der Roten Hand!�</p><p>W�re Mat hier gewesen, h�tte er vermutlich viel geflucht, sich noch mehr beklagt und sie dann alle mit irgendeinem Schlachtfeldwunder gerettet. Talmanes konnte Mats Mischung aus Wahnsinn und Inspiration nicht nachahmen, aber sein Ruf schien die M�nner zu ermutigen. Die Reihen r�ckten enger zusammen. Gavid brachte seine zwei Dutzend Armbrustm�nner ��die letzten, die Talmanes noch hatte�� auf einem Haus in Stellung, das noch nicht niedergebrannt war. Sie feuerten eine Bolzensalve nach der anderen in die Masse der Ungeheuer.</p><p>Einen menschlichen Feind h�tte das vielleicht auseinandergetrieben, aber nicht Trollocs. Die Bolzen holten ein paar von den Beinen, aber bei Weitem nicht so viele, wie Talmanes gehofft h�tte.</p><p><emphasis>Dort hinten muss noch ein Blasser sein,</emphasis> dachte er. <emphasis>Der sie antreibt. Beim Licht, ich kann nicht gegen noch einen antreten. Ich h�tte schon gegen den Letzten nicht k�mpfen sollen.</emphasis></p><p>Eigentlich h�tte er nicht mehr auf den Beinen sein d�rfen. Meltens Schnapsflasche war schon l�ngst geleert, um zu bet�uben, was m�glich war. Sein Verstand war bereits so benommen, wie er es wagte. Zusammen mit Dennel und Londraed setzte er sich an die Front, konzentrierte sich und k�mpfte. Lie� Trollocs auf dem Kopfsteinpflaster ausbluten, damit ihr Blut h�gelabw�rts str�mte.</p><p>Die Bande lieferte einen guten Kampf, aber sie waren in der Unterzahl und ersch�pft. Hinter ihnen stie� eine weitere Faust Trollocs zu den anderen.</p><p>Das war das Ende. Entweder musste er die Streitmacht hinter ihm angreifen und damit der vor ihm den R�cken zuwenden, oder er musste seine M�nner in kleinere Gruppen aufteilen und sie sich durch die Nebenstra�en zur�ckziehen lassen, um sich unten am Tor erneut zu sammeln.</p><p>Talmanes bereitete sich vor, den Befehl zu geben.</p><p>�Der Wei�e L�we vorw�rts!�, riefen Stimmen. �F�r Andor und die K�nigin!�</p><p>Talmanes fuhr herum, als M�nner in Wei� und Rot die Reihen der Trollocs oben auf dem H�gel durchbrachen. Aus einer Seitengasse str�mte eine zweite Streitmacht andoranischer Pikentr�ger und setzte sich hinter die Trolloc-Horde, die ihn gerade einkreiste. Die Kreaturen konnten den herbeieilenden Pikenm�nnern nicht standhalten, und Augenblicke sp�ter platzte die Horde wie eine Eiterblase auseinander. Die Tiermenschen verteilten sich in alle Richtungen.</p><p>Talmanes taumelte zur�ck. Einen Augenblick lang musste er sich auf sein Schwert st�tzen, w�hrend Madwin den Befehl �ber den Gegenangriff �bernahm und seine M�nner viele der fliehenden Ungeheuer t�teten.</p><p>Eine Gruppe Offiziere in blutverschmierten Uniformen der K�niglichen Garde eilte den H�gel hinunter. Sie sahen keineswegs besser als die Bande aus. Guybon f�hrte sie an. �S�ldner�, begr��te er Talmanes, �ich danke Euch f�r Euer Kommen.�</p><p>Talmanes runzelte die Stirn. �Ihr tut so, als h�tten wir Euch gerettet. Von meiner Perspektive war es genau andersherum.�</p><p>Guybon verzog das Gesicht. �Ihr habt uns Luft verschafft, diese Trollocs griffen das Palasttor an. Ich muss mich daf�r entschuldigen, dass wir so lange brauchten, Euch zu erreichen�� uns war im ersten Moment nicht klar, was sie in diese Richtung lockte.�</p><p>�Beim Licht. Der Palast steht noch?�</p><p>�Ja�, sagte Guybon. �Aber er ist mit Fl�chtlingen �berf�llt.�</p><p>�Was ist mit den Machtlenkern?�, fragte Talmanes hoffnungsvoll. �Warum sind die Heere Andors nicht mit der K�nigin zur�ckgekehrt?�</p><p>�Schattenfreunde.� Guybon runzelte die Stirn. �Ihre Majest�t nahm die meisten der Kusinen mit, auf jeden Fall die St�rksten unter ihnen. Sie lie� vier zur�ck, die stark genug waren, um gemeinsam ein Wegetor zu erschaffen, aber�� der Angriff�� ein Meuchelm�rder t�tete zwei von ihnen, bevor die anderen beiden ihn aufhalten konnten. Allein sind die beiden nicht stark genug, um Hilfe zu rufen. Sie setzen ihre Kr�fte zum Heilen ein.�</p><p>�Blut und verfluchte Asche�, stie� Talmanes hervor, obwohl er bei den Worten einen Stich der Hoffnung versp�rte. Vielleicht konnten diese Frauen keine Wegetore machen, aber vielleicht, nur vielleicht w�rden sie seine Wunde Heilen k�nnen. �Ihr solltet die Fl�chtlinge aus der Stadt schaffen, Guybon. Meine M�nner halten das S�dtor.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Guybon. �Aber Ihr werdet die Fl�chtlinge f�hren m�ssen. Ich muss den Palast verteidigen.�</p><p>Talmanes blickte ihn stirnrunzelnd an; von Guybon nahm er keine Befehle entgegen. Die Bande hatte ihre eigene Befehlsstruktur und erstattete allein der K�nigin Bericht. Daf�r hatte Mat gesorgt, als er den Kontrakt unterschrieben hatte.</p><p>Leider nahm Guybon auch keine Befehle von ihm entgegen. Er holte tief Luft und schwankte, als ihn Schwindel erfasste. Melten griff nach seinem Arm, damit er nicht umkippte.</p><p>Beim Licht, diese Schmerzen. Konnte seine Seite nicht mitspielen und einfach jedes Gef�hl verlieren? Blut und verdammte Asche. Er musste zu diesen Kusinen.</p><p>�Die beiden Frauen, die Heilen k�nnen?�, sagte er hoffnungsvoll.</p><p>�Ich schickte bereits nach ihnen�, sagte Guybon. �Sobald wir diese Streitmacht sahen.�</p><p>Nun, das war doch etwas.</p><p>�Ich bleibe hier, das ist mein Ernst�, warnte Guybon. �Ich verlasse diesen Posten nicht.�</p><p>�Warum? Die Stadt ist verloren, Mann!�</p><p>�Die K�nigin befahl, durch Wegetore regelm��ig Bericht zu erstatten�, sagte Guybon. �Irgendwann fragt sie sich, warum wir keinen Boten geschickt haben. Sie wird einen Machtlenker schicken, und dieser Bote wird auf dem Reisegel�nde des Palastes eintreffen. Er���</p><p>�Mein Lord!�, rief eine Stimme. �Mein Lord Talmanes!�</p><p>Guybon verstummte, und Talmanes drehte sich um. Filger, einer der Sp�her, eilte die blutigen Pflastersteine des H�gels hinauf. Er war ein schlanker Mann mit sch�tterem Haar, und sein Anblick erf�llte Talmanes mit einer b�sen Vorahnung. Filger geh�rte zu den M�nnern, die sie am Stadttor zur�ckgelassen hatten.</p><p>�Mein Lord�, stie� Filger keuchend hervor, �die Trollocs haben die Stadtmauern erobert. Sie besetzen die Zinnen und beschie�en jeden, der sich zu nahe heranwagt. Oder werfen Speere. Leutnant Sandip schickt mich als Boten.�</p><p>�Blut und Asche! Was ist mit dem Tor?�</p><p>�Das halten wir�, sagte Filger. �Noch.�</p><p>�Guybon.� Talmanes drehte sich wieder um. �Seht es doch ein, Mann; jemand muss dieses Tor verteidigen. Bitte holt die Fl�chtlinge und verst�rkt meine M�nner. Das Tor wird unsere einzige Fluchtm�glichkeit aus der Stadt sein.�</p><p>�Aber der Bote der K�nigin���</p><p>�Die K�nigin wird schon verdammt noch mal selbst daraufkommen, was hier geschieht, sobald sie nachsehen kommt. Schaut Euch doch um! Den Palast verteidigen zu wollen ist Wahnsinn. Ihr habt keine Stadt mehr, nur noch einen Scheiterhaufen.�</p><p>Guybons Miene zeigte alle m�glichen Gef�hle, seine Lippen waren ein schmaler Strich.</p><p>�Ihr wisst, dass ich recht habe�, sagte Talmanes und verzog das Gesicht vor Schmerz. �Meine M�nner am S�dtor zu verst�rken, um es f�r so viele Fl�chtlinge wie m�glich offen zu halten, ist das Beste, das Ihr erreichen k�nnt.�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Guybon. �Aber den Palast brennen zu lassen?�</p><p>�Ihr k�nnt daf�r sorgen, dass es sich lohnt. Wie w�re es, wenn Ihr ein paar Soldaten zur�cklasst, die den Palast verteidigen? Sollen sie die Trollocs so lange abwehren, wie sie k�nnen. So lenken sie die Bestien von den Fl�chtlingen ab. Wenn Eure Soldaten die Stellung dann nicht l�nger halten k�nnen, k�nnen sie auf der anderen Seite durch die Palastg�rten entkommen und es hoffentlich bis zum S�dtor schaffen.�</p><p>�Ein guter Plan�, gestand Guybon widerwillig ein. �Ich tue, was Ihr vorgeschlagen habt, aber was tut Ihr?�</p><p>�Ich muss zu den Drachen�, sagte Talmanes. �Wir k�nnen sie nicht dem Schatten �berlassen. Sie befinden sich in einem Lagerhaus am Rand der Altstadt. Die K�nigin wollte sie au�er Sicht haben, au�er Blickweite der S�ldnerbanden vor der Stadt. Ich muss sie finden. Sie falls m�glich zur�ckholen. Falls das nicht geht, werde ich sie zerst�ren.�</p><p>�Also gut.� Guybon wandte sich ab. Er akzeptierte das Unausweichliche, aber es gefiel ihm nicht. �Meine M�nner werden Euren Vorschlag befolgen; die H�lfte f�hrt die Fl�chtlinge aus der Stadt, dann helfen sie Euren Soldaten, das S�dtor zu halten. Die andere H�lfte wird noch eine Weile den Palast halten und sich dann zur�ckziehen. Aber <emphasis>ich</emphasis> begleite Euch.�</p><empty-line/><p>�Brauchen wir hier wirklich so viele Lampen?�, verlangte die Aes Sedai von ihrem Hocker im hinteren Teil des Zimmers zu wissen. Genauso gut h�tte er ein Thron sein k�nnen. �Denkt doch nur an das �l, das Ihr verschwendet.�</p><p>�Wir brauchen die Lampen�, grunzte Androl. N�chtlicher Regen prasselte gegen das Fenster, aber er ignorierte ihn und versuchte, sich auf das Leder zu konzentrieren, das er n�hte. Es w�rde ein Sattel werden. Im Augenblick war er mit dem Gurt besch�ftigt, der um den Bauch des Pferdes f�hrte.</p><p>Er stach eine Doppelreihe L�cher in das Leder und lie� sich von der Arbeit beruhigen. Die Ahle machte diamantf�rmige L�cher; mit dem Hammer w�re es schneller gegangen, aber im Augenblick gefiel ihm das Gef�hl, die L�cher ohne Hilfe hineinzustechen.</p><p>Er griff nach seinem Stichmarkierer und ma� den Abstand f�r die n�chsten Stiche, dann machte er weitere L�cher. F�r derartige L�cher mussten die flachen Seiten der Diamanten einander entsprechen, damit das Leder sp�ter bei Belastung nicht an den N�hten zog. Die sauberen Stiche w�rden daf�r sorgen, dass der Sattel jahrelang hielt. Die Reihen mussten nahe genug beieinanderliegen, um sich gegenseitig zu unterst�tzen, aber auch nicht zu nahe, damit sie nicht ausrissen. Die L�cher vorher abzumessen half.</p><p>Kleine Dinge. Man musste einfach daf�r sorgen, dass die kleinen Dinge richtig gemacht wurden, dann��</p><p>Seine Finger rutschten ab, und das Diamantloch zeigte nun in die falsche Richtung.</p><p>�rgerlich h�tte er das ganze Teil beinahe quer durch den Raum geworfen. Das passierte ihm nun schon zum f�nften Mal in dieser Nacht!</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte er und dr�ckte die H�nde auf den Tisch. <emphasis>Was ist blo� mit meiner Selbstbeherrschung passiert?</emphasis></p><p>Leider kannte er die Antwort auf diese Frage nur zu gut. <emphasis>Die Schwarze Burg, das ist passiert.</emphasis> Er kam sich vor wie ein sechsbeiniger <emphasis>Nachi</emphasis>, der in einem von der Ebbe hinterlassenen Loch lag und verzweifelt auf die R�ckkehr des Wassers wartete, w�hrend er zusah, wie sich eine Gruppe Kinder mit Eimern den Strand vorarbeitete und alles einsammelte, das irgendwie essbar aussah��</p><p>Er atmete ruhig ein und aus, dann nahm er den Gurt. Das w�rde die schlampigste Arbeit seit Jahren sein, aber er <emphasis>w�rde</emphasis> sie beenden. Etwas nicht fertigzustellen war fast genauso schlimm, wie die Einzelheiten zu versauen.</p><p>�Merkw�rdig�, sagte die Aes Sedai. Ihr Name war Pevara von der Roten Ajah. Er f�hlte ihre Blicke im Nacken.</p><p>Eine <emphasis>Rote</emphasis>. Nun, �bereinstimmende Ziele sorgten f�r ungew�hnliche Schiffskameraden, wie ein altes tairenisches Sprichwort besagte. Aber vielleicht war das saldaeanische Sprichwort hier zutreffender. <emphasis>Wenn sein Schwert an der Kehle deines Feindes liegt, verschwende keine Zeit damit, dar�ber nachzugr�beln, wann es an deiner lag.</emphasis></p><p>�Ihr wolltet mir von Eurem Leben vor der Schwarzen Burg erz�hlen�, sagte Pevara.</p><p>�Das glaube ich nicht�, erwiderte Androl und fing an zu n�hen. �Warum? Was wollt Ihr wissen?�</p><p>�Ich bin einfach nur neugierig. Habt Ihr zu denjenigen geh�rt, die aus eigenem Antrieb herkamen, um sich pr�fen zu lassen, oder ist man auf Euch zugekommen?�</p><p>Er zog den Faden fest. �Ich kam aus eigenem Willen, wie Euch meines Wissens nach Evin gestern erz�hlte, als Ihr ihn fragtet.�</p><p>�Hm�, machte sie. �Wie ich sehe, �berwacht man mich.�</p><p>Er senkte das Leder und wandte sich ihr zu. �Bringt man Euch das eigentlich bei?�</p><p>�Was denn?�, fragte Pevara unschuldig.</p><p>�Einem das Wort im Mund herumzudrehen. Ihr sitzt da, beschuldigt mich im Grunde, Euch nachzuspionieren�� w�hrend Ihr diejenige seid, die meine Freunde �ber mich ausfragt.�</p><p>�Ich will nur wissen, welche M�glichkeiten mir zur Verf�gung stehen.�</p><p>�Ihr wollt wissen, warum sich ein Mann dazu <emphasis>entscheidet</emphasis>, zur Schwarzen Burg zu kommen. Warum er lernen will, wie man die Eine Macht lenkt.�</p><p>Sie antwortete nicht. Er konnte sehen, wie sie nach einer Antwort suchte, die nicht gegen die Drei Eide verstie�. Sich mit einer Aes Sedai zu unterhalten war wie der Versuch, einer gr�nen Schlange zu folgen, die sich durch nasses Gras schl�ngelte.</p><p>�Ja�, sagte sie.</p><p>�berrascht blinzelte er.</p><p>�Ja, ich will es wissen�, fuhr sie fort. �Wir sind Verb�ndete, ob wir das wollen oder nicht. Ich will wissen, mit wem ich da unter die Decke geschl�pft bin.� Sie musterte ihn. �Nat�rlich nur bildlich gesprochen.�</p><p>Er holte tief Luft und <emphasis>zwang</emphasis> sich zur Ruhe. Er hasste jede Unterhaltung mit Aes Sedai, die grunds�tzlich alles verdrehten. Das zusammen mit der Anspannung dieser Nacht und dem Unverm�gen, diesen Sattel richtig hinzubekommen��</p><p>Er w�rde ruhig werden, oder das Licht sollte ihn verbrennen!</p><p>�Wir sollten uns darin �ben, uns zu einem Zirkel zu verkn�pfen�, sagte Pevara. �Das wird ein Vorteil f�r uns sein, wenigstens ein kleiner, sollten Taims M�nner kommen und uns holen.�</p><p>Androl verdr�ngte seine Abneigung gegen diese Frau ��er hatte nun wirklich andere Sorgen�� und zwang sich zum Nachdenken. �Ein Zirkel?�</p><p>�Wisst Ihr nicht, was das ist?�</p><p>�Ich f�rchte nicht.�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen. �Manchmal vergesse ich, wie wenig ihr doch alle wisst��� Sie hielt inne, als w�re ihr bewusst geworden, dass sie zu viel gesagt hatte.</p><p>�M�nner wissen grunds�tzlich gar nichts, Aes Sedai�, erwiderte Androl. �Unsere Bildungsl�cken m�gen sich �ndern, aber es ist die Natur der Welt, dass kein Mann etwas wei�.�</p><p>Auch das schien nicht die Antwort zu sein, mit der sie gerechnet hatte. Dieser harte Blick zerlegte ihn f�rmlich in seine Einzelteile. Sie konnte M�nner, die die Macht lenken konnten, nicht ausstehen�� so wie die meisten Menschen��, aber bei ihr steckte mehr dahinter. Sie hatte ihr ganzes Leben damit verbracht, M�nner wie Androl zu jagen und zur Strecke zu bringen.</p><p>�Ein Zirkel wird erschaffen, wenn Frauen und M�nner ihre Kr�fte in der Einen Macht miteinander verkn�pfen�, sagte Pevara. �Das muss auf eine ganz bestimmte Weise gemacht werden.�</p><p>�Der M�Hael wird dar�ber Bescheid wissen.�</p><p>�M�nner k�nnen ohne Frauen keinen Zirkel erschaffen�, sagte Pevara. �Tats�chlich muss der Zirkel von sehr wenigen Einzelf�llen abgesehen mehr Frauen als M�nner enthalten. Ein Mann und eine Frau k�nnen sich verkn�pfen, so wie zwei Frauen und ein Mann oder zwei Frauen und zwei M�nner. Der gr��te Zirkel, den wir jetzt zustande bringen k�nnten, best�nde also aus dreien, ich und zwei von euch. Trotzdem <emphasis>k�nnte</emphasis> das f�r uns von Nutzen sein.�</p><p>�Ich suche zwei der anderen, die mit Euch �ben k�nnen�, versprach Androl. �Von denen, die ich f�r vertrauensw�rdig halte, ist Nalaam der St�rkste. Emarin ist ebenfalls sehr m�chtig, und ich glaube, er hat noch nicht einmal den H�hepunkt seiner Kraft erreicht. Das gilt auch f�r Jonneth.�</p><p>�Sie sind die St�rksten? Ihr nicht?�</p><p>�Nein.� Er wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Der Regen fiel jetzt st�rker, ein kalter Luftzug drang unter der T�r herein. Eine der Lampen war fast niedergebrannt und lie� Schatten ins Zimmer. Er warf einen unbehaglichen Blick auf die Dunkelheit.</p><p>�Es f�llt mir schwer, das zu glauben, Meister Androl�, sagte sie. �Sie schauen alle zu Euch auf.�</p><p>�Glaubt, was Ihr wollt, Aes Sedai. Ich bin der Schw�chste von ihnen. Vielleicht sogar der schw�chste Mann in der Schwarzen Burg.�</p><p>Das brachte sie zum Schweigen, und Androl stand auf, um die Lampe aufzuf�llen. Er hatte gerade wieder Platz genommen, als ein Klopfen an der T�r die Ankunft von Emarin und Canler ank�ndigte. Beide waren nass vom Regen, aber sie waren so gegens�tzlich, wie zwei M�nner es nur sein konnten. Der eine war hochgewachsen und zur�ckhaltend, der andere m�rrisch und ein Klatschmaul. Aber irgendwie schienen sie Gemeinsamkeiten entdeckt zu haben und die Gesellschaft des anderen zu genie�en.</p><p>�Und?�, fragte Androl.</p><p>�Es <emphasis>k�nnte</emphasis> funktionieren�, sagte Emarin und nahm den regennassen Umhang ab, um ihn neben der T�r an den Haken zu h�ngen. Darunter trug er in tairenischem Stil bestickte Kleidung. �Man w�rde einen kr�ftigen Regensturm brauchen. Die W�chter sind aufmerksam.�</p><p>�Ich komme mir vor wie ein Preisbulle auf dem Markt�, murrte Canler und trat Schlamm von den Stiefeln, nachdem er seinen Umhang aufgeh�ngt hatte. �Egal, wo wir auch hingehen, Taims Lieblinge beobachten uns aus den Augenwinkeln. Blut und Asche, Androl. Sie <emphasis>wissen</emphasis> Bescheid. Sie wissen, dass wir fliehen wollen.�</p><p>�Habt Ihr Schwachstellen gefunden?�, fragte Pevara und beugte sich vor. �Orte an der Mauer, die weniger aufmerksam besch�tzt werden?�</p><p>�Das scheint von den eingeteilten W�chtern abzuh�ngen, Pevara Sedai�, sagte Emarin und nickte ihr zu.</p><p>�Hmm�� ich vermute, das ist richtig. Habe ich �brigens schon erw�hnt, wie interessant ich es finde, dass derjenige, der mir den meisten Respekt entgegenbringt, ein Tairener ist?�</p><p>�Jemandem mit H�flichkeit zu begegnen ist kein Zeichen f�r Respekt, Pevara Sedai�, erwiderte Emarin. �Das verr�t lediglich eine gute Erziehung und eine ausgeglichene Natur.�</p><p>Androl l�chelte. Emarin war gro�artig, wenn es um Beleidigungen ging. Oft wurde dem anderen erst klar, dass er beleidigt worden war, nachdem sie auseinandergegangen waren.</p><p>Pevara sch�rzte die Lippen. �Nun. Wir beobachten den W�chterwechsel. Dann benutzen wir den n�chsten Sturm als Deckung und entkommen dort �ber die Mauer, wo die unserer Meinung nach am wenigsten aufmerksamen W�chter stehen.�</p><p>Die beiden M�nner wandten sich Androl zu, der sich dabei ertappte, wie er die Zimmerecke anstarrte, wo der vom Tisch geworfene Schatten besonders dunkel war. Wurde er gr��er? Griff er nach ihm��</p><p>�Es gef�llt mir nicht, M�nner zur�ckzulassen�, sagte er und zwang sich, den Blick von der Ecke zu l�sen. �Hier sind Dutzende M�nner und Knaben, die noch nicht unter Taims Kontrolle stehen. Wir k�nnen sie nicht alle wegbringen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Und lassen wir sie zur�ck, riskieren wir���</p><p>Er konnte es nicht aussprechen. Sie wussten nicht, was hier vor sich ging, jedenfalls nicht genau. Leute <emphasis>ver�nderten</emphasis> sich. Vertrauensw�rdige Verb�ndete wurden �ber Nacht zu Feinden. Sie sahen aus wie zuvor und doch ganz anders. Ihre Augen waren anders, genau wie ihre Seelen. Androl fr�stelte.</p><p>�Die von den Aes-Sedai-Rebellen geschickten Frauen warten noch immer vor den Toren�, sagte Pevara. Sie lagerten dort nun schon eine Weile und behaupteten, der Wiedergeborene Drache h�tte ihnen Beh�ter zugesagt. Taim hatte noch keiner von ihnen den Zugang gew�hrt. �Wenn wir es zu ihnen schaffen, dann k�nnen wir die Burg st�rmen und die anderen retten.�</p><p>�Wird das wirklich so einfach sein?�, fragte Emarin. �Taim hat ein ganzes Dorf Geiseln. Viele M�nner haben ihre Familien mitgebracht.�</p><p>Canler nickte. Seine Familie geh�rte dazu. Er w�rde nicht bereit sein, sie zur�ckzulassen.</p><p>�Davon abgesehen�, sagte Androl leise und drehte sich auf seinem Hocker um, um Pevara anzusehen, �glaubt Ihr ehrlich, dass die Aes Sedai hier siegen k�nnten?�</p><p>�Viele haben die Erfahrung von Jahrzehnten, manche sogar von Jahrhunderten.�</p><p>�Und wie lange haben sie davon gek�mpft?�</p><p>Pevara antwortete nicht.</p><p>�Hier sind Hunderte M�nner, die die Macht lenken k�nnen, Aes Sedai�, fuhr Androl fort. �Jeder davon ist gr�ndlich ausgebildet worden, eine <emphasis>Waffe</emphasis> zu sein. Wir lernen nichts �ber Politik oder Geschichte. Wir studieren nicht, wie man Nationen manipuliert. Wir lernen zu t�ten. Jeder Mann und jeder Junge wird hier bis an die Grenzen seiner F�higkeiten getrieben, wird dazu gezwungen zu wachsen. Noch mehr Macht zu erringen. Zu vernichten. Und viele von ihnen sind schon wahnsinnig. K�nnen Eure Aes Sedai dagegen k�mpfen? Vor allem, wenn viele der M�nner, denen wir vertrauen, also die M�nner, die wir retten wollen, aller Voraussicht nach an der Seite von Taims M�nnern k�mpfen werden, wenn sie sehen, dass die Aes Sedai angreifen?�</p><p>�Eure Argumente sind nicht ganz von der Hand zu weisen�, sagte Pevara.</p><p><emphasis>Wie eine K�nigin,</emphasis> dachte er und war wider Willen von ihrer Haltung beeindruckt.</p><p>�Aber wir m�ssen eine Nachricht nach drau�en schicken�, fuhr Pevara fort. �Ein direkter Angriff mag unklug sein, aber hier herumzusitzen, bis man uns einen nach dem anderen holt���</p><p>�Ich halte es f�r klug, jemanden zu schicken�, sagte Emarin. �Wir m�ssen den Lord Drachen warnen.�</p><p>�Der Lord Drache.� Canler schnaubte und setzte sich auf einen Hocker an der Wand. �Er hat uns im Stich gelassen, Emarin. Wir bedeuten ihm nichts. Es���</p><p>�Der Wiedergeborene Drache tr�gt die Welt auf seinen Schultern�, sagte Androl leise und schnitt damit Canler das Wort ab. �Ich wei� nicht, warum er uns hier zur�ckgelassen hat, aber ich ziehe die Vorstellung vor, dass er es getan hat, weil er der Ansicht ist, dass wir uns um uns selbst k�mmern k�nnen.� Androl strich mit den Fingern �ber das Leder und stand auf. �Das ist der Augenblick, uns zu beweisen, die Pr�fung der Schwarzen Burg. Wenn wir zu den Aes Sedai rennen m�ssen, um uns vor unseren eigenen Leuten zu sch�tzen, dann �berstellen wir uns ihrer Autorit�t. Wenn wir zum Lord Drachen rennen m�ssen, dann sind wir ein Nichts, sobald es ihn nicht mehr gibt.�</p><p>�Mit Taim kann es keine Vers�hnung mehr geben�, sagte Emarin. �Wir alle wissen, was er tut.�</p><p>Androl mied Pevaras Blick. Sie hatte genau erkl�rt, was ihrer Ansicht nach hier geschah, und obwohl sie jahrelang ge�bt hatte, ihre Gef�hle unter Kontrolle zu halten, war sie dennoch nicht in der Lage gewesen, die Furcht aus ihrer Stimme zu halten. Dreizehn Myrddraal und dreizehn Machtlenker konnten jeden, der die Macht lenken konnte, mit einem schrecklichen Ritus auf die Seite des Schattens zwingen. Gegen seinen Willen.</p><p>�Was er tut, ist das reine unverf�lschte B�se�, stimmte Pevara ihnen zu. �Hier geht es nicht l�nger um eine Spaltung zwischen M�nnern, die einem Anf�hrer folgen, und jenen, die einem anderen folgen. Das ist das Werk des Dunklen K�nigs, Androl. Die Schwarze Burg ist unter den Schatten gefallen. Das m�sst Ihr akzeptieren.�</p><p>�Die Schwarze Burg ist ein Traum�, sagte er und erwiderte ihren Blick. �Eine Zuflucht f�r M�nner, die die Macht lenken k�nnen, ein Platz f�r uns, wo M�nner sich weder zu f�rchten brauchen oder fliehen m�ssen, wo sie keinen Hass erfahren. Ich werde das Taim nicht �berlassen. <emphasis>Das lasse ich nicht zu.</emphasis>�</p><p>Stille trat in den Raum, nur unterbrochen von den Regentropfen, die gegen das Fenster prasselten. Emarin nickte, und Canler stand auf und nahm Androl beim Arm.</p><p>�Ihr habt recht�, sagte er. �Soll man mich verbrennen, wenn Ihr nicht recht habt, Androl. Aber was k�nnen wir <emphasis>tun</emphasis>? Wir sind schwach und in der Minderzahl.�</p><p>�Emarin, habt Ihr je von der Rebellion von Knoks geh�rt?�, wollte Androl wissen.</p><p>�Das habe ich. Sie hat betr�chtliches Aufsehen erregt, sogar au�erhalb von Murandy.�</p><p>�Verfluchte Murandianer�, fauchte Canler. �Die klauen dir den Mantel und schlagen dich blutig, wenn du ihnen nicht von selbst noch deine Schuhe anbietest.�</p><p>Emarin hob eine Braue.</p><p>�Knoks war ein ordentliches St�ck von Lugard entfernt, Canler�, sagte Androl. �Ich glaube, Ihr w�rt erstaunt, dass die Menschen dort viel �hnlichkeit mit den Andoranern haben. Die Rebellion geschah vor etwa�� hm, so ungef�hr zehn Jahren.�</p><p>�Ein paar Bauern erhoben sich gegen ihren Lehnsherrn�, sagte Emarin. �Allen Berichten zufolge hatte er es verdient�� Desartin war ein furchtbarer Mensch, vor allem gegen�ber denen, die unter ihm standen. Er verf�gte �ber eine gro�e Streitmacht, eine der gr��ten au�erhalb von Lugard, und es sah so aus, als wollte er sein eigenes kleines K�nigreich gr�nden. Der K�nig konnte nichts daran �ndern.�</p><p>�Und Desartin wurde entmachtet?�, fragte Canler.</p><p>�Von einfachen M�nnern und Frauen, die seine Willk�r einfach nicht l�nger ertrugen�, sagte Androl. �Am Ende standen viele der S�ldner, die seine Kumpane gewesen waren, auf unserer Seite. Obwohl er so stark erschienen war, f�hrte seine B�sartigkeit zu seinem Sturz. Die Dinge hier erscheinen sehr schlimm, aber die meisten von Taims M�nnern stehen nicht loyal zu ihm. M�nner wie er k�nnen in anderen keine Loyalit�t erzeugen. Sie scharen Komplizen um sich, die hoffen, durch ihn Reichtum oder Macht zu erringen. Wir <emphasis>k�nnen</emphasis> und <emphasis>werden</emphasis> eine M�glichkeit finden, ihn zu st�rzen.�</p><p>Die anderen nickten, aber Pevara schaute ihn blo� mit gesch�rzten Lippen an. Irgendwie kam sich Androl wie ein Narr vor; er teilte keineswegs die Ansicht, dass die anderen zu ihm aufschauten statt zu einer distinguierten Person wie Emarin oder jemandem mit Macht wie Nalaam.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah er, wie die Schatten unter dem Tisch l�nger wurden und nach ihm griffen. Er biss die Z�hne zusammen. Sie w�rden es nicht wagen, ihn vor so vielen Zeugen zu holen, oder? Wenn ihn die Schatten verschlingen wollten, w�rden sie warten, bis er allein war und zu schlafen versuchte.</p><p>Die N�chte jagten ihm schreckliche Angst ein.</p><p><emphasis>Jetzt kommen sie schon, wenn ich kein</emphasis> Saidin <emphasis>halte,</emphasis> dachte er. <emphasis>Verflucht, die Quelle wurde gereinigt! Ich sollte den Verstand nicht noch mehr verlieren!</emphasis></p><p>Er packte den Hockersitz, bis das Entsetzen nachlie� und sich die Finsternis zur�ckzog. Canler, der ungew�hnlich fr�hlich aussah, verk�ndete, ihnen etwas zu trinken zu holen. Er wollte in die K�che, aber niemand sollte allein irgendwohin gehen, also z�gerte er.</p><p>�Ich glaube, ich k�nnte ebenfalls etwas vertragen�, sagte Pevara mit einem Seufzen und schloss sich ihm an.</p><p>Androl setzte sich wieder an seine Arbeit. Emarin holte sich einen Hocker und nahm neben ihm Platz. Er tat es ganz ungezwungen, als suchte er lediglich eine gute Stelle, wo man bequem sitzen und aus dem Fenster sehen konnte.</p><p>Aber Emarin tat nichts grundlos. �Ihr habt in der Knoks-Rebellion gek�mpft�, sagte er leise.</p><p>�Habe ich das gesagt?� Androl beugte sich wieder �ber das Leder.</p><p>�Ihr sagtet, dass die S�ldner mit Euch k�mpften, als sie die Seite wechselten. Ihr habt �uns� gesagt, als Ihr die Rebellen meintet.�</p><p>Androl z�gerte. <emphasis>Verflucht, ich muss wirklich</emphasis> besser <emphasis>aufpassen.</emphasis> Wenn das Emarin aufgefallen war, dann auch Pevara.</p><p>�Ich war nur auf der Durchreise�, sagte er dann, �und wurde in etwas hineingezogen, womit ich nicht gerechnet hatte.�</p><p>�Ihr habt eine seltsame und vielschichtige Vergangenheit, mein Freund�, meinte Emarin. �Je mehr ich dar�ber erfahre, umso neugieriger werde ich.�</p><p>�Ich w�rde nicht sagen, dass ich der Einzige mit einer interessanten Vergangenheit bin�, murmelte Androl. �Lord Algarin von Haus Pendaloan.�</p><p>Emarin riss die Augen weit auf. �Woher wisst Ihr das?�</p><p>�Fanshir hatte ein Buch �ber tairenische Adelsgeschlechter.� Der Asha�man-Soldat Fanshir war Gelehrter gewesen, bevor es ihn in die Burg verschlagen hatte. �Da stand eine seltsame Anmerkung. Ein Haus, das lange unter M�nnern mit einem namenlosen Problem litt, und der Letzte hatte das Haus keine Dutzend Jahre zuvor besch�mt.�</p><p>�Ich verstehe. Nun, ich sch�tze, es ist keine allzu gro�e �berraschung, dass ich ein Adliger bin.�</p><p>�Einer, der Erfahrung mit Aes Sedai hat�, fuhr Androl fort, �der sie trotz allem, was sie seiner Familie antaten, mit Respekt behandelt. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Ein <emphasis>tairenischer</emphasis> Adliger, wohlgemerkt. Der keine Probleme damit hat, unter M�nnern zu dienen, die man als Bauernjungen bezeichnen k�nnte, und der Sympathien f�r b�rgerliche Rebellen hat. Falls ich das so sagen darf, mein Freund, das ist nicht die vorherrschende Einstellung Eurer Landsleute. Ihr d�rftet also ebenfalls eine interessante Vergangenheit aufweisen.�</p><p>Emarin l�chelte. �Ein Punkt f�r Euch. Ihr w�rt gro�artig im Spiel der H�user.�</p><p>�Das w�rde ich nicht sagen.� Androl verzog das Gesicht. �Als ich es das letzte Mal versuchte, habe ich beinahe��� Er hielt inne.</p><p>�Was?�</p><p>�Das sage ich lieber nicht.� Androl err�tete. Diesen Teil seines Lebens w�rde er nicht erkl�ren. <emphasis>Beim Licht, wenn ich so weitermache, h�lt man mich noch f�r den gleichen Geschichtenerz�hler wie Nalaam.</emphasis></p><p>Emarin heftete den Blick auf den Regen; jeder neue Tropfen verdr�ngte einen kurzen Augenblick lang das alte Wasser, bevor er ebenfalls seine Form verlor. �Die Knoks-Rebellion hatte nur kurze Zeit Bestand, wenn ich mich richtig erinnere. Innerhalb von zwei Jahren hatte sich das Adelsgeschlecht wieder etabliert, und die Aufr�hrer wurden vertrieben oder hingerichtet.�</p><p>�Ja�, erwiderte Androl leise.</p><p>�Also werden wir hier bessere Arbeit leisten�, sagte Emarin und wandte sich ihm zu. �Ich bin Euer Mann, Androl. Das sind wir alle.�</p><p>�Nein. Wir sind die M�nner der <emphasis>Schwarzen Burg</emphasis>. Wenn es sein muss, f�hre ich euch an, aber hier geht es nicht um mich oder um euch oder sonst jemanden von uns. Ich habe nur so lange den Befehl, bis Logain zur�ckkehrt.�</p><p><emphasis>Falls er je zur�ckkehrt. Wegetore in die Schwarze Burg funktionieren nicht l�nger. Versucht er zur�ckzukehren und findet sich ausgesperrt?</emphasis></p><p>�Also gut�, sagte Emarin. �Was also tun wir?�</p><p>Drau�en krachte der Donner. �Lasst mich nachdenken�, sagte Androl und nahm das St�ck Leder und seine Werkzeuge. �Gebt mir eine Stunde.�</p><empty-line/><p>�Es tut mir leid�, sagte Jesamyn leise. Sie kniete neben Talmanes. �Ich kann nichts tun. F�r meine F�higkeiten ist diese Wunde viel zu weit fortgeschritten.�</p><p>Talmanes nickte und legte den Verband wieder an. An seiner ganzen Seite war die Haut schwarz geworden, wie durch eine schreckliche Erfrierung.</p><p>Die Kusine sah ihn stirnrunzelnd an. Sie war eine noch jugendlich aussehende Frau mit blonden Haaren, allerdings konnte ihr Alter wie bei allen Machtlenkerinnen sehr t�uschen. �Es erstaunt mich, dass Ihr �berhaupt noch laufen k�nnt.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, dass man es als Laufen bezeichnen kann�, erwiderte Talmanes und hinkte zu den Soldaten zur�ck. Noch konnte er sich aus eigenen Kr�ften fortbewegen, aber die Schwindelanf�lle kamen jetzt immer h�ufiger.</p><p>Guybon debattierte mit Dennel, der auf seine Karte zeigte und gestikulierte. In der Luft lag so viel Rauch, dass sich viele M�nner Taschent�cher vors Gesicht geknotet hatten. Sie sahen aus wie ein Haufen verdammter Aiel.</p><p>���selbst die Trollocs ziehen sich aus diesem Viertel zur�ck�, beharrte Guybon. �Das Feuer w�tet zu stark.�</p><p>�Die Trollocs ziehen sich in der ganzen Stadt zur�ck zur Mauer�, erwiderte Dennel. �Sie werden die Stadt die ganze Nacht brennen lassen. Der einzige Teil, der nicht brennt, ist das Viertel mit dem Tor zu den Kurzen Wegen. Dort haben sie s�mtliche Geb�ude niedergerissen, um eine Bresche zu schlagen.�</p><p>�Sie benutzten die Eine Macht�, sagte Jesamyn hinter Talmanes. �Ich sp�rte es. Schwarze Schwestern. Ich w�rde nicht vorschlagen, in diese Richtung zu gehen.�</p><p>Jesamyn war die letzte der Kusinen; die andere war im Kampf gefallen. Sie war nicht stark genug, um ein Wegetor zu weben, aber sie war auch nicht nutzlos. Talmanes hatte gesehen, wie sie sechs Trollocs verbrannt hatte, die seine Linien durchbrochen hatten.</p><p>Er hatte das Scharm�tzel von der Seitenlinie verfolgt, weil ihn die Schmerzen �berw�ltigt hatten. Gl�cklicherweise hatte Jesamyn ihm ein paar Kr�uter gegeben, die er kauen konnte. Zwar erh�hten sie seine Benommenheit, machten die Schmerzen aber ertr�glich. Es f�hlte sich an, als steckte sein K�rper in einem Schraubstock und w�rde dort langsam zerquetscht, aber immerhin konnte er sich auf den Beinen halten.</p><p>�Wir nehmen die schnellste Methode�, sagte er. �Das Viertel, das nicht brennt, ist zu nahe an den Drachen. Ich werde nicht riskieren, dass das Schattengez�cht Aludra und ihre Waffen entdeckt.� <emphasis>Vorausgesetzt, das ist nicht schon l�ngst geschehen.</emphasis></p><p>Guybon sah ihn finster an, aber das war ein Einsatz der Bande. Guybon war willkommen, aber er war kein Teil ihrer Befehlskette.</p><p>Talmanes� Streitmacht bewegte sich weiter durch die dunkle Stadt, immer auf der Hut vor Hinterhalten. Obwohl sie den ungef�hren Standort des Lagerhauses kannten, war der Weg dorthin problematisch. Viele Hauptstra�en waren durch Tr�mmer, Feuer oder den Feind blockiert. Die M�nner mussten sich im Schneckentempo durch Nebenstra�en und Gassen bewegen, die so gewunden waren, dass selbst Guybon und die anderen aus Caemlyn M�he hatten, die Orientierung nicht zu verlieren.</p><p>Ihr Weg f�hrte sie an Stadtteilen vorbei, wo das Feuer so hei� war, dass es vermutlich die Pflastersteine schmolz. Talmanes starrte in die Flammen, bis sich seine Augen trocken anf�hlten, dann f�hrte er seine M�nner zum n�chsten Umweg.</p><p>Zoll f�r Zoll n�herten sie sich Aludras Lagerhaus. Zweimal stie�en sie auf Trollocs, die Jagd auf Fl�chtlinge machten. Sie erledigten die Bestien, die verbliebenen Armbrustm�nner streckten �ber die H�lfte jeder Gruppe nieder, bevor sie reagieren konnten.</p><p>Talmanes sah zu, traute sich aber einen Kampf nicht mehr zu. Die Wunde hatte ihn zu sehr geschw�cht. Beim Licht, warum nur hatte er sein Pferd zur�ckgelassen? Eine dumme Idee. Nun, die Trollocs h�tten es eh verjagt.</p><p><emphasis>Ich fange an, immer das Gleiche zu denken.</emphasis> Er zeigte mit dem Schwert auf eine abzweigende Gasse. Die Kundschafter eilten voraus und kontrollierten beide Richtungen, bevor sie freien Weg signalisierten. <emphasis>Ich kann kaum noch denken. Es dauert nicht mehr lange, bevor mich die Dunkelheit �berf�llt.</emphasis></p><p>Aber zuerst w�rde er daf�r sorgen, dass die Drachen in Sicherheit waren. Das musste er.</p><p>Talmanes stolperte aus der Gasse auf eine vertraute Stra�e. Sie waren ganz in der N�he. Die Geb�ude auf der einen Stra�enseite brannten. Die dort stehenden Statuen sahen aus wie arme Seelen, die in den Flammen gefangen waren. Um sie herum w�tete das Feuer, aber noch standen sie, w�hrend sich ihr wei�er Marmor langsam schw�rzte.</p><p>Auf der anderen Stra�enseite herrschte Stille, dort brannte nichts. Von den Statuen geworfene Schatten tanzten wie ausgelassene Feiernde, die zusahen, wie ihre Feinde verbrannten. Die Luft stank unertr�glich nach Rauch. Diese Schatten und die brennenden Statuen schienen sich in Talmanes� benommenem Sichtfeld zu bewegen. Tanzende Schattenkreaturen. Sterbende Sch�nheiten, die von einer Krankheit verzehrt wurden. Sie �berzog die Haut, schw�rzte sie, fra� sie und t�tete die Seele��</p><p>�Wir sind ganz nahe!�, sagte Talmanes und zwang sich zu einem stolpernden Lauf. Er durfte die anderen nicht bremsen. <emphasis>Wenn das Feuer das Lagerhaus erreicht��</emphasis></p><p>Sie kamen zu einer ausgebrannten Stelle; das Feuer war hier gewesen und anscheinend bereits wieder verschwunden. Einst hatte hier ein gro�es Lagerhaus aus Holz gestanden, aber davon war nicht mehr viel �brig. Hier gab es nur noch qualmende Balken, Tr�mmer und halb verbrannte Trollocs.</p><p>Stumm versammelten sich die M�nner um Talmanes. Die einzigen Laute kamen von den prasselnden Flammen. Kalter Schwei� tropfte von Talmanes� Gesicht.</p><p>�Wir waren zu sp�t�, fl�sterte Melten. �Sie haben sie, richtig? Die Drachen w�ren laut explodiert, h�tten sie Feuer gefangen. Das Schattengez�cht kam, nahm die Drachen und brannte das Haus nieder.�</p><p>Um Talmanes sanken ersch�pfte Mitglieder der Bande auf die Knie. <emphasis>Mat, es tut mir leid,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wir haben es versucht. Wir haben��</emphasis></p><p>Pl�tzlich hallte ein Laut wie ein Donnerschlag durch die Stadt. Er ersch�tterte Talmanes bis in die Knochen, und die M�nner schauten auf.</p><p>�Beim Licht�, stie� Guybon hervor. �Das Schattengez�cht benutzt die Drachen?�</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte Talmanes. Neue Kraft flackerte in ihm auf, und er lief wieder los. Seine M�nner umringten ihn.</p><p>Jeder neue Schritt schickte einen stechenden Schmerz durch seine Seite. Er passierte die Statuen, die zu seiner Rechten von Flammen eingeh�llt wurden, w�hrend zu seiner Linken kalte Stille herrschte.</p><p><emphasis>BUMM!</emphasis></p><p>Die Explosionen klangen nicht laut genug, um von Drachen stammen zu k�nnen. Konnten sie auf eine Aes Sedai hoffen? Der L�rm schien Jesamyn aufgemuntert zu haben, und sie lief mit gesch�rzten R�cken an der Seite der M�nner. Die Gruppe st�rmte zwei Stra�en vom Lagerhaus entfernt um eine Ecke und sah sich mit Reihen fauchenden Schattengez�chts konfrontiert, das ihnen den R�cken zuwandte.</p><p>Talmanes stie� einen �berraschten lauten Schrei aus und hob mit beiden H�nden das Schwert. Das Feuer aus seiner Verletzung hatte sich in seinem ganzen K�rper ausgebreitet; selbst seine Finger brannten. Er kam sich vor wie eine der Statuen, dazu verdammt, zusammen mit der Stadt zu brennen.</p><p>Er enthauptete einen Trolloc, bevor der �berhaupt von seiner Existenz ahnte, dann warf er sich auf die n�chste Kreatur. Sie wich mit einer beinahe fl�ssigen Anmut aus und wandte ihm ein Gesicht zu, das keine Augen hatte; ihr Umhang bewegte sich nicht im Wind. Bleiche Lippen zogen sich zu einem Knurren zur�ck.</p><p>Talmanes musste lachen. <emphasis>Warum nicht?</emphasis> Und die M�nner behaupteten, er h�tte keinen Sinn f�r Humor. Er w�hlte �Apfelbl�ten im Wind� und schlug mit Kraft und Mut zu, die dem Feuer entsprachen, das ihn umbrachte.</p><p>Offensichtlich war der Myrddraal im Vorteil. Im besten Fall h�tte Talmanes Hilfe gebraucht, um gegen einen von ihnen zu k�mpfen. Das Ding bewegte sich wie ein Schatten, floss von einer Schwertfigur zur n�chsten, und seine schreckliche Klinge zuckte Talmanes entgegen. Offensichtlich war das Ungeheuer der Ansicht, ihm blo� einen Kratzer zuf�gen zu m�ssen.</p><p>Es traf seine Wange, die Schwertspitze schnitt einen sauberen Strich in die Haut. Talmanes lachte nur und schlug die Waffe mit seiner Klinge zur Seite, was den Blassen �berrascht den Mund aufrei�en lie�. So hatten M�nner nicht zu reagieren. Sie sollten durch den brennenden Schmerz aufschreien, weil sie wussten, dass ihr Leben am Ende war.</p><p>�Ich hatte bereits eines eurer verdammten Schwerter in mir stecken, du verfluchte Missgeburt�, schrie Talmanes und griff ununterbrochen an. �Schmied h�mmert auf die Klinge�. Eine so primitive Schwertfigur. Es passte perfekt zu seiner Stimmung.</p><p>Der Myrddraal stolperte. Talmanes nahm mit einer anmutigen Bewegung den Fu� zur�ck, zog das Schwert an die Seite und schlug dem Ding den bleichen wei�en Arm am Ellbogen ab. Der Unterarm wirbelte durch die Luft, die Klinge des Blassen l�ste sich aus den verkrampften Fingern. Talmanes holte aus, f�hrte die Klinge mit beiden H�nden und trennte dem Blassen den Kopf von den Schultern.</p><p>Dunkles Blut schoss in die H�he, und das Ungeheuer strauchelte, krallte mit der verbliebenen Hand nach dem blutigen Stumpf, w�hrend es zusammenbrach. Talmanes stand �ber ihn gebeugt, pl�tzlich war sein Schwert viel zu schwer, um es noch l�nger festhalten zu k�nnen. Es rutschte aus seinen Fingern und landete klirrend auf dem Stra�enpflaster. Er verlor das Gleichgewicht und st�rzte vorn�ber, aber eine Hand fing ihn auf.</p><p>�Beim Licht!�, rief Melten aus und starrte den Kadaver an. �Noch einen?�</p><p>�Ich habe das Geheimnis entdeckt, wie man sie besiegt�, fl�sterte Talmanes. �Man muss einfach vorher schon tot sein.� Er kicherte selbstzufrieden, obwohl ihn Melten einfach nur verbl�fft anzuschauen schien.</p><p>Um sie herum brachen Dutzende Trollocs mit zuckenden Gliedern zusammen. Sie waren mit dem Blassen verbunden gewesen. Die Bande scharte sich um Talmanes, einige trugen Wunden, ein paar waren tot. Sie waren ersch�pft und ausgelaugt; diese Gruppe Trollocs h�tte sie ausl�schen k�nnen.</p><p>Melten hob Talmanes� Schwert auf und s�uberte es, aber sein Anf�hrer hatte Probleme, aufrecht zu stehen, also schob er es ihm in die Scheide und lie� einen Mann einen Trolloc-Speer holen, auf den er sich st�tzen konnte.</p><p>�He, dahinten auf der Stra�e!�, rief eine Stimme aus der Ferne. �Wer auch immer Ihr seid, danke!�</p><p>Talmanes humpelte vorw�rts. Filger und Mar eilten los, ohne einen Befehl zu brauchen. Die Stra�e war dunkel und mit Tiermenschen �bers�t, die Augenblicke zuvor verendet waren, also dauerte es einen Moment, bis Talmanes �ber die Kadaver steigen und sehen konnte, wer da gerufen hatte.</p><p>Jemand hatte am Ende der Stra�e eine Barrikade errichtet. Gestalten standen dort oben, eine davon hielt eine Fackel. Das lange Haar hatte sie zu Z�pfen geflochten, und sie trug ein schlichtes braunes Kleid mit einer wei�en Sch�rze. Es war Aludra.</p><p>�Cauthons Soldaten�, sagte Aludra wenig beeindruckt. �Ihr habt euch wirklich Zeit gelassen, um mich zu holen.� In der Hand hielt sie einen Lederzylinder, der gr��er als eine M�nnerfaust war; eine kurze dunkle Z�ndschnur ragte daraus hervor. Talmanes wusste, dass sie explodierten, nachdem man sie anz�ndete und warf. Die Bande hatte sie bereits eingesetzt und mit Schlingen geschleudert. Sie waren nicht so verheerend wie die Drachen, aber trotzdem wirksam.</p><p>�Aludra�, rief Talmanes, �habt Ihr die Drachen? Bitte, sagt mir, dass Ihr sie gerettet habt.�</p><p>Sie schnaubte und gab ein paar Leuten ein Zeichen, einen Teil der Barrikade wegzur�umen, damit seine M�nner sie passieren konnten. Anscheinend hatte sie dort mehrere Hundert ��vielleicht sogar mehrere Tausend�� Caemlyner versammelt, die die Stra�e f�llten. Als sie den Weg frei machte, erwartete Talmanes ein wunderbarer Anblick. Umgeben von den St�dtern standen dort einhundert Drachen.</p><p>Das Bronzerohr war auf einem h�lzernen Drachenkarren befestigt, um eine Einheit zu bilden, die von zwei Pferden gezogen wurde. Eigentlich waren sie ganz beweglich, wenn man es mal genau betrachtete. Man konnte diese Karren am Boden verankern und die Drachen abfeuern, sobald die Pferde abgeschirrt waren. Hier befanden sich mehr Menschen als n�tig, um die Arbeit der Zugpferde zu erledigen.</p><p>�Glaubt Ihr, ich h�tte sie zur�ckgelassen?�, fragte Aludra. �Diesem Haufen da fehlt die n�tige Ausbildung, um sie zu bedienen. Aber sie k�nnen einen Karren genauso gut ziehen wie jeder andere auch.�</p><p>�Wir m�ssen sie von hier wegschaffen�, sagte Talmanes.</p><p>�Ist Euch das gerade eben eingefallen?�, fragte Aludra. �Als h�tte ich das nicht schon l�ngst versucht. Euer Gesicht, was ist damit?�</p><p>�Ich habe mal zu scharfen K�se gegessen, danach war ich nie wieder derselbe.�</p><p>Aludra betrachtete ihn mit schief gelegtem Kopf. <emphasis>Wenn ich vielleicht mehr l�cheln w�rde, wenn ich einen Witz mache,</emphasis> dachte er tr�ge und lehnte sich gegen die Barrikade. <emphasis>Vielleicht w�rde man mich dann besser verstehen.</emphasis> Nat�rlich warf das die Frage auf, ob er wirklich wollte, dass man ihn verstand. Oft war es so doch viel am�santer. Au�erdem war ein L�cheln so <emphasis>aufdringlich</emphasis>. Wo blieb da die Subtilit�t? Und��</p><p>Und er hatte <emphasis>wirklich</emphasis> Probleme, sich zu konzentrieren. Er sah Aludra blinzelnd an, deren Miene im Fackellicht echte Besorgnis verriet.</p><p>�Was mit meinem Gesicht ist?� Talmanes ber�hrte seine Wange. Blut. Der Myrddraal. Genau. �Blo� ein Schnitt.�</p><p>�Und die Adern?�</p><p>�Adern?�, fragte er, dann fiel sein Blick auf seine Hand. Schwarze Ranken hatten sich um sein Handgelenk gewunden, waren �ber den Handr�cken gewandert und n�herten sich nun den Fingern, als w�rde Efeu unter seiner Haut wuchern. Sie wurden dunkler, noch w�hrend er hinschaute. �Ach, das! Ungl�cklicherweise sterbe ich. Schrecklich tragisch. Ihr habt nicht zuf�llig Branntwein?�</p><p>�Ich���</p><p>�Mein Lord!�, rief eine Stimme.</p><p>Talmanes blinzelte, dann zwang er sich dazu, sich umzudrehen, w�hrend er sich schwer auf den Speer st�tzte. �Ja, Filger?�</p><p>�Noch mehr Trollocs, mein Lord. Eine ganze Menge! Sie str�men hinter uns zusammen.�</p><p>�Ganz reizend. Deckt die Tafel. Ich hoffe, wir haben genug Geschirr. Ich habe es doch gewusst, wir h�tten die Magd diese 5731 Gedecke holen lassen sollen.�</p><p>�Geht es Euch�� gut?�, fragte Aludra.</p><p>�Blut und verfluchte Asche, Frau, sehe ich so aus, als ginge es mir gut? Guybon! Der R�ckzug ist abgeschnitten. Wie weit sind wir vom Osttor entfernt?�</p><p>�Das Osttor?�, rief der Gardehauptmann. �Vielleicht ein Marsch von einer halben Stunde. Wir m�ssen den H�gel weiter hinunter.�</p><p>�Dann geht es los�, sagte Talmanes. �Nehmt die Sp�her und geht an der Spitze. Dennel, k�mmert Euch darum, dass sich die St�dter vern�nftig organisieren, um die Drachen zu ziehen! Haltet Euch bereit, die Waffen aufzubauen.�</p><p>�Talmanes�, sagte Aludra. �Die Dracheneier und das Pulver, das meiste mussten wir zur�cklassen. Wir brauchen die Vorr�te aus Baerlon. Wenn Ihr die Drachen heute aufstellt�� Ein paar Sch�sse, mehr habe ich nicht f�r Euch.�</p><p>Dennel nickte. �Drachen sind nicht daf�r gedacht, f�r sich allein Frontreihen zu bilden, mein Lord. Sie brauchen Unterst�tzung, um den Feind daran zu hindern, zu nahe zu kommen und die Waffen zu zerst�ren. Wir k�nnen diese Drachen bemannen, aber ohne Infanterie werden wir nicht lange durchhalten.�</p><p>�Darum fliehen wir ja�, erwiderte Talmanes. Er machte einen Schritt, und ihm war so schwindelig, dass er beinahe st�rzte. �Und ich glaube�� ich glaube, ich brauche ein Pferd���</p><empty-line/><p>Moghedien trat auf eine Plattform aus Stein, die mitten auf dem offenen Meer trieb. Gl�sern und blau kr�uselte sich das Wasser in der schwachen Brise, aber Wellen gab es keine. Es war auch kein Land in Sicht.</p><p>Moridin stand an der Seite der Plattform, die H�nde auf dem R�cken verschr�nkt. Vor ihm brannte das Meer. Das Feuer erzeugte keinen Rauch, aber es war hei�, und das Wasser in der N�he zischte und kochte. Ein Steinfu�boden in der Mitte eines grenzenlosen Meeres. Brennendes Wasser. Moridin hatte schon immer seinen Spa� daran gehabt, in seinen Traumsplittern unm�gliche Dinge zu erschaffen.</p><p>�Setzt Euch�, sagte er, ohne sich umzudrehen.</p><p>Sie gehorchte und w�hlte einen der vier St�hle, die unversehens in der Plattformmitte standen. Der Himmel war tiefblau und wolkenlos, und die Sonne hatte etwa drei Viertel ihres Weges zum Zenit zur�ckgelegt. Wie lange war es schon her, dass sie in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> die Sonne gesehen hatte? In letzter Zeit hatte der allgegenw�rtige schwarze Sturm den Himmel verdeckt. Andererseits war das hier nicht ganz das <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis>. Es war auch nicht Moridins Traum, sondern eine Vermengung von beidem. Wie ein kurzfristiger Unterstand an der Seite der Traumwelt. Eine Blase miteinander verschmolzener Realit�ten.</p><p>Moghedien trug ein schwarz-goldenes Gewand, der Spitzenbesatz an den �rmeln erinnerte vage an ein Spinnennetz. Aber nur vage. Man tat gut daran, nicht jeden Gedanken weiterzuverfolgen.</p><p>Als sie sich setzte, versuchte sie Kontrolle und Selbstvertrauen auszustrahlen. Einst war ihr das nicht schwergefallen. Heute war allein der Versuch, auch nur eines davon zustande zu bringen, wie der Versuch, Flocken von <emphasis>Algode</emphasis> aus der Luft zu pfl�cken, nur damit sie ihr wieder aus der Hand glitten. Sie biss die Z�hne zusammen und versp�rte Wut. Sie war eine der <emphasis>Auserw�hlten</emphasis>. Sie hatte K�nige zum Weinen gebracht und Heere erzittern lassen. Ganze Generationen von M�ttern hatten ihren Kindern mit ihrem Namen Angst gemacht. Und jetzt��</p><p>Sie ber�hrte ihren Hals, den dort ruhenden Anh�nger. Er war noch immer sicher. Das wusste sie, aber die Ber�hrung brachte ihr Sicherheit.</p><p>�Gew�hnt Euch nicht zu sehr daran�, sagte Moridin. Ein Windzug strich �ber ihn hinweg und kr�uselte die makellose Meeresoberfl�che. Der Wind trug leise Schreie heran. �Noch hat man Euch nicht alles vergeben, Moghedien. Das ist eine Bew�hrung. Vielleicht gebe ich die Geistfalle bei Eurem n�chsten Versagen Demandred.�</p><p>Sie schnaubte. �Er w�rde sie gelangweilt zur Seite werfen. Demandred interessiert sich nur f�r eine Sache. Al�Thor. Jeder, der ihn nicht zu diesem Ziel f�hrt, ist f�r ihn bedeutungslos.�</p><p>�Ihr untersch�tzt ihn�, sagte Moridin leise. �Der Gro�e Herr ist mit Demandred zufrieden. Sehr zufrieden sogar. Ihr hingegen���</p><p>Moghedien sank in sich zusammen und erinnerte sich deutlich an ihre Qualen. Schmerzen, wie sie auf dieser Welt nur wenige je erlebt hatten. Schmerzen, wie sie ein K�rper eigentlich nicht aushalten sollte. Sie umklammerte das <emphasis>Cour�souvra</emphasis> und umarmte <emphasis>Saidar</emphasis>. Das brachte eine gewisse Erleichterung.</p><p>Zuvor hatte es qu�lende Pein mit sich gebracht, im selben Raum wie das <emphasis>Cour�souvra</emphasis> die Macht zu lenken. Aber da jetzt sie die Geistfalle trug und nicht Moridin, war das nicht l�nger der Fall. <emphasis>Nicht nur ein Anh�nger,</emphasis> dachte sie und umfasste ihn fester. <emphasis>Meine Seele.</emphasis> Sie h�tte nie gedacht, dass ausgerechnet sie von allen Menschen dem jemals ausgesetzt werden w�rde. War sie nicht die Spinne, die in allem gro�e Vorsicht walten lie�?</p><p>Sie hob die andere Hand und umklammerte die, die bereits die Geistfalle hielt. Was, wenn sie sich von der Kette l�ste, wenn jemand sie ihr wegnahm? Sie w�rde sie nicht verlieren. Sie <emphasis>konnte</emphasis> sie nicht verlieren.</p><p><emphasis>Das ist also aus mir geworden?</emphasis> �belkeit stieg in ihr empor. <emphasis>Ich muss mich erholen. Irgendwie.</emphasis> Sie zwang sich, die Geistfalle loszulassen.</p><p>Die Letzte Schlacht war da; Horden von Trollocs str�mten bereits in die L�nder des S�dens. Das war ein neuer Schattenkrieg, aber allein sie und die anderen Auserw�hlten kannten die wahren Geheimnisse der Einen Macht. Die, die man sie nicht gezwungen hatte, diesen schrecklichen Frauen zu offenbaren��</p><p><emphasis>Nein, nicht daran denken.</emphasis> Die Qualen, das Leid, das <emphasis>Versagen</emphasis>.</p><p>In diesem Krieg standen sie keinen hundert Gef�hrten gegen�ber, keinen Aes Sedai, die seit Jahrhunderten ihre Fertigkeiten pflegten. Sie w�rde sich beweisen, und die Fehler der Vergangenheit w�rden in Vergessenheit geraten.</p><p>Moridin starrte weiter auf die unm�glichen Flammen. Die einzigen Laute kamen von dem Feuer und dem in der N�he brodelnden Wasser. Irgendwann w�rde er erkl�ren, warum er sie herbefohlen hatte, nicht wahr? In letzter Zeit hatte er sich zusehends seltsam verhalten. Vielleicht kehrte ja sein Wahnsinn zur�ck. Einst h�tte der Mann namens Moridin ��oder Ishamael oder Elan Morin Tedronai�� das <emphasis>Cour�souvra</emphasis> einer seiner Rivalen mit Begeisterung behalten. Er h�tte sich Strafen einfallen lassen und sich an ihren Qualen erg�tzt.</p><p>Anfangs war es auch so gewesen, aber dann�� hatte er das Interesse verloren. Er verbrachte immer mehr Zeit allein damit, in Flammen zu starren und zu gr�beln. Die Strafen, die er ihr und Cyndane auferlegt hatte, waren fast schon wie Routine erschienen.</p><p>Diese neue Haltung machte ihn ihrer Meinung nach noch viel gef�hrlicher.</p><p>Neben der Plattform durchschnitt ein Wegetor die Luft. �M�ssen wir das wirklich jeden zweiten Tag tun, Moridin?�, fragte Demandred und betrat die Welt der Tr�ume. Gut aussehend und hochgewachsen, hatte er schwarzes Haar und eine gro�e Nase. Er warf Moghedien einen fl�chtigen Blick zu und bemerkte die Geistfalle, bevor er weitersprach. �Ich habe wichtige Dinge zu erledigen, und Ihr unterbrecht sie.�</p><p>�Es gibt Leute, die Ihr kennenlernen m�sst, Demandred�, sagte Moridin leise. �Falls Euch der Gro�e Herr nicht zum Nae�blis ernannte, ohne mich dar�ber in Kenntnis zu setzen, <emphasis>werdet</emphasis> Ihr tun, was man Euch sagt. Eure Spielzeuge k�nnen warten.�</p><p>Demandreds Miene verfinsterte sich, aber er sparte sich weitere Einw�nde. Er schloss das Wegetor, dann drehte er sich um und schaute ins Wasser. Und runzelte die Stirn. Was war in diesem Wasser? Moghedien hatte nicht darauf geachtet. Jetzt kam sie sich dumm vor, dass sie darauf verzichtet hatte. Was war nur aus ihrer Vorsicht geworden?</p><p>Demandred trat zu einem der St�hle neben ihr, setzte sich aber nicht. Er stand einfach nur da und betrachtete Moridin nachdenklich von hinten. Womit war Demandred besch�ftigt? W�hrend der Zeit, in der sie an die Geistfalle gefesselt gewesen war, hatte sie Moridins Befehle befolgt, aber sie hatte nichts �ber Demandred herausfinden k�nnen.</p><p>Der Gedanke an die Wochen unter seiner Kontrolle lie� sie erneut fr�steln. <emphasis>Ich werde meine Rache bekommen.</emphasis></p><p>�Ihr habt Moghedien freigelassen�, sagte Demandred. �Was ist mit dieser�� Cyndane?�</p><p>�Sie geht Euch nichts an�, erwiderte Moridin.</p><p>Moghedien war keineswegs entgangen, dass er noch immer Cyndanes Geistfalle trug. Cyndane. In der Alten Sprache bedeutete das �letzte Chance�, aber das Geheimnis der wahren Natur dieser Frau <emphasis>hatte</emphasis> Moghedien entschl�sseln k�nnen. Moridin hatte Lanfear h�chstpers�nlich aus <emphasis>Sindhol</emphasis> gerettet und sie von den Kreaturen befreit, die sich an ihrer F�higkeit zum Machtlenken labten.</p><p>Um sie zu retten und nat�rlich auch um sie zu bestrafen, hatte Moridin sie get�tet. Das hatte es dem Gro�en Herrn erm�glicht, ihre Seele wieder einzufangen und in einen neuen K�rper zu pflanzen. Brutal, aber sehr effektiv. Genau die Art von L�sung, die der Gro�e Herr bevorzugte.</p><p>Moridin konzentrierte sich auf seine Flammen, und Demandred auf ihn, also nutzte Moghedien die Gelegenheit, sich von ihrem Stuhl zu erheben und an den Rand der schwebenden Steinplattform zu treten. Das Wasser war v�llig klar. Sie konnte deutlich Menschen ausmachen. Ihre Beine waren an etwas in der Tiefe angekettet, die Arme auf den R�cken gefesselt. So trieben sie dort. Wie Seetang.</p><p>Es waren Tausende. Jeder von ihnen starrte mit weit aufgerissenen Augen entsetzt gen Himmel. Sie waren in einem st�ndigen Zustand des Ertrinkens gefangen. Nicht tot, sterben durften sie nicht, aber sie schnappten st�ndig nach Luft und fanden blo� Wasser. W�hrend Moghedien zuschaute, griff etwas Dunkles aus der Tiefe zu und riss einen von ihnen nach unten. Blut erbl�hte wie eine sich entfaltende Blume; das lie� die anderen nur noch energischer zappeln.</p><p>Moghedien l�chelte. Es tat gut, auch mal jemand anders au�er ihr leiden zu sehen. Vielleicht handelte es sich bei ihnen ja blo� um Phantasiegebilde, aber durchaus m�glich, dass das diejenigen waren, die den Gro�en Herrn entt�uscht hatten.</p><p>An der Seite der Plattform �ffnete sich ein weiteres Wegetor, und eine fremde Frau trat hindurch. Die Kreatur hatte schrecklich absto�ende Z�ge, eine gekr�mmte Knollennase und w�ssrige Augen, die nicht auf gleicher H�he lagen. Ihr Kleid aus gelber Seide war durchaus kostbar, unterstrich aber blo� die H�sslichkeit dieser Frau.</p><p>Moghedien verzog h�misch das Gesicht und kehrte zu ihrem Stuhl zur�ck. Warum lie� Moridin eine Fremde an einem ihrer Treffen teilnehmen? Diese Frau konnte die Macht lenken; sie konnte nur eine dieser nutzlosen Frauen sein, die sich in diesem Zeitalter als Aes Sedai bezeichneten.</p><p><emphasis>Zugegeben, m�chtig ist sie ja,</emphasis> dachte Moghedien, w�hrend sie Platz nahm. Wie hatte sie nur so ein Talent unter den Aes Sedai �bersehen k�nnen? Ihre Sp�her hatten dieses elende Leichtgewicht Nynaeve fast sofort gefunden, aber diese h�ssliche Vettel hatten sie �bersehen?</p><p>�Die da sollen wir kennenlernen?�, fragte Demandred und verzog angewidert die Lippen.</p><p>�Nein�, sagte Moridin gedankenverloren. �Ihr kennt Hessalam schon.�</p><p>Hessalam? In der Alten Sprache bedeutete das �keine Vergebung�. Die Frau erwiderte stolz Moghediens Blick, und ihre Haltung hatte etwas durchaus Vertrautes.</p><p>�Ich habe viel zu tun, Moridin�, sagte die Fremde. �Ich hoffe, es ist wirklich wichtig���</p><p>Moghedien stockte der Atem. Dieser Tonfall��</p><p>�Nicht in diesem Ton�, unterbrach Moridin sie. Er sagte es leise, drehte sich noch immer nicht um. �Bei keinem von uns. Im Augenblick steht sogar Moghedien h�her in der Gunst als Ihr.�</p><p><emphasis>�Graendal?�,</emphasis> stie� Moghedien entsetzt hervor.</p><p>�Benutzt nicht diesen Namen!� Moridin fuhr auf dem Absatz herum. Die Flammen des brennenden Wassers schossen in die H�he. �Man hat ihn ihr abgenommen.�</p><p>Graendal ��Hessalam�� setzte sich, ohne Moghedien noch einmal anzuschauen. Ja, diese Haltung war vertraut. Sie <emphasis>war</emphasis> es.</p><p>Um ein Haar h�tte Moghedien vor Vergn�gen gekr�ht. Graendal hatte ihr Aussehen stets als Keule benutzt. Nun, jetzt war es eine Keule der anderen Art. Einfach gro�artig! Die Frau musste sich innerlich doch ununterbrochen <emphasis>winden</emphasis>. Was hatte sie getan, um eine derartige Strafe zu verdienen? Graendals Status, ihre Autorit�t, die Mythen, die sie inspiriert hatte�� das alles hatte in ihrer Sch�nheit gefu�t. Und jetzt? Ob sie wohl anfing, nach den h�sslichsten Menschen auf der Welt zu suchen, um sie sich als Scho�tiere zu halten, als die Einzigen, die mit ihrer H�sslichkeit konkurrieren konnten?</p><p>Diesmal musste Moghedien lachen. Ein leises Lachen, aber Graendal h�rte es. Der Blick, den die Frau ihr zuwarf, h�tte gereicht, um selbst einen Teil des Ozeans anzuz�nden.</p><p>Moghedien erwiderte ihn seelenruhig und f�hlte sich nun selbstbewusster. Sie widerstand dem Drang, das <emphasis>Cour�souvra</emphasis> zu streicheln. <emphasis>Tu, was immer du willst, Graendal,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Jetzt sind wir ebenb�rtig. Wir werden ja sehen, wer in diesem Rennen einen Kopf voraus ist.</emphasis></p><p>Ein starker Wind kam auf, und die Wasseroberfl�che wurde aufgepeitscht, obwohl die Plattform selbst unbewegt blieb. Moridin lie� sein Feuer erl�schen, und in der N�he stiegen nun Wellen empor. Moghedien konnte darin K�rper ausmachen, die kaum mehr als dunkle Schatten waren. Einige waren tot. Andere k�mpften sich nun ohne die Ketten nach oben, aber kurz bevor sie die Luft erreichten, zog sie stets etwas nach unten.</p><p>�Wir sind nun wenige�, sagte Moridin. �Wir vier und die, die am schlimmsten bestraft wird, wir sind der Rest. Von der Definition her macht uns das zu den St�rksten.�</p><p><emphasis>Einige von uns sind das auch,</emphasis> dachte Moghedien. <emphasis>Aber einer von uns wurde von al�Thor get�tet und brauchte die Hilfe des Gro�en Herrn, um zur�ckkehren zu k�nnen, nicht wahr, Moridin?</emphasis> Warum war er eigentlich nie f�r sein Versagen bestraft worden? Nun, es war besser, in den Handlungen des Gro�en Herrn nie zu lange nach Gerechtigkeit zu suchen.</p><p>�Trotzdem sind wir zu wenige.� Moridin wedelte mit der Hand, und auf der Seite der Plattform erschien ein Torbogen aus Stein. Kein Wegetor, einfach nur eine T�r. Das war Moridins Traumsplitter; er kontrollierte ihn. Die T�r �ffnete sich, und ein Mann trat auf die Plattform.</p><p>Er hatte dunkles Haar und die Z�ge eines Saldaeaners�� eine leicht gebogene Nase, leicht schr�g gestellte Augen. Er war hochgewachsen und sah gut aus, und Moghedien erkannte ihn. �Der Anf�hrer dieser gerade erst entstandenen m�nnlichen Aes Sedai? Ich kenne diesen Mann, Mazrim���</p><p>�Dieser Name wurde verworfen�, sagte Moridin. �So wie jeder von uns das verwarf, was wir waren und wie uns die Menschen nannten, als wir auserw�hlt wurden. Von diesem Augenblick an soll dieser Mann allein als M�Hael und einer der Auserw�hlten bekannt sein.�</p><p>�Ein Auserw�hlter?� Hessalam schien an dem Wort zu ersticken. �Dieses <emphasis>Kind</emphasis>? Er��� Sie verstummte.</p><p>Es stand ihnen nicht zu, dar�ber zu debattieren, wer zum Auserw�hlten berufen wurde. Sie durften sich untereinander streiten, auch Intrigen schmieden, wenn sie dabei Sorgfalt walten lie�en. Aber den Gro�en Herrn infrage zu stellen�� das war nicht erlaubt. Niemals.</p><p>Hessalam sprach nicht weiter. Moridin h�tte es niemals gewagt, diesen Mann einen Auserw�hlten zu nennen, h�tte der Gro�e Herr dies nicht entschieden. Dagegen gab es keine Einw�nde. Trotzdem fr�stelte Moghedien. Taim�� M�Hael�� sollte angeblich sehr stark sein, vielleicht sogar so stark wie der Rest von ihnen, aber einen aus diesem Zeitalter zu erheben, die alle nicht das geringste Wissen ihr Eigen nannten�� Die Vorstellung, dass dieser M�Hael als ihr ebenb�rtig betrachtet werden w�rde, drehte ihr den Magen um.</p><p>�Ich lese Widerspruch aus euren Blicken�, sagte Moridin und sah sie nacheinander an, �auch wenn nur eine von euch dumm genug war, das auszusprechen. M�Hael hat seine Belohnung verdient. Zu viele von uns warfen sich in Auseinandersetzungen mit al�Thor, als man ihn noch f�r schwach hielt. M�Hael errang stattdessen Lews Therins Vertrauen und �bernahm dann den Befehl �ber die Ausbildung seiner Waffen. <emphasis>Er</emphasis> erhob eine neue Generation von Schattenlords f�r die Sache des Schattens. Was habt denn ihr drei seit eurer Befreiung vorzuweisen?�</p><p>�Ihr werdet die Fr�chte sehen, die ich erntete, Moridin�, sagte Demandred in gef�hrlich leisem Tonfall. �Ihr werdet sie in Scheffeln und Herden z�hlen. Vergesst nur nicht meine Forderung: ich trete al�Thor auf dem Schlachtfeld gegen�ber. Sein Blut geh�rt mir und niemandem sonst.� Er blickte sie nacheinander an, M�Hael als Letzten. Zwischen ihnen schien eine gewisse Vertrautheit zu bestehen. Sie waren einander schon begegnet.</p><p>M�Hael l�chelte weiterhin. <emphasis>Mit dem hast du einen Rivalen, Demandred,</emphasis> dachte Moghedien. <emphasis>Er will al�Thor fast genauso sehr haben wie du.</emphasis></p><p>In letzter Zeit hatte sich Demandred ver�ndert. Einst w�re es ihm egal gewesen, wer Lews Therin nun t�tete�� Hauptsache, der Mann starb. Was hatte ihn nur dazu veranlasst, so darauf zu beharren, das selbst zu erledigen?</p><p>�Moghedien�, sagte Moridin. �Demandred hat Pl�ne f�r den kommenden Krieg. Ihr helft ihm.�</p><p>�Ich soll ihm <emphasis>helfen</emphasis>?�, sagte sie. �Ich���</p><p>�Vergesst Ihr Euch so schnell, Moghedien?� Moridins Stimme war freundlich. �Ihr tut das, was man Euch sagt. Demandred will, dass Ihr auf eines der Heere achtet, denen nun eine vern�nftige �berwachung fehlt. Beschwert Euch mit nur einem einzigen Wort, und Ihr werdet erfahren, dass die Schmerzen, die Ihr bis jetzt kennengelernt habt, nur ein Schatten wahrer Agonie sind.�</p><p>Ihre Hand fuhr zu dem <emphasis>Cour�souvra</emphasis> an ihrem Hals. Sie blickte in seine Augen und f�hlte ihre Autorit�t schwinden. <emphasis>Ich hasse dich,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Und ich hasse dich noch mehr, weil du mir das vor den anderen antust.</emphasis></p><p>�Die letzten Tage stehen bevor�, verk�ndete Moridin und wandte ihnen wieder den R�cken zu. �In diesen Stunden verdient ihr euch eure letzten Belohnungen. Falls ihr Groll hegt, bringt es hinter euch. Falls ihr noch Intrigen spinnt, bringt sie zum Abschluss. Macht euer letztes Spiel, denn dies�� dies ist das Ende.�</p><empty-line/><p>Talmanes lag auf dem R�cken und starrte in den dunklen Himmel. Die Wolken schienen das Licht von unten widerzuspiegeln, das Licht einer sterbenden Stadt. Das war nicht richtig. Licht kam noch immer von oben, oder nicht? Er schloss die Augen.</p><p>Kurz nach dem Aufbruch zum Stadttor war er vom Pferd gest�rzt. Daran konnte er sich noch erinnern, jedenfalls meistens. Der Schmerz erschwerte das Denken. Leute br�llten sich an.</p><p><emphasis>Ich h�tte�� ich h�tte Mat viel mehr verspotten sollen,</emphasis> dachte er, und der Anflug eines L�chelns zeigte sich in seinen Mundwinkeln. <emphasis>Ein d�mlicher Augenblick, so etwas zu denken. Ich muss�� ich muss die Drachen finden. Oder haben wir sie bereits gefunden��</emphasis></p><p>�Ich sage Euch doch, diese verdammten Dinger funktionieren so nicht!� Das war Dennels Stimme. �Das sind keine verdammten Aes Sedai auf R�dern. Wir k�nnen keine Feuermauer erschaffen. Wir k�nnen diese Eisenkugeln in die R�nge der Trollocs schleudern.�</p><p>�Sie explodieren.� Guybons Stimme. �Wir k�nnten diese Extradinger benutzen, wie ich sagte.�</p><p>Talmanes� Augen schlossen sich wieder.</p><p>�Die Kugeln explodieren, ja�, sagte Dennel. �Aber zuerst m�ssen wir sie abschie�en. Sie in einer Linie aufzustellen und die Trollocs dr�bersteigen zu lassen wird nicht viel ausrichten.�</p><p>Eine Hand sch�ttelte Talmanes� Schulter. �Lord Talmanes�, sagte Melten. �Es liegt keine Ehrlosigkeit darin, es jetzt enden zu lassen. Ich wei�, dass die Schmerzen gro� sind. M�ge Euch die letzte Umarmung der Mutter beh�ten.�</p><p>Ein Schwert wurde gezogen. Talmanes st�hlte sich.</p><p>Dann entdeckte er, dass er wirklich nicht sterben wollte. Wirklich nicht.</p><p>Er zwang die Augen auf und streckte Melten, der �ber ihm stand, eine Hand entgegen. In der N�he stand Jesamyn mit vor der Brust verschr�nkten Armen und sah besorgt aus.</p><p>�Helft mir auf die F��e�, sagte Talmanes.</p><p>Melten z�gerte, gehorchte dann aber.</p><p>�Ihr solltet nicht stehen�, meinte Jesamyn.</p><p>�Immer noch besser, als ehrenvoll gek�pft zu werden�, murrte Talmanes und biss die Z�hne gegen den Schmerz zusammen. Beim Licht, war das seine Hand? Sie war so schwarz, sie sah aus, als w�re sie in einem Feuer verkohlt. �Was�� was ist hier los?�</p><p>�Wir sind in eine Ecke gedr�ngt, mein Lord�, sagte Melten ernst und grimmig. Er hielt sie alle schon f�r so gut wie tot. �Dennel und Guybon streiten �ber die Ausrichtung der Drachen f�r ein letztes Gefecht. Aludra wiegt die Ladungen ab.�</p><p>Endlich stand Talmanes und sackte sofort gegen Melten. Ungef�hr zweitausend Menschen dr�ngten sich vor ihm in der Mitte eines gro�en Platzes. Sie standen so dicht gedr�ngt wie M�nner in der Wildnis, die in einer kalten Nacht die W�rme ihrer Kameraden suchten. Dennel und Guybon hatten die Drachen zu einem Halbkreis aufgestellt, der ins Zentrum der Stadt zeigte. Die Fl�chtlinge standen dahinter. Die Bande war dabei, die Drachen zu bemannen; jede Waffe ben�tigte drei Paar H�nde. Fast jedes Mitglied der Bande war zumindest fl�chtig darin ausgebildet.</p><p>Die Geb�ude in der N�he hatten Feuer gefangen, aber das Licht tat seltsame Dinge. Warum erreichte es nicht die Stra�en? Die waren viel zu dunkel. Als h�tte man sie angemalt. Wie mit��</p><p>Er blinzelte die Schmerzenstr�nen aus den Augen, als es ihm d�mmerte. Trollocs f�llten die Stra�en wie ein Tintenstrom, der dem ihm entgegengerichteten Halbkreis der Drachen entgegengeflossen war.</p><p>Noch hielt etwas die Kreaturen zur�ck. <emphasis>Sie warten, bis sie alle f�r einen Sturmangriff zusammenhaben.</emphasis></p><p>Hinter ihnen ert�nten Rufe und Knurren. Talmanes drehte sich um und packte Meltens Arm, als die Welt schwankte. Er wartete, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Der Schmerz�� tats�chlich war der Schmerz nicht mehr ganz so durchdringend. Mehr wie gl�hende Flammen, die man nicht mehr mit neuen Scheiten f�tterte. Er hatte sich an ihm gelabt, aber jetzt war nicht mehr viel f�r ihn �brig, das er noch fressen konnte.</p><p>Als die Welt wieder feste Konturen annahm, erkannte Talmanes die Quelle des Knurrens. Der Platz grenzte an die Stadtmauer, aber B�rger und Soldaten hielten Abstand dazu, denn Trollocs wucherten wie eine dicke Dreckschicht auf den Zinnen. Sie drohten mit ihren Waffen und br�llten die Menschen an.</p><p>�Sie schleudern Speere auf jeden, der zu nahe kommt�, berichtete Melten. �Wir hatten gehofft, die Mauer zu erreichen und dann an ihr entlang zum Tor zu kommen, aber das ist unm�glich�� nicht, wenn die Ungeheuer dort oben Tod auf uns herabregnen lassen. Alle anderen Wege sind abgeschnitten.�</p><p>Aludra trat auf Guybon und Dennel zu. �Ladungen kann ich unter die Drachen platzieren�, sagte sie leise zu ihnen, aber nicht so leise, wie sie es h�tte sagen sollen. �Diese Ladungen zerst�ren die Waffen. Sie k�nnten die Leute aber auf unangenehme Weise verletzen.�</p><p>�Tut es�, erwiderte Guybon sehr leise. �Was die Trollocs mit ihnen anstellen werden, ist noch viel schlimmer, und wir d�rfen nicht zulassen, dass die Drachen in die H�nde des Schattens fallen. Darum warten sie. Ihre Anf�hrer hoffen, dass ihnen ein Sturmangriff die n�tige Zeit verschafft, um uns zu �berrennen und die Waffen zu erbeuten.�</p><p>�Sie bewegen sich!�, rief ein Soldat von einem der Drachen. �Beim Licht, sie kommen!�</p><p>Das Schattengez�cht brodelte einer schleimigen Welle gleich die Stra�e hinunter. Z�hne, N�gel, Klauen, viel zu menschliche Augen. Sie kamen von allen Seiten und konnten es nicht erwarten zu t�ten. Talmanes nahm einen m�hevollen Atemzug.</p><p>Die Rufe von der Stadtmauer nahmen an Erregung zu. <emphasis>Wir sind umzingelt,</emphasis> dachte Talmanes. <emphasis>Gegen die Mauer gedr�ngt, in einem Netz gefangen. Wir��</emphasis></p><p>Gegen die Mauer gedr�ngt.</p><p>�Dennel!�, �berschrie Talmanes den L�rm. Der Hauptmann der Drachen drehte sich an seiner Reihe um, wo die M�nner bereits mit brennenden Z�ndst�ben auf den Befehl warteten, der die eine Salve ausl�sen w�rde, die ihnen zur Verf�gung stand.</p><p>Talmanes nahm einen tiefen Atemzug, der seine Lungen brennen lie�. �Ihr habt mir gesagt, Ihr k�nntet ein feindliches Bollwerk mit nur wenigen Sch�ssen dem Erdboden gleichmachen.�</p><p>�Nat�rlich�, rief Dennel zur�ck. �Aber wir wollen keine Stellung st�rmen��� Er verstummte.</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte Talmanes. <emphasis>Wir sind alle so ersch�pft. Wir h�tten das doch sehen m�ssen.</emphasis> �Ihr da in der Mitte, Rydens Drachentrupp, alles umdrehen!�, br�llte Talmanes. �Der Rest von euch bleibt in Position und feuert auf die angreifenden Trollocs! Bewegt euch, los, los, <emphasis>los!</emphasis>�</p><p>Blitzartig kam Bewegung in die Drachenm�nner, Ryden und seine Leute drehten ihre Waffen mit quietschenden R�dern eilig um. Die anderen Drachen feuerten �ber den ganzen Platz. Die Donnerschl�ge waren ohrenbet�ubend und lie�en die Fl�chtlinge aufschreien und sich die Ohren zuhalten. Es klang wie das Ende der Welt. Hunderte, Tausende Trollocs krachten blut�berstr�mt zu Boden, als die Dracheneier in ihrer Mitte explodierten. Der Platz f�llte sich mit wei�em Qualm, der aus den Drachenm�ndungen str�mte.</p><p>Die Fl�chtlinge, die bereits das, was sie gerade gesehen hatten, v�llig aus dem Gleichgewicht geworfen hatte, schrien auf, als sich Rydens Drachen jetzt auf sie richteten, und die meisten von ihnen warfen sich voll Furcht zu Boden und machten den Weg frei. Ein Weg, der die vom Feind besetzte Stadtmauer entbl��te. Rydens Drachenreihe bog sich nach innen wie eine Becher�ffnung, eine genau entgegengesetzte Formation der Gesch�tze, die auf den Platz feuerten. Diese Rohre zeigten alle auf die gleiche Stelle der Stadtmauer.</p><p>�Gebt mir einen dieser verfluchten St�be!�, rief Talmanes und streckte die Hand aus. Einer der Drachenm�nner gehorchte und reichte ihm eine der Stangen mit der gl�henden roten Spitze. Er stie� sich von Melten ab, fest entschlossen, einen Augenblick lang allein zu stehen.</p><p>Guybon eilte heran. In Talmanes� �beranstrengten Ohren klang die Stimme des Mannes ganz leise. �Diese Mauer steht seit Hunderten von Jahren. Meine arme Stadt. Meine arme, bedauernswerte Stadt.�</p><p>�Das ist nicht l�nger Eure Stadt�, sagte Talmanes und reckte die gl�hende Stange hoch in die Luft, voller Trotz vor einer Mauer voller Trollocs, eine brennende Stadt im R�cken. �Sie geh�rt ihnen.�</p><p>Talmanes schwang den Stab nach unten und zeichnete eine rot gl�hende Spur in die Luft. Sein Signal l�ste tosendes Drachenfeuer aus, das �ber den Platz hallte.</p><p>Trollocs oder vielmehr St�cke von ihnen flogen durch die Luft. Die Mauer unter ihnen explodierte wie ein Stapel Baukl�tze, auf den jemand mit voller Kraft eingetreten hatte. Talmanes schwankte und ihm wurde schwarz vor Augen, aber er sah noch, wie die Stadtmauer rings um das Loch herum nach au�en einst�rzte. Als er das Bewusstsein verlor und umkippte, schien der Boden durch die Gewalt seines Sturzes zu erbeben.</p></section><section><title><p>1</p><p>Ostw�rts blies der Wind</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, aus dem er geboren wurde. In einem Zeitalter, das von einigen das Dritte Zeitalter genannt wurde, einem Zeitalter, das noch kommen sollte, einem lange vergangenen Zeitalter, erhob sich in den Verschleierten Bergen ein Wind. Der Wind war nicht der Anfang. Es gibt bei der Drehung des Rades der Zeit keinen Anfang und kein Ende. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Ostw�rts blies der Wind, senkte sich herab von k�hnen Gipfeln und strich �ber einsame H�gel. Er kam zu dem Ort, den man Westwald nannte, ein Gebiet, in dem einst Kiefern und Zwerglorbeer wucherten. Hier fand der Wind kaum mehr als dichtes Unterholz und gelegentlich hohe Eichen. Die B�ume sahen krank aus, die Rinde sch�lte sich, die �ste hingen herab. Anderswo waren die Nadeln von den Kiefernzweigen abgefallen und h�llten den Boden in einen braunen Teppich. Keiner der knochenartigen �ste des Westwaldes wies Knospen auf.</p><p>Nach Norden und Osten blies der Wind durch Unterholz, das knisterte und barst, wenn es gesch�ttelt wurde. Es war Nacht, und d�rre F�chse strichen �ber den verfaulenden Boden, auf der vergeblichen Suche nach Beute oder Aas. Der Fr�hling hatte keine V�gel gebracht, und im ganzen Land war das Heulen der W�lfe verstummt, was noch viel bezeichnender war.</p><p>Der Wind verlie� den Wald und strich �ber Taren-F�hre. Nach �rtlichem Ma�stab war dies einst eine pr�chtige Stadt gewesen. Dunkle H�user, die sich hoch �ber ihr Fundament aus Rotstein erhoben, eine gepflasterte Stra�e, das alles erbaut an der �ffnung des Landes, das man die Zwei Fl�sse nannte.</p><p>Schon lange stieg von den niedergebrannten Geb�uden kein Rauch mehr auf, aber es war nur wenig von der Stadt �brig geblieben, das man h�tte wiederaufbauen k�nnen. Wilde Hunde suchten in den Tr�mmern nach Nahrung. Mit hungrigen Blicken schauten sie auf, als der Wind vorbeiwehte.</p><p>Der Wind �berquerte den Fluss in �stlicher Richtung. Hier waren Gruppen von Fl�chtlingen trotz der sp�ten Stunde mit Fackeln in den H�nden auf dem langen Weg von Baerlon nach Wei�br�cke unterwegs. Es waren traurig anzusehende Gestalten, mit gesenkten K�pfen und h�ngenden Schultern. Einige hatten die kupferfarbene Haut von Domani, und ihre zerschlissene Kleidung verriet deutlich, wie schwer es gewesen war, die Berge ohne ausreichende Vorr�te zu �berqueren. Andere kamen von noch viel weiter entfernten Orten. Taraboner mit eingesch�chterten Blicken �ber schmutzigen Schleiern. Bauern und ihre Frauen aus dem n�rdlichen Ghealdan. Sie alle hatten Ger�chte geh�rt, dass es in Andor noch etwas zu essen gab. In Andor gab es Hoffnung.</p><p>Bis jetzt hatten sie keines von beidem gefunden.</p><p>Der Wind wehte nach Osten, folgte dem Fluss, der sich zwischen Bauernh�fen ohne Weizen schl�ngelte. Grasland ohne Gras. Obstplantagen ohne Fr�chte.</p><p>Verlassene D�rfer. B�ume wie Knochen, deren Fleisch abgenagt worden war. Oft dr�ngten sich Raben auf ihren �sten; hungernde Hasen und manchmal auch Rehe durchsuchten das tote Gras am Boden. �ber allem dr�ckten die allgegenw�rtigen Wolken auf das Land. Manchmal sorgte die Wolkendecke daf�r, dass man unm�glich sagen konnte, ob es Tag oder Nacht war.</p><p>Als sich der Wind der gro�en Stadt Caemlyn n�herte, bog er nach Norden ab, fort von der brennenden Stadt�� erf�llt vom rot und orange lodernden Schein spuckte sie schwarzen Rauch zu den hungrigen Wolken empor. In der Stille der Nacht war der Krieg nach Andor gekommen. Die n�her kommenden Fl�chtlinge w�rden bald entdecken, dass sie auf die Gefahr zumarschiert waren. Das war nicht �berraschend. Gefahr lauerte in allen Richtungen. Die einzige M�glichkeit, sich ihr nicht zu n�hern, bestand darin, auf der Stelle zu verharren.</p><p>Als der Wind nach Norden weiterzog, passierte er Leute, die allein oder in kleinen Gruppen am Stra�enrand hockten und in deren Augen keinerlei Hoffnung zu entdecken war. Einige lagen auch am Boden und hungerten dort, w�hrend sie zu den grollenden, brodelnden Wolken emporschauten. Andere schleppten sich einfach weiter, obwohl sie nicht wussten, wo sie das hinf�hrte. Zur Letzten Schlacht, nach Norden, was auch immer das zu bedeuten hatte. Die Letzte Schlacht bot keine Hoffnung. Die Letzte Schlacht war der Tod. Aber es war ein Ort, an dem man <emphasis>sein</emphasis> konnte, ein Ort, an den man <emphasis>gehen</emphasis> konnte.</p><p>In der Dunkelheit des Abends erreichte der Wind eine gro�e Versammlung weit n�rdlich von Caemlyn. Dieses gro�e Feld riss eine L�cke in die bewaldete Landschaft, aber es war mit Zelten �bers�t wie ein verfaulender Baumstamm mit Pilzen. Zehntausende Soldaten warteten neben Lagerfeuern, die schnell das Brennmaterial der Gegend ersch�pften.</p><p>Der Wind fuhr zwischen sie und peitschte den Rauch der Feuer in die Gesichter der Soldaten. Hier zeigten die Menschen nicht die Hoffnungslosigkeit der Fl�chtlinge, aber ihnen haftete ein Grauen an. Sie sahen das kranke Land. Sie f�hlten die Wolken am Himmel. Sie wussten Bescheid.</p><p>Die Welt lag im Sterben. Die Soldaten starrten die Flammen an und sahen zu, wie das Holz verschlungen wurde. Scheit f�r Scheit verwandelte sich einst Lebendiges in Asche.</p><p>Eine Kompanie M�nner inspizierte R�stungen, die trotz sorgf�ltigen Ein�lens zu rosten angefangen hatten. Eine Gruppe Aiel in wei�en Gew�ndern holte Wasser�� ehemalige Krieger, die sich weigerten, ihre Waffen wieder zu ergreifen, obwohl sie ihr <emphasis>Toh</emphasis> erf�llt hatten. Ein Haufen �ngstlicher Diener, die der festen �berzeugung waren, dass der morgige Tag den Krieg zwischen der Wei�en Burg und dem Wiedergeborenen Drachen bringen w�rde, organisierte Vorr�te in vom Wind gesch�ttelten Zelten.</p><p>M�nner und Frauen fl�sterten die Wahrheit in die Nacht. <emphasis>Das Ende ist da. Das Ende ist da. Alles wird fallen. Das Ende ist da.</emphasis></p><p>Gel�chter erf�llte die Luft.</p><p>Aus einem gro�en Zelt in der Lagermitte fiel warmes Licht aus dem Spalt des Zelteingangs und kroch unter den R�ndern hervor.</p><p>Im Zelt lachte Rand al�Thor ��der Wiedergeborene Drache�� mit in den Nacken geworfenem Kopf.</p><p>�Und was hat sie gemacht?�, fragte Rand, als er sich wieder beruhigt hatte. Er schenkte sich einen Becher mit rotem Wein ein, dann noch einen f�r Perrin, der bei der Frage err�tet war.</p><p><emphasis>Er ist h�rter geworden,</emphasis> dachte Rand, <emphasis>aber irgendwie hat er seine Unschuld nicht verloren. Jedenfalls nicht ganz.</emphasis> Rand fand das ganz erstaunlich. Ein Wunder, wie eine in einer Forelle entdeckte Perle. Perrin war stark, aber seine St�rke hatte ihn nicht gebrochen.</p><p>�Nun�, erwiderte Perrin, �du wei�t ja, wie Marin ist. Irgendwie schafft sie es, selbst <emphasis>Cenn</emphasis> anzusehen, als w�re er ein Kind, das die Mutter braucht. Faile und mich wie zwei junge Narren auf dem Boden liegend vorzufinden�� nun, ich glaube, sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie �ber uns lachen oder uns in die K�che zum Geschirrsp�len schicken sollte. Voneinander getrennt nat�rlich, damit wir nicht in Schwierigkeiten geraten.�</p><p>Rand l�chelte und versuchte es sich bildlich vorzustellen. Perrin, der stattliche Perrin, so schwach, dass er kaum laufen konnte. Das Bild wollte keinen Sinn ergeben. Rand wollte sich damit zufriedengeben, dass sein Freund �bertrieb, aber Perrin hatte keine unehrliche Faser im Leib. Seltsam, wie sehr sich ein Mann doch ver�ndern konnte, w�hrend er im Kern genau derselbe blieb.</p><p>�Wie dem auch sei�, sagte Perrin, nachdem er einen Schluck Wein genommen hatte, �Faile hob mich vom Boden auf und setzte mich aufs Pferd, und dann stolzierten wir umher und taten so, als seien wir wichtig. Ich tat nicht viel, Rand. Der Kampf wurde von den anderen gef�hrt�� ich hatte Schwierigkeiten, einen Becher an die Lippen zu f�hren.� Er hielt inne, und der Blick seiner goldenen Augen schien in die Ferne zu schweifen. �Du solltest stolz auf sie sein, Rand. Ohne Dannil, deinen Vater und Mats Vater, ohne sie h�tte ich nicht einmal die H�lfte dessen geschafft, was ich tat. Nein, nicht einmal ein Zehntel.�</p><p>�Das glaube ich.� Rand betrachtete seinen Wein. Lews Therin hatte Wein geliebt. Ein Teil von Rand, ein sehr ferner Teil, die Erinnerungen eines Mannes, der er gewesen war, war �ber diesen schlechten Jahrgang erbost. In der derzeitigen Welt konnte nur wenig Wein mit den bevorzugten Jahrg�ngen des Zeitalters der Legenden mithalten. Das galt zumindest f�r die, die er getrunken hatte.</p><p>Er nahm einen kleinen Schluck und stellte den Becher dann ab. Min schlief noch immer in einem anderen Teil des Zeltes, das durch einen Vorhang abgetrennt war. Ereignisse in seinen Tr�umen hatten Rand aufgeweckt. Er war froh gewesen, dass Perrins Ankunft ihn von dem abgelenkt hatte, was er dort gesehen hatte.</p><p><emphasis>Mierin��</emphasis> Nein. Er w�rde nicht zulassen, dass diese Frau ihn ablenkte. Vermutlich hatte er sie allein aus diesem Grund sehen sollen.</p><p>�Begleite mich ein St�ck�, sagte er. �Ich muss noch ein paar Dinge f�r morgen �berpr�fen.�</p><p>Sie traten hinaus in die Nacht. Mehrere T�chter schlossen sich ihnen an, als Rand zu Sebban Balwer ging, dessen Dienste Perrin ihm geliehen hatte. Was Balwer nur recht war, der dazu neigte, sich stets denen anzuschlie�en, die die gr��te Macht besa�en.</p><p>�Rand?�, fragte Perrin und ging mit der Hand auf <emphasis>Mah�alleinir</emphasis> neben ihm. �Ich habe dir das doch alles bereits erz�hlt, die Belagerung der Zwei Fl�sse, die K�mpfe�� Warum hast du dich noch einmal danach erkundigt?�</p><p>�Zuvor hatte ich nach den Ereignissen gefragt, Perrin. Ich wollte wissen, was geschehen war, aber ich hatte mich nicht nach den Menschen erkundigt, die davon betroffen waren.� Er sah Perrin an und erschuf eine Lichtkugel, damit sie in der Dunkelheit sehen konnten, wo sie hintraten. �Ich muss mich an die <emphasis>Menschen</emphasis> erinnern. Darauf zu verzichten ist ein Fehler, den ich in der Vergangenheit viel zu oft begangen habe.�</p><p>Der unstete Wind trug den Geruch der Feuer aus Perrins Lager und die Ger�usche der an Waffen arbeitenden Schmiede heran. Rand kannte die Geschichten: mit der Einen Macht geschmiedete Waffen, deren Herstellung man neu entdeckt hatte. Perrin hatte seine M�nner rund um die Uhr arbeiten lassen und seine beiden Asha�man bis zur Ersch�pfung angetrieben, um so viel wie m�glich davon zu machen.</p><p>Rand hatte ihm so viele zus�tzliche Asha�man geliehen, wie er entbehren konnte, und das auch nur, weil Dutzende von T�chtern bei ihm vorgesprochen und mit der Macht hergestellte Speerspitzen verlangten, sobald sie davon geh�rt hatten. <emphasis>Das ist nur vern�nftig, Rand al�Thor,</emphasis> hatte Beralna erkl�rt. <emphasis>Seine Schmiede k�nnen vier Speerspitzen statt eines Schwertes herstellen.</emphasis> Bei dem Wort <emphasis>Schwert</emphasis> hatte sie das Gesicht verzogen, als schmeckte es wie Meerwasser.</p><p>Rand hatte noch nie Meerwasser probiert. Lews Therin schon. Einst hatte ihn das Wissen �ber solche Tatsachen zutiefst beunruhigt. Jetzt hatte er gelernt, diesen Teil von sich zu akzeptieren.</p><p>�All das, was wir erlebt haben�� kannst du das alles eigentlich wirklich glauben?�, fragte Perrin. �Beim Licht, manchmal frage ich mich, wann der Mann, dem diese feinen Kleider in Wirklichkeit geh�ren, endlich angest�rmt kommt, um mich anzubr�llen und dann zum Ausmisten in den Stall zu schicken, weil mein Kopf schon l�ngst zu gro� f�r meinen Kragen geworden ist.�</p><p>�Das Rad webt, was das Rad will, Perrin. Wir sind zu dem geworden, zu dem wir werden mussten.�</p><p>Perrin nickte, w�hrend sie den Weg zwischen den Zelten entlanggingen, der von dem Licht �ber Rands Hand erleuchtet wurde.</p><p>�Wie�� wie f�hlt sich das eigentlich an?�, wollte Perrin wissen. �Diese Erinnerungen, die du zus�tzlich bekommen hast.�</p><p>�Hattest du jemals einen Traum, an den du dich nach dem Aufwachen noch in allen Einzelheiten ganz deutlich erinnern konntest? Keiner von denen, die schnell verblassen, sondern der dich den ganzen Tag lang nicht mehr loslie�?�</p><p>�Ja�, erwiderte Perrin und klang seltsam reserviert dabei. �Ja, ich kann behaupten, dass ich das hatte.�</p><p>�Es ist so �hnlich. Ich kann mich daran erinnern, Lews Therin gewesen zu sein, kann mich daran erinnern, getan zu haben, was er tat, so wie man sich an Handlungen in einem Traum erinnert. Ich tat diese Dinge, aber das hei�t nicht, dass sie mir gefallen. Ich bin auch nicht immer der Meinung, dass ich im wachen Zustand das Gleiche getan h�tte. Aber es �ndert nichts an der Tatsache, dass sie im Traum wie die richtigen Entscheidungen erschienen.�</p><p>Perrin nickte.</p><p>�Er ist ich�, sagte Rand. �Und ich bin er. Aber wiederum auch nicht.�</p><p>�Nun, du erscheinst noch immer wie du selbst�, sagte Perrin, allerdings entging Rand das kurze Z�gern bei dem Wort �erscheinst� nicht. Hatte Perrin nicht stattdessen �riechst� sagen wollen? �So sehr hast du dich nicht ver�ndert.�</p><p>Rand bezweifelte, ob er es Perrin erkl�ren konnte, ohne wie ein Verr�ckter zu klingen. Die Person, die er wurde, wenn er den Mantel des Wiedergeborenen Drachen trug�� das war nicht einfach nur eine Maske, es war auch kein Schauspiel.</p><p>Das war, wer er war. Er hatte sich nicht ver�ndert, er hatte sich nicht verwandelt. Er hatte es blo� einfach <emphasis>akzeptiert</emphasis>.</p><p>Das bedeutete keineswegs, dass er s�mtliche Antworten kannte. Auch wenn vierhundert Jahre Erinnerungen in seinem Verstand ruhten, bereitete ihm das, was er tun musste, noch immer gro�e Sorgen. Lews Therin hatte nicht gewusst, wie man die Bohrung versiegeln sollte. Sein Versuch hatte in die Katastrophe gef�hrt. Der Makel, die Zerst�rung der Welt, das alles f�r einen mangelhaften Kerker mit Siegeln, die nun br�chig waren.</p><p>Eine Antwort kam Rand immer wieder in den Sinn. Eine gef�hrliche Antwort. Eine Antwort, die Lews Therin nicht in Betracht gezogen hatte.</p><p>Was, wenn die Antwort <emphasis>nicht</emphasis> darin lag, den Dunklen K�nig wieder hinter Siegeln einzusperren? Was, wenn die Antwort, die endg�ltige Antwort, ganz anders lautete? Etwas Dauerhafteres.</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte Rand zum hundertsten Mal. <emphasis>Aber ist das m�glich?</emphasis></p><p>Sie kamen zu dem Zelt, in dem Rands Sekret�re arbeiteten; die T�chter schw�rmten hinter ihnen aus. Rand und Perrin traten ein. Die Sekret�re arbeiteten nat�rlich zu dieser sp�ten Stunde, und es �berraschte sie nicht, als Rand eintrat.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte Balwer und verneigte sich steif an der Stelle, wo er neben einem Tisch voller Karten und Papierstapel stand. Der vertrocknete kleine Mann sortierte nerv�s seine Papiere; aus einem Loch im �rmel seines zu gro�en braunen Mantels ragte ein kn�cherner Ellbogen.</p><p>�Berichtet�, sagte Rand.</p><p>�Roedran kommt�, sagte Balwer mit d�nner und pr�ziser Stimme. �Die K�nigin von Andor hat nach ihm geschickt, hat ihm Wegetore versprochen, die diese Frauen erschaffen sollen, die sie hat, diese Kusinen. Unser Auge an seinem Hof sagt, dass er w�tend dar�ber ist, dass er ihre Hilfe braucht, um herzukommen, aber er besteht darauf, dass er bei dieser Zusammenkunft dabei sein muss�� und wenn es auch nur darum geht, dass es nicht so aussieht, als w�rde man ihn �bergehen.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Rand. �Elayne wei� nichts von Euren Spionen?�</p><p>�Mein Lord!�, sagte Balwer indigniert.</p><p>�Habt Ihr herausgefunden, welcher von meinen Sekret�ren f�r sie spioniert?�, fragte Rand.</p><p>Balwer plusterte sich auf. �Niemand���</p><p>�Sie wird jemanden haben, Balwer�, sagte Rand mit einem L�cheln. �Schlie�lich hat sie mir mehr oder weniger beigebracht, wie man das macht. Egal. Nach dem morgigen Tag werden meine Absichten jedermann klar sein. Geheimnisse sind dann nicht mehr n�tig.�</p><p><emphasis>Abgesehen von denen, die ich im Herzen trage.</emphasis></p><p>�Das bedeutet, dass morgen jeder bei der Zusammenkunft dabei sein wird, richtig?�, fragte Perrin. �Jeder gro�e Herrscher? Tear und Illian?�</p><p>�Die Amyrlin hat sie �berredet zu kommen�, sagte Balwer. �Ich habe hier Abschriften ihrer Korrespondenz, wenn Ihr sie zu sehen w�nscht, meine Lords.�</p><p>�Ich ja�, sagte Rand. �Schickt sie in mein Zelt. Heute Abend sehe ich sie mir an.�</p><p>Pl�tzlich erbebte der Boden. Schreiber packten Papierstapel, hielten sie fest und schrien auf. Drau�en riefen M�nner, kaum h�rbar bei dem L�rm umst�rzender B�ume und klirrenden Metalls. Das Land st�hnte, ein fernes Grollen.</p><p>F�r Rand war es wie ein schmerzhafter Muskelkrampf.</p><p>Ferner Donner ersch�tterte den Himmel wie das Versprechen kommender Dinge. Das Beben lie� nach. Die Schreiber hielten ihr Papier weiter fest, als h�tten sie Angst, es loszulassen und zu riskieren, dass es zu Boden flatterte.</p><p><emphasis>Es ist wirklich so weit,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Ich bin noch nicht bereit�� wir sind noch nicht bereit. Aber es ist trotzdem so weit.</emphasis></p><p>Diesen Tag hatte er monatelang gef�rchtet. Seit jener Nacht, in der die Trollocs gekommen waren, seit Lan und Moiraine ihn von den Zwei Fl�ssen fortgezerrt hatten, hatte er sich vor dem gef�rchtet, was nun kommen w�rde.</p><p>Die Letzte Schlacht. Das Ende. Aber jetzt, da der Augenblick gekommen war, versp�rte er keine Angst mehr. Er war besorgt, ja, aber nicht l�nger furchterf�llt.</p><p><emphasis>Ich komme und hole dich!,</emphasis> dachte er.</p><p>�Sagt es allen�, befahl er seinen Sekret�ren. �Verteilt Warnungen. Es wird weiterhin Erdbeben geben. St�rme. Richtige St�rme, ganz schreckliche St�rme. Die Welt wird zerst�rt werden, und das k�nnen wir nicht verhindern. Der Dunkle K�nig wird versuchen, diese Welt zu Staub zu zermahlen.�</p><p>Die Sekret�re nickten und warfen sich besorgte Blicke zu. Perrin sah nachdenklich aus, nickte aber andeutungsweise, als w�rde er sich etwas best�tigen.</p><p>�Noch weitere Neuigkeiten?�, fragte Rand.</p><p>�Die K�nigin von Andor k�nnte in dieser Nacht m�glicherweise noch etwas vorhaben, mein Lord�, sagte Balwer.</p><p>��Etwas� ist kein sehr anschauliches Wort, Balwer�, erwiderte Rand.</p><p>Der Mann verzog das Gesicht. �Es tut mir leid, mein Lord. Mehr habe ich noch nicht f�r Euch; diese Nachricht habe ich eben erst erhalten. K�nigin Elayne ist vor Kurzem von einem ihrer Ratgeber geweckt worden. Ich habe niemanden in ihrer unmittelbaren N�he, der den Grund erfahren k�nnte.�</p><p>Rand runzelte die Stirn, legte die Hand auf Lamans Schwert, das an seiner Seite hing.</p><p>�Es k�nnten blo� Pl�ne f�r morgen sein�, meinte Perrin.</p><p>�Das ist wahr�, sagte Rand. �Balwer, lasst mich wissen, falls Ihr etwas entdeckt. Vielen Dank. Ihr leistet gute Arbeit.�</p><p>Der Mann schien pl�tzlich zu wachsen. In diesen letzten Tagen, diesen Tagen voller Dunkelheit, suchte jeder Mann nach einer n�tzlichen Aufgabe. Balwer war auf seinem Gebiet der Beste und vertraute auf seine F�higkeiten. Trotzdem schadete es nicht, wenn man von seinem Dienstherrn daran erinnert wurde, erst recht, wenn der Dienstherr niemand anders als der Wiedergeborene Drache war.</p><p>Rand verlie� das Zelt, Perrin folgte ihm.</p><p>�Du machst dir deshalb Sorgen�, sagte Perrin. �Wegen dem, was Elayne geweckt hat.�</p><p>�Sie h�tten sie nicht ohne guten Grund geweckt�, erwiderte Rand leise. �Wenn man ihren Zustand bedenkt.�</p><p>Schwanger. Schwanger mit <emphasis>seinen</emphasis> Kindern. Beim Licht! Warum hatte ihm das niemand gesagt? Warum hatte <emphasis>sie</emphasis> es ihm nicht gesagt?</p><p>Die Antwort war ganz einfach. Elayne konnte Rands Gef�hle sp�ren, so wie er die ihren. Sie w�rde mitbekommen haben, wie er in der letzten Zeit gewesen war. Vor dem Drachenberg. Als er noch��</p><p>Nun, in dem Zustand, in dem er sich befunden hatte, h�tte sie ihn bestimmt nicht mit einer Schwangerschaft konfrontieren wollen. Davon abgesehen hatte er es anderen Leuten nicht gerade leicht gemacht, ihn zu finden.</p><p>Trotzdem war es ein Schock.</p><p><emphasis>Ich werde Vater,</emphasis> dachte er, und das nicht zum ersten Mal. Ja, Lews Therin hatte Kinder gehabt, und Rand konnte sich an sie erinnern, genau wie an die Liebe, die er f�r sie empfunden hatte. Aber es war nicht das Gleiche.</p><p>Er, Rand al�Thor, w�rde Vater sein. Vorausgesetzt, er siegte in der Letzten Schlacht.</p><p>�Sie h�tten Elayne nicht ohne guten Grund geweckt�, fuhr er fort und konzentrierte sich wieder auf das Wesentliche. �Ich mache mir Sorgen, aber nicht wegen dem, was geschehen sein k�nnte, sondern weil es m�glicherweise eine Ablenkung ist. Morgen ist ein wichtiger Tag. Falls der Schatten auch nur eine Ahnung hat, wie wichtig der morgige Tag werden wird, dann wird er alles in seiner Macht Stehende tun, um uns von dieser Zusammenkunft abzuhalten, von dem Versuch, uns zu vereinen.�</p><p>Perrin kratzte sich am Bart. �Ich habe Leute in Elaynes N�he. Vielleicht wissen sie ja etwas. Wir k�nnten meine Augen-und-Ohren fragen.�</p><p>�Du�� du hast Spione?�, fragte Rand �berrascht.</p><p>Perrin err�tete. �Keine Spione. Leute, die f�r mich die Dinge im Auge behalten.�</p><p>�Das ist eigentlich die Definition dieses Wortes, Perrin.� Er hob die Hand, als Perrin Einw�nde erheben wollte. �Sprechen wir mit ihnen. Heute Nacht habe ich noch viel zu tun, aber�� Ja, das darf ich nicht ignorieren.�</p><p>Sie schlugen die Richtung zu Perrins Lager ein und beschleunigten ihre Schritte, und Rands Leibw�chter folgten ihnen wie Schatten mit Schleiern und Speeren.</p><empty-line/><p>Die Nacht f�hlte sich viel zu ruhig an. In ihrem Zelt br�tete Egwene �ber einem Brief an Rand. Sie vermochte nicht zu sagen, ob sie ihn �berbringen lassen w�rde. Aber das war auch nicht wichtig. Ihm zu schreiben ordnete ihre Gedanken, sich zu entscheiden, was sie ihm sagen wollte.</p><p>Gawyn schob sich wieder in das Zelt, die Hand auf dem Schwert. Sein Beh�terumhang raschelte.</p><p>�Bleibst du dieses Mal?�, wollte Egwene wissen und tauchte ihre Feder in die Tinte, �oder gehst du gleich wieder?�</p><p>�Mir gef�llt diese Nacht nicht.� Er warf einen Blick �ber die Schulter. �Etwas an ihr f�hlte sich falsch an.�</p><p>�Die Welt h�lt den Atem an, Gawyn, und wartet auf die morgigen Geschehnisse. Hast du jemanden zu Elayne geschickt, wie ich wollte?�</p><p>�Ja. Sie wird nicht mehr wach sein. Es ist zu sp�t f�r sie.�</p><p>�Wir werden sehen.�</p><p>Es dauerte nicht lange, bis ein Bote aus Elaynes Lager eintraf und einen kleinen gefalteten Brief brachte. Egwene las ihn und l�chelte. �Komm�, sagte sie zu Gawyn, stand auf und packte ein paar Dinge ein. Sie schwenkte die Hand, und ein Wegetor zerschnitt die Luft.</p><p>�Wir Reisen dorthin?�, fragte Gawyn. �Das ist doch nur ein kurzer Weg.�</p><p>�Ein kurzer Spaziergang w�rde erfordern, dass die Amyrlin bei der K�nigin von Andor anklopft�, sagte Egwene, w�hrend Gawyn als Erster durch das Tor schritt und die andere Seite �berpr�fte. �Manchmal will ich nichts tun, das den Leuten Anlass gibt, Fragen zu stellen.�</p><p><emphasis>F�r diese F�higkeit h�tte Siuan gemordet,</emphasis> dachte sie, als sie durch das Wegetor schritt. Wie viele Pl�ne h�tte diese Frau noch umsetzen k�nnen, h�tte sie andere auf diese Weise so schnell, lautlos und m�helos besuchen k�nnen?</p><p>Auf der anderen Seite stand Elayne neben einer warmen Kohlenpfanne. Die K�nigin trug ein hellgr�nes Kleid, und ihr Bauch war stark gew�lbt durch die Kinder in ihrem Leib. Sie eilte zu Egwene und k�sste ihren Ring. Birgitte stand mit verschr�nkten Armen neben dem Zelteingang; sie trug einen kurzen roten Mantel und himmelblaue Hosen. Ihr goldener Zopf lag �ber ihrer Schulter.</p><p>Gawyn sah seine Schwester mit gerunzelter Stirn an. �Es �berrascht mich, dass du wach bist.�</p><p>�Ich warte auf einen Bericht�, erwiderte Elayne und bedeutete Egwene, sich zu ihr zu setzen. Neben der Kohlenpfanne standen zwei gepolsterte St�hle.</p><p>�Etwas Wichtiges?�, fragte Egwene.</p><p>Elayne runzelte die Stirn. �Jesamyn hat schon wieder vergessen, sich aus Caemlyn zu melden. Ich habe der Frau den <emphasis>strikten</emphasis> Befehl gegeben, mir alle zwei Stunden Bericht zu erstatten, und trotzdem tut sie es nicht. Beim Licht, vermutlich ist es ja nichts. Trotzdem bat ich Serinia, zum Reisegel�nde zu gehen, um nachzusehen. Ich hoffe, du hast nichts dagegen.�</p><p>�Du brauchst Ruhe�, sagte Gawyn und verschr�nkte die Arme.</p><p>�Vielen herzlichen Dank f�r den Rat�, sagte Elayne, �den ich ignorieren werde, so wie ich Birgitte ignorierte, als sie das Gleiche sagte. Egwene, was wolltest du besprechen?�</p><p>Egwene reichte ihr den Brief, den sie geschrieben hatte. Sie waren unter sich, da gab es keinen Platz f�r F�rmlichkeiten.</p><p>�F�r Rand?�, fragte Elayne.</p><p>�Du siehst ihn aus einem anderen Blickwinkel als ich. Sag mir, was du davon h�ltst. Vielleicht schicke ich ihm den Brief gar nicht. Ich habe mich noch nicht entschieden.�</p><p>�Der Ton ist�� energisch�, bemerkte Elayne.</p><p>�Anders scheint er ja nicht zu reagieren.�</p><p>Nachdem Elayne zu Ende gelesen hatte, senkte sie das Blatt. �Vielleicht sollten wir ihn einfach tun lassen, was er will.�</p><p>�Die Siegel brechen?�, fragte Egwene. �Den Dunklen K�nig befreien?�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Beim Licht, Elayne!�</p><p>�Es muss geschehen, oder nicht? Ich meine, der Dunkle K�nig wird entkommen. Er ist auch schon so gut wie frei.�</p><p>Egwene rieb sich die Schl�fen. �Es ist ein Unterschied, ob man die Welt ber�hrt oder frei ist. Im Krieg der Macht wurde der Dunkle K�nig niemals ungehindert auf die Welt losgelassen. Der Stollen lie� ihn sie ber�hren, aber der wurde wieder versiegelt, bevor er entkommen konnte. H�tte der Dunkle K�nig die Welt betreten, w�re das Rad selbst zerbrochen worden. Hier, ich habe dir das hier mitgebracht, um es dir zu zeigen.�</p><p>Egwene holte einen Papierstapel aus ihrer Tasche. Die Bibliothekarinnen des Dreizehnten Depositoriums hatten die Bl�tter eilig zusammengetragen. �Ich sage nicht, dass wir die Siegel nicht brechen sollten�, sagte sie. �Ich sage nur, dass wir uns es nicht leisten k�nnen, einen von Rands hirnverbrannten Pl�nen mit ihnen durchzuf�hren.�</p><p>Elayne l�chelte liebevoll. Beim Licht, wie verliebt sie war. <emphasis>Ich kann mich doch auf sie verlassen, oder?</emphasis> Das war im Moment schwer bei Elayne zu sagen. Ihr Plan mit den Kusinen��</p><p>�Leider haben wir in deinem Bibliotheks-<emphasis>Ter�angreal</emphasis> nichts Relevantes finden k�nnen.� Die Statue des l�chelnden b�rtigen Mannes hatte in der Wei�en Burg beinahe einen Aufruhr ausgel�st; jede Schwester hatte die Tausende von B�chern lesen wollen, die darin enthalten waren. �S�mtliche B�cher scheinen aus der Zeit vor der Bohrung des Stollens zu stammen. Sie werden weitersuchen, aber diese Notizen hier enthalten alles, was wir �ber die Siegel, den Kerker und den Dunklen K�nig finden konnten�, fuhr Egwene fort. �Sollten wir die Siegel zum falschen Zeitpunkt brechen, k�nnte das wom�glich das Ende von allem bedeuten. Hier, lies das.� Sie dr�ckte Elayne eine Seite in die Hand.</p><p>�Der <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis>?�, fragte Elayne neugierig. ��Und das Licht soll scheitern, und die Morgend�mmerung wird nicht kommen, und noch immer w�tet der Gefangene.� Der Gefangene ist der Dunkle K�nig?�</p><p>�Ich glaube schon. Die Prophezeiungen dr�cken sich niemals klar aus. Rand will die Letzte Schlacht beginnen und die Siegel sofort brechen, aber das ist eine schreckliche Idee. Vor uns liegt ein langer Krieg. Den Dunklen K�nig jetzt zu befreien wird die Streitm�chte des Schattens st�rken und uns schw�chen.</p><p>Wenn es getan werden muss�� und ich bin noch immer nicht davon �berzeugt, dass das der Fall ist��, dann sollten wir bis zum letztm�glichen Augenblick warten. Zumindest m�ssen wir das diskutieren. Rand hat in vielem recht behalten, aber er hat sich auch <emphasis>geirrt</emphasis>. Das ist keine Entscheidung, die er allein treffen darf.�</p><p>Elayne bl�tterte die Papiere durch und verharrte pl�tzlich. ��Sein Blut soll uns das Licht geben���� Sie rieb mit dem Daumen �ber die Seite, als w�re sie in Gedanken versunken. ��Dient dem Licht.� Wer hat diese Notiz hinzugef�gt?�</p><p>�Das ist Doniella Alievins Kopie der �bersetzung des <emphasis>Karaethon-Zyklus</emphasis> von Kyera Termendal�, sagte Egwene. �Doniella f�gte ihre eigenen Anmerkungen hinzu, und sie waren Gegenstand von beinahe genauso vielen Debatten unter den Gelehrten wie die Prophezeiungen selbst. Sie war eine Wahrtr�umerin, musst du wissen. Die einzige Amyrlin, von der wir genau wissen, dass sie es war. Jedenfalls abgesehen von mir.�</p><p>Elayne nickte.</p><p>�Die Schwestern, die das f�r mich zusammenstellten, kamen zu demselben Schluss wie ich�, fuhr Egwene fort. �Es mag der Zeitpunkt kommen, an dem man die Siegel brechen muss, aber dieser Augenblick ist nicht zu Beginn der Letzten Schlacht, ganz egal, was Rand denkt. Wir m�ssen auf den richtigen Moment warten, und als die W�chterin �ber die Siegel ist es meine Pflicht, diesen Moment zu bestimmen. Ich werde die Welt nicht wegen Rands tollk�hner Pl�ne riskieren.�</p><p>�Er hat schon etwas von einem Gaukler�, meinte Elayne liebevoll. �Du hast da ein sehr gutes Argument vorgebracht, Egwene. Trag es ihm vor. Er wird dir zuh�ren. Er hat einen wachen Verstand und kann �berzeugt werden.�</p><p>�Wir werden sehen. Im Moment muss ich���</p><p>Pl�tzlich versteifte sich Egwene, als sie f�hlte, dass Gawyn beunruhigt war. Als sie zu ihm sah, drehte er sich gerade um. Drau�en ert�nte Hufgetrappel. Seine Ohren waren nicht besser als die ihren, aber es war seine Aufgabe, auf solche Dinge zu achten.</p><p>Egwene umarmte die Wahre Quelle, was Elayne veranlasste, ihrem Beispiel zu folgen. Birgitte hatte bereits den Zelteingang zur�ckgezogen und die Hand auf dem Schwertgriff.</p><p>Eine verschwitzte Botin sprang mit weit aufgerissenen Augen vom Pferd. Sie st�rmte ins Zelt, und Birgitte und Gawyn setzten sich sofort an ihre Seite und behielten sie f�r den Fall im Auge, dass sie zu nahe kam.</p><p>Das tat sie nicht. �Caemlyn wird angegriffen, Euer Majest�t�, stie� die Frau hervor und rang nach Luft.</p><p>�Was!� Elayne sprang auf die F��e. �Wie? Hat Jarid Sarand endlich���</p><p>�Trollocs�, verk�ndete die Botin. �Es fing bei Einbruch der Abendd�mmerung an.�</p><p>�Unm�glich!�, rief Elayne, packte die Botin am Arm und zerrte sie aus dem Zelt. Egwene schloss sich ihnen schnell an. �Die Abendd�mmerung kam vor �ber sechs Stunden�, sagte Elayne zu der Botin. �Warum haben wir noch nichts davon geh�rt? Was ist mit den Kusinen geschehen?�</p><p>�Davon sagte mir niemand etwas, meine K�nigin�, berichtete die Botin. �Hauptmann Guybon schickte mich rasch los, um Euch zu holen. Er ist gerade durch ein Wegetor eingetroffen.�</p><p>Das Reisegel�nde war nicht weit von Elaynes Zelt entfernt. Eine Menschenmenge hatte sich versammelt, aber M�nner und Frauen machten der Amyrlin und der K�nigin sofort Platz. In wenigen Augenblicken hatten sie die vorderste Reihe erreicht.</p><p>Eine Gruppe M�nner in blutverschmierter Kleidung kam durch das ge�ffnete Wegetor und zog Karren, die mit Elaynes neuen Waffen beladen waren, den Drachen. Viele der M�nner schienen kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen. Sie stanken nach Rauch, ihre Haut war von Ru� geschw�rzt. Nicht wenige von ihnen brachen zusammen, als Elaynes Soldaten die Karren, die eigentlich von Pferden h�tten gezogen werden m�ssen, nahmen, um ihnen zu helfen.</p><p>In der N�he �ffneten sich weitere Wegetore, als Serinia Sedai und ein paar der st�rkeren Kusinen ��Egwene w�rde sie auf keinen Fall als <emphasis>Elaynes</emphasis> Kusinen betrachten�� sie webten. Fl�chtlinge str�mten hindurch wie das Wasser eines unaufhaltsamen Flusses.</p><p>�Geh�, sagte Egwene zu Gawyn und �ffnete selbst ein Wegetor�� es f�hrte zu dem Reisegel�nde im Lager der Wei�en Burg in der N�he. �Hole so viele Aes Sedai, wie wir zusammenbekommen. Sag Bryne, er soll seine Soldaten alarmieren, sie sollen Elaynes Befehlen gehorchen. Dann schickt sie durch Wegetore nach Caemlyn. Wir werden unsere Verbundenheit mit Andor zeigen.�</p><p>Gawyn nickte und duckte sich durch das Tor. Egwene lie� es verschwinden, dann gesellte sie sich zu Elayne, die bei den verwundeten, verwirrten Soldaten stand. Sumeko, eine der Kusinen, hatte das Kommando �ber das Heilen �bernommen, damit man die M�nner, die in unmittelbarer Lebensgefahr schwebten, versorgte.</p><p>In der Luft lag der Gestank von Rauch. Als Egwene zu Elayne eilte, fiel ihr Blick durch eines der ge�ffneten Wegetore. Caemlyn brannte.</p><p><emphasis>Beim Licht!</emphasis> Einen Augenblick lang konnte sie blo� dastehen, dann eilte sie weiter. Elayne sprach mit Guybon, einem der Kommandanten der K�niglichen Garde. Der Mann schien sich kaum noch auf den Beinen halten zu k�nnen, seine Kleidung und die Arme waren blutverschmiert.</p><p>�Schattenfreunde t�teten zwei der Frauen, die Ihr zur�cklie�et, um Botschaften zu schicken, Euer Majest�t�, berichtete er mit m�der Stimme. �Aber wir bargen die Drachen. Sobald wir�� entkamen��� Etwas schien ihn zu schmerzen. �Sobald wir durch das Loch in der Stadtmauer entkamen, entdeckten wir, dass sich mehrere S�ldnergruppen um die Stadt herum auf das Tor zu k�mpften, das Lord Talmanes hatte verteidigen lassen. Zuf�llig waren sie nahe genug, um uns bei unserer Flucht zu helfen.�</p><p>�Das habt Ihr gut gemacht�, sagte Elayne.</p><p>�Aber die Stadt���</p><p>�Das habt Ihr <emphasis>gut</emphasis> gemacht�, wiederholte Elayne energisch. �Ihr habt die Drachen geholt und all die Menschen gerettet? Ich werde daf�r sorgen, dass man Euch daf�r belohnt, Hauptmann.�</p><p>�Belohnt die M�nner der Bande, Euer Majest�t. Das war ihr Werk. Und bitte, wenn Ihr etwas f�r Lord Talmanes tun k�nnt��� Er zeigte auf den leblosen Mann, den mehrere Angeh�rige der Bande durch das Wegetor trugen.</p><p>Elayne kniete sich neben ihn, und Egwene gesellte sich zu ihr. Zuerst hielt sie ihn f�r tot, da seine Haut schwarz angelaufen war. Da holte er stockend Luft.</p><p>�Beim Licht!�, sagte Elayne und unterzog seinen reglosen K�rper der Tiefenschau. �So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.�</p><p>�Thakan�dar-Klingen�, erkl�rte Guybon.</p><p>�Wir m�ssen uns verkn�pfen�, sagte Elayne zu Egwene. �Vielleicht k�nnen wir gemeinsam etwas erreichen. Mutter?�</p><p>�Das �bersteigt unsere F�higkeiten�, sagte Egwene und stand auf. �Ich��� Sie unterbrach sich, als sie ein Ger�usch vernahm, das das St�hnen der Soldaten und �chzen der Karren �bert�nte.</p><p>�Egwene?�, fragte Elayne.</p><p>�Tut f�r ihn, was ihr k�nnt�, sagte Egwene und eilte fort. Sie bahnte sich den Weg durch die aufgeregte Menge und folgte der Stimme. War das�� ja, <emphasis>dort</emphasis>. Am Rand des Reisegel�ndes fand sie ein ge�ffnetes Wegetor, durch das Aes Sedai in verschiedenen Stadien der Bekleidung eilten, um sich um die Verwundeten zu k�mmern. Gawyn hatte seine Arbeit gut gemacht.</p><p>Nynaeve fragte gerade ziemlich laut, wer hier das Kommando �ber dieses Chaos hatte. Egwene kam von der Seite, packte sie bei der Schulter und �berraschte sie.</p><p>�Mutter?�, fragte Nynaeve. �Was soll das bedeuten, dass Caemlyn brennt? Ich���</p><p>Sie unterbrach sich, als sie die Verletzten erblickte. Sie versteifte sich, dann wollte sie sich auf sie st�rzen.</p><p>�Da gibt es einen, um den du dich zuerst k�mmern musst�, sagte Egwene und f�hrte sie zu Talmanes.</p><p>Nynaeve holte scharf Luft, dann lie� sie sich auf die Knie fallen und schob Elayne sanft zur Seite. Sie unterzog Talmanes der Tiefenschau, dann erstarrte sie mit weit aufgerissenen Augen.</p><p>�Nynaeve?�, sagte Egwene. �Kannst du���</p><p>Eine <emphasis>Explosion</emphasis> aus Geweben brach aus Nynaeve hervor wie das pl�tzliche Aufblitzen der Sonne hinter dunklen Wolken. Nynaeve webte die F�nf M�chte zu einer strahlenden S�ule zusammen und stie� sie in Talmanes.</p><p>Egwene �berlie� sie ihrer Arbeit. Vielleicht w�rde es helfen, obwohl er so gut wie tot aussah. Hoffentlich �berlebte er das. Er hatte sie in der Vergangenheit sehr beeindruckt. Er schien genau die Sorte von Mann zu sein, den die Bande ��und Mat�� brauchten.</p><p>Elayne stand bei den Drachen und befragte eine Frau mit Z�pfen. Das musste Aludra sein, die die Drachen erfunden hatte. Egwene ging zu den Waffen und legte die Finger auf eines der langen Bronzerohre. Nat�rlich hatte sie Berichte dar�ber erhalten. Angeblich seien sie wie Aes Sedai, nur in Eisen gegossen und vom Pulver des Feuerwerks angetrieben.</p><p>Immer mehr Fl�chtlinge str�mten durch die Tore, viele davon B�rger der Stadt. �Beim Licht�, murmelte Egwene leise. �Das sind zu viele. Wir k�nnen nicht ganz Caemlyn hier in Merrilor unterbringen.�</p><p>Elayne beendete ihre Unterhaltung und lie� Aludra ihre Waffen inspizieren. Anscheinend war die Frau nicht dazu bereit, sich den Rest der Nacht auszuruhen und am Morgen bei ihnen zu melden. Elayne ging auf die Wegetore zu.</p><p>�Die Soldaten sagen, die Gegend vor der Stadt ist sicher�, sagte sie und ging an Egwene vorbei. �Ich werde es mir ansehen.�</p><p>�Elayne��� Birgitte lief hinter ihr her.</p><p>�Wir gehen! Komm schon.�</p><p>Egwene lie� die K�nigin gew�hren und trat zur�ck, um die Arbeit zu �berwachen. Romanda hatte den Befehl �ber die Aes Sedai �bernommen und k�mmerte sich um die Verletzten, teilte sie nach der Dringlichkeit ihrer Wunden in Gruppen ein.</p><p>Als Egwene ihre Blicke �ber das Chaos schweifen lie�, fielen ihr zwei Leute auf, die ein St�ck abseits standen. Eine Frau und ein Mann, allem Anschein nach Illianer. �Was wollt ihr?�</p><p>Die Frau ging vor ihr auf die Knie. Sie hatte helle Haut und dunkle Haare, und ihre energischen Z�ge passten zu ihrer schlanken, hochgewachsenen Gestalt. �Ich bin Leilwin�, sagte sie mit einem unverkennbaren Akzent. �Ich begleitete Nynaeve Sedai, als der Aufruf zum Heilen erfolgte. Wir folgten ihr.�</p><p>�Ihr seid Seanchanerin�, sagte Egwene �berrascht.</p><p>�Ich bin gekommen, um Euch zu dienen, Amyrlin.�</p><p>Seanchaner. Egwene hielt noch immer die Eine Macht. Beim Licht, nicht jede Seanchanerin, die ihr begegnete, war gef�hrlich; trotzdem w�rde sie kein Risiko eingehen. Als ein paar M�nner der Burgwache durch ein Wegetor kamen, zeigte Egwene auf die beiden Seanchaner. �Bringt sie an einen sicheren Ort und passt auf sie auf. Ich k�mmere mich sp�ter um sie.�</p><p>Die Soldaten nickten. Der Mann ging nur z�gernd mit, die Frau bereitwillig, beinahe schon eifrig. Sie konnte nicht die Macht lenken, also war sie keine befreite <emphasis>Damane</emphasis>. Aber das bedeutete nat�rlich nicht, dass sie keine <emphasis>Sul�dam</emphasis> war.</p><p>Egwene kehrte zu Nynaeve zur�ck, die noch immer neben Talmanes kniete. Die Krankheit war aus der Haut des Mannes verschwunden und hatte sie bleich zur�ckgelassen. �Bringt ihn an einen Ort, wo er ruhen kann�, sagte Nynaeve m�de zu den Leuten der Bande, die in der N�he standen und zusahen. �Ich tat, was ich konnte.�</p><p>Sie schaute zu Egwene hoch, als die M�nner ihn fortbrachten. �Beim Licht, das hat mir viel abverlangt�, fl�sterte Nynaeve. �Selbst mit meinem <emphasis>Angreal</emphasis>. Ich bin beeindruckt, dass Moiraine das vor so langer Zeit bei Tam gl�ckte��� In ihrer Stimme schien ein Hauch Stolz mitzuschwingen.</p><p>Sie hatte vor Moiraine versucht, Tam zu Heilen, allerdings hatte sie zu diesem Zeitpunkt nat�rlich noch gar nicht gewusst, was sie da eigentlich machte. Seit damals hatte sie einen sehr langen Weg zur�ckgelegt.</p><p>�Stimmt das, Mutter?�, fragte Nynaeve und stand auf. �Das mit Caemlyn?�</p><p>Egwene nickte.</p><p>�Das wird eine lange Nacht�, sagte Nynaeve und betrachtete die Verwundeten, die durch die Wegetore kamen.</p><p>�Und der morgige Tag wird noch viel l�nger�, sagte Egwene. �Komm, lass uns uns miteinander verkn�pfen. Ich leihe dir meine Kraft.�</p><p>Nynaeve sah entsetzt aus. �Mutter?�</p><p>�Du bist viel besser im Heilen als ich.� Egwene l�chelte. �Ich mag ja die Amyrlin sein, aber ich bin noch immer eine Aes Sedai. Eine Dienerin aller. Meine Kraft wird dir n�tzlich sein.�</p><p>Nynaeve nickte, und sie verkn�pften sich. Dann gesellten sie sich zu den Aes Sedai, die Romanda zur Heilung der Fl�chtlinge mit den schlimmsten Wunden eingeteilt hatte.</p><empty-line/><p>�Faile hat mein Netzwerk der Augen-und-Ohren organisiert�, sagte Perrin, als er und Rand auf Perrins Lager zueilten. �M�glicherweise ist sie heute Abend bei ihnen. Allerdings solltest du darauf gefasst sein, dass sie dich vielleicht nicht mag.�</p><p><emphasis>Sie w�re verr�ckt, wenn sie mich mag,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Vermutlich wei� sie, was ich von dir verlangen werde, bevor das hier vorbei ist.</emphasis></p><p>�Ich vermute zwar, dass es ihr gef�llt, dass ich dich kenne�, fuhr Perrin fort. �Schlie�lich ist sie die Kusine einer K�nigin. Ich glaube, sie bef�rchtet noch immer, dass du den Verstand verlierst und mich verletzt.�</p><p>�Der Wahnsinn ist bereits da�, erwiderte Rand, �und ich habe ihn im Griff. Und dass ich dich verletzen k�nnte, da k�nnte sie vielleicht sogar recht haben. Ich glaube nicht, dass ich vermeiden kann, die Menschen in meiner unmittelbaren N�he zu verletzen. Das war eine harte Lektion, die ich lernen musste.�</p><p>�Du deutest an, dass du wahnsinnig bist�, sagte Perrin, dessen Hand wieder auf seinem Hammer lag. So gro� er war, trug er ihn dennoch an seiner Seite. Offensichtlich hatte er daf�r eine ganz spezielle Halterung herstellen m�ssen. Ein erstaunliches Werk. Rand wollte ihn noch unbedingt irgendwann fragen, ob das eine dieser mit der Einen Macht geschmiedeten Waffen war, die einer seiner Asha�man hergestellt hatte. �Aber das bist du nicht, Rand. Du erscheinst mir kein bisschen verr�ckt.�</p><p>Rand l�chelte, und ein Gedanke flackerte am Rand seines Bewusstseins. �Ich <emphasis>bin</emphasis> wahnsinnig, Perrin. Mein Wahnsinn besteht aus diesen Erinnerungen, diesen Eingebungen. Lews Therin wollte mich �bernehmen. Ich war zwei Personen, die um die Vorherrschaft meines Ichs rangen. Und eine davon war vollkommen wahnsinnig.�</p><p>�Licht�, fl�sterte Perrin, �das klingt schrecklich.�</p><p>�Es war nicht angenehm. Aber�� das ist das Verr�ckte daran. Ich bin immer mehr davon �berzeugt, dass ich diese Erinnerungen brauchte. Lews Therin war ein guter Mann. <emphasis>Ich</emphasis> war ein guter Mann, aber die Dinge gingen schief�� ich wurde zu arrogant, ich ging davon aus, alles allein schaffen zu k�nnen. Daran musste ich mich erinnern; ohne den Wahnsinn�� ohne diese Erinnerungen w�re ich vielleicht wieder allein auf den Feind losgest�rmt.�</p><p>�Also willst du mit den anderen zusammenarbeiten?�, fragte Perrin und schaute in die Richtung, in der Egwene und die anderen aus der Wei�en Burg lagerten. �Das hat schreckliche �hnlichkeit mit Heeren, die sich darauf vorbereiten, gegeneinander zu k�mpfen.�</p><p>�Ich werde Egwene schon dazu bringen, dass sie Vernunft annimmt�, sagte Rand. �Ich habe recht. Wir m�ssen die Siegel brechen. Ich wei� nicht, warum sie das nicht einsehen will.�</p><p>�Sie ist jetzt die Amyrlin.� Perrin rieb sich das Kinn. �Sie ist die W�chterin �ber die Siegel, Rand. Es ist ihre Aufgabe, daf�r zu sorgen, dass man sie richtig behandelt.�</p><p>�Das ist richtig. Darum will ich sie ja davon �berzeugen, dass mein Vorhaben richtig ist.�</p><p>�Bist du dir <emphasis>sicher</emphasis>, dass man sie brechen muss?�, fragte Perrin. �Absolut sicher?�</p><p>�Sag mir eines, Perrin. Wenn ein Werkzeug aus Eisen oder eine Waffe zerbricht, kannst du sie wieder zusammenflicken, damit sie so zu gebrauchen ist wie zuvor?�</p><p>�Nun, das kann man nat�rlich machen�, sagte Perrin. �Aber es ist besser, es nicht zu tun. Die Maserung des Stahls�� nun, es ist eigentlich fast immer besser, sie neu zu schmieden. Sie einzuschmelzen und von vorn anzufangen.�</p><p>�Das ist hier genau das Gleiche. Die Siegel sind wie ein Schwert zerbrochen. Wir k�nnen die St�cke nicht einfach wieder zusammenflicken. Das funktioniert nicht. Wir m�ssen die Splitter entfernen und etwas Neues herstellen, das ihren Platz einnimmt. Etwas Besseres.�</p><p>�Rand, das ist das Vern�nftigste, das jemand je zu diesem Thema gesagt hat�, meinte Perrin. �Hast du es Egwene auf diese Weise erkl�rt?�</p><p>Rand l�chelte. �Sie ist keine Schmiedin, mein Freund.�</p><p>�Sie ist klug. Kl�ger als wir beide zusammen. Sie wird es verstehen, wenn du es auf die richtige Weise erkl�rst.�</p><p>�Wir werden sehen�, meinte Rand. �Morgen.�</p><p>Perrin blieb stehen. Sein Gesicht wurde vom Schein der von der Macht erzeugten Lichtkugel erhellt. Sein Lager, das direkt neben Rands lag, umfasste eine Streitmacht, die genauso gro� wie die anderen hier war. Rand fand es noch immer unglaublich, dass er so viele Menschen um sich geschart hatte, einschlie�lich ausgerechnet der Wei�m�ntel. Seine Augen-und-Ohren hatten ihm zugetragen, dass anscheinend jeder im Lager Perrin loyal ergeben war. Selbst die Weisen Frauen und Aes Sedai in seiner Umgebung waren geneigt, seine Befehle ohne gro�en Widerspruch zu befolgen.</p><p>Perrin war ein K�nig geworden, so sicher, wie der Wind vom Himmel kam. Eine andere Art K�nig als Rand�� ein K�nig seines Volkes, der in seiner Mitte lebte. Dieser Weg blieb Rand versperrt. Perrin konnte ein Mann sein. Er hingegen musste etwas mehr sein, zumindest noch eine Weile. Er musste ein Symbol sein, eine Kraft, auf die sich die Menschen verlassen konnten.</p><p>Das war schrecklich erm�dend. Nicht nur im k�rperlichen Sinn; diese Ersch�pfung ging tiefer. Was diese Menschen brauchten, ging ihm an die Substanz, zerm�rbte ihn so sicher, wie sich ein Fluss seinen Weg durch einen Berg grub. Am Ende w�rde der Fluss stets den Sieg davontragen.</p><p>�Ich unterst�tze dich darin�, sagte Perrin. �Aber ich will, dass du mir versprichst, dass du es nicht zu einem Streit kommen l�sst. Ich werde nicht gegen Elayne k�mpfen. Gegen die Aes Sedai anzutreten w�re noch schlimmer. Wir k�nnen es uns nicht leisten, auf diese Weise zu streiten.�</p><p>�Es wird keinen Kampf geben.�</p><p>�Versprich es mir.� Perrins Miene wurde so hart, dass man daran Steine h�tte zerschlagen k�nnen. �Versprich es mir, Rand.�</p><p>�Ich verspreche es, mein Freund. Ich werde uns vereint in die Letzte Schlacht f�hren.�</p><p>�Das reicht mir.� Perrin drehte sich um, betrat sein Lager und nickte den Wachtposten zu. Es waren beides M�nner von den Zwei Fl�ssen�� Reed Soalen und Kert Wagoner. Sie salutierten Perrin, dann betrachteten sie Rand und verneigten sich irgendwie peinlich ber�hrt.</p><p>Reed und Kert. Sie waren ihm beide vertraut�� beim Licht, als Kind hatte er zu ihnen aufgeschaut. Aber er hatte sich daran gew�hnt, dass Menschen, die ihn sein Leben lang gekannt hatten, ihn nun wie einen Fremden behandelten. Er f�hlte, wie der Mantel des Wiedergeborenen Drachen schwerer auf ihm lastete.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte Kert. �Sind wir�� Ich meine��� Er schluckte und schaute zum Himmel und den Wolken, die trotz Rands Gegenwart immer n�her zu kommen schienen. �Die Dinge sehen schlimm aus, oder?�</p><p>�St�rme sind oft schlimm, Kert�, sagte Rand. �Aber die Zwei Fl�sse haben sie immer �berlebt. Und so wird es auch wieder sein.�</p><p>�Aber���, wiederholte Kert. �Es sieht schlimm aus. Soll das Licht mich verbrennen, aber das tut es.�</p><p>�Es wird geschehen, wie es das Rad will�, erwiderte Rand und blickte nach Norden. �Friede, Kert, Reed�, sagte er dann leise. �Fast alle Prophezeiungen haben sich erf�llt. Dieser Tag wurde vorausgesehen, und unsere Pr�fungen sind bekannt. Wir begegnen ihnen nicht unvorbereitet.�</p><p>Er hatte ihnen nicht versprochen, dass sie siegen oder �berleben w�rden, aber beide M�nner hielten sich pl�tzlich aufrechter und nickten l�chelnd. Die Menschen h�rten gern, dass es einen Plan gab. Das Wissen, dass da jemand war, der die Kontrolle hatte, mochte vielleicht der st�rkste Trost sein, den Rand ihnen geben konnte.</p><p>�Damit habt ihr den Lord Drachen genug mit euren Fragen gel�chert�, sagte Perrin. �Sorgt daf�r, dass ihr diesen Posten gut bewacht�� es wird weder ein Nickerchen gemacht, Kert, noch gew�rfelt.�</p><p>Beide M�nner salutierten erneut, als Perrin und Rand das Lager betraten. Es erschien fr�hlicher als die anderen Lager auf dem Feld. Die Feuer schienen heller zu brennen, das Lachen war etwas lauter. Als h�tten die Leute aus den Zwei Fl�ssen es irgendwie geschafft, die <emphasis>Heimat</emphasis> mitzubringen.</p><p>�Du f�hrst sie gut�, sagte Rand leise, w�hrend Perrin anderen in der Nacht zunickte.</p><p>�Sie sollten mich nicht brauchen, um ihnen zu sagen, was getan werden muss, und so ist es auch.� Als aber ein Bote ins Lager gest�rmt kam, war Perrin sofort der Befehlshaber. Er rief den d�rren Jungen mit Namen an, und als er das ger�tete Gesicht und die zitternden Beine des Burschen sah�� offensichtlich f�rchtete er sich vor Rand��, nahm er ihn zur Seite und sprach leise, aber energisch mit ihm.</p><p>Er schickte den Jungen los, um Lady Faile zu suchen, dann kam er zur�ck. �Ich muss wieder mit Rand sprechen.�</p><p>�Aber du sprichst doch mit���</p><p>�Ich brauche den echten Rand, nicht den Mann, der gelernt hat, wie eine Aes Sedai zu sprechen.�</p><p>Rand seufzte. �Ich bin es <emphasis>wirklich</emphasis>, Perrin�, protestierte er. �Ich bin mehr ich selbst als seit langer Zeit.�</p><p>�Ja, in Ordnung. Ich rede nicht gern mit dir, wenn du deine Gef�hle verbirgst.�</p><p>Eine Gruppe M�nner von den Zwei Fl�ssen ging vorbei und salutierte. Als Rand diese M�nner sah und sich bewusst wurde, dass er nie wieder einer von ihnen sein w�rde, durchzuckte ihn pl�tzlich Einsamkeit. Bei den M�nnern von den Zwei Fl�ssen war das immer am schlimmsten. Aber er entspannte sich f�r Perrin.</p><p>�Also, was ist? Was hatte der Bote zu berichten?�</p><p>�Deine Sorge war berechtigt�, sagte Perrin. �Rand, Caemlyn ist gefallen. Es wurde von Trollocs �berrannt.�</p><p>Rand f�hlte, wie seine Miene erstarrte.</p><p>�Du bist nicht �berrascht�, stellte Perrin fest. �Du bist besorgt, aber nicht �berrascht.�</p><p>�Nein, das bin ich nicht�, gab Rand zu. �Ich glaubte, sie w�rden im S�den zuschlagen�� ich hatte von Trolloc-Sichtungen dort geh�rt, und ich bin mir zur H�lfte sicher, dass Demandred da die Hand im Spiel hat. Er hat sich noch nie ohne Heer wohlgef�hlt. Aber Caemlyn�� ja, das ist ein schlauer Zug. Ich habe dir ja gesagt, dass sie versuchen werden, uns abzulenken. Wenn sie Andor angreifen und sie weglocken k�nnen, dann wird meine Allianz bedeutend wackliger.�</p><p>Perrin blickte hin�ber zu Elaynes Lager, das sich direkt neben Egwenes befand. �Aber w�re es denn nicht von Vorteil f�r dich, wenn Elayne ginge? Bei dieser Konfrontation befindet sie sich auf der anderen Seite.�</p><p>�Es gibt <emphasis>keine</emphasis> andere Seite. Es gibt nur diese <emphasis>eine</emphasis> Seite, die sich nicht einig ist, wie sie vorgehen soll. Wenn Elayne nicht an der Zusammenkunft teilnimmt, wird das alles untergraben, was ich zu erreichen versuche. Sie ist vermutlich die m�chtigste Regentin von allen.�</p><p>Nat�rlich konnte Rand sie durch den Bund f�hlen. Ihre pl�tzliche Aufregung lie� ihn wissen, dass sie die Nachricht erhalten hatte. Sollte er zu ihr gehen? Vielleicht konnte er ja Min schicken. Sie war aufgestanden und entfernte sich von dem Zelt, in dem er sie zur�ckgelassen hatte. Und��</p><p>Er blinzelte. Aviendha. Sie war hier in Merrilor. Aber vor wenigen Augenblicken noch nicht, oder? Perrin sah ihn an, und er machte sich nicht die M�he, die �berraschung aus seinem Gesicht zu verbannen.</p><p>�Wir k�nnen Elayne nicht gehen lassen!�</p><p>�Nicht einmal, um ihre Heimat zu verteidigen?�, fragte Perrin ungl�ubig.</p><p>�Wenn die Trollocs Caemlyn bereits erobert haben, dann ist es f�r Elayne zu sp�t. Dann kann sie nichts mehr ausrichten. Ihre Streitkr�fte werden sich auf die Evakuierung konzentrieren. Dazu braucht sie nicht vor Ort zu sein, aber sie <emphasis>muss</emphasis> hier sein. Morgen fr�h.�</p><p>Wie konnte er daf�r sorgen, dass sie blieb? Elayne reagierte schlecht darauf, wenn man ihr vorschrieb, was sie zu tun hatte, so wie alle Frauen, aber wenn er andeutete��</p><p>�Und wenn wir die Asha�man schicken?�, schlug Perrin vor. �Sie alle? Wir k�nnten den Kampf in Caemlyn f�hren.�</p><p>�Nein�, sagte Rand, obwohl das Wort schmerzte. �Perrin, wenn die Stadt wirklich �berrannt wurde�� und ich werde M�nner durch Wegetore losschicken, um das zu best�tigen��, dann ist sie verloren. Diese Mauern zur�ckzuerobern w�rde viel zu viel M�he kosten, zumindest in diesem Augenblick. Wir k�nnen diese Koalition <emphasis>nicht</emphasis> auseinanderbrechen lassen, bevor ich �berhaupt Gelegenheit hatte, sie zu schmieden. Einigkeit wird uns retten. Wenn jeder von uns losl�uft, um in seiner Heimat irgendwelche Br�nde zu l�schen, dann verlieren wir. Darum geht es bei diesem Angriff.�</p><p>�Ich sch�tze, das ist m�glich��� Perrin fingerte an seinem Hammer herum.</p><p>�Der Angriff k�nnte Elayne nerv�s machen, sie schneller zum Handeln treiben�, sagte Rand und zog ein Dutzend verschiedener M�glichkeiten in Betracht. �Vielleicht macht es sie ja verletzlicher, damit sie meinem Plan zustimmt. Das w�re eine gute Sache.�</p><p>Perrin sah ihn stirnrunzelnd an.</p><p><emphasis>Wie schnell ich doch gelernt habe, andere zu benutzen.</emphasis> Er hatte wieder zu lachen gelernt. Er hatte gelernt, sein Schicksal zu akzeptieren und ihm mit einem L�cheln entgegenzust�rmen. Er hatte gelernt, mit dem Mann, der er gewesen war, und dessen Taten seinen Frieden zu schlie�en.</p><p>Dieses Verst�ndnis w�rde ihn jedoch nicht davon abhalten, die Werkzeuge zu benutzen, die sich ihm boten. Er brauchte sie, brauchte sie alle. Der Unterschied bestand nun darin, dass er sie als die Menschen betrachten w�rde, die sie waren, und nicht als seine Werkzeuge. Das versprach er sich.</p><p>�Ich finde noch immer, wir sollten etwas tun, um Andor zu helfen�, meinte Perrin und kratzte sich am Bart. �Wie haben sie sich hereingeschlichen, was glaubst du?�</p><p>�Durch die Kurzen Wege�, sagte Rand gedankenverloren.</p><p>Perrin grunzte. �Nun, du hast ja behauptet, dass Trollocs nicht durch Wegetore Reisen k�nnen; k�nnten sie gelernt haben, das zu �ndern?�</p><p>�Beten wir zum Licht, dass das nicht passiert ist�, sagte Rand. �Das einzige Schattengez�cht, das sie dazu bringen konnte, Wegetore zu benutzen, waren <emphasis>Gholam</emphasis>, und Aginor war nicht so dumm, mehr als nur ein paar davon zu machen. Nein, ich w�rde gegen Mat selbst wetten, dass das der Eingang zu den Kurzen Wegen in Caemlyn war. Ich war �berzeugt, sie h�tte dieses Ding streng bewacht!�</p><p>�Wenn es der Eingang zu den Kurzen Wegen <emphasis>war</emphasis>, dann k�nnen wir etwas unternehmen�, sagte Perrin. �Wir k�nnen nicht zulassen, dass Trollocs in Andor w�ten; wenn sie Caemlyn verlassen, haben wir sie im R�cken, und das w�re eine Katastrophe. Wenn sie aber durch eine bestimmte Stelle reinkommen, k�nnten wir das mit einem Angriff auf diese Stelle unterbinden.�</p><p>Rand grinste.</p><p>�Was?�</p><p>�Wenigstens habe <emphasis>ich</emphasis> eine Entschuldigung, Dinge zu wissen und zu verstehen, von denen kein junger Mann von den Zwei Fl�ssen etwas wissen sollte.�</p><p>Perrin schnaubte. �Spring doch in den Weinquellenbach. Glaubst du wirklich, dass das Demandred ist?�</p><p>�Das ist genau die Art Unternehmen, das er versuchen w�rde. Trenne deine Gegner, dann zerschmettere sie einen nach dem anderen. Eine der �ltesten Strategien der Kriegskunst.�</p><p>Demandred hatte das selbst in alten Schriften entdeckt. Zur Zeit der Bohrung hatten sie nichts mehr �ber Krieg gewusst. Oh, sie hatten <emphasis>geglaubt</emphasis>, ihn zu verstehen, aber es war das Verst�ndnis eines Gelehrten gewesen, der etwas Uraltes und Verstaubtes studierte.</p><p>Von all jenen, die sich dem Schatten zugewandt hatten, erschien Demandreds Verrat der tragischste. Der Mann h�tte ein Held sein k�nnen. H�tte ein Held sein <emphasis>m�ssen</emphasis>.</p><p><emphasis>Auch daf�r bin ich verantwortlich,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>H�tte ich ihm die Hand entgegengestreckt, statt ver�chtlich zu grinsen, h�tte ich gratuliert, statt einen Wettstreit zu beginnen. W�re ich damals der Mann gewesen, der ich jetzt bin��</emphasis></p><p>Egal. Er musste jemanden zu Elayne schicken. Die angemessene Reaktion bestand darin, Unterst�tzung anzubieten, um die Stadt zu evakuieren, Asha�man und loyale Aes Sedai, die Wegetore erschufen und so viele Menschen wie m�glich befreiten�� und die daf�r sorgten, dass die Trollocs im Augenblick in Caemlyn blieben.</p><p>�Nun, ich vermute, deine Erinnerungen sind doch zu etwas n�tze�, sagte Perrin.</p><p>�Willst du wissen, was mir einen Knoten ins Hirn macht?�, sagte Rand leise. �Die eine Sache, die mich fr�steln l�sst, als w�re es der kalte Atem des Schattens selbst? Der Makel hat mich in den Wahnsinn getrieben <emphasis>und</emphasis> mir die Erinnerungen an mein fr�heres Leben gegeben. Sie kamen, als Lews Therin anfing, mir zuzufl�stern. Aber ausgerechnet dieser Wahnsinn gibt mir die Hinweise, die ich brauche, um zu siegen. Verstehst du nicht? Falls ich siegreich bin, wird es der <emphasis>Makel</emphasis> selbst sein, der zum Sturz des Dunklen K�nigs f�hrt.�</p><p>Perrin stie� einen leisen Pfiff aus.</p><p><emphasis>Wiedergutmachung,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Als ich das das letzte Mal versuchte, hat uns mein Wahnsinn zerst�rt.</emphasis></p><p><emphasis>Dieses Mal rettet er uns.</emphasis></p><p>�Geh zu deiner Frau, Perrin�, sagte er und blickte zum Himmel. �Das ist f�r dich die letzte Nacht vor dem Ende, die wenigstens einen Hauch von Frieden haben wird. Ich erkundige mich danach, wie schlimm die Dinge in Andor stehen.� Er sah zur�ck zu seinem Freund. �Ich vergesse mein Versprechen nicht. <emphasis>Einigkeit</emphasis> muss vor allem anderen kommen. Aus genau diesem Grund scheiterte ich das letzte Mal, weil ich die Einigkeit gering sch�tzte.�</p><p>Perrin nickte, dann legte er Rand die Hand auf die Schulter. �Das Licht erleuchte dich.�</p><p>�Dich auch, mein Freund. Dich auch.�</p></section><section><title><p>2</p><p>Die Entscheidung einer Ajah</p></title><p>Pevara gab sich alle M�he, so zu tun, als h�tte sie nicht die geringste Angst.</p><p>H�tten diese Asha�man sie besser gekannt, dann w�re ihnen aufgefallen, dass sie normalerweise niemals still und leise in der Ecke sa�. Sie griff auf die Grundlagen ihrer Aes-Sedai-Ausbildung zur�ck: immer den Eindruck erwecken, alles unter Kontrolle zu haben, auch wenn genau das Gegenteil zutrifft.</p><p>Sie zwang sich aufzustehen. Canler und Emarin hatten sich zur�ckgezogen, um die M�nner von den Zwei Fl�ssen zu besuchen und sich davon zu �berzeugen, dass sie nur zu zweit gingen. Damit waren sie und Androl wieder allein. Er bastelte stumm an seinen Ledergurten herum, w�hrend drau�en der Regen fiel. Er n�hte mit zwei Nadeln zugleich, kreuzte die L�cher auf jeder Seite. Der Mann hatte die Konzentration eines Handwerksmeisters.</p><p>Pevara ging langsam zu ihm hin�ber, was ihn scharf aufsehen lie�, als sie n�her kam. Sie unterdr�ckte ein L�cheln. Man sah es ihr vermutlich nicht an, aber falls n�tig, konnte sie sich sehr leise bewegen.</p><p>Sie starrte aus dem Fenster. Der Regen war schlimmer geworden, spr�hte gegen die Scheibe. �Nachdem es so viele Wochen ausgesehen hat, als w�rde der Sturm jeden Moment losbrechen, ist er endlich da.�</p><p>�Irgendwann mussten diese Wolken aufbrechen�, meinte Androl.</p><p>�Der Regen f�hlt sich nicht nat�rlich an.� Sie verschr�nkte die H�nde auf dem R�cken. Die K�lte war durch das Glas hindurch zu sp�ren. �Da gibt es keinen Rhythmus. Stets nur der gleiche regelm��ige Guss. Viele Blitze, aber nur wenig Donner.�</p><p>�Glaubt Ihr, hier handelt es sich um einen dieser��?� Androl musste nicht erkl�ren, was er damit meinte. Fr�her in dieser Woche hatten sich Menschen in der Burg ��aber keine Asha�man�� unvermittelt selbst entz�ndet. Sie hatten einfach gebrannt, ohne jede Erkl�rung. Vierzig Leute hatten sie verloren. Viele machten daf�r noch immer einen abtr�nnigen Asha�man verantwortlich, dabei hatten die M�nner geschworen, dass niemand in der N�he die Macht gelenkt hatte.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und sah eine Gruppe Leute auf der schlammigen Stra�e vorbeitrotten. Zuerst hatte sie zu jenen geh�rt, die die Todesf�lle zum Werk eines verr�ckt gewordenen Asha�man erkl�rt hatten. Jetzt hatte sie akzeptiert, dass diese Geschehnisse und andere Merkw�rdigkeiten etwas viel Schlimmeres bedeuteten.</p><p>Die Welt l�ste sich in ihre Bestandteile auf.</p><p>Sie musste stark sein. Pevara selbst hatte den Plan entwickelt, Frauen an diesen Ort zu bringen, um mit diesen M�nnern den Beh�terbund einzugehen, auch wenn der Vorschlag urspr�nglich von Tarna gekommen war. Sie durfte sie nicht herausfinden lassen, wie sehr es ihr zu schaffen machte, hier gefangen zu sein und Feinden gegen�berzustehen, die einen Menschen auf die Seite des Schattens zwingen konnten. Ihre einzigen Verb�ndeten waren M�nner, die sie noch vor wenigen Monaten hartn�ckig gejagt und gnadenlos f�r immer von der Einen Macht abgeschnitten h�tte.</p><p>Sie setzte sich auf den Hocker, den Emarin zuvor benutzt hatte. �Ich m�chte gern �ber diesen �Plan� sprechen, den Ihr entwickelt.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, dass ich tats�chlich schon einen geschmiedet habe, Aes Sedai.�</p><p>�Vielleicht k�nnte ich ein paar Vorschl�ge beisteuern.�</p><p>�Ich h�tte nichts dagegen, sie zu h�ren�, sagte Androl, obwohl er die Augen zusammenkniff.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Diese Leute da drau�en. Ich erkenne sie nicht. Und���</p><p>Sie blickte wieder aus dem Fenster. Das einzige Licht kam von den Geb�uden, die vereinzelt ein rot-oranges Gl�hen in die nasse Nacht sandten. Die Passanten bewegten sich sehr langsam �ber die Stra�e, tauchten kurz ein in das Licht der Fenster.</p><p>�Ihr Kleidung ist nicht nass�, fl�sterte Androl.</p><p>Mit einem Fr�steln erkannte Pevara, dass er recht hatte. Der Mann an der Spitze ging mit einem breitkrempigen tropfenden Hut auf seinem Kopf, aber er fing den Regen nicht auf. Seine b�uerliche Kleidung war v�llig unber�hrt vom Wasser. Und das Kleid der Frau neben ihm flatterte �berhaupt nicht im Wind. Jetzt erkannte Pevara, dass einer der j�ngeren M�nner die Hand hinter dem R�cken hielt, als z�ge er die Z�gel eines Lasttiers�� blo� dass da kein Tier war.</p><p>Pevara und Androl sahen schweigend zu, bis die Gestalten in der Nacht verschwunden waren. Visionen von Toten wurden immer h�ufiger.</p><p>�Ihr sagtet etwas von einem Vorschlag?� Androls Stimme zitterte.</p><p>�Ich�� ja.� Pevara riss den Blick vom Fenster los. �Bis jetzt hat sich Taim auf die Aes Sedai konzentriert. Meine Schwestern wurden alle geholt. Ich bin die Letzte.�</p><p>�Ihr wollt Euch als K�der anbieten.�</p><p>�Sie werden kommen und mich holen�, sagte sie. �Es ist nur eine Frage der Zeit.�</p><p>Androl fuhr �ber den Ledergurt und sah zufrieden aus. �Wir sollten Euch herausschmuggeln.�</p><p>�Tats�chlich?� Sie hob die Brauen. �Bin ich jetzt zur Jungfrau ernannt worden, die gerettet werden muss, ja? Wie heldenhaft von Euch.�</p><p>Er err�tete. �Sarkasmus? Von einer Aes Sedai? Ich h�tte nie gedacht, so etwas je zu h�ren.�</p><p>Pevara lachte. �Ach je, Androl. Eigentlich wisst Ihr <emphasis>nichts</emphasis> �ber uns, oder?�</p><p>�Ganz ehrlich? Nein. Ich bin Euresgleichen den gr��ten Teil meines Lebens aus dem Weg gegangen.�</p><p>�Nun, wenn man Eure angeborenen�� Neigungen�� bedenkt, war das vielleicht sehr klug.�</p><p>�Fr�her konnte ich die Macht nicht lenken.�</p><p>�Aber Ihr habt vermutet, dass Ihr es k�nnt. Ihr kamt her, um zu lernen.�</p><p>�Ich war neugierig. Es war etwas, das ich zuvor noch nicht ausprobiert hatte.�</p><p><emphasis>Interessant. Ist es das, was dich antreibt, Sattler? Was dich dazu veranlasst hat, dich vom Wind von Ort zu Ort treiben zu lassen?</emphasis></p><p>�Ich vermute�, sagte sie, �Ihr habt auch noch nie versucht, von einer Klippe zu springen. Die Tatsache, dass Ihr etwas noch nicht ausprobiert habt, sollte nicht immer ein Grund sein, es unbedingt versuchen zu wollen.�</p><p>�Tats�chlich bin ich schon von einer Klippe gesprungen. Sogar von mehreren.�</p><p>Sie sah ihn ungl�ubig an.</p><p>�Das Meervolk macht das�, erkl�rte er. �In den Ozean. Je mutiger man ist, umso h�her die Klippe, die man w�hlt. Und Ihr habt wieder kunstvoll das Thema der Unterhaltung in andere Bahnen gelenkt, Pevara Sedai. Ihr seid darin sehr geschickt.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Mein Vorschlag, Euch hier herauszuschmuggeln, liegt darin begr�ndet, dass das nicht Euer Kampf ist. Ihr solltet hier nicht sterben m�ssen.�</p><p>�Also nicht, weil Ihr eine Aes Sedai schnell loswerden wollt, damit sie sich nicht in Eure Dinge einmischt?�</p><p>�Ich kam zu Euch, um Hilfe zu bekommen�, sagte Androl. �Ich will Euch nicht loswerden; ich w�rde Euch nur zu gern benutzen. Aber solltet Ihr hier fallen, dann geschieht das in einem Kampf, der nicht der Eure ist. Das ist nicht gerecht.�</p><p>�Lasst mich Euch etwas erkl�ren, Asha�man.� Pevara beugte sich n�her an ihn heran. �Das ist <emphasis>mein</emphasis> Kampf. Wenn der Schatten diese Burg �bernimmt, hat das schreckliche Konsequenzen f�r die Letzte Schlacht. F�r Euch und Euresgleichen habe ich die Verantwortung �bernommen; davon werde ich mich nicht so ohne Weiteres abwenden.�</p><p>�Ihr habt f�r uns �die Verantwortung �bernommen�? Was soll das denn wieder bedeuten?�</p><p><emphasis>Vielleicht h�tte ich das f�r mich behalten sollen.</emphasis> Aber wenn sie schon Verb�ndete sein wollten, dann wusste er vielleicht besser Bescheid.</p><p>�Die Schwarze Burg braucht F�hrung�, erkl�rte sie.</p><p>�Also darum geht es, darum wollten die Aes Sedai mit uns den Beh�terbund eingehen?�, fragte Androl. �Damit man uns�� zusammentreiben kann wie Hengste, die man zureiten muss?�</p><p>�Seid kein Narr. Sicherlich m�sst Ihr den Wert anerkennen, den die Erfahrungen der Wei�en Burg haben.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich so weit gehen w�rde. Mit Erfahrung kommt die Entschlossenheit, die gewohnten Wege zu bewahren, sich neuen Erfahrungen zu verschlie�en. Ihr Aes Sedai seid alle der Meinung, dass man die Dinge allein auf die Weise tun kann, wie man es schon immer getan hat. Nun, die Schwarze Burg wird sich euch nicht unterordnen. Wir k�nnen selbst auf uns aufpassen.�</p><p>�Und bis jetzt habt ihr ja so <emphasis>gro�artige</emphasis> Arbeit geleistet, was das angeht, nicht wahr?�</p><p>�Das war unangebracht�, meinte er leise.</p><p>�Vielleicht war es das�, gab sie zu. �Ich entschuldige mich.�</p><p>�Eure Motivation �berrascht mich nicht�, sagte er. �Was ihr hier tun wolltet, war selbst den Schw�chsten unter den Soldaten klar. Aber mich interessiert vor allem eines dabei: warum schickte die Wei�e Burg von allen Frauen ausgerechnet <emphasis>Rote</emphasis> Schwestern, um mit uns den Bund einzugehen?�</p><p>�Wer w�re besser geeignet? Unser ganzes Leben ist dem Umgang mit M�nnern gewidmet, die die Macht lenken k�nnen.�</p><p>�Eure Ajah ist dem Untergang geweiht.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Eure Existenz basiert auf der Jagd nach M�nnern, die die Macht lenken k�nnen�, sagte er und wandte sich ihr zu. �Um sie zu d�mpfen. Um sich ihrer�� zu entledigen. Nun, die Quelle ist gereinigt���</p><p>�Das behauptet ihr alle.�</p><p>�Sie <emphasis>ist</emphasis> gereinigt, Pevara. Alle Dinge kommen und gehen, und das Rad dreht sich. Einst war sie rein, also muss sie irgendwann wieder rein sein. Das ist passiert.�</p><p><emphasis>Und die Art und Weise, wie du dir jeden Schatten ansiehst, Androl? Ist das ein Zeichen der Reinheit? Oder wie Nalaam etwas in unbekannten Sprachen murmelt? Glaubst du, uns w�rden solche Dinge nicht auffallen?</emphasis></p><p>�Als Ajah habt ihr zwei M�glichkeiten�, fuhr er fort. �Ihr k�nnt uns weiterhin jagen und unsere Beweise ignorieren, dass die Quelle gereinigt wurde. Oder ihr k�nnt aufh�ren, die Rote Ajah zu sein.�</p><p>�Unsinn. Von allen Ajahs sollten die Roten Eure gr��ten Verb�ndeten sein.�</p><p>�Ihr existiert, um uns zu vernichten!�</p><p>�Wir existieren, um daf�r zu sorgen, dass M�nner, die die Macht lenken k�nnen, sich oder die Menschen in ihrer N�he nicht aus Versehen verletzen. W�rdet Ihr nicht zustimmen, dass das auch ein Ziel der Schwarzen Burg ist?�</p><p>�Das k�nnte schon sein. Mir hat man lediglich mitgeteilt, dass wir eine Waffe f�r den Wiedergeborenen Drachen sein sollen, aber gute M�nner davon abzuhalten, sich ohne vern�nftige Ausbildung selbst zu schaden, ist ebenfalls wichtig.�</p><p>�Dann k�nnen wir uns auf dieses Vorhaben einigen, oder nicht?�</p><p>�Ich w�rde das ja gern glauben, Pevara, aber mir ist keineswegs entgangen, wie Ihr und die anderen uns anseht. Ihr betrachtet uns wie�� wie einen Flecken, den man auswaschen muss, oder Gift, das man in einer Flasche verschlie�en muss.�</p><p>Pevara sch�ttelte den Kopf. �Falls es stimmt, was Ihr sagt, und die Quelle gereinigt wurde, dann <emphasis>wird</emphasis> es Ver�nderungen geben. Die Rote Ajah und die Asha�man werden im Laufe der Zeit f�r ein gemeinsames Ziel zusammenwachsen. Ich bin bereit, jetzt und hier mit Euch zu arbeiten.�</p><p>�Uns zu kontrollieren.�</p><p>�Euch zu f�hren. Bitte vertraut mir.�</p><p>Er musterte sie im Licht der vielen Lampen, die in diesem Raum brannten. Ein ehrliches Gesicht hatte er ja. Sie konnte verstehen, warum die anderen ihm folgten, auch wenn er der Schw�chste von ihnen war. Er verf�gte �ber eine seltsame Mischung aus Leidenschaft und Demut. W�re er doch blo� nicht einer von�� nun ja, eben das gewesen, was er nun einmal war.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte Euch glauben�, sagte Androl und schaute zur Seite. �Ich muss zugeben, dass Ihr Euch von den anderen unterscheidet. Ihr seid nicht wie eine typische Rote.�</p><p>�Ich glaube, Ihr werdet herausfinden, dass wir viel unterschiedlicher sind, als Ihr annehmt�, behauptete Pevara. �Keine Frau w�hlt die Roten allein aus einem einzigen Motiv.�</p><p>�Abgesehen vom Hass auf M�nner.�</p><p>�W�rden wir euch hassen, w�ren wir dann hergekommen, um mit den Asha�man den Beh�terbund zu schlie�en?� Nat�rlich war das eine ausweichende Antwort. Auch wenn sie selbst M�nner nicht hasste, traf das doch auf viele Rote zu�� zumindest betrachteten viele von ihnen M�nner mit gro�em Misstrauen. Sie hoffte, das �ndern zu k�nnen.</p><p>�Die Beweggr�nde von Aes Sedai sind manchmal merkw�rdig�, meinte Androl. �Das wei� jeder. Aber wie dem auch sei, auch wenn Ihr Euch von vielen Eurer Schwestern unterscheidet, habe ich dennoch diesen Ausdruck in Euren Augen gesehen.� Er sch�ttelte den Kopf. �Ich werde nicht glauben, dass ihr gekommen seid, um uns zu helfen. Genauso wenig wie ich glaube, dass die Aes Sedai, die Machtlenker jagten, in ihrem Inneren die Ansicht vertraten, den M�nnern damit zu helfen. Genauso wenig wie ich glaube, dass der Henker der Ansicht ist, dem Verbrecher einen Gefallen damit zu tun, dass er ihn t�tet. Nur weil eine Sache getan werden muss, macht das denjenigen, der sie erledigt, noch lange nicht zum Freund, Pevara Sedai. Es tut mir leid.�</p><p>Er wandte sich wieder seinem Leder zu und arbeitete im Licht der Lampe auf dem Tisch.</p><p>Pevara f�hlte Zorn in sich aufsteigen. Fast hatte sie ihn so weit gehabt. Sie <emphasis>mochte</emphasis> M�nner; sie hatte oft gedacht, dass Beh�ter n�tzlich sein w�rden. Konnte der Narr keine Hand erkennen, die sich ihm �ber den Abgrund ausstreckte, wenn er sie sah?</p><p><emphasis>Beruhige dich. Wenn du dich vom Zorn leiten l�sst, erreichst du gar nichts.</emphasis> Sie brauchte diesen Mann auf ihrer Seite.</p><p>�Das wird ein Sattel, richtig?�, fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ihr stuft die N�hte ab.�</p><p>�Das mache ich immer so�, erwiderte er. �Das hilft zu vermeiden, dass sich Risse ausbreiten. Au�erdem finde ich, dass es h�bsch aussieht.�</p><p>�Ein guter Leinenfaden, nehme ich an? Gewachst? Und nehmt Ihr f�r diese L�cher ein einfaches Locheisen oder ein Reihenlocheisen? Ich konnte keinen guten Blick daraufwerfen.�</p><p>Misstrauisch sah er sie an. �Ihr kennt Euch in Lederarbeiten aus?�</p><p>�Durch meinen Onkel. Er brachte mir ein paar Dinge bei. Lie� mich in seiner Werkstatt arbeiten, als ich noch klein war.�</p><p>�Vielleicht habe ich ihn ja kennengelernt.�</p><p>Sie verstummte. Trotz Androls h�ufiger Bemerkung, dass sie Unterhaltungen hervorragend steuern konnte, war sie jetzt auf direktem Weg zu einem Thema gestolpert, �ber das sie nun wirklich nicht reden wollte.</p><p>�Nun?�, fragte er. �Wo lebt er?�</p><p>�In Kandor.�</p><p>�Ihr seid eine <emphasis>Kandori</emphasis>?� Er klang �berrascht.</p><p>�Nat�rlich bin ich das. Sieht man mir das nicht an?�</p><p>�Und ich dachte immer, ich k�nnte jeden Akzent erkennen.� Er zog einen Faden fest. �Ich bin dort gewesen. Vielleicht kenne ich Euren Onkel ja.�</p><p>�Er ist tot. Ermordet von Schattenfreunden.�</p><p>Androl verstummte. �Es tut mir leid.�</p><p>�Das ist jetzt �ber hundert Jahre her. Ich vermisse meine Familie, aber mittlerweile w�ren sie auch dann tot, wenn sie nicht von Schattenfreunden ermordet worden w�ren. Jeder, den ich zu Hause kannte, ist tot.�</p><p>�Dann tut es mir noch mehr leid. Ehrlich.�</p><p>�Es ist eine lange Vergangenheit�, sagte Pevara. �Ich kann mich voller Zuneigung an sie erinnern, ohne dass der Schmerz kommt. Aber was ist mit Eurer Familie? Gibt es Geschwister? Nichten, Neffen?�</p><p>�Von allem etwas.�</p><p>�Seht Ihr sie oft?�</p><p>Er musterte sie. �Ihr wollt mich in eine h�fliche Unterhaltung verwickeln, um zu beweisen, dass Ihr Euch in meiner Gegenwart nicht unbehaglich f�hlt. Aber ich habe gesehen, wie ihr Aes Sedai Leute wie mich anseht.�</p><p>�Ich���</p><p>�Sagt, dass Ihr uns nicht absto�end findet.�</p><p>�Ich finde nicht, dass Ihr das so���</p><p>�Eine direkte Antwort, Pevara.�</p><p>�Also gut, sch�n. M�nner, die die Macht lenken, bereiten mir Unbehagen. Ihr lasst meine Haut jucken, am ganzen K�rper, und je l�nger ich hier bin, in eurer N�he, umso schlimmer wird das.�</p><p>Androl nickte zufrieden, dass er ihr dieses Gest�ndnis entrungen hatte.</p><p>�Aber ich empfinde so�, fuhr Pevara fort, �weil sich das Jahrzehnte meines Lebens so bei mir eingepr�gt hat. Was ihr da tut, ist schrecklich unnat�rlich, aber Ihr pers�nlich widert mich nicht an. Ihr seid blo� ein Mann, der versucht, das Richtige zu tun, und ich bin nun wirklich nicht der Meinung, dass das der Verachtung wert ist. Auf jeden Fall bin ich bereit, meine Hemmungen im Namen des Allgemeinwohls hinter mir zu lassen.�</p><p>�Das ist mehr, als ich vermutlich h�tte erwarten k�nnen.� Er wandte sich wieder dem regennassen Fenster zu. �Der Makel ist entfernt. Das ist nicht l�nger unnat�rlich. Ich w�nschte�� ich w�nschte, ich k�nnte Euch das einfach zeigen, Frau.� Er blickte sie scharf an. �Wie macht man einen dieser Zirkel, von denen Ihr gesprochen habt?�</p><p>�Nun, das habe ich nat�rlich noch nie mit einem Machtlenker getan�, sagte Pevara. �Vor unserem Aufbruch hierher habe ich es nachgelesen, aber das meiste war nat�rlich H�rensagen. So viel Wissen ist verloren gegangen. Ihr greift nach der Quelle, ohne sie aber tats�chlich zu ber�hren, dann �ffnet Ihr Euch mir. So etablieren wir die Verkn�pfung.�</p><p>�Also gut�, sagte er. �Aber im Moment haltet Ihr die Quelle nicht.�</p><p>Es war einfach nicht richtig, dass ein Mann feststellen konnte, ob eine Frau die Eine Macht hielt oder nicht. Pevara umarmte die Quelle und �berflutete sich mit dem s��en Nektar <emphasis>Saidars</emphasis>.</p><p>Dann griff sie nach Androl, um sich mit ihm wie mit einer Frau zu verkn�pfen. So sollte man den Unterlagen zufolge beginnen. Aber es war nicht das Gleiche. <emphasis>Saidin</emphasis> war ein rei�ender Strom, und es stimmte, was sie gelesen hatte: Sie konnte nichts mit den Str�men anfangen.</p><p>�Es funktioniert. Meine Macht flie�t in Euch hinein.�</p><p>�Ja�, erwiderte Pevara. �Aber wenn sich ein Mann und eine Frau verkn�pfen, muss der Mann die Kontrolle �bernehmen. Ihr m�sst die F�hrung �bernehmen.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Das wei� ich nicht. Ich versuche sie an Euch abzugeben. Ihr <emphasis>m�sst</emphasis> die Str�me kontrollieren.�</p><p>Er betrachtete sie, und sie bereitete sich darauf vor, ihm die Kontrolle zu �bergeben. Stattdessen <emphasis>packte</emphasis> er sie irgendwie. Sie wurde in eine st�rmische Verkn�pfung gezogen, als w�rde man sie bei den Haaren packen und reinschleifen.</p><p>Die Heftigkeit lie� beinahe ihre Z�hne wackeln, es f�hlte sich an, als z�ge man ihr die Haut ab. Pevara schloss die Augen und zwang sich dazu, sich nicht zu wehren. Schlie�lich hatte sie das versuchen wollen; es k�nnte n�tzlich sein. Aber den Moment tief empfundener Panik konnte sie nicht unterdr�cken.</p><p>Sie befand sich in einem Zirkel mit einem <emphasis>Mann, der die Macht lenkte</emphasis>, eines der furchterregendsten Dinge, die die Welt je gesehen hatte. Jetzt hatte einer von ihnen die v�llige Kontrolle �ber sie. Ihre Macht durchstr�mte sie und schlug dann �ber ihm zusammen, und Androl keuchte auf.</p><p>�So viel���, sagte er. �Licht, Ihr seid stark.�</p><p>Sie gestattete sich ein L�cheln. Die Verkn�pfung brachte einen Sturm der Wahrnehmung mit sich. Sie lernte Androls Gef�hle kennen. Er hatte genauso viel Angst wie sie. Au�erdem war er eine <emphasis>massive</emphasis> Pr�senz. Sie hatte immer angenommen, dass eine Verkn�pfung mit ihm wegen seines Wahnsinns furchtbar sein w�rde, aber davon konnte sie nichts wahrnehmen.</p><p>Aber <emphasis>Saidin</emphasis>�� dieses fl�ssige Feuer, mit dem er rang, als wollte es ihn wie eine Schlange mit Haut und Haaren verschlingen. Sie zog sich zur�ck. War es verdorben? Sie war sich nicht sicher, es genau feststellen zu k�nnen. <emphasis>Saidin</emphasis> war so anders, so fremd. Die fragmentarischen Berichte der ersten Tage beschrieben den Makel als �lschicht auf einem Fluss. Nun, den Fluss konnte sie sehen�� eigentlich war es mehr ein tosender Strom. Anscheinend war Androl ehrlich zu ihr gewesen und wirklich nicht besonders m�chtig. Einen Makel vermochte sie nicht zu sp�ren�� andererseits wusste sie nat�rlich auch nicht, wonach sie Ausschau halten musste.</p><p>�Ich frage mich���, sagte Androl. �Ich frage mich, ob ich mit dieser Macht ein Wegetor �ffnen kann.�</p><p>�In der Schwarzen Burg funktionieren keine Wegetore mehr.�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte er. �Aber ich werde einfach das Gef�hl nicht los, dass sie nur einen Fingerbreit au�erhalb meiner Reichweite sind.�</p><p>Pevara �ffnete die Augen und sah ihn an. In dem Zirkel f�hlte sie seine Ehrlichkeit, aber ein Wegetor zu erschaffen erforderte <emphasis>viel</emphasis> von der Einen Macht, zumindest wenn es eine Frau tat. Androl w�rde viel zu schwach f�r ein derartiges Gewebe sein. War es m�glich, dass ein Mann dazu weniger Kraft ben�tigte?</p><p>Er streckte die Hand aus und benutzte irgendwie ihre Macht, die er mit der seinen vermischte. Sie f�hlte, wie er durch sie die Eine Macht in sich zog. Sie versuchte die Ruhe zu bewahren, aber es gefiel ihr nicht, dass er die Kontrolle hatte. Sie konnte gar nichts mehr tun!</p><p>�Androl�, sagte sie. �Gebt mich frei.�</p><p>�Es ist so sch�n���, fl�sterte er und starrte ins Nichts, als er aufstand. �F�hlt sich das so f�r die anderen an? F�r die, die stark in der Macht sind?�</p><p>Er zog mehr von ihrer Macht in sich und benutzte sie. Gegenst�nde stiegen in die Luft.</p><p>�Androl!� Panik. Es war die Panik, die sie nach der Nachricht vom Tod ihrer Eltern versp�rt hatte. Seit �ber hundert Jahren hatte sie nicht mehr solches Entsetzen gef�hlt, nicht mehr seit ihrer Pr�fung f�r die Stola.</p><p>Er hatte die Kontrolle �ber ihr Machtlenken. Absolute Kontrolle. Sie fing an, nach Luft zu schnappen, versuchte nach ihm zu greifen. Sie konnte <emphasis>Saidar</emphasis> nicht benutzen, bevor er es nicht wieder f�r sie freigab�� aber er konnte es gegen sie benutzen. Bilder stiegen in ihr auf, wie er ihre eigene Kraft dazu benutzte, um sie mit Luft zu fesseln. Sie konnte die Verkn�pfung nicht beenden. Das konnte nur er.</p><p>Pl�tzlich wurde ihm das bewusst, und seine Augen weiteten sich. Der Zirkel verschwand in der Zeit eines Blinzelns, und ihre Macht geh�rte wieder ihr. Ohne nachzudenken schlug sie zu. Das w�rde nicht wieder geschehen. <emphasis>Sie</emphasis> w�rde die Kontrolle haben. Bevor sie sich �berhaupt bewusst war, was sie da tat, schleuderte sie die n�tigen Gewebe.</p><p>Androl fiel auf die Knie, seine Hand zuckte �ber den Tisch, w�hrend er den Kopf zur�ckwarf, schleuderte Werkzeuge und Lederstreifen zu Boden. Er keuchte auf. �Was habt Ihr getan?�</p><p>�Taim sagte, wir k�nnten jeden von euch nehmen�, murmelte Pevara, als ihr klar wurde, was sie da <emphasis>getan</emphasis> hatte. Sie hatte ihn mit dem Beh�terbund an sich gebunden. In gewisser Weise genau das, was er <emphasis>ihr</emphasis> angetan hatte. Sie versuchte ihr aufgeregt pochendes Herz zu beruhigen. In ihrem Hinterkopf breitete sich die Wahrnehmung seiner Gegenwart aus, genau wie zuvor im Zirkel, aber irgendwie pers�nlicher. Intimer.</p><p>�Taim ist ein Ungeheuer!�, knurrte er. �Das wisst Ihr. Ihr beruft Euch auf sein Wort, um das zu tun, und Ihr tut es ohne meine Erlaubnis?�</p><p>�Ich�� ich���</p><p>Androl biss die Z�hne zusammen, und Pevara sp�rte <emphasis>etwas</emphasis>. Etwas Fremdes, etwas Seltsames. Als w�rde sie sich von au�en betrachten. Sie f�hlte, wie ihre Gef�hle endlos zu ihr zur�ckkreisten.</p><p>Scheinbar eine Ewigkeit lang verschmolzen sein und ihr <emphasis>Ich</emphasis>. Sie wusste, wie es war, er zu sein, seine Gedanken zu denken. Sie sah sein ganzes Leben in der Zeit eines Wimpernschlags, wurde von seinen Erinnerungen aufgesogen. Keuchend fiel sie vor ihm auf die Knie.</p><p>Es verblich. Nicht v�llig, aber es verblich. Es f�hlte sich an, als w�re man hundert L�ngen durch kochendes Wasser geschwommen, um nach dem Heraussteigen vergessen zu haben, wie sich alles sonst anf�hlte.</p><p>�Beim Licht���, fl�sterte sie. �Was war das?�</p><p>Er lag auf dem R�cken. Wann war er gest�rzt? Blinzelnd schaute er zur Decke. �Ich habe es ein paar der anderen tun sehen. Einige Asha�man gehen den Bund mit ihren Ehefrauen ein.�</p><p>�Ihr habt mich <emphasis>gebunden</emphasis>?�, stie� sie entsetzt hervor.</p><p>St�hnend drehte er sich auf die Seite. �Ihr habt es zuerst mit mir gemacht.�</p><p>Ersch�ttert wurde ihr bewusst, dass sie noch immer seine Gef�hle wahrnahm. Sein Ich. Sie bekam sogar etwas von dem mit, was er dachte. Nicht die formulierten Gedanken, aber ein paar Eindr�cke davon.</p><p>Er war verwirrt, besorgt und�� neugierig. Neugierig auf die neue Erfahrung. <emphasis>Dummer Mann!</emphasis></p><p>Sie hatte gehofft, dass sich die beiden Beh�terbunde irgendwie gegenseitig aufheben w�rden. Das hatten sie nicht. �Wir m�ssen damit aufh�ren�, sagte sie. �Ich gebe Euch frei. Ich schw�re es. Bloߠ� gebt mich frei.�</p><p>�Ich wei� nicht, wie das geht�, sagte er, stand auf und atmete tief durch. �Es tut mir leid.�</p><p>Er sagte die Wahrheit. �Dieser Zirkel war eine dumme Idee�, sagte sie. Er reichte ihr die Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Sie nahm sie nicht an und stand allein auf.</p><p>�Ich glaube, das war lange vor mir <emphasis>Eure</emphasis> dumme Idee.�</p><p>�Das war es�, gab sie zu. �Nicht unbedingt meine erste, aber es k�nnte eine meiner schlimmsten sein.� Sie setzte sich. �Wir m�ssen das durchdenken. Eine M�glichkeit finden, um es���</p><p>Die Werkstattt�r knallte auf.</p><p>Androl fuhr herum, und Pevara umarmte die Quelle. Androl schnappte sich seine Ahle und hielt sie wie eine Waffe. Au�erdem hatte er die Eine Macht ergriffen. Sie konnte die Kraft in ihm sp�ren�� wegen seines mangelnden Talents war sie wie ein kleiner Lavastrom und damit dennoch hei� und brennend. Sie konnte seine Ehrfurcht f�hlen. Also empfand er darin genau wie sie. Die Eine Macht zu halten war, als w�rde man zum allerersten Mal die Augen aufschlagen, als erwachte die Welt zum Leben.</p><p>Gl�cklicherweise wurden weder die Waffe noch die Eine Macht gebraucht. Der junge Evin stand in der T�r, Regenwasser tropfte von seinem Gesicht. Er schloss die T�r und eilte zu Androls Werkbank.</p><p>�Androl, es��� Er erstarrte, als er Pevara sah.</p><p>�Evin�, sagte Androl. �Ihr seid allein.�</p><p>�Ich lie� Nalaam auf dem Posten zur�ck.� Er atmete schwer. �Es war wichtig!�</p><p>�Wir sollen <emphasis>niemals</emphasis> allein sein, Evin�, sagte Androl streng. �Niemals. Immer nur zu zweit. Ganz egal, um was f�r einen Notfall es sich auch handelt.�</p><p>�Ich wei�, ich wei߫, sagte Evin. �Es tut mir leid. Es ist nur�� die Neuigkeit, Androl.� Er warf Pevara einen Blick zu.</p><p>�Sprecht.�</p><p>�Welyn und seine Aes Sedai sind zur�ck.�</p><p>Pevara konnte Androls pl�tzliche Anspannung f�hlen. �Ist er�� ist er noch einer von uns?�</p><p>Evin sch�ttelte angewidert den Kopf. �Er ist einer von ihnen. Jenare Sedai vermutlich auch. Ich kenne sie nicht gut genug, um das mit Sicherheit sagen zu k�nnen. Welyn hingegen�� seine Augen geh�ren nicht l�nger ihm, und er dient jetzt Taim.�</p><p>Androl st�hnte. Welyn war bei Logain gewesen. Sie hatten die Hoffnung gehabt, dass Logain und Welyn noch freie M�nner waren, obwohl man Mezar erwischt hatte.</p><p>�Logain?�, fl�sterte Androl.</p><p>�Er ist nicht hier�, erwiderte Evin, �aber Androl, Welyn behauptet, dass Logain bald zur�ckkehrt�� und dass er sich mit Taim getroffen hat und sie ihre Meinungsverschiedenheiten aus der Welt ger�umt haben. Welyn verspricht, dass Logain morgen kommt, um es zu beweisen. Androl�� das war es. Wir m�ssen es zugeben. Sie haben ihn.�</p><p>Pevara konnte Androls Zustimmung f�hlen, genau wie sein Entsetzen. Es entsprach dem ihren.</p><empty-line/><p>Aviendha bewegte sich lautlos durch das dunkle Lager.</p><p>So viele Gruppen. Auf dem Feld von Merrilor mussten mindestens hunderttausend Menschen versammelt sein. Hunderte von Tausenden Menschen. Und sie alle warteten. Wie ein Atemzug, den man vor einem gro�en Sprung anhielt.</p><p>Die Aiel sahen sie, aber sie ging nicht zu ihnen. Die Feuchtl�nder bemerkten sie nicht, abgesehen von einem Beh�ter, der sie entdeckte, als sie das Lager der Aes Sedai am Rand passierte. Dieses Lager war von hektischer Betriebsamkeit erf�llt. Etwas war geschehen, allerdings bekam sie nur Bruchst�cke mit. Irgendwo hatten Trollocs angegriffen?</p><p>Sie h�rte genauer hin und erfuhr, dass der Angriff in Andor stattgefunden hatte, in der Stadt namens Caemlyn. Es gab die Sorge, dass die Trollocs die Stadt verlassen und das Land verheeren w�rden.</p><p>Sie musste mehr erfahren; w�rden heute Nacht die Speere tanzen? Vielleicht wusste Elayne mehr. Lautlos verlie� Aviendha das Lager. Sich in diesem feuchten Land mit seinem �ppigen Pflanzenwuchs lautlos zu bewegen stellte eine andere Herausforderung als im Dreifachen Land dar. Der trockene Boden dort war oft staubig, was die Schritte d�mpfen konnte. Hier konnten feuchte Grashalme unerwartete trockene Zweige verbergen.</p><p>Sie versuchte nicht dar�ber nachzudenken, wie tot dieses Gras erschien. Einst h�tte sie diese braune Farbe als �ppig wuchernd bezeichnet. Jetzt wusste sie, dass die Pflanzen in diesem feuchten Land nicht so welk und ausgeh�hlt aussehen sollten.</p><p>Ausgeh�hlte Pflanzen. Was dachte sie da blo�? Sie sch�ttelte den Kopf und schlich durch die Schatten aus dem Lager der Aes Sedai. Kurz zog sie in Betracht, zur�ckzuschleichen und diesen Beh�ter zu �berraschen�� er hatte sich in einer moosbedeckten Nische in den Tr�mmern eines alten Geb�udes versteckt und beobachtete die Lagergrenze��, aber dann verwarf sie die Idee. Sie wollte Elayne finden und sich nach dem Angriff erkundigen.</p><p>Sie kam zu einem weiteren betriebsamen Lager, duckte sich unter die blattlosen �ste eines Baumes ��seinen Namen kannte sie nicht, aber die �ste erstreckten sich hoch und breit�� und schl�pfte �ber die Grenze. Zwei Feuchtl�nder in Wei� und Rot standen neben einem Feuer auf �Posten�. Sie entdeckten sie nicht, zuckten aber zusammen und richteten Stangenwaffen auf eine gut drei�ig Schritt entfernte Hecke, als dort ein Tier raschelte.</p><p>Kopfsch�ttelnd passierte Aviendha sie.</p><p>Weiter. Sie musste weitergehen. Was sollte sie wegen Rand al�Thor unternehmen? Wie sahen seine Pl�ne f�r den morgigen Tag aus? Weitere Fragen, die sie Elayne stellen wollte.</p><p>Die Aiel brauchten einen Daseinszweck, sobald Rand al�Thor mit ihnen fertig war. Das war deutlich aus ihren Visionen hervorgegangen. Vielleicht sollten sie ins Dreifache Land zur�ckkehren. Aber�� nein. Es zerriss ihr das Herz, aber sie musste zugeben, dass die Aiel in diesem Fall zu ihren Gr�bern ziehen w�rden. Sie w�rden nicht sofort als Volk untergehen, aber so w�rde es enden. Die sich ver�ndernde Welt mit neuen Ger�tschaften und neuen Kampfmethoden w�rde die Aiel �berholen, und die Seanchaner w�rden sie nie in Ruhe lassen. Nicht, solange sie Frauen hatten, die die Macht lenken konnten. Nicht mit ihren Heeren voller Speere, die zu jedem Zeitpunkt einfallen konnten.</p><p>Eine Patrouille n�herte sich. Aviendha schichtete zur Tarnung abgefallenes braunes Unterholz �ber sich, dann lag sie neben ein paar abgestorbenen Gew�chsen und r�hrte sich nicht. Die W�chter gingen keine zwei Handspannen an ihr vorbei.</p><p><emphasis>Wir k�nnten die Seanchaner jetzt angreifen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>In meiner Vision warteten die Aiel damit viele Generationen�� und das gab den Seanchanern die Zeit, ihre Position zu st�rken.</emphasis></p><p>Bei den Aiel sprach man bereits �ber die Seanchaner und die Konfrontation, zu der es unweigerlich kommen musste. Die Seanchaner w�rden sie erzwingen, fl�sterte man. Aber in ihrer Vision waren Generationen vergangen, in denen die Seanchaner <emphasis>eben nicht</emphasis> angegriffen hatten. Warum? Was konnte sie m�glicherweise zur�ckgehalten haben?</p><p>Aviendha erhob sich und schlich �ber den Weg, den die W�chter genommen hatten. Sie zog das Messer und rammte es in den Boden. Sie lie� es dort, direkt neben einer Laterne auf einer Stange, wo es selbst f�r Feuchtl�nderaugen deutlich zu sehen sein musste. Dann schl�pfte sie zur�ck in die Nacht und verbarg sich an der Hinterseite des gro�en Zeltes, das ihr Ziel war.</p><p>Sie duckte sich und machte ihre Atem�bungen, beruhigte sich mit dem Rhythmus. Aus dem Zelt drangen ged�mpfte nerv�se Stimmen. Aviendha gab sich alle M�he, nicht zu lauschen. Zu lauschen geh�rte sich nicht.</p><p>Als die Patrouille wieder vorbeikam, richtete sie sich auf. Als die Soldaten aufschrien, weil sie ihren Dolch entdeckt hatten, schob sie sich zur Zeltvorderseite. Die beiden W�chter dort hatten sich den Stimmen der M�nner zugewandt, die den Dolch entdeckt hatten. Sie bemerkten Aviendha nicht, als sie die Zeltplane ergriff und hinter ihnen ins Zelt schl�pfte.</p><p>Auf der anderen Seite des gro�en Zeltes sa�en ein paar Leute an einem Tisch um eine Lampe herum. Sie waren so in ihre Unterhaltung vertieft, dass sie sie nicht bemerkten, also machte sie es sich auf ein paar Kissen am Boden bequem und wartete ab.</p><p>Nicht zuzuh�ren fiel nun sehr schwer, da sie so nahe war.</p><p>���m�ssen unsere Streitkr�fte zur�ckschicken!�, bellte ein Mann. �Der Fall der Hauptstadt ist ein Symbol, Euer Majest�t. <emphasis>Ein Fanal!</emphasis> Wir k�nnen Caemlyn nicht untergehen lassen, denn das w�rde bedeuten, dass die ganze Nation im Chaos versinkt.�</p><p>�Ihr untersch�tzt die St�rke des andoranischen Volkes�, sagte Elayne. Sie erschien sehr stark, sehr kontrolliert, ihr rotgoldenes Haar leuchtete praktisch im Lampenschein. Hinter ihr standen mehrere ihrer Milit�rkommandanten und verliehen dem Treffen Autorit�t und ein Gef�hl von Stabilit�t. Aviendha sah erfreut das leidenschaftliche Feuer in den Augen ihrer Erstschwester.</p><p>�Ich war in der Stadt, Lord Lir�, fuhr Elayne fort. �Und ich lie� eine kleine Streitmacht zur�ck, die uns warnen soll, falls die Trollocs die Stadt verlassen. Unsere Spione werden mithilfe von Wegetoren durch die Stadt schleichen und herausfinden, wo die Trollocs ihre Gefangenen zusammentreiben, dann k�nnen wir Rettungsmissionen unternehmen, falls die Bestien die Stadt auch weiterhin halten.�</p><p>�Aber die Stadt selbst!�, beharrte Lord Lir.</p><p>�Caemlyn ist verloren, Lir!�, fauchte Lady Dyelin. �Wir w�ren Narren, w�rden wir jetzt einen Angriff versuchen.�</p><p>Elayne nickte. �Ich habe mich mit den anderen Hohen Herren besprochen, und sie stimmen meiner Einsch�tzung zu. Im Augenblick sind die entkommenen Fl�chtlinge in Sicherheit�� ich schickte sie unter Bewachung weiter nach Wei�br�cke. Falls es in der Stadt noch �berlebende gibt, versuchen wir, sie mit Wegetoren zu retten, aber ich werde meinen Streitkr�ften keinen Sturmangriff auf Caemlyns Mauern befehlen.�</p><p>�Aber���</p><p>�Die Stadt zur�ckzuerobern w�re sinnlos�, sagte Elayne hart. �Ich wei� ganz genau, welchen Schaden man bei einem Heer anrichten kann, das diese Mauern angreift! Andor wird nicht wegen des Verlusts einer Stadt zusammenbrechen, ganz egal, welche Bedeutung diese Stadt auch hatte.� Ihr Gesicht war eine Maske, ihre Stimme so kalt wie guter Stahl.</p><p>�Irgendwann verlassen die Trollocs die Stadt�, fuhr sie fort. �Sie haben nichts davon, wenn sie sie halten; bestenfalls hungern sie sich selbst aus. Sobald sie abziehen, k�nnen wir sie bek�mpfen�� und auf einem weitaus g�nstigeren Schlachtfeld. Wenn Ihr es w�nscht, Lord Lir, d�rft Ihr die Stadt selbst besuchen und Euch davon �berzeugen, dass ich die Wahrheit spreche. Der Besuch eines Hohen Herrn w�re gut f�r die Moral der dort stationierten Soldaten.�</p><p>Lir runzelte die Stirn, dann nickte er. �Ich glaube, das werde ich auch tun.�</p><p>�Dann erfahrt vorher meine Pl�ne. Noch vor dem Ende der Nacht schicken wir Sp�her los, um die zusammengetriebenen Zivilisten zu finden, und <emphasis>Aviendha, was beim verdammten linken Ei einer Ziege tust du da!</emphasis>�</p><p>Aviendha schaute von ihren Fingern�geln auf, die sie gerade mit ihrem zweiten Messer reinigte. <emphasis>Das verdammte linke Ei einer Ziege?</emphasis> Der war neu. Elayne kannte stets die besten Fl�che.</p><p>Die drei Hohen Herren am Tisch sprangen wie gestochen auf, kippten die St�hle um und griffen nach den Schwertern. Elayne blieb mit geweiteten Augen sitzen.</p><p>�Es ist eine schlechte Angewohnheit�, gab Aviendha zu und steckte das Messer wieder in den Stiefel. �Meine N�gel sind zu lang, aber ich h�tte das nicht in deinem Zelt machen sollen, Elayne. Es tut mir leid. Ich hoffe, das war nicht respektlos.�</p><p>�Ich spreche nicht von deinen verfluchten N�geln�, sagte Elayne. �Wie�� wann bist du angekommen? Warum haben dich die W�chter nicht angek�ndigt?�</p><p>�Sie haben mich nicht gesehen�, erwiderte Aviendha. �Ich wollte keine Umst�nde machen, und Feuchtl�nder k�nnen so empfindlich sein. Ich hatte die Bef�rchtung, dass sie mich vielleicht abweisen, jetzt, da du die K�nigin bist.� Die letzten Worte sagte sie mit einem L�cheln. Elayne hatte viel Ehre; unter den Feuchtl�ndern wurde man nicht auf die �bliche anst�ndige Weise zum Anf�hrer�� hier konnten die Dinge ja so verr�ckt sein��, aber Elayne hatte sich gut gehalten und ihren Thron verdient. Aviendha h�tte nicht stolzer auf eine Speerschwester sein k�nnen, die einen Clanh�uptling zum <emphasis>Gai�shain</emphasis> machte.</p><p>�Sie haben dich nicht���, wiederholte Elayne. Pl�tzlich l�chelte sie. �Du bist durch <emphasis>das ganze Lager</emphasis> geschlichen, bis zu meinem Zelt in der Mitte, dann bist du hineingeschl�pft und hast dich keine f�nf Schritte von mir entfernt hingesetzt. Und niemand hat dich gesehen.�</p><p>�Ich wollte keine Umst�nde machen.�</p><p>�Du hast eine merkw�rdige Art, keine Umst�nde zu machen.�</p><p>Elaynes Gef�hrten reagierten nicht so ruhig. Einer der drei, der junge Lord Perival, schaute sich besorgt um, als suchte er nach weiteren Eindringlingen.</p><p>�Meine K�nigin�, sagte Lir. �Diese Vernachl�ssigung des Wachdiensts muss bestraft werden! Ich werde die M�nner finden, die ihre Pflicht so schlampig erledigten, und daf�r sorgen, dass man sie���</p><p>�Frieden�, sagte Elayne. �Ich spreche schon mit meinen W�chtern und gebe ihnen zu verstehen, dass sie ihre Augen ein kleines bisschen besser offen halten sollen. Trotzdem ist es eine alberne Vorsichtsma�nahme, die Vorderseite eines Zeltes zu bewachen, wenn sich jemand hinten einfach einen Weg hineinschneiden kann. Das war es immer schon.�</p><p>�Und ein gutes Zelt ruinieren?�, sagte Aviendha und verzog den Mund. �Nur, wenn wir in Blutfehde lebten, Elayne.�</p><p>Elayne stand auf. �Lord Lir, Ihr d�rft Euch die Stadt ansehen�� mit ordentlichem Abstand��, wenn Ihr w�nscht. Falls ihn jemand begleiten m�chte, dann d�rft ihr das. Dyelin, ich sehe Euch morgen fr�h.�</p><p>�Gut�, sagten die Lords nacheinander, dann verlie�en sie das Zelt. Dabei warfen sie Aviendha misstrauische Blicke zu. Dyelin sch�ttelte blo� den Kopf, bevor sie ihnen folgte, und Elayne schickte ihre Kommandanten los, um die Erkundung der Stadt vorzubereiten. Damit blieben nur noch Elayne und Aviendha im Zelt �brig.</p><p>�Beim Licht, Aviendha�, sagte Elayne und umarmte sie, �wenn die Leute, die mich tot sehen wollen, nur die H�lfte deiner F�higkeiten h�tten���</p><p>�Habe ich etwas Falsches getan?�, fragte Aviendha.</p><p>�Abgesehen davon, sich wie ein Meuchelm�rder in mein Zelt zu schleichen?�</p><p>�Aber du bist meine Erstschwester���, erwiderte Aviendha. �H�tte ich fragen sollen? Aber wir sind nicht unter einem Dach. Oder�� betrachten Feuchtl�nder ein Zelt als Dach, wie in einer Festung? Es tut mir leid, Elayne. Habe ich <emphasis>Toh</emphasis>? Ihr seid ein so unberechenbares Volk, es ist schwer zu sagen, was euch beleidigt und was nicht.�</p><p>Elayne lachte. �Aviendha, du bist ein Juwel. Ein absolutes <emphasis>Juwel</emphasis>. Licht, es tut gut, dich zu sehen. Heute Nacht brauchte ich eine Freundin.�</p><p>�Caemlyn ist gefallen?�</p><p>�Fast.� Elaynes Miene verd�sterte sich. �Es war dieses verfluchte Tor zu den Kurzen Wegen. Ich hielt es f�r sicher�� ich habe alles getan, au�er es zuzumauern, hatte f�nfzig W�chter vor der T�r aufgestellt und die <emphasis>Avendesora</emphasis>-Bl�tter abnehmen und beide drau�en aufbewahren lassen.�</p><p>�Dann hat sie jemand in Caemlyn reingelassen.�</p><p>�Schattenfreunde�, sagte Elayne. �Ein Dutzend Angeh�rige der Garde�� gl�cklicherweise �berlebte ein Mann ihren Verrat und konnte entkommen. Licht, ich wei� nicht, warum mich das �berraschen sollte. Wenn sie in der Wei�en Burg sind, dann sind sie auch in Andor. Aber das waren M�nner, die Gaebril nicht unterst�tzten und loyal erschienen. Sie haben die ganze Zeit abgewartet, nur um uns jetzt zu verraten.�</p><p>Aviendha verzog das Gesicht, nahm dann aber einen Stuhl, um sich zu Elayne an den Tisch zu setzen, statt es sich auf dem Boden bequem zu machen. Ihre Erstschwester sa� lieber so. Ihr Leib war mit den Kindern angeschwollen, die sie austrug.</p><p>�Ich schickte Birgitte mit den Soldaten zur Stadt, um zu sehen, was man machen kann�, sagte Elayne. �Aber wir haben getan, was in dieser Nacht m�glich war, die Stadt wird beobachtet und die Fl�chtlinge sind versorgt. Licht, ich w�nschte, ich k�nnte mehr tun. Das Schlimmste auf dem Thron sind nicht die Dinge, die man tun muss, sondern die Dinge, die einem verwehrt bleiben.�</p><p>�Wir tragen den Kampf bald zu ihnen.�</p><p>�Das werden wir�, sagte Elayne mit wildem Blick. �Ich bringe ihnen Feuer und Zorn, sie werden f�r das Leid bezahlen, das sie meinem Volk angetan haben.�</p><p>�Ich habe geh�rt, dass du diesen M�nnern sagtest, sie sollten die Stadt nicht angreifen.�</p><p>�Nein. Ich werde dem Feind nicht die Befriedigung geben, meine eigenen Stadtmauern gegen mich einzusetzen. Ich habe Birgitte einen Befehl gegeben�� irgendwann werden die Trollocs Caemlyn verlassen, das steht fest. Birgitte wird eine M�glichkeit finden, das zu beschleunigen, damit wir sie au�erhalb der Stadt bek�mpfen k�nnen.�</p><p>�Lass nicht den Feind dein Schlachtfeld bestimmen�, sagte Aviendha mit einem Nicken. �Eine gute Strategie. Und�� Rands Zusammenkunft?�</p><p>�Ich nehme daran teil�, sagte Elayne. �Ich muss es tun, also wird es auch geschehen. Er t�te besser daran, auf sein Zaudern und seine Gro�spurigkeit zu verzichten. Meine Untertanen sterben, meine Stadt brennt, die Welt steht zwei Schritte vor dem Abgrund. Ich werde bis zum Nachmittag bleiben; danach kehre ich nach Andor zur�ck.� Sie z�gerte. �Begleitest du mich?�</p><p>�Elayne���, sagte Aviendha. �Ich kann mein Volk nicht verlassen. Ich bin jetzt eine Weise Frau.�</p><p>�Du warst in Rhuidean?�</p><p>�Ja�, antwortete Aviendha. Obwohl es sie schmerzte, Geheimnisse vor ihrer Erstschwester zu haben, erz�hlte sie nichts von den Visionen, die sie dort erlebt hatte.</p><p>�Ausgezeichnet. Ich���, setzte Elayne an, wurde aber unterbrochen.</p><p>�Meine K�nigin?�, rief der W�chter am Eingang. �Ein Bote f�r Euch.�</p><p>�Lasst ihn herein.�</p><p>Der W�chter zog die Plane f�r eine junge Gardistin mit dem Botenband am Mantel zur�ck. Sie machte eine ausf�hrliche Verbeugung, riss mit der einen Hand den Hut vom Kopf, w�hrend sie mit der anderen einen Brief ausstreckte.</p><p>Elayne nahm den Brief entgegen, �ffnete ihn aber nicht. Die Botin ging wieder.</p><p>�Vielleicht k�nnen wir doch zusammen k�mpfen�, meinte Elayne. �Wenn ich meinen Willen durchsetzen kann, werde ich die Aiel an meiner Seite haben, wenn ich mir Andor zur�ckhole. Die Trollocs stellen in Caemlyn eine ernste Bedrohung f�r uns alle dar; selbst wenn ich ihre Hauptstreitmacht aus der Stadt locken kann, kann der Schatten sein Gez�cht auch weiterhin durch die Kurzen Wege nach Andor schicken.</p><p>W�hrend meine Heere also den gr��ten Teil der Bestien au�erhalb von Caemlyn bek�mpfen�� irgendwie muss ich die Stadt f�r das Schattengez�cht unbewohnbar machen��, schicke ich eine kleinere Streitmacht durch Wegetore hinein, um den Eingang zu den Kurzen Wegen zu erobern. Wenn ich daf�r die Hilfe der Aiel erringen k�nnte���</p><p>W�hrend sie sprach, umarmte sie die Quelle ��Aviendha konnte das Gl�hen sehen�� und schlitzte gedankenverloren den Brief auf, brach sein Siegel mit einem Strang Luft.</p><p>Aviendha hob eine Braue.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Elayne, �ich habe den Punkt meiner Schwangerschaft erreicht, wo ich wieder verl�sslich Macht lenken kann, und ich finde immer einen Vorwand, um���</p><p>�Bring die Kinder nicht in Gefahr�, sagte Aviendha.</p><p>�Ich bringe sie schon nicht in Gefahr. Du bist genauso schlimm wie Birgitte. Wenigstens hat hier keiner Ziegenmilch. Min sagt��� Sie verstummte und las den Brief. Ihre Miene verfinsterte sich, und Aviendha bereitete sich auf eine schlechte Nachricht vor.</p><p>�Ach, dieser Mann���, stie� Elayne hervor.</p><p>�Rand?�</p><p>�Eines Tages erw�rge ich ihn.�</p><p>Aviendha reckte das Kinn. �Wenn er dich beleidigt hat���</p><p>Elayne fuchtelte mit dem Brief herum. �Er <emphasis>besteht</emphasis> darauf, dass ich nach Caemlyn zur�ckkehre, um mich um mein Volk zu k�mmern. Er nennt ein Dutzend Gr�nde und geht so weit, mich �von meiner Verpflichtung� zu befreien, mich morgen mit ihm zu treffen.�</p><p>�Er sollte bei dir auf nichts bestehen.�</p><p>�Vor allem nicht mit solchem Nachdruck�, sagte Elayne. �Beim Licht, das ist schlau. Offensichtlich will er mich mit allen Mitteln dazu bringen, <emphasis>zu bleiben</emphasis>. Das hat einen Hauch von <emphasis>Daes Demar</emphasis>.�</p><p>Aviendha z�gerte. �Du scheinst stolz zu sein. Aber ich habe den Eindruck, dass dieser Brief nur einen Schritt von einer Beleidigung entfernt ist.�</p><p>�Ich bin stolz�, erwiderte Elayne. �Und w�tend auf ihn. Aber stolz, weil er wei�, wie er mich auf diese Weise w�tend machen kann. Licht! Wir werden doch noch einen K�nig aus dir machen, Rand. Warum ist es ihm so schrecklich wichtig, dass ich an der Zusammenkunft teilnehme? Glaubt er, dass ich blo� wegen meiner Zuneigung zu ihm seine Seite unterst�tze?�</p><p>�Also kennst du seinen Plan noch nicht?�</p><p>�Nein. Offensichtlich schlie�t er s�mtliche Herrscher mit ein. Aber ich nehme daran teil, auch wenn ich dann vermutlich heute Nacht keinen Schlaf bekomme. In etwa einer Stunde treffe ich mich mit Birgitte und meinen anderen Befehlshabern, um die Pl�ne zu besprechen, wie wir die Trollocs herauslocken und dann vernichten.� Noch immer brannte ein Feuer in ihren Augen. Elayne war eine Kriegerin, so wahrhaftig, wie Aviendha noch keine begegnet war.</p><p>�Ich muss zu ihm�, sagte sie.</p><p>�Heute Nacht?�</p><p>�Heute Nacht. Bald beginnt die Letzte Schlacht.�</p><p>�Soweit es mich betrifft, fing sie in dem Augenblick an, in dem die verdammten Trollocs ihren Fu� nach Caemlyn setzten�, sagte Elayne. �M�ge das Licht uns beistehen. Sie ist da.�</p><p>�Dann kommt der Tag des gro�en Sterbens�, sagte Aviendha. �Viele von uns werden bald aus diesem Traum erwachen. M�glicherweise gibt es keine Nacht mehr f�r Rand und mich. Ich habe dich auch besucht, um dich danach zu fragen.�</p><p>�Du hast meinen Segen�, erwiderte Elayne leise. �Du bist meine Erstschwester. Hast du Zeit mit Min verbracht?�</p><p>�Nicht genug, und unter anderen Umst�nden w�rde ich das sofort ungeschehen machen. Aber dazu ist keine Zeit.�</p><p>Elayne nickte.</p><p>�Ich glaube, sie f�hlt sich besser, was mich betrifft�, sagte Aviendha. �Sie erwies mir eine gro�e Ehre, indem sie mir verstehen half, wie der letzte Schritt aussieht, um eine Weise Frau zu werden. Es k�nnte angebracht sein, einige Br�uche etwas zu lockern. Unter diesen Umst�nden haben wir viel erreicht. Falls Zeit ist, w�rde ich gern in deiner Anwesenheit mit ihr sprechen.�</p><p>Elayne nickte. �Zwischen den Besprechungen kann ich mir einen Moment freinehmen. Ich lasse nach ihr schicken.�</p></section><section><title><p>3</p><p>Ein gef�hrlicher Ort</p></title><p>Lord Logain und Taim haben ihre Differenzen beigelegt�, sagte Welyn. Sie befanden sich im Gemeinschaftsraum der <emphasis>Gro�en Versammlung</emphasis>. Welyn trug Gl�ckchen in seinen schwarzen Z�pfen, und er l�chelte breit. Er hatte schon immer zu viel gel�chelt. �Beide waren wegen der Zwietracht besorgt, die sich unter uns verbreitete, und sie kamen zu dem Schluss, dass das der Moral schadet. Wir m�ssen uns auf die Letzte Schlacht konzentrieren. Jetzt ist nicht die Zeit f�r kleinliches Gez�nk.�</p><p>Androl stand direkt neben der T�r, Pevara an seiner Seite. Es war �berraschend, wie schnell sich dieses Geb�ude, einst ein Lagerhaus, in eine Schenke verwandelt hatte. Lind hatte ihre Arbeit gut gemacht. Da waren ein vern�nftiger Tresen und Hocker, und auch wenn die Tische und St�hle im Raum noch nicht zueinander passten, bot der Ort Platz f�r Dutzende. Lind besa� auch eine Bibliothek mit einer betr�chtlichen Zahl B�cher, aber sie war sehr eigen, wem sie die Benutzung erlaubte. Im ersten Stock plante sie private Esszimmer und Schlafr�ume f�r Besucher der Schwarzen Burg. Vorausgesetzt, Taim lie� je wieder Besucher herein.</p><p>Der Raum war ziemlich voll, und die Menge schloss eine gro�e Zahl frischer Rekruten ein, M�nner, die sich noch f�r keine Seite des stetig ernster werdenden Disputs entschieden hatten�� weder f�r Taim und seine Leute noch f�r diejenigen, die Logain loyal zur Seite standen.</p><p>Androl lauschte Welyns Worten und fr�stelte. Welyns Aes Sedai Jenare sa� neben ihm und hatte die Hand voller Zuneigung auf seinem Arm ruhen. Androl kannte sie nicht gut, aber er <emphasis>kannte</emphasis> Welyn. Und dieses Ding mit Welyns Gesicht und Stimme war nicht derselbe Mann.</p><p>�Wir haben uns mit dem Lord Drachen getroffen�, fuhr Welyn fort. �Haben uns in den Grenzlanden umgesehen und sie auf den Angriff der Menschheit auf den Schatten vorbereitet. Er hat die Heere s�mtlicher Nationen zu seinem Banner gerufen. Es gibt niemanden, der ihn nicht unterst�tzt, nat�rlich ausgenommen die Seanchaner�� aber sie sind zur�ckgetrieben worden.</p><p>Der Augenblick ist gekommen, und bald wird man uns rufen, damit wir zuschlagen. Wir m�ssen uns ein letztes Mal auf unsere Fertigkeiten besinnen. In den n�chsten beiden Wochen werden Schwert und Drache gro�z�gig verliehen. Arbeitet hart, und wir werden die Waffen sein, die den W�rgegriff des Dunklen K�nigs um dieses Land sprengen.�</p><p>�Ihr habt angek�ndigt, dass Logain kommt�, rief eine Stimme. �Warum ist er noch nicht zur�ck?�</p><p>Androl drehte sich um. Jonneth Dowtry stand in der N�he von Welyns Tisch. Mit verschr�nkten Armen und Welyn finster anblickend, bot Jonneth einen einsch�chternden Anblick. Der Mann von den Zwei Fl�ssen war oft sehr umg�nglich, und man verga� schnell, dass er einen Kopf gr��er als man selbst war und die Arme eines B�ren hatte. Er trug den schwarzen Mantel der Asha�man, hatte allerdings keine Anstecknadeln an dem hohen Kragen�� und das trotz der Tatsache, dass er genauso stark in der Einen Macht wie jeder andere Geweihte war.</p><p>�Warum ist er nicht hier?�, wollte Jonneth wissen. �Ihr sagtet, Ihr w�rt mit ihm zur�ckgekommen, dass er und Taim miteinander gesprochen h�tten. Nun, wo ist er?�</p><p><emphasis>Bedr�nge ihn nicht, Junge,</emphasis> dachte Androl. <emphasis>Lass ihn glauben, dass wir seine L�gen geschluckt haben.</emphasis></p><p>�Er hat den M�Hael zu einem Besuch beim Lord Drachen mitgenommen�, sagte Welyn. �Beide m�ssten morgen zur�ck sein, sp�testens �bermorgen.�</p><p>�Warum brauchte Taim Logain, um ihm den Weg zu zeigen?�, sagte Jonneth stur. �Er h�tte auch allein gehen k�nnen.�</p><p>�Der Junge ist ein Narr�, zischte Pevara.</p><p>�Er ist ehrlich�, erwiderte Androl leise, �und er will ehrliche Antworten.� Diese Jungs aus den Zwei Fl�ssen waren ein braver Haufen�� geradeheraus und loyal. Aber sie waren nicht besonders in R�nken bewandert.</p><p>Pevara schwieg, aber Androl konnte f�hlen, dass sie dar�ber nachdachte, die Macht zu lenken und Jonneth mit einem Strang Luft zum Schweigen zu bringen. Sie erwog es nicht ernsthaft, es war einfach nur so ein Gedanke, aber Androl konnte es f�hlen. Beim Licht! Was hatten sie sich nur angetan?</p><p><emphasis>Sie ist in meinem Kopf,</emphasis> dachte er. <emphasis>In meinem Kopf ist eine Aes Sedai.</emphasis></p><p>Pevara erstarrte, dann sah sie ihn an.</p><p>Androl suchte das Nichts, diesen alten Soldatentrick, um vor einer Schlacht Klarheit zu erlangen. Nat�rlich war da auch <emphasis>Saidin</emphasis>. Er griff nicht danach.</p><p>�Was habt Ihr getan?�, fl�sterte Pevara. �Ich kann Euch f�hlen, aber Eure Gedanken zu ertasten ist schwerer.�</p><p>Nun, das war doch etwas.</p><p>�Jonneth�, rief Lind durch den Raum und unterbrach die n�chste Frage des Jungen an Welyn. �Habt Ihr nicht geh�rt, wie weit der Mann gereist ist? Er ist ersch�pft. Lasst ihn sein Ale trinken und sich eine Weile ausruhen, bevor Ihr ihm seine Geschichten entringt.�</p><p>Jonneth schaute in ihre Richtung und erschien verletzt. Welyn l�chelte breit, als sich der Junge zur�ckzog und seinen Weg durch die Menge bahnte. Er fuhr damit fort, welche Fortschritte der Lord Drache doch machte und wie sehr jeder Einzelne von ihnen gebraucht werden w�rde.</p><p>Androl lie� das Nichts los und f�hlte sich entspannter. Er blickte sich um und versuchte zu sch�tzen, auf wen er sich hier verlassen konnte. Viele dieser M�nner mochte er, und viele standen auch nicht vollkommen auf Taims Seite, trotzdem konnte er ihnen nicht vertrauen. Taim hatte jetzt die v�llige Kontrolle �ber die Burg, und sein Privatunterricht mit ihm und seinen Auserw�hlten war bei den Neuank�mmlingen �u�erst begehrt. Nur bei den Jungs von den Zwei Fl�ssen konnte man sich darauf verlassen, dass sie Androls Anliegen unterst�tzen w�rden�� und abgesehen von Jonneth hatten die meisten von ihnen zu wenig �bung, um von Nutzen zu sein.</p><p>Auf der anderen Seite des Raums hatte sich Evin zu Nalaam gesellt, und Androl nickte ihm zu und bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, Jonneth hinaus in den Sturm zu folgen. Niemand sollte allein sein. Danach lauschte er Welyns Prahlereien und bemerkte, dass sich Lind einen Weg zu ihm suchte.</p><p>Lind Taglien war eine kleine dunkelhaarige Frau; ihr Kleid war mit wundersch�nen Stickereien verziert. Sie war ihm immer wie ein Monument dessen erschienen, was die Schwarze Burg sein <emphasis>konnte</emphasis>. Zivilisiert. Gebildet. Wichtig.</p><p>Die M�nner machten ihr Platz; sie h�teten sich, in ihrer Schenke Getr�nke zu versch�tten oder Streit anzufangen. Kein kluger Mann wollte sich Linds Zorn aussetzen. Es war gut, dass sie die Z�gel so straff hielt. In einer Stadt voller Machtlenker konnte ein schlichter Wirtshausstreit ausgesprochen schlimme Folgen haben.</p><p>�Beunruhigt Euch das so sehr, wie es mich beunruhigt?�, fragte Lind leise, als sie ihn erreicht hatte. �War nicht er es, der noch vor wenigen Wochen dar�ber sprach, dass man Taim f�r einige seiner Taten vor Gericht stellen und hinrichten sollte?�</p><p>Androl antwortete nicht. Was sollte er sagen? Dass er den Verdacht hegte, dass der Mann, den sie als Welyn gekannt hatten, tot war? Dass die ganze Schwarze Burg bald nur noch von diesen Ungeheuern mit den falschen Augen, dem falschen L�cheln und toten Seelen bev�lkert sein w�rde?</p><p>�Ich glaube ihm nicht, was er �ber Logain sagte�, bemerkte Lind. �Hier geht etwas vor, Androl. Ich werde Frask bitten, ihm heute Nacht zu folgen, wollen wir doch einmal sehen, wo er���</p><p>�Nein�, sagte Androl. �Nein. Macht das nicht.� Frask war ihr Mann, den man im Schwarzen Turm eingestellt hatte, um Henre Haslin beim Fechtunterricht zu unterst�tzen. Taim war der Ansicht, dass ein Asha�man kein Schwert brauchte, aber der Lord Drache hatte darauf bestanden, dass man den M�nnern den Schwertkampf beibrachte.</p><p>Sie kniff die Augen zusammen. �Ihr wollt doch nicht sagen, dass Ihr glaubt���</p><p>�Lind, ich sage, dass wir im Augenblick in gro�er Gefahr schweben, und ich will nicht, dass Frask das noch schlimmer macht. Tut mir einen Gefallen. Merkt Euch, was Welyn heute noch zu sagen hat. Vielleicht n�tzt mir ja noch etwas davon.�</p><p>�Also gut�, sagte sie. Aber es klang skeptisch.</p><p>Androl nickte Nalaam und Canler zu, die aufstanden und zu ihm kamen. Regen prasselte auf das Dach und die Veranda. Welyn redete ununterbrochen weiter, und die M�nner h�rten zu. Ja, es war unglaublich, dass er seine Einstellung so schnell ge�ndert hatte, und das w�rde einige mit Misstrauen erf�llen. Aber viele Leute respektierten ihn, und man musste ihn schon gut kennen, um zu bemerken, dass er sich nur um eine winzige Spur ver�ndert hatte.</p><p>�Lind�, sagte Androl, als sie sich abwandte.</p><p>Sie schaute zu ihm zur�ck.</p><p>�Ihr�� schlie�t den Laden sp�ter gut ab. Dann solltet Ihr und Frask mit ein paar Vorr�ten in den Keller gehen, ja? Habt ihr eine stabile Kellert�r?�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Was auch immer das nutzen wird.� Falls jemand mit der Einen Macht kam, spielte es nicht die geringste Rolle, wie stark eine T�r war.</p><p>Nalaam und Canler gesellten sich zu ihm, und Androl wollte gehen, rannte aber direkt in einen Mann, der hinter ihm in der T�r stand und dessen Eintreten er nicht bemerkt hatte. Regen tropfte von seinem Asha�man-Mantel mit Schwert und Drachen auf dem hohen Kragen. Atal Mishraile war von Anfang an Taims Mann gewesen. Ihm fehlte dieser leere Blick; er war von Natur aus b�sartig. Er hatte langes blondes Haar und war von hohem Wuchs, und sein L�cheln schien niemals seine Augen zu erreichen.</p><p>Pevara zuckte zusammen, als sie ihn erblickte, und Nalaam fluchte und griff nach der Einen Macht.</p><p>�Aber, aber�, sagte eine Stimme. �Es gibt keinen Grund f�r Handgreiflichkeiten.� Mezar trat neben Mishraile aus dem Regen. Der kleine Domani hatte ergrauendes Haar und verbreitete eine Aura der Weisheit, die nicht von seiner Verwandlung beeintr�chtigt wurde.</p><p>Androl sah Mezar in die Augen, und es war, als w�rde man in eine tiefe H�hle blicken. Ein Ort, der noch nie Licht kennengelernt hatte.</p><p>�Hallo, Androl�, sagte Mezar und legte Mishraile die Hand auf die Schulter, als w�ren die beiden schon seit einer Ewigkeit Freunde. �Warum sollte sich Frau Lind f�rchten und in den Keller einschlie�en m�ssen? Sicherlich ist die Schwarze Burg einer der sichersten Orte der Welt.�</p><p>�Ich misstraue einer st�rmischen dunklen Nacht�, sagte Androl.</p><p>�Vielleicht ist das klug�, erwiderte Mezar. �Und doch geht Ihr hinaus. Warum nicht hierbleiben, wo�s warm ist? Nalaam, ich w�rde gern eine Eurer Geschichten h�ren. Vielleicht k�nntet Ihr von der Reise erz�hlen, bei der Ihr und Euer Vater Shara besucht habt?�</p><p>�So gut ist diese Geschichte nicht�, sagte Nalaam. �Die meisten Einzelheiten habe ich ohnehin vergessen.�</p><p>Mezar lachte, und Androl h�rte, wie Welyn hinter ihnen aufstand. �Ah, da seid Ihr ja! Ich habe den anderen schon gesagt, dass Ihr �ber die Verteidigung von Arafel sprechen werdet.�</p><p>�H�rt besser zu�, sagte Mezar. �Das wird wichtig f�r die Letzte Schlacht.�</p><p>�Vielleicht kehre ich zur�ck�, erwiderte Androl mit k�hler Stimme. �Sobald ich meine restliche Arbeit erledigt habe.�</p><p>Die beiden M�nner starrten sich an. An der Seite hielt Nalaam noch immer die Eine Macht. Seine St�rke entsprach Mezars, aber er w�rde sich nicht ihm <emphasis>und</emphasis> Welyn stellen k�nnen�� vor allen Dingen nicht in einem Raum voller Leute, die vermutlich die Partei der beiden vollwertigen Asha�man ergreifen w�rden.</p><p>�Verschwendet Eure Zeit doch nicht mit dem Pagen, Welyn�, sagte Coteren. Mishraile machte Platz f�r den dritten Neuank�mmling. Der st�mmige Mann mit den Knopfaugen legte eine Hand gegen Androls Brust und stie� ihn im Vorbeigehen zur Seite. �Halt, wartet. Ihr k�nnt den Pagen gar nicht mehr spielen, oder?�</p><p>Androl versenkte sich in das Nichts und ergriff die Quelle.</p><p>Sofort gerieten die Schatten im Raum in Bewegung. Wurden l�nger.</p><p>Hier gab es nicht genug Licht! Warum hatten sie nicht mehr Lampen? Die Dunkelheit lud nur diese Schatten ein, und er konnte sie <emphasis>sehen</emphasis>. Sie waren real, ein jeder ein Tentakel aus Finsternis, der nach ihm griff. Um ihn in sie hineinzuzerren und zu vernichten.</p><p><emphasis>Beim Licht! Ich bin wahnsinnig. Ich bin wahnsinnig��</emphasis></p><p>Das Nichts zerbrach, und die Schatten zogen sich gn�digerweise zur�ck. Er fand sich am ganzen Leib zitternd und keuchend an der Wand wieder. Pevara betrachtete ihn mit ausdrucksloser Miene, aber er konnte ihre Besorgnis f�hlen.</p><p>�Ach, �brigens�, sagte Coteren. Er war einer von Taims einflussreichsten Speichelleckern. �Habt Ihr es schon geh�rt?�</p><p>�Was geh�rt?�, schaffte es Androl vorzusto�en.</p><p>�Ihr seid degradiert worden, Page�, sagte Coteren und deutete auf den Schwertanstecker. �Taims Befehl. Ab heute. Jetzt seid Ihr wieder Soldat, Androl.�</p><p>�O ja�, rief Welyn von der Raummitte. �Es tut mir leid, aber das verga� ich zu erw�hnen. Ich f�rchte, das ist mit dem Lord Drachen abgekl�rt worden. Ihr h�ttet niemals bef�rdert werden d�rfen, Androl. Tut mir leid.�</p><p>Androl griff zum Kragen, zu dem Anstecker. Er h�tte ihm nichts bedeuten sollen; was bedeutete er schon?</p><p>Aber es <emphasis>spielte</emphasis> eine Rolle. Sein ganzes Leben hatte er mit einer Suche verbracht. Er hatte in einem Dutzend verschiedener Handwerke als Lehrling gearbeitet. Er hatte in Rebellionen gek�mpft, war �ber zwei Meere gesegelt. Und hatte die ganze Zeit �ber gesucht, hatte nach etwas gesucht, das er selbst nicht benennen konnte.</p><p>Als er die Schwarze Burg betreten hatte, hatte er es gefunden.</p><p>Er verdr�ngte die Furcht. Verflucht sollten die Schatten sein! Erneut griff er nach <emphasis>Saidin</emphasis>, und die Macht flutete in ihn hinein. Er nahm Haltung an, erwiderte Coterens Blick.</p><p>Der gr��ere Mann l�chelte und ergriff ebenfalls die Eine Macht. Mezar folgte seinem Beispiel, und Welyn stand auf. Nalaam fl�sterte besorgt mit sich selbst, und seine Blicke huschten hin und her. Canler griff mit resignierter Miene nach <emphasis>Saidin</emphasis>.</p><p>Was Androl halten konnte, floss in ihn hinein�� so viel er von der Einen Macht ergreifen konnte. Verglichen mit den anderen war es eine l�cherliche Menge. Er war der schw�chste Mann im Raum; die j�ngsten Rekruten konnten mehr bew�ltigen als er.</p><p>�Du willst es also versuchen?�, fragte Coteren leise. �Ich bat sie, dich in Ruhe zu lassen, weil ich wusste, dass du es irgendwann versuchst. Ich wollte die Befriedigung, Page. Komm schon. Schlag zu. Mach es.�</p><p>Androl griff aus sich heraus und versuchte, die eine Sache zu bewerkstelligen, die er konnte, ein Wegetor zu erschaffen. F�r ihn war das etwas, das �ber die Gewebe hinausging. Da waren nur er und die Macht, etwas Intimes, etwas <emphasis>Instinktives</emphasis>.</p><p>Im Moment ein Wegetor zu machen f�hlte sich wie der Versuch an, eine hundert Fu� hohe Glasmauer nur mithilfe der Fingerspitzen zu erklimmen. Er sprang, kraxelte, <emphasis>bem�hte sich</emphasis>. Nichts geschah. Dabei war er so nahe dran: Falls er nur noch ein kleines bisschen st�rker dr�ckte, konnte er��</p><p>Die Schatten wuchsen. Wieder stieg die Panik in ihm auf. Mit zusammengebissenen Z�hnen griff Androl zum Kragen und riss den Anstecker ab. Er lie� ihn vor Coteren auf den Boden fallen. Es klirrte leise. Niemand im Raum sagte ein Wort.</p><p>Dann begrub er seine Schande unter einem Berg Entschlossenheit, lie� die Eine Macht los und dr�ngte sich an Mezar vorbei in die Nacht. Nalaan, Canler und Pevara folgten ihm eilig.</p><p>Der Regen tr�nkte Androl. Er f�hlte den Verlust der Anstecknadel wie den Verlust einer Hand.</p><p>�Androl���, sagte Nalaam. �Es tut mir leid.�</p><p>Donner grollte. Sie traten durch schlammige Pf�tzen und lie�en auf der unbefestigten Stra�e Wasser aufspritzen. �Es spielt keine Rolle�, meinte Androl.</p><p>�Vielleicht h�tten wir k�mpfen sollen�, sagte Nalaam. �Ein paar der Jungs dort drinnen h�tten uns unterst�tzt; sie stecken nicht alle in seiner Tasche. Vater und ich haben mal gegen sechs Schattenhunde gek�mpft�� soll das Licht auf mein Grab leuchten, das taten wir. Wenn wir das �berlebt haben, dann schaffen wir auch ein paar Asha�man-Hunde.�</p><p>�Sie h�tten uns in St�cke gehauen�, sagte Androl.</p><p>�Aber���</p><p>�Sie h�tten uns in St�cke gehauen!�, wiederholte Androl. �Wir lassen sie nicht das Schlachtfeld bestimmen, Nalaam.�</p><p>�Aber es wird doch einen Kampf geben?�, fragte Canler und setzte sich an Androls andere Seite.</p><p>�Sie haben Logain�, sagte Androl. �Sonst h�tten sie nicht diese Versprechen gemacht. Verlieren wir ihn, stirbt alles�� unsere Rebellion, unsere M�glichkeit, eine geeinte Schwarze Burg zu schaffen.�</p><p>�Also���</p><p>�Also retten wir ihn�, sagte Androl und ging weiter. �Noch heute Nacht.�</p><empty-line/><p>Rand arbeitete im weichen Licht einer <emphasis>Saidin</emphasis>-Kugel. Vor dem Drachenberg hatte er angefangen, diese allt�gliche Benutzung der Einen Macht zu meiden. Sie zu ergreifen hatte �belkeit verursacht.</p><p>Das hatte sich ge�ndert. <emphasis>Saidin</emphasis> war ein Teil von ihm, und er musste sich nicht l�nger davor f�rchten, wo es nun den Makel nicht mehr gab. Aber noch viel wichtiger war, dass er aufgeh�rt hatte, <emphasis>Saidin</emphasis> ��und damit auch sich�� lediglich als Waffe zu betrachten.</p><p>Wann immer es m�glich war, w�rde er nun im Licht der Lichtkugeln arbeiten. Er beabsichtigte, sich von Flinn im Heilen unterrichten zu lassen. Darin war er nicht sehr bewandert, aber selbst geringe F�higkeiten konnten einem Verletzten das Leben retten. Viel zu oft hatte er dieses Wunder, dieses Geschenk, nur zur Zerst�rung benutzt, um zu t�ten. War es da ein Wunder, dass man ihm voller Furcht begegnete? Was w�rde Tam dazu sagen?</p><p><emphasis>Ich k�nnte ihn ja fragen,</emphasis> dachte er m��ig, w�hrend er eine Erinnerungsnotiz auf ein St�ck Papier schrieb. Die Vorstellung, dass sich Tam blo� ein Lager weiter befand, war immer noch ungewohnt. Rand hatte mit ihm zu Abend gegessen. Zuerst war es recht steif zugegangen, aber das war auch nicht anders zu erwarten gewesen, lud ein K�nig doch seinen Vater aus einem Bauerndorf zum �Mahl� ein. Sie hatten dar�ber gelacht, und sofort hatte er sich besser gef�hlt.</p><p>Rand hatte seinen Vater in Perrins Lager zur�ckkehren lassen, statt ihn mit Ehren und Reichtum zu �berh�ufen. Tam wollte nicht als der Vater des Wiedergeborenen Drachen betrachtet werden. Er wollte nur das sein, was er immer gewesen war�� Tam al�Thor, ein nach jedermanns Ma�stab verl�sslicher Mann, aber kein Lord.</p><p>Rand konzentrierte sich wieder auf das vor ihm liegende Dokument. Sekret�re aus Tear hatten ihn in der richtigen Ausdrucksweise beraten, aber er hatte es mit eigener Hand geschrieben; dieses Dokument hatte er keiner anderen Hand und erst recht keinen anderen Augen anvertrauen wollen.</p><p>War er vielleicht zu vorsichtig? Was seine Feinde nicht voraussehen konnten, dagegen konnten sie auch nichts unternehmen. Nachdem ihn Semirhage um ein Haar hatte gefangen nehmen k�nnen, war er einfach zu misstrauisch geworden. Das war ihm bewusst. Aber er hatte diese Geheimnisse nun schon so lange bewahrt, dass es schwerfiel, sie herauszulassen.</p><p>Er fing wieder in der ersten Zeile des Dokuments an und las es erneut. Tam hatte ihn einmal losgeschickt, um einen Zaun auf Schwachstellen zu �berpr�fen. Er hatte gehorcht, aber nach seiner R�ckkehr hatte ihn sein Vater erneut losgeschickt, um die Arbeit noch einmal zu tun.</p><p>Erst beim dritten Mal hatte Rand die lose Latte gefunden, die ersetzt werden musste. Bis heute wusste er nicht, ob sein Vater dar�ber vorher Bescheid gewusst hatte oder aber einfach nur vorsichtig gewesen war.</p><p>Dieses Dokument war viel wichtiger als ein Zaun. In dieser Nacht w�rde er es noch ein Dutzend Mal durchlesen und nach verborgenen Fallstricken suchen.</p><p>Leider fiel es schwer, sich zu konzentrieren. Die Frauen hatten etwas vor. Er konnte sie durch die Gef�hlskn�uel in seinem Hinterkopf f�hlen. Davon gab es vier�� Alanna war auch noch da; sie hielt sich irgendwo im Norden auf. Die anderen drei hatten fast die ganze Nacht zusammengesteckt; nun hatten sie fast sein Zelt erreicht. Was <emphasis>hatten</emphasis> sie blo� vor? Es��</p><p>Moment. Eine hatte sich von den anderen getrennt. Sie war fast da. Aviendha?</p><p>Rand stand auf, ging zum Zelteingang und zog die Plane zur Seite.</p><p>Sie erstarrte auf der Stelle, als h�tte sie beabsichtigt, sich in sein Zelt zu schleichen. Sie hob den Kopf und erwiderte seinen Blick.</p><p>Pl�tzlich schrillten Schreie durch die Nacht. Da fiel ihm erst auf, dass seine Leibwache nicht da war. Aber die T�chter kampierten ganz in der N�he seines Zeltes, und sie schienen ihm etwas zuzurufen. Aber nichts Freundliches. Beleidigungen. �ble Beschimpfungen. Manche von ihnen schrien, was sie mit gewissen Teilen seiner Anatomie anstellen w�rden, sollten sie ihn erwischen.</p><p>�Was soll das denn?�, murmelte er.</p><p>�Sie meinen das nicht so�, erwiderte Aviendha. �Das ist f�r sie nur ein Symbol, dass du mich ihnen wegnimmst�� dabei habe ich ihre Reihen l�ngst verlassen, um mich den Weisen Frauen anzuschlie�en. Das ist ein�� Brauch der T�chter. Tats�chlich ist es sogar ein Zeichen des Respekts. W�rden sie dich nicht m�gen, verhielten sie sich auch nicht so.�</p><p>Aiel. �Warte�, sagte er. �Wieso habe ich dich ihnen weggenommen?�</p><p>Aviendha schaute ihm in die Augen, aber ihre Wangen r�teten sich dabei. Aviendha err�tete? Das kam unerwartet.</p><p>�Eigentlich m�sstest du das verstehen�, sagte sie. �H�ttest du einmal bei dem aufgepasst, was ich dir �ber uns beibrachte���</p><p>�Leider hattest du einen wollk�pfigen Sch�ler.�</p><p>�Er hat Gl�ck, dass ich mich entschieden habe, meinen Unterricht zu erweitern.� Sie trat einen Schritt n�her. �Es gibt noch viele Dinge, die ich dich lehren muss.� Jetzt war sie knallrot.</p><p>Beim Licht. Sie war wundersch�n. Aber das war Elayne auch�� und Min�� und��</p><p>Er war ein Narr. Ein vom Licht geblendeter Narr.</p><p>�Aviendha. Ich liebe dich, das tue ich wahrhaftig. Aber das ist verflucht noch mal ein Problem! Ich liebe euch alle <emphasis>drei</emphasis>. Ich glaube nicht, dass ich mich f�r jemanden entscheiden���</p><p>Pl�tzlich lachte sie. �Du <emphasis>bist</emphasis> ein Narr, das bist du wirklich, oder, Rand al�Thor?�</p><p>�Oft. Aber was���</p><p>�Rand al�Thor, wir sind Erstschwestern, Elayne und ich. Wenn wir Min besser kennen, wird sie sich uns anschlie�en. Wir werden alles teilen.�</p><p><emphasis>Erstschwestern?</emphasis> Das h�tte er sich eigentlich denken m�ssen, so wie sie damals mit ihm den Beh�terbund eingegangen waren. Er hob die Hand an die Schl�fe. Wir werden <emphasis>dich</emphasis> uns teilen, hatten sie ihm gesagt.</p><p>Vier durch den Beh�terbund miteinander verbundenen Frauen Qualen zu bereiten, wenn er starb, war schon schlimm genug, aber drei Frauen, die ihn liebten? Licht, er wollte ihnen keine Schmerzen bereiten!</p><p>�Sie sagen, dass du dich ver�ndert hast�, sagte Aviendha. �In der kurzen Zeit seit meiner R�ckkehr haben so viele davon gesprochen, dass ich es beinahe schon leid bin, mir etwas �ber dich anzuh�ren. Nun, deine Miene mag ruhig sein, aber deine Gef�hle sind es nicht. Ist diese Vorstellung denn so schrecklich, mit uns drei zusammen zu sein?�</p><p>�Ich will es, Aviendha. Ich sollte mich verstecken, weil ich es will. Aber die Schmerzen���</p><p>�Du hast sie umarmt, nicht wahr?�</p><p>�Es sind nicht meine Qualen, die ich f�rchte. Es sind eure.�</p><p>�Sind wir also schwach, dass wir nicht ertragen k�nnen, was du schaffst?�</p><p>Der Ausdruck in ihren Augen lud wirklich <emphasis>nicht</emphasis> dazu ein, sich dar�ber lustig zu machen.</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete er. �Aber wie kann ich denen, die ich liebe, Schmerzen w�nschen?�</p><p>�Wir m�ssen diese Qualen akzeptieren�, sagte sie und hob entschlossen das Kinn. �Rand al�Thor, deine Entscheidung ist ganz einfach, auch wenn du dich wirklich bem�hst, sie schwer zu machen. W�hle Ja oder Nein. Aber sei gewarnt; entweder sind wir es alle oder keine von uns. Wir werden nicht zulassen, dass du zwischen uns kommst.�</p><p>Er z�gerte, dann k�sste er sie und kam sich dabei wie ein W�stling vor. Hinter ihm br�llten T�chter, von denen er sich gar nicht bewusst gewesen war, dass sie zusahen, jetzt noch lauter ihre Beleidigungen, aber er h�rte daraus eine unb�ndige Freude, die so gar nicht zu den Worten passte. Er beendete den Kuss, dann hob er die Hand und legte sie an Aviendhas Wange. �Ihr seid verdammte N�rrinnen. Alle drei.�</p><p>�Dann ist es gut. Wir sind deinesgleichen. Du solltest wissen, dass ich jetzt eine Weise Frau bin.�</p><p>�Dann sind wir vielleicht doch nicht gleich�, erwiderte er, �denn ich fange jetzt erst an zu begreifen, wie wenig Weisheit ich doch habe.�</p><p>Aviendha schnaubte. �Genug geredet. Du wirst mich jetzt lieben.�</p><p>�Beim Licht!�, sagte er. �Du bist ein bisschen forsch, nicht wahr? Ist das bei den Aiel so �blich?�</p><p>�Nein�, erwiderte sie und err�tete wieder. �Ich bin bloߠ� ich bin blo� nicht besonders erfahren darin.�</p><p>�Ihr drei habt das entschieden, stimmt�s? Wer von euch zu mir kommt?�</p><p>Sie z�gerte, dann nickte sie.</p><p>�Ich habe da kein Mitspracherecht, oder?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>Er lachte und zog sie an sich. Zuerst war sie ganz steif, aber dann schmiegte sie sich an ihn. �Also, muss ich zuerst mit ihnen k�mpfen?� Er wies mit dem Kopf auf die T�chter.</p><p>�Das ist blo� bei der Hochzeit so, falls wir uns entscheiden, dass du eine Heirat wert bist, dummer Mann. Und dann w�ren es unsere Familien, nicht die Mitglieder unserer Gemeinschaft. Du hast deinen Unterricht wirklich vers�umt, oder?�</p><p>Er schaute zu ihr hinab; Licht, sie war so wundersch�n.</p><p>�Nun, ich bin froh, dass ich nicht k�mpfen muss. Ich vermag nicht zu sagen, wie viel Zeit wir haben, und ich hatte gehofft, heute Nacht wenigstens etwas Schlaf zu bekommen. Aber��� Der Ausdruck in ihren Augen lie� ihn verstummen. �Ich�� heute bekomme ich keinen Schlaf, richtig?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ach, auch gut. Wenigstens brauche ich mir dieses Mal keine Sorgen dar�ber zu machen, dass du erfrieren k�nntest.�</p><p>�Ja. Aber wenn du nicht aufh�rst, t�richtes Zeug zu plappern, Rand al�Thor, k�nnte es passieren, dass ich vor Langeweile sterbe.�</p><p>Sie nahm ihn am Arm und zog ihn sanft, aber energisch in das Zelt�� und die Rufe der T�chter wurden noch lauter und noch beleidigender. Aber vor allem noch ausgelassener.</p><empty-line/><p>�Ich vermute, schuld daran ist eine Art <emphasis>Ter�angreal</emphasis>�, sagte Pevara. Sie hockte mit Androl im Hinterzimmer eines der Warenlager der Schwarzen Burg und fand ihre Stellung nicht gerade bequem. Der Raum roch nach Staub, Korn und Holz. Die meisten Geb�ude der Schwarzen Burg waren neu, und das hier bildete keine Ausnahme; die Bodendielen aus Zedernholz waren noch frisch.</p><p>�Ihr kennt ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis>, das Wegetore verhindern k�nnte?�, fragte Androl.</p><p>�Nicht direkt, nein�, erwiderte die Aes Sedai und verlagerte das Gewicht, um eine bessere Position zu finden. �Aber es ist allgemein akzeptiert, dass das, was wir �ber <emphasis>Ter�angreale</emphasis> wissen, nur ein Bruchteil dessen ist, was einst bekannt war. Es muss Tausende Arten von <emphasis>Ter�angrealen</emphasis> geben, und wenn Taim ein Schattenfreund ist, hat er Kontakt mit den Verlorenen�� die ihm die Benutzung und Konstruktion von Dingen erkl�ren k�nnen, von denen wir nur tr�umen k�nnen.�</p><p>�Also m�ssen wir dieses <emphasis>Ter�angreal</emphasis> finden�, sagte Androl. �Es abschalten oder zumindest herausfinden, wie es funktioniert.�</p><p>�Und entkommen?�, fragte Pevara. �Hattet Ihr nicht bereits entschieden, dass die Flucht eine schlechte Wahl w�re?�</p><p>�Nun�� ja�, gestand Androl ein.</p><p>Sie konzentrierte sich und vermochte ein paar Gedankenfetzen von ihm aufzufangen. Sie hatte geh�rt, dass der Beh�terbund eine empathische Verbindung erlaubte. Das hier schien tiefer zu gehen. Er war�� ja, er w�nschte sich <emphasis>wirklich</emphasis>, Wegetore machen zu k�nnen. Ohne sie f�hlte er sich entwaffnet.</p><p>�Das ist mein Talent�, sagte er widerstrebend. Er wusste, dass sie irgendwann auf den Grund sto�en w�rde. �Ich kann Wegetore machen. Zumindest konnte ich es.�</p><p>�Wirklich? Mit Eurer St�rke in der Macht?�</p><p>�Mit meiner l�cherlichen St�rke?�, fragte er. Sie konnte ein paar seiner Gedanken sp�ren. Obwohl er seine Schw�che akzeptierte, sorgte er sich, dass ihn das m�glicherweise zu einem wenig geeigneten Anf�hrer machte. Eine seltsame Mischung aus Selbstvertrauen und Hemmungen.</p><p>�Ja�, fuhr er fort. �Reisen erfordert gro�e St�rke in der Einen Macht, aber ich kann gro�e Wegetore erschaffen. Bevor das alles hier falschlief, war das gr��te Wegetor, das ich �ffnete, drei�ig Fu� breit.�</p><p>Pevara blinzelte. �Ihr �bertreibt doch!�</p><p>�Wenn ich k�nnte, w�rde ich es Euch zeigen.� Er schien v�llig ehrlich zu sein. Entweder sagte er die Wahrheit, oder sein Wahnsinn fl�sterte ihm das nur ein. Sie erwiderte nichts, sich unsicher, wie sie das ansprechen sollte.</p><p>�Schon gut�, sagte er. �Ich wei�, dass da�� etwas nicht mit mir stimmt. Mit den meisten von uns. Ihr k�nnt die anderen nach meinen Wegetoren fragen. Es gibt einen Grund, warum Coteren mich Page nennt. Denn das Einzige, in dem ich gut bin, ist, Leute von einem Ort zum anderen zu bringen.�</p><p>�Das ist ein erstaunliches Talent, Androl. Ich bin �berzeugt, die Burg w�rde es mit Begeisterung studieren. Ich frage mich, wie viele Menschen damit geboren wurden und es niemals wussten, weil die Gewebe zum Reisen unbekannt waren.�</p><p>�Ich gehe nicht zur Wei�en Burg, Pevara�, sagte er und legte die Betonung auf <emphasis>Wei�e</emphasis>.</p><p>Sie wechselte das Thema. �Ihr sehnt Euch zu Reisen, und doch wollt Ihr die Schwarze Burg nicht verlassen. Also wieso spielt dieses <emphasis>Ter�angreal</emphasis> eine Rolle?�</p><p>�Wegetore w�ren�� n�tzlich.�</p><p>Er dachte etwas, aber sie konnte es nicht verstehen. Ein schnelles Aufblitzen von Bildern und Eindr�cken.</p><p>�Aber wenn wir nirgendwohin gehen���, protestierte sie.</p><p>�Ihr w�rt �berrascht�, meinte er und hob den Kopf, um �ber den Fenstersims in die Gasse zu sp�hen. Drau�en nieselte es; der Regen lie� endlich nach. Aber der Himmel war noch dunkel. Bis zur Morgend�mmerung dauerte es noch ein paar Stunden. �Ich habe�� experimentiert. Ein paar Dinge ausprobiert, die meiner Meinung nach noch nie zuvor jemand versucht hat.�</p><p>�Ich bezweifle, dass es Dinge gibt, die noch nie jemand versucht hat�, sagte sie. �Die Verlorenen hatten Zugang zu dem Wissen von �onen.�</p><p>�Glaubt Ihr wirklich, einer von ihnen hat hier die Finger im Spiel?�</p><p>�Warum nicht? Wenn Ihr Euch auf die Letzte Schlacht vorbereiten w�rdet und sichergehen wolltet, dass Eure Feinde keinen Widerstand leisten k�nnen, w�rdet Ihr die besten Machtlenker zusammen �ben lassen, sie stark werden lassen?�</p><p>�Ja�, sagte er leise. �Das w�rde ich, und dann w�rde ich sie stehlen.�</p><p>Pevara schloss den Mund. Vermutlich stimmte das sogar. �ber die Verlorenen zu sprechen bereitete Androl Unbehagen; sie konnte seine Gedanken klarer als zuvor wahrnehmen.</p><p>Dieser Beh�terbund war unnat�rlich. Sie musste ihn loswerden. Danach w�rde es sie nicht st�ren, auf die richtige Weise mit ihm verbunden zu werden.</p><p>�Ich �bernehme <emphasis>nicht</emphasis> die Verantwortung f�r diese Situation, Pevara�, sagte Androl und sah wieder hinaus. �Ihr habt mir zuerst den Beh�terbund auferlegt.�</p><p>�Nachdem Ihr zuerst das Vertrauen verraten habt, das ich Euch anbot, indem ich mich mit Euch zu einem Zirkel verkn�pfte.�</p><p>�Ich habe Euch nicht verletzt. Was habt Ihr denn erwartet? War es nicht der Zweck eines Zirkels, unsere Kr�fte zu vereinen?�</p><p>�Diese Diskussion ist sinnlos.�</p><p>�Das sagt Ihr nur, weil Ihr darin unterliegt.� Er sagte es ganz ruhig, und er war innerlich auch ganz ruhig. Sie kam zu der Erkenntnis, dass Androl nur schwer zu reizen war.</p><p>�Ich sage das, weil es wahr ist. Stimmt Ihr mir darin nicht zu?�</p><p>Sie sp�rte seine Belustigung. Wieder �bernahm sie die F�hrung dieser Unterhaltung. Und�� es schien ihn nicht nur zu am�sieren, sondern tats�chlich auch zu beeindrucken. Er wollte lernen, wie sie das immer machte.</p><p>Die T�r zum Hinterzimmer �ffnete sich quietschend, und Leish sp�hte herein. Sie war eine wei�haarige Frau, angenehm und korpulent, eine seltsame Wahl f�r den m�rrischen Asha�man Canler, den sie geheiratet hatte. Sie nickte Pevara zu und signalisierte damit, dass die halbe Stunde vorbei war, dann schloss sie die T�r. Angeblich war Canler mit der Frau den Beh�terbund eingegangen, was sie zu einer Art von�� ja, was eigentlich machte? Zur Beh�terin?</p><p>Bei diesen M�nnern war alles auf den Kopf gestellt. Pevara konnte sich vorstellen, warum man den Bund mit seiner Ehefrau teilte, und selbst wenn es nur um den Trost ging, zu wissen, wo der andere war, aber es schien einfach nicht richtig zu sein, den Bund f�r so banale Dinge zu benutzen. Das war eine Sache f�r Aes Sedai und Beh�ter, und nicht f�r Ehemann und Ehefrau.</p><p>Androl musterte sie und versuchte offensichtlich ihre Gedanken zu ergr�nden�� auch wenn diese Gedanken komplex genug waren, um ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Dieser Androl Genhald war ein so seltsamer Mann. Wie konnte er nur Entschlossenheit und Hemmungen so sehr miteinander vermischen, als w�ren es zwei miteinander verwobene Str�nge der Macht? Er tat, was getan werden musste, und rang die ganze Zeit mit der �berzeugung, dass er doch in Wirklichkeit gar nicht der Richtige daf�r war.</p><p>�Ich verstehe es selbst nicht�, sagte er.</p><p>Au�erdem konnte er einen so <emphasis>w�tend</emphasis> machen. Wie war er nur so gut darin geworden, ihre Gedanken zu verstehen? Sie musste noch immer f�rmlich nach seinen Gedanken fischen.</p><p>�K�nnt Ihr das noch einmal denken?�, fragte er. �Ich habe das nicht verstanden.�</p><p>�Bl�dmann�, murmelte Pevara.</p><p>Androl l�chelte, dann sp�hte er wieder �ber den Fenstersims.</p><p>�Es ist noch nicht Zeit�, sagte Pevara.</p><p>�Seid Ihr sicher?�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Und wenn Ihr dauernd hinausschaut, k�nntet Ihr ihn verschrecken, wenn er tats�chlich kommt.�</p><p>Z�gernd ging Androl wieder in die Hocke.</p><p>�H�rt gut zu�, sagt Pevara. �Wenn er kommt, m�sst Ihr mich die F�hrung �bernehmen lassen.�</p><p>�Wir sollten einen Zirkel machen.�</p><p>�Nein.� Sie w�rde sich nicht wieder in seine H�nde begeben. Nicht nach dem, was beim letzten Mal geschehen war. Sie erschauderte, und Androl sah sie stirnrunzelnd an.</p><p>�Es gibt sehr gute Gr�nde, nicht zu einem Zirkel verkn�pft zu sein. Ich will Euch nicht beleidigen, Androl, aber Eure F�higkeiten sind nicht gro� genug, dass es das wert ist. Es ist besser, wenn es zwei von uns gibt. Das m�sst Ihr akzeptieren. Was h�ttet Ihr lieber auf dem Schlachtfeld? Einen Soldaten? Oder zwei Leute, von denen der eine nicht ganz so viel kann, denen Ihr verschiedene Aufgaben zuweisen k�nnt?�</p><p>Er dachte dar�ber nach, dann seufzte er. �Also gut. Diesmal ergeben Eure Worte durchaus Sinn.�</p><p>�Meine Worte ergeben immer Sinn�, sagte sie und stand auf. �Es ist Zeit. Macht Euch bereit.�</p><p>Sie stellten sich zu beiden Seiten der T�r auf, die in die Gasse f�hrte. Absichtlich stand sie einen Spaltbreit offen, das stabile Schloss an der Au�enseite hing ge�ffnet, als h�tte jemand vergessen, es zu schlie�en.</p><p>Stumm warteten sie, und Pevara begann sich schon zu sorgen, dass sie sich mit ihren Berechnungen get�uscht hatte. Das w�rde Androl Spa� machen, und��</p><p>Die T�r schwang zur�ck. Dobser schob den Kopf herein, angelockt von Evins wie zuf�llig erfolgter Bemerkung, dass er sich eine Flasche Wein aus dem Hinterzimmer geholt hatte, nachdem ihm aufgefallen war, dass Leish vergessen hatte abzuschlie�en. Laut Androl war Dobser ein allgemein bekannter Trinker, und Taim hatte ihn wegen Trunkenheit mehr als nur einmal bewusstlos gepr�gelt.</p><p>Sie sp�rte die Reaktion, die der Mann in Androl ausl�ste. Trauer. Tiefe, bis ins Mark gehende Trauer. Dobser hatte die Dunkelheit im Blick.</p><p>Pevara schlug schnell zu, fesselte Dobser mit Luft und rammte eine Abschirmung zwischen den ahnungslosen Mann und die Quelle. Androl hielt eine Keule in der Hand, aber sie war nicht n�tig. Dobser riss die Augen weit auf, als er in die Luft gehoben wurde; Pevara verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken und betrachtete ihn kritisch.</p><p>�Seid Ihr sicher, dass Ihr das tun wollt?�, fragte Androl leise.</p><p>�Dazu ist es nun sowieso zu sp�t�, erwiderte Pevara und verknotete die Luftstr�me. �Die Berichte <emphasis>scheinen</emphasis> sich einig zu sein. Je mehr eine Person vor ihrer Entf�hrung dem Licht ergeben war, umso mehr ist sie nach ihrem Sturz dem Schatten ergeben. Also���</p><p>Also <emphasis>sollte</emphasis> dieser Mann, der nie mit dem Herzen dabei gewesen war, einfacher zu brechen, bestechen oder �berreden sein als andere. Das war wichtig, denn Taims Gefolgsleute w�rden vermutlich sofort erkennen, was geschehen war, sobald��</p><p>�Dobser?�, sagte da eine Stimme. Zwei Gestalten verdunkelten den Eingang. �Habt Ihr den Wein? Man brauchte vorn nicht aufzupassen; die Frau ist nicht���</p><p>Welyn und ein anderer von Taims Lieblingen, Leems, standen in der T�r.</p><p>Pevara reagierte blitzschnell, schleuderte Gewebe auf die beiden M�nner, w�hrend sie einen Strang Geist webte. Die Asha�man wehrten den Versuch, sie abzuschirmen, ab�� es war schwer, eine Abschirmung zwischen die Quelle und eine Person zu schieben, die die Eine Macht hielt��, aber ihre Knebel peitschten wie gew�nscht an Ort und Stelle und lie�en die Rufe verstummen.</p><p>Luft schlang sich um Pevara, eine Abschirmung versuchte sich zwischen sie und die Quelle zu schieben. Sie schlug mit Geist zu und zerschnitt die Gewebe, indem sie erahnte, wo sie waren.</p><p>Leems stolperte zur�ck und sah �berrascht aus, als seine Gewebe verschwanden. Pevara warf sich nach vorn, webte eine weitere Abschirmung und dr�ckte sie zwischen ihn und die Quelle, w�hrend sie mit ihm zusammenstie� und ihn gegen die Wand rammte. Die Ablenkung funktionierte, und ihre Abschirmung schnitt ihn von der Einen Macht ab.</p><p>Sie schleuderte eine zweite Abschirmung auf Welyn, aber er traf sie mit seinen Geweben Luft. Sie schleuderten sie quer durch den Raum. Sie webte Luft, w�hrend sie mit einem Grunzen gegen die Wand krachte. Ihre Sicht verschwamm, aber sie hielt diesen einen Strang Luft fest, lie� ihn instinktiv nach vorn peitschen und erwischte Welyns Fu�, als er aus dem Haus laufen wollte.</p><p>Etwas landete schwer auf dem Boden. Er war gestolpert, oder? Benommen konnte sie nicht richtig sehen.</p><p>Mit schmerzendem K�rper setzte sie sich auf, hielt aber die Str�me Luft fest, die sie als Knebel gewebt hatte. Wenn sie die loslie�, w�rden Taims M�nner schreien k�nnen. Konnten sie schreien, starb sie. Starben sie alle. Oder ihnen stie� etwas noch Schlimmeres zu.</p><p>Sie blinzelte die Schmerzenstr�nen fort und sah Androl mit der Keule �ber den beiden Asha�man stehen. Anscheinend hatte er sie bewusstlos geschlagen, weil er der f�r ihn unsichtbaren Abschirmung nicht vertraute. Das war auch gut so, weil ihre zweite Abschirmung nicht richtig gesessen hatte. Sie korrigierte den Fehler.</p><p>Dobser hing noch immer dort in der Luft, wo sie ihn hatte schweben lassen, nur dass seine Augen jetzt noch weiter aufgerissen waren. Androl sah Pevara an. �Beim Licht!�, sagte er. �Pevara, das war unglaublich. Ihr habt zwei Asha�man besiegt, und das so gut wie allein!�</p><p>Zufrieden l�chelnd akzeptierte sie noch immer benommen Androls Hand und lie� sich auf die F��e helfen. �Was habt Ihr denn gedacht, was die Rote Ajah mit ihrer Zeit anstellt? Herumsitzen und �ber M�nner klagen? Wir �ben den Kampf gegen andere Machtlenker.�</p><p>Sie f�hlte Androls Respekt, w�hrend er sich n�tzlich machte, Welyn ins Haus zog und die T�r schloss, dann die Fenster �berpr�fte, um sich zu vergewissern, dass niemand zuf�llig zugesehen hatte. Er zog die Vorh�nge zu, dann lenkte er die Macht, um Licht zu machen.</p><p>Pevara holte tief Luft und musste sich mit der Hand an der Wand abst�tzen.</p><p>Androl sah scharf auf. �Wir m�ssen Euch zu einem der anderen bringen, damit er Euch Heilen kann.�</p><p>�Mir geht es gut�, sagte sie. �Ich habe mir nur den Kopf gesto�en, und das l�sst den Raum schwanken. Das vergeht wieder.�</p><p>�Lasst mich sehen�, sagte Androl und trat zu ihr�� sein Licht schwebte neben ihm. Pevara erlaubte ihm, sie sich n�her anzusehen, ihre Augen zu �berpr�fen und an ihrem Kopf nach Schwellungen zu suchen. Er bewegte das Licht n�her an ihre Augen. �Tut es weh, da reinzusehen?�</p><p>�Ja�, gab sie zu und schaute weg.</p><p>��belkeit?�</p><p>�Etwas.�</p><p>Er grunzte, dann zog er ein Taschentuch aus der Tasche und goss etwas Wasser aus der Feldflasche dar�ber. Seine Z�ge wurden starr vor Konzentration, sein Licht verlosch. Das Taschentuch knisterte leise, und als er es ihr reichte, war es gefroren. �Haltet das gegen die schmerzende Stelle�, sagte er. �Sagt mir, falls Ihr anfangt, Euch schl�frig zu f�hlen. Es k�nnte schlimmer werden, falls Ihr einschlaft.�</p><p>�Seid Ihr besorgt um mich?�, fragte sie am�siert, folgte aber seinen Anweisungen.</p><p>�Ich�� wie habt Ihr das noch einmal genannt? Auf unsere Vorteile aufpassen?�</p><p>�Ich glaube schon�, sagte sie und dr�ckte das eisige Tuch gegen den Kopf. �Also kennt Ihr Euch auch in der Kunst des Feldschers aus?�</p><p>�Ich war mal der Lehrling einer Dorfheilerin�, sagte er abwesend, w�hrend er kniete, um die M�nner zu fesseln. Pevara war froh, die Gewebe aus Luft l�sen zu k�nnen, hielt allerdings die Abschirmungen aufrecht.</p><p>�Eine Dorfheilerin nahm einen <emphasis>m�nnlichen</emphasis> Lehrling auf?�</p><p>�Nicht sofort�, erwiderte Androl. �Es ist�� es ist eine lange Geschichte.�</p><p>�Ausgezeichnet. Eine lange Geschichte verhindert, dass ich einschlafe, bevor die anderen kommen.� Emarin und die anderen hatten den Befehl erhalten, sich f�r den Fall, dass Dobsers Verschwinden auffiel, sehen zu lassen und der Gruppe ein Alibi zu verschaffen.</p><p>Androl warf ihr einen Blick zu und lie� wieder sein Licht aufleuchten. Dann zuckte er mit den Schultern und machte mit seiner Arbeit weiter. �Es fing damit an, dass ich in Mayene w�hrend einer Fangfahrt einen Freund an das Fieber verlor. Als ich wieder an Land war, kam mir der Gedanke, dass wir Sayer h�tten retten k�nnen, wenn auch nur einer von uns gewusst h�tte, was zu tun war. Also suchte ich nach jemandem, der mir so etwas beibringen konnte���</p></section><section><title><p>4</p><p>Die Vorz�ge des Beh�terbundes</p></title><p>Und das war dann das Ende�, sagte Pevara. Sie sa� an die Wand gelehnt.</p><p>Androl nahm ihre Gef�hle wahr. Sie sa�en in dem Hinterzimmer, in dem sie gegen Taims M�nner gek�mpft hatten, und warteten auf Emarin, der behauptet hatte, Dobser zum Reden bringen zu k�nnen. Androl war nicht gut in Verh�ren. Der Geruch nach Getreide hatte sich in einen ekligen Gestank verwandelt. Manchmal verdarb es von jetzt auf gleich.</p><p>Pevara war still geworden, innerlich wie auch �u�erlich, als sie erz�hlt hatte, wie ihre Familie von langj�hrigen Freunden ermordet worden war.</p><p>�Ich hasse sie noch immer�, sagte sie dann. �An meine Familie kann ich denken, ohne dass es schmerzt, aber die Schattenfreunde�� Ich <emphasis>hasse</emphasis> sie. Wenigstens kann ich mich r�chen, denn der Dunkle K�nig verteidigt sie mit Sicherheit nicht. Sie sind ihm ihr ganzes Leben lang gefolgt und hofften auf einen Platz in seiner neuen Welt, aber die Letzte Schlacht findet erst lange nach ihrem Tod statt. Ich sch�tze, dass es den jetzt lebenden Schattenfreunden nicht besser ergeht. Sobald wir die Letzte Schlacht gewonnen haben, wird er ihre Seelen bekommen. Ich hoffe, ihre Bestrafung dauert lange.�</p><p>�Seid Ihr so sicher, dass wir siegen?�</p><p>�Nat�rlich siegen wir. Das steht �berhaupt nicht zur Debatte, Androl. Wir k�nnen es uns gar nicht leisten, es dazu zu machen.�</p><p>Er nickte. �Ihr habt recht. Fahrt fort.�</p><p>�Das war es. Schon seltsam, nach all den Jahren diese Geschichte zu erz�hlen. Ich konnte lange nicht dar�ber sprechen.�</p><p>Schweigen breitete sich im Raum aus. Dobser hing mit dem Gesicht zur Wand in seinen Fesseln, die Ohren mit Pevaras Geweben verstopft. Die anderen beiden waren noch immer bewusstlos. Androl hatte hart zugeschlagen, und er wollte daf�r sorgen, dass sie auch nicht so schnell wieder zu sich kamen.</p><p>Pevara hatte sie abgeschirmt, aber sie konnte mit Sicherheit keine drei M�nner gleichzeitig von der Quelle trennen, falls diese sich wehren sollten. F�r gew�hnlich benutzten Aes Sedai mehr als nur eine Schwester, um einen Mann unter Kontrolle zu halten. Drei w�rden unm�glich f�r eine einzige Machtlenkerin sein, egal wie stark sie war. Nat�rlich h�tte sie diese Abschirmungen verknoten k�nnen, aber Taim hatte seine Asha�man darin unterrichtet, wie man sich von einer verknoteten Abschirmung befreite.</p><p>Ja, es war besser, daf�r zu sorgen, dass die anderen beiden nicht aufwachten. Am besten h�tte man ihnen einfach die Kehle durchgeschnitten, aber dazu konnte er sich nicht �berwinden. Stattdessen hatte er winzige Str�me Geist und Luft ausgeschickt, die ihre Lider ber�hrten. Dazu hatte er ein einzelnes und schwaches Gewebe benutzen m�ssen, aber es war ihm gelungen, s�mtliche Augen zu ber�hren. W�rden sich die Lider auch nur ein winziges St�ck bewegen, w�rde er es erfahren. Das musste reichen.</p><p>Pevara dachte immer noch an ihre Familie. Sie hatte die Wahrheit gesagt; sie hasste die Schattenfreunde. Sie alle. Dieser Hass war gezielt und keineswegs z�gellos, aber selbst nach diesen vielen Jahren war er noch stark.</p><p>Das h�tte er gar nicht bei dieser Frau vermutet, die so oft zu l�cheln schien. Diese Wunde schmerzte noch immer, das f�hlte er. Und dass sie sich seltsamerweise einsam f�hlte.</p><p>�Mein Vater beging Selbstmord�, sagte er und stutzte. Wie kam er jetzt nur darauf?</p><p>Sie sah ihn an.</p><p>�Meine Mutter tat viele Jahre so, als w�re es ein Unfall gewesen�, fuhr Androl fort. �Er tat es in den W�ldern, sprang von einer Klippe. In der Nacht davor setzte er sich zu ihr und kl�rte sie �ber sein Vorhaben auf.�</p><p>�Und sie versuchte nicht, ihn daran zu hindern?�, fragte Pevara entsetzt.</p><p>�Nein. Ich bekam erst kurz bevor sie sich in die letzte Umarmung der Mutter begab ein paar Antworten aus ihr heraus. Sie hatte Angst vor ihm. Das erschreckte mich; er war immer so sanft gewesen. Was hatte sich nur in diesen letzten paar Jahren so ver�ndert, dass sie sich vor ihm f�rchtete?� Androl sah Pevara an. �Sie erz�hlte, dass er in den Schatten Dinge sah. Dass er angefangen hatte, den Verstand zu verlieren.�</p><p>�Ah���</p><p>�Ihr habt mich gefragt, warum ich zur Schwarzen Burg kam. Ihr wolltet wissen, warum ich darum <emphasis>bat</emphasis>, gepr�ft zu werden. Nun, dieses Ding, das ich bin, es beantwortet mir eine Frage. Es verr�t mir, wer mein Vater war, und warum er tat, was seiner Meinung nach n�tig war.</p><p>Mittlerweile ist mir alles klar. Unser Gesch�ft ging zu gut. Vater konnte seltene Steine und Erzadern finden, wo es kein anderer vermochte. Man bezahlte ihn daf�r, ertragreiche Erzvorkommen aufzusp�ren. Er war der Beste. Ungew�hnlich gut. Ich konnte�� am Ende konnte ich es in ihm sehen, Pevara. Ich war erst zehn, aber ich erinnere mich. Die Furcht in seinen Augen. Diese Furcht <emphasis>kenne</emphasis> ich jetzt.� Er z�gerte. �Mein Vater sprang von dieser Klippe, um das Leben seiner Familie zu retten.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Pevara.</p><p>�Das Wissen, was ich bin, was er war, das hilft.�</p><p>Der Regen hatte wieder eingesetzt, dicke Tropfen prasselten wie Kieselsteine gegen das Fenster. Die Au�ent�r �ffnete sich, und endlich kam Emarin. Sein Blick fiel auf den in der Luft schwebenden Dobser, und auf seiner Miene zeichnete sich Erleichterung ab. Dann sah er die anderen beiden und zuckte zusammen. �Was habt Ihr getan?�</p><p>�Was getan werden musste�, erwiderte Androl und stand auf. �Was hat Euch aufgehalten?�</p><p>�Beinahe hatte ich noch eine Konfrontation mit Coteren�, sagte Emarin und starrte die beiden gefangenen Asha�man noch immer an. �Ich glaube, uns bleibt nicht viel Zeit. Wir lie�en nicht zu, dass sie uns herausforderten, aber Coteren erschien �rgerlich�� viel mehr als sonst. Ich glaube nicht, dass sie uns noch lange tolerieren.�</p><p>�Nun, diese Gefangenen sorgen sowieso daf�r, dass unsere Zeit begrenzt ist�, sagte Pevara und bewegte Dobser ein St�ck zur Seite, um f�r Emarin Platz zu machen. �Glaubt Ihr wirklich, Ihr k�nnt diesen Mann zum Reden bringen? Schon fr�her habe ich versucht, Schattenfreunde der Befragung zu unterziehen. Sie k�nnen schwer zu brechen sein.�</p><p>�Ah, aber das ist <emphasis>kein</emphasis> Schattenfreund�, erwiderte Emarin. �Das ist Dobser.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass er das wirklich ist�, sagte Androl und musterte den Mann, der gefesselt dort schwebte. �Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass man jemanden dazu <emphasis>zwingen</emphasis> kann, dem Dunklen K�nig zu dienen.�</p><p>Pevara war da v�llig anderer Meinung, das sp�rte er deutlich. Sie glaubte wirklich, dass es auf diese Weise geschah. Sie hatte erkl�rt, dass jeder Machtlenker einfach Umgedreht werden konnte. So bezeichneten es die alten Aufzeichnungen.</p><p>Die Vorstellung verursachte Androl �belkeit. Jemanden dazu zu zwingen, sich dem B�sen zuzuwenden? So etwas durfte nicht m�glich sein. Das Schicksal bewegte die Menschen, brachte sie oft in eine schreckliche Lage, raubte ihnen das Leben, manchmal auch den Verstand. Aber die Entscheidung, dem Dunklen K�nig zu dienen oder dem Licht�� sicherlich war das die eine Entscheidung, die man einem Menschen nicht nehmen konnte.</p><p>Der Schatten, den er hinter Dobsers Augen erkennen konnte, reichte ihm als Beweis. Der Mann, den er gekannt hatte, war verschwunden. Man hatte ihn get�tet, und etwas anderes ��etwas B�ses�� war in seinen K�rper gesteckt worden. Eine neue Seele. Das musste es sein.</p><p>�Was auch immer er ist�, sagte Pevara, �ich bin noch immer skeptisch, dass Ihr ihn zum Reden zwingen k�nnt.�</p><p>�Die beste �berredung�, sagte Emarin mit auf dem R�cken verschr�nkten H�nden, �ist die, die nicht erzwungen wird. Pevara Sedai, wenn Ihr so freundlich w�rt, die Gewebe auf seinen Ohren zu entfernen, damit er wieder h�ren kann�� aber entfernt sie so unauff�llig wie m�glich, als w�re das Gewebe verknotet gewesen und w�rde sich nun aufl�sen. Ich will, dass er meine n�chsten Worte belauscht.�</p><p>Sie tat es. Zumindest nahm Androl das an. Der Doppelbund bedeutete keineswegs, dass sie die Gewebe des anderen sehen konnten. Aber er sp�rte ihre Nervosit�t. Sie dachte an Schattenfreunde, die sie verh�rt hatte, und w�nschte sich�� irgendetwas? Ein Werkzeug, das sie gegen sie benutzen konnte?</p><p>�Ich glaube, wir k�nnen uns auf meinen Besitzungen verstecken�, sagte Emarin mit hochm�tiger Stimme.</p><p>Androl blinzelte. Der Mann schien pl�tzlich an Haltung gewonnen zu haben, gab sich stolzer, viel�� befehlsgewohnter. Seine Stimme wurde energischer, ver�chtlicher. Von jetzt auf gleich war er zum Adligen geworden.</p><p>�Niemand wird auf die Idee kommen, dort nach uns zu suchen�, fuhr Emarin fort. �Ich akzeptiere euch als meine Begleiter, und die Geringeren unter uns ��wie zum Beispiel der junge Evin�� k�nnen als Diener in meine Dienste treten. Wenn wir unsere Karten richtig ausspielen, k�nnen wir eine rivalisierende Schwarze Burg aufbauen.�</p><p>�Ich�� wei� nicht, ob das so klug w�re�, sagte Androl und spielte mit.</p><p>�Schweigt�, befahl Emarin. �Ich frage Euch nach Eurer Meinung, wenn ich sie h�ren will. Aes Sedai, wir haben nur eine M�glichkeit, um zu Rivalen der Wei�en und Schwarzen Burg zu werden, wir m�ssen einen Ort schaffen, an dem m�nnliche und weibliche Machtlenker zusammenarbeiten. Eine�� Graue Burg, wenn Ihr so wollt.�</p><p>�Das ist ein interessanter Vorschlag.�</p><p>�Das ist die einzige Sache, die Sinn macht�, erwiderte Emarin und wandte sich ihrem Gefangenen zu. �Er h�rte nicht, was wir besprachen?�</p><p>�Nein�, sagte Pevara.</p><p>�Dann befreit ihn. Ich will mit ihm sprechen.�</p><p>Z�gernd gehorchte die Aes Sedai. Dobser sackte zu Boden und w�re beinahe gest�rzt. Er schwankte einen Moment lang, dann sah er sofort zur T�r.</p><p>Emarin zog etwas von seinem G�rtel und warf es zu Boden. Einen kleinen Beutel. Es klirrte, als er auftraf. �Meister Dobser�, sagte Emarin.</p><p>�Was ist das?�, fragte Dobser, ging misstrauisch in die Hocke und hob den Beutel auf. Er warf einen Blick hinein, und seine Augen weiteten sich.</p><p>�Die Bezahlung�, sagte Emarin.</p><p>Dobser runzelte die Stirn. �Um was zu tun?�</p><p>�Ihr versteht nicht, Meister Dobser�, sagte Emarin. �Ich bitte Euch nicht, etwas zu tun, ich bezahle Euch, um mich zu entschuldigen. Ich beauftragte Androl hier, um Eure Hilfe zu bitten, und er scheint seine Befehle�� etwas zu enthusiastisch ausgef�hrt zu haben. Ich wollte blo� mit Euch sprechen. Ich wollte Euch nicht in Luft gewickelt und gequ�lt sehen.�</p><p>Dobser blinzelte misstrauisch. �Wo habt Ihr so viel Geld her, Emarin? Wie kommt Ihr auf die Idee, Ihr k�nntet hier Befehle geben? Ihr habt blo� den Rang eines Soldaten��� Wieder warf er einen Blick auf den Inhalt des Beutels.</p><p>�Wie ich sehe, verstehen wir uns�, sagte Emarin l�chelnd. �Ihr werdet also meine Tarnung aufrechterhalten?�</p><p>�Ich��� Dobsers Blick fiel auf Welyn und Leems, die bewusstlos am Boden lagen.</p><p>�Ja�, sagte Emarin. �<emphasis>Das</emphasis> wird ein Problem sein, nicht wahr? Was meint Ihr, k�nnten wir Androl einfach an Taim ausliefern und ihn daf�r verantwortlich machen?�</p><p>�Androl?� Dobser schnaubte. �Den Pagen? Der zwei Asha�man besiegt? Das w�rde keiner glauben. Keiner.�</p><p>�Das ist wohl wahr, Meister Dobser�, sagte Emarin betr�bt.</p><p>�Gebt ihnen doch einfach die Aes Sedai�, sagte Dobser und zeigte mit dem Finger auf Pevara.</p><p>�Leider brauche ich sie noch. Das ist ein schrecklicher Schlamassel. Ganz schlimm.�</p><p>�Nun�, sagte Dobser, �vielleicht k�nnte ich mich ja f�r Euch beim M�Hael verwenden. Ihr wisst schon, die Dinge kl�ren.�</p><p>�Das w�sste ich sehr zu sch�tzen�, sagte Emarin, holte einen der Hocker, die an der Wand standen, dann nahm er noch einen zweiten und baute ihn davor auf. Er setzte sich und bedeutete Dobser, ebenfalls Platz zu nehmen. �Androl, macht Euch n�tzlich. Holt mir und Meister Dobser etwas zu trinken. Tee. M�gt Ihr Zucker?�</p><p>�Nein�, sagte Dobser. �Tats�chlich h�rte ich, dass es hier irgendwo Wein geben sollte.�</p><p>�Androl, Wein!� Emarin schnipste mit den Fingern.</p><p><emphasis>Nun,</emphasis> dachte Androl, <emphasis>dann spiele ich wohl mal besser diese Rolle.</emphasis> Er verneigte sich, warf Dobser einen wohlkalkulierten finsteren Blick zu, dann verlie� er den Raum, um ein paar Becher und Wein zu holen. Bei seiner R�ckkehr plauderten Dobser und Emarin freundlich.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Emarin. �Ich hatte ja solche Probleme, in der Schwarzen Burg vern�nftige Helfer zu finden. Ihr m�sst wissen, es ist unbedingt erforderlich, meine Identit�t zu wahren.�</p><p>�Das kann ich verstehen, mein Lord�, sagte Dobser. �H�tte jemand gewusst, dass ein Hochlord aus Tear in unseren R�ngen ist, dann h�tte es kein Ende mit der Stiefelleckerei genommen. Das kann ich Euch sagen! Und der M�Hael, nun, es w�rde ihm gar nicht gefallen, wenn jemand mit so viel Autorit�t hier w�re. Nein, ganz und gar nicht!�</p><p>�Ihr versteht, warum ich mich zur�ckhalten musste�, erkl�rte Emarin, streckte die Hand aus und akzeptierte einen Becher, den Androl dann mit Wein f�llte.</p><p><emphasis>Ein Hochlord aus Tear?,</emphasis> dachte Androl belustigt. Dobser schien sich daran zu berauschen wie an harten Getr�nken.</p><p>�Und wir alle glaubten, Ihr w�rdet Logain so schmeicheln, weil Ihr dumm seid!�, sagte Dobser.</p><p>�Ach ja, die Gruppe, zu der ich geh�ren musste. Taim w�rde mich sofort durchschauen, verbr�chte ich zu viel Zeit in seiner N�he. Also musste ich zu Logain gehen. Er und dieser Drache, beide sind offensichtlich Bauern und erkennen keinen Mann von edlem Gebl�t.�</p><p>�Ich muss sagen, dass ich schon misstrauisch war, mein Lord.�</p><p>�Das dachte ich mir.� Emarin nahm einen Schluck Wein. �Um zu beweisen, dass er nicht vergiftet ist�, erkl�rte er, bevor er Dobser den Becher gab.</p><p>�Schon gut, mein Lord.� Dobser winkte ab. �Ich vertraue Euch.� Er st�rzte den Wein hinunter. �Wenn man nicht einmal einem Hochlord trauen kann, wem dann, richtig?�</p><p>�Richtig�, sagte Emarin.</p><p>�Eines kann ich Euch sagen�, fuhr Dobser fort, hielt den Becher hin und wackelte damit, damit Androl nachschenkte. �Ihr m�sst eine bessere Methode finden, Euch von Taim fernzuhalten. Logain zu folgen wird nicht mehr funktionieren.�</p><p>Emarin trank einen gro�en, nachdenklichen Schluck. �Taim hat ihn. Ich verstehe. Das habe ich kommen sehen. Welyn und die anderen, die auftauchten und diese Geschichte erz�hlten.�</p><p>�Ja�, sagte Dobser und lie� sich den Becher schon wieder f�llen. �Aber Logain ist stark. Erfordert viel Arbeit, so einen Mann Umzudrehen. Willenskraft, versteht Ihr? Es wird einen oder zwei Tage dauern, ihn Umzudrehen. Aber egal, Ihr k�nnt jetzt genauso gut bei Taim vorsprechen und ihm Eure Pl�ne erkl�ren. Er wird es verstehen, und er sagt ja immer, dass die M�nner ihm n�tzlicher sind, wenn er sie nicht Umdrehen muss. Keine Ahnung, warum. Aber bei Logain gab es keine andere Wahl. Scheu�licher Prozess.� Dobser fr�stelte.</p><p>�Dann gehe ich und spreche mit ihm, Meister Dobser. �brigens, w�rdet Ihr f�r mich b�rgen? Ich�� w�rde auch daf�r sorgen, dass man Euch f�r die M�he entsch�digt.�</p><p>�Sicher, sicher�, sagte Dobser. �Warum nicht?� Er leerte den Becher, kam unsicher auf die F��e. �Er wird nach Logain sehen. Tut er immer zu dieser Nachtzeit.�</p><p>�Wo ist das denn?�</p><p>�Die verborgenen R�ume�, sagte Dobser. �In den Fundamenten, die wir bauen. Kennt Ihr den Ostfl�gel, wo der Einsturz all diese zus�tzlichen Erdarbeiten erforderlich machte? Es gab gar keinen Einsturz, das war nur der Vorwand, um die zus�tzliche Arbeit heimlich erledigen zu k�nnen. Und��� Dobser z�gerte.</p><p>�Und das reicht�, sagte Pevara, fesselte den Mann wieder mit Luft und verstopfte seine Ohren. Sie sah Emarin mit verschr�nkten Armen an. �Ich bin beeindruckt.�</p><p>Bescheiden breitete Emarin die H�nde aus. �Ich hatte schon immer das Talent, dass sich M�nner in meiner Gegenwart entspannen. Ehrlich gesagt habe ich Dobser auch nicht vorgeschlagen, weil ich ihn f�r leicht zu bestechen hielt. Ich suchte ihn wegen seiner, nun�� nennen wir es gut verborgenen geistigen F�higkeiten.�</p><p>�Jemanden zum Schatten zu bekehren macht ihn nicht weniger dumm�, sagte Androl. �Aber wenn Ihr das tun konntet, warum mussten wir ihn dann �berhaupt gefangen nehmen?�</p><p>�Es geht darum, die Situation zu kontrollieren, Androl�, erkl�rte Emarin. �Einen Mann wie Dobser darf man nicht in seinem Element konfrontieren, wo er von Freunden umgeben ist, die etwas scharfsinniger sind. Wir mussten ihm Angst einjagen, ihn sich winden lassen und ihm dann einen Ausweg bieten, sich wieder herauszuwinden.� Emarin z�gerte, sah Dobser an. �Au�erdem konnten wir wohl kaum das Risiko eingehen, dass er zu Taim rennt, was er m�glicherweise getan h�tte, h�tte ich ohne die Androhung von Gewalt unter vier Augen mit ihm gesprochen.�</p><p>�Und jetzt?�, fragte Pevara.</p><p>�Jetzt verabreichen wir den dreien etwas, das sie bis Bel Tine schlafen l�sst�, sagte Androl. �Wir holen Nalaam, Canler, Evin und Jonneth. Wir warten, bis Taim nach Logain gesehen hat, wir brechen ein, retten ihn und holen uns die Burg vom Schatten zur�ck.�</p><p>Einen Augenblick lang standen sie schweigend da. Der Raum wurde nur von einer einzelnen flackernden Lampe erhellt. Regen spr�hte gegen das Fenster.</p><p>�Nun, solange Ihr kein Unternehmen vorschlagt, das wirklich schwer ist, Androl���, sagte Pevara.</p><empty-line/><p>Im Traum �ffnete Rand die Augen und war �berrascht, dass er eingeschlafen war. Aviendha hatte ihn endlich d�sen lassen. Vermutlich gestattete sie es sich ebenfalls zu d�sen. Sie war so m�de wie er erschienen. Vielleicht sogar noch mehr.</p><p>Er stand auf. Um ihn herum erstreckte sich eine Wiese aus totem Gras. Er hatte ihre Sorge sp�ren k�nnen, und nicht nur durch ihren Bund, sondern auch durch die Weise, wie sie ihn umarmte. Aviendha war eine K�mpferin, eine Kriegerin, aber selbst ein Krieger musste sich gelegentlich an etwas festhalten. Das Licht wusste, dass es ihm so ging.</p><p>Er sah sich um. Das hier f�hlte sich gar nicht nach dem <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> an. Jedenfalls nicht richtig. Das tote Feld schien sich in alle Richtungen zu erstrecken, m�glicherweise sogar in die Unendlichkeit. Das hier war nicht die wahre Welt der Tr�ume; es war ein Traumsplitter, eine von einem m�chtigen Wahrtr�umer oder Traumg�nger erschaffene Welt.</p><p>Rand ging los. Er zertrat welkes Laub, dabei gab es ja gar keine B�ume. Vermutlich h�tte er sich in seine eigenen Tr�ume zur�ckversetzen k�nnen; obwohl er nie so gut wie die Verlorenen darin gewesen war, in den Tr�umen zu wandeln, war er dazu immerhin f�hig. Neugier trieb ihn weiter.</p><p><emphasis>Ich sollte nicht hier sein,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich habe Schutzgewebe erzeugt.</emphasis> Wie war er an diesen Ort gekommen, und wer hatte ihn erschaffen? Er hatte da einen Verdacht, erinnerte sich an jemanden, der oft Traumsplitter benutzt hatte.</p><p>In der N�he f�hlte er eine Pr�senz. Er ging einfach weiter, ohne den Kopf zu drehen, aber er wusste, dass pl�tzlich jemand neben ihm ging.</p><p>�Elan�, sagte er.</p><p>�Lews Therin.� Elan trug noch immer seinen neuesten K�rper, den hochgewachsenen, stattlichen Mann, der Rot und Schwarz trug. �Es stirbt, und bald herrscht der Staub. Der Staub�� dann nichts.�</p><p>�Wie bist du an meinen Schutzgeweben vorbeigekommen?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, erwiderte Moridin. �Ich wusste, dass du dich zu mir gesellst, wenn ich diesen Ort erschaffe. Du kannst dich nicht von mir fernhalten. Das erlaubt das Muster nicht. Wir werden voneinander angezogen, du und ich. Immer wieder und wieder. Zwei Schiffe, die am selben Strand festgemacht sind, die bei jeder neuen Flut gegeneinandersto�en.�</p><p>�Wie poetisch. Wie ich gesehen habe, hast du Mierin endlich von der Leine gelassen.�</p><p>Moridin blieb stehen, und Rand folgte seinem Beispiel und sah ihn an. Die Wut schien Hitzewellen gleich aus dem Verlorenen herauszustr�men.</p><p>�Sie kam zu dir?�, verlangte er zu wissen.</p><p>Rand schwieg.</p><p>�Tu blo� nicht so, als h�ttest du <emphasis>gewusst</emphasis>, dass sie noch lebt. Das hast du nicht, das konntest du unm�glich.�</p><p>Rand schwieg weiter. Seine Gef�hle bez�glich Lanfear�� oder wie auch immer sie sich jetzt nannte�� waren kompliziert. Lews Therin hatte sie gehasst, aber Rand hatte sie haupts�chlich als Selene gekannt und sie gemocht�� zumindest bis sie versucht hatte, Elayne und Aviendha zu t�ten.</p><p>Der Gedanke an sie lie� ihn auch an Moiraine denken und auf Dinge <emphasis>hoffen</emphasis> lassen, die er nicht hoffen sollte.</p><p><emphasis>Wenn Lanfear noch immer lebt�� k�nnte das dann nicht auch f�r Moiraine gelten?</emphasis></p><p>Er betrachtete Moridin mit ruhigem Selbstvertrauen. �Sie jetzt loszulassen macht keinen Unterschied mehr�, sagte er. �Sie hat nicht l�nger Macht �ber mich.�</p><p>Moridin nickte. �Ja. Ich glaube dir. Aber sie sieht das anders, und ich vermute, sie hat noch immer etwas an der Frau auszusetzen, die du gew�hlt hast. Wie war noch einmal ihr Name? Die, die sich als Aiel bezeichnet, aber Waffen tr�gt?�</p><p>Rand lie� sich nicht provozieren.</p><p>�Wie dem auch sei, Mierin hasst dich jetzt�, fuhr Moridin fort. �Ich glaube, sie macht dich f�r das verantwortlich, was mit ihr passiert ist. Du solltest sie jetzt Cyndane nennen. Man hat ihr verboten, den Namen zu benutzen, den sie f�r sich w�hlte.�</p><p>�Cyndane��� Rand betonte das Wort langsam. ��Letzte Chance�? Wie ich sehe, hat dein Meister an Humor dazugewonnen.�</p><p>�Das war nicht humorvoll gemeint.�</p><p>�Nein, ich sch�tze, das war es wohl nicht.� Rand betrachtete die endlose Landschaft aus totem Gras und Bl�ttern. �Es f�llt schwer, sich vorzustellen, dass ich anfangs so viel Angst vor dir hatte. Bist du damals in meine Tr�ume eingedrungen, oder hast du mich in einen dieser Traumsplitter geholt? Ich bin da nie auf eine vern�nftige Erkl�rung gekommen.�</p><p>Moridin schwieg.</p><p>�Ich erinnere mich da an eine Gelegenheit���, sagte Rand. �Ich sa� da von Albtr�umen umgeben, die sich wie das <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> anf�hlten. Du wirst nicht dazu f�hig gewesen sein, jemanden mit seinem K�rper in die Welt der Tr�ume zu holen, aber ich bin kein Traumg�nger, der sie aus eigener Kraft betreten kann.�</p><p>Wie viele der Verlorenen war auch Moridin f�r gew�hnlich nicht schlafend im Traum nach <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> gegangen, sondern hatte es k�rperlich betreten, was gef�hrlich war. Es wurde behauptet, dass es eine schlimme Sache war, es mit dem K�rper zu betreten, dass man dadurch einen Teil seiner Menschlichkeit verlor. Andererseits steigerte es die Macht, die man hatte.</p><p>Moridin verriet nicht, was in jener Nacht tats�chlich geschehen war. Rand erinnerte sich nur undeutlich an diese Tage, als er in Richtung Tear gewandert war. Aber er konnte sich noch an Visionen dieser Nacht erinnern, Visionen seiner Freunde und Familie, die versuchen w�rden, ihn zu t�ten. Moridin�� Ishamael�� hatte ihn gegen seinen Willen in Tr�ume gezogen, die sich mit <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> �berschnitten.</p><p>�In jenen Tagen warst du wahnsinnig�, sagte Rand leise und sah Moridin in die Augen. Er vermochte f�rmlich die dort lodernden Flammen zu sehen. �Und du bist noch immer wahnsinnig, nicht wahr? Du hast es blo� unter Kontrolle. Niemand k�nnte <emphasis>ihm</emphasis> dienen, ohne nicht zumindest etwas verr�ckt zu sein.�</p><p>Moridin setzte sich wieder in Bewegung. �Spotte, so viel du willst, Lews Therin. Das Ende naht. Alles wird vom Schatten erstickt werden, es wird auseinandergezerrt, zerfetzt werden, <emphasis>erdrosselt</emphasis>.�</p><p>Rand setzte sich ebenfalls wieder in Bewegung und hielt mit Moridin Schritt. Sie hatten die gleiche Gr��e. �Du hasst dich selbst�, fl�sterte Rand. �Ich kann es in dir f�hlen, Elan. Einst dientest du ihm wegen der Macht; jetzt tust du es, weil sein Sieg und das Ende aller Dinge die einzige Erl�sung sein wird, die du je erfahren wirst. Du w�rdest lieber nicht mehr existieren, als weiterhin du selbst zu sein. Du musst wissen, dass er dich niemals freigeben wird. Niemals. Dich nicht.�</p><p>Moridin grinste h�misch. �Er wird mich dich t�ten lassen, bevor das hier vorbei ist, Lews Therin. Dich und die Blonde, und die Aiel-Frau und die kleine Dunkelhaarige���</p><p>�Du tust, als w�re das ein Wettstreit zwischen uns, Elan�, unterbrach Rand ihn.</p><p>Moridin lachte herzlich. �Aber nat�rlich ist es das! Hast du das denn noch immer nicht begriffen? Bei den Blutf�llen, Lews Therin! Es geht nur um uns beide. Wie in den vergangenen Zeitaltern, wir k�mpfen gegeneinander, immer wieder. Du und ich.�</p><p>�Nein�, erwiderte Rand. �Dieses Mal nicht. Ich bin fertig mit dir. Ich muss einen gr��eren Kampf ausfechten.�</p><p>�Versuch nicht���</p><p>Sonnenlicht explodierte durch die Wolkendecke. In der Welt der Tr�ume fehlte oft das Sonnenlicht, aber jetzt badete es das St�ck Boden um Rand.</p><p>Moridin taumelte zur�ck. Er schaute zum Licht hinauf, dann sah er Rand an und kniff die Augen zusammen. �Glaube blo� nicht�� glaube blo� nicht, dass ich deinen albernen Tricks glaube, Lews Therin. Weiramon war von dem ersch�ttert, was du mit ihm gemacht hast, aber es ist nicht so schwer, <emphasis>Saidin</emphasis> zu halten und zu lauschen, ob sich der Herzschlag beschleunigt.�</p><p>Rand strengte seinen Willen an. Die raschelnden toten Bl�tter zu seinen F��en fingen an sich zu verwandeln, wurden wieder gr�n, dann schoben sich Grashalme durch die Bl�tterschicht. Das Gr�n breitete sich wie versch�ttete Farbe vor ihm aus, und die Wolken wogten zur Seite.</p><p>Moridin riss die Augen weit auf. Er starrte den Himmel an, w�hrend sich die Wolken zur�ckzogen. Rand konnte seine schockierte �berraschung f�hlen. Das war immerhin <emphasis>Moridins</emphasis> Traumsplitter.</p><p>Aber um jemand anders dort hineinzuziehen, hatte er ihn in unmittelbarer N�he zum <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> platzieren m�ssen. Diese Regeln galten. Da war auch noch etwas anderes, etwas, das mit ihrer pers�nlichen Verbindung zu tun hatte��</p><p>Rand ging los und hob dabei die Arme. Gras spross wellenf�rmig, rote Bl�ten brachen aus dem Boden, als w�rde das Land err�ten. Der Sturm erstarb, das Licht brannte die schwarzen Wolken fort.</p><p>�Richte es deinem Herrn aus!�, befahl Rand. �Sag ihm, dass dieser Kampf nicht wie die anderen sein wird. Sag ihm, dass ich der Gefolgsleute �berdr�ssig bin, dass ich mit den kleinlichen Z�gen fertig bin, die er seine Marionetten ausf�hren l�sst. Sag ihm, <emphasis>ich komme f�r IHN!</emphasis>�</p><p>�Das ist falsch�, sagte Moridin sichtlich ersch�ttert. �Das ist nicht��� Einen Moment lang betrachtete er Rand im Schein der sengenden Sonne, dann verschwand er.</p><p>Rand stie� die Luft aus. Um ihn herum verwelkte das Gras, die Wolkendecke schloss sich wieder, das Sonnenlicht verblasste. Obwohl Moridin gegangen war, war es schwierig gewesen, die Verwandlung der Landschaft aufrechtzuerhalten. Rand sackte keuchend auf die Knie und erholte sich von der Anstrengung.</p><p>Wollte man an diesem Ort etwas, wurde es zur Realit�t. W�ren die Dinge in der realen Welt doch auch nur so einfach gewesen.</p><p>Er schloss die Augen und kehrte zur�ck, um noch eine kurze Weile richtig zu schlafen, bevor er aufstehen musste. Aufstehen, um die Welt zu retten. Falls er das noch konnte.</p><empty-line/><p>Pevara kauerte in der regnerischen Nacht neben Androl. Ihr Umhang war v�llig durchn�sst. Sie kannte ein paar Gewebe, die das h�tten verhindern k�nnen, aber sie wagte es nicht, die Macht zu lenken. Sie und die anderen w�rden Umgedrehten Aes Sedai und Frauen der Schwarzen Ajah gegen�bertreten. Die konnten sp�ren, ob jemand die Macht lenkte.</p><p>�Sie bewachen dieses Gebiet, da gibt es keinen Zweifel�, fl�sterte Androl. Voraus verwandelte sich der Boden in eine gro�e Fl�che aus labyrinthartigen Ziegelmauern und Gr�ben. Das waren die Kellerr�ume im Fundament des Turms der Schwarzen Burg, der sich irgendwann hier erheben sollte. Falls Dobser nicht gelogen hatte, waren hier im Untergrund auch noch andere R�ume gebaut worden�� verborgene Gem�cher, die bereits fertiggestellt waren und geheim bleiben w�rden, w�hrend der Turm selbst in die H�he wuchs.</p><p>In der N�he plauderten zwei von Taims Asha�man. Obwohl sie versuchten, sich unauff�llig zu geben, zerst�rte das Wetter diese Illusion. Wer w�rde in einer solchen Nacht schon freiwillig drau�en herumstehen? Obwohl sie eine Kohlenpfanne w�rmte und ein Gewebe aus Luft den Regen anderswo zu Boden str�men lie�, war ihre Anwesenheit verd�chtig.</p><p><emphasis>W�chter.</emphasis> Pevara versuchte den Gedanken direkt an Androl zu schicken.</p><p>Es funktionierte. Sie konnte seine �berraschung f�hlen, als sich der fremde Gedanke in seinen Kopf einschlich.</p><p>Undeutlich kam etwas zur�ck. <emphasis>Wir sollten unseren Vorteil nutzen.</emphasis></p><p><emphasis>Ja,</emphasis> erwiderte sie. Der n�chste Gedanke war allerdings zu komplex, also fl�sterte sie ihn. �Ist Euch je zuvor aufgefallen, dass er das Fundament nachts bewachen l�sst? Falls es wirklich geheime R�ume gibt, dann m�sste die Arbeit daran ebenfalls in der Nacht erledigt werden.�</p><p>�Taim hat eine Ausgangssperre verh�ngt�, fl�sterte Androl ebenfalls. �Er l�sst sie uns nur dann ignorieren, wenn es f�r ihn von Vorteil ist�� so wie heute Welyns R�ckkehr. Davon abgesehen ist dieses Gebiet mit seinen Gruben und Gr�ben gef�hrlich. Das w�re ein guter Grund, um W�chter aufzustellen, aber���</p><p>�Aber Taim ist eigentlich nicht der Typ, der sich daf�r interessiert, ob sich ein paar Kinder beim Herumst�bern den Hals brechen.�</p><p>Androl nickte.</p><p>Sie warteten im Regen und z�hlten ihre Atemz�ge, bis drei Flammenzungen aus der Nacht schossen und die W�chter direkt am Kopf trafen. Die beiden Asha�man brachen augenblicklich zusammen. Nalaam, Emarin und Jonneth hatten perfekte Arbeit geleistet. Ganz kurzes Machtlenken; hoffentlich w�rde es keiner bemerken oder f�r das Werk der von Taim eingeteilten W�chter halten.</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte Pevara. <emphasis>Androl und die anderen sind wirklich Waffen.</emphasis> Ihr war nicht in den Sinn gekommen, dass Emarin und die anderen sofort t�ten w�rden. Das war ihrer Erfahrung als Aes Sedai v�llig fremd. Aes Sedai t�teten nicht einmal falsche Drachen, wenn sie es vermeiden konnten.</p><p>�Das D�mpfen t�tet�, sagte Androl und starrte nach vorn. �Wenn auch nur langsam.�</p><p>Licht. Ja, ihr Bund hatte sicherlich seine Vorteile�� aber er war auch ausgesprochen l�stig. Sie w�rde �ben m�ssen, ihre Gedanken abzuschirmen.</p><p>Emarin und die anderen liefen aus der Dunkelheit herbei und gesellten sich an der Kohlenpfanne zu Pevara und Androl. Canler blieb mit zwei weiteren Burschen aus den Zwei Fl�ssen zur�ck, dazu bereit, sie bei einem Fluchtversuch aus der Schwarzen Burg zu unterst�tzen, falls etwas schieflief. Trotz seiner Proteste war es vern�nftig, ihn zur�ckzulassen. Er hatte Familie.</p><p>Sie schleiften die Leichen in die Dunkelheit, lie�en die Kohlenpfanne aber brennen. Jemand, der zuf�llig nach den W�chtern Ausschau hielt, w�rde das Licht sehen, aber die Nacht war so neblig und regnerisch, dass man sich schon hinbegeben musste, um zu erkennen, dass die M�nner verschwunden waren.</p><p>Obwohl er sich oft beklagt hatte, nicht zu wissen, warum ihm die anderen folgten, �bernahm Androl auf der Stelle den Befehl �ber die Gruppe und schickte Nalaam und Jonneth los, um den Rand der Erdarbeiten zu �berwachen. Jonneth trug seinen Bogen, dessen Sehne allerdings in der feuchten Nacht nicht gespannt war. Sie hofften, dass der Regen irgendwann nachlie� und er ihn dann benutzen konnte, wenn sie kein Machtlenken riskieren konnten.</p><p>Androl, Emarin und Pevara rutschten einen der schlammigen H�nge in die Baugrube hinunter, die man f�r das Fundament ausgehoben hatte. Schlamm bespritzte Pevara, aber sie war ja bereits v�llig durchn�sst, und der Regen sp�lte den Dreck weg.</p><p>Das Fundament bestand aus Ziegelsteinen, die Mauern, Zwischenr�ume und Korridore bilden sollten; hier unten verwandelte sich alles in ein Labyrinth, in dem sich der fallende Regen sammelte. Am Morgen w�rden die Asha�man-Soldaten erst einmal alles trockenlegen m�ssen.</p><p><emphasis>Wie finden wir den Eingang?,</emphasis> �bersandte Pevara.</p><p>Androl kniete nieder, dann schwebte eine winzige Lichtkugel �ber seiner Hand. Regentropfen passierten das Licht; einen Augenblick lang sah es aus, als w�rden winzige Meteoriten aufblitzen und verschwinden. Er legte die Finger in das Wasser auf dem Boden.</p><p>Er schaute wieder auf, dann streckte er den Arm aus. �Es flie�t in die Richtung�, fl�sterte er. �Irgendwohin. Dort finden wir Taim.�</p><p>Emarin grunzte anerkennend. Androl hob die Hand und winkte Jonneth und Nalaam nach unten ins Fundament, dann ging er mit leisen Schritten voraus.</p><p><emphasis>Ihr. Bewegt. Euch. Gut. Leise,</emphasis> �bermittelte Pevara.</p><p><emphasis>Bin als Kundschafter ausgebildet,</emphasis> sandte er zur�ck. <emphasis>Im Wald. In den Verschleierten Bergen.</emphasis></p><p>Wie vielen Handwerken war er in seinem Leben eigentlich nachgegangen? Er hatte ihr einige Sorgen bereitet. Ein Leben, wie er es gef�hrt hatte, konnte ein deutlicher Hinweis auf eine fundamentale Unzufriedenheit mit der Welt sein, eine Ungeduld. Aber wie er �ber die Schwarze Burg sprach�� die Leidenschaft, mit der er k�mpfen wollte�� das besagte etwas anderes. Hier ging es nicht nur um Loyalit�t zu Logain. Ja, er und die anderen respektierten Logain, aber f�r sie repr�sentierte er etwas viel Bedeutenderes. Einen Ort, an dem M�nner wie sie geachtet wurden.</p><p>Ein Leben, wie Androl es gef�hrt hatte, konnte auf einen Mann hinweisen, der sich niemals festlegte oder zufrieden war, aber es konnte auch auf etwas anderes hindeuten: einen Mann auf der Suche. Einen Mann, der genau wusste, dass das Leben, das er f�hren wollte, irgendwo dort drau�en existierte. Er musste es blo� finden.</p><p>�Bringt man euch in der Wei�en Burg eigentlich bei, Menschen auf diese Weise zu analysieren?�, fl�sterte Androl ihr ins Ohr, als er neben einem T�rdurchgang stehen blieb und seine Lichtkugel hineinhielt, um die anderen dann herbeizuwinken.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> antwortete sie stumm, um diese Kommunikationsmethode zu �ben, um ihre Gedanken besser flie�en zu lassen. <emphasis>Das ist etwas, das eine Frau nach ihrem ersten Lebensjahrhundert erlernt.</emphasis></p><p>Er reagierte mit angespannter Belustigung. Sie kamen zu einer Reihe im Bau befindlicher R�ume, von denen keiner ein Dach aufwies, bevor sie schlie�lich zu einer Sektion unbearbeiteten Erdbodens kamen. Hier standen ein paar F�sser mit Pech, aber man hatte sie zur Seite geschoben, und die Bretter, auf denen sie normalerweise standen, waren entfernt worden. Dort klaffte ein Loch im Boden. Das Wasser floss �ber den Grubenrand und verschwand in der Dunkelheit. Androl kniete nieder und lauschte, dann nickte er den anderen zu, bevor er sich hinunterlie�. Eine Sekunde sp�ter platschte es.</p><p>Pevara folgte ihm; es ging nur wenige Fu� in die Tiefe. Das Wasser f�hlte sich kalt an ihren F��en an, aber sie war ja bereits durchn�sst. Androl stand geduckt da und schob sich dann unter einem irdenen �berhang hindurch, um sich auf der anderen Seite wieder aufzurichten. Seine winzige Lichtkugel enth�llte einen Tunnel. Hier hatte man einen Graben ausgehoben, in dem sich das Regenwasser sammelte. Pevara sch�tzte, dass sie jetzt genau unter der Stelle standen, an der sie die W�chter get�tet hatten.</p><p><emphasis>Dobser hat recht,</emphasis> �bermittelte sie, w�hrend die anderen hinter ihr in die Tiefe sprangen. <emphasis>Taim errichtet Geheimtunnel und verborgene R�ume.</emphasis></p><p>Sie �berquerten den Graben und gingen weiter. Nach einem kurzen St�ck Tunnel erreichten sie eine Abzweigung, an der die W�nde wie ein Minenschaft abgest�tzt waren. Sie versammelten sich und schauten erst in die eine Richtung, dann in die andere. Zwei M�glichkeiten.</p><p>�Der Weg f�hrt schr�g aufw�rts�, fl�sterte Emarin und zeigte nach links. �Vielleicht zu einem weiteren Eingang in diese Tunnel?�</p><p>�Wir sollten weiter nach unten gehen�, meinte Nalaam. �Findet Ihr nicht auch?�</p><p>�Ja�, erwiderte Androl, befeuchtete den Finger und �berpr�fte die Luft. �Der Luftzug zeigt nach rechts. Wir gehen zuerst in die Richtung. Seid vorsichtig. Es wird noch mehr W�chter geben.�</p><p>Die Gruppe schlich weiter durch den Tunnel. Wie lange hatte Taim an diesem Komplex gearbeitet? Er schien nicht gerade schrecklich gro� zu sein�� bis jetzt hatte es keine weiteren Abzweigungen gegeben��, trotzdem war er beeindruckend.</p><p>Pl�tzlich blieb Androl stehen, und die anderen folgten seinem Beispiel. Eine grollende Stimme hallte durch den Gang, zu leise, um die Worte verstehen zu k�nnen. Aber sie wurden von einem Lichtschein begleitet, der �ber die W�nde flackerte. Pevara umarmte die Quelle und bereitete Gewebe vor. Falls sie die Macht lenkte, w�rde das jemandem im Fundament auffallen? Androl z�gerte ebenfalls; an der Oberfl�che die Macht zu lenken, um die W�chter zu t�ten, war schon verr�terisch genug gewesen. Falls Taims M�nner hier unten die Benutzung der Einen Macht sp�rten��</p><p>Eine Gestalt kam n�her, das Licht beleuchtete einen Mann.</p><p>Neben Pevara �chzte etwas, als Jonneth seinen mittlerweile mit eingehakter Sehne versehenen Bogen von den Zwei Fl�ssen spannte. Der Tunnel war kaum hoch genug daf�r. Jonneth lie� die Sehne los, etwas pfiff durch die Luft. Das Grummeln verstummte wie abgeschnitten, das Licht fiel zu Boden.</p><p>Die Gruppe eilte los und stie� auf Coteren. Mit gl�sernem Blick starrte er zur Decke, aus seiner Brust ragte ein Pfeil. Seine Laterne brannte weiter auf dem Boden neben ihm. Jonneth holte seinen Pfeil zur�ck, dann wischte er ihn am Gewand des Toten sauber. �<emphasis>Darum</emphasis> trage ich noch immer einen Bogen, du verfluchter Sohn einer Ziege.�</p><p>�Da�, sagte Emarin und zeigte ein St�ck voraus auf eine schwere T�r. �Coteren bewachte sie.�</p><p>�Haltet euch bereit�, fl�sterte Androl, dann holte er tief Luft, eilte los und stie� die Holzt�r auf. Dahinter lag eine Reihe primitiver Zellen, die man in die Erde gegraben hatte�� sie stellten kaum mehr als ein mit einer T�re verschlossenes K�mmerchen dar. Pevara sp�hte in eines hinein, aber es war leer. Es war nicht einmal gro� genug, dass ein Mann dort aufrecht stehen konnte, und es war stockfinster. In diesen Zellen eingesperrt zu sein bedeutete, dass man in die Finsternis gesperrt war, in einen Raum gequetscht, der nicht gr��er als ein Grab war.</p><p>�Beim Licht!�, sagte Nalaam. �Androl! Er ist hier. Es ist Logain!�</p><p>Die anderen eilten zu ihm, und Androl knackte das T�rschloss mit �berraschend flinken Fingern. Sie zogen die Zellent�r auf, und Logain rollte ihnen mit einem Aufst�hnen entgegen. Er sah schrecklich aus, war v�llig verdreckt. Einst hatten ihn diese dunklen Locken und die stark ausgepr�gten Z�ge durchaus attraktiv aussehen lassen. Er erschien so schwach wie ein Bettler.</p><p>Er hustete, dann richtete er sich mit Nalaams Hilfe auf die Knie auf. Androl kniete sich sofort hin, aber er tat es nicht aus Ehrerbietung. Er starrte Logain in die Augen, w�hrend Emarin dem Anf�hrer der Asha�man seine Feldflasche reichte.</p><p><emphasis>Er ist es,</emphasis> dachte Androl, und eine Welle der Erleichterung str�mte durch den Bund. <emphasis>Er ist noch er selbst.</emphasis></p><p><emphasis>H�tten sie ihn Umgedreht, h�tten sie ihn gehen lassen,</emphasis> erwiderte Pevara, die sich immer mehr an diese Gedanken�bertragung gew�hnte.</p><p><emphasis>Vielleicht. Es sei denn, das hier ist eine Falle.</emphasis> �Mein Lord Logain.�</p><p>�Androl.� Logains Stimme war heiser. �Jonneth. Nalaam. Und eine Aes Sedai?� Er musterte Pevara. F�r einen Mann, der anscheinend Tage, wenn nicht sogar Wochen eingekerkert gewesen war, erschien er erstaunlich aufgeweckt. �Ich erinnere mich an Euch. Welcher Ajah geh�rt Ihr an, Frau?�</p><p>�Spielt das eine Rolle?�, erwiderte sie.</p><p>�Sogar eine gro�e�, sagte Logain und versuchte zu stehen. Dazu war er aber zu schwach, und Nalaam musste ihn st�tzen. �Wie habt ihr mich gefunden?�</p><p>�Diese Geschichte kann warten, bis wir in Sicherheit sind, mein Lord�, sagte Androl. Er sp�hte durch den T�rspalt. �Lasst uns gehen. Wir haben noch immer eine schwierige Nacht vor uns. Ich���</p><p>Er erstarrte und schlug die T�r zu.</p><p>�Was ist?�, fragte Pevara.</p><p>�Die Macht wird gelenkt�, antwortete Jonneth. �Sehr stark.�</p><p>Im Gang drau�en ert�nten Rufe, ged�mpft durch die Erdw�nde und die T�r.</p><p>�Man hat die W�chter gefunden�, sagte Emarin. �Mein Lord Logain, k�nnt Ihr k�mpfen?�</p><p>Logain versuchte, aus eigener Kraft auf den Beinen zu stehen, sackte aber wieder zusammen. Seine Miene war entschlossen, aber Pevara f�hlte Androls Entt�uschung. Man hatte Logain Spaltwurzel verabreicht; entweder das oder er war zu ersch�pft, um die Macht lenken zu k�nnen. Das war nicht �berraschend. Pevara hatte Frauen erlebt, die zu ausgelaugt waren, um die Quelle zu umarmen, und sie waren in einem viel besseren Zustand gewesen.</p><p>�Zur�ck!�, rief Androl und wich von der T�r fort�� dr�ckte sich gegen die Wand. Im n�chsten Moment sprengte ein Gewebe aus Feuer und Zerst�rung die T�r.</p><p>Pevara wartete nicht, bis die Tr�mmer zu Boden geregnet waren; sie webte Feuer und schleuderte eine S�ule der Zerst�rung in den Korridor. Sie wusste, dass sie Schattenfreunden oder Schlimmerem gegen�berstand. Die Drei Eide konnten sie hier nicht behindern.</p><p>Rufe ert�nten, aber etwas wehrte das Feuer ab. Eine Abschirmung versuchte, sie von der Quelle zu trennen. Es gelang ihr gerade eben, den Angriff abzuwehren; schneller atmend duckte sie sich zur Seite.</p><p>�Wer auch immer das ist, sie sind stark�, sagte sie.</p><p>Eine Stimme hallte durch die Tunnel und gab offensichtlich Befehle, die in diesem Raum nicht deutlich zu verstehen waren.</p><p>Jonneth ging neben ihr auf die Knie, hielt den Bogen bereit. �Licht, das ist Taims Stimme!�</p><p>�Wir k�nnen uns hier nicht wehren�, sagte Logain. �Androl. Ein Wegetor.�</p><p>�Ich versuche es�, stie� Androl hervor. �Beim Licht, ich versuche es!�</p><p>�Bah.� Nalaam lehnte Logain gegen die Wand. �Ich habe schon schlimmer in der Klemme gesteckt!� Er gesellte sich zu den anderen an der T�r und schleuderte Gewebe in den Korridor. Explosionen ersch�tterten die W�nde, Erde regnete von der Decke.</p><p>Pevara sprang zur T�r, warf ein Gewebe und ging neben Androl in die Knie. Er starrte ins Leere, das Gesicht eine Maske der Konzentration. Entschlossenheit und Frustration pulsierten durch den Bund. Sie nahm seine Hand.</p><p>�Ihr schafft das�, fl�sterte sie.</p><p>Der T�rrahmen explodierte, und Jonneth fiel mit verbranntem Arm zur�ck. Der Boden bebte; nun regnete auch immer mehr Erde von den W�nden.</p><p>Schwei� str�mte �ber Androls Gesicht. Er biss die Z�hne zusammen, wurde knallrot, riss die Augen auf. Rauch str�mte in den Raum und lie� Emarin husten, w�hrend Nalaam Jonneth Heilte.</p><p>Androl schrie auf, und er n�herte sich der Kante dieses Walls in seinem Verstand. Er war fast da! Er konnte��</p><p>Ein Gewebe traf den Raum, das ganze Erdreich wogte, und die in Mitleidenschaft gezogene Decke gab schlie�lich nach. Erdmassen st�rzten auf sie herab, dann wurde alles um sie herum schwarz.</p></section><section><title><p>5</p><p>Die Bitte um eine Gunst</p></title><p>Rand al�Thor erwachte und nahm einen tiefen Atemzug. Er schl�pfte unter den Decken hervor, lie� Aviendha schlafen und warf sich einen Mantel �ber. Die Luft roch feucht.</p><p>Unwillk�rlich musste er an die Morgen in seiner Jugend denken, als er vor Tagesanbruch aufgestanden war, um die Kuh zu melken, die zweimal am Tag gemolken werden musste. Mit geschlossenen Augen erinnerte er sich an den L�rm, den Tam, der schon viel fr�her aufgestanden war, in der Scheune gemacht hatte, wo er neue Zaunlatten zurechtschnitt. Erinnerte sich an die k�hle Luft, mit den F��en aufzustampfen, damit die Stiefel richtig sa�en, sich das Gesicht mit Wasser zu waschen, das neben dem Herd stand und noch warm war.</p><p>Ein Bauer konnte jeden Morgen die T�r �ffnen und auf eine Welt hinausschauen, die noch neu war. Scharfer Frost. Die ersten z�gerlichen Vogelstimmen. Sonnenlicht am Horizont, als w�rde die Welt am Morgen g�hnen.</p><p>Rand ging zum Zelteingang und zog die Plane zur Seite, nickte Katerin zu, einer kleinen blonden Tochter, die auf ihrem Posten stand. Er schaute auf eine Welt hinaus, die alles andere als neu war. Diese Welt war alt und m�de, wie ein Kesselflicker, der zu Fu� zum R�ckgrat der Welt und zur�ck gelaufen war. Das Feld von Merrilor war voller Zelte, der Rauch von Kochfeuern wehte s�ulenf�rmig dem noch dunklen Morgenhimmel entgegen.</p><p>�berall arbeiteten M�nner. Soldaten �lten R�stungen. Schmiede sch�rften Speerspitzen. Frauen bereiteten Federn vor, um Pfeile zu befiedern. K�chenkarren servierten M�nnern Fr�hst�ck, die besser geschlafen haben mussten als er. Jeder wusste, dass das ihre letzten Augenblicke vor dem Sturm waren.</p><p>Rand schloss die Augen. Er konnte das Land selbst <emphasis>f�hlen</emphasis>, als teilten sie einen schwachen Beh�terbund. Unter seinen F��en krochen Raupen durch das Erdreich. Graswurzeln breiteten sich ganz langsam aus und suchten Nahrung. Die skeletthaften B�ume waren nicht tot, denn Wasser sickerte durch ihr Inneres. Sie schlummerten. Rotkehlchen dr�ngten sich auf einem Baum in der N�he. Sie begr��ten die eintreffende Morgend�mmerung nicht. Sie dr�ngten sich aneinander, als suchten sie W�rme.</p><p>Noch lebte das Land. Aber es lebte wie ein Mann, der sich mit den Fingerspitzen am Rand des Abgrunds festklammerte.</p><p>Rand �ffnete die Augen. �Sind meine Sekret�re aus Tear zur�ckgekehrt?�</p><p>�Ja, Rand al�Thor�, sagte Katerin.</p><p>�Schickt den Herrschern eine Botschaft. Ich treffe sie in einer Stunde in der Mitte des Feldes, wo laut meinem Befehl keine Zelte aufgeschlagen werden durften.�</p><p>Katerin lief los, um seine Befehle weiterzugeben; drei andere T�chter in der N�he �bernahmen die Wache. Rand schloss den Zelteingang und drehte sich um, dann zuckte er zusammen, als er Aviendha so nackt wie am Tag ihrer Geburt mitten im Zelt stehen sah.</p><p>�Es ist sehr schwer, sich an dich heranzuschleichen, Rand al�Thor�, verk�ndete sie mit einem L�cheln. �Der Bund verschafft dir viel zu viele Vorteile. Ich muss mich ganz langsam bewegen, wie eine Echse um Mitternacht, damit sich dein Eindruck, wo ich gerade bin, nicht zu schnell anpasst.�</p><p>�Licht, Aviendha! Warum musst du dich �berhaupt an mich anschleichen?�</p><p>�Darum�, sagte sie, machte einen Satz nach vorn, packte seinen Kopf, k�sste ihn und dr�ckte ihren K�rper an ihn.</p><p>Er entspannte sich und genoss den Kuss. �Eigentlich �berrascht es nicht�, murmelte er um ihre Lippen herum, �dass das viel mehr Spa� macht, weil ich mir keine Sorgen machen muss, etwas abzufrieren, w�hrend ich es tue.�</p><p>Aviendha l�ste sich von ihm. �Du solltest diesen Vorfall nicht erw�hnen, Rand al�Thor.�</p><p>�Aber���</p><p>�Mein <emphasis>Toh</emphasis> ist bezahlt, und ich bin jetzt Elaynes Erstschwester. Erinnere mich nicht an eine Schande, die vergessen ist.�</p><p>Schande? Warum sollte sie sich deshalb sch�men, wo sie doch gerade�� Er sch�ttelte den Kopf. Er konnte das Land atmen h�ren, konnte einen K�fer auf einem meilenweit entfernten Blatt f�hlen, nur Aiel konnte er manchmal nicht verstehen. Aber vielleicht galt das ja auch nur f�r Frauen.</p><p>In diesem Fall traf vermutlich beides zu.</p><p>Aviendha z�gerte neben dem Fass mit frischem Wasser. �Ich nehme an, wir haben keine Zeit f�r ein Bad.�</p><p>�Ach, du badest jetzt gern?�</p><p>�Ich habe es als einen Teil meines Lebens akzeptiert�, sagte sie. �Wenn ich in den Feuchtl�ndern leben muss, werde ich einige Br�uche der Feuchtl�nder annehmen. Wenn sie nicht albern sind.� Ihr Tonfall deutete an, dass das f�r die meisten zutraf.</p><p>�Was ist los?�, fragte Rand und trat zu ihr.</p><p>�Was soll los sein?�</p><p>�Etwas macht dir zu schaffen. Ich kann es dir ansehen, es in dir f�hlen.�</p><p>Sie musterte ihn argw�hnisch. Licht, sie war so wundersch�n.</p><p>�Mit dir konnte man wesentlich leichter umgehen, als du noch nicht die uralte Weisheit deines fr�heren Ichs hattest, Rand al�Thor.�</p><p>Er l�chelte. �Tats�chlich? So hast du dich damals aber nicht verhalten.�</p><p>�Da war ich auch noch wie ein Kind, unerfahren in Rand al�Thors grenzenloser F�higkeit, einen verr�ckt zu machen.� Sie tauchte die H�nde ins Wasser und wusch sich das Gesicht. �Alles ist gut; h�tte ich gewusst, was du alles mit dir bringst, h�tte ich vielleicht freiwillig f�r immer das Wei� angezogen.�</p><p>L�chelnd griff er nach der Macht, webte Wasser und zog die Fl�ssigkeit in einer S�ule aus dem Fass. Aviendha trat zur�ck und sah neugierig zu.</p><p>�Die Vorstellung, dass ein Mann die Macht lenkt, scheint dich nicht l�nger zu st�ren�, bemerkte er, w�hrend er das Wasser in der Luft ausbreitete und mit einem Strang Feuer erhitzte.</p><p>�Dazu gibt es keinen Grund mehr. W�rde es mich st�ren, dass du die Macht lenkst, w�rde ich mich wie ein Mann benehmen, der sich weigert, die Schande einer Frau zu vergessen, nachdem ihr <emphasis>Toh</emphasis> erledigt ist.� Sie musterte ihn.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so unh�flich sein sollte�, meinte er, warf den Mantel zur Seite und stellte sich vor sie. �Hier, das ist ein Relikt dieser �uralten Weisheit�, die du anscheinend so nervenaufreibend findest.�</p><p>Er holte das auf perfekte Temperatur erw�rmte Wasser heran und zerdr�ckte es zu einem dichten Spr�hregen, der um sie herum fiel. Aviendha keuchte auf und packte seinen Arm. Die Br�uche der Feuchtl�nder mochten ihr ja immer vertrauter werden, aber Wasser bereitete ihr noch immer sowohl Unbehagen wie auch and�chtiges Entz�cken.</p><p>Rand ergriff mit Luft ein St�ck Seife, zerteilte sie und mischte die Flocken ins Wasser, lie� einen Strom Seifenblasen um ihre K�rper brausen. Ihre Haare wehten nach oben. Er wrang Aviendhas Haar wie zu einer S�ule zusammen, bevor er es sanft wieder auf ihre Schultern fallen lie�.</p><p>Eine weitere Welle warmen Wassers sp�lte die Seife ab, dann entfernte er den gr��ten Teils der Feuchtigkeit, was sie feucht, aber nicht klatschnass zur�cklie�. Das Wasser kam zur�ck in das Fass, und er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> mit einem gewissen Bedauern los.</p><p>Aviendha keuchte. �Das�� Das war v�llig n�rrisch und verantwortungslos.�</p><p>�Danke�, sagte er, ergriff ein Handtuch und warf es ihr zu. �Du w�rdest das meiste von dem, was wir w�hrend des Zeitalters der Legenden taten, als n�rrisch und verantwortungslos bezeichnen. Das war eine andere Zeit, Aviendha. Es gab viel mehr Machtlenker, und wir wurden von Kindheit an darin unterrichtet. Wir mussten nicht wissen, was Krieg ist oder wie man t�tet. Wir hatten Schmerz, Hunger, Leid und Krieg ausgemerzt. Stattdessen benutzten wir die Eine Macht f�r Dinge, die vielleicht ganz gew�hnlich erscheinen.�</p><p>�Ihr hattet blo� angenommen, den Krieg ausgemerzt zu haben.� Aviendha schnaubte. �Ihr habt euch geirrt. Eure Dummheit hat euch schwach gemacht.�</p><p>�Das tat sie. Aber ich wei� nicht, ob ich die Dinge ge�ndert h�tte. Da gab es so viele gute Jahre. Gute Jahrzehnte, gute Jahrhunderte. Wir glaubten, in einem Paradies zu leben. Vielleicht war das ja unser Niedergang. Wir wollten, dass unser Leben perfekt ist, also ignorierten wir die Dinge, die nicht perfekt waren. Mangelnde Aufmerksamkeit vergr��erte Probleme, und vielleicht w�re der Krieg auch ohne die Bohrung unausweichlich gewesen.� Er trocknete sich mit der Macht ab.</p><p>�Rand.� Aviendha trat dicht an ihn heran. �Ich werde heute eine Gunst von dir erbitten.� Sie legte ihm die Hand auf den Arm. Ihre Haut war von ihren Tagen als Tochter voller Schwielen. Aviendha w�rde niemals eine zarte Dame wie die von den H�fen von Cairhien und Tear sein. Rand mochte das. Sie hatte H�nde, die wussten, wie man arbeitete.</p><p>�Was f�r eine Gunst?�, fragte er. �Ich bin mir nicht sicher, dir heute �berhaupt etwas abschlagen zu k�nnen.�</p><p>�Ich bin mir noch nicht sicher, was es sein wird.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Das musst du auch nicht�, sagte sie. �Und du brauchst mir auch nicht zu versprechen, dass du sie erf�llst. Ich fand, ich sollte dich vorher warnen, denn man greift seinen Geliebten nicht aus dem Hinterhalt an. Meine Gunst wird erfordern, dass du deine Pl�ne �nderst, vielleicht sogar auf drastische Weise, und es wird wichtig sein.�</p><p>�Also gut���</p><p>Sie nickte so geheimnisvoll wie immer und fing an, ihre Kleidung aufzusammeln, um sich f�r den Tag anzuziehen.</p><empty-line/><p>In ihrem Traum umrundete Egwene eine Glass�ule. Sie erschien beinahe schon wie eine S�ule aus Licht. Was hatte das zu bedeuten? Sie vermochte es nicht zu interpretieren.</p><p>Die Vision ver�nderte sich, und sie sah eine Kugel. Irgendwie war ihr klar, dass das die Welt war. �berall breiteten sich Spr�nge aus. Mit fliegenden Fingern spannte sie Taue darum und strengte sich an, sie zusammenzuhalten. Es gelang ihr, ihre Zerst�rung zu verhindern, aber es kostete so viel Kraft��</p><p>Sie verblich aus dem Traum und wachte ruckartig auf. Augenblicklich umarmte sie die Quelle und webte ein Licht. Wo war sie?</p><p>Sie trug ein Nachthemd und lag auf dem Bett in der Wei�en Burg. Es handelte sich nicht um ihre eigenen Gem�cher, die nach dem Angriff der Meuchelm�rder noch immer nicht wieder bewohnbar waren. Ihr Arbeitszimmer verf�gte �ber einen kleinen angrenzenden Schlafraum, und sie hatte sich dort hingelegt.</p><p>Ihr dr�hnte der Sch�del. Vage konnte sie sich daran erinnern, wie sie sich in der Nacht zuvor in ihrem Zelt auf dem Feld von Merrilor Berichte �ber den Untergang von Caemlyn angeh�rt hatte, bis sie M�he hatte, die Augen offen zu halten. Irgendwann zu sp�ter Stunde hatte Gawyn darauf bestanden, dass Nynaeve ein Wegetor zur Wei�en Burg �ffnete, damit sie in einem vern�nftigen Bett und nicht auf einer Zeltpritsche schlafen konnte.</p><p>Murrend stand sie auf. Vermutlich hatte er recht gehabt, aber sie konnte sich <emphasis>deutlich</emphasis> daran erinnern, sich �ber seinen Tonfall ge�rgert zu haben. Niemand hatte ihn zurechtgewiesen, nicht einmal Nynaeve. Sie rieb sich die Schl�fen. Die Kopfschmerzen waren bei Weitem nicht so schlimm wie damals, als sich Halima um sie �gek�mmert� hatte, aber es reichte. Zweifellos gab ihr K�rper seinem Unwillen dar�ber Ausdruck, wie wenig sie in den vergangenen Wochen geschlafen hatte.</p><p>Kurze Zeit sp�ter, nachdem sie sich angezogen und gewaschen hatte und sich <emphasis>etwas</emphasis> besser f�hlte, verlie� sie das Zimmer und fand Gawyn an Silvianas Schreibtisch sitzen. Er studierte einen Bericht und ignorierte eine Novizin, die neben der T�r stand.</p><p>�Wenn sie dich dabei erwischt, h�ngt sie dich an den Zehen aus dem Fenster�, meinte Egwene trocken.</p><p>Gawyn fuhr in die H�he. �Das ist kein Bericht von ihrem Stapel�, protestierte er. �Das sind die neuesten Nachrichten von einer Schwester �ber Caemlyn. Sie kamen vor wenigen Minuten durch ein Wegetor.�</p><p>�Und du liest sie?�</p><p>Er err�tete. �Verflucht, Egwene. Das ist mein Zuhause. Er war nicht versiegelt. Ich dachte���</p><p>�Schon gut, Gawyn.� Sie seufzte. �Lass mal sehen.�</p><p>�Viel steht dort nicht�, sagte er mit einer Grimasse und gab ihr das Blatt. Ein Nicken von ihm lie� die Novizin aus dem Raum st�rzen. Kurze Zeit sp�ter kam das M�dchen mit einem Tablett voller verschrumpelter Glockenfr�chte, Brot und einem Krug Milch zur�ck.</p><p>Egwene setzte sich an ihren Schreibtisch im Arbeitszimmer, um zu essen, und f�hlte sich schuldig, als die Novizin ging. Der gr��te Teil der Aes Sedai aus der Burg und die Soldaten kampierten in Zelten auf dem Feld von Merrilor, w�hrend sie Obst a� ��und es spielte keine Rolle, wie alt es war�� und in einem bequemen Bett schlief.</p><p>Trotzdem hatten Gawyns Argumente Sinn gemacht. Wenn alle glaubten, sie sei in ihrem Zelt auf dem Feld, dann w�rden m�gliche Attent�ter dort zuschlagen. Nachdem die seanchanischen Meuchelm�rder sie um ein Haar get�tet h�tten, war sie durchaus zu ein paar zus�tzlichen Vorsichtsma�nahmen bereit. Vor allem, wenn sie ihr halfen, etwas Schlaf zu finden.</p><p>�Diese Seanchanerin�, sagte sie und starrte in ihren Becher. �Die mit dem Illianer. Hast du mit ihr gesprochen?�</p><p>Er nickte. �Ich lasse die beiden von ein paar Burgw�chtern bewachen. Nynaeve hat f�r sie geb�rgt, gewisserma�en.�</p><p>�Wieso gewisserma�en?�</p><p>�Sie bezeichnete die Frau als wollk�pfig, meinte aber, sie w�rde dir vermutlich nicht <emphasis>absichtlich</emphasis> schaden.�</p><p>�Gro�artig.� Nun, sie konnte eine Seanchanerin gebrauchen, die bereit war, zu reden. Beim Licht. Was, wenn sie zur gleichen Zeit gegen sie und die Trollocs k�mpfen musste?</p><p>�Du hast dich nicht an deinen eigenen Rat gehalten�, sagte sie, als er sich auf einen der St�hle vor dem Tisch hinsetzte und sie seine ger�teten Augen bemerkte.</p><p>�Jemand musste die T�r bewachen. Nachtw�chter zu schicken h�tte jedermann verraten, dass du nicht auf dem Feld bist.�</p><p>Sie nahm einen Bissen Brot ��womit war das denn wohl gebacken?�� und �berflog den Bericht. Er hatte recht, aber ihr gefiel die Vorstellung nicht, dass er an einem Tag wie diesem nicht ausgeschlafen war. Der Beh�terbund war auch nicht allm�chtig.</p><p>�Also ist die Stadt tats�chlich verloren�, sagte sie. �Die Mauern haben Breschen, der Palast ist besetzt. Aber die Trollocs haben nicht die ganze Stadt niedergebrannt. Viele Viertel, aber nicht alles.�</p><p>�Ja�, erwiderte Gawyn. �Aber es ist offensichtlich, dass Caemlyn verloren ist.� Der Bund verriet ihr seine Anspannung.</p><p>�Es tut mir leid.�</p><p>�Viele sind entkommen, bei den vielen Fl�chtlingen ist es jedoch schwer zu sagen, wie hoch die Stadtbev�lkerung vor dem Angriff �berhaupt war. Vermutlich sind Hunderttausende gestorben.�</p><p>Genug Menschen, um ein riesiges Heer aufzustellen, ausgel�scht in einer Nacht. Und das war vermutlich nur der Anfang der kommenden Gewalt. Wie viele waren bis jetzt in Kandor gestorben? Da konnte man nur sch�tzen.</p><p>In Caemlyn waren viele Vorr�te des andoranischen Heeres gelagert gewesen. Egwene versp�rte �belkeit bei dem Gedanken, dass so viele Menschen, und zwar Hunderttausende, blindlings aus der brennenden Stadt ins Umland fl�chteten. Und doch war dieser Gedanke weniger erschreckend als die M�glichkeit, dass Elaynes Truppen verhungerten. Vielleicht konnte sie mit Nahrung aushelfen, obwohl die Wei�e Burg auch keine gro�en Reserven mehr hatte.</p><p>�Hast du die Bemerkung ganz unten gelesen?�, fragte Gawyn.</p><p>Das hatte sie nicht. Stirnrunzelnd suchte sie nach dem Satz, der ganz unten in Silvianas Handschrift stand. Rand al�Thor hatte verlangt, dass sich alle mit ihm trafen, und zwar um��</p><p>Sie schaute zu der alten Standuhr des Zimmers. Die Zusammenkunft war in einer halben Stunde. Sie st�hnte, dann schaufelte sie den Rest des Fr�hst�cks in ihren Mund. Das war kein feines Benehmen, aber das Licht sollte sie <emphasis>verbrennen</emphasis>, wenn sie Rand mit leerem Magen gegen�bertreten w�rde.</p><p>�Ich werde den Burschen erw�rgen�, sagte sie und wischte sich das Gesicht ab. �Komm, los.�</p><p>�Wir k�nnen immer noch als Letzte kommen�, meinte Gawyn und stand auf. �Ihm zeigen, dass er uns keine Befehle geben kann.�</p><p>�Und ihm Gelegenheit geben, mit jedem zu sprechen, w�hrend ich nicht dabei bin, um f�r alles Gegenargumente zu bringen? Es gef�llt mir nicht, aber im Augenblick h�lt Rand die Z�gel. Alle sind viel zu neugierig, weil sie erfahren wollen, was er eigentlich plant.�</p><p>Sie webte ein Wegetor in ihr Zelt, in die Ecke, die sie f�r das Reisen reserviert hatte. Zusammen mit Gawyn trat sie hindurch und verlie� das Zelt, betrat das Chaos auf dem Feld von Merrilor. �berall nur Gebr�ll; in der Ferne donnerten Hufe, als Soldaten im Galopp ihre Positionen f�r die Zusammenkunft einnahmen. War Rand eigentlich klar, was er da getan hatte? Soldaten auf diese Weise zusammenzuziehen, sie nerv�s und voller Unsicherheit zur�ckzulassen, da konnte man auch direkt Feuerwerk in einen Topf packen und ihn auf den Herd stellen. Irgendwann w�rde schon etwas explodieren.</p><p>Egwene musste das Chaos in geordnete Bahnen lenken. Sie eilte aus dem Zelt, Gawyn einen Schritt hinter sich auf ihrer linken Seite, gl�ttete ihre Miene. Die Welt brauchte eine Amyrlin.</p><p>Silviana wartete schon. Sie war ganz formell mit Stola und Stab ausger�stet, als w�rden sie zu einer Zusammenkunft im Saal der Burg gehen.</p><p>�K�mmert Euch darum, sobald die Versammlung beginnt�, sagte Egwene und gab ihr den Bericht.</p><p>�Ja, Mutter�, erwiderte die Frau und setzte sich dann einen Schritt hinter ihr auf die rechte Seite. Egwene brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass sich Silviana und Gawyn geflissentlich ignorierten.</p><p>An der Westseite ihres Lagers fand Egwene eine Gruppe Aes Sedai, die sich stritten. Sie bahnte sich ihren Weg durch sie hindurch und lie� Schweigen zur�ck. Ein Stallbursche brachte ihr Pferd Sieber, einen reizbaren Wallach mit fleckiger Haut, und als sie aufstieg, betrachtete sie die Aes Sedai. �Nur Sitzende.�</p><p>Das rief eine Flut gesitteter Beschwerden hervor, von denen jede mit der Autorit�t einer Aes Sedai vorgetragen wurde. Jede Frau glaubte, ein Recht zu haben, an der Zusammenkunft teilzunehmen. Egwene starrte sie finster an, und langsam gehorchten die Frauen. Sie waren Aes Sedai; kleinlicher Zank lag unter ihrer W�rde.</p><p>Die Sitzenden versammelten sich, und Egwene betrachtete das Feld von Merrilor, w�hrend sie wartete. Es handelte sich um ein gro�es Gebiet aus shienarischem Grasland, das die Form eines Dreiecks aufwies. An zwei Seiten von den sich hier vereinigenden Fl�ssen Mora und Erinin begrenzt, bestand die dritte Seite aus Wald. An einer Stelle des ebenen Gel�ndes ragte der Dasharfels empor, eine ungef�hr hundert Fu� hohe runde Felserhebung mit steilen W�nden; gegen�ber auf der arafelischen Seite des Mora erhob sich die Polov-Anh�he, ein etwa vierzig Fu� hoher, weitl�ufiger H�gel mit flacher Oberseite, der auf drei Seiten sanfte H�nge und auf der Flussseite einen steilen Abhang aufwies. S�dwestlich der Polov-Anh�he gab es Moorland, in dessen N�he Untiefen im Mora lauerten, die auch unter dem Namen Hawalfurt bekannt waren und als bequemer Grenz�bertritt zwischen Arafel und Shienar benutzt wurden.</p><p>Weit im Nordosten des Feldes befand sich ein <emphasis>Stedding</emphasis> der Ogier, das ein paar alten Steinruinen gegen�berstand. Egwene hatte dort kurz nach ihrer Ankunft einen H�flichkeitsbesuch gemacht, aber Rand hatte die Ogier nicht zu seiner Zusammenkunft eingeladen.</p><p>Armeen versammelten sich. Aus dem Westen, wo auch Rand sein Lager aufgeschlagen hatte, r�ckten die Flaggen der Grenzl�nder an. Darunter flatterte auch Perrins eigenes Banner. Schon seltsam, dass Perrin ein Banner haben sollte.</p><p>Aus dem S�den schl�ngelte sich Elaynes Prozession dem Treffpunkt entgegen, der sich genau in der Feldmitte befand. Die K�nigin ritt an der Spitze. Ihr Palast war niedergebrannt worden, aber sie hielt den Blick nach vorn gerichtet. Zwischen Perrin und Elayne marschierten die Tairener und Illianer ��Licht, wer hatte diese Heere so nahe nebeneinander lagern lassen?�� in voneinander getrennten Marschkolonnen; sie brachten beinahe ihre vollst�ndigen Streitkr�fte mit.</p><p>Am besten beeilte sie sich. Ihre Anwesenheit w�rde die Herrscher beruhigen und vielleicht Streit verhindern. Es w�rde ihnen nicht gefallen, in der N�he so vieler Aiel zu sein. Abgesehen von den Shaido war hier jeder Clan mit einer Abordnung vertreten. Sie wusste noch <emphasis>immer</emphasis> nicht, ob sie Rand unterst�tzen w�rden oder sie. Einige der Weisen Frauen schienen auf ihre Bitten geh�rt zu haben, aber sie hatte keinerlei Versprechen erhalten.</p><p>Saerin z�gelte neben ihr das Pferd. �Seht doch�, sagte die Braune Sitzende. �Habt Ihr das Meervolk eingeladen?�</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ich hielt die Wahrscheinlichkeit f�r zu gering, dass sie gegen Rand sind.� In Wahrheit hatte sie nach ihrem Treffen mit den Windsucherinnen in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> nicht wieder mit ihnen verhandeln wollen. Sie hatte bef�rchtet, aufzuwachen und herausfinden zu m�ssen, dass sie nicht nur ihr Erstgeborenes, sondern auch die Wei�e Burg selbst weggegeben hatte.</p><p>Sie veranstalteten ein ziemliches Spektakel, kamen in ihrer farbenpr�chtigen Kleidung durch Wegetore in der N�he von Rands Lager, die Herrinnen der Wogen und ihre Meister der Klingen so stolz wie Monarchen.</p><p><emphasis>Beim Licht. Ich frage mich, wann es das letzte Mal eine Zusammenkunft dieser Gr��enordnung gegeben hat.</emphasis> Hier war fast jede Nation vertreten, dazu kamen noch andere Gruppen, wenn man das Meervolk und die Aiel mit hinzurechnete. Es fehlten nur Murandy, Arad Doman und die von den Seanchanern besetzten L�nder.</p><p>Endlich waren die letzten Sitzenden aufgesessen und kamen an ihre Seite. Egwene konnte es kaum erwarten, dass es losging, wagte aber nicht, sich das anmerken zu lassen. Also ritt sie ganz langsam auf den Treffpunkt zu. Brynes Soldaten kamen dazu und bildeten eine Eskorte aus stampfenden Stiefeln und in die H�he gehaltenen Piken. Ihre wei�en Wappenr�cke zeigten die Flamme von Tar Valon, aber sie �berstrahlten die Aes Sedai nicht. Sie marschierten so, dass sie alle Blicke auf die Frauen in ihrer Mitte lenkten. Andere Heere verlie�en sich auf die St�rke ihrer Waffen. Die Wei�e Burg hatte etwas Besseres.</p><p>Jedes Heer kam an dem Treffpunkt in der Mitte des Feldes zusammen, wo laut Rands Befehl keine Zelte errichtet worden waren. So viele Heere an einem Ort, der perfekte Voraussetzungen f�r einen Sturmangriff bot. Das hier durfte auf gar keinen Fall schiefgehen.</p><p>Elayne setzte ein Beispiel, indem sie den gr��ten Teil ihrer Streitmacht auf halbem Weg anhalten lie� und nur mit einer kleineren Leibwache aus etwa hundert M�nnern weiterritt. Egwene tat das Gleiche. Andere Anf�hrer traten vor, w�hrend ihr Gefolge einen gro�en Kreis um die Feldmitte bildete.</p><p>Sonnenlicht fiel auf Egwene, als sie sich der Mitte n�herte. Das perfekte Loch in der Wolkendecke �ber dem Feld war ihr nicht entgangen. Rand beeinflusste die Dinge auf seltsame Weise. Er musste nicht verk�nden lassen, dass er da war, ben�tigte kein Banner. Wenn er in der N�he war, zogen sich die Wolken zur�ck und Sonnenlicht fiel zu Boden.</p><p>Dennoch hatte es nicht den Anschein, dass er das Zentrum bereits betreten hatte. Sie gesellte sich zu Elayne. �Elayne, es tut mir so leid�, sagte sie nicht zum ersten Mal.</p><p>Die blonde Frau hielt den Blick nach vorn gerichtet. �Die Stadt ist verloren, aber die Stadt ist nicht die Nation. Wir brauchen diese Zusammenkunft, aber wir m�ssen das schnell hinter uns bringen, damit ich nach Andor zur�ckkehren kann. Wo ist Rand?�</p><p>�Er l�sst sich Zeit�, erwiderte Egwene. �So war er schon immer.�</p><p>�Ich habe mit Aviendha gesprochen�, sagte Elayne. Ihr Pferd t�nzelte und schnaubte. �Sie hat die letzte Nacht mit ihm verbracht, aber er wollte ihr nicht sagen, was er heute vorhat.�</p><p>�Er hat etwas von Forderungen gesagt�, meinte Egwene und sah zu, wie sich die Herrscher mit ihrem Gefolge versammelten. Darlin Sisnera, der K�nig von Tear, war der Erste. Er w�rde sie unterst�tzen, obwohl er Rand seine Krone verdankte. Die seanchanische Bedrohung bereitete ihm noch immer gro�e Sorgen. Der Mann mittleren Alters mit dem dunklen Spitzbart war nicht besonders attraktiv, aber er war selbstsicher und selbstbeherrscht. Er verbeugte sich im Sattel vor Egwene, und sie hielt ihm ihren Ring entgegen.</p><p>Zuerst z�gerte er, dann stieg er ab und kam heran, neigte den Kopf und k�sste den Ring. �Das Licht erleuchte Euch, Mutter.�</p><p>�Ich bin froh, Euch hier zu sehen, Darlin.�</p><p>�Solange Euer Versprechen gilt. Wegetore in meine Heimat, sollte es erforderlich werden.�</p><p>�Es wird geschehen.�</p><p>Er verneigte sich erneut und betrachtete dann einen Mann, der von der anderen Seite auf Egwene zuritt. Gregorin, der Verwalter von Illian, war in vielerlei Hinsicht Darlin gleichwertig�� aber nicht in allem. Rand hatte Darlin zum Verwalter von Tear ernannt, aber die Hochlords hatten darum gebeten, dass man ihn zum K�nig kr�nte. Gregorin war blo� Verwalter geblieben. Der hochgewachsene Mann hatte in letzter Zeit an Gewicht verloren, sein rundes Gesicht mit dem �blichen illianischen Bart erschien eingefallen. Er wartete nicht auf Egwenes Aufforderung; er schwang sich vom Sattel, nahm ihre Hand, machte eine elegante Verbeugung und k�sste den Ring.</p><p>�Ich bin erfreut, dass Ihr beiden Eure Differenzen zur Seite legen konntet, um mich bei dieser Aufgabe zu unterst�tzen�, sagte Egwene und zog ihre Aufmerksamkeit von den gegenseitigen finsteren Blicken fort auf sie selbst.</p><p>�Die Absichten des Lord Drachen sind�� besorgniserregend�, meinte Darlin. �Er erw�hlte mich zum F�hrer von Tear, weil ich ihm Widerstand leistete, als ich es f�r angebracht hielt. Ich glaube, er wird auf die Vernunft h�ren, wenn ich sie ihm darlege.�</p><p>Gregorin schnaubte. �Der Lord Drache werden die Vernunft selbst sein. Wir m�ssen gut argumentieren, und ich glauben, er werden dann zuh�ren.�</p><p>�Meine Bewahrerin der Chroniken hat jedem von Euch etwas zu sagen�, entgegnete Egwene. �Bitte h�rt auf das, was sie Euch mitteilt. Euer Beistand wird nicht in Vergessenheit geraten.�</p><p>Silviana ritt vor und nahm Gregorin zur Seite. Es gab nicht viel Wichtiges zu sagen, aber Egwene hatte die Bef�rchtung gehabt, dass die beiden Streit anfangen w�rden. Silviana hatte den Befehl, sie voneinander fernzuhalten.</p><p>Darlin warf Egwene einen pr�fenden Blick zu. Er schien zu begreifen, was sie da tat, beschwerte sich aber nicht, als er wieder in den Sattel stieg.</p><p>�Ihr erscheint beunruhigt, K�nig Darlin�, sagte sie.</p><p>�Manche alten Rivalit�ten reichen tiefer als der Ozean, Mutter. Ich habe mich fast schon gefragt, ob diese Zusammenkunft das Werk des Dunklen K�nigs ist, in der Hoffnung, dass wir uns am Ende gegenseitig vernichten und ihm die Arbeit abnehmen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Egwene. �Vielleicht w�re es besser, Ihr gebt Euren M�nnern zu verstehen�� falls Ihr das nicht schon bereits getan habt��, dass es an diesem Tag keine �Unf�lle� geben soll.�</p><p>�Ein weiser Vorschlag.� Er verneigte sich und zog sich zur�ck.</p><p>Beide M�nner standen auf ihrer Seite, genau wie Elayne. Ghealdan w�rde f�r Rand sein, wenn das stimmte, was Elayne �ber K�nigin Alliandre berichtet hatte. Ghealdan war nicht so m�chtig, dass Alliandre ihr Sorgen bereitete�� die Grenzl�nder waren da schon eine ganz andere Sache. Rand schien sie f�r sich gewonnen zu haben.</p><p>Jede ihrer Flaggen flatterte �ber dem jeweiligen Heer, und jeder Herrscher war anwesend. Abgesehen von K�nigin Ethenielle, die sich in Kandor aufhielt, um die aus ihrer Heimat fl�chtenden Menschen zu unterst�tzen. Sie hatte ein betr�chtliches Kontingent f�r die Versammlung zur�ckgelassen�� einschlie�lich Antol, ihrem �ltesten Sohn��, als wollte sie deutlich machen, dass das, was auch immer hier beschlossen wurde, f�r Kandors �berleben genauso wichtig war wie der Kampf an der Grenze.</p><p>Kandor. Das erste Opfer der Letzten Schlacht. Angeblich stand das ganze Land in Flammen. W�rde Andor als N�chstes dran sein? Die Zwei Fl�sse? <emphasis>Ganz ruhig,</emphasis> dachte Egwene.</p><p>Dar�ber nachzudenken, wer f�r �wen� war, kam ihr schrecklich vor, aber das war nun einmal ihre Pflicht. Rand konnte die Letzte Schlacht nicht pers�nlich befehligen, was er zweifellos beabsichtigte. Seine Aufgabe w�rde es sein, gegen den Dunklen K�nig zu k�mpfen; er w�rde weder die Konzentration noch die Zeit haben, um zugleich der befehlshabende General zu sein. Sie hatte die feste Absicht, dass die Wei�e Burg aus dieser Zusammenkunft als Anf�hrer der vereinten Streitkr�fte gegen den Schatten hervorging, und sie w�rde <emphasis>nicht</emphasis> die Verantwortung f�r die Siegel aufgeben.</p><p>Wieweit konnte sie diesem Mann vertrauen, zu dem Rand geworden war? Er war nicht mehr der Rand, mit dem sie aufgewachsen war. Er �hnelte mehr dem Rand, wie sie ihn in der Aiel-W�ste kennengelernt hatte, nur selbstsicherer. Und vielleicht verschlagener. Im Spiel der H�user war er wirklich sehr geschickt geworden.</p><p>Keine dieser Ver�nderungen war f�r sich genommen schrecklich, vorausgesetzt, er zeigte sich vern�nftigen Argumenten noch zug�nglich.</p><p><emphasis>Ist das die Flagge von Arad Doman?,</emphasis> dachte sie �berrascht. Es war nicht nur die Flagge, es war die Flagge des K�nigs, was bedeutete, dass er mit dieser Streitmacht kam, die gerade auf dem Feld eingetroffen war. Hatte Rodel Ituralde endlich den Thron bestiegen, oder hatte Rand jemand anders ausgesucht? Die k�nigliche Flagge der Domani flatterte neben der von Davram Bashere, dem Onkel der K�nigin von Saldaea.</p><p>�Licht.� Gawyn lenkte sein Pferd neben Sieber. �Diese Flagge���</p><p>�Ich sehe sie�, sagte Egwene. �Ich muss Siuan finden. Haben ihre Quellen erw�hnt, wer auf den Thron gestiegen ist? Ich hatte bef�rchtet, die Domani w�rden ohne Anf�hrer in die Schlacht reiten.�</p><p>�Die Domani? Ich meinte das da!�</p><p>Sie folgte seinem Blick. Eine neue Streitmacht n�herte sich mit offensichtlicher Eile unter dem Banner des Roten Stiers. �Murandy�, sagte Egwene. �Merkw�rdig. Roedran hat sich endlich entschlossen, sich dem Rest der Welt anzuschlie�en.�</p><p>Die gerade eingetroffenen Murandianer boten ein gr��eres Schauspiel, als sie vermutlich verdienten. Immerhin waren sie h�bsch ausstaffiert: gelbe und rote Tuniken �ber Kettenhemden; Messinghelme mit breitem Schirm. Die roten G�rtel trugen das Symbol des angreifenden Stiers. Sie hielten Distanz zu den Andoranern, zogen hinter den Aiel-Truppen vorbei und kamen dann von Nordwesten.</p><p>Egwene warf einen Blick auf Rands Lager. Noch immer kein Zeichen des Wiedergeborenen Drachen.</p><p>�Kommt�, sagte sie und trieb Sieber in Richtung der Murandianer. Gawyn setzte sich an ihre Seite, und Chubain winkte eine Gruppe aus zwanzig Soldaten als Leibwache herbei.</p><p>Roedran war ein korpulenter Mann in Rot und Gold; Egwene vermeinte zu h�ren, wie das Pferd des Mannes bei jedem Schritt �chzte. Sein d�nner werdendes Haar war mehr wei� als schwarz, und er musterte sie mit einem unerwartet scharfen Blick. Der K�nig von Murandy war kaum mehr als der Herrscher der Stadt Lugard, aber Berichten zufolge war der Mann nicht schlecht darin, sein Herrschaftsgebiet zu vergr��ern. Noch ein paar Jahre, und er w�rde tats�chlich ein richtiges K�nigreich besitzen.</p><p>Roedran hielt eine dicke Hand hoch und stoppte die Prozession. Egwene z�gelte ihr Pferd und wartete darauf, dass er zu ihr kam, wie es der Brauch verlangte. Er tat es nicht.</p><p>Gawyn murmelte einen Fluch. Egwene musste ein L�cheln unterdr�cken. Beh�ter konnten n�tzlich sein, wenn auch nur, um das auszudr�cken, was sie nicht konnte. Schlie�lich trieb sie ihr Pferd wieder an.</p><p>�Also.� Roedran musterte sie von Kopf bis Fu�. �Ihr seid die neue Amyrlin. Eine Andoranerin.�</p><p>�Die Amyrlin hat keine Nationalit�t�, erwiderte Egwene k�hl. �Es ist interessant, Euch hier zu sehen, Roedran. Wann hat Euch der Drache eingeladen?�</p><p>�Das hat er nicht.� Roedran winkte einen Mundschenk herbei, der ihm Wein brachte. �Ich fand es h�chste Zeit, dass Murandy nicht l�nger von den Ereignissen ausgeschlossen wird.�</p><p>�Und durch wessen Wegetore seid Ihr eingetroffen? Sicherlich habt Ihr nicht Andor durchquert, um herzukommen.�</p><p>Roedran z�gerte.</p><p>�Ihr kamt aus dem S�den�, fuhr Egwene fort und musterte ihn. �Andor. Elayne schickte nach Euch?�</p><p>�Sie <emphasis>schickte</emphasis> keineswegs nach mir�, fauchte Roedran. �Die verdammte K�nigin versprach mir die Proklamation einer Absichtserkl�rung, dass sie nicht in Murandy einmarschiert, wenn ich ihre Sache unterst�tze.� Er z�gerte. �Au�erdem war ich neugierig, diesen falschen Drachen einmal zu sehen. Anscheinend hat jedermann auf der Welt den Verstand verloren, wenn es um ihn geht.�</p><p>�Ihr wisst, worum es bei dieser Zusammenkunft geht, oder?�</p><p>Er winkte ab. �Diesen Mann von seiner Eroberungslust abzubringen oder so etwas in der Art.�</p><p>�So �hnlich.� Egwene beugte sich vor. �Wie ich h�re, festigt Ihr Eure Herrschaft nach Kr�ften, und dass Lugard tats�chlich ausnahmsweise einmal echte Autorit�t in Murandy hat.�</p><p>�Ja�, sagte Roedran und schien ein St�ck zu wachsen. �Das ist wahr.�</p><p>Egwene beugte sich noch weiter vor. �Gern geschehen�, sagte sie leise und l�chelte dann. Sie zog Sieber herum und f�hrte ihr Gefolge fort.</p><p>�Egwene�, sagte Gawyn leise, der sein Pferd an ihre Seite lenkte, �hast du das wirklich gerade getan?�</p><p>�Sieht er beunruhigt aus?�</p><p>Gawyn schaute zur�ck. �Sehr sogar.�</p><p>�Ausgezeichnet.�</p><p>Gawyn ritt einen Moment weiter, dann grinste er breit. �Das war wirklich b�se.�</p><p>�Er ist genauso grob und ungehobelt, wie es die Berichte behaupten�, sagte Egwene. �Er kann ein paar schlaflose N�chte verbringen und dar�ber gr�beln, wie die Wei�e Burg in seinem Reich ein paar F�den ziehen konnte. Sollte ich mich besonders nachtragend f�hlen, erfinde ich ein paar sch�ne Geheimnisse, die er dann ausgraben kann. Und wo steckt jetzt der Schafhirte? Er hat die Unversch�mtheit zu verlangen, dass wir hier antanzen und dann���</p><p>Sie verstummte, als sie ihn kommen sah. Rand schritt in Rot und Gold �ber das verwelkende Gras. Neben ihm schwebte ein gewaltiges B�ndel in der Luft, das von f�r sie unsichtbaren Geweben gehalten wurde.</p><p>Wo er hintrat, wurde das Gras wieder gr�n.</p><p>Die Ver�nderung griff um sich. Wo immer er den Fu� hinsetzte, erholte sich der Boden. Es breitete sich von ihm aus wie ein weiches Licht, das durch aufgesto�ene Fensterl�den fiel. M�nner traten zur�ck, Pferde scharrten mit den Hufen. Innerhalb weniger Minuten stand der ganze Kreis aus Soldaten auf Gras, das wieder lebte.</p><p>Wann hatte sie zuletzt ein schlichtes gr�nes Feld gesehen? Egwene atmete aus. Ein Teil des Zwielichts dieses Tages war wie weggeblasen. �Ich w�rde viel Geld daf�r bezahlen, um zu wissen, wie er das angestellt hat�, murmelte sie kaum h�rbar.</p><p>�Ein Gewebe?�, fragte Gawyn. �Ich habe gesehen, wie Aes Sedai im Winter Blumen bl�hen lassen.�</p><p>�Ich kenne kein Gewebe, das so gro� w�re�, sagte Egwene. �Es f�hlt sich so <emphasis>nat�rlich</emphasis> an. Sieh zu, ob du herausfinden kannst, wie er das macht. Vielleicht l�sst es sich eine der Aes Sedai, die Asha�man-Beh�ter haben, entlocken.�</p><p>Gawyn nickte und ritt los.</p><p>Rand ging weiter, gefolgt von dem riesigen schwebenden B�ndel, Asha�man in Schwarz und einer Ehrenwache Aiel. Die Aiel hielten nichts von geschlossenen Reihen und schw�rmten aus. Selbst Soldaten, die Rand folgten, wichen vor den Aiel zur�ck. F�r viele der �lteren Soldaten bedeutete eine braune Welle wie die hier nur den Tod.</p><p>Rand ging ganz ruhig und zielstrebig. Das B�ndel, das er mit einem Gewebe Luft getragen hatte, �berholte ihn und entfaltete sich. Gro�e Bahnen von Zeltplanen flatterten im Wind, wickelten sich umeinander und zogen lange St�cke hinter sich her. Holzpfosten und Metallpfl�cke fielen heraus, und Rand fing sie mit unsichtbaren Str�men Luft und lie� sie herumwirbeln.</p><p>Nicht ein Mal kam er dabei aus dem Tritt. Er sah nicht ein Mal zu dem Mahlstrom aus Stoff, Holz und Eisen hoch, w�hrend die Zeltplane vor ihm zappelte wie ein aus dem Meer gezogener Fisch. Kleine Erdklumpen brachen aus dem Boden. Einige Soldaten sprangen zur Seite.</p><p><emphasis>Er ist wirklich zu einem Gaukler geworden,</emphasis> dachte Egwene, als sich die Pfosten drehten und in die frischen L�cher senkten. Zeltplanen wickelten sich darum und banden sich selbst fest. In wenigen Sekunden stand dort ein gewaltiger Pavillon, an dessen Ende das Drachenbanner flatterte, w�hrend auf der anderen Seite das Banner mit dem uralten Symbol der Aes Sedai wehte.</p><p>Rand wurde nicht langsamer, als er den Pavillon erreichte und sich der Eingang f�r ihn �ffnete. �Jeder von Euch darf f�nf mitbringen�, verk�ndete er, w�hrend er eintrat.</p><p>�Silviana�, sagte Egwene, �Saerin, Romanda, Lelaine. Gawyn wird der f�nfte sein, wenn er zur�ckkehrt.�</p><p>Der Rest der Sitzenden ertrug die Entscheidung stumm. Sie konnten sich nicht dar�ber beschweren, dass sie ihren Beh�ter zum Schutz mitnahm oder ihre Bewahrerin der Chroniken zur Unterst�tzung. Die anderen drei, die sie ausgew�hlt hatte, wurden allgemein f�r die einflussreichsten Frauen in der Burg gehalten, und von den vier Schwestern geh�rten je zwei Aes Sedai zu der ehemaligen Rebellenfraktion aus Salidar und zwei zu den Loyalisten aus der Wei�en Burg.</p><p>Die anderen Herrscher lie�en Egwene den Vortritt. Sie hatten alle begriffen, dass es bei dieser Konfrontation im Grunde um Rand und Egwene ging. Beziehungsweise um den Drachen und den Amyrlin-Sitz.</p><p>In dem Pavillon gab es keine St�hle, allerdings hatte Rand <emphasis>Saidin</emphasis>-Lichtkugeln in den Ecken aufgeh�ngt, und ein Asha�man stellte in der Mitte einen kleinen Tisch auf. Egwene z�hlte schnell. Dreizehn Lichtkugeln.</p><p>Rand stand ihr gegen�ber, die Arme auf dem R�cken verschr�nkt, die eine Hand hielt den Unterarm, wie es seine Gewohnheit geworden war. Min stand an seiner Seite, eine Hand auf seinen Arm gelegt.</p><p>�Mutter�, sagte er und nickte.</p><p>Also wollte er betont f�rmlich sein und Respekt vort�uschen? Egwene nickte zur�ck. �Lord Drache.�</p><p>Die anderen Herrscher traten mit ihrem kleinen Gefolge ein. Viele erschienen zaghaft, bis Elayne hineingerauscht kam. Die Trauer in ihrer Miene hellte sich auf, als Rand ihr voller W�rme zul�chelte. Die wollk�pfige Frau war noch immer von ihm beeindruckt, war erfreut, wie es ihm gelungen war, jeden so lange unter Druck zu setzen, bis er kam. Elayne war stolz auf ihn, wenn ihm etwas gut gelang.</p><p><emphasis>Und du f�hlst keinen Stolz?,</emphasis> fragte sich Egwene. <emphasis>Rand al�Thor, einst ein einfacher Bauernjunge und beinahe dein Verlobter, und nun ist er der m�chtigste Mann auf der Welt. Bist du nicht stolz auf das, was er erreicht hat?</emphasis></p><p>Vielleicht ein bisschen.</p><p>Die Grenzl�nder traten gef�hrt von K�nig Easar von Shienar ein, und an ihnen war gar nichts zaghaft. Die Domani wurden von einem �lteren Mann gef�hrt, der Egwene unbekannt war.</p><p>�Alsalam�, fl�sterte Silviana und klang �berrascht. �Er ist zur�ckgekehrt.�</p><p>Egwene runzelte die Stirn. Warum hatte ihr keiner ihrer Informanten mitgeteilt, dass er aufgetaucht war? Licht. Wusste Rand, dass die Wei�e Burg versucht hatte, ihn gefangen zu nehmen? Sie hatte das selbst erst vor wenigen Tagen entdeckt; es war in Elaidas Papieren begraben gewesen.</p><p>Cadsuane trat ein, und Rand nickte ihr zu, als w�rde er ihr die Erlaubnis geben. Sie brachte keine f�nf Leute mit, aber er schien auch nicht zu wollen, dass man sie zu dem Gefolge der Amyrlin z�hlte. Das empfand Egwene als beunruhigenden Pr�zedenzfall. Perrin trat mit seiner Ehefrau ein, und sie blieben an der Seite. Perrin verschr�nkte die baumstamm�hnlichen Arme vor der Brust; seinen neuen Hammer trug er am G�rtel. Er war viel leichter zu durchschauen als Rand. Er war besorgt, aber er vertraute Rand. Nynaeve tat das ebenfalls, sollte sie doch zu Asche verbrennen. Sie nahm ihre Position neben Perrin und Faile ein.</p><p>Die Clanh�uptlinge der Aiel und die Weisen Frauen kamen als gro�e Gruppe; offensichtlich bedeutete Rands �bringt nur f�nf�, dass jeder Clanh�uptling f�nf Leute mitbrachte. Ein paar der Weisen Frauen, darunter Sorilea und Amys, begaben sich auf Egwenes Seite des Zeltes.</p><p><emphasis>Das Licht segne sie,</emphasis> dachte Egwene und stie� die angehaltene Luft aus. Rands Blick huschte zu den Frauen, und Egwene entging nicht, wie sich seine Lippen kurz anspannten. Er war �berrascht, dass ihn nicht jeder Aiel vorbehaltlos unterst�tzte.</p><p>K�nig Roedran von Murandy war einer der Letzten, der den Pavillon betrat, und Egwene fiel dabei etwas Seltsames auf. Hinter Roedran kamen einige von Rands Asha�man�� Narishma, Flinn und Naeff. Ein paar andere in seiner N�he sahen so aufmerksam wie Katzen aus, die in der N�he einen Wolf gesehen hatten.</p><p>Rand trat zu dem kleineren, korpulenten Mann und schaute ihm in die Augen. Roedran stotterte etwas, dann fing er an, sich die Stirn mit einem Taschentuch abzuwischen. Rand starrte ihn weiterhin an.</p><p>�Was soll das?�, verlangte Roedran zu wissen. �Ihr seid angeblich der Wiedergeborene Drache. Ich w�sste nicht, dass ich Euch erlaubt habe���</p><p>�Ruhe�, sagte Rand und hob einen Finger.</p><p>Roedran verstummte wie abgeschnitten.</p><p>�Das Licht soll mich verbrennen�, sagte Rand. �Ihr seid gar nicht er, oder?�</p><p>�Wer?�, fragte Roedran.</p><p>Rand wandte sich von ihm ab und gab Narishma und den anderen mit der Hand ein Zeichen, dass sie sich entspannen sollten. Z�gernd gehorchten sie. �Ich war mir so sicher���, sagte Rand kopfsch�ttelnd. �Wo <emphasis>seid</emphasis> Ihr?�</p><p>�Wer?�, fragte Roedran laut. Es war fast ein Kreischen.</p><p>Rand ignorierte ihn. Der Pavilloneingang kam zur Ruhe, da alle eingetreten waren. �Also�, sagte Rand. �Wir sind alle da. Danke, dass Ihr gekommen seid.�</p><p>�Es ist ja nicht so, als h�tten wir gehabt die verdammte Wahl�, grollte Gregorin. Er hatte eine Handvoll illianische Adlige mitgebracht, alles Mitglieder des Rates der Neun. �Wir sein gefangen zwischen Euch und der Wei�en Burg. Das Licht verbrenne uns.�</p><p>�Wie ihr mittlerweile wisst�, fuhr Rand unger�hrt fort, �ist Kandor gefallen, und Caemlyn wurde vom Schatten erobert. Die Letzten der Malkieri werden am Tarwin-Pass angegriffen. Das Ende ist nah.�</p><p>�Warum stehen wir dann hier herum, Rand al�Thor?�, wollte K�nig Paitar von Arafel wissen. Der alternde Mann hatte nur noch wenige graue Haare auf dem Kopf, war aber noch immer breitschultrig und einsch�chternd. �H�ren wir doch mit diesen Possen auf und k�mmern uns darum, Mann! Der Kampf wartet.�</p><p>�Ich verspreche Euch, dass Ihr k�mpfen k�nnt, Paitar�, sagte Rand leise. �So viel Ihr davon ertragt und dann noch mehr. Vor dreitausend Jahren stellte ich mich den Armeen des Dunklen K�nigs in der Schlacht. Uns standen die Wunder des Zeitalters der Legenden zur Verf�gung, Aes Sedai, die Dinge vollbrachten, die Euch fassungslos machen w�rden, <emphasis>Ter�angreale</emphasis>, die Menschen fliegen lassen und gegen jeden Hieb unverwundbar machen konnten. Und trotzdem h�tten wir um ein Haar verloren. Habt Ihr einmal dar�ber nachgedacht? Wir stehen dem Schatten gegen�ber, der fast die gleiche St�rke wie damals hat, den Verlorenen, die keinen Tag gealtert sind. Aber wir sind nicht dieselben, nicht einmal ann�hernd.�</p><p>Stille breitete sich im Pavillon aus. Der Wind spielte mit dem Zelteingang.</p><p>�Was wollt Ihr damit sagen, Rand al�Thor?�, fragte Egwene und verschr�nkte die Arme. �Dass wir dem Untergang geweiht sind?�</p><p>�Ich sage, wir brauchen einen Plan�, sagte Rand, �und m�ssen gemeinsam angreifen. Dass wir es beim letzten Mal schlecht gemacht haben, hat uns fast die Niederlage gebracht. Jeder von uns glaubte die beste Strategie zu kennen.� Er erwiderte Egwenes Blick. �In jenen Tagen betrachtete sich jeder Mann und jede Frau auf dem Feld als Anf�hrer. Eine Armee aus Gener�len. <emphasis>Das</emphasis> ist der Grund, warum wir beinahe verloren haben. <emphasis>Das</emphasis> ist der Grund, der uns den Makel, die Zerst�rung der Welt und den Wahnsinn brachte. Ich war dessen so schuldig wie jeder andere. Vielleicht trug ich sogar die Hauptschuld.</p><p>Ich lasse nicht zu, dass das wieder geschieht. Ich werde diese Welt nicht retten, nur damit sie ein zweites Mal zerst�rt wird! Ich werde nicht f�r die Nationen der Menschheit sterben, nur damit sie nach dem Tod des letzten Trollocs sofort �bereinander herfallen. Das plant ihr alle. Soll mich das Licht verbrennen, ich <emphasis>wei�</emphasis>, dass ihr das tut!�</p><p>Man h�tte leicht die Blicke �bersehen k�nnen, die sich Gregorin und Darlin zuwarfen, oder wie begehrlich Roedran Elayne betrachtete. Welche Nationen w�rde dieser Kampf zerst�ren, und welche w�rden aus reinem Altruismus kommen und ihren Nachbarn helfen? Wie schnell w�rde sich Altruismus in Gier verwandeln, die Gelegenheit, sich einen weiteren Thron einzuverleiben?</p><p>Viele der hier anwesenden Herrscher waren anst�ndige Menschen. Aber es brauchte mehr als einen anst�ndigen Menschen, um so viel Macht zu haben und nicht begehrlich in andere Richtungen zu blicken. Als sich die Gelegenheit bot, hatte selbst Elayne sich ein anderes Land einverleibt. Und sie w�rde es wieder tun. Das war die Natur der Herrscher, die Natur der Nationen. In Elaynes Fall erschien es sogar angemessen, da es Cairhien unter ihrer Herrschaft garantiert besser gehen w�rde als zuvor.</p><p>Wie viele w�rden genauso denken? Dass sie selbstverst�ndlich in einem anderen Land besser herrschen oder die Ordnung wiederherstellen w�rden?</p><p>�Niemand will Krieg�, sagte Egwene und zog die Aufmerksamkeit der Menge auf sich. �Aber ich glaube, dass das, was Ihr hier versucht, au�erhalb Eurer Bestimmung liegt, Rand al�Thor. Die menschliche Natur k�nnt Ihr nicht ver�ndern, und Ihr k�nnt die Welt auch nicht f�r Eure Launen zurechtbiegen. Lasst die Menschen ihr eigenes Leben leben und ihren eigenen Weg w�hlen.�</p><p>�Das werde ich <emphasis>nicht</emphasis>, Mutter�, sagte Rand. Leidenschaft brannte in seinen Augen, so wie damals, als sie Zeuge gewesen war, wie er die Aiel seiner Sache verschw�ren wollte. Ja, dieses Gef�hl sah ihm sehr �hnlich�� die Frustration dar�ber, dass andere Leute die Welt nicht so klar sahen, wie er sie zu sehen glaubte.</p><p>�Ich w�sste nicht, was Ihr da tun k�nntet�, erwiderte Egwene k�hl. �Wollt Ihr einen Kaiser ernennen, jemanden, der �ber uns alle herrscht? Wollt Ihr zum Tyrannen werden, Rand al�Thor?�</p><p>Er sparte sich die Antwort. Er streckte die Hand aus, und einer seiner Asha�man dr�ckte ihm ein zusammengerolltes Papier hinein. Rand nahm es und legte es auf den Tisch. Mit der Macht entrollte er es und hielt es flach.</p><p>Das gro�e Dokument war eng beschrieben. �Ich nenne es den Drachenfrieden�, verk�ndete Rand leise. �Und das ist eines der drei Dinge, die ich von Euch allen verlange. Eure Bezahlung f�r mein Leben.�</p><p>�Lasst mich sehen.� Elayne griff danach, und offensichtlich lie� Rand es los, denn sie konnte es vor jedem anderen der �berraschten Herrscher nehmen.</p><p>�Es legt die Grenzen Eurer Nationen auf ihren derzeitigen Verlauf fest�, sagte Rand und nahm wieder die Arme auf den R�cken. �Es verbietet L�ndern, andere L�nder anzugreifen, und es verlangt die Er�ffnung einer gro�en Schule in jeder Hauptstadt�� vom Staat bezahlt und mit offenen T�ren f�r jeden, der lernen will.�</p><p>�Es tut aber mehr als das�, sagte Elayne und las. �Greift ein Land an oder beginnt einen Grenzdisput, haben die anderen Nationen der Welt die Verpflichtung, das angegriffene Land zu verteidigen. Beim Licht! Zollbeschr�nkungen, um die Zerst�rung anderer Wirtschaften zu verhindern, Eheverbote zwischen Herrschern verschiedener Nationen, es sei denn, die beiden Herrschaftsh�user stammen eindeutig nicht aus derselben Linie. Vorkehrungen, einen Lord, der einen Konflikt vom Zaun bricht, zu enteignen�� Lord Drache, erwartet Ihr <emphasis>ernsthaft</emphasis> von uns, das zu unterschreiben?�</p><p>�Ja.�</p><p>Die Emp�rung der Herrscher lie� nicht auf sich warten, aber Egwene stand ganz ruhig da und warf den anderen Aes Sedai ein paar Blicke zu. Sie erschienen besorgt. Was auch richtig so war�� schlie�lich handelte es sich hier nur um einen Teil von Rands �Preis�.</p><p>Die Herrscher murmelten, jeder von ihnen wollte sich das Dokument ansehen, aber keiner wollte den anderen zur Seite sto�en und �ber Elaynes Schulter blicken. Gl�cklicherweise hatte Rand vorausgedacht, und Abschriften des Dokuments wurden verteilt.</p><p>�Aber manchmal gibt es sehr gute Gr�nde f�r einen Konflikt!�, sagte Darlin und �berflog sein Blatt. �Wenn man zum Beispiel eine Pufferzone zwischen sich und einem aggressiven Nachbarn schaffen will.�</p><p>�Oder was sein, wenn Menschen aus deinem Land auf der anderen Grenzseite leben?�, f�gte Gregorin hinzu. �Haben wir nicht das Mandat, einzugreifen und sie zu besch�tzen, wenn man sie unterdr�ckt? Oder wenn jemand wie die Seanchaner Land beanspruchen, das uns geh�ren? Den Krieg zu verbieten erscheinen l�cherlich!�</p><p>�Ich stimme zu�, sagte Darlin. �Lord Drache, wir sollten das Mandat haben, Land zu verteidigen, das uns rechtm��ig geh�rt!�</p><p>�Ich bin viel mehr daran interessiert�, �bert�nte Egwene die Beschwerden, �seine anderen beiden Forderungen zu h�ren.�</p><p>�Eine davon kennt Ihr, Mutter�, sagte Rand.</p><p>�Die Siegel.�</p><p>�Dieses Dokument zu unterzeichnen h�tte f�r die Wei�e Burg keine Bedeutung�, sagte Rand und ignorierte die Bemerkung anscheinend. �Ich kann euch schlecht verbieten, andere zu beeinflussen; das w�re Irrsinn.�</p><p>�Das hier ist bereits Irrsinn�, fauchte Elayne.</p><p><emphasis>Jetzt ist sie nicht mehr so stolz auf ihn.</emphasis> Den Gedanken konnte sich Egwene nicht verkneifen.</p><p>�Und solange politische Spielchen gespielt werden k�nnen�, f�hrte Rand an Egwene gerichtet fort, �werden die Aes Sedai sie meistern. Tats�chlich kommt Euch der Vertrag zupass. Die Wei�e Burg war schon immer der Ansicht, dass Krieg kurzsichtig ist. Stattdessen verlange ich etwas anderes von Euch. Die Siegel.�</p><p>�Ich bin ihre W�chterin.�</p><p>�Nur dem Namen nach. Sie wurden erst k�rzlich entdeckt, und ich besitze sie. Ich bin an Euch herangetreten und habe Euch aus Respekt vor Eurem traditionellen Titel darum gebeten.�</p><p>�Ihr seid an mich herangetreten? Ihr habt keine Bitte ge�u�ert�, sagte sie. �Ihr habt nicht einmal eine <emphasis>Forderung</emphasis> gestellt. Ihr seid vorbeigekommen, habt mir mitgeteilt, was Ihr zu tun beabsichtigt, und seid wieder verschwunden.�</p><p>�Ich besitze die Siegel�, wiederholte er. �Und ich werde sie brechen. Ich erlaube niemandem, nicht einmal Euch, sich zwischen mich und den Schutz dieser Welt zu stellen.�</p><p>Um sie herum wurde weiterhin �ber das Dokument debattiert, die Herrscher murmelten mit ihren Vertrauten und Nachbarn. Egwene trat vor und starrte Rand auf der anderen Seite des kleinen Tisches an; im Augenblick ignorierte man sie gr��tenteils. �Ihr werdet sie nicht brechen, wenn ich Euch daran hindere, Rand al�Thor.�</p><p>�Warum solltet Ihr mich aufhalten wollen? Nennt mir nur einen einzigen Grund, warum das eine schlechte Idee ist.�</p><p>�Einen anderen Grund, als dass es den Dunklen K�nig auf die Welt losl�sst?�</p><p>�Im Krieg der Macht war er nicht frei�, sagte Rand. �Er konnte die Welt ber�hren, aber den Stollen zu �ffnen wird ihn nicht befreien. Nicht sofort.�</p><p>�Und was f�r einen Preis m�ssten wir bezahlen, wenn er die Welt ber�hrt? Wie hoch ist er denn jetzt schon? Schrecken, Terror, Zerst�rung. Ihr wisst genau, was mit dem Land passiert. Die Toten wandeln, das Muster wird auf diese seltsame Weise verzerrt. Und das passiert bereits, wo die Siegel blo� geschw�cht sind! Was passiert, wenn wir sie brechen? Das wei� das Licht allein.�</p><p>�Das ist ein Risiko, das wir eingehen m�ssen.�</p><p>�Dem stimme ich nicht zu. Ihr wisst nicht, was passiert, wenn man die Siegel zerst�rt�� Ihr wisst nicht, ob er dann entkommt. Ihr wisst nicht, wie nahe er davorstand, als der Stollen das letzte Mal versiegelt wurde. Die Zerst�rung dieser Siegel k�nnte die ganze Welt zerst�ren! Was ist, wenn unsere einzige Hoffnung in der Tatsache liegt, dass er dieses Mal Einschr�nkungen unterliegt, dass er nicht v�llig frei ist?�</p><p>�So funktioniert das nicht.�</p><p>�Das wisst Ihr nicht. Wie k�nntet Ihr auch?�</p><p>Er z�gerte. �Viele Dinge im Leben sind ungewiss.�</p><p>�Also wisst Ihr es <emphasis>tats�chlich</emphasis> nicht�, sagte sie. �Nun, ich habe geforscht, gelesen, zugeh�rt. Habt Ihr die Werke jener gelesen, die das studiert, dar�ber nachgedacht haben?�</p><p>�Spekulationen von Aes Sedai.�</p><p>�Die einzigen Informationen, die wir haben! �ffnet den Kerker des Dunklen K�nigs, und alles k�nnte verloren sein. Wir m�ssen vorsichtiger sein. Zu diesem Zweck existiert der Amyrlin-Sitz, nicht zuletzt aus diesem Grund wurde die Wei�e Burg �berhaupt erst gegr�ndet!�</p><p>Er z�gerte. Tats�chlich. Beim Licht, er dachte nach. Konnte sie zu ihm durchdringen?</p><p>�Es gef�llt mir nicht, Egwene�, sagte er dann leise. �Wenn ich mich ihm stelle und die Siegel sind nicht gebrochen, bleibt mir nur die M�glichkeit, eine weitere unzul�ngliche L�sung zu finden. Ein Flicken, der noch schlimmer als beim letzten Mal ist�� denn mit den alten, geschw�chten Siegeln schmiere ich blo� neuen Gips in tiefe Risse. Wer wei�, wie lange sie dieses Mal halten? In ein paar Jahrhunderten k�nnten wir wieder vor dem gleichen Kampf stehen.�</p><p>�W�re das so schlimm?�, meinte Egwene. �Zumindest ist das sicher. Ihr habt den Stollen das letzte Mal versiegelt. Ihr wisst, wie man es macht.�</p><p>�Am Ende haben wir wieder den Makel.�</p><p>�Diesmal sind wir darauf vorbereitet. Nein, ideal w�re es nicht. Aber Rand�� Wollt Ihr das wirklich riskieren? Das Schicksal eines jeden lebenden Wesens aufs Spiel setzen? Warum nicht den einfachen Weg nehmen, den bekannten Weg? Repariert die Siegel. Verst�rkt den Kerker.�</p><p>�Nein, Egwene.� Rand wich einen Schritt zur�ck. �Beim Licht! Geht es darum? Ihr wollt, dass <emphasis>Saidin</emphasis> wieder makelbehaftet ist. Ihr Aes Sedai�� ihr f�hlt euch von der Vorstellung bedroht, dass M�nner, die die Macht lenken k�nnen, eure Autorit�t untergraben!�</p><p>�Rand al�Thor, <emphasis>wagt</emphasis> es ja nicht, ein solcher Narr zu sein.�</p><p>Er erwiderte ihren Blick. Die Herrscher schienen der Unterhaltung nur wenig Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl das Schicksal der Welt davon abhing. Sie hatten die K�pfe �ber Rands Dokument gesenkt und murmelten zornig. Vielleicht war das ja sogar seine Absicht gewesen, sie mit dem Dokument abzulenken und dann die eigentliche Schlacht zu schlagen.</p><p>Langsam wich der Zorn aus seiner Miene, er hob die Hand an die Schl�fe. �Beim Licht, Egwene. Du schaffst es noch immer, wie die Schwester, die ich nie hatte�� machst mir einen Knoten ins Hirn, und ich muss dich zugleich anbr�llen und doch lieben.�</p><p>�Zumindest bin ich konsequent�, sagte sie. Sie sprachen jetzt sehr leise, beugten sich �ber den Tisch nahe aneinander. Perrin und Nynaeve standen an der Seite, m�glicherweise nahe genug, um sie zu verstehen, und Min hatte sich zu ihnen gesellt. Gawyn war zur�ckgekehrt, hielt aber Abstand. Cadsuane ging im Raum umher und schaute in die andere Richtung�� viel zu auff�llig. Sie h�rte auch zu.</p><p>�Ich sage das doch nicht, weil ich den Makel zur�ckholen will! Das ist doch albern!�, sagte Egwene. �So kleinlich bin ich nicht, und das wei�t du auch. Hier geht es darum, die ganze Menschheit zu besch�tzen. Ich kann einfach nicht glauben, dass du aufgrund einer vagen M�glichkeit alles aufs Spiel setzen willst.�</p><p>�Eine vage M�glichkeit?�, wiederholte Rand. �Wir sprechen davon, in die Finsternis zu treten, statt ein weiteres Zeitalter der Legenden zu begr�nden. Wir k�nnten Frieden haben, das Leid beenden. Oder wir k�nnten eine weitere Zerst�rung der Welt erleben. Beim Licht, Egwene. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Siegel �berhaupt reparieren oder auf die gleiche Weise neue herstellen <emphasis>kann</emphasis>. Der Dunkle K�nig wird auf diesen Plan vorbereitet sein.�</p><p>�Hast du denn einen anderen?�</p><p>�Davon rede ich doch. Ich breche die Siegel, um den alten unzuverl�ssigen Flicken loszuwerden, und versuche es auf eine neue Weise.�</p><p>�Der Preis f�r ein Scheitern w�re die Welt selbst, Rand.� Sie dachte kurz nach. �Da steckt doch mehr dahinter. Warum sagst du es mir nicht?�</p><p>Rand sah z�gerlich aus, und einen Augenblick lang kam er ihr wie der kleine Junge vor, den sie zusammen mit Mat dabei erwischt hatte, wie sie heimlich an Frau Cauthons Kuchen naschten. �Ich werde ihn t�ten, Egwene.�</p><p>�Wen? Moridin?�</p><p>�Den Dunklen K�nig.�</p><p>Entsetzt wich sie zur�ck. �Entschuldigung. Was hast du gesagt��?�</p><p>�Ich werde ihn <emphasis>t�ten</emphasis>�, sagte Rand leidenschaftlich und beugte sich weiter vor. �Ich werde dem Dunklen K�nig ein Ende bereiten. Solange es ihn gibt und er im Hintergrund lauert, werden wir niemals echten Frieden haben. Ich werde den Kerker aufrei�en, ihn betreten und ihm entgegentreten. Falls n�tig werde ich einen neuen Kerker bauen, aber zuerst werde ich versuchen, dem allen ein Ende zu bereiten. Das Muster und das Rad f�r alle Ewigkeit besch�tzen.�</p><p>�Beim Licht, Rand, du <emphasis>bist</emphasis> wahnsinnig!�</p><p>�Ja. Das ist ein Teil des Preises, den ich gezahlt habe. Gl�cklicherweise. Nur ein Mann mit ersch�ttertem Verstand w�re wagemutig genug, um das zu versuchen.�</p><p>�Ich bek�mpfe dich, Rand�, fl�sterte sie hitzig. �Ich lasse nicht zu, dass du uns da reinziehst. H�r auf die Vernunft. Die Wei�e Burg sollte dich leiten.�</p><p>�Ich habe die Anleitung der Wei�en Burg kennengelernt�, erwiderte er. �In einer Kiste. Jeden Tag Schl�ge.�</p><p>Keiner von ihnen senkte den Blick. Um sie herum ging die Debatte weiter und wurde lauter, verschaffte ihnen eine Atempause.</p><p>�Ich habe nichts dagegen, das zu unterschreiben�, sagte Tenobia. �Das sieht gut aus.�</p><p>�Bah!�, knurrte Gregorin. �Ihr Grenzl�nder haben Euch nie f�r die Politik im S�den interessiert. Ihr unterschreibt das? Nun, sch�n f�r Euch. Ich werden mein Land jedenfalls nicht in Ketten legen.�</p><p>�Merkw�rdig�, meinte Easar. Der ruhige Mann sch�ttelte den Kopf und lie� den wei�en Haarknoten wackeln. �So wie ich das verstanden habe, ist das nicht Euer Land, Gregorin. Es sei denn, Ihr geht davon aus, dass der Lord Drache stirbt und Mattin Stepaneos seinen Thron nicht zur�ckverlangt. Er mag ja damit einverstanden sein, dass der Lord Drache die Lorbeerkrone tr�gt, aber ich bin sicher, dass das f�r Euch nicht gilt.�</p><p>�Ist das nicht alles bedeutungslos?�, fragte Alliandre. �Die <emphasis>Seanchaner</emphasis> sind doch jetzt unsere dringlichste Sorge, oder nicht? Solange sie hier sind, kann es keinen Frieden geben.�</p><p>�Ja�, bekr�ftigte Gregorin. �Die Seanchaner und die verfluchten Wei�m�ntel.�</p><p>�Wir unterschreiben das�, sagte Galad. Irgendwie hatte der Kommandierende Lordhauptmann der Kinder des Lichts das offizielle Exemplar des Dokumentes in die Hand bekommen. Egwene sah ihn nicht an. Ihn nicht anzustarren fiel schwer. Sie liebte Gawyn und nicht Galad, aber�� nun�� nicht hinzustarren fiel schwer.</p><p>�Mayene wird ebenfalls unterzeichnen�, sagte Berelain. �Ich finde den Willen des Lord Drachen v�llig gerecht.�</p><p>�Nat�rlich w�rdet <emphasis>Ihr</emphasis> unterzeichnen�, schnaubte Darlin. �Mein Lord Drache, dieses Dokument scheint die Interessen einiger Nationen bedeutend mehr zu sch�tzen als die anderer.�</p><p>�Ich will die dritte Forderung h�ren�, sagte Roedran. �Das ganze Gerede wegen des Siegels ist mir egal; das ist Sache der Aes Sedai. Er hat von drei Forderungen gesprochen, und wir haben erst zwei geh�rt.�</p><p>Rand hob eine Braue. �Der dritte und letzte Preis, die letzte Sache, die Ihr mir f�r das Ende meines Lebens auf den H�ngen des Shayol Ghul geben werdet, ist Folgendes: Ich befehlige Eure Heere in der Letzten Schlacht. Und zwar ohne jede Einschr�nkung. Ihr tut, was ich sage, geht dorthin, wohin ich sage, und k�mpft, wo ich es sage.�</p><p>Das rief eine noch lautere Debatte hervor. Offensichtlich handelte es sich dabei um die am wenigsten unversch�mte der drei Forderungen, obwohl sie aus Gr�nden, die sich Egwene bereits zurechtgelegt hatte, v�llig unm�glich war.</p><p>Aber die Herrscher betrachteten sie als Angriff auf ihre Souver�nit�t. Gregorin starrte Rand durch den L�rm finster an und z�gelte sich noch so gerade eben. Dabei hatte er von allen witzigerweise die geringste Autorit�t vorzuweisen. Darlin sch�ttelte blo� den Kopf, und Elaynes Miene zeigte offene Entr�stung.</p><p>Die auf Rands Seite argumentierten dagegen, vor allem die Grenzl�nder. <emphasis>Sie sind verzweifelt,</emphasis> dachte Egwene. <emphasis>Sie werden �berrannt.</emphasis> Vermutlich glaubten sie, dass der Drache auf der Stelle zur Verteidigung der Grenzl�nder marschierte, wenn der Befehl an ihn �bertragen w�rde. Darlin und Gregorin w�rden dem niemals zustimmen. Nicht, solange sie die Seanchaner im Nacken sitzen hatten.</p><p>Licht, was f�r ein Schlamassel.</p><p>Egwene h�rte sich die Argumente an und hoffte, dass sie Rand nerv�s machten. Einst w�re das vielleicht der Fall gewesen. Aber er stand einfach da und sah mit auf dem R�cken verschr�nkten Armen zu. Seine Miene war v�llig gelassen, obwohl sie sich zusehends sicher war, dass es sich dabei um eine Maske handelte. Sie hatte sein Temperament kennengelernt. Zweifellos hatte er sich nun besser im Griff, aber er war alles andere als gef�hllos.</p><p>Schlie�lich musste sie wider Willen l�cheln. Trotz seiner st�ndigen Klagen �ber die Aes Sedai, seines sturen Beharrens, dass er sich niemals von ihnen kontrollieren lassen w�rde, benahm er sich doch immer mehr genau wie sie. Sie holte Luft, um das Wort zu ergreifen und die Kontrolle zu �bernehmen, aber etwas im Zelt ver�nderte sich. Ein�� Gef�hl, das in der Luft lag. Ihr Blick schien von Rand angezogen zu werden. Von drau�en ert�nten Laute, Laute, die sie nicht zuordnen konnte. Knackte da etwas leise? Was tat er da?</p><p>Die Einw�nde verstummten. Ein Herrscher nach dem anderen wandte sich dem Wiedergeborenen Drachen zu. Drau�en verblasste das Sonnenlicht, und Egwene war froh, dass er diese Lichtkugeln im Zelt gemacht hatte.</p><p>�Ich brauche euch�, sagte Rand leise und eindringlich zu der Versammlung. �Das Land selbst braucht euch. Ihr streitet; mir war v�llig klar, dass ihr das tun w�rdet, aber wir haben keine Zeit mehr f�r Streit. Wisset also dies. Ihr k�nnt mir meine Pl�ne nicht ausreden. Ihr k�nnt mich nicht dazu zwingen, euch zu gehorchen. Keine Streitmacht und auch kein Gewebe der Einen Macht kann mich <emphasis>zwingen</emphasis>, dass ich f�r euch dem Dunklen K�nig gegen�bertrete. Ich muss das aus freiem Willen tun.�</p><p>�Ihr w�rdet daf�r wirklich um die Welt w�rfeln, Lord Drache?�, fragte Berelain.</p><p>Egwene l�chelte. Das Leichtgewicht schien sich pl�tzlich ihrer gew�hlten Seite nicht mehr ganz so sicher zu sein.</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, antwortete Rand. �Ihr werdet unterschreiben. Es nicht zu tun bedeutet den Tod.�</p><p>�Also geht es hier um Erpressung�, fauchte Darlin.</p><p>�Nein.� Rand l�chelte dem Meervolk zu, das sich neben Perrin aufgebaut und kaum ein Wort gesagt hatte. Sie hatten das Dokument einfach gelesen und genickt, als seien sie beeindruckt. �Nein, Darlin. Das ist keine Erpressung�� das ist eine Vereinbarung. Ich habe etwas, das ihr wollt, das ihr sogar braucht. Mich. Mein Blut. Ich werde sterben. Das haben wir alle von Anfang an gewusst; die Prophezeiungen erfordern es. Da ihr das von mir w�nscht, verkaufe ich es euch im Tausch gegen ein Verm�chtnis des Friedens, um das Verm�chtnis der Zerst�rung, die ich der Welt beim letzten Mal hinterlie�, wieder auszugleichen.�</p><p>Er sah nacheinander jeden Herrscher an. Egwene f�hlte seine Entschlossenheit beinahe k�rperlich. Vielleicht war es seine Natur als <emphasis>Ta�veren</emphasis>, vielleicht war es auch nur der Augenblick. In dem Pavillon stieg ein Druck, der das Atmen erschwerte.</p><p><emphasis>Er wird es schaffen,</emphasis> dachte Egwene. <emphasis>Sie beschweren sich, aber sie werden sich ihm beugen.</emphasis></p><p>�Nein�, rief sie laut, ganz die Amyrlin. �Nein, Rand al�Thor, wir lassen uns nicht einsch�chtern und zwingen, Euer Dokument zu unterzeichnen, Euch den Oberbefehl dieser Schlacht zu �berlassen. Und Ihr seid wirklich ein Narr, wenn Ihr glaubt, dass ich Euch auch nur einen Moment abnehme, Ihr w�rdet die Welt ��Euren Vater, Eure Freunde, alle die Ihr liebt, die ganze Menschheit�� von Trollocs abschlachten lassen, wenn wir Euch trotzen.�</p><p>Er erwiderte ihren Blick, und pl�tzlich war sie sich gar nicht mehr so sicher. Beim Licht, er w�rde sich doch nicht <emphasis>tats�chlich</emphasis> weigern, oder? W�rde er tats�chlich die Welt opfern?</p><p>�Ihr wagt es, den Lord Drachen als Narren zu bezeichnen?�, emp�rte sich Narishma.</p><p>�Keiner spricht auf diese Weise mit der Amyrlin�, sagte Silviana und stellte sich an Egwenes Seite.</p><p>Wieder begann der Streit, dieses Mal nur lauter. Rand erwiderte Egwenes Blick, und nun sah sie, wie Zorn in ihm aufstieg. Die Worte wurden immer hitziger, die Anspannung stieg. Chaos. Zorn. Alter Hass flammte erneut auf, gen�hrt von der Angst.</p><p>Rand legte die Hand auf das Schwert, das er neuerdings trug�� das mit den Drachen auf der Scheide��, den anderen Arm hielt er hinter dem R�cken angewinkelt.</p><p>�Ich <emphasis>bekomme</emphasis> meinen Preis, Egwene�, knurrte er.</p><p>�Ihr k�nnt verlangen, was Ihr wollt. Ihr seid <emphasis>nicht</emphasis> der Sch�pfer. Wenn Ihr mit diesen schwachsinnigen Ideen in die Letzte Schlacht zieht, sind wir sowieso alle tot. Wenn ich Euch entgegentrete, dann besteht die M�glichkeit, dass ich Eure Meinung �ndern kann.�</p><p>�Immer war die Wei�e Burg ein Speer an meinem Hals�, fauchte Rand. �Immer, Egwene. Und du bist jetzt wirklich eine von ihnen geworden.�</p><p>Sie erwiderte seinen stechenden Blick. Tief in ihrem Inneren fing sie allerdings an, ihre Sicherheit zu verlieren. Was, wenn diese Verhandlungen wirklich scheiterten? W�rde sie wirklich ihren Soldaten befehlen, Rands Leute zu bek�mpfen?</p><p>Sie hatte das Gef�hl, als w�re sie oben auf einer Klippe �ber einen Stein gestolpert und st�nde im Begriff, in den Abgrund zu st�rzen. Es <emphasis>musste</emphasis> eine M�glichkeit geben, das hier aufzuhalten, es zu retten!</p><p>Rand machte Anstalten, sich abzuwenden. Verlie� er den Pavillon, dann war das das Ende.</p><p>�Rand!�, rief sie.</p><p>Er erstarrte. �Ich gebe nicht nach, Egwene.�</p><p>�Tu das nicht�, beschwor sie ihn. �Wirf nicht alles weg.�</p><p>�Es geht nicht anders.�</p><p>�Doch, das tut es! Du musst blo� ein einziges Mal kein vom Licht verbrannter, wollk�pfiger, sturer Narr sein!�</p><p>Egwene hielt inne. Wie hatte sie nur zulassen k�nnen, mit ihm zu sprechen, als seien sie wieder in Emondsfelde, ganz am Anfang?</p><p>Rand starrte sie einen Moment lang an. �Nun, und du k�nntest dich ein einziges Mal nicht wie eine verw�hnte, selbsts�chtige G�re benehmen, Egwene.� Er warf die Arme in die H�he. �Blut und Asche! Das hier war reine Zeitverschwendung.�</p><p>Beinahe h�tte er recht gehabt. Egwene bemerkte nicht, wie jemand den Pavillon betrat. Rand schon, und er fuhr herum, als sich der Eingang teilte und Licht einlie�. Stirnrunzelnd blickte er dem St�renfried entgegen.</p><p>Das Stirnrunzeln verschwand wie weggewischt, als er den Eintretenden erkannte.</p><p>Moiraine.</p></section><section><title><p>6</p><p>Ein Talent</p></title><p>Schlagartig wurde es still im Pavillon. Perrin hasste solchen Aufruhr, und die Ger�che der Menschen waren nicht viel besser. Frustration, Zorn, Furcht. Entsetzen.</p><p>Der gr��te Teil davon war auf die Frau gerichtet, die direkt im Eingang des Pavillons stehen geblieben war.</p><p><emphasis>Mat, du gesegneter Narr,</emphasis> dachte Perrin und musste breit grinsen. <emphasis>Du hast es geschafft. Du hast es tats�chlich geschafft.</emphasis></p><p>Zum ersten Mal seit Langem lie� der Gedanke an Mat die Farben in seinem Blickfeld wirbeln. Er sah Mat auf einem Pferd, wie er �ber eine staubige Stra�e ritt und an etwas herumspielte, das er in der Hand hielt. Perrin verscheuchte das Bild. Wohin war Mat jetzt schon wieder unterwegs? Warum war er nicht zusammen mit Moiraine zur�ckgekehrt?</p><p>Es spielte keine Rolle. Moiraine war wieder da. Beim Licht, Moiraine! Perrin setzte sich in Bewegung, um sie zu umarmen, aber Faile packte ihn am �rmel. Er folgte ihrem Blick.</p><p>Rand. Sein Gesicht hatte alle Farbe verloren. Er stolperte von dem Tisch fort, als w�re alles andere in Vergessenheit geraten, und bahnte sich seinen Weg zu Moiraine. Z�gernd hob er die Hand und ber�hrte ihr Gesicht. �Beim Grab meiner Mutter�, fl�sterte er, dann fiel er vor ihr auf die Knie. �Aber wie?�</p><p>Moiraine l�chelte und legte ihm die Hand auf die Schulter. �Das Rad webt, wie es das Rad will, Rand. Habt Ihr das vergessen?�</p><p>�Ich���</p><p>�Nicht wie Ihr wollt, Wiedergeborener Drache�, sagte sie sanft. �Nicht wie wir wollen. Vielleicht webt es sich eines Tages selbst aus der Existenz. Ich glaube aber nicht, dass heute dieser Tag ist�� oder er in absehbarer Zukunft kommt.�</p><p>�Wer ist diese Frau?�, verlangte Roedran zu wissen. �Und was redet sie da f�r einen Unsinn? Ich��� Er verstummte, als etwas Unsichtbares seinen Kopf traf und ihn zusammenzucken lie�. Perrin warf Rand einen Blick zu, dann bemerkte er das L�cheln auf Egwenes Lippen. Trotz der vielen Leute im Pavillon roch er deutlich ihre Zufriedenheit.</p><p>Nynaeve und Min rochen v�llig schockiert. Wenn es dem Licht gefiel, w�rde Nynaeve eine Weile so bleiben. Im Augenblick w�rde es wenig hilfreich sein, Moiraine anzubr�llen.</p><p>�Ihr habt meine Frage nicht beantwortet�, sagte Rand.</p><p>�Doch, habe ich�, erwiderte Moiraine liebevoll. �Es war nur nicht die Antwort, die Ihr wolltet.�</p><p>Rand warf den Kopf zur�ck und lachte. �Beim Licht, Moiraine! Ihr habt Euch kein bisschen ver�ndert, oder?�</p><p>�Wir alle ver�ndern uns jeden Tag�, erwiderte sie und l�chelte dann. �Ich mich mehr als andere in letzter Zeit. Steht auf. Ich sollte es sein, der vor Euch kniet, Lord Drache. Das sollten wir alle.�</p><p>Rand stand auf und trat zur�ck, damit Moiraine ein St�ck weiter in den Pavillon kommen konnte. Perrin nahm einen anderen Geruch wahr und l�chelte, als Thom Merrilin hinter ihr ins Zelt schl�pfte. Der alte Gaukler blinzelte ihm zu.</p><p>�Moiraine�, sagte Egwene und trat vor. �Die Wei�e Burg hei�t Euch mit offenen Armen willkommen. Eure Dienste sind nicht in Vergessenheit geraten.�</p><p>�Nun ja�, meinte Moiraine. �Eine zuk�nftige Amyrlin entdeckt zu haben sollte ein gutes Licht auf mich werfen. Das ist eine Erleichterung, da ich zuvor auf dem Weg zur D�mpfung oder gar zur Hinrichtung war, wenn ich mich nicht irre.�</p><p>�Die Dinge haben sich ge�ndert.�</p><p>�Offensichtlich.� Moiraine nickte. �Mutter.� Sie kam an Perrin vorbei, dr�ckte mit einem Funkeln in den Augen seinen Arm.</p><p>Ein Herrscher der Grenzl�nder nach dem anderen nahm das Schwert und verneigte sich vor ihr oder machte einen Knicks. Jeder von ihnen schien sie pers�nlich zu kennen. Viele der anderen im Zelt sahen noch immer v�llig verbl�fft aus, obwohl Darlin offenbar wusste, wer sie war. Er erschien eher nachdenklich als verwirrt.</p><p>Bei Nynaeve z�gerte Moiraine. Perrin konnte Nynaeves Geruch in diesem Augenblick nicht einfangen. Das erschien ihm unheilvoll. <emphasis>O Licht! Es geht los��</emphasis></p><p>Nynaeve riss Moiraine in eine kr�ftige Umarmung.</p><p>Moiraine blieb einen Moment einfach stehen und roch definitiv schockiert, hielt die H�nde steif ausgestreckt. Schlie�lich erwiderte sie die Umarmung auf eine irgendwie m�tterliche Weise und t�tschelte Nynaeve den R�cken.</p><p>Nynaeve lie� los, trat zur�ck, dann wischte sie sich eine Tr�ne aus dem Auge. �Wagt es ja nicht, das Lan zu erz�hlen�, fauchte sie.</p><p>�Das fiele mir im Traum nicht ein�, erwiderte Moiraine und trat in die Mitte des Pavillons.</p><p>�Unertr�gliche Frau�, grummelte Nynaeve, w�hrend sie sich eine Tr�ne aus dem anderen Auge wischte.</p><p>�Moiraine�, sagte Egwene. �Ihr seid genau im richtigen Augenblick gekommen.�</p><p>�Das Talent habe ich.�</p><p>�Nun�, fuhr Egwene fort, w�hrend sich Rand wieder hinter den Tisch begab, �Rand�� der Wiedergeborene Drache�� hat sich entschieden, dieses Land zu erpressen, damit es seine Forderungen erf�llt. Er weigert sich, seine Pflicht zu tun, bevor wir uns seinen Launen unterwerfen.�</p><p>Moiraine sch�rzte die Lippen und ergriff den Vertrag f�r den Drachenfrieden, den Galad f�r sie auf den Tisch legte. Sie �berflog die Zeilen.</p><p>�Wer <emphasis>ist</emphasis> diese Frau?�, sagte Roedran. �Und warum stehen wir hier und�� K�nnt Ihr das lassen!� Er hob die Hand, als w�re er von einem Strang Luft getroffen worden, dann starrte er Egwene finster an�� aber dieses Mal roch einer der Asha�man in der N�he zufrieden.</p><p>�Gut gemacht, Grady�, fl�sterte Perrin.</p><p>�Danke, mein Lord.�</p><p>Nat�rlich w�rde Grady nur ihre Legende kennen, aber die Geschichten �ber Moiraine hatten sich unter Rands Anh�ngern verbreitet.</p><p>�Und?�, fragte Egwene.</p><p>��Und es wird kommen eine Zeit, da das, was Menschen erbauten, zerst�rt werde��, fl�sterte Moiraine. ��Und der Schatten wird sich auf das Muster des Zeitalters senken, und der Dunkle K�nig wird noch einmal seine Hand auf alles Menschenwerk legen. Die Frauen werden weinen und die M�nner verzagen, wenn die Nationen dieser Erde wie br�chiger Stoff zerrissen werden. Nichts wird erhalten bleiben oder �berdauern.��</p><p>Die Anwesenden scharrten mit den F��en. Perrin sah Rand fragend an.</p><p>��Doch einer wird geboren werden, der dem Schatten gegen�bertritt��, sagte Moiraine nun lauter. ��Wiedergeboren, wie er zuvor geboren worden war und unz�hlige Male wiedergeboren werden wird. Der Drache wird wiedergeboren, und es wird ein Weinen und ein Z�hneknirschen sein bei seiner Wiedergeburt. In Sackleinen und Asche wird er die V�lker kleiden, und er wird die Welt noch einmal zerbrechen durch seine Wiederkehr und alle Bande zwischen den Menschen zerrei�en!</p><p>Wie die grellen Strahlen der Sonne bei ihrem Aufgang wird er uns blenden und uns verbrennen, doch wird der Wiedergeborene Drache in der Letzten Schlacht dem Schatten die Stirn bieten, und sein Blut wird uns das Licht bringen. Lasst die Tr�nen flie�en, ihr V�lker dieser Welt! Weint um eure Erl�sung!��</p><p>�Verzeiht, Aes Sedai�, sagte Darlin, �aber das ist alles sehr d�ster.�</p><p>�Immerhin soll es eine Erl�sung geben�, sagte Moiraine. �Verratet mir etwas, Euer Majest�t. Die Prophezeiung befiehlt Euch, Tr�nen zu vergie�en. Solltet Ihr weinen, weil Eure Erl�sung von so viel Schmerz und Sorge begleitet wird? Oder solltet Ihr <emphasis>f�r</emphasis> Eure Erl�sung weinen? F�r den Mann, der f�r Euch leiden wird? Dem einzigen, von dem wir mit Sicherheit wissen, dass er sich nicht von diesem Kampf abwenden wird?�</p><p>Sie wandte sich Rand zu.</p><p>�Diese Forderungen sein ungerecht�, sagte Gregorin. �Er von uns verlangen, unsere Grenzen so zu behalten, wie sie sind!�</p><p>��Er wird sein Volk mit dem Schwert des Friedens t�ten��, sagte Moiraine, ��und sie mit dem Blatt vernichten.��</p><p><emphasis>Das ist der</emphasis> Karaethon-Zyklus, dachte Perrin. <emphasis>Ich h�rte diese Worte bereits.</emphasis></p><p>�Die Siegel, Moiraine�, sagte Egwene. �Er will sie brechen. Er widersetzt sich der Autorit�t des Amyrlin-Sitzes.�</p><p>Moiraine sah nicht �berrascht aus. Vermutlich hatte sie drau�en gelauscht, bevor sie eingetreten war. Das sah ihr �hnlich.</p><p>�Ach, Egwene�, sagte sie. �Habt Ihr es denn vergessen? �Die makellose Burg zerbricht und beugt das Knie vor dem vergessenen Zeichen����</p><p>Egwene err�tete.</p><p>��Uns kann weder Gesundheit innewohnen, noch kann etwas Gutes in uns gedeihen��, zitierte Moiraine, ��da das Land eins ist mit dem Wiedergeborenen Drachen und er eins ist mit dem Land. Mit einer Seele aus Feuer und einem Herzen aus Stein����</p><p>Sie sah Gregorin an. ����siegt er stolz und zwingt die Stolzen nachzugeben.��</p><p>Dann die Grenzl�nder. ��Er fordert die Berge auf, sich niederzuknien����</p><p>Das Meervolk. ����und die Meere, sich zu teilen.��</p><p>Perrin, dann Berelain. ��Und den Himmel selbst, sich zu verneigen.��</p><p>Darlin. ��Betet, dass sich das Herz des Steins an die Tr�nen erinnert����</p><p>Und schlie�lich Elayne. ����und die Seele aus Feuer an die Liebe.� Dagegen k�nnt ihr nicht ank�mpfen. Das kann keiner von euch. Es tut mir leid. Glaubt ihr, er hat sich das selbst einfallen lassen?� Sie hielt das Dokument in die H�he. �Das Muster ist Gleichgewicht. Es ist nicht gut oder b�se, weder weise noch dumm. F�r das Muster spielen diese Dinge keine Rolle, aber es <emphasis>wird</emphasis> ein Gleichgewicht finden. Das letzte Zeitalter endete mit einer Zerst�rung der Welt, also wird das n�chste mit Frieden beginnen�� selbst wenn man ihn euch in den Rachen rammen muss wie einem schreienden S�ugling seine Medizin.�</p><p>�Darf ich sprechen?� Eine Aes Sedai mit einer braunen Stola trat vor.</p><p>�Ihr d�rft�, sagte Rand.</p><p>�Das ist ein kluges Dokument, Lord Drache�, sagte die Braune. Sie war eine st�mmige Frau und wesentlich direkter, als Perrin von einer Braunen Schwester erwartet h�tte. �Aber ich sehe darin einen gewaltigen Fehler, der bereits zur Sprache kam. Solange die Seanchaner davon ausgeschlossen sind, solange wird es bedeutungslos bleiben. Solange sie nicht mit ihren Eroberungen aufh�ren, wird es keinen Frieden geben.�</p><p>�Das ist ein Problem�, sagte Elayne. Sie hatte die Arme vor der Brust verschr�nkt. �Aber nicht das einzige. Rand, ich verstehe, was Ihr tun wollt, und ich liebe Euch daf�r. Aber das �ndert nichts an der Tatsache, dass dieses Dokument von Grund auf unhaltbar ist. Damit ein Friedensvertrag Bestand hat, m�ssen beide Seiten den Frieden wollen, und zwar, weil er Vorteile bringt.</p><p>Das hier r�umt einem keine M�glichkeiten ein, Meinungsverschiedenheiten zu kl�ren. Und die wird es geben, die gibt es immer. Ein solches Dokument muss eine M�glichkeit vorgeben, diese Dinge zu regeln; Ihr m�sst einen Weg schaffen, einen Versto� zu bestrafen, ohne dass die anderen L�nder sofort in einen grenzenlosen Krieg verstrickt werden. Ohne diese Ver�nderung werden kleine Missst�nde g�ren und im Laufe der Jahre stetig Druck aufbauen, bis sie explodieren.</p><p>Das hier verlangt f�rmlich von den Nationen, sich auf den Ersten zu st�rzen, der den Frieden bricht. Aber es h�lt sie nicht davon ab, in dem gest�rzten K�nigreich eine Marionettenregierung einzusetzen, oder auch in einem anderen K�nigreich. Ich f�rchte, dass dieser Vertrag im Laufe der Zeit als null und nichtig betrachtet wird; was n�tzt er, wenn er nur auf dem Papier besch�tzt? Das Ergebnis wird ein Krieg sein. Ein gewaltiger, alles verschlingender Krieg. F�r eine Weile werdet Ihr Euren Frieden haben, vor allem so lange jene leben, die Euch verehren. Aber f�r jedes Jahr des Friedens, das Ihr gewinnt, werdet Ihr noch gr��ere Zerst�rung ernten, sobald das Ding auseinanderf�llt.�</p><p>Rand legte den Finger auf das Dokument. �Ich werde mit den Seanchanern Frieden schlie�en. Wir f�gen einen Zusatz hinzu. Falls ihre Kaiserin nicht unterzeichnet, dann ist das Dokument null und nichtig. Stimmt ihr dann alle zu?�</p><p>�Das l�st das geringere Problem�, erwiderte Elayne leise, �aber nicht das gr��ere, Rand.�</p><p>�Da gibt es ein noch viel bedeutenderes Problem�, sagte da eine neue Stimme.</p><p>Perrin drehte sich �berrascht um. Aviendha? Sie und die anderen Aiel hatten nicht an der Diskussion teilgenommen. Sie hatten blo� zugesehen. Perrin hatte beinahe schon vergessen, dass sie auch da waren.</p><p>�Du auch?�, sagte Rand. �Bist du gekommen, um �ber die Splitter meiner Tr�ume zu gehen, Aviendha?�</p><p>�Sei kein Kind, Rand al�Thor�, sagte die Frau, trat vor und legte die Finger auf das Dokument. �Du hast <emphasis>Toh</emphasis>.�</p><p>�Ich habe euch herausgelassen�, protestierte Rand. �Ich vertraue dir und allen Aiel.�</p><p>�Die Aiel sind davon nicht betroffen?�, sagte Easar. �Beim Licht, wie konnten wir das �bersehen!�</p><p>�Das ist eine Beleidigung�, sagte Aviendha.</p><p>Perrin runzelte die Stirn. Sie roch nach tiefem Ernst. Von einer anderen Aiel h�tte er erwartet, dass sie als N�chstes den Schleier befestigte und den Speer hob.</p><p>�Aviendha�, sagte Rand l�chelnd. �Die anderen wollen mich aufh�ngen, weil ich sie in das Dokument aufgenommen habe, und du bist w�tend, weil ihr nicht dort steht?�</p><p>�Ich fordere meine Gunst�, sagte sie. �Das ist sie. Nimm die Aiel in dein Dokument auf als Teil deines �Drachenfriedens�. Sonst verlassen wir dich.�</p><p>�Du sprichst nicht f�r sie alle�, erwiderte Rand. �Du kannst nicht���</p><p>Alle Weisen Frauen stellten sich hinter Aviendha auf, als h�tten sie es ge�bt. Rand blinzelte.</p><p>�Aviendha tr�gt unsere Ehre�, sagte Sorilea.</p><p>�Seid nicht t�richt, Rand al�Thor�, f�gte Melaine hinzu.</p><p>�Das ist eine Sache der Frauen�, verk�ndete Sarinde. �Wir werden nicht zufrieden sein, bis wir den Feuchtl�ndern gleichgestellt sind.�</p><p>�Soll das zu schwer f�r uns sein?�, fragte Amys. �Beleidigt Ihr uns, indem Ihr andeutet, dass wir schw�cher als die anderen sind?�</p><p>�Ihr seid doch alle verr�ckt!�, erwiderte Rand. �Ist Euch eigentlich klar, dass dieser Vertrag euch verbietet, gegeneinander zu k�mpfen?�</p><p>�Er verbietet nicht den Kampf�, sagte Aviendha. �Nur den Kampf um des Kampfes willen.�</p><p>�Der Krieg ist doch euer Daseinszweck�, meinte Rand.</p><p>�Wenn du das glaubst, Rand al�Thor�, erwiderte sie mit kalter Stimme, �dann habe ich dich wirklich schlecht unterrichtet.�</p><p>�Sie spricht weise�, meldete sich Rhuarc zu Wort und trat vor die Menge. �Es war unser Daseinszweck, uns darauf vorzubereiten, dass Ihr uns in der Letzten Schlacht braucht�� es war unser Daseinszweck, daf�r stark genug zu sein und auch so zu bleiben. Wir werden einen anderen brauchen. Ich habe f�r Euch Blutfehden begraben, Rand al�Thor. Ich w�rde sie nicht wieder aufleben lassen. Ich habe jetzt Freunde, die ich lieber nicht t�ten w�rde.�</p><p>�Wahnsinn�, sagte Rand kopfsch�ttelnd. �Also gut. Ich nehme die Aiel auf.�</p><p>Aviendha erschien zufrieden, aber etwas st�rte Perrin. Er verstand die Aiel nicht�� Licht, er verstand nicht einmal Gaul, der so lange mit ihm gereist war und gek�mpft hatte. Aber ihm war aufgefallen, dass die Aiel gern etwas zu tun hatten. Selbst wenn sie sich ausruhten, blieben sie hellwach. Wo andere M�nner den W�rfelbecher hervorholten, taten Aiel oft still und unbemerkt etwas N�tzliches.</p><p>�Rand�, sagte er, trat vor und ber�hrte seinen Arm. �Einen Moment, bitte.�</p><p>Rand z�gerte, dann nickte er und machte eine Geste. �Wir sind abgeschirmt; sie k�nnen uns nicht zuh�ren. Worum geht es?�</p><p>�Nun, mir ist gerade etwas aufgefallen. Die Aiel sind wie Werkzeuge.�</p><p>�Sch�n. Und��?�</p><p>�Und Werkzeuge, die nicht benutzt werden, setzen Rost an.�</p><p>�Darum �berfallen sie ja auch einander.� Rand rieb sich die Schl�fe. �Um in �bung zu bleiben. Darum habe ich sie ja auch ausgeschlossen. Beim Licht, Perrin! Ich glaube, das wird eine Katastrophe. Wenn wir sie in dieses Dokument aufnehmen���</p><p>�Ich glaube nicht, dass du jetzt noch eine andere Wahl hast. Die anderen werden niemals unterschreiben, wenn die Aiel ausgeschlossen bleiben.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob sie �berhaupt unterschreiben.� Rand schaute sehns�chtig auf das Blatt Papier auf dem Tisch. �Es war so ein sch�ner Traum, Perrin. Der Traum, etwas Gutes f�r die Menschheit zu tun. Ich war davon �berzeugt, sie fest in der Hand zu haben. Bis Egwene mich in die Enge trieb.�</p><p>Es war gut, dass die anderen nicht Rands Gef�hle riechen konnten, sonst h�tte jeder sofort gewusst, dass er sich niemals weigern w�rde, gegen den Dunklen K�nig anzutreten. Er lie� sich nichts davon anmerken, aber Perrin wusste, dass er in seinem Inneren so nerv�s wie ein Junge vor seiner ersten Schafschur war.</p><p>�Rand, begreifst du nicht?�, sagte er pl�tzlich. �Die L�sung.�</p><p>Rand sah ihn nur stirnrunzelnd an.</p><p>�Die <emphasis>Aiel</emphasis>�, sagte Perrin. �Das Werkzeug, das benutzt werden musste. Ein Vertrag, der durchgesetzt werden muss���</p><p>Zuerst z�gerte Rand, dann grinste er breit. �Perrin, du bist ein Genie.�</p><p>�Wenn es um Schmiedearbeiten geht, wei� ich ein paar Sachen. Glaube ich zumindest.�</p><p>�Aber hier�� hier geht es doch gar nicht um das Handwerk eines Schmieds���</p><p>�Aber nat�rlich tut es das�, erwiderte Perrin. Wieso konnte Rand das nicht verstehen?</p><p>Rand drehte sich um und beendete zweifellos sein Gewebe. Er ging zu dem Dokument, dann hielt er es einem seiner Sekret�re im hinteren Teil des Pavillons hin. �Ich will, dass zwei zus�tzliche Klauseln aufgenommen werden. Erstens: Dieses Dokument ist null und nichtig, wenn es nicht entweder von der seanchanischen Tochter der Neun Monde oder der Kaiserin unterzeichnet wird. Zweitens: Die Aiel mit Ausnahme der Shaido sollen als Vollstrecker des Friedens und Vermittler bei Disputen zwischen den Nationen in das Dokument aufgenommen werden. Jede Nation darf sich an sie wenden, wenn sie sich geschm�ht f�hlt, und die Aiel sorgen f�r Recht. Und nicht feindliche Heere. Sie k�nnen Verbrecher �ber nationale Grenzen verfolgen. Sie unterwerfen sich den Gesetzen der Nationen, in denen sie sich gerade aufhalten, aber sie sind <emphasis>keine</emphasis> Untertanen dieser Nationen.�</p><p>Er wandte sich Elayne zu. �Da habt Ihr Eure Vollstrecker, Elayne, die Methode, die verhindert, dass sich der von Euch erw�hnte Unmut aufbaut.�</p><p>�Die Aiel?�, fragte sie skeptisch.</p><p>�Seid Ihr damit einverstanden, Rhuarc?�, wollte Rand wissen. �Bael, Jheran, der Rest von euch? Ihr behauptet, ihr w�rdet euren Daseinszweck verlieren, und Perrin sieht euch als Werkzeug, das etwas zu tun braucht. �bernehmt ihr diese Verantwortung? Kriege zu verhindern, jene zu bestrafen, die Verbrechen begehen, mit den Herrschern der Nationen zusammenzuarbeiten, damit der Gerechtigkeit Gen�ge getan wird?�</p><p>�Gerechtigkeit, wie wir sie sehen, Rand al�Thor�, fragte Rhuarc, �oder wie sie sie sehen?�</p><p>�Es wird nach dem Gewissen der Aiel gehen m�ssen�, sagte Rand. �Wenn sie euch rufen, werden sie wissen m�ssen, dass sie eure Gerechtigkeit empfangen. Das wird nicht funktionieren, wenn die Aiel zu Marionetten werden. Eure Unabh�ngigkeit wird daf�r sorgen, dass das hier eine effektive L�sung ist.�</p><p>Gregorin und Darlin fingen an sich zu beschweren, aber Rand brachte sie mit einem Blick zum Schweigen. Perrin nickte mit verschr�nkten Armen. Ihre Beschwerden waren jetzt schw�cher als zuvor. Bei vielen von ihnen roch er�� Nachdenklichkeit.</p><p><emphasis>Sie betrachten das als Gelegenheit,</emphasis> wurde ihm klar. <emphasis>F�r sie sind die Aiel Wilde, und sie glauben, man k�nnte sie leicht manipulieren, sobald es Rand nicht mehr gibt.</emphasis> Perrin grinste und stellte sich ihre Niederlage vor, sollten sie es jemals versuchen.</p><p>�Das kommt sehr pl�tzlich�, sagte Rhuarc.</p><p>�Willkommen zum Festmahl�, f�gte Elayne hinzu, die Rand noch immer mit Blicken zu erdolchen schien. �Probiert die Suppe.� Seltsamerweise roch sie nach <emphasis>Stolz</emphasis>. Seltsame Frau.</p><p>�Ich warne Euch, Rhuarc�, sagte Rand. �Ihr werdet eure Sitten ver�ndern m�ssen. In dieser Angelegenheit werden die Aiel gemeinsam handeln m�ssen; die H�uptlinge und Weisen Frauen werden sich zu einem Rat treffen m�ssen, um gemeinsam Entscheidungen zu f�llen. Ein Clan kann keine Schlacht schlagen, w�hrend andere Clans anderer Ansicht sind und f�r die Gegenseite k�mpfen.�</p><p>�Wir sprechen dar�ber�, verk�ndete Rhuarc und nickte den anderen H�uptlingen zu. �Das bedeutet f�r die Aiel das Ende.�</p><p>�Und einen neuen Anfang�, meinte Rand.</p><p>Die Clanh�uptlinge der Aiel und die Weisen Frauen versammelten sich in zwei Gruppen an der Seite und begannen leise zu debattieren. Aviendha blieb, w�hrend Rand besorgt ins Leere starrte. Perrin h�rte ihn etwas fl�stern, so leise, dass er nur Bruchst�cke mitbekam.</p><p>���dein Traum jetzt�� wenn du aus diesem Leben erwachen wirst, werden wir nicht l�nger���</p><p>Rands Sekret�re, denen die Hektik aus den Poren quoll, traten vor, um an den Zusatzklauseln des Dokuments zu arbeiten. Die Frau namens Cadsuane beobachtete alles mit strenger Miene.</p><p>Sie roch au�erordentlich stolz.</p><p>�F�gt eine weitere Klausel hinzu�, sagte Rand. �Die Aiel wenden sich an andere Nationen um Hilfe, falls sie zu der Entscheidung kommen, dass ihre Zahl nicht ausreicht. Arbeitet formelle Wege aus, wie die Nationen bei den Aiel vorstellig werden, wenn sie wollen, dass man ihnen ihr Recht verschafft oder wenn sie die Erlaubnis brauchen, einen Feind anzugreifen.�</p><p>Die Sekret�re nickten und arbeiteten noch eifriger.</p><p>�Ihr tut so, als w�re das schon alles entschieden�, sagte Egwene zu Rand.</p><p>�Oh, davon sind wir noch weit entfernt�, warf Moiraine ein. �Rand, ein paar Worte.�</p><p>�Werden sie mir gefallen?�</p><p>�Ich f�rchte nicht. Verratet mir, warum m�sst Ihr die Heere pers�nlich anf�hren? Ihr werdet zum Shayol Ghul gehen, wo Ihr zweifellos mit niemandem Kontakt aufnehmen werden k�nnt.�</p><p>�Jemand muss den Befehl haben, Moiraine.�</p><p>�Was das angeht, da sind wir uns wohl alle einig.�</p><p>Rand nahm die Arme wieder auf den R�cken und roch beunruhigt. �F�r diese Menschen habe ich die Verantwortung �bernommen, Moiraine. Ich will daf�r sorgen, dass man sich um sie k�mmert, dass die Grausamkeiten dieser Schlacht so gering wie m�glich ausfallen.�</p><p>�Ich f�rchte, das ist kein guter Grund, um eine Schlacht anzuf�hren�, erwiderte Moiraine leise. �Man k�mpft nicht, um seine Truppen zu sch�tzen, man k�mpft, um zu siegen. Dieser Anf�hrer m�sstet nicht Ihr sein, Rand. Ihr solltet es auch nicht sein.�</p><p>�Ich lasse nicht zu, dass diese Schlacht zu einem Chaos wird, Moiraine. Wenn Euch die Fehler bekannt w�ren, die wir das letzte Mal machten, die Verwirrung, die entsteht, wenn jedermann glaubt, den Befehl zu haben. Jede Schlacht ist ein Chaos, aber wir brauchen trotzdem einen obersten Befehlshaber, der Entscheidungen trifft, der versucht, das Chaos zu bew�ltigen.�</p><p>�Was ist mit der Wei�en Burg?� Romanda k�mpfte sich zu Egwene durch und stie� dabei beinahe alle anderen aus dem Weg. �Wir haben die M�glichkeiten, auf effiziente Weise zwischen den Fronten zu Reisen, wir bewahren k�hlen Kopf, wo andere die Nerven verlieren, und uns geh�rt das Vertrauen aller Nationen.�</p><p>Die letzte Bemerkung lie� Darlin eine Braue heben.</p><p>�Die Wei�e Burg erscheint tats�chlich als die beste Wahl, Lord Drache�, f�gte Tenobia hinzu.</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. �Nein. Die Amyrlin ist sicherlich vieles, aber eine Schlachtenf�hrerin�� Ich halte das f�r keine gute Entscheidung.�</p><p>Seltsamerweise schwieg Egwene. Perrin musterte sie. Eigentlich h�tte er angenommen, dass sie sich auf die Gelegenheit st�rzen w�rde, die Heerscharen selbst anzuf�hren.</p><p>�Es sollte einer von uns sein�, sagte Darlin. �Aus denen auserw�hlt, die in die Schlacht ziehen.�</p><p>�Vielleicht w�re das m�glich�, sagte Rand. �Solange ihr alle wisst, wer den Befehl hat, gebe ich in diesem Punkt nach. Aber Ihr m�sst meine anderen Forderungen erf�llen.�</p><p>�Ihr besteht noch immer darauf, dass Ihr die Siegel brechen m�sst?�, sagte Egwene.</p><p>�Sorgt Euch nicht, Egwene.� Moiraine l�chelte. �Er wird die Siegel nicht brechen.�</p><p>Rands Miene verfinsterte sich.</p><p>Egwene l�chelte.</p><p>�Ihr brecht sie�, sagte Moiraine zu Egwene.</p><p>�Was? Auf gar keinen Fall!�</p><p>�Ihr seid die W�chterin �ber die Siegel, Mutter�, sagte Moiraine. �Habt Ihr nicht geh�rt, was ich eben sagte? �Und es wird kommen eine Zeit, da das, was Menschen erbauten, <emphasis>zerst�rt</emphasis> werde, und der Schatten wird sich auf das Muster des Zeitalters senken, und der Dunkle K�nig wird noch einmal seine Hand auf alles Menschenwerk legen��� Es muss geschehen.�</p><p>Egwene erschien beunruhigt.</p><p>�Ihr habt es gesehen, nicht wahr?�, fl�sterte Moiraine. �Was habt Ihr Getr�umt, Mutter?�</p><p>Egwene antwortete nicht.</p><p>�Was habt Ihr gesehen?�, dr�ngte Moiraine sie und trat n�her an sie heran.</p><p>�Wie er sie zertritt�, sagte Egwene und starrte Moiraine in die Augen. �Rand tritt auf die Scherben des Dunklen K�nigs Kerker. In einem anderen Traum sah ich ihn, wie er darauf einschl�gt, um ihn zu �ffnen. Aber ich sah nicht, dass er ihn tats�chlich auch <emphasis>�ffnet</emphasis>, Moiraine.�</p><p>�Die Splitter waren da, Mutter�, sagte Moiraine. �Die Siegel waren gebrochen.�</p><p>�Tr�ume sind interpretierbar.�</p><p>�Ihr wisst, dass dieser Traum die Wahrheit sagt. Es muss getan werden, und die Siegel geh�ren Euch. Ihr werdet sie brechen, wenn der richtige Augenblick gekommen ist. Rand, Wiedergeborener Lord Drache, es ist Zeit, sie ihr zu �bergeben.�</p><p>�Das gef�llt mir nicht, Moiraine�, sagte er.</p><p>�Dann hat sich nicht viel ver�ndert, oder?�, fragte sie leichthin. �Ich wei�, Ihr habt Euch oft geweigert, das zu tun, was Ihr tun solltet. Vor allem wenn ich es bin, der Euch darauf hinweist.�</p><p>Einen Moment lang ging er in sich, dann lachte er und griff in die Manteltasche. Er zog drei Scheiben aus <emphasis>Cuendillar</emphasis> hervor, von denen jede in der Mitte von einer Schlangenlinie durchzogen wurde. Er legte sie auf den Tisch.</p><p>�Wie wird sie den richtigen Zeitpunkt erkennen?�, wollte er wissen.</p><p>�Sie wird es�, sagte Moiraine.</p><p>Egwene roch skeptisch, und Perrin konnte es ihr nicht ver�beln. Moiraine hatte stets daran geglaubt, den Geweben des Musters zu folgen und sich den Drehungen des Rades zu beugen. Perrin sah das nicht so. Seiner Ansicht nach erschuf man sich seinen eigenen Weg und vertraute auf die Kraft seiner Arme, alles N�tige zu tun. Man sollte sich nicht auf das Muster verlassen.</p><p>Egwene war Aes Sedai. Anscheinend war sie der Ansicht, dass sie es auf die gleiche Weise wie Moiraine betrachten musste. Entweder das, oder sie stimmte einfach nur zu, um die Siegel in die Hand zu bekommen. �Ich breche sie, wenn ich das Gef�hl habe, dass es sein muss.� Sie nahm die Siegel an sich.</p><p>�Also unterzeichnet Ihr.� Rand nahm das Dokument, w�hrend sich die Sekret�re �ber die Eile beklagten, mit der sie hatten arbeiten m�ssen. Auf der R�ckseite standen nun mehrere Zus�tze. Einer der Sekret�re schrie auf und griff nach dem Sand, um die Tinte zu trocknen, aber Rand tat etwas mit der Einen Macht und trocknete die Schrift augenblicklich, w�hrend er Egwene das Dokument vorlegte.</p><p>�Das werde ich�, sagte sie und hielt die Hand f�r eine Schreibfeder hin. Sorgf�ltig las sie die Zus�tze, und andere Schwestern blickten ihr dabei �ber die Schulter. Eine nach der anderen nickte.</p><p>Egwene setzte die Feder an und schrieb.</p><p>�Und jetzt der Rest�, sagte Rand und drehte sich um, um die Reaktionen einzusch�tzen.</p><p>�Beim Licht, er ist schlau geworden�, fl�sterte Faile an Perrins Seite. �Ist dir klar, was er getan hat?�</p><p>�Was denn?�, fragte Perrin und kratzte sich am Bart.</p><p>�Er brachte alle mit, von denen er wusste, dass sie ihn unterst�tzen w�rden�, fl�sterte Faile. �Die Grenzl�nder, die praktisch alles unterschreiben w�rden, um Hilfe f�r ihre Heimat zu bekommen. Arad Doman, dem er erst k�rzlich half. Die Aiel�� nun gut, wer wei� schon, wie die Aiel reagieren? Trotzdem.</p><p>Dann lie� er Egwene die anderen einsammeln. Das ist genial, Perrin. Da sie diese Koalition gegen ihn mitbrachte, brauchte er eigentlich nur sie zu �berzeugen. Sobald er sie auf seine Seite gebracht hat, w�rden die anderen als die Dummen dastehen, wenn sie nicht mitziehen.�</p><p>Und in der Tat, als die Herrscher anfingen, der Reihe nach zu unterzeichnen�� Berelain war die Erste und Eifrigste��, wurden diejenigen, die Egwene unterst�tzt hatten, unruhig. Darlin trat vor und ergriff die Feder. Kurz z�gerte er, dann unterschrieb er.</p><p>Gregorin folgte ihm. Dann die Grenzl�nder, ein Herrscher nach dem anderen, dann der K�nig von Arad Doman. Selbst Roedran, der die ganze Sache noch immer als Fiasko zu betrachten schien, unterschrieb. Perrin fand das seltsam.</p><p>�Er bl�st sich gern auf�, sagte er zu Faile, �aber er wei�, dass das seinem K�nigreich nur nutzen kann.�</p><p>Sie nickte. �Er benimmt sich wie ein R�pel, um alle dazu zu bringen, ihn zu missachten. Dieses Dokument legt die derzeitigen Grenzen der Nationen auf Dauer fest. F�r jemanden, der versucht, seine Herrschaft zu festigen, ist das eine gewaltige Gunst. Aber���</p><p>�Aber?�</p><p>�Die Seanchaner?�, sagte Faile leise. �Falls Rand sie �berreden kann, d�rfen sie dann L�nder behalten, die sie jetzt haben? Die Frauen, die <emphasis>Damane</emphasis> sind? D�rfen sie jeder Frau, die ihre Grenze �berschreitet, einen dieser Kragen mit Leine um den Hals legen?�</p><p>In das Zelt kehrte Stille ein; vielleicht hatte Faile lauter als beabsichtigt gesprochen. Manchmal hatte Perrin Probleme, sich daran zu erinnern, was gew�hnliche Menschen h�ren konnten und was nicht.</p><p>�Ich k�mmere mich um die Seanchaner�, versprach Rand. Er stand �ber den Tisch gebeugt und sah zu, wie sich jeder Herrscher das Dokument noch einmal durchlas, mit den mitgebrachten Beratern sprach und dann unterzeichnete.</p><p>�Wie denn?�, fragte Darlin. �Sie <emphasis>wollen</emphasis> keinen Frieden mit Euch schlie�en, Lord Drache. Ich glaube, sie werden dieses Dokument bedeutungslos machen.�</p><p>�Sobald wir hier fertig sind�, sagte Rand leise, �gehe ich zu ihnen. Sie werden unterschreiben.�</p><p>�Und wenn sie es nicht tun?�, verlangte Gregorin zu wissen.</p><p>Rand st�tzte seine Hand mit gespreizten Fingern auf den Tisch. �M�glicherweise muss ich sie dann vernichten. Oder zumindest ihre M�glichkeiten, in der n�heren Zukunft Krieg zu f�hren.�</p><p>Totenstille breitete sich im Pavillon aus.</p><p>�Seid Ihr dazu <emphasis>f�hig</emphasis>?�, fragte Darlin.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, gestand Rand ein. �Falls ich es kann, k�nnte es mich in einem Augenblick schw�chen, in dem ich meine ganze Kraft brauche. Licht, vielleicht ist das meine einzige Wahl. Eine schreckliche Wahl, als ich sie das letzte Mal verlieߠ� Wir k�nnen einfach nicht <emphasis>zulassen</emphasis>, dass sie uns in den R�cken fallen, w�hrend wir den Schatten bek�mpfen.� Er sch�ttelte den Kopf, und Min trat vor und nahm seinen Arm. �Ich finde eine M�glichkeit, mit ihnen zu verfahren. Irgendwie finde ich eine M�glichkeit.�</p><p>Die Unterzeichnung ging weiter. Manche taten es mit gro�em Gehabe, andere eher n�chtern. Rand lie� auch Perrin, Gawyn, Faile und Gareth Bryne unterschreiben. Er schien zu wollen, dass jeder der hier Anwesenden, der m�glicherweise in eine Machtposition aufsteigen w�rde, seinen Namen unter diesen Vertrag setzte.</p><p>Schlie�lich war nur noch Elayne �brig. Rand hielt ihr die Schreibfeder hin.</p><p>�Ihr verlangt da eine schwierige Sache von mir�, sagte sie mit verschr�nkten Armen. Ihr blondes Haar gl�nzte im Licht seiner Lichtkugel. Warum hatte sich drau�en blo� der Himmel bew�lkt? Rand schien das nicht zu beunruhigen, aber Perrin f�rchtete, dass die Wolken wieder den Himmel zur�ckerobert hatten. Ein gef�hrliches Zeichen, wenn sie ausgerechnet jetzt dort herrschten, wo Rand sie zuvor zur�ckgedr�ngt hatte.</p><p>�Ich wei�, es ist schwierig�, sagte Rand. �Vielleicht, wenn ich Euch etwas im Gegenzug gebe���</p><p>�Was denn?�</p><p>�Den Krieg.� Rand wandte sich an die Herrscher. �Ihr wolltet, dass einer von Euch die Letzte Schlacht anf�hrt. W�rdet Ihr Andor und seine K�nigin in dieser Rolle akzeptieren?�</p><p>�Zu jung�, sagte Darlin. �Zu neu. Das soll keine Beleidigung sein, Eure Majest�t.�</p><p>Alsalam schnaubte. �Ihr habt es gerade n�tig, Darlin. Die H�lfte der anwesenden Monarchen sitzt nicht einmal ein Jahr auf ihrem Thron.�</p><p>�Was ist mit den Grenzl�ndern?�, fragte Alliandre. �Sie k�mpfen ihr ganzes Leben schon gegen die F�ule.�</p><p>�Wir werden �berrannt�, sagte Paitar. Er sch�ttelte den Kopf. �Das kann keiner von uns bewerkstelligen. Andor ist eine genauso gute Wahl wie alle anderen.�</p><p>�Andor hat gerade selbst mit einer Invasion zu k�mpfen�, bemerkte Darlin.</p><p>�Das gilt f�r euch alle, oder zumindest bald�, sagte Rand. �Elayne Trakand ist die geborene Anf�hrerin; sie hat mir viel von dem beigebracht, was ich �ber F�hrung wei�. Sie hat von einem Gro�en Hauptmann �ber Taktik gelernt, und ich bin davon �berzeugt, dass sie sich bei allen Gro�en Hauptm�nnern Rat holt. Jemand <emphasis>muss</emphasis> der Befehlshaber sein. Seid ihr alle bereit, sie in dieser Position zu akzeptieren?�</p><p>Die anderen nickten z�gernd. Rand wandte sich Elayne zu.</p><p>�Also gut, Rand�, sagte sie. �Ich werde es tun, und ich unterschreibe auch, aber Ihr solltet besser einen Weg finden, die Seanchaner zur Vernunft zu bringen. Ich will den Namen ihrer Herrscherin auf diesem Dokument sehen. Vorher ist keiner von uns sicher.�</p><p>�Was ist mit den Frauen, die von den Seanchanern gefangen gehalten werden?�, fragte Rhuarc. �Ich muss zugeben, Rand al�Thor, dass es unsere Absicht war, in dem Augenblick, in dem die dringenderen Schlachten gewonnen sind, diesen Invasoren eine Blutfehde zu erkl�ren.�</p><p>�Wenn ihre Herrscherin unterzeichnet, werde ich um Handelsbeziehungen bitten im Austausch f�r die Machtlenkerinnen, die sie geraubt haben. Ich werde versuchen, sie dazu zu �berreden, die von ihnen annektierten L�nder zur�ckzugeben und in ihre Heimat zur�ckzukehren.�</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. �Und wenn sie sich weigern? Sollen sie unterschreiben, ohne in diesen Punkten nachzugeben? Tausende sind versklavt, Rand.�</p><p>�Wir k�nnen sie nicht besiegen�, sagte Aviendha leise. Perrin warf ihr einen Blick zu. Sie roch frustriert, aber entschlossen. �Wenn wir gegen sie in den Krieg ziehen, wird das unser Untergang sein.�</p><p>�Aviendha hat recht�, sagte Amys. �Die Aiel werden <emphasis>nicht</emphasis> gegen die Seanchaner k�mpfen.�</p><p>�berrascht sah Rhuarc die beiden nacheinander an.</p><p>�Sie haben schreckliche Dinge getan�, sagte Rand, �aber bis jetzt haben die von ihnen �bernommenen L�nder von ihrer starken F�hrung profitiert. Falls ich dazu gezwungen werde, bin ich bereit, ihnen die L�nder zu �berlassen, die sie bis jetzt haben, solange sie sich nicht weiter ausbreiten. Was die Frauen angeht�� was geschehen ist, ist geschehen. Wollen wir uns erst einmal um die ganze Welt k�mmern, danach tun wir, was wir f�r diese Gefangenen tun k�nnen.�</p><p>Elayne hielt das Dokument einen Moment in der Hand, vielleicht um der Dramatik willen, dann beugte sie sich vor und f�gte schwungvoll ihren Namen hinzu.</p><p>�Es ist vollbracht�, sagte Moiraine, als Rand das Blatt nahm. �Dieses Mal <emphasis>bekommt</emphasis> Ihr Euren Frieden, Lord Drache.�</p><p>�Zuerst m�ssen wir �berleben�, sagte er und hielt das Dokument and�chtig in der Hand. �Ich �berlasse euch euren Schlachtvorbereitungen. Ich muss noch einige Aufgaben zum Abschluss bringen, die Seanchaner eingeschlossen, bevor ich mich zum Shayol Ghul begebe. Allerdings habe ich noch eine Bitte an euch. Es gibt da einen lieben Freund, der unsere Hilfe braucht���</p><empty-line/><p>W�tende Blitze durchzuckten den bew�lkten Himmel. Trotz des Schattens floss der Schwei� Lan in den Nacken und klebte sein Haar unter dem Helm fest. Schon seit Jahren hatte er keinen mehr getragen; als Moiraines Begleiter hatte er unauff�llig sein m�ssen, und Helme waren das nun wirklich nicht.</p><p>�Wie�� wie schlimm ist es?� Andere verzog das Gesicht, hielt sich die Seite und lehnte sich an einen Felsen.</p><p>Lan betrachtete die Schlacht. Das Schattengez�cht rottete sich wieder zusammen. Die Ungeheuer erweckten den Anschein, als w�rden sie miteinander verschmelzen, und zwar zu einer finsteren, heulenden Masse aus purem Hass so dick wie die Luft selbst�� sie speicherte die Hitze und Luftfeuchtigkeit, so wie ein Kaufmann feine Teppiche hortete.</p><p>�Schlimm�, erwiderte Lan.</p><p>�Das wusste ich�, sagte Andere. Zwischen seinen Fingern sickerte Blut hervor, w�hrend er immer schneller atmete. �Nazar?�</p><p>�Nicht mehr unter uns�, sagte Lan. Der wei�haarige Mann war in demselben Kampf gefallen, der auch um ein Haar Andere das Leben gekostet h�tte. Lan hatte sie nicht schnell genug retten k�nnen. �Ich sah, wie er einem Trolloc den Bauch aufschlitzte, w�hrend die Bestie ihn t�tete.�</p><p>�M�ge die letzte Umarmung der Mutter��� Andere verkrampfte sich vor Schmerzen. �M�ge die letzte���</p><p>�M�ge die letzte Umarmung der Mutter dich daheim willkommen hei�en�, vollendete Lan leise den Satz.</p><p>�Seht mich nicht so an, Lan�, sagte Andere. �Wir alle wussten, wie das hier endet, als wir�� als wir uns Euch anschlossen.�</p><p>�Darum habe ich auch versucht, Euch davon abzuhalten.�</p><p>Andere runzelte die Stirn. �Ich���</p><p>�Friede, Andere�, sagte Lan und erhob sich. �Mein Wunsch war selbsts�chtig. Ich kam, um f�r Malkier zu sterben. Ich habe nicht das Recht, anderen dieses Privileg zu verweigern.�</p><p>�Lord Mandragoran!� Prinz Kaisel kam angeritten; seine einst so kostbare R�stung war voller Beulen und blutverschmiert. Der Kandori-Prinz sah noch immer zu jung f�r diese Schlacht aus, aber er hatte sich als genauso kaltbl�tig wie jeder erfahrene Veteran erwiesen. �Sie formieren sich wieder.�</p><p>Lan trat zu dem Pferdeknecht, der Mandarb hielt. Die Flanken des schwarzen Hengstes wiesen Schnitte von Trolloc-Waffen auf. Dank dem Licht waren sie nur oberfl�chlich. Lan legte dem Hengst die Hand auf den Hals, und Mandarb schnaubte. In der N�he hob sein Standartentr�ger, ein kahlk�pfiger Mann namens Jophil, die Flagge von Malkier. Der Goldene Kranich. Das war sein f�nfter Standartentr�ger seit dem Vortag.</p><p>Lans Truppe hatte den Pass mit ihrem Sturmangriff erobert und das Schattengez�cht zur�ckdr�ngen k�nnen, bevor es ins Tal str�mte. Das war mehr, als Lan je erwartet hatte. Der Pass war ein langes, schmales St�ck felsiges Terrain zwischen zerkl�fteten Felsw�nden und Gipfeln.</p><p>Diese Position zu halten erforderte keine clevere Taktik. Man hielt stand, man starb und man t�tete�� so lange, wie man dazu imstande war.</p><p>Lan kommandierte Kavallerie. F�r diese Aufgabe war sie nicht unbedingt ideal�� Kavallerie funktionierte eigentlich am besten, wenn sie sich ausbreiten konnte und ordentlich Platz f�r einen Sturmangriff hatte��, aber der Weg durch den Tarwin-Pass war schmal genug, dass immer nur eine kleine Anzahl Trollocs auf einmal passieren konnte. Das verschaffte Lan eine Chance. Zumindest fiel es den Tiermenschen schwerer, ihre gewaltige zahlenm��ige �berlegenheit zu nutzen. F�r jeden gewonnenen Zoll w�rden sie eine Metzgerrechnung bezahlen.</p><p>Trolloc-Kadaver bedeckten den Schluchtboden wie eine Felldecke. Jedes Mal, wenn die Kreaturen den Durchgang erneut erzwingen wollten, hatten Lans M�nner mit Lanzen und Stangenwaffen, Schwertern und Pfeilen Widerstand geleistet, Tausende erschlagen und sie f�r ihre Artgenossen aufgeschichtet, damit sie �ber sie hinwegklettern mussten. Aber jeder Zusammensto� reduzierte auch Lans Mannst�rke.</p><p>Jeder Angriff zwang sie, sich wieder ein St�ck zur�ckzuziehen. Zum Passeingang. Nun trennten sie nicht einmal mehr hundert Fu� davon.</p><p>Lan sp�rte die M�digkeit tief in seinen Knochen.</p><p>�Unsere Streitkr�fte?�, fragte er Prinz Kaisel.</p><p>�Vielleicht noch sechstausend, die reiten k�nnen, Dai Shan.�</p><p>Weniger als die H�lfte dessen, womit sie am Vortag begonnen hatten. �Sagt ihnen, sie sollen aufsitzen.�</p><p>Kaisel sah entsetzt aus. �Wir treten den R�ckzug an?�</p><p>Lan wandte sich dem Jungen zu.</p><p>Kaisel erbleichte. Man hatte Lan erz�hlt, sein Blick k�nne jedem Mann den Mut rauben; Moiraine hatte gern gescherzt, er k�nne einen Stein in einem Wettstreit im Blinzeln schlagen und habe die Geduld einer Eiche. Nun, er f�hlte sich nicht so selbstsicher, wie die Leute dachten, aber dieser Junge h�tte es besser wissen sollen, als zu fragen, ob sie sich zur�ckziehen sollten.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Lan, �und dann greifen wir an.�</p><p><emphasis>�Angreifen?�,</emphasis> wiederholte Kaisel. �Wir sind in der Defensive!�</p><p>�Sie werden uns hinwegfegen�, sagte Lan und zog sich auf Mandarbs Sattel. �Wir sind ersch�pft, ausgelaugt und fast gebrochen. Bleiben wir hier stehen und lassen sie noch einmal auf uns zukommen, fallen wir ohne ein Wimmern.�</p><p>Lan erkannte ein Ende, wenn er es sah.</p><p>�Gebt die Befehle weiter�, sagte er zu Prinz Kaisel. �Wir ziehen uns langsam aus dem Pass zur�ck. Ihr lasst den Rest der Truppen auf der Ebene Aufstellung nehmen, aufgesessen und bereit, das Schattengez�cht anzugreifen, wenn es durch den Pass kommt. Ein Sturmangriff wird gro�en Schaden anrichten; sie werden gar nicht wissen, was sie getroffen hat.�</p><p>�Werden wir nicht eingekreist und �berrannt, wenn wir den Pass verlassen?�</p><p>�Das ist das Beste, was wir mit den uns noch zur Verf�gung stehenden Kr�ften erreichen k�nnen.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Und dann brechen sie irgendwann durch, hauen unsere Armee in St�cke und �berrennen uns.�</p><p>Kaisel sa� f�r einen Moment da, dann nickte er. Wieder war Lan beeindruckt. Er hatte angenommen, der Junge h�tte ihn begleitet, um den Ruhm der Schlacht kennenzulernen, um an der Seite Dai Shans zu k�mpfen und ihre Feinde hinwegzufegen. Aber nein. Kaisel war ein echter Grenzl�nder. Er war nicht wegen des Ruhms hier. Er war gekommen, weil er es musste. <emphasis>Guter Junge.</emphasis></p><p>�Gebt den Befehl. Die M�nner werden froh sein, wieder auf den Pferden zu sitzen.� Zu viele von ihnen waren gezwungen gewesen, wegen des beengten Raums zu Fu� zu k�mpfen.</p><p>Kaisel gab die Befehle, und diese Befehle brannten sich durch Lans M�nner wie ein Herbstfeuer. Lan sah, wie Bulen Andere in den Sattel half.</p><p>Lan trieb Mandarb zum Schritt an, bis er an seiner Seite war. �Andere? Ihr seid nicht in der Verfassung zu reiten. Gesellt Euch zu den Verwundeten im hinteren Lager.�</p><p>�Damit ich daliege und mich von den Trollocs abschlachten lasse, nachdem sie Euch erledigt haben?� Andere beugte sich leicht schwankend im Sattel vor, und Bulen sah besorgt zu ihm hoch. Andere winkte ab und zwang sich in eine aufrechte Position. �Wir haben den Berg bereits bewegt, Lan. Bewegen wir noch die Feder und bringen es hinter uns.�</p><p>Lan wusste dem nichts entgegenzusetzen. Er rief den M�nnern, die vor ihm im Pass waren, den Befehl zu, sich zur�ckzuziehen. Sie scharten sich um ihn und wichen langsam zur Ebene zur�ck.</p><p>Die Trollocs johlten und br�llten vor Aufregung. Sie wussten, dass sie diesen Kampf m�helos gewinnen w�rden, sobald sie die einengenden W�nde los waren.</p><p>Lan und seine kleine Streitmacht verlie� den schmalen Pass; die zu Fu� rannten auf ihre Pferde zu, die am Passeingang festgebunden waren.</p><p>Dieses eine Mal brauchten die Trollocs kein Einpeitschen durch die Myrddraal, um anzugreifen. Ihre Schritte lie�en den steinigen Boden erbeben.</p><p>Mehrere Hundert Fu� hinter dem Passeingang z�gelte Lan sein Pferd und drehte sich um. M�hsam lenkte Andere sein Tier neben Lan, weitere Reiter gesellten sich zu ihnen und stellten sich zu langen Kavalleriereihen auf. Bulen drehte sein Pferd und galoppierte an der anderen Seite herbei.</p><p>Das Schattengez�cht n�herte sich dem Passende, eine anst�rmende Streitmacht aus Tausenden Trollocs, die gleich in die Freiheit platzen w�rde�� zum ersten Mal, seit die Schlacht begonnen hatte.</p><p>Lans Streitmacht stand stumm um ihn herum aufgereiht. Es waren viele �ltere M�nner dabei, die letzten Reste ihres untergegangenen K�nigreichs. Auf der viel gr��eren Ebene erschien das Heer, dem es gelungen war, die schmale L�cke zu sperren, auf einmal winzig.</p><p>�Bulen�, sagte Lan.</p><p>�Ja, Lord Mandragoran?�</p><p>�Ihr behauptet, mich vor vielen Jahren im Stich gelassen zu haben.�</p><p>�Ja, mein Lord. Es���</p><p>�Jedes Versagen Eurerseits ist vergessen�, sagte Lan mit nach vorn gerichtetem Blick. �Es erf�llt mich mit Stolz, Euch Euren <emphasis>Hadori</emphasis> gegeben zu haben.�</p><p>Kaisel ritt heran und nickte Lan zu. �Dai Shan, wir sind bereit.�</p><p>�So ist es am besten�, sagte Andere. Mit verzerrtem Gesicht hielt er sich die Wunde und konnte sich kaum im Sattel halten.</p><p>�Es ist, was es sein muss�, sagte Lan. Es war kein Widerspruch. Jedenfalls nicht direkt.</p><p>�Nein�, erwiderte Andere. �Es ist mehr als das, Lan. Malkier ist wie ein Baum, dessen Wurzeln Wei�w�rmern zum Opfer gefallen sind und dessen �ste langsam verdorren. Ich w�rde lieber von einem Blitz weggebrannt werden.�</p><p>�Ich w�rde lieber angreifen�, sagte Bulen mit fester Stimme. �Ich w�rde lieber jetzt angreifen, als sie uns �berrennen lassen. Lasst uns beim Angriff sterben, w�hrend unsere Schwerter heimw�rts gerichtet sind.�</p><p>Lan nickte, drehte sich um und hob das Schwert hoch �ber den Kopf. Er hielt keine Rede. Die hatte er bereits gehalten. Seine M�nner wussten, worum es hier ging. Ein letzter Sturmangriff, solange sie noch Kraft hatten, w�rde etwas bedeuten. Weniger Schattengez�cht, das in zivilisierte L�nder str�men konnte. Weniger Trollocs, die jene t�teten, die sich nicht wehren konnten.</p><p>Der Feind erschien endlos. Eine geifernde, tobende Horde ohne Schlachtreihen oder Disziplin. Zorn, die leibhaftige Zerst�rung. Abertausende von ihnen. Sie kamen wie eine pl�tzlich entfesselte Flutwelle, wogten aus der Schlucht.</p><p>Lans kleine Streitmacht war wie ein Kieselstein, der ihnen im Weg stand. Die M�nner hoben stumm die Schwerter in seine Richtung. Ein letzter Salut.</p><p>�Jetzt!�, rief Lan. <emphasis>Jetzt, wo sie ausschw�rmen. Das wird den gr��ten Schaden anrichten.</emphasis> Lan stie� Mandarb die Stiefel in die Flanken und f�hrte den Weg an.</p><p>Andere galoppierte an seiner Seite, klammerte sich mit beiden H�nden an sein Sattelhorn. Er versuchte gar nicht erst, eine Waffe zu heben; bei dem Versuch w�re er aus dem Sattel gest�rzt.</p><p>Nynaeve war viel zu weit weg, um viel von ihr durch den Beh�terbund zu sp�ren, aber manchmal konnten m�chtige Gef�hle trotz der Entfernung hervorstechen. Lan versuchte Zuversicht zu �bermitteln, f�r den Fall, dass es sie erreichte. Stolz auf seine M�nner. Seine Liebe f�r sie. Er w�nschte sich von ganzem Herzen, dass das die letzten Dinge waren, an die sie sich von ihm erinnerte.</p><p><emphasis>Mein Arm ist das Schwert��</emphasis></p><p>Ihre Hufe trommelten �ber den Boden. Die Trollocs vor ihnen gr�lten entz�ckt, weil sie erkannten, dass ihr Wild den R�ckzug in einen Angriff verwandelt hatte, der die M�nner direkt in ihre F�nge bringen w�rde.</p><p><emphasis>Meine Brust ist ein Schild��</emphasis></p><p>Lan vernahm eine Stimme, die diese Worte sprach, die Stimme seines Vaters. Das war nat�rlich albern. Beim Untergang von Malkier war Lan noch ein S�ugling gewesen.</p><p><emphasis>Um die Sieben T�rme zu verteidigen��</emphasis></p><p>Er hatte die Sieben T�rme nie zu Gesicht bekommen, das Bollwerk gegen die F�ule. Er kannte sie nur aus Geschichten.</p><p><emphasis>Um die Dunkelheit zur�ckzudr�ngen��</emphasis></p><p>Der Hufschlag wurde zu einem Donnern. So laut, lauter, als er f�r m�glich gehalten h�tte. Er hielt sich gerade, das Schwert nach vorn gestreckt.</p><p><emphasis>Ich werde stehen, wenn alle anderen fallen.</emphasis></p><p>Die herankommenden Trollocs senkten die Speere, als die Distanz zwischen den beiden gegnerischen Streitm�chten abnahm.</p><p><emphasis>Al Chalidholara Malkier.</emphasis> F�r meine s��e Heimat Malkier.</p><p>Das war ein Eid, den ein Malkieri-Soldat bei seiner ersten Stationierung an der Grenze leistete. Lan hatte ihn nie gesprochen.</p><p>Jetzt tat er es im Herzen.</p><p><emphasis>�Al Chalidholara Malkier!�,</emphasis> schrie Lan. �Lanzen senken!� Beim Licht, was waren diese Hufe laut! Konnten sechstausend so viel L�rm machen? Er warf einen Blick nach hinten.</p><p>Hier ritten mindestens zehntausend.</p><p><emphasis>Was?</emphasis></p><p>Trotz seiner �berraschung trieb er Mandarb weiter an.</p><p>�Der Goldene Kranich nach vorn!�</p><p>Stimmen, Rufe, Schreie der Freude und der Macht.</p><p>Links voraus schnitt unvermittelt ein vertikaler Strich die Luft entzwei. Ein drei Dutzend Schritt breites Wegetor ��diese Gr��e hatte Lan noch nie gesehen�� �ffnete sich, als k�me es direkt aus der Sonne. Helligkeit str�mte heraus, <emphasis>explodierte</emphasis> f�rmlich. M�nner in voller R�stung brachen aus der �ffnung hervor und setzten sich an Lans Flanke. Die Flagge von Arafel flatterte an ihrer Spitze.</p><p>Mehr Wegetore. Drei, dann vier, dann ein Dutzend. Ein jedes war genau koordiniert und teilte das Feld auf, Reiter galoppierten mit angelegten Lanzen heraus, f�hrten die Flaggen von Saldaea, Arafel. Kandor. In wenigen Sekunden verwandelte sich sein Angriff der Sechstausend in einen Angriff der Hunderttausend.</p><p>Die Trollocs in der Frontlinie schrien auf, einige blieben stehen. Viele blieben fest, die Speere schr�g gehalten, um die heranst�rmenden Pferde aufzuspie�en. Hinter ihnen stauten sich andere erz�rnte Horden und dr�ngten weiter�� ihnen fehlte die Sicht auf das, was an der Front gerade geschah��, schwenkten gewaltige Schwerter mit sensenartigen Klingen und Doppel�xten.</p><p>Die Trollocs in der ersten Reihe explodierten pl�tzlich einfach.</p><p>Irgendwo hinter Lan webten Asha�man Gewebe, um den Erdboden aufzurei�en; sie vernichteten die ersten Reihen der Tiermenschen. Als die Kadaver zusammenbrachen, standen die mittleren Reihen v�llig entbl��t da und sahen einen Sturm aus Hufen, Schwertern und Lanzen auf sich zukommen.</p><p>Lan galoppierte mit Mandarb in die knurrenden Bestien hinein, schlug mit dem Schwert zu. Andere lachte.</p><p>�Zur�ck, Ihr Narr!�, br�llte Lan ihn an, w�hrend er auf einen Trolloc einschlug. �F�hrt die Asha�man zu unseren Verwundeten; sie sollen das Lager besch�tzen!�</p><p>�Ich will Euch l�cheln sehen, Lan!�, gab Andere zur�ck und klammerte sich am Sattel fest. �Zeigt wenigstens ein Mal mehr Gef�hle als ein Stein! Dieser Anblick hat das gewiss verdient!�</p><p>Lan betrachtete die Schlacht, die er nie geglaubt hatte zu gewinnen, sah ein letztes Gefecht, das sich auf einmal zu einem vielversprechenden Kampf entwickelte, und er konnte einfach nicht anders. Er l�chelte nicht nur, er lachte.</p><p>Andere gehorchte seinem Befehl und ritt los, um sich Heilen zu lassen und die hinteren Linien zu organisieren.</p><p>�Jophil!�, rief Lan. �Hebt mein Banner in die H�he! Heute lebt Malkier weiter!�</p></section><section><title><p>7</p><p>Auf in die Schlacht</p></title><p>Elayne verlie� den Pavillon nach der Zusammenkunft�� und betrat einen Hain aus vielleicht einem Dutzend B�umen. Und es waren nicht irgendwelche B�ume: Es waren riesige gesunde, wundersch�ne B�ume mit gewaltigem Astwerk, Hunderte Fu� hoch mit dicken St�mmen. Unwillk�rlich blieb sie stehen und starrte sie auf eine Weise an, die wirklich peinlich gewesen w�re, h�tte nicht jeder andere das Gleiche getan. Sie schaute zur Seite, wo Egwene mit offenem Mund stand und ebenfalls nach oben in die riesigen Baumkronen starrte. Dar�ber schien noch immer die Sonne, aber die gr�nen Bl�tter h�llten das ganze Gebiet in Schatten, was erkl�rte, warum es im Zelt so d�ster geworden war.</p><p>�Diese B�ume�, sagte Perrin, trat vor und legte eine Hand auf die dicke, knorrige Rinde. �Diese gro�en B�ume habe ich schon einmal gesehen. In einem <emphasis>Stedding</emphasis>.�</p><p>Elayne umarmte die Quelle. Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> war da und w�rmte neben der Sonne. Sie atmete die Macht ein und bemerkte am�siert, dass die meisten der Frauen, die die Macht lenken konnten, ihrem Beispiel in dem Moment gefolgt waren, als das Wort <emphasis>Stedding</emphasis> fiel.</p><p>�Nun, was auch immer Rand nun darstellt�, sagte Egwene mit verschr�nkten Armen, �er kann nicht einfach ein <emphasis>Stedding</emphasis> erscheinen lassen.� Der Gedanke schien sie zu tr�sten.</p><p>�Wo ist er hin?�, fragte Elayne.</p><p>Perrin zeigte zu den B�umen. �Er ist in diese Richtung gegangen. Und dann einfach verschwunden.�</p><p>Zwischen den gewaltigen Baumst�mmen bewegten sich Soldaten der verschiedenen Lager und starrten in die H�he. Elayne h�rte, wie ein Shienarer in der N�he zu Lord Agelmar sprach. �Wir konnten zusehen, wie sie wuchsen, mein Lord. Sie brachen aus dem Boden hervor; es dauerte keine f�nf Minuten, bis sie so waren. Das schw�re ich, mein Lord, oder ich ziehe nie wieder meine Klinge.�</p><p>�Also gut�, verk�ndete Elayne und lie� die Quelle los. �Fangen wir an. Nationen stehen in Flammen. Karten! Wir brauchen Karten!�</p><p>Die anderen Herrscher wandten sich ihr zu. Bei der Zusammenkunft hatten nur wenige von ihnen Einw�nde gehabt, dass man sie zu ihrer Anf�hrerin bestimmte. Aber da hatte Rand auch danebengestanden. So war das manchmal in seiner N�he; man landete einfach im Gezeitensog seines Willens. Wenn er etwas sagte, erschienen die Dinge so logisch.</p><p>Aber jetzt schienen viele nicht unbedingt begeistert, dass sie �ber ihnen stand. Am besten lie� sie ihnen keine Zeit, dar�ber nachzugr�beln. �Wo ist Meister Norry?�, fragte sie Dyelin. �K�nnte er���</p><p>�Ich habe die Karten, Euer Majest�t�, sagte Gareth Bryne, als er den Pavillon mit Siuan an seiner Seite verlie�.</p><p>Er erschien grauer, als sie ihn in Erinnerung hatte; er trug einen steifen wei�en Mantel und Hosen, auf der Brust die Flamme von Tar Valon. Er verneigte sich respektvoll, kam aber nicht zu nahe. Seine Uniform zeigte, wem seine Loyalit�t geh�rte, genau wie Siuans besitzergreifende Hand auf seinem Arm.</p><p>Elayne erinnerte sich daran, wie er mit dieser gleichen ruhigen Miene hinter ihrer Mutter gestanden hatte. Niemals anma�end, immer die K�nigin besch�tzend. Aber diese K�nigin hatte ihn versto�en. Das war nicht Elaynes Schuld gewesen, aber sie konnte an Brynes Gesicht ablesen, dass er diesen Vertrauensbruch nie vergessen hatte.</p><p>Sie konnte nicht �ndern, was geschehen war. Sie konnte nur nach vorn schauen. �Falls Ihr Karten dieses Gebiets und der m�glichen Schlachtfelder habt, Lord Bryne, w�rden wir sie gerne sehen. Ich m�chte Karten f�r das Gebiet zwischen hier und Caemlyn, eine detaillierte Karte von Kandor und Eure besten Karten der anderen Grenzl�nder.� Sie wandte sich an die Herrscher. �Holt Eure Gener�le und Berater zusammen! Wir m�ssen uns sofort mit den anderen Gro�en Hauptm�nnern zusammensetzen, um unsere n�chsten Z�ge zu besprechen.�</p><p>Es dauerte nicht lange, obwohl sich Verwirrung breitmachte, als sich zwei Dutzend verschiedene Fraktionen ans Werk begaben. Diener zogen die Seiten des Pavillons hoch, und Elayne befahl Sumeko, die Kusinen zusammenzuholen, und W�chtern, durch ein Wegetor Tische und St�hle aus ihrem Lager zu besorgen. Au�erdem verlangte sie genaue Berichte, was dort im Tarwin-Pass geschah. Rand hatte darum gebeten, dass der gr��te Teil der Grenzl�nderheere dorthin aufbrach und Lan rettete. Die Herrscher und die Gro�en Hauptm�nner waren f�r die Besprechung zur�ckgeblieben.</p><p>Kurze Zeit sp�ter studierten Elayne und Egwene die detaillierten Karten, die Bryne mitgebracht hatte. Sie lagen �ber vier Tische ausgebreitet. Die Herrscher hielten sich zur�ck und lie�en ihre Befehlshaber diskutieren.</p><p>�Das ist gute Arbeit, Bryne�, lobte Lord Agelmar. Der Shienarer war einer der vier noch �brigen sogenannten Gro�en Hauptm�nner. Bryne war ein anderer. Die letzten beiden von ihnen ��Davram Bashere und Rodel Ituralde�� standen Seite an Seite am Ende eines anderen Tisches und berichtigten eine Karte der westlichen Grenzl�nder. Ituralde hatte dicke Tr�nens�cke unter den Augen, und manchmal zitterten seine H�nde. Elayne hatte geh�rt, dass er in Maradon viel mitgemacht hatte und erst k�rzlich gerettet worden war. Ehrlich gesagt �berraschte es sie, dass er �berhaupt anwesend war.</p><p>�Nun gut�, sagte Elayne zu der Versammlung. �Wir m�ssen k�mpfen. Aber wie? Wo?�</p><p>�Gro�e Streitm�chte Schattengez�cht sind an drei Orten eingedrungen�, sagte Bryne. �In Caemlyn, Kandor und am Tarwin-Pass. Der Pass sollte nicht aufgegeben werden, vorausgesetzt, unsere Kr�fte reichen, um Lord Mandragoran dabei zu helfen, die Lage zu stabilisieren. Vermutlich d�rfte unser heutiger Vorsto� dazu f�hren, dass sich das Schattengez�cht vom Pass zur�ckzieht. Dem Feind dort den Weg zu versperren ist eine Aufgabe, f�r die die schwere Kavallerie von Malkier nicht besonders geeignet ist. Vielleicht sollten wir ihm einige Pikenkompanien schicken. Wenn er diesen Pass weiterhin versperrt, k�nnen wir den gr��ten Teil unserer Streitkr�fte f�r den Kampf in Andor und Kandor einsetzen.�</p><p>Agelmar nickte. �Ja. Das sollte machbar sein, wenn wir dem Dai Shan die n�tige Unterst�tzung zukommen lassen. Aber wir k�nnen nicht riskieren, dass Shienar genau wie Kandor �berrannt wird. Sollten sie den Pass �berwinden���</p><p>�Wir sind auf eine l�ngere Schlacht vorbereitet�, sagte K�nig Easar. �Kandors Widerstand und Lans Kampf am Pass haben uns die n�tige Zeit verschafft. Unsere B�rger ziehen sich in die Festungen zur�ck. Wir k�nnen standhalten, selbst wenn wir den Pass verlieren sollten.�</p><p>�Tapfere Worte, Euer Majest�t�, sagte Gareth Bryne. �Aber es w�re besser, wir m�ssten die Shienarer nicht auf diese Weise auf die Probe stellen. Wir sollten den Pass auf jeden Fall halten, ganz egal, was dazu notwendig ist.�</p><p>�Und Caemlyn?�, fragte Elayne.</p><p>Ituralde nickte. �Ein Feind, der so tief hinter unseren eigenen Linien steht, mit einem Tor zu den Kurzen Wegen, um Verst�rkung zu bringen�� das ist schlimm.�</p><p>�Fr�he Berichte von heute Morgen deuten darauf hin, dass die Trollocs im Moment an Ort und Stelle bleiben�, sagte Elayne. �Sie haben gro�e Teile der Stadt niedergebrannt, andere Viertel aber in Ruhe gelassen�� und jetzt, da ihnen die Stadt geh�rt, haben sie angefangen, die Br�nde zu l�schen.�</p><p>�Irgendwann verlassen sie sie�, sagte Bryne. �Aber es ist besser, wenn wir sie dort bald vertreiben, statt zu lange damit zu warten.�</p><p>�Warum keine Belagerung in Betracht ziehen?�, fragte Agelmar. �Ich bin der Ansicht, dass der gr��te Teil unserer Truppen nach Kandor gehen sollte. Ich w�rde den Wolkenthron und die Drei Handelshallen nicht untergehen lassen wollen wie die Sieben T�rme.�</p><p>�Kandor ist bereits gefallen�, sagte Prinz Antol leise.</p><p>Die Gro�en Hauptm�nner richteten die Blicke auf den �ltesten Sohn der kandorischen K�nigin. Er war ein gro�er Mann, der nicht viel sagte. Aber jetzt meldete er sich k�hn zu Wort. �Meine Mutter k�mpft f�r unser Land�, sagte er, �aber es ist ein Kampf der Rache und der Vergeltung. Kandor brennt, und das zerrei�t mir das Herz, aber daran k�nnen wir nichts �ndern. Wendet Andor den gr��ten Teil Eurer Aufmerksamkeit zu; taktisch gesehen ist es viel zu wichtig, um ignoriert werden zu k�nnen, und ich will nicht erleben, dass noch ein Land auf die gleiche Weise untergeht wie das meine.�</p><p>Die anderen nickten. �Ein weiser Rat, Hoheit�, sagte Bashere. �Vielen Dank.�</p><p>�Vergesst aber nicht Shayol Ghul�, sagte Rhuarc, der an der Seite von Perrin, einigen Aes Sedai und ein paar anderen H�uptlingen der Aiel stand. Die Gro�en Hauptm�nner wandten sich ihm zu, als h�tten sie seine Anwesenheit v�llig vergessen.</p><p>�Der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> wird Shayol Ghul bald angreifen�, sagte Rhuarc. �Dann braucht er Speere in seinem R�cken.�</p><p>�Die wird er auch bekommen�, versprach Elayne. �Aber das bedeutet vier Fronten. Shayol Ghul, der Tarwin-Pass, Kandor und Caemlyn.�</p><p>�Lasst uns zuerst nach Caemlyn blicken�, sagte Ituralde. �Der Gedanke an eine Belagerung gef�llt mir nicht. Wir m�ssen die Trollocs vertreiben. Wenn wir sie belagern, haben sie mehr Zeit, ihre Zahl durch die Kurzen Wege aufzustocken. Wir m�ssen sie jetzt erledigen, zu unseren Bedingungen.�</p><p>Agelmar nickte mit einem Grunzen, dann betrachtete er die Karte von Caemlyn, die ein Adjutant auf dem Tisch ausgebreitet hatte. �K�nnen wir diesen Strom stoppen? Das Tor zu den Kurzen Wegen zur�ckerobern?�</p><p>�Das habe ich bereits versucht�, sagte Elayne. �Wir haben heute Morgen drei verschiedene Kompanien durch ein Wegetor in den Keller mit dem Tor geschickt, aber der Schatten ist vorbereitet und hat sich verbarrikadiert. Keine der Kompanien ist zur�ckgekehrt. Ich wei� nicht, ob wir das Tor �berhaupt zur�ckerobern k�nnen, nicht einmal, ob wir es vernichten k�nnen.�</p><p>�Und wenn wir es von der anderen Seite aus versuchen?�, fragte Agelmar.</p><p>�Die andere Seite?�, fragte Elayne. �Ihr meint aus dem Inneren der Kurzen Wege?�</p><p>Agelmar nickte.</p><p>�Niemand reist durch die Wege�, sagte Ituralde entsetzt.</p><p>�Die Trollocs schon�, meinte Agelmar.</p><p>�Ich kenne sie�, sagte Perrin und trat an den Tisch. �Und es tut mir leid, meine Lords, aber ich glaube nicht, dass man das Tor von der anderen Seite erobern k�nnte. So wie ich es verstanden habe, k�nnten wir es nicht vernichten�� nicht einmal mit der Einen Macht. Und wir k�nnen es auch nicht von innen halten, das l�sst der Schwarze Wind nicht zu. Unsere beste M�glichkeit besteht darin, die Trollocs irgendwie aus Caemlyn hinauszuwerfen und dann diese Seite des Tors zu halten. Richtig besch�tzt wird es der Schatten nie wieder gegen uns verwenden k�nnen.�</p><p>�Gut. Wir werden andere M�glichkeiten in Betracht ziehen�, sagte Elayne. �Obwohl mir da der Gedanke kommt, dass wir die Schwarze Burg benachrichtigen sollten, um ihre Asha�man zu bekommen. Wie viele von ihnen sind dort?�</p><p>Perrin r�usperte sich. �Ich glaube, Ihr solltet Vorsicht walten lassen, was diesen Ort angeht, Euer Majest�t. Dort geht etwas vor.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. ��Etwas�?�</p><p>�Ich wei� nichts Genaues�, sagte Perrin. �Ich sprach mit Rand dar�ber, und er war sehr besorgt und sagte, er wollte sich darum k�mmern. Wie dem auch sei�� seid einfach nur vorsichtig.�</p><p>�Ich bin immer vorsichtig�, sagte Elayne nachdenklich. �Also, wie bekommen wir die Trollocs aus Caemlyn raus?�</p><p>�Wir k�nnten ja eine gro�e Truppe im Breamwald verstecken; der ist beinahe f�nfzig Meilen n�rdlich von Caemlyn.� Bryne zeigte auf die Karte. �Wenn eine kleine Kompanie als K�der f�r eine Falle an den Stadttoren aufmarschiert und die Trollocs dazu bringt, sie zur�ck in den Wald zu jagen�� Ich war stets besorgt, dass ein Invasionsheer den Wald als Deckung f�r einen Angriff auf die Stadt benutzen k�nnte. Ich h�tte nie gedacht, dass ich diese M�glichkeit selbst in Betracht ziehe.�</p><p>�Interessant�, sagte Agelmar und studierte eine Karte mit dem Umland von Caemlyn. �Das scheint ein guter Rat zu sein.�</p><p>�Aber was ist mit Kandor?�, fragte Bashere. �Der Prinz hat ja durchaus recht, dass das Land nicht mehr zu retten ist, aber wir k�nnen einfach nicht zulassen, dass die Trollocs von dort in andere L�nder str�men.�</p><p>Ituralde rieb sich am Kinn. �Das wird alles sehr schwierig. Drei Trolloc-Heere, und wir werden dazu gezwungen, unsere Aufmerksamkeit zwischen ihnen zu teilen. Ja, ich komme zusehends zu dem Schluss, dass es der richtige Weg ist, sich auf eines von ihnen zu konzentrieren und den Vorsto� der anderen beiden nur zu behindern.�</p><p>�Die Armee des Schattens in Caemlyn ist vermutlich die kleinste von ihnen�, sagte Agelmar, �da die Gr��e des Tors ihren Zugang zur Stadt eingeschr�nkt hat.�</p><p>Bashere nickte. �Unsere beste Chance f�r einen schnellen Sieg an einer der Fronten liegt in Caemlyn. Wir sollten dort hart zuschlagen mit der gr��ten unserer Streitm�chte. K�nnen wir in Andor siegen, wird das die Zahl unserer Fronten verringern�� und das bringt uns erhebliche Vorteile.�</p><p>�Ja�, sagte Elayne. �Wir verst�rken Lan, sagen aber, dass es seine Aufgabe sein wird, dort so lange durchzuhalten, wie er kann. Wir setzen eine zweite Streitmacht an der Grenze von Kandor ab, die den Vormarsch ebenfalls behindern soll�� vielleicht ein langsamer R�ckzug, der sich nach den Bedingungen richtet. W�hrend diese beiden Fronten gehalten werden, gilt unsere wahre Aufmerksamkeit dem Ziel, mit unserem gr��ten Heer die Trollocs in Caemlyn zu vernichten.�</p><p>�Gut�, meinte Agelmar. �Das gef�llt mir. Aber welche Streitmacht nehmen wir f�r Kandor? Welches Heer kann die Trollocs behindern, ohne daf�r eine gro�e Truppenst�rke zu brauchen?�</p><p>�Die Wei�e Burg?�, fragte Elayne. �Wenn wir Aes Sedai nach Kandor schicken, k�nnen sie den Vorsto� der Trollocs �ber die Grenze verlangsamen. Dann kann sich der Rest von uns auf Caemlyn konzentrieren.�</p><p>�Ja�, sagte Bryne. �Das gef�llt mir.�</p><p>�Und was ist mit der vierten Front?�, fragte Ituralde. �Shayol Ghul? Wei� jemand, was der Lord Drache dort plant?�</p><p>Niemand meldete sich zu Wort.</p><p>�Die Aiel werden sich um seine Bed�rfnisse k�mmern�, sagte Amys von ihrem Platz neben den Clanh�uptlingen. �Um uns braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Macht eure Schlachtpl�ne und wir machen die unseren.�</p><p>�Nein�, sagte Elayne.</p><p>�Elayne?�, meldete sich Aviendha zu Wort. �Wir���</p><p>�Das ist genau das, was Rand vermeiden wollte�, verk�ndete Elayne energisch. �Die Aiel werden mit dem Rest von uns zusammenarbeiten. Die Schlacht am Shayol Ghul k�nnte die wichtigste von allen sein. Ich lasse nicht zu, dass eine Gruppe das Recht beansprucht, f�r sich zu bleiben und allein zu k�mpfen. Ihr werdet unsere Hilfe annehmen.�</p><p><emphasis>Und unsere F�hrung,</emphasis> f�gte sie im Stillen hinzu. Die Aiel waren ausgezeichnete Krieger, aber es gab Dinge, die sie einfach nicht zugeben wollten. Wie zum Beispiel den Nutzen von Kavallerie.</p><p>Die Vorstellung, einen Feuchtl�nder als Befehlshaber zu haben, gefiel den Aiel keineswegs, wie man sehen konnte. Sie kniffen die Augen zusammen, bewegten sich unruhig.</p><p>�Die Aiel sind ausgezeichnete Partisanenk�mpfer�, sagte Bryne und sah sie an. �Ich stand euch im Blutschnee gegen�ber, und ich wei�, wie t�dlich ihr sein k�nnt. Aber wenn der Lord Drache den Shayol Ghul angreift, werden wir aller Voraussicht nach das Tal erobern und so lange halten m�ssen, wie sein Kampf mit dem Dunklen K�nig eben dauert. Ich habe nicht die geringste Vorstellung, um welchen Zeitraum es da geht, aber es k�nnte Stunden in Anspruch nehmen. Tage. Sagt mir, habt ihr euch jemals verschanzen und einen langen Stellungskampf f�hren m�ssen?�</p><p>�Wir werden tun, was getan werden muss�, sagte Rhuarc.</p><p>�Rhuarc�, sagte Elayne. �Ihr habt aus eigenem Antrieb darauf bestanden, den Drachenfrieden zu unterzeichnen. Ihr selbst habt darauf bestanden, ein Teil unserer Allianz zu sein. Ich erwarte von Euch, dass Ihr Euch an Euer Wort haltet. Ihr <emphasis>tut</emphasis>, was man Euch sagt.�</p><p>Brynes und Ituraldes Fragen hatten sie aufgebracht, aber als man ihnen direkt sagte, was sie zu tun hatten, lenkten sie ein. Rhuarc nickte. �Nat�rlich�, sagte er. �Ich habe <emphasis>Toh</emphasis>.�</p><p>�Begegnet ihm, indem Ihr zuh�rt�, sagte Elayne, �und sagt Eure Meinung. Wenn wir zugleich an vier verschiedenen Fronten k�mpfen m�ssen, muss viel koordiniert werden.� Sie richtete den Blick auf die versammelten Gener�le. �Da kommt mir etwas in den Sinn. Wir haben vier Fronten und vier Gro�e Hauptm�nner���</p><p>Bashere nickte. �Das ist kein Zufall.�</p><p>�Nun, k�nnte es aber sein.�</p><p>�Es gibt keine Zuf�lle, Hoheit�, sagte Bashere. �Wenn ich etwas bei meinen Reisen mit dem Lord Drachen gelernt habe, dann das. Vier von uns, vier Fronten. Jeder von uns �bernimmt eine, K�nigin Elayne �bernimmt die Koordination zwischen uns und �berwacht die Kriegsanstrengungen als Ganzes.�</p><p>�Ich gehe zu den Malkieri�, sagte Agelmar. �Dort k�mpfen jetzt die meisten Grenzl�nder.�</p><p>�Was ist mit Kandor?�, fragte Elayne.</p><p>�Wenn dort die Aes Sedai k�mpfen�, sagte Bryne, �dann tue ich das auch. Mein Platz ist bei der Wei�en Burg.�</p><p><emphasis>Er will nicht in Andor k�mpfen,</emphasis> dachte Elayne. <emphasis>Er will nicht an meiner Seite k�mpfen. Er will, dass es ein sauberer Bruch ist.</emphasis> �Wer begleitet mich dann nach Andor?�</p><p>�Ich gehe�, meldete sich Bashere.</p><p>�Und ich gehe dann zum Shayol Ghul�, sagte Ituralde und nickte. �Um an der Seite von Aiel zu k�mpfen. Ehrlich gesagt ein Tag, den ich nie zu erleben geglaubt h�tte.�</p><p>�Gut.� Elayne zog sich einen Stuhl heran. �Dann wollen wir uns um die Einzelheiten k�mmern. Wir brauchen einen geeigneten Ort, von dem aus ich arbeiten kann, und Caemlyn ist verloren. F�r den Augenblick nehme ich Merrilor. Es ist zentral gelegen und bietet ausreichend Raum, um Truppen und Material zu bewegen. Perrin, glaubt Ihr, Ihr k�nntet die F�hrung dieses Lagers �bernehmen? Ein Reisegel�nde aufbauen und die Machtlenker einteilen, damit sie bei Nachrichten�bermittlung und Truppenversorgung helfen?�</p><p>Perrin nickte.</p><p>�Und was den Rest von euch angeht�, sagte sie, �teilen wir die Streitkr�fte auf und arbeiten die Pl�ne genauer aus. Wir brauchen eine klare Vorstellung, wie wir diese Trollocs aus Caemlyn locken, damit wir sie auf Augenh�he bek�mpfen k�nnen.�</p><empty-line/><p>Stunden sp�ter verlie� Elayne den Pavillon, und in ihrem Kopf drehten sich Einzelheiten �ber Taktik, Proviantbeschaffung und Truppenaufstellung. Wenn sie blinzelte, sah sie Karten vor ihrem inneren Auge, die mit Gareth Brynes in kleiner Schrift erfolgten Anmerkungen �bers�t waren.</p><p>Die anderen Teilnehmer der Besprechung begaben sich zu ihren Lagern, um ihre Schlachtpl�ne in die Tat umzusetzen. Der dunkler werdende Himmel hatte Laternen im Pavillon erfordert. Undeutlich erinnerte sie sich daran, dass man Mittag- und Abendessen aufgetischt hatte. Sie hatte doch etwas gegessen, oder nicht? Es hatte einfach so viel zu tun gegeben.</p><p>Sie nickte den Herrschern zu, die sie passierten, und verabschiedete sich. Die meisten Einzelheiten f�r den Anfang waren ausgearbeitet worden. Morgen w�rde sie ihre Truppen nach Andor bringen und mit der ersten Phase des Gegenangriffs gegen den Schatten beginnen.</p><p>Der Boden war jetzt weich, voller dunkelgr�nem Gras und federnd. Rands Einfluss war trotz seiner Abreise nicht verweht. Als Elayne die riesigen B�ume n�her betrachtete, trat Gareth Bryne zu ihr.</p><p>Es �berraschte sie, dass er nicht schon lange weg war. Hier befanden sich jetzt nur noch die Diener und ihre Leibw�chter. �Lord Bryne?�</p><p>�Ich wollte nur sagen, dass ich stolz bin�, sagte Bryne leise zu ihr. �Ihr habt Euch gut geschlagen.�</p><p>�Ich hatte kaum etwas beizutragen.�</p><p>�Ihr habt die F�hrung beigetragen�, sagte Bryne. �Ihr seid keine Generalin, und das erwartet auch niemand von Euch. Aber als sich Tenobia beklagte, dass Saldaea entbl��t ist, habt Ihr sie wieder zu den wichtigen Dingen gelenkt. Die Spannungen sind stark, aber Ihr habt uns zusammengehalten, habt Groll gegl�ttet und uns daran gehindert, uns anzubr�llen. Gute Arbeit, Euer Majest�t. Sehr gute Arbeit.�</p><p>Sie grinste. Beim Licht, es fiel wirklich schwer, bei seinen Worten nicht zu strahlen. Er war nicht ihr Vater, aber in vielerlei Weise kam er dem sehr nahe. �Danke. Und Bryne, die Krone entschuldigt sich f�r���</p><p>�Kein Wort davon. Das Rad webt, wie es das Rad will. Ich mache Andor nicht f�r das verantwortlich, was mit mir passiert ist.� Er z�gerte. �Ich werde trotzdem mit der Wei�en Burg k�mpfen, Elayne.�</p><p>�Ich verstehe das.�</p><p>Er verbeugte sich vor ihr und entfernte sich in die Richtung von Egwenes Lager.</p><p>Birgitte trat heran. �Zur�ck in unser Lager?�</p><p>�Ich��� Elayne z�gerte, weil sie etwas geh�rt hatte. Ein leiser Laut, aber irgendwie war er m�chtig. Stirnrunzelnd ging sie ihm entgegen und hielt die Hand hoch, als Birgitte fragen wollte, was los war.</p><p>Sie umrundeten den Pavillon, �berquerten gr�nes Gras und bl�hende Blumen und gingen auf die Kl�nge zu, die immer lauter wurden. Ein Lied. Ein wundersch�nes Lied, wie sie es noch nie geh�rt hatte und das sie mit seiner eindrucksvollen Klangf�lle erzittern lie�.</p><p>Es schlug �ber ihr zusammen, h�llte sie ein, vibrierte in ihr. Ein fr�hliches Lied, ein Lied voller Ehrfurcht und Staunen, das war ganz offensichtlich, obwohl sie die Worte nicht verstehen konnte. Sie n�herte sich einer Gruppe riesiger Gesch�pfe, die selbst an B�ume erinnerten und ihre H�nde mit geschlossenen Augen auf die knorrigen St�mme der B�ume gelegt hatten, die Rand hatte wachsen lassen.</p><p>Drei Dutzend Ogier verschiedenen Alters, einige mit Augenbrauen so wei� wie Schnee, andere so jung wie Loial. Er stand unter ihnen, und er sang mit einem L�cheln.</p><p>In der N�he standen Perrin mit verschr�nkten Armen und seine Frau. �Was Ihr da �ber die Asha�man sagtet, hat mich nachdenklich gemacht�� wenn wir Verb�ndete brauchen, was ist mit den Ogiern? Ich wollte mich darum k�mmern, Loial zu suchen, aber bevor ich das tun konnte, fand ich sie hier bereits zwischen den B�umen.�</p><p>Elayne nickte und h�rte zu, wie das Lied der Ogier seinen H�hepunkt erreichte und ausklang, w�hrend die S�nger die K�pfe senkten. Einen Augenblick lang war alles friedlich.</p><p>Schlie�lich �ffnete ein alter Ogier die Augen und wandte sich Elayne zu. Sein wei�er Bart ragte bis zur Brust, der wei�e Schnurrbart hatte die gleiche L�nge. Die anderen Alten, sowohl M�nner wie auch Frauen, schlossen sich ihm an. Loial begleitete sie.</p><p>�Ihr seid die K�nigin�, sagte der Alte und verbeugte sich vor ihr. �Die, die diese Reise anf�hrt. Ich bin Haman, Sohn von Dal, Sohn von Morel. Wir sind gekommen, um Euch unsere �xte f�r Euren Kampf zu leihen.�</p><p>�Ich freue mich�, erwiderte Elayne und nickte ihm zu. �Drei Dutzend Ogier werden unserer Schlacht zus�tzliche Kraft verleihen.�</p><p>�Drei Dutzend, junge Menschenfrau?� Haman lachte grollend. �Der Gro�e Stumpf ist nicht zusammengetreten und hat auch nicht so lange debattiert, um Euch drei Dutzend von uns zu schicken. Die Ogier werden an der Seite der Menschen k�mpfen. Wir alle. Jeder von uns, der eine Axt oder ein langes Messer halten kann.�</p><p>�Wunderbar!�, rief Elayne aus. �Ich werde gro�en Nutzen aus euch ziehen.�</p><p>Eine �ltere Ogierfrau sch�ttelte den Kopf. �So eilig. So schnell. Wisset, junge Menschenfrau. Es gab einige unter uns, die Euch und die Welt dem Schatten �berlassen h�tten.�</p><p>Elayne blinzelte entsetzt. �Ihr h�ttet das tats�chlich getan? Uns einfach�� alleingelassen? Damit wir k�mpfen?�</p><p>�Einige sprachen sich daf�r aus�, sagte Haman.</p><p>�Ich vertrat selbst diese Position�, sagte die Frau. �Ich sprach daf�r, obwohl ich eigentlich nicht davon �berzeugt war, dass das richtig ist.�</p><p>�Was?� Loial kam n�her heran. Offensichtlich war ihm das neu. �Du warst nicht dieser �berzeugung?�</p><p>Die Frau richtete den Blick auf ihn. �Wenn der Dunkle K�nig diese Welt beansprucht, werden keine B�ume wachsen.�</p><p>Loial sah �berrascht aus. �Aber warum hast du���</p><p>�Ein Argument braucht eine gegens�tzliche Meinung, wenn es sich beweisen soll, mein Sohn�, sagte sie. �Ein Sprecher lernt das wahre Ausma� seiner Hingabe durch Widerspruch. Hast du nicht gelernt, dass B�ume st�rkere Wurzeln bekommen, wenn der Wind an ihnen r�ttelt?� Sie sch�ttelte den Kopf, schien es aber nicht besonders streng zu meinen. �Das hei�t nicht, dass du das <emphasis>Stedding</emphasis> so einfach h�ttest verlassen sollen, wie du es tatest. Nicht allein. Gl�cklicherweise ist das ja geregelt.�</p><p>�Das ist geregelt?�, fragte Perrin.</p><p>Loial err�tete. �Nun, du musst wissen, Perrin, ich bin jetzt verheiratet.�</p><p>�Das hast du aber nicht erw�hnt!�</p><p>�Alles ist so schnell gegangen. Ich bin mit Erith verheiratet. Da dr�ben ist sie. Hast du sie singen h�ren? Ist ihr Lied nicht wundersch�n? Verheiratet zu sein ist gar nicht so �bel, Perrin. Warum hast du mir nicht gesagt, dass es gar nicht so �bel ist? Ich glaube, es gef�llt mir ziemlich gut.�</p><p>�Ich freue mich f�r Euch, Loial�, unterbrach Elayne ihn. Ogier konnten ziemlich ausf�hrlich �ber Nebens�chlichkeiten sprechen, wenn man nicht aufpasste. �Und ich bin euch allen sehr dankbar, dass ihr euch uns anschlie�t.�</p><p>�Vielleicht ist es den Preis allein schon wert, um diese B�ume zu sehen�, meinte Haman. �Mein ganzes Leben lang haben die Menschen die Gro�en B�ume nur <emphasis>gef�llt</emphasis>. Nun sehen zu k�nnen, wie sie jemand wachsen l�sst�� Wir trafen die richtige Entscheidung. Ja, ja, das taten wir. Die anderen werden das hier sehen m�ssen���</p><p>Loial gab Perrin Handzeichen, weil er ihm offensichtlich alles erz�hlen wollte. �Erlaubt mir, ihn einen Moment auszuborgen, Loial�, sagte Elayne und steuerte Perrin auf die Hainmitte zu.</p><p>Faile und Birgitte schlossen sich ihr an, und Loial wartete hinter ihnen. Die Gro�en B�ume schienen ihn abzulenken.</p><p>�Ich habe eine Aufgabe, die ich Euch �bertragen m�chte�, sagte Elayne leise zu Perrin. �Der Verlust von Caemlyn k�nnte f�r unsere Truppen eine ernsthafte Versorgungskrise bedeuten. Auch wenn sich alle �ber die Lebensmittelpreise aufregen, konnten wir doch jeden satt machen und Vorr�te f�r die kommende Schlacht sammeln. Diese Vorr�te sind jetzt verloren.�</p><p>�Was ist mit Cairhien?�</p><p>�Dort gibt es noch Lebensmittel�, sagte Elayne. �Genau wie in der Wei�en Burg und in Tear. Baerlon hat ordentliche Best�nde von Metall und Pulver�� ich muss noch herausfinden, was wir von den anderen Nationen bekommen k�nnen und wie es um ihre Getreidevorr�te bestellt ist. Es wird eine gewaltige Aufgabe sein, Nachschub und Rationen f�r alle Heere zu organisieren. Ich m�chte diese Aufgabe einer Person anvertrauen.�</p><p>�Und da habt Ihr an mich gedacht?�, fragte Perrin.</p><p>�Ja.�</p><p>�Es tut mir leid�, erwiderte er. �Elayne, Rand braucht mich.�</p><p>�Rand braucht uns alle.�</p><p>�Mich braucht er mehr.� Perrin nickte. �Min hat das in einer Vision gesehen, hat er gesagt. Ohne mich an seiner Seite wird er in der Letzten Schlacht sterben. Au�erdem muss auch ich noch ein paar K�mpfe zu Ende bringen.�</p><p>�Ich mache es�, sagte da Faile.</p><p>Stirnrunzelnd drehte sich Elayne zu ihr um.</p><p>�Es ist meine Pflicht, sich um die Armee meines Gemahls zu k�mmern�, sagte Faile. �Ihr seid seine Lehnsherrin, Euer Majest�t, also sind Eure Bed�rfnisse seine Bed�rfnisse. Wenn Andor den Befehl �ber die Letzte Schlacht hat, dann werden die Zwei Fl�sse daf�r sorgen, dass es ern�hrt wird. �berlasst mir den Zugang zu Wegetoren, die gro� genug f�r Wagen sind, gebt mir Truppen, die meine Wege besch�tzen k�nnen, und verschafft mir den Zugang zu s�mtlichen Quartiermeisterunterlagen, die ich brauche. Ich werde es erledigen.�</p><p>Es war logisch und rational, aber nicht das, was Elayne brauchte. Wieweit konnte sie dieser Frau vertrauen? Faile hatte sich in politischen Dingen als sehr geschickt erwiesen. Das war n�tzlich, aber betrachtete sie sich wirklich als ein Teil von Andor? Elayne musterte die Frau.</p><p>�Ihr k�nntet diese Aufgabe niemand Besserem anvertrauen, Elayne�, sagte Perrin. �Faile wird sie erledigen.�</p><p>�Perrin�, sagte Elayne. �Da gibt es in diesem Zusammenhang noch eine andere Sache. K�nnen wir kurz unter vier Augen sprechen?�</p><p>�Ich werde es ihr sowieso erz�hlen, wenn wir fertig sind, Euer Majest�t�, sagte Perrin. �Vor meiner Gemahlin habe ich keine Geheimnisse.�</p><p>Faile l�chelte.</p><p>Elayne musterte die beiden, dann seufzte sie leise. �Egwene kam w�hrend unseres Kriegsrats kurz zu mir. Es gibt da einen gewissen�� wichtigen Gegenstand f�r die Letzte Schlacht, den sie noch �berbringen lassen muss.�</p><p>�Das Horn von Valere�, sagte Perrin. �Ich hoffe, Ihr habt es noch.�</p><p>�O ja. Es liegt versteckt in der Burg. Wir haben es gerade noch rechtzeitig aus seinem Lagerraum geholt. Letzte Nacht wurde in den Raum eingebrochen. Ich wei� das nur, weil wir ihn mit gewissen Geweben sicherten. Der Schatten wei�, dass wir das Horn haben, Perrin, und die Gehilfen des Dunklen K�nigs suchen danach. Sie k�nnen es nicht benutzen; es ist an Mat gebunden, bis er stirbt. Aber wenn es die Helfer des Schattens erbeuten k�nnen, kann er Mat daran hindern, es zu benutzen. Oder noch schlimmer�� ihn t�ten und es dann selbst benutzen.�</p><p>�Ihr wollt seine Verlegung verschleiern�, sagte Faile, �die Nachschubtransporte sollen verbergen, wo Ihr es hinbringt.�</p><p>�Wir w�rden es lieber Mat direkt �bergeben�, sagte Elayne. �Aber er kann manchmal�� nun, schwierig sein. Ich hatte gehofft, dass er an der Zusammenkunft teilnimmt.�</p><p>�Er ist in Ebou Dar�, verk�ndete Perrin. �Macht irgendetwas mit den Seanchanern.�</p><p>�Das hat er Euch gesagt?�</p><p>�Nicht direkt.� Die Frage schien Perrin Unbehagen zu bereiten. �Wir�� wir haben eine Art von Verbindung. Manchmal sehe ich, wo er ist und was er tut.�</p><p>�Dieser Mann ist nie da, wo er sein sollte�, klagte Elayne.</p><p>�Und doch trifft er schlie�lich immer dort ein�, hielt Perrin dagegen.</p><p>�Die Seanchaner sind der Feind�, sagte Elayne. �Das scheint Mat nicht zu begreifen, wenn man einmal in Betracht zieht, was er getan hat. Beim Licht, ich hoffe, dieser Mann bringt sich nicht in Schwierigkeiten���</p><p>�Ich mache es�, sagte Faile. �Ich k�mmere mich um das Horn von Valere. Ich sorge daf�r, dass Mat es bekommt, und besch�tze es.�</p><p>�Ich will Euch nicht zu nahetreten�, sagte Elayne zu den beiden, �aber ich z�gere, es jemandem anzuvertrauen, den ich nicht gut kenne. Darum kam ich zu Euch, Perrin.�</p><p>�Das wird schwierig�, sagte Perrin. �Wenn sie wirklich das Horn suchen, dann erwarten sie, dass Ihr und Egwene es jemandem gebt, den Ihr gut kennt. Nehmt Faile. Niemandem vertraue ich mehr als ihr, aber auf sie wird kein Verdacht fallen, denn sie hat keine direkte Beziehung zur Wei�en Burg.�</p><p>Elayne nickte langsam. �Sehr gut. Ich schicke Euch eine Nachricht, wie es �berbracht wird. Jetzt transportiert erst einmal den Nachschub, damit das bekannt wird. Zu viele Menschen wissen �ber das Horn Bescheid. Nachdem Ihr es habt, schicke ich f�nf verd�chtige Boten aus der Wei�en Burg und streue die n�tigen Ger�chte. Hoffen wir, dass der Schatten annimmt, dass das Horn von einem dieser Boten �berbracht wird. Ich will, dass es an einem Ort ist, mit dem niemand rechnet, zumindest so lange, bis wir es Matrim �bergeben.�</p><empty-line/><p>�Vier Fronten, Lord Mandragoran�, wiederholte Bulen. �Das berichten die Boten. Caemlyn, Shayol Ghul, Kandor und hier. Sie wollen versuchen, den Trollocs hier und in Kandor den Weg zu versperren, w�hrend sie alle Kr�fte darauf konzentrieren, jene in Andor zuerst zu besiegen.�</p><p>Lan grunzte und lenkte Mandarb um den stinkenden Haufen toter Trollocs. Die Kadaver dienten nun als Bollwerk; seine f�nf Asha�man hatten sie zu H�geln aufgeschichtet, kleine blutige Kegel vor der F�ule, wo sich das Schattengez�cht sammelte.</p><p>Der Gestank war nat�rlich f�rchterlich. Viele der W�chter, die er auf seinen Runden passierte, hatten Zweigbl�tter in ihr Feuer geworfen, um den Geruch zu �berdecken.</p><p>Der Abend n�herte sich und brachte damit die gef�hrlichsten Stunden. Gl�cklicherweise machten die schwarzen Wolken am Himmel die N�chte so dunkel, dass die Trollocs nicht viel sehen konnten. Aber in der Abendd�mmerung erstarkten sie�� eine Zeit, in der Menschenaugen behindert waren, aber die Augen des Schattengez�chts nicht.</p><p>Die Kraft des Angriffs der vereinigten Grenzl�nder hatte die Kreaturen zur�ck zum Pass-Eingang getrieben. Lan erhielt jede Stunde weitere Verst�rkungen durch Pikentr�ger und andere Soldaten, die ihm helfen sollten, die Position zu halten. Alles in allem sah es jetzt viel besser aus als noch einen Tag zuvor.</p><p>Aber es war noch immer schlimm. Wenn stimmte, was Bulen sagte, dann w�rde sein Heer hier stationiert, um den Weg zu versperren. Das bedeutete, er bekam weniger Truppen, als er gern gehabt h�tte. Allerdings konnte er nichts gegen die Taktik einwenden.</p><p>Lan kam zu der Stelle, wo die shienarischen Lanzentr�ger sich um ihre Pferde k�mmerten. Eine Gestalt l�ste sich von ihnen und ritt neben Lan heran. K�nig Easar war ein st�mmiger Mann mit wei�em Haarknoten, der erst k�rzlich vom Feld von Merrilor eingetroffen war und dann einen langen Tag mit der Vorbereitung von Schlachtpl�nen verbracht hatte. Lan setzte zu einer Verneigung im Sattel an, erstarrte aber, als K�nig Easar sich vor <emphasis>ihm</emphasis> verneigte.</p><p>�Euer Majest�t?�, fragte Lan.</p><p>�Agelmar hat seine Pl�ne f�r diese Front mitgebracht, Dai Shan�, sagte der K�nig und setzte sich an seine Seite. �Er w�rde sie gern mit uns durchgehen. Es ist wichtig, dass Ihr dabei seid; wir k�mpfen unter dem Banner Malkiers. Darauf haben wir uns alle geeinigt.�</p><p>�Tenobia auch?� Lan war ehrlich �berrascht.</p><p>�In ihrem Fall war eine kleine Ermutigung n�tig. Sie zeigte sich einsichtig. Ich habe auch die Nachricht bekommen, dass K�nigin Ethenielle Kandor verlassen hat und herkommen wird. In dieser Schlacht k�mpfen die Grenzl�nder gemeinsam, und wir werden es mit Euch an der Spitze tun.�</p><p>Im schwindenden Licht ritten sie weiter, und eine Reihe Lanzenreiter nach der anderen salutierte Easar. Die Shienarer waren die besten Kavalleristen der Welt, und sie hatten zahllose Male auf diesen Felsen gek�mpft und waren auch dort gestorben, als sie die fruchtbaren L�nder des S�dens verteidigt hatten.</p><p>�Ich werde da sein�, willigte Lan ein. �Die Last, die Ihr mir auferlegt habt, f�hlt sich wie drei Berge an.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Easar. �Aber wir werden Euch folgen, Dai Shan. Bis der Himmel zerrissen wird, bis der Stein unter unseren F��en zerbricht und bis das Rad selbst aufh�rt, sich zu drehen. Oder, wenn es das Licht will, bis jedes Schwert den Frieden kennenlernt.�</p><p>�Was ist mit Kandor? Wenn die K�nigin herkommt, wer f�hrt dann diese Schlacht an?�</p><p>�Die Wei�e Burg reitet, um dort das Schattengez�cht zu bek�mpfen. Ihr habt den Goldenen Kranich gehisst. Wir hatten geschworen, Euch zu Hilfe zu kommen, also taten wir es.� Easar z�gerte und sein Tonfall wurde grimmig. �Kandor kann nicht zur�ckerobert werden, Dai Shan. Die K�nigin gibt es zu. Die Wei�e Burg hat nicht die Aufgabe, das Land zur�ckzuerobern, sondern das Schattengez�cht daran zu hindern, noch mehr Land an sich zu rei�en.�</p><p>Sie drehten und ritten durch die Reihen der Lanzentr�ger. Von den M�nnern wurde verlangt, die Abendd�mmerung nur wenige Schritte von ihren Pferden entfernt zu verbringen, und sie besch�ftigten sich, k�mmerten sich um ihre R�stung, um die Waffen und die Pferde. Jeder Mann trug ein Langschwert auf den R�cken geschnallt, manchmal auch zwei, und alle hatten H�mmer und Streitkolben an die G�rtel geschnallt. Die Shienarer verlie�en sich nicht allein auf ihre Lanzen; ein Feind, der glaubte, sie in die Enge getrieben und den Raum f�r einen Sturmangriff genommen zu haben, entdeckte bald, dass sie auch auf engem Raum sehr gef�hrlich sein konnten.</p><p>Die meisten M�nner trugen gelbe Waffenr�cke mit dem Schwarzen Falken �ber ihren Harnischen und den Kettenhemden. Sie salutierten steif mit ernsten Mienen. Shienarer waren in der Tat ernsthafte Leute. Daf�r sorgte das Leben in den Grenzlanden.</p><p>Lan z�gerte, dann sprach er mit lauter Stimme. �Warum wird getrauert?�</p><p>Die Soldaten in der N�he wandten sich ihm zu.</p><p>�Sind wir nicht hierf�r gedrillt worden?�, rief Lan. �Ist das nicht unser Daseinszweck, sogar unser Leben? Dieser Krieg ist keine Sache, die man betrauern sollte. Andere M�nner m�gen lasch gewesen sein, aber wir nicht. Wir sind vorbereitet, also ist das eine Zeit des Ruhms.</p><p>Es soll gelacht werden! Es soll Freude herrschen! Lassen wir die Gefallenen hochleben und auf unsere Vorv�ter ansto�en, die uns gut gelehrt haben. Solltet ihr morgen sterben und auf eure Wiedergeburt warten, seid stolz. Die Letzte Schlacht ist da, und wir sind <emphasis>bereit</emphasis>!�</p><p>Lan wusste eigentlich nicht, was ihn dazu gebracht hatte, das zu sagen. Seine Worte riefen Rufe wie �Dai Shan! Dai Shan! Der Goldene Kranich nach vorn!� hervor. Er sah, dass einige M�nner die Rede aufschrieben, um sie an andere weiterzugeben.</p><p>�Ihr habt die Seele eines Anf�hrers, Dai Shan�, sagte Easar, als sie weiterritten.</p><p>�Das ist es nicht�, erwiderte Lan mit nach vorn gerichtetem Blick. �Ich ertrage kein Selbstmitleid. Zu viele der M�nner sahen aus, als w�rden sie ihr eigenes Leichentuch vorbereiten.�</p><p>�Eine Trommel ohne Fell�, sagte Easar leise und schnippte mit den Z�geln seines Pferdes. �Eine Wasserpumpe ohne Schwengel. Ein Lied ohne Stimme. Trotzdem geh�rt es mir. Trotzdem geh�rt es mir.�</p><p>Stirnrunzelnd sah Lan ihn an, aber der K�nig erkl�rte das Gedicht nicht. Waren seine Untertanen ernsthafte Leute, dann galt das f�r ihren K�nig erst recht. Tief in seinem Inneren verbarg Easar Wunden, die er mit niemandem teilte. Lan machte ihm das nicht zum Vorwurf. Er hatte das Gleiche getan.</p><p>Aber an diesem Abend erwischte er Easar mit einem L�cheln auf den Lippen, w�hrend er dar�ber nachdachte, was ihn wohl an dieses Gedicht erinnert hatte.</p><p>�War das Anasai von Ryddingwald?�, fragte er.</p><p>Easar sah �berrascht aus. �Ihr kennt Anasais Werk?�</p><p>�Sie war eine von Moiraine Sedais Lieblingsdichterinnen. Es klang, als k�nnte es von ihr sein.�</p><p>�Jedes ihrer Gedichte war als Elegie geschrieben�, sagte Easar. �Dies war f�r ihren Vater. Sie hinterlie� Instruktionen; es kann gelesen werden, sollte aber nicht laut ausgesprochen werden au�er im richtigen Augenblick. Sie erkl�rte nicht, wann der sein w�rde.�</p><p>Sie kamen zu den Kriegszelten und stiegen ab. Aber genau in diesem Augenblick ert�nten die Alarmh�rner. Beide M�nner fuhren herum, und Lan griff nach dem Schwert an seiner H�fte.</p><p>�Lasst uns zu Lord Agelmar gehen�, rief Lan, als Befehle gebr�llt wurden und Ausr�stung klirrte. �Wenn ihr unter meinem Banner k�mpft, akzeptiere ich die Rolle des Anf�hrers mit Freuden.�</p><p>�Ohne zu z�gern?�, wollte Easar wissen.</p><p>�Wer bin ich denn?�, erwiderte Lan, als er sich in den Sattel schwang. �Irgendein Schafhirte aus einem vergessenen Dorf? Ich werde meine Pflicht erf�llen. Wenn M�nner so dumm sind, mich zu ihrem Anf�hrer zu bestimmen, erinnere ich sie an die ihre.�</p><p>Easar nickte, dann salutierte er, w�hrend sich seine Mundwinkel zu einem neuen L�cheln verzogen. Lan erwiderte den Salut, dann galoppierte er auf Mandarb durch die Lagermitte. Die M�nner an den Au�enr�ndern entz�ndeten Signalfeuer. Asha�man hatten Wegetore zu einem der vielen sterbenden W�lder im S�den ge�ffnet, damit die Soldaten dort Holz holen konnten. Solange es nach Lans Willen ging, w�rden diese f�nf Machtlenker niemals ihre Kraft daf�r verschwenden, Trollocs zu t�ten. Sie waren viel zu n�tzlich f�r andere Dinge.</p><p>Narishma salutierte Lan, als er ihn passierte. Lan konnte nicht sicher sein, dass der Gro�e Hauptmann absichtlich Asha�man aus den Grenzlanden ausgew�hlt hatte, aber es schien kein Zufall zu sein. Er hatte immerhin einen aus jeder Grenzlandnation�� selbst einen, der Malkieri als Eltern gehabt hatte.</p><p><emphasis>Wir k�mpfen gemeinsam.</emphasis></p></section><section><title><p>8</p><p>Die schwelende Stadt</p></title><p>Elayne Trakand ritt auf Mondschatten, ihrer dunkelbraunen Stute aus den k�niglichen St�llen, durch ein Wegetor, das sie selbst erschaffen hatte.</p><p>Diese St�lle befanden sich jetzt in den H�nden der Trollocs, und Mondschattens Stallgef�hrten waren mittlerweile zweifellos in einem Kochtopf gelandet. Elayne versuchte, nicht daran zu denken, was�� oder <emphasis>wer</emphasis> � sonst noch in diesem Topf geendet hatte. Sie setzte eine entschlossene Miene auf. Ihre Truppen durften ihre K�nigin nicht verzagt sehen.</p><p>Sie hatte einen ungef�hr tausend Schritt nordwestlich von Caemlyn entfernten H�gel gew�hlt, weit au�er Bogenschussweite, aber nahe genug, um die Stadt sehen zu k�nnen. W�hrend der Wochen nach dem Thronfolgekrieg hatten mehrere S�ldnergruppen auf diesem H�gel ihre Lager aufgeschlagen. Nun hatten sie sich entweder den Heeren des Lichts angeschlossen oder sich aufgel�st, um zu umherstreifenden Dieben zu werden.</p><p>Die Vorhut hatte das Gebiet bereits gesichert, und Hauptmann Guybon salutierte, als Angeh�rige der K�niglichen Leibwache ��sie bestand nun aus M�nnern und Frauen�� Elaynes Pferd umgaben. Unentwegt roch es nach Rauch, und Caemlyn wie den Drachenberg schwelen zu sehen warf eine Handvoll bitteres Pulver in den Kessel aufgew�hlter Gef�hle, die in ihr brodelten.</p><p>Die einst so stolze Stadt war tot, ein Scheiterhaufen, der hundert verschiedene Rauchs�ulen zu den Sturmwolken am Himmel schickte. Der Qualm erinnerte sie an die Fr�hlingsfeuer, wenn die Bauern Felder abbrannten, um sie f�r die Neubepflanzung zu roden. Nicht einmal hundert Tage hatte ihre Herrschaft �ber Caemlyn gedauert, und nun war es schon verloren.</p><p><emphasis>Wenn Drachen das einer Stadt antun k�nnen,</emphasis> dachte sie und betrachtete die Bresche, die Talmanes in die Stadtmauer geschossen hatte, <emphasis>dann muss sich die Welt ver�ndern. Alles, was wir �ber die Kriegskunst wissen, wird sich ver�ndern.</emphasis></p><p>�Wie viele, was w�rdet Ihr sagen?�, fragte sie den Mann, der an ihrer Seite ritt. Talmanes hatte sich nur einen Tag von der Tortur erholen k�nnen, die ihn eigentlich das Leben h�tte kosten m�ssen. Er w�re besser in Merrilor geblieben; mit Sicherheit w�rde er in absehbarer Zukunft nicht an der Front k�mpfen.</p><p>�Es ist unm�glich, sie zu z�hlen, so verborgen sind sie in der Stadt, Euer Majest�t�, sagte er mit einer respektvollen Verneigung. �Zehntausende, aber vermutlich keine Hunderttausende.�</p><p>Ihre Gegenwart machte den Burschen nerv�s, und das zeigte er auf eine sehr cairhienische Weise�� er sprach mit blumigem Respekt. Angeblich sollte er einer von Mats vertrauensw�rdigsten Offizieren sein; eigentlich wunderte sie sich, dass Mat ihn nicht mehr verdorben hatte. Er hatte nicht einmal geflucht. Schade.</p><p>In der N�he �ffneten sich weitere Wegetore auf dem vergilbten Gras, und ihre Streitkr�fte traten hindurch, f�llten T�ler und H�gel. Sie hatte ein ordentliches Heer zusammengestellt, in dem sich unter anderem viele der <emphasis>Siswai�aman</emphasis> befanden, die ihre Leibwache und die regul�ren Andoraner unter dem Befehl von Birgitte und Hauptmann Guybon verst�rkten. Ein zweites Kontingent Aiel ��T�chter, Weise Frauen und Krieger�� war zusammengestellt worden, um gemeinsam mit Rand nach Norden zum Shayol Ghul zu reisen.</p><p>Nur wenige Weise Frauen hatten Elayne begleitet, und zwar jene aus Perrins Gefolge. Sie h�tte gern �ber mehr Machtlenker verf�gt. Aber sie hatte die Bande und ihre Drachen, was wieder ausgleichen sollte, dass ihre einzigen anderen Machtlenkerinnen Kusinen waren, von denen viele nicht besonders stark in der Macht waren.</p><p>Perrin und seine Truppen begleiteten sie. Das schloss die Gefl�gelten W�chter von Mayene ein, die ghealdanische Kavallerie, die Wei�m�ntel ��sie wusste noch immer nicht, was sie <emphasis>davon</emphasis> halten sollte�� und eine Kompanie Bogensch�tzen aus den Zwei Fl�ssen unter dem Kommando von Tam al�Thor. Dann war da noch eine Gruppe, die sich selbst als Wolfsgarde bezeichnete; das waren gr��tenteils Fl�chtlinge, die zu Soldaten geworden waren und von denen einige immerhin eine Kampfausbildung genossen hatten. Und nat�rlich hatte sie Hauptmann Bashere und seine Legion des Drachen.</p><p>Basheres Plan f�r die Schlacht um Caemlyn hatte sie akzeptiert. <emphasis>Wir werden den Kampf in die W�lder ziehen m�ssen,</emphasis> hatte er erkl�rt. <emphasis>Die Bogensch�tzen werden t�dlich sein, sie k�nnen sich ihre Ziele aussuchen, wenn die Trollocs kommen. Wenn sich diese Jungs im Wald so gut bewegen k�nnen, wie man mir berichtet hat, werden sie auch nach ihrem R�ckzug noch genauso gef�hrlich sein.</emphasis></p><p>Auch die Aiel w�rden im Wald t�dliche K�mpfer sein, wo die Trollocs ihre Gegner nicht mit ihren Massen �berrennen konnten. Bashere ritt ganz in ihrer N�he. Anscheinend hatte Rand ihm befohlen, auf sie aufzupassen, als w�rde nicht schon Birgitte bei jeder ihrer Bewegungen zusammenzucken.</p><p><emphasis>Rand sollte besser auf sich aufpassen, damit ich ihm sagen kann, was ich von ihm halte,</emphasis> dachte sie, als Bashere, in eine leise Unterhaltung mit Birgitte vertieft, n�her kam. Bashere war ein Mann mit krummen Beinen und einem dichten Schnauzbart. Elayne gegen�ber verhielt er sich nicht so, wie es f�r einen Mann angesichts einer K�nigin angebracht gewesen w�re�� andererseits war die K�nigin von Saldaea seine Nichte, also f�hlte er sich in der Gegenwart von K�nigen vermutlich nicht gehemmt.</p><p><emphasis>Er steht an erster Stelle in der Thronfolge,</emphasis> rief sich Elayne ins Ged�chtnis zur�ck. Die Zusammenarbeit mit ihm w�rde gen�gend Gelegenheiten bieten, ihre Bindungen an Saldaea weiter zu vertiefen. Die Vorstellung, dass eines ihrer Kinder eines Tages auf diesem Thron sa�, gefiel ihr noch immer. Sie legte eine Hand auf den Bauch. Die Babys traten nun immer h�ufiger. Niemand hatte ihr gesagt, dass es so viel �hnlichkeit mit�� nun ja, Verstopfung haben w�rde. Ungl�cklicherweise hatte Melfane entgegen jeder Wahrscheinlichkeit Ziegenmilch gefunden.</p><p>�Neuigkeiten?�, fragte Elayne, als Birgitte und Bashere eintrafen und Talmanes sein Pferd zur Seite lenkte, um Platz zu machen.</p><p>�Die Sp�herberichte �ber die Stadt sind da�, sagte Bashere.</p><p>�Der Hauptmann hatte recht�, sagte Birgitte. �Die Trollocs wurden an die Leine gelegt, und die Br�nde sind gr��tenteils erloschen. Gut die H�lfte der Stadt steht noch. Ein gro�er Teil des Rauchs, den wir sehen k�nnen, kommt von Kochfeuern und nicht von brennenden H�usern.�</p><p>�Trollocs sind dumm�, sagte Bashere, �aber Halbmenschen nicht. Die Trollocs h�tten mit Begeisterung die Stadt verw�stet und �berall Feuer gelegt, aber dann h�tte das Risiko bestanden, dass ihnen die Br�nde entgleiten. Aber wie dem auch sei, die Wahrheit sieht nun einmal so aus, dass wir nicht wissen, was der Schatten dort plant, aber immerhin haben sie die M�glichkeit, die Stadt f�r eine Weile zu halten, sollten sie das wollen.�</p><p>�Und werden sie es versuchen?�, fragte Elayne.</p><p>�Ich wei� es wahrhaftig nicht�, erwiderte Bashere. �Wir kennen ihre Ziele nicht. Sollte dieser Angriff auf Caemlyn Chaos bringen und unseren Armeen Furcht einjagen? Oder soll damit eine Festung erobert werden, die dann f�r l�ngere Zeit als Basis dient, aus der man st�ndig unsere Streitkr�fte angreift? Damals im Trolloc-Krieg haben die Blassen St�dte aus diesem Grund gehalten.�</p><p>Elayne nickte.</p><p>�Entschuldigung, Euer Majest�t?� Sie drehte sich um und sah einen der M�nner von den Zwei Fl�ssen vortreten. Einer ihrer Anf�hrer, Tams Stellvertreter. <emphasis>Dannil,</emphasis> dachte sie, <emphasis>das ist sein Name.</emphasis></p><p>�Euer Majest�t�, wiederholte Dannil. Er zeigte eine gewisse Unsicherheit, sprach aber nicht ungebildet. �Lord Goldauge hat seine M�nner im Wald ihre Positionen einnehmen lassen.�</p><p>�Lord Talmanes, habt Ihr Eure Drachen in Position gebracht?�</p><p>�Fast�, sagte Talmanes. �Verzeihung, Euer Majest�t, aber ich bin nicht davon �berzeugt, dass die Bogen gebraucht werden, nachdem diese Waffen gefeuert haben. Seid Ihr sicher, dass Ihr nicht mit den Drachen anfangen wollt?�</p><p>�Wir m�ssen die Trollocs in den Kampf locken�, erwiderte Elayne. �Die Stellung, die ich skizzierte, wird am besten funktionieren. Bashere, was ist mit meinem Plan f�r die Stadt selbst?�</p><p>�Ich glaube, es ist fast alles fertig, aber ich will es noch einmal �berpr�fen�, sagte Bashere und rieb sich nachdenklich den Schnurrbart. �Eure Frauen haben gute Wegetore gemacht, und Mayene gab uns das �l. Seid Ihr sicher, dass Ihr etwas so Drastisches tun wollt?�</p><p>�Ja.�</p><p>Bashere wartete auf eine ausf�hrlichere Antwort, vielleicht sogar eine Erkl�rung. Als sie schwieg, trieb er sein Pferd an und gab die letzten Befehle. Elayne ritt auf Mondschatten die Reihen der Soldaten hier an der Frontlinie ab, wo sie sich in der N�he der W�lder aufgestellt hatten. In diesen letzten Augenblicken, w�hrend ihre Befehlshaber Anweisungen gaben, konnte sie nicht viel tun, aber sie konnte sich sehen lassen, wie sie voller Zuversicht dort ritt. Wo sie vorbeikam, hoben die M�nner ihre Piken h�her und nahmen das Kinn hoch.</p><p>Elayne hielt den Blick auf die schwelende Stadt gerichtet. Sie w�rde nicht wegschauen, und sie w�rde sich nicht von ihrer Wut �bermannen lassen. Sie w�rde diese Wut benutzen.</p><p>Kurze Zeit sp�ter kehrte Bashere zu ihr zur�ck. �Es ist getan. Die Keller vieler der noch stehenden Geb�ude sind mit �l gef�llt. Talmanes und die anderen haben ihre Pl�tze eingenommen. Sobald Eure Beh�terin mit der Vollzugsmeldung zur�ckkehrt, dass die Kusinen f�r die n�chste Runde Wegetore bereit sind, k�nnen wir weitermachen.�</p><p>Elayne nickte, dann nahm sie die Hand vom Bauch, als Bashere dorthin blickte. Sie war sich gar nicht bewusst gewesen, dass sie wieder hingefasst hatte. �Was haltet Ihr davon, dass ich schwanger in die Schlacht reite? Ist das ein Fehler?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nein. Es beweist nur, wie verzweifelt unsere Situation ist. Es wird die Soldaten nachdenklich machen. Wird sie ernster machen. Au�erdem���</p><p>�Was?�</p><p>Bashere zuckte mit den Schultern. �Vielleicht erinnert es sie daran, dass nicht <emphasis>alles</emphasis> auf der Welt stirbt.�</p><p>Elayne richtete den Blick wieder auf die ferne Stadt. Bauern brannten im Fr�hling ihre Felder ab, um sie f�r neues Leben vorzubereiten. Vielleicht machte Andor genau das gerade durch.</p><p>�Verratet mir eines�, sagte Bashere. �Werdet Ihr den M�nnern sagen, dass Ihr das Kind des Lord Drachen tragt?�</p><p><emphasis>Kinder,</emphasis> korrigierte Elayne in Gedanken. �Ihr glaubt etwas zu wissen, das vielleicht stimmt, vielleicht aber auch nicht, Lord Bashere.�</p><p>�Ich habe eine Frau und eine Tochter. Ich erkenne den Blick in Euren Augen, wenn Ihr den Lord Drachen anseht. Keine schwangere Frau ber�hrt ihren Bauch so and�chtig, wenn sie einen Mann ansieht, der nicht der Vater ist.�</p><p>Elaynes Lippen verzogen sich zu einem schmalen Strich.</p><p>�Warum verbergt Ihr das?�, wollte Bashere wissen. �Ich habe geh�rt, was einige der M�nner denken. Sie sprechen von einem anderen Mann, einem Schattenfreund namens Mellar, der einst der Hauptmann Eurer Gardistinnen war. Ich erkenne, dass die Ger�chte falsch sind, aber andere sind nicht so klug. Ihr k�nntet diesen Ger�chten ganz leicht ein Ende bereiten.�</p><p>�Rands Kinder werden Zielscheiben sein�, sagte sie.</p><p>�Ah���, erwiderte er. Er bearbeitete wieder den Schnurrbart.</p><p>�Falls Ihr diesem Schluss nicht zustimmt, Bashere, dann sagt es. Ich ertrage keine Kriecher.�</p><p>�Ich bin kein Kriecher, Frau�, sagte er eingeschnappt. �Aber ich bezweifle doch sehr, dass Euer Kind kein gr��eres Ziel sein k�nnte, als es das bereits ist. Ihr seid die Befehlshaberin der Armeen des Lichts! Ich glaube, Eure M�nner verdienen zu wissen, wof�r genau sie k�mpfen.�</p><p>�Das geht Euch nichts an�, erwiderte Elayne, �und sie auch nicht.�</p><p>Bashere hob eine Braue. �Der Erbe des Reiches�, sagte er trocken, �geht seine Untertanen nichts an?�</p><p>�Ich glaube, Ihr �berschreitet Eure Grenzen, <emphasis>General</emphasis>.�</p><p>�Schon m�glich�, sagte er. �Vielleicht hat die viele Zeit, die ich mit dem Lord Drachen verbrachte, mein Benehmen verzerrt. Dieser Mann�� man kann nie sagen, was er gerade denkt. Die H�lfte der Zeit hatte es den Anschein, als w�rde er mich gleich in zwei St�cke hauen, blo� weil ich die Bemerkung gewagt hatte, dass der Himmel ziemlich dunkel aussieht.� Bashere sch�ttelte den Kopf. �Denkt einfach dar�ber nach, Euer Majest�t. Ihr erinnert mich an meine Tochter. Sie h�tte etwas �hnliches getan, und das ist der Rat, den ich ihr geben w�rde. Eure M�nner werden tapferer k�mpfen, wenn sie wissen, dass Ihr den Erben des Wiedergeborenen Drachen zur Welt bringt.�</p><p><emphasis>M�nner,</emphasis> dachte Elayne. <emphasis>Die Jungen wollen mich mit jeder albernen Tat beeindrucken, die ihnen in den n�rrischen Sinn kommt. Die Alten gehen davon aus, dass jede junge Frau einen Vortrag braucht.</emphasis></p><p>Sie richtete den Blick wieder auf die Stadt, als Birgitte heranritt und ihr zunickte. Die Keller waren mit �l und Pech gef�llt.</p><p>�Brennt sie nieder�, sagte Elayne laut.</p><p>Birgitte schwenkte die Hand. Die Kusinen �ffneten nacheinander ihre Wegetore, und M�nner schleuderten durch sie Fackeln in die Keller von Caemlyn. Es dauerte nicht lange, bis der Rauch �ber der Stadt dunkler und unheilvoller wurde.</p><p>�Das werden sie nicht wieder so schnell l�schen�, sagte Birgitte leise. �Nicht bei dem trockenen Wetter, das wir haben. Die ganze Stadt wird wie ein Heuhaufen brennen.�</p><p>Die versammelte Armee starrte die Stadt an, vor allem die Angeh�rigen der K�niglichen Leibgarde und das andoranische Milit�r. Einige von ihnen salutierten, wie man vielleicht dem Scheiterhaufen eines gefallenen Helden salutierte.</p><p>Elayne biss die Z�hne zusammen, dann sagte sie: �Birgitte, verbreite das unter der Garde. Die Kinder, die ich unter dem Herzen trage, wurden vom Wiedergeborenen Drachen gezeugt.�</p><p>Basheres L�cheln wurde breiter. <emphasis>Unertr�glicher Mann!</emphasis> Birgitte l�chelte, als sie loszog, die Nachricht zu verbreiten. Sie war genauso unertr�glich.</p><p>Die M�nner von Andor schienen gr��er und irgendwie stolzer dazustehen, als sie zusahen, wie ihre Hauptstadt brannte. Bald str�mten Trollocs von den Flammen vertrieben aus den Toren. Elayne vergewisserte sich, dass die Tiermenschen ihr Heer sahen, dann verk�ndete sie: �Nach Norden!� Sie wendete Mondschatten. �Caemlyn ist tot! Wir ziehen in die W�lder; soll uns das Schattengez�cht folgen!�</p><empty-line/><p>Androl erwachte mit Erde im Mund. Er st�hnte, versuchte sich auf die Seite zu drehen, war aber irgendwie festgebunden. Er spuckte aus, befeuchtete sich die Lippen und blinzelte mit den verklebten Augen.</p><p>Mit Seilen gefesselt lag er zusammen mit Jonneth und Emarin an einer Wand aus Erde. Er erinnerte sich�� Licht! Die Decke war eingest�rzt.</p><p><emphasis>Pevara?,</emphasis> dachte er angestrengt. Es war unglaublich, wie nat�rlich sich diese Art der Kommunikation mittlerweile anf�hlte.</p><p>Ein Gef�hl der Benommenheit war die Belohnung. Der Bund lie� ihn wissen, dass sie in der N�he war, vermutlich ebenfalls gefesselt. Die Eine Macht blieb ihm ebenfalls vorenthalten; er griff danach, prallte aber gegen eine Abschirmung. Seine Fesseln waren an irgendeiner Art Haken im Boden festgemacht, der seine Bewegungen einschr�nkte.</p><p>Mit einiger M�he bezwang Androl seine Panik. Er konnte Nalaam nirgendwo sehen. Wo war er? Sie lagen alle gefesselt in einem gro�en Raum, und die Luft roch nach feuchter Erde. Sie befanden sich noch immer im Untergrund, irgendwo in Taims geheimem St�tzpunkt.</p><p><emphasis>Wenn die Decke eingest�rzt ist,</emphasis> dachte er, <emphasis>wurden die Zellen m�glicherweise dabei zerst�rt.</emphasis> Das erkl�rte, warum er und die anderen gefesselt, aber nicht eingesperrt waren.</p><p>Jemand schluchzte.</p><p>M�hsam schaute er zur anderen Seite und entdeckte den gefesselten Evin in der N�he. Der junge Mann zitterte am ganzen Leib und weinte.</p><p>�Schon gut, Evin�, fl�sterte er. �Wir finden einen Ausweg.�</p><p>Evin starrte ihn entsetzt an. Der Junge war auf andere Weise gefesselt, die H�nde auf dem R�cken, in aufrecht sitzender Position. �Androl? Androl, es tut mir so <emphasis>leid</emphasis>!�</p><p>Androl versp�rte ein Unbehagen in der Magengrube. �Was denn?�</p><p>�Sie kamen, nachdem der Rest von euch gerade gegangen war. Ich glaube, sie wollten Emarin holen. Um ihn Umzudrehen. Als er nicht da war, fingen sie an, Fragen zu stellen, Forderungen. Sie brachen mich, Androl. Ich knickte so schnell ein. Es tut mir leid���</p><p>Also hatte Taim die get�teten W�chter gar nicht entdeckt. �Das ist nicht Eure Schuld, Evin.�</p><p>In der N�he ert�nten Schritte. Androl t�uschte Besinnungslosigkeit vor, aber jemand versetzte ihm einen Tritt. �Ich hab dich reden sehen, Page�, sagte Mishraile und beugte sich mit seinem blonden Kopf nach unten. �Ich werde es genie�en, dich zu t�ten, f�r das, was du mit Coteren gemacht hast.�</p><p>Androl machte die Augen auf und sah den zusammengesunkenen Logain, der von Mezar und Welyn gehalten wurde. Sie schleiften ihn weiter und warfen ihn grob zu Boden. Logain regte sich und st�hnte, als sie ihn fesselten. Dann richteten sie sich wieder auf, und einer spuckte Androl an, bevor er sich Emarin zuwandte.</p><p>�Nein�, sagte Taim. Er war ebenfalls irgendwo hier. �Der Junge kommt als N�chster. Der Gro�e Herr will Resultate sehen. Logain braucht zu lange.�</p><p>Evins Schluchzen wurde lauter, als Mezar und Welyn ihn unter den Armen packten.</p><p>�Nein!�, stie� Androl hervor und wand sich. �Nein! Taim, soll man Euch verbrennen! Lasst ihn in Ruhe! Nehmt mich!�</p><p>Taim stand mit auf dem R�cken gehaltenen H�nden in der N�he; er trug eine schneidige schwarze Uniform, die denen der Asha�man �hnelte, aber mit Silber abgesetzt war. Der Kragen wies keinerlei Anstecknadeln auf. Er wandte sich Androl zu, dann verzog er h�hnisch das Gesicht. �Dich nehmen? Soll ich dem Gro�en Herrn einen Mann pr�sentieren, der nicht einmal genug Macht lenken kann, um ein Steinchen zu zerquetschen? Dich h�tte ich schon vor langer Zeit aussortieren sollen.�</p><p>Taim folgte den anderen beiden, die den sich verzweifelt wehrenden Evin wegschleiften. Androl schrie sie an und br�llte, bis er heiser war. Sie brachten Evin auf die andere Seite des Raums�� er war au�erordentlich groߠ�, und Androl konnte sie dank seiner gefesselten Position nicht l�nger sehen. Er lie� den Kopf auf den Boden sinken und schloss die Augen. Das verhinderte nicht, dass er die Entsetzensschreie des armen Evin h�rte.</p><p>�Androl?�, fl�sterte Pevara.</p><p>�Ruhe.� Mishrailes Stimme folgte ein dumpfes Klatschen und ein St�hnen der Aes Sedai.</p><p><emphasis>Ich fange wirklich langsam an, diesen hier zu hassen,</emphasis> �bermittelte Pevara.</p><p>Androl gab keine Antwort.</p><p><emphasis>Sie haben sich die M�he gemacht, uns aus dem eingest�rzten Raum zu graben,</emphasis> fuhr Pevara fort. <emphasis>Ich erinnere mich an ein paar Bruchst�cke, bevor sie mich abschirmten und bewusstlos schlugen. Anscheinend ist seitdem nicht einmal ein Tag vergangen. Ich vermute, Taim hat noch nicht seine Quote von Schattenlords zusammen, die man f�r den Schatten Umgedreht hat.</emphasis></p><p>Sie schickte ihre Gedanken v�llig ungezwungen.</p><p>Hinter ihnen verstummten Evins Schreie.</p><p><emphasis>Oh, beim Licht! War das Evin?</emphasis> Aus ihrem Ton verschwand s�mtliche Unbek�mmertheit. <emphasis>Was geschieht mit ihm?</emphasis></p><p><emphasis>Sie nehmen ihn sich vor,</emphasis> erwiderte Androl. <emphasis>Widerstand hat etwas mit Willenskraft zu tun. Darum ist Logain auch noch nicht Umgedreht.</emphasis></p><p>Pevaras Sorge str�mte wie W�rme durch den Bund. Waren alle Aes Sedai so wie sie? Er war immer davon ausgegangen, dass sie keine Gef�hle hatten, aber bei Pevara war das ganze Spektrum zu sehen�� obwohl bei ihr eine beinahe unmenschliche Kontrolle �ber diese Gef�hle hinzukam. Ein weiteres Resultat jahrzehntelanger �bung?</p><p><emphasis>Wie entkommen wir?,</emphasis> dachte sie.</p><p><emphasis>Ich versuche meine Fesseln zu l�sen. Meine Finger sind steif.</emphasis></p><p><emphasis>Ich kann den Knoten sehen. Er sitzt fest, aber ich k�nnte Euch vielleicht f�hren.</emphasis></p><p>Er nickte, und sie fingen an. Pevara beschrieb die Windungen des Knotens, w�hrend Androl versuchte, sie mit den Fingern zu erwischen. Aber es gelang ihm nicht, kr�ftig genug zugreifen zu k�nnen; er versuchte, seine H�nde herauszuziehen, aber das Seil sa� zu fest.</p><p>Als er endlich seine Niederlage akzeptierte, waren seine Finger von der mangelnden Durchblutung ganz taub. <emphasis>Das funktioniert nicht,</emphasis> �bermittelte er.</p><p><emphasis>Ich habe versucht, aus dieser Abschirmung zu schl�pfen,</emphasis> erwiderte Pevara. <emphasis>Es ist m�glich, und ich glaube, unsere Abschirmungen k�nnten verknotet sein. Verknotete Abschirmungen k�nnen versagen.</emphasis></p><p>Androl antwortete mit Zustimmung, konnte seine Frustration aber nicht unterdr�cken. Wie lange hielt Evin wohl durch?</p><p>Die Stille verh�hnte ihn. Warum konnte er nichts h�ren? Dann f�hlte er etwas. Die Macht wurde gelenkt. Konnten das dreizehn M�nner sein? Beim Licht. Falls dort auch dreizehn Myrddraal waren, war die Situation so gut wie hoffnungslos. Was sollten sie tun, <emphasis>falls</emphasis> sie entkamen? Gegen so viele konnten sie nicht k�mpfen.</p><p><emphasis>Welche Klippe habt Ihr gew�hlt?,</emphasis> wollte Pevara wissen.</p><p><emphasis>Was?</emphasis></p><p><emphasis>Ihr habt doch gesagt, dass das Meervolk von Klippen sprang, um seinen Mut zu beweisen. Je h�her die Klippe, umso mutiger der Springer. Welche Klippe habt Ihr gew�hlt?</emphasis></p><p><emphasis>Die h�chste,</emphasis> gab er zu.</p><p><emphasis>Warum?</emphasis></p><p><emphasis>Ich fand, wenn man sich schon dazu entscheidet, von einer Klippe zu springen, kann man auch die h�chste w�hlen. Warum das Risiko eingehen, wenn man nicht den gr��ten Preis erringt?</emphasis></p><p>Pevara �bermittelte Zustimmung. <emphasis>Wir werden entkommen, Androl. Irgendwie.</emphasis></p><p>Er nickte, haupts�chlich um sich selbst Mut zu machen, und nestelte wieder an dem Knoten herum.</p><p>Ein paar Augenblicke sp�ter kehrten Taims Komplizen zur�ck. Evin ging neben Androl in die Hocke. Hinter seinen Augen lauerte etwas anderes, etwas Schreckliches. Er l�chelte. �Nun, das war gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte, Androl.�</p><p>�Ach, Evin���</p><p>�Sorge dich nicht um mich�, sagte der Junge und legte Androl die Hand auf die Schulter. �Ich f�hle mich gro�artig. Keine �ngste mehr, keine Sorgen. Wir h�tten uns nicht die ganze Zeit �ber streiten sollen. Wir sind die Schwarze Burg. Wir m�ssen zusammenarbeiten.�</p><p><emphasis>Du bist nicht mein Freund,</emphasis> dachte Androl. <emphasis>Du hast ja vielleicht sein Gesicht, aber Evin�� Oh, Licht. Evin ist tot.</emphasis></p><p>�Wo ist Nalaam?�, fragte er.</p><p>�Ich f�rchte, bei dem Einsturz gestorben.� Evin sch�ttelte den Kopf. Er beugte sich vor. �Sie wollen dich t�ten, Androl, aber ich glaube, dass ich sie davon �berzeugen kann, dass du es durchaus wert bist, Umgedreht zu werden. Du wirst mir am Ende danken.�</p><p>Das schreckliche Ding in Evins Augen l�chelte, klopfte Androl auf die Schulter, erhob sich dann und fing an, mit Mezar und Welyn zu plaudern.</p><p>Nur m�hsam vermochte Androl die dreizehn Schatten auszumachen, die kamen, um Emarin zu nehmen und ihn wegzuzerren, um ihn als N�chsten Umzudrehen. Blasse, mit Umh�ngen, die sich nicht bewegten.</p><p>Nalaam hatte wirklich Gl�ck gehabt, bei dem Einsturz zu sterben.</p></section><section><title><p>9</p><p>Gut zu sterben</p></title><p>Lan spaltete den Sch�del des Myrddraal bis zum Hals. Er lie� Mandarb zur�ckt�nzeln und den Blassen zappelnd sterben; seine Kr�mpfe dr�ckten Sch�delst�cke aus dem Hals. Fauliges schwarzes Blut str�mte �ber die Steine, die bereits ein Dutzend Male in Blut getaucht worden waren.</p><p>�Lord Mandragoran!�</p><p>Lan wandte den Kopf. Einer seiner M�nner zeigte zur�ck zu ihrem Lager, wo hellrotes Licht in den Himmel schoss.</p><p><emphasis>Ist es schon Mittag?,</emphasis> dachte Lan, hob das Schwert und rief seine Malkieri zum R�ckzug. Die Kandori und Arafeler schwenkten herum, leichte Kavallerie mit B�gen, und schickten eine Pfeilsalve nach der anderen in die Masse der Trollocs.</p><p>Der Gestank war �berw�ltigend. Lan und seine M�nner ritten von der Frontlinie fort und passierten zwei Asha�man und eine Aes Sedai�� Coladara, die darauf bestanden hatte, als K�nig Paitars Beraterin zu bleiben��, die die Bestienkadaver mit der Macht in Brand setzten. Das w�rde der n�chsten Welle Schattengez�cht den Vormarsch erschweren.</p><p>Lans Armeen hatten ihr brutales Werk fortgesetzt, sie hielten die Tiermenschen am Pass fest wie Pech das einsickernde Wasser eines leckenden Bootes. Die Heere k�mpften in Schichten, immer nur eine Stunde lang. Scheiterhaufen und Asha�man erhellten die Nacht und gaben dem Schattengez�cht keine Gelegenheit vorzur�cken.</p><p>Nach zwei Tagen kr�ftezehrender Schlacht war Lan klar, dass diese Taktik schlie�lich f�r die Trollocs ein Vorteil sein w�rde. Die Menschen t�teten eine Wagenladung nach der anderen von ihnen, aber der Schatten hatte seine Streitkr�fte jahrelang aufgebaut. Jede Nacht fra�en die Bestien ihre Toten; die Sorge �ber Nachschub war ihnen fremd.</p><p>Lan gab sich M�he, dass seine Schultern nicht nach vorn sackten, als er sich von der Frontlinie entfernte und der n�chsten Gruppe Platz machte, aber am liebsten w�re er zusammengebrochen und h�tte tagelang geschlafen. Trotz der vielen M�nner, die ihm der Wiedergeborene Drache verschafft hatte, musste jeder Mann jeden Tag mehrere Schichten an der Front verbringen. Lan machte immer noch ein paar zus�tzlich.</p><p>Seinen Truppen fiel es nicht leicht, Schlaf zu finden, wenn sie sich auch noch um ihre Ausr�stung k�mmern, Holz f�r die Scheiterhaufen sammeln und durch Wegetore Nachschub holen mussten. Als Lan die M�nner musterte, die zusammen mit ihm die Front verlie�en, �berlegte er, was er tun konnte, um ihnen neue Kraft zu geben. Der treue Bulen sa� zusammengesunken im Sattel. Lan w�rde daf�r sorgen m�ssen, dass der Mann mehr schlief, sonst��</p><p>Bulen rutschte aus dem Sattel.</p><p>Fluchend z�gelte Lan Mandarb und sprang zu Boden. Er rannte an Bulens Seite und fand den Mann mit leerem Blick in den Himmel starren. Bulens Seite wies eine klaffende Wunde auf, das Kettenhemd war dort wie ein Segel gerissen, das zu lange den Wind eingefangen hatte. Er hatte die Verletzung einfach mit dem Mantel verdeckt. Lan hatte nicht gesehen, dass er getroffen worden war, so wie ihm auch entgangen war, dass der Mann seine Wunde versteckte.</p><p><emphasis>Du Narr!,</emphasis> dachte Lan und f�hlte nach seinem Puls.</p><p>Da war nichts mehr. Er war tot.</p><p><emphasis>Du Narr!,</emphasis> dachte Lan erneut und senkte den Kopf. <emphasis>Du wolltest einfach nicht meine Seite verlassen, oder? Darum hast du die Wunde auch versteckt. Du hattest Angst, ich k�nnte dort drau�en sterben, w�hrend du dich Heilen lie�est.</emphasis></p><p><emphasis>Entweder das, oder du wolltest den Machtlenkern nicht zur Last fallen. Du wusstest, dass sie bis an ihre Grenzen gebracht werden.</emphasis></p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen hob Lan den Toten auf seine Schulter. Dann legte er ihn �ber sein Pferd und band ihn am Sattel fest. In der N�he sa�en Andere und Prinz Kaisel ��f�r gew�hnlich ritten der junge Kandori und seine Kompanie aus hundert Mann mit Lan�� und sahen ernst zu. Sich ihrer Blicke bewusst, legte Lan der Leiche die Hand auf die Schulter.</p><p>�Ihr habt gute Arbeit geleistet, mein Freund�, sagte er. �Euer Lob wird man f�r Generationen singen. M�gt Ihr in der Hand des Sch�pfers Schutz finden und m�ge Euch die letzte Umarmung der Mutter daheim willkommen hei�en.� Er wandte sich den anderen zu. �Ich werde nicht trauern! Trauer ist f�r die, die bedauern, und ich bedauere <emphasis>nicht</emphasis>, was wir hier tun! Bulen h�tte keinen besseren Tod finden k�nnen. Ich weine nicht um ihn, ich <emphasis>jubele</emphasis>!�</p><p>Er schwang sich in Mandarbs Sattel, nahm die Z�gel von Bulens Tier und richtete sich auf. Er w�rde sie seine M�digkeit nicht sehen lassen. Oder sein Bedauern. �Hat einer von euch Bakh fallen sehen?�, fragte er die, die in seiner N�he ritten. �Er hatte eine Armbrust hinten aufs Pferd geschnallt. Er trug das Ding immer mit sich. Ich hatte ihm geschworen, dass, sollte das Ding je aus Versehen losgehen, ich ihn von den Asha�man an den Zehen von einer Klippe h�ngen lassen w�rde.</p><p>Er starb gestern, als sich sein Schwert in der R�stung eines Trollocs verhakte. Er lie� es los und griff nach seiner Ersatzklinge, aber zwei andere Trollocs rissen sein Pferd unter ihm weg. Ich hielt ihn schon f�r tot und versuchte zu ihm zu kommen, aber da kam er mit dieser lichtverfluchten Armbrust wieder hoch und schoss einem Tiermenschen aus zwei Fu� Entfernung direkt ins Auge. Der Bolzen bohrte sich in seinen Kopf. Der zweite Trolloc schlitzte ihn auf, aber nicht bevor er ihm sein Stiefelmesser in den Hals gerammt hatte.� Lan nickte. �Ich erinnere mich an Euch, Bakh. Ihr seid gut gestorben.�</p><p>Sie ritten ein St�ck, dann f�gte Prinz Kaisel hinzu: �Ragon. Er starb auch gut. St�rmte mit seinem Pferd direkt in eine Gruppe aus drei�ig Trollocs, die von der Seite kamen. Hat damit vermutlich ein Dutzend M�nner gerettet und uns Zeit erkauft. Er trat einen ins Gesicht, als sie ihn zu Boden zerrten.�</p><p>�Ja, Ragon war schon ein Wahnsinniger�, sagte Andere. �Ich geh�re zu den M�nnern, die er gerettet hat.� Er l�chelte. �Er ist gut gestorben. Beim Licht, das tat er. Aber die verr�ckteste Sache, die ich in den vergangenen Tagen sah, war Kragil, als er gegen diesen Blassen k�mpfte. Hat einer von euch gesehen, wie���</p><p>Als sie das Lager erreichten, lachten die M�nner und priesen die Gefallenen. Lan trennte sich von ihnen und brachte Bulen zu den Asha�man. Narishma hielt ein Wegetor f�r einen Karren mit Nachschub offen. Er nickte Lan zu. �Lord Mandragoran?�</p><p>�Ich brauche einen kalten Ort f�r ihn�, sagte Lan und stieg ab. �Wenn das hier erledigt und Malkier zur�ckerobert ist, brauchen wir einen anst�ndigen Ruheort f�r die edlen Gefallenen. Bis dahin lasse ich ihn weder verbrennen noch verfaulen. Er war der erste Malkieri, der zu Malkiers K�nig zur�ckkehrte.�</p><p>Narishma nickte, und die arafelischen Gl�ckchen an den Enden seiner Z�pfe klirrten leise. Er winkte einen Wagen durch das Wegetor, dann bedeutete er den anderen anzuhalten. Er schloss das Tor und �ffnete ein neues auf einer Bergspitze.</p><p>Eiskalte Luft wehte hindurch. Lan nahm Bulen vom Pferd. Narishma wollte helfen, aber Lan winkte ab und lud sich den Toten mit einem Grunzen auf die Schulter. Er trat in den Schnee, und der schneidende Wind stach in seine Wangen, als h�tte jemand ein Messer genommen.</p><p>Er legte Bulen am Boden ab, dann kniete er nieder und entfernte sanft den <emphasis>Hadori</emphasis> vom Kopf. Lan w�rde ihn in der Schlacht tragen ��damit Bulen weiterk�mpfen konnte�� und ihn ihm nach dem Ende der K�mpfe zur�ckgeben. Eine alte malkierische Tradition. �Das hast du gut gemacht, Bulen�, sagte Lan leise. �Ich danke dir, dass du mich nicht aufgegeben hast.�</p><p>Er stand auf. Seine Stiefel knirschten im Schnee, als er mit dem <emphasis>Hadori</emphasis> in der Hand durch das Wegetor marschierte. Narishma schloss das Tor, und Lan fragte nach dem Standort des Berges�� f�r den Fall, dass der Asha�man im Kampf fallen sollte��, damit er Bulen wiederfinden konnte.</p><p>Sie w�rden nicht alle gefallenen Malkieri auf diese Weise bewahren k�nnen, aber einer war besser als gar keiner. Lan wickelte den <emphasis>Hadori</emphasis> direkt unterhalb der Parierstange um das Schwert und kn�pfte ihn fest. Dann �bergab er Mandarb einem Pferdeknecht, hielt dem Hengst einen Finger vor die Nase und sah ihm in die dunklen, feuchten Augen. �Die Knechte werden nicht mehr gebissen�, knurrte er dem Hengst zu.</p><p>Danach machte er sich auf die Suche nach Lord Agelmar. Er fand den Befehlshaber direkt au�erhalb des saldaeanischen Lagers, wo er mit Tenobia sprach. In der N�he hatten sich Bogensch�tzen in zweihundert Mann starken Reihen aufgebaut und behielten den Himmel im Auge. Es hatte bereits einige Draghkar-Angriffe gegeben. Als Lan n�her kam, grollte der Boden und bebte.</p><p>Die Soldaten blieben stumm. Langsam gew�hnten sie sich daran. Das Land st�hnte.</p><p>Direkt vor Lan brach der nackte Felsboden auseinander. Alarmiert sprang er zur�ck, als das Beben nicht aufh�rte und winzige Risse im Felsen produzierte�� Haarrisse. An diesen Rissen war etwas auf fundamentale Weise falsch. Sie waren zu dunkel, zu tief. Obwohl die ganze Gegend noch immer bebte, trat er vor und musterte die winzigen Risse, versuchte sie w�hrend des Erdbebens n�her zu erforschen.</p><p>Die Risse schienen ins Nichts zu f�hren. Sie sogen das Licht auf. Es war, als w�rde er Risse in der Realit�t selbst betrachten.</p><p>Das Beben h�rte auf. Die Dunkelheit in den �ffnungen verweilte noch ein paar Atemz�ge lang, dann verblich sie, und die Haarrisse verwandelten sich in ganz gew�hnliche Spr�nge im Stein. Misstrauisch lie� sich Lan auf ein Knie herab und nahm sie n�her in Augenschein. Hatte er wirklich gesehen, was er zu sehen geglaubt hatte? Was bedeutete das?</p><p>Fr�stelnd erhob er sich wieder und ging weiter. <emphasis>Nicht nur die Menschen werden m�de,</emphasis> dachte er. <emphasis>Die Mutter wird schw�cher.</emphasis></p><p>Er eilte durch das Lager der Saldaeaner. Von den K�mpfern am Pass hatten die Saldaeaner das beste Lager, denn es wurde von den strengen Offiziersfrauen gef�hrt. Lan hatte die meisten Zivilisten der Malkieri in Fal Dara zur�ckgelassen, und die anderen Streitkr�fte hatten haupts�chlich nur aus k�mpfenden Truppen bestanden.</p><p>Aber das war nicht die Art der Saldaeaner. Auch wenn sie f�r gew�hnlich nicht in die F�ule zogen, marschierten die Frauen sonst mit ihren Ehem�nnern. Jede von ihnen konnte mit dem Messer k�mpfen und w�rde das Lager falls n�tig bis zum Tod verteidigen. Sie waren au�erordentlich n�tzlich gewesen, um Vorr�te zu sammeln und zu verteilen und um die Verwundeten zu pflegen.</p><p>Tenobia stritt sich wieder einmal mit Agelmar um die Taktik. Lan trat n�her und h�rte zu, wie der Gro�e Hauptmann aus Shienar bei ihren Forderungen nickte. Man konnte nicht behaupten, dass sie die Dinge nicht verstand, aber sie war zu k�hn. Sie wollte den Feind zur�ck in die F�ule treiben und den Kampf zu den Geburtsst�tten der Trollocs tragen.</p><p>Schlie�lich bemerkte sie Lan. �Lord Mandragoran�, sagte sie und musterte ihn von Kopf bis Fu�. Sie war wirklich eine h�bsche Frau, mit langem schwarzem Haar und einem temperamentvollen Funkeln in den Augen. �Euer letztes Scharm�tzel war ein Erfolg?�</p><p>�Noch mehr Trollocs sind tot�, sagte Lan.</p><p>�Wir k�mpfen eine ruhmreiche Schlacht�, sagte sie stolz.</p><p>�Ich verlor einen guten Freund.�</p><p>Tenobia hielt inne, dann schaute sie ihm in die Augen, suchte darin vielleicht nach Gef�hlen. Lan verriet nichts. Bulen war gut gestorben. �Die M�nner, die k�mpfen, ernten Ruhm, aber die Schlacht selbst ist keinesfalls ruhmreich. Sie ist einfach nur das, was sie ist. Lord Agelmar, auf ein Wort.�</p><p>Tenobia trat zur Seite, und Lan zog Agelmar mit sich. Der alte General warf ihm einen dankbaren Blick zu. Tenobia sah ihnen noch einen Augenblick lang nach, dann eilte sie davon, und ihre beiden Leibw�chter hasteten ihr nach.</p><p><emphasis>Wenn wir nicht auf sie aufpassen, reitet sie noch irgendwann selbst in die Schlacht,</emphasis> dachte Lan. <emphasis>Sie hat den Kopf nur voller Lieder und Geschichten.</emphasis></p><p>Hatte er nicht gerade seine M�nner ermuntert, die gleichen Geschichten zu erz�hlen? Nein. Da gab es einen Unterschied, er f�hlte einen Unterschied. M�nnern beizubringen, dass sie m�glicherweise starben, und die Ehre der Gefallenen zu preisen�� das war etwas anderes, als Lieder dar�ber zu singen, wie wunderbar doch der Kampf an der Front war.</p><p>Leider brauchte man einen echten Kampf, um den Unterschied lehren zu k�nnen. Sollte das Licht daf�r sorgen, dass Tenobia nichts Un�berlegtes tat. Lan hatte zu viele junge M�nner mit diesem Ausdruck in den Augen gesehen. Bei ihnen hatte die L�sung darin bestanden, sie ein paar Wochen lang bis zur Ersch�pfung arbeiten zu lassen, sie so lange zu drillen, bis sie nur noch an ihr Bett dachten und nicht an den �Ruhm�, den sie eines Tages erringen w�rden. Er bezweifelte, dass sich die K�nigin darauf einlassen w�rde.</p><p>�Seit Kalyan Ethenielle geheiratet hat, ist sie immer ungest�mer geworden�, sagte Lord Agelmar leise, w�hrend sie an den hinteren Linien vorbeigingen und Soldaten zunickten. �Meiner Meinung nach konnte er sie immer ein bisschen bremsen, aber jetzt�� ohne dass er <emphasis>oder</emphasis> Bashere auf sie aufpassen��� Er seufzte. �Egal. Was w�nscht Ihr von mir, Dai Shan?�</p><p>�Wir liefern hier einen guten Kampf�, sagte Lan. �Aber ich mache mir Sorgen �ber unsere M�nner. Wie lange k�nnen wir die Trollocs zur�ckhalten?�</p><p>�Ihr habt recht; irgendwann wird sich der Feind einen Weg durch unsere Linien erzwingen�, sagte Agelmar.</p><p>�Und was tun wir dann?�, fragte Lan.</p><p>�Wir k�mpfen hier�, erwiderte Agelmar. �Und wenn wir die Stellung nicht l�nger halten k�nnen, ziehen wir uns zur�ck, um Zeit zu gewinnen.�</p><p>Lan erstarrte. �Ein R�ckzug?�</p><p>Agelmar nickte. �Wir sind hier, um den Vorsto� der Trollocs zu verlangsamen. Das gelingt uns, indem wir sie eine Weile hier festhalten und uns dann langsam durch Shienar zur�ckziehen.�</p><p>�Agelmar, ich bin nicht zum Tarwin-Pass gekommen, um den R�ckzug anzutreten.�</p><p>�Dai Shan, man hat mir glaubw�rdig versichert, dass Ihr hergekommen seid, um zu sterben.�</p><p>Das war die reine Wahrheit. �Ich werde Malkier kein zweites Mal an den Schatten verlieren, Agelmar. Ich kam zum Pass�� die Malkieri folgten mir einfach��, um dem Dunklen K�nig zu zeigen, dass man uns nicht besiegt hat. Jetzt zu gehen, nachdem wir uns hier festsetzen konnten���</p><p>�Dai Shan.� Lord Agelmars Stimme wurde noch leiser. �Ich respektiere Eure Entscheidung, zu k�mpfen. Das tun wir alle; allein Euer Marsch an diesen Ort hat Tausende inspiriert. Das mag nicht Eure Absicht gewesen sein, aber es war die Absicht, die das Rad f�r Euch webte. Die Entschlossenheit eines Mannes, f�r Gerechtigkeit zu sorgen, ist nichts, was man leichtfertig ignorieren kann. Aber es gibt einen Moment, in dem man zur Seite treten und das Gesamtbild betrachten muss.�</p><p>Lan blieb stehen und musterte den alten General. �Vorsicht, Lord Agelmar. Das h�rt sich fast so an, als w�rdet Ihr mich selbsts�chtig nennen.�</p><p>�Das tue ich auch, Lan�, sagte Agelmar. �Und das seid Ihr auch.�</p><p>Lan regte keinen Muskel.</p><p>�Ihr kamt her, um Euer Leben f�r Malkier wegzuwerfen. Allein f�r sich genommen ist das edel. Aber da wir nun in der Letzten Schlacht k�mpfen, ist es auch dumm. Wir brauchen Euch. Wegen Eurer Sturheit werden M�nner sterben.�</p><p>�Ich habe sie nicht darum gebeten, mir zu folgen. Licht! Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand, um sie davon abzuhalten.�</p><p>�Die Pflicht ist schwerer als ein Berg, Dai Shan.�</p><p>Diesmal zuckte Lan zusammen. Wie lange war es her, dass ihn jemand mit Worten dazu gebracht hatte? Unwillk�rlich musste er daran denken, dass er das gleiche Konzept einem Jungen aus den Zwei Fl�ssen beigebracht hatte. Einem Schafhirten, der die Welt v�llig naiv betrachtet und sich vor dem Schicksal gef�rchtet hatte, das das Muster f�r ihn bereithielt.</p><p>�Manche M�nner sind vom Schicksal auserkoren zu sterben�, fuhr Agelmar fort. �Andere sind ausersehen zu leben und zu f�hren, und sie empfinden es als Last. Falls Ihr hier bis zum letzten Mann k�mpfen wollt, dann k�nnt Ihr das tun, und sie w�rden noch beim Sterben �ber den Ruhm dieses Kampfes singen. Oder Ihr k�nntet tun, was wir beide tun m�ssen. Uns zur�ckziehen, wenn wir dazu gezwungen werden, uns anpassen und den Schatten so lange aufhalten und ihm Steine in den Weg legen, wie wir k�nnen. Bis die anderen Armeen uns Hilfe schicken k�nnen.</p><p>Wir haben eine ausgesprochen bewegliche Streitmacht. Jede Armee hat Euch ihre beste Kavallerie geschickt. Ich habe neuntausend leichte saldaeanische Kavalleristen komplizierte Man�ver mit Pr�zision ausf�hren sehen. Wir k�nnen dem Schatten hier schaden, aber seine Zahl erweist sich als zu gro�. Gr��er, als ich f�r m�glich gehalten h�tte. Wir werden ihm beim R�ckzug weiteren Schaden zuf�gen. Wir werden M�glichkeiten finden, ihm mit jedem r�ckw�rtigen Schritt Verluste zuzuf�gen. Ja, Lan. Ihr habt mich zum kommandierenden General �ber dieses Schlachtfeld gemacht. Das ist mein Rat an Euch. Es wird nicht heute passieren, vielleicht nicht einmal diese Woche, aber wir werden uns zur�ckziehen m�ssen!�</p><p>Lan ging schweigend weiter. Bevor er antworten konnte, sah er am Himmel ein blaues Licht explodieren. Das Notsignal aus dem Pass. Die Einheiten, die vorhin in den Kampf gezogen waren, brauchten Hilfe.</p><p><emphasis>Ich denke dar�ber nach,</emphasis> dachte er. Seine M�digkeit verdr�ngend lief er zu den Pferdeseilen, wo der Knecht Mandarb hingebracht haben w�rde.</p><p>Er musste nicht zu diesem Scharm�tzel reiten. Er hatte gerade eines beendet. Er entschied sich trotzdem hinzureiten und konnte sich gerade noch davon abhalten, Bulen zuzurufen, f�r ihn ein Pferd bereit zu machen. Er kam sich wie ein Narr vor. Licht, er hatte sich wirklich an die Hilfe dieses Mannes gew�hnt.</p><p><emphasis>Agelmar hat recht,</emphasis> dachte er, w�hrend die Pferdeknechte beinahe �ber die eigenen F��e stolperten, um Mandarb schnell zu satteln. Der Hengst war unruhig, sp�rte seine Stimmung. <emphasis>Sie werden mir folgen. Genau wie Bulen. Sie im Namen eines untergegangenen K�nigreichs in den Tod zu f�hren�� selbst in diesen Tod zu reiten�� wie unterscheidet sich das von Tenobias Einstellung?</emphasis></p><p>Kurz darauf galoppierte er zur�ck zur Front und musste entdecken, dass die Trollocs beinahe den Durchbruch geschafft h�tten. Er st�rzte sich in den Kampf, und in dieser Nacht hielten sie stand. Irgendwann w�rde es ihnen nicht mehr gelingen. Was dann?</p><p>Dann�� w�rde er Malkier wieder im Stich lassen und tun, was getan werden musste.</p><empty-line/><p>Egwenes Streitkr�fte hatten sich am s�dlichen Punkt des Feldes von Merrilor versammelt. Sie sollten nach Kandor Reisen, sobald Elaynes Truppen nach Caemlyn abger�ckt waren. Rands Heere waren noch nicht nach Thakan�dar gezogen, sondern warteten nun im Norden des Feldes, wo man leichter f�r Nachschub sorgen konnte. Er behauptete, dass die Zeit noch nicht reif f�r seinen Angriff war; man konnte nur zum Licht beten, dass er mit den Seanchanern Fortschritte machte.</p><p>So viele Leute zu transportieren bereitete einem gewaltige Kopfschmerzen. Aes Sedai erschufen viele Wegetore, die sich aneinanderreihten wie die T�ren in einem gro�en Ballsaal. Soldaten r�ckten zusammen und warteten darauf, dass sie an der Reihe waren. Viele der st�rksten Machtlenkerinnen waren an dieser Aufgabe nicht beteiligt; sie w�rden die Macht bald genug im Kampf lenken m�ssen, und Wegetore zu erschaffen w�rde nur dringend ben�tigte Kraft vergeuden, bevor die wirklich wichtigen Aufgaben �berhaupt begonnen hatten.</p><p>Nat�rlich machten die Soldaten der Amyrlin den Weg frei. Da die Vorhut auf der anderen Seite ihre Stellungen bezog und das Lager fertig war, war f�r sie der Augenblick gekommen, sich dorthin zu begeben. Sie hatte den Morgen mit einer Besprechung des Saals der Burg verbracht, wo sie die Versorgungsberichte und Gel�ndeeinsch�tzungen durchgegangen war. Sie war froh, dem Saal erlaubt zu haben, eine gr��ere Rolle im Krieg zu spielen; die Sitzenden, von denen schon viele l�nger als ein Jahrhundert lebten, hatten viel an Erfahrung beizusteuern.</p><p>�Es gef�llt mir nicht, so lange warten zu m�ssen�, murrte Gawyn, als er an ihre Seite ritt.</p><p>Sie musterte ihn.</p><p>�Ich vertraue General Brynes Schlachtfeldeinsch�tzung, genau wie der Saal auch�, erwiderte sie, als sie an den Illianer Gef�hrten vorbeiritten. Auf jedem der auf Hochglanz polierten Brustpanzer waren die Neun Bienen von Illian zu sehen. Sie salutierten ihr mit hinter dem Gitterschutz ihrer konischen Helme verborgenen Gesichtern.</p><p>Sie war sich nicht sicher, ob sie sie so gern in ihrem Heer hatte�� sie w�rden loyaler zu Rand stehen als zu ihr��, aber Bryne hatte darauf bestanden. Er behauptete, dass ihrer Streitmacht, so gewaltig sie auch sein mochte, eine Elitetruppe wie die Gef�hrten fehlte.</p><p>�Ich finde noch immer, wir h�tten fr�her aufbrechen sollen�, sagte Gawyn, als sie durch das Tor nach Kandor hin�bertraten.</p><p>�Es sind doch nur ein paar Tage vergangen.�</p><p>�Ein paar Tage, in denen Kandor brannte.� Sie konnte seine Frustration f�hlen. Und dass er sie leidenschaftlich liebte. Er war jetzt ihr Ehemann. Silviana hatte sie am Vorabend in einer schlichten Zeremonie getraut. Es kam Egwene noch immer seltsam vor, ihre eigene Hochzeit genehmigt zu haben. Aber wenn man die h�chste Autorit�t war, was sollte man machen?</p><p>Als sie das Lager an der Grenze von Kandor betraten, ritt Bryne heran und gab einer wartenden Patrouille angespannt Befehle. Als er Egwene erreichte, stieg er aus dem Sattel, verbeugte sich tief und k�sste ihren Ring. Dann stieg er wieder aufs Pferd und ritt weiter. Zog man in Betracht, dass man ihn letztlich dazu hatte zwingen m�ssen, diese Armee anzuf�hren, war er doch sehr respektvoll. Nat�rlich hatte auch er seine Forderungen gestellt, die erf�llt worden waren, also hatte er vielleicht auch sie unter Druck gesetzt. Die Heere der Wei�en Burg anzuf�hren war f�r ihn eine Gelegenheit gewesen; kein Mann wurde gern in den Ruhestand geschickt. Der Gro�e Hauptmann h�tte �berhaupt nicht in der Situation sein d�rfen, dieses Angebot zu erhalten.</p><p>Egwene sah Siuan an, die an Brynes Seite ritt, und l�chelte zufrieden. <emphasis>Nun ist er fest an uns gebunden.</emphasis></p><p>Sie betrachtete die H�gel an der s�d�stlichen Grenze von Kandor. Wie bei den meisten Orten auf der Welt fehlte auch hier das Gr�n, trotzdem lie� die friedliche Gegend nicht ahnen, dass das Land dahinter in Flammen stand. Die Hauptstadt Chachin bestand mittlerweile nur noch aus Tr�mmern. K�nigin Ethenielle hatte vor ihrem R�ckzug, um an der Seite der anderen Grenzl�nder zu k�mpfen, s�mtliche Hilfsaktionen an die Amyrlin und den Saal abgegeben. Sie hatten getan, was sie konnten, hatten Kundschafter durch Wegetore zu den Hauptverkehrsstra�en geschickt und sie nach Fl�chtlingen suchen lassen, um sie dann in Sicherheit zu bringen�� falls es so etwas wie einen sicheren Ort �berhaupt noch gab.</p><p>Der Hauptteil der Trolloc-Armee hatte die brennenden St�dte verlassen und bewegte sich nun s�d�stlich auf die H�gel und den Fluss zu, der Kandors Grenze zu Arafel bildete.</p><p>Silviana ritt herbei und blieb gegen�ber von Gawyn stehen. Bevor sie Egwenes Ring k�sste, warf sie Gawyn einen finsteren Blick zu�� die beiden w�rden wirklich aufh�ren m�ssen, sich zu befehden; das wurde langsam erm�dend. �Mutter.�</p><p>�Silviana.�</p><p>�Wir haben Nachricht von Elayne Sedai.�</p><p>Egwene g�nnte sich ein L�cheln. Unabh�ngig voneinander hatten sie beide angefangen, Elayne mit ihrem Burgtitel zu belegen statt mit ihrem weltlichen Titel. �Und?�</p><p>�Sie schl�gt vor, dass wir einen Ort ausw�hlen, an den man die Verwundeten zur Heilung schickt.�</p><p>�Wir hatten dar�ber gesprochen, die Gelben von einem Schlachtfeld zum anderen zu schicken�, erwiderte Egwene.</p><p>�Elayne Sedai sorgt sich dar�ber, dass man die Gelben Angriffen aussetzen k�nnte. Sie will ein station�res Lazarett.�</p><p>�Das w�re effizienter, Mutter�, warf Gawyn ein und rieb sich das Kinn. �Nach einer Schlacht die Verletzten zu finden ist eine brutale Arbeit. Ich wei� nicht, ob ich Schwestern losschicken w�rde, um unter den Toten nach Lebenden zu forschen. Wenn die Gro�en Hauptm�nner recht behalten, dann k�nnte sich dieser Krieg �ber Wochen, wenn nicht gar Monate hinziehen. Irgendwann wird der Schatten anfangen, Aes Sedai auf dem Schlachtfeld ins Visier zu nehmen.�</p><p>�Elayne Sedai hat sehr darauf�� gedrungen�, sagte Silviana. Ihr Gesicht war eine Maske, ihr Ton v�llig sachlich, trotzdem lie� sie entschiedenen Unmut erkennen. Darin war sie sehr gut.</p><p><emphasis>Ich habe geholfen, Elayne zur Anf�hrerin zu machen,</emphasis> rief sich Egwene ins Ged�chtnis. <emphasis>Ihr das abzuschlagen w�re ein schlechter Pr�zedenzfall.</emphasis> Ihr zu gehorchen aber auch. Vielleicht w�rden sie es ja doch schaffen, dass ihre Freundschaft das alles hier �berstand.</p><p>�Elayne Sedai zeigt Weisheit�, sagte Egwene. �Sagt Romanda, dass es auf diese Weise geschehen muss. Die ganze Gelbe Ajah soll sich zum Heilen sammeln, aber nicht in der Wei�en Burg.�</p><p>�Mutter?�, fragte Silviana.</p><p>�Die Seanchaner�, verk�ndete Egwene. Immer, wenn sie an sie dachte, musste sie die Schlange ersticken, die sich tief in ihrem Inneren wand. �Ich werde nicht riskieren, dass die Gelben angegriffen werden, w�hrend sie allein und vom Heilen ersch�pft sind. Die Wei�e Burg ist ihrer Verteidigung beraubt und damit ein Angriffsziel f�r den Feind�� und wenn es nicht die Seanchaner sind, dann der Schatten.�</p><p>�Ein gutes Argument.� Silviana klang z�gerlich. �Aber wo dann? Caemlyn ist gefallen, und die Grenzlande sind zu gef�hrdet. Tear?�</p><p>�Wohl kaum.� Das war Rands Territorium, und es erschien zu offensichtlich. ��berbringt Elayne einen Vorschlag. Vielleicht w�re die Erste von Mayene bereit, ein passendes Geb�ude zur Verf�gung zu stellen�� ein sehr gro�es.� Egwene strich �ber die Seite ihres Sattels. �Schickt die Aufgenommenen und die Novizinnen zusammen mit den Gelben. Ich will diese Frauen nicht auf dem Schlachtfeld haben, aber ihre Kraft kann f�r das Heilen eingesetzt werden.�</p><p>Mit einer Gelben verkn�pft konnte selbst die schw�chste Novizin wenigstens etwas Kraft weitergeben und Leben retten. Viele w�rden entt�uscht sein; sie rechneten damit, Trollocs t�ten zu k�nnen. Nun, so w�rden sie ihren Beitrag leisten k�nnen, ohne im Weg zu stehen, waren sie doch alle nicht f�r den Kampf ausgebildet.</p><p>Egwene warf einen Blick �ber die Schulter. Die Wegetore w�rden noch lange stehen m�ssen, bevor alle da waren. �Silviana, teilt Elayne Sedai meine Worte mit�, sagte sie dann. �Gawyn, ich m�chte etwas tun.�</p><p>Sie fanden Chubain beim Aufbau eines Befehlslagers in einem Tal westlich des Flusses, der die Grenze zwischen Kandor und Arafel bildete. Sie w�rden in dieses h�gelige Land vorsto�en, um den herankommenden Trollocs auf breiter Front zu begegnen; in den T�lern w�rden Sto�trupps den Feind in Scharm�tzel verwickeln, w�hrend oben auf den H�geln Abteilungen Bogensch�tzen von zus�tzlichen Einheiten gesch�tzt w�rden. Der Plan sah vor, harte Schl�ge gegen die Tiermenschen auszuf�hren und so viel Schaden wie m�glich anzurichten, wenn der Feind dann versuchte, die H�gel zu erobern. Die Sto�trupps konnten die Flanken angreifen, w�hrend die Verteidiger die H�gel so lange hielten, wie ihnen m�glich war.</p><p>Es war ziemlich wahrscheinlich, dass man sie schlie�lich aus diesen H�geln vertreiben und �ber die Grenze nach Arafel dr�ngen w�rde, aber auf den weiten Ebenen von Arafel konnten sie ihre Kavallerie besser einsetzen. Genau wie bei Lan sollte auch ihre Armee den Vorsto� der Trollocs verlangsamen, bis Elayne die Bestien im S�den besiegt hatte. Mit etwas Gl�ck w�rden sie standhalten, bis die Verst�rkung kam.</p><p>Chubain salutierte und f�hrte sie zu einem Zelt, das bereits in der N�he errichtet worden war. Egwene stieg ab und wollte ohne Umschweife eintreten, aber Gawyn legte ihr die Hand auf den Arm. Sie seufzte, nickte und �berlie� ihm den Vortritt.</p><p>Drinnen sa� die Seanchanerin, die Nynaeve als Egeanin vorgestellt hatte, die selbst aber darauf beharrte, Leilwin genannt zu werden, mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden. Drei Mitglieder der Burgwache behielten sie und ihren illianischen Gemahl im Auge.</p><p>Leilwin sah auf, als Egwene eintrat, dann fiel sie augenblicklich auf die Knie und absolvierte eine anmutige Verbeugung, bis die Stirn den Zeltboden ber�hrte. Ihr Gemahl folgte ihrem Beispiel, allerdings betr�chtlich z�gernder. Vielleicht war er einfach ein schlechterer Schauspieler als sie.</p><p>�Raus�, befahl Egwene den drei W�chtern.</p><p>Sie widersprachen nicht, gehorchten aber nur z�gernd. Als k�nnte sie von ihrem Beh�ter unterst�tzt nicht mit zwei Leuten fertigwerden, die beide nicht die Macht lenken konnten. M�nner.</p><p>Gawyn nahm Position an der Zeltseite ein und �berlie� ihr, sich um die beiden Gefangenen zu k�mmern.</p><p>�Nynaeve sagte mir, dass Ihr geringf�gig vertrauensw�rdig seid�, sagte Egwene zu der Seanchanerin. �Ach, setzt Euch auf. Niemand in der Wei�en Burg verneigt sich so tief, nicht einmal die geringsten Diener.�</p><p>Leilwin setzte sich, hielt den Blick aber zu Boden gerichtet. �Ich habe in der mir auferlegten Pflicht schwer versagt, und so habe ich das Muster selbst in Gefahr gebracht.�</p><p>�Ja�, erwiderte Egwene. �Die Armb�nder. Ich wei� Bescheid. W�rde Euch die Gelegenheit gefallen, diese Schuld auszugleichen?�</p><p>Die Frau verbeugte sich wieder, bis ihre Stirn den Boden ber�hrte. Egwene seufzte, aber bevor sie ihr befehlen konnte, sich wieder aufzurichten, ergriff Leilwin das Wort. �Beim Licht und meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt schw�re ich Euch, Amyrlin, Herrscherin der Wei�en Burg, zu dienen und zu besch�tzen. Ich binde mich beim Kristallthron und dem Blut der Kaiserin an Euch, werde jeden Befehl ohne zu z�gern ausf�hren und Euer Leben vor das meine stellen. So soll es unter dem Licht sein.� Sie k�sste den Boden.</p><p>Egwene sah sie erstaunt an. Nur eine Schattenfreundin w�rde so einen Eid verraten. Nat�rlich trennte einen Seanchaner nicht viel von einem Schattenfreund.</p><p>�Ihr glaubt, dass ich nicht gut besch�tzt bin?�, wollte Egwene wissen. �Ihr glaubt, dass ich noch einen Diener brauche?�</p><p>�Ich will nur meine Schuld begleichen�, sagte Leilwin.</p><p>In ihrem Tonfall sp�rte Egwene eine gewisse Steifheit, eine Verbitterung. Das klang nach Ehrlichkeit. Es gefiel dieser Frau �berhaupt nicht, sich auf diese Weise zu dem�tigen.</p><p>Voller Unbehagen verschr�nkte Egwene die Arme. �Was k�nnt Ihr mir �ber das seanchanische Milit�r berichten, seine Organisation und St�rke? Und �ber die Pl�ne der Kaiserin?�</p><p>�Einige Dinge sind mir bekannt, Amyrlin�, sagte Leilwin. �Aber ich war Schiffskapit�n. Ich wei� nur �ber die seanchanische Flotte Bescheid, und das wird Euch wenig n�tzen.�</p><p><emphasis>Nat�rlich,</emphasis> dachte Egwene. Sie warf Gawyn einen Blick zu, der blo� mit den Schultern zuckte.</p><p>�Bitte�, sagte Leilwin leise. �Erlaubt mir, mich Euch irgendwie zu beweisen. Ich nenne nur noch wenig mein Eigen. Selbst mein Name geh�rt mir nicht l�nger.�</p><p>�Zuerst erz�hlt Ihr von den Seanchanern�, sagte Egwene. �Mir ist egal, ob Ihr es f�r irrelevant haltet. Egal was es ist, es k�nnte mir helfen.� Oder es k�nnte Leilwin als L�gnerin entlarven, was genauso n�tzlich w�re. �Gawyn, hole mir einen Stuhl. Ich werde mir anh�ren, was sie zu sagen hat. Danach sehen wir weiter���</p><empty-line/><p>Rand bl�tterte den Stapel aus Karten, Notizen und Berichten durch. Den verst�mmelten Arm auf dem R�cken haltend stand er da; auf dem Tisch brannte eine einsame Lampe. In Glas geh�llt tanzte die Flamme, weil es in dem Zelt, in dem er allein stand, zog.</p><p>Lebte die Flamme? Sie nahm Nahrung zu sich, bewegte sich aus eigenem Antrieb. Man konnte sie ersticken, also atmete sie auf gewisse Weise. Was brauchte es, um zu leben?</p><p>Konnte eine Idee leben?</p><p><emphasis>Eine Welt ohne den Dunklen K�nig. Eine Welt ohne das B�se.</emphasis></p><p>Rand konzentrierte sich wieder auf die Karten. Was er dort sah, beeindruckte ihn. Elayne bereitete sich gut vor. An den Besprechungen hatte er nicht teilgenommen, bei denen jede Schlacht geplant worden war. Seine Aufmerksamkeit galt dem Norden. Dem Shayol Ghul. Seinem Schicksal. Seinem Grab.</p><p>Stets hatte er verabscheut, wie diese Schlachtpl�ne mit ihren Notizen �ber Formationen und Gruppen das Leben vieler M�nner auf ein paar hingekritzelte Buchstaben auf einer Seite reduzierte. Zahlen und Statistiken. Oh, er sah ein, dass f�r einen Schlachtfeldkommandanten Klarheit und Distanz von essenzieller Bedeutung waren. Trotzdem verabscheute er es.</p><p>Hier vor ihm stand eine Flamme, die lebte, aber hier waren auch M�nner, die schon tot waren. Jetzt, da er diesen Krieg nicht pers�nlich anf�hren konnte, hoffte er, sich von solchen Karten fernhalten zu k�nnen. Er wusste, dass ihn der Anblick dieser Vorbereitungen um die Soldaten trauern lassen w�rde, die er nicht retten konnte.</p><p>Pl�tzlich �berfiel ihn eine G�nsehaut; die H�rchen auf seinen Unterarmen stellten sich auf�� ein Fr�steln zwischen Aufregung und Schrecken. Eine Frau lenkte die Macht.</p><p>Rand hob den Kopf und sah Elayne wie erstarrt im Zelteingang stehen. �Licht!�, sagte sie. �Rand! Was machst du hier? Willst du mir einen solchen Schrecken einjagen, dass ich tot umfalle?�</p><p>Er lie� die Finger auf den Schlachtpl�nen ruhen und musterte sie. Also dort stand das wahre Leben. Ger�tete Wangen, blondes Haar mit einem Hauch von Honig und Rosen, Augen, die wie ein Freudenfeuer leuchteten. Ihr blutrotes Kleid zeigte die W�lbung der Kinder, die sie trug. Beim Licht, sie war wundersch�n.</p><p>�Rand al�Thor�, sagte sie. �Wirst du mit mir reden, oder willst du mich weiter angaffen?�</p><p>�Wenn ich dich nicht angaffen kann, wen dann?�</p><p>�Grins mich nicht auf diese Weise an, Bauernjunge�, erwiderte sie. �Sich in mein Zelt zu schleichen? Also wirklich. Was w�rden die Leute sagen?�</p><p>�Sie w�rden sagen, dass ich dich sehen will. Au�erdem habe ich mich nicht hereingeschlichen. Die W�chter lie�en mich passieren.�</p><p>Sie verschr�nkte die Arme. �Sie haben mir kein Wort gesagt.�</p><p>�Ich bat sie darum.�</p><p>�Dann <emphasis>hast</emphasis> du dich reingeschlichen, ganz egal, aus welchem Grund auch immer.� Elayne ging dicht an ihm vorbei. Sie roch gro�artig. �Ehrlich, als w�re Aviendha nicht schon genug���</p><p>�Ich wollte nicht von den regul�ren Truppen gesehen werden�, sagte er. �Ich hatte Angst, dein Lager in Unruhe zu versetzen. Ich bat die W�chter, niemandem zu sagen, dass ich hier bin.� Er legte ihr die Hand auf die Schulter. �Ich musste dich sehen, bevor���</p><p>�Du hast mich in Merrilor gesehen.�</p><p>�Elayne���</p><p>�Es tut mir leid�, sagte sie und drehte sich zu ihm um. �Ich freue mich, dich zu sehen, und ich <emphasis>bin</emphasis> froh, dass du gekommen bist. Ich versuche blo� in meinen Sch�del zu kriegen, welche Rolle du in alldem hier spielst. Welche Rollen <emphasis>wir</emphasis> in alldem hier spielen.�</p><p>�Ich wei� es nicht�, gestand er. �Ich habe es nie ergr�nden k�nnen. Es tut mir leid.�</p><p>Sie seufzte und setzte sich dann auf den Stuhl neben ihrem Tisch. �Vermutlich ist es ja gut, einige Dinge zu finden, die du nicht mit einem Handwedeln regeln kannst.�</p><p>�Es gibt vieles, was ich nicht regeln kann, Elayne.� Er warf einen Blick auf den Tisch und die Karten. �So vieles.�</p><p><emphasis>Denk nicht daran.</emphasis></p><p>Er ging vor ihr auf die Knie, was ihm eine erhobene Braue einbrachte, bis er seine Hand auf ihren Bauch legte�� zuerst nur z�gernd. �Ich wusste es nicht�, sagte er. �Erst k�rzlich habe ich es erfahren, in der Nacht vor der Zusammenkunft. Man spricht von Zwillingen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Also wird Tam Gro�vater�, fuhr er fort. �Und ich werde���</p><p>Wie sollte ein Mann auf diese Neuigkeit reagieren? Sollte es ihn ersch�ttern? In seinem Leben hatte er so manche �berraschung erlebt. Bisweilen hatte es den Anschein, als k�nnte er keine zwei Schritte mehr machen, ohne dass sich seine Welt ver�nderte.</p><p>Aber das hier�� das war keine �berraschung. Tief in seinem Inneren hatte er gehofft, eines Tages Vater sein zu k�nnen. Es war passiert. Das gab ihm W�rme. Selbst wenn so viele Dinge auf der Welt schiefgelaufen waren, eine Sache verlief so, wie sie sollte.</p><p>Kinder. <emphasis>Seine</emphasis> Kinder. Er schloss die Augen, atmete ein und genoss den Gedanken.</p><p>Er w�rde sie niemals kennenlernen. Er w�rde sie vaterlos zur�cklassen, bevor sie �berhaupt zur Welt kamen. Andererseits hatte Janduin ihn ebenfalls vaterlos zur�ckgelassen�� und er war eigentlich ganz gut geraten. Blo� ein paar grobe Kanten hier und da.</p><p>�Wie willst du sie nennen?�, fragte er.</p><p>�Wenn ein Junge dabei ist, habe ich daran gedacht, ihn Rand zu nennen.�</p><p>Rand erstarrte, als er ihren Bauch ber�hrte. War da eine Bewegung gewesen? Ein Tritt?</p><p>�Nein�, sagte er leise. �Bitte nenne die Kinder nicht nach mir, Elayne. Lass sie ihr eigenes Leben leben. Mein Schatten wird auch so schon lang genug sein.�</p><p>�Nun gut.�</p><p>Er schaute nach oben, um ihren Blick zu erwidern, und entdeckte, dass sie voller Zuneigung l�chelte. Sie legte eine sanfte Hand auf seine Wange. �Du wirst einen pr�chtigen Vater abgeben.�</p><p>�Elayne���</p><p>�Kein Wort davon�, sagte sie und hob einen Finger. �Nichts �ber Tod oder Pflicht.�</p><p>�Wir k�nnen nicht ignorieren, was passieren wird.�</p><p>�Wir m�ssen aber auch nicht darauf herumreiten�, sagte sie. �So vieles habe ich dir dar�ber beigebracht, wie man ein Monarch ist. Anscheinend habe ich eine Lektion vergessen. Es ist v�llig in Ordnung, f�r die schlimmste aller M�glichkeiten vorzusorgen, aber man muss sich nicht darauf fixieren. Eine K�nigin muss vor allem Hoffnung haben.�</p><p>�Ich habe Hoffnung�, sagte Rand. �Ich hoffe f�r die Welt, f�r dich, f�r jeden, der k�mpfen muss. Das �ndert aber nichts an der Tatsache, dass ich meinen Tod akzeptiert habe.�</p><p>�Genug davon. Reden wir nicht mehr davon. Heute Abend werde ich in aller Ruhe mit dem Mann zu Abend essen, den ich liebe.�</p><p>Rand seufzte, stand aber auf und setzte sich auf den Stuhl neben ihr, w�hrend sie den W�chtern am Zelteingang zurief, ihr Essen zu bringen.</p><p>�K�nnen wir dann zumindest �ber die Taktik sprechen?�, fragte er. �Ich bin ehrlich beeindruckt von dem, was du hier geleistet hast. Ich glaube nicht, dass ich das h�tte besser machen k�nnen.�</p><p>�Die Gro�en Hauptm�nner haben das meiste erledigt.�</p><p>�Ich habe deine Anmerkungen gesehen. Bashere und die anderen sind gro�artige Gener�le, auf ihre Weise sogar Genies, aber sie denken blo� an die Schlachten, f�r die sie zust�ndig sind. Jemand muss sie koordinieren, und du machst das wunderbar. Du hast ein Gesp�r daf�r.�</p><p>�Nein, das habe ich nicht�, erwiderte Elayne. �Aber ich habe mein Leben als die Tochter-Erbin von Andor verbracht, die f�r drohende Kriege ausgebildet wurde. Du kannst General Bryne und meiner Mutter f�r das danken, was du in mir siehst. Hast du irgendetwas gefunden, das du �ndern w�rdest?�</p><p>�Zwischen Caemlyn und dem Braemwald, wo du den Schatten in einen Hinterhalt locken willst, liegen mehr als hundertf�nfzig Meilen�, meinte Rand. �Das ist riskant. Und wenn deine Streitkr�fte �berrannt werden, bevor sie den Wald erreichen?�</p><p>�Alles h�ngt davon ab, dass sie die Trollocs im Wald schlagen. Unsere Sto�trupps, die sie bedr�ngen werden, werden die st�rksten und schnellsten Pferde benutzen, die wir haben. Es wird ein schreckliches Rennen, keine Frage, und die Pferde werden dem Tod nahe sein, wenn sie den Wald erreichen. Aber wir hoffen, dass auch die Trollocs ersch�pft sind, was unsere Aufgabe erleichtern sollte.�</p><p>Sie unterhielten sich �ber die Taktik, und der Abend wurde zur Nacht. Diener brachten das Essen, Br�he und Wildeber. Rand hatte seine Anwesenheit im Lager nicht ank�ndigen wollen, aber daran lie� sich nun, da es die Diener wussten, nichts mehr �ndern.</p><p>Er a� und lie� sich in Elaynes Unterhaltung hineinziehen. Welches Schlachtfeld schwebte in der gr��ten Gefahr? Welchen der Gro�en Hauptm�nner sollte sie bevorzugen, falls sie nicht einer Meinung waren, was oft geschah? Wie w�rde das alles mit Rands Armee zusammenspielen, die noch immer auf den richtigen Augenblick f�r den Angriff auf Shayol Ghul wartete?</p><p>Die Unterhaltung erinnerte ihn an ihre gemeinsame Zeit in Tear, wo sie zwischen Lektionen in Politik K�sse geraubt hatten. In diesen Tagen hatte sich Rand in sie verliebt. Richtig verliebt. Nicht die Bewunderung eines Jungen, der von einer Mauer fiel und eine Prinzessin anschaute�� damals hatte er genauso viel von Liebe verstanden wie ein mit einem Schwert herumfuchtelnder Bauernjunge vom Krieg.</p><p>Ihre Liebe wurde aus den Dingen geboren, die sie teilten. Mit Elayne konnte er �ber Politik und die Last der Herrschaft sprechen. Sie verstand. Das tat sie wirklich, besser als sonst jemand, den er kannte. Sie wusste, was es bedeutete, Entscheidungen zu treffen, die das Leben Tausender ver�nderte. Sie verstand, was es hie�, das Eigentum der Menschen einer ganzen Nation zu sein. Rand fand es bemerkenswert, dass ihre Verbindung hielt, obwohl sie so oft voneinander getrennt waren. Tats�chlich f�hlte sie sich sogar st�rker an. Jetzt, da Elayne die K�nigin war, jetzt, da sie die Kinder teilten, die in ihr heranwuchsen.</p><p>�Du bist zusammengezuckt�, sagte Elayne.</p><p>Rand sah von seiner Br�he auf. Elayne war mit ihrer Mahlzeit so gut wie fertig. Dabei hatte er sie zur Unterhaltung angeregt. Aber sie hielt bereits eine warme Tasse mit Tee in H�nden.</p><p>�Was?�</p><p>�Du bist zusammengezuckt. Als ich die Kontingente erw�hnte, die f�r Andor k�mpfen, bist du zusammengezuckt. Jedenfalls ein bisschen.�</p><p>Es war keine �berraschung, dass sie es bemerkt hatte. Immerhin war sie es gewesen, die ihm beigebracht hatte, nach winzigen Ver�nderungen in den Mienen derjenigen Ausschau zu halten, mit denen er sprach.</p><p>�All diese Menschen, die in meinem Namen k�mpfen. So viele Menschen, die ich nicht einmal kenne, werden f�r mich sterben.�</p><p>�Diese Last tr�gt jeder Herrscher im Krieg.�</p><p>�Ich sollte sie besch�tzen k�nnen.�</p><p>�Wenn du glaubst, du k�nntest jeden besch�tzen, Rand al�Thor, dann bist du wirklich nicht so weise, wie du zu sein glaubst.�</p><p>Er erwiderte ihren Blick. �Ich glaube nicht, dass ich das kann, aber ihr Tod belastet mich. Ich habe das Gef�hl, ich sollte mehr tun k�nnen, vor allem jetzt, da ich mich an alles erinnere. Er hat versucht, mich zu brechen, und ist gescheitert.�</p><p>�Ist das an jenem Tag oben auf dem Drachenberg geschehen?�</p><p>Noch nie hatte er mit jemandem dar�ber gesprochen. Er r�ckte den Stuhl n�her an sie heran. �Dort oben erkannte ich, dass ich viel zu sehr �ber St�rke nachgedacht habe. Ich wollte <emphasis>hart</emphasis> sein, so hart. Als ich mich antrieb, so zu sein, riskierte ich dabei, jegliches Mitgef�hl zu verlieren. Das war falsch. Damit ich siegen kann, <emphasis>muss</emphasis> ich mit anderen mitf�hlen k�nnen. Leider bedeutet das, dass ich zulassen muss, �ber ihren Tod Trauer zu empfinden.�</p><p>�Und jetzt erinnerst du dich an Lews Therin?�, fl�sterte sie. �An alles, was er wusste? Du tust nicht nur so?�</p><p>�Ich bin er. Das war ich immer. Daran erinnere ich mich jetzt.�</p><p>Elaynes Augen weiteten sich, und sie atmete aus. �Was f�r ein <emphasis>Vorteil</emphasis>.�</p><p>Allein sie konnte so darauf reagieren. Eine wunderbare Frau.</p><p>�Mir steht sein ganzes Wissen zur Verf�gung, aber es sagt mir nicht, was ich tun soll.� Er stand auf und ging umher. �Ich <emphasis>sollte</emphasis> es in Ordnung bringen k�nnen, Elayne. Niemand sollte mehr f�r mich sterben m�ssen. Das ist mein Kampf. Warum muss jeder andere so viel Leid ertragen?�</p><p>�Du verweigerst uns das Recht zu k�mpfen?� Pl�tzlich sa� sie ganz aufrecht da.</p><p>�Nein, nat�rlich nicht�, erwiderte Rand. �Dir k�nnte ich nichts verweigern. Ich w�nschte nur, dass ich irgendwie�� irgendwie dem allen ein Ende bereiten k�nnte. M�sste mein Opfer denn nicht ausreichen?�</p><p>Sie stand auf, nahm seinen Arm. Er drehte sich ihr zu.</p><p>Dann k�sste sie ihn.</p><p>�Ich liebe dich�, sagte sie. �Du <emphasis>bist</emphasis> ein K�nig. Aber wenn du versuchen w�rdest, den guten Menschen von Andor das Recht zur Selbstverteidigung zu verweigern, das Recht, sich in der Letzten Schlacht zu wehren��� Ihre Augen blitzten, ihre Wangen r�teten sich. Licht! Seine Bemerkungen hatten sie wirklich w�tend gemacht.</p><p>Er wusste nie genau, was sie sagen oder tun w�rde, und das fand er aufregend. So wie es aufregend war, explodierenden Nachtblumen zuzuschauen; man wusste, dass es wundersch�n werden w�rde, aber man vermochte nie vorherzusagen, welche Gestalt diese Sch�nheit annehmen w�rde.</p><p>�Ich sagte, ich w�rde euch niemals das Recht zu k�mpfen verweigern!�</p><p>�Es geht dabei um mehr als nur um mich, Rand. Es geht um jeden. Verstehst du das?�</p><p>�Ich sch�tze schon.�</p><p>�Gut.� Elayne setzte sich wieder und nahm einen Schluck Tee, dann verzog sie das Gesicht.</p><p>�Ist er verdorben?�</p><p>�Ja, aber ich bin daran gew�hnt. Trotzdem ist es fast noch schlimmer, als gar nichts zu trinken, so verdorben ist alles.�</p><p>Rand nahm ihr die Tasse aus der Hand. Er hielt sie einen Moment, lenkte aber nicht die Macht. �Ich habe dir etwas mitgebracht. Ich verga� es zu erw�hnen.�</p><p>�Tee?�</p><p>�Nein, das ist nur eine Nebenwirkung.� Er gab ihr die Tasse zur�ck, und sie probierte vorsichtig.</p><p>Und riss die Augen auf. �Das ist ja <emphasis>gro�artig</emphasis>! Wie machst du das?�</p><p>�Gar nicht�, sagte Rand und setzte sich. �Das tut das Muster.�</p><p>�Aber���</p><p>�Ich bin ein <emphasis>Ta�veren</emphasis>. In meiner N�he geschehen Dinge, unberechenbare Dinge. Lange Zeit gab es ein Gleichgewicht. In einer Stadt findet jemand einen unerwarteten Schatz unter der Treppe. In der n�chsten, die ich besuchte, entdeckten Leute dann, dass ihre M�nzen gef�lscht sind und das Werk eines geschickten Falschm�nzers waren.</p><p>Menschen starben auf schreckliche Weise; andere rettete ein zuf�lliges Wunder. Todesf�lle und Geburten. Eheschlie�ungen und Scheidungen. Einmal konnte ich beobachten, wie eine Feder vom Himmel schwebte und mit dem Kiel im Schlamm stecken blieb, um dort aufrecht zu stehen. Die n�chsten zehn taten genau das Gleiche. Es geschah alles zuf�llig. Zwei Seiten einer geworfenen M�nze.�</p><p>�Dieser Tee ist kein Zufall.�</p><p>�Doch, ist er. Aber wei�t du, im Moment erhalte ich blo� die eine Seite der M�nze. Jemand anders tut das Schlechte. Der Dunkle K�nig bringt Schrecken in die Welt, verursacht Tod, B�ses, Wahnsinn. Aber das Muster�� das Muster ist Gleichgewicht. So wirkt es durch mich, um die andere Seite zu pr�sentieren. Je schwerer der Dunkle K�nig arbeitet, umso m�chtiger wirkt der Effekt in meiner N�he.�</p><p>�Das wachsende Gras�, sagte Elayne. �Die aufrei�ende Wolkendecke. Die Nahrung wird wieder genie�bar���</p><p>�Ja.� Nun, gelegentlich halfen auch ein paar Tricks, aber die erw�hnte er nicht. In der Tasche suchte er nach einem kleinen Beutel.</p><p>�Wenn das stimmt, was du sagtest, dann kann es in der Welt niemals Gutes geben.�</p><p>�Aber nat�rlich kann es das.�</p><p>�Wird das Muster es nicht ausgleichen, um des Gleichgewichts willen?�</p><p>Er z�gerte. Diese Argumentation hatte viel zu gro�e �hnlichkeit mit der Einstellung, die er vor dem Drachenberg langsam kultiviert hatte�� dass er keine anderen M�glichkeiten hatte, dass sein Leben vorherbestimmt war. �Solange wir uns um andere bem�hen�, sagte er, �kann es das Gute geben. Beim Muster geht es nicht um Gef�hle�� nicht einmal um Gut oder B�se. Der Dunkle K�nig ist eine Macht, die von au�erhalb kommt, die es gewaltsam beeinflusst.�</p><p>Und er w�rde dem ein Ende bereiten. Wenn er konnte.</p><p>�Hier�, sagte er. �Das Geschenk, das ich erw�hnte.� Er schob ihr den Beutel entgegen.</p><p>Neugierig sah sie Rand an. Sie knotete den Beutel auf und entnahm ihm eine Frauenstatuette. Sie stand aufrecht und hatte eine Stola um die Schultern gelegt, aber sie sah nicht wie eine Aes Sedai aus. Das Gesicht war das einer Erwachsenen; gealtert und weise l�chelte sie.</p><p>�Ein <emphasis>Angreal</emphasis>?�</p><p>�Nein, ein Samenkorn.�</p><p>�Ein�� Samenkorn?�</p><p>�Du hast das Talent, <emphasis>Ter�angreale</emphasis> zu erschaffen�, sagte Rand. �<emphasis>Angreale</emphasis> zu erschaffen ben�tigt aber einen anderen Prozess. Er beginnt mit einem von diesen hier, ein Objekt, das dazu erschaffen wurde, deine Macht aufzunehmen und sie in etwas anderem zu verankern. Das braucht seine Zeit und wird dich mehrere Monate lang schw�chen, also solltest du es nicht versuchen, solange wir im Krieg sind. Aber als ich es fand, v�llig in Vergessenheit geraten, musste ich an dich denken. Ich hatte mich gefragt, was ich dir geben sollte.�</p><p>�Oh, Rand, ich habe auch etwas f�r dich.� Sie eilte zu einem elfenbeinernen Schmuckk�stchen, das auf einem Lagertischchen stand, und holte einen Gegenstand heraus. Es war ein Dolch mit einer kurzen stumpfen Klinge und einem Griff aus Hirschhorn, der mit Golddraht umwickelt war.</p><p>Rand sah den Dolch fragend an. �Versteh mich nicht falsch, aber das sieht nach einer schlechten Waffe aus, Elayne.�</p><p>�Es ist ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis>, das dir am Shayol Ghul n�tzlich sein k�nnte. Damit kann dich der Schatten nicht sehen.� Sie legte die Hand an seine Wange.</p><p>Er hielt sie.</p><p>Bis sp�t in die Nacht blieben sie zusammen.</p></section><section><title><p>10</p><p>Drachen im Einsatz</p></title><p>Perrin ritt Steher, und hinter ihm donnerten Hufe, leichte Kavallerie aus Elaynes Streitkr�ften: Wei�m�ntel, Mayener, Ghealdaner und ein paar Leute von der Bande der Roten Hand. Nur ein Bruchteil ihrer Heere. Darum ging es hier.</p><p>Sie ritten seitlich an den vor Caemlyn lagernden Trollocs vorbei. Die Stadt qualmte noch immer; Elaynes Plan mit dem �l hatte die Kreaturen gr��tenteils hinausgetrieben, aber noch immer hielten einige von ihnen die Mauern.</p><p>�Bogensch�tzen�, rief Arganda, �Feuer!� Seine Stimme w�rde sich gr��tenteils im Donnern des Sturmangriffs, dem Schnauben der Pferde und dem Galopp der Hufe verlieren. Trotzdem w�rden genug den Befehl mitbekommen, und der Rest wusste ohnehin, was zu tun war.</p><p>Perrin beugte sich vor und hoffte, dass sein Hammer bei diesem Scharm�tzel nicht gebraucht werden w�rde. Sie rasten an den Trollocs vorbei und schossen ihre Pfeile ab, dann wandten sie sich von der Stadt ab.</p><p>Perrin warf einen Blick �ber die Schulter und wurde mit dem Anblick sterbender Trollocs belohnt. Die Bande folgte Perrins Kavallerie und kam nahe genug heran, um Pfeile abzuschie�en.</p><p>Nun flogen Trolloc-Pfeile durch die Luft�� schwarz und dick erinnerten sie beinahe schon an Speere und wurden von gewaltigen Bogen abgeschossen. Ein paar von Perrins Reitern st�rzten zu Boden, aber sein Angriff war schnell gewesen.</p><p>Die Bestien verlie�en ihre Position vor den Stadtmauern nicht. Die Reiter wurden langsamer. Arganda setzte sich an Perrins Seite und schaute dabei �ber die Schulter.</p><p>�Sie greifen immer noch nicht an�, sagte er.</p><p>�Dann schlagen wir so lange auf sie ein�, erwiderte Perrin, �bis sie die Geduld verlieren.�</p><empty-line/><p>�Unsere Angriffe werden fortgesetzt, Euer Majest�t�, sagte der Bote, der durch ein von Kusinen erschaffenes Wegetor zu der Stelle im Wald kam, an der Elayne ihr Lager aufgeschlagen hatte. �Lord Goldauge schickt seine Gr��e, falls n�tig machen sie den ganzen Tag damit weiter.�</p><p>Sie nickte, und der Bote kehrte wieder um. Der Braemwald schlummerte; die B�ume waren so kahl, als st�nde der Winter unmittelbar bevor. �Botschaften zu �bermitteln erfordert viel zu viel M�he�, sagte Elayne unzufrieden. �Ich w�nschte, wir k�nnten diese <emphasis>Ter�angreale</emphasis> zum Funktionieren bringen; Aviendha sagt, dass eines davon einen �ber gro�e Entfernungen sehen l�sst und mit dem anderen kann man sprechen. Aber von W�nschen kann man sich nichts kaufen, wie Lini zu sagen pflegt. Trotzdem, k�nnte ich den Kampf doch nur selbst sehen���</p><p>Birgitte sagte nichts. Die blonde Beh�terin gab durch nichts zu verstehen, dass sie die Bemerkung mitbekommen hatte.</p><p>�Schlie�lich kann ich mich selbst verteidigen, wie ich schon bereits bei einigen Gelegenheiten bewiesen habe�, fuhr Elayne fort.</p><p>Keine Reaktion. Die beiden Pferde gingen leise nebeneinander, auf dem weichen Boden machten die Hufe kaum einen Laut. Die �Zelte� der Soldaten bestanden aus Planen, die man �ber zwischen B�ume gespannte Seile gelegt hatte. Die einzigen Reisem�bel, die sie mitgenommen hatten, waren Elaynes Pavillon und der Befehlspavillon. Eine Gruppe Kusinen hielt sich stets f�r Wegetore bereit, um sie und ihre Befehlshaber tiefer in den Wald hineinzuschaffen.</p><p>Der gr��te Teil ihrer Streitkr�fte wartete so angespannt wie eine Bogensehne, in die man bereits einen Pfeil eingehakt hatte. Aber sie w�rde die Trollocs auf keinen Fall zu ihren Bedingungen angreifen. Den Berichten zufolge besetzten einige F�uste noch immer die Stadtmauern, und ein direkter Angriff w�rde eine Katastrophe sein, wenn sie von oben den Tod herabregnen lie�en.</p><p>Sie w�rde sie herauslocken. Und wenn dazu Geduld erforderlich war, dann sollte es eben so sein. �Ich habe mich entschieden�, sagte sie zu Birgitte. �Ich springe rasch durch ein Wegetor, um einen kurzen Blick auf das Trolloc-Heer zu werfen. Aus sicherer Entfernung. Ich k�nnte���</p><p>Birgitte griff unter ihr Hemd und holte ihr Fuchskopf-Medaillon hervor, eine der drei mangelhaften Kopien, die Elayne hatte anfertigen k�nnen. Mat hatte das Original und eine Kopie, Mellar war mit der anderen Kopie entkommen.</p><p>�Wenn du das auch nur versuchst�, sagte Birgitte mit stur nach vorn gerichtetem Blick, �dann <emphasis>werfe</emphasis> ich dich �ber meine verdammte Schulter, so wie es ein Besoffener mit einer Schenkmaid an einem feuchtfr�hlichen Tavernenabend machen w�rde, und schleppe dich zur�ck ins Lager. Das Licht steh mir bei, ich tue es, Elayne.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. �Warum habe ich dir noch mal eines dieser Medaillons gegeben?�</p><p>�Da bin ich mir nicht sicher�, erwiderte Birgitte. �Es zeigte erstaunliche Voraussicht und ein echtes Gesp�r f�r Selbsterhaltung. Sah dir so gar nicht �hnlich.�</p><p>�Das finde ich wirklich nicht fair, Birgitte.�</p><p>�Ich wei�! Es ist sogar <emphasis>au�erordentlich</emphasis> unfair, dass ich es mit dir zu tun habe. Schon lange habe ich mich gefragt, ob du das irgendwann einmal einsiehst. Sind alle jungen Aes Sedai so leichtsinnig wie du, oder bekam ich blo� den Hauptgewinn dieses Wurfes?�</p><p>�H�r auf zu jammern�, murmelte Elayne und behielt ihr L�cheln aufrecht f�r jeden der im Vorbeigehen salutierenden M�nner. �Langsam w�nsche ich mir, ich h�tte einen der in der Burg ausgebildeten Beh�ter genommen. Dann m�sste ich mir wenigstens nicht immer wieder den gleichen Mist anh�ren.�</p><p>Birgitte lachte. �Ich glaube, du verstehst Beh�ter nicht einmal halb so gut, wie du glaubst.�</p><p>Elayne lie� das Thema fallen, als sie am Reisegel�nde vorbeikamen, wo Sumeko und andere Kusinen Boten vom Schlachtfeld hin und her transportierten. Bis jetzt hatte der mit ihnen abgeschlossene Vertrag gehalten.</p><p>In ihrer Tasche steckte Egwenes ��und damit der Amyrlin�� offizielle Antwort zu den Kusinen und wie Elayne mit ihnen verfahren war. Sie vermochte f�rmlich, die von diesen Zeilen ausgehende Hitze zu sp�ren, aber sie verbarg sich hinter sorgf�ltig formulierten Worten und der �bereinkunft, dass das jetzt nicht der Augenblick war, um sich wegen solcher Dinge den Kopf zu zerbrechen.</p><p>Elayne w�rde hier noch einige �berzeugungsarbeit leisten m�ssen. Irgendwann w�rde Egwene einsehen, warum es vern�nftig war, die Kusinen in Andor unter ihrer Aufsicht arbeiten zu lassen. Ein St�ck hinter dem Reisegel�nde fiel ihr Blick auf einen m�de aussehenden Shienarer, der von einem der M�nner von den Zwei Fl�ssen einen Wasserschlauch entgegennahm. Der Mann mit dem Haarknoten trug eine Augenklappe und sah bekannt aus.</p><p>�Uno?�, fragte Elayne ungl�ubig und z�gelte Mondschatten.</p><p>Er zuckte zusammen und h�tte beinahe Wasser �ber sich gesch�ttet. �Elayne?�, fragte er und wischte sich mit dem �rmel �ber die Stirn. �Ich hatte geh�rt, dass Ihr jetzt die verdammte�� jetzt die K�nigin seid. Vermutlich war das wohl unausweichlich, seid Ihr doch die lichtverfluchte Tochter-Erbin. Entschuldigung. Die Tochter-Erbin. Nicht lichtverflucht.� Der Shienarer verzog das Gesicht.</p><p>�Ihr k�nnt so viel fluchen, wie Ihr wollt, Uno�, sagte Elayne trocken. �Nynaeve ist nicht in der N�he. Was macht Ihr hier?�</p><p>�Die Amyrlin�, erwiderte er. �Sie wollte verdammt noch mal einen Boten, und ausgerechnet ich wurde ausgesucht. Euren Befehlshabern habe ich bereits Egwenes verfluchten Bericht �bermittelt, was das auch immer nutzen soll. Wir haben unsere Kampfpositionen eingenommen und angefangen, uns in Kandor umzusehen, und es ist einfach nur ein lichtverfluchter Schlamassel. Wollt Ihr Einzelheiten h�ren?�</p><p>Elayne l�chelte. �Meine Befehlshaber werden mir schon Bericht erstatten, Uno. Ruht Euch aus und nehmt verdammt noch mal ein Bad, Ihr Sohn eines Sch�ferfurunkels.�</p><p>Die Bemerkung lie� Uno seinen n�chsten Schluck Wasser ausspucken. Elayne l�chelte. Den letzten Fluch hatte sie erst am Vortag von einem Soldaten geh�rt und konnte sich immer noch nicht erkl�ren, was daran so schlimm sein sollte. Jedenfalls hatte er die richtige Wirkung.</p><p>�Ich�� f�r mich gibt es kein verdammtes Bad�, sagte Uno. ��h, Euer Majest�t. Ich hatte meine f�nf Minuten Pause. Die Trollocs k�nnten bald im verfluchten Kandor angreifen, und ich lasse auf keinen Fall zu, dass die anderen ohne mich mit dem Kampf anfangen.� Er salutierte und verneigte sich, bevor er zur�ck zum Reisegel�nde eilte.</p><p>�Schade�, bemerkte Birgitte, �er war ein guter Saufkumpan. Es h�tte mir gefallen, wenn er noch eine Weile geblieben w�re.� Der Bund verriet Elayne einen anderen Grund, als ihre Beh�terin Unos Kehrseite betrachtete.</p><p>Elayne err�tete. �Daf�r ist im Moment keine Zeit. F�r keines von beiden.�</p><p>�Ich schaue doch blo߫, erwiderte Birgitte unschuldig. �Ich sch�tze, wir sollten uns die Berichte der anderen Schlachtfelder anh�ren.�</p><p>�Das sollten wir�, sagte Elayne fest entschlossen.</p><p>Birgitte brachte ihre Ver�rgerung nicht zum Ausdruck, aber Elayne konnte sie f�hlen. Manchmal hasste es ihre Beh�terin, eine Schlacht zu planen, was sie bei einer Frau, die in Tausenden von Schlachten gek�mpft hatte, einer Heldin, die w�hrend einiger der gr��ten Augenblicke der Geschichte zahllose Leben gerettet hatte, eigentlich eher merkw�rdig fand.</p><p>Sie kamen zum Befehlspavillon. Dort besprach sich Bashere mit mehreren der Kommandanten: Abell Cauthon, Gallenne und Trom, der stellvertretende Kommandant der Wei�m�ntel. Galad war wie Perrin bei der Truppe vor Caemlyn. Elayne fand Trom �berraschend sympathisch�� jedenfalls weitaus mehr als Galad selbst.</p><p>�Und?�, fragte sie.</p><p>�Euer Majest�t.� Trom verbeugte sich. Ihm gefiel es gar nicht, dass sie eine Aes Sedai war, aber er verbarg es gut. Die anderen Anwesenden salutierten, obwohl es Bashere lediglich bei einem freundlichen Winken belie� und dann auf ihre Karten zeigte.</p><p>�Die Berichte von allen Fronten sind da�, sagte er. �Fl�chtlinge aus Kandor eilen zur Amyrlin und ihren Soldaten, und es sind auch eine Menge K�mpfer dabei. Gr��tenteils Haussoldaten oder Kaufmannsw�chter. Lord Ituraldes Truppen warten noch immer auf den Lord Drachen, bevor sie zum Shayol Ghul ausr�cken k�nnen.� Bashere knetete den Schnurrbart mit dem Finger. �Sobald sie in diesem Tal sind, ist jeder R�ckzug unm�glich.�</p><p>�Und die Armee der Grenzl�nder?�</p><p>�H�lt die Stellung.� Bashere zeigte auf eine andere Karte, die Shienar darstellte. Fl�chtig fragte sich Elayne, ob Uno wohl lieber mit dem Rest seiner Landsleute am Pass gek�mpft h�tte. �Die letzten Boten berichteten, dass sie f�rchten, �berrannt zu werden, und einen geordneten R�ckzug in Betracht ziehen w�rden.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. �Stehen die Dinge dort so schlimm? Eigentlich sollten sie aushalten, bis ich die Trollocs in Andor erledigt habe und mich mit ihnen vereinige. Das war der Plan.�</p><p>�Das war er�, stimmte Bashere ihr zu.</p><p>�Ihr werdet mir jetzt erkl�ren, dass im Krieg ein Plan nur so lange Bestand hat, bis das erste Schwert gezogen ist�, sagte Elayne. �Oder war es der erste Pfeil, der abgeschossen wird?�</p><p>�Die erste Lanze gehoben wird�, murmelte Bashere kaum h�rbar.</p><p>�Das alles ist mir durchaus klar�, sagte Elayne und stach mit dem Finger in Richtung Karte. �Aber ich wei� auch, dass Lord Agelmar als General gut genug ist, um eine Horde Trollocs in Schach zu halten, vor allem mit den Heeren der Grenzl�nder im R�cken.�</p><p>�Im Moment halten sie die Stellung�, sagte Bashere. �Trotzdem werden sie stark bedr�ngt�. Er hob die Hand, um ihren Einspruch zu verhindern. �Ich wei�, dass Euch ein R�ckzug Sorge bereitet, aber ich rate Euch, versucht nicht, Agelmar zu �berstimmen. Er hat seinen Ruf als Gro�er Hauptmann verdient, und er ist vor Ort, w�hrend wir weit weg sind. Er wird wissen, was zu tun ist.�</p><p>Sie holte tief Luft. �Ja. Ihr habt recht. Seht, ob Egwene ihm zus�tzliche M�nner schicken kann. In der Zwischenzeit m�ssen <emphasis>wir</emphasis> unsere Schlacht hier schnell gewinnen.� An vier Fronten gleichzeitig zu k�mpfen w�rde ihre Ressourcen in kurzer Zeit ersch�pfen.</p><p>Sie konnten nicht nur auf vertrautem Terrain k�mpfen, sondern hatten auch die besten Chancen. Wenn die anderen Armeen standhalten konnten, w�hrend sie die Trollocs in Andor vernichtete, konnte sie sich Lan und Agelmar anschlie�en und aus dem Unentschieden im Pass einen Sieg machen. Egwene hatte m�glicherweise auch eine Chance, aber das kam darauf an, was ihr der Schatten entgegenschleudern w�rde. Elayne wollte es gar nicht wissen.</p><p>�Die Trollocs m�ssen uns unbedingt angreifen�, sagte sie. �Jetzt sofort.�</p><p>Bashere nickte.</p><p>�Verst�rkt die st�ndigen Angriffe�, sagte sie. �Trefft sie mit einer Pfeilsalve nach der anderen. Macht ihnen klar, dass wir sie ganz langsam und best�ndig ausmerzen, wenn sie nicht angreifen.�</p><p>�Und wenn sie sich einfach in die Stadt zur�ckziehen?�, fragte Trom. �Die Br�nde verl�schen.�</p><p>�Dann setzen wir die Drachen ein und fangen an, Caemlyn dem Erdboden gleichzumachen, ob es uns gef�llt oder nicht. Wir k�nnen nicht l�nger warten.�</p><empty-line/><p>Androl k�mpfte gegen den Schlaf an. Sie hatten ihm etwas zu trinken gegeben�� Es machte ihn schl�frig. Wozu war das gedacht gewesen?</p><p><emphasis>Es muss etwas mit dem Machtlenken zu tun haben,</emphasis> dachte er benommen. Die Eine Macht blieb ihm verwehrt, obwohl es keine Abschirmung mehr gab. Was f�r ein Getr�nk konnte einem Mann das nur antun?</p><p>Der arme Emarin lag gefesselt da und schluchzte. Sie hatten ihn noch nicht Umdrehen k�nnen, aber jede Stunde schien er sich dem Augenblick zu n�hern, an dem sein Wille zerbrach. Androl wand sich und verrenkte den Kopf. Die dreizehn M�nner, die Taim f�r die Umwandlung benutzte, konnte er in dem dunklen Raum kaum ausmachen. Sie sa�en zusammengesunken um einen Tisch. Sie waren ersch�pft.</p><p>Androl erinnerte sich�� Taim hatte am Vortag herumgebr�llt. Er hatte die M�nner beschimpft, behauptet, dass ihre Arbeit zu lange dauerte. F�r die ersten M�nner und Frauen, die sie Umgedreht hatten, hatten sie viel Kraft aufbringen m�ssen, und jetzt fiel es ihnen offensichtlich bedeutend schwerer.</p><p>Pevara schlief. Der Tee hatte ihr das Bewusstsein geraubt. Danach hatte man das Gebr�u auch ihm gegeben, aber es war wie ein nachtr�glicher Einfall erschienen. Meistens schienen sie nicht einmal an ihn zu denken. Tats�chlich war Taim w�tend gewesen, als er herausgefunden hatte, dass seine Gefolgsleute Pevara den Tee verabreicht hatten. Anscheinend wollte er sie als N�chste Umdrehen, aber der Prozess erforderte, dass das Opfer die Macht lenken konnte.</p><p>�Lasst mich los!�</p><p>Die neue Stimme lie� Androl sich noch mehr verrenken. Abors und Mishraile zerrten jemanden durch die T�r, eine kleine Frau mit kupferfarbener Haut. Toveine, eine der Aes Sedai, mit denen Logain den Beh�terbund eingegangen war.</p><p>In der N�he regte sich Logain�� seine Augen waren geschlossen, und er sah aus, als w�re er gleich von einer ganzen Horde w�tender M�nner zusammengeschlagen worden.</p><p>�Was tut ihr da!�, verlangte Toveine zu wissen. �Licht! Ich��� Sie verstummte wie abgeschnitten, als Abors ihr einen Knebel in den Mund stopfte. Der Mann mit den dicken Augenbrauen war freiwillig zu Taim gegangen, lange bevor sie mit dem Umdrehen begonnen hatten.</p><p>Noch immer benommen versuchte Androl, die H�nde von den Fesseln zu befreien. Sie sa�en jetzt viel fester. Richtig. Evin hatte sie ja �berpr�ft und neu gebunden.</p><p>Er f�hlte sich so hilflos. Nutzlos. Er hasste dieses Gef�hl. Wenn er sein Leben einer Sache gewidmet hatte, dann niemals nutzlos zu sein. Immer etwas �ber die Situation zu wissen.</p><p>�Dreht sie als N�chste um�, befahl Taims Stimme.</p><p>Androl verrenkte sich den Kopf. Taim sa� am Tisch. Er war gern bei der Prozedur dabei, aber f�r Toveine hatte er keinen Blick �brig. Er hielt etwas in den H�nden. Irgendeine Scheibe��</p><p>Pl�tzlich stand er auf und schob den Gegenstand in die G�rteltasche. �Die anderen beklagen sich, das viele Umdrehen h�tte sie so ersch�pft. Wenn sie die da Umgedreht haben, kann sie sich ihren Reihen anschlie�en und Kraft spenden. Mishraile, Ihr begleitet mich. Es ist Zeit.�</p><p>Mishraile und ein paar der anderen gesellten sich zu Taim; sie hatten irgendwo au�erhalb von Androls Blickfeld gestanden.</p><p>Taim eilte zur T�r. �Wenn ich zur�ck bin, dann will ich, dass diese Frau Umgedreht ist.�</p><empty-line/><p>Lan galoppierte �ber den felsigen Boden zum gef�hlten hundertsten Mal auf den Pass zu, obwohl er dort noch keine Woche k�mpfte.</p><p>Prinz Kaisel und K�nig Easar setzten sich an seine Seite und trieben ihre Pferde an. �Was ist los, Dai Shan?�, rief Kaisel. �Noch ein Angriff? Ich habe das Notfallsignal gar nicht gesehen!�</p><p>Scheiterhaufen aus Kadavern und Holz brannten rechts und links von ihm, als er den Sturmangriff mehrerer Hundert Malkieri anf�hrte. Die Kadaver zu verbrennen war nicht einfach, aber sie brauchten nicht nur das Licht; sie wollten den Trollocs wenigstens ein paar Mahlzeiten vorenthalten.</p><p>Voraus h�rte Lan etwas, das ihn entsetzte. Davor hatte er sich gef�rchtet.</p><p>Explosionen.</p><p>Das Donnern in der Ferne klang wie gegeneinanderschlagende Felsen. Ein jedes ersch�tterte die Luft.</p><p>�Beim Licht!� K�nigin Ethenielle von Kandor gesellte sich auf ihrem wei�en Wallach zu ihnen. Sie war eine korpulente Frau und f�r eine Grenzl�nderin etwas matronenhaft. Ihr Gefolge enthielt ihren Schwerttr�ger Lord Baldhere und den ergrauten Kalyan Ramsin, ihren neuen Ehemann.</p><p>Sie n�herten sich dem Pass, wo Krieger den Bestien den Weg versperrten. Unversehens wurde eine Gruppe Kandori neben den Scheiterhaufen an der Front in die Luft geschleudert.</p><p>�Lord Mandragoran!� Eine Gestalt in einem schwarzen Mantel winkte ihnen zu. Narishma eilte herbei, begleitet von seinen Aes Sedai. Lan hatte immer einen Machtlenker an der Front, aber sie hatten den Befehl, nicht in die K�mpfe einzugreifen. Er brauchte sie ausgeruht f�r unerwartete Notf�lle.</p><p>So wie jetzt.</p><p>�Die Macht wird gelenkt?�, verlangte Lan zu wissen und z�gelte Mandarb.</p><p>�Schattenlords, Dai Shan�, stie� Narishma keuchend hervor. �M�glicherweise zwei Dutzend.�</p><p>�Zwanzig oder mehr Machtlenker�, sagte Agelmar. �Sie werden uns in zwei H�lften teilen wie ein Schwert ein Fr�hlingslamm.�</p><p>Lan betrachtete die vergiftete Landschaft, die einst seine Heimat gewesen war. Eine Heimat, die er nie kennengelernt hatte.</p><p>Er w�rde Malkier aufgeben m�ssen. Das zugeben zu m�ssen f�hlte sich an, als w�rde man ein Messer in seinen Eingeweiden umdrehen, aber er w�rde es tun. �Ihr bekommt Euren R�ckzug, Lord Agelmar�, sagte er. �Narishma, k�nnen Eure Machtlenker etwas tun?�</p><p>�Wir k�nnen versuchen, ihre Gewebe in der Luft zu durchtrennen, wenn wir nahe genug an sie herankommen�, erwiderte Narishma. �Aber das wird schwer werden, vielleicht sogar unm�glich, denn sie benutzen blo� Str�me aus Feuer und Erde. Davon abgesehen, wo es so viele sind�� nun, sie werden uns als Ziele aussuchen. Ich f�rchte, wir w�rden niedergemacht, bevor���</p><p>In der N�he ersch�tterte ein Treffer den Boden, und Mandarb stieg auf die Hinterbeine und schleuderte Lan um ein Haar aus dem Sattel. Vom Lichtblitz fast vollst�ndig geblendet k�mpfte Lan mit seinem Pferd.</p><p>�Dai Shan!� Das war Narishmas Stimme.</p><p>Lan blinzelte Tr�nen aus den Augen.</p><p>�Geht zu K�nigin Elayne!�, br�llte er. �Holt Machtlenker, die unseren R�ckzug decken. Ohne sie hauen sie uns in St�cke. Geht, Mann!�</p><p>Agelmar br�llte zum R�ckzug, brachte Bogensch�tzen nach vorn, die auf die Machtlenker schossen und sie in Deckung zwingen sollten. Lan zog das Schwert und galoppierte los, um die Reiter zur�ckzuholen.</p><p><emphasis>Das Licht besch�tze uns,</emphasis> dachte er, schrie sich heiser und rettete von seiner Kavallerie, was er konnte. Der Pass war verloren.</p><empty-line/><p>Nerv�s wartete Elayne im Braemwald.</p><p>Schon sehr alt, geh�rte der Wald zu jener Sorte, die eine eigene Seele zu haben schien. Die uralten B�ume waren seine knorrigen Finger, die aus dem Erdboden in die H�he griffen, um den Wind zu ertasten.</p><p>In einem Wald wie Braem fiel es schwer, sich nicht ganz klein zu f�hlen. Auch wenn die B�ume v�llig kahl waren, f�hlte Elayne aus den Tiefen des Waldes tausend Blicke auf sich lasten. Unwillk�rlich dachte sie an die Geschichten, die man ihr als Kind erz�hlt hatte, dass der Wald voller R�uber sei�� einige von ihnen durchaus anst�ndig, andere wiederum mit Herzen so b�sartig wie die von Schattenfreunden.</p><p><emphasis>Tats�chlich��,</emphasis> dachte sie, als ihr eine ganz bestimmte Geschichte wieder einfiel. Sie wandte sich Birgitte zu. �Hast du nicht irgendwann einmal eine Diebesbande aus diesem Wald angef�hrt?�</p><p>Birgitte schnitt eine Grimasse. �Ich hatte gehofft, dass du die Geschichte nicht kennst.�</p><p>�Du hast die K�nigin von Aldeshar beraubt!�</p><p>�Ich war sehr h�flich dabei�, protestierte Birgitte. �Sie war keine <emphasis>gute</emphasis> K�nigin. Viele behaupteten, sie h�tte gar kein Recht auf den Thron gehabt.�</p><p>�Es geht doch ums Prinzip!�</p><p>�Genau darum tat ich es ja.� Birgitte runzelte die Stirn. �Zumindest glaube ich�� aber���</p><p>Elayne vertiefte das Thema nicht. Birgitte wurde immer so unruhig, wenn sie daran erinnert wurde, dass sich die Erinnerungen an ihre vergangenen Leben aufl�sten. Manchmal hatte sie �berhaupt keine Erinnerung mehr daran; dann wiederum fielen ihr unvermittelt ganz bestimmte Zwischenf�lle wieder ein, nur um im n�chsten Moment zu verschwinden.</p><p>Elayne f�hrte die Nachhut an, die ��zumindest theoretisch�� dem Feind den gr��ten Schaden zuf�gen w�rde.</p><p>Trockene Bl�tter knirschten, als eine atemlose Botin vom Reisegel�nde eintraf. �Euer Majest�t, ich komme aus Caemlyn�, sagte die Frau und verneigte sich hastig auf ihrem Pferd. �Lord Aybara hat die Trollocs erfolgreich in einen Kampf verwickelt. Sie sind auf dem Weg.�</p><p>�Beim Licht, sie haben den K�der geschluckt�, sagte Elayne. �Jetzt treffen wir unsere Vorbereitungen. Ruht Euch etwas aus, Ihr werdet Eure Kr�fte schon bald brauchen.�</p><p>Die Botin nickte und galoppierte los. Elayne informierte Talmanes, die Aiel und Tam al�Thor �ber die Neuigkeiten.</p><empty-line/><p>Als Elayne etwas im Wald h�rte, hob sie die Hand und unterbrach den Bericht einer Gardistin. Mondschatten t�nzelte nerv�s vorw�rts, vorbei an den M�nnern, die in ihrer N�he im Unterholz kauerten. Niemand sagte ein Wort. Die Soldaten schienen kaum Atem zu holen.</p><p>Elayne umarmte die Quelle. Macht str�mte in sie und mit ihr vergr��erte sich die S��e einer ganzen Welt. Nach der Umarmung <emphasis>Saidars</emphasis> erschien der sterbende Wald pl�tzlich viel bunter. Ja. Gar nicht weit von hier erklomm etwas die H�gel. Ihre Soldaten, Tausende von ihnen, die ihre Pferde bis zur Ersch�pfung antrieben, n�herten sich schnell dem Wald. Elayne hob das Fernrohr und konnte die brodelnde Masse der Trollocs sehen, die ein bereits von Schatten verh�lltes Land wie eine schwarze Welle �bersp�lten.</p><p>�Endlich!�, rief Elayne aus. �Bogensch�tzen, nach vorn!�</p><p>Vor ihr eilten die M�nner von den Zwei Fl�ssen aus dem Wald und nahmen noch gerade innerhalb der Baumgrenze Aufstellung. Das war blo� die kleinste Streitmacht ihrer Armee, aber falls die Berichte ihres K�nnens nicht �bertrieben waren, w�rden sie so n�tzlich wie eine dreimal so gro�e gew�hnliche Kompanie Bogensch�tzen sein.</p><p>Ein paar der j�ngeren M�nner fingen an, Pfeile einzulegen.</p><p>�Wartet!�, rief Elayne. �Das sind <emphasis>unsere</emphasis> M�nner, die da auf euch zukommen.�</p><p>Tam und seine Unterf�hrer gaben den Befehl weiter. Nerv�s senkten die M�nner die B�gen.</p><p>�Euer Majest�t�, sagte Tam und trat zu ihr ans Pferd. �Diese Jungs k�nnen sie auf diese Entfernung treffen.�</p><p>�Unsere Soldaten sind noch immer zu nahe dran�, erwiderte Elayne. �Wir m�ssen darauf warten, dass sie zu den Seiten ausbrechen.�</p><p>�Mit Verlaub, meine Lady�, sagte Tam. �Aber kein Mann von den Zwei Fl�ssen w�rde so einen Fehlschuss machen. Diese Reiter sind sicher, und die Trollocs haben auch B�gen.�</p><p>Mit Letzterem hatte er recht. Einige Trollocs hielten lange genug in der Verfolgung inne, um ihre gewaltigen B�gen aus Schwarzholz zu spannen. Perrins M�nner ritten mit ungesch�tzten R�cken, und bei mehr als nur ein paar von ihnen steckten schwarz befiederte Pfeile in ihren Pferden.</p><p>�Schie�t�, sagte Elayne. �Bogensch�tzen, schie�t!� Birgitte gab den Befehl weiter, w�hrend sie die Linie abritt. Tam bellte jenen in der N�he den Befehl zu.</p><p>Elayne senkte das Fernrohr, w�hrend eine Brise durch den Wald wehte, die trockenen Bl�tter rascheln lie� und an den skeletthaften �sten r�ttelte. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen spannten die B�gen. Beim Licht! Konnten sie <emphasis>wirklich</emphasis> so weit schie�en und noch treffen? Die Tiermenschen waren Hunderte Schritt entfernt.</p><p>Pfeile erhoben sich in die Luft, stiegen auf wie Falken aus ihren Nestern. Rand hatte ja immer mit seinem Bogen geprahlt, und gelegentlich hatte sie den Langbogen aus den Zwei Fl�ssen in Aktion gesehen. Aber das hier�� so viele Pfeile stiegen mit unglaublicher Pr�zision in den Himmel��</p><p>Die Pfeile senkten sich wieder, und nicht einer lag zu kurz. Sie regneten auf die Reihen der Trollocs, vor allem auf die Bogensch�tzen. Ein paar vereinzelte Bestien schossen zur�ck, aber die M�nner aus den Zwei Fl�ssen hatten ihre Linie sauber zerbrochen.</p><p>�Das ist beeindruckende Bogenarbeit�, sagte Birgitte, die zur�ckgeritten war. �Wirklich beeindruckend���</p><p>Die M�nner von den Zwei Fl�ssen schossen schnell mehrere Salven hintereinander ab, w�hrend Perrins Reiter den Wald betraten.</p><p>�Armbrustm�nner!�, befahl Elayne, zog das Schwert und hob es hoch in die Luft. �Die Legion des Drachen nach vorn!�</p><p>Die M�nner von den Zwei Fl�ssen lie�en sich hinter die B�ume zur�ckfallen, und die Armbrustm�nner kamen aus ihrem Versteck. Ihr standen zwei volle Banner von der Legion des Drachen zur Verf�gung, und Bashere hatte sie gut gedrillt. Sie stellten sich zu drei Reihen auf, eine davon stand und schoss, w�hrend die anderen kniend nachluden. Der Tod, den sie auf den Weg schickten, traf die Angreifer wie eine zerst�rerische Welle, lie� die n�her r�ckende Armee erbeben und schickte Tausende tot zu Boden.</p><p>Elayne zeigte mit dem Schwert auf die Bestien. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen hatten die ersten B�ume erklommen und schossen jetzt von dort. Auf den �sten waren sie nicht ganz so zielsicher wie zuvor am Boden, aber das war auch nicht n�tig. Die Ungeheuer sahen dem Tod von oben und von vorn entgegen, und sie fingen an, �ber ihre Toten zu stolpern.</p><p><emphasis>Kommt schon��,</emphasis> dachte Elayne.</p><p>Die Trollocs r�ckten weiter auf die Bogensch�tzen vor. Ein gro�es Kontingent trennte sich von der Vorhut und eilte nach Osten. Dort befand sich die Stra�e, die am Braemwald vorbeif�hrte, und es w�rde den Bestien helfen, sie zu erobern und dann zu benutzen, um Elaynes Truppen einzukreisen. Zumindest w�rden die Blassen das denken.</p><p>�Zur�ck in den Wald!�, befahl Elayne und schwenkte das Schwert. �Beeilt euch!�</p><p>Die Armbrustm�nner schossen noch eine Salve ab, dann verschwanden sie im Unterholz. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen sprangen zu Boden, dann eilten sie umsichtig durch den Wald. Elayne drehte um und ritt vorsichtig. Ein kurzes St�ck tiefer im Wald erreichte sie ein Banner aus Alliandres Ghealdanern, die dort mit Piken und Hellebarden in Reihen aufgestellt waren.</p><p>�Fallt auf jeden Fall zur�ck, sobald sie eintreffen�, rief Elayne ihnen zu. �Wir wollen sie noch tiefer hineinlocken!� Tiefer in den Wald, wo die <emphasis>Siswai�aman</emphasis> ihre Ankunft erwarteten.</p><p>Die Soldaten nickten. Elayne passierte Alliandre, die von einer kleinen Leibwache umgeben auf dem Pferd sa�. Die dunkelhaarige K�nigin deutete im Sattel eine Verneigung an. Die M�nner hatten gewollt, dass sich ihre K�nigin zu Berelain in dem Lazarett in Mayene gesellte, aber Alliandre hatte sich geweigert. M�glicherweise hatte der Anblick von Elayne, die ihre Truppen pers�nlich anf�hrte, ihre Entscheidung beeinflusst.</p><p>Elayne lie� sie hinter sich zur�ck, als die ersten Trollocs grunzend und br�llend im Wald eintrafen. Der Kampf w�rde hier f�r sie erheblich schwerer sein. An diesem Ort verf�gten die Menschen �ber eine bedeutend bessere Deckung und konnten die riesigen Ungeheuer st�ndig von hinten angreifen. Bewegliche Abteilungen Bogensch�tzen und Armbrustm�nner konnten aus Verstecken schie�en�� wenn sie ihre Arbeit richtig erledigten, w�rden die Bestien nicht einmal wissen, aus welcher Richtung die Pfeile gekommen waren.</p><p>Als Elayne ihre Garde in Richtung Stra�e f�hrte, h�rte sie in der Ferne Explosionen und das Gebr�ll von Trollocs. Die Schleuderm�nner warfen Aludras explosive Donnerst�cke. Lichtblitze huschten �ber die im Halblicht stehenden Baumst�mme.</p><p>Elayne erreichte die Stra�e gerade noch rechtzeitig, um sehen zu k�nnen, wie die von mehreren Myrddraal in schwarzen Umh�ngen angef�hrten Trollocs herbeistr�mten. Sie h�tten Elaynes Streitkr�fte im Handumdrehen flankieren k�nnen�� aber die Bande der Roten Hand hatte die Drachen bereits auf der Stra�e aufgebaut. Talmanes stand mit auf dem R�cken verschr�nkten H�nden oben auf einem Kistenstapel und betrachtete seine Kompanie aus der H�he. Hinter ihm flatterte das Banner der Roten Hand, ein blutiger Handabdruck auf wei�em, rot umrandetem Untergrund. Aludra br�llte Entfernungen und Zielanweisungen. Und gelegentlich einen Fluch, wenn die Drachenm�nner Fehler machten oder sich nicht schnell genug bewegten.</p><p>Vor Talmanes standen die Drachen aufgebaut, fast hundert St�ck in vier Reihen quer �ber die Stra�e und weiter auf die Felder in der N�he. Elayne war zu weit weg, um seinen Feuerbefehl h�ren zu k�nnen. Vielleicht war das gut so, denn der folgende Donner ersch�tterte sie, als w�re der Drachenberg selbst ausgebrochen. Wiehernd bockte Mondschatten, und Elayne hatte alle M�he, sich im Sattel zu halten. Am Ende versetzte sie dem Pferd mit einem Gewebe aus Luft einen Hieb auf die Ohren, w�hrend die Drachenm�nner ihre Waffen zur Seite rollten, damit die zweite Reihe schie�en konnte.</p><p>Elayne verstopfte sich die Ohren, w�hrend sie gleichzeitig Mondschatten beruhigte. Birgitte hatte mit ihrem eigenen erschrockenen Pferd zu tun und sprang schlie�lich ab, aber Elayne achtete kaum darauf. Sie sp�hte durch den Qualm, der die Stra�e einh�llte. Die dritte Reihe Drachen rollte nach vorn, um zu schie�en.</p><p>Obwohl sie sich die Ohren verstopft hatte, konnte sie <emphasis>f�hlen</emphasis>, wie die Salve den Boden erbeben und die B�ume erzittern lie�. Die vierte Salve folgte und ersch�tterte sie bis ins Mark. Sie atmete ein und aus, beruhigte ihren Herzschlag und wartete darauf, dass sich der Rauch kl�rte.</p><p>Als Erstes konnte sie wieder Talmanes sehen, der noch immer dort oben stand. Die erste Reihe Drachen war nachgeladen wieder auf Position gerollt. Die anderen drei Reihen waren eilig damit besch�ftigt, ebenfalls nachzuladen, schoben Pulver und riesige Eisenkugeln in die Rohre.</p><p>Eine starke Brise aus dem Westen kl�rte den Rauch weit genug, um sehen zu k�nnen�� Elayne st�hnte leise auf.</p><p>Tausende Trollocs lagen in qualmenden St�cken da, viele waren von der Stra�e geschleudert worden. Arme, Beine, str�hniges Fell, <emphasis>St�cke</emphasis> lagen in zwei Schritt durchmessenden L�chern im Boden. Wo eben noch so viele Bestien gestanden hatten, gab es jetzt nur noch schwarzes Blut, gebrochene Knochen und Rauch. Viele B�ume hatten sich in zersplitterte St�mpfe verwandelt. Von den Myrddraal an der Front war keine Spur mehr zu sehen.</p><p>Die Drachenm�nner senkten ihre Z�ndst�be und feuerten ihre nachgeladenen Rohre nicht ab. Ein paar �berlebende Trollocs ganz hinten eilten in den Wald hinein.</p><p>Elayne sah Birgitte an und grinste. Die Beh�terin wirkte ernst, w�hrend ein paar Gardistinnen losrannten, um ihr Pferd einzufangen.</p><p>�Und?�, fragte Elayne, w�hrend sie die Ohren entst�pselte.</p><p>�Ich glaube���, sagte Birgitte. �Diese Dinger machen eine Schweinerei. Und sie sind unpr�zise. Und <emphasis>verflucht</emphasis> wirksam.�</p><p>�Ja, nicht wahr?�, erwiderte Elayne stolz.</p><p>Birgitte sch�ttelte den Kopf. Man brachte ihr Pferd, und sie stieg wieder in den Sattel. �Stets vertrat ich die Ansicht, dass ein Mann und sein Bogen die gef�hrlichste Kombination sind, die dieses Land jemals kennenlernte, Elayne. Und jetzt�� Als w�re es nicht schon schlimm genug, dass M�nner ganz offen die Macht lenken k�nnen und die Seanchaner im Kampf Machtlenker einsetzen, haben wir jetzt diese Dinger. Mir gef�llt nicht, in welche Richtung sich das entwickelt. Wenn jeder Junge mit einem Eisenrohr ein ganzes Heer vernichten kann���</p><p>�Aber verstehst du denn nicht?�, rief Elayne. �Es wird keine Kriege mehr geben. Wir gewinnen diesen hier, und danach herrscht <emphasis>Frieden</emphasis>, genau wie Rand es wollte. Angesichts solcher Waffen wird niemand mehr in den Krieg ziehen, von den Trollocs einmal abgesehen!�</p><p>�Vielleicht�, meinte Birgitte. Sie sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht habe ich weniger Vertrauen in die Vernunft der Menschen als du.�</p><p>Elayne schnaubte und hob ihr Schwert in Talmanes� Richtung, der ebenfalls seine Waffe zog und den Gru� erwiderte. Der erste Schritt zur Vernichtung dieser Trolloc-Armee war getan.</p></section><section><title><p>11</p><p>Nur ein S�ldner mehr</p></title><p>Mir ist durchaus klar, dass es in der Vergangenheit gewisse�� Meinungsverschiedenheiten zwischen uns gab�, sagte Adelorna Bastine, die an Egwenes Seite durch das Lager ritt. Adelorna war eine schlanke Frau mit majest�tischer Haltung, deren schr�g stehende Augen zusammen mit dem dunklen Haar von ihrer saldaeanischen Herkunft k�ndeten. �Ich m�chte nicht, dass Ihr uns als Feinde betrachtet.�</p><p>�Das habe ich nicht�, sagte Egwene vorsichtig, �und tue es auch nicht.� Sie konnte sich die Frage sparen, wen Adelorna mit �uns� meinte. Sie war eine Gr�ne, und schon seit geraumer Zeit hatte Egwene den Verdacht, dass sie ihr Generalhauptmann war, die Bezeichnung, die die Gr�nen der Anf�hrerin ihrer Ajah gaben.</p><p>�Das ist gut�, sagte Adelorna. �Einige Angeh�rige der Ajah haben dumme Entscheidungen getroffen. Sie sind �ber ihre Fehler�� unterrichtet worden. Es wird keinen Widerstand mehr von denen geben, die Euch am meisten h�tten lieben sollen, Mutter. Was auch immer geschehen ist, es soll begraben bleiben.�</p><p>�Es soll begraben bleiben�, stimmte Egwene ihr am�siert zu. <emphasis>Ausgerechnet jetzt,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Nach all diesen Ereignissen wollen die Gr�nen mich vereinnahmen?</emphasis></p><p>Nun, sie w�rde sie benutzen. Ehrlich gesagt hatte sie sich gesorgt, dass ihre Beziehung zu ihnen nicht mehr zu kitten war. Die Wahl Silvianas zur Bewahrerin der Chroniken hatte viele dazu getrieben, sie als den Feind zu betrachten. Egwene hatte Ger�chte geh�rt, dass viele glaubten, sie h�tte die Roten als Ajah gew�hlt, obwohl sie nicht nur einen Beh�ter hatte, sondern auch mit ihm verheiratet war.</p><p>�Falls ich fragen darf�, sagte Egwene. �Gibt es einen bestimmten Vorfall, der unsere Probleme�� �berbr�ckte?�</p><p>�Einige ignorieren bewusst, was Ihr w�hrend der Invasion der Seanchaner geleistet habt, Mutter�, sagte Adelorna. �Ihr habt bewiesen, dass Ihr den Geist einer Kriegerin habt. Oder einer Generalin. Das darf die Gr�ne Ajah keinesfalls ignorieren. Tats�chlich m�ssen wir es als Beispiel betrachten. So ist es entschieden worden, und so haben die Anf�hrerinnen der Ajah gesprochen.� Adelorna erwiderte Egwenes Blick, dann neigte sie den Kopf.</p><p>Die Schlussfolgerungen lagen auf der Hand. Adelorna <emphasis>war</emphasis> die Anf�hrerin der Gr�nen Ajah. Das unverbl�mt zu sagen w�re nicht angemessen gewesen, aber Egwene an diesem Wissen teilhaben zu lassen, war ein Zeichen des Vertrauens und des Respekts.</p><p><emphasis>W�rst du wirklich aus unseren Reihen erhoben worden,</emphasis> besagte diese Tat, <emphasis>h�ttest du gewusst, wer uns anf�hrt. Du h�ttest unsere Geheimnisse gekannt. Ich offenbare sie dir.</emphasis> Au�erdem lag auch Dankbarkeit in dieser Geste. W�hrend des seanchanischen Angriffs auf die Wei�e Burg hatte Egwene Adelorna das Leben gerettet.</p><p>Die Amyrlin geh�rte zu keiner Ajah�� und tats�chlich dr�ckte Egwene diese Tugend deutlicher aus als s�mtliche ihrer Vorg�ngerinnen, denn sie war niemals das Mitglied irgendeiner Ajah gewesen. Dennoch war es eine r�hrende Geste. Dankbar ber�hrte sie Adelornas Arm, dann gab sie ihr die Erlaubnis, sich zur�ckziehen zu d�rfen.</p><p>Gawyn, Silviana und Leilwin ritten ein St�ck abseits, da Adelorna die Amyrlin um ein paar Worte unter vier Augen gebeten hatte. Diese Seanchanerin�� Egwene konnte sich nicht entscheiden, ob sie sie in unmittelbarer N�he dulden sollte, um sie im Auge zu behalten, oder sie weit, weit wegschicken sollte.</p><p>Leilwins Wissen �ber die Seanchaner <emphasis>war</emphasis> n�tzlich gewesen. Soweit sie es beurteilen konnte, hatte die Frau die Wahrheit gesagt. Im Augenblick behielt sie sie in ihrer N�he�� wenn auch nur, weil ihr oft neue Fragen �ber die Seanchaner einfielen. Leilwin verhielt sich mehr wie eine Leibw�chterin als wie eine Gefangene. Als w�rde Egwene ihre Sicherheit einer Seanchanerin anvertrauen. Sie sch�ttelte den Kopf und ritt weiter zwischen den Zelten und Lagerfeuern des Heeres. Die meisten Zelte standen leer, da Bryne die M�nner Aufstellung hatte nehmen lassen. Er erwartete die Trollocs noch innerhalb dieser Stunde.</p><p>Egwene fand ihn in einem Zelt in N�he der Lagermitte, wo er gelassen seine Karten und Papiere sortierte. Yukiri war auch da; sie hatte die Arme verschr�nkt. Egwene stieg ab und betrat das Zelt.</p><p>Bryne schaute ruckartig auf. �Mutter!�, rief er so scharf aus, dass sie mitten in der Bewegung erstarrte.</p><p>Sie schaute nach unten. Im Zeltboden klaffte ein Loch, und sie w�re um ein Haar hineingetreten.</p><p>Es war ein <emphasis>Wegetor</emphasis>. Die andere Seite schien sich in den Himmel selbst zu �ffnen und schaute auf das Trolloc-Heer hinab, das gerade die H�gel �berquerte. In der vergangenen Woche hatte es viele Scharm�tzel gegeben, bei denen Egwenes Bogensch�tzen und Reiter viele der Tiermenschen get�tet hatten, die in gro�er Zahl auf die H�gel an der Grenze zu Arafel zumarschierten.</p><p>Egwene sp�hte durch das Wegetor im Boden. Es befand sich weit oben, weit au�erhalb jeder Bogenschussweite, aber auf die Trollocs hinabzuschauen, machte sie schwindlig.</p><p>�Ich wei� nicht, ob das einfach nur brillant ist�, sagte sie zu Bryne, �oder unglaublich leichtsinnig.�</p><p>L�chelnd wandte sich der General wieder seinen Karten zu. �Kriege gewinnt man durch Informationen, Mutter. Wenn ich genau sehen kann, was sie tun�� wo sie versuchen, uns einzukreisen und wie sie ihre Reserven heranschaffen��, kann ich mich vorbereiten. Das ist besser als jeder Schlachtturm. Schon vor Ewigkeiten h�tte ich auf diese Idee kommen sollen.�</p><p>�Der Schatten hat Schattenlords, die die Macht lenken k�nnen, General�, sagte Egwene. �Der Blick durch dieses Wegetor k�nnte Euch in eine verkohlte Leiche verwandeln. Ganz zu schweigen von den Draghkar. Sollte ein Schwarm versuchen, hier durchzufliegen���</p><p>�Draghkar sind Schattengez�cht�, erwiderte Bryne. �Man hat mir gesagt, dass sie der Durchgang durch ein Wegetor t�tet.�</p><p>�Das ist wohl wahr�, sagte Egwene, �aber dann h�ttet Ihr hier einen Schwarm toter Draghkar herumliegen. Und nichtsdestotrotz k�nnen Machtlenker immer noch durch die �ffnung angreifen.�</p><p>�Ich gehe das Risiko ein. Der Vorteil ist unglaublich.�</p><p>�Trotzdem w�re es mir lieber, Ihr lasst Sp�her durch das Wegetor schauen und nehmt nicht Eure eigenen Augen. Ihr seid eine Ressource. Eine unserer wertvollsten. Risiken sind unvermeidlich, aber bitte achtet darauf, sie m�glichst gering zu halten.�</p><p>�Ja, Mutter.�</p><p>Sie untersuchte die Gewebe, dann sah sie Yukiri an.</p><p>�Ich habe mich freiwillig gemeldet, Mutter�, sagte Yukiri, bevor sie fragen konnte, wieso eine Sitzende einfachen Wegetordienst tat. �Er schickte nach uns und fragte, ob es wohl m�glich sei, ein Wegetor auf diese Weise zu weben�� horizontal statt vertikal. Ich hielt es f�r eine interessante Herausforderung.�</p><p>Es �berraschte Egwene nicht, dass er sich an die Grauen gewandt hatte. Unter ihnen gab es eine stetig wachsende Gruppe, die sich immer mehr f�r die Gewebe des Reisens interessierte, so wie sich die Gelben auf Heilgewebe und die Gr�nen auf Kampfgewebe spezialisierten. Sie schienen das Schnelle Reisen als Teil ihrer Berufung zu Botschaftern und Friedensstiftern zu betrachten.</p><p>�K�nnt Ihr mir unsere eigenen Linien zeigen?�, bat Egwene.</p><p>�Aber sicher, Mutter.� Yukiri schloss das Tor. Sie �ffnete ein neues und lie� Egwene von oben auf die Schlachtlinien ihres Heeres blicken, das auf den H�geln seine Verteidigungspositionen bezog.</p><p>Das <emphasis>war</emphasis> effizienter als jede Karte. Keine Karte konnte das Terrain in jeder Einzelheit wiedergeben, und erst recht keine Truppenbewegungen. Egwene hatte das Gef�hl, als w�rde sie von oben auf ein winziges, aber exaktes Modell der Landschaft blicken.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr schwindlig. Sie stand am Rand eines Abgrunds, der Hunderte Fu� in die Tiefe f�hrte. In ihrem Kopf drehte sich alles, und sie trat zur�ck und holte tief Luft.</p><p>�Ihr m�sst dieses Ding mit einem Seil absperren�, sagte sie. �Jemand k�nnte direkt hineintreten.� <emphasis>Oder kopf�ber hineinst�rzen, w�hrend er nach unten sieht��</emphasis></p><p>Bryne grunzte. �Ich habe schon Siuan losgeschickt, um etwas zu holen.� Er z�gerte. �Aber es gefiel ihr nicht, nach etwas geschickt zu werden, also kommt sie vielleicht mit etwas v�llig Nutzlosem zur�ck.�</p><p>�Eine Frage l�sst mich nicht los�, sagte Yukiri. �M�sste es nicht eine M�glichkeit geben, so ein Wegetor zu erschaffen, aber es so zu machen, dass nur das Licht durchkommt? So wie ein Fenster. Man k�nnte darauf stehen und nach unten schauen, ohne f�rchten zu m�ssen, in die Tiefe zu st�rzen. Mit den richtigen Geweben k�nnte man es von der anderen Seite aus unsichtbar machen���</p><p><emphasis>Sich daraufstellen? Licht. Da m�sste man ja verr�ckt sein.</emphasis></p><p>�Lord Bryne�, sagte Egwene. �Eure Schlachtlinien erscheinen sehr solide.�</p><p>�Danke, Mutter.�</p><p>�Au�erdem fehlt ihnen etwas.�</p><p>Bryne hob den Kopf. Andere M�nner h�tten vielleicht auf die Herausforderung reagiert, aber er nicht. Vielleicht war es ja die ganze �bung, die er durch den Umgang mit Morgase hatte. �Was denn?�</p><p>�Ihr stellt Eure Truppen wie gew�hnlich auf. Bogensch�tzen an der Front und auf den H�geln, um den feindlichen Vorsto� zu verlangsamen, schwere Kavallerie f�r den Sturmangriff, die sich dann zur�ckzieht. Piken, um die Linie zu halten, leichte Kavallerie, um unsere Flanken zu sch�tzen und zu verhindern, dass man uns einkreist.�</p><p>�Die vern�nftigsten Strategien sind oft die, die sich im Laufe der Zeit bew�hrt haben�, sagte der General. �Wir m�gen ja eine gro�e Streitmacht mit den vielen Drachenverschworenen haben, aber wir sind immer noch in der Unterzahl. Wir k�nnen nicht aggressiver vorgehen, als ich es geplant habe.�</p><p>�Doch, das k�nnt Ihr�, sagte Egwene ganz ruhig. Sie erwiderte seinen Blick. �Das ist nicht wie die Schlachten, die Ihr ausgefochten habt, und so ein Heer habt Ihr auch noch nie angef�hrt, General. Ihr habt einen gro�en Vorteil, den Ihr nicht mit einbezieht.�</p><p>�Ihr meint die Aes Sedai?�</p><p><emphasis>Und ob ich die meine, verdammt noch mal,</emphasis> dachte sie. Beim Licht, sie hatte zu viel Zeit mit Elayne verbracht.</p><p>�Ich habe Euch mit einbezogen, Mutter�, sagte Bryne. �Die Aes Sedai hatte ich als Reserve eingeplant, um den Kompanien zu helfen, sich vom Feind zu l�sen, damit wir sie durch frische Truppen ersetzen k�nnen.�</p><p>�Entschuldigt, Lord Bryne�, sagte Egwene. �Eure Pl�ne sind weise, und auf jeden Fall sollten ein paar Aes Sedai daf�r eingesetzt werden. Aber die Wei�e Burg hat sich nicht tausend Jahre vorbereitet, um die Letzte Schlacht als <emphasis>Reservetruppe</emphasis> auszusitzen.�</p><p>Bryne nickte und zog neue Papiere unten aus dem Stapel hervor. �Ich habe�� dynamischere Strategien �berdacht, aber ich wollte meine Autorit�t nicht �berschreiten.� Er reichte ihr die Dokumente.</p><p>Egwene �berflog sie und hob eine Braue. Dann l�chelte sie.</p><empty-line/><p>Mat hatte ganz vergessen, dass es in der Umgebung von Ebou Dar so viele Kesselflicker gab. Grellbunte Wagen wuchsen wie farbenpr�chtige Pilze aus einem ansonsten braunen Feld. Es gab genug von ihnen, um eine verdammte Stadt zu f�llen. Eine Stadt der Kesselflicker? Das w�rde wie�� eine Stadt der Aiel sein. Einfach nur falsch.</p><p>Mat lie� Pips die Stra�e entlanggehen. Andererseits gab es eine Aiel-Stadt. Vielleicht w�rde es eines Tages auch eine Stadt der Kesselflicker geben. Sie w�rden alle Farben aufkaufen, und alle anderen in der Welt w�rden Braun tragen m�ssen. In der Stadt w�rde es keine K�mpfe geben, also w�rde sie schrecklich langweilig sein, aber es w�rde im Umkreis von hundertzwanzig Meilen nicht einen einzigen verfluchten Kessel mit einem Loch im Boden geben!</p><p>Mat l�chelte und t�tschelte Pips. Er hatte seinen <emphasis>Ashandarei</emphasis> so gut wie m�glich eingewickelt, damit er wie ein an den Sattel geschnallter Wanderstab aussah. Sein Hut befand sich in dem B�ndel, das von seinen Satteltaschen hing, zusammen mit allen guten M�nteln. Von dem, den er trug, hatte er den Besatz aus Spitze abgerissen. Eine wahre Schande, aber er wollte nicht erkannt werden.</p><p>Ein primitiver Verband bedeckte die eine Seite seines Kopfes und verbarg das fehlende Auge. Als er sich dem Dal-Eira-Tor n�herte, reihte er sich brav in die Reihe derer ein, die darauf warteten, in die Stadt gelassen zu werden. Eigentlich sollte er genau wie die anderen verletzten S�ldner aussehen, die in die Stadt wollten, um dort Zuflucht oder neue Arbeit zu suchen.</p><p>Er achtete darauf, zusammengesunken im Sattel zu sitzen. Den Kopf unten halten, das war ein guter Rat f�r jedes Schlachtfeld, und wenn man in eine Stadt wollte, in der man bekannt war. Er konnte hier nicht Matrim Cauthon sein. Matrim Cauthon hatte die K�nigin dieser Stadt gefesselt zur�ckgelassen, damit man sie ermorden konnte. Viele w�rden ihn f�r ihren M�rder halten. Beim Licht, er h�tte sich selbst verd�chtigt. Beslan w�rde ihn jetzt hassen, und es war v�llig ungewiss, wie Tuon nach ihrer langen Trennung f�r ihn empfinden w�rde.</p><p>Ja, es war besser, den Kopf unten zu halten und nichts zu sagen. Er w�rde erst einmal die Stadt erforschen und ein Gef�hl f�r sie bekommen. Immer vorausgesetzt, er erreichte je den Anfang dieser verdammten Schlange. Wer hatte je davon geh�rt, dass man sich anstellen musste, um eine Stadt zu betreten?</p><p>Schlie�lich erreichte er das Stadttor. Der gelangweilte Soldat, der dort stationiert war, hatte ein Gesicht wie eine alte Schaufel�� es war schmutzig und geh�rte in einen Schuppen weggeschlossen. Er musterte Mat von Kopf bis Fu�.</p><p>�Habt Ihr die Eide geschworen, Reisender?�, fragte der W�chter mit seinem beh�bigen seanchanischen Akzent. Auf der anderen Seite des Tores winkte ein anderer Soldat den N�chsten in der Reihe herbei.</p><p>�Ja, das habe ich in der Tat�, sagte Mat. �Die Eide f�r das gro�e seanchanische Kaiserreich und die Kaiserin selbst, m�ge sie ewig leben. Ich bin blo� ein armer reisender S�ldner, der einst zu Haus Haak geh�rte, einer adeligen Familie in Murandy. Vor zwei Jahren verlor ich mein Auge an ein paar Banditen im Tweenwald, w�hrend ich ein kleines Kind besch�tzte, das ich im Wald fand. Ich zog sie wie meine eigene Tochter auf, aber���</p><p>Der Soldat winkte ihn weiter. Der Bursche schien ihm nicht wirklich zugeh�rt zu haben. Mat zog in Betracht, allein schon aus Prinzip stehen zu bleiben. Warum sollten die Soldaten Leute zwingen, in einer so langen Schlange zu warten und ihnen Zeit zu geben, sich eine L�gengeschichte auszudenken, nur um sie sich dann nicht anzuh�ren? Unter Umst�nden konnte man das schon als Beleidigung auffassen. Nicht Matrim Cauthon, der immer leichten Herzens und nie beleidigt war. Ein anderer aber schon.</p><p>Er ritt weiter und verbarg seine Ver�rgerung. Jetzt musste er nur noch den Weg zur richtigen Schenke finden. Schade, dass Setalle Anans Laden nicht l�nger zur Verf�gung stand. Das hatte sich��</p><p>Mat erstarrte, w�hrend Pips weiter gem�tlich dahintrottete. Er hatte blo� einen Blick auf den anderen Torw�chter geworfen. Es war <emphasis>Petra</emphasis>, der Muskelmann aus Valan Lucas Wanderzirkus!</p><p>Mat schaute in die andere Richtung und lie� sich noch mehr zusammensinken, dann warf er einen verstohlenen zweiten Blick �ber die Schulter. Das war Petra, keine Frage. Arme wie Baumst�mme und ein Hals wie ein Baumstumpf, das war unverkennbar. Petra war kein gro�er Mann, aber er war breit genug, dass ein ganzes Heer in seinem Schatten lagern konnte. Was tat er wieder in Ebou Dar? Warum trug er eine seanchanische Uniform? Beinahe ging Mat zu ihm, um mit ihm zu reden, denn sie waren immer gut miteinander ausgekommen, aber diese Uniform lie� es ihn sich anders �berlegen.</p><p>Nun, wenigstens lie� ihn sein Gl�ck nicht im Stich. H�tte man ihn zu Petra geschickt statt zu dem W�chter, mit dem er gesprochen hatte, w�re er mit Sicherheit erkannt worden. Mat atmete aus, dann stieg er vom Sattel, um Pips am Z�gel zu f�hren. Die Stadt war voller Menschen, und er wollte niemanden mit dem Pferd umsto�en. Au�erdem war Pips so beladen, dass er wie ein Lastpferd aussah�� vorausgesetzt, der Beobachter verstand nichts von Pferden��, und zu Fu� zu gehen w�rde weniger auff�llig sein.</p><p>Vielleicht h�tte er im Rahad mit der Suche nach einer Schenke anfangen sollen. Dort fand man immer die neuesten Ger�chte und eine W�rfelpartie. Dort bekam man auch ganz schnell ein Messer in den Bauch, ohne sich gro� anstrengen zu m�ssen, und das wollte in Ebou Dar schon etwas hei�en. Im Rahad waren die Leute so schnell mit dem Messer bei der Hand und t�teten, wie sie einen am Morgen gr��ten.</p><p>Er begab sich nicht in den Rahad. Dort sah alles nun so anders aus. Am Eingang lagerten Soldaten. Generationen von Herrschern hatten zugelassen, dass der Rahad ungehindert wucherte, aber die Seanchaner hielten nichts davon.</p><p>Mat w�nschte ihnen Gl�ck. Bis jetzt hatte der Rahad noch jeden Eroberer abgewehrt. Licht, Rand h�tte sich einfach dort verstecken sollen, statt in die Letzte Schlacht zu ziehen. Trollocs und Schattenfreunde h�tten ihn dort aufzusp�ren versucht, und der Rahad h�tte sie alle bewusstlos in einer Gasse abgeladen, die Taschen umgedreht und ihre Schuhe f�r Suppengeld verkauft. Vor dem inneren Auge erhaschte er einen Blick auf Rand, wie er sich rasierte, aber er verdr�ngte das Bild.</p><p>Er bahnte sich einen Weg �ber eine verstopfte Kanalbr�cke und behielt seine Satteltaschen scharf im Blick, aber bis jetzt hatte sich noch kein Beutelschneider daran versucht. Da an jeder zweiten Ecke eine seanchanische Patrouille stand, war das auch nicht weiter verwunderlich. Als er einen Mann passierte, der die Nachrichten des Tages ausrief und andeutete, f�r wenig Geld guten Klatsch zu haben, musste Mat l�cheln. Es �berraschte ihn, wie vertraut sich diese Stadt anf�hlte, ja, sogar heimisch. Hier hatte es ihm gefallen. Obwohl er sich vage daran erinnern konnte, m�rrisch zu maulen, hier so schnell wie m�glich wieder verschwinden zu wollen�� vermutlich war das gewesen, nachdem die Mauer auf ihn gest�rzt war, denn ein Matrim Cauthon war nur selten m�rrisch��, wurde ihm jetzt bewusst, dass seine Zeit in Ebou Dar zu der sch�nsten seines Lebens geh�rt hatte. In der Stadt hatte es viele Freunde f�r eine Kartenrunde oder ein W�rfelspiel gegeben.</p><p>Tylin. Verdammte Asche, das hatte wirklich viel Spa� gemacht. Sie hatte ihn immer wieder gefordert. Mochte das Licht ihm viele Frauen schicken, die das schafften, wenn auch nur in Abst�nden und auch nur dann, wenn er wusste, wo die Hintert�r war. Tuon war auch so eine. Wenn er so dar�ber nachdachte, w�rde er vermutlich nie wieder eine andere brauchen. Sie war f�r jeden Mann mehr als nur ausreichend. Mat l�chelte und klopfte Pips auf den Hals. Das Pferd blies ihm im Ausgleich in den Nacken.</p><p>Seltsamerweise erschien ihm dieser Ort heimischer als die Zwei Fl�sse. Ja, die Ebou Dari waren kratzb�rstig, aber schlie�lich hatte jeder seine Macken. Tats�chlich war er noch nie jemandem begegnet, der nicht wegen der einen oder anderen Sache empfindlich war. Die Grenzl�nder verbl�fften einen st�ndig, genau wie die Aiel�� was man nicht eigens zu erw�hnen brauchte. Die Cairhiener und ihre seltsamen Spielchen, die Tairener und ihre albernen Hierarchien, die Seanchaner und ihre�� Seanchanerheit.</p><p>Das war die reine Wahrheit. Au�erhalb der Zwei Fl�sse und in geringerem Ma�e in Andor gab es nur verfluchte Verr�ckte. Ein Mann hatte sich darauf einzustellen.</p><p>Er ging weiter und gab sich alle M�he, h�flich zu sein, um kein Messer in den Bauch zu kriegen. Die Luft roch nach hundert S��igkeiten, die Unterhaltung der Menge klang wie ein leises Rauschen in seinen Ohren. Die Ebou Dari trugen noch immer ihre bunte Kleidung�� vielleicht waren die Kesselflicker ja aus diesem Grund hier, angezogen von den hellen Farben wie Soldaten von ihrem Abendessen��, die Frauen trugen Kleider mit eng geschn�rten Oberteilen, die viel Busen zeigten. Nicht dass er hingesehen h�tte. Die R�cke wiesen bunte Unterr�cke auf, und sie n�hten sie an der Seite oder der Vorderseite hochgezogen fest, um sie zur Schau zu stellen. Das hatte er sowieso nie begriffen. Warum das Bunte darunterpacken? Und wenn man es schon tat, warum sich dann solche M�he geben, es zu bedecken, nur um es wieder oben festzustecken?</p><p>Die M�nner trugen lange Westen, die genauso farbenfroh waren, vielleicht um die Blutflecken zu verstecken, wenn sie einen Messerstich davontrugen. Warum sollte man eine gute Weste in den M�ll werfen, blo� weil sich ihr Tr�ger nach dem Wetter erkundigt hatte und darum ermordet worden war. Andererseits�� auf seinem Weg sah Mat weniger Duelle als erwartet. In diesem Teil der Stadt waren sie nie so allt�glich gewesen wie im Rahad, aber manchmal hatte er keine zwei Schritte machen k�nnen, ohne zwei M�nner mit gez�ckten Messern zu begegnen. Heute entdeckte er nicht einmal einen.</p><p>Einige Ebou Dari ��oft verriet sie ihre olivfarbene Haut�� stolzierten in seanchanischer Kleidung umher. Jeder war sehr h�flich. So h�flich wie ein Sechsj�hriger, der gerade erfahren hatte, dass ein frischer Apfelkuchen in der K�che stand.</p><p>Die Stadt war die gleiche, nur anders. Alles f�hlte sich eine oder zwei Nuancen anders an. Und das lag nicht nur daran, dass es im Hafen keine Schiffe vom Meervolk mehr gab. Offensichtlich waren es die Seanchaner. Sie hatten neue Regeln aufgestellt. Aber wie sahen sie aus?</p><p>Mat brachte Pips in einem Stall unter, der halbwegs respektierlich erschien. Das verriet ihm ein schneller Blick auf die anderen Tiere; man k�mmerte sich gut um sie, und viele von ihnen waren kostbar. Am besten lie� sich noch immer einem Stall mit edlen Pferden vertrauen, auch wenn einen das immer etwas mehr kostete.</p><p>Er lie� Pips zur�ck, nahm sein B�ndel und benutzte den noch immer eingewickelten <emphasis>Ashandarei</emphasis> als Wanderstab. Die richtige Schenke zu w�hlen war genauso schwierig, wie einen guten Wein auszusuchen, der alt sein sollte, aber kein Essig. Sauber, aber auch nicht zu sauber�� eine makellose Schenke hatte kein Publikum. Mat konnte die L�den nicht ausstehen, wo die Kunden stumm sa�en, Tee schl�rften und nur kamen, um gesehen zu werden.</p><p>Nein, eine gute Taverne war wie ein gutes Paar Stiefel: eingelaufen und bequem. Solange das Ale nicht wie gute Stiefel <emphasis>schmeckte</emphasis>, hatte man einen Gewinner. Die besten Orte, um an Informationen zu kommen, befanden sich dr�ben im Rahad, aber f�r einen Besuch war seine Kleidung zu gut, und er wollte keine Bekanntschaft mit dem machen, was auch immer die Seanchaner dort trieben.</p><p>Er steckte den Kopf in ein Gasthaus namens <emphasis>Zur Winterbl�te</emphasis> und drehte sich auf dem Absatz um und ging. Totenw�chter in Uniform. Keinesfalls wollte er riskieren, Furyk Karede zu begegnen. Das n�chste Gasthaus war zu hell, das �bern�chste zu dunkel. Nach einer Stunde der Suche ��und kein einziges Duell war zu sehen�� fing er langsam an zu zweifeln, je den richtigen Laden zu finden. Dann h�rte er W�rfel in einem Becher scheppern.</p><p>Im ersten Augenblick zuckte er zusammen in dem Glauben, es handele sich um die verfluchten W�rfel in seinem Kopf. Gl�cklicherweise waren es ganz gew�hnliche W�rfel. Gesegnete, wunderbare W�rfel. Das Ger�usch war sofort wieder verschwunden, der Wind hatte es durch die Menschenmassen auf der Stra�e weitergetragen. Die Hand auf dem Geldbeutel, das B�ndel �ber der Schulter, bahnte er sich einen Weg durch die Menge und murmelte ein paar Entschuldigungen. In einer nahen Gasse sah er an einer Wand ein Schild h�ngen.</p><p>Er stellte sich darunter und las die Worte <emphasis>Die j�hrliche Keilerei</emphasis>. Aufgemalt war ein Bild klatschender Leute. W�rfelscheppern und der Geruch von Wein und Ale drangen nach drau�en. Mat trat ein. Direkt hinter der T�r stand ein rundgesichtiger Seanchaner, der mit einem Schwert am G�rtel an der Wand lehnte. Er sah Mat misstrauisch an. Nun, Mat war noch nie einem Rausschmei�er begegnet, der fremde G�ste nicht so ansah. H�flich wollte er den Hut l�ften, aber nat�rlich trug er ihn nicht. Verdammte Asche. Manchmal kam er sich ohne richtig nackt vor.</p><p>�Jame!�, rief eine Frau von der Theke. �Du schaust doch nicht schon wieder die Kunden finster an, oder?�</p><p>�Nur die, die es verdienen, Kathana�, rief der Mann mit seanchanischem Akzent zur�ck. �Und der hier verdient es bestimmt.�</p><p>�Ich bin blo� ein einfacher Reisender�, sagte Mat, �der eine W�rfelpartie und einen Schluck Wein sucht. Weiter nichts. Mit Sicherheit keinen �rger.�</p><p>�Und warum tragt Ihr eine Stangenwaffe?�, wollte Jame wissen. �So eingewickelt?�</p><p>�Ach, h�r auf damit�, sagte Kathana. Sie hatte den Schenkraum durchquert und nahm Mat beim Mantel�rmel, zog ihn in Richtung Theke. Sie war recht klein, hatte dunkle Haare und helle Haut. Sie konnte nicht viel �lter als er sein, aber von ihr ging etwas unverkennbar M�tterliches aus. �K�mmert Euch nicht um ihn. Macht keinen �rger, und er muss Euch nicht stechen, t�ten oder etwas dazwischen.�</p><p>Sie dr�ckte Mat auf einen Stuhl und hantierte hinter der Theke. Im Schenkraum herrschte D�mmerlicht, aber es war freundlich. Auf der einen Seite w�rfelten ein paar G�ste, und zwar auf die gute Weise. Die Weise, die Leute lachen oder ihre Freunde auf die Schulter klopfen lie�, wenn sie mal verloren. Hier fand man nicht die starren Blicke von M�nnern, die um ihre letzte M�nze spielten.</p><p>�Ihr braucht etwas zu essen�, verk�ndete Kathana. �Ihr seht aus wie ein Mann, der seit einer Woche nichts Vern�nftiges mehr in den Magen bekommen hat. Wie habt Ihr das Auge verloren?�</p><p>�Ich war Leibw�chter eines Lords in Murandy�, sagte Mat. �Verlor es in einem Hinterhalt.�</p><p>�Das ist eine tolle L�ge�, sagte Kathana und stellte mit Schwung eine Holzplatte voller in Streifen geschnittenem Schweinefleisch mit einer Sch�ssel So�e vor ihm ab. �Besser als die meisten. Ihr habt es wirklich gut verkauft. Beinahe h�tte ich Euch geglaubt. Jame, willst du etwas zu essen?�</p><p>�Ich muss die T�r bewachen!�, rief er zur�ck.</p><p>�Beim Licht, Mann. Glaubst du, jemand wird sie stehlen? Komm her.�</p><p>Jame grummelte etwas vor sich hin, kam aber zur Theke und setzte sich neben Mat auf einen Hocker. Kathana stellte ihm einen Becher mit Ale hin, und er f�hrte ihn an die Lippen und starrte dabei stur geradeaus. �Euch behalte ich im Auge�, murmelte er zu Mat.</p><p>Mat war sich nicht sicher, ob das wirklich das richtige Gasthaus f�r ihn war, aber er war sich auch nicht sicher, ob er hier mit dem Kopf auf den Schultern rauskommen w�rde, wenn er nicht wie befohlen verspeiste, was ihm die Frau aufgetischt hatte. Er probierte; es war nicht schlecht. Sie stand mittlerweile an einem der Tische, fuchtelte mit dem Finger herum und belehrte einen Mann. Sie schien der Typ zu sein, der einen Baum dar�ber belehren w�rde, an der falschen Stelle zu wachsen.</p><p><emphasis>Dieser Frau darf man niemals erlauben, denselben Raum wie Nynaeve zu betreten,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Jedenfalls nicht, solange ich in der N�he bin.</emphasis></p><p>Kathana eilte zur�ck. Sie trug einen Hochzeitsdolch um den Hals, aber Mat starrte nicht lange hin, denn schlie�lich war er jetzt ein verheirateter Mann. Sie hatte den Rock in der Art der gew�hnlichen Ebou Dari an der Seite hochgezogen. Als sie zur�ck zur Theke kam und einen Teller f�r Jame f�llte, fiel Mat auf, dass er sie z�rtlich beobachtete, daher riet er einfach. �Seid ihr beiden schon lange verheiratet?�</p><p>Jame schwieg. �Nein�, sagte er schlie�lich. �Ich bin noch nicht lange auf dieser Seite des Ozeans.�</p><p>�Dann ist das ja verst�ndlich�, sagte Mat und probierte das Ale, das sie vor ihm abstellte. Es war nicht �bel, wenn man daran dachte, wie schrecklich die meisten Sachen heutzutage schmeckten. Das hier war nur ein bisschen schlecht.</p><p>Kathana ging zu den W�rfelspielern und verlangte von ihnen, mehr zu essen, da sie so blass aussahen. Es war ein Wunder, dass Jame nicht so viel wie zwei Pferde wog. Aber offensichtlich redete sie gern, also konnte er ihr vielleicht die ben�tigten Informationen entlocken.</p><p>�Hier scheint es nicht mehr so viele Duelle wie fr�her zu geben�, sagte er, als sie an ihm vorbeikam.</p><p>�Das liegt an einer seanchanischen Regel der neuen Kaiserin, m�ge sie ewig leben�, sagte Kathana. �Sie hat Duelle nicht v�llig verboten, und das war auch verdammt gut so. Die Ebou Dari rebellieren nicht wegen so unwichtiger Dinge wie ihrer Eroberung, aber wenn man uns unsere Duelle wegnimmt�� dann kann man was erleben. Aber egal, Duelle m�ssen nun von einem Regierungsbeamten bezeugt werden. Man kann sich nicht mehr duellieren, ohne vorher hundert verschiedene Fragen beantworten und eine Geb�hr zahlen zu m�ssen. Das hat der Sache den ganzen Spa� genommen.�</p><p>�Es hat Leben gerettet�, sagte Jame. �M�nner k�nnen sich immer noch gegenseitig aufschlitzen, wenn sie es unbedingt wollen. Sie m�ssen sich blo� eine Weile vorher abk�hlen und haben Zeit zum Nachdenken.�</p><p>�Bei Duellen geht es nicht darum nachzudenken�, sagte Kathana. �Aber nun brauche ich mir wenigstens keine Sorgen mehr dar�ber zu machen, dass dein h�bsches Gesicht auf der Stra�e zerschnitten wird.�</p><p>Jame schnaubte und legte die Hand auf das Schwert. Erst jetzt fiel Mat auf, dass Reiher den Griff schm�ckten�� allerdings vermochte er nicht zu sehen, ob das auch f�r die Klinge galt. Bevor er eine weitere Frage stellen konnte, marschierte Kathana los und r�gte ein paar M�nner, die ihr Ale vergossen hatten. Anscheinend konnte sie nicht lange still stehen.</p><p>�Wie ist das Wetter im Norden?�, fragte Jame, der noch immer geradeaus starrte.</p><p>�Gr�sslich�, erwiderte Mat ehrlich. �Wie �berall.�</p><p>�Es hei�t, die Letzte Schlacht sei da.�</p><p>�Das ist sie.�</p><p>Jame grunzte. �Wenn sie das ist, w�re es ein schlechter Augenblick, sich in die Politik einzumischen, findet Ihr nicht?�</p><p>�Er w�re genau richtig�, widersprach Mat. �Die Leute m�ssen mit ihren Spielchen aufh�ren und einen Blick zum Himmel werfen.�</p><p>Jetzt sah ihn Jame doch an. �Das ist die Wahrheit. Ihr solltet auf das h�ren, was Ihr sagt.�</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte Mat, <emphasis>er muss mich f�r einen Spion halten.</emphasis> �Das ist nicht meine Entscheidung. Manchmal h�ren Leute nur das, was sie h�ren wollen.� Er a� noch ein St�ck Fleisch, das so gut schmeckte, wie zu erwarten war. Heutzutage etwas zu essen war wie ein Tanzvergn�gen, bei dem es nur h�ssliche M�dchen gab. Allerdings war das hier doch wesentlich besser als das, was er in letzter Zeit leider bekommen hatte.</p><p>�Ein weiser Mann erf�hrt ja vielleicht die Wahrheit�, meinte Jame.</p><p>�Aber zuerst muss man die Wahrheit finden. Das ist schwerer, als die meisten M�nner glauben.�</p><p>Kathana eilte hinter ihnen vorbei und schnaubte. �Die �Wahrheit� ist etwas, �ber das M�nner in Schenken debattieren, wenn sie zu betrunken sind, sich an ihre Namen zu erinnern. Darum befindet sie sich nicht in guter Gesellschaft. Ich w�rde nicht zu viel Gewicht darauf legen, Reisender.�</p><p>�Mein Name ist Mandevwin�, sagte Mat.</p><p>�Aber sicher ist er das.� Kathana musterte ihn von Kopf bis Fu�. �Hat Euch jemand schon einmal gesagt, dass Ihr einen Hut tragen solltet? Der w�rde gut zu dem fehlenden Auge passen.�</p><p>�Tats�chlich?�, sagte Mat trocken. �Ihr verk�stigt also nicht nur M�nner, sondern gebt auch Moderatschl�ge?�</p><p>Sie schlug ihm mit dem Wischlappen auf den Hinterkopf. �Esst lieber.�</p><p>�H�rt zu, mein Freund.� Jame drehte sich zu ihm um. �Ich wei�, was Ihr seid und warum Ihr hier seid. Der falsche Verband um das Auge t�uscht mich nicht. Ihr habt Wurfmesser in Euren �rmeln und mindestens sechs weitere am G�rtel. Ich bin noch nie einem Mann mit nur einem Auge begegnet, der vern�nftig werfen konnte. Sie ist kein so leichtes Ziel, wie Ihr Ausl�nder vielleicht glaubt. Ihr werdet es nie bis in den Palast schaffen, geschweige denn an ihren Leibw�chtern vorbei. Sucht Euch lieber eine anst�ndige Arbeit.�</p><p>Mat starrte den Mann an. Er hielt ihn f�r einen <emphasis>Meuchelm�rder</emphasis>? Er zog den Verband herunter und entbl��te das Loch, wo einst sein Auge gewesen war.</p><p>Jame starrte es an.</p><p>�Meuchelm�rder sind hinter Tuon her?�, sagte Mat ganz ruhig.</p><p>�Nennt sie nicht so�, sagte Kathana und schlug wieder mit dem Wischlappen zu.</p><p>Mat lie� die Hand nach oben schnellen, ohne hinzusehen, und fing die Spitze des Lappens ab. Mit seinem einen Auge erwiderte er James Blick, ohne zu blinzeln.</p><p>�Meuchelm�rder sind hinter Tuon her?�, wiederholte er ruhig.</p><p>Jame nickte. �Haupts�chlich Ausl�nder, die nicht wissen, wie man sich richtig benimmt. Ein paar von ihnen waren in dieser Schenke. Nur einer gab zu, warum er hier war. Ich habe daf�r sein Blut den staubigen Boden des Duellplatzes tr�nken lassen.�</p><p>Mat stand auf. �Dann betrachte ich Euch als Freund�, sagte er. Er kramte in seinem B�ndel herum, holte den Hut hervor und setzte ihn sich auf. �Wer steckt dahinter? Wer hat sie geholt, ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt?�</p><p>Kathana musterte den Hut und nickte zufrieden. Dann z�gerte sie und betrachtete mit zusammengekniffenen Augen sein Gesicht.</p><p>�Es verh�lt sich nicht so, wie Ihr glaubt�, sagte Jame. �Er beauftragt nicht die besten Attent�ter. Es sind Ausl�nder, also sollen sie auch keinen Erfolg haben.�</p><p>�Es ist mir verflucht egal, wie viel Aussicht auf Erfolg sie haben�, sagte Mat. �Wer beauftragt sie?�</p><p>�Er ist zu wichtig, als dass Ihr���</p><p><emphasis>�Wer?�,</emphasis> sagte Mat leise.</p><p>�General Lunal Galgan�, antwortete Jame. �Der Befehlshaber des seanchanischen Heeres. Ich verstehe Euch nicht, mein Freund. Seid Ihr ein Attent�ter oder seid Ihr hier, um Attent�ter zu jagen?�</p><p>�Ich bin kein verdammter Attent�ter.� Mat zog sich den Hut tief ins Gesicht und nahm sein B�ndel. �Ich t�te niemanden, es sei denn, er verlangt es�� macht dabei so ein Theater, dass ich es f�r unh�flich halten w�rde, seiner Bitte nicht zu entsprechen. W�rde ich Euch erstechen, mein Freund, w�rdet Ihr vorher wissen, dass es dazu kommt, und Ihr w�rdet auch den Grund kennen. Das verspreche ich Euch.�</p><p>�Jame�, zischte Kathana. �Das ist <emphasis>er</emphasis>.�</p><p>�Was denn?�, fragte Jame, als sich Mat an ihm vorbeischob und den verh�llten <emphasis>Ashandarei</emphasis> auf die Schulter legte.</p><p>�Der, nach dem die W�chter suchen!�, sagte Kathana. �Licht! Jeder Soldat in Ebou Dar hat den Befehl, nach Euch Ausschau zu halten. Wie seid Ihr durch die Stadttore gekommen?�</p><p>�Mit etwas Gl�ck�, erwiderte Mat und trat in die Gasse hinaus.</p><empty-line/><p>�Worauf wartet Ihr?�, fragte Moiraine.</p><p>Rand wandte sich ihr zu. Sie standen in Lans Stabszelt in Shienar. Es roch nach dem Qualm der brennenden Felder, die Lans und Lord Agelmars Truppen bei ihrem R�ckzug vom Pass angez�ndet hatten.</p><p>Sie verbrannten das Land, das sie lieber verteidigt h�tten. Eine verzweifelte Taktik, aber sehr wirkungsvoll. Die Art von Taktik, die Lews Therin und seine Leute im Zeitalter der Legenden nur sehr z�gerlich benutzt h�tten, jedenfalls zumindest am Anfang. Daf�r hatten sie dann teuer bezahlt.</p><p>Die Grenzl�nder waren da nicht so zimperlich.</p><p>�Warum sind wir hier?�, dr�ngte Moiraine und trat einen Schritt auf ihn zu. Seine T�chter bewachten das Zelt von innen; der Feind sollte lieber nicht erfahren, dass Rand hier war. �Ihr solltet l�ngst am Shayol Ghul sein. Das ist Euer Schicksal, Rand al�Thor. Schluss mit diesen weniger wichtigen K�mpfen.�</p><p>�Meine Freunde sterben hier.�</p><p>�Ich war der Ansicht, dass Ihr solche Schw�chen hinter Euch gelassen habt.�</p><p>�Mitgef�hl ist keine Schw�che.�</p><p>�Ist es nicht? Und wenn Ihr Euren Feind aus Mitgef�hl verschont und ihm dadurch erlaubt, Euch zu t�ten? Was dann, Rand al�Thor?�</p><p>Darauf wusste er keine Antwort.</p><p>�Dieses Risiko d�rft Ihr nicht eingehen. Und ganz egal, ob Ihr die Ansicht teilt, dass Mitgef�hl f�r sich genommen eine Schw�che sein kann oder auch nicht, deswegen dumme Dinge zu tun ist es auf jeden Fall.�</p><p>Oft hatte er �ber den Augenblick nachgedacht, in dem er Moiraine verloren hatte. Er hatte sich wegen ihres Todes gequ�lt, und noch immer staunte er freudig �ber ihre R�ckkehr. Aber manchmal hatte er vergessen, wie beharrlich sie sein konnte.</p><p>�Gegen den Dunklen K�nig werde ich losschlagen, wenn die Zeit gekommen ist�, erwiderte er, �aber nicht vorher. Er muss glauben, dass ich bei den Heeren bin, dass ich mehr Boden zur�ckgewinnen will, bevor ich ihn angreife. Wir m�ssen seine Befehlshaber dazu verleiten, ihre Streitkr�fte nach S�den zu schicken, sonst sind wir am Shayol Ghul sofort nach meiner Ankunft in der Minderzahl.�</p><p>�Das spielt doch keine Rolle�, meinte die Aes Sedai. �Ihr tretet ihm gegen�ber, und das ist der Augenblick der Entscheidung. Alles dreht sich um diesen Augenblick, Wiedergeborener Drache. S�mtliche F�den im Muster sind um Eure Begegnung gewoben, und die Drehung des Rades zieht Euch darauf zu. Bestreitet nicht, dass Ihr das f�hlen k�nnt.�</p><p>�Ich f�hle es.�</p><p>�Dann geht.�</p><p>�Noch nicht.�</p><p>Sie holte tief Luft. �So stur wie eh und je.�</p><p>�Und das ist auch gut so�, erwiderte Rand. �Sturheit hat mich erst so weit gebracht.� Er z�gerte, dann suchte er etwas in seiner Tasche. Etwas Helles und Silbriges kam zum Vorschein�� eine Mark aus Tar Valon. �Hier�, sagte er und hielt sie ihr hin. �Ich habe das hier aufbewahrt.�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen. �Ist das���</p><p>�Dieselbe? Nein. Ich f�rchte, die ist schon vor langer Zeit verloren gegangen. Diese hier habe ich als Pfand mit mir getragen, ohne eigentlich weiter dar�ber nachzudenken.�</p><p>Sie nahm die M�nze und drehte sie zwischen den Fingern um. Sie betrachtete sie noch immer, als die T�chter alarmiert in Richtung Zelteingang blickten. Eine Sekunde sp�ter zog Lan die Plane zur�ck und trat von zwei Malkieri flankiert ein. Mit diesen grimmigen Mienen und harten Gesichtern h�tten die drei M�nner Br�der sein k�nnen.</p><p>Rand legte Lan die Hand auf die Schulter. Der Mann sah keineswegs m�de aus�� ein Stein konnte nicht m�de aussehen��, aber er sah aufgerieben aus. Das Gef�hl war Rand nicht fremd.</p><p>Lan nickte ihm zu, dann sah er Moiraine an. �Habt ihr beiden euch gestritten?�</p><p>Moiraine steckte die Mark ein und verh�rtete ihre Miene. Rand wusste nicht, was er seit Moiraines R�ckkehr von dem Umgang der beiden halten sollte. Sie waren h�flich, aber zwischen ihnen lag eine Distanz, die er nicht erwartet h�tte.</p><p>�Du solltest auf Moiraine h�ren�, sagte Lan an Rand gewandt. �Sie hat sich l�nger auf diese Tage vorbereitet, als du lebst. Lass dich von ihr f�hren.�</p><p>�Sie will, dass ich dieses Schlachtfeld verlasse�, sagte Rand, �und sofort den Shayol Ghul angreife, statt gegen diese Machtlenker hier zu k�mpfen, damit ihr den Pass wieder einnehmen k�nnt.�</p><p>Lan z�gerte. �Dann solltest du vielleicht tun, was sie���</p><p>�Nein.� Rand sch�ttelte den Kopf. �Deine Position ist schrecklich, alter Freund. Ich kann etwas tun, also werde ich das auch machen. Wenn wir diese Schattenlords nicht aufhalten k�nnen, wirst du dich bis nach Tar Valon zur�ckziehen m�ssen.�</p><p>�Maradon war ein Fehler�, beharrte Moiraine angespannt. �Rand, Ihr k�nnt es Euch einfach nicht leisten, Euch so zu entbl��en.�</p><p>�Das Gegenteil kann ich mir aber auch nicht leisten. Ich werde mich nicht zur�cklehnen und Menschen sterben lassen! Nicht, wenn ich sie besch�tzen kann.�</p><p>�Die Grenzl�nder m�ssen nicht beh�tet werden�, sagte Lan.</p><p>�Nein�, erwiderte Rand. �Aber ich kenne keinen, der ein Schwert abgelehnt h�tte, wenn es in der Zeit der Not angeboten wurde.�</p><p>Lan erwiderte seinen Blick, dann nickte er. �Tu, was du kannst.�</p><p>Rand nickte zwei T�chtern zu, die das Nicken erwiderten.</p><p>�Schafhirte�, sagte Lan.</p><p>Rand hob eine Braue.</p><p>Lan salutierte ihm, legte den Arm quer �ber die Brust und neigte den Kopf.</p><p>Rand nickte zur�ck. �Da dr�ben auf dem Boden liegt etwas f�r Euch, Dai Shan.�</p><p>Lan runzelte die Stirn, dann ging er zu einem Deckenstapel. Im Zelt gab es keine Tische. Lan ging auf die Knie, dann hob er eine helle, silbern funkelnde Krone auf�� schmal, aber durchaus stark. �Die Krone von Malkier�, fl�sterte er. �Sie ist verloren gegangen!�</p><p>�Meine Schmiede haben getan, was sie konnten mit den alten Zeichnungen�, sagte Rand. �Die andere ist f�r Nynaeve; ich glaube, sie passt zu ihr. Du bist immer schon ein K�nig gewesen, mein Freund. Elayne hat mir beigebracht, wie man herrschen muss, aber du�� du hast mich gelehrt, wie man aufrecht steht. Danke.� Er wandte sich Moiraine zu. �Haltet ein St�ck Platz f�r meine R�ckkehr frei.�</p><p>Er ergriff die Eine Macht und �ffnete ein Wegetor. Er lie� Lan auf den Knien mit der Krone in der Hand zur�ck und folgte den T�chtern auf ein schwarzes Feld. Verbrannte Weizenhalme knirschten unter seinen Stiefeln. Die Luft war voller Rauch.</p><p>Augenblicklich suchten die T�chter in einer schmalen Bodenvertiefung Schutz, dr�ckten sich gegen die mit Asche bedeckte Erde und bereiteten sich darauf vor, dem Sturm zu widerstehen.</p><p>Denn der zog gerade auf. Vor Rand bewegten sich unz�hlige Trollocs und stachen auf den Boden und die �berreste eines Bauernhauses ein. In der N�he floss der Mora; das hier war das erste kultivierte Land s�dlich vom Tarwin-Pass. Lans Streitkr�fte hatten es abgefackelt, bevor sie sich flussabw�rts vor dem vorr�ckenden Feind zur�ckgezogen hatten.</p><p>Hier waren Zehntausende Bestien versammelt. Vielleicht sogar mehr. Rand hob die Arme, ballte die Faust, holte tief Luft. In dem Beutel an seinem G�rtel trug er einen vertrauten Gegenstand. Der kleine dicke Mann mit dem Schwert, das <emphasis>Angreal</emphasis>, das er bei den Brunnen von Dumai gefunden hatte. F�r einen letzten Blick war er dorthin zur�ckgekehrt und hatte es im Schlamm vergraben gefunden. In Maradon war es sehr n�tzlich gewesen. Niemand wusste, dass es sich in seinem Besitz befand. Das war wichtig.</p><p>Aber er beabsichtigte nicht, sich allein auf irgendwelche Tricks zu verlassen. Trollocs br�llten, als der Wind um Rand herum peitschte. Das war keineswegs das Ergebnis von Machtlenken, noch nicht.</p><p>Das war allein er. Hier zu sein. Sich <emphasis>ihm</emphasis> entgegenzustellen.</p><p>Die Meeresoberfl�che wurde unruhig, wenn unterschiedliche Str�mungen aufeinandertrafen. Winde gewannen an Kraft, wenn sich hei�e und kalte Luft vermengte. Und wo das Licht den Schatten konfrontierte�� da bildeten sich St�rme. Rand br�llte und lie� seine Natur den Sturm aufr�hren. Der Dunkle K�nig legte sich auf das Land und wollte es ersticken. Das Muster verlangte nach Ausgleich. Es brauchte Gleichgewicht.</p><p>Es brauchte den Drachen.</p><p>Der Wind wurde st�rker, Blitze zuckten durch die Luft, schwarzer Staub und verbrannte Halme erhoben sich vom Boden und wirbelten in den Mahlstrom. Schlie�lich lenkte Rand die Macht, als Myrddraal die Trollocs zwangen, ihn anzugreifen. Die Bestien stemmten sich gegen den Sturmwind, und Rand f�hrte die Blitze.</p><p>Es war so viel einfacher zu f�hren, statt zu kontrollieren. Da der Sturm bereits w�tete, brauchte er die Blitze nicht zu zwingen�� er musste sie blo� umschmeicheln.</p><p>Einschl�ge vernichteten die ersten Trolloc-Reihen, hundert Blitze in Folge. Bald wirbelte der Gestank von verbranntem Fleisch im Sturm und gesellte sich zu den verbrannten Weizenhalmen. Rand br�llte, als die Trollocs weiter gegen ihn anst�rmten. Um ihn herum bildeten sich Todestore, Wegetore, die wie Wasserl�ufer �ber den Boden glitten und Bestien in den Tod rissen. Schattengez�cht �berlebte kein Reisen.</p><p>Die Sturmwinde stiegen um Rand in die H�he, w�hrend er die Ungeheuer niederm�hte, die ihn erreichen wollten. Der Dunkle K�nig glaubte, hier herrschen zu k�nnen? Er w�rde erkennen m�ssen, dass dieses Land bereits einen K�nig hatte, er w�rde erkennen m�ssen, dass der Kampf nicht��</p><p>Eine Abschirmung schnitt zwischen Rand und die Quelle. Lachend drehte er sich und versuchte ihren Ursprung zu finden. �Taim!�, rief er, obwohl der Sturm seine Stimme einfing und �berlagerte. �Ich hatte so gehofft, dass du kommst!�</p><p>Das war der Kampf, den Lews Therin st�ndig von ihm verlangt hatte, ein Kampf, den er einfach nicht gewagt hatte. Nicht vor dem heutigen Tag, nicht bevor er die Kontrolle hatte. Er sammelte seine Kr�fte, aber dann traf ihn eine weitere Abschirmung und noch eine.</p><p>Rand zog noch mehr von der Einen Macht in sich hinein, ergriff fast so viel, wie durch das <emphasis>Angreal</emphasis> in Gestalt des dicken Mannes �berhaupt m�glich war. Abschirmungen stachen nach ihm wie ein Schwarm Stechm�cken. Keine davon war stark genug, um ihn von der Quelle zu trennen, aber es gab Dutzende davon.</p><p>Rand beruhigte sich. Er suchte den Frieden, den Frieden der Zerst�rung. Er war das Leben, aber er war auch der Tod. Das Land selbst manifestierte sich in ihm.</p><p>Er schlug zu und vernichtete einen unsichtbaren Schattenlord, der sich in der N�he in den Tr�mmern eines ausgebrannten Geb�udes verbarg. Einen zweiten h�llte er in Feuer ein und verbrannte ihn zu Asche.</p><p>Die Gewebe der Frauen dort drau�en konnte er nicht sehen�� ihre Abschirmungen konnte er blo� f�hlen.</p><p>Zu schwach. Die Abschirmungen waren zu schwach, und doch sorgte er sich wegen der Angriffe. Sie waren schnell erfolgt, von mindestens drei Dutzend Schattenlords, von denen sich jeder bem�hte, ihn von der Quelle zu trennen. Das war gef�hrlich�� dass sie ihn erwartet hatten. Darum war Lan von so vielen Machtlenkern angegriffen worden. Um Rand aus seinem Versteck zu locken.</p><p>Er wehrte die Angriffe ab, aber keiner davon war eine echte Bedrohung f�r ihn. Kein einzelner Machtlenker konnte jemanden von der Quelle abschneiden, der so viel <emphasis>Saidin</emphasis> hielt wie er. Sie h�tten��</p><p>Er erkannte es einen Moment, bevor es geschah. Die Angriffe waren Finten. Es w�rde einer kommen, der von einem Zirkel aus M�nnern und Frauen durchgef�hrt wurde. Und ein Mann w�rde ihn anf�hren.</p><p>Da! Eine Abschirmung prallte gegen ihn, aber er hatte gerade noch genug Zeit gehabt, um Vorbereitungen zu treffen. Er lenkte Geist in den Sturm und webte instinktiv nach Lews Therins Erinnerungen, wehrte die Abschirmung ab. Er schob sie zur Seite, konnte sie aber nicht vernichten.</p><p>Licht! Das musste ein voller Zirkel sein. Rand grunzte, als sich die Abschirmung ihm wieder n�herte. Trotz des Sturms zeichnete sie ein lebendes Muster an den Himmel. Rand widerstand ihr mit seinem eigenen Strom aus Geist und Luft und hielt sie zur�ck, als w�re sie ein Messer an seiner Kehle.</p><p>Er verlor die Kontrolle �ber den Sturm.</p><p>Um ihn herum schlugen Blitze ein. Die anderen Machtlenker verst�rkten den Sturm�� sie versuchten erst gar nicht, ihn zu kontrollieren, denn das war unn�tig. Ihnen reichte schon, dass er au�er Kontrolle war und jeden Augenblick Rand treffen konnte.</p><p>Er br�llte wieder, diesmal nur lauter, entschlossener. <emphasis>Ich werde dich schlagen, Taim! Endlich werde ich das tun, was ich schon vor Monaten h�tte tun sollen!</emphasis></p><p>Aber er lie� nicht zu, dass ihn Zorn und Ungest�m zu der Konfrontation zwangen. Das konnte er sich nicht leisten. Das hatte er gelernt.</p><p>Das hier war nicht der richtige Ort. Hier konnte er nicht k�mpfen. Tat er es, w�rde er verlieren.</p><p>Mit einer Kraftanstrengung schleuderte er Taims Abschirmung zur�ck, dann nutzte er die Atempause, um ein Wegetor zu weben. Seine T�chter sprangen sofort hindurch, und er senkte den Kopf, um dem Wind weniger Angriffsfl�che zu bieten, und folgte ihnen z�gernd.</p><p>Er sprang in Lans Zelt, wo Moiraine seinen Wunsch erf�llt und ein St�ck Platz geschaffen hatte. Er schloss sein Wegetor, und der Wind erstarb und der L�rm verklang.</p><p>Keuchend ballte Rand die Hand zur Faust; Schwei� str�mte ihm das Gesicht herunter. Hier bei Lans Heer war der Sturm weit entfernt, aber Rand h�rte sein Grollen, und die ersten Windst��e zupften an dem Zelt.</p><p>Er k�mpfte darum, nicht auf die Knie zu sacken. Gierig schnappte er nach Luft. M�hsam verlangsamte er seinen rasenden Herzschlag und brachte Ruhe in seine Z�ge. Er wollte <emphasis>k�mpfen</emphasis>, nicht fliehen! Er h�tte Taim besiegen k�nnen!</p><p>Und damit h�tte er sich so sehr geschw�cht, dass ihn der Dunkle K�nig m�helos besiegen konnte. Er zwang seine Faust sich zu �ffnen und rang seine Gef�hle nieder.</p><p>Er schaute auf und sah in Moiraines ruhige, wissende Miene.</p><p>�War es eine Falle?�, fragte sie.</p><p>�Weniger eine Falle als ein gut mit W�chtern vorbereitetes Schlachtfeld�, antwortete Rand. �Sie wissen, was ich in Maradon getan habe. Sie m�ssen Gruppen Schattenlords bereithalten, um zu der Stelle zu Reisen, wo man mich sichtet, um mich dort anzugreifen.�</p><p>�Habt Ihr eingesehen, dass diese Taktik falsch ist?�</p><p>�Falsch�� nein. Nicht durchf�hrbar, ja.�</p><p>Diesen Krieg konnte er nicht pers�nlich anf�hren. Dieses Mal nicht.</p><p>Er w�rde eine andere M�glichkeit finden m�ssen, sein Volk zu besch�tzen.</p></section><section><title><p>12</p><p>Der Splitter eines Augenblicks</p></title><p>Birgitte rannte durch den Wald, begleitet von drei�ig Aiel, die ihre B�gen bereithielten. Sie machten Ger�usche, das war unvermeidlich, aber sie machten weniger Ger�usche, als eigentlich m�glich war. Sie sprangen auf umgest�rzte Baumst�mme und rannten sie ohne zu z�gern entlang, oder sie fanden Steine, auf die sie treten konnten. Tief h�ngenden �sten wichen sie einfach aus, duckten sich, wanden sich, schl�ngelten sich vorbei.</p><p>�Hier�, sagte sie ged�mpft, als sie die Seite eines H�gels umrundeten. Gl�cklicherweise war die H�hle noch da; sie war mit Pflanzen �berwuchert, ein kleiner Bach pl�tscherte daran vorbei. Die Aiel durchquerten ihn, und das Wasser entfernte jeden Geruch ihrer Gegenwart.</p><p>Zwei der M�nner liefen weiter den Wildpfad entlang, bewegten sich nun aber viel lauter und stie�en gegen jeden Zweig, der sich anbot. Birgitte gesellte sich zu denen, die sich in der H�hle verbargen. Sie war dunkel und roch nach Moder und Erde.</p><p>Hatte sie sich vor Jahrhunderten in dieser H�hle versteckt, als sie als R�uberin in diesen W�ldern gehaust hatte? Sie vermochte es nicht zu sagen. Sie erinnerte sich kaum noch an ihre fr�heren Leben, manchmal waren es blo� fl�chtige Blicke auf die dazwischenliegenden Jahre w�hrend ihres Lebens in der Welt der Tr�ume, bevor Moghedien sie auf unnat�rliche Weise in diese Welt gebracht hatte.</p><p>Die Vorstellung fl��te ihr noch immer Ekel ein. Wiedergeboren zu werden war v�llig in Ordnung, ganz frisch und neu. Aber ihre Erinnerungen gewaltsam entrissen zu bekommen, ihre Pers�nlichkeit? Wenn sie ihre Erinnerungen an ihre Zeit in der Welt der Tr�ume verlor, w�rde sie Gaidal dann v�llig vergessen? W�rde sie sich selbst vergessen?</p><p>Sie biss die Z�hne zusammen. <emphasis>Das ist die Letzte Schlacht, du N�rrin,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Wen interessiert das schon?</emphasis></p><p>Sie. Seit einiger Zeit verfolgte sie eine Frage. Was, wenn sie der Rauswurf aus der Welt der Tr�ume vom Horn getrennt hatte? Sie wusste nicht, ob das �berhaupt m�glich war. Sie erinnerte sich nicht an genug, um das sagen zu k�nnen.</p><p>Aber falls es sich so verhielt, w�rde sie Gaidal f�r immer verlieren.</p><p>Drau�en knirschten Bl�tter, knisterten Zweige. Es war so laut, dass sie h�tte schw�ren k�nnen, dass dort tausend Soldaten marschierten�� obwohl sie genau wusste, dass eine Faust Trollocs nur f�nfzig Bestien z�hlte. Trotzdem waren f�nfzig f�r ihre Gruppe eine �bermacht. Aber sie sorgte sich nicht. Auch wenn sie sich gegen�ber Elayne immer beschwerte, nicht viel von der Kriegskunst zu wissen; sich mit einer Gruppe gut ausgebildeter Gef�hrten in einem Wald zu verstecken�� das hatte sie schon �fter gemacht. Dutzende Male. Vielleicht sogar Hunderte Male, aber ihre Erinnerungen waren so verschwommen, dass sie es nicht mit Sicherheit sagen konnte.</p><p>Als die Trollocs sie so gut wie passiert hatten, sprangen sie und ihre Aiel aus der Deckung. Die Bestien waren der falschen Spur gefolgt, die die beiden Aiel-M�nner fr�her erschaffen hatten, und Birgitte griff sie von hinten an, brachte eine Reihe von ihnen mit Pfeilen zur Strecke, bevor der Rest �berhaupt reagieren konnte.</p><p>Trollocs starben nicht leicht. Oft ertrugen sie zwei oder drei Pfeile, bevor sie langsamer wurden. Aber das geschah nur, wenn man die Augen oder den Hals verfehlte. Ihr passierte das nicht. Ihr Bogen schickte ein Ungeheuer nach dem anderen zu Boden. Die Trollocs kamen hangabw�rts von der H�hle, was bedeutete, dass jeder von ihnen, den sie oder die Aiel t�teten, nur eine weitere Leiche war, �ber die die anderen hinwegsteigen mussten, um sie zu erreichen.</p><p>In wenigen Sekunden wurden f�nfzig zu drei�ig. Und diese drei�ig st�rmten den Hang hinauf. Die H�lfte der Aiel zog die Speere und begann mit dem Kampf, w�hrend Birgitte und der Rest ein paar Schritte hangabw�rts sprangen und die Bestien flankierten.</p><p>Zwanzig wurden zu zehn, die zu fliehen versuchten. Trotz der Waldlandschaft boten sie leichte Ziele�� auch wenn man sie zuerst in die Beine oder den Nacken treffen musste, um sie zu Boden zu schicken, damit die Speere ihnen den Rest geben konnten.</p><p>Zehn Aiel vergewisserten sich, dass die Trollocs tot waren, indem sie sie mit Speeren durchbohrten. Die anderen sammelten die Pfeile wieder ein. Birgitte zeigte auf Nichil und Ludin, zwei Aiel-M�nner, und sie schlossen sich ihr an, um die Gegend zu erkunden.</p><p>Ihre Schritte kamen ihr vertraut vor, dieser Wald kam ihr vertraut vor. Nicht nur wegen der vergangenen Leben, an die sie sich nicht l�nger erinnern konnte. W�hrend ihrer Jahrhunderte in der Welt der Tr�ume hatten sie und Gaidal viele Jahre in diesem Wald verbracht. Sie erinnerte sich daran, wie er ihre Wange liebkoste. Ihren Hals.</p><p><emphasis>Ich darf das nicht verlieren,</emphasis> dachte sie und k�mpfte ihre Panik nieder. <emphasis>Beim Licht. Ich darf es einfach nicht. Bitte��</emphasis> Sie wusste nicht, was mit ihr geschah. Da war eine vage Erinnerung, irgendeine Diskussion �ber�� wor�ber noch mal? Es war ihr entglitten. Menschen konnten vom Horn doch nicht entbunden werden, oder doch? Falkenfl�gel w�rde es vielleicht wissen. Sie w�rde ihn fragen m�ssen. Oder hatte sie das bereits getan?</p><p><emphasis>Verflucht!</emphasis></p><p>Bewegungen im Wald lie�en sie erstarren. Neben einem Stein ging sie in die Hocke. Ganz in der N�he raschelte es im Unterholz. Nichil und Ludin waren beim ersten Laut verschwunden. Beim Licht, sie waren gut. Es dauerte einen Augenblick, bis sie sie in der N�he versteckt fand.</p><p>Sie hob einen Finger, zeigte auf sich selbst, dann zeigte sie nach vorn. Sie w�rde erkunden; die anderen w�rden sie decken.</p><p>Birgitte bewegte sich lautlos. Sie w�rde diesen Aiel zeigen, dass sie nicht die Einzigen waren, die wussten, wie man einer Entdeckung entging. Au�erdem waren das <emphasis>ihre</emphasis> W�lder. Ein paar W�stenleute w�rden ihr nicht zeigen, wo es langging.</p><p>Verstohlen bewegte sie sich vorw�rts, ging verdorrten Dornb�schen aus dem Weg. Gab es von denen mehr in der letzten Zeit? Sie schienen zu den wenigen Pflanzen zu geh�ren, die nicht v�llig abgestorben waren. Der Boden roch auf eine Weise abgestanden, wie kein Wald riechen sollte. Allerdings wurde das von dem Gestank nach Tod und Verfall �berlagert. Sie kam an einer weiteren Gruppe toter Trollocs vorbei. Das Blut an ihnen war trocken. Sie waren schon ein paar Tage tot.</p><p>Elayne hatte ihren Truppen befohlen, die eigenen Toten zur�ckzubringen. Abertausende Trollocs krochen k�fergleich durch diese W�lder. Elayne wollte, dass sie �ber ihre Toten stolperten, denn sie hoffte, dass es ihnen Angst einjagen w�rde.</p><p>Birgitte n�herte sich den Ger�uschen. In dem schwachen Licht sah sie gro�e Schatten n�her kommen. Trollocs, die witterten.</p><p>Die Kreaturen st�berten im Wald herum. Die Stra�en mussten sie gezwungenerma�en meiden, weil ein Angriff mit Drachen t�dlich sein konnte. Elaynes Plan basierte auf Gruppen, wie Birgitte eine anf�hrte, die st�ndig auf die Bestien einschlugen, kleine Abteilungen von ihnen tiefer in den Wald lockten und sie dezimierten.</p><p>Leider war diese Abteilung bedeutend zu gro� f�r ihren Sto�trupp. Birgitte zog sich zur�ck, bedeutete den Aiel, ihr zu folgen, und huschte lautlos zu ihrem Lager zur�ck.</p><empty-line/><p>In der Nacht nach seinem Fehlschlag mit Lans Heer floh Rand in seine Tr�ume.</p><p>Er suchte sein Tal des Friedens auf und erschien in einem Hain aus Kirschb�umen in voller Bl�te, deren Duft schwer in der Luft lag. Dank dieser wundersch�nen wei�en Bl�ten mit der roten Mitte hatte es fast den Anschein, als w�rden die B�ume in Flammen stehen.</p><p>Rand trug die einfache Kleidung der Zwei Fl�sse. Nach Monaten in k�niglicher Kleidung mit hellen Farben und weichen Stoffen waren die locker sitzende Wollhose und das Leinenhemd sehr bequem. An die F��e dachte er robuste Stiefel, wie er sie w�hrend seiner Jugend getragen hatte. Sie passten ihm auf eine Weise, wie kein neuer Stiefel, ganz egal, wie gut er auch gemacht war, es je geschafft hatte.</p><p>Alte Stiefel durfte er mittlerweile nicht mehr tragen. Gab es auch nur einen Funken Abnutzung zu sehen, lie� sie irgendein Diener stets verschwinden.</p><p>Rand stand in den Traumh�geln und machte sich einen Wanderstab. Dann stieg er nach oben in die Berge. Das Tal war kein echter Ort, jedenfalls nicht mehr. Er hatte es aus Erinnerungen und Wunschdenken erschaffen, Vertrautes mit einem Gesp�r f�r Entdeckungsreisen vermengt. �berall roch es frisch nach Bl�ttern und Pflanzensaft. Im Unterholz huschten Tiere. Irgendwo in der Ferne kreischte ein Falke.</p><p>Lews Therin hatte gewusst, wie man solche Traumsplitter erschuf. Obwohl er kein Traumg�nger gewesen war, hatten sich die meisten Aes Sedai dieses Zeitalters das <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> auf irgendeine Weise zunutze gemacht. Unter anderem hatten sie gelernt, wie man einen Traum f�r den Eigenbedarf abtrennte, ein Zufluchtsort innerhalb des eigenen Bewusstseins, der kontrollierter als normale Tr�ume war. Sie hatten gelernt, w�hrend ihrer Meditation solche Fragmente zu betreten und dem K�rper dabei eine Erholungspause zu verschaffen, die so wirksam wie Schlaf war.</p><p>Lews Therin hatte diese Dinge gewusst und noch viel mehr. Wie man auf den Geist eines anderen zugriff, falls dieser den Traumsplitter betrat. Wie man feststellen konnte, ob ein Fremder in seine Tr�ume eingedrungen war. Wie man andere seinen Tr�umen aussetzte. Lews Therin hatte es einfach Spa� gemacht, Dinge zu <emphasis>wissen</emphasis>; er war darin wie ein Reisender gewesen, der in seinem Rucksack alles haben wollte, was sich irgendwann als n�tzlich erweisen konnte.</p><p>Diese Werkzeuge hatte er zwar nur selten benutzt. Er hatte sie in seinem Hinterkopf abgelegt, wo sie dann verstaubten. H�tten die Geschehnisse ein anderes Ende genommen, wenn er sich jede Nacht die Zeit genommen h�tte, in einem friedlichen Tal wie dem hier umherzuwandern? Rand vermochte es nicht zu sagen. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, war dieses Tal auch nicht l�nger sicher. Er passierte eine tiefe H�hle zu seiner Linken. Er hatte sie nicht dort hingesetzt. Ein weiterer Versuch Moridins, ihn anzulocken? Er ging daran vorbei, ohne sie eines Blickes zu w�rdigen.</p><p>Der Wald erschien nicht mehr so lebendig wie noch Augenblicke zuvor. Rand ging weiter und versuchte, dem Land seinen Willen aufzuzwingen. Aber darin hatte er sich nicht genug ge�bt�� also nahm der Wald Graut�ne an und erschien ausgewaschen.</p><p>Da war die H�hle wieder. Rand blieb an ihrem Eingang stehen. Kalte, feuchte Luft wehte ihm entgegen und lie� ihn fr�steln; es roch nach Pilzen. Er warf den Wanderstab zur Seite und betrat die H�hle, webte eine Kugel aus wei�blauem Licht und h�ngte sie neben seinen Kopf. Die Helligkeit wurde von dem feuchten Felsen reflektiert und zeigte glatte Fl�chen und Spalten.</p><p>Aus den Tiefen der H�hle ert�nten keuchende Echos. Ihnen folgte St�hnen. Und�� Gepl�tscher. Rand ging weiter, obwohl ihm mittlerweile klar war, worum es sich hier handelte. Er hatte sich schon gefragt, ob sie es erneut versuchen w�rde.</p><p>Am Ende des Tunnels stie� er auf einen kleinen, vielleicht zehn Schritt breiten Raum, wo sich der Felsen zu einem kreisrunden Teich mit klarem Wasser absenkte. Die blauen Tiefen schienen keinen Grund zu haben.</p><p>In der Mitte k�mpfte eine Frau in wei�em Kleid darum, nicht unterzugehen. Der Stoff ihrer Kleidung breitete sich im Wasser aus und bildete einen Kreis. Gesicht und Haare waren nass. W�hrend Rand zusah, keuchte sie auf und versank, schlug in dem kristallklaren Wasser um sich.</p><p>Einen Augenblick sp�ter kam sie keuchend wieder an die Oberfl�che.</p><p>�Hallo, Mierin�, sagte Rand leise. Er ballte die Faust. Auf keinen Fall w�rde er in das Wasser springen, um sie zu retten. Das war ein Traumsplitter. Sicherlich konnte der Teich aus echtem Wasser bestehen, aber es war viel wahrscheinlicher, dass es etwas ganz anderes war.</p><p>Seine Ankunft schien ihr neuen Auftrieb zu verleihen und die wilden Bewegungen wurden effektiver. �Lews Therin�, sagte sie und wischte sich keuchend mit einer Hand das Gesicht ab.</p><p>Licht! Wo war nur seine Ausgeglichenheit geblieben? Unversehens kam er sich wieder wie ein Kind vor, wie der Junge, der Baerlon f�r die gro�artigste Stadt hielt, die je erbaut worden war. Ja, ihr Gesicht war anders, aber Gesichter spielten f�r ihn keine Rolle mehr. Sie war noch immer dieselbe Person.</p><p>Von allen Verlorenen hatte allein Lanfear ihren neuen Namen selbst ausgesucht. Sie hatte immer so einen gewollt.</p><p>Er erinnerte sich. Er <emphasis>erinnerte</emphasis> sich. Wie er mit ihr am Arm gro�artige Feste betreten hatte. Wie ihr Lachen die Musik �bert�nte. Ihre gemeinsamen N�chte. Er hatte sich nicht daran erinnern wollen, wie er mit einer anderen Frau geschlafen hatte, erst recht nicht mit einer der Verlorenen, aber er konnte sich nicht aussuchen, was sein Geist alles enthielt.</p><p>Die fremden Erinnerungen vermengten sich mit seinen eigenen, als er sie als Lady Selene begehrt hatte. Dumme, jugendliche Lust. Solche Regungen hatte er abgelegt, aber die Erinnerungen daran blieben.</p><p>�Du kannst mich befreien, Lews Therin�, sagte Lanfear. �Er hat Anspruch auf mich erhoben. Muss ich betteln? Er hat Anspruch auf mich erhoben!�</p><p>�Du hast dich dem Schatten verschworen, Mierin�, erwiderte Rand. �Das ist deine Belohnung. Erwartest du Mitleid von mir?�</p><p>Etwas Dunkles schoss in die H�he und schlang sich um ihre Beine, um sie wieder in die Tiefe zu rei�en. Trotz seiner Worte ertappte sich Rand dabei, wie er einen Schritt nach vorn machte, als wollte er in den Teich springen.</p><p>Er brachte sich wieder unter Kontrolle. Endlich f�hlte er sich nach langem Kampf wieder wie ein ganzer Mensch. Das verlieh ihm Kraft, aber sein innerer Frieden war eine Schw�che�� die Schw�che, die er immer gef�rchtet hatte. Die Schw�che, die Moiraine richtigerweise in ihm erkannt hatte. Die Schw�che des Mitgef�hls.</p><p>Er brauchte es. So wie ein Helm eine �ffnung brauchte, durch die man sehen konnte. Beides konnte ausgenutzt werden. Er musste sich eingestehen, dass das stimmte.</p><p>Wasser spuckend kam Lanfear wieder an die Oberfl�che und sah hilflos aus. �Muss ich betteln?�, rief sie erneut.</p><p>�Ich glaube nicht, dass du so etwas kannst.�</p><p>Sie senkte den Blick. �Bitte!�, fl�sterte sie.</p><p>Etwas in Rand verkrampfte sich. Um das Licht zu finden, hatte er sich durch Finsternis gek�mpft. Sich selbst hatte er eine zweite Chance verschafft; sollte er das nicht auch einem anderen zugestehen?</p><p>Beim Licht! Er schwankte, erinnerte sich daran, wie es sich angef�hlt hatte, die Wahre Macht zu ergreifen. Diese Qual und diese Erregung, diese Macht und dieses Entsetzen. Lanfear hatte sich dem Dunklen K�nig ausgeliefert. Aber in gewisser Weise hatte er das auch getan.</p><p>Er blickte ihr in die Augen, forschte darin, <emphasis>erkannte</emphasis> sie. Schlie�lich sch�ttelte er den Kopf. �Du bist wesentlich besser in dieser Art von T�uschung geworden, Mierin. Aber nicht gut genug.�</p><p>Ihre Miene verfinsterte sich. Im n�chsten Augenblick wurde der Teich durch einen Steinboden ersetzt. Lanfear sa� dort mit untergeschlagenen Beinen in ihrem silberwei�en Kleid. Trug ihr neues Gesicht, war aber noch immer dieselbe.</p><p>�Also <emphasis>bist</emphasis> du zur�ck�, sagte sie, klang aber keineswegs v�llig zufrieden. �Nun, dann bin ich nicht l�nger gezwungen, mich mit einem Bauernjungen auseinanderzusetzen. Das ist immerhin ein kleiner Segen.�</p><p>Rand schnaubte und betrat den Raum. Sie war noch immer gefangen�� er konnte etwas Dunkles wie eine Schattenkuppel um sie herum f�hlen, und er hielt sich davon fern. Der Teich und das Ertrinken waren blo� Theater gewesen. Sie war stolz, stand aber keineswegs dar�ber, sich schwach zu geben, wenn es die Situation erforderte. H�tte er fr�her Zugang zu Lews Therins Erinnerungen gehabt, h�tte er sich damals in der F�ule niemals so leicht von ihr an der Nase herumf�hren lassen.</p><p>�Dann werde ich dich nicht als eine hilflose Frau ansprechen, die dringend einen heldenhaften Retter braucht�, sagte Lanfear und sah zu, wie er um ihren Kerker herumging. �Sondern als Gleichgestellte, die um Asyl ersucht.�</p><p>�Eine Gleichgestellte?� Rand lachte. �Seit wann betrachtest du jemanden als dir gleichgestellt?�</p><p>�Meine Gefangenschaft bedeutet dir nichts?�</p><p>�Sie schmerzt mich�, sagte er, �aber auch nicht mehr, wie mich geschmerzt hat, dass du dich dem Schatten verschworen hast. Wei�t du eigentlich, dass ich dabei war, als du das enth�llt hast? Du hast mich nicht gesehen, denn ich wollte nicht gesehen werden, aber ich habe zugesehen. Beim Licht, Mierin, du hast geschworen, mich zu t�ten.�</p><p>�Habe ich das ernst gemeint?�, fragte sie und drehte sich um, um ihm in die Augen zu blicken.</p><p>Hatte sie? Nein, das hatte sie nicht. Jedenfalls nicht in diesem Augenblick. Lanfear t�tete niemanden, den sie noch f�r n�tzlich hielt, und ihn hatte sie immer als n�tzlich betrachtet.</p><p>�Wir haben einmal etwas ganz Besonderes geteilt�, sagte sie. �Du warst mein���</p><p>�Ich war dein Schmuckst�ck!�, fauchte Rand. Er holte tief Luft und versuchte sich zu beruhigen. Beim Licht, wie schwer das doch in ihrer N�he fiel. �Die Vergangenheit ist erledigt. Sie ist mir egal, und ich w�rde dir mit Freuden eine zweite Chance f�r das Licht geben. Leider kenne ich dich genau. Du tust es schon wieder. Manipulierst uns, den Dunklen K�nig eingeschlossen. Dir ist das Licht v�llig egal. Du interessierst dich nur f�r Macht, Mierin. Erwartest du allen Ernstes von mir, zu glauben, dass du dich ver�ndert hast?�</p><p>�Du kennst mich nicht so gut, wie du glaubst.� Sie beobachtete ihn, wie er die Grenze ihres Kerkers umrundete. �Das hast du nie.�</p><p>�Dann beweise es mir.� Rand blieb stehen. �Enth�lle mir deinen Geist. �ffne ihn mir v�llig. Gib mir die Kontrolle �ber dich, hier an diesem Ort der beherrschten Tr�ume. Sind deine Absichten rein, befreie ich dich.�</p><p>�Um was du mich da bittest, ist verboten.�</p><p>Er lachte. �Wann hat dich das je von etwas abgehalten?�</p><p>Sie schien dar�ber nachzudenken; ihre Gefangenschaft schien sie tats�chlich zu beunruhigen. Einst h�tte sie �ber einen derartigen Vorschlag blo� gelacht. Da es sich hier angeblich um einen Ort handelte, an dem er die absolute Kontrolle besa�, falls sie ihm das gestattete, konnte er sie auseinandernehmen und in die Tiefen ihres Verstandes eintauchen.</p><p>�Ich���, sagte Lanfear.</p><p>Er machte einen Schritt nach vorn, direkt bis zum Rand ihres Kerkers. Dieses Zittern in ihrer Stimme�� das erschien echt. Das erste echte Gef�hl, das sie zeigte.</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte er und lie� ihren Blick nicht los. <emphasis>Wird sie es tats�chlich tun?</emphasis></p><p>�Ich kann nicht�, sagte sie. �Ich kann nicht.� Beim zweiten Mal sagte sie es leiser.</p><p>Rand atmete aus. Seine Hand zitterte. So nahe dran. So nahe am Licht, wie eine Raubkatze in der Nacht, die vor der beleuchteten Scheune auf und ab schlich! Er versp�rte Wut, mehr Wut als zuvor. Das tat sie doch jedes Mal! Mit dem zu lieb�ugeln, was richtig war, aber dann stets den eigenen Weg zu w�hlen.</p><p>�Ich bin fertig mit dir, Mierin�, sagte Rand, wandte sich ab und verlie� das Gemach. �F�r immer.�</p><p>�Du irrst dich in mir!�, rief sie da. �Du hast dich <emphasis>immer</emphasis> in mir geirrt! W�rdest du dich jemandem auf diese Weise zeigen? Ich kann das nicht tun. Ich bin zu oft von jenen geschlagen worden, denen ich h�tte vertrauen sollen. Von jenen verraten worden, die mich h�tten lieben sollen.�</p><p>�Du machst mich daf�r verantwortlich?� Rand fuhr auf dem Absatz herum.</p><p>Sie wich seinem Blick nicht aus. Herrisch sa� sie da, als w�re ihr Gef�ngnis ein Thron.</p><p>�In deiner Erinnerung hat sich das wirklich so abgespielt, oder? Du glaubst, ich h�tte dich f�r sie verraten?�</p><p>�Du hast gesagt, du liebst mich.�</p><p>�Das habe ich nie gesagt. <emphasis>Nie.</emphasis> Das konnte ich nicht. Ich wusste nicht, was Liebe ist. Ein Leben von Jahrhunderten, und ich habe es erst entdeckt, als ich ihr begegnete.� Er z�gerte, dann fuhr er fort, sprach aber so leise, dass seine Stimme in der kleinen H�hle nicht einmal hallte. �Du hast dieses Gef�hl wirklich nie erlebt, oder? Nat�rlich nicht. Wer k�nnte dich schon lieben? Dein Herz geh�rt bereits vollst�ndig etwas anderem, n�mlich der Macht, die du so sehr begehrst. Da ist kein Platz mehr f�r etwas anderes �brig.�</p><p>Rand lie� los.</p><p>Auf eine Weise, wie es Lews Therin selbst nie geschafft hatte. Der hatte sich an seinem Hass und seiner Verachtung festgekrallt, selbst nachdem er Ilyena kennengelernt hatte, selbst nachdem er erkannt hatte, wie Lanfear ihn benutzt hatte. <emphasis>Erwartest du Mitleid von mir?,</emphasis> hatte Rand sie gefragt.</p><p>Jetzt f�hlte er nichts anderes. Mitleid f�r eine Frau, die nie die Liebe kennengelernt hatte, eine Frau, die sich selbst daran gehindert hatte, sie kennenzulernen. Mitleid f�r eine Frau, die einfach nicht dazu f�hig war, eine andere Seite als die ihre zu w�hlen.</p><p>�Ich���, sagte sie leise.</p><p>Rand hob die Hand, dann �ffnete er sich ihr. Seine Absichten, sein Verstand, sein Ich erschienen als ein Wirbel aus Farben, Gef�hlen und Macht um ihn herum.</p><p>Sie riss die Augen weit auf, als der Wirbel wie Bilder auf einer Wand vor ihr ablief. Sie sah seine Motive, was er sich ersehnte, seine W�nsche f�r die Menschheit. Sie sah seine Absichten. Zum Shayol Ghul zu gehen und den Dunklen K�nig zu t�ten. Eine bessere Welt zur�ckzulassen als beim letzten Mal.</p><p>Er hatte nicht die geringste Angst, diese Dinge zu offenbaren. Er hatte die Wahre Macht ber�hrt, also kannte der Dunkle K�nig sein Herz. Hier fand man keine �berraschungen, zumindest nichts, das einen h�tte �berraschen <emphasis>sollen</emphasis>.</p><p>Lanfear war trotzdem �berrascht. Ihr klappte der Kiefer herunter, als sie die Wahrheit erkannte�� dass tief in seinem Inneren nicht Lews Therin sein eigentliches Wesen ausmachte. Es war der Schafhirte, den Tam gro�gezogen hatte. In wenigen Augenblicken rasten seine Leben vorbei, waren seine Erinnerungen und Gef�hle entbl��t.</p><p>Als Letztes zeigte er ihr seine Liebe f�r Ilyena�� sie war wie ein gl�hender Kristall, f�r den man einen Platz auf einem Regal an der Wand gefunden hatte, um ihn zu bewundern. Dann seine Liebe f�r Min, Aviendha und Elayne. Sie w�rmte wie ein brennendes Leuchtfeuer, tr�stete und war voller Leidenschaft.</p><p>In dem, was er dort enth�llte, war keine Liebe f�r Lanfear. Nicht einmal ein Hauch davon. Aber er hatte auch Lews Therins Verachtung f�r sie ausgemerzt. Und so bedeutete sie ihm absolut nichts mehr.</p><p>Sie keuchte.</p><p>Das Leuchten um Rand verblasste. �Es tut mir leid�, sagte er. �Das ist mein Ernst. Ich bin fertig mit dir, Mierin. Halte bei dem kommenden Sturm deinen Kopf unten. Wenn ich diesen Kampf gewinne, musst du nicht l�nger um deine Seele f�rchten. Dann wird es niemanden mehr geben, der dich qu�len kann.�</p><p>Er wandte sich wieder von ihr ab und verlie� die H�hle. Stumm blieb sie zur�ck.</p><empty-line/><p>Der Abend im Braemwald wurde vom Geruch der Lagerfeuer in ihren Erdgruben und dem leisen St�hnen der M�nner begleitet, die mit dem Schwert in der Hand in unruhigen Schlaf sanken. In der Sommerluft lag eine unnat�rliche K�hle.</p><p>Perrin ging durch das Lager der M�nner, die unter seinem Befehl standen. Der Kampf in diesen W�ldern war hart gewesen. Seine Leute f�gten den Trollocs schwere Verluste zu, aber beim Licht, es schien stets gen�gend Schattengez�cht zur Verf�gung zu stehen, um f�r Ersatz zu sorgen.</p><p>Nachdem er sich darum gek�mmert hatte, dass seine Leute etwas Anst�ndiges zu essen bekommen hatten, dass die Wachen aufgestellt waren und die M�nner wussten, was sie zu tun hatten, falls sie in der Nacht von einem Angriff geweckt wurden, suchte er nach den Aiel. Insbesondere nach den Weisen Frauen. Sie hatten sich fast alle entschieden, Rand bei seinem Marsch zum Shayol Ghul zu begleiten�� im Augenblick warteten sie auf seinen Befehl��, aber einige von ihnen waren bei ihm geblieben, Edarra eingeschlossen.</p><p>Sie und die anderen Weisen Frauen unterstanden nicht seinem Befehl. Und doch blieben sie wie Gaul bei ihm, w�hrend ihre Artgenossen anderswohin zogen. Perrin hatte sie nicht nach dem Grund gefragt. Eigentlich war er ihm sogar egal. Sie bei sich zu haben war n�tzlich, und er war dankbar.</p><p>Die Aiel lie�en ihn ihre Lagergrenze passieren. Er fand Edarra an einem Feuer sitzen, das sorgf�ltig mit Steinen umgeben war, damit kein zuf�lliger Funken entkommen konnte. So trocken, wie diese W�lder waren, w�rden sie schneller brennen als eine mit der Heuernte gef�llte Scheune.</p><p>Sie schaute Perrin an, als er sich neben sie setzte. Die Aiel sah jung aus, roch aber nach Geduld, Neugier und Kontrolle. Weisheit. Sie fragte nicht, was Perrin von ihr wollte. Sie wartete darauf, dass er das Wort ergriff.</p><p>�Seid Ihr eine Traumg�ngerin?�, fragte Perrin.</p><p>Sie musterte ihn in der Dunkelheit der Nacht und vermittelte ihm den deutlichen Eindruck, dass das keine Frage war, die ein Mann ��oder gar ein Au�enseiter�� stellen durfte.</p><p>Daher �berraschte es ihn, als sie antwortete.</p><p>�Nein.�</p><p>�Wisst Ihr viel dar�ber?�</p><p>�Ein bisschen.�</p><p>�Ich muss eine M�glichkeit finden, um die Welt der Tr�ume leibhaftig betreten zu k�nnen. Nicht nur im Schlaf im Traum, sondern mit meinem richtigen K�rper. Habt Ihr schon von so etwas geh�rt?�</p><p>Sie atmete scharf ein. �Denkt nicht einmal daran, Perrin Aybara. Das ist eine b�se Sache.�</p><p>Perrin runzelte die Stirn. Im Wolfstraum ��in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis>�� war Kraft eine komplizierte Angelegenheit. Je st�rker er sich im Traum manifestierte, je solider er dort war, umso leichter fiel es ihm, die Dinge dort zu �ndern und diese Welt zu manipulieren.</p><p>Allerdings barg das ein Risiko. Trat er zu energisch in den Traum ein, riskierte er, sich f�r immer von seinem in der realen Welt schlafenden K�rper abzuschneiden.</p><p>Der Schl�chter schien sich daran nicht zu st�ren. Er war dort stark, so unendlich <emphasis>stark</emphasis>; der Mann hielt sich mit seinem K�rper im Traum auf. Perrin war zusehends davon �berzeugt.</p><p><emphasis>Unser Wettstreit endet nicht, bevor du die Beute bist, Schl�chter. Wolfsj�ger,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich werde dir ein Ende bereiten.</emphasis></p><p>�Ihr seid in vielerlei Weise noch immer ein Kind�, murmelte Edarra, ohne ihn aus den Augen zu lassen, �obwohl Ihr so viel Ehre errungen habt.� Perrin hatte sich daran gew�hnt, dass ihn Frauen, die nicht einmal ein oder zwei Jahre �lter als er waren, auf diese Weise ansprachen. Auch wenn ihm das nicht gerade gefiel. �Keine Traumg�ngerin wird Euch das beibringen. Es ist b�se.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Die Welt der Tr�ume im Fleisch zu betreten kostet Euch einen Teil dessen, was Eure Menschlichkeit ausmacht. Solltet Ihr au�erdem im Fleisch an diesem Ort sterben, sterbt Ihr f�r alle Ewigkeit. Keine Wiedergeburt mehr, Perrin Aybara. Euer Faden im Muster k�nnte f�r alle Ewigkeit enden, Ihr selbst w�rt vernichtet. Das ist nichts, das Ihr in Betracht ziehen solltet.�</p><p>�Die Diener des Schattens tun das�, erwiderte Perrin. �Sie gehen dieses Risiko ein, um zu dominieren. Wollen wir sie aufhalten, m�ssen wir das gleiche Risiko eingehen.�</p><p>Edarra zischte leise und sch�ttelte den Kopf. �Schneidet Euch nicht den Fu� ab, weil Ihr bef�rchtet, die Schlange k�nnte Euch bei�en, Perrin Aybara. Macht keinen schrecklichen Fehler, weil Ihr etwas f�rchtet, das noch schlimmer erscheint. Das ist alles, was ich zu diesem Thema zu sagen habe.�</p><p>Sie stand auf und lie� ihn am Feuer zur�ck.</p></section><section><title><p>13</p><p>Was getan werden muss</p></title><p>Das Heer teilte sich vor Egwene, als sie den H�geln im s�d�stlichen Kandor entgegenritt, wo sie den heranr�ckenden Feind bald in K�mpfe verwickeln w�rden. Sie f�hrte �ber hundert Aes Sedai an, von denen viele der Gr�nen Ajah angeh�rten. Brynes taktische �nderungen waren schnell und gr�ndlich erfolgt. Ihm stand etwas Besseres als Bogensch�tzen zur Verf�gung, um einen Sturmangriff abzuwehren, etwas Zerst�rerisches als schwere Kavallerie, um so viel Schaden wie m�glich anzurichten.</p><p>Es war der Augenblick gekommen, es auch zu benutzen.</p><p>Die beiden kleineren Einsatzgruppen aus Aes Sedai begaben sich zu den Flanken der Heere. Einst mochten diese H�gel gr�n und lebendig gewesen sein. Jetzt waren sie gelb und braun, als h�tte die Sonne sie verbrannt. Egwene versuchte, die Vorteile zu sehen. Immerhin w�rden sie nun einen festen Untergrund haben, und auch wenn gelegentlich Blitze den Himmel entlangzuckten, erschien Regen doch unwahrscheinlich.</p><p>Die n�her r�ckenden Trollocs schienen sich endlos in jede Richtung auszubreiten. Obwohl Egwene eine gewaltige Armee zur Verf�gung stand, erschien sie unversehens winzig. Gl�cklicherweise hatten sie einen einzigen Vorteil: Die Armee der Bestien wurde von der Notwendigkeit angetrieben, immer weiter nach vorn vorzusto�en. Trolloc-Armeen l�sten sich einfach auf, wenn sie nicht st�ndig vorr�ckten. Sie fingen an, sich zu streiten. Ihnen ging die Nahrung aus.</p><p>Egwenes Armee war ein Hindernis auf ihrem Weg. Und ein K�der. Das Schattengez�cht konnte sich nicht leisten, eine solche Streitmacht zu ignorieren, also w�rde Egwene sie auf den von ihr gew�nschten Pfad locken.</p><p>Ihre Aes Sedai erreichten die Front. Bryne hatte sein Heer in gro�e, au�erordentlich bewegliche Sto�trupps aufgeteilt, die die Ungeheuer dort treffen sollten, wo sie Verwundbarkeit zeigten.</p><p>Die offensive Struktur seiner Truppen schien die Trollocs zu verwirren. Zumindest interpretierte Egwene die Unruhe in ihren Reihen so, die sich in aufgew�hlten Bewegungen und verst�rktem L�rm �u�erte. Nur selten mussten sich Trollocs darum sorgen, in der Defensive zu sein. Sie griffen an, Menschen verteidigten sich. Menschen sorgten sich. Menschen waren Nahrung.</p><p>Egwene erreichte den Kamm eines niedrigen H�gels und schaute auf die Ebene, wo die Bestien dicht zusammenger�ckt standen und ihre Aes Sedai zu beiden Seiten von ihr in einer langen Reihe Aufstellung nahmen. Die M�nner hinter ihnen erschienen unsicher. Sie wussten, dass Egwene und die anderen Aes Sedai waren, und kein Mann f�hlte sich in Gegenwart einer Aes Sedai ungezwungen.</p><p>Egwene zog etwas Langes, Wei�es und Schlankes aus dem Lederbeh�lter an ihrem G�rtel. Einen geriffelten Stab, Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Es lag gut und vertraut in ihrer Hand. Obwohl sie dieses <emphasis>Sa�angreal</emphasis> nur einmal benutzt hatte, konnte sie das Gef�hl nicht absch�tteln, dass es sie erw�hlt hatte. Und im Gegenzug sie es. Beim Kampf gegen die Seanchaner war das ihre Waffe gewesen. Zum ersten Mal verstand sie, warum sich ein Soldat mit seinem Schwert verbunden f�hlte.</p><p>Das Gl�hen der Macht flammte um die Frauen an der Frontlinie auf wie bei einer Laternenreihe, die man entz�ndete. Egwene umarmte die Quelle, und die Eine Macht str�mte wie ein Wasserfall in sie hinein, f�llte sie aus und �ffnete ihr die Augen. Die Welt wurde s��er, die Ger�che von Waffen�l und darbendem Gras st�rker.</p><p>In der Umarmung <emphasis>Saidars</emphasis> sah sie die Spuren von Farben, von denen der Schatten nicht wollte, dass sie sie wahrnahmen. Nicht das ganze Gras war tot; �berall gab es winzige gr�ne Spuren, wo es sich ans Leben klammerte. Unter der Oberfl�che bewegten sich W�hlm�use, wie ihr jetzt die Bewegungen der Erde verrieten. Die Tiere nagten an den sterbenden Wurzeln und klammerten sich an das Leben.</p><p>Mit einem durchtriebenen L�cheln zog Egwene die Eine Macht durch den geriffelten Stab. In dieser Sturzflut lenkte sie ein einsames Schiffchen auf einem Meer aus Kraft und Energie und umarmte den Wind. Endlich setzten sich die Trollocs in Bewegung. Ein br�llender Sturmlauf aus Waffen, Rei�z�hnen, Gestank und viel zu menschlichen Augen. Vielleicht hatten die Myrddraal die Aes Sedai an vorderster Front erkannt und wollten die Machtlenkerinnen angreifen und vernichten.</p><p>Die Frauen warteten auf Egwenes Zeichen. Sie hatten sich nicht zu einem Zirkel verkn�pft�� ein Zirkel funktionierte am besten, wenn man einen konzentrierten, pr�zisen Strom der Einen Macht brauchte. Das war heute nicht erw�nscht. Heute ging es blo� darum, etwas zu vernichten.</p><p>Sobald die Bestien den halben Weg zu den H�geln zur�ckgelegt hatten, begann Egwene mit ihrer Offensive. Schon immer war sie ungew�hnlich stark in Erde gewesen, also f�hrte sie mit den schlichtesten und zerst�rerischsten aller Gewebe. Auf breiter Front sandte sie Str�nge Erde in den Boden unter den Ungeheuern und stemmte ihn empor. Mithilfe von Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> f�hlte sich das so leicht an, als w�rde man eine Handvoll Kieselsteinchen in die Luft werfen.</p><p>Nach diesem Zeichen webte die ganze Reihe Frauen die Macht. Gl�hende F�den wogten in der Luft. Reine Str�me aus Feuer, sich aufb�umender Erde, aus Windst��en, die Tiermenschen gegeneinanderschleuderten und sie zu Fall brachten.</p><p>Die Bestien, die Egwene in die Luft geworfen hatte, st�rzten wieder zu Boden, und vielen fehlten Arme oder Beine. Knochen brachen, und Trollocs schrien gequ�lt auf, als ihre Artgenossen auf ihnen landeten. Egwene lie� die zweite Reihe �ber die Gest�rzten straucheln, dann schlug sie erneut zu. Dieses Mal konzentrierte sie sich nicht auf die Erde, sondern auf Metalle.</p><p>Metall in R�stungen, in Waffen und in Schmuck. Sie zerschmetterte �xte und Schwerter, Kettenhemden und gelegentlich auch Harnische. Stahlfragmente wirbelten mit t�dlicher Geschwindigkeit umher. Spr�hendes Blut f�rbte die Luft rot. Die n�chsten Reihen versuchten, dem Schrapnell zu entgehen, aber die dahinter befindlichen Angreifer hatten zu viel Schwung. Sie stie�en ihre Gef�hrten in die Todeszone und trampelten sie nieder.</p><p>Egwene t�tete auch die n�chste Welle mit explodierendem Metall. Das war schwerer, als den Boden in die H�he zu schleudern, aber es war in den hinteren Reihen auch nicht zu sehen, darum konnte sie sie auch weiterhin vernichten, ohne dass sie erkannten, was sie eigentlich damit anrichteten, wenn sie ihre Gef�hrten weiter nach vorn stie�en.</p><p>Wieder riss Egwene die Erde auseinander. Unverf�lschte Macht einzusetzen und Gewebe in ihren Grundformen zu schleudern hatte etwas Belebendes. In diesem Moment, in dem sie verst�mmelte, vernichtete und dem Feind den Tod brachte, hatte sie das Gef�hl, mit dem Land zu verschmelzen. Dass sie das Werk verrichtete, nach dem es sich so lange schon gesehnt hatte. Die F�ule und das Schattengez�cht, das sie hervorbrachte, waren eine Krankheit. Auswurf. Erf�llt von der Einen Macht stand Egwene in Flammen, war ein loderndes Leuchtfeuer aus Tod und Richterspruch; sie war die Flamme, die die Wunde ausbrannte und dem Land Heilung bringen w�rde.</p><p>Die Trollocs bem�hten sich mit aller Kraft, die Gewebe der Aes Sedai zu durchbrechen, aber damit kamen nur immer mehr von ihnen in Reichweite der Wei�en Burg. Die Gr�nen wurden dem Ruf ihrer Ajah gerecht und schickten dem Feind ein Gewebe der Zerst�rung nach dem anderen entgegen�� aber die anderen Ajahs folgten ihrem Beispiel.</p><p>Der Boden erbebte, und die Luft war erf�llt mit den Todesschreien der Sterbenden. K�rper zerrissen, Fleisch brannte. Nicht wenige Soldaten der Frontlinie mussten sich bei dem Anblick �bergeben. Und noch immer schlugen die Aes Sedai auf die Reihen der Trollocs ein. Einzelne Schwestern suchten sich wie befohlen Myrddraal. Egwene traf selbst einen, riss ihm mit einem Gewebe aus Feuer und Luft den augenlosen Sch�del vom Hals. Jeder get�tete Blasse vernichtete die mit ihm verkn�pften F�uste Trollocs.</p><p>Egwene verdoppelte ihre Angriffe. Eine Reihe traf sie mit einer Welle explodierender Erde, dann schleuderte sie ein Gewebe Luft in die st�rzenden K�rper und schmetterte sie in die Reihen dahinter. Sie riss L�cher in den Boden und lie� die Steine in der Erde zerplatzen. Es kam ihr so vor, als schlachtete sie stundenlang Trollocs. Schlie�lich gab das Schattengez�cht nach, und die Bestien wichen trotz der Peitschen der Myrddraal zur�ck. Egwene holte tief Luft ��sie sp�rte die ersten Anzeichen von Schw�che�� und t�tete noch mehr Blasse. Schlie�lich hatten auch sie genug und flohen vor den H�geln.</p><p>Egwene sackte auf ihrem Sattel zusammen und senkte ihr <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Sie vermochte nicht genau zu sagen, wie viel Zeit vergangen war. Die Soldaten in der N�he starrten sie mit weit aufgerissenen Augen an. An diesem Tag war ihr Blut nicht erforderlich gewesen.</p><p>�Das war <emphasis>beeindruckend</emphasis>�, sagte Gawyn und ritt an ihre Seite. �Als w�rden sie eine Stadtmauer angreifen und versuchen Sturmleitern aufzustellen�� nur eben ohne Mauern und Leitern.�</p><p>�Die kommen wieder�, sagte Egwene m�de. �Wir haben nur einen Bruchteil von ihnen get�tet.�</p><p>Morgen oder sp�testens �bermorgen w�rden sie es erneut versuchen. Vielleicht mit einer neuen Taktik�� m�glicherweise w�rden sie in getrennten Wellen angreifen, um es den Aes Sedai schwerer zu machen, ganze Horden auf einmal zu vernichten.</p><p>�Wir haben sie �berrascht�, fuhr Egwene fort. �Beim n�chsten Mal werden sie energischer anst�rmen. Aber heute haben wir standgehalten.�</p><p>�Du hast nicht nur standgehalten�, sagte Gawyn mit einem L�cheln. �Du hast sie in die Flucht gejagt. Ich habe noch nie gesehen, wie eine Armee so gr�ndlich Pr�gel bezogen hat.�</p><p>Der Rest des Heeres schien seine Meinung zu teilen, die Soldaten jubelten und schwenkten die Waffen. Egwene unterdr�ckte ihre M�digkeit und steckte den Stab weg. In der N�he senkten andere Aes Sedai kleine Statuen, Armb�nder, Broschen, Ringe und St�be. Sie hatten jedes verf�gbare <emphasis>Angreal</emphasis> und <emphasis>Sa�angreal</emphasis> aus den Lagerr�umen der Wei�en Burg geholt ��so wenig das auch sein mochten�� und sie unter den Schwestern an der Front verteilt. Am Ende eines jeden Tages w�rde man sie einsammeln und an die Schwestern weiterreichen, die f�rs Heilen zust�ndig waren.</p><p>Die Aes Sedai drehten um und ritten durch das jubelnde Heer zur�ck. Leider w�rde bald die Zeit der Trauer kommen. Die Schwestern konnten nicht jede Schlacht gewinnen. Aber im Augenblick war Egwene zufrieden damit, die Soldaten ihren Sieg genie�en zu lassen, denn es war ein Sieg der besten Art. Die Art, die keine L�cken in ihren Reihen zur�cklie�.</p><empty-line/><p>�Der Lord Drache und seine Truppen haben damit angefangen, Shayol Ghul zu erkunden.� Bashere zeigte auf eine der Karten. �Unser Widerstand in Kandor und Shienar zwingt den Schatten, immer mehr Truppen zu diesen K�mpfen zu entsenden. Bald wird die F�ule bis auf eine kleine Zahl Verteidiger gr��tenteils leer sein. Dann kann er leichter zuschlagen.�</p><p>Elayne nickte. Irgendwo in ihrem Hinterkopf f�hlte sie Rand. Etwas bereitete ihm Sorgen, aber er war einfach zu weit weg, um das besser wahrnehmen zu k�nnen. Gelegentlich besuchte er sie in ihrem Lager im Braemwald, aber im Augenblick befand er sich an einer der anderen Fronten.</p><p>Bashere fuhr fort. �Die Amyrlin sollte in der Lage sein, Kandor zu halten, wenn man die Zahl an Machtlenkerinnen bedenkt, die ihr zur Verf�gung stehen. Wegen ihr mache ich mir keine Sorgen.�</p><p>�Aber wegen der Grenzl�nder schon�, sagte Elayne.</p><p>�Ja. Sie wurden aus dem Tarwin-Pass vertrieben.�</p><p>�Ich w�nschte, sie h�tten ihre Stellung halten k�nnen, aber die �bermacht war zu gro�. Daran l�sst sich nichts mehr �ndern, au�er ihnen die Hilfe zukommen zu lassen, die uns m�glich ist.�</p><p>Bashere nickte. �Vielleicht k�nnte Lord Mandragoran seinen R�ckzug mit mehr Aes Sedai oder Asha�man wieder in einen Vorsto� verwandeln.�</p><p>Von denen sie keine mehr entbehren konnten. Sie hatte ihm ein paar Aes Sedai aus Egwenes Lager geschickt, um ihn bei seinem ersten R�ckzug zu unterst�tzen, und das hatte geholfen. Aber wenn nicht einmal Rand selbst die Schattenlords dort vernichten konnte��</p><p>�Lord Agelmar wird wissen, was zu tun ist�, sagte Elayne. �Wenn es das Licht will, kann er die Trollocs von den dichter besiedelten Gegenden weglocken.�</p><p>Bashere grunzte. �Ein solcher R�ckzug ��sie sind ja fast schon in die Flucht geschlagen worden�� bringt f�r gew�hnlich keine Gelegenheit, den Verlauf einer Schlacht zu beeinflussen.� Er zeigte auf die Karte von Shienar.</p><p>Elayne studierte sie. Der Weg der Trollocs w�rde kein bev�lkertes Land verschonen. Fal Dara, Mos Shirare, Fal Moran�� Und Stadtmauern richteten gegen Schattenlords nichts aus.</p><p>�Schickt Lan und den Lords von Shienar eine Botschaft�, sagte sie leise. �Befehlt, dass Fal Dara und Ankor Dail niedergebrannt werden sollen, und Fal Moran und D�rfer wie Medo. Sie verbrennen bereits das Nutzland�� sie sollen auch die St�dte leeren. Evakuiert die Zivilisten nach Tar Valon.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Bashere leise.</p><p>�Es muss getan werden, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte der General.</p><p>Licht, was f�r ein Schlamassel. <emphasis>Nun, was hast du erwartet? Alles ganz ordentlich und einfache L�sungen?</emphasis></p><p>Das Scharren von Bl�ttern verk�ndete, dass Talmanes mit einem seiner Kommandanten kam. Der Cairhiener sah ersch�pft aus. Das taten sie alle. Eine Woche der Schlacht war erst der Anfang, aber die damit verbundene Aufregung legte sich. Jetzt kam die eigentliche Arbeit des Krieges. Tage des Kampfes oder des Wartens auf den Kampf, N�chte, in denen man mit dem Schwert in der Hand schlief.</p><p>Elayne hatte den Morgen eintausend Schritt weiter s�dlich begonnen, aber der geordnete R�ckzug hielt sie in Bewegung. Die neue Stellung war ideal. Drei kleine B�che mit leichtem Zugang, genug Raum f�r ein Truppenlager, B�ume auf dem H�gel, die auch als Wacht�rme dienten. Bedauerlich, dass sie diesen Ort am Morgen wieder verlassen mussten.</p><p>�Die Trollocs kontrollieren den ganzen s�dlichen Teil des Waldes�, sagte Bashere und rieb sich den Schnurrbart. �Sie meiden die Lichtungen. Das bedeutet, dass unsere Kavallerie nicht vern�nftig operieren kann.�</p><p>�Die Drachen sind hier so gut wie nutzlos, Euer Majest�t�, sagte Talmanes. �Da sich die Kreaturen nun von den Stra�en fernhalten, f�llt es uns schwer, anst�ndigen Schaden anzurichten. Im Wald ist es fast unm�glich, die Drachenkarren zu man�vrieren, und wenn wir einen Schuss abfeuern k�nnen, zerst�ren wir mehr B�ume als Schattengez�cht.�</p><p>�Was ist mit diesen�� wovon auch immer Aludra da sprach.�</p><p>�Ihre Drachenz�hne?�, sagte Talmanes. �Das ist besser. Damit verschie�en die Drachen Metallschrot statt nur einer Kugel. Das streut ziemlich und funktioniert innerhalb des Waldes halbwegs ordentlich, aber ich bleibe dabei, dass die Drachen weniger Schaden anrichten, als das Risiko ihres Einsatzes wert ist.�</p><p>�Ich glaube, der Wald hat uns so viel gen�tzt, wie m�glich war�, sagte Bashere und verschob ein paar Trolloc-Platzhalter auf ihren Karten. �Wir haben ihre Zahl reduziert, aber sie werden schlauer, bleiben im dichten Wald und versuchen, uns einzukreisen.�</p><p>�Vorschl�ge?�</p><p>�Ziehen wir uns zur�ck. In Richtung Osten.�</p><p>�Zum Erinin? So weit im Norden gibt es keine Br�cke �ber den Fluss�, sagte Talmanes.</p><p>Bashere nickte. �Also wisst Ihr, worum ich bitten werde. Ihr habt eine Kompanie, die Br�cken bauen kann. Schickt sie mit einigen Eurer Drachen zum Schutz und lasst sie direkt �stlich von uns Pontonbr�cken bauen. Der Rest von uns wird nicht weit hinter ihnen sein. Das offene Terrain dort wird unserer Kavallerie und den Drachen Gelegenheit geben, mehr Schaden anzurichten. Wir k�nnen uns darauf verlassen, dass der Erinin die Trollocs aufh�lt, vor allem, nachdem wir die Br�cken abgefackelt haben. Ein paar dort platzierte Drachen sollten ihr Vorankommen ebenfalls behindern. Wir ziehen weiter �stlich zum Alguenya und wiederholen das Ganze. Dann haben wir die Stra�e nach Cairhien erreicht. Wir gehen nach Norden, und wenn wir einen vern�nftigen Ort gefunden haben, an dem wir uns verschanzen k�nnen�� ich glaube, ich kenne da genau die richtige Stelle��, stellen wir uns dem Schatten und haben Cairhien im R�cken.�</p><p>�Ihr glaubt doch sicherlich nicht, dass wir diesen ganzen Weg hinter uns bringen m�ssen�, protestierte Elayne.</p><p>Bashere starrte mit zusammengekniffenen Augen auf die Karte, als k�nnte er durch das Pergament auf das Land blicken, das es darstellte. �Wir bringen Bewegung in diese Schlacht�, sagte er leise, �aber wir kontrollieren sie nicht. Wir reiten darauf, so wie ein Mann ein durchgehendes Pferd reitet. Ich vermag nicht zu sagen, wo der Galopp endet. Ich lenke es ab, ich schicke es durch Dornenhecken. Aber solange die Trollocs unerm�dlich anst�rmen, kann ich es nicht aufhalten.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. Einen endlosen R�ckzug konnte sie sich nicht leisten; sie musste das Schattengez�cht so schnell und gr�ndlich besiegen, dass sie sich mit ihren �brig gebliebenen Truppen Lans und Egwenes Heeren anschlie�en konnte, um die Invasion des Nordens abzuwehren.</p><p>Nur so konnten sie siegen. Sonst spielte es absolut keine Rolle, was Rand gegen den Dunklen K�nig ausrichten konnte.</p><p>Licht, was f�r ein <emphasis>Schlamassel</emphasis>.</p><p>�Tut es.�</p><empty-line/><p>Perrin legte seinen Hammer auf der Schulter ab und h�rte sich an, wie der schwitzende junge Bote Elaynes Befehle verk�ndete. Eine sanfte Brise bewegte die �ste des Waldes hinter ihm. Dort k�mpften die Ogier. Er hatte bef�rchtet, sie w�rden sich weigern, die B�ume zu gef�hrden, aber ihr Kampf�� beim Licht, Perrin hatte noch nie eine derartige Brutalit�t erlebt.</p><p>�Diese Taktik ist nicht schlecht�, sagte Tam, als er die Befehle las. �Die K�nigin hat ein Talent f�r die Kriegskunst.�</p><p>Perrin schickte den Botenjungen mit einer Handbewegung weg. Er passierte Galad und mehrere seiner Wei�m�ntelkommandanten, die sich in der N�he besprachen. �Sie h�rt denen gut zu, die etwas von Taktik verstehen�, meinte er, �und sie mischt sich nicht ein.�</p><p>�Das wollte ich damit sagen, mein Junge�, erwiderte Tam mit einem L�cheln. �Wenn man den Befehl hat, geht es nicht immer darum, den Leuten zu sagen, was sie tun sollen. Manchmal muss man einfach wissen, wann man den Leuten, die wissen, was sie tun, nicht im Weg stehen darf.�</p><p>�Weise Worte, Tam�, sagte Perrin und wandte sich nach Norden. �Ich schlage vor, du h�ltst dich daran, weil du von jetzt an den Befehl hast.�</p><p>Perrin konnte Rand sehen. Die Farben verschwammen. Rand sprach auf einem trostlosen Felskamm, den er nicht erkannte, mit Moiraine. Sie waren fast bereit zur Invasion von Shayol Ghul. Perrin f�hlte einen Sog von Rand ausgehen, der immer st�rker wurde. Bald w�rde er ihn brauchen.</p><p>�Perrin?�, fragte Tam. �Was soll dieser Unsinn mit dem Kommando?�</p><p>�Du �bernimmst unsere Streitkr�fte, Tam. Die M�nner arbeiten mittlerweile zusammen; lass dir von Arganda, Gallenne und Galad helfen.� In der N�he hielt Grady ein Wegetor offen, durch das die Verwundeten der letzten Scharm�tzel zum Heilen geschickt wurden. Berelain leitete das Lazarett auf der anderen Seite, das die Gelbe Ajah in Mayene er�ffnet hatte. Die Luft von der anderen Seite war warm.</p><p>�Ich wei� nicht, ob sie auf mich h�ren werden, Perrin. Ich bin blo� ein einfacher Bauer.�</p><p>�Sonst haben sie doch auch auf dich geh�rt.�</p><p>�Da sind wir auch durch die Wildnis gereist. Du warst immer in der N�he. Sie haben mir wegen deiner Autorit�t gehorcht.� Tam rieb sich das Kinn. �So, wie du nach Norden blickst, werde ich das Gef�hl nicht los, dass du nicht mehr lange hier sein wirst.�</p><p>�Rand braucht mich�, erwiderte Perrin leise. �Soll man mich doch zu Asche verbrennen, Tam, es widerstrebt mir au�erordentlich�� aber ich kann nicht hier an deiner Seite in Andor k�mpfen. Jemand muss Rand den R�cken decken, und es�� nun, das werde ich sein. Irgendwie wei� ich das.�</p><p>Tam nickte. �Gehen wir doch zu Arganda oder Gallenne und sagen ihnen, dass sie den Befehl �ber unsere M�nner haben. K�nigin Elayne erteilt sowieso die meisten der Befehle, und���</p><p>�M�nner!�, rief Perrin und sah zu den versammelten Kriegern hin. Arganda besprach sich mit Gallenne. Sie wandten sich Perrin zu, genau wie die Angeh�rigen der Wolfsgarde und Galad und seine Wei�m�ntel. Der junge Bornhald betrachtete ihn mit dunklen Augen. Dieser Mann wurde in letzter Zeit immer unberechenbarer. Hoffentlich hatte Galad ihn vom Branntwein fernhalten k�nnen.</p><p>�Ihr akzeptiert alle meine Autorit�t, wie sie mir von der Krone von Andor gew�hrt wurde?�, wollte Perrin wissen.</p><p>�Nat�rlich, Lord Goldauge�, rief Arganda. �Ich glaubte, das w�re gekl�rt.�</p><p>�Hiermit ernenne ich Tam al�Thor zum Lord�, rief Perrin. �Im Namen seines Sohnes, des Wiedergeborenen Drachen, ernenne ich ihn zum Verwalter der Zwei Fl�sse. Er hat meine Autorit�t, die die Autorit�t des Drachen ist. Sollte ich diese Schlacht nicht �berleben, tritt Tam meine Nachfolge an.�</p><p>Im Lager wurde es still, dann nickten die M�nner. Einige salutierten Tam sogar. Tam st�hnte so leise, dass Perrin bezweifelte, dass es au�er ihm jemand geh�rt hatte.</p><p>�Ist es zu sp�t, dich dem Frauenkreis zu �bergeben, damit sie sich dich mal ordentlich vorkn�pfen?�, fragte Tam. �Vielleicht ein ordentlicher Klaps auf den Hintern und eine Woche Wassertragen f�r die Witwe al�Thone?�</p><p>�Tut mir leid, Tam�, sagte Perrin. �Neald, versucht ein Wegetor zur Schwarzen Burg zu �ffnen.�</p><p>Der junge Asha�man konzentrierte sich sichtlich. �Es funktioniert noch immer nicht, Lord Goldauge.�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Aus Lans Berichten von der Front hatte er entnommen, dass Angeh�rige der Schwarzen Burg f�r den Schatten k�mpften. Etwas war dort geschehen, etwas Schreckliches. �Also gut, dann nach Merrilor.�</p><p>Neald nickte und konzentrierte sich.</p><p>W�hrend er arbeitete, wandte sich Perrin wieder den M�nnern zu. �Ich verabscheue es, euch zu verlassen, aber in mir sind diese Haken, die mich nach Norden ziehen. Ich <emphasis>muss</emphasis> zu Rand, und dar�ber gibt es keine Diskussion. Ich versuche zur�ckzukehren. Wenn mir das nicht gelingt�� nun, ihr sollt alle wissen, dass ich stolz auf euch bin. Auf euch alle. Wenn das hier vorbei ist, seid ihr in meiner Heimat willkommen. Wir �ffnen ein Fass von Meister al�Veres bestem Branntwein. Oder auch zwei. Wir werden uns an unsere gefallenen Kameraden erinnern, und wir werden unseren Kindern erz�hlen, wie wir uns wehrten, als die Wolken schwarz wurden und die Welt anfing zu sterben. Wir werden ihnen erz�hlen, dass wir Schulter an Schulter standen und der Schatten dort nicht durchkam.�</p><p>Er hob ihnen <emphasis>Mah�alleinir</emphasis> entgegen, und er erduldete ihren Jubel. Nicht, weil er ihn verdiente, sondern weil sie ihn mit Sicherheit verdienten.</p><p>Neald �ffnete das Wegetor. Perrin ging darauf zu, dann z�gerte er, als jemand seinen Namen rief. Stirnrunzelnd betrachtete er Dain Bornhald, der herbeigeeilt kam.</p><p>Misstrauisch legte Perrin die Hand auf seinen Hammer. Dieser Mann hatte ihm das Leben gerettet, sowohl vor den Trollocs wie auch vor einem anderen Wei�mantel, aber er kannte auch dessen tief sitzende Abneigung. Vermutlich gab ihm Bornhald nicht l�nger die Verantwortung f�r den Tod seines Vaters, aber das bedeutete nicht, dass der Mann ihn mochte oder gar akzeptierte.</p><p>�Auf ein Wort, Aybara�, sagte der Wei�mantel und warf einen Blick auf Gaul, der in der N�he stand. �Unter vier Augen.�</p><p>Perrin gab Gaul das Zeichen, dass alles in Ordnung war, und der Aiel zog sich z�gernd zur�ck. Dann f�hrte er Bornhald von dem offenen Tor fort. �Worum geht es? Wenn es Euer Vater ist���</p><p>�Beim Licht, haltet einfach den Mund�, sagte Bornhald und schaute weg. �Ich will das hier nicht sagen. Ich hasse es, das sagen zu m�ssen. Aber Ihr m�sst es wissen. Soll das Licht mich verbrennen, Ihr m�sst es wissen.�</p><p>�Was wissen?�</p><p>�Aybara�, sagte Bornhald und holte tief Luft. �Die Trollocs haben Eure Familie nicht get�tet.�</p><p>Perrin erstarrte.</p><p>�Es tut mir leid.� Bornhald sah ihn noch immer nicht an. �Es war Ordeith. Euer Vater hat ihn beleidigt. Er riss die Familie in St�cke, und wir schoben es auf die Trollocs. Ich habe sie nicht get�tet, aber ich habe auch nichts gesagt. So viel Blut���</p><p>�Was?� Perrin packte den Wei�mantel an der Schulter. �Aber sie sagten�� ich meine��� Beim Licht, das hatte er doch bereits schon abgehakt!</p><p>Der Ausdruck in Bornhalds Augen zerrte das alles wieder an die Oberfl�che. Den Schmerz, den Schrecken, den Verlust, den Zorn.</p><p>�Das ist ein schrecklicher Augenblick, um Euch das zu sagen, das wei� ich�, sagte Bornhald. �Aber ich konnte es nicht f�r mich behalten. Ich�� wir k�nnten fallen. Licht, alles k�nnte fallen. Ich musste es sagen.�</p><p>Er drehte sich um und ging mit niedergeschlagenem Blick zur�ck zu den anderen Wei�m�nteln. Perrin blieb allein dort stehen; seine ganze Welt war ersch�ttert.</p><p>Dann r�ckte er sie wieder zurecht. Er hatte damit abgeschlossen; er hatte seine Familie betrauert. Es war vorbei.</p><p>Er k�nnte und w�rde nach vorn blicken. Die alten Wunden schmerzten wieder, aber er ignorierte sie und sah zum Wegetor. Zu Rand und seiner Pflicht.</p><p>Auf ihn wartete Arbeit. Aber Ordeith�� Padan Fain�� Das erh�hte nur die Zahl der schrecklichen Verbrechen dieses Mannes. Perrin w�rde daf�r sorgen, dass er daf�r bezahlte. Auf die eine oder andere Weise.</p><p>Er ging auf das Wegetor zu, um zu Reisen, damit er Rand aufsp�ren konnte. Gaul trat an seine Seite.</p><p>�Ich gehe an einen Ort, der dir verwehrt ist, mein Freund�, sagte Perrin leise, und sein Schmerz verblasste. �Es tut mir leid.�</p><p>�Du gehst zu dem Traum im Traum�, erwiderte Gaul und g�hnte. �Ich bin sehr m�de.�</p><p>�Aber���</p><p>�Ich komme mit, Perrin Aybara. Wenn du willst, dass ich zur�ckbleibe, kannst du mich ja umbringen.� Perrin wagte es nicht, ihn deswegen zu bedr�ngen. Er nickte.</p><p>Er warf noch einen Blick zur�ck und hob noch einmal seinen Hammer. Dabei fiel sein Blick durch ein anderes Wegetor, das nach Mayene, das Grady noch immer offen hielt. Auf der anderen Seite standen zwei Gestalten in wei�en Gew�ndern, die Gaul beobachteten. Der Aiel hob einen Speer in ihre Richtung. Wie musste sich das f�r zwei Kriegerinnen anf�hlen, an der Letzten Schlacht nicht teilhaben zu k�nnen? Vielleicht h�tte Rand versuchen sollen, die <emphasis>Gai�shain</emphasis> f�r ein paar Wochen von ihren Eiden befreien zu lassen.</p><p>Aber vermutlich h�tte er damit jeden einzelnen Aiel gegen sich aufgebracht. Das Licht helfe jedem Feuchtl�nder, der es wagte, sich am <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> zu vergreifen.</p><p>Perrin duckte sich durch das Wegetor auf das Feld von Merrilor. Dort packten er und Gaul f�r eine lange Reise�� genug Wasser und Proviant, so viel sie zu tragen wagten.</p><p>Perrin brauchte fast eine halbe Stunde, um Rands Asha�man zu �berzeugen, ihm zu verraten, wo ihr Anf�hrer hingegangen war. Schlie�lich �ffnete ihm ein widerstrebender Naeff ein Tor. Perrin verlie� Merrilor und trat in etwas hinein, das eigentlich nur die F�ule sein konnte. Aber die Felsen waren kalt.</p><p>Die Luft roch nach Tod und Verzweiflung. Der Gestank �berw�ltigte Perrin, und er brauchte Minuten, um die normalen Ger�che davon trennen zu k�nnen. Rand stand direkt ein St�ck voraus, an der vorderen Kante eines Felsgrats, die Arme auf dem R�cken gehalten. Hinter ihm hatte sich eine Gruppe seiner Berater, Kommandanten und Leibw�chter versammelt, einschlie�lich Moiraine, Aviendha und Cadsuane. Aber in diesem Augenblick stand er ganz allein an der Kante.</p><p>In der Ferne erhob sich der Gipfel des Shayol Ghul. Ein Fr�steln �berkam Perrin. Die unersch�tterliche Entschlossenheit auf Rands Gesicht war unverkennbar, w�hrend er den Berg betrachtete.</p><p>�Licht!�, sagte Perrin. �Ist es so weit?�</p><p>�Nein�, erwiderte Rand leise. �Das ist eine Pr�fung, um zu sehen, ob er mich wahrnimmt.�</p><p>�Perrin?�, fragte Nynaeve von der H�gelseite. Sie hatte eben noch mit Moiraine gesprochen, und wenigstens dieses eine Mal roch sie nicht hasserf�llt. Zwischen diesen beiden Frauen hatte sich etwas getan.</p><p>�Ich brauche ihn nur kurz�, sagte Perrin und stellte sich neben Rand an die Kante des Felsvorsprungs. Hier waren auch Aiel vertreten, und er wollte nicht, dass sie und erst recht nicht die Weisen Frauen mitbekamen, worum er Rand bitten w�rde.</p><p>�Du hast diesen Moment und viele weitere, Perrin�, sagte Rand. �Ich stehe tief in deiner Schuld. Was m�chtest du?�</p><p>�Nun��� Perrin sah �ber die Schulter. W�rden Moiraine oder Nynaeve genug wissen, um zu versuchen, ihn aufzuhalten? Vermutlich. Frauen versuchten immer einen Mann davon abzuhalten, das zu tun, was er tun musste, als h�tten sie Angst, er w�rde sich sofort den Hals brechen. Und dabei spielte es nicht die geringste Rolle, dass das die Letzte Schlacht war.</p><p>�Perrin?�</p><p>�Ich muss den Wolfstraum betreten.�</p><p>�<emphasis>Tel�aran�rhiod?</emphasis> Perrin, ich wei� nicht, was du dort machst; du hast nur wenig dar�ber erz�hlt. Ich glaubte, du w�sstest, wie man���</p><p>�Ich wei�, wie man ihn betritt�, fl�sterte Perrin, damit die Weisen Frauen und die anderen hinter ihnen nichts mitbekamen. �Auf die einfache Weise. Ich brauche etwas anderes. Du wei�t Dinge, du erinnerst dich an Dinge. Erinnert sich irgendetwas in deinem uralten Gehirn daran, wie man die Welt der Tr�ume im Fleisch betritt?�</p><p>Rand wurde ernst. �Du erbittest da eine gef�hrliche Gunst.�</p><p>�So gef�hrlich wie das, was du tun wirst?�</p><p>�Vielleicht.� Rand runzelte die Stirn. �H�tte ich es damals schon gewusst, als ich�� nun, sagen wir, einige w�rden deine Bitte als etwas sehr, sehr B�ses betrachten.�</p><p>�Es ist nicht b�se, Rand�, sagte Perrin. �Ich erkenne etwas B�ses, wenn ich es rieche. Es ist nicht b�se, es ist nur unglaublich dumm.�</p><p>Rand l�chelte. �Und trotzdem fragst du danach?�</p><p>�Die guten M�glichkeiten sind ersch�pft. Es ist besser, etwas Verzweifeltes zu tun, als die H�nde in den Scho� zu legen.�</p><p>Rand schwieg.</p><p>�Sieh mal�, sagte Perrin. �Wir haben doch �ber die Schwarze Burg gesprochen. Ich wei�, dass du dir deswegen Sorgen machst.�</p><p>�Ich werde sie besuchen m�ssen�, sagte Rand mit sich verfinsternder Miene. �Aber es ist eine offensichtliche Falle.�</p><p>�Ich glaube, ich wei�, was zumindest f�r einen Teil der Schwierigkeiten dort verantwortlich ist�, verk�ndete Perrin. �Da gibt es jemanden, den ich stellen muss, und ich kann ihn nicht besiegen, wenn ich ihm nicht mit den gleichen Mitteln gegen�bertreten kann. Im Traum.�</p><p>Rand nickte langsam. �Das Rad webt, wie es das Rad will. Wir werden das Verdorbene Land verlassen m�ssen; man kann den Traum nicht betreten, solange man���</p><p>Nachdenklich verstummte er, dann erschuf er ein Gewebe. Neben ihm �ffnete sich ein Wegetor. Etwas daran unterschied sich von den �blichen Toren.</p><p>�Ich verstehe�, sagte er dann. �Die Welten n�hern sich einander, werden zusammengestaucht. Was einst voneinander getrennt war, ist es nicht l�nger. Dieses Wegetor bringt dich in den Traum. Pass auf dich auf, Perrin. Stirbst du an diesem Ort im Fleisch, kann das�� Konsequenzen haben. Was du dort entgegentrittst, k�nnte schlimmer als der Tod selbst sein, vor allen Dingen jetzt. Zu diesem Zeitpunkt.�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Perrin. �Ich werde einen Ausgang brauchen. Kannst du einen deiner Asha�man einmal am Tag so ein Tor machen lassen, bei Einbruch der Morgend�mmerung? Sagen wir, auf dem Reisegel�nde in Merrilor?�</p><p>�Gef�hrlich�, fl�sterte Rand. �Aber ich tue es.�</p><p>Perrin nickte dankbar.</p><p>�Wenn das Licht es will, sehen wir uns wieder�, sagte Rand. Er streckte die Hand aus. �Halte nach Mat Ausschau. Ich bin mir wirklich nicht sicher, was er vorhat, aber ich habe das Gef�hl, dass es f�r alle Beteiligten �u�erst gef�hrlich sein wird.�</p><p>�F�r uns nicht�, erwiderte Perrin und umklammerte Rands Unterarm. �Du und ich, wir sind so viel besser darin, den sicheren Weg nicht zu verlassen.�</p><p>Rand l�chelte. �M�ge dich das Licht besch�tzen, Perrin Aybara.�</p><p>�Dich auch, Rand al�Thor.� Perrin z�gerte und erkannte, was da gerade geschah. Sie nahmen Abschied voneinander. Er umarmte Rand.</p><p>�Ihr beiden passt auf ihn auf�, sagte er dann und warf Nynaeve und Moiraine einen Blick zu, als er sich aus der Umarmung l�ste. �Habt ihr mich verstanden?�</p><p>�Ach, jetzt willst du, dass ich auf Rand aufpasse?�, sagte Nynaeve mit in die H�ften gestemmten H�nden. �Ich glaube nicht, dass ich je damit aufgeh�rt habe, Perrin Aybara. Glaub blo� nicht, dass mir euer Fl�stern da vorn entgangen ist. Du tust etwas Dummes, nicht wahr?�</p><p>�Immer�, erwiderte Perrin und winkte Thom zum Abschied zu. �Gaul, bist du sicher, dass du das tun willst?�</p><p>�Das bin ich�, sagte der Aiel-Mann, lockerte seine Speere in ihrer Scheide und warf einen Blick durch Rands Wegetor.</p><p>Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, nahmen die beiden M�nner ihre schweren B�ndel und betraten die Welt der Tr�ume.</p></section><section><title><p>14</p><p>Gro�e Mengen Spaltwurzel</p></title><p>Beim Licht���, fl�sterte Perrin und betrachtete die Landschaft. �Alles stirbt.�</p><p>Der brodelnde, wogende schwarze Himmel des Wolfstraums war nicht neu, aber der Sturm, den er schon seit Monaten ank�ndigte, war endlich eingetroffen. Gewaltige Windst��e rasten in unnat�rlichen Mustern erst in die eine und dann in die andere Richtung. Perrin schloss den Umhang, dann verst�rkte er ihn mit einem Gedanken und stellte sich einfach vor, die Schn�re, die ihn zusammenhielten, seien widerstandsf�higer.</p><p>Vor ihm und Gaul erstreckte sich eine kleine Blase der Ruhe, die den schlimmsten Wind fernhielt. Das hatte sich als einfacher erwiesen als gedacht, als h�tte er nach einem schweren St�ck Eiche gegriffen und es so leicht wie Kiefer vorgefunden.</p><p>Die Landschaft erschien weniger real als sonst. Der tosende Strom gl�ttete die H�gel, es war, als k�nnte man der Erosion mit blo�em Auge zuschauen. An anderen Stellen schwoll das Land an und bildete Felsformationen und neue H�gel. Erdklumpen flogen in die Luft und zerplatzten dort. Das Land selbst brach auseinander.</p><p>Perrin ergriff Gauls Schulter und <emphasis>versetzte</emphasis> sie beide an einen anderen Ort. Ihm war der Verdacht gekommen, dass sie einfach zu nahe bei Rand waren. Als sie dann auf der vertrauten Ebene im S�den erschienen�� der Ort, an dem er mit Springer gejagt hatte��, erwies sich der Sturm in der Tat als weniger gewaltt�tig.</p><p>Sie verstauten ihre schweren B�ndel mit dem Wasser und dem Proviant in einem dichten Geb�sch. Perrin wusste nicht, ob sie von dem Essen und Wasser, das im Traum zu finden war, existieren konnten, und er wollte es auch nicht herausfinden. Ihre Vorr�te sollten f�r ungef�hr eine Woche reichen, und solange ein Wegetor als Ausgang auf sie wartete, bereitete ihm das Risiko, das er hier einging, keine gro�en Sorgen.</p><p>Hier im S�den zeigte die Landschaft nicht solche Aufl�sungserscheinungen wie in unmittelbarer N�he zum Shayol Ghul. Aber wenn er eine Stelle lange genug beobachtete, konnte er verfolgen, wie Teile von�� nun eigentlich von allem dem Wind zum Opfer fielen. Abgestorbene Weizenhalme, Teile von Baumst�mpfen und Felssplitter�� das alles wurde unaufh�rlich in die uners�ttlichen schwarzen Wolken gezogen. Wenn er wieder hinschaute, waren Dinge, die eben noch zerrissen worden waren, oft wieder unversehrt, wie es eben die Art des Wolfstraums war. Er verstand. Genau wie die wache Welt wurde auch dieser Ort langsam aufgefressen. Hier war das nur leichter zu sehen.</p><p>Der Wind peitschte auf sie ein, war aber nicht so stark, dass er ihn fernhalten musste. Es f�hlte sich an wie zu Beginn eines Sturms, direkt bevor Regen und Blitze kamen. Der Bote der kommenden Zerst�rung.</p><p>Gaul hatte sich die <emphasis>Shoufa</emphasis> vor das Gesicht gezogen und blickte sich misstrauisch um. Seine Kleidung hatte sich ver�ndert und stimmte nun genau mit der Farbe des Grases �berein.</p><p>�Du musst hier sehr vorsichtig sein�, sagte Perrin. �Harmlose Gedanken k�nnen zur Realit�t werden.�</p><p>Gaul nickte, dann nahm er z�gernd den Schleier wieder ab. �Ich h�re zu und tue, was befohlen wird.�</p><p>Es war ermutigend, dass die Kleidung des Aiel sich nicht sehr ver�nderte, als sie �ber das Feld gingen. �Versuch einfach, deinen Verstand klar zu halten�, sagte Perrin. �Nicht so viel denken. Einfach nach dem Instinkt handeln und meinem Beispiel folgen.�</p><p>�Ich werde wie ein <emphasis>Gara</emphasis> jagen�, erwiderte Gaul und nickte. �Mein Speer ist dein, Perrin Aybara.�</p><p>Perrin ging weiter und sorgte sich, dass sich Gaul aus Versehen an einen anderen Ort <emphasis>versetzte</emphasis>, indem er einfach nur daran dachte. Aber bis jetzt hatte der Mann kaum irgendwelche Nebenwirkungen des Wolfstraums gezeigt. Wenn er �berrascht wurde, ver�nderte sich seine Kleidung etwas, sein Schleier hing pl�tzlich an Ort und Stelle, ohne dass er danach gegriffen hatte, aber das schien es auch eigentlich schon zu sein.</p><p>�Also gut�, sagte Perrin. �Ich bringe uns zur Schwarzen Burg. Wir jagen ein gef�hrliches Wild, einen Mann namens Schl�chter. Erinnerst du dich noch an Lord Luc?�</p><p>�Der <emphasis>Lopinginny</emphasis>?�</p><p>Perrin runzelte die Stirn.</p><p>�Das ist ein Vogel�, erkl�rte Gaul. �Aus dem Dreifachen Land. Diesen Mann habe ich nicht oft zu Gesicht bekommen, aber er erschien wie eines dieser Gro�m�uler, die tief im Inneren feige sind.�</p><p>�Nun, das war nur gespielt�, sagte Perrin. �Au�erdem ist er im Traum eine ganz andere Person�� hier ist er ein Raubtier namens Schl�chter, das W�lfe und Menschen jagt. Er ist sehr m�chtig. Wenn er dich t�ten will, erscheint er im Zeitraum eines Wimpernschlages in deinem R�cken und stellt sich vor, du w�rst von Schlingpflanzen eingeh�llt und k�nntest dich nicht bewegen. Und du st�ndest gefangen da, w�hrend er dir die Kehle durchschneidet.�</p><p>Gaul lachte.</p><p>�Das ist witzig?�, fragte Perrin.</p><p>�Du tust, als w�re das neu�, erkl�rte Gaul. �Dabei bin ich im ersten Traum �berall st�ndig von Frauen und M�nnern umgeben, die mich mit einem Gedanken mit Luft fesseln und zu jedem beliebigen Zeitpunkt t�ten k�nnten. Ich bin daran gew�hnt, in der Gesellschaft einiger Leute hilflos zu sein. So ist die Welt nun einmal, Perrin Aybara.�</p><p>�Trotzdem�, sagte Perrin streng, �wenn wir den Schl�chter finden�� er hat ein kantiges Gesicht mit Augen, die halb tot zu sein scheinen, und kleidet sich immer in schwarzes Leder��, will ich, dass du dich von ihm fernh�ltst. Ich k�mpfe gegen ihn.�</p><p>�Aber���</p><p>�Du hast gesagt, du gehorchst mir, Gaul�, beharrte Perrin. �Das ist wichtig! Er hat Springer get�tet; ich will nicht, dass er auch noch dich t�tet. Du k�mpfst nicht gegen den Schl�chter.�</p><p>�Also gut. Ich schw�re es. Ich tanze mit diesem Mann nicht den Tanz der Speere, es sei denn, du befiehlst es.�</p><p>Perrin seufzte und stellte sich vor, wie Gaul mit den Speeren im K�cher einfach nur dastand und sich wegen seines Eides von dem Schl�chter t�ten lie�. Licht, Aiel konnten ja so schwierig sein. �Du kannst gegen ihn k�mpfen, wenn er dich angreift�, sagte er, �aber nur, um die Flucht zu ergreifen. Jage ihn nicht, und wenn ich gegen ihn k�mpfe, bleib aus dem Weg. Verstanden?�</p><p>Gaul nickte. Perrin legte ihm die Hand auf die Schulter, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sie in Richtung Schwarze Burg. Er selbst war noch nie dort gewesen, also musste er sie erst finden. Der erste Ortswechsel brachte sie in eine Gegend von Andor, in der grasige H�gel im st�rmischen Wind zu tanzen schienen. Perrin h�tte es vorgezogen, mit gro�en Schritten einfach von H�gel zu H�gel zu springen, aber er hielt Gaul noch nicht daf�r geeignet. Stattdessen <emphasis>versetzte</emphasis> er sie immer wieder.</p><p>Nach vier oder f�nf Versuchen brachte er sie zu einem Ort, wo sich in der Ferne eine durchsichtige, leicht purpurn schimmernde Kuppel erhob.</p><p>�Was ist das?�, fragte Gaul.</p><p>�Unser Ziel! Das ist das Ding, das Grady und Neald daran hindert, Wegetore zur Schwarzen Burg zu weben.�</p><p>�So wie es uns in Ghealdan ergangen ist.�</p><p>�Genau.� Diese Kuppel w�hlte lebhafte Erinnerungen an sterbende W�lfe auf. Perrin unterdr�ckte sie. An diesem Ort konnten solche Erinnerungen zu unberechenbaren Gedanken f�hren. Tief in seinem Inneren gestattete er sich einen brennenden Zorn, der wie die W�rme seines Hammers war, aber das war auch schon alles.</p><p>�Gehen wir�, sagte er und <emphasis>versetzte</emphasis> sie direkt vor die Kuppel. Sie schien aus Glas zu bestehen. �Zieh mich dort weg, sollte ich zusammenbrechen�, bat er Gaul und trat in die Barriere hinein.</p><p>Als w�re er gegen etwas unglaublich Kaltes gesto�en. Es raubte ihm alle Kr�fte. Er stolperte, konzentrierte sich aber weiter auf sein Ziel. Der Schl�chter. Der Wolfsm�rder. Springers M�rder.</p><p>Perrin richtete sich auf, als seine Kr�fte zur�ckkehrten. Das war leichter als beim letzten Mal gewesen; sich im Fleisch im Wolfstraum aufzuhalten machte ihn tats�chlich st�rker. Er brauchte sich keine Sorgen dar�ber zu machen, sich zu intensiv in den Traum zu ziehen, was zum Tod seines K�rpers in der realen Welt gef�hrt h�tte.</p><p>Langsam wie durch Wasser bewegte er sich durch die Barriere und erreichte die andere Seite. Hinter ihm streckte Gaul mit neugieriger Miene den Zeigefinger aus und ber�hrte die Kuppelwand.</p><p>Augenblicklich sackte er schlaff wie eine Puppe zu Boden. Speere und Pfeile fielen aus ihren K�chern, und er lag v�llig reglos da; nicht einmal seine Brust hob und senkte sich. Perrin griff ��wenn auch gegen einen Widerstand�� durch die Barriere und nahm Gauls Fu�kn�chel, um ihn auf die andere Seite zu ziehen.</p><p>Dort keuchte Gaul sofort auf und rollte sich st�hnend auf die Seite. Er setzte sich auf und hielt sich den Kopf. Stillschweigend holte Perrin ihm seine Speere und Pfeile.</p><p>�Das wird eine gute Erfahrung werden, um an unserem <emphasis>Ji</emphasis> zu arbeiten�, meinte der Aiel. Er stand auf und rieb sich den Arm, mit dem er zuerst auf dem Boden aufgeprallt war. �Die Weisen Frauen bezeichnen die Art und Weise, auf die wir an diesen Ort gelangt sind, als b�se? Ich glaube, es w�rde ihnen gefallen, M�nner herzubringen, um ihnen hier Manieren beizubringen.�</p><p>Perrin musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen. Ihm war nicht bewusst gewesen, dass der Mann sein Gespr�ch mit Edarra �ber den Wolfstraum geh�rt hatte. �Was habe ich blo� getan, um deine Loyalit�t zu verdienen, Gaul?�, murmelte er, haupts�chlich an sich selbst gerichtet.</p><p>Gaul lachte. �Es geht nicht um das, was du getan hast.�</p><p>�Was meinst du? Damals habe ich dich aus diesem K�fig befreit. Darum folgst du mir.�</p><p>�Darum bin ich dir nur zu Anfang gefolgt�, erwiderte Gaul. �Darum bin ich aber nicht geblieben. Komm, gibt es hier nicht eine Gefahr, die wir jagen?�</p><p>Perrin nickte, und Gaul verschleierte sich. Unter der Kuppel setzten sie sich in Bewegung und n�herten sich den Umrissen in der Ferne. Vom Rand einer solchen Kuppel bis zur Mitte war es immer ein ordentliches St�ck Weg, aber Perrin wollte sich nicht <emphasis>versetzen</emphasis> und �berrascht werden, also gingen sie zu Fu� weiter und durchquerten eine Landschaft aus wogendem Grasland, in dem sich gelegentlich Baumgruppen erhoben.</p><p>Sie marschierten ungef�hr eine Stunde lang, bevor sie die Mauer erblickten. Hoch und eindrucksvoll erinnerte sie an die Mauer einer gro�en Stadt. Sie gingen direkt darauf zu, und Gaul behielt sie konzentriert im Auge, als erwarte er jeden Augenblick, beschossen zu werden. Aber im Wolfstraum w�rde diese Mauer nicht bewacht sein. Falls sich der Schl�chter dort aufhielt, w�rde er im Herzen der Kuppel lauern, im genauen Zentrum. Und er w�rde vermutlich eine Falle gestellt haben.</p><p>Perrin ber�hrte Gaul und bef�rderte sie auf die Mauer. Der Aiel setzte sich sofort in Bewegung, duckte sich und sp�hte in einen der �berdachten Wachtposten.</p><p>Perrin trat an die andere Mauerseite und schaute nach unten. Die Schwarze Burg war bei Weitem nicht so imposant, wie die Mauer vermuten lie�. Einem nahe gelegenen Dorf aus H�tten und kleinen H�usern folgte ein gro�es, noch im Bau befindliches Geb�ude.</p><p>�Sie sind ausgesprochen arrogant, findet Ihr nicht?�, sagte pl�tzlich eine weibliche Stimme.</p><p>Perrin zuckte zusammen, fuhr herum und befahl seinen Hammer in die H�nde, w�hrend er in Gedanken eine Ziegelmauer als Schutz um sich herum vorbereitete. Eine kleine junge Frau mit silbergrauen Haaren stand neben ihm auf der Mauer und bem�hte sich um eine kerzengerade Haltung, als wollte sie gr��er erscheinen, als sie tats�chlich war. Ihr wei�es Gewand wurde an der Taille von einem silbernen G�rtel gehalten. Perrin erkannte das Gesicht nicht, aber ihr Duft war ihm vertraut.</p><p>�Mondj�gerin�, sagte er. Es war fast ein Knurren. �Lanfear.�</p><p>�Diesen Namen darf ich nicht l�nger benutzen�, sagte sie und klopfte mit einem Finger auf die Zinnen. �Er ist so streng, was Namen angeht.�</p><p>Perrin wich zur�ck, lie� die Blicke schweifen. Arbeitete sie mit dem Schl�chter zusammen? Gaul verlie� den Wachtposten und erstarrte, als er sie sah. Perrin streckte die Hand aus, um ihn fernzuhalten. Konnte er an seine Seite springen und mit ihm verschwinden, bevor sie angriff?</p><p>�Mondj�gerin?�, fragte Lanfear. �Nennen mich die W�lfe so? Das stimmt nicht, nicht einmal ann�hernd. Ich <emphasis>jage</emphasis> den Mond nicht. Der Mond geh�rt mir bereits.� Sie beugte sich nach vorn und st�tzte die Arme auf die brusthohe Wehrmauer.</p><p>�Was wollt Ihr?�, wollte Perrin wissen.</p><p>�Vergeltung�, fl�sterte sie. Dann sah sie ihn an. �Das Gleiche wie Ihr, Perrin.�</p><p>�Ich soll glauben, dass Ihr den Schl�chter ebenfalls tot sehen wollt?�</p><p>�Der Schl�chter? Moridins Waisenjunge, sein Laufbursche? Er interessiert mich nicht. Meine Vergeltung betrifft einen anderen.�</p><p>�Wen?�</p><p>�Der f�r meine Gefangenschaft verantwortlich ist�, sagte sie leise und voller Leidenschaft. Pl�tzlich blickte sie zum Himmel. Entsetzt riss sie die Augen weit auf und verschwand.</p><p>Perrin nahm den Hammer von der einen in die andere Hand, w�hrend Gaul angeschlichen kam und dabei versuchte, gleichzeitig in alle Richtungen zu blicken. �Wer war das?�, fragte er. �Aes Sedai?�</p><p>�Schlimmer.� Perrin verzog das Gesicht. �Haben die Aiel einen Namen f�r Lanfear?�</p><p>Gaul sog zischend die Luft ein.</p><p>�Ich wei� nicht, was sie will�, sagte Perrin. �Ich habe sie nie verstanden. Mit etwas Gl�ck haben sich blo� unsere Pfade gekreuzt, und sie k�mmert sich um ihre eigenen Angelegenheiten.�</p><p>Aber das glaubte er nicht, nicht, wenn er bedachte, was ihm die W�lfe zuvor verraten hatten. Mondj�gerin wollte ihn. <emphasis>Beim Licht, als h�tte ich nicht bereits schon genug �rger.</emphasis></p><p>Er <emphasis>versetzte</emphasis> sie zum Fu� der Mauer und sie gingen weiter.</p><empty-line/><p>Toveine kniete neben Logain. Androl musste zusehen, wie sie sein Kinn liebkoste und er sie dabei entsetzt anstarrte.</p><p>�Schon gut�, sagte sie zuckers��. �Du kannst aufh�ren, dich zu wehren. Entspann dich, Logain. Gib einfach nach.�</p><p>M�helos hatte man sie Umgedreht. Anscheinend fiel es mit dreizehn Halbmenschen verkn�pften Machtlenkern leichter, Frauen Umzudrehen als M�nner und umgekehrt. Darum hatten sie mit Logain auch solche Probleme.</p><p>�Nehmt ihn�, sagte Toveine und zeigte auf Logain. �Bringen wir das endlich zu Ende. Er verdient den Frieden, den die Belohnung des Gro�en Herrn bringt.�</p><p>Taims Gefolgsleute schleppten Logain fort. Androl sah verzweifelt zu. Offensichtlich betrachtete Taim ihn als eine ganz besondere Beute. Hatte man ihn erst Umgedreht, w�rde der Rest der Schwarzen Burg ein Kinderspiel sein. Viele der jungen M�nner in der Burg w�rden sich ihrem Schicksal freiwillig ergeben, falls Logain es ihnen befahl.</p><p><emphasis>Wie schafft er es nur, noch immer Widerstand zu leisten?,</emphasis> dachte Androl. Der stattliche Emarin war schon nach zwei Sitzungen ein wimmerndes Wrack, auch wenn er noch nicht Umgedreht war. Logain hatte das fast schon ein Dutzend Mal durchgemacht, und er widerstand noch immer.</p><p>Das w�rde sich �ndern, da Taim jetzt Frauen zur Verf�gung standen. Kurz nachdem Toveine Umgedreht worden war, waren weitere Frauen eingetroffen, Schwestern der Schwarzen Ajah, die von einer absto�end h�sslichen Frau angef�hrt wurden. Die anderen Roten, die mit Pevara gekommen waren, hatten sich ihnen angeschlossen.</p><p>Benommene Sorge floss durch Pevaras Bund mit ihm. Sie war wach, aber das Getr�nk, das sie vom Machtlenken abhielt, hielt sie fest im Griff. Androls Verstand hingegen war ziemlich klar. Wie lange war es her, dass sie ihn gezwungen hatten, den Rest des Becherinhalts zu schlucken, den sie Emarin verabreicht hatten?</p><p><emphasis>Logain�� h�lt nicht mehr lange durch.</emphasis> Pevaras Botschaft war durchtr�nkt von Ersch�pfung und wachsender Resignation. <emphasis>Was sollen��</emphasis> Ihre Gedanken verschwammen, sie unterbrach sich. <emphasis>Soll man mich doch zu Asche verbrennen! Was sollen wir tun?</emphasis></p><p>Logain schrie vor Schmerzen. Das hatte er noch nie getan. Gewiss ein b�ses Zeichen. Evin stand an der T�r und schaute zu. Pl�tzlich blickte er �ber die Schulter; etwas hatte ihn zusammenzucken lassen.</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte Androl. <emphasis>K�nnte es�� sein vom Makel verursachter Wahnsinn sein? Ist er noch immer da?</emphasis></p><p>Zum ersten Mal fiel ihm auf, dass er abgeschirmt war, was sie sonst niemals taten, solange sie nicht die Spaltwurzel absetzten, damit sie jemanden Umdrehen konnten.</p><p>Das lie� ihn panisch zusammenzucken. War er als N�chster dran?</p><p><emphasis>Androl?,</emphasis> �bermittelte Pevara. <emphasis>Ich habe eine Idee.</emphasis></p><p><emphasis>Was?</emphasis></p><p>Androl fing durch seinen Knebel an zu husten. Evin zuckte zusammen, dann kam er her�ber, nahm seine Feldflasche und goss Wasser auf den Knebel. In der N�he l�mmelte sich Abors ��einer von Taims Kumpanen�� an der Wand. Er hielt die Abschirmung. Er warf Androl einen Blick zu, aber dann erregte etwas auf der anderen Seite des Raumes seine Aufmerksamkeit.</p><p>Androl hustete noch schlimmer, also kn�pfte Evin den Knebel auf und rollte ihn auf die Seite, damit er das Wasser ausspucken konnte.</p><p>�Still jetzt�, sagte Evin und warf Abors einen Blick zu, der zu weit entfernt stand, um ihre Worte verstehen zu k�nnen. �Errege nicht ihren Zorn, Androl.�</p><p>Die Verwandlung eines Mannes in einen treuen Diener des Schattens war nicht perfekt. Es ver�nderte zwar ihre Loyalit�t, aber es ver�nderte nicht alles an ihnen. Das Ding in Evins Kopf hatte seine Erinnerungen, seine Pers�nlichkeit und ��wenn ihnen das Licht gn�dig war�� seine Schw�chen.</p><p>�Habt Ihr sie �berzeugen k�nnen?�, fl�sterte Androl. �Mich nicht zu t�ten?�</p><p>�Das habe ich!� Evin beugte sich mit gehetztem Blick n�her nach unten. �Sie sind noch immer der Ansicht, dass du nutzlos bist, weil du nicht stark in der Macht bist, aber keiner von ihnen webt gern Wegetore, um Leute von einem Ort an den anderen zu bringen. Ich habe ihnen gesagt, dass du das f�r sie tun wirst. Das wirst du doch, oder?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Androl. �Das ist besser als sterben.�</p><p>Evin nickte. �Sie haben bei dir die Spaltwurzel abgesetzt. Du kommst als N�chster dran, nach Logain. Der Gro�e Herr hat M�Hael endlich neue Frauen geschickt, Frauen, die nicht ersch�pft sind, weil sie st�ndig die Macht lenken m�ssen. Sie und Toveine und die Roten sollten daf�r sorgen, dass es jetzt schneller geht. M�Hael sollte Logain am Ende des Tages endlich so weit haben.�</p><p>�Ich diene ihnen�, sagte Androl. �Ich leiste dem Gro�en Herrn meinen Treueid.�</p><p>�Das ist gut, Androl. Aber wir k�nnen dich nicht gehen lassen, bevor du Umgedreht worden bist. M�Hael verl�sst sich nicht blo� auf einen Eid. Aber das ist schon in Ordnung. Ich habe ihnen gesagt, dass man dich m�helos Umdrehen kann. Das wirst du doch machen, oder? Keinen Widerstand mehr?�</p><p>�Ich leiste keinen Widerstand.�</p><p>�Dem Gro�en Herrn sei Dank�, sagte Evin und entspannte sich.</p><p><emphasis>Ach, Evin. Du warst nie besonders helle.</emphasis></p><p>�Evin�, sagte Androl leise. �Ihr m�sst auf Abors aufpassen. Das wisst Ihr doch, oder?�</p><p>�Ich bin jetzt einer von ihnen. Ich brauche mir wegen ihnen keine Sorgen mehr zu machen.�</p><p>�Das ist gut�, fl�sterte Androl. �Was er �ber Euch gesagt hat, hat also keine Bedeutung.�</p><p>Evin erschien pl�tzlich unruhig. Dieser Ausdruck in seinen Augen��</p><p>Es war Furcht. Der Makel war entfernt worden. Jonneth, Emarin und die anderen neuen Asha�man w�rden niemals irrsinnig werden.</p><p>Aber der Wahnsinn zeigte sich bei jedem der �lteren Asha�man anders und in unterschiedlichem Ausma�. Jedoch war Furcht am h�ufigsten. Sie kam in Wellen; zum Zeitpunkt der Reinigung hatte sie Evin gerade aufgefressen. Androl hatte mit ansehen m�ssen, wie man Asha�man t�ten musste, weil sie der Makel �berw�ltigte. Er kannte diesen Ausdruck in Evins Augen nur zu gut. Auch wenn der Junge Umgedreht worden war, trug er noch immer den Wahnsinn in sich. Das w�rde sich auch niemals �ndern.</p><p>�Was hat er gesagt?�, wollte Evin wissen.</p><p>�Er war nicht erfreut, dass man Euch Umgedreht hat. Er glaubt, Ihr wolltet seinen Platz einnehmen.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Evin�� m�glicherweise will er Euch umbringen. Passt auf Euch auf.�</p><p>Evin erhob sich. �Danke, Androl.�</p><p>Er entfernte sich und lie� Androl ungeknebelt zur�ck.</p><p><emphasis>Das kann�� unm�glich funktionieren,</emphasis> dachte Pevara benommen.</p><p>Sie hatte nicht lange genug unter ihnen gelebt. Sie hatte nicht gesehen, was der Wahnsinn anrichten konnte, und sie konnte ihn auch nicht in den Augen der Asha�man erkennen. Verfiel einer von ihnen in diesen Zustand, packte man ihn f�r gew�hnlich und sperrte ihn ein, bis er sich wieder unter Kontrolle hatte. Falls das nicht funktionierte, sch�ttete ihnen Taim etwas in den Wein, und sie wachten nie wieder auf.</p><p>Hielt man sie nicht auf, verfielen sie am Ende in blinde Zerst�rungswut. Sie w�rden jene umbringen, die ihnen am n�chsten standen, w�rden zuerst auf die Menschen einschlagen, die sie geliebt hatten.</p><p>Androl kannte diesen Wahnsinn. Er trug ihn ebenfalls in sich, das wusste er. <emphasis>Das ist ein Fehler, Taim,</emphasis> dachte er. <emphasis>Du benutzt unsere Freunde gegen uns, aber wir kennen sie besser als du.</emphasis></p><p>Evin schlug auf Abors ein. Mit einem gewaltigen Aufflammen der Einen Macht. Eine Sekunde sp�ter l�ste sich Androls Abschirmung auf.</p><p>Androl umarmte die Quelle. Er war nicht sehr stark darin, aber er hatte genug Macht, um die Fesseln wegzubrennen. Mit blutigen H�nden rollte er sich aus den Seilresten und sah sich in dem Raum um. Zuvor hatte er nicht alles sehen k�nnen.</p><p>Der Raum war gr��er, als er angenommen hatte, wies beinahe die Gr��e eines Thronsaals auf, und das andere Ende wurde von einem breiten, kreisrunden Podest dominiert, auf dem ein Kreis aus Myrddraal und darin einer aus Frauen stand. Der Anblick der Blassen lie� ihn erschaudern. Beim Licht, dieser augenlose Blick war furchtbar.</p><p>Taims ersch�pfte M�nner, die Asha�man, die darin versagt hatten, Logain Umzudrehen, lehnten an der anderen Wand. Logain selbst sa� auf dem Podest in der Mitte des doppelten Kreises auf einen Stuhl gefesselt. Fast schon ein Thron. Logains Kopf rollte zur Seite; seine Augen waren geschlossen. Anscheinend fl�sterte er etwas.</p><p>Au�er sich vor Wut war Taim zu Evin herumgewirbelt, der neben Abors qualmender Leiche mit Mishraile k�mpfte. Beide M�nner hielten die Eine Macht und w�lzten sich auf dem Boden. Evin hielt ein Messer in der Hand.</p><p>Androl hastete auf Emarin zu und w�re beinahe auf das Gesicht gefallen, als seine Beine nachgaben. Licht! Er war sehr schwach, aber es gelang ihm, zuerst Emarins Fesseln und dann Pevaras abzubrennen. Sie sch�ttelte den Kopf, versuchte ihn klarzubekommen. Emarin nickte dankbar.</p><p>�K�nnt Ihr weben?�, fl�sterte Androl. Taims Aufmerksamkeit war noch immer auf Evins Kampf gerichtet.</p><p>Emarin sch�ttelte den Kopf. �Was sie uns da eingefl��t haben���</p><p>Androl klammerte sich an die Eine Macht. Um ihn herum wuchsen die Schatten.</p><p><emphasis>Nein!,</emphasis> dachte er. <emphasis>Nein, nicht jetzt!</emphasis></p><p>Ein Wegetor. Er brauchte ein Wegetor! Androl sog die Eine Macht ein und erschuf das Gewebe zum Reisen. Und wie zuvor traf er gegen eine Art Barriere�� sie war wie ein Wall und hinderte ihn daran, ein Wegetor zu �ffnen. Frustriert versuchte er, eines in die unmittelbare Umgebung zu �ffnen. Vielleicht spielte ja die Entfernung eine Rolle. Konnte er ein Tor in Canlers Lager auf dem Gel�nde �ber ihnen �ffnen?</p><p>Gegen die Wand gelehnt k�mpfte er mit jeder Faser seines Seins. Er strengte sich an, n�herte sich Zoll f�r Zoll, schaffte es fast�� Er hatte das Gef�hl, dass sich etwas tat.</p><p>�Bitte�, fl�sterte er. �Bitte, geh auf. Wir m�ssen hier weg���</p><p>Evin fiel Taims Geweben zum Opfer.</p><p>�Was sollte das?�, br�llte Taim.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Mishraile. �Evin griff uns an! Er hat sich mit dem Pagen unterhalten und���</p><p>Beide starrten in Androls Richtung. Er gab es auf, ein Tor zu machen, stattdessen schleuderte er Taim auf dem Podest verzweifelt ein Gewebe Feuer entgegen.</p><p>Taim l�chelte blo�. Als Androls Flammenzunge ihn erreichte, l�ste sie sich einfach in einem Gewebe aus kalter Luft und Wasser auf.</p><p>�Du <emphasis>bist</emphasis> wirklich hartn�ckig�, meinte Taim und schleuderte ihn mit einem Gewebe Luft gegen die Wand.</p><p>Androl keuchte schmerzerf�llt auf. Emarin stolperte benommen auf die F��e, aber ein zweites Gewebe Luft stie� ihn wieder zu Boden. Etwas stemmte Androl in die H�he und zog ihn quer durch den Raum.</p><p>Die h�ssliche Frau in Schwarz verlie� den Kreis aus Aes Sedai und begab sich an Taims Seite. �Interessant, M�Hael�, sagte sie. �Ihr habt nicht einmal ann�hernd die Kontrolle �ber diesen Ort, wie Ihr behauptet habt.�</p><p>�Ich habe minderwertige Werkzeuge�, erwiderte Taim. �Man h�tte mir fr�her mehr Frauen geben sollen!�</p><p>�Ihr habt Eure Asha�man bis zur Ersch�pfung angetrieben�, erwiderte die Frau. �Ihr habt ihre Kraft verschwendet. Ich �bernehme jetzt hier den Befehl.�</p><p>Taim stand abseits von Logains zusammengesunkener Gestalt und den Frauen und den Blassen auf dem Podest. Offensichtlich betrachtete er diese Frau, die vermutlich zu den Verlorenen geh�rte, als die gr��te Bedrohung in diesem Raum.</p><p>�Und Ihr glaubt, das geht einfach so?�, fragte er.</p><p>�Wenn der Nae�blis erf�hrt, wie Ihr hier versagt habt���</p><p>�Der Nae�blis? Moridin ist mir v�llig egal. Ich habe dem Gro�en Herrn bereits ein Geschenk gemacht und stehe in seiner Gunst. Ich halte die Schl�ssel in meiner Hand, Hessalam.�</p><p>�Ihr meint�� Ihr habt das tats�chlich getan? Sie gestohlen?�</p><p>Taim l�chelte. Er wandte sich wieder Androl zu, der in der Luft schwebte und sich erfolglos wehrte. Abgeschirmt hatte man ihn nicht. Also schleuderte er ein weiteres Gewebe, das sein Gegner ver�chtlich blockierte.</p><p>Offensichtlich war er nicht einmal die M�he wert, abgeschirmt zu werden. Taim lie� ihn los. Hart schlug er auf dem Boden auf und st�hnte.</p><p>�Wie lange bist du hier ausgebildet worden, Androl?�, fragte Taim. �Du besch�mst mich. Mehr bringst du nicht zustande, um jemanden zu t�ten?�</p><p>M�hsam kam Androl auf die Knie. Hinter ihm lag die von Spaltwurzel benebelte Pevara und �bermittelte ihm Schmerzen und Sorge. Vor ihm hockte Logain von seinen Feinden umzingelt zusammengesunken und gefesselt auf seinem Thron. Der Mann hielt die Augen geschlossen; er war kaum noch bei Bewusstsein.</p><p>�Wir sind hier fertig�, sagte Taim. �Mishraile, t�tet die Gefangenen. Wir schnappen uns die oben in der Burg und schaffen sie zum Shayol Ghul. Der Gro�e Herr hat mir dort bessere M�glichkeiten f�r meine Arbeit versprochen.�</p><p>Taims Komplizen n�herten sich. Androl lag auf den Knien und schaute auf. �berall um ihn herum breitete sich Dunkelheit aus, und in den Schatten bewegten sich Umrisse. Die Dunkelheit�� sie jagte ihm h�llische Angst ein. Er musste <emphasis>Saidin</emphasis> loslassen, er musste es tun. Aber er konnte einfach nicht.</p><p>Er musste weben.</p><p>Taim warf ihm einen Blick zu, dann l�chelte er und webte Baalsfeuer.</p><p><emphasis>�berall sind Schatten!</emphasis></p><p>Androl klammerte sich an die Macht.</p><p><emphasis>Die Toten, sie kommen und holen mich!</emphasis></p><p>Instinkt leitete ihn, er erschuf das beste Gewebe, das er kannte. Ein Wegetor. Er traf diesen Wall, diesen verfluchten Wall.</p><p><emphasis>So m�de. Die Schatten�� die Schatten holen mich.</emphasis></p><p>Ein wei� gl�hender Lichtstrahl l�ste sich von Taims Fingern und schoss direkt auf ihn zu. Er schrie auf, strengte sich noch mehr an, stie� unwillk�rlich die H�nde nach vorn und rammte sein Gewebe an Ort und Stelle. Er traf diesen Wall und <emphasis>stemmte</emphasis> ihn mit aller Kraft empor.</p><p>Vor ihm �ffnete sich ein Wegetor von der Gr��e einer M�nze. Das Baalsfeuer schoss direkt in die �ffnung.</p><p>Taim runzelte die Stirn, und Stille erf�llte den Raum, als die verbl�fften Asha�man mit ihren Geweben innehielten. In diesem Augenblick zersplitterte die T�r.</p><p>Canler st�rmte die Eine Macht haltend hinein. Ihm folgten ungef�hr zwanzig der jungen Burschen von den Zwei Fl�ssen, die zur Schwarzen Burg gekommen waren, um dort zu lernen.</p><p>�Wir werden angegriffen!�, br�llte Taim.</p><empty-line/><p>Das Zentrum der Kuppel schien sich in dem unvollendeten Bau zu befinden, der Perrin aufgefallen war. Das war schlecht; der Schl�chter w�rde in den Fundamenten und Gruben zahllose M�glichkeiten f�r einen Hinterhalt haben.</p><p>Sobald sie das Dorf erreichten, zeigte Perrin auf ein besonders gro�es Geb�ude. Mit zwei Stockwerken und einem stabilen Holzdach erinnerte es an ein Gasthaus. �Ich bringe dich dort oben hin�, fl�sterte er. �Halte deinen Bogen bereit. Rufe, wenn du jemanden entdeckst, der sich an mich anschleichen will, verstanden?�</p><p>Gaul nickte. Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sie auf das Dach, und Gaul nahm neben dem Schornstein seine Position ein. Seine Kleidung passte sich der Farbe der Lehmziegel an, und er blieb geduckt. Den Bogen hielt er in der Hand. Er w�rde nicht die Reichweite eines Langbogens haben, aber von hier oben w�rde er t�dlich sein.</p><p>Perrin sprang zu Boden und schwebte die letzten Zoll, um keinen L�rm zu machen. Er ging in die Hocke und <emphasis>versetzte</emphasis> sich zur Seite des n�chsten Geb�udes. Sofort <emphasis>versetzte</emphasis> er sich erneut, an die Ecke des letzten Geb�udes vor den Ausschachtungen, dann blickte er �ber die Schulter. Der nur schwer auszumachende Gaul hob die Finger. Er hatte ihn nicht aus den Augen gelassen.</p><p>Perrin erhob sich ein St�ck und schlich zum Rand des riesigen Fundaments. Wo w�rde der genaue Mittelpunkt der Kuppel sein? Es war unm�glich zu sagen, alles war viel zu gro�.</p><p>Seine Aufmerksamkeit war so auf die L�cher im Boden gerichtet, dass er um ein Haar in die W�chter hineingelaufen w�re. Ein leises Kichern alarmierte ihn, und er <emphasis>versetzte</emphasis> sich sofort, sprang auf die andere Seite des Fundaments und ging in die Knie, w�hrend ein Langbogen von den Zwei Fl�ssen in seinen H�nden erschien. Er musterte die ferne Stelle, die er gerade verlassen hatte.</p><p><emphasis>Narr,</emphasis> dachte er, als er sie endlich entdeckte. Die beiden M�nner befanden sich in einer Bauh�tte am Rand der Ausschachtung. Perrin lie� nerv�s die Blicke schweifen, aber der Schl�chter erschien nicht irgendwo aus dem Nichts, um ihn anzugreifen, und die beiden W�chter schienen ihn nicht gesehen zu haben.</p><p>Einzelheiten waren nur m�hsam auszumachen, also <emphasis>versetzte</emphasis> er sich vorsichtig wieder in die N�he der Stelle, an der er sich zuvor befunden hatte. Mit einem Satz lie� er sich in die Grube fallen, erschuf aber einen Erdh�gel, auf dem er landete und von dem aus er �ber den Grubenrand in die H�tte sp�hen konnte.</p><p>Ja, es waren zwei von ihnen. M�nner in schwarzen M�nteln. Asha�man. Er glaubte sie von den Brunnen von Dumai zu kennen, wo sie Rand gerettet hatten. Sie standen loyal zu ihm, oder nicht? Hatte Rand ihm etwa Hilfe geschickt?</p><p><emphasis>Das Licht verbrenne diesen Mann,</emphasis> dachte Perrin. <emphasis>Kann er nicht einmal alle Karten auf den Tisch legen?</emphasis></p><p>Nat�rlich konnten auch Asha�man Schattenfreunde sein. Perrin zog in Betracht, aus der Grube zu steigen und sie sich vorzukn�pfen.</p><p>�Kaputte Werkzeuge�, sagte Lanfear gelangweilt.</p><p>Perrin zuckte zusammen und stie� einen Fluch aus, als er sie neben sich auf dem Vorsprung entdeckte, wie sie ebenfalls die beiden M�nner betrachtete.</p><p>�Man hat sie Umgedreht�, sagte sie. �Ich habe das immer f�r eine solche Verschwendung gehalten. Man verliert etwas bei dem Prozess�� sie werden niemals so gut dienen, als w�ren sie freiwillig gekommen. Keine Frage, loyal werden sie sein, aber das Licht ist erloschen. Die Selbstmotivation, der Funke, der Menschen erst zu Menschen macht.�</p><p>�Seid leise�, zischte Perrin. �Umgedreht? Was meint Ihr? Ist das���</p><p>�Dreizehn Myrddraal und dreizehn Schattenlords.� Lanfear verzog ver�chtlich die Lippen. �So primitiv. So eine Verschwendung.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>Lanfear seufzte und w�hlte dann einen Tonfall, als m�sste sie etwas einem Kind erkl�ren. �Machtlenker k�nnen unter den richtigen Umst�nden mit Gewalt auf die Seite des Schattens geholt werden. M�Hael hat hier Probleme mit dem Prozess gehabt, es geht nicht so einfach, wie es h�tte sein sollen. Er braucht Frauen, wenn er M�nner m�heloser Umdrehen will.�</p><p><emphasis>Licht!</emphasis> Wusste Rand, dass man so etwas mit Menschen tun konnte? Hatten sie mit ihm das Gleiche vor?</p><p>�Ich w�re bei den beiden vorsichtig�, meinte Lanfear. �Sie sind m�chtig.�</p><p>�Dann solltet Ihr etwas leiser sprechen�, fl�sterte Perrin.</p><p>�Bah. Es ist einfach, an diesem Ort Laute zu ver�ndern. Ich k�nnte so laut schreien, wie ich wollte, und sie w�rden es nicht h�ren. Sie trinken, seht Ihr? Sie haben den Wein mit auf diese Seite gebracht. Nat�rlich sind sie im Fleisch hier. Ich bezweifle, dass ihr Anf�hrer sie vor den damit verbundenen Gefahren gewarnt hat.�</p><p>Perrin beobachtete die W�chter. Die beiden M�nner tranken ihren Wein und kicherten. Pl�tzlich kippte der Erste zur Seite, gefolgt von dem anderen. Sie rutschten von ihren St�hlen und landeten mit einem dumpfen Aufprall auf dem Boden.</p><p>�Was habt Ihr getan?�</p><p>�Spaltwurzel im Wein�, erkl�rte Lanfear.</p><p>�Warum helft Ihr mir?�</p><p>�Ich mag Euch, Perrin.�</p><p>�Ihr geh�rt zu den Verlorenen!�</p><p>�Das ist vorbei�, sagte sie. �Dieses�� Privileg wurde mir genommen. Der Dunkle K�nig entdeckte, dass ich Lews Therin helfen wollte zu siegen. Jetzt bin ich��� Mitten im Wort erstarrte sie und sah wieder zum Himmel. Was sah sie blo� in diesen Wolken? Etwas, das sie blass werden lie�. Im n�chsten Augenblick verschwand sie.</p><p>Perrin versuchte sich zu entscheiden, was er tun sollte. Nat�rlich konnte er ihr nicht vertrauen. Aber sie war ausgesprochen gut im Wolfstraum. Sie erschien neben ihm, ohne dabei den geringsten Laut zu verursachen. Das war schwerer, als es aussah; sie musste die Luft anhalten, die sie bei ihrer Ankunft verdr�ngte. Sie musste ganz pr�zise erscheinen, damit sie keine Ger�usche verursachte, und sie musste das Rascheln ihrer Kleidung d�mpfen.</p><p>�berrascht wurde sich Perrin bewusst, dass sie dieses Mal auch ihren Duft maskiert hatte. Er hatte sie erst riechen k�nnen�� sie duftete nach Nachtlilien��, nachdem sie das Wort an ihn gerichtet hatte.</p><p>Unsicher stieg er aus der Grube und n�herte sich der H�tte. Beide M�nner schliefen. Was geschah wohl mit Menschen, die im Traum schliefen? Normalerweise h�tte sie das zur�ck in die wache Welt geschickt�� aber sie waren leibhaftig hier.</p><p>Der Gedanke an das, was man mit ihnen gemacht hatte, lie� ihn fr�steln. <emphasis>Umgedreht?</emphasis> Hatte sie es nicht so bezeichnet? Beim Licht. Es erschien ungerecht. <emphasis>Nicht, dass das Muster jemals gerecht w�re,</emphasis> musste er zugeben und durchsuchte schnell die H�tte.</p><p>Er fand den Traumnagel unter dem Tisch in den Erdboden getrieben. Das silbrige Metall erinnerte an einen langen Zeltnagel, an dessen Seiten sich seltsame Zeichen entlangzogen. Er �hnelte dem anderen, mit dem er es zu tun gehabt hatte, war aber nicht v�llig gleich. Er zog ihn heraus, dann legte er die Hand auf den Hammer und wartete, rechnete mit der Ankunft des Schl�chters.</p><p>�Er ist nicht hier�, sagte Lanfear.</p><p>�Licht!� Perrin riss den Hammer in die H�he. Dann beruhigte er sich wieder und drehte sich zu ihr um. �Warum erscheint Ihr auf diese Weise, Frau?�</p><p>�Er sucht nach mir�, erkl�rte sie und blickte zum Himmel. �Eigentlich sollte ich nicht in der Lage sein, das hier zu tun, und er wird misstrauisch. Sollte er mich finden, wei� er Bescheid, und ich werde vernichtet, werde eine Ewigkeit lang gefangen sein und brennen.�</p><p>�Erwartet Ihr von mir, dass ich Mitleid mit Euch habe, mit einer der Verlorenen?�, fauchte Perrin.</p><p>�Ich habe meinen Meister gew�hlt�, erwiderte sie und musterte ihn. �Das ist mein Preis�� es sei denn, ich finde eine M�glichkeit, mich davon zu befreien.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich glaube, Ihr habt noch die beste Chance�, sagte sie. �Ihr m�sst siegen, Perrin, f�r mich, und ich muss an Eurer Seite sein, wenn das passiert.�</p><p>Er schnaubte. �Ihr habt keine neuen Tricks gelernt, oder? Macht einem anderen dieses Angebot. Ich bin nicht interessiert.� Er drehte den Traumnagel. Er hatte nie herausfinden k�nnen, wie der andere funktioniert hatte.</p><p>�Ihr m�sst oben drehen.� Lanfear streckte die Hand aus.</p><p>Perrin sah sie blo� an.</p><p>�Glaubt Ihr nicht, ich h�tte ihn mir selbst nehmen k�nnen, wenn ich gewollt h�tte?� Sie klang am�siert. �Wer hat denn M�Haels kleine Scho�tiere f�r Euch ausgeschaltet?�</p><p>Er z�gerte, dann gab er ihn ihr. Mit dem Daumen fuhr sie von der Spitze bis hinauf zur halben L�nge, und etwas klickte darin. Dann drehte sie den dicken Kopf herum. Drau�en schrumpfte die violette Kuppel und l�ste sich auf.</p><p>Sie gab ihn zur�ck. �Dreht den Kopf wieder herum, um das Feld zu erschaffen, dann fahrt Ihr mit dem Finger in die entgegengesetzte Richtung als ich eben, um ihn zu verriegeln�� je l�nger man dreht, umso gr��er wird das Feld. Seid vorsichtig. Wo auch immer Ihr ihn platziert, hat das Auswirkungen auf die wache Welt wie auch auf diese, und es wird auch Eure Verb�ndeten daran hindern, hinein- oder hinauszukommen. Mit einem besonderen Schl�ssel k�nnt Ihr ihn passieren, aber ich wei� nicht, wo der f�r diesen Traumnagel ist.�</p><p>�Ich danke Euch�, sagte Perrin widerstrebend. Einer der schlafenden M�nner zu seinen F��en grunzte und drehte sich auf die Seite. �Gibt es�� gibt es wirklich keinen Widerstand gegen die Verwandlung? K�nnen sie denn gar nichts tun?�</p><p>�Man kann f�r kurze Zeit Widerstand leisten�, sagte sie. �Aber nur kurz. Am Ende f�llt selbst der St�rkste. Falls man ein Mann ist, der Frauen gegen�bersteht, haben sie einen im Handumdrehen bezwungen.�</p><p>�So etwas sollte nicht m�glich sein�, sagte Perrin. �Niemand sollte einen Menschen <emphasis>zwingen</emphasis> k�nnen, sich dem Schatten zuzuwenden. Auch wenn man uns alles andere nimmt, diese Entscheidung sollten wir selbst treffen k�nnen.�</p><p>�Oh, sie haben ja die Wahl�, meinte Lanfear und stie� einen von ihnen mit dem Zeh an. �Sie h�tten sich ja d�mpfen lassen k�nnen. Das h�tte ihnen diese Schw�che genommen, und man h�tte sie niemals Umdrehen k�nnen.�</p><p>�Keine gro�e Wahl.�</p><p>�So ist das Gewebe des Musters, Perrin Aybara. Nicht alle M�glichkeiten sind gut. Manchmal muss man eben das Beste aus einer schlimmen Situation machen und den Sturm abreiten.�</p><p>Er sah sie scharf an. �Wollt Ihr damit andeuten, dass Ihr genau das tut? Ihr habt Euch dem Schatten angeschlossen, weil es die �beste� Wahl war? Das glaube ich nicht, Frau. Ihr habt ihm Euch um der Macht willen angeschlossen. Das wei� doch jeder.�</p><p>�Glaubt, was Ihr wollt, Welpe.� Ihr Blick verh�rtete sich. �Ich habe f�r meine Entscheidungen leiden m�ssen. F�r das, was ich in meinem Leben tat, musste ich Schmerzen, Qualen und <emphasis>unertr�gliche</emphasis> Trauer erdulden. Was ich erlitten habe, geht weit �ber Eure Vorstellungskraft hinaus.�</p><p>�Und von allen Verlorenen habt Ihr Eure Stellung als Erste gew�hlt und sie akzeptiert.�</p><p>Sie schnaubte. �Glaubt Ihr wirklich dreitausend Jahre alte Geschichten?�</p><p>�Immer noch besser, als den Worten von jemandem wie Euch zu vertrauen.�</p><p>�Wie Ihr wollt�, sagte sie und blickte wieder auf die Schlafenden. �Falls Euch das hilft zu verstehen, Welpe, solltet Ihr wissen, dass viele der Meinung sind, Leute wie die hier w�rden beim Umdrehen get�tet. Und dann w�rde etwas anderes in den K�rper kriechen. Zumindest glauben das einige.� Sie verschwand.</p><p>Perrin seufzte, dann steckte er den Traumnagel ein und <emphasis>versetzte</emphasis> sich zur�ck auf das Dach. Bei seinem Eintreffen fuhr Gaul herum und spannte den Bogen. �Bist du das, Perrin Aybara?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich frage mich, ob ich einen Beweis verlangen sollte�, sagte Gaul und hielt den Pfeil weiter eingespannt. �Ich habe den Eindruck, dass an diesem Ort jeder m�helos sein Aussehen ver�ndern kann.�</p><p>Perrin l�chelte. �Das Erscheinungsbild ist nicht alles. Ich wei�, dass du zwei <emphasis>Gai�shain</emphasis> hast, die eine willst du, die andere nicht. Keine von ihnen scheint sich damit zufriedenzugeben, sich wie eine richtige <emphasis>Gai�shain</emphasis> zu benehmen. Falls wir das hier �berleben, heiratet dich eine von ihnen vielleicht.�</p><p>�Vielleicht�, gab Gaul ihm recht und senkte den Bogen. �So wie es aussieht, werde ich wohl beide oder keine von ihnen nehmen m�ssen. Vielleicht ist das die Strafe daf�r, dass man sie gezwungen hat, die Speere wegzulegen, obwohl das nicht meine Entscheidung war, sondern ihre.� Er sch�ttelte den Kopf. �Die Kuppel ist verschwunden.�</p><p>Perrin zog den Traumnagel hervor. �Das ist sie.�</p><p>�Was ist unsere n�chste Aufgabe?�</p><p>�Warten.� Perrin setzte sich auf das Dach. �Sehen wir, ob das Entfernen der Kuppel die Aufmerksamkeit des Schl�chters erringt.�</p><p>�Und wenn das nicht passiert?�</p><p>�Dann begeben wir uns an den n�chsten Ort, wo er vermutlich zu finden ist�, meinte Perrin und rieb sich das Kinn. �Und das ist jeder Ort, an dem man W�lfe t�ten kann.�</p><empty-line/><p>�Wir haben Euch geh�rt!�, br�llte Canler Androl w�hrend des Kampfes zu. �Ich will verbrannt sein, wenn das nicht stimmt! Wir waren in meinem Lager, und wir haben Euch sprechen h�ren, betteln h�ren! Wir entschieden, dass wir angreifen mussten. Jetzt oder nie.�</p><p>Gewebe explodierten in dem unterirdischen Saal. Der Boden platzte auf, Feuer flog von Taims Leuten auf dem Podest auf die M�nner von den Zwei Fl�ssen zu. Blasse schlichen mit Umh�ngen, die sich nicht bewegten, durch den Raum und zogen Schwerter.</p><p>Mit eingezogenem Kopf kroch Androl zu Pevara, Jonneth und Emarin, die noch immer an der Wand lagen. Canler hatte ihn geh�rt? Das Wegetor, das er gemacht hatte, kurz bevor Taim ihn in die Luft gestemmt hatte. Es musste sich ge�ffnet haben, war aber wohl so klein gewesen, dass er es nicht gesehen hatte.</p><p>Er konnte wieder Wegetore weben. Aber nur ganz kleine. Was n�tzte das schon? <emphasis>Immerhin hat es Taims Baalsfeuer gestoppt,</emphasis> dachte er und erreichte Pevara und die anderen. In ihrem Zustand konnte keiner von ihnen k�mpfen. Er webte ein Wegetor, traf den Wall, dr�ckte dagegen��</p><p>Etwas ver�nderte sich.</p><p>Der Wall l�ste sich auf.</p><p>F�r einen kurzen Moment sa� Androl wie bet�ubt da. Die lauten Explosionen dr�hnten in seinen Ohren. Canler und die anderen schlugen sich tapfer, aber die Jungen von den Zwei Fl�ssen standen ausgebildeten Aes Sedai und vielleicht sogar einer Verlorenen gegen�ber. Einer nach dem anderen fiel.</p><p>Der Wall war weg.</p><p>Langsam richtete sich Androl zu seiner vollen Gr��e auf, dann ging er zur�ck zur Mitte des Raumes. Taim und seine Leute k�mpften auf dem Podest; die Gewebe von Canler und seinen Verb�ndeten wurden schw�cher.</p><p>Androl sah Taim an und sp�rte einen m�chtigen, �berw�ltigenden Zorn in sich aufsteigen. Die Schwarze Burg geh�rte den Asha�man und nicht diesem Mann.</p><p>Es war Zeit, dass die Asha�man sie sich zur�ckholten.</p><p>Androl br�llte auf, hob die H�nde und webte ein Tor. Die Macht durchstr�mte ihn. Wie immer schnitt sich sein Wegetor viel schneller in die Luft als bei anderen Machtlenkern, wurde viel gr��er, als einem Mann seiner St�rke h�tte m�glich sein sollen.</p><p>Dieses Tor hatte die L�nge eines gro�en Wagens. Er �ffnete es genau vor Taims Machtlenkern und hielt es fest, als sie ihre n�chste Salve todbringender Gewebe schleuderten.</p><p>Dieses Wegetor �berbr�ckte nur wenige Schritte. Sein Ausgang �ffnete sich genau hinter ihnen.</p><p>Die von Taims M�nnern und Frauen gestalteten Gewebe trafen das offene Tor ��dessen R�ckseite wie ein Hitzeflimmern genau vor Androl hing�� und schossen aus der �ffnung in ihrem R�cken.</p><p>Gewebe trafen ihre eigenen Sch�pfer, verbrannten Aes Sedai, t�teten Asha�man und die paar noch verbliebenen Myrddraal. Am ganzen Leib vor Anstrengung zitternd, br�llte Androl noch lauter und �ffnete winzige Wegetore in Logains Fesseln, zerfetzte sie. Ein weiteres �ffnete er direkt unter seinem Stuhl, lie� ihn aus dem Raum an einen weit von der Schwarzen Burg entfernten Ort fallen�� ein Ort, der hoffentlich sicher war, wenn es dem Licht gefiel.</p><p>Die Frau namens Hessalam ergriff die Flucht. W�hrend sie sich durch ein eigenes Wegetor st�rzte, folgten ihr Taim und einige der anderen. Der Rest war nicht so klug�� denn nur einen Augenblick sp�ter �ffnete Androl ein Wegetor so breit wie den Raum und lie� Frauen und Asha�man irgendwo Hunderte Fu� in die Tiefe st�rzen.</p></section><section><title><p>15</p><p>Euren Hals in einer Schlinge</p></title><p>Der Tarasin-Palast in Ebou Dar war bei Weitem nicht das schwierigste Geb�ude, in das Mat je eingebrochen war. Das sagte er sich immer wieder, als er zwei Stockwerke �ber dem Garten an einem Balkon hing.</p><p>Mit der einen Hand klammerte er sich an einen Marmorvorsprung, w�hrend er mit der anderen den Hut festhielt; der <emphasis>Ashandarei</emphasis> war auf seinen R�cken geschnallt. Sein B�ndel hatte er unten im Garten versteckt. Die Nachtluft f�hlte sich k�hl auf dem Schwei� an, der ihm das Gesicht herunterlief.</p><p>�ber ihm knirschte die R�stung von zwei Totenw�chtern, als sie den Balkon betraten. Blut und verdammte Asche. Zogen diese Burschen denn niemals ihre R�stung aus? Sie sahen aus wie verdammte K�fer. Er konnte sie kaum erkennen. Der Balkon wurde von einem hohen schmiedeeisernen Sichtschutz umgeben, der verhindern sollte, dass Leute von unten hineinsehen konnten, aber Mat war nahe genug dran, um die W�chter erkennen zu k�nnen.</p><p>Beim Licht, sie hielten sich dort wirklich lange auf. Mats Arm fing langsam an zu schmerzen. Die beiden M�nner murmelten etwas. Vielleicht wollten sie sich ja setzen und Tee trinken. Oder ein Buch hervorholen und bis sp�t in die Nacht hinein lesen. Tuon w�rde diese beiden wirklich entlassen m�ssen. Warum plauderten sie gem�tlich auf einem Balkon? Wo hier doch �berall Attent�ter herumschleichen konnten!</p><p>Dank des Lichts gingen die beiden schlie�lich wieder hinein. Mat versuchte, bis zehn zu z�hlen, bevor er sich nach oben schwang, hielt aber nur bis sieben durch. Er stie� eine der unverriegelten Sichtschutzblenden auf und stieg �ber die Balkonbr�stung.</p><p>Dann atmete er leise aus; seine Arme schmerzten. Dieser Palast war trotz der beiden W�chter nicht einmal ann�hernd so unzug�nglich, wie es der Stein von Tear gewesen war, und in ihn hatte sich Mat Zugang verschafft. Und er hatte hier auch noch einen anderen Vorteil: Er war in diesem Palast nach Belieben ein und aus gegangen. Jedenfalls meistens. Er kratzte sich durch das Halstuch im Nacken. Einen Augenblick lang kam es ihm wie eine Kette vor.</p><p>Sein Vater hatte dieses Sprichwort gehabt: Man muss immer die Richtung kennen, in die man reiten will. Kein anderer Mann war so ehrlich wie Abell Cauthon gewesen, das hatte jeder gewusst, aber manchen Leuten konnte man nicht weiter trauen, als sie spucken konnten�� vor allem das Volk oben in Taren-F�hre. Beim Pferdehandel musste man sich immer bereithalten loszureiten, und man musste immer wissen, in welche Richtung es gehen sollte. Hatte Abell gesagt.</p><p>Nun, in den zwei Monaten, in denen Mat in diesem Palast gelebt hatte, hatte er sich mit jedem Ausgang vertraut gemacht�� mit jedem Gang und jeder T�r, jedem lockeren Fensterriegel. Welche Sichtschutzblenden leicht zu �ffnen und welche f�r gew�hnlich fest verschlossen waren. Wenn man sich rausschleichen konnte, konnte man sich auch reinschleichen. Einen Moment lang ruhte er sich auf dem Balkon aus, betrat aber nicht das dazugeh�rige Zimmer. Der zweite Stock war f�r G�ste bestimmt. Er h�tte sich hier einschleichen k�nnen, aber das Innere eines Geb�udes war immer besser bewacht als die Au�enseite. Es war besser, weiter an der Fassade emporzuklettern.</p><p>Dabei durfte man sich nie verleiten lassen, nach unten zu blicken. Gl�cklicherweise war die Fassade nicht schwierig zu erklettern. Stein- und Holzornamente sorgten f�r ausreichende Klettervorspr�nge. Er musste daran denken, dass er Tylin deswegen einmal gewarnt hatte.</p><p>Schwei�tropfen krochen Mats Stirn hinunter wie Ameisen ihren H�gel, als er wieder �ber die Br�stung stieg, sich nach oben zog und an der Mauer in Richtung drittes Stockwerk kletterte. Gelegentlich schlug der <emphasis>Ashandarei</emphasis> gegen seine Beine. Der Wind trug den Geruch des Meeres herbei. Hoch oben roch immer alles besser. Vielleicht war das der Grund, warum K�pfe besser als F��e rochen.</p><p><emphasis>Was f�r ein bl�der Gedanke,</emphasis> schalt sich Mat. Alles, nur um nicht an die H�he zu denken. Er zog sich auf einen Vorsprung, rutschte mit einem Fu� ab und baumelte kurz. Keuchend atmete er ein und aus, dann machte er weiter.</p><p>Da. �ber ihm kam Tylins Balkon in Sicht. Nat�rlich hatten ihre Gem�cher mehrere davon; sein Ziel war der am Schlafzimmer und nicht der am Wohnzimmer. Der sah schlie�lich auf den Mol-Hara-Platz hinaus, und dort w�re seine Kletterei so verr�terisch wie eine Fliege auf einem wei�en Pudding gewesen.</p><p>Wieder schaute er zu dem aufwendig mit Schmiedearbeiten verzierten Balkongel�nder hinauf. Er hatte sich immer gefragt, ob er es wohl schaffen w�rde, dort hinaufzuklettern. Mit Sicherheit hatte er in Betracht gezogen, dort <emphasis>herunterzuklettern</emphasis>.</p><p>Nun, eine solche Kletterpartie w�rde er auf keinen Fall noch einmal in Angriff nehmen, so ein Narr war er nicht, so viel stand fest. Nur dieses eine Mal und das auch nur widerstrebend. Matrim Cauthon wusste schlie�lich, wie er auf seinen Hals aufpassen musste. Er hatte nicht so lange �berlebt, indem er unberechenbare Risiken einging, ob ihm das Gl�ck nun zur Seite stand oder nicht. Wenn Tuon in einer Stadt leben wollte, wo das Oberhaupt ihrer Heere sie umbringen wollte, dann war das ihre Sache.</p><p>Er nickte. Er w�rde dort einsteigen, ihr in einem ganz vern�nftigen Tonfall erkl�ren, dass sie diese Stadt verlassen musste und dieser General Galgan sie verriet. Dann konnte er fr�hlich seiner Wege gehen und eine anst�ndige W�rfelpartie finden. Dazu war er ja schlie�lich in diese Stadt gekommen. Falls Rand oben im Norden war, wo sich die vielen Trollocs herumtrieben, dann wollte er so weit von diesem Mann entfernt sein, wie das nur m�glich war. Zwar tat Rand ihm leid, aber jeder vern�nftige Mensch w�rde einsehen, dass das f�r ihn die einzige M�glichkeit darstellte. Der Farbenwirbel bildete sich, aber er unterdr�ckte ihn.</p><p>Vern�nftig. Er w�rde ausgesprochen vern�nftig sein.</p><p>Schwitzend, fluchend und mit schmerzenden H�nden zog sich Mat auf den Balkon im dritten Stock. Einer der Riegel der Sichtschutzblenden war locker, genau wie zu der Zeit, als er in diesem Palast gelebt hatte. Ein schneller Ruck mit einer Drahtschlinge reichte aus, um dort hineinzukommen. Er betrat den geschlossenen Balkon, nahm den <emphasis>Ashandarei</emphasis> ab, legte sich auf den R�cken und keuchte, als w�re er den ganzen Weg von Andor nach Tear gelaufen.</p><p>Nach ein paar Minuten kam er wieder auf die F��e, dann schaute er �ber die Br�stung die drei Stockwerke nach unten. Wenn er diese Kletterpartie jetzt von dieser Perspektive aus betrachtete, f�hlte er sich ziemlich gut.</p><p>Er hob den <emphasis>Ashandarei</emphasis> auf und trat an die Balkont�r. Zweifellos w�rde Tuon mittlerweile Tylins Gem�cher bezogen haben. Es waren die besten im ganzen Palast. Mat �ffnete die T�r einen Spalt. Er w�rde einen schnellen Blick hineinwerfen und��</p><p>Etwas schoss aus den Schatten vor ihm und bohrte sich direkt �ber seinem Kopf in den T�rrahmen.</p><p>Mat lie� sich fallen, rollte sich ab, zog ein Messer mit der einen und hielt den <emphasis>Ashandarei</emphasis> mit der anderen Hand. Die Wucht des Armbrustbolzens lie� die T�r aufschwingen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter schaute Selucia hinaus. Ihre rechte Kopfseite war glatt rasiert, die andere Seite verbarg ein Tuch. Ihre Haut hatte die Farbe von Sahne, aber jeder Mann, der sie f�r weich hielt, w�rde sehr schnell eines Besseren belehrt. Selucia h�tte noch einem Schmirgelpapier ein paar Dinge �ber das Hartsein beibringen k�nnen.</p><p>Sie richtete eine kleine Armbrust auf Mat, und er musste l�cheln. �Ich wusste es!�, rief er aus. �Ihr seid eine Leibw�chterin. Das seid Ihr immer schon gewesen.�</p><p>Selucia warf ihm einen finsteren Blick zu. �Was macht Ihr denn hier, Ihr Narr?�</p><p>�Ach, ich mache blo� einen Spaziergang�, erwiderte Mat, stand auf und steckte das Messer weg. �Angeblich soll Nachtluft einem guttun. Die Meeresbrise. Eben diese Dinge.�</p><p>�Seid Ihr etwa hier raufgeklettert?�, fragte Selucia und warf einen Blick �ber die Balkonbr�stung, als suche sie nach einem Seil oder einer Leiter.</p><p>�Was denn? Klettert Ihr hier nicht f�r gew�hnlich herauf? Das ist wirklich gut f�r die Arme. Verbessert den Griff.�</p><p>Sie schenkte ihm einen Blick, der deutlich zum Ausdruck brachte, dass sie sich fragte, womit sie das verdient hatte, und Mat musste grinsen. Wenn Selucia nach Attent�tern Ausschau hielt, dann ging es Tuon vermutlich gut. Er deutete mit dem Kopf auf die Armbrust, die noch immer auf ihn gerichtet war. �W�rdet Ihr���</p><p>Sie dachte nach, dann seufzte sie und senkte die Waffe.</p><p>�Vielen Dank. Mit diesem Ding k�nntet Ihr einem Mann das Auge ausschie�en, und normalerweise w�re mir das egal, aber ich habe im Moment nicht mehr so viele davon.�</p><p>�Was habt Ihr gemacht?�, fragte Selucia trocken. �Mit einem B�r gew�rfelt?�</p><p>�Selucia!� Mat ging an ihr vorbei, um das Zimmer zu betreten. �Das war ja fast so etwas wie ein Scherz. Vielleicht k�nnten wir Euch ja mit ein bisschen M�he doch noch so etwas wie einen Sinn f�r Humor beibringen. Das w�re dann so unerwartet, dass wir Euch in eine Menagerie stecken und Eintritt f�r Euch verlangen k�nnten. �Kommt und seht die unvergleichliche lachende <emphasis>So�jhin</emphasis>. Heute Abend nur zwei Kupferst�cke����</p><p>�Das Auge war bestimmt ein Wetteinsatz, nicht wahr?�</p><p>Mat stie� die T�r auf. Er kicherte. Beim Licht! Das kam der Wahrheit fast schon seltsam nahe. �Sehr drollig.�</p><p><emphasis>Diese Wette habe ich gewonnen,</emphasis> dachte er, <emphasis>ganz egal, wie andere das vielleicht sehen.</emphasis> Matrim Cauthon war der einzige Mann, der um das Schicksal der Welt selbst im Gewinnbeutel gew�rfelt hatte. Nat�rlich w�rden sie das n�chste Mal einen anderen hirnverbrannten Helden finden m�ssen, der seinen Platz einnahm. Jemanden wie Rand oder Perrin. Diesen beiden kam das Heldentum ja fast schon aus dem Mund und tropfte ihnen vom Kinn. Er unterdr�ckte die Bilder, die sich bilden wollten. Licht! Er musste endlich aufh�ren, an die beiden zu denken.</p><p>�Wo ist sie?�, fragte er und sah sich im Schlafgemach um. Die Laken waren zerw�hlt�� diese pinkfarbenen B�nder am Kopfteil bildete er sich tats�chlich nicht ein��, aber Tuon war nirgendwo zu sehen.</p><p>�Unterwegs�, sagte Selucia.</p><p>�Unterwegs? Frau, es ist mitten in der Nacht!�</p><p>�Ja. Eine Zeit, in der nur Meuchelm�rder zu Besuch kommen. Ihr habt Gl�ck, dass ich nicht richtig gezielt habe, Matrim Cauthon.�</p><p>�Das ist verdammt noch mal egal�, erwiderte Mat. �Ihr seid ihre Leibw�chterin.�</p><p>�Ich wei� nicht, was Ihr damit meint�, sagte Selucia und lie� die kleine Armbrust in ihrem Gewand verschwinden. �Ich bin <emphasis>So�jhin</emphasis> der Kaiserin, m�ge sie ewig leben. Ich bin ihre Stimme und ihre Wahrheitssprecherin.�</p><p>�Toll�, sagte Mat und betrachtete das Bett. �Ihr spielt den Lockvogel, nicht wahr? Liegt in ihrem Bett. Die Armbrust bereit, sollten Attent�ter versuchen, sich einzuschleichen?�</p><p>Selucia schwieg.</p><p>�Nun, wo ist sie?�, verlangte Mat zu wissen. �Verdammte Asche, Frau! Das ist eine ernste Angelegenheit. General Galgan pers�nlich hat M�nner bezahlt, um sie zu t�ten!�</p><p>�Darum geht es?�, fragte Selucia. �Darum seid Ihr besorgt?�</p><p>�Und ob ich das verdammt noch mal bin.�</p><p>�Wegen Galgan braucht sich niemand Sorgen zu machen�, sagte Selucia. �Er ist ein zu guter Soldat, um unsere derzeitigen Bem�hungen um Stabilit�t zu sabotieren. Um Krisa solltet Ihr Euch Sorgen machen. Sie hat drei Meuchelm�rder aus Seanchan geholt.� Selucia warf einen Blick zur Balkont�r. Zum ersten Mal fiel Mat ein Fleck auf dem Boden auf, der m�glicherweise Blut war. �Bis jetzt habe ich zwei erwischt. Schade. Ich hatte Euch f�r den dritten gehalten.� Sie musterte ihn, als w�rde sie in Betracht ziehen, dass er s�mtlicher Logik zum Trotz dieser Attent�ter war.</p><p>�Ihr seid einfach blo� verr�ckt�, verk�ndete Mat, zog seinen Hut zurecht und holte den <emphasis>Ashandarei</emphasis>. �Ich gehe zu Tuon.�</p><p>�Das ist nicht l�nger ihr Name, m�ge sie ewig leben. Man kennt sie als Fortuona, aber Ihr solltet sie mit keinem dieser Namen ansprechen, sondern blo� als �H�chstgeborene� oder �Gr��te�.�</p><p>�Ich nenne sie, wie ich es verdammt noch mal f�r richtig halte�, sagte Mat. �Wo ist sie?�</p><p>Selucia musterte ihn.</p><p>�Ich bin kein Attent�ter!�</p><p>�Daf�r halte ich Euch auch nicht. Ich versuche lediglich zu entscheiden, ob es ihr recht w�re, wenn ich Euch den Ort verrate.�</p><p>�Ich bin ihr Ehemann, oder nicht?�</p><p>�Seid still�, sagte Selucia. �Ihr habt gerade versucht, mich davon zu �berzeugen, dass Ihr kein Attent�ter seid, und dann kommt Ihr damit? Dummer Mann. Sie ist im Palastgarten.�</p><p>�Es ist���</p><p>���mitten in der Nacht�, unterbrach Selucia ihn. �Ja, ich wei�. Sie h�rt nicht immer auf die Logik.� Er entdeckte einen Hauch von Verzweiflung in ihrer Stimme. �Sie hat eine ganze Abteilung Totenw�chter um sich.�</p><p>�Es interessiert mich nicht, ob sie den Sch�pfer selbst dabeihat�, fauchte Mat und ging zur�ck zum Balkon. �Ich werde sie auf einen Stuhl setzen und ihr ein paar Dinge erkl�ren.�</p><p>Selucia folgte ihm, lehnte sich gegen den T�rrahmen und sah ihn skeptisch an.</p><p>�Nun, vielleicht setze ich sie nicht auf einen Stuhl�, sagte Mat und schaute �ber das Gel�nder nach unten in den Garten. �Aber ich werde ihr ��mit logischen Argumenten�� erkl�ren, warum sie nicht auf diese Weise in der Nacht herumspazieren kann. Zumindest werde ich es erw�hnen. Blut und verdammte Asche. Wir sind wirklich ganz sch�n hoch hier, was?�</p><p>�Normale Menschen nehmen die Treppe.�</p><p>�Jeder Soldat in der Stadt h�lt nach mir Ausschau�, sagte Mat. �Ich glaube, Galgan will mich verschwinden lassen.�</p><p>Selucia sch�rzte die Lippen.</p><p>�Das habt Ihr nicht gewusst?�</p><p>Sie z�gerte, dann aber sch�ttelte sie den Kopf. �Es ist nicht unvorstellbar, dass Galgan nach Euch Ausschau h�lt. Unter normalen Umst�nden w�re der Prinz der Raben eine Konkurrenz. Er ist der General unserer Heere, aber diese Aufgabe wird oft dem Prinzen der Raben �bertragen.�</p><p>Der Prinz der Raben. �Erinnert mich blo� nicht daran�, sagte Mat. �Ich habe das immer f�r meinen Titel gehalten, als ich mit der Tochter der Neun Monde verheiratet wurde. Hat der sich nicht mit ihrer Thronbesteigung ge�ndert?�</p><p>�Nein�, erwiderte Selucia. �Noch nicht.�</p><p>Mat nickte, dann seufzte er, als er den Abstieg betrachtete. Er schob ein Bein �ber die Br�stung.</p><p>�Es gibt einen anderen Weg�, sagte Selucia. �Kommt mit, bevor Ihr Euch noch Euren bl�den Hals brecht. Ich wei� noch immer nicht, was sie eigentlich mit Euch will, aber ich bezweifle, dass sie Euch in den Tod st�rzen sehen will.�</p><p>Dankbar h�pfte Mat von der Br�stung und folgte Selucia in das Gemach. Sie �ffnete einen Schrank, dann schob sie die Hinterwand zur Seite und enth�llte einen finsteren Gang, der in die steinernen Palastw�nde f�hrte.</p><p>�Blut und verfluchte Asche�, sagte Mat und steckte den Kopf hinein. �Hat es den immer schon gegeben?�</p><p>�Ja.�</p><p>�So ist er vielleicht hereingekommen�, murmelte Mat. �Ihr m�sst den Gang versperren, Selucia.�</p><p>�Ich tat etwas Besseres. Wenn die Kaiserin schl�ft�� m�ge sie ewig leben��, schl�ft sie auf dem Dachboden. Sie schl�ft niemals in diesem Gemach. Wir haben nicht vergessen, wie m�helos Tylin ermordet wurde.�</p><p>�Das ist gut.� Mat erschauderte. �Ich habe die Kreatur aufgesp�rt, die das getan hat. Der wird keine Kehlen mehr herausrei�en. Tylin und Nalesean k�nnen zusammen ein kleines T�nzchen deswegen veranstalten. Lebt wohl, Selucia. Vielen Dank.�</p><p>�F�r den Gang? Oder weil ich Euch nicht mit der Armbrust get�tet habe?�</p><p>�Weil Ihr mich nicht mit verfluchte Hoheit angesprochen habt wie Musenge und die anderen�, murmelte Mat und betrat den geheimen Gang. An der Wand hing eine Laterne, und er entz�ndete sie.</p><p>Hinter ihm lachte Selucia. �Wenn Euch das st�rt, Cauthon, dann steht Euch ein ausgesprochen nervenaufreibendes Leben bevor. Es gibt nur eine M�glichkeit, nicht l�nger der Prinz der Raben zu sein, wenn Euch jemand eine Schlinge um den Hals legt.� Sie schloss die Schrankwand.</p><p><emphasis>Was f�r eine reizende Frau,</emphasis> dachte Mat. Als sie nicht mit ihm gesprochen hatte, da hatte sie ihm besser gefallen. Oder doch nicht? Kopfsch�ttelnd ging er los, und erst jetzt fiel ihm auf, dass sie ihm gar nicht verraten hatte, wo der Gang eigentlich hinf�hrte.</p><empty-line/><p>Begleitet von ein paar T�chtern ging Rand durch Elaynes Lager am Ostrand des Braemwaldes. Jetzt am Abend war hier alles dunkel, aber kaum einer schlief. Man traf Vorbereitungen, die Zelte abzubauen und das Heer am n�chsten Morgen nach Osten in Richtung Cairhien zu verlegen.</p><p>F�r ihn gab es heute Abend nur zwei W�chterinnen. Damit kam er sich beinahe schon nackt vor, obwohl er einst der Meinung gewesen war, dass s�mtliche Leibw�chter �berfl�ssig waren. Die unweigerliche Drehung des Rades hatte seine Ansichten so sicher ver�ndert, wie es die Jahreszeiten ver�nderte.</p><p>Er benutzte einen von Laternen beleuchteten Pfad, der offensichtlich einst ein Wildpfad gewesen war. Dieses Lager hatte nicht lange genug bestanden, um andere Pfade zu erschaffen. Leise Ger�usche fl�sterten durch den Abend; Karren wurden mit Vorr�ten beladen, Klingen an Schleifsteinen gewetzt, Mahlzeiten an hungrige Soldaten ausgeteilt.</p><p>Die M�nner riefen einander nichts zu, denn es war Abend, die Streitkr�fte des Schattens befanden sich in der N�he im Wald, und Trollocs hatten gute Ohren. Die Laternen waren mit Schiebern versehen, um nur wenig Licht abzugeben, und die Kochfeuer waren auf ein Minimum reduziert.</p><p>Rand verlie� mit seinem langen B�ndel den Pfad und ging durch das raschelnde Gras auf Tams Zelt zu. Das w�rde ein kurzer Besuch werden. Er nickte den salutierenden Soldaten zu, an denen er vorbeikam. Zwar waren sie schockiert, ihn zu sehen, aber es �berraschte sie nicht, ihn im Lager anzutreffen. Elayne hatte seinen fr�heren Besuch allgemein bekannt gemacht.</p><p><emphasis>Ich f�hre diese Heere an,</emphasis> hatte sie gesagt, als sie sich das letzte Mal voneinander verabschiedet hatten, <emphasis>aber du bist ihr Herz. Du hast sie versammelt, Rand. Sie k�mpfen f�r dich. Bitte lass sie dich sehen, wenn du kommst.</emphasis></p><p>Und das tat er. Er w�nschte sich, er k�nnte sie besser besch�tzen, aber das war eine Last, die er nun einmal tragen musste. Wie sich herausgestellt hatte, hatte das Geheimnis nicht darin gelegen, sich so hart zu machen, dass er kurz vor dem Zerbrechen stand. Oder einfach nur seine Gef�hle abzut�ten. Stattdessen musste man vom Schmerz erf�llt einfach weitermachen, so wie er die Schmerzen der Wunden an seiner Seite ertragen hatte, und den Schmerz als einen Teil von sich akzeptieren.</p><p>Zwei M�nner aus Emondsfelde bewachten Tams Zelt. Rand nickte ihnen zu, als sie salutierten. Ban al�Seen und Dav al�Thone�� einst h�tte er niemals geglaubt, sie jemals salutieren zu sehen. Und sie machten das auch noch zackig.</p><p>�Ihr habt eine ernste Aufgabe, M�nner�, sagte Rand zu ihnen. �So wichtig wie jeder andere auf diesem Schlachtfeld.�</p><p>�Andor zu verteidigen, mein Lord?�, fragte Dav verwirrt.</p><p>�Nein�, erwiderte Rand. �Auf meinen Vater aufzupassen. Sorgt daf�r, dass ihr das gut tut.� Er schob sich in das Zelt und lie� die T�chter drau�en warten.</p><p>Tam stand �ber einen Reisetisch gebeugt und studierte Karten. Rand l�chelte. Er trug den gleichen Ausdruck, mit dem er ein Schaf gemustert h�tte, das sich in einem Geb�sch verfangen hatte.</p><p>�Du scheinst der Ansicht zu sein, dass man auf mich aufpassen muss�, sagte Tam.</p><p>Auf diese Bemerkung zu reagieren w�rde genauso sein, wie zu einer Gruppe Bogensch�tzen zu gehen und die M�nner herauszufordern, ihn zu treffen, entschied Rand. Stattdessen legte er sein B�ndel auf den Tisch. Tam betrachtete den langen verh�llten Gegenstand, dann zupfte er an dem Stoff. Er teilte sich und enth�llte ein majest�tisches Schwert mit einer schwarz lackierten Scheide, auf die man ineinander verschlungene Drachen aus Rot und Gold gemalt hatte.</p><p>Tam sah fragend auf.</p><p>�Du hast mir dein Schwert gegeben�, sagte Rand. �Und ich konnte es nicht zur�ckgeben. Das ist ein Ersatz.�</p><p>Tam zog das Schwert aus seiner Scheide, und seine Augen weiteten sich. �Das ist ein zu kostbares Geschenk, mein Sohn.�</p><p>�Nichts ist zu kostbar f�r dich�, fl�sterte Rand. �Nichts.�</p><p>Tam sch�ttelte den Kopf und schob die Klinge zur�ck in ihre Scheide. �Das endet doch nur wieder in einer Truhe, so vergessen wie das letzte. Ich h�tte dieses Ding niemals mit nach Hause nehmen sollen. Du misst dieser Klinge zu viel Wert bei.� Er wollte ihm das Schwert zur�ckgeben.</p><p>Rand hinderte ihn daran. �Bitte. Ein Klingenmeister verdient eine ihm entsprechende Waffe. Nimm sie�� es w�rde mein Gewissen erleichtern. Das Licht allein wei�, dass jede erleichterte B�rde in den kommenden Tagen helfen wird.�</p><p>Tam verzog das Gesicht. �Das ist ein schmutziger Trick, Rand.�</p><p>�Ich wei�. In letzter Zeit habe ich mich nur mit widerw�rtigen Typen umgeben. K�nige, Sekret�re, Lords und Ladys.�</p><p>Widerstrebend nahm Tam das Schwert wieder an sich.</p><p>�Betrachte es als Dankesch�n der ganzen Welt�, sagte Rand. �H�ttest du mir nicht vor so vielen Jahren das mit der Flamme und dem Nichts beigebracht�� Beim Licht, Tam. Ich w�re jetzt nicht hier. Ich w�re tot, davon bin ich �berzeugt.� Er betrachtete das Schwert. �Schon seltsam. H�ttest du nicht gewollt, dass ich ein guter Bogensch�tze werde, h�tte ich nie die eine Sache gelernt, die mich in schwierigen Zeiten bei Verstand hielt.�</p><p>Tam schnaubte. �Die Flamme und das Nichts haben aber nichts mit Bogenschie�en zu tun.�</p><p>�Ja, ich wei�. Das ist eine Schwertkampftechnik.�</p><p>�Das hat auch nichts mit Schwertern zu tun�, sagte Tam und schnallte das Schwert an seinen G�rtel.</p><p>�Aber���</p><p>�Bei der Flamme und dem Nichts geht es darum, seinen Mittelpunkt zu finden�, sagte Tam. �Und um Frieden. Wenn ich k�nnte, w�rde ich das jedem in diesem Land beibringen, nicht nur Soldaten.� Seine Miene wurde sanfter. �Aber beim Licht, was mache ich denn hier? Dich belehren? Sage mir, wo hast du diese Waffe her?�</p><p>�Ich habe sie gefunden.�</p><p>�So eine pr�chtige Klinge habe ich noch nie gesehen.� Tam zog sie wieder aus der Scheide und studierte die Faltungen im Metall. �Sie ist uralt. Und wurde benutzt. Oft benutzt. Sicherlich ist sie gepflegt worden, aber sie lag nicht blo� im Troph�enschrank eines Kriegsherrn. Diese Klinge ist von M�nnern geschwungen worden. Sie haben mit ihr get�tet.�</p><p>�Sie geh�rte�� einer verwandten Seele.�</p><p>Tam sah ihn an und versuchte, den Ausdruck in seinen Augen zu erforschen. �Nun, dann sollte ich sie wohl ausprobieren. Komm mit.�</p><p>�Jetzt noch?�</p><p>�Es ist noch fr�h am Abend�, sagte Tam. �Das ist eine gute Zeit. Das �bungsgel�nde wird nicht �berf�llt sein.�</p><p>Rand hob eine Braue, ging aber aus dem Weg, als Tam den Tisch umrundete und das Zelt verlie�. Er schloss sich ihm an, die T�chter folgten ihm, und sie begleiteten seinen Vater zu dem in der N�he gelegenen �bungsgel�nde, wo ein paar Beh�ter im Licht von ein paar an Pf�hlen aufgeh�ngten Laternen miteinander k�mpften.</p><p>Neben einem Gestell mit h�lzernen �bungswaffen zog Tam das neue Schwert und ging ein paar Schwertfiguren durch. Obwohl sein Haar ergraut war und viele Falten seine Augen umringten, bewegte sich Tam al�Thor wie ein Seidentuch im Wind. Rand hatte seinen Vater niemals k�mpfen sehen, nicht einmal bei einem �bungskampf. Tats�chlich hatte ein Teil von ihm immer noch Probleme mit der Vorstellung, dass der sanfte Tam al�Thor mehr als Birkh�hner f�r den Kochtopf t�tete.</p><p>Jetzt sah er es. Im Schein der flackernden Laternen schl�pfte Tam al�Thor in die Schwertfiguren wie in ein bequemes Paar Stiefel. Seltsamerweise versp�rte Rand Eifersucht. Nicht unbedingt auf seinen Vater, sondern auf jeden, der sich in den Frieden der Schwert�bungen versenken konnte. Er hob seine Hand, dann den Stumpf auf der anderen Seite. Viele der Figuren ben�tigten zwei H�nde. So wie Tam zu k�mpfen war nicht das Gleiche, wie mit Kurzschwert und Schild zu k�mpfen, wie es die meisten Infanteristen taten. Das war etwas v�llig anderes. Rand konnte noch immer k�mpfen, aber das hier blieb ihm jetzt f�r alle Zeiten verwehrt. Wie einem einf��igen Mann der Tanz.</p><p>Tam vollendete �Der Hase findet sein Loch� und lie� die Waffe mit einer glatten Bewegung in ihre Scheide gleiten. Die Klinge reflektierte das Laternenlicht, als sie in ihrer H�lle verschwand. �Wundersch�n�, sagte Tam. �Beim Licht, das Gewicht, die Schmiedearbeit�� Ist es mit der Macht geschmiedet worden?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, sagte Rand.</p><p>Er hatte nie Gelegenheit gehabt, mit der Klinge zu k�mpfen.</p><p>Tam nahm von einem Diener einen Becher mit Wasser entgegen. In der Ferne �bten ein paar junge Rekruten Pikenformationen, arbeiteten bis tief in die Nacht. Jeder Augenblick Ausbildung war kostbar, vor allem f�r jene, die nicht oft in der Frontlinie standen.</p><p><emphasis>Neue Rekruten,</emphasis> dachte Rand und sah ihnen zu. <emphasis>Auch sie sind meine B�rde. Jeder Mann, der k�mpft.</emphasis></p><p>Er w�rde eine M�glichkeit finden, den Dunklen K�nig zu besiegen. Falls ihm das nicht gelang, war der Kampf dieser M�nner v�llig sinnlos.</p><p>�Du bist besorgt, mein Sohn�, sagte Tam und gab dem Jungen den Becher zur�ck.</p><p>Rand beruhigte sich wieder, fand Frieden und wandte sich seinem Vater zu. Ihm fiel etwas aus seinen alten Erinnerungen ein, etwas aus einem Buch. <emphasis>Der Schl�ssel zur F�hrung liegt in den sich kr�uselnden Wellen.</emphasis> Auf einer Wasseroberfl�che gab es keine Ruhe, wenn darunter Unruhe herrschte. Genauso wenig konnte man Frieden und Konzentration in einer Gruppe finden, wenn der Anf�hrer keinen inneren Frieden kannte.</p><p>Tam musterte ihn, fragte ihn aber nicht nach seinem pl�tzlich so beherrschten Gesichtsausdruck. Stattdessen nahm er eines der ausgewogenen �bungsschwerter vom Gestell. Er warf es Rand zu, der es auffing, w�hrend er den anderen Arm auf dem R�cken hielt.</p><p>�Vater�, sagte Rand warnend, als Tam selbst ein �bungsschwert nahm. �Das ist keine gute Idee.�</p><p>�Ich habe geh�rt, dass du ein echter Schwertk�mpfer geworden bist�, sagte Tam und f�hrte ein paar Schl�ge mit dem �bungsschwert aus, um seine Balance zu pr�fen. �Ich w�rde gern sehen, was du kannst. Nenn es v�terlicher Stolz, wenn du willst.�</p><p>Rand seufzte und hielt den anderen Arm in die H�he, um den Stumpf zu zeigen. Die Blicke der Leute neigten dazu, ihn zu ignorieren, als w�rden sie einen Grauen Mann sehen. Ihnen gefiel die Vorstellung nicht, dass ihr Wiedergeborener Drache mit einem Makel behaftet war.</p><p>Er lie� sie nie wissen, wie m�de er sich im Inneren f�hlte. Sein K�rper war abgenutzt wie ein seit Generationen benutzter M�hlstein. Er war noch robust genug, um seine Aufgabe zu erf�llen, und das w�rde er auch, aber beim Licht, manchmal f�hlte er sich schrecklich ersch�pft. Die Hoffnungen von Millionen zu tragen war schwerer, als einen Berg in die H�he zu stemmen.</p><p>Tam nahm auf den Stumpf keine R�cksicht. Er zog ein Taschentuch hervor, wickelte es um eine Hand und knotete es mithilfe der Z�hne fest. �Ich werde mit dieser Hand nichts anfassen k�nnen�, sagte er und schwang das Holzschwert erneut. �Es wird ein fairer Kampf sein. Komm schon, Sohn.�</p><p>In Tams Stimme lag Autorit�t�� die Autorit�t eines Vaters. Es war der gleiche Tonfall, den er einst benutzt hatte, damit Rand aus den Federn kroch, um den Melkschuppen auszumisten.</p><p>Es war Rand unm�glich, diesem Tonfall nicht zu gehorchen, nicht, wenn er von Tam kam. Das war in ihm verwurzelt. Mit einem Seufzen trat er vor. �Ich brauche kein Schwert mehr f�r den Kampf. Ich habe die Eine Macht.�</p><p>�Das w�re von Bedeutung�, sagte Tam, �wenn �ben etwas mit richtigem K�mpfen zu tun h�tte.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Was��</p><p>Tam griff an.</p><p>Rand parierte halbherzig. Tam wechselte zu �Federn schweben im Wind�, drehte das Schwert und teilte einen zweiten Schlag aus. Rand wich zur�ck und parierte wieder. In ihm regte sich etwas, ein Verlangen. Als Tam wieder angriff, hob er das Schwert und brachte instinktiv die H�nde zusammen.</p><p>Aber da war keine zweite Hand, um den unteren Teil des Schwertgriffs zu umfassen. Damit blieb sein Griff schwach, und als Tam nachsetzte, schlug er Rand um ein Haar die Waffe aus der Hand.</p><p>Rand biss die Z�hne zusammen und wich noch einen Schritt zur�ck. Was w�rde Lan wohl sagen, wenn er bei einem seiner Sch�ler eine so beklagenswerte Leistung beobachtet h�tte? <emphasis>Was er sagen w�rde? Er w�rde sagen: �Rand, lass dich nicht auf einen Schwertkampf ein. Du kannst ihn nicht gewinnen. Das ist vorbei.�</emphasis></p><p>Beim n�chsten Angriff fintierte Tam rechts, schlug aber links zu und traf ihn am Oberschenkel. Rand t�nzelte mit brennender Haut zur�ck. Tam hatte ihn tats�chlich geschlagen, und zwar hart. Der Mann hielt sich wirklich nicht zur�ck.</p><p>Wie lange war es her, dass jemand mit ihm einen �bungskampf ausgetragen hatte und tats�chlich bereit gewesen war, ihn zu verletzen? So viele behandelten ihn, als w�re er zerbrechlich. Lan hatte das nie getan.</p><p>Rand st�rzte sich in den Kampf und probierte es mit �Der Keiler st�rmt bergab�. Ein paar Augenblicke lang schlug er auf Tam ein, aber dann hebelte ihm sein Vater das Schwert beinahe wieder aus der Hand. Die langen, f�r Schwertmeister gemachten Klingen waren ohne zweite Hand schwierig zu stabilisieren.</p><p>Rand knurrte und verfiel wieder in den zweih�ndigen Stand und scheiterte auch wieder. Mittlerweile hatte er gelernt, mit allem zurechtzukommen, was er verloren hatte�� zumindest, was sein Alltagsleben betraf. Seit dem Verlust seiner Hand hatte er sich nicht viel im Kampf ge�bt, obwohl er das eigentlich gewollt hatte.</p><p>Er kam sich vor wie ein Stuhl, dem ein Bein fehlte. Mit einiger M�he konnte er das Gleichgewicht bewahren, wenn auch nicht besonders gut. Er k�mpfte und probierte eine Figur nach der anderen aus, aber er konnte Tams Angriffe kaum bew�ltigen.</p><p>Es ging nicht! Jedenfalls nicht gut, also warum versuchte er es �berhaupt? Was diese Aktivit�t betraf, war er besch�digtes Gut. Ein �bungskampf machte keinen Sinn. Schwei��berstr�mt wandte er sich ab, zog den Mantel aus und schleuderte ihn zur Seite. Er versuchte es erneut, suchte sich auf dem niedergetrampelten Gras einen festen Stand, aber wieder war Tam �berlegen und trat ihm beinahe die Beine unter dem K�rper weg.</p><p><emphasis>Das ist sinnlos! Warum einh�ndig k�mpfen? Warum nicht eine andere M�glichkeit finden? Warum��</emphasis></p><p>Tam tat es.</p><p>Rand k�mpfte defensiv weiter, richtete die Aufmerksamkeit aber auf seinen Vater. Tam musste den Kampf mit nur einer Hand ge�bt haben; Rand las es seinen Bewegungen ab, wie er instinktiv nicht versuchte, den Schwertgriff mit seiner verbundenen Hand zu ergreifen. Wenn er so dar�ber nachdachte, h�tte er sich wohl die M�he machen sollen, ebenfalls mit nur einer Hand zu �ben. Schlie�lich konnten H�nde im Kampf leicht verletzt werden, und einige Schwertfiguren konzentrierten sich auf Angriffe auf die Arme. Lan hatte ihm gesagt, er solle �ben, seinen Griff zu wechseln. Vielleicht h�tte der Kampf mit nur einer Hand sp�ter auf dem Lehrplan gestanden.</p><p>�Lass los, mein Sohn�, sagte Tam.</p><p>�Was soll ich loslassen?�</p><p>�Alles.� Tam st�rmte auf ihn ein und lie� im Laternenlicht Schatten zucken, und Rand suchte das Nichts. S�mtliche Gef�hle gingen in die Flamme und lie�en ihn zugleich v�llig leer und mit sich im Reinen zur�ck.</p><p>Der n�chste Angriff traf beinahe seinen Kopf. Fluchend glitt Rand in �Der Reiher watet durch das Schilf�, wie Lan es ihm beigebracht hatte, hob die Holzklinge, um den n�chsten Hieb zu parieren. Wieder versuchte seine fehlende Hand, den Schwertgriff zu packen. Man konnte jahrelangen Drill nicht an einem Nachmittag ungeschehen machen!</p><p>Lass los.</p><p>Ein Windsto� strich �ber das Feld und trug den Geruch eines sterbenden Landes mit sich. Moos, Schimmel, F�ulnis.</p><p>Moos lebte. Schimmel war eine lebendige Sache. Damit ein Baum verfaulen konnte, musste das Leben weitergehen.</p><p>Ein Mann mit nur einer Hand war noch immer ein Mann, und wenn diese Hand ein Schwert hielt, war er noch immer gef�hrlich.</p><p>Tam nahm �Der Falke entdeckt den Hasen� ein, eine sehr aggressive Schwertfigur. Wieder griff er an. Rand sah die n�chsten paar Augenblicke vor sich, bevor sie geschahen. Er sah sich selbst, wie er das Schwert auf die richtige Weise hob, um die feindliche Klinge abzuwehren�� eine Figur, die erforderte, dass er sein Schwert einem mangelhaften Gleichgewicht aussetzte, weil ihm die zweite Hand fehlte. Er sah, wie Tam das Schwert aushebelte, um es ihm aus der Hand zu schlagen. Er sah den darauf erfolgenden Angriff, der seinen Hals treffen w�rde.</p><p>Tam w�rde innehalten, bevor er zuschlug. Rand w�rde den Kampf verlieren.</p><p>Lass los.</p><p>Rand ver�nderte seine Griffposition. Er dachte nicht dar�ber nach; er tat das, was sich richtig anf�hlte. Als Tam in seine N�he kam, riss er den linken Arm hoch, um seine rechte Seite zu stabilisieren, w�hrend er die Klinge kreiseln lie�. Tams Schwert glitt daran ab, schlug sie ihm aber nicht aus der Hand.</p><p>Tams R�ckhandschlag kam wie erwartet, traf aber Rands Ellbogen, den Ellbogen seines nutzlosen Arms. Er war also doch nicht so nutzlos. Effektiv blockierte er das Schwert, obwohl der Aufprall einen stechenden Schmerz hervorrief.</p><p>Tam erstarrte, seine Augen weiteten sich�� zuerst vor �berraschung, dass sein Hieb abgewehrt worden war, dann in offensichtlicher Sorge, weil er Rand einen ordentlichen Treffer zugef�gt hatte. Vermutlich hatte er sogar einen Knochen gebrochen.</p><p>�Rand�, sagte er. �Ich���</p><p>Rand trat einen Schritt zur�ck, legte den verletzten Arm auf den R�cken und hob das Schwert. Er atmete die �berw�ltigenden Ger�che einer verwundeten Welt ein�� verwundet, aber nicht tot.</p><p>Er griff an. �Der Eisvogel r�ubert in den Nesseln�. Rand w�hlte die Schwertfigur nicht bewusst, es passierte einfach. Vielleicht war es seine Haltung, das Schwert gerade ausgestreckt, den anderen Arm auf den R�cken gelegt. Das f�hrte ihn automatisch in die offensive Figur.</p><p>Tam wehrte den Angriff misstrauisch ab, machte einen Schritt zur Seite. Rand glitt in seine n�chste Schwertfigur. Er versuchte, seine Instinkte auszuschalten, und sein K�rper passte sich der Herausforderung an. Sicher geborgen im Nichts er�brigte sich die Frage, wie das m�glich war.</p><p>Jetzt begann der Wettkampf richtig. Die Schwerter trafen mit scharfen Hieben aufeinander, Rand hielt die Hand auf dem R�cken und f�hlte, wie sein n�chster Schlag aussehen sollte. Er k�mpfte nicht so gut wie fr�her. Das konnte er nicht; manche Figuren waren ihm unm�glich, und er konnte auch nicht mit so viel Kraft wie gewohnt zuschlagen.</p><p>Er war Tam ebenb�rtig. Bis zu einem gewissen Grad. Jeder Schwertk�mpfer vermochte zu sagen, wer bei einem Kampf der bessere von ihnen war. Oder zumindest, wer im Vorteil war. Das war Tam eindeutig. Rand war j�nger und st�rker, aber Tam war einfach so <emphasis>unersch�tterlich</emphasis>. Er hatte den Kampf mit nur einer Hand ge�bt. Davon war Rand �berzeugt.</p><p>Es war ihm egal. Diese Konzentration�� diese Konzentration hatte er vermisst. Dank der Sorgen, die so schwer auf ihm lasteten, seiner B�rde, hatte er f�r etwas so Einfaches wie ein �bungsduell keine Zeit gehabt. Jetzt fand er sie und warf sich mit Leib und Seele hinein.</p><p>Eine Weile war er nicht der Wiedergeborene Drache. Er war nicht einmal ein Sohn mit seinem Vater. Er war ein Sch�ler mit seinem Meister.</p><p>Und so erinnerte er sich daran, dass ganz egal, wie gut er geworden war, ganz egal, woran er sich nun an alles erinnerte, er noch immer so viel lernen konnte.</p><p>Sie k�mpften weiter. Rand z�hlte nicht, wer bei welchem Schlagabtausch den Vorteil gehabt hatte; er k�mpfte einfach und genoss den Frieden, den ihm das brachte. Schlie�lich war er ersch�pft�� aber es war eine gute Art der Ersch�pfung, die nichts mit der bleiernen Zerm�rbung gemeinsam hatte, die er in letzter Zeit immer h�ufiger versp�rt hatte. Es war die Ersch�pfung einer hinreichend erledigten Arbeit.</p><p>Schwitzend salutierte er Tam mit dem �bungsschwert und zeigte damit an, dass er genug hatte. Sein Vater trat zur�ck und hob ebenfalls das Schwert. Er grinste.</p><p>In der N�he neben den Laternen fing eine Handvoll Beh�ter an, zu applaudieren. Kein gro�es Publikum�� nur sechs M�nner��, aber Rand hatte sie nicht bemerkt. Die T�chter hoben ihre Speere zum Salut.</p><p>�Das war eine ganz sch�ne Last, nicht wahr?�, fragte Tam.</p><p>�Welche Last?�</p><p>�Diese verlorene Hand, mit der du dich abgem�ht hast.�</p><p>Rand betrachtete seinen Stumpf. �Ja. Ich glaube, das war es tats�chlich.�</p><empty-line/><p>Tylins Geheimgang f�hrte zum Garten und endete an einem winzigen Loch, das sich nicht weit von der Stelle befand, an der Mat mit seiner Kletterpartie begonnen hatte. Er kroch hinaus, klopfte sich den Staub von den Schultern und den Knien, dann legte er den Kopf in den Nacken und schaute zu dem Balkon in der H�he empor. Er war zu den H�hen des Geb�udes emporgeklettert und durch seine Eingeweide wieder herausgekrochen. Vielleicht lag darin ja irgendeine Lektion oder Metapher. Vielleicht die, dass Matrim Cauthon nach Geheimg�ngen suchen sollte, bevor er sich entschied, an einem Geb�ude mit verfluchten vier Stockwerken hochzuklettern.</p><p>Leise betrat er den Garten. Dem Gr�nzeug ging es gar nicht gut. Diese Farne h�tten viel mehr Wedel haben m�ssen, und die B�ume waren so nackt wie eine Tochter im Schwei�zelt. Eigentlich keine �berraschung. Das ganze Land welkte schneller dahin als ein Junge bei Bel Tine ohne Tanzpartnerin. Mat war sich ziemlich sicher, dass Rand daran schuld war. Rand oder der Dunkle K�nig. Er konnte jedes verdammte Problem seines Lebens zu dem einen oder anderen zur�ckverfolgen.</p><p>Das Moos lebte noch. Mat hatte noch nie davon geh�rt, dass man Moos in einem Garten pflegte, aber er h�tte schw�ren k�nnen, dass man es hier in Mustern auf Steinen wachsen lie�. Vielleicht nahmen die G�rtner ja alles, was noch da war, nachdem der Rest abgestorben war.</p><p>Er musste eine Weile suchen und durch vertrocknete B�sche und vorbei an toten Blumenbeeten sp�hen, um Tuon zu finden. Eigentlich erwartete er, sie friedlich sitzend vorzufinden, wie sie �ber etwas nachdachte, aber er h�tte es besser wissen sollen.</p><p>Neben einem Farn ging Mat in die Hocke, ohne von dem Dutzend Totenw�chtern bemerkt zu werden, die in einem Kreis um Tuon standen, die sich gerade im waffenlosen Kampf �bte. Sie wurde von zwei Laternen angestrahlt, die ein seltsames, gleichm��iges blaues Licht abgaben. Etwas brannte in ihnen, aber es war keine normale Flamme.</p><p>Das Licht leuchtete auf ihrer glatten Haut, die den Farbton besonders dunkler Erde hatte. Sie trug ein helles <emphasis>A�solma</emphasis>, ein an den Seiten geschlitztes Gewand, das die engen blauen Beinkleider darunter enth�llte. Tuon war zierlich; einst hatte er f�lschlicherweise angenommen, sie sei eine zarte Person. Das war sie nicht.</p><p>Sie hatte sich wieder den Kopf rasiert, da sie sich nicht l�nger verbarg. Die Kahlheit stand ihr, so seltsam das auch war. Sie bewegte sich in dem blauen Lichtschein und f�hrte mit geschlossenen Augen eine Reihe Handbewegungen des waffenlosen Kampfes aus. Sie schien mit ihrem eigenen Schatten zu k�mpfen.</p><p>Mat zog dem Kampf mit leeren H�nden ein gutes Messer vor�� oder noch besser, seinen <emphasis>Ashandarei</emphasis>. Je mehr Abstand er zwischen sich und einen Burschen brachte, der ihn umzubringen versuchte, umso besser. Tuon schien beides nicht zu brauchen. Als er ihr so zusah, wurde ihm bewusst, wie viel Gl�ck er in der Nacht gehabt hatte, in der er sie entf�hrt hatte. Ohne Waffen war sie t�dlich.</p><p>Sie wurde langsamer und beschrieb ein sanftes Muster vor dem K�rper, dann stie� sie die H�nde schnell zur Seite. Sie atmete ein und brachte sie zur anderen Seite, wobei sich ihr ganzer K�rper drehte.</p><p>Liebte er sie?</p><p>Die Frage bereitete ihm Unbehagen. Schon seit Wochen nagte sie am Rand seines Verstandes, wie eine Ratte, die unbedingt zum Korn wollte. Es war nicht die Art von Frage, die ein Matrim Cauthon stellen sollte. Matrim Cauthon interessierte sich allein f�r das M�dchen auf seinem Scho� und den n�chsten Wurf der W�rfel. Fragen �ber Liebesangelegenheiten �berlie� man besser den Ogiern, die hatten genug Zeit zu sitzen und den B�umen beim Wachsen zuzusehen.</p><p>Er hatte sie geheiratet. Aber das war so etwas wie ein Zufall gewesen, oder nicht? Die verfluchten F�chse hatten ihm das vorhergesagt. Sie hatte ihn ebenfalls heiraten wollen. Den wahren Grund daf�r kannte er noch immer nicht. Hatte es etwas mit diesen Omen zu tun gehabt, von denen sie immer sprach? Ihre Brautwerbung war mehr ein Spiel als eine Romanze gewesen. Er mochte Spiele, und er spielte immer, um zu siegen. Tuons Hand war der Gewinn gewesen. Aber was sollte er jetzt, wo er sie hatte, damit anfangen?</p><p>Sie machte weiter mit ihren �bungen und bewegte sich wie ein Schilfrohr im Wind. Eine Neigung in diese Richtung, dann eine anmutige Bewegung in die andere. Die Aiel bezeichneten einen Kampf als Tanz. Was w�rden sie wohl hiervon halten? Tuon bewegte sich so anmutig wie jeder Aiel. Wenn eine Schlacht tats�chlich ein Tanz war, dann wurde er haupts�chlich zur Musik eines ausgelassenen Schenkraums aufgef�hrt. Das hier folgte der rhythmischen Melodie eines Meisterbarden.</p><p>Hinter Tuons Schulter bewegte sich etwas. Mat spannte sich an und sp�hte in die Dunkelheit. Ah, es war blo� ein G�rtner. Ein ganz gew�hnlich aussehender Bursche mit einer M�tze auf dem Kopf und Sommersprossen auf den Wangen. Kaum der Beachtung wert. Mat ignorierte ihn und beugte sich vor, um mehr von Tuon sehen zu k�nnen. Ihre Sch�nheit lie� ihn l�cheln.</p><p><emphasis>Warum w�rde ein G�rtner zu dieser Uhrzeit hier arbeiten?,</emphasis> dachte er. <emphasis>Muss ja ein seltsamer Bursche sein.</emphasis></p><p>Mat sah wieder zu dem Mann hin, hatte aber Probleme, ihn auf Anhieb auszumachen. Er trat gerade zwischen zwei M�nner der Garde der Totenwache. Es schien sie nicht zu st�ren. Also h�tte es Mat auch nicht st�ren sollen. Anscheinend vertrauten sie dem Mann ja��</p><p>Mat griff in den �rmel und zog ein Messer. Er hob es, ohne weiter dar�ber nachzudenken, warum er es tat. Dabei strich seine Hand kaum h�rbar �ber einen Farnwedel.</p><p>Tuon riss die Augen auf und blickte trotz des schwachen Lichts direkt in seine Richtung. Sie sah das zum Wurf bereite Messer in seiner Hand.</p><p>Dann blickte sie �ber die Schulter.</p><p>Mat warf, und die Klinge wirbelte durch das blaue Licht. Sie passierte Tuons Kinn in einem Abstand von weniger als Fingerbreite und bohrte sich in die Schulter des G�rtners, der ebenfalls gerade mit einem Messer ausholte. Mit einem Keuchen taumelte der Mann zur�ck. Mat h�tte lieber seinen Hals getroffen, aber er hatte nicht das Risiko eingehen wollen, Tuon zu treffen.</p><p>Statt das Vern�nftige zu tun und aus seiner N�he zu verschwinden, sprang Tuon auf den Mann zu und schlug mit den H�nden nach seiner Kehle. Das lie� Mat l�cheln. Ungl�cklicherweise hatte der G�rtner gerade genug Zeit�� und ihr fehlte um Haaresbreite die richtige Position��, um einen Satz r�ckw�rts zu machen und an den verbl�fften Totenw�chtern vorbeizukommen. Mats zweiter Dolch bohrte sich hinter der Ferse des Attent�ters in den Boden, w�hrend er in der Nacht verschwand.</p><p>In der n�chsten Sekunde krachten drei M�nner ��von denen jeder ungef�hr so viel wog wie ein kleines Haus�� auf Mat und dr�ckten sein Gesicht in den weichen Boden. Einer trat auf sein Handgelenk, ein anderer nahm ihm den <emphasis>Ashandarei</emphasis> ab.</p><p>�Aufh�ren!�, br�llte Tuon. �Lasst ihn los! Verfolgt den anderen, ihr Narren!�</p><p>�Welchen anderen, Majest�t?�, fragte ein W�chter. �Da war kein anderer.�</p><p>�Und wem geh�rt dann dieses Blut?�, fragte Tuon und zeigte auf den dunklen Flecken, den der Attent�ter auf dem Boden zur�ckgelassen hatte. �Der Prinz der Raben sah, was ihr nicht gesehen habt. Durchsucht alles!�</p><p>Langsam stiegen die Totenw�chter von Mat herunter. Er st�hnte. Womit f�tterten sie diese Burschen? Mit Ziegelsteinen? Er verabscheute es, �Hoheit� genannt zu werden, aber ein bisschen Respekt w�re ja nett gewesen. Zumindest, wenn es verhindert h�tte, dass man sich auf ihn setzte.</p><p>Er stand auf und streckte einem verlegen aussehenden Totenw�chter die Hand entgegen. Das Gesicht des Burschen hatte mehr Narben als Haut. Er gab Mat den <emphasis>Ashandarei</emphasis>, dann lief auch er los, um den Garten zu durchsuchen.</p><p>Offensichtlich vollkommen unersch�ttert verschr�nkte Tuon die Arme. �Ihr habt Euch entschieden, Eure R�ckkehr zu mir zu verz�gern, Matrim.�</p><p>�Meine R�ckkehr zu�� Ich bin verdammt noch mal hier, um Euch zu warnen, und nicht, um zu Euch �zur�ckzukehren�. Ich bin mein eigener Mann.�</p><p>�Wenn Ihr das vorgeben wollt, k�nnt Ihr das gern tun�, erwiderte Tuon und sah zu, wie die Totenw�chter in den B�schen herumsuchten. �Aber Ihr d�rft nicht fortbleiben. Ihr seid f�r das Kaiserreich wichtig, und ich habe Verwendung f�r Euch.�</p><p>�Klingt ja toll�, murrte Mat.</p><p>�Was war es?�, fragte sie leise. �Ich habe diesen Mann nicht wahrgenommen, bevor Ihr die Aufmerksamkeit auf ihn lenktet. Diese W�chter sind die Besten im Kaiserreich. Ich habe gesehen, wie Daruo dort vorn mit blo�er Hand einen Pfeil aus der Luft pfl�ckte, und Barrin hat einmal einen Mann daran gehindert, mich anzuhauchen, weil er den Verdacht hatte, ein Attent�ter mit einem Mund voll Gift k�nnte kommen. Er hatte recht.�</p><p>�Man nennt es einen Grauen Mann�, sagte Mat und fr�stelte. �Sie haben etwas seltsam Gew�hnliches an sich�� sie sind schwer zu bemerken, und es kostet gro�e M�he, sich auf sie zu konzentrieren.�</p><p>�Ein Grauer Mann�, sagte Tuon leise. �Und noch mehr Mythen erwachen zum Leben. Wie Eure Trollocs.�</p><p>�Trollocs sind real, Tuon. Verdammt���</p><p>�Nat�rlich sind Trollocs real�, erwiderte sie. �Warum sollte ich das nicht glauben?� Sie sah ihn trotzig an, als fordere sie ihn heraus, die vielen Male zur Sprache zu bringen, in denen sie sie als Mythos bezeichnet hatte. �Dieser Graue Mann scheint ebenfalls real zu sein. Es gibt keine andere Erkl�rung, warum meine W�chter ihn durchlie�en.�</p><p>�Ich vertraue der Totenwache durchaus�, sagte Mat und rieb sich die Schulter, wo einer von ihnen sein Knie hingestemmt hatte. �Aber ich wei� nicht, Tuon. General Galgan will Euch umbringen lassen; er k�nnte f�r den Feind arbeiten.�</p><p>�Er meint seine Attentatsversuche nicht ernst�, sagte sie gleichg�ltig.</p><p>�Seid Ihr verdammt noch mal verr�ckt?�, fragte Mat.</p><p>�Seid Ihr verdammt noch mal dumm?�, fragte sie zur�ck. �Er hat doch blo� Meuchelm�rder aus diesem Land angeheuert, keine richtigen Attent�ter.�</p><p>�Dieser Graue Mann kommt aus diesem Land!�</p><p>Das lie� sie verstummen. �Mit wem habt Ihr um dieses Auge gespielt?�</p><p>Beim Licht! W�rde ihn jeder mit diesen Worten danach fragen? �Ich habe eine raue Sache durchgemacht�, antwortete er. �Ich bin lebend davongekommen, nur darauf kommt es an.�</p><p>�Hmm. Und habt Ihr sie gerettet? Die, die Ihr retten wolltet?�</p><p>�Woher wisst Ihr davon?�</p><p>Darauf gab sie keine Antwort. �Ich habe mich entschieden, nicht eifers�chtig zu sein. Ihr k�nnt Euch gl�cklich sch�tzen. Das fehlende Auge passt zu Euch. Ihr wart fr�her einfach zu h�bsch.�</p><p>Zu h�bsch? Beim Licht! Was sollte das denn schon wieder hei�en?</p><p>��brigens ist es sch�n, Euch zu sehen�, sagte Mat. Er wartete ein paar Momente. �Wenn ein Bursche so etwas normalerweise sagt, dann geh�rt es sich, ihm zu erwidern, dass man sich ebenfalls freut, ihn zu sehen.�</p><p>�Ich bin jetzt die Kaiserin�, sagte Tuon. �Ich warte nicht auf andere, und ich finde es auch nicht �sch�n�, dass jemand zur�ckgekehrt ist. Ihre R�ckkehr wird vorausgesetzt, da sie mir dienen.�</p><p>�Ihr wisst wirklich, wie man daf�r sorgt, dass sich ein Bursche geliebt f�hlt. Nun, ich wei�, wie Ihr f�r mich empfindet.�</p><p>�Und wie sollte das m�glich sein?�</p><p>�Ihr habt �ber die Schulter geblickt.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich hatte vergessen, wie gut Ihr doch darin seid, v�llig bedeutungslose Dinge zu sagen, Matrim.�</p><p>�Als Ihr mich gesehen habt�, erkl�rte er, �mit einem Dolch in der Hand und als wollte ich ihn auf Euch schleudern, habt Ihr nicht nach den W�chtern gerufen. Ihr hattet nicht die geringste Angst, dass ich gekommen bin, um Euch zu t�ten. Ihr habt �ber die Schulter gesehen, um zu erfahren, worauf ich zielte. Das ist die liebevollste Geste, die ein Mann wohl von einer Frau bekommen kann. Nat�rlich nur vorausgesetzt, Ihr wollt Euch nicht einen Moment auf meinen Scho� setzen���</p><p>Sie antwortete nicht. Beim Licht, sie erschien so kalt. W�rde alles anders sein, jetzt, da sie die Kaiserin war? Er konnte sie doch nicht schon verloren haben, oder?</p><p>Furyk Karede, der Hauptmann der Totenwache, traf ein, gefolgt von Musenge. Karede sah aus, als h�tte er soeben bemerkt, dass sein Haus brannte. Die anderen Totenw�chter salutierten ihm und schienen in sich zusammenzuschrumpfen.</p><p>�Kaiserin, mein Blick ist gesenkt worden�, verk�ndete er und warf sich vor ihr auf den Bauch. �Ich werde mich zu jenen gesellen, die Euch im Stich lie�en, und mein Leben vor Euch beenden, sobald eine neue Abteilung eingetroffen ist, um f�r Euren Schutz zu sorgen!�</p><p>�Euer Leben geh�rt mir�, erwiderte Tuon, �und ihr alle werdet es nicht beenden, bevor ich es erlaube. Dieser Attent�ter war nicht von nat�rlicher Geburt, sondern eine Sch�pfung des Schattens. Euer Blick ist nicht gesenkt. Der Prinz der Raben wird euch beibringen, diese Art von Kreatur zu entdecken, also wird man euch auch nicht wieder �berraschen.�</p><p>Mat war sich ziemlich sicher, dass Graue M�nner auf ganz nat�rliche Weise zur Welt kamen, aber das galt auch f�r Trollocs und Blasse. Es erschien jedoch nicht angebracht, Tuon darauf hinzuweisen. Au�erdem erregte etwas anderes in ihrem Befehl seine Aufmerksamkeit.</p><p>�Ich tue was?�, fragte er.</p><p>�Sie unterrichten�, sagte Tuon leise. �Ihr seid der Prinz der Raben. Das wird Teil Eurer Pflichten sein.�</p><p>�Dar�ber m�ssen wir uns noch unterhalten�, erwiderte Mat. �Dass mich jeder �Hoheit� nennt, das geht nicht, Tuon. Das kommt einfach nicht infrage.�</p><p>Darauf antwortete sie nicht. Sie wartete, w�hrend die Suche fortgef�hrt wurde, und machte keinerlei Anstalten, in den Palast zur�ckzukehren.</p><p>Schlie�lich kam Karede zur�ck. �H�chstgeborene, im Garten ist keine Spur von dem Ding zu finden, aber einer meiner M�nner hat Blut an der Mauer entdeckt. Ich vermute, der Attent�ter ist in die Stadt geflohen.�</p><p>�Er wird es heute Nacht wohl kaum erneut versuchen�, sagte Tuon, �weil wir auf der Hut sind. Sorgt daf�r, dass die gemeinen Soldaten und W�chter nichts erfahren. Informiert meine Stimme, dass unser T�uschungsman�ver nicht l�nger effektiv ist und wir uns ein neues ausdenken m�ssen.�</p><p>�Jawohl, Kaiserin�, sagte Karede und verneigte sich tief.</p><p>�Schw�rmt jetzt aus und sichert alles�, sagte Tuon. �Ich werde Zeit mit meinem Gemahl verbringen, der darum ersucht, dass ich ihm das �Gef�hl� gebe, �geliebt zu werden�.�</p><p>�So habe ich das aber nicht ausgedr�ckt���, sagte Mat, w�hrend die Totenw�chter in der Dunkelheit verschwanden.</p><p>Tuon musterte ihn kurz, dann fing sie an, sich auszuziehen.</p><p>�Beim Licht!�, sagte Mat. �Das habt Ihr <emphasis>ernst</emphasis> gemeint?�</p><p>�Ich werde mich nicht auf Euren Scho� setzen!�, verk�ndete Tuon, zog einen Arm aus dem �rmel und entbl��te ihre Br�ste, �obwohl ich Euch vielleicht erlaube, Euch auf meinen zu setzen. Heute Nacht habt Ihr mir das Leben gerettet. Damit habt Ihr Euch ein besonderes Privileg verdient. Es���</p><p>Sie verstummte, als Mat sie packte und k�sste. Vor �berraschung war sie ganz starr. <emphasis>Im verdammten Garten,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wo �berall in H�rweite Soldaten rumstehen.</emphasis> Nun, wenn sie etwa glaubte, dass Matrim Cauthon sch�chtern war, w�rde sie eine �berraschung erleben.</p><p>Er entlie� sie aus dem Kuss. Ihr K�rper presste sich an ihn, und er bemerkte erfreut, dass sie atemlos war.</p><p>�Ich werde nicht dein Spielzeug sein�, sagte er streng. �Da mache ich nicht mit, Tuon. Wenn du so bist, gehe ich. Denk an meine Worte. Manchmal spiele ich den Narren. Bei Tylin tat ich es mit Sicherheit. Bei dir mache ich da aber nicht mit.�</p><p>�berraschend z�rtlich ber�hrte sie sein Gesicht. �Wenn ich in Euch blo� ein Spielzeug gefunden h�tte, dann h�tte ich niemals diese Worte gesagt. Ein Mann, dem ein Auge fehlt, ist sowieso kein Spielzeug. Ihr wart in der Schlacht, das wird von nun an jeder wissen, der Euch sieht. Sie werden Euch nicht mit einem Narren verwechseln, und ich habe keine Verwendung f�r ein Spielzeug. Ich werde stattdessen einen Prinzen haben.�</p><p>�Und liebst du mich?�, fragte er und zwang diese Worte heraus.</p><p>�Eine Kaiserin liebt nicht�, sagte sie. �Es tut mir leid. Ich bin mit Euch zusammen, weil es die Omen bestimmt haben, also werde ich Seanchan zusammen mit Euch einen Erben geben.�</p><p>Mat versp�rte ein flaues Gef�hl im Magen.</p><p>�Jedoch�, fuhr sie fort. �Vielleicht kann ich zugeben, dass es�� sch�n ist, dich zu sehen.�</p><p><emphasis>Nun,</emphasis> dachte Mat, <emphasis>vermutlich kann ich damit zufrieden sein. F�r den Augenblick.</emphasis></p><p>Er k�sste sie wieder.</p></section><section><title><p>16</p><p>Eine Stille wie ein Schrei</p></title><p>Loial, Sohn von Arent, Sohn von Halan, hatte insgeheim schon immer einmal hektisch sein wollen.</p><p>Menschen faszinierten ihn, daraus hatte er nie ein Geheimnis gemacht. Er war sich ziemlich sicher, dass das die meisten seiner Freunde wussten, obwohl, so richtig sicher konnte er sich da nicht sein. Es war erstaunlich, was Menschen nicht mitbekamen. Den ganzen Tag konnte er mit ihnen sprechen, um dann herauszufinden, dass sie nur einen Teil davon mitbekommen hatten. Glaubten sie etwa, dass jemand einfach nur um des Redens willen redete?</p><p>Loial h�rte zu, wenn sie sprachen. Jedes Wort aus ihrem Mund enth�llte mehr �ber sie. Menschen waren wie der Blitz. Ein flackerndes Aufleuchten, eine Explosion, Macht und <emphasis>Energie</emphasis>. Dann war alles verschwunden. Wie w�rde das wohl sein?</p><p>Hast. Aus Hast konnte man vieles lernen. Langsam fragte er sich aber, ob er diese besondere Lektion zu gut gelernt hatte.</p><p>Loial strich durch einen Wald, dessen B�ume zu still waren. Erith war an seiner Seite, andere Ogier umgaben sie. Alle hatten �xte auf den Schultern oder trugen lange Messer, w�hrend sie zur Front marschierten. Eriths Ohren zuckten; sie war keine Baums�ngerin, aber sie konnte sp�ren, dass sich die B�ume nicht wohlf�hlten.</p><p>Es war in der Tat ganz schrecklich. Er konnte genauso wenig erkl�ren, wie sich eine Gruppe gesunder B�ume anf�hlte, wie er das Gef�hl des Windes auf seiner Haut erkl�ren konnte. Gesunde B�ume verbreiteten das Gef�hl, dass alles richtig war. So wie der Geruch von morgendlichem Regen. Es war kein Laut, aber es f�hlte sich wie eine Melodie an. Wenn er zu ihnen sang, dann schwamm er f�rmlich in diesem richtigen Gef�hl.</p><p>Diese B�ume hatten nichts davon. Wenn er ihnen ganz nahe kam, glaubte er, etwas h�ren zu k�nnen. Eine Stille wie ein Schrei. Aber das war kein Laut, sondern nur ein Gef�hl.</p><p>Vor ihnen im Wald tobte der Kampf. K�nigin Elaynes Streitkr�fte zogen sich vorsichtig nach Osten zur�ck und lie�en die B�ume hinter sich. Mittlerweile hatten sie fast den Rand des Braemwaldes erreicht; sobald sie ihn verlassen hatten, w�rden sie zu den Br�cken marschieren, sie �berqueren und hinter sich verbrennen. Dann w�rden die Soldaten Salven der Zerst�rung auf die Trollocs herabregnen lassen, wenn diese versuchten, den Fluss hinter ihnen auf eigenen Br�cken zu �berqueren. Bashere hoffte, am Erinin dem Feind einen empfindlichen Schlag zu versetzen, bevor sie nach Osten gingen.</p><p>Loial war davon �berzeugt, dass das alles faszinierendes Material f�r sein Buch bieten w�rde, sobald er es schrieb. Falls er es dann noch schreiben konnte. Er legte die Ohren flach an, als die Ogier ihr Kriegslied anstimmten. Er war froh um das schreckliche Lied�� der Ruf nach Blut und Tod��, denn es f�llte die von den B�umen verbreitete Stille aus, und er sang mit.</p><p>Mit den anderen lief er los, Erith an seiner Seite. An der Front hob er die Axt hoch �ber den Kopf. Die Gedanken flohen ihn, als der �rger �ber die Trollocs kam, nein, der <emphasis>Zorn</emphasis>. Sie t�teten die B�ume nicht blo�. Sie raubten ihnen den Frieden.</p><p>Der Ruf nach Blut und Tod.</p><p>Loial br�llte sein Lied und ging mit der Axt auf die Kreaturen los; Erith und die anderen Ogier schlossen sich ihm an und brachten den Vorsto� der flankierenden Trolloc-Streitmacht zum Stehen. Er hatte nicht die Absicht gehabt, den Angriff der Ogier anzuf�hren. Er tat es trotzdem.</p><p>Er hieb auf die Schulter eines widdergesichtigen Trollocs ein und trennte seinen Arm ab. Das Ungeheuer br�llte auf und fiel auf die Knie, und Erith trat ihm ins Gesicht und schleuderte es zwischen die Beine eines hinter ihm befindlichen Trollocs.</p><p>Loial hielt nicht in seinem Lied inne, dem Ruf nach Blut und Tod. Sollten sie es h�ren! Sollten sie es <emphasis>h�ren</emphasis>! Schlag f�r Schlag. Totes Holz zu r�umen, das war es, was sie hier taten. Totes, verrottendes, schreckliches Holz. Er und Erith kamen an die Seite des �ltesten Haman, der mit seinen angelegten Ohren schrecklich wild aussah. Der friedliche �lteste Haman. Auch ihn hatte der Zorn ergriffen.</p><p>Eine belagerte Reihe Wei�m�ntel ��die die Ogier entsetzten�� stolperte zur�ck und machte ihnen Platz.</p><p>Er sang und k�mpfte und br�llte und t�tete, schlug mit einer Axt auf die Trollocs ein, die eigentlich nur f�rs Holzhacken bestimmt gewesen war und nie f�r den Einsatz gegen Fleisch. Mit Holz zu arbeiten war eine and�chtige Sache. Das hier�� das war blo� so etwas wie Unkrautj�ten. Giftiges Unkraut. Alles erstickende Schlingpflanzen.</p><p>Er hackte weiter auf Trollocs ein und verlor sich in dem Ruf nach Blut und Tod. Die Kreaturen fingen an sich zu f�rchten. In ihren kleinen Augen erblickte er Entsetzen, und er liebte es. Offensichtlich waren sie daran gew�hnt, nur gegen Menschen zu k�mpfen, die kleiner als sie selbst waren.</p><p>Nun, sollten sie gegen jemanden von ihrer eigenen Gr��e k�mpfen. Sie geiferten, als die Reihe der Ogier sie zur�ckdr�ngte. Loial landete Schlag auf Schlag, hackte Arme ab, hackte Oberk�rper entzwei. Er bahnte sich seinen Weg vorbei an zwei B�ren-Trollocs, schlug mit der Axt um sich, br�llte vor Zorn�� und jetzt galt der Zorn dem, was die Trollocs den Ogiern angetan hatten. Sie h�tten den Frieden des <emphasis>Stedding</emphasis> genie�en sollen. Sie h�tten singen und Dinge bauen oder wachsen lassen sollen.</p><p>Das war ihnen verwehrt. Nur wegen diesem�� diesem <emphasis>Unkraut</emphasis> blieb ihnen das verwehrt! Die Ogier waren gezwungen, zu t�ten. Die Trollocs hatten Baumeister zu Zerst�rern gemacht. Sie zwangen Ogier und Menschen, wie sie selbst zu sein. Der Ruf nach Blut und Tod.</p><p>Nun, der Schatten w�rde ja erleben, wie gef�hrlich Ogier sein konnten. Sie <emphasis>w�rden</emphasis> k�mpfen, und sie <emphasis>w�rden</emphasis> t�ten. Und sie w�rden darin besser sein, als es sich jeder Mensch, Trolloc oder Myrddraal nur vorstellen konnte.</p><p>Der Furcht nach zu urteilen, die Loial in den �ngstlichen Augen der Kreaturen lesen konnte, begriffen sie allm�hlich.</p><p>�Beim Licht!�, rief Galad aus und entfernte sich von dem Get�mmel. <emphasis>�Beim Licht!�</emphasis></p><p>Der Angriff der Ogier war schrecklich und glorreich zugleich. Die Kreaturen k�mpften mit angelegten Ohren, weit aufgerissenen Augen und breiten Gesichtern so flach wie ein Amboss. Sie schienen sich zu verwandeln, und ihre sonstige Friedfertigkeit war verschwunden. Sie schnitten durch die Reihen der Trollocs und hackten die Bestien in Grund und Boden. Ihre zweite Reihe, die gr��tenteils aus Frauen bestand, zerteilte die Ungeheuer mit langen Messern und machten jeden nieder, der es durch die erste Reihe geschafft hatte.</p><p>Galad hatte die Trollocs mit ihrer abartigen Mischung aus menschlichen und tierischen Gesichtsz�gen f�r Furcht einfl��end gehalten, aber die Ogier verst�rten ihn noch mehr. Trollocs waren einfach nur entsetzlich�� aber Ogier waren sanft, freundlich und bescheiden. Sie so in Wut zu sehen, wie sie ihr schreckliches Lied br�llten und mit �xten von beinahe Mannsl�nge angriffen�� beim Licht!</p><p>Galad winkte die Kinder zur�ck und duckte sich, als ganz in der N�he ein Trolloc gegen einen Baum krachte. Ein paar der Ogier packten verwundete Tiermenschen bei den Armen und schleuderten sie aus dem Weg. Viele der anderen Ogier waren bis zur Taille blutgetr�nkt und hackten wie Fleischer, die ihre Ware f�r die Auslage vorbereiteten. Gelegentlich fiel einer von ihnen, aber auch wenn sie keine R�stung trugen, schien ihre Haut doch sehr widerstandsf�hig zu sein.</p><p>�Licht!�, sagte Trom und kam an Galads Seite. �Habt Ihr jemals so etwas gesehen?�</p><p>Galad sch�ttelte den Kopf. Das war die ehrlichste Antwort, die ihm einfiel.</p><p>�H�tten wir doch nur eine ganze Armee von ihnen���, sagte Trom.</p><p>�Sie sind Schattenfreunde�, sagte Golever, als er sich zu ihnen gesellte. �Mit Sicherheit jedoch Schattengez�cht.�</p><p>�Ogier sind genauso wenig Schattengez�cht wie ich�, sagte Galad trocken. �Seht nur hin, sie schlachten die Trollocs.�</p><p>�Sie werden sich jeden Augenblick gegen uns wenden�, beharrte Golever. �Seht nur��� Er verstummte und lauschte dem Kriegslied der Ogier. Eine gro�e Gruppe Trollocs hatte genug und str�mte um einen fluchenden Myrddraal herum zur�ck. Die Ogier lie�en sie nicht entkommen. Au�er sich vor Wut jagten die Baumeister hinter den Bestien her, die langstieligen �xte hackten nach ihren Beinen, brachten sie inmitten von Blutregen und Schmerzensschreien zu Boden.</p><p>�Nun?�, fragte Trom.</p><p>�Vielleicht���, sagte Golever. �Vielleicht ist das ja ein hinterh�ltiger Plan. Um unser Vertrauen zu gewinnen.�</p><p>�Seid kein Narr, Golever�, meinte Trom.</p><p>�Ich bin kein���</p><p>Galad hob die Hand. �Sammelt unsere Verwundeten ein. Begeben wir uns zur Br�cke.�</p><empty-line/><p>Rand lie� den Farbenwirbel aus seinem Sichtfeld verschwinden. �Bald ist der Augenblick gekommen, dass ich gehe�, sagte er.</p><p>�In die Schlacht?�, fragte Moiraine.</p><p>�Nein, zu Mat. Er ist in Ebou Dar.�</p><p>Er war aus Elaynes Lager nach Merrilor zur�ckgekehrt. Noch immer spukte ihm die Unterhaltung mit Tam im Kopf herum. <emphasis>Lass los.</emphasis> Als w�re das so einfach. Und doch hatte das Gespr�ch mit seinem Vater etwas von ihm genommen. <emphasis>Lass los.</emphasis> Tams Worte schienen eine tiefer liegende Bedeutung zu haben, die weit �ber das Offensichtliche hinausging.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Er konnte es sich nicht leisten, Zeit mit solchen Gedanken zu verschwenden. Die Letzte Schlacht�� sie erforderte seine Aufmerksamkeit.</p><p><emphasis>Ich konnte nahe herankommen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen,</emphasis> dachte er und ber�hrte den Dolch mit dem Hirschhorngriff an seinem G�rtel. <emphasis>Anscheinend stimmt es. Der Dunkle K�nig kann mich nicht wahrnehmen, wenn ich ihn trage.</emphasis></p><p>Aber bevor er gegen den Dunklen K�nig losschlagen konnte, musste er etwas wegen der Seanchaner unternehmen. Falls stimmte, was Thom erz�hlt hatte, war Mat m�glicherweise der Schl�ssel. Die Seanchaner <emphasis>mussten</emphasis> sich dem Drachenfrieden anschlie�en. Falls nicht��</p><p>�Das ist ein Ausdruck, an den ich mich gut erinnern kann�, sagte die leise Stimme hinter ihm. �Verwirrung. Das macht Ihr so gut, Rand al�Thor.�</p><p>Er wandte sich ihr zu. Hinter ihr auf dem Tisch lagen von Aviendha mit Boten geschickte Karten, die die Positionen zeigten, wo sich sein Heer in der F�ule sammeln konnte.</p><p>Sie trat einen Schritt vor. �Wisst Ihr eigentlich, dass ich stundenlang dar�ber nachgedacht habe, dass ich zu ergr�nden versuchte, was Euer Verstand ausbr�tete? Es ist ein Wunder, dass ich mir vor Verzweiflung nicht jedes Haar ausgerissen habe.�</p><p>�Ich war ein Narr, dass ich Euch nicht vertraut habe�, sagte Rand.</p><p>Sie lachte. Ein leises Lachen, das Lachen einer Aes Sedai, die die Kontrolle hatte. �Ihr habt mir genug vertraut. Das hat es ja so frustrierend gemacht, dass Ihr Eure Gedanken nicht mit mir teilen wolltet.�</p><p>Rand atmete tief ein. In Merrilor war die Luft s��er als anderswo. Er hatte das Land hier zu neuem Leben hervorlocken k�nnen. Gras wuchs. Blumen sprossen. �Baumst�mpfe und M�nner�, sagte er zu ihr. �In den Zwei Fl�ssen gibt es beides, und das eine gibt so schnell nach wie das andere.�</p><p>�Vielleicht seid Ihr da zu streng. Euch trieb nicht allein Sturheit an; es war der Wille, Euch selbst und allen anderen zu beweisen, dass Ihr es allein schafft.� Sie ber�hrte seinen Arm. �Aber Ihr schafft es nicht allein, oder?�</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Er griff nach <emphasis>Callandor</emphasis>, das er sich auf den R�cken geschnallt hatte, und ber�hrte es. Das letzte Geheimnis des Schwertes lag nun offen vor ihm. Es war eine Falle, und eine �beraus geschickte dazu, denn diese Waffe war nicht blo� ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis> f�r die Eine Macht, sondern ebenfalls f�r die Wahre Macht.</p><p>Den Zugangsschl�ssel hatte er weggeworfen, aber er trug etwas so Verf�hrerisches auf seinem R�cken. Die Wahre Macht, die Essenz des Dunklen K�nigs, war die verlockendste Sache, die er jemals gef�hlt hatte. Mit <emphasis>Callandor</emphasis> vermochte er eine Kraft in sich zu ziehen, wie sie so noch nie ein Mann zuvor gesp�rt hatte. Weil <emphasis>Callandor</emphasis> aber die Sicherheitsma�nahmen der meisten anderen <emphasis>Angreale</emphasis> und <emphasis>Sa�angreale</emphasis> fehlten, konnte man unm�glich sagen, wie viel Macht es eigentlich in sich aufnehmen konnte.</p><p>�Und da ist es wieder�, murmelte Moiraine. �Was habt Ihr vor, Rand al�Thor, Wiedergeborener Drache? K�nnt Ihr endlich genug nachgeben, um es mir zu sagen?�</p><p>Er musterte sie. �Habt Ihr diese ganze Unterhaltung begonnen, um mir das Geheimnis zu entlocken?�</p><p>�Ihr habt eine hohe Meinung von meiner Konversation.�</p><p>�Eine nichtssagende Antwort�, meinte Rand.</p><p>�Ja�, sagte Moiraine. �Aber darf ich darauf hinweisen, dass Ihr es zuerst gemacht habt, indem Ihr von meiner Frage abgelenkt habt?�</p><p>Rand �berdachte die bisherige Unterhaltung und erkannte, dass es stimmte. �Ich werde den Dunklen K�nig t�ten�, sagte er. �Ich werde nicht blo� seinen Kerker versiegeln, ich werde ihm ein Ende bereiten.�</p><p>�Ich glaubte, Ihr w�rt w�hrend meiner Abwesenheit erwachsen geworden.�</p><p>�Perrin ist der Einzige, der erwachsen wurde�, sagte Rand. �Mat und ich haben lediglich gelernt, wie man vorgibt, ein Erwachsener zu sein.� Er z�gerte. �Mat war nur nicht ganz so erfolgreich darin.�</p><p>�Der Dunkle K�nig kann nicht get�tet werden�, sagte Moiraine.</p><p>�Ich glaube, ich schaffe das�, sagte Rand. �Ich erinnere mich, was Lews Therin gemacht hat, da gab es einen Augenblick�� einen kurzen Augenblick�� Man kann es schaffen, Moiraine. Ich bin zuversichtlicher, dass ich eher das zustande bringe, als den Dunklen K�nig einzukerkern.� Das stimmte, obwohl er in Wahrheit bef�rchtete, dass ihm weder das eine noch das andere gelang.</p><p>Fragen. So viele Fragen. H�tte er mittlerweile nicht ein paar Antworten finden m�ssen?</p><p>�Der Dunkle K�nig ist ein Teil des Rades�, sagte Moiraine.</p><p>�Nein. Der Dunkle K�nig steht au�erhalb des Musters�, hielt Rand dagegen. �Er ist kein Teil davon.�</p><p>�Nat�rlich ist der Dunkle K�nig ein Teil des Rades, Rand�, sagte Moiraine. �<emphasis>Wir</emphasis> sind die F�den, aus denen sich das Muster zusammensetzt, und der Dunkle K�nig beeinflusst uns. Ihr k�nnt ihn nicht t�ten. Das ist das Vorhaben eines Narren.�</p><p>�Ich war auch schon in der Vergangenheit ein Narr�, sagte Rand. �Und ich werde es wieder sein. Manchmal f�hlt sich mein ganzes Leben an, als w�re es eine Aufgabe f�r einen Narren, Moiraine, alles, was ich getan habe. Was bedeutet da schon eine unm�gliche Herausforderung mehr? Allen anderen bin ich begegnet. Vielleicht schaffe ich ja auch diese hier.�</p><p>Sie verst�rkte den Griff um seinen Arm. �Ihr seid so sehr gewachsen, aber eigentlich seid Ihr noch immer ein J�ngling, nicht wahr?�</p><p>Rand brachte auf der Stelle seine Gef�hle unter Kontrolle und unterdr�ckte eine geharnischte Antwort. Die sicherste Methode, als J�ngling betrachtet zu werden, bestand darin, sich wie einer zu benehmen. Hoch aufgerichtet stand er da und sprach leise. �Ich habe vier Jahrhunderte lang gelebt�, sagte er. �Vielleicht bin ich ja noch ein J�ngling, so wie wir das alle verglichen mit dem zeitlosen Alter des Rades sind. Davon abgesehen bin ich einer der �ltesten Menschen, die es auf der Welt gibt.�</p><p>Moiraine l�chelte. �Sehr h�bsch. Funktioniert das bei den anderen?�</p><p>Er z�gerte. Dann musste er seltsamerweise grinsen. �Bei Cadsuane hat es ganz gut funktioniert.�</p><p>Moiraine schnaubte. �Ach die�� So wie ich sie kenne, habe ich meine Zweifel, dass Ihr sie so gut get�uscht habt, wie Ihr glaubt. Ihr m�gt die Erinnerungen eines vier Jahrhunderte alten Mannes haben, Rand al�Thor, aber das macht Euch nicht uralt. Andernfalls w�re Matrim Cauthon der Patriarch von uns allen.�</p><p>�Mat? Warum Mat?�</p><p>Moiraine winkte ab. �Nichts. Etwas, das ich nicht wissen soll. In Eurem Herzen seid Ihr noch immer ein �ber alles staunender Schafhirte. Anders w�rde ich es auch gar nicht haben wollen. Trotz seiner ganzen Weisheit und Macht konnte Lews Therin nicht das tun, was Ihr tun m�sst. Und w�rt Ihr jetzt so nett und holt mir einen Tee?�</p><p>�Ja, Moiraine Sedai�, sagte er und ging sofort auf den Teekessel �ber dem Feuer zu. Dann erstarrte er und sah sie an.</p><p>Sie blickte ihn durchtrieben an. �Ich wollte blo� sehen, ob das noch funktioniert.�</p><p>�Ich habe Euch <emphasis>nie</emphasis> Tee geholt�, protestierte Rand und ging zur�ck zu ihr. �Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich Euch in den letzten Wochen, die wir miteinander verbrachten, herumkommandiert.�</p><p>�Das habt Ihr�, sagte Moiraine. �Denkt �ber das nach, was ich Euch zum Dunklen K�nig gesagt habe. Aber jetzt stelle ich Euch eine andere Frage. Was habt Ihr <emphasis>jetzt</emphasis> vor? Warum nach Ebou Dar gehen?�</p><p>�Die Seanchaner�, erwiderte Rand. �Ich muss versuchen, sie auf unsere Seite zu ziehen, so wie ich es versprochen habe.�</p><p>�Wenn ich mich richtig erinnere, habt Ihr nicht versprochen, es zu versuchen, sondern dass Ihr daf�r sorgt.�</p><p>�Bei politischen Verhandlungen hat das Versprechen, etwas �zu versuchen�, keinen gro�en Wert�, meinte Rand, �ganz egal, wie ernst es auch gemeint ist.� Er streckte die Hand aus und sah an ihr entlang aus dem ge�ffneten Zelteingang. Als wollte er versuchen, das Land im S�den zu ergreifen. Es sich zu nehmen, es f�r sich zu beanspruchen, es zu besch�tzen.</p><p>Der Drache auf seinem Arm leuchtete in Gold und Blutrot. ��Einmal steht der Drache f�r die verlorene Erinnerung.�� Er hielt den anderen Arm hoch, der kurz nach dem Handgelenk in einem Stumpf endete. ��Noch einmal�� steht der Drache f�r den Preis, den er zu zahlen hat.��</p><p>�Was wollt Ihr machen, wenn sich die seanchanische Anf�hrerin wieder weigert?�, fragte Moiraine.</p><p>Er hatte ihr gar nicht erz�hlt, dass die Kaiserin ihn beim ersten Mal abgewiesen hatte. Man musste Moiraine nichts erz�hlen. Sie entdeckte es einfach.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Rand leise. �Wenn sie nicht k�mpfen, Moiraine, dann verlieren wir. Wenn sie sich nicht dem Drachenfrieden anschlie�en, dann haben wir nichts.�</p><p>�Ihr habt zu viel Zeit f�r diesen Pakt verwendet�, meinte sie. �Er hat Euch von Eurem Ziel abgelenkt. Der Drache soll keinen Frieden bringen, sondern Zerst�rung. Das k�nnt Ihr nicht mit einem St�ck Papier �ndern.�</p><p>�Wir werden sehen�, sagte Rand. �Ich danke Euch f�r Euren Rat. F�r jetzt und f�r immer. Ich glaube nicht, dass ich das oft genug gesagt habe. Ich schulde Euch etwas, Moiraine.�</p><p>�Nun�, sagte sie. �Ich h�tte noch immer gern eine Tasse Tee.�</p><p>Rand blickte sie ungl�ubig an. Dann lachte er und setzte sich in Bewegung, um ihn ihr zu holen.</p><empty-line/><p>Moiraine hielt die warme Tasse in den H�nden, die Rand ihr geholt hatte, bevor er gegangen war. Seit sich ihre Wege getrennt hatten, war er zum Herrscher �ber so vieles geworden, und er war noch immer so bescheiden wie bei ihrer ersten Begegnung in den Zwei Fl�ssen. Vielleicht sogar noch mehr.</p><p><emphasis>Mir gegen�ber vielleicht,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Er glaubt, er kann den Dunklen K�nig t�ten. Das ist nicht das Zeichen eines bescheidenen Mannes.</emphasis> Rand al�Thor, eine so seltsame Mischung aus Zur�ckhaltung und Stolz. Hatte er endlich das richtige Gleichgewicht gefunden? Trotz ihrer Worte hatte sein Benehmen ihr gegen�ber heute bewiesen, dass er kein Junge mehr war, sondern ein Mann.</p><p>Trotzdem konnte ein Mann Fehler machen. Oft waren sie weitaus gef�hrlicher.</p><p>�Das Rad webt, wie es das Rad will�, murmelte sie und trank den Tee. Von Rand zubereitet und von keinem anderen schmeckte er so k�stlich wie in besseren Tagen. Nicht im Geringsten vom Schatten des Dunklen K�nigs ber�hrt.</p><p>Ja, das Rad webte, wie es wollte. Manchmal w�nschte sie sich, dieses Gewebe w�re leichter zu verstehen.</p><empty-line/><p>�Jeder wei�, was er zu tun hat?�, fragte Lan und drehte sich auf Mandarbs Sattel um.</p><p>Andere nickte. Er hatte den Herrschern die Botschaft pers�nlich �berbracht, und von ihnen war sie an ihre Gener�le und Kommandanten weitergegeben worden. Erst im letzten Augenblick war sie dann den Soldaten verk�ndet worden.</p><p>In ihrer Mitte w�rden sich Schattenfreunde befinden. Das taten sie immer. Es war unm�glich, eine Stadt von allen Ratten zu befreien, ganz egal, wie viele Katzen man holte. Wenn es das Licht wollte, w�rde diese Neuigkeit zu sp�t kommen, dass die Ratten den Schatten warnen konnten.</p><p>�Wir reiten�, sagte Lan und stie� Mandarb die Fersen in die Rippen. Andere hob sein Banner, die Flagge von Malkier, und galoppierte an seiner Seite. Die R�nge der Malkieri schlossen sich ihm an. Viele von ihnen hatten nur noch wenig Malkieri-Blut in den Adern und waren eigentlich Grenzl�nder anderer Nationen. Trotzdem hatten sie sich entschieden, unter seinem Banner zu reiten, und sie hatten den <emphasis>Hadori</emphasis> angenommen.</p><p>Abertausende Reiter ritten mit ihm, und die weiche Erde erbebte unter ihren Hufen. F�r ihr Heer war es ein langer und harter R�ckzug gewesen. Die Trollocs waren zahlenm��ig �berlegen und stellten eine ernsthafte Bedrohung dar, Lans M�nner einzukreisen. Seine berittene Armee war au�erordentlich beweglich, aber es gab Grenzen, wie sehr man Soldaten antreiben konnte. Trollocs marschierten schneller. Schneller als Menschen, vor allem wenn die Blassen sie antrieben. Gl�cklicherweise behinderten die Feuersbr�nste das Vorankommen der Schattenarmee. Ohne sie h�tten Lans M�nner nicht entkommen k�nnen.</p><p>Lan duckte sich im Sattel zusammen, als die Explosionen der Schattenlords begannen. Zu seiner Linken ritt der Asha�man Deepe, der wegen seines fehlenden Beines auf dem Sattel festgebunden war. Ein Feuerball heulte durch die Luft und senkte sich Lan entgegen, und Deepes Miene erstarrte vor Konzentration, w�hrend er die H�nde nach vorn stie�. Das Feuer explodierte weit �ber ihnen in der Luft. Gl�hende Asche fiel wie blutroter Regen und zog Rauchfahnen hinter sich her. Eine Flocke traf Mandarb, und Lan wischte sie mit dem Panzerhandschuh fort. Das Pferd schien es nicht zu bemerken.</p><p>Hier war der Boden aus Lehm. Das Gel�nde bestand aus wogenden H�geln voller verdorrtem Gras, Felsvorspr�ngen und kleinen W�ldchen mit entbl�tterten B�umen. Der R�ckzug folgte dem Ufer des Mora; der Fluss w�rde die Trollocs daran hindern, ihnen von Westen in die Flanke zu fallen.</p><p>An zwei Stellen am Horizont stieg Rauch auf. Fal Dara und Fal Moran. Die beiden gro�artigsten St�dte in Shienar, angez�ndet von der eigenen Bev�lkerung. Genau wie ihre Bauernh�fe und Obstplantagen, wie alles, was den vordringenden Trollocs auch nur eine Handvoll Nahrung geben konnte.</p><p>Die St�dte zu halten hatte nicht zur Debatte gestanden. Das bedeutete, dass man sie zerst�ren musste.</p><p>Es war Zeit, zur�ckzuschlagen. Lan f�hrte einen Sturmangriff gegen das Zentrum des Trolloc-Heeres, und die Bestien hoben die Speere gegen die n�her kommenden Malkieri und die schwere Kavallerie aus Shienar. Lan senkte seine Lanze und brachte sie �ber Mandarbs Hals in Position. Er beugte sich in den Steigb�geln nach vorn, hielt sich mit den Knien fest und hoffte, dass die Machtlenkerinnen ��mittlerweile hatte er vierzehn, eine kleine Verst�rkung von Egwene�� ihren Teil leisteten.</p><p>Vor den Kreaturen brach der Boden auf. Ihre Frontlinie zersplitterte.</p><p>Lan w�hlte sein Ziel, einen riesigen Eber-Trolloc, der seine Gef�hrten anbr�llte, weil sie vor den Eruptionen zur�ckwichen. Die Lanze durchbohrte seinen Hals, und Mandarb schleuderte ihn zur Seite, w�hrend er eine der sich in der N�he zusammenkauernden Bestien zertrampelte. Das Donnern der Kavallerie wurde zu einem ohrenbet�ubenden Krachen, als die Reiter aufprallten und Schwung und Gewicht sie weit in die Masse der Trollocs hineintrugen.</p><p>Als sie langsamer geworden waren, warf Lan Andere die Lanze zu, der sie geschickt auffing. Seine Leibwache scharte sich um ihn, und er zog das Schwert. �Der Holzf�ller kappt den Sch�ssling�.�� �Apfelbl�ten im Wind�. Vom Sattel aus boten die Tiermenschen leichte Ziele�� ihre Gr��e pr�sentierte Hals, Schultern und Gesicht auf genau der richtigen H�he.</p><p>Es war ein schnelles, brutales Werk. Deepe hielt Ausschau nach den Angriffen der feindlichen Schattenlords und wehrte sie ab. Andere setzte sich wieder an Lans Seite.</p><p>Lans Banner zog das Schattengez�cht magisch an. Es fing an zu br�llen und zu w�ten, und er h�rte zwei Trolloc-Worte immer wieder. <emphasis>Murdru Kar. Murdru Kar. Murdru Kar.</emphasis> Er hieb mit dem Schwert um sich und vergoss kaltbl�tig ihr Blut, eingeh�llt in das Nichts.</p><p>Nun hatten sie ihm Malkier zweimal genommen. Niemals w�rden sie sein Gef�hl der Niederlage nachempfinden k�nnen, dass er seine Heimat abermals hatte verlassen m�ssen, diesmal aus eigener Entscheidung. Aber beim Licht, er konnte sie damit bekannt machen. Am besten mit seiner Klinge in ihrer Brust.</p><p>Die Schlacht versank im Chaos, wie es so oft geschah. Die Trollocs verfielen in Raserei; sein Heer hatte sie die letzten vier Tage nicht angegriffen. Es war nur zur�ckgewichen und hatte schlie�lich eine gewisse Kontrolle �ber den R�ckzug errungen, zumindest genug, um Scharm�tzel zu vermeiden, was die Br�nde erm�glicht hatten.</p><p>Vier kampflose Tage, jetzt dieser Frontalangriff. Das war der erste Teil des Plans.</p><p>�Dai Shan!�, rief jemand. Prinz Kaisel. Er zeigte auf die Stelle, wo es den Trollocs gelungen war, einen Keil zwischen Lans Wache zu treiben. Sein Banner fiel.</p><p>Andere. Das Pferd das Mannes st�rzte, w�hrend Lan Mandarb zwischen zwei Trollocs trieb. Prinz Kaisel und eine Handvoll Soldaten schlossen sich ihm an.</p><p>Lan konnte nicht vom Pferder�cken aus weiterk�mpfen, wenn er seinen Freund nicht aus Versehen niedertrampeln wollte. Er sprang aus dem Sattel, landete am Boden und duckte sich unter dem Schlag einer Bestie hinweg. Kaisel trennte ihr Bein oberhalb des Knies ab.</p><p>Lan rannte an dem st�rzenden Trolloc vorbei. Neben ihm entdeckte er sein Banner und einen Mann. Er vermochte nicht zu sagen, ob er lebendig oder tot war, aber �ber ihm stand ein Myrddraal, der eine schwarze Klinge hob.</p><p>Lan kam wie ein Wirbel aus Stahl heran. Er parierte die Thakan�dar-Klinge und zertrampelte sein eigenes Banner, als er k�mpfte. Im Nichts gab es keine Zeit f�r Gedanken. Da gab es nur Instinkt und Handeln. Da gab es nur��</p><p>Hinter Anderes totem Pferd erhob sich ein zweiter Myrddraal. Also war es eine Falle. Holt das Banner herunter und erregt Lans Aufmerksamkeit.</p><p>Die beiden Blassen griffen an, einer auf jeder Seite. Das Nichts wurde nicht ersch�ttert. Ein Schwert konnte keine Angst empfinden, und f�r diesen Augenblick <emphasis>war</emphasis> Lan das Schwert. �Der Reiher spreizt die Schwingen�. Er hieb um sich, wehrte die Klingen ab. Die Myrddraal waren wie flie�endes Wasser, aber Lan war der Wind selbst. Er wirbelte zwischen ihren Schwertern umher, schlug den Angriff von rechts zur�ck, dann den von links.</p><p>Die Blassen fluchten vor Zorn. Der auf der linken Seite warf sich auf Lan, ein h�misches L�cheln auf den blutlosen Lippen. Lan glitt zur Seite, parierte den Sto� der Kreatur und schlug den Arm am Ellbogen ab. In einer fl�ssigen Bewegung raste sein Hieb weiter zu der Stelle, wo er wusste, dass der andere Blasse angreifen w�rde, und trennte ihm die Hand am Gelenk ab.</p><p>Beide Thakan�dar-Klingen schlugen klirrend auf dem Boden auf. Die Blassen erstarrten, einen Moment wie gel�hmt. Lan k�pfte den einen, dann fuhr er herum und stie� dem anderen die Klinge durch den Hals. �Schwarze Kiesel auf dem Schnee�. Er trat zur�ck und sch�ttelte das giftige Blut von der Klinge. Beide Blasse st�rzten, hieben dabei unkontrolliert aufeinander ein.</p><p>Mindestens hundertf�nfzig Trollocs st�rzten in unmittelbarer N�he zuckend zu Boden. Sie waren mit den Blassen verkn�pft gewesen. Lan zerrte Andere aus dem Schlamm. Der Mann sah benommen aus und blinzelte, sein Arm hing in einem seltsamen Winkel vom K�rper. Lan wuchtete ihn sich auf die Schulter und bef�rderte sein Banner mit einem gezielten Tritt mit der Stiefelspitze nach oben in seine freie Hand.</p><p>Er rannte zur�ck zu Mandarb ��das Gebiet um ihn herum war mittlerweile von Trollocs ges�ubert worden�� und dr�ckte einem von Prinz Kaisels M�nnern das Banner in die Hand. �K�mmert Euch darum, dass es ges�ubert wird, dann hebt es wieder.� Er legte Andere vor seinen Sattel, stieg auf und wischte das Schwert an der Satteldecke sauber. Der Mann schien nicht t�dlich verletzt zu sein.</p><p>Irgendwo hinter sich bekam er Prinz Kaisels Stimme mit. �Bei meinen V�tern!�, sagte der Mann. �Ich hatte ja geh�rt, dass er gut ist, aber�� <emphasis>Licht!</emphasis>�</p><p>�Das reicht�, sagte Lan nach einem Blick �ber das Schlachtfeld. Er lie� das Nichts los. �Deepe, gebt das Signal.�</p><p>Der Asha�man gehorchte und schickte einen roten Lichtstrahl in den Himmel. Lan drehte Mandarb und zeigte mit seinem Schwert zur�ck zum Lager. Seine Streitmacht sammelte sich um ihn. Der Angriff war von vornherein nur als kurze Attacke mit anschlie�endem sofortigem R�ckzug geplant gewesen. Sie hatten keine kompakte Schlachtlinie aufgebaut. Das war bei einem Kavallerieangriff eher schwer zu bewerkstelligen.</p><p>Seine Truppen zogen sich zur�ck, und die Saldaeaner und Arafeler trafen in kurzen, aufeinanderfolgenden Wellen ein, um die Linien der Tiermenschen aufzubrechen und den R�ckzug zu decken. Mandarb troff vor Schwei�; nach einem Sturmangriff zwei gepanzerte M�nner zu tragen war f�r ein Pferd eine gro�e Anstrengung. Lan reduzierte das Tempo, jetzt, da sie aus der direkten Kampfzone heraus waren.</p><p>�Deepe�, fragte Lan, als sie die wartenden Linien erreichten. �Wie geht es Andere?�</p><p>�Er hat ein paar gebrochene Rippen, einen gebrochenen Arm und eine Kopfverletzung. Es w�rde mich �berraschen, wenn er im Augenblick bis zehn z�hlen k�nnte, aber ich habe schon Schlimmeres gesehen. Ich werde die Kopfwunde Heilen, der Rest kann warten.�</p><p>Lan nickte und z�gelte den Hengst. Einer seiner Leibw�chter ��ein m�rrischer Mann namens Bensih, der einen tarabonischen Schleier trug, obwohl er dar�ber einen <emphasis>Hadori</emphasis> hatte�� half, Andere von Mandarb zu nehmen; sie hielten ihn vor Deepes Pferd aufrecht. Der einbeinige Asha�man beugte sich in seinem Riemengeflecht, das ihn im Sattel hielt, nach vorn, legte Andere die Hand auf den Kopf und konzentrierte sich.</p><p>Der ziellose Blick verschwand aus Anderes Augen, und er nahm seine Umgebung wieder wahr. Dann fing er an zu fluchen.</p><p><emphasis>Er wird wieder,</emphasis> dachte Lan und sah zur�ck zum Schlachtfeld. Das Schattengez�cht wich zur�ck. Bald w�rde die Abendd�mmerung hereinbrechen.</p><p>Prinz Kaisel trabte heran. �Die saldaeanische Flagge tr�gt den roten Streifen der K�nigin�, sagte er. �Sie reitet wieder mit ihnen, Lan.�</p><p>�Sie ist ihre K�nigin. Sie kann tun, was sie will.�</p><p>Kaisel sch�ttelte den Kopf. �Ihr solltet mit ihr reden. Lan, das ist einfach nicht richtig. Im Heer der Saldaeaner haben auch andere Frauen angefangen mitzureiten.�</p><p>�Ich habe Saldaeanerinnen beim �bungskampf zugesehen�, sagte Lan, der noch immer das Schlachtfeld betrachtete. �M�sste ich bei einem Zweikampf zwischen ihnen und einem Mann aus einer Armee des S�dens eine Wette platzieren, w�rde ich jeden Tag auf die Saldaeanerin setzen.�</p><p>�Aber���</p><p>�Dieser Krieg geht um alles oder nichts. Falls ich jede Frau in den Grenzlanden zusammenholen und ihnen ein Schwert in die Hand dr�cken k�nnte, dann w�rde ich das tun. Im Augenblick beschr�nke ich mich darauf, nichts Dummes zu tun�� so wie ausgebildeten und leidenschaftlichen Soldaten den Kampf zu verbieten. Falls Ihr jedoch nicht so besonnen sein wollt, k�nnt Ihr ihnen gerne sagen, was Ihr davon haltet. Ich sorge auch f�r ein anst�ndiges Begr�bnis, sobald sie mich Euren Kopf von dem Pfahl abnehmen lassen, versprochen.�</p><p>�Ich�� ja, Lord Mandragoran�, sagte Kaisel.</p><p>Lan nahm das Fernrohr und musterte das Feld.</p><p>�Lord Mandragoran?�, sagte Kaisel. �Glaubt Ihr wirklich, dass der Plan funktioniert?�</p><p>�Da sind zu viele Trollocs�, erwiderte Lan. �Die Anf�hrer der Armeen des Dunklen K�nigs haben sie seit Jahren wie Unkraut gez�chtet. Die Tiermenschen fressen eine ganze Menge; jeder von ihnen braucht am Tag mehr Essen als ein Mensch.</p><p>Mittlerweile m�ssen sie die F�ule vollkommen leer gefressen haben. Der Schatten hat jeden Kr�mel Nahrung verbraucht, der da war, um diese Armee zu erschaffen, und sich darauf verlassen, dass die Trollocs die Leichen der Gefallenen fressen k�nnen.�</p><p>Und in der Tat, jetzt, da die Schlacht unterbrochen war, schw�rmten die Trollocs auf ihrer widerw�rtigen Nahrungssuche �ber das Feld. Sie zogen Menschenfleisch vor, aber sie w�rden auch die eigenen Toten nicht verschm�hen. Lan war vier Tage vor ihrem Heer zur�ckgewichen und hatte ihnen nichts zum Fressen �brig gelassen.</p><p>Das war ihnen nur gelungen, weil Fal Dara und Fal Moran und die anderen St�dte im westlichen Shienar niedergebrannt worden waren. Trollocs kannten keine Nachschublinien; sie fra�en, was sie fanden. Sie w�rden rasenden Hunger haben. Lan betrachtete sie durch das Fernrohr. Viele von ihnen warteten nicht auf die Kocht�pfe. Sie waren bedeutend mehr Tier als Mensch.</p><p><emphasis>Sie sind viel mehr Schatten als die beiden anderen zusammen,</emphasis> dachte Lan und senkte das Fernrohr. Sein Plan war morbid, aber er w�rde sehr effektiv sein, wenn es dem Licht gefiel. Seine M�nner w�rden k�mpfen, und es w�rde Verluste geben. Diese Verluste w�rden der K�der f�r die eigentliche Schlacht sein.</p><p>�Jetzt�, fl�sterte er.</p><p>Lord Agelmar sah es auch. Die H�rner ert�nten, und ein gelber Lichtstreifen stieg in die Luft. Lan drehte Mandarb, und das Pferd schnaubte. Es war m�de, aber das war Lan auch. Sie beide konnten eine weitere Schlacht durchstehen. Sie mussten es.</p><p><emphasis>�Tai�shar Malkier!�,</emphasis> br�llte Lan, senkte das Schwert und f�hrte seine Streitmacht zur�ck aufs Feld. Alle f�nf Grenzl�nderarmeen kamen bei der auseinandergerissenen Horde Schattengez�cht zusammen. Die Trollocs hatten ihre Linien v�llig aufgel�st, um sich um die Leichen zu streiten.</p><p>Als Lan ihnen entgegendonnerte, h�rte er die Myrddraal in dem Versuch herumbr�llen, die Tiermenschen erneut Aufstellung nehmen zu lassen. Dazu war es viel zu sp�t. Viele der ausgehungerten Bestien schauten erst auf, als die Armeen sie fast erreicht hatten.</p><p>Als Lans Streitkr�fte dieses Mal zuschlugen, erzeugten sie eine ganz andere Wirkung. Zuvor war der Angriff von den dichten Reihen der Trollocs verlangsamt worden, und sie waren nur ein Dutzend Schritte eingedrungen, bevor sie gezwungen gewesen waren, mit Schwertern und �xten weiterzumachen. Dieses Mal hatten sich die Tiermenschen verteilt. Lan signalisierte den Shienarern, als Erste zuzuschlagen; ihre Reihen waren so eng, dass man M�he gehabt h�tte, einen gr��eren Abstand als zwei Schritte zwischen den Pferden zu finden.</p><p>Das lie� den Trollocs keinen Platz, um wegzulaufen oder sich zu ducken. Die Reiter trampelten sie mit donnernden Hufen und klirrenden Pferder�stungen nieder, spie�ten die Kreaturen mit ihren Lanzen auf, schossen Reiterb�gen ab, schlugen mit Bih�ndern um sich. Der Angriff der Shienarer mit ihren offenen Helmen und Plattenr�stungen schien eine ganz besondere Grausamkeit zu haben.</p><p>Hinter ihnen f�hrte Lan seine Malkieri heran. Sie ritten quer �ber das Feld, um jedes der Ungeheuer zu t�ten, das den ersten Ansturm �berlebt hatte. Sobald die Shienarer durch waren, brachen sie nach rechts aus, um sich f�r einen weiteren Ansturm zu formieren, aber nun kamen die Arafeler hinter ihnen und t�teten weiteres Schattengez�cht, das sich zu sammeln versuchte. Nach ihnen kam eine Welle Saldaeaner, die wie zuvor die Malkieri quer �ber das Feld rasten, dann kamen die Kandori aus der anderen Richtung.</p><p>Schwitzend und mit m�dem Schwertarm bereitete sich Lan erneut vor. Da wurde ihm erst bewusst, dass Prinz Kaisel das Banner von Malkier trug. Er war kaum mehr als ein Junge, aber sein Herz sa� auf dem richtigen Fleck. Auch wenn er irgendwie dumme Ansichten �ber Frauen hatte.</p><p><emphasis>Licht, aber auf die eine oder andere Weise haben wir die alle,</emphasis> dachte Lan. Nynaeves ferne Gef�hle spendeten ihm durch den Bund Trost. Bei der Entfernung konnte er nur wenige Einzelheiten ausmachen, aber sie erschien entschlossen.</p><p>Als Lan mit seinem zweiten Sturmritt begann, explodierte pl�tzlich der Boden unter seinen M�nnern. Die Schattenlords hatten endlich begriffen, was geschehen war, und waren zur�ck zur Frontlinie gekommen. Lan lenkte Mandarb um einen Krater herum, der direkt vor ihm im Boden explodierte und Erde gegen seine Brust schleuderte. Das Auftauchen der Schattenlords war sein Signal, die Sturmangriffe einzustellen; er wollte in die feindlichen Linien reiten, hart zuschlagen und sich wieder vom Feind l�sen. Um die Schattenlords zu bek�mpfen, h�tte er alle seine Machtlenker einsetzen m�ssen, was er aber nicht wollte.</p><p>�Blut und verdammte Asche!�, fluchte Deepe, als Lan eine weitere Explosion umrundete. �Lord Mandragoran!�</p><p>Lan warf einen Blick �ber die Schulter. Deepe z�gelte sein Pferd.</p><p>�Bleibt in Bewegung, Mann�, rief Lan und z�gelte Mandarb. Er signalisierte seinen Leuten weiterzureiten, obwohl Prinz Kaisel und seine pers�nliche Schlachtfeldleibgarde mit ihm zusammen anhielten.</p><p>�Oh, <emphasis>beim Licht</emphasis>!�, stie� Deepe hervor und konzentrierte sich.</p><p>Lan lie� Mandarb sich drehen. �berall um sie herum lagen tote oder sterbende Trollocs, die heulten oder einfach nur noch wimmerten. Zu seiner Linken formierte sich versp�tet eine Horde Schattengez�cht. Die Tiermenschen w�rden bald eine geschlossene Linie haben, und wenn er und die anderen nicht in Bewegung kamen, w�rden sie bald ganz allein auf dem Feld sein.</p><p>Deepe hielt den Blick auf eine Gestalt gerichtet, die oben auf einem Gef�hrt stand, das an eine gro�e Belagerungsmaschine erinnerte; sie hatte eine flache Ladefl�che und war vielleicht zwanzig Fu� hoch. Eine Gruppe Trollocs zog sie auf gro�en Holzr�dern.</p><p>Ja, dort oben war eine Gestalt. Sogar mehrere. Feuerb�lle fielen auf die wegreitenden Grenzl�nder, Blitze zuckten vom Himmel. Pl�tzlich kam sich Lan wie ein Ziel auf einem Schie�platz vor.</p><p>�Deepe!�</p><p>�Es ist der M�Hael!�, erkl�rte Deepe.</p><p>Ungef�hr die ganze letzte Woche war Taim nicht bei der Feindesarmee gewesen�� aber anscheinend war er nun zur�ckgekehrt. Wegen der Entfernung war das unm�glich genau zu sagen, aber wenn man betrachtete, wie der Mann mit Geweben der Macht um sich warf, schien er wirklich w�tend zu sein.</p><p>�Lasst uns reiten!�, rief Lan.</p><p>�Ich kann ihn erwischen�, sagte Deepe. �Ich kann���</p><p>Ein Lichtblitz blendete Lan, Mandarb stieg auf die Hinterbeine. Fluchend blinzelte Lan und versuchte, seinen Blick zu kl�ren. Mit seinen Ohren stimmte auch etwas nicht.</p><p>Mandarb bockte zitternd. Es brauchte einiges, um den Hengst aus der Fassung zu bringen, aber ein Blitzeinschlag in dieser N�he w�rde jedes Pferd durchgehen lassen. Ein zweiter Blitz schleuderte Lan zu Boden. Grunzend rollte er herum, aber etwas tief in ihm wusste er, was zu tun war. Als sich seine Sinne kl�rten, stand er bereits mit dem Schwert in der Hand auf den Beinen, auch wenn ihm schwindlig war. Er st�hnte und stolperte.</p><p>H�nde packten ihn, zogen ihn auf einen Sattel. Prinz Kaisels Gesicht war vom Kampf blutverschmiert, aber er hielt Mandarbs Z�gel. Lans Leibw�chter sorgten daf�r, dass er aufrecht im Sattel sa�, als sie die Pferde antrieben.</p><p>Als sie flohen, konnte er einen Blick auf Deepes Leiche werfen, die verst�mmelt und in mehrere St�cke zerfetzt auf dem Boden lag.</p></section><section><title><p>17</p><p>�lter und ganz sch�n verbraucht</p></title><p>Das war alles nicht sehr fruchtbar, Euer Majest�t�, unterbrach eine Stimme Mats D�sen.</p><p>Etwas stach in sein Gesicht. Das war die schlimmste Matratze, auf der er je geschlafen hatte. Er w�rde den Wirt so lange pr�geln, bis er sein Geld zur�ckerhalten hatte.</p><p>�Der Attent�ter ist sehr schwierig zu verfolgen�, fuhr diese nervt�tende Stimme fort. �Leute, an denen er vorbeikommt, erinnern sich nicht mehr an ihn. Falls der Prinz der Raben wei�, wie man diese Kreatur aufsp�ren kann, w�rde ich das sehr gern h�ren.�</p><p>Warum lie� der Wirt nur diese Leute in sein Zimmer? Er trieb der wachen Welt entgegen und lie� diesen wundersch�nen Traum hinter sich, in dem es um Tuon und keine Sorge auf der verdammten Welt gegangen war. Er �ffnete das verschlafene Auge und schaute in einen wolkenverh�llten Himmel. Und keineswegs auf die Decke eines Gasthauses.</p><p><emphasis>Verfluchte Asche,</emphasis> dachte er st�hnend. Sie waren im Garten eingeschlafen. Er setzte sich auf und entdeckte, dass er abgesehen von dem Tuch um den Hals v�llig nackt war. Seine und Tuons Kleidung lag unter ihm ausgebreitet. Sein Gesicht hatte mitten im Unkraut gelegen.</p><p>Tuon sa� neben ihm und ignorierte die Tatsache, dass sie v�llig nackt war. Sie sprach mit einem Totenw�chter. Musenge kniete auf einem Knie, hielt den Kopf gesenkt und starrte zu Boden. Trotzdem!</p><p>�Beim Licht!�, sagte Mat und griff nach seiner Kleidung. Tuon sa� auf seinem Hemd und warf ihm einen �rgerlichen Blick zu, als er versuchte, es unter ihr wegzuziehen.</p><p>�H�chsterlauchter�, wandte sich der W�chter mit noch immer abgewandtem Gesicht an Mat. �Ich gr��e Euch, wo Ihr erwacht seid.�</p><p>�Tuon, warum sitzt du einfach da blo� rum?�, wollte Mat wissen und schaffte es endlich, sein Hemd von diesem knackigen Hintern freizubekommen.</p><p>�Als mein Gemahl d�rft Ihr mich als Fortuona oder Majest�t ansprechen�, sagte Tuon streng. �Es w�rde mich ausgesprochen �rgern, wenn ich Euch hinrichten lassen m�sste, bevor Ihr mir ein Kind schenkt, denn Ihr wachst mir ans Herz. Was diesen W�chter angeht, er geh�rt zur Totenwache. Sie m�ssen mich st�ndig bewachen. Ich habe sie oft in meiner unmittelbaren N�he, wenn ich bade. Das ist ihre Pflicht, und sein Gesicht ist abgewandt.�</p><p>Mat kleidete sich eilig an.</p><p>Sie fing ebenfalls an, sich anzuziehen, wenn auch nicht einmal ann�hernd schnell genug, soweit es ihn betraf. Er hielt nicht viel von einem W�chter, der seine Frau angaffte. Die Stelle, an der sie geschlafen hatten, wurde von niedrigen Blautannen umgeben�� hier im S�den eine Seltenheit; m�glicherweise hatte man sie ja gez�chtet, weil sie exotisch waren. Auch wenn die Nadeln langsam braun wurden, boten sie dennoch wenigstens ein gewisses Ma� an Privatsph�re. Jenseits der Tannen gab es einen Kreis aus anderen B�umen. M�glicherweise Pfirsichb�ume, obwohl das ohne die Bl�ten schwer zu sagen war.</p><p>Mat konnte kaum etwas von der Stadt au�erhalb des Gartens h�ren, die zu dieser Stunde ebenfalls erwachte, und die Luft roch leicht nach Tannennadeln. Sie war warm genug, dass das Schlafen unter freiem Himmel nicht unangenehm gewesen war, trotzdem war er froh, wieder angezogen zu sein.</p><p>Ein Totenw�chter n�herte sich, gerade als Tuon fertig angezogen war. Er zertrat vertrocknete Tannennadeln, dann verneigte er sich tief vor ihr. �Kaiserin, wir haben vielleicht einen weiteren Attent�ter gefangen genommen. Er ist nicht die Kreatur der vergangenen Nacht, denn er tr�gt keine Wunden, aber er versuchte, sich in den Palast zu schleichen. Wir dachten, Ihr w�rdet ihn gern sehen, bevor wir mit dem Verh�r beginnen.�</p><p>�Bringt ihn her�, befahl Tuon und richtete ihr Gewand. �Und lasst nach General Karede schicken.�</p><p>Der Offizier zog sich zur�ck und passierte Selucia, die neben dem Pfad stand, der zu Lichtung f�hrte. Sie eilte sofort zu Tuon. Mat setzte den Hut auf und trat an ihre andere Seite, stemmte den Knauf des <emphasis>Ashandarei</emphasis> in das tote Gras.</p><p>Der arme Narr, der sich beim Einbruch in diesen Garten hatte erwischen lassen, tat ihm leid. Vielleicht war der Mann ein Meuchelm�rder, aber er konnte auch blo� ein Bettler oder ein Dummkopf auf der Suche nach einem Abenteuer sein. Oder er war��</p><p>Der Wiedergeborene Drache.</p><p>Mat st�hnte. Ja, es war Rand, den sie �ber den Pfad f�hrten. Er sah deutlich �lter als bei ihrer letzten Begegnung aus, �lter und ganz sch�n verbraucht. Nat�rlich hatte er den Mann erst k�rzlich in diesen verfluchten Visionen gesehen. Auch wenn er sich darin ge�bt hatte, nicht an ihn zu denken, um diese Farbenwirbel zu vermeiden, hatte er nicht immer damit Erfolg gehabt.</p><p>Aber wie dem auch sei, Rand pers�nlich zu sehen war etwas anderes. Es war�� beim Licht, wie <emphasis>lange</emphasis> war das jetzt her? <emphasis>Das letzte Mal stand ich ihm gegen�ber, als er mich nach Salidar schickte, um Elayne zu holen.</emphasis> Das schien eine ganze Ewigkeit her zu sein. Bevor er nach Ebou Dar gekommen war, bevor er zum ersten Mal den <emphasis>Gholam</emphasis> gesehen hatte. Vor Tylin, vor Tuon.</p><p>Mat runzelte die Stirn, als man Rand mit auf den R�cken gebundenen Armen zu Tuon brachte. Sie unterhielt sich gerade in ihrer schnellen Fingersprache mit Selucia. Rand schien nicht im Mindesten besorgt zu sein; seine Miene war v�llig gelassen. Er trug einen h�bschen Mantel in Rot und Schwarz, darunter ein wei�es Hemd und schwarze Hosen. Kein Gold und kein Schmuck, und auch keine Waffe.</p><p>�Tuon�, sagte Mat. �Das ist���</p><p>Tuon wandte sich von Selucia ab und erblickte Rand. <emphasis>�Damane!�,</emphasis> schnitt sie ihm das Wort ab. �Holt meine <emphasis>Damane</emphasis>! Lauft, Musicar! LAUFT!�</p><p>Der Totenw�chter stolperte r�ckw�rts, dann rannte er los und br�llte nach den <emphasis>Damane</emphasis> und Bannergeneral Karede.</p><p>Rand sah ihm trotz seiner Fesseln ganz gelassen nach. <emphasis>Ehrlich gesagt sieht er wirklich irgendwie wie ein K�nig aus,</emphasis> dachte Mat im Stillen. Nat�rlich war Rand v�llig wahnsinnig, jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach. Das w�rde zumindest erkl�ren, warum er auf diese Weise bei Tuon hereinspazierte.</p><p>Entweder das, oder er wollte sie t�ten. Bei einem Mann, der die Macht lenken konnte, waren Fesseln v�llig sinnlos. <emphasis>Blut und Asche,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wie bin ich blo� wieder in diese Situation geraten?</emphasis> Er hatte doch alles nur Erdenkliche getan, um Rand aus dem Weg zu gehen!</p><p>Rand erwiderte Tuons starren Blick. Mat holte tief Luft, dann stellte er sich mit einem schnellen Schritt vor sie. �Rand. Also ehrlich. Ganz ruhig, verhalten wir uns alle ganz friedlich.�</p><p>�Hallo, Mat.� Seine Stimme klang freundlich. Beim Licht, er <emphasis>war</emphasis> verr�ckt! �Danke, dass du mich zu ihr gef�hrt hast.�</p><p>�Zu ihr gef�hrt���</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, verlangte Tuon zu wissen.</p><p>Mat fuhr auf dem Absatz herum. �Ich�� also ehrlich, das ist���</p><p>Ihr harter Blick h�tte L�cher in Stahl bohren k�nnen. �Ihr wart das�, sagte sie zu ihm. �Ihr kamt her, habt mich dazu verleitet, liebevoll zu sein, dann habt Ihr ihn zu mir gef�hrt. Ist das wahr?�</p><p>�Macht ihm keine Vorw�rfe�, sagte Rand. �Wir beide mussten uns wiedersehen. Ihr wisst, dass das die Wahrheit ist.�</p><p>Mat stolperte einen Schritt zur�ck und hob beide H�nde, als wollte er sie voneinander trennen. �Schluss jetzt, ihr beide. Habt ihr mich verstanden?�</p><p>Etwas packte Mat und riss ihn in die Luft. �H�r auf mit dem Bl�dsinn, Rand�, rief er.</p><p>�Das bin nicht ich�, erwiderte Rand und schien sich, nach seiner Miene zu urteilen, zu konzentrieren. �Ah. Ich wurde abgeschirmt.�</p><p>Als Mat in der Luft hing, tastete er seine Brust ab. Das Medaillon. <emphasis>Wo war sein Medaillon?</emphasis></p><p>Er starrte Tuon an. Einen fl�chtigen Augenblick sah sie besch�mt aus und griff in die Tasche ihres Gewandes. Sie zog etwas Silbernes hervor, wollte das Medaillon vielleicht als Schutz gegen Rand benutzen.</p><p><emphasis>Gro�artig,</emphasis> dachte Mat st�hnend. Sie hatte es ihm abgenommen, w�hrend er schlief, und er hatte es nicht einmal bemerkt. <emphasis>Einfach nur gro�artig.</emphasis></p><p>Das Luftgewebe setzte ihn neben Rand ab; Karede war mit einer <emphasis>Sul�dam</emphasis> und einer <emphasis>Damane</emphasis> zur�ckgekehrt. Alle drei hatten ger�tete Gesichter, als w�ren sie gerannt. Die <emphasis>Damane</emphasis> hatte die Macht gelenkt.</p><p>Tuon musterte Rand und Mat, dann gestikulierte sie Selucia mit scharfen Bewegungen.</p><p>�Vielen herzlichen Dank�, murmelte Mat Rand zu. �Du bist ein so verflucht guter Freund.�</p><p>�Es ist auch sch�n, dich zu sehen�, erwiderte Rand mit dem Hauch eines L�chelns.</p><p>�Und es geht los�, sagte Mat und seufzte. �Wieder einmal hast du mich in Schwierigkeiten gebracht. Das tust du immer.�</p><p>�Ich?�</p><p>�Ja. In Rhuidean und in der W�ste, im Stein von Tear�� In den Zwei Fl�ssen. Dir ist schon klar, dass ich, statt Egwene zu deiner kleinen Feier in Merrilor zu begleiten, nach S�den gezogen bin, weil ich dir <emphasis>entkommen</emphasis> wollte?�</p><p>Rand l�chelte. �Du glaubst, du k�nntest dich von mir fernhalten? Du glaubst allen Ernstes, das w�rde <emphasis>es</emphasis> zulassen?�</p><p>�Ich kann es verdammt noch mal versuchen. Nichts f�r ungut, Rand, aber du wirst den Verstand verlieren. Ich fand, ich sollte f�r einen Freund weniger in deiner N�he sorgen, den du umbringen kannst. Du wei�t schon, dir die M�he ersparen. Was hast du �brigens mit deiner Hand gemacht?�</p><p>�Was hast du mit deinem Auge gemacht?�</p><p>�Ein kleiner Unfall mit einem Korkenzieher und dreizehn w�tenden Schenkwirten. Die Hand?�</p><p>�Bei der Gefangennahme einer der Verlorenen eingeb��t.�</p><p>�Der Gefangennahme? Du wirst weich.�</p><p>Rand schnaubte. �Du hast bestimmt mehr erreicht.�</p><p>�Ich t�tete einen <emphasis>Gholam</emphasis>�, sagte Mat.</p><p>�Ich befreite Illian von Sammael.�</p><p>�Ich heiratete die Kaiserin von Seanchan.�</p><p>�Mat, willst du <emphasis>wirklich</emphasis> mit dem Wiedergeborenen Drachen um die Wette prahlen?�, fragte Rand. Er schwieg kurz. �Au�erdem habe ich <emphasis>Saidin</emphasis> gereinigt. Ich gewinne.�</p><p>�Ach, das ist nun wirklich nicht viel wert�, meinte Mat.</p><p>�Das ist nicht viel wert? Das ist das wichtigste Ereignis seit der Zerst�rung der Welt!�</p><p>�Bah. Du und deine Asha�man seid doch schon verr�ckt�, erwiderte Mat, �also was spielt das noch f�r eine Rolle?� Er warf einen Blick zur Seite. ��brigens siehst du wirklich nett aus. In letzter Zeit hast du etwas besser auf dich aufgepasst.�</p><p>�Also interessiert es dich doch�, sagte Rand.</p><p>�Nat�rlich interessiert es mich�, brummte Mat und sah wieder zu Tuon. �Ich meine, du musst dich am Leben erhalten, richtig? Dein kleines Duell mit dem Dunklen K�nig, um uns alle zu retten? Gut zu wissen, dass du dem allem Anschein nach gewachsen bist.�</p><p>�Das h�re ich gern�, sagte Rand und l�chelte. �Keine dummen Bemerkungen �ber meinen sch�nen Mantel?�</p><p>�Was? Welche dummen Bemerkungen? Du bist doch wohl nicht mehr beleidigt, nur weil ich dich vor ein paar Jahren ein bisschen damit aufgezogen habe?�</p><p>�Mich damit aufgezogen? Du hast wochenlang kein Wort mehr mit mir gewechselt.�</p><p>�Also Moment mal�, protestierte Mat. �So schlimm war das nun auch wieder nicht. An diesen Teil erinnere ich mich ganz genau.�</p><p>Rand sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. Verdammt undankbar, das war er. Mat war losgezogen, um Elayne zu holen, genau wie Rand ihn gebeten hatte, und das war der Dank. Sicher, danach war er etwas vom Weg abgekommen. Aber er hatte es trotzdem erledigt, oder etwa nicht?</p><p>�Also gut�, sagte er sehr leise und zog an den Fesseln aus Luft, die ihn hielten. �Ich hole uns hier raus, Rand. Ich bin mit ihr verheiratet. Lass mich reden und���</p><p>�Tochter von Artur Falkenfl�gel�, wandte sich Rand an Tuon. �Die Zeit rast dem Ende aller Dinge entgegen. Die Letzte Schlacht hat begonnen, und die F�den werden gewebt. Bald beginnt meine letzte Pr�fung.�</p><p>Tuon trat vor. Selucia �bermittelte ihr ein paar letzte Fingersprachenworte. �Wiedergeborener Drache, man wird Euch nach Seanchan bringen�, verk�ndete Tuon. Ihre Stimme war beherrscht und energisch.</p><p>Mat l�chelte. Beim Licht, sie gab wirklich eine gute Kaiserin ab. <emphasis>Aber es war unn�tig, mein Medaillon zu klauen.</emphasis> Dar�ber w�rden sie sich noch unterhalten m�ssen. Immer vorausgesetzt, er �berlebte das hier. Sie w�rde ihn doch nicht wirklich hinrichten lassen, oder?</p><p>Wieder �berpr�fte er die unsichtbaren Fesseln.</p><p>�Tats�chlich?�, fragte Rand.</p><p>�Ihr habt Euch mir ausgeliefert�, sagte Tuon. �Das ist ein Omen.� Sie klang beinahe schon bedauernd. �Ihr k�nnt doch unm�glich geglaubt haben, ich w�rde Euch wieder gehen lassen, oder? Als Herrscher, der sich mir widersetzt hat, muss ich Euch in Ketten legen�� wie ich es mit den anderen gemacht habe, die ich hier vorfand. Ihr zahlt den Preis f�r die Vergesslichkeit Eurer Vorfahren. Ihr h�ttet Eure Eide nicht vergessen sollen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Rand.</p><p><emphasis>Ehrlich gesagt klingt er auch ziemlich wie ein K�nig, gar nicht schlecht,</emphasis> dachte Mat. Beim Licht, mit was f�r Leuten hatte er sich da blo� umgeben? Wo waren die sch�nen Schenkm�gde und zechenden Soldaten geblieben?</p><p>�Verratet mir etwas, Kaiserin�, fuhr Rand fort. �Was h�ttet ihr Seanchaner eigentlich gemacht, wenn ihr an diese K�sten zur�ckgekehrt w�rt und dann herausgefunden h�ttet, dass Artur Falkenfl�gels Armeen noch immer hier herrschen? Was, wenn wir unsere Eide nicht vergessen h�tten, wenn wir noch immer treu gewesen w�ren? Was dann?�</p><p>�Wir h�tten euch als Br�der willkommen gehei�en�, sagte Tuon.</p><p>�Ach?�, erwiderte Rand. �Und Ihr h�ttet Euch vor dem Thron hier verneigt? Falkenfl�gels Thron? H�tte sein Reich noch Bestand, w�rden seine direkten Erben herrschen. H�ttet Ihr versucht, sie zu dominieren? H�ttet Ihr stattdessen ihre Herrschaft �ber Euch akzeptiert?�</p><p>�Das ist aber nicht der Fall�, meinte Tuon, aber sie schien seine Worte durchaus interessant zu finden.</p><p>�Nein, das ist es nicht�, sagte Rand.</p><p>�Also m�sst Ihr Euch Eurem eigenen Argument zufolge uns f�gen.� Sie l�chelte.</p><p>�Es ist nicht <emphasis>mein</emphasis> Argument�, sagte Rand, �aber nehmen wir es einmal an. Warum beansprucht Ihr das Recht auf dieses Land?�</p><p>�Wir sind die einzigen legitimen Erben von Artur Falkenfl�gel.�</p><p>�Und warum sollte das eine Rolle spielen?�</p><p>�Das ist sein Reich. Er ist der Einzige, der es geeinigt hat, er ist der einzige F�hrer, der es in ruhmreicher Gr��e beherrscht hat.�</p><p>�Und da irrt Ihr Euch.� Rands Stimme wurde weich. �Ihr akzeptiert mich als den Wiedergeborenen Drachen?�</p><p>�Ihr m�sst es sein�, antwortete Tuon langsam, als wittere sie eine Falle.</p><p>�Dann akzeptiert Ihr mich als den, der ich bin�, erwiderte Rand, und seine Stimme wurde laut und klar. Wie ein Kriegshorn. �Ich <emphasis>bin</emphasis> Lews Therin Telamon, der Drache. <emphasis>Ich</emphasis> beherrschte diese vereinigten L�nder im Zeitalter der Legenden. <emphasis>Ich</emphasis> war der Anf�hrer aller Armeen des Lichts, <emphasis>ich</emphasis> trug den Ring von Tamyrlin. <emphasis>Ich</emphasis> war der Erste unter den Dienern, der H�chste unter den Aes Sedai, und <emphasis>ich</emphasis> konnte die Neun St�be der Herrschaft herbeirufen.�</p><p>Rand trat vor. �Mir geh�rten die Loyalit�t und die Lehnseide aller siebzehn Gener�le des Tors der Morgend�mmerung. Fortuona Athaem Devi Paendrag, meine Autorit�t hebt Eure auf!�</p><p>�Artur Falkenfl�gel���</p><p>�Meine Autorit�t hebt die von Falkenfl�gel auf! Wenn Ihr die Herrschaft im Namen des Eroberers beansprucht, dann m�sst Ihr Euch vor meinem Anspruch verneigen, denn er ist viel �lter. Ich habe vor Falkenfl�gel erobert, auch wenn ich daf�r kein Schwert brauchte. Ihr befindet Euch hier auf meinem Land, Kaiserin, durch meine Duldung!�</p><p>In der Ferne donnerte es. Mat ertappte sich dabei, dass er zitterte. Beim Licht, das war doch blo� Rand. Blo� Rand�� oder etwa nicht?</p><p>Tuon wich mit weit aufgerissenen Augen und ge�ffnetem Mund zur�ck. Ihr Gesicht war eine Maske des Entsetzens, als h�tte sie gerade die Hinrichtung ihrer Eltern miterlebt.</p><p>Um Rands F��e breitete sich gr�nes Gras aus. Die W�chter sprangen zur�ck und griffen nach den Schwertern, als sich vor ihm eine Schneise des Lebens ausbreitete. Die braunen und gelben Grashalme bekamen Farbe, als h�tte man einen Farbeimer �ber sie ausgekippt, dann richteten sie sich auf�� streckten sich wie nach einem langen Schlummer.</p><p>Das Gr�n f�llte die ganze Gartenlichtung. �Er ist noch immer abgeschirmt!�, kreischte die <emphasis>Sul�dam</emphasis>. �H�chstgeborene, er ist <emphasis>noch immer abgeschirmt</emphasis>!�</p><p>Mat erschauderte, dann fiel ihm etwas auf. Es war so leise und so leicht zu �berh�ren.</p><p>�Singst du?�, wisperte er Rand zu.</p><p>Ja�� es war unverkennbar. Rand sang ganz leise, kaum h�rbar. Mat stie� gegen seinen Fu�. �Ich k�nnte schw�ren, ich habe diese Melodie schon einmal geh�rt�� Ist das �Zwei Maiden am Uferrand�?�</p><p>�Du bist nicht hilfreich�, fl�sterte Rand zur�ck. �Sei still.�</p><p>Er sang weiter. Das Gr�n erreichte die B�ume, die Tannen hoben ihre �ste. Neue Bl�tter sprossen an den anderen B�umen�� es handelte sich in der Tat um Pfirsichb�ume��, erbl�hten in rasender Geschwindigkeit, als neues Leben in sie hineinstr�mte.</p><p>Die W�chter drehten sich um die eigene Achse, versuchten, alle B�ume auf einmal im Auge zu behalten. Selucia war zusammengezuckt. Tuon blieb aufrecht, nahm keinen Augenblick den Blick von Rand. Die verschreckte <emphasis>Sul�dam</emphasis> und ihre <emphasis>Damane</emphasis> mussten ihre Konzentration eingeb��t haben, denn Mats Fesseln verschwanden.</p><p>�Sprecht Ihr mir dieses Recht ab?�, verlangte Rand zu wissen. �Bestreitet Ihr, dass mein Anspruch auf dieses Land dem Euren Tausende von Jahren vorausgeht?�</p><p>�Ich��� Tuon holte tief Luft und starrte ihn trotzig an. �Ihr habt das Land zerbrochen, lie�t es im Stich. Ich kann Euch dieses Recht absprechen!�</p><p>Wie ein Feuerwerk explodierten wei�e und dunkelrosa Bl�ten hinter ihr an den B�umen. Die hervorbrechenden Farben umgaben sie. In allen Richtungen breiteten sich Bl�tenbl�tter in schnellem Wachstum aus, l�sten sich von den B�umen, wurden vom Wind eingefangen und trieben �ber die Lichtung.</p><p>�Ich habe Euch erlaubt weiterzuleben�, sagte Rand zu Tuon, �obwohl ich Euch in einem Wimpernschlag h�tte vernichten k�nnen. Weil Ihr das Leben der Menschen unter Eurer Herrschaft besser gemacht habt, obwohl Ihr auch Schuld auf Euch geladen habt, so wie Ihr mit einigen umgegangen seid. Eure Herrschaft ist so hauchd�nn wie ein Blatt Papier. Ihr haltet dieses Land allein mit der Kraft von Stahl und <emphasis>Damane</emphasis> zusammen, aber Eure Heimat steht in Flammen.</p><p>Ich komme nicht, um Euch zu vernichten oder zu verspotten. Ich komme, um Euch den Frieden anzubieten, Kaiserin. Ich komme ohne Armeen, ich komme ohne Gewalt. Ich komme, weil ich glaube, dass Ihr mich braucht, so wie ich Euch brauche.� Er trat vor und lie� sich erstaunlicherweise auf ein Knie nieder, senkte das Haupt und streckte die Hand aus. Auch die Fesseln der Soldaten waren verschwunden. �Ich strecke Euch meine Hand zu einem B�ndnis entgegen. Die Letzte Schlacht ist da. Schlie�t Euch mir an und k�mpft.�</p><p>Stille trat auf der Lichtung ein. Der Wind schlief ein, das Donnergrollen verstummte. Pfirsichbl�ten schwebten auf das jetzt gr�ne Gras. Rand blieb da, wo er war, die Hand ausgestreckt. Tuon starrte diese Hand wie eine Giftschlange an.</p><p>Mat trat vor. �Netter Trick�, zischte er Rand zu. �Ein wirklich netter Trick.� Er begab sich zu Tuon, fasste sie an den Schultern und zog sie zur Seite. Selucia sah v�llig schockiert aus. Karede war keinesfalls in besserer Verfassung. Sie w�rden keine Hilfe sein.</p><p>�Seht doch�, sagte Mat sanft zu ihr. �Er ist ein anst�ndiger Kerl. Sicherlich hat er ein paar raue Ecken und Kanten, aber Ihr k�nnt seinem Wort vertrauen. Wenn er Euch ein B�ndnis anbietet, wird er es auch in die Tat umsetzen.�</p><p>�Das war ein sehr beeindruckendes Schauspiel�, sagte Tuon leise. Sie zitterte leicht. �Was <emphasis>ist</emphasis> er?�</p><p>�Soll man mich zu Asche verbrennen, wenn ich das wei߫, sagte Mat. �Tuon, h�rt mir zu. Ich bin zusammen mit ihm aufgewachsen. Ich b�rge f�r ihn.�</p><p>�In diesem Mann lauert eine Dunkelheit, Matrim. Ich habe sie gesehen, bei unserer letzten Begegnung.�</p><p>�Seht mich an, Tuon. <emphasis>Sieh</emphasis> mich an.�</p><p>Sie schaute auf und erwiderte seinen Blick.</p><p>�Du kannst Rand al�Thor die Welt selbst anvertrauen�, sagte Mat. �Und wenn du ihm nicht vertrauen kannst, dann vertraue mir. Er ist unsere einzige Wahl. Wir haben keine Zeit, ihn nach Seanchan zu bringen, selbst wenn dort nicht das Chaos herrschen w�rde.</p><p>Ich bin lange genug in der Stadt gewesen, um einen kleinen Blick auf deine Streitkr�fte werfen zu k�nnen. Wenn du in der Letzten Schlacht k�mpfen und deine Heimat zur�ckerobern willst, brauchst du eine verl�ssliche Basis hier in Altara. Nimm sein Angebot an. Er hat dieses Land gerade f�r sich beansprucht. Nun, lass ihn deine Grenzen in ihrem augenblicklichen Verlauf sichern und verk�nde das allen anderen. Sie k�nnten zuh�ren. Dir ein bisschen Druck nehmen. Es sei denn nat�rlich, du willst zugleich gegen die Trollocs, die Nationen dieses Landes <emphasis>und</emphasis> die Rebellen in Seanchan k�mpfen.�</p><p>Tuon blinzelte. �Unsere Streitkr�fte.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ihr habt sie meine Streitkr�fte genannt�, sagte sie. �Es sind unsere Streitkr�fte. Ihr seid jetzt einer von uns, Matrim.�</p><p>�Nun, das bin ich wohl. H�r zu, Tuon. Du musst das tun. Bitte.�</p><p>Sie drehte sich um und sah Rand an, der inmitten eines Musters aus Pfirsichbl�ten kniete, die einen Kreis um ihn gebildet zu haben schienen.</p><p>�Wie lautet Euer Angebot?�, fragte sie.</p><p>�Frieden�, erwiderte Rand und stand mit noch immer ausgestreckter Hand auf. �Hundert Jahre Frieden. L�nger, wenn ich daf�r sorgen kann. Ich habe die anderen Herrscher �berredet, einen Vertrag zu unterzeichnen und f�r den Kampf gegen die Armeen des Schattens zusammenzuarbeiten.�</p><p>�Meine Grenzen w�ren gesichert�, sagte Tuon.</p><p>�Altara und Amadicia sollen Euch geh�ren.�</p><p>�Und Tarabon und die Ebene von Almoth! Ich halte sie zurzeit besetzt. Euer Vertrag wird mich dort nicht vertreiben. Ihr wollt Frieden? Dann gebt Ihr mir das.�</p><p>�Tarabon und die H�lfte der Ebene von Almoth�, erwiderte Rand. �Die H�lfte, die Ihr bereits kontrolliert.�</p><p>�Ich verlange alle Frauen auf dieser Seite des Aryth-Meeres, die die Macht lenken k�nnen, als <emphasis>Damane</emphasis>!�</p><p>��bertreibt es nicht, Kaiserin�, sagte Rand trocken. �Ich�� ich erlaube Euch, in Seanchan zu tun, was Ihr wollt, aber ich verlange von Euch, jede <emphasis>Damane</emphasis> zur�ckzugeben, die Ihr Euch bei Eurem Aufenthalt in diesem Land genommen habt.�</p><p>�Dann gibt es keine Vereinbarung�, sagte Tuon.</p><p>Mat hielt den Atem an.</p><p>Rand z�gerte und senkte die Hand. �Das Schicksal der Welt selbst k�nnte davon abh�ngen, Fortuona. Bitte.�</p><p>�Wenn das so wichtig ist�, sagte sie fest, �dann k�nnt Ihr meine Forderung erf�llen. Unser Besitz geh�rt uns. Ihr wollt einen Vertrag? Dann bekommt Ihr ihn mit dieser Klausel: Wir behalten die <emphasis>Damane</emphasis>, die wir bereits haben. Im Gegenzug erlaube ich Euch, ungehindert zu gehen.�</p><p>Rand verzog das Gesicht. �Ihr seid so schlimm wie eine vom Meervolk.�</p><p>�Ich hoffe, ich bin schlimmer�, sagte Tuon v�llig unger�hrt. �Die Welt ist Eure Verantwortung, Drache, nicht die meine. Ich k�mmere mich um mein Kaiserreich. Ich werde diese <emphasis>Damane</emphasis> dringend brauchen. Entscheidet Euch jetzt, denn wie Ihr schon sagtet, Eure Zeit ist begrenzt.�</p><p>Rands Ausdruck verfinsterte sich, dann streckte er die Hand aus. �So soll es sein. Das Licht sei uns gn�dig, so soll es sein. Ich werde auch diese Last tragen. Ihr d�rft die <emphasis>Damane</emphasis> behalten, die Ihr bereits habt, aber Ihr werdet Euch nicht eine Einzige bei meinen Verb�ndeten holen, solange wir die Letzte Schlacht schlagen. Sich danach eine zu nehmen, die sich nicht in Eurem Land befindet, wird als Vertragsbruch und Angriff auf die anderen Nationen betrachtet.�</p><p>Tuon trat vor, dann ergriff sie Rands Hand. Mat stie� die angehaltene Luft aus.</p><p>�Ich habe Dokumente, die Ihr Euch ansehen und unterschreiben m�sst�, sagte Rand.</p><p>�Selucia wird sich darum k�mmern�, erwiderte Tuon. �Matrim, Ihr kommt mit mir. Wir m�ssen das Kaiserreich f�r den Krieg vorbereiten.� Tuon setzte sich auf dem Pfad mit kontrollierten Schritten in Bewegung, aber Mat vermutete, dass sie einfach nur so schnell wie m�glich von Rand fortkommen wollte. Er konnte das durchaus verstehen.</p><p>Er folgte ihr, blieb dann aber doch noch einmal neben Rand stehen. �Anscheinend hast du auch etwas vom Gl�ck des Dunklen K�nigs�, murmelte er ihm zu. �Ich kann einfach nicht glauben, dass das geklappt hat.�</p><p>�Ganz ehrlich?�, erwiderte Rand leise, �ich auch nicht. Danke, dass du ein gutes Wort f�r mich eingelegt hast.�</p><p>�Sicher�, sagte Mat. ��brigens, <emphasis>ich</emphasis> habe Moiraine gerettet. Darauf kannst du ja herumkauen, w�hrend du �berlegst, wer von uns beiden vorn liegt.�</p><p>Mat folgte Tuon, und hinter ihm erscholl das Gel�chter des Wiedergeborenen Drachen.</p></section><section><title><p>18</p><p>Verschwendetes Talent</p></title><p>Gawyn stand auf einem Feld ganz in der N�he der ersten Schlacht der Aes Sedai gegen die Trollocs. Sie hatten die H�gel verlassen und waren tiefer auf die Ebene von Kandor vorgedrungen. Bis jetzt hatten sie die Vorst��e der Tiermenschen aufhalten k�nnen, ihnen war sogar gelungen, die Hauptstreitmacht des Feindes ein St�ck zur�ckzudr�ngen. Im Gro�en und Ganzen verlief diese Schlacht besser als erwartet.</p><p>Auf diesem offenen, namenlosen Feld k�mpften sie nun schon seit einer Woche. �berall war der Boden aufgerissen, als wollte man dort etwas pflanzen. So viele Leichen lagen herum�� haupts�chlich Schattengez�cht��, dass nicht einmal der Hunger der Trollocs alle verschwinden lassen konnte.</p><p>In der einen Hand hielt Gawyn ein Schwert, in der anderen einen Schild; so hatte er sich vor Egwenes Pferd platziert. Es war seine Aufgabe, die Trollocs zu t�ten, die an den Angriffen der Aes Sedai vorbeikamen. Eigentlich zog er es vor, das Schwert mit beiden H�nden zu f�hren, aber gegen die Bestien brauchte er diesen Schild. Manche M�nner hielten ihn f�r einen Narren, weil er �berhaupt ein Schwert benutzte. Sie bevorzugten Piken oder Hellebarden, solange die Waffen die Tiermenschen nur auf Abstand hielten.</p><p>Aber mit einer Pike konnte man kein Duell ausfechten. Als Pikenmann war man blo� ein Ziegel in einer gro�en Mauer. Man war weniger ein Soldat als vielmehr ein Hindernis. Eine Hellebarde war besser�� sie hatte wenigstens eine Klinge, mit der man umgehen k�nnen musste��, aber nichts lie� sich mit einem Schwert vergleichen. Wenn Gawyn mit einer Klinge k�mpfte, dann kontrollierte er den Kampf.</p><p>Schnaubend kam ein Trolloc auf ihn zu, dessen Antlitz eine Mischung aus Mensch und Widder darstellte. Der hier war etwas menschlicher als �blich, einschlie�lich eines widerw�rtig menschlichen Mundes mit blutverschmierten Z�hnen. Das Ding hielt einen Streitkolben mit der Flamme von Tar Valon auf dem Schaft. Von einem gefallenen Angeh�rigen der Burgwache erbeutet. Obwohl die Waffe f�r zwei H�nde gedacht war, hielt die Kreatur sie m�helos in einer.</p><p>Gawyn wich zur Seite aus, dann riss er den Schild in die Richtung des zu erwartenden Schlages. Der Schild sch�ttelte sich unter mehreren Treffern. Eins, zwei, drei. Die �bliche berserkerhafte Trolloc-Technik�� schnell und hart zuschlagen und davon ausgehen, dass der Gegner dem nichts entgegenzusetzen hatte.</p><p>Auf viele traf das auch zu. Sie stolperten, oder der Ansturm bet�ubte ihren Arm. Darin lag der Wert von Pikenmauern oder Hellebardenformationen. Bryne benutzte beides, sowie eine neue improvisierte Linie, die sich zur H�lfte aus Speeren und Hellebarden zusammensetzte. Gawyn hatte davon in Geschichtsb�chern gelesen. Brynes Heer kappte auf diese Weise die Kniesehnen der Tiermenschen. Die Pikenreihen hielten sie auf Abstand, dann stie�en die Hellebarden an ihnen vorbei und schlitzten die Beine auf.</p><p>Gawyn duckte sich zur Seite und �berraschte damit Trolloc. Das Ungeheuer drehte sich viel zu langsam, als der Beh�ter ihm mit �Wirbelwind in den Bergen� die Hand abhackte. Noch w�hrend es schrie, fuhr Gawyn herum und rammte sein Schwert in den Leib eines weiteren Trollocs, der an den Aes Sedai vorbeigekommen war.</p><p>Er riss die Klinge aus dem Leib und schlug sie dem ersten Tiermenschen in den Hals. Der tote Trolloc rutschte von der Waffe. Das war der vierte, den Gawyn heute get�tet hatte. Sorgf�ltig wischte er das Schwert mit dem blutigen Tuch sauber, das er an den G�rtel gebunden trug.</p><p>Er sah nach Egwene. Vom Sattel aus riss sie scharenweise Trollocs mit der Einen Macht in St�cke. Die Aes Sedai k�mpften nach einem Rotationssystem, bei dem zu jeder Zeit ungef�hr f�nfzig von ihnen im Feld waren. Der Einsatz von so wenigen von ihnen erforderte von den Soldaten, den gr��ten Teil des Kampfes zu schultern, aber die Schwestern kamen zumindest immer ausgeruht auf das Schlachtfeld. Ihre Aufgabe bestand darin, Gruppen der Kreaturen auseinanderzurei�en, die Linien zu zerst�ren und die Soldaten die versprengten �berreste erledigen zu lassen.</p><p>Da die Aes Sedai die Tiermenschen daran hinderten, in soliden Schlachtfeldformationen Aufstellung zu nehmen, war der Kampf zwar aufreibend, aber erfolgreich. Seitdem sie die H�gel hinter sich gelassen hatten, waren sie nicht ein einziges Mal zum R�ckzug gezwungen gewesen und hatten den Vorsto� des Schattengez�chts eine ganze Woche lang aufgehalten.</p><p>Silviana sa� neben Egwene auf einem Wallach und gab sich alle M�he, den Feind daran zu hindern, zu nahe an sie heranzukommen. Das Gel�nde vor ihnen war v�llig zerst�rt. Silvianas Angriffe hatten es auseinandergerissen und �berall graben�hnliche Vertiefungen hinterlassen. Trotzdem kroch gelegentlich eine Bestie durch den Schlamm und st�rzte sich auf Gawyn.</p><p>Der Beh�ter ersp�hte einen Schatten im vordersten Graben und setzte sich in Bewegung. Dort kauerte ein wolfsz�giger Trolloc. Er knurrte ihn an und hangelte sich nach oben.</p><p>�Wasser flie�t bergab�.</p><p>Die Bestie fiel zur�ck in den Graben, und Gawyn wischte die Klinge an dem blutigen Lumpen ab. F�nf. Nicht �bel f�r eine seiner zweist�ndigen Schichten. Die Aes Sedai konnten die Trollocs oft in Schach halten, und dann wartete er blo� die ganze Zeit an Egwenes Seite. Nat�rlich wurde sie heute von Silviana begleitet�� sie kamen immer paarweise an die Front��, und es h�tte Gawyn nicht �berrascht, wenn die Bewahrerin der Chroniken gelegentlich einen oder zwei durchlie�, damit er etwas zu tun hatte.</p><p>Eine Reihe Explosionen in der N�he lie� ihn innehalten, und er warf einen Blick �ber die Schulter. Ihre Abl�sung war eingetroffen. Gawyn salutierte Sleete mit dem Schwert, als der Mann zusammen mit Piava Sedais Beh�ter seine Position einnahm, um die Gegend zu �berwachen.</p><p>Dann gesellte er sich zu Egwene und Silviana, die das Schlachtfeld verlie�en. Er konnte Egwenes wachsende Ersch�pfung f�hlen. Sie trieb sich viel zu sehr an und bestand darauf, viel zu viele Schichten zu �bernehmen.</p><p>Auf dem niedergetrampelten Gras passierten sie eine Gruppe der Gef�hrten aus Illian, die sich in den Kampf warfen. Gawyn fehlte der n�tige �berblick �ber das Schlachtfeldgeschehen, um zu wissen, wo genau diese Abteilung gebraucht wurde. Mit einem Hauch von Neid blickte er ihnen nach.</p><p>Egwene brauchte ihn, das wusste er. Jetzt sogar noch mehr als je zuvor. In der Nacht schlichen sich Blasse in das Lager, um Aes Sedai mit in Thakan�dar geschmiedeten Klingen zu t�ten. Er bewachte Egwene pers�nlich, wenn sie schlief, und verlie� sich darauf, dass sie ihm die M�digkeit nahm, wenn sie ihn �berw�ltigte. Er schlief dann, wenn sie sich mit dem Saal der Burg besprach.</p><p>Jede Nacht schlief sie in einem anderen Zelt; darauf hatte er bestanden. Gelegentlich �berzeugte er sie davon, nach Mayene zu Reisen und im Palast in einem richtigen Bett zu schlafen. Das hatte sie schon seit mehreren Tagen nicht mehr getan. Sein Argument, dass sie die Gelben und ihre Heilarbeit �berpr�fen musste, trug immer weniger Gewicht. Rosil Sedai hatte die Dinge dort fest im Griff.</p><p>Sie n�herten sich dem Lager. Einige Soldaten verneigten sich, gr��tenteils diejenigen, die zurzeit dienstfrei hatten, w�hrend andere zum Schlachtfeld eilten. Gawyn musterte ein paar von ihnen. Zu jung, zu frisch.</p><p>Andere waren Drachenverschworene, und wer vermochte schon zu sagen, was von denen zu halten war? Unter den Drachenverschworenen befanden sich auch Aiel, was ihm folgerichtig erschien, waren seiner Meinung nach doch alle Aiel im Grunde Drachenverschworene. Allerdings befanden sich in den R�ngen der Drachenverschworenen auch Aes Sedai. Er hielt nicht viel von ihrer Entscheidung.</p><p>Kopfsch�ttelnd ging er weiter. Das Lager war gewaltig, obwohl es kein Mitglied des Trosses enthielt. Wagen brachten t�glich Nahrungsmittel durch Wegetore�� einige davon wurden sogar von diesen unzuverl�ssigen Metallmaschinen aus Cairhien gezogen. Bei der R�ckreise nahmen die Wagen Kleidung zum Flicken, reparaturbed�rftige Waffen und Stiefel mit.</p><p>Das machte dies zu einem sehr effizienten Lager; allerdings war es nicht besonders bev�lkert, da so gut wie jeder viele Stunden auf dem Schlachtfeld k�mpfte. Jeder au�er Gawyn.</p><p>Er wusste, dass er gebraucht wurde und dass seine Arbeit wichtig war, trotzdem konnte er das Gef�hl nicht unterdr�cken, dass seine Talente hier verschwendet wurden. Er war einer der besten Schwertk�mpfer des ganzen Heeres, und er stand jeden Tag zwei Stunden lang auf dem Schlachtfeld und t�tete blo� ein paar Trollocs, die dumm genug waren, zwei Aes Sedai angreifen zu wollen. Im Grunde k�mpfte er nicht gegen sie, sondern erl�ste sie blo� von ihrem Elend.</p><p>Egwene verabschiedete sich mit einem Nicken von Silviana, dann lenkte sie ihr Pferd zum Befehlszelt.</p><p>�Egwene���, sagte er.</p><p>�Ich will nur nach dem Rechten sehen�, erwiderte sie ruhig. �Elayne sollte neue Befehle �bermittelt haben.�</p><p>�Du brauchst Schlaf.�</p><p>�Anscheinend ist das im Moment alles, was ich brauche. Schlaf.�</p><p>�Wenn du auf dem Schlachtfeld k�mpfst, ersetzt du leicht tausend Soldaten�, sagte Gawyn. �W�ren jeden Tag zweiundzwanzig Stunden Schlaf erforderlich, um dich in Form zu halten, damit du die M�nner zwei Stunden lang besch�tzen kannst, dann w�rde ich vorschlagen, dass du das tust. Gl�cklicherweise ist das nicht n�tig�� es ist aber auch nicht n�tig, dass du dich so verbissen antreibst, wie du das tust.�</p><p>Der Bund verriet ihm ihren �rger, aber sie unterdr�ckte ihn. �Nat�rlich hast du recht.� Sie warf ihm einen Blick zu. �Und du brauchst gar nicht �berrascht zu sein, dass ich das laut zugebe.�</p><p>�Ich bin nicht �berrascht.�</p><p>�Ich bekomme deine Gef�hle mit, Gawyn.�</p><p>�Da ging es um etwas ganz anderes. Mir fiel nur gerade etwas ein, das Sleete vor ein paar Tagen sagte, einen Scherz, den ich eben erst begriffen habe.� Er sah sie ganz unschuldig an.</p><p>Das brachte ihm endlich ein L�cheln ein. Zwar nur eine Andeutung, aber das reichte. Sie l�chelte wenig in diesen Tagen. So wie alle.</p><p>��brigens�, sagte er, nahm ihre Z�gel und half ihr vom Pferd, als sie das Befehlszelt erreicht hatten, �habe ich nie besonders �ber die Tatsache nachgedacht, dass ein Beh�ter die Drei Eide nat�rlich ignorieren kann. Ich frage mich, wie oft Schwestern das recht n�tzlich fanden?�</p><p>�Ich hoffe, nicht zu oft�, bemerkte Egwene. Eine sehr diplomatische Antwort. Im Zelt schaute Gareth Bryne durch sein mittlerweile gewohntes Wegetor; eine unscheinbare Graue, die Gawyn nicht kannte, hielt es ge�ffnet. Bryne trat an seinen mit Karten �bers�ten Tisch, an dem Siuan Ordnung zu schaffen versuchte. Er machte ein paar Notizen, nickte zufrieden, dann schaute er auf, um zu sehen, wer da gerade eingetreten war.</p><p>�Mutter�, sagte der General und ergriff ihre Hand, um den Ring zu k�ssen.</p><p>�Die Schlacht scheint g�nstig f�r uns zu verlaufen�, meinte Egwene und nickte Siuan zu. �Wir haben uns gut gehalten. Ihr habt Pl�ne f�r einen Vorsto�?�</p><p>�Wir k�nnen hier nicht f�r alle Ewigkeit bleiben, Mutter�, sagte Bryne. �K�nigin Elayne hat mich darum gebeten, einen Vorsto� weiter nach Kandor hinein in Betracht zu ziehen, und ich glaube, das war klug von ihr. Ich mache mir Sorgen, dass sich die Trollocs in die H�gel zur�ckziehen und Stellungen aufbauen. Euch ist aufgefallen, dass sie jede Nacht immer mehr Leichen vom Feld holen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Gawyn f�hlte ihre Unzufriedenheit; es w�re so w�nschenswert gewesen, wenn die Aes Sedai die n�tige Kraft gehabt h�tten, die Trolloc-Kadaver jeden Tag mit der Einen Macht zu verbrennen.</p><p>�Sie sammeln Proviant�, sagte Bryne. �M�glicherweise entscheiden sie sich, nach Osten zu gehen, um uns dann zu umgehen. Wir m�ssen sie hier zum Kampf zwingen, was bedeuten k�nnte, sie in diese H�gel zu treiben. Normalerweise w�rde uns das viele M�nner kosten, aber jetzt��� Er sch�ttelte den Kopf und trat an das Wegetor, um seine Frontlinien zu betrachten. �Eure Aes Sedai dominieren dieses Schlachtfeld, Mutter. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.�</p><p>�Es gibt einen Grund, warum der Schatten alles in seiner Macht Stehende getan hat, um die Wei�e Burg zu vernichten. Er wusste Bescheid. Die Wei�e Burg hat die Macht, diesen Krieg zu beherrschen.�</p><p>�Wir m�ssen auf die Schattenlords aufpassen�, mahnte Siuan und suchte in einigen Papieren herum. Vermutlich Kundschafterberichte, nahm Gawyn an. Obwohl er Siuan Sanches Leben verschont hatte, wusste er nur sehr wenig �ber sie, aber Egwene sprach oft �ber die Gier dieser Frau nach Informationen.</p><p>�Ja�, sagte Egwene. �Sie werden kommen.�</p><p>�Die Schwarze Burg�, sagte Bryne stirnrunzelnd. �Vertraut Ihr den Worten von Lord Mandragoran?�</p><p>�Mit meinem Leben�, sagte Egwene.</p><p>�Asha�man, die f�r den Feind k�mpfen. Warum hat der Wiedergeborene Drache nichts unternommen? Beim Licht, wenn sich alle Asha�man auf die Seite des Schattens schlagen���</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. �Bryne, ich m�chte, dass Ihr Reiter in die N�he der Schwarzen Burg schickt, wo man noch Wegetore erschaffen kann. Sie sollen schnell zu den Schwestern reiten, die noch immer vor der Schwarzen Burg lagern.�</p><p>�Ihr wollt sie angreifen lassen?�, fragte Gawyn erfreut.</p><p>�Nein. Sie sollen sich so weit zur�ckziehen, wie es sein muss, um Wegetore zu weben, und dann sollen sie hier zu uns sto�en. Wir k�nnen uns keine weiteren Verz�gerungen mehr leisten. Ich will sie hier haben.�</p><p>Sie klopfte mit dem Finger auf den Tisch. �Taim und seine Schattenlords <emphasis>werden</emphasis> kommen. Von diesem Schlachtfeld haben sie sich bisher ferngehalten und sich stattdessen auf Lord Mandragoran konzentriert. Damit konnten sie ihr Schlachtfeld so dominieren wie wir hier das unsere. Ich werde weitere Schwestern zum Heer der Grenzl�nder schicken. Irgendwann m�ssen wir uns ihnen entgegenstellen.�</p><p>Gawyn sagte nichts, presste aber die Lippen aufeinander. Weniger Schwestern bedeutete noch mehr Arbeit f�r Egwene und die anderen.</p><p>�Und jetzt�, sagte Egwene, �muss ich��� Sie verstummte, als sie Gawyns Miene sah. �Ich sch�tze, ich muss schlafen. Falls ich gebraucht werde, schickt einen Boten zu�� Licht, ich wei� gar nicht, wo ich heute schlafe. Gawyn?�</p><p>�Ich habe dich in Maerin Sedais Zelt untergebracht. Sie hat jetzt Dienst, also solltest du in Ruhe vier Stunden schlafen k�nnen.�</p><p>�Es sei denn, man braucht mich�, erinnerte Egwene ihn. Sie ging zum Zeltausgang.</p><p>�Nat�rlich�, versicherte ihr Gawyn und folgte ihr, sah aber zu Bryne und Siuan zur�ck und sch�ttelte den Kopf. Bryne l�chelte nickend zur�ck. Auf dem Schlachtfeld gab es nur wenig, das die Aufmerksamkeit der Amyrlin unbedingt erforderte. Der Saal der Burg hatte die Aufsicht �ber ihre diversen Armeen.</p><p>An der frischen Luft seufzte Egwene und schloss die Augen. Er legte den Arm um sie und lie� sie gegen sich sinken. Der Augenblick dauerte nur wenige Sekunden, bevor sie sich zusammenriss, wieder aufrichtete und den Gesichtsausdruck der Amyrlin aufsetzte. <emphasis>Noch so jung,</emphasis> dachte er, <emphasis>und man erwartet so viel von ihr.</emphasis></p><p>Nat�rlich war sie nicht viel j�nger als al�Thor. Gawyn war erfreut und ein bisschen �berrascht, dass der Gedanke an den Mann keinen Zorn in ihm entfachte. Al�Thor w�rde seinen Kampf f�hren. Was dieser Mann machte, ging ihn wirklich nichts mehr an.</p><p>Gawyn f�hrte Egwene zu dem Sektor des Lagers, den die Gr�ne Ajah bewohnte, und mehrere der Beh�ter an der Grenze begr��ten sie mit einem respektvollen Nicken. Maerin Sedai hatte ein gro�es Zelt. Die meisten Aes Sedai durften mitbringen, was sie wollten, vorausgesetzt, sie konnten das daf�r erforderliche Wegetor selbst �ffnen und benutzten ihre eigenen Beh�ter f�r den Transport. Falls das Heer zum schnellen Abr�cken gezwungen sein sollte, w�rde man die Sachen zur�cklassen. Viele Aes Sedai hatten sich entschieden, nur wenige Dinge mitzunehmen, aber andere�� nun, sie waren einfach nicht an primitive Unterbringung gew�hnt. Maerin war eine davon. Nur wenige hatten so viele Sachen mitgebracht wie sie.</p><p>Vor dem Zelt warteten Leilwin und Bayle Domon. Sie hatten Maerin Sedai dar�ber informiert, dass das Zelt gebraucht werden w�rde und sie niemandem verraten durfte, dass Egwene es benutzte. Falls jemand herumfragte, w�rde dieses Geheimnis schnell auffliegen�� sie hatten sich auf dem Hinweg nicht gerade verborgen��, aber es w�rde Aufmerksamkeit erregen, falls sich jemand danach erkundigte, wo die Amyrlin schlief. Das war der beste Schutz, den Gawyn arrangieren konnte, da Egwene nicht dazu bereit war, jeden Tag zum Schlafen zu Reisen.</p><p>Als Egwene Leilwin sah, bekam sie sofort schlechte Laune.</p><p>�Du hast gesagt, du wolltest sie in der N�he haben�, sagte Gawyn leise.</p><p>�Es passt mir nicht, dass sie wei�, wo ich schlafe. Falls ihre Attent�ter tats�chlich im Lager nach mir suchen, k�nnte sie diejenige sein, die sie zu mir f�hrt.�</p><p>Gawyn unterdr�ckte den Instinkt, mit ihr dar�ber zu debattieren. Egwene war eine kluge, durchtriebene Frau�� aber bei allem, was die Seanchaner betraf, zeigte sie sich uneinsichtig. Er hingegen vertraute Leilwin immer mehr. Sie schien zu der Sorte zu geh�ren, die immer geradeheraus handelte.</p><p>�Ich behalte sie im Auge�, versprach er.</p><p>Mit einem Atemzug beruhigte sich Egwene, dann ging sie zu dem Zelt und passierte Leilwin wortlos. Gawyn folgte ihr nicht hinein.</p><p>�Die Amyrlin scheint die Absicht zu haben, mich hier nicht dienen zu lassen�, sagte Leilwin mit diesem typischen lang gezogenen seanchanischen Akzent.</p><p>�Sie vertraut Euch nicht�, sagte Gawyn offen.</p><p>�Gilt denn auf dieser Seite des Ozeans ein Eid so wenig?�, fragte Leilwin. �Ich habe ihr einen Eid geschworen, den niemand brechen w�rde, nicht einmal ein Muyami!�</p><p>�Ein Schattenfreund bricht jeden Eid.�</p><p>Die Frau musterte ihn k�hl. �Langsam glaube ich, dass sie alle Seanchaner f�r Schattenfreunde h�lt.�</p><p>Gawyn zuckte mit den Schultern. �Ihr habt sie geschlagen und gefangen gehalten, habt sie zu einem Tier gemacht, das man an der Leine f�hrt.�</p><p>�Ich war das nicht�, erwiderte Leilwin. �Wenn Euch ein B�cker schimmliges Brot verkauft, nehmt Ihr dann an, dass sie alle Euch vergiften wollen? Bah. Sagt nichts. Das ist sinnlos. Wenn ich ihr nicht dienen kann, dann diene ich eben Euch. Habt Ihr heute schon etwas gegessen, Beh�ter?�</p><p>Gawyn z�gerte. Wann hatte er das letzte Mal gegessen? Heute Morgen�� nein, da war er zu begierig auf den Kampf gewesen. Sein Magen knurrte laut.</p><p>�Ich wei�, dass Ihr sie nicht allein lasst�, sagte Leilwin. �Erst recht nicht, solange eine Seanchanerin in der N�he ist. Komm, Bayle. Holen wir diesem Narren etwas zu Essen, damit er nicht vor Schw�che umkippt, wenn die Attent�ter kommen.� Sie stolzierte los, und ihr h�nenhafter Ehemann aus Illian folgte ihr. Der Bursche warf einen Blick �ber die Schulter, der Leder gegerbt h�tte.</p><p>Gawyn seufzte und setzte sich auf den Boden. Er zog drei schwarze Ringe aus der Tasche; er w�hlte einen aus und steckte die anderen zur�ck.</p><p>Gerede �ber Attent�ter erinnerte ihn stets an diese Ringe, die er den Seanchanern abgenommen hatte, die Egwene <emphasis>tats�chlich</emphasis> hatten umbringen wollen. Die Ringe waren <emphasis>Ter�angreale</emphasis>. Mit ihrer Hilfe hatten sich diese Blutmesser so schnell bewegen und in Schatten verbergen k�nnen.</p><p>Er hielt den Ring ins Licht. Er sah �berhaupt nicht wie ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> aus, jedenfalls keines, das er je zu Gesicht bekommen hatte, aber ein Gegenstand der Macht konnte jede m�gliche Form haben. Die Ringe waren aus irgendeinem ihm unbekannten schweren schwarzen Stein gefertigt. Die Au�enseite war zu Dornen geschnitzt, aber die Innenseite, die die Haut ber�hrte, war v�llig glatt.</p><p>Er drehte den Ring. Er h�tte ihn Egwene geben m�ssen, das war ihm klar. Aber er wusste auch, wie die Wei�e Burg mit <emphasis>Ter�angrealen</emphasis> verfuhr. Sie sperrten die Gegenst�nde weg und f�rchteten sich davor, mit ihnen zu experimentieren. Aber das war die Letzte Schlacht. Falls es je einen Zeitpunkt gegeben hatte, um ein Risiko einzugehen��</p><p><emphasis>Du hast dich dazu entschieden, in Egwenes Schatten zu stehen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Du hast dich dazu entschieden, sie zu besch�tzen und das zu tun, was sie von dir verlangt.</emphasis> Sie w�rde diesen Krieg gewinnen, sie und die Aes Sedai. Wollte er jetzt auf sie eifers�chtig sein, so wie er es auf al�Thor gewesen war?</p><p>�Ist es das, wof�r ich es halte?�</p><p>Gawyn riss den Kopf hoch und schloss die Faust um den Ring. Leilwin und Bayle Domon waren im Messezelt gewesen und hatten ihm eine Sch�ssel besorgt. Dem Geruch nach zu urteilen, war es wieder Gersteneintopf. Die K�che benutzten so viel Pfeffer, dass es fast schon Brechreiz hervorrief. Gawyn vermutete, dass sie das nur taten, weil die schwarzen K�rner die St�cke der mitgekochten Getreidek�fer tarnten.</p><p><emphasis>Ich kann nicht so tun, als t�te ich etwas Verd�chtiges,</emphasis> war sein erster Gedanke. <emphasis>Ich darf sie nicht zu Egwene gehen lassen.</emphasis></p><p>�Das hier?�, fragte er und hielt den Ring hoch. �Das ist einer der Ringe, die wir den seanchanischen Attent�tern abnahmen, die Egwene t�ten wollten. Wir halten sie f�r irgendeine Art von <emphasis>Ter�angreal</emphasis>, aber in der Wei�en Burg sind sie unbekannt.�</p><p>Leilwin zischte leise. �Sie werden allein von der Kaiserin verteilt, m�ge sie��� Sie unterbrach sich m�hsam und holte tief Luft. �Nur ein zum Blutmesser Ernannter, der sein Leben der Kaiserin geweiht hat, darf so einen Ring tragen. Ihn an Euren Finger zu stecken w�re schrecklich falsch.�</p><p>�Gl�cklicherweise trage ich ihn ja nicht�, erwiderte Gawyn.</p><p>�Die Ringe sind gef�hrlich. Ich wei� nicht viel �ber sie, aber angeblich t�ten sie ihre Tr�ger. Bringt den Ring blo� nicht mit Eurem Blut in Kontakt, denn auf diese Weise werden sie aktiviert, und das k�nnte t�dlich sein, Beh�ter.� Leilwin gab ihm den Eintopf und ging.</p><p>Domon folgte ihr nicht. Der Illianer kratzte sich an seinem kurzen Bart. �Sie sein nicht immer die anschmiegsamste aller Frauen, meine Ehefrau�, sagte er zu Gawyn. �Aber sie sein stark und weise. Ihr t�tet gut daran, auf sie zu h�ren.�</p><p>Gawyn steckte den Ring ein. �Erstens w�rde Egwene mir niemals erlauben, ihn zu tragen.� Das war die Wahrheit. Falls sie dar�ber Bescheid gewusst h�tte. �Sagt Eurer Frau, dass ich die Warnung zu sch�tzen wei�. Ich sollte Euch aber warnen, dass das Thema Attent�ter noch immer ein ganz besonders wunder Punkt f�r die Amyrlin ist. Ich schlage vor, Ihr meidet das Thema Blutmesser oder ihre <emphasis>Ter�angreale</emphasis>.�</p><p>Domon nickte und ging hinter Leilwin her. Gawyn versp�rte nur einen kleinen Stich der Scham �ber die T�uschung. Er hatte nicht gelogen. Er hatte blo� nicht gewollt, dass Egwene unbehagliche Fragen stellte.</p><p>Dieser Ring und seine Gef�hrten repr�sentierten etwas. Sie waren nicht der Weg des Beh�ters. An Egwenes Seite zu stehen und auf m�gliche Gefahren f�r sie aufzupassen�� das war der Weg des Beh�ters. Indem er ihr diente, w�rde er einen Unterschied auf dem Schlachtfeld machen, und nicht, indem er wie ein Held ins Get�mmel ritt.</p><p>W�hrend er seinen Eintopf a�, versicherte er sich das immer wieder. Als er fertig war, hatte er sich fast davon �berzeugt.</p><p>Trotzdem erz�hlte er Egwene nichts von den Ringen.</p><empty-line/><p>Rand erinnerte sich an das erste Mal, als er einen Trolloc gesehen hatte. Nicht bei dem Angriff auf ihren Bauernhof in den Zwei Fl�ssen. Das wirklich erste Mal, dass er sie gesehen hatte. Irgendwann im letzten Zeitalter.</p><p><emphasis>Es wird eine Zeit kommen, in der sie nicht l�nger existieren,</emphasis> dachte er, webte Feuer und Luft und erschuf eine explosive Flammenmauer, die mitten in einem Rudel Trollocs brausend zum Leben erwachte. In der N�he hoben M�nner von Perrins Wolfsgarde dankbar ihre Waffen. Rand nickte zur�ck. Bei diesem Kampf trug er f�r den Augenblick das Gesicht von Jur Grady.</p><p>Einst hatten keine Trollocs das Land heimgesucht. Diesen Zustand konnten sie wieder erreichen. Wenn er den Dunklen K�nig get�tet hatte, w�rde das dann sofort geschehen?</p><p>Die Flammen seiner Feuermauer hatten ihm Schwei� auf die Stirn getrieben. Vorsichtig zog er Kraft aus dem <emphasis>Angreal</emphasis> in Gestalt des fetten Mannes ��er konnte es sich nicht leisten, <emphasis>zu</emphasis> m�chtig zu erscheinen�� und zerschmetterte hier auf dem Schlachtfeld direkt westlich vom Alguenya eine andere Gruppe Tiermenschen. Elaynes Streitkr�fte hatten den Erinin und das Gebiet im Osten hinter sich gelassen und warteten darauf, dass die Br�cken �ber den Alguenya fertiggestellt wurden. Sie waren fast vollendet, aber eine Vorhut Trollocs hatte sie eingeholt, und Elaynes Heer hatte sich verschanzen m�ssen, um sie bis zur Fluss�berquerung aufzuhalten.</p><p>Rand half gern. Der echte Jur Grady ruhte sich in einem Lager in Kandor aus, ersch�pft vom Heilen. Ein bequemes Gesicht, das Rand benutzen konnte, ohne die Aufmerksamkeit der Verlorenen zu erregen.</p><p>Die Schreie der brennenden Bestien waren befriedigend. Gegen Ende des Krieges der Macht hatte er diesen Laut geliebt. Er hatte ihm stets das Gef�hl gegeben, etwas Sinnvolles zu tun.</p><p>Als er den Trollocs das erste Mal begegnet war, hatte er nicht gewusst, worum es sich bei ihnen handelte. Nat�rlich hatte er von Aginors Experimenten geh�rt. Lews Therin hatte ihn bei mehr als nur einer Gelegenheit als Verr�ckten bezeichnet. Trotzdem hatte er es nicht richtig verstanden; das hatten so viele von ihnen nicht. Aginor hatte seine Projekte viel zu sehr geliebt. Und Lews Therin hatte f�lschlicherweise angenommen, Aginor w�rde genau wie Semirhage die Folter um ihretwillen genie�en.</p><p>Und dann war das Schattengez�cht gekommen.</p><p>Noch immer brannten die Ungeheuer mit zuckenden Gliedma�en.</p><p>Insgeheim hatte Rand die Bef�rchtung, dass diese <emphasis>Dinger</emphasis> m�glicherweise wiedergeborene Menschen waren. Aginor hatte f�r die Erschaffung der Trollocs und Myrddraal Menschen benutzt. War dies etwa das Schicksal von einigen von ihnen? Als eine derart abartige Sch�pfung wiedergeboren zu werden? Die Vorstellung machte ihn krank.</p><p>Er �berpr�fte den Himmel. Die Wolken hatten angefangen, sich voneinander zu l�sen, wie sie es immer in seiner N�he taten. Er konnte sie zwingen, das nicht zu tun, aber�� Nein. Menschen brauchten das Licht, und er konnte ohnehin nicht zu lange hier k�mpfen, denn sonst w�rde es offensichtlich werden, dass einer der Asha�man viel zu stark f�r das Gesicht war, das er der Welt zeigte.</p><p>Rand lie� das Licht durch.</p><p>Auf dem ganzen Schlachtfeld am Fluss schauten Menschen zum Himmel, als Sonnenlicht auf sie fiel und die dunklen Wolken zur�ckwichen.</p><p><emphasis>Schluss mit dem Versteckspiel,</emphasis> dachte Rand. Er lie� die Spiegelmaske fallen und hob die geballte Faust �ber den Kopf. Er webte Luft, Feuer und Wasser und erschuf eine Lichts�ule, die von ihm hoch in den Himmel stieg. Auf dem ganzen Schlachtfeld jubelten Soldaten.</p><p>Er w�rde nicht auf die Fallen warten, die der Dunkle K�nig f�r ihn bereithielt. Durch ein Wegetor trat er zur�ck nach Merrilor. Er blieb nie lange an der Front, zeigte sich aber immer, bevor er ging. Er lie� die Wolkendecke aufbrechen und bewies damit, dass er da gewesen war, dann zog er sich zur�ck.</p><p>Min erwartete ihn auf dem Reisegel�nde. Er warf noch einen Blick zur�ck auf das sich schlie�ende Tor, und die Leute k�mpften ohne ihn weiter. Min legte eine Hand auf seinen Arm. Seine Leibgarde aus T�chtern wartete hier; widerstrebend lie�en sie ihn allein k�mpfen, weil sie wussten, dass ihre Anwesenheit ihn verraten w�rde.</p><p>�Du siehst traurig aus�, sagte Min leise.</p><p>Irgendwo aus dem Norden wehte eine hei�e Brise. In der N�he stehende Soldaten salutierten ihm. Haupts�chlich hatte er Domani, Tairener und Aiel hier. Die von Rodel Ituralde und K�nig Darlin angef�hrte Angriffstruppe w�rde versuchen, das Tal von Thakan�dar zu halten, w�hrend er mit dem Dunklen K�nig rang.</p><p>Es war fast so weit. Der Schatten hatte ihn an allen Fronten k�mpfen gesehen. Nacheinander hatte er sich Lan, Egwene und Elayne angeschlossen. Mittlerweile hatte der Schatten den gr��ten Teil seiner Heere im S�den in den Kampf geschickt. Nun war f�r Rand der Augenblick gekommen, am Shayol Ghul zuzuschlagen.</p><p>Er sah Min an. �Moiraine h�lt mich f�r verr�ckt, dass ich diese Angriffe durchf�hre. Sie sagt, dass selbst ein geringes Risiko den m�glichen Erfolg nicht wert ist.�</p><p>�Vermutlich hat sie da recht�, sagte Min. �Das hat sie oft. Aber ich habe dich lieber als den Menschen, der das tut. <emphasis>Das</emphasis> ist der Mensch, der den Dunklen K�nig besiegen kann, ein Mensch, der nicht herumsitzt und plant, w�hrend andere sterben.�</p><p>Rand legte den Arm um ihre Taille. Beim Licht, was h�tte er blo� ohne sie gemacht? <emphasis>Ich w�re abgest�rzt,</emphasis> dachte er. <emphasis>W�hrend der dunklen Monate�� Ich w�re auf jeden Fall abgest�rzt.</emphasis></p><p>�ber Mins Schulter sah er eine grauhaarige Frau n�her kommen. Hinter ihr blieb eine kleinere Gestalt in Blau stehen und wandte sich betont in die andere Richtung. Cadsuane und Moiraine gingen sich im Lager sichtlich aus dem Weg. Er glaubte sogar ein finsteres Funkeln in Moiraines Blick erkannt zu haben, als ihr klar wurde, dass Cadsuane ihn zuerst gesehen hatte.</p><p>Cadsuane trat zu ihnen, dann ging sie um ihn herum und musterte ihn von oben bis unten. Dabei nickte sie ein paarmal.</p><p>�Versucht Ihr Euch zu entscheiden, ob ich der Aufgabe gewachsen bin?�, fragte Rand und hielt seine Stimme frei von jeden Gef�hlen�� in diesem Fall Verstimmung.</p><p>�Das habe ich mich nie gefragt�, erwiderte Cadsuane. �Selbst vor Eurer Wiedergeburt habe ich mich nie gefragt, ob ich Euch zu dem Mann machen kann, der Ihr sein m�sst. Dar�ber nachzugr�beln ist etwas f�r Narren. Seid Ihr ein Narr, Rand al�Thor?�</p><p>�Eine unm�gliche Frage�, mischte sich Min ein. �Wenn er zugibt, dass er einer ist, dann macht er sich damit zum Narren. Bestreitet er es, dann deutet er damit an, dass er nicht l�nger nach Weisheit sucht.�</p><p>�Pff. Kind, Ihr lest zu viel.� Als Cadsuane das sagte, klang es durchaus Min zugetan. Sie wandte sich Rand zu. �Ich hoffe doch sehr, Ihr gebt ihr etwas H�bsches.�</p><p>�Was meint Ihr?�, fragte er.</p><p>�Ihr macht den Leuten als Vorbereitung auf den Tod Geschenke. Das tun alte Leute oft oder auch M�nner, die in eine Schlacht ziehen, die sie nicht gewinnen wollen. Ein Schwert f�r Euren Vater, ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> f�r die K�nigin von Andor, eine Krone f�r Lan Mandragoran, Schmuck f�r das Aiel-M�dchen und f�r sie hier.� Mit dem Kopf deutete sie auf Min.</p><p>Rand versteifte sich. Irgendwie war ihm schon klar gewesen, was er da tat, aber es von ihr auf diese Weise erkl�rt zu bekommen war befremdlich.</p><p>Mins Gesicht verfinsterte sich. Ihr Griff wurde fester.</p><p>�Begleitet mich�, sagte Cadsuane. �Nur Ihr und ich, Lord Drache.� Sie sah ihn an. �Wenn Ihr so freundlich w�rt.�</p><p>Min schaute zu ihm hoch, aber er klopfte ihr auf die Schulter und nickte. �Wir sehen uns im Zelt.�</p><p>Sie seufzte, aber dann tat sie ihm den Gefallen. Cadsuane war bereits weitergegangen. Er musste ein paar Schritte laufen, um sie einzuholen. Vermutlich gefiel ihr das.</p><p>�Eure Verz�gerungen beunruhigen Moiraine Sedai�, sagte sie.</p><p>�Und wie ist Eure Meinung dazu?�</p><p>�Sie hat nicht ganz unrecht. Allerdings finde ich Euren Plan nicht v�llig idiotisch. Aber Ihr k�nnt die Sache nicht mehr lange hinausz�gern.�</p><p>Es war Absicht gewesen, keinem zu verraten, wann der Angriff auf den Shayol Ghul stattfinden sollte. Er wollte, dass alle dar�ber nachgr�belten. Wenn keiner aus seiner N�he wusste, wann er zuschlug, dann standen die Chancen gut, dass es auch der Dunkle K�nig nicht wusste.</p><p>�Trotzdem bin ich nicht hier, um mit Euch �ber Euer Z�gern zu sprechen�, sagte Cadsuane. �Ich habe den Eindruck, dass Moiraine Sedai Eure�� Erziehung in dieser Angelegenheit gut im Griff hat. Etwas anderes bereitet mir viel gr��ere Sorgen.�</p><p>�Das w�re?�</p><p>�Dass Ihr zu sterben erwartet. Dass Ihr zu viel weggebt. Dass Ihr nicht einmal versucht zu �berleben.�</p><p>Rand holte tief Luft. Hinter ihm befand sich eine Abteilung T�chter. Er passierte die Windsucherinnen in ihrem kleinen Lager, die dicht zusammengedr�ngt um die Schale der Winde herumstanden und etwas diskutierten. Sie sahen ihm und Cadsuane mit gelassenen Mienen entgegen.</p><p>�Lasst mich meinem Schicksal begegnen, Cadsuane�, sagte er dann. �Ich habe den Tod umarmt. Und ich werde ihn annehmen, wenn er kommt.�</p><p>�Das h�re ich gern�, erwiderte sie, �und glaubt ja nicht, nicht einmal eine Sekunde, dass ich Euer Leben nicht f�r die Welt eintauschen w�rde.�</p><p>�Das habt Ihr ja von Anfang an ausgesprochen deutlich gemacht. Also warum jetzt diese Sorge? Dieser Kampf wird mich verschlingen. So muss es sein.�</p><p>�Ihr d�rft nicht von der Voraussetzung ausgehen, dass Ihr sterbt�, sagte Cadsuane streng. �Selbst wenn es so gut wie unausweichlich ist, d�rft Ihr das nicht als vollkommen unausweichlich betrachten.�</p><p>�Elayne sagte so ziemlich das Gleiche.�</p><p>�Dann hat sie zumindest einmal in ihrem Leben weise gesprochen. Ein besserer Durchschnitt, als ich bei einer wie ihr erwartet h�tte.�</p><p>Rand verzichtete darauf, auf diese Bemerkung zu reagieren, und Cadsuane zeigte ein kleines L�cheln. Sie war dar�ber erfreut, wie sehr er sich jetzt unter Kontrolle hatte. Darum stellte sie ihn auf die Probe.</p><p>W�rden diese Pr�fungen denn niemals enden?</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> dachte er. <emphasis>Nicht bis zur letzten. Die, die wirklich z�hlt.</emphasis></p><p>Pl�tzlich blieb Cadsuane stehen, und er folgte notgedrungen ihrem Beispiel. �Habt Ihr auch ein Geschenk f�r mich?�</p><p>�Ich gebe sie nur jenen, an denen mir etwas liegt.�</p><p>Das lie� sie sogar noch breiter l�cheln. �Unsere Beziehung ist nicht immer v�llig reibungslos verlaufen, Rand al�Thor.�</p><p>�So kann man es auch ausdr�cken.�</p><p>�Aber ich muss Euch sagen�, fuhr sie fort, ohne ihn aus den Augen zu lassen, �dass ich erfreut bin. Am Ende ist doch noch etwas Anst�ndiges aus Euch geworden.�</p><p>�Also habe ich Eure Erlaubnis, die Welt zu retten?�</p><p>�Ja.� Sie schaute zum Himmel, wo die dunklen Wolken brodelten. Durch seine Anwesenheit rissen sie auseinander, denn er versuchte sich nicht zu verstecken oder sie zusammenzuhalten.</p><p>�Ja�, wiederholte sie. �Ihr habt meine Erlaubnis. Solange Ihr es bald tut. Die Dunkelheit w�chst.�</p><p>Wie um ihre Worte zu unterstreichen, grollte der Boden. In letzter Zeit geschah dies immer �fter. Das ganze Lager erbebte, und Leute stolperten misstrauisch.</p><p>�Dort werden die Verlorenen sein�, sagte Rand. �Sobald ich eintreffe. Jemand wird ihnen entgegentreten m�ssen. Ich will Aviendha bitten, den Widerstand gegen sie anzuf�hren. Sie k�nnte Eure Hilfe brauchen.�</p><p>Cadsuane nickte. �Ich werde meinen Teil dazu beitragen.�</p><p>�Nehmt Alivia mit. Sie ist stark, aber es bereitet mir Sorgen, sie anderen zuzuteilen. Sie hat kein Gesp�r f�r Grenzen, wie sie es haben sollte.�</p><p>Wieder nickte Cadsuane, und bei dem Ausdruck in ihren Augen fragte er sich, ob sie das nicht schon bereits vorgehabt hatte. �Und die Schwarze Burg?�</p><p>Rand biss die Z�hne zusammen. Die Schwarze Burg war eine Falle. Er wusste, dass es eine Falle war. Taim wollte ihn an einen Ort locken, wo er nicht durch ein Wegetor entkommen konnte.</p><p>�Ich schickte Perrin los, um dort zu helfen.�</p><p>�Und Eure Entschlossenheit, selbst zu gehen?�</p><p><emphasis>Ich muss ihnen helfen. Irgendwie. Ich lie� zu, dass Taim sie um sich schart. Ich kann sie ihm nicht einfach �berlassen��</emphasis></p><p>�Ihr seid Euch noch immer nicht sicher�, sagte Cadsuane ungehalten. �Ihr w�rdet Euch selbst in Gefahr bringen, Ihr w�rdet uns alle in Gefahr bringen, wenn Ihr eine Falle betretet.�</p><p>�Ich���</p><p>�Sie sind frei.� Cadsuane wandte sich von ihm ab und setzte sich in Bewegung. �Taim und seine M�nner sind aus der Schwarzen Burg vertrieben worden.�</p><p>�Was?�, verlangte Rand zu wissen, machte einen gro�en Schritt und nahm ihren Arm.</p><p>�Eure M�nner haben sich selbst befreit�, verk�ndete sie. �Obwohl sie dabei schwere Pr�gel bezogen haben, so wie ich es geh�rt habe. Nur wenige wissen es. M�glicherweise kann K�nigin Elayne sie die n�chste Zeit nicht in der Schlacht einsetzen. Ich kenne keine Einzelheiten.�</p><p>�Sie haben sich selbst befreit?�</p><p>�Ja.�</p><p><emphasis>Sie haben es geschafft. Oder vielmehr Perrin hat es geschafft.</emphasis></p><p>Rand frohlockte, aber dann schlug eine Woge der Schuld �ber ihm zusammen. Wie viele waren umgekommen? H�tte er sie retten k�nnen, wenn er selbst gegangen w�re? Schon seit Tagen hatte er von ihrer Zwangslage gewusst, und dennoch hatte er sie sich selbst �berlassen und Moiraines beharrlichem Rat gehorcht, dass das eine Falle war, in die er nicht hineintappen durfte.</p><p>Und jetzt waren sie ihr entkommen.</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte Euch eine Antwort dar�ber entlocken k�nnen, was Ihr dort eigentlich tun wolltet�, sagte Cadsuane. Sie seufzte, dann sch�ttelte sie den Kopf. �Ihr seid innerlich zerrissen, Rand al�Thor, aber Ihr werdet ausreichen m�ssen.�</p><p>Sie lie� ihn stehen und ging.</p><empty-line/><p>�Deepe war ein guter Mann�, sagte Antail. �Er �berlebte den Fall von Maradon. Er stand auf der Mauer, als sie in die Luft flog, aber er �berlebte und k�mpfte weiter. Schlie�lich erwischten ihn die Schattenlords dennoch und schleuderten ihm eine Explosion entgegen, die ihm den Rest gab. Deepe verbrachte seine letzten Augenblicke damit, sie mit Geweben der Macht anzugreifen. Er starb ehrenhaft.�</p><p>Die Malkieri hoben Antail ihre Becher entgegen und salutierten dem Gefallenen. Lan hob ebenfalls den Becher, obwohl er au�erhalb des Kreises um das Feuer herumstand. Er w�nschte sich, Deepe h�tte seinen Befehlen gehorcht. Dann sch�ttelte er den Kopf und trank seinen Wein. Obwohl es Nacht war, blieben seine M�nner abwechselnd wach, um im Fall eines Angriffs sofort kampfbereit zu sein.</p><p>Lan drehte den Becher zwischen zwei Fingern und dachte wieder an Deepe. Er konnte einfach keinen Zorn auf den Mann heraufbeschw�ren. Deepe hatte einen der gef�hrlichsten Machtlenker des Schattens t�ten wollen. Lan vermochte nicht zu sagen, ob er eine �hnliche Gelegenheit verstreichen lie�e, wenn sie sich ihm b�te.</p><p>Die M�nner hoben ihre Becher f�r andere Gefallene. Das war jeden Abend zur Tradition geworden und hatte sich in s�mtlichen Lagern der Grenzl�nder ausgebreitet. Lan fand es ermutigend, dass die M�nner anfingen, Antail und Narishma als Kameraden zu betrachten. Die Asha�man waren zur�ckhaltend, aber Deepes Tod hatte eine Verbindung zwischen ihnen und den einfachen Soldaten geschmiedet. Jetzt hatten sie alle die Metzgerrechnung bezahlt. Die M�nner hatten Antail trauern gesehen und ihn eingeladen, auf das Wohl des Gefallenen zu trinken.</p><p>Lan verlie� das Feuer und ging durch das Lager, blieb bei den Pferdeseilen stehen, um nach Mandarb zu sehen. Der Hengst hielt sich wacker, auch wenn er eine gro�e Wunde auf der linken Flanke hatte, wo das Fell nie wieder wachsen w�rde; sie schien gut zu verheilen. Die Pferdeknechte sprachen noch immer in ged�mpftem Ton dar�ber, wie das verletzte Pferd nach dem Kampf, der Deepe das Leben gekostet hatte, aus der Nacht erschienen war. Nur sehr wenige Pferde waren den Trollocs entkommen und hatten es ins Lager zur�ckgeschafft.</p><p>Lan t�tschelte Mandarbs Hals. �Bald ruhen wir uns aus, alter Freund�, sagte er leise. �Ich verspreche es.�</p><p>Mandarb schnaubte in der Dunkelheit, und in der N�he wieherten mehrere Pferde leise.</p><p>�Wir schaffen es nach Hause�, sagte Lan. �Der Schatten wird besiegt, Nynaeve und ich werden Malkier f�r uns beanspruchen. Wir bringen die Felder wieder zum Bl�hen, reinigen die Seen. Gr�ne Weiden. Keine Trollocs mehr, die man t�ten muss. Kinder werden auf deinem R�cken reiten, alter Freund. Du kannst deine Tage in Frieden verbringen, �pfel essen und dir Stuten aussuchen.�</p><p>Es war sehr lange her, dass Lan auch nur mit so etwas �hnlichem wie Hoffnung an die Zukunft hatte denken k�nnen. Schon seltsam, sie jetzt zu finden, an diesem Ort, in diesem Krieg. Er war ein harter Mann. Manchmal hatte er das Gef�hl, mehr mit den Felsen und dem Sand gemein zu haben als mit den M�nnern, die am Feuer gemeinsam lachten.</p><p>Dazu hatte er sich selbst gemacht. Das war der einsame K�mpfer, der er sein musste, der eines Tages nach Malkier reiten und die Familienehre aufrechterhalten konnte. Rand al�Thor hatte angefangen, diese Schale zu knacken, danach hatte Nynaeves Liebe sie v�llig zerst�rt.</p><p><emphasis>Ich frage mich, ob Rand es je gewusst hat,</emphasis> dachte Lan, zog einen Striegel hervor und fing an, Mandarbs Fell zu b�rsten. Er wusste, wie das war, von Kindheit an dazu bestimmt zu sein, f�r eine Sache zu sterben. Er wusste, wie es war, die Richtung der F�ule gezeigt und gesagt zu bekommen, dass er dort sein Leben opfern w�rde. Beim Licht, das wusste er. Vermutlich w�rde Rand al�Thor niemals erfahren, wie �hnlich sie sich doch waren.</p><p>Obwohl er v�llig ersch�pft war, striegelte er Mandarb eine Weile. Nynaeve h�tte ihm befohlen zu schlafen. Im Kopf spielte er diese Unterhaltung durch und gestattete sich ein L�cheln. Sie h�tte gewonnen und erkl�rt, dass ein General seinen Schlaf brauchte und es genug Pferdeknechte gab, die sich um die Tiere k�mmern konnten.</p><p>Aber Nynaeve war nicht da. Er arbeitete weiter.</p><p>Jemand n�herte sich den Pferdeseilen. Nat�rlich h�rte er die Schritte lange, bevor derjenige eintraf. Lord Baldhere holte sich aus dem Posten der Knechte eine B�rste, nickte einem der dort stationierten W�chter zu und ging dann zu seinem eigenen Pferd. Erst da bemerkte er Lan.</p><p>�Lord Mandragoran?�</p><p>�Lord Baldhere.� Lan nickte dem Kandori zu. K�nigin Ethenielles Schwerttr�ger war schlank und hatte wei�e Str�hnen in dem ansonsten schwarzen Haar. Auch wenn er nicht zu den Gro�en Hauptm�nnern z�hlte, war er ein ausgezeichneter Kommandant und hatte Kandor seit dem Tod seines K�nigs gut gedient. Viele waren davon ausgegangen, dass die K�nigin ihn heiraten w�rde. Das war nat�rlich v�llig albern gewesen; Ethenielle betrachtete ihn wie einen Bruder. Au�erdem h�tte jeder, der genau hinsah, wissen m�ssen, dass Baldhere offensichtlich M�nner Frauen vorzog.</p><p>�Es tut mir leid, Euch zu st�ren, Dai Shan�, sagte Baldhere. �Ich habe nicht gewusst, dass sonst noch jemand hier ist.� Er machte Anstalten zu gehen.</p><p>�Ich bin fast fertig�, sagte Lan. �Lasst Euch von mir nicht st�ren.�</p><p>�Die Knechte leisten gute Arbeit�, sagte Baldhere. �Ich bin nicht hier, um sie zu �berpr�fen. Aber manchmal hilft mir etwas Einfaches und Vertrautes zu tun beim Denken.�</p><p>�Ihr seid keineswegs der Einzige, dem das aufgefallen ist�, sagte Lan und striegelte Mandarb weiter.</p><p>Baldhere kicherte, dann schwieg er eine Weile. Schlie�lich sagte er: �Dai Shan, seid Ihr wegen Lord Agelmar besorgt?�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Ich mache mir Sorgen, dass er sich zu sehr antreibt�, sagte Baldhere. �Manche seiner Entscheidungen�� sie verbl�ffen mich. Es ist nicht die Rede davon, dass seine taktischen Entscheidungen <emphasis>schlecht</emphasis> sind. Sie erscheinen mir blo� als zu aggressiv.�</p><p>�Es herrscht Krieg. Ich w�sste nicht, dass man zu aggressiv sein k�nnte, wenn man seinen Feind besiegen will.�</p><p>Eine Weile schwieg Baldhere. �Nat�rlich. Aber ist Euch der Verlust von Lord Yokatas beiden Kavallerieschwadronen bekannt?�</p><p>�Das war ungl�cklich, aber Fehler passieren nun einmal.�</p><p>�So ein Fehler h�tte Lord Agelmar nicht passieren d�rfen. Er war schon zuvor in �hnlichen Situationen, Dai Shan. Er h�tte das sehen m�ssen.�</p><p>Das war k�rzlich w�hrend eines Sturmangriffs auf die Trollocs geschehen. Die Asha�man hatten Fal Eisen und die umliegende Gegend in Brand gesteckt. Yokata hatte laut Agelmars Befehl seine Kavallerie um einen gro�en H�gel herumgef�hrt, um die rechte Flanke des feindlichen Heeres anzugreifen, das auf die Asha�man vorr�ckte. In einem klassischen Zangenman�ver wollte Agelmar weitere Kavallerie gegen die linke Flanke des Angreifers schicken, und die Asha�man sollten umdrehen und die Tiermenschen direkt von vorn angehen.</p><p>Aber die Befehlshaber des Schattens hatten das Man�ver durchschaut. Bevor Agelmar und die Asha�man reagieren konnten, war eine zahlenm��ig gro�e Kompanie Trollocs �ber den H�gel gekommen, um Yokatas rechte Flanke anzugreifen, w�hrend der Rest seine Kavallerie frontal in ein Gefecht verwickelte.</p><p>Die Kavallerie war bis zum letzten Mann get�tet worden. Sofort danach hatten sich die Trollocs auf die Asha�man gest�rzt, die sich nur m�hsam hatten retten k�nnen.</p><p>�Er ist ersch�pft, Dai Shan�, sagte Baldhere. �Ich kenne ihn. W�re er frisch und ausgeruht, h�tte er so einen Fehler niemals gemacht.�</p><p>�Baldhere, das h�tte jedem passieren k�nnen.�</p><p>�Lord Agelmar ist einer der Gro�en Hauptm�nner. Er sollte die Schlacht aus einem anderen Blickpunkt sehen als gew�hnliche M�nner.�</p><p>�Seid Ihr Euch sicher, dass Ihr nicht einfach zu viel von ihm erwartet?�, fragte Lan. �Agelmar ist auch nur ein Mensch. Am Ende des Tages sind wir das alle.�</p><p>�Ich�� Vielleicht habt Ihr recht�, erwiderte Baldhere und legte die Hand auf das Schwert, als w�re er besorgt. Nat�rlich trug er nicht die Waffe der K�nigin�� das tat er nur, wenn er in ihrem Namen handelte. �Vermutlich ist das blo� so ein Gef�hl, Lan. Agelmar scheint so oft m�de zu sein, und ich sorge mich, dass es seine Planung beeinflusst. Bitte passt einfach auf ihn auf.�</p><p>�Das werde ich�, erwiderte Lan.</p><p>�Danke�, sagte Baldhere. Er erschien jetzt weniger besorgt als zuvor.</p><p>Lan klopfte Mandarb ein letztes Mal auf den Hals, �berlie� Baldhere seinem Pferd und ging durch das Lager zum Befehlszelt. Er trat ein; das Zelt war gut beleuchtet und auch gut besch�tzt, allerdings durften die wachhabenden Soldaten die Schlachtpl�ne nicht sehen.</p><p>Lan ging um die aufgeh�ngten Kleidungsst�cke herum, die den Eingang versperrten, und nickte den beiden shienarischen Kommandanten zu, die Agelmar zugeteilt waren und sich um diesen abgeschirmten Ort k�mmerten. Einer von ihnen studierte die Karten, die auf dem Boden ausgebreitet lagen. Agelmar selbst war nicht anwesend. Ein Anf�hrer musste irgendwann mal schlafen.</p><p>Lan ging in die Hocke und betrachtete die Karte. Nach dem morgigen R�ckzug w�rden sie anscheinend einen Ort namens Blutquelle erreicht haben, der nach den Steinen benannt war, die dort das Flusswasser rot zu f�rben schienen. Bei Blutquelle w�rden sie wegen der angrenzenden H�gel einen leichten H�henvorteil haben, und Agelmar wollte gemeinsam mit Bogensch�tzen und Kavallerie eine Offensive gegen die Tiermenschen starten. Und nat�rlich w�rde man weiteres Land anz�nden.</p><p>Lan lie� sich auf ein Knie herab und sah Agelmars Notizen durch, wer wo k�mpfen w�rde und wie er die Angriffe teilen wollte. Es war ein ehrgeiziger Plan, aber Lan sah da nichts besonders Beunruhigendes.</p><p>W�hrend er alles durchsah, raschelte der Zelteingang, und Agelmar trat ein, in ein leises Gespr�ch mit Lady Ells von Saldaea vertieft. Als er Lan entdeckte, entschuldigte er sich bei ihr und kam her�ber.</p><p>Agelmar machte keinen ersch�pften Eindruck und ging auch nicht in sich zusammengesunken, aber Lan hatte gelernt, am vorgespielten �u�eren Erscheinungsbild eines Mannes vorbeizuschauen. Ger�tete Augen. Der Atem roch leicht nach Flachwurzel, einem Kraut zum Kauen, das den Verstand scharf hielt, wenn man zu lange auf den Beinen war. Agelmar war m�de�� aber das war jeder im Lager.</p><p>�Seid Ihr mit dem einverstanden, was Ihr dort seht, Dai Shan?�, fragte Agelmar und kniete sich hin.</p><p>�F�r einen R�ckzug ist es sehr angriffslustig.�</p><p>�K�nnen wir uns eine andere Einstellung leisten? Wir lassen eine Schneise verbrannten Landes hinter uns, was Shienar beinahe so sicher vernichtet, als h�tte es der Schatten selbst getan. Ich werde diese Asche mit Trolloc-Blut l�schen.�</p><p>Lan nickte.</p><p>�Baldhere hat mit Euch gesprochen?�</p><p>Lan blickte scharf auf.</p><p>Agelmar l�chelte matt. �Ich nehme an, es ging um den Verlust von Yokata und seinen M�nnern?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das war mit Sicherheit ein Fehler. Ich habe mich schon gefragt, ob mich jemand darauf anspricht. Baldhere geh�rt zu den wenigen, die schlau genug sind, ihn zu erkennen.�</p><p>�Er glaubt, Ihr treibt Euch zu verbissen an.�</p><p>�Er ist geschickt in taktischen Dingen�, meinte Agelmar, �aber er wei� l�ngst nicht so viel, wie er glaubt. Ihn treiben all diese Geschichten �ber die Gro�en Hauptm�nner um. Ich bin nicht fehlerlos, Dai Shan. Das wird nicht mein einziger Fehler bleiben. Ich werde mich um sie k�mmern, wie ich mich um den hier gek�mmert habe, und aus ihnen lernen.�</p><p>�Vielleicht sollten wir trotzdem daf�r sorgen, dass Ihr mehr Schlaf bekommt.�</p><p>�Ich bin v�llig in Ordnung, Lord Mandragoran. Ich kenne meine Grenzen; mein ganzes Leben habe ich damit verbracht, sie kennenzulernen. Diese Schlacht wird mir das �u�erste abverlangen, und das muss ich zulassen.�</p><p>�Aber���</p><p>�L�st mich von meinem Posten ab oder lasst mich machen�, unterbrach Agelmar ihn. �Ich h�re auf jeden Rat, weil ich kein Narr bin, aber ich lasse mich nicht im Nachhinein kritisieren.�</p><p>�Also gut�, sagte Lan und erhob sich. �Ich vertraue Eurer Weisheit.�</p><p>Agelmar nickte und richtete den Blick wieder auf seine Karten. Er studierte sie noch immer, als Lan schlie�lich ging, um etwas zu schlafen.</p></section><section><title><p>19</p><p>Die Wahl einer Augenklappe</p></title><p>Elayne fand Bashere am Ostufer des Flusses, wo er auf und ab ging.</p><p>Flussufer geh�rten zu den wenigen Orten, die ihr noch immer lebendig vorkamen. In diesen Tagen war so vieles leblos, B�ume, die keine Bl�tter wachsen lie�en, Gras, das nicht spross, Tiere, die sich in ihrem Bau verkrochen und nicht herauskamen.</p><p>Die Fl�sse flossen weiter. Das lie� immerhin auf eine gewisse Art von Leben schlie�en, auch wenn der Pflanzenwuchs schlimm aussah.</p><p>Der Alguenya geh�rte zu diesen m�chtigen Str�men, die aus der Ferne so t�uschend friedlich aussahen, aber eine Frau unter ihre Oberfl�che rei�en und ertr�nken konnten. Sie erinnerte sich daran, wie Bryne das bei einem Jagdausflug entlang seines Ufers einmal Gawyn ganz genau erkl�rt hatte. Seine Worte waren auch f�r sie bestimmt gewesen. Vielleicht sogar in erster Linie, obwohl er immer sorgf�ltig darauf geachtet hatte, bei der Tochter-Erbin seine Stellung nicht zu �berschreiten.</p><p><emphasis>Passt auf die Str�mungen auf,</emphasis> hatte er gesagt. <emphasis>Flussstr�mungen geh�ren zu den gef�hrlichsten Dingen unter dem Licht, aber nur, weil man sie untersch�tzt. Die Oberfl�che sieht ganz still aus, weil nichts gegen sie ank�mpft. Das will auch niemand. Die Fische schwimmen darunter, und M�nner halten sich von ihr fern, einmal abgesehen von den Narren, die glauben, sich selbst beweisen zu m�ssen.</emphasis></p><p>Elayne stieg hinunter zum steinigen Ufer und ging auf Bashere zu. Ihre Leibwache blieb zur�ck�� Birgitte war nicht bei ihnen. Sie k�mmerte sich um die Kompanien der Bogensch�tzen, die einige Meilen flussabw�rts flei�ig damit besch�ftigt waren, auf die Trollocs zu schie�en, die zur Fluss�berquerung ihre Fl��e bauten. Birgittes Bogensch�tzen und Talmanes� Drachen setzten den Trollocs heftig zu, trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, bevor das riesige Feindesheer �ber den Alguenya str�men w�rde.</p><p>In der Woche zuvor hatte Elayne ihre Streitkr�fte aus Andor zur�ckgezogen, und sie und Bashere waren mit ihren Fortschritten durchaus zufrieden gewesen. Bis sie die Falle entdeckt hatten.</p><p>�Er ist erstaunlich, nicht wahr?�, fragte sie und trat an Basheres Seite, der am Flussufer stand.</p><p>Der General sah sie an, dann nickte er. �Zu Hause haben wir nichts, das vergleichbar w�re.�</p><p>�Und der Arinelle?�</p><p>�Der wird nicht so gro�, bevor er Saldaea verlassen hat�, sagte er gedankenverloren. �Das hier ist schon beinahe wie ein Ozean, der ein Ufer vom anderen trennt. Die Vorstellung, wie er auf die Aiel gewirkt haben muss, als sie das R�ckgrat der Welt zum ersten Mal �berquerten, l�sst mich l�cheln.�</p><p>Eine Weile schwiegen sie.</p><p>�Wie schlimm ist es?�, fragte Elayne schlie�lich.</p><p>�Schlimm�, erwiderte Bashere. �Ich h�tte es erkennen m�ssen, soll man mich doch zu Asche verbrennen. Ich h�tte es sehen m�ssen.�</p><p>�Ihr k�nnt nicht alles vorausplanen.�</p><p>�Entschuldigt, aber das ist <emphasis>genau</emphasis> das, was ich tun soll.�</p><p>Der Marsch vom Braemwald nach Osten war v�llig nach Plan gelaufen. Nachdem sie die Br�cken �ber den Erinin und den Alguenya verbrannt hatten, hatten sie viele Trollocs bei dem Versuch, ihnen zu folgen, get�tet. Elayne befand sich nun auf der Stra�e, die flussaufw�rts nach Cairhien f�hrte. Bashere hatte ihre letzte Konfrontation mit den Tiermenschen in den H�geln an der Stra�e achtzig Meilen s�dlich von Cairhien geplant.</p><p>Der Schatten hatte sie ausman�vriert. Sp�her hatten eine zweite Trolloc-Armee direkt n�rdlich von ihrer derzeitigen Position entdeckt, die nach Osten marschierte und auf die Stadt zuhielt. Um ihre Heere aufzustocken, hatte Elayne dort die Verteidiger abgezogen. Jetzt war Cairhien nur noch mit Fl�chtlingen gef�llt�� und war genauso �berbev�lkert, wie es Caemlyn gewesen war.</p><p>�Wie haben sie es blo� gemacht?�, fragte sie. �Diese Trollocs k�nnen unm�glich vom Tarwin-Pass heruntergekommen sein.�</p><p>�Daf�r war nicht genug Zeit�, stimmte Bashere ihr zu.</p><p>�Ein weiteres Tor der Kurzen Wege?�</p><p>�Vielleicht. Vielleicht auch nicht.�</p><p>�Aber wie dann?�, fragte sie. �Wo kommt diese Armee her?� Die Kreaturen waren fast schon nahe genug heran, um an die Stadttore zu klopfen. Beim Licht!</p><p>�Ich habe den Fehler begangen, wie ein Mensch zu denken�, sagte Bashere. �Ich habe ihre Marschgeschwindigkeit mit einbezogen, aber nicht daran gedacht, wie sehr die Myrddraal sie antreiben k�nnen. Ein dummer Fehler. Die Armee in den W�ldern muss sich geteilt haben, und die eine H�lfte hat dann die nord�stliche Route durch den Wald nach Cairhien genommen. Das ist die einzige Erkl�rung, die ich habe.�</p><p>�Wir sind so schnell marschiert, wie wir konnten�, meinte Elayne. �Wie k�nnen sie uns �berholt haben?� Ihre Heere hatten Wegetore. Sie konnte nicht alles mit ihnen transportieren; um sie lange genug offen zu halten, standen ihr nicht ausreichend Machtlenker zur Verf�gung. Aber sie konnte die Nachschubtransporte, die Verletzten und den Rest des Trosses durch sie bef�rdern. Somit hatten alle die Geschwindigkeit gut ausgebildeter Soldaten.</p><p>�Wir sind so schnell marschiert, wie <emphasis>wir</emphasis> das konnten�, erwiderte Bashere. �Ein menschlicher Befehlshaber h�tte seine Streitkr�fte niemals zu einem so schrecklichen Marsch gezwungen. Sie m�ssen durch ein furchtbares Terrain gekommen sein�� Fl�sse, W�lder, Moore. Licht! So ein Marsch muss sie Tausende gekostet haben, die an Ersch�pfung verendet sind. Die Blassen haben es riskiert, und jetzt haben sie uns in der Zange. Die Stadt k�nnte ebenfalls vernichtet werden.�</p><p>Elayne schwieg. �Ich <emphasis>lasse</emphasis> das nicht zu�, sagte sie schlie�lich. �Nicht noch einmal. Nicht, wenn wir es verhindern k�nnen.�</p><p>�Haben wir denn eine Wahl?�</p><p>�Ja�, sagte Elayne. �Bashere, Ihr seid einer der kl�gsten Strategen, den das Land je gekannt hat. Euch stehen M�glichkeiten zur Verf�gung wie noch keinem Mann zuvor. Die Drachen, die Kusinen, Ogier, die bereit sind, in der Schlacht zu k�mpfen�� Ihr k�nnt das schaffen. Ich wei� es.�</p><p>�Ihr zeigt �berraschend viel Vertrauen f�r jemanden, den Ihr erst kurze Zeit kennt.�</p><p>�Rand vertraut Euch. Er hat Euch sogar w�hrend der dunklen Zeiten vertraut, als er jeden Zweiten in seiner N�he mit Argwohn betrachtete.�</p><p>Bashere erschien beunruhigt. �Es gibt eine M�glichkeit.�</p><p>�Welche?�</p><p>�Wir marschieren und treffen die Trollocs in der N�he von Cairhien so schnell, wie es m�glich ist. Sie sind ersch�pft, sie m�ssen es sein. Wenn wir sie schnell schlagen k�nnen, bevor die Horde aus dem S�den da ist, dann haben wir vielleicht eine Chance. Es wird schwierig sein. Das Nordheer wird vermutlich die Stadt erobern wollen, um sie dann gegen uns zu benutzen, w�hrend das S�dheer eintrifft.�</p><p>�K�nnen wir Wegetore in die Stadt �ffnen und sie halten?�</p><p>�Das bezweifle ich�, meinte Bashere. �Nicht mit unseren ersch�pften Machtlenkern. Davon abgesehen m�ssen wir die Trollocs im Norden <emphasis>vernichten</emphasis> und ihnen nicht blo� standhalten. Wenn wir ihnen Zeit zum Ausruhen lassen, erholen sie sich von ihrem Marsch, vereinigen sich mit den Kreaturen aus dem S�den und rei�en Cairhien mit ihren Schattenlords wie einen �berreifen Apfel auf. Nein, Elayne. Wir m�ssen angreifen und diese n�rdliche Armee ausradieren, solange sie noch schwach ist; nur dann k�nnen wir vielleicht gegen die im S�den standhalten. Versagen wir, zerschmettern uns die beiden von zwei Seiten.�</p><p>�Das ist ein Risiko, das wir eingehen m�ssen�, sagte Elayne. �Schmiedet Eure Pl�ne, Bashere. Wir werden sie in die Tat umsetzen.�</p><empty-line/><p>Egwene betrat <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis>.</p><p>Die Welt der Tr�ume war immer gef�hrlich und unberechenbar gewesen. In der letzten Zeit war das noch schlimmer geworden. Die gro�e Stadt Tear spiegelte sich auf seltsame Weise im Traum wider; die Geb�ude sahen aus, als w�ren sie seit hundert Jahren von St�rmen heimgesucht worden. Die Stadtmauern waren kaum h�her als zehn Fu� und vom Wind oben v�llig glatt geschmirgelt. Die Geb�ude waren abgetragen und hatten nur Fundamente und vereinzelte verwitterte Mauern hinterlassen.</p><p>Von dem Anblick erschreckt, wandte sich Egwene dem Stein zu. Zumindest er stand noch so da wie immer. Hoch, stark und unver�ndert vom Ansturm des Windes. Das tr�stete sie.</p><p>Sie schickte sich in sein Herz. Die Weisen Frauen erwarteten sie bereits. Auch das war tr�stlich. Selbst in dieser Zeit der Ver�nderungen und der St�rme waren sie so stark wie der Stein selbst. Amys, Bair und Melaine warteten auf sie. Sie h�rte einen Teil ihrer Unterhaltung, bevor sie sie bemerkten.</p><p>�Ich sah es genau wie sie�, sagte Bair. �Auch wenn es meine eigenen Nachkommen waren, die mir ihre Augen liehen. Ich glaube, wir alle sehen das, wenn wir jetzt zum dritten Mal zur�ckkehren. Es sollte zur Pflicht gemacht werden.�</p><p>�Drei Besuche?�, fragte Melaine. �Das bringt in der Tat Ver�nderungen. Wir wissen noch immer nicht, ob der zweite Besuch uns die neue oder die alte Version zeigen wird.�</p><p>Sich durchaus bewusst, dass sie lauschte, r�usperte sich Egwene. Die Frauen wandten sich ihr zu und verstummten sofort.</p><p>�Ich wollte keineswegs hereinplatzen�, sagte Egwene, ging an den S�ulen vorbei und gesellte sich zu ihnen.</p><p>�Es ist nichts�, erwiderte Bair. �Wir h�tten unsere Zungen besser im Zaum halten m�ssen. Schlie�lich haben wir Euch eingeladen.�</p><p>�Es ist sch�n, Euch zu sehen, Egwene al�Vere�, sagte Melaine und l�chelte voller Zuneigung. Die Schwangerschaft dieser Frau war so weit fortgeschritten, dass es jeden Tag so weit sein musste. �Den Berichten nach zu urteilen, erringt Eure Armee viel <emphasis>Ji</emphasis>.�</p><p>�Wir schlagen uns gut�, sagte Egwene und setzte sich zusammen mit ihnen auf den Boden. �Ihr werdet Eure eigene Gelegenheit bekommen, Melaine.�</p><p>�Der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> z�gert es hinaus�, sagte Amys. Sie runzelte die Stirn. �Die Speere werden ungeduldig. Wir sollten gegen den Sichtblender ins Feld ziehen.�</p><p>�Er plant gern und trifft seine Vorbereitungen�, erwiderte Egwene. Sie z�gerte. �Ich kann nicht lange bleiben. Ich treffe mich heute noch mit ihm.�</p><p>�Worum geht es?� Bair lehnte sich neugierig vor.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Egwene. �Ich fand einen Brief von ihm auf meinem Zeltboden. Er schrieb, er wollte mich sehen, aber nicht als Drache und Amyrlin. Sondern als alte Freunde.�</p><p>�Sagt ihm, er darf nicht herumtr�deln�, sagte Bair. �Aber es gibt etwas, wor�ber wir mit Euch sprechen m�ssen.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Habt Ihr so etwas schon einmal gesehen?�, sagte Melaine und konzentrierte sich. Pl�tzlich breiteten sich Risse im Boden aus. Die Weise Frau zwang der Welt der Tr�ume ihren Willen auf und erschuf etwas, das sich Egwene ansehen sollte.</p><p>Zuerst war sie verwirrt. Spalten im Fels? Nat�rlich hatte sie schon Spalten in Felsen gesehen. Und da das Land in letzter Zeit so oft von Erdbeben ersch�ttert wurde, gab es sie vermutlich immer h�ufiger.</p><p>Aber diesen Spalten haftete etwas Unverwechselbares an. Egwene beugte sich vor und erkannte, dass sie anscheinend ins <emphasis>Nichts</emphasis> f�hrten. In eine tiefe Finsternis. V�llig unnat�rlich.</p><p>�Was ist das?�, fragte sie.</p><p>�Unsere Leute berichten davon�, sagte Amys leise. �Jene, die in Andor und bei Rand al�Thor sind. Sie erscheinen wie Br�che im Muster selbst. Ein paar Augenblicke bleiben sie so dunkel, dann verblassen sie, und zur�ck bleiben nur ganz normale Felsspalten.�</p><p>�Das ist ein sehr gef�hrliches Zeichen�, sagte Bair. �Wir haben eine von uns in die Grenzlande geschickt, wo Lan Mandragoran k�mpft. Anscheinend kommen diese Risse dort am h�ufigsten vor.�</p><p>�Sie erscheinen �fter, wenn Schattenlords k�mpfen�, sagte Amys. �Wenn sie das als Baalsfeuer bekannte Gewebe benutzen.�</p><p>Egwene starrte in die Finsternis und fr�stelte. �Baalsfeuer schw�cht das Muster. Im Krieg der Macht scheuten schlie�lich selbst die Verlorenen seinen Einsatz, um nicht die Welt selbst aufzul�sen.�</p><p>�Wir m�ssen alle unsere Verb�ndeten dar�ber unterrichten�, sagte Amys. �wir d�rfen dieses Gewebe <emphasis>nicht</emphasis> einsetzen.�</p><p>�Es ist den Aes Sedai sowieso verboten�, erwiderte Egwene. �Aber ich werde allgemein bekannt machen, dass niemand auch nur daran denken soll, dieses Gebot zu brechen.�</p><p>�Das ist weise�, sagte Melaine. �F�r Leute mit so vielen Regeln sind die Aes Sedai meiner Ansicht nach ausgesprochen geschickt darin, sie zu ignorieren, wenn es die Situation erlaubt.�</p><p>�Wir vertrauen unseren Frauen�, sagte Egwene. �Die Eide f�hren sie; davon abgesehen muss sie ihre eigene Weisheit leiten. W�re Moiraine nicht bereit gewesen, diese Regel zu brechen, w�re Perrin tot�� und Mat auch, h�tte Rand diese Regel nicht ignoriert. Aber ich <emphasis>spreche</emphasis> mit den Frauen.�</p><p>Baalsfeuer beunruhigte sie. Nicht, weil es existierte oder was es anrichtete. Es war einzigartig gef�hrlich. Und doch, was hatte Perrin noch einmal zu ihr im Traum gesagt? <emphasis>Es ist doch blo� ein Gewebe��</emphasis></p><p>Es erschien ungerecht, dass der Schatten den Zugang zu einer solchen Waffe haben sollte, die das Muster aufl�sen konnte. Wie sollten sie das bek�mpfen, wie konnten sie die Wirkung umkehren?</p><p>�Das ist nicht der einzige Grund, weshalb wir nach Euch geschickt haben, Egwene al�Vere�, sagte Melaine. �Sind Euch die Ver�nderungen in der Welt der Tr�ume aufgefallen?�</p><p>Egwene nickte. �Der Sturm wird hier immer schlimmer.�</p><p>�In der Zukunft werden wir hier nur noch selten zu Besuch kommen�, verk�ndete Amys. �Wir haben diese Entscheidung getroffen. Und auch wenn wir uns beklagen, der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> bereitet seine Heere f�r den Abmarsch vor. Nicht mehr lange, und wir marschieren zusammen mit ihm zur Festung des Schattens.�</p><p>Egwene nickte langsam. �Also war es das.�</p><p>�Ich bin stolz auf Euch, M�dchen�, sagte Amys. Amys, die immer so hart wie ein Stein war, schien gleich in Tr�nen auszubrechen. Die Frauen standen auf, und Egwene umarmte sie nacheinander.</p><p>�Das Licht besch�tze Euch, Amys, Melaine, Bair�, sagte sie. �Gebt den anderen meine Liebe.�</p><p>�Das wird geschehen, Egwene al�Vere�, sagte Bair. �M�get Ihr Wasser und Schatten finden, jetzt und f�r alle Ewigkeit.�</p><p>Eine nach der anderen verblich aus Tear. Egwene holte tief Luft und schaute nach oben. Das Geb�ude �chzte wie ein Schiff im Sturm. Der Felsen selbst schien sich um sie herumzubewegen.</p><p>Sie hatte diesen Ort geliebt�� nicht den Stein, aber <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis>. Er hatte sie so viel gelehrt. Aber als sie sich vorbereitete, ihn zu verlassen, wusste sie, dass er wie ein Fluss bei einer gef�hrlichen Flut war. So vertraut und geliebt er auch sein mochte, sie konnte sich hier keinen unberechenbaren Risiken aussetzen. Nicht, solange die Wei�e Burg sie brauchte.</p><p>�Auch dir ein Lebewohl, alte Freundin�, sagte sie zu ihrer Umgebung. �Bis ich wieder tr�ume.�</p><p>Sie gestattete sich zu erwachen.</p><p>Wie gew�hnlich wartete Gawyn neben dem Bett. Sie waren wieder in der Burg. Egwene lag vollst�ndig bekleidet in dem Raum neben ihrem Arbeitszimmer. Es war noch nicht Abend, aber sie hatte die Bitte der Weisen Frauen nicht ignorieren wollen.</p><p>�Er ist da�, sagte Gawyn leise und warf einen Blick auf die T�r zum Arbeitszimmer.</p><p>�Dann wollen wir ihn treffen.� Sie erhob sich und gl�ttete ihren Rock. Sie nickte Gawyn zu, dann gingen sie los, um sich mit dem Wiedergeborenen Drachen zu treffen.</p><p>Rand l�chelte, als er sie erblickte. Er war in Begleitung zweier ihr unbekannten T�chter.</p><p>�Worum geht es?�, fragte sie m�de. �Willst du mich davon �berzeugen, die Siegel zu brechen?�</p><p>�Du bist zynisch geworden�, bemerkte Rand.</p><p>�Bei unseren letzten beiden Begegnungen hast du dir absichtlich gro�e M�he gegeben, mich w�tend zu machen�, erwiderte sie. �Sollte ich also nicht damit rechnen?�</p><p>�Ich will dich nicht aufbringen�, sagte Rand. �Sieh her.� Er zog etwas aus der Tasche. Ein Haarband. Er hielt es ihr entgegen. �Du hast es nie erwarten k�nnen, dein Haar zu einem Zopf flechten zu d�rfen.�</p><p>�Also bin ich jetzt ein Kind, willst du das damit sagen?�, fragte Egwene �rgerlich. Gawyn legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.</p><p>�Was? Nein!� Rand seufzte. �Beim Licht, Egwene. Ich will mich entschuldigen. Du bist wie eine Schwester f�r mich; ich hatte nie Geschwister. Oder zumindest kennen mich die, die ich habe, nicht. Ich habe nur dich. Bitte. Ich will dich wirklich nicht �rgern.�</p><p>Einen Augenblick lang erschien er genau wie vor langer Zeit. Ein unschuldiger und ernsthafter Junge. Egwene lie� ihren Zorn dahinschmelzen. �Rand, ich habe viel zu tun. Wir haben beide viel zu tun. Daf�r ist jetzt keine Zeit. Deine Armeen sind ungeduldig.�</p><p>�Ihre Zeit kommt bald�, sagte Rand, und seine Stimme wurde h�rter. �Bevor das hier zu Ende ist, werden sie sich fragen, warum sie es nicht abwarten konnten, und voller Sehnsucht auf diese ruhigen Tage zur�ckblicken.� Er hielt noch immer das Haarband auf der Hand und schloss jetzt die Faust darum. �Ich wollte bloߠ� Ich wollte blo� nicht in meinen Kampf ziehen, solange unsere letzte Begegnung ein Streit war, wenn auch sicherlich ein wichtiger.�</p><p>�Ach, Rand.� Egwene trat vor und nahm das Haarband entgegen. Sie umarmte ihn. Beim Licht, in letzter Zeit war er so schwierig in allem gewesen�� aber das dachte sie gelegentlich auch �ber ihre Eltern. �Ich unterst�tze dich. Das hei�t nicht, dass ich so mit den Siegeln verfahre, wie du es willst, aber ich unterst�tze dich.�</p><p>Sie lie� Rand los. Ihr w�rden nicht die Tr�nen kommen! Selbst wenn es ihr wie ihr letzter Abschied voneinander vorkam.</p><p>�Wartet�, sagte Gawyn. �Geschwister? Ihr habt Geschwister?�</p><p>�Ich bin Tigraines Sohn�, sagte Rand und zuckte mit den Schultern. �Ich kam zur Welt, nachdem sie in die W�ste zog und eine Tochter des Speers wurde.�</p><p>Gawyn erschien v�llig verbl�fft, aber Egwene hatte das schon vor Jahren herausbekommen. �Ihr seid Galads <emphasis>Bruder</emphasis>?�, fragte Gawyn ungl�ubig.</p><p>�Halbbruder�, erwiderte Rand. �Nicht dass das einem Wei�mantel vermutlich viel bedeuten w�rde. Wir hatten dieselbe Mutter. Sein Vater war genau wie Eurer Taringail, aber meiner war ein Aiel.�</p><p>�Ich glaube, Galad w�rde Euch �berraschen�, sagte Gawyn leise. �Aber Elayne���</p><p>�Ich muss Euch nicht Eure eigene Familiengeschichte erkl�ren, aber Elayne ist nicht mit mir verwandt.� Rand wandte sich Egwene zu. �Darf ich sie sehen? Die Siegel. Bevor ich zum Shayol Ghul gehe, w�rde ich sie gern noch ein letztes Mal sehen. Ich verspreche auch, nichts mit ihnen zu machen.�</p><p>Z�gernd fischte sie sie aus der Tasche an ihrem G�rtel, wo sie sie oft trug. Der noch immer v�llig �berrascht aussehende Gawyn trat ans Fenster, stie� es auf und lie� Licht in den Raum. Die Wei�e Burg f�hlte sich immer noch�� verstummt an. Ihre Heere waren abger�ckt, ihre Herren waren in den Krieg gezogen.</p><p>Egwene wickelte das erste Siegel aus und gab es Rand. Sie w�rde sie ihm nicht alle auf einmal geben. Nur f�r alle F�lle. Nat�rlich vertraute sie seinem Wort; schlie�lich handelte es sich hier um Rand, aber�� nur f�r alle F�lle.</p><p>Rand hielt das Siegel in die H�he und starrte es an, als suchte er Weisheit in der Schlangenlinie. �Ich habe sie erschaffen�, fl�sterte er. �Ich habe sie so gemacht, dass sie niemals brechen sollten. Trotzdem wusste ich bei ihrer Sch�pfung, dass sie irgendwann versagen w�rden. Irgendwann zerbricht alles, wenn er es ber�hrt���</p><p>Vorsichtig hielt Egwene ein weiteres Siegel. Sie durfte sie nicht aus Versehen zerbrechen. Sie hatte sie in T�cher gewickelt und die Tasche zus�tzlich mit einem weichen Tuch ausgestopft; sie hatte Angst, sie beim Tragen zu zerbrechen, aber Moiraine hatte behauptet, dass sie sie zerbrechen w�rde.</p><p>Sie hielt das f�r albern, aber die Worte, die sie gelesen hatte, die Dinge, die Moiraine gesagt hatte�� Nun, falls der Augenblick kommen sollte, sie zu zerbrechen, w�rde sie sie bei sich tragen m�ssen. Also nahm sie sie �berallhin mit�� trug den potenziellen Tod der Welt mit sich herum.</p><p>Pl�tzlich wurde Rand so wei� wie ein Laken. �Egwene�, sagte er. �Das t�uscht mich nicht.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>Er sah sie an. �Das ist eine F�lschung. Bitte, das geht schon in Ordnung. Sag mir die Wahrheit. Du hast eine Kopie gemacht und mir gegeben.�</p><p>�Ich tat nichts dergleichen!�</p><p>�Oh�� oh, <emphasis>Licht!</emphasis>� Rand hob das Siegel wieder. �Es ist eine F�lschung.�</p><p>�Was!� Egwene riss es ihm aus der Hand und strich dar�ber. Sie f�hlte nichts Falsches. �Wie kannst du dir da so sicher sein?�</p><p>�Ich erschuf sie�, antwortete Rand. �Ich kenne meine Arbeit. Das ist <emphasis>keines</emphasis> der Siegel. Es ist�� Licht, jemand nahm sie.�</p><p>�Ich hatte sie seit dem Augenblick, an dem du mir sie gabst, bei mir!�, protestierte Egwene.</p><p>�Dann ist es zuvor geschehen�, fl�sterte Rand. �Ich habe sie mir nicht sorgf�ltig angesehen, nachdem ich sie holte. Irgendwie wusste er, wo ich sie verstaut hatte.� Er nahm das andere aus ihrer Hand und sch�ttelte den Kopf. �Das ist auch nicht echt.� Er nahm das dritte. �Das auch nicht.�</p><p>Er sah sie an. �Er hat sie, Egwene. Irgendwie hat er sie zur�ckgestohlen. Der Dunkle K�nig h�lt die Schl�ssel zu seinem eigenen Kerker.�</p><empty-line/><p>Den gr��ten Teil seines Lebens hatte sich Mat gew�nscht, nicht so oft angesehen zu werden. St�ndig behielt man ihn stirnrunzelnd im Auge, weil er angeblich �rger machte�� f�r den er nun wirklich nicht verantwortlich war��, oder man blickte missbilligend, obwohl er v�llig unschuldig war und sich alle M�he gab, freundlich zu sein. Jeder Junge stahl irgendwann mal einen Kuchen. Daran war nichts Schlimmes. Eigentlich wurde das sogar erwartet.</p><p>F�r Mat war der Alltag schwieriger als f�r andere Jungen gewesen. Jeder hatte ihm ganz besonders scharf auf die Finger geschaut, obwohl es daf�r eigentlich keinen Grund gegeben hatte. Perrin h�tte den ganzen Tag lang Kuchen stehlen k�nnen, und man h�tte ihn blo� angel�chelt und ihm vielleicht �ber das Haar gestrichen. Auf ihn ging man gleich mit dem Besen los.</p><p>Betrat er eine Schenke, um zu w�rfeln, zog er die Blicke auf sich. Die Leute beobachteten ihn wie einen Falschspieler ��obwohl er das nie war�� oder voller Neid. Ja, er hatte immer geglaubt, nicht mit Blicken verfolgt zu werden, w�re einfach nur gro�artig. Ein Anlass zum Feiern.</p><p>Jetzt geschah es endlich, und es machte ihn krank.</p><p>�Ihr k�nnt mich ansehen�, protestierte er. �Wirklich. Verflucht, es ist in Ordnung!�</p><p>�Mein Blick w�rde gesenkt�, erwiderte die Dienerin, w�hrend sie auf einem niedrigen Tisch an der Wand Stoff aufschichtete.</p><p>�Euer Blick ist bereits gesenkt! Ihr starrt auf den verdammten Boden, nicht wahr? Ich will, dass Ihr ihn hebt!�</p><p>Die Seanchanerin arbeitete weiter. Sie hatte helle Haut mit Sommersprossen unter den Augen, war ganz ordentlich anzuschauen, obwohl er nun eher einen dunkleren Hautton bevorzugte. Trotzdem h�tte es ihn nicht gest�rt, wenn ihm dieses M�dchen zugel�chelt h�tte. Wie sollte er mit einer Frau sprechen, wenn er sie nicht zum L�cheln bringen konnte?</p><p>Weitere Diener traten mit zu Boden gerichtetem Blick ein; sie trugen ebenfalls Stoffe. Mat befand sich in den R�umen, die offensichtlich �sein� Gemach im Palast darstellten. Es waren viel zu viele, mehr, als er je ben�tigen w�rde. Vielleicht konnten ja Talmanes und ein paar andere M�nner der Bande bei ihm einziehen, damit sich das Gemach nicht so verlassen anf�hlte.</p><p>Er schlenderte zum Fenster. Unten auf dem Mol Hara wurde ein Heer aufgestellt. Es dauerte l�nger, als ihm lieb war. Galgan versammelte die seanchanischen Streitkr�fte von den Grenzen, aber es geschah viel zu langsam. Mat war dem Mann kurz begegnet, und er vertraute ihm nicht, ganz egal, was Tuon dar�ber gesagt hatte, dass seine Attent�ter von vornherein keinen Erfolg haben sollten. Galgan sorgte sich, durch den R�ckzug die Ebene von Almoth zu verlieren.</p><p>Nun, er sollte lieber zuh�ren. Mat hatte ohnehin keinen Grund, diesen Mann zu m�gen, aber wenn er weiterhin alles so verz�gerte��</p><p>�H�chsterlauchter?�, fragte die Dienerin.</p><p>Mat drehte sich um und hob eine Braue. Mehrere <emphasis>Da�covale</emphasis> waren mit dem Rest des Stoffes eingetreten, und unwillk�rlich err�tete er. Sie trugen kaum einen Faden am Leib, und das, was sie trugen, war durchsichtig. Aber er konnte hinsehen, oder nicht? Sie w�rden nicht solche Kleidung tragen, wenn ein Mann da nicht hinsehen sollte. Was w�rde Tuon denken?</p><p><emphasis>Ich bin nicht ihr Besitz,</emphasis> dachte er entschlossen. <emphasis>Ich werde mich nicht wie ein alter Ehemann verhalten.</emphasis></p><p>Die Dienerin mit den Sommersprossen ��sie trug den halben Kopf rasiert, war also eine <emphasis>So�jhin</emphasis>�� deutete auf jemanden, der hinter den <emphasis>Da�covale</emphasis> eingetreten war, eine Frau mittleren Alters mit einem Haarknoten, die ihren Kopf nicht rasiert hatte. Ihre Figur hatte �hnlichkeit mit einer Glocke, und sie hatte etwas Gro�m�tterliches an sich.</p><p>Sie musterte ihn. Endlich wollte ihn jemand ansehen! H�tte sie dabei blo� nicht den Ausdruck von jemandem gezeigt, der ein Pferd auf dem Markt begutachtete.</p><p>�Schwarz f�r seine neue Stellung�, sagte die Frau und klatschte einmal in die H�nde. �Gr�n f�r seine Herkunft. Tiefes Waldgr�n, aber dezent. Jemand soll mir verschiedene Augenklappen bringen, jemand anders verbrennt diesen Hut.�</p><p>�Was?�, rief Mat aus. Diener schw�rmten um ihn herum und zerrten an seiner Kleidung. �Moment mal. Was soll das hier?�</p><p>�Euer neues Ornat, H�chsterlauchter�, erwiderte die Frau. �Ich bin Nata, und ich werde Eure pers�nliche Schneiderin sein.�</p><p>�Meinen Hut verbrennt Ihr nicht�, sagte Mat. �Versucht es, und dann sehen wir mal, ob Ihr aus dem vierten Stock fliegen k�nnt. Habt Ihr mich verstanden?�</p><p>Die Frau z�gerte. �Ja, H�chsterlauchter. Verbrennt seine Kleidung nicht. Bringt sie sicher unter, falls sie gebraucht werden sollte.� Sie schien Zweifel zu haben, dass das je der Fall sein w�rde.</p><p>Mat �ffnete den Mund, um sich weiter zu beschweren, aber da �ffnete einer der <emphasis>Da�covale</emphasis> ein K�stchen. Darin funkelte Schmuck. Rubine, Juwelen, Feuertropfen. Mat stockte der Atem. Dort befand sich ein <emphasis>Verm�gen</emphasis>!</p><p>Er war so verbl�fft, dass er zuerst gar nicht merkte, wie ihn die Diener auszogen. Sie zogen an seinem Hemd, und er lie� sie gew�hren. Obwohl er an seinem Halstuch festhielt, war er nicht schamhaft. Die R�te in seinen Wangen hatte nichts damit zu tun, dass man ihm die Hosen auszog. Er war einfach blo� �ber den Schmuck �berrascht.</p><p>Dann griff einer der jungen <emphasis>Da�covale</emphasis> nach seinem Lendentuch.</p><p>�Ihr w�rdet ohne Finger irgendwie merkw�rdig aussehen�, knurrte Mat.</p><p>Der <emphasis>Da�covale</emphasis> schaute auf�� seine Augen weiteten sich und er wurde blass. Sofort senkte er den Blick wieder und wich sich verbeugend zur�ck. Mat war nicht schamhaft, aber bei der Unterw�sche zog er die Grenze.</p><p>Nata schnalzte mit der Zunge. Ihre Diener fingen an, Mat in feine Stoffe zu h�llen. Schwarz und dunkelgr�n�� so dunkel, dass es eigentlich schon schwarz war. �Wir sollen Euch Ausstattungen f�r die milit�rische Repr�sentation, die Anwesenheit bei Hofe, bei privaten Veranstaltungen und Auftritten in der �ffentlichkeit schneidern. Es���</p><p>�Nein�, widersprach er. �Nur das Milit�r.�</p><p>�Aber���</p><p>�Wir befinden uns mitten in der verdammten Letzten Schlacht, Frau�, sagte er. �Sollten wir das �berleben, k�nnt Ihr mir eine verfluchte Festtagsm�tze schneidern. Bis dahin sind wir im Krieg und ich brauche nichts anderes.�</p><p>Sie nickte.</p><p>Z�gernd stand er mit ausgestreckten Armen da und lie� sich in Stoffe h�llen und seine Ma�e nehmen. Wenn er schon Anreden wie �H�chsterlauchter� oder �Hoheit� ertragen musste, dann konnte er zumindest daf�r sorgen, vern�nftig angezogen zu sein.</p><p>Ehrlich gesagt war er die alte Kleidung leid geworden. Die seanchanische Schneiderin schien keinen gro�en Wert auf Spitze zu legen, was eine Schande war, aber er wollte ihr nicht in ihre Arbeit hineinreden. Schlie�lich konnte er sich nicht �ber jede Kleinigkeit beschweren. Keiner mochte einen N�rgler, er am allerwenigsten.</p><p>W�hrend sie mit den Ma�en besch�ftigt waren, trat ein Diener mit einem kleinen, mit Samt ausgekleideten Kasten ein, der verschiedene Augenklappen enthielt. Mat z�gerte und �berlegte; einige davon waren mit Edelsteinen verziert, andere mit irgendwelchen Mustern.</p><p>�Die da�, sagte er und zeigte auf die schlichteste. Einfaches Schwarz mit nur zwei kleinen, d�nn geschnittenen Rubinen gegen�ber an beiden Seiten. Man passte sie ihm an, w�hrend die anderen Diener mit den Ma�en fertig wurden.</p><p>Als das erledigt war, lie� ihn die Schneiderin von den Dienern einen Anzug anziehen, den sie mitgebracht hatte. Offensichtlich durfte er seine alten Sachen nicht mehr tragen, solange er auf die neuen wartete.</p><p>Es fing eigentlich ganz schlicht an. Ein fein gewebter Seidenmantel. Mat h�tte Hosen bevorzugt, aber der Mantel war bequem. Allerdings kam ein gr��erer, steiferer Mantel dar�ber. Ebenfalls aus Seide, nur dunkelgr�n, und jeder Zoll war mit einem Schn�rkelmuster bestickt. Die �rmel waren gro� genug, um ein Pferd durchzuschieben, und sie f�hlten sich schwer an.</p><p>�Ich hatte doch gesagt, ich will die Kleidung eines Kriegers!�</p><p>�Das ist die zeremonielle Kriegeruniform eines Angeh�rigen der Kaiserfamilie, Hoheit�, sagte Nata. �Viele werden Euch als Au�enseiter betrachten, und auch wenn niemand Eure Loyalit�t infrage stellen w�rde, w�re es f�r unsere Soldaten gut, Euch zuerst als Prinz der Raben und erst dann als Ausl�nder zu sehen. W�rdet Ihr mir da zustimmen?�</p><p>�Vermutlich�, sagte Mat.</p><p>Die Diener machten weiter, schnallten einen verzierten G�rtel um und platzierten in den weiten �rmeln Unterarmreife mit dem gleichen Muster. Das ging schon in Ordnung, da der G�rtel die Kleidung an der Taille zusammenraffte und verhinderte, dass sie sich allzu volumin�s anf�hlte.</p><p>Leider war das n�chste St�ck auch das albernste. Ein steifes, helles St�ck Stoff, das man ihm �ber die Schultern legte. Es schmiegte sich wie ein Waffenrock �ber R�cken und Brust, aber die Seiten blieben offen und breiteten sich �ber einen Fu� weit aus, was ihn �bermenschlich breit erscheinen lie�. Es hatte �hnlichkeit mit den Schulterteilen einer schweren R�stung, nur dass es aus Stoff bestand.</p><p>�Moment mal�, sagte er. �Das ist doch wohl kein Streich, den ihr jemandem spielt, nur weil er neu ist, oder?�</p><p>�Ein Streich, H�chsterlauchter?�, fragte Nata.</p><p>�Ihr k�nnt doch nicht ernsthaft��� Mat verstummte, als jemand an seiner T�r vorbeiging. Der Mann trug ein Gewand, das seinem sehr �hnelte, wenn es auch nicht so verziert und die Schultern nicht ganz so breit waren. Es war keine R�stung der Kaiserfamilie, aber die zeremonielle Kleidung eines Angeh�rigen des Blutes. Dennoch war sie beinahe genauso verschwenderisch.</p><p>Der Mann blieb stehen und verbeugte sich vor Mat, dann ging er weiter.</p><p>�Verdammt�, sagte Mat.</p><p>Nata klatschte in die H�nde, und die Diener beh�ngten Mat mit Edelsteinen. Sie nahmen haupts�chlich Rubine, was ihm Unbehagen bereitete. Das konnte doch nur ein Zufall sein, oder? Er wusste nicht, was er davon halten sollte, diese vielen Edelsteine zu tragen. Vielleicht konnte er sie ja verkaufen. Aber wenn er sie als Spieleinsatz auf den Tisch legte, geh�rte ihm am Ende noch ganz Ebou Dar��</p><p><emphasis>Die Stadt geh�rt Tuon doch schon,</emphasis> wurde ihm pl�tzlich klar. <emphasis>Und ich habe sie geheiratet.</emphasis> Langsam wurde ihm bewusst, dass er reich war. <emphasis>Richtig</emphasis> reich.</p><p>Er sa� da und lie� sich die Fingern�gel lackieren, w�hrend er dar�ber nachdachte, was das alles zu bedeuten hatte. Gut, er brauchte sich schon seit einiger Zeit keine Sorgen mehr �ber Geld zu machen, konnte er doch stets beim Spiel neues gewinnen. Aber das hier war anders. Wenn er bereits alles hatte, warum dann noch darum spielen? Das klang nicht nach viel Spa�. Niemand sollte einem so viel ungefragt geben. Stattdessen sollte man eine M�glichkeit finden, es aus eigener Kraft zu erringen, durch Geistesgegenwart, Gl�ck oder Geschick.</p><p>�Soll man mich doch verbrennen�, murmelte er und senkte die Arme, als man mit dem Lackieren fertig war. �Ich <emphasis>bin</emphasis> ein verdammter Adliger.� Er seufzte, riss einer �berraschten Dienerin, die gerade mit seiner alten Kleidung vorbeiging, den Hut aus der Hand und setzte ihn auf.</p><p>�H�chsterlauchter�, sagte Nata. �Bitte vergebt meine offenen Worte, aber es ist meine Pflicht, Euch zu beraten. Dieser Hut sieht bei dieser Uniform ganz besonders�� unpassend aus.�</p><p>�Wen k�mmert�s�, erwiderte Mat und marschierte aus dem Raum. Fast musste er sich seitlich aus der T�r schieben! �Wenn ich schon albern aussehe, dann kann ich das auch mit Stil machen. Jemand soll mir zeigen, wo sich unsere verfluchten Gener�le treffen. Ich muss wissen, wie viele Soldaten wir haben.�</p></section><section><title><p>20</p><p>Nach Thakan�dar</p></title><p>Sp�ter am Tag ihrer Begegnung mit Rand hielt Egwene Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> vor den K�rper und webte Feuer. F�den strebten vor ihr in der Luft zusammen und bildeten winzige gl�hende Str�me, die sich zu einem komplizierten Gewebe verkn�pften. Beinahe vermochte sie die von ihm ausgehende Hitze zu sp�ren, die ihre Haut wie nach einem schlimmen Sonnenbrand h�tte aussehen lassen.</p><p>Sie vollendete das Gewebe, und ein Feuerball von der Gr��e eines Felsbrockens flog brausend durch die Luft. Wie ein Meteor st�rzte er auf einen H�gel in der Ferne. Die Explosion schleuderte mit Bogen bewaffnete Trollocs auseinander und zerfetzte ihre Kadaver.</p><p>Romanda �ffnete neben ihr ein Wegetor. Sie geh�rte zu den Gelben, die darauf bestanden hatten, auf dem Schlachtfeld zu bleiben, um Notf�lle direkt versorgen zu k�nnen. Romanda und ihre kleine Mannschaft hatten schon viele Leben gerettet.</p><p>Heute w�rde es jedoch keine Gelegenheit zum Heilen geben. Wie Bryne schon angedeutet hatte, hatten sich die Trollocs in die H�gel zur�ckgezogen. Nach anderthalb Tagen der Ruhe hatten sich die meisten Aes Sedai erholt. Sie verf�gten noch nicht wieder �ber ihre vollen Kr�fte�� nach einer Woche des ununterbrochenen Kampfes war das nicht m�glich��, aber es reichte.</p><p>Gawyn sprang mit gezogener Klinge durch das Wegetor, sobald es sich ge�ffnet hatte. Egwene folgte ihm zusammen mit Romanda, Lelaine, Leane, Silviana, Raemassa und einer Handvoll Beh�ter und Soldaten. Sie traten auf den H�gel, den Egwene soeben vom Feind ges�ubert hatte. Die geschw�rzte und vernarbte Erde unter ihren F��en f�hlte sich noch immer warm an; in der Luft hing der Gestank von verbranntem Fleisch.</p><p>Dieser H�gel erhob sich genau in der Mitte des Trolloc-Heeres. �berall um sie herum brachte sich Schattengez�cht eilig in Sicherheit. Romanda hielt das Tor ge�ffnet, und Silviana webte Luft, um eine Windkuppel zum Schutz gegen Pfeile zu erschaffen. Der Rest von ihnen schickte Gewebe in die Tiefe.</p><p>Die Tiermenschen reagierten langsam�� sie hatten hier auf diesen H�geln gewartet, um in die T�ler hinunterzustr�men, sobald Egwenes Armee eingetroffen war. Normalerweise w�re das eine Katastrophe geworden. Die Trollocs konnten Egwenes Truppen von oben mit allen m�glichen Geschossen eindecken, und die Kavallerie h�tte versuchen m�ssen, die H�gel zu st�rmen. Die H�gelk�mme h�tten den Trollocs und ihren Blassen eine bessere Perspektive verschafft, um die Schwachstellen von Egwenes Streitkr�ften zu erkennen und dementsprechend zuzuschlagen.</p><p>Aber sie und ihre Befehlshaber dachten gar nicht daran, dem Feind diesen Vorteil zu �berlassen. Die Bestien stoben auseinander, als die Schlacht in ihre Mitte getragen wurde und die Aes Sedai die H�gel eroberten. Einige Tiermenschen versuchten, nach oben zu st�rmen und sie sich zur�ckzuholen, aber die meisten rannten um ihr Leben. Nun kam Egwenes schwere Kavallerie und donnerte durch die T�ler. Was einst f�r den Feind eine sehr effektive Position gewesen war, wurde nun zu seinem Schlachtfeld; da die Aes Sedai die Bogensch�tzen ausgeschaltet hatten, konnte die schwere Kavallerie beinahe ungehindert t�ten.</p><p>Das �ffnete den Fu�soldaten den Weg, die in Formationen heranmarschierten, um die Tiermenschen zur�ckzudr�ngen. Sie wollten sie an die H�nge dr�ngen, damit die Aes Sedai sie gruppenweise vernichten konnten. Leider hatten sich die Trollocs mittlerweile daran gew�hnt, der Einen Macht gegen�berzustehen. Entweder das, oder die Myrddraal waren besser darin geworden, sie anzutreiben.</p><p>Schon bald st�rmten mehrere koordinierte Gruppen der Kreaturen die H�gelkuppen, w�hrend andere den Infanterieangriffen Widerstand leisteten. <emphasis>Bryne hat recht,</emphasis> dachte Egwene und zerfetzte ein Kontingent Trollocs, das sie fast erreicht hatte. <emphasis>Die Blassen sind wieder mit den Trollocs verkn�pft.</emphasis> In der letzten Zeit hatte das Schattengez�cht diese Taktik nur selten angewandt, da der Tod der Blassen auch s�mtliche mit ihnen verkn�pften Kreaturen umbrachte. Aber vermutlich war das die einzige Weise, auf die sie die Tiermenschen dazu bringen konnten, nach oben in den sicheren Tod zu steigen.</p><p>Falls sie den Myrddraal finden konnte, der mit den Ungeheuern in der N�he verbunden war, konnte sie sie alle mit einem wohlplatzierten Gewebe Feuer ausschalten. Ungl�cklicherweise waren die Blassen schlau und hatten angefangen, sich in den Massen des Fu�volks zu verstecken.</p><p>�Sie kommen n�her�, stie� Lelaine keuchend hervor.</p><p>�R�ckzug�, befahl Egwene.</p><p>Sie duckten sich durch Romandas Wegetor, gefolgt von ihren Beh�tern. Die Gelbe kam zuletzt und sprang durch das Tor, als eine Gruppe Trollocs auf die H�gelkuppe str�mte. Eine der Bestien, eine zottelige, b�r�hnliche Monstrosit�t, stolperte hinter ihr durch das Wegetor.</p><p>Das Ding fiel auf der Stelle tot um; ein paar kaum wahrnehmbare Rauchfahnen stiegen aus dem Kadaver auf. Seine Gef�hrten knurrten und br�llten auf der anderen Seite. Egwene blickte ihre Gef�hrtinnen an, dann zuckte sie mit den Schultern und schickte eine Flammenzunge direkt durch das Tor. Ein paar Kreaturen st�rzten zuckend tot zu Boden, w�hrend andere aufheulend auseinanderspritzten und die Waffen fallen lie�en.</p><p>�Das ist wirklich effektiv�, bemerkte Leane, verschr�nkte die Arme und betrachtete das Wegetor mit einer makellosen hochgezogenen Augenbraue. Sie steckten mitten in der Letzten Schlacht, und die Frau nahm sich immer noch jeden Morgen die Zeit, sich um ihr �u�eres zu k�mmern.</p><p>Ihr Tor hatte sie zur�ck ins Lager gebracht, das nun nahezu verlassen war. Da die Reserven darauf warteten, wo ben�tigt eingesetzt zu werden, befanden sich hier nur noch f�nfhundert Soldaten, die Brynes Befehlszelt bewachten.</p><p>Noch immer trug Egwene den Beutel mit den gef�lschten Siegeln am G�rtel. Rands Worte hatten sie schwer ersch�ttert. Wie sollten sie die Siegel zur�ckbekommen? Sollten die Handlanger des Schattens sie im falschen Augenblick brechen, w�rde das eine Katastrophe sein.</p><p>Hatten sie sie bereits gebrochen? W�rde das die Welt sofort bemerken? Egwene versp�rte ein Grauen, das sie nicht absch�tteln konnte. Und doch ging der Krieg weiter, und ihr blieb nichts anderes �brig, als den Kampf fortzuf�hren. Sie w�rden sich eine M�glichkeit einfallen lassen m�ssen, wie sie wieder an die Siegel kamen, falls das m�glich war. Rand hatte geschworen, es zu versuchen. Sie war nicht unbedingt davon �berzeugt, ob er da �berhaupt etwas ausrichten konnte.</p><p>�Sie k�mpfen so verbissen�, sagte Gawyn.</p><p>Egwene drehte sich um und fand ihn ein St�ck weit entfernt stehen, wo er das Schlachtfeld mit dem Fernrohr inspizierte. Sie sp�rte bei ihm ein Verlangen. Ohne M�nner zu f�hren, wie er es bei den J�nglingen getan hatte, kam er sich in dieser Schlacht so nutzlos vor, das wusste sie.</p><p>�Die Trollocs werden von den Myrddraal angetrieben�, sagte sie, �sie sind miteinander verkn�pft, damit die Blassen mehr Kontrolle �ber sie haben.�</p><p>�Ja, aber warum leisten sie so hartn�ckig Widerstand?�, sagte Gawyn und schaute weiter durch das Fernrohr. �Dieses Land ist ihnen doch v�llig egal. Es ist ganz offensichtlich, dass diese H�gel f�r sie verloren sind, und doch k�mpfen sie wild. Trollocs sind primitiv�� sie k�mpfen und siegen, oder sie gehen auseinander und ziehen sich zur�ck. Sie halten kein Gel�nde. Aber das versuchen sie hier. Es ist, als�� als w�ren die Blassen der Ansicht, dass sie selbst nach so einem herben R�ckschlag eine gute Position h�tten.�</p><p>�Wer vermag schon zu sagen, warum die Blassen tun, was sie tun?�, bemerkte Lelaine, die mit verschr�nkten Armen noch immer durch das offene Wegetor sp�hte.</p><p>Egwene richtete ebenfalls den Blick darauf. Die kahle H�gelkuppe stand seltsam isoliert mitten in der Schlacht. Ihre Soldaten waren in dem kleinen Tal zwischen den H�geln mit den Kreaturen zusammengesto�en, und der Kampf dort unten war brutal. Schreie und das Klirren von Metall drangen zu ihr herauf. Blutige Piken wurden in die Luft gehoben, als ganze Gruppen von M�nnern zur�ckgedr�ngt wurden und die Hellebardiere nach vorn kamen, um den Vorsto� der Trollocs zu verlangsamen.</p><p>Das Schattengez�cht erlitt schreckliche Verluste. Es war in der Tat seltsam; Bryne hatte mit seinem R�ckzug gerechnet.</p><p>�Etwas stimmt nicht�, sagte Egwene, und die H�rchen auf ihren Armen stellten sich auf. In diesem Moment verschwand ihre Sorge um die Siegel. Ihre Armee war in Gefahr. �Sammelt die Aes Sedai, und gebt dem Heer den Befehl zum R�ckzug.�</p><p>Die anderen Frauen sahen sie an, als h�tte sie den Verstand verloren. Gawyn rannte auf das Befehlszelt zu, um die Anweisungen weiterzugeben. Er stellte nichts infrage.</p><p>�Mutter�, sagte Romanda und lie� ihr Wegetor erl�schen. �Was ist���</p><p>Auf der anderen Seite von Egwenes Kriegslager zerschnitt genau gegen�ber vom Schlachtfeld etwas die Luft. Ein greller Strich, l�nger als jedes Wegetor, das Egwene je gesehen hatte. Er war fast so breit wie ihr ganzes Lager.</p><p>Der Strich aus Licht drehte sich um sich selbst und �ffnete sich auf eine Gegend, die nicht im s�dlichen Kandor lag. Stattdessen war es ein Ort voller Farne und herabh�ngender B�ume�� obwohl sie wie alles andere auch braun angelaufen waren, wirkten sie trotzdem fremd.</p><p>In dieser unbekannten Landschaft wartete ein gewaltiges Heer. Tausende Banner flatterten und zeigten Egwene unbekannte Symbole. Die Fu�soldaten trugen knielange Kleidung, offenbar eine Art gesteppte R�stung, die in gro�formatigem Muster mit Eisengewebe verst�rkt zu sein schien. Andere hatten Metallhemden, die aus zusammengen�hten M�nzen zu bestehen schienen.</p><p>Viele hielten Hand�xte, wenn auch von sehr seltsamer Form. Lange d�nne Sch�fte, die am Ende in Knollen ausliefen, und die Axtk�pfe waren schmal und d�nn, beinahe wie Pikenspitzen. Die Sch�fte s�mtlicher Waffen waren von flie�endem, organischem Entwurf. Glatt und keineswegs von einheitlicher Gr��e, bestanden sie aus einem dunkelroten Holz, das sorgf�ltig mit Punkten bemalt worden war.</p><p>Egwene nahm das alles mit einem Blick auf, w�hrend sie nach einer Erkl�rung f�r diese seltsame Streitmacht suchte. Aber da war kein Anhaltspunkt, bis sie das Machtlenken sp�rte. <emphasis>Hunderte</emphasis> Frauen umgab das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis>. Sie alle sa�en auf Pferden und trugen seltsame Kleider aus steifer schwarzer Seide. Die Kleider waren nicht an der Taille geg�rtet, sondern sa�en eng an den Schultern und wurden nach unten hin immer weiter. An der Vorderseite baumelten direkt unterhalb des Halses lange, rechteckige Quasten in allen m�glichen Farben. Alle Frauen hatten t�towierte Gesichter.</p><p>�Lasst die Macht los�, sagte Egwene und lie� <emphasis>Saidar</emphasis> gehen. �Lasst sie Euch nicht sp�ren!� Sie rannte zur Seite, gefolgt von Lelaine, deren Gl�hen erlosch.</p><p>Romanda ignorierte Egwene und stie� einen Fluch aus. Sie fing an, ein Fluchttor zu weben.</p><p>Ein Dutzend verschiedener Gewebe aus Feuer zerst�rte die Stelle, an der Romanda stand. Ihr blieb nicht einmal Zeit zu schreien. Egwene und die anderen Frauen hasteten durch das Lager, w�hrend Gewebe der Einen Macht Zelte zerst�rten, Vorr�te vernichteten und alles in Brand setzten.</p><p>Egwene erreichte das Befehlszelt, als Gawyn gerade herausstolperte. Sie packte ihn und riss ihn zu Boden, als ein Feuerball direkt �ber ihre K�pfe sauste und in ein paar Zelte in der N�he einschlug.</p><p>�Licht!�, stie� Gawyn hervor. �Wer ist das?�</p><p>�Sharaner.� Eine atemlose Lelaine ging neben ihnen in die Hocke.</p><p>�Seid Ihr sicher?�, fl�sterte Egwene.</p><p>Lelaine nickte. �Es gibt viele Berichte von den Cairhienern vor dem Aiel-Krieg, die aber nicht besonders ausf�hrlich sind. Sie durften nicht viel sehen, aber was sie sahen, hatte gro�e �hnlichkeit mit diesem Heer dort.�</p><p>�Heer?� Gawyn streckte sich zur Seite und sp�hte zwischen den Zelten zu der Streitmacht, die durch das unnat�rlich gro�e Wegetor marschierte. �Blut und verdammte Asche!�, fluchte er und duckte sich zur�ck. �Das sind ja Tausende!�</p><p>�Zu viele, um gegen sie zu k�mpfen�, stimmte Egwene ihm zu, w�hrend ihre Gedanken rasten. �Nicht, solange wir zwischen ihnen und den Trollocs festsitzen. Wir m�ssen uns zur�ckziehen.�</p><p>�Ich habe Bryne den Befehl �bermittelt, dass die Truppen den R�ckzug antreten sollen�, sagte Gawyn. �Aber�� Egwene. Wo sollen wir hin? Vor uns sind die Trollocs, hinter uns diese Armee! Beim Licht! Wir k�nnten zwischen ihnen zerrieben werden!�</p><p>Bryne w�rde schnell reagieren. Er w�rde Boten durch ein Wegetor zu den Hauptm�nnern in der Linie schicken. <emphasis>O nein��</emphasis></p><p>Egwene packte Gawyn und zerrte ihn von dem Befehlszelt weg, als sie f�hlte, wie dort jemand die Macht lenkte. Lelaine schrie auf und duckte sich in die andere Richtung.</p><p>Die Frauen aus Shara reagierten augenblicklich auf das Machtlenken. Unter dem Zelt brach der Erdboden auseinander und zerst�rte es in einem Ausbruch �berw�ltigender Macht. Zerfetzte Zeltplanen flogen zusammen mit Steinen und Erdklumpen hoch in die Luft.</p><p>Egwene wurde r�cklings zu Boden geschleudert, und Gawyn schleifte sie zu einem umgest�rzten Wagen mit Feuerholz, w�hrend sich ein zertr�mmertes Rad rasend schnell drehte. Gawyn zog sie direkt neben den Scheiten in die Deckung der Ladefl�che. Dort kauerten sie, obwohl Flammen im Holz z�ngelten und vor ihnen der Erdboden brannte. Die Hitze war schlimm, aber nicht unertr�glich.</p><p>Egwene dr�ckte sich an den Boden und blinzelte; der Rauch brannte in ihren Augen, trotzdem suchte sie nach Spuren von Lelaine. Oder�� beim Licht! Siuan und Bryne hatten sich in diesem Zelt aufgehalten, zusammen mit Yukiri und vielen Angeh�rigen des Befehlsstabes.</p><p>Egwene und Gawyn verbargen sich, w�hrend Feuer auf das Lager herabregnete und sich die Erde aufb�umte. Die Sharaner schlugen beim Anzeichen der geringsten Bewegung zu; mehrere Dienerinnen, die vorbeirannten, standen sofort in Flammen.</p><p>�Halte dich bereit�, sagte Gawyn, �sobald kein Feuer mehr f�llt.�</p><p>Der Beschuss lie� nach, aber da galoppierten Reiter in sharanischer R�stung durch das Lager. Sie br�llten und zielten mit B�gen auf jeden, den sie erblickten, schickten Dutzende M�nner und Frauen mit Pfeilen im R�cken zu Boden. Danach marschierten sharanische Truppen in engen Formationen durch das Lager. Egwene wartete angespannt und suchte fieberhaft nach einem Fluchtweg.</p><p>Sie sah keine Gelegenheit. Gawyn zog sie tiefer unter den Wagen, verrieb Asche auf ihren Wangen und bedeutete ihr, liegen zu bleiben, dann legte er seinen Beh�terumhang um sie. Bei dem von dem brennenden Feuerholz vor der Ladefl�che aufsteigenden Rauch w�rde man sie vielleicht nicht sehen.</p><p>Ihr Herz pochte. Gawyn dr�ckte etwas in ihr Gesicht, ein mit Wasser aus seinem Wasserschlauch durchtr�nktes Taschentuch. Er hielt sich ebenfalls eins ins Gesicht und atmete dadurch. Sie hielt es sich vor die Nase, wagte aber kaum zu atmen. Diese Soldaten waren so <emphasis>nahe</emphasis>.</p><p>Einer der Fremden wandte sich dem Wagen zu und betrachtete den Feuerholzstapel, aber als er durch den Rauch in ihre Richtung sp�hte, schien ihm nichts aufzufallen. Stumm dankte Egwene dem Beh�terumhang. Seine farbver�ndernde Natur machte sie beinahe unsichtbar, wenn sie sich nicht bewegten.</p><p><emphasis>Warum habe ich keinen dieser Umh�nge?,</emphasis> dachte sie �rgerlich. <emphasis>Warum tragen blo� die Beh�ter sie?</emphasis></p><p>Die Soldaten waren flei�ig damit besch�ftigt, die Diener aus ihren Verstecken zu holen. Fl�chtende wurden mit Pfeilen von Bogen get�tet, die au�erordentlich weit gespannt wurden. Diener, die sich langsamer bewegten, wurden zusammengetrieben und zu Boden geworfen.</p><p>Egwene sehnte sich danach, die Quelle zu umarmen, irgendetwas zu tun. Feuer und Blitze auf diese Invasoren zu schleudern. Sie hatte noch immer Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Sie konnte��</p><p>Sie unterdr�ckte den Gedanken. Sie war vom Feind umzingelt, und die schnelle Reaktion der Machtlenkerinnen bewies, dass sie nach Aes Sedai Ausschau hielten. Sollte sie auch nur kurz weben, w�rde sie auf der Stelle sterben, statt zu entkommen. Sie dr�ckte sich unter dem Umhang an Gawyns Seite und hoffte, dass keine der sharanischen Machtlenkerinnen nahe genug vorbeiging, um ihre F�higkeit zu sp�ren. Sie h�tte ihre F�higkeit mit einem Gewebe verbergen k�nnen, aber dazu h�tte sie die Macht lenken m�ssen. Sollte sie es wagen?</p><p>Sie versteckten sich gut eine Stunde lang oder l�nger. W�re die Wolkendecke nicht so d�ster gewesen und h�tte das Land nicht in st�ndiges Zwielicht geh�llt, h�tte man sie mit Sicherheit entdeckt, ob Umhang oder nicht. Einmal schrie sie um ein Haar auf, als ein paar Soldaten ein paar Eimer Wasser auf die Scheite kippten, das Feuer l�schten und sie beide durchn�ssten.</p><p>Von ihrer eigenen Armee bekam sie nichts mit, obwohl sie das Schlimmste bef�rchtete. Die sharanischen Machtlenkerinnen und ein gro�er Teil ihres Heeres marschierten schnell durch das Lager auf das Schlachtfeld zu. Da Bryne und die Amyrlin nicht da waren und eine Streitmacht �berraschend von hinten anr�ckte��</p><p>In Egwene stieg �belkeit auf. Wie viele starben in diesem Moment oder waren bereits tot? Gawyn ergriff ihren Arm, als er ihre Bewegung f�hlte, dann sch�ttelte er den Kopf und formte mit den Lippen ein paar lautlose Worte. <emphasis>Warte bis zur Nacht.</emphasis></p><p><emphasis>Sie sterben!,</emphasis> gab sie lautlos zur�ck.</p><p><emphasis>Du kannst nicht helfen.</emphasis></p><p>Das stimmte. Sie lie� sich von ihm halten und von seinem vertrauten Geruch beruhigen. Wie konnte sie einfach hier warten, w�hrend Soldaten und Aes Sedai, die sich auf sie verlie�en, abgeschlachtet wurden? Beim Licht, dort drau�en befand sich ein gro�er Teil der Wei�en Burg! Wenn diese Armee fiel und die Frauen mit ihr��</p><p><emphasis>Ich bin der Amyrlin-Sitz,</emphasis> sagte sie sich energisch. <emphasis>Ich werde stark sein. Ich werde �berleben. Solange ich lebe, steht die Wei�e Burg.</emphasis></p><p>Sie lie� sich weiter von Gawyn halten.</p><empty-line/><p>Aviendha kroch wie eine Winterechse auf der Suche nach W�rme �ber den Felsen. Obwohl ihre Fingerspitzen voller Schwielen waren, fingen sie an, durch die bittere K�lte zu brennen. Am Shayol Ghul war es eiskalt, und die Luft roch, als stiege sie aus einer Gruft empor.</p><p>Links von ihr kroch Rhuarc, rechts von ihr ein Steinhund namens Shaen. Beide trugen das rote Stirnband der <emphasis>Siswai�aman</emphasis>. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, dass ein Clanh�uptling wie Rhuarc dieses Stirnband trug. Er hatte nie dar�ber gesprochen; als h�tte das Stirnband nicht existiert. So war es bei allen <emphasis>Siswai�aman</emphasis>. Amys kroch rechts neben Shaen. Dieses eine Mal hatte keiner Einw�nde erhoben, dass eine Weise Frau die Sp�her begleitete. An so einem Ort und zu so einem Zeitpunkt sahen die Augen einer Machtlenkerin m�glicherweise das, was normalen Augen entging.</p><p>Aviendha zog sich trotz ihrer Halsketten lautlos nach vorn. Auf diesen Felsen wuchs rein gar nichts, nicht einmal Unkraut. Sie befanden sich tief im Verdorbenen Land. Beinahe so tief, wie es nur m�glich war.</p><p>Rhuarc erreichte den Kamm zuerst, und sie sah, wie er sich anspannte. Sie war die N�chste und sp�hte �ber den Felsrand, blieb so niedrig wie m�glich, um nicht gesehen zu werden. Ihr Atem stockte.</p><p>Sie hatte Geschichten �ber diesen Ort geh�rt. �ber die riesige Schmiede ganz in der N�he des Berghangs, den schwarzen Fluss, der daran vorbeif�hrte. Dieses Wasser war so vergiftet, dass es jeden t�ten w�rde, der damit auch nur in Ber�hrung kam. Feuerstellen bedeckten den Talboden wie offene Wunden und r�teten den Nebel um sie herum. Als junge Tochter hatte sie mit weit aufgerissenen Augen zugeh�rt, als die uralte Dachherrin von den Kreaturen erz�hlte, die an den Essen des Schattens schmiedeten, Kreaturen, die weder tot noch lebendig waren. Lautlos und schrecklich bewegten sich die bestialischen Wesen mit leblosen Schritten wie die Zeiger einer tickenden Uhr.</p><p>Die Schmiede interessierten sich nicht f�r die K�fige voller Menschen, mit deren Blut die fast fertigen Klingen geh�rtet werden w�rden. Die Gefangenen h�tten genauso gut Eisenbrocken sein k�nnen. Auch wenn Aviendha zu weit entfernt war, um das Wimmern der Gefangenen zu h�ren, f�hlte sie sie. Ihre Finger gruben sich fester in den Felsen.</p><p>Der Shayol Ghul dominierte das Tal, seine schwarzen H�nge stachen wie ein gezacktes Messer in den Himmel. Die Seiten waren wie die Haut eines hundertmal ausgepeitschten Mannes mit Schnitten �bers�t; jede Kerbe war ein tiefer Riss, der Dampf ausspuckte. Vielleicht erschuf dieser Dampf den Nebel, der �ber dem Tal lag. Der Nebel brodelte, als w�re das Tal ein mit einer kochenden Fl�ssigkeit gef�llter Becher.</p><p>�Was f�r ein schrecklicher Ort�, wisperte Amys.</p><p>Noch nie zuvor hatte Aviendha ein solches Entsetzen in der Stimme der Frau geh�rt. Das lie� sie beinahe noch mehr erschaudern als der eiskalte Wind, der an ihrer Kleidung zerrte. Aus der Ferne t�nte ein leises Klirren; die Arbeiter schmiedeten. Aus einem Ofen stieg eine schwarze Rauchwolke in die H�he, ohne sich aufzul�sen. Sie stieg wie eine Nabelschnur in die Wolken am Himmel, die mit furchtbarer Regelm��igkeit Blitze herabregneten.</p><p>Ja, Aviendha hatte Geschichten �ber diesen Ort geh�rt. Diese Geschichten hatten aber nicht die ganze Wahrheit verraten. Diesen Ort konnte man nicht beschreiben. Man musste ihn erleben.</p><p>Hinter ihnen knirschte es, wenige Augenblicke sp�ter schob sich Rodel Ituralde neben Rhuarc. F�r einen Feuchtl�nder bewegte er sich leise.</p><p>�Wart Ihr so ungeduldig, dass Ihr unseren Bericht nicht abwarten konntet?�, fragte Rhuarc leise.</p><p>�Kein Bericht kommt dem gleich, was ein Mann mit eigenen Augen sieht�, erwiderte Ituralde. �Ich habe nicht versprochen zur�ckzubleiben. Ich habe euch gesagt, geht voraus. Und das habt ihr getan.� Er hob sein Fernrohr und deckte das vordere Ende mit der Hand ab, obwohl das bei diesen Wolken wohl kaum n�tig war.</p><p>Rhuarc runzelte die Stirn. Er und die anderen Aiel, die nach Norden gekommen waren, hatten sich bereit erkl�rt, einem Feuchtl�ndergeneral zu folgen, aber es gefiel ihnen nicht. Aber das war auch gut so. Sie w�rden diese Sache erledigen, ohne sich dabei zu wohlzuf�hlen. Sich wohlzuf�hlen t�tete viele M�nner.</p><p><emphasis>Es muss reichen,</emphasis> dachte Aviendha und sah wieder ins Tal. <emphasis>Es muss f�r mein Volk reichen. Es muss f�r Rand und die Aufgabe reichen, die er vollbringen muss.</emphasis></p><p>Den Untergang ihres Volkes zu erleben hatte sie entsetzt, sie aber auch wachger�ttelt. Wenn der Untergang der Aiel das Opfer war, das n�tig war, damit Rand siegte, dann w�rde sie es bringen. Sie w�rde laut klagen und den Namen des Sch�pfers verfluchen, aber sie w�rde diesen Preis bezahlen. Das w�rde jeder Krieger. Besser ein Volk ging unter, als dass die ganze Welt unter den Schatten fiel.</p><p>Wenn es das Licht wollte, w�rde es nicht so weit kommen. Wenn es das Licht wollte, w�rden ihre Bem�hungen mit dem Drachenfrieden die Aiel besch�tzen und neue M�glichkeiten verschaffen. Sie w�rde sich nicht von der drohenden Niederlage aufhalten lassen. Die Aiel w�rden k�mpfen. Aus dem Traum zu erwachen war immer eine M�glichkeit, wenn man mit den Speeren tanzte.</p><p>�Interessant�, sagte Ituralde leise und sp�hte dabei noch immer durch sein Glas. �Was haltet Ihr davon, Aiel?�</p><p>�Wir brauchen ein Ablenkungsman�ver�, sagte Rhuarc. �Wir k�nnen �stlich von der Schmiede den Hang herunterkommen, diese Gefangenen befreien und den Ort auseinandernehmen. Dann bekommen die Myrddraal keine neuen Waffen mehr, und es lenkt den Blick des Dunklen K�nigs auf uns und nicht auf den <emphasis>Car�a�carn</emphasis>.�</p><p>�Wie lange wird der Drache brauchen?�, fragte Ituralde. �Was glaubt Ihr, Aiel? Wie viel Zeit geben wir ihm, um die Welt zu retten?�</p><p>�Er wird k�mpfen�, sagte Amys. �Den Berg betreten, sich mit Sichtblender duellieren. Das dauert so lange, wie es eben dauert. Vielleicht ein paar Stunden? Ich habe noch kein Duell erlebt, das l�nger gedauert h�tte, nicht einmal zwischen zwei M�nnern von gleich gro�em Geschick.�</p><p>�Gehen wir besser davon aus�, erwiderte Ituralde mit einem L�cheln, �dass es da um mehr als ein Duell geht.�</p><p>�Ich bin kein Narr, Rodel Ituralde�, sagte Amys k�hl. �Ich bezweifle, dass der Kampf des <emphasis>Car�a�carn</emphasis> mit Speeren und Schilden ausgefochten wird. Aber hat er f�r die Reinigung der Quelle nicht blo� einen Tag gebraucht? Vielleicht wird das hier ja �hnlich.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Ituralde. �Vielleicht auch nicht.� Er senkte das Glas und sah die Aiel an. �F�r welche M�glichkeit w�rdet Ihr lieber planen?�</p><p>�Die schlimmste�, sagte Aviendha.</p><p>�Also planen wir, so lange durchzuhalten, wie der Drache braucht�, sagte der General. �Tage, Wochen, Monate�� Jahre? So lange, wie es eben dauert.�</p><p>Rhuarc nickte langsam. �Was schlagt Ihr vor?�</p><p>�Der Weg ins Tal ist schmal. Laut den Sp�herberichten befindet sich der gr��te Teil des in der F�ule verbliebenen Schattengez�chts jenseits des Passes. Selbst sie verbringen so wenig Zeit wie m�glich an diesem verlassenen Ort. Wenn wir den Pass blockieren und dieses Tal erobern k�nnen, wenn wir diese Schmiedearbeiter und die paar Blassen dort unten vernichten k�nnen, k�nnten wir diesen Ort ewig halten. Ihr Aiel seid gut darin, wenn es darum geht, schnell zuzuschlagen und wieder zu verschwinden. Verflucht noch eins, das wei� ich aus pers�nlicher Erfahrung. Eure Leute greifen diese Schmiede an, und wir k�mmern uns darum, den Pass zu schlie�en.�</p><p>Rhuarc nickte. �Das ist ein guter Plan.�</p><p>Sie stiegen den Kamm hinunter zu der Stelle, an der Rand wartete. Gekleidet in Rot und Gold und die Arme hinter dem R�cken verschr�nkt, wurde er von zwanzig T�chtern und sechs Asha�man begleitet, au�erdem waren da noch Nynaeve und Moiraine. Etwas schien ihm sehr zu schaffen zu machen�� Aviendha konnte seine Unruhe sp�ren��, obwohl er doch h�tte erfreut sein m�ssen. Er hatte die Seanchaner zum Kampf �berreden k�nnen. Was hatte ihn bei seiner Begegnung mit Egwene al�Vere nur so aufgebracht?</p><p>Rand drehte sich um und schaute in die H�he zum Gipfel des Shayol Ghul. Als er ihn anstarrte, ver�nderten sich seine Gef�hle. Pl�tzlich erschien er wie ein Mann, der im Dreifachen Land einen Brunnen erblickte und die Vorstellung von kaltem Wasser genoss. Aviendha f�hlte seine Erwartung. Nat�rlich war da auch Angst. Kein Krieger konnte sich jemals v�llig davon befreien. Er kontrollierte sie, �berw�ltigte sie mit dem Verlangen, mit dem Kampf zu beginnen, sich der Pr�fung zu stellen.</p><p>M�nner oder Frauen konnten sich selbst nicht kennen, jedenfalls nicht wahrhaftig, bis sie an ihre absoluten Grenzen gebracht wurden. Bis sie den Tanz der Speere mit dem Tod tanzten, ihr Blut zu Boden str�men f�hlten und die Waffe in das schlagende Herz eines Feindes trieben. Rand al�Thor wollte das tun, und darum verstand sie ihn auch. Es war schon seltsam, nach all dieser Zeit zu erkennen, wie �hnlich sie sich letztlich doch waren.</p><p>Sie trat zu ihm, und er bewegte sich so, dass er direkt neben ihr stand und sie mit der Schulter ber�hrte. Er legte den Arm nicht um sie, und sie nahm auch nicht seine Hand. Er besa� sie nicht, und sie besa� ihn nicht. Dass er sich so hingestellt hatte, dass sie in dieselbe Richtung blickten, bedeutete ihr viel mehr, als jede andere Geste.</p><p>�Schatten meines Herzens�, sagte er leise und beobachtete, wie seine Asha�man ein Wegetor �ffneten, �was hast du gesehen?�</p><p>�Eine Gruft�, erwiderte sie.</p><p>�Nein. Die deines Feindes. Der Ort, wo er einst begraben war, und der Ort, wo er wieder schlafen kann.�</p><p>Etwas in Rand verh�rtete sich. Sie f�hlte seine Entschlossenheit.</p><p>�Du willst ihn t�ten�, fl�sterte Aviendha. �Den Sichtblender.�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie wartete.</p><p>�Andere halten mich f�r verr�ckt, weil ich dar�ber nachdenke�, sagte Rand. Seine W�chter kehrten durch das Tor nach Merrilor zur�ck.</p><p>�Kein Krieger sollte in den Kampf ziehen, ohne fest entschlossen zu sein, dass dieser Kampf auch sein Ende findet�, sagte Aviendha. Dann z�gerte sie, weil ihr etwas anderes eingefallen war.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Nun, der <emphasis>gr��te</emphasis> Sieg w�rde darin bestehen, deinen Feind zum <emphasis>Gai�shain</emphasis> zu machen.�</p><p>�Ich bezweifle, dass er sich dazu herabl�sst.�</p><p>�Spotte nicht.� Sie stie� ihm den Ellbogen in die Seite, und er grunzte. �Das muss in Betracht gezogen werden, Rand al�Thor. Was ist der bessere Weg des <emphasis>Ji�e�toh</emphasis>? Den Dunklen K�nig einzukerkern ist das dasselbe, als w�rde man ihm <emphasis>Gai�shain</emphasis> nehmen? Falls dem so ist, w�re das der richtige Weg.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob mich in diesem Fall interessiert, was �richtig� ist.�</p><p>�Ein Krieger muss immer an das <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> denken�, sagte sie streng. �Habe ich dir denn gar nichts beigebracht? Rede nicht so, oder du besch�mst mich wieder vor den anderen Weisen Frauen.�</p><p>�Ich hatte gehofft, dass wir mit dem Unterricht fertig sind�� wenn man �berlegt, wie sich unsere Beziehung entwickelt hat.�</p><p>�Du hast geglaubt, dass mir n�herzukommen die Lektionen <emphasis>beenden</emphasis> w�rde?�, fragte sie verbl�fft. �Rand al�Thor, ich habe unter Ehefrauen der Feuchtl�nder gelebt und ich habe gesehen, dass sie���</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und trat durch das Tor, und Aviendha folgte ihm. Er erschien am�siert, und das war gut. Ein Teil seiner Anspannung hatte sich gelegt. Aber das war wirklich kein Scherz gewesen. Feuchtl�nder hatten einfach keinen Sinn f�r Humor. Manchmal wussten sie nicht einmal, wann man lachen musste.</p><p>Auf der anderen Seite des Tores betraten sie ein Lager, das sich aus vielen Gruppen zusammensetzte. Rand hatte den Befehl �ber die T�chter und die <emphasis>Siswai�aman</emphasis> sowie die meisten der Weisen Frauen.</p><p>Direkt neben dem Aiel-Lager waren die Aes Sedai. Rand hatte den Befehl etwa �ber drei Dutzend�� es waren alles Schwestern, die ihm pers�nlich die Treue geschworen hatten, und die meisten davon waren durch einen Beh�terbund mit Asha�man verbunden. Das bedeutete also, es gab weitere zwei Dutzend Asha�man von unterschiedlichen R�ngen.</p><p>Au�erdem stand ihm Rodel Ituralde und dessen Streitmacht zur Verf�gung, die sich haupts�chlich aus Domani zusammensetzte. Ihr K�nig mit dem sch�tteren Bart und dem Sch�nheitsfleck auf der Wange ritt ebenfalls mit ihnen, �berlie� den Befehl aber dem Gro�en Hauptmann. Der Monarch winkte mit der Hand, und Ituralde begab sich zu ihm, um Bericht zu erstatten. Alsalam schien in Rands N�he Unbehagen zu empfinden und begleitete den Drachen niemals auf irgendwelche Erkundungen. Aviendha gefiel dieses Arrangement. Sie war sich nicht sicher, ob sie diesem Alsalam vertraute.</p><p>Jenseits der Aiel-Zelte kampierte eine weitere zahlenm��ig starke Streitmacht, die Armee von Tear einschlie�lich der Elitetruppe namens Verteidiger des Steins, die von einem Mann namens Rodrivar Tihera angef�hrt wurde. Ihr K�nig befand sich ebenfalls bei ihnen und wurde neben Rand allgemein als die h�chste Autorit�t ihrer versammelten Truppen betrachtet.</p><p>Die Tairener stellten eines der zentralen Elemente in Rodel Ituraldes Plan dar. So ungern Aviendha das auch zugab, aber Ituralde hatte recht. Die Aiel waren keine defensiven Krieger, und auch wenn sie, falls n�tig, einen Pass halten konnten, waren sie doch viel besser zu k�hnen Angriffen zu gebrauchen.</p><p>Um erobertes Gel�nde zu halten, w�rden die Tairener perfekt sein. Sie verf�gten �ber gut ausgebildete Kompanien Pikentr�ger und ein volles Banner Armbrustm�nner mit einer neuen Art von Spannvorrichtung, ein Wissen, das die Waffenschmiede gerade erst erhalten hatten. Sie hatten die letzte Woche damit verbracht, die Ausr�stung zu verbessern.</p><p>Es gab noch eine weitere Gruppe in Rands Streitmacht, und mit ihr konnte Aviendha am wenigsten anfangen. Drachenverschworene in gewaltiger Zahl. Sie lagerten zusammen und hatten eine Flagge, die das Bild des Drachen �ber dem uralten Symbol der Aes Sedai zeigte. Diese Gruppe bestand aus ganz normalen freien M�nnern, Soldaten, Lords, Ladys und einigen Aes Sedai und Beh�tern. Sie kamen aus allen Nationen, sogar von den Aiel, und teilten nur ein gemeinsames Band: Sie hatten s�mtliche Loyalit�ten zur Seite gelegt und alle Eide gebrochen, um in der Letzten Schlacht zu k�mpfen. Aviendha waren die beunruhigenden Ger�chte zu Ohren gekommen, dass viele Aiel unter ihnen <emphasis>Gai�shain</emphasis> waren, die das Wei� abgelegt hatten und behaupteten, es wieder anzulegen, wenn die Letzte Schlacht gewonnen war.</p><p>Es war prophezeit worden, dass Rands Erscheinen den Menschen s�mtliche Bindungen nehmen w�rde. Wenn er sich n�herte, wurden Eide gebrochen und jede Loyalit�t oder Allianz wurde von der Notwendigkeit verdr�ngt, ihm in seinem letzten Kampf f�r die Menschheit zu dienen. Ein Teil von ihr wollte das als die �bliche Dummheit der Feuchtl�nder betrachten, aber vielleicht machte sie es sich da zu einfach. Eine Weise Frau musste mit einem sch�rferen Blick urteilen.</p><p>Als sie nun auf der anderen Seite des Wegetors waren, erlaubte sie sich endlich, <emphasis>Saidar</emphasis> loszulassen. Um sie herum wurde die Welt wieder stumpfer, die verst�rkten Empfindungen von Lebendigkeit l�sten sich in Luft auf. Wenn sie die Eine Macht loslie�, kam sie sich jedes Mal erneut ausgeh�hlt vor, Freude und Aufregung waren nun vorbei.</p><p>Ituralde und Rhuarc gesellten sich zu K�nig Darlin, um �ber die Schlachtpl�ne zu sprechen. Aviendha schloss sich Rand an, der zu seinem Zelt ging.</p><p>�Der Dolch hat funktioniert�, sagte er und ber�hrte die schwarze Scheide mit dem stumpfen Dolch. �Artham. Damals im Zeitalter der Legenden habe ich davon geh�rt, aber es hat nie jemand eines erschaffen. Ich frage mich, wem das schlie�lich gelungen ist���</p><p>�Bist du sicher, dass er funktioniert?�, fragte Aviendha. �Er h�tte dich beobachten k�nnen, ohne es zu verraten.�</p><p>�Nein, ich h�tte seine Aufmerksamkeit gef�hlt. Es hat geklappt. Mit dem Dolch wird er mich nicht wahrnehmen, bis ich vor dem Stollen stehe. Sobald er wei�, dass ich da bin, wird er Probleme haben, direkt nach mir zu schlagen. Aviendha, dass du ihn gefunden hast und seine Funktion erkanntest, dass Elayne ihn mir geben sollte�� Das Muster webt uns alle dorthin, wo wir sein m�ssen.�</p><p>Er l�chelte. Dann f�gte er hinzu: �Elayne klang traurig, als sie mir den Dolch gab. Ich glaube, ein Teil von ihr wollte ihn behalten, denn dann k�nnte sie im Namen des Dunklen K�nigs fluchen, ohne seine Aufmerksamkeit zu erregen.�</p><p>�Ist das wirklich der Augenblick f�r solche Scherze?� Aviendha sah ihn stirnrunzelnd an.</p><p>�Falls es je eine Zeit gibt, in der man �ber etwas lachen sollte, dann wohl jetzt�, erwiderte Rand, obwohl das Vergn�gen seine Stimme verlassen hatte. Als sie das Zelt erreichten, war seine Anspannung zur�ckgekehrt.</p><p>�Was besch�ftigt dich so?�, fragte Aviendha.</p><p>�Sie haben die Siegel.�</p><p>�Was?�</p><p>�Nur Egwene wei� dar�ber Bescheid, aber es stimmt. Sie wurden gestohlen, vielleicht aus meinem Versteck, vielleicht auch, nachdem ich sie Egwene gab.�</p><p>�Dann wurden sie zerbrochen.�</p><p>�Nein. Das w�rde ich f�hlen. Ich glaube, sie warten ab. Vielleicht wissen sie ja, dass sie durch die Zerst�rung der Siegel mir den Weg ebnen, seinen Kerker neu zu schmieden. Sie werden sie im f�r uns genau falschen Augenblick zerst�ren, um den Dunklen K�nig die Welt ber�hren zu lassen, vielleicht um ihm die Kraft zu geben, mich zu �berw�ltigen, wenn ich ihm gegen�berstehe���</p><p>�Wir werden eine M�glichkeit finden, das zu verhindern�, sagte Aviendha energisch.</p><p>Er sah sie an und l�chelte. �Immer die Kriegerin.�</p><p>�Nat�rlich.� Was sollte sie sonst sein?</p><p>�Ich habe eine weitere Sorge. Die Verlorenen werden versuchen mich anzugreifen, wenn ich dort eintrete, um mich ihm zu stellen. Der Dunkle K�nig kann mich nicht sehen, er wei� nicht, wo ich bin, also schickt er seine Streitkr�fte zu jeder Front. Der Schatten bedr�ngt Lan hart und versucht, ihn zu vernichten�� der Dunkle K�nig bedr�ngt Elayne in Cairhien beinahe genauso schlimm. Nur Egwene scheint einen gewissen Erfolg zu haben.</p><p>Auf jedem dieser Schlachtfelder sucht er nach mir und schickt seine Kreaturen in gro�er Zahl. Wenn wir Shayol Ghul angreifen, m�ssten wir das Tal gegen ganze Armeen halten k�nnen. Aber die Verlorenen werden durch Wegetore kommen. Ein blockierter Pass wird sie nicht aufhalten, genauso wenig wie die Schattenlords, ob es nun M�nner oder Frauen sind. Meine Konfrontation mit dem Dunklen K�nig wird sie genauso anlocken wie die S�uberung der Quelle�� nur tausendmal mehr. Sie werden mit Feuer und Donner kommen, und sie werden t�ten.�</p><p>�Das werden wir auch.�</p><p>�Ich z�hle darauf�, sagte Rand. �Aber ich kann es mir nicht leisten, dich in die H�hle mitzunehmen, Aviendha.�</p><p>Eine tiefe Entt�uschung stieg in ihr auf, aber sie griff sie an, stach auf sie ein und lie� sie sterben. �Das habe ich schon vermutet. Komm nicht auf die Idee, mich in Sicherheit zu schicken, Rand al�Thor. Du w�rdest���</p><p>�Das w�rde ich nicht wagen�, erwiderte er. �Da m�sste ich ja um mein Leben f�rchten�� au�erdem gibt es keinen sicheren Ort mehr. Ich kann dich nicht mit in die H�hle nehmen, weil du drau�en im Tal gebraucht wirst; du musst nach den Verlorenen und den Siegeln Ausschau halten. Ich <emphasis>brauche</emphasis> dich, Aviendha. Ich brauche euch alle drei, um w�hrend dieses Kampfes aufzupassen und meine H�nde�� und mein Herz�� zu sein. Ich werde Min zu Egwene schicken. Dort wird etwas passieren, da bin ich mir sicher. Elayne wird im S�den k�mpfen, und du�� Ich brauche dich im Tal von Thakan�dar, wo du mir den R�cken deckst.</p><p>Ich werde f�r die Aes Sedai und die Asha�man Befehle zur�cklassen, Aviendha. Ituralde f�hrt unsere Truppen an, aber <emphasis>du</emphasis> hast am Shayol Ghul den Befehl �ber unsere Machtlenker. Du musst den Feind daran hindern, die H�hle nach mir zu betreten. In dieser Schlacht bist du mein Speer. Falls sie mich erwischen, w�hrend ich in dieser H�hle bin, werde ich hilflos sein. Was ich dort tun muss, wird mir alles abverlangen�� meine ganze Konzentration und jeden Funken Macht, �ber den ich verf�ge. Ich werde wie ein in der Wildnis ausgesetzter S�ugling sein, der den Tieren hilflos ausgeliefert ist.�</p><p>�Und wie unterscheidet sich das von deinem sonstigen Zustand, Rand al�Thor?�, fragte sie.</p><p>Er lachte. Es f�hlte sich gut an, dieses Lachen sehen und f�hlen zu k�nnen. �Hattest du nicht gesagt, das sei nicht der Augenblick f�r Leichtfertigkeit?�</p><p>�Jemand muss bei dir f�r Demut sorgen�, erwiderte sie. �Es w�re nicht gut, wenn du dich f�r jemand Gro�artiges hieltest, blo� weil du die Welt rettest.�</p><p>Er lachte wieder und f�hrte sie ins Zelt, wo Min war. Nynaeve und Moiraine warteten ebenfalls dort, die eine mit erz�rnter Miene, die andere in sich ruhend. Nynaeve sah ohne ihren Zopf sehr merkw�rdig aus. Heute trug sie ihr Haar hochgesteckt.</p><p>Moiraine sa� stumm auf einem gro�en Stein, und <emphasis>Callandor</emphasis> ���Das Schwert, das kein Schwert ist��� ruhte auf ihrem Scho�. Eine Hand lag sch�tzend auf dem Griff. Thom sa� neben ihr, schnitzte an einem Stock herum und pfiff leise vor sich hin.</p><p>�Du h�ttest mich mitnehmen sollen, Rand�, legte Nynaeve sofort los und verschr�nkte die Arme.</p><p>�Du hattest eine andere Aufgabe�, erwiderte er. �Hast du versucht, was ich befahl?�</p><p>�Immer wieder. Es gibt keine M�glichkeit, den Fehler zu umgehen, Rand. Du kannst <emphasis>Callandor nicht</emphasis> benutzen. Es wird zu gef�hrlich sein.�</p><p>Rand streckte die Hand aus, und Moiraine hob <emphasis>Callandor</emphasis>, damit er es nehmen konnte. Er hielt es in die H�he und schaute durch die kristallartige Substanz hindurch. Das Schwert fing an, leise zu gl�hen. �Min, ich habe eine Aufgabe f�r dich�, fl�sterte er. �Egwene macht gro�e Fortschritte, und ich habe das Gef�hl, dass ihre Front der Schl�ssel sein wird. Ich w�nsche, dass du gehst und sie und die Kaiserin von Seanchan, die ich gebeten habe, sich dieser Front anzuschlie�en, im Auge beh�ltst.�</p><p>�Ihr lasst die Seanchaner sich <emphasis>Egwenes</emphasis> Front anschlie�en?�, fragte Moiraine entsetzt. �Ist das klug?�</p><p>�In diesen Tagen kann ich Weisheit nicht von Dreistigkeit unterscheiden�, sagte er. �Aber ich w�rde mich besser f�hlen, wenn jemand ein Auge auf diese beiden Fraktionen hat. Min, tust du das f�r mich?�</p><p>�Ich hatte gehofft��� Min schaute zur Seite.</p><p><emphasis>Sie hat gehofft, er nimmt sie mit in die H�hle,</emphasis> dachte Aviendha. Aber nat�rlich konnte er das nicht tun.</p><p>�Es tut mir leid, Min�, sagte er. �Aber ich brauche dich.�</p><p>�Ich mache es!�</p><p>�Rand�, sagte Nynaeve. �Du nimmst <emphasis>Callandor</emphasis> mit, wenn du ihn angreifst? Seine Schw�che�� solange du Macht in dieses�� <emphasis>Ding</emphasis> lenkst, kann jeder die Kontrolle �ber dich erringen. Sie k�nnen dich benutzen und die Eine Macht durch <emphasis>Callandor</emphasis> in dich lenken, bis sie dich ausbrennt�� du stehst hilflos da, w�hrend sie die Kraft haben, Berge einzuebnen und St�dte zu vernichten.�</p><p>�Ich nehme es mit�, erwiderte er.</p><p>�Aber es ist eine Falle!�, beharrte Nynaeve.</p><p>�Ja�, sagte Rand und klang m�de. �Eine Falle, in die ich gehen muss, damit sie zuschnappt.� Pl�tzlich lachte er und warf den Kopf zur�ck. �Wie immer! Warum sollte ich �berrascht sein? Verbreite die Nachricht, Nynaeve. Sag Ituralde, Rhuarc und K�nig Darlin Bescheid. Morgen greifen wir Shayol Ghul an und beanspruchen ihn f�r uns! Wenn wir schon unseren Kopf in den Rachen des L�wen stecken m�ssen, dann sollten wir auch daf�r sorgen, dass er an uns erstickt!�</p></section><section><title><p>21</p><p>Ein unverzeihlicher Fehler</p></title><p>Siuan rollte die Schultern. Der scharfe Schmerz lie� sie das Gesicht verziehen. �Yukiri�, murrte sie, �Euer Gewebe braucht noch etwas Arbeit.�</p><p>Die kleine Graue fluchte leise und stand vom Lager des Soldaten auf, der eine Hand verloren hatte. Sie hatte ihn nicht Geheilt, sondern ihn gew�hnlichen Heilern mit ihren Verb�nden �berlassen. Kraft f�r diesen Mann aufzuwenden w�re eine Verschwendung, denn er w�rde nie wieder k�mpfen. Sie musste ihre Kraft f�r Soldaten reservieren, die wieder an die Front konnten.</p><p>Es war eine brutale Einstellung. Nun, das waren auch brutale Zeiten. Siuan und Yukiri begaben sich zu dem n�chsten Soldaten in der Reihe der Verletzten. Der Mann mit der fehlenden Hand w�rde auch ohne das Heilen �berleben. Vermutlich. Sie hatten die Gelben in Mayene, aber deren Energie wurde f�r das Heilen der Aes Sedai ben�tigt, die die Flucht �berlebt hatten. Und f�r Soldaten, die noch k�mpfen konnten.</p><p>�berall in dem provisorischen Lager, das �stlich vom Fluss und dessen Furt auf dem Boden von Arafel errichtet worden war, st�hnten und schluchzten Soldaten. So viele Verletzte, und Siuan und Yukiri geh�rten zu den wenigen Aes Sedai, die noch Kraft zum Heilen hatten. Die meisten anderen hatten sich v�llig verausgabt, als sie Wegetore erschufen, um ihre Armee aus der Mitte der beiden angreifenden Feinde zu schaffen.</p><p>Die Sharaner hatten gnadenlos angegriffen, aber das Lager der Wei�en Burg zu sichern hatte sie eine Weile besch�ftigt, was dem Heer die Zeit zur Flucht verschafft hatte. Jedenfalls Teilen davon.</p><p>Yukiri unterzog den n�chsten Mann der Tiefenschau, dann nickte sie. Siuan kniete nieder und bereitete ein Heilgewebe vor. Sie war darin nie besonders gut gewesen, und selbst mit einem <emphasis>Angreal</emphasis> forderte ihr das viel ab. Sie brachte den Soldaten zur�ck vom Rand des Todes und Heilte die Wunde in seiner Seite. Er keuchte auf, denn ein gro�er Teil der f�r die Heilung n�tigen Energie kam aus seinem eigenen K�rper.</p><p>Siuan schwankte, dann sackte sie ersch�pft zusammen. Beim Licht, sie war so unsicher auf den Beinen wie eine Adlige an ihrem ersten Tag auf einem Schiffsdeck!</p><p>Yukiri betrachtete sie, dann hielt sie die Hand f�r das <emphasis>Angreal</emphasis> hin, eine kleine Steinblume. �Ruht Euch aus, Siuan.�</p><p>Siuan biss die Z�hne zusammen, dann �bergab sie das <emphasis>Angreal</emphasis>. Die Eine Macht entglitt ihr, und sie seufzte tief, zugleich erleichtert und betr�bt, die Sch�nheit <emphasis>Saidars</emphasis> zu verlieren.</p><p>Yukiri ging zum n�chsten Soldaten. Siuan blieb dort liegen, wo sie war, und ihr K�rper beschwerte sich �ber seine zahllosen Prellungen und Schmerzen. Die Geschehnisse der Schlacht waren ihr nur verschwommen bewusst. Sie erinnerte sich noch, wie der junge Gawyn Trakand in das Befehlszelt st�rmte und br�llte, dass Egwene den R�ckzug des Heeres befahl.</p><p>Bryne hatte schnell reagiert und einen schriftlichen Befehl durch das Wegetor im Boden fallen lassen. Das war seine neueste Methode, Befehle weiterzugeben�� ein Pfeilschaft mit einem daran gebundenen Blatt, den man durch ein Wegetor am Himmel fallen lie�. Die Sch�fte wiesen keine Spitzen auf, sondern waren blo� mit kleinen Steinen beschwert.</p><p>Schon vor Gawyns Erscheinen war Bryne unruhig gewesen. Der Schlachtverlauf hatte ihm gar nicht gefallen. Die Bewegungen der Trollocs hatten ihn gewarnt, dass der Schatten etwas im Schilde f�hrte. Siuan war davon �berzeugt, dass er die Befehle bereits vorbereitet hatte.</p><p>Dann war das Lager von Explosionen ersch�ttert worden. Und Yukiri br�llte ihnen zu, <emphasis>durch</emphasis> das Loch im Boden zu springen. Beim Licht, sie hatte die Frau f�r verr�ckt gehalten! Offensichtlich verr�ckt genug, um ihnen allen das Leben zu retten!</p><p><emphasis>Ich will zu Asche verbrannt werden, wenn ich hier rumliege wie die Reste vom gestrigen Fang,</emphasis> dachte sie und starrte in den Himmel. Sie zwang sich auf die F��e.</p><p>Yukiri behauptete, dass ihr Gewebe �berhaupt nicht obskur war, obwohl Siuan noch nie davon geh�rt hatte. Ein gewaltiges Kissen aus Luft, das jemanden auffangen sollte, der aus gro�er H�he st�rzte. Sein Weben hatte die Aufmerksamkeit der Sharaner auf sich gezogen�� ausgerechnet <emphasis>Sharaner</emphasis>!��, aber sie waren entkommen. Sie, Bryne, Yukiri und ein paar Adjutanten. Verflucht, sie waren dort herausgekommen, auch wenn sie die Erinnerung an den Sturz noch immer zusammenzucken lie�. Und Yukiri behauptete noch immer, dass das Gewebe m�glicherweise das Geheimnis hinter der Entdeckung des Fliegens war! Dumme Frau. Es gab einen guten Grund, warum der Sch�pfer Menschen keine Fl�gel verliehen hatte.</p><p>Sie fand Bryne am Rand des neuen Lagers, wo er ersch�pft auf einem Baumstumpf sa�. Zwei von Steinen gehaltene Schlachtpl�ne lagen vor ihm ausgebreitet auf dem Boden. Die Karten waren zerknittert; er hatte sie sich noch geschnappt, als das Zelt bereits in die Luft flog.</p><p><emphasis>Dummer Mann,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Riskiert sein Leben f�r ein paar Bl�tter Papier.</emphasis></p><p>���die Berichte�, sagte General Haerm, der neue Befehlshaber der Gef�hrten von Illian. �Es tut mir leid, mein Lord. Die Kundschafter wagen sich nicht zu nahe an das alte Lager heran.�</p><p>�Kein Zeichen von der Amyrlin?�, fragte Siuan.</p><p>Bryne und Haerm sch�ttelten beide den Kopf.</p><p>�Sucht weiter, junger Mann.� Siuan fuchtelte Haerm mit dem Finger vor dem Gesicht herum. Das Wort �jung� lie� ihn die Braue heben. Dieses jugendliche Gesicht, das sie bekommen hatte, sollte verflucht sein. �Das ist mein Ernst. Die Amyrlin lebt. Ihr <emphasis>findet</emphasis> sie, habt Ihr verstanden?�</p><p>�Ich�� ja, Aes Sedai.� Ein gewisses Ma� an Respekt zeigte er ja, aber es reichte nicht. Diese Illianer wussten einfach nicht, wie man eine Aes Sedai zu behandeln hatte.</p><p>Bryne verabschiedete den Mann, und dieses eine Mal hatte es nicht den Anschein, als w�rde bereits der n�chste auf ihn warten. Vermutlich waren alle zu ersch�pft. Ihr �Lager� sah eher wie eine Ansammlung von Fl�chtlingen aus, die einem schrecklichen Brand entkommen waren, als wie das einer Armee. Die meisten M�nner hatten sich in ihre Umh�nge gerollt und schliefen. Soldaten waren besser als Matrosen darin, �berall und zu jeder Zeit schlafen zu k�nnen.</p><p>Sie konnte es ihnen nicht ver�beln. Schon vor der Ankunft der Sharaner war sie ersch�pft gewesen. Jetzt war sie zu Tode ersch�pft. Sie setzte sich neben Brynes Baumstumpf auf den Boden.</p><p>�Tut dir der Arm noch weh?�, fragte er und beugte sich vor, um ihre Schulter zu reiben.</p><p>�Das kannst du doch f�hlen�, grollte sie.</p><p>�Ich will blo� nett sein, Siuan.�</p><p>�Glaube ja nicht, dass ich vergessen habe, dass du an dieser Prellung schuld bist.�</p><p>�Ich?� Bryne klang am�siert.</p><p>�Du hast mich in das Loch gesto�en.�</p><p>�Du schienst dich nicht bewegen zu wollen.�</p><p>�Ich wollte gerade springen. Ich war fast so weit.�</p><p>�Da bin ich mir sicher.�</p><p>�Das ist deine Schuld�, beharrte Siuan. �Ich geriet ins Stolpern. Ich wollte aber nicht stolpern. Und Yukiris Gewebe�� eine schreckliche Sache.�</p><p>�Es hat funktioniert�, erwiderte Bryne. �Ich bezweifle, dass viele Leute von sich behaupten k�nnen, dreihundert Schritt tief gefallen zu sein und �berlebt zu haben.�</p><p>�Sie war viel zu eifrig�, fuhr Siuan fort. �Wei�t du, vermutlich hatte sie schon die ganze Zeit vorgehabt, uns springen zu lassen. Dieses ganze Gerede �ber das Reisen und Gewebe der Bewegung��� Sie verstummte, nicht zuletzt deshalb, weil sie sich �ber sich selbst �rgerte. Dieser Tag war auch so schon schlimm genug, ohne dass sie Bryne anfahren musste. �Wie viele haben wir verloren?� Kein besseres Thema, aber sie musste es wissen. �Liegen die Berichte schon vor?�</p><p>�Beinahe jeden zweiten Soldaten�, sagte Bryne leise.</p><p>Schlimmer, als sie gedacht hatte. �Und die Aes Sedai?�</p><p>�Ungef�hr zweihundertf�nfzig sind noch �brig�, sagte er. �Allerdings sind einige von ihnen in einen Schockzustand verfallen, weil sie Beh�ter verloren haben.�</p><p>Eine noch gr��ere Katastrophe. Einhundertzwanzig tote Aes Sedai in nur wenigen Stunden? Die Wei�e Burg w�rde eine sehr lange Zeit brauchen, um sich davon zu erholen.</p><p>�Es tut mir leid, Siuan�, sagte er.</p><p>�Bah�, sagte sie. �Die meisten von ihnen haben mich sowieso wie Fischgr�ten behandelt. Sie haben mich als Amyrlin verabscheut, �ber mich gelacht, als ich gest�rzt wurde, und mich nach meiner R�ckkehr zu einer Dienerin gemacht.�</p><p>Bryne nickte und rieb ihre Schulter weiter. Er konnte f�hlen, dass sie trotz ihrer Worte tief betroffen war. Unter den Toten waren gute Frauen gewesen. Viele gute Schwestern.</p><p>�Sie ist irgendwo dort drau�en�, sagte sie stur. �Egwene wird uns �berraschen, Bryne. Pass nur auf!�</p><p>�Wenn ich aufpasse, wird es keine besondere �berraschung, oder?�</p><p>Siuan grunzte. �Alberner Mann.�</p><p>�Du hast recht�, sagte er ernst. �In beiden Dingen. Ich glaube, dass Egwene uns �berraschen wird. Und ich bin ein Narr.�</p><p>�Bryne���</p><p>�Das bin ich, Siuan. Wie h�tte ich sonst �bersehen k�nnen, dass sie uns hinhalten? Sie wollten uns besch�ftigen, bis sich diese andere Streitmacht versammeln konnte. Die Trollocs zogen sich auf diese H�gel zur�ck. Eine Defensivbewegung. Trollocs sind aber nicht defensiv. Ich nahm an, sie wollten blo� einen Hinterhalt vorbereiten und h�tten darum Leichen eingesammelt und abgewartet. H�tte ich sie fr�her angegriffen, h�tte man das hier vermeiden k�nnen. Ich war zu vorsichtig.�</p><p>�Ein Mann, der den ganzen Tag �ber den Fang nachgr�belt, den er wegen st�rmischen Wetters vers�umt hat, verschwendet Zeit, wenn der Himmel klar ist.�</p><p>�Ein kluges Sprichwort�, meinte er. �Aber es gibt auch eines unter Gener�len, geschrieben von Fogh dem Unerm�dlichen. �Wenn man nichts aus seinen Verlusten lernt, wird man sich von ihnen beherrschen lassen.� Ich kann nicht verstehen, wie ich das zulassen konnte. Ich bin besser ausgebildet, besser vorbereitet! Wir sprechen hier nicht nur von einem Fehler, den ich einfach ignorieren kann, Siuan. Das Muster selbst steht auf dem Spiel.�</p><p>Er rieb sich die Stirn. Im schwachen Licht der untergehenden Sonne sah er �lter aus, das Gesicht faltig, die H�nde gebrechlich. Es war, als h�tte ihm diese Schlacht Jahrzehnte gestohlen. Er seufzte und beugte sich vor.</p><p>Siuan musste entdecken, dass ihr die Worte fehlten.</p><p>Schweigend blieben sie dort sitzen.</p><empty-line/><p>Lyrelle wartete vor den Toren dieser sogenannten Schwarzen Burg. Es kostete sie jeden Funken ihrer Ausbildung, um sich ihre Frustration nicht anmerken zu lassen.</p><p>Diese ganze Expedition war von Anfang an ein Desaster gewesen. Zuerst hatte die Schwarze Burg ihnen den Eintritt verwehrt, bis die Roten mit ihrer Sache fertig waren, dann hatte es den �rger mit den Wegetoren gegeben. Darauf folgten drei Blasen des B�sen, zwei Versuche von Schattenfreunden, sie alle zu ermorden, und die Warnung der Amyrlin, dass sich die Schwarze Burg auf die Seite des Schattens geschlagen hatte.</p><p>Lyrelle hatte die meisten ihrer Frauen aufgrund des Befehls der Amyrlin zu Lan Mandragoran geschickt, um an seiner Seite zu k�mpfen. Sie selbst war mit ein paar Schwestern zur�ckgeblieben, um die Schwarze Burg zu beobachten. Und jetzt�� und jetzt das. Was sollte sie davon halten?</p><p>�Ich kann Euch versichern�, sagte der junge Asha�man, �dass die Gefahr vor�ber ist. Wir haben den M�Hael und die anderen, die sich dem Schatten zugewandt haben, vertrieben. Der Rest von uns wandelt im Licht.�</p><p>Lyrelle wandte sich an ihre Begleiterinnen. Eine Abgeordnete von jeder Ajah, unterst�tzt von R�ckendeckung in Gestalt von drei�ig weiteren Schwestern, nach denen man an diesem Morgen verzweifelt geschickt hatte, als die Asha�man das erste Mal zu ihr gekommen waren. Sie hatten Lyrelles F�hrung akzeptiert, wenn auch widerstrebend.</p><p>�Wir werden es besprechen�, sagte sie und entlie� den jungen Asha�man mit einem Nicken.</p><p>�Was machen wir jetzt?�, fragte Myrelle. Die Gr�ne war von Anfang an dabei gewesen; sie hatte zu den wenigen geh�rt, die sie nicht weggeschickt hatte, vor allem weil sie die Beh�ter der Frau in der N�he haben wollte. �Wenn einige von ihnen f�r den Schatten k�mpfen���</p><p>�Man kann wieder Wegetore weben�, sagte Seaine. �Seit wir vor ein paar Tagen f�hlten, wie innerhalb dieses Ortes die Macht gelenkt wurde, hat sich hier etwas ver�ndert.�</p><p>�Darauf verlasse ich mich nicht�, sagte Myrelle.</p><p>�Wir m�ssen es mit Sicherheit wissen�, erwiderte Seaine. �Die Schwarze Burg darf w�hrend der Letzten Schlacht nicht unbeaufsichtigt bleiben. Wir m�ssen daf�r sorgen, dass man sich um diese M�nner k�mmert, auf die eine oder andere Weise.� Die M�nner von der Schwarzen Burg behaupteten, dass nur wenige von ihnen zum Schatten �bergelaufen waren und dass das Machtlenken das Resultat eines Angriffs der Schwarzen Ajah gewesen war.</p><p>Allein schon diese Worte h�ren zu m�ssen widerte Lyrelle an. Schwarze Ajah. Jahrhundertelang hatte die Wei�e Burg die Existenz von Schattenfreunden unter Aes Sedai geleugnet. Leider war die Wahrheit enth�llt worden. Aber das bedeutete nicht, dass Lyrelle h�ren wollte, wie M�nner so freim�tig mit diesem Begriff um sich warfen. Erst recht nicht M�nner wie diese.</p><p>�H�tten sie uns angreifen wollen�, sagte sie nachdenklich, �dann h�tten sie es getan, als wir nicht durch Wegetore entkommen konnten. F�r den Augenblick will ich einmal davon ausgehen, dass sie das�� Problem in ihren eigenen R�ngen gel�st haben. Wie es die Wei�e Burg verlangt hat.�</p><p>�Also treten wir ein?�, wollte Myrelle wissen.</p><p>�Ja. Wir gehen mit den uns versprochenen M�nnern den Beh�terbund ein; aus denen bekommen wir schon die Wahrheit heraus, falls sie verschleiert werden sollte.� Es st�rte Lyrelle, dass der Wiedergeborene Drache ihnen die h�chstrangigen Asha�man verweigert hatte, aber bei ihrer urspr�nglichen Ankunft hatte sie einen Plan geschmiedet. Er sollte noch immer funktionieren. Sie w�rde vorher verlangen, dass die M�nner ihre Beherrschung der Macht demonstrierten und dann mit dem den Bund eingingen, der ihrer Meinung nach der St�rkste war. Dann w�rde sie denjenigen von ihnen erwischt haben, der ihr verraten konnte, welche unter den Auszubildenden die Talentiertesten waren, damit sich ihre Schwestern sie nehmen konnten.</p><p>Und dann�� nun, sie hoffte, dass sie die Mehrzahl dieser M�nner in Schach halten konnten. Beim Licht, was f�r eine scheu�liche Angelegenheit. M�nner, die die <emphasis>Macht</emphasis> lenken konnten, die schamlos damit herumliefen. Dieses M�rchen vom gereinigten Makel akzeptierte sie nicht. Nat�rlich w�rden diese�� M�nner�� so etwas behaupten.</p><p>�Manchmal w�nschte ich�, murmelte sie, �ich k�nnte zur�ckgehen und mich daf�r ohrfeigen, diese Aufgabe �bernommen zu haben.�</p><p>Myrelle lachte. Sie nahm die Dinge nie so ernst, wie sie es h�tte tun sollen. Lyrelle war w�tend, die vielen Gelegenheiten verpasst zu haben, die sich w�hrend ihrer langen Abwesenheit in der Wei�en Burg zugetragen hatten. Die Wiedervereinigung, der Kampf gegen die Seanchaner�� Das waren Zeiten, in denen F�hrungsqualit�ten bewiesen werden konnten, und eine Frau konnte hier den Ruf erringen, �ber gro�es Durchsetzungsverm�gen zu verf�gen.</p><p>In Zeiten des Aufruhrs gab es immer Gelegenheiten. Gelegenheiten, die nun f�r sie verloren waren. Beim Licht, wie sie diese Vorstellung hasste.</p><p>�Wir treten ein�, rief sie zu den Mauern hoch, die das Tor vor ihr umgaben. Dann sprach sie leiser zu ihren Frauen. �Haltet die Eine Macht und seid vorsichtig. Wir wissen nicht, was hier passieren k�nnte.� Ihre Frauen w�rden, falls n�tig, auch einer gro�en Zahl unerfahrener Asha�man gewachsen sein. Logischerweise sollte es nicht dazu kommen. Nat�rlich waren diese M�nner mehr oder weniger geisteskrank. Also war es vielleicht falsch, von ihnen Logik erwarten zu wollen.</p><p>Die gro�en Tore �ffneten sich, um sie einzulassen. Es sagte viel �ber diese M�nner der Schwarzen Burg aus, dass sie zuerst die Mauer um ihren Besitz errichtet hatten, bevor sie an ihrer Burg weiterbauten.</p><p>Sie trieb ihr Pferd an, und Myrelle und die anderen folgten ihr inmitten von Hufgeklapper. Sie umarmte die Quelle und benutzte das neue Gewebe, das ihr verraten w�rde, falls ein Mann in der N�he die Macht lenkte. Allerdings begr��te sie nicht der junge Mann von eben am Tor.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, fragte sie Pevara Tazanovni, die auf sie zuritt. Sie kannte die Rote Sitzende, wenn auch nicht gut.</p><p>�Man hat mich gebeten, Euch zu begleiten�, erwiderte Pevara fr�hlich. �Logain war der Ansicht, dass Euch ein vertrautes Gesicht vielleicht die Anspannung nimmt.�</p><p>Lyrelle unterdr�ckte ein h�hnisches Grinsen. Aes Sedai sollten nicht fr�hlich sein. Aes Sedai sollten ruhig, gesammelt und vor allem anderen streng sein. Ein Mann sollte eine Aes Sedai anblicken und sich sofort fragen, was er falsch gemacht hatte und wie er es wohl in Ordnung bringen sollte.</p><p>Pevara setzte sich an ihre Seite, als sie auf das Gel�nde der Schwarzen Burg ritten. �Logain, der hier jetzt den Befehl hat, �bersendet seinen Gru߫, fuhr Pevara fort. �Er ist bei dem Angriff schwer verletzt worden und hat sich noch nicht vollst�ndig erholt.�</p><p>�Wird er wieder genesen?�</p><p>�Oh, mit Sicherheit. In ein, zwei Tagen sollte er wieder auf den Beinen sein. Ich sch�tze, er wird gebraucht, um die Asha�man in der Letzten Schlacht anzuf�hren.�</p><p>Schade, dachte Lyrelle. Ohne falschen Drachen an der Spitze w�re die Schwarze Burg leichter zu kontrollieren gewesen. Es w�re besser gewesen, er w�re gestorben.</p><p>�Ich bin �berzeugt, seine Hilfe wird n�tzlich sein�, sagte Lyrelle. �Seine F�hrung hingegen�� Nun, wir werden ja sehen. Sagt, Pevara�� Man hat mir zugetragen, dass der Beh�terbund mit einem Mann, der die Macht lenken kann, sich von dem Bund mit einem normalen Mann unterscheidet. Habt Ihr diese Erfahrung gemacht?�</p><p>�Ja�, erwiderte Pevara.</p><p>�Und, stimmt es? Gew�hnliche M�nner k�nnen durch den Bund zum Gehorsam gezwungen werden, aber diese Asha�man nicht?�</p><p>Pevara l�chelte nur und erschien irgendwie wehm�tig. �Ach, wie das wohl w�re? Nein, der Bund kann keinen Asha�man zu etwas zwingen. Ihr werdet Euch schon einfallsreichere Methoden einfallen lassen m�ssen.�</p><p>Das war nicht gut. �Wie gehorsam sind sie denn?�, fragte Aledrin von der anderen Seite.</p><p>�Ich vermute, das kommt auf den jeweiligen Mann an�, antwortete Pevara.</p><p>�Wenn man sie nicht zwingen kann�, sagte Lyrelle, �werden sie ihrer Aes Sedai im Kampf gehorchen?�</p><p>�Vermutlich�, sagte Pevara, auch wenn in ihrem Tonfall etwas Doppeldeutiges mitschwang. �Ich muss euch etwas sagen, euch allen. Die Mission, zu der ich losgeschickt wurde und die ihr ebenfalls verfolgt, ist ein Narrenspiel.�</p><p>�Tats�chlich?�, fragte Lyrelle tonlos. Sie w�rde wohl kaum einer Roten trauen, vor allem nicht nach dem, was sie mit Siuan gemacht hatten. �Wieso das?�</p><p>�Einst war ich genau wie ihr jetzt�, fuhr Pevara fort. �Dazu bereit, s�mtliche Asha�man in den Beh�terbund zu zwingen, um sie kontrollieren zu k�nnen. Aber w�rdet ihr auch in irgendeine andere Stadt reiten und dort f�nfzig M�nner aufs Geratewohl aussuchen und zu Beh�tern machen? Sich mit den Asha�man um des Bundes willen zu verbinden ist dumm. Es wird sie nicht kontrollieren. Ich glaube, einige Asha�man werden ausgezeichnete Beh�ter abgeben, aber wie bei so vielen M�nnern ist das bei anderen nicht der Fall. Ich schlage vor, ihr gebt euren Plan auf, genau siebenundvierzig von ihnen auszuw�hlen und stattdessen die zu nehmen, die daran Interesse zeigen. Ihr werdet bessere Beh�ter erhalten.�</p><p>�Ein interessanter Rat�, sagte Lyrelle. �Aber wie Ihr bereits erw�hntet, werden die Asha�man an der Front gebraucht. Wir haben keine Zeit. Wir werden die siebenundvierzig M�chtigsten nehmen.�</p><p>Pevara seufzte, enthielt sich aber jedes weiteren Kommentars, als sie mehrere M�nner in schwarzen M�nteln mit zwei Anstecknadeln an den hohen Kragen passierten. Lyrelle fr�stelte, als w�rden sich Insekten einen Weg unter ihrer Haut graben. M�nner, die die Macht lenken konnten.</p><p>Lelaine war der Ansicht, dass die Schwarze Burg f�r die Pl�ne der Wei�en Burg von entscheidender Bedeutung war. Nun, Lyrelle geh�rte der Blauen Sitzenden nicht. Sie war eine unabh�ngige Frau und au�erdem ebenfalls Sitzende. Falls sie eine M�glichkeit fand, in der Schwarzen Burg die Autorit�t zu erringen, dann konnte sie sich vielleicht endlich von Lelaine befreien.</p><p>Daf�r lohnte es sogar, den Bund mit einem Asha�man einzugehen. Aber sie w�rde es beim Licht nicht genie�en. Irgendwie mussten sie alle diese M�nner unter ihre Kontrolle bringen. Der Drache w�rde den Verstand verlieren, denn der Dunkle K�nig hatte <emphasis>Saidin</emphasis> mit seinem Makel beschmutzt; mittlerweile musste er unzuverl�ssig sein. Ob man ihn wohl so weit manipulieren konnte, dass man auch den Rest dieser M�nner in den Beh�terbund zwingen konnte?</p><p><emphasis>Durch den Bund keine Kontrolle zu haben�� das wird gef�hrlich sein.</emphasis> Sie stellte sich vor, mit Reihen aus zwei oder drei Dutzend Asha�man in die Schlacht zu ziehen, die alle mit ihr verbunden waren und ihrem Willen unterlagen. Wie konnte sie das zustande bringen?</p><p>Am Dorfrand wartete bereits eine Reihe M�nner in schwarzen M�nteln. Lyrelle und die anderen n�herten sich ihnen, und sie z�hlte schnell. Siebenundvierzig M�nner, jener eingeschlossen, der vor den anderen stand. Was f�r eine Hinterlist f�hrten sie denn jetzt im Schilde?</p><p>Der, der ganz vorn stand, trat vor. Er war ein st�mmiger Mann in den mittleren Jahren, und er sah aus, als h�tte er k�rzlich schlimme Dinge erlitten. Seine Haut war ganz fahl, unter den Augen zeichneten sich dicke Tr�nens�cke ab. Aber sein Schritt war energisch und sein Blick schwankte nicht, als er ihren Blick erwiderte und sich dann vor ihr verneigte.</p><p>�Willkommen, Aes Sedai�, sagte er.</p><p>�Und Ihr seid?�</p><p>�Androl Genhald�, sagte er. �Man hat mir den Befehl �ber Eure siebenundvierzig �bergeben, bis sie den Bund eingegangen sind.�</p><p>�Meine siebenundvierzig? Wie ich sehe, habt Ihr die vereinbarten Bedingungen bereits vergessen. Wir bekommen jeden Soldaten oder Geweihten, den wir wollen, und sie k�nnen sich nicht verweigern.�</p><p>�Ja, nun�, erwiderte Androl. �Das ist richtig. Leider sind s�mtliche M�nner in der Schwarzen Burg mit Ausnahme von denen hier entweder vollwertige Asha�man oder wegen dringender Dinge abberufen worden. Die anderen w�rden nat�rlich den Befehlen des Drachen folgen, w�ren sie anwesend. Wir haben daf�r gesorgt, dass Euch siebenundvierzig zur Verf�gung stehen. Eigentlich sind es sechsundvierzig. Ihr m�sst wissen, dass ich bereits von Pevara Sedai dem Bund zugef�hrt wurde.�</p><p>�Wir warten, bis die anderen zur�ck sind�, erwiderte Lyrelle kalt.</p><p>�Ich glaube nicht, dass das so bald geschieht�, sagte Androl. �Falls Ihr an der Letzten Schlacht teilnehmen wollt, m�sst Ihr Euch schnell entscheiden.�</p><p>Lyrelle starrte ihn mit zusammengekniffenen Augen an, dann blickte sie zu Pevara hin�ber, die blo� mit den Schultern zuckte.</p><p>�Das ist ein Trick�, sagte sie zu Androl. �Und zwar ein recht kindischer.�</p><p>�Ich fand ihn eigentlich recht schlau�, erwiderte Androl mit k�hler Stimme. �Einer Aes Sedai wert, k�nnte man sagen. Euch wurde versprochen, dass jeder Angeh�rige der Schwarzen Burg Eurer Bitte entspricht, ausgenommen die vollwertigen Asha�man. Sie werden gehorchen. Jeder von ihnen, an den Ihr die Bitte richten k�nnt.�</p><p>�Zweifellos habt Ihr die Schw�chsten unter Euch ausgesucht.�</p><p>�Tats�chlich haben wir die genommen, die sich freiwillig gemeldet haben�, sagte Androl. �Das sind gute M�nner, jeder Einzelne von ihnen. Sie alle wollten Beh�ter werden.�</p><p>�Der Wiedergeborene Drache wird davon h�ren!�</p><p>�Soweit ich informiert bin�, erwiderte Androl, �begibt er sich in K�rze zum Shayol Ghul. Wollt Ihr Euch dort zu ihm gesellen, nur um Euch zu beschweren?�</p><p>Lyrelles Lippen verzogen sich zu einem schmalen Strich.</p><p>�Folgendes, Aes Sedai�, fuhr Androl fort. �Der Wiedergeborene Drache hat uns eine Botschaft geschickt, gerade erst heute. Er hat uns angewiesen, eine letzte Lektion zu lernen: Wir sollen uns nicht als Waffen betrachten, sondern als Menschen. Nun, Menschen k�nnen ihr Schicksal w�hlen, Waffen k�nnen das nicht. Hier sind Eure <emphasis>Menschen</emphasis>, Aes Sedai. Respektiert sie.�</p><p>Androl verneigte sich erneut und ging. Pevara z�gerte, dann wendete sie ihr Pferd und folgte ihm. Lyrelle erkannte etwas im Gesicht der Frau, als sie diesen Mann ansah.</p><p><emphasis>So ist das also,</emphasis> dachte Lyrelle. <emphasis>Sie ist nicht besser als eine Gr�ne. Von jemandem ihres Alters h�tte ich doch mehr erwartet.</emphasis></p><p>Sie war versucht, sich nicht auf diese Manipulation einzulassen, sich auf direktem Weg zur Amyrlin zu begeben und zu protestieren. Aber�� die Nachrichten vom Schlachtfeld der Amyrlin waren ungenau. Etwas �ber das Eintreffen einer Armee, mit der niemand gerechnet hatte; Einzelheiten waren nicht verf�gbar.</p><p>Mit Sicherheit w�rde sich die Amyrlin nicht dar�ber freuen, sich zu diesem Zeitpunkt irgendwelche Klagen anh�ren zu m�ssen. Und au�erdem musste sie zugeben, dass sie diese Schwarze Burg schnell und weit hinter sich lassen wollte.</p><p>�Jede von euch sucht sich zwei aus�, sagte Lyrelle zu ihren Begleiterinnen. �Ein paar von uns nehmen nur einen. Faolain und Theodrin, damit seid auch ihr gemeint. Macht schnell, ihr alle. Ich will diesen Ort so schnell wie m�glich verlassen.�</p><empty-line/><p>Pevara holte Androl ein, als er eine der H�tten betreten wollte.</p><p>�Beim Licht�, sagte sie, �ich hatte ganz vergessen, wie <emphasis>kalt</emphasis> einige von uns sein k�nnen.�</p><p>�Ach, ich wei� nicht�, erwiderte er, �ich habe geh�rt, dass einige von euch gar nicht so schlimm sein sollen.�</p><p>�Nehmt Euch vor ihnen in Acht, Androl�, sagte sie und blickte zu ihnen zur�ck. �Viele werden Euch blo� als Bedrohung oder n�tzliches Werkzeug sehen.�</p><p>�Wir haben Euch �berzeugt�, sagte er und betrat den Raum, in dem Canler, Jonneth und Emarin mit Tassen hei�en Tees warteten. Die M�nner fingen an, sich von dem Kampf zu erholen, Jonneth am schnellsten. Emarin trug die meisten Narben, viele davon tief in seiner Seele. Er war wie Logain dem Prozess des Umdrehens ausgesetzt worden. Pevara war nicht entgangen, wie er manchmal ins Leere starrte und sein Gesicht dabei einen Ausdruck tiefen Entsetzens annahm, als w�rde er sich an etwas Schreckliches erinnern.</p><p>�Ihr drei solltet nicht hier sein�, sagte Pevara, stemmte die H�nde in die H�ften und betrachtete Emarin und die anderen beiden. �Ich wei�, dass Logain euch die Bef�rderung versprochen hat, aber ihr tragt nur das Schwert am Kragen. H�tte eine dieser Frauen euch gesehen, k�nnten sie euch als Beh�ter nehmen.�</p><p>�Sie werden uns nicht sehen�, sagte Jonneth mit einem Lachen. �Androl h�tte uns durch ein Wegetor geschickt, bevor wir fluchen k�nnten!�</p><p>�Und was tun wir jetzt?�, fragte Canler.</p><p>�Was auch immer Logain von uns will�, erwiderte Androl.</p><p>Logain hatte sich seit der Tortur�� ver�ndert. Androl hatte ihr zugestimmt, dass er jetzt finsterer war. Er sprach weniger. Er war noch immer fest entschlossen, in die Letzte Schlacht zu ziehen, aber im Augenblick sammelte er seine M�nner und br�tete �ber Dingen, die sie in Taims R�umen gefunden hatten. Pevara sorgte sich, dass ihn die Verwandlung innerlich gebrochen hatte.</p><p>�Er glaubt, auf den in Taims R�umen gefundenen Schlachtpl�nen k�nnte etwas zu entdecken sein�, meinte Emarin.</p><p>�Wir gehen, wenn Logain entscheidet, dass wir am n�tzlichsten sind�, erwiderte Androl. Eine direkte Antwort, die aber auch nicht unbedingt viel aussagte.</p><p>�Und was ist mit dem Lord Drachen?�, fragte Pevara vorsichtig.</p><p>Sie sp�rte Androls Unsicherheit. Der Asha�man Naeff hatte sie besucht und Neuigkeiten und Befehle �berbracht�� und daraus hatten sich einige Schlussfolgerungen ergeben. Der Wiedergeborene Drache hatte gewusst, dass die Dinge in der Schwarzen Burg nicht zum Besten standen.</p><p>�Er hat uns absichtlich im Stich gelassen�, sagte Androl.</p><p>�Er w�re hergekommen, w�re ihm das m�glich gewesen!�, erwiderte Jonneth. �Das versichere ich Euch.�</p><p>�Er wollte, dass wir aus eigener Kraft entkommen oder allein untergehen�, sagte Emarin. �Er ist ein brutaler Mann geworden. Vielleicht sogar hartherzig.�</p><p>�Es spielt keine Rolle�, sagte Androl. �Die Schwarze Burg hat gelernt, ohne ihn zu �berleben. Beim Licht! Sie hat immer ohne ihn �berlebt. Er hatte noch kaum etwas mit uns zu tun. Es war Logain, der uns Hoffnung gab. Logain erh�lt meine Gefolgstreue.�</p><p>Die anderen nickten. Pevara erkannte, dass hier gerade etwas Wichtiges geschah. <emphasis>Sie h�tten sich sowieso nicht f�r alle Zeiten auf ihn st�tzen k�nnen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Der Wiedergeborene Drache wird in der Letzten Schlacht sterben.</emphasis> Ob absichtlich oder nicht, er hatte ihnen die Gelegenheit gegeben, auf eigenen F��en zu stehen.</p><p>�Allerdings werde ich mir seinen letzten Befehl zu Herzen nehmen�, sagte Androl. �Ich werde nicht blo� eine Waffe sein. Der Makel ist bereinigt. Wir k�mpfen nicht, um zu sterben, sondern um zu leben. Wir haben einen Grund, um zu leben. Verbreitet die Nachricht unter den anderen M�nnern, und lasst uns Eide ablegen, Logain als unseren Anf�hrer anzunehmen. Und dann geht es zur Letzten Schlacht. Nicht als Handlanger des Wiedergeborenen Drachen, nicht als Marionetten des Amyrlin-Sitzes, sondern als die Schwarze Burg. Wir stehen auf eigenen Beinen.�</p><p>�Wir stehen auf eigenen Beinen�, fl�sterten die anderen drei und nickten.</p></section><section><title><p>22</p><p>Der Wyld</p></title><p>Egwene schreckte hoch. Gawyn dr�ckte ihr die Hand auf den Mund. Sie erstarrte, w�hrend die Erinnerungen wie das Licht des Sonnenaufgangs zur�ckkehrten. Noch immer verbargen sie sich unter dem zerst�rten Wagen; die Luft stank nach verbranntem Holz. Das Land war fast so schwarz wie Kohle. Die Nacht war hereingebrochen.</p><p>Sie blickte Gawyn an und nickte. War sie wirklich eingeschlafen? Unter diesen Umst�nden h�tte sie das nicht f�r m�glich gehalten.</p><p>�Ich versuche, mich wegzuschleichen�, fl�sterte er. �F�r ein Ablenkungsman�ver.�</p><p>�Ich begleite dich.�</p><p>�Allein kann ich mich leiser bewegen.�</p><p>�Offensichtlich hast du niemals versucht, dich an jemanden aus den Zwei Fl�ssen heranzuschleichen, Gawyn Trakand�, erwiderte sie. �Ich wette um hundert Mark Tar Valons, dass ich die Leisere von uns beiden bin.�</p><p>�Ja�, fl�sterte er zur�ck, �aber falls du ein Dutzend Schritte an eine ihrer Machtlenkerinnen herankommst, wirst du entdeckt, ganz egal, wie leise du bist. Sie patrouillieren im Lager, vor allem am Lagerrand.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. Woher wusste er das? �Du hast dich umgesehen!�</p><p>�Ein wenig�, fl�sterte er. �Niemand sah mich. Sie durchst�bern die Zelte, nehmen jeden gefangen, den sie erwischen. Wir werden uns hier nicht mehr l�nger verstecken k�nnen.�</p><p>Er h�tte nicht gehen d�rfen, ohne sie zu fragen. �Wir���</p><p>Gawyn versteifte sich, und Egwene verstummte und lauschte. Schlurfende Schritte. Die beiden zogen sich wieder zur�ck und sahen zu, wie etwa ein Dutzend Gefangene zu einem freien Platz in der N�he der Stelle gebracht wurden, an der zuvor das Befehlszelt gestanden hatte. Sharaner stellten Fackeln auf St�cken rings um die zerlumpten Gefangenen auf. Ein paar waren Soldaten, die man so lange gepr�gelt hatte, bis sie kaum noch laufen konnten. Aber es waren auch K�che und Arbeiter. Sie hatte man ausgepeitscht, ihre Hosen hingen in Fetzen. Allen hatte man die Hemden abgenommen.</p><p>Jemand hatte ihnen ein Symbol auf den R�cken t�towiert, das Egwene nicht erkannte. Zumindest hielt sie es f�r eine T�towierung. Wom�glich hatte man ihnen die Symbole auch eingebrannt.</p><p>W�hrend die Gefangenen versammelt wurden, br�llte jemand in der N�he. Wenige Minuten sp�ter kam ein dunkelh�utiger sharanischer W�chter und zerrte einen Botenjungen mit sich, den er anscheinend in seinem Versteck aufgesp�rt hatte. Er riss dem Jungen das Hemd vom K�rper und stie� ihn schluchzend zu Boden. Seltsamerweise trugen die Sharaner Kleidung, auf deren R�cken diamantf�rmige L�cher ausgeschnitten waren. Egwene konnte sehen, dass der W�chter ebenfalls ein Zeichen aufwies, eine T�towierung, die auf seiner dunklen Haut kaum auszumachen war. Seine Kleidung erschien sehr formell, mit einer langen, steifen Robe, die fast bis zu den Knien reichte. Sie war �rmellos, aber darunter trug er ein lang�rmeliges Hemd mit einem diamantf�rmigen Ausschnitt.</p><p>Ein weiterer Sharaner trat aus der Dunkelheit, und dieser Mann war beinahe nackt. Er trug zerrissene Hosen, aber kein Hemd. Statt einer T�towierung auf dem R�cken hatte er T�towierungen auf den Schultern. Sie schl�ngelten sich seinen Hals hinauf, bevor sie Wangen und Kiefer erreichten. Sie erinnerten an hundert verkr�mmte H�nde, lange Finger mit Krallen, die seinen Kopf von unten hielten.</p><p>Der Mann begab sich zu dem knienden Botenjungen. Die anderen W�chter bewegten sich unruhig; wer auch immer der Kerl war, sie f�hlten sich in seiner N�he nicht wohl. Mit einem h�mischen Grinsen streckte er die Hand aus.</p><p>Pl�tzlich brannte auf dem R�cken des Jungen ein Symbol wie bei den anderen Gefangenen. Rauch stieg in die H�he, der Junge schrie vor Schmerzen auf. Gawyn atmete scharf aus. Der Mann mit den ins Gesicht greifenden T�towierungen�� dieser Mann konnte die Macht lenken.</p><p>Mehrere W�chter murrten. Egwene konnte sie beinahe verstehen, aber ihr Akzent war so ausgepr�gt. Der Machtlenker knurrte wie ein wilder Hund. Die W�chter traten zur�ck, und der Machtlenker schlenderte davon und verschwand in den Schatten.</p><p><emphasis>Licht!,</emphasis> dachte Egwene.</p><p>Ein Rascheln in der Dunkelheit enth�llte zwei der Frauen in aufwendigen Seidengew�ndern. Eine hatte hellere Haut, und als Egwene n�her hinsah, entdeckte sie, dass das auch f�r einige der Soldaten galt. Nicht alle Sharaner waren so dunkel wie die, die sie bis jetzt gesehen hatte.</p><p>Die Gesichter der Frauen waren sehr sch�n. Zart. Egwene zuckte zur�ck. Nach dem zu urteilen, was sie zuvor beobachtet hatte, w�rden die beiden vermutlich Machtlenker sein. Kamen sie ihr zu nahe, w�rden sie sie vielleicht wahrnehmen.</p><p>Die beiden Frauen musterten die Gefangenen. Im Licht ihrer Laternen konnte Egwene auch die T�towierungen in ihren Gesichtern erkennen, allerdings waren sie bei Weitem nicht so verst�rend wie bei den M�nnern. Hier handelte es sich um Bl�tter, die vom Nacken aus nach vorn zum Hals f�hrten, unter den Ohren vorbei weiter zu den Wangen, wo sie sich wie entfaltende Bl�ten ausbreiteten. Die beiden Frauen tuschelten miteinander, und wieder hatte Egwene den Eindruck, dass sie sie fast verstehen konnte. Wenn sie einen Strang weben konnte, um sie zu belauschen��</p><p><emphasis>N�rrin,</emphasis> wies sie sich zurecht. Jedes Machtlenken w�rde sie das Leben kosten.</p><p>Um die Gefangenen versammelten sich noch mehr Leute. Egwene hielt den Atem an. Es wurden immer mehr, erst einhundert, dann vielleicht zweihundert. Sie sprachen nicht viel; diese Sharaner schienen stille, ernste Menschen zu sein. Die meisten trugen Gew�nder mit der freien Stelle auf dem R�cken, die ihre T�towierungen enth�llte. Waren das Statussymbole?</p><p>Egwene war davon ausgegangen, dass die T�towierungen den Rang verk�ndeten; je ausgefeilter sie waren, umso h�her die Stellung. Aber Offiziere ��mit ihren befiederten Helmen und Seidenm�nteln und goldenen R�stungen, die aussahen, als h�tte man M�nzen durch das Loch in ihrer Mitte zusammengen�ht, konnten sie eigentlich nichts anderes sein�� zeigten nur kleine �ffnungen, die winzige T�towierungen am Schulteransatz enth�llten.</p><p><emphasis>Sie haben St�cke aus der R�stung genommen, um die T�towierungen zu zeigen,</emphasis> dachte sie. Sicherlich k�mpften sie doch nicht so entbl��t in der Schlacht. So etwas trug man bestimmt nur zu normalen Zeiten.</p><p>Die letzten Leute, die sich der Menge anschlossen und nach vorn durchgelassen wurden, waren auch zugleich die seltsamsten. Zwei M�nner und eine Frau, die alle wundersch�ne Seidenr�cke trugen und auf kleinen Eseln ritten; die Tiere waren mit goldenen und silbernen Ketten beh�ngt. Aus dem komplizierten Kopfschmuck breiteten sich f�chergleich Federn in kr�ftigen Farben aus. Sie waren von der Taille an aufw�rts nackt, die Frau eingeschlossen, wenn man einmal von den Ketten und dem Schmuck absah, die den gr��ten Teil ihrer Brust bedeckten. Ihre R�cken waren frei und der Nacken ausrasiert. Ihre Arme schienen so schrecklich d�nn zu sein, beinahe schon skeletthaft. So zerbrechlich. Was hatte man nur mit ihnen gemacht?</p><p>Das alles ergab f�r Egwene keinen Sinn. Zweifellos waren die Sharaner ein genauso verbl�ffendes Volk wie die Aiel, m�glicherweise sogar noch mehr. <emphasis>Aber warum kommen sie jetzt? Warum haben sie sich nach Jahrhunderten der Isolation ausgerechnet jetzt zu einem Eroberungskrieg entschieden?</emphasis></p><p>Es gab keine Zuf�lle, jedenfalls nicht in dieser Gr��enordnung. Sie waren gekommen, um Egwenes Volk anzugreifen, und sie hatten mit den Trollocs zusammengearbeitet. Das rief sie sich ins Ged�chtnis zur�ck. Was auch immer sie hier erfahren w�rde, es w�rde von entscheidender Bedeutung sein. Im Augenblick konnte sie ihrer Armee nicht helfen�� sie konnte nur beten, dass zumindest einige der Soldaten hatten entkommen k�nnen��, also w�rde sie in Erfahrung bringen, was nur m�glich war.</p><p>Gawyn stie� sie sanft an. Sie wandte ihm den Kopf zu und sp�rte seine Sorge um sie.</p><p><emphasis>Jetzt?,</emphasis> hauchte er lautlos und deutete hinter sie. Da alle Aufmerksamkeit auf das gerichtet war, was auch immer dort vorging, konnten sie sich wegschleichen. Leise setzten sie sich in Bewegung.</p><p>Eine der sharanischen Machtlenkerinnen rief etwas. Egwene erstarrte. Man hatte sie entdeckt!</p><p>Nein. Nein. Sie atmete tief ein und versuchte, ihren Herzschlag zu beruhigen, denn das Herz schien sich einen Weg aus ihrer Brust freistrampeln zu wollen. Die Frau sprach mit anderen. Egwene glaubte, die Worte �es ist vollbracht� aus dem schweren Akzent heraush�ren zu k�nnen.</p><p>Die Fremden knieten nieder. Das mit Schmuck beh�ngte Trio neigte die K�pfe. Und dann <emphasis>bog</emphasis> sich die Luft neben den Gefangenen.</p><p>Egwene h�tte es nicht anders beschreiben k�nnen. Sie verdrehte sich und�� und schien auseinanderzurei�en, verzerrte sich wie an einem hei�en Tag �ber einer Stra�e. Aus der Verzerrung sch�lten sich Umrisse: ein hochgewachsener Mann in funkelnder R�stung.</p><p>Er trug keinen Helm, hatte dunkles Haar und helle Haut. Seine Nase war leicht gekr�mmt, und er sah ausgesprochen attraktiv aus, vor allem in dieser R�stung. Sie schien nur aus Silberm�nzen zu bestehen, die sich �berlappten. Sie waren auf Hochglanz poliert, und s�mtliche Gesichter um ihn herum spiegelten sich darin.</p><p>�Ihr habt gute Arbeit geleistet�, verk�ndete der Mann allen, die vor ihm knieten. �Ihr d�rft euch erheben.� Seine Stimme wies nur einen Hauch des sharanischen Akzents auf.</p><p>Der Mann legte die Hand auf den Schwertknauf an seiner Taille, w�hrend die anderen aufstanden. Aus der Dunkelheit kroch eine Gruppe Machtlenker heran. Sie senkten ununterbrochen die K�pfe vor dem Neuank�mmling, wie in einer Art Verneigung. Er zog einen seiner Panzerhandschuhe aus, streckte l�ssig die Hand aus und kraulte einem der M�nner den Kopf, so wie es ein Lord vielleicht bei seinem Lieblingshund getan h�tte.</p><p>�Das sind also die neuen <emphasis>Inacal</emphasis>�, sagte der Mann fragend. �Wei� einer von euch, wer ich bin?�</p><p>Die Gefangenen zuckten vor ihm zusammen. Obwohl die Sharaner aufgestanden waren, waren sie schlau genug, auf dem Boden zu bleiben. Keiner von ihnen sagte ein Wort.</p><p>�Vermutlich nicht�, sagte der Mann. �Obwohl man sich nie sicher sein kann, ob sich mein Ruhm unerwarteterweise verbreitet hat. Sagt es mir, wenn ihr wisst, wer ich bin. Sprecht es aus, und ich lasse euch frei.�</p><p>Keine Reaktion.</p><p>�Nun, ihr werdet zuh�ren und es nie wieder vergessen�, sagte der Mann. �Ich bin Bao, der Wyld. Ich bin euer Erl�ser. Durch die Tiefen des Leides bin ich gekrochen und aufgestiegen, um meinen Ruhm zu akzeptieren. Ich bin gekommen, um das zu suchen, was mir genommen wurde. Erinnert euch daran.�</p><p>Die Gefangenen kauerten sich noch mehr zusammen, da sie offensichtlich nicht wussten, was von ihnen erwartet wurde. Gawyn zupfte an Egwenes �rmeln und gestikulierte hinter sich, aber sie bewegte sich nicht. Irgendetwas an diesem Mann��</p><p>Pl�tzlich schaute er auf. Er konzentrierte sich auf die Machtlenkerinnen, dann schaute er sich um und sp�hte in die Dunkelheit. �Kennt einer von euch <emphasis>Inacal</emphasis> den Drachen?�, fragte er, obwohl er abgelenkt klang. �Sprecht. Verratet es mir.�</p><p>�Ich habe ihn gesehen�, sagte einer der gefangenen Soldaten. �Mehrere Male.�</p><p>�Hast du mit ihm gesprochen?�, wollte Bao wissen und spazierte von den Gefangenen weg.</p><p>�Nein, gro�er Herr�, sagte der Soldat. �Die Aes Sedai, sie sprachen mit ihm. Ich nicht.�</p><p>�Ja. Ich hatte schon bef�rchtet, dass ihr nutzlos sein w�rdet�, sagte Bao. �Diener, wir werden beobachtet. Ihr habt dieses Lager nicht so gut durchsucht, wie ihr gesagt habt. Ich sp�re in der N�he eine Frau, die die Macht lenken kann.�</p><p>Entsetzen durchfuhr Egwene wie ein Stich. Gawyn zog an ihrem Arm und wollte weg, aber wenn sie jetzt rannten, w�rden sie auf jeden Fall gefangen genommen. Beim Licht! Sie��</p><p>Ein pl�tzlicher L�rm in der N�he eines der umgest�rzten Zelte lie� alle sich umdrehen. Bao hob eine Hand, und Egwene vernahm in der Dunkelheit einen w�tenden Schrei. Augenblicke sp�ter schwebte Leane mit weit aufgerissenen Augen gefesselt mit Luft durch die Menge der Sharaner. Bao brachte sie nahe an sich heran und hielt sie mit Geweben fest, die Egwene nicht sehen konnte.</p><p>Ihr Herz pochte wie verr�ckt. Leane war am Leben. Wie hatte sich die Blaue Schwester nur verstecken k�nnen? Beim Licht! Was konnte sie nur tun?</p><p>�Ah�, sagte Bao. �Eine dieser�� Aes Sedai. Du, du hast mit dem Drachen gesprochen?�</p><p>Leane antwortete nicht. Sie behielt ihre Miene ausdruckslos, was ausgesprochen tapfer war.</p><p>�Eindrucksvoll�, sagte Bao und ber�hrte ihr Kinn. Dann hielt er die andere Hand hoch, und s�mtliche Gefangenen wanden sich in Kr�mpfen und schrien. Flammen schlugen aus ihrem K�rper, und ihre gequ�lten Schreie wurden noch schriller. Als Egwene das beobachtete, musste sie sich mit jeder Faser ihres Seins davon abhalten, nicht nach der Wahren Quelle zu greifen. Als es endlich endete, weinte sie, obwohl sie sich nicht daran erinnern konnte, wann sie damit angefangen hatte.</p><p>Die Sharaner scharrten mit den F��en.</p><p>�Seid nicht ver�rgert�, sagte Bao. �Ich wei�, dass ihr gro�e M�hen auf euch genommen habt, um mir einige lebend zu bringen, aber sie h�tten schlechte <emphasis>Inacal</emphasis> abgegeben. Sie sind nicht dementsprechend erzogen worden, und w�hrend dieses Krieges fehlt uns die n�tige Zeit, um sie auszubilden. Sie jetzt zu t�ten ist eine Gnade verglichen mit dem, was sie h�tten erdulden m�ssen. Au�erdem wird die hier, diese�� Aes Sedai unseren Zwecken dienen.�</p><p>Leanes Maske hatte einen Sprung erhalten, und Egwene konnte trotz der Entfernung ihren Hass sehen.</p><p>Bao hielt noch immer ihr Kinn. �Du bist ein sch�nes Ding�, sagte er. �Leider ist Sch�nheit bedeutungslos. Aes Sedai, du wirst f�r mich eine Botschaft an Lews Therin �berbringen. An den, der sich selbst der Wiedergeborene Drache nennt. Sag ihm, dass ich gekommen bin, um ihn zu t�ten, und indem ich das tue, fordere ich diese Welt. Ich werde nehmen, was mir h�tte geh�ren sollen. Sag ihm das. Sag ihm, dass du mich gesehen hast, und beschreibe mich ihm. Er wird mich kennen.</p><p>So wie ihn die Menschen hier mit ihren Prophezeiungen erwartet haben, so wie sie ihn mit Ruhm �bersch�ttet haben, haben die Menschen <emphasis>meines</emphasis> Landes mich erwartet. Ich habe ihre Prophezeiungen erf�llt. Er ist falsch, und ich bin echt. Sag ihm, dass ich endlich meine Genugtuung bekomme. Er hat zu mir zu kommen, damit wir uns gegen�bertreten k�nnen. Tut er es nicht, werde ich t�ten und zerst�ren. Ich nehme sein Volk gefangen. Ich versklave seine Kinder. Ich nehme mir seine Frauen. Ich werde alles, was er je geliebt hat, brechen, vernichten oder dominieren, eines nach dem anderen. Es gibt nur eine M�glichkeit, wie er das vermeiden kann, er muss kommen und sich mir stellen.</p><p>Sag ihm das, kleine Aes Sedai. Sag ihm, dass ihn ein alter Freund erwartet. Ich bin Bao, der Wyld. �Der allein dem Land geh�rt.� Der Drachent�ter. Einst kannte er mich unter einem Namen, den ich verachtete, dem Namen Barid Bel.�</p><p><emphasis>Barid Bel,</emphasis> dachte Egwene, und Erinnerungen an ihren Unterricht in der Wei�en Burg stiegen in ihr auf. <emphasis>Barid Bel Medar�� Demandred.</emphasis></p><empty-line/><p>Der Sturm im Wolfstraum ver�nderte sich st�ndig. Perrin verbrachte Stunden damit, durch die Grenzlande zu streifen. Er besuchte Wolfsrudel, w�hrend er durch trockene Flussbette und �ber zerst�rte H�gel rannte.</p><p>Gaul hatte schnell gelernt. Nat�rlich w�rde er keinen Moment lang gegen den Schl�chter bestehen k�nnen, aber zumindest hatte er gelernt, wie er verhindern musste, dass sich seine Kleidung st�ndig ver�nderte�� obwohl sich noch immer sein Schleier vors Gesicht schob, wenn ihn etwas �berraschte.</p><p>Zusammen eilten sie durch Kandor und zeichneten Schemen in die Luft, als sie sich von einem H�gel zum n�chsten bewegten. Manchmal war der Sturm sehr stark, manchmal auch schwach. Im Augenblick war Kandor auf eine schon unheimliche Weise still. Das grasige Hochland war mit allen m�glichen Tr�mmern �bers�t. Zelte, Dachziegel, das Segel eines gro�en Schiffes, sogar der Amboss einer Schmiede, der mit der Spitze in einem schlammigen Hang steckte.</p><p>Der gef�hrlich m�chtige Sturm konnte �berall im Wolfstraum aufsteigen und St�dte oder W�lder auseinanderpfl�gen. Perrin hatte tairenische H�te oben in Shienar gefunden.</p><p>Perrin kam oben auf einem H�gel zum Stehen, und Gaul raste an seine Seite. Wie lange suchten sie jetzt schon nach dem Schl�chter? Einerseits schienen es nur wenige Stunden gewesen zu sein. Andererseits�� welche Distanzen hatten sie zur�ckgelegt? Bis jetzt hatten sie sich dreimal bei ihren Vorr�ten bedient. Bedeutete das, dass ein Tag vergangen war?</p><p>�Gaul�, sagte Perrin. �Wie lange machen wir das jetzt schon?�</p><p>�Das vermag ich nicht zu sagen, Perrin Aybara�, erwiderte der Aiel. Er �berpr�fte den Sonnenstand, obwohl sie gar nicht zu sehen war. �Eine Weile. M�ssen wir aufh�ren und schlafen?�</p><p>Das war eine gute Frage. Pl�tzlich knurrte Perrin der Magen, und er bereitete ihnen eine Mahlzeit aus Trockenfleisch und einer Kante Brot zu. W�rde herbeigedachtes Brot sie im Wolfstraum ern�hren oder w�rde es einfach verschwinden, nachdem sie es verspeist hatten?</p><p>Das Letztere. Das Essen verschwand, noch w�hrend Perrin kaute. Sie w�rden auf ihre Vorr�te zur�ckgreifen m�ssen, vielleicht sogar Nachschub holen, wenn Rands Asha�man einmal t�glich das Tor �ffnete. Nun <emphasis>versetzte</emphasis> er sich zur�ck zu ihren B�ndeln und kramte etwas Trockenfleisch hervor, bevor er sich wieder im Norden zu Gaul gesellte.</p><p>Als sie sich auf den H�gel setzten, um in Ruhe zu essen, richteten sich seine Gedanken wieder einmal auf den Traumnagel. Er trug ihn bei sich, versetzt in seinen Schlummerzustand, so wie Lanfear es ihm beigebracht hatte. Jetzt erschuf das Ding keine Kuppel, aber er konnte sie jederzeit machen, wenn er wollte.</p><p>Lanfear hatte ihm den Nagel so gut wie ohne Gegenleistung �berlassen. Was hatte das zu bedeuten? Warum verspottete sie ihn?</p><p>Er biss ein St�ck Fleisch ab. War Faile in Sicherheit? Falls der Schatten entdeckte, was sie da machte�� Er w�nschte sich, er h�tte wenigstens nach ihr sehen k�nnen.</p><p>Er nahm einen gro�en Schluck aus seinem Wasserschlauch, dann suchte er mit seinen Gedanken nach den W�lfen. Hier oben in den Grenzlanden gab es Hunderte von ihnen. Vielleicht sogar Tausende. Er gr��te die in der N�he und �bermittelte ihnen seinen Geruch vermengt mit seinem Bild. Die Dutzenden Antworten kamen nicht in Form von Worten, aber er verstand sie trotzdem.</p><p><emphasis>Junger Bulle!</emphasis> Das kam von einem Wolf namens Wei�auge. <emphasis>Die Letzte Jagd ist da. F�hrst du uns?</emphasis></p><p>In letzter Zeit fragten das viele, und Perrin kam einfach nicht darauf, was er davon halten sollte. <emphasis>Warum braucht ihr mich, um euch anzuf�hren?</emphasis></p><p><emphasis>Dein Ruf ist erforderlich,</emphasis> sagte Wei�auge. <emphasis>Dein Heulen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich verstehe nicht, was du damit meinst,</emphasis> erwiderte Perrin. <emphasis>K�nnt ihr nicht allein jagen?</emphasis></p><p><emphasis>Nicht dieses Wild, Junger Bulle.</emphasis></p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Diese Antwort hatte er schon von anderen erhalten. <emphasis>Wei�auge. Hast du den Schl�chter gesehen? Den Wolfsm�rder? Hat er euch hier nachgestellt?</emphasis></p><p>Perrin sandte diese Worte in alle Richtungen aus, und einige der anderen W�lfe antworteten. Sie wussten �ber den Schl�chter Bescheid. Sein Bild und sein Geruch waren unter vielen W�lfen weitergereicht worden, genau wie Perrins. In der letzten Zeit hatte ihn niemand gesehen, aber bei den W�lfen war Zeit eine seltsame Sache; Perrin konnte sich nicht sicher sein, von welchem Zeitraum sie sprachen.</p><p>Er nahm noch einen Bissen von dem Trockenfleisch und ertappte sich dabei, wie er leise knurrte. Sofort h�rte er damit auf. Er hatte seinen Frieden mit dem Wolf in seinem Inneren geschlossen, aber das bedeutete nicht, dass er ihn Dreck ins Haus tragen lassen w�rde.</p><p><emphasis>Junger Bulle,</emphasis> �bermittelte eine andere W�lfin. Drehwurm, eine alte Rudelf�hrerin. <emphasis>Mondj�gerin wandelt wieder im Traum. Sie sucht dich.</emphasis></p><p><emphasis>Danke,</emphasis> erwiderte er. <emphasis>Das wei� ich. Ich werde ihr aus dem Weg gehen.</emphasis></p><p><emphasis>Dem Mond aus dem Weg gehen? Das ist schwierig, Junger Bulle. Schwierig.</emphasis></p><p>Das hatte sie richtig erkannt.</p><p><emphasis>Eben sah ich Herzsucherin,</emphasis> �bermittelte Schritt, ein Jungtier mit schwarzem Pelz. <emphasis>Sie tr�gt einen neuen Geruch, aber sie ist es.</emphasis></p><p>Andere W�lfe stimmten ihm zu. Herzsucherin befand sich im Wolfstraum. Ein paar hatten sie im Osten gesehen, aber andere behaupteten, sie im S�den gesehen zu haben.</p><p>Aber was war mit dem Schl�chter? Was tat der Mann, wenn er keine W�lfe jagte? Perrin erwischte sich wieder bei einem Knurren.</p><p>Herzsucherin. Das musste eine der Verlorenen sein, obwohl ihm die von den W�lfen �bermittelten Bilder nichts sagten. Sie war uralt, aber das waren die Erinnerungen der W�lfe auch. Jedoch waren die Dinge, an die sie sich erinnerten, oft nur Fragmente dessen, was ihre Vorfahren einst gesehen hatten.</p><p>�Neuigkeiten?�, fragte Gaul.</p><p>�Eine andere der Verlorenen ist hier.� Perrin grunzte. �Macht irgendetwas im Osten.�</p><p>�Hat das was mit uns zu tun?�</p><p>�Die Verlorenen haben immer mit uns zu tun�, sagte Perrin und stand auf. Er beugte sich vor, ber�hrte Gaul an der Schulter und <emphasis>versetzte</emphasis> sie in die Richtung, die Schritt angezeigt hatte. Es war nicht die genaue Stelle, aber sobald Perrin eingetroffen war, fand er einige W�lfe, die Herzsucherin am Vortag auf ihrem Weg in die Grenzlande gesehen hatten. Sie begr��ten Perrin eifrig und fragten ihn, ob er sie anf�hren w�rde.</p><p>Er wehrte die Fragen ab und ermittelte die Stelle, an der Herzsucherin gesehen worden war. Es war Merrilor.</p><p>Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich dorthin. Hier hing ein seltsamer Nebel �ber der Landschaft. Die hohen, von Rand gez�chteten B�ume wurden widergespiegelt, und ihre luftigen Kronen ragten daraus hervor.</p><p>Zelte wuchsen Pilzh�ten gleich aus der Landschaft. Viele Aiel-Zelte, dazwischen funkelten Kochfeuer im Nebel. Das Lager stand lange genug, um sich im Wolfstraum zu manifestieren, auch wenn sich die Eingangsplanen st�ndig ver�nderten und Bettzeug in der substanzlosen Art dieses Ortes flackerte.</p><p>Perrin f�hrte Gaul vorbei an ordentlichen Zeltreihen und pferdelosen Pferdeseilen. Beide erstarrten, als sie einen Laut h�rten. Jemand murmelte etwas. Perrin benutzte den Trick, den er Lanfear abgeschaut hatte, und erschuf eine Falte aus�� was auch immer um sich herum, das unsichtbar war, aber jeden Laut verschluckte. Es war seltsam, aber es gelang ihm, indem er eine luftlose Barriere erschuf. Warum sollte das jeden Laut verschlucken?</p><p>Sie schlichen weiter. Vor ihnen erhob sich das Zelt von Rodel Ituralde, einem der Gro�en Hauptm�nner, wie das Banner verk�ndete. Darin st�berte eine Frau in Hosen in auf dem Tisch liegenden Dokumenten herum. St�ndig l�sten sie sich in ihren Fingern auf.</p><p>Perrin erkannte sie nicht, auch wenn sie schrecklich h�sslich war. Das h�tte er mit Sicherheit von keiner der Verlorenen erwartet; nicht diese riesige Stirn, die Knollennase, die ungleichm��igen Augen oder das sch�ttere Haar. Ihre Fl�che sagten ihm nichts, allerdings verriet ihm der Tonfall, worum es ging.</p><p>Gaul sah ihn an, und Perrin griff nach seinem Hammer, z�gerte dann aber. Den Schl�chter anzugreifen war eine Sache, aber eine der Verlorenen? Er vertraute auf seine F�higkeit, hier im Wolfstraum allen m�glichen Geweben widerstehen zu k�nnen. Trotzdem��</p><p>Wieder fluchte die Frau, als die Seite, die sie las, einfach verschwand. Dann schaute sie auf.</p><p>Perrin reagierte augenblicklich. Er erschuf eine papierd�nne Mauer zwischen ihnen, ihre Seite war mit einer genauen Kopie der Landschaft hinter ihm bemalt, seine Seite war durchsichtig. Die Frau schaute ihn direkt an, sah ihn aber nicht, und wandte sich ab.</p><p>Neben ihm stie� Gaul einen sehr leisen Seufzer der Erleichterung aus. <emphasis>Wie habe ich das denn gemacht?,</emphasis> fragte sich Perrin. Das hatte er nie ge�bt; es war einfach blo� <emphasis>richtig</emphasis> erschienen.</p><p>Herzsucherin ��es konnte nur sie sein�� schwenkte die Finger, und �ber ihr teilte sich das Zelt in zwei H�lften, und die Zeltplane baumelte nach unten. Sie flog einfach in die Luft nach oben auf den schwarzen Sturm zu.</p><p>Perrin fl�sterte Gaul zu: �Warte hier und halte nach Gefahren Ausschau!�</p><p>Gaul nickte. Vorsichtig folgte Perrin Herzsucherin, schwang sich mit einem Gedanken in die Luft. Er versuchte eine weitere Mauer zwischen sich und ihr zu formen, aber es war einfach zu schwierig, w�hrend des Fluges das richtige Bild hinzubekommen. Stattdessen hielt er Abstand und schob eine braungr�ne Wand zwischen sich und die Verlorene und hoffte, dass sie die kleine Unregelm��igkeit einfach �bersehen w�rde, falls sie nach unten zum Boden schaute.</p><p>Nun bewegte sie sich schneller, und Perrin zwang sich, mit ihr Schritt zu halten. Er schaute nach unten und wurde mit dem magenumdrehenden Anblick von Merrilors Landschaft belohnt, die immer kleiner wurde. Dann wurde sie dunkel und verschwand in der Finsternis.</p><p>Sie passierten die Wolken nicht. Als der Boden verschwand, galt das auch f�r die Wolken, und sie kamen zu einem schwarzen Ort. Pl�tzlich erschienen �berall um Perrin herum stecknadelkopfgro�e Lichter. Die Frau vor ihm hielt inne und hing ein paar Momente in der Luft, bevor sie nach rechts weitereilte.</p><p>Perrin verfolgte sie wieder und f�rbte sich schwarz, um nicht aufzufallen�� Haut, Kleidung, alles. Die Frau n�herte sich einem der winzigen Lichter, bis es immer gr��er wurde und den Himmel vor ihr dominierte.</p><p>Herzsucherin streckte die H�nde aus und dr�ckte sie gegen das Licht. Sie murmelte irgendetwas zu sich selbst. Von dem dr�ngenden Gef�hl angetrieben, dass er unbedingt h�ren musste, was sie da sagte, bewegte sich Perrin n�her an sie heran, obwohl er bef�rchtete, das laute Pochen seines Herzens w�rde ihn verraten.</p><p>���mir wegnehmen?�, sagte sie. �Glaubst du, das interessiert mich? Gib mir das Gesicht eines zertr�mmerten Steins. Das ist mir doch egal. Das bin nicht <emphasis>ich</emphasis>. Ich werde deinen Platz einnehmen, Moridin. <emphasis>Er wird mir geh�ren.</emphasis> Dieses Gesicht wird lediglich daf�r sorgen, dass mich alle untersch�tzen. Sei verflucht.�</p><p>Perrin runzelte die Stirn. Ihre Worte ergaben f�r ihn nicht viel Sinn.</p><p>�Lasst sie von euren Heeren �berrennen, ihr Narren�, murmelte sie weiter. �Ich werde den gr��eren Sieg davontragen. Ein Insekt kann tausend Beine haben, aber es hat nur einen Kopf. Zerst�re den Kopf, und der Tag geh�rt dir. Du schneidest ihm blo� die Beine ab, du d�mlicher Narr. D�mlicher, arroganter, unertr�glicher Narr. Ich bekomme, was mir zusteht, ich���</p><p>Sie stockte und fuhr herum. Erschrocken <emphasis>versetzte</emphasis> sich Perrin sofort zur�ck zum Boden. Gl�cklicherweise funktionierte es�� dort oben am Ort der Lichter hatte er nicht gewusst, ob es funktionieren w�rde. Gaul zuckte zusammen, und Perrin holte tief Luft. �Lass uns���</p><p>Ein Feuerball krachte neben ihm in den Boden. Fluchend rollte Perrin sich ab, k�hlte sich mit einem Windsto� und dachte sich den Hammer in die Hand.</p><p>Eingeh�llt in eine Machtlohe, landete Herzsucherin auf dem Boden, Energie wogte aus ihr. �Wer bist du?�, verlangte sie zu wissen. �Wo bist du? Ich���</p><p>Pl�tzlich konzentrierte sie sich auf Perrin und sah ihn zum ersten Mal, da die Dunkelheit aus seiner Kleidung gewichen war. �Du!�, kreischte sie. �Daran bist nur <emphasis>du</emphasis> schuld!�</p><p>Sie hob die H�nde; ihre Augen schienen f�rmlich vor Hass zu <emphasis>gl�hen</emphasis>. Trotz des st�rmischen Windes konnte Perrin das Gef�hl riechen. Sie schleuderte einen gl�hend hei�en Lichtstrahl, aber Perrin lenkte ihn um sich herum.</p><p>Die Frau starrte ihn ungl�ubig an. Das taten sie immer. War ihnen denn nicht klar, dass hier nichts real war, au�er man verlieh ihm durch seine Gedanken Realit�t? Perrin verschwand, erschien hinter ihr und hob den Hammer. Dann z�gerte er. Eine Frau?</p><p>Schreiend fuhr sie herum und lie� den Boden unter seinen F��en explodieren. Er sprang in den Himmel, und die Luft um ihn herum versuchte, ihn zu ergreifen�� aber er tat einfach das, was er schon zuvor getan hatte, erschuf einen Wall aus Nichts. Es gab keine Luft mehr, die ihn packen konnte. Den Atem anhaltend verschwand er und erschien wieder auf dem Boden, schichtete Erdw�lle vor sich auf, um die Feuerkugeln aufzuhalten, die in seine Richtung flogen.</p><p>�Ich wollte dich tot sehen!�, kreischte die Frau. �Du <emphasis>solltest</emphasis> tot sein! Meine Pl�ne waren perfekt!�</p><p>Perrin verschwand und lie� eine Statue von sich zur�ck. Er erschien neben dem Zelt, wo Gaul mit erhobenem Speer vorsichtig wartete. Perrin erschuf eine Mauer zwischen ihnen und der Frau, bemalte sie, um sie zu verstecken, und machte eine Barriere, um ihre Stimmen zu verbergen.</p><p>�Jetzt kann sie uns nicht mehr h�ren�, sagte er.</p><p>�Du bist hier sehr stark�, meinte Gaul nachdenklich. �Sehr stark. Wissen das die Weisen Frauen?�</p><p>�Verglichen mit ihnen bin ich ein Welpe�, sagte Perrin.</p><p>�Vielleicht. Ich habe sie hier nicht erlebt, und sie sprechen mit M�nnern nicht �ber diesen Ort.� Er sch�ttelte den Kopf. �Viel Ehre, Perrin Aybara. Du hast viel Ehre.�</p><p>�Ich h�tte sie einfach niederschlagen sollen�, sagte Perrin, w�hrend Herzsucherin die Statue von ihm zerst�rte, sich dann zu ihr begab und verwirrt aussah. Hektisch drehte sie sich um und suchte weiter.</p><p>�Ja�, gab Gaul ihm recht. �Ein Krieger, der eine Tochter nicht schlagen will, ist ein Krieger, der ihr die Ehre verweigert. Nat�rlich w�re es eine viel gr��ere Ehre f�r dich, wenn du���</p><p>Wenn er sie zu seiner Gefangenen machte. Schaffte er das? Perrin holte Luft, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sich hinter sie und stellte sich vor, wie sich Schlingpflanzen um ihren K�rper wanden, um sie festzuhalten. Die Frau br�llte ihm Fl�che entgegen und zerschnitt die Fesseln mit unsichtbaren Klingen. Sie griff nach ihm, und er <emphasis>versetzte</emphasis> sich zur Seite.</p><p>Seine F��e landeten in etwas Reif, der ihm zuvor nicht aufgefallen war, und sie fuhr sofort herum und schleuderte wieder Baalsfeuer. <emphasis>Schlau</emphasis>, dachte Perrin und schaffte es nur m�hsam, das Licht zur Seite zu lenken. Es traf den H�gel hinter ihm, bohrte ein Loch hinein und trat auf der anderen Seite wieder hinaus.</p><p>Geifernd hielt Herzsucherin das Gewebe fest; ihr schreckliches Gesicht war v�llig verzerrt. Das Gewebe beschrieb eine Kurve und kam wieder auf Perrin zu, und er biss die Z�hne zusammen und hielt es in Schach. Sie war stark. Sie dr�ckte mit aller Kraft, aber schlie�lich lie� sie es keuchend los. �Wie�� wie ist es m�glich�� wie kannst du���</p><p>Perrin f�llte ihren Mund mit Spaltwurzel. Das war sehr schwierig, etwas direkt an jemandem zu ver�ndern war immer schwierig. Aber es war wesentlich einfacher als der Versuch, sie in ein Tier oder �hnliches zu verwandeln. Panisch hob sie eine Hand an den Mund. Sie fing an zu spucken und zu husten, dann �ffnete sie verzweifelt ein Wegetor hinter sich.</p><p>Perrin knurrte, stellte sich Seile vor, die sich um sie schlangen, aber sie zerst�rte sie mit einem Gewebe Feuer�� sie musste die Spaltwurzel losgeworden sein. Sie warf sich durch das Wegetor, und er <emphasis>versetzte</emphasis> sich direkt davor, um hindurchzuspringen. Und erstarrte, als er sah, wie sie mitten in einer gewaltigen Horde Trollocs und Blassen in der Nacht auftauchte. Viele starrten begierig auf das Wegetor.</p><p>Perrin trat zur�ck, w�hrend Herzsucherin eine Hand an den Mund hob und mit entsetztem Gesichtsausdruck noch mehr Spaltwurzel ausspuckte. Das Wegetor schloss sich.</p><p>�Ihr h�ttet sie t�ten sollen�, sagte Lanfear.</p><p>Perrin drehte sich um und fand die Frau in der N�he mit gefalteten Armen stehen. Ihr silbergraues Haar war dunkelbraun geworden. Tats�chlich hatte sich auch ihr Gesicht ver�ndert und �hnelte jetzt mehr dem Aussehen wie vor zwei Jahren, als er ihr zum ersten Mal begegnet war.</p><p>Perrin enthielt sich jeden Kommentars und steckte seinen Hammer weg.</p><p>�Das ist eine Schw�che, Perrin�, sagte Lanfear. �Bei Lews Therin fand ich das bis zu einem gewissen Grad ja ganz anziehend, aber das t�uscht nicht dar�ber hinweg, dass es trotzdem eine Schw�che ist. Ihr m�sst das �berwinden.�</p><p>�Das werde ich�, fauchte er. �Was tat sie dort oben bei diesen Lichtpunkten?�</p><p>�In Tr�ume eindringen. Sie war im Fleisch hier. Das verschafft einem gewisse Vorteile, vor allem, wenn man mit Tr�umen spielt. Diese Schlampe. Sie glaubt diesen Ort zu kennen, dabei hat er immer schon mir geh�rt. Ihr h�ttet sie wirklich t�ten sollen.�</p><p>�Das war Graendal, richtig?�, fragte Perrin. �Oder war es Moghedien?�</p><p>�Graendal. Obwohl wir sie nicht mehr so nennen d�rfen. Sie ist in Hessalam umbenannt worden.�</p><p>�Hessalam�, wiederholte Perrin und probierte das Wort aus. �Das sagt mir nichts.�</p><p>�Es bedeutet �keine Vergebung�.�</p><p>�Und wie lautet Euer neuer Name, der, mit dem wir Euch jetzt ansprechen sollen?�</p><p>Das lie� sie tats�chlich err�ten. �Egal�, sagte sie. �Ihr seid in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> sehr geschickt. Viel besser, als es Lews Therin je war. Ich habe immer geglaubt, ich w�rde an seiner Seite herrschen, dass nur ein Mann meiner wert ist, der die Macht lenken kann. Aber die Macht, die Ihr hier zeigt�� ich glaube, ich werde sie als Ersatz akzeptieren.�</p><p>Perrin grunzte. Gaul hatte die kleine Lichtung zwischen den Zelten mit erhobenem Speer und mit der <emphasis>Shoufa</emphasis> verh�lltem Gesicht �berquert. Perrin winkte ab. Mit Sicherheit war Lanfear nicht nur viel besser im Wolfstraum als der Aiel, sondern hatte bis jetzt auch noch nichts wirklich Bedrohliches getan.</p><p>�Falls Ihr mich beobachtet habt�, sagte er, �dann werdet Ihr wissen, dass ich verheiratet bin, und zwar recht gl�cklich.�</p><p>�Das habe ich gesehen.�</p><p>�Dann h�rt auf, mich wie ein St�ck Fleisch zu betrachten, das man auf dem Markt zum Verkauf ausstellt�, knurrte er. �Was hat Graendal hier gemacht? Was will sie?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, erwiderte Lanfear unbeschwert. �Sie verfolgte immer drei oder vier Pl�ne zur gleichen Zeit. Untersch�tzt sie nicht, Perrin. Sie ist hier nicht so geschickt wie andere, aber sie ist gef�hrlich. Im Gegensatz zu Moghedien ist sie eine K�mpferin. Die ergreift sofort vor dir die Flucht, wenn sie kann.�</p><p>�Ich behalte das im Ged�chtnis�, sagte Perrin und ging zur�ck zu der Stelle, wo sie durch ihr Wegetor verschwunden war. Mit der Stiefelspitze dr�ckte er an der Erde herum, wo das Tor den Boden aufgeschnitten hatte.</p><p>�Ihr wisst, dass Ihr das ebenfalls tun k�nntet�, sagte Lanfear.</p><p>Er fuhr zu ihr herum. �Was?�</p><p>�In die wache Welt treten und zur�ckkommen�, antwortete sie. �Ohne dabei die Hilfe von jemandem wie Lews Therin zu brauchen.�</p><p>Es gefiel Perrin nicht, wie sie h�hnisch die Lippen verzog, wenn sie seinen Namen aussprach. Sie versuchte es zu �berspielen, aber er roch den Hass an ihr, wenn sie ihn erw�hnte.</p><p>�Ich kann nicht die Macht lenken. Vermutlich k�nnte ich mir vorstellen, sie lenken zu���</p><p>�Das w�rde nicht funktionieren�, sagte sie. �Es gibt Grenzen in dem, was man hier erreichen kann, ganz egal, wie stark der Wille auch ist. Die F�higkeit, die Macht lenken zu k�nnen, hat nichts mit dem K�rper zu tun, sondern entstammt der Seele. Trotzdem gibt es f�r einen wie Euch M�glichkeiten, sich im Fleisch zwischen den Welten hin und her zu bewegen. Der, den Ihr den Schl�chter nennt, tut das.�</p><p>�Er ist kein Wolfsbruder.�</p><p>�Nein. Aber er ist etwas �hnliches. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob jemals ein anderer seine F�higkeiten hatte. Der Dunkle K�nig hat etwas mit diesem Schl�chter gemacht, als er seine Seele oder vielmehr seine Seelen einfing. Semirhage h�tte uns vielleicht mehr dar�ber verraten k�nnen. Bedauerlicherweise ist sie tot.�</p><p>Sie roch nicht im Mindesten nach Bedauern. Sie schaute zum Himmel, war aber ganz ruhig und nicht besorgt.</p><p>�Ihr scheint nicht mehr so beunruhigt dar�ber zu sein, entdeckt zu werden, wie das fr�her der Fall war�, bemerkte Perrin.</p><p>�Mein fr�herer Herr ist�� besch�ftigt. Seinen Blick habe ich kaum gesp�rt, w�hrend ich Euch vergangene Woche beobachtete.�</p><p>�Woche?�, fragte Perrin entsetzt. �Aber���</p><p>�Hier vergeht die Zeit auf sehr seltsame Weise�, sagte sie, �au�erdem l�sen sich die R�nder der Zeit selbst auf. Je n�her Ihr dem Stollen seid, umso gr��er ist die Zeitverzerrung. F�r jene, die sich Shayol Ghul in der wachen Welt n�hern, wird das genauso schlimm sein. F�r jeden ihrer Tage k�nnten f�r jene, die weit entfernt sind, drei oder vier vergehen.�</p><p>Eine Woche? Licht! Was hatte sich drau�en blo� alles zugetragen? Wer lebte und wer war gestorben, w�hrend Perrin gejagt hatte? Er h�tte auf dem Reisegel�nde darauf warten sollen, dass sich sein Tor �ffnete. Aber nach der Dunkelheit in Graendals Wegetor zu urteilen, war es Nacht. Sein Fluchttor konnte noch Stunden entfernt sein.</p><p>�Ihr k�nntet ein Wegetor f�r mich erschaffen�, sagte er. �Einen Weg nach drau�en und wieder hinein. Wollt Ihr das tun?�</p><p>Lanfear dachte dar�ber nach, spazierte an einem der flackernden Zelte entlang und strich mit den Fingern �ber die verschwindende Zeltplane. �Nein�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Aber���</p><p>�Wenn wir zusammen sein wollen, m�sst Ihr lernen, das allein zu schaffen.�</p><p>�Wir werden <emphasis>nicht</emphasis> zusammen sein�, erwiderte er tonlos.</p><p>�Diese Macht werdet Ihr selbst brauchen, und sie muss aus Euch kommen�, sagte sie und ignorierte seine Worte. �Solange Ihr in nur einer der Welten gefangen seid, seid Ihr schwach; mit eigener Kraft herkommen zu k�nnen, wann immer Ihr wollt, wird Euch gro�e Macht verleihen.�</p><p>�Macht ist mir egal, Lanfear�, erwiderte er und beobachtete sie, wie sie weiterhin unbeschwert herumspazierte. Sie <emphasis>war</emphasis> h�bsch. Nat�rlich nicht so h�bsch wie Faile. Trotzdem konnte man sie als Sch�nheit bezeichnen.</p><p>�Wirklich?� Sie sah ihn an. �Habt Ihr Euch nie gefragt, was Ihr mit mehr Kraft, mehr Macht und mehr Autorit�t alles erreichen k�nntet?�</p><p>�Das w�rde mich nicht reizen���</p><p>�Leben retten?�, fuhr sie fort. �Kinder vor dem Hungertod bewahren? Daf�r sorgen, dass die Schwachen nicht l�nger unterdr�ckt werden, der S�ndhaftigkeit ein Ende bereiten, Ehre belohnen? Die Macht, M�nner dazu zu ermuntern, ehrlich und offen miteinander umzugehen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ihr k�nntet so viel Gutes tun, Perrin Aybara�, sagte sie, trat auf ihn zu, ber�hrte seine Wange und strich dann mit den Fingern durch seinen Bart.</p><p>�Lehrt mich, das zu tun, was der Schl�chter tut�, sagte Perrin und stie� ihre Hand fort. �Wie bewegt er sich zwischen den Welten?�</p><p>�Das kann ich Euch nicht erkl�ren.� Sie wandte sich ab. �Das ist eine Fertigkeit, die ich nie erlernen musste. Ich benutze andere Methoden. Vielleicht k�nnt Ihr es ja aus ihm herauspr�geln. Ich w�rde mich beeilen, vorausgesetzt, Ihr wollt Graendal aufhalten.�</p><p>�Sie aufhalten?�</p><p>�Ist Euch das denn nicht klar geworden?� Lanfear wandte sich ihm wieder zu. �Der Traum, in den sie eindrang, geh�rte keinem der Leute aus diesem Lager�� Ort und Distanz spielen in Tr�umen keine Rolle. Dieser Traum, in den Ihr sie habt eindringen sehen�� er geh�rt Davram Bashere. Dem Vater Eurer Frau.�</p><p>Und mit diesen Worten verschwand Lanfear.</p></section><section><title><p>23</p><p>Am Rand der Zeit</p></title><p>Gawyn zog eilig an Egwenes Schulter. Warum wollte sie nicht gehen? Wer auch immer dieser Mann in der R�stung aus Silberscheiben war, er konnte Machtlenkerinnen sp�ren. Leane hatte er aus der Finsternis gepfl�ckt; das Gleiche konnte er mit Egwene machen. Licht, er w�rde es vermutlich tun, sobald sie ihm auffiel.</p><p><emphasis>Wenn sie sich nicht bewegt, werfe ich sie mir �ber die Schulter. Das Licht helfe mir, ich tue es, ganz egal, wie viel L�rm das auch macht. Sie erwischen uns sowieso, wenn wir nicht��</emphasis></p><p>Der Mann, der sich Bao nannte, setzte sich in Bewegung und zog die noch immer in Luft gefesselte Leane mit sich. Die anderen folgten ihm und lie�en die schrecklichen, verkohlten �berreste der anderen Gefangenen zur�ck.</p><p>�Egwene?�, fl�sterte er.</p><p>Sie sah ihn mit kalter Entschlossenheit im Blick an und nickte. Licht! Wie konnte sie so ruhig sein, wo er doch die Z�hne aus Angst, sie k�nnten klappern, zusammenbei�en musste?</p><p>Auf dem Bauch schoben sie sich unter dem Wagen hervor. Egwene blickte in die Richtung der Sharaner. Durch den Bund str�mte ihre Selbstbeherrschung in seinen Geist. Daf�r war der Name des Mannes verantwortlich, der in ihr einen pl�tzlichen Stich des Entsetzens ausgel�st hatte, dem eine grimmige Entschlossenheit gefolgt war. Wie hatte dieser Name noch einmal gelautet? Barid soundso? Gawyn glaubte, ihn schon einmal geh�rt zu haben.</p><p>Er wollte Egwene aus dieser Todesfalle herausschaffen. Er legte ihr den Beh�terumhang um die Schultern. �Der beste Weg hier hinaus liegt direkt im Osten�, fl�sterte er. �Am Kantinenzelt vorbei, jedenfalls seinen �berresten, dann weiter zum Lagerrand. Sie haben neben unserem Reisegel�nde einen Wachtposten eingerichtet. Den umgehen wir nach Norden.�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Ich kundschafte, du folgst. Falls ich irgendetwas sehe, werfe ich ein Steinchen in deine Richtung. Achte darauf, ob es irgendwo landet, in Ordnung? Z�hl bis zwanzig, dann komm ganz langsam hinter mir her.�</p><p>�Aber���</p><p>�Du kannst nicht als Erste gehen; was ist, wenn wir auf diese Machtlenker sto�en? Ich muss die F�hrung �bernehmen.�</p><p>�Dann zieh wenigstens den Umhang an�, zischte sie.</p><p>�Das geht schon so�, fl�sterte er und verschwand, bevor sie weiterdebattieren konnte. Er f�hlte ihren �rger und w�rde sich sicherlich etwas anh�ren m�ssen, sobald sie sicher entkommen waren. Nun, falls sie lange genug lebten, um das noch zu erleben, w�rde er die R�ge fr�hlich �ber sich ergehen lassen.</p><p>Sobald er ein St�ck von ihr entfernt war, schob er sich einen der Ringe der Blutmesser �ber den Finger. Er hatte ihn mit seinem Blut aktiviert, genau wie es Leilwin erkl�rt hatte.</p><p>Sie hatte auch behauptet, er w�rde ihn vermutlich umbringen.</p><p><emphasis>Gawyn Trakand, du bist ein Narr,</emphasis> dachte er, als ein Kribbeln durch seinen K�rper fuhr. Obwohl er das <emphasis>Ter�angreal</emphasis> erst einmal benutzt hatte, wusste er, dass seine Gestalt dunkler und verschwommen wurde. Falls Leute in seine Richtung blickten, w�rden ihre Blicke von ihm abgleiten. Besonders hervorragend funktionierte das in Schatten. Dieses eine Mal war er froh, dass die Wolkendecke jegliches Mondlicht oder Sternenlicht blockierte.</p><p>Mit vorsichtigen Schritten ging er weiter. Als er den Ring in dieser Nacht zuvor ausprobiert hatte, w�hrend Egwene schlief, hatte er W�chter mit Laternen in nur wenigen Schritten Abstand passieren k�nnen. Einer von ihnen hatte ihn direkt angesehen, ihn aber nicht wahrgenommen. In dieser tiefen Dunkelheit h�tte er genauso gut unsichtbar sein k�nnen.</p><p>Das <emphasis>Ter�angreal</emphasis> erlaubte ihm auch, sich schneller bewegen zu k�nnen. Diese Ver�nderung war nicht weltbewegend, aber durchaus bemerkbar. Es juckte ihn in den Fingern, diese F�higkeit bei einem Duell auszuprobieren. Wie viele dieser Sharaner konnte er mit diesem Ring am Finger wohl allein zur Strecke bringen? Ein Dutzend? Zwei?</p><p><emphasis>Das w�rde genau so lange funktionieren, bis dich einer dieser Machtlenker br�t,</emphasis> sagte er sich. Er sammelte ein paar Steinchen vom Boden, um sie auf Egwene zu werfen, sollte er eine dieser Machtlenkerinnen entdecken.</p><p>Er umrundete das Kantinenzelt und schlug den Weg ein, den er zuvor ausgekundschaftet hatte. Es war wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, vorsichtig zu sein; zuvor hatte ihn die Macht des <emphasis>Ter�angreals</emphasis> zu leichtsinnig gemacht. Sich so m�helos bewegen zu k�nnen stieg einem in den Kopf.</p><p>Er hatte sich geschworen, die Ringe nicht zu benutzen, aber das war in der Schlacht gewesen�� als er versucht gewesen war, sich einen Namen zu machen. Das hier war etwas anderes. Er besch�tzte Egwene. Da konnte er eine Ausnahme machen.</p><empty-line/><p>Als Egwene zwanzig z�hlte, setzte sie sich in die Dunkelheit hinein in Bewegung. Sie konnte nicht so gut schleichen wie Nynaeve oder Perrin, aber sie kam aus den Zwei Fl�ssen. In Emondsfelde lernte jedes Kind, wie man sich im Wald bewegte, ohne das Wild zu verscheuchen.</p><p>Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Pfad vor ihr und tastete ihn mit den Zehen ab�� ihre Schuhe hatte sie ausgezogen��, um trockene Bl�tter oder Unkraut zu meiden. Sich auf diese Weise zu bewegen war ihr zur zweiten Natur geworden; ungl�cklicherweise hatte sie so Zeit zum Nachdenken.</p><p>Einer der Verlorenen f�hrte die Sharaner an. Seine Worte lie�en blo� die Vermutung zu, dass ihre ganze Nation ihm folgte. Das war so schlimm wie die Seanchaner. Schlimmer. Die Seanchaner nahmen Aes Sedai gefangen und benutzten sie, aber sie schlachteten normale Menschen nicht auf diese gleichg�ltige Weise hin.</p><p>Sie <emphasis>musste</emphasis> einfach �berleben und entkommen! Sie musste der Wei�en Burg diese Neuigkeiten �berbringen. Die Aes Sedai w�rden Demandred entgegentreten. Man konnte nur beim Licht hoffen, dass gen�gend von ihnen aus der Schlacht entkommen waren, um das zu schaffen.</p><p>Warum hatte Demandred nach Rand geschickt? Jedermann wusste, wo er den Wiedergeborenen Drachen finden w�rde.</p><p>Schlie�lich erreichte sie das Kantinenzelt. Dann schlich sie darum herum. In der N�he unterhielten sich ein paar W�chter. Ihr Akzent klang auf eine seltsame Weise monoton, als fehlten diesen Leuten jegliche Gef�hle. Es war, als w�re ihren Worten jegliche�� Melodie entzogen worden. Eine Melodie, die Egwene noch nie zuvor bewusst wahrgenommen hatte.</p><p>Dort sprachen M�nner, also musste sie sich vermutlich keine Sorgen machen, dass sie ihre F�higkeit zum Machtlenken f�hlten. Allerdings war es Demandred bei Leane gelungen; vielleicht trug er f�r diesen Zweck ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> bei sich. Solche Dinge existierten.</p><p>Auf jeden Fall machte sie einen gro�en Bogen um die Soldaten und schlich weiter durch die Dunkelheit dessen, was einst ihr Lager gewesen war. Sie bewegte sich an umgest�rzten Zelten vorbei, deren Brandgeruch noch immer in der Luft lag, und kreuzte einen Weg, den sie an den meisten Abenden eingeschlagen hatte, um die Truppenberichte einzusammeln. Es war schon beunruhigend, wie schnell es passieren konnte, eben noch eine Machtposition zu haben, um dann wie eine Ratte durch das eigene Lager schleichen zu m�ssen. Pl�tzlich nicht mehr die Macht lenken zu k�nnen ver�nderte so viele Dinge.</p><p><emphasis>Meine Autorit�t kommt nicht von meiner F�higkeit, die Macht lenken zu k�nnen,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Meine St�rke liegt in Kontrolle, Verstehen und Sorgfalt. Ich</emphasis> werde <emphasis>diesem Lager entkommen, und ich</emphasis> werde <emphasis>weiterk�mpfen.</emphasis></p><p>Sie wiederholte die Worte und sch�ttelte das schleichende Gef�hl von Hilflosigkeit ab�� das Gef�hl der Verzweiflung �ber so viele Tote, das Kribbeln zwischen ihren Schulterbl�ttern, als w�rde sie jemand in der Dunkelheit beobachten. Licht, die arme Leane.</p><p>In ihrer N�he prallte etwas auf dem Boden auf. Ihm folgten zwei weitere Steinchen. Anscheinend wollte sich Gawyn nicht auf eines verlassen. Sie huschte zu den halb verbrannten �berresten eines Zeltes; St�cke der Plane hingen noch immer von den Pfosten.</p><p>Sie ging in die Hocke. In diesem Augenblick bemerkte sie, dass nur wenige Zoll von ihr entfernt die verbrannte Leiche eines Soldaten auf dem Boden lag. Ein Blitz aus den brodelnden Wolken �ber ihr enth�llte ihn als Shienarer, obwohl er das Symbol der Wei�en Burg auf dem Hemd trug. Eines seiner Augen stand offen und starrte stumm zum Himmel, w�hrend die andere Kopfseite bis auf den Knochen verbrannt war.</p><p>Ein Licht erschien aus der Richtung, die sie eingeschlagen hatte. Angespannt wartete sie, w�hrend zwei W�chter mit einer Laterne n�her kamen. Sie sprachen kein Wort. Als sie abbogen, um nach S�den zu gehen, konnte Egwene auf dem R�cken ihrer R�stung eingeritzte Symbole ausmachen, die den T�towierungen entsprachen, die sie zuvor bei den Sharanern gesehen hatte. Die Markierungen waren ziemlich extravagant gewesen, und so vermutete sie, dass diese M�nner vermutlich einen niedrigen gesellschaftlichen Rang bekleideten.</p><p>Das System bereitete ihr Unbehagen. Eine T�towierung konnte man jederzeit anbringen, aber ihr war keine M�glichkeit bekannt, wie man sie wieder entfernte. Wenn die T�towierungen immer komplizierter wurden, je tiefer man in der Gesellschaftsordnung stand, dann bedeutete das, dass Leute zwar st�rzen, aber niemals aufsteigen konnten, falls sie in eine niedrige Position hineingeboren wurden oder in Ungnade fielen.</p><p>Sie sp�rte die Machtlenkerin hinter ihr nur Sekunden, bevor eine Abschirmung zwischen sie und die Quelle schnappte.</p><p>Egwene reagierte sofort. Sie lie� dem Entsetzen keine Zeit, sich ihrer zu bem�chtigen; sie zog das G�rtelmesser und fuhr zu der Frau herum, die sie hinter sich herankommen sp�rte. Sie stach zu, aber ein Gewebe Luft packte ihren Arm und hielt ihn fest; ein weiteres f�llte ihren Mund und knebelte sie.</p><p>Egwene wehrte sich, aber ein weiteres Gewebe ergriff sie und riss sie in die Luft. Das Messer fiel aus ihren zuckenden Fingern.</p><p>In der N�he erschien eine Lichtkugel, ein sanftes blaues Licht, das wesentlich ged�mpfter als das jeder Laterne war. Sie war von einer dunkelh�utigen Frau mit sehr feinen Z�gen gewebt worden. Zierlich. Eine kleine Nase, ein schlanker K�rper. Sie erhob sich aus der Hocke, und Egwene erkannte, dass sie ziemlich gro� war, fast so gro� wie ein Mann.</p><p>�Du bist ein gef�hrliches kleines H�schen�, sagte die Frau, und ihr wuchtiger, gef�hlloser Akzent erschwerte es, sie zu verstehen. Sie betonte die Worte an den falschen Stellen und sprach viele Laute auf eine sehr merkw�rdige Weise aus. Die T�towierungen auf ihrem Gesicht glichen zerbrechlichen Zweigen und f�hrten vom Nacken zu den Wangen. Sie trug ebenfalls eines dieser hufeisenf�rmigen Gew�nder, das v�llig schwarz war; eine Handspanne unterhalb des Halses waren wei�e Riemen angebracht.</p><p>Die Frau ber�hrte ihren Arm an der Stelle, wo Egwenes Messer sie beinahe getroffen h�tte. �Ja�, sagte sie, �sehr gef�hrlich. Nur wenige Ayyad w�rden so schnell nach dem Dolch greifen, statt nach der Quelle. Du bist gut ausgebildet worden.�</p><p>Egwene k�mpfte gegen ihre Fesseln an. Es war sinnlos. Sie sa�en fest. Ihr Herz schlug schneller, aber sie war besser als das. Panik w�rde sie nicht retten. Sie zwang sich zur Ruhe.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Nein, Panik rettet mich nicht�� aber sie k�nnte Gawyn alarmieren.</emphasis> Sie konnte sp�ren, dass er irgendwo in der N�he in der Dunkelheit besorgt war. Mit einer bewussten Anstrengung gestattete sie, dass ihr Entsetzen wuchs. Sie verdr�ngte ihre Ausbildung als Aes Sedai. Das war viel schwieriger als erwartet.</p><p>�Du bewegst dich schnell, kleines H�schen�, fuhr die Sharanerin fort und musterte Egwene. �Ich h�tte dir nie folgen k�nnen, h�tte ich nicht bereits gewusst, dass du diese Richtung w�hlst.� Neugierig ging sie um Egwene herum. �Du hast dem kleinen Schauspiel des Wylds bis zum Ende zugesehen, nicht wahr? Mutig. Oder dumm.�</p><p>Egwene schloss die Augen und konzentrierte sich auf ihre Angst. Auf ihre blinde Panik. Sie musste Gawyn herbringen. Sie griff tief in sich hinein und �ffnete diesen kleinen, mit aller Macht unterdr�ckten Gef�hlssplitter, den sie dort begraben hatte. Ihre Furcht, noch einmal in die Gefangenschaft der Seanchaner zu geraten.</p><p>Sie konnte es f�hlen. Der <emphasis>A�dam</emphasis> um ihren Hals. Der Name. Tuli. Ein Name f�r ein Scho�tier.</p><p>Damals war Egwene j�nger gewesen, aber genauso hilflos wie jetzt. Es w�rde erneut geschehen. Sie w�rde ein Nichts sein. Man w�rde ihr die Pers�nlichkeit rauben. Lieber wollte sie tot sein. <emphasis>O Licht!</emphasis> Warum hatte sie nicht sterben k�nnen?</p><p>Sie hatte sich geschworen, sich niemals wieder auf diese Weise gefangen nehmen zu lassen. Ihre Atmung ging schneller, da sie ihr Entsetzen jetzt nicht l�nger kontrollieren konnte.</p><p>�Aber, aber�, sagte die Sharanerin. Sie schien am�siert zu sein, auch wenn ihr Tonfall so ausdruckslos war, dass Egwene es nicht genau zu sagen vermochte. �So schlimm wird es nun auch nicht werden, oder? Ich muss mich entscheiden. Was bringt mir mehr ein? Dich ihm auszuliefern oder dich f�r mich selbst zu behalten? Hmm���</p><p>Auf der anderen Seite des Lagers, wo sich Demandred hinbegeben hatte, wurde pl�tzlich eine gro�e Menge Macht gelenkt. Die Frau schaute in die Richtung, schien aber nicht alarmiert zu sein.</p><p>Egwene f�hlte Gawyn sich n�hern. Er war sehr besorgt. Ihre Botschaft hatte ihren Zweck erf�llt, aber er kam nicht schnell genug, und er war weiter fort als erwartet. Was stimmte nicht? Jetzt, da sie ihre �ngste aus ihrem Versteck gelassen hatte, �berw�ltigten sie sie und pr�gelten f�rmlich auf sie ein.</p><p>�Dein Mann���, sagte die Sharanerin. �Du hast einen von ihnen. Wie hei�en sie noch mal? Seltsam, dass du dich auf den Schutz eines <emphasis>Mannes</emphasis> verl�sst, aber in diesem Land erreicht ja keine von euch ihr Potenzial, wie man mir berichtet hat. Man wird ihn ergreifen. Ich habe ihn holen lassen.�</p><p>Wie Egwene bef�rchtet hatte. Licht! Sie hatte Gawyn in die Falle gelockt. Sie hatte ihr Heer in die Katastrophe gef�hrt. Egwene kniff die Augen fest zusammen. Sie hatte die Wei�e Burg in ihre Zerst�rung gef�hrt.</p><p>Man w�rde ihre Eltern hinschlachten. Die Zwei Fl�sse w�rden brennen.</p><p>Sie h�tte st�rker sein m�ssen.</p><p>Sie h�tte kl�ger sein m�ssen.</p><p><emphasis>Nein.</emphasis></p><p>Die Seanchaner hatten sie nicht brechen k�nnen. Und sie w�rde sich auch von dem hier nicht brechen lassen. Sie �ffnete die Augen und erwiderte im blauen weichen Licht den Blick der Sharanerin. Sie bezwang ihre Gef�hle und f�hlte, wie sie die Ruhe einer Aes Sedai erf�llte.</p><p>�Du bist�� aber seltsam�, fl�sterte die Sharanerin noch immer von Egwenes Blick gefangen. Sie war so gebannt, dass sie gar nicht bemerkte, wie hinter ihr ein Schatten auftauchte. Ein Schatten, der nicht Gawyn sein konnte, denn er war noch immer weit weg.</p><p>Etwas traf von hinten den Kopf der Frau. Sie sackte in sich zusammen und fiel zu Boden. Die Lichtkugel verschwand, und Egwene war frei. Sie fiel ein St�ck, ging federnd in die Hocke und fand ihr Messer.</p><p>Eine Gestalt kam auf sie zu. Egwene hob die Klinge und bereitete sich darauf vor, die Quelle zu umarmen. Wenn es sein musste, w�rde sie eben Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Man w�rde sie nicht noch einmal �berw�ltigen.</p><p>Aber wer war das?</p><p>�Pst�, sagte die Gestalt.</p><p>Egwene erkannte die Stimme. <emphasis>�Leilwin?�</emphasis></p><p>�Andere haben bemerkt, dass diese Frau die Macht lenkte�, sagte Leilwin. �Sie werden kommen und nachsehen. Wir m�ssen los!�</p><p>�Ihr habt mich gerettet�, fl�sterte Egwene. �Ihr habt mich <emphasis>gerettet</emphasis>.�</p><p>�Ich nehme meine Eide sehr ernst�, sagte Leilwin. Dann f�gte sie so leise, dass Egwene es beinahe �berh�rt h�tte, hinzu: �Vielleicht zu ernst. So schreckliche Omen in dieser Nacht���</p><p>Sie eilten ein paar Momente durch das Lager, bis Egwene Gawyn herannahen sp�rte. Sie konnte ihn in der Dunkelheit nicht ausmachen. Schlie�lich fl�sterte sie leise: �Gawyn?�</p><p>Pl�tzlich stand er direkt neben ihr. �Egwene? Wen hast du da gefunden?�</p><p>Leilwin erstarrte und stie� dann leise die Luft zwischen den Z�hnen hervor. Etwas schien sie sehr aufgebracht zu haben. Vielleicht war sie ja w�tend, dass sich jemand an sie hatte anschleichen k�nnen. Falls das der Fall war, teilte Egwene ihre Empfindung. Sie war stolz auf ihre F�higkeiten, und dann hatte sie sich nicht nur von einer Machtlenkerin �berraschen lassen, sondern jetzt auch noch von Gawyn! Wie konnte sich ein Stadtjunge so schnell bewegen, ohne dass sie ihn entdeckte?</p><p>�Ich habe niemanden gefunden�, fl�sterte sie. �Leilwin fand mich�� und zog mich aus dem Feuer.�</p><p>�Leilwin?� Gawyn sp�hte in die Finsternis. Egwene konnte seine �berraschung und sein Misstrauen sp�ren.</p><p>�Wir m�ssen in Bewegung bleiben�, mahnte Leilwin.</p><p>�Da habe ich keine Einw�nde�, erwiderte Gawyn. �Wir haben es fast geschafft. Aber wir sollten weiter nach Norden gehen. Ich habe rechts von uns ein paar Leichen hinterlassen.�</p><p>�Leichen?�, fragte Leilwin.</p><p>�Etwa ein halbes Dutzend Sharaner st�rzten sich auf mich�, erwiderte er.</p><p><emphasis>Ein halbes Dutzend?</emphasis> Er lie� es klingen, als w�re das nichts.</p><p>Das hier war nicht der richtige Ort f�r eine Diskussion. Egwene schloss sich den anderen beiden an und eilte aus dem Lager. Leilwin f�hrte sie in eine bestimmte Richtung. Jeder Ruf und jedes Ger�usch lie� Egwene zusammenzucken und fachte die Sorge an, dass man einen der Toten gefunden hatte. Als pl�tzlich jemand in der Dunkelheit sprach, w�re sie tats�chlich beinahe bis zu den Sturmwolken gesprungen.</p><p>�Sein ihr das?�</p><p>�Wir sind es, Bayle�, sagte Leilwin leise.</p><p>�Bei meiner alten Gro�mutter!�, stie� Bayle Domon leise hervor und schloss sich ihnen an. �Du hast sie gefunden? Frau, du erstaunen mich immer wieder.� Er z�gerte. �Dennoch w�nschen ich mir, du h�tten mich mitkommen lassen.�</p><p>�Mein Gemahl�, fl�sterte Leilwin, �du bist so tapfer und entschlossen, wie sich eine Frau nur einen Mann f�r ihre Mannschaft w�nschen kann. Aber du bewegst dich mit der Verstohlenheit eines B�ren, der durch einen Fluss planscht.�</p><p>Er grunzte, schloss sich ihnen aber an, als sie das Lager vorsichtig und umsichtig verlie�en. Zehn Minuten weiter traute sich Egwene endlich, die Quelle zu umarmen. Sie genoss sie mit allen Z�gen, erschuf ein Wegetor zum Gleiten und glitt mit den anderen zur Wei�en Burg.</p><empty-line/><p>Aviendha rannte mit dem Rest der Aiel durch Wegetore. Einer Sturmflut gleich str�mten sie in das Tal von Thakan�dar. Zwei Wellen, die von gegen�berliegenden Talseiten kamen.</p><p>Aviendha trug keinen Speer; dort war nicht l�nger ihr Platz. Stattdessen <emphasis>war</emphasis> sie ein Speer.</p><p>Bei ihr befanden sich zwei M�nner in schwarzen M�nteln, f�nf Weise Frauen, die ehemalige <emphasis>Damane</emphasis> Alivia und zehn der Rand verschworenen Aes Sedai mit ihren Beh�tern. Abgesehen von Alivia hatte keiner von ihnen erfreut darauf reagiert, Aviendha vor die Nase gesetzt zu bekommen. Den Asha�man gefiel es nicht, �berhaupt einer Frau gehorchen zu m�ssen, den Weisen Frauen gefiel es nicht, von Rand Befehle entgegenzunehmen, und die Aes Sedai hielten die Machtlenkerinnen der Aiel noch immer f�r minderwertig. Trotzdem gehorchten sie dem Befehl.</p><p>In einem stillen Augenblick hatte Rand ihr zugefl�stert, bei ihnen allen nach Schattenfreunden Ausschau zu halten. Diese Worte gr�ndeten sich nicht auf Furcht, sondern auf sein Gesp�r f�r Realit�ten. �berall konnten Schatten lauern.</p><p>Im Tal befanden sich Trollocs und einige Myrddraal, aber diesen Angriff hatten sie nicht erwartet. Die Aiel machten sich ihre �berraschung zunutze und veranstalteten ein Massaker. Aviendha f�hrte ihre Machtlenker zur Schmiede, diesem gewaltigen Geb�ude mit dem grauen Dach. Die Schattenschmiede wandten sich von ihrer ruhelosen Arbeit ab und zeigten nur einen Hauch von Verwirrung.</p><p>Aviendha webte Feuer und entfernte einen Kopf von seinen Schultern. Augenblicklich verwandelte sich der K�rper zu Stein und zerbr�ckelte.</p><p>Das schien das Signal f�r die anderen Machtlenker gewesen zu sein, und im ganzen Tal explodierten die Schattenschmiede. Angeblich waren sie schreckliche Krieger, wenn man sie provozierte, und ihre Haut war gegen Schwerthiebe gefeit. M�glicherweise waren das ja nur Ger�chte, denn nur wenige Aiel hatten jemals mit einem Schattenschmied den Tanz der Speere getanzt.</p><p>Aviendha versp�rte keine gro�e Lust, die Wahrheit zu ergr�nden. Sie lie� ihre Mannschaft die erste Gruppe Schattenschmiede niedermachen und versuchte, nicht zu intensiv �ber den Tod und die Zerst�rung nachzudenken, den diese Kreaturen w�hrend ihres unnat�rlichen Lebens verursacht hatten.</p><p>Das Schattengez�cht versuchte eine Verteidigung aufzubauen; ein paar Myrddraal peitschten auf ihre Trollocs ein, damit sie den Angriff der Aiel aufbrachen, die auf breiter Front auf sie zukamen. Es w�re leichter gewesen, einen Fluss mit einer Handvoll Zweige aufzuhalten. Die Aiel wurden nicht langsamer, und die Tiermenschen wurden auf der Stelle get�tet, fielen oft mehreren Pfeilen oder Speeren zum Opfer.</p><p>Die meisten Trollocs ergriffen vor den donnernden Schlachtrufen der Aiel die Flucht. Aviendha und ihre Machtlenker erreichten die Schmiede�fen und die in der N�he befindlichen K�fige mit den vor Dreck starrenden Gefangenen mit den leblosen Blicken, die auf den Tod gewartet hatten.</p><p>�Schnell!�, sagte Aviendha zu den Beh�tern in ihrer Begleitung. Die M�nner brachen die K�fige auf, w�hrend sie und die anderen die letzten Schattenschmiede angriffen. Als sie starben und sich in Stein und Staub verwandelten, lie�en sie zur H�lfte fertiggestellte Thakan�dar-Klingen auf den Felsboden fallen.</p><p>Aviendha blickte nach rechts oben. Ein langer, gewundener Pfad f�hrte zu dem riesigen, an einen Rachen erinnernden Loch in der Seite des Berges, der dort in den Himmel ragte. Das Loch war <emphasis>schwarz</emphasis>. Es erschien wie eine Falle, die alles Licht dazu verlockte, dort einzufallen, um es niemals wieder freizugeben.</p><p>Aviendha webte Feuer und Geist und entlie� das Gewebe in die Luft. Einen Augenblick sp�ter �ffnete sich ein Wegetor oben auf dem Pfad zum Shayol Ghul. Vier Gestalten traten hindurch. Eine Frau in Blau von kleiner Gestalt, aber von gro�er Willenskraft. Ein �lterer Mann mit wei�en Haaren und einem bunten Umhang. Eine Frau in Gelb, die ihr schwarzes Haar kurz geschnitten trug und es mit mehreren in Gold eingefassten Edelsteinen schm�ckte.</p><p>Und ein hochgewachsener Mann, dessen Haar die Farbe gl�hender Scheite hatte. Er trug einen Mantel in Rot und Gold, aber darunter befand sich ein schlichtes Hemd aus den Zwei Fl�ssen. Was er geworden und was er gewesen war, war zu einer Einheit verschmolzen. Wie ein Shienarer trug er zwei Schwerter. Das eine erweckte den Anschein, als best�nde es aus Glas; das trug er auf den R�cken geschnallt. Das andere war das Schwert des Baumm�rders K�nig Laman, und er trug es am G�rtel. Das trug er nur wegen ihr. Dummer Mann.</p><p>Aviendha hob die Hand in seine Richtung, und er erwiderte den Gru�. Das w�rde ihr einziger Abschied sein, falls er bei seiner Aufgabe scheiterte oder sie w�hrend der ihren starb. Nach einem letzten Blick wandte sie sich von ihm ab und ihrer Pflicht zu.</p><p>Zwei ihrer Aes Sedai hatten sich verkn�pft und ein Wegetor erschaffen, damit die Beh�ter die Gefangenen in Sicherheit bringen konnten. Viele mussten angesto�en werden, damit sie sich �berhaupt bewegten. Sie stolperten vorw�rts, und ihre Augen waren beinahe so leblos wie die der Schattenschmiede.</p><p>��berpr�ft auch die ganze Schmiede�, befahl Aviendha und gab ein paar Beh�tern ein Zeichen. Sie st�rmten hinein, gefolgt von Aes Sedai. Gewebe der Einen Macht ersch�tterten das Geb�ude, als sie noch mehr Schattenschmiede fanden, und die beiden Asha�man begaben sich ebenfalls eilig hinein.</p><p>Aviendha musterte das Tal. Die Schlacht war h�sslicher geworden; in dem Felskorridor, der aus dem Tal f�hrte, hatte sich Schattengez�cht versammelt. Es hatte mehr Zeit gehabt, sich zu formieren. Hinter den Aiel f�hrte Ituralde seine Streitkr�fte heran und sicherte die Teile des Tales, die sie bereits erobert hatten.</p><p><emphasis>Geduld,</emphasis> sagte sich Aviendha. Ihre Aufgabe bestand nicht darin, sich der vor ihnen liegenden Schlacht anzuschlie�en, sondern Rand den R�cken zu decken, w�hrend er in die Tiefe stieg und den Krater des Verderbens betrat.</p><p>Eine Sache bereitete ihr gro�e Sorgen. Konnten die Verlorenen direkt in die H�hle Reisen? Rand schien sich deswegen keine Sorgen zu machen, aber er war auch durch das abgelenkt, was er zu tun hatte. Vielleicht sollte sie sich ihm anschlie�en und��</p><p>Stirnrunzelnd schaute sie auf. Was war das f�r ein Schatten?</p><p>Hoch oben am aufgew�hlten Himmel schien die Sonne. Es gab Sturmwolken, einige davon tiefschwarz, andere ganz wei�. Aber es handelte sich nicht um eine Wolke, die sich pl�tzlich vor die Sonne geschoben hatte, sondern um etwas Festes und Schwarzes, das dort heranglitt.</p><p>Aviendha fr�stelte und zitterte unwillk�rlich, als das Licht verblasste. Dunkelheit brach �ber sie herein�� echte Dunkelheit.</p><p>�berall auf dem Schlachtfeld sahen Soldaten voller Scheu und sogar Angst auf. Das Licht ging aus. Das Ende der Welt war da.</p><p>Pl�tzlich wurde am anderen Ende des weitl�ufigen Tales die Macht gelenkt. Aviendha sch�ttelte ihre Beklommenheit ab und fuhr herum. Der Boden in der N�he war mit zerrissenen Kleidungsst�cken, weggeworfenen Waffen und Leichen �bers�t. Der Kampf konzentrierte sich jetzt allein auf den Talausgang, weit von ihr entfernt; dort versuchten die Aiel, das Schattengez�cht in den Pass zur�ckzudr�ngen.</p><p>Obwohl sie in der Finsternis nicht viel erkennen konnte, wusste Aviendha, dass die Soldaten in den Himmel starrten. Selbst die Trollocs erschienen �berw�ltigt. Aber dann bewegte sich die alles umfassende Finsternis und gab zuerst den Sonnenrand und dann die Sonne selbst frei. Licht! Das Ende war doch noch nicht da.</p><p>Der Kampf am Taleingang ging weiter, aber er war offensichtlich schwierig. Die Trollocs durch einen so schmalen Weg zu treiben war ungef�hr so, als wollte man ein Pferd in einen schmalen Felsspalt schieben. Schlichtweg unm�glich, es sei denn, man fing an zu schnitzen.</p><p>�Dort!�, sagte Aviendha und zeigte auf die Talseite hinter den Linien der Aiel. �Ich sp�re das Machtlenken einer Frau.�</p><p>�Licht, sie ist m�chtig�, hauchte Nesune.</p><p>�Einen Zirkel!�, br�llte Aviendha. �Sofort!�</p><p>Die anderen verkn�pften sich und �bergaben Aviendha die Kontrolle des Zirkels. Macht erf�llte sie, unvorstellbare Macht. Es war, als w�rde sie einen Atemzug nehmen, dabei aber immer mehr Luft in den K�rper saugen, sich ausdehnen und vor Energie knistern. Sie war ein Gewittersturm, ein riesiges Meer aus der Einen Macht.</p><p>Sie stie� die H�nde nach vorn und entlie� ein nur zur H�lfte geformtes primitives Gewebe. Das war beinahe zu viel Macht f�r sie, um sie formen zu k�nnen. Luft und Feuer spr�hte von ihren H�nden, eine S�ule so breit wie ein Mann mit ausgestreckten Armen. Das Feuer flammte dick und hei�, beinahe schon fl�ssig. Kein Baalsfeuer�� daf�r war sie zu schlau��, aber trotzdem gef�hrlich. Die Luftgewebe schlossen das Feuer als konzentrierte zerst�rerische Masse ein.</p><p>Die S�ule raste �ber das Schlachtfeld und zerschmolz den Felsboden und setzte Kadaver in Brand. Ein gewaltiges Nebelfeld l�ste sich zischend auf, und der Boden erbebte, als die S�ule in die Seite der steilen Talwand krachte, auf der die feindliche Machtlenkerin ��ihrer St�rke nach zu urteilen konnte es eigentlich nur eine der Verlorenen sein�� die hinteren Reihen der Aiel angegriffen hatte.</p><p>Schwei��berstr�mt lie� Aviendha das Gewebe los. Auf dem zerkl�fteten Felsen stieg eine schwelende schwarze Rauchs�ule in die H�he. Geschmolzener Stein rann den Hang hinunter. Aviendha wartete aufmerksam. Die Eine Macht in ihr begann sich auszudehnen, als wollte sie ihr entkommen. Geschah dies, weil ein Teil der von ihr benutzten Energie von M�nnern kam? Noch nie zuvor hatte die Eine Macht sie anscheinend vernichten wollen.</p><p>Sie bekam nur eine kurze Warnung: hektisches Machtlenken auf der anderen Talseite, gefolgt von einem gewaltigen Windsto�.</p><p>Aviendha schnitt den Wind mit einem unsichtbaren Gewebe von der Gr��e eines gro�en Baumes in der Mitte entzwei. Sie lie� einen weiteren Feuersto� folgen, dieses Mal war er kontrollierter. Nein, sie wagte es nicht, Baalsfeuer einzusetzen. Rand hatte sie gewarnt. Das konnte die Bohrung ausdehnen und das Gef�ge der Realit�t an einem Ort brechen, wo die Membrane bereits sehr d�nn war.</p><p>Ihr Feind hatte nicht die gleichen Vorbehalte. Der n�chste Angriff der Frau bestand aus einem gl�hend hei�en Balken, der Aviendhas Kopf nur um Fingerbreite verfehlte, bevor er die Wand der Schmiede hinter ihr traf. Das Baalsfeuer schlitzte einen breiten Pfad in Felsen und Ziegel, dann brach das Geb�ude mit lautem Donnern in sich zusammen.</p><p>Nicht schade drum, dachte Aviendha und warf sich zu Boden. �Verteilt euch!�, befahl sie den anderen. �Bietet kein gutes Ziel!� Sie lenkte die Macht und w�hlte die Luft auf, um einen Sturm aus Staub und Tr�mmern vor ihnen aufzupeitschen. Dann benutzte sie ein Gewebe, um die Tatsache zu verschleiern, dass sie die Eine Macht hielt, und um sich vor ihrem Feind zu verbergen. Tief geduckt huschte sie hinter eine Deckung, eine Halde aus Schlacke und Eisenschrott, der auf die Weiterverarbeitung wartete.</p><p>Wieder schlug Baalsfeuer in den steinigen Boden, an der Stelle, wo sie eben noch gestanden hatte. Es durchbohrte den Stein so m�helos wie ein Speer eine Melone. Aviendhas Gef�hrten waren alle in Deckung gegangen, und sie f�tterten sie weiterhin mit Kraft. So viel <emphasis>Macht</emphasis>. Das war eine Ablenkung.</p><p>Sie sch�tzte die Stellung des Angreifers ein. �Haltet euch bereit, mir zu folgen�, sagte sie zu den anderen, dann erschuf sie ein Wegetor zu der Stelle, wo das Gewebe begonnen hatte. �Kommt nach mir durch, aber geht sofort in Deckung!�</p><p>Mit raschelnden R�cken sprang sie durch die �ffnung und hielt die Eine Macht wie ein irgendwie eingesperrtes Gewitter. Sie landete auf einem Hang, der das Schlachtfeld �berschaute. Tief unter ihr k�mpften T�chter und M�nner gegen Trollocs; es sah aus, als w�rden die Aiel eine riesige schwarze Flut eind�mmen.</p><p>Aviendha nahm sich nicht mehr Zeit als f�r einen fl�chtigen Blick. Mit einem urt�mlichen Gewebe Erde stie� sie in den Boden, riss ein pferdegro�es Felsst�ck heraus und schleuderte es in die Luft. Der Strahl, der eine Sekunde sp�ter nach ihr stach, bohrte sich mitten in den Stein.</p><p>Baalsfeuer war ein gef�hrlicher Speer. Manchmal schnitt es wie ein Messer, aber wenn es ein genau umrissenes Objekt traf�� zum Beispiel eine Person��, lie� es das ganze Ding aufblitzen und verschwinden. Das Baalsfeuer brannte Aviendhas Felstr�mmer aus der Existenz und lie� gl�henden Staub herabregnen, der sich aufl�ste. Hinter ihr sprangen die M�nner und Frauen ihres Zirkels durch das Wegetor und gingen in Deckung.</p><p>Aviendha blieb kaum genug Zeit, die Risse zu registrieren, die sich in der N�he im Felsen ausbreiteten. Spalten, die in einen Abgrund aus Finsternis zu f�hren schienen. Als der Lichtstrahl in Aviendhas Blickfeld verblasste, lie� sie eine lodernde Feuers�ule los. Dieses Mal traf sie Fleisch und verbrannte eine schlanke Frau mit kupferfarbener Haut, die ein rotes Kleid trug. Zwei weitere Frauen in der N�he fluchten und eilten fort. Aviendha setzte sofort mit einem zweiten Angriff nach.</p><p>Eine der beiden Frauen ��die st�rkere�� erschuf ein Gewebe mit solcher Eile und Raffinesse, dass Aviendha es kaum mitbekam. Es legte sich um ihre Feuers�ule und f�hrte zu einer Explosion aus kochend hei�em Dampf. Geblendet keuchte sie auf; das Feuer war gel�scht.</p><p>Der Instinkt aus zahllosen K�mpfen �bernahm. Verborgen von der Dampfwolke lie� sie sich auf die Knie fallen und rollte sich zur Seite, w�hrend sie sich dabei Steine schnappte und schleuderte, um f�r eine Ablenkung zu sorgen.</p><p>Es funktionierte. Noch w�hrend sie Tr�nen fortblinzelte, schlug ein wei� gl�hender Strahl dort ein, wo die Wurfgeschosse aufgeprallt waren. Jene dunklen Spalten breiteten sich weiter aus.</p><p>Mit einem Gewebe Luft vertrieb Aviendha den Dampf, w�hrend ihr noch immer Tr�nen aus den Augen schossen und ihre Sicht behinderten. Wenigstens konnte sie gut genug sehen, um zwei schwarze Gestalten unterscheiden zu k�nnen, die in der N�he zwischen den Felsen kauerten. Eine von ihnen wandte sich ihr zu, keuchte auf, weil sie das Angriffsgewebe erkannte, das Aviendha gerade webte�� und <emphasis>verschwand</emphasis> einfach.</p><p>Es gab kein Wegetor. Die Frau schien sich einfach zusammenzufalten, und Aviendha sp�rte kein Machtlenken. Allerdings war da etwas anderes, ein kaum wahrnehmbares�� <emphasis>Etwas</emphasis>. Ein Zittern in der Luft, das nicht v�llig physisch war.</p><p>�Nein!�, stie� die zweite Frau hervor. F�r Aviendhas tr�nenverschleierte Augen stellte sie blo� einen Schemen dar. �Nicht���</p><p>Aviendhas Blick kl�rte sich gerade genug, um das Erscheinungsbild ihrer Gegnerin ausmachen zu k�nnen�� ein lang gezogenes Gesicht und dunkle Haare��, w�hrend ihr Gewebe traf. Der Frau wurden die Gliedma�en vom K�rper gerissen. Ein qualmender Arm wirbelte durch die Luft und zog einen schwarzen Rauchschleier hinter sich her, bevor er in der N�he aufschlug.</p><p>Aviendha hustete, dann lie� sie den Zirkel los. �Heilen!�, befahl sie und kam m�hsam auf die F��e.</p><p>Bera Harkin erreichte sie zuerst, und ein Heilgewebe lie� sie erbeben. Sie keuchte auf, und die verbrannte Haut und die angesengten Augen waren wieder in Ordnung. Sie nickte Bera, die sie nun ganz deutlich sehen konnte, dankend zu.</p><p>Ein St�ck voraus begab sich Sarene ��eine Aes Sedai mit einem tropfenf�rmigen Gesicht und zahllosen dunklen Z�pfen�� zu den Leichen, f�r die Aviendha verantwortlich war. Ihr Beh�ter Vitalien blieb dicht an ihrer Seite. Sie sch�ttelte den Kopf. �Duhara und Falion. Jetzt sind sie Schattenlords.�</p><p>�Es besteht ein Unterschied zwischen Schattenlords und Schwarzen Ajah?�, fragte Amys.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Sarene ganz sachlich.</p><p>In der N�he hielten die anderen noch immer die Eine Macht, weil sie jeden Augenblick mit einem weiteren Angriff rechneten. Aviendha hielt das f�r unwahrscheinlich. Sie hatte das �berraschte Keuchen der geflohenen Frau und die Panik in ihrer Aktion gesp�rt. Und sie war die St�rkste von ihnen gewesen. Vielleicht hatte sie nicht so fr�h mit so starkem Widerstand gerechnet.</p><p>Sarene trat gegen einen Arm, der Falion geh�rt hatte. �Es w�re besser gewesen, man h�tte sie gefangen nehmen und verh�ren k�nnen. Ich bin sicher, wir h�tten die Identit�t der dritten Frau erfahren. Hat jemand sie erkannt?�</p><p>Alle sch�ttelten den Kopf. �Sie stand nicht auf der Liste der Schwarzen Ajah, die entkommen konnten�, sagte Sarene und nahm den Arm ihres Beh�ters. �Sie hat ein einpr�gsames Gesicht�� wie eine Knolle und ohne jeden Reiz. Ich bin sicher, ich w�rde mich an sie erinnern.�</p><p>�Sie war m�chtig�, sagte Aviendha. �Sehr m�chtig.� Eigentlich h�tte sie sie f�r eine der Verlorenen gehalten. Aber es war mit Sicherheit nicht Moghedien gewesen, und die Beschreibung Graendals traf ebenfalls nicht auf sie zu.</p><p>�Wir teilen uns in drei Zirkel auf�, befahl sie. �Bera �bernimmt einen, ich und Amys die anderen. Ja, ich wei�, wir k�nnen jetzt Zirkel machen, die gr��er als dreizehn sind, aber das scheint eine Verschwendung zu sein. Um zu t�ten, brauche ich doch nicht so viel Macht. Eine unserer Gruppen wird die Trollocs dort unten angreifen. Die anderen beiden werden nicht die Macht lenken und sich in der N�he verstecken und beobachten. So k�nnen wir die gegnerische Machtlenkerin zu der Annahme verleiten, wir w�rden noch immer einen gro�en Zirkel bilden, und die anderen beiden k�nnen sie dann von zwei Seiten zugleich angreifen, wenn sie sich aus ihrem Versteck wagt.�</p><p>Amys l�chelte. Sie erkannte es als grundlegende �berfalltaktik der T�chter. Aviendhas Befehlen folgen zu m�ssen schien sie nicht besonders zu st�ren, nachdem jetzt der �rger �ber Rands Anma�ung verflogen war. Sie k�mpften, w�hrend andere Gruppen Aes Sedai und Asha�man die Wegetore ge�ffnet hielten, um die Heere der Domani und Tairener zu bef�rdern.</p><p>Hier lenkten zu viele Menschen gleichzeitig die Macht. Es w�rde sehr schwierig werden, im Falle eines Angriffs die Position der Verlorenen herauszufinden.</p><p>�Wir m�ssen Reisegel�nde abstecken�, sagte sie. �Und genau �berpr�fen, wer die Macht lenkt und wo. So werden wir sofort wissen, ob etwas nicht stimmt, falls wir einen Machtlenker sp�ren.� Sie hob die Hand an die Stirn. �Das wird schrecklich schwer zu organisieren sein.�</p><p>Amys� L�cheln wurde noch breiter. <emphasis>Du hast jetzt das Kommando, Aviendha,</emphasis> schien dieses L�cheln sagen zu wollen. <emphasis>Also kannst du auch die Kopfschmerzen ertragen, die das mit sich bringt.</emphasis></p><empty-line/><p>Rand al�Thor, der Wiedergeborene Drache, wandte sich von Aviendha ab und �berlie� sie und Ituralde ihrem Kampf. Ihn erwartete ein ganz anderer.</p><p>Endlich war der Augenblick da.</p><p>Er n�herte sich dem Fu� des Shayol Ghul. Weiter oben grub sich ein schwarzes Loch in das Antlitz des Berges, der einzige Weg zum Krater des Verderbens. Moiraine gesellte sich zu ihm und zog ihre Stola enger um sich, deren blaue Fransen vom Wind ergriffen wurden. �Denkt daran. Das ist nicht die Bohrung, das ist auch nicht der Kerker des Dunklen K�nigs. Das ist blo� der Ort, wo seine Ber�hrung der Welt am st�rksten ist. Hier hat er die Kontrolle.�</p><p>�Jetzt ber�hrt er die ganze Welt, mal mehr und mal weniger�, erwiderte Rand.</p><p>�Und darum wird seine Ber�hrung hier st�rker sein.�</p><p>Rand nickte und legte die Hand auf den Dolch an seinem G�rtel. �Kein Machtlenken, bis wir den Dunklen K�nig direkt angreifen k�nnen. Falls m�glich, m�chte ich einen Kampf wie bei der Reinigung der Quelle vermeiden. Das Kommende wird meine ganze Kraft erfordern.�</p><p>Nynaeve nickte. Sie trug ihren Schmuck aus <emphasis>Angrealen</emphasis> und <emphasis>Ter�angrealen</emphasis> �ber einem gelben Gewand, das viel sch�ner war als alle, die sie sich w�hrend ihres Lebens in den Zwei Fl�ssen zugestanden hatte. Ohne ihren Zopf erschien sie ihm fremd; das Haar erreichte kaum ihre Schultern. Irgendwie erschien sie �lter. Aber so sollte es eigentlich nicht sein. In den Zwei Fl�ssen war der Zopf das Symbol von Alter und Reife. Warum sollte Nynaeve ohne ihn �lter aussehen?</p><p>Thom trat an seine Seite und sp�hte mit zusammengekniffenen Augen zu dem Loch im Felsen hinauf. �Ich nehme mal an, ich gehe nicht mit euch rein.�</p><p>Moiraine blickte ihn mit gesch�rzten Lippen an.</p><p>�Jemand wird den H�hleneingang bewachen m�ssen, meine liebe Ehefrau�, sagte Thom. �Der Felsvorsprung da rechts neben dem Eingang bietet einen ausgezeichneten Blick auf das Schlachtfeld. Ich kann die Schlacht verfolgen und vielleicht eine gute Ballade oder auch zwei verfassen.�</p><p>Das humorvolle Funkeln in Thoms Augen lie� Rand l�cheln. Da standen sie am Rand der Zeit selbst, und Thom Merrilin fand trotzdem etwas, �ber das es sich zu l�cheln lohnte.</p><p>�ber ihm wirbelten die schwarzen Wolken um den Gipfel des Shayol Ghul im Kreis. Finsternis griff nach der Sonne, bis sie beinahe v�llig verschlungen war.</p><p>Rands Streitkr�fte hielten inne und starrten entsetzt zum Himmel, und selbst das Schattengez�cht erstarrte und knurrte. Aber als die Sonne ihrer Gefangenschaft langsam entkam, ging der verbissene Kampf in dem Tal unter ihnen weiter. Er verk�ndete Rands Absichten, aber der Dolch w�rde ihn vor den Augen des Dunklen K�nigs verbergen. Wenn es das Licht wollte, w�rden sich die Anf�hrer des Schattens auf die Schlacht konzentrieren und annehmen, dass er ihr Ergebnis abwartete, bevor er zuschlug.</p><p>�Jetzt?�, fragte Nynaeve und sah den schmalen, steinigen Pfad zur H�hle hinauf.</p><p>Rand nickte und schritt voran. Ein Wind erhob sich und peitschte auf die vier Menschen ein, als sie in die H�he stiegen. Rand hatte seine Kleidung mit Bedacht gew�hlt. Der rote Mantel mit den aufgestickten Dornenranken auf den �rmeln und den goldenen Reihern am Kragen war eine genaue Kopie des Mantels, den Moiraine ihm in Fal Dara hatte zukommen lassen. Das wei�e, an der Vorderseite mit Riemen zugeschn�rte Hemd stammte aus den Zwei Fl�ssen. <emphasis>Callandor</emphasis> ruhte auf seinem R�cken, Lamans Schwert hing an seiner H�fte. Es war lange her, dass er es das letzte Mal getragen hatte, aber es f�hlte sich richtig an.</p><p>Der Wind st�rmte auf ihn ein und drohte ihn in die Tiefe zu werfen. Er stemmte sich dagegen und erklomm den steilen Pfad; die Schmerzen in seiner Seite lie�en ihn die Z�hne zusammenbei�en. Zeit schien hier eine andere Bedeutung zu haben, und als er das Plateau vor der H�hle erreichte, hatte er das Gef�hl, tagelang marschiert zu sein. Er drehte sich um, legte seine Hand auf den Stein des ge�ffneten Rachens und lie� den Blick �ber das Tal schweifen.</p><p>Seine dort k�mpfenden Streitkr�fte erschienen so zerbrechlich, so bedeutungslos. W�rden sie das Tal lange genug halten k�nnen?</p><p>�Rand��� Nynaeve ergriff seinen Arm. �Vielleicht solltest du dich ausruhen.�</p><p>Er folgte ihrem Blick. Seine Wunde, die alte Wunde an seiner Seite, war wieder aufgebrochen. Blut hatte sich in seinem Stiefel gesammelt. Es war seine Seite hinuntergelaufen und dann weiter am Bein entlang, und bei jedem Schritt hinterlie� er einen blutigen Abdruck.</p><p><emphasis>Blut auf den Felsen��</emphasis></p><p>Nynaeve schlug die Hand vor den Mund.</p><p>�Es muss geschehen, Nynaeve�, sagte er. �Du kannst es nicht aufhalten. Die Prophezeiung sagt nichts dar�ber aus, ob ich diesen Kampf �berlebe. Ich fand das immer merkw�rdig, du nicht? Warum sollte sie von Blut sprechen, aber nicht von dem, was danach kommt?� Er sch�ttelte den Kopf, dann zog er <emphasis>Callandor</emphasis>. �Moiraine, Nynaeve, wollt ihr mir eure Kraft leihen und euch mir in einem Zirkel anschlie�en?�</p><p>�M�chtet Ihr, dass eine von uns f�hrt�, erwiderte Moiraine z�gernd, �damit Ihr dieses Ding sicher benutzen k�nnt?�</p><p>�Mir geht es nicht um Sicherheit�, sagte Rand. �Einen Zirkel, bitte.�</p><p>Die beiden Frauen tauschten einen Blick aus. Solange er den Zirkel anf�hrte, konnte ein anderer zuschlagen und ihm die Kontrolle entrei�en. Offensichtlich gefiel keiner von ihnen die Bitte. Er war sich nicht sicher, ob er sich dar�ber freuen sollte, dass die beiden angefangen hatten, miteinander auszukommen�� vielleicht sollte er sich lieber stattdessen sorgen, dass sie sich gegen ihn verb�ndeten.</p><p>Irgendwie erschien das wie ein Gedanke aus fr�heren Tagen. Einfacheren Tagen. Er l�chelte trocken, wusste aber genau, dass dieses L�cheln nicht seine Augen erreichte. Moiraine und Nynaeve �berlie�en ihm ihre Kraft, und er akzeptierte sie. Thom k�sste Moiraine noch einmal, dann wandten sich die drei der klaffenden Felsen�ffnung vor ihnen zu. Sie f�hrte in die Tiefe des Berges und zu dem sagenumwobenen Krater, der auf dieser Welt der Behausung des Dunklen K�nigs noch am n�chsten kam.</p><p>Von der zur�ckgekehrten Sonne verursachte Schatten verdunkelten den H�hleneingang. Der Wind zerrte an Rand, sein eigenes Blut w�rmte seinen Fu�. <emphasis>Ich werde diese H�hle nicht lebend verlassen,</emphasis> dachte er.</p><p>Aber das k�mmerte ihn nicht l�nger. �berleben war nicht sein Ziel. Das war es schon seit einiger Zeit nicht mehr.</p><p>Er wollte alles richtig machen. Er <emphasis>musste</emphasis> alles richtig machen. War das hier der richtige Augenblick? Hatte er gut genug geplant?</p><p>ES IST ZEIT. SOLL MAN DIESE AUFGABE IN ANGRIFF NEHMEN.</p><p>Die Stimme donnerte wie ein Erdbeben; die Worte vibrierten in Rands K�rper. Sie waren so viel mehr als einfache Laute in der Luft, schienen sich von einer Seele zur anderen fortzupflanzen. Moiraine riss die Augen weit auf und keuchte.</p><p>Rand war nicht �berrascht. Er hatte diese Stimme schon einmal vernommen, und ihm wurde klar, dass er sie erwartet hatte. Oder zumindest erhofft.</p><p>�Danke�, fl�sterte Rand, betrat das Reich des Dunklen K�nigs und hinterlie� dabei blutige Fu�abdr�cke.</p></section><section><title><p>24</p><p>Ignorierte Omen</p></title><p>Fortuona, die Kaiserin des Reiches von Seanchan, musterte ihren Ehemann, wie er ihren Streitkr�ften die Befehle erteilte. Die Truppen hatten vor dem Palast von Ebou Dar Aufstellung genommen, und sie selbst sa� auf einem aufwendig gestalteten Thron, der an der Unterseite mit Tragestangen versehen war, damit ein Dutzend Soldaten sie umhertragen konnte.</p><p>Der Thron verlieh ihr Pracht, erweckte aber auch den Eindruck von Unbeweglichkeit. Ein Attent�ter w�rde annehmen, dass sie sich in ihrem formellen Seidengewand nicht schnell w�rde bewegen k�nnen, denn der Stoff reichte bis zum Boden, wo er ausgebreitet lag. Im Fall eines Angriffs w�rde er eine �berraschung erleben, denn sie konnte sich mit einer Bewegung von dem Gewand befreien.</p><p>�Er hat sich ver�ndert, H�chstgeborene�, sagte Beslan zu ihr. �Und dann wiederum auch nicht. Ich wei� nicht mehr, was ich von ihm halten soll.�</p><p>�Das Rad hat ihn uns geschickt�, erwiderte Fortuona. �Habt Ihr �berlegt, was Ihr tun wollt?�</p><p>Beslan hielt den Blick nach vorn gerichtet. Oft lie� er sich von seinen Gef�hlen beherrschen, aber letztlich auch nicht mehr als andere Altaraner. Sie waren eben ein leidenschaftliches Volk und w�rden jetzt, da sie gez�hmt waren, ein hervorragender Gewinn f�r das Kaiserreich sein.</p><p>�Ich werde tun, was vorgeschlagen wurde�, sagte Beslan schlie�lich mit ger�tetem Gesicht.</p><p>�Das ist klug�, sagte Fortuona.</p><p>�M�ge der Thron f�r alle Ewigkeit bestehen�, sagte Beslan. �Und m�get Ihr genauso lange atmen, H�chstgeborene.� Er verneigte sich und zog sich dann zur�ck, was auch richtig war. Fortuona konnte in den Krieg ziehen, aber dieses Land musste Beslan regieren. Er wollte unbedingt an der Schlacht teilnehmen, aber letzten Endes hatte er begriffen, dass er hier gebraucht wurde.</p><p>Selucia sah ihm hinterher und nickte zufrieden. <emphasis>Er ist ein echter Gewinn, jetzt, da er sich zu beherrschen lernt,</emphasis> bedeutete sie in der Zeichensprache.</p><p>Fortuona erwiderte nichts. Selucias Zeichen enthielten eine Andeutung, die sie �bersehen h�tte, h�tte sie sie nicht schon so lange gekannt. Beslan <emphasis>lernte</emphasis>. Was jedoch andere M�nner anging��</p><p>In der N�he fing Mat wild zu fluchen an. Er hatte die seanchanischen Befehlshaber um sich geschart, und sie konnte nicht genau h�ren, was ihn aufbrachte. Was hatte sie da blo� angerichtet, mit <emphasis>ihm</emphasis> eine Beziehung einzugehen?</p><p><emphasis>Ich bin den Omen gefolgt,</emphasis> dachte sie.</p><p>Sie ertappte ihn dabei, wie er ihr einen Blick zuwarf, bevor er weiterbr�llte. Mat w�rde man noch Beherrschung beibringen m�ssen, aber das w�rde ausgesprochen schwierig werden. Viel schwieriger als bei Beslan. Wenigstens verk�ndete Selucia ihre strengen Urteile nicht laut. Die Frau diente ihr jetzt als Wahrheitssprecherin, aber Fortuona blieb nicht verborgen, dass sie diese Position als sehr belastend empfand. Sie w�re lieber blo� die Stimme der Kaiserin geblieben. Vielleicht w�rden die Omen Fortuona ja jemand anderen zeigen, der als Wahrheitssprecherin infrage kam.</p><p><emphasis>Wollen wir wirklich tun, was er sagt?,</emphasis> gestikulierte Selucia.</p><p><emphasis>Diese Welt ist im Chaos versunken,</emphasis> entgegnete Fortuona. Keine klare Antwort. Im Augenblick wollte sie keine klaren Antworten geben. Selucia w�rde sich schon zusammenreimen, welche Bedeutung das hatte.</p><p>Wenn es um die Kaiserin ging, f�gten Seanchaner f�r gew�hnlich die Worte �M�ge sie ewig leben� hinzu. F�r manche war das eine Plattit�de oder nur ein Ritual. Fortuona hatte stets mehr darin gesehen. Dieser Ausspruch fasste die St�rke des Kaiserreichs in wenigen Worten zusammen. Eine Kaiserin musste geschickt, stark und listenreich sein, wenn sie �berleben wollte. Allein die Besten hatten es verdient, auf dem Kristallthron zu sitzen. H�tte eines ihrer Geschwister oder ein Angeh�riger des Hohen Blutes wie Galgan es geschafft, sie zu t�ten, dann h�tte ihr Tod dem Kaiserreich gedient�� denn offensichtlich w�re sie dann zu schwach gewesen, um das Reich zu f�hren.</p><p>M�ge sie ewig leben. M�ge sie stark genug sein, um ewig zu leben. M�ge sie stark genug sein, um uns zum Sieg zu f�hren. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> dieser Welt Ordnung bringen. Das war ihr Ziel.</p><p>Matrim stapfte an dem Versammlungsplatz des Heeres vorbei und passierte ihren Thron im Abstand von zehn Schritten. Er trug die Uniform eines kaiserlichen Hohen Generals, auch wenn sie ihm nicht besonders stand. St�ndig blieb er mit dem Gewand irgendwo h�ngen. Die Aufmachung eines Hohen Generals sollte dem Tr�ger Autorit�t verleihen und seine Anmut verst�rken, indem der Stoff in Einklang mit seinen gemessenen Bewegungen wogte. Bei Matrim war es, als h�tte man ein Rennpferd in Seide gewickelt und erwartete, dass es so lief. Eine gewisse Anmut hatte er ja, aber es war keine h�fische Anmut.</p><p>Kommandanten von geringerem Rang folgten ihm. Matrim verbl�ffte das Blut. Das war gut, denn so waren sie aus dem Gleichgewicht gebracht. Aber mit seinem unberechenbaren Verhalten und dem st�ndigen Widerstand gegen Autorit�t verk�rperte er ebenfalls Unordnung. Fortuona repr�sentierte die Ordnung, und sie hatte das personifizierte Chaos geheiratet. Was hatte sie sich nur dabei gedacht?</p><p>�Aber was ist mit dem Meervolk, Hoheit?�, fragte General Yulan und blieb neben Matrim stehen.</p><p>�H�rt auf, Euch um das verdammte Meervolk zu sorgen�, fauchte Matrim. �Wenn Ihr noch einmal das Wort <emphasis>Meervolk</emphasis> in den Mund nehmt, h�nge ich Euch an den Zehenn�geln an einen dieser <emphasis>Raken</emphasis>, mit denen ihr herumfliegt, und schicke Euch nach Shara.�</p><p>Yulan erschien sprachlos. �Hoheit, ich���</p><p>Er verstummte, als Mat br�llte: �Savara, wir f�hren mit Piken und nicht mit Kavallerie, Ihr ziegenk�ssende N�rrin! Es ist mir egal, ob die Kavallerie glaubt, sie k�nne bessere Arbeit leisten. Das glaubt die Kavallerie immer! Was seid Ihr, eine verfluchte tairenische Hochlady? Wenn Ihr so weitermacht, dann ernenne ich Euch ehrenhalber zu einer.�</p><p>Matrim st�rmte auf Savara zu, die mit verschr�nkten Armen und einem finsteren Ausdruck auf dem dunkelh�utigen Gesicht auf ihrem Pferd sa�. Der zur�ckgelassene Yulan sah v�llig verwirrt aus. �Wie will man denn jemanden an den Zehenn�geln aufh�ngen?�, fragte er so leise, dass Fortuona ihn beinahe nicht verstanden h�tte. �Ich glaube nicht, dass das �berhaupt m�glich ist. Die N�gel w�rden abbrechen.� Kopfsch�ttelnd ging er.</p><p>Neben ihr gestikulierte Selucia. <emphasis>Vorsicht. Galgan kommt.</emphasis></p><p>Fortuona st�hlte sich, als Generalhauptmann Galgan heranritt. Statt einer Uniform wie Mat trug er eine schwarze R�stung, und er trug sie gut. Befehlsgewohnt und beinahe �berm�chtig war er ihr gr��ter Rivale und ihr wichtigster Feldherr. Nat�rlich w�rde jedermann in seiner Position ein Rivale sein. So war die Welt nun einmal�� das war ihre nat�rliche und richtige Ordnung.</p><p>Matrim w�rde niemals ein Rivale sein. Sie wusste noch immer nicht, was sie davon halten sollte. Ein Teil von ihr ��ein zugegeben kleiner, aber durchaus hartn�ckiger Teil�� war der Ansicht, sie sollte ihn aus genau diesem Grund beseitigen lassen. Sollte der Prinz der Raben nicht eine st�ndige Pr�fung f�r die Kaiserin sein, sie als eine allgegenw�rtige Bedrohung st�hlen? <emphasis>Sa�rabat shaiqen nai batain pyast.</emphasis> Am einfallsreichsten war eine Frau mit einem Messer an der Kehle. Ein Sprichwort, das von Varuota stammte, ihrer Urururgro�mutter.</p><p>Es w�rde ihr gar nicht gefallen, Matrim beseitigen zu lassen. Solange sie kein Kind hatte, kam das sowieso nicht infrage�� jeder andere Weg w�rde die Omen missachten.</p><p>Er war ein so seltsamer Mann. Jedes Mal, wenn sie glaubte, voraussehen zu k�nnen, was er als N�chstes tat, irrte sie sich.</p><p>�H�chstgeborene�, sagte Galgan, �wir sind fast so weit.�</p><p>�Der Prinz der Raben ist mit den Verz�gerungen unzufrieden�, sagte sie. �Er f�rchtet, dass wir zu sp�t zur Schlacht kommen.�</p><p>�Wenn der Prinz der Raben wirklich etwas von Heeren und Schlachtfeldern versteht�, erwiderte Galgan, und sein Ton machte deutlich, dass er das f�r unm�glich hielt, �dann wird er erkennen, dass die Aufbietung einer so gro�en Streitmacht nicht wenig M�he kostet.�</p><p>Vor Matrims Ankunft war Galgan der h�chstrangige Vertreter des Blutes in diesen L�ndern gewesen, abgesehen nat�rlich von Fortuona. Es w�rde ihm nicht gefallen, diese Autorit�t unversehens zu verlieren. Bis jetzt hatte er den Oberbefehl �ber ihre Heere�� und Fortuona wollte ihn diese auch weiterhin f�hren lassen. Fr�her an diesem Tag hatte er Mat gefragt, wie er ihre Streitkr�fte sammeln w�rde, und Mat hatte das als Aufforderung verstanden, genau das zu tun. Der Prinz der Raben schritt umher und gab Befehle, aber er hatte <emphasis>nicht</emphasis> den Befehl. Jedenfalls nicht den Oberbefehl; Galgan konnte ihn mit einem Wort aufhalten.</p><p>Das tat er nicht. Offensichtlich wollte er sehen, wie Mat mit dem Kommando zurechtkam. Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete er Mat. Noch wusste er nicht genau, wie sich der Prinz der Raben in die Befehlskette einf�gte. Fortuona musste eine Entscheidung treffen.</p><p>In der N�he trieb ein Windsto� Staub vor sich her. Er enth�llte den kleinen Sch�del eines Nagetiers, der aus dem Boden hervorlugte. Ein weiteres Omen. In der letzten Zeit nahmen sie in ihrem Leben �berhand.</p><p>Nat�rlich war das ein Omen der Gefahr. Es kam ihr so vor, als w�rde sie durch hohes Gras spazieren und dabei an jagenden <emphasis>Lopar</emphasis> und Fallgruben vorbeischreiten, die man f�r Unvorsichtige gegraben hatte. Der Wiedergeborene Drache hatte vor dem Kristallthron gekniet, und das Omen der Pfirsichbl�ten ��das m�chtigste Omen, das sie kannte�� hatte ihn begleitet.</p><p>Truppenverb�nde marschierten vor�ber, und Offiziere schnarrten Befehle. Die Schreie der <emphasis>Raken</emphasis> schienen genau mit dem Marschtritt �bereinzustimmen. Das w�rde sie f�r einen unberechenbaren Krieg in L�ndern zur�cklassen, die sie kaum kannte. Ihr neues Reich hier w�rde so gut wie schutzlos zur�ckbleiben, und ein Ausl�nder von zweifelhafter Loyalit�t w�rde den Befehl haben.</p><p>Gro�e Ver�nderungen. Ihre Entscheidung konnte durchaus ihre Herrschaft beenden und damit sogar das Kaiserreich. Matrim verstand das nicht.</p><p><emphasis>Mein Gemahl soll kommen,</emphasis> tippte sie auf die Thronlehne.</p><p>Selucia als ihre Stimme gab den Befehl an einen Boten weiter. Kurz darauf kam Mat angeritten. Das Geschenk eines neuen Pferdes hatte er abgelehnt, und das aus guten Gr�nden. Er hatte ein besseres Auge f�r Pferde als der kaiserliche Stallmeister. Trotzdem. Pips. Was f�r ein alberner Name.</p><p>Fortuona erhob sich. Augenblicklich verbeugten sich alle Umstehenden. Galgan stieg aus dem Sattel und ging auf die Knie. Alle anderen warfen sich zu Boden. Stand die Kaiserin auf, um etwas zu verk�nden, war das eine Handlung des Kristallthrons.</p><p>�Blut und Asche�, sagte Matrim. �Noch mehr Verbeugungen? Habt Ihr eigentlich nichts Besseres zu tun? Mir w�rden da ein Dutzend anderer Dinge einfallen, wenn Ihr mich fragt.�</p><p>Fortuona entging nicht Galgans L�cheln. Er glaubte zu wissen, was sie tun w�rde. Er irrte sich.</p><p>�Ich verleihe Euch den Namen Knotai, denn Ihr bringt den Feinden des Kaiserreichs die Zerst�rung. Soll Euer neuer Name bis in alle Ewigkeit in aller Munde sein, Knotai. Ich verk�nde, dass Knotai, der Prinz der Raben, den Rang eines Stabhalters erhalten soll. Lasst es als meinen Willen aufschreiben.�</p><p>Stabhalter. Das bedeutete, dass im Falle von Galgans Tod Mat den Oberbefehl �ber die Streitkr�fte haben w�rde. Galgan l�chelte nicht mehr. Jetzt w�rde er st�ndig �ber die Schulter schauen m�ssen, damit Mat ihn nicht �berw�ltigte und die Kontrolle �bernahm.</p><p>Fortuona setzte sich wieder.</p><p>�Knotai?�, sagte Knotai.</p><p>Sie starrte ihn finster an. <emphasis>Halt dieses eine Mal den Mund,</emphasis> dachte sie mit aller Macht. <emphasis>Bitte.</emphasis></p><p>�Gef�llt mir irgendwie�, meinte Knotai, wendete sein Pferd und trabte davon.</p><p>Galgan stieg wieder in den Sattel. �Er wird lernen m�ssen, wie man kniet�, murmelte der General und trieb sein Pferd an.</p><p>Das war eine kleine, absichtliche und berechnende Beleidigung. Die Worte hatte er nicht direkt an Fortuona gerichtet, sondern so getan, als w�rde er mit sich selbst reden. Damit hatte er umgangen, sie H�chstgeborene zu nennen.</p><p>Es reichte, dass Selucia leise knurrte und mit den Fingern eine Frage stellte.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> erwiderte Fortuona, <emphasis>wir brauchen ihn.</emphasis></p><p>Wieder einmal schien Knotai nicht zu begreifen, was sie getan hatte und welches Risiko es barg. Galgan w�rde die Schlachtpl�ne mit ihm besprechen m�ssen; man durfte den Stabhalter nicht von den Besprechungen ausschlie�en, denn er musste in der Lage sein, jeden Augenblick den Befehl zu �bernehmen. Galgan w�rde auf seinen Rat h�ren und ihn in seine Pl�ne einbeziehen m�ssen.</p><p>Damit setzte sie auf ihren Prinzen und hoffte, dass er in der Schlacht wieder diese unverhoffte Genialit�t zeigte, die Furyk Karede so beeindruckt hatte.</p><p><emphasis>Das ist k�hn,</emphasis> signalisierte Selucia. <emphasis>Und wenn er versagt?</emphasis></p><p><emphasis>Wir werden nicht versagen,</emphasis> erwiderte Fortuona, <emphasis>denn das ist die Letzte Schlacht.</emphasis></p><p>Das Muster hatte ihr Knotai gebracht, ihn f�rmlich in die Arme gedr�ngt. Der Wiedergeborene Drache hatte die Wahrheit genau erkannt und laut ausgesprochen�� obwohl ihre Herrschaft die Illusion von Ordnung verbreitete, war sie doch wie ein schwerer Stein, der auf seiner spitzesten Kante balancierte. Sie herrschte �ber ein Land, das keine Disziplin kannte. Sie musste gro�e Risiken eingehen, um Ordnung ins Chaos zu bringen.</p><p>Sie hoffte, dass Selucia das erkennen und sie nicht �ffentlich blo�stellen w�rde. Sie w�rde wirklich eine neue Stimme finden oder jemand anderen zum Wahrheitssprecher ernennen m�ssen. Beide Posten von ein und derselben Person bekleiden zu lassen stie� am Hof auf Kritik. Es war��</p><p>Pl�tzlich kam Knotai zur�ckgeritten und hielt dabei den Hut fest. �Tuon!�</p><p><emphasis>Warum f�llt es ihm so schwer, sich Namen zu merken?,</emphasis> fragte Selucia mit flinken Fingern. Beinahe vermochte Fortuona ein Seufzen aus den Bewegungen zu lesen.</p><p>�Knotai?�, fragte Fortuona. �Ihr d�rft n�her kommen.�</p><p>�Wie sch�n�, erwiderte Knotai, �wo ich doch schon hier bin. Tuon, wir m�ssen auf der Stelle losmarschieren. Soeben kommen die Kundschafter zur�ck. Egwenes Heer steckt in Schwierigkeiten.�</p><p>Hinter Knotai kam Yulan angeritten, sprang aus dem Sattel und verbeugte sich bis zum Boden.</p><p>�Erhebt Euch�, sagte Fortuona. �Ist das die Wahrheit?�</p><p>�Das Heer der <emphasis>Marath�Damane</emphasis> hat eine gro�e Niederlage erlitten�, berichtete Yulan. �Die zur�ckkehrenden F�uste des Himmels beschreiben es in allen Einzelheiten. Die Heere dieser Amyrlin sind in alle Himmelsrichtungen verstreut und ziehen sich schnell zur�ck.�</p><p>Galgan hatte ganz in der N�he angehalten, um einen Boten zu empfangen, der zweifellos einen �hnlichen Bericht erstattete. Der General blickte in ihre Richtung.</p><p>�Wir sollten Egwenes R�ckzug unterst�tzen�, sagte Knotai. �Ich wei� zwar nicht, was ein Stabhalter genau ist, aber so, wie sich jeder benimmt, glaube ich, dass ich damit den Oberbefehl �ber das Milit�r habe.�</p><p>�Nein�, sagte Fortuona. �Ihr seid der dritte. Nach mir. Nach Galgan.�</p><p>�Dann k�nnt Ihr den sofortigen Abmarsch befehlen�, sagte Knotai. �Wir m�ssen los! Egwene wird zertrampelt.�</p><p>�Wie viele <emphasis>Marath�Damane</emphasis> sind dort?�, fragte Fortuona.</p><p>�Wir haben diese Armee beobachtet�, sagte Yulan. �Es sind Hunderte. Der ganze Rest der Wei�en Burg. Sie sind ersch�pft, und ein uns unbekannter neuer Feind treibt sie vor sich her.�</p><p>�Tuon���, warnte Knotai.</p><p>Gro�e Ver�nderungen. Das also bedeuteten die Omen des Drachen. Fortuona konnte �ber sie herfallen, und alle diese <emphasis>Damane</emphasis> w�rden ihr geh�ren. Hunderte von ihnen. Mit dieser Macht konnte sie den Widerstand gegen ihre Herrschaft in Seanchan zerschmettern.</p><p>Es war die Letzte Schlacht. Das Schicksal der Welt hing von ihren Entscheidungen ab. War es wirklich besser, diese <emphasis>Marath�Damane</emphasis> in ihrem verzweifelten Kampf hier zu unterst�tzen, oder sollte sie die Chance nutzen, um nach Seanchan zur�ckzukehren, dort ihre Herrschaft zu festigen und dann die Trollocs und den Schatten mit der Macht des Kaiserreichs bezwingen?</p><p>�Ihr habt Euer Wort gegeben�, sagte Knotai leise.</p><p>�Ich habe einen Staatsvertrag unterschrieben�, erwiderte sie. �Jeder Vertrag kann gebrochen werden, vor allem von der Kaiserin.�</p><p>�Manche Kaiserinnen k�nnten das�, sagte Knotai. �Aber nicht Ihr. Richtig? Beim Licht, Tuon. Ihr habt ihm Euer <emphasis>Wort</emphasis> gegeben.�</p><p>In der einen Hand Ordnung�� etwas Vertrautes, das sie absch�tzen konnte. In der anderen Chaos. Chaos in Gestalt eines ein�ugigen Mannes, der Artur Falkenfl�gels Gesicht kannte.</p><p>Hatte sie Selucia nicht gerade gesagt, dass sie auf ihn setzen w�rde?</p><p>�Die Kaiserin kann nicht von Worten auf einem Papier eingeschr�nkt werden�, sagte Fortuona. �Aber in diesem Fall�� Der Grund, weshalb ich diesen Vertrag unterzeichnete, bleibt bestehen und ist real. Wir werden diese Welt in ihren dunkelsten Tagen besch�tzen, und wir werden den Schatten an seiner Wurzel ausrotten. General Galgan, Ihr werdet unsere Streitkr�fte f�hren, um diese <emphasis>Marath�Damane</emphasis> zu besch�tzen, denn wir werden beim Kampf gegen den Schatten ihre Hilfe brauchen.�</p><p>Knotai entspannte sich. �Gut. Yulan, Galgan, lasst uns Pl�ne schmieden! Und lasst diese Tylee holen. Sie scheint hier der einzige verdammte General zu sein, der Grips hat. Und���</p><p>Er ritt los und redete weiter, gab Befehle, die er wirklich Galgan h�tte �berlassen sollen. Galgan musterte Fortuona mit unleserlicher Miene. Er w�rde das f�r einen schwerwiegenden Fehler halten, aber sie�� sie hatte die Omen auf ihrer Seite.</p><empty-line/><p>Diese furchtbaren schwarzen Wolken waren nun schon viel zu lange Lans Gef�hrten. Sie jeden Tag sehen zu m�ssen schlug ihm aufs Gem�t; sie erstreckten sich in alle Richtungen und grollten mit Donner, der an das Knurren aus dem Leib einer hungrigen Bestie erinnerte.</p><p>�Heute scheinen die Wolken tiefer zu h�ngen�, sagte Andere, der neben Lan ritt. �Die Blitze schlagen am Boden ein. Das tun sie nicht jeden Tag.�</p><p>Lan nickte. Andere hatte recht; es sah �bel aus. Aber das �nderte nichts. Agelmar hatte diesen Ort neben dem an ihrer westlichen Flanke tosenden Fluss als ihr Schlachtfeld gew�hlt. Der Fluss w�rde diese Seite decken. Benachbarte H�gel boten den Bogensch�tzen Positionen, und auf einem von ihnen warteten Lan und Andere.</p><p>In der Ferne sammelten sich die Trollocs zum Angriff. Bald w�rden sie kommen. In nahe gelegenen T�lern hatte Agelmar schwere Kavallerie stationiert, die Flankenangriffe reiten sollte, und hinter den H�geln wartete leichte Kavallerie, um den R�ckzug der schweren Kavallerie zu decken. Agelmar murrte noch immer dar�ber, dass er keine Piken hatte, obwohl ihr erfolgreicher R�ckzug vor allem dem Mangel an Infanterie zu verdanken war.</p><p><emphasis>So viel uns das auch gebracht hat,</emphasis> dachte Lan d�ster, als er die schier endlose Masse der Trollocs musterte. Seine M�nner hatten ihre K�mpfe sorgf�ltig gew�hlt und Zehntausende von Kreaturen get�tet, w�hrend sie selbst nur Tausende an Verlusten zu beklagen hatten. Dabei hatten sie ein verbranntes Shienar zur�ckgelassen, das die vorr�ckenden Tiermenschen nicht mehr ern�hren konnte. Nichts davon schien einen Unterschied gemacht zu haben.</p><p>Sie verloren diesen Kampf. Ja, sie hatten den Vorsto� des Schattengez�chts verlangsamt, aber nicht lange genug. Wenn von Elaynes Heer, das selbst heftig vom Feind best�rmt wurde, keine Unterst�tzung kam, w�rde man sie bald in die Enge getrieben und vernichtet haben.</p><p>Der Himmel wurde noch dunkler. Lan schaute voller Sorge nach oben. Diese Wolken waren noch immer da, aber sie wurden deutlich bedrohlicher. Tiefe Schatten fielen auf das Land.</p><p>�Verflucht�, sagte Andere und schaute auf. �Hat der Dunkle K�nig etwa die Sonne verschluckt? Es ist mitten am Tag, und wir werden mit Laternen in den Kampf reiten m�ssen.�</p><p>Lan legte die Hand auf den Brustharnisch; unter der R�stung ruhte Nynaeves Brief neben seinem Herzen. <emphasis>Licht! M�ge ihr Kampf besser verlaufen als der meine.</emphasis> Fr�her an diesem Tag hatten sie und Rand den Krater des Verderbens betreten.</p><p>�berall auf dem Schlachtfeld wandten die ersch�pften Machtlenker den Blick vom be�ngstigend dunklen Himmel und schickten Lichtkugeln in die H�he. Sie spendeten keine gro�e Helligkeit; es w�rde reichen m�ssen. Aber da wich die Dunkelheit wieder, und das Tageslicht kehrte zur�ck, wenn auch so bew�lkt wie immer.</p><p>�Versammelt die Hohe Garde von Malkier�, befahl Lan. So nannten sich jetzt seine Besch�tzer. Es war ein alter Malkieri-Ausdruck f�r die Schlachtfeldleibwache des K�nigs. Lan wusste nicht, was er davon halten sollte, dass Prinz Kaisel, der schlie�lich aus Kandor kam, sich als einer der M�nner betrachtete.</p><p>Viele von Lans Gef�hrten hatten nur wenig echtes Malkierblut�� sie waren vor allem aus Gr�nden der Ehre zu ihm gesto�en. Der Prinz war da eine andere Sache. Lan hatte ihn und seine Gef�hrten gefragt, ob sie sich wirklich einem fremden K�nig verschw�ren sollten, ganz egal wie freundlich er ihnen gesinnt war.</p><p>�In diesem Krieg steht Malkier f�r die Grenzlande, Dai Shan�, war die einzige Antwort, die er darauf erhalten hatte.</p><p>In der N�he blitzte es; der folgende Donnerschlag traf Lan wie ein Hieb. Mandarb blieb ganz ruhig. Das Tier gew�hnte sich allm�hlich an solche Einschl�ge. Die Hohe Garde versammelte sich, und Andere ergriff Lans Banner und steckte es in die Halterung an seinem Sattel, damit er es tragen und zugleich ein Schwert schwingen konnte.</p><p>Agelmars Befehle trafen ein. Lan und seine M�nner w�rden ins dichteste Get�mmel reiten. Sobald die Trollocs angriffen, w�rde die schwere Kavallerie ihre Flanken in die Zange nehmen, um ihren Schwung zu brechen. Lan und seine M�nner w�rden die Kreaturen direkt von vorn angehen.</p><p>Genau wie Lan es bevorzugte. Agelmar wusste es besser, als ihn zu verh�tscheln. Lan und seine Truppen w�rden die Mitte vor den H�geln halten und die Tiermenschen dazu zwingen, auf eine Weise zu k�mpfen, dass die Bogensch�tzen eine Salve nach der anderen auf ihren R�cken abschie�en konnten. Die Pl�nkler w�rde man haupts�chlich in Reserve halten, um zu verhindern, dass der Feind ihre rechte Flanke umging; der Fluss lag links von ihnen und w�rde f�r die Trollocs ein nat�rliches Hindernis bilden. Ein guter Plan, falls man angesichts eines so �berm�chtigen Feindes einen Plan �berhaupt f�r gut befinden konnte. Aber soweit es Lan beurteilen konnte, machte Agelmar keine Fehler. In letzter Zeit klagte er h�ufig �ber schlimme Tr�ume, aber wenn man bedachte, was f�r einen Krieg sie hier f�hrten, h�tte Lan sich mehr Sorgen gemacht, wenn der Mann nicht von Tod und Schlacht getr�umt h�tte.</p><p>Die Trollocs setzten sich in Bewegung.</p><p>�Vorw�rts!�, rief Lan, als die Signalh�rner, von Gewitterdonner untermalt, ert�nten.</p><empty-line/><p>Vor den Mauern von Cairhien ritt Elayne auf Mondschatten die Front ab; die Armee hatte nach Basheres Schlachtpl�nen Aufstellung genommen, aber sie machte sich Sorgen.</p><p>Sie hatten es geschafft. Ein Gewaltmarsch flussaufw�rts, um vor den Trolloc-Horden in Cairhien einzutreffen. Elayne hatte ihre Streitmacht im Norden der Stadt zusammengezogen, um sich dem Schattengez�cht entgegenzustellen, das aus dieser Richtung kam. Au�erdem hatte sie flussabw�rts einige Drachen und eine Kompanie Bogensch�tzen zur�ckgelassen, um die Bestien daran zu hindern, dort den Fluss zu �berqueren; sollte das unm�glich werden, w�rden sich die M�nner schnell nach Norden zur�ckziehen.</p><p>Das Heer vor ihnen schlagen, dann sich dem Heer hinter ihnen stellen. Das war ihre einzige Chance. Die Kusinen waren ersch�pft; Elayne hatte viele Wegetore gebraucht, um ihre M�nner in Stellung zu bringen. Ihre Ersch�pfung bedeutete, dass sie in diesem Kampf keine Machtlenker haben w�rde. Es w�rde den Frauen schon schwerfallen, kleine Wegetore nach Mayene zu weben, um die Verwundeten zum Heilen zu bringen.</p><p>Elaynes Armee war etwas gr��er als die des Schattengez�chts, aber ihre M�nner waren ersch�pft. Trotz der Anspannung der kommenden Schlacht sackten einige von ihnen in ihren Reihen zusammen, und ihre Piken senkten sich. Die, die aufrecht standen, hatten trotzdem ger�tete Augen. Noch verf�gten sie �ber Aludras Drachen. Das w�rde reichen m�ssen.</p><p>In der vergangenen Nacht hatte Elayne nicht geschlafen. Die ganze Zeit hatte sie nach aufmunternden Worten gesucht, damit sie an diesem Tag etwas Bedeutungsvolles sagen konnte. Aber was sagte man, wenn sich alles dem Ende n�herte?</p><p>Sie z�gelte Mondschatten vor der vordersten Reihe der andoranischen Soldaten. Mit Geweben w�rden ihre Worte an das ganze Heer �bermittelt werden. �berrascht sah sie, dass einige Aiel n�her kamen, um zuh�ren zu k�nnen. Sie h�tte nicht gedacht, dass sie die Worte einer Feuchtl�nderk�nigin interessieren w�rden.</p><p>Sie �ffnete den Mund, und die Sonne erlosch.</p><p>Elayne erstarrte und blickte entsetzt nach oben. �ber ihnen waren die Wolken aufgerissen�� das geschah oft in ihrer N�he, eine Auswirkung ihres Beh�terbundes mit Rand��, also hatte sie f�r diese Schlacht freien Himmel und Licht erwartet.</p><p>Die Sonne schien noch, aber sie war verdeckt. Etwas Festes und Dunkles rollte sich davor.</p><p>�berall schauten M�nner in die H�he und hoben Finger, als die Dunkelheit sie verschlang. Beim Licht! Es kostete Elayne eine gewaltige Anstrengung, nicht zu zittern.</p><p>�berall ert�nten Rufe. Rufe der Verzweiflung. Elayne nahm all ihren Mut zusammen und trieb ihr Pferd an.</p><p>�Das ist der Moment�, verk�ndete sie und verst�rkte ihre Stimme mit der Einen Macht, um sie auf dem ganzen Feld ert�nen zu lassen, �in dem ich euch verspreche, dass wir siegen. Das ist der Moment, in dem ich sage, dass auch morgen wieder ein Tag ist und sich das Land erholen wird. Das ist der Augenblick, in dem ich euch verspreche, dass das Licht zur�ckkehren wird, dass die Hoffnung �berleben wird, dass wir weiterleben.�</p><p>Sie hielt inne. Hinter dem Heer standen Menschen auf der Stadtmauer von Cairhien: Kinder, Frauen und Greise, die mit K�chenmessern und Wurfgeschossen wie T�pfen bewaffnet waren f�r den Fall, dass das Schattengez�cht das Heer vernichten und die Stadt angreifen w�rde. Es war kaum genug Zeit gewesen, einige Worte zu wechseln; eine kleine Gruppe Soldaten besch�tzte die Stadt. Jetzt duckten sich die fernen Gestalten zusammen, als Dunkelheit den Himmel fra�.</p><p>Diese Mauern boten eine tr�gerische Sicherheit; da der Feind �ber Schattenlords verf�gte, bedeuteten sie nur wenig. Elayne musste das feindliche Heer schnell besiegen. Es durfte nicht von der viel gr��eren Streitmacht aus dem S�den verst�rkt werden.</p><p>�Man erwartet von mir, dass ich Zuversicht verbreite�, rief sie den M�nnern zu. �Aber das kann ich nicht! Ich werde euch also <emphasis>nicht</emphasis> sagen, dass das Land �berleben wird, dass das Licht obsiegt. Denn das w�re unverantwortlich.</p><p>Das hier ist unsere Pflicht! Unser Blut, das an diesem Tag vergossen werden wird. Wir sind hergekommen, um zu k�mpfen. Tun wir das nicht, dann wird das Land sterben! Das Licht wird dem Schatten zum Opfer fallen. Heute ist kein Tag f�r leere Versprechungen. Unser Blut! Unser Blut ist das Feuer in uns. Heute muss uns unser Blut antreiben, um den Schatten zu vernichten!�</p><p>Sie wendete das Pferd. Die M�nner hatten den Blick von der Finsternis �ber ihnen abgewandt und auf sie gerichtet. Hoch am Himmel �ber ihr webte sie ein Licht und zog damit ihre Aufmerksamkeit auf sich.</p><p>�Unser Blut ist unsere Leidenschaft�, rief sie. �Viel zu oft h�re ich von meinen Truppen, dass es um Widerstand geht. Wir k�nnen nicht einfach blo� Widerstand leisten! Wir m�ssen ihnen unseren Zorn �ber das zeigen, was sie getan haben. Wir m�ssen nicht blo� Widerstand leisten. Heute m�ssen wir <emphasis>vernichten</emphasis>.</p><p>Unser Blut ist unser Land. Dieser Ort geh�rt uns, und wir beanspruchen ihn! F�r unsere V�ter und M�tter, f�r unsere Kinder.</p><p>Unser Blut ist unser Leben. Wir sind gekommen, um es zu geben. �berall auf der Welt werden andere Heere zur�ckgedr�ngt. Wir ziehen uns nicht zur�ck. Es ist unsere Aufgabe, unser Blut zu geben, beim <emphasis>Vorsto�</emphasis> zu sterben. Wir halten nicht still, nein!</p><p>Wenn wir das Licht zur�ckhaben wollen, dann m�ssen wir es uns nehmen! Wir m�ssen es uns zur�ckholen und den Schatten vertreiben! Er will euch verzweifeln lassen, er will diese Schlacht gewinnen, bevor sie �berhaupt begonnen hat. Diese Genugtuung geben wir ihm aber nicht! Wir werden dieses Heer vor uns vernichten, dann vernichten wir das Heer hinter uns. Und dann bringen wir unser Blut, unser Leben, unser Feuer, unsere Leidenschaft, zu den anderen K�mpfern. Von dort wird es sich zum Sieg und zum Licht ausbreiten!�</p><p>Sie vermochte ehrlich nicht zu sagen, wie die Soldaten ihre Ansprache aufnehmen w�rden. Sie hatte s�mtliche gro�artigen Reden vor einer Schlacht gelesen, vor allem jene, die die K�niginnen von Andor gehalten hatten. Als sie noch j�nger gewesen war, hatte sie sich vorgestellt, dass die Soldaten klatschten und jubelten�� wie man einen Gaukler in einer lauten Schenke belohnte.</p><p>Stattdessen salutierten die M�nner mit den Waffen. Gezogene Schwerter und Piken hoben sich, dann stie�en sie auf den Boden. Einige Aiel stie�en Jubel aus, aber die Andoraner sahen sie mit ernsten Blicken an. In ihnen hatte sie keine Aufregung geweckt, aber Entschlossenheit. Das erschien als ehrlicheres Gef�hl. Sie achteten nicht auf die Dunkelheit am Himmel und richteten den Blick auf den Feind.</p><p>Birgitte trat an ihr Pferd heran. �Das war wirklich gut. Wann hast du die Rede ge�ndert?�</p><p>Elayne err�tete und dachte an die sorgf�ltig vorbereitete Rede, die sie sich vergangene Nacht eingepr�gt hatte, w�hrend sie sie Birgitte ein halbes Dutzend mal vorgelesen hatte. Es war ein pr�chtiges Werk gewesen, hatte viele K�niginnen der Vergangenheit zitiert.</p><p>Als die Dunkelheit gekommen war, hatte sie jedes einzelne Wort davon vergessen. Stattdessen waren ihr diese Worte in den Sinn gekommen.</p><p>�Komm�, sagte sie und warf einen Blick �ber die Schulter. Die Trollocs r�ckten an. �Ich muss mich auf Position begeben.�</p><p>�Welche Position?�, fragte Birgitte. �Du meinst, dass du zum Befehlszelt zur�ckwillst.�</p><p>�Dort gehe ich nicht hin�, verk�ndete Elayne und wendete Mondschatten.</p><p>�Blut und verdammte Asche, das wirst du doch! Ich���</p><p>�Birgitte�, fauchte Elayne. �Hier habe ich den Befehl, und du bist meine Soldatin. Du <emphasis>wirst</emphasis> gehorchen.�</p><p>Birgitte zuckte zur�ck, als h�tte man sie geschlagen.</p><p>�Bashere befiehlt im Befehlszelt�, sagte Elayne. �Ich geh�re zu den wenigen starken Machtlenkerinnen, �ber die dieses Heer verf�gt, und ich lasse mich eher vierteilen, bevor ich diesen Kampf aussitze. Auf diesem Schlachtfeld bin ich mehr als tausend Soldaten wert.�</p><p>�Die Kinder���</p><p>�Selbst wenn Min nicht diese Vision gehabt h�tte, w�rde ich trotzdem k�mpfen. Glaubst du, dass die Kinder dieser Soldaten nicht in Gefahr sind? Viele von ihnen stehen auf dieser Stadtmauer! Wenn wir hier versagen, wird man sie <emphasis>abschlachten</emphasis>. Nein, ich werde mich <emphasis>nicht</emphasis> von der Gefahr fernhalten, und nein, ich werde mich <emphasis>nicht</emphasis> hinsetzen und abwarten. Und wenn du glaubst, dass es deine Pflicht als Beh�terin ist, mich aufzuhalten, dann werde ich diesen Bund auf der Stelle verflucht noch mal l�sen und dich zu jemand anderem schicken! Ich verbringe die Letzte Schlacht nicht auf einem Feldbett und trinke Ziegenmilch!�</p><p>Birgitte verstummte, und der Bund verriet Elayne, wie schockiert sie war. �Licht�, sagte sie schlie�lich, �ich werde dich nicht aufhalten. Aber bist du wenigstens damit einverstanden, dich von den ersten Pfeilsalven fernzuhalten? Du kannst uns besser helfen, wenn der Feind geschw�cht ist.�</p><p>Elayne erlaubte ihrer Beh�terin und ihren Leibw�chtern, sie nach hinten auf einen H�gel neben Aludras Drachen zu bringen. Talmanes, Aludra und ihre Mannschaften warteten mit noch gr��erer Besorgnis als die regul�ren Truppen. Auch sie waren ersch�pft, hatten aber w�hrend der K�mpfe im Wald und beim R�ckzug wenig beitragen k�nnen. Heute war ihre Gelegenheit, zu zeigen, was sie vermochten.</p><p>Basheres Plan war so komplex, wie Elayne noch nie zuvor einen gesehen hatte. Die Masse des Heeres ging fast eine Meile n�rdlich vor der Stadt in Stellung, jenseits der Ruinen vom Vortor au�erhalb der Stadtmauern. Die Linien begannen �stlich am Ufer des Alguenya, verliefen �ber den H�gel, der abw�rts zur Zugangsstra�e zum Jangai-Tor f�hrte, und dann weiter bis zu den Ruinen des Gildenhauses der Feuerwerker.</p><p>Reihen Fu�soldaten ��haupts�chlich Andoraner und Cairhiener, aber auch einige Ghealdaner und Wei�m�ntel�� bildeten einen Halbmond vor der Frontlinie. Auf dem H�gel hinter den Fu�soldaten hatte man sechs Schwadronen Drachen aufgebaut.</p><p>Die Trollocs w�rden die Stadt nicht erreichen k�nnen, ohne vorher dieses Heer zu besiegen. An einer Flanke wartete Estean mit der Kavallerie der Bande, w�hrend die Gefl�gelten Wachen von Mayene die andere Seite deckten. Der Rest der Kavallerie blieb in Reserve.</p><p>Geduldig wartete Elayne und sah zu, wie sich die feindlichen Horden vorbereiteten. Ihre gr��te Sorge bestand darin, dass sie einfach dort abwarteten, bis ihre Verst�rkung aus dem S�den eingetroffen war, um die Menschen dann gleichzeitig von zwei Seiten anzugreifen. Gl�cklicherweise kam es nicht dazu�� anscheinend hatten sie den Befehl erhalten, die Stadt zu erobern.</p><p>Basheres Kundschafter hatten berichtet, dass das zweite Heer etwas mehr als einen Tagesmarsch entfernt war und selbst mit gro�en Anstrengungen erst sp�t am morgigen Tag eintreffen konnte. So viel Zeit hatte Elayne, um das Heer aus dem Norden zu besiegen.</p><p><emphasis>Kommt schon,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Bewegt euch endlich.</emphasis></p><p>Schlie�lich setzten sich die Tiermenschen in Bewegung. Bashere und Elayne z�hlten darauf, dass sie ihre �bliche Taktik benutzten: eine immense �berzahl und brutale Gewalt. Und tats�chlich st�rmten sie in einer gro�en Masse heran. Sie wollten die Verteidiger �berw�ltigen und ihre Linien zerschlagen.</p><p>Elaynes Truppen r�hrten sich nicht, denn sie wussten, was nun kam. Die Drachen br�llten auf, als w�rden zahllose H�mmer in genau dem gleichen Augenblick zuschlagen. Elayne befand sich gut hundert Schritte von ihnen entfernt, und trotzdem versp�rte sie den Drang, sich die Ohren zuzuhalten. �ber den Drachen bildeten sich dichte wei�e Rauchschwaden.</p><p>Die ersten paar Sch�sse landeten zu kurz, aber Aludra und ihre M�nner benutzten sie dazu, um die Entfernung zu ermitteln. Danach fielen die Eier genau zwischen die Trollocs, zerschmetterten ihre Reihen und schleuderten sie in die Luft. Tausende K�rper st�rzten auf den scharlachroten Boden. Zum ersten Mal versp�rte Elayne so etwas wie Furcht vor den Waffen.</p><p><emphasis>Beim Licht, Birgitte hatte die ganze Zeit recht,</emphasis> dachte sie und stellte sich vor, wie ein Sturmangriff auf eine befestigte Stellung aus Drachen aussehen w�rde. Normalerweise konnte sich ein Mann im Krieg zumindest auf eine Sache verlassen: dass er seine Fertigkeiten mit denen des Feindes messen w�rde. Schwert gegen Schwert. Schattengez�cht war schlimm genug. Wie w�rde es sein, wenn sich Menschen dieser Art Macht stellen mussten?</p><p><emphasis>Wir sorgen daf�r, dass das nicht passiert,</emphasis> versprach sie sich. Rand hatte recht gehabt, ihnen den Drachenfrieden aufzuzwingen.</p><p>Die Drachenm�nner waren gut ausgebildet, und die Nachladezeiten waren beeindruckend kurz. Jeder von ihnen verschoss drei Salven, bevor die Trollocs die Frontlinien erreichten. Elayne hatte den Austausch der Pfeile nicht beobachtet�� daf�r war sie viel zu sehr auf die Drachen konzentriert gewesen��, aber jetzt sah sie, dass ein Teil ihrer Linien mit schwarzen Pfeilen gespickt war und M�nner blutend am Boden lagen.</p><p>Die Trollocs krachten in die vordere Reihe aus Armbrustm�nnern und Pikentr�gern, die bereits zur�ckfielen, um den Hellebardenm�nnern Platz zu machen. Keiner setzte Schwerter und Keulen gegen Trollocs ein, zumindest nicht, solange es sich vermeiden lie�.</p><p>�Dann wollen wir mal�, sagte Elayne und trieb Mondschatten an.</p><p>Birgitte folgte ihr; Elayne konnte die z�gernde Resignation der Frau sp�ren. Sie verlie�en den H�gel, passierten ein paar Reserveeinheiten und betraten das Schlachtfeld.</p><empty-line/><p>Rodel Ituralde hatte beinahe schon vergessen, wie es war, ad�quate Mittel zur Verf�gung zu haben.</p><p>Es war schon einige Zeit her, dass er Legionen und volle Banner Bogensch�tzen befohlen hatte. Dieses eine Mal waren seine M�nner nicht halb verhungert, und Heiler, Pfeilmacher und gute Schmiede standen bereit, um seine Truppen und die Ausr�stung in der Nacht wieder zusammenzuflicken. Was f�r ein Wunder es doch war, um etwas zu bitten ��ganz egal, wie ungew�hnlich es auch sein mochte�� und es oft innerhalb einer Stunde geliefert zu bekommen.</p><p>Trotzdem w�rde er verlieren. Er stand zahllosen Trollocs gegen�ber, Dutzenden von Schattenlords und sogar einigen der Verlorenen. Er hatte seine Streitkr�fte in dieses Tal ohne Ausgang gebracht und das Juwel der L�nder des Dunklen K�nigs an sich gerissen�� seine Fu�bank, den Schwarzen Berg. Und jetzt war die Sonne selbst erloschen, obwohl die Aes Sedai behaupteten, dass das vor�bergehen w�rde.</p><p>Ituralde paffte seine Pfeife, w�hrend er sein Pferd den Felskamm entlanglenkte, der das Tal im Norden eingrenzte. Ja, er w�rde verlieren. Aber mit diesen M�glichkeiten w�rde er es wenigstens stilvoll tun.</p><p>Er folgte dem Kamm und erreichte eine Stelle �ber dem Pass nach Thakan�dar. Das Tal tief im Herzen des Verdorbenen Landes verlief von Osten nach Westen, und der Shayol Ghul stieg an der westlichen Seite empor, w�hrend sich der Pass im Osten befand. Dieser Aussichtspunkt war nur nach stundenlanger Kletterei zu erreichen�� oder mit einem schnellen Schritt durch ein Wegetor. So ein Tor war wirklich praktisch. Perfekt, um seine Verteidigung zu betrachten.</p><p>Der Pass nach Shayol Ghul �hnelte einer spaltenf�rmigen Schlucht, deren Oberseite von Osten nicht zug�nglich war, solange man nicht �ber Wegetore verf�gte. Mit einem Tor konnte er dort oben hinauf und in die Schlucht blicken, die vielleicht gerade breit genug war, damit f�nfzig M�nner Schulter an Schulter hindurchmarschieren konnten. Ein perfekter Flaschenhals. Und er konnte hier oben Bogensch�tzen aufstellen, um auf alles zu schie�en, was durch den Pass kam.</p><p>Endlich brannte sich die Sonne wie ein Tropfen geschmolzener Stahl aus der Dunkelheit. Die Aes Sedai hatten also recht gehabt. Trotzdem wogten die schwarzen Gewitterwolken wieder heran, als wollten sie den ganzen Himmel verschlingen.</p><p>Da sich der Shayol Ghul im Verdorbenen Land befand, war die Luft kalt genug, dass Ituralde einen wollenen Winterumhang trug, und sein Atem bildete wei�e W�lkchen. Nebel hing �ber dem Tal, war nun allerdings sp�rlicher als zuvor, als die Schmiede�fen noch arbeiteten.</p><p>Er verlie� den Passausgang und kehrte zu der Gruppe zur�ck, die ihn begleitet hatte. Windsucherinnen und andere hochrangige Vertreter vom Meervolk standen dort in langen M�nteln, die sie sich mit der �blichen Wucherei besorgt hatten, bevor sie nach Norden gekommen waren. Darunter lugte bunte Kleidung hervor. Zusammen mit dem vielen Schmuck im Gesicht bildete sie einen seltsamen Kontrast zu den braunen M�nteln.</p><p>Ituralde war ein Domani. Oft genug hatte er mit dem Meervolk zu tun gehabt; wenn sie sich in der Schlacht auch nur als halb so hartn�ckig wie bei Verhandlungen erwiesen, war er in der Tat froh, sie dabeizuhaben. Sie hatten darauf bestanden, ihn auf den Kamm zu begleiten, damit sie sich das Tal und den Pass ansehen konnten.</p><p>Die Frau, die ganz vorn stand, war die Herrin der Schiffe h�chstpers�nlich, Zaida din Parede Schwarze Schwinge. Von eher kleinem Wuchs, hatte sie schwarze Haut und graue Str�hnen in dem kurz geschnittenen schwarzen Haar. �Die Windsucherinnen haben eine Nachricht f�r Euch, Rodel Ituralde�, verk�ndete sie. �Der Angriff hat begonnen.�</p><p>�Der Angriff?�</p><p>�Der Sturmbringer�, sagte Zaida und schaute zum Himmel, wo die dunklen Wolken wogten. �Der Vater aller St�rme. Er w�rde Euch mit der Kraft seines Zorns vernichten.�</p><p>�Eure Leute kommen damit zurecht, oder?�</p><p>�Die Windsucherinnen sind ihm bereits mit der Macht der Schale der Winde entgegengetreten�, sagte Zaida. �W�re das nicht so, h�tte er uns bereits alle mit Sturmwinden vernichtet.�</p><p>Noch immer beobachtete sie den Himmel, so wie viele ihrer Gef�hrten. Er hatte nur hundert Angeh�rige des Meervolks dabei, die Windsucherinnen nicht mit eingerechnet. Gr��tenteils k�mmerten sie sich um den Nachschub und brachten Pfeile, Vorr�te und andere Ausr�stung zu den vier Fronten. Vor allem schienen sie sich f�r die Dampfwagen zu interessieren, obwohl der Grund daf�r Ituralde verborgen blieb. Die Dinger konnten keinem Pferdegespann das Wasser reichen. �Sie bedr�ngen den Dunklen K�nig, Windsto� f�r Windsto߫, sagte Zaida. �Wir werden �ber diesen Tag singen.� Sie richtete den Blick wieder auf Ituralde. �Ihr m�sst den <emphasis>Coramoor</emphasis> besch�tzen�, sagte sie dann streng, als wollte sie ihn r�gen.</p><p>�Ich trage meinen Teil dazu bei�, erwiderte Ituralde und ritt weiter. �Seht zu, dass Ihr Euren leistet.�</p><p>�Diese Abmachung ist vor langer Zeit besiegelt worden, Rodel Ituralde�, rief sie ihm hinterher.</p><p>Er nickte und ritt weiter den Kamm entlang. M�nner auf Wachtposten salutierten ihm. Nun, zumindest diejenigen unter ihnen, die keine Aiel waren. Er hatte viele Aiel hier oben, wo sie ihre B�gen einsetzen konnten. Den gr��ten Teil seiner Tairener hatte er unten im Tal stationiert, wo Piken und Stangenwaffen den gr��ten Nutzen hatten. Sie w�rden den Weg zum Shayol Ghul versperren.</p><p>In der Ferne ert�nte ein Horn der Aiel; ein Signal von einem Kundschafter. Die Trollocs hatten den Pass betreten. Es war so weit.</p><p>Er galoppierte den Kamm entlang in Richtung Tal, gefolgt von anderen Kommandanten und K�nig Alsalam. Als er die Stelle erreicht hatte, an der er seinen bevorzugten Wachtposten errichtet hatte, ein g�nstiger Aussichtspunkt, von dem er meilenweit in den Pass blicken konnte, zog er sein Fernrohr hervor.</p><p>Dort bewegten sich Schatten. Wenige Augenblicke sp�ter konnte er die Horden erkennen, die zu blinder Wut gepeitscht heranst�rmten. Einen Augenblick lang war er wieder in Maradon und sah zu, wie seine M�nner einer nach dem anderen fielen�� gute M�nner. Wie sie auf der H�gelfestung �berrannt, in den Stra�en der Stadt zu Boden geworfen wurden. Die Explosion an der Mauer.</p><p>Eine verzweifelte Tat nach der anderen. Wie er so viele Feinde t�tete, wie er konnte, wie ein br�llender Mann auf W�lfe einschlug, die ihn in St�cke rissen, und hoffte, mindestens einen mit in die ewige Dunkelheit zu nehmen.</p><p>Seine Hand mit dem Fernrohr zitterte. Er zwang sich zur�ck in die Gegenwart und seine jetzigen Verteidigungsstellungen. Es kam ihm so vor, als h�tte er sein ganzes Leben lang Schlachten geschlagen, die nicht zu gewinnen waren. Das forderte seinen Tribut. Nachts h�rte er Trollocs kommen. Sie schn�ffelten laut in der Luft, polterten mit ihren Hufen �ber das Stra�enpflaster. Erinnerungen an Maradon.</p><p>�Ganz ruhig, alter Freund�, sagte K�nig Alsalam, der an seine Seite ritt. Der K�nig hatte eine beruhigende Stimme. Er hatte schon immer andere beschwichtigen k�nnen. Ituralde war davon �berzeugt, dass die Kaufleute von Arad Doman ihn aus genau diesem Grund ausgesucht hatten. Handel und Krieg verursachten gewaltige Spannungen�� die Domani betrachteten beides im Grunde als dasselbe Ungeheuer. Aber Alsalam�� er konnte auch eine verzweifelte Kauffrau beruhigen, die gerade ihre ganze Flotte auf See verloren hatte.</p><p>Ituralde nickte. Die Verteidigung dieses Tals. Er musste sich auf die Verteidigung dieses Tals konzentrieren. Er w�rde es halten und nicht zulassen, dass die Trollocs aus dem Pass nach Thakan�dar str�mten. Verflucht, er w�rde es auch monatelang halten, falls es dem Wiedergeborenen Drachen n�tzte. Falls er hier verlor, w�rde jeder andere Kampf, jede Schlacht, die der Mensch je ausgefochten hatte und in diesem Moment ausfocht, bedeutungslos werden. Der Augenblick war gekommen, jeden Trick zu benutzen, den er kannte, jede verzweifelte Strategie. Hier konnte ein Moment der Verz�gerung Rand al�Thor die Zeit erkaufen, die er brauchte.</p><p>�Erinnert die M�nner dort unten, ruhig zu bleiben�, sagte Ituralde und sp�hte durch sein Fernrohr. �Bereitet die Baumst�mme vor.�</p><p>Adjutanten gaben die Befehle weiter, die durch Wegetore zu den betroffenen Abteilungen gelangten. Die schreckliche Streitmacht der Trollocs donnerte weiter heran; sie umklammerte gewaltige Schwerter, krumme Stangenwaffen oder Haken, um Reiter aus dem Sattel zu zerren. Sie polterten durch den Pass, und in den Wolken am Himmel zuckten Blitze.</p><p><emphasis>Zuerst die Baumst�mme,</emphasis> dachte Ituralde.</p><p>Als die Trollocs die Passmitte erreichten, l�sten Aiel auf beiden Seiten die Halteseile von Stapeln mit �l �bergossener Baumst�mme ��in den W�ldern gab es so viele abgestorbene B�ume, dass Ituralde nicht die geringste M�he gehabt hatte, sie durch Wegetore holen zu lassen�� und z�ndeten sie an.</p><p>Hunderte brennender St�mme rollten �ber die Passseiten hinweg und krachten unten in die Trollocs hinein. Das �lige Holz entz�ndete Fleisch. Die Bestien br�llten auf, sie heulten oder kreischten, je nach dem Maul, das man ihnen verliehen hatte. Ituralde hob das Fernrohr und sah zu. Er versp�rte eine immense Befriedigung.</p><p>Das war neu. In der Vergangenheit hatte es ihn nie befriedigt, seine Feinde sterben zu sehen. Sicher, es hatte ihn gefreut, wenn ein Plan aufging. Und nat�rlich ging es beim K�mpfen darum, dass der Feind tot und die eigenen M�nner unversehrt waren�� aber darin hatte nie Freude gelegen. Je l�nger man k�mpfte, umso mehr betrachtete man den Gegner als einen Menschen, wie man selbst einer war. Die Banner ver�nderten sich, aber Rang und Reihen waren immer die gleichen. Sie wollten gewinnen, waren aber f�r gew�hnlich viel mehr an einer guten Mahlzeit, einer Wolldecke zum Schlafen und Stiefeln ohne L�cher interessiert.</p><p>Das hier war anders. Ituralde wollte diese Bestien tot sehen. Es war ein lustvolles Verlangen. Ohne sie h�tte er nicht den Albtraum Maradon durchleben m�ssen. Ohne sie w�rden seine H�nde nicht zittern, wenn die Kriegsh�rner ert�nten. Sie hatten ihn ruiniert.</p><p>Im Gegenzug w�rde er sie ruinieren.</p><p>Mit gro�er M�he k�mpften sich die Trollocs durch das Holz. Viele von ihnen standen in Flammen, und die Myrddraal mussten auf sie einpeitschen, damit sie in Bewegung blieben. Eine gro�e Zahl schien das Fleisch der Toten fressen zu wollen. Der Geruch machte sie hungrig. Gebratene K�rper. F�r sie war das wie der Geruch von frischem Brot.</p><p>Schlie�lich gelang es den Blassen, sie weiterzutreiben, aber bald erreichten die Tiermenschen die n�chste von Ituraldes Verteidigungsstellungen. Auf einen vern�nftigen Plan zu kommen war schwergefallen. In dem massiven Felsboden konnte man weder Gr�ben graben noch angespitzte Pf�hle versenken, jedenfalls nicht, wenn man seine Machtlenker nicht ersch�pfen wollte. Nat�rlich h�tte er Hindernisse aus Felsen und Erde bauen k�nnen, aber Trollocs waren gro�, und H�gel, die M�nner langsamer machen w�rden, waren gegen sie nicht besonders effektiv. Davon abgesehen h�tte man f�r so gro�e Erdbewegungen Arbeiter vom Bau der richtigen Befestigungen im Tal abziehen m�ssen. Ituralde hatte schon fr�h gelernt, dass man bei einem Verteidigungskampf Befestigungen brauchte, die stets verbessert werden konnten. Wenn man den Feind daran hinderte, an Geschwindigkeit zuzulegen, hielt man einfach l�nger durch.</p><p>Am Ende war die L�sung ganz simpel gewesen. Dornb�sche.</p><p>Er hatte sich daran erinnert, dass es in Arad Doman so viele dichte und riesige Dornhecken gab. Sein Vater war Bauer gewesen, und er hatte sich sein Leben lang �ber die Hecken beschwert. Nun, wenn es etwas gab, von dem die Menschheit genug hatte, dann waren es verdorrte Pflanzen. Genau wie Arbeitskr�fte. Tausende waren dem Ruf des Drachen gefolgt, und viele dieser Drachenverschworenen hatten nur wenig Kampferfahrung.</p><p>Trotzdem w�rde er sie k�mpfen lassen, wenn die Zeit gekommen war. Aber im Augenblick hatte er sie ausgeschickt, gewaltige Dornb�sche zu schlagen. Man hatte sie im Pass ausgebreitet und zusammengebunden, in zwanzig Fu� dicken und acht Fu� hohen Massen. Die Dornenballen waren relativ einfach an Ort und Stelle zu bringen�� sie waren viel leichter als Steine oder Erde��, aber in ihrer Menge konnten die Trollocs sie nicht beseitigen, indem sie sie einfach zur Seite schoben. Die ersten Reihen rannten hinein und versuchten es, wurden daf�r aber mit f�nf Zoll langen Dornen belohnt, die sich in sie hineinbohrten. Die Kreaturen hinter ihnen dr�ngten sie weiter, was die vorderen Reihen veranlasste, sich w�tend umzudrehen und auf die Dr�ngler loszugehen.</p><p>Damit steckte die Masse der Trollocs im Pass fest und war seiner Gnade ausgeliefert.</p><p>Er hatte nicht viel Gnade f�r Schattengez�cht �brig.</p><p>Ituralde gab das Signal, und der Asha�man an seiner Seite�� es war Awlsten, einer von jenen, die schon in Maradon unter ihm gedient hatten�� lie� einen hellroten Blitz in den Himmel aufsteigen. Oben auf den Passseiten kamen weitere Aiel aus ihren Stellungen und fingen an, Felsbrocken und weitere brennende Baumst�mme auf die festsitzenden Tiermenschen zu rollen. Pfeile und Steine folgten�� alles, was man nach unten schie�en, werfen oder fallen lassen konnte.</p><p>Die meisten dieser Angriffe spielten sich ein St�ck weiter den Pass hinunter ab, ungef�hr in der Mitte der Horde. Das veranlasste die eine H�lfte, sich zur�ckzuziehen, w�hrend die andere H�lfte nach vorn dr�ngte, um den Geschossen auszuweichen, wobei sie ihre Gef�hrten an der Front tiefer in die Dornb�sche hineinstie�en.</p><p>Ein paar Trollocs trugen Schilde und versuchten sich vor dem t�dlichen Hagel zu sch�tzen. Wo immer sie sich unter einem Schildwall verbargen, schlugen Ituraldes Machtlenker zu und rissen sie in St�cke.</p><p>Er konnte nicht viele Machtlenker f�r diese Aufgabe er�brigen�� die meisten befanden sich im Tal und webten Wegetore, um Ausr�stung zu bringen, oder hielten nach feindlichen Machtlenkern Ausschau. Es hatte bereits einen zweiten Zusammensto� mit den Schattenlords gegeben. Aviendha und Cadsuane Sedai hatten diese Unternehmungen im Griff.</p><p>Ein paar Tiermenschen schossen Pfeile auf die Angreifer �ber ihnen ab, aber die Verluste nahmen zu, als das Schattengez�cht an der Front sich einen Weg durch die Dornen zu hacken versuchte. Es ging nur langsam voran.</p><p>Ituralde sah zu�� innen und au�en eiskalt��, wie die Myrddraal die Trollocs zu einem wilden Sturmlauf peitschten. Diejenigen, die an den Dornen zerrten, wurden noch tiefer in sie hineingesto�en und dann zertrampelt.</p><p>Ein Strom aus Blut floss auf das �stliche Passende zu und lie� die Trollocs ausrutschen. F�nf oder sechs Reihen stie�en sie nach vorn und zerst�rten mit den K�rpern der Bestien das Dornenhindernis.</p><p>F�r den Durchbruch ben�tigten sie beinahe eine Stunde. Tausende lagen tot am Boden, als sie weiterst�rmten, nur um einen zweiten Wall zu finden, der noch breiter und h�her als der erste war. In Abst�nden hatte Ituralde sieben W�lle im Pass aufgebaut. Der zweite war der gr��te, und er hatte den gew�nschten Effekt. Sein Anblick lie� die vorderen Trollocs anhalten. Dann drehten sie um und flohen zur�ck.</p><p>Das verursachte eine gewaltige Verwirrung. Nachr�ckende Tiermenschen br�llten und dr�ngten weiter vorw�rts. Die, die vorn standen, knurrten und heulten, w�hrend sie versuchten, sich jetzt einen Weg durch die Dornen frei zu hacken. Einige standen wie bet�ubt da. Und die ganze Zeit flogen Pfeile und Steine und brennende B�ume in die Tiefe.</p><p>�Wundersch�n�, fl�sterte Alsalam.</p><p>Ituralde entdeckte, dass sein Arm nicht l�nger zitterte. Er senkte das Fernrohr. �Gehen wir.�</p><p>�Der Kampf ist noch nicht beendet!�, protestierte der K�nig.</p><p>�Doch, ist er�, erwiderte Ituralde und wandte sich ab. �F�r den Augenblick.�</p><p>Und tats�chlich ergriff das ganze Trolloc-Heer im Pass die Flucht und floh nach Osten fort aus dem Tal. Er konnte es genau h�ren.</p><p><emphasis>Einen Tag haben wir standgehalten,</emphasis> dachte er. Morgen w�rden sie zur�ck sein, und dann w�rden sie vorbereitet sein. Mit mehr Schilden und besseren Waffen, um Dornenhecken zu schneiden.</p><p>Trotzdem w�rden sie bluten. Sie w�rden sogar schrecklich bluten.</p><p>Daf�r w�rde er sorgen.</p></section><section><title><p>25</p><p>Fragmente</p></title><p>Als die Amyrlin mit funkelnden Augen und in Begleitung von Doesine, Saerin und mehreren anderen Sitzenden aus dem Wegetor in ihr Lager trat, stie� Siuan einen langen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p>Bryne kam hinter ihnen aus dem Tor und eilte an Siuans Seite. �Was ist entschieden worden?�, fragte sie sofort.</p><p>�Im Augenblick halten wir unsere Position�, erkl�rte Bryne. �Elaynes Befehl, und die Amyrlin stimmt ihr zu.�</p><p>�Wir sind in der Unterzahl!�</p><p>�Genau wie alle anderen auch�, erwiderte er und blickte nach Westen.</p><p>Die letzten Tage hatten die Sharaner damit verbracht, ihre Streitkr�fte zu sammeln und ein oder zwei Meilen von Egwenes Heer entfernt Aufstellung zu nehmen, die nun mit dem R�cken zu dem breiten Fluss stand, der die Grenze zwischen Kandor und Arafel bildete.</p><p>Der Schatten hatte sich noch nicht zu einem Angriff entschlossen, sondern stattdessen hin und wieder Sto�trupps durch Wegetore geschickt, w�hrend man darauf wartete, dass das langsamere Trolloc-Heer zu ihnen stie�. Leider waren die Tiermenschen nun eingetroffen. Egwenes Streitkr�fte h�tten sich wieder durch Wegetore zur�ckziehen k�nnen, aber Siuan musste zugeben, dass das wenig gebracht h�tte. Irgendwann mussten sie dieser Streitmacht entgegentreten.</p><p>Diesen Ort an der s�d�stlichen Spitze Kandors hatte Bryne ausgew�hlt, weil ihnen das Terrain einen Vorteil bot, wenn auch nur einen kleinen. Der Fluss, der von Norden nach S�den an der �stlichen Grenzseite vorbeif�hrte, war tief, aber weniger als eine Viertelmeile von den H�geln entfernt, die sich von Osten nach Westen an der S�dgrenze Kandors erhoben, befand sich eine Furt. Die Horden des Schattens w�rden zu dieser Furt ziehen, um Arafel zu betreten. Indem seine Truppen an der Furt und auf den sie �berblickenden H�geln Aufstellung nahmen, konnte er das Invasionsheer von zwei Seiten angreifen. Falls der Druck zu stark wurde, konnte er sich durch die Furt nach Arafel zur�ckziehen, und die Fluten w�rden ein Nachteil f�r die Trollocs sein. Es war nur ein winziger Vorteil, aber in der Schlacht waren auch winzige Dinge manchmal von gro�er Bedeutung.</p><p>Auf den Ebenen westlich des Flusses formierte der Schatten die Heere der Trollocs und Sharaner. Beide bewegten sich auf die belagerten Aes Sedai und die Truppen unter Brynes Kommando zu.</p><p>In der N�he musterte Egwene das Lager. Beim Licht, es war eine gro�e Erleichterung, dass die Amyrlin �berlebt hatte. Siuan hatte es vorhergesagt, trotzdem�� Licht. Es tat gut, Egwene zu sehen.</p><p>Falls es tats�chlich Egwene war. Das war das erste Mal, dass die Amyrlin nach ihrer Tortur wieder einen Fu� in das Lager setzte, aber an geheimen Orten hatte sie sich mehrere Male mit den Sitzenden aus dem Saal der Burg beraten. Siuan hatte noch keine Gelegenheit gehabt, unter vier Augen mit Egwene zu sprechen.</p><p>�Egwene al�Vere�, rief sie der Amyrlin zu. �Sagt mir, wo wir uns das erste Mal begegnet sind!�</p><p>Die anderen Schwestern sahen Siuan an und runzelten �ber ihre Unversch�mtheit die Stirn. Egwene schien sie jedoch zu verstehen. �Fal Dara�, antwortete sie. �Auf unserer Reise flussabw�rts habt Ihr mich mit Luft gefesselt, ein Teil einer Lektion in der Macht, die ich nie verga�.�</p><p>Siuan stie� einen zweiten, noch tieferen Seufzer der Erleichterung aus. Au�er Egwene und Nynaeve war niemand bei dieser Lektion auf dem Schiff dabei gewesen. Ungl�cklicherweise hatte Siuan es Sheriam erz�hlt, der damaligen Herrin der Novizinnen und Schwarze Ajah. Nun, trotzdem war sie davon �berzeugt, dass das tats�chlich Egwene war. Die Gesichtsz�ge einer Frau zu imitieren war nicht schwer, aber an ihre Erinnerungen zu kommen war eine andere Sache.</p><p>Siuan achtete darauf, der Frau in die Augen zu blicken. Es hatte Gerede �ber die Geschehnisse in der Schwarzen Burg gegeben. Myrelle hatte davon erz�hlt, ihre neuen Beh�ter hatten es ihr berichtet. Etwas Finsteres.</p><p>Angeblich konnte man es sehen. Siuan w�rde die Ver�nderung in Egwene erkennen, falls es sie gab, oder etwa nicht?</p><p><emphasis>Wenn nicht, dann sind wir bereits verloren.</emphasis> Sie w�rde der Amyrlin vertrauen m�ssen, so wie sie es viele Male zuvor getan hatte.</p><p>�Versammelt die Aes Sedai�, sagte Egwene. �Kommandant Bryne, Ihr habt Eure Befehle. Wir halten die Stellung an diesem Fluss, es sei denn, die Verluste werden so unertr�glich, dass��� Sie verstummte. �Wie lange sind <emphasis>die da</emphasis> hier?�</p><p>Siuan schaute auf und sah die <emphasis>Raken</emphasis> mit ihren Kundschaftern �ber ihren K�pfen vorbeifliegen. �Schon den ganzen Morgen. Ihr habt seinen Brief bekommen.�</p><p>�Verfluchter Mann�, sagte Egwene. Die Botschaft des Wiedergeborenen Drachen, die Min Farshaw �berbracht hatte, war kurz gewesen.</p><p><emphasis>Die Seanchaner k�mpfen gegen den Schatten.</emphasis></p><p>Er hatte ihnen Min geschickt, allerdings aus Gr�nden, mit denen die Frau nicht so recht rausr�cken wollte. Bryne hatte ihr sofort eine Aufgabe zugeteilt: sie arbeitete als Schreiberin f�r die Nachschubmeister.</p><p>�Vertraut Ihr dem Wort des Wiedergeborenen Drachen hinsichtlich der Seanchaner, Mutter?�, fragte Saerin.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte Egwene. �Stellt trotzdem unsere Schlachtlinien auf, aber behaltet die Dinger dort oben im Auge, nur f�r den Fall, dass sie angreifen.�</p><empty-line/><p>Als Rand die H�hle betrat, ver�nderte sich etwas in der Luft. Der Dunkle K�nig schien seine Ankunft erst jetzt zu sp�ren und war �berrascht. Der Dolch hatte sein Werk getan. Rand ging voraus, Nynaeve an der linken Seite, Moiraine an der rechten. Der Weg f�hrte abw�rts, und so verlie�en sie wieder die H�he, die sie erreicht hatten. Rand kam alles bekannt vor, durch die Erinnerung eines anderen Menschen aus einem alten Zeitalter.</p><p>Es war, als w�rde die H�hle sie verschlucken und in das Feuer in der Tiefe bef�rdern. Die mit rei�zahn�hnlichen Stalaktiten bewehrte Decke schien sich auf dem Weg abzusenken, kam mit jedem Schritt einen Zoll n�her. Sie bewegte sich nicht, und die H�hle wurde auch keineswegs schmaler. Sie ver�nderte sich einfach, war im einen Moment hoch und im n�chsten niedriger.</p><p>Die H�hle war ein Rachen, der sich langsam um seine Beute schloss. Rands Kopf ber�hrte die Spitze eines Stalaktiten, und Nynaeve duckte sich, blickte nach oben und fluchte leise.</p><p>�Nein�, sagte Rand und blieb stehen. �Ich komme nicht auf den Knien zu dir, Shai�tan.�</p><p>Die H�hle grollte. Die dunklen Abgr�nde schienen emporzugreifen und sich gegen Rand zu stemmen. Er stand reglos da. Als w�re er ein blockiertes Zahnrad und der Rest der Mechanik bem�hte sich mit aller Kraft, die Zeiger der Uhr weiterzubewegen. Er hielt stand.</p><p>Die Felsen erbebten, dann zogen sie sich zur�ck. Rand trat vor und atmete aus, als der Druck nachlie�. Die Sache, die er begonnen hatte, konnte er jetzt nicht mehr abbrechen. Langsamer zu werden, strengte sowohl ihn wie auch den Dunklen K�nig an; sein Gegenspieler war genauso in der Unvermeidlichkeit des Ganzen gefangen wie er. Der Dunkle K�nig existierte nicht im Muster, aber das Muster beeinflusste ihn trotzdem.</p><p>Hinter Rand blieb eine kleine Blutpf�tze zur�ck, wo er stehen geblieben war.</p><p><emphasis>Ich muss das schnell erledigen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich darf nicht verbluten, bevor der Kampf beendet ist.</emphasis></p><p>Wieder bebte der Boden.</p><p>�Das ist richtig�, fl�sterte Rand. �Ich komme und hole dich. Ich bin kein Lamm, das zur Schlachtbank gef�hrt wird, Shai�tan. Heute bin ich der J�ger.�</p><p>Das Beben des Bodens erschien beinahe wie Gel�chter. Schreckliches Gel�chter. Rand ignorierte Moiraines besorgten Blick, als sie sich an seine Seite setzte.</p><p>Es ging weiter in die Tiefe. Eine seltsame Empfindung dr�ngte sich in Rands Bewusstsein. Eine der Frauen steckte in Schwierigkeiten. War es Elayne? Aviendha? Er vermochte es nicht zu sagen. Die Verzerrung, die dieser Ort verbreitete, beeinflusste den Bund. Rand bewegte sich nun anders durch die Zeit als die anderen, und er verlor sein Gef�hl daf�r, wo sie sich aufhielten. Er f�hlte lediglich, dass eine von ihnen Qualen erlitt.</p><p>Rand knurrte und schritt schneller aus. Wenn der Dunkle K�nig sie verletzt hatte�� M�sste es hier drin nicht heller werden? Sie mussten sich auf das Gl�hen <emphasis>Callandors</emphasis> verlassen, durch das er <emphasis>Saidin</emphasis> zog. �Wo ist das Feuer?�, fragte er, und seine Stimme hallte. �Der geschmolzene Stein am Ende des Pfades?�</p><p>�Das Feuer ist verschlungen worden, Lews Therin�, sagte eine Stimme aus den Schatten vor ihnen.</p><p>Rand blieb stehen, dann trat er mit dem ausgestreckten <emphasis>Callandor</emphasis> vor, um die Gestalt zu beleuchten, die an der Grenze des Lichtscheins mit gesenktem Kopf auf einem Bein kniete und ein Schwert hielt, dessen Spitze auf dem Felsboden ruhte.</p><p>Hinter der Gestalt war�� gar nichts. Nur Finsternis.</p><p>�Rand.� Moiraine legte ihm die Hand auf den Arm. �Der Dunkle K�nig stemmt sich gegen seine Fesseln. Ber�hrt nicht diese Dunkelheit.�</p><p>Die Gestalt stand auf und drehte sich um. <emphasis>Callandors</emphasis> Schein enth�llte Moridins mittlerweile vertrautes Gesicht. Neben ihm lag eine leere H�lle auf dem Boden. Rand fand kein anderes Wort daf�r. Sie erinnerte an die Kokons, die manche Insekten zur�cklie�en, wenn sie wuchsen, nur dass dieser Kokon hier die Umrisse eines Mannes aufwies. Eines Mannes ohne Augen. Ein Myrddraal?</p><p>Moridin folgte Rands Blick und betrachtete die verlassene H�lle. �Ein Gef��, das mein Meister nicht l�nger braucht�, sagte Moridin. <emphasis>Saa</emphasis> trieb durch das Wei� seiner Aug�pfel, erzitterte und erbebte mit verr�ckter Vitalit�t. �Es gebar das, was hinter mir ist.�</p><p>�Hinter dir ist doch nichts.�</p><p>Moridin hob das Schwert zum Salut vors Gesicht. �Genau!� Diese Augen waren jetzt beinahe ganz schwarz.</p><p>Rand bedeutete Moiraine und Nynaeve, ein paar Schritte zur�ckzubleiben, w�hrend er n�her trat. �Du forderst ein Duell? Hier? Jetzt? Elan, du wei�t, dass das, was ich tue, unausweichlich ist. Mich zu behindern ist zwecklos.�</p><p>�Zwecklos, Lews Therin?� Moridin lachte. �Wenn ich dich geringf�gig schw�che, wird das die Aufgabe meines Herrn nicht erleichtern? Nein, ich glaube, ich sollte dir auf jeden Fall den Weg versperren. Und wenn ich siege, was dann? Dein Sieg ist nicht sicher. Das war er nie.�</p><p><emphasis>Ich gewinne wieder, Lews Therin��</emphasis></p><p>�Du k�nntest zur Seite treten�, sagte Rand und hob <emphasis>Callandor</emphasis>; sein Lichtschein lie� Moridins schwarze Stahlklinge funkeln. �Wenn mein Sieg nicht sicher ist, dann ist es dein Fall auch nicht. Lass mich vorbei. Triff einmal die Entscheidung, von der du wei�t, dass du sie treffen solltest.�</p><p>Moridin lachte. �Jetzt? <emphasis>Jetzt</emphasis> bittest du mich, ins Licht zur�ckzukehren? Mir wurde das gro�e Vergessen versprochen. Endlich das Nichts, die Vernichtung meines ganzen Wesens. Ein <emphasis>Ende</emphasis>. Das wirst du mir nicht wegnehmen, Lews Therin! Bei meinem Grab, das wirst du nicht!�</p><p>Moridin schwang das Schwert und kam heran.</p><empty-line/><p>Lan schlug �Kirschbl�ten k�ssen den Teich��� gar nicht so leicht vom Pferder�cken, denn die Schwertfigur war nicht f�r den Sattel ausgelegt. Seine Klinge schnitt in den Hals eines Trollocs, nur einen Zoll in die Haut der Kreatur. Es reichte, damit stinkendes Blut spritzte. Der Tiermensch mit dem Antlitz eines Stiers lie� den Haken fallen, griff sich an den Hals und stie� eine gurgelnde Mischung aus Schrei und St�hnen aus.</p><p>Lan lie� Mandarb zur�ckt�nzeln, als sich ein zweiter Trolloc auf seine Seite st�rzte. Er hieb ihm den Arm ab. Das Ungeheuer taumelte durch den Schlag, und Andere durchbohrte ihn von hinten.</p><p>Andere lenkte sein Pferd an Mandarbs Seite; trotz des Schlachtenl�rms konnte Lan das Keuchen seines Freundes h�ren. Wie lange k�mpften sie nun schon an der Front? Seine Arme f�hlten sich wie Blei an.</p><p>Im Blutschnee war es nicht so schlimm gewesen.</p><p>�Lan!�, rief Andere. �Sie nehmen kein Ende!�</p><p>Lan nickte, dann lenkte er Mandarb weiter zur�ck, als sich zwei Tiermenschen einen Weg durch die Leichen bahnten, um anzugreifen. Sie trugen ebenfalls Haken. Das war keineswegs ungew�hnlich; den Bestien war klar, dass M�nner am Boden wesentlich weniger gef�hrlich waren als M�nner auf Pferden. Trotzdem fragte sich Lan, ob sie ihn gefangen nehmen wollten.</p><p>Er und Andere lie�en die Trollocs durchkommen und angreifen, w�hrend zwei Angeh�rige der Hohen Garde von den Seiten heranritten, um sie abzulenken. Die Trollocs st�rzten sich auf Lan, und er lie� Mandarb einen Satz machen, schwang die Klinge und zertrennte beide Hakensch�fte.</p><p>Die Bestien lie�en sich nicht davon aufhalten, grobe Finger versuchten, ihn aus dem Sattel zu zerren. Stinkender Atem h�llte ihn ein, als er der einen das Schwert in die Kehle rammte. Wie langsam sich seine Muskeln bewegten! Andere war hoffentlich auf seiner Position.</p><p>Anderes Pferd galoppierte heran, rammte die gepanzerte Flanke in den zweiten Trolloc und stie� ihn zur Seite. Er taumelte, und die beiden berittenen Gardisten erschlugen ihn mit langsch�ftigen �xten.</p><p>Die M�nner waren blutverschmiert, genau wie Andere. Genau wie Lan. Nur verschwommen konnte er sich daran erinnern, wann er diese Verletzung am Oberschenkel davongetragen hatte. Er wurde <emphasis>so</emphasis> m�de. Er war nicht in der Verfassung zu k�mpfen.</p><p>�Wir ziehen uns zur�ck�, verk�ndete er z�gernd. �Soll jemand anders die Spitze �bernehmen.� Lan und seine M�nner f�hrten die schwere Kavallerie als Angriffsspitze, bedr�ngten die Trollocs als dreieckige Formation, um sie auseinanderzusprengen und zu den Seiten zu dr�ngen, wo die flankierenden Angriffe sie vernichten sollten.</p><p>Die M�nner nickten, und er konnte ihre Erleichterung f�hlen, als er sich mit seinen ungef�hr f�nfzig Hohen Gardisten zur�ckzog. Eine Gruppe Shienarer �bernahm ihre Stellung. Lan reinigte das Schwert, dann schob er es in die Scheide. Am Himmel grollte Donner. Ja, heute schienen diese Wolken tats�chlich tiefer zu h�ngen. Sie waren wie eine Hand, die sich langsam auf die M�nner herabsenkte, w�hrend sie starben.</p><p>In der N�he schlugen nacheinander mehrere Blitze ein. Lan wendete Mandarb scharf. Heute hatte es viele Blitze gegeben, aber die hatten einfach zu nahe beieinandergelegen. Rauch lag in der Luft.</p><p>�Schattenlords?�, fragte Andere.</p><p>Lan nickte und hielt nach den Angreifern Ausschau. Aber da waren nur die Reihen der k�mpfenden M�nner und die Trolloc-Horden, die in einer Welle nach der anderen angest�rmt kamen. Er brauchte dringend h�heres Gel�nde.</p><p>Auf einen H�gel zeigend, trieb er Mandarb an. Mitglieder der Nachhut sahen ihn vorbeireiten und salutierten mit einer gehobenen Hand und einem �Dai Shan�. Ihre R�stungen waren blutverschmiert. W�hrend des ganzen Tages waren die Reserven nach vorn an die Front befohlen und dann wieder ausgetauscht worden.</p><p>Mandarb m�hte sich den H�gel hoch. Lan t�tschelte den Hengst, dann stieg er ab und ging neben ihm her. Oben blieb er stehen und betrachtete die Schlacht. In einem Meer aus Trollocs bildeten Heere der verschiedenen Grenzl�nder stachelige silberne und bunte Ausbuchtungen.</p><p>So <emphasis>viele</emphasis>. Die Schattenlords waren wieder auf ihrer gro�en Plattform unterwegs; Dutzende Tiermenschen zogen das Gef�hrt �ber das Feld. Sie brauchten einen �berblick, um zu sehen, wo sie angreifen mussten. Lan biss die Z�hne zusammen, als er sah, wie Blitze in die Kandori einschlugen, K�rper durch die Luft flogen und L�cken in ihre Linien rissen.</p><p>Lans Machtlenker schlugen zur�ck und schleuderten Blitze und Feuer auf die vorr�ckenden Kreaturen, damit sie nicht durch die L�cke in der Linie der Grenzl�nder str�mten. Das w�rde aber nicht lange vorhalten. Ihm standen viel weniger Aes Sedai und Asha�man zur Verf�gung als dem Schatten seine Lords.</p><p>�Beim Licht�, sagte Prinz Kaisel und z�gelte neben ihm das Pferd. �Dai Shan, falls sie gen�gend Breschen in unsere Linien schlagen k�nnen���</p><p>�Reserven kommen. Dort.� Andere zeigte in die Richtung. Er sa� noch immer im Sattel, und Lan musste einen Schritt nach vorn machen, um zu sehen, was er meinte. Eine Gruppe shienarischer Reiter hielt auf die Linien zu, auf die die Blitze niederfuhren.</p><p>�Dort auch�, verk�ndete Kaisel und zeigte nach Osten. Eine Gruppe Arafeler hielt auf dieselbe Stelle zu. Die beiden Gruppen kamen einander in die Quere, als sie gleichzeitig versuchten, die L�cke zu stopfen.</p><p>Wieder regneten Blitze vom Himmel und trafen die Plattform der Schattenlords. Gut. Narishma und Merise hatten den Befehl gehabt, nach den feindlichen Machtlenkern Ausschau zu halten und sie falls m�glich zu t�ten. Vielleicht w�rde das den Feind ja ablenken. Lan richtete seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes.</p><p>Warum hatte man zwei Gruppen Reservisten losgeschickt, um diese L�cke zu schlie�en? Beide Einheiten w�ren gro� genug f�r die Aufgabe gewesen; bei so vielen M�nnern mussten sie sich gegenseitig im Weg stehen. Ein Fehler?</p><p>Er schwang sich in Mandarbs Sattel, obwohl er dem Pferd eine l�ngere Ruhepause hatte g�nnen wollen. Diesen Fehler w�rde er sich n�her ansehen.</p><empty-line/><p>Im Wolfstraum blieben Perrin und Gaul unweit eines Felskamms stehen, der ein Tal �berblickte, an dessen Ende ein Berg in den Himmel ragte. �ber diesem Berg wirbelte ein schrecklicher Mahlstrom aus schwarzen Wolken, der die Gipfelspitze nicht ganz ber�hrte.</p><p>Sturmwinde verheerten das Tal, und Perrin war gezwungen, eine Kuppel der Stille um sich und Gaul herum zu erschaffen, um fliegende Tr�mmer abzuwehren. Tief unter ihnen blitzten Fragmente einer gewaltigen Schlacht auf. Aus Rauchwolken und Staub formten sich f�r kurze Augenblicke Aiel, Trollocs und M�nner in R�stungen im Wolfstraum, nur um sich mitten im Hieb wieder aufzul�sen. Tausende von ihnen.</p><p>�berall befanden sich auch W�lfe im Traum. Sie warteten auf�� etwas. Etwas, das sich Perrin nicht erkl�ren konnte. Sie hatten einen Namen f�r Rand. Schattent�ter. Vielleicht waren sie gekommen, um Zeuge alles dessen zu werden, was er tun w�rde.</p><p>�Perrin?�, fragte Gaul.</p><p>�Er ist endlich hier�, sagte Perrin leise. �Er hat den Krater des Verderbens betreten.�</p><p>Irgendwann w�hrend dieses Kampfes w�rde Rand ihn brauchen. Ungl�cklicherweise konnte Perrin hier nicht einfach herumstehen und warten; er musste eine Aufgabe erledigen. Mithilfe der W�lfe hatten er und Gaul Graendal in der N�he von Cairhien aufgesp�rt. Sie hatte mit einigen Leuten in deren Tr�umen gesprochen. M�glicherweise Schattenfreunde in den Heeren?</p><p><emphasis>Davor hat sie sich Basheres Tr�ume angesehen,</emphasis> dachte Perrin. <emphasis>Zumindest hat Lanfear das behauptet.</emphasis> Er vertraute ihr keinen Augenblick lang.</p><p>Auf jeden Fall hatte er Graendal fr�her am Tag gefunden und wollte gerade zuschlagen, als sie pl�tzlich verschwand. Er wusste, wie man jemanden im Wolfstraum verfolgen musste, wenn sie sich <emphasis>versetzten</emphasis>, und er war ihr hierher nach Thakan�dar gefolgt. Unvermittelt verschwand ihr Geruch in der Mitte des Tales unter ihnen. Sie war zur�ck in die reale Welt Gereist. Perrin war sich nicht sicher, wie viel Zeit im Wolfstraum verstrichen war; er und Gaul hatten noch immer etwas zu essen, aber es f�hlte sich an, als w�ren sie schon seit Tagen hier. Lanfear hatte behauptet, dass sich die Zeit immer st�rker verzerren w�rde, je n�her Perrin Rand kam. Zumindest diese Behauptung konnte er wom�glich �berpr�fen.</p><p><emphasis>Er ist hier, Junger Bulle!</emphasis> Die Botschaft kam unvermittelt und dr�ngend von einem Wolf namens Sonnenaufgang hier im Tal. <emphasis>Der Schl�chter wandelt unter uns! Beeile dich!</emphasis></p><p>Perrin knurrte, packte Gaul wortlos bei der Schulter und <emphasis>versetzte</emphasis> sie. Sie erschienen auf dem felsigen Pfad, der zu dem klaffenden Loch in der Felswand �ber ihnen f�hrte. Der Weg zum Krater des Verderbens!</p><p>Vor ihnen lag ein Wolf mit einem Pfeil in der Seite und roch nach Tod. In der N�he heulten andere. Ein schrecklicher Wind peitschte auf sie ein; Perrin senkte den Kopf und st�rmte mit Gaul an der Seite in den Eingang. <emphasis>Drinnen, Junger Bulle</emphasis>, rief ein Wolf. <emphasis>Im Rachen der Dunkelheit.</emphasis></p><p>Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was er da eigentlich tat, rannte Perrin in einen langen, schmalen Korridor, aus dessen Boden und Decke spitze Felsnadeln stachen. Voraus pulsierte etwas Helles. Sch�tzend hob Perrin eine Hand gegen das Licht und machte am anderen Ende des Raumes m�hsam die Umrisse von Gestalten aus.</p><p>Zwei M�nner, in einen verbissenen Kampf verstrickt.</p><p>Zwei Frauen, die wie erstarrt dort standen.</p><p>Und nur ein paar Schritte von ihm entfernt der Schl�chter, der seinen Bogen spannte.</p><p>Perrin br�llte auf; mit dem Hammer in der Hand <emphasis>versetzte</emphasis> er sich zwischen den Schl�chter und Rand. Den Bruchteil einer Sekunde nach dem Abschuss des Pfeils schlug er das Geschoss aus seiner Bahn. Der Schl�chter riss die Augen auf und verschwand.</p><p>Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich zu Gaul, nahm den Mann am Arm, <emphasis>versetzte</emphasis> sich dorthin zur�ck, wo der Schl�chter gestanden hatte, und witterte den Geruch seines Standorts. �Sei auf der Hut�, mahnte er und <emphasis>versetzte</emphasis> sie beide hinter dem Mann her.</p><p>Sie erschienen inmitten einer Gruppe M�nner. Es waren <emphasis>Aiel</emphasis>, aber statt der normalen <emphasis>Shoufa</emphasis> trugen sie seltsame rote Schleier.</p><p>Der Sprung hatte Perrin und Gaul nicht weit weg bef�rdert; sie befanden sich in einer Art Dorf, das nahe genug lag, um in der Ferne den Gipfel des Shayol Ghul sehen zu k�nnen.</p><p>Die Rotschleier griffen sofort an. Es �berraschte Perrin nicht besonders, Aiel auf der Seite des Schattens zu finden. Unter allen V�lkern befanden sich Schattenfreunde. Aber warum identifizierten sie sich mit der Farbe ihrer Schleier?</p><p>Er schwang den Hammer im weiten Kreis und hielt eine Gruppe von ihnen auf Abstand, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sich hinter sie und zerschmetterte einem r�cklings den Sch�del. Gaul verwandelte sich in einen Schemen aus Speeren und brauner Kleidung, wich Rotschleiern aus, stach zu, verschwand. Erschien wieder und stach erneut zu. Ja, er hatte schnell gelernt, anscheinend sogar schneller als diese Rotschleier, denn sie konnten nicht mit ihm mithalten. Perrin zertr�mmerte einem die Kniescheibe, dann hielt er nach dem Schl�chter Ausschau.</p><p>Dort. Er stand auf einem kleinen H�gel in der N�he und sah zu. Perrin warf Gaul einen Blick zu, der ihm zwischen zwei Spr�ngen kurz zunickte. Es waren noch acht Rotschleier �brig, aber��</p><p>Mitten im Sprung b�umte sich unversehens die Erde unter Gaul auf und explodierte. Es gelang Perrin, seinen Freund zu besch�tzen, indem er eine Stahlplatte unter ihm erschuf, um die Explosion abzuwehren, aber es war knapp. Gaul landete sichtlich ersch�ttert, und Perrin war gezwungen, sich zu ihm zu <emphasis>versetzen</emphasis> und den Rotschleier anzugreifen, der sich von hinten auf ihn st�rzte.</p><p>�Pass auf�, rief Perrin Gaul zu. �Zumindest einer dieser Kerle lenkt die Macht!�</p><p>Beim Licht, als w�ren Aiel, die f�r den Schatten k�mpften, nicht schon genug. Aiel, die die Macht lenkten. <emphasis>Aiel-M�nner</emphasis>, die die Macht lenkten. Beim Licht!</p><p>W�hrend Perrin nach dem n�chsten hieb, ging der Schl�chter mit einem Schwert in der einen und einem langen Jagdmesser in der anderen Hand dazwischen�� der Art Messer, mit der ein Mann seine Beute h�utete.</p><p>Knurrend st�rzte sich Perrin in den Kampf, und die beiden begannen einen seltsamen Tanz. Der eine griff den anderen an, der unmittelbar verschwand, um in der N�he wieder aufzutauchen, bevor er ebenfalls angriff. So umkreisten sie sich, zuerst <emphasis>versetzte</emphasis> sich der eine, dann der andere, und jeder suchte verbissen nach einem Vorteil. Um Haaresbreite verfehlte Perrin den Schl�chter mit einem Hieb, dann h�tte er beinahe Stahl im Bauch gehabt.</p><p>Gaul erwies sich als ausgesprochen n�tzlich�� allein h�tte Perrin gro�e M�he gehabt, sich gleichzeitig gegen den Schl�chter und die Rotschleier zu behaupten. Leider konnte der Aiel nur wenig mehr ausrichten, als seine Gegner abzulenken, und schon das kostete ihn gro�e M�he.</p><p>Als ihn um ein Haar die Feuers�ule eines Rotschleiers erwischte, traf Perrin eine Entscheidung. Er <emphasis>versetzte</emphasis> sich zu Gaul�� und erhielt fast einen Speer in die Schulter. Er verwandelte den Speer in Stoff, und die Spitze verbog sich auf seiner Haut.</p><p>Gaul zuckte zusammen, als er Perrin erblickte, dann �ffnete er den Mund. Perrin lie� ihm keine Zeit, etwas zu sagen. Er packte seinen Freund am Arm, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sie fort. Sie verschwanden in der Sekunde, in der Flammen um sie herum in die H�he schossen.</p><p>Sie erschienen vor dem Eingang zum Krater des Verderbens. Perrins Umhang qualmte. Gaul blutete an der H�fte. Wann war das geschehen?</p><p><emphasis>Seid ihr da?,</emphasis> dachte Perrin dr�ngend.</p><p>Aberdutzende W�lfe meldeten sich. <emphasis>Wir sind hier, Junger Bulle!</emphasis></p><p><emphasis>F�hrst du uns an, Junger Bulle? Die Letzte Jagd!</emphasis></p><p><emphasis>Pass auf Mondj�gerin auf, Junger Bulle. Sie jagt dich wie ein L�we im hohen Gras.</emphasis></p><p><emphasis>Ich brauche euch,</emphasis> sagte Perrin zu den W�lfen. <emphasis>Der Schl�chter ist hier. K�mpft ihr f�r mich gegen ihn und die M�nner an seiner Seite?</emphasis></p><p><emphasis>Es ist die Letzte Jagd,</emphasis> antwortete einer, w�hrend viele andere einwilligten, ihm zu helfen. Sie erschienen auf den H�ngen des Shayol Ghul. Perrin konnte ihr Misstrauen riechen; sie verabscheuten diesen Ort. Es war kein Ort, den die W�lfe besuchten, weder in der wachen Welt noch im Traum.</p><p>Der Schl�chter kam. Entweder war ihm klar geworden, dass Perrin diesen Ort bewachen w�rde, oder er wollte seinen Angriff auf Rand vollenden. Was es nun auch war, Perrin gewahrte ihn auf einem Felskamm in der H�he, wie er ins Tal blickte�� eine dunkle Gestalt mit einem Bogen und einem schwarzen Umhang, der im Sturmwind flatterte. Unter ihm tobte noch immer die Schlacht in Staub und Schatten. In der wachen Welt starben und t�teten Tausende von Menschen, diesen Ort erreichten nur Phantome.</p><p>Perrin verst�rkte den Griff um seinen Hammer. �Komm und versuche es�, fl�sterte er. �Dieses Mal bin ich ein anderer Feind, du wirst schon sehen.�</p><p>Der Schl�chter hob den Bogen und schoss. Der Pfeil teilte sich, daraus wurden vier, dann sechzehn und schlie�lich ein ganzer Geschosshagel, der auf Perrin zuraste.</p><p>Perrin knurrte, dann attackierte er die Lufts�ule, die der Schl�chter erschaffen hatte, um den Wind aufzuhalten. Sie l�ste sich auf, und der tobende Sturm riss die Pfeile mit sich.</p><p>Der Schl�chter erschien vor Perrin, hielt Messer und Schwert. Perrin warf sich ihm entgegen, w�hrend in der N�he die Rotschleier auftauchten. Gaul und die W�lfe k�mmerten sich um sie. Dieses Mal konnte sich Perrin auf seinen Feind konzentrieren. Aufbr�llend schwang er den Hammer und schlug die Waffen des Schl�chters zur Seite, dann zielte er auf seinen Kopf.</p><p>Der Schl�chter t�nzelte zur�ck und erschuf Steinarme, die in einer Wolke aus Felssplittern aus dem Boden barsten, um seinen Feind zu ergreifen. Perrin konzentrierte sich, und sie zerplatzten und landeten krachend auf dem Boden. Der scharfe Geruch der �berraschung des Schl�chters stach in seine Nase.</p><p>�Du bist im Fleisch hier�, zischte der Schl�chter.</p><p>Perrin machte einen Satz auf ihn zu und <emphasis>versetzte</emphasis> sich mitten im Sprung, um den Mann schneller zu erreichen. Der Schl�chter wehrte mit einem Schild ab, der auf seinem Arm erschien. <emphasis>Mah�alleinir</emphasis> hinterlie� eine tiefe Delle, als er abgewehrt wurde.</p><p>Der Schl�chter verschwand und erschien f�nf Schritte weiter, am Rand des Pfades zur H�hle. �Ich bin so froh, dass du mich gejagt hast, Wolfswelpe! Man hatte mir verboten, dich zu suchen, aber jetzt bist du da. Ich habe den r�udigen Alten geh�utet, jetzt kommt der Welpe dran.�</p><p>So wie Perrin von H�gel zu H�gel zu springen pflegte, st�rzte er sich jetzt auf seinen Gegner, und seine Umrisse verschwammen. Er krachte in den Mann hinein und stie� sie beide von dem Pfad vor dem Eingang zum Krater des Verderbens. Ineinander verkrallt rollten sie Dutzende Schritte in die Tiefe.</p><p>Perrins Hammer steckte wieder in seinem G�rtel�� er erinnerte sich nicht daran, ihn dort verstaut zu haben��, aber er wollte diesen Mann nicht mit dem Hammer schlagen. Er wollte ihn f�hlen, wenn er ihm die Faust ins Gesicht rammte. Der Schlag traf, w�hrend sie st�rzten, aber pl�tzlich war das Gesicht des Schl�chters so hart wie Stein.</p><p>In diesem Augenblick verwandelte sich der Kampf aus Fleisch gegen Fleisch in Willenskraft gegen Willenskraft. W�hrend sie sich �berschlugen, stellte sich Perrin vor, wie die Haut des Schl�chters weich wurde und unter seinem Hieb nachgab, als die br�chigen Knochen splitterten. Der Schl�chter reagierte darauf, indem er sich seine Haut als Stein vorstellte.</p><p>Und so wurde die Wange des Schl�chters hart wie ein Felsen, aber Perrin spaltete sie trotzdem. Sie landeten auf dem Talboden und rollten auseinander. Als der Schl�chter auf die F��e kam, sah seine rechte Wange wie die einer Statue aus, die von einem Hammerschlag getroffen wurde; �berall traten kleine Spr�nge zum Vorschein.</p><p>Blut quoll aus diesen Spr�ngen, und der Schl�chter riss entsetzt die Augen auf. Er hob eine Hand zur Wange, ertastete das Blut. Der Stein verwandelte sich zur�ck in Haut, und wie von einem Meisterfeldscher gesetzte N�hte erschienen. Im Wolfstraum konnte man sich nicht selbst Heilen.</p><p>Der Schl�chter grinste Perrin h�misch an, dann sprang er. Umgeben von dem aufgew�hlten Staub, der die Gesichter und K�rper der Menschen formte, die an einem anderen Ort, einer anderen Welt, um ihr Leben k�mpften, t�nzelten sie hin und her. Perrin krachte durch zwei der Schemen hindurch, und der geschwungene <emphasis>Mah�alleinir</emphasis> hinterlie� eine Staubwolke. Der Schl�chter wich zur�ck und erschuf einen Wind, um sie aus dem Weg zu wehen, dann schlug er blitzschnell zu.</p><p>Ohne nachzudenken, verwandelte sich Perrin in einen Wolf, und das Schwert des Schl�chters verfehlte seinen Kopf. Junger Bulle sprang den Schl�chter an und stie� ihn durch die Schemen zweier Aiel, die gegeneinander k�mpften. Sie explodierten zu Sand und Staub. An der Seite bildeten sich andere, nur um weggeweht zu werden.</p><p>Der tosende Sturm br�llte in den Ohren von Junger Bulle, der Staub bohrte sich in seine Haut und seine Augen. Er rollte �ber den Schl�chter hinweg und schnappte nach seiner Kehle. <emphasis>Wie s�� wird das Blut dieses Zweibeiners in meinem Maul schmecken.</emphasis> Der Schl�chter <emphasis>versetzte</emphasis> sich fort.</p><p>Junger Bulle wurde zu Perrin, der mit bereitgehaltenem Hammer auf der Ebene der Schemen, der k�mpfenden, sich verwandelnden Menschen kauerte. <emphasis>Vorsicht,</emphasis> dachte er. <emphasis>Du bist ein Wolf, aber noch mehr bist du ein Mensch.</emphasis> Verbl�fft erkannte er, dass einige dieser Schemen nicht v�llig menschlich waren. Zwei Gestalten muteten schlangenartig an, aber sie vergingen schnell wieder.</p><p><emphasis>Spiegelt dieser Ort andere Welten wider?,</emphasis> fragte er sich und war sich nicht sicher, was er sonst von den Phantomen halten sollte.</p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen kam der Schl�chter wieder auf ihn zu. Perrins Hammer wurde hei�, und sein Bein pochte wild an der Stelle, an der er beim letzten Kampf mit seinem Feind getroffen und Geheilt worden war. Er br�llte auf, lie� das gegnerische Schwert nahe heran ��es traf seine Wange�� und hieb dem Mann den Hammer in die Seite.</p><p>Der Schl�chter verschwand.</p><p>Perrin ging mit der Wucht des Schlages mit, und einen Augenblick lang glaubte er den Gegner besiegt zu haben. Aber nein, sein Hammer hatte den Schl�chter kaum ber�hrt, bevor dieser verschwunden war. Der Mann war bereit gewesen, hatte nur darauf gewartet, sich zu <emphasis>versetzen</emphasis>. Perrin f�hlte, wie Blut durch seine Barthaare zum Kinn floss; der leichte Treffer hatte seiner Wange fast an der gleichen Stelle, an der er den Schlag im Gesicht des Schl�chters gelandet hatte, einen Schnitt zugef�gt.</p><p>Er witterte, drehte sich um die eigene Achse, versuchte den Geruch des Schl�chters auszumachen. Wo war er hin? Da war nichts.</p><p>Der Schl�chter hatte sich nicht an einen anderen Ort des Wolfstraums <emphasis>versetzt</emphasis>. Er wusste, dass Perrin ihm folgen konnte. Stattdessen musste er zur�ck in die wache Welt gesprungen sein. Als Perrin begriff, dass ihm seine Beute entkommen war, heulte er auf. Der Wolf in ihm w�tete gegen die gescheiterte Jagd, und es kostete ihn gro�e M�he, sich wieder unter Kontrolle zu bringen.</p><p>Es war ein Geruch, der ihn zur�ckholte. Brennendes Fell. Begleitet von schrillem Jaulen.</p><p>Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich zur�ck nach oben auf den Steilpfad. Sterbende und brennende W�lfe lagen zwischen den Leichen von Rotschleiern. Zwei der M�nner waren noch auf den Beinen, standen R�cken an R�cken und hatten unverst�ndlicherweise die Schleier gesenkt. Ihre Z�hne waren spitz zugefeilt, und sie l�chelten voller Irrsinn, w�hrend sie die Macht lenkten. Ein Wolf nach dem anderen verbrannte. Gaul hatte mit qualmender Kleidung neben einem Felsen Deckung suchen m�ssen. Er roch nach Schmerzen.</p><p>Die beiden l�chelnden Machtlenker schienen sich nicht daran zu st�ren, dass ihre Gef�hrten um sie herum verbluteten. Perrin ging auf sie zu. Einer von ihnen hob die Hand und entlie� einen Feuerstrahl. Perrin verwandelte ihn in Rauch, dann ging er einfach durch die Wolke hindurch. Der grauschwarze Qualm h�llte ihn ein und verstr�mte dann.</p><p>Der andere Aiel-Mann lenkte ebenfalls die Macht und versuchte den Boden unter Perrin aufzurei�en. Aber Perrin wusste, dass der Felsen nicht brechen w�rde, dass er den Geweben widerstehen w�rde. Und so geschah es. Perrin konnte die Gewebe nicht sehen, aber er wusste, dass der pl�tzlich viel massivere Boden sich weigern w�rde, wie befohlen zu explodieren.</p><p>Knurrend griff der erste Aiel nach einem Speer, aber Perrin packte ihn am Hals.</p><p>Er h�tte ihm so gern das Genick gebrochen. Wieder einmal hatte er den Schl�chter verloren, und diese beiden M�nner hatten W�lfe get�tet. Er hielt sich zur�ck. Der Schl�chter�� Der Schl�chter verdiente f�r seine Taten Schlimmeres als den Tod. Bei diesen M�nnern vermochte er das nicht zu sagen, und er war sich nicht sicher, ob er sie f�r alle Ewigkeit ohne Wiedergeburt ausl�schen w�rde, wenn er sie hier t�tete.</p><p>Seiner Ansicht nach sollte jeder, sogar solche Kreaturen wie die hier, eine zweite Chance bekommen. Der Rotschleier in seiner Hand wehrte sich und wollte Perrin mit einem Gewebe aus Luft fesseln.</p><p>�Du bist ein sabbernder Idiot�, befahl Perrin leise. Dann schaute er den anderen an. �Du auch.�</p><p>Beide Aiel blinzelten, dann schauten sie ihn mit Augen an, die schlagartig jeden Ausdruck verloren. Einer fing tats�chlich an zu sabbern. Perrin sch�ttelte den Kopf. Der Schl�chter hatte sie nicht ausgebildet. Selbst Gaul war nur nach kurzer�� wie lange war das jetzt her? Egal, selbst Gaul wusste es besser, als sich auf diese Weise erwischen zu lassen, im Griff eines Mannes, der einfach die geistigen F�higkeiten ver�ndern konnte.</p><p>Perrin musste sie sich st�ndig als Idioten vorstellen, um die Ver�nderung aufrechtzuerhalten. Er kniete nieder und suchte unter den W�lfen nach Verwundeten, denen er helfen konnte. Er stellte sich vor, wie die Wunden verbunden wurden. An diesem Ort w�rden sie schnell Heilen. W�lfen schien das zu gelingen. Sie hatten acht Br�der verloren, f�r die Perrin heulte. Die anderen Tiere stimmten ein, aber in ihrer Botschaft lag kein Bedauern. Sie hatten gek�mpft. Deswegen waren sie gekommen.</p><p>Danach k�mmerte sich Perrin um die Rotschleier. Alle waren tot. Gaul hinkte heran und hielt einen verbrannten Arm. Die Wunde war schlimm, aber im Moment nicht lebensbedrohend.</p><p>�Wir m�ssen dich aus dem Traum schaffen�, sagte Perrin, �dich Heilen lassen. Ich bin mir nicht sicher, welche Zeit es ist, aber ich glaube, wir sollten nach Merrilor gehen und auf das Wegetor nach drau�en warten.�</p><p>Gaul grinste breit. �Zwei von ihnen habe ich get�tet, Perrin Aybara. Einer konnte die Macht lenken. Da glaubte ich, Ehre errungen zu haben, dann gleitest du heran und nimmst zwei von ihnen gefangen.� Er sch�ttelte den Kopf. �H�tte Bain das gesehen, w�rde sie den ganzen R�ckweg ins Dreifache Land lachen.�</p><p>Perrin wandte sich den beiden Gefangenen zu. Sie hier zu t�ten erschien herzlos und grausam, aber sie loszulassen w�rde nur den Kampf fortsetzen�� m�glicherweise verloren sie noch mehr W�lfe, noch mehr Freunde.</p><p>�Ich glaube kaum, dass sie dem <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> folgen�, meinte Gaul. �Und w�rdest du einem Mann <emphasis>Gai�shain</emphasis> nehmen, der die Macht lenken kann?� Er erschauderte sichtlich.</p><p>�Bringt sie endlich um�, sagte Lanfear.</p><p>Perrin musterte sie. Er war nicht zusammengezuckt, als sie gesprochen hatte�� irgendwie hatte er sich an die Weise gew�hnt, in der sie unversehens da war. Allerdings �rgerte er sich dar�ber.</p><p>�Wenn ich sie hier t�te, wird sie das dann f�r alle Ewigkeit t�ten?�</p><p>�Nein�, antwortete sie. �So funktioniert das nicht bei M�nnern.�</p><p>Konnte er ihr vertrauen? Aus irgendeinem unerfindlichen Grund ertappte er sich in diesem Augenblick dabei, dass er das tat. Warum sollte sie ihn anl�gen? Trotzdem, unbewaffnete M�nner zu t�ten�� verglichen mit ihm waren die hier kaum mehr als hilflose S�uglinge.</p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Er betrachtete die toten W�lfe. <emphasis>Keine S�uglinge. Sie sind viel gef�hrlicher.</emphasis></p><p>�Diese beiden sind Umgedreht worden�, sagte die Verlorene, verschr�nkte die Arme und deutete mit dem Kopf auf die beiden Machtlenker. �In diesen Tagen werden viele von ihnen geboren, aber diese beiden haben zugefeilte Z�hne. Sie wurden genommen und Umgedreht.�</p><p>Gaul murmelte etwas. Es h�rte sich an wie ein Fluch, aber es klang auch and�chtig. Es war die Alte Sprache, und Perrin verstand die Bedeutung nicht. Aber danach hob Gaul einen Speer. Er roch nach Bedauern. �Ihr habt ihm ins Auge gespuckt, also benutzt er euch, meine Br�der. Schrecklich���</p><p><emphasis>Umgedreht,</emphasis> dachte Perrin. Wie diese M�nner in der Schwarzen Burg. Er runzelte die Stirn, trat auf einen der M�nner zu, die sich in seiner Gewalt befanden, und nahm seinen Kopf zwischen die H�nde. Konnte er den Mann mit seinem <emphasis>Willen</emphasis> zur�ck ins Licht schicken? Wenn er gezwungen werden konnte, sich dem B�sen anzuschlie�en, konnte er dann auch wieder Geheilt werden?</p><p>Als Perrin gegen das Bewusstsein dieser M�nner dr�ckte, traf er auf etwas Gewaltiges. Sein Wille glitt ab wie ein Zweig, der ein Eisentor auframmen wollte. Er taumelte zur�ck.</p><p>Kopfsch�ttelnd blickte er Gaul an. �Ich kann nichts f�r sie tun.�</p><p>�Ich tue es�, erwiderte Gaul. �Sie sind Br�der.�</p><p>Z�gernd nickte Perrin, als Gaul beiden M�nnern die Kehle durchschnitt. Es war besser so. Trotzdem zerriss es ihn innerlich, sich das ansehen zu m�ssen. Er hasste, was der Kampf mit Menschen anstellte, was er mit ihm anstellte. Der Perrin, den es noch vor Monaten gegeben hatte, h�tte niemals hier stehen und bei so etwas zusehen k�nnen. Licht�� h�tte Gaul das nicht getan, h�tte er es selbst getan. Das war ihm klar.</p><p>�Ihr k�nnt so kindisch sein�, sagte Lanfear, die noch immer die Arme unter den Br�sten verschr�nkte und ihn beobachtete. Dann seufzte sie und ergriff seinen Arm. Eine Welle eiskalten Heilens durchfuhr ihn. Die Wunde auf seiner Wange schloss sich.</p><p>Perrin holte tief Luft, dann wies er mit dem Kopf auf Gaul.</p><p>�Ich bin nicht Eure Dienerin, Wolfswelpe�, sagte sie.</p><p>�Ihr wollt mich davon �berzeugen, dass Ihr keine Feindin seid?�, fragte er. �Das ist eine gute Gelegenheit, um damit anzufangen.�</p><p>Sie seufzte, dann winkte sie Gaul ungeduldig heran. Er kam hinkend zu ihr, und sie Heilte ihn.</p><p>Ein fernes Grollen ersch�tterte die H�hle hinter ihnen. Mit zusammengekniffenen Augen schaute sie in ihre Richtung. �Ich kann hier nicht bleiben�, sagte sie. Dann war sie verschwunden.</p><p>�Ich wei� nicht, was von ihr zu halten ist�, sagte Gaul und rieb sich den Arm an der Stelle, wo die Kleidung verbrannt, die Haut aber geheilt war. �Ich glaube, sie spielt mit uns, Perrin Aybara. Ich wei� nur nicht, was f�r ein Spiel das ist.�</p><p>Perrin grunzte zustimmend.</p><p>�Dieser Schl�chter�� er kommt wieder.�</p><p>�Ich denke da an eine M�glichkeit, etwas deswegen zu unternehmen�, sagte Perrin. Er griff an die Taille, wo er den Traumnagel an den G�rtel gebunden hatte. Er l�ste ihn. �Pass hier auf�, sagte er zu Gaul, dann betrat er die H�hle.</p><p>Perrin ging an den wie Z�hne wirkenden Steinen vorbei. Es fiel schwer, sich dem Gef�hl zu entziehen, in den Rachen eines Schattenhundes zu kriechen. Das Licht am Ende des Abstiegs blendete, aber Perrin erschuf eine get�nte Blase um sich herum. Er konnte Rand und einen anderen ausmachen, die neben einer tiefen Grube mit Schwertern k�mpften.</p><p>Nein, es war keine Grube. Perrin keuchte. Hier schien die ganze <emphasis>Welt</emphasis> zu enden, die H�hle f�hrte in ein unermessliches Nichts. Eine grenzenlose Weite wie die Finsternis in den Kurzen Wegen, nur schien diese Weite ihn in sich <emphasis>hineinzuziehen</emphasis>. Ihn und alles andere. An den drau�en w�tenden Sturm hatte er sich gew�hnt, darum war ihm der Wind im Tunnel nicht aufgefallen. Jetzt, da er sich darauf konzentrierte, f�hlte er ihn durch die H�hle in dieses Loch str�men.</p><p>Als er in diese L�cke blickte, wurde ihm bewusst, dass er nie zuvor begriffen hatte, was Finsternis wirklich bedeutete, jedenfalls nicht richtig. <emphasis>Das</emphasis> hier war Finsternis. <emphasis>Das</emphasis> hier war das Nichts. Das absolute Ende von allem. Normale Dunkelheit fl��te Furcht ein, weil keiner wusste, was sich m�glicherweise darin verbarg. Diese Dunkelheit war anders; verschlang sie einen, l�schte sie f�r alle Ewigkeit die Existenz aus.</p><p>Perrin stolperte zur�ck, obwohl der Wind, der durch den Tunnel strich, nicht stark war. Einfach nur�� regelm��ig, wie ein Fluss, der ins Nichts floss. Perrin hielt den Traumnagel fester, dann zwang er sich, sich von Rand abzuwenden. In der N�he kniete eine Gestalt mit gesenktem Haupt, als w�rde sie sich gegen eine Macht stemmen, die aus der Leere kam. Moiraine? Ja, und rechts von ihr kniete Nynaeve.</p><p>Hier war der Schleier zwischen den Welten sehr d�nn. Wenn er Moiraine und Nynaeve sehen konnte, dann konnten sie ihn vielleicht auch sehen oder h�ren.</p><p>Er trat zu Nynaeve. �Nynaeve? Kannst du mich h�ren?�</p><p>Sie blinzelte, drehte den Kopf. Ja, sie konnte ihn h�ren! Aber anscheinend konnte sie ihn nicht sehen. Verwirrt blickte sie sich um, w�hrend sie sich an den aus dem Boden ragenden Steinzahn klammerte, als ginge es um ihr Leben.</p><p>�Nynaeve!�, br�llte Perrin.</p><p>�Perrin?�, fl�sterte sie und blickte sich um. �Wo bist du?�</p><p>�Ich werde etwas tun, Nynaeve�, sagte er. �Ich werde es unm�glich machen, Wegetore an diese Stelle zu weben. Will man diesen Ort mit Reisen erreichen oder ihn verlassen, dann muss man sein Tor drau�en <emphasis>vor</emphasis> der H�hle erschaffen. In Ordnung?�</p><p>Sie nickte und blickte sich dabei noch immer um. Obwohl sich die reale Welt im Wolfstraum widerspiegelte, galt dies anscheinend nicht andersherum. Perrin rammte den Traumnagel in den Boden, dann aktivierte er ihn, wie Lanfear es ihm gezeigt hatte, erschuf die purpurne Kuppel nur um die H�hle. Er eilte zur�ck in den Tunnel und schob sich durch den Wall aus purpurnem Glas, um sich zu Gaul und den W�lfen zu gesellen.</p><p>�Licht�, sagte Gaul. �Ich wollte gerade nach dir suchen. Was hat so lange gedauert?�</p><p>�Lange?�, fragte Perrin.</p><p>�Du warst mindestens zwei Stunden weg.�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. �Das ist die Bohrung, die mit unserem Zeitgef�hl spielt. Nun, da dieser Traumnagel dort steckt, wird es dem Schl�chter einige M�he bereiten, Rand zu erreichen.�</p><p>Nachdem der Schl�chter den Traumnagel gegen ihn eingesetzt hatte, war es sehr befriedigend, das <emphasis>Ter�angreal</emphasis> gegen den Mann zu benutzen. Perrin hatte die Schutzkuppel gerade gro� genug gemacht, um die H�hle auszuf�llen und Rand, die Bohrung und seine Begleiter zu umgeben. Der Standort bedeutete, dass sich die Kuppelwand abgesehen von der Stelle am H�hleneingang im Felsen befand.</p><p>Der Schl�chter w�rde nicht mitten in die H�hle springen und zuschlagen k�nnen; er w�rde den Eingang benutzen m�ssen. Entweder das oder eine M�glichkeit finden, sich durch den Felsen zu graben, was im Wolfstraum wohl m�glich war, wie Perrin vermutete. Aber es w�rde ihn viel Zeit kosten, und die brauchte Rand.</p><p>�Ich brauche euch, um diesen Ort zu besch�tzen�, sagte Perrin zu den versammelten W�lfen, von denen viele ihre Wunden leckten. �Dort drinnen k�mpft Schattent�ter und jagt die gef�hrlichste Beute, die die Welt je gesehen hat. Wir d�rfen nicht zulassen, dass der Schl�chter ihn erreicht.�</p><p><emphasis>Wir werden diesen Ort bewachen, Junger Bulle,</emphasis> erwiderte einer. <emphasis>Andere sammeln sich. Er kommt nicht an uns vorbei.</emphasis></p><p>�K�nnt ihr das hier tun?� Perrin schickte das Bild von W�lfen, die in allen Grenzlanden verteilt einander schnell Botschaften �bermittelten. Abertausende von ihnen streiften in dieser Gegend umher.</p><p>Perrin war stolz auf seine �bertragung. Er schickte sie nicht als Worte oder Bilder, sondern als ein mit Ger�chen vermengtes Konzept mit einem Hauch Instinkt. Stellten sich die W�lfe so auf, wie er es ihnen gesagt hatte, konnten sie ihm durch dieses Netz beinahe sofort mitteilen, wenn der Schl�chter zur�ckkehrte.</p><p><emphasis>Das k�nnen wir,</emphasis> sagten die W�lfe.</p><p>Perrin nickte, dann winkte er Gaul zu.</p><p>�Wir bleiben nicht?�, fragte der Aiel-Mann.</p><p>�Es geschieht zu viel�, sagte Perrin. �Hier vergeht die Zeit zu langsam. Ich will nicht, dass der Krieg an uns vorbeizieht.�</p><p>Au�erdem stand noch immer die Frage im Raum, was Graendal da eigentlich trieb.</p></section><section><title><p>26</p><p>Erw�gungen</p></title><p>Es gef�llt mir nicht, an der Seite dieser Seanchaner k�mpfen zu m�ssen�, sagte Gawyn leise und begab sich an Egwenes Seite.</p><p>Ihr gefiel das genauso wenig, und sie wusste, dass er es in ihr f�hlte. Was sollte sie sagen? Sie konnte die Seanchaner nicht fortschicken. Der Schatten hatte die Sharaner geholt, damit sie unter seinem Banner k�mpften. Also w�rde Egwene aufbieten m�ssen, was ihr zur Verf�gung stand. Alles, was ihr zur Verf�gung stand.</p><p>Ihr Nacken juckte, als sie das Feld zu dem Treffpunkt etwa eine Meile �stlich von der Furt nach Arafel �berquerte. Bryne hatte schon den gr��ten Teil ihrer Streitkr�fte dort aufgestellt. Aes Sedai waren bereits auf den H�geln direkt s�dlich davon zu sehen, und zahlenm��ig starke Schwadronen Bogensch�tzen und Pikenm�nner besetzten die H�nge darunter. Die Truppen waren ausgeruht. Die Tage des R�ckzugs hatten etwas von der zerm�rbenden Belastung des st�ndigen Kampfes genommen, obwohl der Feind immer wieder versucht hatte, sie in K�mpfe zu verwickeln.</p><p>F�r Egwene hing alles davon ab, dass sich die Seanchaner an der Schlacht beteiligten und die Machtlenker der Sharaner angriffen. Ihr drehte sich der Magen um. Sie hatte einmal geh�rt, dass in Caemlyn skrupellose M�nner halb verhungerte Hunde in Gruben warfen und dann darauf wetteten, wer den Kampf �berleben w�rde. Das hier kam ihr genauso vor. Die seanchanischen <emphasis>Damane</emphasis> waren keine freien Frauen; sie konnten sich nicht aussuchen, ob sie k�mpfen wollten. Und was die Machtlenker der Sharaner anging, diese M�nner waren ihr fast schon wie Tiere vorgekommen.</p><p>Sie h�tte mit jedem Atemzug gegen die Seanchaner k�mpfen sollen und sich nicht mit ihnen verb�nden. Jeder ihrer Instinkte begehrte dagegen auf, als sie sich der Versammlung der Seanchaner n�herte. Ihre Anf�hrerin verlangte eine Audienz mit Egwene. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass es schnell vor�ber war.</p><p>Egwene hatte Berichte �ber diese Fortuona erhalten, also wusste sie, was zu erwarten war. Die zierliche Kaiserin von Seanchan stand auf einer wenige Fu� hohen Plattform und betrachtete die Schlachtvorbereitungen. Sie trug ein funkelndes Gewand, dessen l�cherlich lange Schleppe von acht <emphasis>Da�covale</emphasis> getragen wurde, diesen Dienern in dieser schrecklich unanst�ndigen Kleidung. Verschiedene Angeh�rige des Blutes standen in Gruppen beisammen und warteten in sorgf�ltigen Posen. Totenw�chter in ihrer beinahe schwarzen R�stung standen wie Felsbl�cke um die Kaiserin aufgereiht.</p><p>Egwene trat n�her, bewacht von ihren eigenen Soldaten und dem gr��ten Teil des Saales der Burg. Nat�rlich hatte Fortuona zuerst darauf bestanden, dass Egwene sie in ihrem Lager besuchte. Und genauso selbstverst�ndlich hatte Egwene das abgelehnt. Es hatte Stunden gedauert, eine Einigung zu erzielen. Beide w�rden an diesen Ort in Arafel kommen, und beide w�rden eher stehen als sitzen, damit keine den Eindruck erwecken konnte, die andere zu �berragen. Trotzdem �rgerte es Egwene, dass die Frau bereits auf sie wartete. Sie hatte dieses Treffen so arrangieren wollen, dass sie beide gleichzeitig eintrafen.</p><p>Fortuona wandte sich von dem Schauspiel der Soldaten ab und blickte Egwene entgegen. Es hatte den Anschein, als w�ren viele von Siuans Berichten falsch. Sicherlich wirkte Fortuona mit dieser zierlichen Gestalt und den zarten Gesichtsz�gen kindlich. Aber damit h�rten die �hnlichkeiten auch schon auf. Kein Kind auf der Welt hatte einen so scharfen und berechnenden Blick. Egwene erkannte, dass ihre Erwartungen sie get�uscht hatten. Sie hatte sich Fortuona als verw�hnte Heranwachsende vorgestellt, das Ergebnis eines beh�teten Lebens.</p><p>�Ich habe dar�ber nachgedacht�, ergriff Fortuona das Wort, �ob es wohl angebracht ist, pers�nlich mit Euch zu sprechen, mit meiner eigenen Stimme.�</p><p>Einige Angeh�rige des seanchanischen Blutes ��diese Leute mit den bemalten Fingern�geln und teilweise rasierten Sch�deln�� keuchten auf. Egwene ignorierte sie. In unmittelbarer N�he der Adligen standen mehrere P�rchen <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis>. Auf keinen Fall durfte sie sich von ihnen ablenken lassen, sonst gewann wom�glich ihr Temperament die Oberhand.</p><p>�Ich habe selbst dar�ber nachgedacht, ob es wohl angebracht ist, mit einer wie Euch zu sprechen�, sagte Egwene, �die so schreckliche Gr�ueltaten angerichtet hat.�</p><p>�Ich habe entschieden, dass ich mit Euch spreche�, fuhr Fortuona fort und ignorierte die Bemerkung. �Ich glaube, dass es f�r den Augenblick besser sein d�rfte, Euch nicht als <emphasis>Marath�Damane</emphasis> zu betrachten, sondern als K�nigin der Bev�lkerung dieses Landes.�</p><p>�Nein�, widersprach Egwene. �Ihr werdet mich als das ansehen, was ich bin, Frau. Das verlange ich.�</p><p>Fortuona sch�rzte die Lippen. �Also gut�, sagte sie dann. �Ich habe schon zuvor mit <emphasis>Damane</emphasis> gesprochen; sie auszubilden war eines meiner Steckenpferde. Euch so zu betrachten verst��t nicht gegen das Protokoll, denn die Kaiserin darf zu ihren Lieblingsscho�tieren sprechen.�</p><p>�Dann werde ich Euch ebenfalls direkt ansprechen�, sagte Egwene, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. �Denn die Amyrlin h�lt bei vielen Gerichtsverfahren den Vorsitz als Richterin. Sie muss in der Lage sein, mit M�rdern und Vergewaltigern zu sprechen, um das Urteil �ber sie zu f�llen. Ich sch�tze, Ihr w�rdet Euch in ihrer Gesellschaft wohlf�hlen, obwohl ich vermute, dass sie Euch f�r widerw�rtig halten w�rden.�</p><p>�Ich sehe, das wird eine schwierige Allianz.�</p><p>�Habt Ihr etwas anderes erwartet?�, fragte Egwene. �Ihr haltet meine Schwestern gefangen. Was die Seanchaner ihnen angetan haben, ist schlimmer als Mord. Ihr habt sie gefoltert, ihren Willen gebrochen. Ich w�nschte beim Licht, ihr h�ttet sie stattdessen einfach umgebracht.�</p><p>�Ich kann nicht erwarten, dass eine wie Ihr die Notwendigkeit dessen versteht, was getan werden muss�, sagte Fortuona und schaute wieder auf das Schlachtfeld hinaus. �Ihr seid <emphasis>Marath�Damane</emphasis>. F�r Euch ist es ganz�� nat�rlich, Eure eigenen Ziele zu verfolgen, so wie Ihr sie versteht.�</p><p>�In der Tat ist es nat�rlich�, sagte Egwene leise. �Darum bestehe ich auch darauf, dass Ihr mich seht, wie ich bin, denn ich repr�sentiere den unumst��lichen Beweis, dass Eure Gesellschaft und das Kaiserreich auf L�gen aufgebaut sind. Hier stehe ich, eine Frau, bei der Ihr darauf beharrt, dass man sie f�r das Allgemeinwohl an die Leine legen muss. Und doch zeige ich keine der wilden oder gef�hrlichen Neigungen, die ich Euch zufolge angeblich habe. Solange ich frei von Eurem Kragen bin, beweise ich jedem Mann und jeder Frau, dass Ihr eine L�gnerin seid.�</p><p>Die Seanchaner murmelten. Fortuona behielt ihre k�hle Miene bei.</p><p>�Ihr w�rt bei uns so viel gl�cklicher�, sagte sie dann.</p><p>�Ach, w�re ich das?�</p><p>�Ja. Ihr sprecht davon, dass der Kragen hassenswert ist, aber w�rdet Ihr ihn tragen, w�rdet Ihr das Leben viel friedlicher finden. Wir foltern unsere <emphasis>Damane</emphasis> nicht. Wir sorgen f�r sie und erlauben ihnen ein Leben voller Privilegien.�</p><p>�Ihr wisst es nicht, oder?�</p><p>�Ich bin die Kaiserin�, sagte Fortuona. �Meine Herrschaft erstreckt sich �ber die Ozeane, und die Reiche, die unter meinem Schutz stehen, umfassen alles, was die Menschheit wei� und denkt. Falls es Dinge gibt, die ich nicht wei�, dann wissen sie die Untertanen meines Kaiserreichs, denn ich <emphasis>bin</emphasis> das Kaiserreich.�</p><p>�Wie sch�n�, erwiderte Egwene. �Und ist Eurem Kaiserreich klar, dass ich einen Eurer Kragen trug? Dass ich einst von Euren <emphasis>Sul�dam</emphasis> ausgebildet wurde?�</p><p>Fortuona erstarrte, dann betrachtete sie Egwene entsetzt. Allerdings hatte sie sich augenblicklich wieder in der Gewalt.</p><p>�Ich war in Falme�, fuhr Egwene fort. �Eine <emphasis>Damane</emphasis>, die von Renna ausgebildet wurde. Ja, ich trug Euren Kragen, Frau. Ich fand damit keinen Frieden. Ich fand nur Qualen, Dem�tigungen und Entsetzen.�</p><p>�Warum wei� ich davon nichts?�, fragte Fortuona laut und drehte sich um. �Warum hat mir keiner von Euch das gesagt?�</p><p>Egwene warf einen Blick auf den versammelten seanchanischen Adel. Fortuona schien vor allem einen Mann anzusprechen, einen Mann in kostbarer schwarzer und goldener Kleidung, die mit wei�em Spitzenbesatz abgesetzt war. Auf einem Auge trug er eine passende schwarze Augenklappe, und die Fingern�gel beider H�nde waren dunkel lackiert und��</p><p><emphasis>�Mat?�,</emphasis> stotterte Egwene.</p><p>Er winkte halbherzig und sah peinlich ber�hrt aus.</p><p><emphasis>O beim Licht. Worauf hat er sich denn da schon wieder eingelassen?</emphasis> Fieberhaft ging sie in Gedanken verschiedene M�glichkeiten durch. Mat spielte die Rolle eines seanchanischen Adligen. Also durften sie nicht wissen, wer er wirklich war. Konnte sie etwas anbieten, um ihn im Gegenzug zu retten?</p><p>�Tretet n�her�, sagte Fortuona.</p><p>�Dieser Mann ist nicht���, setzte Egwene an, aber Fortuona �bert�nte sie.</p><p>�Knotai�, sagte sie, �wusstet Ihr, dass diese Frau eine geflohene <emphasis>Damane</emphasis> ist? Ich glaube, Ihr kanntet sie als Kind.�</p><p>�Ihr wisst, wer das ist?�, fragte Egwene.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte die Kaiserin. �Er hei�t Knotai, aber einst nannte man ihn Matrim Cauthon. Glaubt nicht, dass er Euch dient, <emphasis>Marath�Damane</emphasis>, auch wenn Ihr zusammen aufgewachsen seid. Er ist jetzt der Prinz der Raben, eine Stellung, die er seiner Heirat mit mir verdankt. Er dient den Seanchanern, dem Kristallthron und der Kaiserin.�</p><p>�M�ge sie ewig leben�, bemerkte Mat. �Hallo, Egwene. Sch�n zu h�ren, dass du diesen Sharanern entkommen bist. Was macht die Wei�e Burg? Ich nehme an, sie ist immer noch�� wei�?�</p><p>Egwene sah von Mat zu der Kaiserin von Seanchan, dann wieder zur�ck zu ihm. Schlie�lich konnte sie nicht anders und fing an zu lachen. �Ihr habt Matrim Cauthon geheiratet?�</p><p>�Die Omen haben es vorherbestimmt�, sagte Fortuona steif.</p><p>�Ihr habt zugelassen, einem <emphasis>Ta�veren</emphasis> zu nahezukommen�, sagte Egwene, �und darum hat Euch das Muster an ihn gebunden.�</p><p>�Dummer Aberglaube�, behauptete Fortuona.</p><p>Egwene sah Mat an.</p><p>�Ein <emphasis>Ta�veren</emphasis> zu sein hat mir nie viel eingebracht�, sagte Mat m�rrisch. �Ich sollte mich wohl gl�cklich sch�tzen, dass mich das Muster nicht bei den Stiefeln zum Shayol Ghul gezerrt hat. Immerhin ein kleiner Segen.�</p><p>�Ihr habt meine Frage nicht beantwortet, Knotai�, sagte die Kaiserin. �Wusstet Ihr, dass diese Frau eine geflohene <emphasis>Damane</emphasis> ist? Und wenn dem so ist, warum habt Ihr mir das nicht gesagt?�</p><p>�Ich habe nicht weiter dar�ber nachgedacht�, erwiderte Mat. �Sie war es nicht sehr lange, Tuon.�</p><p>�Dar�ber sprechen wir noch bei anderer Gelegenheit�, sagte Fortuona sehr leise. �Das wird nicht erfreulich werden.� Sie wandte sich wieder Egwene zu. �Mit einer ehemaligen <emphasis>Damane</emphasis> zu sprechen ist nicht das Gleiche, als mit einer k�rzlich gefangen genommenen zu sprechen. Oder einer, die immer frei war. Die Nachricht �ber diesen Vorfall wird sich verbreiten. Ihr habt mir�� Unannehmlichkeiten bereitet.�</p><p>Egwene musterte die Frau verbl�fft. Licht! Diese Leute waren v�llig verr�ckt. �Warum habt Ihr �berhaupt auf diesem Treffen bestanden? Der Wiedergeborene Drache sagt, Ihr unterst�tzt uns in unserem Kampf. Dann helft uns.�</p><p>�Ich musste Euch treffen�, sagte Fortuona. �Ihr seid mein Gegenst�ck. Ich habe eingewilligt, mich dem vom Drachen angebotenen Frieden anzuschlie�en, aber es gibt Bedingungen.�</p><p><emphasis>O Licht, Rand. Was hast du ihnen nur versprochen?</emphasis> Sie wappnete sich.</p><p>�Zusammen mit der Einwilligung zu k�mpfen erkenne ich die unabh�ngigen Grenzen der Nationen an, wie sie zurzeit auf der Karte stehen. Wir werden von keiner <emphasis>Marath�Damane</emphasis> den Gehorsam erzwingen, abgesehen von denen, die unsere Grenzen verletzen.�</p><p>�Und wie sehen diese Grenzen aus?�, fragte Egwene.</p><p>�Wie sie zurzeit bestehen, da ich���</p><p>�Seid genauer�, sagte Egwene. �Sagt es mir mit Euren eigenen Worten, Frau. Welche Grenzen?�</p><p>Fortuona verzog die Lippen zu einem Strich. Offensichtlich war sie es nicht gewohnt, unterbrochen zu werden. �Wir beherrschen Altara, Amadicia, Tarabon und die Ebene von Almoth.�</p><p>�Tremalking�, sagte Egwene. �Ihr gebt Tremalking und die anderen Inseln des Meervolkes frei?�</p><p>�Ich habe sie nicht aufgelistet, weil sie nicht zu Eurem Land geh�ren, sondern dem Meer. Sie gehen Euch nichts an. Davon abgesehen waren sie kein Teil der �bereinkunft mit dem Wiedergeborenen Drachen. Er hat sie nicht erw�hnt.�</p><p>�Er muss an so vieles denken. Tremalking wird Teil der �bereinkunft mit mir sein.�</p><p>�Ich war mir nicht bewusst, dass wir so eine �bereinkunft treffen�, sagte Fortuona ruhig. �Ihr erbittet unseren Beistand. Sollte ich es befehlen, k�nnen wir noch in diesem Augenblick abr�cken. Wie w�rdet Ihr ohne unsere Hilfe gegen diese Armee bestehen, Hilfe, um die Ihr mich eben noch angefleht habt?�</p><p><emphasis>Angefleht?,</emphasis> dachte Egwene. �Ist Euch eigentlich klar, was geschieht, wenn wir die Letzte Schlacht verlieren? Der Dunkle K�nig zerbricht das Rad, erschl�gt die Gro�e Schlange, und alle Dinge enden. Falls wir Gl�ck haben. Haben wir das nicht, wird der Dunkle K�nig die Welt nach seiner eigenen verzerrten Vorstellung neu gestalten. Alle Menschen werden auf Ewigkeit an ihn gebunden, in Leid, Unterjochung und Folter.�</p><p>�Ich bin mir dessen bewusst�, erwiderte Fortuona. �Ihr tut so, als w�rde dieser besondere Kampf hier auf diesem Schlachtfeld die Entscheidung bringen.�</p><p>�Sollte mein Heer vernichtet werden�, sagte Egwene, �bringt das unsere s�mtlichen Anstrengungen in Gefahr. In der Tat k�nnte alles von dem abh�ngen, was hier geschieht.�</p><p>�Ich bin anderer Meinung�, sagte Fortuona. �Eure Truppen sind nicht entscheidend. Sie bestehen aus den Kindern von Eidbrechern. Ihr k�mpft gegen den Schatten, und daf�r gestehe ich Euch Ehre zu. Solltet Ihr verlieren, w�rde ich nach Seanchan zur�ckkehren, die volle Macht des Immer Siegreichen Heeres aufbieten und sie gegen diesen�� Schrecken f�hren. Wir w�rden die Letzte Schlacht trotzdem gewinnen. Ohne Euch w�re es schwieriger, und ich w�rde ungern n�tzliche Leben oder zuk�nftige <emphasis>Damane</emphasis> verschwenden, aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch allein gegen den Schatten bestehen.�</p><p>Sie erwiderte Egwenes Blick.</p><p><emphasis>So kalt,</emphasis> dachte Egwene. <emphasis>Sie blufft. Das kann nicht anders sein.</emphasis> Berichte von Siuans Augen-und-Ohren besagten, dass die Heimat der Seanchaner im Chaos versank. Ein Erbfolgestreit.</p><p>Aber vielleicht glaubte Fortuona wirklich, dass das Kaiserreich allein gegen den Schatten bestehen konnte. Falls dem so war, irrte sie sich.</p><p>�Ihr <emphasis>werdet</emphasis> an unserer Seite k�mpfen�, sagte Egwene streng. �Ihr habt mit Rand diesen Vertrag abgeschlossen, ihm Euren Eid geleistet, wie ich vermute.�</p><p>�Tremalking geh�rt uns.�</p><p>�Tats�chlich? Und habt Ihr dort einen Herrscher eingesetzt? Einen vom Meervolk, der Eure Herrschaft akzeptiert?�</p><p>Fortuona sagte nichts.</p><p>�Ihr habt die Loyalit�t der meisten von Euch eroberten L�nder�, fuhr Egwene fort. �Altaraner und Amadicianer folgen Euch, egal, wie man das bewerten will. Die Taraboner scheinen es auch zu tun. Aber das Meervolk�� Mir liegen keine Berichte vor, dass auch nur ein Einziger von ihnen Euch unterst�tzt oder friedlich unter Eurem Daumen lebt.�</p><p>�Grenzen���</p><p>�Die Grenzen, die Ihr gerade erw�hnt habt, so wie sie auf den Karten stehen, weisen Tremalking als das Land des Meervolks auf. Es geh�rt nicht den Seanchanern. Wenn Euer Vertrag die derzeitigen Grenzen so betrachtet, wie sie im Moment sind, w�rdet Ihr einen Herrscher in Tremalking brauchen, der Euch anerkennt.�</p><p>Es schien ein schwaches Argument zu sein. Die Seanchaner waren Eroberer. Was k�mmerte es sie, ob sie irgendeine Art Legitimit�t vorweisen konnten. Aber Fortuona schien ihre Worte abzuw�gen. Nachdenklich runzelte sie die Stirn.</p><p>�Das�� ist ein gutes Argument�, sagte sie schlie�lich. �Sie haben uns nicht akzeptiert. Es ist dumm von ihnen, den von uns angebotenen Frieden abzulehnen, aber das haben sie in der Tat getan. Also gut, wir verlassen Tremalking, aber ich f�ge unserer Abmachung eine Bedingung zu, so wie Ihr es getan habt.�</p><p>�Was f�r eine Bedingung?�</p><p>�Ihr verk�ndet durch Eure Burg in allen Euren L�ndern�, sagte Fortuona. �Jede <emphasis>Marath�Damane</emphasis>, die nach Ebou Dar kommen und sich an die Leine legen lassen will, wie es sich geh�rt, darf das ungehindert tun.�</p><p>�Ihr glaubt, Frauen <emphasis>wollen</emphasis> an die Leine gelegt werden?� Sie <emphasis>war</emphasis> verr�ckt. Das konnte nicht anders sein.</p><p>�Aber nat�rlich wollen sie das. In Seanchan kommt es gelegentlich vor, dass eine potenzielle Machtlenkerin bei der Suche �bersehen wird. Wenn sie dann entdecken, was sie sind, kommen sie zu uns und verlangen, den Kragen umgelegt zu bekommen, so wie es sich geh�rt. Ihr werdet keine von ihnen zwingen, von uns fernzubleiben, und ihr lasst sie kommen.�</p><p>�Das wird keine wollen, das kann ich Euch versprechen.�</p><p>�Dann sollte es Euch ja auch nicht schwerfallen, diese Proklamation zu verbreiten�, sagte Fortuona. �Wir werden Botschafter ausschicken, die Euer Volk �ber die Vorteile der <emphasis>Damane</emphasis> aufkl�ren�� unsere Lehrer werden friedlich kommen, denn wir werden uns an den Vertrag halten. Ich glaube, Ihr werdet eine �berraschung erleben. Einige werden einsehen, was das Richtige ist.�</p><p>�Macht, was Ihr wollt�, sagte Egwene am�siert. �Brecht keine Gesetze, und ich vermute, dass die meisten Euren Botschaftern Zugang gew�hren. Ich kann nicht f�r jeden Herrscher sprechen.�</p><p>�Was ist mit den L�ndern, die Ihr kontrolliert? Tar Valon? Werdet Ihr unseren Botschaftern den Zugang gew�hren?�</p><p>�Wenn sie keine Gesetze brechen�, sagte Egwene. �Ich werde sie nicht zum Schweigen bringen. Ich w�rde sogar den Wei�m�nteln Zugang gew�hren, wenn sie ihr Anliegen vorbringen k�nnten, ohne einen Aufruhr zu verursachen. Aber beim Licht, Frau. Ihr k�nnt doch nicht allen Ernstes glauben���</p><p>Sie verstummte und musterte die Kaiserin. Sie glaubte es. Soweit es Egwene sagen konnte, glaubte sie es tats�chlich.</p><p><emphasis>Wenigstens ist sie ehrlich,</emphasis> dachte Egwene. <emphasis>Verr�ckt. Verr�ckt, aber ehrlich.</emphasis></p><p>�Und was ist mit den <emphasis>Damane</emphasis>, die Ihr jetzt festhaltet?�, fragte Egwene. �Ihr lasst sie gehen, falls sie freigelassen werden wollen?�</p><p>�Das w�rde keine w�nschen, die richtig ausgebildet ist.�</p><p>�Das muss auf beiden Seiten gleich sein. Was ist mit einem M�dchen, bei dem man die F�higkeit zum Machtlenken entdeckt? Falls sie nicht zur <emphasis>Damane</emphasis> gemacht werden will, lasst Ihr sie Eure L�nder verlassen und zu uns kommen?�</p><p>�Da k�nnte man auch gleich einen w�tenden <emphasis>Grolm</emphasis> auf einem Marktplatz von der Kette lassen.�</p><p>�Ihr habt behauptet, dass die Menschen die Wahrheit erkennen werden. Falls Eure Lebensweise stark und Eure Ideale wahrhaftig sind, dann werden die Menschen sie als das erkennen, was sie sind. Falls nicht, solltet Ihr sie nicht dazu zwingen. Lasst jeden gehen, der frei sein will, und ich lasse Eure Leute in Tar Valon sprechen. Licht! Ich gew�hre ihnen freie Unterkunft und drei Mahlzeiten, und ich werde in jeder Stadt daf�r sorgen!�</p><p>Fortuona musterte Egwene. �Viele unserer <emphasis>Sul�dam</emphasis> sind mit der Erwartung in diesen Krieg gezogen, neue <emphasis>Damane</emphasis> unter denen gefangen zu nehmen, die dem Schatten dienen. Vielleicht wie diese Sharaner. Ihr verlangt von uns, sie oder Eure Schattenschwestern unbehelligt ziehen zu lassen? Um zu zerst�ren und zu morden?�</p><p>�Um unter dem Licht verurteilt und hingerichtet zu werden.�</p><p>�Warum sollen sie sich nicht n�tzlich machen? Warum ihr Leben verschwenden?�</p><p>�Weil das, was Ihr tut, abscheulich ist!�, sagte Egwene verzweifelt. �Das verdienen nicht einmal die Schwarzen Ajah.�</p><p>�Ressourcen sollten nicht so leichtfertig verschwendet werden.�</p><p>�Tats�chlich?� Egwene sch�rzte die Lippen. �Euch ist klar, dass jede Eurer <emphasis>Sul�dam</emphasis>, Eure kostbaren Ausbilder, selbst eine <emphasis>Marath�Damane</emphasis> ist?�</p><p>�Verbreitet nicht solche L�gen!�, fauchte Fortuona.</p><p>�Ach? Sollen wir das �berpr�fen, Fortuona? Ihr sagt, Ihr habt sie selbst ausgebildet. Ich nehme an, Ihr seid eine <emphasis>Sul�dam</emphasis>? Legt Euch den <emphasis>A�dam</emphasis> um den Hals. Ich fordere Euch dazu heraus. Irre ich mich, wird Euch das nicht ber�hren. Habe ich recht, werdet Ihr seiner Macht unterworfen und Euch als <emphasis>Marath�Damane</emphasis> erweisen.�</p><p>Fortuona riss w�tend die Augen auf. Sie hatte s�mtliche Sticheleien ignoriert, dass Egwene sie als Verbrecherin bezeichnet hatte, aber diese Anschuldigung schien sie tief zu verletzen�� also sorgte Egwene daf�r, das Messer noch ein St�ck tiefer zu rammen.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Lasst uns das tun und das wahre Ausma� Eurer Hingabe auf die Probe stellen. Falls Ihr erwiesenerma�en die F�higkeit zum Machtlenken habt, werdet Ihr dann das tun, was andere Eurer Meinung nach tun sollten? Werdet Ihr einen Kragen nehmen und ihn Euch um den Hals legen, Fortuona? Werdet Ihr Euren eigenen Gesetzen gehorchen?�</p><p>�Ich habe ihnen gehorcht�, erwiderte Fortuona kalt. �Ihr seid sehr unwissend. Vielleicht stimmt ja, dass <emphasis>Sul�dam</emphasis> lernen k�nnen, die Macht zu lenken. Aber das ist nicht das Gleiche, wie eine <emphasis>Marath�Damane</emphasis> zu sein�� genauso wenig wie man einen Mann, der eines Tages zum M�rder werden k�nnte, als solchen betrachten kann.�</p><p>�Wir werden ja sehen�, sagte Egwene, �sobald mehr Eurer Untertanen begreifen, welche L�gen man ihnen erz�hlt hat.�</p><p>�Ich werde Euch h�chstpers�nlich brechen�, sagte Fortuona leise. �Eines Tages werden Eure Leute Euch mir ausliefern. Ihr werdet Euch vergessen, und Eure Arroganz wird Euch an unsere Grenzen f�hren. Ich werde warten.�</p><p>�Ich beabsichtige, Jahrhunderte zu leben�, zischte Egwene. �Ich werde zusehen, wie Euer Kaiserreich zerf�llt, Fortuona. Ich werde es freudig verfolgen.� Sie hob einen Finger, um die Frau gegen die Brust zu stupsen, aber Fortuona bewegte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit und packte Egwenes Handgelenk. F�r eine so kleine Person war sie wirklich schnell.</p><p>Reflexartig umarmte Egwene die Quelle. <emphasis>Damane</emphasis> keuchten auf, und das Licht der Einen Macht flammte um sie herum auf.</p><p>Mat dr�ngte sich zwischen Egwene und Fortuona und stie� sie auseinander, legte jeder Frau eine Hand auf die Brust. Instinktiv webte Egwene und wollte die Hand mit einem Strang Luft entfernen. Nat�rlich l�ste er sich auf.</p><p><emphasis>Blut und Asche, das kommt ungelegen!</emphasis> Sie hatte ihn ganz vergessen.</p><p>�Wollen wir h�flich bleiben, meine Damen�, sagte Mat und schaute erst die eine und dann die andere an. �Bringt mich nicht dazu, euch nacheinander �bers Knie zu legen!�</p><p>Egwene starrte ihn b�se an, und Mat erwiderte ihren Blick. Er versuchte ihre Wut von der Kaiserin auf sich zu lenken.</p><p>Egwene starrte auf seine Hand, die in unbehaglicher N�he zu ihren Br�sten lag. Fortuona musterte diese Hand ebenfalls.</p><p>Mat nahm beide H�nde fort, lie� sich dabei aber durchaus Zeit, als w�rde ihn das �berhaupt nicht st�ren. �Die Menschen dieser Welt brauchen euch beide, und sie brauchen euch mit k�hlem Kopf, habt ihr verstanden? Das ist gr��er als jeder Einzelne von uns. Wenn ihr euch bekriegt, gewinnt der Dunkle K�nig, und das ist es dann. Also h�rt auf, euch wie Kinder zu benehmen.�</p><p>�Heute Abend werden wir viel �ber diese Angelegenheit zu besprechen haben, Knotai�, verk�ndete Fortuona.</p><p>�Ich liebe Unterhaltungen�, erwiderte Mat. �Es gibt so viele wundersch�ne Worte. �L�cheln.� Das fand ich eigentlich immer ein h�bsches Wort. Findet Ihr nicht? Oder vielleicht die Worte �Ich verspreche, Egwene nicht auf der Stelle zu t�ten, weil sie mich, die Kaiserin, m�ge ich ewig leben, ber�hren wollte, weil wir sie f�r die n�chsten paar Wochen oder l�nger wirklich verdammt noch mal brauchen.�� Er blickte Fortuona aufmunternd an.</p><p>�Ihr habt ihn wirklich geheiratet?�, fragte Egwene die Kaiserin. �Im Ernst?�</p><p>�Es war ein�� ungew�hnlicher Vorfall�, erwiderte Fortuona. Sie sch�ttelte sich, dann starrte sie Egwene finster an. �Er geh�rt mir, und ich beabsichtige nicht, ihn gehen zu lassen.�</p><p>�Ihr scheint nicht zu der Sorte zu geh�ren, die �berhaupt etwas gehen l�sst, sobald Ihr es in den H�nden habt�, meinte Egwene. �Matrim interessiert mich im Augenblick nicht; Eure Armee aber schon. K�mpft Ihr nun oder nicht?�</p><p>�Ich werde k�mpfen�, sagte Fortuona. �Aber meine Armee untersteht Euch nicht. Euer General soll uns Vorschl�ge schicken. Wir ziehen sie in Betracht. Aber ich kann sehen, dass es Euch schwerfallen wird, die Furt ohne eine gr��ere Zahl Eurer <emphasis>Marath�Damane</emphasis> gegen die Invasoren zu verteidigen. Ich schicke Euch einige meiner <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis>, um Euer Heer zu sch�tzen. Das ist alles, das ich im Augenblick zu tun beabsichtige.� Sie wandte sich ab, um zur�ck zu ihren Untertanen zu gehen. �Kommt, Knotai.�</p><p>�Ich wei� nicht, wie du da hineingeraten bist�, fl�sterte Egwene Mat zu. �Ich will es auch gar nicht wissen. Nach dem Ende der K�mpfe tue ich, was in meiner Macht steht, um dich zu befreien.�</p><p>�Egwene, das ist nett von dir�, erwiderte Mat. �Aber ich schaffe das schon selbst.� Er eilte hinter Fortuona her.</p><p>Das sagte er immer. Sie w�rde eine M�glichkeit finden, ihm zu helfen. Sie sch�ttelte den Kopf und kehrte zu Gawyn zur�ck, der auf sie wartete. Leilwin hatte nicht mitkommen wollen, obwohl Egwene geglaubt hatte, sie w�rde gern ein paar ihrer Landsleute wiedersehen.</p><p>�Wir m�ssen sie auf Arml�nge halten�, sagte Gawyn leise.</p><p>�Einverstanden.�</p><p>�Du willst immer noch an der Seite der Seanchaner k�mpfen, trotz allem, was sie getan haben?�</p><p>�Solange sie die sharanischen Machtlenker besch�ftigen, ja.� Egwene schaute zum Horizont�� in Richtung Rand und dem m�chtigen Kampf, in den er verwickelt sein musste. �Unsere M�glichkeiten sind begrenzt, und unsere Verb�ndeten werden immer weniger, Gawyn. Im Augenblick ist jeder ein Freund, der bereit ist, Trollocs t�ten. So ist das.�</p><empty-line/><p>Die andoranische Linie gab nach, und Trollocs brachen durch, grollende Bestien mit stinkendem Atem, der in der k�hlen Luft zu Nebel erstarrte. Elaynes Hellebardenm�nner stolperten �bereinander, als sie zu entkommen versuchten. Die ersten Tiermenschen ignorierten sie heulend und sprangen �ber sie hinweg, um Platz f�r die n�chsten zu machen, die wie dunkles Blut aus einer Fleischwunde durch die L�cke str�mten.</p><p>Elayne versuchte den letzten Rest Kraft zu sammeln, den sie noch hatte. Sie hatte das Gef�hl, als w�rde <emphasis>Saidar</emphasis> ihr jeden Augenblick entgleiten, aber mittlerweile w�rden die k�mpfenden und sterbenden M�nner auch nicht mehr Kraft als sie haben. Sie alle hatten fast den ganzen Tag lang gek�mpft.</p><p>Irgendwie fand sie die Kraft zu weben und r�stete die ersten paar Trollocs mit Feuerb�llen, d�mmte den Strom durch die Wunde in den menschlichen Linien. Wei�e Schemen folgten, Pfeile von Birgittes Bogen. Bl�kend griffen sich Trollocs an den Hals, wo die Geschosse einschlugen.</p><p>Elayne teilte einen Schlag nach dem anderen vom Pferder�cken aus, klammerte sich mit m�den H�nden am Sattel fest, w�hrend sie unentwegt blinzelte. Ihre Lider waren schwer wie Blei. Tote Tiermenschen st�rzten, als bildeten sie Schorf auf einer Wunde, hinderten die anderen am Durchbruch. Reservetruppen stolperten herbei, nahmen das Gel�nde in Besitz und stie�en die Angreifer zur�ck.</p><p>Elayne atmete aus und schwankte. Licht! Sie f�hlte sich, als h�tte man sie gezwungen, um Caemlyn herumzulaufen und dabei Bleigewichte hinter sich herzuziehen. Sie konnte kaum aufrecht sitzen, geschweige denn die Eine Macht halten. Ihre Sicht verschwamm, wurde noch dunkler. Ihre Ohren rauschten. Dann�� Dunkelheit.</p><p>Zuerst kehrte das H�rverm�gen zur�ck. Fernes Gebr�ll, Klirren. In der Ferne ert�nte ein Horn. Das Heulen des Schattengez�chts. Gelegentlicher Donner der Drachen. <emphasis>Sie feuern nicht mehr so oft,</emphasis> dachte sie. Aludra hatte ihr Feuer zu einem anderen Rhythmus ver�ndert. Bashere w�rde einen Teil der Truppen zur�ckziehen und sie ausruhen lassen. Die Trollocs w�rden kommen, und die Drachen w�rden sie kurze Zeit bombardieren. Wenn die Kreaturen dann angekrochen kamen und die Drachen zu zerst�ren versuchten, w�rde die Kavallerie kommen und sie von den Flanken her zerschmettern.</p><p>Das t�tete eine Menge Trollocs. Das war ihre Aufgabe�� Trollocs t�ten��</p><p><emphasis>Zu langsam,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Zu langsam��</emphasis></p><p>Elayne fand sich auf dem Boden liegend wieder, Birgittes besorgtes Gesicht �ber ihr.</p><p>�O Licht?�, murmelte Elayne. �Bin ich vom Sattel gefallen?�</p><p>�Wir haben dich rechtzeitig aufgefangen�, murmelte Birgitte. �Du bist in unseren Armen zusammengesackt. Komm schon, wir ziehen uns zur�ck.�</p><p>�Ich���</p><p>Birgitte sah sie blo� mit hochgezogener Braue an, wartete auf den Streit.</p><p>Es fiel schwer, ihn mutwillig zu beginnen, wenn man nur wenige Schritte von der Frontlinie entfernt auf dem Boden lag. <emphasis>Saidar</emphasis> war ihr entglitten, und vermutlich h�tte sie es nicht einmal mehr halten k�nnen, wenn ihr Leben davon abgehangen h�tte. �Ja�, sagte sie. �Ich sollte�� nach Bashere sehen.�</p><p>�Sehr klug�, erwiderte Birgitte und bedeutete den Gardistinnen, Elayne aufs Pferd zu helfen. Dann z�gerte sie. �Das hast du gut gemacht, Elayne. Sie wissen, wie sehr du gek�mpft hast. Es war gut, dass sie es gesehen haben.�</p><p>Sie eilten durch die hinteren Linien zur�ck. Die waren nicht sehr gro�; die meisten Soldaten standen im Kampf. Sie mussten siegen, bevor das zweite Trolloc-Heer eintraf, und das bedeutete, dass sie dieser Streitmacht alles entgegenwerfen mussten, was sie hatten.</p><p>Trotzdem �berraschten Elayne die ersch�pften Reserven, die kleine Zahl, die er�brigt werden konnte, sich von der Front zur�ckzuziehen und auszuruhen. Wie lange ging das jetzt?</p><p>Die Wolken hatten den offenen Himmel bedeckt, der sie oft begleitete. Das schien ein schlimmes Zeichen zu sein. �Verflucht sollen diese Wolken sein�, murmelte sie. �Welche Tageszeit haben wir?�</p><p>�Vielleicht zwei Stunden bis Sonnenuntergang�, sagte Birgitte.</p><p>�Licht! Du h�ttest mich schon vor Stunden dazu bringen sollen, ins Lager zur�ckzukehren, Birgitte!�</p><p>Die Frau warf ihr einen b�sen Blick zu, und Elayne erinnerte sich vage an Versuche, genau das zu tun. Nun, sinnlos, sich jetzt deswegen zu streiten. Elayne gewann etwas neue Kraft und zwang sich, kerzengerade im Sattel zu sitzen, als sie in das kleine Tal zwischen den H�geln in der N�he von Cairhien kamen, wo Bashere Befehle f�r die Schlacht gab.</p><p>Sie ritt direkt zum Kommandoposten, denn sie vertraute ihren Beinen nicht, sie zu tragen. Sie blieb im Sattel sitzen, als sie Bashere ansprach. �Funktioniert es?�</p><p>Er sah zu ihr hoch. �Ich nehme an, ich kann nicht l�nger auf Euch an der Front z�hlen?�</p><p>�Im Moment bin ich zu schwach zum Machtlenken. Es tut mir leid.�</p><p>�Ihr habt l�nger durchgehalten, als Ihr solltet.� Er notierte etwas auf seiner Karte. �Gut. Ich glaube fast, Ihr allein habt die �stliche Flanke vor dem Zusammenbruch bewahrt. Ich muss mehr Unterst�tzung dorthin schicken.�</p><p>�<emphasis>Funktioniert</emphasis> es?�</p><p>�Seht selbst.� Bashere nickte in Richtung H�gel.</p><p>Elayne knirschte mit den Z�hnen, trieb aber Mondschatten nach oben, wo sie einen Aussichtspunkt finden konnte. Sie hob ihr Fernrohr mit Fingern, die viel mehr zitterten, als ihr gefiel.</p><p>Der Gegner hatte ihre gekr�mmte Verteidigungslinie getroffen. Dann war die Infanterie zur�ckgefallen, und die Kr�mmung hatte sich umgedreht und nach vorn gebogen, als die Ungeheuer vorw�rtsdr�ngten. Das hatte dem Schattengez�cht das Gef�hl gegeben, einen Vorteil zu erringen, und darum hatte es die Wahrheit nicht erkannt.</p><p>Denn w�hrend der Feind nach vorn stie�, hatten sich die Infanterielinien um seine Seiten geschoben. Elayne hatte den wichtigsten Augenblick verpasst, als Bashere den Aiel den Angriffsbefehl gegeben hatte. Ihr schnelles Umgehungsman�ver, um die Trollocs von hinten zu treffen, hatte wie gehofft funktioniert.</p><p>Elaynes Streitkr�fte hatten das Schattengez�cht umzingelt. Ein gewaltiger Kreis aus sich wild wehrenden Kreaturen k�mpfte gegen das Heer, das sie jetzt umgab und sie immer st�rker zusammendr�ngte, um Man�ver und Kampfverm�gen des Feindes einzuschr�nken.</p><p>Es funktionierte. Licht, es funktionierte tats�chlich! Die Aiel schlugen auf die hinteren Flanken der Trollocs ein und metzelten sie nieder. Die Schlinge war zugezogen.</p><p>Wer von ihnen blies diese H�rner? Das waren doch Trolloc-H�rner.</p><p>Elayne suchte das Schattengez�cht ab, konnte die Hornbl�ser aber nicht ausmachen. In der N�he der Aiel entdeckte sie ein paar tote Myrddraal. Einer von Aludras Drachen ��auf seinem Karren befestigt und von zwei Pferden gezogen�� war bei den Reitern der Bande. Sie hatten die Karren auf verschiedenen H�geln aufgestellt, um nach unten in die Trollocs feuern zu k�nnen.</p><p>�Elayne���, sagte Birgitte.</p><p>�Oh, tut mir leid�, erwiderte Elayne, senkte das Fernrohr und hielt es ihrer Beh�terin hin. �Sieh es dir selbst an. Es l�uft gut.�</p><p>�Elayne!�</p><p>�berrascht erkannte sie, wie besorgt die Beh�terin war. Elayne fuhr herum und folgte dem Blick der Frau nach S�den jenseits der Stadtmauern. Der H�rnerschall�� er hatte so leise geklungen. Ihr war gar nicht bewusst gewesen, dass er von hinten kam.</p><p>�O nein��� Elayne riss das Fernrohr hoch.</p><p>Wie schwarzer Unrat erschien das zweite Trolloc-Heer am Horizont.</p><p>�Hat Bashere nicht gesagt, dass sie vor Morgen nicht hier sein k�nnen?�, fragte Birgitte. �Fr�hestens?�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, erwiderte Elayne. �Sie sind hier, warum auch immer. Wir m�ssen daf�r sorgen, dass diese Drachen in die andere Richtung zeigen! �berbring Talmanes den Befehl, und finde Lord Tam al�Thor! Ich will die M�nner von den Zwei Fl�ssen bewaffnet und bereit. Licht! Auch die Armbrustm�nner. Wir m�ssen dieses zweite Heer auf jede nur erdenkliche Weise aufhalten.�</p><p><emphasis>Bashere,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Ich muss Bashere Bescheid geben.</emphasis></p><p>Sie zog Mondschatten herum und bewegte sich so schnell, dass ihr schwindlig wurde. Sie versuchte die Quelle zu umarmen, aber die wollte nicht kommen. Sie war so m�de, dass es ihr schwerfiel, die Z�gel zu halten.</p><p>Irgendwie schaffte sie es den H�gel hinunter, ohne vom Pferd zu fallen. Birgitte war zur�ckgeblieben, um ihre Befehle weiterzuleiten. Gute Frau. Elayne ritt ins Lager und platzte in einen Streit hinein.</p><p>���h�re ich mir nicht an!�, br�llte Bashere. �Ich lasse mich nicht in meinem eigenen Lager beleidigen, Mann!�</p><p>Das Objekt seines Zorns war kein anderer als Tam al�Thor. Der ruhige Mann von den Zwei Fl�ssen erblickte Elayne und schien �berrascht zu sein, sie hier zu sehen.</p><p>�Euer Majest�t�, sagte er. �Man hat mir gesagt, Ihr w�rt noch drau�en auf dem Schlachtfeld.� Er sah Bashere an, der rot anlief.</p><p>�Ich wollte nicht, dass Ihr mit diesem Unsinn���</p><p>�Genug!� Elayne lenkte Mondschatten zwischen die beiden. Warum stritt sich ausgerechnet Tam vor allen Leuten mit Bashere? �Bashere, das zweite Trolloc-Heer ist fast da.�</p><p>�Ja�, sagte Bashere und holte tief Luft. �Ich habe es eben erfahren. Licht, das ist eine Katastrophe, Elayne. Wir m�ssen uns durch Wegetore zur�ckziehen.�</p><p>�Unser Gewaltmarsch hat die Kusinen ersch�pft�, erwiderte Elayne. �Die meisten k�nnen gerade noch genug Macht lenken, um eine Tasse Tee warm zu machen, aber kein Wegetor weben.� <emphasis>Licht, und ich k�nnte nicht einmal diesen Tee erhitzen.</emphasis> Sie zwang sich, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten. �Das war Teil des Plans.�</p><p>�Ich�� das stimmt�, sagte Bashere. Er betrachtete die Karte. �Lasst mich nachdenken. Die Stadt. Wir ziehen uns in die Stadt zur�ck.�</p><p>�Und dem Schattengez�cht die Zeit geben, sich auszuruhen, um sich zu sammeln und uns anzugreifen? Vermutlich wollen sie uns doch gerade dazu zwingen.�</p><p>�Ich sehe keinen anderen Ausweg�, erwiderte der General. �Die Stadt ist unsere einzige Hoffnung.�</p><p>�Die Stadt?�, rief Talmanes aus, der keuchend herbeieilte. �Ihr k�nnt doch unm�glich davon sprechen, uns in die Stadt zur�ckzuziehen!�</p><p>�Warum nicht?�, wollte Elayne wissen.</p><p>�Euer Majest�t, es ist unserer Infanterie gerade gelungen, ein Trolloc-Heer einzukesseln! Sie k�mpfen mit Klauen und Z�hnen! Wir haben keine Reserven mehr, und unsere Kavallerie ist ersch�pft. Es wird uns niemals gelingen, uns ohne schwerste Verluste von diesem Kampf zu l�sen. Und dann w�ren unsere �berlebenden in dieser Stadt zwischen zwei Heeren des Schattens gefangen.�</p><p>�Licht�, fl�sterte Elayne. �Als h�tten sie das geplant.�</p><p>�Ich glaube, das haben sie�, sagte Tam leise.</p><p>�Nicht das schon wieder�, br�llte Bashere. Er schien nicht er selbst zu sein, auch wenn ihr klar war, dass Saldaeaner sehr temperamentvoll sein konnten. Bashere erschien beinahe wie ein anderer Mensch. Seine Frau trat mit verschr�nkten Armen an seine Seite, und sie sahen beide Tam finster an.</p><p>�Sprecht, Tam�, sagte Elayne.</p><p>�Ich���, fing Bashere an, aber Elayne hob die Hand.</p><p>�Er wusste es, Euer Majest�t�, sagte Tam leise. �Nur so ergibt das einen Sinn. Er hat die Aiel gar nicht als Kundschafter losgeschickt.�</p><p>�Was?�, sagte Elayne. �Aber nat�rlich hat er das. Ich habe doch die Berichte der Kundschafter gelesen.�</p><p>�Diese Berichte sind gef�lscht oder zumindest unvollst�ndig�, sagte Tam. �Ich sprach mit Bael. Er sagte, dass in den letzten paar Tagen unseres Marsches keine seiner Aiel als Kundschafter ausgeschickt wurden. Er glaubte, meine M�nner h�tten das erledigt, aber das haben sie nicht. Ich sprach mit Arganda, der glaubte, die Wei�m�ntel h�tten das �bernommen, aber Galad behauptete, die Bande h�tte es getan.�</p><p>�Wir waren das nicht�, sagte Talmanes stirnrunzelnd. �Keiner meiner M�nner wurde als Kundschafter losgeschickt.�</p><p>Alle Augen wandten sich Bashere zu.</p><p>�Wer�, sagte Elayne, �hat unsere Nachhut im Auge behalten, Bashere?�</p><p>�Ich��� Er schaute auf, und sein Zorn flammte wieder auf. �Ich habe die Berichte irgendwo. Ich habe sie Euch gezeigt, und Ihr habt sie abgesegnet!�</p><p>�Es ist alles zu perfekt�, sagte Elayne. Ein pl�tzliches Fr�steln �berfiel sie, direkt zwischen den Schulterbl�ttern. Es breitete sich durch ihren ganzen K�rper aus, ein eiskalter Wind, der durch ihre Adern fuhr. Man hatte sie auf bewundernswerte Weise in die Falle gelockt. Die Machtlenker waren ersch�pft worden, die Soldaten waren in Nahk�mpfe verstrickt, ein zweites Heer traf einen Tag fr�her ein, als die gef�lschten Berichte vorausgesagt hatten��</p><p>Davram Bashere war ein Schattenfreund.</p><p>�Bashere ist von seinen Pflichten entbunden�, befahl sie.</p><p>�Aber���, stammelte er. Seine Frau legte ihm die Hand auf den Arm und sah Elayne mit Feuer im Blick an. Bashere richtete den Finger auf Tam. �Ich habe die M�nner von den Zwei Fl�ssen geschickt! Tam al�Thor muss der Schuldige sein! Er will Euch verwirren, Euer Majest�t!�</p><p>�Talmanes�, sagte Elayne. Ihr war kalt bis auf die Knochen. �F�nf Rotwaffen sollen Lord Bashere und seine Frau unter Arrest stellen.�</p><p>Bashere stie� eine Reihe von Fl�chen aus. Es �berraschte Elayne, wie ruhig sie war. Ihre Gef�hle waren abget�tet. Sie sah zu, wie man ihn wegzerrte.</p><p>F�r so etwas hatten sie keine Zeit. �Versammelt die Kommandanten�, sagte sie zu den anderen. �Galad, Arganda�� gebt dem Trolloc-Heer im Norden der Stadt den Rest! Sagt es den M�nnern. Wir m�ssen alles, was uns zur Verf�gung steht, in diese Schlacht werfen! Wenn wir diese Trollocs nicht innerhalb der n�chsten Stunde vernichten k�nnen, sterben wir hier!</p><p>Talmanes, diese Drachen k�nnen jetzt nicht mehr viel gegen die Tiermenschen ausrichten, wo sie eingekesselt sind�� Ihr riskiert, unsere Leute zu treffen. Aludra soll alle Drachen auf den h�chsten H�gel schaffen, um den neuen Feind zu bombardieren, der aus dem S�den anr�ckt. Sagt den Ogiern, sie sollen einen Kordon um den H�gel mit den Drachen bilden; wir d�rfen nicht zulassen, dass man sie zerst�rt. Tam, bringt Eure Bogensch�tzen auf die anderen H�gel. Und die Legion des Drachen soll sich als Frontlinie aufstellen, die Armbrustm�nner vorn, die schwere Kavallerie dahinter. Wenn es das Licht will, wird uns das genug Zeit erkaufen, um die eingekesselten Trollocs zu erledigen.�</p><p>Es w�rde knapp werden. Licht! Wenn dieses zweite Heer ihre M�nner einkreiste��</p><p>Elayne holte tief Luft, dann �ffnete sie sich <emphasis>Saidar</emphasis>. Die Eine Macht flutete in sie hinein, obwohl sie blo� ein Rinnsal halten konnte. Sie konnte so tun, als w�re sie nicht ersch�pft, aber ihr K�rper kannte die Wahrheit.</p><p>Sie w�rde sie trotzdem anf�hren.</p></section><section><title><p>27</p><p>Beschuss aus den eigenen Reihen</p></title><p>Gareth Bryne schritt durch das Lager, das er auf der arafelischen Seite mehrere Hundert Schritte von der kandorischen Grenze �stlich der Furt aufgebaut hatte, und ignorierte Soldaten, die ihm salutieren wollten. Siuan eilte neben ihm her, auf der anderen Seite �bergaben Boten Berichte. Ihnen folgte ein Schwarm aus W�chtern und Dienern, die Karten, Tinte und Papier trugen.</p><p>Der ganze verfluchte Ort erzitterte von den Explosionen der Macht. Schrecklicher L�rm und Unheil�� als bef�nde man sich mitten in einem Bergsturz.</p><p>Der Rauchgestank st�rte ihn nicht l�nger. Er durchdrang alles. Wenigstens hatte man einige Feuer l�schen k�nnen; diese seanchanischen Machtlenkerinnen hatten sich am Fluss formiert und lenkten Wasserstr�me.</p><p>Ein Gestell mit Stangenwaffen kippte l�rmend zu Boden, als ein Gewebe der Einen Macht einschlug. Bryne stolperte, Erde spr�hte ihm und Siuan entgegen. Steinchen prasselten gegen seinen Helm und Harnisch.</p><p>�Redet weiter, Mann�, fauchte er Holcom an, den Boten.</p><p>��h, ja, mein Lord.� Der d�rre Mann hatte ein Pferdegesicht. �Die Aes Sedai auf den H�geln Rot, Gr�n und Blau halten alle stand. Die Grauen sind zur�ckgefallen, und die Wei�en berichten, dass sie die Kr�fte verlassen.�</p><p>�Die anderen Aes Sedai werden ebenfalls m�de�, sagte Siuan. �Ich bin nicht �berrascht, dass die Wei�en das als Erste zugeben. F�r sie ist das nichts, weswegen man sich sch�men muss, sondern lediglich eine weitere Tatsache.�</p><p>Bryne grunzte und ignorierte den n�chsten Erdregen, der auf sie niederging. Er musste in Bewegung bleiben. Der Schatten hatte jetzt zu viele Wegetore. Sie w�rden versuchen, bei seinem Kommandoposten zuzuschlagen. Das w�rde jedenfalls er an ihrer Stelle tun. Dieser Strategie begegnete man am besten dadurch, keinen Kommandoposten zu haben, zumindest keinen, der leicht zu finden war.</p><p>Zog man alles in Betracht, verlief die Schlacht nach Plan. Manchmal war das eine �berraschung, wenn das auf einem Schlachtfeld geschah, auf dem man eigentlich damit rechnete, bei jeder Wendung mit seiner Taktik wieder von vorn anfangen zu m�ssen�� aber dieses eine Mal war alles glattgegangen.</p><p>Von den H�geln s�dlich der Furt schlugen Aes Sedai auf die Sharaner ein, unterst�tzt von einem stetigen Geschosshagel von Bogensch�tzen, die unter ihnen auf den H�ngen stationiert waren. Aus diesem Grund konnte der Befehlshaber des Schattens�� Demandred pers�nlich�� seine Truppen nicht gegen die Verteidiger am Fluss konzentrieren. Er konnte seine Truppen auch nicht gegen die Aes Sedai einsetzen�� sie w�rden ihnen einfach durch Reisen aus dem Weg gehen��, also w�rde er sich nur Bl��en geben, wenn er sie dort mit aller Kraft vorr�cken lie�, und nur wenig erreichen. Stattdessen hatte er seine Streitkr�fte geteilt und die Trollocs von seiner rechten Flanke aus zu den H�geln geschickt. Sie w�rden schwere Verluste erleiden, aber er w�rde die Aes Sedai bedr�ngen. Die Sharaner brachte er nach vorn, um die Masse der Truppen der Wei�en Burg am Fluss in einen Kampf zu verwickeln.</p><p>Die Seanchaner beanspruchten den gr��ten Teil der Aufmerksamkeit der feindlichen Machtlenker. Trotzdem hielt das einige der Sharaner nicht davon ab, Feuer quer �ber den Fluss auf Brynes Lager zu schleudern. Es war sinnlos, sich vor einem m�glichen Treffer zu f�rchten. Hier war er genauso sicher wie an jedem anderen Ort, es sei denn, er h�tte sich in die Wei�e Burg zur�ckgezogen. Die Vorstellung konnte er nicht ertragen, irgendwo in Sicherheit in einem Raum zu sitzen, Meilen vom Schlachtfeld entfernt.</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte er. <emphasis>So werden Befehlshaber vermutlich in der Zukunft arbeiten. Eine sichere Kommandoposition, die allein durch Wegetore zu erreichen ist.</emphasis> Aber ein General musste die Str�mungen eines Schlachtfeldes f�hlen. Das konnte er nicht, wenn er meilenweit entfernt war.</p><p>�Wie kommen die Pikenm�nner auf den H�geln voran?�, wollte er wissen.</p><p>�Sehr gut, mein Lord�, sagte Holcom. �So gut, wie es zu erwarten ist, wenn man stundenlang die Trollocs abgewehrt hat.� Auf jedem H�gel hatte Bryne auf halber H�he Verteidigungslinien aus Pikenhaufen aufgebaut; jeder Trolloc, der es schaffte, diesen Kordon zu durchbrechen, konnte von den Bogensch�tzen in der H�he erschossen werden, ohne dass die Arbeit der Aes Sedai oben auf dem Kamm gest�rt werden musste. �Aber die Piken, die die Roten Ajah auf dem mittleren H�gel verteidigen, brauchen bald Verst�rkung; beim letzten Sturmangriff haben sie viele M�nner verloren.�</p><p>�Sie m�ssen noch eine Weile durchhalten. Die Roten sind b�sartig genug, um sich um jeden Trolloc zu k�mmern, der die Pikenformation durchbricht.� Zumindest hoffte er das. Eine Explosion zerst�rte ein Zelt in der N�he. �Was ist mit den Bogensch�tzenschwadronen dort oben?� Bryne trat eine Hellebarde aus dem Weg.</p><p>�Einige haben nur noch wenige Pfeile, mein Lord.�</p><p>Nun, da konnte er nicht viel tun. Er blickte zur Furt, aber dort herrschte Verwirrung. Es widerte ihn an, so nahe am Kampf zu sein und trotzdem nicht zu wissen, wie es um seine Truppen stand.</p><p>�Wei� jemand Genaueres dar�ber, was an der Furt passiert?�, br�llte er und wandte sich seinen Adjutanten zu. �Ich kann da nichts erkennen, blo� eine Masse K�rper und diese Feuerb�lle, die hin und her fliegen und uns alle blenden!�</p><p>Holcom erbleichte. �Diese seanchanischen Frauen lenken die Macht, als steckte ihnen ein gl�hend hei�es Eisen�� ich meine, sie machen es den Sharanern sehr schwer, mein Lord. Unsere linke Flanke hat viele Verluste erlitten, aber jetzt scheint sie sich bewundernswert zu wehren.�</p><p>�Habe ich dort nicht Joni den Befehl �ber die Lanzenreiter �bergeben?�</p><p>�Hauptmann Shagrin ist tot, mein Lord�, meldete ein anderer Bote und trat vor. Er hatte einen frischen Schnitt auf dem Kopf. �Ich komme gerade von dort.�</p><p><emphasis>Verflucht!</emphasis> Nun, Joni hatte immer in der Schlacht fallen wollen. Bryne lie� sich seinen Kummer nicht anmerken. �Wer befiehlt dort jetzt?�</p><p>�Uno Nomesta�, sagte der Bote. �Als Joni fiel, hielt er uns zusammen, aber er schickt die Warnung, dass sie schwer bedr�ngt werden.�</p><p>�Beim Licht, Nomesta ist nicht einmal Offizier!� Trotzdem hatte er seit Jahren schwere Kavallerie ausgebildet, und vermutlich gab es keinen besseren Mann im Sattel als ihn. �Also gut, geht zur�ck und sagt ihm, dass ich ihm Verst�rkung schicke.�</p><p>Bryne wandte sich wieder Holcom zu. �Geht zu Hauptmann Denhold und lasst ihn seine Reserveschwadron Kavallerie �ber die Furt schicken, um unsere linke Flanke zu st�rken. Wollen wir mal sehen, was diese Illianer tun k�nnen! Wir d�rfen diesen Fluss nicht verlieren!�</p><p>Die Boten eilten los. <emphasis>Ich muss etwas unternehmen, um diese Aes Sedai zu entlasten.</emphasis> Er br�llte: �Annah, wo steckt Ihr?�</p><p>Zwei Soldaten, die sich in der N�he unterhielten, wurden zur Seite gesto�en, als eine st�mmige junge Frau ��eine ehemalige Karawanenw�chterin und jetzt Fu�soldatin und Botin f�r General Bryne�� sich ihren Weg bahnte. �Mein Lord?�</p><p>�Annah, geht und bittet dieses kaiserliche Ungeheuer von seanchanischer Anf�hrerin, ob sie wohl so freundlich w�re, uns ein paar ihrer verdammten Kavalleristen auszuborgen.�</p><p>�In genau diesen Worten?�, fragte Annah und salutierte mit einem L�cheln auf den Lippen.</p><p>�Wenn Ihr das tut, M�dchen, werfe ich Euch �ber eine Klippe und lasse Yukiri Sedai ein paar ihrer neuen Sturzgewebe an Euch ausprobieren. Geht!�</p><p>Die Botin grinste, dann rannte sie in Richtung Reisegel�nde.</p><p>Siuan musterte ihn. �Du wirst m�rrisch.�</p><p>�Du hast einen guten Einfluss auf mich�, fauchte er und blickte auf, als ein Schatten �ber sie hinwegflog. Er griff nach dem Schwert, erwartete einen neuen Schwarm Draghkar zu sehen. Stattdessen war es nur eine dieser fliegenden Bestien aus Seanchan. Ein Feuerball fegte die Kreatur vom Himmel. Sie wirbelte um die eigene Achse, schlug mit den brennenden Fl�geln. Bryne fluchte und sprang zur�ck, als das monstr�se Tier direkt ein St�ck voraus auf dem Weg aufschlug, wo die Botin Annah lief. Der Tierkadaver rollte �ber sie hinweg und krachte in eines der Nachschubzelte, das mit Soldaten und Quartiermeistern gef�llt war. Der Reiter des <emphasis>Raken</emphasis> schlug einen Augenblick sp�ter auf dem Boden auf.</p><p>Bryne fasste sich und sprang vor, duckte sich in die Masse aus Zelttuch und Stangen, die den Weg bedeckte. Zwei seiner Leibw�chter fanden einen Soldaten, der zur H�lfte unter dem Fl�gel der toten Kreatur begraben lag, und zogen ihn heraus. Siuan kniete nieder und holte ihr <emphasis>Angreal</emphasis> aus dem Beutel, um ihn zu Heilen.</p><p>Bryne begab sich zu der gest�rzten Annah. Die tote Bestie hatte sie zerquetscht, als sie �ber sie gerollt war. �Verflucht!� Er verdr�ngte jeden Gedanken an die Tote, um zu entscheiden, was er jetzt machen sollte. �Ich brauche jemanden, der zu den Seanchanern geht!�</p><p>Von seinem Gefolge waren nur noch zwei W�chter und ein Sekret�r im Lager. Er brauchte die Seanchaner, um mehr Kavalleristen zu bekommen; ihn beschlich das Gef�hl, dass eine Menge davon abh�ngen w�rde, die Aes Sedai auf den H�geln zu besch�tzen. Schlie�lich war die Amyrlin dort oben bei ihnen.</p><p>�Anscheinend m�ssen wir selbst gehen�, sagte er und wandte sich von Annahs Leiche ab. �Siuan, bist du stark genug, um mit diesem <emphasis>Angreal</emphasis> ein Wegetor zu weben?�</p><p>Sie erhob sich und verbarg ihre Ersch�pfung, aber er konnte sie sehen. �Das kann ich, aber es wird so klein sein, dass wir durchkriechen m�ssen. Ich kenne diese Gegend nicht gut genug. Wir m�ssen zur�ck in die Lagermitte.�</p><p>�Verdammt!�, sagte Bryne und drehte sich um, als eine Reihe von Explosionen vom Fluss ert�nte. �Daf�r haben wir keine Zeit.�</p><p>�Ich kann gehen und noch ein paar Boten besorgen�, sagte ein Leibw�chter. Der andere half dem Soldaten, den Siuan Geheilt hatte. Der Mann stand auf wackeligen Beinen.</p><p>�Ich wei� nicht, ob es noch Boten gibt�, sagte Bryne. �Gehen wir���</p><p>�Ich gehe.�</p><p>Ganz in der N�he stand Min Farshaw vom Boden auf und staubte sich ab. Bryne hatte ganz vergessen, dass er sie einem der Nachschubregimenter als Sekret�rin zugeteilt hatte.</p><p>�Sieht nicht so aus, als w�rde ich in der n�chsten Zukunft hier irgendwelche Listen f�hren�, sagte Min und betrachtete das eingest�rzte Zelt. �Ich kann genauso schnell laufen wie Eure Boten. Was soll ich tun?�</p><p>�Findet die seanchanische Kaiserin�, sagte Bryne. �Ihr Lager ist ein paar Meilen n�rdlich von hier auf der arafelischen Seite. Geht zum Reisegel�nde, dort wird man wissen, wo man Euch hinschicken muss. Sagt der Kaiserin, dass sie mir Kavallerie schicken muss. Unsere Reserven sind ersch�pft.�</p><p>�Ich erledige das�, versicherte Min.</p><p>Sie war keine Soldatin. Nun, manchmal hatte es den Anschein, als w�re die H�lfte seiner Armee vor wenigen Wochen noch keine Soldaten gewesen. �Geht�, sagte er, dann l�chelte er. �Die heutigen Arbeitsstunden ziehe ich von denen ab, die Ihr mir noch schuldet.�</p><p>Sie err�tete. Hatte sie etwa geglaubt, er w�rde eine Frau ihren Eid vergessen lassen? Es war ihm egal, in welchen Kreisen sie sich bewegte. Ein Eid war ein Eid.</p><empty-line/><p>Min rannte durch die hinteren Reihen des Heeres. Das Lager hatte neue Zelte und Karren aus den Nachschublagern in Tar Valon oder Tear bekommen, um jene zu ersetzen, die w�hrend des ersten Angriffs der Sharaner zerst�rt worden waren. Sie erwiesen sich als Hindernisse, die sie auf dem Weg zum Reisegel�nde umgehen musste.</p><p>Das Gel�nde bestand aus einer Reihe mit Seilen abgesperrter Rechtecke, auf deren Boden man nummerierte Bretter ausgelegt hatte. Vier Frauen mit grauen Stolen unterhielten sich mit ged�mpften Stimmen, w�hrend eine von ihnen ein Wegetor f�r einen mit Pfeilen beladenen Nachschubkarren aufhielt. Die stumpfsinnigen Ochsen schauten nicht einmal auf, als ein kometen�hnlicher Feuerball in der N�he einschlug und gl�hende rote Steine in die Luft und auf einen Stapel Bettrollen schleuderte, die sofort zu qualmen anfingen.</p><p>�Ich muss zur seanchanischen Armee�, sagte Min zu den Grauen. �Befehl von Lord Bryne.�</p><p>Eine der Grauen Schwestern, Ashmanaille, sah sie an. Sie registrierte Mins Hosen und Locken, dann runzelte sie die Stirn. �Elmindreda? S��e, was macht Ihr denn hier?�</p><p>�S��e?�, fragte eine der anderen. �Sie ist doch eine der Sekret�rinnen, nicht wahr?�</p><p>�Ich muss zur seanchanischen Armee�, wiederholte Min und keuchte von ihrem Lauf. �Befehl von Lord Bryne.�</p><p>Dieses Mal schienen sie sie geh�rt zu haben. Eine der Frauen seufzte. �Platz vier?�, fragte sie.</p><p>�Drei, meine Liebe�, sagte Ashmanaille. �Auf vier m�sste sich jetzt jeden Augenblick ein Tor aus Illian �ffnen.�</p><p>�Drei�, sagte die erste Schwester und winkte Min her�ber. Ein kleines Wegetor zerschnitt die Luft. �Alle Boten kriechen�, bemerkte sie. �Wir m�ssen unsere Kr�fte einteilen; die Wegetore werden so klein wie m�glich gewebt.�</p><p><emphasis>Ist das vern�nftig?,</emphasis> dachte Min �rgerlich und lief zu dem kleinen Loch. Sie lie� sich auf H�nde und Knie fallen und kroch hinein.</p><p>Sie kam auf einen Kreis aus Gras, das man verbrannt hatte, um die Stelle zu markieren. In der N�he standen zwei seanchanische W�chter mit quastenverzierten Speeren, deren Gesichter unter insektenhaften Helmen verborgen lagen. Min stand auf und setzte sich in Bewegung, aber einer der M�nner hob die Hand.</p><p>�Ich bin eine Botin von General Bryne�, sagte sie.</p><p>�Neue Boten warten hier�, sagte einer der W�chter.</p><p>�Es ist dringend!�</p><p>�Neue Boten warten hier.�</p><p>Eine weitere Erkl�rung erhielt sie nicht, also trat sie aus dem schwarzen Kreis�� f�r den Fall, dass ein weiteres Wegetor ge�ffnet wurde��, verschr�nkte die Arme und wartete. Von hier aus konnte sie den Fluss sehen; an seinem Ufer erstreckte sich ein gro�es Milit�rlager. <emphasis>Die Seanchaner werden in dieser Schlacht einen gro�en Unterschied machen. Es sind so viele.</emphasis> Hier war sie weit vom Kampf entfernt, ein paar Meilen n�rdlich von Brynes Lager, aber immer noch nahe genug, um die Lichtblitze sehen zu k�nnen, wenn die Machtlenker t�dliche Gewebe schleuderten.</p><p>Sie ertappte sich dabei, wie sie unruhig wurde, also zwang sie sich dazu, still dazustehen. Die Explosionen des Machtlenkens klangen wie dumpfe Schl�ge. Sie ert�nten nach den Blitzen. Als w�rde es bei einem Gewitter nach den Blitzeinschl�gen donnern. Warum nur?</p><p><emphasis>Eigentlich ist das nicht wichtig.</emphasis> Sie brauchte Kavallerie f�r Bryne. Wenigstens tat sie etwas. Die vergangene Woche hatte sie �berall angepackt, wo man Hilfe brauchte. Es war �berraschend, wie viel es in einem Kriegslager abgesehen vom Kampf zu tun gab. Die Arbeit war nicht speziell f�r sie gedacht gewesen, aber es war immer noch besser, als in Tear zu sitzen und sich um Rand zu sorgen�� oder auf ihn w�tend zu sein, weil er ihr verboten hatte, nach Shayol Ghul zu gehen.</p><p><emphasis>Du w�rst dort nur eine Belastung gewesen,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Und das wei�t du auch.</emphasis> Er konnte nicht zugleich die Welt retten und sie vor den Verlorenen besch�tzen. Manchmal fiel es schwer, sich in einer Welt der Machtlenker wie Rand, Elayne und Aviendha nicht bedeutungslos vorzukommen.</p><p>Sie betrachtete die W�chter. Bei einem schwebte ein Bild �ber seinem Kopf. Ein blutiger Stein. Er w�rde von einem hohen Felsen st�rzen und sterben. Es schien Jahrzehnte her zu sein, dass sie das letzte Mal etwas Hoffnungsfrohes �ber jemandes Kopf gesehen hatte. Tod, Zerst�rung, Symbole der Furcht und der Dunkelheit.</p><p>�Und wer ist sie?�, fragte eine mit einem starken seanchanischen Akzent behaftete Stimme. Eine <emphasis>Sul�dam</emphasis> war gekommen, eine ohne <emphasis>Damane</emphasis>. Die Frau hielt einen <emphasis>A�dam</emphasis> und klopfte den Silberkragen gegen die andere Hand.</p><p>�Neue Botin�, sagte der W�chter. �Sie ist noch nie durch das Wegetor gekommen.�</p><p>Min holte tief Luft. �Mich schickt General Bryne���</p><p>�Es war vereinbart, dass er s�mtliche Boten mit uns abspricht�, sagte die <emphasis>Sul�dam</emphasis>. Sie hatte schwarze Haut und Locken, die ihr bis zu den Schultern fielen. �Die Kaiserin ��m�ge sie ewig leben�� muss besch�tzt werden. In unserem Lager herrscht Ordnung. Jeder Bote wird �berpr�ft, keine Gelegenheit f�r Attent�ter.�</p><p>�Ich bin keine Attent�terin�, sagte Min.</p><p>�Und die Messer in Euren �rmeln?�, fragte die <emphasis>Sul�dam</emphasis>.</p><p>Min zuckte zusammen.</p><p>�So wie Eure Manschetten fallen, ist das offensichtlich, Kind�, behauptete die <emphasis>Sul�dam</emphasis>, die kaum �lter als Min war.</p><p>�Eine Frau w�re eine N�rrin, sich ohne Waffe auf einem Schlachtfeld aufzuhalten�, sagte Min. �Lasst mich meine Botschaft einem der Gener�le �berbringen. Die andere Botin wurde get�tet, als einer eurer <emphasis>Raken</emphasis> getroffen wurde und aus dem Himmel auf unser Lager st�rzte.�</p><p>Die <emphasis>Sul�dam</emphasis> hob eine Braue. �Ich bin Catrona�, sagte sie. �Und Ihr werdet genau das tun, was ich sage, solange Ihr im Lager seid.� Sie drehte sich um und bedeutete Min, ihr zu folgen.</p><p>Dankbar eilte Min hinter der Frau her. Das seanchanische Lager unterschied sich sehr von Brynes. Sie �berbrachten Botschaften und Berichte mit fliegenden <emphasis>Raken</emphasis>, ganz davon zu schweigen, dass sie eine Kaiserin besch�tzen mussten. Sie hatten ihr Lager weit von den Kampfhandlungen entfernt aufgeschlagen. Es sah auch viel ordentlicher als Brynes Lager aus, das fast zerst�rt und neu aufgebaut worden war und in dem sich Menschen aus vielen verschiedenen L�ndern und mit unterschiedlicher milit�rischer Erfahrung aufhielten. Das seanchanische Lager war disziplinierter und mit gedrillten Soldaten gef�llt.</p><p>Zumindest interpretierte Min die Ordnung so. Schweigend standen Soldaten zu Reihen formiert und warteten auf den Einsatzbefehl. Teile des Lagers waren mit Pfosten und Seilen markiert, alles war streng organisiert. Niemand eilte umher. M�nner gingen zielbewusst oder warteten ab. Man konnte die Seanchaner ja in vielem kritisieren�� und Min h�tte einiges zu <emphasis>dieser</emphasis> Unterhaltung beitragen k�nnen��, aber organisieren konnten sie.</p><p>Die <emphasis>Sul�dam</emphasis> f�hrte Min zu einer Stelle, wo mehrere M�nner an Stehpulten standen. Mit langen Gew�ndern bekleidet und mit den zur H�lfte rasierten Sch�deln der oberen Dienerschaft versehen, machten sie stumm Eintr�ge in gro�e B�cher. Unschicklich gekleidete Frauen trugen lackierte Tabletts zwischen den Pulten umher. Darauf standen d�nne wei�e Tassen mit einer dampfenden schwarzen Fl�ssigkeit.</p><p>�Haben wir in letzter Zeit <emphasis>Raken</emphasis> verloren?�, fragte Catrona die M�nner. �Wurde einer im Flug von einer feindlichen <emphasis>Marath�Damane</emphasis> getroffen und h�tte in General Brynes Lager abst�rzen k�nnen?�</p><p>�Dar�ber ist soeben eine Meldung eingetroffen�, sagte ein Diener und verneigte sich. �Es �berrascht mich, dass Ihr davon geh�rt habt.�</p><p>Catronas Braue schnellte ein St�ck h�her, als sie Min musterte.</p><p>�Habt Ihr nicht mit der Wahrheit gerechnet?�, fragte Min.</p><p>�Nein�, erwiderte die <emphasis>Sul�dam</emphasis>. Sie steckte ein Messer zur�ck in die Scheide an ihrem G�rtel. �Folgt mir.�</p><p>Min stie� die Luft aus. Nun, sie hatte es mit Aiel zu tun gehabt; die Seanchaner konnten unm�glich noch schwieriger sein. Catrona f�hrte sie �ber einen anderen Weg tiefer in das Lager hinein, und Min wurde langsam nerv�s. Wie lange war es her, dass Bryne sie geschickt hatte? War es schon zu sp�t?</p><p>Beim Licht, die Seanchaner hielten viel davon, alles zu bewachen. An jeder Wegkreuzung standen zwei Soldaten mit gehobenen Speeren und musterten alles durch ihre schrecklichen Helme. H�tten diese M�nner nicht k�mpfen sollen? Schlie�lich f�hrte Catrona sie zu einem richtigen kleinen Haus, das man hier erbaut hatte. Es war kein Zelt. Die W�nde bestanden aus �ber einem Holzger�st gespannter Seide, es gab einen Holzboden und ein mit Schindeln gedecktes Dach. Vermutlich konnte man den Bau schnell wieder zusammenlegen und transportieren, trotzdem erschien er wie ein �bertriebener Luxus.</p><p>Die W�chter waren H�nen in schwarzer und roter R�stung. Sie boten einen bedrohlichen Anblick. Sie salutierten Catrona, als die <emphasis>Sul�dam</emphasis> an ihnen vorbeiging. Sie und Min betraten das Geb�ude, und Catrona verneigte sich. Nicht bis zum Boden�� anscheinend befand sich die Kaiserin nicht im Raum��, aber immer noch sehr tief, da viele Angeh�rige des Blutes anwesend waren. Catrona warf Min einen Blick zu. �Verneigt Euch, Ihr N�rrin!�</p><p>�Ich stehe ganz gut�, erwiderte Min und verschr�nkte die Arme, als sie die versammelten Kommandanten betrachtete. Vor ihnen stand eine vertraute Gestalt. Mat trug seidene Seanchanerkleidung�� sie hatte geh�rt, dass er sich in diesem Lager aufhielt��, hatte aber seinen bekannten Hut aufgesetzt. Ein Auge war mit einer Klappe verh�llt. Also hatte sich zumindest diese Vision endlich erf�llt, oder?</p><p>Mat schaute sie an und grinste. �Min?�</p><p>�Ich bin ja so dumm�, sagte sie. �Ich h�tte einfach sagen sollen, dass ich dich kenne. Dann h�tte man mich ohne dieses Theater sofort hergebracht.�</p><p>�Ich wei� nicht, Min�, erwiderte er. �Sie sind hier ganz vernarrt in ihr Theater. Nicht wahr, Galgan?�</p><p>Ein breitschultriger Mann mit einem schmalen wei�en Haarkamm auf dem ansonsten kahl geschorenen Kopf warf Mat einen Blick zu, als w�sste er nicht so recht, was er von ihm halten sollte.</p><p>�Mat�, sagte Min und konzentrierte sich, �General Bryne braucht Kavallerie.�</p><p>Mat grunzte. �Das bezweifle ich nicht. Er hat seine Truppen hart angetrieben, selbst die Aes Sedai. Allein schon daf�r sollte man ihm einen Orden verleihen. Ich habe noch nie erlebt, dass diese Frauen auch nur einen Schritt weichen, wenn es ein Mann ihnen vorschl�gt, selbst wenn sie im Regen stehen. Die Erste Legion, Galgan?�</p><p>�Sie wird reichen�, erwiderte Galgan, �solange es den Sharanern nicht gelingt, die Furt zu �berqueren.�</p><p>�Das werden sie nicht�, sagte Mat. �Bryne hat da eine gute Verteidigungsstellung aufgebaut, die den Schatten mit ein bisschen Ermunterung viel kosten wird. <emphasis>Laero lendhae an indemela.</emphasis>�</p><p>�Was habt Ihr da gesagt?� Galgan runzelte die Stirn.</p><p>Min hatte es ebenfalls nicht verstanden. Etwas �ber eine Flagge? In letzter Zeit hatte sie die Alte Sprache studiert, aber Mat sprach so schnell.</p><p>�Hm, was?�, fragte Mat. �Habt Ihr das nie zuvor geh�rt? Das ist ein Sprichwort der Gefallenen Armee von Kardia.�</p><p>�Wer?� Galgan erschien verbl�fft.</p><p>�Wie auch immer�, sagte Mat. �Tylee, w�rdet Ihr gern Eure Legion auf das Schlachtfeld f�hren, vorausgesetzt, der gute General ist damit einverstanden?�</p><p>�Es w�re mir eine Ehre, Rabenprinz�, sagte eine Frau in R�stung. Der Helm unter ihrem Arm wies vier Federn auf. �Die Methoden dieses Gareth Bryne wollte ich sowieso gern aus der N�he betrachten.�</p><p>Mat warf Galgan einen Blick zu, der sich das Kinn rieb und die Karten anschaute. �Nehmt Eure Legion, Generalleutnant Tylee, wie es der Rabenprinz vorschlug.�</p><p>�Und wir <emphasis>m�ssen</emphasis> diese sharanischen Bogensch�tzen im Auge behalten�, f�gte Mat hinzu. �Sie werden n�rdlich am Fluss vorbeiziehen, damit sie besser an Brynes rechte Flanke herankommen.�</p><p>�Wie k�nnt Ihr Euch da so sicher sein?�</p><p>�Das ist doch offensichtlich.� Mat tippte auf die Karte. �Wenn Ihr wollt, k�nnt Ihr ja einen <emphasis>Raken</emphasis> schicken, um sicherzugehen.�</p><p>Galgan z�gerte, dann gab er den Befehl. Min war sich nicht sicher, ob sie noch gebraucht wurde, also wandte sie sich ab, aber Mat schnappte sich ihren Arm. �Hey. Ich k�nnte dich�� �h�� brauchen, Min.�</p><p>�Mich brauchen?�, fragte sie tonlos.</p><p>�Du k�nntest mir von Nutzen sein�, sagte er. �Das habe ich sagen wollen. In letzter Zeit habe ich Probleme mit dem, was ich so sage. Nur die dummen Worte scheinen rauszukommen. Aber egal, k�nntest du�� �h�� du wei�t schon���</p><p>�Ich sehe bei dir nichts Neues�, sagte sie, �obwohl ich glaube, dass du endlich begriffen hast, wozu der Zeiger an der Waage da ist.�</p><p>Mat zuckte zusammen. �Ja. Das ist verflucht offensichtlich. Was ist mit Galgan?�</p><p>�Ein Dolch, der durch das Herz eines Raben gerammt ist.�</p><p>�Verfluchte Asche���</p><p>�Ich glaube nicht, dass du damit gemeint bist�, f�gte sie hinzu. �Ich kann nicht sagen, warum das so ist.�</p><p>Galgan unterhielt sich mit einigen unbedeutenden Adligen. Zumindest wiesen sie mehr Haare als er auf, was das Zeichen eines niederrangigen Adligen war. Ihr Tonfall war ged�mpft, und gelegentlich warf Galgan Mat einen Blick zu.</p><p>�Er wei� nicht, was er von mir halten soll�, sagte Mat leise.</p><p>�Wie ungew�hnlich. Mir will keiner einfallen, der je so auf dich reagiert hat, Mat.�</p><p>�Ha ha. Bist du sicher, dass der verdammte Dolch nicht mich meint? Raben�� nun, mit Raben bin doch irgendwie ich gemeint, richtig? Manchmal? Ich bin jetzt der verfluchte Prinz der verdammten Raben.�</p><p>�Du bist nicht damit gemeint.�</p><p>�Er sucht den richtigen Augenblick, wann man mich umbringen soll�, sagte Mat und blickte mit einem zusammengekniffenen Auge in Galgans Richtung. �Man hat mich ihm direkt unter die Nase gesetzt, was die Befehlskette angeht, und er macht sich Sorgen, dass ich ihn ersetze. Tuon sagt, er sei ein hingebungsvoller Soldat, also wird er bis nach der Letzten Schlacht damit warten.�</p><p>�Das ist ja schrecklich!�</p><p>�Ich wei�. Er will nicht mit mir Karten spielen. Ich hatte gehofft, ich k�nnte ihn f�r mich gewinnen. Ein paarmal absichtlich verlieren.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass dir das gelingt.�</p><p>�Tats�chlich habe ich schon vor ewigen Zeiten herausgefunden, wie ich verlieren muss.� Er schien das v�llig ernst zu meinen. �Tuon sagt, es w�re ein Zeichen von Respektlosigkeit, wenn er nicht versucht, mich zu t�ten. Sie sind verr�ckt, Min. Sie sind alle v�llig verr�ckt.�</p><p>�Bestimmt w�rde Egwene dir bei der Flucht helfen, wenn du sie fragst.�</p><p>�Nun, ich habe nicht gesagt, dass sie nicht auch witzig sind. Nur verr�ckt.� Er r�ckte den Hut zurecht. �Aber wenn auch nur einer von ihnen verdammt noch mal versucht���</p><p>Er unterbrach sich, als sich die W�chter vor der T�r auf die Knie warfen und dann weiter auf den Bauch. Mat seufzte. ��Sprich den Namen der Dunkelheit aus, und sein Blick ruht auf dir.� <emphasis>Yalu kazath d�Zamon patra Daeseia asa darshi.</emphasis>�</p><p>�Was?�, fragte Min.</p><p>�Kennst du den auch nicht? Steckt heutzutage eigentlich keiner mehr mal die Nase in ein Buch?�</p><p>Die Kaiserin von Seanchan trat durch die T�r. Es �berraschte Min, dass sie kein Gewand trug, sondern weite silbrige Hosen. Oder�� nun, vielleicht war es ja doch ein Gewand. Min konnte nicht erkennen, ob es ein Rock war, den man zum Reiten abgen�ht hatte, oder sehr weite Hosen. Fortuonas Oberteil war aus eng anliegender roter Seide ma�geschneidert, dar�ber trug sie einen offenen blauen Mantel mit einer sehr langen Schleppe. Es erschien wie die Kleidung eines Kriegers, eine Art Uniform.</p><p>�berall im Raum warfen sich die Leute auf die Knie und verneigten sich, bis sie den Boden ber�hrten, sogar General Galgan. Mat blieb stehen.</p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen lie� sich Min auf ein Knie herunter. Schlie�lich war diese Frau eine Kaiserin. Weder vor Mat noch den Gener�len h�tte sie sich verbeugt, aber Fortuona Respekt zu erweisen verlangte allein schon der Anstand.</p><p>�Wer ist das, Knotai?�, fragte die Kaiserin neugierig. �Sie h�lt sich f�r eine hochrangige Person.�</p><p>�Ach, das ist blo� die Frau des Wiedergeborenen Drachen�, antwortete Mat unbek�mmert.</p><p>Catrona, die auf der anderen Seite des Raumes auf dem Bauch lag, stie� einen erstickten Laut aus. Mit hervortretenden Augen starrte sie zu Min hoch.</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte Min. <emphasis>Vermutlich glaubt sie jetzt, sie h�tte mich beleidigt.</emphasis></p><p>�Wie drollig�, sagte Fortuona. �Das w�rde sie ja zu Eurer Gleichgestellten machen, Knotai. Nat�rlich scheint Ihr schon wieder das Verbeugen vergessen zu haben.�</p><p>�Mein Vater w�re entsetzt�, erwiderte Mat. �Er war immer so stolz auf mein Erinnerungsverm�gen.�</p><p>�Und wieder besch�mt Ihr mich in der �ffentlichkeit.�</p><p>�Nur so sehr ich mich selbst besch�me.� Er l�chelte, dann z�gerte er, als w�rde er diese Worte noch einmal �berdenken.</p><p>Die Kaiserin l�chelte ebenfalls, aber bei ihr sah es sehr raubtierhaft aus. Sie ging weiter, und die Anwesenden erhoben sich, also stand auch Min wieder auf. Mat fing sofort an, sie in Richtung T�r zu dr�ngen.</p><p>�Mat, warte�, fl�sterte sie.</p><p>�Einfach weitergehen�, sagte er leise. �Riskiere blo� nicht, dass sie sich dich schnappt. Sie ist nicht gerade gut darin, Dinge wieder gehen zu lassen, sobald sie sie erst einmal hat.� Als er das sagte, klang er allen Ernstes stolz.</p><p><emphasis>Du bist doch genauso verr�ckt wie sie,</emphasis> dachte Min. �Mat, eine blutige Blume.�</p><p>�Was?� Er dr�ngte sie noch immer weiter.</p><p>�Eine blutige Blume um ihren Kopf�, sagte Min. �Eine Todeslilie. Jemand wird schon bald versuchen, sie zu ermorden.�</p><p>Mat erstarrte. Fortuona drehte sich ruckartig um.</p><p>Min war sich gar nicht bewusst, dass sich zwei W�chter bewegten, bis sie pl�tzlich am Boden lag und dort festgehalten wurde. Das waren die merkw�rdigen M�nner in der schwarzen R�stung�� obwohl sie jetzt aus dieser N�he erkennen konnte, dass es sich eigentlich um ein dunkles Gr�n handelte.</p><p><emphasis>Du N�rrin,</emphasis> dachte sie, als man ihr Gesicht in den Staub dr�ckte. <emphasis>Ich h�tte mich zuerst von Mat aus dem Raum bringen lassen sollen.</emphasis> So einen Fehler hatte sie schon seit Jahren nicht mehr gemacht�� laut genug von einer Vision zu sprechen, dass andere sie mitbekamen. Was war blo� los mit ihr?</p><p>�Halt!�, sagte Mat. �Lasst sie aufstehen!�</p><p>Man hatte ihn zwar zum Blut erhoben, aber offensichtlich hatten die W�chter nicht das geringste Problem damit, einen direkten Befehl von ihm zu ignorieren.</p><p>�Woher wei� sie das, Knotai?�, fragte Fortuona und kam n�her. Sie klang w�tend. Vielleicht auch entt�uscht. �Was geht hier vor?�</p><p>�Nicht das, was Ihr annehmt, Tuon�, sagte Mat.</p><p><emphasis>Nein, nicht��</emphasis></p><p>�Sie sieht Dinge�, fuhr Mat fort. �Nichts, weswegen man �rgerlich werden m�sste. Das ist blo� eine Marotte des Musters. Min sieht bei Menschen Visionen, die sie wie kleine Bilder umschwirren. Ihre Worte waren bedeutungslos.� Er lachte. Es klang gezwungen.</p><p>Stille trat in den Raum ein. Es war sogar so still, dass Min wieder die Explosionen in der Ferne h�ren konnte.</p><p>�Unheilseherin�, fl�sterte Fortuona.</p><p>Pl�tzlich lie�en die W�chter Min los und wichen zur�ck. St�hnend setzte sie sich auf. Die W�chter hatten sich sch�tzend an die Seiten ihrer Kaiserin begeben, aber derjenige, der sie ber�hrt hatte, zog seine Panzerhandschuhe aus und schleuderte sie zu Boden. Er wischte sich die Hand am Harnisch ab, als versuchte er verzweifelt, sie von etwas zu s�ubern.</p><p>Fortuona schien keine Angst zu haben. Sie trat n�her an Min heran, erschien beinahe schon ehrf�rchtig. Die junge Kaiserin streckte die Hand aus und ber�hrte ihr Gesicht. �Was er da sagt�� ist das wahr?�</p><p>�Ja�, gab Min widerstrebend zu.</p><p>�Was seht Ihr bei mir?�, fragte Fortuona. �Sprecht es aus, Unheilseherin. Ich werde Eure Omen beurteilen k�nnen und wissen, ob Ihr die Wahrheit sagt oder l�gt!�</p><p>Das klang gef�hrlich. �Ich sehe eine blutige Todeslilie, wie ich Mat bereits sagte�, erkl�rte Min. �Und drei segelnde Schiffe. Ein Insekt in der Dunkelheit. Rote Lichter ausgebreitet auf einem Feld, das �ppig und reif sein sollte. Ein Mann mit den Z�hnen eines Wolfes.�</p><p>Fortuona holte zischend Luft. Sie schaute zu Mat hoch. �Ihr habt mir ein gro�artiges Geschenk gebracht, Knotai. Genug, um Eure Strafe zu bezahlen. Selbst genug f�r einen dar�ber hinausgehenden Kredit. Solch ein wunderbares Geschenk.�</p><p>�Nun�� Ich���</p><p>�Ich geh�re niemandem�, protestierte Min. �Ausgenommen vielleicht Rand, und er geh�rt mir.�</p><p>Fortuona ignorierte sie. �Diese Frau ist meine neue <emphasis>Soe�feia</emphasis>. Unheilseherin, Wahrheitssprecherin! Eine heilige Frau, die unber�hrbar ist. Wir sind gesegnet worden. Verk�ndet es �berall. Der Kristallthron hatte seit �ber drei Jahrhunderten keine wahrhaftige Omenleserin mehr!�</p><p>Min sa� sprachlos da, bis Mat sie auf die F��e zog. �Ist das gut?�, fragte sie ihn fl�sternd.</p><p>�Ich wei� es wirklich nicht�, erwiderte Mat. �Aber wei�t du noch, was ich dar�ber sagte, von ihr wegzukommen? Nun, das kannst du jetzt wahrscheinlich vergessen.�</p></section><section><title><p>28</p><p>Zu viele M�nner</p></title><p>Lord Agelmar hat uns pers�nlich geschickt�, sagte der Arafeler zu Lan. Der Mann schaute immer wieder zur Front zur�ck, wo seine Kameraden um ihr Leben k�mpften.</p><p>Donner ersch�tterte das Schlachtfeld in Shienar. Der Gestank von verbranntem Fleisch lag in der Luft, begleitet von dem Gestank von verbranntem Haar. Den Schattenlords war es egal, ob sie bei ihren Angriffen auch Trollocs t�teten, solange sie Menschen trafen.</p><p>�Seid Ihr sicher?�, fragte Lan vom Sattel.</p><p>�Nat�rlich, Dai Shan�, erwiderte der Mann. Er trug die Z�pfe sehr lang, und die Gl�ckchen waren aus irgendeinem f�r Lan unerfindlichen Grund rot bemalt. Es hatte etwas mit den H�usern von Arafel und ihrer Vorgehensweise an die Letzte Schlacht zu tun. �Sollte ich l�gen, gebt mir hundert Peitschenschl�ge, und lasst mich in der Sonne liegen. Der Befehl hat mich �berrascht, denn ich glaubte, meine M�nner sollten die Flanken besch�tzen. Aber der Bote hatte nicht nur die richtigen Losungen, der Mann, den ich ins Befehlszelt schickte, kehrte mit der Best�tigung zur�ck.�</p><p>�Danke, Hauptmann�, sagte Lan und bedeutete ihm, zu seinen M�nnern zur�ckzukehren. Er sah Andere und Prinz Kaisel an, die beide in der N�he auf ihren Pferden sa�en und verwirrt aussahen. Sie waren Zeuge gewesen, wie Lan zuvor einen Bannerhauptmann der Kandori befragt hatte, und der Mann hatte �hnliche Versicherungen gegeben.</p><p>Lord Agelmar hatte sie beide losgeschickt. Zwei Reserveeinheiten, von denen keine wusste, dass die andere zur selben Stelle unterwegs war. Von dem Fluss zu Lans Rechten blies eine k�hle Brise, als er Mandarb herumlenkte und zur�ck zu den r�ckw�rtigen Linien ritt. Die Hitze dieses Landes verdr�ngte schnell die K�hle. Die Wolken am Himmel erschienen so nahe, als br�uchte man blo� die Hand auszustrecken, um sie zu ber�hren.</p><p>�Lan?�, fragte Andere, und Kaisel lenkte sein Pferd neben Mandarb. �Worum ging es da?�</p><p>�Zu viele M�nner, um dieselbe L�cke in unseren Linien zu schlie�en�, antwortete Lan leise.</p><p>�Ein Fehler, den man schnell begehen kann�, meinte Prinz Kaisel. �Die Sorge, dass die Trollocs durchbrechen, ist durchaus berechtigt, da sich jetzt die Schattenlords an der Schlacht beteiligen. Der General hat zwei Banner statt nur einem geschickt. Es ist besser sicherzugehen. Vermutlich hat er absichtlich so gehandelt.�</p><p>Nein. Es war ein Fehler gewesen. Ein kleiner Fehler, aber ein Fehler. Richtig w�re gewesen, die Soldaten zur�ckzuziehen und die Linien zu stabilisieren. Ein einziges Banner Kavallerie konnte dann losreiten und die durchbrechenden Trollocs abschneiden. Zwei Wellen h�tten koordiniert werden k�nnen, aber teilte man das den beiden Hauptm�nnern vorher nicht mit, stieg das Risiko, dass sie einander behinderten�� so wie es geschehen war.</p><p>Lan sch�ttelte den Kopf und musterte das Schlachtfeld. K�nigin Ethenielles Banner flatterte nicht weit entfernt. Er hielt darauf zu. Die K�nigin wartete mit ihrer Ehrengarde, Lord Baldhere an ihrer Seite. Er hielt der K�nigin das Schwert von Kirukan mit dem Griff zuerst hin, obwohl sie sich entschieden hatte, nicht selbst in die Schlacht zu reiten. Fl�chtig fragte sich Lan, ob sie dennoch Tenobias Beispiel folgen w�rde, aber eigentlich h�tte er sich diese Frage sparen k�nnen. Ethenielle bewahrte stets einen k�hlen Kopf. Und was noch viel wichtiger war, sie umgab sich mit Beratern, die ebenfalls stets einen k�hlen Kopf bewahrten.</p><p>Ihr neuer Gemahl Lord Ramsin sprach gerade mit einer Gruppe Befehlshaber. Ein durchtrieben aussehender Bursche in der Kleidung eines Kundschafters dr�ngte sich an Lan vorbei, um Befehle weiterzugeben. Normalerweise gab Lord Agelmar keine Befehle an die einzelnen Schwadronen aus; er k�mmerte sich um die ganze Schlacht. Er sagte seinen Kommandanten, welche Ziele sie erreichen sollten, aber die Einzelheiten, wie sie das zustande brachten, �berlie� er ihnen.</p><p>Neben der K�nigin sa� eine st�mmige Frau mit rundem Gesicht auf ihrem Pferd, die sich ruhig mit ihr unterhielt. Sie bemerkte Lan und nickte. Lady Serailla war die ma�gebliche Beraterin der K�nigin. In der Vergangenheit hatten sie und Lan einige Meinungsverschiedenheiten gehabt. Er respektierte sie, so wie er jemanden respektieren konnte, den er gelegentlich erw�rgen und von einer Klippe werfen wollte.</p><p>�Dai Shan�, sagte die K�nigin und nickte ihm zu. Ramsin, der in der N�he stand, winkte. Donner grollte. Es gab keinen Regen, und trotz der Schw�le erwartete Lan auch keinen. �Ihr seid verletzt? Lasst mich nach einem Heiler schicken.�</p><p>�Sie werden anderswo gebraucht�, sagte Lan angespannt, als ihre Leibw�chter ihm salutierten. Jeder Mann trug einen gr�nen Wappenrock mit einem aufgestickten Roten Pferd �ber dem Harnisch, und von jeder Lanze baumelten rote und gr�ne Wimpel. Die Helme wiesen Stangen vor dem Gesicht auf, das genaue Gegenteil von Lans vorne offenem, breitem Malkieri-Helm. �Darf ich mir Lord Baldhere ausleihen, Euer Majest�t? Ich habe eine Frage an ihn.�</p><p>�Ihr braucht nur darum zu bitten, Dai Shan�, erwiderte Ethenielle, obwohl Lady Serailla die Augen zusammenkniff. Offensichtlich fragte sie sich, wozu er den Schwerttr�ger der kandorischen K�nigin brauchte.</p><p>Baldhere ritt zu Lan und legte das Schwert von Kirukan in die andere Armbeuge, damit der Griff noch immer in Richtung seiner K�nigin zeigte. Es war nur eine Formalit�t, aber Baldhere war ein f�rmlicher Mann. Andere und Prinz Kaisel gesellten sich zu ihnen, und Lan lie� sie gew�hren.</p><p>�Lord Agelmar hat ein gutes Viertel unserer Reserven zu einer kleinen L�cke in unseren Linien abkommandiert�, sagte Lan leise genug, dass nur Baldhere, Andere und Kaisel es h�ren konnten. �Ich bin nicht davon �berzeugt, dass sie alle gebraucht wurden.�</p><p>�Er gab gerade den Befehl, dass unsere saldaeanische Kavallerie von der Ostflanke abr�cken soll, um die linke Flanke der Trollocs tief hinter ihren Linien anzugreifen, einen �berraschenden Sto�angriff�, sagte Baldhere. �Er sagte, er wolle die Aufmerksamkeit der Schattenlords auf ein gr��eres Gebiet lenken; wenn wir es so aussehen lassen, als w�re unsere Verteidigung schw�cher als die ihre, wird sie das herausfordern, einen Fehler zu begehen, hat er behauptet.�</p><p>�Was sagt Ihr dazu?�, fragte Lan.</p><p>�Es ist ein guter Zug�, sagte Baldhere, �wenn man die Schlacht in die L�nge ziehen will. F�r sich allein genommen w�rde mir das keine gro�en Sorgen bereiten, nicht solange die Saldaeaner da wieder heil herauskommen. Das mit den Reserven wusste ich nicht. Damit sind wir im Osten schwer entbl��t.�</p><p>�Lasst uns einmal annehmen�, sagte Lan leise und w�hlte seine Worte mit Bedacht, �dass man in der Position w�re, das ganze Heer sabotieren zu k�nnen. Lasst uns einmal annehmen, man wollte das machen, aber ganz subtil, damit niemand Verdacht sch�pft. Was w�rdet Ihr tun?�</p><p>�Uns mit dem R�cken zum Fluss aufstellen�, sagte Baldhere langsam. �Eine erh�hte Stellung einnehmen, aber uns in Gefahr bringen, eingekreist zu werden. Uns in einen t�dlichen Kampf verwickeln, dann eine �ffnung in unserer Verteidigung enth�llen und zulassen, dass wir uns in zwei H�lften teilen. Jeden dieser Schritte v�llig rational erscheinen lassen.�</p><p>�Und Euer n�chster Schritt?�, fragte Lan.</p><p>Baldhere dachte nach und sah beunruhigt aus. �Man m�sste die Bogensch�tzen von den H�geln im Osten abziehen. Das Gel�nde ist dort sehr unwegsam, und so k�nnte das Schattengez�cht unsere Kundschafter umgehen ��vor allem, wenn alle Blicke zur Frontlinie gerichtet sind�� und anr�cken.</p><p>Bogensch�tzen w�rden sie sehen und Alarm schlagen, sie vielleicht sogar lange genug zur�ckhalten k�nnen, dass die Reserven eintreffen. Aber sollte man sie abziehen und die restlichen Reserven einsetzen, k�nnte der Feind unsere �stliche Flanke umgehen und unsere hinteren Linien angreifen�� unser ganzes Heer st�nde mit dem R�cken zum Fluss festgenagelt. Von da an w�re es nur eine Frage der Zeit.�</p><p>�Lord Mandragoran�, sagte Prinz Kaisel und lie� sein Pferd ein paar Schritte nach vorn machen. Besch�mt blickte er sich um. �Ich kann nicht glauben, was ich da h�re. Sicherlich verd�chtigt Ihr Lord Agelmar doch nicht, uns zu verraten!�</p><p>�Wir k�nnen es uns nicht leisten, dass jemand �ber jeden Verdacht erhaben ist�, erwiderte Lan grimmig. �Eine Vorsichtsma�nahme, auf die ich genauer h�tte h�ren sollen. Vielleicht ist es ja nichts. Vielleicht.�</p><p>�Es wird ohnehin schon schwer genug, aus dieser Position herauszukommen�, sagte Andere und runzelte die Stirn. �Wenn man uns am Fluss festnagelt���</p><p>�Urspr�nglich war geplant, den R�ckzug mit der Reserve der leichten Kavallerie zu decken�, sagte Lan. �Zuerst sollte sich die Infanterie zur�ckziehen und den Fluss �berqueren, dann w�rden wir die schwere Kavallerie durch Wegetore bringen. Die Str�mung ist nicht stark, und die Pferde der leichten Kavallerie k�nnten den Fluss �berqueren, w�hrend die Trollocs es nicht wagen w�rden. Jedenfalls solange man sie nicht dazu zwingt. Der Plan war durchaus solide.�</p><p>Es sei denn, man bedr�ngte sie so schwer, dass sich die Fu�soldaten nicht vom Kampf l�sen konnten. Dann w�rde alles auseinanderfallen. Und wenn man sie umzingelte, w�rde Lan seine Armee hier auf keinen Fall rausbekommen. Ihnen standen nicht genug Machtlenker zur Verf�gung, um das ganze Heer zu bef�rdern. Sie kamen hier nur weg, wenn sie die Fu�soldaten zur�cklie�en und damit die H�lfte seiner M�nner abschlachten lie�en. Nein, er w�rde eher sterben, bevor er das zulie�.</p><p>�Alles, was Lord Agelmar in letzter Zeit geplant hat, war solide�, sagte Baldhere heftig. �Gut genug, um keinen Verdacht zu erregen, aber nicht gut genug, um zu siegen. Lan�� mit ihm stimmt etwas nicht. Ich kenne ihn seit Jahren. Bitte. Ich glaube noch immer, dass er blo� ersch�pft ist, aber er macht Fehler. Ich habe recht, ich wei� es.�</p><p>Lan nickte. Er lie� Lord Baldhere auf seinem Posten zur�ck und ritt mit seiner Garde zu den hinteren Linien und dem Befehlszelt.</p><p>Das Entsetzen, das er versp�rte, hing wie ein Stein in seiner Kehle fest. Diese Wolken schienen tiefer als je zuvor zu h�ngen. Sie grollten. Die Trommeln des Dunklen K�nigs, der gekommen war, um das Leben der M�nner zu verlangen.</p><p>Als Lan das Befehlszelt erreichte, hatte er hundert gute M�nner hinter sich. Da entdeckte er einen jungen shienarischen Boten, der ohne R�stung und mit wogendem Haarknoten zu seinem Pferd rannte.</p><p>Auf ein Signal von Lan eilte Andere zu dem Mann und griff in seine Z�gel. Der Bote runzelte die Stirn. �Dai Shan?�, fragte er und salutierte, als Lan heranritt.</p><p>�Ihr �berbringt Befehle von Lord Agelmar?�, fragte Lan und stieg aus dem Sattel.</p><p>�Ja, mein Lord.�</p><p>�Was f�r Befehle?�</p><p>�Die Kandori-Bogensch�tzen im Osten�, sagte der Bote. �Ihr H�gel ist weit vom Hauptteil des Schlachtfelds entfernt, daher ist Lord Agelmar der Ansicht, dass sie mehr nutzen, wenn sie vorr�cken und diese Schattenlords unter Beschuss nehmen.�</p><p>Vermutlich waren die Bogensch�tzen der Meinung, dass die leichte Kavallerie der Saldaeaner noch immer dort hinten war; die Saldaeaner glaubten, die Bogensch�tzen blieben dort stationiert; die Reserven glaubten, dass beide auf ihren Posten verblieben, nachdem man sie in den Einsatz schickte.</p><p>Es konnte noch immer ein Zufall sein. Agelmar musste zu schwer arbeiten oder verfolgte einen gr��eren Plan, den die anderen Gener�le nicht erkannten. Man sollte einen Mann niemals eines todesw�rdigen Verbrechens anklagen, solange man nicht bereit war, ihn auf der Stelle mit dem eigenen Schwert selbst zu t�ten.</p><p>�Vergesst diesen Befehl�, sagte Lan kalt. �Schickt stattdessen die saldaeanischen Kundschafter zu diesen �stlichen H�geln. Sagt ihnen, sie sollen nach Schattengez�cht Ausschau halten, das sich dort anschleicht, um uns anzugreifen. Warnt die Bogensch�tzen, sie sollen sich bereithalten, dann kehrt zur�ck und erstattet mir Bericht. Macht schnell, aber sagt niemandem au�er den Kundschaftern und den Bogensch�tzen, was Ihr da tut.�</p><p>Der Mann sah verwirrt aus, aber er salutierte. Agelmar war der befehlshabende General der Armee, aber als Dai Shan hatte Lan das letzte Wort bei allen Befehlen, und in dieser Schlacht hatte allein Elayne eine gr��ere Autorit�t als er.</p><p>Lan nickte zwei M�nnern der Hohen Garde zu. Washim und Geral waren Malkieri, die er w�hrend der Wochen ihres gemeinsamen Kampfes in jeder Hinsicht zu respektieren gelernt hatte.</p><p><emphasis>Licht, sind das erst einige Wochen gewesen? Es f�hlt sich wie Monate an��</emphasis></p><p>Er verdr�ngte den Gedanken, als die beiden Malkieri dem Boten folgten, um daf�r zu sorgen, dass er auch tat, was man ihm gesagt hatte. Lan w�rde erst �ber die Auswirkungen dessen, was hier passierte, nachdenken, wenn er s�mtliche Tatsachen kannte.</p><p>Erst dann.</p><empty-line/><p>Loial verstand nicht viel von der Kriegskunst. Man brauchte auch nicht viel dar�ber zu wissen, um zu erkennen, dass Elaynes Seite verlor.</p><p>Er und die anderen Ogier k�mpften gegen eine Horde aus Abertausenden von Trollocs�� das zweite Heer, das aus dem S�den gekommen war und die Stadt umgangen hatte, um sie zu zerschmettern. Armbrustm�nner von der Legion des Drachen flankierten die Ogier und feuerten Salven Bolzen ab; man hatte sie von der Front abgezogen, als die Tiermenschen ihre Linien angegriffen hatten. Der Feind hatte die schwere Kavallerie der Legion versprengt, ersch�pft wie sie gewesen war. Kompanien Pikenm�nner stemmten sich verzweifelt gegen die Wogen der Angreifer, und die Wolfsgarde klammerte sich an eine auseinanderfallende Linie auf dem anderen H�gel.</p><p>Er hatte ein paar Dinge von dem aufgeschnappt, was sich auf anderen Teilen des Schlachtfelds zutrug. Elaynes Truppen hatten das Nordheer der Trollocs ausgel�scht, und w�hrend die Ogier k�mpften und die Drachen besch�tzten, die von den H�geln �ber ihnen feuerten, gesellten sich immer mehr Soldaten zu der neuen Front. Sie kamen blutig, ersch�pft und entkr�ftet an.</p><p>Die neue Streitmacht des Schattengez�chts w�rde sie vernichten.</p><p>Die Ogier sangen ein Trauerlied. Diese Weise sangen sie f�r W�lder, die man abholzen musste, oder f�r die Gro�en B�ume, die in einem Sturm gestorben waren. Es war ein Lied �ber Verlust, Bedauern und Unausweichlichkeit. Er stimmte in den letzten Refrain ein.</p><poem><stanza><v>�Alle Fl�sse versanden</v><v>Alle Lieder enden</v><v>Jede Wurzel stirbt</v><v>Jeder Ast muss sich beugen���</v></stanza></poem><p>Er schickte einen knurrenden Trolloc zu Boden, aber ein anderer schlug die Z�hne in sein Bein. Er br�llte auf und brach sein Lied ab, als er den Tiermenschen beim Nacken packte. Er hatte sich selbst nie als stark betrachtet, jedenfalls nicht nach Ma�st�ben der Ogier, aber er hob die Bestie in die H�he und schleuderte sie in ihre Gef�hrten hinein.</p><p>�berall um ihn herum lagen tote M�nner�� zerbrechliche M�nner. Der Verlust ihres Lebens schmerzte ihn. Jedem von ihnen hatte nur eine so kurze Lebensspanne zur Verf�gung gestanden. Einige, die noch am Leben waren, k�mpften noch. Loial wusste, dass sie sich als gr��er betrachteten, als sie waren, aber hier auf dem Schlachtfeld mit den Ogiern und Trollocs erschienen sie wie Kinder, die im Weg standen.</p><p>Nein. Er w�rde sie nicht auf diese Weise betrachten. Die M�nner und Frauen k�mpften mit Mut und Leidenschaft. Keine Kinder, sondern Helden. Sie zerbrochen zu sehen lie� ihn trotzdem die Ohren anlegen. Er fing wieder an zu singen, dieses Mal nur lauter, und dieses Mal war es kein Trauerlied. Es war ein Lied, das er noch nicht gesungen hatte, ein Lied des Wachsens, aber keines der Baumlieder, die ihm so vertraut waren.</p><p>Er br�llte es laut und w�tend, w�hrend er mit der Axt um sich schlug. An allen Seiten ergr�nte das Gras, neues Leben spross. Den Sch�ften der Trolloc-Waffen wuchsen Bl�tter; viele der Bestien knurrten und lie�en entsetzt die Waffen fallen.</p><p>Loial k�mpfte weiter. Dieses Lied war kein Lied �ber den Sieg. Es war ein Lied des Lebens. Loial hatte keineswegs vor, auf diesem H�gel zu sterben.</p><p>Beim Licht, vor seinem Tod hatte er noch ein Buch zu beenden!</p><empty-line/><p>Mat stand im Befehlshaus der Seanchaner, umgeben von skeptischen Gener�len. Min war gerade erst zur�ckgekehrt, nachdem man sie fortgef�hrt und in feine seanchanische Gew�nder gesteckt hatte. Tuon war ebenfalls gegangen, um irgendeine kaiserliche Pflicht zu erf�llen.</p><p>Der Blick auf die Karten lie� Mat innerlich fluchen. Karten, Karten und noch mehr Karten. Papier. Die meisten von ihnen waren von Tuons Sekret�ren im verblassenden Licht des Vorabends angefertigt worden. Wie sollte er wissen, ob sie auch stimmten? Mat hatte einmal nachts in Caemlyn einen Stra�enk�nstler eine h�bsche Frau zeichnen sehen, und das fertige Bild h�tte man f�r viel Gold als das perfekte Portr�t von Cenn Bui in einem Kleid verkaufen k�nnen.</p><p>Er neigte immer st�rker zu der Ansicht, dass Schlachtkarten etwa so n�tzlich wie ein dicker Mantel in Tear waren. Er musste die Schlacht selbst sehen und nicht, wie sie sich jemand anders vorstellte. Die Karten waren schlicht zu oberfl�chlich.</p><p>�Ich sehe mir das Schlachtfeld an�, verk�ndete er.</p><p>�Ihr wollt was?�, fragte Courtani. Die seanchanische Bannergeneralin war etwa so h�bsch wie ein Haufen St�cke, die man in eine R�stung gesteckt hatte. Irgendwann einmal musste sie etwas Saures gegessen haben; nachdem sie herausgefunden hatte, dass man mit der daraus resultierenden Grimasse sehr gut V�gel verscheuchen konnte, hatte sie sich entschieden, sie f�r immer zu behalten. Genauso stellte Mat es sich vor.</p><p>�Ich sehe mir das Schlachtfeld an�, wiederholte er. Er legte den Hut zur Seite, dann griff er �ber den Kopf und packte die Hinterseite seines unf�rmigen seanchanischen Gewandes. Er zerrte es sich begleitet vom Rascheln der Seide �ber den Kopf, die steifen Schulterst�cke und alles, dann warf er es zur Seite.</p><p>Danach war er nur noch mit seinem Halstuch, dem Medaillon und den seltsamen schwarzen und irgendwie steifen Hosen, die ihm die Seanchaner gegeben hatten, bekleidet. Min hob eine Braue, als sie seine nackte Brust erblickte, was ihn err�ten lie�. Aber was machte das schon? Sie war mit Rand zusammen, also machte sie das praktisch zu seiner Schwester. Da war noch Courtani, aber er war nicht unbedingt davon �berzeugt, dass sie tats�chlich eine Frau war. Oder ein Mensch, was das anging.</p><p>Er b�ckte sich und zog unter dem Tisch ein B�ndel hervor, das er dort zuvor verstaut hatte. Min verschr�nkte die Arme. Die neue Kleidung stand ihr gut, ein Kleid, das beinahe so kostbar war wie die, die Tuon immer trug. Es bestand aus dunkelgr�ner, leuchtender Seide mit schwarzen Stickereien und weiten, offenen Armen, die lang genug waren, um den Kopf hineinzustecken. Man hatte sie auch frisiert und ihr Metall ins Haar gesteckt, Silber mit eingelegten Feuertropfen. Hunderte davon. Falls das mit diesem Posten als Unheilseherin nicht klappen sollte, fand sie ja vielleicht Arbeit als Kronleuchter.</p><p>Tats�chlich sah sie in dieser Aufmachung ganz reizend aus. Merkw�rdig. Eigentlich hatte er Min immer als jungenhaft betrachtet, aber jetzt fand er sie anziehend. Nicht, dass er n�her hinsah.</p><p>Die anwesenden Seanchaner schienen v�llig verbl�fft zu sein, dass sich Mat pl�tzlich bis zur Taille entkleidete. Das war ihm unverst�ndlich. Sie hatten Diener, die weniger trugen. Beim Licht, das war die reine Wahrheit.</p><p>�Ich bin versucht, mich dir anzuschlie�en�, murmelte Min und griff nach der Vorderseite ihres Gewandes.</p><p>Mat erstarrte, dann hustete er. Er musste wohl eine Fliege verschluckt haben oder dergleichen. �Verdammt�, sagte er, w�hrend er das Hemd �berzog, das er aus dem B�ndel gezogen hatte. �Ich gebe dir hundert Tar-Valon-Mark, wenn du das tust, nur damit ich die Geschichte erz�hlen kann.�</p><p>Das brachte ihm einen giftigen Blick ein, obwohl er das nicht verstehen konnte. Sie hatte doch davon gesprochen, wie eine verdammte Aiel-Frau auf dem Weg ins Schwei�zelt herumzulaufen.</p><p>Min tat es nicht, was er beinahe bedauerte. Beinahe. In Mins N�he musste er vorsichtig sein. Ein L�cheln im falschen Augenblick w�rde ihm garantiert nicht nur einen Messerstich von ihr einbringen, sondern auch von Tuon, und ein Angriff mit scharfen Gegenst�nden auf einmal reichte ihm.</p><p>Das Fuchskopf-Medaillon ruhte angenehm auf seiner Haut�� Tuon hatte verstanden, dass er es brauchte, dem Licht sei Dank��, als er das Hemd und dann den Mantel anzog, die ebenfalls im B�ndel gewesen waren.</p><p>�Wie habt Ihr die behalten k�nnen?�, fragte Generalhauptmann Galgan. �Ich war der Ansicht, man h�tte Eure Kleidung verbrannt, Rabenprinz.�</p><p>Mit der wei�en Haarstr�hne auf dem Kopf sah Galgan albern aus, aber Mat erw�hnte es nicht. Es war nun einmal ein Brauch der Seanchaner. Diese Leute konnten schon seltsam sein, aber er hatte nicht den geringsten Zweifel, dass sich Galgan in der Schlacht behaupten konnte, wie merkw�rdig er auch aussah.</p><p>�Das hier?�, fragte Mat und zeigte auf Mantel und Hemd. �Ich habe wirklich keine Ahnung. Sie lagen einfach da unten. Ich bin v�llig �berrascht.� Es hatte ihn sehr erfreut, dass seanchanische W�chter trotz ihrer stoischen Mienen und ihrer viel zu ausgepr�gten Steifheit genau wie andere Menschen auch f�r Bestechungsgelder empf�nglich waren.</p><p>Abgesehen nat�rlich von der Totenwache. Er hatte gelernt, sich bei ihnen den Versuch zu sparen; ihr Blick hatte bei ihm die Vermutung geweckt, dass er bei einem erneuten Versuch mit dem Gesicht im Dreck landen w�rde. Vielleicht w�rde es sogar besser sein, nie wieder mit einem Totenw�chter zu sprechen, denn es war ziemlich offensichtlich, dass jeder von ihnen seinen Sinn f�r Humor f�r ein �bergro�es Kinn eingetauscht hat.</p><p>Allerdings wusste er jetzt genau, wem er im Notfall Tuons Sicherheit anvertrauen konnte.</p><p>Mat ging los und schnappte sich dabei den an der Wand lehnenden <emphasis>Ashandarei</emphasis>. Courtani und Min folgten ihm nach drau�en. Es war wirklich schade, dass Tylee so gut in dem war, was sie tat. Mat h�tte sie viel lieber als Gesellschaft gehabt und die Vogelscheuche an ihrer Stelle losgeschickt. Vielleicht h�tte er das auch tun sollen. M�glicherweise h�tten ein paar Trollocs sie ja f�r ihresgleichen gehalten.</p><p>Leider musste er warten, w�hrend ein Stallbursche losrannte, um Pips zu holen, und das gab jemandem Zeit, Tuon zu benachrichtigen. Er sah sie herbeirauschen. Nun, sie hatte ja verk�ndet, bald wieder da zu sein, also hatte er nicht ernsthaft damit gerechnet, eine Konfrontation vermeiden zu k�nnen.</p><p>Min eilte herbei und fluchte leise �ber ihre R�cke.</p><p>�Versuchst du dich immer noch zu entscheiden, ob du abhauen solltest?�, fragte Mat sie leise, als Tuon sich ihnen n�herte.</p><p>�Ja�, sagte Min m�rrisch.</p><p>�Wei�t du, die Betten hier sind nett. Und sie wissen, wie man jemanden bedienen muss, solange sie ihn am Ende nicht einen Kopf k�rzer machen. Ich habe noch immer nicht herausgefunden, wie man das verhindert.�</p><p>�Na gro�artig.�</p><p>Mat wandte sich ihr zu. �Dir ist schon klar, dass Rand, wenn er jetzt hier w�re, dich vermutlich bitten w�rde zu bleiben?�</p><p>Min warf ihm einen finsteren Blick zu.</p><p>�Das ist blo� die Wahrheit, Min. Die verdammte Wahrheit. Ich war dabei, als Rand sie auf seine Seite zog, und ich kann dir sagen, er war besorgt. Seanchaner und Aes Sedai kommen nicht besonders gut miteinander aus, falls dir das noch nicht aufgefallen ist.�</p><p>�Das ist so offensichtlich wie dein Stolz, Mat.�</p><p>�Autsch. Dabei will ich doch nur helfen. Ich sage es dir, Min. Wie sehr w�rde es Rand wohl erleichtern, wenn er w�sste, dass jemand, dem er vertraut, Tuons Ohr hat, jemand, der sie dazu bringt, mit den Aes Sedai ganz lieb umzugehen, indem er ihr im richtigen Augenblick die richtigen �Omen� zufl�stert? Nat�rlich k�nntest du auch wieder zur�ck ins Lager gehen und Wasser schleppen und Botschaften �berbringen. Ich bin mir sicher, das w�re genauso hilfreich, wie eine ausl�ndische Monarchin im Auge zu behalten und ihr das Vertrauen und den Respekt des Wiedergeborenen Drachen nahezubringen. Eine Br�cke der Freundschaft zwischen ihr und den anderen Nationen zu bauen.�</p><p>Einen Augenblick lang stand Min reglos da. �Ich hasse dich, verfluchter Mat Cauthon.�</p><p>�Das ist die richtige Einstellung�, erwiderte er und hob eine Hand, um Tuon zu gr��en. �Und jetzt wollen wir mal sehen, was sie mir abschneidet, weil ich ihre h�bschen Klamotten weggeworfen habe.� Das war wirklich bedauerlich. Das waren nette Stickereien auf dem Gewand gewesen. Ein Mann brauchte ein paar Stickereien, wenn er vern�nftig aussehen wollte. Aber diesen Stoffhaufen w�rde er garantiert nicht in der Schlacht tragen. Da h�tte er sich auch Pips auf den R�cken laden und versuchen k�nnen, so zu k�mpfen�� selbst dann w�ren seine Chancen besser gewesen.</p><p>Die anderen vollzogen ihre �blichen Ehrbekundungen, als Tuon kam, obwohl sie doch nur wenige Minuten lang weg gewesen war. Mat nickte ihr zu. Sie musterte ihn in aller Ruhe von oben bis unten. Was hatten die blo� alle gegen ein ordentliches Hemd und einen h�bschen Mantel? Immerhin hatte er nicht den abgenutzten genommen, den er bei seinem Besuch bei Elayne getragen hatte. Den hatte er verbrannt.</p><p>�O Allergr��te�, sagte Courtani. Sie geh�rte dem Hohen Blut an und konnte Tuon darum direkt ansprechen. �M�get Ihr ewig atmen. Der Rabenprinz hat sich entschlossen, das Schlachtfeld selbst zu besuchen, da er zu dem Schluss gekommen ist, dass es unseren Boten und Gener�len an den n�tigen Fertigkeiten mangelt.�</p><p>Mat schob die Daumen hinter den G�rtel und betrachtete Tuon, als der Pferdeknecht endlich mit Pips kam. Das wurde auch Zeit. Hatte der Junge unterwegs Mittagspause gemacht, sich vielleicht noch ein paar Gauklervorstellungen angesehen?</p><p>�Nun, worauf warten wir dann?�, fragte Tuon. �Wenn der Prinz der Raben das Schlachtfeld sehen m�chte, sollte man annehmen, dass sich die treuen Diener des Kaiserreichs in ihrer Hast, ihn dorthin zu tragen, �berschlagen w�rden.�</p><p>Courtani sah aus, als h�tte man sie geohrfeigt. Mat grinste Tuon an, und sie bedachte ihn mit einem L�cheln. Beim Licht, wie ihm dieses L�cheln gefiel.</p><p>�Und, kommt Ihr mit?�, fragte er Tuon.</p><p>�Nat�rlich. Gibt es Eurer Meinung nach einen Grund, warum ich das nicht tun sollte?�</p><p>�Nicht einen�, erwiderte Mat und st�hnte innerlich. �Nicht einen verdammten Grund.�</p></section><section><title><p>29</p><p>Der Verlust eines H�gels</p></title><p>Konzentriert euch auf die Blassen!�, rief Egwene und schickte den Trollocs, die den H�gel erklommen, einen Luftsto� entgegen. Das Schattengez�cht hatte eine gewaltige Bresche in die Reihen der Pikenm�nner geschlagen, die den H�gel verteidigten, und str�mte nun hindurch. Mittlerweile daran gew�hnt, Machtlenker anzugreifen, hatten die Kreaturen ihre Scheu davor verloren. Das gab Egwene einen guten Blick auf die Faust und den Myrddraal, der sich genau in der Mitte verbarg. Er trug einen braunen Mantel �ber der �blichen Kleidung und hielt einen Trolloc-Haken.</p><p><emphasis>Kein Wunder, dass ich ihn lange nicht entdeckt habe,</emphasis> dachte Egwene und vernichtete das Gesch�pf mit einem Gewebe Feuer. Der Halbmensch zuckte kreischend in den Flammen, das augenlose Gesicht dem Himmel zugewandt. Die Faust Trollocs st�rzte ebenfalls.</p><p>Zufrieden l�chelte Egwene, aber ihre Befriedigung war nicht von langer Dauer. Ihren Bogensch�tzen gingen die Pfeile aus, die Pikenreihen waren mitgenommen, und einige Aes Sedai waren offensichtlich ersch�pft. Eine neue Welle Trollocs ersetzte jene, die sie eben vernichtet hatte. <emphasis>�berstehen wir noch so einen Tag?,</emphasis> fragte sie sich unwillk�rlich.</p><p>Unvermittelt brach ein Banner Lanzenreiter aus der linken Flanke von Brynes Heer, das am Fluss k�mpfte. Sie f�hrten die Flamme von Tar Valon�� das musste die Einheit schwere Kavallerie sein, auf die Bryne so stolz war. Er hatte sie unter dem Kommando von Hauptmann Joni Shagrin aus erfahrenen Veteranen s�mtlicher Kavallerieeinheiten anderer L�nder und den Soldaten der Burgwache, die sich dieser Elitestreitmacht anschlie�en wollten, zusammengestellt.</p><p>Die Lanzenreiter umgingen die Sharaner in vollem Galopp und hielten auf Egwenes H�gel zu, direkt auf die R�ckseite der Trollocs, die ihre Position angriffen. Gleich dahinter folgte eine zweite Kavallerieeinheit im Staub der ersten; sie f�hrte das dunkelgr�ne Banner von Illian. Anscheinend schickte der General den Aes Sedai endlich Hilfe.</p><p>Aber�� Moment mal. Egwene runzelte die Stirn. Von ihrer Position aus konnte sie deutlich erkennen, dass die ganze linke Flanke des Hauptheeres jetzt v�llig ungesch�tzt war. <emphasis>Was tut er da? Eine Falle f�r die Sharaner?</emphasis></p><p>Falls eine Falle geplant gewesen war, schlug sie nicht zu. Stattdessen st�rmte eine sharanische Kavallerieeinheit in Brynes entbl��te linke Flanke und fing an, den Soldaten, die diese Position am Fluss verteidigten, schwere Verluste zuzuf�gen. Und dann entdeckte Egwene auf dem Feld unter ihr eine andere Truppenbewegung, die sie wirklich entsetzte�� von der rechten Flanke des Feindes hatte sich eine noch gr��ere Kavallerieeinheit gel�st und hielt auf die Lanzenreiter zu, die ihr zu Hilfe kamen.</p><p>�Gawyn, sagt diesen Lanzenreitern Bescheid�� es ist eine Falle!�</p><p>Aber es war zu sp�t. Nach wenigen Augenblicken machte sich die sharanische Kavallerie daran, die Reiter der Wei�en Burg r�cklings abzuschlachten. Gleichzeitig hatten sich die hinteren Reihen der Trollocs gedreht, um sich dem Kavallerieangriff zu stellen. Egwene konnte genau sehen, dass diese Tiermenschen alle lange Stangenwaffen trugen, die Leiber von Mensch und Pferd durchbohrten. Die vorderen Reihen der Lanzenreiter gingen in einem blutigen Haufen zu Boden, und die Trollocs str�mten �ber die Toten, um die dahinter befindlichen Kavalleristen von ihren Reittieren zu zerren und niederzumachen.</p><p>Egwene br�llte, zog so viel von der Einen Macht in sich, wie sie konnte, und versuchte, diese Trolloc-Streitmacht zu vernichten�� und die anderen Frauen schlossen sich ihr an. Es war ein Massaker auf beiden Seiten. Es gab einfach zu viele Trollocs, und die Lanzenreiter waren ungesch�tzt. In wenigen Minuten war es vorbei. Nur ein paar Kavalleristen hatten �berlebt, und Egwene sah, wie sie, so schnell sie konnten, in Richtung Fluss ritten.</p><p>Das hatte sie ersch�ttert. Manchmal schienen sich die Heere mit der beh�bigen Geschwindigkeit von Schiffen in einem Dock zu bewegen�� und dann brach alles los, und ganze Banner wurden vernichtet.</p><p>Sie nahm den Blick von den Leichen am Boden. Die Positionen der Aes Sedai auf dem H�gel waren blo�gestellt und nicht l�nger zu halten. Als die Trollocs ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Streitmacht richteten, gab Egwene den Befehl, Wegetore zu weben. Sie lie� die Pikenm�nner sich nach oben durch die Tore zur�ckziehen, w�hrend die Bogensch�tzen den Beschuss auf die Kreaturen fortsetzten. Dann lie�en sie und die letzten Aes Sedai lange genug Zerst�rung auf die Ungeheuer herabregnen, damit die Bogensch�tzen die Tore erreichten.</p><p>Bevor sie durch das letzte Tor auf ihrem H�gel verschwand, warf sie noch einen Blick auf das Schlachtfeld. Was war hier gerade passiert? Sie sch�ttelte den Kopf, als Gawyn treu wie immer an ihre Seite trat. In diesem Kampf hatte er keine Gelegenheit gehabt, das Schwert zu ziehen. Genauso wenig wie Leilwin; die beiden schienen einen kleinen t�richten Wettstreit laufen zu haben, wer an Egwenes Seite der bessere Leibw�chter war. Sie fand das �rgerlich, aber es war besser als Gawyns m�rrisches Bedauern bei den vorherigen K�mpfen.</p><p>Aber er sah <emphasis>blass</emphasis> aus. Als w�rde er krank. Hatte er genug Schlaf mitbekommen?</p><p>�Begleitet mich ins Lager zu General Bryne�, sagte Egwene. �Ich will wissen, warum das passieren konnte. Und dann gehe ich zu unseren Truppen, die die Furt verteidigen, und r�che unsere Leute, die dort ihr Leben verloren haben.�</p><p>Beide bedachten sie mit einem Stirnrunzeln.</p><p>�Egwene���, sagte Gawyn.</p><p>�Ich habe noch genug Kraft�, erwiderte sie. �Das <emphasis>Sa�angreal</emphasis> habe ich benutzt, um mich nicht zu sehr verausgaben zu m�ssen. Die M�nner, die dort in diesem Abschnitt k�mpfen, m�ssen mich sehen, und ich muss dort hingehen, wo ich am meisten bewirken kann. Ich werde so viele Leibw�chter mitnehmen, wie ihr f�r richtig haltet.�</p><p>Gawyn z�gerte, warf Leilwin einen Blick zu und nickte dann.</p><empty-line/><p>Lan stieg vom Pferd und reichte Andere die Z�gel, dann eilte er an den Wachen vorbei zum Befehlszelt. Die Anwesenden schienen �berrascht zu sein, ihn und seine Leibw�chter, von denen viele blutverschmiert waren, zu sehen. Das Zelt war kaum mehr als ein Unterstand, der nach allen Seiten offen war. Soldaten eilten hinein und hinaus wie Ameisen in ihren H�gel. In Shienar herrschte gro�e Hitze. Von den anderen Fronten hatte Lan in letzter Zeit keine Berichte erhalten, aber er hatte geh�rt, dass er heute nicht der Einzige war, der verzweifelt war. Elayne k�mpfte vor Cairhien; die Amyrlin an der Grenze zu Arafel.</p><p>Mochte das Licht daf�r sorgen, dass sie besser vorankamen als er. Im Zelt hatte Agelmar �berall um sich herum Karten auf dem Boden ausgebreitet und zeigte mit einem d�nnen Stab darauf und schob kleine farbige Steine hin und her, w�hrend er seine Befehle gab. Die besten Schlachtpl�ne waren in dem Augenblick hinf�llig, in dem die erste Klinge gezogen wurde, aber ein guter General konnte Schlachten formen wie ein T�pfer seinen Lehm, erkannte die nat�rlichen Bewegungen seiner Soldaten und setzte sie dementsprechend ein.</p><p>�Lord Mandragoran?�, fragte Agelmar und schaute auf. �Licht, Mann! Ihr seht aus wie die F�ule. Wart Ihr schon zum Heilen bei einer Aes Sedai?�</p><p>�Mir geht es gut�, erwiderte Lan. �Wie verl�uft unsere Schlacht?�</p><p>�Ich bin zuversichtlich. Falls wir eine M�glichkeit finden, diese Schattenlords ein oder zwei Stunden aufzuhalten, dann haben wir wahrhaftig eine Chance, die Trollocs zur�ckzuschlagen.�</p><p>�Sicherlich nicht�, erwiderte Lan. �Es sind zu viele.�</p><p>�Es geht hier nicht um Zahlen�, behauptete Agelmar, winkte Lan zu sich und zeigte auf eine Karte. �Lan, da gibt es etwas, das nur wenige M�nner wirklich begreifen. Heere <emphasis>k�nnen</emphasis> oft scheitern, obwohl sie von �berlegener Zahl sind, auf dem Feld Vorteile haben und ihre Aussichten auf einen Sieg �berragend sind.</p><p>Als Feldherr f�ngt man irgendwann an, sich ein Heer als Gestalt vorzustellen. Eine riesige Bestie mit Tausenden Gliedma�en. Das ist ein Fehler. Jedes Heer setzt sich aus M�nnern zusammen�� oder in diesem Fall Trollocs��, von denen jeder im Feld steht und Angst hat. Beim Soldatentum geht es darum, seine Angst im Zaum zu behalten. Das Tier in einem will einfach nur entkommen.�</p><p>Lan ging in die Hocke und betrachtete die Schlachtpl�ne. Gr��tenteils stellte sich die Situation so dar, wie er sie gesehen hatte, allerdings hatte Agelmar die leichte saldaeanische Kavallerie auf der Karte noch immer an der Ostflanke. Ein Fehler? Lan hatte sich selbst davon �berzeugt, dass sie sich nicht l�nger dort befand. H�tten L�ufer Agelmar nicht l�ngst die Botschaft �berbringen m�ssen, dass die Karte nicht mehr stimmte? Oder lenkte er sie irgendwie davon ab, es zu bemerken?</p><p>�Lan, heute zeige ich Euch etwas�, sagte Agelmar leise. �Ich zeige Euch, was der geringste Mann auf dem Kasernenhof lernen muss, wenn er �berleben will. Man kann den �berlegenen Feind brechen, wenn man ihn davon �berzeugen kann, dass er sterben wird. Schlagt ihn fest genug, und er wird die Flucht ergreifen und nicht zur�ckkehren, um erneut getroffen zu werden�� selbst wenn man insgeheim zu schwach ist, um ihn noch einmal zu schlagen.�</p><p>�Das ist also Euer Plan?�, fragte Lan. �Heute?�</p><p>�Die Trollocs werden nachgeben, wenn wir ihnen unsere �berlegenheit auf eine Weise vor Augen f�hren, die ihnen Angst einjagt. Ich wei�, dass es funktionieren kann. Ich hoffe, dass wir die Anf�hrer dieser Schattenlords zur Strecke bringen k�nnen. Wenn die Trollocs �berzeugt sind, dass sie verlieren, laufen sie davon. Es sind feige Bestien.�</p><p>Agelmars Worte klangen einleuchtend. Vielleicht sah Lan ja nicht das Gesamtbild. Vielleicht �berstieg das Genie des Gro�en Hauptmanns die Vorstellungskraft geringerer M�nner. War es richtig von ihm gewesen, den Befehl, die Bogensch�tzen zu verlegen, zu widerrufen?</p><p>Der Bote, den er losgeschickt hatte, kam zur�ck zum Befehlsstand galoppiert. Einer von Lans Hohen Gardisten begleitete ihn; der Mann hielt sich den Arm, in dem ein Pfeil mit schwarzer Befriedung steckte. �Eine riesige Streitmacht Schattengez�cht!�, verk�ndete der Bote. �Sie kommt aus dem Osten! Dai Shan, Ihr hattet recht!�</p><p><emphasis>Sie wussten, dass sie diesen Weg nehmen m�ssen,</emphasis> dachte Lan. <emphasis>Sie k�nnen unm�glich einfach bemerkt haben, dass wir uns dort eine Bl��e geben, nicht, wo dieser H�gel ihre Sicht versperrt. Das geschah zu schnell. Man muss es dem Schatten gesagt haben, oder er wusste, womit er rechnen muss.</emphasis> Er blickte Agelmar an.</p><p>�Unm�glich!�, rief Agelmar. �Was hat das zu bedeuten? Warum haben die Kundschafter das nicht bemerkt?�</p><p>�Lord Agelmar�, erwiderte einer seiner Befehlshaber. �Ihr habt die Sp�her im Osten zur�ckgeschickt, um den Fluss zu erkunden, erinnert Ihr Euch nicht? Sie sollten f�r uns die Stelle f�r den �bergang �berpr�fen. Ihr sagtet, die Bogensch�tzen w�rden��� Der Mann wurde blass. �Die Bogensch�tzen!�</p><p>�Die Bogensch�tzen sind noch auf ihrem Posten�, sagte Lan und erhob sich. �Ich will, dass die Frontlinien sich zur�ckziehen. Zieht die Saldaeaner vom Kampf ab; sie sollen sich bereithalten, den Fu�soldaten dabei zu helfen, sich vom Kampfgeschehen zu l�sen. Zieht die Asha�man zur�ck. Wir brauchen Wegetore.�</p><p>�Lord Mandragoran�, sagte Agelmar. �Diese neue Entwicklung k�nnen wir uns zunutze machen. Wenn wir uns auseinanderziehen und sie dann zwischen uns zerschmettern, k�nnen wir���</p><p>�Ihr seid von Euren Pflichten entbunden, Lord Agelmar�, sagte Lan, ohne den Mann anzusehen. �Und leider muss ich darauf bestehen, dass Ihr unter Bewachung steht, bis ich herausgefunden habe, was passiert ist.�</p><p>Im Befehlszelt wurde es ganz still, als sich jeder Bote, Helfer und Offizier Lan zuwandte.</p><p>�Also wirklich, Lan�, protestierte Agelmar. �Das klingt ja beinahe so, als lie�et Ihr mich verhaften.�</p><p>�Das tue ich auch�, sagte Lan und gab den Hohen Gardisten einen Wink. Sie betraten das Zelt und nahmen Aufstellung, damit niemand entkommen konnte. Einige von Agelmars M�nnern griffen nach den Waffen, aber die meisten wirkten blo� verwirrt und legten nur die H�nde auf die Schwertgriffe.</p><p>�Das ist ungeheuerlich!�, rief Agelmar. �Seid kein Narr. Das ist nicht der Augenblick���</p><p>�Was soll ich Eurer Meinung nach tun?�, br�llte Lan. �Euch diese Armee in Grund und Boden f�hren lassen? Uns dem Schatten ausliefern? Warum tut Ihr das? <emphasis>Warum?</emphasis>�</p><p>�Eure Vorgehensweise ist �bertrieben�, erwiderte der Lord und beherrschte sich mit offensichtlicher Anstrengung. �Was denkt Ihr Euch nur dabei? Licht!�</p><p>�Warum habt Ihr die Bogensch�tzen von den �stlichen H�geln abgezogen?�</p><p>�Weil ich sie andernorts brauchte!�</p><p>�Und das ergibt einen Sinn?�, verlangte Lan zu wissen. �Habt Ihr mir nicht gesagt, dass es von entscheidender Bedeutung ist, diese Flanke zu besch�tzen?�</p><p>�Ich���</p><p>�Ihr habt auch die Kundschafter von dieser Position abgezogen. Warum?�</p><p>�Sie�� Ich��� Agelmar hob die Hand an die Stirn und sah verwirrt aus. Er schaute auf den Schlachtplan am Boden, und seine Augen weiteten sich.</p><p>�Was stimmt mit Euch nicht, Agelmar?�, fragte Lan dr�ngend.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte der Mann. Er blinzelte, starrte die Karte zu seinen F��en an. Dann zeichnete sich Entsetzen auf seinen Z�gen ab; er riss die Augen auf, �ffnete den Mund. �O Licht! Was habe ich getan?�</p><p>�Gebt meine Befehle weiter!�, sagte Lan zu seiner Hohen Garde. �Bringt Lord Baldhere ins Befehlszelt. Und K�nigin Ethenielle und K�nig Easar.�</p><p>�Lan, bringt unbedingt die��� Agelmar verstummte. �Licht! Ich kann es nicht aussprechen. Ich denke an das, was zu tun ist, und dann kommen in meinem Kopf die falschen Gedanken! Ich versuche noch immer, uns zu sabotieren. Ich habe uns zum Untergang verurteilt.� Er riss das Kurzschwert aus der Scheide.</p><p>Lan packte das Schwert an der Parierstange und verhinderte, dass Agelmar es sich in den Leib stie� und sein Leben beendete. Blut rann von Lans Fingern, wo er die scharfe Kante der Klinge direkt unterhalb der Stange ber�hrt hatte.</p><p>�Lasst mich in Ehre sterben�, sagte Agelmar. �Ich�� habe uns alle vernichtet. Ich habe uns den Sieg und den Krieg gekostet, Lan.�</p><p>�Nicht den Krieg, nur eine Schlacht�, erwiderte Lan. �Mit Euch stimmt etwas nicht. Eine Krankheit, eine Ersch�pfung oder ein Angriff des Schattens. Ich vermute, jemand hat Euren Verstand getr�bt.�</p><p>�Aber���</p><p>�Ihr seid ein Soldat!�, fuhr Lan ihn an. �Benehmt Euch wie einer!�</p><p>Agelmar erstarrte. Er erwiderte Lans Blick und nickte knapp. Lan nahm die Finger von der Klinge, und Agelmar schob sie zur�ck in ihre Scheide. Dann setzte sich der Gro�e Hauptmann mit untergeschlagenen Beinen auf den Boden und nahm die traditionelle shienarische Meditationshaltung ein, schloss die Augen.</p><p>Lan wandte sich ab und rief Befehle. Prinz Kaisel kam angelaufen; er war offensichtlich �ngstlich. �Was geschieht hier, Lord Mandragoran?�</p><p>�Vermutlich ein Gewebe namens Zwang�, sagte Lan. �Wir waren wie Kaninchen in einer Falle, und die Schlinge wurde langsam, aber fest um unseren Hals zugezogen. Jemand soll mir bitte sagen, dass die Asha�man noch gen�gend Kraft f�r Wegetore haben! Und bringt mir Nachricht von der Ostflanke! Diese Bogensch�tzen werden Unterst�tzung brauchen. Der Rest unserer Reserven soll sie besch�tzen.�</p><p>Prinz Kaisel wich zur�ck, als die Befehle erfolgten. Seine Augen waren weit aufgerissen, seine Hand lag auf dem Schwert. Er sah Lord Agelmars bleiches Gesicht an. �Haben wir wirklich verloren?�, fragte er Lan, sobald die Befehle erteilt worden waren und die Boten loseilten, um sie zu �berbringen.</p><p>�Ja�, sagte Lan. �Das haben wir.�</p><p>�Lan!�, sagte Agelmar unvermittelt und �ffnete die Augen.</p><p>Lan wandte sich ihm zu.</p><p>�K�nigin Tenobia�, sagte der Lord. �Ich habe sie in Gefahr gebracht, ohne zu wissen, was ich da tat. Wer auch immer diese Pl�ne in meinen Kopf gepflanzt hat, wollte sie tot sehen!�</p><p>Mit einem leisen Fluch rannte Lan aus dem Lager und den n�chsten H�gel hinauf. Die Kundschafter machten ihm Platz, als er den Kamm erreichte und das Fernrohr vom G�rtel riss. Er brauchte es nicht. Er entdeckte das Banner der K�nigin auch so auf dem Schlachtfeld.</p><p>Sie war umzingelt. Mit welcher Unterst�tzung sie auch immer gerechnet hatte, sie war nicht eingetroffen. Lan �ffnete den Mund, um Befehle zu geben, aber sie erstarben auf seinen Lippen, als die Trollocs das kleine wei�e und silberne Banner �berrannten, unter dem sie gek�mpft hatte. Sie fiel, und Sekunden sp�ter konnte er auf diesem Teil des Schlachtfelds keinen lebenden Soldaten mehr entdecken.</p><p>In seinem Inneren herrschte nur noch K�lte. Er konnte nichts f�r Tenobia tun. Hier ging es nicht l�nger darum, einzelne Personen zu retten.</p><p>Er konnte sich gl�cklich sch�tzen, wenn er an diesem Tag mit etwas entkam, das noch entfernte �hnlichkeit mit einem Heer hatte.</p><empty-line/><p>Mat ritt mit Tuon nach S�den dem Schlachtfeld entgegen, am Ufer des Flusses entlang, der die Westgrenze von Arafel bildete.</p><p>Wo Tuon hinging, da ging nat�rlich auch Selucia hin. Und jetzt Min; Tuon wollte ihre neue Unheilseherin st�ndig an ihrer Seite haben. Die Kaiserin fragte ununterbrochen nach Visionen, und Min erkl�rte z�gernd, was sie alles sah.</p><p>Mat hatte versucht, sie zu der Erkl�rung zu verleiten, sie s�he einen Hut um seinen Kopf kreisen. Dann h�rte Tuon bestimmt endlich mit ihren Bem�hungen auf, seinen Hut loszuwerden, oder nicht? Auf jeden Fall w�re es besser gewesen, als Min den Zeiger einer Waage und den Dolch und die verfluchten anderen Dinge erkl�ren zu lassen, die sie um ihn herum gesehen hatte.</p><p>Wo Tuon hinging, da gingen auch hundert Totenw�chter hin. Und Galgan und Courtani, die sich ger�gt f�hlten, weil sie Mat nicht schnell genug geholfen hatten. Furyk Karede war auch da, denn er f�hrte die Totenwache an. In Karedes N�he zu sein war ungef�hr so angenehm, wie die Finger eines Mannes in seinem Geldbeutel zu finden, aber er war ein guter Soldat, und Mat respektierte ihn. Zu gern h�tte er ihn und Lan in einem Blickwettstreit gegeneinander antreten lassen. Das h�tte die beiden jahrelang besch�ftigt.</p><p>�Ich brauche einen besseren Aussichtspunkt�, sagte Mat und betrachtete das Schlachtfeld, als sie in Reichweite kamen. �Da.�</p><p>Er wendete Pips und ritt auf einen H�gel zu, der sich in der N�he jener Stelle befand, an der die gegnerischen Streitkr�fte an der Furt Zerst�rung austauschten. Tuon folgte ihm wortlos. Als sie alle den H�gel erreicht hatten, fiel Mat auf, dass Selucia ihn mit Blicken zu erdolchen schien.</p><p>�Was ist?�, fragte er. �Ich dachte, es w�rde Euch freuen, mich zur�ckzuhaben. Jetzt k�nnt Ihr wieder jemanden b�se anstarren.�</p><p>�Die Kaiserin wird Euch �berallhin folgen, wo Ihr hingeht�, antwortete sie.</p><p>�Das wird sie�, entgegnete Mat. �So wie ich ihr �berallhin folge. Vermutlich. Ich hoffe, das f�hrt uns nicht zu oft im Kreis.� Er betrachtete die K�mpfe.</p><p>Der Fluss war nicht besonders breit�� vielleicht hundert Schritte��, aber er floss schnell und war auf beiden Seiten der Furt ziemlich tief. Das Wasser bildete eine h�bsche Barriere, und das nicht nur f�r die Trollocs. Allerdings bot die Furt einen bequemen �bergang�� hier war das Wasser bestenfalls knietief und breit genug, dass zumindest zwanzig Reiter nebeneinander zur gleichen Zeit �bersetzen konnten.</p><p>In der Ferne sa� inmitten des sharanischen Heeres ein Mann auf einem makellos wei�en Pferd. Ohne sein Fernrohr konnte Mat ihn kaum ausmachen; er trug eine funkelnde R�stung, wie sie Mat noch nie zuvor gesehen hatte, auch wenn die Entfernung es erschwerte, Einzelheiten zu erkennen. �Ich nehme an, das ist unser Verlorener?�, fragte er und deutete mit dem <emphasis>Ashandarei</emphasis> in seine Richtung.</p><p>�Anscheinend ruft er den Wiedergeborenen Drachen�, sagte Galgan. Genau in diesem Augenblick hallte Demandreds Stimme verst�rkt von der Einen Macht �ber das Schlachtfeld. Er verlangte, dass ihm der Drache in einem Duell gegen�bertrat.</p><p>Mat sah sich den Kerl durch sein Fernrohr an. �Demandred, was? Ist er nicht mehr ganz richtig im Kopf, oder wie sehe ich das?� Nun, auf jeden Fall wusste Mat jetzt, von welchem Teil des Schlachtfelds er sich verdammt noch mal fernhalten musste. Er hatte sich nicht in die Soldatenrolle eintragen lassen, um gegen Verlorene zu k�mpfen. Soweit er sich erinnerte, hatte er sich �berhaupt nicht eintragen lassen. Er war verflucht noch mal jeden Schritt gen�tigt worden. F�r gew�hnlich mit viel Druck und immer von der einen oder anderen dummen Frau.</p><p>Egwene konnte sich mit Demandred herumschlagen, vielleicht auch die Asha�man. Rand hatte behauptet, dass die Asha�man nicht l�nger verr�ckt wurden, aber das war ein lahmes Versprechen. Soweit es ihn betraf, war jeder Mann, der die Eine Macht lenken wollte, von vornherein verr�ckt. Sie noch verr�ckter zu machen war so, als w�rde man noch mehr Tee in eine bereits gef�llte Tasse sch�tten.</p><p>Zumindest besch�ftigten Tuons <emphasis>Damane</emphasis> diese sharanischen Machtlenker. Ihre Auseinandersetzung hatte das Ufer auf beiden Seiten umgepfl�gt. Aber es war unm�glich, sich ein klares Bild von den Ereignissen dort zu machen. Es herrschte einfach zu viel Verwirrung.</p><p>Mat f�hrte das Fernrohr wieder in s�dlicher Richtung am Fluss entlang und runzelte die Stirn. Nur wenige Hundert Schritte von der Furt entfernt stand ein Milit�rlager aufgebaut, aber nicht die zuf�llige Ansammlung von Zelten erregte seine Aufmerksamkeit. Am Ostrand dieses Lagers befand sich eine gro�e Menge Soldaten und ihre Pferde, die einfach dort herumstanden. Vor der Formation konnte er eine Gestalt auf und ab gehen sehen, die offensichtlich schlechte Laune hatte. Mat mochte ein Auge fehlen, aber es war nicht allzu schwer, Tylee zu erkennen.</p><p>Mat senkte das Fernrohr. Er rieb sich das Kinn, r�ckte den Hut zurecht und legte sich den <emphasis>Ashandarei</emphasis> auf die Schulter. �Gebt mir f�nf Minuten�, sagte er und trieb Pips zum Galopp den H�gel hinunter an. Er hoffte, dass Tuon ihn in Frieden lie�. Und das tat sie auch dieses eine Mal, obwohl�� als er den Fu� des H�gels erreichte, konnte er sich vorstellen, wie sie ihn mit ihrem neugierigen Ausdruck in den Augen beobachtete. Was er auch tat, sie schien es interessant zu finden.</p><p>Mat galoppierte am Fluss entlang zu Tylees Stellung. Explosionen schmerzten in seinen Ohren und machten deutlich, dass er sich dem Herz der Schlacht n�herte.</p><p>Er lenkte Pips nach links und ritt direkt zu der auf und ab gehenden Generalin. �Tylee, Ihr vom Licht geblendete N�rrin! Warum sitzt Ihr hier herum, statt Euch n�tzlich zu machen?�</p><p>�Hoheit�, sagte Tylee und fiel auf die Knie, �man befahl uns, hier zu warten, bis man uns holt.�</p><p>�Wer befahl Euch das? Und steht auf.�</p><p>�General Bryne, Hoheit�, sagte sie und erhob sich wieder. Die Wut in ihrem Tonfall blieb ihm nicht verborgen, aber ihre Miene zeigte keinerlei Regung. �Er sagte, wir seien nur eine Reservetruppe und dass wir unter gar keinen Umst�nden hier wegreiten sollten, bevor er den Befehl dazu gibt. Er sagte, dass viele Leben davon abh�ngen. Aber Ihr k�nnt es ja selbst sehen�, sagte sie und zeigte zum Fluss, �die Schlacht verl�uft nicht gut.�</p><p>Mat hatte sich viel zu sehr auf Tylee konzentriert, um zu sehen, was auf der anderen Seite des Wassers vor sich ging, aber jetzt lie� er den Blick seines einen Auges �ber das Feld schweifen.</p><p>W�hrend sich die <emphasis>Damane</emphasis> noch immer gegen die gegnerischen Machtlenker behaupten konnten, befanden sich die regul�ren Truppen in einer schlimmen Lage. Flussabw�rts war die Verteidigung an Brynes linker Flanke v�llig zusammengebrochen, und die Soldaten wurden von den Sharanern niedergemacht.</p><p>Wo steckte die Kavallerie? Sie sollte die Flanken besch�tzen. Und genau wie Mat vorhergesagt hatte, waren die sharanischen Bogensch�tzen vorger�ckt und beschossen Brynes Kavallerie auf der rechten Flanke. Es war, als w�rde man einen Pickel ausdr�cken wollen, und Brynes Truppen waren der Pickel, der bald platzen w�rde.</p><p>�Das ergibt doch alles verflucht noch mal keinen Sinn�, knurrte Mat. �Er macht daraus eine immer gr��ere Katastrophe. Wo ist der General jetzt, Tylee?�</p><p>�Das kann ich nicht sagen, Hoheit. Ich lasse nach ihm suchen, aber bis jetzt bekam ich noch keine R�ckmeldung. Aber ich habe Berichte erhalten, dass unsere Seite s�dlich von hier einen schweren R�ckschlag erhielt. Direkt unterhalb der H�gel an der Grenze sind zwei von General Brynes Kavallerieeinheiten ausgel�scht worden. Angeblich hat man sie dorthin geschickt, damit sie die <emphasis>Marath�Damane</emphasis> auf den H�geln entsetzen.�</p><p>�Blut und verdammte Asche.� Mat dachte �ber das Geh�rte nach. �Also gut, Tylee, wir k�nnen hier nicht l�nger herumstehen und warten. Wir tun jetzt Folgendes. Bannergeneral Makoti soll mit dem Zweiten Banner direkt in der Mitte vorr�cken. Er muss sich seinen Weg um unsere dort k�mpfenden Truppen herum freik�mpfen und diese Sharaner zur�ckdr�ngen. Ihr nehmt das Dritte Banner und schwenkt herum zur rechten Flanke; schaltet diese Bogensch�tzen und jeden anderen Ziegenk�sser aus, der Euch im Weg steht. Ich f�hre das Erste Banner zur linken Flanke her�ber und flicke diese Verteidigung. Bewegt Euch, Tylee!�</p><p>�Ja, Hoheit. Aber sicherlich wollt Ihr doch nicht so nahe ans Kampfgeschehen heran?�</p><p>�Doch, das werde ich. Und jetzt bewegt Euch, Tylee!�</p><p>�Bitte, darf ich dem�tig einen Vorschlag machen, Hoheit? Ihr seid ungesch�tzt; lasst mich Euch wenigstens eine vern�nftige R�stung besorgen.�</p><p>Mat dachte einen Augenblick lang nach, dann musste er zugestehen, dass ihr Vorschlag vern�nftig war. <emphasis>Da dort drau�en �berall Pfeile herumschwirren und mit Schwertern herumgefuchtelt wird, k�nnte jemand verletzt werden.</emphasis> Tylee rief einen ihrer Senioroffiziere heran, der ungef�hr die gleiche Gr��e wie Mat hatte. Sie lie� den Mann die R�stung ausziehen, die au�erordentlich farbig war. Sich �berlappende Platten waren gr�n, golden und rot lackiert und an den R�ndern silbern bemalt. Der Offizier blinzelte verwirrt, als Mat ihm im Gegenzug seinen Mantel reichte und sagte, dass er ihn am Ende des Tages im selben Zustand zur�ckzubekommen erwartete. Mat legte die R�stung an, die seine Brust, die Hinterseiten der Arme und die Vorderseiten der Oberschenkel bedeckte, und sie f�hlte sich ganz bequem an. Aber als der Offizier seinen Helm hinhielt, ignorierte Mat ihn und richtete lediglich seinen breitkrempigen Hut, w�hrend er sich Tylee zuwandte.</p><p>�Hoheit, noch eine Sache, die <emphasis>Marath�Damane</emphasis>���</p><p>�Ich k�mmere mich selbst um diese Machtlenker�, erwiderte Mat.</p><p>Sie starrte ihn an, als h�tte er den Verstand verloren. Verdammte Asche, vermutlich stimmte das sogar.</p><p>�Hoheit!�, sagte Tylee. �Die Kaiserin��� Sie verstummte, als sie Mats Gesichtsausdruck sah. �Lasst uns wenigstens nach ein paar <emphasis>Damane</emphasis> schicken, die Euch besch�tzen.�</p><p>�Ich kann selbst auf mich aufpassen, vielen herzlichen Dank. Diese verdammten Frauen w�rden mir blo� im Weg stehen.� Er grinste. �Seid Ihr bereit, Tylee? Ich m�chte das hier wirklich gern erledigt haben, bevor es Zeit f�r meinen Schlummertrunk Ale ist.�</p><p>Tylee fuhr auf dem Absatz herum und rief: �Aufgesessen!� Licht, sie hatte ein Paar ordentliche Lungen. Tausende Hinterteile trafen ihre S�ttel und produzierten ein sattes Klatschen, das quer durch die Legion hallte, und jeder Soldat sa� in Habtachtstellung da, die Augen geradeaus. Eines musste er den Seanchanern lassen�� sie bildeten verdammt gute Soldaten aus.</p><p>Tylee bellte eine Reihe Befehle, dann wandte sie sich wieder Mat zu und sagte: �Auf Euren Befehl, Hoheit.�</p><p>Mat rief: <emphasis>�Los caba�drin!�</emphasis> Die wenigsten der hier Versammelten verstanden die Worte, und doch wussten sie instinktiv, dass es �Reiter vorw�rts!� hie�.</p><p>Mit �ber dem Kopf erhobenen <emphasis>Ashandarei</emphasis> f�hrte Mat Pips in das Wasser, gefolgt vom Bodengrollen das Ersten Banners, das die Reihen um ihn schloss. Die dr�hnenden seanchanischen Signalh�rner hinter ihm bliesen zum Angriff; der Ton eines jeden Horns unterschied sich leicht vom n�chsten, was einen grellen, dissonanten Laut hervorrief, der �ber gro�e Entfernungen geh�rt werden sollte. Der L�rm lie� die Soldaten der Wei�en Burg �ber die Schulter blicken, und in den Sekunden, die Mat und die Seanchaner brauchten, um die Furt zu �berqueren, st�rzten Soldaten aus dem Weg, um den Reitern Platz zu machen.</p><p>Die Seanchaner scherten ein kurzes St�ck nach links aus und befanden sich unversehens mitten in der sharanischen Kavallerie, die sich ihren Weg durch Egwenes Fu�soldaten gebahnt hatte. Die Schnelligkeit ihres Vorsto�es versetzte die seanchanische Vorhut in die Lage, hart in die Sharaner hineinzusto�en, und ihre gut ausgebildeten Pferde stiegen genau in dem Moment kurz auf die Hinterbeine, bevor sie den Feind mit den Vorderbeinen trafen. Sharaner und ihre Reittiere st�rzten, und viele von ihnen wurden zertrampelt, als die seanchanische Kavallerie ihren gnadenlosen Vorsto� fortf�hrte.</p><p>Die Sharaner schienen zu wissen, was sie zu tun hatten, aber es handelte sich bei ihnen um schwere Kavallerie, die mit beschwerlicher R�stung bepackt und mit langen Lanzen ausger�stet war. Perfekt, um Fu�soldaten zu t�ten, die mit dem R�cken zur Wand standen, aber auf so engem Raum waren sie gegen eine �u�erst bewegliche leichte Kavallerie eindeutig im Nachteil.</p><p>Das Erste Banner war eine Eliteeinheit, die ein gro�es Arsenal Waffen benutzte, und sie war dazu ausgebildet, in kleinen Gruppen zusammenzuarbeiten. Von den vorderen Reitern mit t�dlicher Treffsicherheit geschleuderte Speere stachen in die Visiere der Sharaner, und eine �berraschende Anzahl landete in den dahinter befindlichen Gesichtern. Ihnen folgten Reiter, die Bih�nder mit gekr�mmten Klingen schwangen und auf die verletzbare Stelle zwischen Helm und Brustpanzer zielten oder auf die genauso verletzbare Brust der gepanzerten sharanischen Schlachtrosse einschlugen und ihre Reiter so zu Boden warfen. Andere Seanchaner setzten gekr�mmte Stangenwaffen ein, um Sharaner aus dem Sattel zu zerren, w�hrend die ihnen zugeteilten Gef�hrten mit stachelbewehrten Streitkolben auf den Gegner einschlugen und seine R�stung so sehr verbeulten, dass seine Bewegungen erheblich eingeschr�nkt waren. Und wenn die Sharaner am Boden lagen und m�hsam aufzustehen versuchten, st�rzten sich die Stecher auf sie, leicht bewaffnete Seanchaner, deren Aufgabe darin bestand, die Visiere der Gest�rzten nach oben zu rei�en und schmale Dolche in entbl��te Augen zu rammen. Unter diesen Bedingungen waren die Lanzen der Sharaner nutzlos�� tats�chlich behinderten sie nur, und viele Sharaner starben, bevor sie die Lanzen fallen lassen und Schwerter ziehen konnten.</p><p>Mat befahl einer Kavallerieeinheit, am Ufer entlang �ber die linke Flanke der Schlacht zu reiten und dann einen Bogen um die sharanische Kavallerie zu machen. Die Infanterie der Wei�en Burg im linken Zentrum konnte nun, da sie nicht l�nger von den sharanischen Lanzen niedergehalten wurde, ihre Piken und Hellebarden wieder einsetzen, und mit den zus�tzlichen Bem�hungen des Zweiten und Dritten Banners der Seanchaner formierte sich die Verteidigung an der Furt langsam wieder. Es war eine schmutzige, rutschige Arbeit, als der nur mehrere Hundert Schritte vom Fluss entfernte Boden zertrampelt wurde und sich in Schlamm verwandelte. Aber die Streitkr�fte des Lichts verteidigten ihre Stellung.</p><p>Mat wurde mitten ins Get�mmel gerissen, und sein <emphasis>Ashandarei</emphasis> kam nicht zur Ruhe. Aber er fand schnell heraus, dass seine Waffe nicht sehr n�tzlich war; nur wenige Hiebe fanden verletzliches Fleisch, gr��tenteils glitt die Klinge von den gegnerischen R�stungen ab, und er musste sich wiederholt im Sattel verrenken und ducken, um nicht von einer sharanischen Klinge getroffen zu werden.</p><p>Langsam bahnte er sich einen Weg durch den Kampf und hatte fast die hinteren Linien der sharanischen Kavallerie erreicht, als ihm bewusst wurde, dass drei seiner Gef�hrten nicht l�nger auf ihren Pferden sa�en. Seltsam, vor einer Minute waren sie noch da gewesen. Zwei andere erstarrten und blickten sich hektisch um, dann standen sie pl�tzlich in Flammen, schrien gequ�lt auf und warfen sich zu Boden, bevor sie erschlafften. Mat schaute gerade noch rechtzeitig nach rechts, um mitzubekommen, wie eine seanchanische Fahne von einer unsichtbaren Kraft hundert Fu� zur�ckgeschleudert wurde.</p><p>Als er wieder nach vorn blickte, sah er sich dem Blick einer wundersch�nen Frau ausgesetzt. Sie trug ein seltsames schwarzes Seidengewand, das weit von ihrem K�rper abstand und mit wei�en Schleifen verziert war. Wie Tuon war sie eine dunkelh�utige Sch�nheit, aber ihre hohen Wangenknochen und der breite sinnliche Mund, der zu schmollen schien, hatten nichts Zierliches. Da verzogen sich die Lippen zu einem L�cheln, einem L�cheln, das nichts Gutes f�r ihn verhie�.</p><p>Als sie ihn anstarrte, wurde sein Medaillon eiskalt. Mat atmete auf.</p><p>Bis jetzt schien er Gl�ck gehabt zu haben, aber er wollte es nicht zu sehr strapazieren, genauso wenig wie man sein bestes Rennpferd zu sehr antrieb. In den kommenden Tagen w�rde er noch eine ordentliche Menge Gl�ck brauchen.</p><p>Er sprang vom Pferd und ging auf die Frau zu, die keuchend und mit weit aufgerissenen Augen versuchte, ein anderes Gewebe zu weben. Mat drehte den <emphasis>Ashandarei</emphasis> und lie� ihn nach vorn sausen, schlug ihr die Beine unter dem K�rper weg. Dann brachte er den Schaft herum und versetzte ihr noch im Sturz einen Hieb auf den Hinterkopf.</p><p>Die Frau landete mit dem Gesicht im Schlamm. Mat hatte keine Zeit, sie dort herauszuziehen, denn pl�tzlich standen ihm Dutzende Sharaner gegen�ber. Zehn seiner Soldaten schw�rmten hinter ihm aus, und er griff an. Diese Sharaner hatten lediglich Schwerter. Mat wehrte sie mit wirbelnder Klinge und Schaft ab; er und die Seanchaner k�mpften wild.</p><p>Waffen wirbelten schemenhaft umher, der <emphasis>Ashandarei</emphasis> lie� Lehmklumpen aufspritzen. Zwei von Mats M�nnern schnappten sich die am Boden liegende Frau, bevor sie im Schlamm erstickte.</p><p>Mat dr�ngte vorw�rts.</p><p>M�nner br�llten, riefen nach Verst�rkung.</p><p>Schritte f�hrten vorsichtig, aber unweigerlich nach vorn.</p><p>Der Boden f�rbte sich rot.</p><p>Sharanische Soldaten ersetzten die Gefallenen, und die Leichen wurden tiefer in den Schlamm getrampelt. Soldaten waren oft grimmige Burschen, aber jeder dieser Sharaner schien darauf versessen zu sein, Mat zu t�ten�� bis keine von ihnen mehr kamen. Mat schaute sich um; an seiner Seite standen nur noch vier Seanchaner.</p><p>Trotz des chaotischen Kampfes hatte Mat den Eindruck, jetzt klarer als zuvor zu sehen. Und die Kampfpause gab ihm Gelegenheit, wieder wie ein Befehlshaber zu handeln.</p><p>�Fesselt der Frau die H�nde auf den R�cken�, sagte er keuchend zu seinen M�nnern, �und bindet ihr ein Tuch vor die Augen, damit sie nicht sehen kann.� Er wischte sich den Schwei� von der Stirn�� Licht, das reichte f�r einen zweiten Fluss. �Wir werden uns mit unserer Gefangenen einen Weg zur�ck zur Furt erzwingen. Ich werde sehen, ob ich noch ein paar verdammte <emphasis>Damane</emphasis> finden kann, die man in diesen Kampf wirft. Die Sharaner haben einen Fehler gemacht, nur eine ihrer Machtlenkerinnen allein auf dem Schlachtfeld zu lassen. Aber wir sollten hier verschwinden, bevor noch mehr von ihnen auftauchen.�</p><p>Mat sch�ttelte die Hand; er hatte einen seiner N�gel angeschlagen und den sch�nen Lack zerkratzt. Er wandte sich einem seanchanischen Offizier zu, der die ganze Zeit an seiner Seite gek�mpft hatte. Der Mann sah ihn ehrf�rchtig an, als w�rde er den verdammten Wiedergeborenen Drachen pers�nlich anstarren. Mat schaute zu Boden, denn ihm gefiel der Ausdruck des Mannes gar nicht, aber vermutlich war der auch nicht schlimmer als der Anblick des blutgetr�nkten Schlamms voller sharanischer Leichen. Wie viele hatte er davon get�tet?</p><p>�Hoheit���, sagte der Offizier. �Gro�er Lord, kein Mann im Dienst des Kaiserreichs w�rde es jemals wagen, der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, nicht den geb�hrenden Respekt zu erweisen. Aber sollte sich ein Mann �ber ihre Entscheidung seine Gedanken gemacht haben, dann w�rde er das nicht l�nger tun. Prinz der Raben!� Er hob das Schwert zum Salut, was die M�nner hinter ihm in Jubel ausbrechen lie�.</p><p>�Besorgt euch ein paar verdammte Stangenwaffen�, sagte Mat grob. �In dieser Schlacht sind Schwerter f�r Fu�soldaten so gut wie nutzlos.� Er biss ein St�ck des st�renden Fingernagels ab und spuckte es aus. �Das habt ihr Burschen gut gemacht. Hat jemand mein Pferd gesehen?�</p><p>Pips stand in der N�he, also nahm er seine Z�gel und ging zur�ck zur Furt. Er schaffte es sogar, sich von den meisten Scharm�tzeln fernzuhalten. Jedenfalls gr��tenteils. Dieser seanchanische Hauptmann erinnerte ihn etwas zu sehr an Talmanes, und es folgten ihm bereits genug Leute. <emphasis>Ich frage mich, ob er wohl gern w�rfelt,</emphasis> dachte er bei sich und trat ins Wasser. Seine Stiefel waren gut, aber irgendwann wurden alle Stiefel undicht, und seine F��e in den Socken wurden nass, als er mit Pips die Furt durchquerte. Am Ufer weit zu seiner Rechten gab es irgendeinen Aufruhr, anscheinend stand dort eine Gruppe Aes Sedai und lenkte die Macht in Richtung Schlachtfeld. Aber er hatte nicht die geringste Absicht, seine Nase in ihre Angelegenheiten zu stecken. Ihn besch�ftigten weiterreichende Dinge.</p><p>Voraus erblickte er einen Mann in volumin�sen Hosen und einem bekannt aussehenden Mantel, der neben einem Baum stand. Er ritt zu ihm und tauschte mit ihm nach einer kurzen Unterhaltung die Sachen. Es f�hlte sich gut an, wieder den Mantel aus den Zwei Fl�ssen zu tragen, und er schwang sich mit noch immer tropfenden Stiefeln in den Sattel und ritt wieder zu der Stelle, an der er Tuon zur�ckgelassen hatte. Seine M�nner hatten die sharanische Machtlenkerin gebracht�� wie befohlen hatten sie sie geknebelt und ihr die Augen verbunden. Beim Licht, was sollte er mit ihr machen? Vermutlich w�rde sie als <emphasis>Damane</emphasis> enden.</p><p>Er verlie� seine Soldaten und passierte die Leibw�chter, die jetzt vor dem H�gel Aufstellung genommen hatten, mit kaum einem Nicken. Vor seinem inneren Auge breitete sich das Schlachtfeld aus, das nun keine kleinen Zeichnungen auf einem St�ck Papier mehr darstellte. Er konnte das Feld sehen und die M�nner k�mpfen h�ren, konnte den stinkenden Atem des Feindes riechen. Jetzt war es Wirklichkeit f�r ihn.</p><p>�Die Kaiserin�, empfing ihn Selucia, als er oben angelangt war, �w�rde gern und vor allem in allen Einzelheiten wissen, warum Ihr es f�r angebracht hieltet, Euch auf eine derart verantwortungslose Weise ins Get�mmel zu st�rzen. Euer Leben geh�rt nicht l�nger Euch, Prinz der Raben. Ihr k�nnt es nicht l�nger wegwerfen, wie Ihr es einst wohl immer getan habt.�</p><p>�Ich musste es wissen�, erwiderte Mat und sah zur�ck. �Ich musste den Puls der Schlacht f�hlen.�</p><p>�Den Puls?�, fragte Selucia. Tuon unterhielt sich mit huschenden Fingern wie eine verdammte Tochter des Speers mit ihr. Sprach ihn nicht direkt an. Kein gutes Zeichen.</p><p>�Jede Schlacht hat einen Puls, Tuon�, sagte Mat und starrte weiterhin in die Ferne. �Nynaeve�� sie hat manchmal jemandes Hand ber�hrt, um dessen Herzschlag zu �berpr�fen, und darum wusste sie dann, dass etwas mit seinen F��en nicht stimmte. Das hier ist das Gleiche. Man muss in den Kampf treten, seine Bewegung f�hlen. Sie kennenlernen���</p><p>Ein Diener mit zur H�lfte rasiertem Kopf trat zu Tuon und fl�sterte ihr und Selucia etwas zu. Er war von der Furt gekommen.</p><p>Mat musterte weiterhin die Gegend, rief sich Karten in Erinnerung, legte aber die echten Kampfhandlungen dar�ber. Bryne, der Tylee nicht einsetzte, die Verteidigung seiner linken Flanke an der Furt entbl��te, seine Kavallerie in eine Falle schickte.</p><p>Die Schlacht er�ffnete sich Mat, und er erkannte Taktiken, die den aktuellen Geschehnissen zehn Schritte voraus waren. Es war, als w�rde er die Zukunft lesen, so wie die Dinge, die Min sah, nur mit Fleisch, Blut, Schwertern und Schlachttrommeln.</p><p>Er grunzte. �Ha! Gareth Bryne ist ein Schattenfreund.�</p><p>�Er ist was?�, stotterte Min.</p><p>�Diese Schlacht ist nur einen Schritt von der Niederlage entfernt�, sagte Mat und wandte sich Tuon zu. �Ich brauche auf der Stelle den Oberbefehl �ber unsere Heere. Keine Debatten mit Galgan mehr. Min, geh zu Egwene und warne sie, dass Bryne versucht, diese Schlacht zu verlieren. Tuon, sie muss pers�nlich gehen. Ich bezweifle, dass Egwene auf jemand anderen h�ren wird.�</p><p>Alle starrten Mat verbl�fft an�� alle bis auf Tuon, die ihm einen ihrer die Seele ersch�tternden Blicke widmete. Die ihm das Gef�hl gaben, er w�re eine Maus, die man in einem ansonsten makellos sauberen Zimmer erwischte. Er lie� ihn mehr schwitzen als die Schlacht.</p><p><emphasis>Komm schon,</emphasis> dachte er. <emphasis>Daf�r haben wir jetzt keine Zeit.</emphasis> Nun sah er es genau vor sich, wie eine gro�e Partie Steine. Brynes Bewegungen waren kompliziert und subtil, aber letzten Endes w�rden sie auf die Vernichtung von Egwenes Heer hinauslaufen.</p><p>Mat konnte das verhindern. Aber er musste <emphasis>jetzt</emphasis> handeln.</p><p>�So soll es sein�, sagte Tuon.</p><p>Die Bemerkung rief beinahe genauso �berraschung hervor wie Mats Ank�ndigung. Generalhauptmann Galgan sah aus, als w�rde er lieber die eigenen Stiefel fressen, als Mat das Kommando zu �berlassen. Min wurde von einer Reihe Diener und Soldaten weggef�hrt, und sie protestierte w�tend.</p><p>Tuon brachte ihr Pferd n�her an Mat heran. �Man hat mir berichtet�, sagte sie leise, �dass Ihr eben in der Schlacht nicht nur eine <emphasis>Marath�Damane</emphasis> f�r Euch beansprucht habt, sondern auch einen Eurer Offiziere zum Niedrigen Blut erhoben habt.�</p><p>�Das habe ich?�, fragte Mat verbl�fft. �Daran erinnere ich mich gar nicht.�</p><p>�Ihr habt Euren Nagel vor seine F��e geworfen.�</p><p>�Ach. Das�� Nun gut, das habe ich wohl getan. Das war ein Zufall. Und die <emphasis>Machtlenkerin</emphasis>�� verdammte Asche, Tuon. Ich wollte sie nicht zur�� glaube ich jedenfalls. Nun, Ihr k�nnt sie haben.�</p><p>�Nein�, erwiderte Tuon. �Es ist gut f�r Euch, selbst eine erbeutet zu haben. Nat�rlich k�nnt Ihr sie nicht ausbilden, aber viele <emphasis>Sul�dam</emphasis> werden begierig auf diese Gelegenheit warten. Es geschieht sehr selten, dass ein Mann auf dem Schlachtfeld eine <emphasis>Damane</emphasis> gefangen nimmt, in der Tat sehr selten. Obwohl ich Euren besonderen Vorteil kenne, tun andere das nicht. Das wird Euren Ruf bedeutend st�rken.�</p><p>Mat zuckte mit den Schultern. Was sollte er da machen? Vielleicht konnte er die <emphasis>Damane</emphasis> ja freilassen, wenn sie ihm geh�rte.</p><p>�Ich werde den Offizier, den Ihr erhoben habt, Euch als pers�nlichen Bediensteten zuteilen�, fuhr Tuon fort. �Er hat einen guten Ruf, vielleicht sogar zu gut. Man hatte ihn zum Dienst an der Furt eingeteilt, weil man ihn einer Gruppierung zurechnete, die sich gegen uns wenden will. Jetzt singt er Euer Loblied. Ich wei� nicht, was Ihr gemacht habt, um seine Meinung zu �ndern. Ihr scheint da besondere F�higkeiten zu haben.�</p><p>�Hoffen wir blo�, dass meine F�higkeiten ausreichen, um einen Sieg zu erringen�, knurrte Mat. �Tuon, das hier sieht �bel aus.�</p><p>�Niemand sonst teilt diese Meinung.� Sie sagte es sehr bedacht, widersprach ihm eigentlich nicht. Stellte lediglich eine Tatsache dar.</p><p>�Wie dem auch sei, ich habe recht. Ich w�nschte, es w�re anders, aber ich habe recht. Ich habe verflucht noch mal recht.�</p><p>�Falls nicht, werde ich viel an Einfluss verlieren.�</p><p>�Werdet Ihr nicht�, sagte Mat und f�hrte den Weg zur�ck zum seanchanischen Lager ein paar Meilen weiter n�rdlich an. Er legte ein z�giges Tempo vor. �Ich mag Euch ja hin und wieder in die falsche Richtung f�hren, aber am Ende k�nnt Ihr Euch darauf verlassen, dass ich stets eine sichere Wette darstelle.�</p></section><section><title><p>30</p><p>Wie ein Raubtier</p></title><p>Perrin und Gaul machten eine weitere best�rzende Runde durch Egwenes Lager�� jedenfalls durch den Teil, der sich im Wolfstraum widerspiegelte. Ihr Heer war weit nach Osten gedr�ngt worden, und die Zelte standen noch nicht lange genug am Fluss, um sich deutlich im Wolfstraum abzuzeichnen.</p><p>Die W�lfe hatten Graendal hier gesehen, aber Perrin hatte sie nicht auf frischer Tat bei dem ertappen k�nnen, was auch immer sie hier anstellte.</p><p>Dreimal hatte der Schl�chter mittlerweile versucht, die Bohrung anzugreifen, und die W�lfe hatten Perrin gewarnt. Jedes Mal hatte sich der Schl�chter vor seinem Eintreffen zur�ckgezogen. Der Mann lotete sie aus. Wie ein Raubtier�� es sah sich die Herde an und hielt Ausschau nach den Schwachen.</p><p>Wenigstens war Perrins Plan mit den W�lfen aufgegangen. In der Bohrung verging die Zeit langsamer, also wurden die Bewegungen des Schl�chters notgedrungen verlangsamt, als er zu Rand vorzusto�en versuchte. Das verschaffte Perrin die Gelegenheit, ihn rechtzeitig zu erreichen.</p><p>�Wir m�ssen die anderen vor Graendal warnen�, sagte er und hielt in der Lagermitte inne. �Sie muss mit Schattenfreunden in unseren Lagern in Verbindung stehen.�</p><p>�Vielleicht sollten wir zu denen an der Bohrung gehen? Du konntest doch mit Nynaeve Sedai sprechen.�</p><p>�Vielleicht. Aber ich wei� nicht, ob es gut w�re, Nynaeve noch einmal abzulenken. Wenn man bedenkt, womit sie besch�ftigt ist.� Perrin drehte sich um, betrachtete die flackernden Bettrollen, die dann wieder aus dem Wolfstraum verschwanden. Er und Gaul hatten in Merrilor nach einem Wegetor Ausschau gehalten, aber im Moment gab es dort keins. Wenn er zur�ck in die wache Welt wollte, musste er dort lagern und stundenlang warten. Das erschien als eine solche Zeitverschwendung.</p><p>H�tte er doch blo� herausgefunden, wie man sich in die reale Welt <emphasis>zur�ckversetzte</emphasis>. Lanfear hatte angedeutet, dass er den Trick durchaus lernen konnte, aber sein einziger Hinweis darauf war der Schl�chter. Er versuchte sich an den Augenblick zu erinnern, als sich der Mann nach drau�en <emphasis>versetzt</emphasis> hatte. War ihm da etwas aufgefallen? Ein winziger Hinweis darauf, wie der Schl�chter das anstellte?</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Das war er immer wieder durchgegangen, ohne zu einem Schluss zu kommen. Seufzend suchte er nach den W�lfen. <emphasis>Eine Spur von Herzsucherin?,</emphasis> fragte er hoffnungsvoll.</p><p>Die W�lfe reagierten mit Belustigung. Er hatte sie das schon zu oft gefragt.</p><p><emphasis>Habt ihr denn Lager der Zweibeiner gesehen?</emphasis></p><p>Das erbrachte eine vage Antwort. W�lfe schenkten den Menschen nur Aufmerksamkeit, um ihnen aus dem Weg zu gehen; im Wolfstraum spielte das im Grunde keine gro�e Rolle. Aber wo viele Menschen zusammenkamen, gerieten Albtr�ume manchmal au�er Kontrolle, also hatten die W�lfe gelernt, auch hier auf Abstand zu bleiben.</p><p>Gern h�tte er gewusst, wie die anderen Schlachten verliefen. Was war mit Elaynes Heer und seinen M�nnern, mit Lord und Lady Bashere? Perrin f�hrte Gaul fort; sie liefen mit weit ausholenden Schritten, statt sofort zu einer Stelle zu springen. Perrin wollte nachdenken.</p><p>Je l�nger er mit seinem K�rper im Wolfstraum verweilte, umso st�rker wurde das Gef�hl, eigentlich wissen zu m�ssen, wie man sich <emphasis>zur�ckversetzte</emphasis>. Sein K�rper schien zu begreifen, dass dieser Ort f�r ihn unnat�rlich war. Er hatte hier nicht geschlafen, obwohl sie doch�� wie lange waren sie jetzt hier? Er vermochte es nicht zu sagen. Ihre Rationen hatten sie so gut wie aufgebraucht, dabei sagte ihm sein Gef�hl, dass er und Gaul erst ein paar Stunden hier waren. Dieses Gef�hl wurde zum Teil auch von den h�ufigen Stippvisiten in der Bohrung verursacht, wo er den Traumnagel �berpr�fte, aber die Zeit zu vergessen fiel hier �berhaupt sehr leicht.</p><p>Und da war eine qu�lende M�digkeit in seinem Inneren, die st�rker wurde. Er wusste nicht, ob er hier �berhaupt schlafen konnte. Sein K�rper verlangte nach Ruhe, hatte aber vergessen, wie er sie finden sollte. Es erinnerte ihn ein wenig an die Art und Weise, wie Moiraine bei ihrer Flucht aus den Zwei Fl�ssen vor so langer Zeit ihre M�digkeit vertrieben hatte. Das war jetzt zwei Jahre her.</p><p>Zwei sehr lange Jahre.</p><p>Als N�chstes untersuchten sie Lans Lager. Es war noch substanzloser als Egwenes; den Wolfstraum hier zur �berwachung zu benutzen war sinnlos. Lan bewegte sich mit viel Kavallerie und zog sich schnell zur�ck. Er und seine M�nner blieben nicht lange genug an einem Ort, um sich von fl�chtigen Hinweisen abgesehen im Traum widerzuspiegeln.</p><p>Von Graendal gab es keine Spur. �<emphasis>Aan�allein</emphasis> zieht sich ebenfalls zur�ck�, vermutete Gaul und musterte den felsigen Boden, den sie f�r Lans Lager hielten. Hier gab es keine Zelte, nur gelegentliche fl�chtige Abbilder von Schlafst�tten an einem Pfahl, an dem die Reiter ihre Pferde festmachten.</p><p>Der Aiel-Mann schaute auf und musterte die Landschaft im Westen. �Wenn sie sich von hier aus weiter zur�ckziehen, werden sie irgendwann wieder am Feld von Merrilor eintreffen. Vielleicht ist das das Ziel.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Perrin. �Ich will Elaynes Frontabschnitt besuchen und���</p><p><emphasis>Junger Bulle,</emphasis> rief ihm ein Wolf zu. Ihm kam die �Stimme� irgendwie bekannt vor. <emphasis>Sie ist hier.</emphasis></p><p><emphasis>Hier?,</emphasis> fragte Perrin. <emphasis>Herzsucherin?</emphasis></p><p><emphasis>Komm.</emphasis></p><p>Perrin nahm Gaul am Arm und <emphasis>versetzte</emphasis> sie weit nach Norden. Graendal hielt sich am Shayol Ghul auf? Versuchte sie dort einzubrechen und Rand zu t�ten?</p><p>Sie trafen auf einem Felskamm oberhalb des Tales ein. Er und Gaul warfen sich sofort auf den Bauch, sp�hten �ber den Rand und musterten das Tal. Neben Perrin erschien ein alter grauer Wolf. Er kannte diesen Wolf, da war er sich sicher�� der Geruch war vertraut, aber er konnte ihm keinen Namen zuordnen, und der Wolf gab ihm auch keinen.</p><p>�Wo?�, fl�sterte Perrin. �Ist sie in der H�hle?�</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> dachte der graue Wolf. <emphasis>Dort.</emphasis></p><p>Der Wolf �bermittelte ein Bild von Zelten, die sich direkt unterhalb des H�hleneingangs im Tal dr�ngten. Seit Perrin sie das erste Mal hierher verfolgt hatte, war sie nicht mehr in diesem Tal gesehen worden.</p><p>Ituraldes Truppen hatten sich hier lange genug verschanzt, dass ihre Zelte im Wolfstraum immer mehr Substanz gewannen. Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich vorsichtig nach unten. Gaul und der Wolf gesellten sich zu ihm, als er nach vorn schlich und sich auf das von dem Wolf �bermittelte Bild als F�hrung verlie�.</p><p><emphasis>Dort,</emphasis> sagte der Wolf und deutete mit dem Kopf auf ein gro�es Zelt in der Mitte. Perrin hatte Graendal bereits zuvor in diesem Zelt gesehen, dem Zelt von Rodel Ituralde.</p><p>Perrin erstarrte, als der Zelteingang zur Seite geschoben wurde. Graendal trat heraus. Sie sah aus wie zuvor, ihr Gesicht ein verwitterter Felsen.</p><p>Perrin erschuf eine schmale bemalte Wand, um sich zu verbergen, aber die M�he h�tte er sich sparen k�nnen. Graendal �ffnete sofort ein Wegetor und trat in die wache Welt. Dort war es Nacht, obwohl Zeit in dieser N�he zur Bohrung auf eine so seltsame Weise verging, dass es f�r den Rest der Welt m�glicherweise keine gro�e Bedeutung hatte.</p><p>Auf der anderen Seite des Tores konnte Perrin dasselbe Zelt ausmachen. Zwei Domani-W�chter standen davor. Graendal winkte mit der Hand, und beide nahmen Haltung an und salutierten ihr.</p><p>Das Wegetor fing an sich zu schlie�en, als Graendal ins Zelt schl�pfte. Perrin z�gerte, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sich, um direkt vor dem Tor zu stehen. Ihm blieb ein Augenblick f�r eine Entscheidung. Sollte er ihr folgen?</p><p>Nein. Er musste den Schl�chter im Auge behalten. Aber in dieser N�he zum Tor f�hlte er etwas�� eine Wahrnehmung. Durch dieses Wegetor zu gehen w�rde wie��</p><p>Es w�rde wie aufwachen sein.</p><p>Das Tor schloss sich. Perrin versp�rte einen Stich des Bedauerns, aber er wusste, dass es richtig gewesen war, im Wolfstraum zu bleiben. Hier war Rand so gut wie schutzlos vor dem Schl�chter. Er w�rde Perrins Hilfe brauchen.</p><p>�Wir m�ssen eine Warnung schicken�, sagte Perrin.</p><p><emphasis>Ich sch�tze, ich k�nnte diese Botschaft f�r dich �berbringen, Junger Bulle,</emphasis> dachte der namenlose Wolf.</p><p>Perrin erstarrte, dann fuhr er herum und zeigte auf das Tier. �Elyas!�</p><p><emphasis>Ich bin hier Langzahn, Junger Bulle.</emphasis> Elyas gab Belustigung von sich.</p><p>�Du hast doch gesagt, du k�mst nicht her.�</p><p><emphasis>Ich sagte, ich meide diesen Ort. Er ist seltsam und gef�hrlich. Ich habe schon gen�gend Aufregung und Gefahren in meinem Leben in der anderen Welt.</emphasis> Der Wolf setzte sich auf die Hinterbeine. <emphasis>Aber jemand musste nach dir sehen, dummer Welpe.</emphasis></p><p>Perrin l�chelte. Elyas� Gedanken waren eine seltsame Mischung aus Wolf und Mensch. Er �bermittelte sie auch sehr wolfs�hnlich, aber er betrachtete sich selbst als zu <emphasis>menschlich</emphasis>.</p><p>�Wie geht der Kampf voran?�, fragte Perrin begierig. Gaul nahm in der N�he seinen Posten ein f�r den Fall, dass Graendal oder der Schl�chter erschienen. Das vor ihnen aufragende Zelt lag genau wie der Talboden ausnahmsweise still da. Der Sturm hatte sich abgeschw�cht, der Staub auf dem sandigen Boden wogte leicht. Wie Wasser.</p><p><emphasis>Ich wei� nichts �ber die anderen Schlachtfelder,</emphasis> sagte Elyas, <emphasis>und wir W�lfe halten uns weit von den Zweibeinern entfernt. Wir k�mpfen hier und da am Rand der Schlacht. Haupts�chlich haben wir die Verzerrten und Niegeborenen von der anderen Seite der Schlucht angegriffen, wo es au�er diesen seltsamen Aiel keine Zweibeiner gibt.</emphasis></p><p><emphasis>Es ist ein ersch�pfender Kampf. Schattent�ter muss sich beeilen. Wir halten seit f�nf Tagen stand, schaffen es aber nicht mehr lange.</emphasis></p><p>F�nf Tage hier im Norden. In der restlichen Welt war viel mehr Zeit vergangen, seit Rand den Berg betreten hatte, um dem Dunklen K�nig gegen�berzutreten. Rand selbst war so nahe an der Bohrung, dass f�r ihn vermutlich blo� Stunden ��oder gar nur Minuten�� vergangen waren. Wenn sich Perrin der Stelle n�herte, an der er k�mpfte, konnte er f�hlen, wie die Zeit dort anders floss.</p><p>�Ituralde�, sagte Perrin und kratzte sich am Bart. �Er ist einer der Gro�en H�uptlinge.�</p><p><emphasis>Ja.</emphasis> Elyas roch belustigt. <emphasis>Manche nennen ihn �Kleiner Wolf�.</emphasis></p><p>�Bashere ist bei Elaynes Heer�, sagte Perrin. �Und Gareth Bryne ist bei Egwene. Agelmar ist bei den Grenzl�ndern und Lan.�</p><p><emphasis>Davon wei� ich nichts.</emphasis></p><p>�So ist es. Vier Fronten. Vier Gro�e Hauptm�nner. <emphasis>Das</emphasis> macht sie also.�</p><p>�Graendal?�, fragte Gaul.</p><p>�Ja�, antwortete Perrin. Sein Zorn wuchs. �Sie stellt etwas mit ihnen an, ver�ndert ihre Gedanken, vergiftet sie. Ich habe geh�rt, wie sie sagte�� ja. Das ist es, ich bin mir sicher. Statt mit ihren eigenen Heeren gegen unsere Truppen zu k�mpfen, will sie die Gro�en Hauptm�nner st�rzen. Elyas, wei�t du, wie man den Wolfstraum im Fleisch betritt und wieder verl�sst?�</p><p><emphasis>Selbst wenn ich es w�sste�� was nicht der Fall ist��, w�rde ich es dir nicht beibringen,</emphasis> sagte Elyas mit einem Knurren. <emphasis>Hat dir niemand gesagt, dass du da etwas schrecklich Gef�hrliches machst?</emphasis></p><p>�Zu viele�, sagte Perrin. �Licht! Wir m�ssen Bashere warnen. Ich muss���</p><p>�Perrin Aybara�, sagte Gaul und zeigte mit dem Finger. �Er ist hier!�</p><p>Perrin fuhr herum und sah einen dunkelblauen Schemen auf den Eingang zum Krater des Verderbens zurasen. W�lfe wimmerten und starben. Andere heulten und fingen mit der Jagd an. Dieses Mal wich der Schl�chter nicht zur�ck.</p><p>Der Weg des Raubtiers. Zwei oder drei schnelle Vorst��e, um die Schw�chen festzustellen, dann der Angriff.</p><p>�Wach auf!�, rief Perrin Elyas zu und lief den Hang hinauf. �Warne Elayne, Egwene, jeden, den du erreichen kannst! Und wenn du das nicht schaffst, halte Ituralde irgendwie auf. Die Gro�en Hauptm�nner sind beeinflusst worden. Eine der Verlorenen kontrolliert ihren Verstand, und man kann ihrer Taktik nicht vertrauen!�</p><p><emphasis>Ich erledige das, Junger Bulle,</emphasis> sagte Elyas und l�ste sich auf.</p><p>�Gaul, geh zu Rand!�, br�llte Perrin. �Bewache den Weg zu ihm! Lass keinen dieser Rotschleier vorbei!�</p><p>Perrin befahl den Hammer in seine H�nde, wartete die Erwiderung nicht ab und <emphasis>versetzte</emphasis> sich, um den Schl�chter zu stellen.</p><empty-line/><p>Rand k�mpfte mit Moridin; vor der Dunkelheit, die die Essenz des Dunklen K�nigs darstellte, traf Klinge auf Klinge. Die kalte Weite war zugleich leer und irgendwie unendlich.</p><p>Rand hielt so viel von der Einen Macht, dass er fast barst. F�r den kommenden Kampf w�rde er diese Kraft brauchen. Im Augenblick widerstand er Moridin. Er benutzte <emphasis>Callandor</emphasis> wie eine richtige Waffe, parierte Moridins Angriffe damit, als w�re es ein Schwert aus Licht.</p><p>Bei jedem Schritt tropfte Blut auf den Boden. Nynaeve und Moiraine klammerten sich an Stalagmiten, als w�rde sie etwas hart bedr�ngen, ein Wind, den er nicht sp�ren konnte. Nynaeve schloss die Augen. Moiraine starrte geradeaus, als w�re sie entschlossen, um keinen Preis wegzusehen.</p><p>Rand wehrte Moridins n�chsten Angriff ab, die Klingen schlugen Funken. Im Zeitalter der Legenden war er stets der bessere Schwertk�mpfer der beiden gewesen.</p><p>Er hatte seine Hand verloren, aber dank Tam war dies nun nebens�chlich. Und er war verletzt. Dieser Ort�� dieser Ort ver�nderte die Dinge. Am Boden liegende Steine schienen sich von selbst zu bewegen, und er stolperte oft. Die Luft wurde abwechselnd muffig und trocken und dann wieder feucht und modrig. Zeit umsp�lte sie wie ein Fluss. Rand hatte das Gef�hl, sie sehen zu k�nnen. Hier nahm jeder Hieb nur Augenblicke in Anspruch, aber drau�en vergingen Stunden.</p><p>Er traf Moridin am Arm, das Blut seines Gegners spritzte gegen die Wand.</p><p>�Mein Blut und deines�, sagte Rand. �Ich muss dir f�r die Wunde in meiner Seite danken, Elan. Damals hast du dich f�r den Dunklen K�nig gehalten, nicht wahr? Hat er dich daf�r bestraft?�</p><p>�Ja�, knurrte Moridin. �Er hat mich ins Leben zur�ckgebracht.� Er setzte zu einem beidh�ndig gef�hrten Hieb an. Rand trat zur�ck und fing den Schlag mit <emphasis>Callandor</emphasis> ab, aber er sch�tzte das Gef�lle des Bodens falsch ein. Entweder das, oder das Gef�lle ver�nderte sich unter ihm. Er stolperte, der Hieb zwang ihn auf ein Knie herunter.</p><p>Klinge traf auf Klinge. Rands Bein rutschte zur�ck und kam mit der Finsternis in Kontakt, die wie eine Tintenpf�tze hinter ihm wartete.</p><p>Alles wurde schwarz.</p><empty-line/><p>Das ferne Ogierlied tr�stete Elayne, als sie auf dem H�gel n�rdlich von Cairhien auf ihrem Sattel zusammensackte.</p><p>Die Frauen, die sie umgaben, waren in keiner besseren Verfassung. Elayne hatte s�mtliche Kusinen um sich geschart, die <emphasis>Saidar</emphasis> halten konnten�� ganz egal, wie schwach oder ersch�pft sie waren��, und sie sich zu zwei Zirkeln verkn�pfen lassen. In ihrem eigenen Zirkel hatte sie zw�lf Frauen, aber ihre gemeinsame Kraft in der Macht war kaum mehr als die einer einzigen Aes Sedai.</p><p>Elayne hatte aufgeh�rt, die Macht zu lenken, um den Kusinen eine Pause zu verschaffen. Die meisten von ihnen sackten auf ihren S�tteln in sich zusammen oder setzten sich einfach auf den Boden. Vor ihnen erstreckte sich eine l�ckenhafte Schlachtenlinie. Verzweifelt k�mpften M�nner vor den cairhienischen H�geln und versuchten einem Meer aus Trollocs standzuhalten.</p><p>Ihr Sieg �ber das Nordheer des Schattengez�chts war nicht von langer Dauer gewesen, denn jetzt waren sie weit auseinandergezogen, ersch�pft und ernsthaft in Gefahr, vom S�dheer eingekreist zu werden.</p><p>�Wir h�tten es beinahe geschafft�, sagte Arganda neben ihr und sch�ttelte den Kopf. �Wir h�tten es beinahe geschafft.�</p><p>Er trug eine Feder an seinem Helm. Sie hatte Gallenne geh�rt. Elayne war nicht dabei gewesen, als der Befehlshaber aus Mayene gefallen war.</p><p>Das war der bittere Teil. Sie waren so nahe dran gewesen. Trotz Basheres Verrat, trotz der unerwarteten Ankunft des S�dheers, h�tten sie es beinahe geschafft. H�tte sie nur etwas mehr Zeit gehabt, ihre M�nner in Stellung zu bringen, h�tten sie mehr als nur eine Atempause gehabt zwischen dem Sieg �ber das Nordheer und dann der Kehrtwende, um sich dem S�dheer entgegenzustellen��</p><p>Aber das war nicht der Fall gewesen. In der N�he k�mpften die stolzen Ogier, um die Drachen zu besch�tzen, aber sie wurden allm�hlich �berrannt. Die alten Gesch�pfe brachen wie gef�llte B�ume zusammen, umgest�rzt von den Trollocs. Eines ihrer Lieder nach dem anderen verstummte.</p><p>Arganda hielt eine blutige Hand gegen die Seite gedr�ckt; er konnte kaum sprechen. Ihr fehlte die Kraft, ihn zu Heilen. �Eure Beh�terin ist auf dem Schlachtfeld t�dlich, Euer Majest�t. Ihre Pfeile fliegen wie das Licht selbst. Ich k�nnte schw�ren��� Arganda sch�ttelte den Kopf. Vielleicht w�rde er nie wieder ein Schwert halten k�nnen, selbst wenn er Geheilt wurde.</p><p>Man h�tte ihn mit den anderen Verwundeten wegbringen sollen, an�� irgendeinen anderen Ort. Aber den gab es nicht; die Machtlenkerinnen waren zu ersch�pft, um Wegetore zu weben.</p><p>Ihr Heer brach auseinander. Die Aiel k�mpften in kleinen Gruppen, die Wei�m�ntel waren so gut wie eingekesselt, die Wolfsgarde war in keinem besseren Zustand. Die schwere Kavallerie der Legion des Drachen ritt noch, aber Basheres Verrat hatte sie schwer ersch�ttert.</p><p>Gelegentlich feuerte ein Drache. Aludra hatte sie nach oben auf den h�chsten H�gel gerollt, aber sie hatten keine Munition mehr, und den Machtlenkerinnen fehlte die Kraft f�r Wegetore nach Baerlon, um neue Dracheneier zu beschaffen. Aludra hatte Teile von R�stungen abgefeuert, bis ihr das Pulver ausging. Jetzt reichte es nur noch f�r gelegentliche Sch�sse.</p><p>Bald w�rden die Trollocs ihre Linien endg�ltig durchbrechen und ihr Heer wie hungrige L�wen verschlingen. Elayne sah von ihrem H�gel aus zu, von zehn ihrer Gardistinnen besch�tzt. Der Rest hatte sich in den Kampf gest�rzt. �stlich von ihrer Position brachen Trollocs durch die Reihen der Aiel, direkt neben dem H�gel der Drachenm�nner. Die Bestien st�rmten den H�gel hinauf, t�teten die wenigen Ogier-Verteidiger und br�llten ihren Sieg hinaus, w�hrend die Drachenm�nner S�bel zogen und sich grimmig zur Verteidigung wappneten.</p><p>Elayne war noch nicht bereit, die Drachen aufzugeben. Sie sammelte Kraft aus dem Zirkel; die Frauen st�hnten. Es kam kaum mehr ein Tr�pfeln der Macht zusammen, viel weniger als gehofft, und sie lenkte Feuer auf die vordersten Trollocs.</p><p>Elaynes Angriff schoss auf das Schattengez�cht zu. Sie hatte das Gef�hl, einen Sturm aufhalten zu wollen, indem sie gegen den Wind spuckte. Der einsame Feuerball traf.</p><p>Aber dann explodierte die Erde, zerfetzte die ganze H�gelseite und schleuderte <emphasis>Dutzende</emphasis> Trollocs in die Luft.</p><p>Elayne zuckte zusammen, was Mondschatten unter ihr scheuen lie�. Arganda fluchte.</p><p>Jemand ritt auf einem gro�en Rappen an ihre Seite, als w�re er aus dem Rauch gekommen. Der Mann war von mittlerer Gr��e und hatte dunkle Locken, die ihm bis zu den Schultern reichten. Logain sah d�nner aus, als sie in Erinnerung hatte, seine Wangen waren eingefallen, aber sein Gesicht war noch immer h�bsch.</p><p>�Logain?�, sagte sie sprachlos.</p><p>Der Asha�man gestikulierte scharf. �berall auf dem Schlachtfeld ert�nten Explosionen. Elayne wandte den Kopf und sah auf der H�gelkuppe �ber einhundert M�nner in schwarzen M�nteln aus einem gro�en Wegetor marschieren.</p><p>�Zieht diese Ogier zur�ck�, befahl Logain. Seine Stimme klang rau. Seine Augen erschienen dunkler als fr�her. �Wir werden diese Position halten.�</p><p>Elayne blinzelte, dann nickte sie Arganda zu, damit er den Befehl weitergab. <emphasis>Logain sollte mir keine Befehle geben,</emphasis> dachte sie fl�chtig. F�r den Augenblick lie� sie es geschehen.</p><p>Logain wendete sein Pferd und ritt zur Seite des H�gels, schaute hinab auf ihr Heer. Elayne folgte ihm. Sie f�hlte sich wie benommen. Trollocs fielen, als Asha�man seltsame Angriffe webten, Wegetore, die irgendwie mit dem Boden verbunden zu sein schienen. Sie glitten vorw�rts und t�teten Schattengez�cht.</p><p>Logain grunzte. �Ihr seid in einem schlechten Zustand.�</p><p>Sie sch�ttelte die L�hmung ab. Die Asha�man waren da. �Hat Rand euch geschickt?�</p><p>�Wir haben uns selbst geschickt�, antwortete Logain. �Den Notizen in Taims Arbeitszimmer zufolge hat der Schatten diese Falle schon seit langer Zeit geplant. Ich konnte sie erst k�rzlich entschl�sseln.� Er sah sie an. �Wir sind zuerst zu euch gekommen. Die Schwarze Burg steht an der Seite des L�wen von Andor.�</p><p>�Wir m�ssen meine Leute dort herausschaffen�, sagte Elayne und zwang ihren Verstand, die Wolke aus Ersch�pfung, die ihn einh�llte, zu durchdringen. Ihr Heer brauchte eine K�nigin. �Muttermilch in einer Tasse! Das kostet uns viel.� Bei einem R�ckzug w�rde sie vermutlich ihr halbes Heer verlieren. Besser die H�lfte als sie alle. �Ich fange damit an, meine M�nner in Reihen formiert zur�ckzuholen. K�nnt Ihr gen�gend Wegetore machen, um uns in Sicherheit zu bringen?�</p><p>�Das w�re durchaus m�glich�, erwiderte Logain geistesabwesend und blickte den H�gel hinunter. Seine reglose Miene h�tte jeden Beh�ter beeindruckt. �Aber das wird ein Gemetzel. Da ist kein Platz f�r einen ordentlichen R�ckzug, und Eure Linien werden immer schw�cher, w�hrend sich die M�nner zur�ckziehen. Die letzten Reihen werden �berw�ltigt und vernichtet werden.�</p><p>�Ich w�sste nicht, dass wir eine andere Wahl h�tten�, fauchte Elayne ersch�pft. Licht! Da war Hilfe gekommen, und sie fauchte sie an. <emphasis>H�r auf damit.</emphasis> Sie sammelte sich und setzte sich aufrechter. �Ich wollte sagen, dass Eure Ankunft, sosehr wir sie auch zu sch�tzen wissen, eine so weit fortgeschrittene Schlacht nicht mehr wenden kann. Einhundert Asha�man k�nnen nicht hunderttausend Trollocs allein aufhalten. K�nnten wir unsere Schlachtlinien besser aufstellen, meinen M�nnern wenigstens eine kurze Pause verschaffen�� aber nein. Das ist unm�glich. Wir m�ssen uns zur�ckziehen�� es sei denn, Ihr k�nntet ein Wunder vollbringen, Lord Logain.�</p><p>Er l�chelte, vielleicht weil sie ihn als Lord bezeichnet hatte. �Androl!�, bellte er.</p><p>Ein Asha�man mittleren Alters eilte herbei, eine pummelige Aes Sedai schloss sich ihm an. <emphasis>Pevara?,</emphasis> dachte Elayne, war aber zu ersch�pft, um einen Sinn darin zu erkennen. <emphasis>Eine Rote?</emphasis></p><p>�Mein Lord?�, fragte der Mann. Androl.</p><p>�Ich muss dieses Trolloc-Heer lange genug aufhalten, damit sich das Heer neu formieren kann, Androl�, sagte Logain. �Wie viel wird uns ein Wunder kosten?�</p><p>�Nun, mein Lord�, erwiderte Androl und rieb sich das Kinn. �Das kommt darauf an. Wie viele von diesen Frauen, die dort hinten sitzen, k�nnen die Macht lenken?�</p><empty-line/><p>Es war wie eine Tat aus den Legenden.</p><p>Elayne hatte von den gro�en Werken geh�rt, die ein umfangreicher Zirkel aus M�nnern und Frauen vollbringen konnte. Jede Frau in der Wei�en Burg bekam im Unterricht die Heldentaten der Vergangenheit vermittelt, Geschichten aus anderen, besseren Tagen. Tage, in denen die eine H�lfte der Einen Macht nichts gewesen war, vor dem man sich f�rchten musste, als die beiden H�lften eines Ganzen zusammengearbeitet hatten, um unglaubliche Wunder zu vollbringen.</p><p>Sie war sich nicht sicher, ob die Tage der Legenden wirklich zur�ckgekehrt waren. Die Aes Sedai dieser Zeiten waren mit Sicherheit nicht so besorgt gewesen, so verzweifelt. Aber was jetzt vor ihren Augen geschah, fl��te Elayne Ehrfurcht ein.</p><p>Sie schloss sich dem Zirkel an, der aus insgesamt vierzehn Frauen und zw�lf M�nnern bestand. Sie hatte kaum noch Kraft hinzuzuf�gen, aber ihr Tr�pfeln trug zu dem immer gr��er werdenden Machtstrom bei. Viel wichtiger aber war, dass ein Zirkel mindestens eine Frau mehr als M�nner haben musste�� und jetzt, da sie sich ihm angeschlossen hatte, konnte Logain als Letzter dazusto�en und dem Strom seine betr�chtliche Kraft hinzuf�gen.</p><p>Die Leitung ihres Zirkels hatte Androl, eine seltsame Wahl. Nach der Verkn�pfung konnte sie seine bescheidene Kraft f�hlen. Er war au�erordentlich schwach, schw�cher als viele Frauen, die man in der Burg abgewiesen hatte, denen man wegen mangelndem Talent die Stola verweigert hatte.</p><p>Elayne und die anderen waren auf die andere Seite des Schlachtfelds umgezogen. Der Rest der Asha�man hielt die angreifende Trolloc-Horde zur�ck, w�hrend Androl seine Vorbereitungen traf. Was auch immer er vorhatte, es w�rde schnell geschehen m�ssen. Elayne wollte noch immer nicht richtig glauben, dass sie �berhaupt etwas ausrichten konnten. Selbst mit so viel Macht, selbst mit dreizehn M�nnern und vierzehn Frauen, die zusammenarbeiteten.</p><p>�Licht�, fl�sterte Androl, der zwischen ihrem Pferd und Logains stand. �F�hlt sich das so an, wenn man einer von euch ist? Wie k�nnt ihr nur so viel von der Einen Macht bew�ltigen? Wie verhindert ihr, dass sie euch lebendig verschlingt, euch verbrennt?�</p><p>Pevara legte ihm in einer unmissverst�ndlich z�rtlichen Geste die Hand auf die Schulter. In ihrer Ersch�pfung konnte Elayne kaum zwei Gedanken festhalten, trotzdem war sie in diesem Moment richtig schockiert. Niemals h�tte sie von einer Roten Zuneigung f�r einen Mann erwartet, der die Macht lenken konnte.</p><p>�Holt die Soldaten zur�ck�, sagte Androl leise.</p><p>Besorgt gab Elayne den Befehl. Der Mann neben ihr hatte noch nie zuvor solche Macht gehalten. So etwas konnte einem zu Kopfe steigen; sie hatte es erlebt. Gebe das Licht, dass er wusste, was er da tat.</p><p>Die Soldaten und andere eilten zur�ck und passierten Elaynes Gruppe. Mehrere ersch�pfte Ogier nickten ihr im Vorbeigehen zu, sie lie�en die Schultern h�ngen, und ihre Arme waren mit Schnitten �bers�t. Die Trollocs str�mten herbei, aber die Asha�man, die nicht dem Zirkel angeh�rten, st�rten ihren Angriff mit Geweben der Einen Macht.</p><p>Es reichte nicht. Obwohl die Asha�man gut k�mpften, waren da so <emphasis>viele</emphasis> Trollocs. Diese Flut konnten die Asha�man nicht aufhalten. Was glaubte Logain da blo� ausrichten zu k�nnen?</p><p>Androl l�chelte breit und streckte die Arme nach vorn, als st�tzte er sich gegen eine Mauer. Er schloss die Augen. �Vor dreitausend Jahren erschuf der Lord Drache den Drachenberg, um seine Schande zu verbergen. Sein Zorn brennt noch immer hei�. Heute�� bringe ich ihn Euch, Euer Majest�t.�</p><p>Ein mindestens hundert Fu� hoher Lichtstrahl teilte die Luft. Mondschatten scheute zur�ck, und Elayne runzelte die Stirn. Wozu eine Lichts�ule? Was sollte das bringen�� Der Lichtstrahl rotierte, drehte sich um die eigene Achse. Erst da erkannte Elayne, dass es sich um den Beginn eines Wegetors handelte. Ein gewaltiges Wegetor, gro� genug, um ganze H�user zu verschlingen. Sie h�tte einen Fl�gel des k�niglichen Palasts von Caemlyn durch dieses Ding schieben k�nnen!</p><p>Nun schimmerte die Luft in der Art, wie die R�ckseite eines Wegetors immer aussah. Elayne konnte nicht erkennen, wo das Tor eigentlich hinf�hrte. Wartete etwa ein Heer auf der anderen Seite?</p><p>Da bemerkte sie den Ausdruck der geifernden Trollocs, als sie in die �ffnung starrten. Absolutes Entsetzen. Sie machten kehrt und rannten, und Elayne versp�rte eine pl�tzliche, beinahe �berw�ltigende Hitze.</p><p>Etwas explodierte f�rmlich aus dem Tor, wie von einer unglaublichen Macht angetrieben. Eine hundert Fu� breite gl�hend hei�e Lavas�ule. Die S�ule brach sofort auseinander, als das fl�ssige Gestein zu Boden st�rzte, auf das Schlachtfeld spritzte und in einem breiten Strom vorw�rtsschoss. Die Asha�man au�erhalb des Zirkels setzten Gewebe aus Luft ein, damit keine Lava zur�ck zum H�gel spritzte, leiteten sie so in die gew�nschte Richtung.</p><p>Der Feuerfluss brodelte durch die vorderen Reihen der Trollocs und verschlang sie, vernichtete Hunderte in der Zeit eines Wimpernschlages. Die Lava stand von der anderen Seite unter unvorstellbarem Druck; nur so lie� sich die Wucht erkl�ren, mit der sie aus dem gewaltigen Wegetor schoss und Trollocs in Asche verwandelte und eine breite Schneise durch ihr Heer brannte.</p><p>Androl hielt das Wegetor viele Minuten ge�ffnet, in denen sich die Armee des Schattens zur�ckzog. Die Asha�man an den Seiten setzten Windst��e ein, um Schattengez�cht zur�ck in den stetig breiter werdenden roten Strom zu schleudern. Als Androl fertig war, hatte er eine Barriere aus rot gl�hendem Tod zwischen Elaynes Heer und der Masse der Trollocs erschaffen, die nun mit dem R�cken zur Nordmauer Cairhiens stand.</p><p>Der Asha�man holte tief Luft, schloss das Wegetor, dann fuhr er auf dem Absatz herum und erschuf schnell hintereinander zwei weitere Tore, eines nach S�dosten, das andere nach S�dwesten.</p><p>Ein zweiter und dritter Lavastrom schossen hervor�� allerdings waren sie dieses Mal kleiner, da Androl offensichtlich schw�cher wurde. Sie ergossen sich in das Land �stlich und westlich von Cairhien, lie�en die toten B�sche vergl�hen und Rauch in die Luft aufsteigen. Ein Teil der Tiermenschen konnte sich zur�ckziehen, aber viele von ihnen wurden vernichtet�� eingesperrt zwischen der befestigten Stadt auf der einen und der Lava auf den anderen Seiten. Es w�rde eine Weile dauern, bevor die Blassen die �berlebenden organisieren konnten, um den Angriff auf Elaynes Streitkr�fte fortzusetzen.</p><p>Androl schloss die Wegetore. Er sackte zusammen, aber Pevara fing ihn auf.</p><p>�Ein Wunder, mein Lord�, sagte Androl, aber seine Stimme war leise, als w�rde ihn das Sprechen anstrengen. �Geliefert wie gew�nscht. Das m�sste sie ein paar Stunden lang zur�ckhalten. Reicht das?�</p><p>�Das ist lange genug�, sagte Elayne. �Wir werden uns neu formieren k�nnen, Nachschub f�r die Drachen besorgen und so viele Aes Sedai aus Mayene holen, wie wir k�nnen, um unsere M�nner zu Heilen und ihre Ersch�pfung zu beseitigen. Dann k�nnen wir herausfinden, wer weitermachen kann, und unsere Reihen f�r eine weitaus effektivere Schlacht neu positionieren.�</p><p>�Ihr wollt weiterk�mpfen?�, fragte Androl �berrascht.</p><p>�Ja�, antwortete Elayne. �Ich kann mich kaum auf den Beinen halten, aber ja. Wir k�nnen es uns nicht leisten, diese Horde hier ungeschoren zu lassen. Ihr und Eure M�nner gebt uns einen Vorteil, Logain. Wir werden ihn nutzen, und dazu alles, was wir nur haben, und wir <emphasis>werden</emphasis> sie vernichten.�</p></section><section><title><p>31</p><p>Ein Wassersturm</p></title><p>Egwene blickte �ber den Fluss zu dem verbissenen Kampf zwischen ihren Streitkr�ften und der sharanischen Armee. Sie war auf der arafelischen Seite der Furt wieder in ihrem Lager eingetroffen. Es juckte sie in den Fingern, sich erneut der Schlacht gegen den Schatten anzuschlie�en, aber sie musste unbedingt mit Bryne �ber die Geschehnisse am H�gel sprechen. Bei ihrer Ankunft war das Befehlszelt leer gewesen.</p><p>Das Lager f�llte sich weiterhin mit Aes Sedai und �berlebenden Bogensch�tzen und Pikenm�nnern, die von den H�geln im S�den durch Wegetore eintrafen. Die Aes Sedai eilten umher und sprachen in dr�ngendem Tonfall miteinander. Sie alle erschienen ersch�pft, aber ihre h�ufigen Blicke zur Schlacht auf der anderen Grenzseite verrieten, dass sie genauso begierig wie Egwene waren, den Kampf gegen den Schatten fortzusetzen.</p><p>Egwene befahl den Boten zu sich, der vor dem Befehlszelt stand. �Sagt den Schwestern Bescheid, dass sie weniger als eine Stunde haben, um sich auszuruhen. Diese Trollocs, die wir bek�mpft haben, werden bald zur Schlacht am Fluss sto�en, da wir jetzt die H�gel verlassen haben.�</p><p>Sie w�rde die Aes Sedai auf dieser Seite flussabw�rts f�hren und den Feind dann �ber das Wasser hinweg angreifen, wenn er �ber die Felder kam, um �ber ihre Soldaten herzufallen. �Gebt den Bogensch�tzen Bescheid, dass sie ebenfalls mit uns marschieren werden�, f�gte sie hinzu. �Sie k�nnen ihre restlichen Pfeile f�r einen guten Zweck benutzen, bis wir Nachschub bekommen.�</p><p>Als der Bote loseilte, wandte sie sich Leilwin zu, die mit ihrem Ehemann Bayle Domon in der N�he stand. �Leilwin, das da auf der anderen Flussseite sieht doch wie seanchanische Kavallerie aus. Wisst Ihr irgendetwas dar�ber?�</p><p>�Ja, Mutter, das sind Seanchaner. Dieser Mann, der dort dr�ben steht����� sie zeigte auf einen Mann mit rasierten Schl�fen, der an einem Baum in Ufern�he stand; er trug weite Hosen und unbegreiflicherweise einen abgenutzten braunen Mantel, der aussah, als stammte er aus den Zwei Fl�ssen��, ���hat mir erz�hlt, dass eine von Generalleutnant Khirgan angef�hrte Legion aus dem Lager der Seanchaner gekommen ist und dass General Bryne darum gebeten hatte.�</p><p>�Er sagen auch, dass sie der Prinz der Raben begleitet haben�, warf Domon ein.</p><p>�Mat?�</p><p>�Er haben mehr als sie nur begleitet. Er haben eines der Kavallerie-Banner angef�hrt, und zwar das, das die Sharaner an der linken Flanke unseres Heeres ordentlich verpr�gelte. Er traf gerade noch rechtzeitig ein, unsere Pikenm�nner wurden schwer bedr�ngt, bevor er auftauchen.�</p><p>�Egwene�, sagte Gawyn und zeigte mit dem Finger.</p><p>Ein paar Hundert Schritte s�dlich unterhalb der Furt schleppte sich eine kleine Zahl Soldaten aus dem Fluss. Sie hatten sich bis auf ihre Unterkleidung ausgezogen und die Schwerter auf den R�cken geschnallt. Sie waren zu weit entfernt, um sicher sein zu k�nnen, aber einer ihrer Anf�hrer sah vertraut aus.</p><p>�Ist das Uno?� Egwene runzelte die Stirn und winkte nach ihrem Pferd. Sie stieg auf und galoppierte begleitet von Gawyn und ihren Leibw�chtern den Fluss entlang zu der Stelle, an der die M�nner keuchend am Ufer lagen und die Fl�che eines Mannes die Luft erf�llten.</p><p>�Uno!�</p><p>�Es ist auch verflucht noch mal Zeit, dass jemand auftaucht!� Uno stand auf und salutierte respektvoll. �Mutter, wir sind in einem schlechten Zustand!�</p><p>�Ich habe es gesehen.� Egwene knirschte mit den Z�hnen. �Ich war auf dem H�gel, als man Eure Abteilung angriff. Wir taten, was wir konnten, aber es waren einfach zu viele. Wie seid ihr entkommen?�</p><p>�Wie wir da rausgekommen sind, Mutter? Als die M�nner um uns herum einer nach dem anderen fielen und uns klar wurde, dass wir so gut wie tot sind, galoppierten wir verflucht da raus, als h�tte uns ein verdammter Blitz in den stinkenden Hintern getroffen! Wir kamen an den dreckigen Fluss, rissen uns die Klamotten herunter und sprangen rein, schwammen so gut wir verdammt noch mal konnten, Mutter, bei allem n�tigen Respekt!� Unos Haarknoten wackelte, als er weiterfluchte, und Egwene h�tte schw�ren k�nnen, dass sich das auf seine Augenklappe aufgemalte Auge rot verf�rbte.</p><p>Uno holte tief Luft und fuhr fort, dieses Mal aber etwas beherrschter. �Ich verstehe es einfach nicht, Mutter. Ein ziegenk�pfiger Bote teilte uns mit, dass die Aes Sedai auf den H�geln in Schwierigkeiten stecken und wir den dreckigen Trollocs, die sie angriffen, in den haarigen R�cken fallen m�ssten. Und wer k�mmert sich um die linke Flanke am Fluss, frage ich, und was das angeht, unsere eigene lichtverfluchte Flanke, wenn wir die Tiermenschen angreifen, und er sagt, General Bryne habe sich darum gek�mmert, Kavalleriereserven w�rden unsere Position am Fluss �bernehmen und die Illianer w�rden unsere verdammte Flanke sch�tzen. Und das war ein gro�artiger Schutz, eine miese Schwadron, als w�rde eine stinkende Fliege einen verdammten Falken abwehren wollen! Oh, die haben auf uns gewartet, als w�ssten sie, dass wir kommen. Nein, Mutter, das kann nicht die Schuld von Gareth Bryne sein, wir m�ssen von einem Milch trinkenden, Schafe k�ssenden Verr�ter hereingelegt worden sein! Bei allem n�tigen Respekt, Mutter!�</p><p>�Ich kann das nicht glauben, Uno. Soeben habe ich erfahren, dass der General eine Legion seanchanischer Kavallerie hergeholt hat. Vielleicht sind sie einfach nur zu sp�t eingetroffen. Das kl�ren wir alles, wenn ich den General finde. Schafft Eure M�nner zur�ck ins Lager, damit sie sich ausruhen k�nnen. Das Licht wei�, dass ihr euch das verdient habt.�</p><p>Uno nickte, und Egwene galoppierte zum Lager zur�ck.</p><empty-line/><p>Mit Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> webte Egwene Luft und Wasser und verschmolz sie miteinander. Aus dem Fluss stieg ein wirbelnder Trichter aus Wasser in die H�he. Sie lenkte ihn gegen die Trollocs, die auf der kandorischen Flussseite mit ihrem Angriff gegen die linke Flanke begannen. Der Wassersturm �berflutete ihre Reihen. Er war nicht stark genug, um sie in die Luft zu schleudern�� dazu fehlte Egwene die n�tige Kraft��, aber es trieb sie zur�ck und lie� sie die H�nde sch�tzend vors Gesicht schlagen.</p><p>Hinter ihr und den anderen Aes Sedai, die auf der arafelischen Flussseite Aufstellung genommen hatten, schossen Bogensch�tzen Salven in die Luft. Sie verdunkelten nicht den Himmel, wie es Egwene gern gesehen h�tte�� so viele M�nner waren es dann doch nicht��, aber sie erledigten jedes Mal mehr als hundert Trollocs.</p><p>An der Seite lie�en Pylar und ein paar weitere Braune, die sich alle gut mit Erdgeweben auskannten, den Boden unter den anst�rmenden Tiermenschen explodieren. Neben ihnen webten Myrelle und ein gro�es Kontingent gr�ne Feuerb�lle, die sie �ber das Wasser in dicht beieinanderstehende Gruppen schleuderten. Viele der Ungeheuer rannten noch ein betr�chtliches St�ck weiter, bevor sie brennend zusammenbrachen.</p><p>Die Trollocs heulten und br�llten, st�rmten aber weiterhin unerm�dlich gegen die Verteidiger am Ufer an. Irgendwann verlie�en mehrere Reihen seanchanische Kavallerie die Verteidigungslinie und griffen den Trolloc-Sturm frontal an. Das geschah so schnell, dass viele der Bestien nicht einmal die Speere heben konnten, bevor die Reiter sie erreichten; ganze Schneisen gingen in den Frontreihen zu Boden. Die Seanchaner schwenkten zur Seite ab und kehrten zu ihren Linien am Fluss zur�ck.</p><p>Egwene lenkte die Macht weiter, zwang sich weit �ber jede Ersch�pfung hinaus weiterzuarbeiten. Aber die Trollocs gaben nicht auf; sie gerieten in noch gr��eren Zorn und griffen die Menschen nur noch wilder an. �ber dem Tosen von Wind und Wasser konnte Egwene deutlich ihr Gebr�ll h�ren.</p><p>Die Trollocs gerieten also in Wut? Nun, sie w�rden gar nicht wissen, was Wut ist, bevor sie den Zorn des Amyrlin-Sitzes kennengelernt hatten. Egwene zog immer mehr von der Macht in sich, bis sie die Grenzen ihrer F�higkeiten erreicht hatte. Sie erhitzte ihren Wasserstrom, damit das kochende Wasser die Augen, H�nde und Herzen der Trollocs verbrannte. Sie schrie. Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> war wie ein Speer ausgestreckt.</p><p>Stunden schienen zu vergehen. Schlie�lich erlaubte sie ersch�pft, dass Gawyn sie f�r eine Weile zur�ckzog. Er holte ihr Pferd, und als er zur�ckkehrte, blickte Egwene �ber den Fluss.</p><p>Es gab nicht den geringsten Zweifel; die linke Flanke ihres Heeres war bereits weitere drei�ig Schritte zur�ckgedr�ngt worden. Selbst mit Unterst�tzung der Aes Sedai verloren sie diese Schlacht.</p><p>Der Moment, mit Gareth Bryne zu sprechen, war lange �berf�llig.</p><p>Als Egwene und Gawyn das Lager erreichten, stieg sie vom Pferd und gab es an Leilwin weiter. Sie trug ihr auf, es f�r den Verwundetentransport zu benutzen. Es gab gen�gend M�nner, die man �ber die Furt in Sicherheit hatte schleppen m�ssen, blutige Soldaten, die in den Armen von Freunden hingen.</p><p>Leider hatte sie nicht genug Kraft zum Heilen, geschweige denn f�r ein Wegetor, um die Verwundeten nach Tar Valon oder Mayene zu schicken. Die meisten der Aes Sedai, die nicht am Ufer k�mpften, sahen nicht aus, als w�ren sie besser dran.</p><p>�Egwene�, sagte Gawyn leise. �Reiter. Seanchaner. Sieht nach einer Adligen aus.�</p><p>Eine Frau vom Blut? Egwene blickte quer durch das Lager in die Richtung, in die Gawyn zeigte. Wenigstens hatte er noch gen�gend Kraft, um alles im Blick zu behalten. Warum eine Frau freiwillig auf einen Beh�ter verzichten sollte, war ihr unverst�ndlich.</p><p>Die sich n�hernde Frau trug kostbare seanchanische Seide, und bei dem Anblick drehte sich Egwene der Magen um. Diese kostbare Kleidung gab es nur, weil alles auf einem Fundament versklavter Machtlenkerinnen ruhte, die vom Kristallthron zum Gehorsam gezwungen wurden. Die Frau geh�rte mit Sicherheit dem Blut an, denn sie wurde von einer Abteilung Totenw�chter begleitet. Man musste schon sehr wichtig sein, um��</p><p>�Beim Licht!�, rief Gawyn aus. �Ist das <emphasis>Min</emphasis>?�</p><p>Egwene starrte sie an. Sie war es tats�chlich.</p><p>Min z�gelte ihr Pferd mit finsterer Miene. �Mutter�, sagte sie zu Egwene und neigte umgeben von ihren hartgesichtigen W�chtern in dunkler R�stung den Kopf.</p><p>�Min�� geht es�� Euch gut?�, fragte Egwene. <emphasis>Sei auf der Hut, gib nicht zu viele Informationen preis.</emphasis> War Min eine Gefangene? Sicherlich konnte sie sich doch nicht freiwillig den Seanchanern angeschlossen haben, oder doch?</p><p>�Ach, mir geht es gut�, erwiderte Min m�rrisch. �Man hat mich verh�tschelt, in dieses Gewand gesteckt und mir alle m�glichen Delikatessen angeboten. Ich sollte vielleicht hinzuf�gen, dass bei den Seanchanern Delikatessen nicht unbedingt schmackhaft sind. Du solltest sehen, was sie <emphasis>trinken</emphasis>, Egwene.�</p><p>�Ich habe es gesehen�, sagte Egwene und konnte die K�lte aus ihrer Stimme nicht heraushalten.</p><p>�Ach ja, richtig. Das hast du wohl. Wir haben ein Problem.�</p><p>�Was f�r ein Problem?�</p><p>�Nun, das kommt darauf an, wie sehr du Mat vertraust.�</p><p>�Ich vertraue darauf, dass er �rger findet�, sagte Egwene. �Ich vertraue darauf, dass er, ganz egal, wo er auch ist, eine W�rfelpartie und einen gef�llten Becher findet.�</p><p>�W�rdest du darauf vertrauen, dass er ein Heer anf�hrt?�</p><p>Egwene z�gerte. W�rde sie?</p><p>Min beugte sich vor und warf einen Blick auf die Totenw�chter, die offensichtlich nicht zulassen w�rden, dass sie Egwene auch nur einen Zoll n�her kam. �Egwene�, sagte sie leise. �Mat ist der �berzeugung, dass Bryne deine Armeen in den Untergang f�hrt. Er sagt�� er glaubt, dass Bryne ein Schattenfreund ist.�</p><p>Gawyn fing an zu lachen.</p><p>Egwene zuckte zusammen. Von ihm h�tte sie eigentlich Zorn oder Emp�rung erwartet. �Gareth Bryne?�, fragte Gawyn. �Ein <emphasis>Schattenfreund</emphasis>? Da w�rde ich eher glauben, dass meine <emphasis>Mutter</emphasis> eine Schattenfreundin ist. Sag Cauthon, er soll die Finger vom kaiserlichen Branntwein seiner Frau lassen; offensichtlich hat er zu viel davon gehabt.�</p><p>�Ich bin geneigt, Gawyn zuzustimmen�, sagte Egwene langsam. Dennoch konnte sie die Unregelm��igkeiten in der F�hrung des Heeres nicht ignorieren. Sie w�rde das durchdenken m�ssen.</p><p>�Mat passt immer auf Leute auf, auf die man nicht aufpassen muss�, sagte sie dann. �Er versucht lediglich, mich zu besch�tzen. Sag ihm, dass wir die Warnung�� zu sch�tzen wissen.�</p><p>�Egwene�, sagte Min. �Er schien sich sicher zu sein. Das ist kein Scherz. Er will, dass du ihm deine Heere �bergibst.�</p><p>�Meine Heere�, sagte Egwene tonlos.</p><p>�Ja.�</p><p>�In den H�nden von Matrim Cauthon.�</p><p>��h�� ja. Vielleicht sollte ich erw�hnen, dass die Kaiserin ihm den Befehl �ber s�mtliche seanchanische Truppen �bergeben hat. Er ist jetzt Generalmarschall Cauthon.�</p><p><emphasis>Ta�veren.</emphasis> Egwene sch�ttelte den Kopf. �Mat ist ein guter Taktiker, aber ihm die Verb�nde der Wei�en Burg zu �bergeben�� Nein, das ist einfach unm�glich. Davon abgesehen k�nnte ich ihm die Heere gar nicht �berlassen�� der Saal der Burg hat die Autorit�t dar�ber. Und nun, wie k�nnen wir diese Herren, die dich umgeben, davon �berzeugen, dass du mich gefahrlos begleiten kannst?�</p><p>So ungern Egwene das auch zugab, sie brauchten die Seanchaner. Sie w�rde ihre Allianz nicht aufs Spiel setzen, um Min zu retten, vor allem, da es nicht den Anschein hatte, als bef�nde sie sich in unmittelbarer Gefahr. Falls die Seanchaner allerdings entdecken sollten, dass Min ihnen damals in Falme den Treueid geleistet hatte und dann geflohen war��</p><p>�Mach dir um mich keine Sorgen.� Min schnitt eine Grimasse. �Ich sch�tze, ich bin bei Fortuona besser dran. Dank Mat hat sie von einem gewissen Talent meinerseits erfahren, und dadurch k�nnte ich ihr m�glicherweise helfen. Und dir.�</p><p>Die Bemerkung war voller Andeutungen. Die Totenw�chter waren zu stoisch, um ihr Missfallen zu zeigen, dass Min die Kaiserin beim Namen nannte, aber sie schienen steifer zu werden und ihre Mienen sich zu verh�rten. <emphasis>Pass blo� auf, Min,</emphasis> dachte Egwene. <emphasis>Du steckst in einem Dornengeb�sch.</emphasis></p><p>Min schien das nicht zu k�mmern. �Wirst du zumindest �ber Mats Worte nachdenken?�</p><p>�Dass Gareth Bryne ein Schattenfreund ist?�, sagte Egwene. Es war wirklich l�cherlich. �Kehr um und sage Mat, er soll uns seine Vorschl�ge f�r die Schlachtordnung zukommen lassen, wenn er darauf besteht. Und jetzt muss ich meine Befehlshaber finden, um unsere n�chsten Schritte zu planen.�</p><p><emphasis>Gareth Bryne, wo steckst du?</emphasis></p><empty-line/><p>Schwarze Pfeile erhoben sich beinahe unsichtbar in die Luft und fielen dann wie eine brechende Welle. Sie trafen Ituraldes Heer am Passeingang zum Tal von Thakan�dar und prallten von Schilden ab oder bohrten sich in Fleisch. Einer landete nur wenige Zoll entfernt von Ituraldes Standort auf einem Felsvorsprung.</p><p>Ituralde zuckte nicht zusammen. Aufrecht stand er da, die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt. Aber er murrte: �Wir haben die Dinge etwas zu nahe herankommen lassen, was?�</p><p>Der Asha�man Binde, der an seiner Seite in der Nacht stand, verzog das Gesicht. �Tut mir leid, Lord Ituralde.� Es war seine Aufgabe, die Pfeile abzuwehren. Bis jetzt hatte er gute Arbeit geleistet. Aber manchmal trat ein gedankenverlorener Ausdruck auf sein Gesicht, und dann murmelte er etwas davon, dass �sie� versuchten, sich �seine H�nde zu holen�.</p><p>�Aufmerksam bleiben�, mahnte Ituralde.</p><p>Sein Kopf dr�hnte. Fr�her in dieser Nacht waren da wieder Tr�ume gewesen, so schrecklich realistisch. Er hatte zugesehen, wie Trollocs seine Familienangeh�rigen lebendig fra�en, und er hatte sie nicht retten k�nnen. Er hatte gek�mpft und geweint, als sie Tamsin und die Kinder verschlungen hatten, aber zugleich hatte ihn der Gestank des kochenden und brennenden Fleisches angezogen.</p><p>Am Ende des Traums hatte er sich den Ungeheuern bei ihrem Festmahl angeschlossen.</p><p><emphasis>Denk nicht mehr dran,</emphasis> sagte er sich. Das fiel nicht leicht. Die Tr�ume waren so lebendig gewesen. Der Trolloc-Angriff hatte ihn geweckt, wor�ber er froh war.</p><p>Er war bereit daf�r gewesen. Seine M�nner z�ndeten die Holzst��e an den Barrikaden an. Die Tiermenschen hatten schlie�lich seine Dornenhindernisse �berwunden, daf�r aber einen gewaltigen Blutzoll bezahlt. Jetzt k�mpften seine Soldaten am Passeingang und hielten den Strom davon ab, ins Tal zu schwappen.</p><p>Sie hatten die Zeit gut genutzt, die das Schattengez�cht gebraucht hatte, um sich seinen Weg durch die beschwerlichen Barrieren zum Passende zu bahnen. Jetzt war der Taleingang mit einer Reihe brusthoher irdener Bollwerke versperrt. Sie w�rden Armbrustm�nnern ausgezeichnete Deckung bieten, sollten die Pikenformationen je so weit zur�ckgedr�ngt werden.</p><p>F�r den Augenblick hatte Ituralde sein Heer in Gruppen von jeweils ungef�hr dreitausend M�nnern aufgeteilt und sie dann in rechteckige Formationen aus Piken, Hippen und Armbr�ste organisiert. Er setzte berittene Armbrustm�nner als Pl�nkler an der Front und den Flanken ein und hatte eine sechs Reihen tiefe Nachhut aus Pikenm�nnern gebildet. Mit gro�en Piken, zwanzig Fu� lang. Maradon hatte ihn gelehrt, dass man Trollocs auf Abstand halten sollte.</p><p>Piken funktionierten gro�artig. Ituraldes Pikenhaufen konnten sich drehen und in allen Richtungen k�mpfen, sollten sie umzingelt werden. Die Blassen konnten die Bestien dazu zwingen, in Reihen zu k�mpfen, aber richtig eingesetzt waren diese Pikenhaufen in der Lage, ihre Linien aufzubrechen. Und sobald diese Reihen zerschmettert waren, konnten die Aiel die Kreaturen nach Herzenslust t�ten.</p><p>Hinter den vorderen Reihen Pikenm�nner positionierte er Fu�soldaten mit Hippen und Hellebarden. Manchmal bahnten sich Trollocs einen Weg an den Piken vorbei, dr�ngten die Waffen zur Seite oder zogen sie durch die Last der Leichen nach unten. Dann traten die Hippenm�nner vor�� schoben sich an den Pikentr�gern vorbei und schnitten den vordersten Trollocs die Beinsehnen durch. Das verschaffte den vorderen Fu�soldaten die Zeit, sich zur�ckzuziehen und neu zu formieren, w�hrend die n�chste Soldatenreihe mit Piken gegen die Tiermenschen vorr�ckte.</p><p>Bis jetzt klappte es. Ein Dutzend solcher Formationen standen in der Nacht den Tiermenschen gegen�ber. Sie k�mpften defensiv und taten, was sie konnten, um den Strom der Angreifer zu brechen. Der Gegner warf sich auf sie und versuchte die Pikenhaufen aufzubrechen, aber jeder von ihnen operierte unabh�ngig von den anderen. Ituralde hatte nicht die Bef�rchtung, dass die Trollocs diesen Spie�rutenlauf erfolgreich bew�ltigten, denn die Aiel w�rden sich um sie k�mmern.</p><p>Ituralde musste die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt halten, um ihr Zittern zu verbergen. Nach Maradon war nichts mehr so, wie es gewesen war. Er hatte viel gelernt, aber er hatte teuer f�r diesen Unterricht bezahlt.</p><p><emphasis>Diese verfluchten Kopfschmerzen. Und diese verfluchten Trollocs.</emphasis></p><p>Dreimal hatte er beinahe den Befehl gegeben, seine M�nner zu einem direkten Angriff loszuschicken und die rechteckigen Formationen zu verlassen. Er konnte sich vorstellen, wie sie den Feind abschlachteten. Schluss mit dem Abwarten. Er wollte <emphasis>Blut</emphasis> sehen.</p><p>Jedes Mal hatte er sich davon abgehalten. Sie waren nicht hier, um Blut zu sehen, sondern um die Stellung zu halten. Diesem Mann die Zeit zu geben, die er in der H�hle brauchte. Allein darum ging es doch�� oder nicht? Warum fiel es ihm in letzter Zeit nur so schwer, sich daran zu erinnern?</p><p>Wieder flog eine Pfeilsalve auf Ituraldes M�nner zu. Die Blassen hatten Sch�tzen auf den H�ngen �ber dem Pass stationiert, an Stellen, die zuvor Ituraldes Bogensch�tzen besetzt hatten. Es war bestimmt nicht leicht gewesen, die Kreaturen dort hinaufzubekommen; die Passw�nde waren ausgesprochen steil. Wie viele waren wohl bei dem Versuch zu Tode gest�rzt? Trollocs waren im Grunde keine guten Sch�tzen, aber das brauchten sie auch nicht zu sein, wenn man auf Heere schoss.</p><p>Die Hellebardenm�nner hoben Schilde. Im Kampf konnten sie sie nicht halten, aber sie trugen sie auf den R�cken geschnallt. F�r den Fall, dass sie sie brauchten. Die Zahl der Geschosse nahm zu; sie flogen durch die leicht nebelige Nachtluft. Oben am Himmel grollte der Sturm, aber die Windsucherinnen gaben acht und hielten ihn fern. Sie behaupteten, dass das Heer schon mehrmals nur Atemz�ge von einem vernichtenden Sturm der Zerst�rung entfernt gewesen war. In einem Fall war Hagel von der Gr��e einer M�nnerfaust eine Minute lang gefallen, bevor sie wieder die Kontrolle �ber das Wetter errungen hatten.</p><p>Falls sie das erwartete, wenn die Windsucherinnen ihre Schale nicht benutzten, �berlie� Ituralde sie nur zu gern ihrer Aufgabe. Dem Dunklen K�nig w�rde es egal sein, wie viele Trollocs er mit einem Wirbelsturm vernichtete, der die Menschen t�ten sollte, die sie bek�mpften.</p><p>�Sie versammeln sich am Passeingang f�r den n�chsten Vorsto�!�, br�llte jemand in die Nacht hinein, und andere Rufe best�tigten es. Ituralde sp�hte in den Nebel, das Licht der Feuer half ihm, etwas zu erkennen. In der Tat formierten sich die Ungeheuer neu.</p><p>�Zieht die Siebte und Neunte Infanteriekompanie zur�ck�, befahl Ituralde. �Sie sind zu lange im Feld. Holt die Vierte und F�nfte aus der Reserve und stellt sie an den Flanken auf. Bereitet mehr Pfeile vor. Und��� Stirnrunzelnd brach er ab. <emphasis>Was</emphasis> taten diese Trollocs da? Sie hatten sich weiter als erwartet in die Dunkelheit des Passes zur�ckgezogen. Sie konnten doch wohl nicht abr�cken, oder?</p><p>Eine finstere Woge str�mte aus dem Pass. Myrddraal. Aberhunderte von ihnen. Schwarze Umh�nge, die sich nicht bewegten, obwohl der Wind wehte. Augenlose Gesichter. H�misch grinsende Lippen, schwarze Schwerter. Die Halbmenschen bewegten sich geschmeidig wie Aale.</p><p>Sie lie�en keine Zeit f�r Befehle, keine Zeit f�r eine Reaktion. Sie schl�ngelten sich in die Formationen der Verteidiger, wanden sich an den Piken vorbei und schlugen mit den t�dlichen Klingen um sich.</p><p>�Aiel!�, br�llte Ituralde. �Bringt die Aiel! Sie alle, und Machtlenkerinnen! Alle bis auf die, die den Krater des Verderbens bewachen! Bewegt euch, los, los!�</p><p>Boten rannten los. Ituralde sah entsetzt zu. Eine Armee von Myrddraal. Beim Licht, das war genauso schlimm wie in seinem Albtraum!</p><p>Die Siebte Infanterie brach durch die Wucht des Angriffs zusammen, das Rechteck zerbrach. Ituralde �ffnete den Mund, um den Befehl zu geben, dass die Hauptreserve ��die seine Stellung verteidigte�� zur Unterst�tzung ausr�ckte. Die Kavallerie musste losreiten und den Druck von der Infanterie nehmen.</p><p>Ihm stand nicht viel Kavallerie zur Verf�gung; die meisten Reiter wurden an den anderen Fronten gebraucht, und dagegen hatte er auch nichts einzuwenden gehabt. Aber ein paar hatte er. Sie wurden jetzt dringend gebraucht.</p><p>Andererseits��</p><p>Er kniff die Augen zusammen. Beim Licht, er war so ersch�pft. Das Denken fiel ihm schwer.</p><p><emphasis>Zieh dich vor dem Angriff zur�ck,</emphasis> schien ihm eine Stimme zuzuraunen. <emphasis>Zieh dich zu den Aiel zur�ck, dann versammle dort alle und k�mpfe.</emphasis></p><p>�Zur�ckziehen���, fl�sterte er. �Zur�ckziehen���</p><p>Etwas daran erschien falsch, sogar ausgesprochen falsch. Warum bestand sein Verstand darauf?</p><p><emphasis>Hauptmann Tihera,</emphasis> wollte er fl�stern. <emphasis>Ihr habt den Befehl.</emphasis> Die Worte wollten nicht �ber seine Lippen kommen. Etwas beinahe schon K�rperliches schien ihm den Mund zuzuhalten.</p><p>M�nner schrien. Was geschah dort? Dutzende M�nner konnten im Kampf gegen einen einzigen Myrddraal sterben. In Maradon hatte er eine ganze Bogensch�tzenkompanie ��einhundert M�nner�� an zwei Blasse verloren, die sich in der Nacht in die Stadt geschlichen hatten. Seine Verteidigungskompanien waren auf Trollocs eingestellt, sie sollten sie mit durchschnittenen Sehnen zu Boden werfen und dann t�ten.</p><p>Die Blassen w�rden die Pikenformationen wie ein Ei aufschlagen. Niemand tat, was getan werden musste.</p><p>�Mein Lord Ituralde?�, sagte Hauptmann Tihera. �Mein Lord, was habt Ihr gesagt?�</p><p>Wenn sie sich zur�ckzogen, w�rden die Trollocs sie einkreisen. Sie mussten standhalten.</p><p>Ituraldes Lippen �ffneten sich, um den Befehl zum R�ckzug zu geben. �Zieht die���</p><p>W�lfe.</p><p>W�lfe erschienen wie Schatten im Nebel. Knurrend sprangen sie die Myrddraal an. Ituralde zuckte zusammen und fuhr auf dem Absatz herum, als ein in Felle gekleideter Mann sich nach oben auf den Felsvorsprung zog.</p><p>Tihera stolperte zur�ck und rief nach ihren Leibw�chtern. Der Fremde in Fellen st�rzte sich auf Ituralde und riss ihn vom Felsen.</p><p>Ituralde wehrte sich nicht. Wer auch immer dieser Mann war, Ituralde war ihm dankbar und versp�rte einen Augenblick des Triumphs, w�hrend er st�rzte. Den Befehl zum R�ckzug hatte er nicht erteilt.</p><p>Nicht viel tiefer landete er auf dem Boden, und es trieb ihm die Luft aus den Lungen. W�lfe schnappten sanft nach seinen Armen und zerrten ihn in die Dunkelheit, w�hrend sein Bewusstsein langsam schwand.</p><empty-line/><p>Egwene sa� im Lager, w�hrend die Schlacht um die Grenze von Kandor weiterging.</p><p>Ihr Heer wehrte die Trollocs ab.</p><p>Die Seanchaner k�mpften direkt jenseits des Flusses an der Seite ihrer Truppen.</p><p>Egwene hielt eine kleine Tasse Tee in H�nden.</p><p>Beim Licht, es war einfach zum Aus-der-Haut-Fahren. Sie war die <emphasis>Amyrlin</emphasis>. Aber sie hatte sich v�llig verausgabt.</p><p>Gareth Bryne hatte sie noch immer nicht gefunden, aber das kam nicht unerwartet. Er war st�ndig unterwegs. Silviana machte Jagd auf ihn und w�rde sich bald melden.</p><p>Man hatte nach Aes Sedai geschickt, um die Verletzten nach Mayene zu bringen. Die Sonne stand niedrig am Himmel, wie ein Augenlid, das einfach nicht ge�ffnet bleiben wollte. Egwenes H�nde mit der Tasse zitterten. Sie konnte die Schlacht noch immer h�ren. Anscheinend w�rden die Trollocs bis in die Nacht hinein k�mpfen und die Soldaten gegen den Fluss dr�ngen.</p><p>In der Ferne ert�nten Rufe wie das Gebr�ll einer w�tenden Menge, aber die von den Machtlenkern erzeugten Explosionen waren weniger geworden.</p><p>Sie schaute Gawyn an. Er erschien �berhaupt nicht m�de, auch wenn er auf eine seltsame Weise blass war. Egwene trank kleine Schlucke von ihrem Tee und verfluchte Gawyn stumm. Das war ungerecht, aber im Augenblick war ihr das egal. Sie konnte sich �ber ihren Beh�ter �rgern. Dazu waren sie ja schlie�lich da, nicht wahr?</p><p>Ein Windsto� fuhr durch das Lager. Sie befand sich ein paar Hundert Schritte �stlich von der Furt, aber sie konnte das Blut in der Luft riechen. In der N�he spannte eine Abteilung Bogensch�tzen nach dem Befehl ihres Kommandanten die B�gen und schoss eine Salve ab. Augenblicke sp�ter trudelten zwei Draghkar mit schwarzen Schwingen zu Boden und schlugen direkt hinter der Lagergrenze mit einem dumpfen Laut auf. Es w�rden noch weitere kommen, denn es wurde dunkel, und zu dieser Zeit waren sie nicht mehr so einfach am Himmel auszumachen.</p><p>Mat. Der Gedanke an ihn bereitete ihr auf eine seltsame Weise Unbehagen. Er war so ein Aufschneider. Ein S�ufer, der jede Frau l�stern anstarrte, die ihm �ber den Weg lief. Er behandelte sie wie ein Gem�lde und nicht wie jemanden aus Fleisch und Blut. Er�� er��</p><p>Er war eben Mat. Einmal ��sie musste da so ungef�hr dreizehn Jahre alt gewesen sein�� war er einfach in den Fluss gesprungen, um Liem Lewin vor dem Ertrinken zu retten. Dabei war sie nat�rlich gar nicht in Gefahr gewesen, zu ertrinken. Eine Freundin hatte sie lediglich untergetaucht, und Mat war angerannt gekommen und hatte sich ins Wasser gest�rzt, um zu helfen. Damit hatten ihn die M�nner von Emondsfelde noch Monate sp�ter aufgezogen.</p><p>Im n�chsten Fr�hling hatte Mat Jer al�Hune aus demselben Fluss gezogen und dem Jungen damit das Leben gerettet. Danach hatten die Leute eine Weile damit aufgeh�rt, sich �ber ihn lustig zu machen.</p><p>So war Mat eben. Den ganzen Winter �ber hatte er sich dar�ber beklagt, dass man sich �ber ihn lustig machte und dass er sie beim n�chsten Mal eben ertrinken lassen w�rde. Und in dem Augenblick, in dem er jemanden in Gefahr entdeckte, hatte er sich ohne zu z�gern ins Wasser gest�rzt. Egwene konnte sich noch genau daran erinnern, wie der schlaksige Mat aus dem Fluss gestolpert kam und sich der kleine Jer hustend und mit einem Ausdruck v�lligen Entsetzens in den Augen an ihm festklammerte.</p><p>Jer war untergegangen, ohne dabei den geringsten Laut zu machen. Egwene war bis dahin gar nicht klar gewesen, dass so etwas �berhaupt m�glich war. Dass Leute, die ertranken, gar nicht br�llten oder Wasser spuckten oder um Hilfe riefen. Sie glitten einfach unter die Wasseroberfl�che, w�hrend alles andere friedlich erschien. Solange Mat nicht in der N�he war und zusah.</p><p><emphasis>Er ist f�r mich in den Stein von Tear geklettert,</emphasis> dachte sie. Nat�rlich hatte er <emphasis>auch</emphasis> versucht, sie vor den Aes Sedai zu retten, weil er einfach nicht hatte glauben wollen, dass sie die Amyrlin war.</p><p>Also was traf hier zu? Ertrank sie oder nicht?</p><p><emphasis>Wie sehr vertraust du Matrim Cauthon?,</emphasis> hatte Min gefragt. <emphasis>Licht. Ich vertraue ihm. Sosehr mich das auch zu einer N�rrin macht, aber das tue ich wirklich.</emphasis> Mat konnte sich irren. Er irrte sich h�ufig.</p><p>Aber wenn er recht hatte, rettete er Leben.</p><p>Egwene zwang sich auf die Beine. Sie schwankte, und Gawyn war sofort an ihrer Seite. Sie t�tschelte ihm den Arm, dann l�ste sie sich von ihm. Sie w�rde ihr Heer seine Amyrlin nicht so schwach sehen lassen, dass sie sich auf jemanden st�tzen musste. �Welche Berichte haben wir von den anderen Kriegsschaupl�tzen?�</p><p>�Heute ist nicht viel hereingekommen�, sagte Gawyn. Er runzelte die Stirn. �Tats�chlich ist es ausgesprochen still gewesen.�</p><p>�Elayne sollte vor Cairhien k�mpfen�, meinte Egwene. �Es war eine wichtige Schlacht.�</p><p>�Sie k�nnte zu besch�ftigt sein, um uns zu unterrichten.�</p><p>�Ich will, dass du einen Boten durch ein Wegetor schickst. Ich muss wissen, wie es um ihren Kampf steht.�</p><p>Gawyn nickte und eilte los. Nachdem er weg war, ging Egwene ruhigen Schrittes durch das Lager, bis sie Silviana gefunden hatte, die gerade mit zwei Blauen Schwestern sprach.</p><p>�Bryne?�, fragte sie.</p><p>�Im Verpflegungszelt�, erwiderte Silviana. �Ich habe es eben erfahren. Ich habe einen L�ufer losgeschickt, der ihm ausrichtet, dass er bis zu Eurer Ankunft dort warten soll.�</p><p>�Kommt.�</p><p>Sie begab sich zu dem Zelt, bei Weitem das gr��te im Lager, und entdeckte ihn beim Eintreten sofort. Er a� nicht, sondern stand am Reisetisch des Kochs, wo er seine Karten ausgebreitet hatte. Die Tischplatte stank nach Zwiebeln, die dort vermutlich unz�hlige Male geschnitten worden waren. Yukiri hatte ein Wegetor im Boden ge�ffnet, durch das man auf das Schlachtfeld blicken konnte. Als Egwene eintraf, schloss sie es gerade wieder. Sie �ffneten sie nicht lange, nicht solange die Sharaner danach Ausschau hielten und Gewebe vorbereiteten, die sie durch die �ffnung schleudern konnten.</p><p>Egwene neigte den Kopf zu Silviana. �Holt den Saal der Burg zusammen�, fl�sterte sie. �Bringt alle Sitzenden, die Ihr finden k�nnt. Schafft sie alle her, in dieses Zelt, und zwar so schnell Ihr k�nnt.�</p><p>Silviana nickte, und ihre Miene verriet keine Andeutung von der Verwirrung, die sie vermutlich empfand. Sie eilte los, und Egwene setzte sich.</p><p>Siuan war nicht anwesend�� vermutlich half sie wieder beim Heilen. Das war gut. Egwene h�tte das nicht gern versucht, w�hrend Siuan sie b�se anstarrte. Tats�chlich machte sie sich auch Sorgen wegen Gawyn. Er liebte Bryne wie einen Vater, und seine Nervosit�t str�mte bereits durch den Bund.</p><p>Sie w�rde das sehr vorsichtig angehen m�ssen, und sie wollte nicht damit anfangen, bevor der Saal eingetroffen war. Sie konnte Bryne unm�glich beschuldigen, aber sie konnte Mat auch nicht ignorieren. Er war ein Gauner und ein Narr, aber sie vertraute ihm. Das Licht stehe ihr bei, aber das tat sie. Sie h�tte ihm ihr Leben anvertraut. Und auf dem Schlachtfeld <emphasis>war</emphasis> tats�chlich alles sehr seltsam gelaufen.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis die ersten Sitzenden eintrafen. Sie hatten den Befehl �ber die Kriegsanstrengungen, und sie versammelten sich jeden Abend, um von Bryne und dessen Kommandanten die neuesten Berichte und taktischen Erkl�rungen zu bekommen. Bryne schien sich nichts dabei zu denken, dass sie jetzt zu ihm kamen; er arbeitete weiter.</p><p>Viele der Frauen warfen Egwene beim Eintreten neugierige Blicke zu. Sie nickte ihnen zu und versuchte die W�rde des Amyrlin-Sitzes zu verbreiten.</p><p>Schlie�lich waren genug von ihnen da, dass sie entschied, endlich anzufangen. Sie verschwendete Zeit. Entweder musste sie Mats Beschuldigung f�r immer aus ihren Gedanken streichen, oder sie musste danach handeln.</p><p>�General Bryne�, sagte sie. �Geht es Euch gut? Wir hatten Schwierigkeiten, Euch zu finden.�</p><p>Er schaute auf und blinzelte. Seine Augen waren ger�tet. �Mutter�, sagte er. Den Sitzenden nickte er zu. �Ich bin m�de, aber vermutlich nicht mehr als Ihr auch. Ich war �berall auf dem Schlachtfeld und k�mmerte mich um alle m�glichen Einzelheiten; Ihr wisst ja, wie das ist.�</p><p>Gawyn eilte herein. �Egwene�, sagte er blass. �Es gibt �rger.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich��� Er holte tief Luft. �General Bashere hat sich gegen Elayne gewandt. Licht! Er ist ein Schattenfreund! Die Schlacht w�re verloren gegangen, w�ren die Asha�man nicht eingetroffen.�</p><p>Bryne schaute von seinen Karten auf. �Was soll das hei�en? Bashere, ein <emphasis>Schattenfreund</emphasis>?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ausgeschlossen�, sagte Bryne. �Er war monatelang der Gef�hrte des Lord Drachen. Ich kenne ihn nicht gut, aber�� ein Schattenfreund? Das kann unm�glich sein.�</p><p>�Es ist irgendwie unvorstellbar���, sagte Saerin.</p><p>�Wenn Ihr wollt, k�nnt Ihr selbst mit der K�nigin sprechen�, erwiderte Gawyn mit hocherhobenem Haupt. �Ich h�rte es aus ihrem eigenen Mund.�</p><p>Im Zelt breitete sich Stille aus. Besorgt sahen sich die Sitzenden an.</p><p>�General�, ergriff Egwene das Wort. �Warum habt Ihr zwei Kavallerieeinheiten losgeschickt, um uns auf dem H�gel s�dlich von hier vor den Trollocs zu besch�tzen, habt sie in eine Falle geschickt und die linke Flanke des Hauptheers entbl��t gelassen?�</p><p>�Warum, Mutter?�, fragte Bryne. �Es war offensichtlich, dass man Eure Stellung jeden Augenblick �berrennen w�rde, das konnte jeder sehen. Ja, ich zog sie von der linken Flanke ab, aber ich schickte die Reserven von Illian in diese Position. Als ich sah, wie sich diese sharanische Kavallerieeinheit l�ste, um Unos rechte Flanke anzugreifen, schickte ich die Illianer los, um sie abzufangen; das war genau die richtige Ma�nahme. Ich wusste nicht, dass es so viele Sharaner sein w�rden!� Seine Lautst�rke war st�ndig gestiegen, und am Ende br�llte er, aber er hielt inne. Seine H�nde zitterten. �Ich habe einen Fehler begangen. Ich bin nicht perfekt, Mutter.�</p><p>�Das war aber <emphasis>mehr</emphasis> als ein Fehler�, sagte Faiselle. �Ich habe vorhin mit Uno und den anderen �berlebenden dieses Kavalleriemassakers gesprochen. Uno sagte, er h�tte die Falle schon in dem Augenblick riechen k�nnen, in dem er und seine M�nner zu den Schwestern losritten, aber Ihr h�ttet ihm Hilfe versprochen.�</p><p>�Ich sagte doch, ich schickte ihm Verst�rkung. Ich rechnete nur nicht damit, dass die Sharaner eine so gro�e Streitmacht in den Kampf werfen. Dennoch hatte ich alles unter Kontrolle. Ich hatte eine seanchanische Kavallerielegion herbefohlen, um unsere Truppen zu verst�rken; sie sollten sich um diese Sharaner k�mmern. Ich hatte sie auf die andere Flussseite befohlen. Ich habe nur nicht damit gerechnet, dass sie so sp�t eintreffen!�</p><p>�Ja�, sagte Egwene, und ihr Tonfall wurde h�rter. �Diese M�nner, es waren Tausende, wurden zwischen Schattengez�cht und Sharanern aufgerieben, ohne dass sie die geringste Chance zur Flucht hatten. Ihr habt sie verloren, und das ohne guten Grund.�</p><p>�Ich musste die Aes Sedai dort wegschaffen!�, erwiderte Bryne. �Sie sind unsere wertvollste Waffe. Entschuldigung, <emphasis>Mutter</emphasis>, aber das habt Ihr mir gesagt.�</p><p>�Die Aes Sedai h�tten warten k�nnen�, sagte Egwene. �Ich war dabei. Ja, wir mussten dort weg�� der Feind bedr�ngte uns��, aber wir hielten stand, und wir h�tten auch noch l�nger standgehalten.</p><p>Ihr habt Tausende guter M�nner sterben lassen, General Bryne. Und wisst Ihr, was das Schlimmste daran ist? Es war unn�tig. Ihr habt diese vielen Seanchaner auf dieser Seite der Furt gelassen, sie sollten den Tag retten und warteten auf Euren Angriffsbefehl. Aber dieser Befehl kam nie, nicht wahr, General? Ihr habt sie im Stich gelassen, so wie Ihr unsere Kavallerie im Stich lie�et.�</p><p>�Aber ich gab ihnen den Befehl zum Angriff; schlie�lich griffen sie auch an, oder nicht? Ich schickte einen Boten. Ich�� ich���</p><p>�Nein, w�re Mat Cauthon nicht gewesen, w�rden sie noch immer auf dieser Flussseite warten, General!� Egwene wandte sich von ihm ab.</p><p>Gawyn griff nach ihr. �Was sagst du denn da? Nur weil er���</p><p>Bryne hob eine Hand an den Kopf. Dann sackte er in sich zusammen, als h�tten ihn s�mtliche Kr�fte verlassen. �Ich wei� nicht, was nicht mit mir stimmt, Mutter�, fl�sterte er. Er klang v�llig leer. �St�ndig mache ich Fehler, Mutter. Es sind die Art von Fehlern, die man wieder bereinigen kann, und ich sage mir das immer wieder. Dann begehe ich den n�chsten Fehler, und es wird immer schwieriger, sie ungeschehen zu machen.�</p><p>�Ihr seid blo� ersch�pft�, sagte Gawyn gequ�lt. �Das sind wir doch alle.�</p><p>�Nein�, sagte Bryne leise. �Nein, es ist <emphasis>mehr</emphasis> als nur das. Ich war auch schon fr�her ersch�pft. Das ist, als w�rden�� pl�tzlich lassen mich meine Instinkte im Stich. Ich gebe die Befehle, und erst dann erkenne ich die L�cken, die F�hrnisse. Ich���</p><p>�Es ist Zwang�, sagte Egwene. Unvermittelt war ihr eiskalt. �Man hat Euch mit einem Zwang belegt. Sie greifen unsere Gro�en Hauptm�nner an.�</p><p>Mehrere Frauen im Raum umarmten die Quelle.</p><p>�Aber wie sollte das m�glich sein?�, protestierte Gawyn. �St�ndig �berwachen Schwestern das ganze Lager nach Anzeichen, dass jemand die Macht lenkt!�</p><p>�Ich wei� nicht, wie man es gemacht hat�, sagte Egwene. �Vielleicht ist es schon vor Monaten erfolgt, bevor die Schlacht begann.� Sie wandte sich den Sitzenden zu. �Ich schlage vor, dass der Saal Gareth Bryne von seinem Posten als Befehlshaber unseres Heeres entbindet. Es ist eure Entscheidung, Sitzende.�</p><p>�Beim Licht!�, sagte Yukiri. �Wir�� beim Licht!�</p><p>�Es muss sein�, behauptete Doesine. �Es ist ein kluger Spielzug, unsere Truppen auf diese Weise zu vernichten, ohne dass wir die Falle erkennen. Wir h�tten es erkennen m�ssen�� Die Gro�en Hauptm�nner h�tten besser besch�tzt werden m�ssen.�</p><p>�Licht!� Faiselle sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen Lord Mandragoran und Thakan�dar augenblicklich benachrichtigen! Das k�nnte auch sie betreffen�� ein Versuch, unsere vier Fronten auf einmal in einem koordinierten Angriff zu zerschlagen.�</p><p>�Ich erledige das�, sagte Saerin und eilte zum Ausgang. �Und ich stimme der Mutter zu. Bryne muss abgel�st werden.�</p><p>Eine nach der anderen nickte. Es war keine formelle Abstimmung wie im Saal der Burg, aber es w�rde reichen. Gareth Bryne lie� sich neben dem Tisch auf einen Stuhl sacken. Der arme Mann. Zweifellos war er ersch�ttert und besorgt.</p><p>Dann l�chelte er unerwartet.</p><p>�General?�, fragte Egwene.</p><p>�Vielen Dank�, sagte Bryne und sah entspannt aus.</p><p>�Wof�r?�</p><p>�Ich f�rchtete schon den Verstand zu verlieren, Mutter. Ich sah, was ich da anrichtete�� ich lie� Tausende M�nner sterben�� aber das war nicht ich. Ich war es nicht.�</p><p>�Egwene�, sagte Gawyn. Er �berspielte seinen Schmerz gut. �Die Armee. Wenn Bryne <emphasis>gezwungen</emphasis> wurde, uns ins Verderben zu f�hren, m�ssen wir sofort unsere Kommandostruktur �ndern.�</p><p>�Holt meine Kommandanten�, sagte Bryne. �Ich �bergebe ihnen die Befehlsgewalt.�</p><p>�Und wenn sie ebenfalls beeinflusst wurden?�, fragte Doesine.</p><p>�Dieser Meinung bin ich auch�, sagte Egwene. �Das riecht nach einer der Verlorenen, vielleicht Moghedien. Lord Bryne, solltet Ihr in diesem Kampf fallen, w�sste sie, dass Eure Kommandanten den Befehl �bernehmen w�rden. Sie k�nnten die gleichen fehlerhaften Instinkte wie Ihr haben.�</p><p>Doesine sch�ttelte den Kopf. �Wem k�nnen wir vertrauen? Jeder, dem wir den Oberbefehl �bergeben, jeder verdammte Mann oder Frau, k�nnte unter einem Zwang leiden.�</p><p>�M�glicherweise m�ssen wir selbst f�hren�, meinte Faiselle. �Sich einen Mann zu holen, der die Macht nicht lenken kann, w�re einfacher als jede Schwester, die das Machtlenken sp�rt und eine Frau mit dieser F�higkeit bemerken w�rde. Es ist viel wahrscheinlicher, dass wir nicht betroffen sind.�</p><p>�Aber wer von uns kennt sich schon mit Schlachtfeldtaktik aus?�, fragte Ferane. �Ich halte mich f�r gebildet genug, um Pl�ne zu �berwachen, aber sie zu schmieden?�</p><p>�Wir werden besser sein als jemand, der beeinflusst wurde�, sagte Faiselle.</p><p>�Nein.� Egwene zog sich an Gawyns Arm in die H�he.</p><p>�Was dann?�, wollte er wissen.</p><p>Egwene biss die Z�hne zusammen. Was dann? Sie kannte nur einen einzigen Mann, bei dem sie sich darauf verlassen konnte, dass er nicht mit einem Zwang belegt worden war, zumindest nicht von Moghedien. Ein Mann, der gegen die Gewebe aus <emphasis>Saidar</emphasis> und <emphasis>Saidin</emphasis> immun war. �Wir werden unsere Heere dem Befehl von Matrim Cauthon unterstellen m�ssen�, verk�ndete sie. �Das Licht stehe uns bei!�</p></section><section><title><p>32</p><p>Eine gelbe Blumenspinne</p></title><p>Die <emphasis>Damane</emphasis> hielt f�r Mat ein Loch im Boden ge�ffnet. Es schaute auf das Schlachtfeld hinab.</p><p>Mat rieb sich das Kinn. Obwohl er diese L�cher seit mindestens einer Stunde benutzte, um den Fallen entgegenzuwirken, die Bryne f�r Egwenes Heer gestellt hatte, war er noch immer beeindruckt. Er hatte zus�tzliche Banner seanchanischer Kavallerie losgeschickt, um beide Flanken am Fluss zu verst�rken, und weitere <emphasis>Damane</emphasis> sollten die sharanischen Machtlenker bek�mpfen und sich gegen die Flut der Trollocs stemmen, die die Verteidiger bedr�ngten.</p><p>Nat�rlich war diese Vorgehensweise nicht so gut, als pers�nlich auf dem Schlachtfeld zu sein. Vielleicht h�tte er wieder losreiten und ein bisschen k�mpfen sollen. Er warf einen Blick auf Tuon, die an der Wand des Befehlshauses auf einem Thron saߠ� einem massiven, zehn Fu� hohen Thron. Tuon erwiderte den Blick mit zusammengekniffenen Augen, als k�nnte sie ihm direkt in den Kopf sehen.</p><p><emphasis>Sie ist eine Aes Sedai,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Oh, sie kann nicht die Macht lenken�� noch hat sie sich nicht erlaubt, das zu lernen. Trotzdem ist sie verflucht noch mal eine von ihnen. Und ich habe sie geheiratet.</emphasis></p><p>Allerdings <emphasis>war</emphasis> sie wirklich unglaublich. Jedes Mal, wenn sie Befehle erteilte, bereitete ihm das eine G�nsehaut. Bei ihr erschien das so nat�rlich. Elayne und Nynaeve h�tten Unterricht bei ihr nehmen k�nnen. Sie sah sehr h�bsch auf dem Thron aus. Er lie� den Blick noch eine Weile auf ihr ruhen, was ihm ein Stirnrunzeln einbrachte, was nat�rlich v�llig ungerechtfertigt war. Wenn ein Mann nicht einmal seine Ehefrau l�stern anschauen durfte, wen denn dann?</p><p>Er wandte sich wieder dem Schlachtfeld zu. �Netter Trick�, sagte er, b�ckte sich und stie� die Hand durch das Loch. Sie waren wirklich hoch oben. Sollte er hindurchfallen, h�tte er vielleicht Zeit, um drei Strophen von �Sie hat keine Kn�chel, soweit ich sehe� zu summen, bevor er aufschlug. Vielleicht noch ein St�ck vom Refrain.</p><p>�Die hier hat es gelernt, indem sie die Gewebe der Aes Sedai beobachtete�, sagte die <emphasis>Sul�dam</emphasis> und meint damit ihre neue <emphasis>Damane</emphasis>. Die <emphasis>Sul�dam</emphasis>, Catrona, erstickte beinahe an den Worten �Aes Sedai�. Mat konnte es ihr nicht ver�beln. Diese Worte waren manchmal schwer auszusprechen.</p><p>Er bem�hte sich, die <emphasis>Damane</emphasis> nicht zu genau anzuschauen, erst recht nicht die T�towierungen auf ihren Wangen, die wie H�nde aus ihrem Nacken nach vorn reichten, als wollten sie ihr Gesicht umfassen. Er war f�r ihre Gefangennahme verantwortlich. Aber das war besser, als wenn sie f�r den Schatten gek�mpft h�tte. Oder nicht?</p><p><emphasis>Blut und verdammte Asche. Das machst du wirklich toll, Tuon dazu zu �berreden, keine</emphasis> Damane <emphasis>einzusetzen, Matrim Cauthon. Nimmst nur selbst eine gefangen��</emphasis></p><p>Es war beunruhigend, wie schnell sich die Sharanerin an ihre Gefangenschaft gew�hnt hatte. Alle <emphasis>Sul�dam</emphasis> hatten sich dementsprechend ge�u�ert. Nur ein kurzer Augenblick des Widerstands, dann v�llige Unterwerfung. Normalerweise veranschlagten sie Monate, um eine neue gefangene <emphasis>Damane</emphasis> abzurichten, aber die hier war innerhalb von Stunden bereit gewesen. Catrona strahlte f�rmlich, als w�re sie selbst f�r das Temperament der Sharanerin verantwortlich.</p><p>Das Loch <emphasis>war</emphasis> erstaunlich. Mat stand direkt am Rand und schaute auf die Welt, z�hlte Banner und Schwadronen, um sie sich einzupr�gen. Er fragte sich, was Classen Bayor mit so einem Loch angefangen h�tte. Vielleicht w�re die Schlacht von Kolesar anders ausgegangen. Dann h�tte er seine Kavallerie nicht im Sumpf verloren, so viel stand fest.</p><p>Seine Streitkr�fte hielten den Schatten an der Ostgrenze von Kandor weiterhin fest, aber die derzeitige Situation gefiel ihm keineswegs. Brynes Falle war ausgesprochen subtil gewesen, so schwer zu sehen wie eine gelbe Blumenspinne auf einem Bl�tenblatt. Das hatte ihn erst darauf aufmerksam gemacht. Es war ein wahres milit�risches Genie erforderlich gewesen, um ein Heer in eine so schlimme Situation zu bringen, ohne es aber so aussehen zu lassen, als sei das Heer in einer schlimmen Situation. So etwas geschah nicht zuf�llig.</p><p>Mat hatte mehr M�nner verloren, als er z�hlen wollte. Seine Leute standen gegen den Fluss gedr�ngt, und obwohl Demandred weiterhin irgendwelchen Unsinn �ber den Wiedergeborenen Drachen br�llte, forderte er st�ndig seine Verteidigung heraus und versuchte, einen Schwachpunkt zu finden; er schickte die schwere Kavallerie gegen die eine Seite, dann gab es auf der anderen einen Angriff von sharanischen Bogensch�tzen und Trollocs. Deshalb musste Mat Demandreds Bewegungen scharf im Auge behalten, um die n�tigen Abwehrma�nahmen zu treffen.</p><p>Bald w�rde die Nacht hereinbrechen. W�rde sich der Schatten zur�ckziehen? Die Trollocs konnten in der Dunkelheit k�mpfen, diese Sharaner m�glicherweise nicht. Er gab eine weitere Reihe von Befehlen, und Boten galoppierten durch Wegetore, um sie zu �berbringen. Es hatte den Anschein, als w�rden nur Augenblicke vergehen, bevor seine Truppen in der Tiefe unter ihm reagierten. �So schnell���, sagte er.</p><p>�Das wird die Welt ver�ndern�, frohlockte General Galgan. �Boten k�nnen sofort reagieren; Kommandanten k�nnen ihre Schlacht verfolgen und sofort planen.�</p><p>Mat grunzte zustimmend. �Aber ich wette, man muss weiter den ganzen verfluchten Abend warten, bis das Essen aus dem Verpflegungszelt kommt.�</p><p>Galgan l�chelte tats�chlich. Es war, als w�rde man einem Felsen dabei zusehen, wie er sich spaltete.</p><p>�Sagt mir, General�, sagte Tuon. �Wie sch�tzt Ihr die F�higkeiten meines Gemahls ein?�</p><p>�Ich wei� nicht, wo Ihr ihn gefunden habt, Allergr��te, aber er ist ein Juwel von gro�em Wert. Ich habe ihn die letzten Stunden beobachtet, als er die Streitkr�fte der Wei�en Burg gerettet hat. Trotz seines�� unkonventionellen Stils ist mir selten ein so begabter Befehlshaber untergekommen.�</p><p>Tuon l�chelte nicht, aber Mat sah ihr an, dass sie erfreut war. Das waren wirklich h�bsche Augen. Und wenn sich Galgan einmal nicht so schroff benahm, w�rde das hier vielleicht doch gar kein so �bler Ort sein.</p><p>�Danke�, sagte Mat leise, als er und Galgan sich wieder nach vorn beugten, um das Schlachtfeld unter ihnen zu beobachten.</p><p>�Ich betrachte mich als Mann der Wahrheit, mein Prinz�, sagte Galgan und rieb sich mit dem schwieligen Finger das Kinn. �Ihr werdet dem Kristallthron gut dienen. Es w�re eine Schande, Euch zu fr�h umbringen zu lassen. Ich werde daf�r sorgen, dass die Ersten, die ich zu Euch schicke, noch unerfahren sind, damit Ihr sie m�helos aufhalten k�nnt.�</p><p>Mat f�hlte, wie sein Mund offen stehen blieb. Der Mann sagte das doch tats�chlich mit v�lliger Offenheit, beinahe schon mit Zuneigung. Als wollte er Mat mit dem Versuch, ihn umzubringen, einen Gefallen tun!</p><p>�Die Trollocs da��� ��er zeigte auf eine Gruppe tief unter ihnen�� ���werden sich bald zur�ckziehen.�</p><p>�Da stimme ich zu�, erwiderte Galgan.</p><p>Mat rieb sich das Kinn. �Wir m�ssen abwarten, was Demandred mit ihnen macht. Ich habe die Bef�rchtung, die Sharaner k�nnten in der Nacht versuchen, einige ihrer <emphasis>Marath�Damane</emphasis> einzuschmuggeln. Sie beweisen eine erstaunliche Hingabe an ihre Sache. Oder eine verfluchte Missachtung jeglicher Selbsterhaltung.�</p><p>Aes Sedai und <emphasis>Sul�dam</emphasis> konnte man nun wirklich nicht als furchtsam bezeichnen, aber f�r gew�hnlich <emphasis>waren</emphasis> sie vorsichtig. Auf die sharanischen Machtlenker traf das nicht einmal ansatzweise zu, vor allem nicht auf die M�nner.</p><p>�Ein paar <emphasis>Damane</emphasis> sollen am Fluss Licht machen�, sagte Mat. �Und riegelt das Lager ab, und ein Kreis aus <emphasis>Damane</emphasis> soll im ganzen Lager verteilt nach Machtlenkern Ausschau halten. Niemand lenkt die Macht, nicht einmal, um eine verdammte Kerze zu entz�nden.�</p><p>�Das k�nnte den�� Aes Sedai nicht gefallen�, meinte General Galgan. Auch er z�gerte, die Worte Aes Sedai auszusprechen. Mat hatte den Befehl gegeben, diesen Begriff zu benutzen statt <emphasis>Marath�Damane</emphasis>, und er hatte damit gerechnet, dass Tuon ihn widerrufen w�rde. Aber das hatte sie nicht.</p><p>Diese Frau verstehen zu lernen w�rde viel Vergn�gen machen, falls sie beide diesen verdammten Schlamassel �berleben sollten.</p><p>Tylee betrat den Raum. Hochgewachsen und mit einem vernarbten Gesicht versehen, bewegte sich die dunkelh�utige Frau mit dem Selbstbewusstsein einer langj�hrigen Soldatin. Sie warf sich mit ihrer blutverschmierten und verbeulten R�stung vor Tuon zu Boden. Ihre Legion hatte heute Pr�gel bezogen, und vermutlich f�hlte sie sich wie ein Teppich, an dem sich die Hausfrau ausgetobt hatte.</p><p>�Ich sorge mich um unsere Position hier.� Mat drehte sich wieder um und ging in die Hocke, sp�hte durch das Loch. Wie er vorhergesagt hatte, zogen sich die Trollocs zur�ck.</p><p>�Warum?�, wollte General Galgan wissen.</p><p>�Wir haben unsere Machtlenker v�llig ersch�pft. Und wir sind zum Fluss zur�ckgewichen, eine schwierige Position, wenn man sie lange verteidigen will, vor allem gegen ein so gro�es Heer. Sollten sie ein paar Wegetore weben und einen Teil der Sharaner in der Nacht auf diese Flussseite schaffen, k�nnten sie uns zerschmettern.�</p><p>Galgan sch�ttelte den Kopf. �Ich verstehe, was Ihr meint. Mit ihrer St�rke werden sie uns weiter bedr�ngen, bis wir ersch�pft sind, dann k�nnen sie uns eine Schlinge umlegen und zuziehen.�</p><p>Mat blickte Galgan in die Augen. �Ich glaube, es wird Zeit, diese Position aufzugeben.�</p><p>�Ich stimme zu, das scheint der einzig vern�nftige Ausweg zu sein.� Galgan nickte. �Warum suchen wir uns kein Schlachtfeld aus, das uns gr��ere Vorteile bietet? Werden Eure Freunde von der Wei�en Burg einem R�ckzug zustimmen?�</p><p>�Finden wir es heraus.� Mat richtete sich wieder auf. �Jemand soll nach Egwene und den Sitzenden schicken.�</p><p>�Sie werden nicht kommen�, sagte Tuon. �Die Aes Sedai werden sich nicht mit uns hier treffen. Ich bezweifle, dass diese Amyrlin mich in ihr Lager l�sst, nicht bei den Schutzma�nahmen, die ich verlangen w�rde.�</p><p>�Sch�n.� Mat deutete auf das Wegetor im Boden, das die <emphasis>Damane</emphasis> daraufhin schloss. �Benutzen wir eben ein Wegetor und sprechen da durch, als w�re es eine T�r.�</p><p>Tuon erhob keine Einw�nde, also schickte Mat Boten. Es dauerte eine Weile, bis alles geregelt war, aber Egwene schien die Idee ebenfalls zu gefallen. Tuon unterhielt sich w�hrend der Wartezeit damit, ihren Thron auf die andere Seite des Raumes schaffen zu lassen�� Mat hatte nicht die geringste Ahnung, wozu das gut sein sollte. Dann fing sie an, Min zu �rgern. �Und der hier?�, fragte die Kaiserin, als ein schlanker Angeh�riger des Blutes eintrat und sich verneigte.</p><p>�Er wird bald heiraten�, sagte Min.</p><p>�Ihr werdet zuerst die Omen nennen�, verlangte Tuon, �und dann die Interpretation, wenn es Euch danach verlangt.�</p><p>�Ich wei� genau, was dieses Bild zu bedeuten hat�, protestierte Min. Man hatte sie auf einen kleinen Thron neben der Kaiserin gesetzt. Das M�dchen war so in feines Tuch und Spitze geh�llt, dass es an eine Maus erinnerte, die sich in einem Seidenballen verbarg. �Manchmal wei� ich sofort Bescheid und���</p><p>�Ihr werdet zuerst die Omen nennen�, wiederholte Tuon im genau gleichen Tonfall. �Und Ihr werdet mich als Allergr��te anreden. Es ist eine hohe Ehre, dass Ihr mich direkt ansprechen d�rft. Lasst Euch nicht vom Benehmen des Prinzen der Raben verleiten, ihm nachzueifern.�</p><p>Min hielt den Mund, aber sie wirkte keineswegs eingesch�chtert. Sie hatte zu viel Zeit in der Gesellschaft von Aes Sedai verbracht, um sich von Tuon herumschubsen zu lassen. Das bereitete Mat Sorgen. Er hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, wozu Tuon f�hig war, sollte sie nicht mit Min zufrieden sein. Er liebte sie�� beim Licht, da war er sich ziemlich sicher. Aber er gestattete sich auch, ein kleines bisschen Angst vor ihr zu haben.</p><p>Er w�rde aufpassen m�ssen, damit Tuon sich nicht entschied, Min zu �erziehen�.</p><p>�Das Omen f�r diesen Mann�, sagte Min und kontrollierte ihren Tonfall mit ��wie es schien�� einiger M�he, �ist wei�er Spitzenstoff, der in einem Teich treibt. Ich wei�, dass das bedeutet, dass er in naher Zukunft heiraten wird.�</p><p>Tuon nickte. Sie signalisierte Selucia etwas�� der Mann, �ber den sie sprachen, geh�rte dem Niederen Blut an und besa� damit nicht den n�tigen Rang, um direkt mit der Kaiserin sprechen zu k�nnen. Sein Kopf schwebte so nahe am Boden, dass es den Anschein hatte, als h�tte er eine pl�tzliche Faszination f�r K�fer entdeckt und wollte einen f�r seine Sammlung aussuchen.</p><p>�Lord Gokhan vom Blut�, intonierte Selucia in ihrer Rolle als Stimme, �soll sich in die vorderste Frontlinie begeben. Es ist ihm verboten, bis zum Ende dieses Konflikts zu heiraten. Die Omen haben verk�ndet, dass er lange genug leben wird, um eine Frau zu finden, also wird er besch�tzt sein.�</p><p>Min verzog das Gesicht und �ffnete den Mund, vermutlich um zu widersprechen, dass das nicht auf diese Weise funktionierte. Mat fing ihren Blick ein und sch�ttelte den Kopf, und sie gab nach.</p><p>Tuon lie� die N�chste kommen, eine junge Soldatin, die nicht dem Adel angeh�rte. Die Frau hatte helle Haut und gar kein so �bles Gesicht, allerdings konnte Mat unter der unf�rmigen R�stung nur wenig erkennen. Die R�stungen von M�nnern und Frauen unterschieden sich nicht sehr voneinander, was er bedauerlich fand. Er hatte einen seanchanischen Plattner gefragt, ob es denn nicht von Vorteil w�re, gewisse Teile eines Frauenharnischs sozusagen zu betonen, und der Mann hatte ihn nur angesehen, als w�re er nicht richtig bei Verstand. Beim Licht, diese Leute hatten kein Gesp�r f�r Sittlichkeit. Ein Bursche musste doch wissen, ob er auf dem Schlachtfeld gegen eine Frau k�mpfte. Das gebot doch der Anstand.</p><p>W�hrend Min ihre Omen verk�ndete, setzte sich Mat auf seinen Stuhl, legte die F��e auf den Kartentisch und suchte in seiner Tasche nach seiner Pfeife. Diese Soldatin sah wirklich nicht schlecht aus, auch wenn er die wichtigen Teile nicht sehen konnte. Sie w�rde gut zu Talmanes passen. Dieser Mann verbrachte einfach nicht genug Zeit damit, sich Frauen anzusehen. In ihrer Gegenwart war er sch�chtern, so war Talmanes nun einmal.</p><p>Mat ignorierte die Blicke seiner Umgebung, als er den Stuhl nach hinten kippte, sich mit den Hacken auf dem Kartentisch abst�tzte und seine Pfeife stopfte. Seanchaner konnten ja so empfindlich sein.</p><p>Er war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, dass bei den Seanchanern so viele Frauen im Heer dienten. Viele von ihnen schienen wie Birgitte zu sein, was ja nicht schlecht war. Er h�tte lieber mit ihr einen Abend in einer Schenke verbracht als mit der H�lfte der ihm bekannten M�nner.</p><p>�Ihr werdet hingerichtet�, lie� Tuon der Soldatin durch Selucia ausrichten.</p><p>Um ein Haar w�re Mat von seinem Stuhl gepurzelt. Blitzschnell griff er nach dem Tisch vor ihm, und die Vorderbeine des Stuhls landeten hart auf dem Boden.</p><p><emphasis>�Was?�,</emphasis> verlangte Min zu wissen. �Nein!�</p><p>�Ihr saht das Zeichen des Wei�en Ebers�, sagte Tuon.</p><p>�Ich kannte seine Bedeutung nicht!�</p><p>�Der Eber ist das Symbol eines gewissen Handoin, einer meiner Rivalen in Seanchan�, erkl�rte Tuon geduldig. �Der Wei�e Eber ist ein Omen der Gefahr, vielleicht sogar des Verrats. Diese Frau arbeitet f�r ihn oder wird es in der Zukunft tun.�</p><p>�Ihr <emphasis>k�nnt</emphasis> sie nicht einfach so hinrichten!�</p><p>Tuon blinzelte einmal und blickte Min direkt an. Pl�tzlich schien die Temperatur im Raum zu sinken und wurde k�lter. Mat fr�stelte. Es gefiel ihm nicht, wenn Tuon so wurde. Dieser starre Blick�� er schien einer Fremden zu geh�ren. Jemandem ohne Mitgef�hl. Eine Statue war lebendiger.</p><p>Selucias Finger bewegten sich hektisch. Tuon sah sie an, dann nickte sie.</p><p>�Ihr seid meine Wahrheitssprecherin�, sagte sie fast z�gernd zu Min. �Ihr d�rft mich in der �ffentlichkeit berichtigen. Seht Ihr einen Fehler in meiner Entscheidung?�</p><p>�Ja, das tue ich�, erwiderte Min ohne zu z�gern. �Ihr verwendet meine F�higkeiten nicht so, wie Ihr solltet.�</p><p>�Und wie sollte ich das tun?�, fragte die Kaiserin. Die Soldatin, die soeben ihr Todesurteil erhalten hatte, lag noch immer reglos da. Sie erhob keinen Einspruch�� ihr fehlte der n�tige Rang, um die Kaiserin ansprechen zu d�rfen. Ihre Stellung war sogar so niedrig, dass sie die Ehre verletzen w�rde, wenn sie �berhaupt jemand in Tuons Umgebung anspr�che.</p><p>�Was jemand <emphasis>vielleicht</emphasis> irgendwann einmal tun wird, ist kein Grund, ihn zu t�ten�, sagte Min. �Ich will nicht respektlos sein, aber wenn Ihr wegen meiner Worte Leute umbringt, spreche ich nicht mehr.�</p><p>�Man kann Euch zum Sprechen bringen.�</p><p>�Versucht es�, sagte Min leise. Mat zuckte zusammen. Verdammte Asche, sie sah genauso kalt aus wie Tuon eben. �Sehen wir, wie Euch das Muster behandelt, Kaiserin, wenn Ihr die �berbringerin von Omen foltern lasst.�</p><p>�berraschenderweise l�chelte Tuon. �Ihr geht gut damit um. Erkl�rt mir, was Ihr w�nscht, �berbringerin von Omen.�</p><p>�Ich werde Euch meine Visionen mitteilen�, sagte Min, �aber von jetzt an bleiben der Allgemeinheit die Interpretationen verborgen�� ob es sich nun um meine Deutung handelt oder um das, was Ihr aus den Bildern herauslest. Am besten bleiben sie unter uns. Ihr d�rft jemanden wegen meiner Worte beobachten lassen, ihn aber nicht bestrafen�� nicht ehe ihr ihn bei etwas erwischt. Lasst diese Frau gehen.�</p><p>�So soll es sein�, sagte Tuon. �Ihr seid frei�, lie� sie dann durch Selucia verk�nden. �Geht in Treue zum Kristallthron. Man wird Euch im Auge behalten.�</p><p>Die Frau ging mit tief gesenktem Kopf r�ckw�rts aus dem Raum. Mat sah, wie ihr Schwei�perlen die Schl�fe hinunterrannen. Also war sie doch keine Statue.</p><p>Er wandte sich wieder Tuon und Min zu. Die beiden starrten einander noch immer an. Keine Messer waren blankgezogen, aber es kam ihm so vor, als h�tte jemand einen Stich davongetragen. Wenn Min doch blo� nur etwas Respekt lernen w�rde. Eines Tages w�rde er sie am Kragen von den Seanchanern wegschleifen m�ssen, dem Henker einen Schritt voraus, da war er sich sicher.</p><p>Pl�tzlich durchschnitt ein Wegetor die Luft auf der Seite des Raums, die Tuon angewiesen hatte. Schlagartig wurde Mat klar, warum sie den Thron hatte verschieben lassen. H�tte man die <emphasis>Damane</emphasis> gefangen genommen und gezwungen, zu verraten, wo die Kaiserin sa�, h�tte eine Aes Sedai ein Wegetor genau an dieser Stelle �ffnen und sie in zwei Teile schneiden k�nnen. Das war so unwahrscheinlich, dass es schon l�cherlich war�� eher konnte eine Aes Sedai fliegen als jemanden t�ten, der kein Schattenfreund war��, aber Tuon ging kein Risiko ein.</p><p>Das Tor �ffnete sich und enth�llte den Saal der Burg, der in einem Zelt sa�. Hinter ihnen thronte Egwene auf einem gro�en Stuhl. Es handelte sich um den richtigen Amyrlin-Sitz, wie Mat erkannte. <emphasis>Blut und Asche�� sie hat ihn extra herschaffen lassen.</emphasis></p><p>Egwene sah ersch�pft aus, konnte das aber halbwegs �berzeugend verbergen. Die anderen sahen nicht besser aus. Die Aes Sedai waren bis an ihre Grenzen gegangen. W�re sie eine Soldatin gewesen, h�tte er sie niemals in die Schlacht geschickt. Blut und verdammte Asche�� h�tte er einen Soldaten mit solch bleichem Gesicht und diesem Ausdruck in den Augen vor sich gehabt, h�tte er dem Burschen eine Woche Bettruhe befohlen.</p><p>�Wir sind neugierig, den Zweck dieses Treffens zu erfahren�, sagte Saerin beherrscht.</p><p>Silviana sa� neben Egwene auf einem kleineren Stuhl, und die restlichen Schwestern waren nach ihren Ajah eingeteilt. Aber Mat sch�tzte, dass einige fehlten, einschlie�lich einer der Gelben.</p><p>Tuon nickte Mat zu. Er sollte diese Konferenz leiten. Als Erwiderung tippte er sich an die Hutkrempe, was ihm eine hochgezogene Braue einbrachte. Ihr gef�hrlicher Ausdruck war verschwunden, obwohl sie noch immer die personifizierte Kaiserin war.</p><p>�Aes Sedai�, sagte Mat, stand auf und l�ftete den Hut f�r die Sitzenden. �Der Kristallthron wei� es zu sch�tzen, dass ihr endlich zu Verstand gekommen seid und uns die Schlacht f�hren lasst.�</p><p>Silvianas Augen quollen hervor, als w�re ihr gerade jemand auf den Fu� getreten. Aus dem Augenwinkel sah Mat, wie der Hauch eines L�chelns Tuons Mundwinkel umspielte. Blut und verdammte Asche, beide Frauen sollten es eigentlich besser wissen, als ihn so zu ermutigen.</p><p>�Du dr�ckst dich so gew�hlt aus wie immer, Mat�, sagte Egwene trocken. �Hast du noch immer deinen geliebten Fuchs?�</p><p>�Habe ich�, erwiderte er. �Er schmiegt sich warm an.�</p><p>�Dann pass auf ihn auf. Ich m�chte nicht zusehen m�ssen, wie du Gareth Brynes Schicksal teilst.�</p><p>�Also war es wirklich der Zwang?� Egwene hatte ihm einen vorl�ufigen Bericht geschickt.</p><p>�Soweit wir das beurteilen k�nnen�, sagte Saerin. �Wie man mir berichtet hat, vermag Nynaeve Sedai die Gewebe im Verstand einer Person zu erkennen, aber der Rest von uns verf�gt nicht �ber diese F�higkeit.�</p><p>�Unsere Heilerinnen sehen sich Bryne an�, sagte eine st�mmige Domani-Schwester. �Im Augenblick k�nnen wir keinem Schlachtplan trauen, an dem er beteiligt war, zumindest nicht, bis wir ergr�nden k�nnen, wie lange er schon unter dem Daumen des Schattens steht.�</p><p>Mat nickte. �Das leuchtet mir ein. Also, wir m�ssen unsere Streitkr�fte von der Furt zur�ckziehen.�</p><p>�Warum?�, verlangte Lelaine zu wissen. �Wir haben die Lage stabilisiert.�</p><p>�Nicht gut genug�, erwiderte Mat. �Mir gef�llt dieses Gel�nde nicht, und wir sollten nicht dort k�mpfen m�ssen, wo wir nicht wollen.�</p><p>�Ich bin nicht gewillt, dem Schatten ohne guten Grund auch nur einen zus�tzlichen Zoll Boden zuzugestehen�, sagte Saerin.</p><p>�Ein Schritt, den wir jetzt aufgeben, kann uns im Morgengrauen zwei weitere einbringen�, sagte Mat.</p><p>General Galgan murmelte zustimmend, und Mat wurde sich bewusst, dass er gerade Falkenfl�gel zitiert hatte.</p><p>Saerin runzelte die Stirn. Die anderen schienen ihr die F�hrung zu �berlassen. Egwene sa� hinter ihnen und hielt sich gr��tenteils aus allem heraus, die Finger verschr�nkt.</p><p>�Vielleicht sollte ich Euch sagen�, verk�ndete Saerin, �dass unser Gro�er Hauptmann nicht das einzige Ziel war. Davram Bashere und Lord Agelmar versuchten ebenfalls, ihre Heere in die Vernichtung zu f�hren. Elayne Sedai hat sich gut in ihrer Schlacht geschlagen und eine betr�chtliche Streitmacht des Schattengez�chts vernichtet, aber das gelang ihr nur wegen des Eingreifens der Schwarzen Burg. Die Grenzl�nder wurden vernichtet, verloren fast zwei Drittel ihrer M�nner.�</p><p>Mat fr�stelte. <emphasis>Zwei Drittel?</emphasis> Licht! Sie geh�rten zu den besten Truppen, die dem Licht zur Verf�gung standen. �Lan?�</p><p>�Lord Mandragoran lebt.�</p><p>Nun, das war wenigstens etwas. �Und was ist mit dem Heer oben in der F�ule?�</p><p>�Lord Ituralde fiel in der Schlacht�, berichtete Saerin. �Niemand scheint genau zu wissen, was mit ihm geschehen ist.�</p><p>�Das ist raffiniert geplant worden.� Mats Gedanken rasten. �Verflucht! Sie haben versucht, alle vier Fronten auf einen Schlag zu zerst�ren. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, welche Koordination dazu erforderlich war���</p><p>�Wie ich bereits bemerkte�, warf Egwene leise ein, �m�ssen wir sehr vorsichtig sein. Halte deinen Fuchs immer in deiner N�he.�</p><p>�Was will Elayne tun?�, erkundigte sich Mat. �Hat sie nicht den Oberbefehl?�</p><p>�Im Augenblick hilft Elayne Sedai den Grenzl�ndern�, sagte Saerin. �Sie hat uns unterrichtet, dass Shienar so gut wie verloren ist, und sie l�sst das Heer von Lord Mandragoran von den Asha�man an einen sicheren Ort bringen. Morgen will sie ihr Heer durch Wegetore f�hren und die Trollocs in der F�ule festhalten.�</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen vereint k�mpfen.� Er z�gerte. �K�nnen wir sie durch eines dieser Tore herbringen? Oder zumindest mit ihr in Verbindung treten?�</p><p>Niemand erhob Einw�nde. Nach kurzer Zeit �ffnete sich in dem Zelt mit Egwene und den Sitzenden ein weiteres Tor. Elayne trat mit dick gew�lbtem Bauch hindurch, und ihre Augen schienen beinahe Blitze zu schleudern. Hinter ihr erhaschte Mat einen Blick auf ersch�pfte Soldaten, die sich im matten Abendlicht �ber ein Feld schleppten.</p><p>�Beim Licht�, sagte Elayne. �Mat, was willst du?�</p><p>�Du hast deine Schlacht gewonnen?�</p><p>�So gerade eben. Die Trollocs in Cairhien wurden vernichtet. Die Stadt selbst ist ebenfalls sicher.�</p><p>Mat nickte. �Ich muss mich von unserer Position hier zur�ckziehen.�</p><p>�Sch�n�, erwiderte Elayne. �Vielleicht k�nnen wir deine Streitmacht mit den Resten der Grenzl�nder zusammenlegen.�</p><p>�Ich will mehr als das tun, Elayne.� Mat trat einen Schritt vor. �Diese List des Schattens�� sie war schlau, Elayne. Verflucht schlau. Wir sind blutig geschlagen und fast gebrochen. Wir k�nnen uns nicht l�nger den Luxus leisten, an verschiedenen Fronten zu k�mpfen.�</p><p>�Was dann?�</p><p>�Ein letzter Kampf�, sagte Mat leise. �Wir alle zusammen, an einem Ort, wo das Terrain auf unserer Seite ist.�</p><p>Elayne verstummte, und jemand brachte ihr einen Stuhl, damit sie sich neben Egwene setzen konnte. Sie hielt sich weiterhin wie eine K�nigin, aber ihr zerzaustes Haar und das an einigen Stellen verbrannte Kleid wiesen deutlich darauf hin, was sie alles durchgemacht hatte. Mat konnte den Rauch riechen, der von ihrem Schlachtfeld durch das noch immer ge�ffnete Tor her�berdrang.</p><p>�Das klingt verzweifelt�, sagte Elayne schlie�lich.</p><p>�Wir <emphasis>sind</emphasis> verzweifelt�, meinte Saerin.</p><p>�Wir sollten unsere Kommandanten fragen��� Elayne verstummte. �Falls es welche gibt, bei denen wir uns darauf verlassen k�nnen, dass sie nicht unter Zwang stehen.�</p><p>�Da gibt es nur einen�, sagte Mat grimmig und erwiderte ihren Blick. �Und er sagt dir, dass wir erledigt sind, wenn wir so weitermachen wie bisher. Der fr�here Plan war durchaus gut, aber nach unseren heutigen Verlusten�� Elayne, wenn wir nicht einen Ort erw�hlen, an dem wir gemeinsam stehen und k�mpfen, sind wir tot.�</p><p>Ein letzter Wurf der W�rfel.</p><p>Elayne sa� eine Weile schweigend da. �Wo?�, fragte sie schlie�lich.</p><p>�Tar Valon?�, fragte Gawyn.</p><p>�Nein�, sagte Mat. �Sie w�rden es einfach belagern und weitermachen. Es kann keine Stadt sein, in der man uns einschlie�t. Wir brauchen ein Gel�nde, das zu unseren Gunsten arbeitet, und ein Land, das die Trollocs nicht ern�hren kann.�</p><p>Elayne verzog das Gesicht. �Nun, ein Ort in den Grenzlanden m�sste da reichen. Lans Heer hat so gut wie jede Stadt und jedes Feld niedergebrannt, um dem Schatten s�mtliche Ressourcen vorzuenthalten.�</p><p>�Karten�, verlangte Mat und schwenkte den Arm. �Jemand soll mehr Karten besorgen. Wir brauchen einen Ort im s�dlichen Shienar oder Arafel. Nahe genug, dass es den Schatten anlocken kann, ein Ort, an dem er uns alle zugleich bek�mpfen kann���</p><p>�Aber geben wir ihnen nicht genau das, was sie wollen? Die Gelegenheit, uns auf einen Schlag zu vernichten?�, fragte Elayne.</p><p>�Ja�, erwiderte Mat leise, w�hrend die Aes Sedai Karten durch das Tor schickten. Sie wiesen Markierungen auf, die anscheinend in General Brynes Handschrift erfolgt waren. �Wir m�ssen ein verlockendes Ziel sein. Wir m�ssen sie anlocken und uns ihnen stellen�� und sie entweder besiegen oder von ihnen vernichtet werden.�</p><p>Ein langer Kampf diente nur dem Schatten. Sobald genug Trollocs die s�dlichen L�nder erreichten, w�rde man sie nicht l�nger aufhalten k�nnen. Mat musste schnell siegen oder verlieren.</p><p>In der Tat ein letzter Wurf.</p><p>Mat zeigte auf einen Ort auf den Karten, einen Ort, den Bryne mit vielen Anmerkungen versehen hatte. Es gab eine gute Wasserversorgung, H�gel und Fl�sse trafen auf angenehme Weise aufeinander. �Dieser Ort. Merrilor? Ihr habt ihn als Nachschublager benutzt?�</p><p>Saerin kicherte leise. �Also gehen wir dorthin zur�ck, wo alles anfing, richtig?�</p><p>�Es gibt ein paar kleine Befestigungen�, sagte Elayne. �Auf der einen Seite errichteten die M�nner eine Palisade, und wir k�nnten sie ausbauen.�</p><p>�Genau das brauchen wir�, sagte Mat und stellte sich dort eine Schlacht vor.</p><p>Merrilor w�rde sie zwischen die beiden gro�en Trolloc-Heere platzieren, die beide ankommen und versuchen w�rden, die Menschen zwischen ihnen zu zermalmen. Das w�rde verlockend sein. Aber das Terrain w�rde sich wunderbar dazu eignen, damit er��</p><p>Ja. Es w�rde genau wie die Schlacht an der Landenge von Priya sein. Wenn er Bogensch�tzen an diesen H�ngen aufstellte ��nein, Drachen�� und den Aes Sedai ein paar Tage Ruhe verschaffte�� Die Landenge von Priya. Er hatte darauf gez�hlt, einen gro�en Fluss zur Verf�gung zu haben, um das Heer von Hamarean am Eingang der Landenge in die Falle zu locken. Aber dann war ihm der verfluchte Fluss versiegt; die Hamareaner hatten ihn auf der anderen Seite der Landenge aufgestaut. Sie waren einfach durch das Flussbett gegangen und so davongekommen. <emphasis>Das ist eine Lektion, die ich nicht vergessen werde.</emphasis></p><p>�Das wird gehen�, sagte er und legte die Hand auf die Karte. �Elayne?�</p><p>�Tun wir es�, sagte Elayne. �Ich hoffe, du wei�t, was du machst, Mat.�</p><p>Und sie hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als die W�rfel anfingen, in seinem Kopf zu poltern.</p><empty-line/><p>Galad schloss Troms Augen. �ber eine Stunde hatte er das Schlachtfeld n�rdlich von Cairhien nach ihm abgesucht. Trom war verblutet, nur ein paar Flecken seines Umhangs waren noch wei�. Galad riss den Offiziersknoten von seiner Schulter, der erstaunlicherweise sauber war, und stand auf.</p><p>Er war ersch�pft bis auf die Knochen. Er ging zur�ck �ber das Schlachtfeld, vorbei an aufgeschichteten Toten. Die Kr�hen und Raben waren gekommen; sie schienen sich wie eine Decke �ber die Landschaft hinter ihm gelegt zu haben. Eine wogende, bebende Finsternis, die den Boden wie Schimmel bedeckte. Aus der Ferne hatte es den Anschein, als h�tte man den Untergrund verbrannt, so viele Aasfresser gab es.</p><p>Gelegentlich kam Galad an anderen M�nnern wie ihm vorbei, die zwischen den Leichen nach Freunden suchten. Es gab �berraschend wenig Pl�nderer�� auf die musste man immer auf einem Schlachtfeld aufpassen. Elayne hatte ein paar erwischt, die sich aus der Stadt schleichen wollten. Sie hatte gedroht, sie aufzuh�ngen.</p><p><emphasis>Sie ist h�rter geworden,</emphasis> dachte Galad und ging mit schweren, ersch�pften Schritten weiter in Richtung Lager. Seine Stiefel f�hlten sich wie Blei an seinen F��en an. <emphasis>Das ist gut.</emphasis> Als Kind hatte sie oft mit dem Herzen entschieden. Jetzt war sie die K�nigin, und sie handelte dementsprechend. Wenn er doch nur ihren moralischen Kompass in die richtige Richtung h�tte lenken k�nnen. Sie war kein schlechter Mensch, aber Galad w�nschte sich, dass sie und die anderen Monarchen alles so klar erkennen w�rden wie er.</p><p>Langsam begann er sich damit abzufinden, dass sie es nicht taten. Allm�hlich akzeptierte er, dass das durchaus in Ordnung war, solange sie ihr Bestes gaben. Was auch immer in seinem Inneren steckte, das ihm erlaubte, das Wahrhaftige zu erkennen, war offensichtlich ein Geschenk des Lichts, und andere zu verachten, weil sie nicht damit geboren worden waren, war einfach falsch. So wie es falsch sein w�rde, einen Mann zu verachten, weil er nur mit einer Hand geboren worden und darum ein schlechter Schwertk�mpfer war.</p><p>An den seltenen Stellen, an denen es weder Leichen noch Blut gab, sa�en viele der �berlebenden. Diese M�nner sahen nicht wie die Sieger einer Schlacht aus, auch wenn die Ankunft der Asha�man diesen Tag gerettet hatte. Das Man�ver mit der Lava hatte Elaynes Heer die Atempause verschafft, die es gebraucht hatte, um sich neu zu formieren und anzugreifen.</p><p>Dieser Kampf war schnell, aber brutal gewesen. Trollocs ergaben sich nicht, und man durfte nicht zulassen, dass sie die Flucht ergriffen. Also hatten Galad und die anderen gek�mpft, geblutet und waren lange �ber den Augenblick hinaus gestorben, an dem es offensichtlich geworden war, dass sie siegreich sein w�rden.</p><p>Die Trollocs waren nun tot. Die �brig gebliebenen M�nner sa�en da und starrten auf das Leichentuch, als w�rde sie die Vorstellung bet�uben, unter den Tausenden von Toten nach den paar Lebenden suchen zu m�ssen.</p><p>Die untergehende Sonne und die alles erstickenden Wolken f�rbten das Licht rot und tauchten Gesichter in einen blutigen Dunst.</p><p>Irgendwann erreichte Galad den langen H�gel, der die beiden Schlachtfelder voneinander trennte. Langsam stieg er ihn empor und verdr�ngte Gedanken, wie gut sich doch ein Bett anf�hlen w�rde. Oder eine Pritsche. Oder ein flacher Fels an einem weit entfernten Ort, wo er seinen Umhang ausrollen konnte.</p><p>Die frische Luft oben auf dem H�gel traf ihn wie ein Schlag. Er hatte Blut und Tod nun so lange gerochen, dass die saubere Luft jetzt irgendwie falsch erschien. Kopfsch�ttelnd ging er an ersch�pften Grenzl�ndern vorbei, die aus Wegetoren stolperten. Die Asha�man waren losgezogen, um die Trollocs im Norden in Schach zu halten, damit Lord Mandragorans Heere entkommen konnten.</p><p>Soweit er geh�rt hatte, waren die Heere der Grenzl�nder auf einen Bruchteil ihres urspr�nglichen Umfangs geschrumpft. Lord Mandragoran und seine M�nner hatten den Verrat eines der Gro�en Hauptm�nner am schlimmsten zu sp�ren bekommen, und das machte Galad ganz krank, denn diese Schlacht war weder f�r ihn noch sonst jemanden in Elaynes Gefolge leicht gewesen. Sie war sogar schrecklich gewesen�� aber so schlimm alles auch gewesen war, f�r die Grenzl�nder war der Kampf noch schlimmer verlaufen.</p><p>Galad behielt m�hsam seinen Mageninhalt bei sich, als ihn der Blick vom H�gel erst richtig sehen lie�, wie viele Aasfresser zum Mahl gekommen waren. Die Helfer des Dunklen K�nigs fielen, und die Helfer des Dunklen K�nigs stopften sich voll.</p><p>Schlie�lich fand er Elayne. Die leidenschaftlichen Worte, die sie gerade an Tam al�Thor und Arganda richtete, �berraschten ihn.</p><p>�Mat hat recht�, sagte sie. �Das Feld von Merrilor ist ein gutes Schlachtfeld. Licht! Ich w�nschte, wir k�nnten den Leuten mehr Zeit verschaffen, um sich auszuruhen. Uns bleiben nur ein paar Tage, bestenfalls eine Woche, bevor die Trollocs hinter uns Merrilor erreichen.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Wir h�tten ahnen m�ssen, dass diese Sharaner kommen. Wenn das Kartenspiel aussieht, als w�re es gegen den Dunklen K�nig gemischt, dann wirft er einfach ein paar neue Karten ins Spiel.�</p><p>Galads Stolz erforderte, dass er dort stehen blieb, w�hrend er zuh�rte, wie Elayne mit den anderen Kommandanten sprach. Aber dieses eine Mal verlor sein Stolz, und er lie� sich auf einen Hocker sacken und beugte sich nach vorn.</p><p>�Galad�, sagte Elayne, �du solltest wirklich einem Asha�man erlauben, deine M�digkeit zu beseitigen. Dein Beharren, sie wie Auss�tzige zu behandeln, ist l�cherlich.�</p><p>Galad richtete sich auf. �Das hat nichts mit den Asha�man zu tun�, fauchte er. Viel zu streitlustig. Er <emphasis>war</emphasis> m�de. �Diese Ersch�pfung erinnert mich daran, was wir heute verloren haben. Es ist die Ersch�pfung, die meine M�nner ertragen m�ssen, also werde ich das auch, damit ich nicht vergesse, wie m�de sie sind und sie zu sehr antreibe.�</p><p>Elayne betrachtete ihn stirnrunzelnd. Er hatte schon vor langer Zeit damit aufgeh�rt, sich zu sorgen, dass seine Worte sie m�glicherweise beleidigen k�nnten. Anscheinend konnte er nicht einmal sagen, dass ein Tag angenehm oder sein Tee hei� war, ohne dass sie irgendwie daran Ansto� nahm.</p><p>Es w�re nett gewesen, w�re Aybara nicht weggelaufen. Dieser Mann war ein Anf�hrer�� einer der wenigen, die Galad je kennengelernt hatte��, mit dem man sich wirklich unterhalten konnte, ohne sich sorgen zu m�ssen, dass er daran Ansto� nahm. Vielleicht w�rden die Zwei Fl�sse ja ein guter Ort sein, an dem sich die Wei�m�ntel ansiedeln konnten.</p><p>Nat�rlich gab es da dieses b�se Blut zwischen ihnen. M�glicherweise konnte er daran arbeiten��</p><p><emphasis>Ich habe sie Wei�m�ntel genannt,</emphasis> dachte er einen Augenblick sp�ter. <emphasis>In meinen Gedanken habe ich die Kinder gerade so bezeichnet.</emphasis> Es war schon lange her, dass ihm das das letzte Mal passiert war.</p><p>�Euer Majest�t�, sagte Arganda. Er stand neben Logain, dem Anf�hrer der Asha�man, und Havien Nurelle, dem neuen Befehlshaber der Gefl�gelten Wachen. Talmanes von der Bande der Roten Hand gesellte sich mit ein paar Offizieren der Saldaeaner und der Legion des Drachen zu ihnen. Ein kurzes St�ck entfernt sa� der �lteste Haman von den Ogiern am Boden; er starrte wie benommen in den Sonnenuntergang.</p><p>�Euer Majest�t�, fuhr Arganda fort. �Mir ist klar, dass Ihr das als gro�en Sieg betrachtet���</p><p>�Es <emphasis>ist</emphasis> ein gro�er Sieg�, erwiderte Elayne. �Wir m�ssen die M�nner dazu bringen, es auf diese Weise zu betrachten. Vor nicht einmal acht Stunden war ich davon �berzeugt, dass unser ganzes Heer niedergemacht werden w�rde. Wir haben gesiegt.�</p><p>�Und es hat uns die H�lfte unserer Truppen gekostet�, sagte Arganda leise.</p><p>�Ich werde das als Sieg z�hlen�, beharrte Elayne. �Wir standen vor der v�lligen Vernichtung.�</p><p>�Heute ist der Metzger der einzige Sieger�, meinte Nurelle leise. Er schien vom Grauen heimgesucht.</p><p>�Nein�, meldete sich Tam al�Thor zu Wort. �Sie hat recht. Die M�nner m�ssen begreifen, was ihre Verluste bewirkt haben. Wir <emphasis>m�ssen</emphasis> das als Sieg behandeln. So muss es in die Geschichtsb�cher Einzug halten, und die Soldaten m�ssen �berzeugt werden, es so zu sehen.�</p><p>�Das ist eine L�ge�, h�rte sich Galad sagen.</p><p>�Das ist es nicht�, widersprach al�Thor. �Wir haben heute viele Freunde verloren. Licht, das haben wir alle. Aber uns auf den Tod zu besinnen ist genau das, was der Dunkle K�nig will. Sagt mir, dass ich mich irre! Wir m�ssen aufschauen und das Licht sehen und nicht den Schatten, oder es zieht uns alle unter Wasser.�</p><p>�Indem wir hier <emphasis>gewonnen</emphasis> haben�, sagte Elayne und betonte das Wort ausdr�cklich, �haben wir uns eine Atempause verdient. Wir k�nnen uns in Merrilor versammeln, uns dort verschanzen und mit unserer Kraft das letzte Gefecht gegen den Schatten f�hren.�</p><p>�Beim Licht�, fl�sterte Talmanes. �Wir werden das alles noch einmal durchmachen m�ssen, oder?�</p><p>�Ja.� Elayne sagte es z�gernd.</p><p>Galad schaute auf das Feld der Toten hinaus und fr�stelte. �Merrilor wird schlimmer sein. Das Licht stehe uns bei�� es wird viel schlimmer werden.�</p></section><section><title><p>33</p><p>Tabak f�r den Prinzen</p></title><p>Perrin jagte den Schl�chter quer �ber den Himmel.</p><p>Er sprang aus einer wogenden schwarz-silbernen Wolke, und der Schl�chter war ein Schemen am verkohlten Firmament. Die Luft pulsierte im Rhythmus der Blitze und Sturmwinde. Ein Geruch nach dem anderen st�rmte auf Perrin ein, ohne jede Logik. Schlamm in Tear. Ein verbrennender Kuchen. Verfaulender M�ll. Eine Todeslilie.</p><p>Der Schl�chter landete vor ihm auf einer Wolke und <emphasis>versetzte</emphasis> sich, drehte sich in der Dauer eines Wimpernschlags mit gespanntem Bogen herum. Der Pfeil schoss so schnell durch die Luft, dass es donnerte, aber Perrin vermochte ihn mit dem Hammer zur Seite zu schlagen. Er landete auf derselben Gewitterwolke wie der Schl�chter und stellte sich vor, dass der Untergrund fest war, und die Schwaden der Sturmwolken erstarrten zu einer festen Masse.</p><p>Perrin st�rmte durch wogenden dunkelgrauen Nebel, der �ber die Oberseite der Wolke strich, und griff an. Sie stie�en zusammen, der Schl�chter dachte Schwert und Schild herbei. Perrins Hammer schlug einen Rhythmus gegen den Schild und unterstrich das tobende Gewitter. Ein Donnerschlag mit jedem Hieb.</p><p>Der Schl�chter fuhr herum, um zu fliehen, aber Perrin erwischte den Saum seines Umhangs. Als sich der Schl�chter <emphasis>versetzen</emphasis> wollte, stellte sich Perrin vor, dass sie blieben. Er wusste, dass sie das tun w�rden. Es war keine M�glichkeit, es war eine unverr�ckbare Tatsache.</p><p>Einen Augenblick lang verloren ihre Konturen an Sch�rfe, dann standen sie wieder auf der Wolke. Knurrend schlug der Schl�chter mit dem Schwert um sich, trennte die Spitze seines Umhangs ab und befreite sich. Er drehte sich um und stellte sich Perrin, machte einen langsamen Schritt zur Seite, die Klinge zu allem bereitgehalten. Unter ihm erzitterten die Wolken, ein Phantomblitz erhellte die Nebelschwaden unter ihren F��en.</p><p>�Du wirst immer l�stiger, Welpe�, sagte der Schl�chter.</p><p>�Du hast nie gegen einen Wolf gek�mpft, der sich wehren kann�, erwiderte Perrin. �Du hast sie aus der Ferne get�tet. Sie auf diese Weise abzuschlachten war leicht. Jetzt versuchst du eine Beute zu jagen, die Z�hne hat, Schl�chter.�</p><p>Der Schl�chter schnaubte. �Du bist wie ein Junge, der das Schwert seines Vaters h�lt. Gef�hrlich, aber v�llig ahnungslos, warum oder wie du deine Waffe benutzen musst.�</p><p>�Wir werden ja sehen, wer���, erwiderte Perrin, aber der Schl�chter stie� zu. Perrin stellte sich vor, dass das Schwert stumpf wurde, sich die Luft verdickte, um die Klinge aufzuhalten, und seine Haut hart genug wurde, um die Waffe zur Seite zu lenken.</p><p>Eine Sekunde sp�ter flog er durch die Luft.</p><p><emphasis>Narr!,</emphasis> dachte er. Er hatte sich so sehr auf den Angriff konzentriert, dass er nicht darauf vorbereitet gewesen war, als der Schl�chter den Untergrund ver�nderte. Perrin st�rzte durch die grollende Wolke den Himmel hinab, und der Wind riss an seiner Kleidung. Er bereitete sich auf den Pfeilhagel vor, der ihm durch die Schwaden folgen w�rde. Der Schl�chter konnte ja so berechenbar sein��</p><p>Es kamen keine Pfeile. Perrin st�rzte ein paar Augenblicke lang, dann fluchte er und drehte sich um. Ein Geschosshagel raste vom Boden nach oben. Er <emphasis>versetzte</emphasis> sich Sekunden bevor die Pfeile die Stelle durchschlugen, an der er sich noch gerade eben aufgehalten hatte.</p><p>Noch immer st�rzend, erschien er hundert Schritte entfernt. Er machte sich nicht die M�he, den Fall zu beenden; er verst�rkte seinen K�rper, um den Aufprall zu �berstehen, und schlug auf. In allen Richtungen breiteten sich Risse von ihm aus. Staub wirbelte in die H�he.</p><p>Der Sturm war viel schlimmer als zuvor. Hier irgendwo im S�den, wo sich Schlingpflanzen um die B�ume wanden und B�sche wucherten, war der Boden aufgew�hlt und vernarbt. St�ndig zuckten Blitze in die Tiefe, so h�ufig, dass er kaum bis drei z�hlen konnte, ohne den n�chsten zu sehen.</p><p>Es gab keinen Regen, aber die Landschaft l�ste sich auf. Ganze H�gel verschwanden. Der links von Perrin sackte wie ein gewaltiger Haufen Staub in sich zusammen, und der Wind riss Schwaden aus Erde und Sand mit sich.</p><p>Perrin sprang in den Himmel und suchte den Schl�chter. Hatte sich der Mann zur�ck zum Shayol Ghul <emphasis>versetzt</emphasis>? Nein. Zwei weitere Pfeile sausten durch die Luft auf ihn zu. Der Schl�chter war sehr gut darin, sie die Sturmb�en trotzen zu lassen.</p><p>Er schlug sie zur Seite und eilte in die Richtung seines Feindes. Er entdeckte ihn auf einer Felsenspitze, deren H�nge auf allen Seiten abbr�ckelten und dann in die H�he gepeitscht wurden.</p><p>Mit schwingendem Hammer landete er. Nat�rlich <emphasis>versetzte</emphasis> sich der Schl�chter, und der Hammer krachte donnernd auf den Felsboden. Perrin knurrte. Der Schl�chter war zu schnell!</p><p>Aber er war auch schnell. Fr�her oder sp�ter w�rde einer von ihnen einen Fehler machen. Ein Fehler w�rde reichen.</p><p>Schemenhaft sah er den Schl�chter fliehen, und er folgte ihm. Als er vom n�chsten H�gel sprang, zersplitterte hinter ihm der Stein und stieg in den Wind empor. Das Muster wurde schw�cher. Dar�ber hinaus war seine Willenskraft jetzt viel st�rker, da er sich im Fleisch an diesem Ort befand. Er musste sich keine Sorgen mehr machen, den Traum zu ungest�m zu betreten und sich darin zu verlieren. Er hatte ihn so energisch betreten, wie das nur vorstellbar war.</p><p>Und so erbebte bei jeder seiner Bewegungen die Landschaft um ihn herum. Der n�chste Sprung zeigte ihm das vor ihm liegende Meer. Sie hatten sich viel weiter nach S�den bewegt, als ihm bewusst gewesen war. Waren sie in Illian? Tear?</p><p>Der Schl�chter landete am Strand, wo Wasser gegen Felsen schlug. S�mtlicher Sand ��falls es hier jemals welchen gegeben hatte�� war weggeweht worden. Das Land schien sich in einen urzeitlichen Zustand zur�ckzuverwandeln, der Boden war erodiert und hatte nur noch Stein und donnernde Wellen zur�ckgelassen.</p><p>Perrin landete neben dem Schl�chter. Dieses Mal <emphasis>versetzte</emphasis> sich keiner. Beide M�nner waren auf den Kampf versessen, auf die Hiebe von Hammer und Schwert. Metall klirrte gegen Metall.</p><p>Perrin landete beinahe einen Treffer, der Hammerkopf ber�hrte die Kleidung des Schl�chters. Er h�rte einen Fluch, aber im n�chsten Augenblick kam der Schl�chter mit einer gro�en Axt in der Hand aus seiner geduckten Haltung. Perrin verh�rtete seine Haut und fing sie mit der Seite ab.</p><p>Die Klinge forderte kein Blut, nicht bei der H�rte, die Perrin erschaffen hatte, aber sie traf mit einer gewaltigen Wucht. Der Hieb schleuderte Perrin hinaus aufs Meer.</p><p>Eine Sekunde sp�ter erschien der Schl�chter �ber ihm und schlug erneut mit der Axt zu. Perrin parierte mit dem Hammer, w�hrend er st�rzte, aber der Schlag trieb ihn nach unten auf den Ozean zu.</p><p>Er befahl dem Wasser, sich zur�ckzuziehen. Wie von einem m�chtigen Wind getrieben, wich es rauschend nach allen Seiten zur�ck. Perrin landete schwer und spaltete den noch nassen Felsboden der Bucht. Ringsum erhoben sich nun drei�ig Fu� hohe W�nde aus Meerwasser.</p><p>Der Schl�chter landete in der N�he. Die Anstrengungen des Kampfes lie�en den Mann keuchen. Gut. Perrins M�digkeit manifestierte sich als Brennen in der Tiefe seiner Muskeln.</p><p>�Ich bin froh, dass du da warst�, sagte der Schl�chter und legte das Schwert auf die Schulter. Sein Schild verschwand. �Ich hatte so sehr gehofft, dass du eingreifst, wenn ich komme, um den Drachen zu t�ten.�</p><p>�Was bist du, Luc?�, fragte Perrin misstrauisch und <emphasis>versetzte</emphasis> sich zur Seite, blieb in dem von Wasserw�nden umgebenen Steinkreis genau gegen�ber von seinem Feind. �Was bist du wirklich?�</p><p>Der Schl�chter schlich langsam seitlich und redete weiter. Wie Perrin nur zu genau wusste, tat er es, um seine Beute abzulenken. �Ich habe ihn gesehen, wusstest du das?�, sagte er leise. �Den Dunklen K�nig, den Gro�en Herrn, wie ihn einige nennen. Beide Bezeichnungen sind grobe, fast schon beleidigende Untertreibungen.�</p><p>�Glaubst du wirklich, er belohnt dich?� Perrin spuckte aus. �Wie kannst du nicht begreifen, dass er dich wie so viele andere auch einfach wegwerfen wird, sobald du seine W�nsche erf�llt hast?�</p><p>Der Schl�chter lachte. �Hat er die Verlorenen weggeworfen, als sie versagten und zusammen mit ihm in der Bohrung eingekerkert wurden? Er h�tte sie alle t�ten und ihre Seelen f�r alle Ewigkeit qu�len k�nnen. Tat er es?�</p><p>Darauf erwiderte Perrin nichts.</p><p>�Der Dunkle K�nig wirft keine n�tzlichen Werkzeuge weg�, fuhr der Schl�chter fort. �Versage, und vielleicht bestraft er dich, aber er wirft niemals etwas weg. Er ist wie eine gute Hausfrau mit ihren Schnurkn�ueln und kaputten Teekesseln irgendwo ganz unten in der Truhe, die nur auf den richtigen Augenblick warten, um wieder n�tzlich zu sein. Genau da irrst du dich, Aybara. Ein normaler Sterblicher t�tet das erfolgreiche Werkzeug vielleicht, weil er Angst hat, es k�nnte ihn irgendwann bedrohen. Das ist nicht die Art des Dunklen K�nigs. Er wird mich belohnen.�</p><p>Perrin wollte etwas erwidern, aber der Schl�chter <emphasis>versetzte</emphasis> sich im Glauben, ihn abgelenkt zu haben, genau vor ihn. Perrin verschwand, und sein Gegner traf blo� Luft. Der Schl�chter fuhr herum, und seine Klinge durchteilte die Luft, aber Perrin hatte sich auf die andere Seite <emphasis>versetzt</emphasis>. Zu seinen F��en zuckten kleine Meeresgesch�pfe mit vielen Armen verwirrt wegen des pl�tzlich fehlenden Wassers. Hinter dem Schl�chter schwamm etwas Gro�es und Dunkles durch das schattenverh�llte Meer.</p><p>�Du hast meine Frage nicht beantwortet�, sagte Perrin. �Was <emphasis>bist</emphasis> du?�</p><p>�Ich bin k�hn�, antwortete der Schl�chter und setzte sich in Bewegung. �Und ich bin es leid, Angst zu haben. In diesem Leben gibt es Raubtiere, und es gibt ihre Beute. Oft enden Raubtiere selbst als Fressen. Man kann nur auf eine Weise �berleben, man muss die Kette hinauf und selbst zum J�ger werden.�</p><p>�Darum t�test du W�lfe?�</p><p>Das Gesicht des Schl�chters war in Schatten geh�llt, er l�chelte gef�hrlich. Durch die Sturmwolken am Himmel und die hohen Wasserw�nde war es hier unten auf dem Grund sehr dunkel�� obwohl das seltsame Licht des Wolfstraums auch an diese Orte drang, war es dennoch ged�mpft.</p><p>�W�lfe und M�nner sind die besten J�ger dieser Welt�, sagte der Schl�chter leise. �T�te sie, und du setzt dich �ber sie. Nicht jedem von uns war es verg�nnt, in einem behaglichen Heim mit einem warmen Herd und lachenden Geschwistern aufzuwachsen.�</p><p>Sie fingen an, sich im Kreis zu bewegen; Schatten verschmolzen, Blitze aus der H�he flackerten im Wasser.</p><p>�Wenn du mein Leben kennen w�rdest, w�rdest du aufheulen�, sagte der Schl�chter. �Die Hoffnungslosigkeit, die Qualen�� Ich fand schnell meinen Weg. Meine Macht. An diesem Ort bin ich ein K�nig.�</p><p>Er �berbr�ckte die Distanz so schnell, dass er wie ein Schemen erschien. Perrin bereitete sich auf einen Schlag vor, aber der Schl�chter setzte sein Schwert nicht ein. Stattdessen krachte er gegen ihn und schleuderte sie beide in die Wassermauer hinein. Um sie herum brodelte das Meer.</p><p>Dunkelheit. Perrin erschuf Licht, schaffte es irgendwie, die Felsen zu seinen F��en leuchten zu lassen. Im dunklen Wasser hielt der Schl�chter mit der einen Hand seinen Umhang fest und schwang mit der anderen die Klinge. Das Schwert hinterlie� Luftblasen, bewegte sich aber genauso schnell wie in der Luft. Perrin schrie auf, Blasen sprudelten aus seinem Mund. Er wollte parieren, aber seine Arme bewegten sich zu langsam.</p><p>In diesem erstarrten Augenblick versuchte er sich vorzustellen, dass das Wasser seine Bewegungen nicht behinderte, aber sein Verstand verwarf die Idee. Das war nicht nat�rlich. Das konnte es auch nicht sein.</p><p>Das Schwert des Schl�chters hatte ihn fast erreicht, als er das Wasser um sie beide herum verzweifelt gefrieren lie�. Das zermalmte ihn um ein Haar, aber es hielt den Schl�chter f�r den kostbaren Moment auf, den er brauchte, um sich zu orientieren. Er lie� seinen Umhang verschwinden, damit er den Schl�chter nicht mit sich nehmen w�rde, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sich.</p><p>Perrin landete auf dem felsigen Strand, direkt neben einem steilen H�gel, den die Macht der Elemente zur H�lfte abgetragen hatte. Keuchend st�rzte er auf H�nde und Knie. Wasser str�mte aus seinem Bart. Sein Verstand f�hlte sich�� taub an. Es fiel ihm schwer, das Wasser wegzudenken, um sich zu trocknen.</p><p><emphasis>Was passiert mit mir?,</emphasis> dachte er zitternd. Um ihn herum tobte der Sturm und fetzte Rinde von Baumst�mmen, deren �ste er schon l�ngst weggerissen hatte. Er war so�� m�de. Ersch�pft. Wann hatte er das letzte Mal geschlafen? In der realen Welt waren Wochen vergangen, aber hier konnten es doch unm�glich Wochen gewesen sein, oder? Es��</p><p>Das Meer brodelte aufgew�hlt. Perrin drehte sich um. Irgendwie hatte er seinen Hammer festgehalten, und er hob ihn, um sich dem Schl�chter zu stellen.</p><p>Das Wasser kam nicht zur Ruhe, aber niemand erhob sich aus den Wellen. Pl�tzlich zerbarst der H�gel hinter ihm in zwei H�lften. Etwas Schweres wie ein Schlag traf ihn an der Schulter. Er st�rzte auf die Knie und verrenkte den Kopf. Nun sah er, dass der H�gel in zwei Teile zerbrochen war und der Schl�chter auf der anderen Seite stand, wo er gerade den n�chsten Pfeil in seinen Bogen einspannte.</p><p>Verzweifelt <emphasis>versetzte</emphasis> sich Perrin, und erst jetzt flammte der Schmerz zuerst in seiner Seite und dann im ganzen K�rper auf.</p><empty-line/><p>�Ich sage ja nur, dass die Schlachten stattfinden�, sagte Mandevwin, �und wir nicht dabei sind.�</p><p>�Irgendwo wird immer eine Schlacht geschlagen�, erwiderte Vanin und lehnte sich gegen die Mauer eines Lagerhauses in Tar Valon. Faile h�rte den M�nnern mit halbem Ohr zu. �Wir haben unseren Teil geschlagen. Und ich sage blo�, dass ich froh bin, diese besondere Schlacht meiden zu k�nnen.�</p><p>�Menschen sterben�, sagte Mandevwin missbilligend. �Das ist nicht irgendeine Schlacht, Vanin. Hier handelt es sich um Tarmon Gai�don!�</p><p>�Was bedeutet, dass uns keiner bezahlt�, meinte Vanin.</p><p>�Daf�r zahlen�� in der Letzten Schlacht zu k�mpfen���, stotterte Mandevwin. �Du Schuft! Diese Schlacht steht f�r das Leben selbst!�</p><p>Faile l�chelte, w�hrend sie die Kontob�cher �berflog. Die beiden Rotwaffen standen an der T�r herum, w�hrend Diener mit der Flamme von Tar Valon auf den Gew�ndern Failes Karawane beluden. Hinter ihnen erhob sich die Wei�e Burg �ber die Stadt.</p><p>Zuerst war ihr das st�ndige Gezanke auf die Nerven gegangen, aber die Art und Weise, mit der Vanin den anderen Mann st�ndig auf den Arm nahm, erinnerte sie an Gilber, einen der Quartiermeister ihres Vaters in Saldaea.</p><p>�Also ehrlich, Mandevwin�, fuhr Vanin fort, �Ihr h�rt Euch wirklich nicht wie ein S�ldner an! Wenn das Lord Mat h�ren k�nnte.�</p><p>�Lord Mat wird k�mpfen.�</p><p>�Wenn er es muss. Wir m�ssen es <emphasis>nicht</emphasis>. Seht mal, diese Vorr�te sind wichtig, nicht wahr? Und jemand muss sie bewachen, oder etwa nicht? Und hier sind wir.�</p><p>�Ich sehe blo� nicht ein, warum gerade wir daf�r zust�ndig sein sollen. Ich sollte Talmanes helfen, die Bande anzuf�hren, und Euer Haufen, ihr solltet Lord Mat vor���</p><p>Faile vermochte das Ende dieses Satzes f�rmlich zu h�ren, denn das dachten sie alle. <emphasis>Ihr solltet Lord Mat vor diesen Seanchanern besch�tzen.</emphasis></p><p>Die Soldaten hatten Mats Verschwinden genauso akzeptiert wie sein Wiederauftauchen bei den Seanchanern. Anscheinend erwartete man ein solches Benehmen von �Lord� Matrim Cauthon. Faile verf�gte �ber eine Abteilung aus f�nfzig der besten M�nner der Bande, einschlie�lich Hauptmann Mandevwin, Leutnant Sandip und mehrerer Rotwaffen, die Talmanes in h�chsten T�nen gelobt hatte. Keiner von ihnen wusste, dass sie eigentlich das Horn von Valere bewachten.</p><p>W�re es ihr m�glich gewesen, h�tte sie zehnmal so viele M�nner mitgebracht. Aber schon f�nfzig waren verd�chtig genug. Diese M�nner waren die besten der Bande, einige waren sogar von Kommandopositionen abgezogen worden. Sie w�rden reichen m�ssen.</p><p><emphasis>Wir gehen nicht weit,</emphasis> dachte Faile und widmete sich der n�chsten Seite im Buch. Sie musste den Anschein erwecken, als w�rde sie sich f�r den Nachschub interessieren. <emphasis>Warum sorge ich mich so?</emphasis></p><p>Sie musste das Horn blo� zum Feld von Merrilor bringen, jetzt, da Cauthon endlich aufgetaucht war. Sie hatte bereits drei Karawanen mit denselben W�chtern von anderen Orten gef�hrt, also w�rde ihre derzeitige Aufgabe keinerlei Verdacht erregen.</p><p>Die Bande hatte sie nach reiflicher �berlegung ausgesucht. In den Augen der meisten Leute waren das blo� S�ldner, also die unwichtigsten�� und am wenigsten vertrauensw�rdigsten�� Truppen der Armee. Aber trotz all ihrer Bedenken wegen Mat�� sie kannte ihn nicht besonders gut, aber ihr reichte schon, wie Perrin von ihm sprach�� hielten ihm seine M�nner die Treue. M�nner, die ihren Weg zu Cauthon fanden, �hnelten ihm. Sie versuchten sich vor ihren Pflichten zu dr�cken und zogen Trank und Spiele jeder n�tzlichen T�tigkeit vor, aber in der Klemme w�rde jeder von ihnen wie zehn Mann k�mpfen.</p><p>In Merrilor w�rde Cauthon gute Gr�nde haben, Mandevwin und seine M�nner zu inspizieren. Dabei konnte Faile ihm das Horn �bergeben. Nat�rlich hatte sie auch ein paar Mitglieder der <emphasis>Cha Faile</emphasis> als Leibw�chter dabei. Sie brauchte ein paar Leute, von denen sie wusste, dass sie vertrauensw�rdig waren.</p><p>In der N�he kam Laras, die st�mmige Herrin der K�chen der Wei�en Burg, aus dem Lagerhaus und drohte ein paar M�gden mit dem Finger. Sie begab sich auf direktem Weg zu Faile, im Gefolge einen hinkenden schlaksigen J�ngling, der eine mitgenommene kleine Truhe trug.</p><p>�Etwas f�r Euch, meine Lady.� Laras zeigte auf den Beh�lter. �Die Amyrlin selbst hat das Eurem Transport nachtr�glich zugeteilt. Es hat etwas mit einem ihrer Bekannten zu tun, aus der alten Heimat?�</p><p>�Das ist Matrim Cauthons Tabak�, sagte Faile mit einer Grimasse. �Als er entdeckte, dass die Amyrlin noch einen Vorrat von Bl�ttern von den Zwei Fl�ssen hat, beharrte er darauf, sie zu kaufen.�</p><p>�Tabak, zu diesem Zeitpunkt.� Laras sch�ttelte den Kopf und wischte sich die Finger an der Sch�rze ab. �Ich erinnere mich an diesen Jungen. In meiner Zeit habe ich ein paar junge Burschen wie ihn gekannt, die sich wie Streuner auf der Suche nach ein paar Happen in der K�che herumtrieben. Jemand sollte f�r ihn eine n�tzliche Besch�ftigung finden.�</p><p>�Wir arbeiten dran�, erwiderte Faile, w�hrend Laras� Diener die Truhe auf Failes Wagen lud. Unwillk�rlich zuckte sie zusammen, als er sie krachend fallen lie� und sich dann die H�nde abstaubte.</p><p>Laras nickte, dann marschierte sie zur�ck in ihr Lager. Faile legte die Finger auf die Truhe. Philosophen behaupteten, das Muster h�tte nicht den geringsten Sinn f�r Humor. Das Muster und das Rad <emphasis>waren</emphasis> einfach nur; sie ergriffen keine Partei, und sie hatten auch kein Mitgef�hl. Aber Faile konnte den Gedanken nicht verdr�ngen, dass der Sch�pfer sie irgendwo angrinste. Sie hatte ihr Zuhause mit einem Kopf voller hochfliegender Tr�ume verlassen, ein Kind, das sich auf der gro�artigen Suche nach dem Horn glaubte.</p><p>Das Leben hatte ihr diese Tr�ume unsanft ausgetrieben, und sie hatte sich aus eigener Kraft wieder auf die Beine stellen m�ssen. Sie war erwachsen geworden und hatte angefangen, auf das zu achten, was wirklich wichtig war. Und jetzt�� jetzt hatte ihr das Muster mit beinahe schon ver�chtlicher Gleichg�ltigkeit das Horn von Valere in den Scho� geworfen.</p><p>Sie nahm die Hand zur�ck und weigerte sich bewusst, die Truhe zu �ffnen. Sie hatte den Schl�ssel, den man ihr bereits �bergeben hatte, und sie w�rde �berpr�fen, ob sich das Horn auch tats�chlich in dieser Truhe befand. Aber nicht jetzt. Nicht, bevor sie allein und �berzeugt war, dass sie sich in Sicherheit befand.</p><p>Sie stieg auf den Wagen und stellte die F��e auf die Truhe.</p><p>�Es gef�llt mir noch immer nicht�, sagte Mandevwin neben dem Lagerhaus.</p><p>�Euch gef�llt doch nie etwas�, erwiderte Vanin. �Seht doch ein, unsere Arbeit ist wichtig. Soldaten m�ssen essen.�</p><p>�Ich sch�tze, das ist wohl richtig�, sagte Mandevwin.</p><p>�Das ist es!�, stimmte eine neue Stimme ein. Harnan, eine weitere Rotwaffe, gesellte sich zu ihnen. Faile entging nicht, dass keiner der drei M�nner Anstalten machte, den Dienern beim Beladen der Karawane zu helfen. �Essen ist etwas Wunderbares�, sagte Harnan. �Und wenn es einen Experten f�r dieses Thema gibt, dann seid Ihr das, Vanin.�</p><p>Harnan war ein kr�ftig gebauter Mann mit breitem Gesicht und einem auf die Wange t�towierten Falken. Talmanes schwor auf ihn und bezeichnete ihn als Veteranen und �berlebenden von sowohl dem �Massaker im sechsst�ckigen Haus� als auch Hinderstap, was auch immer es damit auf sich hatte.</p><p>�Also das verletzt mich ja doch, Harnan�, sagte Vanin von hinten. �Das verletzt mich sehr.�</p><p>�Ich bezweifle es.� Harnan lachte. �Um Euch zu verletzen, m�sste ein Angriff zuerst durch das ganze Fett, um bis zum Muskel zu kommen. Ich bin mir nicht sicher, dass die Trollocs �berhaupt so lange Schwerter haben.�</p><p>Mandevwin lachte, und die drei M�nner gingen los. Faile �berflog die letzten paar Seiten des Buches, dann stieg sie vom Wagen und rief nach Setalle Anan. Die Frau hatte ihr bei diesen Karawanen als Helferin gedient. Aber als sie nach unten kletterte, bemerkte sie, dass nicht alle Angeh�rigen der Bande gegangen waren. Nur zwei von ihnen waren fort. Der stattliche Vanin stand noch immer dort. Sie erblickte ihn und hielt inne.</p><p>Sofort ging Vanin zu ein paar der anderen Soldaten. Hatte er sie beobachtet?</p><p>�Faile! Faile! Aravine sagt, sie ist damit fertig, die Ladepapiere f�r dich zu �berpr�fen. Wir k�nnen aufbrechen, Faile.�</p><p>Olver kletterte eifrig auf den Kutschbock. Er hatte darauf bestanden, sich der Karawane anzuschlie�en, und die M�nner der Bande hatten sie �berredet, es zu erlauben. Selbst Setalle hatte vorgeschlagen, dass es klug sein w�rde, ihn mitzunehmen. Anscheinend machten sie sich Sorgen, dass Olver irgendwie eine M�glichkeit finden w�rde, sich den K�mpfen anzuschlie�en, wenn sie ihn nicht st�ndig im Auge behielten. Z�gernd hatte Faile ihn schlie�lich mit Boteng�ngen besch�ftigt.</p><p>�Also gut�, sagte sie und stieg ebenfalls wieder auf den Wagen. �Ich sch�tze, wir k�nnen los.�</p><p>Schwerf�llig setzten sich die Wagen in Bewegung. Die ganze Strecke aus der Stadt versuchte sie, nicht auf die Truhe zu starren.</p><p>Sie bem�hte sich, sich durch irgendetwas anderes davon abzulenken, aber das brachte sie blo� zu einer anderen dr�ngenden Sorge. Perrin. Sie hatte ihn nur kurz w�hrend eines Nachschubtransports nach Andor gesehen. Er hatte ihr zu verstehen gegeben, dass er m�glicherweise eine andere Pflicht zu erf�llen hatte, hatte sich aber nicht n�her dar�ber auslassen wollen.</p><p>Jetzt war er verschwunden. Er hatte Tam an seiner Stelle zum Verwalter gemacht, war durch ein Wegetor nach Shayol Ghul getreten und verschwunden. Sie hatte alle gefragt, die dort gewesen waren, aber seit seiner Unterhaltung mit Rand hatte ihn niemand mehr gesehen.</p><p>Ihm w�rde es doch gut gehen, oder nicht? Sie war die Tochter eines Soldaten und die Frau eines Soldaten; sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, sich zu sehr zu sorgen. Und trotzdem machte sie sich ihre Gedanken, wenigstens ein bisschen. Perrin hatte sie als H�terin des Horns vorgeschlagen.</p><p>Fl�chtig fragte sie sich, ob er es getan hatte, um sie vom Schlachtfeld fernzuhalten. Es h�tte sie nicht einmal besonders gest�rt, obwohl sie ihm das nie gesagt h�tte. Tats�chlich w�rde sie ��wenn alles einmal erledigt war�� andeuten, dass sie es beleidigend fand, und auf seine Reaktion warten. Er musste wissen, dass sie nicht brav abwarten und sich verh�tscheln lassen w�rde, auch wenn ihr echter Name so etwas andeutete.</p><p>Faile lenkte ihren Wagen, der erste der Karawane, auf die Jualdhe-Br�cke, die aus Tar Valon f�hrte. Etwa auf halbem Weg erbebte die Br�cke. Die Pferde stampften mit den Hufen und warfen die K�pfe in die H�he, als Faile sie langsamer gehen lie� und einen Blick �ber die Schulter warf. Der Anblick schwankender Geb�ude in Tar Valon versicherte ihr, dass nicht nur die Br�cke zitterte, sondern es sich um ein Erdbeben handelte.</p><p>Die anderen Pferde t�nzelten und wieherten, die Wagen wurden durchgesch�ttelt.</p><p>�Wir m�ssen von der Br�cke runter, Lady Faile!�, rief Olver.</p><p>�Die Br�cke ist viel zu lang, als dass wir es rechtzeitig auf die andere Seite schaffen�, sagte Faile ruhig. Sie hatte in Saldaea schon Erdbeben erlebt. �Das Risiko, dass wir uns bei einer wilden Fahrt verletzen, ist viel h�her, als wenn wir hierbleiben. Diese Br�cke ist das Werk von Ogiern. Vermutlich sind wir hier sicherer als auf festem Boden.�</p><p>Tats�chlich verging das Erdbeben, ohne dass sich auch nur ein Stein von der Br�cke l�ste. Faile beruhigte die Pferde und fuhr wieder los. Wenn es das Licht wollte, waren die Sch�den in der Stadt nicht gro�. Sie wusste nicht, ob es hier h�ufig Erdbeben gab. Mit dem Drachenberg in der N�he kam es doch sicherlich gelegentlich zu Ersch�tterungen, oder nicht?</p><p>Trotzdem verebbte das Beben. Es wurde oft davon gesprochen, dass das Land instabil wurde, dass das �chzen der Erde Blitz und Donner am Himmel entsprach. Sie hatte mehr als nur einen Bericht von den spinnwebenartigen Rissen in Felsen geh�rt, die so schwarz waren, als w�rden sie in die Ewigkeit selbst f�hren.</p><p>Sobald der Rest der Karawane die Stadt verlassen hatte, lenkte Faile ihre Wagen neben ein paar S�ldnergruppen, die darauf warteten, auf einem Reisegel�nde der Aes Sedai an die Reihe zu kommen. Sie konnte nicht darauf bestehen, vorgezogen zu werden; sie musste jede Aufmerksamkeit vermeiden. So nervenaufreibend es auch war, bereitete sie sich auf die Wartezeit vor.</p><p>Ihre Karawane war die letzte, die an diesem Tag abgefertigt wurde. Schlie�lich kam Aravine zu ihrem Wagen, und Olver rutschte eilig zur Seite, um ihr Platz zu machen. Sie t�tschelte ihm den Kopf. Viele Frauen reagierten auf diese Weise auf den Jungen, und er erschien ja auch meistens so unschuldig. Faile war davon nicht so �berzeugt; sie kniff die Augen zusammen, als sich Olver an Aravine schmiegte. Mat schien einen starken Einfluss auf dieses Kind gehabt zu haben.</p><p>�Ich bin mit dieser Lieferung sehr zufrieden, meine Lady�, sagte Aravine. �Mit dieser Zeltplane m�ssten wir gen�gend Material haben, damit die meisten M�nner des Heeres ein Zeltdach �ber dem Kopf haben. Aber wir brauchen noch immer Leder. Wir wissen, dass K�nigin Elayne ihre M�nner schnell marschieren l�sst, und wir werden Anforderungen f�r neue Stiefel bekommen.�</p><p>Faile nickte gedankenverloren. Ein St�ck voraus �ffnete sich ein Wegetor nach Merrilor, und sie konnte einen Blick auf die sich noch immer sammelnden Heere werfen. Im Verlauf der letzten paar Tage waren sie langsam zur�ckgehinkt, um ihre Wunden zu lecken. Drei Fronten, drei Katastrophen verschiedenen Ausma�es. Licht! Die Ankunft der Sharaner war ein vernichtender Schlag, genau wie der Verrat der Gro�en Hauptm�nner, einschlie�lich ihres eigenen Vaters. Die Heere des Lichts hatten insgesamt �ber ein Drittel ihrer Streitkr�fte eingeb��t.</p><p>Auf dem Feld von Merrilor berieten sich Befehlshaber, und ihre Soldaten flickten R�stungen und Waffen und warteten auf das, was da kam. Ein letztes Aufgebot.</p><p>���wir brauchen auch noch mehr Fleisch�, sagte Aravine. �Wir sollten ein paar schnelle Jagdausfl�ge in den n�chsten Tagen mit Wegetoren vorschlagen, um zu sehen, was wir finden k�nnen.�</p><p>Faile nickte. Aravine dabeizuhaben war eine echte Erleichterung. Obwohl sie Berichte las und die Quartiermeister besuchte, erleichterte Aravines sorgf�ltige Aufmerksamkeit die Aufgabe betr�chtlich. Sie war wie ein guter Sergeant, der daf�r sorgte, dass seine M�nner vor einer Inspektion in einem ordentlichen Zustand waren.</p><p>�Aravine�, sagte sie. �Ihr habt nie ein Wegetor beansprucht, um nach Eurer Familie in Amadicia zu sehen.�</p><p>�Dort gibt es f�r mich nichts mehr, meine Lady.�</p><p>Aravine weigerte sich stur, zuzugeben, dass sie vor der Gefangennahme durch die Shaido eine Adlige gewesen war. Zumindest benahm sie sich nicht wie einige der ehemaligen <emphasis>Gai�shain</emphasis>, also sanftm�tig und unterw�rfig. Wenn Aravine so entschlossen war, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, dann wollte ihr Faile das gern zugestehen. Es war das Mindeste, das sie dieser Frau schuldete.</p><p>W�hrend sie sich unterhielten, stieg Olver vom Wagen, um sich mit einigen seiner �Onkel� unter den Rotwaffen zu unterhalten. Faile blickte zur Seite, als Vanin mit zwei weiteren Kundschaftern der Bande vorbeiritt. Er plauderte freundlich mit ihnen.</p><p><emphasis>Du sch�tzt sein Aussehen falsch ein,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Da ist nichts Verd�chtiges an dem Mann, das Horn macht dich nerv�s.</emphasis></p><p>Trotzdem fragte sie Harnan nach dem Mann, als er kam und sie fragte, ob sie etwas ben�tigte�� so wie es ein Angeh�riger der Bande jede halbe Stunde tat.</p><p>�Vanin?�, sagte Harnan vom Sattel aus. �Ein guter Bursche. Manchmal kann er einem das Ohr mit seinen st�ndigen Klagen abkauen, meine Lady, aber daran solltet Ihr Euch nicht st�ren. Er ist unser bester Kundschafter.�</p><p>�Ich kann mir das gar nicht vorstellen�, erwiderte sie. �Ich meine, mit dieser Masse kann er sich doch gar nicht schnell oder leise bewegen.�</p><p>Harnan lachte. �Er d�rfte Euch �berraschen, meine Lady. Ich ziehe ihn ja gern damit auf, aber er ist wirklich sehr geschickt.�</p><p>�Hat er sich je etwas zuschulden kommen lassen?�, fragte Faile und versuchte, ihre Worte sorgsam zu w�hlen. �Raufereien? Etwas aus den Zelten anderer M�nner gestohlen?�</p><p>�Vanin?� Harnan lachte wieder. �Er leiht sich deinen Branntwein aus, wenn man ihn l�sst, und gibt die Flasche dann so gut wie leer zur�ck. Und um die Wahrheit zu sagen, k�nnte er in seiner Vergangenheit m�glicherweise gelegentlich gestohlen haben, aber ich w�sste nicht, dass er jemals eine Rauferei angefangen hat. Er ist ein guter Mann. Ihr braucht Euch seinetwegen keine Sorgen zu machen.�</p><p>Diebstahl in der Vergangenheit? Aber Harnan sah nicht so aus, als wollte er sich weiter dar�ber auslassen. �Danke�, sagte sie, aber ihre Sorge war nicht verflogen.</p><p>Harnan hob die Finger in einer Art Salut an die Schl�fe, dann ritt er weg. Es dauerte drei weitere Stunden, bevor eine Aes Sedai auftauchte, um sie wegzubringen. Berisha kam und be�ugte die Karawane kritisch. Sie hatte harte Z�ge und war ausgesprochen schlank. Zu diesem Zeitpunkt waren die anderen Aes Sedai, die sich um das Reisegel�nde k�mmerten, bereits nach Tar Valon zur�ckgekehrt, und die Sonne neigte sich dem Horizont zu.</p><p>�Eine Karawane mit Vorr�ten und Zeltplane�, sagte Berisha und bl�tterte in Failes Kontobuch. �F�r das Feld von Merrilor bestimmt. Bis jetzt haben wir ihnen heute bereits sieben Karawanen geschickt. Warum denn noch eine? Die Fl�chtlinge aus Caemlyn k�nnten das alles genauso gut brauchen.�</p><p>�Das Feld von Merrilor ist bald der Schauplatz einer gro�en Schlacht�, erwiderte Faile und hielt ihren Unmut nur m�hsam im Zaum. Aes Sedai mochten es gar nicht, angefaucht zu werden. �Ich bezweifle, dass wir dort zu viel Nachschub hinschaffen k�nnen.�</p><p>Berisha schnaubte. �Ich sage, es ist zu viel.� Die Frau erschien chronisch unzufrieden, als w�re sie dar�ber ver�rgert, nicht mitk�mpfen zu k�nnen.</p><p>�Die Amyrlin ist anderer Meinung als Ihr�, erwiderte Faile. �Bitte ein Wegetor. Es wird sp�t.� <emphasis>Und wenn du schon �ber Verschwendung sprechen willst, warum dann nicht dar�ber, dass ihr mich den ganzen Weg aus der Stadt kommen und warten lasst, statt mich direkt vom Gel�nde der Wei�en Burg wegzubringen?</emphasis></p><p>Der Saal der Burg bestand auf einem einzigen Reisegel�nde f�r gro�e Truppen- oder Nachschubbewegungen, um besser kontrollieren zu k�nnen, wer Tar Valon betrat und verlie�. Faile konnte ihnen diese Vorsichtsma�nahme nicht verdenken, selbst wenn das manchmal l�stig war.</p><p>B�rokratie war B�rokratie, und endlich zeigte Berisha einen konzentrierten Ausdruck auf dem Gesicht, um ein Wegetor zu erschaffen. Aber bevor sie das Gewebe fertigstellen konnte, grollte pl�tzlich der Boden.</p><p><emphasis>Nicht schon wieder,</emphasis> dachte Faile mit einem Seufzen. Nun, f�r gew�hnlich gab es Nachbeben nach einem gro�en��</p><p>In der N�he brachen eine Reihe scharfer schwarzer Kristallnadeln aus der Erde und schossen zehn oder f�nfzehn Fu� in die H�he. Eine spie�te das Pferd einer Rotwaffe auf und lie� Blut durch die Luft spritzen, als Tier und Mann durchbohrt wurden.</p><p>�Eine Blase des B�sen!�, rief Harnan aus der N�he.</p><p>Weitere Kristallnadeln rissen den Untergrund auf, einige so d�nn wie Speere, andere so breit wie ein Mensch. Faile versuchte verzweifelt, ihre Pferde zu beruhigen. Sie t�nzelten zur Seite und st�rzten um ein Haar den Wagen um, w�hrend sie an den Z�geln zerrte.</p><p>Um sie herum herrschte der Wahnsinn. Die Nadeln schossen gruppenweise aus dem Boden, und jede war so scharf wie eine Rasierklinge. Ein Wagen zersplitterte, als Kristalle seine linke Seite zerst�rten. Lebensmittel ergossen sich auf das tote Gras. Pferde gingen durch und kippten Wagen um. Die Kristallnadeln erschienen weiterhin �berall auf dem Feld. Aus dem nahe gelegenen Dorf am Ende der Br�cke aus Tar Valon t�nte Geschrei her�ber.</p><p>�Wegetor!�, br�llte Faile, die noch immer mit ihrem Gespann k�mpfte. <emphasis>�Macht schon!�</emphasis></p><p>Berisha sprang zur�ck, als neben ihren F��en Kristallnadeln aus dem Boden schossen. Sie warf ihnen einen Blick zu, w�hrend ihr Gesicht jede Farbe verlor, und erst da erkannte Faile, dass sich etwas in den schattenhaften Kristallen <emphasis>bewegte</emphasis>. Es sah aus wie Rauch.</p><p>Eine Kristallnadel durchbohrte Berishas Fu�. Sie schrie auf und ging auf die Knie, w�hrend im gleichen Moment ein Strich aus Licht die Luft durchschnitt. Sie mussten alle dem Sch�pfer danken, denn die Frau hielt ihr Gewebe fest, und der Lichtstrich rotierte mit scheinbar gletscherhafter Langsamkeit und �ffnete ein Loch, das gerade gro� genug f�r einen Wagen war.</p><p>�Durch das Tor!�, schrie Faile, aber ihre Stimme ging im Aufruhr unter. Dicht neben ihr brachen Kristalle aus dem Boden und spritzten Erde auf ihr Gesicht. Ihre Pferde t�nzelten, brachen dann im Galopp aus. Statt v�lligen Kontrollverlust zu riskieren, lenkte sie sie auf das Wegetor zu. Aber bevor sie durchfuhren, brachte sie die Tiere brutal zum Stehen.</p><p>�Das Wegetor!�, br�llte sie den anderen zu. Wieder ging ihre Stimme unter. Gl�cklicherweise nahmen die Rotwaffen den Ruf auf, preschten die in Unordnung geratene Reihe entlang, packten die Z�gel von Gespannen und steuerten Wagen auf das Tor zu. Andere M�nner halfen jenen hoch, die zu Boden geworfen worden waren.</p><p>Harnan donnerte vorbei; er hielt Olver fest gepackt. Ihm folgte Sandip, w�hrend Setalle Anan sich von hinten an ihm festklammerte. Die Kristalle kamen jetzt immer schneller. Einer schoss direkt neben Faile in die H�he, und voller Entsetzen erkannte sie, dass die darin gefangene rauchige Bewegung eine Gestalt hatte. Es waren die Umrisse von M�nnern und Frauen, die vor Qualen schrien, als w�ren sie darin gefangen.</p><p>Entsetzt zuckte sie zur�ck. Ein St�ck entfernt raste der letzte noch intakte Wagen durch das Wegetor. Bald w�rde das Feld nur noch aus Kristallen bestehen. Ein paar Nachz�gler der Bande halfen den Verletzten auf Pferde, aber zwei starben, als die Kristalle Ausw�chse bildeten, die aus den Seiten hervorschossen. Es war Zeit zu gehen. Aravine kam und schnappte sich Failes Z�gel, um sie in Sicherheit zu bringen.</p><p>�Berisha!�, sagte Faile. Die Aes Sedai kniete mit schwei��berstr�mtem Gesicht neben der �ffnung. Faile sprang vom Kutschbock und packte die Frau an den Schultern, w�hrend Aravine den Wagen durch das Tor steuerte.</p><p>�Kommt schon!�, sagte Faile zu Berisha. �Ich trage Euch.�</p><p>Die Schwester schwankte, dann st�rzte sie auf die Seite und hielt sich den Bauch. Erst jetzt sah Faile das Blut, das zwischen ihren Fingern hervorquoll. Berisha starrte in den Himmel, ihre Lippen bewegten sich, aber es drang kein Laut hervor.</p><p>�Meine Lady!� Mandevwin galoppierte herbei. �Mir ist egal, wo es hinf�hrt! Wir m�ssen jetzt durch!�</p><p>�Was���</p><p>Sie verstummte, als Mandevwin sie bei der Taille packte und in die H�he riss, w�hrend um sie herum weitere Kristalle aus dem Boden platzten. Er hielt sie fest und galoppierte durch die �ffnung.</p><p>Einen Augenblick sp�ter schnappte das Wegetor zu.</p><p>Faile keuchte, als Mandevwin sie absetzte. Sie starrte zur�ck auf die Stelle, wo eben noch das Tor gewesen war.</p><p>Erst jetzt drangen seine Worte zu ihr durch. <emphasis>Mir ist egal, wo es hinf�hrt��</emphasis> Er hatte etwas gesehen, das ihr in ihrer Panik, alle in Sicherheit zu schaffen, entgangen war.</p><p>Das Wegetor hatte nicht zum Feld von Merrilor gef�hrt.</p><p>�Wo��?�, fl�sterte Faile und gesellte sich zu den anderen, die die schreckliche Landschaft anstarrten. Dr�ckende Hitze, mit schwarzen Flecken gesprenkelte Pflanzen, stinkende Luft.</p><p>Sie befanden sich in der F�ule.</p><empty-line/><p>Aviendha kaute auf ihrer Ration, mit Honig versetzte Haferflocken. Sie schmeckten gut. In Rands N�he zu sein bedeutete, dass ihre Vorr�te nicht l�nger verdarben.</p><p>Sie griff nach ihrer Feldflasche und z�gerte. In letzter Zeit hatte sie viel Wasser getrunken. Nur selten dachte sie an seinen Wert. Hatte sie bereits wieder die Lektionen vergessen, die sie w�hrend ihrer R�ckkehr ins Dreifache Land bei ihrem Besuch in Rhuidean gelernt hatte?</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte sie und hob die Flasche an die Lippen. <emphasis>Was soll�s? Es ist die Letzte Schlacht!</emphasis></p><p>Sie sa� auf dem Boden eines gro�en Aiel-Zeltes im Tal von Thakan�dar. In der N�he a� Melaine ihre Portion. Die Frau stand kurz vor der Geburt ihrer Zwillinge, ihr Bauch w�lbte sich unter ihrem Gewand und Schultertuch weit vor. So wie T�chtern der Kampf in der Schwangerschaft verboten war, war auch Melaine jede gef�hrliche Aktivit�t untersagt. Sie hatte freiwillig in Berelains Lazarett in Mayene gearbeitet�� aber sie hatte sich regelm��ig �ber den Verlauf der Schlacht auf dem Laufenden gehalten. Viele <emphasis>Gai�shain</emphasis> waren durch die Wegetore gekommen, um so gut zu helfen, wie sie es vermochten, auch wenn sie lediglich Wasser oder Erde f�r die H�gel schleppen konnten, deren Bau Ituralde als Deckung f�r die Verteidiger angeordnet hatte.</p><p>In der N�he a� eine Gruppe T�chter und unterhielt sich in der Handsprache. Aviendha h�tte sie lesen k�nnen, aber sie verzichtete darauf. Es w�rde nur wieder den Wunsch entfachen, sich ihnen anschlie�en zu k�nnen. Sie war zur Weisen Frau geworden und hatte ihrem alten Leben entsagt. Stattdessen wischte sie ihre Sch�ssel sauber und verstaute sie in ihrem B�ndel, dann stand sie auf und schl�pfte aus dem Zelt.</p><p>Die Nachtluft war k�hl. Es war etwa eine Stunde vor der Morgend�mmerung, und beinahe f�hlte es sich wie das Dreifache Land in der Nacht an. Aviendha schaute zu dem Berg hinauf, der das Tal �berragte; trotz der Dunkelheit des fr�hen Morgens konnte sie die klaffende �ffnung sehen, die in sein Inneres f�hrte.</p><p>Viele Tage waren vergangen, seit Rand ihn betreten hatte. In der Nacht zuvor war Ituralde ins Lager zur�ckgewandert und hatte eine Geschichte erz�hlt, dass ihn W�lfe und ein Mann gefangen gehalten hatten, der von sich behauptete, Perrin Aybara h�tte ihn geschickt, um den Gro�en Hauptmann zu entf�hren. Ituralde war in Gewahrsam genommen worden, und er hatte keine Einw�nde dagegen erhoben.</p><p>Den ganzen Tag hatte es keine Trolloc-Angriffe gegeben. Noch immer hielten die Verteidiger sie im Pass fest. Der Schatten schien auf etwas zu warten. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass es kein weiterer Angriff der Myrddraal war. Der letzte hatte beinahe den Widerstand beendet. Aviendha hatte die Machtlenker um sich geschart, sobald die Augenlosen gekommen waren, um die Verteidiger des Passes zu t�ten; sie mussten erkannt haben, dass es unklug von ihnen war, in so gro�er Anzahl aus der Deckung zu kommen, und sobald die Machtlenker zuschlugen, flohen sie zur�ck in die Sicherheit des Passes.</p><p>Wie dem auch sei, Aviendha war f�r diesen seltenen Augenblick der Ruhe und des relativen Friedens zwischen den Angriffen dankbar. Sie starrte in diese H�hlen�ffnung im Berg, in der Rand k�mpfte. Tief aus dem Berginneren drang ein starker Puls; dort wurde viel Macht in Wellen gelenkt. Drau�en waren mehrere Tage vergangen, aber wie viel Zeit war dort drinnen verstrichen? Ein Tag? Stunden? Minuten? T�chter, die den Pfad zum Eingang bewachten, berichteten, dass nach ihrer R�ckkehr ins Tal dort unten doppelt so viele Stunden vergangen waren.</p><p><emphasis>Wir m�ssen durchhalten,</emphasis> dachte Aviendha. <emphasis>Wir m�ssen k�mpfen. Ihm so viel Zeit verschaffen, wie wir nur k�nnen.</emphasis></p><p>Zumindest wusste sie, dass er noch lebte. Das konnte sie f�hlen. Genau wie seinen Schmerz.</p><p>Sie schaute weg.</p><p>Dabei bemerkte sie etwas. Im Lager lenkte eine Frau die Macht. Es war nur schwach zu sp�ren, aber Aviendha runzelte die Stirn. Zu dieser Stunde und ohne Kampfhandlungen h�tte die Eine Macht lediglich auf dem Reisegel�nde gelenkt werden d�rfen, und das war die falsche Richtung.</p><p>Leise vor sich hin murmelnd, setzte sie sich in Bewegung. Vermutlich war das wieder eine der dienstfreien Windsucherinnen. Sie wechselten sich darin ab, die Schale der Winde ununterbrochen zu benutzen, um den Sturm unter Kontrolle zu halten. Diese Aufgabe wurde oben auf der n�rdlichen Talwand durchgef�hrt, und die Frauen wurden gut von einer gro�en Streitmacht Meervolk bewacht. Schichtwechsel war nur mit Wegetoren m�glich.</p><p>Wenn die Windsucherinnen nicht mit der Schale zugange waren, kampierten sie ebenfalls im Lager. Aviendha hatte ihnen immer wieder eingeh�mmert, dass sie im Tal nicht die Macht lenken durften. Man sollte glauben, dass sie, nachdem sie diese vielen Jahre damit verbracht hatten, sich niemals von einer Aes Sedai beim Gebrauch ihrer Kr�fte erwischen zu lassen, �ber mehr Selbstbeherrschung verf�gten! Wenn sie noch eine dabei erwischte, wie sie mit der Einen Macht ihren Tee aufw�rmte, w�rde sie sie zu einer Unterweisung zu Sorilea schicken. Das sollte ein sicheres Lager sein.</p><p>Aviendha erstarrte mitten im Schritt. Dieses Machtlenken kam nicht vom kleinen Kreis der Zelte, wo die Windsucherinnen untergebracht waren.</p><p>Hatte sie einen Infiltrationsversuch gesp�rt? Ein Schattenlord oder eine Verlorene w�rde vermutlich von der Voraussetzung ausgehen, dass es in einem mit so vielen Aes Sedai, Windsucherinnen und Weisen Frauen gef�llten Lager niemandem auffallen w�rde, wenn eine winzige Menge Macht gelenkt wurde. Aviendha ging neben einem Zelt in die Hocke und mied das Licht einer auf einem Pfosten steckenden Lampe. Wieder flackerte das Machtlenken auf. Es war kaum zu sp�ren. Sie schlich weiter.</p><p><emphasis>Sollte sich herausstellen, dass sich jemand Wasser f�r ein Bad warm macht��</emphasis></p><p>Lautlos bewegte sie sich zwischen den Zelten. Als sie n�her kam, zog sie die Stiefel aus und lie� sie zur�ck, dann zog sie das Messer aus der Scheide. Sie konnte nicht riskieren, die Quelle zu umarmen; schlie�lich wollte sie ihre Beute nicht alarmieren.</p><p>Im Grunde schlief das Lager gar nicht. Die dienstfreien Krieger fanden hier einfach keinen guten Schlaf. Ersch�pfung bei den Speeren wurde langsam zu einem Problem, selbst bei den T�chtern. Alle beklagten sich �ber schreckliche Tr�ume.</p><p>Aviendha schlich lautlos an Zelten vorbei und mied jene, in denen Licht brannte. Dieser Ort war f�r jeden unertr�glich, also �berraschte sie es nicht, von Albtr�umen zu h�ren. Wie sollte man so nahe am Domizil des Dunklen K�nigs in Frieden schlafen?</p><p>Wenn sie die Angelegenheit vern�nftig betrachtete, wusste sie, dass sich der Dunkle K�nig nicht in der N�he befand, jedenfalls nicht richtig. Darum ging es bei der Bohrung nicht. Er <emphasis>lebte</emphasis> nicht an diesem Ort; er existierte au�erhalb des Musters in seinem Kerker. Trotzdem war jede Nachtruhe hier wie der Versuch einzuschlafen, w�hrend ein M�rder mit gez�ckter Klinge neben dem Bett stand und �ber deine Haarfarbe nachsann.</p><p>Da, dachte sie und wurde langsamer. Das Machtlenken erlosch, aber sie war ganz nahe. Draghkar-Angriffe und m�gliche Bedrohungen durch Myrddraal, die sich nachts einschlichen, hatte die Lagerbefehlshaber veranlasst, die Offiziere �berall im Lager in Zelten unterzubringen, die nicht anzeigten, ob sie einem Kommandanten oder einem ganz normalen Fu�soldaten geh�rten. Aber Aviendha wusste, dass es sich um das Zelt von Darlin Sisnera handelte.</p><p>Nach der Abl�sung Ituraldes hatte Darlin offiziell den Befehl �ber das Schlachtfeld. Er war kein General, aber die Tairener stellten den gr��ten Teil der Truppen, und die Verteidiger des Steins waren ihre Eliteeinheit. Ihr Kommandant Tihera war ein guter Taktiker, und Darlin h�rte auf die Vorschl�ge des Mannes. Sicherlich geh�rte Tihera nicht zu den Gro�en Hauptm�nnern, aber er war sehr klug. Er, Darlin und Rhuarc hatten nach Ituraldes Sturz die Schlachtpl�ne geschmiedet��</p><p>In der Dunkelheit �bersah Aviendha um ein Haar die drei Gestalten, die direkt neben Darlins Zelt in der Dunkelheit hockten. Stumm gaben sie einander Zeichen, und Aviendha vermochte nur wenig von ihnen zu erkennen�� nicht einmal ihre Kleidung. Sie hob ihr Messer, und dann zerriss ein Blitz den Himmel und verschaffte ihr einen besseren Blick auf einen der dort Lauernden. Der Mann trug einen Schleier. Aiel.</p><p><emphasis>Auch sie haben den Eindringling bemerkt,</emphasis> dachte sie, schlich zu ihnen und hob eine Hand, damit sie sie nicht angriffen. �In der N�he habe ich Machtlenken gesp�rt�, fl�sterte sie, �und ich glaube nicht, dass das eine der Unseren ist. Was habt ihr gesehen?�</p><p>Die drei M�nner starrten sie an, als w�ren sie v�llig verbl�fft, obwohl sie nicht viel von ihren Gesichtern erkennen konnte.</p><p>Dann griffen sie an.</p><p>Fluchend sprang Aviendha zur�ck, als Speere gez�ckt wurden und einer ein Messer in ihre Richtung schleuderte. Aiel-Schattenfreunde? Sie kam sich vor wie eine N�rrin. Sie h�tte es besser wissen m�ssen.</p><p>Sie griff nach der Quelle. Falls sich ein weiblicher Schattenlord in der N�he befinden sollte, w�rde sie ihre Bem�hungen f�hlen, aber das lie� sich nicht �ndern. Sie musste diese drei Angreifer abwehren.</p><p>Aber als sie nach der Einen Macht griff, peitschte etwas zwischen sie und die Quelle. Eine Abschirmung aus Geweben, die sie nicht wahrnehmen konnte.</p><p>Einer dieser M�nner konnte die Macht lenken. Ihre Reaktion war purer Instinkt. Sie unterdr�ckte ihre Panik, h�rte auf, nach der Quelle zu greifen, und warf sich auf den Angreifer, der ihr am n�chsten stand. Sie wehrte seinen Speersto� mit der freien Hand ab ��ignorierte die Schmerzen, als die Klinge �ber ihre Rippen schnitt�� und riss ihn nach vorn, um ihm ihr Messer in den Hals zu rammen.</p><p>Einer der anderen beiden fluchte, und pl�tzlich fand sich Aviendha in Gewebe aus Luft geh�llt und konnte weder sprechen noch sich bewegen. Blut tr�nkte ihre Bluse und sammelte sich auf ihrer verletzten Seite. Der Mann, den sie getroffen hatte, zappelte keuchend auf dem Boden, w�hrend er starb. Die anderen beiden machten nicht die geringsten Anstalten, ihm zu helfen.</p><p>Einer der Schattenfreunde trat geschmeidig auf sie zu; in der Dunkelheit war er fast unsichtbar. Er zog ihr Gesicht heran, um sie besser sehen zu k�nnen, dann winkte er dem anderen. Ein sehr schwaches Licht erschien zwischen ihnen und verschaffte ihnen einen besseren Blick auf Aviendha�� und auf sie selbst. Sie trugen <emphasis>rote</emphasis> Schleier, aber dieser Kerl hatte seinen f�r den Kampf nach unten gezogen. Warum? Was hatte das zu bedeuten? Kein Aviendha bekannter Aiel verhielt sich so. Handelte es sich um Shaido? Hatten sie sich auf die Seite des Schattens geschlagen?</p><p>Die M�nner gestikulierten schnell in der Handsprache. Nicht die Handsprache der T�chter, aber doch etwas �hnliches. Der andere Mann nickte.</p><p>Aviendha wehrte sich gegen ihre unsichtbaren Fesseln. Sie rannte mit ihrem Willen gegen die Abschirmung an, biss auf ihren Knebel aus Luft. Der Aiel zu ihrer Rechten ��der gr��ere von ihnen, der vermutlich die Abschirmung hielt�� grunzte. Sie hatte das Gef�hl, als w�rden ihre Finger �ber die Kante einer fast geschlossenen T�r kratzen, hinter der Licht, W�rme und Macht lag. Aber die T�r gab keinen Zoll nach.</p><p>Der hochgewachsene Aiel starrte sie mit zusammengekniffenen Augen an. Er lie� das Licht verschwinden und tauchte sie in Dunkelheit. Aviendha h�rte, wie er einen Speer zog.</p><p>In der N�he ert�nten Schritte. Die Rotschleier h�rten sie und fuhren herum. Aviendha versuchte die Dunkelheit zu durchdringen, konnte den Neuank�mmling aber nicht erkennen.</p><p>Die M�nner standen reglos da.</p><p>�Was ist hier los?�, fragte eine Frauenstimme. Cadsuane. Mit einer Laterne in der Hand kam sie n�her. Aviendha wurde durch die Luft gerissen, als der Mann, der ihre Gewebe hielt, sie in die Schatten bef�rderte, und Cadsuane schien sie nicht gesehen zu haben. Die Aes Sedai sah allein den anderen Mann, der in der N�he des Pfades stand.</p><p>Dieser Aiel trat nun g�nzlich aus dem Schatten. Auch er hatte seinen Schleier gesenkt. �Ich dachte, ich h�tte etwas in der N�he dieser Zelte geh�rt, Aes Sedai�, sagte er. Er hatte einen seltsamen Akzent, der irgendwie merkw�rdig war. Aber nur einen Hauch. Ein Feuchtl�nder w�rde den Unterschied niemals erkennen.</p><p><emphasis>Das sind keine Aiel,</emphasis> dachte Aviendha. <emphasis>Sie sind etwas anderes.</emphasis> Ihr Verstand rang mit der Vorstellung. Aiel, die keine Aiel waren? M�nner, die die Macht lenken konnten?</p><p><emphasis>Die M�nner, die wir ausschickten!</emphasis> Diese Erkenntnis kam ihr voller Entsetzen. M�nner, die bei den Aiel die Macht lenken konnten und entdeckt wurden, wurden losgeschickt, um zu versuchen, den Dunklen K�nig zu vernichten. Allein auf sich gestellt zogen sie in die F�ule. Niemand wusste, was danach mit ihnen passierte.</p><p>Aviendha wehrte sich wieder und versuchte ein Ger�usch zu machen, ganz egal was, um Cadsuane zu warnen. Vergeblich. Verschn�rt hing sie in der Dunkelheit in der Luft, und die Aes Sedai blickte nicht in ihre Richtung.</p><p>�Und, habt Ihr etwas gefunden?�, fragte Cadsuane den Mann.</p><p>�Nein, Aes Sedai.�</p><p>�Ich spreche mit den W�chtern.� Cadsuane klang h�rbar unzufrieden. �Wir m�ssen wachsam sein. Gel�nge es einem Draghkar oder noch schlimmer einem Myrddraal, sich ins Lager zu schleichen, k�nnten sie Dutzende t�ten, bevor man sie entdeckt.�</p><p>Cadsuane drehte sich um und ging. Aviendha sch�ttelte den Kopf, Tr�nen der Wut in den Augen. So nahe!</p><p>Der Rotschleier, der mit Cadsuane gesprochen hatte, schl�pfte zur�ck in die Schatten und kam zu Aviendha. Ein Blitz enth�llte das L�cheln auf seinem Gesicht, das dem des Mannes entsprach, der sie gefesselt hielt.</p><p>Der Rotschleier vor ihr zog einen Dolch aus dem G�rtel und hob die Hand. Hilflos musste sie zusehen, wie sich die Klinge ihrem Hals n�herte.</p><p>Sie sp�rte Machtlenken.</p><p>�bergangslos verschwanden ihre Fesseln, und sie fiel zu Boden. Noch im Sturz schnappte sie sich die Messerhand des Mannes, und er riss die Augen auf. Obwohl sie urt�mlicher Instinkt wild die Quelle umarmen lie�, waren ihre H�nde bereits in Bewegung. Sie verdrehte das Handgelenk und brach die Knochen, die Hand und Arm miteinander verbanden. Mit ihrer anderen Hand fing sie das Messer auf und rammte es ihm ins Auge, w�hrend er vor Schmerzen aufbr�llte.</p><p>Der Schrei brach ab. Der Rotschleier brach zusammen, und sie schaute besorgt zu dem anderen hin�ber�� der Mann, der sie mit seinen Geweben gehalten hatte. Er lag tot am Boden.</p><p>Keuchend eilte sie zu dem Pfad, wo sie auf Cadsuane stie�.</p><p>�Es ist so einfach, das Herz eines Mannes anzuhalten�, sagte Cadsuane mit verschr�nkten Armen. Sie erschien unzufrieden. �Dem Heilen so �hnlich, aber genau der gegenteilige Effekt. Vielleicht ist das ja etwas B�ses, aber ich habe nie begriffen, wieso das schlimmer sein soll, als jemanden mit Feuer zu Asche zu verbrennen.�</p><p>�Aber wie?�, stie� Aviendha hervor. �Wie konntet Ihr erkennen, was sie sind?�</p><p>�Ich bin keine schlecht ausgebildete Wilde�, erwiderte Cadsuane. �Ich h�tte sie gern niedergeschlagen, als ich eintraf, aber ich musste vorher sichergehen. Als der eine Euch mit dem Messer bedrohte, wusste ich Bescheid.�</p><p>Aviendha atmete ein und aus und versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen.</p><p>�Und da war nat�rlich noch der andere. Der, der die Macht lenkte. Wie viele Aiel-Krieger k�nnen insgeheim die Macht lenken? War das eine Ausnahme, oder hat Euer Volk sie verborgen gehalten?�</p><p>�Was? Nein! Das tun wir nicht. Vielmehr haben wir es nicht getan.� Aviendha war sich nicht sicher, wie sie nun verfahren w�rden, da die Quelle gereinigt worden war. Mit Sicherheit sollte man keine M�nner mehr allein losschicken, damit sie gegen den Dunklen K�nig k�mpften.</p><p>�Seid Ihr sicher?�, fragte Cadsuane tonlos.</p><p>�Ja!�</p><p>�Schade. Das h�tte ein gro�er Vorteil f�r uns sein k�nnen.� Die Aes Sedai sch�ttelte den Kopf. �Es h�tte mich nicht �berrascht, nicht nach diesen Enth�llungen �ber die Windsucherinnen. Das waren also ganz normale Schattenfreunde, von denen einer blo� seine F�higkeit im Machtlenken verborgen gehalten hat? Was hatten sie heute Nacht vor?�</p><p>�Das sind alles andere als gew�hnliche Schattenfreunde�, sagte Aviendha leise und untersuchte die Leichen. Rote Schleier. Der Mann, der die Macht hatte lenken k�nnen, wies spitz zugefeilte Z�hne auf, was f�r die anderen beiden nicht galt. Was hatte das zu bedeuten?</p><p>�Wir m�ssen Alarm schlagen�, fuhr Aviendha fort. �Es ist vorstellbar, dass die drei ungehindert eintreten konnten. Viele der Feuchtl�nder-Wachen vermeiden es, Aiel zu kontrollieren. Sie gehen davon aus, dass wir alle dem <emphasis>Car�a�carn</emphasis> dienen.�</p><p>F�r zu viele Feuchtl�nder war ein Aiel ein Aiel. Narren. Obwohl�� Wenn sie ehrlich war, musste sie zugeben, dass auch sie diese Aiel auf den ersten Blick f�r ihre eigenen Leute gehalten hatte. Wann war das blo� passiert? H�tte sie noch vor zwei Jahren einen fremden <emphasis>Algai�d�siswai</emphasis> beim Herumschleichen erwischt, h�tte sie sofort angegriffen.</p><p>Aviendha untersuchte die Toten weiter�� jeder von ihnen trug ein Messer, Speere und Bogen. Sonst gab es nichts Verr�terisches. Aber eine leise Stimme fl�sterte ihr zu, dass sie irgendetwas �bersah.</p><p>�Die Machtlenkerin�, sagte sie pl�tzlich und schaute auf. �Mich zog eine <emphasis>Frau</emphasis> an, die die Eine Macht benutzte, Aes Sedai. Wart Ihr das?�</p><p>�Ich habe die Macht nicht gelenkt, bevor ich diesen Mann t�tete�, sagte Cadsuane stirnrunzelnd.</p><p>Unvermittelt nahm Aviendha Kampfhaltung an und dr�ckte sich in die Schatten. Was w�rde sie nun noch finden? Weise Frauen, die dem Schatten dienten? Cadsuane verfolgte mit finsterer Miene, wie Aviendha die unmittelbare Umgebung erkundete. Sie passierte Darlins Zelt, in dem sich Soldaten um Lampen dr�ngten und Schatten warfen, die �ber die Zeltplane huschten. Sie passierte Soldaten, die stumm in enger Formationen �ber die Pfade gingen. Sie trugen Fackeln und blendeten sich selbst damit.</p><p>Aviendha hatte tairenische Offiziere sagen geh�rt, dass es einmal eine nette Abwechslung war, sich keine Sorgen dar�ber machen zu m�ssen, ob die W�chter auf ihren Posten schliefen. Mit den allgegenw�rtigen Blitzen, den Trolloc-Trommeln in der N�he und den gelegentlichen Angriffen des Schattengez�chts�� die Soldaten wussten, dass sie in ihrer Aufmerksamkeit nicht nachlassen durften. Die kalte Luft roch nach Rauch, und aus den Trolloc-Lagern wehte widerlicher Gestank her�ber.</p><p>Schlie�lich gab sie ihre Jagd auf und ging denselben Weg zur�ck, wo sie schlie�lich Cadsuane mit einer Soldatengruppe sprechen sah. Sie wollte sich ihr gerade anschlie�en, als ihr Blick �ber eine schwarze Stelle aus Dunkelheit glitt und ihr Gesp�r zum Leben erwachte. <emphasis>Die schwarze Stelle lenkt die Macht.</emphasis></p><p>Augenblicklich webte sie eine Abschirmung. Die hinter der Dunkelheit verborgene Gestalt erschuf Feuer und Luft, die auf Cadsuane zielten. Aviendha lie� ihr Gewebe fallen und schlug stattdessen mit Geist zu, zerschnitt das feindliche Gewebe in dem Moment, in dem es losgelassen wurde.</p><p>Ein Fluch ert�nte, dann wirbelte ein hastig gewebtes Feuergewebe in Aviendhas Richtung. Aviendha duckte sich, und es flog zischend �ber ihren Kopf in die kalte Luft. Die Hitzewelle passierte sie. Ihre Feindin eilte aus den Schatten ��ihr Tarngewebe war zusammengebrochen�� und enth�llte sich als die Frau, mit der sie schon zuvor gek�mpft hatte. Die Frau mit dem Gesicht, das in H�sslichkeit keinem Trolloc nachstand.</p><p>Die Frau hechtete einen Augenblick bevor der Boden hinter ihr explodierte hinter eine Zeltgruppe�� ein Gewebe, das nicht von Aviendha stammte. Eine Sekunde sp�ter faltete sich die Frau genau wie zuvor wieder zusammen. Verschwand einfach.</p><p>Aviendha blieb misstrauisch stehen. Cadsuane trat neben sie. �Danke�, sagte die Aes Sedai widerstrebend. �Daf�r, dass Ihr das Gewebe zerst�rt habt.�</p><p>�Dann sind wir wohl quitt�, sagte Aviendha.</p><p>�Quitt? Nein, nicht einmal in mehreren Hundert Jahren, Kind. Ich will aber zugeben, dass ich f�r Euer Eingreifen dankbar bin.� Sie runzelte die Stirn. �Sie ist verschwunden.�</p><p>�Das tat sie schon einmal.�</p><p>�Eine Methode des Reisens, die uns unbekannt ist�, sagte Cadsuane und sah beunruhigt aus. �Ich konnte keinerlei Str�me erkennen. Vielleicht ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis>? Es���</p><p>An den Frontlinien des Heeres raste ein rotes Licht in den Himmel. Die Trollocs griffen an. Gleichzeitig f�hlte Aviendha, wie an verschiedenen Stellen um das Lager herum die Macht gelenkt wurde. Einmal, zweimal, dreimal�� Sie fuhr herum und versuchte jeden der Orte zu bestimmen. Sie z�hlte f�nf.</p><p>�Machtlenker�, sagte Cadsuane in scharfem Tonfall. �Dutzende von ihnen.�</p><p>�Dutzende? Ich sp�rte f�nf.�</p><p>�Die meisten sind M�nner, dummes Kind.� Cadsuane machte mit der Hand eine scheuchende Bewegung. �Geht schon, sammelt die anderen!�</p><p>Aviendha rannte los und rief lautstark Alarm. Sp�ter w�rde sie noch ein W�rtchen mit Cadsuane zu wechseln haben, sie einfach auf diese Weise herumzukommandieren. Vielleicht. Mit Cadsuane �ein W�rtchen zu wechseln� lie� einen sich oft wie eine v�llige N�rrin f�hlen. Aviendha erreichte den Bereich der Aiel gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie Amys und Sorilea ihre Schultert�cher zurechtzogen und den Himmel �berpr�ften. Aus einem Zelt in der N�he stolperte Flinn und blinzelte m�de. �M�nner?�, fragte er. �Machtlenken? Sind noch mehr Asha�man eingetroffen?�</p><p>�Unwahrscheinlich�, verk�ndete Aviendha. �Amys, Sorilea, ich brauche einen Zirkel.�</p><p>Sie sahen sie mit hochgezogener Braue an. Sie mochte jetzt eine von ihnen sein, und sie mochte auch dank der Autorit�t des <emphasis>Car�a�carn</emphasis> das Kommando haben, aber Sorilea daran zu erinnern w�rde damit enden, dass man sie bis zum Hals im Boden begrub. �Wenn ihr so freundlich w�rt�, f�gte sie hastig hinzu.</p><p>�Es ist deine Entscheidung, Aviendha�, sagte Sorilea. �Ich gehe und spreche mit den anderen und schicke sie zu dir, damit du deinen Zirkel bekommst. Ich glaube, wir machen zwei davon, wie du zuvor vorgeschlagen hast. Das w�re wohl am besten.�</p><p><emphasis>Sie ist so stur wie Cadsuane,</emphasis> dachte Aviendha. Die beiden konnten B�umen noch etwas �ber Geduld beibringen. Aber Sorilea war nicht besonders stark in der Macht�� tats�chlich vermochte sie sie kaum zu lenken��, also w�rde es kl�ger sein, die anderen zu nehmen, genau wie sie es vorgeschlagen hatte.</p><p>Sorilea rief nach den anderen Weisen Frauen und Aes Sedai. Aviendha erduldete die Verz�gerung nerv�s; sie vernahm bereits die ersten Schreie und Explosionen im Tal. Feuerst��e stiegen in die Luft und rasten dem Boden entgegen.</p><p>�Sorilea�, sagte sie leise zu der �lteren Weisen Frau, w�hrend sich die anderen Frauen zu den Zirkeln verkn�pften, �eben griffen mich drei Aiel-M�nner im Lager an. Bei dem bevorstehenden Kampf wird es vermutlich weitere Aiel geben, die f�r den Schatten k�mpfen.�</p><p>Sorilea fuhr auf dem Absatz herum und erwiderte Aviendhas Blick. �Erkl�re das.�</p><p>�Ich halte sie f�r die M�nner, die wir losschickten, um Sichtblender zu vernichten.�</p><p>Sorilea zischte leise. �Wenn das stimmt, Kind, dann bringt uns diese Nacht viel <emphasis>Toh</emphasis>. <emphasis>Toh</emphasis> gegen�ber dem <emphasis>Car�a�carn</emphasis>, <emphasis>Toh</emphasis> gegen�ber dem Land selbst.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Gib mir Bescheid�, sagte Sorilea. �Ich werde einen dritten Zirkel organisieren, vielleicht mit einigen der dienstfreien Windsucherinnen.�</p><p>Aviendha nickte und akzeptierte die Kontrolle des Zirkels, als man sie an sie �bergab. Sie hatte drei Rand verschworene Aes Sedai und zwei Weise Frauen. Aufgrund ihres Befehls hatte sich Flinn dem Zirkel nicht angeschlossen. Er sollte nach Machtlenkern Ausschau halten und ihren Standort markieren, und Teilnehmer an einem Zirkel zu sein w�rde ihm das wohl unm�glich machen.</p><p>Sie bewegten sich wie eine Abteilung Speerschwestern. Sie passierten Gruppen von tairenischen Verteidigern, die sich polierte Harnische �ber Uniformen mit breiten gestreiften �rmeln zogen. In einer Gruppe entdeckte sie K�nig Darlin, der Befehle br�llte.</p><p>�Einen Moment�, sagte sie zu den anderen und eilte zu dem Tairener.</p><p>���sie alle!�, sagte Darlin zu seinen Kommandanten. �Lasst die Frontlinien nicht aufweichen! Wir d�rfen diese Ungeheuer nicht ins Tal lassen!� Anscheinend hatte ihn der Angriff geweckt, denn er trug blo� Hosen und ein wei�es Unterhemd. Ein zerzaust aussehender Diener hielt ihm den Mantel hin, aber abgelenkt von einem Boten, wandte sich der K�nig ab.</p><p>Als er Aviendha entdeckte, winkte er sie dr�ngend herbei. Der Diener seufzte tief und senkte den Mantel.</p><p>�Ich h�tte nicht gedacht, dass sie heute Nacht noch angreifen�, sagte Darlin und warf dann einen Blick zum Himmel. �Oder, nun ja, heute Morgen. Die Kundschafterberichte sind so verwirrend, ich f�hle mich, als h�tte man mich in einen K�fig voller verr�ckter H�hner geworfen, um das eine mit der einen schwarzen Feder zu fangen.�</p><p>�Diese Berichte�, sagte Aviendha, �werden da Aiel-M�nner erw�hnt, die f�r den Schatten k�mpfen? M�glicherweise auch die Macht lenken?�</p><p>Darlin wandte ruckartig den Kopf. �Also ist das wahr?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und die Trollocs r�cken mit allem vor, was sie haben, um sich den Weg ins Tal zu erzwingen�, sagte Darlin. �Wenn diese Aiel-Schattenlords anfangen, unsere Truppen anzugreifen, haben wir ohne euch nicht die geringste Chance, sie abzuwehren.�</p><p>�Wir sind unterwegs�, erwiderte Aviendha. �Schickt nach Amys und Cadsuane, um Wegetore zu weben. Aber ich warne Euch. Ich habe einen Schattenlord dabei erwischt, wie er um Euer Zelt herumschlich���</p><p>Darlin erblasste. �Wie Ituralde�� Beim Licht, sie haben mich nicht ber�hrt. Ich schw�re es. Ich��� Er hielt sich den Kopf. �Wem sollen wir vertrauen, wenn wir nicht einmal mehr dem eigenen Verstand vertrauen k�nnen?�</p><p>�Wir m�ssen den Tanz der Speere so einfach wie m�glich machen�, sagte Aviendha. �Geht zu Rhuarc, versammelt Eure F�hrer. Plant zusammen, wie ihr dem Schatten entgegentretet, lasst die Schlacht nicht allein von einem Mann kontrollieren�� und erlaubt nicht, dass eure Pl�ne ver�ndert werden.�</p><p>�Das k�nnte in die Katastrophe f�hren�, widersprach Darlin. �Wenn wir nicht flexibel sein k�nnen���</p><p>�Was muss denn ver�ndert werden?�, fragte Aviendha grimmig. �Wir halten die Stellung. Wir halten die Stellung mit allem, was uns zur Verf�gung steht. Wir ziehen uns nicht zur�ck. Wir versuchen nichts Schlaues. Wir halten einfach die Stellung.�</p><p>Darlin nickte. �Ich schicke nach Wegetoren, um die T�chter auf diese H�nge zu bef�rdern. Sie k�nnen die Trollocs ausschalten, die auf unsere Jungs schie�en. K�nnt Ihr Euch um die feindlichen Machtlenker k�mmern?�</p><p>�Ja.�</p><p>Aviendha kehrte zu ihrer Gruppe zur�ck und fing an, ihre Macht in sich aufzunehmen. Je mehr man von der Einen Macht hielt, umso schwerer wurde es, einen von der Wahren Quelle abzuschneiden. Sie beabsichtigte so viel davon zu halten, dass kein Mann sie davon trennen konnte.</p><p>Hilflosigkeit. Sie hasste es, sich hilflos zu f�hlen. Sie lie� den Zorn �ber das, was man ihr eben angetan hatte, in sich w�ten und f�hrte ihre Gruppe zur n�chsten Quelle m�nnlichen Machtlenkens, die Flinn identifizieren konnte.</p></section><section><title><p>34</p><p>Dahintreiben</p></title><p>Rand stand an einem Ort, den es nicht gab.</p><p>Ein Ort au�erhalb der Zeit, tats�chlich sogar au�erhalb des Musters.</p><p>Um ihn herum breitete sich eine gro�e Leere aus. Uners�ttlich und hungrig verzehrte sie sich danach, alles zu verschlingen. Tats�chlich konnte er sogar das Muster <emphasis>sehen</emphasis>. Es erschien wie Abertausende verdrehte Lichtf�den; sie wanden sich um ihn und �ber ihm, schl�ngelten sich schimmernd umeinander. Zumindest interpretierte es sein Verstand so.</p><p>Alles, was je gewesen war. Alles, was je sein w�rde. Alles, was je h�tte sein k�nnen�� das alles lag direkt vor ihm.</p><p>Rand konnte es nicht begreifen. Die es umgebende Schw�rze zog ihn an, zog ihn in sich hinein. Er griff nach dem Muster und verankerte sich irgendwie darin, damit er nicht verschlungen wurde.</p><p>Das ver�nderte seinen Blickpunkt. Es verband ihn zumindest fl�chtig mit dem Fluss der Zeit. Vor ihm kr�uselte sich das Muster, und Rand sah zu, wie es gewebt wurde. Es handelte sich nicht um das reale Muster, das war ihm schon klar, aber sein Verstand nahm es auf diese Weise wahr. Das war ihm vertraut, denn all das war ihm stets so beschrieben worden, als sich miteinander verkn�pfende Lebensf�den.</p><p>Rand verankerte sich wieder in der Realit�t und bewegte sich mit ihr. Zeit hatte wieder eine Bedeutung, und er konnte nicht voraus oder nach hinten schauen. Aber er konnte noch immer alle Orte sehen, wie ein Mann, der �ber einer sich drehenden Weltkugel steht.</p><p>Rand wandte sich der Leere zu. �Nun�, sagte er in sie hinein. �Hier wird also alles geschehen. Moridin h�tte mich glauben lassen, dass ein einfaches Schwertduell alles entscheidet.�</p><p>ER ENTSTAMMT MIR. ABER SEIN BLICK REICHT NICHT WEIT.</p><p>�Ja�, sagte Rand. �Das ist mir auch schon aufgefallen.�</p><p>KLEINE WERKZEUGE K�NNEN EFFEKTIV SEIN. DIE SCHMALSTE KLINGE KANN EIN HERZ ANHALTEN. ER HAT DICH HERGEBRACHT, WIDERSACHER.</p><p>Beim letzten Mal, als Rand den Namen Lews Therin getragen hatte, war das alles nicht passiert. Er konnte es nur als gutes Zeichen deuten.</p><p>Jetzt fing der Kampf richtig an. Er blickte in das Nichts und f�hlte es anschwellen. Dann brach ein Sturm aus, als der Dunkle K�nig mit seiner ganzen Macht auf Rand einschlug.</p><empty-line/><p>Perrin sackte gegen einen Baum und keuchte vor Schmerzen. Der Pfeil des Schl�chters hatte seine Schulter durchbohrt und kam auf dem R�cken wieder heraus. Er wagte es nicht, ihn herauszuziehen, nicht mit��</p><p>Er schwankte. Das Denken fiel ihm schwer. Wo war er? Er hatte sich so weit vom Schl�chter <emphasis>versetzt</emphasis>, wie er konnte, aber�� Er erkannte diesen Ort nicht. Die B�ume wiesen seltsame Kronen mit zu vielen Bl�ttern auf, diese Sorte hatte er noch nie zuvor gesehen. Der Sturm w�tete auch hier, war aber bedeutend schw�cher.</p><p>Perrin rutschte aus und landete mit einem Grunzen auf dem Boden. Die Schmerzen in seiner Schulter flammten auf. M�hsam rollte er sich herum und starrte in den Himmel. Der Sturz hatte den Pfeil zerbrechen lassen.</p><p><emphasis>Es ist�� es ist der Wolfstraum. Ich kann den Pfeil einfach verschwinden lassen.</emphasis></p><p>Er versuchte die n�tige Kraft daf�r zu sammeln, war aber zu schwach. Er trieb dahin, und er sandte seine Gedanken aus, suchte nach W�lfen. Er entdeckte einige von ihnen, und sie reagierten �berrascht.</p><p><emphasis>Ein Zweibeiner, der sprechen kann? Was ist das? Wer bist du?</emphasis></p><p>Seine Natur schien ihnen Angst zu machen, und sie stie�en ihn aus ihrem Bewusstsein. Wie konnten sie nicht wissen, wer er war? W�lfe hatten ein langes Ged�chtnis. Sicherlich�� sicherlich��</p><p><emphasis>Faile,</emphasis> dachte er. <emphasis>So sch�n, so klug. Ich sollte zu ihr gehen. Ich muss blo� dieses�� blo� diesen Eingang zu den Kurzen Wegen schlie�en�� dann kann ich zur�ck zu ihr, zu den Zwei Fl�ssen��</emphasis></p><p>Perrin k�mpfte sich auf die Knie. War das sein Blut auf dem Boden? So viel Rot. Er starrte es blinzelnd an.</p><p>�Da seid Ihr ja�, sagte eine Stimme.</p><p>Lanfear. Er schaute zu ihr hoch und konnte sie nur verschwommen wahrnehmen.</p><p>�Also hat er Euch besiegt�, sagte sie und verschr�nkte die Arme. �Entt�uschend. Ihn wollte ich nicht w�hlen m�ssen. Ich finde Euch viel ansprechender, Wolf.�</p><p>�Bitte�, kr�chzte er.</p><p>�Ich bin ja versucht, obwohl ich es nicht sein sollte�, sagte sie. �Ihr habt Euch als schwach erwiesen.�</p><p>�Ich�� ich kann ihn besiegen.� Pl�tzlich �berw�ltigte Perrin die Scham, vor ihr versagt zu haben. Wann hatte er angefangen, sich dar�ber Gedanken zu machen, was Lanfear von ihm hielt? Er vermochte es nicht genau zu sagen.</p><p>Sie trommelte mit dem Finger auf ihren Arm.</p><p>�Bitte���, sagte Perrin und hob die Hand. �Bitte.�</p><p>�Nein.� Sie wandte sich ab. �Ich habe aus dem Fehler gelernt, mein Herz auf jemanden zu setzen, der es nicht verdient. Lebt wohl, Wolfswelpe.�</p><p>Sie verschwand und lie� Perrin auf H�nden und Knien an diesem seltsamen Ort zur�ck.</p><p><emphasis>Faile,</emphasis> sagte eine Stimme in seinem Kopf. <emphasis>Mach dir keine Sorgen wegen Lanfear. Du musst zu Faile gehen.</emphasis></p><p>Ja�� Ja, er konnte zu ihr gehen, oder nicht? Wo steckte sie? Das Feld von Merrilor. Dort hatte er sie verlassen. Dort w�rde sie sein. Er <emphasis>versetzte</emphasis> sich dorthin, schaffte es irgendwie, sich genug zu konzentrieren, um es zu schaffen. Aber nat�rlich war sie nicht da. Er befand sich im Wolfstraum.</p><p>Das Portal, das Rand schicken w�rde. Hier w�rde es sein. Er musste es blo� dorthin schaffen. Er musste�� er musste��</p><p>Er brach zusammen und rollte sich auf den R�cken. Er f�hlte, wie seine Gedanken dahintrieben, dem Nichts entgegen. Er starrte in den st�rmischen Himmel, und sein Blick tr�bte sich. <emphasis>Zumindest�� zumindest war ich f�r Rand da,</emphasis> dachte er.</p><p>Die W�lfe konnten Shayol Ghul jetzt auf dieser Seite halten, nicht wahr? Sie konnten Rand besch�tzen�� Sie w�rden es schaffen m�ssen.</p><empty-line/><p>Faile stocherte mit einem Stock in ihrem armseligen Lagerfeuer herum. Es war dunkel geworden, das Feuer verbreitete ein schwaches rotes Gl�hen. Sie hatten nicht gewagt, es gr��er zu machen. In der F�ule schlichen t�dliche Kreaturen umher. Trollocs geh�rten hier noch zu den geringsten Gefahren.</p><p>Die Luft hatte einen durchdringenden Geruch an sich, und Faile erwartete, hinter jedem schwarz gesprenkelten Busch eine verfaulende Leiche zu finden. Wo sie hintrat, zersprang die trockene Erde, als h�tte es hier schon seit Jahrhunderten nicht mehr geregnet. In der Ferne entdeckte sie eine Lichtergruppe, die einen kr�nklich gr�nen Schimmer absonderte und �ber den Silhouetten einer Baumgruppe vorbeischwebte. Es erinnerte an einen gl�henden Insektenschwarm. Sie wusste genug �ber die F�ule, um den Atem anzuhalten, bis sie vorbei waren. Sie wusste nicht, was das genau war, und sie wollte es auch nicht herausfinden.</p><p>Sie hatte ihre Gruppe auf eine kleine Anh�he gef�hrt, um dort ihr Lager aufzuschlagen. Auf dem Weg war ein Karawanenarbeiter von einem Zweig get�tet worden, ein anderer war gestorben, weil er in etwas getreten war, das wie Schlamm aussah�� und sein Bein aufgel�st hatte. Etwas davon hatte er auch ins Gesicht bekommen. Er war wild um sich schlagend und schreiend gestorben.</p><p>Sie hatten ihn knebeln m�ssen, damit der L�rm keine anderen Schrecken brachte.</p><p>Die F�ule. Hier konnten sie nicht �berleben. Ein einfacher Weg hatte zwei ihrer Leute get�tet, und sie musste versuchen, mehrere Hundert zu besch�tzen. W�chter der Bande, Mitglieder der <emphasis>Cha Faile</emphasis> und die Kutscher und Arbeiter ihrer Nachschubkarawane. Acht der Wagen waren noch einsatzf�hig, und sie hatten sie in dieses Lager gebracht. Vermutlich w�rden sie zu auff�llig sein, um noch weiter damit fahren zu k�nnen.</p><p>Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie die Nacht �berlebten. Licht! Ihre einzige Hoffnung auf Rettung schien bei den Aes Sedai zu liegen. W�rden sie bemerken, was geschehen war, und Hilfe schicken? Das schien eine ausgesprochen schwache Hoffnung zu sein, aber sie verstand nur wenig von der Einen Macht.</p><p>�Also gut�, sagte Faile leise zu den anderen, die ebenfalls hier sa�en�� Mandevwin, Aravine, Harnan, Setalle und Arrela von den <emphasis>Cha Faile</emphasis>. �Reden wir.�</p><p>Die anderen sahen schrecklich aus. Vermutlich hatte man auch ihnen seit Kindertagen Angst mit Geschichten �ber die F�ule eingejagt. Die schnellen Todesf�lle seit ihrer Ankunft in diesem Land hatten das noch untermauert. Sie wussten, wie gef�hrlich dieser Ort war. Jedes Ger�usch in der Nacht lie� sie zusammenzucken.</p><p>�Ich erkl�re, soweit ich es kann�, sagte Faile und versuchte die anderen von dem Tod um sie herum abzulenken. �W�hrend der Blase des B�sen hat einer dieser Kristalle Berisha Sedais Fu� durchbohrt, als sie gerade dieses Wegetor webte.�</p><p>�Eine Wunde?�, fragte Mandevwin. �H�tte das denn schon ausgereicht, um das Tor scheitern zu lassen? Es stimmt, ich wei� nicht viel �ber die Angelegenheiten der Aes Sedai, und ich will es auch nicht. Ist es denn m�glich, eine zuf�llige �ffnung an den falschen Ort zu erschaffen, blo� weil man abgelenkt ist?�</p><p>Setalle runzelte die Stirn, und der Ausdruck erregte Failes Aufmerksamkeit. Setalle war weder eine Adlige noch Offizierin. Aber etwas an dieser Frau�� sie strahlte Autorit�t und Weisheit aus.</p><p>�Ihr wisst etwas?�, fragte Faile.</p><p>Setalle r�usperte sich. �Ich wei� ein bisschen�� ein bisschen �ber das Machtlenken. Einst interessierte mich dieses Gebiet. Wird ein Gewebe falsch gewoben, dann tut es manchmal einfach nichts. Dann wiederum ist das Ergebnis katastrophal. Ich habe aber nie geh�rt, dass ein Gewebe so etwas tun w�rde, einerseits funktioniert es, aber doch auf die falsche Weise.�</p><p>�Nun�, erwiderte Harnan, blickte in die Dunkelheit und schauderte sichtlich, �die Alternative best�nde darin, dass sie uns in die F�ule schicken <emphasis>wollte</emphasis>.�</p><p>�Vielleicht war sie desorientiert�, meinte Faile. �Die Belastung des Augenblicks lie� sie uns an den falschen Ort schicken. Ich bin in einem angespannten Augenblick auch schon in die falsche Richtung gelaufen. So k�nnte es gewesen sein.�</p><p>Die anderen nickten, aber wieder sah Setalle beunruhigt aus.</p><p>�Was ist?�, fragte Faile sie direkt.</p><p>�Die Ausbildung der Aes Sedai ist sehr ausf�hrlich, gerade was solche Situationen angeht�, sagte Setalle. �Keine Frau erreicht den Rang einer Aes Sedai, ohne zu lernen, wie man die Macht unter hoher Belastung lenkt. Es gibt bestimmte�� H�rden, die eine Frau �berwinden muss, um den Ring tragen zu k�nnen.�</p><p><emphasis>Also,</emphasis> dachte Faile. <emphasis>Setalle muss eine Angeh�rige haben, die Aes Sedai ist. Jemand, der ihr nahesteht, wenn sie sich solche vertraulichen Dinge erz�hlten. Vielleicht eine Schwester?</emphasis></p><p>�Dann m�ssen wir davon ausgehen, dass das eine Falle ist?� Aravine klang verwirrt. �Dass Berisha eine Schattenfreundin war? Sicherlich hat der Schatten Wichtigeres zu tun, als einen einfachen Nachschubzug in die falsche Richtung zu f�hren.�</p><p>Faile hielt den Mund. Das Horn war in Sicherheit; die Truhe, in dem es lag, stand jetzt in der N�he in ihrem kleinen Zelt. Sie hatten die Wagen im Kreis aufgestellt und nur dieses eine Feuer entfacht. Der Rest der Karawane schlief oder versuchte es zumindest.</p><p>Die viel zu stille Luft gab Faile das Gef�hl, als beobachteten sie tausend Augen. Sollte der Schatten eine Falle f�r ihre Karawane geplant haben, dann bedeutete das, dass er �ber das Horn Bescheid wusste. In diesem Fall schwebten sie in ernsthafter Gefahr. M�glicherweise sogar einer noch gr��eren Gefahr, als die Anwesenheit in der F�ule allein schon bedeutete.</p><p>�Nein�, sagte Setalle. �Nein, Aravine hat recht. Das kann keine absichtliche Falle gewesen sein. Ohne die Blase des B�sen w�ren wir niemals so blindlings in das Tor gestolpert. Soweit wir wissen, erscheinen diese Blasen v�llig zuf�llig.�</p><p><emphasis>Es sei denn, Berisha h�tte einfach die Umst�nde gen�tzt.</emphasis> Au�erdem war da der Tod der Frau zu bedenken. Diese Wunde in ihrem Leib hatte nicht ausgesehen, als w�re eine der Kristallnadeln daf�r verantwortlich gewesen. Sie hatte wie eine Messerwunde ausgesehen. Als h�tte jemand Berisha angegriffen, sobald das Horn das Tor passiert hatte. Damit sie niemals verraten konnte, was sie getan hatte?</p><p><emphasis>Beim Licht, ich werde misstrauisch.</emphasis></p><p>�Also�, sagte Harnan, �was tun wir?�</p><p>�Das kommt darauf an.� Faile sah Setalle an. �Besteht eine M�glichkeit, dass eine Aes Sedai wei�, wo man uns hingeschickt hat?�</p><p>Setalle z�gerte, als wollte sie nur ungern enth�llen, wie viel sie wusste. Aber als sie das Wort ergriff, tat sie es entschieden. �Gewebe hinterlassen einen Nachklang. Also ja, eine Aes Sedai k�nnte entdecken, wo wir gelandet sind. Aber dieser Nachklang h�lt sich nicht lange. Bei einem m�chtigen Gewebe bestenfalls ein paar Tage. Und nicht alle Machtlenkerinnen k�nnen ihn erkennen�� das ist ein seltenes Talent.�</p><p>Wie sie sprach, so souver�n und entschlossen�� diese Art und Weise, auf die sie einem sofort das Gef�hl einfl��te, vertrauensw�rdig zu sein. <emphasis>Es war gar keine Verwandte,</emphasis> erkannte Faile. <emphasis>Die Frau wurde in der Wei�en Burg ausgebildet.</emphasis> War sie vielleicht wie K�nigin Morgase? Zu schwach in der Einen Macht, um Aes Sedai zu werden?</p><p>�Wir warten einen Tag�, sagte Faile. �Falls uns bis dahin keiner gefolgt ist, ziehen wir in Richtung S�den und versuchen der F�ule so schnell wie m�glich zu entkommen.�</p><p>�Ich frage mich, wie weit wir im Norden sind�, meinte Harnan und rieb sich das Kinn. �Ich habe keine gro�e Lust, �ber Berge klettern zu m�ssen, um nach Hause zu kommen.�</p><p>�W�rdet Ihr lieber in der F�ule bleiben?�, fragte Mandevwin.</p><p>�Nun, nein�, antwortete Harnan. �Aber es k�nnte Monate in Anspruch nehmen, sicheres Gebiet zu erreichen. Monate durch die F�ule reisen zu m�ssen���</p><p><emphasis>Beim Licht. Monatelang durch eine Gegend reisen zu m�ssen, in der wir Gl�ck gehabt haben, an einem Tag nur zwei M�nner zu verlieren.</emphasis> Sie w�rden es niemals schaffen. Selbst ohne die Wagen w�rde die Karawane in dieser Ein�de wie eine Wunde auf schorfiger Haut hervorstechen. Sie w�rden schon Gl�ck haben, wenn sie noch zwei Tage lang durchhielten.</p><p>Faile widerstand dem Drang, zu ihrem Zelt zu sehen. Was w�rde geschehen, wenn sie es Mat nicht rechtzeitig �bergeben konnte?</p><p>�Es gibt eine andere M�glichkeit�, sagte Setalle z�gernd.</p><p>Faile sah sie an.</p><p>�Diesen Gipfel, den Ihr da �stlich von uns seht�, sagte Setalle, obwohl ihr offensichtlich jedes Wort schwerfiel. �Das ist Shayol Ghul.�</p><p>Mandevwin kniff die Augen zusammen und fl�sterte etwas so leise, dass Faile es nicht mitbekam. Die anderen sahen aus, als w�re ihnen schlecht geworden. Trotzdem verstand Faile sofort, worauf Setalle hinauswollte.</p><p>�Dort f�hrt der Wiedergeborene Drache Krieg gegen den Schatten�, sagte sie. �Dort wird eines unserer Heere sein. Mit Machtlenkern, die uns hier rausschaffen k�nnten.�</p><p>�In der Tat�, sagte Setalle. �Und die Gegend um den Shayol Ghul ist als das Verdorbene Land bekannt, ein Land, das die Schrecken der F�ule angeblich meiden.�</p><p>�Weil es so schrecklich ist!�, sagte Arrela. �Wenn sie sich nicht dorthin wagen, dann weil sie den Dunklen K�nig f�rchten!�</p><p>�Der Dunkle K�nig und seine Heere k�nnten ihre Aufmerksamkeit auf die K�mpfe gerichtet haben�, sagte Faile langsam und nickte. �In der F�ule k�nnen wir nicht lange �berleben�� wir werden alle tot sein, noch bevor die Woche vorbei ist. Aber wenn dieses Verdorbene Land frei von diesem Schrecken ist und wir dort unser Heer erreichen���</p><p>Es erschien als weitaus bessere Hoffnung ��so gering sie auch sein mochte�� als der Versuch, monatelang durch den gef�hrlichsten Ort der Welt zu marschieren. Sie sagte den anderen, was sie vorhatte, und entlie� sie dann.</p><p>Ihre Berater gingen, um ihre Nachtlager aufzuschlagen, w�hrend Mandevwin loszog, die Wachtposten zu �berpr�fen. Faile blieb sitzen, starrte in die gl�henden Scheite und k�mpfte gegen ihre �belkeit an.</p><p><emphasis>Jemand hat Berisha ermordet,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Da bin ich mir sicher.</emphasis> Der Ort des Wegetors konnte wirklich ein Zufall gewesen sein. Zuf�lle passierten, selbst Aes Sedai, ganz egal, was Setalle dachte. Aber wenn sich ein Schattenfreund in der Karawane befand, der in die Tor�ffnung gesehen und erkannt hatte, dass es in die F�ule f�hrte, dann h�tten sie sich durchaus dazu entscheiden k�nnen, Berisha umzubringen, damit das Horn und die Karawane strandeten.</p><p>�Setalle�, sagte Faile, als die Frau vorbeiging. �Auf ein Wort.�</p><p>Setalle setzte sich mit ausdrucksloser Miene neben sie. �Ich wei�, was Ihr fragen wollt.�</p><p>�Wie lange ist es her�, fragte Faile, �seit Ihr in der Wei�en Burg wart?�</p><p>�Mittlerweile sind es Jahrzehnte.�</p><p>�K�nnt Ihr ein Wegetor weben?�</p><p>Setalle lachte. �Kind, ich k�nnte nicht einmal eine Kerze anz�nden. Ein Unfall hat mich ausgebrannt. Ich habe die Eine Macht seit �ber f�nfundzwanzig Jahren nicht mehr gehalten.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Faile. �Danke.�</p><p>Setalle ging, und Faile dachte nach. Wie wahrscheinlich war ihre Geschichte? Setalle war in ihren gemeinsamen Tagen sehr hilfreich gewesen, und Faile konnte es der Frau nicht verdenken, ihre Verbindung zur Wei�en Burg geheim halten zu wollen. In jeder anderen Situation h�tte sie ihre Geschichte nicht eine Sekunde lang bezweifelt.</p><p>Aber es gab keine M�glichkeit, herauszufinden, ob ihre Worte auch der Wahrheit entsprachen. Falls Setalle eine untergetauchte Schwarze Ajah war, konnte ihre Geschichte, ausgebrannt worden zu sein, einfach nur das sein�� eine Geschichte. Vielleicht konnte sie ja noch immer die Macht lenken. Vielleicht auch nicht, und man hatte sie zur Strafe ged�mpft. Konnte diese Frau eine geflohene Gefangene der gef�hrlichsten Sorte sein? Ein Agent, der Jahrzehnte auf den richtigen Augenblick zum Zuschlagen gewartet hatte?</p><p>Setalle war diejenige gewesen, die vorgeschlagen hatte, zum Shayol Ghul zu ziehen. Wollte sie ihrem Herrn das Horn bringen?</p><p>Bis auf die Knochen frierend, zog sich Faile in ihr Zelt zur�ck, w�hrend mehrere Angeh�rige der <emphasis>Cha Faile</emphasis> ihre Wachtposten darum bezogen. Sie schl�pfte unter ihre Decke. Ihr war durchaus bewusst, dass sie �berm��ig misstrauisch war. Aber wie sollte sie unter diesen Umst�nden anders handeln?</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Das Horn von Valere, verschollen in der F�ule.</emphasis> Ein Albtraum.</p><empty-line/><p>Aviendha ging neben der qualmenden Leiche auf ein Knie, in der Hand ihr <emphasis>Angreal</emphasis>�� die Schildkr�tenbrosche, die Elayne ihr geschenkt hatte. Durch den Mund atmend, betrachtete sie das Gesicht des Mannes.</p><p>Es gab eine �berraschend hohe Zahl dieser Rotschleier. Wo auch immer sie herstammten, sie waren <emphasis>keine</emphasis> Aiel. Sie folgten nicht dem <emphasis>Ji�e�toh</emphasis>. W�hrend der K�mpfe in der Nacht hatte sie zugesehen, wie zwei T�chter einen Mann gefangen nahmen. Zuerst hatte er sich wie ein <emphasis>Gai�shain</emphasis> benommen, aber dann hatte er eine von ihnen mit einem versteckten Messer hinterr�cks ermordet.</p><p>�Und?�, fragte Sarene atemlos. W�hrend sich die Menschen auf dem Feld von Merrilor ausruhten und auf die vor ihnen liegende Herausforderung vorbereiteten, ging die Schlacht am Shayol Ghul weiter. Der Angriff der Rotschleier hatte die ganze Nacht angedauert, den folgenden Morgen und wieder bis in die Nacht hinein.</p><p>�Ich glaube, ich kannte ihn�, sagte Aviendha verst�rt. �Er lenkte zum ersten Mal die Macht, als ich ein Kind war, lie� <emphasis>Algode</emphasis> wachsen, wo das unm�glich war.� Sie lie� den Schleier wieder auf sein Gesicht fallen. �Sein Name lautete Soro. Er war freundlich zu mir. Ich sah zu, wie er bei Einbruch der Dunkelheit loslief, nachdem er geschworen hatte, dem Sichtblender ins Auge zu spucken.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Sarene, obwohl ihrer Stimme keinerlei Mitgef�hl anzuh�ren war. Daran gew�hnte sich Aviendha langsam bei dieser Frau. Es war nicht so, dass Sarene kein Mitgef�hl hatte; sie lie� sich blo� nicht davon ablenken. Zumindest nicht, wenn ihr Beh�ter woanders war. Die Aes Sedai h�tte eine gute Tochter abgegeben.</p><p>�Bleiben wir in Bewegung�, sagte Aviendha und ging wieder mit ihrem Rudel Machtlenker los. W�hrend der Tage und N�chte des Kampfes hatte sich ihre Gruppe stetig ver�ndert, da sich die Frauen ausruhen mussten. Aviendha selbst hatte am Tag kurz geschlafen.</p><p>Einer allgemeinen �bereinkunft zufolge vermied es die Anf�hrerin des Zirkels, ihre eigene Macht zu benutzen�� also war Aviendha selbst nach so vielen Stunden des Kampfes noch relativ stark. Das erlaubte ihr, aufmerksam zu bleiben. Die anderen Frauen wurden Machtquellen, aus denen man sch�pfen konnte.</p><p>Sie musste achtgeben, sie nicht zu sehr zu leeren. Erm�dete man eine Frau, konnte sie ein paar Stunden lang schlafen und dann weiterk�mpfen. Leerte man sie v�llig, fiel sie m�glicherweise tagelang aus. Im Augenblick hatte Aviendha Flinn und drei Aes Sedai bei sich. Sie hatte das Gewebe gelernt, das ihr verriet, wenn ein Mann in der N�he die Macht lenkte�� es machte bei den Weisen Frauen und den Aes Sedai die Runde��, aber einen Machtlenker dabeizuhaben war viel n�tzlicher.</p><p>Flinn zeigte auf ein paar Feuerstrahlen an der Talseite. Sie eilten vorbei an Leichen und qualmenden Stellen in diese Richtung. Im st�rker werdenden Licht der Morgend�mmerung konnte Aviendha trotz des kalten Nebels sehen, dass Darlins Streitkr�fte noch immer den Taleingang hielten.</p><p>Die Trollocs waren zu den niedrigen Erdschanzen vorgedrungen, die Ituralde errichtet hatte. Dort war auf beiden Seiten gestorben worden. Die Tiermenschen hatten weitaus gr��ere Verluste davongetragen�� aber es gab ja auch viel mehr von ihnen. Ein schneller Blick schien Aviendha zu verraten, dass sie einige der Hindernisse �berrannt hatten, aber Domani-Kavallerie aus der Reserve dr�ngte sie gerade wieder zur�ck.</p><p>Gruppen Aiel k�mpften am Taleingang. Ein paar mit roten Schleiern, ein paar mit schwarzen. <emphasis>Zu viele,</emphasis> dachte Aviendha, als sie ihren Zirkel mit erhobener Hand langsamer gehen lie�. Dann ging sie leise allein weiter. Sie konnte sich ein paar Hundert Schritte von den Frauen entfernen und hatte noch immer Zugang zu ihrer Macht.</p><p>Sie suchte sich einen Weg �ber den steinigen Talboden. Rechts von ihr lagen drei Tote, zwei davon hatten schwarze Schleier. Schnell �berpr�fte sie sie mit einer Tiefenschau; sie w�rde sich nicht von dem alten Trick �berrumpeln lassen, sich zwischen Leichen zu verstecken. Das hatte sie selbst schon gemacht.</p><p>Die drei M�nner waren wirklich tot, also ging sie tief geduckt weiter. Zus�tzlich zu der Stelle, an der die Tairener und Domani die Trollocs zur�ckhielten, bewachte eine zweite Streitmacht das Lager und den Weg zu dem Ort, an dem Rand k�mpfte. Dazwischen streiften Gruppen von Aiel und Rotschleier umher und versuchten einander zu bezwingen. Nur einige der Rotschleier konnten die Macht lenken.</p><p>In der N�he erbebte der Boden. Erde flog durch die Luft. Aviendha duckte sich noch tiefer, beschleunigte aber ihre Schritte.</p><p>Voraus eilte �ber ein Dutzend <emphasis>Siswai�aman</emphasis> auf die Position von zwei Rotschleiern zu, die beide Machtlenker waren. Die Rotschleier lie�en den Boden unter ihren Angreifern aufbrechen und schleuderten K�rper in alle Richtungen.</p><p>Aviendha wusste, warum die Aiel trotzdem weiterhin angriffen. Die Rotschleier waren ein Affront, ein Verbrechen. Nicht einmal die Seanchaner, die es wagten, Weise Frauen zu Gefangenen zu machen, waren so abscheulich. Irgendwie hatte der Schatten die tapfersten der Aiel genommen und sie in diese�� diese <emphasis>Dinger</emphasis> verwandelt.</p><p>Aviendha schlug schnell zu, zog Kraft durch ihr <emphasis>Angreal</emphasis> und ihren Zirkel, webte zwei Str�nge Feuer und schleuderte sie auf die Rotschleier. Sofort webte sie erneut, zerst�rte den Boden unter den Machtlenkern, fing mit einem dritten Paar Gewebe an. Schleuderte Feuer auf die M�nner, als sie taumelten; einer sprang zur Seite, w�hrend der andere vom aufbrechenden Boden erwischt wurde.</p><p>Sie traf den Fl�chtenden mit Feuerspeeren. Dann schlug sie mit einer zus�tzlichen Aufwallung der Macht auf beide Leichen ein, nur um sicherzugehen. Diese M�nner folgten nicht l�nger dem <emphasis>Ji�e�toh</emphasis>. Sie lebten nicht l�nger. Sie waren Unkraut, das man ausmerzen musste.</p><p>Sie sah nach den <emphasis>Siswai�aman</emphasis>. Acht lebten noch, drei davon waren verwundet. Aviendha war im Heilen nicht besonders gut, aber sie konnte das Leben eines Mannes retten, indem sie verhinderte, dass er durch die Wunde am Hals verblutete. Die anderen �berlebenden sammelten die Verwundeten ein und gingen zur�ck zum Lager.</p><p>Aviendha stand �ber einer der beiden Leichen. Sie entschied sich, sie sich nicht zu genau anzusehen. Es war schlimm genug gewesen, einen ihr bekannten Mann zu sehen. Die��</p><p>Ein Schock durchfuhr sie, und eine ihrer Machtquellen verschwand. Aviendha keuchte auf. Eine weitere erlosch.</p><p>Augenblicklich lie� sie den Zirkel los und eilte wieder zu der Stelle, an der sie die Frauen zur�ckgelassen hatte. Explosionen und Lichtblitze drohten sie von den F��en zu holen. Sie klammerte sich an die Eine Macht, und verglichen mit der Machtf�lle, die sie eben noch gelenkt hatte, f�hlte sich ihre eigene Kraft erbarmungsw�rdig klein an.</p><p>Rutschend kam sie vor den qualmenden Leichen von Kiruna und Faeldrin zum Stehen. Die schreckliche Frau, die sie zuvor gesehen hatte�� die Frau, bei der sie sich zusehends sicher war, dass es sich um eine der Verlorenen handelte��, stand da und l�chelte sie an. Die furchtbare Frau hielt Sarene an der Schulter; die schlanke Wei�e hielt den Blick auf die Verlorene gerichtet und starrte sie voller Bewunderung an. Sarenes Beh�ter lag tot zu ihren F��en.</p><p>Beide verschwanden, schienen sich zusammenzufalten. Reisten ohne Wegetor. Aviendha fiel neben den Toten auf die Knie. In der N�he st�hnte Damer Flinn und versuchte sich aus einer aufgeworfenen Erdspalte zu befreien. Sein linker Arm war verschwunden, an der Schulter weggebrannt.</p><p>Aviendha fluchte und tat, was in ihrer Macht stand, um ihn zu Heilen, obwohl er das Bewusstsein verlor. Pl�tzlich f�hlte sie sich sehr m�de und <emphasis>sehr</emphasis> allein.</p></section><section><title><p>35</p><p>Ein einstudiertes Grinsen</p></title><p>Olver vermisste Wind. Dabei war Bela, die st�mmige, zottelige Stute, die er nun ritt, eigentlich gar nicht so �bel. Sie war blo� langsam. Olver wusste das genau, weil er stets versuchte, sie anzutreiben, aber sie trottete einfach hinter den anderen Pferden her. Egal, was er auch tat, nichts konnte sie veranlassen, sich schneller zu bewegen. Olver wollte wie der Sturmwind reiten. Stattdessen bewegte er sich so schnell wie ein dicker Baumstamm auf einem gem�chlich flie�enden Fluss.</p><p>Er wischte sich die Stirn ab. Die F�ule war ganz sch�n furchterregend, und die anderen gingen daher�� die meisten hatten keine Pferde��, als w�rde ihnen jeder Schritt tausend Trollocs auf den Hals hetzen. Der Rest der Karawane sprach nur in ged�mpften T�nen und musterte jeden Hang misstrauisch.</p><p>Sie passierten eine Gruppe verk�mmerter B�ume, aus deren aufgeplatzter Rinde Baumsaft rann. Dieser Saft sah viel zu rot aus. Fast wie Blut. In der N�he trat einer der Kutscher darauf zu, um sich das n�her anzusehen.</p><p>Schlingpflanzen peitschten von den �sten�� Schlingpflanzen, die braun und tot aussahen, sich aber wie Schlangen bewegten. Bevor Olver einen warnenden Schrei aussto�en konnte, baumelte der Kutscher schon tot von einem der oberen �ste.</p><p>Entsetzt erstarrte alles an Ort und Stelle. Der Baum zog den Toten doch tats�chlich durch einen Riss in der Rinde in sein Inneres. Verdaute ihn. Vielleicht war dieser Pflanzensaft ja in Wahrheit Blut.</p><p>Olver sah fassungslos zu.</p><p>�Ganz ruhig�, sagte Lady Faile mit leicht zittriger Stimme. �Ich habe euch gesagt, kommt diesen Pflanzen nicht zu nahe! Fasst nichts an.�</p><p>Sie marschierten weiter. Eine ernste Horde. Der in der N�he reitende Sandip murmelte leise: �Das ist der F�nfzehnte. F�nfzehn M�nner tot in wenigen Tagen. Licht! Das �berleben wir niemals.�</p><p>W�ren es doch blo� Trollocs gewesen! Olver konnte nicht gegen B�ume und Insekten k�mpfen. Wer vermochte das schon? Aber Trollocs, gegen die h�tte er k�mpfen k�nnen. Schlie�lich hatte er sein Messer, und Harnan und Silvic hatten ihm ein paar Dinge beigebracht. Er war nicht besonders gro�, aber vermutlich w�rden Trollocs ihn deswegen untersch�tzen. Er konnte einen tiefen Ausfall machen und nach ihren Eingeweiden zielen, bevor ihnen �berhaupt klar war, wie ihnen geschah.</p><p>Das redete er sich zumindest ein, damit seine H�nde nicht zitterten, als er Bela in der Hoffnung antrieb, es an die Seite von Lady Faile zu schaffen. In der Ferne ert�nte ein Kreischen, als w�rde etwas auf schreckliche Weise sterben. Olver fr�stelte. Den gleichen Laut hatte er schon fr�her an diesem Tag geh�rt. Klang er jetzt n�her?</p><p>Setalle warf ihm einen besorgten Blick zu, als er sich der Spitze n�herte. Die anderen versuchten alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ihn von jeder Gefahr fernzuhalten. Er st�hlte sich und ignorierte den f�rchterlichen L�rm in der Ferne. Alle hielten ihn f�r zerbrechlich, aber das war er nicht. Sie hatten nicht gesehen, was er in seiner Kindheit alles gesehen hatte. Tats�chlich dachte er nicht gern an diese Zeiten zur�ck. Es kam ihm so vor, als h�tte er drei Leben gef�hrt. Eines, bevor seine Eltern gestorben waren, eines, als er auf sich allein gestellt gewesen war, und jetzt das Leben, das er f�hrte.</p><p>Auf jeden Fall war er gew�hnt, gegen Leute zu k�mpfen, die gr��er als er waren. Es war die Letzte Schlacht. Alle sprachen davon, dass jeder Mann gebraucht wurde. Nun, warum dann nicht auch er? Wenn die Trollocs kamen, w�rde er zuallererst von diesem langsamen Tier springen m�ssen. Er konnte ja schneller daherspazieren, als diese Stute galoppieren konnte! Nun, die Aiel brauchten keine Pferde. Er hatte bei ihnen noch keinen Unterricht genommen, aber das w�rde noch kommen. Er hatte es genau geplant. Er hasste alle Aiel, aber haupts�chlich die Shaido, und wenn er sie t�ten wollte, w�rde er vorher ihre Geheimnisse kennen m�ssen.</p><p>Also w�rde er zu den Aiel gehen und verlangen, dass sie ihn unterrichteten. Sie w�rden ihn aufnehmen und ihn schlecht behandeln, aber schlie�lich w�rden sie ihn respektieren und zusammen mit ihren Kriegern �ben lassen. Dar�ber gab es Geschichten. So liefen die Dinge nun einmal.</p><p>Nachdem er ihre Geheimnisse erfahren hatte, w�rde er zu den Schlangen und F�chsen gehen und die Antwort auf die Frage erhalten, wie er die Shaido finden sollte, die seinen Vater ermordet hatten. Von da an w�rde die Jagd auf sie und ihr unausweichlicher Tod eine Suche sein, die selbst eine Geschichte wert sein w�rde.</p><p><emphasis>Ich nehme Noal mit,</emphasis> dachte er. <emphasis>Er war schon �berall. Er kann mein F�hrer sein. Er��</emphasis></p><p>Noal war tot.</p><p>Schwei� rann Olvers Schl�fen herunter, als er den felsigen Pfad vor ihnen anstarrte. Sie passierten weitere dieser schrecklichen B�ume, und jetzt machte jeder einen gro�en Bogen um sie herum. Aber neben dem Pfad zeigte einer der M�nner auf eine gro�e Fl�che des t�dlichen Schlamms. Er sah braun und dick aus, und Olver sah ein paar Knochen daraus hervorragen.</p><p>Dieser Ort war schrecklich!</p><p>Er w�nschte sich, Noal w�re hier gewesen. Noal war �berall auf der Welt gewesen, hatte alles gesehen. Er h�tte gewusst, wie sie hier wegkamen. Aber Noal gab es nicht mehr. Er hatte das erst k�rzlich erfahren, es war aus den Berichten herauszuh�ren gewesen, die Lady Moiraine �ber die Geschehnisse im Turm von Ghenjei erstattet hatte.</p><p><emphasis>Jeder stirbt,</emphasis> dachte er, den Blick noch immer stur nach vorn gerichtet. <emphasis>Jeder��</emphasis></p><p>Mat war zu den Seanchanern gelaufen, Talmanes k�mpfte an der Seite von K�nigin Elayne. Jedes Mitglied dieser Gruppe wurde eines nach dem anderen von B�umen, Schlamm oder Ungeheuern gefressen.</p><p>Warum lie�en sie ihn alle blo� allein?</p><p>Er rieb den Armreif. Noal hatte ihn ihm kurz vor seinem Aufbruch geschenkt. Aus widerstandsf�higen Fasern geflochten, geh�rte er zu der Art, die Krieger in einem fernen Land trugen, hatte Noal ihm erz�hlt. Er war das Zeichen eines Mannes, der in der Schlacht gewesen war und sie �berlebt hatte.</p><p>Noal�� tot. W�rde Mat auch sterben?</p><p>Olver war schrecklich hei�, er war sehr m�de und sehr �ngstlich. Er trieb Bela an, und gl�cklicherweise gehorchte sie und trottete die Anh�he ein St�ck schneller hinauf, sodass er aufr�ckte. Die Wagen hatten sie zur�ckgelassen, dann waren sie zu einem Ort namens Verdorbenes Land aufgebrochen, wozu sie ein paar H�gel erklimmen mussten. Am Morgen hatten sie einen Pass zwischen den Bergen betreten. Obwohl es warm war, war die Luft deutlich k�hler, als sie h�her kamen. Olver st�rte das nicht. Trotzdem stank es noch immer. Nach verwesenden Leichen.</p><p>Ihre Gruppe hatte zu Anfang aus f�nfzig Soldaten und fast noch einmal halb so vielen Kutschern und Arbeitern bestanden. Dann gab es noch eine Handvoll anderer, wie er selbst, Setalle und das halbe Dutzend Leibw�chter von Lady Faile.</p><p>Bis jetzt hatten sie f�nfzehn Menschen an die Gefahren der F�ule verloren, f�nf davon waren von einem entsetzlichen drei�ugigen Etwas get�tet worden, das ihr Lager am vorigen Morgen angegriffen hatte. Er hatte Lady Faile sagen h�ren, dass sie Gl�ck gehabt hatten, bis jetzt nur f�nfzehn Leute zu verlieren, dass es viel schlimmer h�tte kommen k�nnen.</p><p>Er konnte darin kein Gl�ck erkennen. Dieser Ort war widerlich, und er wollte hier weg. Die W�ste w�rde doch nicht so schlimm wie hier sein, oder? Die M�nner und Frauen von <emphasis>Cha Faile</emphasis> benahmen sich wie Aiel. Jedenfalls ein bisschen. Vielleicht hatten sie ja genau das getan, was er beabsichtigte, hatten sich in der W�ste unterweisen lassen. Er w�rde sie das fragen m�ssen.</p><p>Er ritt noch eine weitere halbe Stunde. Dann lenkte er Bela an die Spitze der Kolonne. Lady Failes Stute mit dem gl�nzenden schwarzen Fell sah schnell aus. Warum hatte er nicht so ein Pferd bekommen k�nnen?</p><p>Faile hatte Mats Truhe hinten auf ihrem Pferd festgeschnallt. Zuerst hatte Olver das gut gefunden, denn er ging davon aus, dass Mat dringend auf den Tabak wartete. Mat klagte immer dar�ber, keinen guten Tabak zu haben. Dann hatte er geh�rt, wie Faile jemandem erkl�rte, die Truhe h�tte sich einfach dazu angeboten, ein paar ihrer Dinge zu verstauen. Hatte sie etwa den Tabak weggeworfen? Das w�rde Mat gar nicht gefallen.</p><p>Faile sah ihn an, und Olver grinste, legte so viel Selbstvertrauen hinein, wie er konnte. Sie durfte keinesfalls sehen, welche Angst er hatte.</p><p>Die meisten Frauen mochten dieses Grinsen. Er hatte es einstudiert, allerdings hatte er sich nicht Mats Grinsen zum Vorbild genommen. Mats Grinsen lie� ihn immer schuldig aussehen. Wenn man gezwungen war, sich selbst um sich zu k�mmern, dann lernte man zu l�cheln, und Olver brauchte ein Grinsen, das ihn unschuldig aussehen lie�. Und er <emphasis>war</emphasis> unschuldig. Meistens jedenfalls.</p><p>Faile erwiderte das L�cheln nicht. Trotz dieser Nase war sie eigentlich ganz erfreulich anzusehen, fand Olver. Aber sie war nicht gerade weich. Verdammte Asche, sie hatte ja einen Blick, der gutes Eisen h�tte rosten lassen.</p><p>Faile ritt zwischen Aravine und Vanin. Obwohl sie leise sprachen, konnte Olver genau verstehen, was sie sagten. Er vergewisserte sich, dass er in die andere Richtung schaute, damit sie nicht auf die Idee kam, er w�rde lauschen. Und das tat er auch nicht. Er wollte blo� dem aufgewirbelten Staub der anderen Pferde entgehen.</p><p>�Ja�, fl�sterte Vanin. �Es mag nicht den Anschein haben, aber wir sind ganz in der N�he des Verdorbenen Landes. Soll man meine Mutter verbrennen, ich kann einfach nicht glauben, dass wir dort hinreisen. Aber f�hlt Ihr die Luft? Sie wird k�lter. Seit diesem drei�ugigen Ding gestern Morgen haben wir nichts wirklich B�sartiges mehr gesehen.�</p><p>�Wir sind nahe�, stimmte Aravine ihm zu. �Bald sind wir in der N�he des Dunklen K�nigs. In einem Land, wo nichts w�chst, ob nun verdorben oder nicht, wo es kein Leben gibt, nicht einmal die gef�hrlichen Dinge aus der F�ule.�</p><p>�Ich sch�tze, das sollte tr�stlich sein.�</p><p>�Eigentlich nicht�, sagte Vanin und wischte sich die Stirn ab. �Weil das Schattengez�cht hier oben noch gef�hrlicher ist. Wenn wir �berleben, dann nur wegen des verdammten Krieges. Wenn wir Gl�ck haben, ist das Verdorbene Land, die unmittelbare Umgebung um den Shayol Ghul ausgenommen, so leer wie die Geldb�rse eines Mannes nach einem Handel mit dem Meervolk. Entschuldigt meine Ausdrucksweise, meine Lady.�</p><p>Olver sp�hte verstohlen zu dem sich n�hernden Berggipfel.</p><p><emphasis>Da lebt also der verdammte Dunkle K�nig,</emphasis> dachte er. <emphasis>Und da ist vermutlich auch Mat, und sicher nicht in Merrilor.</emphasis> Mat redete immer davon, sich von jeder Gefahr fernzuhalten, und trotzdem fand er immer den Weg hinein. Vermutlich wollte Mat blo� bescheiden sein und war einfach nicht gut darin. Warum sollte man sonst st�ndig verk�nden, kein Held sein zu wollen, um am verdammten Ende dann doch geradewegs in die Gefahr zu galoppieren?</p><p>�Und dieser Weg?�, fragte Faile Vanin. �Ihr sagtet, hier w�re vermutlich erst k�rzlich jemand vorbeigekommen. W�rde das nicht darauf hinweisen, dass dieser Ort bei Weitem nicht so verlassen ist, wie Ihr so farbig beschrieben habt?�</p><p>Vanin grunzte. �Er sieht benutzt aus.�</p><p>�Also hat jemand Wagen durch die Gegend kutschiert�, sagte Aravine. �Ich wei� nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es hier oben �berhaupt gute Zeichen gibt�, meinte Vanin. �Vielleicht sollten wir uns einfach eine Stelle in der N�he aussuchen, uns dort verschanzen und warten.� Er seufzte und wischte sich wieder die Stirn ab, obwohl Olver keinen Anlass daf�r erkennen konnte. Es wurde ganz sch�n kalt�� das war ihm nicht verborgen geblieben. Und es schien hier auch weniger Pflanzen zu geben. Das fand er gut.</p><p>Er blickte zur�ck in die Richtung der Baumgruppe, die dem armen Mann das Leben geraubt hatte. Es schienen keine mehr von ihnen in der N�he zu sein, vor allem nicht auf dem vor ihnen liegenden Weg.</p><p>�Wir k�nnen es uns nicht leisten zu warten, Vanin�, sagte Faile. �Ich will zur�ck nach Merrilor, auf die eine oder andere Weise. Der Wiedergeborene Drache wird in Thakan�dar k�mpfen. Dort m�ssen wir hin, wenn wir aus dieser vom Sch�pfer verlassenen Gegend wollen.�</p><p>Vanin st�hnte, aber Olver l�chelte. Er w�rde seinen Weg zu Mat finden und ihm zeigen, wie gef�hrlich er in der Schlacht sein konnte. Dann��</p><p>Nun, dann w�rde Mat ihn vielleicht nicht wie die anderen verlassen. Das w�rde gut sein, denn Olver w�rde seine Hilfe brauchen, um diese Shaido zu finden. Schlie�lich war er fest davon �berzeugt, dass ihn nach allem, was er bei der Bande gelernt hatte, niemand mehr w�rde herumschubsen k�nnen. Und niemand w�rde ihm jemals wieder die Menschen wegnehmen, die er liebte.</p><empty-line/><p>�Es gibt Berichte in den Archiven, die Aufschluss dar�ber geben, was wir sahen.� Cadsuane nahm ihre Tasse Tee, um sich die H�nde zu w�rmen.</p><p>Das Aiel-M�dchen Aviendha sa� auf dem Zeltboden. <emphasis>Was w�rde ich daf�r geben, sie in die Burg zu bekommen,</emphasis> dachte Cadsuane. Diese Weisen Frauen�� sie hatten richtig Biss. So wie die besten Frauen in der Wei�en Burg.</p><p>Cadsuane kam immer mehr zu dem Schluss, dass der Schatten schon seit Jahren einen komplizierten Plan verfolgt hatte, um die Wei�e Burg zu schw�chen. Das ging tiefer als Siuan Sanches ungl�ckliche Absetzung und Elaidas Herrschaft. Vielleicht w�rden Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte vergehen, bevor sie das Ausma� dieses Plans in allen Einzelheiten begriffen. Allein schon die Anzahl an Schwarzen Schwestern ��Hunderte und nicht nur die paar Dutzend, mit denen Cadsuane gerechnet hatte�� verk�ndete lautstark, was dort geschehen war.</p><p>Im Augenblick musste sie mit dem arbeiten, was ihr zur Verf�gung stand. Das schloss diese Weisen Frauen mit ein, die nur unzureichend im Umgang mit den Geweben ausgebildet waren, aber denen es niemals an Standhaftigkeit fehlte. N�tzlich. So wie Sorilea, die trotz ihrer Schw�che in der Einen Macht weiter hinten im Zelt sa� und zuh�rte.</p><p>�Ich habe ein paar Erkundigungen eingeholt, Kind�, sagte Cadsuane zu Aviendha. �Diese Frau Reist in der Tat. Aber es gibt leider nur bruchst�ckhafte Dokumente, die diese Methode erw�hnen, und sie datieren zum Krieg der Macht zur�ck.�</p><p>Aviendha runzelte die Stirn. �Ich konnte keine Gewebe sehen, Cadsuane Sedai.�</p><p>Cadsuane unterdr�ckte ein L�cheln �ber den respektvollen Ton. Der junge al�Thor hatte dem M�dchen den Befehl �bergeben�� und ehrlich gesagt war es keine schlechte Wahl, da h�tte es schlechtere gegeben. Aber nat�rlich h�tte er <emphasis>sie</emphasis> nehmen sollen, und vermutlich war das Aviendha durchaus bewusst.</p><p>�Weil die Frau nicht mit der Einen Macht gewebt hat�, erwiderte sie.</p><p>�Was sollte es denn sonst sein?�</p><p>�Wisst Ihr, warum der Dunkle K�nig urspr�nglich befreit wurde?�</p><p>Aviendha sah aus, als erinnerte sie sich an etwas. �Ah�� ja. Dann lenken sie die Macht des Dunklen K�nigs?�</p><p>�Man bezeichnet es als die Wahre Macht�, sagte Cadsuane. �Den Berichten zufolge funktioniert das Reisen mit der Wahren Macht auf die Weise, wie Ihr sie bei dieser Frau gesehen habt. Das konnten nur wenige beobachten. Im Krieg der Macht war der Dunkle K�nig ausgesprochen sparsam mit seiner Essenz, und nur engen Favoriten wurde der Zugang gew�hrt. Aus dieser Tatsache schlie�e ich, dass das definitiv eine der Verlorenen gewesen ist. Nach Eurer Beschreibung, was sie mit der armen Sarene gemacht hat, vermute ich, dass es Graendal ist.�</p><p>�Die Geschichten haben nie erw�hnt, dass Graendal so h�sslich ist�, sagte Sorilea.</p><p>�W�rt Ihr eine Verlorene, die leicht anhand ihrer Beschreibung zu erkennen ist, w�rdet Ihr Euer Erscheinungsbild nicht ver�ndern wollen, um unerkannt zu bleiben?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Sorilea. �Aber dann w�rde ich nicht diese�� Wahre Macht benutzen, wie Ihr sie nennt. Das w�rde jede Verkleidung zunichtemachen.�</p><p>�So wie Aviendha uns das beschrieben hat�, bemerkte Cadsuane, �hatte diese Frau keine gro�e Wahl. Sie musste schnell entkommen.�</p><p>Cadsuanes und Sorileas Blicke trafen sich, und beide nickten. Sie w�rden diese Verlorene jagen, sie beide.</p><p><emphasis>Ich lasse dich jetzt bestimmt nicht sterben, mein Junge,</emphasis> dachte Cadsuane und blickte �ber die Schulter zu der Stelle, an der al�Thor, Nynaeve und Moiraine mit ihrer Arbeit fortfuhren. Jede Machtlenkerin im Lager konnte dieses Pulsieren f�hlen. <emphasis>Zumindest nicht, bis du getan hast, was du tun musst.</emphasis> Cadsuane hatte damit gerechnet, dass die Verlorenen hier sein w�rden. Darum war sie an diese Front gegangen.</p><p>Der Wind r�ttelte am Zelt und lie� Cadsuane tief im Inneren fr�steln. Dieser Ort war furchtbar, selbst wenn der feindliche Ansturm f�r eine Weile nachlie�. Das Entsetzen, das hier in der Luft hing, war wie bei einem Kinderbegr�bnis. Es erstickte jedes Gel�chter, verhinderte jedes L�cheln. Der Dunkle K�nig sah zu. Beim Licht, es w�rde so sch�n sein, diesen Ort wieder zu verlassen.</p><p>Aviendha trank ihren Tee. Die Frau sah noch immer betroffen aus, obwohl sie offensichtlich schon zuvor Verb�ndete in der Schlacht verloren hatte.</p><p>�Ich lie� sie zum Sterben zur�ck�, fl�sterte sie.</p><p>�Pff!�, machte Cadsuane. �Ihr seid nicht schuld an den Taten einer der Verlorenen, Kind.�</p><p>�Ihr versteht nicht. Wir waren zu einem Zirkel verkn�pft, und sie versuchten sich davon zu befreien�� ich f�hlte sie, aber ich wusste nicht, was da geschieht. Ich hielt an ihrer Macht fest, darum konnten sie sich nicht gegen sie wehren. Ich lie� sie hilflos zur�ck.�</p><p>�Nun, dann lasst von nun an die Mitglieder Eures Zirkels eben nicht zur�ck�, sagte Cadsuane energisch. �Ihr habt nicht wissen k�nnen, was geschehen w�rde.�</p><p>�Wenn du den Verdacht hast, dass diese Frau in der N�he ist, Aviendha�, sagte Sorilea, �dann wirst du Cadsuane, mir oder Amys Bescheid geben. Es liegt keine Schande darin zuzugeben, dass ein Gegner zu stark ist, um ihm allein gegen�berzutreten. Wir werden diese Frau gemeinsam besiegen und den <emphasis>Car�a�carn</emphasis> besch�tzen.�</p><p>�Also gut�, sagte Aviendha. �Aber das Gleiche gilt auch f�r Euch. F�r euch alle.�</p><p>Sie wartete. Schlie�lich willigte Cadsuane z�gernd ein, und Sorilea schloss sich ihr an.</p><empty-line/><p>Faile hockte in einem dunklen Zelt. Jetzt, wo sie nahe bei Thakan�dar waren, war die Luft sogar noch k�lter geworden. Sie fuhr mit dem Daumen �ber den Messergriff, atmete langsam und gleichm��ig ein, um den Atem dann auf die gleiche Weise zu entlassen. Ohne zu blinzeln, starrte sie auf den Zelteingang.</p><p>Sie hatte die Truhe mit dem Horn dort so aufgestellt, dass eine Ecke in die Nacht hinausragte. Hier an der Grenze zum Verdorbenen Land f�hlte sie sich umgeben von angeblichen Verb�ndeten mehr allein als damals im Lager der Shaido.</p><p>Vor zwei N�chten war sie aus ihrem Zelt gerufen worden, um sich ein paar seltsame Spuren anzusehen, die die M�nner beunruhigten. Seit sie in die N�he des Verdorbenen Landes gekommen waren, hatten sie niemanden mehr verloren�� dieser Teil des Plans funktionierte also��, aber die Anspannung blieb dennoch hoch. Nur wenige Minuten war sie weg gewesen, aber bei ihrer R�ckkehr war die Truhe mit dem Horn ein kleines St�ck bewegt worden.</p><p>Jemand hatte versucht, sie zu �ffnen. <emphasis>Licht!</emphasis> Gl�cklicherweise hatten sie das Schloss nicht aufbrechen k�nnen, und das Horn war immer noch da gewesen, als sie danach gesehen hatte.</p><p>Jeder konnte der Verr�ter sein. Einer der Rotwaffen, ein Kutscher, ein Mitglied der <emphasis>Cha Faile</emphasis>. Die vergangenen beiden N�chte hatte Faile damit verbracht, f�r alle sichtbar besonders aufmerksam auf die Truhe achtzugeben, um den Dieb herauszufordern. Heute Abend hatte sie �ber Kopfschmerzen geklagt und Setalle einen Tee br�hen lassen, der ihr beim Einschlafen helfen sollte. Sie hatte den Tee mit ins Zelt genommen, keinen Schluck davon getrunken und wartete jetzt.</p><p>Die Ecke der Truhe w�rde deutlich sichtbar sein, wo sie doch in die Nacht hinausragte. W�rden sie es wieder versuchen? Als zus�tzliche Vorsichtsma�nahme hatte sie das Horn aus der Truhe geholt und mitgenommen, als sie dem Ruf der Natur folgte. Dann hatte sie es zwischen Steinen verborgen und bei ihrer R�ckkehr die <emphasis>Cha Faile</emphasis> zum allgemeinen Wachdienst fern von ihrem Zelt eingeteilt. Es hatte ihnen nicht gefallen, sie ungesch�tzt zur�ckzulassen, aber Faile hatte ihnen klargemacht, dass sie sich wegen der Spannungen unter den M�nnern Sorgen machte.</p><p>Das w�rde reichen. Gebe das Licht, dass es reichte.</p><p>Stunden vergingen, in denen sie in der gleichen Stellung verharrte, dazu bereit, in dem Moment aufzuspringen und Alarm zu geben, in dem jemand in ihr Zelt eindringen wollte. Sicherlich w�rden sie es heute Nacht erneut versuchen, da es ihr angeblich nicht gut ging.</p><p>Nichts. Ihre Muskeln schmerzten, aber sie bewegte sich nicht. Der Dieb konnte dort drau�en in der Dunkelheit warten. Sich fragen, ob das der richtige Augenblick zum Zuschlagen war, um sich das Horn zu schnappen und zu seinem oder ihrem Herrn zu rennen. Es��</p><p>Ein Schrei zerschnitt die Nacht.</p><p>Faile schwankte. Ein Ablenkungsman�ver?</p><p><emphasis>Dieser Schrei,</emphasis> dachte sie und versuchte die Richtung zu bestimmen, aus der er gekommen war. <emphasis>Er kam�� von direkt westlich von hier.</emphasis></p><p>Aus der N�he, wo sie das Horn versteckt hatte. Sie fluchte und traf blitzschnell eine Entscheidung. Die Truhe war leer. Falls sie den K�der schluckte und es sich wirklich nur um ein Ablenkungsman�ver handelte, w�rde sie nichts verlieren. Falls der Dieb jedoch ihre Z�ge vorausgesehen hatte�� Sie eilte aus dem Zelt, w�hrend die anderen sich hektisch aus ihrem Bettzeug befreiten. Angeh�rige der <emphasis>Cha Faile</emphasis> rannten durch das Lager. Erneut hallte der Schrei.</p><p>Begleitet wurde er von einem furchtbaren Kreischen von der Art, das sie in der Ferne verfolgt hatte.</p><p>Faile raste mitten durch ein paar d�nne, von der F�ule verdorbene B�sche. An einem Ort, wo schon ein Zweig t�ten konnte, war das mehr als nur dumm, aber sie dachte nicht klar.</p><p>Sie erreichte den Ort als Erste, die Stelle, wo sie das Horn versteckt hatte. Dort stand nicht nur Vanin, sondern auch Harnan. Vanin hielt das Horn von Valere mit seinen dicken Armen umklammert, w�hrend Harnan gegen irgendeine Bestie mit dunklem Fell k�mpfte, dabei br�llte und sein Schwert schwang.</p><p>Vanin erblickte Faile und wurde so wei� im Gesicht wie das Hemd eines Wei�mantels.</p><p>�Dieb!�, br�llte Faile. �Haltet ihn! Er hat das Horn von Valere gestohlen!�</p><p>Vanin schrie auf und warf das Horn von sich, als h�tte es ihn gebissen, dann rannte er blitzartig los. Beim Licht, er war wirklich schnell f�r seine Masse! Er schnappte sich Harnan an der Schulter und riss ihn zur Seite, w�hrend die Bestie dieses bis ins Mark gehende Heulen ausstie�.</p><p>Aus der Ferne kam eine Antwort. Faile kam rutschend zum Stehen, schnappte sich das Horn und dr�ckte es an den Leib. Diese M�nner waren keine gew�hnlichen Diebe. Nicht nur hatten sie ihren Plan durchschaut, sondern genau vorausgesehen, wo sie das Horn versteckt hatte. Sie kam sich vor wie ein Bauernm�dchen, das gerade auf das betr�gerische H�tchenspiel eines St�dters reingefallen war.</p><p>Jene, die hinter ihr angerannt kamen, blieben verbl�fft stehen, entweder durch den Anblick des Horns oder der Bestie. Die Kreatur kreischte�� sie sah aus wie ein B�r mit zu vielen Armen, aber sie war gr��er als jeder B�r, den Faile je zu Gesicht bekommen hatte. Sie taumelte zur�ck. Es blieb keine Zeit, sich um die Diebe zu k�mmern, denn das Ungeheuer warf sich auf ihre Leibw�chter. Kreischend riss es einem <emphasis>Cha Faile</emphasis> den Kopf vom Rumpf.</p><p>Faile schrie auf und schleuderte ein Messer auf das Monstrum, w�hrend Arrela mit dem Schwert auf eine seiner Schultern einhieb. Genau in diesem Augenblick kam eine <emphasis>zweite</emphasis> Kreatur direkt neben Faile �ber die Felsen gestolpert.</p><p>Fluchend machte sie einen Satz zur Seite und schleuderte ein Messer. Sie traf�� oder zumindest stie� das Ding einen Laut aus, der sich nach Schmerz und Zorn anh�rte. Als Mandevwin mit einer Fackel in der Hand angeritten kam, enth�llte das Licht, dass die schrecklichen Kreaturen Insektengesichter mit einer Unmenge Fangz�hne hatten. Failes Messer ragte aus einem vorgew�lbten Auge.</p><p>�Besch�tzt die Lady!�, rief Mandevwin und warf in der N�he stehenden Rotwaffen Speere zu, die damit auf das erste Ungeheuer losgingen und es von Arrela vertrieben, die blutend zur�ckstolperte. Aber die Frau hatte ihr Schwert nicht verloren.</p><p>Faile fiel zur�ck, w�hrend sich <emphasis>Cha Faile</emphasis> um sie herum formierte, dann schaute sie auf den Gegenstand in ihren H�nden. Das Horn von Valere, aus dem Beutel genommen, in dem sie es versteckt hatte. Sie konnte es ert�nen lassen��</p><p><emphasis>Nein! Es ist an Cauthon gebunden.</emphasis> F�r sie w�rde es blo� ein ganz gew�hnliches Horn sein.</p><p>�Ganz ruhig!�, befahl Mandevwin und lie� sein Schlachtross zur�ckt�nzeln, als eine der Kreaturen darauf losging. �Verdin, Laandon, wir brauchen mehr Speere! Geht! Die Ungeheuer k�mpfen wie Eber. Lockt sie heran und durchbohrt sie!�</p><p>Die Taktik funktionierte bei einem der Schrecken, aber der andere warf sich wieder auf Mandevwin und erwischte sein Pferd am Hals. Dabei stie� die Bestie die Soldaten zur Seite, die zustechen wollten, und Mandevwin krachte st�hnend zu Boden.</p><p>Das Horn noch immer fest an den Leib gedr�ckt, eilte Faile an der Stelle vorbei, wo eine Gruppe Rotwaffen die andere Bestie gerade erfolgreich durchbohrt hatte. Sie schnappte sich eine frisch entz�ndete Fackel und schleuderte sie auf das andere Ungeheuer, setzte sein Fell in Brand. Das Ding br�llte auf, als das Feuer seinen R�cken hinaufstieg, denn das Fell brannte wie Zunder. Es lie� Mandevwins Pferd mit seinem fast abgerissenen Kopf fallen und schlug kreischend und heulend um sich.</p><p>�Nehmt die Verletzten!�, befahl Faile. Sie packte ein Mitglied der Bande am Arm. �K�mmert Euch um Mandevwin!�</p><p>Der Mann starrte mit weit aufgerissenen Augen auf das Horn in ihrem Arm, dann sch�ttelte er sich und nickte, rief zwei andere M�nner herbei, die ihm helfen sollten, den Offizier aufzuheben.</p><p>�Meine Lady?�, fragte Aravine, die in der N�he der B�sche stand. �Was geschieht denn hier?�</p><p>�Zwei Rotwaffen wollten stehlen, was ich bef�rdere�, sagte Faile. �Und jetzt reiten wir in die Nacht hinein.�</p><p>�Aber���</p><p>�H�rt doch!�, sagte Faile und zeigte in die Dunkelheit.</p><p>In der Ferne ert�nte ein Dutzend verschiedener Kreischlaute, die den Schreien der sterbenden Bestie antworteten.</p><p>�Die Schreie locken weitere Schrecken an, genau wie der Geruch von vergossenem Blut. Wir gehen. Wenn wir heute Nacht weit genug in das Verdorbene Land hineinkommen, k�nnten wir in Sicherheit sein. Weckt das Lager, und schafft die Verletzten auf Pferde. Jeder soll sich auf einen schnellen Gewaltmarsch einstellen. Rasch!�</p><p>Aravine nickte und eilte los. Faile er�brigte einen Blick in die Richtung, die Harnan und Vanin genommen hatten. Sie versp�rte das gro�e Verlangen, beide M�nner zur Strecke zu bringen, aber um sie in der Nacht zu verfolgen, w�rden sie sich langsam bewegen m�ssen, und das w�rde den Tod bedeuten. Davon abgesehen, wer vermochte schon zu sagen, welche M�glichkeiten zwei Schattenfreunden zur Verf�gung standen?</p><p>Sie w�rden fliehen. Und Faile hoffte beim Licht, dass man sie nicht noch mehr get�uscht hatte, als es jetzt den Anschein hatte. Sollte Vanin irgendwie dazu in der Lage gewesen sein, ein Duplikat des Horns herzustellen, das er dann passenderweise bei der Flucht fallen lie�, damit sie es �retten� konnte��</p><p>Sie w�rde es niemals wissen. Sie w�rde mit einem falschen Horn zur Letzten Schlacht kommen und sie vielleicht alle zum Untergang verurteilen. Diese M�glichkeit setzte ihr schwer zu, w�hrend die Leute der Karawane in die Dunkelheit eilten und Licht und Gl�ck beschworen, den Gefahren der Nacht zu entkommen.</p></section><section><title><p>36</p><p>Dinge, die sich nicht �ndern lassen</p></title><p>Mit Rand stimmte etwas nicht.</p><p>Nynaeve klammerte sich an den Stalagmiten tief im Krater des Verderbens, um nicht vom Wind in das Nichts vor ihr gezogen zu werden. Moiraine hatte diese seltsame Leere als die Essenz des Dunklen K�nigs bezeichnet, aber musste es sich dann nicht dabei um die Wahre Macht handeln? Und ihr kam ein noch schlimmerer Gedanke. Wenn sich seine Essenz in dieser Welt befand, bedeutete das denn nicht, dass er sich bereits befreit hatte? Was auch immer es war, es verk�rperte das personifizierte B�se, und es erf�llte Nynaeve mit einem Entsetzen, wie sie es noch nie zuvor in ihrem Leben versp�rt hatte.</p><p>Das schwarze Nichts zog mit gro�er Kraft und riss alles in seiner N�he in sich hinein. Sollte Nynaeve den Stein loslassen, bef�rchtete sie, einfach hineingezogen zu werden. Es hatte bereits ihre Stola gestohlen und verschwinden lassen. Sollte sie dieses Nichts verschlingen, w�rde ihr Leben enden. Vielleicht sogar ihre Seele.</p><p><emphasis>Rand!,</emphasis> dachte Nynaeve. Konnte sie ihm irgendwie helfen? Er stand vor Moridin, Schwert ber�hrte Schwert. Erstarrt, als w�re er in einem Augenblick gefangen. Sein Gesicht war schwei��berstr�mt. Er sprach nicht. Er blinzelte nicht einmal.</p><p>Sein Fu� hatte die Dunkelheit ber�hrt. In diesem Moment war er erstarrt und Moridin mit ihm. Sie waren wie Statuen. Um sie herum heulte der Wind, schien aber keinen Einfluss auf sie zu haben. Nicht wie auf Nynaeve. Seit gut f�nfzehn Minuten standen sie so reglos da.</p><p>Seit ihre Gruppe die H�hle betreten hatte, um dem Dunklen K�nig gegen�berzutreten, war noch keine Stunde vergangen.</p><p>Nynaeve sah zu, wie Steine �ber den Boden rollten und in diese Schw�rze gezogen wurden. Ihre Kleidung flatterte wie von einem starken Wind erfasst, genau wie bei Moiraine, die sich in der N�he ebenfalls an einem Stalagmiten festhielt. Gl�cklicherweise wurde der scheu�liche Schwefelgestank, der die H�hle erf�llt hatte, ebenfalls in das schwarze Nichts gezogen.</p><p>Sie konnte die Eine Macht nicht benutzen. Rand zog alles davon in sich hinein, die ganze Menge, die sie aufzunehmen f�hig war. Aber er schien nichts damit zu machen. Konnte sie Moridin erreichen? Er schien sich nicht bewegen zu k�nnen. Was, wenn sie ihm mit einem Stein gegen den Kopf schlug? Es w�rde besser sein, als hier herumzustehen und nichts zu tun.</p><p>Vorsichtig lockerte Nynaeve den Griff um den Stalagmiten, um zu ergr�nden, wie weit ihr Gewicht gegen die Anziehungskraft aus dem Nichts ank�mpfen konnte. Augenblicklich rutschte sie nach vorn und klammerte sich sofort wieder fest.</p><p><emphasis>Auf keinen Fall verbringe ich die Letzte Schlacht damit, mich an einen Stein zu klammern! Zumindest nicht an denselben.</emphasis> Sie musste es riskieren. Sich auf geradem Weg nach vorn zu bewegen erschien zu gef�hrlich, aber wenn sie eine seitliche Richtung einschlug�� ja, rechts von ihr ragte ein weiterer Stalagmit in die H�he. Nachdem sie den Stein losgelassen hatte, gelang es ihr, sich in einer Mischung aus Rutschen und Laufen zu dem anderen Stalagmiten vorzuarbeiten. Dort w�hlte sie den n�chsten aus, lie� vorsichtig los und schlang die Arme um den neuen Halt.</p><p>Sie kam nur ganz langsam voran. <emphasis>Rand, du wollk�pfiger Narr,</emphasis> dachte sie. H�tte er sie oder Moiraine den Zirkel f�hren lassen, dann h�tten sie vielleicht etwas unternehmen k�nnen, w�hrend er k�mpfte!</p><p>Sie erreichte den n�chsten Stalagmiten und hielt inne, als sie rechts von sich etwas sah. Beinahe h�tte sie aufgeschrien. Dort <emphasis>kauerte</emphasis> eine Frau an der Wand, vom Felsen vor dem Wind gesch�tzt. Sie schien zu weinen.</p><p>Nynaeve warf einen Blick auf Rand, der noch immer mit Moridin erstarrt war, dann n�herte sie sich der Frau. Hier befanden sich mehr Stalagmiten, was bedeutete, dass sie weniger gef�hrdet kriechen konnte, da der Stein den Sog des Nichts abschw�chte.</p><p>Nynaeve erreichte die Frau. Sie war an die Wand gekettet. �Alanna?�, �bert�nte Nynaeve den Wind. �Beim Licht, was macht Ihr denn hier?�</p><p>Die Aes Sedai blinzelte mit ger�teten Augen in Nynaeves Richtung. Ihre Augen starrten ausdruckslos, als w�re sie nicht bei Verstand. Dann fiel Nynaeve auf, dass Alannas ganze linke Seite von einer Messerwunde im Bauch blutgetr�nkt war. Licht! Das h�tte ihr eigentlich bereits die totenblasse Haut der Frau verraten m�ssen.</p><p>Warum auf sie einstechen und sie dann hier zur�cklassen? Aber dann wurde es Nynaeve schlagartig bewusst. <emphasis>Sie teilt mit Rand den Bund. O beim Licht!</emphasis> Es war eine Falle. Moridin hatte sie blutend zur�ckgelassen und sich dann Rand entgegengestellt. Wenn Alanna starb, w�rde Rand als ihr Beh�ter in blindw�tigen Zorn verfallen, und Moridin w�rde ihn m�helos t�ten k�nnen.</p><p>Warum war ihm das denn nicht aufgefallen? Nynaeve suchte in ihren G�rteltaschen nach Kr�utern, dann hielt sie inne. Konnten Kr�uter in diesem Zustand �berhaupt noch etwas ausrichten? Um eine solche Wunde Heilen zu k�nnen, brauchte sie die Eine Macht. Nynaeve riss die Kleidung der Frau auseinander, machte einen provisorischen Verband und versuchte <emphasis>Saidar</emphasis> in sich zu ziehen, um sie zu Heilen.</p><p>Rand hielt es fest und lie� auch nicht los. Hektisch versuchte sie ihn wegzusto�en, aber er hielt eisern fest. Dann noch fester, als sie sich gegen ihn stemmte. Irgendwie schien er doch die Macht zu lenken, aber sie konnte keine Gewebe sehen. Zwar f�hlte sie irgendetwas, aber mit dem heulenden Wind und der seltsamen Natur des einst durch die Bohrung verursachten Kraters im Gef�ge der Welt kam es ihr so vor, als st�nde sie mitten in einem Wirbelsturm. Die Macht war damit irgendwie verbunden.</p><p>Verflucht! Sie brauchte <emphasis>Saidar</emphasis>! Es war nicht Rands Fehler. Er konnte ihr nun einmal keine Macht �berlassen, solange er den Zirkel leitete.</p><p>Nynaeve dr�ckte die Hand gegen Alannas Wunde und kam sich v�llig hilflos vor. Wagte sie es, Rand zuzurufen, sie aus dem Zirkel zu entlassen? Falls sie das tat, w�rde sich Moridin zweifellos gegen sie wenden und Alanna angreifen.</p><p>Was sollte sie nur tun? In dem Moment, in dem diese Frau starb, w�rde Rand die Kontrolle verlieren. Das bedeutete h�chstwahrscheinlich sein Ende�� und das der Letzten Schlacht.</p><empty-line/><p>Mat hackte mit der Axt auf ein Holzst�ck ein, um es anzuspitzen. �Seht ihr�, sagte er, �das muss nicht aufwendig sein. Spart euch eure Schnitzk�nste, um die Tochter des B�rgermeisters zu beeindrucken.�</p><p>Die M�nner und Frauen ringsum nickten mit grimmiger Entschlossenheit. Sie waren Bauern, D�rfler und Handwerker, genau wie die Menschen, die er in den Zwei Fl�ssen gekannt hatte. Tausende von ihnen standen unter seinem Befehl. Nie h�tte er gedacht, dass so viele von ihnen da sein w�rden. Die guten Menschen dieses Landes waren gekommen, um zu k�mpfen.</p><p>Mat hielt sie alle f�r verr�ckt. H�tte er entkommen k�nnen, dann h�tte er sich irgendwo in einem Keller versteckt. Verflucht, er h�tte es auf jeden Fall versucht.</p><p>In seinem Kopf ratterten diese W�rfel, wie sie es seit dem Augenblick getan hatten, in dem Egwene ihm den Oberbefehl �ber die Heere des Lichts �bergeben hatte. Ein verdammter <emphasis>Ta�veren</emphasis> zu sein war keine zwei Kupferm�nzen wert.</p><p>Er hackte weiter und spitzte seinen Pfahl f�r die Palisaden zu. Ein Bursche sah ihm ganz besonders genau auf die Finger, ein alter Bauer mit so ledriger Haut, dass die Schwerter der Trollocs vermutlich einfach daran abprallen w�rden. Aus irgendeinem Grund kam er Mat bekannt vor.</p><p><emphasis>Soll man diese Erinnerungen doch zu Asche verbrennen,</emphasis> dachte er. Zweifellos �hnelte der Bursche jemandem aus diesen uralten Erinnerungen, die man in seinen Kopf gepflanzt hatte. Ja, das musste es sein. Er konnte sich nur nicht ganz genau erinnern. Ein�� Karren? Ein Blasser?</p><p>�Kommt schon, Renald�, sagte der Bursche zu einem seiner Gef�hrten�� ebenfalls ein Bauer aus den Grenzlanden, so wie er aussah. �Gehen wir ein St�ck die Reihe entlang und sehen, ob wir die anderen Jungs antreiben k�nnen.�</p><p>Die beiden gingen los, w�hrend Mat seinen Pfahl fertigstellte und sich dann die Stirn abwischte. Er griff nach dem n�chsten Pfahl�� besser, er gab diesen Schafhirten eine weitere Demonstration��, als eine in einen <emphasis>Cadin�sor</emphasis> gekleidete Gestalt die fast fertige Palisade entlanggelaufen kam.</p><p>Urien hatte hellrotes Haar, das bis auf einen Zopf im Nacken kurz geschnitten war. Er winkte Mat zu, als er vorbeilief. �Sie sind aufgeregt, Matrim Cauthon�, sagte er, ohne stehen zu bleiben. �Ich glaube, sie kommen in diese Richtung.�</p><p>�Danke�, rief Mat. �Ich schulde Euch etwas.�</p><p>Der Aiel drehte sich im Laufen um, trabte eine Sekunde lang zur�ck und sah Mat an. �Gewinnt einfach diese Schlacht! Ich habe einen Schlauch <emphasis>Oosquai</emphasis> auf Euren Erfolg gesetzt.�</p><p>Mat schnaubte. Das Einzige, das noch beunruhigender als ein stoischer Aiel war, war ein l�chelnder. Eine Wette? Auf den Ausgang dieser Schlacht? Was f�r eine Wette sollte das denn sein? Wenn sie verloren, w�rde niemand lange genug leben, um sie einzul�sen��</p><p>Mat runzelte die Stirn. Eigentlich war das sogar eine sehr schlaue Wette. �Wen habt Ihr f�r diese Wette gefunden?�, rief Mat. �Urien?� Aber der Mann war bereits zu weit weg, um es zu h�ren.</p><p>Mat murrte, aber dann dr�ckte er die Axt einem der Umstehenden in die Hand. Es war eine schlanke tairenische Frau. �F�hrt die Arbeiten fort, Cynd.�</p><p>�Ja, Lord Cauthon.�</p><p>�Ich bin kein verfluchter Lord�, sagte Mat wie gewohnt, als er den <emphasis>Ashandarei</emphasis> nahm. Er ging ein St�ck weg, dann drehte er sich um, um die im Bau befindliche Palisade zu betrachten, und erblickte eine Handvoll Totenw�chter, die die Reihe der Arbeiter entlanggingen. Wie W�lfe unter Schafen. Er eilte weiter.</p><p>Seinen Heeren blieb nicht mehr viel Zeit zur Vorbereitung. Wegetore hatten ihnen einen Vorsprung vor den Trollocs verschafft, aber sie waren nicht entkommen. Licht, es gab kein Entkommen. Aber Mat hatte sich sein Schlachtfeld aussuchen k�nnen, und dieses Merrilor bot beste Voraussetzungen.</p><p><emphasis>Als w�rde man sich seine eigene Grabst�tte aussuchen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Sicher, lieber w�rde ich so eine Wahl gar nicht erst treffen m�ssen.</emphasis></p><p>Die Palisade erhob sich vor den W�ldern im Osten des Feldes. Es blieb nicht genug Zeit, das ganze Gebiet mit einer Palisade abzuteilen oder zu umgeben, davon abgesehen w�rde das sowieso nicht viel Sinn machen. Mit den sharanischen Machtlenkern konnte der Schatten Mauern zerfetzen wie ein Schwert ein St�ck Seide. Aber eine Palisade mit Laufg�ngen w�rde den Bogensch�tzen eine erh�hte Stellung geben, um die Tiermenschen zu beschie�en.</p><p>Hier hatte Mat zwei Fl�sse zur Verf�gung. Der Mora floss zwischen Dasharfels und Polov-Anh�he nach S�dwesten. Das S�dufer befand sich in Shienar, das Nordufer in Arafel. Der Fluss m�ndete in den Erinin, der auf seinem Weg nach Westen am S�drand des Feldes von Merrilor vorbeistr�mte.</p><p>Diese Fl�sse w�rden besser als jede Mauer dienen, insbesondere jetzt, da Mat die n�tigen Ressourcen hatte, um sie vern�nftig verteidigen zu k�nnen. Nun, wenn man es als Ressourcen bezeichnen wollte. Die H�lfte seiner Soldaten war so frisch wie Fr�hlingsgras, und die andere H�lfte hatte sich kaum eine Woche zuvor so gut wie zu Tode gek�mpft. Die Grenzl�nder hatten zwei von drei M�nnern verloren�� Licht, zwei von <emphasis>dreien</emphasis>. Jede weniger entschlossene Truppe h�tte sich aufgel�st.</p><p>Wenn er alle mit einrechnete, w�rde er bei der Ankunft dieser Trollocs vier zu eins unterlegen sein, jedenfalls wenn die Berichte der F�uste des Himmels stimmten. Es w�rde eine h�ssliche Angelegenheit werden.</p><p>Mat zog den Hut tiefer in die Stirn, dann kratzte er sich neben der neuen Augenklappe, die Tuon ihm gegeben hatte. Rotes Leder. Sie gefiel ihm.</p><p>�Also so nicht�, sagte er, als er an ein paar neuen Rekruten der Burgwache vorbeikam. Sie �bten mit Bauernspie�en�� Speerspitzen f�r ihre Enden wurden im Augenblick noch geschmiedet. Die M�nner sahen aus, als w�rden sie eher sich selbst verletzen als den Feind.</p><p>Mat dr�ckte einem Mann den <emphasis>Ashandarei</emphasis> in die Hand, dann nahm er einem anderen den Spie� ab, w�hrend der erste hastig salutierte. Die meisten dieser M�nner waren nicht alt genug, um sich mehr als einmal im Monat rasieren zu m�ssen. Wenn der Junge, dessen Stab er genommen hatte, auch nur einen Tag �lter als f�nfzehn war, w�rde er seine Stiefel fressen. Er w�rde sie nicht einmal vorher kochen!</p><p>�Ihr d�rft nicht jedes Mal zusammenzucken, wenn der Stab etwas trifft!�, sagte Mat. �Schlie�t auf dem Schlachtfeld die Augen, und ihr seid tot. Habt ihr denn beim letzten Mal nicht aufgepasst?�</p><p>Mat hielt den Spie� in die H�he, zeigte ihnen, wo sie ihn anzufassen hatten, dann ging er mit ihnen die Abwehrhaltung durch, die ihm sein Vater gezeigt hatte, als er noch jung genug gewesen war, um zu glauben, dass k�mpfen m�glicherweise Spa� machen w�rde. Er arbeitete, bis er schwitzte, schlug nacheinander auf jeden der neuen Rekruten ein und zwang sie, seine Hiebe abzublocken.</p><p>�Ich will verflucht sein, aber ihr werdet das kapieren�, verk�ndete Mat laut. �Eigentlich sollte es mir egal sein, da ihr alle so viel Verstand wie ein Baumstumpf zu haben scheint, aber wenn ihr euch umbringen lasst, werden eure M�tter von mir erwarten, dass ich ihnen Nachricht gebe. Nat�rlich werde ich das nicht tun. Aber m�glicherweise f�hle ich mich dann zwischen zwei W�rfelpartien etwas schuldig, und ich hasse es, mich schuldig zu f�hlen, also passt gef�lligst auf!�</p><p>�Lord Cauthon?�, sagte der Junge, der ihm seinen Stab �berlassen hatte.</p><p>�Ich bin kein��� Er verstummte. �Also gut, was ist?�</p><p>�K�nnen wir nicht einfach stattdessen Unterricht im Schwertkampf bekommen?�</p><p>�Beim Licht!�, sagte Mat. �Wie hei�t Ihr?�</p><p>�Sigmont, Herr.�</p><p>�Nun, Sigmont, was glaubt Ihr, wie viel Zeit wir haben? Vielleicht k�nntet Ihr ja r�ber zu den Schattenlords und dem Schattengez�cht gehen und sie bitten, mir noch ein paar Monate Zeit zu geben, damit ich euch alle vern�nftig ausbilden kann.�</p><p>Sigmont err�tete, und Mat gab ihm seinen Stab zur�ck. <emphasis>Stadtjungen</emphasis>. Er seufzte. �Seht mal, ich will doch nur, dass ihr euch verteidigen k�nnt. Ich habe nicht die n�tige Zeit, um euch zu gro�en Kriegern zu machen, aber ich <emphasis>kann</emphasis> euch beibringen, wie man zusammenarbeitet, eine Formation h�lt und nicht zur�ckweicht, wenn die Trollocs kommen. Das wird euch weiterbringen als jede affige Fechtkunst, vertraut mir.�</p><p>Die Jungen nickten z�gernd.</p><p>��bt weiter�, sagte Mat, wischte sich die Stirn ab und warf einen Blick �ber die Schulter. Verfluchte Asche! Die Totenw�chter kamen in seine Richtung.</p><p>Er schnappte sich seinen <emphasis>Ashandarei</emphasis> und eilte los, dann flitzte er um ein Zelt herum, nur um beinahe in eine Gruppe Aes Sedai zu stolpern, die ihm auf dem Pfad entgegenkamen.</p><p>�Mat?�, fragte Egwene aus der Mitte der Gruppe. �Alles in Ordnung?�</p><p>�Sie verfolgen mich verdammt noch mal�, erwiderte er und warf einen Blick um die Zeltecke.</p><p>�Wer verfolgt dich?�</p><p>�Totenw�chter. Ich sollte schon l�ngst wieder in Tuons Zelt sein.�</p><p>Egwene machte eine Geste, was die anderen Frauen weitereilen lie�. Nur ihre Schatten ��Gawyn und diese Seanchanerin�� blieben an ihrer Seite. �Mat�, sagte Egwene in einem m�hsam beherrschten Tonfall, �ich bin froh, dass du endlich Vernunft annimmst und das seanchanische Lager verl�sst, aber h�ttest du nicht bis nach der Schlacht damit warten k�nnen?�</p><p>�Tut mir leid�, sagte er und h�rte blo� mit einem Ohr zu. �K�nnen wir zum Aes-Sedai-Quartier gehen? Dorthin werden sie mir nicht folgen.� Vielleicht nicht. Falls alle Totenw�chter wie Karede waren, w�rden sie es vielleicht doch. Karede w�rde noch einem von einer Klippe st�rzenden Mann hinterherspringen, um ihn doch noch zu erwischen.</p><p>Egwene schlug die entgegengesetzte Richtung ein und schien mit ihm sehr unzufrieden zu sein. Wie schafften es Aes Sedai nur, nicht das geringste Gef�hl zu zeigen, aber einen Mann dabei wissen zu lassen, dass sie sein Verhalten missbilligten? Wenn er so dar�ber nachdachte, w�rde eine Aes Sedai dem Mann vermutlich ebenfalls von der Klippe folgen, nur um ihm ��in allen Einzelheiten�� zu erkl�ren, was er alles falsch machte, wenn er sich auf diese Weise selbst umbrachte.</p><p>�Wir werden eine M�glichkeit finden m�ssen, Fortuona zu erkl�ren, warum du geflohen bist�, sagte Egwene, als sie sich dem Aes-Sedai-Quartier n�herten. Mat hatte es so weit wie m�glich von dem der Seanchaner aufgeschlagen, wie es noch zu vertreten war. �Diese Ehe wird ein Problem werden. Ich schlage vor, dass du���</p><p>�Moment, Egwene�, sagte er. �Wovon sprichst du da eigentlich?�</p><p>�Du bist auf der Flucht vor den seanchanischen W�chtern�, sagte Egwene. �Hast du nicht zugeh�rt�� Nat�rlich nicht. Es ist gut zu wissen, dass die Welt zwar untergeht, sich aber ein paar Dinge niemals �ndern. <emphasis>Cuendillar</emphasis> und Mat Cauthon.�</p><p>�Ich laufe vor ihnen weg�, sagte Mat mit einem Blick �ber die Schulter, �weil Tuon will, dass ich zu Gericht sitze. Jedes Mal, wenn ein Soldat wegen einem Verbrechen die Gnade der Kaiserin anruft, bin ich derjenige, der sich seinen verfluchten Fall anh�ren soll!�</p><p>�Du sprichst ein Urteil?�, fragte Egwene.</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Mat. �Viel zu viel Arbeit, wenn du mich fragst. Ich gehe schon den ganzen Tag W�chtern aus dem Weg, um mir etwas Zeit f�r mich selbst zu stehlen.�</p><p>�Ein kleines bisschen ehrliche Arbeit w�rde dich nicht umbringen, Mat.�</p><p>�Also wirklich, du wei�t, dass das nicht stimmt. Soldat zu sein ist ehrliche Arbeit, und sie bringt verdammt noch mal dauernd M�nner um.�</p><p>Gawyn Trakand �bte sich anscheinend die ganze Zeit darin, irgendwann eine Aes Sedai zu werden, denn er warf Mat st�ndig Blicke zu, die Moiraine mit Stolz erf�llt h�tten. Nun, wenn es ihm Spa� machte. Gawyn war ein Prinz. Er war dazu erzogen worden, Urteile zu verk�nden und dergleichen mehr. Vermutlich schickte er jeden Tag in der Mittagspause ein paar M�nner an den Galgen, blo� um in �bung zu bleiben.</p><p>Aber er�� er w�rde niemanden zur Hinrichtung schicken, und dabei blieb es. Sie passierten eine Gruppe Aiel, die sich im Kampf �bten. Hatte es Urien so eilig gehabt, um zu ihnen zu kommen? Sobald sie an ihnen vorbei waren�� Mat dr�ngte die anderen zur Eile, damit die Seanchaner sie nicht einholen w�rden��, trat er n�her an Egwene heran.</p><p>�Hast du es schon gefunden?�, fragte er leise.</p><p>�Nein�, antwortete Egwene mit starr nach vorn gerichtetem Blick.</p><p>Unn�tig zu erw�hnen, was <emphasis>es</emphasis> war. �Wie konntest du das Ding blo� verlieren? Nach der ganzen verdammten M�he, die wir hatten, um es zu finden?�</p><p>�Wir? So wie ich die Geschichte kenne, hatten Rand, Loial und die Grenzl�nder doch wohl eher die M�he, es zu finden, als du.�</p><p>�Ich war da�, entgegnete Mat. �Ich bin durch den ganzen verdammten Kontinent geritten, oder etwa nicht? Soll man mich doch zu Asche verbrennen, erst Rand, jetzt du. Wird denn jeder wegen dieser Tage auf mir herumhacken? Gawyn, wollt Ihr auch?�</p><p>�Ja, bitte.� Er klang begierig.</p><p>�Haltet den Mund�, sagte Mat. �Anscheinend kann sich au�er mir keiner mehr genau daran erinnern. Ich bin wie ein Verr�ckter hinter dem verdammten Horn hergejagt. Und ich war es, wenn ich das erw�hnen darf, der in das Ding blies, damit ihr alle aus Falme entkommen konntet.�</p><p>�Ist das deine Erinnerung?�, wollte Egwene wissen.</p><p>�Sicher�, sagte Mat. �Ich meine, gut, da sind ein paar L�cken, aber das meiste habe ich mir zusammengereimt.�</p><p>�Und der Dolch?�</p><p>�Das alte Ding? Kaum der Aufmerksamkeit wert.� Er griff nach der Seite, wo er ihn einst getragen hatte, hielt aber mitten in der Bewegung inne. Egwene sah ihn mit erhobener Braue an. �Aber darum geht es hier nicht. Wir brauchen das verfluchte Horn, Egwene. Wir brauchen es.�</p><p>�Wir suchen danach, obwohl wir nicht genau wissen, was geschehen ist. Es gab den Nachklang von Reisen, aber es ist einige Zeit vergangen, und�� Beim Licht, Mat. Wir versuchen es. Ich verspreche es. Es ist nicht das Einzige, das uns der Schatten in letzter Zeit stahl���</p><p>Er sah sie fragend an, aber sie sagte nicht mehr dazu. Verfluchte Aes Sedai. �Hat jemand Perrin gesehen?�, fragte er. �Ich will nicht derjenige sein, der ihm sagen muss, dass seine Frau verschwunden ist.�</p><p>�Keiner hat ihn gesehen�, sagte Egwene. �Ich nehme an, er ist damit besch�ftigt, Rand zu helfen.�</p><p>�Pff�, machte Mat. �Kannst du mir ein Wegetor nach oben auf den Fels machen?�</p><p>�Ich dachte, du wolltest in mein Lager.�</p><p>�Das liegt auf dem Weg.� Nun, mehr oder weniger. �Und die Totenw�chter werden nicht damit rechnen. Verflucht, Egwene, ich glaube, sie haben geahnt, wo wir hinwollen.�</p><p>Egwene dachte kurz nach, dann �ffnete sie ein Tor zum Reisegel�nde oben auf dem Dasharfels. Sie traten hindurch.</p><p>Mehr als ein H�gel und weniger als ein Berg ragte der Dasharfels ungef�hr in der Mitte des Schlachtfelds gut hundert Fu� in die H�he. Die Felsformation war nicht zu erklimmen, und Wegetore waren die einzige M�glichkeit, auf die Oberseite zu kommen. Von dort w�rden Mat und seine Befehlshaber die ganze Schlacht verfolgen k�nnen.</p><p>�Ich habe noch keinen Menschen getroffen�, sagte Egwene zu ihm, �der so viel M�he auf sich nimmt, um harter Arbeit aus dem Weg zu gehen, Matrim Cauthon.�</p><p>�Du hast nicht genug Zeit mit Soldaten verbracht.� Mat winkte den M�nnern zu, die ihm salutierten, als er das Reisegel�nde verlie�.</p><p>Er blickte nach Norden zum Fluss Mora und dar�ber hinweg nach Arafel. Dann nach Nordosten, zu den Ruinen, die einst ein Fort oder Wachturm gewesen waren. Nach Osten, zu der sich erhebenden Palisade und dem Wald. Er drehte sich weiter, nach S�den, um auf den Erinin in der Ferne zu blicken und den seltsamen kleinen Hain riesiger B�ume, vor denen Loial so gro�e Ehrfurcht hatte. Angeblich hatte Rand sie w�hrend der Versammlung wachsen lassen, auf der der Vertrag unterzeichnet worden war. Mat blickte weiter nach S�dwesten auf die einzige gute Furt �ber den Mora, der die Einheimischen, die diese Gegend erschlossen hatten, den Namen Hawalfurt gegeben hatten; jenseits der Furt lag ein gro�es Moor.</p><p>Im Westen erhob sich auf der anderen Seite des Mora die Polov-Anh�he�� ein vierzig Fu� hohes Plateau mit einem Steilhang im Osten und sanft abfallenden H�ngen auf den anderen drei Seiten. Zwischen dem Fu� des s�dwestlichen Hangs und dem Moor lag ein ungef�hr zweihundert Schritte breiter Korridor, der von Reisenden ausgetreten war, die die Furt benutzten, um von Arafel nach Shienar zu gelangen. Mat konnte diese Besonderheiten des Gel�ndes zu seinem Vorteil nutzen. Er konnte sie alle benutzen. Aber w�rde das reichen? Er konnte f�hlen, wie in seinem Inneren etwas an ihm zog, ihn nach Norden lockte. Rand w�rde ihn bald brauchen.</p><p>Er drehte sich um und wollte sofort aufbrechen, als jemand auf ihn zukam, aber es war kein Totenw�chter. Blo� der ledergesichtige Jur Grady.</p><p>�Ich habe Euch diese Soldaten geholt�, sagte Grady und zeigte in die Richtung. Mat konnte eine kleine Streitmacht durch ein Wegetor auf dem Reisegel�nde in der N�he der Palisade kommen sehen. Hundert M�nner der Bande, die von Delarn angef�hrt wurden und eine blutrote Flagge schwangen. Die Rotwaffen wurden von ungef�hr f�nfhundert Leuten in abgetragener Kleidung begleitet.</p><p>�Was sollte das eigentlich?�, fragte Grady. �Ihr habt diese hundert Soldaten in ein Dorf im S�den geschickt, um zu rekrutieren, nehme ich an?�</p><p>Das und mehr. <emphasis>Ich habe dein Leben gerettet,</emphasis> dachte Mat und versuchte Delarn in der Gruppe auszumachen. <emphasis>Und dann meldest du dich hierf�r freiwillig. Verfluchter Narr.</emphasis> Delarn benahm sich, als w�re das sein Schicksal.</p><p>�Schafft sie flussaufw�rts�, befahl er. �Die Karten zeigen dort die einzige gute Stelle, um den Mora zu blockieren, eine schmale Schlucht etliche Meilen nord�stlich von hier.�</p><p>�Also gut�, sagte Grady. �Es werden feindliche Machtlenker kommen.�</p><p>�Ihr werdet Euch um sie k�mmern m�ssen�, sagte Mat. �Aber haupts�chlich will ich, dass Ihr diese sechshundert M�nner und Frauen den Fluss verteidigen lasst. Geht keine zu gro�en Risiken ein. Lasst Delarn und seine Leute die Arbeit machen.�</p><p>�Verzeiht mir�, sagte Grady. �Aber das kommt mir nicht gerade wie eine gro�e Streitmacht vor. Die meisten von ihnen sind keine ausgebildeten Soldaten.�</p><p>�Ich wei�, was ich tue�, erwiderte Mat. <emphasis>Ich hoffe es zumindest.</emphasis></p><p>Grady nickte z�gernd und ging.</p><p>Egwene sah Mat neugierig an.</p><p>�Von diesem Kampf k�nnen wir uns nicht zur�ckziehen�, sagte er leise. �Kein R�ckzug. Es gibt keinen Ort, an den wir gehen k�nnten. Wir leisten hier Widerstand, oder wir verlieren alles.�</p><p>�Es gibt <emphasis>immer</emphasis> einen R�ckzugsort�, sagte Egwene.</p><p>�Nein�, erwiderte Mat. �Nicht mehr.� Er legte den <emphasis>Ashandarei</emphasis> auf die Schulter und streckte die andere Hand mit nach oben abgewinkelter Handfl�che aus. Er musterte die Landschaft, und Erinnerungen stiegen wie aus Licht und Staub in ihm auf. Rion am Berg Hune. Naath und der San d�ma Shadar. Der Fall von Pipkin. Hunderte und Aberhunderte von Schlachtfeldern, Hunderte Siege. Tausende Tote.</p><p>�berall auf dem Feld sah Mat Bruchst�cke von Erinnerungsbildern aufblitzen. �Hast du mit den Nachschubmeistern gesprochen? Wir haben nichts mehr zu essen, Egwene. Wir k�nnen keinen langen Krieg f�hren, immer k�mpfen und wieder zur�ckfallen. Wenn wir das tun, wird uns der Feind �berw�ltigen. Genau wie Eyal in den S�mpfen von Maighande. So gebrochen wir auch sind, verf�gen wir jetzt doch �ber unsere gr��te St�rke. Ziehen wir uns zur�ck, erleiden wir den Hungertod, w�hrend die Trollocs uns vernichten.�</p><p>�Rand�, sagte Egwene. �Wir m�ssen nur so lange durchhalten, bis er siegreich ist.�</p><p>�Das stimmt gewisserma�en�, sagte Mat und wandte sich der Polov-Anh�he zu. In seiner Vorstellung sah er, was geschehen w�rde, die M�glichkeiten. Er stellte sich Reiter wie Schatten oben auf dem Plateau vor. Sollte er versuchen, diese Anh�he zu halten, w�rde er verlieren, aber vielleicht�� �Verliert Rand, spielt es keine Rolle. Das Rad ist dann verdammt noch mal zerbrochen, und wir alle l�sen uns in nichts auf. Wenn wir Gl�ck haben. Nun, mehr k�nnen wir nicht tun. Aber da gibt es einen Haken. Wenn er tut, was man von ihm erwartet, k�nnten wir trotzdem verlieren�� und wir werden verlieren, wenn wir die Heere des Schattens nicht aufhalten.�</p><p>Er blinzelte, sah es vor sich, das ganze Schlachtfeld breitete sich vor ihm aus. K�mpfe an der Furt. Pfeile von der Palisade. �Wir k�nnen sie nicht einfach blo� schlagen, Egwene�, fuhr er fort. �Wir k�nnen nicht einfach hier stehen und durchhalten. Wir m�ssen sie vernichten, sie vertreiben und dann bis zum letzten Trolloc jagen. Blo� zu �berleben reicht nicht�� wir m�ssen <emphasis>siegen</emphasis>.�</p><p>�Wie sollen wir das schaffen?�, fragte Egwene. �Mat, deine Worte ergeben keinen Sinn. Hast du nicht erst gestern gesagt, wie sehr uns der Feind zahlenm��ig �berlegen sein wird?�</p><p>Er blickte zum Moor und stellte sich Schatten vor, die versuchten, sich einen Weg hindurchzubahnen. Schatten aus Staub und Erinnerungen. �Ich muss das alles �ndern�, sagte er. Er konnte unm�glich tun, was der Feind erwarten w�rde. Er konnte nicht tun, was Spione m�glicherweise �ber seine Pl�ne berichtet hatten. �Blut und verdammte Asche�� ein letzter Wurf der W�rfel. Alles, was wir haben, auf einen Haufen aufgeschichtet���</p><p>Eine Gruppe M�nner in dunklen R�stungen trat durch ein Wegetor auf den Felsen; sie keuchten, als h�tten sie erst eine <emphasis>Damane</emphasis> auftreiben m�ssen, um hier heraufzukommen. Ihre Harnische waren dunkelrot lackiert, aber dieser Haufen brauchte keinen grandiosen Auftritt, um Angst verbreiten zu k�nnen. Sie sahen w�tend genug aus, um Eier mit einem Blick zu R�hrei schlagen zu k�nnen.</p><p>�Ihr�, sagte der vorderste Totenw�chter, ein Mann namens Gelen, und zeigte auf Mat, �werdet <emphasis>gebraucht</emphasis>���</p><p>Mat hob die Hand, um ihm das Wort abzuschneiden.</p><p>�Ich lasse mich nicht wieder abwimmeln!�, beharrte Gelen. �Ich habe Befehle von der���</p><p>Mat warf dem Mann einen finsteren Blick zu, und er verstummte. Mat wandte sich wieder nach Norden. Ein k�hler, irgendwie <emphasis>vertrauter</emphasis> Wind erfasste ihn, lie� seinen langen Mantel flattern, strich �ber seinen Hut. Er kniff das Auge zusammen. Rand zog ihn an.</p><p>Die W�rfel polterten noch immer in seinem Kopf.</p><p>�Sie sind da�, sagte er.</p><p>�Was hast du gesagt?�, fragte Egwene.</p><p>�Sie sind da.�</p><p>�Die Kundschafter���</p><p>�Die Kundschafter haben unrecht.� Mat schaute nach oben und bemerkte zwei <emphasis>Raken</emphasis>, die zum Lager zur�ckeilten. Sie hatten es gesehen. Die Trollocs mussten die Nacht durchmarschiert sein.</p><p><emphasis>Die Sharaner werden zuerst kommen,</emphasis> dachte Mat, <emphasis>um den Trollocs eine Atempause zu verschaffen. Sie werden durch Wegetore gekommen sein.</emphasis></p><p>Mat zeigte auf die Totenw�chter. �Schickt L�ufer aus, damit M�nner und Frauen auf ihre Posten gehen. Und warnt Elayne, dass ich den Schlachtplan �ndern werde.�</p><p>�Was?�, rief Egwene.</p><p>�Sie sind <emphasis>da</emphasis>!�, sagte Mat und wandte sich den W�chtern zu. �Warum glaubt ihr mir nicht, verflucht! Geht, <emphasis>geht</emphasis>!� Am Himmel kreischten die <emphasis>Raken</emphasis>. Man musste Gelen zugutehalten, dass er salutierte und dann mit seinen Gef�hrten in diesen schweren R�stungen losrannte.</p><p>�Das ist es, Egwene�, sagte Mat. �Hol tief Luft, nimm einen letzten Schluck aus der Branntweinflasche, oder rauche deine letzte Prise Tabak. Sieh dir den Boden zu deinen F��en noch einmal gut an, denn bald ist er blutbesudelt. In einer Stunde stecken wir mitten im Get�mmel. M�ge das Licht �ber uns alle wachen!�</p><empty-line/><p>Perrin trieb in der Dunkelheit. Er war so <emphasis>m�de</emphasis>.</p><p><emphasis>Der Schl�chter lebt noch,</emphasis> dachte ein St�ck von ihm. <emphasis>Graendal korrumpiert die Gro�en Hauptm�nner. Das Ende ist nah. Du kannst dich jetzt nicht einfach so davonschleichen. Halte durch.</emphasis></p><p>Aber wie sollte das gehen? Er versuchte die Augen zu �ffnen, aber er war so ersch�pft. Er h�tte�� er h�tte den Wolfstraum fr�her verlassen m�ssen. Sein ganzer K�rper f�hlte sich taub an, ausgenommen��</p><p>Ausgenommen seine Seite. Mit Fingern, die sich wie Ziegel anf�hlten, ber�hrte er die W�rme. Sein Hammer. Er war gl�hend hei�. Die W�rme schien seine Finger hinaufzukriechen, und Perrin holte tief Luft.</p><p>Er musste aufwachen. Er schwebte am Rand des Bewusstseins, so als w�re er dem Schlaf ganz nahe, aber noch immer teilweise wach. In diesem Zustand hatte er das Gef�hl, an einem Scheideweg zu stehen. Ein Pfad f�hrte tiefer in die Dunkelheit. Und einer f�hrte�� er konnte es nicht sehen, aber er wusste, was es bedeutete�� es bedeutete aufzuwachen.</p><p>W�rme aus dem Hammer strahlte seinen Arm hinauf. Sein Verstand sch�rfte sich. <emphasis>Aufwachen.</emphasis></p><p>Genau das hatte der Schl�chter getan. Irgendwie war er�� aufgewacht��</p><p>Perrins Leben verrann. Es war nicht mehr viel Zeit �brig. Zur H�lfte schon in der Umarmung des Todes, biss er die Z�hne zusammen, holte tief Luft und zwang sich aufzuwachen.</p><p>Die Stille des Wolfstraums zerbrach.</p><p>Perrin landete auf weicher Erde und betrat einen Ort, an dem �berall Rufe durch die Luft hallten. Etwas �ber eine Front, �ber Linien vorzubereiten��</p><p>In der N�he schrie jemand auf. Und dann noch jemand. Andere stimmten ein.</p><p>�Perrin?� Diese Stimme kannte er. �Perrin, mein Junge!�</p><p>Meister Luhhan? Perrins Lider waren ja so schwer. Er konnte sie nicht �ffnen. Arme legten sich um ihn.</p><p>�Haltet durch. Ich habe Euch, mein Junge. Ich habe Euch. <emphasis>Haltet durch.</emphasis>�</p></section><section><title><p>37</p><p>Die Letzte Schlacht</p></title><epigraph><cite><p>An jenem Morgen brach die D�mmerung �ber die Polov-Anh�he herein, aber die Sonne schien nicht f�r die Verteidiger des Lichts. Die Heere der Finsternis kamen aus dem Westen und aus dem Norden, um diese eine Letzte Schlacht zu gewinnen und einen Schatten auf das Land zu werfen, um ein Zeitalter einzuleiten, wo das Klagen der Leidenden ungeh�rt verhallte.</p><text-author>� Aus dem Notizbuch von Loial,</text-author><text-author>Sohn von Arent, Sohn von Halan,</text-author><text-author>im Vierten Zeitalter</text-author></cite></epigraph><p>Lan galoppierte mit hocherhobenem Schwert auf Mandarb durch das Lager.</p><p>Oben am Himmel bluteten die Morgenwolken rot und spiegelten gewaltige Feuerb�lle wider, die von dem riesigen Heer der Sharaner aufstiegen, das von Westen anr�ckte. Sie beschrieben anmutige B�gen und erschienen in weiter Ferne langsam.</p><p>Gruppen von Reitern str�mten aus allen Teilen des Lagers herbei und schlossen sich Lan an. Die letzten Malkieri ritten dicht hinter ihm, aber seine Streitmacht war wie eine Woge angeschwollen. Andere gesellte sich zu ihm, und die Flagge von Malkier ��der Goldene Kranich�� diente als Banner f�r alle Grenzl�nder.</p><p>Man hatte sie blutig geschlagen, aber nicht besiegt. Einen Mann musste man zu Boden schicken, wenn man sehen wollte, aus welchem Holz er geschnitzt war. M�glicherweise ergriff dieser Mann die Flucht. Tat er das nicht, stand er mit Blut im Mundwinkel und Entschlossenheit im Blick wieder auf, dann wusste man Bescheid. Dieser Mann w�rde wirklich gef�hrlich werden.</p><p>Die Feuerb�lle schienen an Geschwindigkeit zuzulegen, als sie in die Tiefe rasten und ungest�m im Lager einschlugen. Explosionen ersch�tterten den Boden. In der N�he ert�nten Schreie und untermalten das Donnern der Hufe. Und noch immer stie�en weitere M�nner dazu. Mat Cauthon hatte in allen Lagern die Nachricht verbreitet, dass Lans Vorsto� noch mehr Kavalleristen brauchte, um die Gefallenen zu ersetzen.</p><p>Er hatte auch enth�llt, welchen Preis sie daf�r zahlen mussten. Die Kavallerie w�rde an vorderster Front k�mpfen, die Linien der Trollocs und Sharaner aufbrechen und kaum eine Atempause haben. An diesem Tag w�rden sie die gr��ten Verluste davontragen.</p><p>Trotzdem gesellten sich M�nner zu ihm. Grenzl�nder, die eigentlich zu alt waren, um noch zu reiten. Kaufleute, die Handelsg�ter gegen das Schwert getauscht hatten. Eine �berraschend gro�e Anzahl von S�dl�ndern, einschlie�lich vieler Frauen, die Harnische und Kappen aus Leder oder Stahl trugen und Speere hielten. Es gab nicht genug Lanzen f�r alle.</p><p>�Die H�lfte der Leute, die sich uns anschlie�en, sieht mehr wie Bauern als wie Soldaten aus!�, rief Andere ihm �ber das Hufgetrappel zu.</p><p>�Habt Ihr jemals M�nner und Frauen von den Zwei Fl�ssen reiten gesehen, Andere?�, rief Lan zur�ck.</p><p>�Das k�nnte ich nicht behaupten.�</p><p>�Dann seht zu und lasst Euch �berraschen.�</p><p>Lans Kavallerie erreichte den Mora, wo ein Mann mit langen Locken und einem schwarzen Mantel mit auf dem R�cken verschr�nkten H�nden stand. Logain hatte vierzig Aes Sedai und Asha�man dabei. Er musterte Lans Streitmacht, dann streckte er eine Hand gen Himmel und zerkn�llte einen gewaltigen herabst�rzenden Feuerball wie ein Blatt Papier. Es krachte wie bei einem Blitzeinschlag, der auseinanderbrechende Feuerball verspr�hte Funken und Rauch nach allen Seiten. Ausgebrannte Asche rieselte auf den dahinstr�menden Fluss und sprenkelte die Oberfl�che mit einem Muster aus schwarzen und wei�en Flocken.</p><p>Lan z�gelte Mandarb, als er sich der Hawalfurt unmittelbar s�dlich der Polov-Anh�he n�herte. Logain stie� die andere Hand in Richtung Fluss. Das Wasser brodelte und b�umte sich dann hoch auf, als w�rde es �ber eine unsichtbare Rampe flie�en. Auf der anderen Seite st�rzte es dann als wilder Wasserfall wieder in die Tiefe, und ein Teil des Wassers trat �ber die Flussufer.</p><p>Lan nickte Logain zu und ritt weiter, f�hrte Mandarb unter den Wasserfall und �berquerte das noch immer feuchte Flussbett. Sonnenlicht durchdrang das in der H�he flie�ende Wasser und funkelte auf Lan herab, als er gefolgt von Andere und den Malkieri durch den Tunnel preschte. Links von ihm rauschte die Gischt lautstark nach unten.</p><p>Lan fr�stelte, als er wieder ins Licht kam, dann galoppierte er durch den Korridor auf die Sharaner zu. Zu seiner Rechten erhob sich die Anh�he, zu seiner Linken wartete das Moor, aber hier gab es einen geraden und festen Weg. Oben auf dem Plateau bereiteten sich Bogensch�tzen, Armbrustm�nner und Drachenm�nner vor, den anr�ckenden Gegner mit Salven zu empfangen.</p><p>Sharaner an der Front, ein gewaltiges Trolloc-Heer dahinter, alle direkt westlich von der Anh�he. Das Donnern des Drachenfeuers ersch�tterte auf dem Plateau die Luft, und bald hatten die Sharaner selbst mit Explosionen zu k�mpfen.</p><p>Lan senkte die Lanze, zielte auf einen sharanischen Soldaten, der zur Polov-Anh�he galoppierte, und bereitete sich auf den Zusammenprall vor.</p><empty-line/><p>Elaynes Kopf fuhr zur Seite. Dieses schreckliche Lied, wie ein Schlaflied, ein Summen, wundersch�n und zugleich schrecklich. Sie trieb Mondschatten an, von der leisen Melodie angezogen. Wo kam sie nur her?</p><p>Sie ert�nte irgendwo tiefer im seanchanischen Lager am Fu� des Dasharfelsens. Mat anzuschreien, weil er ihr seine Kriegspl�ne nicht verraten hatte, konnte warten. Sie musste die Quelle dieses Liedes finden, dieses wundersch�nen Liedes, das��</p><p>�Elayne!�, rief Birgitte.</p><p>Elayne trieb ihr Pferd noch energischer an.</p><p>�Elayne! Draghkar!�</p><p>Draghkar. Elayne sch�ttelte sich, dann schaute sie nach oben und entdeckte die Kreaturen, die wie Regentropfen ins Lager fielen. Gardistinnen senkten mit weit aufgerissenen Augen die Schwerter, als das Summen weiterhin ert�nte.</p><p>Elayne webte einen gewaltigen Donnerschlag. Er zerriss die Luft, hallte �ber die Gardistinnen und lie� sie aufschreien und die Ohren zuhalten. Schmerz stach durch Elaynes Kopf und sie fluchte, schloss unwillk�rlich die Augen. Und dann�� dann h�rte sie nichts.</p><p>Darum ging es ja auch.</p><p>Sie zwang die Augen wieder auf und entdeckte �berall um sich herum Draghkar mit ihren d�rren K�rpern und unmenschlichen Augen. Das Schattengez�cht �ffnete die Lippen, um zu singen, aber Elaynes taube Ohren konnten ihr Lied nicht h�ren. L�chelnd webte sie Feuerpeitschen und schlug die Kreaturen nieder. Ihre Schmerzensschreie konnte sie auch nicht h�ren, was eine echte Schande war.</p><p>Elaynes Gardistinnen kamen zu sich, erhoben sich von ihren Knien und nahmen die H�nde von den Ohren. Ihre benommenen Mienen verrieten ihr, dass sie ebenfalls nichts mehr h�ren konnten. Im Handumdrehen hatte Birgitte daf�r gesorgt, dass sie auf die �berraschten Draghkar einschlugen. Drei der Kreaturen versuchten, sich in die L�fte zu schwingen, aber Birgitte erwischte jede von ihnen mit einem wei� gefiederten Pfeil. Das letzte Ungeheuer krachte in ein nahe gelegenes Zelt.</p><p>Elayne winkte und erregte Birgittes Aufmerksamkeit. Die ersten Draghkar-Laute waren nicht vom Himmel gekommen, sondern aus dem Lager. Elayne zeigte in die Richtung, trieb Mondschatten an und f�hrte ihre Truppe zwischen die Seanchaner. �berall lagen M�nner am Boden und starrten mit offen stehendem Mund gen Himmel. Viele schienen zu atmen, aber sie starrten mit toten Augen. Die Draghkar hatten ihre Seelen verschlungen, die K�rper aber am Leben gelassen; als w�rde man vom Brot eines reichen Mannes nur die Kruste abschneiden.</p><p>Schlampig. Diese Gruppe Draghkar�� beim Licht, es waren mehr als hundert�� h�tte jeden Mann �berw�ltigen, ihn t�ten und dann wieder verschwinden k�nnen, bevor man ihre Anwesenheit �berhaupt entdeckte. Das ferne Grollen der Schlacht�� die Signalh�rner, die br�llenden Drachen, die zischenden Feuerb�lle, was Elayne nun alles lediglich f�hlte, aber dank ihrer zerst�rten Trommelfelle nicht h�ren konnte�� hatte den Angriff der Ungeheuer gedeckt. Sie h�tten zuschlagen und fliehen k�nnen, aber sie waren gierig.</p><p>Die K�nigliche Garde schw�rmte aus und hackte auf die �berraschten Kreaturen ein�� von denen viele noch Soldaten hielten. Wenn man nach der Kraft der Arme ging, waren die Bestien keine starken K�mpfer. Elayne wartete und bereitete Gewebe vor. Sie brannte die Draghkar, die zu fliehen versuchten, vom Himmel.</p><p>Sobald der Letzte von ihnen tot war�� zumindest die, die sie gefunden hatten��, winkte Elayne ihre Beh�terin zu sich. Die Luft stank nach verbranntem Fleisch. Elayne r�mpfte die Nase und beugte sich vom Pferder�cken herab, um Birgittes Kopf zwischen die H�nde zu nehmen. Sie Heilte die Ohren der Frau. Dabei strampelten die Babys. Reagierten sie immer, wenn sie jemanden Heilte, oder bildete sie sich das ein? Elayne hielt sich den Leib mit einem Arm, w�hrend Birgitte zur�cktrat und sich umsah.</p><p>Die Beh�terin spannte einen Pfeil ein, und Elayne f�hlte ihre Sorge. Birgitte schoss, und ein Draghkar taumelte aus der Deckung eines Zeltes. Ein Seanchaner stolperte mit glasigen Augen heraus. Das Seelensaugen war unterbrochen worden; der arme Kerl w�rde niemals wieder v�llig bei Verstand sein.</p><p>Elayne wendete ihr Pferd und sah seanchanische Soldaten herbeist�rmen. Birgitte redete mit ihnen, dann wandte sie sich an Elayne, um mit ihr zu sprechen. Aber Elayne sch�ttelte blo� den Kopf, und Birgitte z�gerte, dann sagte sie etwas zu den Seanchanern.</p><p>Elaynes Leibwache sammelte sich wieder um sie, und sie eilten in die Richtung weiter, die sie urspr�nglich eingeschlagen hatten. Da n�herte sich eine <emphasis>Damane</emphasis> und ihre <emphasis>Sul�dam</emphasis>, die �berraschenderweise vor Elayne einen Knicks machten. Vielleicht hatte diese Fortuona ihnen ja befohlen, fremden Monarchen Respekt zu erweisen.</p><p>Elayne z�gerte, aber was sollte sie machen? Nat�rlich h�tte sie zum Heilen in ihr eigenes Lager zur�ckkehren k�nnen, aber das w�rde Zeit in Anspruch nehmen, und sie musste dringend mit Mat sprechen. Was nutzte es, tagelang Schlachtpl�ne zu schmieden, wenn er sie dann einfach so verwarf? Sie vertraute ihm�� beim Licht, sie hatte ja keine andere Wahl��, aber sie wollte dennoch wissen, was er beabsichtigte.</p><p>Sie seufzte, dann hielt sie der <emphasis>Damane</emphasis> ihren Fu� entgegen. Die Frau runzelte die Stirn, blickte die <emphasis>Sul�dam</emphasis> an. Beide schienen das als Beleidigung zu betrachten. Was Elayne auch genau so beabsichtigt hatte.</p><p>Die <emphasis>Sul�dam</emphasis> nickte, und ihre <emphasis>Damane</emphasis> ber�hrte Elaynes Bein ein St�ck �ber dem Stiefelrand. Die Stiefel waren nicht das Kleidungsst�ck einer K�nigin, sondern von Soldatenart, aber sie w�rde auf gar keinen Fall mit damenhaften Halbschuhen in die Schlacht reiten.</p><p>Ein kleiner, eisiger Stich des Heilens schoss durch ihren K�rper, und langsam kehrte ihr H�rverm�gen zur�ck. Die niedrigen T�ne zuerst. Explosionen. Das ferne Dr�hnen des Drachenfeuers, das Rauschen des Flusses in der N�he. Mehrere Seanchaner, die sich unterhielten. Dann folgten die mittleren T�ne, schlie�lich eine wahre Flut von Ger�uschen. Zelteing�nge raschelten, Soldaten schrien, H�rner wurden geblasen.</p><p>�Sag ihnen, sie sollen die anderen Heilen�, sagte Elayne zu Birgitte.</p><p>Birgitte hob eine Braue und fragte sich vermutlich, warum sie den Befehl nicht selbst gab. Nun, diese Seanchaner legten gro�en Wert darauf, welche Leute mit anderen reden durften. Sie w�rde ihnen nicht die Ehre geben, direkt mit ihnen zu sprechen.</p><p>Birgitte gab den Befehl weiter, und die Lippen der <emphasis>Sul�dam</emphasis> verzogen sich zu einem schmalen Strich. Sie hatte den Kopf zur H�lfte rasiert; sie war eine Adlige. Wenn das Licht auf ihrer Seite stand, hatte Elayne geschafft, sie erneut zu beleidigen.</p><p>�Ich werde es tun�, sagte die Frau. �Obwohl ich beim besten Willen nicht verstehen kann, warum eine von Euch von einem Tier Geheilt werden will.�</p><p>Seanchaner hielten nichts davon, <emphasis>Damane</emphasis> Heilen zu lassen. Zumindest behaupteten sie das. Allerdings hatte es sie keineswegs davon abgehalten, die Gewebe ihren gefangenen Frauen beizubringen, nachdem sie nun aus erster Hand gesehen hatten, welche Vorteile das in der Schlacht brachte. Allerdings akzeptierten die Hochgeborenen das Heilen nur selten, wie Elayne geh�rt hatte.</p><p>�Lass uns gehen�, sagte sie und trieb ihr Pferd an. Mit Gesten bedeutete sie ihren Soldaten, zur�ckzubleiben und sich Heilen zu lassen.</p><p>Birgitte musterte sie, widersprach aber nicht. Sie eilten weiter, Birgitte stieg auf ihr Pferd und ritt an Elaynes Seite auf das Befehlshaus der Seanchaner zu. Ungef�hr von der Gr��e eines kleinen, einst�ckigen Bauernhauses, hatte man es am s�dlichen Fu� des Dasharfelsens in eine gro�e Felsspalte hineingebaut�� man hatte es wieder von der Felss�ule entfernt, weil Mat sich sorgte, es k�nnte ein zu leichtes Ziel darstellen. Den ebenen Gipfel w�rde man weiterhin dazu benutzen, die Schlacht in kurzen Abst�nden zu �berwachen.</p><p>Elayne gestattete Birgitte, ihr beim Absteigen zu helfen�� Licht, allm�hlich kam sie sich wirklich unbeholfen vor. Als w�re sie ein Schiff im Trockendock. Sie nahm sich einen kurzen Augenblick Zeit zur Vorbereitung. Reglose Z�ge, alle Gef�hle unter Kontrolle. Sie zupfte an ihrer Frisur herum, gl�ttete das Kleid, dann betrat sie das Geb�ude.</p><p>�Was im Namen eines verfluchten, zweifingerigen, es im Heu treibenden Trollocs bildest du dir eigentlich ein, Matrim Cauthon?�, br�llte sie sofort beim Eintreten los.</p><p>Der Fluch lie� den Mann grinsend von seinem Kartentisch aufsehen, was wenig �berraschte. Er trug Mantel und Hut �ber sehr adretter Seidenkleidung, die aussah, als w�re sie geschneidert, um zur Hutfarbe zu passen; am Kragen und an den Manschetten hatte man Leder aufgen�ht, damit sie nicht v�llig fehl am Platz wirkten. Es roch nach einem Kuhhandel. Aber warum trug sein Hut ein rosafarbenes Band?</p><p>�Hallo, Elayne�, erwiderte Mat. �Ich dachte mir schon, dass ich mich darauf freuen kann, dich bald zu begr��en.� Er deutete auf einen Stuhl an der Seite des Raumes in den roten und goldenen Farben Andors. Er war zus�tzlich gepolstert, und daneben stand eine Tasse mit hei�em Tee auf einem Tischchen.</p><p><emphasis>Sei verflucht, Matrim Cauthon,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Wann bist du nur so clever geworden?</emphasis></p><p>Die seanchanische Kaiserin sa� an der Stirnseite des Raumes auf ihrem eigenen Thron, Min an der Seite, in genug gr�ne Seide geh�llt, um einem Laden in Caemlyn zwei Wochen lang als Ware zu reichen. Elayne entging keineswegs, dass Fortuonas Thron zwei Finger h�her stand als ihrer. Verfluchte unertr�gliche Frau. �Mat. In deinem Lager sind Draghkar.�</p><p>�Verdammt! Wo?�</p><p>�Ich sollte sagen, in deinem Lager waren Draghkar�, sagte Elayne. �Wir haben uns um sie gek�mmert. Du solltest deine Bogensch�tzen anweisen, besser aufzupassen.�</p><p>�Ich habe es ihnen gesagt�, klagte Mat. �Verdammte Asche. Jemand soll die Bogensch�tzen �berpr�fen, ich���</p><p>�Gro�er Prinz!� Ein Bote st�rzte durch die T�r, warf sich auf die Knie und dann weiter auf den Boden, ohne dabei zu verstummen. �Das Bogensch�tzenufer ist gefallen! Es wurde von sharanischen Reitern getroffen�� sie verbargen ihren Angriff durch den Rauch der Feuerb�lle.�</p><p>�Blut und verfluchte Asche!�, sagte Mat. �Schickt sofort sechzehn <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul�dam</emphasis> da runter! Eine Nachricht an die n�rdlichen Bogensch�tzeneinheiten, die Abteilungen zweiundvierzig und f�nfzig sollen dorthin. Und sagt den Kundschaftern, dass ich sie auspeitschen lasse, wenn sie so etwas noch einmal �bersehen.�</p><p>�H�chsterlauchter�, sagte der Kundschafter, salutierte und sprang auf die F��e, dann ging er r�ckw�rts hinaus, ohne aufzublicken, um ja nicht das Wagnis einzugehen, Mats Blick zu erwidern.</p><p>Eigentlich fand Elayne es ganz beeindruckend, wie m�helos der Kundschafter Bericht und Ehrerbietung vereint hatte. Au�erdem war sie angewidert. Kein Herrscher sollte so etwas von seinen Untertanen verlangen. Die St�rke einer Nation kam durch die St�rke ihrer Menschen; brach man sie, brach man sich das eigene Kreuz.</p><p>�Du wusstest, dass ich komme,�, sagte Elayne, nachdem Mat seinen Adjutanten noch ein paar Befehle gegeben hatte. �Und du hast den Zorn erwartet, den deine Plan�nderungen ausl�sen w�rden. Soll man dich doch zu Asche verbrennen, Matrim Cauthon, warum hast du blo� das brennende Bed�rfnis versp�rt, das zu tun? Eigentlich dachte ich, wir h�tten einen soliden Schlachtplan.�</p><p>�Das war er auch.�</p><p>�Warum ihn dann �ndern!�</p><p>�Elayne.� Mat blickte sie an. �Jeder hat mir das Kommando �bergeben, gegen meinen erkl�rten Willen, weil die Verlorenen meine Ansichten nicht �ndern k�nnen, richtig?�</p><p>�Das war im Gro�en und Ganzen die allgemeine Ansicht�, erwiderte Elayne. �Obwohl das meiner Meinung nach weniger mit deinem Medaillon zu tun hatte als vielmehr mit der Tatsache, dass kein Zwang in deinen dicken, sturen Sch�del eindringen kann.�</p><p>�Verdammt richtig�, sagte Mat. �Wie dem auch sei, wenn die Verlorenen Leute aus unserem Lager mit Zwang belegen, haben sie vermutlich auch ein paar Spione in unseren Besprechungen.�</p><p>�Ich sch�tze schon.�</p><p>�Also kennen sie unseren Plan. Unseren gro�en Plan, den wir so lange vorbereitet haben. Sie kennen ihn.�</p><p>Elayne z�gerte.</p><p>�Licht!� Mat sch�ttelte den Kopf. �Die erste und wichtigste Regel, einen Krieg zu gewinnen, liegt darin, in Erfahrung zu bringen, was dein Feind tun wird.�</p><p>�Ich dachte immer, die erste Regel lautet, kenne dein Gel�nde�, erwiderte Elayne und verschr�nkte die Arme.</p><p>�Das auch. Aber wie dem auch sei, mir wurde Folgendes klar: Wenn der Feind genau wei�, was wir tun werden, m�ssen wir das �ndern. Sofort. Schlechte Schlachtpl�ne sind besser als die, mit denen dein Feind rechnet.�</p><p>�Warum hast du nicht vorher geahnt, dass das passiert?�, verlangte Elayne zu wissen.</p><p>Ausdruckslos sah er sie an. Ein Mundwinkel zuckte, dann zog er den Hut tiefer und h�llte seine Augenklappe in Schatten.</p><p>�Beim Licht!�, stie� Elayne hervor.�Du hast es gewusst. Du hast diese ganze Woche damit verbracht, zusammen mit uns zu planen, und dabei hast du die ganze Zeit gewusst, dass du alles �ber den Haufen wirfst!�</p><p>�Das w�re zu viel der verdammten Ehre�, sagte Mat und schaute wieder auf seine Karten. �Ich glaube, ein Teil von mir hat das vielleicht die ganze Zeit �ber gewusst, aber es wurde mir erst einen Moment vor der Ankunft der Sharaner wirklich bewusst.�</p><p>�Wie sieht also der neue Plan aus?�</p><p>Er antwortete nicht.</p><p>�Du wirst ihn f�r dich behalten�, sagte Elayne und f�hlte, wie ihre Beine nachzugeben drohten. �Du wirst die Schlacht anf�hren, und keiner von uns wird wissen, was du beim Licht planst, richtig? Sonst k�nnte es jemand mitbekommen, und die Neuigkeit w�rde den Schatten erreichen.�</p><p>Er nickte.</p><p>�M�ge uns der Sch�pfer beh�ten�, fl�sterte sie.</p><p>Mat runzelte die Stirn. �Wei�t du, genau das Gleiche hat Tuon auch gesagt.�</p><empty-line/><p>Auf dem Plateau hielt sich Uno die Ohren zu, als die Drachen in seiner N�he den Trollocs und Sharanern westlich von ihnen ihr Feuer entgegenspuckten. Ein bei�ender Geruch brannte in der Luft, und der Drachendonner war so ohrenbet�ubend, dass er nicht einmal seine eigenen verdammten Fl�che h�ren konnte.</p><p>Unter ihnen griffen Lan Mandragorans Reiter die Flanken der Sturmtruppen an und versperrten ihnen den Weg, damit die Drachen mehr Schaden anrichten konnten. Die Sharaner hatten Trollocs dabei. Sie w�rden auch Machtlenker mit sich f�hren, sogar viele von ihnen. Weiter flussaufw�rts r�ckte ein gro�es Trolloc-Heer ��die Horde, die Dai Shans Streitmacht so gro�e Verluste zugef�gt hatte�� aus dem Nordosten an und war nicht mehr weit vom Feld von Merrilor entfernt.</p><p>Die Drachen verstummten kurz, und die Drachenm�nner stopften ihre Rachen mit dem Zeug, das sie antrieb, was auch immer das war. Uno w�rde ihnen auf keinen Fall zu nahe kommen. Das waren ganz �ble Ger�te, die nur Unheil bringen konnten. Davon war er fest �berzeugt.</p><p>Der Anf�hrer der Drachenm�nner war ein drahtiger Cairhiener, f�r den Uno noch nie viel �briggehabt hatte. F�r gew�hnlich starrte seinesgleichen ihn blo� immer finster an, wenn er den Mund aufmachte. Der da sa� hochm�tig auf seinem Pferd und zuckte nicht einmal zusammen, als die Drachen wieder feuerten.</p><p>Der Amyrlin-Sitz hatte sich mit diesen M�nnern verb�ndet und mit den Seanchanern auch. Dar�ber w�rde er sich bestimmt nicht beschweren. Sie brauchten jedes verfluchte Schwert, das sie kriegen konnten, cairhienische und verdammte seanchanische eingeschlossen.</p><p>�Gefallen Euch unsere Drachen, Hauptmann?�, rief ihm der Anf�hrer ��ein gewisser Talmanes�� zu. Hauptmann. Idiotischerweise hatte man ihn bef�rdert. Er f�hrte nun eine Streitmacht aus frisch rekrutierten Pikenm�nnern der Burg und leichter Kavallerie an.</p><p>Er h�tte �ber gar nichts den Befehl haben d�rfen; er hatte sich als ganz gew�hnlicher Soldat wohlgef�hlt. Aber er hatte sowohl die Ausbildung als auch Kampferfahrung, beides Dinge, die heutzutage eher rar geworden waren, zumindest hatte K�nigin Elayne das behauptet. Also war er jetzt ein lichtverfluchter Offizier und f�hrte Kavallerie <emphasis>und</emphasis> Fu�soldaten an! Nun, mit einer Pike wusste er falls n�tig umzugehen, obwohl er den Kampf vom Sattel aus bevorzugte.</p><p>Seine M�nner standen bereit, die Anh�he zu verteidigen, sollte es der Feind den Hang hinaufschaffen. Bis jetzt hatten die unterhalb der Drachen stationierten Bogensch�tzen das verhindert, aber sie w�rden sich bald zur�ckziehen m�ssen, und dann w�rden die stinknormalen Soldaten sich um den stinknormalen Kampf k�mmern m�ssen. Unten wichen die Sharaner zur Seite, um Trollocs den langen Hang erst�rmen zu lassen.</p><p>Die Pikenm�nner w�rden vorr�cken und den Angriff der Tiermenschen abwehren, und die Piken w�rden hier gute Dienste leisten, da die Trollocs bergauf mussten. F�gte man dann noch verfluchte Kavallerie an ihren Flanken und ein paar verdammte Bogensch�tzen hinzu, die durch diese hoch am Himmel gemachten Wegetore schossen, w�rden sie vermutlich tagelang hier aushalten k�nnen. Vielleicht sogar Wochen. Falls ein weit �berlegener Feind anst�rmte, w�rden sie einen Zoll nach dem anderen zur�ckweichen und sich an jedes St�ck Boden festklammern.</p><p>Uno ging davon aus, dass er diese verkorkste Schlacht unm�glich �berleben konnte. Er fand es schon �berraschend, es bis jetzt geschafft zu haben. Im Ernst, eigentlich h�tte sich schon der verr�ckte Masema seinen Kopf holen m�ssen, oder die Seanchaner in Falme, oder irgendein Trolloc. Er hatte sich bem�ht, m�glichst sehnig zu bleiben, damit er so widerw�rtig wie m�glich schmeckte, wenn sie ihn in einen ihrer abartigen Kocht�pfe steckten.</p><p>Die Drachen feuerten erneut und sprengten gewaltige L�cken in die Horden der vorr�ckenden Tiermenschen. Uno hielt sich die Ohren zu. �Warnt einen Mann gef�lligst, bevor ihr das macht, ihr aus einem Ziegenhintern baumelnden���</p><p>Der n�chste Schuss �bert�nte ihn.</p><p>Unter ihnen schleuderte es Trollocs in die Luft, als die Drachen den Boden unter ihren Krallen pulverisierten. Diese Eier <emphasis>explodierten</emphasis>, sobald sie aus diesen verfluchten Rohren geschossen wurden. Was abgesehen von der Einen Macht konnte Eisen explodieren lassen? Uno war sich sicher, es niemals erfahren zu wollen.</p><p>Talmanes trat an den Rand der Anh�he und begutachtete den Schaden. Eine Tarabonerin gesellte sich zu ihm, die Frau, die diese Waffen erfunden hatte. Sie sah nach hinten und erblickte Uno, dann warf sie ihm etwas zu. Ein Wachsklumpen. Sie tippte sich auf die Ohren, dann redete sie gestikulierend auf Talmanes ein. Zwar hatte er den Befehl �ber die Truppen, aber die Frau hatte das Kommando �ber die Ger�te. Sie sagte den M�nnern, wo sie die Drachen f�r den Kampf hinzustellen hatten.</p><p>Uno knurrte, steckte das Wachs aber ein. Eine Faust Trollocs war durch die Salve hindurchgest�rmt, etwa hundert Bestien, und er hatte jetzt wirklich keine Zeit, sich um seine beschissenen Ohren zu k�mmern. Er schnappte sich eine Pike, legte sie an und bedeutete seinen M�nnern, seinem Beispiel zu folgen. Sie trugen alle das Wei� der Burg. Uno selbst trug einen wei�en Wappenrock.</p><p>Er bellte Befehle, dann machte er seine Pike bereit, indem er sich ein St�ck seitw�rts am Hang aufstellte. Mit einer Hand packte er den Schaft vor seinem K�rper, um den Sto� zu f�hren und zu verst�rken; die andere Hand hielt ihn eine Arml�nge vom Ende entfernt, um ihn nach vorn zu rammen, wenn die Trollocs in Reichweite kamen. Hinter ihm standen mehrere Reihen Pikenm�nner bereit, um nach dem ersten Zusammensto� vorzur�cken.</p><p>�Die Piken ruhig halten, ihr d�mlichen Schafhirten!�, br�llte Uno. �Ruhig!�</p><p>Die Tiermenschen eilten den Hang hinauf und krachten gegen die Pikenreihe. Die ersten Bestien versuchten die Piken mit ihren Waffen zur Seite zu schlagen, aber Unos M�nner traten vor und spie�ten die Ungeheuer auf, manchmal sogar zwei Trollocs mit einer Waffe. Uno grunzte und zog seine Pike zur�ck in die Reihe, um einen Trolloc in den Hals zu stechen.</p><p>�Die erste Reihe, zur�ck!�, br�llte er und zerrte an der Waffe, um sie aus dem get�teten Trolloc zu l�sen. Seine Kameraden verfuhren ebenso, l�sten ihre Waffen und lie�en die Leichen den Hang hinunterrollen.</p><p>Die Pikenm�nner der Frontreihe fielen zur�ck, w�hrend die zweite Reihe zwischen ihnen vortrat und Piken in geifernde Trollocs stie�. Jede Reihe wechselte sich an der Front ab, bis die ganze Gruppe Tiermenschen tot war. �Gute Arbeit�, sagte Uno und stellte seine Waffe senkrecht auf. Stinkendes Trolloc-Blut rann von der Spitze den Schaft hinunter. �Gute Arbeit.�</p><p>Er warf einen Blick auf die Drachenm�nner, die weitere Eier in die Rohre schoben. Eilig holte er das Wachs aus der Tasche. Ja, diese verdammte Position konnten sie halten. Sie konnten sie gut halten. Sie brauchten bloߠ�</p><p>Ein Kreischen aus der H�he hielt ihn davon ab, sich das Wachs in die Ohren zu stopfen. Neben ihm schlug etwas auf dem Boden auf. Eine mit Wimpeln versehene Bleikugel, die vom Himmel gefallen war. �Stinkende seanchanische Ziege!�, br�llte Uno, legte den Kopf in den Nacken und drohte mit der Faust. �Das hat fast meinen Scheitel getroffen, du Wurmfresser!�</p><p>Der <emphasis>Raken</emphasis> flog weiter. Vermutlich hatte sein Reiter nicht ein Wort von dem verstanden, was Uno gebr�llt hatte. Verdammte Seanchaner. Er b�ckte sich und entfernte die Notiz aus der Kugel.</p><p><emphasis>Zieht euch �ber den S�dwesthang der Anh�he zur�ck.</emphasis></p><p>�Du willst mich doch wohl treten�, murmelte Uno. �Gegen den Kopf treten, w�hrend ich schlafe. Allin, verdammter Narr, k�nnt Ihr das lesen?�</p><p>Allin, ein dunkelhaariger Mann aus Andor, trug einen Bart, der die Wangen frei lie�. Uno war schon immer der Meinung gewesen, dass das einfach nur l�cherlich aussah.</p><p>�R�ckzug?�, sagte Allin. �Jetzt?�</p><p>�Die haben doch ihren winzigen Verstand verloren�, knurrte Uno.</p><p>In der N�he empfingen Talmanes und die Tarabonerin eine Botin�� und der finsteren Miene der Frau nach zu urteilen, �berbrachte sie dieselbe Botschaft. R�ckzug.</p><p>�Cauthon sollte besser verdammt noch mal wissen, was er da tut!� Uno sch�ttelte den Kopf. Es ging noch immer nicht in seinen Kopf, wie jemand Cauthon auch nur den Befehl �ber irgendetwas �bergeben konnte. Er konnte sich noch gut an den Jungen erinnern, der mit eingefallenen Augen jeden anfauchte. Halb tot, dabei ziemlich verw�hnt. Uno sch�ttelte den Kopf.</p><p>Aber er w�rde es tun. Er hatte der verfluchten Wei�en Burg einen Eid geleistet. Also w�rde er gehorchen.</p><p>�Gebt den Befehl weiter�, sagte er zu Allin und stopfte sich Wachs in die Ohren, denn Aludra bereitete an den Drachen eine letzte Salve vor dem R�ckzug vor. �Wir verlassen diese verfluchte Stellung und���</p><p>Ein Krachen traf Uno wie ein k�rperlicher Schlag, lie� sein ganzes Inneres erbeben und um ein Haar sein lausiges Herz stehen bleiben. Sein Kopf schlug auf dem Boden auf, bevor er �berhaupt realisiert hatte, dass er gest�rzt war.</p><p>St�hnend blinzelte er Staub aus den Augen und rollte sich herum, als ein neuer Blitz den Standort der Drachen traf. Und da kam schon der n�chste. Blitze! Seine Soldaten lagen auf den Knien, die Ohren zugehalten, die Augen zusammengekniffen. Aber Talmanes stand schon wieder und br�llte Befehle, die Uno kaum verstehen konnte, bedeutete seinen Leuten, sich zur�ckzuziehen.</p><p>Ein Dutzend riesige und unglaublich schnelle Feuerb�lle stiegen aus dem sharanischen Heer hinter den Trollocs auf. Uno fluchte und warf sich Schutz suchend in eine Bodensenke, bevor die ganze Anh�he nur Momente sp�ter wie bei einem Erdbeben ersch�ttert wurde. Erdklumpen regneten auf ihn herab und begruben ihn fast.</p><p>Alles kam auf sie herunter. <emphasis>Alles.</emphasis> Jeder lichtverfluchte sharanische Machtlenker des ganzen Heeres schien sich gleichzeitig auf diesen Teil des Plateaus zu konzentrieren. Seine Leute hatten Aes Sedai, die die Drachen besch�tzen sollten, aber allem Anschein nach w�rden sie gro�e Schwierigkeiten haben, sich gegen das hier zu wehren!</p><p>Der Angriff schien eine Ewigkeit zu dauern. Als er nachlie�, kroch Uno ins Freie. Ein paar der verdammten Drachen waren in ihre Einzelteile zerlegt worden, und Aludra bem�hte sich mit ihren M�nnern, sie in Sicherheit zu bringen und den Rest zu sch�tzen. Talmanes, der eine blutige Hand an den Kopf hielt, br�llte herum. Uno grub sich Wachs aus einem seiner Ohren ��vermutlich hatte das sein H�rverm�gen gerettet�� und eilte geduckt zu Talmanes.</p><p>�Wo sind Eure verfluchten Aes Sedai?�, br�llte er. �Sie sollten so etwas doch verdammt noch mal unterbinden!�</p><p>Ihnen standen vier Dutzend zur Verf�gung, die Gewebe aus der Luft schneiden oder sie zur Seite lenken sollten, um die Drachen zu besch�tzen. Sie hatten behauptet, die Polov-Anh�he gegen alles verteidigen zu k�nnen, abgesehen vielleicht dem Kommen des Dunklen K�nigs. Jetzt waren sie v�llig durcheinander; die Blitze waren in ihrer Mitte eingeschlagen.</p><p>Neue Trollocs kamen den Hang hinauf. Uno befahl Allin, eine Pikenmauer zu bilden und die Kreaturen fernzuhalten, dann rannte er mit ein paar W�chtern zu den Schwestern. Er stie� zu den Beh�tern, half Frauen auf die F��e, suchte dabei nach ihrer Anf�hrerin.</p><p>�Kwamesa Sedai?�, fragte er, als er die tonangebende Aes Sedai fand, die sich den Dreck aus dem Gewand klopfte. Die schlanke, dunkelh�utige Arafelerin murmelte leise vor sich hin.</p><p>�Was war <emphasis>das</emphasis> denn?�, verlangte sie zu wissen.</p><p>��h���, sagte Uno.</p><p>�Die Frage war nicht an Euch gerichtet�, fauchte sie und musterte den Himmel. �Einar! Warum habt Ihr diese Gewebe nicht gesehen?�</p><p>Ein Asha�man eilte herbei. �Sie kamen so schnell. Sie waren da, bevor ich eine Warnung rufen konnte. Und�� beim Licht! Wer auch immer sie schickte, war stark. St�rker, als ich je gesehen habe, st�rker als���</p><p>Hinter ihnen zerschnitt ein Strich aus Licht die Luft. Er war gewaltig, hatte die L�nge der Festung von Fal Dara. Um die eigene Achse rotierend, �ffnete er ein riesiges Wegetor, das den Boden zerschnitt. Auf der anderen Seite stand ein Mann in funkelnder R�stung aus m�nzen�hnlichen Ringen ohne Helm, mit dunklen Haaren und einer ausgepr�gten Nase. In der Hand hielt er ein goldenes Zepter, dessen Spitze wie ein Stundenglas oder ein edler Pokal geformt war.</p><p>Kwamesa reagierte sofort, riss die Hand hoch und schleuderte ein Gewebe Feuer. Der Mann machte eine Bewegung, und das Feuer wurde abgewehrt. Dann hob er beinahe schon gleichg�ltig den Arm, und etwas D�nnes, Hei�es und Wei�es verband ihn mit der Aes Sedai. Ihre Gestalt gl�hte auf, und dann war sie einfach verschwunden. Ein paar Flocken rieselten zu Boden.</p><p>Uno sprang zur Seite, und Einar machte es ihm nach, als er hinter einem zerst�rten Drachen abtauchte.</p><p>�Ich komme f�r den Wiedergeborenen Drachen!�, verk�ndete die Gestalt in Silber. �Ihr werdet nach ihm schicken. Oder ich werde zusehen, wie eure Schreie ihn holen.�</p><p>Nur ein paar Schritte von Uno entfernt b�umte sich der Boden auf. Hastig riss er den Arm vors Gesicht, Erde und Holzsplitter flogen �ber ihn hinweg.</p><p>�Das Licht stehe uns bei�, sagte Einar. �Ich versuche ihn aufzuhalten, aber er ist mit einem Zirkel verkn�pft. Einem vollen Zirkel. Zweiundsiebzig. Noch nie zuvor habe ich eine derartige Macht erlebt! Ich���</p><p>Ein wei� gl�hender Lichtstrahl bohrte sich durch die Drachentr�mmer, l�ste sie auf und traf dann den Asha�man. Der Mann verschwand �bergangslos, und Uno krabbelte fluchend zur�ck. Mit eingezogenem Kopf eilte er weiter, w�hrend weitere Drachentr�mmer um ihn herum zu Boden regneten.</p><p>Uno br�llte seinen M�nnern zu, sich zur�ckzuziehen, trieb sie an, verharrte nur lange genug, um einem Verletzten unter die Arme zu greifen und ihm wegzuhelfen. Den R�ckzugsbefehl von der Anh�he stellte er nicht l�nger infrage, das war der beste lichtverfluchte Befehl, der je erteilt worden war!</p><empty-line/><p>Logain Ablar lie� die Eine Macht los. Er stand unterhalb der Anh�he am Mora und f�hlte die Angriffe auf dem Plateau.</p><p>Die Eine Macht loszulassen geh�rte mittlerweile zu den schwierigsten Dingen, die er je getan hatte. Schwieriger als die Entscheidung, den Namen Drachen anzunehmen, schwieriger als die Selbstbeherrschung, Taim w�hrend jener ersten gemeinsamen Tage in der Schwarzen Burg nicht zu erw�rgen.</p><p>Die Macht floss aus ihm heraus, als h�tten sich seine Adern ge�ffnet und das Blut w�rde sich auf den Boden ergie�en. Er holte tief Luft. So viel Macht zu halten war berauschend gewesen�� neununddrei�ig M�nner und Frauen in einem Zirkel. Dies loszulassen hatte ihn an seine D�mpfung erinnert, als man ihm die Macht gestohlen hatte. Als ihn jeder Atemzug ermutigt hatte, sich ein Messer zu nehmen und die Kehle durchzuschneiden.</p><p>Vermutlich war das sein Wahnsinn; die entsetzliche Angst, die Eine Macht f�r alle Ewigkeit zu verlieren, wenn er sie loslie�.</p><p>�Logain?�, fragte Androl.</p><p>Logain wandte sich dem kleinen Mann und seinen Gef�hrten zu. Sie waren loyal. Logain konnte sich das zwar nicht erkl�ren, aber sie waren loyal. Der ganze Haufen. Narren. Treue Narren.</p><p>�F�hlt Ihr das?�, fragte Androl. Die anderen ��Canler, Emarin, Jonneth�� starrten die Anh�he an. Die dort gelenkte Macht�� es war erstaunlich.</p><p>�Demandred�, sagte Emarin. �Er muss es sein.�</p><p>Logain nickte langsam. <emphasis>Eine solche Macht��</emphasis> Selbst einer der Verlorenen konnte nicht so stark sein. Er musste ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis> von unvorstellbarer Kraft mit sich f�hren.</p><p><emphasis>Mit so einem Werkzeug k�nnte kein Mann und auch keine Frau dir jemals wieder die Macht wegnehmen,</emphasis> fl�sterten Logains Gedanken.</p><p>Taim hatte das getan, w�hrend seiner Gefangenschaft. Hatte ihn eingesperrt, ihn von der Quelle abgeschirmt, ihn daran gehindert, die Eine Macht zu ber�hren. Die Versuche, ihn Umzudrehen, waren schmerzhaft gewesen. Aber ohne <emphasis>Saidin</emphasis> zu sein��</p><p>St�rker, dachte er und beobachtete das �berw�ltigende Machtlenken. Das Verlangen nach einer solchen St�rke �berragte beinahe seinen Hass auf Taim.</p><p>�Im Augenblick lassen wir ihn in Ruhe�, sagte Logain. �Teilt euch in die abgesprochenen Mannschaften auf.� Eine Frau und f�nf oder sechs M�nner in jeder Mannschaft. Die Frau konnte sich mit zwei M�nnern zu einem Zirkel verkn�pfen, w�hrend die anderen beiden sie unterst�tzten. �Wir jagen die Verr�ter der Schwarzen Burg.�</p><p>Pevara, die an Androls Seite stand, hob eine Braue. �Ihr wollt jetzt schon Jagd auf Taim machen? Wollte Cauthon Euch nicht hier haben, um M�nner zu transportieren?�</p><p>�Ich habe das Cauthon deutlich gemacht�, sagte Logain. �Diese Schlacht werde ich nicht damit verbringen, Soldaten auf dem Feld herumzuschieben. Was die Befehle angeht, haben wir eine Direktive des Wiedergeborenen Drachen.�</p><p>Rand al�Thor hatte sie als seinen �letzten� Befehl f�r sie bezeichnet, eine Notiz, die mit einem kleinen <emphasis>Angreal</emphasis> in Gestalt eines Mannes mit einem Schwert �berbracht worden war. <emphasis>Der Schatten hat die Siegel des Kerkers des Dunklen K�nigs gestohlen. Findet sie. Bitte findet sie, wenn ihr k�nnt.</emphasis></p><p>W�hrend ihrer Gefangenschaft hatte Androl angeblich geh�rt, wie Taim �ber die Siegel prahlte. Es war ihr einziger Anhaltspunkt. Logain musterte die Gegend. Ihre Streitkr�fte zogen sich von der Anh�he zur�ck. Von seinem Standpunkt aus konnte er die aufgestellten Drachen nicht sehen, aber dicke Rauchwolken lie�en nichts Gutes �ber ihren Zustand ahnen.</p><p><emphasis>Und noch immer erteilt er Befehle,</emphasis> dachte Logain. <emphasis>Bin ich geneigt, ihnen noch l�nger zu gehorchen?</emphasis></p><p>F�r die Gelegenheit, sich an Taim r�chen zu k�nnen? Ja, er w�rde Rand al�Thors Befehle befolgen. Einst h�tte er das nicht so sehr infrage gestellt. Das war vor seiner Gefangenschaft und Folterung gewesen.</p><p>�Geht�, sagte Logain zu seinen Asha�man. �Ihr alle habt die Worte des Lord Drachen gelesen. Wir m�ssen die Siegel um jeden Preis zur�ckholen. Nichts ist wichtiger als das. Wir m�ssen hoffen, dass Taim sie in der Tat hat. Achtet auf M�nner, die die Macht lenken, jagt sie, t�tet sie.�</p><p>Es spielte keine Rolle, wenn diese Machtlenker Sharaner waren. Die Asha�man w�rden diese Schlacht unterst�tzen, indem sie jeden feindlichen Machtlenker ausschalteten. Diese Taktik hatten sie zuvor besprochen. Wenn sie Machtlenken von M�nnern sp�rten, konnten sie ihren genauen Standort mit Wegetorspr�ngen ermitteln und dann versuchen, sie mit einem Angriff zu �berraschen.</p><p>�Wenn ihr einen von Taims M�nnern seht, versucht ihn gefangen zu nehmen, damit wir aus ihm herauspressen k�nnen, wo Taim seinen St�tzpunkt eingerichtet hat.� Logain hielt inne. �Wenn wir Gl�ck haben, wird der M�Hael pers�nlich hier anwesend sein. Vergesst nicht, dass er die Siegel m�glicherweise bei sich tr�gt; sie d�rfen bei unserem Angriff nicht vernichtet werden. Wenn ihr ihn seht, kehrt zur�ck und unterrichtet mich �ber seinen Standort.�</p><p>Logains Mannschaften setzten sich in Bewegung. Sie lie�en ihn mit Gabrelle, Arel Malevin und Karldin Manfor zur�ck. Gut, dass zumindest einige seiner begabteren M�nner nicht w�hrend Taims Verrat in der Burg gewesen waren.</p><p>Gabrelle sah ihn n�chtern an. �Was ist mit Toveine?�, fragte sie.</p><p>�Wenn wir sie finden, t�ten wir sie.�</p><p>�Ist das so einfach f�r dich?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sie���</p><p>�W�rdest du an ihrer Stelle lieber �berleben? Leben und <emphasis>ihm</emphasis> dienen?�</p><p>Sie schloss den Mund; ihre Lippen wurden zu einem blutleeren Strich. Sie f�rchtete ihn noch immer; das konnte er f�hlen. Gut.</p><p><emphasis>Hast du dir das gew�nscht, als du das Banner des Drachen aufzogst?,</emphasis> fl�sterte ihm sein Verstand zu. <emphasis>Als du versucht hast, die Menschheit zu retten? Hast du das getan, um gef�rchtet zu werden? Gehasst zu werden?</emphasis></p><p>Er ignorierte die Stimme. Er hatte immer nur etwas erreicht, wenn man ihn gef�rchtet hatte. Das war der einzige Vorteil gewesen, den er Siuan und Leane gegen�ber gehabt hatte. Der primitive Logain, das Etwas tief in seinem Inneren, das ihn �berhaupt nur weiterleben lie�, brauchte es, dass die Menschen ihn f�rchteten.</p><p>�Kannst du sie f�hlen?�, wollte Gabrelle wissen.</p><p>�Ich habe den Beh�terbund aufgel�st.�</p><p>Ihr Neid kam scharf und unmittelbar. Das schockierte ihn. Er hatte angenommen, dass sie ihre Verbindung mittlerweile genoss oder zumindest ertrug.</p><p>Aber nat�rlich war das alles nur ein Schauspiel, damit sie versuchen konnte, ihn zu manipulieren. So waren Aes Sedai nun einmal. Ja, er hatte Lust von ihr versp�rt, vielleicht sogar Zuneigung. Aber er war sich nicht sicher, dass er sich darauf verlassen konnte, was er von ihrer Seite aus glaubte gef�hlt zu haben. Was er auch versucht hatte, um stark und frei zu sein, trotz allem blieb der Eindruck bestehen, dass man ihn seit seiner Jugend an unsichtbaren F�den lenkte.</p><p>Demandreds Machtlenken pulsierte vor Kraft. Eine solche <emphasis>Macht</emphasis>.</p><p>Auf dem Plateau donnerte es ohrenbet�ubend. Logain warf den Kopf in den Nacken und lachte. K�rper wurden wie Bl�tter von der Anh�he in die Luft geschleudert.</p><p>�Verkn�pft euch mit mir�, befahl er jenen, die bei ihm geblieben waren. �Gesellt euch zu mir in einen Zirkel, und lasst uns ebenfalls den M�Hael und seine M�nner suchen. Gebe das Licht, dass ich ihn finden kann�� meine Tafel verdient das beste Fleisch, den Anf�hrer des Rudels!�</p><p>Und danach�� Wer wusste das schon? Schon immer hatte er sich einmal mit einem der Verlorenen messen wollen. Logain ergriff wieder die Quelle und hielt das sich aufb�umende <emphasis>Saidin</emphasis> fest, als w�re es eine sich windende Schlange, die ihn bei�en wollte. Mit seinem <emphasis>Angreal</emphasis> zog er noch mehr in sich hinein, und dann str�mte die Macht der anderen in ihn. Er lachte noch lauter.</p><empty-line/><p>Gawyn war schrecklich m�de. Normalerweise h�tte ihn diese Woche der Vorbereitungen erfrischen m�ssen, aber heute f�hlte er sich, als w�re er meilenweit gelaufen.</p><p>Daran war nichts zu �ndern. Er zwang seine Aufmerksamkeit wieder auf das Wegetor vor ihm auf dem Tisch, das das Schlachtfeld �berblickte. �Seid Ihr sicher, dass sie es nicht sehen k�nnen?�, fragte er Yukiri.</p><p>�Ich bin sicher�, erwiderte sie. �Das ist ersch�pfend �berpr�ft worden.�</p><p>Sie wurde immer geschickter mit diesen Fenstertoren. Das hier hatte sie auf der Platte eines Tisches gewebt, den man aus Tar Valon ins Lager geschafft hatte. Er schaute auf das Schlachtfeld, als handelte es sich um eine Karte.</p><p>�Wenn Ihr die andere Seite tats�chlich unsichtbar gemacht habt�, sagte Egwene nachdenklich, �k�nnte dies in der Tat sehr n�tzlich werden���</p><p>�Aus der N�he w�re es leichter zu entdecken�, r�umte Yukiri ein. �Das hier befindet sich aber so hoch oben am Himmel, dass es vom Boden einfach nicht zu sehen ist.�</p><p>Gawyn gefiel es nicht, dass sich Egwene so weit �ber das Schlachtfeld beugte. Er hielt den Mund; das Wegetor war so sicher, wie sie es weben konnten. Er konnte sie nicht vor allem besch�tzen.</p><p>�Beim Licht�, sagte Bryne leise, �sie hauen uns in St�cke.�</p><p>Gawyn musterte ihn. Der Mann hatte sich jeder Andeutung widersetzt, auf seine G�ter zur�ckzukehren�� selbst den weniger subtilen. Er hatte darauf bestanden, dass er noch immer ein Schwert f�hren konnte; man d�rfte ihm nur nicht erlauben, die F�hrung zu �bernehmen. Au�erdem konnte jeder von ihnen unter einem Zwang stehen, gab er zu bedenken. In gewisser Weise bescherte ihnen das Wissen, dass er es tat, sogar einen Vorteil. Ihn konnten sie zumindest im Auge behalten.</p><p>Was Siuan auch tat. Sie hielt sch�tzend seinen Arm. Sonst waren nur noch Silviana und Lelaine im Zelt anwesend.</p><p>Die Schlacht verlief nicht gut. Cauthon hatte bereits die Anh�he verloren�� urspr�nglich hatte der Plan vorgesehen, sie so lange wie nur m�glich zu halten��, und die Drachen waren zerst�rt. Demandreds Angriff mit der Einen Macht war viel st�rker gewesen, als jeder von ihnen vorausgesehen hatte. Und aus dem Nordosten war die andere Trolloc-Horde eingetroffen und bedr�ngte Cauthons Verteidiger flussaufw�rts.</p><p>�Was plant er nur?�, fragte Egwene und tippte auf den Tisch. Leises Geschrei drang aus der �ffnung. �Wenn er so weitermacht, wird man unsere Heere einkreisen.�</p><p>�Er versucht einen K�der f�r die Falle auszulegen�, sagte Bryne.</p><p>�Was f�r eine Falle denn?�</p><p>�Es ist nur eine Vermutung, und das Licht wei�, dass meine Einsch�tzung nicht mehr so vertrauensw�rdig wie fr�her ist�, sagte Bryne. �Es sieht so aus, als wollte Cauthon alles in die Schlacht werfen, keine Verz�gerungstaktik mehr, kein Versuch, die Trollocs zu ersch�pfen. So, wie das hier abl�uft, wird die Entscheidung in Tagen fallen. Vielleicht sogar nur in Stunden.�</p><p>�Das klingt genau wie etwas, das Mat versuchen w�rde�, erwiderte Egwene resigniert.</p><p>�Ich kann die Gewebe nicht sehen�, sagte Lelaine, �aber diese <emphasis>Macht</emphasis>���</p><p>�Demandred ist mit einem Zirkel verkn�pft�, erwiderte Egwene. �Augenzeugen zufolge ist es ein voller Zirkel. Etwas, das man seit dem Zeitalter der Legenden nicht mehr gesehen hat. Und er besitzt ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Einige der Soldaten sahen es�� ein Zepter.�</p><p>Mit der Hand auf dem Schwertgriff beobachtete Gawyn die K�mpfe in der Tiefe. Er konnte M�nner schrill schreien h�ren, als Demandred sie mit einer Woge Feuer nach der anderen eindeckte.</p><p>Pl�tzlich donnerte die Stimme des Verlorenen und hallte weit in die Luft. �Wo bist du, Lews Therin? Du bist auf jedem der anderen Schlachtfelder in Verkleidung gesehen worden. Bist du auch hier? K�mpfe gegen mich!�</p><p>Gawyns Hand umklammerte den Schwertgriff. Soldaten str�mten die s�dwestliche Seite der Anh�he hinunter, um die Furt zu �berqueren. Ein paar kleine Gruppen hielten den Hang noch, und Drachenm�nner, die aus Gawyns Perspektive so klein wie Insekten waren, zogen die noch funktionst�chtigen Drachen mit Maultiergespannen in Sicherheit.</p><p>Demandred regnete Zerst�rung auf die fliehenden Truppen. Er war eine Ein-Mann-Armee und schleuderte K�rper in die Luft, lie� Pferde explodieren, verbrannte und vernichtete. Um ihn herum nahmen seine Trollocs die erh�hte Stellung in Besitz. Ihr bl�kender Jubel stieg durch das Wegetor.</p><p>�Wir werden uns mit ihm auseinandersetzen m�ssen, Mutter�, sagte Silviana. �Bald.�</p><p>�Er will uns aus der Deckung locken�, meinte Egwene. �Er hat dieses <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Wir k�nnten ebenfalls einen Zirkel aus zweiundsiebzig bilden, und was dann? Ihm in die Falle gehen? Abgeschlachtet werden?�</p><p>�Welche Wahl bleibt uns denn, Mutter?�, wollte Lelaine wissen. �Licht! Er t�tet Tausende.�</p><p>Er t�tete Tausende. Und sie standen einfach hier herum.</p><p>Gawyn trat zur�ck.</p><p>Au�er Yukiri, die begierig seinen Platz neben Egwene einnahm, schien niemand seinen R�ckzug zu bemerken. Er schl�pfte aus dem Zelt, und als ihn die W�chter fragend ansahen, behauptete er, frische Luft zu brauchen. Egwene w�rde das bef�rworten. Sie f�hlte, wie m�de er in letzter Zeit war; sie hatte es ihm gegen�ber schon mehrmals erw�hnt. Seine Lider f�hlten sich an, als w�rden sie Eisengewichte nach unten ziehen. Er schaute zu dem schwarzen Himmel empor. Er konnte das Donnern in der Ferne h�ren. Wie lange w�rde er wohl noch hier herumstehen und nichts tun, w�hrend andere M�nner starben?</p><p><emphasis>Du hast es versprochen,</emphasis> dachte er bei sich. <emphasis>Du hast gesagt, du w�rst bereit, in ihrem Schatten zu stehen.</emphasis></p><p>Aber das bedeutete nicht, dass er aufh�ren musste, wichtige Dinge zu vollbringen, oder? Er griff in die Tasche und holte einen Ring der Blutmesser hervor. Er steckte ihn auf den Finger, und augenblicklich kehrte seine Kraft zur�ck, verschwand seine Ersch�pfung schlagartig.</p><p>Er z�gerte, dann nahm er auch die anderen Ringe und steckte sie alle an.</p><empty-line/><p>Am S�dufer des Mora rief Tam al�Thor vor den Ruinen nord�stlich vom Dasharfels das Nichts, wie es ihm Kimtin vor so vielen Jahren beigebracht hatte. Er stellte sich eine einzelne Flamme vor und ergoss seine Gef�hle in sie hinein. Er wurde ganz ruhig, dann floh ihn diese Ruhe und lie� nichts zur�ck. Wie eine frisch gestrichene Wand, die wundersch�n und wei� war. Alles schmolz dahin.</p><p>Tam war das Nichts. Er zog den Bogen, und das gute schwarze Eibenholz bog sich, der Pfeil ber�hrte seine Wange. Er zielte, aber das war unerheblich. Wenn er so tief in die Leere eintauchte, w�rde der Pfeil genau das tun, was er befahl. Er <emphasis>wusste</emphasis> das nicht, genauso wenig wie die Sonne wusste, dass sie aufgehen w�rde, oder die �ste wussten, dass ihre Bl�tter fallen w�rden. Diese Dinge <emphasis>wusste</emphasis> man nicht; diese Dinge <emphasis>waren</emphasis> einfach.</p><p>Er lie� los, die Sehne schnappte, der Pfeil raste durch die Luft. Der n�chste folgte ihm, dann der �bern�chste. F�nf hatte er gleichzeitig in der Luft, ein jeder in Erwartung des sich ver�ndernden Windes gezielt.</p><p>Die ersten f�nf Trollocs st�rzten, als sie versuchten, �ber eine der Flo�br�cken zu st�rmen, die sie hier �ber den Fluss hatten schlagen k�nnen. Trollocs hassten Wasser; selbst niedriges Wasser sch�chterte sie ein. Was auch immer Mat getan hatte, um den Fluss weiter aufw�rts zu besch�tzen, es funktionierte, denn das Wasser floss noch. Der Schatten w�rde versuchen, das zu �ndern. Versuchte es in diesem Augenblick. Gelegentlich trieb der Kadaver eines Trollocs oder Maultiers vorbei.</p><p>Tam schoss weiterhin seine Pfeile ab, und Abell und die anderen M�nner von den Zwei Fl�ssen schlossen sich ihm an. Manchmal zielten sie einfach nur in die Masse, suchten sich keine individuellen Trollocs aus�� aber das kam selten vor. Ein normaler Soldat w�rde vielleicht ohne zu zielen schie�en, in der Annahme, dass sein Pfeil schon etwas treffen w�rde, aber kein guter Bogensch�tze aus den Zwei Fl�ssen w�rde so handeln. F�r Soldaten waren Pfeile Wegwerfg�ter, aber nicht f�r Waldl�ufer.</p><p>Tiermenschen st�rzten in Wellen. Au�er Tam und seinen M�nnern spannten Armbrustm�nner ihre Waffen und schossen eine Salve nach der anderen auf das Schattengez�cht. Die hinten stehenden Blassen peitschten auf die Trollocs ein und versuchten, sie �ber den Fluss zu zwingen, aber ohne gro�en Erfolg.</p><p>Tams Pfeil traf einen Blassen genau an der Stelle, wo die Augen h�tten sein sollen. In der N�he pfiff ein gro�er Mann namens Bayrd anerkennend, w�hrend er sich auf seine Axt st�tzte und dem Beschuss zusah. Er geh�rte einer Gruppe Soldaten an, die die Bogensch�tzen besch�tzen sollten, sobald die Trollocs zur Fluss�berquerung gezwungen wurden.</p><p>Bayrd geh�rte zu den S�ldnerf�hrern, die eher zuf�llig zum Heer gesto�en waren, und obwohl er offensichtlich Andoraner war, wollten weder er noch die ungef�hr hundert M�nner in seiner Begleitung Auskunft geben, wo sie hergekommen waren. �Ich muss mir einen dieser B�gen besorgen�, sagte Bayrd zu seinen Gef�hrten. �Verflucht noch mal, habt ihr <emphasis>das</emphasis> gesehen?�</p><p>Abell und Azi l�chelten und schossen weiter. Tam l�chelte nicht. Die Leere besa� keinen Humor, obwohl sich au�erhalb davon kurz ein Gedanke regte. Tam wusste, warum Abell und Azi gel�chelt hatten. Einen Bogen aus den Zwei Fl�ssen zu haben machte einen noch lange nicht zu einem Bogensch�tzen aus den Zwei Fl�ssen.</p><p>�Ich glaube�, sagte Galad Damodred, der in der N�he auf seinem Pferd sa�, �Ihr w�rdet Euch selbst mehr Schaden zuf�gen als dem Feind, solltet Ihr versuchen, damit zu schie�en. Al�Thor, wie lange noch?�</p><p>Tam lie� den n�chsten Pfeil fliegen. �Noch f�nf�, sagte er und griff nach dem n�chsten Pfeil in dem K�cher an seinem G�rtel. Er spannte ihn ein, schoss ihn ab, machte weiter. Zwei, drei, vier, f�nf.</p><p>F�nf weitere tote Trollocs. Insgesamt hatte er �ber drei�ig Pfeile abgeschossen. Einmal hatte er verfehlt, aber das auch nur, weil Abell die Bestie get�tet hatte, auf die er gezielt hatte.</p><p>�Bogensch�tzen, aufh�ren!�, rief Tam.</p><p>Die M�nner zogen sich zur�ck, und Tam lie� das Nichts los, als eine Gruppe Ungeheuer ans Ufer stolperte. Noch immer f�hrte Tam Perrins Truppen an, zumindest gewisserma�en. Wei�m�ntel, Ghealdaner und Wolfsgarde erwarteten alle die endg�ltige Einwilligung von ihm, aber jede Gruppe hatte ihre eigenen Anf�hrer. Er pers�nlich befahl �ber die Bogensch�tzen.</p><p><emphasis>Perrin, du solltest lieber schnell gesunden.</emphasis> Als Haral den Jungen am Vortag am Rand des Lagers im Gras liegend gefunden hatte, blutverschmiert und dem Tode nahe�� Beim Licht, das hatte ihnen allen einen gro�en Schrecken eingejagt.</p><p>Perrin war sicher nach Mayene gebracht worden, wo er vermutlich den Rest der Letzten Schlacht verbringen w�rde. Kein Mann erholte sich schnell von der Art Verletzung, die der Junge davongetragen hatte, nicht einmal mit einer Heilung durch eine Aes Sedai. Den Kampf zu verpassen w�rde ihn in den Wahnsinn treiben, aber manchmal passierte so etwas eben. Das geh�rte zum Soldatentum.</p><p>Tam und seine Leute zogen sich zu den Ruinen zur�ck, wo sie dem Kampf von erh�htem Gel�nde aus zusehen konnten, und er organisierte seine Sch�tzen f�r den Fall, dass sie gebraucht wurden; L�ufer brachten neue Pfeile. Mat hatte Perrins Truppen an der Seite der Drachenverschworenen aufgestellt, die von Tinna angef�hrt wurden, einer statuesken Frau. Tam hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie herkam oder warum gerade sie den Befehl hatte�� sie hatte die Haltung einer Lady, den K�rperbau einer Aiel und die Hautfarbe einer Saldaeanerin. Die anderen schienen auf sie zu h�ren. Tam hatte Drachenverschworene noch nie verstanden, also kam er ihnen nicht in die Quere.</p><p>Man hatte seinem Heer befohlen, die Stellung zu halten. Mat hatte erwartet, dass Sharaner und Trollocs im Westen am heftigsten angreifen w�rden; darum war Tam �berrascht, dass Mat Verst�rkung von der Furt flussaufw�rts schickte. Die Wei�m�ntel waren erst k�rzlich eingetroffen, und sie st�rmten mit wehenden Uniformen das Ufer entlang und schnitten sich einen Weg durch die Bestien, die von ihren Behelfsbr�cken an Land stolperten.</p><p>Vom anderen Ufer flogen Pfeile auf Galad und seine M�nner zu. Die klirrenden Laute, die die Geschosse auf den Schilden und der R�stung der Wei�m�ntel verursachten, klangen wie Hagel auf einem Dach. Tam befahl Arganda, die Fu�soldaten in Marsch zu setzen, und dazu geh�rten auch Bayrd und die S�ldner.</p><p>Ihnen standen nicht gen�gend Piken zur Verf�gung, also hielten Argandas M�nner Hellebarden und Speere. Soldaten fingen an zu br�llen und zu sterben, Trollocs heulten. Alliandre kam in der N�he von Tams r�ckw�rtiger Stellung angeritten, umgeben von gut bewaffneten Fu�soldaten. Tam gr��te sie mit dem Bogen, und sie nickte, bevor sie sich wieder ihrer Beobachtung des Schlachtgeschehens widmete. Sie hatte bei der Schlacht dabei sein wollen. Tam konnte es ihr nicht verdenken, genauso wenig, wie er es ihr verdenken konnte, dass sie ihren Soldaten befohlen hatte, sie beim ersten Anzeichen, dass sie �berrannt werden w�rden, in Sicherheit zu bringen.</p><p>�Tam! Tam!� Dannil kam angerannt, und Tam bedeutete Abell, den Befehl �ber die Bogensch�tzen zu �bernehmen. Er ging Dannil entgegen und traf den Jungen im Schatten der Ruinen.</p><p>Innerhalb der zerst�rten Mauern verfolgte Tams Reserve nerv�s die Schlacht. Die meisten waren Bogensch�tzen aus den S�ldnerkompanien und den Drachenverschworenen. Von der letzteren Gruppe hatten viele noch keinen Kampf erlebt. Nun, bis vor wenigen Monaten hatte das auch f�r die meisten M�nner aus den Zwei Fl�ssen gegolten. Sie hatten schnell gelernt. Es bestand kein gro�er Unterschied darin, ob man mit dem Pfeil einen Hirsch oder Trolloc traf.</p><p>Andererseits schlitzte einem der Hirsch nicht ein paar Sekunden sp�ter mit dem Schwert den Bauch auf, wenn man ihn verfehlte.</p><p>�Was gibt es, Dannil?�, fragte Tam. �Eine Nachricht von Mat?�</p><p>�Er schickt Euch mehrere Banner Infanterie von der Legion des Drachen�, verk�ndete Dannil. �Er hat gesagt, dass wir den Fluss an dieser Stelle halten m�ssen, was es auch kosten mag.�</p><p>�Was hat der Junge blo� vor?� Tam sah zur Anh�he hin�ber. Die Legion des Drachen verf�gte �ber gute Infanterie, ausgezeichnet ausgebildete Armbrustm�nner, die hier sehr n�tzlich sein w�rden. Aber was geschah auf der Anh�he?</p><p>Lichtblitze zeichneten sich vor den dicken schwarzen Rauchwolken ab, die vom Plateau zu den Wolken am Himmel aufstiegen. Dort tobte ein verbissener Kampf.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Dannil. �Mat�� er hat sich ver�ndert. Ich glaube, ich kenne ihn gar nicht mehr. Er hatte schon immer etwas von einem durchtriebenen Schurken an sich, aber jetzt�� Licht, Tam. Er ist wie jemand aus den Heldensagen.�</p><p>Tam grunzte. �Wir alle haben uns ver�ndert. Vermutlich w�rde Mat etwas �hnliches �ber Euch sagen.�</p><p>Dannil lachte. �Ach, das bezweifle ich, Tam. Obwohl ich mich manchmal frage, was wohl geschehen w�re, h�tte ich die drei damals begleitet. Ich meine, Moiraine Sedai suchte nach Jungen im richtigen Alter, und vermutlich war ich etwas zu alt���</p><p>Dannil erschien etwas wehm�tig. Er konnte sagen und glauben, was er wollte, aber Tam hatte seine Zweifel, ob es ihm gefallen h�tte, einige der Dinge zu erdulden, die Mat, Perrin und Rand gezwungen hatten, zu den Menschen zu werden, die sie heute waren. ��bernehmt den Befehl �ber diesen Haufen da�, sagte er und deutete auf die Reservesch�tzen. �Ich sorge daf�r, dass Arganda und Galad wissen, dass wir Verst�rkung erhalten.�</p><empty-line/><p>Dicke Trolloc-Pfeile schlugen um Pevara herum ein, w�hrend sie verzweifelt Luft webte. Ihr Windsto� blies die Geschosse weg, wie ein w�tender Spieler Steine vom Spielbrett fegt. Schwitzend klammerte sie sich an <emphasis>Saidar</emphasis> und webte einen st�rkeren Schild aus Luft, den sie in den Himmel schob, um die n�chsten Salven abzuwehren.</p><p>�Es ist sicher!�, rief sie. �Geht!�</p><p>Eine Gruppe Soldaten schoss unter einem �berhang an der steilen Flussseite der Anh�he hervor. Von oben regneten noch mehr der schwarzen Geschosse in die Tiefe. Sie trafen ihren Schild; er raubte ihnen so viel Wucht, dass sie wie Federn nach unten trudelten, nachdem sie ihn durchschlagen hatten.</p><p>Die Soldaten, denen sie geholfen hatte, eilten auf den Sammelpunkt an der Hawalfurt zu. Andere entschieden sich zu bleiben und zu k�mpfen, als Gruppen Schattengez�cht die H�nge hinunterstr�mten. Die meisten Tiermenschen blieben oben, um ihre Stellung zu halten und die noch verbliebenen Menschen zu erledigen.</p><p><emphasis>Wo?</emphasis> Androls hektischer Gedanke ert�nte als leises Fl�stern in ihrem Verstand.</p><p><emphasis>Hier,</emphasis> antwortete sie. Es war kein vollendeter Gedanke, mehr ein Bild, ein Eindruck der Umgebung.</p><p>Neben ihr zerschnitt ein Wegetor die Luft, und er eilte gefolgt von Emarin hindurch. Beide M�nner trugen Schwerter, aber Emarin fuhr herum und stie� die Hand nach vorn. Eine Feuerlanze raste durch das ge�ffnete Tor. Auf der anderen Seite ert�nten Schreie. Die Schreie von Menschen.</p><p>�Ihr seid bis zur sharanischen Armee gegangen?�, verlangte Pevara zu wissen. �Logain wollte doch, dass wir zusammenbleiben!�</p><p>�Also interessiert Ihr Euch jetzt f�r seine W�nsche?� Androl grinste.</p><p><emphasis>Ihr strapaziert meine Nerven,</emphasis> dachte sie. Um sie herum prasselten Pfeile zu Boden. In der H�he heulten die Trollocs vor Wut.</p><p>�H�bsches Gewebe�, sagte Androl.</p><p>�Danke.� Sie warf einen Blick auf das Schwert.</p><p>�Ich bin jetzt Beh�ter.� Er zuckte mit den Schultern. �Da kann ich auch so aussehen, nicht wahr?�</p><p>Er konnte einen Trolloc auf dreihundert Schritte mit einem Wegetor in zwei H�lften teilen und Feuer aus dem Drachenberg holen, und trotzdem wollte er ein Schwert tragen. Das konnte blo� ein M�nnerding sein.</p><p><emphasis>Das habe ich geh�rt,</emphasis> �bermittelte Androl in Gedanken. �Emarin, zu mir. Pevara Sedai, wenn Ihr die G�te h�ttet, uns zu begleiten���</p><p>Sie schnaubte, aber dann gesellte sie sich zu den beiden M�nnern, und sie eilten am s�dwestlichen Fu� der Anh�he entlang, vorbei an einigen Verwundeten, die in Richtung Sammelpunkt stolperten. Androl warf ihnen einen Blick zu, dann webte er ein Wegetor zur�ck in ihr Lager. Die angeschlagenen M�nner schrien v�llig �berrascht und dankbar auf, dann taumelten sie in Sicherheit.</p><p>Androl war gewachsen�� er war viel selbstsicherer geworden, seit sie die Schwarze Burg verlassen hatten. Als sie ihn kennengelernt hatte, hatte er bei so ziemlich allem gez�gert. Eine �bertriebene nerv�se Bescheidenheit. Das war vorbei.</p><p>�Androl���, sagte Emarin und zeigte mit dem Schwert auf die Anh�he.</p><p>�Ich sehe sie�, sagte Androl. Trollocs quollen �ber die Kante wie Pech aus einem �bersch�umenden Kessel. Das Wegetor schloss sich hinter den Soldaten; wieder eine Gruppe in Sicherheit. Andere schrien auf, als sie es sich schlie�en sahen.</p><p><emphasis>Ihr k�nnt sie nicht alle retten,</emphasis> dachte Pevara streng, als sie seine aufsteigende Verzweiflung sp�rte. <emphasis>Konzentriert Euch auf die Arbeit.</emphasis></p><p>Sie bewegten sich zwischen den Soldaten und n�herten sich mehreren Machtlenkern, die sie vorausf�hlte. Jonneth, Canler und Theodrin befanden sich dort und schleuderten Feuer auf die Bestien. Ihre Stellung wurde gerade �berrannt.</p><p>�Jonneth, Canler, zu mir�, rief Androl, rannte an ihnen vorbei und �ffnete ein Tor. Pevara und Emarin duckten sich hinter ihm hindurch und fanden sich ein paar Hundert Schritte von ihrer letzten Position entfernt auf dem Plateau wieder.</p><p>Jonneth und die anderen folgten ihnen, und sie rannten an einer Gruppe �berraschter Tiermenschen vorbei.</p><p>�Machtlenken!�, br�llte Pevara. Beim Licht, es fiel schwer, mit diesen R�cken zu rennen. Wusste Androl das nicht?</p><p>Er �ffnete ihnen ein neues Tor, als Feuerb�lle aus der Richtung einiger Sharaner angeflogen kamen. Pevara rannte hinein und fing an zu keuchen. Auf der anderen Seite der Sharaner kamen sie wieder heraus; der Feind schoss sich auf die Position ein, an der sie sich gerade noch befunden hatten.</p><p>Sie �ffnete ihre Sinne und versuchte ihr Ziel zu entdecken, es zu f�hlen. Die Sharaner fuhren herum und zeigten auf sie, br�llten aber auf, als Androl aus einem Wegetor neben ihnen eine Schneelawine auf sie st�rzen lie�. Er hatte damit experimentiert, diese Todestore zu weben, die die anderen Asha�man benutzten, aber anscheinend war das Gewebe gerade anders genug, dass es nicht so recht klappen wollte. Also blieb er bei dem, worin er gut war.</p><p>Noch immer k�mpften vereinzelte Gruppen der Burgwache oben auf der Anh�he und hielten befehlswidrig ihre Stellungen. Zwischen verbrannten Leichen lagen noch qualmende Tr�mmer von Drachen, einschlie�lich der gro�en Bronzerohre. Abertausende Trollocs heulten ihre wilde Freude heraus; die meisten standen jetzt am Plateaurand und schossen Pfeile in die Tiefe. Ihr Jubel entfachte neuen Grimm in Pevara, und sie webte Erde und schickte die Gewebe in den Boden neben einer Gruppe. Ein gro�es St�ck Felsen erbebte, brach ab und schickte zwei Dutzend Bestien in die Tiefe.</p><p>�Wir erregen Aufmerksamkeit!�, sagte Emarin und setzte einen Myrddraal in Brand, der auf sie zugeschlichen war. In Flammen geh�llt zuckte und kreischte er und wollte einfach nicht sterben. Schwitzend unterst�tzte Pevara Emarins Feuer und verbrannte die Kreatur, bis sie nur noch aus geschw�rzten Knochen bestand.</p><p>�Nun, das ist ja nicht schlecht!�, erwiderte Androl. �Wenn wir genug Aufmerksamkeit erregen, wird sich fr�her oder sp�ter eine der Schwarzen Ajah oder einer von Taims M�nnern um uns k�mmern.�</p><p>Jonneth fluchte. �Das ist beinahe so, als w�rde man in einen Ameisenhaufen springen und darauf warten, dass sie einen bei�en.�</p><p>�Das ist genauso�, erwiderte Androl. �Ihr haltet nach ihnen Ausschau. Ich k�mmere mich um die Trollocs!�</p><p><emphasis>Das ist aber ein k�hnes Versprechen,</emphasis> dachte Pevara an ihn gerichtet.</p><p>Seine Antwort war so warm wie Hitze von einer Herdplatte. <emphasis>Es klang heroisch.</emphasis></p><p><emphasis>Ich nehme an, Ihr k�nntet etwas zus�tzliche Kraft brauchen?</emphasis></p><p><emphasis>Ja, bitte.</emphasis></p><p>Sie bot ihm die Verkn�pfung. Er f�llte sich mit ihrer Kraft und �bernahm die Kontrolle des Zirkels. Wie immer war die Verkn�pfung mit ihm eine �berw�ltigende Erfahrung. Sie f�hlte, wie ihre Empfindungen immer wieder zwischen ihnen beiden hin- und hergeschleudert wurden, was sie err�ten lie�. Ob er wohl sp�rte, mit welchen Augen sie ihn langsam betrachtete?</p><p><emphasis>So albern wie ein M�dchen im knielangen Rock,</emphasis> dachte sie im Stillen, wobei sie ihre Gedanken sorgf�ltig vor ihm abschirmte, <emphasis>das kaum alt genug ist, um den Unterschied zwischen Jungen und M�dchen zu kennen.</emphasis> Und dann auch noch mitten im Krieg.</p><p>W�hrend der Verkn�pfung mit ihm fiel es ihr schwer, ihre Gef�hle so zu st�hlen, wie es eine Aes Sedai sollte. Ihre beiden Pers�nlichkeiten vermischten sich wie zwei Farben, die man in denselben Topf sch�ttete. Sie k�mpfte dagegen an, entschlossen, ihre Identit�t zu bewahren. Bei einer Verkn�pfung war das von entscheidender Bedeutung, was man ihr immer wieder eingeh�mmert hatte.</p><p>Androl zeigte auf eine Gruppe Ungeheuer, die angefangen hatten, ihn mit Pfeilen zu beschie�en. Blitzartig �ffnete sich das Wegetor und verschlang die Geschosse. Pevara blickte sich um und entdeckte, dass sie auf eine andere Gruppe Tiermenschen hagelten.</p><p>Wegetore �ffneten sich im Boden, rissen die Trollocs von den Beinen und lie�en sie Hunderte Fu� am Himmel wieder erscheinen. Ein winziges Wegetor schnitt einem Myrddraal den Kopf ab und lie� den K�rper zappelnd tintenschwarzes Blut verspritzen. Androls Mannschaft stand jetzt in der N�he des westlichen Abschnitts, wo einst die Drachenstellung gewesen war. �berall um sie herum befanden sich Schattengez�cht und Sharaner.</p><p><emphasis>Androl, Machtlenken!</emphasis> Sie konnte f�hlen, wie es in die H�he stieg. Etwas M�chtiges.</p><p><emphasis>Taim!</emphasis> Androls sofort aufflammende Wut f�hlte sich an, als w�rde sie Pevara gleich aus der Welt brennen. Darin verbarg sich der Verlust von Freunden und der Zorn �ber den Verrat eines Mannes, der sie doch h�tte besch�tzen sollen.</p><p><emphasis>Vorsichtig,</emphasis> mahnte sie. <emphasis>Wir wissen nicht, ob er es ist.</emphasis></p><p>Der Angreifer befand sich in einem Zirkel aus M�nnern und Frauen, sonst h�tte Pevara ihn nicht wahrnehmen k�nnen. Tats�chlich konnte sie die Gewebe nicht sehen. Aber sie sah die bedrohliche, fast einen Schritt breite Feuers�ule, die auf sie zuschoss und hei� genug war, um den steinigen Boden rot gl�hen zu lassen.</p><p>In letzter Sekunde konnte Androl ein Wegetor �ffnen, das die Feuers�ule abfing und zur�ck in die Richtung schickte, aus der sie gekommen war. Brausendes Feuer verbrannte Trolloc-Kadaver und entz�ndete Unkraut und B�sche.</p><p>Was dann geschah, bekam Pevara gar nicht bewusst mit. Androls Tor verschwand, als h�tte man es ihm aus der Hand gerissen, dann schlugen direkt neben ihnen Blitze ein. Pevara krachte zu Boden, Androl landete schwer auf ihr.</p><p>In diesem Augenblick verlor sie sich.</p><p>Es geschah zuf�llig, ausgel�st von dem schweren Zusammensto�. In den meisten F�llen w�re ihre Verkn�pfung einfach entglitten, aber Androl hatte einen kr�ftigen Griff. Der Damm, der Pevaras Ich von dem seinen trennte, brach entzwei, und sie verschmolzen. Als w�rde man durch einen Spiegel treten und dann sich selbst betrachten.</p><p>Gewaltsam zog sie sich wieder heraus, tat das aber mit einer messerscharfen Wahrnehmung, die sie nicht beschreiben konnte. <emphasis>Wir m�ssen hier weg,</emphasis> dachte sie noch immer mit Androl verkn�pft. Die anderen schienen noch alle am Leben zu sein, aber das w�rde nicht mehr von langer Dauer sein, falls ihr Feind die n�chsten Blitze schickte. Instinktiv begann Pevara mit dem komplizierten Gewebe f�r ein Wegetor, obwohl das doch gar nichts bewirken w�rde. Androl f�hrte den Zirkel an, also konnte blo� er��</p><p>Das Tor schnappte auf. Pevara keuchte. <emphasis>Sie</emphasis> hatte das getan, nicht er. Das geh�rte zu den kompliziertesten, schwierigsten und machtintensivsten Geweben, die sie kannte, aber sie hatte das so m�helos geschafft, als w�rde sie jemandem zuwinken. In einem Zirkel, den ein anderer f�hrte.</p><p>Theodrin stolperte als Erste hindurch. Die anmutige Domani zerrte einen benommenen Jonneth mit sich. Emarin folgte ihr hinkend; ein Arm baumelte nutzlos an seiner Seite.</p><p>Androl betrachtete staunend das Tor. �Ich glaubte, wenn man in einem Zirkel steckt, den ein anderer f�hrt, k�nnte man unm�glich die Macht lenken.�</p><p>�Kann man auch nicht. Das ist mir zuf�llig gelungen.�</p><p>�Zuf�llig? Aber wieso���</p><p>�Rein in das Tor, Klotzkopf�, befahl Pevara und stie� ihn darauf zu. Sie folgte ihm, dann brach sie auf der anderen Seite zusammen.</p><empty-line/><p>�Damodred, ich brauche Euch da, wo Ihr jetzt seid�, sagte Mat. Er machte sich nicht die M�he aufzuschauen, konnte aber durch das ge�ffnete Tor Galads Pferd schnauben h�ren.</p><p>�Man muss sich unwillk�rlich fragen, ob Ihr noch bei Verstand seid, Cauthon�, erwiderte Galad.</p><p>Schlie�lich sah Mat von seinen Karten auf. Er war nicht unbedingt davon �berzeugt, sich jemals an diese Wegetore zu gew�hnen. Er stand im Befehlshaus, das Tuon in der Felsspalte im Dasharfels errichtet hatte, und in der Wand klaffte ein Wegetor. Auf der anderen Seite sa� Galad in seiner wei�-goldenen Uniform der Kinder des Lichts auf seinem Pferd. Noch immer war er in der N�he der Ruinen stationiert, wo sich ein Trolloc-Heer den Weg �ber den Mora erzwingen wollte.</p><p>Galad Damodred war ein Mann, der gut ein paar Becher Schnaps h�tte vertragen k�nnen. Mit diesem h�bschen Gesicht und dem immer gleichen Ausdruck h�tte er genauso gut eine Statue sein k�nnen. Nein, Statuen waren lebendiger.</p><p>�Ihr tut, was man Euch befiehlt�, sagte Mat und blickte wieder auf die Karte. �Ihr sollt den Fluss an dieser Stelle halten und tun, was Euch Tam sagt. Es ist mir v�llig gleichg�ltig, ob Ihr der Meinung seid, dass Eure Stellung nicht wichtig genug ist.�</p><p>�Nun gut�, erwiderte Galad mit einer Stimme, die so kalt wie die einer Leiche im Schnee war. Er wendete sein Pferd, und die <emphasis>Damane</emphasis> Mika schloss das Tor.</p><p>�Das da drau�en ist ein Blutbad, Mat�, sagte Elayne. Beim Licht, ihr Tonfall war ja noch k�lter als Galads!</p><p>�Ihr alle habt mir den Befehl �bergeben. Lasst mich meine Arbeit machen.�</p><p>�Wir ernannten dich zum Befehlshaber der Heere�, erwiderte Elayne. �Du hast keineswegs den Oberbefehl.�</p><p>Das war typisch Aes Sedai, sich an jedem verdammten Wort aufzuh�ngen. Es�� Stirnrunzelnd blickte er auf. Min hatte gerade leise etwas zu Tuon gesagt. �Was ist?�, wollte er wissen.</p><p>�Ich sah ihn allein auf einem Feld liegen�, sagte Min, �als w�re er tot.�</p><p>�Matrim�, ergriff Tuon das Wort. �Ich bin�� besorgt.�</p><p>�Dieses eine Mal sind wir einer Meinung�, sagte Elayne von ihrem Thron auf der anderen Seite des Raumes. �Mat, ihr General man�vriert dich aus.�</p><p>�So verflucht einfach ist das nicht�, erwiderte Mat und pochte mit dem Finger auf die Karten. �So verflucht einfach ist das nie.�</p><p>Der Mann, der den Schatten anf�hrte, <emphasis>war</emphasis> gut. Sehr gut sogar. <emphasis>Es ist Demandred,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Ich k�mpfe gegen einen der lichtverfluchten Verlorenen.</emphasis></p><p>Gemeinsam erschufen sie ein grandioses Gem�lde. Jeder reagierte mit subtiler Sorgfalt auf die Z�ge des anderen. Blo� dass Mat versuchte, etwas zu viel Rot in seine Farben zu mischen. Er wollte das falsche Bild zeichnen, aber es sollte �berzeugend sein.</p><p>Das war schwer. Er musste genug Geschick beweisen, um Demandred zur�ckzuhalten, dabei aber schwach genug erscheinen, um Angriffslust zu wecken. Eine schrecklich subtile Finte. Es war gef�hrlich, m�glicherweise sogar katastrophal. Gezwungenerma�en wandelte er auf der Rasierklinge. Unm�glich zu vermeiden, sich in die F��e zu schneiden. Die Frage lautete nicht, ob er bluten w�rde, sondern ob er es bis zur anderen Seite schaffte oder nicht.</p><p>�Setzt die Ogier in Marsch�, befahl er leise, wieder �ber die Karten gebeugt. �Sie sollen die M�nner an der Furt verst�rken.� Dort k�mpften die Aiel und besch�tzten den Weg, w�hrend sich die M�nner der Wei�en Burg und der Bande der Roten Hand von der Anh�he zur�ckzogen.</p><p>Der Befehl wurde an die Ogier weitergegeben. <emphasis>Pass auf dich auf, Loial,</emphasis> dachte Mat und machte eine Notiz auf die Karte, wo er die Ogier hingeschickt hatte. �Warnt Lan, er befindet sich noch immer an der Westseite der Anh�he. Ich will, dass er sie umrundet, jetzt, wo die meisten Streitkr�fte des Schattens oben sind, und dann wieder zur�ck zum Mora zieht, direkt in den R�cken des anderen Trolloc-Heeres, das in der N�he der Ruinen �ber den Fluss will. Er soll sie nicht angreifen; er soll einfach au�er Sicht bleiben und die Position halten.�</p><p>Die Boten liefen los, um seine Befehle zu �berbringen, und er machte die n�chste Notiz. Eine <emphasis>So�jhin</emphasis> brachte ihm einen Becher <emphasis>Kaf</emphasis>, die S��e mit den Sommersprossen. Er war viel zu sehr auf seine Schlacht konzentriert, um ihr zuzul�cheln.</p><p>Er nippte an dem Gebr�u und lie� sich von der <emphasis>Damane</emphasis> ein Wegetor auf der Tischplatte weben, damit er das Schlachtfeld selbst sehen konnte. Er beugte sich dar�ber, legte die freie Hand aber an die Tischkante. Nur ein verdammter Narr w�rde sich durch ein zweihundert Fu� �ber dem Boden befindliches Loch sto�en lassen.</p><p>Dann stellte er den Becher auf einem Seitentischchen ab und z�ckte das Fernrohr. Die Trollocs r�ckten von der Anh�he in Richtung Moor. Ja, Demandred war wirklich gut. Die riesigen Bestien, die er losschickte, waren langsam, aber so m�chtig wie ein Steinschlag. Eine Gruppe berittener Sharaner stand ebenfalls im Begriff, die Anh�he zu verlassen. Leichte Kavallerie. Sie w�rde seine Truppen an der Furt angreifen und verhindern, dass sie gegen die linke Flanke der Bestien vorr�ckten.</p><p>Eine Schlacht war nichts anderes als ein Duell im gro�en Rahmen. Auf jede Bewegung folgte eine Gegenbewegung�� oft auch drei oder vier. Man reagierte, indem man eine Abteilung hierhin und eine dorthin verlegte, versuchte die Bem�hungen des Gegners zu vereiteln, w�hrend man Druck auf die Stellen aus�bte, an denen er schlecht aufgestellt war. Hin und her, hin und her. Mat war zahlenm��ig unterlegen, aber das konnte er sich zunutze machen.</p><p>�Teilt Talmanes die folgenden Worte mit�, sagte er, w�hrend er noch immer durch das Fernrohr blickte. ��Erinnert Ihr Euch noch, wie Ihr mit mir gewettet habt, ich k�nnte keine M�nze quer durch die ganze Schenke in einen Becher werfen?��</p><p>�Ja, H�chsterlauchter�, sagte der seanchanische Bote.</p><p>Mat hatte darauf entgegnet, dass er es versuchen w�rde, sobald er betrunkener war�� sonst w�re es doch unfair. Dann hatte er so getan, als w�rde er sich betrinken, und Talmanes dazu verleitet, den Einsatz von Silber auf Gold zu erh�hen.</p><p>Talmanes war das aber keineswegs verborgen geblieben, und er hatte darauf bestanden, dass er wirklich trank. <emphasis>Daf�r schulde ich ihm immer noch ein paar Mark, oder?,</emphasis> dachte Mat fl�chtig.</p><p>Er richtete das Fernrohr auf den Norden des Plateaus. Eine Gruppe schwerer sharanischer Kavallerie hatte sich versammelt, um den Hang hinunterzureiten; er konnte ihre langen Lanzen erkennen.</p><p>Sie bereiteten sich darauf vor, nach unten zu st�rmen, um Lans M�nner abzufangen, wenn sie die Nordseite der Polov-Anh�he passierten. Dabei hatte der Befehl Lan noch gar nicht erreicht.</p><p>Es best�tigte seinen Verdacht: Demandred hatte nicht nur Spione im Lager, er hatte sogar einen im oder in unmittelbarer N�he des Befehlshauses. Jemand, der Botschaften schicken konnte, sobald Mat den Befehl erteilt hatte. Vermutlich also Machtlenker hier im Haus, die ihre F�higkeiten verbargen.</p><p><emphasis>Verfluchte Asche. Als w�re das alles nicht schon schwer genug.</emphasis></p><p>Der Bote kehrte von Talmanes zur�ck. �H�chsterlauchter�, sagte er, warf sich zu Boden und ber�hrte mit der Nase den Boden, �Euer Mann sagt, dass seine Streitkr�fte v�llig am Boden sind. Er will Eure Befehle befolgen, l�sst aber mitteilen, dass die Drachen heute nicht mehr einsatzf�hig sind. Es wird Wochen brauchen, um sie zu reparieren. Sie sind�� ich bitte um Vergebung, H�chsterlauchter, aber so lauteten seine genauen Worte. Sie sind schlimmer dran als eine Schenkmagd in Sabinel. Ich wei� nicht, was das zu bedeuten hat.�</p><p>�Schenkm�gde arbeiten dort f�r Trinkgeld�, sagte Mat mit einem Grunzen, �blo� dass die Leute in Sabinel kein Trinkgeld geben.�</p><p>Das war nat�rlich eine L�ge. In Sabinel hatte Mat versucht, Talmanes dazu zu bringen, ihm dabei zu helfen, ein paar Schenkm�gde herumzukriegen. Talmanes hatte vorgeschlagen, er solle eine Kriegsverletzung vort�uschen, um Mitleid zu erringen.</p><p>Guter Mann. Die Drachen waren noch einsatzf�hig, aber vermutlich ganz sch�n mitgenommen. Hier hatten sie einen Vorteil; mit Ausnahme von ihm und Aludra wusste niemand, wie sie genau funktionierten. Verdammte Asche, selbst er sorgte sich bei jedem Abschuss, dass ihnen die Dinger um die Ohren flogen.</p><p>F�nf oder sechs Drachen waren unbesch�digt; Mat hatte sie rechtzeitig durch ein Wegetor in Sicherheit gebracht. Aludra hatte sie s�dlich von der Furt aufgestellt, wo sie auf die Anh�he zielten. Mat w�rde sie einsetzen, aber bei dem Spion den Eindruck erwecken, dass so gut wie <emphasis>alle</emphasis> vernichtet worden waren. Talmanes konnte sie aber zusammenflicken, damit er sie wieder benutzen konnte.</p><p><emphasis>Aber in dem Augenblick, in dem ich das mache, wird ihnen Demandred alles entgegenschleudern, was er hat.</emphasis> Es musste einfach der richtige Augenblick sein. Verfluchte Asche, in letzter Zeit drehte sich sein Leben <emphasis>nur</emphasis> noch darum, den richtigen Augenblick zu finden. Und genau diese Augenblicke gingen ihm langsam aus. Jetzt befahl er Aludra erst einmal, die Trollocs, die den S�dwesthang hinunterkamen, �ber den Fluss hinweg mit dem halben Dutzend noch funktionierender Drachen unter Feuer zu nehmen.</p><p>Sie war weit genug von der Anh�he entfernt, und sie w�rde in Bewegung bleiben, damit Demandred keine Gelegenheit haben w�rde, ihren genauen Standort zu bestimmen und sie zu vernichten. Der von ihnen erzeugte Qualm w�rde ihre Position zus�tzlich verbergen.</p><p>�Mat�, sagte Elayne von ihrem Thron. Am�siert fiel ihm auf, dass sie, als sie ihn aus Gr�nden der �Bequemlichkeit� etwas zurechtgeschoben hatte, Birgitte irgendwie dazu gebracht hatte, ihn ein paar Zoll zu erh�hen, sodass sie jetzt genau auf gleicher H�he mit Tuon sa�. Vielleicht sogar einen Zoll h�her. �Bitte. Kannst du wenigstens <emphasis>etwas</emphasis> von dem erkl�ren, was du da tust?�</p><p><emphasis>Nicht ohne dass es der Spion mitbekommt,</emphasis> dachte er und blickte sich im Raum um. Wer war es? Eine von den drei Paaren <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul�dam</emphasis>? Konnte eine <emphasis>Damane</emphasis> eine Schattenfreundin sein, ohne dass es ihre <emphasis>Sul�dam</emphasis> mitbekam? Was war mit den Leuten auf der anderen Seite? Diese Adlige mit der wei�en Str�hne im Haar sah verd�chtig aus.</p><p>Oder war es einer der vielen Gener�le? Galgan? Tylee? Bannergeneralin Gerisch? Sie stand da und starrte ihn finster an. Also ehrlich. Frauen. Sie hatte <emphasis>wirklich</emphasis> ein h�bsches Hinterteil, aber er hatte es blo� erw�hnt, um h�flich zu sein. Schlie�lich war er ein verheirateter Mann.</p><p>Hier war einfach zu viel Betrieb, das war das Problem. Er h�tte Hirse auf den Boden streuen k�nnen und am Ende des Tages Mehl gehabt. Angeblich waren sie alle �beraus loyal und nicht einmal ansatzweise dazu f�hig, die Kaiserin zu verraten, sollte sie ewig leben. Was sie nat�rlich nicht w�rde, wenn hier weiterhin Spione ein und aus gingen.</p><p>�Mat?�, sagte Elayne nun schon beharrlicher. �Jemand muss wissen, was du vorhast. Solltest du fallen, m�ssen wir deinen Plan weiter fortf�hren.�</p><p>Nun, gegen dieses Argument lie� sich schwerlich etwas einwenden. Er hatte selbst schon daran gedacht. Zuversichtlich, dass man seine neuen Befehle ausf�hrte, trat er zu Elayne. Er schaute sich um, l�chelte alle unschuldig an. Sie brauchten nicht zu wissen, dass er ihnen misstraute.</p><p>�Warum schaust du jeden anz�glich an?�, wollte Elayne leise wissen.</p><p>�Ich schaue �berhaupt nicht anz�glich�, protestierte er. �Nach drau�en. Ich will einen Spaziergang machen und frische Luft schnappen.�</p><p>�Knotai?�, fragte Tuon und stand auf.</p><p>Er sah nicht in ihre Richtung�� dieser Blick konnte Stahl durchbohren. Stattdessen verlie� er ohne jede Eile das Geb�ude. Wenige Augenblicke sp�ter folgten Elayne und Birgitte.</p><p>�Was soll das?�, fragte Elayne leise.</p><p>�Da drinnen sind so viele Ohren.�</p><p>�Du glaubst, im Befehlshaus ist ein Spion���</p><p>�Moment�, sagte Mat, nahm sie am Arm und zog sie mit sich. Freundlich nickte er ein paar Totenw�chtern zu. Sie grunzten zur Erwiderung. F�r Totenw�chter war das richtig geschw�tzig.</p><p>�Du kannst frei sprechen�, sagte Elayne. �Ich habe ein Gewebe gegen Lauscher gewebt.�</p><p>�Danke�, sagte Mat. �Ich wollte dich aus dem Befehlshaus raushaben. Ich sage dir, was ich tue. Sollte etwas schiefgehen, musst du einen neuen General aussuchen, richtig?�</p><p>�Mat, wenn du es f�r m�glich h�ltst, dass da ein Spion���</p><p>�Ich wei� es, also werde ich mir den Burschen zunutze machen. Das funktioniert schon. Vertrau mir.�</p><p>�Ja, und du bist so zuversichtlich, dass du bereits einen Ersatzplan f�r den Fall hast, dass du scheiterst.�</p><p>Er ignorierte die Bemerkung und nickte Birgitte zu. Sie sah sich unauff�llig um und hielt nach Leuten Ausschau, die ihnen zu nahe kommen wollten.</p><p>�Wie gut spielst du Karten, Elayne?�, fragte er.</p><p>�Wie gut ich�� Jetzt ist doch nicht die Zeit, um zu spielen!�</p><p>�Es ist <emphasis>genau</emphasis> der richtige Augenblick f�r ein Spiel. Ist dir eigentlich klar, wie sehr uns der Feind �berlegen ist? Sp�rst du, wie sich bei Demandreds Angriffen der Boden bewegt? Wir k�nnen uns gl�cklich sch�tzen, dass er nicht in unser Befehlshaus Reist und uns angreift�� ich vermute, er bef�rchtet, dass sich Rand irgendwo hier versteckt und er in einen Hinterhalt ger�t. Aber Blut und verdammte Asche, er ist <emphasis>stark</emphasis>. Wenn wir nicht spielen, sind wir tot. Erledigt. Begraben.�</p><p>Sie verstummte.</p><p>�Mit Karten ist das so.� Mat hob einen Finger. �Karten sind nicht wie W�rfel. Beim W�rfeln will man so viele W�rfe wie m�glich gewinnen. Viele W�rfe, viele Siege. Das ist allein vom Zufall bestimmt, verstehst du? Aber nicht bei den Karten. Bei einem Kartenspiel muss man die Gegner dazu verlocken, ihren Einsatz zu machen. Einen vern�nftigen Einsatz. Das gelingt einem, indem man sie gelegentlich gewinnen l�sst. Oder oft.</p><p>Das f�llt hier nicht schwer, da wir in der Unterzahl und unterlegen sind. Die einzige M�glichkeit auf einen Sieg besteht darin, alles auf das richtige Blatt zu setzen. Beim Kartenspiel kann man neunundneunzigmal verlieren und trotzdem mit dem richtigen Blatt gewinnen. Jedenfalls solange der Gegner anf�ngt, leichtsinnig zu werden. Solange man sich die Verluste leisten kann.�</p><p>�Und das tust du? Du gibst vor, dass wir verlieren?�</p><p>�Nat�rlich nicht, verflucht.� Mat sch�ttelte den Kopf. �Das kann ich nicht vort�uschen. Das w�rde er sofort durchschauen. Ich verliere tats�chlich, aber ich behalte auch alles im Auge. Halte mich f�r diesen letzten Einsatz bereit, das Blatt, das noch alles gewinnen k�nnte.�</p><p>�Also wann schlagen wir zu?�</p><p>�Wenn die richtigen Karten kommen.� Mat hob die Hand und wehrte ihren Einspruch ab. �Elayne, ich werde es wissen. Ich werde es verflucht noch eins wissen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.�</p><p>Sie verschr�nkte die Arme �ber dem dicken Bauch. Beim Licht, er schien jeden Tag gr��er zu werden. �Sch�n. Wie sehen deine Pl�ne f�r Andors Heer aus?�</p><p>�Ich habe Tam und seine M�nner bereits am Fluss bei den Ruinen aufgestellt. Was den Rest deiner Streitkr�fte angeht, m�chte ich, dass du bei der Furt hilfst. Vermutlich geht Demandred davon aus, dass diese Trollocs dort oben im Norden den Fluss �berqueren und unsere Verteidiger auf der shienarischen Seite flussabw�rts treiben, w�hrend der Rest der Trollocs und die Sharaner die Anh�he verlassen, um die Furt zu �berqueren und uns dann flussaufw�rts zu treiben.</p><p>Sie werden versuchen, uns einzukreisen, und das wird es dann gewesen sein. Aber Demandred hat eine Streitmacht den Mora hinaufgeschickt, um dem Fluss das Wasser mit einem Damm abzugraben, und das wird bald so weit sein. Wir werden sehen, ob wir das f�r uns in einen Vorteil verwandeln k�nnen. Aber sobald der Fluss versiegt, brauchen wir eine starke Verteidigung an Ort und Stelle, um die Trollocs aufzuhalten, wenn sie durch das Flussbett kommen. Daf�r sind deine Streitkr�fte da.�</p><p>�Wir gehen�, sagte Elayne.</p><p>�Wir?�, bellte Birgitte.</p><p>�Ich reite mit meinen Truppen�, verk�ndete Elayne und setzte sich in Richtung Pferdeseile in Bewegung. �Es ist offensichtlich, dass ich hier nichts ausrichten kann, und Mat will mich nicht im Befehlshaus haben. Also gehe ich verdammt noch mal zu dieser Furt.�</p><p>�In die <emphasis>Schlacht</emphasis>?�, sagte Birgitte.</p><p>�Wir stecken bereits mitten in der Schlacht�, erwiderte Elayne. �Die sharanischen Machtlenker k�nnten den Dasharfels und diese Felsspalte hier in der n�chsten Minute mit zehntausend M�nnern angreifen. Komm schon. Ich verspreche auch, dass ich dich so viele Gardistinnen um mich herum aufstellen lasse, dass ich nicht einmal niesen kann, ohne Dutzende von ihnen nass zu machen.�</p><p>Birgitte seufzte, und Mat schenkte ihr einen tr�stenden Blick. Sie nickte ihm zum Abschied zu, dann schloss sie sich Elayne an.</p><p><emphasis>Also gut,</emphasis> dachte Mat und wandte sich wieder dem Befehlshaus zu. Elayne tat, was sie tun musste, und Talmanes hatte sein Signal begriffen. Jetzt konnte er sich der wahren Herausforderung zuwenden.</p><p>Konnte er Tuon dazu verleiten, das zu tun, was er wollte?</p><empty-line/><p>Galad f�hrte die Kavallerie der Kinder des Lichts unweit der Ruinen zu einem breit gef�cherten Angriff am Mora entlang. Das Schattengez�cht hatte noch mehr Pontonbr�cken angelegt, und Kadaver trieben hier so dicht wie Herbstbl�tter auf einem Teich. Die Bogensch�tzen hatten gute Arbeit geleistet.</p><p>Die Kreaturen, die den �bergang geschafft hatten, gaben nun den Kindern zu tun. Mit festgehaltener Lanze beugte sich Galad vor und durchtrennte den Hals eines riesigen b�rgesichtigen Ungeheuers; er galoppierte mit bluttriefender Lanze weiter, w�hrend der Trolloc hinter ihm auf die Knie sackte.</p><p>Er f�hrte seinen Hengst Sidama in die Masse der Tiermenschen, stie� sie von den Beinen oder lie� sie aus dem Weg springen. Die Macht eines Kavallerieangriffs lag in der Anzahl seiner Reiter begr�ndet, und die von ihm zur Seite gezwungenen Feinde konnten von den nachfolgenden Pferden niedergemacht werden.</p><p>Seinem Sturmangriff folgte eine Salve von Tams M�nnern, die auf die Hauptgruppe der Trollocs schossen, die sich das Ufer empork�mpfte. Die n�chsten str�mten einfach �ber sie hinweg und trampelten die Verletzten noch tiefer in den Schlamm.</p><p>Golever und andere Kinder gesellten sich zu Galad, als ihrem Sturm ��der �ber die ersten Reihen der Tiermenschen hinwegfegte�� die Gegner ausgingen. Er und seine M�nner z�gelten scharf die Pferde, wandten sich mit erhobenen Lanzen um und galoppierten zur�ck, um kleine Gruppen von Reitern zu erreichen, die von der Hauptgruppe getrennt worden waren und nun allein k�mpften.</p><p>Das Schlachtfeld war gewaltig. Galad verbrachte fast eine ganze Stunde damit, solche Gruppen zu suchen, sie zu retten und zur�ck zu den Ruinen zu befehlen, damit Tam oder einer seiner Hauptleute sie zu neuen Bannern formieren konnten. W�hrend ihre Verlustzahlen stetig stiegen, vermengten sich die urspr�nglichen Formationen mit anderen M�nnern. Nun ritten nicht nur S�ldner mit den Kindern. Galad hatte Ghealdaner, Gefl�gelte Wachen und sogar zwei Beh�ter unter seinem Kommando. Kline und Alix. Beide hatten ihre Aes Sedai verloren. Galad rechnete nicht damit, dass sie lange �berleben w�rden, aber sie k�mpften mit furchterregender Wildheit.</p><p>Nachdem er wieder eine Gruppe �berlebende zu den Ruinen zur�ckgeschickt hatte, lie� er Sidama langsamer gehen und lauschte dem angestrengten Atem des Hengstes. Das Flussufer war hier zu einem blutigen Matsch aus Schlamm und Leichen geworden. Cauthon hatte recht gehabt, die Kinder hier zu belassen. Vielleicht traute er ihm ja einfach nur zu wenig zu.</p><p>�Wie lange k�mpfen wir schon, was meint Ihr?�, fragte Golever neben ihm. Der Wappenrock des Kindes war zerfetzt worden und das darunterliegende Kettenhemd zum Vorschein gekommen. Eine feindliche Klinge hatte an der Seite einen Teil der Eisenringe zerschmettert. Der Schutz hatte gehalten, aber die Blutflecken waren ein deutlicher Hinweis, dass viele der Ringe durch das darunterliegende Wams in sein Fleisch getrieben worden waren. Es schien nicht zu schlimm zu bluten, also hielt Galad den Mund.</p><p>�Wir griffen gegen Mittag an�, sch�tzte Galad, obwohl er wegen der Wolken die Sonne nicht sehen konnte. Aber er war sich ziemlich sicher, dass sie mittlerweile seit vier oder f�nf Stunden k�mpften.</p><p>�Glaubt Ihr, sie h�ren f�r die Nacht auf?�</p><p>�Wohl kaum�, meinte er. �Falls diese Schlacht �berhaupt so lange dauert.�</p><p>Golever sah ihn beunruhigt an. �Ihr glaubt���</p><p>�Ich habe keinen �berblick. Cauthon schickt so viele Truppen hierher, und soweit ich das beurteilen kann, hat er jeden von der Anh�he abgezogen. Ich verstehe den Grund nicht. Und der Fluss�� findet Ihr nicht, dass das Wasser nicht mehr gleichm��ig flie�t? Der Kampf flussaufw�rts muss schlecht laufen��� Er sch�ttelte den Kopf. �Vielleicht w�rde ich ja Cauthons Plan verstehen, k�nnte ich mehr vom Schlachtfeld sehen.�</p><p>Er war Soldat. Ein Soldat brauchte den Schlachtplan nicht zu verstehen, um seine Befehle zu befolgen. Aber f�r gew�hnlich konnte Galad wenigstens anhand der erfolgten Befehle die Strategie der eigenen Seite erschlie�en.</p><p>�Habt Ihr Euch je eine so gro�e Schlacht vorgestellt?�, fragte Golever und wandte den Kopf. Am Fluss krachte Argandas Infanterie in den Feind. Immer mehr Schattengez�cht gelang der �bergang�� alarmiert registrierte Galad, dass das Wasser versiegte.</p><p>In der letzten Stunde hatten sich die Tiermenschen einen Br�ckenkopf erk�mpft. Es w�rde ein harter Kampf werden, aber wenigstens war das Kr�fteverh�ltnis nun etwas ausgeglichener, da zuvor so viele Trollocs get�tet worden waren. Cauthon hatte gewusst, dass der Fluss versiegen w�rde. Darum hatte er so viele Truppen zu dieser Stelle geschickt, um sich dem Ansturm von der anderen Seite entgegenzustemmen.</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte Galad. <emphasis>Ich bin Zeuge des Spiels der H�user auf einem Schlachtfeld.</emphasis> Ja, er hatte Cauthon wirklich nicht genug zugetraut.</p><p>Ungef�hr zwanzig Schritte voraus fiel eine Bleikugel mit Wimpel vom Himmel und prallte vom Sch�del einer toten Bestie ab. Weit �ber ihnen kreischte der <emphasis>Raken</emphasis> und flog weiter. Galad stie� Sidama die Abs�tze in die Flanken, und Golever stieg aus dem Sattel, um den Brief aufzuheben. Wegetore waren n�tzlich, aber <emphasis>Raken</emphasis> konnten das ganze Schlachtfeld �berblicken, Banner nach bestimmten M�nnern absuchen und Befehle �berbringen.</p><p>Golever �berreichte ihm den Brief, und Galad zog seine Entschl�sselungsliste aus der Ledermappe, die er in den Stiefelschaft gesteckt hatte. Der Schl�ssel war schlicht�� eine Reihe Zahlen mit Worten daneben. Stimmte in Befehlen das richtige Wort nicht mit der richtigen Zahl �berein, dann waren sie verd�chtig.</p><p><emphasis>Damodred,</emphasis> begann der Befehl, <emphasis>nehmt ein Dutzend Eurer besten M�nner von Eurem Zweiundzwanzigsten Regiment und reitet am Fluss entlang auf die Hawalfurt zu. Haltet an, wenn Ihr Elaynes Banner seht, und wartet dort auf Befehle. PS: Sollten Euch Trollocs mit Bauernspie�en begegnen, schlage ich vor, Ihr �berlasst Golever den Kampf, denn ich wei� ja, wie sehr Euch solche Leute zu schaffen machen. Mat.</emphasis></p><p>Galad seufzte und reichte den Brief Golever. Der Schl�ssel authentifizierte ihn; das Wort �Bauernspie߫ stimmte mit der Zahl auf der Liste �berein.</p><p>�Was will er blo� von uns?�, fragte Golever.</p><p>�Ich w�nschte, ich w�sste es�, antwortete Galad. Das tat er wirklich.</p><p>�Ich sammle ein paar M�nner ein�, sagte Golever. �Ich nehme an, Ihr wollt Harnesh, Mallone, Brokel��� Er stellte die ganze Liste zusammen.</p><p>Galad nickte. �Eine gute Auswahl. Nun, ich kann nicht behaupten, dass mir der Befehl widerstrebt. Anscheinend hat sich meine Schwester aufs Schlachtfeld begeben. Ich sollte auf sie aufpassen.� Au�erdem wollte er einen anderen Teil des Schlachtfeldes sehen. Vielleicht konnte er dann verstehen, was Cauthon vorhatte.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Kommandierender Lordhauptmann�, sagte Golever.</p><empty-line/><p>Der Dunkle K�nig griff an.</p><p>Es war der Versuch, Rand in St�cke zu rei�en, ihn St�ck f�r St�ck zu vernichten. Der Dunkle K�nig wollte die Bestandteile nehmen, die Rands Wesen urs�chlich ausmachten, und sie dann einfach aufl�sen.</p><p>Rand konnte weder nach Luft schnappen noch aufschreien. Dieser Angriff richtete sich nicht gegen seinen K�rper, denn an diesem Ort hatte er keinen echten K�rper, sondern nur die Erinnerung daran.</p><p>Er verteidigte seine Pers�nlichkeit. M�hsam. Angesichts dieses ungeheuerlichen Angriffs verschwand jede Absicht, den Dunklen K�nig zu besiegen oder gar zu t�ten. Er vermochte sich kaum zu behaupten.</p><p>Aber dieses Gef�hl h�tte er nicht zu beschreiben vermocht, selbst wenn er es versucht h�tte. Als w�rde der Dunkle K�nig ihn in kleine Fetzen rei�en, w�hrend er ihn zugleich zerquetschte, ihn gleichzeitig aus unendlichen Richtungen angriff.</p><p>Rand sackte auf die Knie. Es war nur seine Projektion, aber f�r ihn war das alles v�llig real.</p><p>Eine Ewigkeit verstrich.</p><p>Rand erlitt sie. Den zermalmenden Druck, die l�hmende Vernichtung. Er ertrug sie auf den Knien, die Finger zu Krallen verzerrt, w�hrend ihm der Schwei� von der Stirn troff. Er erduldete sie und schaute auf.</p><p>�Mehr bringst du nicht zustande?�, knurrte er.</p><p>ICH SIEGE.</p><p>�Du machtest mich stark�, erwiderte Rand mit rauer Stimme. �Bei jedem Versuch von dir oder deinen Speichelleckern, mich zu vernichten, war dein Scheitern wie der Schlag eines Schmiedehammers auf Eisen. Dieser Versuch��� Rand holte tief Luft. �Das hier war gar nichts. Du kannst mich nicht brechen.�</p><p>DU IRRST. DAS IST KEIN VERSUCH, DICH ZU VERNICHTEN. DAS IST VORBEREITUNG.</p><p>�Wozu?�</p><p>UM DIR DIE WAHRHEIT ZU ZEIGEN.</p><p>Pl�tzlich wirbelten Fragmente des Musters�� F�den�� vor Rand, trennten sich in winzigen flie�enden Str�men vom Hauptk�rper des Lichts. Er wusste, dass es sich hier nicht um das echte Muster handelte, genauso wenig, wie das hier sein K�rper war. Um etwas so unermesslich Gro�es wie das Gewebe der Sch�pfung erfassen zu k�nnen, erschuf sein Verstand irgendwelche Bilder. Und das war seine Wahl gewesen.</p><p>Die F�den wanden sich so �hnlich wie bei einem Gewebe der Einen Macht, nur dass es Abertausende davon waren, und es gab viel mehr Farben, und alles war viel lebendiger. Diese F�den waren ganz gerade, wie eine straff gespannte Saite. Oder ein Lichtstrahl.</p><p>Sie kamen zusammen wie das Produkt eines Webstuhls und erschufen eine Vision um Rand. Ein Boden aus schleimiger Erde, mit schwarzen Flecken �bers�te Pflanzen, B�ume mit herabh�ngenden �sten wie kraftlose Arme.</p><p>Alles verfestigte sich zu einem Ort. Einer Realit�t. Rand stand m�hsam auf und konnte die Erde f�hlen. Er konnte Rauch riechen. H�rte ein�� Schluchzen. Er drehte sich um und entdeckte, dass er auf einem fast kargen Hang �ber einer schwarzen Stadt mit schwarzen Steinmauern stand. Gedrungene, leblos wirkende H�user, von denen jedes wie eine kleine Festung wirkte.</p><p>�Was ist das?�, fl�sterte Rand. Etwas an dem Ort kam ihm vertraut vor. Er blickte in den Himmel, aber eine undurchdringliche Wolkenschicht verdeckte die Sonne.</p><p>DAS, WAS SEIN WIRD.</p><p>Rand tastete nach der Einen Macht, zuckte aber angeekelt zur�ck. Der Makel war zur�ckgekehrt, aber er war schlimmer geworden�� viel schlimmer. Wo er das geschmolzene Licht <emphasis>Saidins</emphasis> einst wie eine dunkle Schicht umgeben hatte, war er nun wie der Schlamm aus einem Abwasserkanal, so dick, dass Rand ihn nicht durchdringen konnte. Um an die darunterliegende Eine Macht zu gelangen, w�rde er diese Dunkelheit trinken m�ssen, sich darin kleiden�� falls sich die Macht �berhaupt noch dort befand. Allein schon die Vorstellung lie� seinen Mageninhalt emporsteigen, und er musste mit aller Kraft darum k�mpfen, sich nicht zu �bergeben.</p><p>Die Festung in der N�he zog ihn magisch an. Warum hatte er nur das Gef�hl, diesen Ort zu kennen? Er befand sich in der F�ule, das bewiesen schon die Pflanzen. Davon abgesehen konnte er die F�ulnis in der Luft riechen. Die Hitze war wie in einem Sumpf im Sommer�� trotz der Wolken erdr�ckend und atemraubend.</p><p>Er ging den H�gel hinunter und entdeckte in der N�he ein paar Gestalten bei der Arbeit. M�nner hackten mit �xten auf B�ume ein. Es waren vielleicht ein Dutzend. Auf dem Weg sah Rand zur Seite und erblickte in der Ferne die Leere, die der Dunkle K�nig war, als w�re sie eine Grube am Horizont, die einen Teil der Landschaft verschlang. Eine Erinnerung, dass das, was Rand hier sah, nicht real war?</p><p>Er passierte ein paar Baumst�mpfe. Sammelten die M�nner Feuerholz? Der dumpfe Schlag der �xte und die Haltung der Arbeiter wiesen nichts von der unersch�tterlichen St�rke auf, die typisch f�r die Waldl�ufer war. Die Schl�ge kamen schleppend, die M�nner arbeiteten mit h�ngenden Schultern.</p><p>Der Mann auf der linken Seite�� Als Rand n�her kam, erkannte er ihn trotz seiner geb�ckten Haltung und der faltigen Haut. Licht! Tam musste mindestens siebzig sein, vielleicht auch achtzig. Warum war er hier drau�en und schuftete so schwer?</p><p><emphasis>Es ist eine Vision. Ein Albtraum. Die Sch�pfung des Dunklen K�nigs. Nicht real.</emphasis></p><p>Aber da er sich jetzt mittendrin befand, fiel es ihm schwer, nicht so zu reagieren, als w�re es in der Tat real. Und auf gewisse Weise war es das auch. Der Dunkle K�nig benutzte schattenhafte F�den des Musters f�r diese Sch�pfung�� potenzielle <emphasis>M�glichkeiten</emphasis>, die sich wie die von einem Stein verursachten Wellen auf einem Teich in der Sch�pfung ausbreiteten.</p><p>�Vater?�, fragte er.</p><p>Tam drehte sich um, aber sein Blick konzentrierte sich nicht auf Rand.</p><p>Rand ber�hrte seine Schulter. �Vater!�</p><p>Einen Augenblick lang stand Tam wie benommen da, dann machte er sich wieder an die Arbeit und hob die Axt. In der N�he hackten Dannil und Jori auf einen Baumstumpf ein. Auch sie waren gealtert und jetzt M�nner in ihren mittleren Jahren. Dannil schien eine schlimme Krankheit zu haben, sein Gesicht war leichenblass, seine Haut war mit irgendwelchen Geschw�ren �bers�t.</p><p>Joris Axt biss tief in die bittere Erde, und eine schwarze Flut quoll aus dem Untergrund�� Insekten aus dem Fu� des Stumpfes. Die Klinge hatte ihren Bau durchbohrt.</p><p>Die Insekten schw�rmten aus, krabbelten in Windeseile den Axtschaft hinauf und bedeckten Jori. Schreiend schlug er darauf ein, aber sein aufgerissener Mund bot ihnen einen Weg hinein. Rand hatte schon von solchen Dingen geh�rt, ein Todesschwarm, eine der vielen Gefahren der F�ule. Er streckte die Hand nach Jori aus, aber der Mann sackte zur Seite, so schnell tot, wie ein anderer Mann atmen konnte.</p><p>Tam schrie entsetzt auf und rannte los. Rand fuhr herum, als sein Vater auf der Flucht vor dem Todesschwarm in ein Geb�sch krachte. Etwas flog so schnell wie ein Peitschenschlag von einem Zweig, schlang sich um Tams Hals und brachte ihn ruckartig zum Stehen.</p><p>�Nein!�, rief Rand. Es war nicht real. Trotzdem konnte er seinen Vater nicht sterben sehen. Er ergriff die Quelle und durchschlug die krankhafte Dunkelheit des Makels. Er schien ihn zu ersticken, und er verbrachte eine qu�lende Zeit damit, <emphasis>Saidin</emphasis> zu finden. Als er es endlich umfasste, kam blo� ein Tr�pfeln.</p><p>Mit einem Aufschrei webte er trotzdem und schickte einen Flammenstrahl, um die Schlingpflanze zu vernichten, die seinen Vater gepackt hielt. Tam st�rzte aus ihrem Griff, w�hrend sie zuckend verendete.</p><p>Tam bewegte sich nicht. Seine Augen starrten tot zum Himmel.</p><p>�Nein!� Rand wandte sich dem Todesschwarm zu. Mit einem Gewebe Feuer vernichtete er ihn. Nur Sekunden waren verstrichen, aber von Jori waren nur noch Knochen �brig.</p><p>Die Insekten zerplatzten, als er sie verbrannte.</p><p>�Ein Machtlenker�, hauchte Dannil, der in der N�he kauerte und Rand mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Andere Waldarbeiter waren in die Wildnis geflohen. Rand vernahm mehrere Schreie. Er konnte einfach nicht aufh�ren zu w�rgen. Der Makel�� er war so schrecklich, so <emphasis>faulig</emphasis>. Er konnte die Quelle einfach nicht l�nger halten.</p><p>�Kommt�, sagte Dannil und fasste Rands Arm. �Kommt, ich brauche Euch!�</p><p>�Dannil�, kr�chzte Rand und richtete sich auf. �Erkennt Ihr mich denn nicht?�</p><p>�Kommt!�, wiederholte Dannil und zerrte Rand auf die Festung zu.</p><p>�Ich bin Rand, Dannil. Der Wiedergeborene Drache.�</p><p>In Dannils Augen zeigte sich kein Verstehen.</p><p>�Was hat er dir angetan?�, fl�sterte Rand.</p><p>SIE KENNEN DICH NICHT, WIDERSACHER. ICH ERSCHUF SIE NEU. ALLE DINGE GEH�REN MIR. SIE WERDEN NICHT WISSEN, DASS SIE VERLOREN HABEN. SIE KENNEN NUR NOCH MICH.</p><p>�Ich erkenne deine Macht nicht an�, fl�sterte Rand. �Ich erkenne dich nicht an!�</p><p>DIE EXISTENZ DER SONNE ZU VERLEUGNEN L�SST SIE NICHT UNTERGEHEN. MICH ZU VERLEUGNEN VERHINDERT NICHT MEINEN SIEG.</p><p>�Kommt�, sagte Dannil und zerrte an Rand. �Bitte! Ihr m�sst mich retten!�</p><p>�Beende das�, sagte Rand.</p><p>ES BEENDEN? ES GIBT KEIN ENDE, WIDERSACHER. DAS IST DIE REALIT�T. ICH HABE SIE ERSCHAFFEN.</p><p>�So stellst du sie dir vor.�</p><p>�Bitte�, beharrte Dannil.</p><p>Rand lie� es geschehen, zu der dunklen Festung gezerrt zu werden. �Was habt Ihr hier drau�en gemacht, Dannil?�, wollte er wissen. �Warum in der F�ule Holz sammeln? Hier ist es nicht sicher.�</p><p>�Das war unsere Strafe�, fl�sterte Dannil. �Diejenigen von uns, die unseren Herrn entt�uschen, schickt man hinaus, damit sie einen Baum zur�ckbringen, den sie mit den eigenen H�nden gef�llt haben. Falls einen die Todesschw�rme oder die Zweige nicht erwischen, zieht der L�rm der �xte andere Dinge an���</p><p>Sie betraten die Stra�e, die zur Stadt und ihrer dunklen Festung f�hrte, und Rand runzelte die Stirn. Ja, dieser Ort <emphasis>war</emphasis> in der Tat vertraut. <emphasis>Der Steinbruchweg,</emphasis> dachte er �berrascht. <emphasis>Und das da vorn��</emphasis> Die Festung �berragte, was einst die Dorfwiese von Emondsfelde gewesen war.</p><p>Die F�ule hatte die Zwei Fl�sse verschlungen.</p><p>Die Wolken am Himmel schienen Rand zerquetschen zu wollen, und in Gedanken h�rte er wieder Joris Schreie. Erneut stiegen die Bilder in ihm auf, wie Tam gek�mpft hatte, als man ihn erw�rgt hatte.</p><p><emphasis>Das ist nicht real.</emphasis></p><p>Genau das hier w�rde passieren, wenn er versagte. Das Schicksal so vieler Menschen hing von ihm ab�� so schrecklich vieler. Einige hatte er bereits im Stich gelassen. Nur m�hsam konnte er sich davon abhalten, in Gedanken die Liste derjenigen durchzugehen, die in seinen Diensten gestorben waren. Selbst wenn er andere gerettet hatte, sie hatte er nicht besch�tzen k�nnen.</p><p>Dieser Angriff unterschied sich von dem, der versucht hatte, das zu vernichten, was sein Wesen, seine Essenz ausmachte. Er konnte f�hlen, wie der Dunkle K�nig seine F�hler in ihn hineinbohrte und sein Bewusstsein mit Sorge, Selbstzweifeln und Furcht verpestete.</p><p>Dannil f�hrte ihn zur Dorfmauer, wo zwei Myrddraal mit unbeweglichen Umh�ngen das Tor bewachten. Sie glitten heran. �Du solltest Holz sammeln�, wisperte der eine mit viel zu wei�en Lippen.</p><p>�Ich�� ich brachte den hier mit!�, stie� Dannil hervor und stolperte zur Seite. �Ein Geschenk f�r unseren Herrn! Er kann die Macht lenken. Ich habe ihn f�r Euch gefunden!�</p><p>Rand knurrte, dann st�rzte er sich wieder in die Eine Macht und schwamm durch den Unrat. Er erreichte das tr�pfelnde <emphasis>Saidin</emphasis> und ergriff es.</p><p>Augenblicklich wurde es ihm aus dem Griff geschlagen. Eine Abschirmung schnappte zwischen ihn und die Quelle.</p><p>�Es ist nicht real�, fl�sterte er, als er sich umdrehte, um zu sehen, wer da die Macht gelenkt hatte.</p><p>Nynaeve eilte aus dem Stadttor. Sie trug Schwarz. �Ein Wilder?�, fragte sie. �Ein unentdeckter Wilder? Wie konnte er so lange �berleben? Das hast du gut gemacht, Dannil. Ich gebe dir dein Leben zur�ck. Entt�usche uns nicht noch einmal.�</p><p>Dannil schluchzte vor Freude, dann rannte er an Nynaeve vorbei in die Stadt.</p><p>�Es ist nicht real�, sagte Rand, als Nynaeve ihn mit Str�ngen aus Luft fesselte und dann in die Version des Dunklen K�nigs von Emondsfelde zerrte. Die beiden Myrddraal eilten ihr voraus. Aus dem Dorf war eine gro�e Stadt geworden. Die H�user vermittelten den Eindruck von M�usen, die sich vor einer Katze zusammenduckten, jedes von ihnen wies die gleiche Eint�nigkeit auf. Menschen huschten mit zu Boden gerichteten Blicken durch die Gassen.</p><p>Eilig machten sie Nynaeve den Weg frei und nannten sie manchmal �Herrin�. Andere nannten sie �Auserw�hlte�. Die beiden Myrddraal rasten wie Schatten durch die Stadt. Als Rand und Nynaeve die Festung erreichten, hatte sich auf ihrem Hof eine kleine Gruppe versammelt. Zw�lf Menschen�� Rand konnte sp�ren, dass die vier M�nner alle <emphasis>Saidin</emphasis> hielten, obwohl ihm von ihnen allein Damer Flinn bekannt war. Ein paar der Frauen hatte er als M�dchen in den Zwei Fl�ssen gekannt.</p><p>Mit Nynaeve waren es dreizehn. Und dreizehn Myrddraal, die sich unter dem bew�lkten Himmel versammelten. Zum ersten Mal seit Beginn der Vision versp�rte Rand Furcht. Nicht das. Alles, aber nicht das.</p><p>Und wenn sie ihn Umdrehten? Das hier war nicht die Realit�t, aber es war eine Version davon. Der Dunkle K�nig hatte eine Spiegelwelt erschaffen. Welche Auswirkungen w�rde es wohl haben, wenn man ihn hier Umdrehte? War es so einfach gewesen, ihn in die Falle zu locken?</p><p>Panisch fing er an, sich gegen die Fesseln aus Luft zu wehren. Nat�rlich war das v�llig sinnlos.</p><p>�Du bist wirklich interessant�, sagte Nynaeve und wandte sich ihm zu. Sie sah keinen Tag �lter aus als in dem Moment, in dem er sie in der H�hle zur�ckgelassen hatte, aber es gab andere Unterschiede. Ihr Haar war wieder zu einem Zopf geflochten, aber daf�r war ihr Gesicht viel schmaler�� ihre Miene unvers�hnlich. Und diese Augen.</p><p>Die Augen waren v�llig falsch.</p><p>�Wie hast du da drau�en �berlebt? Wie bist du so lange der Entdeckung entgangen?�</p><p>�Ich komme von einem Ort, an dem der Dunkle K�nig nicht herrscht.�</p><p>Nynaeve lachte. �L�cherlich. Ein Kinderm�rchen. Der Gro�e Herr hat schon immer geherrscht.�</p><p>Rand konnte es sich vorstellen. Daf�r sorgte seine Verbindung mit dem Muster, das Funkeln von Halbwahrheiten und im Schatten liegenden M�glichkeiten. Diese Version�� Sie konnte Wahrheit werden. Es war ein Weg, den die Welt einschlagen konnte. Hier hatte der Dunkle K�nig die Letzte Schlacht gewonnen und das Rad der Zeit zerbrochen.</p><p>Das hatte ihm erlaubt, es neu zu erschaffen und das Muster auf eine andere Weise zu weben. Jeder lebende Mensch hatte die Vergangenheit vergessen und wusste jetzt nur noch das, was der Dunkle K�nig in seinen Verstand gepflanzt hatte. Weil Rand die F�den des Musters vorher ber�hrt hatte, vermochte er die Wahrheit und die Geschichte dieses Ortes zu lesen.</p><p>Nynaeve, Egwene, Logain und Cadsuane geh�rten jetzt zu den Verlorenen, waren gegen ihren Willen zum Schatten Umgedreht worden. Moiraine war hingerichtet worden, weil sie zu schwach war.</p><p>Elayne, Min, Aviendha�� sie wurden f�r alle Ewigkeit im Shayol Ghul gefoltert.</p><p>Die Welt war ein lebender Albtraum. Jeder der Verlorenen herrschte als Despot �ber seinen eigenen kleinen Teil der Welt. In einem endlosen Herbst hetzten sie Armeen, Schattenlords und Fraktionen gegeneinander. Eine Ewige Schlacht.</p><p>Die F�ule hatte sich bis zu jedem Ozean ausgebreitet. Seanchan gab es nicht mehr, es war so gr�ndlich zerst�rt und verbrannt worden, dass dort nicht einmal mehr Ratten und Kr�hen �berleben konnten. Jeder potenzielle Machtlenker wurde in seiner Jugend entdeckt und Umgedreht. Der Dunkle K�nig wollte das Risiko ausmerzen, dass jemals jemand wieder Hoffnung in die Welt brachte.</p><p>Und das w�rde auch niemals geschehen.</p><p>Rand schrie auf, als die Dreizehn anfingen, die Macht zu lenken.</p><p>�Das ist das Schlimmste, das ihr zustande bringt?�, br�llte er.</p><p>Sie stemmten sich mit ihrem Willen gegen ihn. Sie waren wie N�gel, die man ihm in den Sch�del h�mmerte. Er wehrte sich mit allem, was er hatte, aber die anderen bauten einen pulsierenden Druck auf. Jeder dumpfe Schlag kam wie der Hieb einer Axt n�her daran, sich in ihn hineinzubohren.</p><p>UND SO SIEGE ICH.</p><p>Die Niederlage traf Rand schwer�� das Wissen, dass das, was hier geschah, sein Fehler war. Nynaeve, Egwene, allein wegen ihm Umgedreht zum Schatten. Alle von ihm geliebten Menschen waren zu Spielzeugen des Schattens geworden.</p><p>Er h�tte sie besch�tzen m�ssen.</p><p>ICH SIEGE. WIEDER EINMAL.</p><p>�H�ltst du mich f�r den gleichen Jungen, den zu erschrecken sich Ishamael so viel M�he gegeben hat?�, br�llte Rand und k�mpfte sein Entsetzen und seine Scham nieder.</p><p><emphasis>DER KAMPF IST VORBEI.</emphasis></p><p><emphasis>�ER HAT NOCH NICHT EINMAL ANGEFANGEN!�,</emphasis> schrie Rand.</p><p>Um ihn herum zersplitterte die Realit�t wieder zu Lichtf�den. Nynaeves Gesicht zerfetzte und l�ste sich auf wie ein Spitzentuch, das man an einem losen Faden aufzog. Der Boden verblich, und die Festung h�rte auf zu existieren.</p><p>Rand fiel aus den Fesseln aus Luft, die es eigentlich nie richtig gegeben hatte. Die zerbrechliche Realit�t des Dunklen K�nigs zerfaserte in ihre Einzelteile. Lichtf�den breiteten sich spiralenf�rmig in alle Richtungen aus und bebten wie Harfensaiten.</p><p>Sie warteten darauf, verwoben zu werden.</p><p>Rand sog zischend den Atem ein und schaute zu der Finsternis jenseits der F�den hoch. �Dieses Mal sitze ich nicht wehrlos da und lasse alles stumm �ber mich ergehen, Shai�tan. Ich werde nicht zu einem Gefangenen deiner Albtr�ume. Ich bin zu etwas Gr��erem geworden, als ich einst war.�</p><p>Er ergriff die um ihn herumwirbelnden F�den. Es waren Hunderttausende. Feuer, Luft, Erde, Wasser oder Geist gab es hier nicht�� irgendwie waren diese F�den hier urspr�nglicher, irgendwie bedeutend vielf�ltiger. Jeder von ihnen war einzigartig und individuell. Anstelle der F�nf M�chte gab es Tausende.</p><p>Rand sammelte sie ein und hielt die Sch�pfung selbst in der Hand.</p><p>Dann webte er sie zu einer anderen M�glichkeit.</p><p>�Und jetzt�, sagte er, holte tief Luft und bem�hte sich, den Schrecken des vorangegangenen Anblicks zu verbannen, �jetzt zeige ich <emphasis>dir</emphasis>, was geschehen wird.�</p><empty-line/><p>Bryne verneigte sich. �Die M�nner sind auf Position, Mutter.�</p><p>Egwene holte tief Luft. Mat hatte die Truppen der Wei�en Burg unterhalb der Furt �ber das ausgetrocknete Flussbett geschickt, vorbei an der Westseite des Moores. Es war Zeit, dass sie sich zu ihnen gesellte. Einen Augenblick z�gernd sah sie durch das Wegetor zu Mats Befehlshaus. Sie erwiderte den Blick der Seanchanerin, die hinter dem Tisch majest�tisch auf ihrem Thron sa�.</p><p><emphasis>Mit dir bin ich noch nicht fertig,</emphasis> dachte sie.</p><p>�Gehen wir�, sagte sie, wandte sich ab und bedeutete Yukiri, das Tor zu Mats Haus zu schlie�en. In der einen Hand hielt sie Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis>, als sie aus dem Zelt schritt.</p><p>Etwas lie� sie innehalten. Etwas am Boden. Winzige, spinnwebenartige Risse im Stein. Sie b�ckte sich.</p><p>�Davon gibt es immer mehr, Mutter�, meinte Yukiri und beugte sich ebenfalls vor. �Wir glauben, dass sich die Risse ausbreiten, wenn Schattenlords die Macht lenken. Vor allem bei der Benutzung von Baalsfeuer���</p><p>Egwene strich dar�ber. Obwohl sie sich wie ganz normale Bodenspalten anf�hlten, schienen sie doch ins Nichts zu f�hren. Die Dunkelheit war viel zu dicht, um in Rissen durch die Abwesenheit von Licht verursacht zu werden.</p><p>Sie webte. Alle F�nf M�chte, die die Spalten abtasteten. Ja��</p><p>Sie war sich nicht ganz sicher, was sie da eigentlich tat, aber das neue Gewebe legte sich wie ein Verband auf die Spalten. Die Dunkelheit verblich und lie� ganz normale Erdrisse zur�ck�� und einen schmalen �berzug aus Kristallen.</p><p>�Interessant�, sagte Yukiri. �Was war das f�r ein Gewebe?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte Egwene nachdenklich. �Es f�hlte sich richtig an. Gawyn, hast du��� Sie verstummte.</p><p>Gawyn.</p><p>Ruckartig richtete sie sich wieder auf. Da war eine undeutliche Erinnerung, dass er das Zelt verlassen hatte, um Luft zu schnappen. Wie lange war das jetzt her? Langsam drehte sie sich um die eigene Achse und tastete mit den Gedanken nach ihm. Der Beh�terbund zeigte ihr die Richtung, in die er gegangen war. Als sie sie gefunden hatte, blieb sie stehen.</p><p>Sie schaute direkt auf das Flussbett, ein St�ck oberhalb der Furt, wo Mat Elaynes Truppen versammelt hatte.</p><p><emphasis>O beim Licht��</emphasis></p><p>�Was ist?�, fragte Silviana.</p><p>�Gawyn ist in den Kampf gezogen.� M�hsam kontrollierte Egwene ihre Stimme. Dieser wollk�pfige Narr von Mann! H�tte er nicht eine Stunde oder zwei warten k�nnen, bis ihre Truppen in Position waren? Sie wusste, dass er sich nach einem Kampf sehnte, aber er h�tte sie zumindest fragen k�nnen!</p><p>Bryne st�hnte leise.</p><p>�Schickt jemanden los, um ihn zu holen�, befahl Egwene. Jetzt <emphasis>war</emphasis> ihre Stimme kalt und w�tend. Sie konnte nicht anders. �Anscheinend hat er sich den Andoranern angeschlossen.�</p><p>�Ich erledige das�, sagte Bryne, eine Hand auf den Schwertgriff gelegt, mit der anderen einem Pferdeburschen zuwinkend. �Die F�hrung eines Heeres kann man mir nicht anvertrauen. Aber wenigstens das kann ich tun.�</p><p>Es war vern�nftig. �Nehmt Yukiri mit�, sagte Egwene. �Sobald ihr meinen verr�ckten Beh�ter gefunden habt, Reist ihr westlich vom Moor zu uns.�</p><p>Bryne verneigte sich, dann ging er los. Z�gernd blickte ihm Siuan hinterher.</p><p>�Ihr d�rft ihn begleiten.�</p><p>�Braucht Ihr mich dort?�, fragte Siuan.</p><p>�Eigentlich��� Egwene senkte die Stimme. �Ich will, dass sich jemand Mat und der Kaiserin anschlie�t und mit Ohren zuh�rt, die darin geschult sind, alles nicht Ausgesprochene zu verstehen.�</p><p>Siuan nickte. Ihre Miene verriet Zustimmung�� und sogar Stolz. Egwene war die Amyrlin; sie brauchte beides nicht von Siuan, und doch nahm ihr das ein bisschen von ihrer zerm�rbenden Ersch�pfung.</p><p>�Ihr seht am�siert aus�, sagte sie.</p><p>�Als Moiraine und ich beschlossen, den Jungen zu finden, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass uns das Muster auch Euch schicken w�rde�, meinte Siuan.</p><p>�Eure Nachfolgerin?�</p><p>�Wenn eine K�nigin in die Jahre kommt�, sagte Siuan, �dann f�ngt sie an, �ber ihr Verm�chtnis nachzudenken. Licht, vermutlich gilt das f�r jede Frau. Wird sie einen Erben haben, der das bewahrt, was sie erschuf? Gewinnt eine Frau an Weisheit, wird ihr irgendwann klar, dass das, was sie allein erschaffen kann, verglichen mit den Erfolgen ihres Verm�chtnisses v�llig verblasst.</p><p>Nun, vermutlich kann ich Euch mir nicht v�llig zurechnen, und ich war nicht gerade begeistert, ersetzt zu werden. Aber es ist�� tr�stlich zu wissen, dass ich einen Anteil an der Gestaltung der kommenden Dinge hatte. Und wenn sich eine Frau ein Verm�chtnis w�nscht, k�nnte sie von keinem gr��eren tr�umen, als Ihr es seid. Danke. Ich behalte diese Seanchanerin f�r Euch im Auge. Vielleicht kann ich ja der armen Min helfen, sich aus diesem Netz zu befreien, in dem sie sich verfangen hat.�</p><p>Siuan wandte sich ab und befahl Yukiri, ihr ein Wegetor zu machen, bevor sie mit Bryne loszog. Egwene sah l�chelnd zu, wie sie ihren General k�sste. Siuan. Die in aller �ffentlichkeit einen Mann k�sste.</p><p>Silviana lenkte die Macht, und Egwene stieg auf Daishars Sattel, w�hrend sich ihr Tor �ffnete. Sie umarmte ebenfalls die Quelle, hielt Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> vor sich und marschierte hinter einer Gruppe von Burgw�chtern durch die �ffnung. Augenblicklich roch sie den Rauch.</p><p>Auf der anderen Seite erwartete sie Wachhauptmann Chubain. Sie hatte den dunkelhaarigen Mann immer zu jung f�r seine Position gefunden, aber vermutlich konnte nicht jeder Kommandant so graue Haare wie Bryne haben. Davon abgesehen vertrauten sie diese Schlacht jemandem an, der nur etwas �lter als sie war, und sie selbst war die j�ngste Amyrlin in der Geschichte.</p><p>Sie wandte sich der Polov-Anh�he zu und konnte sie kaum erkennen, weil am �stlichen Rand des Moores und auf dem Hang der Anh�he Feuer brannten.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte sie.</p><p>�Brandpfeile von unseren Truppen am Fluss�, erkl�rte Chubain. �Zuerst hielt ich Cauthon f�r verr�ckt, aber jetzt kann ich seine Gr�nde verstehen. Er schoss auf die Trollocs, um den Bewuchs auf dem Plateau und am Hang in Brand zu setzen. Und es sollte uns Deckung geben. Das Unterholz ist dort dr�ben so trocken wie Zunder. Das Feuer trieb Tiermenschen und die Kavallerie der Sharaner f�r den Augenblick zur�ck. Und ich glaube, dass Cauthon darauf z�hlt, dass der Qualm unseren Weg um das Moor herum verdeckt.�</p><p>Der Schatten w�rde wissen, dass dort jemand vorr�ckte, aber wie viele M�nner und in welcher Zusammensetzung�� der Feind w�rde sich auf Kundschafter verlassen m�ssen, statt auf den ansonsten �berlegenen Aussichtspunkt auf dem Plateau.</p><p>�Eure Befehle?�, fragte Chubain.</p><p>�Er hat es Euch nicht mitgeteilt?�, fragte Egwene.</p><p>Der Hauptmann sch�ttelte den Kopf. �Er hat uns hier nur Stellung beziehen lassen.�</p><p>�Wir marschieren an der Westseite des Moores vorbei und setzen uns in den R�cken der Sharaner.�</p><p>Chubain grunzte. �Das rei�t unsere Truppen ziemlich auseinander. Und jetzt greift er sie auf der Anh�he an, nachdem er sie ihnen �berlie�?�</p><p>Darauf wusste Egwene keine Antwort. Nun, sie war haupts�chlich daf�r verantwortlich gewesen, Mat den Befehl zu �bergeben. Sie warf noch einen Blick �ber das Moor, in die Richtung, wo sie Gawyn sp�rte. Er w�rde k�mpfen��</p><p>Sie z�gerte. Vorhin hatte sie Gawyn am Fluss vermutet, aber nach dem Schritt durch das Tor konnte sie seine Position genauer ausmachen. Er war gar nicht bei Elaynes Heer am Fluss.</p><p>Gawyn hielt sich auf der Anh�he auf, wo der Schatten am st�rksten war.</p><p><emphasis>Beim Licht!,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Gawyn�� Was tust du blo�?</emphasis></p><empty-line/><p>Gawyn schlich durch den Rauch. Schwarze Schwaden schl�ngelten sich um seinen K�rper, und die Hitze des qualmenden Grases w�rmte seine Stiefel, aber hier oben war das Feuer gr��tenteils niedergebrannt und hatte nur dunkle Asche hinterlassen.</p><p>Leichen und ein paar zerst�rte Drachen lagen herum, geschw�rzt wie Schlackehaufen. Gawyn wusste, dass Bauern manchmal Felder abbrannten, um sie neu zu beleben. Jetzt stand die Welt selbst in Flammen. Als er durch den wogenden Qualm schlich�� ein nasses Tuch vor das Gesicht gebunden��, betete er f�r eine Erneuerung.</p><p>�berall breiteten sich spinnwebartige Risse auf dem Boden aus. Der Schatten zerst�rte dieses Land.</p><p>Viele Trollocs versammelten sich an der Stelle, von der man die Hawalfurt �berblicken konnte, aber eine Handvoll besch�ftigte sich mit den Leichen auf dem Hang. Vielleicht hatte sie der Gestank von verbranntem Fleisch angezogen. Ein Myrddraal trat aus dem Rauch und beschimpfte sie in einer Sprache, die Gawyn nicht verstand. Dann schlug er mit der Peitsche auf die R�cken der Tiermenschen ein.</p><p>Gawyn erstarrte, aber der Halbmensch bemerkte ihn nicht. Er trieb die Nachz�gler zu den restlichen Trollocs. Gawyn wartete, atmete leise durch das Tuch und f�hlte, wie ihn die Schatten der Blutmesser einh�llten. Die drei Ringe hatten etwas mit ihm angestellt. Er f�hlte sich berauscht, und seine Glieder bewegten sich bei jedem Schritt zu schnell. Es hatte einige Zeit gedauert, sich an die Ver�nderungen zu gew�hnen, bei jeder Bewegung das Gleichgewicht zu bewahren.</p><p>Hinter einem Erdh�gel erhob sich unversehens ein Wolfskopf-Trolloc, witterte und sah dem Blassen hinterher. Dann verlie� die Kreatur ihr Versteck; sie hatte sich eine Leiche �ber die Schulter geworfen. Sie trabte keine f�nf Schritte von Gawyn entfernt an ihm vorbei, blieb dann stehen und schn�ffelte wieder. Die Leiche auf ihrer Schulter schleifte einen Beh�terumhang hinter sich her. Armer Symon. Er w�rde nie wieder Karten spielen. Gawyn knurrte leise und machte einen Satz, bevor er sich wieder im Griff hatte. Er glitt in �Die Natter k�ssen� und erleichterte den Trolloc um seinen Kopf.</p><p>Der Kadaver krachte zu Boden. Mit dem Schwert in der Hand stand Gawyn da, dann verfluchte er sich, duckte sich und zog sich in den Qualm zur�ck. Der w�rde seinen Geruch und die sich windende Finsternis um seine verschwommene Gestalt verbergen. Wie dumm, sich zu zeigen, um einen Trolloc zu t�ten. Symons Leiche w�rde sowieso in einem Kochtopf enden. Gawyn konnte nicht das ganze Heer umbringen. Er war nur f�r einen Mann hier.</p><p>Geduckt wartete er ab, ob sein Angriff aufgefallen war. Vielleicht konnte man ihn nicht sehen�� er war sich nicht sicher, wie sehr ihn die Ringe verbargen��, den st�rzenden Trolloc aber schon.</p><p>Keiner schlug Alarm. Gawyn setzte sich wieder in Bewegung. Erst da fiel ihm auf, dass seine Finger rot durch die schwarze Asche schimmerten. Er hatte sie verbrannt. Den Schmerz nahm er nur undeutlich wahr. Die Ringe. Klare Gedanken fielen ihm schwer, aber das behinderte gl�cklicherweise nicht sein Geschick im Kampf. Wenn �berhaupt war sein Instinkt jetzt viel ausgepr�gter.</p><p>Demandred. Wo war Demandred? Gawyn eilte kreuz und quer �ber das Plateau. Cauthon hatte in der N�he der Furt Truppen stationiert, aber der Rauch machte jeden genauen Blick unm�glich. Auf der anderen Seite k�mpften die Grenzl�nder gegen eine Kavallerieeinheit der Sharaner. Aber hier oben war es trotz des Schattengez�chts und der Sharaner friedlich. Jetzt schlich Gawyn an den hinteren Linien des Schattengez�chts vorbei und nutzte B�sche und totes Holz als Deckung. Keiner schien ihn zu bemerken. Hier gab es Schatten, und Schatten boten Sicherheit. Unten im Korridor zwischen Anh�he und Moor erloschen die Br�nde. Es schien zu wenig Zeit vergangen zu sein, als dass sie sich ausgebrannt haben konnten. Machtlenken?</p><p>Er hatte Demandred finden wollen, indem er den Ausgangsort der Angriffe des Mannes aufsp�rte, aber wenn er blo� die Macht lenkte, um Feuer zu l�schen, dann��</p><p>Pl�tzlich st�rmte das Schattenheer den Hang hinunter in Richtung Hawalfurt. Zwar blieben die Sharaner zur�ck, aber die Mehrzahl der Trollocs war in Bewegung. Offensichtlich wollten sie das trockengelegte Flussbett durchschreiten und Cauthons Heer angreifen.</p><p>Falls Cauthon beabsichtigt hatte, Demandreds ganze Streitmacht von der Polov-Anh�he zu locken, dann war er gescheitert. Viele Sharaner blieben zur�ck, Infanterie wie auch Kavallerie, und schauten gleichg�ltig zu, wie die Trollocs in die Schlacht donnerten.</p><p>Einschl�ge trafen den Hang und schleuderten Trollocs wie Staub aus einem ausgeklopften Teppich in die Luft. Gawyn z�gerte und ging in die Hocke. Drachen, die wenigen, die noch funktionierten. Mat hatte sie irgendwo auf der anderen Flussseite aufgestellt; wegen des ganzen Rauchs fiel es schwer, ihre genaue Position auszumachen. Dem L�rm nach zu urteilen, waren es blo� ein halbes Dutzend, aber sie richteten gewaltigen Schaden an, vor allem wenn man die Entfernung bedachte.</p><p>Auf der Anh�he blitzte es rot auf, und das Licht schoss auf den Qualm der Drachen zu. Gawyn l�chelte. <emphasis>Vielen Dank.</emphasis> Er legte die Hand auf das Schwert. Der Augenblick war gekommen, herauszufinden, was diese Ringe tats�chlich vermochten.</p><p>Geduckt eilte er aus der Deckung. Die meisten Trollocs trabten den H�gel hinunter auf das trockene Flussbett zu. Armbrustbolzen und Pfeile flogen ihnen entgegen, gefolgt von einer weiteren Runde Drachenfeuer von einer leicht ver�nderten Position. Cauthon hielt die Drachen in Bewegung, und Demandred hatte Schwierigkeiten, sie zu finden.</p><p>Gawyn lief zwischen heulendem Schattengez�cht. Die Treffer hinter ihm lie�en den Boden wie ein pochendes Herz beben. Rauch peitschte an ihm vorbei, legte sich schwer auf seine Lunge. Seine H�nde waren geschw�rzt, und vermutlich galt das auch f�r sein Gesicht. Er hoffte, dass das dabei half, ihn zu verbergen.</p><p>Kreischend oder grunzend fuhren Trollocs herum, aber keiner konnte ihn sehen. Sie wussten, dass etwas an ihnen vorbeigekommen war, aber f�r sie war er blo� ein Schemen.</p><p>Egwenes Zorn str�mte durch den Beh�terbund. Gawyn l�chelte. Er hatte auch nicht damit gerechnet, dass sie erfreut sein w�rde. Pfeile schlitzten um ihn herum den Boden auf, aber w�hrend er rannte, fand er Frieden in seiner Entscheidung. Einst h�tte er das vielleicht f�r den Stolz der Schlacht und die Gelegenheit, sich mit Demandred messen zu k�nnen, getan.</p><p>Nichts davon beherrschte jetzt sein Herz. In seinem Herzen war nur Notwendigkeit. Jemand musste diese Kreatur bek�mpfen, jemand musste sie t�ten, oder sie w�rden diese Schlacht verlieren. Das war allen klar. Egwene oder Logain daf�r zu riskieren war ein zu gewagtes Spiel.</p><p>Er hingegen war entbehrlich. Niemand w�rde ihn daf�r ausschicken�� das w�rde niemand wagen��, aber es war n�tig. Er hatte eine Chance, die Dinge zu �ndern, tats�chlich von Bedeutung zu sein. Er tat es f�r Andor, f�r Egwene, f�r die Welt selbst.</p><p>Voraus br�llte Demandred seine mittlerweile vertraute Herausforderung. �Schickt mir al�Thor und nicht diese sogenannten Drachen!� Eine weitere Feuerlanze l�ste sich von ihm.</p><p>Gawyn passierte die vorw�rtsst�rmenden Trollocs und n�herte sich einer zahlenm��ig starken Gruppe Sharaner mit seltsamen B�gen, die beinahe so gro� wie die Waffen aus den Zwei Fl�ssen waren. Sie umringten einen Mann auf einem Pferd in einer R�stung aus M�nzen, die durch die L�cher in ihrer Mitte befestigt waren; sie verf�gte �ber Armschienen und eine Halsberge. Das Visier seines furchterregenden Helms stand ge�ffnet. Dieses stolze Gesicht, so ansehnlich und herrisch, kam Gawyn auf unheimliche Weise vertraut vor.</p><p><emphasis>Das wird schnell gehen m�ssen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Und beim Licht, ich sollte ihm keine Gelegenheit geben, die Macht zu lenken.</emphasis></p><p>Die sharanischen Bogensch�tzen hielten sich bereit, aber nur zwei von ihnen drehten sich um, als sich Gawyn zwischen sie schob. Er zog das Messer aus der G�rtelscheide. Er w�rde Demandred vom Pferd zerren und dann mit dem Messer auf sein Gesicht einstechen m�ssen. Es erschien wie der Angriff eines Feiglings, aber das war die beste M�glichkeit. Ihn zu Fall bringen, und dann��</p><p>Pl�tzlich fuhr Demandred herum und blickte in Gawyns Richtung. In der n�chsten Sekunde stie� der Mann die Hand nach vorn, und ein lodernder Feuerstrahl von der Dicke eines Zweiges raste Gawyn entgegen.</p><p>Er verfehlte, weil Gawyn einen Sprung zur Seite machte. Rund um den Einschlag breiteten sich Risse im Boden aus. Tiefe schwarze Risse, die in die Ewigkeit selbst zu f�hren schienen.</p><p>Einen Satz nach vorn, einen Hieb auf Demandreds Sattelriemen. So schnell. Diese Ringe lie�en ihn bereits reagieren, w�hrend sich der Verlorene noch immer verwirrt umschaute.</p><p>Der Sattel l�ste sich, und Gawyn rammte dem Pferd das Messer in die Seite. Das Tier stieg kreischend auf die Hinterhand und warf Demandred zusammen mit dem Sattel nach hinten.</p><p>Mit dem blutigen Messer in der Hand sprang Gawyn zur�ck, w�hrend das Pferd scheute und die sharanischen Bogensch�tzen aufschrien. Die Klinge mit beiden H�nden haltend, erhob er sich �ber Demandred.</p><p>Da ging ein Ruck durch den K�rper des Verlorenen, der Mann wurde zur Seite geschoben. Ein Windsto� lie� Asche vom geschw�rzten Boden aufwirbeln, als Str�nge Luft Demandred packten und herumwirbelten, ihn mit gezogenem Schwert auf den F��en abstellten. Der Verlorene kauerte sich zusammen und schleuderte das n�chste Gewebe�� Gawyn sp�rte den Luftzug neben sich, als h�tten ihn unsichtbare Str�me packen wollen. Aber er war zu schnell, und Demandred konnte ihn wegen der Ringe nicht genau ausmachen.</p><p>Gawyn wich zur�ck, wechselte das Messer in die linke Hand und zog mit der anderen das Schwert.</p><p>�Aha, ein Meuchelm�rder�, verk�ndete Demandred. �Und Lews Therin redete stets von der �Ehre�, einem Mann von Angesicht zu Angesicht gegen�berzutreten.�</p><p>�Mich schickt nicht der Wiedergeborene Drache.�</p><p>�Wo dich der Nachtschatten umgibt, ein Gewebe, das in diesem Zeitalter unbekannt ist? Ist dir eigentlich klar, dass dir das, was Lews Therin mit dir gemacht hat, dein Leben aussaugen wird? Du bist schon tot, kleiner Mann.�</p><p>�Dann kannst du ja mit in mein Grab kommen�, erwiderte Gawyn.</p><p>Demandred richtete sich auf und fasste das Schwert mit beiden H�nden in einer unbekannten Fechtstellung. Trotz der Ringe schien er Gawyn irgendwie folgen zu k�nnen, aber seine Reaktionen waren um Haaresbreite langsamer, als sie h�tten sein sollen.</p><p>Drei schnelle Schl�ge �Apfelbl�ten im Wind� zwangen den Verlorenen zur�ck. Mehrere Sharaner kamen mit blankgezogenen Klingen n�her, aber Demandred hob die Hand im Panzerhandschuh, damit sie wegblieben. Er l�chelte Gawyn nicht an�� dieser Mann sah nicht so aus, als w�rde er jemals l�cheln��, f�hrte aber etwas aus, das �Dreizackiger Blitz� �hnelte. Gawyn parierte mit �Der Keiler st�rmt bergab�.</p><p>Demandred war gut. Mit dem durch die Ringe gew�hrten Vorteil entkam Gawyn knapp seiner Riposte. Die beiden t�nzelten durch den kleinen Kreis, der aus zusehenden Sharanern gebildet wurde. Donner aus der Ferne schleuderte Eisenkugeln auf den H�gel, die den Boden erbeben lie�en. Nur noch wenige Drachen feuerten, aber sie schienen sich auf diese Position zu konzentrieren.</p><p>Gawyn grunzte und warf sich in �Sturm r�ttelt am Ast�, versuchte sich damit in Demandreds Deckung zu dr�ngen. Er musste nahe heran, wenn er das Schwert in die Achsel des Gegners oder zwischen die S�ume der M�nzr�stung sto�en wollte.</p><p>Demandred reagierte mit K�nnen und Finesse. Schon bald schwitzte Gawyn unter seiner R�stung. Er f�hlte sich schneller als je zuvor, seine Reaktionen waren wie die flinken Bewegungen eines Kolibris. Aber sosehr er sich auch anstrengte, er konnte keinen Treffer landen.</p><p>�Wer bist du, kleiner Mann?�, knurrte Demandred und ging mit waagerecht vom K�rper abgespreizter Klinge ein paar Schritte zur�ck. �Du k�mpfst gut.�</p><p>�Gawyn Trakand.�</p><p>�Der kleine Bruder der K�nigin. Du wei�t schon, wer ich bin?�</p><p>�Ein M�rder.�</p><p>�Und hat dein Drache nicht gemordet? Hat deine Schwester niemals get�tet, um ihren Thron zu behalten? Oder ihn sich zu <emphasis>nehmen</emphasis>?�</p><p>�Das ist etwas anderes.�</p><p>�Das sagen sie immer.� Demandred trat vor. Seine Fechthaltung war musterg�ltig, sein R�cken war stets kerzengerade, aber entspannt, und er bewegte sich mit den breiten, weitl�ufigen Bewegungen eines T�nzers. Er hatte die v�llige Kontrolle �ber sein Schwert; Gawyn hatte nie geh�rt, dass er f�r seine Fechtkunst bekannt war, aber er war genauso gut wie jeder andere Gegner, der Gawyn je gegen�bergestanden hatte. Tats�chlich sogar besser.</p><p>Gawyn vollzog �Die Katze tanzt auf der Mauer�, eine wundersch�n anzusehende, schwungvolle Fechtform, die Demandreds gleichkam. Dann duckte er sich in der Hoffnung, dass die vorherige Figur Demandred ausreichend in Sicherheit gewiegt hatte, um einen Sto� vorbeizulassen, in �Die Schlangenzunge z�ngelt� hinein.</p><p>Ein gewaltiger Schlag schleuderte ihn zu Boden. Er rollte sich ab und kam geduckt wieder auf die Beine. Pl�tzlich fiel ihm das Atmen schwerer. Die Ringe �berschatteten jeden Schmerz, aber vermutlich hatte er sich eine Rippe gebrochen.</p><p><emphasis>Ein Stein,</emphasis> dachte Gawyn. <emphasis>Er lenkte die Macht und schleuderte einen Stein gegen mich.</emphasis> Wegen der Schatten fiel es Demandred schwer, ihn mit einem Gewebe zu treffen, aber man konnte etwas Gro�es in die Schatten werfen und so einen Treffer landen.</p><p>�Du betr�gst�, sagte Gawyn ver�chtlich.</p><p>�Betr�gen?�, fragte der Verlorene. �Gibt es denn Regeln, kleiner Schwertk�mpfer? Wenn ich mich richtig entsinne, wolltest du mich im Schatten verborgen hinterr�cks abstechen.�</p><p>Gawyn atmete ein und aus, hielt sich die Seite. Nur ein kurzes St�ck entfernt bohrte sich eine von einem Drachen abgeschossene Eisenkugel in den Boden und explodierte. Der Treffer riss ein paar Sharaner in St�cke; ihre K�rper sch�tzten Gawyn und Demandred vor der Wucht der Explosion. Erde regnete auf sie wie Gischt auf einem Schiffsdeck herab. Zumindest einer der Drachen feuerte noch.</p><p>�Du nanntest mich einen M�rder�, sagte Demandred, �und das bin ich. Ich bin auch dein Retter, ob du es willst oder nicht.�</p><p>�Du bist verr�ckt.�</p><p>�Wohl kaum.� Demandred ging um ihn herum, teilte ein paar Hiebe in die Luft aus. �Dieser Mann, dem du folgst, Lews Therin Telamon, der ist verr�ckt. Er glaubt, er kann den Gro�en Herrn besiegen. Das kann er nicht. Das ist eine unab�nderliche Tatsache.�</p><p>�Sollen wir uns also stattdessen dem Schatten anschlie�en?�</p><p>�Ja.� Der Blick des Verlorenen war eiskalt. �Wenn ich Lews Therin t�te, dann wird mir der Sieg das Recht geben, die Welt nach meinen W�nschen neu zu gestalten. Der Gro�e Herr interessiert sich nicht f�r die Herrschaft. Diese Welt kann man nur auf eine Weise besch�tzen, man muss sie vernichten und ihre Menschen dann unter seine Fittiche nehmen. Behauptet dein Drache nicht, dass er das kann?�</p><p>�Warum nennst du ihn immer <emphasis>meinen</emphasis> Drachen?�, erwiderte Gawyn und spukte Blut aus. Die Ringe�� sie trieben ihn an. In seinen Gliedern pulsierten Kraft und Energie. <emphasis>K�mpfe! T�te!</emphasis></p><p>�Du folgst ihm.�</p><p>�Das tue ich nicht!�</p><p>�L�gen�, sagte Demandred. �Vielleicht kann man dich auch nur leicht t�uschen. Ich wei�, dass Lews Therin diese Armee anf�hrt. Zuerst war ich mir nicht sicher, aber das ist vorbei. Das Gewebe, in das du geh�llt bist, ist schon Beweis genug, aber ich habe einen noch besseren. Kein sterblicher General verf�gt �ber solches Geschick, wie der heutige Tag gezeigt hat; ich stehe einem wahren Meister des Schlachtfelds gegen�ber. Vielleicht tr�gt Lews Therin ja eine Spiegelmaske, vielleicht schickt er diesem Cauthon auch mit der Einen Macht Botschaften und leitet ihn auf diese Weise. Es ist auch egal, ich erkenne die Wahrheit. Heute w�rfle ich mit Lews Therin.</p><p>Ich war immer der bessere General. Das beweise ich hier und heute. Ich w�rde dich das ihm ja ausrichten lassen, aber du wirst nicht lange genug leben, kleiner Schwertk�mpfer. Mach dich bereit.� Demandred hob das Schwert.</p><p>Gawyn richtete sich auf, lie� das Messer fallen und nahm die Klinge mit beiden H�nden. Der Verlorene kam mit weit ausholenden Schritten auf ihn zu und nahm dabei Schwerthaltungen ein, die sich von denen unterschieden, die Gawyn vertraut waren. Dennoch waren sie �hnlich genug, um Gegenma�nahmen zu ergreifen. Aber trotz seiner gesteigerten Schnelligkeit fing Demandred seine Klinge immer wieder ab und leitete sie zur Seite, ohne dass sie Schaden angerichtet hatte.</p><p>Der Mann griff nicht an. Er bewegte sich kaum, die Beine gespreizt und das Schwert mit beiden H�nden haltend, wehrte er jeden Angriff ab, den Gawyn ausf�hrte. �Der Flug der Schwalbe�, �Das Blatt flattert im Wind�, �Den Leoparden liebkosen�. Gawyn biss die Z�hne zusammen und knurrte. Die Ringe h�tten reichen m�ssen. Warum reichten die Ringe nicht?</p><p>Er trat zur�ck und wich aus, als der n�chste Stein auf ihn zuflog. Nur um Haaresbreite verfehlte ihn das Geschoss. <emphasis>Ich danke dem Licht f�r diese Ringe,</emphasis> dachte er.</p><p>�F�r jemanden aus diesem Zeitalter k�mpfst du mit Geschick�, sagte Demandred. �Trotzdem f�hrst du dein Schwert, kleiner Mann.�</p><p>�Was sollte ich sonst tun?�</p><p>�Selbst zum Schwert werden�, erwiderte Demandred in einem Ton, als k�nnte er einfach nicht verstehen, dass Gawyn das nicht begriff.</p><p>Gawyn knurrte und griff wieder an. Noch immer war er schneller. Demandred ging nicht zum Angriff �ber; er blieb in der Defensive, obwohl er allerdings auch nicht zur�ckwich. Er stand einfach blo� da und lenkte jeden Hieb zur Seite.</p><p>Demandred schloss die Augen. Gawyn l�chelte und stie� mit �Der letzte Biss der Schwarznatter� zu.</p><p>Demandreds Schwert verwandelte sich in einen Schemen.</p><p>Etwas traf Gawyn. Er keuchte auf, blieb ruckartig stehen. Er schwankte, dann fiel er auf die Knie und starrte auf das Loch in seinem Bauch. Mit einer einzigen fl�ssigen Bewegung hatte der Verlorene die R�stung durchbohrt und die Klinge wieder herausgerissen.</p><p><emphasis>Warum f�hle�� Warum f�hle ich blo� nichts?</emphasis></p><p>�Solltest du das �berleben und Lews Therin sehen, dann richte ihm doch bitte aus, dass ich mich sehr auf den Zweikampf mit ihm freue, Schwert gegen Schwert. Ich habe seit unserer letzten Begegnung dazugelernt.�</p><p>Demandred wirbelte das Schwert herum, fing die R�ckseite der Klinge mit der Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger. Er zog sie dort ab, wischte das Blut vom Stahl und schleuderte es zu Boden.</p><p>Er schob die Waffe in ihre Scheide. Dann sch�ttelte er den Kopf und schoss einen Feuerball auf einen noch schie�enden Drachen ab.</p><p>Die Waffe verstummte. Demandred begab sich an den Rand des Steilhangs, der auf den Fluss hinausschaute, und seine sharanische Wache formierte sich um ihn herum. Benommen brach Gawyn zusammen und spritzte sein Leben auf das verbrannte Gras. Mit zitternden Fingern versuchte er den Blutfluss zu stoppen.</p><p>Irgendwie gelang es ihm, sich wieder auf die Knie zu stemmen. Sein Herz schrie auf; er musste zu Egwene zur�ckkehren. Er fing an zu kriechen, und sein aus der Wunde str�mendes Blut vermischte sich mit der Erde. Kalter Schwei� floss in seine Augen und verschleierte seine Sicht, aber zwanzig Schritte voraus entdeckte er ein paar Kavalleriepferde, die an ein Seil gebunden waren und an ein paar geschw�rzten Grashalmen zupften. Nach ein paar Minuten Kampf, einer unvorstellbaren Zeitspanne, die ihn v�llig ersch�pfte, gelang es ihm, sich auf den R�cken des ersten Pferdes zu ziehen, das er erreichen und von dem Seil l�sen konnte. Benommen klammerte er sich mit einer Hand an der M�hne fest. Er beschwor die ihm noch verbliebene Kraft und rammte dem Pferd die Fersen in die Rippen.</p><empty-line/><p>�Meine Lady�, sagte Mandevwin zu Faile, �diese M�nner kenne ich seit <emphasis>Jahren</emphasis>! Es ist nicht so, dass sie keine dunklen Flecken in ihrer Vergangenheit h�tten. Kein Mann, der sich der Bande anschlie�t, ist frei davon. Aber sie sind <emphasis>keine</emphasis> Schattenfreunde, das Licht stehe uns bei!�</p><p>Faile a� schweigend ihre Mittagsration und h�rte Mandevwins Protesten mit so viel Geduld zu, wie sie aufbringen konnte. Sie w�nschte sich, Perrin w�re da gewesen, denn dann h�tten sie sich ordentlich streiten k�nnen. Sie hatte das Gef�hl, gleich platzen zu m�ssen.</p><p>Sie befanden sich in der N�he von Thakan�dar, sogar schrecklich nahe. St�ndig zuckten Blitze am schwarzen Himmel, und seit Tagen hatten sie kein lebendes Gesch�pf mehr gesehen, egal ob gef�hrlich oder nicht. Sie hatten auch Vanin oder Harnan nicht mehr zu Gesicht bekommen, obwohl Faile jeden Abend doppelte Wachen aufstellte. Die Gefolgsleute des Dunklen K�nigs w�rden nicht aufgeben.</p><p>Das Horn war nun in einem gro�en Beutel verstaut, den sie sich an die Taille gebunden hatte. Die anderen wussten dar�ber Bescheid und waren hin- und hergerissen zwischen Stolz auf ihre Pflicht und blankem Entsetzen. Zumindest das teilte sie mit ihnen.</p><p>�Meine Lady�, sagte Mandevwin und kniete nieder. �Vanin ist irgendwo da drau�en. Er ist ein sehr begabter Kundschafter, der beste in der Bande. Wir werden ihn nicht sehen, solange er das nicht will, aber ich w�rde schw�ren, dass er uns folgt. Wo sollte er sonst auch hin? Was, wenn ich ihn rufe, ihn auffordere, seine Geschichte zu erz�hlen, damit wir das kl�ren k�nnen.�</p><p>�Ich denke dar�ber nach�, sagte Faile.</p><p>Er nickte. Der Ein�ugige war ein guter Befehlshaber, aber er hatte die Phantasie eines Ziegelsteins. Schlichte M�nner gingen stets davon aus, dass andere Menschen schlichte Beweggr�nde antrieben, und er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass jemand wie Vanin oder Harnan, die der Bande schon so lange Zeit geholfen hatten�� zweifellos aufgrund von Befehlen, um keinen Verdacht zu erregen��, ausgerechnet jetzt etwas so Schreckliches tun sollte.</p><p>Zumindest wusste sie jetzt, dass sie sich nicht grundlos Sorgen gemacht hatte. Der Ausdruck reinen Entsetzens in Vanins Blick, als er erwischt worden war, war ihr Best�tigung genug, falls es nicht bereits gereicht h�tte, ihn mit dem Horn in den H�nden zu erwischen. Allerdings hatte sie nicht mit <emphasis>zwei</emphasis> Schattenfreunden gerechnet, und sie hatten sie doch tats�chlich reingelegt. Aber sie hatten auch die Gefahren der F�ule untersch�tzt. Faile wollte sich gar nicht vorstellen, was wohl geschehen w�re, h�tten sie nicht die Aufmerksamkeit dieser B�r-Kreatur erregt. Sie w�re in ihrem Zelt geblieben und h�tte auf die Ankunft von Dieben gewartet, die bereits mit einem der m�chtigsten Artefakte der Welt verschwunden gewesen w�ren.</p><p>Donner grollte. Voraus ragte der dunkle Shayol Ghul aus einer kleineren Bergkette aus dem Tal von Thakan�dar in die H�he. Die Luft war kalt geworden, fast schon winterlich. Diesen Gipfel zu erreichen w�rde schwer werden�� aber sie w�rde den Streitkr�ften des Lichts das Horn f�r die Letzte Schlacht bringen, egal wie. Sie legte die Finger auf den Beutel neben sich und f�hlte das Metall darin.</p><p>In der N�he h�pfte Olver �ber die leblosen grauen Felsen des Verdorbenen Landes und fuchtelte mit dem G�rtelmesser wie mit einem Schwert herum. Vielleicht h�tte sie ihn nicht mitnehmen d�rfen. Andererseits lernten Jungen seines Alters in den Grenzlanden, wie man Botschaften �berbrachte und Nachschub in belagerte Festungen schaffte. Man w�rde sie nicht mit einer Kampfgruppe losschicken oder einen Posten bemannen lassen, bevor sie mindestens zw�lf Jahre alt waren, aber ihre Ausbildung fing schon viel fr�her an.</p><p>�Meine Lady?�</p><p>Faile wandte den Kopf und sah Selande und Arrela n�her kommen. Nachdem Vanin die Maske hatte fallen lassen, hatte sie Selande den Befehl �ber die Kundschafter �bertragen. Die kleine blasse Frau sah noch weniger wie eine Aiel aus als viele andere in der <emphasis>Cha Faile</emphasis>. Aber ihre Haltung half.</p><p>�Ja?�</p><p>�Eine Bewegung, meine Lady�, verk�ndete Selande leise.</p><p>�Was?� Faile stand auf. �Was f�r eine Art von Bewegung?�</p><p>�Irgendeine Karawane.�</p><p>�Im <emphasis>Verdorbenen Land</emphasis>? Zeigt es mir.�</p><empty-line/><p>Es war nicht blo� eine Karawane. Dort drau�en stand ein ganzes <emphasis>Dorf</emphasis>. Faile konnte es durch das Fernrohr erkennen, obwohl lediglich dunkle Schemen Geb�ude andeuteten. Es schmiegte sich in der N�he von Thakan�dar an die Bergausl�ufer. Ein Dorf. <emphasis>Beim Licht!</emphasis></p><p>Faile schwenkte das Fernrohr zu der Stelle, wo eine Karawane durch die leblose Landschaft schlich und auf einen Versorgungsposten zuhielt, der ein ordentliches St�ck au�erhalb des Dorfes errichtet worden war.</p><p>�Sie tun genau das Gleiche wie wir�, fl�sterte sie.</p><p>�Was denn, meine Lady?� Arrela lag neben ihr auf dem Bauch. Auf ihrer anderen Seite befand sich Mandevwin, der durch sein eigenes Fernrohr blickte.</p><p>�Das ist ein zentraler Versorgungsposten�, erkl�rte Faile und betrachtete die Kistenstapel und Pfeilb�ndel. �Schattengez�cht kann keine Wegetore durchqueren, seine Vorr�te schon. Bei ihrer Invasion brauchen sie keine Pfeile und Ersatzwaffen mitzuschleppen. Stattdessen werden die Vorr�te hier gesammelt und dann bei Bedarf auf das Schlachtfeld geschickt.�</p><p>Tats�chlich k�ndigte dort unten ein Lichtstreifen ein sich �ffnendes Wegetor an. Eine lange Reihe schmutzig aussehender M�nner schlurfte mit Lasten auf dem R�cken hinein, gefolgt von Dutzenden anderer, die kleine Karren schoben.</p><p>�Wo auch immer diese Vorr�te hingebracht werden�, sagte Faile langsam, �in der N�he wird gek�mpft. Diese Karren transportieren Pfeile, aber keine Lebensmittel, denn die Trollocs fressen jeden Abend die Leichen auf dem Schlachtfeld.�</p><p>�Wenn wir also durch eines dieser Wegetore schl�pfen k�nnten���, sagte Mandevwin.</p><p>Arrela schnaubte, als w�re die ganze Unterhaltung ein Witz. Sie blickte Faile an, und ihr L�cheln erstarb. �Ihr meint das ernst. Ihr beide.�</p><p>�Wir sind noch immer weit von Thakan�dar entfernt�, sagte Faile. �Und dieses Dorf blockiert unseren Weg. Es k�nnte leichter sein, sich in eines dieser Wegetore zu schleichen, als in das Tal hinein.�</p><p>�Dann landen wir hinter den feindlichen Linien!�</p><p>�Wir sind bereits hinter den feindlichen Linien�, sagte Faile grimmig, �also w�re das keine Ver�nderung.�</p><p>Arrela schwieg.</p><p>�Da gibt es ein Problem�, sagte Mandevwin leise und drehte sein Fernrohr. �Seht Euch die Kerle an, die vom Dorf in den Posten kommen.�</p><p>Faile hob wieder ihr Fernrohr. �Aiel?�, fl�sterte sie. �Licht! Die Shaido haben sich den Truppen des Dunklen K�nigs angeschlossen?�</p><p>�Nicht einmal Hunde wie die Shaido w�rden das tun�, sagte Arrela und spuckte dann aus.</p><p>In der Tat sahen die Neuank�mmlinge anders aus. Sie hatten die Schleier angelegt, als wollten sie t�ten, aber diese Schleier waren rot. Aber was das nun auch zu bedeuten hatte, es w�rde so gut wie unm�glich sein, sich an Aiel vorbeizuschleichen. Vermutlich hatte allein der Umstand, dass sie noch so weit entfernt waren, sie vor der Entdeckung bewahrt. Das und die Tatsache, dass niemand damit rechnen w�rde, ausgerechnet hier eine Gruppe wie die ihre zu finden.</p><p>�Zur�ck�, sagte Faile und schob sich den H�gel zollweise hinunter. �Wir m�ssen einen Plan ersinnen.�</p><empty-line/><p>Perrin erwachte durch das Gef�hl, im Winter in einen See geworfen zu werden. Er keuchte auf.</p><p>�Legt Euch hin, Ihr Narr�, sagte Janina und nahm seinen Arm. Die hellhaarige Weise Frau sah so ersch�pft aus, wie er sich f�hlte.</p><p>Er befand sich an einem weichen Ort. Zu weich. Ein sch�nes Bett, saubere Laken. Drau�en vor den Fenstern schlugen Wellen sanft gegen eine K�ste, M�wen schrien. In der N�he st�hnten auch Menschen.</p><p>�Wo bin ich?�, fragte er.</p><p>�In meinem Palast�, sagte Berelain. Sie stand direkt neben der T�r, und er hatte sie bis jetzt noch gar nicht bemerkt. Die Erste hatte ihr Diadem aufgesetzt, den fliegenden Falken, und trug ein scharlachrotes Kleid mit gelbem Besatz. Das Zimmer war �ppig ausgestattet mit goldverzierten Spiegeln und Glasfenstern. Das Bett wies Bettpfosten und einen Himmel auf.</p><p>�Ich sollte hinzuf�gen, dass mir diese Situation irgendwie bekannt vorkommt, Lord Aybara�, fuhr die Erste fort. �Dieses Mal habe ich Vorkehrungen getroffen, nur f�r den Fall, dass Ihr Euch wundert.�</p><p>Vorkehrungen? Perrin schnupperte. Uno? Er konnte den Mann riechen. Und tats�chlich deutete Berelain zur Seite, und Perrin drehte sich um und fand Uno auf einem Stuhl sitzen. Der Mann trug einen Arm in der Schlinge.</p><p>�Uno! Was ist mit Euch passiert?�, fragte Perrin.</p><p>�Die lichtverfluchten Trollocs sind mir passiert�, grollte Uno. �Ich warte darauf, dass ich mit dem Heilen an der Reihe bin.�</p><p>�Zuerst werden jene mit lebensbedrohlichen Wunden Geheilt�, sagte Janina. Von den Weisen Frauen hatte sie das gr��te Geschick im Heilen bewiesen; anscheinend hatte sie sich entschlossen, bei den Aes Sedai und Berelain zu bleiben. �Ihr, Perrin Aybara, wurdet bis zur Grenze des �berlebens Geheilt. Aber nur bis zur Grenze des �berlebens. Wir konnten uns erst jetzt um die Verletzungen k�mmern, die Euer Leben nicht bedrohten.�</p><p>�Wartet!� M�hsam setzte sich Perrin auf. Beim Licht, er war ersch�pft. �Wie lange bin ich schon hier?�</p><p>�Zehn Stunden�, sagte Berelain.</p><p>�Zehn Stunden! Ich muss gehen. Der Kampf���</p><p>�Der Kampf wird ohne Euch weitergehen�, sagte Berelain. �Es tut mir leid.�</p><p>Perrin knurrte leise. So <emphasis>m�de</emphasis>. �Moiraine kannte eine Methode, die M�digkeit eines Mannes wegzuwischen. Kennt Ihr das auch, Janina?�</p><p>�Wenn ich es w�sste, w�rde ich es nicht f�r Euch tun�, sagte die Weise Frau. �Ihr braucht Schlaf, Perrin Aybara. Euer Kampf in der Letzten Schlacht ist vorbei.�</p><p>Perrin biss die Z�hne zusammen und versuchte aufzustehen.</p><p>�Verlasst dieses Bett�, sagte Janina mit einem finsteren Blick, �und ich fessle Euch mit Luft und lasse Euch dort stundenlang h�ngen.�</p><p>Instinktiv versuchte sich Perrin zu <emphasis>versetzen</emphasis>. Er fing an, den Gedanken zu schmieden, und kam sich augenblicklich wie ein Narr vor. Irgendwie war er in die reale Welt zur�ckgekehrt. Hier konnte er sich nicht <emphasis>versetzen</emphasis>. Er war so hilflos wie ein S�ugling.</p><p>Frustriert legte er sich wieder zur�ck.</p><p>�Seid doch froh, Perrin�, sagte Berelain leise und trat ans Bett. �Ihr m�sstet tot sein. Wie seid Ihr auf dieses Schlachtfeld gekommen? H�tten Euch Haral Luhhan und seine M�nner dort nicht liegen gesehen���</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. F�r jemanden, der den Wolfstraum nicht kannte, w�rden seine Erkl�rungen keinen Sinn ergeben. �Wie stehen die Dinge, Berelain? Der Krieg? Unsere Heere?�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen.</p><p>�Ich kann die Wahrheit an Euch riechen�, sagte Perrin. �Sorge, Unruhe.� Er seufzte. �Ich habe gesehen, dass sich die Fronten verschoben haben. Wenn auch die M�nner von den Zwei Fl�ssen auf dem Feld von Merrilor sind, dann wurden unsere drei Heere alle an denselben Ort zur�ckgedr�ngt. Alle abgesehen von denen in Thakan�dar.�</p><p>�Wir wissen nicht, wie es dem Lord Drachen geht�, sagte sie leise und glitt auf einen Stuhl neben seinem Bett. An der Wand nahm Janina Unos Arm. Er fr�stelte, als das Heilen durch seinen K�rper fuhr.</p><p>�Rand k�mpft noch�, sagte Perrin.</p><p>�Es ist zu viel Zeit vergangen�, sagte sie. Da war etwas, das sie ihm nicht sagte, um das sie herumschlich. Er konnte es an ihr riechen.</p><p>�Rand k�mpft noch�, wiederholte er. �H�tte er verloren, w�rden wir dieses Gespr�ch nicht f�hren.� Er streckte sich; die Ersch�pfung steckte ihm tief in den Knochen. Beim Licht! Er konnte sich doch nicht einfach hier ausruhen, w�hrend M�nner starben! �In der N�he der Bohrung vergeht die Zeit nach anderen Ma�st�ben. Ich habe ihn besucht und es selbst erlebt. Hier drau�en sind viele Tage vergangen, aber ich wette, dass es f�r Rand blo� ein Tag war. Vielleicht sogar weniger.�</p><p>�Das ist gut. Ich leite Eure Worte an die anderen weiter.�</p><p>�Berelain�, sagte Perrin. �Ihr m�sst etwas f�r mich erledigen. Ich schickte Elyas mit einer Botschaft zu unseren Heeren, aber ich wei� nicht, ob er sie ausrichten konnte. Graendal beeinflusst den Verstand unserer Gro�en Hauptm�nner. K�nnt Ihr f�r mich herausfinden, ob seine Botschaft eingetroffen ist?�</p><p>�Sie ist geh�rt worden�, erwiderte sie. �Fast zu sp�t, aber sie ist eingetroffen. Ihr habt Gutes getan. Schlaft jetzt.� Sie stand auf.</p><p>�Berelain?�</p><p>Sie drehte sich zu ihm um.</p><p>�Faile. Was ist mit Faile?�</p><p>Ihre Nervosit�t wurde schlimmer. <emphasis>Nein.</emphasis></p><p>�Eine Blase des B�sen zerst�rte ihre Nachschubkarawane, Perrin�, sagte sie leise. �Es tut mir leid.�</p><p>�Hat man ihre Leiche gefunden?�, zwang er sich zu fragen.</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann lebt sie auch noch.�</p><p>�Es���</p><p><emphasis>�Sie lebt noch�,</emphasis> beharrte Perrin. Er w�rde einfach annehmen m�ssen, dass es sich so verhielt. Wenn nicht��</p><p>�Nat�rlich besteht noch Hoffnung�, sagte sie, ging zu Uno, der gerade seinen Geheilten Arm vorsichtig streckte, und bedeutete ihm, sich ihr anzuschlie�en. Sie verlie�en das Zimmer. Janina besch�ftigte sich noch mit dem Waschgeschirr. Perrin konnte in den Korridoren St�hnen h�ren, und der ganze Ort roch nach Heilkr�utern und Schmerzen.</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte er. Failes Karawane hatte das Horn transportiert. Hatte es jetzt der Schatten im Besitz?</p><p>Und Gaul. Er <emphasis>musste</emphasis> zu Gaul zur�ckkehren. Er hatte den Mann im Wolfstraum zur�ckgelassen, wo er Rand den R�cken deckte. Falls man seine Ersch�pfung zum Ma�stab nehmen konnte, dann konnte der Aiel unm�glich noch viel l�nger durchhalten.</p><p>Perrin hatte das Gef�hl, wochenlang schlafen zu k�nnen. Janina kehrte an sein Lager zur�ck, dann sch�ttelte sie den Kopf. �Es bringt nichts, wenn Ihr versucht, Eure Augen mit Gewalt aufzuhalten, Perrin Aybara.�</p><p>�Ich habe zu viel zu tun, Janina. Bitte. Ich muss zum Schlachtfeld zur�ckkehren und���</p><p>�Ihr werdet <emphasis>hierbleiben</emphasis>, Perrin Aybara. In Eurem Zustand nutzt Ihr niemandem, und der Versuch, etwas anderes zu beweisen, bringt Euch kein <emphasis>Ji</emphasis> ein. Wenn der Schmied, der Euch hergebracht hat, erfahren w�rde, dass ich Euch losstolpern und auf dem Schlachtfeld sterben lie�, w�rde er bestimmt zur�ckkommen und versuchen, mich an den F��en aus dem Fenster zu h�ngen.� Sie z�gerte. �Und dieser Mann�� ich glaube beinahe, ihm k�nnte das gelingen.�</p><p>�Meister Luhhan�, sagte Perrin und erinnerte sich schwach an die Augenblicke, bevor er das Bewusstsein verloren hatte. �Er war dort. Er fand mich?�</p><p>�Er rettete Euer Leben. Dieser Mann warf sich Euch �ber die Schulter und rannte zu einer Aes Sedai, damit sie ein Wegetor webte. Bei seiner Ankunft wart Ihr nur Sekunden vom Tod entfernt. Zieht man Eure Gr��e in Betracht, dann ist es schon eine betr�chtliche Tat, Euch �berhaupt hochzuheben.�</p><p>�Ich brauche wirklich keinen Schlaf�, sagte Perrin und f�hlte, wie seine Lider schwerer wurden. �Ich muss�� ich muss nach���</p><p>�Davon bin ich �berzeugt�, sagte die Weise Frau.</p><p>Perrin lie� die Augen zufallen. Das w�rde sie �berzeugen, dass er ihren Anweisungen brav folgte. Er konnte aufstehen, sobald sie weg war.</p><p>�Davon bin ich �berzeugt�, wiederholte Janina, und aus irgendeinem Grund wurde ihre Stimme sanfter.</p><p><emphasis>Schlafen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich schlafe ein.</emphasis> Wieder sah er den dreigeteilten Pfad vor sich. Dieses Mal f�hrte eine Abzweigung zu ganz gew�hnlichem Schlaf, eine andere �ber den Schlaf in den Wolfstraum, der Pfad, den er f�r gew�hnlich nahm.</p><p>Und dazwischen ein dritter Pfad. Im Fleisch in den Wolfstraum.</p><p>Die Verlockung war stark, aber in diesem Augenblick entschied er sich, diesen Pfad nicht zu nehmen. Er w�rde den gew�hnlichen Schlaf w�hlen, denn in einem Augenblick der Klarheit erkannte er, dass sein K�rper ohne ihn sterben w�rde.</p><empty-line/><p>Androl lag keuchend auf dem Boden und starrte nach ihrer Flucht von der Anh�he, weit weg vom Schlachtfeld, in den Himmel.</p><p>Dieser Angriff�� war so m�chtig gewesen.</p><p><emphasis>Was war das denn?,</emphasis> fragte er Pevara in Gedanken.</p><p><emphasis>Auf jeden Fall nicht Taim,</emphasis> erwiderte sie, erhob sich und klopfte sich den Staub vom Rock. <emphasis>Ich glaube, es war Demandred.</emphasis></p><p><emphasis>Ich hatte uns absichtlich an eine Stelle gebracht, die weit von dem Ort entfernt lag, an dem er k�mpfte.</emphasis></p><p><emphasis>Ja. Wie kann er es auch wagen, einer Gruppe von Machtlenkern dazwischenzufunken, die seine Truppen angreift?</emphasis></p><p>Androl richtete sich st�hnend auf. <emphasis>Wisst Ihr, Pevara, f�r eine Aes Sedai seid Ihr ungew�hnlich scharfz�ngig.</emphasis></p><p>Ihre Belustigung �berraschte ihn. <emphasis>Ihr kennt Aes Sedai nicht einmal ann�hernd so gut, wie Ihr glaubt.</emphasis> Sie k�mmerte sich um Emarins Wunden.</p><p>Androl holte tief Luft und roch die Ger�che des Herbstes. Gefallene Bl�tter. Stehendes Wasser. Ein Herbst, der viel zu fr�h gekommen war. Die H�gelseite, auf der sie sich befanden, schaute auf ein Tal hinunter, in dem Bauern dem Zustand der Welt zum Trotz gro�e Felder gepfl�gt hatten.</p><p>Nichts war gewachsen.</p><p>Theodrin kam m�hsam auf die F��e. �Das ist doch Wahnsinn dort dr�ben.� Ihr Gesicht war ger�tet.</p><p>Androl f�hlte Pevaras Missfallen. Das M�dchen h�tte seine Gef�hle nicht so freim�tig zur Schau stellen d�rfen; es hatte noch nicht die richtige Selbstbeherrschung einer Aes Sedai gelernt.</p><p><emphasis>Sie ist auch keine richtige Aes Sedai,</emphasis> erwiderte Pevara, weil sie seine Gedanken gelesen hatte. <emphasis>Ganz egal, was die Amyrlin sagt. Sie hat noch nicht die Pr�fung bestanden.</emphasis></p><p>Theodrin schien Pevaras Meinung zu kennen und mied deren N�he. Pevara Heilte Emarin, der es stoisch �ber sich ergehen lie�. Theodrin Heilte einen Schnitt an Jonneths Arm. Ihn schien die beinahe m�tterliche F�rsorge zu irritieren.</p><p><emphasis>�ber kurz oder lang wird sie den Beh�terbund mit ihm eingegangen sein,</emphasis> dachte Pevara. <emphasis>Ist Euch aufgefallen, dass sie ihren Mann von den f�nfzig einer anderen Frau �berlie�, um dann ihm nachzuschleichen? Seit der Schwarzen Burg konnten wir sie kaum loswerden.</emphasis></p><p><emphasis>Und wenn er sie ebenfalls mit dem Bund belegt?,</emphasis> wollte Androl wissen.</p><p><emphasis>Dann sehen wir, ob das, was wir beide haben, einzigartig ist oder nicht.</emphasis> Pevara z�gerte. <emphasis>Wir stolpern �ber Dinge, die nie zuvor bekannt waren.</emphasis></p><p>Er erwiderte ihren Blick. Sie bezog sich auf das, was auch immer w�hrend ihrer letzten Verkn�pfung geschehen war. Sie hatte ein Wegetor ge�ffnet, es aber auf <emphasis>seine</emphasis> Weise getan.</p><p><emphasis>Wir m�ssen das noch einmal ausprobieren,</emphasis> meinte er.</p><p><emphasis>Bald.</emphasis> Sie unterzog Emarin der Tiefenschau, um sich zu vergewissern, dass ihre Heilung gewirkt hatte.</p><p>�Mir geht es so weit gut, Pevara Sedai�, sagte der Mann h�flich wie immer. �Und falls ich das erw�hnen darf, Ihr scheint ebenfalls der Heilung zu bed�rfen.�</p><p>Sie warf einen Blick auf den verbrannten Stoff an ihrem Arm. Noch immer scheute sie davor zur�ck, sich von einem Mann Heilen zu lassen, �rgerte sich aber zugleich �ber diese Scheu.</p><p>�Danke�, sagte sie v�llig unbewegt, als sie ihn ihren Arm ber�hren und die Macht lenken lie�.</p><p>Androl l�ste den kleinen Zinnbecher vom G�rtel und hob ohne weiter dar�ber nachzudenken die Hand mit nach unten abgewinkelten Fingern. Dann dr�ckte er sie zusammen, als w�rde er etwas dazwischen ausdr�cken, und als er sie dann spreizte, �ffnete sich zwischen ihnen ein kleines Wegetor. Wasser sprudelte heraus und f�llte den Becher.</p><p>Pevara setzte sich neben ihn auf den Boden und nahm den Becher entgegen, als er ihn anbot. Sie trank und seufzte. �So k�hl wie eine Bergquelle.�</p><p>�Das ist es ja auch.�</p><p>�Das erinnert mich daran, dass ich Euch etwas fragen wollte. Wie macht Ihr das?�</p><p>�Das hier? Das ist doch blo� ein kleines Wegetor.�</p><p>�Davon spreche ich nicht. Androl, Ihr seid gerade erst hier angekommen. Ihr k�nnt unm�glich genug Zeit gehabt haben, diese Gegend Eurem Ged�chtnis ausreichend anzuvertrauen, um ein Wegetor in irgendeine Hunderte von Meilen entfernte Bergquelle �ffnen zu k�nnen.�</p><p>Androl starrte die Aes Sedai ausdruckslos an, als h�tte er gerade eine verbl�ffende Nachricht bekommen. �Ich wei� es nicht. Vielleicht hat das ja etwas mit meinem Talent zu tun.�</p><p>�Ich verstehe.� Pevara schwieg einen Moment lang. �Was ist �brigens mit Eurem Schwert passiert?�</p><p>Reflexartig griff Androl an den G�rtel. Die Scheide war leer. Als der Blitz neben ihnen eingeschlagen war, hatte er das Schwert fallen gelassen, und er hatte nicht die Geistesgegenwart gehabt, es bei der Flucht aufzuheben. Er st�hnte. �W�rde Garfin das h�ren, w�rde er mich sofort zum Quartiermeister schicken, damit ich wochenlang f�r ihn Gerste mahle.�</p><p>�Das ist doch nicht wichtig�, meinte Pevara. �Ihr verf�gt �ber bessere Waffen.�</p><p>�Es geht ums Prinzip. Ein Schwert zu tragen ist f�r mich wie eine Art Mahnung. Das ist wie�� Nun, ein Fischernetz erinnert mich an den Fischfang in der Gegend von Mayene, und Quellwasser erinnert mich an Jain. Kleine Dinge, aber kleine Dinge sind wichtig. Ich muss wieder Soldat sein. Wir m�ssen Taim finden, Pevara. Die Siegel���</p><p>�Nun, auf die Weise, auf die wir es versuchten, werden wir ihn aber nicht finden. Stimmt Ihr da mit mir �berein?�</p><p>Er seufzte, dann nickte er.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte sie. �Ich hasse es, eine Zielscheibe zu sein.�</p><p>�Wie sollen wir vorgehen?�</p><p>�Wir n�hern uns dem Problem mit dem sorgf�ltigen Studium aller Fakten, nicht mit drohenden Schwertern.�</p><p>Vermutlich hatte sie da nicht ganz unrecht. �Und�� was wir da gemacht haben? Pevara, Ihr habt mein <emphasis>Talent</emphasis> benutzt.�</p><p>�Wir werden sehen.� Sie trank einen Schluck. �W�re das doch blo� Tee.�</p><p>Androl hob eine Augenbraue. Er nahm den Becher wieder entgegen, �ffnete ein kleines Wegetor zwischen zwei Fingern und lie� ein paar getrocknete Teebl�tter in den Becher rieseln. Mit einem Strang Feuer kochte er den Inhalt kurz auf, dann lie� er durch ein weiteres Wegetor noch ein paar Tropfen Honig hineinfallen.</p><p>�Ich hatte noch welchen in meiner Werkstatt in der Schwarzen Burg�, sagte er und gab ihr den Becher zur�ck. �Anscheinend hat ihn niemand dort weggenommen.�</p><p>Sie probierte den Tee, dann l�chelte sie erfreut. �Androl, Ihr seid <emphasis>wunderbar</emphasis>.�</p><p>Er l�chelte. Licht! Wie lange hatte er schon nicht mehr f�r eine Frau so empfunden? Liebe war doch blo� etwas f�r junge Narren, oder?</p><p>Nat�rlich konnten junge Narren niemals tiefer blicken. Sie suchten nach einem h�bschen Gesicht, und das war es dann. Androl war alt genug, um zu wissen, dass ein h�bsches Gesicht nichts verglichen mit der Art von <emphasis>Bodenst�ndigkeit</emphasis> war, die eine Frau wie Pevara an den Tag legte. Kontrolle, Best�ndigkeit, Entschlossenheit. Das waren Dinge, die nur die Erfahrung bringen konnte.</p><p>Das war genauso wie bei Leder. Neues Leder war sch�n, aber wirklich gutes Leder war benutztes Leder, wie ein Riemen, der jahrelang gepflegt worden war. Man konnte nie sicher wissen, ob man sich auf einen neuen Riemen verlassen konnte. War er ein paar Jahre lang ein Gef�hrte gewesen, dann wusste man Bescheid.</p><p>�Ich versuche diesen Gedanken zu lesen�, sagte Pevara. �Habt Ihr mich gerade mit einem alten Lederriemen verglichen?�</p><p>Er err�tete.</p><p>�Ich gehe mal davon aus, dass das so ein Sattlerding ist.� Sie trank einen Schluck Tee.</p><p>�Nun, Ihr vergleicht mich st�ndig mit�� Was soll das sein? Ein Haufen kleiner Porzellanfiguren?�</p><p>Sie l�chelte. �Meine Familie.�</p><p>Die von Schattenfreunden ermordet worden war. �Es tut mir leid.�</p><p>�Das ist vor sehr langer Zeit geschehen, Androl.� Aber er konnte f�hlen, dass sie das noch immer mit Zorn erf�llte.</p><p>�Beim Licht�, sagte er. �St�ndig vergesse ich, dass Ihr �lter als die meisten B�ume seid, Pevara.�</p><p>�Hm�� Zuerst bin ich ein Lederriemen, jetzt bin ich �lter als ein Baum. Auch wenn Ihr mehrere Dutzend Handwerke in Eurem Leben ausge�bt habt, hat man Euch nie beigebracht, wie man mit einer Dame spricht, sehe ich das richtig?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. In j�ngeren Jahren w�re es ihm peinlich gewesen, einen solchen Knoten in der Zunge zu haben, aber er hatte gelernt, dass das nicht zu vermeiden war. Es zu versuchen machte es nur noch schlimmer. Seltsamerweise gefiel ihr die Art, wie er reagierte. Vermutlich gefiel es Frauen, einen Mann sprachlos zu sehen.</p><p>Aber ihre Belustigung versiegte, als sie zuf�llig zum Himmel blickte. Pl�tzlich wurde er an die unfruchtbaren Felder in der Umgebung erinnert. Die toten B�ume. Der grollende Donner. Das war nicht der Augenblick f�r Vergn�gen, nicht der Augenblick f�r Liebe. Aber aus irgendeinem Grund klammerte er sich genau darum daran.</p><p>�Wir sollten bald wieder los�, sagte er. �Wie sieht Euer Plan aus?�</p><p>�Taim wird stets von seinem Gefolge umgeben sein. Wenn wir so mit unseren Angriffen weitermachen wie zuvor, schneidet man uns in St�cke, bevor wir ihn erwischen. Wir m�ssen uns an ihn anschleichen.�</p><p>�Und wie soll uns das gelingen?�</p><p>�Das kommt darauf an. Wie verr�ckt k�nnt Ihr sein, wenn es die Situation verlangt?�</p><empty-line/><p>Das Tal von Thakan�dar war ein Ort aus Rauch, Chaos und Tod geworden.</p><p>Rhuarc schlich voran, begleitet von Trask und Baelder. Sie waren Br�der der Rotschilde. Er war ihnen nie begegnet, bevor sie an diesen Ort gekommen waren, trotzdem waren sie Br�der, und ihr Bund war durch das vergossene Blut von Schattengez�cht und Verr�tern besiegelt worden.</p><p>Ein Blitz schlug in der N�he ein. Rhuarc trat auf Sand, der von den st�ndigen Entladungen in Glassplitter verwandelt worden war. Er kam zu einer Deckung, die aus ein paar aufgeschichteten Trolloc-Kadavern bestand, und ging in die Hocke. Trask und Baelder gesellten sich zu ihm. Der Sturm war schlie�lich zu ihnen durchgedrungen; heftige Windst��e peitschten ins Tal und rissen ihm beinahe den Schleier vom Gesicht.</p><p>Etwas zu erkennen fiel schwer. Der Nebel war zerfetzt worden, aber der Himmel war jetzt noch dunkler, und der Sturm wirbelte Staub und Rauch in die Luft. Viele M�nner k�mpften in umherschweifenden Rudeln.</p><p>Frontlinien gab es keine mehr. Fr�her an diesem Tag hatte ein Angriff der Myrddraal, denen ein Trolloc-Sturm folgte, schlie�lich die Reihen der Verteidiger um den Passeingang durchbrochen. Tairener und Drachenverschworene hatten sich in Richtung Shayol Ghul ins Tal zur�ckgezogen, und jetzt k�mpften die meisten von ihnen am Fu� des Berges.</p><p>Gl�cklicherweise war das eingetroffene Schattengez�cht nicht in der �berzahl. Das Schlachten im Pass und die lange Belagerung hatte die Zahl der Trollocs in Thakan�dar reduziert. Jetzt entsprach ihr Aufgebot ungef�hr der Zahl der Verteidiger.</p><p>Sie stellten noch immer ein Problem dar�� aber nach seiner Meinung bedeuteten die Ehrlosen mit den roten Schleiern eine viel gr��ere Bedrohung. Genau wie die Aiel streiften sie durch das Tal. Rhuarc befand sich auf diesem offenen Schlachtfeld, auf dem Nebelschwaden und Staubwolken jede Sicht verhinderten, auf der Jagd. Gelegentlich stie� er auf eine Gruppe Trollocs, aber die meisten von ihnen waren von den Blassen auf die regul�ren Streitkr�fte der Tairener und Domani gehetzt worden.</p><p>Rhuarc gab seinen Br�dern ein Zeichen, und sie schlichen auf der einen Talseite weiter durch den Sturm. Man konnte nur das Licht anflehen, das die Truppen und die Machtlenkerinnen den Pfad zum Berg hinauf halten konnten, in dem der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> gegen den Sichtblender k�mpfte.</p><p>Rand al�Thor w�rde seine Schlacht bald beenden m�ssen, denn wenn Rhuarc alles richtig einsch�tzte, w�rde es nicht mehr lange dauern, bis der Schatten dieses Tal in seiner Gewalt hatte.</p><p>Er und seine Br�der passierten eine Gruppe Aiel, die mit den Verr�tern mit den roten Schleiern den Tanz der Speere tanzten. Obwohl viele der Rotschleier die Macht lenken konnten, traf das auf diese Krieger wohl nicht zu. Mit erhobenen Speeren warfen sich Rhuarc und seine Br�der in den Kampf.</p><p>Diese Rotschleier k�mpften gut. Trask erwachte bei diesem Kampf aus dem Traum, obwohl er dabei einen Gegner t�tete. Das Scharm�tzel endete, als die verbliebenen Rotschleier die Flucht ergriffen. Rhuarc t�tete einen mit dem Bogen, und Baelder brachte einen anderen zur Strecke. M�nner in den R�cken zu schie�en; h�tten sie gegen richtige Aiel gek�mpft, w�re das undenkbar gewesen. Diese Kreaturen waren schlimmer als Schattengez�cht.</p><p>Die drei �brig gebliebenen Aiel, denen sie geholfen hatten, nickten zum Dank. Sie schlossen sich ihm und Baelder an, und zusammen zogen sie sich zur�ck in Richtung des Kraters des Verderbens, um nach den dortigen Verteidigungslinien zu sehen.</p><p>Gl�cklicherweise hielt das Heer dort die Stellung. Viele der K�mpfer geh�rten zu jenen Drachenverschworenen, die als Letzte zur Schlacht gekommen waren und sich �berwiegend aus ganz normalen M�nnern und Frauen zusammensetzten. Ja, es befanden sich einige Aes Sedai unter ihnen, selbst ein paar Aiel und Asha�man. Aber die meisten von ihnen hielten alte Schwerter, die seit Jahren nicht mehr benutzt worden waren, oder Bauernspie�e, die zuvor vermutlich einfache Handwerksger�te gewesen waren.</p><p>Sie k�mpften wie in die Ecke getriebene W�lfe gegen die Trollocs. Rhuarc sch�ttelte den Kopf. H�tten die Baumm�rder so wild gek�mpft, s��e Laman vielleicht noch auf seinem Thron.</p><p>Aus dem Himmel zuckte ein Blitz und t�tete ein paar Verteidiger. Rhuarc blinzelte seinen Widerschein aus den Augen und musterte die Umgebung durch den wehenden Wind. <emphasis>Da.</emphasis></p><p>Er bedeutete seinen Br�dern zur�ckzubleiben, dann schlich er geduckt voran. Unterwegs nahm er eine Handvoll von dem grauen, asche�hnlichen Staub am Boden und rieb ihn sich in die Kleidung und ins Gesicht; der Wind peitschte einiges davon aus seinen Fingern.</p><p>Er lie� sich zu Boden sinken, einen Dolch zwischen den Z�hnen. Seine Beute stand auf einem kleinen H�gel und verfolgte den Kampf. Einer der Rotschleier hatte den Schleier gesenkt und grinste. Die Z�hne der Kreatur waren nicht spitz zugefeilt. Die mit den zugefeilten Z�hnen konnten alle die Macht lenken; ein paar mit normalen Z�hnen aber auch. Rhuarc hatte nicht die geringste Vorstellung, was das bedeuten sollte.</p><p>Dieser Bursche war ein Machtlenker, wie sich zeigte, als er Feuer zu einem Speer formte und ihn auf in der N�he k�mpfende Tairener warf. Rhuarc kroch langsam vorw�rts, schob sich in eine flache Senke zwischen den Felsen.</p><p>Gezwungenerma�en musste er zusehen, wie der Rotschleier einen Verteidiger des Steins nach dem anderen t�tete, aber er bewegte sich nicht schneller. Qu�lend langsam schob er sich weiter vorw�rts und lauschte dem knisternden Feuer, w�hrend der Rotschleier mit auf dem R�cken verschr�nkten H�nden dastand und Gewebe der Einen Macht um ihn herum einschlugen.</p><p>Der Rotschleier sah ihn nicht. Obwohl einige dieser M�nner wie die Aiel k�mpften, traf das auf viele nicht zu. Sie schlichen sich nicht so verstohlen an und schienen auch nicht so gut mit dem Bogen oder dem Speer umgehen zu k�nnen, wie sie sollten. M�nner wie der vor ihm�� Rhuarc bezweifelte, dass sie sich jemals so leise an einen Feind hatten anschleichen m�ssen oder einen Hirsch in der Wildnis erlegt hatten. Warum sollten sie das auch tun, wenn sie die Macht lenken konnten?</p><p>Der Mann bemerkte Rhuarc nicht, als er um einen toten Trolloc direkt neben ihm kroch und dann die Sehnen durchschnitt. Aufschreiend st�rzte der Rotschleier zu Boden, und Rhuarc schlitzte ihm die Kehle durch, bevor er die Macht lenken konnte, um sofort wieder zwischen zwei Leichen zu kriechen und sich dort zu verbergen.</p><p>Zwei Trollocs kamen vom L�rm aufgescheucht herbei. Rhuarc t�tete den ersten und sofort darauf den zweiten, bevor der sich �berhaupt umdrehen und ihn entdecken konnte. Wieder verschmolz er sofort mit der Landschaft.</p><p>Kein weiteres Schattengez�cht kam nachsehen, also zog sich Rhuarc zur�ck zu seinen M�nnern. Unterwegs ��er hatte sich vom Boden erhoben und lief geduckt�� kam er an einem kleinen Wolfsrudel vorbei, das zwei Trollocs zerfleischte. Mit blutigen Schnauzen und erhobenen Ohren wandten sich die W�lfe ihm zu. Sie lie�en ihn passieren und verschwanden lautlos im Sturm, um neue Beute zu finden.</p><p>W�lfe. Sie waren mit dem regenlosen Sturm erschienen und k�mpften jetzt an der Seite der Menschen. Rhuarc hatte keinen gro�en �berblick, wie die Schlacht stand. Er konnte sehen, dass einige von K�nig Darlins Truppen in der Ferne noch ihre Formationen beibehielten. Die Armbrustm�nner hatten sich neben den Drachenverschworenen aufgestellt. Soweit Rhuarc wusste, hatten sie so gut wie keine Bolzen mehr, und diese seltsamen dampfgetriebenen Wagen, die Nachschub gebracht hatten, waren zerst�rt. Aes Sedai und Asha�man schlugen weiterhin mit der Einen Macht auf den Ansturm ein, aber l�ngst nicht mehr mit der gleichen Ausdauer wie zuvor.</p><p>Die Aiel taten, was sie am besten konnten: T�ten. Solange diese Heere den Weg zu Rand al�Thor frei hielten, w�rde das vielleicht ausreichen. Vielleicht��</p><p>Etwas traf ihn. St�hnend sank er auf die Knie. Er schaute auf, und eine wundersch�ne Frau trat aus dem Sturm und musterte ihn. Sie hatte atemberaubende Augen, auch wenn sie irgendwie schief standen. Noch nie zuvor war ihm aufgefallen, wie schrecklich ebenm��ig die Augen anderer Menschen sonst waren. Dieser Gedanke bereitete ihm �belkeit. Au�erdem hatten alle anderen Frauen viel zu viele Haare auf dem Kopf. Dieses Gesch�pf mit seinem d�nnen Haar war viel wunderbarer.</p><p>Sie kam n�her. Sie war un�bertrefflich. Gro�artig. Sie ber�hrte sein Kinn, w�hrend er am Boden knien blieb, und ihre Fingerspitzen waren so weich wie Wolken.</p><p>�Ja, du wirst reichen�, sagte sie. �Komm, mein Scho�tier. Komm zu den anderen.�</p><p>Sie zeigte auf eine Gruppe, die ihr folgte. Mehrere Weise Frauen, zwei Aes Sedai, ein Mann mit einem Speer. Rhuarc knurrte. W�rde dieser Mann versuchen, ihm die Zuneigung seiner Geliebten streitig zu machen? Daf�r w�rde er ihn <emphasis>t�ten</emphasis>. Er w�rde��</p><p>Seine Herrin kicherte. �Und Moridin hielt dieses Gesicht f�r eine Strafe. Nun, dir ist egal, wie ich aussehe, nicht wahr, mein Schatz?� Ihre Stimme wurde weicher und zugleich doch strenger. �Wenn ich fertig bin, wird das allen egal sein. Moridin selbst wird meine Sch�nheit preisen, denn er wird sie durch Augen sehen, die ich ihm gew�hre. Genau wie du, Scho�tier. Ganz genau wie du.�</p><p>Sie t�tschelte Rhuarc. Er gesellte sich zu ihr und den anderen und streifte durch das Tal, und er lie� die M�nner zur�ck, die er Br�der genannt hatte.</p><empty-line/><p>Rand trat einen Schritt vor, als sich aus den Lichtf�den vor ihm eine Stra�e bildete. Sein Fu� ber�hrte das saubere, funkelnde Kopfsteinpflaster, und er trat aus dem Nichts in Pracht hinein.</p><p>Die Stra�e war breit genug, um sechs Wagen gleichzeitig Platz zu bieten. Aber sie war nicht von Fahrzeugen versperrt. Da waren nur Menschen. Lebendige Menschen in bunter Kleidung, die angeregt miteinander plauderten. Laute f�llten die Leere�� die Laute des Lebens.</p><p>Rand drehte sich um die eigene Achse und betrachtete die Geb�ude um sich herum. Hohe H�user s�umten den Weg, deren Fassaden mit S�ulen geschm�ckt waren. Lang und schmal standen sie dicht nebeneinander. Dahinter befanden sich Kuppeln und Wunder, Geb�ude, die bis in den Himmel reichten. Obwohl diese Stadt offensichtlich das Handwerk der Ogier war, hatte er so etwas noch nie zuvor gesehen.</p><p>Obwohl, es war nur zum Teil Ogierwerk. In der N�he reparierten Arbeiter eine Fassade mit einem Sturmschaden. An ihrer Seite arbeiteten Ogier mit ihren gro�en Fingern und lachten grollend. Als sie zu den Zwei Fl�ssen gekommen waren, um Rand f�r sein Opfer zu w�rdigen und dort ein Denkmal zu errichten, hatten die F�hrer der Stadt klugerweise stattdessen um Hilfe gebeten, die Stadt zu versch�nern.</p><p>Im Laufe der Jahre hatten die Menschen von den Zwei Fl�ssen und die Ogier eng zusammengearbeitet, und nun waren die Handwerker aus den Zwei Fl�ssen auf der ganzen Welt gefragt. Rand ging �ber die Stra�e und passierte Menschen s�mtlicher Nationalit�ten. Domani in bunter, luftiger Kleidung. Tairener ��die tiefen gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Untertanen und Adel schwanden jeden Tag mehr�� in bauschigen Gew�ndern und Hemden mit gestreiften �rmeln. Seanchaner trugen exotische Seide. Grenzl�nder zeigten eine edle Haltung. Es gab sogar einige Sharaner.</p><p>Sie alle waren nach Emondsfelde gekommen. Die Stadt hatte nur noch wenig �hnlichkeit mit ihrem Namen, aber es gab noch immer ein paar markante Merkmale. Hier fanden sich mehr B�ume und offene Gr�nfl�chen als in anderen St�dten wie Caemlyn oder Tear. In den Zwei Fl�ssen verehrte man Handwerker. Und ihre Sch�tzen waren die besten der Welt. Eine Elitetruppe aus ihnen, die mit den neuen Feuerst�cken bewaffnet war, die man allgemein Gewehre nannte, diente an der Seite der Aiel bei ihren Frieden stiftenden Feldz�gen in Shara. Das war der einzige Ort auf der Welt, wo es noch Krieg gab. Sicher, hier und da gab es Dispute. Das Auflodern von Streit zwischen Murandy und Tear vor f�nf Jahren hatte dem Land beinahe seinen ersten richtigen Krieg seit der einhundert Jahre zur�ckliegenden Letzten Schlacht beschert.</p><p>Rand l�chelte, als er durch die Menge ging und mit Stolz der Freude in den Stimmen der Menschen lauschte. Das �Auflodern� in Murandy war nach der Norm des Vierten Zeitalters sehr dynamisch gewesen, aber in Wahrheit hatte nicht viel dahintergesteckt. Ein einzelner ver�rgerter Adliger hatte auf eine Patrouille der Aiel geschossen. Drei Verletzte, kein Toter, und das war abgesehen von den Feldz�gen in Shara der schlimmste �Kampf� seit Jahren gewesen.</p><p>Am Himmel brach die Sonne durch die d�nne Wolkenschicht und tauchte die Stra�e in Licht. Rand erreichte endlich den Stadtplatz, wo sich einst der Dorfanger von Emondsfelde befunden hatte. Was sollte man jetzt vom Steinbruchweg halten, wo er breit genug war, um einem marschierenden Heer Platz zu bieten? Er spazierte um den gewaltigen Brunnen in der Mitte des Platzes, ein von den Ogiern geschaffenes Denkmal f�r all jene, die in der Letzten Schlacht gefallen waren.</p><p>Unter den Statuen in der Brunnenmitte erkannte er vertraute Gesichter, und er wandte sich ab.</p><p><emphasis>Noch ist das nicht endg�ltig,</emphasis> dachte er. <emphasis>Das ist noch nicht die Realit�t.</emphasis> Er hatte diese Wirklichkeit aus den F�den dessen erschaffen, was m�glich sein konnte, aus den Spiegelungen der jetzigen Welt. Das war noch nicht endg�ltig.</p><p>Zum ersten Mal, seit er diese von ihm selbst geschaffene Vision betreten hatte, geriet sein Selbstvertrauen ins Schwanken. Er wusste, dass die Letzte Schlacht nicht gescheitert war. Aber Menschen starben. Glaubte er, diesen ganzen Tod, diesen Schmerz aufhalten zu k�nnen?</p><p><emphasis>Das sollte mein Kampf sein,</emphasis> dachte er. <emphasis>Sie sollten nicht sterben m�ssen.</emphasis> Reichte sein Opfer denn nicht?</p><p>Aber das hatte er sich bereits unz�hlige Male gefragt.</p><p>Die Vision zitterte, die kunstvoll zurechtbehauenen Steine unter ihm summten, Geb�ude schwankten. Pl�tzlich erstarrten die Menschen, und der L�rm verstummte. Am anderen Ende einer schmalen Seitenstra�e erschien eine zuerst stecknadelkopfgro�e Finsternis, die sich rasch ausbreitete und alles in ihrer N�he verschlang�� es in sich hineinzog. Sie wuchs zur Gr��e eines der H�user und bereitete sich dann langsam weiter aus.</p><p>DEIN TRAUM IST SCHWACH, WIDERSACHER.</p><p>Rand verst�rkte seinen Willen, und das Beben h�rte auf. An Ort und Stelle erstarrte Menschen gingen weiter, und das fr�hliche Geplauder setzte sich fort. Eine sanfte Brise strich �ber den B�rgersteig und lie� die Fahnen, die das Fest verk�ndeten, an ihren Masten rascheln.</p><p>�Ich sorge daf�r, dass dies Wirklichkeit wird�, sagte Rand zu der Finsternis. �Das ist dein Fehler. Gl�ck, Wachstum, Liebe���</p><p>DIESE MENSCHEN GEH�REN JETZT MIR. ICH NEHME SIE MIR JETZT.</p><p>�Du bist Finsternis�, sagte Rand laut. �Finsternis kann das Licht nicht verdr�ngen. Finsternis existiert nur, wenn das Licht scheitert, wenn es flieht. Ich werde <emphasis>nicht</emphasis> scheitern. Ich werde <emphasis>nicht</emphasis> fliehen. Solange ich dir den Weg versperre, kannst du nicht siegen, Shai�tan.�</p><p>DAS WERDEN WIR JA SEHEN.</p><p>Rand wandte sich von der Finsternis ab und ging weiter um den Brunnen. Auf der anderen Seite des Platzes f�hrte eine Reihe majest�tischer wei�er Stufen zu einem vier Stockwerke hohen Geb�ude, das eine unglaubliche Handwerkskunst aufwies. Mit Reliefs �bers�t, bedeckt von einem funkelnden Kupferdach, wimmelte das Geb�ude von Flaggen. Einhundert Jahre. Einhundert Jahre des Lebens, einhundert Jahre des Friedens.</p><p>Die Frau, die ganz oben auf den Stufen stand, wies irgendwie vertraute Z�ge auf. Da waren Spuren von saldaeanischer Herkunft, aber auch dunkle Locken, wie es sie nur in den Zwei Fl�ssen gab. Lady Adora, Perrins Enkelin und B�rgermeisterin von Emondsfelde. Rand schritt langsam die Stufen hinauf, w�hrend sie ihre Gedenkrede hielt. Niemand bemerkte ihn. Er sorgte daf�r. Wie ein Grauer Mann schl�pfte er hinter sie, als sie den Feiertag verk�ndete, dann betrat er das Geb�ude.</p><p>Es handelte sich keineswegs um ein Regierungsgeb�ude, obwohl die Vorderseite daran denken lie�. Es war viel wichtiger.</p><p>Eine Schule.</p><p>Rechts hingen genug Gem�lde und Reliefs in luftigen Korridoren, um es mit jedem Palast aufnehmen zu k�nnen�� aber hier waren die Lehrer und Geschichtenerz�hler der Vergangenheit dargestellt, von Anla bis zu Thom Merrilin. Rand spazierte durch einen Korridor und warf einen Blick in R�ume, wo jedermann Wissen erlangen konnte, vom �rmsten Bauern bis zu den Kindern des B�rgermeisters. Das Geb�ude musste so gro� sein, um allen Platz zu gew�hren, die lernen wollten.</p><p>DEIN PARADIES HAT FEHLER, WIDERSACHER.</p><p>In einem Spiegel zu Rands Rechten war ein dunkler Fleck zu sehen. Er spiegelte nicht den Korridor wider, sondern SEINE Gegenwart.</p><p>DU GLAUBST, DU KANNST DAS LEID AUSMERZEN? SELBST WENN DU SIEGEN SOLLTEST, WIRD DIR DAS NICHT GELINGEN. IN DIESEN PERFEKTEN STRASSEN WERDEN NOCH IMMER M�NNER IN DER NACHT ERMORDET. TROTZ DER BEM�HUNGEN DEINER HANDLANGER WERDEN KINDER HUNGER LEIDEN. DIE REICHEN BEUTEN AUS UND VERDERBEN, SIE TUN ES LEDIGLICH VERSTOHLEN.</p><p>�Es ist besser�, fl�sterte Rand. �Es ist gut.�</p><p>ES IST NICHT GENUG; ES WIRD NIE GENUG SEIN. DEIN TRAUM IST MAKELBEHAFTET. DEIN TRAUM IST EINE L�GE. ICH BIN DIE EINZIGE EHRLICHKEIT, DIE DEINE WELT JE GEKANNT HAT.</p><p>Der Dunkle K�nig griff an.</p><p>Wie ein Sturm fiel er �ber Rand her. Ein so schrecklicher Windsto�, dass er Rand das Fleisch von den Knochen zu sch�len drohte. Aber er stand aufrecht da, den Blick auf das Nichts gerichtet, und verschr�nkte die Arme hinter dem R�cken. Der Angriff riss die Vision weg�� die wundersch�ne Stadt, die lachenden Menschen, das Denkmal zu Ehren von Lernen und Frieden. Der Dunkle K�nig verschlang sie, und wieder einmal wurde sie blo� zu einer M�glichkeit.</p><empty-line/><p>Silviana griff nach der Einen Macht und f�hlte, wie sie in sie hineinflutete und die Welt erleuchtete. Wenn sie <emphasis>Saidar</emphasis> hielt, glaubte sie alles sehen zu k�nnen. Es war ein gro�artiges Gef�hl, solange sie einsah, dass es nur ein Gef�hl war. Es war nicht die Wahrheit. Die Verlockung von <emphasis>Saidars</emphasis> Macht hatte viele Frauen zu n�rrischen Gesten verf�hrt. Das galt mit Sicherheit f�r viele Blaue, die sich dessen irgendwann einmal schuldig gemacht hatten.</p><p>Im Sattel sitzend, webte Silviana Feuer und verbrannte sharanische Soldaten. Sie hatte ihren Wallach Stecher abgerichtet, niemals in der N�he von Machtlenken zu scheuen.</p><p>�Die Bogensch�tzen zur�ckfallen lassen!�, br�llte Chubain direkt hinter ihr. �Los, los! Die schwere Infanterie vorr�cken!� Die gepanzerten Fu�soldaten marschierten mit �xten und Streitkolben an Silviana vorbei, um die verwirrten Sharaner auf dem Hang anzugreifen. Piken w�ren wirkungsvoller gewesen, aber ihnen standen davon nicht einmal ann�hernd genug zur Verf�gung.</p><p>Sie webte einen weiteren Feuerball in die Mitte des Feindes, um den Weg vorzubereiten, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit den sharanischen Bogensch�tzen auf dem Plateau zu.</p><p>Sobald Egwenes Truppen das Moor umgangen hatten, hatten sie sich in zwei Angriffsgruppen getrennt. Die Aes Sedai hatten die Fu�truppen der Wei�en Burg begleitet und griffen die Sharaner auf der Anh�he von Westen an. Zu diesem Zeitpunkt waren die Br�nde gel�scht gewesen, und die meisten Trollocs waren von oben gekommen, um im ebenen Gel�nde anzugreifen.</p><p>Die andere H�lfte von Egwenes Heer, haupts�chlich Kavallerie, war in den Korridor geschickt worden, der am Moor vorbei zur Furt f�hrte; sie griff die verletzliche hintere Flanke der Tiermenschen an, die Elaynes Verteidiger in der Umgebung der Furt �berrennen wollten.</p><p>Die vorrangige Aufgabe der ersten Gruppe bestand darin, sich den breiten Westhang hinaufzuk�mpfen. Silviana zielte sorgf�ltig mit einer Reihe Blitze auf die vorr�ckenden Sharaner, um sie abzuwehren.</p><p>�Sobald die Infanterie sich ein St�ck des Weges nach oben erstritten hat�, sagte Chubain neben Egwene, �lassen wir die Aes Sedai anfangen, die�� Mutter?� Chubains Stimme wurde schriller.</p><p>Silviana fuhr auf dem Sattel herum und blickte alarmiert zu Egwene. Die Amyrlin lenkte keine Macht mehr. Ihr Gesicht war leichenblass, sie zitterte am ganzen K�rper. Wurde sie von einem Gewebe angegriffen? Silviana konnte nichts dergleichen erkennen.</p><p>M�nner und Frauen sammelten sich oben auf dem Hang und dr�ngten die sharanischen Infanteristen zur Seite. Sie fingen an, die Macht zu lenken, dann regneten Blitze auf die Armee der Wei�en Burg herab, von denen jeder die Luft spaltete und grell genug war, um einem die Sinne zu rauben.</p><p>�Mutter!� Silviana trieb ihr Pferd an, um zu Egwene zu kommen. Demandred musste sie angreifen. Sie beugte sich vor, um das <emphasis>Sa�angreal</emphasis> in Egwenes H�nden f�r einen zus�tzlichen Machtschub zu ber�hren, und webte ein Wegetor. Die Seanchanerin, die hinter Egwene ritt, schnappte sich die Z�gel der Amyrlin und riss das Pferd durch das Tor in Sicherheit. Silviana folgte ihr, rief jedoch: �Haltet gegen die Sharaner stand! Unterrichtet die Machtlenker �ber Demandreds Angriff auf den Amyrlin-Sitz!�</p><p>�Nein�, stie� Egwene leise hervor. Sie schwankte im Sattel, als die Pferde in ein gro�es Zelt galoppierten. Silviana h�tte sie lieber weit weggebracht, aber die Umgebung war ihr nicht vertraut genug f�r einen langen Sprung gewesen. �Nein, es ist nicht���</p><p>�Was ist los?� Silviana z�gelte den Wallach an ihrer Seite und lie� das Tor verschwinden. �Mutter?�</p><p>�Es ist Gawyn!� Die Amyrlin war leichenblass, zitterte am ganzen K�rper. �Er wurde verwundet. Schwer. Silviana, er stirbt.�</p><p><emphasis>O beim Licht!,</emphasis> dachte Silviana. Beh�ter! Sie hatte immer so etwas bef�rchtet, und zwar von dem Augenblick an, an dem sie den dummen Jungen das erste Mal gesehen hatte.</p><p>�Wo?�, fragte sie knapp.</p><p>�Auf der Anh�he. Ich werde ihn finden. Ich webe ein Wegetor, Reise in seine Richtung���</p><p>�Beim Licht, Mutter�, sagte Silviana. �Habt Ihr auch nur eine Vorstellung, wie gef�hrlich das ist? Bleibt hier und f�hrt die Wei�e Burg. Ich versuche ihn zu finden.�</p><p>�Ihr k�nnt ihn nicht f�hlen.�</p><p>��bertragt den Beh�terbund auf mich.�</p><p>Egwene erstarrte.</p><p>�Ihr wisst, dass es das Richtige ist�, sagte Silviana. �Stirbt er, k�nnte es Euch vernichten. Gebt mir diesen Bund. So finde ich ihn, und es wird Euch sch�tzen, sollte er sterben.�</p><p>Egwene war sichtlich entsetzt. Silviana wusste genau, was ihr jetzt durch den Kopf ging. Wie konnte sie es wagen, das auch nur vorzuschlagen? Das war typisch f�r eine Rote�� die gaben sich nie mit Beh�tern ab. Offensichtlich wusste die Bewahrerin nicht, was sie da verlangte.</p><p>�Nein�, erwiderte Egwene. �Nein, ich werde das nicht einmal in Betracht ziehen. Davon abgesehen, sollte er sterben, w�rde mich das nur besch�tzen, indem ich diesen Schmerz auf Euch abw�lze.�</p><p>�Ich bin nicht die Amyrlin.�</p><p>�<emphasis>Nein.</emphasis> Sollte er sterben, werde ich das �berleben und weiterk�mpfen. Mit einem Tor zu ihm zu eilen w�re dumm, genau wie Ihr gesagt habt, und ich lasse Euch das auch nicht tun. Er befindet sich auf dem Plateau. Wir werden uns genau wie befohlen den Weg dort hinauf freik�mpfen, und auf diese Weise sto�en wir zu ihm. Das ist die beste Entscheidung.�</p><p>Silviana z�gerte, dann nickte sie. So w�rde es gehen. Gemeinsam kehrten sie zum Westhang zur�ck, aber Silviana kochte innerlich. Dieser dumme Kerl! Sollte er sterben, w�rde es Egwene sehr schwerfallen, den Kampf fortzuf�hren.</p><p>Der Schatten musste die Amyrlin gar nicht selbst t�ten, um sie aufzuhalten. Er brauchte blo� einen unreifen Jungen t�ten.</p><empty-line/><p>�Was tun diese Sharaner jetzt?�, fragte Elayne leise.</p><p>Birgitte beruhigte ihr Pferd und nahm von Elayne das Fernrohr entgegen. Sie sp�hte �ber das ausgetrocknete Flussbett zum Hang der Anh�he, wo sich eine gro�e Zahl gegnerischer Soldaten versammelt hatte. Sie grunzte. �Vermutlich warten sie darauf, dass die Trollocs mit Pfeilen gespickt werden.�</p><p>�Du klingst nicht besonders �berzeugt�, meinte Elayne und nahm das Fernrohr wieder entgegen. Sie hielt die Eine Macht, benutzte sie aber im Augenblick nicht. Ihr Heer k�mpfte jetzt seit zwei Stunden am Fluss. Die Trollocs waren auf breiter Linie in den versiegenden Mora gest�rmt, aber ihre Truppen verhinderten, dass sie shienarischen Boden betraten. Das Moor hinderte den Feind daran, ihre linke Flanke zu umgehen; ihre rechte Flanke war aber bedeutend verletzlicher und musste im Auge behalten werden. Es w�rde wesentlich schwieriger werden, wenn s�mtliche Trollocs �ber den Fluss kamen, aber Egwenes Kavallerie fiel ihnen in den R�cken. Das nahm einen gewissen Druck von ihrem Heer.</p><p>M�nner hielten die Tiermenschen mit Piken zur�ck, und das Rinnsal, das noch immer durch das Flussbett gurgelte, hatte sich rot verf�rbt. Elayne sa� aufrecht im Sattel, sah und wurde von ihren Truppen gesehen. Die Bl�te Andors hatte geblutet und war gestorben, um die Kreaturen m�hsam zur�ckzuhalten. Die Sharaner schienen sich darauf vorzubereiten, ihre Stellung zu verlassen, aber Elayne war nicht davon �berzeugt, dass sie schon angreifen wollten. Der Angriff der Wei�en Burg an der Westseite musste sie beunruhigen. Es war ein Geniestreich Mats gewesen, Egwenes Heer loszuschicken und die Anh�he von hinten anzugreifen.</p><p>�Ich bin mir meiner Worte nicht sicher�, sagte Birgitte leise. �Nicht im Mindesten. Jedenfalls nicht mehr.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. Sie hatte angenommen, dass alles zu diesem Thema gesagt worden war. Wovon redete Birgitte da? �Was ist mit deinen Erinnerungen?�</p><p>�Meine erste Erinnerung besteht nun darin, dass ich bei dir und Nynaeve aufwachte�, erwiderte ihre Beh�terin leise. �Ich kann mich an unsere Unterhaltungen �ber die Welt der Tr�ume erinnern, aber nicht mehr an den Ort selbst. Es ist mir alles wie Wasser zwischen den Fingern entglitten.�</p><p>�Oh, Birgitte���</p><p>Die Beh�terin zuckte mit den Schultern. �Ich kann nichts vermissen, an das ich mich nicht erinnere.� Der Schmerz in ihrer Stimme strafte ihre Worte L�gen.</p><p>�Gaidal?�</p><p>Birgitte sch�ttelte den Kopf. �Nichts. Ich habe das Gef�hl, jemanden mit diesem Namen zu kennen, aber das tue ich nicht.� Sie kicherte. �Wie schon gesagt, ich wei� nicht, was ich alles verlor, also k�mmert es mich nicht.�</p><p>�L�gst du mich an?�</p><p>�Verfluchte Asche, nat�rlich! Das ist wie ein Loch in meinem Inneren, Elayne. Ein tiefes, klaffendes Loch. Mein Leben und meine Erinnerungen verbluten dort.� Sie schaute zur Seite.</p><p>�Birgitte�� es tut mir leid.�</p><p>Birgitte wendete ihr Pferd und lie� es ein paar Schritte zur Seite gehen, da sie nicht l�nger dar�ber sprechen wollte. Ihr Schmerz pulsierte stechend in Elaynes Hinterkopf.</p><p>Wie musste es sich anf�hlen, so viel zu verlieren? Birgitte hatte weder Kindheit noch Eltern gehabt. Ihr ganzes Leben, s�mtliche ihrer Erinnerungen, umfasste wenig mehr als ein Jahr. Elayne wollte ihr nachreiten, aber ihre Leibw�chter wichen auseinander, um Galad durchzulassen. Er trug R�stung, Wappenrock und Umhang des Kommandierenden Lordhauptmanns der Kinder des Lichts.</p><p>Elayne presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. �Galad.�</p><p>�Schwester�, erwiderte er. �Ich gehe davon aus, dass es vollkommen sinnlos w�re, dich darauf hinzuweisen, wie unangebracht es f�r eine Frau in deinem Zustand ist, auf einem Schlachtfeld zu sein.�</p><p>�Wenn wir diesen Krieg verlieren, werden meine Kinder in der Gefangenschaft des Dunklen K�nigs geboren, falls sie �berhaupt zur Welt kommen. Ich glaube, dieser Kampf ist das Risiko wohl wert.�</p><p>�Solange du nicht selbst ein Schwert schwingst�, sagte Galad und beschattete die Augen, um das Schlachtfeld zu inspizieren. Seine Worte deuteten an, dass er ihr die Erlaubnis gab�� <emphasis>die Erlaubnis!</emphasis>��, ihre Truppen anzuf�hren.</p><p>Licht schoss vom Plateau und traf die letzten Drachen, die von der Stellung unmittelbar hinter ihren Truppen noch feuerten. Welch eine Kraft! Demandred verf�gte �ber eine Macht, die beinahe an Rands heranreichte. <emphasis>Wenn er diese Macht gegen meine Soldaten einsetzt��</emphasis></p><p>�Warum hat Cauthon mich herbefohlen?�, fragte Galad leise. �Er verlangte nach einem Dutzend meiner besten M�nner���</p><p>�Du bittest mich doch nicht ernsthaft, die Beweggr�nde von Matrim Cauthon zu ergr�nden, oder?�, fragte Elayne. �Ich bin davon �berzeugt, dass sich Mat einfach nur so <emphasis>benimmt</emphasis>, als w�re er einf�ltig, damit die Leute ihm nur immer mehr durchgehen lassen.�</p><p>Galad sch�ttelte den Kopf. Einige M�nner aus seinem Gefolge zeigten auf die Trollocs, die sich am arafelischen Ufer langsam flussaufw�rts in Bewegung setzten. Elayne begriff, dass ihre rechte Flanke in Gefahr schwebte.</p><p>�Schicke nach sechs Kompanien Armbrustm�nner�, sagte sie zu Birgitte. �Guybon muss unsere Truppen flussaufw�rts verst�rken.�</p><p><emphasis>Beim Licht. Das f�ngt langsam an, wirklich �bel auszusehen.</emphasis> Die Wei�e Burg befand sich dr�ben am Westhang der Anh�he, wo am heftigsten die Macht gelenkt wurde. Von ihrem Standpunkt aus konnte sie nicht viel davon sehen, aber sie f�hlte es genau.</p><p>Von der Anh�he stieg Rauch in den Himmel, der von Blitzschl�gen erleuchtet wurde. Als w�rde sich ein Gesch�pf aus Sturm und Hunger in der Finsternis regen, dessen Augen blitzten, als es erwachte.</p><p>Unvermittelt wurde sich Elayne etwas bewusst. Der durchdringende Gestank von Rauch in der Luft, die Schmerzensschreie der Soldaten. Donner vom Himmel, das Beben der Erde. Die kalte Luft, die sich schwer auf ein Land legte, in dem nichts wachsen wollte, die zerbrechenden Waffen, das Knirschen auf Schilden aufprallender Piken. Das Ende. Es war tats�chlich eingetroffen, und sie stand an seinem Abgrund.</p><p>Ein Bote galoppierte heran und schwenkte einen Brief. Er gab Elaynes Leibw�chtern die richtige Losung, sprang vom Pferd und durfte an sie und Galad herantreten. Er richtete das Wort an den Lordhauptmann und reichte ihm den Brief. �Von Lord Cauthon, Herr. Er sagte, Ihr w�rt hier anzutreffen.�</p><p>Galad nahm den dicken Umschlag und �ffnete ihn stirnrunzelnd. Dann zog er das Blatt hervor.</p><p>Elayne wartete geduldig�� sogar sehr geduldig��, indem sie bis drei z�hlte, dann lenkte sie ihr Pferd neben Galads Hengst und verrenkte den Kopf, um mitlesen zu k�nnen. Also ehrlich, man h�tte annehmen sollen, dass er mehr R�cksicht auf eine Schwangere nahm.</p><p>Mat hatte den Brief selbst geschrieben. Und Elayne sah am�siert, dass die Schrift wesentlich sauberer und weniger fehlerbehaftet war als in dem Brief, den er ihr vor einigen Wochen geschickt hatte. Anscheinend hatte die Belastung durch die Schlacht Matrim Cauthon zu einem besseren Schreiber gemacht.</p><cite><p><emphasis>Galad,</emphasis></p><p>keine Zeit f�r h�bsche Worte. Ihr seid der Einzige, dem ich diese Mission anvertrauen kann. Ihr tut immer das Richtige, selbst wenn es alle anderen zur Verzweiflung bringt. Die Grenzl�nder haben m�glicherweise nicht die Nerven daf�r, aber ich wette, ich kann einem Wei�mantel vertrauen. Nehmt das. Lasst Euch von Elayne ein Wegetor machen. Tut, was getan werden muss.</p><text-author>Mat</text-author></cite><p>Galad runzelte die Stirn, kippte den Umschlag und lie� etwas Silbriges herausfallen. Ein Medaillon an einer Kette. Sowie eine Mark aus Tar Valon.</p><p>Elayne atmete aus, dann ber�hrte sie das Medaillon und lenkte die Macht. Es gelang ihr nicht. Das war eine der von ihr hergestellten Kopien, die sie Mat gegeben hatte. Die andere hatte der Schattenfreund Mellar gestohlen. �Es besch�tzt den Tr�ger gegen Machtlenken�, sagte sie. �Aber warum hat er es dir geschickt?�</p><p>Galad drehte das Blatt Papier herum, weil ihm anscheinend etwas aufgefallen war. Auf der R�ckseite stand hastig hingekritzelt:</p><cite><p>PS: Falls Ihr nicht wisst, was mit �Tut, was getan werden muss� gemeint ist, damit ist gemeint, dass ich will, dass Ihr so viele der sharanischen Machtlenker verflucht noch mal umbringt wie m�glich. Ich wette mit Euch um eine Mark aus Tar Valon ��ihr Rand ist blo� ein bisschen angesto�en��, dass Ihr keine zwanzig von ihnen t�ten k�nnt.���MC</p></cite><p>�Das ist verflucht hinterh�ltig�, sagte Elayne leise. �Blut und verdammte Asche, das ist es wirklich.�</p><p>�Das ist wohl kaum die passende Ausdrucksweise f�r eine Monarchin�, wies Galad sie zurecht, faltete die Botschaft zusammen und steckte sie in die Umhangtasche. Er z�gerte, dann streifte er sich das Medaillon um den Hals. �Ich frage mich, ob er wei�, was er da tut, einem der Kinder ein Artefakt zu geben, das gegen die Ber�hrung einer Aes Sedai immun macht. Der Befehl ist gut. Ich sorge daf�r, dass er ausgef�hrt wird.�</p><p>�Das schaffst du also?�, wollte Elayne wissen. �Frauen t�ten?�</p><p>�Einst h�tte ich wohl gez�gert, aber das w�re die falsche Entscheidung gewesen. Frauen sind genauso f�hig zum B�sen wie M�nner. Warum sollte man z�gern, die einen zu t�ten, aber nicht die anderen? Das Licht richtet nicht nach dem Geschlecht, sondern nach dem Wert des Herzens.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Was ist daran interessant?�, wollte Galad wissen.</p><p>�Dass du tats�chlich einmal etwas gesagt hast, weswegen ich dich nicht auf der Stelle erw�rgen will. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung f�r dich, Galad Damodred.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Das hier ist weder der Ort noch die Zeit f�r leichtfertige Bemerkungen, Elayne. Du solltest dich um Gareth Bryne k�mmern. Er erscheint sehr aufgebracht.�</p><p>Sie drehte sich um und sah �berrascht, dass der betagte General mit ihren Leibw�chtern sprach. �General?�, rief sie.</p><p>Bryne schaute auf, dann verneigte er sich steif im Sattel.</p><p>�Haben meine W�chter Euch aufgehalten?�, fragte Elayne, als er heranritt. Hatte sich etwa herumgesprochen, dass er unter Zwang stand?</p><p>�Nein, Euer Majest�t�, erwiderte er. Sein Pferd war schwei�bedeckt. Er hatte es hart angetrieben. �Ich wollte Euch nicht damit pers�nlich bel�stigen.�</p><p>�Etwas beunruhigt Euch�, sagte Elayne. �Heraus damit.�</p><p>�Euer Bruder�� ist er hier?�</p><p>�Gawyn?� Sie warf Galad einen Blick zu. �Ich habe ihn nicht gesehen.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Galad.</p><p>�Die Amyrlin war sich sicher, dass er bei Eurer Truppe ist��� Bryne sch�ttelte den Kopf. �Er ging los, um an der Front zu k�mpfen. Vielleicht hat er sich ja verkleidet.�</p><p>Warum sollte er�� Er war Gawyn. Er w�rde k�mpfen wollen. Aber sich in Verkleidung zur Front zu schleichen schien ihm nicht �hnlichzusehen. Er w�rde allenfalls ein paar loyale M�nner um sich scharen und einen Sturmangriff anf�hren. Aber sich unter andere M�nner zu schmuggeln? Gawyn? Schwer vorstellbar.</p><p>�Ich lasse herumfragen�, sagte Elayne, w�hrend Galad eine Verbeugung andeutete und sich dann zur�ckzog, um zu seiner Mission aufzubrechen. �Vielleicht hat ihn ja einer meiner Befehlshaber gesehen.�</p><empty-line/><p><emphasis>Ah��,</emphasis> dachte Mat die Nase so nahe an der Karte, dass er sie beinahe ber�hrte. Dann winkte er und lie� die <emphasis>Damane</emphasis> Mika ein Tor �ffnen. Er h�tte nach oben auf den Dasharfels Reisen k�nnen, um sich einen �berblick zu verschaffen. Aber beim letzten Mal hatten ihn feindliche Machtlenker angegriffen und glatt einen Teil des Gipfels abgeschnitten; davon abgesehen erlaubte ihm der Dasharfels trotz seiner H�he nicht, alles zu sehen, was unterhalb der Westseite der Polov-Anh�he vor sich ging. Er eilte zur Seite, legte die H�nde auf den Rand des Wegetors und musterte die Landschaft in der Tiefe.</p><p>Elaynes Linie am Fluss wurde zur�ckgedr�ngt. Sie hatten Bogensch�tzen zur rechten Flanke geschickt. Gut. Blut und verdammte Asche�� diese Trollocs brachten beinahe die Wucht eines Kavallerieangriffs zustande. Er w�rde Elayne befehlen m�ssen, ihre Kavallerie hinter den Pikenformationen Aufstellung nehmen zu lassen.</p><p><emphasis>Genau wie damals, als ich an den Wasserf�llen von Pena gegen Sana Ashraf k�mpfte.</emphasis> Schwere Kavallerie, berittene Bogensch�tzen, schwere Kavallerie, berittene Bogensch�tzen. Einer nach dem anderen. <emphasis>Taer�in dhai hochin dieb sene.</emphasis></p><p>Mat konnte sich nicht daran erinnern, jemals von einer Schlacht so in Beschlag genommen worden zu sein. Der Kampf gegen die Shaido war nicht ann�hernd so fesselnd gewesen, allerdings hatte er da auch nicht die ganze Schlacht gelenkt. Der Kampf gegen den Seanchaner Elbar war ebenfalls nicht so zufriedenstellend gewesen. Nat�rlich hatte sich das alles in einem wesentlich kleineren Ma�stab zugetragen.</p><p>Demandred verstand es zu spielen. Das verrieten Mat die Truppenbewegungen. Er spielte gegen einen der Besten, die je gelebt hatten, und dieses Mal bestand der Wetteinsatz nicht aus Geld. Sie w�rfelten um das Leben von M�nnern, und der endg�ltige Preis war die Welt selbst. Blut und <emphasis>verfluchte</emphasis> Asche, aber er fand das aufregend. Er f�hlte sich schuldig deswegen, aber es war aufregend.</p><p>�Lan ist in Position�, sagte er, richtete sich auf und kehrte zu seinen Karten zur�ck, um sich etwas zu notieren. �Sagt ihm, er soll zuschlagen.�</p><p>Das Trolloc-Heer, das das Flussbett auf H�he der Ruinen �berquerte, musste zerschlagen werden. Die Grenzl�nder hatte er um die Anh�he herumgef�hrt, um die verletzliche hintere Flanke der Tiermenschen anzugreifen, w�hrend Tam und seine kombinierten Streitkr�fte weiterhin von vorn auf sie einschlugen. Tam hatte sie in gro�er Zahl get�tet, bevor und nachdem der Fluss versiegt war. Diese Horde stand kurz vor ihrer Vernichtung, und eine koordinierte Aktion von beiden Seiten konnte das vollbringen.</p><p>Tams M�nner w�rden ersch�pft sein. Konnten sie lange genug durchhalten, bis Lan eintraf und den Kreaturen in den R�cken fiel? Beim Licht, er betete darum. Falls nicht��</p><p>Jemand verdunkelte den Eingang zum Befehlshaus, ein gro�er Mann mit dunklen Locken im Mantel eines Asha�man. Er trug den Ausdruck eines Mannes, der gerade ein Verliererblatt gezogen hatte. Licht! Selbst ein <emphasis>Trolloc</emphasis> h�tte seinen Blick einsch�chternd gefunden.</p><p>Min, die sich mit Tuon unterhalten hatte, brach mitten im Wort ab; Logain schien f�r sie einen besonders finsteren Blick �brigzuhaben. Mat richtete sich auf und klopfte sich die H�nde ab. �Ich hoffe, Ihr habt die W�chter nicht zu schlimm zugerichtet, Logain.�</p><p>�Die Luftgewebe werden sich in ein paar Minuten von selbst aufl�sen�, sagte der Mann barsch. �Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie mich durchlassen.�</p><p>Mat warf Tuon einen Blick zu. Sie war so steif wie eine gest�rkte Sch�rze geworden. Seanchaner vertrauten keinen Frauen, die die Macht lenken konnten, und erst recht nicht jemandem wie Logain.</p><p>�Logain�, sagte er. �Ich brauche Euch an der Seite der Wei�en Burg. Diese Sharaner schlagen sie zu Brei.�</p><p>Logain trug mit Tuon ein Blickduell aus.</p><p>�Das ist nicht mein Krieg.�</p><p>�Das ist <emphasis>unser</emphasis> Krieg�, fauchte Mat. �F�r jeden Einzelnen von uns.�</p><p>�Ich stand zum Kampf bereit�, erwiderte Logain. �Und wie wurde es mir gedankt? Fragt die Rote Ajah. Sie verraten Euch, welche Belohnung ein vom Muster missbrauchter Mann zu erwarten hat.� Er lachte bellend. �Das Muster verlangte einen Drachen! Also kam ich! Aber zu fr�h. Nur etwas zu fr�h.�</p><p>�Moment mal.� Mat trat zu ihm. �Ihr seid zornig, weil Ihr nicht der Drache sein konntet?�</p><p>�Es geht nicht um so kleinliche Dinge�, sagte Logain. �Ich folge dem Lord Drachen. Soll <emphasis>er</emphasis> sterben. Daran liegt mir nichts. Aber ich und die Meinen sollten an seiner Seite sein und nicht hier k�mpfen. Diese Schlacht um die bedeutungslosen Leben von M�nnern ist nichts verglichen mit der Schlacht am Shayol Ghul.�</p><p>�Und doch wisst Ihr, dass wir Euch hier brauchen�, erwiderte Mat. �Sonst w�rt Ihr schon l�ngst gegangen.�</p><p>Logain schwieg.</p><p>�Geht zu Egwene. Sammelt jeden ein, den Ihr habt, und <emphasis>besch�ftigt die sharanischen Machtlenker</emphasis>.�</p><p>�Was ist mit Demandred?�, fragte Logain leise. �Er verlangt nach dem Drachen. Er verf�gt �ber die Kraft von einem Dutzend M�nner. Keiner von uns kann ihm entgegentreten.�</p><p>�Und doch wollt Ihr es versuchen, oder? Darum seid Ihr eigentlich hier, jetzt in diesem Augenblick. Ihr wollt, dass ich Euch gegen Demandred schicke.�</p><p>Logain z�gerte, dann nickte er. �Den Wiedergeborenen Drachen kann er nicht haben. Stattdessen wird er mit mir vorliebnehmen m�ssen. Der�� Ersatz des Drachen, wenn man so will.�</p><p><emphasis>Verfluchte Asche, die sind doch alle verr�ckt.</emphasis> Aber ungl�cklicherweise stand die Frage im Raum, was er sonst gegen einen der Verlorenen ausrichten sollte. Im Augenblick drehte sich sein Schlachtplan darum, Demandred besch�ftigt zu halten und den Mann zu Reaktionen zu zwingen. Wenn er die Arbeit eines Generals erledigen musste, konnte er nicht so viel Schaden durch Machtlenken anrichten.</p><p>Mat w�rde sich wirklich etwas einfallen lassen m�ssen, um den Verlorenen auszuschalten. Er arbeitete daran. Schon die ganze verdammte Schlacht arbeitete er daran, und ihm war noch nichts eingefallen.</p><p>Wieder warf er einen Blick durch sein Wegetor. Elayne wurde viel zu sehr bedr�ngt. Er musste etwas unternehmen. Die Seanchaner ins Feld schicken? Er hatte sie am s�dlichen Ende des Feldes von Merrilor am Ufer des Erinin Aufstellung nehmen lassen. Sie w�rden f�r Demandred das Ass im �rmel sein, das ihn daran hinderte, s�mtliche Truppen in die K�mpfe zu entsenden. Davon abgesehen hatte er Pl�ne f�r sie. Wichtige Pl�ne.</p><p>Logain w�rde gegen Demandred nicht viel bewirken k�nnen, wenn er das richtig einsch�tzte. Aber er w�rde mit dem Asha�man irgendwie klarkommen m�ssen. Wenn Logain es versuchen wollte, dann sollte es eben so sein.</p><p>�Ihr d�rft gegen ihn k�mpfen�, sagte Mat. �Tut es jetzt oder wartet, bis er etwas geschw�cht ist. Beim Licht, ich hoffe, wir <emphasis>k�nnen</emphasis> ihn schw�chen. Aber wie dem auch sei, das �berlasse ich Euch. Sucht Euch den richtigen Augenblick aus und greift an.�</p><p>Logain l�chelte, dann webte er mitten im Raum ein Wegetor und schritt mit der Hand auf dem Schwertknauf hindurch. Genug Stolz, um der Wiedergeborene Drache zu sein, hatte er ja, das stand fest. Mat sch�ttelte den Kopf. Was w�rde er darum geben, um nichts mehr mit diesen ganzen Anf�hrern zu tun haben zu m�ssen. Er mochte jetzt einer von ihnen sein, aber das konnte man wieder in Ordnung bringen. Dazu brauchte er blo� Tuon davon zu �berzeugen, dem Thron zu entsagen und mit ihm durchzubrennen. Das w�rde nicht einfach werden, aber verdammte Asche, er schlug die Letzte Schlacht. Verglichen mit dieser Herausforderung schien Tuon ein Knoten zu sein, der sich spielerisch leicht �ffnen lie�.</p><p>�Ruhmreich���, fl�sterte Min. �Das wird immer noch geschehen.�</p><p>�Jemand soll nach diesen W�chtern sehen�, sagte Mat und wandte sich wieder seinen Karten zu. �Tuon, wir sollten Euch vielleicht an einen anderen Ort bringen. Dieses Geb�ude hier war nie sicher, und Logain hat das einmal mehr bewiesen.�</p><p>�Ich kann mich selbst verteidigen�, verk�ndete sie hochm�tig.</p><p>Zu hochm�tig. Er sah sie mit hochgezogener Braue an, und sie nickte.</p><p><emphasis>Wirklich?,</emphasis> dachte er. Darum willst du dich streiten? Er war nicht davon �berzeugt, dass der Spion das glauben w�rde. Eigentlich war der Grund zu fadenscheinig.</p><p>Sein Plan mit Tuon hatte vorgesehen, sich das zum Vorbild zu machen, was Rand einst mit Perrin gemacht hatte. Falls er ein Zerw�rfnis mit den Seanchanern vort�uschen und Tuon dadurch ihre Truppen zur�ckziehen lassen konnte, w�rde der Schatten sie vielleicht ignorieren. Er brauchte dringend irgendeinen Vorteil.</p><p>Zwei W�chter traten ein. Nein, drei. Der eine Bursche war sehr unscheinbar. Mat sch�ttelte an Tuon gerichtet den Kopf und wandte sich wieder seinen Karten zu�� da w�rden sie einen glaubw�rdigeren Grund zum Streit brauchen.</p><p>Etwas an dem kleinen W�chter besch�ftigte ihn. <emphasis>Sieht eher wie ein Diener als wie ein Soldat aus,</emphasis> dachte er. Er zwang sich aufzusehen, obwohl er sich nun wirklich nicht von irgendwelchen Dienern ablenken lassen sollte. Ja, da war der Bursche und stand nun neben seinem Tisch. Er verdiente wirklich keinerlei Aufmerksamkeit, obwohl er gerade ein Messer z�ckte.</p><p>Ein Messer.</p><p>Mat stolperte zur�ck, als der Graue Mann angriff, z�ckte selbst ein Messer und schrie auf, w�hrend Mika im selben Augenblick rief: �Die Macht wird gelenkt! In der N�he!�</p><empty-line/><p>Min warf sich auf Fortuona, als die Wand des Befehlshauses pl�tzlich in Flammen stand. Sharaner in seltsamen R�stungen aus golden lackierten Stahlb�ndern waren durch die brennende �ffnung zu sehen. Begleitet wurden sie von Machtlenkern mit t�towierten Gesichtern: Frauen in langen, steifen Kleidern, M�nner mit blo�em Oberk�rper und zerfetzten Hosen. Min nahm das alles mit einem Blick auf, bevor sie Fortuonas Thron umkippte.</p><p>Ein Feuerball schoss haarscharf an ihr vorbei, versengte ihr kostbares Seidengewand und verschlang die Wand hinter ihr. Fortuona wand sich aus ihrem Griff und kroch �ber den Boden; Min blinzelte �berrascht. Die Frau hatte ihr bauschiges Gewand hinter sich gelassen ��es war dazu gemacht, sie sofort freizugeben�� und trug nun nur noch glatte Seidenhosen und ein eng anliegendes Hemd, beides schwarz.</p><p>Tuon kam mit einem Messer in der Hand wieder auf die Beine und knurrte leise auf eine beinahe raubtierhafte Weise. In der N�he prallte Mat auf dem Boden auf, verkrallt in einen mit einem Messer bewaffneten Mann. Wo war dieser Angreifer blo� hergekommen? Min konnte sich nicht daran erinnern, ihn eintreten gesehen zu haben.</p><p>Tuon rannte zu Mat her�ber, w�hrend die sharanischen Machtlenker das Befehlshaus mit Feuer bombardierten. Min k�mpfte sich, von ihrem schrecklichen Gewand behindert, auf die F��e und duckte sich neben den Thron, dr�ckte den R�cken dagegen, als sich der Boden aufb�umte.</p><p>Fortuona konnte sie nicht erreichen, also zw�ngte sie sich durch die hintere Wand, die aus dem papier�hnlichen Zeug gefertigt war, das die Seanchaner <emphasis>Tenmi</emphasis> nannten.</p><p>Der Qualm lie� sie husten, aber jetzt, da sie drau�en war, war die Luft doch klarer. Auf dieser Seite des Geb�udes war kein Sharaner zu sehen. Sie griffen alle von der anderen Richtung aus an. Min rannte an der Wand entlang. Machtlenker waren gef�hrlich, aber wenn es ihr gelang, einem ein Messer in den Leib zu rammen, w�rde die Eine Macht der ganzen Welt nicht helfen.</p><p>Sie warf einen Blick um die Ecke und wurde von dem dort knienden Mann �berrascht, der einen wilden Ausdruck in den Augen hatte. Seine Z�ge waren ebenm��ig, die blutroten T�towierungen am Hals sahen wie Krallen aus, die den hellh�utigen Kopf zu halten schienen.</p><p>Er knurrte, und Min warf sich r�ckw�rts zu Boden, wich einem Flammenspeer aus und schleuderte ihr Messer.</p><p>Der Mann fing es aus der Luft. Wie ein Tier schlich er in der Hocke auf sie zu und l�chelte sie an.</p><p>Dann zuckte er unvermittelt und kippte um. Blut rann aus seinen Mundwinkeln.</p><p>�Das ist etwas�, sagte eine Frau mit tiefem Ekel in der Stimme, �dessen Anwendung ich eigentlich gar nicht wissen d�rfte, aber mit der Einen Macht ein Herz anzuhalten ist lautlos. Dazu braucht man �berraschenderweise nur sehr wenig Macht, was praktisch f�r mich ist.�</p><p>�Siuan!�, sagte Min. �Ihr d�rftet gar nicht hier sein.�</p><p>Die Aes Sedai schnaubte. �Ein Gl�ck f�r Euch, dass ich es bin.� Geduckt untersuchte sie den Toten. �Pfui. Ein h�ssliches Gesch�ft, aber wenn man einen Fisch essen will, sollte man auch bereit sein, ihn selbst auszunehmen. Was ist denn los, M�dchen? Ihr seid jetzt in Sicherheit. Kein Grund, so blass auszusehen.�</p><p>�Ihr solltet nicht <emphasis>hier</emphasis> sein!�, stie� Min hervor. �Das habe ich Euch doch gesagt. Bleibt in der N�he von Gareth Bryne!�</p><p>�Ich bin in seiner N�he geblieben, fast so nahe an ihm dran wie seine Unterw�sche, wenn Ihr es unbedingt wissen m�sst. Darum haben wir einander das Leben gerettet, also gehe ich davon aus, dass die Vision richtig war. Haben sie sich jemals nicht erf�llt?�</p><p>�Nein, das habe ich Euch doch gesagt�, fl�sterte Min. �Niemals. Siuan�� Ich sah eine Aura um Bryne, die besagte, dass ihr zusammenbleiben m�sst, oder Ihr werdet beide sterben. In diesem Augenblick h�ngt sie �ber Euch. Was auch immer Ihr glaubt, die Vision hat sich noch nicht vollst�ndig erf�llt. Sie ist noch <emphasis>immer</emphasis> da.�</p><p>Einen Augenblick lang stand Siuan wie erstarrt da. �Cauthon ist in Gefahr.�</p><p>�Aber���</p><p>�Es ist mir egal, M�dchen!� In der N�he erbebte der Boden durch die Eine Macht. Die <emphasis>Damane</emphasis> schlugen zur�ck. �Wenn Cauthon f�llt, ist diese Schlacht verloren. Es ist mir egal, ob wir beide dabei sterben. Wir m�ssen helfen. Bewegt Euch!�</p><p>Min nickte und schloss sich ihr an, als sie um das verw�stete Geb�ude eilten. Der Kampf an der Vorderseite war eine wilde Mischung aus Explosionen, Rauch und Flammen. Totenw�chter st�rzten mit gezogenen Schwertern den Sharanern entgegen, obwohl die Gef�hrten an ihrer Seite gnadenlos niedergemacht wurden. Zumindest hielt das die Machtlenker besch�ftigt.</p><p>Das Befehlshaus brannte mit solcher Hitze, dass Min zur�ckweichen musste und sch�tzend den Arm hob.</p><p>�Einen Moment�, sagte Siuan, dann zog sie mithilfe der Einen Macht eine kleine Wassers�ule aus einem in der N�he stehenden Fass und bespr�hte sie beide. �Ich versuche den Flammen Einhalt zu gebieten.� Sie lenkte die Wassers�ule auf den Bau. �Gut. Gehen wir.�</p><p>Min nickte und sprang durch die lodernden Flammen, Siuan an ihrer Seite. Im Inneren brannten mittlerweile s�mtliche <emphasis>Tenmi</emphasis>-W�nde und l�sten sich rasend schnell in ihre Bestandteile auf. Von der Decke tropfte Feuer.</p><p>�Da�, sagte Min und blinzelte die von der Hitze und dem Qualm verursachten Tr�nen fort. Sie zeigte auf dunkle Gestalten, die ungef�hr in der Mitte des Raumes neben Mats brennendem Kartentisch k�mpften. Eine Gruppe aus drei oder vier Leuten schien gegen Mat zu k�mpfen. Beim Licht, es waren alles Graue M�nner�� nicht nur einer! Tuon lag am Boden.</p><p>Min rannte an der Leiche einer <emphasis>Sul�dam</emphasis> vorbei, die neben mehreren ebenfalls toten W�chtern lag. Siuan riss einen der Grauen M�nner mit der Einen Macht von Mat fort. Im Feuerlicht warfen die Leichen der W�chter Schatten auf den Boden. Eine <emphasis>Damane</emphasis> lebte noch; v�llig ver�ngstigt kauerte sie in der Ecke. Ihre Leine lag auf dem Boden. Ein St�ck entfernt lag ihre <emphasis>Sul�dam</emphasis> reglos da. Anscheinend war sie zur Seite geschleudert worden, und dann hatte man sie get�tet, als sie zur�ck zu ihrer <emphasis>Damane</emphasis> wollte.</p><p>�Tut etwas!�, br�llte Min das M�dchen an und packte es am Arm.</p><p>Schluchzend sch�ttelte die <emphasis>Damane</emphasis> den Kopf.</p><p>�Seid verflucht!�, stie� Min hervor.</p><p>Die Geb�udedecke �chzte. Min rannte in Mats Richtung. Ein Grauer Mann war tot, aber da waren noch zwei andere in der Uniform seanchanischer W�chter. Min fiel es schwer, die Lebenden auszumachen; sie waren auf jede Weise �bertrieben unauff�llig. V�llig nichtssagend.</p><p>Mat stie� einen Schrei aus und stach nach dem Angreifer, aber er hatte seinen Speer nicht zur Hand. Min hatte keine Ahnung, wo er war. Leichtsinnig warf sich Mat nach vorn und trug einen Schnitt an der Seite davon. Warum?</p><p><emphasis>Tuon,</emphasis> wurde Min schlagartig klar, und sie blieb ruckartig stehen. Ein Grauer Mann kniete �ber ihrer reglosen Gestalt, hob den Dolch und��</p><p>Min warf.</p><p>Ein paar Fu� von Tuon entfernt st�rzte Mat zu Boden; der letzte Graue Mann hielt sein Bein fest. Mins Klinge wirbelte im Feuerschein funkelnd durch die Luft und bohrte sich in die Brust des Grauen Mannes, der sich �ber die Kaiserin beugte.</p><p>Min atmete aus. Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte es sie so erleichtert, sehen zu k�nnen, wie ein Messer sein Ziel fand. Mat fluchte, wand sich, trat seinem Gegner ins Gesicht. Er lie� ein Messer folgen, dann eilte er zu Tuon und warf sie sich �ber die Schulter.</p><p>Min sprang an seine Seite. �Siuan ist auch hier. Sie���</p><p>Mat streckte blo� die Hand aus. Siuan lag auf dem Boden. Ihre Augen starrten blicklos zur Decke, und s�mtliche Bilder �ber ihrem Kopf waren verschwunden.</p><p>Sie war tot. Min erstarrte, und eine Faust schien ihr Herz zerquetschen zu wollen. Siuan! Trotzdem st�rzte sie zu der Frau, denn sie wollte einfach nicht glauben, dass sie tot war, obwohl ihr Kleid durch die Explosion brannte, die sie und die H�lfte der Wand neben ihr erwischt hatte.</p><p>�Raus!�, stie� Mat hustend hervor. Mit Tuon �ber dem Arm warf er sich gegen eine Wand, die erst zur H�lfte verbrannt war, und taumelte an die frische Luft.</p><p>Min st�hnte. Sie lie� Siuans Leiche zur�ck und blinzelte Tr�nen vom Rauch und der Trauer fort. Hustend folgte sie Mat nach drau�en. Die Luft schmeckte so s��, so <emphasis>kalt</emphasis>. Hinter ihnen �chzte das Geb�ude und st�rzte dann ein.</p><p>Wenige Augenblicke sp�ter waren Mat und Min von Angeh�rigen der Totenwache umgeben. Nicht einer versuchte, Mat die Kaiserin abzunehmen�� die noch immer atmete, wenn auch flach. Dem Ausdruck in seinen Augen nach zu urteilen, bezweifelte Min ohnehin, dass sie das geschafft h�tten.</p><p><emphasis>Leb wohl, Siuan,</emphasis> dachte Min und schaute zur�ck, w�hrend die W�chter sie vom Kampf am Dasharfels fortbrachten. <emphasis>M�ge der Sch�pfer deine Seele aufnehmen.</emphasis></p><p>Sie w�rde eine Botschaft zu den anderen schicken, um Bryne vor sich selbst zu besch�tzen, aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass das sinnlos sein w�rde. Im Augenblick von Siuans Tod w�rde er in blindw�tige Tobsucht verfallen sein, und selbst wenn man das nicht in Betracht zog, war da noch immer ihre Vision.</p><p>Sie irrte sich nie. Manchmal hasste sie ihre Genauigkeit. Aber sie irrte sich <emphasis>nie</emphasis>.</p><empty-line/><p>�K�mpft ihre Gewebe nieder�, br�llte Egwene. �Ich greife an!�</p><p>Sie wartete nicht ab, um zu sehen, ob man ihr gehorchte. Sie schlug zu und hielt so viel Macht, wie sie nur konnte, zog sie durch Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> in sich hinein und schleuderte drei verschiedene Feuerkreise den Hang hinauf auf die sich verschanzenden Sharaner.</p><p>Um sie herum rang Brynes gut ausgebildete Truppe darum, ihre Linie angesichts des feindlichen Widerstands zu halten, und k�mpfte sich den Westhang der Anh�he hinauf. Die Steigung war mit Hunderten Furchen und L�chern �bers�t, die die Machtstr�nge beider Seiten in den Boden gesprengt hatten.</p><p>Verzweifelt k�mpfte sich Egwene nach vorn. Irgendwo dort oben konnte sie Gawyn f�hlen, aber sie hielt ihn f�r bewusstlos; sein Lebensfunken war so schwach, dass sie kaum die Richtung bestimmen konnte. Ihre einzige Hoffnung bestand darin, sich durch die Sharaner k�mpfen zu k�nnen und ihn zu erreichen.</p><p>Der Boden erbebte, als sie eine Sharanerin verdampfte; Saerin, Doesine und andere Schwestern waren vollauf damit besch�ftigt, die feindlichen Machtangriffe abzuwehren, w�hrend sie sich auf den Angriff konzentrierte. Sie trat vor. Einen Schritt nach dem anderen.</p><p><emphasis>Ich komme, Gawyn,</emphasis> dachte sie und klammerte sich mit aller Kraft an ihre Beherrschung. <emphasis>Ich bin gleich da.</emphasis></p><empty-line/><p>�Wir kommen, um zu berichten, Wyld.�</p><p>Demandred ignorierte den Boten erst einmal. Er flog mit den Schwingen eines Falken und betrachtete die Schlacht durch die Vogelaugen. Raben waren besser, aber jedes Mal, wenn er es mit einem versuchte, schoss ihn ein Grenzl�nder ab. Von all den Br�uchen, die die Zeitalter in der Erinnerung �berstanden hatten, warum musste es ausgerechnet dieser sein?</p><p>Egal. Ein Falke lie� sich ebenfalls einsetzen, selbst wenn sich der Vogel seinem Zugriff widersetzte. Er lenkte ihn �ber das Schlachtfeld, inspizierte Formationen, den Aufmarsch zur Front, den Vormarsch einzelner Truppenteile. Er brauchte sich nicht auf die Berichte von anderen zu verlassen.</p><p>Es h�tte ein beinahe un�berwindlicher Vorteil sein sollen. Lews Therin konnte kein Tier benutzen; dieses Geschenk konnte allein die Wahre Macht gew�hren. Demandred konnte nur ein kleines Rinnsal der Wahren Macht lenken�� nicht genug f�r zerst�rerische Gewebe, aber es gab viele M�glichkeiten, um gef�hrlich zu sein. Leider verf�gte Lews Therin �ber andere Vorteile. Wegetore, die auf das Schlachtfeld blickten? Es war schon beunruhigend, was die Menschen dieses Zeitalters entdeckten, Dinge, die im Zeitalter der Legenden nicht bekannt gewesen waren.</p><p>Demandred �ffnete die Augen und unterbrach die Verbindung zu dem Falken. Seine Streitkr�fte gewannen an Boden, aber jeder Schritt stellte eine schreckliche Tortur dar. Zehntausende Trollocs waren get�tet worden. Er musste vorsichtig sein; ihre Zahl war nicht unbegrenzt.</p><p>Im Augenblick stand er auf der Ostseite des Plateaus und schaute auf den Fluss hinab, nord�stlich von der Stelle, an der Lews Therins Meuchelm�rder versucht hatte, ihn zu t�ten.</p><p>Hier stand er fast genau dem H�gel auf der anderen Flussseite gegen�ber, den man laut Moghedien Dasharfels nannte. Die Felsformation ragte hoch in die Luft. Ihr Fu� war gut f�r einen Kommandoposten geeignet, denn er war dort vor Angriffen mit der Einen Macht gesch�tzt.</p><p>Es war so verlockend, hier selbst zuzuschlagen, einfach dorthin zu Reisen und alles in Schutt und Asche zu legen. Aber war es nicht genau das, was Lews Therin wollte? Demandred w�rde gegen den Mann k�mpfen. Das w�rde er. Aber mitten in die Festung des Feindes zu Reisen und damit in eine m�gliche Falle, die auch noch von diesen hohen Felsw�nden umgeben war�� es war besser, Lews Therin zu sich zu locken. Er beherrschte dieses Schlachtfeld. Er w�rde entscheiden, wann es zu dieser Konfrontation kam.</p><p>Der Fluss war zu einem schlammigen Tr�pfeln versiegt, und seine Trollocs versuchten das S�dufer zu erobern. Im Augenblick hielten die Verteidiger noch stand, aber es w�rde bald ihnen geh�ren. Weit flussaufw�rts hatte M�Hael gute Arbeit geleistet und das Wasser umgeleitet, aber er war auf ungew�hnlichen Widerstand gesto�en. St�dter und eine kleine Abteilung Soldaten? Eine Merkw�rdigkeit, die er noch nicht ergr�ndet hatte.</p><p>Beinahe hatte er M�Hael eine Niederlage gew�nscht. Auch wenn er den Mann einst selbst rekrutiert hatte, hatte er nicht damit gerechnet, dass M�Hael so schnell in die R�nge der Auserw�hlten aufsteigen w�rde.</p><p>Demandred drehte sich um. Drei Frauen in Schwarz mit wei�en Schleifen verneigten sich. Neben ihnen stand Shendla.</p><p>Shendla. Er hatte geglaubt, das Interesse f�r Frauen schon lange hinter sich gelassen zu haben�� wie konnte Zuneigung neben der brennenden Leidenschaft bestehen, die sein Hass auf Lews Therin war? Und doch, Shendla�� verschlagen, f�hig, m�chtig. Es reichte beinahe schon aus, um seine Meinung zu �ndern.</p><p>�Euer Bericht?�, fragte er die drei sich verbeugenden Frauen in Schwarz.</p><p>�Die Jagd ist gescheitert�, sagte Galbrait mit tief gesenktem Kopf.</p><p>�Er ist entkommen?�</p><p>�Ja, Wyld. Ich habe Euch entt�uscht.� Er h�rte den Schmerz in der Stimme der Frau. Sie war die Anf�hrerin der weiblichen Ayyad.</p><p>�Ihr solltet ihn nicht t�ten�, sagte Demandred. �Er ist ein Gegner, der Euch �berlegen ist. Ihr habt seine Kommandostellung zerst�rt?�</p><p>�Ja�, sagte Galbrait. �Wir t�teten ein halbes Dutzend seiner Machtlenker, z�ndeten das Geb�ude an und zerst�rten seine Karten.�</p><p>�Lenkte er die Macht? Hat er sich verraten?�</p><p>Sie z�gerte, dann sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>Also konnte er nicht mit Sicherheit wissen, ob dieser Cauthon der verkleidete Lews Therin war. Demandred vermutete es, aber es gab Berichte vom Shayol Ghul, dass man Lews Therin am Berg gesehen hatte. In der Letzten Schlacht hatte er sich schon bei anderer Gelegenheit als verschlagen erwiesen, hatte die Schlachtfelder gewechselt und sich hier und dort gezeigt.</p><p>Je l�nger Demandred gegen den feindlichen General k�mpfte, umso mehr wuchs seine �berzeugung, dass Lews Therin auf jeden Fall hier an diesem Ort war. Es h�tte seinem Feind sehr �hnlichgesehen, zur T�uschung einen Stellvertreter nach Norden zu schicken, w�hrend er herkam und die Schlacht selbst f�hrte. Er hatte immer alles selbst erledigen wollen, f�hrte in jede Schlacht pers�nlich�� wenn er konnte, selbst jeden Sturmangriff.</p><p>Ja�� wie war das Geschick des feindlichen Generals sonst zu erkl�ren? Nur ein Mann mit Erfahrung eines Uralten beherrschte den Tanz der Schlachtfelder so meisterhaft. Im Kern waren viele Schlachttaktiken ganz einfach. Vermeide offene Flanken, begegne starken Verb�nden mit Piken, Infanterie mit einer gut ausgebildeten Schlachtenreihe, Machtlenkern mit anderen Machtlenkern. Aber die n�tige Finesse�� die kleinen Einzelheiten�� sie zu meistern brauchte Jahrhunderte. Kein Mann aus diesem Zeitalter hatte lange genug gelebt, um die Details so gut lernen zu k�nnen.</p><p>Im Krieg der Macht war Demandred nur in einer Sache besser als sein Freund gewesen, und zwar als General. Das zugeben zu m�ssen schmerzte, aber er w�rde sich nicht l�nger vor dieser Wahrheit verstecken. Lews Therin war in der Einen Macht st�rker gewesen. Lews Therin war besser darin gewesen, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Lews Therin hatte sich Ilyena genommen.</p><p>Aber er�� er war im Krieg der Bessere gewesen. Lews Therin hatte niemals das Gleichgewicht zwischen Vorsicht und K�hnheit vern�nftig ausbalancieren k�nnen. Der Mann hielt sich zur�ck und �berdachte alles, qu�lte sich mit seinen Entscheidungen, um dann tollk�hn vorzupreschen.</p><p>Falls dieser Cauthon Lews Therin war, dann war der Mann darin viel besser geworden. Der feindliche General wusste, wann man eine M�nze werfen und das Schicksal seinen Lauf nehmen lassen musste, lie� aber nicht zu viel von dem Ergebnis abh�ngen. Er h�tte einen ausgezeichneten Kartenspieler abgegeben.</p><p>Nat�rlich w�rde Demandred ihn trotzdem besiegen. Die Schlacht w�rde bloߠ� interessanter sein.</p><p>Er legte die Hand auf den Schwertgriff und �berdachte, was er noch vor Augenblicken vom Schlachtfeld gesehen hatte. Seine Trollocs griffen weiterhin die Uferb�schung an, und Lews Therin hatte ihnen seine Pikenm�nner gegen�ber aufgestellt, und zwar in disziplinierten rechteckigen Formationen, ein defensiver Zug. Hinter ihm k�ndeten die Donnerschl�ge der Machtlenker von dem eigentlichen Krieg, dem zwischen seinen sharanischen Ayyad und den Aes Sedai.</p><p>Hier war er im Vorteil. Seine Ayyad beherrschten das Kriegshandwerk viel besser als die Aes Sedai. Wann w�rde Cauthon endlich diese <emphasis>Damane</emphasis> in den Kampf schicken? Moghedien hatte von Spannungen zwischen ihnen und den Aes Sedai berichtet. Konnte er diesen Zwist irgendwie verst�rken?</p><p>Er gab Befehle, und die drei Ayyad zogen sich zur�ck. Shendla blieb und wartete auf seine Erlaubnis, sich zur�ckziehen zu d�rfen. Er hatte sie die n�here Umgebung auskundschaften und nach weiteren Attent�tern suchen lassen.</p><p>�Macht Ihr Euch Sorgen?�, fragte er sie. �Ihr wisst jetzt, f�r welche Seite wir k�mpfen. Soweit ich wei�, habt Ihr Euch nicht dem Schatten verschworen.�</p><p>�Ich habe mich Euch verschworen, Wyld.�</p><p>�Und f�r mich k�mpft Ihr an der Seite von Trollocs? Halbmenschen? Kreaturen aus Albtr�umen?�</p><p>�Ihr habt gesagt, so mancher w�rde Eure Taten als b�se bezeichnen�, erwiderte sie. �Aber ich betrachte sie nicht so. Unser Weg ist klar. Sobald Ihr siegreich seid, werdet Ihr die Welt neu erschaffen, und unser Volk wird �berleben.� Sie nahm seine Hand, und etwas regte sich in ihm. Sein Hass erstickte es schnell wieder.</p><p>�Ich w�rde das alles wegwerfen�, sagte er und blickte ihr in die Augen. �Alles f�r die Gelegenheit, mit Lews Therin pers�nlich zu k�mpfen.�</p><p>�Ihr habt versprochen, es zu versuchen. Das reicht. Und wenn Ihr ihn vernichtet, vernichtet Ihr eine Welt und bewahrt eine andere. Ich werde Euch folgen. <emphasis>Wir</emphasis> werden Euch folgen.�</p><p>Ihr Tonfall schien anzudeuten, dass er vielleicht wieder sein eigener Mann werden konnte, sobald Lews Therin tot war.</p><p>Er war sich da nicht sicher. Die Herrschaft interessierte ihn nur insoweit, als er sie gegen seinen alten Feind benutzen konnte. Die treu ergebenen und gl�ubigen Sharaner waren nur ein Werkzeug. Aber etwas in ihm w�nschte sich, dass es nicht so war. Das war neu. Ja, das war es.</p><p>In der N�he <emphasis>verzerrte</emphasis> sich die Luft. Gewebe waren keine zu sehen�� hier wurde das Gef�ge des Musters zerrissen. Reisen mit der Wahren Macht. M�Hael war eingetroffen.</p><p>Demandred drehte sich um, und Shendla lie� seinen Arm los, blieb aber an seiner Seite. Man hatte M�Hael Zugang zur Substanz des Gro�en Herrn gew�hrt. Das erf�llte Demandred nicht mit Eifersucht. M�Hael war blo� ein weiteres Werkzeug. Trotzdem stimmte es ihn nachdenklich. Blieb heutzutage �berhaupt noch jemandem die Wahre Macht verwehrt?</p><p>�Ihr werdet den Kampf bei den Ruinen verlieren, Demandred�, verk�ndete M�Hael mit einem arroganten L�cheln. �Eure Trollocs werden vernichtet. Ihr wart dem Feind zahlenm��ig gewaltig �berlegen, und doch werden sie Euch besiegen! Angeblich seid Ihr unser gr��ter General, und doch verliert Ihr gegen diesen Abschaum? Ich bin entt�uscht.�</p><p>Demandred hob beil�ufig zwei Finger.</p><p>M�Hael zuckte, als zwei Dutzend in der N�he stehende sharanische Machtlenker Abschirmungen zwischen ihn und die Eine Macht rammten. Sie fesselten ihn mit Luft und rissen ihn zur�ck. Er wehrte sich, und die die Luft verzerrende Aura der Wahren Macht h�llte ihn ein, aber Demandred war schneller. Er webte eine Abschirmung der Wahren Macht, formte sie aus den brennenden F�den von Geist.</p><p>Die F�den erzitterten in der Luft. Ein jeder von ihnen war mit Widerhaken aus sich windenden Energiestr�ngen versehen, die so klein waren, dass ihre Enden im Nichts verschwanden. Die Wahre Macht war so explosiv, so gef�hrlich. Eine daraus geschaffene Abschirmung hatte eine seltsame Wirkung, sog die Kraft desjenigen auf, der sie zu lenken versuchte.</p><p>Demandreds Abschirmung stahl M�Haels Macht und benutzte den Mann wie einen Kanal. Er sammelte die Wahre Macht und webte sie �ber seiner Hand zu einer knisternden Kugel aus reiner Macht. Allein M�Hael w�rde sie wahrnehmen k�nnen, und die so stolz blickenden Augen des Mannes weiteten sich, als Demandred ihn einfach leer saugte.</p><p>Es war einem Zirkel nicht un�hnlich. Der Entzug der Energie lie� M�Hael zittern und schwitzen, w�hrend er von den Geweben von Demandreds Ayyad festgehalten wurde. Unkontrolliert konnte dieser Fluss M�Hael ausbrennen�� konnte mit dem Strom der Wahren Macht, der sich wie ein �ber die Ufer getretener Fluss verhielt, seine Seele h�uten. Das sich windende Fadenkn�uel in Demandreds Hand pulsierte knisternd und verformte die Luft, fing an, das Muster aufzul�sen.</p><p>Vor ihm fra�en sich winzige, spinnennetzartige Risse in den Boden. Spalten ins Nichts.</p><p>Er trat an M�Hael heran. Der Mann verfiel in einen Krampfanfall, Schaum tropfte von seinen Lippen.</p><p>�Ihr h�rt mir jetzt zu, M�Hael�, sagte Demandred leise. �Ich bin nicht wie die anderen Auserw�hlten. Ich interessiere mich nicht im Mindesten f�r Eure politischen Spielchen. Es ist mir v�llig egal, wer von euch die Gunst des Gro�en Herrn besitzt, wem von euch Moridin den Kopf t�tschelt. Ich interessiere mich allein f�r Lews Therin.</p><p>Das ist mein Kampf. Ihr geh�rt mir. Ich habe Euch zum Schatten gebracht, und ich kann Euch vernichten. Wenn Ihr mir in die Quere kommt, l�sche ich Euch aus wie eine Kerze. Mir ist klar, dass Ihr Euch f�r stark haltet mit Euren gestohlenen Schattenlords und unausgebildeten Machtlenkern. Aber Ihr seid ein Kind, ein S�ugling. Nehmt Eure M�nner, schafft so viel Chaos, wie Ihr wollt, aber steht mir nicht im Weg. Und haltet Euch von meinem Preis fern. Der feindliche General geh�rt mir.�</p><p>Obwohl ihn sein K�rper durch sein Zittern verriet, loderte in M�Haels Augen blo� Hass und keine Furcht. Ja, der da war immer vielversprechend gewesen.</p><p>Demandred drehte die Hand und schleuderte mit der gesammelten Wahren Macht einen Strom Baalsfeuer. Der gl�hend hei�e Strich aus brodelnder Zerst�rung brannte sich durch die Heere am Fluss dort unten und l�ste jeden Mann und jede Frau auf, den er ber�hrte. Ihre Gestalten verwandelten sich in flirrende Lichtpunkte, dann zu Staub; Hunderte von ihnen verschwanden einfach. Er hinterlie� eine lange Linie aus verbranntem Boden, der wie ein mit einem gewaltigen Schlachterbeil gehauener Spalt aussah.</p><p>�Lasst ihn los�, sagte Demandred und erlaubte der Abschirmung aus Wahrer Macht, sich aufzul�sen.</p><p>M�Hael taumelte zur�ck, schaffte es aber, auf den Beinen zu bleiben. Sein Gesicht war schwei��berstr�mt. Keuchend hob er eine Hand zur Brust.</p><p>�Bleibt w�hrend dieser Schlacht am Leben�, sagte Demandred zu ihm, wandte sich ab und fing an, die Str�nge zu weben, die seinen Falken wieder herbeibefahlen. �Wenn Euch das gelingt, zeige ich Euch vielleicht, wie das geht, was ich gerade gemacht habe. Vielleicht glaubt Ihr jetzt, mich t�ten zu wollen, aber Ihr solltet wissen, dass der Gro�e Herr uns beobachtet. Davon abgesehen bedenkt dies. Ihr m�gt hundert von Euren zahmen Asha�man haben. Ich habe �ber vierhundert Ayyad. Ich bin der Retter dieser Welt.�</p><p>Als er wieder zur�cksah, war M�Hael verschwunden, war mit der Wahren Macht Gereist. Es war erstaunlich, dass er nach dem, was Demandred mit ihm gemacht hatte, dazu noch die n�tige Kraft hatte. Er hoffte, dass er den Mann nicht t�ten musste. Er w�rde sich noch als n�tzlich erweisen.</p><empty-line/><p>AM ENDE SIEGE ICH.</p><p>Rand stand aufrecht vor dem tosenden Wind, obwohl seine Augen tr�nten, als er in die Finsternis starrte. Wie lange befand er sich nun schon an diesem Ort? Tausend Jahre? Zehntausend?</p><p>Im Augenblick besch�ftigte ihn nur der Widerstand. Er w�rde sich diesem Wind nicht beugen. Er w�rde nicht einmal f�r den Bruchteil eines Herzschlages nachgeben.</p><p>ENDLICH IST DIE ZEIT GEKOMMEN.</p><p>�Zeit bedeutet dir nichts�, sagte Rand.</p><p>Das war die Wahrheit, aber sie war es wiederum auch nicht. Rand konnte die um ihn herumwirbelnden F�den sehen, die das Muster bildeten. Und w�hrend es Gestalt annahm, sah er unter sich die Schlachtfelder. Die von ihm geliebten Menschen k�mpften um ihr Leben. Das waren keine potenziellen M�glichkeiten; das war die Wahrheit, das geschah tats�chlich.</p><p>Der Dunkle K�nig schl�ngelte sich um das Muster; er konnte es nicht nehmen und zerst�ren, dazu war er nicht imstande, aber er konnte es ber�hren. Aus Finsternis bestehende Ranken, Stacheln drangen �berall in die Welt ein. Der Dunkle K�nig lag wie ein Schatten auf dem Muster.</p><p>Aber wenn er es ber�hrte, existierte die Zeit auch f�r ihn. Und obwohl sie auf ihn selbst keinen Einfluss hatte�� oder vielmehr <emphasis>es</emphasis>, denn der Dunkle K�nig hatte kein Geschlecht��, konnte er sein Werk nur innerhalb ihrer Grenzen verrichten. So wie ein�� Bildhauer, der zwar gro�artige Visionen und Tr�ume hatte, der aber noch immer von der Realit�t des Materials abh�ngig war, mit dem er arbeitete.</p><p>Rand starrte das Muster an und widerstand dem Angriff des Dunklen K�nigs. Er regte sich nicht, atmete auch nicht. Hier war kein Atem n�tig.</p><p>Unten starben Menschen. Er h�rte ihre Schreie. So viele fielen in der Schlacht.</p><p>AM ENDE SIEGE ICH, WIDERSACHER. SIEH ZU, WIE SIE SCHREIEN. SIEH ZU, WIE SIE STERBEN.</p><p>DIE TOTEN GEH�REN MIR.</p><p>�L�gen�, sagte Rand.</p><p>NEIN. ICH ZEIGE ES DIR.</p><p>Der Dunkle K�nig wirbelte erneut die potenziellen M�glichkeiten durcheinander, sammelte das, was sein konnte, und stie� Rand in eine weitere Vision.</p><empty-line/><p>Juilin Sandar war kein Offizier. Er war Diebef�nger, kein Adliger. <emphasis>Ganz bestimmt</emphasis> kein Adliger. Er arbeitete auf eigene Rechnung.</p><p>Aber anscheinend galt das nicht l�nger, seit er auf einem Schlachtfeld gelandet war und den Befehl �ber eine Abteilung M�nner erhalten hatte, weil er als Diebef�nger gef�hrliche Verbrecher geschnappt hatte. Die Sharaner schlugen auf seine M�nner ein, zielten auf die Aes Sedai. Sie k�mpften am Westhang, und die Aufgabe seiner Kompanie bestand darin, die Aes Sedai vor der sharanischen Kavallerie zu besch�tzen.</p><p>Aes Sedai. Wie war er nur in deren Angelegenheiten verstrickt worden? Ausgerechnet er, ein anst�ndiger Tairener.</p><p>�Die Stellung halten!�, rief Juilin seinen M�nnern zu. �Haltet durch!� Er rief es auch f�r sich selbst. Seine Abteilung klammerte sich an ihre Piken und Speere und zwang die sharanische Kavallerie r�ckw�rts den Hang hinauf. Er war sich nicht sicher, warum er hier war oder warum sie in diesem Abschnitt k�mpften. Er wollte blo� am Leben bleiben!</p><p>Die Sharaner br�llten und fluchten in einer fremden Sprache. Sie verf�gten �ber viele dieser Machtlenker, aber er stand hier regul�ren Truppen gegen�ber, die die verschiedensten Handwaffen benutzten, haupts�chlich Schwerter und Schilde. Der Boden war mit Leichen �bers�t, was beiden Seiten den Kampf erschwerte. Juilin und seine M�nner befolgten ihre Befehle und stemmten sich gegen die Sharaner, w�hrend sich die Aes Sedai und die feindlichen Machtlenker mit der Einen Macht bek�mpften.</p><p>Juilin k�mpfte mit einem Speer, eine Waffe, mit der er nur oberfl�chlich vertraut war. Eine Abteilung gepanzerter Sharaner erzwang sich einen Weg zwischen Myks und Charns Piken. Die Offiziere trugen Harnische und waren auf seltsame Weise in verschiedenfarbige Stoffe geh�llt, w�hrend das Fu�volk mit Metallstreifen verst�rktes Leder trug. Sie alle hatten seltsame Muster auf den R�cken gemalt.</p><p>Der Anf�hrer der feindlichen Truppe schwang einen b�sartig aussehenden Streitkolben und erschlug einen Pikenmann, dann noch einen. Der Mann schleuderte Juilin Fl�che entgegen, die er nicht verstand.</p><p>Juilin fintierte, und der Sharaner riss den Schild hoch, also rammte er den Speer in die L�cke zwischen Harnisch und Arm. Beim Licht, der Gegner zuckte nicht einmal zusammen. Er schlug den Schild gegen Juilin und zwang ihn zur�ck.</p><p>Der Speer entglitt Juilins verschwitzten Fingern. Fluchend griff er nach seinem Schwertbrecher, einer Waffe, die er gut kannte. Myk und die anderen k�mpften in der N�he mit dem Rest der sharanischen Abteilung. Charn wollte Juilin helfen, aber der verr�ckte Sharaner lie� seinen Streitkolben auf seinen Kopf niedersausen�� und zertr�mmerte ihn wie eine Walnuss.</p><p>�Stirb, du verdammtes Ungeheuer!�, br�llte Juilin, sprang vor und rammte dem Mann den Schwertbrecher direkt oberhalb der Halsberge in den Hals. Andere Sharaner eilten auf seine Position zu. Juilin fiel zur�ck, als der Mann vor ihm zusammenbrach und starb. Gerade rechtzeitig, denn ein feindlicher Soldat zu seiner Linken versuchte ihm den Kopf abzuschlagen. Die Schwertspitze pfiff an seinem Ohr vorbei, und Juilin hob instinktiv seine Klinge und hebelte. Die Waffe des Feindes zerbrach, und er erledigte ihn schnell, indem er ihm mit der Parade den Hals aufschlitzte.</p><p>Juilin beeilte sich, seinen Speer aufzuheben. In der N�he st�rzten Feuerb�lle zu Boden, Angriffe der Aes Sedai hinter ihnen und der Sharaner auf dem Hang vor ihnen. Erde klebte in Juilins Haaren und auf dem Blut auf seinen Armen.</p><p>�Haltet die Stellung!�, rief er seinen M�nnern zu. �Verflucht, wir m�ssen sie halten!�</p><p>Er griff einen weiteren Gegner an, der auf ihn zukam. Einer der Pikenm�nner hob rechtzeitig die Waffe, um die Schulter des Mannes zu treffen, und Juilin durchbohrte seine lederumh�llte Brust.</p><p>Die Luft erbebte. Seine Ohren dr�hnten von den vielen Explosionen. Juilin zog sich zur�ck, br�llte seinen M�nnern Befehle zu.</p><p>Er sollte gar nicht hier sein. Er sollte an irgendeinem warmen Ort sein, zusammen mit Amathera, �ber den n�chsten Verbrecher nachdenken, den er fangen musste.</p><p>Vermutlich dachte jeder Mann auf dem Feld, dass er eigentlich an einem ganz anderen Ort h�tte sein m�ssen. Ihnen blieb nichts anderes �brig, als weiterzuk�mpfen.</p><empty-line/><p><emphasis>Schwarz steht Euch,</emphasis> meinte Androl zu Pevara, als sie sich in dem feindlichen Heer auf der Anh�he bewegten.</p><p><emphasis>Das ist etwas,</emphasis> erwiderte sie, <emphasis>das man niemals, aber auch wirklich niemals zu einer Aes Sedai sagen sollte. Niemals.</emphasis></p><p>Seine einzige Antwort bestand aus Nervosit�t, die durch den Bund kam. Pevara begriff. Sie trugen die Umgedrehten Gewebe der Spiegelmaske und gingen an Schattenfreunden, Schattengez�cht und Sharanern vorbei. Und es funktionierte. Pevara hatte ein wei�es Kleid mit einem schwarzen Umhang an�� das war kein Gewebe��, aber wer einen Blick unter die Kapuze warf, h�tte das Gesicht von Alviarin gesehen, einer Angeh�rigen der Schwarzen Ajah. Theodrin trug das Gesicht von Rianna.</p><p>Androls und Emarins Gewebe gaben ihnen das Aussehen von Nensen und Kash, zwei von Taims Handlangern. Jonneth hatte gar keine �hnlichkeit mehr mit sich selbst und zeigte das Gesicht irgendeines Schattenfreundes, und er spielte die Rolle gut, schlich hinter ihnen her und schleppte ihre Ausr�stung. Diesen falkengesichtigen Mann mit den fettigen Haaren und dem fahrigen Benehmen h�tte man niemals f�r den freundlichen Burschen aus den Zwei Fl�ssen gehalten.</p><p>Sie schritten z�gig vorbei an den hinteren Linien der Armee des Schattens. Trollocs schleppten Pfeilb�ndel zur Front; andere verlie�en die Linien, um sich an Leichenstapeln vollzustopfen. Da und dort brodelten Kocht�pfe. Das schockierte Pevara. Sie machten eine Pause, um zu fressen? Jetzt?</p><p><emphasis>Nur ein paar von ihnen,</emphasis> dachte Androl. <emphasis>So l�uft das auch in den menschlichen Heeren ab, obwohl es diese Augenblicke nie in die Balladen schaffen. Die Schlacht hat den ganzen Tag gedauert, und Soldaten brauchen Kraft f�r den Kampf. Normalerweise wechseln sich drei Gruppen ab. Die Frontlinien, die Reserve und die Dienstfreien�� Truppen, die sich vom Kampf zur�ckziehen und eine schnelle Mahlzeit herunterschlingen, bevor sie einen Moment schlafen. Danach geht es zur�ck zur Frontlinie.</emphasis></p><p>Einst hatte sie sich den Krieg anders vorgestellt. Sie hatte geglaubt, dass jeder Mann jeden Augenblick des Tages im Einsatz war. Aber eine echte Schlacht war kein schneller Lauf; sie war ein langer, die Seele zerm�rbender Marsch.</p><p>Es war bereits sp�ter Nachmittag, der auf den Abend zuging. Im Osten erstreckten sich an dem ausgetrockneten Flussbett Schlachtlinien weit in beide Richtungen. Dort k�mpften viele Tausend M�nner und Trollocs. An dieser Front waren massenhaft Tiermenschen im Einsatz, aber andere wurden zur�ck auf die Anh�he geholt, um entweder zu fressen oder eine Weile in einem ohnmacht�hnlichen Schlaf zusammenzubrechen.</p><p>Sie sah nicht zu genau zu den Kocht�pfen hin, aber Jonneth sackte auf die Knie und �bergab sich am Wegesrand. Ihm waren die K�rperteile aufgefallen, die in dem dicken Eintopf schwammen. Als er seinen Mageninhalt auf den Boden spuckte, kam eine Gruppe Trollocs vorbei und schnaubte und gr�lte ver�chtlich.</p><p><emphasis>Warum verlassen sie das Plateau, um den Fluss zu erobern?,</emphasis> fragte sie Androl. <emphasis>Das hier oben scheint doch die bessere Position zu sein.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist sie vielleicht auch,</emphasis> erwiderte Androl. <emphasis>Aber der Schatten ist der Angreifer. Bleibt er auf dieser Position, dient das nur Cauthons Armee. Demandred muss den Druck auf ihn aufrechterhalten. Das bedeutet, den Fluss �berqueren zu m�ssen.</emphasis></p><p>Also verstand Androl auch etwas von Taktik. Interessant.</p><p><emphasis>Ich habe blo� hier und da ein paar Dinge aufgeschnappt,</emphasis> meinte er. <emphasis>In der n�chsten Zeit werde ich keine Schlacht anf�hren.</emphasis></p><p><emphasis>Ich war nur neugierig, wie viele Leben Ihr gef�hrt habt, Androl.</emphasis></p><p><emphasis>Eine seltsame Bemerkung von einer Frau, die alt genug ist, um die Gro�mutter meiner Gro�mutter zu sein.</emphasis></p><p>Sie gingen weiter die Ostseite des Plateaus entlang. Weit entfernt k�mpften sich die Aes Sedai den Westhang nach oben�� aber im Augenblick hielten Demandreds Truppen die Stellung. Um Pevara herum gab es nur Trollocs. Ein paar verneigten sich unbeholfen, wenn sie und die anderen vorbeigingen, andere rollten sich ohne Decken auf dem kargen Boden zusammen, um zu schlafen. Jeder von ihnen behielt seine Waffe in der Hand.</p><p>�Das sieht nicht besonders vielversprechend aus�, sagte Emarin leise hinter seiner Maske. �Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Taim l�nger als unbedingt n�tig mit den Tiermenschen abgibt.�</p><p>�Da vorn�, sagte Androl. �Seht doch.�</p><p>Hier hielt das Schattengez�cht Abstand von einer Gruppe Sharanern in diesen fremdartigen Uniformen. Sie trugen in Stoff gewickelte R�stungen, deren Stahl lediglich auf dem R�cken zu sehen war, dabei waren die Formen der Brustpanzer unverkennbar. Pevara blickte die anderen an.</p><p>�Ich k�nnte mir Taim als Teil dieser Gruppe vorstellen�, sagte Emarin. �Au�erdem stinkt sie weniger als die Kreaturen da hinten.�</p><p>Pevara hatte den Gestank ignoriert�� sie hatte schon vor Jahren gelernt, wie man aufdringliche Ger�che genauso ignorierte wie Hitze oder K�lte. Aber als Emarin es erw�hnte, drang ein Hauch dessen, was die anderen rochen, durch ihre Verteidigung. Schnell verdr�ngte sie den Gestank wieder. Das war <emphasis>schrecklich</emphasis>.</p><p>�Lassen uns die Sharaner passieren?�, fragte Jonneth.</p><p>�Wir werden sehen�, antwortete Pevara und ging energisch auf den Feind zu; ihre Gruppe scharte sich um sie. Die W�chter hatten eine von Unbehagen k�ndende Linie gegen das Schattengez�cht aufgestellt und behielten sie wie Feinde im Auge. Diese Allianz ��oder was auch immer das darstellen sollte�� stie� bei den sharanischen Soldaten auf keine gro�e Gegenliebe. Sie bem�hten sich nicht einmal, ihren Abscheu zu verbergen, und viele hatten sich T�cher vors Gesicht gebunden, um dem Gestank wenigstens etwas zu entgehen.</p><p>Als Pevara an der Reihe vorbeiging, wollte ihr ein Adliger ��zumindest hielt sie ihn dank seiner R�stung aus Bronzeringen daf�r�� in den Weg treten. Ein wohlge�bter Aes-Sedai-Blick lie� es ihn sich anders �berlegen. <emphasis>Ich bin viel zu wichtig, als dass du mich bel�stigen solltest,</emphasis> besagte dieser Blick. Es funktionierte wunderbar, und sie waren drin.</p><p>Im Reservelager der Sharaner herrschte Ordnung, w�hrend M�nner vom Kampf gegen die Streitkr�fte der Wei�en Burg abgezogen und durch frische Soldaten ersetzt wurden. Das w�tende Machtlenken im Westen zog Pevaras Aufmerksamkeit auf sich; es flackerte wie ein grelles Licht.</p><p><emphasis>Was meint ihr?,</emphasis> sagte Androl.</p><p><emphasis>Wir m�ssen mit jemandem reden. Das Schlachtfeld ist einfach zu gro�, um Taim auf uns allein gestellt zu finden.</emphasis></p><p>Er stimmte ihr zu. Nicht zum ersten Mal empfand Pevara ihren Beh�terbund als eine Last. Sie musste nicht nur mit ihrer eigenen Nervosit�t ringen, sondern auch noch mit Androls. Die schlich sich st�ndig aus ihrem Hinterkopf heran, und sie musste sie gewaltsam b�ndigen. Dazu benutzte sie Atem�bungen, die sie bei ihrer Ausbildung in der Wei�en Burg gelernt hatte.</p><p>In der Lagermitte blieb sie stehen, blickte sich um und versuchte zu entscheiden, an wen sie sich wenden sollte. Sie konnte Adlige von Dienern unterscheiden. Die Letzteren anzusprechen w�rde weniger gef�hrlich sein, aber es w�rde auch vermutlich nicht viel bringen. Vielleicht��</p><p>�Ihr da!�</p><p>Pevara zuckte zusammen und fuhr herum.</p><p>�Ihr solltet nicht hier sein.� Der bereits �ltere Sharaner war v�llig kahl und hatte einen kurzen grauen Bart. Zwei Schwertgriffe in der Form von Schlangenk�pfen ragten �ber seine Schultern hinaus; er trug die Klingen gekreuzt auf dem R�cken, und er hielt einen Stab, �ber dessen ganze L�nge sich seltsame L�cher zogen. Vielleicht eine Art Fl�te?</p><p>�Kommt�, fuhr der Mann mit einem so schweren Akzent fort, dass Pevara ihn kaum verstehen konnte. �Der Wyld wird Euch sehen wollen.�</p><p><emphasis>Wer ist der Wyld?,</emphasis> fragte Pevara Androl.</p><p>Der Asha�man sch�ttelte blo� den Kopf. Er f�hlte sich genauso verwirrt wie sie an.</p><p><emphasis>Das k�nnte ein b�ses Ende nehmen.</emphasis></p><p>Der alte Mann schritt mit �rgerlicher Miene voraus. Was w�rde er machen, wenn sie sich weigerten? Pevara war versucht, ein Wegetor zur Flucht zu weben.</p><p><emphasis>Wir folgen ihm,</emphasis> dachte Androl und ging weiter. <emphasis>Wenn wir nicht mit jemandem sprechen, finden wir Taim nie.</emphasis></p><p>Pevara sah stirnrunzelnd zu, wie er sich dem Mann anschloss und die anderen Asha�man ihm folgten. Eilig holte sie sie ein. <emphasis>Wir hatten doch abgemacht, dass ich hier das Sagen habe,</emphasis> �bermittelte sie.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> erwiderte er, <emphasis>ich war der Meinung, dass wir uns darauf geeinigt h�tten, dass Ihr so</emphasis> tun <emphasis>w�rdet, als h�ttet ihr den Befehl.</emphasis></p><p>Sie reagierte mit einer berechnenden Mischung aus kaltem Missfallen und der Andeutung, dass diese Unterhaltung noch nicht vorbei war.</p><p>Androl fand das am�sant. <emphasis>Habt Ihr�� habt Ihr mich gerade mental b�se angesehen? Das ist beeindruckend.</emphasis></p><p><emphasis>Wir gehen ein gro�es Wagnis ein. Dieser Mann k�nnte uns sonst wo hinf�hren.</emphasis></p><p><emphasis>Ja,</emphasis> erwiderte er.</p><p>Etwas brodelte in ihm, das bis jetzt immer nur eine Andeutung gewesen war. <emphasis>Ihr wollt Taim unbedingt erwischen, oder?</emphasis></p><p><emphasis>Ja. Das will ich</emphasis>.</p><p>Sie nickte.</p><p><emphasis>Ihr versteht das?</emphasis></p><p><emphasis>Auch ich habe durch ihn Freunde verloren,</emphasis> sagte Pevara. <emphasis>Ich musste zusehen, wie man sie direkt vor meiner Nase holte. Aber wir m�ssen vorsichtig sein. Wir k�nnen nicht zu viele Risiken eingehen. Noch nicht.</emphasis></p><p><emphasis>Es ist das Ende der Welt, Pevara. Wenn wir jetzt keine Risiken eingehen k�nnen, wann dann?</emphasis></p><p>Sie folgte ihm ohne weiteren Widerspruch und wunderte sich �ber die Entschlossenheit, die sie in Androl f�hlte. Taim hatte etwas in ihm geweckt, als er seine Freunde genommen und sie zum Schatten Umgedreht hatte.</p><p>W�hrend sie dem alten Sharaner folgten, wurde sich Pevara klar, dass sie Androls Gef�hle nicht verstand, jedenfalls nicht vollst�ndig. Mit ihr befreundete Schwestern waren Opfer geworden, aber das war nicht mit dem zu vergleichen, was Androl empfand, als er Evin verloren hatte. Evin hatte ihm vertraut, hatte zu ihm aufgesehen und sich von ihm besch�tzt gef�hlt. Pevaras Aes Sedai waren Bekannte und Freunde gewesen, aber das war irgendwie anders.</p><p>Der Sharaner f�hrte sie zu einer gr��eren Gruppe, von denen viele kostbare Kleidung trugen. Anscheinend k�mpften die h�chsten Adligen und Ladys der Sharaner nicht, denn keiner von ihnen trug eine Waffe. Sie machten dem Alten Platz, obwohl einige auf seine Schwerter blickten und ver�chtlich kicherten.</p><p>Jonneth und Emarin setzten sich wie Leibw�chter an Pevaras und Theodrins Seiten. Mit der Hand auf der Waffe musterten sie die Sharaner, und Pevara vermutete, dass sie die Eine Macht hielten. Nun, das kam vermutlich nicht unerwartet bei Schattenlords, die sich unter Verb�ndeten befanden, denen sie nicht richtig vertrauten. Sie mussten Pevara nicht auf diese Weise besch�tzen, aber es war eine nette Geste. Sie war immer der Meinung gewesen, dass Beh�ter durchaus n�tzlich w�ren. Sie war mit der Absicht zur Schwarzen Burg gekommen, mehrere Asha�man zu Beh�tern zu nehmen. Vielleicht��</p><p>Sofort erschien Androl eifers�chtig. <emphasis>Was seid Ihr? Eine Gr�ne, die ein Schwarm M�nner umschwirrt?</emphasis></p><p>Sie �bermittelte ihm ihre Belustigung. <emphasis>Warum nicht?</emphasis></p><p><emphasis>Sie sind zu jung f�r Euch. Jedenfalls Jonneth. Und Theodrin w�rde mit Euch um ihn k�mpfen.</emphasis></p><p><emphasis>Ich denke daran, mit ihnen den Beh�terbund einzugehen, nicht, sie ins Bett zu zerren, Androl. Also ehrlich. Au�erdem zieht Emarin M�nner vor.</emphasis></p><p>Androl verstummte. <emphasis>Wirklich?</emphasis></p><p><emphasis>Aber nat�rlich. Ist Euch das noch nie aufgefallen?</emphasis></p><p>Androl erschien verbl�fft. Manchmal konnten M�nner �berraschend begriffsstutzig sein, selbst so aufmerksame Beobachter wie Androl.</p><p>Pevara umarmte die Eine Macht, als sie die Mitte der Gruppe erreichten. W�rde sie genug Zeit f�r ein Wegetor haben, falls etwas schiefging? Das Terrain war ihr unbekannt, aber solange sie an einen Ort in der N�he Reiste, w�rde das keine Rolle spielen. Sie hatte das Gef�hl, an eine Henkersschlinge zu treten und sie sich genau anzusehen, um zu entscheiden, wie gut sie ihrem Hals passte.</p><p>In der Mitte der Gruppe stand ein hochgewachsener Mann in einer R�stung aus Silberscheiben mit L�chern in der Mitte und gab Befehle. Neben ihm schwebte ein Pokal durch die Luft. Androl versteifte sich. <emphasis>Er lenkt die Macht, Pevara.</emphasis></p><p>Also das war Demandred? Er musste es sein. Pevara lie� sich vom warmen Schein <emphasis>Saidars</emphasis> �berfluten und ihre Gef�hle fortsp�len. Der alte Mann, der sie gef�hrt hatte, trat vor und fl�sterte Demandred etwas zu. Trotz ihrer durch <emphasis>Saidar</emphasis> gesch�rften Sinne konnte Pevara seine Worte nicht verstehen.</p><p>Demandred wandte sich ihrer kleinen Gruppe zu. �Was soll das? Hat M�Hael seine Befehle so schnell wieder vergessen?�</p><p>Androl lie� sich auf die Knie fallen, und die anderen folgten seinem Beispiel. Obwohl es sie anwiderte, schloss sich Pevara ihnen an.</p><p>�Erhabener�, sagte Androl, �wir sind bloߠ��</p><p>�Keine Ausfl�chte!�, br�llte Demandred. �Keine Spielchen! M�Hael soll alle seine Schattenlords nehmen und die Truppen der Wei�en Burg vernichten. Wenn ich noch einen von euch abseits vom Kampf sehe, werdet ihr euch w�nschen, ich h�tte euch stattdessen den Trollocs �bergeben!�</p><p>Androl nickte eifrig, dann wich er zur�ck. Eine f�r Pevara unsichtbare Peitsche aus Luft traf ihn mitten ins Gesicht�� sie sp�rte seinen Schmerz durch den Bund. Der Rest von ihnen folgte ihm und zog sich mit gesenkten K�pfen zur�ck.</p><p><emphasis>Das war dumm und gef�hrlich,</emphasis> sagte Pevara.</p><p><emphasis>Und effektiv,</emphasis> erwiderte er mit starr nach vorn gerichtetem Blick und der Hand an der Wange; zwischen den Fingern sickerte Blut. <emphasis>Jetzt wissen wir mit Sicherheit, dass Taim auf dem Schlachtfeld ist, und wir wissen, wo wir ihn finden. Beeilen wir uns.</emphasis></p><empty-line/><p>Galad eilte durch einen Albtraum. Er hatte gewusst, dass die Letzte Schlacht vermutlich das Ende der Welt bedeutete, aber jetzt�� jetzt f�hlte er es auch.</p><p>Machtlenker von beiden Seiten schlugen aufeinander ein und lie�en die Polov-Anh�he erbeben. Blitze waren so oft eingeschlagen, dass Galad so gut wie nichts mehr h�ren konnte, und seine Augen schmerzten von dem grellen Aufleuchten in der N�he.</p><p>Er warf sich gegen die Hangseite, grub die Schulter in den Boden und duckte sich, als vor ihm eine Reihe Explosionen den Untergrund aufriss. Seine Mannschaft ��zw�lf M�nner in schmutzigen wei�en Umh�ngen�� warfen sich zusammen mit ihm in Deckung.</p><p>Die Angriffe setzten den Truppen der Wei�en Burg schwer zu, aber das galt auch f�r die Sharaner. Das von so vielen Machtlenkern entfesselte Inferno war schier unglaublich.</p><p>Hier an der Westseite k�mpften der gr��te Teil der Infanterie der Wei�en Burg und zahlreiche Sharaner. Galad blieb am Rand dieses Schlagabtausches und hielt nach sharanischen Machtlenkerinnen Ausschau, die allein oder in kleinen Gruppen unterwegs waren. Auf beiden Seiten waren die Linien vielerorts zersplittert. Das war nicht �berraschend; die hier eingesetzte Eine Macht machte es so gut wie unm�glich, solide Schlachtenreihen beizubehalten.</p><p>�berall rannten Soldaten umher und suchten Deckung in L�chern, die in den Felsen gesprengt worden waren. Andere besch�tzten Gruppen von Machtlenkern. In der N�he streiften M�nner und Frauen in kleinen Einheiten umher und vernichteten die Truppen der Burg mit Feuer und Blitzen.</p><p>Auf diese hatte es Galad abgesehen.</p><p>Er hob das Schwert und zeigte auf drei Sharanerinnen ein St�ck weiter den Hang hinauf. Er und seine M�nner befanden sich auf halber H�he.</p><p>Drei. Drei w�rden schwierig sein. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf eine kleine Abteilung Soldaten, die die Flamme von Tar Valon trugen. Blitze regneten auf die ungl�cklichen M�nner herab.</p><p>Galad hielt vier Finger in die H�he. Plan Nummer vier. Er sprang aus seiner Deckung und rannte auf die drei Frauen zu. Seine M�nner z�hlten bis f�nf, dann folgten sie ihm.</p><p>Die Frauen sahen ihn. W�re das nicht passiert, h�tte Galad den Vorteil gehabt. Eine von ihnen hob die Hand, webte Feuer und schleuderte ihm das Gewebe entgegen. Die Flamme traf ihn, und obwohl er die Hitze sp�ren konnte, l�ste sich das Gewebe in seine Einzelteile auf�� lie� ihn angesengt, aber gr��tenteils unversehrt zur�ck.</p><p>Die Sharanerin riss entsetzt die Augen auf. Dieser Blick�� dieser Blick wurde Galad langsam vertraut. Es war der Ausdruck eines Soldaten, dessen Schwert im Kampf zerbrach, der Ausdruck einer Person, die etwas gesehen hatte, das es eigentlich nicht h�tte geben d�rfen. Was tat man, wenn die Eine Macht versagte, die eine Sache, die einen �ber seine Mitmenschen erhob?</p><p>Man starb. Galads Klinge forderte den Kopf der Frau, w�hrend ihre Gef�hrtinnen versuchten, ihn mit Luft zu fesseln. Das Metall auf seiner Brust wurde eiskalt, und er f�hlte, wie die Luftstr�me um ihn herumbrausten.</p><p>Eine schlechte Entscheidung, dachte Galad und rammte der zweiten Frau das Schwert in die Brust. Die dritte erwies sich als schlauer und schleuderte einen gro�en Stein gegen ihn. Er bekam kaum rechtzeitig den Schild hoch, bevor der Stein gegen seinen Arm schmetterte und ihn von den Beinen holte. Die Frau hob gerade den n�chsten Stein, als Galads Mannschaft �ber sie herfiel. Unter Schwerthieben ging sie zu Boden.</p><p>Galad bekam wieder Luft; Schmerz strahlte von der Stelle aus, an der ihn der Stein getroffen hatte. St�hnend setzte er sich auf. In der N�he hackten seine M�nner noch immer auf die dritte Sharanerin ein. So gr�ndlich mussten sie gar nicht sein, aber einige der Kinder hatten merkw�rdige Vorstellungen, wozu Aes Sedai f�hig waren. Er hatte Laird dabei erwischt, wie er den abgeschlagenen Kopf einer Sharanerin ein St�ck entfernt von der Leiche vergraben wollte. Laird behauptete steif und fest, dass sie beim n�chsten Vollmond ins Leben zur�ckkehren w�rde, wenn man das nicht tat.</p><p>W�hrend die M�nner die anderen beiden Leichen verst�mmelten, kam Golever heran und bot Galad die Hand. �Soll mich das Licht doch verbrennen�, sagte Golever mit einem breiten Grinsen im b�rtigen Gesicht, �wenn das nicht die beste Arbeit ist, die wir je erledigt haben, mein Kommandierender Lordhauptmann, dann wei� ich es auch nicht!�</p><p>Galad stand auf. �Es ist das, was getan werden muss, Kind Golever.�</p><p>�Ich w�nschte, man h�tte es �fter tun m�ssen! Darauf haben die Kinder seit Jahrhunderten gewartet. Ihr seid der Erste, der es auch tut. Das Licht erleuchtet Euch, Galad Damodred. Das Licht erleuchtet Euch!�</p><p>�M�ge das Licht den Tag erleuchten, an dem kein Mann mehr t�ten muss�, erwiderte Galad m�de. �Es ist nicht richtig, sich am Tod zu erfreuen.�</p><p>�Nat�rlich, mein Kommandierender Lordhauptmann.� Golever grinste weiter.</p><p>Galad lie� den Blick �ber das blutige Chaos auf dem Westhang gleiten. Vielleicht konnte ja das Licht Cauthon lange genug erleuchten, um dieser Schlacht irgendeinen Sinn abzuringen, denn er konnte das mit Sicherheit nicht.</p><p>�Kommandierender Lordhauptmann!�, rief eine ver�ngstigte Stimme. Es war Alhanra, einer seiner Kundschafter.</p><p>�Was ist, Kind Alhanra?�, fragte Galad, als der d�rre Mann herbeieilte. Keine Pferde. Sie befanden sich auf schr�gem Gel�nde, und die Tiere w�rden vor den Blitzen scheuen. Da war es besser, auf die eigenen F��e zu vertrauen.</p><p>�Das m�sst Ihr sehen, mein Lord�, keuchte Alhanra. �Es ist�� es ist Euer <emphasis>Bruder</emphasis>.�</p><p>�Gawyn?� Unm�glich. <emphasis>Nein,</emphasis> dachte er. <emphasis>Nicht unm�glich. Er w�rde bei Egwene sein und an ihrer Front k�mpfen.</emphasis> Galad rannte hinter Alhanra her. Golever und die anderen schlossen sich ihm an.</p><p>Gawyn lag mit blassem Gesicht in der L�cke zweier Felsen weiter oben auf dem Hang. In der N�he knabberte ein Pferd am Gras; seine Seite war blutverschmiert. Aber allem Anschein nach war es nicht das Blut des Pferdes. Galad ging neben der Leiche des j�ngeren Mannes auf die Knie. Gawyn war nicht leicht gestorben. Aber was war mit Egwene?</p><p>�Friede, Bruder�, sagte Galad und ber�hrte den K�rper. �M�ge das Licht���</p><p>�Galad���, fl�sterte Gawyn und �ffnete m�hsam die Augen.</p><p>�Gawyn?� Galad war entsetzt. Sein Bruder hatte eine h�ssliche Bauchwunde. An der Hand trug er ein paar seltsame Ringe. �berall war Blut. Seine Hand, die Brust�� der ganze K�rper��</p><p>Wie konnte er noch leben?</p><p><emphasis>Der Beh�terbund,</emphasis> wurde ihm klar. �Wir m�ssen dich zu einer Heilerin bringen! Einer Aes Sedai.� Er lud sich Gawyn auf die Arme.</p><p>�Galad�� Ich habe versagt.� Gawyn starrte ausdruckslos in den Himmel.</p><p>�Du hast nicht versagt.�</p><p>�Doch, ich habe versagt. Ich h�tte�� an ihrer Seite bleiben m�ssen. Ich habe Hammar get�tet. Wusstest du das? Ich habe ihn get�tet. Beim Licht. Ich h�tte mich f�r eine Seite entscheiden sollen���</p><p>Galad lief mit seinem Bruder auf den Armen den Hang entlang in Richtung der Aes Sedai. Er versuchte Gawyn vor den Angriffen der Machtlenker zu besch�tzen. Aber bereits wenige Augenblicke sp�ter schleuderte eine Explosion die Kinder von den Beinen und schickte Galad zu Boden. Er lie� Gawyn fallen, landete direkt neben ihm.</p><p>Gawyn zitterte am ganzen K�rper und starrte in die Ferne.</p><p>Galad kroch zu ihm her�ber und versuchte ihn wieder aufzuheben, aber Gawyn packte seinen Arm und erwiderte seinen Blick. �Ich habe sie geliebt, Galad. Sag ihr das.�</p><p>�Wenn ihr wirklich diesen Bund eingegangen seid, dann wei� sie das.�</p><p>�Das wird sie verletzen�, sagte Gawyn durch die blutleeren Lippen. �Und am Ende versagte ich. Ich konnte ihn nicht t�ten.�</p><p>�Ihn?�</p><p>�Demandred�, fl�sterte Gawyn. �Ich wollte ihn t�ten, aber ich war nicht gut genug. Ich war nie�� gut genug�� um���</p><p>Galad befand sich pl�tzlich an einem sehr kalten Ort. Er hatte M�nner sterben sehen, er hatte Freunde verloren. Das hier schmerzte mehr. Beim Licht, das tat es wirklich. Er hatte seinen Bruder geliebt, von ganzem Herzen geliebt�� und im Gegensatz zu Elayne hatte Gawyn das Gef�hl erwidert.</p><p>�Ich bringe dich in Sicherheit, Gawyn�, sagte er, hob ihn wieder auf und entdeckte zu seinem Entsetzen, dass sich seine Augen mit Tr�nen f�llten. �Ich gehe nicht ohne meinen Bruder.�</p><p>Gawyn hustete. �Das musst du auch nicht. Du hast noch einen anderen Bruder. Einen, den du nicht kennst. Einen Sohn von�� Tigraine�� die in die W�ste zog�� Sohn einer Tochter des Speers. Geboren auf den H�ngen des Drachenberges���</p><p><emphasis>O beim Licht.</emphasis></p><p>�Hasse ihn nicht, Galad�, fl�sterte Gawyn. �Ich habe ihn immer gehasst, aber ich habe damit aufgeh�rt. Ich�� habe damit aufgeh�rt���</p><p>Gawyns Augen brachen.</p><p>Galad tastete nach einem Pulsschlag, dann setzte er sich zur�ck und starrte auf seinen toten Bruder. Der Verband, den Gawyn selbst an seiner Seite angebracht hatte, lie� Blut auf den trockenen Boden sickern, der es hungrig aufsog.</p><p>Golever kam zu ihm, half Alhanra, dessen geschw�rztes Gesicht und verbrannte Kleidung nach Rauch von dem Blitzeinschlag roch. �Bringt die Verwundeten in Sicherheit, Golever�, sagte Galad und stand auf. Er tastete nach dem Medaillon an seinem Hals. �Nehmt alle M�nner und geht.�</p><p>�Und Ihr, Kommandierender Lordhauptmann?�</p><p>�Ich werde tun, was getan werden muss�, sagte Galad und fror innerlich. Dort war es so kalt wie Stahl im Winter. �Ich werde dem Schatten das Licht bringen. Ich werde den Verlorenen Gerechtigkeit bringen.�</p><empty-line/><p>Gawyns Lebensfaden erlosch.</p><p>Mit einem Ruck kam Egwene auf dem Schlachtfeld zum Stehen. Etwas in ihrem Inneren wurde durchtrennt. Als h�tte sich pl�tzlich ein Messer in ihren K�rper gebohrt und das St�ck von Gawyn in ihr herausgesch�lt, um nichts als Leere zu hinterlassen.</p><p>Mit einem Aufschrei fiel sie auf die Knie. Nein. Nein, das konnte <emphasis>nicht</emphasis> sein. Sie konnte ihn doch f�hlen, direkt voraus! Sie war zu ihm gelaufen. Sie konnte�� Sie konnte��</p><p>Er war weg.</p><p>Egwene heulte auf, �ffnete sich der Einen Macht und sog so viel davon in sich hinein, wie sie �berhaupt halten konnte. Sie stie� sie in Gestalt einer Flammenwand aus sich heraus, die auf die Sharaner zubrauste, die nun �berall in ihrer N�he waren. Einst hatten sie die Anh�he gehalten, und die Aes Sedai waren unten gewesen, aber jetzt herrschte hier nur noch der Wahnsinn.</p><p>Sie schlug mit der Macht auf sie ein, umklammerte mit blutleeren Kn�cheln Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Sie w�rde sie vernichten! Beim Licht! Es tat so weh. <emphasis>Es tat so schrecklich weh.</emphasis></p><p>�Mutter!�, schrie Silviana und packte ihren Arm. �Ihr habt die Kontrolle verloren, Mutter! Ihr werdet Eure eigenen Leute umbringen. Bitte!�</p><p>Egwene holte keuchend Luft. In der N�he stolperte eine Gruppe Wei�m�ntel vorbei, die Verletzte den Hang hinuntertrugen.</p><p>So <emphasis>nahe</emphasis> dran! O Licht. Es gab ihn nicht mehr!</p><p>�Mutter?�, sagte Silviana. Egwene h�rte sie kaum. Sie ber�hrte ihr Gesicht und fand dort Tr�nen.</p><p>Sie war ja vorher so verwegen gewesen. Hatte behauptet, sie k�nnte auch w�hrend des Verlusts weiterk�mpfen. Wie naiv war das doch gewesen. Sie lie� das Feuer <emphasis>Saidars</emphasis> in sich ersterben. Und mit ihm verlie� sie auch das Leben. Sie sackte zusammen und nahm undeutlich wahr, wie man sie forttrug. Durch ein Wegetor vom Schlachtfeld.</p><empty-line/><p>Mit seinem letzten Pfeil rettete Tam einen Wei�mantel. Das h�tte er sich auch nie tr�umen lassen, aber so war es nun einmal. Der w�lfische Trolloc taumelte mit dem Schaft im Auge zur�ck und wollte einfach nicht umkippen, bis sich der junge Wei�mantel aus dem Schlamm stemmte und nach seinen Knien schlug.</p><p>Tams M�nner hatten jetzt auf dem Wehrgang der Palisade Stellung bezogen und schossen eine Salve nach der anderen auf die Tiermenschen, die hier �ber den trockenen Fluss gestr�mt waren. Ihre Zahl war merklich kleiner geworden, aber es waren noch immer viele.</p><p>Bis zu diesem Punkt war die Schlacht eigentlich ordentlich gelaufen. Tams vereinigte Streitkr�fte hatten sich am shienarischen Ufer ausgebreitet. Flussabw�rts stemmte sich die Legion des Drachen mit Armbrustsch�tzen und schwerer Kavallerie gegen den Vorsto� des Schattengez�chts. So ziemlich das Gleiche spielte sich viel weiter flussaufw�rts mit Bogensch�tzen, Infanterie und Kavallerie ab, die den Durchbruch des Feindes am Flussbett aufhielten. Bis die Geschosse ausgingen und Tam gezwungen war, seine M�nner in die relative Sicherheit der Palisade zur�ckzuziehen.</p><p>Tam sah sich um. Abell hielt seinen Bogen in die H�he und zuckte mit den Schultern. Er hatte auch keine Pfeile mehr. Auf dem ganzen Wehrgang hielten M�nner die B�gen hoch. Keine Pfeile.</p><p>�Es kommen auch keine mehr�, sagte Abell leise. �Der Junge sagte, dass das die letzten waren.�</p><p>Die Wei�m�ntel k�mpften zusammen mit Angeh�rigen von Perrins Wolfsgarde verzweifelt, aber sie wurden scharenweise vom Ufer zur�ckgedr�ngt. Sie k�mpften auf drei Seiten, und eine weitere Streitmacht Trollocs hatte sie umgangen, um sie v�llig einzukesseln. Das Banner von Ghealdan flatterte nun n�her an den Ruinen. Arganda hielt die Position zusammen mit Nurelle und den Resten der Gefl�gelten Wachen.</p><p>W�re das eine andere Schlacht gewesen, h�tte Tam seine M�nner ihre Pfeile daf�r aufheben lassen, den R�ckzug zu decken. Aber an diesem Tag w�rde es keinen R�ckzug geben, und der Schie�befehl war richtig gewesen; die Jungs hatten sich bei jedem Schuss Zeit lassen k�nnen. Vermutlich hatten sie w�hrend des stundenlangen Kampfes Tausende Trollocs get�tet.</p><p>Aber was war ein Bogensch�tze schon ohne seinen Bogen? <emphasis>Noch immer ein Mann von den Zwei Fl�ssen,</emphasis> dachte Tam. <emphasis>Und noch immer nicht bereit, diesen Kampf verloren zu geben.</emphasis></p><p>�Vom Wehrgang runter und mit Waffen Aufstellung nehmen�, rief Tam den Jungs zu. �Lasst die Bogen hier. Wir holen sie, wenn wieder Pfeile geliefert werden.�</p><p>Es w�rden keine Pfeile mehr kommen, aber die M�nner w�rden zufriedener sein, wenn sie sich einreden konnten, ihre B�gen sp�ter holen zu k�nnen. Wie Tam ihnen beigebracht hatte, formierten sie sich mit Speeren, �xten, Schwertern und sogar ein paar Sicheln bewaffnet zu Reihen. Mit allem, was ihnen zur Verf�gung stand, mit Schilden f�r jene, die eine Axt oder ein Schwert hatten, und einer guten Lederr�stung f�r sie alle. Leider gab es keine Piken. Nachdem die schwere Infanterie ausger�stet worden war, hatte es keine mehr gegeben.</p><p>�Dicht zusammenbleiben�, sagte Tam zu ihnen. �Zwei Keile bilden. Wir sto�en in die Trollocs um die Wei�m�ntel vor.� Am besten, sie trafen die Tiermenschen, die den Wei�m�nteln in den R�cken fallen wollten, zerstreuten sie und halfen den Kindern des Lichts, sich freizuk�mpfen. Zumindest fiel ihm nichts Besseres ein.</p><p>Die M�nner nickten, obwohl sie vermutlich nur wenig von Taktik verstanden. Aber das spielte keine Rolle. Solange sie nur diszipliniert ihre Reihen aufrechterhielten, wie es ihnen Tam beigebracht hatte.</p><p>Sie liefen los, und Tam wurde an ein anderes Schlachtfeld erinnert. Von schrecklichen Winden getriebener Schnee, der in sein Gesicht schnitt. In gewisser Weise hatte auf diesem Schlachtfeld alles angefangen. Jetzt endete es hier.</p><p>Tam �bernahm die Spitze des ersten Keils, dann befahl er Deoan�� einen Mann aus Devenritt, der in der andoranischen Armee gedient hatte�� an die Spitze des anderen. Tam f�hrte seine M�nner schnell nach vorn, damit sie�� und er�� nicht lange �ber das nachdenken konnten, was nun geschehen w�rde.</p><p>Als sie sich den riesigen Ungeheuern mit ihren Schwertern, Stangenwaffen und Schlacht�xten n�herten, griff Tam nach der Flamme und dem Nichts. Die Nervosit�t verschwand. S�mtliche Gef�hle l�sten sich auf. Er zog das Schwert, das Rand ihm gegeben hatte, das mit den auf der Scheide aufgemalten Drachen. Es war die sch�nste Waffe, die er je gesehen hatte. Die Falten im Metall fl�sterten von uralter Herkunft. Eigentlich war diese Waffe viel zu gut f�r ihn. Aber so hatte er �ber jedes Schwert gedacht, das er je benutzt hatte.</p><p>�Vergesst nicht, haltet die Formation!�, br�llte Tam seinen M�nnern zu. �Lasst euch nicht von ihnen auseinandertreiben. Wenn jemand f�llt, nimmt der n�chste Mann seinen Platz ein, w�hrend die anderen den Verletzten in die Mitte des Keils ziehen.�</p><p>Alle nickten, und dann fielen sie den Trollocs in den R�cken, wo sie die Kinder des Lichts am Fluss umzingelt hatten.</p><p>Seine Formationen st�rmten vorw�rts. Die riesigen Trollocs drehten sich um, um zu k�mpfen.</p><empty-line/><p>Fortuona winkte den <emphasis>So�jhin</emphasis> fort, der ihre kaiserliche Kleidung ersetzen wollte. Sie stank nach dem Rauch des Feuers, und ihre Arme waren an mehreren Stellen verbrannt. Sie w�rde sich nicht von einer <emphasis>Damane</emphasis> Heilen lassen. Zwar betrachtete sie das Heilen als eine n�tzliche Entwicklung�� und einige ihrer Untertanen �nderten bereits ihre Ansichten dar�ber��, aber sie war sich nicht sicher, ob sich die Kaiserin dem ausliefern sollte. Davon abgesehen waren ihre Verletzungen nicht schwer.</p><p>Die vor ihr knienden Totenw�chter w�rden irgendeine Bestrafung brauchen. Das war nun schon das zweite Mal, dass sie einen Meuchelm�rder in ihre N�he gelassen hatten, und auch wenn sie ihnen das nicht zum Vorwurf machte, h�tte ihnen der Verzicht auf jede Strafe zugleich ihre Ehre genommen. Es brach ihr das Herz, aber sie wusste, was sie zu tun hatte.</p><p>Sie gab den Befehl selbst. Als ihre Stimme h�tte Selucia das erledigen m�ssen�� aber man k�mmerte sich gerade um ihre Verletzungen. Und Karede verdiente diese kleine Ehre, seinen Hinrichtungsbefehl von Fortuona selbst zu h�ren.</p><p>�Ihr werdet gehen und die feindlichen <emphasis>Marath�Damane</emphasis> direkt angreifen�, befahl sie Karede. �Jeder von euch, der Dienst hatte. K�mpft tapfer f�r das Kaiserreich und versucht, die <emphasis>Marath�Damane</emphasis> des Feindes zu t�ten.�</p><p>Sie sah, wie sich Karede entspannte. Auf diese Weise konnten sie wenigstens weiterhin dienen; h�tte man ihm die Wahl �berlassen, h�tte er sich vermutlich in sein Schwert gest�rzt. Das hier war eine Gnade.</p><p>Sie wandte sich von dem Mann ab, der sich in ihrer Jugend um sie gek�mmert hatte, dem Mann, der allem getrotzt hatte, was von ihm erwartet worden war. Alles nur f�r sie. Sie w�rde sp�ter ihre eigene Bu�e f�r das finden, was sie tun musste. In diesem Augenblick w�rde sie ihm die Ehre gew�hren, die ihr m�glich war.</p><p>�Darbinda�, sagte sie und wandte sich der Frau zu, die trotz der Ehre des neuen Namens, den Fortuona ihr verliehen hatte, darauf beharrte, sich �Min� zu nennen. In der Alten Sprache bedeutete Darbinda �M�dchen der Bilder�. �Ihr habt mein Leben und m�glicherweise auch das des Prinzen der Raben gerettet. Ich erhebe Euch zum Blut, Unheilseherin. Soll Euer Name f�r Generationen geehrt werden.�</p><p>Darbinda verschr�nkte die Arme. Wie sehr sie doch Knotai �hnelte. Auf eine sture Weise bescheiden, diese Festl�nder. Sie waren doch tats�chlich stolz auf ihre niedere Herkunft. <emphasis>Stolz.</emphasis> Verr�ckt.</p><p>Knotai sa� in der N�he auf einem Baumstumpf, erhielt Berichte von der Front und fauchte Befehle. Der Kampf der Aes Sedai um den Westhang der Anh�he verwandelte sich in ein Gemetzel. Er erwiderte ihren Blick, dann nickte er.</p><p>Falls es einen Spion gab�� und es h�tte Fortuona sehr �berrascht, wenn es ihn nicht gegeben h�tte��, dann war jetzt der Augenblick gekommen, ihn in die Irre zu f�hren. Um sie herum waren alle versammelt, die den Angriff �berlebt hatten. Fortuona hatte darauf bestanden, sie in der N�he zu haben, angeblich um jene zu belohnen, die ihr gut gedient hatten, und die Versager zu bestrafen. Jeder W�chter, Diener und Adliger konnte ihre Worte h�ren.</p><p>�Knotai�, sagte sie, �wir m�ssen noch dar�ber sprechen, was ich mit Euch tun soll. Die Totenwache ist mit meiner Sicherheit beauftragt, aber Ihr habt den Befehl �ber die Verteidigung dieses Lagers. Falls Ihr der Ansicht wart, dass unser Befehlshaus nicht sicher ist, warum habt Ihr nichts gesagt?�</p><p>�Wollt Ihr verdammt noch mal damit andeuten, dass das mein Fehler ist?� Knotai stand auf und verscheuchte die Kundschafter mit einem Wink.</p><p>�Ich �bertrug Euch hier den Befehl�, sagte Fortuona. �Schlussendlich liegt die Verantwortung f�r diesen Fehlschlag damit bei Euch, oder etwa nicht?�</p><p>In der N�he runzelte General Galgan die Stirn. Er sah das nicht so. Andere warfen Knotai anklagende Blicke zu. Adlige Kriecher; sie w�rden ihn beschuldigen, nur weil er kein Seanchaner war. Beeindruckend, dass Knotai Galgan so schnell bekehrt hatte. Oder verriet der General seine Gef�hle absichtlich? War er der Spion? Er h�tte auch Suroth manipulieren oder einfach einen Ersatzplan bereithalten k�nnen, falls sie scheiterte.</p><p>�Ich �bernehme hierf�r keine Verantwortung, Tuon�, sagte Knotai. �Ihr wart diejenige, die verflucht noch mal darauf bestanden hat, vom Lager aus zuzusehen, obwohl Ihr an einem sicheren Ort h�ttet sein k�nnen.�</p><p>�Vielleicht h�tte ich das ja tun sollen�, erwiderte sie kalt. �Diese ganze Schlacht ist eine einzige Katastrophe. Ihr verliert jeden Augenblick an Boden. Ihr macht Eure Scherze, verweigert Euch dem angemessenen Protokoll; ich glaube nicht, dass Ihr das mit dem Ernst betrachtet, den Eure Stellung verlangt.�</p><p>Knotai lachte. Es war ein lautes, ehrliches Lachen. Er machte das wirklich gut. Fortuona glaubte die Einzige zu sein, die die beiden Rauchwolken sah, die genau hinter ihm von der Anh�he in den Himmel stiegen. Ein passendes Omen f�r Knotai: ein gro�es Spiel, das einen gro�en Gewinn einbringen w�rde. Oder einen hohen Preis.</p><p>�Ich habe genug von Euch�, sagte Knotai und winkte absch�tzig ab. �Ihr und Eure verfluchten seanchanischen Regeln kommen mir st�ndig in die Quere.�</p><p>�Dann habe ich auch genug von Euch�, erwiderte sie und hob das Kinn. �Wir h�tten uns niemals an dieser Schlacht beteiligen sollen. Wir sollten uns besser darauf vorbereiten, unser eigenes Land im S�dwesten zu verteidigen. Ich werde nicht zulassen, dass Ihr das Leben meiner Soldaten wegwerft.�</p><p>�Dann geht doch�, knurrte Knotai. �Das ist mir doch egal.�</p><p>Sie fuhr auf dem Absatz herum und ging. �Kommt�, sagte sie zu den anderen. �Holt unsere <emphasis>Damane</emphasis> zusammen. Bis auf diese Totenw�chter werden alle in unser Armeelager am Erinin Reisen, dann kehren wir nach Ebou Dar zur�ck. Wir schlagen dort die richtige Letzte Schlacht, sobald diese Narren hier das Schattengez�cht haben bluten lassen.�</p><p>Ihr Gefolge schloss sich ihr an. War die List �berzeugend gewesen? Der Spion hatte gesehen, wie sie M�nner zum Tode verurteilte, die sie liebte; w�rde das ihre R�cksichtslosigkeit beweisen? R�cksichtslos und aufgeblasen genug, um Knotai die Truppen wegzunehmen? Plausibel war es ja. Denn ein Teil von ihr wollte genau das tun, was sie gerade gesagt hatte, und stattdessen im S�den k�mpfen.</p><p>Nat�rlich m�sste sie dann den zerbrechenden Himmel, das bebende Land und den Kampf des Wiedergeborenen Drachen ignorieren. Vor diesen Omen konnte sie nicht die Augen verschlie�en.</p><p>Der Spion konnte das nicht wissen. Er konnte sie nicht kennen. Der Spion w�rde eine junge Frau sehen, die t�richt genug war, allein k�mpfen zu wollen. Zumindest hoffte sie das.</p><empty-line/><p>Der Dunkle K�nig webte ein Netz der M�glichkeiten um Rand herum.</p><p>Rand wusste, dass dieser Kampf, den sie austrugen�� der Kampf um das, was sein <emphasis>konnte</emphasis>��, f�r die Letzte Schlacht von entscheidender Bedeutung war. Rand konnte nicht die Zukunft weben. Er war nicht das Rad, kam ihm nicht einmal nahe. Trotz allem, was mit ihm geschehen war, war er blo� ein Mann.</p><p>Doch in ihm lag die Hoffnung der Menschheit. Die Menschheit hatte eine Bestimmung, eine Wahl, wie ihre Zukunft aussehen sollte. Der Weg, den sie einschlagen w�rde�� diese Schlacht w�rde ihn entscheiden. Sein Wille traf auf den des Dunklen K�nigs. Bisher w�rde das, was sein <emphasis>konnte</emphasis>, zu dem werden, was sein <emphasis>w�rde</emphasis>. Jetzt aufzugeben bedeutete, den Dunklen K�nig diese Zukunft bestimmen zu lassen.</p><p>SIEHE, verk�ndete der Dunkle K�nig, als die Lichtf�den zusammenkamen und Rand eine andere Welt betrat. Eine Welt, die noch nicht zur Realit�t geworden war, aber eine Welt, die sehr gut dazu werden konnte.</p><p>Stirnrunzelnd betrachtete Rand den Himmel. In dieser Vision war er nicht rot, und die Landschaft war auch nicht zerst�rt. Er stand mitten in Caemlyn, wie er es kannte. Sicher, es gab Unterschiede. Dampfwagen ratterten durch die Stra�en, fuhren an Pferdekutschen und Passanten vorbei.</p><p>Die Stadt hatte sich jenseits der neuen Stadtmauer ausgebreitet�� wie er von dem zentralen H�gel aus sehen konnte, auf dem er stand. Er konnte sogar die Stelle erkennen, wo Talmanes ein Loch in die Mauer geschossen hatte. Es war nicht geflickt worden. Stattdessen hatte sich die Stadt durch diese L�cke weiter ausgebreitet. Wo sich einst Felder befunden hatten, reihten sich nun Geb�ude aneinander.</p><p>Rand drehte sich um und ging weiter. Was f�r ein Spiel spielte sein Feind hier? Sicherlich konnte diese allt�gliche, sogar bl�hende Stadt kein Teil seiner Pl�ne f�r die Welt sein. Die Leute waren sauber und sahen keineswegs unterdr�ckt aus. Er fand keine Anzeichen der Verderbtheit, die die vorherige Welt des Dunklen K�nigs ausgezeichnet hatte.</p><p>Neugierig trat er an einen Stand, hinter dem eine Frau Obst verkaufte. Die schlanke Frau l�chelte einladend und zeigte auf ihre Waren. �Willkommen, werter Herr. Ich bin Renel, und mein Gesch�ft ist die zweite Heimat f�r alle, die die besten Fr�chte aus der ganzen Welt suchen. Ich habe frische Pfirsiche aus Tear.�</p><p>�Pfirsiche!�, sagte Rand entsetzt. Es war allgemein bekannt, dass diese Fr�chte giftig waren.</p><p>�Ha! F�rchtet nichts, werter Herr! Man hat das Gift aus ihnen entfernt. Sie sind so sicher, wie ich ehrlich bin.� Die Frau l�chelte, nahm eine Frucht und biss hinein, um es zu beweisen. Da erschien eine schmutzige Hand unter dem Obststand�� ein Stra�enjunge versteckte sich darunter, der Rand zuvor gar nicht aufgefallen war.</p><p>Der kleine Junge griff sich eine rote Frucht, die Rand unbekannt war, und rannte los. Er war so d�nn, dass Rand die Rippen unter der Haut seiner viel zu schmalen Gestalt sehen konnte, und er rannte auf so d�rren Beinen, dass es ein Wunder war, dass er �berhaupt gehen konnte.</p><p>Die Frau l�chelte Rand weiterhin an, w�hrend sie in die Tasche griff und einen kleinen Stab mit einem Hebel an der Seite hervorholte. Sie zog den Hebel zur�ck, und der Stab br�llte auf.</p><p>Der Junge starb in einer Blutwolke. Er ging zu Boden. Passanten gingen einfach um ihn herum, obwohl einer ��ein Mann mit vielen Leibw�chtern�� die Frucht aufhob. Er wischte das Blut ab, nahm einen Bissen und ging weiter. Wenige Augenblicke sp�ter rollte ein Dampfwagen �ber die Leiche und dr�ckte sie in die schlammige Stra�e.</p><p>Entsetzt starrte Rand die Frau an. Sie steckte die Waffe weg, l�chelte aber noch immer. �Sucht Ihr nach einer bestimmten Frucht?�, fragte sie.</p><p>�Ihr habt gerade dieses Kind get�tet!�</p><p>Die Frau sah ihn verwirrt an. �Ja. Geh�rte es Euch, werter Herr?�</p><p>�Nein, aber��� Licht! Die Frau zeigte nicht das geringste Bedauern. Rand drehte sich um, und niemand schien sich im Geringsten f�r das zu interessieren, was gerade geschehen war.</p><p>�Herr?�, fragte die Frau. �Ich habe das Gef�hl, dass ich Euch kennen sollte. Das ist ein sch�nes Gewand, wenn auch etwas aus der Mode. Zu welcher Fraktion geh�rt Ihr?�</p><p>�Fraktion?�, fragte Rand.</p><p>�Und wo sind Eure W�chter?�, fuhr die Frau fort. �Nat�rlich hat ein so reicher Mann wie Ihr Leibw�chter.�</p><p>Rand erwiderte ihren Blick, dann rannte er los, als die Frau wieder nach ihrer Waffe griff. Er duckte sich um eine Ecke. Der Ausdruck in ihren Augen�� ein v�lliger Mangel an Menschlichkeit oder Anteilnahme. Sie h�tte ihn get�tet, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Das war ihm klar.</p><p>Andere Passanten musterten ihn. Sie stie�en ihre Begleiter an, zeigten auf ihn. Ein Mann, an dem er vorbeirannte, rief: �Benennt Eure Fraktion!� Andere nahmen die Verfolgung auf.</p><p>Rand eilte um die n�chste Ecke. Die Eine Macht. Wagte er, sie zu benutzen? Er wusste nicht, was in dieser Welt vor sich ging. Wie zuvor fiel es ihm schwer, Abstand zu der Vision zu halten. Er wusste, dass sie nicht v�llig real war, aber er konnte nicht verhindern, dass ein Teil von ihm daran glaubte.</p><p>Er riskierte die Eine Macht nicht und verlie� sich f�r den Augenblick auf seine F��e. In Caemlyn kannte er sich nicht besonders gut aus, aber dieser Stadtteil kam ihm bekannt vor. Wenn er das Ende dieser Stra�e erreichte und abbog�� ja, da! Voraus erhob sich ein vertrautes Geb�ude mit einem Schild, das einen knienden Mann vor einer Frau mit rotblonden Haaren zeigte. <emphasis>Der K�nigin Segen.</emphasis></p><p>Rand erreichte den Eingang in dem Augenblick, als seine Verfolger hinter ihm um die Ecke kamen. Sie blieben wie angewurzelt stehen, als Rand an einem H�nen vorbei durch die T�r eilte. Ein neuer T�rw�chter? Er war Rand unbekannt. Geh�rte das Gasthaus noch immer Basil Gill, oder hatte es den Besitzer gewechselt?</p><p>Mit klopfendem Herzen platzte Rand in den Schenkraum. Mehrere M�nner, die sich mit ihren Bechern Nachmittagsale besch�ftigten, schauten ihn an. Rand hatte Gl�ck; Basil Gill stand h�chstpers�nlich hinter der Theke und polierte mit einem Lappen einen Pokal.</p><p>�Meister Gill!�, rief Rand.</p><p>Der st�mmige Mann drehte sich stirnrunzelnd um. �Kenne ich Euch?� Er musterte Rand von Kopf bis Fu�. �Mein Lord?�</p><p>�Ich bin es, Rand!�</p><p>Gill legte den Kopf schief, dann grinste er. �Oh, Ihr seid es! Ich hatte Euch schon ganz vergessen. Euren Freund habt Ihr nicht dabei, oder? Der mit dem finsteren Ausdruck in den Augen?�</p><p>Also erkannten die Menschen dieses Ortes Rand nicht als den Wiedergeborenen Drachen. Was hatte der Dunkle K�nig mit ihnen gemacht?</p><p>�Ich muss mit Euch sprechen, Meister Gill�, sagte Rand und ging auf ein privates Speisezimmer zu.</p><p>�Worum geht es denn, Junge?�, fragte Gill und folgte ihm. �Steckt Ihr in irgendwelchen Schwierigkeiten? Schon wieder?�</p><p>Rand schloss hinter dem Wirt die T�r. �Welches Zeitalter haben wir?�</p><p>�Das Vierte Zeitalter nat�rlich.�</p><p>�Also gab es die Letzte Schlacht?�</p><p>�Ja, und wir haben sie gewonnen!�, sagte Gill. Er betrachtete Rand genauer, kniff die Augen zusammen. �Alles in Ordnung, mein Sohn? Wie k�nnt Ihr nicht wissen���</p><p>�Ich verbrachte die letzten Jahre im Wald�, behauptete Rand. �Voller Angst vor den Geschehnissen.�</p><p>�Ach so, dann. Ihr wisst nicht �ber die Fraktionen Bescheid?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Beim Licht, mein Sohn! Da steckt Ihr aber m�chtig in Schwierigkeiten. Wartet, ich besorge Euch ein Fraktionssymbol. Das braucht Ihr schnell!� Gill �ffnete die T�r und eilte hinaus.</p><p>Rand verschr�nkte die Arme und bemerkte missmutig, dass im Kamin eine <emphasis>Leere</emphasis> schwebte. �Was hast du mit ihnen gemacht?�, verlangte er zu wissen.</p><p>ICH LIESS SIE GLAUBEN, SIE H�TTEN GEWONNEN.</p><p>�Warum?�</p><p>VIELE VON DENEN, DIE MIR FOLGEN, VERSTEHEN NICHT, WAS TYRANNEI IST.</p><p>�Was hat das denn mit��� Rand unterbrach sich, als Gill zur�ckkehrte. Er brachte kein �Fraktionssymbol�, was auch immer das sein sollte. Stattdessen hatte er drei st�mmige W�chter geholt. Er zeigte auf Rand.</p><p>�Gill���, sagte Rand, wich zur�ck und umarmte die Quelle. �Was tut Ihr?�</p><p>�Nun, ich sch�tze, dieser Mantel wird ein paar M�nzen einbringen�, sagte der Wirt. Er klang nicht im Mindesten reum�tig.</p><p>�Also wollt Ihr mich berauben?�</p><p>�Nun, ja.� Gill erschien verwirrt. �Warum sollte ich nicht?�</p><p>Die Schl�ger musterten Rand vorsichtig. In den H�nden hielten sie Keulen.</p><p>�Wegen des Gesetzes�, sagte Rand.</p><p>�Warum sollte es denn Gesetze gegen Diebstahl geben?� Gill sch�ttelte den Kopf. �Wie kommt Ihr denn auf solche Ideen? Wenn ein Mann sein Eigentum nicht besch�tzen kann, warum sollte er es dann haben? Wenn ein Mann sein Leben nicht verteidigen kann, was n�tzt es ihm dann?�</p><p>Gill bedeutete den drei M�nnern weiterzugehen. Rand fesselte sie mit Luft.</p><p>�Du hast ihnen das Gewissen genommen, nicht wahr?�, fragte er leise.</p><p>Gills Augen weiteten sich, als er sah, wie die Eine Macht benutzt wurde. Er wollte die Flucht ergreifen. Rand erfasste auch ihn mit Fesseln aus Luft.</p><p>MENSCHEN, DIE SICH UNTERDR�CKT GLAUBEN, WERDEN EINES TAGES K�MPFEN. ICH WERDE IHNEN NICHT NUR IHREN WILLEN ZUM WIDERSTAND NEHMEN, SONDERN AUCH DEN GERINGSTEN VERDACHT, DASS ETWAS NICHT STIMMEN K�NNTE.</p><p>�Also nahmst du ihnen jedes Mitgef�hl�, wollte Rand wissen und blickte Gill in die Augen. Der Mann schien schreckliche Angst zu haben, dass Rand ihn t�tete, genau wie die drei Schl�ger. Aber keine Reue. Nicht ein bisschen.</p><p>MITGEF�HL IST UNN�TIG.</p><p>Rand versp�rte eine t�dliche K�lte. �Das unterscheidet sich von der Welt, die du mir zuvor gezeigt hast.�</p><p>ZUVOR ZEIGTE ICH DIR, WAS DIE MENSCHEN VON MIR ERWARTEN. DAS IST DAS B�SE, DAS SIE ZU BEK�MPFEN GLAUBEN. ABER ICH WERDE EINE WELT ERSCHAFFEN, IN DER ES WEDER GUT NOCH B�SE GIBT.</p><p>ES GIBT NUR MICH.</p><p>�Wissen deine Diener das?�, fl�sterte Rand. �Die du Auserw�hlte genannt hast? Sie glauben, darum zu k�mpfen, Herrscher �ber eine von ihnen gestaltete Welt zu werden. Stattdessen willst du ihnen das hier geben. Die gleiche Welt�� nur dass es in ihr kein Licht gibt.�</p><p>ES GIBT NUR MICH.</p><p>Kein Licht. Keine Liebe. Der Schrecken dieser Vorstellung ersch�tterte Rand. Das war eine der M�glichkeiten, die der Dunkle K�nig w�hlen konnte, wenn er siegte. Es bedeutete nicht, dass ihm das gelang oder dass es so geschehen musste, aber�� o Licht, das war furchtbar. Viel schrecklicher als eine Welt aus Gefangenen, viel schrecklicher als ein dunkles Land mit einer zerst�rten Landschaft.</p><p>Das war der wahre Schrecken. Das war die vollst�ndige Korrumpierung der Welt, es raubte ihr alle Sch�nheit und hinterlie� nur eine leere H�lle. Eine h�bsche H�lle, aber blo� eine H�lle.</p><p>Rand w�rde lieber tausend Jahre der Folter erdulden und den Teil von sich behalten, der ihm die F�higkeit verlieh, etwas Gutes zu tun, als auch nur einen Augenblick lang in dieser Welt ohne Licht zu leben.</p><p>Voller Zorn drehte er sich zu der Finsternis um. Sie verschlang die ganze Wand und wuchs. �Du machst einen Fehler, Shai�tan!�, br�llte er die schwarze Leere an. �Glaubst du, du kannst mich verzweifeln lassen? Glaubst du, du kannst meinen Willen brechen? Das wird nicht passieren, das schw�re ich dir. Das best�rkt mich nur in meinem Kampf!�</p><p>Etwas grollte im Inneren des Dunklen K�nigs. Rand schrie auf und schlug mit seinem Willen zu, zerschmetterte die finstere Welt aus L�gen und Menschen, die t�ten w�rden, ohne dabei das Geringste zu empfinden. Sie explodierte, wurde zu leuchtenden F�den, und Rand stand wieder an dem Ort au�erhalb der Zeit. Um ihn herum wogte das Muster.</p><p>�Du zeigst mir dein wahres Herz?�, verlangte Rand von dem Nichts zu wissen, als er diese F�den ergriff. �Ich zeige dir meines, Shai�tan. Es gibt ein Gegenst�ck zu dieser lichtlosen Welt, die du erschaffen w�rdest.</p><p>Eine Welt ohne Schatten.�</p><empty-line/><p>Mat ging los und beschwichtigte seinen Zorn. Tuon schien wirklich w�tend auf ihn gewesen zu sein! Licht! Sie <emphasis>w�rde</emphasis> doch zu ihm zur�ckkehren, wenn er sie brauchte, oder nicht?</p><p>�Mat?� Min eilte an seine Seite.</p><p>�Begleite sie�, sagte er. �Behalte sie f�r mich im Auge, Min.�</p><p>�Aber���</p><p>�Sie braucht keinen besonderen Schutz�, sagte Mat. �Sie ist stark. Verdammte Asche, das ist sie tats�chlich. Aber man muss sie im Auge behalten. Sie bereitet mir Sorgen, Min. Aber wie dem auch sei, ich muss diesen verfluchten Krieg gewinnen. Und das kann ich nicht, wenn ich mit ihr gehe. Also w�rdest du gehen und auf sie aufpassen? Bitte?�</p><p>Min verlangsamte ihren Schritt, dann umarmte sie ihn v�llig unerwartet. �Viel Gl�ck, Matrim Cauthon.�</p><p>�Viel Gl�ck, Min Farshaw�, erwiderte Mat. Er lie� sie los und schulterte den <emphasis>Ashandarei</emphasis>. Die Seanchaner hatten angefangen, den Dasharfels zu verlassen, um sich zum Erinin zur�ckzuziehen, bevor sie das Feld von Merrilor schlie�lich ganz verlie�en. Demandred w�rde sie ziehen lassen; er w�re ein Narr gewesen, es nicht zu tun. Blut und verdammte Asche, wo hatte er sich da nur hineinman�vriert? Gerade hatte er ein gutes Viertel seiner Truppen weggeschickt.</p><p><emphasis>Sie kommen zur�ck.</emphasis> Wenn sein Spiel funktionierte. Wenn die W�rfel so fielen, wie er sie brauchte.</p><p>Nur dass diese Schlacht keine W�rfelpartie war. Daf�r gab es hier viel zu viel Hinterlist. Wenn �berhaupt, war sie eher wie ein Kartenspiel. F�r gew�hnlich gewann er mit seinen Karten. F�r gew�hnlich.</p><p>Rechts von ihm marschierte eine Gruppe von M�nnern in dunklen seanchanischen R�stungen in Richtung Schlachtfeld. �He, Karede!�, rief er.</p><p>Der gro�e Mann warf ihm einen finsteren Blick zu. Pl�tzlich wusste er genau, wie sich ein Klumpen Eisen anf�hlte, wenn Perrin ihn musterte und den Hammer hob. Karede ging steif auf ihn zu, und obwohl er sich offensichtlich M�he gab, seine Miene ausdruckslos zu halten, konnte Mat dennoch den Zorn f�hlen, den er ausstrahlte.</p><p>�Vielen Dank�, sagte Karede steif, �f�r Eure Hilfe, die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, zu besch�tzen.�</p><p>�Ihr seid der Ansicht, ich h�tte sie an einem sicheren Ort lassen sollen�, sagte Mat. �Und nicht im Befehlshaus.�</p><p>�Es steht mir nicht zu, einen vom Blut infrage zu stellen, H�chsterlauchter.�</p><p>�Ihr stellt mich nicht infrage�, erwiderte Mat, �sondern denkt dar�ber nach, mich mit etwas Scharfem zu durchbohren. Das ist etwas ganz anderes.�</p><p>Karede stie� langsam die angehaltene Luft aus. �Ihr m�sst mich entschuldigen, H�chsterlauchter�, sagte er und wandte sich zum Gehen. �Ich muss meine M�nner nehmen und sterben.�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Mat. �Ihr kommt mit mir.�</p><p>Karede fuhr auf dem Absatz zu ihm herum. �Die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, befahl uns���</p><p>���an die Front zu gehen.� Mat beschattete sein Auge und betrachtete das von Trollocs wimmelnde Flussbett. �Toll. Was glaubt Ihr eigentlich, wo ich verdammt noch mal hingehe?�</p><p>�Ihr reitet in die Schlacht?�</p><p>�Eigentlich wollte ich gem�tlich hingehen.� Mat sch�ttelte den Kopf. �Ich muss ein Gef�hl daf�r bekommen, was Demandred da macht�� Ich gehe ins Get�mmel, Karede, und Euch und Eure M�nner zwischen mich und die Trollocs zu schieben klingt wunderbar. Begleitet Ihr mich?�</p><p>Karede antwortete nicht, aber er lie� Mat auch nicht stehen.</p><p>�Seht mal, was habt Ihr denn f�r M�glichkeiten?�, fragte Mat. �Dort r�berzureiten und sinnlos zu sterben? Oder zu versuchen, mich f�r Eure Kaiserin am Leben zu erhalten? Ich bin mir <emphasis>fast</emphasis> sicher, dass sie mich mag. Na ja, vielleicht. Tuon ist wirklich schwer zu durchschauen.�</p><p>�Ihr nennt sie nicht bei diesem Namen�, knurrte Karede.</p><p>�Ich nenne sie verflucht noch einmal so, wie es mir gef�llt.�</p><p>�Nicht, wenn wir Euch begleiten sollen! Wenn ich mit Euch reite, Prinz der Raben, lasse ich nicht zu, dass meine M�nner so etwas von Euch zu h�ren bekommen. Das w�re ein b�ses Omen.�</p><p>�Nun, das wollen wir ja auf gar keinen Fall�, erwiderte Mat. �Also gut, Karede. St�rzen wir uns wieder in diesen Schlamassel und sehen, was wir tun k�nnen. In Fortuonas Namen.�</p><empty-line/><p>Tam hob das Schwert, als wollte er sich zum Duell stellen, aber er fand keinen ehrenvollen Gegner. Blo� grunzende, heulende, wilde Trollocs. Die in dieser Schlacht bei den Ruinen von den bedr�ngten Wei�m�nteln abgelenkt worden waren.</p><p>Die Kreaturen wandten sich gegen die M�nner von den Zwei Fl�ssen und griffen an. An der Spitze seines Keils nahm Tam �Schilfrohr im Wind� ein. Er weigerte sich, auch nur einen einzigen Schritt zur�ckzumachen. Er beugte sich in diese Richtung und in jene, behielt aber seine Position, als er die Linie des Feindes durchbrach und mit schnellen Bewegungen um sich hieb.</p><p>Seine M�nner dr�ngten nach vorn und waren ein Dorn im Fu� des Dunklen K�nigs und eine Brombeerhecke in seiner Hand. In dem folgenden Chaos br�llten sie und fluchten, k�mpften hart darum, die Trollocs auseinanderzutreiben.</p><p>Aber schon bald waren sie vollauf damit besch�ftigt, ihre Stellung zu halten. Die Ungeheuer str�mten um die K�mpfer herum. Die Keilformation funktionierte gut, obwohl es normalerweise eine Offensivtaktik war. Trollocs eilten die Seiten des Keils entlang und wurden von �xten, Schwertern und Speeren getroffen.</p><p>Tam lie� die Jungs sich von ihrem Drill leiten. Er h�tte es vorgezogen, im Zentrum des Keils zu stehen und genau wie Dannil jetzt Ermunterungen zu rufen�� aber er geh�rte zu den wenigen, die Kampferfahrung hatten, und die Keilformationen hingen davon ab, dass jemand an der Spitze stand, der alles zusammenhielt.</p><p>Also hielt er alles zusammen. V�llig versunken in der Leere, lie� er die Trollocs herankommen. Er wechselte von �Den Reif vom Ast sch�tteln� �ber �Apfelbl�ten im Wind� zu �Steine fallen in den Teich��� alles Schwertfiguren, die die Position stabilisierten, w�hrend man gegen mehrere Gegner k�mpfte.</p><p>Trotz der vielen �bung in den letzten Monaten war Tam nicht einmal mehr ann�hernd so stark wie in seiner Jugend. Gl�cklicherweise brauchte ein Schilfrohr keine Kraft. Er war nicht mehr so ge�bt wie einst, aber ein Schilfrohr brauchte nicht zu �ben, wie man sich im Wind bog.</p><p>Es tat es einfach.</p><p>Jahre der Reife und des Alterns hatten Tam ein tiefes Verst�ndnis f�r den Zustand des Nichts in seinem Inneren gebracht. Er verstand es jetzt, und zwar besser als je zuvor. Die Jahre, in denen er Rand Verantwortungsgef�hl beigebracht hatte, die Jahre, in denen er mit Kari zusammengelebt hatte, die Jahre, in denen er dem leisen Rauschen des Windes und dem Rascheln der Bl�tter gelauscht hatte��</p><p>Tam al�Thor wurde zum Nichts. Er brachte es den Trollocs, zeigte es ihnen und schickte sie in seine Tiefen.</p><p>Er t�nzelte um eine ziegenk�pfige Kreatur, zog die Klinge zur Seite und schlitzte der Bestie den Unterschenkel bis zur Ferse auf. Sie stolperte, und er drehte sich um und �berlie� sie den M�nnern hinter ihm. Die Klinge fuhr in die H�he ��wobei sich das Blut von ihr in einem feinen Regen l�ste�� und spr�hte die dunklen Tropfen in die Augen eines Tiermenschen mit einer Fratze aus einem Albtraum. Geblendet heulte er auf, und Tam floss mit ausgestreckten Armen vorw�rts und schlitzte den Bauch unterhalb des Brustpanzers auf. Das Ungeheuer stolperte einem dritten Trolloc vor die F��e, der gerade mit der Axt auf Tam einschlagen wollte und stattdessen seinen Kameraden traf.</p><p>Jeder Schritt war Teil eines Tanzes, und Tam lud die Trollocs ein, sich ihm anzuschlie�en. Nur einmal hatte er auf diese Weise gek�mpft, vor langer Zeit, aber die Leere lie� keine Erinnerungen zu. Er dachte nicht an andere Zeiten; er dachte an rein gar nichts. Falls ihm bewusst war, dass er so etwas schon einmal getan hatte, lag das am Widerhall seiner Bewegungen, einem Begreifen, das von seinen Muskeln auszugehen schien.</p><p>Er stach einem Trolloc mit einem beinahe menschlichen Gesicht und nur ein paar zu vielen Haaren auf den Wangen in den Hals. Die Bestie kippte nach hinten und brach zusammen, und pl�tzlich fand Tam keinen Gegner mehr. Er blieb stehen, riss das Schwert nach oben und versp�rte einen sanften Windhauch. Die Bestien str�mten in wilder Panik flussabw�rts, verfolgt von Reitern mit den Wimpeln der Grenzl�nder. In wenigen Augenblicken w�rden sie auf die wie eine Mauer stehende Legion des Drachen sto�en und zwischen ihr und den sie jagenden Grenzl�ndern zerschmettert werden.</p><p>Tam reinigte die Klinge und verlie� das Nichts in sich. Der Ernst der Situation traf ihn. Beim Licht! Seine M�nner m�ssten tot sein. W�ren diese Grenzl�nder nicht eingetroffen��</p><p>Er schob das Schwert zur�ck in die lackierte Scheide. Der rot-goldene Drache fing funkelnd das Sonnenlicht ein, obwohl Tam nicht gedacht h�tte, dass etwas durch diese Wolkendecke kam. Er hielt nach der Sonne Ausschau und entdeckte sie hinter den Wolken beinahe am Horizont. Der Einbruch der Nacht stand kurz bevor!</p><p>Gl�cklicherweise hatte es den Anschein, als w�rden die Trollocs hier in der Schlacht an den Ruinen endlich aufgeben. Ernsthaft geschw�cht von der langen Fluss�berquerung, gaben sie endlich nach, als Lans M�nner sie hinterr�cks trafen.</p><p>Nach kurzer Zeit war es vorbei. Tam hatte die Stellung gehalten.</p><p>Ein schwarzes Pferd trottete heran. Sein Reiter Lan Mandragoran ��gefolgt von seinem Standartentr�ger und Leibw�chtern�� betrachtete die M�nner aus den Zwei Fl�ssen.</p><p>�Ich habe mich das oft gefragt�, sagte Lan zu Tam. �Der Mann, der Rand diese Klinge mit dem Reiherzeichen gab. Ich hatte mich gefragt, ob er sie sich wirklich verdient hatte. Jetzt wei� ich es.� Lan hob sein Schwert und salutierte.</p><p>Tam drehte sich zu seinen M�nnern um, einer ersch�pften, blutverschmierten Gruppe, die sich an ihren Waffen festhielt. Der Weg ihres Keils war leicht auf dem zertrampelten Boden auszumachen; Dutzende gefallener Trollocs lagen dort, wo der Keil in sie hineingeschnitten hatte. Im Norden hoben die M�nner des Zweiten Keils ihre Waffen. Man hatte sie fast bis zum Wald zur�ckgedr�ngt, aber sie hatten dort durchgehalten, und am Ende hatten einige von ihnen �berlebt. Tam musste sich damit abfinden, dass Dutzende guter M�nner gestorben waren.</p><p>Seine ersch�pften Soldaten setzten sich einfach zwischen die Toten auf das Schlachtfeld. Einige fingen m�hsam an, sich selbst Verb�nde anzulegen, oder k�mmerten sich um die Verletzten, die sie ins Innere des Keils gezogen hatten. Im S�den entdeckte Tam einen entmutigenden Anblick. Verlie�en die Seanchaner etwa ihr Lager am Dasharfels?</p><p>�Haben wir also gewonnen?�, fragte er.</p><p>�Nicht mal ann�hernd�, antwortete Lan. �Wir haben diesen Teil des Flusses erobert, aber das ist der weniger wichtige Kampf. Demandred hatte seine Trollocs hier erbarmungslos angetrieben, damit wir den gr��eren Kampf flussabw�rts an der Furt nicht unterst�tzen k�nnen.� Lan wendete sein Pferd. �Sammelt Eure M�nner, Klingenmeister. Diese Schlacht endet nicht mit der untergehenden Sonne. Ihr werdet in den kommenden Stunden erneut gebraucht. <emphasis>Tai�shar Manetheren.</emphasis>�</p><p>Lan galoppierte mit donnernden Hufen zu seinen Grenzl�ndern.</p><p><emphasis>�Tai�shar Malkier�,</emphasis> rief ihm Tam versp�tet hinterher.</p><p>�Also�� sind wir noch immer nicht fertig?�, fragte Dannil.</p><p>�Nein, mein Junge. Das sind wir nicht. Aber wir machen eine Pause, lassen die M�nner Heilen und finden etwas zu essen.� Unversehens klafften am Schlachtfeldrand Wegetore auf. Cauthon war also klug genug gewesen, Tam zu erm�glichen, seine Verwundeten nach Mayene zu schaffen. Es��</p><p>Menschen str�mten aus den �ffnungen. Hunderte, nein, Tausende. Tam runzelte die Stirn. In der N�he sammelten sich die Wei�m�ntel�� der Angriff der Tiermenschen hatte sie hart getroffen, aber Tams Ankunft hatte sie vor der Vernichtung bewahrt. Argandas Truppen formierten sich oben an den Ruinen, und die von Trolloc-Kadavern umgebene Wolfsgarde richtete ihre blutverschmierte Flagge hoch in den Himmel.</p><p>M�hsam setzte sich Tam in Bewegung. Jetzt f�hlten sich seine Gliedma�en wie tote Gewichte an. Er war ersch�pfter, als h�tte er einen Monat damit verbracht, Baumst�mpfe aus dem Boden zu ziehen.</p><p>Am ersten Wegetor stie� er auf Berelain h�chstpers�nlich, die dort mit einigen Aes Sedai stand. Inmitten von Schlamm und Tod erschien die wundersch�ne Frau schrecklich fehl am Platz. Ihr schwarzes und silbernes Gewand, das Diadem in ihrem Haar�� Licht, sie geh�rte nicht hierher.</p><p>�Tam al�Thor�, begr��te sie ihn. �Ihr habt den Befehl �ber diese Streitmacht?�</p><p>�Mehr oder weniger�, erwiderte Tam. �Entschuldigt, meine Lady die Erste, aber wer sind diese ganzen Menschen?�</p><p>�Die Fl�chtlinge aus Caemlyn�, sagte Berelain. �Ich schickte ein paar Kundschafter, um zu sehen, ob sie dringend Heilung ben�tigen. Sie verweigerten sie und bestanden darauf, dass ich sie zur Schlacht bringe.�</p><p>Tam kratzte sich am Kopf. Zur Schlacht? Alle M�nner und viele Frauen, die ein Schwert halten konnten, waren bereits in die Armee aufgenommen worden. Hier kamen vor allem Kinder und �ltere durch die Tore und ein paar Hausfrauen, die zur�ckgeblieben waren, um sich um die J�ngsten zu k�mmern.</p><p>�Entschuldigt�, sagte er, �aber auf diesem Feld herrscht der Tod.�</p><p>�Das habe ich ihnen zu erkl�ren versucht�, sagte Berelain mit einem Hauch von Verzweiflung in der Stimme. �Sie behaupten, sie k�nnten n�tzlich sein. Es w�re immer noch besser, als das Ende der Letzten Schlacht zusammengedr�ngt an der Stra�e nach Wei�br�cke abwarten zu m�ssen, sagen sie.�</p><p>Stirnrunzelnd verfolgte Tam, wie Kinder auf das Feld liefen. Sein Magen verkrampfte sich, als er sah, wie sie die schrecklichen Toten n�her betrachteten, und viele zuckten anfangs zur�ck. Andere bahnten sich einen Weg vorbei an den Gefallenen und hielten Ausschau nach Leuten, die noch immer lebten und Geheilt werden konnten. Begleitet wurden sie von ein paar alten Soldaten, die man zum Schutz der Fl�chtlinge abkommandiert hatte; sie passten auf Trollocs auf, die noch nicht ganz tot waren.</p><p>Frauen und Kinder fingen an, zwischen den Toten Pfeile einzusammeln. Das w�rde n�tzlich sein. <emphasis>Sehr</emphasis> n�tzlich. �berrascht sah Tam Hunderte von Kesselflickern aus einem Wegetor str�men. Sie machten sich daran, unter der Anleitung mehrerer Gelber Schwestern nach Verwundeten zu suchen.</p><p>Tam ertappte sich bei einem Nicken. Es st�rte ihn noch immer, Kindern zu erlauben, etwas Derartiges zu sehen. <emphasis>Nun, wenn wir hier versagen, werden sie noch viel Schlimmeres sehen,</emphasis> dachte er. Wenn sie sich n�tzlich machen wollten, dann sollte man es ihnen erlauben.</p><p>�Sagt mir, Tam al�Thor�, fragte Berelain, �geht es�� Galad Damodred gut? Ich sehe hier seine M�nner, aber nicht sein Banner.�</p><p>�Er wurde zu anderen Pflichten abberufen, meine Lady die Erste�, antwortete Tam. �Flussabw�rts. Ich f�rchte, ich habe seit Stunden nichts mehr von ihm geh�rt.�</p><p>�Ah. Nun, Heilen wir Eure M�nner und geben ihnen etwas zu essen. Vielleicht trifft ja bald eine Nachricht von Lord Damodred ein.�</p><empty-line/><p>Elayne ber�hrte sanft Gareth Brynes Wange. Dann schloss sie seine Augen, erst das eine, dann das andere, bevor sie den Soldaten zunickte, die seine Leiche gefunden hatten. Sie trugen Bryne fort. Seine Beine baumelten �ber den Rand seines Schildes, der Kopf hing �ber die andere Seite.</p><p>�Er ritt einfach schreiend los�, sagte Birgitte. �Direkt in die feindlichen Linien. Er war nicht aufzuhalten.�</p><p>�Siuan ist tot�, sagte Elayne und versp�rte ein beinahe �berw�ltigendes Gef�hl des Verlusts. Siuan�� sie war immer so stark gewesen. M�hsam brachte sie ihre Gef�hle unter Kontrolle. Sie musste ihre Aufmerksamkeit auf die Schlacht gerichtet halten. �Gibt es eine Nachricht von dem Befehlshaus?�</p><p>�Das Lager am Dasharfels wurde aufgegeben�, meldete Birgitte. �Ich wei� nicht, wo Cauthon steckt. Die Seanchaner haben uns im Stich gelassen.�</p><p>�Lass mein Banner noch h�her heben�, sagte Elayne. �Bis wir von Mat h�ren, �bernehme ich den Befehl �ber dieses Schlachtfeld. Schaff meine Berater her.�</p><p>Birgitte ritt los, um die Befehle zu geben. Elaynes Gardistinnen sahen argw�hnisch zu, wie die Trollocs am Fluss gegen die Andoraner anst�rmten. Sie f�llten den Korridor zwischen der Anh�he und dem Moor v�llig aus und drohten den Boden von Shienar zu betreten. Ein Teil von Egwenes Streitmacht hatte die Tiermenschen von der anderen Seite des Korridors angegriffen, was eine Weile etwas Druck von ihren Truppen genommen hatte, aber noch mehr Angreifer hatten sich von oben auf sie gest�rzt, und es sah so aus, als w�rden Egwenes M�nner niedergemacht.</p><p>Elayne hatte soliden Unterricht in Taktik genossen, hatte aber wenig praktische Erfahrung auf dem Feld. Trotzdem blieb ihr nicht verborgen, wie schlimm sich die Dinge entwickelten. Ja, sie hatte die Nachricht erhalten, dass der Br�ckenkopf der Trollocs flussaufw�rts von dem eintreffenden Lan und seinen Grenzl�ndern aufgerieben worden war. Aber das brachte der Situation hier an der Furt kaum eine Erleichterung.</p><p>Jeden Augenblick ging die Sonne am Horizont unter. Der Feind machte keine Anstalten, sich zur�ckzuziehen, und die Soldaten begannen z�gernd, gro�e Feuer und Fackeln zu entz�nden. Die M�nner rechteckige Formationen bilden zu lassen erleichterte die Verteidigung, aber es bedeutete auch, jede Hoffnung auf einen Vorsto� aufzugeben. Hier k�mpften auch die Aiel und die Cairhiener. Aber die Pikenhaufen bildeten das Fundament ihres Schlachtplans.</p><p><emphasis>Sie kreisen uns langsam ein,</emphasis> dachte sie. Und wenn dem Schattengez�cht das gelang, konnten sie zudr�cken, bis die Andoraner zerplatzten. <emphasis>Beim Licht, das ist schlimm.</emphasis></p><p>Noch einmal loderte die Sonne hinter den Wolken am Horizont grell auf. Die kommende Nacht verschaffte den Bestien einen weiteren Vorteil. Mit der hereinbrechenden Dunkelheit kam auch die K�lte. Ihre urspr�ngliche Annahme, dass diese Schlacht Tage in Anspruch nehmen w�rde, erschien jetzt albern. Der Schatten griff mit seiner ganzen Macht an. Der Menschheit blieben keine Tage mehr, sondern nur noch Stunden.</p><p>�Euer Majest�t�, sagte Hauptmann Guybon, der mit ihren Befehlshabern angeritten kam. Ihre verbeulten R�stungen und blutigen Wappenr�cke bewiesen, dass niemand vom direkten Kampf verschont blieb, nicht einmal der Befehlsstab.</p><p>�Ein Rat�, sagte Elayne und sah ihn, den Kommandanten der Kavallerie Theodor und Birgitte an, die ja ihr Generalhauptmann war.</p><p>�R�ckzug?�, fragte Guybon.</p><p>�Glaubt Ihr wirklich, wir k�nnten uns vom Feind l�sen?�, erwiderte Birgitte.</p><p>Guybon z�gerte, dann sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Also gut�, sagte Elayne. �Wie siegen wir?�</p><p>�Wir halten durch�, sagte Theodor. �Wir hoffen, dass die Wei�e Burg ihren Kampf gegen die sharanischen Machtlenker gewinnt und uns zu Hilfe kommt.�</p><p>�Es gef�llt mir nicht, einfach hier herumzusitzen�, sagte Birgitte. �Es���</p><p>Ein brodelnder Strahl aus wei� gl�hendem Feuer schnitt durch Elaynes Leibwache und verdampfte Dutzende von ihnen. Guybons Pferd l�ste sich unter ihm auf, obwohl er selbst haarscharf dem Tod entging. Elaynes Pferd stieg auf die Hinterbeine.</p><p>Fluchend zwang sie das Tier zur R�son. Das war Baalsfeuer gewesen!</p><p>�Lews Therin!� Eine mit der Macht verst�rkte Stimme hallte �ber das Feld. �Ich jage eine Frau, die du liebst! Komm her, du Feigling! <emphasis>K�mpfe!</emphasis>�</p><p>Direkt neben ihr explodierte der Boden und schleuderte ihren Standartentr�ger in die Luft. Die Flagge fing Feuer. Dieses Mal wurde Elayne von ihrem Pferd abgeworfen und landete mit einem harten Aufprall am Boden.</p><p><emphasis>Meine Babys!</emphasis> St�hnend rollte sie sich herum, als H�nde sie schnappten. Birgitte. Unterst�tzt von mehreren Gardistinnen zerrte die Frau sie hinter sich in den Sattel.</p><p>�Kannst du die Macht lenken?�, fragte Birgitte. �Nein, vergiss es. Danach werden sie Ausschau halten. Celebrain, zieht ein neues Banner auf! Reitet mit einer Abteilung der Garde flussabw�rts. Ich bringe die K�nigin in die andere Richtung!�</p><p>Die Frau, die neben Birgittes Pferd stand, salutierte. Das war ein Todesurteil! �Birgitte, nein�, rief Elayne.</p><p>�Demandred hat entschieden, dass du den Wiedergeborenen Drachen f�r ihn aus seiner Deckung lockst�, sagte Birgitte und wendete das Pferd. �Das lasse ich nicht zu!� Sie trieb ihr Tier zum Galopp an, als Blitze in Elaynes Leibwache einschlugen und K�rper in die Luft schleuderten.</p><p>Elayne biss die Z�hne zusammen. Ihre Heere schwebten in Gefahr, �berrannt und eingekreist zu werden, w�hrend Demandred ein Gewebe Baalsfeuer, Blitze und Erde nach dem anderen schleuderte. Dieser Mann war so gef�hrlich wie eine ganze Armee.</p><p>�Ich kann nicht weg�, sagte sie hinter Birgitte.</p><p>�Doch, du kannst, und du wirst�, erwiderte ihre Beh�terin grob, w�hrend ihr Pferd weitergaloppierte. �Falls Mat gefallen ist�� und das Licht gebe, dass das nicht der Fall ist��, dann m�ssen wir einen neuen Kommandoposten einrichten. Es gibt einen Grund, warum Demandred den Dasharfels und danach dich angriff. Er will unsere Befehlskette zerst�ren. Es ist deine Pflicht, an irgendeinem <emphasis>sicheren</emphasis> und <emphasis>geheimen</emphasis> Ort den Befehl wieder zu �bernehmen. Sobald wir weit genug weg sind, dass Demandreds Kundschafter dich nicht Machtlenken sp�ren k�nnen, machen wir ein Wegetor, und du wirst wieder alles unter Kontrolle haben. Aber im Augenblick musst du den Mund halten und mich dich besch�tzen lassen.�</p><p>Sie hatte recht. Sie sollte verdammt sein, aber sie hatte recht. Elayne klammerte sich an Birgitte fest, w�hrend sie �ber das Schlachtfeld galoppierte und ihr Pferd auf ihrer Flucht in die Sicherheit Erdklumpen aufspritzen lie�.</p><empty-line/><p><emphasis>Wenigstens macht er es einem leicht, ihn zu finden,</emphasis> dachte Galad und sah zu, wie Feuerstrahlen von der feindlichen Position auf Elaynes Heer zurasten.</p><p>Galad grub die Fersen in die Flanken seines gestohlenen Pferdes und trabte quer �ber das Plateau auf den Ostrand zu, und immer wieder sah er Gawyn vor sich, wie er in seinen Armen starb.</p><p>�Komm zu mir, Lews Therin!� Der Donner von Demandreds Stimme ersch�tterte voraus den Boden. Er hatte Galads Bruder get�tet. Jetzt jagte das Ungeheuer seine Schwester.</p><p>Das einzig Richtige zu tun war Galad immer glasklar erschienen, aber noch niemals zuvor hatte es sich so richtig angef�hlt wie das hier. Diese Lichtblitze waren wie die Markierungen auf einer Karte, Pfeile, die ihm die Richtung wiesen. Das Licht selbst f�hrte ihn. Es hatte ihn vorbereitet und in diesem Augenblick an diesen Ort gebracht.</p><p>Galad preschte durch die hinteren Linien der Sharaner zu der Stelle, an der Demandred direkt �ber dem Flussbett stand und nach unten auf Elaynes Truppen schaute. Pfeile bohrten sich vor den Pferdehufen in den Boden, die sharanischen Bogensch�tzen schossen, ohne darauf zu achten, die eigenen Leute zu treffen. Das Schwert gezogen, l�ste Galad die F��e aus den Steigb�geln und bereitete sich auf den Sprung vor.</p><p>Ein Pfeil bohrte sich in das Pferd. Galad warf sich von dem Tier. Er landete hart, kam rutschend zum Stehen und trennte einem Armbrustmann in der N�he die Hand ab. Ein knurrender Machtlenker vertrat ihm den Weg, und das Fuchskopf-Medaillon auf seiner Brust wurde pl�tzlich eiskalt.</p><p>Galad rammte dem Mann die Klinge durch den Hals. Der Sharaner br�llte, und jeder Herzschlag spritzte Blut aus der Wunde. Er schien nicht �berrascht zu sein, dass er starb, sondern blo� w�tend. Sein Geschrei zog weitere Aufmerksamkeit in die Richtung.</p><p>�Demandred!�, rief Galad. �Demandred, Ihr ruft nach dem Wiedergeborenen Drachen! Ihr wollt mit ihm k�mpfen! Er ist nicht hier, aber sein Bruder schon! Tretet Ihr gegen mich an?�</p><p>Dutzende Armbr�ste hoben sich. Hinter Galad brach das Pferd zusammen und schnaubte blutigen Schaum aus den N�stern.</p><p>Rand al�Thor. Sein Bruder. Der Schock von Gawyns Tod hatte Galad diese Enth�llung seltsam gleichg�ltig aufnehmen lassen. Falls er �berlebte, w�rde er sich irgendwann damit auseinandersetzen m�ssen. Er vermochte noch immer nicht zu sagen, ob er stolz oder besch�mt sein w�rde.</p><p>Eine Gestalt in einer seltsamen R�stung wie aus M�nzen schob sich durch die Reihen der Sharaner. Demandred war ein stolzer Mann; das verriet einem ein Blick auf sein Gesicht. Tats�chlich glich er al�Thor. Sie hatten eine �hnliche Ausstrahlung.</p><p>Der Verlorene musterte Galad, der dort mit blutiger Klinge stand. Der sterbende Machtlenker krallte vor ihm die Finger in den Boden.</p><p>�Sein Bruder?�, sagte Demandred.</p><p>�Der Sohn von Tigraine�, verk�ndete Galad, �die eine Tochter des Speers wurde. Die meinen Bruder am Drachenberg zur Welt brachte, der Gruft von Lews Therin. Ich hatte zwei Br�der. Ihr habt den anderen auf diesem Schlachtfeld get�tet.�</p><p>�Wie ich sehe, hast du ein bemerkenswertes Artefakt�, sagte Demandred, als das Medaillon wieder kalt wurde. �Du glaubst doch sicher nicht, dass dich das vor dem Schicksal deines armseligen Bruders bewahrt? Ich meine den toten Bruder.�</p><p>�K�mpfen wir, Sohn der Schatten? Oder reden wir?�</p><p>Demandred zog das Schwert aus der Scheide, das an Klinge und Griff mit Reihern geschm�ckt war. �M�gest du mir einen besseren Kampf liefern als dein Bruder, kleiner Mann. Ich verliere allm�hlich die Geduld. Lews Therin kann mich hassen oder gegen mich w�ten, aber er sollte mich <emphasis>nicht</emphasis> ignorieren!�</p><p>Galad betrat den Kreis aus Armbrustm�nnern und Machtlenkern. Siegte er, w�rde er trotzdem sterben. Aber er betete zum Licht, dass er einen der Verlorenen mitnehmen w�rde. Es w�rde ein passendes Ende sein.</p><p>Demandred kam auf ihn zu, und der Wettstreit begann.</p><empty-line/><p>Den R�cken gegen einen Stalagmiten gedr�ckt und allein durch das von <emphasis>Callandor</emphasis> von den H�hlenw�nden reflektierte Licht etwas sehend, versuchte Nynaeve mit allen Kr�ften, Alannas Leben zu retten.</p><p>In der Wei�en Burg hatten einige �ber ihr Vertrauen auf normale Heiltechniken gespottet. Was sollten zwei H�nde und ein Faden ausrichten, das die Eine Macht nicht schaffte?</p><p>W�re eine dieser Frauen statt Nynaeve hier gewesen, h�tte die Welt geendet.</p><p>Die Bedingungen waren schrecklich. Wenig Licht, au�er den Dingen in ihrer Tasche kein Werkzeug. Trotzdem n�hte Nynaeve mit der Nadel und dem Faden, die sie immer bei sich trug. Sie hatte f�r Alanna eine Kr�utermischung zubereitet und sie ihr in den Mund gezwungen. Es w�rde nicht viel bewirken, aber vielleicht konnte jede Kleinigkeit helfen. Es w�rde Alannas Kraft bewahren, ihr gegen die Schmerzen beistehen und verhindern, dass ihr Herz versagte, w�hrend Nynaeve arbeitete.</p><p>Die Wunde war verschmutzt, aber sie hatte schon zuvor verschmutzte Wunden gen�ht. Obwohl sie innerlich wie Espenlaub zitterte, waren ihre H�nde v�llig ruhig, als sie die Wundr�nder zusammenflickte und die Frau von der Schwelle des Todes zur�ckholte.</p><p>Rand und Moridin r�hrten sich nicht. Aber sie f�hlte, wie von ihnen ein Pulsieren ausging. Rand k�mpfte. K�mpfte einen Kampf, den sie nicht sehen konnte.</p><empty-line/><p>�Matrim Cauthon, Ihr verfluchter Narr. Ihr seid noch am Leben?�</p><p>Mat sah zur Seite, als Davram Bashere in der fr�hen Abenddunkelheit angeritten kam. Mat hatte sich mit den Totenw�chtern zur R�ckseite der andoranischen Linien begeben, die am Fluss k�mpften.</p><p>Bashere wurde von seiner Frau und einer Leibwache aus Saldaeanern begleitet. Dem Blut auf Deira Basheres Kleidung nach zu urteilen, hatte sie bei den K�mpfen ihren Teil geleistet.</p><p>�Ja, ich lebe noch�, sagte Mat. �Eigentlich bin ich ganz gut darin, am Leben zu bleiben. Ich kann mich nur an das eine Mal erinnern, wo ich darin gescheitert bin, aber das z�hlt kaum. Was tut Ihr hier? Seid Ihr���</p><p>�Sie haben sich in meinen verdammten Verstand gegraben�, sagte Bashere mit finsterer Miene. �Das haben sie getan, Mann. Deira und ich haben das besprochen. Ich werde nicht f�hren, aber warum sollte mich das davon abhalten, ein paar Trollocs zu t�ten?�</p><p>Mat nickte. Nach Tenobias Tod war dieser Mann der K�nig von Saldaea geworden�� aber bis jetzt hatte er die Krone verweigert. Die Korrumpierung seines Verstandes hatte ihn ersch�ttert. Er hatte nur verk�ndet, dass Saldaea an Malkiers Seite k�mpfte, und den Truppen befohlen, Lan zu folgen. Die Thronfolge w�rde man regeln, falls sie alle die Letzte Schlacht �berlebten.</p><p>�Was ist mit Euch passiert?�, wollte Bashere wissen. �Ich habe geh�rt, der Kommandoposten fiel?�</p><p>Mat nickte. �Die Seanchaner haben uns im Stich gelassen.�</p><p>�Blut und Asche!�, rief Bashere aus. �Als w�re alles nicht schon schlimm genug. Verfluchte seanchanische Hunde.�</p><p>Die Totenw�chter, die hinter Mat standen, verzogen keine Miene.</p><p>Elaynes Truppen hielten das Flussufer, aber nur so gerade eben�� flussaufw�rts dr�ngten sich die Bestien langsam um sie herum. Die Andoraner wichen nicht, weil sie hartn�ckig und sorgf�ltig gedrillt waren. Jedes gewaltige Rechteck aus M�nnern stemmte die Piken empor wie ein sich str�ubendes Stachelschwein.</p><p>Diese Formationen konnten gesprengt werden, wenn Demandred Keile auf die richtige Weise dazwischentrieb. Mat setzte Kavallerieattacken ein. Daran nahmen auch die andoranische Kavallerie und die Bande teil�� sie versuchten die Trollocs daran zu hindern, in die Pikenhaufen einzudringen oder Elayne einzukreisen.</p><p>Der Rhythmus der Schlacht pulsierte zwischen Mats Fingerspitzen. Er f�hlte, was Demandred tat. F�r jeden anderen schien das Ende der Schlacht nur noch eine simple Angelegenheit zu sein. Mit einer gro�en Streitmacht angreifen, die Pikenformationen aufbrechen, Mats Verteidigung zerschmettern. Aber es war viel raffinierter.</p><p>Lans Grenzl�nder hatten die Trollocs flussaufw�rts vernichtet und erwarteten neue Befehle. Gut. Mat ben�tigte die M�nner f�r den n�chsten Schritt seines Plans.</p><p>Drei der gewaltigen Pikenformationen erlahmten, aber wenn er einen Machtlenker oder zwei in jedes Zentrum setzen konnte, konnte er sie verst�rken. Sollte das Licht denjenigen beh�ten, der Demandred abgelenkt hatte. Die Angriffe des Verlorenen hatten ganze Pikenhaufen vernichtet. Demandred brauchte nicht jeden Mann einzeln zu t�ten; er musste blo� mit der Einen Macht angreifen, um das Rechteck zu knacken. Danach konnten die Trollocs sie �berrennen.</p><p>�Bashere�, sagte Mat, �bitte sagt mir, dass jemand etwas von Eurer Tochter geh�rt hat.�</p><p>�Niemand�, sagte Deira. �Es tut mir leid.�</p><p><emphasis>Verdammte Asche,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Armer Perrin.</emphasis></p><p>Und armer Mat. Wie sollte er das ohne das Horn schaffen? Licht! Er war sich doch nicht einmal sicher, ob er es <emphasis>mit</emphasis> dem verfluchten Horn schaffen w�rde.</p><p>�Geht�, rief er, als sie die Pferde antrieben. �Reitet zu Lan flussaufw�rts. Bestellt ihm, er soll diese Trollocs angreifen, die die rechte Flanke der Andoraner umgehen wollen! Und richtet ihm aus, ich habe bald andere Befehle f�r ihn.�</p><p>�Aber ich���</p><p>�Es ist mir v�llig egal, ob Ihr verflucht noch mal vom Schatten ber�hrt wurdet!�, fauchte Mat. �Jeder Mann hat den Finger des Dunklen K�nigs auf seinem Herzen gesp�rt, und das ist die verdammte Wahrheit. Ihr k�nnt das �berwinden. Jetzt reitet zu Lan und sagt ihm, was getan werden muss!�</p><p>Im ersten Augenblick versteifte sich Bashere, dann l�chelte er seltsamerweise breit unter seinem Schnurrbart. Verfluchte Saldaeaner. Sie genossen es, angebr�llt zu werden. Mats Worte schienen ihm neuen Mut zu geben, und er galoppierte mit seiner Frau an der Seite los. Sie warf Mat einen liebevollen Blick zu, was ihm Unbehagen einfl��te.</p><p>Und jetzt�� brauchte er ein Heer. Und ein Wegetor. Er brauchte ein lichtverfluchtes Wegetor. <emphasis>Du bl�der Narr,</emphasis> dachte er. Er hatte die <emphasis>Damane</emphasis> weggeschickt. H�tte er nicht zumindest eine behalten k�nnen? Auch wenn sie ihm eine G�nsehaut verschafften, als w�ren sie mit Spinnen bedeckt.</p><p>Mat hielt Pips an, die Totenw�chter folgten seinem Beispiel. Ein paar von ihnen z�ndeten Fackeln an. Sich Mat beim Kampf gegen die Sharaner anzuschlie�en hatte ihnen die Tracht Pr�gel verschafft, die sie gewollt hatten. Anscheinend sehnten sie sich nach mehr.</p><p><emphasis>Da,</emphasis> dachte Mat und lenkte Pips auf eine Truppenansammlung s�dlich von Elaynes Pikenformationen zu. Die Drachenverschworenen. Vor dem Abzug der Seanchaner vom Dasharfels hatte Mat diese Armee zur Verst�rkung von Elaynes Truppen geschickt.</p><p>Er wusste noch immer nicht, was er von ihnen halten sollte. Als sie sich versammelt hatten, war er nicht auf dem Feld gewesen, aber er hatte Berichte geh�rt. Menschen aus s�mtlichen gesellschaftlichen R�ngen und allen Nationalit�ten, die zusammengekommen waren, um in der Letzten Schlacht zu k�mpfen�� und Loyalit�ten oder L�ndergrenzen spielten keine Rolle. Rand brach alle Eide und s�mtliche anderen B�ndnisse.</p><p>Mat ritt im schnellen Tritt ��die Totenw�chter liefen, um mitzuhalten�� um die R�ckseite der andoranischen Linien. Beim Licht, die Linien w�lbten sich. Das war �bel. Nun, er hatte seinen Wetteinsatz gemacht. Jetzt konnte er die verfluchte Schlacht blo� abreiten und hoffen, dass sie nicht zu sehr bockte.</p><p>Als er zu den Drachenverschworenen galoppierte, h�rte er etwas, das nicht an diesen Ort passte. Singen? Mat z�gelte Pips. Die Ogier waren in den Kampf gegen die Trollocs verstrickt worden, um Elaynes linker Flanke auf H�he des gegen�berliegenden Moors zu helfen und die Tiermenschen zu hindern, aus dieser Richtung zu kommen.</p><p>Sie hielten dort die Stellung, so unersch�tterlich wie Eichen in einer Flut, hieben mit ihren �xten um sich, w�hrend sie sangen. Um sie herum t�rmten sich tote Trollocs auf.</p><p>�Loial!�, br�llte Mat und stemmte sich in seinen Steigb�geln hoch. <emphasis>�Loial!�</emphasis></p><p>Einer der Ogier trat vom Kampf zur�ck und drehte sich um. Mat war best�rzt. Sein sonst so ruhiger Freund hatte die Ohren angelegt, die Z�hne zornig zusammengebissen, und eine blutige Axt in den Fingern. Licht, dieser Ausdruck lie� Mat entsetzt zusammenzucken. Er h�tte eher zehn M�nner niedergestarrt, die ihn f�r einen Falschspieler hielten, als einen einzigen w�tenden Ogier!</p><p>Loial rief den anderen etwas zu, dann beteiligte er sich wieder am Kampf. Sie schlugen weiterhin auf die Trollocs ein und hieben sie nieder. Die Kreaturen hatten fast die gleiche Gr��e wie die Ogier, aber irgendwie schienen die Ogier das Schattengez�cht hoch zu �berragen. Sie k�mpften nicht wie Soldaten, sondern wie Waldarbeiter, die B�ume f�llen. Erst in die eine Richtung hacken, dann in die andere, Trollocs brachen entzwei. Mat wusste, dass Ogier es hassten, B�ume zu f�llen, aber sie schienen es zu genie�en, das Schattengez�cht zu f�llen.</p><p>Die Ogier zerschmetterten die Faust Trolloc, die sie bek�mpft hatten, und schlugen sie in die Flucht. Elaynes Soldaten r�ckten vor und blockierten den Rest der Horde, und mehrere Hundert Ogier zogen sich in Mats Richtung zur�ck. Darunter auch etliche seanchanische Ogier�� die sogenannten G�rtner. Mat hatte dazu keinen Befehl gegeben. Die beiden Gruppen k�mpften zusammen, schienen jetzt aber kaum einen Blick f�reinander �brigzuhaben.</p><p>Jeder der Ogier, ob Mann oder Frau, hatte zahllose Schnitte an Armen und Beinen davongetragen. Sie hatten keinerlei R�stung am Leib, aber viele der Schnitte erschienen oberfl�chlich, als h�tte ihre Haut die Festigkeit von Rinde.</p><p>Loial kam zu Mat und den Totenw�chtern her�ber und schulterte die Axt. Seine Hosen waren bis zu den Oberschenkeln dunkel verf�rbt, als w�re er durch Rotwein gewatet. �Mat�, sagte er und holte tief Luft. �Wir haben getan, worum du uns batest, haben hier gek�mpft. Kein Trolloc kam an uns vorbei.�</p><p>�Das habt ihr gut gemacht, Loial�, erwiderte Mat. �Vielen Dank.�</p><p>Er wartete auf die Erwiderung. Zweifellos etwas Langatmiges und Eifriges. Loial stand da und atmete ein und aus, mit Lungen, die genug Luft aufnehmen konnten, um einen ganzen Raum zu f�llen. Keine Worte. Die anderen, die sich zu ihm gesellten und von denen viele wesentlich �lter waren, hatten ebenfalls nichts zu sagen. Ein paar trugen Fackeln. Die Sonne war hinter dem Horizont versunken. Jetzt lag die Nacht vor ihnen.</p><p>Stumme Ogier. Also das war wirklich seltsam. Aber Ogier im Krieg�� so etwas hatte Mat noch nie zuvor gesehen. In den ganzen Erinnerungen, die nicht seine eigenen waren, kam so etwas nicht vor.</p><p>�Ich brauche euch�, sagte er. �Wir m�ssen dieser Schlacht eine Wendung geben, oder wir sind erledigt. Kommt schon.�</p><p>�Der Hornbl�ser befiehlt!�, br�llte Loial. �Die �xte hoch!�</p><p>Mat zuckte zusammen. Falls er jemals jemanden brauchte, der f�r ihn eine Nachricht von Caemlyn nach Cairhien br�llte, wusste er, wen er fragen musste. Aber vermutlich w�rde man sie dann noch bis oben zur F�ule h�ren.</p><p>Er trieb Pips an, und die Ogier umringten ihn und die Totenw�chter. Die Ogier hielten m�helos mit ihrem Tempo mit.</p><p>�H�chsterlauchter�, sagte Karede. �Ich und die Meinen haben den Befehl���</p><p>�An der Front zu sterben. Ich arbeite daran, Karede, verdammt. H�ttet Ihr bitte die Freundlichkeit, Euch im Moment nicht das Schwert in den Bauch zu rammen?�</p><p>Die Miene des Mannes verd�sterte sich, aber er schwieg.</p><p>�Euch ist schon klar, dass sie Euch nicht wirklich tot sehen will�, sagte Mat. Mehr konnte er dazu nicht sagen, ohne den Plan zu enth�llen, wie sie zur�ckgeholt werden sollte.</p><p>�Wenn mein Tod der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, dient, dann gebe ich ihn ihr mit Freude.�</p><p>�Verflucht, Karede, Ihr seid einfach nur verr�ckt�, erwiderte Mat. �Leider bin ich das auch. Ihr seid also in guter Gesellschaft. Ihr da! Wer f�hrt diese Truppe an?�</p><p>Sie hatten die hinteren Reihen erreicht, wo sich die Reserve der Drachenverschworenen, die Verwundeten und diejenigen, die sich von ihrem Einsatz an der Front ausruhten, befanden.</p><p>�Mein Lord?�, sagte einer der Kundschafter. �Das d�rfte Lady Tinna sein.�</p><p>�Holt sie�, sagte Mat. In seinem Kopf klapperten die W�rfel. Au�erdem versp�rte er einen Lockruf aus dem Norden, als w�rden ein paar F�den um seine Brust ihn in diese Richtung zerren.</p><p><emphasis>Nicht jetzt, Rand. Ich bin verflucht besch�ftigt.</emphasis></p><p>Es bildeten sich keine Farben, sondern blo� Schw�rze. Dunkler als das Herz eines Myrddraal. Der Lockruf wurde st�rker.</p><p>Mat verwarf die Vision. <emphasis>Nicht! Jetzt!</emphasis></p><p>Er hatte hier zu tun. Er hatte einen Plan. Beim Licht, hoffentlich funktionierte er.</p><p>Tinna erwies sich als ein h�bsches M�dchen, wesentlich j�nger als erwartet, hochgewachsen und kr�ftig. Sie trug ihr langes braunes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, obwohl an einigen Stellen die Locken hervorlugten. Sie steckte in Hosen und hatte, nach dem Schwert am G�rtel und dem dunklen Trolloc-Blut an den �rmeln zu urteilen, an den K�mpfen teilgenommen.</p><p>Sie kam angeritten und musterte ihn von Kopf bis Fu�. �Ihr habt Euch endlich an uns erinnert, Lord Cauthon?� Ja, sie erinnerte ihn an Nynaeve, keine Frage.</p><p>Mat schaute zur Anh�he. Das Feuergefecht zwischen Aes Sedai und Sharanern hatte sich in ein wildes Chaos verwandelt.</p><p><emphasis>Du solltest dort lieber siegen, Egwene. Ich verlasse mich auf dich.</emphasis></p><p>�Euer Heer�, sagte Mat und blickte Tinna an. �Wie man mir sagte, haben sich eurer Streitmacht ein paar Aes Sedai angeschlossen?�</p><p>�Ein paar�, antwortete sie vorsichtig.</p><p>�Seid Ihr eine?�</p><p>�Nein. Jedenfalls nicht genau.�</p><p>�Nicht genau? Was soll das denn hei�en? H�rt zu, Frau, ich brauche ein Wegetor. Wenn wir das nicht bekommen, k�nnte diese Schlacht verloren gehen. Bitte sagt mir, dass wir hier ein paar Machtlenkerinnen haben, die mich an den Ort bringen k�nnen, wo ich sein muss.�</p><p>Tinnas Lippen verzogen sich zu einem schmalen Strich. �Ich will Euch nicht ver�rgern, Lord Cauthon. Alte Gewohnheiten erzeugen starke Fesseln, und ich habe gelernt, von gewissen Dingen nicht zu sprechen. Ich wurde aus der Wei�en Burg verwiesen wegen�� Eben aus komplizierten Gr�nden. Es tut mir leid, aber ich kenne das Gewebe f�r das Reisen nicht. Ich wei� aber genau, dass die meisten, die sich uns anschlossen, zu schwach sind, um dieses Gewebe weben zu k�nnen. Dazu braucht man eine bedeutende Menge der Einen Macht, wozu viele nicht f�hig sind, die���</p><p>�Ich kann eines weben.�</p><p>Eine Frau in einem roten Kleid erhob sich von den Verwundeten, wo sie anscheinend mit Heilen besch�ftigt gewesen war. Sie war d�nn und knochig und hatte eine saure Miene, aber Mat war so froh, sie zu sehen, dass er sie h�tte k�ssen k�nnen. Zwar h�tte man da genauso gut kaputtes Glas k�ssen k�nnen. Aber er h�tte es trotzdem getan.</p><p>�Teslyn!�, rief er. �Was macht Ihr denn hier?�</p><p>�Ich glaube, ich k�mpfe in der Letzten Schlacht�, erwiderte sie und wischte sich die H�nde ab. �Tun wir das nicht alle?�</p><p>�Aber bei den Drachenverschworenen?�</p><p>�Nach meiner R�ckkehr f�hlte ich mich in der Wei�en Burg nicht gerade wohl�, sagte sie. �Sie hat sich ver�ndert. Ich ergriff die sich hier bietende Gelegenheit, denn dieser Bedarf �bertrifft andere. Ihr braucht also ein Wegetor? Wie gro�?�</p><p>�Genug, um so viele dieser Truppen wie m�glich zu verlegen, die Drachenverschworenen, die Ogier und dieses Banner Kavallerie von der Bande der Roten Hand�, sagte Mat.</p><p>�Ich brauche einen Zirkel, Tinna�, sagte Teslyn. �Und ich will nichts davon h�ren, dass Ihr die Macht nicht lenken k�nnt; ich sp�re es in Euch, und s�mtliche fr�heren B�ndnisse und Versprechungen sind hier f�r uns gebrochen. Holt die anderen Frauen zusammen. Wo gehen wir hin, Cauthon?�</p><p>Mat grinste. �Auf die Anh�he.�</p><p>�Die Anh�he?�, wiederholte Karede. �Aber Ihr habt sie zu Beginn der Schlacht aufgegeben! Ihr habt sie dem Schattengez�cht �berlassen!�</p><p>�Ja, habe ich.�</p><p>Und jetzt�� jetzt hatte er die Gelegenheit, das zu beenden. Elaynes Streitkr�fte hielten den Fluss, Egwene k�mpfte im Westen�� Er musste den Nordabschnitt der Anh�he erobern. Da die Seanchaner nun weg und der gr��te Teil seiner Truppen besch�ftigt waren, wusste er genau, dass Demandred eine starke Streitmacht aus Sharanern und Trollocs quer �ber das Plateau nach Nordosten schicken w�rde, damit sie dort den Hang hinunter und dann �ber das Flussbett marschierten und Elaynes Verb�nden in den R�cken fielen. Die Heere des Lichts w�rden eingekreist und Demandreds Gnade ausgeliefert sein. Seine einzige Chance lag darin, die gegnerischen Truppen trotz ihrer �berlegenen Zahl daran zu hindern, ihre derzeitige Position zu verlassen. Beim Licht. Es hatte wenig Aussicht auf Erfolg, aber manchmal musste man den einzigen Pfeil nehmen, den man hatte.</p><p>�Damit d�nnt Ihr unsere Linien aber auf gef�hrliche Weise aus�, sagte Karede. �Ihr riskiert alles, wenn Ihr hier ben�tigte Truppen auf die Anh�he verlegt.�</p><p>�Ihr wollt doch an die Front�, erwiderte Mat. �Loial, bist du dabei?�</p><p>�Ein Schlag gegen das Zentrum des Feindes?� Loial wog seine Axt in der Hand. �Das wird nicht der schlimmste Ort sein, an dem ich war, weil ich einem von euch dreien folgte. Ich hoffe, Rand geht es gut. Das glaubst du doch, oder?�</p><p>�W�re Rand tot, dann w�ssten wir das�, sagte Mat. �Er wird auf sich selbst aufpassen m�ssen, denn dieses Mal kann ihn Matrim Cauthon nicht retten. Teslyn, her mit dem Wegetor! Tinna, sammelt Eure Truppen. Sie sollen sich bereit machen, durch das Tor zu st�rmen. Wir m�ssen den Nordhang dieser Anh�he im Handstreich erobern und dann halten, ganz <emphasis>egal</emphasis>, was uns der Schatten auch entgegenwirft!�</p><empty-line/><p>Egwene �ffnete die Augen. Obwohl sie sich nicht in einem Raum h�tte befinden d�rfen, lag sie in einem. Und er war pr�chtig. Die k�hle Luft roch nach Salz, und sie ruhte auf einer weichen Matratze.</p><p><emphasis>Ich tr�ume,</emphasis> dachte sie. Vielleicht war sie ja auch gestorben. W�rde das diese Qualen erkl�ren? Diesen schrecklichen Schmerz. Das Vergessen w�re viel, viel besser als diese Agonie gewesen.</p><p>Gawyn gab es nicht mehr. Ein Teil ihrer Selbst war abgeschnitten worden.</p><p>�Ich vergesse, wie jung sie doch ist.� Gefl�ster trieb durch das Zimmer. Diese Stimme war bekannt. Silviana? �K�mmert Euch um sie. Ich muss zur Schlacht zur�ck.�</p><p>�Wie verl�uft sie?� Egwene kannte auch diese Stimme. Rosil von den Gelben. Sie war zusammen mit den Novizinnen und Aufgenommenen nach Mayene gezogen, um die Verwundeten zu versorgen.</p><p>�Die Schlacht? Schlecht.� Silviana hatte ihre Worte noch nie mit Honig vers��t. �Behaltet sie im Auge, Rosil. Sie ist stark; ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass sie das �berlebt, aber diese Bef�rchtung besteht ja immer.�</p><p>�Ich habe schon Frauen geholfen, die ihre Beh�ter verloren, Silviana�, sagte Rosil. �Ich versichere Euch, dass ich dazu durchaus in der Lage bin. Sie wird die n�chsten Tage zu nichts zu gebrauchen sein, aber dann wird der Heilungsprozess einsetzen.�</p><p>Silviana schnaubte. �Dieser Junge�� Ich h�tte wissen m�ssen, dass er sie zerst�rt. Ich h�tte ihn an dem Tag, an dem mir das erste Mal auffiel, wie sie ihn ansieht, an den Ohren packen und auf einen weit entfernten Bauernhof schaffen sollen, wo er das n�chste Jahrzehnt geschuftet h�tte.�</p><p>�So einfach kann man kein Herz kontrollieren.�</p><p>�Beh�ter sind eine Schw�che�, sagte Silviana. �Das waren sie schon immer, und sie werden es auch f�r alle Zeiten bleiben. Dieser Junge�� dieser dumme Junge���</p><p>�Dieser dumme Junge hat mich vor seanchanischen Attent�tern gerettet�, sagte Egwene. �H�tte er das nicht getan, w�re ich jetzt nicht hier, um ihn zu betrauern. Ich w�rde vorschlagen, dass Ihr Euch daran erinnert, Silviana, wenn Ihr von den Toten sprecht.�</p><p>Die anderen verstummten. Egwene versuchte den Schmerz des Verlusts zu �berwinden. Sie befand sich in Mayene, nat�rlich. Silviana w�rde sie zu den Gelben gebracht haben.</p><p>�Ich werde daran denken, Mutter�, erwiderte Silviana. Sie schaffte es sogar, zerknirscht zu klingen. �Ruht Euch aus. Ich werde���</p><p>�Ruhe ist f�r die Toten�, sagte Egwene und setzte sich auf.</p><p>Silviana und Rosil standen in der T�r eines pr�chtigen Zimmers, dessen W�nde unterhalb der mit Perlmuttintarsien verzierten Decke mit blauem Stoff bespannt waren. Beide Frauen verschr�nkten die Arme und blickten sie streng an.</p><p>�Ihr habt etwas au�erordentlich Schmerzvolles durchgemacht, Mutter�, sagte Rosil. Neben der T�r stand Leilwin auf Posten. �Der Verlust eines Beh�ters ist schwer genug, um jede Frau aus der Bahn zu werfen. Es liegt keine Schande darin, wenn Ihr Euch der Trauer stellt.�</p><p>�Egwene al�Vere kann trauern�, sagte Egwene und stand auf. �Egwene al�Vere hat den Mann verloren, den sie liebte, und sie f�hlte ihn durch einen Beh�terbund sterben. Die Amyrlin hat Mitgef�hl mit Egwene al�Vere, so wie sie Mitgef�hl f�r jede Aes Sedai h�tte, die einen solchen Verlust erleidet. Und angesichts der Letzten Schlacht w�rde die Amyrlin erwarten, dass sich die Frau zusammenrei�t und zur Front zur�ckkehrt.�</p><p>Sie ging durch das Zimmer, und jeder neue Schritt wurde energischer. Sie streckte die Hand aus und deutete auf Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis>, das Silviana noch hielt. �Das werde ich brauchen.�</p><p>Silviana z�gerte.</p><p>�Falls Ihr beide nicht entdecken wollt, wozu ich im Augenblick f�hig bin�, sagte Egwene leise, �w�rde ich Euch nicht empfehlen, ungehorsam zu sein.�</p><p>Silviana sah Rosil an, die seufzte und z�gernd nickte. Silviana �bergab den Stab.</p><p>�Ich billige das keineswegs, Mutter�, sagte Rosil. �Aber wenn Ihr darauf besteht���</p><p>�Das tue ich.�</p><p>���dann gebe ich Euch diesen Rat. Gef�hle werden Euch zu zermalmen drohen. Das ist die Gefahr. Nach dem Verlust eines Beh�ters wird es schwer sein, <emphasis>Saidar</emphasis> zu ergreifen. Wenn Ihr es schafft, wird die Ausgeglichenheit einer Aes Sedai vermutlich unm�glich zu erringen sein. Das kann gef�hrlich werden. Sehr gef�hrlich.�</p><p>Egwene �ffnete sich <emphasis>Saidar</emphasis>. Wie Rosil gesagt hatte, fiel es schwer, die Quelle zu umarmen. Zu viele Gef�hle k�mpften um ihre Aufmerksamkeit, �berw�ltigten sie, verjagten die Ruhe. Sie err�tete, als sie es zum zweiten Mal nicht schaffte.</p><p>Silviana �ffnete den Mund, zweifellos um vorzuschlagen, dass sie sich wieder hinsetzte. In diesem Augenblick fand Egwene <emphasis>Saidar</emphasis>, die Knospe in ihrem Geist erbl�hte, und die Eine Macht str�mte in sie hinein. Sie schenkte Silviana einen trotzigen Blick, dann fing sie an, ein Wegetor zu weben.</p><p>�Ihr habt noch nicht den Rest meines Rates geh�rt, Mutter�, sagte Rosil. �Ihr werdet nicht dazu in der Lage sein, die Gef�hle zu vertreiben, die Euch zu schaffen machen, jedenfalls nicht vollst�ndig. Eure einzige Wahl ist eine schlechte, n�mlich diese Gef�hle der Trauer und des Schmerzes mit <emphasis>st�rkeren</emphasis> Gef�hlen zu �berlagern.�</p><p>�Das d�rfte �berhaupt nicht schwer sein�, sagte Egwene. Tief Luft holend zog sie noch mehr von der Einen Macht in sich hinein. Sie erlaubte sich, Wut zu f�hlen. Zorn auf das Schattengez�cht, das die Welt bedrohte, Zorn auf <emphasis>sie</emphasis>, weil sie ihr Gawyn genommen hatten.</p><p>�Ich werde jemanden brauchen, der mich im Auge beh�lt�, sagte Egwene und widersprach damit Silvianas vorheriger Bemerkung. Gawyn war f�r sie <emphasis>keine</emphasis> Schw�che gewesen. �Ich werde einen anderen Beh�ter brauchen.�</p><p>�Aber���, setzte Rosil an.</p><p>Egwene brachte sie mit einem Blick zum Schweigen. Ja, die meisten Frauen warteten. Ja, Egwene al�Vere litt unter der Qual ihres Verlusts, und niemand konnte Gawyn ersetzen. Aber sie <emphasis>glaubte</emphasis> an Beh�ter. Die Amyrlin brauchte jemanden, der ihren R�cken sch�tzte. Dar�ber hinaus war jeder mit einem Beh�terbund ein besserer K�mpfer als jemand ohne ihn. Ohne Beh�ter loszuziehen verweigerte dem Licht einen weiteren Soldaten.</p><p>Hier gab es jemanden, der ihr Leben gerettet hatte. <emphasis>Nein,</emphasis> sagte ein Teil von ihr, als ihr Blick auf Leilwin fiel. <emphasis>Keine Seanchanerin.</emphasis></p><p>Ein anderer Teil von ihr, die Amyrlin, lachte sie daf�r aus. <emphasis>H�r auf, dich wie ein Kind zu benehmen.</emphasis> Sie w�rde eine Beh�terin bekommen. �Leilwin Schiffslos�, sagte Egwene laut, �wollt Ihr diese Pflicht �bernehmen?�</p><p>Die Frau fiel auf die Knie und senkte den Kopf. �Ich�� ja.�</p><p>Egwene formte das Gewebe f�r den Beh�terbund. Leilwin stand auf, sah pl�tzlich weniger ersch�pft aus und holte tief Luft. Egwene �ffnete ein Wegetor zur anderen Seite des Raumes, dann benutzte sie ihre schlagartig erfolgte Kenntnis dieses Zimmers, um ein weiteres zu dem Ort zu �ffnen, an dem ihre Leute k�mpften. Explosionen, Schreie und der klirrende Aufprall von Waffen auf Schilden drang aus der �ffnung.</p><p>Egwene betrat wieder das Schlachtfeld, und sie brachte den Zorn der Amyrlin mit.</p><empty-line/><p>Demandred war ein Klingenmeister. Galad war davon ausgegangen, aber er zog es vor, seine Annahmen einer Pr�fung zu unterziehen.</p><p>Die beiden t�nzelten im Kreis der zusehenden Sharaner vor und zur�ck. Galad trug eine leichte R�stung, ein Kettenhemd unter dem Wappenrock, und bewegte sich schneller. Die miteinander verwobenen M�nzen Demandreds waren schwerer als eine normale R�stung, boten aber einen guten Schutz gegen eine Klinge.</p><p>�Du bist besser als dein Bruder�, sagte Demandred. �Er starb schnell.�</p><p>Der Mann versuchte, Galad in Rage zu bringen. Damit scheiterte er. Eiskalt und vorsichtig griff Galad an. �Der H�fling tippt mit dem F�cher�. Demandred reagierte mit etwas, das gro�e �hnlichkeit mit �Der Falke st��t herab� hatte, und wehrte Galads Angriff ab. Der Verlorene trat zur�ck und ging den Rand des Kreises mit seitlich ausgestrecktem Schwert entlang. Anfangs hatte er viel geredet. Jetzt machte er nur noch gelegentlich eine h�hnische Bemerkung.</p><p>Sie umkreisten einander in der Dunkelheit, die von den Fackeln der Sharaner erleuchtet wurde. Eine Umdrehung. Zwei.</p><p>�Macht schon�, sagte Demandred. �Ich warte.�</p><p>Galad schwieg. Jeder Augenblick, den er herausschlagen konnte, war ein Augenblick weniger, in dem Demandred Vernichtung auf Elayne oder ihre Heere herabregnen lie�. Der Verlorene schien das ebenfalls zu begreifen, denn er kam schnell n�her. Drei Schl�ge: nach unten, zur Seite, R�ckhand. Galad erwiderte jeden Hieb, ihre Arme waren wie ein Schemen.</p><p>Eine Bewegung von der Seite. Es war ein Stein, den Demandred mit der Macht schleuderte. Nur mit M�he konnte Galad ihm ausweichen, dann hob er das Schwert gegen die n�chsten Hiebe. W�tende, von oben nach unten gef�hrte Schl�ge, �Der Keiler st�rmt bergab�, krachten gegen Galads Klinge. Er hielt stand, konnte aber nicht die folgende Drehung der Klinge verhindern, die in seinen Unterarm schnitt.</p><p>Demandred trat zur�ck, und Galads Blut tropfte von seinem Schwert. Wieder umkreisten sie einander, beobachteten einander. Warmes Blut floss am Arm herunter in Galads Handschuh. Auch ein kleiner Blutverlust konnte einen Mann langsamer machen und ihn schw�chen.</p><p>Galad atmete ein und aus, lie� jeden Gedanken und jede Sorge los. Als Demandred erneut angriff, sah er es voraus, trat zur Seite und schlug mit beiden H�nden nach unten, schnitt tief in das Leder hinter Demandreds Knieschutz. Das Schwert glitt von der R�stung ab, richtete aber trotzdem Schaden an. Als Galad zur�ckwich, hinkte Demandred.</p><p>Der Verlorene verzog das Gesicht. �Du hast mich bluten lassen�, sagte er. �Es ist sehr lange her, dass das jemandem gelang.�</p><p>Unter Galad b�umte sich pl�tzlich der Boden auf. Verzweifelt machte er einen Satz nach vorn, auf Demandred zu, und zwang ihn, das Machtlenken einzustellen, wenn er nicht selbst st�rzen wollte. Der Verlorene grunzte und schwang die Klinge, aber Galad befand sich innerhalb der gegnerischen Deckung.</p><p>Zu nahe, um richtig ausholen zu k�nnen, rammte Galad den Schwertknauf in Demandreds Gesicht. Sein Gegner fing die Hand ab, packte sie am Gelenk. Aber da krallte er schon die Finger der anderen Hand in den Helm und versuchte, ihn dem Verlorenen �ber die Augen zu ziehen. Er grunzte. Keiner von ihnen lie� los, und so standen sie in stummem Ringen reglos da.</p><p>Dann riss der Muskel in dem durch den Schnitt verletzten Arm. Er tat es mit einem widerw�rtigen Laut, den Galad deutlich h�rte. Tauben Fingern entglitt die Klinge, sein Arm verkrampfte sich, und Demandred stie� ihn zur�ck und schlug blitzschnell zu.</p><p>Galad fiel auf die Knie. Sein rechter Arm landete vor ihm auf dem Boden�� am Ellbogen abgetrennt.</p><p>Keuchend trat Demandred zur�ck. Er war besorgt gewesen. Gut. Galad hielt seinen blutenden Stumpf umklammert, dann spuckte er dem Verlorenen vor die F��e.</p><p>Demandred schnaubte, dann schwang er erneut das Schwert.</p><p>Alles wurde schwarz.</p><empty-line/><p>Androl hatte das Gef�hl, vergessen zu haben, wie frische Luft schmeckte. Um ihn herum qualmte und bebte das Land, hing dichter Rauch im Wind und trug den Gestank brennender K�rper heran.</p><p>Er und die anderen waren auf dem Plateau zur Westseite marschiert und suchten weiter nach Taim. Hier k�mpfte ein gro�er Teil der sharanischen Armee mit den Soldaten der Wei�en Burg.</p><p>Gruppen Machtlenker zogen von der einen oder anderen Seite Feuer auf sich, daher durchquerte Androl die schreckliche Landschaft allein. Tief geduckt trat er �ber aufgew�hlte Stellen aus qualmender Erde hinweg und versuchte wie ein Verwundeter zu erscheinen, der sich in Sicherheit brachte. Noch immer trug er Nensens Gesicht, aber in seiner verkr�mmten Haltung spielte das keine gro�e Rolle.</p><p>Er versp�rte einen heftigen Stich von Pevara, die sich allein in der N�he bewegte.</p><p><emphasis>Was ist los?,</emphasis> dachte er in ihre Richtung. <emphasis>Seid Ihr wohlauf?</emphasis></p><p>Einen angespannten Augenblick sp�ter kamen ihre Gedanken. <emphasis>Mir geht es gut. Ein paar Sharaner jagten mir einen Schrecken ein. Ich konnte sie davon �berzeugen, dass ich auf ihrer Seite bin, bevor sie angriffen.</emphasis></p><p><emphasis>Es ist ein Wunder, dass hier �berhaupt jemand Freund und Feind unterscheiden kann,</emphasis> erwiderte Androl. Er hoffte, dass Emarin und Jonneth unversehrt waren. Die beiden waren zusammen aufgebrochen, aber wenn sie��</p><p>Androl erstarrte. Durch die Rauchschwaden erblickte er einen Kreis aus Trollocs voraus, die etwas besch�tzten. Sie standen auf einem Felsvorsprung, der wie die Sitzfl�che eines Stuhls �ber den Hang hinausragte.</p><p>In der Hoffnung, einen Blick riskieren zu k�nnen, schlich Androl weiter.</p><p><emphasis>Androl!</emphasis> Pevaras Stimme in seinem Kopf lie� ihn beinahe aus der Haut fahren.</p><p><emphasis>Was?</emphasis></p><p><emphasis>Ihr wart wegen etwas alarmiert. Ich reagierte auf Euch.</emphasis></p><p>Er nahm ein paar beruhigende Atemz�ge. <emphasis>Ich habe etwas entdeckt. Einen Augenblick.</emphasis></p><p>Tats�chlich kam er nahe genug heran, um in dem Kreis Machtlenken zu f�hlen. Er wusste nicht, ob��</p><p>Die Trollocs wichen auseinander, als jemand einen Befehl br�llte. Mishraile schaute aus dem Kreis, dann runzelte er die Stirn. �Es ist blo� Nensen!�</p><p>Androls Herz schlug schneller.</p><p>Ein Mann in Schwarz wandte sich von seiner Betrachtung der Schlacht ab. Taim. In H�nden hielt er eine d�nne Scheibe, schwarz und wei�. Mit dem Daumen rieb er dar�ber, w�hrend er den Blick �ber das Schlachtfeld schweifen lie�, und lachte h�hnisch, als w�rde er die schw�cheren Machtlenker verachten, die �berall um ihn herum k�mpften.</p><p>�Und?�, fauchte er Androl an, drehte sich um und schob die Scheibe in einen Beutel an seinem G�rtel.</p><p>�Ich sah Androl�, sagte Androl, w�hrend sich seine Gedanken �berschlugen. Beim Licht, die anderen erwarteten, dass er n�her kam. Das tat er dann auch, ging an den Trollocs vorbei, begab sich auf direktem Weg in den Rachen der Bestie. Falls er nahe genug herankommen konnte�� �Ich folgte ihm eine Weile.� Nensen sprach immer mit rauer, knirschender Stimme, und Androl gab sich alle M�he, sie nachzumachen. Pevara h�tte die Stimme in das Gewebe einf�gen k�nnen, hatte sie aber nicht gut genug gekannt.</p><p>�Der ist mir doch egal! Narr. Was tut Demandred?�</p><p>�Ich begegnete ihm�, sagte Androl. �Es gefiel ihm nicht, dass ich dort dr�ben war. Er hat mich zur�ck zu Euch geschickt und gesagt, sollte er auch nur einen von uns au�erhalb dieser Position sehen, w�rde er uns t�ten.�</p><p><emphasis>Androl��,</emphasis> sagte Pevara besorgt. Er hatte keine Konzentration daf�r �brig, ihr jetzt zu antworten. Er musste sich mit allen Kr�ften bem�hen, nicht am ganzen Leib zu zittern, als er nahe an Taim herantrat.</p><p>Taim rieb sich mit zwei Fingern die Stirn, schloss die Augen. �Und ich glaubte, Ihr k�nntet eine so einfache Sache erledigen.� Taim erschuf ein kompliziertes Gewebe aus Geist und Feuer. Es traf Androl wie der Biss einer Schlange.</p><p>Pl�tzlich raste ein Schmerz durch seinen K�rper, fing in den F��en an und breitete sich in alle Glieder aus. Aufschreiend brach er zusammen.</p><p>�Wie gef�llt Euch das?�, fragt Taim. �Moridin hat mir das beigebracht. Ich glaube, er will mich gegen Demandred hetzen.�</p><p>Androl schrie mit seiner eigenen Stimme. Das entsetzte ihn, aber es schien niemandem aufzufallen. Als Taim das Gewebe endlich loslie�, verblich der Schmerz. Androl w�lzte sich weiter im Staub, seine Glieder zuckten noch immer durch die Erinnerung an den Schmerz.</p><p>�Steht auf�, knurrte Taim.</p><p>M�hsam kam Androl auf die Beine.</p><p><emphasis>Ich bin auf dem Weg,</emphasis> dachte Pevara.</p><p><emphasis>Bleibt zur�ck,</emphasis> erwiderte er. Licht, er f�hlte sich kraftlos. Als er aufstand, stolperte er gegen Taim, griff nach ihm, denn seine Beine wollten nicht gehorchen.</p><p>�Narr�, sagte Taim. �Steht still.� Und er begann ein anderes Gewebe. Androl versuchte aufzupassen, aber er war zu nerv�s, um Einzelheiten mitzubekommen. Es schwebte vor ihm, dann legte es sich um ihn.</p><p>�Was tut Ihr da?�, fragte er. Er brauchte das Zittern in seiner Stimme nicht vorzut�uschen. Diese <emphasis>Schmerzen</emphasis>.</p><p>�Ihr habt Androl gesehen?�, sagte Taim. �Ich lege Euch eine Spiegelmaske an und drehe das Gewebe um, lasse Euch wie er aussehen. Ich will, dass Ihr Euch als den Pagen ausgebt, Logain findet und ihn <emphasis>t�tet</emphasis>. Nehmt ein Messer oder ein Gewebe, es ist mir egal.�</p><p>�Ihr�� Ihr lasst mich wie Androl aussehen�, stammelte Androl.</p><p>�Androl ist einer von Logains Scho�h�ndchen�, sagte Taim. �Er sollte Euch nicht verd�chtigen. Ich verlange da eine ausgesprochen einfache Sache von Euch, Nensen. Glaubt Ihr, dass Ihr es einmal nicht vermasselt?�</p><p>�Ja, M�Hael.�</p><p>�Gut. Denn wenn Ihr versagt, t�te ich Euch.� Das Gewebe fiel an Ort und Stelle und war nicht mehr zu sehen.</p><p>Mishraile grunzte, lie� Androl los und trat zur�ck. �Ich glaube, Androl ist viel h�sslicher, M�Hael.�</p><p>Taim schnaubte, dann scheuchte er Androl weg. �Das reicht. Geht mir aus den Augen. Kommt mit Logains Kopf zur�ck, oder Ihr braucht gar nicht mehr zur�ckzukehren.�</p><p>Androl eilte fort und sp�rte die Blicke der anderen im Nacken. Sobald er ein ordentliches St�ck weit weg war, rannte er um eine Hecke, die gr��tenteils verbrannt war, und stolperte beinahe �ber Pevara, Emarin und Jonneth, die sich dort verbargen.</p><p>�Androl!�, fl�sterte Emarin. �Eure Tarnung! Was ist <emphasis>passiert</emphasis>? War das Taim?�</p><p>Androl lie� sich zu Boden sacken und versuchte sein pochendes Herz wieder zu beruhigen. Dann hielt er den Beutel hoch, den er Taim vom G�rtel gestohlen hatte, als sie zusammengesto�en waren. �Er war es. Ihr werdet das nicht glauben, aber���</p><empty-line/><p>Arganda strich auf M�chtigs Sattel sitzend das St�ck Papier glatt und zog seine Liste mit dem Schl�ssel aus der Tasche. Diese Trollocs schossen weiterhin mit Pfeilen. Bis jetzt war er noch jedem Treffer entgangen. Genau wie K�nigin Alliandre, die noch immer mit ihm ritt. Wenigstens war sie bereit, bei seiner Reserve zur�ckzubleiben, wo sie etwas besser gesch�tzt war.</p><p>Zus�tzlich zu der Legion des Drachen und den Grenzl�ndern war seine Streitmacht zusammen mit der Wolfsgarde und den Wei�m�nteln nach der Schlacht bei den Ruinen flussabw�rts gezogen. Arganda hatte mehr Fu�soldaten als die anderen, und sie marschierten hinter ihnen her.</p><p>Es hatte genug K�mpfe gegeben, da die Trollocs und Sharaner in dem trockenen Flussbett versuchten, die Heere Andors einzukreisen. Arganda hatte dort ein paar Stunden lang gek�mpft, als die Sonne unterging und Schatten brachte. Aber als er die Nachricht bekommen hatte, hatte er sich zur�ckgezogen.</p><p>�Eine Sauklaue ist das�, murrte er, ging die kleine Verschl�sselungsliste durch und hielt sie in die N�he einer Fackel. Die Befehle waren echt. Entweder das, oder jemand hatte den Schl�ssel geknackt.</p><p>�Und?�, fragte Turne.</p><p>�Cauthon ist am Leben.� Arganda grunzte.</p><p>�Wo ist er?�</p><p>�Keine Ahnung.� Arganda faltete das Papier zusammen und steckte den Schl�ssel weg. �Der Bote sagte, Cauthon �ffnete ein Wegetor vor ihm, warf ihm den Brief ins Gesicht und befahl ihm, mich zu finden.�</p><p>Arganda wandte sich nach S�den und sp�hte in die Dunkelheit hinein. In Vorbereitung auf die Nacht hatten seine M�nner durch Wegetore �l herbeigeschafft und Holzstapel entz�ndet. Im Feuerschein konnte er die M�nner aus den Zwei Fl�ssen herankommen sehen, genau wie es der Befehl gesagt hatte.</p><p>�Hallo, Tam al�Thor!�, sagte Arganda und hob eine Hand. Seinen Kommandanten hatte er nicht mehr gesehen, seit sie sich vor Stunden nach dem Kampf bei den Ruinen getrennt hatten.</p><p>Die Neuank�mmlinge sahen so ersch�pft aus, wie sich Arganda f�hlte. Es war ein sehr langer Tag gewesen, und er war noch lange nicht vorbei. <emphasis>Ich w�nschte, Gallenne w�re hier,</emphasis> dachte Arganda und warf einen Blick auf die Trollocs am Fluss, w�hrend al�Thors M�nner n�her kamen. <emphasis>Ich k�nnte jemanden brauchen, mit dem ich debattieren kann.</emphasis></p><p>Weiter flussabw�rts ert�nten Rufe und klirrender L�rm von dem Ort, an dem die Pikenhaufen der Andoraner die in Wellen angreifenden Tiermenschen kaum noch abwehren konnten. Mittlerweile zog sich diese Schlacht am unteren Mora entlang, und zwar fast bis zum Dasharfels. Seine M�nner hatten geholfen, dass die Andoraner nicht eingekesselt wurden.</p><p>�Was gibt es Neues, Arganda?�, fragte Tam.</p><p>�Cauthon lebt�, sagte Arganda. �Und das ist verdammt erstaunlich, wenn man bedenkt, dass jemand seinen Kommandoposten zerlegt, sein Zelt angez�ndet, einen Haufen seiner <emphasis>Damane</emphasis> umgebracht und seine Frau weggejagt hat. Cauthon hat es irgendwie �berstanden.�</p><p>�Ha!�, sagte Abell Cauthon. �Das ist mein Junge.�</p><p>�Er hat mir mitgeteilt, dass ihr kommt�, sagte Arganda. �Er behauptet, ihr h�ttet Pfeile. Stimmt das?�</p><p>Tam nickte. �Unsere letzten Befehle schickten uns durch das Wegetor nach Mayene, um dort Geheilt und neu ausger�stet zu werden. Ich wei� nicht, wie Mat wissen konnte, dass Pfeile kommen w�rden, aber eine Lieferung von den Frauen in den Zwei Fl�ssen traf genau in dem Augenblick ein, in dem wir uns zur R�ckkehr vorbereiteten. Wir haben auch Langb�gen f�r euch, falls ihr sie braucht.�</p><p>�Tun wir. Cauthon will, dass unsere Truppen flussaufw�rts zu den Ruinen zur�ckmarschieren, das Flussbett �berqueren und die Polov-Anh�he an ihrer nord�stlichen Seite erklimmen.�</p><p>�Keine Ahnung, was das soll, aber ich sch�tze, er wei�, was er da tut���, meinte Tam.</p><p>Gemeinsam zogen ihre Streitkr�fte in der Nacht flussaufw�rts und lie�en die k�mpfenden Andoraner, Cairhiener und Aiel zur�ck. <emphasis>Der Sch�pfer besch�tze euch, Freunde,</emphasis> dachte Arganda.</p><p>Sie �berquerten das ausgetrocknete Flussbett und kamen zum Nordosthang. An dieser Stelle herrschte oben auf dem Plateau Stille, aber der Schein ganzer Fackelreihen war deutlich zu sehen.</p><p>�Das wird eine harte Nuss, wenn das da oben Sharaner sind�, sagte Tam leise und schaute den dunklen Hang hinauf.</p><p>�In Cauthons Botschaft stand, dass wir Hilfe erhalten�, erwiderte Arganda.</p><p>�Was f�r Hilfe denn?�</p><p>�Ich wei� nicht. Er hat nicht���</p><p>In der N�he grollte Donner, und Arganda zuckte zusammen. Die meisten Machtlenker sollten angeblich auf der anderen Seite der Anh�he k�mpfen, aber das bedeutete nicht, dass ihnen hier keine begegnen w�rden. Er hasste dieses Gef�hl, den Eindruck, dass ihn m�glicherweise ein Machtlenker beobachtete und sich zu entscheiden versuchte, ob er ihn mit Feuer, Blitz oder Erde t�tete.</p><p>Machtlenker. Ohne sie w�rde die Welt ein besserer Ort sein. Aber wie sich herausstellte, war dieser Laut gar kein Donner. Aus der Nacht galoppierten Reiter mit Fackeln, durchquerten das Flussbett und gesellten sich zu Arganda und seinen M�nnern. Inmitten einer Ansammlung von Grenzlandbannern flatterte der Goldene Kranich.</p><p>�Ich glaube, ich bin ein verdammter Trolloc�, rief Arganda. �Haben diese Grenzl�nder entschieden, sich uns anzuschlie�en?�</p><p>Lan Mandragoran salutierte im Fackelschein, sein Schwert funkelte silbrig. �Wir sind hier, um zu k�mpfen.�</p><p>Arganda nickte.</p><p>�Gut�, sagte Lan leise vom Sattel. �Ich habe soeben Berichte empfangen, dass sich dort oben eine gro�e sharanische Streitmacht in nord�stlicher Richtung bewegt. Mir ist klar, dass sie sich in den R�cken unserer Leute setzen wollen, die am Fluss gegen die Trollocs k�mpfen; dann w�ren wir umzingelt und ihrer Gnade ausgeliefert. Sieht so aus, als w�re es unsere Aufgabe, das zu verhindern.�</p><p>Er wandte sich Tam zu. �Bogensch�tzen, seid ihr bereit, sie f�r uns weichzuklopfen?�</p><p>�Ich glaube, das schaffen wir.�</p><p>Lan nickte, dann hob er das Schwert. Ein Malkieri an seiner Seite stie� den Goldenen Kranich in die H�he. Und dann galoppierten sie einfach den Hang hinauf. Ein gewaltiges feindliches Heer kam ihnen entgegen, formiert zu breiten Reihen. Tausende Fackeln erhellten den Himmel.</p><p>Tam al�Thor br�llte seinen M�nnern zu, Aufstellung zu nehmen und die B�gen zu spannen. �Schie�t!�, rief Tam, und sie schickten den Sharanern Pfeilsalven entgegen.</p><p>Dann wurde der Beschuss erwidert, da sich der Abstand zwischen beiden Heeren verringert hatte. Arganda vermutete, dass Bogensch�tzen in der Dunkelheit nicht so zielsicher waren wie am Tag�� aber das w�rde f�r beide Seiten gelten.</p><p>Die M�nner von den Zwei Fl�ssen entfesselten eine Woge des Todes, Pfeile so schnell wie vom Himmel sto�ende Falken.</p><p>�Aufh�ren!�, br�llte Tam seinen M�nnern zu. Sie stellten ihren Beschuss in genau dem Augenblick ein, in dem Lans Kavallerie die zerschossenen feindlichen Linien erreichte.</p><p><emphasis>Wo hat Tam blo� seine Schlachterfahrung her?</emphasis> Arganda dachte an die Gelegenheiten, bei denen er Tam hatte k�mpfen sehen. Er hatte erfahrene Gener�le gekannt, die auf einem Schlachtfeld bedeutend weniger Geschick bewiesen hatten als dieser Schafhirte.</p><p>Die Grenzl�nder zogen sich zur�ck und lie�en Tam und seine M�nner weitere Pfeile abschie�en. Dann gab Arganda ein Signal.</p><p>�Los geht�s!�, rief er seinen Fu�soldaten zu. �Alle Kompanien�� vorw�rts!�</p><p>Der abwechselnde Angriff der Bogensch�tzen und der schweren Kavallerie war machtvoll, aber sobald der Feind seine Verteidigung eingerichtet hatte, w�rde die Wirkung begrenzt sein. Bald w�rden die Sharaner einen soliden Wall aus Schilden und Speeren errichtet haben, um Reiter und Bogensch�tzen abzuwehren. Da kam die Infanterie ins Spiel.</p><p>Arganda nahm seinen Streitkolben�� diese Sharaner trugen Kettenhemden und Leder��, hob ihn und f�hrte seine M�nner nach oben. Er vertrat dem Feind den Weg, der wieder vorr�ckte. Tams Truppe setzte sich aus Wei�m�nteln, Ghealdanern, Perrins Wolfsgarde und der Gefl�gelten Wache von Mayene zusammen, aber sie betrachtete sich als eine Armee. Noch vor sechs Monaten h�tte Arganda beim Grab seines Vaters geschworen, dass solche M�nner niemals gemeinsam k�mpfen w�rden�� geschweige denn einander zu Hilfe eilen w�rden, wie es die Wolfsgarde getan hatte, als die Wei�m�ntel �berrannt wurden.</p><p>An der Seite der Sharaner waren heulende Trollocs zu h�ren. Beim Licht! Auch noch Trollocs?</p><p>Arganda schwang seinen Streitkolben, bis sein Arm brannte, dann wechselte er die Hand und schlug weiter, brach Knochen und zerschmetterte H�nde und Arme, bis M�chtigs Fell blutbefleckt war.</p><p>Pl�tzlich zuckten vom entgegengesetzten Ende der Anh�he Lichtblitze auf die Andoraner in der Tiefe zu. Arganda war v�llig im Kampf versunken und bemerkte es kaum, aber etwas in seinem Inneren wimmerte. Demandred musste seinen Angriff wieder aufgenommen haben.</p><p>�Ich habe deinen Bruder besiegt, Lews Therin!� Die Stimme hallte so laut wie ein Gewitterdonnern �ber das Schlachtfeld. �Er stirbt jetzt, verblutet!�</p><p>Arganda lie� M�chtig zur�ckt�nzeln und drehte sich um, als ein gewaltiger Trolloc mit einem fast menschlichen Gesicht den verwundeten Sharaner neben sich zur Seite stie� und bl�kte. Blut str�mte aus einer klaffenden Wunde an seiner Schulter, aber er schien es nicht zu bemerken. Er hob einen an einer kurzen Kette befestigten Flegel, dessen Kopf wie ein mit N�geln gespickter Holzscheit aussah.</p><p>Der Flegel krachte direkt neben M�chtig in den Boden und lie� das Pferd scheuen. W�hrend Arganda um die Kontrolle k�mpfte, trat der riesige Trolloc vor und schlug mit der freien Hand zu, donnerte eine schinkengro�e Faust gegen M�chtigs Kopf. Das Pferd brach zusammen.</p><p>�Interessierst du dich nicht f�r das Fleisch dieser Geburt?�, donnerte Demandred in der Ferne. �Hast du keine Liebe f�r den Mann, der dich Bruder nannte, diesen Mann in Wei�?�</p><p>M�chtigs Kopf war wie ein Ei zersplittert. Seine Beine zuckten noch immer. Arganda kam wieder auf die F��e. Er konnte sich nicht daran erinnern, von dem zusammenbrechenden Pferd gesprungen zu sein, aber sein Instinkt hatte ihn gerettet. Ungl�cklicherweise hatte sein Sprung ihn von seinen Leibw�chtern entfernt, die gegen eine Gruppe Sharaner k�mpften.</p><p>Seine M�nner r�ckten vor, und der Feind wurde langsam zur�ckgedr�ngt. Aber er hatte keine Zeit, sich das anzusehen. Der Trolloc hatte ihn erreicht. Arganda umklammerte seinen Streitkolben und schaute zu der Bestie hoch, die den Flegel �ber dem Kopf schwang und �ber das sterbende Pferd stieg.</p><p>Noch nie hatte sich Arganda so klein gef�hlt.</p><p>�Feigling!�, br�llte Demandred. �Du bezeichnest dich als Retter dieses Landes? Ich beanspruche diesen Titel! Stell dich mir! Muss ich erst deinen Verwandten t�ten, um dich aus deinem Versteck zu locken?�</p><p>Arganda holte tief Luft, dann sprang er vorw�rts. Vermutlich rechnete der Trolloc damit zuletzt. Tats�chlich verfehlte ihn der Hieb der Bestie. Arganda landete einen soliden Treffer gegen ihre Seite, der Streitkolben traf die H�fte und zerschmetterte Knochen.</p><p>Dann traf ihn die Kreatur mit dem Handr�cken. Arganda sah ein wei�es Licht aufblitzen, und der L�rm der Schlacht verblich. Schreie, trampelnde F��e, Rufe. Schreie und Rufe. Rufe und Schreie�� Vergessen.</p><p>Etwas sp�ter ��er vermochte nicht zu sagen, wie viel Zeit verstrichen war�� hob ihn jemand vom Boden auf. Der Trolloc? Er blinzelte und wollte seinem M�rder noch mindestens ins Gesicht spucken, nur um zu entdecken, dass er hinter al�Lan Mandragoran in den Sattel gehoben wurde.</p><p>�Ich lebe noch?�, sagte Arganda. Ein pulsierender Schmerz auf der linken Seite unterrichtete ihn dar�ber, dass er tats�chlich noch lebte.</p><p>�Ihr habt einen Gro�en gef�llt, Ghealdaner�, sagte Lan und trieb sein Pferd zum Galopp in Richtung der r�ckw�rtigen Linien an. Die anderen Grenzl�nder ritten mit ihnen, wie Arganda sah. �Der Trolloc traf Euch in seinen Todeszuckungen. Ich hielt Euch f�r tot, aber ich konnte Euch nicht holen, bevor wir sie zur�ckgedr�ngt hatten. Wir w�ren in arge Bedr�ngnis geraten, h�tte dieses andere Heer die Sharaner nicht �berrascht.�</p><p>�Andere Heer?�, sagte Arganda und rieb sich den Arm.</p><p>�Cauthon hatte ein Heer auf der Nordseite der Anh�he in Bereitschaft. Allem Anschein nach Drachenverschworene und ein Banner Kavallerie, vermutlich von der Bande. Als Ihr mit diesem Trolloc gerungen habt, st�rmten sie gegen die linke Flanke der Sharaner und sprengten sie auseinander. Sie werden eine Weile brauchen, um sich wieder zu sammeln.�</p><p>�Licht!� Arganda st�hnte. Er wusste, dass sein linker Arm gebrochen war. Nun, er lebte. F�r den Augenblick reichte das. Er schaute zu den Frontlinien, wo seine Soldaten noch immer ihre Reihen hielten. K�nigin Alliandre ritt in ihrer Mitte auf und ab und machte ihnen Mut. Licht! Er w�nschte sich, sie w�re bereit gewesen, in dem Lazarett in Mayene zu dienen.</p><p>Im Augenblick herrschte hier Ruhe�� die Sharaner waren schwer genug getroffen worden, um sich zur�ckzuziehen und offenes Gel�nde zwischen den gegnerischen Heeren zu hinterlassen. Vermutlich hatten sie nicht mit einem so energischen Angriff gerechnet.</p><p>Aber was war das? Schatten n�herten sich von rechts, �bergro�e Gestalten marschierten aus der Dunkelheit. Weitere Trollocs? Arganda biss die Z�hne gegen den Schmerz zusammen. Seinen Streitkolben hatte er verloren, aber er hatte noch immer sein Stiefelmesser. Er w�rde nicht ohne�� ohne��</p><p><emphasis>Ogier,</emphasis> erkannte er blinzelnd. <emphasis>Das sind keine Trollocs. Das sind Ogier.</emphasis> Trollocs w�rden keine Fackeln tragen.</p><p>�Ruhm den Baumeistern!�, rief Lan ihnen entgegen. �Also habt Ihr zu dem Heer geh�rt, das Cauthon gegen die Flanke der Sharaner schickte. Wo ist er? Ich will mit ihm reden!�</p><p>Einer der Ogier lachte grollend. �Da seid Ihr nicht der Einzige, Dai Shan. Cauthon flitzt wie ein Eichh�rnchen im Unterholz auf der Suche nach N�ssen. Jetzt ist er hier, dann ist er weg. Ich soll Euch ausrichten, dass wir diesen sharanischen Vorsto� aufhalten m�ssen, was es auch kosten mag.�</p><p>Noch mehr Lichter blitzten in der Ferne auf. Dort k�mpften Aes Sedai und Sharaner. Cauthon versuchte, die Streitkr�fte des Schattens einzukreisen. Arganda verdr�ngte seine Schmerzen und versuchte nachzudenken.</p><p>Was war mit Demandred? Arganda konnte jetzt eine weitere Schneise der Vernichtung erkennen, die von dem Verlorenen ausging. Sie brannte sich auf der anderen Flussseite durch die Verteidiger. Die Pikenformationen standen kurz vor der Aufl�sung, jeder Lichtstrahl t�tete Hunderte.</p><p>�Sharanische Machtlenker auf der einen Seite�, murmelte Arganda, �und einer der Verlorenen auf der anderen! Licht! Mir ist nie wirklich klar geworden, wie viele Trollocs dort sind. Sie sind zahllos.� Jetzt konnte er sehen, wie sie Elaynes Truppen angriffen; Blitze der Einen Macht beleuchteten Tausende von ihnen dort unten in der Ferne. �Wir sind erledigt, nicht wahr?�</p><p>Auf Lans Gesicht spiegelte sich der Fackelschein. Augen wie Schiefer, ein Antlitz wie Granit. Er widersprach Arganda nicht.</p><p>�Was tun wir?�, fuhr Arganda fort. �Um zu siegen�� Beim Licht, um zu siegen, m�ssen wir diese Sharaner niederringen und die Pikenm�nner retten�� sie sind bald von Trollocs umzingelt��, dazu m�sste jeder unserer M�nner mindestens f�nf der Bestien t�ten! Und da ist Demandred nicht mitgez�hlt!�</p><p>Lan gab keine Erwiderung.</p><p>�Wir sind verloren�, sagte Arganda.</p><p>�Falls dem so ist, stehen wir dennoch in erh�hter Position�, sagte Lan, �und wir k�mpfen, bis wir sterben, Ghealdaner. Man ergibt sich, wenn man tot ist. Viele M�nner hatten bedeutend weniger.�</p><empty-line/><p>Die F�den potenzieller M�glichkeiten <emphasis>widersetzten</emphasis> sich Rand, als er sie zu der Welt verwebte, die er sich vorstellte. Ihm war nicht klar, was das zu bedeuten hatte. Vielleicht war das, was er sich so vorstellte, einfach unwahrscheinlich. Was er hier tat, mit F�den zu zeigen, was alles m�glich war, war mehr als eine einfache Illusion. Dazu griff man auf Welten zur�ck, die es zuvor gegeben hatte, Welten, die es wieder geben konnte. Spiegel der Realit�t, in der er lebte.</p><p>Er erschuf diese Welten nicht. Er�� manifestierte sie lediglich. Er zwang die F�den, sich der von ihm verlangten Realit�t zu �ffnen, und schlie�lich gehorchten sie. Ein letztes Mal wurde aus Dunkelheit Licht, und das Nichts wurde zu Etwas.</p><p>Er trat in eine Welt, die den Dunklen K�nig nicht kannte.</p><p>Er w�hlte Caemlyn als Eingang. Vielleicht, weil der Dunkle K�nig diesen Ort in seiner letzten Sch�pfung benutzt hatte und Rand ihm beweisen wollte, dass die schreckliche Version nicht unausweichlich war. Er musste diese Stadt noch einmal sehen, aber unverdorben.</p><p>Er ging �ber die Stra�e vor dem Palast und holte tief Luft. Die Butterbl�tenb�ume standen in voller Bl�te, die hellgelben Bl�ten hingen �ber Hofmauern. Dort spielten Kinder und warfen Bl�tenbl�tter in die Luft.</p><p>Nicht eine Wolke verdunkelte den strahlend hellen Himmel. Rand schaute auf, hob die Arme und trat aus dem Schatten der �ste in das w�rmende Sonnenlicht. Am Palasteingang standen keine W�chter, nur ein freundlicher Diener, der einigen Besuchern Fragen beantwortete.</p><p>Rands F��e hinterlie�en Spuren in den goldenen Bl�tenbl�ttern, als er sich dem Eingang n�herte. Ein Kind kam ihm entgegen, und Rand blieb l�chelnd stehen.</p><p>Das M�dchen reckte sich und ber�hrte das Schwert an Rands G�rtel. Es erschien verwirrt. �Was ist das?�, fragte es mit weit aufgerissenen Augen.</p><p>�Ein Relikt�, fl�sterte Rand.</p><p>Das Lachen anderer Kinder lie� die Kleine den Kopf drehen, und sie lief weg, kicherte, als eines der Kinder H�nde voll Bl�tenbl�tter in die Luft schleuderte.</p><p>Rand ging weiter.</p><p>IST DAS F�R DICH ETWA PERFEKTION? Die Stimme des Dunklen K�nigs schien aus weiter Ferne zu kommen. Er konnte in diese Realit�t eindringen, um mit Rand zu sprechen, aber im Gegensatz zu den anderen Visionen konnte er hier nicht erscheinen. Dieser Ort war seine Antithese.</p><p>Denn dies war die Welt, die es geben w�rde, falls Rand ihn in der Letzten Schlacht t�tete.</p><p>�Komm und sieh es dir an�, erwiderte Rand l�chelnd.</p><p>Keine Erwiderung. Lie� sich der Dunkle K�nig zu weit in diese Wirklichkeit hineinziehen, w�rde er aufh�ren zu existieren. An diesem Ort war er gestorben.</p><p>Alle Dinge gingen und kamen wieder. Das war die Bedeutung des Rades der Zeit. Was nutzte es, eine Schlacht gegen den Dunklen K�nig zu gewinnen, wenn man doch genau wusste, dass er zur�ckkehren w�rde? Rand konnte mehr erreichen. Er konnte <emphasis>das hier</emphasis> erreichen.</p><p>�Ich w�rde gern die K�nigin sprechen�, sagte Rand zu dem Diener am Palasttor. �Ist sie da?�</p><p>�Ihr solltet sie im Garten finden, junger Mann�, sagte der Diener. Er warf einen Blick auf Rands Schwert, aber es war Neugier und keine Besorgnis. In dieser Welt konnten sich Menschen einfach nicht vorstellen, einander zu verletzen. Das gab es nicht.</p><p>�Danke�, sagte Rand und betrat den Palast. Die G�nge waren vertraut und doch anders. W�hrend der Letzten Schlacht war Caemlyn beinahe bis auf die Grundmauern zerst�rt worden, und der Palast hatte gebrannt. Die Rekonstruktion �hnelte dem Vorbild, aber nicht in allen Einzelheiten.</p><p>Rand spazierte langsam durch die Korridore. Etwas bereitete ihm Sorgen, ein leises Unbehagen. Was war es��?</p><p><emphasis>Lass dich hier nicht einfangen,</emphasis> erkannte er. <emphasis>Sei nicht selbstzufrieden.</emphasis> Diese Welt war nicht real, nicht v�llig. Noch nicht.</p><p>Konnte der Dunkle K�nig das geplant haben? Rand dazu zu bringen, f�r sich ein Paradies zu erschaffen, nur um es zu betreten und sich darin zu verlieren, w�hrend die Letzte Schlacht tobte? Menschen starben im Kampf.</p><p>Er durfte das nicht vergessen. Er durfte nicht zulassen, dass ihn dieser Wunschtraum verschlang. Als er die Galerie betrat�� einen langen Korridor, der scheinbar von Fenstern ges�umt wurde��, fiel es ihm schwer, das im Ged�chtnis zu behalten. Denn diese Fenster schauten nicht auf Caemlyn hinaus. Diese neuen Glasportale erlaubten den Blick auf andere Orte, wie ein nie erl�schendes Wegetor.</p><p>Rand passierte eines, das wie eine sich unter Wasser befindliche Bucht aussah, in der bunte Fische in alle Richtungen flitzten. Ein anderes zeigte eine friedliche Wiese hoch oben in den Verschleierten Bergen. Rote Blumen unterbrachen das Gras wie Farbkleckse auf dem Boden eines Malerateliers.</p><p>Auf der anderen Wand schauten die Fenster auf die gro�en St�dte der Welt. Rand passierte Tear, wo der Stein nun als Museum f�r die Tage des Dritten Zeitalters diente und die Verteidiger seine Kuratoren waren. Kein Angeh�riger dieser Generation hatte jemals eine Waffe getragen, und die Geschichten ihrer Gro�eltern �ber K�mpfe verbl�fften sie. Ein anderes zeigte die Sieben T�rme von Malkier, die wiedererrichtet worden waren�� aber als Denkmal und nicht als Befestigung. Nach dem Tod des Dunklen K�nigs war die F�ule verschwunden, und das Schattengez�cht war auf der Stelle tot umgefallen. Als w�re der Dunkle K�nig mit ihnen allen verkn�pft gewesen, so wie ein Blasser eine Faust Trollocs f�hrte.</p><p>T�ren hatten keine Schl�sser. M�nzen waren eine beinahe vergessene Exzentrizit�t. Machtlenker halfen dabei, Nahrung f�r jedermann zu erschaffen. Rand kam an einem Fenster nach Tar Valon vorbei, wo die Aes Sedai jeden Heilten, der darum bat, und Wegetore erschufen, damit Menschen, die sich liebten, zusammenfinden konnten. Jeder hatte alles, was er brauchte.</p><p>Neben dem n�chsten Fenster z�gerte er. Es zeigte Rhuidean. Hatte diese Stadt je in einer W�ste gestanden? Die W�ste bl�hte von Shara bis Cairhien. Und hier sah Rand die Chorafelder durch das Fenster�� ein ganzer Wald von ihnen umgab die sagenumwobene Stadt. Auch wenn er ihre Worte nicht verstehen konnte, sah er doch Aiel singen.</p><p>Keine Waffen mehr. Keine Speere, die tanzten. Die Aiel waren wieder Menschen des Friedens.</p><p>Er ging weiter. Bandar Eban, Ebou Dar, die L�nder der Seanchaner, Shara. Jede Nation war vertreten, allerdings machten sich die Menschen dieser Zeit nicht viel aus Grenzen. Ein weiteres Relikt. Wen interessierte es schon, wer in welcher Nation lebte, und warum sollte man versuchen, Land zu �besitzen�? Es war genug f�r alle da. Das Erbl�hen der W�ste hatte Platz f�r neue St�dte und neue Wunder ge�ffnet. Viele der Fenster gaben Ausblick auf Orte, die ihm unbekannt waren, allerdings freute es ihn, dass die Zwei Fl�sse so majest�tisch aussahen; beinahe, als w�re Manetheren wiederauferstanden.</p><p>Das letzte Fenster lie� ihn innehalten. Es schaute auf ein Tal hinaus, das einst das Verdorbene Land gewesen war. Dort erhob sich nur eine einzelne Steinplatte, wo vor langer Zeit ein Leichnam verbrannt worden war. Sie war mit Leben �berwuchert: Schlingpflanzen, Gras, Blumen. Eine haarige Spinne von der Gr��e einer Kinderfaust huschte �ber den Stein.</p><p>Rands Grab. Der Ort, an dem man nach der Letzten Schlacht seinen K�rper verbrannt hatte. Er blieb eine lange Weile vor diesem Fenster stehen, bevor er sich schlie�lich dazu zwang, weiterzugehen und die Galerie zu verlassen, um in den Palastgarten zu treten. Diener waren hilfreich, wann immer er sie ansprach. Niemand fragte ihn, warum er die K�nigin sehen wollte.</p><p>Er ging davon aus, dass sie von vielen Menschen umgeben sein w�rde. Falls jeder mit der K�nigin sprechen konnte, w�rde das nicht ihre ganze Zeit in Anspruch nehmen? Aber als er sich ihr n�herte, sa� sie allein unter dem Ge�st des Chorabaums des Palastes.</p><p>Das hier war eine Welt ohne Sorgen. Eine Welt, wo Menschen ihre Meinungsverschiedenheiten m�helos bereinigten. Eine Welt des Gebens, nicht des Streites. Was w�rde jemand von der K�nigin brauchen?</p><p>Elayne war so wundersch�n wie in dem Augenblick, als sie das letzte Mal auseinandergegangen waren. Nat�rlich war sie nicht l�nger schwanger. Seit der Letzten Schlacht waren hundert Jahre vergangen. Sie schien keinen Tag gealtert zu sein.</p><p>Rand ging auf sie zu und warf einen Blick auf die Gartenmauer, von der er einst heruntergefallen war, und zwar ihr genau vor die F��e. Damals hatte er sie kennengelernt. Dieser Garten war ganz anders, aber die Mauer gab es noch immer. Sie hatte die Vernichtung Caemlyns �berstanden und auch den Anbruch eines neuen Zeitalters.</p><p>Elayne sah ihn an. Ihre Augen weiteten sich, und sie schlug die Hand vor den Mund. �Rand?�</p><p>Er richtete den Blick auf sie, die Hand auf den Knauf von Lamans Schwert gelegt. Warum hatte er es mitgebracht?</p><p>Elayne l�chelte. �Soll das ein Streich sein? Tochter, wo bist du? Willst du mich wieder mit der Spiegelmaske auf den Arm nehmen?�</p><p>�Es ist kein Trick, Elayne�, sagte Rand und lie� sich vor ihr auf ein Knie nieder, damit ihre K�pfe auf gleicher H�he waren. Er sah ihr in die Augen.</p><p>Etwas stimmte nicht.</p><p>�Oh! Aber wie kann das sein?�, rief sie.</p><p>Das war nicht Elayne�� oder doch? Ihre Stimme schien irgendwie nicht zu passen, ihre kleinen Eigenheiten stimmten nicht. Konnte sie sich so sehr ver�ndert haben? Immerhin waren hundert Jahre vergangen.</p><p>�Elayne?�, fragte er. �Was ist mit dir geschehen?�</p><p>�Geschehen? Nichts, warum? Der Tag ist gro�artig, wunderbar. Wundersch�n und friedlich. Wie sehr es mir doch gef�llt, in meinem Garten zu sitzen und die Sonne zu genie�en.�</p><p>Rand runzelte die Stirn. Dieser einf�ltige Tonfall, diese nichtssagenden Worte�� Elayne war nie so gewesen.</p><p>�Wir werden ein Fest veranstalten!�, rief Elayne und klatschte in die H�nde. �Ich werde Aviendha einladen! Es ist ihre freie Woche, wo sie nicht singen muss, obwohl sie vermutlich in der Kinderkrippe arbeitet. Sie arbeitet dort immer freiwillig.�</p><p>�In der Kinderkrippe?�</p><p>�In Rhuidean. Jeder spielt so gern mit den Kindern, dort wie hier. Es gibt einen gro�artigen Wettbewerb, sich um die Kinder zu k�mmern! Aber wir verstehen die Notwendigkeit, sich darin abzuwechseln.�</p><p>Aviendha. Die sich um Kinder k�mmerte und Chorab�ume besang. Eigentlich war daran nichts Falsches. Warum sollte sie sich nicht an solchen Aktivit�ten erfreuen?</p><p>Aber auch das war falsch. Er war fest davon �berzeugt, dass Aviendha eine wunderbare Mutter abgeben w�rde, aber sich vorzustellen, wie sie den ganzen Tag mit den Kindern anderer Leute spielte��</p><p>Rand blickte in Elaynes Augen, blickte tief in sie hinein. Dahinter lauerte ein Schatten. Oh, es war ein unschuldiger Schatten, aber trotzdem ein Schatten. Er war wie�� wie��</p><p>Wie der Schatten in den Augen der Leute, die mit der Macht zum Dunklen K�nig Umgedreht worden waren.</p><p>Rand sprang auf die F��e und stolperte zur�ck. �Was hast du getan?�, br�llte er in den Himmel. �Shai�tan! Antworte mir!�</p><p>Elayne legte den Kopf schief. Sie f�rchtete sich nicht. An diesem Ort gab es keine Furcht. �Shai�tan? Ich k�nnte schw�ren, ich erinnere mich an diesen Namen. Es ist so lange her. Manchmal bin ich richtig vergesslich.�</p><p>�SHAI�TAN!�, br�llte Rand.</p><p>ICH HABE GAR NICHTS GETAN, WIDERSACHER. DIE STIMME WAR LEISE. DAS IST DEINE SCH�PFUNG.</p><p>�Unsinn!�, rief Rand. �Du hast sie ver�ndert! Du hast sie alle ver�ndert!�</p><p>HAST DU GEGLAUBT, DASS ES SIE UNBER�HRT L�SST, WENN DU MICH AUS IHREM LEBEN ENTFERNST?</p><p>Die Worte ersch�tterten Rand. Entsetzt trat er zur�ck, als Elayne offensichtlich um ihn besorgt aufstand. Ja, jetzt sah er es, das Ding hinter ihren Augen. Sie war nicht sie selbst�� weil er ihr die F�higkeit geraubt hatte, sie selbst zu sein.</p><p>ICH VERWANDLE M�NNER IN MICH, sagte Shai�tan. DAS IST WAHR. SOBALD ICH SIE AUF DIESE WEISE ZU MEINEM GEFOLGE GEMACHT HABE, K�NNEN SIE NICHT DAS GUTE W�HLEN. AUF WELCHE WEISE UNTERSCHEIDET SICH DAS HIER DAVON, WIDERSACHER?</p><p>WENN DU DAS TUST, SIND WIR EINS.</p><p>�Nein!�, schrie Rand, hielt sich den Kopf und fiel auf die Knie. �Nein! Ohne dich w�re die Welt perfekt!�</p><p>PERFEKT. ZU KEINER VER�NDERUNG F�HIG. ZERST�RT. MACH DAS, WENN DU ES WILLST, WIDERSACHER. INDEM DU MICH T�TEST, W�RDE ICH GEWINNEN.</p><p>GANZ EGAL, WAS DU AUCH TUST, ICH GEWINNE.</p><p>Rand schrie und kr�mmte sich zusammen, als ihn der n�chste Angriff des Dunklen K�nigs �berflutete. Der Albtraum, den er selbst erschaffen hatte, explodierte und lie� Lichtf�den Rauchfahnen gleich in alle Richtungen schie�en.</p><p>Die Dunkelheit um ihn herum erbebte.</p><p>DU KANNST SIE NICHT RETTEN.</p><p>Wieder wand sich das gl�hende Muster um Rand. Das echte Muster. Die Wahrheit dessen, was geschah. Mit der Sch�pfung seiner Vision einer Welt ohne Dunklen K�nig hatte er etwas Schreckliches erschaffen. Etwas Furchtbares. Etwas Schlimmeres, als zuvor entstanden w�re.</p><p>Der Dunkle K�nig griff erneut an.</p><empty-line/><p>Mat zog sich aus dem Nahkampf zur�ck und legte den <emphasis>Ashandarei</emphasis> auf die Schulter. Karede hatte eine Gelegenheit zum Kampf verlangt�� je hoffnungsloser die Situation, umso besser. Nun, eigentlich musste der Mann jetzt hochzufrieden sein. Er h�tte tanzen und lachen m�ssen! Sein Wunsch hatte sich erf�llt. Beim Licht, und wie!</p><p>Mat setzte sich auf einen Trolloc-Kadaver, der einzig verf�gbare Sitz in der Gegend, und nahm einen gro�en Schluck aus seinem Wasserbeutel. Er sp�rte den Puls der Schlacht, ihren Rhythmus. Sein Schlag war verzweifelt. Demandred war schlau. Er war nicht auf Mats K�der an der Furt hereingefallen, wo er ein kleineres Heer aufgestellt hatte. Der Verlorene hatte Trollocs hingeschickt, seine Sharaner aber zur�ckgehalten. H�tte er die Anh�he preisgegeben, um Elaynes Heer anzugreifen, h�tte Mat seine Verb�nde von Westen und Nordosten �ber das Plateau streifen lassen, um den Schatten hinterr�cks zu zerschmettern. Jetzt versuchte Demandred, seine Truppen hinter Elaynes Heere zu formieren, und Mat hatte das f�r den Augenblick verhindert. Aber wie lange konnte er durchhalten?</p><p>Den Aes Sedai ging es nicht gut. Die sharanischen Machtlenker gewannen diesen Kampf. <emphasis>Gl�ck,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Heute brauchen wir mehr als nur ein bisschen davon. Lass mich jetzt nicht im Stich.</emphasis></p><p>Das w�re wirklich ein passendes Ende f�r Matrim Cauthon. Es gefiel dem Muster, ihn auszulachen. Mit einem Mal wurde ihm klar, welch ein Scherz das gewesen w�re, ihm Gl�ck zu geben, wenn es nichts bedeutete, und es ihm dann einfach wegzunehmen, wenn es einmal wirklich darauf ankam.</p><p><emphasis>Blut und verdammte Asche,</emphasis> dachte er und steckte den leeren Wasserbeutel weg. Das einzige Licht kam von der Fackel, die Karede hielt. Im Augenblick war da nichts von seinem Gl�ck zu f�hlen. Das passierte schon mal. Er vermochte nicht zu sagen, ob es nun bei ihm war oder nicht.</p><p>Nun, wenn sie schon keinen vom Gl�ck beg�nstigten Matrim Cauthon haben konnten, dann w�rden sie zumindest einen sturen Matrim Cauthon bekommen. Er hatte nicht die Absicht, an diesem Tag zu sterben. Es musste noch getanzt werden; da waren noch Lieder, die gesungen, und Frauen, die gek�sst werden mussten. Zumindest eine Frau.</p><p>Er stand auf und begab sich wieder zu den Totenw�chtern, den Ogiern, Tams Heer, der Bande, den Grenzl�ndern�� alle, die er hier oben aufgestellt hatte. Die Schlacht ging weiter, und sie k�mpften hart, dr�ngten die Sharaner sogar ein paar Hundert Schritte zur�ck. Aber Demandred war nicht entgangen, was er hier tat, und er schickte nun Trollocs vom Fluss direkt den Steilhang hinauf, um sich in den Kampf zu st�rzen. Dieser Hang war am schwersten zu erklimmen, aber dem Verlorenen w�rde klar sein, dass er Mat bedr�ngen musste.</p><p>Diese Trollocs stellten eine echte Gefahr dar. Am Fluss gab es genug von ihnen, um Elayne einzukreisen <emphasis>und</emphasis> sich den Weg auf die Anh�he freizuk�mpfen. Falls eines von Mats Heeren zerschlagen wurde, war er erledigt.</p><p>Nun, er hatte die W�rfel geworfen und seine Befehle gegeben. Jetzt konnte man nur noch k�mpfen, bluten und hoffen.</p><p>Im Westen loderte ein Lichtschein wie fl�ssiges Feuer in die H�he. Brennende Tropfen aus geschmolzenem Stein flogen durch die dunkle Luft. Zuerst glaubte Mat, Demandred h�tte sich entschieden, aus dieser Richtung anzugreifen, aber der Verlorene war noch immer dabei, die Andoraner zu vernichten.</p><p>Ein weiterer Lichtblitz. Dort k�mpften die Aes Sedai. Durch Dunkelheit und Rauch glaubte Mat genau zu sehen, dass Sharaner von Westen nach Osten �ber die Anh�he flohen. Er ertappte sich bei einem L�cheln.</p><p>�Seht mal�, sagte er, klopfte Karede auf die Schulter und erregte die Aufmerksamkeit des Mannes.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Mat. �Aber es setzt die Sharaner in Brand, also bin ich mir sicher, dass es mir gef�llt. K�mpft weiter!� Er f�hrte Karede und die anderen zum n�chsten Angriff auf die sharanischen Soldaten.</p><empty-line/><p>Olver ging geb�ckt durch die Last des Pfeilb�ndels auf seinem R�cken. Er hatte darauf bestanden, dass das Gewicht echt sein musste. Was w�rde geschehen, wenn ein Handlanger des Schattens die Ware inspizierte und entdeckte, dass sein B�ndel nur aus leichtem Stoff bestand?</p><p>Setalle und Faile mussten ihn nun wirklich nicht dauernd ansehen, als w�rde er jeden Augenblick zusammenbrechen. So schwer war das B�ndel nun auch wieder nicht. Nat�rlich w�rde ihn das nicht davon abhalten, Setalles Mitleid zu erregen, sobald sie wieder zur�ck waren. Er musste sich in solchen Dingen �ben, oder er w�rde als ein so hoffnungsloser Fall wie Mat enden.</p><p>Ihre Reihe bewegte sich weiter auf das Nachschublager im Verdorbenen Land zu, und er musste zugeben, dass es ihn nicht gest�rt h�tte, wenn das B�ndel etwas leichter gewesen w�re. Nicht weil er m�de wurde. Aber wie sollte er denn falls n�tig k�mpfen? Er w�rde das B�ndel schnell fallen lassen m�ssen, und dieses B�ndel schien man nicht schnell loswerden zu k�nnen.</p><p>Grauer Staub bedeckte seine F��e. Keine Schuhe, und seine Kleidung w�rde jetzt gute Lumpen abgeben. Faile und die Bande hatten eine der erb�rmlichen Karawanen angegriffen, die sich auf das Nachschublager des Schattens zuschleppten. Der Kampf war schnell vorbei�� nur drei Schattenfreunde und eine verwahrloste Kauffrau bewachten eine Gruppe ersch�pfter, halb verhungerter Gefangener.</p><p>Viele der G�ter trugen das Zeichen Kandors, ein rotes Pferd. Tats�chlich waren viele der Gefangenen Kandori. Faile hatte ihnen die Freiheit angeboten, sie nach S�den geschickt, aber nur die H�lfte war gegangen. Die anderen hatten darauf bestanden, sie zu begleiten und zur Letzten Schlacht zu marschieren, obwohl Olver auf den Stra�en schon Bettler mit mehr Fleisch auf den Knochen gesehen hatte als diese Leute. Immerhin halfen sie, dass Failes Reihe echt aussah.</p><p>Das war wichtig. Olver blickte auf, als sie sich dem Nachschublager n�herten. In der kalten Nacht s�umten Fackeln den Weg. Mehrere dieser verschleierten Aiel standen an der Seite und beobachteten die Kolonne. Olver blickte zu Boden, damit sie seinen Hass nicht sehen konnten. Er hatte gewusst, dass man Aiel nicht vertrauen konnte.</p><p>Ein paar W�chter ��keine Aiel, sondern weitere Schattenfreunde�� befahlen ihnen, stehen zu bleiben. Aravine ging weiter; sie trug die Kleidung der Kauffrau, die sie get�tet hatten. Faile war offensichtlich Saldaeanerin, und man hatte entschieden, dass sie zu auff�llig war, um die Rolle einer Kauffrau des Schattens zu spielen.</p><p>�Wo sind eure W�chter?�, fragte der Soldat. �Das ist Lifas Gruppe, oder? Was ist passiert?�</p><p>�Diese Narren!�, sagte Aravine und spuckte aus. Olver verbarg ein L�cheln. Ihr ganzes Benehmen hatte sich ver�ndert. Sie wusste eine Rolle zu spielen. �Sie sind tot, wo ich sie zur�cklie�! Ich habe ihnen gesagt, nicht in der Nacht herumzuspazieren. Ich wei� nicht, was die drei erwischt hat, aber wir fanden sie am Lagerrand. Aufgebl�ht, mit dunkler Haut.� Sie sah angewidert aus. �Ich glaube, etwas legte Eier in ihren ausgeh�hlten Bauch. Wir wollten nicht herausfinden, was da schl�pft.�</p><p>Der Soldat grunzte. �Und Ihr seid?�</p><p>�Pansai�, sagte Aravine. �Lifas Gesch�ftspartnerin.�</p><p>�Seit wann hat Lifa denn eine Gesch�ftspartnerin?�</p><p>�Seit ich ihr einen Dolch in den R�cken rammte und ihre Karawane �bernahm.�</p><p>Die Informationen �ber Lifa stammten von den geretteten Gefangenen. Sie waren l�ckenhaft. Olver schwitzte. Der W�chter warf Aravine einen langen Blick zu, dann fing er an, die Reihe abzugehen.</p><p>Failes Soldaten befanden sich unter den gefangenen Kandori. Sie gaben sich alle M�he, die richtige Haltung einzunehmen.</p><p>�Du da, Frau�, sagte der W�chter und zeigte auf Faile. �Saldaeanerin, was?� Er lachte. �Ich war immer der Meinung, eine saldaeanische Frau w�rde einen Mann t�ten, bevor sie seine Gefangene wird.� Er versetzte Faile einen Sto�.</p><p>Olver hielt die Luft an. O Blut und verdammte Asche! Lady Faile w�rde sich das nicht gefallen lassen. Der W�chter wollte wissen, ob die Gefangenen wirklich eingesch�chtert waren oder nicht! Failes Haltung, ihre Art, w�rde sie verraten. Sie war eine Adelige und��</p><p>Faile warf sich zu Boden, kauerte sich zusammen und wimmerte eine Erwiderung, die Olver nicht verstehen konnte.</p><p>Mit offen stehendem Mund sah er zu, dann zwang er den Mund wieder zu und starrte zu Boden. Wie war das m�glich? Wie hatte eine Lady wie Faile nur gelernt, sich wie eine Dienerin zu verhalten?</p><p>Der W�chter grunzte. �Macht weiter�, sagte er zu Aravine mit einem Wink. �Wartet dort, bis wir nach euch schicken.�</p><p>Die Gruppe schlurfte zu einer Stelle, wo Aravine jedem befahl, sich hinzusetzen. Sie stand mit verschr�nkten Armen an der Seite und tippte mit dem Fu� auf, w�hrend sie wartete. Donner grollte, und Olver versp�rte ein seltsames Fr�steln. Er schaute auf und sah in das augenlose Gesicht eines Myrddraal.</p><p>Ein eisiger Schock durchfuhr Olver, als h�tte man ihn in einen Wintersee geworfen. Er bekam keine Luft mehr. Der Myrddraal schien dahinzugleiten, sein Umhang hing reglos und tot, als er die Gruppe umrundete. Nach einem schrecklichen Augenblick bewegte er sich zur�ck zum Lager.</p><p>�Sie suchen nach Machtlenkern�, fl�sterte Faile zu Mandevwin.</p><p>�Das Licht steh uns bei�, fl�sterte der Mann zur�ck.</p><p>Das Warten war beinahe unertr�glich. Schlie�lich schritt eine dicke Frau in wei�er Kleidung herbei und webte ein Wegetor. Aravine br�llte sie alle an, auf die Beine zu kommen, dann winkte sie sie durch. Olver stellte sich in die Reihe, ging neben Faile, dann verlie�en sie das Land der roten Erde und der kalten Luft und betraten einen Ort, der so roch, als st�nde er in Flammen.</p><p>Sie betraten ein primitives Lager voller Trollocs. In der N�he brodelten mehrere riesige Kocht�pfe. Direkt hinter dem Lager f�hrte ein steiler Hang zu einem gro�en Plateau hinauf. Dort oben stiegen Rauchs�ulen in die Luft, und von dort und irgendwo von Olvers Linken ert�nte Schlachtenl�rm. Er wandte sich von dem Hang ab und erblickte in der Ferne den schattenhaften Umriss eines hohen, schmalen Berges, der wie eine Kerze in der Tischmitte aus einer flachen Ebene emporragte.</p><p>Er schaute zur�ck zu dem Hang hinter dem Lager, und sein Herz tat einen Sprung. Ein K�rper st�rzte in die Tiefe, der noch immer ein Banner in der Hand hielt�� ein Banner, das eine gro�e rote Hand zeigte. Die Bande der Roten Hand! Mann und Banner landeten in einer Gruppe Trollocs, die um ein Feuer hockten und brutzelnde Fleischst�cke fra�en. Funken flogen in alle Richtungen, und die zornigen Bestien rissen den Eindringling aus den Flammen, aber ihm war schon lange egal, was sie ihm antaten.</p><p>�Faile!�, fl�sterte er.</p><p>�Ich habe es gesehen.� Ihr B�ndel verbarg den Beutel mit dem Horn. Mehr zu sich selbst f�gte sie hinzu: �Licht! Wie sollen wir nur Mat finden?�</p><p>Sie traten zur Seite, als der Rest ihrer Gruppe durch das Tor kam. Sie hatten Schwerter, trugen sie aber zusammengeschn�rt wie Pfeile auf dem R�cken, als w�ren es G�ter f�r das Schlachtfeld.</p><p>�Blut und Asche�, fl�sterte Mandevwin. Er gesellte sich zu ihnen. In der N�he wimmerten Gefangene in einem K�fig. �Vielleicht stecken sie uns da rein? Wir k�nnten uns in der Nacht wegschleichen.�</p><p>Faile sch�ttelte den Kopf. �Sie werden unsere B�ndel nehmen. Uns unbewaffnet zur�cklassen.�</p><p>�Was machen wir dann?�, fragte Mandevwin und warf einen Blick zur Seite, als eine Gruppe Trollocs Leichen vorbeischleifte, die sie an der Front erbeutet hatten. �K�mpfen? Hoffen, dass Lord Mat uns sieht und Hilfe schickt?�</p><p>Olver hielt nicht viel von dem Plan. Er wollte k�mpfen, aber diese Trollocs waren <emphasis>riesig</emphasis>. Einer ging ganz in der N�he vorbei, und der Kopf mit den Wolfsz�gen schwang in Olvers Richtung. Augen, die einem Menschen h�tten geh�ren k�nnen, musterten ihn von Kopf bis Fu�, als w�re er hungrig. Olver trat zur�ck, dann griff er nach seinem B�ndel, in dem er sein Messer versteckt hatte.</p><p>�Wir fliehen�, fl�sterte Faile, sobald der Trolloc weg war. �Verteilt euch in einem Dutzend verschiedener Richtungen, versucht sie damit zu verwirren. Vielleicht schaffen es ein paar von uns, hier zu entkommen.� Sie runzelte die Stirn. �Wo bleibt denn Aravine?�</p><p>Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als Aravine durch das Tor schritt. Die Frau in Wei�, die die Macht gelenkt hatte, folgte ihr, und Aravine zeigte auf Faile.</p><p>Etwas riss Faile in die Luft. Olver keuchte auf, Mandevwin fluchte, warf sein B�ndel zu Boden und tastete nach seinem Schwert, w�hrend Arrela und Selande aufschrien. Alle drei wurden Augenblicke sp�ter von Geweben in die Luft gerissen, und Aiel mit roten Schleiern rannten mit gez�ckten Waffen aus dem Tor.</p><p>Chaos folgte. Ein paar von Failes Soldaten starben, als sie versuchten, sich mit den F�usten zu wehren. Olver warf sich zu Boden und suchte fieberhaft nach seinem Messer, aber als er die Finger um den Griff schloss, war das Scharm�tzel schon vorbei. Die anderen waren entweder �berw�ltigt oder mit Luft gefesselt.</p><p>So schnell, dachte Olver verzweifelt. Warum hatte ihn nie jemand gewarnt, dass K�mpfe so schnell verliefen?</p><p>Anscheinend hatte man ihn vergessen, aber er wusste nicht, was er tun sollte.</p><p>Aravine trat auf Faile zu, die noch immer in der Luft hing. Was geschah hier? Aravine�� sie hatte sie verraten?</p><p>�Es tut mir leid, meine Lady�, sagte Aravine zu Faile. Olver konnte ihre Worte kaum verstehen. Niemand schenkte ihm auch nur die geringste Aufmerksamkeit; die Aiel stie�en die Soldaten zu einer Gruppe zusammen, die sie bewachen konnten. Mehr als nur ein paar von ihnen lagen blutend am Boden.</p><p>Faile b�umte sich in der Luft auf, ihr Gesicht lief vor Anstrengung rot an. Offensichtlich war sie geknebelt. In so einem Augenblick h�tte sie niemals geschwiegen.</p><p>Aravine schnallte das B�ndel von Failes R�cken, dann suchte sie den Beutel mit dem Horn. Sie �ffnete ihn und schaute hinein. Ihre Augen weiteten sich. Sie zog die Schnur des Verschlusses wieder zu und dr�ckte den Beutel an die Brust. �Ich hatte so gehofft, mein altes Leben hinter mir zu lassen�, fl�sterte sie zu Faile. �Noch einmal von vorn anzufangen. Ich glaubte, mich verbergen zu k�nnen oder dass man mich vergessen w�rde, dass ich zur�ck ins Licht kommen k�nnte. Aber der Gro�e Herr vergisst nicht, und niemand kann sich vor ihm verstecken. Sie fanden mich in der Nacht, in der wir Andor erreichten. Das wollte ich nicht, aber ich muss es tun.�</p><p>Aravine wandte sich ab. �Ein Pferd!�, rief sie. �Ich werde diesen Beutel Lord Demandred pers�nlich �bergeben, wie man mir befahl.�</p><p>Die Frau in Wei� trat zu ihr, und die beiden fingen an, sich in ged�mpftem Ton zu streiten. Olver blickte sich um. Niemand beachtete ihn.</p><p>Seine Finger fingen an zu zittern. Er hatte gewusst, dass Trollocs gro� waren und dass sie h�sslich waren. Aber�� das waren <emphasis>Albtraumgestalten</emphasis>. �berall um ihn herum waren Albtr�ume. O Licht!</p><p>Was w�rde Mat tun?</p><p><emphasis>�Dovie�andi se tovya sagain�,</emphasis> fl�sterte Olver und zog das Messer aus der Scheide. Mit einem Aufschrei warf er sich auf die Frau in Wei� und rammte ihr die Klinge unten in den R�cken.</p><p>Sie schrie auf. Faile l�ste sich aus ihren Fesseln aus Luft und fiel zu Boden. Und dann brachen die Gefangenenk�fige auf, und eine Gruppe br�llender M�nner st�rmte in die Freiheit.</p><empty-line/><p>�Hebt sie h�her!�, rief Doesine. �Und zwar verdammt schnell!�</p><p>Leane gehorchte, webte mit den anderen Schwestern Erde. Vor ihnen erbebte der Boden, zog sich wie ein verrutschter Teppich zusammen. Sie vollendeten ihr Werk, dann benutzten sie den H�gel als Deckung, als oben vom Hang Feuer in die Tiefe regnete.</p><p>Doesine f�hrte die bunt zusammengew�rfelte Gruppe an. Ungef�hr ein Dutzend Aes Sedai, eine Handvoll Beh�ter und Soldaten. Die M�nner umklammerten ihre Waffen, aber in letzter Zeit hatten die sich ungef�hr als so n�tzlich erwiesen wie ein Laib Brot. In der Luft knisterte die Macht. Das improvisierte Bollwerk bebte, als die Sharaner es mit Feuer eindeckten.</p><p>Leane hielt die Eine Macht umklammert und warf einen Blick �ber die Deckung. Sie hatte sich von ihrer Begegnung mit dem Verlorenen Demandred erholt. Es war eine ersch�tternde Erfahrung gewesen�� er hatte sie v�llig in seiner Gewalt gehabt, und ihr Leben h�tte jeden Augenblick ausgel�scht werden k�nnen. Die Intensit�t seiner geifernden Tiraden hatte sie ebenfalls verst�rt; so etwas wie seinen Hass auf den Wiedergeborenen Drachen hatte sie noch nie erlebt.</p><p>Eine Gruppe Sharaner bewegte sich den Hang hinunter und schleuderte Gewebe auf das provisorische Bollwerk. Leane schnitt einen Strang aus der Luft wie ein Feldscher fauliges Fleisch. Sie war viel schw�cher in der Einen Macht als fr�her.</p><p>Sie musste nun viel effizienter Macht lenken. Es war erstaunlich, was eine Frau alles mit weniger erreichen konnte.</p><p>Das Bollwerk explodierte.</p><p>Leane warf sich zur Seite, als Erdklumpen herabregneten. Hustend rollte sie sich durch die Rauchschwaden und klammerte sich an <emphasis>Saidar</emphasis> fest. Es waren diese sharanischen M�nner! Sie konnte ihre Gewebe nicht wahrnehmen. Sie rappelte sich auf. Die Explosion hatte ihr Kleid zerrissen, ihre Arme waren voller Kratzer. In einer nahen Erdspalte schimmerte etwas Blaues. Doesine. Sie eilte zu ihr.</p><p>Sie fand den K�rper der Frau dort. Aber nicht ihren Kopf.</p><p>Ein beinahe �berw�ltigendes Gef�hl von Trauer und Verlust �berfiel Leane. Doesine und sie hatten sich nicht nahegestanden, aber sie hatten hier zusammen gek�mpft. Der Verlust, die Zerst�rung�� es zerm�rbte Leane. Wie viel konnte sie noch davon ertragen? Wie viele musste sie noch sterben sehen?</p><p>M�hsam riss sie sich zusammen. Beim Licht, das war eine Katastrophe. Feindliche Schattenlords hatten sie erwartet, aber da waren Aberhunderte von diesen Sharanern. Die Machtlenker einer ganzen Nation, alle f�r den Krieg gedrillt. Das Schlachtfeld war mit hellen Farbflecken �bers�t, alles tote Aes Sedai. Ihre Beh�ter st�rmten den H�gel empor und br�llten den Zorn �ber den Verlust ihrer Aes Sedai heraus, w�hrend sie von der Macht niedergem�ht wurden.</p><p>Leane stolperte zu einer Gruppe Roter und Gr�ner, die aus einem ausgeh�hlten Graben auf dem Westhang k�mpften. Im Augenblick besch�tzte sie das Gel�nde, aber wie lange konnten diese Frauen durchhalten?</p><p>Trotzdem versp�rte sie Stolz. In der Unterzahl und �berfordert k�mpften die Aes Sedai weiter. Das hatte keinerlei �hnlichkeit mit der Nacht, in der die Seanchaner angegriffen hatten, als eine gespaltene Burg von innen zerbrochen worden war. Diese Frauen hielten stand; wurde eine Gruppe auseinandergetrieben, sammelte sie sich wieder und k�mpfte weiter. Feuer fiel vom Himmel, aber genauso viel flog zur�ck, und Blitze schlugen auf beiden Seiten ein.</p><p>Leane suchte sich behutsam einen Weg zu der Gruppe und kam zu Raechin Connoral, die neben einem Felsen kauerte, w�hrend sie Feuer auf die vorr�ckenden Sharaner schleuderte. Leane hielt nach feindlichen Geweben Ausschau, dann wehrte sie eines mit einem schnellen Strang Wasser ab, das den Feuerball zu winzigen Funken zerfallen lie�.</p><p>Raechin nickte ihr zu. �Und dabei glaubte ich immer, Ihr w�rt zu nichts mehr n�tze, au�er M�nnern sch�ne Augen zu machen.�</p><p>�Die Kunst der Domani liegt darin, sein Ziel zu erreichen�, sagte Leane k�hl, �mit so wenig Aufwand wie m�glich.�</p><p>Raechin schnaubte und schleuderte noch ein paar neue Feuerb�lle auf den Feind. �Da sollte ich Euch demn�chst um Rat fragen�, sagte sie. �Falls es eine M�glichkeit gibt, M�nner dazu zu bringen, das zu tun, was man will, w�rde ich das sehr gern wissen.�</p><p>Die Vorstellung war so absurd, dass Leane trotz der schrecklichen Umst�nde beinahe lachen musste. Eine Rote? Die sich schminkte und die Domani-Kunst der Manipulation erlernte? <emphasis>Nun, warum nicht?,</emphasis> dachte Leane und wehrte den n�chsten Feuerball ab. Die Welt ver�nderte sich, und die Ajahs ver�nderten sich mit ihr�� wenn auch nur auf subtile Weise.</p><p>Der Widerstand der Schwestern erregte die Aufmerksamkeit von weiteren sharanischen Machtlenkern. �Wir werden diese Position bald aufgeben m�ssen�, sagte Raechin.</p><p>Leane nickte blo�.</p><p>�Diese Sharaner���, knurrte die Rote. �Seht Euch das an!�</p><p>Leane keuchte. Zuvor hatten sich viele der gegnerischen Soldaten in diesem Abschnitt zur�ckgezogen�� etwas schien sie weggelockt zu haben��, aber die Machtlenker hatten sie durch eine gro�e Gruppe ver�ngstigter Menschen ersetzt und trieben sie zur vordersten Linie, damit sie die Angriffe abfingen. Viele trugen St�cke oder Werkzeuge, um damit zu k�mpfen, aber sie hielten die Waffen v�llig eingesch�chtert und blieben dicht zusammen.</p><p>�Blut und verdammte Asche�, stie� Raechin aus, was Leane eine Augenbraue heben lie�. Die Rote webte weiter und versuchte Blitze hinter die Reihen der ver�ngstigten Leute zu schicken. Trotzdem wurden viele von ihnen getroffen. Leane versp�rte �belkeit, beteiligte sich aber an den Angriffen.</p><p>W�hrend sie arbeiteten, kroch Manda Wan zu ihnen. Ru�verschmiert sah die Gr�ne schrecklich aus. <emphasis>Vermutlich sehe ich nicht anders aus,</emphasis> dachte Leane und schaute auf ihre zerkratzten und mit Asche verschmierten Arme.</p><p>�Wir ziehen uns zur�ck�, sagte Manda. �Vielleicht m�ssen wir Wegetore einsetzen.�</p><p>�Um wohin zu gehen?�, fragte Leane. �Wollen wir den Kampf aufgeben?�</p><p>Schweigen kehrte ein. Nein. Von diesem Kampf gab es keinen R�ckzug. Entweder sie siegten, oder es war zu Ende.</p><p>�Wir sind hier zu zersplittert�, sagte Manda. �Wir m�ssen zumindest zur�ckfallen, um uns neu zu gruppieren. Wir m�ssen die Frauen zusammenbringen, und das ist das Einzige, was mir einf�llt. Es sei denn, Ihr h�ttet eine bessere Idee.�</p><p>Manda sah Raechin an. Leane war nun zu schwach in der Macht, als dass ihre Meinung viel Gewicht gehabt h�tte. Sie fing an, Gewebe vom Himmel zu holen, w�hrend sich die beiden fl�sternd unterhielten. In der N�he zogen sich die Aes Sedai aus der Bodenvertiefung zur�ck und wichen den Hang hinunter. Sie w�rden sich neu gruppieren, ein Wegetor zum Dasharfels weben und zu entscheiden versuchen, was sie als N�chstes tun sollten.</p><p>Moment. Was war das? Leane sp�rte starkes Machtlenken in der N�he. Hatten sich die Sharaner zu einem Zirkel verkn�pft? Sie kniff die Augen zusammen; mittlerweile war die Nacht hereingebrochen, aber genug von der Gegend brannte, um f�r Licht zu sorgen. Es gab auch viel Qualm. Leane webte Luft, um den Rauch aus dem Weg zu wehen, aber er teilte sich von selbst, wie von einem m�chtigen Wind gespalten.</p><p>Egwene al�Vere schritt an ihnen vorbei den Hang hinauf und leuchtete mit der Macht von hundert Leuchtfeuern. Das war mehr, als Leane je eine Frau hatte halten gesehen. Die Amyrlin ging mit ausgestreckter Hand, die einen Stab hielt. Egwenes Augen schienen zu gl�hen.</p><p>Licht und Macht pulsierten aus ihr, als sie ein Dutzend verschiedene Feuergewebe schleuderte. Ein <emphasis>Dutzend</emphasis>. Sie peitschten �ber ihnen auf den H�gel ein, schleuderten sharanische Machtlenker in die Luft.</p><p>�Manda�, sagte Leane, �ich glaube, wir haben einen besseren Sammelpunkt f�r Euch gefunden.�</p><empty-line/><p>Talmanes entflammte an einer Laterne einen Zweig, mit dem er seine Pfeife anz�ndete. Er nahm einen Zug, fing an zu husten und klopfte den Pfeifenkopf auf dem Felsboden aus. Irgendwie war der Tabak verdorben. Ekelhaft. Er hustete und zermahlte den ungenie�baren Tabak mit dem Absatz.</p><p>�Alles in Ordnung, mein Lord?�, fragte Melten, der gerade vorbeiging und mit der rechten Hand zwei H�mmer jonglierte.</p><p>�Ich bin noch immer verdammt lebendig�, erwiderte Talmanes. �Was viel mehr ist, als ich erwarten d�rfte.�</p><p>Melten nickte ausdruckslos und ging weiter, gesellte sich zu einer der Gruppen, die an den Drachen arbeiteten. In der tiefen H�hle hallte das Schlagen der H�mmer auf Holz, da die Bande ihr Bestes tat, um die Waffen zu flicken. Talmanes klopfte gegen die Laterne, sch�tzte den �lstand ein. Es roch schrecklich, w�hrend es verbrannte, aber daran gew�hnte man sich. Er reichte noch f�r ein paar Stunden.</p><p>Das war gut, da diese H�hle seines Wissens keine Ausg�nge auf das Schlachtfeld �ber ihm hatte. Sie war allein durch ein Wegetor zug�nglich. Irgendein Asha�man hatte davon gewusst. Seltsamer Bursche. Was war das f�r ein Mann, der H�hlen kannte, die nur mit der Einen Macht zu erreichen waren?</p><p>Wie dem auch sei, die Bande war hier unten gefangen, an einem sicheren, wenn auch abgeschnittenen Ort. Mats Botschaften brachten nur bruchst�ckhafte Informationen.</p><p>Talmanes strengte die Ohren an, weil er zu h�ren glaubte, wie sich �ber ihnen die Machtlenker bek�mpften, aber das war reine Einbildung. Das Land war stumm, und diese uralten Steine hatten seit der Zerst�rung der Welt kein Licht mehr gesehen, falls �berhaupt.</p><p>Talmanes sch�ttelte den Kopf und ging zu einer der Arbeitsgruppen. �Wie geht es voran?�</p><p>Dennel deutete auf ein paar Seiten, die Aludra ihm gegeben hatte, Anweisungen, wie man diesen Drachen reparieren musste. Die Frau selbst unterwies eine andere Gruppe. Ihre Stimme hallte durch den Raum.</p><p>�Die meisten Rohre sind in Ordnung�, sagte Dennel. �Wenn man mal dar�ber nachdenkt, sind sie dazu gemacht, etwas Feuer und eine gelegentliche Explosion zu �berstehen��� Er kicherte, dann verstummte er und sah Talmanes an.</p><p>�Lasst Euch von meinem Ausdruck nicht die gute Laune verderben�, meinte Talmanes und steckte die Pfeife weg. �Lasst Euch auch nicht davon st�ren, dass wir am Ende der Welt k�mpfen, dass unsere Heere weit unterlegen sind und unsere Seelen im Falle einer Niederlage vom Dunklen K�nig alles B�sen vernichtet werden.�</p><p>�Es tut mir leid, mein Lord.�</p><p>�Das war ein Scherz.�</p><p>Dennel blinzelte. �Das?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das war ein Scherz?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ihr habt einen bemerkenswerten Sinn f�r Humor, mein Lord.�</p><p>�Das h�re ich nicht zum ersten Mal.� Talmanes beugte sich vor und musterte den Drachenkarren. Das angesengte Holz wurde von Schrauben und zus�tzlichen Brettern zusammengehalten. �Das sieht nicht sehr zweckm��ig aus.�</p><p>�Es wird funktionieren, mein Lord. Allerdings werden wir nicht schnell man�vrieren k�nnen. Die Rohre selbst sind ganz gut davongekommen, aber die Karren�� Nun, wir haben mit dem Nachschub aus Baerlon und den Resten getan, was wir konnten, aber in der uns zur Verf�gung stehenden Zeit k�nnen wir nicht mehr tun.�</p><p>�Aber die Zeit haben wir nicht�, sagte Talmanes. �Lord Mat k�nnte uns jeden Augenblick rufen.�</p><p>�Wenn sie dort oben noch leben�, sagte Dennel und schaute zur Decke.</p><p>Ein beunruhigender Gedanke. Die Bande k�nnte ihre letzten Tage hier unten verbringen�� gefangen. Wenigstens w�rden es nicht mehr viele Tage sein. Entweder die Welt endete, oder der Bande w�rde der Proviant ausgehen. Er reichte keine Woche. Hier begraben. In der Dunkelheit.</p><p><emphasis>Verdammte Asche, Mat. Du solltest dort oben besser nicht verlieren. Besser nicht!</emphasis> Die Bande hatte noch immer Kampfgeist in sich. Sie w�rden das Ende nicht hier unten erleben und verhungern.</p><p>Talmanes hielt die Laterne hoch und wollte gehen, aber dann fiel ihm etwas auf. Die an den Drachen arbeitenden Soldaten warfen einen verzerrten Schatten an die Wand, der aussah wie ein Mann mit einem weiten Umhang und einem Hut, der sein Gesicht unkenntlich machte.</p><p>Dennil folgte seinem Blick. �Beim Licht. Sieht aus, als w�rden wir vom Schwarzen Mann selbst beobachtet, oder?�</p><p>�In der Tat�, sagte Talmanes. Dann rief er mit lauterer Stimme: �Hier ist es viel zu still! M�nner, ein Lied!�</p><p>Ein paar Soldaten hielten inne. Aludra richtete sich auf, stemmte die H�nde in die H�ften und blickte ihn missbilligend an.</p><p>Also fing Talmanes selbst an.</p><poem><stanza><v>�Wir trinken den Wein, bis der Becher geleert,</v><v>und k�ssen das M�dchen, bis es sich nicht mehr wehrt.</v><v>Wir w�rfeln um alles, was des W�rfelns wert,</v><v>und dann tanzen wir mit dem Schwarzen Mann.�</v></stanza></poem><p>Schweigen.</p><p>Dann fielen sie ein:</p><poem><stanza><v>�Wir rufen fr�hlich und fluchen fein,</v><v>und herzen das M�dchen, alles k�nnte viel schlimmer sein.</v><v>Dem Schatten stehlen wir sein Geld, fliehen �ber Stock und Stein,</v><v>und dann tanzen wir mit dem Schwarzen Mann.�</v></stanza></poem><p>Ihre lauten Stimmen hallten von den Steinw�nden wider, und sie bereiteten sich mit wildem Eifer auf die Rolle vor, die sie spielen w�rden.</p><p>Und sie <emphasis>w�rden</emphasis> sie spielen. Talmanes w�rde daf�r sorgen. Selbst wenn sie sich in einem Sturm aus Drachenfeuer den Weg aus dieser Gruft sprengen mussten.</p><empty-line/><p>Olver stach auf die Frau in Wei� ein, und Failes Fesseln l�sten sich auf. Sie st�rzte zu Boden, stolperte, blieb aber aufrecht. Mandevwin landete fluchend neben ihr.</p><p>Aravine. Beim Licht, <emphasis>Aravine</emphasis>. Zur�ckhaltend, sorgf�ltig und f�hig. Aravine war eine Schattenfreundin.</p><p>Sie hatte das Horn.</p><p>Aravine warf einen Blick auf die zusammengesunkene Aes Sedai, die Olver angegriffen hatte, dann verfiel sie in Panik, schnappte sich das Pferd, das ein Diener gebracht hatte, und sprang in den Sattel.</p><p>Faile rannte auf sie zu, als die Gefangenen aus den K�figen kamen, sich auf die Trollocs st�rzten und an ihre Waffen zu kommen versuchten. Sie hatte Aravine fast erreicht, als die Frau losgaloppierte und das Horn mitnahm. Sie hielt auf den weniger steilen Teil des Hangs zu, der ihr erlauben w�rde, nach oben auf die Polov-Anh�he zu reiten.</p><p>�Nein!�, schrie Faile. �Aravine! Tut das nicht!� Sie rannte ihr hinterher, erkannte dann aber, dass das sinnlos war.</p><p>Ein Pferd. Sie brauchte ein Pferd. Hektisch blickte sie sich um und entdeckte die paar Lasttiere, die sie durch das Tor gebracht hatten. Faile rannte zu Bela, schnitt den Sattel ab�� mitsamt seiner Last. Sie sprang auf den R�cken der Stute und packte die Z�gel, dann trieb sie sie an.</p><p>Die zottelige Stute galoppierte hinter Aravine her, und Faile duckte sich tief �ber ihren R�cken. �Lauf, Bela�, rief sie. �Falls du je Kraft aufgespart hast, jetzt ist der Augenblick gekommen, sie zu benutzen. Bitte. Lauf, M�dchen. <emphasis>Lauf!</emphasis>�</p><p>Bela galoppierte �ber den zertrampelten Boden, und der Donner aus der H�he untermalte ihr Hufgetrappel. Das Lager des Schattengez�chts war ein Ort der Dunkelheit, nur von Kochfeuern und vereinzelten Fackeln erhellt. Faile hatte das Gef�hl, durch einen Albtraum zu reiten.</p><p>Voraus st�rmten ein paar Trollocs herbei, um ihr den Weg zu versperren. Faile beugte sich noch tiefer und betete zum Licht, dass sie sie verfehlten, wenn sie angriffen. Bela wurde langsamer, und dann jagten zwei Reiter mit Lanzen an Failes Seiten vorbei. Einer durchbohrte den Hals eines Trollocs, aber der andere Reiter verfehlte sein Ziel. Doch sein Pferd schleuderte die Kreatur zur Seite und machte den Weg frei. Bela galoppierte zwischen den verbl�fften Trollocs vorbei und holte die beiden vorausreitenden M�nner ein. Der eine war ziemlich fett, der andere schlank. Harnan und Vanin.</p><p>�Ihr beiden!�, br�llte Faile.</p><p>�Hallo, meine Lady!�, erwiderte Harnan und lachte.</p><p>�Aber wie?�, br�llte sie ihnen �ber den Hufl�rm zu.</p><p>�Wir lie�en uns von einer Karawane finden�, br�llte Harnan zur�ck, �und gefangen nehmen. Sie brachten uns vor ein paar Stunden durch ein Wegetor zur�ck, und wir halfen den Gefangenen, die Vorbereitungen zur Flucht zu treffen. Eure Ankunft verschaffte uns die n�tige Gelegenheit.�</p><p>�Das Horn! Ihr wolltet das Horn stehlen!�</p><p>�Nein�, rief Harnan.� Wir wollten etwas von Mats Tabak stehlen!�</p><p>�Ich glaubte, Ihr h�ttet ihn vergraben, um ihn zur�ckzulassen!�, br�llte Vanin von der anderen Seite. �Mat w�re es egal gewesen. Au�erdem schuldet er mir ohnehin ein paar Mark! Als ich diesen Beutel �ffnete und das verfluchte Horn von Valere fand�� verfluchte Asche! Ich wette, mein Aufschrei war noch in Tar Valon zu h�ren!�</p><p>Faile st�hnte und stellte sich die Szene vor. Der Schrei, den sie geh�rt hatte, war ein Schrei der �berraschung gewesen, und er hatte das B�renwesen zum Angriff gereizt.</p><p>Nun, dieser Augenblick war vorbei. Sie klammerte sich mit den Knien an Bela fest und trieb das Pferd an. Voraus galoppierte Aravine zwischen den Trollocs und eilte auf die Stelle zu, wo der Steilhang weniger absch�ssig wurde. Sie br�llte den Trollocs wild zu, ihr zu helfen. Aber die dahinjagenden Pferde waren schneller als jeder Tiermensch.</p><p>Demandred. Aravine hatte verk�ndet, das Horn einem der Verlorenen zu bringen. Faile st�hnte leise, beugte sich noch weiter vor, und wunderbarerweise lie� Bela Vanin und Harnan hinter sich zur�ck. Sie fragte sich nicht, wo die beiden ihre Pferde herhatten. Sie richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Schattenfreundin.</p><p>Im Lager ert�nte ein Schrei. Vanin und Harnan rissen ihre Pferde herum, um Reiter abzufangen, die auf Faile zuhielten. Sie lenkte Bela zur Seite, dr�ngte sie, �ber einen Ausr�stungsstapel zu springen, und ritt mitten durch eine Gruppe von Leuten in seltsamer Kleidung, die an einem kleinen Feuer etwas a�en. Sie br�llten ihr mit schweren Akzenten etwas hinterher.</p><p>Zoll f�r Zoll n�herte sie sich Aravine. Bela keuchte und schnaufte, Schwei� befleckte ihr Fell. Die saldaeanische Kavallerie geh�rte zu den besten im Land, und Faile kannte sich mit Pferden aus. Sie hatte alle Rassen geritten. In diesen Minuten auf dem Schlachtfeld w�re sie mit Bela gegen das beste tairenische Rennpferd angetreten. Die zottelige Stute, die keiner bemerkenswerten Zucht entstammte, bewegte sich wie ein Champion.</p><p>Den Rhythmus der Hufschl�ge unter ihr sp�rend, lie� Faile ein Messer aus dem �rmel gleiten. Sie trieb Bela an, �ber eine kleine Bodensenke zu springen, und als sie einen winzigen Moment in der Luft hingen, berechnete sie Wind, Landung und den Augenblick. Sie riss den Arm zur�ck und schleuderte das Messer durch die Luft, unmittelbar bevor Belas Hufe wieder auf dem Boden aufkamen.</p><p>Das Messer traf genau und bohrte sich in Aravines R�cken. Die Frau kippte aus dem Sattel und schlug auf dem Boden auf, der Beutel rutschte aus ihrem Griff.</p><p>Faile sprang von Belas R�cken und kam rutschend neben dem Beutel zu stehen. Sie l�ste den Knoten und sah das funkelnde Horn darin.</p><p>�Es�� tut�� mir leid�, fl�sterte Aravine und rollte sich auf die Seite. Ihre Beine bewegten sich nicht. �Sagt Alvin nicht, was ich tat. Er hat�� einen so schrecklichen Geschmack�� bei Frauen���</p><p>Faile richtete sich auf, dann sah sie mitleidig nach unten. �Betet, dass der Sch�pfer Eure Seele aufnimmt, Aravine�, sagte sie und schwang sich wieder auf Belas R�cken. �Denn wenn er das nicht tut, wird sie sich der Dunkle K�nig holen. Ich �berlasse Euch ihm.� Sie trieb Bela an.</p><p>Voraus trieben sich noch mehr Trollocs herum, und sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf sie. Sie br�llten etwas, und mehrere Myrddraal glitten herbei und zeigten auf Faile. Sie fingen an, sich um sie herum zu verteilen und ihr den Weg abzuschneiden.</p><p>Grimmig biss sie die Z�hne zusammen und lenkte Bela zur�ck in die Richtung, aus der sie gekommen war, hoffte, Harnan, Vanin oder sonst jemanden zu treffen, der ihr helfen w�rde.</p><p>Im Lager herrschte fieberhafte Aktivit�t, und Faile entdeckte Reiter, die hinter ihr herjagten und riefen: �Sie hat das Horn von Valere!�</p><p>Irgendwo auf diesem Plateau k�mpften Mat Cauthons Truppen mit dem Schatten. So nahe dran!</p><p>Ein Pfeil bohrte sich neben ihr in den Boden, dem weitere folgten. Faile erreichte die Gefangenenk�fige, um die nun Leichen lagen. Bela keuchte, vermutlich am Ende ihrer Kr�fte. Faile entdeckte ein anderes Pferd in der N�he, einen gesattelten braunen Wallach, der einen gefallenen Soldaten zu seinen F��en anstie�.</p><p>Faile verlangsamte das Tempo. Was sollte sie nur tun? Die Pferde wechseln, aber was dann? Sie warf einen Blick �ber die Schulter und duckte sich, als ein weiterer Pfeil �ber sie hinwegflog. Sie hatte etwa ein Dutzend sharanische Reiter hinter sich, die mit kleinen Eisenringen ben�hte W�mser trugen. Hunderte von Trollocs folgten ihnen.</p><p><emphasis>Selbst mit einem frischen Pferd kann ich ihnen nicht entkommen.</emphasis> Sie lenkte Bela hinter einen Nachschubkarren in Deckung und sprang von ihr, um zu dem anderen Pferd zu rennen.</p><p>�Lady Faile?�, fragte eine piepsige Stimme.</p><p>Faile schaute nach unten. Olver kauerte unter dem Wagen und klammerte sich an sein Messer.</p><p>Die Reiter hatten sie fast erreicht. Faile hatte keine Zeit mehr zum Nachdenken. Sie riss das Horn aus dem Beutel und dr�ckte es Olver in die H�nde. �Nimm das�, stie� sie hervor. �Versteck dich. Bring es sp�ter zu Mat Cauthon.�</p><p>�Ihr lasst mich zur�ck?�, fragte Olver. �Ganz allein?�</p><p>�Ich muss�, sagte sie, stopfte mit pochendem Herzen ein paar Pfeilb�ndel in den Beutel. �Sobald diese Reiter vorbei sind, w�hlst du dir ein anderes Versteck! Sie werden zur�ckkommen und alles durchsuchen, wo ich war, nachdem���</p><p><emphasis>Nachdem sie mich erwischen.</emphasis></p><p>Sie w�rde sich selbst umbringen m�ssen, damit sie nicht unter Folterqualen verriet, was sie mit dem Horn gemacht hatte. Sie packte Olver am Arm. �Es tut mir so leid, dir das aufzub�rden, Kleiner. Aber es ist kein anderer da. Du hast das vorhin so gut gemacht; das schaffst du auch. Bring Mat das Horn, oder alles ist verloren.�</p><p>Sie rannte ins Freie, hielt den Beutel deutlich sichtbar in der Hand. Einige der seltsam gekleideten Fremden entdeckten sie und zeigten auf sie. Sie hob den Beutel und stieg in den Sattel des Wallachs, dann trieb sie ihn zum Galopp an.</p><p>Trollocs und Schattenfreunde folgten ihr und lie�en den kleinen Jungen und seine schwere Last mitten im Trolloc-Lager unter dem Karren kauernd zur�ck.</p><empty-line/><p>Logain drehte die d�nne Scheibe um. Schwarz und wei�, geteilt durch eine Schlangenlinie. Angeblich aus <emphasis>Cuendillar</emphasis>. Die Flocken, die der Druck seiner Finger l�ste, schienen seine ewig w�hrende Natur zu verspotten.</p><p>�Warum hat Taim sie nicht zerbrochen?�, fragte er. �Er h�tte es tun k�nnen. Sie sind so br�chig wie altes Leder.�</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte Androl und blickte seine Gruppe an. �Vielleicht ist der richtige Augenblick noch nicht gekommen.�</p><p>�Zerbrecht sie im richtigen Augenblick, und es wird dem Drachen helfen�, sagte der Mann, der sich Emarin nannte. Er klang besorgt. �Zerbrecht sie im falschen Augenblick�� und dann passiert was?�</p><p>�Ich vermute nichts Gutes�, meinte Pevara. Eine Rote.</p><p>W�rde er sich jemals an jenen r�chen k�nnen, die ihn ged�mpft hatten? Einst hatte ihn allein dieser Hass �berleben lassen. Jetzt gab es da einen neuen Hunger in ihm. Er hatte Aes Sedai besiegt, hatte ihren Willen gebrochen und sie f�r sich beansprucht. Vergeltung erschien so�� sinnlos. Sein so langsam gewachsenes Verlangen, M�Hael zu t�ten, hatte etwas von dieser Leere gef�llt, aber es reichte nicht. Was gab es noch?</p><p>Einst hatte er sich Wiedergeborener Drache genannt. Einst hatte er sich darauf vorbereitet, die Welt zu beherrschen. Sie niederknien zu lassen. Er strich �ber das Siegel f�r den Kerker des Dunklen K�nigs, w�hrend er am Rand der Schlacht stand. Er befand sich weit im S�dwesten, unterhalb des Moores, wo seine Asha�man ein kleines Basislager unterhielten. In der Ferne grollte Donner�� explodierende Gewebe, die zwischen Aes Sedai und Sharanern gewechselt wurden.</p><p>Dort hatte eine gro�e Anzahl seiner Asha�man gek�mpft, aber die sharanischen Machtlenker waren Aes Sedai und Asha�man zusammengenommen zahlenm��ig weit �berlegen. Andere strichen �ber die Schlachtfelder, jagten Schattenlords und t�teten sie.</p><p>Er hatte schneller M�nner verloren als der Schatten. Es gab zu viele Feinde.</p><p>Er hielt das Siegel in die H�he. Es verk�rperte Macht. Die Macht, um die Schwarze Burg irgendwie zu besch�tzen? <emphasis>Wenn sie uns nicht f�rchten,</emphasis> mich <emphasis>f�rchten, was geschieht dann mit uns, sobald der Drache tot ist?</emphasis></p><p>Unzufriedenheit str�mte durch den Bund. Er erwiderte Gabrelles Blick. Sie hatte die Schlacht verfolgt, aber jetzt musterte sie ihn. Fragte ihn. Drohte ihm?</p><p>Hatte er wirklich geglaubt, er h�tte die Aes Sedai gez�hmt? Eigentlich h�tte er bei der Vorstellung lachen sollen. Keine Aes Sedai konnte gez�hmt werden, niemals.</p><p>Logain steckte das Siegel und seine Gef�hrten betont langsam in die Tasche an seinem G�rtel. Er knotete sie zu, erwiderte Gabrelles Blick. Ihre Sorge schoss in die H�he. Einen Augenblick lang hatte er den Eindruck gehabt, dass sie um <emphasis>ihn</emphasis> besorgt war und nicht wegen dem, was er vielleicht tat.</p><p>Vielleicht lernte sie ja, wie man den Beh�terbund �berlistete, wie man Gef�hle schickte, von denen sie glaubte, dass sie ihn einlullen w�rden. Nein, Aes Sedai konnte man nicht z�hmen. Ihnen den Bund aufzuerlegen hatte sie nicht unter Kontrolle gebracht. Es hatte nur f�r neue Komplikationen gesorgt.</p><p>Er griff an den hohen Kragen, nahm die Drachennadel ab, die er dort trug, und hielt sie Androl hin. �Androl Genhald, Ihr seid in die Grube des Todes gegangen und zur�ckgekehrt. Nun stehe ich zweifach in Eurer Schuld. Ich ernenne Euch hiermit zum vollwertigen Asha�man. Tragt die Nadel mit Stolz.� Er hatte dem Mann bereits seinen Schwertanstecker zur�ckgegeben und ihn wieder zum Geweihten gemacht.</p><p>Androl z�gerte, dann streckte er die Hand aus und nahm die Nadel and�chtig in Empfang.</p><p>�Und die Siegel?�, fragte Pevara mit verschr�nkten Armen. �Sie geh�ren der Wei�en Burg; die Amyrlin ist ihre W�chterin.�</p><p>�Nach allem, was ich geh�rt habe, ist die Amyrlin so gut wie tot�, erwiderte Logain. �In ihrer Abwesenheit bin ich ein guter Verwalter.� Er ergriff die Quelle, unterwarf sie seinem Willen. Dann �ffnete er ein Wegetor auf das Plateau.</p><p>Der Krieg prallte ihm mit voller Macht entgegen, die Verwirrung, der Rauch und die Schreie. Er trat durch die �ffnung, und die anderen folgten ihm. Demandreds energisches Machtlenken strahlte wie ein Leuchtfeuer, die dr�hnende Stimme des Mannes verh�hnte noch immer den Wiedergeborenen Drachen.</p><p>Rand al�Thor war nicht hier. Nun, Logain kam ihm am n�chsten. Ein weiterer Ersatz. �Ich werde mit ihm k�mpfen�, teilte er den anderen mit. �Gabrelle, du bleibst zur�ck und wartest auf meine R�ckkehr, denn ich k�nnte Heilung brauchen. Der Rest von euch k�mmert sich um Taims M�nner und diese Sharaner. Lasst keinen Mann leben, der zum Schatten �bergelaufen ist, ob nun freiwillig oder gezwungen. F�hrt die einen der Gerechtigkeit zu und die anderen der Gnade.�</p><p>Sie nickten. Gabrelle schien von ihm beeindruckt zu sein, vielleicht wegen seiner Entscheidung, gegen das Herz des Feindes loszuschlagen. Sie begriff es nicht. Nicht einmal einer der Verlorenen konnte so m�chtig sein, wie es Demandred scheinbar war.</p><p>Demandred verf�gte �ber ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis>, und zwar ein m�chtiges. Mit einer �hnlichen Macht wie <emphasis>Callandor</emphasis>, vielleicht sogar noch st�rker. In Logains H�nden w�rden sich damit auf dieser Welt viele Dinge �ndern. Die Welt w�rde ihn und die Schwarze Burg kennen, und sie w�rde vor ihm zittern, und zwar auf eine Weise, wie es der Amyrlin-Sitz niemals zustande gebracht hatte.</p><empty-line/><p>Egwene f�hrte einen Angriff an, wie man ihn seit Jahrtausenden nicht mehr gesehen hatte. Die Aes Sedai verlie�en ihre Deckung und schlossen sich ihr an, stiegen ohne innezuhalten den Westhang hinauf. Gewebe flogen durch die Luft wie vom Sturmwind erfasste Spitzenschleifen.</p><p>Das Licht von tausend Blitzen sprengte den Himmel, der Boden erbebte und �chzte unter den Einschl�gen. Demandred schlug noch immer von der anderen Seite der Anh�he auf die Andoraner ein, und jeder Strahl Baalsfeuer schickte kleine Wellen durch die Luft. Schwarze Spinnweben spalteten den Boden, aber nun stiegen aus den Rissen rankenf�rmige Schwaden aus etwas Verderblichem empor. Es kroch wie eine Krankheit �ber die zerborstenen Steine des Hangs.</p><p>Die Macht knisterte in der Luft, die Kraft war so dicht, dass Egwene beinahe glaubte, die Eine Macht w�re f�r alle sichtbar geworden. W�hrend der ganzen Zeit zog sie durch Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> so viel Kraft in sich hinein, wie sie halten konnte. Sie f�hlte sich wie bei dem Kampf gegen die Seanchaner, nur dass sie eine gr��ere Kontrolle hatte. Damals war ihr Zorn von Verzweiflung und Entsetzen durchmischt gewesen.</p><p>Dieses Mal war er gl�hend hei�, wie ein St�ck Metall, das der Schmied zu lange erhitzt hatte, um es noch bearbeiten zu k�nnen.</p><p>Ihr, Egwene al�Vere, war der Schutz dieses Landes anvertraut worden.</p><p>Sie war der Amyrlin-Sitz und w�rde sich nicht l�nger vom Schatten herumsto�en lassen.</p><p>Sie w�rde nicht zur�ckweichen. Sie w�rde nicht kriechen, wenn ihre Kr�fte versagten.</p><p>Sie w�rde k�mpfen.</p><p>Sie lenkte Luft und webte einen tosenden Sturm aus Staub, Rauch und toten Pflanzen. Sie hielt ihn vor sich und versperrte jenen den Blick, die sie aus der H�he ausmachen wollten. Um sie herum schlugen Blitze ein, aber sie webte Erde, grub tief in die Felsen und lie� verfl�ssigtes Eisen emporspritzen, das neben ihr zu einer spitzen S�ule erstarrte. Die Blitze schlugen dort ein und verfehlten sie, w�hrend sie den Wirbelsturm die Steigung hinaufschickte.</p><p>Neben ihr war eine Bewegung. Leilwin kam n�her. Diese Frau�� diese Frau hatte sich als treu erwiesen. Was f�r eine �berraschung. Eine neue Beh�terin zu haben verringerte keineswegs die Verzweiflung �ber Gawyns Tod, aber es half auf andere Weise. Ein neuer, zutiefst anderer und doch schockierend loyaler Knoten ersetzte den alten in ihrem Bewusstsein.</p><p>Egwene hob Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis> und setzte ihre Angriffe fort, erklomm den Hang, Leilwin an ihrer Seite. Voraus duckten sich Sharaner und ertrugen die Sturmwinde. Egwene traf sie mit schmalen Feuerstreifen. Machtlenker versuchten sie durch den Wirbelsturm anzugreifen, aber Staub peitschte ihnen in die Augen und lie� die Gewebe fehlschlagen. Drei Soldaten griffen von der Seite an, aber Leilwin machte sie augenblicklich nieder.</p><p>Egwene benutzte den Sturm wie H�nde, schaufelte die Machtlenker zusammen und warf sie in die Luft. Die Blitze rissen die M�nner in eine feurige Umarmung, und qualmende Leichen st�rzten den Hang hinunter. Egwene ging voraus, und ihr Heer aus Aes Sedai r�ckte vor und schleuderte Gewebe wie Pfeile aus Licht.</p><p>Asha�man gesellten sich zu ihnen. Zuvor hatten sie immer mal wieder an der Seite der Wei�en Burg gek�mpft, aber jetzt schienen sie sich alle festgelegt zu haben. Dutzende M�nner versammelten sich, w�hrend sie vorausging. Die Luft schien durch die Eine Macht zu gl�hen.</p><p>Schlagartig verstummte der Wind.</p><p>Unvermittelt erstarb der Staubsturm, als h�tte man eine Kerze mit einer Decke erstickt. Daf�r war keine nat�rliche Kraft verantwortlich. Egwene stieg auf einen aus dem Boden ragenden Stein und schaute zu einem Mann in Schwarz und Rot hinauf, der mit ausgestreckter Hand oben am Hang stand. Endlich hatte sie den Mann aus der Deckung gelockt, der diese Streitmacht anf�hrte. Seine Schattenlords k�mpften an der Seite der Sharaner, aber sie suchte ihren Anf�hrer. Taim. M�Hael.</p><p>�Er webt Blitze!�, schrie ein Mann hinter ihr.</p><p>Sofort lie� Egwene eine S�ule aus geschmolzenem Eisen aus dem Boden schie�en und k�hlte sie ab, damit sie den einen Augenblick sp�ter einschlagenden Blitz ablenken konnte. Sie warf einen Blick zur Seite. Der Mann, der sie gewarnt hatte, war Jahar Narishma, Merises Asha�man-Beh�ter.</p><p>Egwene l�chelte und blickte zu Taim hoch. �Haltet die anderen von mir fern�, befahl sie laut. �Alle bis auf Narishma und Merise. Narishmas Warnungen werden sich als n�tzlich erweisen.�</p><p>Sie sammelte ihre Kraft und schleuderte dem Verr�ter M�Hael einen Sturm entgegen.</p><empty-line/><p>Auf dem Schlachtfeld unweit der Ruinen suchte sich Ila einen Weg vorbei an den Toten. Obwohl sich der Kampf flussabw�rts verlagert hatte, h�rte sie die Explosionen und fernen Schreie in der Nacht.</p><p>Sie suchte nach den Verletzten unter den Gefallenen und ignorierte Pfeile und Schwerter, wenn sie sie fand. Die w�rden andere einsammeln, auch wenn sie sich w�nschte, dass das nicht n�tig sein w�rde. Schwerter und Pfeile hatten so viel Tod gebracht.</p><p>In der N�he war Raen zugange, ihr Mann. Er stie� jeden K�rper an, dann suchte er nach einem Herzschlag. Seine Handschuhe waren mit roten Flecken �bers�t, seine bunte Kleidung voller Blut, weil er das Ohr auf die Brust der Gefallenen legte. Sobald sie sich vergewissert hatten, dass jemand tot war, malten sie ihm ein X auf die Wange, oft mit dem Blut des betreffenden Leichnams. Das w�rde den anderen unn�tige Arbeit ersparen.</p><p>Raen schien im vergangenen Jahr ein Jahrzehnt gealtert zu sein, und Ila hatte das gleiche Gef�hl. Meistens war der Weg des Blattes ein anspruchsloser Herr, der f�r ein Leben der Freude und des Friedens sorgte. Aber ein Blatt fiel in einer sanften Brise und im Sturm; die Hingabe verlangte, dass man Letzteres genau wie das Erstere akzeptierte. Von einem Land ins n�chste getrieben zu werden, an Hunger zu leiden, w�hrend das Land starb, dann schlie�lich in den L�ndern der Seanchaner Zuflucht zu finden�� das war ihr Leben gewesen.</p><p>Nichts davon war so schlimm wie der Verlust Arams. Das hatte viel mehr geschmerzt, als seine Mutter an die Trollocs zu verlieren.</p><p>Sie kamen an Morgase vorbei, der einstigen K�nigin, die diese Arbeiter organisierte und ihnen Befehle gab. Ila ging weiter. Sie hatte nicht viel f�r K�niginnen �brig. Sie hatten nie etwas f�r sie oder ihr Volk getan.</p><p>In der N�he blieb Raen stehen und hob die Laterne, um einen vollen K�cher Pfeile zu untersuchen, den ein Soldat getragen hatte, als er gefallen war. Ila zischte und hob die R�cke, um �ber Leichen zu steigen und an die Seite ihres Mannes zu gelangen. �Raen!�</p><p>�Friede, Ila�, sagte er. �Ich habe keineswegs vor, ihn aufzuheben. Und doch macht es mich nachdenklich.� Er schaute zu den fernen Lichtblitzen flussabw�rts und auf dem Plateau, wo die Heere ihr schreckliches Morden fortsetzten. So oft leuchtete es in der Nacht auf, als w�rden Hunderte Blitze einschlagen. Mitternacht war lange vorbei. Schon seit Stunden suchten sie auf diesem Feld nach �berlebenden.</p><p>�Es macht dich nachdenklich?�, fragte Ila. �Raen���</p><p>�Was sollten sie denn machen? Trollocs werden sich nicht dem Weg des Blattes anschlie�en.�</p><p>�Es gibt noch genug Platz zum Weglaufen�, erwiderte Ila. �Sieh sie dir doch an. Sie traten an, um den Trollocs entgegenzutreten, als das Schattengez�cht kaum die F�ule verlassen hatte. W�re dieser ganze Aufwand darauf verwendet worden, die Menschen zu versammeln und in den S�den zu bringen���</p><p>�Die Trollocs w�ren ihnen gefolgt�, meinte Raen. �Und was dann, Ila?�</p><p>�Wir haben vielen Herren gedient�, sagte sie. �Der Schatten h�tte uns vermutlich schlecht behandelt, aber w�re das wirklich so viel schlimmer gewesen, als uns die Menschen behandeln?�</p><p>�Ja�, sagte Raen leise. �Ja, Ila. Es w�re schlimmer. Viel, viel schlimmer.�</p><p>Sie blickte ihn an.</p><p>Seufzend sch�ttelte er den Kopf. �Ich werde den Weg des Blattes nicht aufgeben, Ila. Es ist mein Weg, und er ist richtig f�r mich. Aber�� vielleicht werde ich nicht mehr ganz so schlecht �ber jene denken, die sich einem anderen Weg verschworen haben. Falls wir diese Zeit �berleben, dann ist das das Verm�chtnis all jener, die auf diesem Schlachtfeld gestorben sind, ob wir ihr Opfer nun guthei�en oder nicht.�</p><p>Er verstummte. <emphasis>Das ist blo� die Finsternis dieser Nacht,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Sobald die Sonne wieder scheint, wird er sie �berwinden. So wird es sein. Nicht wahr?</emphasis></p><p>Sie schaute in den Nachthimmel. Diese Sonne�� W�rden sie sie erkennen, wenn sie wieder aufging? Die von den Feuern am Boden beleuchteten Wolken schienen zusehends dichter zu werden. Ila zog das gelbe Schultertuch enger um den K�rper, weil sie pl�tzlich noch mehr fror.</p><p><emphasis>Vielleicht werde ich nicht mehr ganz so schlecht �ber jene denken, die sich einem anderen Weg verschworen haben��</emphasis></p><p>Sie blinzelte ein paar Tr�nen fort. �Beim Licht�, fl�sterte sie, als sich etwas in ihr zusammenzog. �Ich h�tte ihm nicht den R�cken zukehren sollen. Ich h�tte ihm helfen sollen, zu uns zur�ckzukehren, statt ihn zu versto�en. Licht, o Licht. Nimm ihn in dich auf���</p><p>In der N�he fand eine Gruppe S�ldner die Pfeile und nahm sie. �Hey, Hanlon!�, rief einer. �Seht Euch das an!�</p><p>Als die brutalen M�nner die Tuatha�an zuerst in ihrer Arbeit unterst�tzt hatten, war sie stolz auf sie gewesen. Der Schlacht fernzubleiben, um bei der Versorgung der Verwundeten zu helfen? Die M�nner hatten �ber ihre gewaltt�tige Vergangenheit hinausgesehen.</p><p>Jetzt blinzelte sie und sah etwas anderes in ihnen. Feiglinge, die eher die Taschen von Leichen durchst�berten, als zu k�mpfen. Was war schlimmer? Die M�nner, die, so fehlgeleitet sie auch sein mochten, den Trollocs Widerstand leisteten und sie abzuwehren versuchten? Oder diese S�ldner, die sich zu k�mpfen weigerten, weil sie diesen Weg bequemer fanden?</p><p>Ila sch�ttelte den Kopf. Sie war stets der Ansicht gewesen, alle Antworten des Lebens zu kennen. Heute entglitten ihr die meisten davon. Aber das Leben eines Menschen zu retten�� daran konnte sie sich festklammern.</p><p>Sie ging weiter und suchte nach den Lebenden unter den Toten.</p><empty-line/><p>Olver dr�ckte das Horn fest an den Leib und kroch zur�ck unter den Wagen, w�hrend Lady Faile losritt. Dutzende Reiter folgten ihr und Hunderte von Trollocs. Es war so dunkel geworden.</p><p>Allein. Wieder hatte man ihn alleingelassen.</p><p>Er kniff fest die Augen zusammen, aber das richtete nicht viel aus. In der Ferne konnte er noch immer M�nner schreien und rufen h�ren. Er roch noch immer das Blut der Gefangenen, die bei ihrem Fluchtversuch vom Schattengez�cht get�tet worden waren. �ber dem Blut lag dichter Rauch, der im Hals kratzte. Als st�nde die ganze Welt in Flammen.</p><p>Der Boden erbebte, als w�re in der N�he etwas au�erordentlich Schweres eingeschlagen. Donner grollte am Himmel, begleitet von scharfen Peitschenschl�gen, als unaufh�rlich Blitze auf der Anh�he einschlugen. Olver wimmerte.</p><p>F�r wie tapfer hatte er sich doch gehalten. Und jetzt hockte er hier, endlich mitten in der Schlacht. Und konnte kaum seine H�nde am Zittern hindern. Verstecken wollte er sich, sich tief im Boden eingraben.</p><p>Faile hatte ihm befohlen, ein anderes Versteck zu finden, weil sie auf der Suche nach dem Horn vermutlich zur�ckkehren w�rden.</p><p>Wagte er es, diesen Ort zu verlassen? Wagte er es hierzubleiben? M�hsam �ffnete er die Augen einen Spaltbreit und h�tte beinahe aufgeschrien. Zwei Beine, die in Hufen endeten, standen vor dem Karren. Im n�chsten Augenblick beugte sich ein Gesicht mit einer Schnauze herab und starrte ihn an, Knopfaugen verengten sich, N�stern bl�hten sich.</p><p>Olver schrie auf, robbte mit fest umklammertem Horn r�ckw�rts. Der Trolloc schrie etwas, stie� den Karren um und schleuderte ihn um ein Haar auf Olver. Die Pfeilladung verteilte sich �ber den ganzen Boden, w�hrend er auf die Beine kam und losrannte. Zu einem sicheren Ort.</p><p>Den gab es aber nicht. Dutzende Tiermenschen wandten sich ihm zu, und sie riefen sich etwas in einer unbekannten Sprache zu. Hektisch schaute er sich um, das Horn in der einen, das Messer in der anderen Hand. Kein Zufluchtsort.</p><p>In der N�he schnaubte ein Pferd. Es war Bela, die Getreide kaute, das aus einem Nachschubkarren gerieselt war. Die Stute hob den Kopf und sah Olver an. Sie trug keinen Sattel, blo� Halfter und Zaumzeug.</p><p><emphasis>Blut und Asche,</emphasis> dachte Olver und rannte auf sie zu, <emphasis>ich w�nschte, ich h�tte Wind.</emphasis> Diese fette Stute w�rde ihn mit Sicherheit in einem Kochtopf enden lassen. Er schob das Messer in die Scheide, sprang auf Belas R�cken, packte mit einer Hand die Z�gel und dr�ckte mit der anderen das Horn fest an sich.</p><p>Der Trolloc mit der Eberschnauze vom Wagen schlug mit seinem Schwert zu und trennte Olver um ein Haar den Arm ab. Olver schrie auf, trieb Bela an, und die Stute galoppierte los. Die Bestien rannten br�llend hinterher. Im ganzen Lager ert�nten Rufe; es leerte sich beinahe, als sich alle auf den Jungen st�rzten.</p><p>Olver ritt, wie man es ihm beigebracht hatte, den Kopf gesenkt, mit den Knien lenkend. Und Bela rannte. Beim Licht, und wie sie <emphasis>rannte</emphasis>! Mat hatte gesagt, dass sich viele Pferde vor Trollocs f�rchteten und ihre Reiter abwarfen, falls man sie in ihre N�he zwang, aber dieses Tier nicht. Es donnerte direkt an den heulenden Trollocs vorbei durch die Lagermitte.</p><p>Olver warf einen Blick �ber die Schulter. Hunderte Bestien verfolgten ihn. �O beim Licht!�</p><p>Er hatte Mats Banner oben auf dieser Anh�he gesehen, da war er sich sicher. Aber es stand so viel Schattengez�cht im Weg. Olver lenkte Bela in die Richtung, die Aravine eingeschlagen hatte. Vielleicht konnte er das Lager der Tiermenschen umrunden und auf diesem Weg davonkommen, um die Anh�he dann von der R�ckseite hochzureiten.</p><p><emphasis>Bring Mat das Horn, oder alles ist verloren.</emphasis></p><p>Olver ritt, so gut er konnte, feuerte Bela an.</p><p><emphasis>Es ist kein anderer da.</emphasis></p><p>Eine gro�e Gruppe Trollocs schnitt ihm den Weg ab. Olver wendete und galoppierte zur�ck, aber aus dieser Richtung kamen sie auch. Olver schrie auf, drehte Bela erneut, aber ein dicker schwarzer Trolloc-Pfeil bohrte sich in ihre Flanke. Sie wieherte laut, stolperte, st�rzte.</p><p>Olver landete am Boden, und der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen und lie� ihn Sterne sehen. Er zwang sich, auf H�nden und Knien weiterzukriechen.</p><p><emphasis>Das Horn</emphasis> muss <emphasis>Matrim Cauthon erreichen��</emphasis></p><p>Olver umklammerte das Horn und stellte fest, dass er weinte. �Es tut mir leid�, sagte er zu Bela. �Du warst ein gutes Pferd. Du bist gelaufen, wie es Wind nie geschafft h�tte. Es tut mir leid.� Sie wieherte leise, nahm einen letzten Atemzug und starb.</p><p>Er lie� sie zur�ck und rannte zwischen den Beinen des ersten Trollocs hindurch, der eintraf. Er konnte nicht gegen sie k�mpfen. Das war ihm klar. Er lie� das Messer in der Scheide stecken. Er rannte einfach den steilen Hang hinauf und versuchte das Plateau zu erreichen, wo er Mats Flagge hatte fallen sehen.</p><p>Genauso gut h�tte es auf einem anderen Kontinent sein k�nnen. Ein Trolloc schnappte seine Kleidung und zog ihn zur�ck, aber Olver riss sich frei, lie� einen Fetzen Stoff in seinen harten Krallen zur�ck. Er stolperte �ber umgepfl�gten Boden und entdeckte von Verzweiflung erf�llt eine kleine �ffnung in einer Felsnase am Fu� des Hanges. Die Spalte �ffnete sich in den schwarzen Himmel.</p><p>Er st�rzte darauf zu, quetschte sich hinein und klammerte das Horn fest. Er passte kaum hinein. Trollocs scharten sich um die Spalte, dann griffen sie von oben und unten nach ihm und rissen an seiner Kleidung.</p><p>Olver wimmerte und schloss die Augen.</p><empty-line/><p>Logain warf sich aus dem Tor, und die Gewebe der Einen Macht bildeten sich bereits vor ihm. Er griff Demandred an.</p><p>Der Mann stand am Rand des qualmenden Hanges, der auf das ausgetrocknete Flussbett und die nachgebenden andoranischen Pikenformationen hinausschaute. Dort k�mpften auch Aiel, Cairhiener und die Legion des Drachen, und sie alle schwebten in Gefahr, eingekreist zu werden.</p><p>Die Piken waren mittlerweile so gut wie zerschmettert. Bald w�rde das Massaker beginnen.</p><p>Logain schleuderte zwei Feuers�ulen auf Demandred, aber Sharaner warfen sich dazwischen und hielten den Angriff auf. Fleisch verbrannte, Knochen verwandelten sich in Asche. Ihr Tod gab Demandred die n�tige Zeit, herumzufahren und mit einem Gewebe aus Wasser und Luft zuzuschlagen. Logains Feuerschwall verwandelte sich in Dampf und verkochte.</p><p>Logain hatte gehofft, dass der Verlorene nach so viel Machtlenken erm�det sein w�rde. Das war nicht der Fall. Ein komplexes Gewebe bildete sich vor dem Mann, wie es Logain noch nie zuvor gesehen hatte. Es bildete ein Feld, das die Luft verzerrte, und der n�chste Angriff prallte davon ab wie ein auf eine Ziegelwand geworfener Stock.</p><p>Logain sprang zur Seite, als ein Blitz vom Himmel raste. Steinsplitter prasselten auf ihn, w�hrend er Geist, Feuer und Erde webte und auf den seltsamen Wall einschlug. Er riss ihn herunter, dann schleuderte er Steintr�mmer vom Boden, um das sofort folgende Feuer abzuwehren.</p><p><emphasis>Ein Ablenkungsman�ver!</emphasis> Logain erkannte, dass Demandred hinter dem Feuer etwas viel Aufwendigeres gewebt hatte. Ein Wegetor �ffnete sich und raste �ber den Boden, ein rot strahlender Rachen. Logain warf sich zur Seite, als das Todestor an ihm vorbeiglitt und dabei eine Spur gl�hender Lava hinterlie�.</p><p>Demandreds n�chster Angriff war ein Luftsto�, der Logain in die Richtung der Lava schleuderte. Verzweifelt webte er Wasser, um das geschmolzene Gestein abzuk�hlen. Er landete mit der Schulter voran und st�rzte durch eine Dampfwolke, die seine Haut verbr�hte, aber er hatte die Lava genug gek�hlt, dass sich eine Kruste auf dem noch immer flie�enden Strom gebildet hatte. Mit angehaltener Luft, um nichts von dem Dampf einzuatmen, warf er sich auf die andere Seite, w�hrend eine Reihe Blitze den Boden pulverisierte, auf dem er sich gerade eben noch befunden hatte.</p><p>Die Blitze zerschmetterten die Kruste und landeten in dem rot gl�henden Gestein. Lavatropfen spritzten auf Logain und brannten L�cher in seine Arme und sein Gesicht. Er schrie auf und webte durch seinen Zorn hindurch, um Blitze auf seinen Feind herabregnen zu lassen.</p><p>Ein Schnitt aus Geist, Erde und Feuer durchtrennte seine Gewebe in der Luft. Demandred war so unglaublich <emphasis>stark</emphasis>. Das <emphasis>Sa�angreal</emphasis> war unfassbar.</p><p>Der n�chste Blitz blendete Logain und warf ihn zur�ck. Er landete in zersplittertem Schiefer, und die spitzen Steine bohrten sich in seine Haut.</p><p>�Du bist m�chtig�, sagte Demandred. Logain konnte die Worte kaum verstehen. Seine Ohren�� der Donner�� �Aber du bist nicht Lews Therin.�</p><p>Logain knurrte, webte durch seine Tr�nen, schleuderte Blitze auf den Verlorenen. Er webte zweimal, und obwohl Demandred den einen Blitz aus der Luft holte, traf der andere sein Ziel.</p><p>Aber�� was war das f�r ein Gewebe? Wieder war es Logain unbekannt. Der Blitz traf Demandred, verschwand aber abgelenkt im Boden und l�ste sich auf. Ein ganz einfaches Gewebe aus Luft und Erde, aber es machte den Blitz wirkungslos.</p><p>Eine Abschirmung schob sich zwischen Logain und die Quelle. Mit seinen verletzten Augen schaute er zu, wie Baalsfeuer in Demandreds H�nden aufflammte. Mit einem w�tenden Fauchen griff er blindlings nach einem St�ck Schiefer von der Gr��e seiner Faust und schleuderte es auf den Verlorenen.</p><p>�berraschenderweise traf der Stein und riss Haut auf, lie� Demandred zur�cktaumeln. Der Verlorene war m�chtig, aber er konnte noch immer die Fehler gew�hnlicher Menschen machen. Niemals die ganze Aufmerksamkeit auf die Eine Macht richten, ganz egal, was Taim immer gepredigt hatte. Der Augenblick der Ablenkung reichte, dass die Abschirmung zwischen Logain und der Quelle verschwand.</p><p>Logain rollte sich herum und setzte zu zwei verschiedenen Geweben an. Das eine war eine Abschirmung, die er gar nicht benutzen wollte. Das andere war ein verzweifeltes letztes Wegetor. Die Wahl eines Feiglings.</p><p>Demandred knurrte, hob eine Hand zum Gesicht und schlug mit der Macht zu. Er entschied sich, die Abschirmung zu vernichten, denn sie stellte das gr��ere Risiko dar. Das Wegetor �ffnete sich, und Logain rollte sich hindurch und lie� es zuschnellen. Auf der anderen Seite brach er zusammen; seine Haut war verbr�ht, seine Arme voller L�cher, seine Ohren dr�hnten, und seine Sehkraft war so gut wie zerst�rt.</p><p>Er zwang sich dazu, sich aufzurichten, kehrte zur�ck ins Lager der Asha�man unterhalb des Moores, wo Gabrelle und die anderen auf seine R�ckkehr warteten. Er heulte vor Wut. Gabrelles Sorge str�mte durch den Bund. Echte Sorge. Er hatte sich das nicht eingebildet. Beim Licht.</p><p>�Ruhig�, sagte sie und kniete neben ihm nieder. �Du Narr. Was hast du getan?�</p><p>�Ich habe versagt�, sagte er. Undeutlich nahm er wahr, wie Demandred wieder mit seiner Macht zuschlug, w�hrend er nach Lew Therin br�llte. �Heilt mich.�</p><p>�Du wirst das doch nicht noch einmal versuchen, oder? Ich will dich nicht Heilen, nur damit du���</p><p>�Ich versuche es nicht erneut�, sagte Logain mit rauer Stimme. Die Schmerzen waren entsetzlich, aber sie verblassten im Vergleich zu der Dem�tigung der Niederlage. �Das werde ich nicht, Gabrelle. H�r auf, meine Worte in Zweifel zu ziehen. Er ist zu stark.�</p><p>�Einige dieser Verbrennungen sind schlimm, Logain. Diese L�cher in deiner Haut, ich wei� nicht, ob ich sie v�llig Heilen kann. Du wirst Narben zur�ckbehalten.�</p><p>�Das macht nichts�, knurrte er. Dort war Lava auf seinen Arm und seine Wange gespritzt.</p><p><emphasis>Licht,</emphasis> dachte er. <emphasis>Was sollen wir nur mit diesem Ungeheuer machen?</emphasis></p><p>Gabrelle legte ihm die H�nde auf, und die Heilgewebe str�mten in seinen K�rper.</p><empty-line/><p>Das Get�se des Kampfes von Egwene und M�Hael drohte das Donnern der Wolken �ber ihnen zu �bert�nen. M�Hael. Ein neuer Verlorener, dessen Name von seinen Schattenlords auf dem ganzen Schlachtfeld verk�ndet worden war.</p><p>Egwene webte, ohne nachzudenken, schleuderte ein Gewebe nach dem anderen auf den abtr�nnigen Asha�man. Sie hatte den Wind nicht gerufen, aber er brauste noch immer, riss an ihrem Haar und ihrem Gewand, ergriff die Stola und wirbelte sie umher. Narishma und Merise kauerten zusammen mit Leilwin neben ihr auf dem Boden. Narishmas im Schlachtenl�rm kaum verst�ndliche Stimme benannte Gewebe, als M�Hael sie erschuf.</p><p>Nach ihrem Aufstieg stand Egwene oben auf dem Plateau, auf gleicher H�he mit M�Hael. Irgendwo tief in ihrem Inneren wusste sie, dass ihr K�rper bald Ruhe brauchen w�rde.</p><p>Im Augenblick war das ein unerschwinglicher Luxus. Im Augenblick war allein der Kampf wichtig.</p><p>Feuer blitzte ihr entgegen, und sie schlug es mit Luft zur Seite. Die Funken fingen sich im Wind und wirbelten in einer hellen Wolke um sie herum, w�hrend sie Erde webte. Sie schickte ein Aufb�umen durch den bereits zerst�rten Boden und versuchte M�Hael von den Beinen zu holen, aber er zerschnitt das Gewebe.</p><p><emphasis>Er wird langsamer,</emphasis> dachte sie.</p><p>Egwene trat vor Macht berstend vor. Sie webte zwei Gewebe, eines �ber jeder Hand, und schleuderte Feuer auf ihn.</p><p>Als Erwiderung schickte er einen Strahl aus purem Wei�, so d�nn wie ein Draht, der sie um eine Handbreite verfehlte. Das Baalsfeuer hinterlie� ein Nachgl�hen in ihrem Sichtfeld, und der Boden unter ihnen <emphasis>st�hnte auf</emphasis>, w�hrend sich die Luft verzerrte. �berall breiteten sich blitzschnell die Spinnweben aus, Br�che ins Nichts.</p><p>�Du Narr!�, schrie sie ihn an. �Du wirst das Muster selbst vernichten!� Ihr Kampf drohte das bereits an. Dieser Wind war nicht nat�rlich, genauso wenig wie die knisternde Luft. Die Spalten im Boden pflanzten sich von M�Hael aus fort und wurden gr��er.</p><p>�Er webt es schon wieder!�, rief Narishma. Der Sturm erfasste seine Stimme.</p><p>M�Hael schickte erneut Baalsfeuer auf den Weg und spaltete den Boden, aber Egwene war bereit. Sie sprang zur Seite, und ihr Zorn loderte auf. Baalsfeuer. Sie musste ihm etwas entgegensetzen!</p><p><emphasis>Ihnen ist egal, was sie zerst�ren. Sie sind hier, um alles zu vernichten. Das ist der Befehl ihres Herrn. Zerst�rt. Brennt es nieder. T�tet.</emphasis></p><p><emphasis>Gawyn��</emphasis></p><p>Sie schrie ihre Wut heraus und webte eine Feuers�ule nach der anderen. Narishma rief, was M�Hael tat, aber das Rauschen in ihren Ohren hinderte Egwene daran, es zu verstehen. Aber bald sah sie, dass er eine Barriere aus Luft und Feuer errichtet hatte, um ihre Angriffe abzuwehren.</p><p>Sie setzte sich in Bewegung und deckte ihn unaufh�rlich mit Geweben ein. Das lie� ihm keine Zeit zur Erholung, keine Zeit anzugreifen. Sie hielt im Rhythmus nur so lange inne, um eine Abschirmung zu weben, die sie bereithielt. Ein von seinem Wall abprallender Feuerstrom lie� M�Hael zur�ckstolpern, seine Str�nge zerfaserten, und er hob die Hand, um vielleicht erneut Baalsfeuer einzusetzen.</p><p>Egwene schlug die Abschirmung zwischen ihn und die Quelle. Sie schnitt ihn nicht vollst�ndig ab, denn er stemmte sich mit reiner Willenskraft dagegen. Sie standen sich nun nahe genug gegen�ber, dass sie seinen Unglauben und Zorn sehen konnte. Er wehrte sich, war aber schw�cher als sie. Egwene dr�ngte weiter, brachte diese Abschirmung immer n�her an den unsichtbaren Faden, der ihn mit der Einen Macht verband. Sie zwang sie mit ihrer ganzen Kraft vorw�rts��</p><p>M�Hael spannte sich an, schickte einen kleinen Strom Baalsfeuer nach oben durch die L�cke, wo die Abschirmung noch nicht zugeschnappt war. Das Baalsfeuer zerst�rte das Gewebe�� genau wie die Luft und tats�chlich das Muster selbst.</p><p>Egwene stolperte zur�ck, als M�Hael das Gewebe auf sie richtete, aber der gl�hend hei�e Balken war zu klein und zu schwach, um sie zu erreichen. Er verblasste, bevor er traf. M�Hael fauchte, dann verschwand er einfach, verzerrte die Luft mit einer Form des Reisens, die Egwene unbekannt war.</p><p>Egwene atmete tief ein, hielt die Hand auf die Brust. Licht! Um ein Haar w�re sie aus dem Muster gel�scht worden.</p><p><emphasis>Er verschwand, ohne ein Wegetor zu weben! Die Wahre Macht.</emphasis> Die einzige Erkl�rung. Sie wusste so gut wie gar nichts dar�ber�� es war die Essenz des Dunklen K�nigs, die Verhei�ung, die im Zeitalter der Legenden die Machtlenker dazu gebracht hatte, die Bohrung �berhaupt erst in Angriff zu nehmen.</p><p><emphasis>Baalsfeuer. Licht. Beinahe w�re ich gestorben. Es w�re sogar schlimmer als der Tod gewesen.</emphasis></p><p>Ihr stand keine M�glichkeit zur Verf�gung, sich gegen Baalsfeuer zu wehren.</p><p><emphasis>Es ist doch nur ein Gewebe�� Nur ein Gewebe.</emphasis> Perrins Worte.</p><p>Der Augenblick war vorbei, und M�Hael war geflohen. Sie w�rde Narishma in ihrer N�he behalten m�ssen, damit er sie warnte, wenn ein Mann anfing, die Macht zu lenken.</p><p><emphasis>Es sei denn, M�Hael benutzt wieder die Wahre Macht. Kann ein anderer Mann das �berhaupt wahrnehmen?</emphasis></p><p>�Mutter!�</p><p>Merise zeigte in die Richtung, in der die meisten Aes Sedai und Asha�man noch immer gegen die sharanischen Streitkr�fte k�mpften. Viele Schwestern in farbigen Kleidern lagen tot auf dem Hang.</p><p>Gawyns Tod suchte ihre Gedanken wie ein Attent�ter in Schwarz heim. Egwene biss die Z�hne zusammen und fachte ihren Zorn an, f�llte sich mit der Einen Macht und st�rzte sich auf die Sharaner.</p><empty-line/><p>Hurin k�mpfte zusammen mit den anderen Grenzl�ndern auf der Polov-Anh�he, die Nase mit einem Tuch verbunden.</p><p>Selbst durch den Stoff roch er den Krieg. So viel Gewalt um ihn herum, der Gestank von Blut und verfaulendem Fleisch. Er klebte am Boden, an seinem Schwert, sogar an seiner <emphasis>Kleidung</emphasis>. W�hrend der Schlacht hatte er sich bereits mehrere Male heftig �bergeben m�ssen.</p><p>Trotzdem k�mpfte er weiter. Er warf sich zur Seite, als ein Trolloc mit den Z�gen eines B�ren �ber die Leichen kroch und auf ihn einschlug. Das Schwert der Bestie lie� den Boden erzittern, und Hurin schrie auf.</p><p>Die Kreatur lachte ein unmenschliches Lachen und hielt Hurins Aufschrei f�r Furcht. Sie machte einen Satz nach vorn, also duckte sich Hurin darunter hinweg und schlitzte ihr im Vorbeigehen den Leib auf. Das Ungeheuer kam stolpernd zum Stehen und sah zu, wie sich seine stinkenden Eingeweide auf den Boden ergossen.</p><p><emphasis>Ich muss Zeit f�r Lord Rand erkaufen,</emphasis> dachte Hurin und wartete darauf, dass der n�chste Trolloc �ber die Leichen stieg. Sie kamen die Ostseite der Anh�he hinauf, die Flussseite. Hier war der Hang so steil, dass sie stellenweise beinahe klettern mussten, aber beim Licht, es waren so viele von ihnen.</p><p><emphasis>K�mpf weiter, k�mpf weiter.</emphasis></p><p>Lord Rand war zu <emphasis>ihm</emphasis> gekommen, um sich zu entschuldigen. Zu ihm! Nun, er w�rde daf�r sorgen, dass er stolz auf ihn sein konnte. Der Wiedergeborene Drache brauchte die Vergebung eines kleinen Diebef�ngers nicht, trotzdem hielt sich bei Hurin das Gef�hl, als h�tte sich die Welt selbst wieder zurechtger�ckt. Lord Rand war wieder Lord Rand. Lord Rand w�rde sie retten, wenn sie ihm nur genug Zeit verschaffen konnten.</p><p>Es gab eine Atempause. Er runzelte die Stirn. Die Bestien waren zahllos erschienen. Unm�glich konnten sie alle tot sein. Vorsichtig trat er weiter nach vorn und sp�hte �ber die Leichen den steilen Hang hinunter.</p><p>Nein, sie waren nicht besiegt. Noch immer schien das Meer der Bestien kein Ende zu nehmen. Die unten brennenden Feuer beleuchteten sie noch immer. Die Trollocs hatten mit ihrem Aufstieg innegehalten, weil sie die Kadaver auf dem Hang aus dem Weg schaffen mussten. Viele davon waren von Tams Bogensch�tzen niedergem�ht worden. Viel weiter darunter k�mpfte ein weitaus gr��eres Heer Trollocs gegen Elaynes Armee am Flussbett.</p><p>�Wir sollten ein paar Minuten lang Ruhe haben�, sagte Lan Mandragoran vom Sattel seines Hengstes aus zu den Soldaten. Nicht weit entfernt ritt auch K�nigin Alliandre und unterhielt sich v�llig ruhig mit ihren M�nnern. Zwei Monarchen in Sichtweite. Sie wussten, wie man Befehle zu geben hatte. Das gab Hurin neue Zuversicht.</p><p>�Sie bereiten sich auf einen letzten Sturm vor�, sagte Lan, �einen Ansturm, der uns vom Hang vertreiben soll, damit sie uns hier auf ebenem Boden bek�mpfen k�nnen. Ruht euch aus, w�hrend sie die Kadaver wegr�umen. Das Licht schenke euren Schwertern seine Gunst, Freunde. Der n�chste Angriff wird der schlimmste sein.� Der n�chste Angriff w�rde der schlimmste sein? Licht!</p><p>Hinter ihnen in der Mitte des Plateaus bedr�ngte der Rest von Mats Heer weiterhin die sharanische Armee und versuchte sie nach S�dwesten zur�ckzuwerfen. Falls ihm das gelang und er sie nach unten gegen die Trollocs zwingen konnte, die gegen Elaynes Soldaten k�mpften, w�rde das ein gro�es Durcheinander verursachen, das er zu seinem Vorteil nutzen k�nnte. Aber im Augenblick gaben die Sharaner keinen Zoll an Boden preis; tats�chlich dr�ngten sie Mats Heer zur�ck, das anfing nachzugeben.</p><p>Hurin legte sich hin und lauschte dem St�hnen �berall um sich herum, h�rte die fernen Rufe und das Klirren aufeinandertreffender Waffen, roch den Geruch der Gewalt, der in einem Ozean aus Gestank um ihn herumhing.</p><p>Das Schlimmste stand ihnen noch bevor.</p><p>Das Licht stehe ihnen bei��</p><empty-line/><p>Berelain wischte sich mit einem Lappen das Blut von den H�nden, als sie den Festsaal ihres Palastes betrat. Die Tische waren zu Feuerholz verarbeitet worden, um die riesigen Kamine an beiden Seiten des langen Raumes zu beheizen; die M�bel waren durch Reihen von Verwundeten ersetzt.</p><p>Die T�r zur K�che wurde aufgesto�en, und eine Gruppe Kesselflicker eilte hinein. Einige von ihnen schleppten Tragen, andere halfen verwundeten M�nnern, in den Raum zu hinken. <emphasis>Beim Licht!,</emphasis> dachte Berelain. <emphasis>Noch mehr?</emphasis> Der Palast war bis zum Bersten mit Verwundeten gef�llt.</p><p>�Nein, nein!�, sagte sie und ging den Neuank�mmlingen entgegen. �Nicht hier herein. Den Korridor hinten. Wir werden sie dort unterbringen m�ssen. Rosil! Wir haben neue Verwundete.�</p><p>Die Kesselflicker wandten sich dem Korridor zu und redeten tr�stend auf die Verwundeten ein. Man brachte nur jene zur�ck, die gerettet werden konnten. Berelain war gezwungen gewesen, den Anf�hrerinnen der Tuatha�an-Frauen genau zu erkl�ren, welche Verletzungen zu aufwendig zu Heilen waren. Es war besser, zehn M�nner mit schlimmen Verletzungen zu retten, als dieselbe Kraft f�r die Rettung eines Mannes zu verbrauchen, der sich nur noch mit einem Faden Hoffnung ans Leben klammerte.</p><p>Diese Erkl�rung war eines der schrecklichsten Dinge gewesen, die sie je in ihrem Leben hatte tun m�ssen.</p><p>Die Kesselflicker marschierten weiter in einer Reihe, und sie hielt nach dem Schimmer wei�er Kleidung Ausschau. Es waren Wei�m�ntel darunter, aber nicht derjenige, den sie suchte.</p><p>So viele�� dachte sie erneut. Die Kesselflicker hatten keine Hilfe, die Verwundeten zu transportieren. Jeder einsatzf�hige Mann und die meisten Frauen im Palast waren zum Schlachtfeld gegangen, um entweder zu k�mpfen oder den Fl�chtlingen aus Caemlyn zu helfen, Pfeile zu sammeln.</p><p>Rosil rauschte herein; ihre Kleidung war blutverschmiert, was sie aber ignorierte. Augenblicklich �bernahm sie den Befehl �ber die Verwundeten und suchte nach jenen, die sofort ihre Hilfe brauchten. Ungl�cklicherweise wurde die K�chent�r in genau diesem Augenblick erneut aufgesto�en, und eine Gruppe blutverschmierter Andoraner und Aiel stolperte herein, von den Kusinen von einem anderen Abschnitt des Schlachtfelds geschickt.</p><p>Was nun folgte, kam Wahnsinn schon sehr nahe, als Berelain jeden antrieb, den sie finden konnte�� Stallburschen, Alte, nicht einmal f�nfj�hrige Kinder��, um den Neuank�mmlingen zu helfen. Von den Aiel kamen nur die schlimmsten Verwundeten; sie neigten dazu, so lange auf dem Schlachtfeld auszuharren, wie sie eine Waffe halten konnten. Das bedeutete, dass vielen von denen, die nach Mayene kamen, nicht mehr zu helfen war. Sie musste f�r sie Platz schaffen, den sie nicht hatte, und zusehen, wie sie Blut ausspuckten und starben.</p><p>�Das ist doch Unsinn!�, sagte sie und stand auf. Ihre H�nde waren wieder nass vom Blut, und sie hatte keinen sauberen Lappen mehr. Licht! �Wir m�ssen mehr Hilfe kommen lassen! Ihr da!� Sie zeigte auf einen Aiel, der geblendet worden war. Er sa� an die Wand gelehnt und trug einen Verband um die Augen. �Ihr da, der blinde Aiel.�</p><p>�Ich hei�e Ronja.�</p><p>�Gut, Ronja. Ich habe ein paar <emphasis>Gai�shain</emphasis> hier, die mir helfen. Aber wenn ich richtig informiert bin, m�sste es doch viel mehr von ihnen geben. Wo stecken sie?�</p><p>�Sie warten auf das Ende der Schlacht, damit sie den Siegern helfen k�nnen.�</p><p>�Wir holen sie�, sagte sie. �Wir brauchen jeden, der beim Kampf helfen kann.�</p><p>�Vielleicht kommen sie zu Euch, Berelain Paendrag, um bei der Versorgung der Verletzten zu helfen�, sagte der Mann. �Aber sie werden nicht k�mpfen. Das ist nicht ihr Platz.�</p><p>�Sie werden Vernunft annehmen�, erwiderte sie energisch. �Das ist die Letzte Schlacht!�</p><p>�Ihr m�gt hier ja der Clanh�uptling sein�, sagte der Aiel und musste l�cheln, �aber Ihr seid nicht der <emphasis>Car�a�carn</emphasis>. Und nicht einmal er k�nnte den <emphasis>Gai�shain</emphasis> befehlen, das <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> zu verletzen.�</p><p>�Wer k�nnte es dann?�</p><p>Das schien den Mann zu �berraschen. �Niemand. Das ist unm�glich.�</p><p>�Und die Weisen Frauen?�</p><p>�Die w�rden das nicht tun. Niemals.�</p><p>�Wir werden ja sehen�, verk�ndete Berelain.</p><p>Der Mann l�chelte breiter. �Ich glaube, dass sich kein Mann und keine Frau w�nschen sollte, sich Eurem Zorn auszusetzen, Berelain Paendrag. Aber sollte man mein Augenlicht wiederherstellen, w�rde ich sie mir eher wieder ausstechen, als zuzusehen, wie <emphasis>Gai�shain</emphasis> k�mpfen.�</p><p>�Dann sollen sie eben nicht k�mpfen�, erwiderte Berelain. �Vielleicht k�nnen sie ja helfen, die Verwundeten zu bergen. Rosil, seid Ihr mit dieser Gruppe fertig?�</p><p>Die ersch�pfte Frau nickte. Es gab nicht eine Aes Sedai im Palast, die nicht so aussah, als w�rde sie jeden Moment umkippen. Berelain blieb auf den Beinen, weil sie ein paar Kr�uter genommen hatte, von denen sie sich nicht vorstellen konnte, dass Rosil sie guthei�en w�rde.</p><p>Nun, hier konnte sie nichts mehr ausrichten. Besser, sie sah nach den Verwundeten in den Lagerr�umen. Sie hatten��</p><p>�Meine Lady die Erste?�, fragte da eine Stimme. Es war Kitan, eine der M�gde, die zur�ckgeblieben waren, um bei der Versorgung der Verwundeten zu helfen. Die schlanke Frau nahm ihren Arm. �Da gibt es etwas, das Ihr Euch ansehen m�sst.�</p><p>Berelain seufzte, nickte dann aber. Welches Grauen erwartete sie jetzt schon wieder? Eine weitere Blase des B�sen, die Gruppen von Verwundeten hinter Mauern einsperrte, die es eben noch nicht gegeben hatte? Waren ihnen schon wieder die Verb�nde ausgegangen? Vermutlich gab es in der ganzen Stadt kein Laken, Tischtuch oder Unterzeug mehr, das nicht bereits zu Verb�nden zerschnitten worden war.</p><p>Das M�dchen f�hrte sie die Stufen zu ihren eigenen Gem�chern hinauf, wo ein paar der Verwundeten versorgt wurden. Sie betrat eines der Zimmer und entdeckte �berrascht ein bekanntes Gesicht. Annoura sa� auf der Bettkante. Sie trug mit Grau geschlitztes Rot, ihre unweigerlichen Z�pfe waren zur�ckgelegt und auf eine sehr unvorteilhafte Weise gebunden. Um ein Haar h�tte Berelain sie nicht erkannt.</p><p>Annoura erhob sich bei ihrem Eintreten und verneigte sich, obwohl sie so aussah, als w�rde sie gleich vor Ersch�pfung zusammenbrechen.</p><p>Auf dem Bett lag Galad Damodred.</p><p>Berelain keuchte auf und eilte an seine Seite. Er war es, obwohl er eine h�ssliche Wunde im Gesicht hatte. Noch atmete er, aber er war bewusstlos. Berelain wollte nach seiner Hand greifen, entdeckte aber, dass der Arm in einem Stumpf endete. Einer der Feldscher hatte ihn bereits kauterisiert, damit er nicht verblutete.</p><p>�Aber wie?�, fragte Berelain, umklammerte seine andere Hand und schloss die Augen. Die Hand f�hlte sich warm an. Als sie geh�rt hatte, was Demandred da br�llte, dass er den Mann in Wei� besiegt hatte��</p><p>�Ich war der Meinung, dass ich Euch das schuldete�, sagte Annoura. �Ich entdeckte ihn auf dem Schlachtfeld, nachdem Demandred seinen Sieg verk�ndet hatte. Ich zog ihn dort fort, w�hrend er gegen einen Mann von der Schwarzen Burg k�mpfte.� Sie lie� sich auf einen Hocker neben dem Bett fallen, beugte sich vor. �Ich konnte ihn nicht Heilen, Berelain. Ich war blo� dazu f�hig, ein Wegetor zu machen, um ihn herzubringen. Es tut mir leid.�</p><p>�Schon gut�, erwiderte Berelain. �Kitan, holt eine der Schwestern. Annoura, Ihr werdet Euch besser f�hlen, wenn Ihr Euch ausgeruht habt. Vielen Dank.�</p><p>Annoura nickte. Sie schloss die Augen, und Berelain sah entsetzt, dass sich dort Tr�nen bildeten.</p><p>�Was ist? Annoura, was ist los?�</p><p>�Nichts, was Euch betrifft, Berelain�, sagte sie und stand auf. �Wisst Ihr, das bringt man allen bei. Lenkt nicht die Macht, wenn ihr zu m�de seid. Es kann Komplikationen geben. Aber ich brauchte ein Wegetor zur�ck in den Palast. Um ihn in Sicherheit zu bringen, um���</p><p>Annoura brach zusammen. Berelain sank neben ihr auf die Knie, hielt ihren Kopf hoch. Erst jetzt fiel ihr auf, dass nicht die Z�pfe Annoura so anders hatten aussehen lassen. Auch das Gesicht war nicht richtig. Es war ver�ndert. Nicht l�nger alterslos, sondern jugendlich.</p><p>�Ach, beim Licht, Annoura�, sagte sie. �Ihr habt Euch selbst ausgebrannt, nicht wahr?�</p><p>Die Frau war in Ohnmacht gefallen. Berelains Herz verkrampfte sich. In letzter Zeit hatten sie ihre Differenzen gehabt, aber Annoura war davor jahrelang ihre Vertraute und auch Freundin gewesen. Die arme Frau. Wenn man Aes Sedai zuh�rte, betrachteten sie so etwas als schlimmer als den Tod.</p><p>Sie hob die Schwester auf das Sofa des Zimmers und deckte sie mit einer Decke zu. Dabei kam sie sich so schrecklich hilflos vor. <emphasis>Vielleicht�� vielleicht kann man sie ja irgendwie Heilen��</emphasis></p><p>Sie ging zur�ck zu Galad, um seine Hand zu halten, r�ckte den Hocker zurecht und setzte sich. Nur einen Moment ausruhen. Sie schloss die Augen. Er lebte. Zwar hatte er einen schrecklichen Preis entrichtet, aber er lebte.</p><p>Sie zuckte zusammen, als er sprach. �Wie?�</p><p>Als sie die Augen �ffnete, sah er sie an.</p><p>�Wie bin ich hergekommen?�, fragte er leise.</p><p>�Annoura�, erkl�rte sie. �Sie fand Euch auf dem Schlachtfeld.�</p><p>�Meine Wunden?�</p><p>�Andere Heiler werden kommen, wenn sie Zeit haben. Eure Hand��� Sie st�hlte sich. �Eure Hand ist verloren, aber diesen Schnitt in Eurem Gesicht k�nnen wir entfernen.�</p><p>�Nein�, fl�sterte er. �Das ist doch bloߠ� ein kleiner Schnitt. Spart Euch das Heilen f�r diejenigen auf, die sonst sterben w�rden.� Er schien so m�de zu sein. Kaum wach.</p><p>Sie biss sich auf die Unterlippe, nickte aber. �Nat�rlich.� Sie z�gerte. �Die Schlacht verl�uft schlecht, oder?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Also�� hoffen wir einfach?�</p><p>Er entzog sich ihrer Hand und wollte unter sein Hemd greifen. Wenn die Aes Sedai kam, w�rden sie ihn ausziehen und seine Verletzungen behandeln m�ssen. Bis jetzt war nur der Stumpf provisorisch versorgt, da das die schlimmste Wunde war.</p><p>Galad seufzte, dann erbebte er. Seine Hand glitt vom Hemd fort. Hatte er es ausziehen wollen?</p><p>�Hoffnung���, fl�sterte er, dann verlor er das Bewusstsein.</p><empty-line/><p>Rand weinte.</p><p>Er kauerte in der Finsternis, und vor ihm drehte sich das Muster, gewebt aus den Lebensf�den der Menschen. So viele dieser F�den endeten.</p><p>So viele.</p><p>Er h�tte sie besch�tzen m�ssen. Warum konnte er das nicht? Obwohl er es nicht wollte, spulten sich in seinem Verstand wieder die Namen ab. Die Namen all jener, die f�r ihn gestorben waren. Es fing zuerst mit den Frauen an, weitete sich dann aber auf jede Person aus, die er h�tte retten m�ssen�� aber es nicht getan hatte.</p><p>W�hrend die Menschheit in Merrilor und am Shayol Ghul k�mpfte, war Rand gezwungen, ihrem Tod zuzusehen. Er konnte sich nicht abwenden.</p><p>Der Dunkle K�nig w�hlte den Augenblick zu einem machtvollen Angriff. Wieder kam der Druck und versuchte Rand zu zermalmen, bis nichts mehr von ihm �brig war. Er konnte sich nicht bewegen. Jeder noch so kleine Teil seiner Essenz, seiner Entschlossenheit und seiner Kraft konzentrierte sich darauf, den Dunklen K�nig davon abzuhalten, ihn in St�cke zu rei�en.</p><p>Er konnte blo� zusehen, wie sie starben.</p><p>Rand verfolgte, wie Davram Bashere bei einem Sturmangriff fiel, und seine Frau folgte ihm nur kurze Zeit sp�ter. Er schrie auf, als er seinen Freund sterben sah. Er weinte um Davram Bashere.</p><p>Der liebe, treue Hurin fiel bei einem Angriff der Trollocs auf der Anh�he, wo Mat sein letztes Aufgebot anf�hrte. Rand weinte um Hurin. Um den Mann, der so sehr an ihn geglaubt hatte, den Mann, der ihm �berallhin gefolgt w�re.</p><p>Jori Congar lag unter einem Trolloc-Kadaver begraben und wimmerte um Hilfe, bis er verblutete. Rand weinte um Jori, als sein Faden schlie�lich verschwand.</p><p>Enaila, die sich entschieden hatte, den <emphasis>Far Dareis Mai</emphasis> zu entsagen, und dem <emphasis>Siswai�aman</emphasis> Leiran einen Brautstrau� zu F��en gelegt hatte, rammten vier Trollocs ihre Speere in den Leib. Rand weinte um sie.</p><p>Karldin Manfor, der ihm so lange gefolgt war und bei den Brunnen von Dumai dabei gewesen war, starb, als er nicht l�nger die Macht lenken konnte und ersch�pft zusammenbrach. Sharaner warfen sich auf ihn und stachen mit ihren schwarzen Dolchen auf ihn ein. Seine Aes Sedai Beldeine stolperte und fiel Augenblicke sp�ter. Rand weinte um sie beide.</p><p>Er weinte um Gareth Bryne und Siuan. Er weinte um Gawyn.</p><p>So viele. So <emphasis>furchtbar viele</emphasis>.</p><p>DU VERLIERST.</p><p>Rand kr�mmte sich noch mehr zusammen. Was konnte er tun? Sein Traum, den Dunklen K�nig aufzuhalten�� tat er das, w�rde er einen Albtraum erschaffen. Verraten von den eigenen Absichten.</p><p>GIB AUF, WIDERSACHER. WOZU NOCH K�MPFEN? H�R AUF, DICH ZU WEHREN, UND RUHE DICH AUS.</p><p>Es war verlockend. Oh, wie verlockend das doch war. Licht! Was w�rde Nynaeve denken? Er konnte sie sehen, wie sie versuchte, Alanna zu retten. Wie schrecklich w�rden sie und Moiraine sich sch�men, h�tten sie gewusst, dass er in diesem Augenblick einfach aufgeben wollte.</p><p>Schmerzen begruben ihn unter sich, und er schrie wieder.</p><p>�Bitte, lass es aufh�ren!�</p><p>DAS KANN ES.</p><p>Rand kauerte sich zusammen, zitterte und bebte am ganzen Leib. Und noch immer prasselten ihre Schreie auf ihn herab. Ein Tod nach dem anderen. Er hielt kaum noch durch. �Nein�, fl�sterte er.</p><p>NUN GUT, sagte der Dunkle K�nig. ICH HABE DIR NOCH EINES ZU ZEIGEN. EIN WEITERES VERSPRECHEN, WAS SEIN KANN��</p><p>Ein letztes Mal webte der Dunkle K�nig die F�den der M�glichkeiten.</p><p>Alles wurde dunkel.</p><empty-line/><p>Taim schlug mit der Einen Macht zu und pr�gelte Mishraile mit Peitschen aus Luft. �Geht zur�ck, Ihr Narr! K�mpft! Wir werden diese Stellung nicht verlieren!�</p><p>Der Schattenlord wich geduckt zur�ck, nahm seine beiden Begleiter und schlich sich wie befohlen davon. Taim kochte innerlich, dann zerschmetterte er mit der Macht einen Stein in der N�he. Diese verfluchte Aes-Sedai-Hure! Wie konnte sie es wagen, ihn zur�ckzuschlagen?</p><p>�M�Hael�, sagte eine ruhige Stimme.</p><p>Taim�� M�Hael. Er musste sich als M�Hael betrachten. Er ging auf die Stimme zu, die ihn gerufen hatte. Voller Panik hatte er sich mit einem Wegetor auf die andere Seite der Anh�he in Sicherheit gebracht und befand sich nun am S�dosthang. Demandred �berwachte die Schlacht von dieser Position aus und schickte Zerst�rung in die Reihen der Andoraner, Cairhiener und Aiel.</p><p>Demandreds Trollocs hielten den Korridor zwischen der Polov-Anh�he und dem Moor, und sie ersch�pften die Verteidiger an dem ausgetrockneten Fluss. Es war nur noch eine Frage der Zeit. Unterdessen k�mpften die Sharaner nord�stlich von hier auf dem Plateau. M�Hael fand es bedenklich, dass Cauthon so schnell eingetroffen war, um den Vorsto� der Sharaner zu vereiteln. Aber egal. Das war blo� ein verzweifelter Zug des Mannes. Gegen das sharanische Heer w�rde er nicht standhalten k�nnen. Aber im Augenblick am wichtigsten war die Vernichtung jener Aes Sedai auf der anderen Seite der Anh�he. Das war der Schl�ssel, um diese Schlacht zu gewinnen.</p><p>M�Hael passierte misstrauische Sharaner in ihrer seltsamen Kleidung und T�towierungen. Demandred sa� mit untergeschlagenen Beinen in ihrer Mitte. Seine Augen waren geschlossen, er atmete langsam ein und aus. Dieses <emphasis>Sa�angreal</emphasis>, das er benutzte�� es forderte ihm etwas ab, mehr als nur die �bliche Kraft, die das Machtlenken ben�tigte.</p><p>Was konnte M�Hael nur einen Vorteil verschaffen? Wie es ihn anwiderte, sich jemandem unterzuordnen. Ja, er hatte viel von diesem Mann gelernt, aber jetzt war Demandred offensichtlich nicht mehr dazu in der Lage, sie zu f�hren. Er verh�tschelte diese Sharaner, und er verschwendete Kraft f�r seine Vendetta mit al�Thor. Die Schw�che von anderen hatte sich M�Hael schon immer zunutze gemacht.</p><p>�Ich h�re, dass Ihr scheitert�, sagte Demandred.</p><p>Auf der anderen Seite des ausgetrockneten Flussbettes gab die andoranische Verteidigung endlich langsam nach. Die Trollocs versuchten ununterbrochen die Schwachstellen in ihren Linien zu finden, und am ganzen Fluss brachen sie nun in die Pikenhaufen ein. Die schwere Kavallerie der Legion und die leichte der Cairhiener waren jetzt st�ndig im Einsatz und ritten verzweifelte Angriffe gegen die Tiermenschen, die die Verteidigung der Andoraner durchbrachen. Unweit des Moores hielten die Aiel sie noch immer zur�ck, und die Armbrustm�nner der Legion verhinderten zusammen mit andoranischen Piken, dass sie ihre rechte Flanke umgingen. Aber der st�ndige Sturm des Schattengez�chts war gnadenlos, und Elaynes Truppen wichen auf das shienarische Territorium zur�ck.</p><p>�M�Hael?� Demandred �ffnete die Augen. Uralte Augen. M�Hael lie� sich nicht einsch�chtern und erwiderte den Blick. Er w�rde sich <emphasis>nicht</emphasis> einsch�chtern lassen! �Sagt mir doch, wie Ihr scheitern konntet.�</p><p>�Die Aes-Sedai-Hexe.� M�Hael spuckte aus. �Sie besitzt ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis> von gro�er Macht. Ich hatte sie fast so weit, aber die Wahre Macht lie� mich im Stich.�</p><p>�Es gibt einen Grund, warum Ihr nur auf ein Rinnsal zugreifen k�nnt�, sagte Demandred und schloss wieder die Augen. �F�r jemanden, der nicht an sie gew�hnt ist, ist sie unberechenbar.�</p><p>M�Hael schwieg. Er w�rde mit der Wahren Macht �ben, er w�rde ihre Geheimnisse ergr�nden. Die anderen Verlorenen waren alt und langsam. Bald w�rde neues Blut herrschen.</p><p>Demandred erhob sich entspannt. Er vermittelte den Eindruck eines gewaltigen Felsens, der gerade seine Position ver�ndert hatte. �Ihr werdet zur�ckkehren und sie umbringen, M�Hael. Ich habe ihren Beh�ter get�tet. Sie sollte leichte Beute sein.�</p><p>�Das <emphasis>Sa�angreal</emphasis>���</p><p>Demandred hielt sein Zepter mit dem goldenen Pokal an der Spitze hoch.</p><p>War das eine Pr�fung? Diese unvorstellbare <emphasis>Macht</emphasis>. M�Hael hatte die Kraft gesp�rt, die davon ausging, wenn Demandred es einsetzte.</p><p>�Ihr behauptet, sie hat ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis>�, sagte Demandred. �Hiermit habt Ihr ebenfalls eins. Ich �berlasse Euch Sakarnen, damit Ihr keine Ausfl�chte f�r weitere Fehlschl�ge habt. Habt Erfolg oder sterbt dabei, M�Hael. Erweist Euch w�rdig, zu den Auserw�hlten zu geh�ren.�</p><p>M�Hael befeuchtete sich die Lippen. �Und falls der Wiedergeborene Drache endlich zu Euch kommt?�</p><p>Demandred lachte. �Ihr glaubt, ich w�rde ihn damit bek�mpfen? Was w�rde das beweisen? Unsere Kr�fte m�ssen gleich sein, wenn ich mich als der Bessere erweisen soll. Nach allen Berichten kann er <emphasis>Callandor</emphasis> nicht ohne Gefahr einsetzen, und den Choedan Kal hat er n�rrischerweise vernichtet. Er <emphasis>wird</emphasis> kommen, und wenn er das tut, werde ich ihm ohne Hilfsmittel entgegentreten und mich als der wahre Herr dieses Reiches beweisen.�</p><p><emphasis>Die Dunkelheit in ihm��,</emphasis> dachte Taim. <emphasis>Er hat v�llig den Verstand verloren, oder?</emphasis> Es war seltsam, in diese Augen zu blicken, die so klar erschienen, und sich den Wahnsinn anzuh�ren, der ihm �ber die Lippen kam. Als Demandred das erste Mal zu ihm gekommen war und das Angebot gemacht hatte, dem Gro�en Herrn zu dienen, war der Mann nicht so gewesen. �berheblich, das schon. Alle Auserw�hlten waren arrogant. Demandreds Entschlossenheit, al�Thor pers�nlich zu t�ten, hatte wie ein Feuer in ihm gelodert.</p><p>Aber das�� das war etwas v�llig anderes. Das Leben in Shara hatte ihn ver�ndert. Ihn auf jeden Fall geschw�cht. Und jetzt das. Welcher Mann gab denn seinem Rivalen freiwillig ein so m�chtiges Artefakt?</p><p><emphasis>Nur ein Narr,</emphasis> dachte M�Hael und griff nach dem <emphasis>Sa�angreal. Dich zu t�ten, das wird sein, als w�rde man ein Pferd mit drei gebrochenen Beinen erl�sen, Demandred. Ich hatte gehofft, dich als Rivalen vernichten zu k�nnen.</emphasis></p><p>Demandred wandte sich ab, und M�Hael zog die Eine Macht durch Sakarnen und trank gierig von seinem Geschenk. Die S��e <emphasis>Saidins</emphasis> tr�nkte ihn, ein tobender Strom k�stlicher Macht. Wenn er ihn hielt, war er gewaltig. Er konnte alles tun. Berge zerbrechen, Armeen vernichten, und das alles ganz allein.</p><p>Es juckte M�Hael in den Fingern, Str�me zu nehmen, sie zu verweben und diesen Mann zu vernichten.</p><p>�Passt auf�, sagte Demandred. Seine Stimme klang armselig, schwach. Das Quieken einer Maus. �Lenkt diese Macht nicht gegen mich. Ich habe Sakarnen an mich gebunden. Versucht Ihr es gegen mich zu benutzen, brennt es Euch aus dem Muster.�</p><p>War das eine L�ge? Konnte ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis> �berhaupt an eine bestimmte Person gebunden werden? Er wusste es nicht. Er dachte nach, dann senkte er Sakarnen und versp�rte trotz der ihn durchstr�menden Macht Bitterkeit.</p><p>�Ich bin kein Narr, M�Hael�, sagte Demandred trocken. �Ich gebe Euch gewiss nicht die Schlinge, mit der man mich aufh�ngt. Geht und tut, was man Euch befohlen hat. Ihr seid in dieser Angelegenheit mein Diener, die Hand, die meine Axt h�lt, um den Baum zu f�llen. Vernichtet die Amyrlin; nehmt Baalsfeuer. Wir haben unsere Befehle, und wir werden gehorchen, was das angeht. Die F�den der Welt m�ssen aufgel�st werden, bevor wir sie nach unserer Vision wieder neu weben.�</p><p>M�Hael knurrte den Mann an, gehorchte aber und webte ein Tor. Er <emphasis>w�rde</emphasis> die Aes-Sedai-Hexe vernichten. Und dann�� dann w�rde er entscheiden, wie er mit Demandred verfuhr.</p><empty-line/><p>Elayne sah frustriert zu, wie ihre Pikenformationen zur�ckgedr�ngt wurden. Dass es Birgitte gelungen war, sie davon zu �berzeugen, sich aus der vordersten Linie zur�ckzuziehen�� jeden Augenblick konnten die Trollocs durchbrechen��, gefiel ihr gar nicht.</p><p>Sie war fast bis zu den Ruinen geritten, wo sie im Augenblick nicht in unmittelbarer Gefahr schwebte. Ein doppelter Kreis aus Gardisten umgab sie; die meisten davon sa�en auf dem Boden und a�en, sammelten so viel neue Kraft wie m�glich in den Kampfpausen.</p><p>Elayne hatte ihr Banner nicht aufgezogen, aber sie hatte Boten ausgeschickt, um ihre Kommandanten wissen zu lassen, dass sie noch immer lebte. Sie hatte sich so bem�ht, ihre Truppen gegen die Trollocs zu f�hren, aber es hatte nicht gereicht. Ihre Streitkr�fte wurden sichtlich schw�cher.</p><p>�Wir m�ssen zur�ck�, sagte sie zu ihrer Beh�terin. �Sie m�ssen mich sehen, Birgitte.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob das etwas �ndern w�rde�, erwiderte Birgitte. �Die Formationen k�nnen einfach nicht gegen Trollocs und das verfluchte Machtlenken standhalten. Ich���</p><p>�Was ist?�</p><p>Birgitte wandte den Blick ab. �Ich k�nnte schw�ren, ich h�tte mich einst an eine vergleichbare Situation erinnert.�</p><p>Elayne biss die Z�hne zusammen. Birgittes Verlust ihrer Erinnerungen brach ihr das Herz, aber das war blo� das Problem einer Frau. Tausende ihrer Untertanen starben.</p><p>In der N�he durchsuchten die Fl�chtlinge aus Caemlyn die Gegend noch immer nach Pfeilen und Verwundeten. Mehrere Gruppen kamen zu ihrer Garde und unterhielten sich leise mit den Soldatinnen, erkundigten sich nach der Schlacht oder ihrer K�nigin. Unversehens versp�rte Elayne einen wilden Stolz auf die Fl�chtlinge und ihre Z�higkeit. Die Stadt war nur noch eine Ruine, aber St�dte konnte man wieder aufbauen. Die Menschen, das wahre Herz von Caemlyn, w�rden nicht so leicht aufgeben.</p><p>Wieder traf eine Lichtlanze das Schlachtfeld, t�tete M�nner und brachte Unordnung in die Piken. Auf der weit abgelegenen Seite der Anh�he lenkten Frauen in verbissenem Kampf die Macht. Sie konnte die Lichtblitze in der Nacht sehen, obwohl das auch schon alles war. Sollte sie sich zu ihnen gesellen? Als Befehlshaberin war sie nicht gut genug gewesen, um die Soldaten zu retten, aber sie hatte f�r F�hrung gesorgt.</p><p>�Ich f�rchte um unsere Armee, Elayne�, sagte Birgitte. �Ich f�rchte, dass der Tag verloren ist.�</p><p>�Der Tag kann nicht verloren sein�, erwiderte sie hitzig, �denn dann sind wir alle verloren. Ich weigere mich, eine Niederlage zu akzeptieren. Wir beide werden zur�ckkehren. Soll Demandred doch versuchen, uns zu t�ten. Vielleicht wird mein Anblick den Soldaten neuen Mut einfl��en und sie���</p><p>Fl�chtlinge aus Caemlyn griffen ihre Gardisten und Gardistinnen an.</p><p>Fluchend drehte Elayne Mondschatten und umarmte die Eine Macht. Die Leute, die sie auf den ersten Blick f�r Fl�chtlinge in schmutziger, ru�verschmierter Kleidung gehalten hatte, trugen Kettenhemden darunter verborgen. Sie k�mpften gegen ihre Garde, t�teten mit Schwert und Axt. Es waren gar keine Fl�chtlinge, sondern S�ldner.</p><p>�Verrat!�, rief Birgitte. Sie hob den Bogen und schoss einen S�ldner in den Hals. �Zu den Waffen!�</p><p>�Das ist kein Verrat�, knurrte Elayne. Sie webte Feuer und t�tete drei M�nner. �Die geh�ren nicht zu uns! Passt auf die Diebe in der Kleidung von Bettlern auf!�</p><p>Sie drehte sich, als sich eine weitere Gruppe vorgeblicher Fl�chtlinge auf die geschw�chten Reihen der Garde st�rzte. Sie waren �berall! Sie hatten sich angeschlichen, w�hrend alle Aufmerksamkeit auf das ferne Schlachtfeld gerichtet gewesen war.</p><p>Als eine Gruppe S�ldner die Linien durchbrach, webte sie <emphasis>Saidar</emphasis>, um ihnen zu zeigen, wie dumm es war, eine Aes Sedai anzugreifen. Sie schleuderte einen m�chtigen Strang Luft.</p><p>Als er einen der Angreifer traf, fiel das Gewebe auseinander und l�ste sich auf. Elayne fluchte und wollte ihr Pferd zur Flucht antreiben, aber einer der M�nner warf sich vorw�rts und rammte Mondschatten das Schwert in den Hals. Das Pferd stieg vor Schmerz kreischend auf die Hinterbeine, und Elayne erhielt blo� einen Eindruck von �berall k�mpfenden Gardisten, w�hrend sie zu Boden st�rzte und voller Panik an die Sicherheit ihrer ungeborenen Kinder dachte. Grobe H�nde packten sie bei den Schultern und dr�ckten sie zu Boden.</p><p>Etwas glitzerte silbrig in der Nacht. Ein Fuchskopf-Medaillon. Ein weiteres Paar H�nde dr�ckte es direkt �ber ihren Br�sten gegen ihre Haut. Das Metall war eiskalt.</p><p>�Hallo, meine K�nigin�, sagte Mellar, der neben ihr in der Hocke sa�. Der ehemalige Gardist ��von dem so viele angenommen hatten, er sei der Vater ihrer Kinder�� sah sie l�stern an. �Du bist schwer zu finden gewesen.�</p><p>Elayne spuckte ihn an, aber er hatte damit gerechnet und fing den Speichel mit der Hand ab. L�chelnd stand er auf und lie� sie von zwei S�ldnern festhalten. Obwohl einige ihrer Gardistinnen noch k�mpften, waren die meisten zur�ckgedr�ngt oder get�tet worden.</p><p>Mellar drehte sich um, als zwei M�nner Birgitte herbeischleiften. Sie b�umte sich in ihrem Griff auf, und ein dritter Mann packte sie. Mellar zog das Schwert und musterte einen Augenblick lang die Klinge, als w�rde er sich in ihrem Funkeln betrachten. Dann rammte er sie Birgitte in den Leib.</p><p>Birgitte st�hnte auf, sackte auf die Knie. Mellar k�pfte sie mit einem b�sartigen Hieb.</p><p>Elayne sa� wie erstarrt da und konnte weder denken noch reagieren, als Birgittes Leichnam nach vorn fiel und sich ihr Blut aus dem Hals ergoss. Der Beh�terbund verblich, und an seine Stelle trat�� Schmerz. Ein schrecklicher Schmerz.</p><p>�Darauf habe ich lange Zeit gewartet�, verk�ndete Mellar. �Blut und verdammte Asche, das hat sich richtig gut angef�hlt.�</p><p><emphasis>Birgitte��</emphasis> Ihre Beh�terin war tot. Ihre Beh�terin war umgebracht worden. Dieses harte und doch so gro�z�gige Herz, diese unglaubliche Loyalit�t�� vernichtet. Der Verlust machte es beinahe unm�glich zu denken.</p><p>Mellar versetzte Birgittes Leichnam einen Tritt, als ein Mann angeritten kam. Hinter ihm lag ein regloser K�rper auf dem Pferd. Der Mann trug eine andoranische Uniform, und von der kopf�ber h�ngenden Leiche baumelte blondes Haar. Wer auch immer die bedauernswerte Frau war, sie trug die gleiche Kleidung wie Elayne.</p><p><emphasis>O nein��</emphasis></p><p>�Geht�, sagte Mellar. Der Mann ritt los, begleitet von ein paar falschen Gardisten. Sie trugen Elaynes Banner, und einer rief pl�tzlich: �Die K�nigin ist tot! Die K�nigin ist gefallen!�</p><p>Mellar wandte sich Elayne zu. �Deine Leute k�mpfen noch. Nun, das sollte Unruhe in ihre Reihen bringen. Und was dich angeht�� anscheinend hat der Gro�e Herr eine Verwendung f�r deine Kinder. Ich habe den Befehl, sie zum Shayol Ghul zu bringen. Mir ist aber der Gedanke gekommen, dass du ja gar nicht unbedingt dabei sein musst.� Er sah einen seiner Gef�hrten an. �Kriegt Ihr das hin?�</p><p>Der Mann kniete neben ihr nieder, dann dr�ckte er die H�nde auf ihren Bauch. Eiskaltes Entsetzen durchzuckte ihre Benommenheit. Ihre Kinder!</p><p>�Sie ist weit genug�, sagte der Mann. �Ich kann die Kinder vermutlich mit einem Gewebe am Leben erhalten, wenn Ihr sie herausschneidet. Das wird schwierig werden. Sie sind noch sehr jung. Im sechsten Monat. Aber mit den Geweben, die mir die Auserw�hlten gezeigt haben�� ja, ich glaube, ich kann sie eine Stunde lang am Leben halten. Aber Ihr werdet sie zu M�Hael bringen m�ssen, um sie zum Shayol Ghul zu schaffen. Normale Wegetore funktionieren dort nicht l�nger.�</p><p>Mellar schob das Schwert in die Scheide und zog ein Jagdmesser. �Das reicht mir. Wir schicken die Kinder weiter, wie es der Gro�e Herr will. Aber du, meine K�nigin�� du geh�rst mir.�</p><p>Elayne b�umte sich auf, aber der Griff der M�nner war eisern. Immer wieder krallte sie nach <emphasis>Saidar</emphasis>, aber das Medaillon hatte die Wirkung von Spaltwurzel. Genauso gut h�tte sie versuchen k�nnen, <emphasis>Saidin</emphasis> zu umarmen.</p><p>�Nein!�, schrie sie, als sich Mellar neben sie kniete. �NEIN!�</p><p>�Gut�, sagte er. �Ich hatte so gehofft, dass du schreist.�</p><empty-line/><p>Nichts.</p><p>Rand drehte sich um. Er <emphasis>versuchte</emphasis> sich umzudrehen. Er hatte weder Form noch Gestalt.</p><p>Nichts.</p><p>Er wollte sprechen, aber er hatte keinen Mund. Schlie�lich gelang es ihm, die Worte zu denken und sie damit zu manifestieren.</p><p>SHAI�TAN, dachte Rand. WAS IST DAS?</p><p>UNSER BUND, erwiderte der Dunkle K�nig. UNSERE �BEREINKUNFT.</p><p>UNSERE �BEREINKUNFT IST DAS VERGESSEN?, verlangte Rand zu wissen.</p><p>JA.</p><p>Er verstand. Der Dunkle K�nig bot eine Abmachung an. Das konnte Rand akzeptieren�� Das Vergessen konnte er akzeptieren. Sie hatten sich f�r das Schicksal der Welt duelliert. Rand hatte Frieden, Ruhm und Liebe haben wollen. Der Dunkle K�nig suchte das Gegenteil. Qualen. Leiden.</p><p>In gewisser Weise war das ein Gleichgewicht zwischen beidem. Der Dunkle K�nig w�rde zustimmen, das Rad nicht neu zu schmieden, um sein grimmiges Verlangen zu stillen. Weder w�rde die Menschheit versklavt, noch w�rde es eine Welt ohne Liebe geben. Es w�rde �berhaupt keine Welt geben.</p><p>DAS HAST DU ELAN VERSPROCHEN, sagte Rand. DU VERSPRACHST IHM EIN ENDE SEINER EXISTENZ.</p><p>ICH BIETE ES AUCH DIR AN, erwiderte der Dunkle K�nig. UND ALLEN MENSCHEN. DU WOLLTEST FRIEDEN. ICH GEBE IHN DIR. DEN FRIEDEN DES VERGESSENS, DEN DU SO OFT SUCHST. ICH GEBE DIR NICHTS UND ALLES.</p><p>Rand lehnte das Angebot nicht sofort ab. Er griff danach und wog es in seinen Gedanken ab. Keine Qualen mehr. Kein Leid mehr. Keine B�rden mehr.</p><p>Ein Ende. Hatte er sich das nicht gew�nscht? Eine M�glichkeit, den ewigen Zyklus zu beenden?</p><p>NEIN, sagte er. DAS ENDE DER EXISTENZ IST KEIN FRIEDEN. ICH ENTSCHIED MICH BEREITS EINMAL DAF�R. WIR MACHEN WEITER.</p><p>Wieder legte sich die Macht des Dunklen K�nigs um ihn und drohte ihn in St�cke zu rei�en.</p><p>DIESES ANGEBOT MACHE ICH NICHT NOCH EINMAL, sagte der Dunkle K�nig.</p><p>�Das erwarte ich auch nicht von dir�, sagte Rand, als sein K�rper zur�ckkehrte und die F�den der M�glichkeiten verblassten.</p><p>Dann kam der richtige Schmerz.</p><empty-line/><p>Min wartete bei den versammelten seanchanischen Streitkr�ften. Offiziere schritten die Reihen mit Laternen ab, um die M�nner vorzubereiten. Sie waren nicht nach Ebou Dar zur�ckgekehrt, sondern durch Wegetore auf eine gro�e Ebene geflohen, die ihr unbekannt war. Hier wuchsen B�ume mit seltsamer Rinde und gro�en Farnwedeln. Sie vermochte nicht zu sagen, ob es sich wirklich um B�ume handelte oder blo� um gro�e Farne. Das lag vor allem daran, dass alles verwelkt war; den B�umen waren Bl�tter gewachsen, aber sie hingen herab, als h�tten sie schon zu lange kein Wasser mehr gehabt. Min versuchte sich vorzustellen, wie sie wohl aussahen, wenn sie gesund waren.</p><p>Die Luft roch auch anders�� nach ihr unbekannten Pflanzen und nach Meerwasser. Die seanchanischen Soldaten warteten in strenger Formation, bereit zum Abmarsch, jeder vierte Mann hatte eine Laterne, von denen aber nur eine von zehn entz�ndet war. Auch mit Wegetoren konnte man ein Heer nicht besonders schnell bewegen, aber Fortuona standen Hunderte <emphasis>Damane</emphasis> zur Verf�gung. Der R�ckzug war effizient vollzogen worden, und Min vermutete, dass die R�ckkehr auf das Schlachtfeld genauso schnell vonstattenging.</p><p>Falls Fortuona sich zur R�ckkehr entschied. Die Kaiserin sa� auf einer S�ule in der Nacht, war mit ihrer von blauen Laternen beleuchteten S�nfte dort hinaufbef�rdert worden. Es handelte sich nicht um einen Thron, sondern um eine strahlend wei�e S�ule von etwa sechs Fu� H�he, die man oben auf einem kleinen H�gel errichtet hatte. Min hatte einen Sitz neben der S�ule und bekam die eintreffenden Berichte mit.</p><p>�Diese Schlacht verl�uft nicht gut f�r den Prinz der Raben�, sagte General Galgan. Er sprach vor Fortuona zu seinen Gener�len, und er redete die M�nner und Frauen direkt an, damit sie ihm antworten konnten, ohne die Kaiserin direkt anzusprechen. �Seine Bitte um unsere R�ckkehr ist eben erst eingetroffen. Er hat viel zu lange gewartet, um unsere Hilfe zu suchen.�</p><p>�Ich spreche das nur z�gernd aus�, meinte Yulan, �aber auch wenn die Weisheit der Kaiserin grenzenlos ist, fehlt mir doch die Zuversicht in den Prinzen. Er mag der auserw�hlte Gemahl der Kaiserin sein, und offensichtlich war er eine weise Wahl f�r diese Rolle. Aber in der Schlacht hat er sich als leichtsinnig erwiesen. Vielleicht beanspruchen ihn die Geschehnisse �ber Geb�hr.�</p><p>�Ich bin sicher, dass er einen Plan hat�, sagte Beslan ernst. �Ihr m�sst Mat vertrauen. Er wei�, was er tut.�</p><p>�Mich hat er beeindruckt�, meinte Galgan. �Die Omen scheinen ihn zu beg�nstigen.�</p><p>�Er verliert, Generalhauptmann�, widersprach Yulan. �Verliert schwer. Die Omen eines Mannes k�nnen sich schnell �ndern, genau wie das Gl�ck einer Nation.�</p><p>Min blickte den kleinen Lufthauptmann mit zusammengekniffenen Augen an. Er trug jetzt die beiden letzten Fingern�gel einer jeden Hand lackiert. Er hatte den Angriff auf Tar Valon angef�hrt, und der Erfolg dieses Unternehmens hatte ihm bei Fortuona gro�e Gunst eingebracht. Symbole und Omen wirbelten �ber seinem Kopf, genau wie bei Galgan�� und tats�chlich sogar auch Beslan.</p><p><emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte Min. <emphasis>Fange ich jetzt schon ernsthaft an, sie als</emphasis> Omen <emphasis>zu bezeichnen wie Fortuona? Ich muss von diesen Leuten weg. Sie sind verr�ckt.</emphasis></p><p>�Meiner Ansicht nach betrachtet der Prinz diese Schlacht zu sehr als Spiel�, fuhr Yulan fort. �Auch wenn seine ersten Z�ge sehr scharfsinnig waren, hat er sich jetzt �bernommen. Wie viele M�nner standen schon am <emphasis>Dactolk</emphasis>-Tisch und wurden wegen ihrer Wetten bewundert, obwohl sie der reine Zufall f�hig aussehen lie�? Der Prinz hat anfangs gewonnen, aber jetzt sehen wir, wie gef�hrlich es ist, auf seine Weise zu spielen.�</p><p>Yulan neigte den Kopf in Richtung Kaiserin. Seine Behauptungen wurden zusehends mutiger, da sie ihm keinen Anlass gab, sich zur�ckzuhalten. In dieser Situation war das f�r ihn ein Wink der Kaiserin, damit weiterzumachen.</p><p>�Ich habe�� Ger�chte �ber ihn geh�rt�, sagte Galgan.</p><p>�Mat ist ein Spieler, ja�, gab Beslan zu. �Aber er ist ungew�hnlich gut darin. Er gewinnt, General. Bitte, Ihr m�sst zur�ckgehen und helfen.�</p><p>Yulan sch�ttelte energisch den Kopf. �Die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, hat uns aus guten Gr�nden vom Schlachtfeld abgezogen. Wenn der Prinz nicht einmal seinen eigenen Kommandoposten besch�tzen kann, hat er auch die Schlacht nicht im Griff.�</p><p>Immer k�hner. Galgan rieb sich das Kinn, dann blickte er eine andere der Versammelten an. Min wusste nicht viel �ber Tylee. Sie hielt sich bei diesen Besprechungen stets zur�ck. Mit dem ergrauenden Haar und den breiten Schultern ging von der dunkelh�utigen Frau eine unbestimmbare Kraft aus. Das war eine Generalin, die ihre Soldaten viele Male selbst in die Schlacht gef�hrt hatte. Die Narben bewiesen es.</p><p>�Diese Festl�nder k�mpfen besser, als ich je gedacht h�tte�, sagte Tylee. �Ich habe an der Seite von Cauthons Soldaten gek�mpft. Ich glaube, sie werden Euch �berraschen, General. Auch ich schlage dem�tig vor, dass wir zur�ckkehren und helfen.�</p><p>�Aber ist das im besten Interesse des Kaiserreiches?�, fragte Yulan. �Cauthons Truppen werden den Schatten schw�chen, genau wie es der Marsch des Schattens von Merrilor nach Ebou Dar tun wird. Wir k�nnen die Trollocs unterwegs aus der Luft angreifen. Der lange Sieg sollte unser Ziel sein. Vielleicht k�nnen wir den Prinzen von <emphasis>Damane</emphasis> holen und in Sicherheit bringen lassen. Er schlug sich gut, aber in dieser Schlacht ist er dem Gegner nicht gewachsen.�</p><p>Min runzelte die Stirn und beugte sich vor. Eines der Bilder �ber Yulans Kopf�� es war so seltsam. Eine Kette. Warum sollte er eine Kette �ber dem Kopf haben?</p><p><emphasis>Er ist ein Gefangener,</emphasis> dachte sie pl�tzlich. <emphasis>Licht! Jemand zupft an seinen Saiten wie auf einem Instrument.</emphasis></p><p>Mat f�rchtete einen Spion. Min wurde es eiskalt.</p><p>�Die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, hat ihre Entscheidung getroffen�, sagte Galgan. �Wir kehren zur�ck. Es sei denn nat�rlich, sie hat in ihrer Weisheit die Meinung ge�ndert��?� Er wandte sich ihr mit einem fragenden Gesichtsausdruck zu.</p><p><emphasis>Unser Spion kann die Macht lenken,</emphasis> erkannte Min und musterte Yulan. <emphasis>Dieser Mann steht unter einem Zwang.</emphasis></p><p>Machtlenker. Schwarze Ajah? Eine <emphasis>Damane</emphasis> als Schattenfreundin? Ein Schattenlord? Es konnte jeder sein. Und der Spion w�rde sich aller Voraussicht nach mit einem Gewebe tarnen.</p><p>Wie sollte sie also diesen Spion jemals entlarven?</p><p>Ihre Visionen. Aes Sedai und andere Machtlenker verbreiteten stets Bilder. Immer. War darin ein Hinweis zu finden? Yulans Kette bedeutete, dass er jemandes Gefangener war, das verriet ihr der Instinkt. Also war er nicht der eigentliche Spion, sondern eine Marionette.</p><p>Sie fing mit den anderen Adligen und Gener�len an. Nat�rlich hatten viele Omen �ber dem Kopf schweben, wie es f�r solche Leute nun einmal �blich war. Wie sollte sie etwas Ungew�hnliches entdecken? Min betrachtete die Menge, und ihr stockte der Atem, als ihr zum ersten Mal eine der <emphasis>So�jhin</emphasis> ins Auge fiel, eine jung aussehende Frau mit Sommersprossen. �ber ihrem Kopf schwebte eine Reihe Bilder.</p><p>Die Frau war ihr unbekannt. Hatte sie hier die ganze Zeit �ber gedient? Sicherlich w�re ihr doch aufgefallen, wenn die Frau bereits zuvor in ihrer N�he besch�ftigt gewesen w�re. Menschen, die keine Machtlenker, Beh�ter oder <emphasis>Ta�veren</emphasis> waren, wiesen nur selten so viele Bilder auf. Ob sie nun blo� nicht daran gedacht oder es einfach �bersehen hatte, sie war eben nicht auf den Gedanken gekommen, sich die Diener genau anzusehen.</p><p>Jetzt war ihr die Tarnung offensichtlich. Sie blickte weg, um nicht das Misstrauen der Frau zu erregen, und dachte �ber ihren n�chsten Schritt nach. Ihr Instinkt fl�sterte ihr zu, einfach anzugreifen, ein Messer zu ziehen und ohne Vorwarnung zu werfen. Falls diese Dienerin ein Schattenlord war�� oder gar eine der Verlorenen, beim Licht!��, war ein unvermuteter Angriff vielleicht die einzige M�glichkeit, sie zu besiegen.</p><p>Aber es war durchaus m�glich, dass die Frau unschuldig war. Min zerbrach sich den Kopf, dann stand sie einfach auf. Mehrere Angeh�rige des Blutes raunten �ber den Bruch der Etikette, aber sie ignorierte sie. Sie kletterte auf die Armlehne ihres Stuhls und balancierte dort, um auf gleicher H�he mit Tuon zu sein. Sie beugte sich vor.</p><p>�Mat hat uns um unsere R�ckkehr gebeten�, sagte sie leise. �Wie lange wollt Ihr noch dar�ber nachdenken, seinen Wunsch zu erf�llen?�</p><p>Tuon musterte sie. �Bis ich �berzeugt bin, dass es f�r mein Kaiserreich das Beste ist.�</p><p>�Er ist Euer Gemahl.�</p><p>�Das Leben eines Mannes ist nicht das tausend anderer wert�, sagte Tuon, aber sie klang ehrlich besorgt. �Wenn die Schlacht tats�chlich so schlecht verl�uft, wie Yulans Kundschafter sagen���</p><p>�Ihr habt mich Wahrheitssprecherin genannt�, sagte Min. �Was bedeutet das genau?�</p><p>�Es ist Eure Pflicht, mich in der �ffentlichkeit zu tadeln, wenn ich etwas Falsches tue. Aber Ihr seid f�r diese Stellung nicht vorbereitet. Es w�re das Beste f�r Euch, Ihr haltet Euch zur�ck, bis ich f�r die richtige���</p><p>Min wandte sich den Gener�len und der versammelten Menge zu. Ihr Herz pochte wild. �Als Wahrheitssprecherin der Kaiserin Fortuona verk�nde ich nun die Wahrheit. Sie hat die Heere der Menschheit im Stich gelassen, und sie verweigert in einer Zeit der Not ihre St�rke. Ihr Stolz wird die Vernichtung aller Menschen herbeif�hren, auf der ganzen Welt.�</p><p>Das Blut sah sprachlos aus.</p><p>�So einfach ist das nicht, junge Frau�, sagte Galgan. Nach den Blicken der anderen zu urteilen, hatte er einer Wahrheitssprecherin nicht zu widersprechen. Trotzdem machte er weiter. �Das ist eine verworrene Situation.�</p><p>�Ich h�tte mehr Verst�ndnis�, sagte Min, �w�sste ich nicht, dass ein Spion des Schattens unter uns ist.�</p><p>Die sommersprossige <emphasis>So�jhin</emphasis> schaute abrupt auf.</p><p><emphasis>Erwischt,</emphasis> dachte Min, dann zeigte sie auf General Yulan. �Abaldar Yulan, ich klage Euch an! Ich habe Omen gesehen, die mir beweisen, dass Ihr nicht zum Wohle des Kaiserreichs handelt!�</p><p>Die wahre Spionin entspannte sich, und Min entging nicht die Andeutung eines L�chelns auf ihren Lippen. Das reichte. Als Yulan lautstark gegen die Anschuldigung protestierte, lie� Min ein Messer in die Hand gleiten und schleuderte es auf die Frau.</p><p>Die Klinge wirbelte auf sie zu�� und blieb kurz vor der Frau in der Luft h�ngen.</p><p>In der N�he keuchten <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul�dam</emphasis> auf. Die Spionin warf Min einen hasserf�llten Blick zu, dann �ffnete sie ein Wegetor und warf sich hinein. Gewebe der Macht flogen hinter ihr her, aber sie war verschwunden, bevor die meisten Versammelten �berhaupt begriffen, was geschah.</p><p>�General Yulan, es tut mir leid�, verk�ndete Min, �aber Ihr leidet unter einem Zwang. Fortuona, es ist offensichtlich, dass der Schatten tut, was in seiner Macht steht, um uns von der Schlacht fernzuhalten. In Anbetracht dessen�� verfolgt Ihr noch immer diesen Kurs der Unentschlossenheit?�</p><p>Min erwiderte Tuons Blick.</p><p>�Ihr spielt dieses Spiel sehr gut�, fl�sterte Tuon mit eiskalter Stimme. �Wenn man bedenkt, dass ich um Eure Sicherheit besorgt war, weil ich Euch an meinen Hof brachte. Anscheinend h�tte ich mich um mich selbst sorgen sollen.� Tuon seufzte kaum h�rbar. �Ich sch�tze, Ihr gebt mir die Gelegenheit�� vielleicht sogar den Auftrag�� der Entscheidung meines Herzens zu folgen, ob sie nun klug ist oder nicht.� Sie stand auf. �General Galgan, sammelt Eure Truppen. Wir kehren zum Feld von Merrilor zur�ck.�</p><empty-line/><p>Egwene webte Erde und vernichtete die Felsen, hinter denen sich Sharaner versteckt hatten. Die anderen Aes Sedai schlugen sofort zu und schleuderten Gewebe durch die knisternde Luft. Die Sharaner starben in Feuer, Blitzen und Explosionen.</p><p>Dieser Hang der Polov-Anh�he war derma�en mit Ger�ll �bers�t und von Gr�ben durchzogen, dass er aussah wie die Tr�mmer einer Stadt nach einem Erdbeben. Noch immer war Nacht, und sie k�mpften nun schon seit�� Licht, wie lange war es jetzt her, dass Gawyn gestorben war? Stunden.</p><p>Egwene verdoppelte ihre Anstrengungen und weigerte sich, sich von dem Gedanken an ihn �berw�ltigen zu lassen. Im Verlauf der letzten Stunden hatten ihre Aes Sedai und die Sharaner am Westhang Boden gewonnen und wieder verloren. Beharrlich dr�ngte Egwene sie nach Osten.</p><p>Manchmal schien ihre Seite zu gewinnen, aber in letzter Zeit fielen immer mehr Aes Sedai ihrer Ersch�pfung oder der Einen Macht zum Opfer.</p><p>Eine neue Gruppe Machtlenker trat aus den Rauchwolken und griff nach der Macht. Egwene konnte sie mehr f�hlen als sehen.</p><p>�Wehrt ihre Gewebe ab!�, rief sie von ihrem Platz an der Front aus. �Ich greife an, ihr verteidigt!�</p><p>Die anderen Frauen gaben ihren Befehl entlang der Linie weiter. Sie k�mpften nicht l�nger allein in Widerstandsnestern; Frauen s�mtlicher Ajahs hatten sich zu beiden Seiten Egwenes in Reihen aufgestellt, ihre alterslosen Gesichter verrieten grimmige Konzentration. Vor ihnen standen Beh�ter. Feindliche Gewebe mit ihren K�rpern abzufangen war der einzige Schutz, den sie jetzt bieten konnten.</p><p>Egwene f�hlte Leilwin hinter sich n�her kommen. Die neue Beh�terin nahm ihre Pflichten sehr ernst. Eine Seanchanerin, die in der Letzten Schlacht als ihre Beh�terin k�mpfte. Warum nicht? Die Welt selbst l�ste sich auf. Die zahllosen Spalten zu ihren F��en bewiesen das. Sie waren nicht wie zuvor verblichen�� die Finsternis blieb jetzt. Hier war zu viel Baalsfeuer eingesetzt worden.</p><p>Egwene webte Feuer zu einer sich bewegenden, brausenden Wand. Leichen gingen in Flammen auf, als diese Wand �ber sie hinwegbrauste. Zur�ck blieben nur qualmende Knochenhaufen. Ihr Angriff verbrannte und schw�rzte den Boden, und die Sharaner kamen zusammen, um diese Str�nge zu bek�mpfen. Sie t�tete ein paar von ihnen, bevor sie den Angriff abwehren konnten.</p><p>Die anderen Aes Sedai wehrten die feindlichen Gewebe ab oder zerst�rten sie, und Egwene sammelte ihre Kraft, um weiterzumachen. <emphasis>So m�de��,</emphasis> wisperte ein Teil von ihr. <emphasis>Du bist so m�de. Langsam wird das gef�hrlich.</emphasis></p><p>Leilwin stolperte �ber einen zerborstenen Stein, gesellte sich dann an der Front zu ihr. �Ich �berbringe eine Nachricht, Mutter�, sagte sie mit ihrem seanchanischen Akzent. �Die Asha�man haben die Siegel. Ihr Anf�hrer tr�gt sie.�</p><p>Egwene atmete erleichtert auf. Sie webte Feuer und schickte es dieses Mal in S�ulen auf den Weg. Die Flammen erhellten den zerst�rten Boden vor ihnen. Die von M�Hael verursachten Spalten bereiteten ihr gro�e Sorgen. Sie setzte zum n�chsten Gewebe an, hielt aber inne. Etwas stimmte nicht.</p><p>Ein Strahl Baalsfeuer von der Dicke eines M�nnerarms fuhr durch die Reihen der Aes Sedai und l�ste ein halbes Dutzend Frauen auf. Wie aus dem Nichts brachen Explosionen �ber sie herein, und weitere Frauen starben innerhalb eines Herzschlages.</p><p><emphasis>Das Baalsfeuer brannte Frauen weg, die die feindlichen Gewebe daran gehindert hatten, uns zu t�ten�� aber diese Frauen wurden aus dem Muster entfernt, bevor sie die Abwehr weben und die Angriffe der Sharaner aufhalten konnten.</emphasis> Baalsfeuer brannte einen Faden r�ckw�rts aus dem Muster.</p><p>Die folgende Ereigniskette war katastrophal. Sharanische Machtlenker, die eben noch tot gewesen waren, lebten pl�tzlich wieder und griffen an�� M�nner liefen geduckt wie Hunde �ber das zerst�rte Terrain, Frauen gingen in verkn�pften Gruppen zu viert oder f�nft. Egwene suchte die Quelle des Baalsfeuers. Noch nie zuvor hatte sie einen so gewaltigen Strahl zu Gesicht bekommen, der so m�chtig gewesen war, dass er F�den ein paar Stunden zur�ck verbrannt haben musste.</p><p>Sie entdeckte M�Hael oben am Rand der Anh�he. Die Luft verzerrte sich in einer Blase um ihn. Schwarze Tentakel schoben sich schlingpflanzengleich um ihn herum aus den Rissen im Stein. Eine sich ausbreitende Krankheit. Finsternis. Das Nichts. Es w�rde sie alle verschlingen.</p><p>Ein weiterer Strahl Baalsfeuer brannte ein Loch durch den Boden und ber�hrte Frauen, lie� ihre Umrisse aufgl�hen und sie dann verschwinden. Die Luft selbst <emphasis>zerbrach</emphasis>, als w�re sie eine Blase der Macht, die von M�Hael ausging. Der Sturm kehrte zur�ck, nur st�rker.</p><p>�Ich dachte, ich h�tte dir beigebracht, dich zu verkriechen�, knurrte Egwene und sammelte ihre Kraft. Der Boden zu ihren F��en brach auseinander und f�hrte ins Nichts.</p><p>Licht! Sie konnte die Leere dieses Lochs f�hlen. Sie setzte zum n�chsten Gewebe an, aber ein weiterer Strahl Baalsfeuer loderte �ber das Schlachtfeld und t�tete Frauen, die sie geliebt hatte. Das nachfolgende Beben schleuderte sie in die Luft. Schreie wurden immer lauter, als die Sharaner ihre Leute abschlachteten. Aes Sedai rannten auseinander und versuchten sich in Sicherheit zu bringen.</p><p>Die Bodenspalten breiteten sich aus, als w�re das Plateau von einem riesigen Hammer getroffen worden.</p><p>Baalsfeuer. Sie musste es selbst einsetzen. Nur so konnte sie ihn bek�mpfen! Sie erhob sich auf die Knie und fing an, das verbotene Gewebe zu weben, obwohl sich dabei etwas in ihrem Inneren verkrampfte.</p><p>NEIN. Der Einsatz von Baalsfeuer w�rde die Welt nur weiter ihrer Vernichtung entgegenf�hren.</p><p>Aber was dann?</p><p><emphasis>Es ist doch nur ein Gewebe, Egwene.</emphasis> Perrins Worte, als er ihr in der Welt der Tr�ume begegnet war und einen Treffer Baalsfeuer einfach verhindert hatte. Aber es war nicht nur ein weiteres Gewebe. Es gab nichts Vergleichbares.</p><p>So ersch�pft. Jetzt, da sie kurz innegehalten hatte, konnte sie die l�hmende M�digkeit sp�ren. Tief in ihrem Inneren pulsierte der bittere Verlust durch Gawyns Tod.</p><p>�Mutter!�, rief Leilwin und zerrte an ihrer Schulter. Die Frau war bei ihr geblieben. �Mutter, wir m�ssen gehen! Die Aes Sedai weichen zur�ck! Die Sharaner �berrennen uns.�</p><p>�ber ihr entdeckte M�Hael sie. Er l�chelte und setzte sich in Bewegung, in der einen Hand ein Zepter, mit der erhobenen Handfl�che der anderen auf sie deutend. Was w�rde geschehen, wenn er sie mit Baalsfeuer wegbrannte? Die letzten beiden Stunden w�rden verschwinden. Wie sie die Aes Sedai gesammelt hatte, die Aberdutzende Sharaner, die sie get�tet hatte��</p><p><emphasis>Nur ein Gewebe��</emphasis></p><p>Nichts Vergleichbares.</p><p><emphasis>Aber so funktioniert das nicht,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Jede M�nze hat zwei Seiten. Die beiden H�lften der Macht. Hei� und kalt, Licht und Dunkel, Frau und Mann.</emphasis></p><p><emphasis>F�r jedes Gewebe muss es also auch das Gegenteil geben.</emphasis></p><p>M�Hael schleuderte Baalsfeuer, und Egwene tat�� etwas. Das Gewebe, das sie bereits zuvor an den Bodenspalten ausprobiert hatte, jetzt aber mit viel mehr Macht und Reichweite gewebt: ein majest�tisches, wunderbares Gewebe, eine Kombination aller F�nf M�chte. Es glitt vor sie. Sie schrie auf, lie� es los, eine wei�e S�ule von makelloser Reinheit, die der Tiefe ihrer Seele zu entspringen schien. Sie traf M�Haels Gewebe genau in seinem Zentrum.</p><p>Die beiden l�schten einander aus, als w�rde man kochendes und eiskaltes Wasser zusammensch�tten. Ein m�chtiger Lichtblitz �berw�ltigte alles andere und blendete Egwene, aber das, was sie da tat, vermittelte ihr einen genauen Eindruck. Das Muster wurde gest�tzt. Die Risse breiteten sich nicht weiter aus, eine stabilisierende Kraft quoll in ihnen nach oben. Eine Wucherung, wie Schorf auf einer Wunde. Keine perfekte Heilung, aber zumindest ein Pflaster.</p><p>Egwene schrie auf und zwang sich auf die F��e. Sie w�rde sich ihm nicht auf den Knien stellen! Sie zog jeden Fetzen Macht in sich, den sie halten konnte, und warf sich dem Verlorenen mit dem Zorn der Amyrlin entgegen.</p><p>Die beiden Str�me der Macht schleuderten Licht gegeneinander, und um M�Hael herum zerbrach der Boden, w�hrend er sich um Egwene herum wieder neu formte. Sie wusste noch immer nicht, was sie da eigentlich webte. Das Gegenteil von Baalsfeuer. Ihr eigenes Feuer, ein Gewebe aus Licht und Erneuerung.</p><p>Die Flamme von Tar Valon.</p><p>Einen endlos erscheinenden Augenblick lang standen sie wie erstarrt da und waren einander ebenb�rtig. In diesem Augenblick breitete sich in Egwene tiefer Friede aus. Der Schmerz �ber Gawyns Tod verblich. Er w�rde wiedergeboren. Das Muster w�rde weitergehen. Dieses Gewebe, das sie da gewebt hatte, bes�nftigte ihren Zorn und ersetzte ihn durch Frieden. Sie sch�pfte noch tiefer in <emphasis>Saidar</emphasis>, diesem leuchtenden Trost, der sie so lange gef�hrt hatte.</p><p>Und sie f�llte sich mit noch mehr von der Einen Macht.</p><p>Wie ein Schwertstich bahnte sich ihr Strom durch M�Haels Baalsfeuer, stie� es einfach zur Seite und reiste den Strahl entlang in seine ausgestreckte Hand. Er durchbohrte erst sie und dann seine Brust.</p><p>Das Baalsfeuer verschwand. M�Hael keuchte auf, taumelte mit weit aufgerissenen Augen, und dann verwandelte er sich von innen heraus in Kristall. Als w�rde er zu Eis gefrieren. Ein wundersch�ner vielfarbiger Kristall wuchs aus seinem K�rper. Ungeschliffen und grob, als k�me er aus dem Kern der Erde selbst. Irgendwie wusste Egwene, dass die Flamme bei jemandem, der sich nicht dem Schatten verschworen hatte, eine weit geringere Wirkung haben w�rde.</p><p>Sie klammerte sich an der Macht fest, die sie hielt. Sie hatte zu viel aufgenommen. Sie wusste genau, dass sie in dem Moment, in dem sie ihren Griff lockerte, ausbrennen und nie wieder auch nur einen Tropfen davon lenken w�rde. In diesem letzten Augenblick loderte die Eine Macht in ihr.</p><p>Weit im Norden erbebte etwas. Rands Kampf ging weiter. Die Risse im Land breiteten sich weiter aus. M�Hael und Demandreds Baalsfeuer hatten ihr Werk getan. Die Welt zerbr�ckelte. Schwarze Linien rasten �ber die Anh�he, und Egwene sah sie vor ihrem inneren Auge aufklaffen, sah, wie das Land zerbrach und ein Nichts erschien, das s�mtliches Leben in sich hineinzog.</p><p>�Haltet Ausschau nach dem Licht�, fl�sterte sie.</p><p>�Mutter?� Noch immer kniete Leilwin an ihrer Seite. Um sie herum standen Hunderte Sharaner wieder auf.</p><p>�Haltet Ausschau nach dem Licht, Leilwin�, sagte Egwene. �Als Amyrlin-Sitz befehle ich Euch�� findet die Siegel des Dunklen K�nigs Kerker und <emphasis>zerbrecht</emphasis> sie. Tut es in dem Augenblick, in dem das Licht leuchtet. Nur dann kann es uns retten.�</p><p>�Aber���</p><p>Egwene webte ein Wegetor, umschlang Leilwin mit Luft und stie� sie in Sicherheit. Dabei l�ste sie den Beh�terbund mit der Frau und trennte ihre kurze Verbindung.</p><p>�Nein!�, rief Leilwin.</p><p>Das Wegetor schloss sich. Schwarze Spalten ins Nichts breiteten sich um Egwene herum aus, als sie sich den Hunderten Sharanern stellte. Ihre Aes Sedai hatten heldenmutig und mit aller Kraft gek�mpft, aber die sharanischen Machtlenker gab es noch immer. Sie umzingelten sie, einige zaghaft, andere mit einem triumphierenden L�cheln.</p><p>Sie schloss die Augen und zog noch mehr Macht in sich hinein. Mehr, als eine Frau f�hig sein sollte, mehr, als richtig war. Jenseits jeder Sicherheit, jenseits jeder Vernunft. Ihr <emphasis>Sa�angreal</emphasis> hatte keinen Puffer, um so etwas zu verhindern.</p><p>Ihr K�rper war verbraucht. Sie gab ihn auf und verwandelte sich in eine S�ule aus Licht, in die Flamme von Tar Valon, die sich tief in den Boden senkte und hoch in den Himmel schoss. Die Macht verlie� sie in einer lautlosen, wundersch�nen Explosion, schlug wie eine Welle �ber den Sharanern zusammen und versiegelte die Spalten, die der Kampf mit M�Hael geschaffen hatte.</p><p>Egwenes Seele trennte sich von ihrem zusammenbrechenden K�rper und streckte sich auf dieser Welle aus, ritt darauf ins Licht.</p><empty-line/><p>Egwene starb.</p><p>Rand schrie vor Verdr�ngung, vor Zorn, vor Trauer.</p><p>�Nicht sie! NICHT SIE!�</p><p>DIE TOTEN GEH�REN MIR.</p><p>�Shai�tan!�, schrie Rand. �Nicht sie!�</p><p>ICH WERDE SIE ALLE T�TEN, WIDERSACHER.</p><p>Rand kr�mmte sich zusammen und kniff die Augen zu. <emphasis>Ich besch�tze dich,</emphasis> dachte er. <emphasis>Was auch sonst geschehen mag, ich sorge f�r deine Sicherheit, ich schw�re es. Ich schw�re es��</emphasis></p><p>O beim Licht. Egwenes Name kam auf die Liste der Toten. Diese Liste wuchs unaufh�rlich und toste durch seine Gedanken. Sein Versagen. So oft hatte er versagt.</p><p>Er h�tte sie retten m�ssen.</p><p>Die Angriffe des Dunklen K�nigs gingen weiter, versuchten Rand in St�cke zu rei�en und ihn zu zermalmen.</p><p>O beim Licht. Nicht Egwene.</p><p>Rand schloss die Augen und brach zusammen, konnte dem n�chsten Angriff kaum standhalten.</p><p>Finsternis h�llte ihn ein.</p><empty-line/><p>Leane hob den Arm und beschattete die Augen gegen den pr�chtigen Lichtschwall. Er sp�lte die Dunkelheit vom Hang und hinterlie� einen Augenblick lang nur strahlende Helligkeit. Sharaner erstarrten auf der Stelle und warfen Schatten, als sie sich in Kristall verwandelten.</p><p>Die S�ule aus Macht stieg wie ein Leuchtfeuer hoch in den Himmel und erlosch.</p><p>Leane lie� sich auf die Knie fallen und st�tzte sich mit einer Hand ab. Eine Kristallschicht �berzog den Boden, wuchs �ber dem zerst�rten Stein, bedeckte die vernarbte Landschaft. Wo auch immer sich Spalten ge�ffnet hatten, waren sie nun mit Kristall gef�llt und sahen wie kleine Fl�sse aus.</p><p>Leane k�mpfte sich auf die F��e und schlich nach vorn, passierte in Kristall eingefrorene Sharaner. In der Zeit erstarrt und tot.</p><p>Im Zentrum der Explosion entdeckte Leane eine Kristalls�ule von der Gr��e und Breite eines uralten Zwerglorbeerbaumes, die sich ungef�hr f�nfzig Fu� in den Himmel erhob. In ihrer Mitte hing ein mit Rillen versehener Stab, Voras <emphasis>Sa�angreal</emphasis>. Von der Amyrlin selbst war nichts zu sehen, aber Leane kannte die Wahrheit.</p><p>�Der Amyrlin-Sitz ist gefallen�, rief eine Aes Sedai in der N�he zwischen den kristallisierten Sharanern. �Der Amyrlin-Sitz ist gefallen!�</p><empty-line/><p>Donner grollte. Berelain schaute von der Bettkante auf, dann erhob sie sich. Galads Hand entglitt ihr, als sie zu dem Fenster in der Steinmauer ging.</p><p>Das Meer brandete gegen die Felsen, als w�re es zornig. Vielleicht auch voller Schmerz. Wei�e Gischt spr�hte entfesselt in Richtung der Wolken, in denen Blitze ein zerbrochenes Licht warfen. W�hrend sie zusah, wurden die Wolken dichter in der Nacht, falls das �berhaupt noch m�glich war. Dunkler.</p><p>Die Morgend�mmerung war noch eine Stunde entfernt. Aber die Wolken waren so schwarz, dass sie sie nicht sehen w�rde, wenn sie aufging. Das war ihr klar. Sie ging zur�ck an Galads Seite, setzte sich und nahm seine Hand. Wann w�rde eine Aes Sedai kommen, um ihn zu Heilen? Er war noch immer bewusstlos, aber Albtr�ume fl�sterten ihm etwas zu. Er wand sich, und etwas an seinem Hals funkelte.</p><p>Berelain griff unter sein Hemd und zog ein Medaillon hervor. Es trug die Form eines Fuchskopfes. Sie rieb den Finger dar�ber.</p><p>���zur�ck zu Cauthon���, fl�sterte Galad mit geschlossenen Augen. ���Hoffnung���</p><p>Berelain dachte einen Augenblick lang nach, und es kam ihr so vor, als geh�rte die Dunkelheit drau�en dem Dunklen K�nig, und sie erstickte das Land und kroch durch Fenster und unter T�ren herein. Sie stand auf, verlie� Galad und ging schnell, trug das Medaillon fort.</p><empty-line/><p>�Die Amyrlin ist tot�, berichtete Arganda.</p><p><emphasis>Blut und verdammte Asche,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Egwene. Egwene auch?</emphasis> Es traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht.</p><p>�Au�erdem berichten die Aes Sedai�, fuhr Arganda fort, �dass sie die H�lfte ihrer Zahl verloren haben. Die �brig gebliebenen behaupten, und das ist ein Zitat, dass sie �nicht einmal genug Macht lenken k�nnten, um eine Feder zu heben�. Sie sind aus der Schlacht raus.�</p><p>Mat grunzte. �Wie viele von den sharanischen Machtlenkern haben sie erledigt?�, fragte er und machte sich auf alles gefasst.</p><p>�Alle.�</p><p>Mat sah Arganda stirnrunzelnd an. �Was?�</p><p>�Alle Machtlenker�, sagte Arganda. �Alle, die gegen die Aes Sedai k�mpften.�</p><p>�Immerhin etwas�, sagte Mat. Aber Egwene��</p><p>Nein. Daran durfte er im Augenblick nicht denken. Sie und ihre Gef�hrten hatten die sharanischen Machtlenker aufgehalten.</p><p>Sharaner und Trollocs zogen sich von den Frontlinien zur�ck, um sich neu zu gruppieren. Mat nutzte die Gelegenheit, um das Gleiche zu tun.</p><p>Seine Streitkr�fte ��zumindest das, was davon noch �brig war�� waren �ber das ganze Plateau verteilt. Er hatte alles aufgeboten, was er noch hatte. Die Grenzl�nder, die Drachenverschworenen, Loial und die Ogier, Tams Truppen, die Wei�m�ntel, Soldaten der Bande der Roten Hand. Sie hatten hart gek�mpft, aber ihr Gegner war ihnen zahlenm��ig weit �berlegen. Es war schlimm genug gewesen, als sie es blo� mit den Sharanern zu tun gehabt hatten, aber sobald die Trollocs am Osthang durchgebrochen waren, waren sie gezwungen gewesen, sich an zwei Fronten zu verteidigen. Im Verlauf der letzten Stunde waren sie mehr als tausend Schritte zur�ckgedr�ngt worden, und zwar nach Norden, und ihre hinteren Reihen hatten beinahe den Rand der Anh�he erreicht.</p><p>Das w�rde der letzte Sturm sein. Das Ende der Schlacht. Ohne die sharanischen Machtlenker w�rde man ihn nicht sofort ausl�schen, aber Licht�� es waren noch immer so viel verfluchte Trollocs �brig. Er hatte diesen Tanz gut getanzt. Das wusste er. Aber ein Mann konnte allein nur so viel erreichen. M�glicherweise w�rde nicht einmal Tuons R�ckkehr ausreichen. Falls sie kam.</p><p>Arganda �berreichte Berichte von anderen Abschnitten des Schlachtfeldes�� der Mann war so schlimm verwundet, dass er nicht k�mpfen konnte, und niemand konnte mehr genug Machtlenken, um zu Heilen. Er erledigte seine Aufgabe gut. Ein guter Mann. Mat h�tte ihn bei der Bande brauchen k�nnen.</p><p>Die Trollocs sammelten sich f�r ihren Vorsto�, schleppten Leichen aus dem Weg und formierten sich zu F�usten, die die Myrddraal anf�hren w�rden. Das lie� Mat f�nf oder zehn Minuten, um sich vorzubereiten. Dann w�rden sie kommen.</p><p>Lan kam mit grimmiger Miene heran. �Was sollen meine M�nner tun, Cauthon?�</p><p>�Macht euch bereit, diese Trollocs zu bek�mpfen�, sagte Mat. �Hatte jemand in letzter Zeit Kontakt mit Mayene? Jetzt w�re der richtige Augenblick, um ein paar Reihen Geheilte M�nner zur�ckzubekommen.�</p><p>�Ich erkundige mich f�r Euch�, sagte Lan. �Und dann bereite ich meine M�nner vor.�</p><p>Als er ging, griff Mat tief in die Satteltasche. Er zog Rands Banner hervor, das Banner der alten Aes Sedai. Er hatte es sich zuvor besorgt, weil er gedacht hatte, es vielleicht brauchen zu k�nnen. �Jemand soll dieses Ding aufziehen. Wir k�mpfen in Rands verdammtem Namen. Zeigen wir dem Schatten, dass wir stolz darauf sind.�</p><p>Dannil nahm das Banner und suchte sich einen Speer als Stab. Mat holte tief Luft. So wie die Grenzl�nder redeten, glaubten sie, dass das in einem ruhmreichen, heroischen, selbstm�rderischen Sturmangriff enden w�rde. So hatten auch Thoms Lieder immer geendet�� die Art Lieder, von denen er gehofft hatte, sich niemals in ihnen wiederzufinden. Andererseits spielte diese Hoffnung keine gro�e Rolle mehr.</p><p><emphasis>Denk nach, denk.</emphasis> In der Ferne stie�en die Trollocs in ihre H�rner. Tuon hatte sich versp�tet. W�rde sie kommen? Insgeheim hoffte er, dass sie es nicht tun w�rde. Da die Schlacht so schlecht verlief, w�rden vermutlich nicht einmal die Seanchaner mehr einen Unterschied machen.</p><p>Er brauchte dringend einen Vorteil. <emphasis>Komm schon, Gl�ck!</emphasis> Ein weiteres Wegetor �ffnete sich, und Arganda ging, um den Bericht des Boten entgegenzunehmen. Mat brauchte die Neuigkeit gar nicht zu h�ren, denn Argandas Miene bei seiner R�ckkehr war finster.</p><p>�Also gut�, sagte Mat seufzend. �Her damit.�</p><p>�Die K�nigin von Andor ist tot�, sagte Arganda.</p><p><emphasis>Verfluchte Asche! Nicht Elayne!</emphasis> Etwas in Mat zog sich zusammen. <emphasis>Rand�� Es tut mir so leid.</emphasis> �Wer f�hrt sie jetzt an? Bashere?�</p><p>�Tot�, sagte Arganda. �Seine Frau auch. Alle fielen bei einem Angriff auf andoranische Pikentr�ger. Wir haben auch sechs Clanh�uptlinge der Aiel verloren. Niemand f�hrt die Andoraner oder die Aiel am Flussufer. Sie weichen schnell zur�ck.�</p><p>�Das ist das Ende!� Demandreds verst�rkte Stimme hallte vom anderen Ende des Plateaus. �Lews Therin hat euch im Stich gelassen! Schreit auf, wenn ihr sterbt. Lasst ihn euren Schmerz f�hlen.�</p><p>Sie waren bei den letzten paar Z�gen ihres Spiels angekommen, und Demandred hatte gut gespielt. Mat betrachtete sein Heer aus ersch�pften Soldaten, von denen viele verwundet waren. Es war nicht abzustreiten, ihre Lage war verzweifelt.</p><p>�Schickt nach den Aes Sedai�, sagte Mat. �Es ist mir egal, ob sie behaupten, dass sie keine Feder mehr heben k�nnen. Vielleicht finden sie ja noch genug Kraft f�r ein paar kleine Feuerb�lle, wenn es um ihr Leben geht. Au�erdem k�nnen ihre Beh�ter ja wohl noch k�mpfen.�</p><p>Arganda nickte. In der N�he �ffnete sich ein Wegetor, und zwei zerzaust aussehende Asha�man stolperten heraus. Naeff und Neald wiesen Brandverletzungen auf, und Naeffs Aes Sedai begleitete sie nicht.</p><p>�Und?�, fragte er sie.</p><p>�Es ist vollbracht�, sagte Neald mit einem Knurren.</p><p>�Was ist mit Tuon?�</p><p>�Anscheinend haben sie den Spion gefunden�, sagte Naeff. �Die Kaiserin wartet darauf, auf Euer Zeichen zur�ckzukehren.�</p><p>Mat atmete ein, schmeckte die Luft des Schlachtfelds und f�hlte den Rhythmus des Kampfes, den er angefangen hatte. Er wusste nicht, ob er siegen konnte, nicht einmal mit Tuons Hilfe. Nicht, wo sich Elaynes Armee in der Aufl�sung befand, nicht, wo die Aes Sedai so geschw�cht waren, dass sie nicht l�nger die Macht lenken konnten. Nicht ohne Egwene, ihre Zwei-Fl�sse-Sturheit, ihr eisernes R�ckgrat. Nicht ohne ein Wunder.</p><p>�Gebt ihr Bescheid, Naeff�, sagte er. Er verlangte nach Papier und Stift und kritzelte eine Botschaft, die er dem Asha�man �bergab. Er verdr�ngte den selbsts�chtigen Wunsch, Tuon in die Sicherheit fliehen zu lassen. Verdammte Asche, es gab keine Sicherheit, nirgendwo mehr. �Gebt das der Kaiserin, Naeff; richtet Ihr aus, dass diese Befehle wortw�rtlich ausgef�hrt werden m�ssen.�</p><p>Dann wandte er sich Neald zu. �Ich will, dass Ihr zu Talmanes geht�, sagte er. �Er soll mit dem Plan weitermachen.�</p><p>Die beiden Machtlenker gingen, um ihre Botschaften zu �berbringen.</p><p>�Reicht das denn?�, fragte Arganda.</p><p>�Nein�, erwiderte Mat.</p><p>�Aber wozu dann das Ganze?�</p><p>�Weil ich eher zum Schattenfreund werde, bevor ich diese Schlacht aufgebe, ohne vorher alles versucht zu haben, Arganda.�</p><p>�Lews Therin!�, donnerte Demandred. �Komm und stell dich mir! Ich wei�, dass du diese Schlacht beobachtest! Komm endlich! K�mpfe!�</p><p>�So langsam geht mir dieser Mann auf die Nerven�, meinte Mat.</p><p>�Cauthon, seht, diese Trollocs haben sich neu gruppiert�, sagte Arganda. �Ich glaube, gleich greifen sie an.�</p><p>�Das ist es dann; stellen wir uns auf�, sagte Mat. �Wo steckt Lan? Ist er schon wieder da? Ich m�chte das wirklich nicht ohne ihn tun.�</p><p>Er lie� die Blicke �ber die Linien schweifen, w�hrend Arganda Befehle bellte. Aber seine Aufmerksamkeit wurde pl�tzlich in eine andere Richtung gedr�ngt, als Arganda ihn am Arm packte und auf die Tiermenschen zeigte. Ein Fr�steln durchfuhr ihn, als er im Licht der gro�en Feuer einen einsamen Reiter auf einem schwarzen Hengst sah, der zur rechten Flanke der Trolloc-Horde galoppierte, auf den Osten der Polov-Anh�he zu. In Richtung Demandred.</p><p>Lan war aufgebrochen, um einen eigenen Krieg zu f�hren.</p><empty-line/><p>Die Trollocs zerrten an Olvers Arm, griffen in die Felsspalte und versuchten ihn dort herauszuzerren. Andere gruben an den Seiten, und Erde regnete auf ihn herab, blieb an den Tr�nen auf seinen Wangen und dem Blut auf seinen Kratzern kleben.</p><p>Er konnte nicht aufh�ren zu zittern. Er konnte sich auch zu keiner Bewegung �berwinden. Voller Angst bebte er, w�hrend die Bestien mit ihren dreckigen Krallen an ihm zerrten und sich immer n�her an ihn herangruben.</p><empty-line/><p>Loial sa� auf einem Baumstumpf und ruhte sich aus, bevor die Schlacht weiterging.</p><p>Ein Sturmangriff. Ja, das w�rde ein gutes Ende sein. Loial f�hlte sich �berall wund. Er hatte viel �ber Schlachten gelesen, und er hatte auch schon andere K�mpfe ausgetragen, also hatte er gewusst, was da auf ihn zukam. Aber etwas zu wissen und es erlebt zu haben, das war ein fundamentaler Unterschied; darum hatte er das <emphasis>Stedding</emphasis> ja �berhaupt erst verlassen.</p><p>Nach mehr als einem Tag ununterbrochener K�mpfe brannte eine tiefe Ersch�pfung in seinen Gliedern. Wenn er die Axt hob, f�hlte sich ihr Kopf so schwer an, dass er sich fragte, warum er den Schaft nicht zerbrach.</p><p>Krieg. Er h�tte auch ohne diese Erfahrung leben k�nnen. Das war so viel mehr als die verzweifelte Schlacht in den Zwei Fl�ssen. Dort hatten sie immerhin Zeit gehabt, die Toten zu bergen und ihre Verwundeten zu versorgen. Dort war es darum gegangen, die Stellung zu halten und gegen die Angriffswellen zu bestehen.</p><p>Hier gab es weder Zeit zu warten noch um zu denken. Erith sa� neben seinem Stumpf auf dem Boden, und er legte ihr die Hand auf die Schulter. Sie schloss die Augen und lehnte sich an ihn. Sie war wundersch�n, mit perfekten Ohren und gro�artigen Augenbrauen. Loial sah nicht auf die Blutflecken auf ihrer Kleidung; er f�rchtete, dass etwas davon ihres war. Er rieb ihre Schulter mit Fingern, die so m�de waren, dass er sie kaum sp�rte.</p><p>Auf dem Schlachtfeld hatte er sich ein paar Notizen machen k�nnen, f�r sich selbst und f�r andere, um festzuhalten, wie die Schlacht bis jetzt verlaufen war. Ja, ein letzter Angriff. Das w�rde ein gutes Ende f�r die Geschichte sein, wenn er sie schrieb.</p><p>Er tat so, als w�rde er diese Geschichte noch schreiben. Eine so kleine L�ge schadete niemandem.</p><p>Ein Reiter brach aus den Reihen der Soldaten hervor und galoppierte auf die rechte Flanke der Trollocs zu. Das w�rde Mat bestimmt nicht gefallen. Ein Mann, ganz allein, w�rde sterben. Loial war �berrascht, dass er nach dem ganzen Tod, dessen Zeuge er geworden war, noch Trauer f�r das Leben eines einzelnen Mannes versp�ren konnte.</p><p><emphasis>Er sieht vertraut aus,</emphasis> dachte er. Ja, es war das Pferd. Dieses Pferd hatte er schon zuvor gesehen, und zwar viele Male. <emphasis>Lan,</emphasis> dachte er wie bet�ubt. <emphasis>Das ist Lan, der da ganz allein reitet.</emphasis></p><p>Loial stand auf.</p><p>Erith schaute zu ihm auf, als er die Axt schulterte.</p><p>�Warte�, sagte er zu ihr. �K�mpfe an der Seite der anderen. Ich muss gehen.�</p><p>�Gehen?�</p><p>�Ich muss das bezeugen�, sagte Loial. Der Fall des letzten K�nigs der Malkieri. Das musste in seinem Buch stehen.</p><empty-line/><p>�Bereitet euch auf den Sturmangriff vor!�, br�llte Arganda. �M�nner, formiert euch! Die Bogensch�tzen nach vorn, dann die Kavallerie, die Fu�soldaten bereiten sich vor, ihr zu folgen!�</p><p><emphasis>Ein Sturmangriff,</emphasis> dachte Tam. <emphasis>Ja, das ist unsere einzige Hoffnung.</emphasis> Sie mussten ihren Druck auf den Gegner aufrechterhalten, aber ihre Reihe war so d�nn. Er konnte erkennen, was Mat versucht hatte, aber es w�rde nicht funktionieren.</p><p>Sie w�rden es trotzdem durchk�mpfen m�ssen.</p><p>�Nun, <emphasis>er</emphasis> ist tot�, sagte ein S�ldner in Tams N�he und deutete mit dem Kopf auf Lan Mandragoran, als er auf die Flanke der Trollocs zuritt. �Verfluchte Grenzl�nder.�</p><p>�Tam���, sagte Abell neben ihm.</p><p>�ber ihnen wurde der Himmel dunkler. War das in der Nacht �berhaupt m�glich? Diese schrecklichen brodelnden Wolken schienen immer niedriger zu h�ngen. Tam verlor beinahe Lans Gestalt auf dem mitternachtsschwarzen Hengst aus dem Auge, obwohl hier �berall Feuer loderten. Ihr Licht erschien schwach.</p><p><emphasis>Er reitet zu Demandred,</emphasis> dachte Tam. <emphasis>Aber da steht eine Mauer aus Trollocs im Weg.</emphasis> Tam zog einen Pfeil, hinter dessen Spitze ein mit Harz getr�nkter Lappen gebunden war, und spannte ihn in die Sehne seines Bogens ein. �M�nner von den Zwei Fl�ssen, macht euch zum Schie�en bereit!�</p><p>Der S�ldner in der N�he lachte. �Das sind mindestens hundert Schritte! Ihr spickt h�chstens ihn mit Pfeilen, wenn �berhaupt.�</p><p>Tam musterte den Mann, dann hielt er seinen Pfeil an eine Fackel. Der Lumpen hinter der Spitze entflammte sofort. �Erste Reihe, auf mein Signal!�, br�llte Tam und ignorierte die anderen Befehle, die die Linie weitergereicht wurden. �Beleuchten wir Lord Mandragorans Weg!�</p><p>Mit einer fl�ssigen Bewegung spannte Tam den Bogen, der brennende Stoff w�rmte seine Finger, und er lie� die Sehne los.</p><empty-line/><p>Lan galoppierte auf die Trollocs zu. Seine Lanze war genau wie ihre drei Ersatzlanzen schon vor Stunden zerbrochen. An seinem Hals baumelte das kalte Medaillon, das Berelain mit einer schlichten Notiz durch das Wegetor geschickt hatte.</p><p><emphasis>Ich wei� nicht, wie Galad darangekommen ist, aber ich glaube, er wollte, dass ich es Cauthon schicke.</emphasis></p><p>Lan dachte nicht dar�ber nach, was er da tat. Das Nichts erlaubte solche Dinge nicht. Manche M�nner w�rden das als tollk�hn, n�rrisch, ja selbstm�rderisch bezeichnen. Aber nur selten wurde die Welt von M�nnern ver�ndert, die nicht bereit waren, zumindest eines davon auszuprobieren. Er sandte, was auch immer er an Trost zustande brachte, durch den Bund zu der fernen Nynaeve, dann bereitete er sich auf den Kampf vor.</p><p>Als er sich den Tiermenschen n�herte, stellten die Bestien eine Speerreihe auf, um ihn aufzuhalten. Ein Pferd w�rde sich bei einem Durchbruchsversuch selbst aufspie�en. Lan holte Luft, beruhigte sich mit dem Nichts, bereitete sich darauf vor, die Spitze des ersten Speers abzutrennen und sich dann seinen Weg durch die Reihe zu erzwingen.</p><p>Ein unm�gliches Man�ver. Die Trollocs w�rden blo� n�her zusammenr�cken m�ssen, damit er langsamer wurde. Danach konnten sie Mandarb �berw�ltigen und ihn aus dem Sattel zerren.</p><p>Aber jemand musste Demandred vernichten. Mit dem Medaillon am Hals hob Lan das Schwert.</p><p>Ein brennender Pfeil schoss aus dem Himmel und bohrte sich in den Hals des Trollocs genau vor ihm. Ohne zu z�gern, benutzte er die gest�rzte Kreatur als �ffnung in der Speerreihe. Er krachte in das Schattengez�cht, trampelte �ber den Gefallenen hinweg. Nun w�rde er��</p><p>Ein weiterer Pfeil raste heran und f�llte einen Tiermenschen. Dann war der n�chste dran, noch einer, in schneller Folge. Mandarb krachte durch die verwirrten, brennenden und sterbenden Trollocs, als ein ganzer Regen Brandpfeile vor ihm niederging.</p><p>�Malkier!�, br�llte Lan, trieb Mandarb an, zertrampelte Kadaver, behielt aber seine Geschwindigkeit bei, als sich vor ihm ein Weg �ffnete. Ein Lichthagel regnete herab, jeder Pfeil traf pr�zise und t�tete eine Bestie, die ihn aufhalten wollte.</p><p>Er donnerte durch die Reihen, stie� sterbende Ungeheuer zur Seite, und brennende Pfeile beleuchteten seinen Weg durch die Finsternis wie eine Stra�e. Dicht gedr�ngt stand das Schattengez�cht zu beiden Seiten, aber vor ihm st�rzten die Gegner zu Boden und st�rzten auch weiterhin, bis dort keiner mehr stand.</p><p><emphasis>Danke, Tam.</emphasis></p><p>Lan galoppierte am Osthang des Plateaus entlang, nun ganz allein, vorbei an Soldaten, vorbei am Schattengez�cht. Er war eins mit dem Wind, der durch sein Haar fuhr, eins mit dem sehnigen Tier unter ihm, das ihn vorw�rtstrug, eins mit dem Mann, der sein Ziel, sein Schicksal war.</p><p>Die lauten Hufschl�ge lie�en Demandred aufsehen, seine sharanischen Gef�hrten erhoben sich vor ihm.</p><p>Mit einem lauten Aufbr�llen f�hrte Lan Mandarb in die Sharaner hinein, die seinen Weg versperrten. Der Hengst machte einen Satz, seine Vorderbeine stie�en die W�chter vor ihm zu Boden. Mandarb fuhr herum, seine Flanken schickten noch mehr Feinde zu Boden, seine Vorderhufe trafen neue Ziele.</p><p>Lan sprang aus dem Sattel ��Mandarb verf�gte �ber keinen Schutz gegen Machtlenken, also w�rde der Kampf vom Sattel aus Demandred blo� dazu einladen, sein Pferd zu t�ten�� und landete mit gezogener Klinge laufend am Boden.</p><p>�Noch einer?�, br�llte Demandred. �Lews Therin, du f�ngst an, mich���</p><p>Er unterbrach sich, als Lan ihn erreichte und sich in �Daunenfedern im Sturmwind� warf, eine wilde, offensive Schwertfigur. Demandred riss die Klinge hoch, fing den Hieb ab und stolperte durch seine Gewalt einen Schritt zur�ck. Drei blitzschnelle Schl�ge tauschten sie aus, Lan blieb in Bewegung, bis der letzte Hieb Demandred an der Wange traf. Lan versp�rte einen leichten Widerstand, dann spr�hte Blut durch die Luft.</p><p>Demandred tastete nach der Verletzung an der Wange, seine Augen �ffneten sich weit. �<emphasis>Wer</emphasis> bist du?�, fragte der Verlorene.</p><p>�Ich bin der Mann, der dich t�ten wird.�</p><empty-line/><p>Min schaute vom R�cken ihres <emphasis>Torm</emphasis> auf, als er durch das Wegetor zur�ck auf das Schlachtfeld von Merrilor sprang. Sie hoffte, dass er dem Schlachtenget�se widerstehen w�rde, sobald sie da waren. In der Ferne brannten gro�e Feuer und Fackeln, wie Gl�hw�rmchen, die Bilder der Tapferkeit und Entschlossenheit beleuchteten. Sie betrachtete die flackernden Lichter, die letzten Scheite eines Feuers, das bald gel�scht werden w�rde.</p><p>Weit im Norden erbebte Rand.</p><empty-line/><p>Das Muster wirbelte um Rand und zwang ihn zuzusehen. Er blickte durch Augen, aus denen Tr�nen str�mten. Er sah Menschen k�mpfen. Er sah sie sterben. Er sah Elayne, gefangen und allein, w�hrend sich ein Schattenlord darauf vorbereitete, ihr die ungeborenen Kinder aus dem Scho� zu schneiden. Er sah Rhuarc, der seinen Geist eingeb��t hatte und nun die Marionette einer der Verlorenen war.</p><p>Er sah Mat, der verzweifelt einer schrecklich ungleichen Wette gegen�berstand.</p><p>Er sah Lan in seinen Tod reiten.</p><p>Demandreds Worte trafen ihn. Die Kraft des Dunklen K�nigs riss weiter an ihm.</p><p>Er hatte versagt.</p><p>Aber irgendwo in seinem Hinterkopf erklang eine Stimme. Kaum h�rbar, fast in Vergessenheit geraten.</p><p><emphasis>Lass los.</emphasis></p><empty-line/><p>Lan hielt nichts zur�ck.</p><p>Er k�mpfte nicht, wie er Rand das K�mpfen beigebracht hatte. Kein vorsichtiges Austesten, keine Erkundung des Terrains, keine sorgf�ltige Einsch�tzung. Demandred konnte die Macht lenken, und trotz des Medaillons durfte er seinem Feind keine Zeit zum Nachdenken geben. Oder um Gewebe zu weben und ihm Steine entgegenzuschleudern oder den Boden unter seinen F��en zu �ffnen.</p><p>Lan begrub sich tief im Nichts und erlaubte seinem Instinkt, ihn zu leiten. Er ging weit �ber die fehlenden Empfindungen hinaus, brannte alles weg. Er musste die Gegend nicht einsch�tzen, denn er hatte das Gef�hl, dass das Land ein Teil von ihm war. Er musste nicht Demandreds Kraft ergr�nden. Einer der Verlorenen mit seinen vielen Jahrzehnten Erfahrung w�rde der geschickteste Schwertk�mpfer sein, dem er je gegen�bergestanden hatte.</p><p>Lan war sich vage bewusst, dass die Sharaner zur�ckwichen, um einen gro�en Kreis um die beiden K�mpfer zu bilden. Anscheinend vertraute Demandred so sehr auf sein Geschick, dass er von anderen keine Einmischung duldete.</p><p>Lan f�hrte eine Reihe Angriffe durch. �Wasser flie�t bergab� ging �ber in �Wirbelwind vom Berg� und dann in �Der Falke taucht ins Geb�sch�. Seine Figuren waren wie Str�me, die sich zu einem immer gr��eren Fluss vereinigten. Demandred k�mpfte so gut, wie er bef�rchtet hatte. Auch wenn sich seine Fechtfiguren etwas von denen unterschieden, die er kannte, hatten die Jahre die Grundz�ge eines Schwertkampfes nicht ver�ndern k�nnen.</p><p>�Du bist�� gut���, grunzte Demandred und wich vor �Wind und Regen� zur�ck; Blut tropfte von seinem Kinn. Lans Klinge blitzte durch die Luft und spiegelte das rote Licht eines Feuers in der N�he wider.</p><p>Demandred griff mit �Den Funken schlagen� an, womit Lan gerechnet hatte und dementsprechend parierte. Er trug einen Kratzer an der Seite davon, den er ignorierte. Der Schlagabtausch hatte ihn einen Schritt zur�ckgeworfen, was Demandred Gelegenheit gab, mit der Einen Macht nach einem Stein zu greifen und ihn ihm entgegenzuschleudern.</p><p>Tief ins Nichts versunken f�hlte Lan den Stein kommen. Er begriff den Kampf�� es war eine Art von Verstehen, die tief in sein Inneres reichte, bis zum Kern seiner Seele. Wie Demandred seine Schritte setzte, in welche Richtung sein Blick flackerte, das alles verriet Lan genau, was nun passieren w�rde.</p><p>Als er in die n�chste Figur glitt, f�hrte Lan die Klinge quer an seiner Brust vorbei nach oben und trat zur�ck. Ein Stein von der Gr��e eines M�nnerkopfs flog direkt vor ihm vorbei. Lan glitt vorw�rts, der Arm bewegte sich in eine neue Position, w�hrend der n�chste Stein so schnell unter ihm vorbeiflog, dass er einen Luftzug hinter sich herzog. Lan hob das Schwert und floss f�rmlich um den Weg des dritten Steins herum, der ihn nur um Daumenbreite verfehlte.</p><p>Demandred blockierte Lans Angriff, aber er atmete schwer. �Wer <emphasis>bist</emphasis> du?�, fl�sterte der Verlorene erneut. �In diesem Zeitalter verf�gt niemand �ber ein solches Geschick. Asmodean? Nein, nein. Er h�tte nicht so gegen mich k�mpfen k�nnen. Lews Therin? Das bist <emphasis>du</emphasis> hinter diesem Gesicht, richtig?�</p><p>�Ich bin blo� ein Mann�, fl�sterte Lan. �Das ist alles, mehr bin ich nie gewesen.�</p><p>Demandred knurrte, griff an. Lan reagierte mit �Steine poltern vom Berg�, aber die Wucht seines Gegners zwang ihn ein paar Schritte zur�ck.</p><p>Obwohl Lan urspr�nglich die Offensive gehabt hatte, war Demandred der bessere Schwertk�mpfer. Das verriet ihm das gleiche Gesp�r, das ihm sagte, wann er zuschlagen musste, wann parieren oder einen Ausfallschritt machen oder sich zur�ckziehen. Vielleicht w�re es anders gewesen, h�tten beide die gleichen Voraussetzungen gehabt. Aber das war nicht der Fall. Lan hatte den ganzen Tag gek�mpft, und obwohl er von den schlimmsten Verletzungen Geheilt worden war, schmerzten die kleineren dennoch. Dar�ber hinaus zehrte jede Heilung an den Kr�ften.</p><p>Demandred war noch immer ausgeruht. Der Verlorene redete nicht l�nger und vertiefte sich in das Duell. Er h�rte auch auf, die Eine Macht zu benutzen, und konzentrierte sich allein auf seine Klinge. Er grinste nicht, wenn er im Vorteil war. Ohnehin erschien er nicht wie ein Mann, der oft grinste.</p><p>Lan l�ste sich von ihm, aber der Verlorene setzte mit �Der Keiler st�rmt bergab� nach, stie� Lan erneut an den Rand des Kreises, schlug auf seine Abwehr ein, landete einen Treffer an seinem Arm, dann an der Schulter, schlie�lich am Oberschenkel.</p><p><emphasis>Ich habe nur Zeit f�r eine letzte Lektion��</emphasis></p><p>�Ich habe dich�, knurrte Demandred schlie�lich schwer atmend. �Wer auch immer du bist, <emphasis>ich habe dich</emphasis>. Du kannst nicht gewinnen.�</p><p>�Du hast mir nicht zugeh�rt�, fl�sterte Lan.</p><p><emphasis>Eine letzte Lektion. Die schwerste��</emphasis></p><p>Demandred schlug zu, und Lan erkannte seine �ffnung. Er lenkte Demandreds Schwertspitze auf seine Seite und st�rzte sich in die Klinge.</p><p>�Ich bin nicht hergekommen, um zu gewinnen�, fl�sterte Lan l�chelnd. �Ich kam, um dich zu t�ten. Der Tod ist leichter als eine Feder.�</p><p>Demandred riss die Augen auf und versuchte sich vom Gegner zu l�sen. Zu sp�t. Lans Schwert traf ihn am Hals, durchbohrte ihn.</p><p>Die Welt wurde dunkel, als Lan von der gegnerischen Klinge rutschte. Dabei f�hlte er Nynaeves Furcht und Schmerz, und er schickte ihr seine Liebe.</p></section><section><title><p>38</p><p>Der Ort, den es nicht gab</p></title><p>Rand sah Lan fallen, und neue Qual durchzuckte ihn. Der Dunkle K�nig umklammerte ihn. Verschlang ihn, zerfetzte ihn. Sich dieses Angriffs zu erwehren war zu schwer. Er war ersch�pft.</p><p><emphasis>Lass los.</emphasis> Die Stimme seines Vaters.</p><p>�Ich muss sie retten���, fl�sterte Rand.</p><p><emphasis>Lass sie sich opfern. Du kannst das nicht allein schaffen.</emphasis></p><p>�Ich muss�� Das bedeutet es��� Die zerst�rerische Macht des Dunklen K�nigs kroch �ber ihn wie tausend Kr�hen, die sich �ber sein Fleisch hermachten, es von seinen Knochen rissen. Dieser Angriff und das Gef�hl von Verlust machten seine Gedanken schwerf�lliger. Egwenes Tod und der so vieler anderer.</p><p><emphasis>Lass los.</emphasis></p><p><emphasis>Es ist ihre Entscheidung.</emphasis></p><p>Es war sein fanatischer Wunsch, sie zu besch�tzen, die Menschen, die an ihn glaubten. Ihr Tod und die Gefahren, denen sie sich stellen mussten, lasteten gewaltig auf ihm. Wie sollte denn ein Mann so ganz einfach�� loslassen? Entzog man sich damit nicht auch zugleich seiner Verantwortung?</p><p>Oder �bergab man damit ihnen die Verantwortung?</p><p>Rand kniff die Augen zusammen, dachte an all jene, die f�r ihn gestorben waren. An Egwene, die er zu besch�tzen geschworen hatte.</p><p><emphasis>Du Narr!</emphasis> Ihre Stimme ert�nte in seinem Kopf. Ihm zugetan, aber scharf.</p><p>�Egwene?�</p><p><emphasis>Darf ich denn nicht auch eine Heldin sein?</emphasis></p><p>�Darum geht es nicht���</p><p><emphasis>Du marschierst in deinen Tod. Und doch verbietest du allen anderen, das Gleiche zu tun?</emphasis></p><p>�Ich���</p><p><emphasis>Lass los, Rand. Lass uns f�r das sterben, woran wir glauben, versuche doch nicht, uns das zu nehmen. Du hast deinen Tod umarmt. Umarme auch meinen.</emphasis></p><p>Tr�nen l�sten sich aus seinen Augenwinkeln. �Es tut mir so leid�, fl�sterte er.</p><p><emphasis>Warum?</emphasis></p><p>�Ich habe versagt.�</p><p><emphasis>Nein. Noch hast du das nicht getan.</emphasis></p><p>Der Dunkle K�nig peitschte auf ihn ein. Er kauerte vor der grenzenlosen Leere, zu keiner Bewegung f�hig. Er schrie gequ�lt auf.</p><p>Und dann lie� er los.</p><p>Er l�ste sich von seiner Schuld. Er l�ste sich von dem Gef�hl, sich sch�men zu m�ssen, weil er Egwene und die vielen anderen nicht hatte retten k�nnen. Er l�ste sich von dem Bed�rfnis, sie besch�tzen zu m�ssen. Sie alle zu besch�tzen.</p><p>Er lie� sie Helden sein.</p><p>Eine Flut von Namen brach aus ihm hervor. Egwene, Hurin, Bashere, Isan von den Chareen Aiel, Somara und Tausende mehr. Er ging die Liste, die er im Geiste gef�hrt hatte, r�ckw�rts durch, einen Namen nach dem anderen�� zuerst langsam, dann mit wachsender Schnelligkeit. Die Liste, die einst nur aus Frauen bestanden hatte, aber l�nger geworden war, weil sie jeden einschloss, von dem er wusste, dass er f�r ihn gestorben war. Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie umfangreich sie doch geworden war, wie viel er sich da aufgeb�rdet hatte.</p><p>Die Namen <emphasis>rissen</emphasis> sich f�rmlich von ihm los, waren wie in den Himmel aufsteigende Tauben, von denen jede eine Last davontrug. Eine B�rde verschwand von seinen Schultern. Sein Atem beruhigte sich. Es war, als w�re Perrin mit seinem Hammer gekommen und h�tte tausend Ketten zerschmettert, die er hinter sich herschleppte.</p><p>Ilyena war die Letzte. <emphasis>Wir werden wiedergeboren,</emphasis> dachte Rand, <emphasis>damit wir es das n�chste Mal besser machen k�nnen.</emphasis></p><p><emphasis>Also mach es besser.</emphasis></p><p>Er schlug die Augen auf und legte seine Hand gegen eine Dunkelheit, die sich fest anf�hlte. Sein Ich, das w�hrend der Angriffe des Dunklen K�nigs zusehends zerfasert und unscharf geworden war, zog sich zusammen. Er nahm den anderen Arm dazu, stemmte sich auf die Knie.</p><p>Und dann stand Rand al�Thor, der Wiedergeborene Drache, wieder auf, um dem Schatten entgegenzutreten.</p><empty-line/><p>�Nein, nein�, fl�sterte die sch�ne Shendla und schaute auf den toten Demandred. Ihr Herz drohte stehen zu bleiben, und sie riss sich mit beiden H�nden an den Haaren, schwankte. W�hrend sie ihren Geliebten betrachtete, holte sie langsam tief Luft, und als sie sie ausstie�, kam sie als furchterf�lltes Kreischen hervor: �Bao der Wyld ist tot!�</p><p>Das ganze Schlachtfeld schien zu verstummen.</p><empty-line/><p>Rand stellte sich dem Dunklen K�nig an diesem Ort, den es <emphasis>nicht</emphasis> gab, umgeben von der Zeit und zugleich von nichts. Sein K�rper stand noch immer in der H�hle im Shayol Ghul, erstarrt in diesem Augenblick des Kampfes gegen Moridin, aber seine Seele befand sich hier.</p><p>Er existierte an diesem Ort, den es nicht gab, diesem Ort au�erhalb des Musters, diesem Ort, an dem das B�se geboren wurde. Er schaute hinein, und er erkannte ihn. Der Dunkle K�nig war kein Wesen, sondern eine Kraft�� eine Essenz so gro� wie das Universum selbst, das Rand jetzt in jeder Einzelheit sehen konnte. Planeten, Sterne in all ihrer Vielfalt, wie Motten �ber einem Lagerfeuer.</p><p>Noch immer versuchte der Dunkle K�nig ihn zu vernichten. Trotz der Angriffe f�hlte sich Rand stark. Entspannt, in sich selbst ruhend. Nun, da seine Last verschwunden war, konnte er wieder k�mpfen. Er hielt sich selbst zusammen. Es war sehr schwer, aber er blieb siegreich.</p><p>Rand trat vor.</p><p>Die Finsternis erbebte. Sie zitterte, vibrierte, als k�nnte sie es nicht glauben.</p><p>ICH VERNICHTE SIE.</p><p>Der Dunkle K�nig war kein Wesen. Er war die Dunkelheit dazwischen. Zwischen dem Licht, zwischen Momenten, zwischen einem Blinzeln.</p><p>DIESES MAL GEH�RT ALLES MIR. SO WAR ES BESTIMMT. WIRD ES IMMER SEIN.</p><p>Rand salutierte den Gestorbenen. Dem Blut, das zwischen den Steinen vorbeistr�mte. Den Tr�nen derjenigen, die andere hatten fallen sehen. Der Schatten warf alles gegen Rand, versessen auf seine Vernichtung. Aber es vernichtete ihn nicht.</p><p>�Wir geben niemals auf�, fl�sterte Rand. �<emphasis>Ich</emphasis> gebe niemals auf.�</p><p>Der riesige Schatten donnerte und sch�ttelte sich. Er sandte St��e durch und �ber die Welt. Der Boden spaltete sich, die Naturgesetze zerbrachen. Schwerter wendeten sich gegen ihre Besitzer, Nahrung verdarb, Steine verwandelten sich in Schlamm.</p><p>Sie st�rzte sich wieder auf Rand, die Kraft aus Nichts versuchte ihn auseinanderzurei�en. Die Wucht der Angriffe lie� nicht nach. Und doch f�hlten sie sich pl�tzlich wie ein nutzloses Summen an.</p><p>Die Menschen w�rden nicht aufgeben. Es ging nicht nur um Rand. Sie alle w�rden weiterk�mpfen. Die Angriffe des Dunklen K�nigs verloren ihre Bedeutung. Wenn sie Rand nicht zur Aufgabe zwingen konnten, wenn sie ihn nicht einlenken lie�en, welche Bedeutung hatten sie dann noch?</p><p>Im Sturm suchte Rand in der Tiefe seines Ichs nach der Leere, wie Tam es ihm beigebracht hatte. Alle Gef�hle, alle Sorgen, alle Schmerzen. Er nahm sie und speiste damit die Flamme einer einzelnen Kerze.</p><p>Frieden erf�llte ihn. Der Frieden eines einzelnen Tropfen Wassers, der einen Teich traf. Der Frieden einzelner Augenblicke, der Frieden zwischen einem Blinzeln, der Frieden dieses speziellen Nichts in ihm.</p><p>�Ich gebe nicht auf�, wiederholte er, und die Worte erschienen ihm wie ein Wunder.</p><p>ICH KONTROLLIERE SIE ALLE. ICH BRECHE SIE. DU HAST VERLOREN, KIND DER MENSCHHEIT.</p><p>�Wenn du das glaubst�, fl�sterte Rand in die Dunkelheit, �dann nur, weil du nicht sehen kannst.�</p><empty-line/><p>Loial keuchte schwer, als er zum Nordende des Plateaus zur�ckkehrte. Er �berbrachte Mat die Neuigkeiten, wie Lan so tapfer gek�mpft hatte, bevor er gefallen war und Demandred mit in den Tod gerissen hatte. Loials Bericht ber�hrte Mat tief, so wie alle Mitglieder seines Heeres, insbesondere die Grenzl�nder, die einen K�nig verloren hatten, einen Bruder. Auch bei den Sharanern herrschte Unruhe, die Nachricht von Demandreds Tod verbreitete sich bereits in ihren Reihen.</p><p>Mat verdr�ngte seine Trauer. Das h�tte Lan nicht gewollt. Stattdessen hob er seinen <emphasis>Ashandarei</emphasis>. <emphasis>�Tai�shar Malkier!�,</emphasis> schrie er mit der ganzen Kraft, zu der er f�hig war. �Lan Mandragoran, Ihr verfluchter, wunderbarer Mann! Ihr habt es geschafft!�</p><p>Sein Ruf hallte durch die Stille, als er auf die Schattenarmee zust�rmte. Hinter ihm stiegen Rufe auf: <emphasis>�Tai�shar Malkier!�</emphasis> Rufe von allen Nationalit�ten, allen Menschen, Grenzl�ndern und anderen. An Mats Seite st�rmten sie �ber die Anh�he. Gemeinsam griffen sie den wie gel�hmten Feind an.</p></section><section><title><p>39</p><p>Und sie k�mpften</p></title><p>DU VERSTEHST ES EINFACH NICHT, ODER?, FRAGTE RAND DIE FINSTERNIS. DAS GEHT �BER DEINEN HORIZONT HINAUS. DU BRICHST UNS, UND WIR K�MPFEN TROTZDEM WEITER! WARUM? HAST DU UNS NICHT GET�TET? HAST DU UNS NICHT ZERST�RT?</p><p>DICH, erwiderte der Dunkle K�nig. ICH HABE DICH!</p><p>Rand trat vor. An diesem Ort schien das Muster wie ein Bildteppich um ihn herumzuwirbeln. DAS IST DEIN FEHLER, SHAI�TAN�� HERR DER DUNKELHEIT, HERR DES NEIDES! HERR �BER GAR NICHTS! DARUM SCHEITERST DU! ES GING NICHT UM MICH. <emphasis>ES GING NIE UM MICH!</emphasis></p><p>Es ging um eine Frau, die man von ihrem Thron gest�rzt und zu einer Marionette gemacht hatte�� eine Frau, die kroch, wenn sie es musste. Diese Frau k�mpfte noch immer.</p><p>Es ging um einen Mann, den die Liebe oft im Stich gelassen hatte, einen Mann, f�r den eine Welt Bedeutung erlangte, die andere schlichtweg ignorierten. Ein Mann, der sich an alte Geschichten erinnerte und ein paar gr�ne Jungen unter seine Fittiche nahm, obwohl es doch viel kl�ger gewesen w�re, einfach weiterzugehen. Dieser Mann k�mpfte noch immer.</p><p>Es ging um eine Frau mit einem Geheimnis, einer Hoffnung f�r die Zukunft. Eine Frau, die die Wahrheit gejagt hatte, bevor es andere tun konnten. Eine Frau, die ihr Leben gab und dann zur�ckgekehrt war. Diese Frau k�mpfte noch immer.</p><p>Es ging um einen Mann, dem man die Familie genommen hatte, der aber trotz seiner Trauer ungebeugt war und die besch�tzte, die er konnte.</p><p>Es ging um eine Frau, die einfach nicht glauben wollte, dass sie nicht helfen konnte, dass sie nicht jene zu Heilen vermochte, die zu Schaden gekommen waren.</p><p>Es ging um einen Helden, der mit jedem Atemzug darauf beharrte, dass er alles andere als ein Held war.</p><p>Es ging um eine Frau, die sich nicht beugte, als man sie schlug, und in der das Licht brannte, was jeder sehen konnte, der darauf achtete. Rand eingeschlossen.</p><p>Um sie alle ging es.</p><p>Er entdeckte das immer wieder in dem um ihn aufgestellten Muster. Rand schritt durch �onen und Zeitalter, seine Hand strich durch Schleifen aus Licht.</p><p>HIER IST DIE WAHRHEIT, SHAI�TAN, sagte Rand und tat mit ausgebreiteten Armen einen weiteren Schritt, und das Gewebe des Musters schlang sich um sie. DU KANNST NICHT GEWINNEN, SOLANGE WIR NICHT AUFGEBEN. DAS IST SO, NICHT WAHR? BEI DIESEM KAMPF GEHT ES NICHT UM EINEN SIEG IN DER SCHLACHT. MICH ZU HOLEN�� ES GING NIE DARUM, MICH ZU BESIEGEN. ES GING DARUM, MEINEN WILLEN ZU BRECHEN.</p><p>UND DAS HAST DU MIT UNS ALLEN VERSUCHT. DARUM WOLLTEST DU UNS MANCHMAL T�TEN, W�HREND DIR DAS DANN WIEDER V�LLIG EGAL ZU SEIN SCHIEN. DU GEWINNST, WENN DU UNS BRICHST. ABER DAS HAST DU NICHT. DAS KANNST DU NICHT.</p><p>Die Finsternis erzitterte. Sie bebte, als w�rde das Himmelsgew�lbe selbst einst�rzen. Der Schrei des Dunklen K�nigs war trotzig.</p><p>Eingeh�llt in das Nichts in seinem Inneren ging Rand weiter, und die Dunkelheit erzitterte.</p><p>ICH KANN NOCH IMMER T�TEN!, br�llte der Dunkle K�nig. ICH KANN SIE NOCH IMMER ALLE HOLEN! ICH BIN DER HERR DES GRABES! DER HERR DER SCHLACHT, ER GEH�RT MIR. AM ENDE GEH�REN SIE ALLE MIR.</p><p>Rand ging mit ausgestreckter Hand weiter. Auf seiner Handfl�che ruhte die Welt, und auf dieser Welt ein Kontinent, und auf diesem Kontinent ein Schlachtfeld, und auf diesem Schlachtfeld lagen zwei M�nner am Boden.</p><empty-line/><p>Mat k�mpfte, und Tam an seiner Seite hatte das Schwert gezogen. Karede und die Totenw�chter gesellten sich zu ihnen, dann Loial und die Ogier. Die Armeen und Menschen von einem Dutzend Nationen k�mpften, und viele schlossen sich ihm an, als er �ber das Plateau rannte.</p><p>Sie waren drei zu eins in der Unterzahl.</p><p>Mat k�mpfte und br�llte in der Alten Sprache. <emphasis>�F�r das Licht! F�r die Ehre! F�r den Ruhm! F�r das Leben selbst!�</emphasis></p><p>Er t�tete einen Trolloc, dann den n�chsten. Ein halbes Dutzend in wenigen Augenblicken, aber er f�hlte, dass er mit der Brandung selbst k�mpfte. Wo auch immer er die Finsternis niederstreckte, nahm mehr von ihr ihren Platz ein. Kreaturen bewegten sich in den Schatten, nur vom Licht einer seltenen Laterne oder einem im Boden steckenden Brandpfeil beleuchtet.</p><p>Das Schattengez�cht k�mpfte nicht als Einheit. <emphasis>Wir k�nnen sie brechen,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Wir m�ssen sie brechen!</emphasis> Das war seine Chance. Jetzt Druck zu machen, w�hrend die Sharaner von Demandreds Fall wie benommen waren.</p><empty-line/><p>DER SOHN DER SCHLACHTEN. ICH HOLE IHN MIR. ICH HOLE SIE MIR ALLE, WIDERSACHER. SO WIE ICH DEN K�NIG DES NICHTS HOLTE.</p><p>Blut und verdammte Asche! Woher kam diese Leere in seinem Kopf? Mat enthauptete einen Trolloc, dann wischte er sich die Stirn ab, w�hrend Karede und die Totenw�chter ihn f�r den Augenblick deckten.</p><p>Er konnte das Schlachtfeld <emphasis>f�hlen</emphasis>! Da waren viele Trollocs und Sharaner, so schrecklich viele.</p><p>�Es sind zu viele!�, rief Arganda aus der N�he. �Beim Licht, sie werden uns �berw�ltigen! Wir m�ssen uns zur�ckziehen! Cauthon, h�rt Ihr mich?�</p><p><emphasis>Ich schaffe das,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Ich kann diese Schlacht gewinnen.</emphasis> Ein Heer konnte einen zahlenm��ig �berlegenen Feind besiegen, aber er brauchte frischen Schwung, eine �ffnung. Einen gl�cklichen Wurf der W�rfel.</p><empty-line/><p>Rand stand �ber dem Muster und schaute herab auf den gefallenen Mann in einem Land, in dem die Hoffnung selbst gestorben zu sein schien. �Du hast nicht genau genug hingesehen. In einer Sache irrst du dich. Und wie du dich irrst���</p><empty-line/><p>In die Enge getrieben und allein hockte ein Junge in einer Felsspalte. Ungeheuer mit Messern und Rei�z�hnen ��der fleischgewordene Schatten�� gruben nach seinem Unterschlupf, griffen mit Krallen wie Messerklingen nach ihm und rissen seine Haut auf.</p><p>Angsterf�llt, weinend und blutverschmiert hob der Junge ein goldenes Horn an die Lippen.</p><empty-line/><p>Mat kniff die Augen zusammen, die Schlacht schien um ihn herum zu verblassen.</p><p><emphasis>Und wie du dich irrst, Shai�tan,</emphasis> dachte Rand.</p><p>Dann erklang die Stimme nicht l�nger nur in Mats Kopf. Jeder auf dem Schlachtfeld h�rte sie deutlich.</p><p><emphasis>Der Mann, den du so oft zu t�ten versucht hast,</emphasis> sagte Rand, <emphasis>der Mann, der sein K�nigreich verlor, der Mann, dem du alles nahmst��</emphasis></p><p>M�hsam und von der Schwertwunde an seiner Seite blutgetr�nkt, kam der letzte K�nig der Malkieri taumelnd auf die F��e. Lan hob die Hand, mit der er das Haupt von Demandred an den Haaren hielt, dem General der Schattenarme.</p><p><emphasis>Dieser Mann,</emphasis> rief Rand. <emphasis>Dieser Mann k�mpft noch immer!</emphasis></p><p>Mat f�hlte, wie sich Stille �ber das Schlachtfeld senkte. Alle waren wie erstarrt.</p><p>In diesem Augenblick ert�nte ein leiser, aber m�chtiger Laut, ein heller, klarer, goldener Ton; ein langer Ton, der alles einschloss. Der reine und wundersch�ne Klang eines Horns.</p><p>Mat hatte diesen Klang schon einmal geh�rt.</p><empty-line/><p>Mellar kniete neben ihr und dr�ckte das Medaillon gegen ihre Stirn, um sie am Machtlenken zu hindern. �Das h�tte auch ganz anders ablaufen k�nnen, meine K�nigin�, sagte er. �Du h�ttest eben zug�nglicher sein sollen.�</p><p>Licht! Dieses l�sterne Grinsen war abscheulich. Nat�rlich hatte er sie geknebelt, aber sie gab ihm nicht die Befriedigung zu weinen.</p><p>Sie <emphasis>w�rde</emphasis> entkommen. Sie musste sich von diesem Medaillon befreien. Zwar war da noch immer der Machtlenker. Aber wenn sie dem Medaillon entging und dann schnell zuschlug��</p><p>�Wirklich schade, dass deine kleine Freundin nicht mehr lebt, um sich das anzusehen�, fuhr Mellar fort. �Auch wenn sie eine N�rrin war, bin ich doch davon �berzeugt, dass sie tats�chlich <emphasis>glaubte</emphasis>, die Birgitte aus den Legenden zu sein.� In der Ferne h�rte Elayne einen leisen Laut. Der Boden bebte. Ein Erdbeben.</p><p>Sie versuchte sich zu konzentrieren, konnte aber nur daran denken, dass Birgitte die ganze Zeit �ber recht gehabt hatte. Es war unbestreitbar m�glich, dass die Babys sicher waren, so wie Min es vorhergesagt hatte, w�hrend sie selbst starb.</p><p>Wei�er Nebel stieg aus dem Boden, wie die Seelen der Toten.</p><p>Pl�tzlich versteifte sich Mellar.</p><p>Elayne blinzelte, starrte ihn an. Etwas Silbernes ragte aus seiner Brust. Es sah aus wie eine�� Pfeilspitze.</p><p>Mellar drehte sich, das Messer entglitt seinen Fingern. Hinter ihm stand Birgitte Silberbogen �ber ihrer Leiche, je einen Fu� an den Seiten des kopflosen K�rpers. Sie hob einen Bogen, der so hell wie auf Hochglanz poliertes Silber funkelte, und schoss noch einen Pfeil ab, der eine Lichtspur hinter sich herzuziehen schien, als er Mellar in den Kopf traf und ihn zu Boden schleuderte. Ihr n�chster Schuss traf Mellars Machtlenker, t�tete den Schattenlord mit einem silbernen Pfeil, bevor der Mann reagieren konnte.</p><p>�berall um sie herum standen Mellars M�nner wie gel�hmt da und starrten Birgitte an. Die Kleidung, die sie jetzt trug, schien zu gl�hen. Ein kurzer wei�er Mantel, ein volumin�ses Paar gelbe Hosen und ein dunkler Umhang. Ihr langes blondes Haar hing in einem aufwendig geflochtenen Zopf bis zu ihrer Taille.</p><p>�Ich bin Birgitte Silberbogen�, verk�ndete Birgitte, als wollte sie jeden Zweifel zerstreuen. �Das Horn von Valere ist ert�nt und ruft alle zur Letzten Schlacht. Die Helden sind zur�ckgekehrt!�</p><empty-line/><p>Lan Mandragoran hielt den Kopf eines der Verlorenen in die H�he�� ihres angeblich unbesiegbaren Schlachtenf�hrers.</p><p>Die Armee des Schattens konnte nicht ignorieren, was da geschehen war, keiner von ihnen, ganz egal, wo sie sich auf dem Schlachtfeld befanden. Die Stimme aus dem Nichts hatte es verk�ndet. Dass der Angreifer stand, w�hrend der Auserw�hlte tot am Boden lag�� es l�hmte sie. �ngstigte sie.</p><p>Und dann ert�nte das Horn in der Ferne.</p><p>�Vorw�rts!�, br�llte Mat. �Vorw�rts!� Wild warf sich seine Armee auf Trollocs und Sharaner.</p><p>�Cauthon, was war das f�r ein Laut?�, wollte Arganda wissen und stolperte zu Pips. Der Mann trug noch immer einen Arm in der Schlinge und hielt einen blutigen Streitkolben in der anderen Hand. Um Mat herum k�mpften die Totenw�chter und m�hten Ungeheuer nieder.</p><p>Mat warf sich wieder in den Kampf. �Das war das verdammte Horn von Valere! Wir k�nnen in dieser Nacht noch immer den Sieg davontragen!�</p><p>Das Horn. Wieso hatte das verdammte Horn blo� ert�nen k�nnen? Nun, allem Anschein nach war er nicht l�nger an das Ding gebunden. Sein Tod in Rhuidean musste ihn davon getrennt haben.</p><p>Ein anderer armer Narr konnte jetzt diese B�rde tragen. Mat heulte einen Schlachtruf, trennte einem Tiermenschen den Arm ab, stach einen anderen in die Brust. Der Klang des Horns st�rzte die ganze Armee des Schattens in Verwirrung. Die Trollocs in Lans N�he wichen zur�ck und krochen in dem verzweifelten Versuch, ihm zu entkommen, fast �bereinander hinweg. Dadurch lichteten sich die Reihen der Kreaturen, die am Osthang k�mpften, und sie hatten keine Reserve mehr. Und niemand schien das Kommando zu haben.</p><p>In der N�he hoben Myrddraal die Waffen gegen ihre eigenen Trollocs und versuchten die Fl�chtlinge wieder in den Kampf zu jagen, aber Brandpfeile der Bogensch�tzen von den Zwei Fl�ssen schossen aus dem Himmel und bohrten sich in die K�rper der Blassen.</p><p><emphasis>Tam al�Thor,</emphasis> dachte Mat, <emphasis>ich werde dir mein bestes Paar Stiefel schicken, verflucht noch mal. Soll mich das Licht verbrennen, aber das werde ich.</emphasis> �Zu mir!�, rief er. �Alle Reiter, die verdammt noch mal eine Waffe halten k�nnen, zu <emphasis>mir</emphasis>!�</p><p>Mit den Fersen trieb er Pips zum Galopp und bahnte sich seinen Weg durch Trollocs, die noch immer k�mpften. Sein Angriff erm�glichte es Furyk Karede und den wenigen ihm noch verbliebenen M�nnern, die L�cke in der Trolloc-Horde zu vergr��ern. Durch sie ergoss sich die gesamte Streitmacht der letzten Grenzl�nder, die hinter Mat in Lans Richtung donnerten.</p><p>Die sharanische Armee zeigte Anzeichen von Schw�che, aber sie machte mit ihrer Offensive weiter; ihre Disziplin zwang die M�nner dazu, das zu tun, was sie im Grunde ihres Herzens beenden wollten. Lans Sieg w�rde der Schlacht nicht sofort ein Ende bereiten�� daf�r gab es viel zu viele Feinde��, aber ohne Demandred hatte der Schatten seine F�hrung verloren. Selbst die Blassen zeigten, dass ihnen der Anf�hrer fehlte. Die Trollocs machten Anstalten, zur�ckzufallen und sich neu zu gruppieren.</p><p>Mat und die Grenzl�nder galoppierten �ber die Anh�he nach S�dwesten und erreichten die Stelle, an der Lan stand. Mat sprang vom Pferd und packte ihn an der Schulter, als der K�nig der Malkieri schwankte. Er blickte Mat mit einer grimmigen Dankbarkeit an, dann verdrehte er die Augen, und seine Knie gaben nach; er lie� Demandreds Kopf zu Boden fallen.</p><p>Ein Mann in einem schwarzen Mantel preschte heran. Mat war sich gar nicht bewusst gewesen, dass Narishma noch immer da war und an der Seite der Grenzl�nder k�mpfte. Der Kandori-Asha�man sprang vom Pferd und ergriff Lans anderen Arm, dann konzentrierte er sich.</p><p>Das kurze Heilen reichte aus, um Lan zur�ck ins Bewusstsein zu holen.</p><p>�Schafft ihn auf ein Pferd, Narishma�, sagte Mat. �Ihr k�nnt Euch in Ruhe um ihn k�mmern, wenn wir wieder bei unserem Heer sind. Ich will nicht hinter feindlichen Linien feststecken, falls die Trollocs da unten entscheiden, sie m�ssten zur�ck auf die Anh�he.�</p><p>Sie ritten zur�ck nach Nordosten und hieben dabei mit Schwertern und Lanzen auf die R�cken der Trollocs in der rechten Flanke ein, was die Bestien noch mehr verschreckte. Sobald die Grenzl�nder sie hinter sich gelassen hatten, wendeten sie die Pferde und ritten erneut mitten in die Horde hinein. Die Kreaturen starrten wild in alle Richtungen, sich unsicher, wo der n�chste Angriff herkommen w�rde. Mat und Narishma ritten weiter mit Lan im Schlepptau zur�ck zu ihren eigenen Linien. Narishma zog den Malkieri vorsichtig vom Pferd und legte ihn hin, um mit der Heilung fortzufahren, w�hrend Mat kurz innehielt und ihre Situation �berdachte.</p><p>Hinter ihnen sammelte sich Nebel. Da schoss Mat ein schrecklicher Gedanke durch den Kopf. Er hatte eine furchtbare M�glichkeit �bersehen! Das Horn von Valere wurde noch immer geblasen, ein ferner und doch unverkennbarer Laut. <emphasis>O Licht,</emphasis> dachte er, <emphasis>o verfluchte abgehackte St�mpfe auf einem Schlachtfeld. Wer bl�st das Horn? Welche Seite?</emphasis></p><p>Der Nebel wand sich W�rmern gleich, die nach einem heftigen Regenfall aus dem Boden krochen. Er sammelte sich zu einer wogenden Wolke, einer Gewitterwolke am Boden, und Umrisse von Pferden galoppierten heraus. Gestalten aus der Legende. Buad von Albhain, so majest�tisch wie jede K�nigin. Amaresu, die ihr gl�hendes Schwert emporgestreckt hielt. Der dunkelh�utige Hend der Schl�ger, einen Hammer in der einen und einen Speer in der anderen Hand.</p><p>An der Front der Helden ritt eine Gestalt durch den Nebel. Hochgewachsen und gebieterisch, mit einer Nase gekr�mmt wie ein Schnabel, trug Artur Falkenfl�gel sein Schwert Gerechtigkeit �ber die Schulter gelegt. Obwohl der Rest der ungef�hr hundert Helden Falkenfl�gel folgte, l�ste sich einer von Nebelschwaden umgeben von der Gruppe und galoppierte fort. Mat hatte keinen guten Blick auf ihn werfen k�nnen. Wer war das gewesen, und wo wollte er so eilig hin?</p><p>Mat richtete den Hut und trieb Pips an, dem uralten K�nig entgegenzureiten. <emphasis>Ich sch�tze, ich wei�, welche Seite ihn gerufen hat,</emphasis> dachte er, <emphasis>wenn er versucht, mich zu t�ten.</emphasis> Er legte den <emphasis>Ashandarei</emphasis> quer �ber den Sattel. Konnte er gegen Artur Falkenfl�gel k�mpfen? Licht, konnte <emphasis>�berhaupt</emphasis> jemand einen der Helden des Horns schlagen?</p><p>�Hallo, Falkenfl�gel�, rief Mat.</p><p>�Spieler�, erwiderte Falkenfl�gel. �Ihr solltet besser auf die Dinge achtgeben, die man Euch �berlie�. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass man uns f�r diesen Kampf nicht ruft!�</p><p>Mat seufzte erleichtert. �Verfluchte Asche, Falkenfl�gel! Ihr h�ttet es nicht so spannend machen m�ssen, Ihr verfluchter Ziegenk�sser. Also k�mpft Ihr f�r uns?�</p><p>�Nat�rlich k�mpfen wir f�r das Licht�, sagte Falkenfl�gel. �Wir w�rden niemals f�r den Schatten k�mpfen.�</p><p>�Aber man sagte mir���, setzte Mat an.</p><p>�Man hat Euch das Falsche gesagt�, erwiderte Falkenfl�gel.</p><p>�Davon abgesehen, h�tte die andere Seite uns rufen k�nnen�, sagte Hend und lachte, �dann w�rt Ihr jetzt tot!�</p><p>�Ich bin gestorben.� Mat rieb sich die Narbe am Hals. �Anscheinend hat mich dieser Baum f�r sich beansprucht.�</p><p>�Nicht der Baum, Spieler�, sagte Falkenfl�gel. �Ein anderer Augenblick, an den Ihr Euch nicht erinnern k�nnt. Er passt aber, da Lews Therin Euch beide Male das Leben rettete.�</p><p>�Vergesst ihn nicht�, fauchte Amaresu. �Ich habe Euch murmeln gesehen, dass Ihr seinen Wahnsinn f�rchtet, aber die ganze Zeit vergesst Ihr, dass Ihr jeden Eurer Atemz�ge, jeden Eurer Schritte seiner Langmut zu verdanken habt. Euer Leben ist ein Geschenk des Wiedergeborenen Drachen, Spieler. Und das zweimal.�</p><p>Blut und verdammte Asche, selbst <emphasis>tote</emphasis> Frauen behandelten ihn wie Nynaeve. Wo lernten sie das? Gab es da geheimen Unterricht?</p><p>Falkenfl�gel deutete auf etwas in der N�he. Rands Banner; Dannil hielt es noch immer in die H�he. �Wir sind hier eingetroffen, um uns um dieses Banner zu versammeln. Seinetwegen k�nnen wir f�r Euch k�mpfen, Spieler, und weil der Drache euch alle f�hrt�� auch wenn er es aus der Ferne tut. Aber es reicht.�</p><p>Mat warf einen Blick auf das Banner. �Nun, wenn ihr nun alle hier seid, k�nnt ihr jetzt auch k�mpfen. Ich werde meine M�nner zur�ckziehen.�</p><p>Falkenfl�gel lachte herzlich. �Glaubt Ihr, wir hundert k�nnen diese ganze Schlacht schlagen?�</p><p>�Ihr seid die verdammten Helden des Horns�, erwiderte Mat. �Das ist doch das, was ihr tut, oder nicht?�</p><p>�Man kann uns besiegen�, sagte die h�bsche Blaes von Matuchin und lie� ihr Pferd an die Seite von Falkenfl�gel t�nzeln. Tuon konnte doch unm�glich sauer sein, wenn er eine Heldin ein bisschen ansah, oder? Schlie�lich wurde von Normalsterblichen erwartet, sie anzustarren. �Wenn wir schwer verletzt werden, m�ssen wir uns zur�ckziehen und in der Welt der Tr�ume erholen.�</p><p>�Der Schatten wei�, wie er uns kampfunf�hig machen kann�, f�gte Hend hinzu. �Bindet uns an H�nden und F��en, und wir k�nnen nichts tun, um bei der Schlacht zu helfen. Es spielt keine Rolle, ob man unsterblich ist, wenn man sich nicht bewegen kann.�</p><p>�Wir k�nnen gut k�mpfen�, sagte Falkenfl�gel zu Mat. �Und wir werden Euch unsere Kraft leihen. Das ist nicht unser Krieg allein. Wir sind nur ein Teil davon.�</p><p>�Na gro�artig�, sagte Mat. Das Horn ert�nte noch immer. �Dann verratet mir doch eines. Wenn ich nicht in dieses Ding blies, und der Schatten auch nicht�� wer ist es dann?�</p><empty-line/><p>Trolloc-Krallen zerkratzten Olvers Arm. Durch seine Tr�nen hindurch blies er mit zusammengekniffenen Augen in der kleinen Felsspalte in das Horn.</p><p><emphasis>Es tut mir leid, Mat,</emphasis> dachte er, als eine schwarz behaarte Hand das Horn erreichte. Eine andere packte ihn an der Schulter, grub die Krallen tief in sie hinein und lie� Blut seinen Arm hinunterstr�men.</p><p>Man riss ihm das Horn aus den H�nden.</p><p><emphasis>Es tut mir leid!</emphasis></p><p>Der Trolloc riss Olver in die H�he.</p><p>Und lie� ihn fallen.</p><p>Olver krachte benommen zu Boden und zuckte dann zusammen, als ihm das Horn in den Scho� fiel. Zitternd packte er es und blinzelte die Tr�nen fort.</p><p>�ber ihm bewegten sich Schatten. Grunzten. Was passierte da? Vorsichtig hob er den Kopf und entdeckte jemanden, der �ber ihm stand, die F��e rechts und links von ihm auf dem Boden. Die Gestalt k�mpfte so schnell, dass ihre Bewegungen wie ein Schemen erschienen, stellte sich einem Dutzend Trollocs auf einmal, und ihr Stab wirbelte in alle Richtungen, w�hrend sie den Jungen verteidigte.</p><p>Olver erkannte das Gesicht des Mannes, und ihm stockte der Atem. <emphasis>�Noal?�</emphasis></p><p>Noal brach den Arm einer Bestie und zwang sie zur�ck, dann warf er Olver einen Blick zu und l�chelte. Obwohl er noch immer gealtert erschien, war die M�digkeit aus seinen Augen verschwunden�� als w�re eine gro�e Last von ihm genommen worden. In der N�he stand ein wei�es Pferd mit einem goldenen Sattel und Zaumzeug, das pr�chtigste Tier, das Olver je gesehen hatte.</p><p>�Noal, sie sagten, du seist gestorben!�, rief Olver.</p><p>�Bin ich auch�, erwiderte Noal und lachte. �Das Muster war noch nicht mit mir fertig, mein Sohn. Sto� in dieses Horn! Spiele es voller Stolz, Hornbl�ser!�</p><p>Olver gehorchte und lie� das Horn erschallen, w�hrend Noal die Trollocs in dem kleinen Kreis um sie herum zur�cktrieb. Noal. Noal war einer der Helden des Horns! Der Hufschlag galoppierender Pferde verk�ndete die Ankunft weiterer Helden, die gekommen waren, um Olver vor dem Schattengez�cht zu retten.</p><p>Pl�tzlich versp�rte Olver eine tiefe W�rme. Er hatte so viele Menschen verloren, aber einer von ihnen�� einer�� war f�r ihn zur�ckgekehrt.</p></section><section><title><p>40</p><p>Wolfsbruder</p></title><p>Verbl�fft starrten die S�ldner Birgitte an, und Elayne benutzte die Gelegenheit, um sich mit einem Ruck zur Seite zu drehen. Die Schwangerschaft machte ihre Bewegungen unbeholfen, trotzdem war sie alles andere als hilflos. Sie rollte auf die Knie, und das Medaillon, das Mellar ihr an den Kopf gehalten hatte, rutschte zu Boden. Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> erwartete ihre Umarmung. Sie f�llte sich mit der Macht und hielt sich den Bauch.</p><p>Dort bewegten sich ihre Kinder. Elayne webte Str�nge Luft und stie� ihre Feinde zur�ck. Nicht weit entfernt hatte sich ihre Garde neu formiert und durchbrach die Linien von Mellars S�ldnern. Ein paar Angeh�rige der K�niglichen Garde blieben wie erstarrt stehen, als sie Birgitte erblickten.</p><p>�K�mpft gef�lligst weiter, ihr verfluchten Ziegens�hne und Ziegent�chter!�, br�llte Birgitte und schoss Pfeile auf die S�ldner ab. �Ich mag ja vielleicht tot sein, aber ich bin noch immer eure verdammte Kommandantin, und ihr <emphasis>werdet</emphasis> meinen Befehlen gehorchen!�</p><p>Das trieb sie an. Der aufsteigende Nebel wogte in die H�he und verteilte sich �ber das ganze Schlachtfeld. Er schien leicht in der Dunkelheit zu leuchten. In wenigen Augenblicken trieb Elaynes Machtlenken, Birgittes Bogen und das Werk ihrer Gardistinnen den traurigen Rest von Mellars Schattenfreunden in die Flucht.</p><p>Birgitte schoss sechs von ihnen mit Pfeilen nieder, w�hrend sie flohen.</p><p>�Birgitte�, sagte Elayne durch Tr�nen. �Es tut mir leid.�</p><p>�Leid?� Birgitte wandte sich ihr zu. �Leid? Warum trauerst du? Es ist alles wieder da! Meine Erinnerung ist zur�ckgekehrt!� Sie lachte. �Es ist wunderbar! Ich wei� gar nicht, wie du mich diese letzten Wochen ertragen konntest. Ich habe schlimmer geschmollt als ein Kind, das seinen Lieblingsbogen zerbrochen hat.�</p><p>�Ich�� O Licht.� Elaynes Inneres verk�ndete ihr noch immer, dass sie ihre Beh�terin verloren hatte, und der durch den zerst�rten Bund verursachte Schmerz war keine leicht verst�ndliche Sache. Es spielte keine Rolle, dass Birgitte dort vor ihr stand. �Vielleicht sollte ich dich erneut durch den Bund mit mir verkn�pfen?�</p><p>Birgitte winkte ab. �Das w�rde nicht funktionieren. Bist du verletzt?�</p><p>�Nur mein Stolz.�</p><p>�Sch�n f�r dich, aber es war ein noch gr��eres Gl�ck, dass das Horn in diesem Augenblick geblasen wurde.�</p><p>Elayne nickte.</p><p>�Ich gehe zu den anderen Helden�, sagte Birgitte. �Du bleibst hier und erholst dich.�</p><p>�Das soll das Licht verbrennen�, erwiderte Elayne und zwang sich auf die F��e. �Ich bleibe jetzt bestimmt nicht zur�ck, verdammt noch mal. Den Babys geht es gut. Ich reite.�</p><p>�Elayne���</p><p>�Meine Soldaten halten mich f�r tot�, sagte Elayne. �Unsere Linien zerbrechen, unsere M�nner sterben. Sie m�ssen mich sehen, um zu wissen, dass noch Hoffnung besteht. Dieser Nebel sagt ihnen nichts. Falls sie jemals ihre K�nigin brauchten, dann in diesem Augenblick. Mich k�nnte blo� der Dunkle K�nig davon abhalten, jetzt zur�ckzukehren.�</p><p>Birgitte runzelte die Stirn.</p><p>�Du bist nicht l�nger meine Beh�terin�, sagte Elayne. �Aber du bist noch immer meine Freundin. Reitest du mit mir?�</p><p>�Sture N�rrin.�</p><p>�Ich bin hier nicht diejenige, die nicht tot bleiben wollte. Zusammen?�</p><p>�Zusammen�, nickte Birgitte.</p><empty-line/><p>Aviendha blieb abrupt stehen und lauschte dem neuen Heulen. Das h�rte sich nicht unbedingt nach W�lfen an.</p><p>Der Sturm am Shayol Ghul w�tete weiter. Sie hatte keine Ahnung, welche Seite die Oberhand hatte. �berall lagen Leichen herum, manche von W�lfen zerfetzt, andere qualmten noch immer durch Angriffe mit der Einen Macht. Winde tobten, obwohl kein Regen fiel; Staubwolken rissen an ihrer Kleidung.</p><p>Im Krater des Verderbens wurde die Macht gelenkt, das konnte sie f�hlen, aber es war wie ein langsamer Pulsschlag, das genaue Gegenteil von dem Sturm, der die Reinigung der Quelle gewesen war. Rand. Ging es ihm gut? Was geschah dort nur?</p><p>Die von den Windsucherinnen herbeigeholten wei�en Wolken wogten zwischen den pechschwarzen Gewitterwolken und kreisten in einem gewaltigen, sich windenden Muster um den Berggipfel. Nach dem zu urteilen, was sie von den Windsucherinnen geh�rt hatte�� sie hatten sich nach oben zum Shayol Ghul zur�ckgezogen, auf einen Sims hoch �ber dem H�hleneingang, wo sie noch immer die Schale der Winde bearbeiteten��, standen sie an einem entscheidenden Punkt. Mehr als zwei Drittel ihrer Zahl war vor Ersch�pfung zusammengebrochen. Bald w�rde der Sturm alles verschlingen.</p><p>Aviendha strich durch den Mahlstrom und suchte den Ursprung dieses Heulens. Ihr standen keine anderen Machtlenker zur Verkn�pfung zur Verf�gung, jetzt, da Rafela gegangen war, um sich der letzten Verteidigungslinie der Drachenverschworenen an der H�hle anzuschlie�en. Unten im Tal t�teten verschiedene Gruppen einander, bewegten sich hin und her. T�chter, Weise Frauen, <emphasis>Siswai�aman</emphasis>, Trollocs, Blasse. Und W�lfe; bis jetzt hatten sich Hunderte von ihnen in die Schlacht geworfen. Da waren auch ein paar Domani, Tairener und Drachenverschworene�� obwohl die meisten von denen in der N�he des Weges zu Rand k�mpften.</p><p>Etwas schlug neben ihr im Boden ein und summte, und sie schlug zu, ohne nachzudenken. Der Draghkar flammte auf wie ein hundert Tage in der Sonne getrockneter Stock. Aviendha holte tief Luft und blickte sich um. <emphasis>Heulen.</emphasis> Aberhundert Male.</p><p>Sie lief auf seinen Ausgangspunkt los, durchquerte das Tal. Dabei trat jemand aus den staubigen Schatten, ein drahtiger Mann mit grauem Bart und goldenen Augen. Er wurde von einem kleinen Wolfsrudel begleitet. Die Tiere blickten sie an, dann wandten sie sich wieder in die Richtung, in der sie unterwegs waren.</p><p>Aviendha blieb stehen. Goldene Augen.</p><p>�Ho, der, der mit den W�lfen l�uft!�, rief sie dem Mann zu. �Habt Ihr Perrin Aybara mitgebracht?�</p><p>Der Mann erstarrte. Er verhielt sich wie ein Wolf, vorsichtig und doch gef�hrlich. �Ich kenne Perrin Aybara�, rief er zur�ck, �aber er begleitet mich nicht. Er jagt an einem anderen Ort.�</p><p>Aviendha schritt n�her auf den Mann zu. Misstrauisch musterte er sie, und ein paar seiner W�lfe knurrten. Anscheinend trauten sie ihr oder ihrer Art genauso wenig wie den Trollocs.</p><p>�Dieses neue Heulen�, �berschrie sie den Wind, �kommt das von Euren�� Freunden?�</p><p>�Nein�, sagte der Mann, und seine Augen schienen in die Ferne zu blicken. �Nein, nicht mehr. Falls Ihr Frauen kennt, die die Macht lenken k�nnen, Aiel, solltet Ihr sie jetzt holen.� Er bewegte sich in Richtung der Laute, und sein Rudel lief mit ihm.</p><p>Aviendha folgte ihm, hielt Abstand zu den W�lfen, vertraute deren Sinnen aber mehr als den eigenen. Sie kamen zu einer schmalen Erhebung auf dem Talboden, die Ituralde manchmal benutzt hatte, um die Verteidigung des Passes zu leiten.</p><p>Dutzende dunkle Umrisse str�mten aus dem Pass. Schwarze W�lfe von der Gr��e kleiner Pferde. Anmutig sprangen sie �ber den Felsen, und obwohl sie es nicht sehen konnte, wusste Aviendha, dass sich ihre Pfotenabdr�cke im Felsen eingebrannt hatten.</p><p>Hunderte W�lfe griffen die dunkleren Gestalten an und sprangen auf ihre R�cken, wurden aber abgeworfen. Sie schienen nicht viel ausrichten zu k�nnen.</p><p>Der Mann mit den W�lfen knurrte.</p><p>�Schattenhunde?�, rief Aviendha.</p><p>�Ja�, rief er zur�ck und musste laut br�llen, um sich �ber das Tosen des Sturms Geh�r zu verschaffen. �Das ist die Wilde Jagd, sie sind die schlimmsten ihrer Art. Die Waffen der Sterblichen k�nnen ihnen nichts anhaben. Die Bisse normaler W�lfe verletzen sie nicht, jedenfalls nicht auf Dauer.�</p><p>�Warum k�mpfen sie dann?�</p><p>Der Wolfsbruder lachte. �Warum k�mpft �berhaupt einer von uns? Weil wir irgendwie siegen m�ssen! Geht! Holt Aes Sedai, einige dieser Asha�man, falls Ihr sie finden k�nnt! Diese Kreaturen werden Eure K�mpfer so m�helos �berrennen wie eine Welle Kieselsteine am Strand!�</p><p>Der Mann lief den Hang hinunter, seine W�lfe schlossen sich ihm an. Aviendha verstand, warum sie k�mpften. Sie w�rden die Schattenhunde nicht t�ten k�nnen, aber sie konnten sie aufhalten. Und darin bestand ihr Sieg�� Rand genug Zeit zu erkaufen, um das zu tun, was er tun musste.</p><p>Rasch wandte sie sich um, um die anderen zu holen. Das Gef�hl einer m�chtigen Machtlenkerin, die in der N�he <emphasis>Saidar</emphasis> umarmte, lie� sie abrupt anhalten. Sie fuhr herum und blickte in die Richtung, aus der der Eindruck kam.</p><p>Graendal war da, dort oben�� kaum sichtbar. In aller Ruhe schickte sie t�dliche Gewebe auf eine Reihe Verteidiger des Steins. Sie hatte eine kleine Gruppe Frauen�� Aes Sedai, Weise Frauen�� und ein paar W�chter versammelt. Die Frauen knieten um sie herum und f�tterten sie gezwungenerma�en mit Macht, wie die Gewebe verrieten, die sie entfesselte.</p><p>Ihre W�chter waren vier Aiel-M�nner mit schwarzen Schleiern, keinen roten. Mit Sicherheit standen sie unter Zwang. Aviendha z�gerte, schwankte. Was war mit den Schattenhunden?</p><p><emphasis>Ich muss diese Gelegenheit nutzen,</emphasis> dachte sie. Sie webte und feuerte einen blauen Lichtstrahl in den Himmel�� das Zeichen, auf das sie, Amys und Cadsuane sich geeinigt hatten.</p><p>Nat�rlich alarmierte das Graendal. Die Verlorene entdeckte sie und schlug mit Feuer zu. Aviendha warf sich zur Seite, rollte sich ab. Als N�chstes kam eine Abschirmung und versuchte sie von der Quelle abzuschneiden. Verzweifelt zog sie so viel von der Einen Macht in sich hinein, wie sie halten konnte, zog sie durch die Schildkr�tenbrosche. Eine Frau mit einer Abschirmung von der Quelle abzuschneiden war wie der Versuch, ein Seil mit einer Schere durchzuschneiden�� je dicker das Seil, umso schwerer fiel das Schneiden. In diesem Fall hatte Aviendha genug <emphasis>Saidar</emphasis> in sich aufgenommen, um die Abschirmung abzuwehren.</p><p>Sie knirschte mit den Z�hnen, webte eigene Gewebe. Beim Licht, ihr war gar nicht klar gewesen, wie m�de sie war. Um ein Haar verlor sie die Kontrolle, die F�den der Einen Macht drohten ihr zu entgleiten.</p><p>Mit reiner Willenskraft zwang sie sie an Ort und Stelle und schickte ein Gewebe aus Luft und Feuer auf den Weg, obwohl sie wusste, dass unter diesen Gefangenen Freunde und Verb�ndete waren.</p><p><emphasis>Sie w�rden lieber sterben, als sich vom Schatten benutzen zu lassen,</emphasis> sagte sie sich, als sie dem n�chsten Angriff auswich. Um sie herum explodierte der Boden, und sie warf sich der L�nge nach hin.</p><p><emphasis>Nein. Bleib in Bewegung.</emphasis></p><p>Aviendha sprang auf die F��e und lief. Das rettete ihr das Leben, denn Blitze regneten hinter ihr in die Tiefe, und ihre Gewalt schleuderte sie erneut von den Beinen.</p><p>Von mehreren Schnitten am Arm blutend kam sie wieder hoch und fing an, Str�nge zu verweben. Und musste sie fallen lassen, als ein kompliziertes Gewebe auf sie zuraste. Zwang. Wurde sie davon getroffen, w�rde sie ebenfalls zur Sklavin dieser Frau, dazu gezwungen, ihre Kraft f�r die Unterwerfung des Lichts einzusetzen.</p><p>Aviendha webte vor sich Erde in den Boden und schleuderte Felssplitter, Staub und Rauch in die Luft. Dann rollte sie sich zur Seite in eine Bodenvertiefung, sp�hte vorsichtig �ber den Rand der Deckung. Den Atem anhaltend, lenkte sie keine Macht.</p><p>Die peitschenden B�en wehten die von ihr erschaffene Deckung zur Seite. Graendal z�gerte in der Mitte des Feldes. Sie konnte Aviendha nicht sp�ren, die sich zuvor das Gewebe umgest�lpt hatte, das ihr Talent verbarg. Sollte sie die Macht lenken, w�rde das Graendal sofort bemerken, ansonsten w�rde sie sicher sein.</p><p>Graendals Aiel-Sklaven schw�rmten mit hochgezogenen Schleiern aus, um sie zu suchen. Aviendha war versucht, auf der Stelle die Macht zu lenken, um ihr Leben zu beenden. Jeder Aiel, den sie kannte, w�rde ihr daf�r danken.</p><p>Aber sie wartete ab; sie wollte ihre Stellung nicht verraten. Graendal war zu stark. Dieser Frau konnte sie nicht allein entgegentreten. Aber wenn sie wartete��</p><p>Ein Gewebe aus Luft und Geist griff Graendal an und versuchte sie von der Quelle abzuschneiden. Die Frau stie� einen Fluch aus, fuhr herum. Cadsuane und Amys waren eingetroffen.</p><empty-line/><p>�Haltet stand! Haltet stand f�r Andor und die K�nigin!�</p><p>Elayne galoppierte durch Gruppen von Pikenm�nnern, deren Formationen auseinandergesprengt worden waren; ihr Haar wehte hinter ihr, w�hrend sie mit durch die Macht verst�rkter Stimme rief. Sie hielt ein Schwert in die H�he, obwohl das Licht allein wusste, was sie damit anstellen sollte, falls sie es schwingen musste.</p><p>M�nner drehten sich um, als sie sie passierte. Einige wurden dabei von Trollocs niedergehauen. Die Bestien dr�ngten sich durch die Verteidigungslinie und genossen das Gemetzel.</p><p><emphasis>Meine M�nner sind zu ersch�pft,</emphasis> dachte sie. <emphasis>O Licht. Meine armen Soldaten.</emphasis> Vor ihr breitete sich eine Geschichte aus Tod und Verzweiflung aus. Die andoranischen und cairhienischen Pikenhaufen hatten sich nach schrecklichen Verlusten aufgel�st; jetzt standen M�nner in kleinen Gruppen, viele weit verstreut, und k�mpften um ihr Leben. �Haltet stand!�, rief Elayne. �K�mpft mit eurer K�nigin!�</p><p>Mehr M�nner blieben stehen, aber sie gingen nicht zur�ck zur Front. Was war zu tun?</p><p>K�mpfen.</p><p>Elayne griff einen Trolloc an. Sie nahm das Schwert, obwohl sie noch vor Augenblicken gedacht hatte, damit v�llig �berfordert zu sein. Und das war sie auch. Der eberk�pfige Trolloc sah tats�chlich �berrascht aus, als sie mit der Klinge auf ihn einschlug.</p><p>Gl�cklicherweise war Birgitte da und schoss der Bestie in den Unterarm, als sie nach Elayne ausholte. Das rettete ihr Leben, lie� sie das verdammte Ungeheuer aber trotzdem nicht t�ten. Ihr von einer Gardistin geliehenes Pferd t�nzelte herum und hielt den Trolloc davon ab, sie zu erwischen, w�hrend sie sich bem�hte, ihn zu durchbohren. Die Klinge bewegte sich einfach nicht in die Richtung, die sie wollte. Die Eine Macht war eine viel elegantere Waffe. Falls n�tig w�rde sie sie benutzen, aber im Augenblick wollte sie eher so k�mpfen.</p><p>Sie brauchte sich nicht lange abzum�hen. Soldaten schw�rmten um sie herum, erledigten die Kreatur und verteidigten sie vor den anderen, die auf sie vorr�ckten. Elayne wischte sich die Stirn ab und zog sich zur�ck.</p><p>�Was sollte <emphasis>das</emphasis> denn?�, fragte Birgitte, die an ihrer Seite ihr Pferd z�gelte und einen Pfeil auf einen Trolloc abschoss, bevor er einen der Soldaten t�ten konnte. �Bei Ratliffs N�geln, Elayne! Und ich dachte, ich h�tte jeden Bl�dsinn erlebt, zu dem du imstande bist.�</p><p>Elayne hielt das Schwert in die H�he. In der N�he riefen M�nner. �Die K�nigin lebt!�, br�llten sie. �F�r das Licht und Andor! Steht mit der K�nigin!�</p><p>�Wie w�rdest du dich f�hlen�, sagte Elayne leise, �wenn du sehen w�rdest, wie deine K�nigin einen Trolloc mit einem Schwert zu t�ten versucht, w�hrend du wegl�ufst?�</p><p>�Ich w�rde mich f�hlen, als m�sste ich verflucht noch mal in ein anderes Land ziehen�, fauchte Birgitte und schoss den n�chsten Pfeil ab, �wo die Monarchen keine Gr�tze als Hirn haben!�</p><p>Elayne schnaubte. Birgitte konnte sagen, was sie wollte, aber das Man�ver hatte seinen Zweck erreicht. Die Streitmacht, die sie um sich scharte, quoll auf wie ein Hefeteig, wuchs zu beiden Seiten von ihr und bildete eine Schlachtreihe. Sie hielt das Schwert in die H�he, br�llte und erschuf nach einem Augenblick der Unentschlossenheit ein Gewebe, das das majest�tische Banner von Andor �ber ihrem Kopf in der Luft schweben lie�, den roten L�wen, der die Nacht erhellte.</p><p>Das w�rde gleich das Feuer von Demandred und seinen Machtlenkern auf sich ziehen, aber die M�nner brauchten dieses Signal. Sie w�rde die Angriffe abwehren, wenn sie kamen.</p><p>Das taten sie aber nicht, als sie die Linie abritt und ihren M�nnern neue Hoffnung einfl��te. �F�r das Licht und Andor! Eure K�nigin lebt! Haltet stand und k�mpft!�</p><empty-line/><p>Mat donnerte mit den Resten eines einst zahlenm��ig gro�en Heeres nach S�dwesten �ber das Plateau. An seiner linken Seite formierten sich Tiermenschen, die Sharaner voraus zu seiner Rechten. Dem Feind entgegen ritten die Helden, Grenzl�nder, Karede und seine M�nner, Ogier, Bogensch�tzen von den Zwei Fl�ssen, Wei�m�ntel, Ghealdaner und Mayener, S�ldner, Tinna und die drachenverschworenen Fl�chtlinge. Und die Bande der Roten Hand. Seine M�nner.</p><p>Die Erinnerungen in seinem Kopf, die nicht ihm geh�rten, lie�en ihn an bedeutend gr��ere Armeen denken, die er angef�hrt hatte. Heere, die nicht zerrissen, kaum ausgebildet, verletzt und ersch�pft gewesen waren. Aber beim Licht, er war noch nie so stolz gewesen. Trotz allem, was geschehen war, br�llten die M�nner ihre Schlachtrufe und warfen sich mit neuer Kraft in die Schlacht.</p><p>Demandreds Tod verschaffte ihm eine Chance. Er f�hlte das Heer voranst�rmen und wie in ihm dieser instinktive Rhythmus einer Schlacht pulsierte. Das war der Augenblick, den er gesucht hatte. Das war die Karte, auf die er alles setzen musste, was er hatte. Noch immer standen die Chancen zehn zu eins, aber Sharaner, Trollocs und Blasse hatten keine F�hrung. Keinen General, der ihnen die Richtung vorgab. Verschiedene Kontingente f�hrten sich widersprechende Aktionen aus, w�hrend Blasse oder Schattenlords Befehle zu geben versuchten.</p><p><emphasis>Ich muss diese Sharaner im Auge behalten,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Die werden Gener�le haben, die die Disziplin wiederherstellen k�nnen.</emphasis></p><p>Im Augenblick musste er sie hart und mit aller Kraft treffen. Musste Trollocs und Sharaner von der Anh�he vertreiben. Unten f�llten die Tiermenschen den Korridor zwischen dem Moor und der Anh�he, bedr�ngten die Verteidiger am Flussbett schwer. Elaynes Tod war eine L�ge gewesen. Ihre Truppen waren in Aufl�sung begriffen�� sie hatten mehr als ein Drittel ihrer M�nner verloren��, aber als sie kurz davorgestanden hatten, vom Feind �berrannt zu werden, ritt sie in ihre Mitte und sammelte sie um sich. Jetzt hielten sie wunderbarerweise ihre Linien, obwohl sie tief auf shienarisches Gebiet zur�ckgeworfen worden waren. Aber sie konnten nicht viel l�nger durchhalten, ob nun mit Elayne oder ohne�� an der Front wurden immer mehr Piken durch die schiere Masse des Gegners bedr�ngt, �berall auf dem Schlachtfeld fielen Soldaten, und ihrer Kavallerie und den Aiel fiel es trotz ihres wilden Kampfes immer schwerer, den Feind zur�ckzuhalten.</p><p><emphasis>Beim Licht, wenn ich den Schatten von diesem verdammten Plateau in die Bestien dort unten sto�en kann, werden sie alle �bereinanderstolpern!</emphasis></p><p>�Lord Cauthon!�, rief Tinna. Mit einem blutigen Speer zeigte sie nach S�den.</p><p>In der Ferne unweit des Erinin flackerte Licht. Mat wischte sich die Stirn ab. War das��</p><p>Wegetore am Himmel. Dutzende von ihnen, und aus ihnen str�mten fliegende <emphasis>To�raken</emphasis>, die Laternen trugen. Dichte Pfeilwolken schossen auf die Trollocs im Korridor herab; die <emphasis>To�raken</emphasis> flogen mit ihren Bogensch�tzen in Formation �ber die Furt und das Gel�nde dahinter.</p><p>Laute �bert�nten den Schlachtenl�rm, die das Blut des Feindes erstarren lassen mussten: Hunderte, vielleicht sogar Tausende Tierh�rner schmetterten ihren Kriegsruf in die Nacht hinaus. Ohrenbet�ubende Trommeln schlugen einen einheitlichen Takt, der immer lauter wurde, und das Dr�hnen der Marschtritte eines herannahenden Heeres aus M�nnern und Tieren r�ckte in der Dunkelheit auf die Polov-Anh�he zu. In der Dunkelheit kurz vor der Morgend�mmerung konnte sie niemand sehen, aber jeder auf dem Schlachtfeld wusste, wer das war.</p><p>Mat stie� einen lauten Freudenschrei aus. Vor seinem geistigen Auge konnte er die Bewegungen der Seanchaner sehen. Die eine H�lfte ihres Heeres w�rde vom Erinin genau nach Norden marschieren und sich mit Elaynes bedr�ngter Armee am Mora vereinigen, um die Trollocs zu vernichten, die sich den Weg nach Shienar erzwingen wollten. Die andere H�lfte w�rde nach Westen um das Moor herum zur Westseite der Anh�he herumschwingen, um das Schattengez�cht im Korridor von hinten zu zerschmettern.</p><p>Jetzt wurde der Pfeilhagel von gl�henden Lichtern begleitet, die in der Luft erschienen�� <emphasis>Damane</emphasis>, die mehr Licht f�r ihre Armee machten. Ein Schauspiel, das selbst Feuerwerker begeistert h�tte! Tats�chlich erbebte der ganze Boden, als das riesige seanchanische Heer �ber das Feld von Merrilor marschierte.</p><p>Jenseits von Mats rechter Flanke zerriss Donner die Luft�� ein tieferer Donner. Talmanes und Aludra hatten die Drachen repariert und feuerten durch Wegetore aus der H�hle auf das sharanische Heer.</p><p>Fast alle Spielsteine waren an Ort und Stelle. Es gab nur noch eine einzige Sache zu erledigen, bevor man die W�rfel ein letztes Mal warf.</p><p>Mats Heere dr�ngten weiter nach vorn.</p><empty-line/><p>Jur Grady betastete den Brief seiner Frau, den Androl von der Schwarzen Burg mitgebracht hatte. In dieser Dunkelheit konnte er nicht lesen, aber das spielte auch keine Rolle, solange er ihn nur halten konnte. Er hatte die Worte ohnehin seinem Ged�chtnis anvertraut.</p><p>Er beobachtete diese Schlucht, die sich ungef�hr zehn Meilen nord�stlich den Mora hinauf befand, wo Cauthon ihn positioniert hatte. Er war weit au�er Sicht des Schlachtfeldes von Merrilor.</p><p>Er k�mpfte nicht. Licht, das fiel schwer, aber er k�mpfte nicht. Er sah zu und versuchte dabei nicht an die armen Menschen zu denken, die bei dem Versuch gestorben waren, den Fluss dort zu halten. Es war die perfekte Stelle daf�r�� hier str�mte der Mora durch eine Schlucht, wo der Schatten den Fluss stauen konnte. Was er auch getan hatte. Sicher, die M�nner, die Mat geschickt hatte, hatten versucht, gegen die Schattenlords und die Sharaner zu k�mpfen. Welch ein vergebliches Unterfangen! Gradys Zorn auf Cauthon schwelte. Jeder Mann behauptete, er sei ein guter General. Und dann tat er so etwas.</p><p>Nun, wenn er so ein Genie war, warum hatte er dann f�nfhundert einfache Leute aus einem Bergdorf in Murandy geschickt, um diesen Fluss zu halten? Sicher, er hatte ebenfalls etwa hundert Soldaten der Bande geschickt, aber das reichte nicht einmal ann�hernd. Sie waren gestorben, nachdem sie den Fluss ein paar Stunden lang gehalten hatten. An der Flussschlucht befanden sich Aberhunderte Trollocs und mehrere Schattenlords.</p><p>Nun, diese Leute waren bis auf den letzten Mann abgeschlachtet worden. Licht! Da waren sogar <emphasis>Kinder</emphasis> dabei gewesen. Die D�rfler und die paar Soldaten hatten gut gek�mpft und die Schlucht viel l�nger verteidigt, als Grady das f�r m�glich gehalten h�tte, aber dann waren sie gefallen. Und er hatte den Befehl gehabt, ihnen <emphasis>nicht</emphasis> zu Hilfe zu kommen!</p><p>Nun, jetzt wartete er in der Dunkelheit oben am Schluchtrand und verbarg sich zwischen ein paar Felsen. Vielleicht hundert Schritte entfernt von ihm bewegten sich Trollocs im Fackelschein�� die Schattenlords brauchten sie, um sehen zu k�nnen. Sie befanden sich ebenfalls oben an den R�ndern der Schlucht, was ihnen die Gelegenheit bot, nach unten auf den Fluss zu schauen�� der sich in einen See verwandelt hatte. Die drei Schattenlords hatten gro�e St�cke der Schlucht abgetragen und einen Felsdamm erschaffen, der den Fluss staute.</p><p>Das hatte den Mora bei Merrilor ausgetrocknet und dem Schattengez�cht eine m�helose Fluss�berquerung erm�glicht. Grady konnte diesen Damm sofort beseitigen�� ein Schlag mit der Einen Macht w�rde ihn �ffnen und das Wasser aus der Schlucht befreien. Bis jetzt hatte er es nicht gewagt. Cauthon hatte ihm befohlen, auf keinen Fall anzugreifen, aber dar�ber hinaus h�tte er keinen der drei Schattenlords allein besiegen k�nnen. Sie w�rden ihn einfach t�ten und den Fluss erneut aufstauen.</p><p>Er liebkoste den Brief seiner Frau, dann bereitete er sich vor. Cauthon hatte ihm befohlen, bei Einbruch der Morgend�mmerung ein Wegetor zu demselben Dorf zu �ffnen. Das w�rde seine Anwesenheit verraten. Den Zweck dieses Befehls kannte er nicht.</p><p>Das Becken unter ihm war mit Wasser gef�llt, das die Leichen der Gefallenen verbarg.</p><p><emphasis>Ich sch�tze, dieser Augenblick ist genauso gut wie jeder andere,</emphasis> dachte Grady und holte tief Luft. Die Morgend�mmerung w�rde so gut wie da sein, auch wenn die Wolkendecke das Land in Dunkelheit h�llte.</p><p>Er w�rde seine Befehle befolgen. Sollte ihn das Licht verbrennen, aber das w�rde er tun. Doch sollte Cauthon die Schlacht flussabw�rts �berleben, w�rden sie beide eine ernste Unterhaltung f�hren. Eine sehr ernste Unterhaltung. Cauthon stammte von einfachen Leuten ab, und er h�tte es besser wissen m�ssen, als sinnlos Leben zu opfern.</p><p>Grady nahm noch einen tiefen Atemzug, dann fing er an, das Wegetor zu weben. Er �ffnete es in das Dorf, aus dem die Leute gestern gekommen waren. Er wusste nicht, warum er es tun sollte; das Dorf war entv�lkert worden, um die Gruppe zusammenzustellen, die gestern gek�mpft hatte. Er bezweifelte, dass �berhaupt noch jemand �brig war. Wie hatte Mat das Dorf noch einmal genannt? Hinderstap?</p><p>Menschen st�rmten br�llend aus dem Tor und schwenkten Fleischerbeile, Heugabeln, rostige Schwerter. Begleitet wurden sie von weiteren Soldaten der Bande wie die hundert, die zuvor hier gek�mpft hatten. Blo� dass��</p><p>Blo� dass die Gesichter jener Soldaten im Licht des Feuers der Schattenlords genau <emphasis>dieselben</emphasis> waren wie die der M�nner, die hier zuvor gek�mpft hatten�� hier gek�mpft hatten und gestorben waren.</p><p>Grady starrte sie an, als er in der Dunkelheit aufstand und zusah, wie diese Leute k�mpften. Es waren alle <emphasis>dieselben</emphasis>. Dieselben Hausfrauen, dieselben Hufschmiede und Schmiede, dieselben Leute. Er hatte sie sterben sehen, und jetzt waren sie wieder da.</p><p>Trollocs konnten vermutlich nicht einen Menschen vom anderen unterscheiden, aber die Schattenlords sahen es�� und erkannten, dass es sich um dieselben Leute handelte. Diese drei Schattenlords schienen v�llig verbl�fft zu sein. Einer von ihnen schrie etwas, dass der Dunkle K�nig sie im Stich lie�. Er fing an, Gewebe zu weben und auf die Leute zu schleudern.</p><p>Die Dorfbewohner st�rmten trotz der Gefahr einfach weiter, obwohl viele von ihnen zerfetzt wurden. Sie warfen sich auf die Schattenlords und hackten sie mit ihren Werkzeugen und K�chenmessern in St�cke. Als die Trollocs endlich angriffen, waren die Schattenlords tot. Jetzt konnte er��</p><p>Grady sch�ttelte seine L�hmung ab, nahm seine Macht und zerst�rte den Damm, der die Schlucht blockierte.</p><p>Und damit befreite er den Fluss von seinen Fesseln.</p></section><section><title><p>41</p><p>Ein L�cheln</p></title><p>Cauthon hat die Drachen zur�ck, und sie k�mpfen wieder�, sagte Jonneth und versuchte durch den Qualm etwas zu erkennen. �H�rt doch!�</p><p>Donnerschl�ge hallten �ber die Polov-Anh�he. Pevara l�chelte. Sie, Androl, Jonneth, Emarin und Canler waren wieder zu Logain und den anderen Asha�man gesto�en, genau wie ein paar Aes Sedai, die mit ihnen durch den Bund verbunden waren. Sie standen am Rand des Steilhangs gegen�ber vom Dasharfels, eine halbe Meile von der Stelle entfernt, an der Demandreds kopflose Leiche lag.</p><p>Eine weitere Salve Drachenfeuer ert�nte, aber in der Dunkelheit sahen sie den Rauch nicht. �Diese Drachen halten nicht lange durch, nicht, wenn sich Taims M�nner unter die Sharaner gemischt haben�, sagte Pevara. �Die Drachenm�nner k�nnen sich nicht gegen Machtlenker verteidigen, und durch ihren L�rm lassen sie sich viel zu leicht aufsp�ren.�</p><p>�Ich bezweifle, dass sich Cauthon aussuchen kann, ob er sie einsetzt oder nicht�, sagte Androl. �Jetzt kann er nichts mehr zur�ckhalten.�</p><p>�Asha�man!� Logain trat aus dem Rauch, Gabrelle an seiner Seite. �Es ist Zeit zu gehen.�</p><p>�Wir verteidigen diese Drachen?�, fragte Androl. Um sie herum kamen Dutzende v�llig ersch�pfte Asha�man auf die F��e und wandten sich Logain zu.</p><p>�Nein. Wir gehen nach Westen.�</p><p>�Westen?� Pevara verschr�nkte die Arme. �Das ist fort von der Schlacht!�</p><p>�Dort hat Eure Amyrlin gegen Taim gek�mpft�, sagte Logain und wandte sich von ihr ab. �Dort wurden der Boden und viele Sharaner in Kristall begraben. Ich will, dass jeder Asha�man, Soldat und Geweihte, denen ich keine anderslautenden Befehle gab, mit der Suche beginnt. Dort gibt es���</p><p>Der Boden erbebte und grollte Unheil verk�ndend, Pevara stolperte. Androl ergriff ihren Arm, obwohl sie durch den Bund eine Ersch�pfung sp�rte, die der ihren entsprach. Sie hatten keine gro�en Reserven mehr.</p><p>Als das Beben nachlie�, fuhr Logain fort. �Irgendwo in der Kristallmasse befindet sich ein goldenes Zepter. Angeblich hielt Taim es, als Egwene al�Vere ihn besiegte. Wir werden es finden. Wenn es einer von Euch sieht, fasst es <emphasis>nicht</emphasis> an. Schickt nach mir.�</p><p>Logain rief der n�chsten Gruppe Asha�man den gleichen Befehl zu. Androl sah ihm nach, und Pevara f�hlte seine Anspannung.</p><p>�Wenn dieses Zepter ein <emphasis>Angreal</emphasis> oder <emphasis>Sa�angreal</emphasis> ist�, meinte Emarin, �dann k�nnte es f�r uns von gro�em Nutzen sein.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Pevara. �Ich glaube, dass die Drachen unseren Schutz dringender brauchen als wir diesen Stab. Ich schw�re, etwas an diesem Horn, das da zu h�ren war, war besonders. Wir sollten jetzt angreifen und nicht nach Beute suchen���</p><p>�Das sollen die anderen Asha�man machen�, sagte Androl. �Wir brauchen das nicht zu tun.�</p><p>�Was denn?� Canler runzelte die Stirn. �Ihr wollt nicht gehorchen?�</p><p>�Nein. Er sagte, das gilt f�r M�nner, die noch keine anderen Befehle haben. Wir erhielten sie aber. Am Anfang der Schlacht befahl er uns, nach Taims Komplizen zu suchen und etwas gegen sie zu unternehmen.�</p><p>�Ich bin nicht davon �berzeugt, dass er sich noch an diesen Befehl erinnert, Androl�, sagte Emarin und rieb sich das Kinn. �Und selbst wenn er es tut, glaube ich kaum, dass er will, dass wir damit weitermachen. Er scheint sehr auf dieses Zepter versessen zu sein.�</p><p>�Trotzdem hat er uns diesen Befehl gegeben�, beharrte Androl.</p><p>�Androl.� Canler hockte sich auf die Fersen. �Ich bin so m�de, ich h�tte nicht einmal genug Kraft, Euch zu verfluchen, selbst wenn ich wollte. Keiner der Jungs sieht viel besser aus, und Ihr habt M�he, ein kleines Wegetor zu �ffnen. Wie sollen wir gegen Mishraile und die anderen bestehen?�</p><p>Androl runzelte die Stirn, wusste darauf aber keine Erwiderung. Pevara jedoch kam ein Einfall. Vielleicht eine M�glichkeit, etwas trotz ihrer Ersch�pfung zu erreichen��</p><p>Androl wurde wieder munterer, seine Augen weiteten sich, und dann grinste er. �Pevara, Ihr seid ein Genie.�</p><p>�Danke�, sagte sie steif. �Canler, steht auf. Ich gehe mit Euch Herren jede Wette ein, dass wir Taims M�nner bei dem Versuch erwischen, die Drachen zu vernichten. Wir bereiten ihnen eine �berraschung���</p><empty-line/><p>Was f�r ein Desaster.</p><p>Moghedien versetzte Demandreds Leiche einen Tritt. Sie war einfach dort liegen geblieben, die Sharaner waren auf der Stelle losgezogen, um gegen Cauthons Armee zu k�mpfen und ihren Anf�hrer zu r�chen.</p><p>Demandred. Der Narr hatte sich ablenken lassen. Befasste man sich mit pers�nlichen Abrechnungen und lie� sich in die Angelegenheiten der W�rmer verwickeln, mit denen man arbeitete�� nun, Demandred hatte seinen Lohn bekommen. Den Tod und vermutlich ewige Bestrafung durch den Gro�en Herrn.</p><p>Jetzt, wo Demandred tats�chlich tot war, griff sie nach der Einen Macht�� und fand etwas anderes. Einen gl�henden Fluss von zehnfacher Macht, zehnmal so s��. Da so viele der Auserw�hlten gefallen waren, hatte sich der Gro�e Herr ihr ge�ffnet. �berleben war wirklich der beste Weg, um sich ihm zu beweisen.</p><p>Das ver�nderte ihre Pl�ne auf dramatische Weise. Zuerst verbrannte sie Demandreds Leiche zu Asche. Dann webte sie schnell eine Spiegelmaske ��oh, wie s�� die Wahre Macht doch war!�� und ersetzte ihr Aussehen mit dem Abbild Demandreds. Sie sorgte grunds�tzlich daf�r, die anderen Auserw�hlten imitieren zu k�nnen. Demandred w�rde schwierig sein, da er sich in letzter Zeit so sehr ver�ndert hatte, aber sie hatte genau aufgepasst. Allerdings w�rde sich niemand t�uschen lassen, der sie anfasste; sie w�rde vorsichtig sein m�ssen.</p><p>Mit fertiger Verkleidung Reiste sie zu den hinteren Linien der sharanischen Armee, die gegen Cauthons Truppen k�mpften. Hier waren die Reserveeinheiten, die darauf warteten, zur Front gerufen zu werden, au�erdem Versorgungswagen und einige der Verwundeten.</p><p>Die Sharaner hielten mit der Sichtung des Nachschubs inne und starrten sie an. Sie trafen tats�chlich Vorbereitungen, vom Schlachtfeld zu fliehen. Wie alle anderen auch waren sie sich bewusst, dass die gro�e seanchanische Armee in den Kampf eingegriffen hatte. Moghedien fiel auf, dass eine Handvoll Ayyad bei der Gruppe war�� nur drei, die sie sehen konnte. Zwei Frauen mit T�towierungen und ein schmutziger Mann, der zu ihren F��en kauerte. Die meisten von ihnen waren beim Kampf mit den Aes Sedai get�tet worden.</p><p>Die Seanchaner. Der Gedanke an sie und ihre herrische Anf�hrerin lie� Moghedien sich innerlich winden. Wenn der Gro�e Herr den Schlamassel entdeckte, den sie angerichtet hatte��</p><p>Nein. Er hatte ihr die Wahre Macht verliehen. Moghedien hatte die anderen �berlebt, und im Augenblick war das das Einzige, was z�hlte. Er konnte nicht �berall hinsehen und wusste vermutlich noch nicht, dass man sie entlarvt hatte. Wie hatte das M�dchen nur ihre Verkleidung durchschauen k�nnen? Das h�tte unm�glich sein sollen.</p><p>Jemand musste sie verraten haben. Aber sie hatte w�hrend der Schlacht eng mit Demandred zusammengearbeitet, und auch wenn sie nie eine so gute Taktikerin wie er gewesen war�� das war mit Ausnahme von Sammael keiner gewesen��, verstand sie diese Schlacht gut genug, um den Befehl zu �bernehmen. Sie verabscheute es, das tun zu m�ssen, denn es entbl��te sie auf eine Weise, die ihr nicht gefiel. Aber verzweifelte Zeiten verlangten nach verzweifelten Ma�nahmen.</p><p>Und wenn sie so dar�ber nachdachte, liefen die Dinge eigentlich ganz gut f�r sie. Demandred gefallen, besiegt von seinem eigenen Stolz. M�Hael, dieser Empork�mmling, war auch tot�� und hatte bequemerweise die Anf�hrerin der Aes Sedai vom Schlachtfeld entfernt. Sie verf�gte noch immer �ber den gr��ten Teil von Demandreds Schattengez�cht und ein paar Schattenlords, einige Schwarze Ajah und ein Dutzend der Umgedrehten M�nner, die M�Hael mitgebracht hatte.</p><p>�Das ist er nicht!�, rief ein �lterer Mann im Gewand eines sharanischen M�nchs. Er zeigte auf Moghedien. �Das ist nicht unser Wyld! Das ist���</p><p>Moghedien verbrannte den Mann zu Asche.</p><p>Als seine Knochen zu Boden purzelten, kam ihr die fl�chtige Erinnerung an Berichte ihrer Augen-und-Ohren, dass Demandred dem alten Mann ein gewisses Wohlwollen gezeigt hatte. �Besser, Ihr sterbt�, sagte sie mit Demandreds Stimme zu der Leiche, �als zu leben und den zu verleugnen, den Ihr h�ttet lieben sollen. Will mich sonst noch jemand verleugnen?�</p><p>Die Sharaner schwiegen.</p><p>�Ayyad�, sagte Moghedien zu den drei Machtlenkern, �habt Ihr mich Gewebe erschaffen sehen?�</p><p>Beide Frauen und der schmutzige Mann sch�ttelten die K�pfe.</p><p>�Ich t�te ohne Gewebe�, sagte Moghedien, �nur ich, Euer Wyld, h�tte das tun k�nnen.�</p><p>Sie musste sich daran erinnern, nicht zu l�cheln, nicht einmal im Sieg, als die Leute die K�pfe neigten. Demandred war immer ernst. Als die Leute auf die Knie fielen, musste Moghedien ihre Freude gewaltsam unterdr�cken. Ja, Demandred hatte gute Arbeit geleistet und ihr die Armee einer ganzen Nation zum Spielen hinterlassen. Das w�rde in der Tat gut laufen!</p><p>�Drachent�ter�, sagte eine kniende Ayyad. Sie weinte! Wie schwach diese Sharaner doch waren! �Wir sahen Euch sterben���</p><p>�Wie k�nnte ich sterben? Ihr kennt die Prophezeiungen, oder nicht?�</p><p>Die Frauen sahen einander an. �Sie sagen, dass Ihr k�mpfen werdet, Drachent�ter�, sagte die Frau. �Aber���</p><p>�Holt f�nf F�uste Trollocs von den hinteren Linien�, wandte sich Moghedien an den Kommandanten der Reserveeinheit, �und schickt sie flussaufw�rts zu den Ruinen.�</p><p>�Die Ruinen?�, fragte der Mann. �Dort sind nur die Fl�chtlinge aus Caemlyn.�</p><p>�Genau, Ihr Narr. Fl�chtlinge�� Kinder, Alte, Frauen, die nach Toten suchen. Sie sind wehrlos. Sagt den Trollocs, sie sollen sie niedermetzeln. Unsere Feinde sind schwach; ein derartiger Angriff wird sie zum R�ckzug zwingen, um jene zu besch�tzen, die wahre Krieger einfach sterben lassen w�rden.�</p><p>Der General nickte, und sie sah Anerkennung in seiner Miene. Er akzeptierte sie als Demandred. Gut. Er rannte los, um die Befehle zu geben.</p><p>�Also weiter�, sagte Moghedien, als in der Ferne wieder die Drachen feuerten, �warum ist kein Ayyad aufgebrochen, um diese Waffen zu zerst�ren?�</p><p>Die vor ihr kniende Ayyad senkte den Kopf. �Von uns sind nicht einmal mehr ein Dutzend �brig, Wyld.�</p><p>�Eure Entschuldigungen sind schwach�, sagte Moghedien und lauschte, als die Explosionen verstummten. Vielleicht hatten ja gerade ein paar von M�Haels Schattenlords das Problem der Drachen gel�st.</p><p>Ihre Haut juckte, als der sharanische Kommandant �ber das Feld auf einen Myrddraal zuging. Sie <emphasis>verabscheute</emphasis> es mit jeder Faser ihres Seins, auf diese Weise in die �ffentlichkeit treten zu m�ssen. Sie war dazu bestimmt, im Schatten zu bleiben, andere die Schlacht anf�hren zu lassen. Allerdings h�tte sie sich niemals nachsagen lassen, dass sie, falls es die Umst�nde erforderten, zu viel Angst hatte, um��</p><p>Hinter ihr schnitt sich ein Wegetor in die Luft, und mehrere Sharaner schrien auf. Moghedien fuhr herum und starrte in etwas, das nur eine dunkle H�hle sein konnte. Drachen ragten daraus empor.</p><p>�Feuer!�, befahl eine Stimme.</p><empty-line/><p>�Das Tor zu!�, rief Talmanes, und das Portal schloss sich.</p><p>�Das war eine von Lord Mats Ideen, richtig?�, rief Daerid, der neben Talmanes stand, w�hrend die Drachen nachgeladen wurden. Sie beide hatten sich Wachs in die Ohren gesteckt.</p><p>�Was glaubt Ihr denn?�, rief Talmanes zur�ck.</p><p>Wenn die Drachen beim Abschuss verletzlich waren, was tat man dann? Man schoss sie aus einem Versteck ab.</p><p>Talmanes l�chelte, als Neald vor zehn Drachen das n�chste Wegetor �ffnete. Es war v�llig unerheblich, dass so viele Drachenkarren zu kaputt waren, um vern�nftig fahren zu k�nnen, wenn man einfach vor ihnen ein Wegetor in jede gew�nschte Richtung machen konnte.</p><p>Dieses Tor �ffnete sich vor mehreren F�usten Trollocs, die verbissen gegen Wei�m�ntel k�mpften. Einige Kreaturen starrten die Drachen entsetzt an.</p><p>�Feuer!�, br�llte Talmanes und riss die Hand nach unten, um seinen Befehl f�r den Fall, dass ihn die M�nner nicht h�ren konnten, zu unterstreichen.</p><p>Rauch erf�llte die H�hle, und Explosionen dr�hnten gegen Talmanes� Ohrenst�psel, als die Drachen zur�ckrollten und einen Sturm des Todes in die Trollocs entluden. Sie trafen die F�uste mit einer Breitseite, fegten sie aus dem Weg und lie�en sie sterbend und zerbrochen am Boden liegen. Die Wei�m�ntel in der N�he schwenkten die Schwerter und jubelten.</p><p>Neald schloss das Wegetor, und die Drachenm�nner luden ihre Waffen. Der Asha�man �ffnete ein Tor �ber ihnen, um den Drachenrauch aus der H�hle zu bef�rdern und irgendwo in weiter Ferne in den freien Himmel zu entlassen.</p><p>�<emphasis>L�chelt</emphasis> Ihr etwa?�, fragte Daerid.</p><p>�Ja�, sagte Talmanes zufrieden.</p><p>�Blut und verdammte Asche, Lord Talmanes�� das sieht bei Euch be�ngstigend aus.� Daerid z�gerte. �Vielleicht solltet Ihr das �fter versuchen.�</p><p>Talmanes grinste, als Neald das n�chste Tor zu einer Stelle auf dem Dasharfels �ffnete, wo Aludra mit Fernrohren und Kundschaftern stand und das n�chste Ziel suchte. Sie rief eine Position, Neald nickte, und sie bereiteten die n�chste Salve vor.</p></section><section><title><p>42</p><p>Unm�gliche Dinge</p></title><p>Aviendha hatte das Gef�hl, die Welt selbst w�rde auseinanderbrechen, w�rde <emphasis>verschlungen</emphasis>.</p><p>Die Blitze, die auf das Tal von Shayol Ghul hagelten, waren nicht l�nger unter Kontrolle. Weder unter der der Windsucherinnen noch von sonst jemandem. Sie t�teten sowohl Schattengez�cht wie auch Verteidiger. Unvorhersehbar. Die Luft stank nach Feuer, verbranntem Fleisch und etwas anderem�� einem unverkennbaren, sauberen Geruch, den sie mittlerweile als den Geruch eines einschlagenden Blitzes erkannte.</p><p>Aviendha bewegte sich wie die Windb�en, versuchte Graendal immer einen Schritt vorauszubleiben, die einen Strahl gl�hend hei�es Baalsfeuer nach dem anderen auf sie schleuderte. Jedes Mal erbebte der Untergrund. �berall krochen schwarze Linien �ber den Felsen.</p><p>Die Verteidiger des Tals waren fast alle gefallen. Diejenigen von ihnen, die sich nicht bis ganz nach hinten in die N�he des Pfades zum Gipfel zur�ckgezogen hatten, wurden von Schattenhunden vernichtet. Der Boden grollte, und Aviendha stolperte. In der N�he st�rzte eine Gruppe Trollocs knurrend aus den windigen Schatten. Die Kreaturen sahen sie nicht, drehten sich aber um und griffen jemand anders an�� Andere Trollocs? Sie k�mpften gegeneinander.</p><p>Das �berraschte Aviendha nicht. Es war nicht ungew�hnlich, dass sich Trollocs bek�mpften, wenn sie nicht von den Augenlosen mit eiserner Hand kontrolliert wurden. Aber was war das f�r ein seltsamer Nebel?</p><p>Aviendha stemmte sich auf die F��e und rannte von den Trollocs fort, hastete einen Hang hinauf. Vielleicht half ihr die erh�hte Stellung, Graendal auszumachen. Oben angekommen entdeckte sie, dass sie auf einer v�llig unm�glichen Sache stand: einem gewaltigen Felsbrocken, dem die Unterseite so gut wie fehlte und der dort bedenklich schwebte. Er hatte sich aus dem Boden gel�st und war in die Luft gestiegen.</p><p>Im ganzen Tal geschahen �hnlich unm�gliche Dinge. Eine Gruppe fl�chtender Domani-Reiter galoppierte �ber ein St�ck Felsboden, der wie eine Wasseroberfl�che wogte, und alle vier M�nner versanken mit ihren Pferden darin und verschwanden. Dieser undurchdringliche Nebel hatte angefangen, sich an einer Stelle ins Tal zu ergie�en. Menschen und Trollocs rannten schreiend davor weg.</p><p>Baalsfeuer durchbohrte den schwebenden Felsbrocken und verfehlte ihren Kopf nur um wenige Zoll. Aviendha keuchte auf und lie� sich zu Boden fallen. In der N�he bewegte sich etwas, und sie rollte herum und bereitete ein Gewebe vor.</p><p>Amys eilte zu ihr und ging neben ihr in die Hocke; ihre Kleidung einer Weisen Frau war stellenweise geschw�rzt und verbrannt, eine Wange stark ger�tet. �Hast du Cadsuane oder die anderen gesehen?�</p><p>�Nein.�</p><p>Amys fluchte leise. �Wir m�ssen die Schattenbeseelte gleichzeitig angreifen. Du gehst nach rechts, ich nach links. Wenn du mich weben f�hlst, mach mit. Vielleicht k�nnen wir sie zusammen t�ten.�</p><p>Aviendha nickte. Sie erhoben sich und eilten auseinander. Irgendwo dort drau�en k�mpfte Cadsuanes handverlesene Gruppe. Talaan, eine Windsucherin, die es irgendwie zu den Drachenverschworenen verschlagen hatte. Alivia, die ehemalige <emphasis>Damane</emphasis>. Zusammen mit Amys und ihr waren das einige der st�rksten Machtlenkerinnen, die das Licht hatte.</p><p>Der Ursprungsort des Baalsfeuers war zumindest ein Hinweis auf Graendals neue Position. Aviendha umrundete den schwebenden Felsen ��das Baalsfeuer hatte ihn durchl�chert, statt ihn zu vernichten�� und versp�rte weiteres Unbehagen, als sie sah, wie �berall im Tal Steine in die Luft stiegen. Es war eine Blase des B�sen, nur in einem viel gr��eren Ausma� als sonst. W�hrend sie vorw�rtsschlich, vernahm sie ein leises <emphasis>Dr�hnen</emphasis>, das vom Berg kam. Wieder bebte der Boden, Steinchen tanzten in die H�he. Aviendha blieb tief geb�ckt und sah, dass im ganzen Tal unbegreiflicherweise neue Pflanzen wucherten. Der eben noch unfruchtbare Boden verwandelte sich in eine gr�ne Fl�che, und die Pflanzen schienen sich zu winden, w�hrend sie in die H�he kletterten.</p><p>�berall im Tal sprossen diese Pflanzeninseln, explosionsartige gr�ne Ausbr�che. Die wei�en und schwarzen Wolken am Himmel wirbelten umeinander, wei� auf schwarz, schwarz auf wei�. Blitze schlugen ein, dann <emphasis>erstarrten</emphasis> sie auf dem Weg zum Boden. Sie schienen sich groteskerweise in riesige, gezackte Glass�ulen verwandelt zu haben, die noch immer die Form im Moment ihres Einschlags aufwiesen, aber nicht l�nger gl�hten.</p><p>Diese Wolken am Himmel bildeten ein Muster, das bekannt erschien. Schwarz auf wei�, wei� auf schwarz��</p><p><emphasis>Es ist das Symbol,</emphasis> schoss es Aviendha durch den Kopf. <emphasis>Das uralte Symbol der Aes Sedai.</emphasis></p><p>Unter diesem Zeichen�� soll er erobern.</p><p>Aviendha klammerte sich an die Eine Macht. Irgendwie war <emphasis>er</emphasis> dieses Dr�hnen. Er war das wachsende Leben. W�hrend der Dunkle K�nig das Land zerriss, n�hte Rand es wieder zusammen.</p><p>Sie musste in Bewegung bleiben. Geduckt rannte sie weiter, benutzte die in die H�he wuchernden Gew�chse als Deckung. Sie waren genau dort erschienen, wo sie sie brauchte. Zufall? Sie wollte es nicht glauben. Im Hinterkopf konnte sie ihn f�hlen. Er k�mpfte, ein echter Krieger. Seine Schlacht gab ihr Kraft, und sie versuchte ihm das Gleiche zu �bermitteln.</p><p>Entschlossenheit. Ehre. Ruhm. <emphasis>K�mpfe weiter, Schatten meines Herzens. K�mpfe weiter.</emphasis></p><p>Sie stie� auf Graendal�� die noch immer von ihren unter Zwang stehenden Handlangern umgeben war��, die mit Cadsuane und Alivia t�dliche Gewebe der Einen Macht austauschte. Aviendha verlangsamte ihr Tempo und beobachtete, wie die drei Frauen Feuerst��e aufeinanderschleuderten, die Gewebe der anderen mit Geist zerschnitten, die Luft durch die Hitze verformten und so schnell webten, dass es schwerfiel, den Ereignissen �berhaupt zu folgen.</p><p>Es juckte ihr in den Fingern, in den Kampf einzugreifen und ihnen zu helfen, aber Amys hatte recht. Wenn sie beide gemeinsam angriffen, vor allen Dingen solange Graendal besch�ftigt war, hatten sie eine bessere Chance, die Verlorene zu t�ten. Vorausgesetzt, Cadsuane und Alivia hielten durch, war Warten die bessere Entscheidung.</p><p>Aber konnten sie durchhalten? Cadsuane war m�chtig, weitaus m�chtiger, als Aviendha je gedacht hatte. Ihr Haarschmuck enthielt mit Sicherheit <emphasis>Angreale</emphasis> und <emphasis>Ter�angreale</emphasis>, davon war sie �berzeugt, auch wenn sie nie Gelegenheit gehabt hatte, sie in die Hand zu nehmen und es mit ihrem Talent zu best�tigen.</p><p>Graendals gefangene Frauen lagen auf dem Boden; sie konnten offensichtlich nicht mehr. Zwei waren zusammengebrochen, Sarene war auf die Knie gefallen und starrte ins Leere.</p><p>Cadsuane und Alivia schienen keine R�cksicht darauf zu nehmen, aus Versehen die Gefangenen zu treffen. Das war die richtige Entscheidung. Trotzdem, falls es ihr irgendwie gelingen sollte��</p><p>Neben ihr bewegte sich das hohe Geb�sch.</p><p>Ohne nachzudenken fuhr Aviendha herum und webte Feuer. Sie brannte einen schwarz verschleierten Angreifer nieder�� Sekunden bevor er ihr den Speer ins Genick gerammt h�tte. Die Waffe schnitt �ber ihre Schulter, als der Mann stolperte und dann nach vorn kippte. Sie hatte ihm ein faustgro�es Loch in die Brust gebrannt.</p><p>Eine weitere Machtlenkerin griff in den Kampf ein und schleuderte wild Gewebe. Amys war eingetroffen. Gl�cklicherweise konzentrierte sich Graendal auf sie, statt Aviendhas gerade preisgegebene Position anzugreifen.</p><p>Das war auch gut so, denn Aviendha starrte auf den Mann, den sie get�tet hatte, einen Mann, den die Verlorene mit einem Zwang auf ihre Seite gezogen hatte. Einen Mann, der ihr so bekannt vorkam.</p><p>Entsetzt schob sie mit zitternder Hand den Schleier zur Seite.</p><p>Es war Rhuarc.</p><empty-line/><p>�Ich gehe�, sagte Mishraile mit finsterer Miene und sah der angreifenden sharanischen Kavallerie hinterher. Sie standen auf der Westseite des Plateaus, weit von der linken Flanke ihrer Armee entfernt. �Keiner hat uns gesagt, dass wir gegen die verdammten Helden des Horns k�mpfen m�ssen.�</p><p>�Es ist die Letzte Schlacht, Kind.� Alviarin klang h�misch. In letzter Zeit hatte sie angefangen, sie alle als �Kind� anzureden. Mishraile stand kurz davor, sie zu erw�rgen. Warum hatte M�Hael blo� erlaubt, dass sie den Bund mit Nensen einging? Warum �berhaupt einer <emphasis>Frau</emphasis> den Befehl �ber sie geben?</p><p>Sie waren eine kleine Gruppe. Alviarin, Mishraile, Nensen, Kash, Rianna und Donalo. Und Ayako�� den man Umgedreht hatte. Mishraile verstand nicht viel von Taktik; wenn er Menschen t�tete, wartete er gern, bis es sie an einen dunklen Ort verschlug, wo niemand zusah. Diese ganze offene Schlacht, dieses ganze Chaos, gab ihm das Gef�hl, eine Messerspitze im Nacken zu f�hlen.</p><p>�Da�, sagte Alviarin zu Nensen und zeigte auf einen Lichtblitz, als eine weitere Explosion dieser sogenannten Drachen durch Wegetore �ber das Schlachtfeld hallte. �Ich glaube, das kam von der Mitte der Anh�he. Macht ein Tor und begebt Euch dorthin.�</p><p>�Wir werden niemals���, begann Mishraile.</p><p>�Geht!�, stie� Alviarin mit zornrotem Gesicht hervor.</p><p>Nensen beeilte sich zu gehorchen. Er befolgte gern Befehle, denn es gab ihm das Gef�hl, dass jemand das Kommando hatte.</p><p><emphasis>M�glicherweise muss ich sie t�ten,</emphasis> dachte Mishraile. <emphasis>Und Nensen auch.</emphasis> Selbst ohne Schlachterfahrung konnte er erkennen, dass das kein leichter Kampf werden w�rde. Die R�ckkehr der Seanchaner, Demandreds Tod und die blindlings w�tenden Trollocs�� Ja, der Schatten war noch immer in der �berzahl, aber der Kampf war bei Weitem nicht so einseitig, wie er es gern gehabt h�tte. Eine der ersten Regeln, die er je im Leben gelernt hatte, besagte, niemals gegen einen Mann zu k�mpfen, wenn beide gleich stark waren.</p><p>Zu sechst traten sie durch das Tor und kamen in der Mitte der Anh�he heraus. Der von Drachen und Machtlenkern verbrannte Boden qualmte, zu dem Rauch kam nun der seltsame Nebel, der aufstieg; es fiel schwer, genau zu erkennen, was hier vor sich ging. Der Boden war mit L�chern �bers�t, die die Drachen verursacht hatten. �berall lagen Leichen herum�� nun ja, eigentlich St�cke davon. Ein seltsamer Geruch hing in der Luft. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen, aber es kam kaum Licht durch die Wolken.</p><p>Vom Himmel ert�nte Kreischen, ausgesto�en von diesen seltsamen fliegenden Kreaturen, die die Seanchaner mitgebracht hatten. Mishraile fr�stelte. Licht. Als w�rde man in einem Haus ohne Dach stehen und wissen, dass der Feind Bogensch�tzen �ber einem aufgestellt hatte. Er schoss eine von ihnen mit Feuer ab und sah zufrieden, wie sich die Schwingen zu Asche aufl�sten und die Bestie j�h zu Boden trudelte.</p><p>Aber so ein Angriff verriet ihn. Er w�rde die anderen Schattenlords wirklich umbringen m�ssen und dann entkommen. Er h�tte auf der Siegerseite sein sollen.</p><p>�An die Arbeit�, sagte Alviarin. �Tut, was ich Euch gesagt habe. Die Tore, durch die diese Ger�te schie�en, werden von M�nnern gemacht, also m�ssen wir die Stelle finden, wo sich das Tor befand, und Donalo dann seinen Nachklang lesen lassen.�</p><p>Die M�nner verteilten sich und �berpr�ften den Boden, versuchten die Stelle zu finden, an der sich das Wegetor ge�ffnet hatte. In der N�he, sogar unerfreulich nahe, k�mpften M�nner�� Sharaner und diese Leute mit dem Wolfsbanner. Falls sie in diese Richtung kamen��</p><p>Donalo setzte sich an seine Seite, und sie suchten schnell, hielten beide die Macht fest. Donalo war ein Tairener mit einem kantigen Gesicht und einem grauen Spitzbart.</p><p>�Als Demandred fiel�, fl�sterte Donalo. �Da wusste ich, dass das die ganze Zeit eine Falle war. Man hat uns reingelegt.�</p><p>Mishraile nickte. Vielleicht konnte Donalo ein Verb�ndeter sein. Sie konnten zusammen entkommen. Nat�rlich w�rde er ihn dann umbringen m�ssen. Er konnte unm�glich einen Zeugen zur�cklassen, der dem Gro�en Herrn berichtete, was er getan hatte.</p><p>Davon abgesehen konnte er Donalo ohnehin nicht vertrauen. Der Mann hatte sich ihnen blo� wegen dieses Tricks mit den Myrddraal angeschlossen. Wenn ein Mann so schnell die Seiten wechselte, was sollte ihn davon abhalten, sie erneut zu wechseln? Au�erdem gefiel Mishraile das Gef�hl nicht, das sich immer in ihm ausbreitete, wenn er Donalo oder die anderen Umgedrehten ansah. Als w�re etwas Unnat�rliches tief in ihnen, das auf der Suche nach Beute aus ihnen herausstarrte.</p><p>�Wir m�ssen hier verschwinden�, fl�sterte er. �Hier zu k�mpfen ist doch v�lliger Bl�d�� Er verstummte, als er im Rauch eine Gestalt erblickte.</p><p>Ein gro�er Mann mit fast rotem Haar. Ein bekannter Mann, mit Schnitten �bers�t, dessen Kleidung teilweise verbrannt war. Mishraile keuchte auf, und Donalo fluchte, als der Wiedergeborene Drache h�chstpers�nlich sie sah, sich umdrehte und die Flucht ergriff. Als Mishraile endlich daran dachte, ihn anzugreifen, hatte al�Thor ein Wegetor gewebt und war entkommen.</p><p>Die Erde erbebte, an einigen Stellen klaffte der Boden auf; ein St�ck vom Osthang brach ab und krachte auf die Trollocs dort unten. Dieser Ort wurde immer instabiler. Noch ein Grund, um zu verschwinden.</p><p>�Das war der verfluchte Wiedergeborene Drache!�, sagte Donalo. �Alviarin! Der verfluchte <emphasis>Wiedergeborene Drache</emphasis> ist auf dem Schlachtfeld!�</p><p>�Was f�r ein Unsinn ist das denn schon wieder?�, fragte Alviarin, die mit den anderen herbeieilte.</p><p>�Rand al�Thor war hier�, sagte Mishraile noch immer verbl�fft. �Blut und verdammte Asche, Donalo, Ihr hattet recht! Das ist die einzige M�glichkeit, wie Demandred fallen konnte.�</p><p>�Er hat ja immer gesagt, dass der Drache hier irgendwo auf dem Schlachtfeld ist�, meinte Kash.</p><p>Donalo legte den Kopf schief, als w�rde er etwas in der Luft studieren. �Ich sah genau, wo er das Tor machte, durch das er entkam. Es war genau da. Genau da�� Ja! Ich kann die Resonanz f�hlen. Ich wei�, wo er hin ist.�</p><p>Alviarin verschr�nkte skeptisch die Arme. �Er hat Demandred besiegt. Besteht �berhaupt die Hoffnung, dass wir gegen ihn k�mpfen k�nnen?�</p><p>�Er sah ersch�pft aus�, sagte Mishraile. �Sogar mehr als ersch�pft. Als er uns sah, geriet er in Panik. Ich glaube, falls er gegen Demandred gek�mpft hat, dann hat ihm das viel abverlangt.�</p><p>Alviarin betrachtete die Stelle in der Luft, wo al�Thor verschwunden war. Mishraile konnte praktisch ihre Gedanken lesen. Falls sie den Wiedergeborenen Drachen t�teten, w�rde M�Hael m�glicherweise nicht der einzige Schattenlord sein, der zum Auserw�hlten erhoben wurde. Der Gro�e Herr w�rde dem, der al�Thor zur Strecke brachte, dankbar sein. Sogar sehr dankbar.</p><p>�Ich habe es!�, rief Donalo und �ffnete ein Wegetor.</p><p>�Ich brauche einen Zirkel, um gegen ihn zu k�mpfen�, sagte Alviarin. Dann z�gerte sie. �Aber ich nehme nur Rianna und Nensen. Ich will nicht das Risiko eingehen, dass wir zu unflexibel sind, wenn wir alle zu dem gleichen Zirkel verkn�pft sind.�</p><p>Mishraile schnaubte, sammelte seine Macht und sprang durch die �ffnung. Sie wollte blo� nicht, dass einer der M�nner den Zirkel anf�hrte und ihr m�glicherweise zuvorkam, das hatte sie eigentlich sagen wollen. Nun, da w�rde Mishraile noch ein W�rtchen mitzureden haben.</p><p>Er trat vom Schlachtfeld auf eine ihm unbekannte Lichtung. Die B�ume schienen nicht so sehr von der Ber�hrung des Gro�en Herrn betroffen zu sein wie an anderen Orten. Warum? Nun, �ber ihnen donnerte der gleiche schwarze Himmel, und es war so dunkel, dass er eine Lichtkugel weben musste, um etwas erkennen zu k�nnen.</p><p>In der N�he hockte al�Thor zusammengesunken auf einem Baumstumpf. Er schaute auf, entdeckte Mishraile und schrie auf, rannte los. Mishraile webte einen Feuerball, der hinter ihm herflog, aber al�Thor konnte ihn mit einem Gewebe aus der Luft holen.</p><p><emphasis>Ha! Er ist schwach!,</emphasis> dachte Mishraile und rannte los. Die anderen folgten ihm durch das Wegetor, die Frauen mit Nensen verkn�pft, der wie ein Scho�hund hinter Alviarin hereilte. Donalo kam als Letzter und forderte sie auf, auf ihn zu warten.</p><p>Einen Augenblick sp�ter blieben sie wie angewurzelt stehen.</p><p>Es traf Mishraile wie ein kalter Guss�� als w�rde er mit dem Kopf zuerst in einen Wasserfall laufen. Die Eine Macht verschwand. Sie verlie� ihn, einfach so.</p><p>Von Panik �berw�ltigt stolperte er, versuchte zu begreifen, was da geschehen war. Man hatte ihn abgeschirmt! Nein. Da war keine Abschirmung. Er f�hlte��</p><p>nichts.</p><p>In der N�he gerieten die B�ume in Bewegung, Gestalten traten aus den Schatten. Schwerf�llige Kreaturen mit langen herabh�ngenden Augenbrauen und dicken Fingern. Mit ihrer faltigen Haut und dem wei�en Haar erschienen sie so alt wie die B�ume selbst.</p><p>Er befand sich in einem <emphasis>Stedding</emphasis>.</p><p>Mishraile versuchte zu fliehen, aber starke Arme packten ihn. Die Alten der Ogier umzingelten ihn und die anderen. Voraus trat al�Thor hinter einem Baum hervor�� aber er war es gar nicht. Nicht mehr. Es war ein Trick gewesen. Androl hatte das Gesicht des Wiedergeborenen Drachen getragen.</p><p>Die anderen schrien und schlugen mit den F�usten auf die Ogier ein, aber Mishraile fiel auf die Knie und starrte in die Leere, wo einst die Eine Macht gewesen war.</p><empty-line/><p>Pevara trat an Androls Seite, als die Ogier, die zu alt gewesen waren, um noch in die Schlacht zu ziehen, die Schattenlords mit festem Griff packten und tiefer in das <emphasis>Stedding</emphasis> Sholoon zogen. Lindsar, die �lteste von ihnen, die sich auf einen Stock von der Dicke eines m�nnlichen Oberschenkels st�tzte, kam n�her.</p><p>�Wir k�mmern uns um die Gefangenen, Meister Androl�, sagte Lindsar.</p><p>�Eine Hinrichtung?�, fragte Pevara.</p><p>�Bei den �ltesten B�umen, nein!� Die Ogierfrau sah beleidigt aus. �Nicht an diesem Ort, nein, hier wird nicht get�tet. Wir werden sie festhalten und nicht entkommen lassen.�</p><p>�Das sind <emphasis>sehr</emphasis> gef�hrliche Leute, gute Ogier�, warnte Androl. �Ihr d�rft nicht untersch�tzen, wie verschlagen sie sind.�</p><p>Die Ogierfrau kicherte und humpelte auf die noch immer wundersch�nen B�ume des <emphasis>Stedding</emphasis> zu. �Die Menschen nehmen an, dass wir nicht ebenfalls verschlagen sein k�nnen, weil wir so ruhig sind�, sagte sie. �Sollen sie entdecken, wie einfallsreich ein Verstand in Jahrhunderten werden kann. Keine Sorge, Meister Androl. Wir werden vorsichtig sein. Es wird diesen armen Seelen guttun, im Frieden des <emphasis>Stedding</emphasis> zu leben. Vielleicht ver�ndern ein paar Jahrzehnte des Friedens ja ihre Sicht der Welt.�</p><p>Sie verschwand zwischen den B�umen.</p><p>Androl sah Pevara an und f�hlte ihre Zufriedenheit durch den Bund pulsieren, obwohl ihre Miene unbewegt war. �Das habt Ihr gut gemacht�, sagte er. �Der Plan war ausgezeichnet.�</p><p>Sie nickte zufrieden, dann verlie�en sie das <emphasis>Stedding</emphasis>�� passierten die unsichtbare Grenze zur Einen Macht. Auch wenn Androl so m�de war, dass er kaum noch klar denken konnte, gelang es ihm m�helos, <emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen. Er schnappte es sich wie ein Verhungernder ein St�ck Brot, obwohl er blo� wenige Minuten davon getrennt gewesen war.</p><p>Ihm tat fast schon leid, was er Donalo und den anderen angetan hatte. <emphasis>Ruhe in Frieden hier, alter Freund,</emphasis> dachte er und warf einen Blick �ber die Schulter. <emphasis>Vielleicht finden wir ja einen Weg, dich eines Tages aus dem Gef�ngnis zu befreien, in das sie deinen Verstand sperrten.</emphasis></p><p>Jonneth kam angelaufen. �Und?�</p><p>�Erledigt�, sagte Androl.</p><p>Pevara nickte, als sie die B�ume hinter sich lie�en und den Mora und die Ruinen au�erhalb des <emphasis>Stedding</emphasis> erblickten. Aber sie blieben ruckartig stehen, als sie den Ort sahen, an dem die Fl�chtlinge aus Caemlyn die Verwundeten und Waffen zusammengetragen hatten.</p><p>Jetzt war er voller Trollocs.</p><p>Die mordeten.</p><empty-line/><p>Aviendha kniete �ber Rhuarcs Leichnam.</p><p>Tot. Sie hatte <emphasis>Rhuarc</emphasis> get�tet.</p><p><emphasis>Er war nicht l�nger er selbst,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Graendal hat ihn get�tet. Ihr Gewebe h�tte ihn genauso gut verbrennen k�nnen. Das ist blo� eine H�lle.</emphasis></p><p>Es war blo� eine��</p><p>Es war blo� eine��</p><p>Es war blo� eine��</p><p><emphasis>Kraft, Aviendha.</emphasis> Rands Entschlossenheit f�llte sie und strahlte aus dem Bund in sie hinein. Sie schaute auf und f�hlte, wie s�mtliche M�digkeit sie floh und alle ablenkenden Gedanken verschwanden.</p><p>Graendal k�mpfte gegen Amys, Talaan, Alivia und Cadsuane�� und Graendal gewann. Gewebe flogen hin und her und erhellten die staubige Luft, aber die von Cadsuane und den anderen verloren zusehends an Kraft. Wurden defensiver. Blitze zuckten um Amys herum in die Tiefe und schleuderten sie zu Boden. Neben Graendal verkrampfte sich Sashalle Anderly und kippte zur Seite; das Gl�hen der Einen Macht umgab sie nicht l�nger. Graendal hatte zu viel Macht durch sie gezogen und sie ausgelaugt.</p><p>Aviendha stand auf. Graendal war m�chtig und verschlagen. <emphasis>Au�ergew�hnlich</emphasis> gut darin, Gewebe aus der Luft zu schneiden, w�hrend sie sich bildeten.</p><p>Aviendha webte Feuer, Luft, Geist. Ein gl�hender, brennender Speer aus Licht und Feuer erschien in ihrer Hand. Sie bereitete f�nf weitere Gewebe Geist vor, dann rannte sie los.</p><p>Das Dr�hnen des erbebenden Bodens begleitete ihre Schritte. Kristallblitze regneten vom Himmel und erstarrten. Menschen und Bestien heulten, als die Schattenhunde die letzte Linie der menschlichen Verteidiger vor dem Weg zu Rand erreichten.</p><p>Graendal entdeckte Aviendha und webte Baalsfeuer. Aviendha schlug es mit einem Strom Geist aus der Luft, und Graendal fluchte, webte erneut. Aviendha zerschnitt das Gewebe.</p><p>Cadsuane und Talaan schlugen mit Feuerb�llen zu. Einer der gefangenen Aiel warf sich vor Graendal und starb mit einem schrillen Schrei, als ihn die Flammen verschlangen.</p><p>Aviendha rannte schnell, der Boden unter ihren F��en raste schemenhaft vorbei, w�hrend sie den Speer aus Licht trug. Sie erinnerte sich an ihr erstes Rennen, eine der Pr�fungen zur Aufnahme bei den T�chtern. An diesem Tag hatte sie den Wind unter sich gesp�rt, wie er sie anfeuerte.</p><p>Dieses Mal f�hlte sie keinen Wind. Stattdessen h�rte sie die Rufe der Krieger. Die Aiel, die k�mpften, schienen sie anzufeuern. Der Laut selbst trug sie Graendal entgegen.</p><p>Die Verlorene webte ein Gewebe, bevor Aviendha es aufhalten konnte, einen m�chtigen Strom Erde, der genau unter ihre F��e zielte.</p><p>Also sprang sie.</p><p>Der Boden explodierte, Steine flogen in die H�he, w�hrend sie die Druckwelle in die Luft schleuderte. Splitter schnitten in ihre Beine, lie�en Blut spritzen. Es zerfetzte ihre F��e, Knochen brachen, Beine brannten.</p><p>Inmitten des Steinsturms hielt sie den Speer aus Feuer und Licht mit beiden H�nden fest. Graendal schaute ungl�ubig auf, �ffnete den Mund. Sie w�rde mit der Wahren Macht Reisen. Aviendha wusste das. Die Frau hatte diese Methode des Reisens bis jetzt nur deshalb gemieden, weil sie ihre Begleiter ber�hren musste, um sie mitzunehmen, und sie hatte keinen zur�cklassen wollen.</p><p>In diesem kurzen Augenblick, in dem Aviendha in der Luft hing, trafen sich ihre Blicke, und sie las echtes Entsetzen in den Augen der Schattenbeseelten.</p><p>Die Luft verzerrte sich.</p><p>Aviendhas Speer bohrte sich in Graendals Seite.</p><p>Einen Moment sp�ter verschwanden sie beide.</p></section><section><title><p>43</p><p>Ein Feld aus Glas</p></title><p>Mit hinter dem R�cken verschr�nkten H�nden stand Logain in der Mitte eines Glasfeldes. Oben auf der Anh�he tobte die Schlacht. Die Sharaner wichen vor dem Ansturm von Cauthons Armeen zur�ck, und seine Kundschafter hatten berichtet, dass der Schatten �berall auf dem Feld von Merrilor schwer getroffen wurde.</p><p>�Ich sch�tze, sie brauchen dich wohl nicht�, sagte Gabrelle zu ihm, als sich seine Kundschafter zur�ckzogen. �Also hattest du recht.�</p><p>Der Bund �bertrug Unzufriedenheit und sogar Entt�uschung. �Ich muss mich um die Zukunft der Schwarzen Burg k�mmern�, erwiderte Logain knapp.</p><p>�Du suchst nicht nach ihrer Zukunft�, sagte sie leise, fast schon bedrohlich. �Du willst sichergehen, dass du in diesen L�ndern Macht haben wirst. Du kannst deine Gef�hle nicht vor mir verstecken.�</p><p>Logain unterdr�ckte seine Wut. Er w�rde nicht noch einmal ihrer Macht unterworfen werden. <emphasis>Niemals.</emphasis> Zuerst die Wei�e Burg, dann M�Hael und seine M�nner.</p><p>Tagelange Folter. Wochenlang.</p><p><emphasis>Ich werde st�rker als jeder andere sein,</emphasis> dachte er. Das war der einzige Ausweg, oder? <emphasis>Man wird mich f�rchten.</emphasis></p><p>Licht! Er hatte ihren Anstrengungen widerstanden, ihn zu verderben, ihn dem Schatten zuzuf�hren�� aber unwillk�rlich musste er sich fragen, ob sie nicht stattdessen etwas anderes in seinem Inneren zerbrochen hatten. Etwas Tiefliegendes. Er blickte �ber das Kristallfeld.</p><p>Darunter grollte es erneut. Ein paar Kristalle zersplitterten. Dieses ganze Gebiet w�rde bald zusammenbrechen. Und mit ihm das Zepter��</p><p><emphasis>Macht.</emphasis></p><p>�Ich warne Euch, Festl�nder�, sagte da eine ruhige Stimme in der N�he. �Ich habe eine Botschaft zu �berbringen. Falls ich dazu Euren Arm brechen muss, dann werde ich das tun.�</p><p><emphasis>Das ist ein seanchanischer Akzent,</emphasis> dachte Logain und drehte sich stirnrunzelnd um. Eine Seanchanerin, die von einem gro�en Illianer begleitet wurde, stritt sich mit einem seiner W�chter. Diese Frau wusste, wie man seine Stimme weit tragen lie�, ohne br�llen zu m�ssen. Sie verf�gte �ber eine Selbstbeherrschung, die Logain neugierig machte.</p><p>Er ging zu ihr hin�ber, und die Seanchanerin sah zu ihm hoch. �Ihr seht nach jemandem mit Autorit�t aus�, rief sie ihm zu. �Ihr seid der, den man Logain nennt?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Die Amyrlin schickt Euch ihre letzten Worte. Ihr m�sst die Siegel zur Wei�en Burg bringen, damit sie gebrochen werden. Das Zeichen ist das kommende Licht! Sie sagt, man wird es erkennen, wenn es kommt.�</p><p>Logain hob die Brauen. Er nickte der Frau zu, haupts�chlich um sie loszuwerden, dann ging er wieder zur�ck.</p><p>�Du hast nicht vor, es zu tun�, sagte Gabrelle. �Narr. Diese Siegel geh�ren���</p><p>�Mir�, erwiderte Logain.</p><p>�Logain�, sagte Gabrelle leise. �Ich wei�, dass man dich verletzt hat. Aber das ist nicht der Augenblick f�r Spiele.�</p><p>�Warum nicht? So wie die Wei�e Burg mit mir umgegangen ist, war das etwas anderes als ein gro�es Spiel?�</p><p>�Logain.� Sie ber�hrte seinen Arm.</p><p>Das Licht sollte diesen Bund verbrennen! Er w�nschte, er h�tte ihn ihr niemals aufgezwungen. Mit ihr verbunden konnte er ihre Ehrlichkeit sp�ren. Wie sehr w�rde es doch sein Leben erleichtern, wenn er alle Aes Sedai weiterhin mit Misstrauen betrachten k�nnte.</p><p>Ehrlichkeit. W�rde sie noch sein Untergang sein?</p><p>�Lord Logain!�, rief Desautel. Der Geweihte war so breit wie ein Schmied. �Lord Logain, ich glaube, ich habe es gefunden!�</p><p>Logain brach den Blickkontakt mit Gabrelle, sah zu Desautel hin�ber. Der Asha�man stand neben einem gro�en Kristall. �Es ist hier�, sagte er und wischte �ber den Kristall, als Logain auf ihn zuging. �Seht Ihr?�</p><p>Logain kniete sich hin, webte eine Lichtkugel. Ja�� dort, im Inneren des Kristalls. Es sah wie eine Hand aus, die aus einer etwas anderen Kristallart bestand und im Lichtschein funkelte. Diese Hand hielt ein goldenes Zepter, dessen Oberseite �hnlich wie ein Pokal geformt war.</p><p>Mit einem breiten Grinsen sammelte Logain die Eine Macht. Er lie� <emphasis>Saidin</emphasis> in den Kristall str�men, benutzte ein Gewebe, um ihn wie einen Stein zu zerschmettern.</p><p>Der Boden bebte. Der Kristall, was auch immer er war, widerstand. Je h�rter er zudr�ckte, umso heftiger wurde das Beben.</p><p>�Logain���, sagte Gabrelle.</p><p>�Tretet zur�ck�, sagte er. �Ich glaube, ich muss es mit Baalsfeuer versuchen.�</p><p>Panik schoss durch den Bund. Gl�cklicherweise sparte sich Gabrelle die M�he, ihm zu sagen, was verboten war und was nicht. Asha�man brauchten dem Gesetz der Wei�en Burg nicht zu gehorchen.</p><p>�Logain!�</p><p>Eine andere Stimme. Warum konnten sie ihn nicht in Ruhe lassen? Er bereitete das Gewebe vor.</p><p>�Logain!� Androl keuchte, als er eintraf. Er fiel auf die Knie, sein Gesicht wies Verbrennungen auf. Er sah schlimmer als der Tod aus. �Logain�� die Fl�chtlinge aus Caemlyn�� Der Schatten hat Trollocs geschickt, um sie bei den Ruinen zu t�ten. Licht! Sie werden hingeschlachtet!�</p><p>Logain webte Baalsfeuer, hielt das fast fertige Gewebe, w�hrend er den Kristall und seine goldene Beute betrachtete.</p><p>�Logain���, sagte Androl gequ�lt. �Die anderen aus meiner Gruppe sind geblieben, um zu k�mpfen, aber sie sind zu ersch�pft. Ich kann Cauthon nirgends finden, und die Soldaten, an die ich mich wandte, sind zu sehr mit ihrem eigenen Kampf besch�ftigt, um helfen zu k�nnen. Ich glaube nicht einmal, dass die Kommandanten wissen, dass die Trollocs dort oben sind. Beim Licht.�</p><p>Logain hielt sein Gewebe fest, f�hlte die Eine Macht in sich pulsieren. Macht. Furcht.</p><p>�Bitte�, fl�sterte Androl leise. �Kinder, Logain. Sie schlachten die Kinder���</p><p>Logain schloss die Augen.</p><empty-line/><p>Mat ritt mit den Helden des Horns. Anscheinend r�umte ihm seine einstige Stellung als Hornbl�ser einen besonderen Platz unter ihnen ein. Sie schlossen sich ihm an, gr��ten ihn, sprachen mit ihm, als w�rden sie ihn kennen. Sie sahen so, nun, heroisch aus, wie sie aufrecht in ihren S�tteln sa�en, umgeben von dem Nebel, den das Licht der hereinbrechenden Morgend�mmerung gl�hen lie�.</p><p>Mitten im Kampfget�mmel stellte er schlie�lich die Frage, die ihn nun schon so lange verfolgt hatte. �Ich bin doch wohl nicht�� einer von Euch, oder?�, frage er Hend den Schl�ger. �Ihr wisst schon�� da Helden manchmal geboren werden und dann sterben und�� tun, was auch immer Ihr da tut.�</p><p>Der gro�e Mann lachte. Er ritt einen Kastanienbraunen, der fast die Schulterh�he eines seanchanischen Eberpferdes hatte. �Ich wusste, dass Ihr das fragt, Spieler!�</p><p>�Nun, dann solltet Ihr verflucht noch mal eine Antwort parat haben.� Mat f�hlte, wie sich seine Wangen r�teten, w�hrend er die Antwort erwartete.</p><p>�Nein, Ihr seid keiner von uns�, sagte Hend. �Entspannt Euch. Auch wenn Ihr mehr als genug getan habt, um Euch einen Platz zu verdienen, seid Ihr nicht auserw�hlt worden. Den Grund daf�r kenne ich nicht.�</p><p>�Vielleicht weil mir die Vorstellung nicht behagt, jedes Mal zu springen, wenn jemand dieses verdammte Horn bl�st.�</p><p>�Vielleicht!� Hend grinste und galoppierte auf eine Reihe sharanischer Speere zu.</p><p>Mat dirigierte nicht l�nger Truppenbewegungen auf dem Schlachtfeld. Wenn es das Licht wollte, hatte er die Dinge gut genug in Bewegung gesetzt, dass keine unmittelbare Kontrolle n�tig war. Er hatte sich den Helden angeschlossen und ritt k�mpfend und Schlachtrufe br�llend �ber das Plateau.</p><p>Elayne war wieder da, und sie hatte ihre Truppen um sich geschart. Mat sah ihr von der Einen Macht erschaffenes Banner �ber ihnen am Himmel schweben und erhaschte einen Blick auf jemanden, der wie sie aussah und zwischen den Soldaten ritt; ihr Haar gl�nzte, als w�rde es hinter ihr angestrahlt. Sie erschien selbst wie eine verdammte Heldin des Horns.</p><p>Mat stie� einen Freudenschrei aus, als er die seanchanische Armee nach Norden marschieren sah, wo sie sich gleich mit Elaynes Armee vereinigen w�rde, und er ritt weiter am Osthang der Anh�he entlang. Kurz darauf wurde er langsamer, Pips hatte gerade einen Trolloc zertrampelt. Dieses laute Rauschen�� Mat sp�hte in die Tiefe, als der Fluss in einer dahinrasenden Woge aus schlammigem Wasser zur�ckkehrte. Er brach die Trolloc-Horde entzwei, riss viele von ihnen mit sich, als er wieder das Flussbett f�llte.</p><p>Der schneehaarige Rogosh sah dem sch�umenden Wasser zu, dann nickte er Mat respektvoll zu. �Gut gemacht, Spieler�, sagte er. Die R�ckkehr des Flusses hatte die Streitmacht des Schattens geteilt.</p><p>Mat begab sich wieder in den Kampf. Als er �ber das Plateau galoppierte, bemerkte er, dass die Sharaner ��oder das, was von ihnen noch �brig war�� durch Wegetore flohen. Er lie� sie ziehen.</p><p>Als die Trollocs die fliehenden Sharaner sahen, stockte ihr Widerstand, und sie gerieten in Panik. Eingekreist und von Mats Heeren gejagt, blieb ihnen keine andere Wahl, als zu dem langen Hang im S�dwesten zu fliehen.</p><p>Jenseits der Anh�he war das Chaos ausgebrochen. Die Seanchaner hatten sich mit Elaynes Soldaten vereint, und beide Gruppen st�rzten sich mit gl�hendem Zorn auf das Schattengez�cht. Sie bildeten einen Kordon um die Bestien und r�ckten schnell vor, erlaubten keine Flucht. Schnell verwandelte sich der Boden in roten Matsch, als die Trollocs zu Tausenden starben.</p><p>Aber die Kampfhandlungen auf der shienarischen Seite des Mora waren nichts verglichen mit dem Kampf, der auf der anderen Flussseite tobte. In dem Korridor zwischen dem Moor und der Polov-Anh�he dr�ngte sich das Schattengez�cht, das den Seanchanern zu entkommen versuchte, die sie aus dem Westen angriffen.</p><p>Die Vorhut, die zuerst gegen die Trollocs in den Korridor geschickt wurde, setzte sich nicht aus seanchanischen Soldaten zusammen, sondern aus Abteilungen <emphasis>Lopar</emphasis> und <emphasis>Morat�lopar</emphasis>. Aufgerichtet auf die Hinterbeine waren <emphasis>Lopar</emphasis> nicht gr��er als Trollocs, aber sie waren betr�chtlich schwerer. Die <emphasis>Lopar</emphasis> richteten sich auf und schlugen mit ihren rasiermesserscharfen Krallen auf die Tiermenschen ein. Sobald ein <emphasis>Lopar</emphasis> den ersten Widerstand seiner Beute gebrochen hatte, packte er den Trolloc mit den Tatzen im Nacken und biss der Bestie den Kopf ab. Das bereitete den <emphasis>Lopar</emphasis> gro�es Vergn�gen.</p><p>Die <emphasis>Lopar</emphasis> wurden zur�ckgeholt, als sich immer mehr Trolloc-Kadaver am Korridorende aufschichteten. Als N�chstes schickte man Schw�rme von <emphasis>Corlm</emphasis> in diese Schlachtgrube, gro�e, schwingenlose, gefiederte Kreaturen mit langen gekr�mmten Schn�beln, die dazu bestimmt waren, Fleisch zu zerfetzen. Diese Fleischfresser setzten m�helos �ber die Leichenstapel hinweg auf die noch k�mpfenden Trollocs zu, um den Bestien das Fleisch von den Knochen zu rei�en. Die seanchanischen Soldaten taten kaum etwas dabei, sondern stellten blo� Piken auf, um daf�r zu sorgen, dass keine Trollocs durch den Korridor oder �ber die Westseite der Anh�he entkamen. Die sie angreifenden Kreaturen brachten das Schattengez�cht derart aus dem Gleichgewicht, dass nur wenige Lust versp�rten, auf die seanchanischen Truppen zuzur�cken.</p><p>Die von Panik ergriffen Tiermenschen, die von Mats Heer den H�gel hinuntergejagt wurden, warfen sich notgedrungen auf ihre Artgenossen im Korridor. Ein schreckliches Gedr�nge entstand, und sie fingen an �bereinanderzuklettern, weil jeder oben sein wollte, um nicht zerquetscht zu werden und noch etwas l�nger atmen zu k�nnen.</p><p>Talmanes und Aludra hatten ihre Drachen auf den Korridor gerichtet und fingen an, Dracheneier in die brodelnde Masse furchterf�llter Trollocs zu feuern.</p><p>Es war schnell vorbei. Die Zahl an lebenden Tiermenschen verringerte sich von vielen Tausenden auf nur noch Hunderte. Die �brig gebliebenen sahen sich dem Tod von drei Seiten ausgesetzt und flohen ins Moor, wo viele in die Tiefe gezogen wurden. Ihr Tod war weniger gewaltt�tig, daf�r aber genauso schrecklich. Der Rest bekam ein etwas gn�digeres Ende, sie wurden mit Pfeilen, Speeren und Armbrustbolzen erlegt, w�hrend sie durch den Schlamm dem s��en Geruch der Freiheit entgegenstapften.</p><empty-line/><p>Mat senkte den blutverschmierten <emphasis>Ashandarei</emphasis>. Er schaute zum Himmel. Irgendwo dort oben verbarg sich die Sonne; er war sich nicht sicher, wie lange er nun schon mit den Helden geritten war.</p><p>Er w�rde sich bei Tuon f�r ihre R�ckkehr bedanken m�ssen. Allerdings machte er sich nicht auf, sie zu suchen. Er hatte das dumme Gef�hl, dass sie von ihm erwarten w�rde, seinen prinzlichen Pflichten nachzukommen, wie auch immer die aussehen mochten.</p><p>Nur�� da war dieser seltsame Lockruf in ihm. Der immer st�rker wurde.</p><p><emphasis>Blut und verdammte Asche, Rand,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich habe meinen Teil erledigt. Du tust deinen.</emphasis></p><p>Amaresus Worte fielen ihm ein. <emphasis>Jeden Eurer Atemz�ge verdankt Ihr ihm, Spieler��</emphasis></p><p>Er war doch ein guter Freund gewesen, wenn Rand ihn gebraucht hatte, oder etwa nicht? Zumindest meistens? Blut und Asche, man konnte doch wohl nicht von jemandem erwarten, dass er sich keine Sorgen machte�� und vielleicht ein bisschen Abstand hielt�� wenn man es mit einem Verr�ckten zu tun hatte. Oder?</p><p>�Falkenfl�gel!�, rief Mat und ritt zu dem Mann. �Die Schlacht�, sagte er und holte tief Luft. �Sie ist zu Ende, nicht wahr?�</p><p>�Ihr habt sie festgezurrt, Spieler�, sagte Falkenfl�gel, der majest�tisch auf seinem Pferd sa�. �Ah�� was w�rde ich darum geben, Euch einmal auf einem Schlachtfeld gegen�berzustehen. Welch gro�artiger Kampf das doch w�rde.�</p><p>�Toll. Wunderbar. Ich meinte nicht dieses Schlachtfeld. Ich meinte die Letzte Schlacht. Sie ist zu Ende, richtig?�</p><p>�Ihr fragt das unter einem schattenverh�llten Himmel, auf einem Erdboden, der vor Furcht zittert? Was sagt Euch denn Eure Seele, Spieler?�</p><p>Noch immer klapperten diese W�rfel in Mats Kopf.</p><p>�Meine Seele sagt mir, dass ich ein Narr bin�, knurrte Mat. �Das und ein verfluchter �bungssack, der aufgestellt darauf wartet, von den Rekruten attackiert zu werden.� Er schaute nach Norden. �Ich muss zu Rand. Falkenfl�gel, w�rdet Ihr mir einen Gefallen tun?�</p><p>�Gern, Spieler.�</p><p>�Kennt Ihr die Seanchaner?�</p><p>�Sie sind mir�� vertraut.�</p><p>�Ich glaube, ihre Kaiserin w�rde Euch nur zu gern kennenlernen�, sagte Mat und trieb Pips an. �Ich w�rde es zu sch�tzen wissen, wenn Ihr mit ihr sprechen k�nntet. Und wenn Ihr das macht, sagt ihr doch freundlicherweise, dass ich Euch geschickt habe.�</p><empty-line/><p>GLAUBST DU, ICH ZIEHE MICH ZUR�CK?, fragte der Dunkle K�nig.</p><p>Das Ding, das da sprach, w�rde Rand niemals v�llig begreifen k�nnen. Selbst das Universum in seinem ganzen Ausma� sehen zu k�nnen erlaubte ihm nicht, das B�se selbst zu begreifen.</p><p>ICH HABE NIE ERWARTET, DASS DU DICH ZUR�CKZIEHST, sagte Rand. DAZU BIST DU MEINER MEINUNG NACH GAR NICHT F�HIG. ICH W�NSCHTE, DU K�NNTEST WIRKLICH VERSTEHEN, WARUM DU IMMER VERLIERST.</p><p>Auf dem Schlachtfeld unter ihnen waren die Trollocs gefallen, geschlagen von einem jungen Spieler von den Zwei Fl�ssen. Der Schatten h�tte nicht verlieren d�rfen. Es ergab keinen Sinn. Die Trollocs waren in der �bermacht gewesen.</p><p>Aber die Tiermenschen k�mpften nur, weil die Myrddraal sie dazu zwangen�� allein auf sich gestellt w�rde ein Trolloc genauso wenig einen st�rkeren Gegner bek�mpfen, wie ein Fuchs versuchen w�rde, einen L�wen zu t�ten.</p><p>Das war eine der am tiefsten verankerten Regeln unter Raubtieren. Friss, was schw�cher ist als du. Fl�chte vor den St�rkeren.</p><p>Der Dunkle K�nig wurde von einem brodelnden Zorn gepackt, den Rand an diesem Ort als eine k�rperliche Macht empfand.</p><p>DU SOLLTEST NICHT �BERRASCHT SEIN, sagte Rand. WANN HAST DU JE DAS BESTE IM MENSCHEN ZUM VORSCHEIN GEBRACHT? DAS KANNST DU NICHT. DAS LIEGT AUSSERHALB DEINER MACHT, SHAI�TAN. DEINE HANDLANGER WERDEN NIEMALS WEITERK�MPFEN, WENN ALLE HOFFNUNG VERLOREN IST. SIE WERDEN NIEMALS STANDHALTEN, DENN DAS ZU TUN W�RE JA DAS RICHTIGE. NICHT ST�RKE SCHL�GT DICH. ES IST MENSCHLICHE GR�SSE.</p><p>ICH WERDE ALLES VERNICHTEN! ICH WERDE ZERST�REN UND VERBRENNEN! ICH BRINGE ALLEM DIE DUNKELHEIT, UND DER TOD WIRD MEINE FANFARE SEIN, DIE ICH VOR MEINER ANKUNFT ERSCHALLEN LASSE! UND DU, WIDERSACHER�� ANDERE M�GEN JA ENTKOMMEN, ABER DU WIRST STERBEN. DAS MUSST DU WISSEN.</p><p>ABER DAS TUE ICH DOCH, SHAI�TAN, erwiderte Rand leise. ICH UMARME ES, DENN TOD IST UND WAR IMMER LEICHTER ALS EINE FEDER. DER TOD KOMMT IN EINEM HERZSCHLAG, NICHT GREIFBARER ALS EIN FLACKERN DES LICHTS. ER HAT KEIN GEWICHT, KEINE SUBSTANZ��</p><p>Rand setzte sich in Bewegung und sprach lauter. DER TOD KANN MICH NICHT ABHALTEN, UND ER KANN MICH AUCH NICHT BEHERRSCHEN. DARAUF L�UFT ES AM ENDE HINAUS, VATER DER L�GEN. WANN HAST DU JE EINEN MENSCHEN DAZU INSPIRIERT, SEIN LEBEN F�R DICH ZU GEBEN? NICHT F�R DEINE VERSPRECHUNGEN, NICHT F�R DEN REICHTUM, DEN ER SUCHTE, ODER DIE STELLUNG, DIE ER EINNEHMEN W�RDE, SONDERN F�R DICH? IST DAS JEMALS GESCHEHEN?</p><p>Die Finsternis verstummte.</p><p>BRING MIR DEN TOD, SHAI�TAN, knurrte Rand und warf sich in das schwarze Nichts. DENN ICH BRINGE IHN AUCH DIR!</p><empty-line/><p>Aviendha st�rzte auf einen Felsvorsprung weit �ber der Talsohle von Thakan�dar. Sie stand auf, aber ihre zerschmetterten F��e vermochten ihr Gewicht nicht zu tragen. Sie brach zusammen, und der Lichtspeer l�ste sich in ihren Fingern auf. Ihre Beine f�hlten sich an, als hielte man sie ins Feuer.</p><p>Graendal stolperte vor ihr zur�ck, holte keuchend Luft und hielt sich die Seite. Augenblicklich webte Aviendha einen Angriff, aber die Verlorene wehrte ihn sofort mit einem Gewebe ab.</p><p>�Du!�, stie� Graendal hervor. �Du Insekt, du widerw�rtiges Kind!� Die Frau war verletzt, aber noch immer stark.</p><p>Aviendha brauchte Hilfe. Amys, Cadsuane, die anderen. Trotz ihrer Schmerzen klammerte sie sich verzweifelt an die Eine Macht und fing an, ein Wegetor zu weben, das sie zu der Stelle zur�ckbrachte, von der sie gekommen war. Die lag nahe genug, um das Terrain nicht exakt kennen zu m�ssen.</p><p>Graendal lie� sie gew�hren. Blut str�mte zwischen ihren Fingern hervor. W�hrend Aviendha arbeitete, webte sie einen d�nnen Strang Luft und verstopfte die Wunde damit. Dann zeigte sie mit blutigen Fingern auf Aviendha. �Ein Fluchtversuch?�</p><p>Die Verlorene setzte zu einer Abschirmung an.</p><p>Hektisch und mit schwindender Kraft verknotete Aviendha das Gewebe und lie� das Wegetor dort offen schweben. <emphasis>Bitte, Amys, sieh es!,</emphasis> dachte sie, als sie sich gegen Graendals Abschirmung wehrte.</p><p>Sie vermochte sie kaum zu blockieren; sie war sehr schwach. Den ganzen Kampf �ber hatte die Verlorene sich auf geborgte Macht gest�tzt, w�hrend alle anderen auf sich selbst angewiesen waren. Selbst mit ihrem <emphasis>Angreal</emphasis> war Aviendha keine w�rdige Gegnerin f�r Graendal.</p><p>Die Verlorene richtete sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Aviendha spuckte ihr vor die F��e, dann fing sie an wegzukriechen und hinterlie� eine Blutspur.</p><p>Niemand kam aus dem Tor. Hatte sie es zum falschen Ort ge�ffnet?</p><p>Sie erreichte den Rand des Felssimses, der auf das Schlachtfeld von Thakan�dar in der Tiefe hinausschaute. Noch ein St�ck weiter, und sie w�rde abst�rzen. <emphasis>Immer noch besser, als eines ihrer Scho�tiere zu werden��</emphasis></p><p>Str�nge aus Luft schlangen sich um ihre Beine und rissen sie zur�ck. Sie schrie durch die zusammengebissenen Z�hne auf, dann warf sie sich auf den R�cken; ihre F��e schienen kaum mehr als St�mpfe aus rohem Fleisch zu sein. Eine Woge des Schmerzes �berrollte sie, ihre Sicht verdunkelte sich. Sie k�mpfte darum, die Eine Macht zu erreichen.</p><p>Graendal hielt sie fest, aber dann gab sie nach und knurrte, sackte keuchend zusammen. Das Gewebe, das ihre Wunde verschloss, war noch an Ort und Stelle, aber ihr Gesicht verlor jegliche Farbe. Sie schien kurz davorzustehen, das Bewusstsein zu verlieren.</p><p>Das offene Wegetor lockte Aviendha, es war eine Fluchtm�glichkeit�� aber genauso gut h�tte es eine Meile weit entfernt sein k�nnen. Benommenheit legte sich auf ihr Bewusstsein, ihre Beine standen in Flammen, aber sie zog ihr Messer aus der Scheide.</p><p>Es entglitt ihren zitternden Fingern. Sie war zu schwach, um es zu halten.</p></section><section><title><p>44</p><p>Zwei Handwerker</p></title><p>Ein Rascheln weckte Perrin. Vorsichtig �ffnete er die Augen einen Spaltbreit und fand sich in einem dunklen Raum wieder.</p><p><emphasis>Berelains Palast,</emphasis> kam die Erinnerung. Die Wellen drau�en waren weniger st�rmisch, die Schreie der M�wen waren verstummt. Irgendwo in der Ferne grollte der Donner.</p><p>Wie sp�t war es? Es roch nach Morgen, aber drau�en war es noch dunkel. Es fiel ihm schwer, die dunkle Silhouette zu erkennen, die sich durch den Raum auf ihn zubewegte. Er spannte sich an, bis er den Geruch erkannte.</p><p>�Chiad?�, fragte er und setzte sich auf.</p><p>Die Aiel zuckte nicht zusammen, obwohl er davon �berzeugt war, sie �berrascht zu haben, denn sie blieb abrupt stehen. �Ich sollte nicht hier sein�, fl�sterte sie. �Ich treibe meine Ehre an den Rand dessen, was erlaubt sein sollte.�</p><p>�Es ist die Letzte Schlacht, Chiad�, erwiderte er. �Da d�rft Ihr ein paar Grenzen dehnen�� vorausgesetzt, wir haben noch nicht gewonnen.�</p><p>�Die Schlacht bei Merrilor ist gewonnen, aber die gr��ere Schlacht ��die bei Thakan�dar�� w�tet noch immer.�</p><p>�Ich muss mich wieder an die Arbeit machen�, sagte Perrin. Er trug lediglich seinen Lendenschurz. Aber davon lie� er sich nicht abhalten. Eine Aiel wie Chiad w�rde nicht err�ten. Er schlug die Decke zur Seite.</p><p>Leider war die tief in seinen Knochen sitzende M�digkeit kaum weniger geworden. �Befehlt Ihr mir nicht, im Bett zu bleiben?�, fragte er und suchte nach Hemd und Hose. Sie lagen zusammengefaltet mit seinem Hammer am Fu� des Bettes auf einem Abstelltisch. Als er darauf zuging, musste er sich auf der Matratze abst�tzen. �Seid Ihr nicht der Ansicht, dass ich nicht k�mpfen soll, w�hrend ich so ersch�pft bin? Jede Frau, der ich hier begegnete, scheint das f�r ihre dringendste Sorge zu halten.�</p><p>�Ich bin zu der Ansicht gelangt�, erwiderte Chiad trocken, �dass es M�nner nur noch d�mmer macht, wenn man sie auf ihre Dummheit hinweist. Au�erdem bin ich <emphasis>Gai�shain</emphasis>. Es steht mir nicht zu.�</p><p>Er blickte sie an, und auch wenn er in der Dunkelheit ihr Err�ten nicht sehen konnte, konnte er dennoch ihre Verlegenheit riechen. Sie verhielt sich nicht gerade wie eine <emphasis>Gai�shain</emphasis>. �Rand h�tte euch alle einfach von euren Eiden befreien sollen.�</p><p>�Diese Art Macht hat er nicht�, sagte sie hitzig.</p><p>�Was nutzt denn die Ehre, wenn der Dunkle K�nig die Letzte Schlacht gewinnt?�, fauchte Perrin und stieg in seine Hosen.</p><p>�Sie bedeutet alles�, erwiderte Chiad. �Sie ist den Tod wert, sie ist es wert, die Welt selbst aufs Spiel zu setzen. Wenn wir keine Ehre haben, dann w�re es besser, wenn wir verlieren.�</p><p>Nun, vermutlich gab es Dinge, �ber die er das Gleiche sagen w�rde. Nat�rlich w�rde er keine albernen wei�en Gew�nder tragen�� aber er w�rde so manches nicht tun, was die Wei�m�ntel getan hatten, selbst wenn die Welt auf dem Spiel stand. Er bedr�ngte sie nicht weiter.</p><p>�Warum seid Ihr hier?�, fragte er und schl�pfte in das Hemd.</p><p>�Gaul�, sagte Chiad. �Ist er���</p><p>�O beim Licht!�, sagte Perrin. �Ich h�tte Euch das schon l�ngst sagen m�ssen. In letzter Zeit habe ich Eisenschrott statt eines Verstands, Chiad. Als ich ihn verlie�, ging es ihm gut. Er befindet sich noch immer im Traum, und dort, wo er ist, vergeht die Zeit viel langsamer. Vermutlich ist f�r ihn nur eine Stunde vergangen, aber ich muss zu ihm zur�ckkehren.�</p><p>�In Eurem Zustand?�, fragte sie und ignorierte die Tatsache, dass sie eben noch gesagt hatte, ihm das nicht vorzuhalten.</p><p>�Nein.� Perrin setzte sich aufs Bett. �Beim letzten Mal habe ich mir dabei beinahe den Hals gebrochen. Ich brauche eine Aes Sedai, die mich von meiner Ersch�pfung kuriert.�</p><p>�Das ist gef�hrlich�, sagte Chiad.</p><p>�Gef�hrlicher, als Rand sterben zu lassen? Gef�hrlicher, als Gaul ohne Verb�ndete in der Welt der Tr�ume zu lassen, wo er den <emphasis>Car�a�carn</emphasis> allein besch�tzt?�</p><p>�Der sticht sich doch eher mit dem eigenen Speer selbst in den Fu�, wenn er allein k�mpfen muss�, sagte Chiad.</p><p>�Ich meinte nicht���</p><p>�Schon gut, Perrin Aybara. Ich versuche es.� Sie ging mit raschelndem Gewand.</p><p>Perrin legte sich wieder hin und rieb sich mit den Handkanten die Augen. Bei dem letzten Kampf gegen den Schl�chter war er viel selbstbewusster gewesen, und er war trotzdem gescheitert. Er knirschte mit den Z�hnen und hoffte, dass Chiad bald zur�ckkehrte.</p><p>Etwas bewegte sich au�erhalb seines Zimmers. M�hsam setzte er sich wieder auf.</p><p>Ein gro�er Schemen verdunkelte den Eingang, dann entfernte er die Klappe von einer Lampe. Meister Luhhan war wie ein Amboss gebaut, mit einem st�mmigen und doch kraftvollen Oberk�rper und gewaltigen Armen. In Perrins Vorstellung hatte der Mann nicht ein einziges graues Haar. Meister Luhhan war �lter geworden, aber keineswegs hinf�lliger. Perrin bezweifelte, dass das je passieren w�rde.</p><p>�Lord Goldauge?�, fragte er.</p><p>�Licht, bitte�, erwiderte Perrin. �Meister Luhhan, gerade Ihr von allen Leuten solltet Euch doch dazu �berwinden k�nnen, mich einfach Perrin zu nennen. Oder gleich �mein nichtsnutziger Lehrling�.�</p><p>�Also Augenblick mal�, sagte Meister Luhhan und betrat den Raum. �Ich glaube nicht, dass ich Euch abgesehen von einer Gelegenheit je so nannte.�</p><p>�Als ich die neue Klinge f�r Meister al�Moors Sense zerbrach.� Perrin musste l�cheln. �Ich war so sehr davon �berzeugt, es richtig hinzubekommen.�</p><p>Meister Luhhan kicherte. Er blieb vor Perrins Hammer stehen, der sich noch immer auf dem Tisch am Fu� des Bettes befand, und legte die Finger darauf. �Ihr seid ein wahrer Meister des Handwerks geworden.� Luhhan setzte sich auf einen Hocker neben dem Bett. �Unter uns Handwerkern, ich bin beeindruckt. Ich glaube nicht, dass mir jemals etwas so Gro�artiges wie dieser Hammer gelungen w�re.�</p><p>�Ihr habt die Axt geschmiedet.�</p><p>�Das tat ich wohl. Es war kein Werkzeug der Sch�nheit. Es war ein Werkzeug zum T�ten.�</p><p>�Manchmal muss man t�ten.�</p><p>�Ja, aber das ist niemals sch�n. Niemals.�</p><p>Perrin nickte. �Danke. Daf�r, dass Ihr mich gefunden habt, mich hergebracht habt. Mich gerettet habt.�</p><p>�Das war reiner Eigennutz, mein Sohn�, sagte Meister Luhhan. �Falls wir das alles hier �berstehen, dann nur wegen euch Jungs, h�rt Ihr.� Er sch�ttelte den Kopf, als k�nnte er es nicht glauben. Wenigstens ein Mann erinnerte sich noch daran, wie sie Jugendliche gewesen waren�� drei Jugendliche, die zumindest in Mats Fall mehr als nur einmal Dummheiten gemacht hatten.</p><p><emphasis>Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass Mat immer noch Dummheiten macht,</emphasis> dachte Perrin. Wenigstens k�mpfte er im Augenblick nicht, sondern unterhielt sich mit Seanchanern, wenn man den wirbelnden Farben glauben konnte, die sich zu einem Bild zusammensetzten.</p><p>�Chiad sagt, dass der Kampf in Merrilor vorbei ist?�</p><p>�Das ist er�, erwiderte Meister Luhhan. �Ein paar unserer Verwundeten habe ich mitgebracht. Ich sollte gleich nach Tam und Abell sehen, aber ich wollte Euch besuchen.�</p><p>Perrin nickte. Dieser Lockruf in ihm, dieses best�ndige Ziehen�� jetzt war es st�rker als je zuvor. Rand <emphasis>brauchte</emphasis> ihn. Der Krieg war noch nicht vorbei. Noch lange nicht.</p><p>�Meister Luhhan�, sagte er seufzend. �Ich habe einen Fehler gemacht.�</p><p>�Einen Fehler?�</p><p>�Ich habe mich verausgabt�, sagte Perrin, �mich zu sehr angetrieben.� Er machte eine Faust und schlug damit auf das Bett ein. �Ich h�tte es besser wissen m�ssen, Meister Luhhan. Ich tue das immer wieder. Ich arbeite so schwer, dass ich am n�chsten Tag zu nichts zu gebrauchen bin.�</p><p>�Perrin, mein Junge?� Meister Luhhan beugte sich vor. �Ehrlich gesagt mache ich mir heute mehr Sorgen, dass es kein Morgen mehr gibt.�</p><p>Perrin blickte ihn stirnrunzelnd an.</p><p>�Falls es je einen Augenblick gab, sich selbst zu verausgaben, dann ist das jetzt. Wir haben einen Kampf gewonnen, aber falls der Wiedergeborene Drache nicht siegt�� Licht, ich glaube nicht, dass Ihr da einen Fehler begangen habt. Das ist unsere letzte Chance am Schmiedeofen. Das ist der Morgen, an dem das gro�e Werkzeug fertig sein muss. Heute arbeitet man einfach weiter, bis man fertig ist.�</p><p>�Aber wenn ich zusammenbreche���</p><p>�Dann habt Ihr alles gegeben.�</p><p>�Ich k�nnte scheitern, weil ich meine Kraft vorzeitig verschwendet habe.�</p><p>�Dann scheitert Ihr wenigstens nicht, weil Ihr Euch zur�ckgehalten habt. Ich wei�, das klingt schlimm, und vielleicht irre ich mich ja. Aber�� nun, Ihr sprecht von einem guten Rat f�r einen gew�hnlichen Tag. Aber das ist kein gew�hnlicher Tag. Nein, beim Licht, das ist keiner.�</p><p>Meister Luhhan nahm Perrin beim Arm. �Ihr m�gt Euch ja als jemanden betrachten, der zul�sst, dass er immer zu weit geht, aber das ist nicht der Mann, den ich sehe. Perrin, wenn �berhaupt, dann betrachtete ich Euch als jemanden, der gelernt hat, sich zur�ckzuhalten. Ich habe gesehen, wie Ihr mit allergr��ter Vorsicht eine Teetasse hieltet, weil Ihr Angst hattet, sie mit Eurer Kraft zu zerbrechen. Ich habe gesehen, wie Ihr die Hand eines anderen Mannes ergriffen habt und sie so vorsichtig hieltet, nie zu fest zugedr�ckt habt. Ich habe gesehen, wie Ihr Euch mit wohl�berlegter Zur�ckhaltung bewegt habt, damit Ihr niemanden zur Seite sto�t oder etwas umwerft.</p><p>Das waren gute Lektionen, die Ihr da gelernt habt, mein Sohn. Ihr brauchtet die Kontrolle. Aber ich habe in Euch einen Jungen gesehen, der zu einem Mann heranwuchs, der nicht wei�, wie er diese Beschr�nkungen fallen lassen muss. Ich sehe einen Mann, der sich vor dem f�rchtet, was geschieht, wenn er sich nicht im Griff hat. Mir ist schon klar, dass Ihr Euch so verhaltet, weil Ihr Angst habt, Menschen zu verletzen. Aber, Perrin�� es ist Zeit, mit der Zur�ckhaltung aufzuh�ren.�</p><p>�Ich halte mich nicht zur�ck, Meister Luhhan�, protestierte Perrin. �Wirklich, das verspreche ich.�</p><p>�Ist das so? Nun, vielleicht habt Ihr ja recht.� Pl�tzlich roch Meister Luhhan nach Verlegenheit. �Seht mich an. Hier sitze ich und rede, als ginge mich das etwas an. Ich bin nicht Euer Vater, Perrin. Es tut mir leid.�</p><p>�Nein�, sagte Perrin, als Meister Luhhan aufstand, um zu gehen. �Ich habe keinen Vater mehr.�</p><p>Meister Luhhan warf ihm einen gequ�lten Blick zu. �Was diese Trollocs taten���</p><p>�Meine Familie wurde nicht von den Trollocs ermordet�, sagte Perrin leise. �Es war Padan Fain.�</p><p>�Was? Seid Ihr sicher?�</p><p>�Einer der Wei�m�ntel sagte es mir�, erwiderte Perrin. �Er hat nicht gelogen.�</p><p>�Nun dann�, sagte Luhhan. �Fain�� Er treibt sich noch immer irgendwo dort drau�en herum, oder?�</p><p>�Ja. Er hasst Rand. Und da gibt es noch einen anderen Mann. Lord Luc. Erinnert Ihr Euch an ihn? Er hat den Befehl, Rand zu t�ten. Ich glaube�� ich glaube, sie werden es beide noch versuchen, bevor das hier vorbei ist.�</p><p>�Dann werdet Ihr daf�r sorgen m�ssen, dass sie es nicht schaffen, nicht wahr?�</p><p>Perrin l�chelte, dann wandte er den Kopf, als drau�en Schritte ert�nten. Einen Augenblick sp�ter trat Chiad ein, und er konnte ihre Ver�rgerung riechen, dass er sie hatte kommen sp�ren. Bain folgte, noch eine Gestalt in Wei�. Und dann��</p><p>Masuri. Nicht die Aes Sedai, die er gew�hlt h�tte. Unwillk�rlich wurden seine Lippen schmal.</p><p>�Ihr m�gt mich nicht�, sagte Masuri. �Das wei� ich.�</p><p>�Das habe ich nie gesagt�, erwiderte Perrin. �Ihr wart mir w�hrend unserer Reisen eine gro�e Hilfe.�</p><p>�Und doch vertraut Ihr mir nicht, aber darum geht es nicht. Ihr wollt Eure Kraft wiederhergestellt bekommen, und ich bin vermutlich die Einzige, die bereit ist, das f�r Euch zu tun. Die Weisen Frauen und die Gelben w�rden Euch f�r Euren Wunsch, hier zu verschwinden, den Hintern versohlen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Perrin. Er z�gerte. �Ich muss wissen, warum Ihr Euch hinter meinem R�cken mit Masema getroffen habt.�</p><p>�Ich bin gekommen, um eine Bitte zu erf�llen.� Masuri roch am�siert. �Und Ihr sagt mir, dass Ihr mich Euch keinen Gefallen tun lasst, bevor ich mich Eurem Verh�r unterwerfe?�</p><p>�Warum habt Ihr das getan, Masuri�, sagte Perrin. �Heraus damit.�</p><p>�Ich wollte ihn benutzen�, sagte die schlanke Aes Sedai.</p><p>�Ihn benutzen.�</p><p>�Einfluss auf jemanden zu haben, der sich selbst Prophet des Drachen nannte, h�tte n�tzlich sein k�nnen.� Sie roch verlegen. �Es waren andere Zeiten, Lord Aybara. Bevor ich Euch kannte. Bevor �berhaupt eine von uns Euch kannte.�</p><p>Perrin grunzte.</p><p>�Ich war dumm�, sagte Masuri. �Wolltet Ihr das h�ren? Ich war dumm, und ich habe seitdem dazugelernt.�</p><p>Perrin musterte sie, dann seufzte er und streckte ihr den Arm entgegen. Trotz allem war es eine typische Aes-Sedai-Antwort, aber immerhin geradliniger als andere, die er geh�rt hatte. �Tut es�, sagte er. �Und ich danke Euch.�</p><p>Sie nahm seinen Arm. Er f�hlte, wie sie seine Ersch�pfung aufl�ste�� f�hlte, wie sie zur�ckgedr�ngt wurde, als w�rde man eine alte Decke in einen kleinen Kasten stopfen. Er f�hlte sich belebt, voller neuer Kraft. Er sprang f�rmlich auf die Beine.</p><p>Masuri sackte zusammen, setzte sich schwer auf das Bett. Perrin ballte die Hand zur Faust, sah sie an. Er hatte das Gef�hl, jeden herausfordern zu k�nnen, selbst den Dunklen K�nig. �Das f�hlt sich wunderbar an.�</p><p>�Man hat mir gesagt, dass ich mit diesem besonderen Gewebe ausgezeichnet bin�, sagte Masuri. �Aber seid vorsichtig, es���</p><p>�Ja�, erwiderte Perrin. �Ich wei�. Der K�rper ist noch immer ersch�pft. Ich nehme es blo� nicht wahr.� Und als er dar�ber nachdachte, stimmte das Letztere nicht ganz. Er <emphasis>konnte</emphasis> seine Ersch�pfung sehr wohl sp�ren, sie war wie eine Schlange tief in ihrem Loch, die dort lauerte und abwartete. Sie w�rde ihn erneut verschlingen.</p><p>Das bedeutete, dass er vorher seine Aufgabe zu Ende bringen musste. Er atmete tief ein, dann befahl er seinen Hammer zu sich. Das Werkzeug r�hrte sich kein St�ck.</p><p><emphasis>Stimmt ja,</emphasis> dachte er. <emphasis>Das ist die reale Welt und nicht der Wolfstraum.</emphasis> Er ging zu dem Tisch und schob den Hammer in die Schlaufen an seinem G�rtel, die neuen, die er f�r den gr��eren Hammer gemacht hatte. Er wandte sich Chiad zu, die an der T�r stand; Bain konnte er auch auf dem Korridor riechen, wohin sie sich zur�ckgezogen hatte. �Ich finde ihn�, sagte Perrin. �Falls er verwundet ist, bringe ich ihn her.�</p><p>�Tut das�, sagte Chiad, �aber Ihr werdet uns hier nicht finden.�</p><p>�Ihr geht nach Merrilor?�, fragte er �berrascht.</p><p>�Einige von uns werden dazu gebraucht, die Verwundeten zu bringen, damit sie Geheilt werden k�nnen�, sagte Chiad. �Das ist etwas, das <emphasis>Gai�shain</emphasis> in der Vergangenheit nie taten, aber vielleicht k�nnen wir es dieses Mal tun.�</p><p>Perrin nickte, dann schloss er die Augen. Er stellte sich vor, wie er an der Schwelle zum Schlaf stand und dahintrieb. Die Zeit, die er im Wolfstraum verbracht hatte, hatte seinen Verstand gut ausgebildet. Mit Konzentration konnte er sich selbst t�uschen. Das ver�nderte zwar die Welt hier nicht, aber es ver�nderte seine Wahrnehmung.</p><p>Ja�� nahe an den Schlaf herantreiben�� und da war der Weg. Er nahm die Abzweigung zum Wolfstraum im Fleisch und bekam noch gerade die Andeutung eines Keuchens von Masuri mit, als er zwischen den Welten <emphasis>versetzt</emphasis> wurde.</p><p>Er �ffnete die Augen und fand sich von Windst��en getroffen. Er erschuf eine Blase ruhiger Luft, dann landete er mit starken Beinen auf dem Boden. Auf dieser Seite existierten von Berelains Palast nur noch ein paar schwankende Mauern. Eine davon l�ste sich in ihre Bestandteile auf, die Steine zerbrachen und wurden vom Wind in den Himmel gerissen. Die Stadt dahinter war so gut wie weg, hier und dort deuteten Tr�mmerhaufen auf die Geb�ude hin, die sich einst dort erhoben hatten. Der Himmel st�hnte wie Metall, das man zurechtbog.</p><p>Perrin befahl den Hammer in seine Hand, dann begab er sich ein letztes Mal auf die Jagd.</p><empty-line/><p>Thom Merrilin sa� auf einem gro�en, ru�verschmierten Felsen, rauchte seine Pfeife und sah dem Ende der Welt zu.</p><p>Er verstand etwas davon, den besten Platz zu finden, um eine Vorstellung zu verfolgen. Seiner Einsch�tzung nach war das der pr�chtigste Sitz auf der ganzen Welt. Sein Felsen stand direkt neben dem Eingang in den Krater des Verderbens, nahe genug, dass er, wenn er sich zur�cklehnte und die Augen zusammenkniff, hineinsp�hen und ein paar der dort flackernden Lichter und Schatten ausmachen konnte. Er warf wieder einen Blick hinein. Nichts hatte sich ver�ndert.</p><p><emphasis>Pass dort drinnen auf, dass dir nichts geschieht, Moiraine,</emphasis> dachte er. <emphasis>Bitte.</emphasis></p><p>Er sa� auch nahe genug am Rand des Pfades, von dem aus man das gesamte Tal �berblicken konnte. Er paffte seine Pfeife und strich mit dem Kn�chel �ber seinen Schnurrbart.</p><p>Jemand musste das aufzeichnen. Er konnte nicht die ganze Zeit damit verbringen, sich Sorgen zu machen. Also suchte er nach den richtigen Worten, um das zu beschreiben, was er dort sah. Worte wie �episch� und �bedeutsam� legte er zur Seite. �bertriebene Benutzung hatte sie so gut wie jeden Inhalts beraubt.</p><p>Ein starker Wind strich durch das Tal, riss am <emphasis>Cadin�sor</emphasis> der Aiel, die gegen rot verschleierte Gegner k�mpften. Blitze prasselten auf die Drachenverschworenen nieder, deren Linie den Pfad hinauf zum H�hleneingang hielt. Die Einschl�ge schleuderten M�nner in die Luft. Aber die n�chsten hieben auf die Trollocs ein. Die Wolken rasten hin und her, die Windsucherinnen erk�mpften sich die Kontrolle �ber das Wetter, der Schatten gewann sie zur�ck. Keine Seite hatte lange einen klaren Vorteil.</p><p>Riesige dunkle Bestien durchstreiften das Tal und t�teten m�helos. Trotz gemeinsamer Anstrengungen Dutzender K�mpfer wollten die Schattenhunde einfach nicht sterben. �ber der rechten Talseite hing dichter Nebel, den die Sturmwinde aus irgendeinem Grund nicht durcheinanderwirbeln konnten.</p><p><emphasis>H�hepunkt?,</emphasis> dachte Thom und kaute auf dem Pfeifenstiel herum. <emphasis>Nein. Zu vorhersehbar.</emphasis> Nahm man die Worte, die das Publikum erwartete, langweilte es sich. Eine gro�e Ballade musste �berraschend sein.</p><p>Niemals das Erwartete tun. Wenn die Leute anfingen, einen f�r berechenbar zu halten�� wenn sie anfingen, die Gesten vorherzusehen, nach dem Ball zu suchen, den man durch ein geschicktes Fingerspiel zu verbergen suchte, oder zu l�cheln, bevor man die letzte Zeile seiner Geschichte erreicht hatte��, dann war der Augenblick gekommen, den Umhang einzupacken, sich ein letztes Mal aus Anstand zu verbeugen und zu gehen. Denn das erwarteten sie am wenigsten von einem, wenn alles gut lief.</p><p>Er lehnte sich wieder zur�ck, sp�hte in den Tunnel. Nat�rlich konnte er sie nicht sehen. Sie war zu weit drin. Aber dank des Beh�terbundes konnte er sie in seinem Geist f�hlen.</p><p>Mit Entschlossenheit und Mut starrte sie auf das Ende der Welt. Unwillk�rlich musste er l�cheln.</p><p>Unten mahlte die Schlacht wie ein Fleischwolf, riss Menschen und Trollocs in Fetzen toten Fleisches. Die Aiel k�mpften am Rand des Kampfes mit ihren vom Schatten �bernommenen Vettern. Beide Parteien schienen etwa gleich stark zu sein, oder zumindest war es vor der Ankunft der Schattenhunde so gewesen.</p><p>Allerdings waren diese Aiel unnachgiebig. Sie schienen �berhaupt nicht m�de zu werden, obwohl es nun schon�� Thom vermochte einfach nicht genau zu bestimmen, wie viel Zeit verstrichen war. Seit ihrer Ankunft am Shayol Ghul hatte er vielleicht f�nf- oder sechsmal geschlafen, aber er wusste nicht, ob das die Tage markierte. Er �berpr�fte den Himmel. Kein Zeichen von der Sonne zu sehen, obwohl das Machtlenken der Windsucherinnen ��und die Schale der Winde�� eine gro�e Linie wei�er Wolken herbeigeholt hatte, die sich in die schwarzen hineindr�ngten. Die Wolken schienen eine eigene Schlacht auszufechten, das umgedrehte Bild der K�mpfe am Boden. Schwarz gegen Wei�.</p><p><emphasis>Gefahrvoll?</emphasis> Nein, das war nicht das richtige Wort. Er w�rde mit Sicherheit eine Ballade daraus machen. Rand verdiente es. Moiraine auch. Das w�rde genauso sehr ihr Sieg sein wie der seine. Er brauchte <emphasis>Worte</emphasis>. Die richtigen Worte.</p><p>Er suchte danach, w�hrend er h�rte, wie die Aiel die Speere gegen die Schilde schlugen, als sie sich erneut in den Kampf st�rzten. W�hrend er den heulenden Wind im Tunnel h�rte und sie an seinem Ende stehen f�hlte.</p><p>Unten spannten die Domani-Armbrustm�nner entschlossen ihre Waffen. Einst hatten Tausende von ihnen geschossen. Jetzt war nur noch ein Bruchteil von ihnen �brig.</p><p><emphasis>Vielleicht�� �Furcht einfl��end�.</emphasis></p><p>Das war ein richtiges Wort, aber nicht <emphasis>das</emphasis> richtige Wort. Es mochte nicht unerwartet sein, aber es traf es so genau. Er f�hlte es bis auf die Knochen. Seine Gemahlin k�mpfte um ihr Leben. Die Truppen des Lichts bis fast an den Rand des Todes gedr�ngt�� Beim Licht, er hatte Angst. Um sie. Um sie alle.</p><p>Aber das Wort war so prosaisch. Er brauchte etwas Besseres, etwas Perfektes.</p><p>Unten stachen die Tairener mit ihren Stangenwaffen auf die Trollocs ein. Die Drachenverschworenen k�mpften mit allen m�glichen zusammengesuchten Waffen. In der N�he lag ein letzter kaputter Dampfwagen, der Pfeile und Armbrustbolzen aus dem letzten Wegetor aus Baerlon gebracht hatte. Schon seit Stunden erhielten sie keinen Nachschub mehr. Die verzerrte Zeit und der Sturm stellten irgendetwas mit der Einen Macht an.</p><p>Thom warf einen besonders langen Blick auf den Wagen�� er w�rde ihn auf eine Weise verwenden m�ssen, die das Wunder seiner Existenz bewahrte, die beschrieb, wie seine kalten Eisenseiten vor seinem Ende Pfeile abgewehrt hatten.</p><p>Da war Heldentum in jeder Linie, in jedem Spannen einer Bogensehne und jeder Hand, die eine Waffe hielt. Wie sollte man das vermitteln? Andererseits aber die Furcht, die Zerst�rung, die ganze Surrealit�t von allem schildern? Am Vortag hatten beide Seiten in einer seltsamen Art von blutigem Waffenstillstand innegehalten, um die Toten aus dem Weg zu schaffen.</p><p>Er brauchte ein Wort, das das Chaos, den Tod, den schrecklichen Missklang, den schieren Mut beschrieb.</p><p>Unten machte sich eine ersch�pfte Gruppe Aes Sedai auf den Weg zu der Stelle, an der Thom sa�. Sie passierten Bogensch�tzen, die das Schlachtfeld mit scharfen Blicken nach Blassen absuchten.</p><p><emphasis>Erlesen,</emphasis> dachte Thom. <emphasis>Das ist das Wort. Unerwartet, aber wahr. Unsagbar erlesen. Nein. Nicht</emphasis> unsagbar<emphasis>. Soll das Wort f�r sich selbst stehen. Wenn es das richtige Wort ist, funktioniert es auch ohne Hilfe. Ist es das falsche Wort, wird es ein zus�tzliches Wort blo� verzweifelt aussehen lassen.</emphasis></p><p>Genauso <emphasis>sollte</emphasis> das Ende eigentlich sein. Der Himmel zerriss, als Parteien um die Vorherrschaft �ber die Elemente selbst k�mpften, Menschen verschiedener Nationen mit ihrer letzten Kraft standhielten. Siegte das Licht, w�rde es das nur mit einem hauchd�nnen Vorsprung tun.</p><p>Das entsetzte ihn nat�rlich. Ein gutes Gef�hl. Es w�rde in die Ballade einflie�en m�ssen. Er zog an der Pfeife und wusste, dass er es tat, damit er nicht zitterte. In der N�he explodierte die ganze Talseite und schleuderte Felsen auf alle, die darunter k�mpften. Er wusste nicht, welcher Machtlenker daf�r verantwortlich war. Auf dem Schlachtfeld streiften Verlorene umher. Thom versuchte, ihre Aufmerksamkeit nicht zu erregen.</p><p><emphasis>Genau das hast du dir eingebrockt, alter Mann,</emphasis> dachte Thom, <emphasis>weil du nicht gewusst hast, wann du besser die Finger davongelassen h�ttest.</emphasis> Er war froh, dass er nicht hatte entkommen k�nnen, dass seine Versuche, Rand, Mat und die anderen zur�ckzulassen, gescheitert waren. H�tte er wirklich irgendwo in einer ruhigen Schenke sitzen wollen, w�hrend die Letzte Schlacht geschlagen wurde? W�hrend <emphasis>sie</emphasis> sich allein dort hineinwagte?</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Er war genauso ein Narr wie jeder andere Mann und jede Frau auch. Aber wenigstens verf�gte er �ber genug Erfahrung, um das zu erkennen. Es dauerte ein paar Jahre, bis ein Mann so weit war.</p><p>Die n�her kommende Gruppe Aes Sedai trennte sich; die Schwestern blieben ein St�ck weiter unten stehen, eine Frau hinkte ersch�pft auf die H�hle zu. Cadsuane. Es waren weniger Schwestern hier als zuvor; die meisten waren in dem Wissen hergekommen, dass sie der Tod erwartete. Dieser Kampf war der verzweifeltste von allen, und die K�mpfer hier hatten die geringste Chance zu �berleben. Von zehn, die zum Shayol Ghul gekommen waren, stand nur noch einer. Thom wusste genau, dass der alte Rodel Ituralde einen Abschiedsbrief an seine Frau geschickt hatte, bevor er dieses Kommando angenommen hatte. Und das war auch gut so gewesen.</p><p>Cadsuane nickte Thom zu, dann ging sie weiter auf die H�hle zu, in der Rand um das Schicksal der Welt k�mpfte. Sobald sie Thom den R�cken zukehrte, schleuderte er ein Messer�� in der anderen Hand hielt er noch immer die Pfeife. Die Klinge traf die Aes Sedai genau im R�ckgrat und durchtrennte es.</p><p>Wie ein Sack Kartoffeln st�rzte sie zu Boden.</p><p><emphasis>Ein wirklich ausgelutschter Begriff,</emphasis> dachte Thom und paffte seine Pfeife. <emphasis>Ein Sack Kartoffeln? Hier brauche ich ein anderes Bild. Davon abgesehen, wie oft st�rzt ein Sack Kartoffeln zu Boden? Nicht oft.</emphasis> Sie st�rzte wie�� wie was? Gerste rieselte aus dem zerfetzten Ende eines Sacks und bildete auf dem Boden einen kleinen Berg. Ja, das klang besser.</p><p>Als die Aes Sedai auf dem Felsen aufprallte, l�ste sich ihr Gewebe auf und enth�llte ein anderes Gesicht hinter der Cadsuane-Maske, die sie benutzt hatte. Er erkannte die Frau, auch wenn er nicht viel �ber sie wusste. Eine Domani. Wie lautete noch einmal ihr Name? Jeaine Caide. Das war es. Sie war h�bsch.</p><p>Thom sch�ttelte den Kopf. Der Gang war v�llig falsch gewesen. Begriff eigentlich keiner von ihnen, dass der Gang einer Person genauso unverkennbar war wie die Nase im Gesicht? Jede Frau, die versuchte, an ihm vorbeizuschl�pfen, nahm an, dass es ausreichte, Gesicht und Kleid zu ver�ndern, vielleicht auch die Stimme.</p><p>Er erhob sich von seinem Sitz und nahm die Leiche unter den Armen, dann stopfte er sie in der N�he in eine Felsspalte�� dort steckten mittlerweile f�nf Leichen, es wurde etwas eng. Er zog an der Pfeife und nahm den Umhang ab, legte ihn so hin, dass er die tote Hand der Schwarzen Schwester versteckte, die dort herausragte.</p><p>Er warf noch einen Blick in den Tunnel�� auch wenn er Moiraine nicht sehen konnte, spendete ihm der Blick doch Trost. Dann kehrte er zu seinem Aussichtsplatz zur�ck und zog ein Blatt Papier und seinen Stift hervor. Und er fing an, inmitten von Donner, Schreien, Explosionen und dem Heulen des Windes zu komponieren.</p></section><section><title><p>45</p><p>Nebelschwaden</p></title><p>Die W�rfel polterten noch immer in seinem Kopf, als Mat Grady an der Seite von Olver und Noal fand. Er trug Rands blutiges Banner zu einem kleinen B�ndel zusammengefaltet unter dem Arm. �berall lagen Leichen, Waffen und Teile von R�stungen auf dem Boden, die Steine waren blutbeschmiert. Aber der Kampf hier war vorbei, es gab keine Feinde mehr.</p><p>Noal l�chelte Mat vom Sattel aus an; Olver sa� vor ihm und hielt das Horn umklammert. Der Junge schien von Gradys Heilung ersch�pft zu sein�� der Asha�man stand neben dem Pferd��, aber er erschien zugleich auch sehr stolz.</p><p>Noal. Einer der Helden des Horns. Das machte Sinn, verdammt noch mal. Jain Fernstreicher h�chstpers�nlich. Nun, Mat w�rde auf keinen Fall den Platz mit ihm tauschen wollen. Noal mochte das ja gefallen, aber er w�rde nicht nach dem Befehl eines anderen Mannes tanzen. Nicht einmal f�r die Unsterblichkeit, nein, das w�rde er nicht.</p><p>�Grady!�, sagte Mat. �Ihr habt flussaufw�rts gute Arbeit geleistet. Die Flut kam genau in dem Augenblick, in dem wir sie brauchten!�</p><p>Gradys Gesicht war ganz blass, als h�tte er etwas gesehen, das er lieber vermieden h�tte. Er nickte. �Was�� was waren das f�r���</p><p>�Ich erkl�re es ein anderes Mal�, sagte Mat. �Im Augenblick brauche ich ein verdammtes Wegetor.�</p><p>�Wohin?�, fragte Grady.</p><p>Mat holte tief Luft. �Shayol Ghul.� <emphasis>Ich bin ein verfluchter Narr.</emphasis></p><p>Grady sch�ttelte den Kopf. �Das geht nicht, Cauthon.�</p><p>�Seid Ihr zu m�de?�</p><p>�Ich bin m�de�, erwiderte Grady. �Aber das ist es nicht. Etwas geschieht am Shayol Ghul. Wegetore dorthin werden abgelenkt. Das Muster ist�� verzerrt, falls das irgendeinen Sinn ergibt. Das Tal ist nicht l�nger nur ein Ort, sondern viele, und ein Wegetor kann es nicht treffen.�</p><p>�Grady�, sagte Mat, �das ergibt f�r mich so viel Sinn, als w�rde man eine Laute ohne Finger spielen.�</p><p>�Reisen nach Shayol Ghul geht nicht, Cauthon�, sagte Grady �rgerlich. �Nehmt einen anderen Ort.�</p><p>�Wie nahe heran k�nnt Ihr mich bringen?�</p><p>Grady zuckte mit den Schultern. �Eines der Kundschafterlager, einen Tagesmarsch entfernt.�</p><p>Einen Tagesmarsch. Etwas zupfte an Mats Innerem.</p><p>�Mat?�, sagte Olver. �Ich glaube, ich muss dich begleiten, oder? In die F�ule? Werden die Helden nicht dort gebraucht, damit sie k�mpfen?�</p><p>Das war ein Teil der Angelegenheit. Dieses Ziehen war unertr�glich. <emphasis>Verfluchte Asche, Rand. Lass mich in Ruhe, du��</emphasis></p><p>Mat hielt inne, als ihm ein Gedanke kam. Kundschafterlager. �Ihr meint eines dieser seanchanischen Patrouillenlager?�</p><p>�Ja�, sagte Grady. �Da die Tore jetzt unzuverl�ssig sind, haben sie uns Statusberichte �ber die Schlacht geschickt.�</p><p>�Na, dann steht da nicht so dumm rum�, sagte Mat. ��ffnet ein Wegetor! Komm mit, Olver. Wir haben noch ein paar Dinge zu erledigen.�</p><empty-line/><p>�Ahh��� Shaisam wogte auf das Schlachtfeld von Thakan�dar. So perfekt. So vergn�glich. Seine Feinde t�teten sich gegenseitig. Und er�� er war so gro� geworden.</p><p>Sein Bewusstsein befand sich in jedem Nebelfinger, der sich in das Tal hinunter ergoss. Die Seelen der Trollocs waren�� nun, unbefriedigend. Aber auch einfaches Korn konnte den Magen ordentlich f�llen. Und Shaisam hatte einige von ihnen verschlungen.</p><p>Seine Drohnen stolperten in Nebel geh�llt die Talseite hinunter. Trollocs mit L�chern in der Haut, als h�tte man sie gekocht. Tote, wei�e Augen. Eigentlich brauchte er sie nicht l�nger, da ihre Seelen ihm das n�tige Material verschafft hatten, um sich selbst neu zu erschaffen. Sein Wahnsinn hatte sich zur�ckgezogen. Jedenfalls gr��tenteils. Nun ja, gr��tenteils war �bertrieben. Aber es reichte.</p><p>Er befand sich inmitten der Nebelbank. Noch war er nicht wiedergeboren worden�� noch nicht ganz. Er w�rde einen Ort finden m�ssen, den er befallen konnte, einen Ort, an dem die Grenzen zwischen den Welten d�nn waren. Dort konnte er sein Ich in die Steine selbst sickern lassen und sein Bewusstsein an diesem Ort verankern. Der Prozess w�rde Jahre dauern, aber sobald er angefangen hatte, w�rde man ihn noch schwerer t�ten k�nnen.</p><p>Im Augenblick war Shaisam verwundbar. Diese sterbliche Gestalt, die im Zentrum seines Verstandes ging�� er war daran gebunden. Fain, so hatte sie gehei�en. Padan Fain.</p><p>Trotzdem war er riesig. Diese Seelen hatten viel Nebel erschaffen, der wiederum andere gefunden hatte, an denen er sich n�hren konnte. Vor ihm k�mpften Menschen gegen Schattengez�cht. Das alles w�rde ihm zus�tzliche Kraft verleihen.</p><p>Seine Drohnen stolperten auf das Schlachtfeld, und sofort wandten sich beide Seiten gegen sie. Shaisam zitterte vor Freude. Sie sahen es einfach nicht. Sie begriffen es nicht. Die Drohnen waren nicht hier, um zu k�mpfen.</p><p>Sie waren ein Ablenkungsman�ver.</p><p>W�hrend der Kampf seinen Verlauf nahm, streckte er seine Essenz in Nebelschwaden aus, dann durchbohrte er damit die K�rper der K�mpfer und Trollocs. Er nahm Myrddraal. Verwandelte sie. Benutzte sie.</p><p>Bald w�rde dieses ganze Heer ihm geh�ren.</p><p>Er brauchte diese Kraft f�r den Fall, dass ihn sein alter Feind�� sein lieber Freund angriff.</p><p>Diese beiden Freunde ��diese beiden Feinde�� waren miteinander besch�ftigt. Ausgezeichnet. Shaisam f�hrte seinen Angriff fort, t�tete Feinde auf beiden Seiten und verschlang sie. Einige versuchten, ihn anzugreifen, indem sie in seinen Nebel, seine Umarmung, liefen. Nat�rlich brachte sie das um. Denn das war sein wahres Selbst. Als Fain hatte er bereits zuvor versucht, diesen Nebel zu erschaffen, war aber nicht gereift genug dazu gewesen.</p><p>Sie konnten ihn nicht erreichen. Kein lebendes Wesen konnte seinem Nebel widerstehen. Einst war der Nebel ein verstandloses Ding gewesen. Er war nicht Fain gewesen. Aber er war in Fain gefangen gewesen, ein Samen, der fortgetragen worden war, und dieser Tod ��dieser wunderbare Tod�� hatte im Fleisch eines Mannes einen fruchtbaren Boden gefunden.</p><p>Die drei verschmolzen in seinem Inneren. Nebel. Mann. Meister. Dieser wunderbare Dolch ��sein noch existierender alter K�rper trug ihn zurzeit�� war zu etwas K�stlichem und Neuem und Uraltem gewachsen, alles davon zugleich.</p><p>Also war der Nebel er, aber auch wiederum nicht. Der Nebel besa� keinen eigenen Verstand, aber er war sein K�rper und beherbergte seinen Verstand. Und dank dieser Wolken am Himmel brauchte er sich nicht die geringsten Sorgen zu machen, dass ihn die Sonne wegbrannte.</p><p>Es war so nett von seinem alten Feind, ihn auf diese Weise zu empfangen! Sein alter K�rper im Herzen des schleichenden Nebels lachte, w�hrend sich sein Verstand ��der Nebel selbst�� daran erg�tzte, wie perfekt doch alles war.</p><p>Dieser Ort w�rde ihm geh�ren. Aber erst, nachdem er Rand al�Thor verschlungen hatte, die st�rkste Seele von ihnen allen.</p><p>Was f�r ein wunderbares Fest!</p><empty-line/><p>Gaul klammerte sich au�erhalb des Kraters des Verderbens an die Felsen. Sturmb�en rissen an ihm und peitschten Sand und Felssplitter gegen seinen K�rper, schnitten seine Haut auf. Er lachte den schwarzen Mahlstrom �ber ihm aus.</p><p>�Tu dein Schlimmstes!�, br�llte er zum Himmel hinauf. �Ich lebte im Dreifachen Land. Ich wusste, dass die Letzte Schlacht gro�artig werden w�rde, kein Spaziergang zum Dach meiner Mutter, um dort Blumen zu pfl�cken.�</p><p>Der Wind st�rmte noch st�rker, als wollte er ihm antworten, aber Gaul dr�ckte sich an den Felsen und bot ihm keine Angriffsfl�che. Seine <emphasis>Shoufa</emphasis> hatte er verloren�� sie war fortgeweht worden��, also hatte er sich ein St�ck seines Hemdes �ber die untere Gesichtsh�lfte gebunden. Er hielt einen Speer. Die anderen waren weg, zerbrochen oder weggerissen.</p><p>Er kroch auf die H�hlen�ffnung zu, die dort v�llig frei lag. Ein d�nner purpurfarbener Schleier versperrte den Eingang. Eine Gestalt in dunklem Leder erschien vor der �ffnung. In der N�he dieses Mannes verstummte der Wind.</p><p>Mit wegen des Sturms zusammengekniffenen Augen kroch Gaul lautlos hinter den Mann und stach zu.</p><p>Der Schl�chter fuhr fluchend auf dem Absatz herum und wehrte den Speer mit einem Arm ab, der pl�tzlich so hart wie Stahl war. �Seid verflucht!�, br�llte er Gaul an. �Bleibt einmal stillstehen!�</p><p>Gaul sprang zur�ck, und der Schl�chter verfolgte ihn, aber dann trafen die W�lfe ein. Gaul zog sich zur�ck und verschmolz mit dem Felsen. Der Schl�chter war hier sehr m�chtig, aber was er nicht sehen konnte, konnte er auch nicht t�ten.</p><p>Die W�lfe bedr�ngten den Schl�chter, bis er verschwand. Hunderte von ihnen streiften im Wind durch das Tal. Der Schl�chter hatte Dutzende von ihnen get�tet; Gaul fl�sterte einem weiteren bei diesem Angriff Gefallenen zum Abschied zu. Er konnte nicht wie Perrin Aybara mit ihnen sprechen, aber sie waren Speerbr�der.</p><p>Vorsichtig kroch Gaul vorw�rts. Seine Kleidung und Haut entsprachen der Farbe des Felsens�� dass sie so waren, f�hlte sich richtig an, also waren sie es auch. Vermutlich konnten weder er noch die W�lfe diesen Schl�chter besiegen, aber sie konnten es immerhin versuchen. Mit Nachdruck versuchen.</p><p>Wie lange war es her, dass Perrin Aybara verschwunden war? Vielleicht zwei Stunden?</p><p><emphasis>Falls dich der Schatten verschlungen hat, mein Freund,</emphasis> dachte er, <emphasis>dann bete ich, dass du Sichtblender ins Auge gespuckt hast, bevor du erwacht bist.</emphasis></p><p>Wieder erschien der Schl�chter auf den Felsen, aber Gaul kroch nicht los. Der Mann hatte schon zuvor steinerne Abbilder von sich geschickt. Diese Gestalt bewegte sich nicht. Gaul blickte sich langsam und vorsichtig um, als mehrere W�lfe neben dem Abbild erschienen. Sie schn�ffelten daran.</p><p>Es fing an, sie zu t�ten.</p><p>Gaul fluchte und verlie� das Versteck. Anscheinend hatte der Schl�chter genau das gewollt. Er schleuderte einen Speer�� einen von Gauls eigenen Waffen. Er traf ihn in die Seite. Gaul grunzte, fiel auf die Knie.</p><p>Der Schl�chter lachte, dann hob er die H�nde. Luft peitschte um ihn herum, schleuderte die W�lfe weg. Gaul konnte kaum ihr Wimmern h�ren, weil der Wind so laut toste.</p><p>�Hier bin ich ein K�nig!�, schrie der Schl�chter in den Sturm hinein. �Hier bin ich mehr als die Verlorenen. Dieser Ort geh�rt mir, und ich werde���</p><p>Vermutlich beeintr�chtigte die Wunde in seiner Seite seine Sinne; Gaul glaubte, dass die B�en schw�cher wurden.</p><p>�Hier werde ich���</p><p>Der Wind schlief ein.</p><p>Stille senkte sich �ber das ganze Tal. Der Schl�chter erstarrte, dann warf er einen besorgten Blick auf den H�hleneingang hinter sich. Dort schien sich nichts ver�ndert zu haben.</p><p>�Du bist hier kein K�nig�, sagte eine leise Stimme.</p><p>Gaul drehte sich m�hsam um. Hinter ihm stand eine Gestalt auf einem Felsvorsprung; sie trug das Gr�n und Braun eines Waldl�ufers aus den Zwei Fl�ssen. Ihr dunkelgr�ner Umhang flatterte noch leicht, von den nachlassenden Winden bewegt. Perrin stand mit geschlossenen Augen da, den Kopf leicht schr�g gehalten, als w�rde er ihn der Sonne am Himmel zuneigen�� obwohl sie, falls es sie �berhaupt gab, von den Wolken verdeckt wurde.</p><p>�Dieser Ort geh�rt den W�lfen�, sagte Perrin. �Nicht dir, nicht mir, keinem Menschen. Du kannst hier nicht K�nig sein, Schl�chter. Du hast keine Untertanen, und du wirst sie auch niemals bekommen.�</p><p>�Elender Welpe�, knurrte der Schl�chter. �Wie oft muss ich dich eigentlich t�ten?�</p><p>Perrin nahm einen tiefen Atemzug.</p><p>�Ich lachte, als ich erfuhr, dass Fain deine Familie get�tet hat�, br�llte der Schl�chter. �Ich lachte. Du musst wissen, eigentlich sollte ich ihn t�ten. Der Schatten h�lt ihn f�r unberechenbar, aber er ist der Erste, der etwas Vern�nftiges zustande gebracht hat, um dir Leid zuzuf�gen.�</p><p>Perrin schwieg.</p><p>�Luc wollte Teil von etwas Wichtigem sein�, rief der Schl�chter. �Darin sind wir gleich, obwohl ich die F�higkeit zum Machtlenken suchte. Der Dunkle K�nig kann sie nicht gew�hren, aber er fand etwas anderes f�r uns, etwas Besseres. Etwas, bei dem die Seele mit etwas anderem verschmelzen muss. So �hnlich wie das, was mit dir geschah, Aybara. Genau wie bei dir.�</p><p>�Wir haben keine �hnlichkeit, Schl�chter�, sagte Perrin leise.</p><p>�Und ob wir die haben! Darum lachte ich. Und wusstest du, dass es eine Prophezeiung �ber Luc gibt? Dass er f�r die Letzte Schlacht wichtig ist. Darum sind wir hier. Wir werden dich t�ten, dann werden wir al�Thor t�ten. Genau wie wir deinen Wolf get�tet haben.�</p><p>Perrin stand noch immer auf dem Felsvorsprung, jetzt �ffnete er die Augen. Unwillk�rlich zuckte Gaul zur�ck. Diese goldenen Augen leuchteten wie ein Signalfeuer.</p><p>Der Sturm setzte wieder ein. Und doch erschien er mild verglichen mit dem Sturm, den Gaul in Perrins Augen erblickte. Er versp�rte einen <emphasis>Druck</emphasis>, der von seinem Freund ausging. Wie der Druck der Sonne zur Mittagszeit nach vier Tagen ohne Wasser.</p><p>Gaul starrte ein paar Momente lang zu Perrin hoch, dann dr�ckte er die Hand gegen seine Wunde und rannte los.</p><empty-line/><p>Der Wind peitschte auf Mat ein, w�hrend er sich an den Sattel der Bestie mit den Fl�geln klammerte, die sich Hunderte von Fu� in der Luft befand.</p><p>�O Blut und verfluchte Asche!�, br�llte er, die eine Hand an seinem Hut, die andere in den Sattelgurt gekrallt. Er war mit ein paar Riemen festgeschnallt. Zwei kleine Lederriemen. Viel zu d�nn. H�tten sie nicht mehr nehmen k�nnen? So zehn oder zwanzig? Er w�re auch mit hundert einverstanden gewesen!</p><p><emphasis>Morat�to�raken</emphasis> waren v�llig verr�ckt. Jeder Einzelne von ihnen! Sie taten das jeden Tag! Was stimmte nur nicht mit ihnen?</p><p>Olver war vor ihm auf den Sattel geschnallt und lachte vor Freude.</p><p><emphasis>Armer Junge,</emphasis> dachte Mat. <emphasis>Er hat so viel Angst, dass er den Verstand verliert. Die fehlende Luft hier oben macht ihm zu schaffen.</emphasis></p><p>�Dort ist es, mein Prinz!�, rief ihm die <emphasis>Morat�to�raken</emphasis> Sulaan zu, die vor ihm auf der fliegenden Bestie sa�. Sie war ein h�bsches Ding. Nat�rlich auch v�llig wahnsinnig. �Wir haben das Tal erreicht. Seid Ihr sicher, dass ich Euch dort absetzen soll?�</p><p>�Nein!�, br�llte Mat.</p><p>�Gute Antwort!� Die Frau lie� ihre Bestie in die Tiefe st�rzen.</p><p>�Blut und verdammte���</p><p>Olver lachte.</p><p>Der <emphasis>To�raken</emphasis> brachte sie in ein lang gezogenes Tal, in dem ein wilder Kampf tobte. Mat richtete seine Aufmerksamkeit auf die Schlacht statt auf die Tatsache, dass er mit zwei verdammten Verr�ckten auf einer Echse durch die Luft flog.</p><p>Kadaverhaufen erz�hlten die Geschichte genauso gut, wie es jede Karte getan h�tte. Die Tiermenschen hatten die Verteidigungslinie am Taleingang hinter Mat durchbrochen. Er flog gerade dar�ber hinweg auf den Berg Shayol Ghul zu, w�hrend rechts und links von ihm Talw�nde in die H�he stiegen.</p><p>Hier herrschte das Chaos. Umherstreifende Gruppen Aiel und Trollocs schlugen �berall aufeinander ein. Irgendwelche Soldaten ��keine Aiel�� verteidigten den Weg hinauf zum Krater des Verderbens, aber das war die einzige geordnete Formation, die Mat entdecken konnte.</p><p>An der einen Seite wogte dichter Nebel zum Talboden hinab. Im ersten Augenblick war Mat verwirrt, denn er verwechselte ihn mit dem der Helden des Horns. Aber nein, das Horn war neben seinem <emphasis>Ashandarei</emphasis> an den Sattel geschnallt. Und dieser Nebel war auch zu�� silbrig. Falls das das richtige Wort war. Irgendwie glaubte er, ihn schon einmal gesehen zu haben.</p><p>Dann f�hlte er etwas. Aus diesem Nebel. Ein kaltes, kribbelndes Gef�hl, dem, wie er h�tte schw�ren k�nnen, ein Fl�stern in seinen Gedanken folgte. Er wusste sofort, worum es sich hier handelte.</p><p>O beim Licht!</p><p>�Mat, sieh doch nur!�, rief Olver und streckte die Hand aus. �W�lfe!�</p><p>Eine Gruppe pechschwarzer Tiere von beinahe Pferdegr��e griffen die Soldaten an, die den Pfad zum Shayol Ghul verteidigten. Die W�lfe erledigten die M�nner m�helos. Beim Licht! Als h�tten die Dinge nicht schon schlecht genug gestanden.</p><p>�Das sind keine W�lfe�, erwiderte Mat grimmig. Die Wilde Jagd war nach Thakan�dar gekommen.</p><p>Vielleicht w�rden sie und Mashadar sich gegenseitig vernichten? Oder war das eine tr�gerische Hoffnung? Mit den in seinem Kopf klappernden W�rfeln w�rde Mat nicht darauf setzen. Rands Streitmacht ��was von den Aiel, Domani, Drachenverschworenen und tairenischen Soldaten noch �brig war�� w�rde von den Schattenhunden zermalmt werden. Und falls sie �berlebten, w�rde Mashadar sie sich holen. Gegen beide hatten sie nicht die geringste Chance.</p><p>Diese Stimme dort drin�� Das war nicht nur Mashadar, der hirnlose Nebel. Irgendwo befand sich auch Fain darin. Und der Dolch.</p><p>Shayol Ghul ragte hoch in den Himmel auf. Die Wolken wogten. �berraschenderweise waren wei�e Gewitterwolken aus dem S�den herangetrieben und kollidierten nun mit den schwarzen. Tats�chlich hatten die beiden ineinander verwobenen Wolkengebilde eine unglaubliche �hnlichkeit mit��</p><p>Der <emphasis>To�raken</emphasis> drehte sich und schlug mit den Schwingen, dann glitt er tiefer, befand sich vielleicht nur noch hundert Fu� �ber dem Boden.</p><p>�Vorsichtig!�, br�llte Mat und hielt den Hut fest. �Wollt Ihr uns verdammt noch mal umbringen?�</p><p>�Entschuldigt, mein Prinz�, rief die Frau zur�ck. �Ich muss eine sichere Stelle zur Landung finden.�</p><p>�Eine <emphasis>sichere</emphasis> Stelle? Viel Gl�ck dabei!�</p><p>�Das wird schwer werden. Dhana ist stark, aber ich���</p><p>Ein schwarz befiederter Pfeil streifte Sulaans Kopf, der irgendwo unter ihnen abgeschossen worden war. Ihm folgte eine ganze Salve, die um Mat herumflog. Ein Geschoss traf den Fl�gel des <emphasis>To�raken</emphasis>.</p><p>Mat fluchte, lie� den Hut los und griff nach Sulaan, w�hrend Olver entsetzt aufschrie. Sulaan erschlaffte, lie� die Z�gel fallen. Unter ihnen bereitete eine Gruppe mit roten Schleiern verh�llter Aiel die n�chste Salve vor.</p><p>Mat l�ste die Riemen. Er sprang �ber Olver�� nun ja, eigentlich war es eher ein Kriechen��, und die bewusstlose Frau und schnappte sich die Z�gel des in Panik geratenen <emphasis>To�raken</emphasis>. Das konnte ja nicht viel schwerer sein, als ein Pferd zu reiten, oder? Er zog am Z�gel, wie er es bei Sulaan gesehen hatte, und drehte den <emphasis>To�raken</emphasis>, w�hrend hinter ihnen Pfeile durch die Luft schnitten und mehrere die Schwingen der Bestie durchbohrten.</p><p>Sie drehten und hielten direkt auf die Felswand zu, und Mat fand sich auf den Beinen wieder, stand auf dem Sattel und packte die Z�gel mit aller Kraft, w�hrend er die verletzte Bestie daran zu hindern versuchte, sie alle verflucht noch mal umzubringen. Um ein Haar h�tte ihn die Kurve in die Luft geschleudert, aber er federte mit schr�g gestellten F��en ab und hielt die Z�gel noch fester.</p><p>Das Rauschen der Luft verschluckte Olvers n�chste Worte. Die schwer verletzten Schwingen der Kreatur schlugen wild, und sie kreischte f�rchterlich. Mat war sich nicht sicher, ob �berhaupt jemand von ihnen die Kontrolle hatte, als die Echse dem Boden entgegenraste.</p><p>Sie schlugen auf dem Talboden auf. Knochen brachen�� beim Licht, Mat hoffte, dass sie dem <emphasis>To�raken</emphasis> geh�rten��, und er flog Hals �ber Kopf �ber den steinigen Untergrund.</p><p>Schlie�lich kam er nach einem letzten �berschlag zur Ruhe.</p><p>Benommen atmete er ein und aus. �Das�, st�hnte er schlie�lich, �war die schlimmste Idee, die ich je hatte.� Er z�gerte. �Vielleicht auch die zweitschlimmste.� Schlie�lich <emphasis>hatte</emphasis> er sich entschieden, Tuon zu entf�hren.</p><p>Taumelnd kam er auf die F��e, und seine Beine schienen noch zu funktionieren. Er humpelte nicht zu schlimm, als er auf den zuckenden <emphasis>To�raken</emphasis> zurannte. �Olver? Olver!�</p><p>Er fand den Jungen noch immer an den Sattel gebunden. Der Kleine blinzelte und sch�ttelte den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen. �Mat�, sagte Olver, �das n�chste Mal solltest du mich fliegen lassen. Ich bin nicht der Meinung, dass du das besonders gut gemacht hast.�</p><p>�Falls es ein n�chstes Mal gibt�, erwiderte Mat, �fresse ich einen ganzen Beutel Gold aus Tar Valon.� Er riss die Riemen los, die seinen <emphasis>Ashandarei</emphasis> und Olvers Horn hielten, dann dr�ckte er dem Jungen das Instrument in die H�nde. Er griff nach der Tasche mit Rands Banner, die er am G�rtel trug, aber sie war verschwunden.</p><p>Voller Panik blickte er sich um. �Das Banner! Ich habe das verdammte Banner fallen gelassen!�</p><p>Olver l�chelte und schaute zu dem Zeichen hinauf, das die rasenden Wolken malten. �Das geht schon in Ordnung�� wir stehen bereits unter seinem Banner�, sagte er. Dann hob er das Horn und blies einen wundersch�nen Ton.</p></section><section><title><p>46</p><p>Erwachen</p></title><p>Rand befreite sich von der Dunkelheit und betrat wieder das Muster.</p><p>Durch seine Beobachtungen wusste er, dass hier an diesem Ort seit seinem Eintritt nur Minuten vergangen waren, aber im Tal au�erhalb dieser H�hle waren es Tage, und weiter drau�en in der Welt war sogar noch mehr Zeit verstrichen.</p><p>Rand stie� Moridin aus der Position zur�ck, die sie w�hrend dieser angespannten Minuten mit den sich ber�hrenden Klingen eingenommen hatten. Noch immer mit der ach so s��en Einen Macht gef�llt, hob Rand <emphasis>Callandor</emphasis> und f�hrte die Klinge gegen seinen alten Freund.</p><p>Moridin riss das Schwert hoch, um den Hieb abzuwehren, aber es gelang ihm nur so gerade eben. Er knurrte, zog ein Messer aus dem G�rtel, trat zur�ck und nahm eine Messer-und-Schwert-Stellung ein.</p><p>�Du spielst keine Rolle mehr, Elan�, sagte Rand, und die Flut <emphasis>Saidins</emphasis> tobte in ihm. �Lass uns das beenden.�</p><p>�Tue ich das?� Moridin lachte.</p><p>Dann fuhr er herum und schleuderte das Messer auf Alanna.</p><empty-line/><p>Nynaeve sah entsetzt, wie das Messer durch die Luft wirbelte. Aus irgendeinem Grund hatten die Windb�en keinen Einfluss darauf.</p><p><emphasis>Nein!</emphasis> Nicht nachdem sie die Frau wieder ins Leben gelockt hatte. <emphasis>Ich kann sie jetzt nicht verlieren!</emphasis> Sie versuchte das Messer abzufangen oder seinen Weg zu blockieren, war aber um Haaresbreite zu langsam.</p><p>Das Messer grub sich in Alannas Brust.</p><p>Nynaeve starrte es entsetzt an. Das war keine Wunde, die Kr�uter und Faden heilen konnte. Die Klinge hatte das Herz getroffen.</p><p>�Rand! Ich brauche die Eine Macht!�, schrie sie.</p><p>�Schon�� in Ordnung���, fl�sterte Alanna.</p><p>Nynaeve sah der Frau in die Augen. Sie war bei Bewusstsein. <emphasis>Die Kr�uter.</emphasis> Nynaeve erinnerte sich, was sie der Frau gegeben hatte, damit sie wieder zu Kr�ften kam. <emphasis>Sie haben sie geweckt.</emphasis></p><p>�Ich kann���, sagte Alanna. �Ich kann ihn freigeben���</p><p>Das Licht in ihren Augen erlosch.</p><p>Nynaeve schaute zu Rand und Moridin hin�ber. Rand warf der toten Frau einen Blick voller Bedauern und Trauer zu, aber sie konnte keinen Zorn entdecken. Alanna hatte den Beh�terbund aufgel�st, bevor er die Wirkung ihres Todes sp�ren konnte.</p><p>Moridin wandte sich wieder Rand zu, ein weiteres Messer in der linken Hand. Rand hob <emphasis>Callandor</emphasis>.</p><p>Moridin lie� das Schwert fallen, dann stie� er sich das Messer in die rechte Hand. Rand zuckte zusammen, und <emphasis>Callandor</emphasis> entglitt seinen Fingern, als h�tte die Tat des Gegners <emphasis>seine</emphasis> Hand durchbohrt.</p><p>Schlagartig erlosch das Gl�hen der Klinge. Klirrend landete das Kristallschwert am Boden.</p><empty-line/><p>Perrin hielt sich bei seinem Kampf mit dem Schl�chter nicht zur�ck.</p><p>Er versuchte nicht l�nger, zwischen Wolf und Mensch zu unterscheiden. Er lie� schlie�lich alles raus, den ganzen Zorn auf den Schl�chter, den ganzen Schmerz �ber den Tod seiner Eltern�� ein Druck, der seit Monaten unbemerkt in seinem Inneren stetig gewachsen war.</p><p>Er lie� ihn raus. Licht, er lie� ihn raus! Wie in dieser schrecklichen Nacht, als er diese Wei�m�ntel get�tet hatte. Seitdem hatte er sich und seine Gef�hle fest im Griff gehabt. Genau wie Meister Luhhan behauptet hatte.</p><p>Jetzt begriff er es. Der sanfte Perrin, der immer Angst hatte, jemanden zu verletzen. Ein Schmied, der gelernt hatte, sich zu kontrollieren. Er hatte selten zugelassen, mit seiner ganzen Kraft zuzuschlagen.</p><p>An diesem Tag lie� er den Wolf von der Leine. Sie hatte dort sowieso nichts zu suchen gehabt.</p><p>Der Sturm glich sich seinem Zorn an. Perrin versuchte nicht, ihn zur�ckzuhalten. Warum sollte er auch? Er stimmte perfekt mit seinen Gef�hlen �berein. Der Aufschlag seines Hammers war wie ein Donnerschlag, das Blitzen seiner Augen wie Blitze vom Himmel. W�lfe heulten mit dem Wind um die Wette.</p><p>Der Schl�chter versuchte sich zu wehren. Er sprang, er <emphasis>versetzte</emphasis> sich, er stach zu. Jedes Mal war Perrin da. Sprang ihn als Wolf an, schlug als Mann nach ihm, drang wie der Sturm selbst auf ihn ein. Ein wilder Blick trat in die Augen seines Feindes. Er hob einen Schild und versuchte, ihn zwischen sich und Perrin zu bringen.</p><p>Perrin griff an. Ohne nachzudenken, er war nur noch reiner Instinkt. Perrin br�llte und schmetterte den Hammer immer wieder gegen diesen Schild. Trieb den Schl�chter vor sich her. Schlug auf diesen Schild ein, als w�re er ein st�rrisches St�ck Eisen. <emphasis>H�mmerte</emphasis> seine Wut, seinen Zorn weg.</p><p>Sein letzter Schlag warf den Schl�chter zur�ck und prallte den Schild aus seinen H�nden, lie� ihn Hunderte Fu� in die Luft wirbeln. Der Schl�chter landete auf dem Talboden und rollte keuchend herum. In der Mitte des Schlachtfeldes kam er endlich zum Stehen. �berall um ihn herum erhoben sich schattenhafte Gestalten und starben, w�hrend sie in der realen Welt k�mpften. Er starrte Perrin entsetzt an, dann verschwand er.</p><p>Perrin schickte sich in die wache Welt und folgte ihm. Er erschien mitten in der Schlacht. Aiel k�mpften wild gegen Trollocs. Auf dieser Seite war der Sturmwind �berraschend stark, und schwarze Wolken wirbelten um den Shayol Ghul, der sich wie ein krummer Finger in den Himmel erhob.</p><p>Die Aiel ringsum warfen ihm kaum einen Blick zu. �berall lagen die Leichen von Menschen und Trollocs zu Haufen aufgeschichtet auf dem Schlachtfeld, und der Ort stank nach Tod. Einst war der Boden staubig gewesen, aber jetzt hatte ihn das Blut der Gefallenen in Schlamm verwandelt.</p><p>Knurrend bahnte sich der Schl�chter seinen Weg durch eine Gruppe Aiel und hieb mit seinem langen Messer um sich. Er schaute nicht zur�ck�� und es hatte auch nicht den Anschein, als w�sste er, dass Perrin ihm in die reale Welt gefolgt war.</p><p>Eine neue Welle Schattengez�cht kam von einem Hang herab, sch�lte sich aus einem silbrig wei�en Nebel. Ihre Haut sah seltsam aus, war �bers�t mit L�chern, und ihre Augen waren milchig wei�. Perrin ignorierte sie und jagte hinter dem Schl�chter her.</p><p><emphasis>Junger Bulle!</emphasis> W�lfe. <emphasis>Die Schattenbr�der sind hier! Wir k�mpfen!</emphasis></p><p>Schattenhunde. W�lfe hassten s�mtliches Schattengez�cht; ein ganzes Rudel w�rde sterben, nur um einen Myrddraal zu Boden zu rei�en. Aber Schattenhunde f�rchteten sie.</p><p>Perrin suchte nach den Kreaturen. Normale Menschen konnten nichts gegen Schattenhunde ausrichten, deren Geifer bereits t�tete. Ganz in der N�he brach Widerstand vor einer Woge aus schwarzen W�lfen von Pferdegr��e zusammen. Die Wilde Jagd.</p><p>Licht! Diese Schattenhunde waren gewaltig. Rudel aus pechschwarzen Zerrbildern von W�lfen sprengten die Verteidigungslinien und lie�en Tairener und Domani wie Stoffpuppen zappeln. W�lfe griffen die Schattenhunde an, richteten aber nichts aus. Sie schrien und heulten und starben.</p><p>Perrin hob die Stimme und stie� einen abgerissenen Wutschrei aus, der ihre Todesschreie begleitete. Im Augenblick konnte er ihnen nicht helfen. Seine Instinkte und Leidenschaften trieben ihn an. Der Schl�chter. Er musste den Schl�chter besiegen. Hielt er den Mann nicht auf, w�rde er sich in die Welt der Tr�ume <emphasis>versetzen</emphasis> und Rand t�ten.</p><p>Perrin bahnte sich einen Weg durch die K�mpfenden und rannte der bereits fernen Gestalt hinterher. Die kurze Ablenkung hatte ihm einen Vorsprung verschafft, aber er war etwas langsamer geworden. Er hatte noch nicht begriffen, dass Perrin die Welt der Tr�ume verlassen konnte.</p><p>Der Schl�chter blieb stehen und betrachtete das Schlachtfeld. Er warf einen Blick zur�ck und entdeckte Perrin�� er riss die Augen auf. In dem L�rm konnte Perrin seine Worte nicht verstehen, aber er konnte sie ihm von den Lippen ablesen. �Nein. Nein, das ist unm�glich.�</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte Perrin. <emphasis>Jetzt kann ich dir �berallhin folgen, wo auch immer du hinwillst. Das ist eine Jagd. Und endlich bist du die Beute.</emphasis></p><p>Der Schl�chter verschwand, und Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich hinter ihm in den Wolfstraum. Die um ihn herum k�mpfenden Menschen verwandelten sich in Muster im Staub, explodierten und nahmen erneut Gestalt an. Als der Schl�chter ihn erblickte, schrie er vor Angst, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sich zur�ck in die wache Welt.</p><p>Perrin folgte ihm. Er konnte die Spur des Schl�chters riechen. Ganz glitschig vor Schwei� und Panik. In den Traum, dann wieder zur�ck in die wache Welt. Im Traum rannte Perrin auf vier Beinen als Junger Bulle. In der wachen Welt war er Perrin, der den Hammer hielt.</p><p>Er <emphasis>versetzte</emphasis> sich so h�ufig zwischen beiden Welten, wie er blinzelte, und er jagte den Schl�chter. Wenn ihm eine Gruppe K�mpfer im Weg stand, sprang er zur�ck in den Wolfstraum und rannte einfach durch die Gestalten aus Sand und Staub durch, dann <emphasis>versetzte</emphasis> er sich zur�ck in die wache Welt, um die Spur nicht zu verlieren. Das <emphasis>Versetzen</emphasis> erfolgte nun so schnell, dass er mit jedem Herzschlag zwischen den Welten wechselte.</p><p>Bumm. Perrin hob den Hammer und sprang der fliehenden Gestalt von einer kleinen Anh�he hinterher.</p><p>Bumm. Junger Bulle heulte und rief das Rudel.</p><p>Bumm. Perrin war jetzt ganz nahe. Nur noch ein paar Schritte Abstand. Der Gestank des Schl�chters war durchdringend.</p><p>Bumm. Die Geister der W�lfe erschienen um Junger Bulle und heulten ihr Verlangen nach der Jagd heraus. Keine Beute hatte sie jemals mehr verdient. Noch nie zuvor hatte eine Beute mehr Schaden bei ihren Rudeln angerichtet. Noch nie zuvor war ein Mann so gef�rchtet gewesen.</p><p>Bumm. Der Schl�chter stolperte. Er drehte sich im Sturz, schickte sich reflexartig in den Wolfstraum zur�ck.</p><p>Bumm. Perrin schwang <emphasis>Mah�alleinir</emphasis>, in den der springende Wolf eingepr�gt war. Er, der sich erhebt.</p><p>Bumm. Junger Bulle sprang dem M�rder seiner Br�der an die Kehle. Der Schl�chter floh.</p><p>Der Hammer traf.</p><p>Etwas an diesem Ort und diesem Augenblick schickte Perrin und den Schl�chter in ein ununterbrochenes Flackern zwischen den Welten. Hin und her, hin und her, aufblitzende Momente und Gedanken. Flacker. Flacker. Flacker.</p><p>Um sie herum starben M�nner. Manche aus Staub, manche aus Fleisch. Ihre Welt an der Seite von Schatten anderer Welten. M�nner in seltsamer Kleidung und R�stung, die gegen Bestien in allen m�glichen Formen und Gr��en k�mpften. Augenblicke, in denen aus Aiel Seanchaner wurden, die wiederum ein Mittelding aus beiden wurden, mit Speeren und hellen Augen, aber Helmen geformt wie monstr�se Insekten.</p><p>In allen diesen Augenblicken und an allen diesen Orten schlug Perrins Hammer zu, und Junger Bulles Rei�z�hne verbissen sich im Hals des Schl�chters. Er schmeckte die salzige W�rme seines Blutes. Er f�hlte den Hammer vibrieren, wenn er traf, er h�rte Knochen brechen. Die Welten flackerten wie Lichtblitze.</p><p>Alles brach zusammen, sch�ttelte sich, dann zog es sich wieder zusammen.</p><p>Perrin stand auf den Felsen im Tal von Thakan�dar, und der Schl�chter lag verkr�mmt zu seinen F��en. Sein Sch�del war eingeschlagen. Perrin keuchte, im Bann der Aufregung der Jagd. Es war vorbei.</p><p>Er drehte sich um und sah �berrascht, dass er von Aiel umringt war. Er runzelte die Stirn. �Was macht ihr?�</p><p>Eine der T�chter lachte. �Ihr saht so aus, als w�rdet Ihr zu einem gro�en Tanz laufen, Perrin Aybara. Man lernt, auf dem Schlachtfeld nach Kriegern wie Euch Ausschau zu halten und ihnen zu folgen. Oft haben sie den meisten Spa�.�</p><p>Er l�chelte grimmig und betrachtete das Schlachtfeld. Es lief nicht gut f�r seine Seite. Die Schattenhunde rissen die Verteidiger in grausamer Wut auseinander. Der Weg zu Rand hinauf lag v�llig frei.</p><p>�Wer f�hrt diese Schlacht?�, fragte er.</p><p>�Jetzt keiner mehr�, sagte die Tochter. Er kannte ihren Namen nicht. �Zuerst tat es Rodel Ituralde. Dann f�hrte Darlin Sisnera. Aber sein Kommandoposten fiel Draghkar zum Opfer. Schon seit Stunden habe ich keine Aes Sedai oder Clanh�uptlinge mehr gesehen.�</p><p>Ihre Stimme klang grimmig. Selbst die unverw�stlichen Aiel schwankten. Ein schneller Blick �ber das Schlachtfeld verriet Perrin, dass die noch verbliebenen Aiel oft in kleinen Gruppen k�mpften und so viel Schaden wie m�glich anrichteten, bevor sie niedergemacht wurden. Die W�lfe, die hier in Rudeln gek�mpft hatten, waren gebrochen, ihre Gedanken voller Schmerz und Furcht. Und Perrin hatte keine Ahnung, was dieses Schattengez�cht mit den L�chern im Gesicht zu bedeuten hatte.</p><p>Die Schlacht war zu Ende, und die Seite des Lichts hatte verloren.</p><p>Die Schattenhunde durchbrachen die Linie der Drachenverschworenen in der N�he, die letzte Gruppe, die durchgehalten hatte, fiel vor ihnen. Ein paar versuchten zu fliehen, aber ein Schattenhund sprang auf sie, stie� mehrere zu Boden und verbiss sich in einen. Spr�hender Geifer traf die anderen, und sie st�rzten zuckend zu Boden.</p><p>Perrin senkte den Hammer, kniete nieder, nahm sich den Umhang des Schl�chters und wickelte sich den Stoff um die H�nde, bevor er den Hammer wieder ergriff. �Lasst euch nicht von ihrem Geifer treffen. Er ist t�dlich.�</p><p>Die Aiel nickten, die unter ihnen, die blo�e H�nde hatten, umwickelten sie. Sie rochen entschlossen, aber auch resigniert. Aiel w�rden auf den Tod zurennen, wenn es die einzige M�glichkeit war, und sie w�rden es lachend tun. Feuchtl�nder hielten sie f�r verr�ckt, aber Perrin konnte die Wahrheit an ihnen riechen. Sie waren nicht verr�ckt. Sie f�rchteten blo� den Tod nicht, aber sie hie�en ihn auch nicht willkommen.</p><p>�Ber�hrt mich, ihr alle�, befahl er.</p><p>Die Aiel gehorchten. Er <emphasis>versetzte</emphasis> sie in den Wolfstraum�� so viele von ihnen zu transportieren war schrecklich anstrengend, als w�rde man eine Stahlstange verbiegen��, aber er schaffte es. Er <emphasis>versetzte</emphasis> sie sofort an den Fu� des Pfades zum Krater des Verderbens. Dort hatten sich die Geister der W�lfe versammelt und sa�en stumm da. Hunderte von ihnen.</p><p>Perrin brachte die Aiel zur�ck in die wache Welt, seine <emphasis>Versetzung</emphasis> stellte ihn und seine kleine Streitmacht zwischen Rand und den Schattenhunden auf. Die Wilde Jagd schaute auf, verzerrte Augen funkelten wie Silber, als sie sich auf Perrin richteten.</p><p>�Wir halten hier die Stellung�, sagte Perrin zu seinen Aiel, �und hoffen, dass uns andere zu Hilfe kommen.�</p><p>�Wir halten stand�, sagte einer der Aiel, ein gro�er Mann mit einem dieser Stirnb�nder, die Rands Symbol zeigten.</p><p>�Und falls nicht�, sagte ein anderer, �und wir stattdessen aufwachen, dann werden wir zumindest die Erde mit unserem Blut tr�nken und unsere K�rper die Pflanzen n�hren lassen, die jetzt hier wachsen werden.� Perrin waren die sprie�enden Pflanzen noch gar nicht aufgefallen, die hier v�llig fehl am Platz gr�n und lebendig im Tal wucherten. Klein, aber z�h. Eine Manifestation der Tatsache, dass Rand noch immer k�mpfte.</p><p>Die Schattenhunde schlichen mit gesenktem Schwanz und zur�ckgelegten Ohren auf sie zu, ihre entbl��ten Rei�z�hne funkelten wie blutbesudeltes Metall. Was hatte er da trotz des Windes geh�rt? Etwas sehr Leises, aus gro�er Ferne. Es erschien sogar so leise, dass er es eigentlich gar nicht h�tte h�ren d�rfen. Aber es durchdrang den Kriegsl�rm. War ihm irgendwie bekannt��</p><p>�Ich kenne diesen Laut�, sagte Perrin.</p><p>�Laut?�, fragte die Aiel-Tochter. �Welchen Laut? Den Ruf der W�lfe?�</p><p>�Nein�, sagte Perrin, als die Schattenhunde den Pfad hinaufhetzten. �Das Horn von Valere.�</p><p>Die Helden w�rden kommen. Aber auf welchem Schlachtfeld w�rden sie k�mpfen? Perrin konnte hier keinen Entsatz erwarten. Au�er��</p><p><emphasis>F�hre uns an, Junger Bulle.</emphasis></p><p>Warum mussten die Helden alle Menschen sein?</p><p>Ein Heulen im gleichen Tonfall wie das geblasene Horn stieg auf. Er schaute auf eine Stelle, die pl�tzlich mit einer riesigen Zahl gl�hender W�lfe gef�llt war. Es waren gro�e, bleiche Bestien von der Gr��e der Schattenhunde. Die Geister der W�lfe, die gestorben waren und sich dann hier versammelt hatten, um auf das Zeichen zu warten, auf die Gelegenheit zum Kampf.</p><p>Das Horn hatte sie gerufen.</p><p>Perrin stie� selbst ein Heulen aus, ein Heulen der Freude, dann st�rmte er den Schattenhunden entgegen.</p><p>Die Letzte Jagd war endlich da.</p><empty-line/><p>Mat lie� Olver bei den Helden zur�ck. Der Junge sah wie ein Prinz aus, als er vor Noal auf dem Sattel ritt. Sie griffen die Trollocs an und hinderten jeden daran, diesen Pfad zu erklimmen, um Rand zu t�ten.</p><p>Mat borgte sich ein Pferd von einem Verteidiger des Steins, der noch eins hatte, dann galoppierte er los, um Perrin zu finden. Sein Freund w�rde nat�rlich unter diesen W�lfen sein. Er hatte nicht die geringste Ahnung, woher diese Hunderte von riesigen gl�henden W�lfen auf das Schlachtfeld gekommen waren, aber er w�rde sich nicht dar�ber beschweren. Sie st�rzten sich der Wilden Jagd entgegen und verbissen sich in die Schattenhunde. Das Heulen von beiden Seiten dr�hnte in Mats Ohren.</p><p>Er kam an ein paar Aiel vorbei, die gegen einen Schattenhund k�mpften, aber die Leute hatten nicht die geringste Chance. Sie brachten die Bestie zu Fall, hackten darauf ein, aber sie setzte sich wieder zusammen, als best�nde sie aus Dunkelheit und nicht aus Fleisch�� dann warf sie sich auf sie. Blut und verdammte Asche! Die Waffen der Aiel schienen ihr nicht einmal einen Kratzer zuf�gen zu k�nnen. Er galoppierte weiter und mied die Schwaden aus silbrigem Nebel, die sich ihren Weg durch das ganze Tal bahnten.</p><p>Licht! Dieser Nebel n�herte sich dem Pfad zu Rand. Er nahm an Geschwindigkeit zu und rollte �ber Aiel, Trollocs und Schattenhunde hinweg.</p><p><emphasis>Da,</emphasis> dachte Mat und erblickte einen Mann, der dumm genug war, gegen die Schattenhunde zu k�mpfen. Perrin schmetterte seinen Hammer auf den Kopf einer der Bestien, zersplitterte ihn und warf sie zu Boden. Als er den Hammer wieder hob, zog er eine Rauchwolke hinter sich her. Erstaunlicherweise blieb der Schattenhund tot.</p><p>Perrin drehte sich um, dann starrte er ihn an. �Mat!�, rief er. �Was tust du denn hier?�</p><p>�Ich komme zu Hilfe�, erwiderte Mat. �Obwohl ich es verdammt noch mal besser wei�!�</p><p>�Du kannst keine Schattenhunde bek�mpfen�, sagte Perrin, als Mat an seine Seite ritt. �Ich schon, genau wie die Letzte Jagd.� Er legte den Kopf schief, dann blickte er in die Richtung, in der das Horn ert�nte.</p><p>�Nein�, sagte Mat. �Ich blies es nicht. Diese verfluchte Last ist an jemanden weitergegangen, dem das anscheinend sogar Freude macht.�</p><p>�Das ist es nicht, Mat.� Perrin trat zu ihm, ergriff seinen Arm. �Meine Frau. Bitte. Sie hatte das Horn.�</p><p>Mat schaute zu Boden und f�hlte sich schlecht. �Der Junge sagte�� Licht, Perrin. Faile war in Merrilor und f�hrte die Trollocs von Olver weg, damit er mit dem Horn entkommen konnte.�</p><p>�Dann k�nnte sie noch immer am Leben sein!�</p><p>�Ja. Nat�rlich k�nnte sie das.� Was h�tte Mat sonst auch sagen sollen? �Perrin, du musst etwas wissen. Fain ist hier auf diesem Schlachtfeld.�</p><p>�Fain?�, knurrte Perrin. �Wo?�</p><p>�Er steckt in diesem Nebel! Irgendwie hat er Mashadar mitgebracht. Lass dich nicht davon ber�hren.�</p><p>�Mat, auch ich war in Shadar Logoth�, sagte Perrin. �Mit Fain habe ich eine Rechnung zu begleichen.�</p><p>�Ich etwa nicht?�, erwiderte Mat. �Ich���</p><p>Perrin riss die Augen auf. Er starrte Mats Brust an.</p><p>Ein kleiner silbriger Nebelstreifen ��Mashadars Nebel�� hatte sich von hinten durch Mats Brust gebohrt. Mat betrachtete ihn, zuckte einmal und kippte vom Pferd.</p></section><section><title><p>47</p><p>Ein Strom der Macht erbebt</p></title><p>Aviendha k�mpfte auf dem Hang des Tals von Thakan�dar und wehrte sich gegen die Abschirmung aus Geist, die Graendal an Ort und Stelle rammen wollte. Das Gewebe, das an ein St�ck Spitzenstoff erinnerte, sollte verhindern, dass sie die Eine Macht hielt. Ihre zerschmetterten F��e lie�en sie nicht stehen. Von Schmerzen gepeinigt, war sie kaum zu einer Bewegung f�hig.</p><p>Sie konnte es gerade noch abwehren.</p><p>Die Verlorene lehnte sich gegen die Felswand, murmelte etwas vor sich hin; das tat sie jetzt schon eine Weile. Aus ihrer Seite quoll hellrotes Blut. Im Tal unter ihnen tobte die Schlacht. Ein silbrig wei�er Nebel wogte �ber die Toten und einige Lebende.</p><p>Aviendha versuchte, auf ihr Wegetor zuzukriechen. Das stand noch immer ge�ffnet; auf der anderen Seite erblickte sie den Talboden. Etwas musste Cadsuane und die anderen weggeholt haben�� entweder das, oder sie hatte das Tor an der falschen Stelle ge�ffnet.</p><p>Wieder h�llte <emphasis>Saidars</emphasis> Gl�hen Graendal ein. Neue Gewebe. Aviendha zerst�rte sie, aber es hinderte sie daran, weiter auf das Tor zuzukriechen.</p><p>Graendal st�hnte, dann richtete sie sich auf. Sie stolperte in Aviendhas Richtung, obwohl sie durch die Verletzung benommen war.</p><p>Aviendha konnte kaum etwas zu ihrer Verteidigung tun, so sehr schw�chte sie der Blutverlust. Sie war hilflos.</p><p>Es sei denn��</p><p>Das Gewebe ihres Tores, das sie verknotet hatte. Es hing noch immer da, hielt das Portal ge�ffnet. Spitzenschleifen.</p><p>Ganz vorsichtig und z�gernd, aber von Verzweiflung getrieben, griff Aviendha mit den Gedanken zu und zupfte einen der F�den im Wegetor heraus. Sie schaffte es. Sein Strom der Macht erbebte und verschwand.</p><p>Aiel taten so etwas, Aes Sedai hielten es f�r ungeheuer gef�hrlich. Das Resultat konnte unberechenbar sein. Eine Explosion, ein kleiner Funkenregen�� Unter Umst�nden d�mpfte sie sich selbst. Vielleicht geschah aber auch gar nichts. Elayne hatte bei ihrem Versuch eine verheerende Explosion ausgel�st.</p><p>Das w�rde sie nicht st�ren. Falls sie damit eine der Verlorenen zur Strecke brachte, w�rde es ein wunderbarer Tod sein.</p><p>Sie musste es versuchen.</p><p>Graendal blieb vor Aviendha stehen und murmelte etwas mit geschlossenen Augen. Dann �ffnete sie sie und webte erneut. Zwang.</p><p>Aviendha arbeitete energischer, zog zwei, drei, ein halbes Dutzend F�den aus dem Wegetor. Fast geschafft��</p><p>�Was tust du da?�, wollte Graendal wissen.</p><p>Aviendha arbeitete noch schneller, und in ihrer Hast erwischte sie den falschen Faden. Erstarrt verfolgte sie, wie ein Strom aus Macht erbebte und die anderen F�den in seiner Umgebung aufl�ste.</p><p>Graendal zischte und setzte an, Aviendha mit dem Zwang zu belegen.</p><p>Das Tor explodierte mit einem grellen Blitz aus Licht und Hitze.</p><empty-line/><p>Shaisam nahm vom Schlachtfeld Besitz, sein Nebel dr�ngte sich durch W�lfe und M�nner, die glaubten, ihm den Weg zu al�Thor versperren zu k�nnen.</p><p>Ja, <emphasis>al�Thor</emphasis>. Den, den er t�ten, vernichten, verschlingen w�rde. Ja, al�Thor!</p><p>An der Grenze seiner Sinne bebte etwas. Shaisam z�gerte, zog in Gedanken die Stirn kraus. Was stimmte hier nicht? Ein St�ck von ihm�� ein St�ck von ihm hatte zu f�hlen aufgeh�rt.</p><p>Was war das? Er lie� seinen K�rper durch den Nebel rennen. Seine Finger bluteten, zerschnitten von dem Dolch, den er trug, diesen wundervollen Samen, das letzte St�ck seines alten Selbst.</p><p>Er kam zu einer Leiche, die sein Nebel get�tet hatte. Shaisam runzelte die Stirn, beugte sich vor. Der Mann sah bekannt aus.</p><p>Die Hand der Leiche schoss in die H�he und packte Shaisam bei der Kehle. Er keuchte, versuchte sich zu befreien, als der Tote die Augen �ffnete.</p><p>�Merkw�rdige Sache, die ich mal �ber Krankheiten geh�rt habe, Fain�, fl�sterte Matrim Cauthon. �F�ngt man sich eine schwere Krankheit ein und �berlebt, kann man sie nicht noch einmal bekommen.�</p><p>Shaisam wand sich voller Panik. Nein. Nein, so sollte ein Wiedersehen mit einem alten Freund nicht ablaufen! Er krallte nach der Hand, die ihn hielt, dann durchzuckte ihn ein Stich des Entsetzens, als ihm bewusst wurde, dass er den Dolch fallen gelassen hatte.</p><p>Cauthon zog ihn nach unten, schleuderte ihn zu Boden. Shaisam rief nach seinen Drohnen. Zu sp�t! Zu langsam!</p><p>�Ich bin gekommen, um dir dein Geschenk zur�ckzugeben, Mordeth�, fl�sterte Cauthon. �Ich betrachte unsere Schuld als beglichen.�</p><p>Cauthon rammte ihm den Dolch zwischen die Rippen, direkt in Shaisams Herz. Gefesselt an diese erb�rmliche sterbliche Gestalt, schrie Mordeth auf. Padan Fain heulte auf und erlebte, wie sein Fleisch von den Knochen schmolz. Der Nebel erzitterte, wirbelte wild durcheinander.</p><p>Sie starben zusammen.</p><empty-line/><p>Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich in den Wolfstraum und sp�rte Gaul am Blutgeruch auf. Er hatte sich gestr�ubt, Mat mit Mashadar zur�ckzulassen, aber nach dem Blick, den sein Freund ihm zugeworfen hatte, nachdem er auf dem Boden gelandet war, war er zuversichtlich, dass er den Nebel �berleben konnte und wusste, was er da tat.</p><p>Gaul hatte sich gut versteckt, hatte sich wenige Schritte au�erhalb des Kraters des Verderbens in eine Felsspalte gedr�ngt. Er trug noch immer einen Speer und hatte seine Kleidung dunkel genug gemacht, damit sie zu den Felsen um ihn herum passte.</p><p>Als Perrin ihn fand, war er am Einnicken. Gaul war nicht nur verletzt, er war viel zu lang im Wolfstraum. Wenn schon Perrin eine qu�lende Ersch�pfung versp�rte, musste es f�r Gaul viel schlimmer sein.</p><p>�Komm, Gaul�, sagte Perrin und half ihm aus dem Felsen.</p><p>Der Aiel sah benommen aus. �An mir ist niemand vorbeigekommen�, murmelte er. �Ich habe aufgepasst, Perrin Aybara. Der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> ist sicher.�</p><p>�Das hast du gut gemacht, mein Freund�, erwiderte Perrin. �Besser, als jeder h�tte erwarten k�nnen. Du hast viel Ehre errungen.�</p><p>Gaul l�chelte, als er sich an Perrins Schulter lehnte. �Ich sorgte mich�� als die W�lfe verschwanden, sorgte ich mich.�</p><p>�Sie k�mpfen in der wachen Welt weiter.� Perrin hatte ein tiefes Bed�rfnis zur R�ckkehr versp�rt. Gaul zu finden war ein Teil davon gewesen, aber da war noch etwas anderes, ein <emphasis>Drang</emphasis>, den er nicht erkl�ren konnte.</p><p>�Halt dich fest�, sagte er und legte Gaul den Arm um die H�fte. Er <emphasis>versetzte</emphasis> sie zum Feld von Merrilor und dann aus dem Wolfstraum mitten ins Lager der Zwei Fl�sse.</p><p>Blicke richteten sich auf Perrin, Rufe ert�nten. �Licht, Perrin!�, sagte ein Mann in der N�he. Grady eilte herbei, tiefe Tr�nens�cke unter den Augen. �Ich h�tte Euch beinahe zu Asche verbrannt, Lord Goldauge. Wie seid Ihr auf diese Weise erschienen?�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf, dann setzte er Gaul ab. Grady betrachtete die Wunde in der Seite des Aiel, dann rief er nach einer Aes Sedai, um sie zu Heilen. Um sie herum herrschte gro�es Gedr�nge�� einige der M�nner riefen, dass Lord Goldauge zur�ckgekehrt sei.</p><p>Faile. Faile war hier in Merrilor mit dem Horn gewesen.</p><p><emphasis>Ich muss sie finden.</emphasis></p><p>Rand war allein, ungesch�tzt im Wolfstraum.</p><p><emphasis>Verflucht, das spielt keine Rolle!,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wenn ich Faile verliere��</emphasis></p><p>Falls Rand starb, <emphasis>w�rde</emphasis> er Faile verlieren. Und alles andere. Dort drau�en schlichen noch immer Verlorene herum. Perrin schwankte. Er musste nach ihr suchen, oder nicht? War das nicht seine Pflicht als Ehemann? Konnte jemand anders auf Rand aufpassen?</p><p>Aber�� wenn nicht er, wer dann?</p><p>Obwohl es ihn innerlich zerriss, trat Perrin ein letztes Mal in den Wolfstraum.</p><empty-line/><p>Moridin schnappte sich <emphasis>Callandor</emphasis> vom Boden. Grell blitzte die Eine Macht in der Klinge auf.</p><p>Rand taumelte zur�ck, dr�ckte die schmerzende Hand an die Brust. Moridin lachte und streckte die Waffe in die H�he. �Du geh�rst mir, Lews Therin. Endlich geh�rst du mir! Ich��� Er verstummte, dann richtete er den Blick auf das Schwert, vielleicht vor Ehrfurcht. �Es kann die Wahre Macht verst�rken. Ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis> f�r die Wahre Macht? Wie? Warum?� Er lachte noch lauter.</p><p>Um sie herum wogte ein Mahlstrom.</p><p>�Hier die Wahre Macht zu lenken bedeutet den Tod, Elan!�, br�llte Rand. �Es wird dich zu Asche verbrennen!�</p><p>�Es ist das Vergessen!�, rief Moridin. �Meine Befreiung, Lews Therin. Dich nehme ich mit.�</p><p>Das Gl�hen des Schwertes verf�rbte sich zu einem wilden Scharlachrot. Rand konnte die von Moridin ausgehende St�rke f�hlen, als er die Wahre Macht in sich zog.</p><p>Das war der gef�hrlichste Teil des Plans. Min hatte es herausgefunden. <emphasis>Callandor</emphasis> wies so viele M�ngel auf, so unglaubliche Fehler. Auf eine Weise erschaffen, dass ein Mann, der es gefahrlos benutzen wollte, dazu Frauen brauchte, die ihn kontrollierten, so erschaffen, dass, wenn Rand es benutzte, andere die Kontrolle �ber ihn erringen konnten��</p><p>Warum sollte Rand eine Waffe mit solchen Fehlern brauchen? Warum beharrten die Prophezeiungen nur so darauf? Ein <emphasis>Sa�angreal</emphasis> f�r die Wahre Macht. Warum sollte er jemals ein derartiges Ding brauchen?</p><p>Die Antwort war so einfach.</p><p>�Jetzt!�, schrie Rand.</p><p>Nynaeve und Moiraine lenkten zusammen die Macht, nutzten den Fehler in <emphasis>Callandor</emphasis> aus, als Moridin es gegen Rand einsetzen wollte. Wind peitschte durch den Tunnel. Der Boden erbebte, und Moridin schrie auf.</p><p>Sie zwangen ihn unter ihre Kontrolle. <emphasis>Callandor</emphasis> war fehlerhaft. Jeder Mann, der es benutzte, konnte gezwungen werden, sich mit Frauen zu verkn�pfen, ihrer Kontrolle unterworfen werden. Eine Falle�� die er bei Moridin anwandte.</p><p>�Eine Verkn�pfung!�, befahl Rand.</p><p>Sie f�tterten ihn damit. Mit Macht.</p><p><emphasis>Saidar</emphasis> von den Frauen.</p><p>Die Wahre Macht von Moridin.</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> von Rand.</p><p>Moridins Lenken der Wahren Macht an diesem Ort drohte sie alle zu vernichten, aber sie benutzten <emphasis>Saidin</emphasis> und <emphasis>Saidar</emphasis> als Puffer, dann richteten sie alle drei M�chte auf den Dunklen K�nig.</p><p>Rand schlug in das schwarze Nichts hinein und erschuf einen Kanal aus Licht <emphasis>und</emphasis> Dunkelheit, richtete die Essenz des Dunklen K�nigs gegen ihn selbst.</p><p>Er f�hlte seinen Gegner auf der anderen Seite, sein Ausma�. Raum, Gr��e, Zeit�� Rand verstand, warum diese Dinge nun irrelevant sein konnten.</p><p>Drei M�chte str�mten durch seinen K�rper, w�hrend Blut �ber seine Seite floss. Mit einem Aufschrei hob der Wiedergeborene Drache eine Hand aus Macht und packte den Dunklen K�nig durch die Bohrung�� wie ein Mann, der ins Wasser langte, um den Schatz vom Grund des Flusses zu holen.</p><p>Der Dunkle K�nig versuchte zur�ckzuweichen, aber Rands Griff trug einen �berzug aus der Wahren Macht. Der Feind konnte <emphasis>Saidin</emphasis> nicht wieder verderben. Der Dunkle K�nig wollte Moridin die Wahre Macht nehmen, aber im Kanal floss es zu ungest�m, zu gewaltig, um ihn jetzt schlie�en zu k�nnen. Das schaffte nicht einmal Shai�tan.</p><p>Und so benutzte Rand die Essenz des Dunklen K�nigs, lenkte sie in ihrer vollen St�rke. Er hielt den Dunklen K�nig fest umklammert, wie eine Taube im Griff eines Falken.</p><p>Und Licht explodierte aus ihm.</p></section><section><title><p>48</p><p>Eine strahlende Lanze</p></title><p>Elayne ritt langsam vorbei an Haufen toter Trollocs. An diesem Tag hatten sie gesiegt. Jeder verf�gbare Mann, der noch auf den Beinen stand, suchte unter den Toten nach den Lebenden.</p><p>So viele Tote. Hunderttausende Menschen und Trollocs, �ber ganz Merrilor verteilt. Die Flussufer waren die Schlachth�user, das Moor ein Massengrab, in dem Leichen trieben. Auf der anderen Flussseite �chzte und st�hnte die Polov-Anh�he. Dort hatte sie ihre Leute abgezogen. Sie konnte sich kaum noch auf ihrem Pferd halten.</p><p>Da st�rzte das Plateau ein und begrub seine Toten. Elayne sah wie benommen zu, f�hlte den Boden beben. Es war��</p><p><emphasis>Licht.</emphasis></p><p>Sie setzte sich aufrecht und f�hlte, wie in Rand Macht anschwoll. Schlagartig l�ste sich ihre Aufmerksamkeit von der Anh�he und richtete sich stattdessen auf ihn. Das Gef�hl von �berw�ltigender Kraft, die Sch�nheit von Kontrolle und Dominanz. Hoch im Norden schoss ein Licht in den Himmel, so hell, dass sie aufkeuchte.</p><p>Das Ende war da.</p><empty-line/><p>Thom stolperte vom Eingang zum Krater des Verderbens zur�ck und beschattete die Augen mit seinem Arm, als ein Licht so strahlend wie die Sonne selbst aus der H�hle hervorbrach. Moiraine!</p><p>�Licht�, fl�sterte Thom.</p><p>In der Tat brach Licht aus dem Gipfel des Shayol Ghul, ein greller Strahl, der die Bergspitze schmolz und dann direkt in den Himmel raste.</p><empty-line/><p>Min schlug eine Hand vor die Brust und trat von den Reihen der Verwundeten weg, bei denen sie Verb�nde gewechselt hatte.</p><p><emphasis>Rand,</emphasis> dachte sie, f�hlte seine gequ�lte Entschlossenheit. Weit im Norden stieg ein Lichtstrahl empor, so hell, dass er selbst aus dieser gro�en Entfernung das Feld von Merrilor beleuchtete. Helfer und Verwundete blinzelten alle, stolperten auf die F��e, beschatteten die Augen.</p><p>Dieses Licht war eine grelle Lanze, die ins Firmament stach, es brannte die Wolken weg und �ffnete den Himmel.</p><empty-line/><p>Aviendha starrte blinzelnd ins Licht und wusste, dass es Rand war.</p><p>Es holte sie vom Abgrund der Dunkelheit zur�ck und �berflutete sie mit W�rme. Er siegte. Er <emphasis>siegte</emphasis>. Er war so stark. Jetzt sah sie in ihm den wahren Krieger.</p><p>In der N�he kam Graendal schwankend auf die Beine. Ihre Augen waren glasig. Das sich aufl�sende Wegetor war explodiert, aber nicht mit so gro�er Wucht wie einst. Gewebe und die Eine Macht waren herausgespritzt, als Graendal gerade den Zwang schleudern wollte.</p><p>Die Verlorene wandte sich Aviendha zu und starrte sie voller Bewunderung an. Sie verbeugte sich tief, als w�rde sie sie anbeten.</p><p><emphasis>Die Explosion,</emphasis> erkannte Aviendha benommen. Die Explosion hatte etwas mit dem Zwang angestellt. Ehrlich gesagt hatte sie damit gerechnet, dass sie sie beide t�ten w�rde. Stattdessen hatte sie etwas anderes getan.</p><p>�Bitte, o Ihr Glorreiche�, flehte Graendal. �Sagt mir, was Ihr von mir w�nscht. Lasst mich Euch dienen!�</p><p>Aviendha blickte zur�ck zu dem Licht, das Rand war, und hielt den Atem an.</p><empty-line/><p>Logain verlie� die Ruinen, ein kleines Kind von vielleicht zwei Jahren auf dem Arm. Die schluchzende Mutter nahm ihm ihren Sohn ab. �Danke. Ich segne Euch, Asha�man. <emphasis>Das Licht segne Euch.</emphasis>�</p><p>Logain blieb mitten unter den Leuten stehen. Die Luft stank nach verbranntem Fleisch und toten Trollocs. �Die Anh�he ist weg?�, fragte er.</p><p>�Weg�, sagte Androl z�gernd neben ihm. �Die Erdbeben haben sie zerst�rt.�</p><p>Logain seufzte. Der Schatz�� war er dann also verloren? W�rde er ihn jemals ausgraben k�nnen?</p><p><emphasis>Ich bin ein Narr,</emphasis> dachte er. Wof�r hatte er auf diese Macht verzichtet? Um diese Fl�chtlinge zu retten? Menschen, die ihn f�r das hassen und zur�ckweisen w�rden, was er war. Menschen, die��</p><p>� die ihn voller Ehrfurcht ansahen.</p><p>Logain runzelte die Stirn. Das waren ganz gew�hnliche Leute, sie waren nicht wie die Menschen in der Schwarzen Burg, die an M�nner gewohnt waren, die die Macht lenken konnten. In diesem Augenblick h�tte er aber keinen Unterschied zwischen ihnen erkennen k�nnen.</p><p>Logain sah erstaunt zu, wie sich die Leute um seine Asha�man dr�ngten und wegen ihrer Rettung weinten. �ltere M�nner ergriffen �berw�ltigt die H�nde der Asha�man und priesen sie.</p><p>In der N�he stand ein Jugendlicher und starrte Logain voller Bewunderung an. Ein Dutzend Jugendlicher. Licht, <emphasis>hundert</emphasis> von ihnen. Da lag keine Spur Furcht in ihren Augen.</p><p>�Vielen Dank�, sagte die junge Mutter immer wieder. �Danke.�</p><p>�Die Schwarze Burg besch�tzt�, h�rte sich Logain sagen. �Immer.�</p><p>�Wenn er alt genug ist, schicke ich ihn zu Euch, damit er der Pr�fung unterzogen wird�, versprach die Frau und hielt ihren Sohn fest. �Wenn er das Talent hat, dann m�chte ich, dass er sich Euch anschlie�t.�</p><p>Das Talent. Nicht der Fluch. Das Talent.</p><p>Licht badete sie in seinem Schein.</p><p>Logain blieb stehen. Dieser Lichtstrahl im Norden�� ein solches Machtlenken hatte er noch nie zuvor gef�hlt, nicht einmal bei der Reinigung der Quelle. Solche <emphasis>Macht</emphasis>.</p><p>�Es ist so weit�, sagte Gabrelle und trat an seine Seite.</p><p>Logain griff an den G�rtel, dann zog er drei Gegenst�nde aus dem Beutel. Scheiben, zur H�lfte wei�, zur H�lfte schwarz. Die Asha�man ringsum wandten sich ihm zu, hielten damit inne, die Leute zu Heilen und zu tr�sten.</p><p>�Tut es�, sagte Gabrelle. �Tut es, <emphasis>Siegelbrecher</emphasis>.�</p><p>Logain zerbrach die einst unzerbrechlichen Siegel, und zwar eines nach dem anderen, und lie� die St�cke zu Boden fallen.</p></section><section><title><p>49</p><p>Licht und Schatten</p></title><p>Alles war tot. Im Wolfstraum stolperte Perrin durch eine steinige W�ste ohne jedes Gr�n und ohne jede Erde. Der Himmel hatte sich schwarz verf�rbt, die schwarzen Wolken gingen in dieses Nichts �ber. Als er einen Felskamm erklomm, zerbr�ckelte hinter ihm ein ganzer Teil des Bodens ��sein Standort bebte wild�� und wurde in die Luft gezogen.</p><p>Darunter befand sich nur Leere.</p><p>Im Wolfstraum wurde alles verschlungen. Perrin ging weiter auf den Shayol Ghul zu. Der Gipfel leuchtete wie ein riesiges Signalfeuer. Seltsamerweise konnte er dahinter den Drachenberg erkennen, obwohl der normalerweise viel zu weit entfernt war, um ihn hier sehen zu k�nnen. Als sich das Land dazwischen aufl�ste, schien die Welt selbst zu schrumpfen.</p><p>Zwei Gipfel, die einander anzogen, alles dazwischen zerst�rt und zerbrochen. Perrin <emphasis>versetzte</emphasis> sich vor den Tunnel in den Krater des Verderbens, dann trat er ein und passierte die violette Barriere, die er zuvor errichtet hatte.</p><p>Lanfear wartete bereits. Ihr Haar war pechschwarz, wie es einst bei ihrer ersten Begegnung gewesen war, und ihr Gesicht war vertraut. Es sah wieder so aus wie einst.</p><p>�Ich finde diesen Traumnagel �rgerlich�, sagte sie. �Musstet Ihr ihn hier anbringen?�</p><p>�Er h�lt die anderen Verlorenen ab�, erwiderte Perrin gedankenverloren.</p><p>�Ich sch�tze, das tut er�, best�tigte sie und verschr�nkte die Arme.</p><p>�Ist er noch immer da vorn?�</p><p>Sie nickte. �Das ist das Ende. Etwas Erstaunliches ist geschehen.� Sie kniff die Augen zusammen. �Das k�nnte der wichtigste Augenblick f�r die Menschheit sein, seit wir die Bohrung durchf�hrten.�</p><p>�Dann sorgen wir besser daf�r, dass nichts mehr schiefgeht.� Perrin betrat den lang gestreckten Steinrachen, Lanfear an seiner Seite.</p><p>Am Ende des Tunnels begr��te sie ein unerwarteter Anblick. Jemand anders hielt <emphasis>Callandor</emphasis>, der Mann, mit dem Rand zuvor gek�mpft hatte. War das vielleicht Demandred? Perrin wusste es nicht. Aber es war bestimmt einer der Verlorenen.</p><p>Der Mann kniete am Boden, Nynaeve hatte ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Sie stand direkt links hinter Rand. Moiraine stand zu seiner Rechten, und sie alle drei hielten den Kopf erhoben und starrten in das vor ihnen liegende Nichts.</p><p>Der Berg grollte.</p><p>�Perfekt�, fl�sterte Lanfear. �Ich h�tte mir nie tr�umen lassen, dass es sich so gut entwickelt.� Sie musterte die beiden Frauen. �Wir m�ssen schnell zuschlagen. Ich t�te die gro�e Frau, du die kleine.�</p><p>Perrin runzelte die Stirn. Hier schien etwas sehr falsch zu sein. �Sie t�ten���</p><p>�Nat�rlich�, sagte Lanfear. �Wenn wir sofort zuschlagen, bleibt genug Zeit �brig, um die Kontrolle �ber Moridin zu erringen, w�hrend er diese Klinge h�lt. Damit kann ich Lews Therin zwingen, vor mir zu knien.� Sie blickte genauer hin. �Er h�lt den Dunklen K�nig in der Hand, braucht nur zuzudr�cken, um dieses Leben ��wenn man es �berhaupt so bezeichnen kann�� zu zerquetschen. Nur eine Hand kann den Gro�en Herrn retten. In diesem Augenblick verdiene ich mir meine Belohnung. In diesem Augenblick steige ich zur H�chsten der Hohen auf.�</p><p>�Ihr�� Ihr wollt den Dunklen K�nig retten?� Perrin hob eine Hand an die Stirn. �Ihr habt Euch uns doch angeschlossen. Ich erinnere mich���</p><p>Sie warf ihm einen Blick zu. �Ein so lausiges Werkzeug�, sagte sie und roch unzufrieden. �Ich hasse es, so etwas benutzen zu m�ssen. So bin ich keinen Deut besser als Graendal.� Sie fr�stelte. �H�tten sie mir mehr Zeit gelassen, h�tte ich dich auf anst�ndige Weise erobert.� Liebevoll t�tschelte sie Perrins Wange. �Du bist verst�rt. Die Gro�e kommt aus deinem Dorf, ich erinnere mich. Vermutlich seid ihr zusammen aufgewachsen? Ich werde dich nicht dazu zwingen, sie zu t�ten, mein Wolf. Du kannst die Kleine t�ten. Du hasst sie, oder nicht?�</p><p>�Ich�� ja, das tue ich. Sie hat mich meiner Familie gestohlen. Eigentlich sind sie wegen ihr gestorben. Normalerweise w�re ich bei ihnen gewesen.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Lanfear. �Wir m�ssen uns beeilen. Diese Gelegenheit h�lt nicht ewig.�</p><p>Sie wandte sich den beiden Frauen zu. Nynaeve und Moiraine. Seine <emphasis>Freunde</emphasis>. Und dann�� und dann <emphasis>Rand</emphasis>. Sie w�rde ihn t�ten, das war ihm klar. Sie w�rde ihn zwingen, vor ihr auf die Knie zu gehen, und dann w�rde sie ihn t�ten. Die ganze Zeit �ber hatte ihr Ziel darin bestanden, eine Situation herbeizuf�hren, in der der Dunkle K�nig selbst hilflos sein w�rde und sie ihn dann retten konnte.</p><p>Perrin trat an ihre Seite.</p><p>�Wir schlagen gemeinsam zu�, sagte Lanfear leise. �Die Grenzen zwischen den Welten sind hier zerbrochen. Wenn wir nicht schnell sind, werden sie sich wehren k�nnen. Wir m�ssen sie gleichzeitig t�ten.�</p><p><emphasis>Das ist falsch,</emphasis> dachte Perrin. <emphasis>Das ist so schrecklich falsch.</emphasis> Er durfte es nicht zulassen, und doch hoben sich seine H�nde.</p><p>DAS IST FALSCH. Aber er wusste nicht, warum das so war. Seine Gedanken erlaubten ihm nicht, dar�ber nachzudenken und es zu ergr�nden.</p><p>�Bereit�, sagte Lanfear, den Blick auf Nynaeve gerichtet.</p><p>Perrin wandte sich ihr zu.</p><p>�Ich z�hle bis drei�, sagte die Verlorene, ohne ihn anzusehen.</p><p><emphasis>Meine Pflicht liegt darin, die Dinge zu tun, die Rand nicht kann,</emphasis> dachte Perrin.</p><p>Das hier war der Wolfstraum. Im Wolfstraum wurde das, was er f�hlte, zur Realit�t.</p><p>�Eins�, sagte Lanfear.</p><p>Er liebte Faile.</p><p>�Zwei.�</p><p>Er liebte Faile.</p><p>�Drei.�</p><p>Er liebte Faile. Der Zwang verschwand wie Rauch im Wind, als w�rde man in der Spanne eines Wimpernschlags einfach seine Kleidung abwerfen. Bevor Lanfear zuschlagen konnte, packte Perrin ihren Hals. Ein kr�ftiger Ruck reichte aus. Ihr Genick brach zwischen seinen Fingern.</p><p>Lanfear sackte zusammen, und er fing sie auf. Sie <emphasis>war</emphasis> wundersch�n. Als sie starb, verwandelte sie sich zur�ck in die andere Gestalt, die sie zuvor angenommen hatte, ihren neuen K�rper.</p><p>Das Gef�hl eines schrecklichen Verlusts durchzuckte Perrin. Er hatte das, was sie mit seinem Verstand gemacht hatte, nicht v�llig weggewischt. Er hatte es �berwunden, es m�glicherweise mit etwas Neuem, etwas Richtigem �berlagert. Nur der Wolfstraum und seine F�higkeit, sich so zu sehen, wie er sein <emphasis>sollte</emphasis>, hatten ihm das erm�glicht.</p><p>Ungl�cklicherweise versp�rte er tief in seinem Inneren noch immer Liebe f�r diese Frau. Das widerte ihn an. Diese Liebe war nicht ann�hernd so stark wie seine Liebe f�r Faile, aber es gab sie. Er ertappte sich dabei, wie er weinte, als er ihren in kostbares Wei� und Silber gekleideten K�rper auf dem Felsboden ablegte.</p><p>�Es tut mir leid�, fl�sterte er. Eine Frau zu t�ten, und erst recht eine, die ihn nicht pers�nlich bedroht hatte�� Niemals h�tte er geglaubt, zu so etwas f�hig zu sein.</p><p>Jemand hatte es tun m�ssen. Zumindest dieser Pr�fung w�rde sich Rand nicht stellen m�ssen. Das war eine Last, die Perrin f�r seinen Freund schultern konnte.</p><p>Er blickte ihn an. �Geh�, fl�sterte er. �Tu, was du tun musst. Ich halte dir den R�cken frei. So wie immer.�</p><empty-line/><p>Die Siegel zerbr�ckelten. Der Dunkle K�nig brach in die Freiheit.</p><p>Rand hielt den Dunklen K�nig in festem Griff.</p><p>Erf�llt mit der Einen Macht und in einer Lichts�ule stehend, zog Rand den Dunklen K�nig in das Muster hinein. Allein hier existierte die Zeit. Allein hier konnte der Schatten get�tet werden.</p><p>Die Macht in seiner Hand, die zugleich unendlich und doch winzig war, zitterte. Ihre Schreie klangen wie zusammensto�ende Welten.</p><p>Ein bemitleidenswertes Subjekt. Unvermittelt hatte Rand das Gef�hl, nicht eine der Urm�chte der Existenz zu halten, sondern ein sich windendes Ding aus dem Dreck eines Schafsstalls.</p><p>DU BIST WIRKLICH EIN NICHTS, sagte Rand, denn er kannte alle Geheimnisse des Dunklen K�nigs. DU H�TTEST MIR NIEMALS DEN VERSPROCHENEN FRIEDEN GEGEBEN, VATER DER L�GEN. DU H�TTEST MICH GENAUSO VERSKLAVT WIE ALLE ANDEREN AUCH. DU KANNST KEIN VERGESSEN GEBEN. FRIEDEN IST NICHT DEINE SACHE. NUR FOLTER UND QUALEN.</p><p>Der Dunkle K�nig bebte in seinem Griff.</p><p>DU SCHRECKLICHE, BEDAUERNSWERTE ZECKE, sagte Rand.</p><p>Er starb. Das Blut str�mte aus seinem K�rper, davon abgesehen w�rde ihn die Menge der von ihm gehaltenen Macht bald verbrennen.</p><p>Rand hielt den Dunklen K�nig in der Hand. Er dr�ckte zu, dann hielt er inne.</p><p>Er kannte alle Geheimnisse. Er wusste, was der Dunkle K�nig getan hatte. Und beim Licht, er begriff. Vieles von dem, was sein Feind ihm gezeigt hatte, waren L�gen gewesen.</p><p>Aber die Vision, die er selbst erschaffen hatte�� die ohne den Dunklen K�nig��, das war die Wahrheit gewesen. Wenn er seinem Verlangen nachgab, w�rde er die Menschheit nicht besser zur�cklassen, als es der Dunkle K�nig selbst getan h�tte.</p><p><emphasis>Was war ich doch f�r ein Narr!</emphasis></p><p>Rand schrie auf, stie� den Dunklen K�nig durch den Krater dorthin zur�ck, wo er hergekommen war. Er riss beide Arme hoch, ergriff mit den Gedanken zwei S�ulen aus <emphasis>Saidar</emphasis> und <emphasis>Saidin</emphasis>, die mit der durch Moridin gesch�pften Wahren Macht umgeben waren. Der Verlorene kniete mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden; durch seinen K�rper floss so viel Macht, dass er sich nicht einmal bewegen konnte.</p><p>Mit der Kraft seines Willens schleuderte Rand die beiden M�chte und <emphasis>verflocht</emphasis> sie miteinander. <emphasis>Saidin</emphasis> und <emphasis>Saidar,</emphasis> beides gleichzeitig benutzt, �berzogen von der Wahren Macht, die bereits die Bohrung mit einer Abschirmung bedeckte.</p><p>Dann webte er etwas Majest�tisches, ein Muster aus miteinander verflochtenem <emphasis>Saidar</emphasis> und <emphasis>Saidin</emphasis> in ihrer reinsten Form. Kein Feuer, kein Geist, kein Wasser, keine Erde, keine Luft. Reinheit. Das Licht selbst. Es handelte sich dabei um keine Reparatur, es war auch kein Flicken. <emphasis>Es schmiedete alles neu.</emphasis></p><p>Mit dieser neuen Form der Macht zog Rand den Riss zusammen, der einst vor so langer Zeit von dummen Menschen verursacht worden war.</p><p>Endlich hatte er begriffen, dass der Dunkle K�nig nicht der Feind war.</p><p>Er war es nie gewesen.</p><empty-line/><p>Moiraine ergriff Nynaeve, bewegte sich allein durch ihren Tastsinn, denn das Licht blendete sie.</p><p>Sie zog Nynaeve auf die F��e. Zusammen liefen sie los. Weg von dem brennenden Licht hinter ihnen. Den Korridor hinaus, Hals �ber Kopf. Moiraine schoss aus der H�hle an die frische Luft; ohne es zu bemerken, w�re sie beinahe �ber den Rand des Pfades hinausgelaufen, was sie den steilen Hang h�tte hinunterst�rzen lassen. Jemand fing sie auf.</p><p>�Ich habe dich�, sagte Thoms Stimme, als sie v�llig ersch�pft in seinen Armen zusammenbrach. In der N�he st�rzte Nynaeve keuchend zu Boden.</p><p>Thom drehte Moiraine von dem Felskorridor weg, aber sie weigerte sich, den Blick abzuwenden. Sie �ffnete die Augen, obwohl sie wusste, dass das Licht zu grell war, und sie <emphasis>sah</emphasis> etwas. Rand und Moridin, die mitten im Licht standen, w�hrend es sich ausbreitete, um den ganzen Berg mit seinem Schein zu verschlingen.</p><p>Die Finsternis vor Rand hing wie ein Loch da, das alles in sich hineinsaugte. Dann schrumpfte dieses Loch St�ck f�r St�ck, bis es nur noch die Gr��e einer Nadelspitze aufwies.</p><p>Es verschwand.</p></section><section><title><p>EPILOG</p><p>Die Antwort verstehen</p></title><p>Rand glitt auf seinem Blut aus.</p><p>Er konnte nichts sehen. Er trug etwas. Etwas Schweres. Einen K�rper. Er stolperte den Tunnel hinauf.</p><p><emphasis>Er schlie�t sich,</emphasis> dachte er. <emphasis>Er schlie�t sich.</emphasis> Die Decke senkte sich wie ein zuschnappender Rachen, Stein knirschte auf Stein. Keuchend erreichte er die Freiheit, w�hrend der Felsen hinter ihm wie aufeinanderschlagende Z�hne zusammenkrachte.</p><p>Rand stolperte. Der K�rper auf seinen Armen war so schwer. Er brach zusammen.</p><p>Er konnte�� etwas sehen, ganz schwach. Eine Gestalt kniete neben ihm nieder. �Ja�, fl�sterte eine Frau. Er erkannte ihre Stimme nicht. �Ja, das ist gut. Genau das musst du tun.�</p><p>Er blinzelte, seine Sicht war so schrecklich verschwommen. War das Aiel-Kleidung? Eine alte Frau mit grauem Haar? Ihre Umrisse zogen sich zur�ck, und Rand streckte die Hand nach ihr aus, denn er wollte nicht allein sein. Wollte sich erkl�ren. �Ich verstehe die Antwort jetzt�, fl�sterte er. �Den Aelfinn stellte ich die falsche Frage. Es ist unser Schicksal, sich entscheiden zu k�nnen. Hat man keine Wahl, dann ist man kein Mensch mehr. Dann ist man blo� eine Marionette���</p><p>Rufe.</p><p>Rand f�hlte sich schwer. Er verlor das Bewusstsein.</p><empty-line/><p>Mat stand auf, als der Nebel Mashadar von ihm weggebrannt wurde und verschwand. Das Feld war �bers�t mit den Kadavern dieser unheimlichen Trollocs mit den L�chern im Gesicht. Er schaute nach oben durch die sich aufl�senden Schwaden und entdeckte genau �ber sich die Sonne.</p><p>�Nun, du bist ja ein Anblick�, sagte er zu ihr. �Du solltest �fters rauskommen. Du hast ein h�bsches Gesicht.� Er l�chelte, dann schaute er auf den Toten zu seinen F��en. Padan Fain sah wie ein B�ndel St�cke und Moos aus, das Fleisch rutschte von seinen Knochen. Die Finsternis des Dolches hatte sich �ber seine verfaulende Haut ausgebreitet. Es stank.</p><p>Beinahe h�tte Mat nach diesem Dolch gegriffen. Dann spuckte er aus. �Das ist einmal ein Spiel, mit dem ich nichts zu tun haben will.� Er wandte ihm den R�cken zu und ging los. Drei Schritte weiter fand er seinen Hut. Er grinste, hob ihn auf und setzte ihn sich auf den Kopf, dann fing er an zu pfeifen, als er den <emphasis>Ashandarei</emphasis> schulterte und losspazierte. Die W�rfel rollten nicht l�nger in seinem Kopf.</p><p>Hinter ihm schmolz der Dolch mit seinem Rubin und allem anderen, inmitten der Masse, die einst Padan Fain gewesen war.</p><empty-line/><p>Perrin kam ersch�pft in das Lager, das man nach dem Ende der K�mpfe am Fu� des Shayol Ghul aufgeschlagen hatte. Er zog das Hemd aus. Die Luft f�hlte sich gut auf seiner nackten Brust an. Er steckte <emphasis>Mah�alleinir</emphasis> an seinen Platz am G�rtel. Ein guter Schmied vernachl�ssigte niemals sein Werkzeug, auch wenn es sich manchmal anf�hlte, als w�rde es ihn durch seine Last noch ins Grab bringen.</p><p>Er glaubte, hundert Tage durchschlafen zu k�nnen. Aber noch nicht. Noch nicht.</p><p>Faile.</p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Tief in seinem Inneren wusste er, dass er sich wegen ihr einer schrecklichen Wahrheit stellen musste. Aber noch nicht. F�r den Augenblick stie� er diese Sorge ��diesen Schrecken�� zur Seite.</p><p>Die letzten Wolfsgeister verblichen zur�ck in den Wolfstraum.</p><p><emphasis>Lebe wohl, Junger Bulle.</emphasis></p><p><emphasis>Finde, was du suchst, Junger Bulle.</emphasis></p><p><emphasis>Die Jagd endet, aber wir jagen wieder gemeinsam, Junger Bulle.</emphasis></p><p>Mit schleppenden Schritten ging Perrin an den Reihen der Verwundeten und Aiel vorbei, die den Sieg �ber das Schattengez�cht feierten. Einige Zelte waren nur mit St�hnen gef�llt, andere mit Jubel. Alle m�glichen Leute liefen durch das jetzt bl�hende Tal von Thakan�dar; einige suchten nach Verletzten, andere juchzten ihre Freude heraus, wenn sie auf Freunde stie�en, die diese letzten, dunklen Augenblicke �berlebt hatten.</p><p>Aiel riefen Perrin zu: �Ho, Schmied, geselle dich zu uns!� Aber er mied ihre Feier. Er suchte nach den W�chtern. Irgendjemand musste hier doch so vern�nftig sein, um sich wegen einzelner Myrddraal oder Draghkar Sorgen zu machen, die die Gelegenheit nutzten, um Rache zu �ben. Und tats�chlich fand er einen Kreis aus Verteidigern in der Lagermitte, die ein gro�es Zelt bewachten. Was war mit Rand?</p><p>Keine Farben wirbelten durch sein Blickfeld. Kein Bild von Rand. Er versp�rte auch kein Ziehen mehr, das ihn in diese oder jene Richtung lockte.</p><p>Das schien ein schlechtes Zeichen zu sein.</p><p>Er dr�ngte sich an den W�chtern vorbei und betrat das Zelt. Wo hatten sie auf diesem Schlachtfeld nur ein so gro�es Zelt gefunden? Alles war zertrampelt, weggeweht oder verbrannt worden.</p><p>Das Innere roch nach Kr�utern und war mit aufgeh�ngten Planen in mehrere R�ume unterteilt worden.</p><p>�Ich habe alles versucht�, fl�sterte eine Stimme. Das war Damer Flinn. �Nichts wirkt. Er���</p><p>Perrin betrat einen Raum, in dem Nynaeve und Flinn an einer Pritsche standen. Dort lag Rand gewaschen und angezogen mit geschlossenen Augen. Moiraine kniete neben ihm, die Hand auf seinem Gesicht, fl�sterte so leise, dass allein Perrin es verstehen konnte. �Das hast du gut gemacht, Rand. Das hast du gut gemacht.�</p><p>�Lebt er?�, fragte Perrin und wischte sich den Schwei� von der Stirn.</p><p>�Perrin!�, sagte Nynaeve. �O beim Licht! Du siehst schrecklich aus. Setz dich, du Ochse! Du wirst noch umkippen. Ich will mich nicht um zwei von euch k�mmern m�ssen.� Ihre Augen waren ger�tet.</p><p>�Er stirbt trotzdem, nicht wahr?�, fragte Perrin. �Ihr habt ihn dort lebend rausgeschafft, aber er wird trotzdem sterben.�</p><p>�Setz dich da hin�, befahl Nynaeve und zeigte auf einen Hocker.</p><p>�Hunde gehorchen diesem Befehl�, sagte Perrin zu ihr, �aber W�lfe nicht.� Er kniete sich hin und legte Rand eine Hand auf die Schulter.</p><p><emphasis>Ich konnte deinen Lockruf nicht mehr f�hlen und auch die Bilder nicht mehr sehen,</emphasis> dachte Perrin. <emphasis>Du bist kein</emphasis> Ta�veren <emphasis>mehr. Und ich vermutlich auch nicht.</emphasis> �Habt ihr nach den dreien geschickt?�, wollte er wissen. �Min, Elayne, Aviendha. Sie m�ssen ihn ein letztes Mal sehen.�</p><p>�Mehr f�llt dir dazu nicht ein?�, fauchte Nynaeve.</p><p>Er blickte zu ihr hoch. Die Weise, wie sie die Arme verschr�nkt hatte, lie� sie aussehen, als w�rde sie sich selbst zusammenhalten. Die Arme fest zu verschr�nken hielt sie vom Weinen ab.</p><p>�Wer ist sonst noch gestorben?�, fragte Perrin und st�hlte sich. Es war ihrer Miene abzulesen. Sie hatte bereits jemanden verloren.</p><p>�Egwene.�</p><p>Perrin schloss die Augen und atmete tief aus. Egwene. Licht!</p><p><emphasis>Kein Meisterwerk kommt ohne Preis,</emphasis> dachte er. <emphasis>Das bedeutet nicht, dass es nicht wert ist, geschmiedet zu werden.</emphasis> Trotzdem�� Egwene?</p><p>�Es ist nicht deine Schuld, Nynaeve�, sagte er und �ffnete die Augen wieder.</p><p>�Nat�rlich nicht. Das wei� ich, du hirnloser Narr.� Sie wandte sich ab.</p><p>Er stand auf, nahm sie in die Arme und klopfte ihr mit seinen Schmiedh�nden sanft auf den R�cken. �Es tut mir leid.�</p><p>�Ich verlie� das Dorf�� um euch zu retten�, fl�sterte Nynaeve. �Ich kam nur mit, um euch zu sch�tzen.�</p><p>�Das hast du, Nynaeve. Du hast Rand besch�tzt, damit er das tun konnte, was er tun musste.�</p><p>Sie zitterte, und er lie� sie weinen. Beim Licht. Er vergoss selbst ein paar Tr�nen. Nach einem Augenblick riss sich Nynaeve von ihm los und st�rmte aus dem Zelt.</p><p>�Ich habe es versucht�, sagte Flinn verzweifelt und sah Rand an. �Nynaeve ebenfalls. Wir haben es gemeinsam versucht, mit Moiraine Sedais <emphasis>Angreal</emphasis>. Nichts hat geholfen. Niemand wei�, wie man ihn retten kann.�</p><p>�Ihr habt getan, was ihr konntet.� Perrin sp�hte um die Trennwand in die n�chste Nische. Dort lag noch ein Mann auf einer Pritsche. �Was macht er hier?�</p><p>�Wir fanden sie zusammen�, berichtete Flinn. �Rand muss ihn aus der H�hle getragen haben. Wir wissen nicht, warum der Lord Drache einen der Verlorenen retten sollte, aber das spielt auch keine Rolle. Ihn k�nnen wir ebenfalls nicht Heilen. Sie sterben. Beide.�</p><p>�Schickt nach Min, Elayne und Aviendha�, wiederholte Perrin. Er z�gerte. �Haben sie �berhaupt alle �berlebt?�</p><p>�Das Aiel-M�dchen hat viel einstecken m�ssen�, berichtete Flinn. �Sie kam ins Lager gestolpert, wurde fast von einer schrecklich h�sslichen Aes Sedai getragen, die f�r sie ein Wegetor gemacht hatte. Sie wird es �berleben, aber ich kann nicht sagen, wie gut sie in den n�chsten Jahren laufen wird.�</p><p>�Lasst es sie wissen. Sie alle.�</p><p>Flinn nickte, und Perrin folgte Nynaeve. Er fand, was er zu sehen gehofft hatte, den Grund, weshalb sie so schnell verschwunden war. Direkt vor dem Zelteingang hielt Lan sie fest umarmt. Der Mann war blutverschmiert und sah so m�de aus, wie sich Perrin f�hlte. Ihre Blicke trafen sich, und sie nickten einander zu.</p><p>�Mehrere Windsucherinnen haben ein Wegetor nach Merrilor ge�ffnet�, sagte Lan zu Perrin. �Der Dunkle K�nig ist wieder weggesperrt. Das Verdorbene Land bl�ht, die Tore an diesen Ort lassen sich wieder �ffnen.�</p><p>�Danke�, erwiderte Perrin und ging an ihnen vorbei. �Hat jemand�� hat jemand etwas von Faile geh�rt?�</p><p>�Nein, Schmied. Der Hornbl�ser sah sie als Letzter, aber sie verlie� ihn und ritt auf das Schlachtfeld, um die Trollocs von ihm abzulenken. Es tut mir leid.�</p><p>Perrin nickte. Er hatte bereits mit Mat und Olver gesprochen. Er wurde den Eindruck nicht los, dass er einfach nicht �ber das nachdenken wollte, was geschehen sein musste.</p><p><emphasis>Denk nicht dar�ber nach,</emphasis> befahl er sich. <emphasis>Wage es ja nicht.</emphasis> Er riss sich zusammen, dann ging er los, um das Wegetor zu finden, das Lan erw�hnt hatte.</p><empty-line/><p>�Entschuldigung�, fragte Loial die T�chter, die neben einem Zelt sa�en. �Habt ihr Matrim Cauthon gesehen?�</p><p><emphasis>�Oosquai?�,</emphasis> fragte eine von ihnen lachend und hielt einen Trinkschlauch hoch.</p><p>�Nein, nein�, sagte Loial. �Ich muss Matrim Cauthon finden und mir seinen Bericht �ber die Schlacht anh�ren, versteht Ihr? Solange sie noch frisch in seiner Erinnerung ist. Jeder muss mir sagen, was er gesehen und geh�rt hat, damit ich es niederschreiben kann. Es wird keinen besseren Augenblick geben.�</p><p>Und er wollte Mat und Perrin sehen, wie er zugeben musste. Sich vergewissern, dass sie wohlauf waren. Er wollte mit seinen Freunden sprechen und sich davon �berzeugen, dass es ihnen gut ging. Bei allem, was mit Rand geschah��</p><p>Die Aiel-Frau l�chelte ihn betrunken an. Loial seufzte, dann setzte er seinen Weg durch das Lager fort. Der Tag n�herte sich seinem Ende. Der Tag der Letzten Schlacht! Jetzt schrieben sie das Vierte Zeitalter, oder nicht? Konnte ein Zeitalter �berhaupt mitten an einem Tag beginnen? F�r Kalender w�rde das sehr unpraktisch sein, nicht wahr? Aber alle vertraten die gleiche Meinung. Rand hatte die Bohrung zur Mittagszeit versiegelt.</p><p>Loial streifte weiter durch das Lager. Man hatte es nicht vom Fu� des Shayol Ghul verlegt. Nynaeve behauptete, Rand auf keinen Fall bewegen zu wollen. Loial suchte weiter, sp�hte in Zelte. Im n�chsten fand er den ergrauten General Ituralde, der von vier Aes Sedai umgeben war.</p><p>�Seht doch�, sagte Ituralde. �Ich diente den K�nigen von Arad Doman mein ganzes Leben lang. Ich schwor Eide.�</p><p>�Alsalam ist tot�, sagte Saerin Sedai von ihrem Platz neben seinem Stuhl. �Jemand muss den Thron �bernehmen.�</p><p>�In Saldaea herrscht Verwirrung�, f�gte Elswell Sedai hinzu. �Die Thronfolge ist un�bersichtlich, mit den ganzen Verbindungen, die der Thron jetzt zu Andor hat. Arad Doman kann es sich nicht leisten, ohne Anf�hrer zu sein. Ihr <emphasis>m�sst</emphasis> den Thron besteigen, Rodel Ituralde. Und zwar schnell.�</p><p>�Der Kaufmannsrat���</p><p>�Alle tot oder verschollen�, sagte eine andere Aes Sedai.</p><p>�Ich schwor Eide���</p><p>�Und was w�rde Euer K�nig jetzt von Euch erwarten?�, fragte Yukiri Sedai. �Dass Ihr das K�nigreich auseinanderfallen lasst? Ihr m�sst stark sein, Lord Ituralde. Jetzt ist nicht der geeignete Zeitpunkt, dass Arad Doman ohne Anf�hrer auskommt.�</p><p>Loial verschwand und sch�ttelte den Kopf; der Mann tat ihm leid. <emphasis>Vier</emphasis> Aes Sedai. Ituralde w�rde gekr�nt werden, bevor dieser Tag noch vor�ber war.</p><p>Erneut besuchte er das gr��te Heilzelt, um noch einmal zu fragen, ob jemand Mat gesehen hatte. Er war auf diesem Schlachtfeld gewesen, und so mancher behauptete, dass er gel�chelt h�tte und gesund gewesen sei, aber�� Nun, das war alles sch�n und gut, aber Loial wollte sich mit seinen eigenen Augen davon �berzeugen. Wollte mit ihm sprechen.</p><p>In dem Zelt musste er den Kopf einziehen, damit er nicht gegen die Decke stie�. Ein gro�es Zelt f�r Menschen war f�r Ogier klein.</p><p>Er warf einen Blick auf Rand. Sein Freund sah schlimmer als zuvor aus. Lan stand an der Wand. Er trug eine Krone�� eigentlich war es blo� ein schmaler Silberreif��, wo sonst der <emphasis>Hadori</emphasis> gewesen war. Das allein war nicht merkw�rdig, aber dass Nynaeve ihr passendes Gegenst�ck trug, �berraschte Loial dann doch.</p><p>�Das ist nicht gerecht�, fl�sterte Nynaeve. �Warum sollte er sterben, wenn es dem anderen besser geht?�</p><p>Nynaeve erschien verst�rt. Sie hatte noch immer ger�tete Augen, aber zuvor hatte sie jeden angefaucht, der es erw�hnte, also sagte Loial nichts. Menschen schienen oft zu wollen, dass er nichts sagte, was schon seltsam f�r Leute war, die ihr Leben so schnell lebten.</p><p>Sie sah Loial an, und er neigte den Kopf.</p><p>�Loial�, sagte sie. �Was macht deine Suche?�</p><p>�Sie verl�uft nicht gut.� Er verzog das Gesicht. �Perrin ignorierte mich, und Mat ist nicht zu finden.�</p><p>�Eure Geschichten k�nnen ein paar Tage warten, Baumeister�, sagte Lan.</p><p>Loial widersprach nicht. Schlie�lich war Lan nun ein K�nig. Aber�� nein, die Geschichten konnten eben <emphasis>nicht</emphasis> warten. Die Eindr�cke mussten frisch sein, damit seine historische Abhandlung akkurat sein konnte.</p><p>�Es ist schrecklich�, sagte Flinn, der noch immer Rand anstarrte. �Aber, Nynaeve Sedai�� Es ist so seltsam. Es scheint keine der drei Frauen zu ber�hren. Sollten sie sich nicht gr��ere Sorgen machen��?�</p><p>Loial verlie� sie, obwohl er in einem in unmittelbarer N�he stehenden Zelt nach Aviendha sah. Sie sa� da, w�hrend sich mehrere Frauen um ihre zerst�rten, blutenden F��e k�mmerten. Sie hatte mehrere Zehen verloren. Sie nickte Loial zu; anscheinend hatten ihr die Heilungen den Schmerz genommen, denn obwohl sie m�de aussah, schien sie keine Qualen zu leiden.</p><p>�Mat?�, fragte er hoffnungsvoll.</p><p>�Ich habe ihn nicht gesehen, Loial, Sohn von Arent, Sohn von Halan�, erwiderte Aviendha. �Zumindest nicht, seit Ihr das letzte Mal vor Kurzem nach ihm fragtet.�</p><p>Loial err�tete, dann verlie� er sie. Drau�en kam er an Elayne und Min vorbei. Ihre Geschichten w�rde er noch erfahren�� ein paar Fragen hatte er bereits gestellt��, aber die drei <emphasis>Ta�veren</emphasis>�� Sie waren am wichtigsten! Warum mussten Menschen immer so ungeduldig sein, konnten nie still dasitzen? Hatten niemals Zeit, um nachzudenken. Das war ein wichtiger Tag.</p><p>Allerdings war es <emphasis>tats�chlich</emphasis> seltsam. Min und Elayne. Sollten sie nicht an Rands Seite sein? Elayne schien Berichte �ber Verluste und die Versorgung der Fl�chtlinge entgegenzunehmen, und Min sa� da und schaute gedankenverloren zum Shayol Ghul hinauf. Keine von ihnen ging hinein, um Rands Hand zu halten, w�hrend er sich dem Tod n�herte.</p><p><emphasis>Nun,</emphasis> dachte Loial, <emphasis>vielleicht ist Mat ja an mir vorbeigeschlichen und zur�ck nach Merrilor.</emphasis> Nie blieben sie an Ort und Stelle, diese Menschen. Immer so eilig��</p><empty-line/><p>Matrim Cauthon schlenderte in das seanchanische Lager auf der S�dseite von Merrilor, abseits der aufgeschichteten Toten.</p><p>�berall keuchten seanchanische M�nner und Frauen auf, schlugen die Hand vor den Mund. Er l�ftete den Hut vor ihnen.</p><p>�Der Prinz der Raben!� In ged�mpftem Tonfall eilte ihm das durch das Lager voraus, wanderte von einem Mund zum anderen wie die letzte Flasche Branntwein in einer kalten Nacht.</p><p>Er ging auf direktem Weg zu Tuon, die in der Lagermitte an einem gro�en Kartentisch stand und sich mit Selucia unterhielt. Karede hatte �berlebt, wie Mat sah. Vermutlich plagte den Mann deshalb ein schlechtes Gewissen.</p><p>Tuon sah zu Mat hoch und runzelte die Stirn. �Wo habt Ihr gesteckt?�</p><p>Mat hob den Arm, und Tuon sah zum Himmel auf, wo aber nichts zu sehen war. Mat fuhr herum und streckte die Hand noch h�her.</p><p>Hoch oben �ber dem Lager explodierten Nachtblumen.</p><p>Mat grinste. Es hatte eine gewisse M�he gekostet, Aludra dazu zu �berreden, obwohl�� so schlimm war es nun auch wieder nicht gewesen. Sie lie� so schrecklich gern Dinge explodieren.</p><p>Eigentlich war die Abendd�mmerung noch nicht richtig angebrochen, aber es war trotzdem ein gro�artiges Schauspiel. Aludra hatte die H�lfte der Drachenm�nner in der Herstellung von Feuerwerk ausgebildet. Sie schien nicht mehr ganz so geheimniskr�merisch darin zu sein wie einst.</p><p>Der L�rm des Schauspiels schlug �ber ihnen zusammen.</p><p>�Feuerwerk?�, fragte Tuon.</p><p>�Das verdammt beste Feuerwerk in der Geschichte meines Landes. Oder Eures�, verk�ndete Mat.</p><p>Tuon runzelte die Stirn. Die Explosionen spiegelten sich in ihren dunklen Augen wider. �Ich bin schwanger�, sagte sie. �Die Unheilseherin hat es best�tigt.�</p><p>Mat versp�rte einen Stich, als w�re das Feuerwerk in seinem Bauch losgegangen. Ein Erbe. Zweifellos ein Sohn! Wie standen die Chancen, dass es ein Sohn war? Er zwang sich zu einem Grinsen. �Nun, dann bin ich jetzt ja wohl vom Haken. Ihr habt einen Erben.�</p><p>�Ich habe einen Erben�, sagte Tuon, �aber ich bin hier diejenige, die von diesem �Haken� ist. Jetzt kann ich Euch hinrichten lassen, wenn ich will.�</p><p>Mats Grinsen wurde breiter. �Nun, wir werden sehen, worauf wir uns einigen k�nnen. Verratet mir, w�rfelt Ihr?�</p><empty-line/><p>Perrin setzte sich zwischen die Toten und fing endlich an zu weinen.</p><p><emphasis>Gai�shain</emphasis> in Wei� und Stadtfrauen suchten die Toten ab. Von Faile war keine Spur zu finden. Nicht die geringste.</p><p><emphasis>Ich kann nicht mehr.</emphasis> Wie lange war es jetzt her, dass er geschlafen hatte? Diese eine Nacht in Mayene. Sein K�rper protestierte, dass das bei Weitem nicht genug gewesen war. Lange davor hatte er sich ohne Unterlass angetrieben, hatte das Gegenst�ck zu Wochen im Wolfstraum verbracht.</p><p>Lord und Lady Bashere waren tot. H�tte Faile gelebt, w�re sie die K�nigin gewesen. Perrin zitterte am ganzen Leib, konnte sich aber zu keiner Bewegung �berwinden. Auf diesem Schlachtfeld lagen hunderttausend Tote. Die anderen Sucher ignorierten einen K�rper, wenn er kein Leben aufwies, markierten ihn und gingen weiter. Er hatte versucht, die Nachricht weiterzugeben, dass man nach Faile Ausschau halten solle, aber die Sucher mussten sich um die �berlebenden k�mmern.</p><p>Am dunkler werdenden Himmel explodierte Feuerwerk. Perrin begrub den Kopf in den H�nden, dann rutschte er zur Seite und brach zwischen den Leichen zusammen.</p><empty-line/><p>Das Schauspiel am Himmel lie� Moghedien zusammenzucken. Jede Explosion lie� sie wieder das t�dliche Feuer sehen, das die Sharaner zerfetzte. Das grell aufblitzende Licht, dieser Augenblick der Panik.</p><p>Und dann�� und dann die Dunkelheit. Einige Zeit sp�ter war sie wieder aufgewacht; man hatte sie zwischen den Leichen der Sharaner f�r tot gehalten zur�ckgelassen. Als sie wieder zu sich gekommen war, war sie �berall auf dem Schlachtfeld auf diese Narren gesto�en, die behaupteten, den Sieg davongetragen zu haben.</p><p><emphasis>Behaupten?,</emphasis> dachte sie und zuckte erneut zusammen, als die n�chsten B�ller explodierten. <emphasis>Der Gro�e Herr ist gefallen.</emphasis> Alles war verloren.</p><p>Nein. Nein. Sie ging weiter, zielbewusst, unverd�chtig. Sie hatte eine Arbeiterin erw�rgt und ihre Gestalt angenommen, hatte nur ein winziges bisschen Macht gelenkt und das Gewebe dann Umgedreht. Das sollte sie von diesem Ort entkommen lassen. Sie ging um Leichen herum, achtete nicht auf den Gestank in der Luft.</p><p>Nicht alles war verloren. Sie war noch am Leben. Und sie war eine der Auserw�hlten! Das bedeutete�� das bedeutete, dass sie eine Kaiserin unter Niederen war. Der Gro�e Herr war wieder eingekerkert, also konnte er sie nicht bestrafen. Und mit Sicherheit waren die meisten, wenn nicht sogar alle Auserw�hlten tot oder gefangen. Falls das stimmte, konnte niemand ihr Wissen �bertrumpfen.</p><p>Das w�rde vielleicht sogar in die Tat umzusetzen sein. Das konnte ein <emphasis>Sieg</emphasis> sein. Neben einem umgest�rzten Nachschubkarren blieb sie stehen, umklammerte ihr <emphasis>Cour�souvra</emphasis>�� gl�cklicherweise war es heil geblieben. Sie l�chelte breit, dann webte sie ein kleines Licht, um ihren Weg zu beleuchten.</p><p>Ja�� Man musste den freien Himmel sehen, nicht die Gewitterwolken. Sie konnte das zu ihrem Vorteil nutzen. Mal sehen�� in nur wenigen Jahren konnte sie die Welt beherrschen!</p><p>Etwas Kaltes schnappte um ihren Hals zu.</p><p>Entsetzt griff Moghedien danach, dann schrie sie auf. �Nein! <emphasis>Nicht noch einmal!</emphasis>� Ihre Verkleidung l�ste sich auf, und die Eine Macht floh sie.</p><p>Hinter ihr stand eine zufrieden aussehende <emphasis>Sul�dam</emphasis>. �Der Befehl lautete, dass wir keine von denen nehmen d�rfen, die sich selbst Aes Sedai nennen. Aber du, du tr�gst keinen ihrer Ringe, und du schleichst hier wie jemand herum, der etwas Falsches getan hat. Ich glaube nicht, dass man dich vermissen wird.�</p><p>�Mach mich sofort los!�, rief Moghedien, kratzte an dem <emphasis>A�dam</emphasis>. �Mach mich los, du���</p><p>Eine Woge des Schmerzes lie� sie zuckend zu Boden st�rzen.</p><p>�Ich hei�e Shanan�, sagte die <emphasis>Sul�dam</emphasis>, w�hrend eine andere Frau mit einer <emphasis>Damane</emphasis> im Schlepptau zu ihnen trat. �Aber du darfst mich Herrin nennen. Ich glaube, wir sollten schnell nach Ebou Dar zur�ckkehren.�</p><p>Ihre Gef�hrtin nickte, und die <emphasis>Damane</emphasis> �ffnete ein Wegetor.</p><p>Sie mussten Moghedien hineinschleifen.</p><empty-line/><p>Nynaeve trat aus dem Heilzelt am Shayol Ghul. Die Sonne war schon fast am Horizont versunken.</p><p>�Er ist tot�, fl�sterte sie der kleinen Menge zu, die dort drau�en versammelt stand.</p><p>Diese Worte auszusprechen f�hlte sich an, als w�rde sie sich einen Stein auf die F��e fallen lassen. Sie weinte nicht. Diese Tr�nen hatte sie bereits vergossen. Das bedeutete aber nicht, dass sie nicht am Boden zerst�rt war.</p><p>Lan verlie� hinter ihr das Zelt, legte einen Arm um ihre Schulter. Sie hob die Hand und schob sie in die seine. In der N�he blickten sich Min und Elayne an.</p><p>Gregorin fl�sterte Darlin etwas zu�� man hatte ihn halb tot in den Tr�mmern seines Zelts gefunden. Beide sahen die Frauen stirnrunzelnd an. Nynaeve bekam einen Teil von Gregorins Worten mit. ���erwartet, dass die Aiel-Wilde herzlos sein, vielleicht auch die K�nigin von Andor, aber die andere? Keine Tr�nen.�</p><p>�Sie sind wie bet�ubt�, erwiderte Darlin.</p><p><emphasis>Nein!,</emphasis> dachte Nynaeve. Sie musterte Min und Elayne. <emphasis>Die drei wissen etwas, das ich nicht wei�. Ich werde es aus ihnen herauspr�geln m�ssen.</emphasis></p><p>�Entschuldige mich�, sagte Nynaeve und l�ste sich von Lan.</p><p>Er folgte ihr.</p><p>Sie sah ihn mit hochgezogener Braue an.</p><p>�Du wirst mich in den n�chsten Wochen nicht los, Nynaeve�, sagte er, und Liebe str�mte durch ihren Bund. �Selbst wenn du es willst.�</p><p>�Sturer Ochse�, knurrte sie. �Wenn ich mich richtig erinnere, warst du derjenige, der darauf bestand, mich zu verlassen, damit du deinem angeblichen Schicksal allein entgegenmarschieren konntest.�</p><p>�Und du hattest damit recht�, erwiderte Lan. �Wie so oft.� Er sagte es so ruhig, dass es schwerfiel, auf ihn b�se zu sein.</p><p>Au�erdem waren es die Frauen, auf die sich ihr Zorn richtete. Sie w�hlte zuerst Aviendha und schlich begleitet von Lan an ihre Seite.</p><p>� da Rhuarc tot ist�, sagte Aviendha zu Sorilea und Bair, �glaube ich, dass es m�glich sein <emphasis>muss</emphasis>, das zu �ndern, was ich dort auch immer sah. Diese Ver�nderung hat bereits angefangen.�</p><p>�Ich habe deine Visionen gesehen, Aviendha�, sagte Bair. �Oder etwas Vergleichbares, durch andere Augen. Ich halte es f�r eine Warnung vor etwas, das wir nicht zulassen d�rfen.�</p><p>Die anderen beiden nickten, dann entdeckten sie Nynaeve und wurden so still wie Aes Sedai. Aviendha war genauso schlimm wie die anderen, wie sie da v�llig ruhig und beherrscht mit ihren verbundenen F��en auf ihrem Stuhl sa�. M�glicherweise konnte sie eines Tages wieder gehen, aber sie w�rde nie wieder k�mpfen k�nnen.</p><p>�Nynaeve al�Meara�, sagte Aviendha.</p><p>�Hast du nicht geh�rt, wie ich verk�ndete, dass Rand tot ist?�, verlangte Nynaeve zu wissen. �Er schlief einfach ein.�</p><p>�Der Verwundete ist aus dem Traum erwacht�, sagte Aviendha gleichm�tig. �Das m�ssen wir alle irgendwann. Sein Tod geschah bei einer gro�en Tat, und er wird geb�hrend gefeiert werden.�</p><p>Nynaeve beugte sich vor. �Also gut�, sagte sie bedrohlich und umarmte die Quelle. �Heraus damit. Ich w�hlte dich, weil du nicht vor mir weglaufen kannst.�</p><p>Einen winzigen Augenblick lang zeigte Aviendha so etwas wie Furcht. Blitzartig war es wieder verschwunden. �Lasst uns seinen Scheiterhaufen vorbereiten.�</p><empty-line/><p>Perrin rannte durch den Wolfstraum. Allein.</p><p>Andere W�lfe heulten ihr Mitgef�hl f�r seine Trauer heraus. Sie w�rden weiterfeiern, wenn er vorbei war, aber das machte ihre Empfindungen nicht weniger echt.</p><p>Er heulte nicht auf. Er schrie nicht. Er wurde zu Junger Bulle, und er lief.</p><p>Er wollte nicht hier sein. Er wollte den Schlaf, den richtigen Schlaf. Dort konnte er keinen Schmerz f�hlen. Hier schon.</p><p><emphasis>Ich h�tte sie nicht alleinlassen d�rfen.</emphasis></p><p>Der Gedanke eines Menschen. Warum schlich er sich hier ein?</p><p><emphasis>Aber was h�tte ich tun k�nnen? Ich habe versprochen, sie nicht wie etwas Zerbrechliches zu behandeln.</emphasis></p><p>Laufen. Schnell laufen. Laufen bis zur Ersch�pfung!</p><p><emphasis>Ich musste zu Rand. Ich</emphasis> musste<emphasis>. Aber damit lie� ich sie im Stich!</emphasis></p><p>Wie ein Blitz zu den Zwei Fl�ssen. Wieder zur�ck, den Fluss entlang. Zur W�ste, dann zur�ck, ein langer Lauf nach Falme.</p><p><emphasis>Wie konnte man von mir erwarten, sie beide zu halten und dann einen loszulassen?</emphasis></p><p>Nach Tear. Dann zu den Zwei Fl�ssen. Ein knurrender Schemen, der sich so schnell bewegte, wie er nur konnte. Hier. An dieser Stelle hatte er sie geheiratet.</p><p>Hier stie� er ein Heulen aus.</p><p>Caemlyn, Cairhien, die Brunnen von Dumai.</p><p>Hier hatte er den einen gerettet.</p><p>Cairhien, Ghealdan, Malden.</p><p>Hier hatte er die andere gerettet.</p><p>Zwei M�chte in seinem Leben. Jede hatte ihn angezogen. Schlie�lich brach Junger Bulle irgendwo in Andor vor ein paar H�geln zusammen. Ein vertrauter Ort.</p><p><emphasis>Der Ort, an dem ich Elyas kennenlernte.</emphasis></p><p>Er wurde wieder zu Perrin. Seine Gedanken waren keine Wolfsgedanken mehr, seine Sorgen keine Wolfssorgen. Er starrte zu einem Himmel hinauf, an dem jetzt, nach Rands Opfer, nicht eine Wolke mehr zu sehen war. Er hatte bei seinem Freund sein wollen, als er starb.</p><p>Dieses Mal w�rde er bei Faile sein, wo sie gestorben war.</p><p>Er wollte schreien, aber das w�rde nichts n�tzen. �Ich muss loslassen, nicht wahr?�, fl�sterte er dem Himmel zu. �Licht! Ich will aber nicht. Ich habe gelernt. Ich habe von Malden gelernt. Ich tat es nicht noch einmal! Dieses Mal tat ich das, was man von mir erwartete.�</p><p>In der N�he kr�chzte ein Vogel am Himmel. W�lfe heulten. Jagten.</p><p>�Ich lernte���</p><p>Ein Vogelruf.</p><p>Er klang wie ein Falke.</p><p>Perrin sprang auf die F��e, fuhr herum. Da. Er verschwand und erschien sofort auf einem offenen Feld, das ihm unbekannt war. Nein, er kannte dieses Feld. Er kannte es! Das war Merrilor, blo� ohne Blut, ohne zu Schlamm zertretenes Gras, ohne das zerst�rte und aufgew�hlte Gel�nde.</p><p>Hier fand er einen winzigen Falken von der Gr��e seiner Hand, der leise mit einem gebrochenen Bein fiepte, das unter einem Stein festklemmte. Sein Herzschlag war schwach.</p><p>Perrin br�llte auf, als er erwachte, krallte sich seinen Weg aus dem Wolfstraum. Er stand auf dem Leichenfeld und schrie in den Nachthimmel. In der N�he rannten Sucher von Entsetzen ergriffen auseinander.</p><p>Wo? Wie sollte er diese Stelle in der Dunkelheit finden? Er rannte los, stolperte �ber Leichen, durch von Drachen oder Machtlenkern verursachte Erdl�cher. Er hielt an, schaute in die eine Richtung, dann in die andere. Wo? <emphasis>Wo!</emphasis></p><p>Blumige Seife. Ein Hauch von Parf�m in der Luft. Perrin rannte darauf zu, warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen den Kadaver eines gewaltigen Trollocs, der beinahe brusthoch auf anderen Kadavern lag. Darunter fand er ein totes Pferd. Ohne weiter dar�ber nachzudenken oder sich dar�ber im Klaren zu sein, welche Kraft daf�r n�tig war, zerrte er das Pferd zur Seite.</p><p>Darunter lag Faile blut�berstr�mt in einem kleinen Erdloch und atmete flach. Perrin schrie auf, fiel auf die Knie, nahm sie in die Arme, atmete ihren Duft ein.</p><p>Er brauchte nur zwei Herzschl�ge, um sich in den Wolfstraum zu <emphasis>versetzen</emphasis>, Faile zu Nynaeve weit im Norden zu bringen und wieder aus ihm herauszutreten. Sekunden sp�ter f�hlte er, wie sie in seinen Armen Geheilt wurde, und er war nicht bereit, sie selbst daf�r loszulassen.</p><p>Faile, sein Falkenweibchen, zitterte am ganzen Leib. Dann schlug sie die Augen auf und l�chelte ihn an.</p><empty-line/><p>Die anderen Helden waren gegangen. Birgitte blieb, als der Abend hereinbrach. In der N�he schichteten Soldaten Rand al�Thors Scheiterhaufen auf.</p><p>Birgitte konnte nicht mehr lange bleiben, aber im Augenblick�� ja, das ging. Noch einen kurzen Augenblick. Das Muster w�rde es erlauben.</p><p>�Elayne?�, sagte sie. �Wei�t du etwas? �ber den Drachen?�</p><p>Im schwindenden Licht zuckte Elayne mit den Schultern. Die beiden standen hinten in der Menge, die sich versammelt hatte, um dabei zuzusehen, wie der Scheiterhaufen des Wiedergeborenen Drachen entz�ndet wurde.</p><p>�Ich wei�, was du vorhast�, sagte sie zu Elayne. �Mit dem Horn.�</p><p>�Und was habe ich vor?�</p><p>�Es zu behalten�, sagte Birgitte. �Und den Jungen. Es als andoranischen Schatz zu behalten, vielleicht als Waffe der Nation.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Birgitte l�chelte. �Dann ist es ja gut, dass ich ihn fortgeschickt habe.�</p><p>Elayne wandte sich ihr zu und ignorierte die Vorbereitungen an Rands Scheiterhaufen. �Du hast was?�</p><p>�Ich schickte Olver fort�, sagte Birgitte. �Mit Leibw�chtern, denen ich vertraue. Ich habe Olver gesagt, er soll einen Ort finden, wo niemand suchen w�rde, einen Ort, den er wieder vergessen kann, und das Horn dort hineinwerfen. Vorzugsweise auf dem Ozean.�</p><p>Elayne atmete leise aus, dann wandte sie sich wieder dem Scheiterhaufen zu. �Unertr�gliche Frau.� Sie z�gerte. �Danke, dass du mir diese Entscheidung abgenommen hast.�</p><p>�Ich dachte mir, dass du es so siehst.� Tats�chlich hatte Birgitte angenommen, dass es lange Zeit dauern w�rde, bevor Elayne verstand. Aber Elayne war in den letzten Wochen gewachsen. �Davon abgesehen muss ich alles andere als unertr�glich sein, da es dir in den vergangenen Monaten nicht schwergefallen ist, mich zu ertragen.�</p><p>Elayne wandte sich ihr wieder zu. �Das klingt wie ein Abschied.�</p><p>Birgitte l�chelte. Manchmal konnte sie es f�hlen, wenn es kam. �Das ist es.�</p><p>Elayne sah traurig aus. �Muss es sein?�</p><p>�Ich werde wiedergeboren, Elayne�, fl�sterte Birgitte. �Jetzt. Irgendwo liegt eine Frau in den Wehen, und ich werde in diesen K�rper schl�pfen. Es geschieht.�</p><p>�Ich will dich nicht verlieren.�</p><p>Birgitte kicherte. �Nun ja, vielleicht begegnen wir uns ja wieder. Aber jetzt freu dich f�r mich. Das bedeutet, dass der Zyklus fortgef�hrt wird. Ich werde wieder mit ihm vereint werden. Gaidal�� Ich werde blo� ein paar Jahre j�nger als er sein.�</p><p>Elayne umarmte sie mit Tr�nen in den Augen. �Liebe und Frieden, Birgitte. Ich danke dir.�</p><p>Birgitte l�chelte, dann schloss sie die Augen und lie� sich davontreiben.</p><empty-line/><p>Als sich der Abend auf das Land legte, lie� Tam den Blick �ber den Ort schweifen, der einst der gef�rchtetste Ort von allen gewesen war. Shayol Ghul. Das letzte Flackern des Tageslichts zeigte das hier wachsende Gr�n, bl�hende Blumen, Gras, das an herumliegenden Waffen vorbei und �ber Leichen spross.</p><p><emphasis>Ist das dein Geschenk an uns, mein Sohn?,</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Ein letztes Geschenk?</emphasis></p><p>Tam entz�ndete seine Fackel an der kleinen, flackernden Flamme, die in der N�he in einer Feuergrube prasselte. Er setzte sich in Bewegung, ging an den Reihen aus all jenen vorbei, die in der Nacht standen. Sie hatten nicht vielen von Rands Bestattungszeremonie erz�hlt. Jeder h�tte kommen wollen. Vielleicht h�tten es auch alle verdient. Die Aes Sedai planten eine aufwendige Gedenkfeier f�r Egwene. Tam zog f�r seinen Sohn ein stilles Gedenken vor.</p><p>Rand konnte endlich ruhen.</p><p>Er ging an Leuten vorbei, die dort mit gesenkten K�pfen standen. Niemand au�er Tam hielt ein Licht. Die anderen warteten in der Dunkelheit, eine kleine Menge von vielleicht zweihundert Leuten, die den Scheiterhaufen umringten. Tams Fackel warf flackerndes rotes Licht in ernste Gesichter.</p><p>Am Abend fiel es selbst mit seiner Fackel schwer, Aiel von Aes Sedai und M�nner aus den Zwei Fl�ssen vom K�nig von Tear zu unterscheiden. Sie alle waren Umrisse in der Dunkelheit, die dem toten Wiedergeborenen Drachen salutierten.</p><p>Tam erreichte den Scheiterhaufen und stellte sich vor Thom und Moiraine, die sich mit ernsten Gesichtern bei den H�nden hielten. Moiraine dr�ckte sanft Tams Arm. Tam sah den Leichnam an, blickte im Licht des Feuers in das Gesicht seines Sohnes. Er wischte sich die Tr�nen nicht ab.</p><p><emphasis>Das hast du gut gemacht. Mein Junge�� das hast du so gut gemacht.</emphasis></p><p>Mit and�chtiger Hand entz�ndete er den Scheiterhaufen.</p><empty-line/><p>Min stand vorn in der Menge. Sie sah zu, wie Tam mit gebeugten Schultern sein Haupt vor den Flammen senkte. Schlie�lich trat der Mann zur�ck und gesellte sich zu den Leuten aus den Zwei Fl�ssen. Abell Cauthon umarmte ihn und fl�sterte seinem Freund leise etwas zu.</p><p>K�pfe wandten sich Min, Aviendha und Elayne zu, Schatten in der Nacht. Sie erwarteten etwas von ihnen. Irgendein Schauspiel.</p><p>Ernst trat Min zusammen mit den beiden anderen vor; Aviendha ben�tigte beim Gehen die Hilfe von zwei T�chtern, vermochte aber allein zu stehen, solange sie sich auf Elayne st�tzte. Die T�chter zogen sich zur�ck, um die drei Frauen vor dem Scheiterhaufen allein zu lassen. Elayne und Min standen an Aviendhas Seite und sahen zu, wie die tosenden Flammen Rands Leichnam verschlangen.</p><p>�Ich sah das in einer Vision�, sagte Min. �Als ich ihm das erste Mal begegnete, wusste ich, dass dieser Tag kommt. Wir drei, hier, zusammen.�</p><p>Elayne nickte. �Und nun?�</p><p>�Nun���, sagte Aviendha. �Nun sorgen wir daf�r, dass jeder ohne auch nur den Hauch eines Zweifels glaubt, dass er tot ist.�</p><p>Min nickte und f�hlte den Bund im Hinterkopf pulsieren. Jeden Augenblick gewann er an Kraft.</p><empty-line/><p>Rand al�Thor ��jetzt nur noch Rand al�Thor�� erwachte in einem beinahe dunklen Zelt. Jemand hatte eine brennende Kerze neben seiner Pritsche zur�ckgelassen.</p><p>Er atmete tief ein und streckte sich. Er f�hlte sich, als h�tte er lange und tief geschlafen. H�tte er nicht Schmerzen haben m�ssen? Steif sein m�ssen? Nichts davon war zu sp�ren.</p><p>Er griff nach der Seite und f�hlte dort keine Wunden. Keine Wunden. Zum ersten Mal seit Jahren <emphasis>fehlten</emphasis> die Schmerzen. Im ersten Moment wusste er nicht einmal, was er davon halten sollte.</p><p>Dann schaute er nach unten und sah, dass die Hand, die seine Seite abtastete, <emphasis>seine</emphasis> linke Hand war. Er lachte und hielt sie vors Gesicht. <emphasis>Ein Spiegel,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich brauche einen Spiegel.</emphasis></p><p>Hinter der Zeltplane, die den Raum teilte, fand er einen. Offensichtlich hatte man ihn v�llig allein gelassen. Die Kerze in die H�he haltend, schaute er in den kleinen Spiegel. Moridins Gesicht blickte ihm entgegen.</p><p>Rand betastete sein Gesicht. In seinem rechten Auge hing ein einzelnes schwarzes <emphasis>Saa</emphasis> in Form eines Drachenzahns. Es bewegte sich nicht.</p><p>Rand holte tief Luft und eilte zur�ck in den kleinen Raum, in dem er erwacht war. Auf einem ordentlich zusammengefalteten Stapel aus verschiedenen Kleidungsst�cken lag Lamans Schwert. Anscheinend hatte Alivia nicht gewusst, welche Kleidung er bevorzugte. Nat�rlich war sie es gewesen, die diese Sachen besorgt hatte, zusammen mit einem Beutel voller M�nzen aus allen m�glichen Nationen. Sie hatte sich nie sehr f�r Kleidung oder Geld interessiert, aber sie hatte gewusst, dass er beides brauchte.</p><p><emphasis>Sie wird dir helfen zu sterben.</emphasis> Rand sch�ttelte den Kopf, zog sich an, nahm M�nzen und Schwert und schl�pfte aus dem Zelt. Nicht weit entfernt hatte jemand ein gutes Pferd angebunden, einen gescheckten Wallach. Der kam genau richtig. Vom Wiedergeborenen Drachen zum Pferdedieb. Er musste leise kichern. Es w�rde ohne Sattel gehen m�ssen.</p><p>Dann z�gerte er. In der N�he sangen Menschen in der Dunkelheit. Das hier war der Shayol Ghul, aber er war ganz anders, als er ihn in Erinnerung hatte. Ein bl�hender Shayol Ghul voller Leben.</p><p>Das Lied, das gesungen wurde, war ein Begr�bnislied aus den Grenzlanden. Rand f�hrte das Pferd durch die Nacht ein St�ck n�her heran. Er sp�hte zwischen den Zelten vorbei zu einer Stelle, an der drei Frauen vor einem Scheiterhaufen standen.</p><p><emphasis>Moridin,</emphasis> dachte er. <emphasis>Er wird mit allen Ehren als der Wiedergeborene Drache einge�schert.</emphasis></p><p>Rand wich zur�ck, schwang sich auf den Schecken, um loszureiten. Dabei fiel sein Blick auf eine Gestalt, die ein St�ck abseits vom Scheiterhaufen stand. Eine einzelne Gestalt, die in seine Richtung sah, w�hrend alle anderen Blicke abgewandt waren.</p><p>Cadsuane. Sie musterte ihn von oben bis unten, und in ihren Augen spiegelte sich das Licht von Rands Scheiterhaufen. Rand nickte, wartete einen Moment, dann zog er das Pferd herum und ritt los.</p><empty-line/><p>Cadsuane sah ihm hinterher.</p><p><emphasis>Seltsam,</emphasis> dachte sie. Diese Augen hatten ihren Verdacht best�tigt. Dieses Wissen w�rde ihr sehr n�tzlich sein. Und darum bestand auch keine Veranlassung mehr, an diesem l�cherlichen Schauspiel teilzunehmen.</p><p>Sie wandte sich ab, w�hlte einen Weg zwischen den Zelten und lief direkt in einen Hinterhalt.</p><p>�Saerin�, sagte sie, als sich die Frauen um sie scharten und sie begleiteten. �Yukiri, Lyrelle, Rubinde. Was hat das zu bedeuten?�</p><p>�Wir ben�tigen der F�hrung�, sagte Rubinde.</p><p>�F�hrung?� Cadsuane schnaubte. �Fragt die neue Amyrlin, sobald ihr eine arme Frau gefunden habt, der ihr diese Stellung aufb�rden k�nnt.�</p><p>Die Frauen wichen keinen Schritt von ihrer Seite.</p><p>Als Cadsuane endlich begriff, blieb sie wie angewurzelt stehen.</p><p>�Ach, <emphasis>Blut und Asche</emphasis>, nein!�, rief sie aus und fuhr zu ihnen herum. �Nein, nein und nochmals <emphasis>nein</emphasis>.�</p><p>Die Frauen l�chelten auf beinahe raubtierhafte Weise.</p><p>�Ihr habt dem Wiedergeborenen Drachen stets auf so vortreffliche Weise erkl�rt, was Verantwortung ist�, sagte Yukiri.</p><p>�Ihr habt immer davon gesprochen, dass die Frauen dieses Zeitalters einer besseren Ausbildung bed�rfen�, f�gte Saerin hinzu.</p><p>�Das ist ein neues Zeitalter�, sagte Lyrelle. �Vor uns liegen so viele Herausforderungen�� und wir brauchen dringend eine starke Amyrlin, die uns anf�hrt.�</p><p>Cadsuane schloss die Augen und st�hnte.</p><empty-line/><p>Rand atmete erleichtert auf, als er Cadsuane zur�cklie�. Sie schlug keinen Alarm, obwohl sie ihn nicht aus den Augen gelassen hatte, w�hrend er das Pferd antrieb. Ein Blick �ber die Schulter verriet ihm, dass sie mit ein paar anderen Aes Sedai fortging.</p><p>Sie bereitete ihm gro�e Sorgen; vermutlich ahnte sie etwas, von dem er w�nschte, dass sie es nicht tat. Allerdings war das noch immer besser, als Alarm zu schlagen.</p><p>Seufzend klopfte er seine Taschen ab und entdeckte eine Pfeife. <emphasis>Daf�r danke ich dir, Alivia,</emphasis> dachte er und stopfte sie mit dem Tabak aus einem Beutel, den er in der anderen Tasche fand. Instinktiv griff er nach der Einen Macht, um sie zu entz�nden.</p><p>Aber da war nichts. Kein <emphasis>Saidin</emphasis> in der Leere, nichts. Er stutzte, dann l�chelte er und versp�rte grenzenlose Erleichterung. Er konnte die Macht nicht lenken. Nur um sicher zu sein, griff er z�gernd nach der Wahren Macht. Auch da war nichts.</p><p>Er betrachtete seine Pfeife und ritt eine kleine Steigung zur Seite von Thakan�dar hinauf, auf der nun Pflanzen wucherten. Es gab keine M�glichkeit, die Pfeife anzuz�nden. Einen Augenblick lang betrachtete er den Tabak in der Dunkelheit, dann <emphasis>stellte er sich einfach vor</emphasis>, wie man die Pfeife anz�ndete. Und sie brannte.</p><p>Rand l�chelte und wandte sich nach S�den. Er warf noch einen Blick �ber die Schulter. Die drei Frauen vor dem Scheiterhaufen hatten sich umgedreht und blickten genau in seine Richtung. Im Licht des brennenden Leichnams konnte er sie deutlich erkennen.</p><p><emphasis>Ich frage mich, welche von ihnen mir folgt,</emphasis> dachte er, und sein L�cheln wurde breiter. <emphasis>Rand al�Thor, du bist mittlerweile ganz sch�n von dir eingenommen, nicht wahr? Einfach davon auszugehen, dass dir eine oder sogar mehrere folgen.</emphasis></p><p>Vielleicht w�rde ja auch gar keine kommen. Vielleicht auch sie alle, wenn jede von ihnen so weit war. Er musste kichern.</p><p>Welche w�rde er w�hlen? Min� aber nein, Aviendha verlassen? Elayne. Nein. Er lachte. Eine Wahl zu treffen war unm�glich. Drei Frauen liebten ihn, und er vermochte nicht zu sagen, wer ihm am liebsten folgen sollte. Jede von ihnen. Sie alle. <emphasis>Beim Licht, Mann. Du bist hoffnungslos. Hoffnungslos in alle drei verliebt, und einen Ausweg aus diesem Schlamassel gibt es nicht.</emphasis></p><p>Er stie� dem Pferd die Fersen in die Flanken und lie� es schneller traben, weiter in Richtung S�den. Er hatte eine gef�llte Geldb�rse, ein gutes Pferd und ein solides Schwert. Lamans Schwert, was ein besseres Schwert war, als er je gewollt h�tte. M�glicherweise w�rde es Aufmerksamkeit erregen. Es war ein echtes Reiherschwert mit einer ausgezeichneten Klinge.</p><p>Ob Alivia �berhaupt klar gewesen war, wie viel Geld sie ihm besorgt hatte? Sie hatte keine Ahnung von M�nzen. Vermutlich hatte sie sie irgendwo gestohlen, also war er nicht nur ein Pferdedieb. Nun, er hatte ihr befohlen, ihm etwas Gold zu besorgen, und das hatte sie getan. Mit dem, was er da bei sich trug, konnte er in den Zwei Fl�ssen einen ganzen Bauernhof kaufen.</p><p>Nach S�den. Osten oder Westen w�rden es auch tun, aber er wollte fort von allem, und zwar richtig. Zuerst nach S�den, dann vielleicht nach Westen, die K�ste entlang. Vielleicht fand er ja ein Schiff? So viel von der Welt hatte er noch nicht gesehen. Er hatte ein paar Schlachten erlebt, war in ein gewaltiges Spiel der H�user verwickelt worden. Es hatte viele Dinge gegeben, mit denen er �berhaupt nichts zu tun haben wollte. Er kannte den Bauernhof seines Vaters. Und Pal�ste. Er hatte so viele Pal�ste kennengelernt.</p><p>Aber er hatte nie die n�tige Zeit gehabt, sich die Welt einmal richtig anzusehen. <emphasis>Das wird eine ganz neue Erfahrung.</emphasis> Einfach zu reisen, ohne verfolgt zu werden oder hier und dort herrschen zu m�ssen. Einfach zu reisen und in einer Scheune schlafen zu k�nnen, als Bezahlung f�r etwas Holzhacken. Er sann dar�ber nach, lachte wieder fr�hlich, ritt weiter nach S�den und rauchte seine verr�ckte Pfeife. Dabei erhob sich ein Wind um ihn, um den Mann, den man alles M�gliche genannt hatte�� Lord, Wiedergeborener Drache, K�nig, M�rder, Geliebter und Freund.</p><p>Der Wind stieg ungehindert in die H�he und weiter hinauf in den offenen, wolkenlosen Himmel. Er strich �ber eine verw�stete Landschaft, die mit noch nicht bestatteten Toten �bers�t war. Eine Landschaft, in der zugleich �berall gefeiert wurde. Er kitzelte die �ste von B�umen, die endlich Knospen ausbildeten.</p><p>Der Wind wandte sich nach S�den, wehte durch dichte W�lder und �ber schimmernde Ebenen, hielt auf unerforschte L�nder zu. Der Wind war nicht das Ende. Es gibt bei der Drehung des Rades der Zeit kein Ende, und es wird auch niemals ein Ende geben.</p><p>Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Ende.</p><empty-line/><cite><p>Und es geschah in jenen Tagen, so wie es schon zuvor geschehen ist und wieder geschehen wird, dass die Finsternis schwer auf dem Land lastete und die Herzen der Menschen tief bedr�ckte. Und alles Gr�n welkte dahin, und die Hoffnung starb. Und alle Menschen riefen verzweifelt den Sch�pfer an und sagten: O Licht des Himmels, Licht der Welt, lass den uns Versprochenen auf den Bergh�ngen geboren werden, so wie es die Prophezeiungen verk�nden, so wie er in l�ngst vergangenen Zeitaltern geboren wurde und in zuk�nftigen Zeitaltern geboren werden wird. Lass den Prinz des Morgens zum Land singen, damit das Gr�n wieder w�chst und in den T�lern L�mmer geboren werden. Lass den Arm des Herrn der Morgend�mmerung uns vor der Finsternis besch�tzen und das gro�e Schwert der Gerechtigkeit uns verteidigen. Lass den Drachen wieder auf dem Wind der Zeit reiten.</p><text-author>� Aus <emphasis>Charal Drianaan te Calamon</emphasis>,</text-author><text-author>Der Zyklus des Drachen.</text-author><text-author>Unbekannter Autor aus dem Vierten Zeitalter</text-author></cite><empty-line/><cite><p>Er kam wie der Wind, ber�hrte alles wie der Wind und verschwand auch wieder wie der Wind.</p><text-author>� Aus <emphasis>Der Wiedergeborene Drache</emphasis>.</text-author><text-author>Von Loial, Sohn von Arent, Sohn von Halan,</text-author><text-author>aus dem Vierten Zeitalter</text-author></cite></section><section><title><p>GLOSSAR</p></title><subtitle>Vorbemerkung zur Datierung</subtitle><p>Der Tomanische Kalender (von Toma dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre nach der Zerst�rung der Welt (NZ). Da aber die Jahre der Zerst�rung und die darauffolgenden Jahre �ber fast totales Chaos herrschte und dieser Kalender erst gut hundert Jahre nach dem Ende der Zerst�rung eingef�hrt wurde, hat man seinen Beginn v�llig willk�rlich gew�hlt. Am Ende der Trolloc-Kriege waren so viele Aufzeichnungen vernichtet worden, dass man sich stritt, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung man sich �berhaupt befand. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der am Ende dieser Kriege einsetzte und die (scheinbare) Erl�sung der Welt von der Bedrohung durch Trollocs feierte. In diesem zweiten Kalender erschien jedes Jahr als sogenanntes Freies Jahr (FJ). Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der Gazareische Kalender weitgehend Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG = Von der Gr�ndung an), aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges entstand ein vierter Kalender durch Uren din Jubai Fliegende M�we, einem Gelehrten der Meerleute, und wurde von dem Panarchen Farede von Tarabon weiterverbreitet. Dieser Farede-Kalender z�hlt die Jahre der Neuen �ra (N�) von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Krieges an und ist w�hrend der geschilderten Ereignisse in Gebrauch.</p><empty-line/><p><strong>Aelfinn:</strong> Eine Rasse von Wesen, die gr��tenteils menschlich aussehen, aber auch schlangen�hnliche Z�ge haben. Sie beantworten drei Fragen wahrheitsgem��. Wie auch immer die Frage lautet, ihre Antworten sind stets korrekt, werden aber h�ufig so formuliert, dass sie nicht eindeutig verst�ndlich sind. Fragen �ber den Schatten k�nnen au�erordentlich gef�hrlich sein. Ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist unbekannt, aber man kann sie mithilfe eines <emphasis>Ter�angreals</emphasis> besuchen, das sich einst in Mayene befand, seit einigen Jahren aber im Stein von Tear steht. Berichten zufolge kann man sie auch durch den Turm von Ghenjei erreichen. Sie sprechen die Alte Sprache, erw�hnen Vertr�ge und Abmachungen und fragen jeden Besucher, ob er Eisen, Musikinstrumente oder Ger�tschaften zum Feuermachen bei sich tr�gt (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Eelfinn, Schlangen und F�chse).</p><p><strong>Arad Doman:</strong> Eine Nation am Aryth-Meer, die zurzeit vom B�rgerkrieg und den K�mpfen gegen die Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen zerrissen wird. Die Hauptstadt ist Bandar Eban und wurde zum Sammelpunkt f�r Fl�chtlinge. Nahrung ist knapp. In Arad Doman nennt man die Nachkommen des Adels, der seine Herkunft auf die Zeit der Gr�ndung der Nation zur�ckf�hren kann, die Blutgeborenen�� im Gegensatz zu jenen, die erst sp�ter in den Adelsstand erhoben wurden. Der Herrscher (ein K�nig oder eine K�nigin) wird von einem Rat der Kaufleute erw�hlt, der sich aus den Vorsitzenden der Kaufmannsgilden�� in der Hauptsache Frauen�� zusammensetzt. Er oder sie muss von adligem Blut und darf kein Kaufmann sein, die Person wird auf Lebenszeit gew�hlt. Der K�nig oder die K�nigin verf�gt �ber die absolute Autorit�t, kann aber durch eine Abstimmung des Rates abgesetzt werden; dazu ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Der derzeitige Herrscher ist K�nig Alsalam Saeed Almadar, Lord von Almadar, der Hohe Herrscher von Haus Almadar.</p><p><strong>Asha�man:</strong> (1) In der Alten Sprache �W�chter�, immer ein W�chter von Gerechtigkeit und Wahrheit. (2) Die Bezeichnung der M�nner�� sowohl allgemein als auch im Sinne eines Ranges��, die zur Schwarzen Burg in der N�he von Caemlyn in Andor gezogen sind, um dort den Gebrauch der Einen Macht zu erlernen. Ihre Ausbildung konzentriert sich auf die M�glichkeiten, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Sobald sie gelernt haben, <emphasis>Saidin</emphasis>, die m�nnliche H�lfte der Macht, zu ergreifen, wird von ihnen verlangt�� eine weitere Abweichung von den Gepflogenheiten der Wei�en Burg��, alle m�hevollen Arbeiten mithilfe der Macht zu erledigen. Ein neu aufgenommener Rekrut wird Soldat genannt; er tr�gt einen schlichten schwarzen Mantel mit einem hohen Kragen nach der andoranischen Mode. Mit der Bef�rderung zum Geweihten erh�lt er das Recht, eine als Schwert bezeichnete silberne Anstecknadel am Mantelkragen zu tragen. Die Bef�rderung zum Asha�man beinhaltet das Recht, auf der dem Schwert gegen�berliegenden Kragenseite die aus Gold und roter Emaille bestehende Anstecknadel in Form eines Drachen zu tragen. Obwohl viele Frauen�� einschlie�lich der Ehefrauen�� die Flucht ergreifen, wenn sie erfahren, dass ihr Mann die Macht lenken kann, sind eine stattliche Anzahl der M�nner aus der Schwarzen Burg verheiratet, und sie benutzen eine Abart des Beh�terbundes, um eine Verbindung zu ihren Frauen herzustellen. Dieser Bund wurde k�rzlich so modifiziert, dass er Gehorsam erzwingt, und dazu benutzt, gefangene Aes Sedai gef�gig zu machen. Einige Aes Sedai sind auch mit Asha�man den Bund eingegangen, allerdings handelt es hier um den traditionellen Beh�terbund. Anf�hrer der Asha�man ist Mazrim Taim, der sich selbst die Bezeichnung M�Hael verliehen hat, was in der Alten Sprache �F�hrer� bedeutet.</p><p><strong>Avendesora:</strong> In der Alten Sprache der Baum des Lebens. Er befindet sich in Rhuidean.</p><p><strong>Balwer, Sebban:</strong> Einst arbeitete er als Pedron Nialls Sekret�r, war aber in Wirklichkeit sein Spionmeister. In Amador verhalf er Morgase aus ureigenen Gr�nden zur Flucht. Jetzt ist er der Sekret�r von Perrin t�Bashere Aybara und Faile ni Bashere t�Aybara. Seine Pflichten wuchsen; nun dirigiert er die Aktivit�ten der <emphasis>Cha Faile</emphasis> und fungiert als Perrins Spionmeister, auch wenn Perrin das anders sieht (<emphasis>siehe auch: Cha Faile</emphasis>).</p><p><strong>Bande der Roten Hand: siehe Shen an Calhar.</strong></p><p><strong>Blutmesser:</strong> Eliteabteilung des seanchanischen Milit�rs. Jedes Mitglied verf�gt �ber ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis>, das St�rke und Schnelligkeit erh�ht und den Tr�ger in Dunkelheit h�llt. Ein Tropfen Blut des Blutmessers aktiviert das <emphasis>Ter�angreal</emphasis>; danach saugt es dem Tr�ger langsam die Lebenskraft aus. Innerhalb weniger Tage erfolgt der Tod.</p><p><strong>Callandor:</strong> �Das Schwert, das kein Schwert ist� oder �Das unber�hrbare Schwert�. Das Kristallschwert, das im Stein von Tear aufbewahrt wurde, ist ein m�chtiges <emphasis>Sa�angreal</emphasis>, das von m�nnlichen Machtlenkern benutzt wird. Es weist bekannte Fehler auf: ihm fehlt der Puffer, der die Benutzung eines <emphasis>Sa�angreals</emphasis> sicher macht, und verst�rkt den Makel. Vermutlich gibt es noch andere Fehler.</p><p><strong>Cha Faile:</strong> (1) In der Alten Sprache �die Krallen des Falken�. (2) Von jungen Cairhienern und Tairenern angenommener Name, die dem <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> folgen und Faile ni Bashere t�Aybara die Treue schworen. Insgeheim handeln sie als ihre pers�nlichen Kundschafter und Spione. W�hrend ihrer Gefangenschaft bei den Shaido f�hrten sie ihre Aktivit�ten unter der F�hrung von Sebban Balwer fort (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Balwer, Sebban).</p><p><strong>Charin, Jain: siehe</strong> Fernstreicher, Jain.</p><p><strong>Cuendillar:</strong> Eine angeblich unzerst�rbare Substanz, die w�hrend des Zeitalters der Legenden erschaffen wurde. Jede bekannte Kraft, die dazu benutzt wird, <emphasis>Cuendillar</emphasis> zu zerst�ren, wird davon absorbiert und macht sie st�rker, einschlie�lich der Einen Macht. Die Kunst der Herstellung galt als verloren, aber es sind neue Gegenst�nde aus dem Material aufgetaucht. Auch als Herzstein bekannt.</p><p><strong>Da�covale:</strong> (1) In der Alten Sprache bezeichnet man damit eine Person, die einer anderen geh�rt oder ihr �Besitz� ist. (2) Bei den Seanchanern wird dieser Begriff h�ufig f�r Besitzt�mer und Sklaven benutzt. In Seanchan hat die Sklaverei eine lange und ungew�hnliche Geschichte, da Sklaven die M�glichkeit haben, zu Positionen mit gro�er Macht und �ffentlicher Autorit�t aufzusteigen, darunter auch solche, wo sie �ber freie B�rger bestimmen. Es ist allerdings auch m�glich, dass hochgestellte Personen zu <emphasis>Da�covale</emphasis> gemacht werden (<emphasis>siehe auch: So�jhin</emphasis>).</p><p><strong>Der�morat:</strong> (1) In der Alten Sprache �Meisterbezwinger�. (2) Bezeichnung der Seanchaner f�r einen Tierb�ndiger und Ausbilder von Exoten beziehungsweise f�r jeden Ausbilder, wobei der Suffix einen langj�hrigen und f�higen Meister bezeichnet, so wie z.�B. in <emphasis>Der�morat�raken</emphasis>. <emphasis>Der�morat</emphasis> k�nnen eine hohe soziale Stellung erreichen; der h�chste ist der <emphasis>Der�sul�dam</emphasis>, die Ausbilder der <emphasis>Sul�dam</emphasis>, die mit ziemlich hohen Armeeoffizieren gleichzusetzen sind (<emphasis>siehe auch: Morat</emphasis>).</p><p><strong>Drachen:</strong> Eine m�chtige neue Waffe, die Explosivgeschosse �ber gro�e Distanzen schie�en und dem Feind gro�en Schaden zuf�gen kann.</p><p><strong>Dracheneier:</strong> Bezeichnung f�r Explosivgeschosse, die von Drachen abgefeuert werden.</p><p><strong>Eelfinn:</strong> Eine Rasse von Wesen, die gr��tenteils menschlich aussehen, aber auch fuchs�hnliche Z�ge haben. Sie erf�llen drei W�nsche, allerdings verlangen sie als Gegenleistung einen Preis. Wenn der Bittsteller keinen Preis aushandelt, legen die Eelfinn ihn fest. F�r gew�hnlich ist das unter diesen Umst�nden der Tod. Aber sie halten ihren Teil des Handels ein, auch wenn die Art und Weise, wie sie die W�nsche erf�llen, nur selten den Erwartungen des Bittstellers entsprechen. Ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist unbekannt, aber man kann sie mithilfe eines <emphasis>Ter�angreals</emphasis> besuchen, das sich in Rhuidean befand. Dieses <emphasis>Ter�angreal</emphasis> wurde von Moiraine Damodred nach Cairhien geschafft, wo es zerst�rt wurde. Berichten zufolge kann man sie auch durch den Turm von Ghenjei erreichen. Sie stellen die gleichen Fragen wie die Aelfinn, was Eisen, Musikinstrumente oder Ger�tschaften zum Feuermachen betrifft (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Aelfinn).</p><p><strong>Erste Auserw�hlende:</strong> Titel der Anf�hrerin der Blauen Ajah. Zurzeit ist unbekannt, wer diese Position bekleidet, allerdings gibt es Grund zur Annahme, dass es Lelaine Akashi ist.</p><p><strong>Erste Denkerin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Wei�en Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Ferane Neheran bekleidet.</p><p><strong>Erste des Hohen Rates der Dreizehn:</strong> Titel der Anf�hrerin der Schwarzen Ajah. Diese Position wird zurzeit von Alviarin Freidhen bekleidet.</p><p><strong>Erste Schreiberin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Grauen Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Serancha Colvine bekleidet.</p><p><strong>Erste Weberin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Gelben Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Suana Dragand bekleidet.</p><p><strong>Fernstreicher, Jain:</strong> Ein Held aus dem Norden, der viele L�nder bereiste und viele Abenteuer erlebte. Er nahm Cowin Edelherz gefangen und �bergab ihn der Gerichtsbarkeit des K�nigs. Er verfasste mehrere B�cher und ist auch das Thema von B�chern und Geschichten. Nach seiner R�ckkehr von einer Reise in die Gro�e F�ule 981 NZ, die ihn angeblich bis zum Shayol Ghul f�hrte, verschwand er spurlos.</p><p><strong>Gefl�gelten Wachen,</strong> die: Die Leibwache der Ersten von Mayene und gleichzeitig die Eliteeinheit des Mayenischen Milit�rs. Soldaten der Gefl�gelten Wache tragen rot lackierte Brustharnische und rote Topfhelme mit Nackenschutz, ihre Bewaffnung besteht aus mit Wimpeln versehenen Lanzen. An den Helmen der Offiziere sind an den Seiten Fl�gel aus dem Eisen geh�mmert, der Rang wird durch d�nne Federn angezeigt.</p><p><strong>Generalhauptmann:</strong> (1) Der milit�rische Rang des Anf�hrers der K�niglichen Garde von Andor. Diese Position wird zurzeit von Lady Birgitte Trahelion eingenommen. (2) Der Titel der Anf�hrerin der Gr�nen Ajah. Diese Position wird zurzeit von Adelorna Bastine ausgef�llt.</p><p><strong>Gewichtseinheiten:</strong> 10�Unzen = 1�Pfund, 10�Pfund = 1�Stein, 10�Steine = 1�Zentner, 10�Zentner = 1�Tonne.</p><p><strong>Goldene Kranich,</strong> der: Das Banner der verlorenen Grenzlandnation Malkier.</p><p><strong>Graendal:</strong> Eine der Verlorenen. Einst trug sie den Namen Kamarile Maradim Nindar, eine allseits bekannte Asketin. Sie war die zweite der Verlorenen, die sich entschied, dem Dunklen K�nig zu dienen. Die skrupellose M�rderin war f�r den Tod von Aran�gar und Asmodean verantwortlich sowie f�r die Vernichtung von Mesaana. Ihre gegenw�rtigen Umst�nde sind unbekannt.</p><p><strong>Hadori:</strong> Das geflochtene Lederband, das ein Malkieri um die Schl�fen schlingt, um das Haar zu b�ndigen. Bis Malkier der Gro�en F�ule zum Opfer fiel, trug hier jeder Mann das Haar schulterlang und befestigte es mit dem <emphasis>Hadori</emphasis>. Genau wie das Tragen des Schwertes markiert die Erlaubnis zum Tragen des <emphasis>Hadoris</emphasis> den �bergang von der Kindheit zur Mannbarkeit. Der <emphasis>Hadori</emphasis> symbolisiert die Pflichten und Vorrechte, die ihn als Erwachsenen auszeichnen, und seine Verbindung mit Malkier (<emphasis>siehe auch: Ki�sain</emphasis>).</p><p><strong>Hanlon, Daved:</strong> Schattenfreund, einst auch unter dem Namen Doilin Mellar bekannt. Er wurde zusammen mit Lady Shiaine, Chesmal Emry, Eldrith Jhondar, Temaile Kinderode, Falion Bhoda und Marillin Gemalphin gefangen genommen.</p><p><strong>Herz:</strong> Basiseinheit in der Organisation der Schwarzen Ajah. Im Grunde genommen eine Zelle. Ein Herz besteht aus drei Schwestern, die einander kennen; jede Angeh�rige eines Herzens kennt wiederum eine weitere Schwarze Schwester, die den anderen beiden Mitgliedern des Herzens unbekannt ist.</p><p><strong>H�chste,</strong> die: Titel der Anf�hrerin der Roten Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Tsutama Rath bekleidet.</p><p><strong>Imfaral:</strong> Die sechstgr��te Stadt in Seanchan. Sie liegt nordwestlich von Seandar und ist der Standort der T�rme der Mitternacht (<emphasis>siehe auch:</emphasis> T�rme der Mitternacht).</p><p><strong>Kalender:</strong> Die Woche hat 10�Tage, der Monat 28, und es gibt 13�Monate im Jahr. Mehrere Festtage geh�ren keinem bestimmten Monat an: der Sonntag oder Sonnentag (der l�ngste Tag des Jahres), das Erntedankfest (einmal alle vier Jahre zur Fr�hlingssonnenwende) und das Fest der Rettung aller Seelen, auch Allerseelen genannt (einmal alle 10�Jahre zur Herbstsonnenwende). Obwohl die Monate Namen haben ��Taisham, Jumara, Saban, Aine, Adar, Saven, Amadaine, Tammaz, Maigdhal, Choren, Shaldine, Nesan und Danu�� benutzt man sie nur selten und dann auch nur in offiziellen Dokumenten. Dem Volk reicht die Jahreszeit.</p><p><strong>Kinder des Lichts:</strong> Eine Gemeinschaft von Asketen, die sich den Sieg �ber den Dunklen K�nig und die Vernichtung aller Schattenfreunde zum Ziel gesetzt hat. Die Gemeinschaft wurde w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges von Lothair Mantelar gegr�ndet, um als Prediger gegen die ansteigende Zahl der Schattenfreunde anzugehen. W�hrend des Krieges entwickelte sich daraus eine vollst�ndig milit�rische Organisation, extrem streng ideologisch ausgerichtet und fest im Glauben, allein sie w�rden der absoluten Wahrheit und dem Recht dienen. Sie hassen die Aes Sedai und halten sie, sowie alle, die sie unterst�tzen oder sich mit ihnen befreunden, f�r Schattenfreunde. Sie werden geringsch�tzig Wei�m�ntel genannt. Ihr Hauptquartier befand sich in Amador in Amadicia, aber sie wurden vertrieben, als die Seanchaner die Stadt eroberten. Galad Damodred wurde zum neuen Kommandierenden Lordhauptmann, nachdem er Eamon Valda wegen Angriffs auf seine Stiefmutter Morgase zum Duell herausforderte und t�tete. Valdas Tod f�hrte zu einer Spaltung der Organisation. Galad f�hrt die eine Fraktion an, Rhadam Asunawa, der Hochinquisitor der Hand des Lichts, die andere. Im Wappen f�hren sie eine goldene Sonne mit Strahlen auf wei�em Feld.</p><p><strong>Ki�sain:</strong> Ein kleines Zeichen, ein Punkt, das sich eine erwachsene Malkieri-Frau an jedem Morgen auf die Stirn malt, um das Gel�bnis zu erneuern, dass sie ihre S�hne darauf einschw�rt (oder es bereits getan hat), gegen den Schatten zu k�mpfen. Dieses Gel�bnis besteht nicht unbedingt darin, dass sie zu Kriegern werden, aber dass sie jeden Tag auf jede erdenkliche Weise dem Schatten trotzen. Wie der <emphasis>Hadori</emphasis> wurde auch der <emphasis>Ki�sain</emphasis> als Symbol der Verbindung zu Malkier und den anderen Malkieri betrachtet. Wie der <emphasis>Hadori</emphasis> war der <emphasis>Ki�sain</emphasis> ein Zeichen der Vollj�hrigkeit. Dar�ber hinaus gab der <emphasis>Ki�sain</emphasis> Informationen �ber seine Tr�gerin. Eine unverheiratete Frau trug einen blauen Punkt, eine verheiratete Frau einen roten Punkt und eine Witwe einen wei�en. Nach dem Tod markierte man eine Frau mit allen dreien, einen von jeder Farbe, ob sie je verheiratet war oder nicht (<emphasis>siehe auch: Hadori</emphasis>).</p><p><strong>K�nigliche Garde:</strong> Eliteeinheit des Milit�rs von Andor. In Friedenszeiten vollstreckt die Garde die Gesetze der K�nigin und h�lt den Frieden aufrecht. Die Uniform der K�niglichen Garde setzt sich aus rotem Mantel, funkelndem Harnisch, einem roten Umhang und einem konischen Helm mit Gittervisier zusammen. Hochrangige Offiziere tragen auf den Schultern Knoten als Rangabzeichen, sie d�rfen auch Sporen mit goldenen L�wenk�pfen benutzen. K�rzlich ist die K�nigliche Garde um die pers�nliche Leibwache der Tochter-Erbin erweitert worden, die seit der Verhaftung ihres ehemaligen Hauptmanns Doilin Mellar allein aus Frauen besteht. Gardistinnen tragen wesentlich aufwendigere Uniformen als die M�nner, dazu geh�ren breitkrempige H�te mit wei�en Federn, rot lackierte Harnische, mit wei�em Besatz versehene Helme und mit Spitzenbesatz versehene Sch�rpen mit dem Wei�en L�wen von Andor.</p><p><strong>L�ngenma�e:</strong> 10�Finger = 1�Fu�, 3�Fu� = 1�Schritt, 2�Schritte = 1�Spanne, 1000 Spannen = 1�Meile.</p><p><strong>Lauscher:</strong> Seanchanische Spionageorganisation. So gut wie jeder Angeh�rige im Haushalt eines Adligen, Kaufmanns oder Bankiers k�nnte ein Lauscher sein, gelegentlich sogar <emphasis>Da�covale</emphasis>, wenn auch selten <emphasis>So�jhin</emphasis>. Sie greifen nie aktiv ein, sondern beobachten nur alles und berichten. Ihre Berichte werden zu den Niederen H�nden geschickt, die sowohl sie wie auch die Sucher kontrollieren und dann entscheiden, was an die Sucher f�r weitere Aktionen weitergeleitet wird (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Sucher).</p><p><strong>Legion des Drachen:</strong> Eine gro�e Milit�rformation, die nur aus Infanterie besteht und dem Wiedergeborenen Drachen die Treue geschworen hat. Ihre Ausbildung liegt in den H�nden von Davram Bashere, und zwar nach Vorschriften, die er selbst zusammen mit Mat Cauthon erarbeitet hat und die sich rigoros vom �blichen Einsatz der Fu�soldaten unterscheiden. Viele M�nner melden sich als Freiwillige, aber ein gro�er Teil der Legion wird von Rekrutierungskommandos der Schwarzen Burg herangeschafft, die zuerst alle M�nner, die bereit sind, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, an einer Sammelstelle zusammenholen, und auch das erst, nachdem sie sie durch Wegetore in die N�he von Caemlyn schaffen, um diejenigen herauszusieben, die man im Gebrauch der Einen Macht unterweisen kann. Der Rest ��bei Weitem der gr��ere Teil�� wird in Basheres Ausbildungslager geschickt. Die Legion des Drachen bereitet sich zurzeit auf die Letzte Schlacht vor.</p><p><strong>Marath�Damane:</strong> In der Alten Sprache �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� und �eine, die man anleinen muss�. So bezeichnen die Seanchaner jede Frau, die die Macht lenken kann und nicht den Kragen einer <emphasis>Damane</emphasis> tr�gt.</p><p><strong>Mera�din:</strong> In der Alten Sprache �die Bruderlosen�. Der Name wurde von jenen Aiel angenommen, die Clan und Sept verlie�en und sich den Shaido anschlossen, weil sie Rand al�Thor, einen Feuchtl�nder, nicht als den <emphasis>Car�a�carn</emphasis> akzeptieren konnten oder sich weigerten, seine Enth�llungen �ber die Geschichte und die Urspr�nge der Aiel zu glauben. Clan und Sept zu verlassen ��egal, aus welchem Grund�� ist unter Aiel eine unvorstellbare Tat, weswegen die Kriegergemeinschaften der Shaido sie nicht aufnehmen wollten. Darum gr�ndeten sie ihre eigene Gemeinschaft, die Bruderlosen.</p><p><strong>Moiraine Damodred:</strong> Eine Aes Sedai von der Blauen Ajah aus Cairhien. Man hat sie lange f�r tot gehalten. Allerdings hat Thom Merrilin einen Brief enth�llt, der angeblich von ihrer Hand stammt. Das ist sein Inhalt:</p><cite><p>Mein lieber Thom,</p><p>es gibt viele Worte, die ich Dir gern schreiben w�rde, Worte aus meinem Herzen, aber ich habe das hier vor mir hergeschoben, weil ich wusste, dass ich es tun muss, und jetzt bleibt nur noch wenig Zeit. Es gibt viele Dinge, die ich Dir nicht sagen kann, ohne Unheil zu verursachen, aber ich werde Dir sagen, was ich kann. H�re sorgf�ltig auf das, was ich Dir sagen werde. In K�rze werde ich zu den Docks hinuntergehen, und dort werde ich Lanfear konfrontieren. Wie kann ich das wissen? Dieses Geheimnis geh�rt anderen. Es muss reichen, dass ich es wei�, nimm dieses Vorherwissen als Beweis f�r den Rest dessen, was ich Dir mitteile.</p><p>Wenn Du diesen Brief bekommst, wird man Dir sagen, dass ich tot bin. Alle werden das glauben. Ich bin nicht tot, und es kann sein, dass ich die mir vorherbestimmten Jahre leben werde. Es kann auch sein, dass Du und Mat Cauthon und noch jemand, ein Mann, den ich nicht kenne, versuchen werdet, mich zu retten. Es versuchen werdet, sage ich, denn es kann sein, dass Du es nicht machen wirst oder kannst, oder weil Mat sich weigern wird. Er teilt nicht die Zuneigung, die Du zu hegen scheinst, und er hat seine Gr�nde, die er zweifellos f�r gut h�lt. Wenn Du es versuchst, m�ssen es nur Du, Mat und der andere sein. Mehr werden f�r alle den Tod bedeuten. Weniger werden f�r alle den Tod bedeuten. Selbst wenn Du nur mit Mat und einem anderen kommst, kann der Tod kommen. Ich habe gesehen, wie Du es versuchst und stirbst, einer, zwei oder alle drei. Ich habe mich selbst bei dem Versuch sterben sehen. Ich habe uns alle �berleben und als Gefangene sterben gesehen.</p><p>Solltest Du dich entscheiden, den Versuch trotzdem zu machen, der junge Mat wei�, wie er mich finden kann, aber Du darfst ihm den Brief nicht zeigen, bevor er danach fragt. Das ist von entscheidender Bedeutung. Er darf nicht wissen, was in diesem Brief steht, bevor er danach fragt. Die Geschehnisse m�ssen auf bestimmte Weise ihren Verlauf nehmen, was auch immer es kostet.</p><p>Solltest Du Lan wiedersehen, richte ihm aus, dass es besser so ist. Sein Schicksal folgt einem anderen Weg als das meine. Ich w�nsche ihm alles Gl�ck mit Nynaeve.</p><p>Noch etwas. Erinnere Dich daran, was Du �ber das Spiel <emphasis>Schlangen und F�chse</emphasis> wei�t. Erinnere Dich und h�r darauf. Es ist Zeit, und ich muss tun, was getan werden muss.</p><p>M�ge Dich das Licht erleuchten und Dir Freude schenken, mein liebster Thom, ob wir uns nun wiedersehen oder nicht.</p><text-author>Moiraine</text-author></cite><p><strong>Morat:</strong> In der Alten Sprache �Tierb�ndiger�. Die Seanchaner bezeichnen damit die M�nner und Frauen, die die Exoten abrichten; es gibt <emphasis>Morat�raken</emphasis>, <emphasis>Raken</emphasis>b�ndiger oder Reiter, die zwanglos auch Flieger genannt werden (<emphasis>siehe auch: Der�morat</emphasis>).</p><p><strong>Prophet:</strong> Die formelle Bezeichnung lautet Prophet des Lord Drachen. Einst war Masema Dagar ein shienarischer Soldat, der eine Offenbarung erlebte und entschied, dass er dazu auserw�hlt wurde, die Worte des Wiedergeborenen Drachen auf der Welt zu verbreiten. Er glaubte, dass es nichts Wichtigeres gibt, als die Tatsache anzuerkennen, dass der Wiedergeborene Drache das Gestalt gewordene Licht ist und man willens ist, seinem irgendwann erfolgenden Ruf zu folgen. Er und seine Anh�nger waren zu jeder Gewalttat bereit, um andere zu zwingen, die glorreichen Taten des Wiedergeborenen Drachen zu preisen. Jene, die sich weigerten, wurden zum Tod verurteilt, und jene, die sich nicht schnell genug auf ihn einlie�en, fanden ihre H�user und Gesch�fte niedergebrannt und wurden ausgepeitscht. Er hatte seinem Namen entsagt, lie� sich nur noch als �der Prophet� ansprechen und st�rzte gro�e Teile von Ghealdan und Amadicia, die nun unter seiner Herrschaft standen, ins Chaos. Nach seiner Abwesenheit sorgten die Seanchaner in Amadicia und der Hohe Kronrat in Ghealdan wieder f�r Ordnung. Er schloss sich Perrin Aybara an, der ausgesandt wurde, ihn zu Rand zu bringen; aus unbekannten Gr�nden blieb er bei ihm, obwohl das sein Zusammentreffen mit dem Wiedergeborenen Drachen verz�gerte. Seine Anh�nger waren alles M�nner und Frauen von niederster Gesinnung; falls sie es noch nicht waren, als sie seinem Charisma verfielen, wurden sie es unter seinem Einfluss. Er starb unter mysteri�sen Umst�nden.</p><p><strong>Rotwaffen:</strong> Soldaten der Bande der Roten Hand, die zum zeitweiligen Polizeidienst ausgesucht wurden und daf�r sorgen, dass die anderen Soldaten der Bande in St�dten oder D�rfern keinen �rger machen oder Schaden anrichten. Der Name geht auf die breiten roten Armb�nder zur�ck, die sie im Dienst tragen und die fast den ganzen �rmel bedecken. F�r gew�hnlich werden sie aus den erfahrensten und verl�sslichsten M�nnern ausgew�hlt. Da m�gliche Sch�den von den M�nnern bezahlt werden m�ssen, die als Rotwaffen dienen, arbeiten sie mit dem vollen Einsatz ihrer Kr�fte, um daf�r zu sorgen, dass alles ruhig und friedlich bleibt (<emphasis>siehe auch</emphasis>: <emphasis>Shen an Calhar</emphasis>).</p><p><strong>Saldaea:</strong> Eine Nation der Grenzlande. Die Hauptstadt ist Maradon, der K�nigspalast ist als der Cordamora bekannt (in der Alten Sprache �Herz des Volkes�). Die Erbmonarchie wird von einem K�nig oder einer K�nigin regiert. Der Hohe Kronrat, auch bekannt als Lordrat, ber�t und unterst�tzt den Monarchen bei der Verwaltung der Nation. Gemahl oder Gemahlin des jeweiligen Monarchen ist nicht nur ein Gef�hrte, sondern ein Mit-Herrscher mit fast gleichen Rechten. Zurzeit wird Saldaea von Ihrer H�chsterleuchteten Majest�t Tenobia si Bashere Kazadi regiert, der K�nigin von Saldaea, Verteidigerin des Lichts, Schwert der F�ulnisgrenze, Hohe Herrin von Haus Kazadi und Lady von Shahanyi, Asnelle, Kunwar und Ganai; ihr Generalmarschall und Befehlshaber ihrer Armee ist ihr Onkel und Erbe Davram Bashere. Allerdings hat er seinen Posten seit einiger Zeit verlassen.</p><p><strong>Schlangen und F�chse:</strong> Ein Spiel, das bei Kindern sehr beliebt ist, bis sie erwachsen genug sind, um zu begreifen, dass man es niemals gewinnen kann, ohne die Regeln zu brechen. Auf dem Spielbrett ist ein Netz aufgezeichnet, an dem Pfeile die Richtung zeigen. Es gibt zehn Scheiben mit aufgezeichneten Dreiecken, die die F�chse repr�sentieren, und zehn Scheiben mit Wellenlinien, die f�r die Schlangen stehen. Zu Spielbeginn sagt man: �Mut gibt Kraft, Feuer blendet, Musik verwirrt und Eisen bindet�, w�hrend man mit einer Hand ein Dreieck mit einer Wellenlinie in der Mitte in die Luft zeichnet. Mit W�rfeln ermittelt man die Z�ge f�r den Spieler und die Schlangen und F�chse. Landet eine Schlange oder ein Fuchs auf der Scheibe des Spielers, wird er aus dem Spiel geworfen, und das passiert immer, solange man die Regeln befolgt (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Aelfinn, Eelfinn).</p><p><strong>Seandar:</strong> Die Kaiserliche Hauptstadt von Seanchan, die sich im Nordosten des seanchanischen Kontinents befindet. Es ist gleichzeitig die gr��te Stadt im Kaiserreich. Nach dem Tod von Kaiserin Radhanan versank sie im Chaos.</p><p><strong>Shara:</strong> Ein geheimnisvolles Land �stlich der Aiel-W�ste, das neben anderen Handelsg�tern f�r Seide und Elfenbein bekannt ist. Das Land wird von unbewohnbaren nat�rlichen Hindernissen und von Menschen erbauten Mauern besch�tzt. �ber Shara ist nur wenig bekannt, da die Bewohner ihre Kultur anscheinend geheim halten wollen. Die Sharaner bestreiten, von den Trolloc-Kriegen in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, obwohl Aiel das Gegenteil behaupten. Sie bestreiten, von Artur Falkenfl�gels Invasionsversuchen zu wissen, obwohl es dar�ber Augenzeugenberichte vom Meervolk gibt. Den wenigen Informationen nach zu urteilen, die durchgesickert sind, werden die Sharaner von absolutistischen Monarchen beherrscht, der Sh�boan, wenn es eine Frau ist, und dem Sh�botay, wenn es ein Mann ist. Dieser Monarch herrscht genau sieben Jahre lang und stirbt dann. Die Herrschaft geht dann auf den jeweiligen Gemahl �ber, der sieben Jahre lang herrscht und stirbt. Dieses Muster wiederholt sich seit der Zerst�rung der Welt. Die Sharaner glauben, diese Todesf�lle seien der �Wille des Musters�.</p><p>Es gibt in Shara Machtlenker, die dort als Ayyad bekannt sind; sie erhalten bei ihrer Geburt Gesichtst�towierungen. Die Frauen unter den Ayyad vollstrecken strikt die Gesetze, die sie betreffen. Auf eine sexuelle Beziehung zwischen einem Ayyad und einem Nicht-Ayyad steht die Todesstrafe f�r den Nicht-Ayyad, der Ayyad wird ebenfalls hingerichtet, wenn ihm oder ihr nachgewiesen werden kann, dass er den Verkehr erzwungen hat. Ein Kind aus solch einer Verbindung wird ausgesetzt und stirbt. M�nnliche Ayyad werden wie Zuchtvieh benutzt. Erreichen sie ihr einundzwanzigstes Lebensjahr oder fangen an, die Macht zu lenken�� was auch immer zuerst eintrifft��, werden sie hingerichtet und die Leiche einge�schert. Angeblich lenken die Ayyad die Macht nur auf direkten Befehl der Sh�boan oder des Sh�botay, die st�ndig von Ayyad-Frauen umgeben sind.</p><p>Selbst der Name des Landes ist umstritten. Von den Bewohnern ist bekannt, dass sie viele verschiedene Namen benutzen, einschlie�lich Shamara, Co�dansin, Tomaka, Kigali und Shibouya.</p><p><strong>Shen an Calhar:</strong> In der Alten Sprache �die Bande der Roten Hand�. (1) Eine legend�re Gruppe von Helden, die viele Abenteuer bestand und schlie�lich bei der Verteidigung von Manetheren starb, als das Land w�hrend der Trolloc-Kriege vernichtet wurde. (2) Eine Truppenformation, die eher zuf�llig von Mat Cauthon begr�ndet wurde; sie ist �hnlich den Streitkr�ften organisiert, die es auf dem H�hepunkt der milit�rischen Kunst gab, den Tagen von Artur Falkenfl�gel und den unmittelbar darauffolgenden Jahrhunderten.</p><p><strong>Sisnera, Darlin:</strong> Ein Hochlord in Tear, der eine Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen anf�hrte, dann aber f�r kurze Zeit in seinem Namen das Amt des Verwalters von Tear aus�bte. Er wurde auserw�hlt, der erste K�nig von Tear zu sein.</p><p><strong>So�jhin:</strong> Die treffendste �bersetzung aus der Alten Sprache d�rfte die Umschreibung �Erhabenheit unter Niederen� sein, obwohl es einige auch unter anderem als �sowohl Himmel wie auch Tal� �bersetzen. Mit <emphasis>So�jhin</emphasis> bezeichnen Seanchaner die H�heren Diener, deren Rang erblich ist. Sie sind <emphasis>Da�covale</emphasis>, Besitz, bekleiden jedoch Positionen von betr�chtlicher Autorit�t und Macht. Selbst Angeh�rige des Blutes behandeln die <emphasis>So�jhin</emphasis> der Kaiserfamilie mit Vorsicht und sprechen die pers�nlichen <emphasis>So�jhin</emphasis> der Kaiserin als Gleichgestellte an (<emphasis>siehe auch: Da�covale</emphasis>).</p><p><strong>Stumpf,</strong> der: �ffentlicher Versammlungsort der Ogier. Den Vorsitz hat der �ltestenrat eines <emphasis>Stedding</emphasis>, aber jeder erwachsene Ogier darf sprechen oder einen F�rsprecher bestimmen, der f�r ihn spricht. Ein Stumpf findet oft am gr��ten Baumstumpf eines <emphasis>Stedding</emphasis> statt und kann mehrere Jahre dauern. Geht es um eine Frage, die alle Ogier betrifft, h�lt man einen Gro�en Stumpf ab und Ogier aus allen <emphasis>Stedding</emphasis> treffen zusammen, um �ber die Frage zu beraten. Die verschiedenen <emphasis>Stedding</emphasis> wechseln sich darin ab, den Gro�en Stumpf abzuhalten.</p><p><strong>Sucher,</strong> die: Auch als die Sucher der Wahrheit bekannt, handelt es sich bei ihnen um eine Polizei- und Spitzelorganisation des Kaiserlichen Throns von Seanchan. Obwohl es sich bei den meisten Suchern um <emphasis>Da�covale</emphasis> und somit Besitz der Kaiserfamilie handelt, verf�gen sie �ber weitreichende Befugnisse. Jedes Mitglied des Blutes kann verhaftet werden, wenn es die Frage eines Suchers nicht beantwortet oder die vollst�ndige Kooperation verweigert, wobei Letzteres allein von der Definition des Suchers abh�ngt; nur die Kaiserin kann entscheiden, ob der Sucher richtig gehandelt hat. Ihre Berichte erhalten die Niederen H�nde, die sowohl sie wie auch die Lauscher kontrollieren. Die meisten Sucher sind der Ansicht, dass die H�nde nicht so viele Informationen weiterleiten, wie sie eigentlich sollten. Im Gegensatz zu den Lauschern arbeiten die Sucher aktiv. Die Sucher, die <emphasis>Da�covale</emphasis> sind, tragen auf einer Schulter eine T�towierung mit einem Raben und einem Turm. Im Gegensatz zu den Totenw�chtern sind Sucher nur selten bereit, ihre Raben zu zeigen, weil sie dadurch ihre Identit�t enth�llen w�rden (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Lauscher).</p><p><strong>Tarabon:</strong> Eine Nation am Aryth-Meer. Einst eine gro�e Handelsnation, die f�r ihre Teppiche, Farben und die Gilde der Feuerwerker ber�hmt war. Nun herrschen in Tarabon schwere Zeiten. Von Anarchie und B�rgerkrieg geplagt, die zus�tzlich von Kriegen gegen Arad Doman und die Drachenverschworenen erschwert wurden, war das Land der Landung der Seanchaner hilflos ausgesetzt. Es steht nun unter Kontrolle der Seanchaner; das Stiftungshaus der Gilde der Feuerwerker wurde zerst�rt und die meisten Feuerwerker zu <emphasis>Da�covale</emphasis> gemacht. Die meisten Taraboner scheinen dankbar zu sein, dass die Seanchaner die Ordnung wiederhergestellt haben, und da ihnen die Invasoren erlauben, von kleinen Einschr�nkungen abgesehen ihr Leben wie gewohnt fortzuf�hren, versp�ren sie nicht den geringsten Wunsch, weiteren Krieg ins Land zu holen, um die Seanchaner wieder zu vertreiben. Allerdings gibt es einige Lords und Soldaten, die sich au�erhalb der seanchanischen Einflusssph�re befinden und hoffen, ihr Land zur�ckerobern zu k�nnen.</p><p><strong>Thronfolge:</strong> Im Allgemeinen bezeichnet man damit die �bernahme des Throns durch ein anderes Haus. In Andor steht dieser Begriff im �bertragenen Sinn f�r die Machtk�mpfe um die K�nigskrone, die nach Mordrellens Tod anfingen. Tigraines Verschwinden lie� Haus Mantear ohne Tochter-Erbin zur�ck, und es vergingen zwei Jahre, bevor Morgase vom Haus Trakand den Thron f�r sich erk�mpfte. Au�erhalb von Andor wurde dieser Konflikt als der Dritte Andoranische Thronfolgerkrieg bekannt.</p><p><strong>Tiefenschau:</strong> (1) Die F�higkeit, mithilfe der Einen Macht Krankheiten zu diagnostizieren. (2) Die F�higkeit, mithilfe der Einen Macht Erzvorkommen aufzusp�ren. Dies ist eine seit Langem verschollene F�higkeit der Aes Sedai, was wom�glich auch der Grund daf�r ist, dass der Name heute eine andere F�higkeit bezeichnet.</p><p><strong>Totenwache:</strong> Eliteeinheit des seanchanischen Kaiserreichs, in der sowohl Menschen wie auch Ogier dienen. Die menschlichen Mitglieder der Totenwache sind alle <emphasis>Da�covale</emphasis>, die als Sklaven geboren und in fr�hester Jugend ausgew�hlt wurden, um der Kaiserin, zu deren Besitz sie z�hlen, zu dienen. Bis zum Fanatismus loyal und von wildem Stolz erf�llt, haben sie oftmals Raben auf die Schultern t�towiert, das Zeichen eines <emphasis>Da�covale</emphasis> der Kaiserin. Die Ogier in der Wache sind auch als die G�rtner bekannt, und sie sind keine <emphasis>Da�covale</emphasis>. Die G�rtner sind genauso fanatisch loyal wie die menschlichen Totenw�chter und werden noch mehr gef�rchtet. Ob Mensch oder Ogier, die Totenw�chter sind nicht nur bereit, f�r die Kaiserin und die Kaiserfamilie zu sterben, sondern vertreten die �berzeugung, dass ihr Leben der Kaiserin geh�rt und sie damit nach Belieben verfahren kann. Helme und R�stung sind blutrot und dunkelgr�n lackiert (das Gr�n ist oft so dunkel, dass es mit Schwarz verwechselt wird), die Schilde sind schwarz lackiert, und Speere und Schwerter haben schwarze Quasten (<emphasis>siehe auch: Da�covale</emphasis>).</p><p><strong>Turm der Raben,</strong> der: Das Kaiserliche Zentralgef�ngnis von Seanchan. Es befindet sich in der Hauptstadt Seandar und dient den Suchern der Wahrheit als Hauptquartier. Angeh�rige des Blutes werden hier eingesperrt, befragt und hingerichtet. Bei Befragung und Hinrichtung darf nicht ein Tropfen Blut vergossen werden (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Sucher).</p><p><strong>T�rme der Mitternacht,</strong> die: Dreizehn Festungen in Imfaral, Seanchan, die aus unpoliertem schwarzen Marmor erbaut wurden. Zur Zeit der Konsolidierung Seanchans stellten sie das Zentrum der Milit�rmacht dar. Hier fand die letzte Schlacht der Konsolidierung statt, nach der Falkenfl�gels Nachkommen die Macht �bernahmen. Seitdem stehen sie leer. Der Legende zufolge wird die Kaiserfamilie in einer Zeit gro�er Not in die T�rme der Mitternacht zur�ckkehren und �richten, was falsch ist� (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Vereinigung).</p><p><strong>Vereinigung,</strong> die: Als die von Artur Falkenfl�gel ausgeschickten Heere unter dem Befehl seines Sohnes Luthair in Seanchan landeten, entdeckten sie einen Flickenteppich aus verschiedenen Nationen, die oft gegeneinander Krieg f�hrten und deren Grenzen st�ndig neu festgelegt wurden. H�ufig waren die Herrscher Aes Sedai. Ohne ein Gegenst�ck zur Wei�en Burg verfolgten die Aes Sedai mithilfe der Macht ihre eigenen Interessen. Zu kleinen Gruppen vereint, lagen sie in st�ndiger Fehde. Diese ununterbrochenen Intrigen um des pers�nlichen Vorteils willen und die daraus resultierenden Kriege der zahllosen Nationen untereinander erm�glichten es den Heeren aus dem Osten des Aryth-Meeres �berhaupt erst, mit der Eroberung eines ganzen Kontinents zu beginnen, was ihre Nachkommen schlie�lich zu Ende f�hrten. Diese Eroberung dauerte Jahrhunderte und machte aus den Nachkommen der Eroberer Seanchaner. Man bezeichnet sie als die Vereinigung (<emphasis>siehe auch:</emphasis> T�rme der Mitternacht).</p><p><strong>Verlorene:</strong> Name von dreizehn m�chtigen Aes Sedai, sowohl M�nner als auch Frauen, die w�hrend des Zeitalters der Legenden zum Schatten �berliefen und in der Versiegelung des Stollens zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gefangen wurden. Obwohl lange Zeit angenommen wurde, dass w�hrend des Schattenkrieges allein sie das Licht aufgaben, gab es in Wahrheit noch andere; diese dreizehn nahmen lediglich die h�chsten R�nge ein. Die Verlorenen (die sich selbst die Auserw�hlten nennen) sind seit ihrem Erwachen in der neuen Zeit dezimiert worden. Einige der Get�teten sind in neuen K�rpern reinkarniert worden.</p><p><strong>W�hrung:</strong> Nach vielen Jahrhunderten des Handels gelten in jedem Land die gleichen Standards f�r M�nzen: Kronen (die gr��te M�nze), Mark und Pfennige. Krone und Mark k�nnen aus Gold oder Silber gepr�gt sein, w�hrend Pfennige aus Silber oder Kupfer sind. Letztere werden auch oft einfach nur als Kupferst�ck bezeichnet. In verschiedenen L�ndern k�nnen diese M�nzen jedoch von verschiedener Gr��e und Gewicht sein. Selbst in einer Nation haben verschiedene Herrscher M�nzen von verschiedener Gr��e und Gewicht pr�gen lassen. Darum benutzen Bankiers, Geldverleiher und Kaufleute grunds�tzlich Waagen, um den Geldwert zu bestimmen. Aus diesem Grund werden selbst gro�e Summen gewogen.</p><p>Die schwersten M�nzen kommen aus Andor und Tar Valon, und der relative Wert entspricht dort: 10�Kupferpfennige = 1�Silberpfennig; 100�Silberpfennige = 1�Silbermark; 10�Silbermark = 1�Silberkrone; 10�Silberkronen = 1�Goldmark; 10�Goldmark = 1�Goldkrone.</p><p>In Altara, wo die gr��eren M�nzen einen geringeren Gold- oder Silberanteil aufweisen, geht man hingegen von dem folgenden Gegenwert aus: 10�Kupferpfennige = 1�Silberpfennig; 21�Silberpfennige = 1�Silbermark; 20�Silbermark = 1�Silberkrone; 20�Silberkronen = 1�Goldmark; 20�Goldmark = 1�Goldkrone.</p><p>Papiergeld existiert lediglich in der Form von �Kreditbriefen�, die von Bankiers ausgestellt werden. F�r sie bekommt man eine bestimmte Menge Gold oder Silber ausgezahlt. Aufgrund der gro�en Entfernungen zwischen den St�dten, der ben�tigten Reisezeit und der Schwierigkeiten, die derartige Transaktionen mit sich bringen, kann es passieren, dass man f�r Kreditbriefe in St�dten, die sich in der N�he der Bank befinden, den vollen Wert erh�lt, w�hrend man sich in weiter entfernten St�dten mit einem geringeren Wert zufriedengeben muss. Im Allgemeinen wird sich eine bedeutende Pers�nlichkeit, die sich auf eine lange Reise begibt, mit einem oder mehreren Kreditbriefen ausr�sten, um zu Geld zu kommen. F�r gew�hnlich werden Kreditbriefe nur von Bankiers oder Kaufleuten akzeptiert und w�rden nie in L�den benutzt.</p></section></body><binary id="cover" 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