<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Vagabunden von Gor</book-title><annotation><p>Als Spion des m�chtigen Stadtstaats Ar l��t sich Tarl Cabot ins Heerlager von Cos einschleusen, um Truppenbewegungen und Marschrouten der Feinde auszukundschaften.</p><p>Beim Verfolgungsmarch durch das Delta des Vosk geraten die Kriegsgegner in die Abgr�nde m�rderischer S�mpfe, aus denen es kaum ein Entrinnen gibt.</p><p>Tarl Cabot mu� seine letzten Tr�mpfe einsetzen, um sich und seine Gef�hrtin zu retten.</p></annotation><date>1998</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="24"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Vagabonds of Gor</book-title><date>1987</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>waldschrat; F451</src-ocr><id>490D062D-CEC0-4890-BD64-ABE400B01C01</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Vagabunden von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>�Einst lautete dein Name Lady Temione, nicht wahr?� fragte ich.</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie und hob das Kinn einen Fingerbreit von dem staubigen Boden, auf dem sie im Heerlager von Cos mit gesenktem Kopf kniete. Das Lager befand sich am S�dufer des Vosk, genau n�rdlich der Stadt Holmesk.</p><p>�Leg dich auf die rechte Seite�, verlangte ich. �Streck dabei das linke Bein aus.�</p><p>Sie gehorchte. Ihr knappes Seidengewand klaffte auf und entbl��te H�fte, Oberschenkel und Unterschenkel. Ich konnte das winzige, geschmackvolle, aber unverkennbare Sklavenzeichen sehen, das ein St�ck unterhalb der H�fte auf ihrem Oberschenkel eingebrannt war. Es handelte sich um ein gew�hnliches Kajirazeichen, Stab und Blatt, der Disziplin unterworfene Sch�nheit, wie es die meisten Sklavinnen auf Gor tragen. Die Zehen ihres linken Fu�es waren gerade ausgestreckt; das betonte die Sinnlichkeit ihrer Wade. Offensichtlich hatte sie eine Ausbildung genossen.</p><p>�Du darfst deine Ausgangsposition wieder einnehmen.�</p><p>Sie nahm wieder die gew�hnliche Gehorsamstellung ein.</p><p>In den Wochen, seit ich sie das letzte Mal als freie Frau an der Sklavenkette des Marketenders Ephialtes gesehen hatte, den ich in der Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn</emphasis> an der Vosk-Stra�e kennengelernt hatte, war ihr Haar gewachsen. Er war so freundlich gewesen, sich in gewissen Angelegenheiten als mein Agent zu bet�tigen.</p><p>�Erz�hl mir, was seit unserer letzten Begegnung geschehen ist.�</p><p>�Das war im <emphasis>Krummen Tarn,</emphasis> nicht wahr?� fragte sie.</p><p>�Schon m�glich.�</p><p>�Oder war es im Lager von Cos, vor Ar-Station?�</p><p>�Sprich.�</p><p>�Wie mein Herr sich vielleicht erinnert, hielt man mich im <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> als Zechprellerin fest.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Man zwang mich, mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen.�</p><p>�Ja.� Ihre Dienste hatten mich ein Tarskst�ck gekostet.</p><p>�Fr�h am n�chsten Morgen, nach dem Abend, an dem man mich gefesselt zu deinem Schlafplatz gebracht hatte, damit ich dir diente, hat man mich zusammen mit den anderen Frauen��</p><p>�Den Zechprellerinnen�, verbesserte ich sie.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. �Man hat uns ausgel�st. Wir waren �bergl�cklich, glaubten, frei zu sein, mu�ten aber zu unserer Verzweiflung feststellen, da� sie uns aneinanderketteten, um uns auf der Vosk-Stra�e nach Norden in die N�he von Ar-Station zu bringen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Ein Mann namens Ephialtes, ein Marketender aus Cos, bezahlte f�r uns.�</p><p>�Also hat er euch ausgel�st?�</p><p>�Ich glaube nicht, Herr.�</p><p>�Er handelte als Mittelsmann?�</p><p>�Ich glaube schon, Herr�, sagte sie. �Aber offensichtlich hatte er die Befugnis, zu kaufen und zu verkaufen, wie er es f�r richtig hielt.�</p><p>�Im Namen seines Auftraggebers?�</p><p>�Zweifellos, Herr.�</p><p>�Du darfst dich hinknien.�</p><p>Sie stand auf, spreizte die Beine und hockte sich auf die Fersen; die H�nde legte sie auf die Oberschenkel. Ich hatte diese Position, eine der vertrautesten f�r eine Vergn�gungssklavin, nicht befohlen, sie hatte sie, ohne zu fragen, selbst eingenommen, wie es sich geh�rte. Es war ein Test gewesen. Sie hatte ihn bestanden. Es war nicht n�tig, sie zu bestrafen.</p><p>Im Hintergrund rauschte der Vosk.</p><p>�Wie du dich vielleicht erinnerst, waren wir zu sechst, alles freie Frauen, aber wir mu�ten nackt, am Hals aneinandergekettet, hinter einem Marketenderwagen hermarschieren.�</p><p>�Hast du dich beschwert?� fragte ich.</p><p>�Ja, ich und eine andere von uns, Klio. Vielleicht erinnerst du dich auch an sie.�</p><p>�Und was ist geschehen?�</p><p>�Wir wurden ausgepeitscht. Das hat eine schreckliche Person besorgt, eine Frau namens Liadne, die als erstes M�dchen �ber uns bestimmen durfte, obwohl wir frei und sie nur eine Sklavin war!�</p><p>Ich erinnerte mich an Liadne. Sie war wundersch�n. Ich hatte sie bei einem eisigen Sturm unter dem Wagen ihres Herrn kennengelernt. Sie war mir zu Willen gewesen, und ich hatte ihr eine M�nze als Bezahlung f�r ihren Herrn in den Mund gesteckt. Ephialtes hatte sie dann am darauffolgenden Morgen in meinem Auftrag gekauft. Ich hatte den Eindruck gehabt, sie gebe ein gro�artiges erstes M�dchen ab, das ihren freien Schwestern etwas �ber ihre Weiblichkeit beibringen w�rde.</p><p>�Danach haben wir gehorcht.�</p><p>Ich hatte nicht den geringsten Zweifel gehabt, da� Liadne sie, die hochn�sigen, verw�hnten freien Frauen, einer strengen Disziplin unterwerfen w�rde. Diese Vermutung war dann auch best�tigt worden, als ich sie alle nackt und mit verbundenen Augen in einer Reihe im Feldlager von Cos vor Ar-Station gesehen hatte.</p><p>�Wir wurden ins Lager der Cosianer gebracht, in die N�he von Ar-Station�, berichtete sie weiter. �Dort brachte man uns Disziplin bei; man kettete uns in einer Reihe an. Eines Morgens mu�ten wir Augenbinde anlegen.�</p><p>Sie hatten nicht erfahren sollen, da� ich sie ausgel�st hatte, keineswegs zu meinem pers�nlichen Vergn�gen, sondern aus ganz bestimmten Gr�nden. Das war nicht ungew�hnlich. Sklavenj�ger enth�llen ihren Gefangenen nicht immer sofort ihre Identit�t. Es ist manchmal durchaus am�sant, die Frauen im Ungewissen dar�ber zu lassen, in wessen Macht sie sich befinden. Sie sollen nerv�s dar�ber nachdenken, verzweifelt wilde Vermutungen anstellen. Dann ist immer noch der richtige Zeitpunkt, sich ihnen zu offenbaren und m�glicherweise ihre schlimmsten �ngste zu best�tigen.</p><p>�Als ich am n�chsten Morgen geweckt wurde, waren zwei der M�dchen fort, Elene und Klio, daf�r befand sich eine Neue, ein schlankes, sehr sch�nes M�dchen, das wie wir eine freie Frau war, an der Kette.�</p><p>�Wie hie� sie?�</p><p>�Phoebe.�</p><p>�Erz�hl mir von ihr!�</p><p>�Kragen und Kette standen ihr gut, sogar ausgesprochen gut. Sie gehorchte Liadne sofort und ohne Widerstand, voller Eifer und Hingabe. Es war, als w�rde sie intuitiv Autorit�t begreifen und verstehen, da� ihre Unterwerfung richtig ist. Obwohl dieses neue M�dchen wie wir frei war, habe ich selten eine Frau gesehen, die nach so kurzer Zeit in Gefangenschaft f�r die Wahrheiten des Kragens bereit war.�</p><p>�Vielleicht hat sie mit diesen Empfindungen ja schon seit Jahren in den verschwitzten Laken ihres Bettes gerungen.�</p><p>�Wie andere auch�, meinte das M�dchen mit einem L�cheln und senkte den Blick.</p><p>�Du bist wundersch�n�, bemerkte ich und musterte im Licht des nahen Lagerfeuers ihre Z�ge.</p><p>�Danke, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�War das neue M�dchen stolz?� fragte ich.</p><p>�Ich denke nur an solche Dinge wie ihre F�higkeit, Liebe zu geben, und ihr Sklaventum.�</p><p>�Aber du hast gesagt, sie sei frei�, erinnerte ich sie.</p><p>�Ihr nat�rliches Sklaventum�, l�chelte sie.</p><p>�Dann war sie also nicht auf die �bliche Weise stolz?�</p><p>�Jedenfalls nicht auf die �bliche Weise einer eitlen freien Frau.�</p><p>�Trotzdem trug dieses neue M�dchen im Gegensatz zu euch ein Sklavenband.�</p><p>�Aha, Herr, es ist, wie ich vermutete�, sagte sie. �Ihr wart das, der uns ausgel�st hat.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Das neue M�dchen wollte nichts �ber die Identit�t ihres F�ngers verraten, aber ich nehme an, da� Ihr sie zu Ephialtes Kette gebracht habt.�</p><p>Ich nickte. Nat�rlich hatte ich Phoebe zum Schweigen verpflichtet, da meine Angelegenheiten im Norden � zumindest zu diesem Zeitpunkt � geheim gewesen waren.</p><p>�Wart Ihr es dann auch, der Elene und Klio von der Kette geholt hat?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was habt Ihr mit ihnen gemacht?�</p><p>�Sollte eine Sklavin nicht um Erlaubnis bitten, wenn sie etwas sagen will?�</p><p>�Verzeiht, Herr.�</p><p>�Wie ist dein Name?� fragte ich.</p><p>�Temione�, erwiderte sie. Dieser Name war jetzt nat�rlich nur noch ein Sklavenname, den sie von ihrem Herrn verliehen bekommen hatte. Man kann Sklaven jeden Namen geben, der einem gef�llt.</p><p>�Ich habe sie verkauft.�</p><p>Sie sah mich an.</p><p>�Du darfst sprechen.�</p><p>�Beide?�</p><p>�Ja.� Ich hatte sie an jenem Morgen in den Belagerungsgr�ben verkauft. Sie hatten mir den Vorwand geliefert, den ich brauchte, um in die N�he der Mauern von Ar-Station zu gelangen.</p><p>�Erz�hl mir von Ephialtes, Liadne, der Kette und dergleichen�, befahl ich. Ich erinnerte mich an die sechs Zechprellerinnen, die ich in der Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn</emphasis> ausgel�st hatte, Lady Amina aus Venna, Lady Elene aus Tyros und Klio, Rimice, Liomache und Temione, die alle aus Cos stammten.</p><p>�Ephialtes geht es gut�, sagte sie. �Er scheint Liadne sehr zugetan zu sein, und sie ihm auch. Eines Tages fiel ich dem Betreiber eines Paga-Ausschanks auf, einem Mann namens Philebus. Nat�rlich war es unm�glich, uns zu verbergen. Wir fielen selbst dem m��igsten aller Spazierg�nger auf. Er brachte sein Interesse zum Ausdruck. Ich wurde vorgef�hrt und sagte �Kauf mich, Herr�. So einfach war das.�</p><p>�Du bist sch�ner, als ich dich in Erinnerung hatte�, sagte ich.</p><p>�Mein Herr sagt, da� ich sch�ner geworden bin�, erwiderte sie. �Ich wei� nicht, ob es stimmt oder nicht.�</p><p>�Das tut es.�</p><p>�Vielen Dank, Herr.�</p><p>�Als du also die Kette verlassen hast, enthielt sie nur noch Amina, Rimice und Phoebe.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich frage mich, ob die Kette sich noch hier im Lager befindet.�</p><p>�Ich glaube schon�, sagte sie. �Aber ich wei� es nicht.�</p><p>Das mochte stimmen � oder auch nicht.</p><p>�Beug dich zur�ck�, befahl ich.</p><p>Sie gehorchte mit Tr�nen in den Augen, bebend vor Verlangen.</p><p>Ich blickte mich in Philebus� Paga-Ausschank um. Das kreisf�rmige, aus festgestampfter Erde bestehende Areal hatte einen Durchmesser von etwa zw�lf Metern. Die Einz�unung war eher symbolisch gemeint und bestand aus leichten Querh�lzern, die auf Dreif��en ruhten und bis in H�fth�he reichten. Diese Barriere, wenn man sie so nennen will, wird immer wieder ab- und neu aufgebaut, wenn das Lager weiterzieht. Innerhalb des Areals gab es einige winzige alkoven�hnliche Zelte, die gr��tenteils gerade noch innerhalb der Grenzlinie standen. Hier und dort brannten kleine Lagerfeuer. In solchen Anlagen begn�gt man sich meist � wie allgemein in Heerlagern �blich � mit kleinen Feuern, da man sie schnell l�schen kann. Die Sklavinnen trugen hier keine Gl�ckchen. Im Falle eines Alarms kann das Lager mit nur einem Befehl in Dunkelheit und Stille getaucht werden, und es wird sozusagen eins mit der Nacht. Solche Vorsichtsma�nahmen dienen haupts�chlich zur Abwehr eines Tarnangriffs.</p><p>Die Gr��e der Feuer unterliegen, wie auch andere Dinge, oft genauen Lagerregeln. Sie umfassen den Aufbau des Lagers, seine Verteidigung, seine Stra�en und die Lage der Einrichtungen wie Lazarette, Proviantausgaben und Schmieden. Geregelt sind auch die Aufrechterhaltung der Sicherheit und die Wacheinteilungen innerhalb der einzelnen Regimenter, die Art der Zelte, die Anzahl ihrer Bewohner, ihre Aufstellung und Abwassergruben sowie die sanit�ren Einrichtungen. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird gew�hnlich von Lageraufsehern �berwacht. Sicher, dieses Lager bestand haupts�chlich aus S�ldnern, was auch der Grund daf�r war, da� viele der Regeln eher lax gehandhabt wurden. Es ist schwierig, bei S�ldnern Ordnung und Disziplin durchzusetzen. Au�erdem befanden sich diese M�nner nach dem Fall von Ar-Station im Osten noch immer im Siegesrausch.</p><p>Ich sah, wie sich nur wenige Meter entfernt ein Mann in der N�he des Zauns erleichterte. In einem Lager von Ar h�tte einem eine solche �bertretung ein Bu�geld oder Peitschenhiebe eingebracht. Am Himmel zeichnete sich einen kurzen Augenblick lang ein Tarnsmann von einem der Monde ab und senkte sich dann dem Lager entgegen. Da er allein war, handelte es sich vermutlich um einen Kurier. Die Patrouillen setzten sich f�r gew�hnlich aus zwei oder mehreren Tarnsm�nnern zusammen. So sind sie einem einzelnen Eindringling �berlegen, und man kann, falls n�tig, einen von ihnen abkommandieren, um Bericht zu erstatten oder Hilfe zu holen, w�hrend sich der Rest anderen Pflichten zuwendet, vielleicht einer Verfolgungsjagd oder einer Suche, oder um die F�hrung zum Feind zu halten.</p><p>�Paga!� rief ein Mann, der mit untergeschlagenen Beinen ein paar Meter von mir entfernt sa�. Ein M�dchen eilte mit einem Krug zu ihm.</p><p>�berlebende � darunter viele Frauen und Kinder � aus Ar-Station, Ars gr��ter Kolonie und St�tzpunkt am Vosk, waren von einer Flotte unidentifizierbarer Schiffe von den Landungsbr�cken des brennenden Hafens gerettet worden, Schiffe, gegen die die Cosianer hier auf dem Kontinent nichts ausrichten konnten, da ihnen dazu die n�tigen Mittel fehlten. Obwohl die Herkunft der Schiffe vermeintlich unbekannt war, war es am Flu� ein offenes Geheimnis, da� sie aus Port Cos stammten und von der Voskliga ausger�stet worden waren. Das hatte etwas mit einem Topas und einem Schwur zu tun, was anscheinend auf fr�here Geschehnisse am Flu� zur�ckging. Wie sich herausstellte, hatte sich das Ubarat von Cos daf�r entschieden, diese Tat offiziell nicht zur Kenntnis zu nehmen, eine meiner Meinung nach kluge Entscheidung. Vermutlich gr�ndete sie sich auf dem Respekt vor der Macht von Port Cos wie auch dem Wunsch, mittels der Stadt die Politik der Voskliga und damit den Flu� und das ganze Voskbecken zu beeinflussen, wenn nicht gar zu beherrschen. Ich hatte mich unter den �berlebenden befunden. Man hatte uns nach Port Cos in Sicherheit gebracht.</p><p>In dem Areal befanden sich vielleicht hundert M�nner und etwa f�nfzehn bis zwanzig M�dchen. Diese M�dchen f�llten Kr�ge, deren Henkel zum besseren Eintauchen wie bei dem <emphasis>Hydria</emphasis> oder Wasserkrug sehr weit oben angesetzt sind, aus einem gro�en Kessel, dessen Inhalt �ber einem Feuer in der N�he des Eingangs vor sich hinkochte. Es wird allgemein behauptet, da� warmer Paga einen schneller betrunken macht. F�r gew�hnlich mag ich keinen erw�rmten Paga, ausgenommen in kalten N�chten. In dieser Nacht war es warm, nicht kalt. Wir n�herten uns dem Fr�hlingsende. Einige Cosianer sch�tzen hei�en Paga. Das gilt interessanterweise auch f�r einige der Bewohner der n�rdlicher gelegenen Inseln wie Hunjer und Skjern, westlich von Torvaldsland. M�glicherweise zeigt sich da der cosische Einflu�, der durch Kaufleute und Seefahrer den Weg zu ihnen findet. Im allgemeinen wird im Norden Met, ein Gebr�u aus fermentiertem Honig, Wasser und oftmals Gew�rzen, Paga vorgezogen.</p><p>�Herr�, fl�sterte das M�dchen vor mir.</p><p>Ich blickte sie an. Sie hatte nicht um Erlaubnis zum Sprechen gebeten. Schnell senkte sie den Kopf. �Verzeiht mir, Herr.� �ngstlich und beschwichtigend schob sie die Knie ein St�ck weiter auseinander.</p><p>Ich betrachtete die einst stolze und freie Frau. Sie wagte es nicht, den Blick zu heben. Daf�r gab sie mitleiderregende leise Laute des Verlangens von sich, ihr ganzer K�rper zitterte.</p><p>�Hast du etwas gesagt?� fragte ich.</p><p>�Verzeiht mir, Herr.�</p><p>�Willst du was?�</p><p>Sie blickte mich �ngstlich und bittend an. �Ich will Euch dienen�, fl�sterte sie.</p><p>Es war schon interessant, welche Ver�nderungen ein Sklavenkragen in einer Frau hervorrufen konnte.</p><p>�Bitte, Herr�, bettelte sie.</p><p>�Also gut. Du darfst mir dienen.�</p><p>�Danke, Herr�, hauchte sie erfreut.</p><p>�Bring mir Paga.�</p><p>�Oh!� schluchzte sie entt�uscht.</p><p>Ich sah sie nur an.</p><p>�Ja, Herr�, schluchzte sie, erhob sich schnell und eilte auf den Paga-Kessel zu.</p><p>Ich sah ihr nach. Wie wundersch�n sie war! Wie anmutig sie sich bewegte! Welch eine Sklavin aus ihr geworden war!</p><p>Philebus� Ausschank war eigentlich eine transportable Paga-Taverne, so gestaltet, da� sie ein reisendes Feldlager begleiten konnte.</p><p>Eine andere Paga-Sklavin eilte vorbei; ein blonder Mann hatte sie zu sich befohlen.</p><p>Wie bereits erw�hnt trugen die M�dchen keine Gl�ckchen, was angeblich damit zu tun hatte, da� sich ganz pl�tzlich die Notwendigkeit f�r Dunkelheit und Stille im Fall eines Angriffs auf das Lager ergeben konnte. Der Abend war warm. Die Monde standen am Himmel. Es w�re eine gute Nacht f�r einen Angriff auf ein Heerlager gewesen. Ein m��iger Gedanke. Ich rechnete nicht damit, da� es dazu kommen w�rde. Falls doch, w�re er bestimmt schon vor langer Zeit erfolgt. Die Sicherheitsma�nahmen im Lager waren oberfl�chlich. Der Mann, den ich eingewilligt hatte zu begleiten � ein junger Krieger aus Ar-Station namens Marcus, das hei�t, sein richtiger Name lautete Marcus Marcellus von den Marcelliani �, und ich hatten keine Probleme gehabt, uns in der Verkleidung von Kaufleuten in das Lager einzuschleichen. Im Prinzip waren wir Spione. Der junge Marcus hatte von Aemilianus, seinem ehemaligen Kommandanten in Ar-Station, der sich nun unter den Fl�chtlingen in Port Cos befand, die Erlaubnis erhalten, die Bewegungen der Cosianer im Norden des Kontinents zu verfolgen und die gesammelten Informationen dem zur Zeit vor Holmesk lagernden Heer von Ar zukommen zu lassen. So tief verwurzelt waren die alten Loyalit�ten, und das, obwohl Ar es unerkl�rlicherweise nicht geschafft hatte, Ar-Station zu Hilfe zu kommen. Ich hielt den jungen Marcus f�r einen pr�chtigen, wenn auch launischen Soldaten. Er war derjenige gewesen, dem es gelungen war, Ar-Stations H�lfte des Topas nach Port Cos zu bringen, was in der Erf�llung des Schwurs des Topas resultiert und die Streitmacht von Port Cos und dar�ber hinaus anscheinend die Schiffe der Voskliga mobilisiert hatte, die Piers von Ar-Station zu evakuieren und die �berlebenden, die sich haupts�chlich aus B�rgern zusammensetzten, zu retten. Wenn der junge Marcus, der mir ans Herz gewachsen war, eine Schw�che hatte, dann seine Launenhaftigkeit und seinen unglaublichen Ha� auf die Cosianer und alles Cosische. Dieser Ha�, der schon beinahe krankhafte Ausma�e annahm, war zweifellos die Folge seiner Kriegserlebnisse, vor allem der Belagerung von Ar-Station. Es ist schwer, mitansehen zu m�ssen, wie alles � oder fast alles �, das man geliebt hat, zerst�rt wird, und den f�r diese Zerst�rung Verantwortlichen danach keinen Zorn entgegenzubringen. W�ren die Streitkr�fte von Ar in Telnus gelandet, kann ich mir nicht vorstellen, da� das Ergebnis wesentlich anders ausgesehen h�tte. Wie viele Krieger neige auch ich dazu, den Krieg eher als die gef�hrlichste und aufregendste aller sportlichen Bet�tigungen anzusehen, ein Spiel von Kriegern und Ubars. Was, wie ich zugeben mu�, sicher schrecklich ist. Auch ich bin dem Beutemachen keineswegs abgeneigt, besonders wenn sie wundersch�n und kurvenreich ist.</p><p>Temione war mittlerweile am Kessel angelangt und tauchte ihren schmalen Krug vorsichtig in den brodelnden Paga. Anscheinend hatte sie geweint, aber vielleicht war es auch nur die von dem Paga ausgehende Hitze, die sie sich mit dem Handr�cken aus den Augen wischte. Ja, das hatte ich mir gedacht, denn ich hatte gesehen, wie sie die Faust ballte und sich die Fingern�gel in die Haut bohrten, wie sich ihre H�ften unwillk�rlich frustriert bewegten. Es ist schwer f�r eine Frau, sich zu beherrschen, wenn sie leicht bekleidet den Kragen tr�gt, wenn sie eine Sklavin ist.</p><p>Die Cosianer waren ganz offen marschiert und hatten dabei ein gem�tliches Tempo angeschlagen; sie hatten sogar das S�dufer des Vosk benutzt, statt sich ans Nordufer zu begeben. Das war an sich der blanke Wahnsinn, denn dort h�tte man sie zum Flu� treiben, in die Zange nehmen und vernichten k�nnen. Im Gegensatz zu der Situation vor Ar-Station w�ren sie nun in der Minderzahl gewesen. Vielleicht verstand Policrates, der Lagerkommandant, ja nichts vorn Kriegf�hren. Aber es hatte den Anschein, als w��te er, da� er nichts oder nur wenig zu bef�rchten hatte. Das wenige, das ich von ihm geh�rt hatte, hatte in mir die Zuversicht wachsen lassen, da� er genau wu�te, was er tat. Man hatte sogar den Eindruck, als w�rde er der Welt hochm�tig verk�nden, da� ihm nichts geschehen konnte, da� er eine Art Immunit�t besa�, deren Ursprung in Politik oder Verrat zu suchen war. Sicher, wegen des fr�heren Ausma�es der von Ar eingerichteten Pufferzone � eine Politik, die schon lange nicht mehr verfolgt wurde � war das S�dufer des Vosk weitaus d�nner besiedelt als das Nordufer. Au�erdem marschierte das Expeditionsheer vermutlich entweder auf Brundisium zu, den Ausgangspunkt der Invasion, oder es w�rde nach S�den abbiegen, um vor Torcodino zu Myron zu sto�en; dort lauerte der S�ldner Dietrich von Tarnburg wie ein Larl in seiner H�hle. Bis jetzt hatten die tapferen Soldaten von Ar trotz all ihrer Macht nicht den geringsten Versuch unternommen, dem Heer den Weg abzuschneiden, es gegen den Vosk zu dr�ngen oder es auf dem Schlachtfeld zu stellen.</p><p>In unserem Lager befanden sich mehrere tausend Cosianer und S�ldner, aber Ar verf�gte angeblich �ber fast f�nfzigtausend Mann, eine f�r einen goreanischen Stadtstaat unglaubliche Streitmacht. Eine gew�hnliche goreanische Armee umfa�t f�r gew�hnlich nicht mehr als vier- bis f�nftausend Mann. S�ldnerheere haben sogar selten mehr als zweihundert Mann. Dietrich von Tarnburg, der etwa f�nftausend K�mpfer kommandierte, bildete da eine Ausnahme. Er ist einer der gef�rchtetsten und tatkr�ftigsten S�ldnerhauptm�nner Gors. Und einer der teuersten. Aber trotz des Angriffsziels, das Kommandant Policrates � angeblich ein ehemaliger Pirat, den Myron, der Polemarkos von Temos, ein Cousin des Lurius von Jad, dem Ubar von Cos, von einer Galeere gerettet hatte � scheinbar so einladend bot, hatte Ar nicht zugeschlagen; seine M�nner hatten nicht einmal die Fourageure behindert. Milit�risch gesehen schien Ars Verhalten unerkl�rlich. Vielleicht kannte er ja weder die St�rke noch den Standort der Cosianer, so unwahrscheinlich das auch erschien.</p><p>Temione hatte den Pagakrug gef�llt. Von einem Gestell in der N�he des Kessels nahm sie einen Becher. Die Regalbretter bestanden aus schmalen Holzplanken. Die Becher werden umgedreht darauf aufbewahrt. Auf diese Weise k�nnen sie nach dem Sp�len trocknen. Davon abgesehen werden sie so vor Staub gesch�tzt. Ich beobachtete, wie sie den Becher sorgf�ltig ausputzte. Wehe der Sklavin, die es wagt, Paga oder Wein in einem schmutzigen Becher zu servieren!</p><p>Ich lauschte dem Rauschen des Vosk im Hintergrund, den gemurmelten Unterhaltungen, den Ger�uschen des Heerlagers.</p><p>Die Sklavin wandte sich mir zu.</p><p>Als sie meinen Blick bemerkte, senkte sie den Kopf. Dem�tig und ver�ngstigt kam sie n�her, sich meines pr�fenden Blicks anscheinend schrecklich bewu�t.</p><p>Wie sch�n sie doch war.</p><p>�Herr�, sagte sie und kniete vor mir nieder. Sie go� mir Paga ein, f�llte mit dem Krug den Becher, den sie vom Regal genommen hatte.</p><p>�Paga!� rief ein in der N�he sitzender Bursche einer Rothaarigen zu, die sich beeilte, vor ihm auf die Knie zu fallen und den Kopf in den Staub zu legen.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>Sie hatte keine Zeit vers�umt.</p><p>Nat�rlich ist an einem solchen Ort jede Sklavin dem Willen des Gastes unterworfen. Kein Wunder, da� die M�dchen sich nach Kr�ften bem�hen, alle zufriedenzustellen.</p><p>�Herr?� hauchte Temione.</p><p>Ich nahm den Paga.</p><p>�Habt Ihr noch einen Wunsch?� fragte sie zaghaft.</p><p>Ich trank einen Schluck Paga. Er war hei�.</p><p>�Du tr�gst keine Gl�ckchen am Fu߫, bemerkte ich.</p><p>�Das tut keine von uns.�</p><p>Ihre Antwort deutet darauf hin, da� ihr der Grund daf�r vermutlich unbekannt war.</p><p>�Ein Gl�ckchen w�rde deinem Kn�chel stehen�, sagte ich.</p><p>�Ich habe noch nie Gl�ckchen getragen�, meinte sie sch�chtern.</p><p>�Ein Gl�ckchen macht es einem einfacher, ein M�dchen im Dunkeln zu finden.�</p><p>�Zweifellos, Herr.� Sie l�chelte.</p><p>Pl�tzlich flog das Tor des Paga-Ausschanks auf und schlug gegen den Zaun.</p><p>�Es ist Borton!� rief ein Mann erfreut.</p><p>�La�t uns feiern!� rief der Neuank�mmling, ein gro�er, breitschultriger Kerl mit einem Vollbart; er lie� eine prall gef�llte Geldb�rse am Riemen kreisen und schlug sie einem Mann, den ich f�r den Wirt Philebus hielt, gegen den Leib. Der Wirt griff danach, konnte sie aber nicht festhalten, da sie am Riemen zur�ckgerissen wurde. Philebus schrie in gespieltem Entsetzen auf. Dann nahm der Kerl die Geldb�rse und dr�ckte sie seinem Gegen�ber fest in die Hand.</p><p>�Ich bin lange gereist und habe meinem Hauptmann Bericht erstattet�, sagte er. �Ich bin den Sattel �berdr�ssig und will was zu trinken � und was Anschmiegsameres zum Reiten!�</p><p>Gel�chter und Jubel ert�nten. M�nner dr�ngten sich um den Kurier. Die angeketteten M�dchen zuckten zusammen und machten sich so klein und unauff�llig wie nur m�glich.</p><p>Dieser Borton war hier wohl allgemein bekannt. Ungl�cklicherweise hatte auch ich in der Vergangenheit seine Bekanntschaft gemacht.</p><p>Temione keuchte auf. Auch sie hatte ihn erkannt.</p><p>Er trug Uniform und Insignien der Tarnsm�nner von Artemidorus, dem bekannten cosischen S�ldnerf�hrer.</p><p>�La�t das Fest beginnen�, rief er ungest�m. Wieder ert�nte Jubel. �Es ist Borton!� rief ein Mann. �Borton ist zur�ckgekehrt!� Der Tumult fiel nun auch M�nnern au�erhalb des Ausschanks auf, und sie eilten herein. Philebus, der Wirt und damit Temiones Besitzer, befahl ein paar Burschen, bei denen es sich wohl um seine Helfer handelte, f�r Essen und Trinken zu sorgen. Einer von ihnen schlo� das Eingangstor zum Ausschank. Schon kletterten M�nner �ber den Zaun.</p><p>�Sitzt du nicht auf meinem Platz?� fragte der Kurier mit polternder Stimme einen armen Kerl, der ziemlich in der Mitte des Ausschanks sa�, was f�r gew�hnlich als der beste Platz f�r prompte Bedienung angesehen wurde. Der Kerl verdr�ckte sich, so schnell er konnte. Auf allen vieren.</p><p>Wieder erschallte Gel�chter.</p><p>Borton warf seinen Helm auf den Platz und nahm ihn damit in Besitz. Es w�rden sich wohl nur wenige finden, die dieses Zeichen seiner Inbesitznahme mi�achten w�rden.</p><p>Ich stellte den Paga ab und �berpr�fte den freien Zugriff zu meiner Klinge, wobei ich sie einen Zentimeter oder so aus der Scheide schob.</p><p>�Nein, Mann�, fl�sterte ein Mann in meiner N�he. �Das ist Borton.�</p><p>�Soviel habe ich auch mitbekommen�, erwiderte ich.</p><p>�Er ist einer der besten Schwertk�mpfer des Lagers�, warnte mich der Mann.</p><p>Ich schob die Klinge wieder zur�ck in die Scheide. Bis auf ein kleines St�ck.</p><p>�Herr�, hauchte Temione atemlos und mit gl�nzenden Augen. �Er ist es.�</p><p>�Ja�, best�tigte ich. In diesem Augenblick verstand ich ihre Gef�hle nicht. �Er ist es.�</p><p>Borton schlenderte zum Pfahl. Die dort angeketteten M�dchen dr�ngten sich an ihn, als k�nnte er ihnen Sicherheit oder Schutz bieten. Borton zog zwei davon auf die F��e und musterte sie kritisch. Eine andere hie� er, sich b�uchlings hinzulegen und dann einen Buckel machen. Temione keuchte auf, entsetzt �ber die K�hnheit, mit der die Frauen behandelt wurden.</p><p>�Auch du bist eine Sklavin�, erinnerte ich sie. �Dasselbe k�nnte auch mit dir geschehen.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Ich will noch andere sehen�, rief Borton und machte es sich auf dem Platz bequem, den er zuvor beansprucht hatte.</p><p>Philebus brachte zwei M�dchen. Bis auf den Kragen waren sie nackt. Borton lie� eine neben sich niederknien, die andere, eine Blondine, legte er sich quer �ber den Scho�. �Beweg dich nicht�, warnte er sie.</p><p>�Borton!� rief ein Mann fr�hlich von der anderen Seite des Ausschanks. �Mu�test du in letzter Zeit mal wieder in einer Herberge ausgel�st werden?�</p><p>�Ich glaube, dazu habe ich auch etwas beigesteuert!� rief ein anderer, ein Bursche, der ebenfalls Artemidorus� Tarnsmannuniform trug.</p><p>�Das habe ich dir zur�ckgezahlt, und zwar das F�nffache, du Sleen�, br�llte Borton lachend.</p><p>Das M�dchen, das auf dem R�cken quer �ber seinen Knien lag, schrie pl�tzlich �berrascht auf. �Beweg dich nicht�, warnte er sie erneut. Das andere M�dchen, das neben ihm im Staub kniete, machte Anstalten, vorsichtig fortzukriechen. �Und du bleibst auch hier.�</p><p>Daraufhin kam sie zugleich �ngstlich und aufgeregt wieder n�her, hob den Kopf und k��te sein Knie. Die Blonde auf seinem Scho� schrie wieder auf. Sie starrte mit weit aufgerissenen Augen zu den Monden hoch. Ihre F�uste �ffneten und schlossen sich. Sie st�hnte.</p><p>�Es ist einige Wochen her�, sagte der Mann neben mir, �vor dem Fall von Ar-Station. Borton bef�rderte Depeschen f�r Artemidorus. Er �bernachtete in einer Herberge an der Vosk-Stra�e. W�hrend er sich mit dem morgendlichen Bad erfrischte, stahl ihm irgendein Schurke seine Kleidung, sein Geld, seinen Tarn, die Depeschen. Eben alles.�</p><p>�Interessant�, bemerkte ich.</p><p>Der Mann kicherte. �Man hielt ihn in der Herberge fest, nackt an einen Ring im Hof gefesselt, bis seine Rechnung, die, wie ich h�rte, betr�chtlich war, bezahlt wurde.�</p><p>�Wer hat ihn ausgel�st?�</p><p>�Seine Kameraden. Ein paar Tage sp�ter kehrten andere von Artemidorus� Tarnsm�nnern in der Herberge ein. Sie hatten ihren Spa� daran, ihn so vorzufinden. Also lie�en sie ihn noch zwei oder drei Tage dort schmoren, verspotteten ihn und steigerten seine Sorge, sie k�nnten das Geld zum Ausl�sen nicht aufbringen, oder behaupteten, sie h�tten es zwar geschafft, es aber wieder beim Spiel verloren. Au�erdem brachten sie, wie du dir sicher vorstellen kannst, solche Dinge wie die Ehre der Truppe ins Gespr�ch und warfen die Frage auf, ob jemand, der so d�mlich war, sich in eine solche Zwangslage zu bringen, �berhaupt ausgel�st werden sollte. Er fluchte und tobte, aber was konnte er schon tun, nackt, in Ketten! Am Ende befreiten sie ihn nat�rlich, nachdem sie ihm das Versprechen abgenommen hatten, ihnen ihre Scherze nicht heimzuzahlen, und beglichen seine Schulden.�</p><p>�Es hat doch sicher �rger wegen der verlorenen Depeschen gegeben�, meinte ich.</p><p>�Anscheinend waren sie nicht wichtig, Routinekram. Angeblich waren sie nicht mal verschl�sselt. Au�erdem sch�tzte man seine Fertigkeiten mit dem Tarn und dem Schwert. Sicher, er mu�te eine Strafe bezahlen und wurde degradiert. Aber wie ich geh�rt habe, hat er seinen finanziellen Engpa� �berwunden, vermutlich durch seinen Anteil an der Beute, die Artemidorus beim Fall von Ar-Station gemacht hat. Was seine Ehre angeht, bin ich mir nicht so sicher.�</p><p>�Ihr m��t fl�chten, Herr�, fl�sterte Temione mir zu.</p><p>�Ich habe meinen Paga noch nicht ausgetrunken�, erwiderte ich. Nie im Leben h�tte ich damit gerechnet, diesem Kerl noch einmal �ber den Weg zu laufen. Sowohl ich als auch Ephialtes waren mit ihm aneinandergeraten. In einem aus Tausenden von M�nnern bestehen Heerlager, in dem es mindestens zwei Dutzend Paga-Schenken gab, mu�te ich mir ausgerechnet diese aussuchen. Zugegeben, das war nicht so erstaunlich, wie es vielleicht den Anschein hatte, denn Philebus Wirtschaft war angeblich die beste im ganzen Lager. Nat�rlich hatte ich mich vorher erkundigt. Wie dem auch sei, es gab kaum Grund zur Sorge. Borton hatte mich nicht gesehen und w�rde sich vermutlich auch nicht an mich erinnern. Vielleicht w�rde er auch die Komik der Situation zu sch�tzen wissen, und wir w�rden darauf gemeinsam und friedlich ansto�en. Aber ich zog das Schwert ein kleines St�ck weiter aus der Scheide. Wem es um den Bruchteil eines Ihn geht, kann ein Viertelzentimeter ein betr�chtlicher Vorteil sein. Unter bestimmten Umst�nden verzichten Krieger ganz auf die Schwertscheide. Das ist �brigens auch einer der Gr�nde daf�r, warum man sie an einer Schlinge �ber der linken Schulter tr�gt; so kann man sie sofort nach dem Ziehen der Klinge zur Seite werfen, damit sie einen nicht behindert oder der Gegner daran zieht.</p><p>�Tarskbraten!� verk�ndete Philebus stolz und trat auf Borton zu. Er deutete auf einen seiner Gehilfen, der ein Tablett mit dampfendem Fleisch trug. Borton griff sich eine Keule hei�es, fetttriefendes Tarsk und bi� hinein. �Ausgezeichnet!� strahlte Philebus, dann bedeutete er seinem Gehilfen, das Tablett herumzutragen und die anderen zu bedienen. Der andere Gehilfe verteilte ebenfalls Essen, W�rste und Brot. Eine der Sklavinnen, die sich dicht hinter Philebus gehalten hatte, kniete gehorsam vor dem Tarnsmann nieder und stellte einen Becher Paga vor ihm ab. Sie war ausgesprochen sch�n, und sie wu�te es.</p><p>�Auf Borton!� rief ein Mann.</p><p>Jubel ert�nte. �Danke�, sagte ich. Ich nahm ein St�ck Tarsk von dem Tablett. Wenn der Tarnsmann schon so freundlich war, alle einzuladen, w�re es einfach albern gewesen, seine Gastfreundschaft zur�ckzuweisen.</p><p>�Diene ihm!� sagte Borton lachend zu der Sch�nheit, die vor ihm kniete, und zeigte mit der Keule auf einen Kameraden.</p><p>Die Sch�nheit sah ihn verbl�fft an, als k�nnte sie nicht glauben, da� sie fortgeschickt wurde. Einen kurzen Augenblick lang glaubte ich so etwas wie Wut in ihren Z�gen zu sehen, aber dann eilte sie pl�tzlich zu dem Mann, auf den Borton gezeigt hatte, als w�re ihr schlagartig ihr unm�gliches Verhalten bewu�t geworden; sie warf sich ihm zu F��en. �Du wirst heute abend ausgepeitscht�, versicherte Philebus ihr. �Ja, Herr�, st�hnte sie. Sie hatte nicht sofort gehorcht. Eine Sklavin hat sofort und unverz�glich zu gehorchen.</p><p>�Danke�, sagte ich zu dem anderen Gehilfen und nahm eine Wurst von dem Tablett.</p><p>�Paga f�r alle, von unserem Gastgeber, dem ehrenwerten Borton!� rief Philebus. M�dchen eilten gesch�ftig umher und bedienten. Ich streckte die Hand aus und hielt Temione fest. �Herr?� fragte sie.</p><p>�Du bedienst mich!�</p><p>Philebus kettete sogar die M�dchen von dem Pfahl los, damit sie ebenfalls bedienen konnten. Sobald sie frei waren, sprangen sie auf. Er warf Temione einen Blick zu, die sich �ngstlich bewegte, gab ihr aber kein Zeichen. Offensichtlich geh�rte sie zu mir.</p><p>Als der Gehilfe wieder an mir vorbeiging, nahm ich ein St�ck Brot von dem Tablett. W�re Marcus dagewesen, h�tte auch er ein kostenloses Abendessen gehabt.</p><p>Der Tarnsmann hatte genug von der Keule und warf den Rest einem Freund zu.</p><p>�Trinken wir auf Borton den Edlen, Borton den Gro�z�gigen!� rief ein Mann und erhob sich unsicher auf die Beine.</p><p>�Ja, auf ihn!� stimmten andere ein.</p><p>Ich schlo� mich ihnen an und hob den Becher. Ich machte mir einen Spa� daraus, das zu tun.</p><p>Temione konnte den Blick nicht von dem b�rtigen Kerl wenden. Vor langer Zeit hatte Temione genau wie Amina, Klio, Elene, Rimice und Liomache zu den Frauen geh�rt, die von M�nnern lebten. Vielleicht war es der Krieg gewesen, der Mangel an verm�genden Reisenden, die Horden halb verhungerter Fl�chtlinge oder die hohen Preise; als ich sie kennengelernt hatte, ging es ihnen schlecht. Aufgrund der unbezahlten Rechnungen und da ihre Ausfl�chte das Herbergspersonal nicht l�nger zufriedenstellten, hatte man sie ergriffen und an Stricken um den Hals vor den Verwalter gef�hrt. Er hatte sie voll bekleidet in einen K�fig auf R�dern auf eine Bank gesetzt, in der N�he des Eingangs, wo sie Gelegenheit hatten, M�nner anzubetteln, ihre Rechnung zu bezahlen. Nachdem sich dies als erfolglos erwies, lie� er sie von kr�ftigen freien Frauen durchsuchen und entkleiden, um sie dann wieder in den K�fig bringen, wo sie nun wieder auf der Bank sa�en, diesmal jedoch nackt und v�llig mittellos. Sp�ter hatte er sie mit zusammengebundenen Kn�cheln neben dem Eingang aufgereiht, mit freien H�nden, damit sie die Herbergsg�ste noch flehentlicher anbetteln konnten. Zur siebzehnten Ahn hatte der Verwalter sie fortschaffen lassen; vielleicht hatte er sie nicht mehr sehen k�nnen, oder er hatte einfach nicht mehr daran geglaubt, da� sich jemand f�nde, der ihre Rechnungen bezahlte. Zum erstenmal in ihrem Leben hatten sie Ketten getragen. Ich hatte die einstige Lady Temione aus Cos im Pagaraum kennengelernt, wo sie nackt und in Ketten als meine Bedienung fungierte. Dort war sie auch dem Mann begegnet, der sich nun als Borton entpuppte. Er hatte sie nicht haben wollen, da sie keine Sklavin war, hatte sogar w�tend abgelehnt, auch nur von ihr bedient zu werden. �Bringt mir eine Frau!� hatte er gebr�llt. �Eine richtige Frau!�</p><p>Das war ein schwerer Schlag f�r ihre Eitelkeit, ihr Selbstbewu�tsein und ihren Stolz gewesen, da sie sich, wie die meisten freien Frauen, f�r einen wunderbaren und kostbaren Schatz hielt.</p><p>�Die Sklavinnen sollen sich zeigen!�, rief ein Mann und hob seinen Becher Paga.</p><p>�Die Sklavinnenparade!� stimmte ein anderer ein. �Die Sklavinnenparade!�</p><p>�Ja, ja!�</p><p>Die �Sklavinnenparade�, wie man sie manchmal nennt, findet f�r gew�hnlich in Paga-Tavernen und Bordellen statt. Nat�rlich veranstaltet man sie auch anderswo, in den H�usern reicher M�nnern, bei Festgelagen und dergleichen. Es ist eine Zurschaustellung von Sch�nheit und k�rperlichen Reizen. Die Sklavinnen bieten sich, f�r gew�hnlich eine nach der anderen, von Musik begleitet, den G�sten dar. In gewisser Weise �hnelt es den Modeschauen der Erde, wobei es nat�rlich hier nicht darum geht, Sklavenmode vorzuf�hren � obwohl auch das vorkommt �, sondern um sozusagen die Sch�tze des Hauses zu pr�sentieren. W�hrend bei den Modeschauen auf der Erde sich die Frau f�r die Mode und der Mann f�r die Frau interessiert und die Frauen f�r die Designer lediglich Mittel zum Zweck sind, nehmen an einer Sklavinnenparade grunds�tzlich keine freien Frauen teil, und die M�nner k�nnen sich an der Sch�nheit der Sklavinnen erfreuen, wie es von der Natur beabsichtigt ist. Und die Frauen dienen nicht den Designern, sondern einem Herrn, der, falls er sie ausw�hlt, ihr Mietgeld bezahlt. Die Frauen ziehen ebenfalls ihren Gewinn daraus, nicht nur was das Geldverdienen angeht, sondern in einer tiefergehenden psychologischen und biologischen Hinsicht; so k�nnen sie ihre wahre Natur ausdr�cken und erf�llen.</p><p>Ein Fl�tentrillern ert�nte, eine einfache Fl�te, keine Doppelfl�te, gefolgt vom schnellen Schlag einer kleinen Tabor; die Instrumente waren in den H�nden von Philebus� Gehilfen. Die Sklavinnen des Ausschanks sahen einander an, �ngstlich und aufgeregt zugleich. Dann lie� Philebus eine Peitsche knallen; es klang wie ein Schu�. Die M�dchen in ihren Eisenkragen und knappen Kost�men schrien entsetzt auf. Selbst Temione zuckte zusammen, obwohl sie an meiner Seite kniete. Es war ein Laut, der Sklavinnen nicht unbekannt war.</p><p>�Dora!� rief Philebus.</p><p>Sofort wirbelte eines der M�dchen im Takt der Musik zwischen den G�sten umher, eine sinnliche Sklavin mit breiten H�ften und s��en Br�sten; halb tanzend und halb gehend bot sie sich besonders Borton dar, wich vor und zur�ck, drehte sich.</p><p>�Lana!� rief Philebus, und Dora wirbelte aus der Mitte des Kreises heraus und vollendete ihren Tanz durch den Schankraum, wobei sie sich bem�hte, den zupackenden, liebkosenden H�nden der M�nner zu entgehen, und kniete dann im Hintergrund nieder.</p><p>Das M�dchen, das der Tarnsmann seinem Freund zum Vergn�gen �berlassen hatte, sprang auf die F��e und begann ihre Runde auf ziemlich die gleiche Weise wie ihre Vorg�ngerin. Sie war eine aufregende, langbeinige Frau, und ihr Kleid, das aus d�nner Seide bestand, die immer wieder aufklaffte, �berlie� kaum einen ihrer Reize der Phantasie.</p><p>�Aii!� rief ein Mann und huldigte damit der Sch�nheit der vorbeitanzenden Sklavin.</p><p>Sie posierte verf�hrerisch vor Borton.</p><p>�Wie sch�n sie doch ist!� entfuhr es Temione.</p><p>�Aii!� rief ein anderer Mann.</p><p>Mit einem Schwenken seines Bechers und einem Lachen entlie� Borton sie.</p><p>Diesmal eilte sie unverz�glich los, bewegte sich auf wundersch�n anzusehende Weise an den M�nnern vorbei und vollendete ihre Schau. Sie hatte keinen Augenblick lang gez�gert. Sie war fortgeschickt worden.</p><p>�Tula!� rief Philebus, und ein weiteres M�dchen sprang auf die F��e.</p><p>Lana, die ihre Runde beendet hatte, kehrte an die Seite des Mannes zur�ck, dem Borton sie vorhin �berlassen hatte. Sie geh�rte noch immer ihm, durch den Willen eines anderen, bis man sie entlie�.</p><p>�Lina!� rief Philebus. Sie hatte kurze Beine und war ziemlich st�mmig, mit einer wunderbar breiten Liebesschaukel, wie man so sagt. Das sind oft die besten Sklavinnen.</p><p>�Ich habe Angst�, sagte Temione.</p><p>Die w�sten Komplimente, mit denen sie �bersch�ttet wurde, lie�en Lina err�ten. Dann tanzte sie, ebenfalls entlassen, aus dem Kreis heraus und kniete im Hintergrund nieder.</p><p>�Sucha!� rief Philebus. Sie war ebenfalls ziemlich klein, mit dunkler Haut. Meiner Meinung nach stammte sie m�glicherweise aus der Tahari.</p><p>�Ina!� rief Philebus. Sie war gr��er und blond, kam vielleicht aus einem Dorf in der N�he von Laura. Trotz ihrer blonden Haare war offensichtlich, da� in ihrem Leib das Sklavenfeuer entfacht worden war. Ich l�chelte. Ohne jeden Zweifel w�rde sie trotz ihrer Haarfarbe in den Armen eines Mannes so hilflos sein wie jede gew�hnliche Sklavin.</p><p>�Susan!� rief Philebus. Susan war eine Rothaarige.</p><p>Das M�dchen, das quer auf Bortons Scho� gelegen hatte, lag nun neben ihm b�uchlings am Boden und sah der Sklavinnenparade zu. Ihr stockte der Atem. Das andere M�dchen hatte sich auf H�nde und Knie erhoben. Sie keuchte auf. Sie schien �berw�ltigt und aufgeregt. �Runter!� befahl Borton. Sie und die andere kauerten sich zusammen, jede auf einer Seite, und betrachteten aufgeregt die Zurschaustellung der Sklavinnen. Gelegentlich gaben sie Borton einen Ku�, als wollten sie ihn darin erinnern, da� sie auch noch da waren, da� sie Frauen und bereit waren.</p><p>�Jane!� rief Philebus. Jane war eine kurvenreiche Br�nette. Die Namen Susan und Jane sind Erdennamen. Aber dies bedeutete nicht, da� es sich bei diesen M�dchen um Menschen von der Erde handelte. Irdische M�dchennamen dienen auf Gor oft als Sklavennamen. Nat�rlich war es nicht ausgeschlossen, da� sie von der Erde kamen. Aber selbst falls dies zutraf, waren sie jetzt goreanische Sklavinnen, verk�ufliche Ware, laszive, hemmungslose Frauen. Ich erw�hne die M�glichkeit, da� sie von der Erde stammten, nur aus dem Grund, weil so etwas durchaus nicht ausgeschlossen war. Das hat etwas mit dem Sklavenhandel zu tun. Es gibt eindeutige Beweise daf�r, da� Schiffe der Kurii zwischen der Erde und Gor eine best�ndige Sklavenroute aufrechterhalten. Dies nur zur Erl�uterung.</p><p>�Jasmine, Geize!� rief Philebus.</p><p>�Ich kann mich dort nicht zeigen�, schluchzte Temione.</p><p>�Ziehst du die Peitsche vor?� fragte ich.</p><p>�Er verachtet mich�, sagte sie. �Er w�rde mich auslachen. Er w�rde mich verspotten und erniedrigen! Er hat mich angeekelt abgewiesen. Er findet mich h��lich, dick, dumm, ein Sleen-Weibchen, das so absto�end und widerw�rtig ist, da� er mich aus seiner Gegenwart entfernen lassen w�rde.�</p><p>�Aber jetzt bist du eine Sklavin�, bemerkte ich.</p><p>Sie starrte mich mit einem wilden Blick an.</p><p>�Temione!� rief Philebus.</p><p>Sie stand augenblicklich auf den Beinen, mit einer Bewegung voller Sinnlichkeit und Anmut.</p><p>Ich keuchte �berrascht auf.</p><p>�Aii!� riefen einige M�nner.</p><p>Sie war eine Sklavin, aber was f�r eine!</p><p>Sie glitt an den M�nnern vorbei, in ihrem Auftritt bei der Sklavinnenparade, schritt den staubigen Pfad zwischen ihren Herrn entlang; die einen waren Goreaner, Larls unter M�nnern, harte, durch nichts verweichlichte, ungez�hmte Bestien, gebieterisch und gnadenlos, und sie war eine Frau, unaussprechlich begehrenswert und verletzlich, weich und sch�n, ein Wesen, wie sie es zu ihren F��en liegen haben wollten!</p><p>�Aii!� rief ein Bursche.</p><p>Aber da hatte sie sich schon von ihm zur�ckgezogen, als ob sie ihn f�rchteten, und doch auf eine Weise, da� er genau wu�te, da� sie ihm oder einem anderen unaussprechliche Freuden bereiten w�rde.</p><p>Ich mu�te mich zwingen zuzusehen.</p><p>Borton hatte den Becher gesenkt.</p><p>Selbst Philebus sah �berrascht aus. Ich glaube, bis zu diesem Augenblick hatte er gar nicht gewu�t, was ihm da eigentlich geh�rte.</p><p>Auch die im Hintergrund knienden M�dchen sahen zu, einige erhoben sich von den Fersen. Sie blickten Temione und dann einander an. Einige keuchten auf. Sie waren fassungslos. Anscheinend konnten sie nicht glauben, was sie da sahen. Bis zu diesem Augenblick hatten sie � genausowenig wie Philebus oder ich, was das betraf � auch nur geahnt, wieviel Weib in Temione steckte. Einige der M�dchen rissen ihre Seide auf und wanden sich im Staub auf den Knien vor Verlangen. Als sie sahen, wie sch�n und begehrenswert eine Frau sein konnte, wollten sie sich ebenfalls auf diese Weise bewegen und so die Aufmerksamkeit ihrer Herrn auf sich lenken, um sie darum zu bitten, ihr Verlangen nach Liebe und Unterwerfung zu stillen.</p><p>Trommel und Fl�te ert�nten. Da waren die M�nner, der Ausschank, der Vosk im Hintergrund, der Feuerschein und die Sklavin.</p><p>�So wundersch�n�, fl�sterte ein Mann.</p><p>Auf ihrer Runde machte sie vor mir halt, ihre H�nde strichen �ber die H�ften, ihre Schultern und ihre Br�ste bewegten sich.</p><p>Ich trank von meinem Paga. Dann entlie� ich sie mit einer kleinen Kopfbewegung.</p><p>Sie wirbelte von mir fort.</p><p>Und n�herte sich dem Kurier.</p><p>Es war sehr sch�n, ihr zuzuschauen, einer in Seide geh�llten, mit dem Sklavenkragen versehenen barf��igen Sch�nheit.</p><p>Dann stand sie vor Borton, dem Tarnsmann, die Schultern nach hinten genommen, den Kopf hoch erhoben, stolz in ihrem Sklaventum, furchtlos; ihr K�rper schien sich kaum zu bewegen, und doch folgte er gehorsam und enth�llend dem Takt der Musik, wie es sich bei einer Sklavinnenparade geh�rte.</p><p>�Ah!� sagte der Tarnsmann mit leuchtenden Augen.</p><p>Sie sah ihn an. Er mu�te sie doch erkennen!</p><p>Dann wich sie vor ihm zur�ck und wieder vor. Seine Hand krampfte sich um den Becher. Die M�dchen im Hintergrund murmelten etwas. Er entlie� Temione nicht. Er lie� sie weitertanzen.</p><p>M�nner sahen einander an und grinsten.</p><p>Temione wiegte sich weiter, machte einen Schritt in die eine und dann in die andere Richtung, drehte sich im Kreis, kam n�her, wich zur�ck, kam wieder n�her.</p><p>Und noch immer entlie� er sie nicht. Als sie einmal von ihm zur�ckwich, trafen sich unsere Blicke. Sie sah �berrascht aus. Anscheinend hatte sie damit gerechnet, auf jeden Fall von ihm erkannt zu werden. Zweifellos war sie darauf gefa�t gewesen, wieder zur�ckgesto�en zu werden, fortgeschickt, vielleicht sogar geschlagen zu werden, aber er hatte sie nicht einmal aus dem Kreis gelassen. Als sie mir kurz darauf wieder das Gesicht zuwandte, konnte ich nicht umhin, zusammen mit ihrer Verbl�ffung ihre sch�n geformten, nackten Beine wahrzunehmen; ihre zarten Kn�chel und F��e, der wunderbare Schwung ihrer H�fte, Taille und Br�ste, preisgegeben von der Seide, dieser Verh�hnung eines Kleidungsst�cks, die Anmut ihrer Ober- und Unterarme, die zierlichen H�nde und Finger, ihre Schultern, ihr Hals mit dem Kragen, ihr zartes, wundersch�nes Gesicht � wie wunderbar sie doch war! Vielleicht war es verst�ndlich, da� er diese aufregende Sklavin vor ihm nicht mit der freien Frau in Verbindung brachte, der er seinerzeit soviel Verachtung entgegengebracht hatte. Vermutlich w�re das vielen M�nnern so gegangen.</p><p>Wieder tanzte sie vor ihm.</p><p>Nein, er erkannte sie nicht.</p><p>Dann blieb sie verwegen vor ihm stehen, als w�rde sie ihn herausfordern, sie zu erkennen.</p><p>Und er tat es noch immer nicht!</p><p>Pl�tzlich ri� sie sich v�llig unerwartet die Seide vom K�rper. Die M�dchen st�hnten auf. M�nner beugten sich vor. Philebus Hand verkrampfte sich um die Peitsche. Er hob sie z�gernd.</p><p>Temione bemerkte das nicht. Sie hatte nur Augen f�r den Kurier, und er f�r sie, verbl�fft, verzaubert, wie gel�hmt.</p><p>�Ist der Herr zufrieden?� fragte Philebus.</p><p>�Ja! Ja!� rief Borton aus.</p><p>Sie blieb weiter vor ihm stehen. Obwohl sie sich kaum bewegte, war in ihrem K�rper noch immer Musik. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� Philebus sie daf�r bestrafen w�rde, da� sie so vor Borton, seinem Kunden, getanzt oder sich die Seide vom Leib gerissen hatte. In der Abgeschiedenheit seines Zuhauses ermuntert ein Herr seine Sklavinnen zu solch erregenden Spontanaktionen. In der �ffentlichkeit wie einem Paga-Ausschank ist es jedoch f�r ein M�dchen ratsam, sehr vorsichtig zu sein, zumindest in Gegenwart ihres Besitzers. Sie darf auf keinen Fall den Anschein erwecken, da� sie nicht mehr unter der v�lligen Kontrolle ihres Herrn steht.</p><p>�Los, los�, sagte Borton und gestikulierte mit der linken Hand und dem Becher in seiner rechten, �bring sie alle her!�</p><p>Philebus gab den M�dchen ein Zeichen, und sie eilten mit leisen Schritten nach vorn und knieten im Halbkreis hinter Temione nieder, die noch immer mit zerrissener Seide dort stand.</p><p>�M�chte der Herr vielleicht seine Auswahl f�r heute nacht treffen?� fragte Philebus.</p><p>Gel�chter erscholl.</p><p>Diese Frage war nun wirklich rein rhetorisch.</p><p>Philebus wies mit der zusammengerollten Peitsche auf seine M�dchen, wie ein Zuckerb�cker, der seine S��igkeiten anpreist.</p><p>Weiteres Gel�chter erscholl.</p><p>Ich glaube, es bestand kein Zweifel, wen der Tarnsmann w�hlen w�rde.</p><p>Die beiden Gehilfen, die f�r die Musik gesorgt hatten, waren verstummt. Der eine wischte die Fl�te ab, der andere k�mmerte sich um die Tabor, l�ste ein paar Pfl�cke und verringerte die Spannung der Trommelhaut. F�r gew�hnlich nahm man Verrhaut, genau wie f�r Weinschl�uche.</p><p>�K�nnen sie tanzen?� fragte Borton, als h�tte er sich doch noch nicht entschieden.</p><p>Der Trommelspieler blickte auf.</p><p>�Leider nein!�, rief Philebus in gespielter Verzweiflung. �Leider ist keines meiner M�dchen eine T�nzerin.�</p><p>Der Trommelspieler wandte sich wieder seiner Arbeit zu.</p><p>Aus der Menge ert�nten gespielte Ausrufe der Entt�uschung.</p><p>�Ich werde tanzen�, sagte Temione.</p><p>Die Sklavinnen zuckten zusammen, st�hnten auf. Stille senkte sich �ber den Schankraum. Philebus hob w�tend die Peitsche. Aber der Tarnsmann bedeutete ihm, sie zu senken.</p><p>�Vergebt mir, Herr�, sagte Temione. Sie hatte ohne Erlaubnis gesprochen.</p><p>�Zeig sie mir genauer�, verlangte Borton.</p><p>Philebus dr�ckte Temione unsanft nach unten, auf die Knie, dann dr�ckte er ihr Kinn nach oben. Sie starrte den Kurier an.</p><p>�Ich kenne dich von irgendwoher, nicht wahr?� sagte Borton.</p><p>�Vielleicht, Herr�, stammelte sie.</p><p>�Ich glaube, ich kenne dich�, sagte er.</p><p>�Vielleicht, Herr�, wiederholte sie. Und schrie furchterf�llt auf und kr�mmte sich zusammen, als Philebus die Peitsche knallen lie�.</p><p>�Dr�ck dich deutlich aus, Sklavin�, fauchte Philebus. �Kennst du ihn oder nicht?� Er lie� die Peitsche erneut knallen.</p><p>�Ich kenne ihn aus dem <emphasis>Krummen Tarn,</emphasis> Herr�, rief sie und schaute Borton �ngstlich an.</p><p>�Du!� br�llte er.</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>�Die freie Frau!�</p><p>�Die jetzt eine Sklavin ist, Herr�, sagte sie, �eine Sklavin.�</p><p>�Ha! Was f�r einen Narren hast du aus mir gemacht!�</p><p>�Nein, Herr�, sagte sie furchtsam.</p><p>�Du hast mich wirklich hinters Licht gef�hrt.�</p><p>�Nein, Herr�, schluchzte sie.</p><p>�Eine am�sante kleine Sklavin�, bemerkte er.</p><p>Sie wagte nicht, darauf etwas zu erwidern.</p><p>�Ich kaufe sie�, sagte Borton.</p><p>Der Wirt sch�ttelte den Kopf. �Sie ist nicht zu verkaufen.�</p><p>�Ein Goldst�ck�, sagte Borton. �Zehn Goldst�cke.�</p><p>�Du bist betrunken.�</p><p>�Nein�, sagte Borton. �Ich war in meinem Leben noch nie so n�chtern.�</p><p>Temione erschauderte.</p><p>�Ich will dich haben�, sagte Borton zu ihr.</p><p>�Darf ich sprechen?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Was w�rde der Herr mit mir machen?� fragte sie mit zitternder Stimme.</p><p>�Wozu ich Lust habe�, lautete die Antwort.</p><p>Einer der M�nner rief: �Hast du �berhaupt zehn Goldst�cke?�</p><p>Borton runzelte die Stirn und warf ihm einen finsteren Blick zu. Gel�chter ert�nte. Seit dem Vorfall in der Herberge waren seine Finanzen wohl in Unordnung.</p><p>�Zehn Silbertarsk�, meinte Borton grinsend.</p><p>�Das ist ein guter Preis, Philebus�, sagte ein Mann. �Verkauf sie!�</p><p>�Sie ist nicht zu verkaufen�, sagte Philebus.</p><p>Entt�uschte Rufe ert�nten.</p><p>�Aber vielleicht m�chtest du sie f�r den Abend haben?� schlug er dann Borton vor. Er gab ihm die Peitsche. Die Sklavin erbebte. �Umsonst.�</p><p>�Ausgezeichnet, Philebus�, lobten einige M�nner.</p><p>Ich stand auf. �Einen Augenblick!�</p><p>�berrascht wandten sich mir alle Blicke zu.</p><p>�Sie dient schon mir�, sagte ich.</p><p>Erstaunte Ausrufe ert�nten.</p><p>�Pa� auf�, sagte ein Mann. �Das ist Borton!�</p><p>�So wie ich die allgemein �blichen Regeln einer Paga-Taverne kenne, die meines Wissens auch f�r einen solchen Ausschank gelten, steht die Sklavin mir zu, bis ich sie entlassen habe, oder bis zur Sperrstunde, oder bis zur Morgend�mmerung. Ausnahmen von dieser Regel m�ssen vorher verk�ndet werden, sagen wir durch eine Verlautbarung oder ein Schild.�</p><p>�Sie hat dir nicht gedient�, sagte jemand.</p><p>�Hast du mich bedient?� fragte ich die Sklavin.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Und habe ich dich entlassen?�</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>Ein Mann neben mir warnte: �Das ist Borton!�</p><p>�Ich freue mich, seine Bekanntschaft zu machen.� Das war nicht ganz ehrlich gemeint.</p><p>�Wer bist du?� fragte Borton.</p><p>�Ich freue mich, deine Bekanntschaft zu machen�, versicherte ich ihm.</p><p>�Wer bist du?� wiederholte er die Frage.</p><p>�Ein netter Bursche�, antwortete ich, �der keinen Streit sucht.�</p><p>Borton warf die Peitsche zur Seite. Sein Schwert flog f�rmlich aus der Scheide.</p><p>M�nner wichen zur�ck.</p><p>�Aii!� rief jemand. Auch mein Schwert hatte seine Scheide verlassen.</p><p>�Ich habe nicht gesehen, wie er gezogen hat�, stie� ein Mann hervor.</p><p>�Meine Herren, wir wollen hier doch keinen �rger haben�, beschwor uns Philebus.</p><p>�Warte!� rief Borton da pl�tzlich. �Warte! Warte! Ich kenne dich! Ich kenne dich!�</p><p>Ich warf einen schnellen Blick nach links. Dort stand ein Mann. Er w�rde mir dienlich sein.</p><p>�Er ist derjenige, der auch im <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> war!� br�llte Borton w�tend. �Er war es, der meine Depeschen gestohlen hat, der sich mit meinem Geld aus dem Staub gemacht hat, mit meiner Kleidung, meiner Ausr�stung, meinem Tarn!�</p><p>Ich sch�tze, man konnte es Borton nicht verdenken, da� er so ungehalten war. Als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, hatte ich auf seinem Tarn gesessen und den Vogel �ber dem Hof schweben lassen, w�hrend er in der Tiefe nackt an einen Sleenring gekettet worden war, noch ganz na� von seinem Bad. Trotz seiner Gr��e und Kraft war der Ring stark genug gewesen, ihn zu halten, selbst als er mich dann erblickte, was ihn offensichtlich vollends aufbrachte. Ich hatte ihm fr�hlich mit der Kuriertasche zugewinkt. Ich hatte ihm nichts nachgetragen. Er hatte mir von dort unten etwas zugebr�llt, aber der Fl�gelschlag des Tarns und der Wind hatten verhindert, da� ich es verstehen konnte. Aber seine Freunde hatten ihn ja ausgel�st.</p><p>Wie dem auch sei, jetzt stand er vor mir, in keiner guten Stimmung und mit einem Schwert in der Hand.</p><p>�Er ist ein Spion und ein Dieb!� rief er.</p><p>M�nner sprangen auf die Beine.</p><p>�Ein Spion!�</p><p>�Ergreift ihn!�</p><p>Pl�tzlich verlor ich Temione, die zur Seite gesto�en wurde, aus dem Blick.</p><p>Borton st�rmte auf mich zu.</p><p>Ich packte den Burschen links neben mir an seinem Gewand und stie� ihn Borton vor die F��e. M�nner dr�ngten vorw�rts. Borton lag am Boden; er sah ziemlich unzufrieden aus. Ich versetzte einem Mann zu meiner Rechten mit der Hand, mit der ich das Schwert hielt, einen Fausthieb. Knochen splitterten. Er spuckte Z�hne aus. Es blieb keine Zeit f�r eine Entschuldigung. Ich fuhr herum, lie� mich auf alle viere fallen; �ber mir prallten M�nner zusammen. Ich sprang wieder auf und stie� drei oder vier Burschen zur Seite. Dann bahnte ich mir einen Weg durch den Rest der M�nner, von denen die meisten mich in dem Gedr�nge gar nicht richtig wahrnehmen konnten, ri� mich los und setzte �ber den niedrigen Zaun hinweg, um durch die Dunkelheit auf den Vosk zuzueilen.</p><p>�Da l�uft er!� rief jemand. Hinter mir schrien einige der M�dchen auf, die in der Verwirrung vermutlich zur Seite gesto�en oder �ber den Haufen gerannt wurden. F�r gew�hnlich steht Sklavinnen nicht der Sinn danach, inmitten von M�nnern und blankgezogenen Klingen zu hilflosen, kurvenreichen, leicht bekleideten Hindernissen zu werden. Sie sind dazu da, ihnen Freude zu bereiten, was ihnen auch klar ist, und nicht, ihnen im Weg zu stehen.</p><p>�Er fl�chtet zum Vosk!� rief ein Mann. Aber als ich das h�rte, eilte ich l�ngst nicht mehr in Richtung Flu�. Ich hatte zwischen den umstehenden Zelten � von denen die meisten leer standen, was vermutlich dem L�rm des Paga-Ausschanks und der sich in Windeseile verbreitenden Nachricht von Bortons Gro�z�gigkeit zuzuschreiben war � die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Allerdings hatte ich in ihrem Schutz das Schwert in die Scheide gesteckt und Schrittempo eingeschlagen; wenn ich jemandem begegnete, blieb ich stehen und blickte zur�ck, als w�rde mich der aus dem Ausschank her�berdringende L�rm interessieren. �Was ist denn da hinten los?� fragte ein Soldat.</p><p>�Keine Ahnung�, erwiderte ich. Schlie�lich war ich ja nicht mehr dort. Aber ich konnte es mir nat�rlich denken. Dutzende von M�nnern mit Fackeln oder Laternen w�rden auf der Suche nach mir durch den Uferschlamm des Vosk waten und mit gez�ckten Schwertern Schilfb�schel teilen. Ich beneidete sie nicht um diese Aufgabe. Es ist schon schwer genug, dort jemanden am Tag zu finden, erst recht also in der Nacht. Und wenn sich der Gesuchte dann nicht einmal dort befindet, wird es sogar noch schwieriger.</p><p>�Ich glaube, ich werde hingehen und mir die Sache einmal ansehen�, sagte der Soldat.</p><p>�K�nntest du mir den Weg zu dem Zelt von Borton, dem Kurier, zeigen?� fragte ich.</p><p>�Sicher�, erwiderte er. Ich bedankte mich h�flich. Dann sah ich zu, wie er neugierig in Richtung des Paga-Ausschanks ging. Unterwegs gesellten sich noch ein paar Burschen zu ihm. Sie waren vermutlich ebenfalls neugierig. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Da ich mich nun in einem h�her gelegenen Teil des Lagers aufhielt, konnte ich mehrere Fackeln sehen, die am Flu�ufer entlangflackerten. Anscheinend befanden sich auch ein paar kleine Boote im Wasser, an deren Bug man hinter Blenden Fackeln angebracht hatte, wie man es tut, wenn man nachts Tabuk und Tarsk jagt. Vermutlich hatte man sie sich von einheimischen Fischern ausgeliehen. Ich machte mich auf den Weg zu den Unterk�nften von Artemidorus, dem cosischen S�ldner.</p><p>Sie befanden sich am S�drand des Lagers, in der Richtung, in der man die Streitkr�fte Ars vermutete. So gesehen war es ein guter Ort f�r Erkundungsfl�ge. Die Tarnsm�nner konnten ziemlich unbeachtet kommen und gehen. Au�erdem war es nicht n�tig, den Luftraum des Hauptlagers zu durchqueren, der f�r gew�hnlich und aus naheliegenden Gr�nden nicht verletzt werden darf. Die dortigen Verteidigungsanlagen boten auch so etwas wie einen Puffer zwischen dem S�den und dem Hauptlager. Es ist schwierig und vor allem auch gef�hrlich, sich in der N�he unbekannter Tarns zu bewegen, vor allem in der Nacht. Die Zelte der Kuriere standen vermutlich in der N�he von Artemidorus� Hauptquartier. Das machte Sinn. Dann hatte ich Artemidorus� Lager erreicht. Ich ging den Stellungen der Wachposten aus dem Weg. Allerdings waren einige nicht einmal besetzt. Augenblicke sp�ter befand ich mich unerkannt zwischen den Zelten.</p><p>�Freund, wo befindet sich das Zelt von Borton, der dem Befehl Artemidorus� untersteht?� sprach ich einen S�ldner an.</p><p>�Was willst du von ihm?�</p><p>�Nichts, was dich angeht�, erwiderte ich.</p><p>Seine Hand fuhr zum Schwert.</p><p>�Du hast deine Klinge gezogen?� fragte er verbl�fft.</p><p>Ich lie� sie zur�ck in die Scheide gleiten. �Sieh her�, sagte ich, griff in meine G�rteltasche und zog eine Handvoll Sklavenperlen hervor. �Sind die nicht sch�n?� Er betrachtete sie im Mondlicht.</p><p>�Billiger Tand�, meinte er.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte ich, �aber h�bsch, sogar sehr h�bsch, und auf einem starken Faden aufgef�delt.� Die Perlen waren gro� und rund, bestanden aus hellbuntem Holz und ma�en etwa einen halben Hort im Durchmesser.</p><p>�Du bist ein H�ndler�, r�umte er ein.</p><p>�Trete ans Feuer�, sagte ich. Dort hielt ich die Perlen ins Licht. Er betrachtete sie.</p><p>�Ja, schon, h�bsch�, meinte er.</p><p>�Ich soll sie in Bortons Zelt abliefern�, sagte ich.</p><p>�Er besitzt keine Sklaven, er mietet sie.�</p><p>�Die m�ssen doch gar nicht f�r eine Sklavin sein, zumindest nicht sofort.�</p><p>�Das ist wahr�, lachte der S�ldner.</p><p>�Stell sie dir am Hals einer entkleideten freien Frau vor, die zu seinen F��en liegt�, sagte ich.</p><p>�Ja, genau�, lachte er.</p><p>Sklavenperlen werden gew�hnlich aus Holz und Glas hergestellt und kosten so gut wie nichts. Warum teure Dinge wie Gold, echte Perlen, Rubine und dergleichen an Sklavinnen verschwenden? Aber sie sind h�bsch, und M�dchen betteln darum. Tats�chlich k�mpfen sie darum, verzweifelt, manchmal sogar verbissen. Und als Wesen voller Eitelkeit wissen sie damit umzugehen, schm�cken sich damit, vergr��ern ihre Sch�nheit, machen sich so noch begehrenswerter.</p><p>�Sein Zelt?� fragte ich.</p><p>�Da hinten�, sagte der S�ldner und zeigte auf ein Zelt am Fu� des H�gels, der von Artemidorus� Hauptquartier gekr�nt wurde. Da� es sich um das Hauptquartier handelte, bedeutete noch lange nicht, da� sich Artemidorus in diesem Zelt aufhielt oder gar schlief. Manchmal dienen solche auff�lligen Zelte Tarnangriffen oder Meuchelm�rdern als Zielscheibe.</p><p>�Danke, Freund�, sagte ich, verabschiedete mich von dem hilfsbereiten S�ldner und begab mich zu dem Zelt. F�r einen einfachen Kurier fand ich es ziemlich gro�, wenn nicht sogar protzig. Wie die meisten goreanischen Feldzugszelte � zumindest jene, die man in gro�en, befestigten Lagern aufstellt � war es kreisrund und hatte ein kegelf�rmiges Dach. Es war mit roten und gelben Streifen versehen, und der Eingang verf�gte �ber einen Baldachin. Am Hauptpfahl, der durch das Dach hindurchf�hrte, flatterte eine Flagge mit den Insignien von Artemidorus� Truppe, ein Schwert in der Klaue eines Tarn. Ich pers�nlich ziehe niedrigere, unauff�lliger gef�rbte Zelte vor; sie f�gen sich besser in ihre Umwelt ein. Ein solches Zelt begleitete den Tarnsmann nicht auf seinem Flug, getragen von Zugtarns, sondern folgte in den Nachschubwagen des Trosses. Eine Abteilung Tarnsm�nner wie die des Artemidorus� h�lt sich beim Flug nicht mit dem Transport solcher Gegenst�nde auf. Sie reisen nur mit der n�tigsten Kriegsausr�stung wie den Geschossen und Waffen und Vorr�ten f�r eine bestimmte Zahl von Tagen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� er jetzt da ist�, rief mir der S�ldner nach.</p><p>�Ich werde warten, zumindest eine Zeitlang�, erwiderte ich. Dann r�ttelte ich am T�rvorhang aus Segeltuch, und als ich keine Antwort erhielt, trat ich ein.</p><p>Im Inneren war es ziemlich dunkel, also schlug ich mit dem Feueranz�nder aus meiner G�rteltasche Licht, entdeckte eine Lampe und z�ndete sie an. Unter diesen Umst�nden, nach meiner Unterhaltung mit dem S�ldner eben und angesichts der anderen Schwierigkeiten, hielt ich es f�r keine gute Idee, den Versuch zu unternehmen, meine Anwesenheit im Zelt geheimzuhalten. Das h�tte nur Argwohn erregt. Au�erdem war ich neugierig, wie es hier drin wohl aussehen mochte. M�glicherweise f�nde ich etwas, das ich gebrauchen konnte.</p><p>Im Zelt gab es kleine Teppiche, teure Wandbeh�nge und Schlaffelle. Dar�ber hinaus gab es verschiedene kleine Gegenst�nde wie Kr�ge, Sch�sseln und Schatullen. Am Mittelpfahl war ein St�ck Papier befestigt. Dort stand: <emphasis>Sei auf der Hut, dieses Zelt geh�rt Borton!</emphasis> Jeder, der diesen Zettel las, w�rde wohl wissen, wer dieser Borton war. Ich freute mich �ber den Zettel, denn so hatte ich eine Best�tigung, da� ich mich im richtigen Zelt befand. Am Rand eines Teppichs hatte man einen schweren Pfahl tief in den Boden gesto�en. Daneben lagen ein paar h�bsche, aber trotzdem stabile Ketten und eine Peitsche. Ich sah erfreut, da� Borton mit Frauen umzugehen verstand. Er war bestimmt kein schlechter Kerl. Mit Sicherheit war er mir in der Vergangenheit sehr n�tzlich gewesen. Und mit etwas Gl�ck w�rde er es wieder sein.</p><p>Ich drehte ein paar der kleineren Teppiche um und entdeckte eine Stelle, wo der Boden anders aussah. Ich grub dort mit der Messerspitze und fand eine kleine Schachtel mit M�nzen. Es waren f�nf Goldm�nzen, drei Starter aus Brundisium und zwei aus Telnus, elf Silbertarsk aus verschiedenen St�dten, da von dieser W�hrung viele im Umlauf sind, und ein paar weniger wertvolle M�nzen. Ich steckte sie ein. Ich hatte unter den Teppichen nachgesehen, da die Schatullen nach dem �ffnen nicht viel von Interesse preisgegeben hatten. Zum Beispiel besa� ich in meinem Zelt bereits N�hzeug. Es ist ein Spa�, sich eine Sklavin zu mieten, sie mit ins Zelt zu nehmen und sie dann etwas flicken zu lassen. Und wenn sie glaubt, da� das alles war, was man von ihr wollte, befiehlt man ihr, sich auf den R�cken oder den Bauch zu legen, um ihr beizubringen, da� ihre Weiblichkeit mehr verlangt als die Erf�llung solcher Arbeiten.</p><p>Mittlerweile war die Suche vom Flu� bestimmt auf das Lager verlegt worden. Also hielt ich es f�r einen guten Zeitpunkt, in die N�he des Flusses zur�ckzukehren. Bevor ich das Zelt verlie�, h�ngte ich die Sklavenperlen an den Nagel, mit dem Borton seine Warnung befestigt hatte. Ich war der Ansicht, ihm etwas f�r seine M�hen schuldig zu sein. Ich musterte die Perlen. Sie waren wirklich h�bsch, diese beiden Reihen aus gef�rbten runden Holzkugeln, auf einer Schnur aufgezogen, die fest genug war, um eine Sklavin an H�nden und F��en zu binden. Dann verlie� ich das Zelt.</p><p>�Ich habe keine Lust, noch l�nger zu warten�, erkl�rte ich dem S�ldner.</p><p>Er nickte, ohne mir gro�e Aufmerksamkeit zu schenken.</p><p>Ein Wachposten, den ich einen Augenblick sp�ter passierte, sprach mich an. �Im Norden geht etwas vor.�</p><p>�Wo denn?�</p><p>�Da.�</p><p>Ich konnte den Schein von Fackeln sehen; undeutlich waren die Rufe von M�nnern zu h�ren.</p><p>�Ich glaube, du hast recht�, stimmte ich dem Posten zu.</p><p>�Was ist da los?� fragte er einen S�ldner, der sich zu uns gesellte.</p><p>�Ein Spion wird gesucht�, sagte der S�ldner.</p><p>�Wei� man, wie er aussieht?� fragte ich.</p><p>�Soll ein gro�er Bursche sein, mit roten Haaren�, antwortete der Mann.</p><p>�Ich habe rotes Haar�, meinte ich.</p><p>�Wenn ich du w�re, w�rde ich in n�chster Zeit kein Aufsehen erregen�, sagte der W�chter.</p><p>�Das ist vermutlich eine gute Idee.�</p><p>�Es w�re zu dumm, f�r einen Spion gehalten, mit Armbrustbolzen durchbohrt oder in St�cke gehackt zu werden.�</p><p>�Da bin ich ganz deiner Meinung.�</p><p>�Sei vorsichtig�, empfahl mir der W�chter f�rsorglich.</p><p>�Das werde ich�, versicherte ich ihm.</p><p>�Sie werden ihn vor dem Morgengrauen haben�, sagte der S�ldner, der sich zu uns gesellt hatte.</p><p>Der W�chter nickte. �Die werden das ganze Lager auf den Kopf stellen. Es wird keinen Ort geben, an dem man sich verstecken kann. Sie werden �berall suchen.�</p><p>��berall?� fragte ich.</p><p>��berall.�</p><p>�Sie werden ihn vor dem Morgengrauen schnappen�, bekr�ftigte der S�ldner.</p><p>�Ich w�nsche euch alles Gute�, verabschiedete ich mich mit dem traditionellen goreanischen Gru�. Sie erwiderten ihn.</p><p>Wenn Krieger jemanden suchen, dann gehen sie f�r gew�hnlich von der Annahme aus, da� der Gejagte an einem Ort bleibt, sich also hartn�ckig verbirgt. In diesem Fall mu� man nur die vorhandenen M�glichkeiten gr�ndlich durchdenken, und die Aufgabe ist gel�st. W�hrend jedoch den J�gern durchaus bewu�t ist, da� sich der Gesuchte am Ort B aufhalten k�nnte, w�hrend sie gerade am Ort A sind, kommt ihnen nur selten der Gedanke, er k�nnte sich an Ort A aufhalten, w�hrend sie an Ort B suchen. In diesem Fall ist es m�glich, ��berall� zu suchen und nichts zu finden. M�nner oder Larls oder Sleen � die oft einen Bogen schlagen und ihre Verfolger von hinten angreifen � aufzusp�ren hat nichts mit der Suche nach einem verlorengegangenen Knopf gemeinsam. Viele der M�nner in diesem Lager, sowohl die regul�ren Soldaten als auch die S�ldner, waren geschickte Krieger, vielleicht sogar darin ausgebildet, Menschen zu jagen. Die Verfolgung der in der Schlacht geschlagenen, fl�chtenden Feinde ist eine eigenst�ndige Kunst. Solche M�nner versetzen sich in die Gedanken des Gejagten; sie bilden die Nachhut, sie trennen sich von der Suchmannschaft, sie suchen aufs Geratewohl und dergleichen mehr. Solche M�nner fangen viele Gejagte ein.</p><p>Es gibt allerdings einen Ort, an dem selbst solch erfahrene J�ger voraussichtlich nicht nachsehen, und das ist in der Suchmannschaft selbst. Einer Sklavin f�llt es schwer, in einer solchen Gruppe unerkannt unterzutauchen, allein wegen ihres Geschlechts, ihrer Nacktheit oder ihres Sklavenkragens, aber ein Mann hat da weniger Probleme. Meine Chance bestand also darin, den Augenblick abzuwarten, an dem die Suche au�erhalb des Lagers stattfand, und zwar vor allem im S�den, was so gegen Morgen der Fall sein d�rfte.</p><p>Marcus, der mich in das Lager begleitet hatte, hatte ganz genaue Pl�ne f�r jeden Notfall ausgearbeitet und mit Nachdruck darauf bestanden, da� sie, falls einer von uns ertappt oder gefangengenommen wurde, befolgt wurden, Pl�ne, die er vermutlich genau in diesem Augenblick wie der Blitz in die Tat umsetzte. Nach M�glichkeit sollten wir uns auf der Stra�e nach Holmesk treffen, in der N�he des Dorfes Teslit. Falls dieses Treffen nicht zustande kam, sollte derjenige, der sich in der N�he von Teslit aufhielt, weiter nach Holmesk eilen und sich dort mit den Kontaktleuten aus Ar in Verbindung setzen.</p><p>Marcus war ein �beraus ernsthafter junger Mann, dem es mit diesen Pl�nen sehr ernst war. Was mich angeht, so h�tte ich, falls er aufgeflogen w�re, mich vermutlich zumindest lange genug im Lager herumgetrieben, bis ich herausgefunden h�tte, ob ich ihm helfen konnte oder nicht. Falls jemand gepf�hlt wurde, ist die Hilfe, die man ihm zukommen lassen kann, eher gering. Marcus hatte jedoch darauf bestanden, da� ich keine R�cksicht auf ihn n�hme, ihn unverz�glich opferte und weiterreiste, um mit den Arern Kontakt aufzunehmen. Ich hatte mir jede Widerrede gespart, da es sehr schwer ist, mit n�chtern und sachlich denkenden Leuten �ber eine solche Sache zu diskutieren. Wir hatten sowieso vorgehabt, in einem oder zwei Tagen nach S�den weiterzureisen, da wir genug Zeit mit dem Expeditionsheer verbracht hatten, um seine Marschrouten bestimmen zu k�nnen und diese Informationen weiterzugeben. Ich pers�nlich konnte nicht so recht glauben, da� Ar die Bewegungen, Marschbefehle und Zusammensetzung der cosischen Streitkr�fte im Norden nicht bereits kannte.</p><p>Jetzt galt es aber, die Nacht zu �berstehen. �Sie werden ihn vor dem Morgengrauen haben!� hatte der Mann gesagt.</p><p>Ich ging davon aus, da� er sich irrte.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Die Stra�e unter mir war nicht gepflastert. Sie war staubig und hei�, lang und schmal. Sie f�hrte nach Norden.</p><p>Ich betrachtete sie.</p><p>Sie war leer.</p><p>Es war schwer zu glauben, da� sich das Expeditionsheer von Cos nordwestlich von hier in der N�he des Vosk aufhielt, w�hrend sich jenseits von Teslit in s�dlicher Richtung vor oder in Holmesk das Winterlager von Ar befand, das angeblich �ber ein betr�chtliches Verpflegungsdepot verf�gte und eine der gr��ten Truppenkonzentrationen darstellte, die man jemals so weit im Norden des Kontinents gesehen hatte.</p><p>Es war sp�ter Nachmittag. Ich hielt mir die Hand schattenspendend �ber die Augen. Von dem langen braunen Pfad, der zwei gewaltige Fl�chen aus vertrocknetem Gras wie eine trockene Linie teilte, stieg kein Staubw�lkchen in die Luft. Der sich dar�ber w�lbende Himmel war hell und klar, beinahe wolkenlos. Wie die Stra�e schien auch er leer zu sein.</p><p>Es war einsam hier.</p><p>Doch im Leben eines Kriegers sind solche Augenblicke willkommen, Augenblicke, in denen man allein sein, in denen man nachdenken kann.</p><p>Er, der nicht denken kann, ist kein Mann, sagt der Kodex. Doch der, der nur denkt, ist es auch nicht, hei�t es dann weiter.</p><p>Teslit, ein kleines Dorf, war bis auf eine oder zwei Familien verlassen worden. Frauen und Vieh waren in aller Eile fortgeschafft worden. Ich hielt das nicht f�r unklug. Cos stand n�rdlich von hier, Ar s�dlich. H�tten die Heere die Auseinandersetzung gesucht, w�re es durchaus vorstellbar gewesen, da� sie auf der Holmesk-Stra�e aufeinandertrafen, vielleicht in der N�he von Teslit, etwa auf halbem Weg zwischen dem Vosk und Holmesk. Ich musterte die Stra�e. Es hie�, hier h�tte vor langer Zeit eine Schlacht stattgefunden, vor mehr als zweihundert Jahren, die Schlacht von Teslit, die zwischen den Streitkr�ften von Ven und Harfax ausgetragen wurde. Viele wissen nicht einmal, da� es dort �berhaupt ein Dorf gibt. Und doch hatte dieses in der N�he befindliche Dorf der Schlacht ihren Namen verliehen. Derartige historische Details muten oft eigent�mlich an.</p><p>Ich lauschte einen Augenblick lang, und es kam mir so vor, als k�nnte ich von dort unten und zugleich aus weiter Ferne, wie aus einer anderen Zeit, ganz schwach das Schmettern der Trompeten und das Dr�hnen der Trommeln h�ren, die Schreie der M�nner und das Klirren von Stahl. Einst war diese friedliche Stra�e, dieses staubige Band zwischen den Grasfeldern, von Blut getr�nkt worden. Aber dann war da nur wieder diese Stille und die staubige Stra�e, die nach Norden f�hrte.</p><p>Tats�chlich befand sich das Heerlager von Ar an derselben Stelle wie das Lager von Harfax zweihundert Jahre zuvor. So etwas ist kein Zufall. Es hat mit dem Gel�nde, dem Wasser, den Verteidigungsm�glichkeiten und dergleichen zu tun. Das Territorium, sein Gef�lle, seine Quellen, seine Fl�sse, ihre Breite und Tiefe, ihre Str�mungsgeschwindigkeit, ihre Furten, das Klima, die Jahreszeit, die Sichtweiten, der Niederschlag, das alles bestimmt das vierdimensionale Brett, auf dem das Spiel des Krieges stattfindet. Es ist kein Wunder, da� gute Soldaten oftmals scharfsinnige Historiker sind, die eingehend Karten und Feldz�ge studieren. Gewisse Routen, Situationen und Jahreszeiten sind optimal f�r bestimmte Zwecke, w�hrend andere es wiederum nicht sind und sich sogar als verh�ngnisvoll erweisen k�nnen. So wurden zum Beispiel auf Gor gewisse P�sse immer wieder benutzt. Sie sind einfach die beste Verbindung zwischen wichtigen Punkten. Hier finden sich die Inschriften oder Zeichen Dutzender Heere, die im Verlauf von Jahrhunderten � manche sprechen sogar von dreitausend Jahren � dort eingeritzt wurden.</p><p>Ich hielt mich seit f�nf Tagen in dieser Gegend auf und hatte ein kleines, getarntes Lager aufgeschlagen, von dem aus ich die Stra�e �berblicken konnte. Am Morgen nach meinem kleinen Zusammensto� mit dem gef�rchteten Borton in dem Paga-Ausschank hatte ich einer Suchmannschaft freiwillig meine Hilfe angeboten und war auch willkommen gehei�en worden; man hatte sie zusammengestellt, um in s�dlicher Richtung nach dem �Spion� und �Dieb� zu suchen. Wie ich erfreulicherweise vermelden kann, blieben sie erfolglos. Au�er mir setzte sich die Gruppe aus f�nf M�nnern zusammen, S�ldnern, die von einem cosischen Berufssoldaten angef�hrt wurden. Sie hatten mich erfreut bei sich aufgenommen, da es schwierig war, Freiwillige f�r die Suche im S�den zu finden, dort, wo angeblich das Heer von Ar stand. Ich hatte erkl�rt, mich ihnen gern anzuschlie�en, vor allem, da mich meine Gesch�fte in diese Richtung f�hrten. Des weiteren gestand ich ihnen, wie erfreut ich war, zumindest eine Zeitlang von ihrem Schutz profitieren zu k�nnen. Das entsprach mehr der Wahrheit, als sie ahnten. Sie sch�tzten mich vor der Suche, was allein schon unbezahlbar war, ganz zu schweigen vor den pl�tzlichen Angriffen der cosischen Tarnsm�nner, die oft aus heiterem Himmel erfolgen. Au�erdem war es sch�n, am hellichten Tag offen reisen zu k�nnen. Als sie es nach drei Tagen eilig hatten, zur Truppe zur�ckzukehren � vor allem da sie am Himmel zwei Tarnpatrouillen aus Ar gesehen hatten �, verabschiedete ich mich von ihnen und ging allein weiter.</p><p>Die Stra�e unter mir schien so leer wie zuvor.</p><p>Ich hatte mein Lager in den Hang eines kleinen, mit B�schen bewachsenen H�gels westlich der Stra�e gegraben. Die Neigung des H�gels sorgte daf�r, da� der waagerechte Einschnitt nicht auffiel. Ein Nadelbaum bot einen beinahe vollst�ndigen Sichtschutz nach oben.</p><p>Ich beobachtete die Stra�e.</p><p>Es gab in Teslit noch einige wenige H�tten, deren Bewohner bis jetzt nicht geflohen waren; in einer von ihnen hatte ich �bernachtet und mit einem Mann und zwei seiner S�hne den Kessel geteilt. Ich hatte Fragen gestellt, einige Vorr�te eingekauft und war am Morgen weitergezogen. Nach einer Ahn hatte ich nat�rlich die Richtung gewechselt und mein jetziges Lager bezogen.</p><p>Die Sonne schien warm.</p><p>Ich hatte damit gerechnet, Marcus hier irgendwo zu finden, ganz in �bereinstimmung mit seinem sorgf�ltig ausgekl�gelten Notfallplan. Aber ich hatte von ihm keine Spur entdeckt. Auch in dem Dorf hatte ich nichts geh�rt. Ich ging davon aus, da� er das Lager vern�nftigerweise schnell verlassen hatte, bevor man sich an unsere mutma�liche Bekanntschaft erinnerte, und dann, nachdem er mehrere Ahn in der N�he von Teslit verborgen gewartet hatte, weitergeeilt war, um seine Informationen so schnell wie m�glich den Arern zu �berbringen. Genau das hatte ich auch von ihm erwartet. Er war ein ausgezeichneter junger Offizier, mit einem ausgepr�gten Pflichtbewu�tsein. Er h�tte sich nicht so wie ich unvern�nftigerweise in der N�he des feindlichen Lagers herumgetrieben, nur um der entfernten M�glichkeit willen, einem in Gefahr geratenen Kameraden zu Hilfe kommen zu k�nnen. Eine derartige Unbedachtsamkeit h�tte seine Chance, die Informationen zu �berbringen, in ernste Gefahr gebracht. Man konnte sich darauf verlassen, da� Marcus seine Pflicht tat, selbst wenn das bedauerlicherweise bedeutete, einen Kameraden zu opfern. Er hatte mir im Lager der Cosianer eindringlich und in aller Ausf�hrlichkeit klar gemacht, da� er in einer �hnlichen Situation freudig dazu bereit w�re, geopfert zu werden. Tats�chlich hatte er sogar darauf bestanden, und ich hatte ihm nicht widersprochen, denn wie ich schon sagte: Es ist schwer, mit Leuten zu diskutieren, die recht haben.</p><p>Die Stra�e lag verlassen da.</p><p>Ohne Marcus hatte ich keine gro�e Lust, mich dem Lager der Arer zu n�hern. Man h�tte mich f�r einen Spion halten k�nnen. Dasselbe war mir schon in Ar-Station widerfahren. Allein schon mein Akzent w�rde mich verd�chtig machen. Davon abgesehen war Marcus vermutlich schon l�ngst in Holmesk, oder zumindest in seiner N�he. Und selbst wenn nicht, ging ich davon aus, da� der Heerf�hrer von Ar die Position und die Bewegungen des cosischen Expeditionsheers genausogut kannte wie Marcus oder ich. Aufgrund der mangelnden Aktivit�ten im Winterlager wollte Marcus das nicht glauben. Nat�rlich gab es f�r diese Unt�tigkeit eine einfache Erkl�rung, deren bis jetzt schlimmste Auswirkung in dem Unverm�gen bestand, Ar-Station w�hrend seiner Belagerung zu Hilfe zu kommen. Die Erkl�rung war wirklich einfach. Es ging um Verrat an h�chster Stelle.</p><p>Ich betrachtete auch den Himmel eingehend. Er war ebenfalls menschenleer. Obwohl der Nachmittag schon weit fortgeschritten war, brannte die Sonne noch immer hell.</p><p>Ich erwog, nach Port Kar zur�ckzukehren. Ich wu�te nicht, ob es dort f�r mich sicher war oder nicht. Links neben der T�rschwelle meines Freundes Samos, des ersten Sklavenh�ndlers von Port Kar, befand sich eine Fahnenstange. An dieser Stange hingen ein paar Sklavenketten, dort, wo sich Stange und Wand trafen. F�r gew�hnlich hatte man ein St�ck rote Sklavenseide an der Kette festgebunden. Wenn dieses St�ck durch gelbe Seide ersetzt worden war, bestand keine Gefahr mehr. Doch es gab nur wenig, das mich in dieser Situation nach Port Kar rief. Der Versuch, mich nach Torcodino durchzuschlagen, reizte mich viel mehr. Dort konnte ich mit dem derzeitigen Beherrscher der Stadt Dietrich von Tarnburg in Kontakt treten, der dort wie ein Larl in seinem Versteck lauerte. Ich w�rde ihm berichten, wie man mich in Ar verraten hatte und was ich mir daraufhin zusammengereimt hatte. Vielleicht konnte er mit Myron, dem Polemarkos von Temos, dem Oberbefehlshaber der cosischen Invasionsstreitmacht, eine Abmachung treffen �ber den sicheren Abzug aus Torcodino, falls es dazu noch nicht zu sp�t war. Dietrichs K�hnheit und Tapferkeit, der brillante Schachzug, Torcodino, Cos� Nachschubbasis im S�den, einzunehmen und damit die Invasion zum Stillstand zu bringen, erschien nun ziemlich sinnlos. Ar war nicht losmarschiert, um Cos dort zu stellen, sondern hatte sein Heer nach Norden geschickt. Nun mu�te man davon ausgehen, da� es Myron im Verlauf des Winters geschafft hatte, sein Kriegsmaterial aufzustocken. Da der Winter nun vor�ber war, konnte er auch wieder seine zahllosen S�ldner um sich scharen, indem er ihre Standarten aus Dutzenden Winterlagern rief. Torcodino war zumindest kein wesentliches Hindernis mehr auf dem Marsch nach Ar. Nat�rlich hatte Dietrich nichts davon, er w�rde sich nicht von seinem Posten absetzen k�nnen. Ich war davon �berzeugt, da� Ar ihm nicht zu Hilfe kommen w�rde, genausowenig wie es Ar-Station, immerhin seinem eigenem kolonialen Au�enposten am Vosk, der nun in Schutt und Asche lag, zur Hilfe gekommen war.</p><p>Fr�her oder sp�ter wollte ich Ar einen Besuch abstatten. Ich hatte dort noch etwas zu erledigen.</p><p>Ich blickte auf die leere Stra�e hinunter.</p><p>Am besten ging ich nach Torcodino. Andererseits h�tte ich aus Achtung vor Marcus den Versuch wagen m�ssen, Ars Winterlager zu erreichen. Im Gegensatz zu Marcus schuldete ich Ar keine Untertanenpflicht. Und doch h�tte er genau das gewollt; er h�tte gewollt, da� ich den Oberbefehlshaber von Ar �ber die Bewegungen und Positionen des cosischen Expeditionsheers informiere. Ich konnte nicht davon ausgehen, da� er es geschafft hatte. Also w�rde ich versuchen, das Winterlager zu erreichen.</p><p>Die Stra�e war menschenleer.</p><p>Am Morgen w�rde ich das Lager abbrechen und nach Holmesk reisen. Ich w�rde mich wieder als Kaufmann tarnen.</p><p>Ich blickte wieder zur Stra�e.</p><p>Sie war noch immer leer.</p><p>Ich mu�te an Ephialtes denken, den Marketender aus dem <emphasis>Krummen Tarn,</emphasis> der mir vor Ar-Station wiederbegegnet war. Ich nahm an, da� er das Expeditionsheer begleitete. Auch er hatte unter Borton zu leiden gehabt. Tats�chlich hatte der Tarnsmann Ephialtes� Schlafplatz in der Herberge f�r sich beansprucht, einen ziemlich guten Platz, einen Eckplatz, und er hatte den Marketender einfach davongejagt und ihn sich genommen. Eine Meisterleistung an K�hnheit. Ephialtes hatte mir dann sp�ter geholfen, den Kurier hereinzulegen. Danach hatte er als mein Agent gearbeitet. Er war ein guter Kerl. Zur Zeit beh�tete er vier meiner Frauen, die Sklavin Liadne und die drei freien Frauen Amina, Rimice und Phoebe.</p><p>Am Morgen w�rde ich aufbrechen, um nach Holmesk zu reisen.</p><p>Pl�tzlich beugte ich mich vor. Da war ein winziger Punkt. In der Ferne. Ich war mir nicht sicher, ob es sich nicht um eine optische T�uschung handelte. Gespannt wartete ich. Ein paar Ehn sp�ter wu�te ich es genau. Auf der Stra�e, dieser langen, schmalen, staubigen Stra�e, die kaum mehr als ein Pfad war und zu beiden Seiten von vertrocknetem Gras begrenzt wurde, n�herte sich eine Gestalt.</p><p>Ich wartete.</p><p>Ich wartete mehrere Ehn, fast eine Viertelahn. Langsam entstand in mir Gewi�heit.</p><p>Ich lachte leise.</p><p>Einige Zeit sp�ter hob ich einen Stein auf und warf ihn, als der Mann mein Versteck passierte, hinter ihn auf die Stra�e. Da es dort keinerlei Deckung gab, tat der Mann genau das, was ich erwartete. Er drehte sich blitzschnell um, lie� das Marschgep�ck fallen, bewegte sich zur Seite, nahm eine geduckte Haltung an, alle Sinne gespannt. Er wandte sich der dem Ger�usch <emphasis>entgegengesetzten</emphasis> Richtung zu. In einer derartigen Situation, die von dem Ger�usch des auftreffenden Steins heraufbeschworen worden war � etwas Unerwartetes auf der linken Seite des Reisenden �, kam die Drohung von dem bewachsenen H�gel und nicht von der Grasebene. Die sp�tnachmitt�gliche Sonne spiegelte sich im Stahl der blankgezogenen Klinge. Der Mann hatte sich fast schon �ber einen Meter von seinem Gep�ck entfernt. Schon im n�chsten Augenblick w�rde er die Deckung der B�sche erreicht haben.</p><p>Ich stand auf, hob gr��end die rechte Hand, die frei von jeder Waffe war.</p><p>Seine Klinge glitt zur�ck in die Scheide.</p><p>�Wie ich sehe, bildet Ar seine Krieger noch immer gut aus!� rief ich zu ihm hinunter.</p><p>�Ar-Station!� erwiderte er lachend. Er nahm sein Marschgep�ck auf und st�rmte den H�gel herauf.</p><p>Einen Augenblick sp�ter sch�ttelten Marcus und ich uns die H�nde.</p><p>�Ich hatte bef�rchtet, sie h�tten dich gefangengenommen�, sagte er erleichtert.</p><p>�Ich habe hier auf dich gewartet. Was hat dich aufgehalten?�</p><p>Sein Gesicht lief pl�tzlich rot an. �Ich wurde am Vosk aufgehalten�, antwortete er. �Ich konnte nicht fr�her kommen.�</p><p>�Gesch�fte?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich�, antwortete er ausweichend.</p><p>Ich lachte. �Du hast darauf gewartet, etwas �ber mich zu h�ren � ob sie mich erwischt haben.�</p><p>�Nein.� Die Antwort kam etwas zu schnell.</p><p>�Du h�ttest sofort nach Holmesk aufbrechen sollen�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Aber du hast es nicht getan�, bemerkte ich.</p><p>Er err�tete.</p><p>�Das war doch unser Plan, oder?� fragte ich ihn mit einer Unschuld, die Boots Tarskst�ck alle Ehre gemacht h�tte. Ich war nicht umsonst mit einer Truppe fahrender Schauspieler durch das Land gezogen. Zugegeben, meistens hatte ich nur geholfen, die B�hne aufzubauen und die R�der steckengebliebener Wagen aus dem Dreck zu ziehen.</p><p>�Das spielt jetzt keine Rolle mehr�, sagte er verdrossen.</p><p>�Aber man mu� sich doch an einen Plan halten�, erwiderte ich. �Zum Beispiel mu� man dazu bereit sein, den Kameraden und Freund zu opfern.�</p><p>�Nat�rlich�, best�tigte Marcus gereizt. �Nat�rlich!�</p><p>�Es ist gut, da� es Menschen wie dich gibt, die Faulpelze und weniger verantwortliche Kerle wie mich �ber ihre Pflichten aufkl�ren.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Aber anscheinend hast du dich bei dieser Gelegenheit nicht daran gehalten.�</p><p>Er zuckte mit den Schultern.</p><p>�Danke, mein Freund.�</p><p>Wir sch�ttelten uns erneut die H�nde.</p><p>�Pst�, zischte er pl�tzlich. �Dort unten!�</p><p>�Hallo, ihr da!� rief ein Mann fr�hlich von der Stra�e aus. Er war in Begleitung zweier weiterer M�nner, hochgewachsene, halbrasierte, zerlumpt aussehende Burschen. Sie waren bewaffnet, und sie sahen gef�hrlich aus.</p><p>Marcus� Hand fuhr zum Schwertgriff.</p><p>�Warte�, fl�sterte ich ihm zu. Ich hob gr��end die Hand. �Tal�, rief ich den M�nnern auf der Stra�e zu.</p><p>�Wir sind Reisende�, rief der Sprecher der Gruppe. �Wir suchen den Weg nach Teslit.�</p><p>�Das liegt weiter s�dlich von hier, an dieser Stra�e�, sagte ich.</p><p>�Das sind keine Reisenden�, murmelte Marcus.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ist das weit?� rief der Mann.</p><p>�Einen Pasang.�</p><p>�Sie kommen von S�den�, bemerkte Marcus.</p><p>�Ich wei߫, entgegnete ich. Ich hatte die Stra�e beobachtet. W�ren sie Marcus gefolgt, h�tte ich sie gesehen. Aber was noch viel wichtiger war, von dieser H�he aus konnte man die Spuren im Stra�enstaub sehen.</p><p>�Sie tragen kein Gep�ck�, sagte Marcus.</p><p>�Das befindet sich vermutlich in Teslit.� Ich war nicht der einzige, der in Teslit Erkundigungen einziehen konnte.</p><p>�Vielleicht sind sie mir gefolgt�, sagte Marcus bitter.</p><p>�Das halte ich f�r unwahrscheinlich. Jedenfalls nicht direkt. Solche Verfolger w�ren dir doch aufgefallen.�</p><p>�Das hoffe ich zumindest�, sagte er. Es ist gef�hrlich, einem Krieger zu folgen.</p><p>�Ihr braucht keine Angst zu haben!� rief der Kerl auf der Stra�e.</p><p>�Vielleicht haben sie vorausgesehen, da� du vom Lager s�dw�rts reist�, meinte ich. �Vielleicht hatten sie angenommen, da� du fr�her aufbrichst. In Teslit haben sie dann erfahren, da� jemand, auf den meine Beschreibung pa�t, k�rzlich dort war, aber allein, und dann anscheinend weiter nach S�den reiste. Sie sind dann so weit nach S�den geeilt, wie sie es wagte, aber jetzt kehren sie zur�ck. Noch wahrscheinlicher ist, da� sie damit gerechnet haben, da� ich in der N�he an einem Treffpunkt warte.�</p><p>�Wir m�chten gern mit euch sprechen!� rief der Mann.</p><p>Ich konnte es ihnen nicht verdenken, da� sie nicht heraufkommen wollten.</p><p>�Vielleicht sind es Stra�enr�uber�, fl�sterte Marcus.</p><p>�Das glaube ich nicht.�</p><p>�Was denn dann?�</p><p>�J�ger�, sagte ich. �Menschenj�ger.� Ich wandte mich wieder den M�nnern auf der Stra�e zu. �Wir sind einfache Kaufleute�, rief ich.</p><p>�Dann kommt runter, damit wir euch etwas abkaufen k�nnen!�</p><p>�Ihr k�nntet Soldaten aus Ar sein�, erwiderte ich. Es war durchaus m�glich, da� Ar Geheimpatrouillen in der Gegend hatte.</p><p>Die drei M�nner blickten einander an. Sie berieten sich leise. Dann hob der Sprecher den Kopf. �Nein, wir kommen nicht aus Ar.�</p><p>Marcus l�chelte. �Dann ist es wahrscheinlich, da� sie aus dem Lager am Vosk kommen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Keine Angst�, rief der Mann. �Ihr habt nichts von uns zu bef�rchten.�</p><p>�Wir sind einfache Kaufleute�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Dann wollen wir euch etwas abkaufen!�</p><p>�Was denn?� fragte ich.</p><p>�Wir brauchen viele Dinge�, rief er. �Zeigt uns eure Waren.�</p><p>�Dann kommt rauf.�</p><p>�Kommt ihr runter.�</p><p>�In zwei oder drei Ahn ist es dunkel�, murmelte Marcus.</p><p>�Ja.� Es war durchaus nicht unwahrscheinlich, da� wir das kleine Lager bis dahin halten konnten. In der Dunkelheit konnten wir uns dann davonschleichen. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� sie Lust versp�rten, den H�gel emporzuklimmen. Au�erdem w�rden sie ihr Werk gern schnell verrichten.</p><p>�Sie k�nnten uns am Morgen folgen�, meinte Marcus.</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Kommt runter!� rief der Mann auf der Stra�e.</p><p>�Vielleicht sollten wir herausfinden, was sie wollen�, sagte ich.</p><p>�Genau�, erwiderte Marcus grimmig.</p><p>�L�chle�, riet ich ihm.</p><p>Dann kletterten und rutschten wir zur Stra�e hinunter.</p><p>�Ihr habt eure Waren vergessen�, sagte der S�ldner und l�chelte. Seine beiden Freunde r�ckten von ihm ab. Auf diese Weise hatten sie genug Platz, um Stahl schwingen zu k�nnen.</p><p>�Die B�ndel sind schwer�, antwortete ich. �Ich hielt es f�r kl�ger, erst einmal herauszufinden, wof�r ihr euch interessiert.� Er glaubte doch wohl nicht ernsthaft, da� ich mich von einem B�ndel behindern lassen w�rde, wenn ich den H�gel hinuntersteigen, wenn ich unten mein Gleichgewicht wiederfinden mu�te.</p><p>�Ihr f�rchtet euch noch immer�, sagte der S�ldner.</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>Er holte ein blaues Armband aus der Tunika, das er grinsend �ber den linken �rmel hinaufschob, bis �ber den Ellbogen. �Seht ihr, kein Grund zur Angst. Wir kommen nicht aus Ar.� Seine beiden Freunde grinsten ebenfalls und befestigten kennzeichnende Merkmale am linken Arm, der eine ein Armband, der andere ein blaues Tuch, das mit einem Knoten versehen war. Viele S�ldner tragen keine Uniformen. Sie identifizieren sich durch Zeichen wie Armb�nder, T�cher, B�nder und Federn, die verk�nden, zu welcher Seite sie geh�ren. Ich brauche sicher nicht eigens zu erw�hnen, da� solche beliebigen Merkmale schnell ausgetauscht werden k�nnen; die Farben ver�ndern sich mit dem Schlachtverlauf. Viele S�ldnerkompanien bestehen aus kaum mehr als bewaffnetem P�bel, andere, wie die Regimenter Dietrich von Tarnburgs, Pietro Vacchis oder Raymond von Rive-de-Bois, sind erstklassig, sie stellen genauso erprobte Krieger wie die Ars und Cos� dar.</p><p>Beim Umgang mit S�ldnern ist es au�erordentlich wichtig, genau zu wissen, mit welcher Sorte man es zu tun hat. Es kann einen gro�en Unterschied machen, was die Taktik angeht. Mehr als nur ein Regiment regul�rer Truppen wurde dezimiert, weil seine befehlshabenden Offiziere die gegen�berstehenden S�ldner untersch�tzten. Um noch einmal auf den eben angesprochenen Seitenwechsel zur�ckzukommen � was auch immer von dem Schlachtengl�ck des Tages abh�ngt �, so ist auch auf Gor der �berl�ufer nicht g�nzlich unbekannt. Es gibt beispielsweise Tuniken, deren Innenseite eine andere Farbe aufweist. So kann man sie nach Einbruch der Dunkelheit unbemerkt wenden. Allerdings werden solche Tuniken auf Gor nur selten getragen. Zum einen wird jeder Mann, der mit einem solchen Gewand erwischt wird, kurzerhand gepf�hlt, und zwar von beiden Seiten, deshalb finden sie haupts�chlich f�r Infiltrationszwecke Verwendung, genau wie falsche Uniformen und dergleichen.</p><p>�Ihr seid S�ldner�, stellte ich fest. �Im Sold von Cos.�</p><p>�Und ihr steht der cosischen Sache ebenfalls loyal gegen�ber�, grinste er, �wie eure Anwesenheit im Lager am Vosk bewiesen hat.�</p><p>�Wollt ihr denn nichts kaufen?� fragte ich.</p><p>Sie zogen die Schwerter. Auch mein Schwert glitt aus der Scheide.</p><p>�Wir wollen nur ihn�, sagte der Sprecher, der offensichtlich auch der Anf�hrer der kleinen Gruppe war, zu Marcus. �Misch dich nicht ein.�</p><p>Marcus r�hrte sich nat�rlich nicht von der Stelle.</p><p>�Tritt zur�ck�, sagte ich zu Marcus.</p><p>Er bewegte keinen Muskel.</p><p>�Wer ist das erste Schwert?� fragte ich den Anf�hrer.</p><p>�Das bin ich�, sagte der Mann zu seiner Linken. Mir war sofort klar, da� das nicht der Wahrheit entsprach. Immerhin stand er auf der linken Seite des Anf�hrers, wo er dessen waffenlose Seite besch�tzen konnte. Seine St�rke w�rde vermutlich in der Verteidigung liegen. Es ist schwer, die Verteidigung eines Mannes zu durchbrechen, der sich allein darauf konzentriert. W�hrend ich mich also mit ihm besch�ftigte oder vielmehr von den dreien haupts�chlich ihn im Auge behielt, w�rde der Anf�hrer freien Zugang zu meiner linken Seite haben. Meiner Meinung nach war der Anf�hrer das erste Schwert. Bei kleinen Gruppen ist es oftmals die �berlegene Schwertkunst, die �ber diese Einteilungen entscheidet.</p><p>�Also gut�, sagte ich und konzentrierte mich scheinbar auf ihn.</p><p>�Wer ist das erste Schwert?� fragte der Anf�hrer.</p><p>�Das bin ich�, sagte Marcus. Das fand ich interessant. Nat�rlich war das durchaus m�glich.</p><p>�Wir sind an dir nicht interessiert�, sagte einer der beiden hinten stehenden M�nner unbehaglich. �Du darfst dich zur�ckziehen.�</p><p>Marcus r�hrte sich nicht. Wenn er sich zur�ckzog, stand es drei gegen einen.</p><p>�Ich dachte, du wolltest etwas kaufen�, sagte ich zu dem Anf�hrer.</p><p>Er lachte. �Was verkaufst du denn?�</p><p>�Stahl�, sagte Marcus gleichm�tig.</p><p>Der Mann zur Linken des Anf�hrers wich ein St�ck zur�ck, verschaffte sich einen weiteren Schritt Abstand zwischen sich und Marcus. Der junge Krieger wirkte bedrohlich.</p><p>�Mutiger junger Vulo-Hahn�, spottete der Anf�hrer.</p><p>�Ganz ruhig�, sagte ich zu Marcus. Ich hatte die Bef�rchtung, er w�rde sich zu fr�h aus der Reserve locken lassen.</p><p>�Geh�, sagte der S�ldner auf der linken Seite. �Wir wollen nichts von dir.�</p><p>Marcus r�hrte sich nicht. �Weil ich jung bin, glaubt ihr, ich w�re auch dumm. Da seid ihr im Irrtum.�</p><p>�Nein�, sagte der S�ldner.</p><p>Einen Augenblick lang kam es mir so vor, als w�rde sich der Boden unter unseren F��en unmerklich bewegen. Es war ein fl�chtiger Eindruck.</p><p>�Ihr haltet uns f�r Spione�, sagte Marcus. �Ihr wollt uns beide, allerdings einen nach dem anderen.�</p><p>�Nein�, sagte der S�ldner. �Bestimmt nicht.�</p><p>�Darum geht es also�, rief ich aus und tat so, als sei ich erleichtert. �Ihr seid gar keine Stra�enr�uber, die, wie wir bef�rchteten, ehrliche Leute ausrauben wollen. Ich glaube, wir k�nnen die Sache schnell regeln. Es handelt sich hier einfach um eine Verwechslung.�</p><p>�Du windest dich�, sagte der Anf�hrer.</p><p>�F�r wen haltet ihr uns?� fragte ich.</p><p>Der Anf�hrer grinste. �F�r die von uns Gesuchten.�</p><p>�Spione?�</p><p>�F�r mich macht es keinen Unterschied, ob ihr Spione seid oder nicht.�</p><p>�Wie habt ihr uns gefunden?� fragte ich. Sie waren zu dritt. Ich wu�te nicht, wie gut Marcus mit der Klinge umgehen konnte. Nach M�glichkeit wollte ich ihn besch�tzen.</p><p>�Policrates hat uns h�chstpers�nlich in sein Zelt gerufen�, sagte der S�ldnerf�hrer.</p><p>�Der Kommandant des Expeditionsheeres hat vorausgesagt, da� man euch nach dem Ende der offiziellen Suche ohne gr��ere M�he im S�den finden w�rde, in Richtung Holmesk. Dann w�rdet ihr mit keiner Verfolgung mehr rechnen und euch am sichersten f�hlen. Er war es, der das Verbot aussprach, den jungen Burschen da zu ergreifen, der befahl, ihn unbeschadet gehen zu lassen, damit er uns zu dir f�hrte.�</p><p>�Tarl, mein Freund, es tut mir leid�, sagte Marcus. �Aii!�</p><p>Der Anf�hrer warf mir einen wilden Blick zu, dann senkte sich langsam sein Schwert. Er sackte auf die Knie, dann st�rzte er kopf�ber in. den Stra�enstaub. Ich wandte mich seinem Kameraden zu, der die ganze Zeit rechts von ihm gestanden hatte. Marcus trat mit bleichem Gesicht zwischen das erste Schwert und mich.</p><p>�Euer Anf�hrer w�re besser beraten gewesen, sich auf keine Erkl�rungen oder Unterhaltungen einzulassen. W�re er so klug wie Policrates gewesen, w�re ihm so etwas vermutlich nicht passiert.�</p><p>Der S�ldner wich vor mir zur�ck.</p><p>�Ich habe nicht einmal gesehen, da� sich dein Schwert bewegt hat�, sagte Marcus voller Ehrfurcht.</p><p>�Dein Anf�hrer lie� zu, sich ablenken zu lassen�, sagte ich zu dem S�ldner. �Vielleicht folgst du ja seinem Beispiel.�</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf und wich weiter zur�ck.</p><p>Der Anf�hrer hatte sich f�r den Aggressor gehalten. Er hatte mich als �ngstlich eingesch�tzt. Er hatte es f�r sein Vorrecht gehalten, den ersten Schlag zu f�hren. Der Stich der von der Seite gef�hrten Klinge, die sauber zwischen zwei Rippen vorbei bis zu seinem Herz gef�hrt und sofort wieder zur�ckgezogen worden war, hatte ihn v�llig �berrascht.</p><p>Dann schien der Boden wieder zu dr�hnen, aber diesmal wallte auch Staub auf.</p><p>Ich wollte den S�ldner vor mir nicht aus den Augen lassen.</p><p>Der S�ldner, den Marcus in Schach hielt, stie� einen furchterf�llten Schrei aus. Dann blickte sich mein Gegner wild um, wandte mir den R�cken zu und ergriff die Flucht.</p><p>Aus der Staubwolke hinter mir erscholl eine Stimme. Sie rief �Tarsk!�, ein Befehl, den man oft bei der Tarskjagd h�rt, ein Signal, das Tier niederzureiten, damit man ihm dabei die Lanze in den R�cken oder die Seite sto�en kann. Aber das wurde mir erst richtig bewu�t, nachdem der Boden direkt neben mir erzittert und ich zur H�lfte herumgefahren und dabei beinahe von einem Sattel-Tharlarion umgesto�en worden war, w�hrend sich eine Lanzenspitze zwischen die Schulterbl�tter des fl�chtenden S�ldners bohrte, der im n�chsten Augenblick von dem Tharlarion niedergeritten wurde. Die Echse drehte sich in einer Staubwolke um, ihr Reiter hob die blutige Lanze.</p><p>�M�nner aus Ar, wir gr��en euch!� sagte Marcus und hob die Hand. Er hatte das Schwert weggesteckt. Sein Gegner lag verst�mmelt im Staub, ebenfalls von einer Lanze niedergestreckt. In dem Staub und dem Blut konnte man die blaue Farbe des um seinen Oberarm gewickelten, Zugeh�rigkeit signalisierenden Tuches nur noch mit M�he ausmachen.</p><p>�Steck dein Schwert weg!� rief Marcus mir zu.</p><p>Ich tat es. Es waren etwa zehn M�nner, die alle auf Tharlarion ritten. F�nf trugen Armbr�ste. Drei davon waren auf Marcus gerichtet, zwei zielten auf mich.</p><p>�Senkt eure Armbr�ste�, rief Marcus.</p><p>Die Waffen blieben, wo sie waren.</p><p>�Wir sind in Sicherheit�, sagte Marcus zu mir. �Das sind M�nner aus Ar.�</p><p>Ich war davon nicht �berzeugt, und w�re Marcus �lter und erfahrener gewesen, w�re er es ebenfalls nicht gewesen. Sicher, sie trugen die Uniform von Ar. Aber f�r eine Patrouille befanden sie sich ziemlich weit n�rdlich. Nat�rlich war es durchaus m�glich, da� es sich um Fernaufkl�rer handelte. Vielleicht hatte der Hauptteil des Heeres das Winterlager verlassen und marschierte nun auf den Vosk zu. In diesem Fall war diese Patrouille nicht so weit von ihrer Basis entfernt, wie es den Anschein hatte. Den besten Beweis, da� diese M�nner tats�chlich aus Ar kamen, lieferte nat�rlich die Tatsache, da� sie die S�ldner ohne zu z�gern gnadenlos niedergeritten hatten. Die blauen Insignien hatte sie eindeutig als M�nner von Cos identifiziert.</p><p>�Wir danken euch, da� ihr uns zu Hilfe gekommen seid�, sagte Marcus. �Ruhm und Ehre f�r Ar!�</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� wiederholten vier oder f�nf der Reiter.</p><p>Ihr Anf�hrer schien jedoch nicht auf Marcus� Worte zu reagieren. Er sah m�de aus. Er war staubbedeckt. Das Halstuch hing um seinen Hals. F�r gew�hnlich schiebt man es vor einem Kampf herunter, damit Befehle nicht ged�mpft ert�nen und man freier atmen kann. Seine Kapuze war ebenfalls zur�ckgeworfen.</p><p>Auch das war eine normale Verhaltensweise vor einem Kampf, weil so das Sichtfeld vergr��ert werden soll. Er sah Marcus mi�trauisch an.</p><p>Sowohl M�nner wie Tiere waren staubbedeckt. Die M�nner sahen hager und ersch�pft aus. Ich f�rchtete, da� sie weit von ihrer Basis entfernt waren. W�hrend das Heer in seinem gem�tlichen Lager �berwintert hatte und seine Soldaten dabei vermutlich dick und fett geworden waren, hatten M�nner wie diese Ranger, Kundschafter oder Fourageure mehr als gen�gend Strapazen und Gefahren auf sich genommen, hatten mehr als nur einmal Kontakt mit dem Feind gehabt, mehr als nur einmal an den Scharm�tzeln teilgenommen, die in dem Niemandsland zwischen den Heeren stattfanden. Ich sah in ihren Gesichtern, da� diesen M�nnern Krieg und M�hsal nicht fremd waren. Sie hatten Situationen erlebt, in denen nur der Schnelle, Skrupellose und Unerbittliche �berlebt.</p><p>�Ich bin Marcus Marcellus, von den Marcelliani!� sagte Marcus.</p><p>Im Blick des Anf�hrers regte sich kein Erkennen; zumindest konnte ich keines sehen.</p><p>�Aus Ar-Station!� verk�ndete Marcus.</p><p>�Renegaten�, sagte einer der Reiter.</p><p>�Bringt uns zu Saphronicus, dem Kommandanten vor Holmesk!� sagte Marcus. �Wir sind Spione! Wir kommen aus dem cosischen Lager. Wir haben Informationen!�</p><p>�Und ob das Spione sind�, sagte ein anderer Reiter.</p><p>�Bringt uns zu Saphronicus!� wiederholte Marcus.</p><p>Einer der M�nner spukte aus. �Verr�ter!�</p><p>�Sleen aus Ar-Station!�</p><p>�Wir B�rger von Ar-Station sind keine Verr�ter!� rief Marcus w�tend aus.</p><p>�Die Cosianer haben sich den Zugang zu Ar-Station erkauft, mit Bestechung!�</p><p>�Nein!� rief Marcus.</p><p>�Es geh�rt jetzt zu Cos.�</p><p>Marcus sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Und ihr beiden seid Spione!�</p><p>Der Anf�hrer sah mich an. �Kommst du auch aus Ar-Station?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und woher dann?�</p><p>Es gefiel mir keineswegs, diesen M�nnern eine solche Auskunft zu geben, andererseits schien es wenig zu bringen, es ihnen zu verheimlichen.</p><p>Ich sagte: �Ich komme aus Port Kar, dem Juwel des schimmernden Thassa!�</p><p>�Das ist ja noch schlimmer als Ar-Station!� lachte einer der Reiter. �Eine Zuflucht f�r Halsabschneider und Piraten!�</p><p>�Port Kar hat einen Heimstein�, sagte ich.</p><p>�Bringt uns zu Saphronicus!� verlangte Marcus w�tend. �Wenn wir tats�chlich Spione f�r die andere Seite w�ren, warum haben uns die Cosianer, von denen mein Kamerad vor eurem Eintreffen einen get�tet hat, dann bedroht?�</p><p>�Auf diese Weise wolltest ihr unser Mi�trauen ausschalten�, sagte der Anf�hrer. �Vielleicht waren das nur Strohm�nner, die get�tet werden sollten, um uns von eurer Ehrlichkeit zu �berzeugen.�</p><p>�Ich weigere mich, weiterhin mit Untergebenen zu debattieren�, sagte Marcus. �Anhand der Autorit�t meines Offizierrangs in den Streitkr�ften von Ar-Station, einer Kolonie des Stadtstaates Ar, befehle ich euch, uns nach Holmesk zu Saphronicus zu bringen, eurem Kommandanten. Und zwar so schnell wie m�glich. Weigert ihr euch, so tragt ihr die volle Verantwortung.�</p><p>�Saphronicus ist nicht in Holmesk�, erwiderte der Anf�hrer.</p><p>Marcus sah ihn best�rzt an.</p><p>�Das Winterlager wurde aufgel�st?� fragte ich.</p><p>�Ar marschiert�, verk�ndete einer der Reiter stolz. �Nach Westen.�</p><p>�Auf Brundisium zu?� fragte Marcus ungl�ubig.</p><p>Der Anf�hrer nickte.</p><p>Ich vermied jede Gef�hlsregung, aber auch ich war von dieser Nachricht verbl�fft. Diese Marschrichtung w�rde die Arer nicht zu den Cosianern f�hren, zumindest nicht auf dem direkten Weg. Vielleicht planten sie, die cosischen Truppen von Brundisium abzuschneiden. Das w�rde einen Sinn ergeben.</p><p>�Wir kommen aus dem Heerlager von Cos�, sagte Marcus, �wo wir unter gro�em pers�nlichen Risiko f�r Ar spioniert haben. Wir haben Informationen. Ich wei� nicht, welchen Wert diese Informationen haben. Diese Entscheidung sollte man Saphronicus �berlassen. Bringt uns zu ihm.�</p><p>Der Anf�hrer raunte zwei seiner Reiter etwas zu. Sie stiegen ab.</p><p>�Was soll das!� protestierte Marcus w�tend, als einer von ihnen hinter ihn trat, ihm die H�nde auf den R�cken ri� und Handschellen zuschnappen lie�. Mit mir verfuhr man ebenso. Sie nahmen uns die Schwertg�rtel, Waffen und Kleidung ab. Dann warfen zwei Reiter Leinen aus Leder auf den Boden, die in Kragen endeten. Man legte uns die Kragen an, w�hrend die anderen Enden der Leinen an den Sattelkn�ufen befestigt wurden.</p><p>�Auf dem H�gel befinden sich noch ein paar Dinge, die uns geh�ren�, sagte ich und deutete auf mein kleines Lager.</p><p>Der Anf�hrer gab ein Zeichen. Einer seiner M�nner stieg den H�gel hinauf und kam einen Augenblick sp�ter mit unserem Marschgep�ck zur�ck. Man band es mit unseren anderen Besitzt�mern zusammen und warf sie einem Tharlarion um den Hals.</p><p>�Ihr habt euch als Kaufleute getarnt�, stellte der Anf�hrer fest.</p><p>Ich nickte. Das war aus dem Gep�ck ersichtlich geworden. Die Sp�her hatten es durchsucht.</p><p>�Und diese Kerle haben euch verfolgt.� Der Anf�hrer zeigte auf die toten S�ldner.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das war wohl ihr Fehler�, sagte er.</p><p>�So sieht es aus�, erwiderte ich.</p><p>�Was haben sie euch abgekauft?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Falsch�, sagte der Anf�hrer. �Ihr habt ihnen den Tod verkauft.� Dann befahl er einem seiner M�nner, die Leichen in die B�sche zu schleifen. ��berla�t sie den Sleen!�</p><p>�Macht uns los!� verlangte Marcus und ri� an seinen Ketten. Aber der Anf�hrer mi�achtete ihn.</p><p>Die Lanzen wurden zur�ck in die Sattelschuhe gesteckt, die Armbr�ste an ihre Haken geh�ngt.</p><p>�Wir sind Partisanen f�r Ar!� rief Marcus w�tend.</p><p>�Das wissen sie nicht�, erkl�rte ich ihm.</p><p>�Was habt ihr mit uns vor?�</p><p>�Wir bringen euch zu Saphronicus�, sagte der Anf�hrer.</p><p>Marcus blickte mich freudestrahlend an. �Dann ist ja alles in Ordnung. Wir haben nichts zu bef�rchten.�</p><p>�Ihr werdet nicht miteinander reden�, sagte der Anf�hrer. Er senkte die Hand, und sein Tharlarion setzte sich in Bewegung.</p><p>Marcus� Leine war am Sattelknauf des zweiten Tharlarion befestigt. Er drehte den Kopf und warf mir einen Blick zu. Dann ri� der Kragen an seinem Hals, und er stolperte halb gezogen neben der riesigen Echse her.</p><p>Sechs Tharlarion folgten ihr, in Einerreihe, damit ihre Anzahl verschleiert wurde. Dann setzte sich das neunte Tharlarion in Bewegung, und ich lief in Ketten gefesselt hinterher. Das zehnte Tharlarion bildete den Abschlu�.</p><p>Es war hei� und staubig.</p><p>Marcus und ich w�rden tats�chlich nicht miteinander sprechen k�nnen, denn wir waren einige Meter voneinander entfernt. Marcus hatte es besser als ich. Er befand sich fast an der Spitze. Dort war es weniger staubig. Vermutlich war es nur logisch, da� er diesen bevorzugten Platz erhalten hatte. Der Anf�hrer des Sp�htrupps hatte ihm offensichtlich geglaubt, da� er ein Offizier und der Rangh�here unser kleiner Gruppe war. Au�erdem stammte er aus Ar-Station und nicht blo� aus Port Kar. Mich hielt man f�r seinen Untergebenen, was unter diesen Umst�nden wohl nur nat�rlich war. Aber es gab noch einen Grund, warum sich Marcus in der N�he des Anf�hrers aufhielt, der die Dinge in eine gewisse Perspektive r�ckte. Im Falle von Schwierigkeiten w�rde man Marcus, den vorgeblichen Anf�hrer der Gefangenen, ganz schnell ausschalten.</p><p>Das Tempo erh�hte sich. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� uns eine angenehme Reise erwartet. Ich hatte jetzt schon Durst.</p><p>In einer Ahn w�rde es vermutlich dunkel sein. Ich fragte mich, wo das Heer von Ar zur Zeit tats�chlich stand.</p><p>Eine Stechfliege surrte vorbei. Es w�rde schwierig sein, sich in Ketten vor einem solchen Gesch�pf zu sch�tzen. Es war schon die zweite, die ich heute sah. F�r gew�hnlich schl�pften sie an Fl�ssen und im Sumpfland, wenn auch zu einer sp�teren Jahreszeit. In bestimmten Gegenden schl�pften sie in gro�er Zahl.</p><p>Der Staub wogte wie eine Wolke in die H�he, aufgew�hlt von den schweren, krallenbewehrten Pfoten der Tharlarion.</p><p>Marcus hatte mir versichert, da� es nichts zu bef�rchten gab, da� man uns zu Saphronicus brachte.</p><p>Die Leine lag um meinen Hals.</p><p>Ich verlie� mich darauf, da� Marcus recht hatte, da� wir wirklich nichts zu bef�rchten hatten.</p><p>Ich bewegte die H�nde in den engsitzenden Stahlreifen, die sie auf so ausgekl�gelte Weise hinter meinem R�cken hielten.</p><p>Ja, wir hatten nichts zu bef�rchten.</p><p>Zumindest hoffte ich das. Denn wir waren hilflose Gefangene, v�llig der Gnade unserer H�scher ausgeliefert.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Durch das Auge!� br�llte ich und k�mpfte gegen die Fesseln an, die meinen nackten K�rper eng einschn�rten; die H�nde �ber Kreuz hinter dem R�cken an die Fu�kn�chel gefesselt kniete ich im Bug des kleinen Rencebootes. �Durch das Auge!�</p><p>Um mich herum ert�nten Schreie voller Angst und Wut.</p><p>Der Soldat vor mir war aus dem Boot gerissen worden; der verh�ltnism��ig kleine, an der breitesten Stelle kaum einen halben Meter gro�e, dreieckige Kopf auf dem langen, biegsamen Hals scho� pl�tzlich wassertropfend aus dem Sumpf und packte ihn, hob ihn mehrere Meter in die H�he, wo er sich schreiend wand.</p><p>�Durch die Augen!� flehte ich ihn an.</p><p>�Das schafft er nicht!� rief ein anderer Soldat.</p><p>Ein Ruderer schlug mit dem Ruder auf die Kreatur ein. Sie wich zur�ck, angetrieben von den schweren, wie ein Diamant geformten Gliedma�en, und ihr Schwanz peitschte herum und lie� Wasser aufspritzen.</p><p>�berall ert�nten Schreie. Im Umkreis von hundert Metern befand sich eine Flottille aus kleinen Rencebooten, Lastk�hnen, Flachbooten, Fischerbooten und Fl��en, die etwa vier- bis f�nfhundert Mann bef�rderte.</p><p>Es war deutlich zu h�ren, wie das R�ckgrat des in der Luft baumelnden Soldaten brach.</p><p>W�re es ihm gelungen, der Kreatur die Daumen in die Augen zu dr�cken, h�tte er �ber diesen Weg ihr Gehirn erreichen k�nnen. Aber er hatte es nicht geschafft.</p><p>�Er ist tot�, sagte der Ruderer.</p><p>Von ein paar Zuckungen und einem starren Blick abgesehen hing der K�rper nun ganz schlaff in der Luft.</p><p>�Das ist er nicht!�</p><p>�T�tet ihn!�</p><p>�Ich komme nicht an ihn ran!� rief ein Soldat, der unsicher in einem der leichteren Rencebooten stand und mit dem Schwert herumfuchtelte.</p><p>�Nein, er ist tot!�</p><p>Der Mann war tot.</p><p>Die Kreatur fiel zur�ck ins Wasser, tauchte unter einen der Lastk�hne, hob ihn fast einen Meter aus dem Wasser und lie� ihn von ihrem R�cken rutschen, dann bahnte sie sich wieder unter Wasser ihren Weg in das Renceschilf.</p><p>Der Mann neben mir stie� einen Schrei aus. Nur wenige Zentimeter entfernt durchstie� die schmale Schnauze eines fisch�hnlichen Tharlarions die Wasseroberfl�che. Der Ruderer hob sein Ruder und schlug danach. Das Tharlarion verschwand unter den zusammengebundenen Renceb�ndeln.</p><p>�Bindet mich los!� bat ich. Ich war v�llig hilflos.</p><p>�Sei still, Spion�, fauchte ein Soldat.</p><p>Meine Knie waren feucht, zwischen den r�hren�hnlichen Rencestengeln, die man b�ndelweise zusammengezurrt und in Form gebracht hatte, sickerte Wasser empor.</p><p>�Zusammenr�cken!� rief ein Offizier, der einige Meter von uns entfernt war. �Vorw�rts, weiter!� Er stand im Bug eines kleinen Fischerbootes. M�nner stie�en es mit Stangen vorw�rts.</p><p>�Dreht um!� rief ich ihm zu. �Begreift ihr nicht, was hier geschieht?�</p><p>Der Leutnant nahm keine Notiz von mir. �Vorw�rts!� rief er. �Verfolgt die Sleen aus Cos! Sie werden uns nicht entkommen!�</p><p>Auf der linken Seite ert�nte ein Hilfeschrei. Eines der Flachboote sank.</p><p>�Zerschlagt das Holz!� rief jemand aus einem Nachbarboot. �Baut euch ein Flo�!� M�nner waren im Wasser. Einige schwammen, andere wateten. Das Wasser reichte ihnen bis zur Brust.</p><p>�Nehmt uns an Bord.�</p><p>Man half ihnen, die Boote zu erklimmen, die nun aber gef�hrlich tief im Wasser lagen.</p><p>�Weiter!� rief der Leutnant. �Schnell! Sie k�nnen nicht mehr weit sein.�</p><p>�Das Rence weist an zwei Stellen Schneisen auf!�</p><p>�Wir werden unsere Streitmacht in zwei Teile aufteilen�, befahl der Leutnant. Hinter uns befand sich ein weiteres Kontingent. Man konnte ihre Rufe h�ren.</p><p>Ich wand mich in meinen Fesseln.</p><p>Saphronicus und Seremides hatten nun ihre Rache. Vor langer Zeit hatten beide Cernus aus Ar, meinem erkl�rten Feind, als Leutnants gedient; seine Machenschaften, seine politischen und �konomischen Manipulationen hatten Minus Tentius Hinrabius erfolgreich vom Thron gesto�en. Sp�ter war Cernus, obwohl er nur ein Kaufmann war, selbst auf den Thron aufgestiegen. Der beim Volk beliebte Marlenus aus Ar hatte ihn bei seiner R�ckkehr abgesetzt. Cernus war von einem Kur get�tet worden, einer Bestie, die nicht von Gor stammte. Saphronicus und Seremides waren als Verr�ter in Ketten gelegt und als Galeerensklaven verkauft worden, wo sie, wie ich in Erfahrung gebracht hatte, von jemandem gerettet worden waren, der Verwendung f�r M�nner ihrer Art hatte. Saphronicus war Hauptmann der Taurentianer gewesen, der Palastwache von Ar. Seremides war der Kommandant der Armee gewesen. Nat�rlich hatte ich geh�rt, da� ein Seremides in Ar zum General der Armee aufgestiegen war, aber ich w�re nie auf den Gedanken gekommen, da� es sich dabei um den Seremides aus der Zeit des Cernus� handelte. Wie �berall gibt es auch auf Gor weitverbreitete Namen. So hei�en viele Tarl, vor allem in den n�rdlichen Gegenden Gors. Der Seremides, der damals Cernus� Helfershelfer gewesen war, stammte sogar urspr�nglich aus Tyros.</p><p>Es schien unglaublich, da� ein solcher Mann von Verschw�rern unterst�tzt, in Ar erneut Macht erlangen konnte, aber Marlenus war abwesend gewesen. Da� es sich tats�chlich um denselben Seremides handelte, hatte mir ein belustigter Saphronicus klargemacht, bei einem mittern�chtlichen Gespr�ch in seinem Zelt. Ich hatte nackt und gefesselt vor ihm auf den Knien gelegen. Das hatte nat�rlich auch die Intrige mit der verr�terischen Botschaft erkl�rt, die ich v�llig ahnungslos und unter gr��eren Risiken im Auftrag von Genius Lelius, dem Regenten von Ar, nach Ar-Station gebracht hatte, die Botschaft, laut der ich ein cosischer Spion war. Nat�rlich war mir Saphronicus in Ar nicht begegnet.</p><p>Ich wu�te auch nicht, ob Genius Lelius an dem Verrat beteiligt war oder nicht. Aber ich kannte den Namen von zumindest einem der Verschw�rer; Dokumente, die mir in Brundisium in die H�nde gefallen waren, hatten ihn mir verraten. Es handelte sich um eine Frau. Ihr Name lautete Talena, und bis zu ihrer Verbannung war sie Marlenus� Tochter gewesen. Wie ich in Erfahrung gebracht hatte, hatte sich auch ihr Gl�ck gewandelt. Sie hatte die B�rgerrechte zur�ckerhalten, und einige handelten sie unter vorgehaltener Hand bereits als neue Ubara.</p><p>�Wirst du mich jetzt t�ten?� hatte ich Saphronicus gefragt.</p><p>Er hatte nur gelacht. �Nein. Ich schicke dich ins Vosk-Delta.�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>�Ich m�chte den Hauptmann sprechen�, sagte ich zu dem Soldaten.</p><p>�Ich habe ihm deine Bitte �bermittelt�, erwiderte der Soldat. �Und jetzt halt den Mund.�</p><p>Ich lie� mich in meinen Fesseln auf den Sand zur�cksinken.</p><p>Insekten krochen �ber meinen K�rper; ich bi� die Z�hne zusammen. Dann wechselte ich die Position. Es war so gut wie unm�glich, mich mit den H�nden zu sch�tzen. Ich wollte gequ�lt aufschreien. Ich fragte mich, ob eine solche Qual einen Mann in den Wahnsinn treiben konnte. Aber ich schwieg. Ich legte mich wieder auf den R�cken und sah zum Himmel. Dort schwebten die Sterne und zwei der drei Monde. Ein paar Meter entfernt schrie ein Mann w�tend auf und schlug auf seinen K�rper. Es waren viele Soldaten versammelt.</p><p>Das Delta des Vosk ist ein tr�gerisches Gebiet, in dem man sich nur mit gro�er M�he zurechtfindet. Seine Wege ver�ndern sich beinahe �ber Nacht. Die Sicht ist meistens sehr schlecht, wegen des hohen Renceschilfs reicht sie selten weiter als ein paar Schritte. Fahrrinnen, in denen das schlammige, tr�ge Wasser tief genug ist, um ein Rundschiff zu tragen, wechseln sich mit nur zentimetertiefen Rinnsalen ab. Zu dieser Jahreszeit, nach der im Fr�hling eintretenden Schneeschmelze flu�aufw�rts, betr�gt die durchschnittliche Wassertiefe zwischen einem und eineinhalb Metern.</p><p>Es gibt hier viele Sandb�nke.</p><p>Auf einer solchen Bank hatten etwa f�nfzig bis sechzig Soldaten ihr Lager aufgeschlagen. Sie hatten ihr kleines Boot auf die Sandbank gezogen. Bei der ersten �bernachtung vor etwa zehn Tagen waren einige Boote verlorengegangen. Wegen der Str�mungen sind die Anzahl und die Form der Sandb�nke st�ndigen Ver�nderungen unterworfen; der Sand wird weggeschwemmt und neu verteilt. Nach jener ersten Nacht hatte man die kleineren Boote zusammengebunden, Pfl�cke in den Boden gerammt und die Taue daran festgemacht. Meine gefesselten Kn�chel waren mit einem kurzen Seil an einem von ihnen festgebunden, die Leine hing an einem anderen.</p><p>�He, h�r mal�, rief ich.</p><p>Der Soldat sah zu mir her�ber.</p><p>�Bin ich der einzige Gefangene im Delta?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>Nach der Gefangennahme waren Marcus und ich voneinander getrennt worden. Nach unserer Ankunft in dem provisorischen Lager vor Holmesk hatte ich allerdings ein paar Tage lang gewu�t, wo man ihn untergebracht hatte. Dann hatten sie ihn weggebracht und mich in einen K�fig gesperrt. Vermutlich hatte man ihn zu Saphronicus gebracht oder ihn zumindest einem zust�ndigen Offizier vorgef�hrt. Das hatte der Anf�hrers des Sp�htrupps, der uns gefangengenommen hatte, zumindest vorgehabt.</p><p>�Man hat mich zusammen mit meinem Freund, einem jungen Kerl aus Ar-Station, in das Lager von Ar gebracht�, sagte ich.</p><p>�Dein Offizier?�</p><p>�Mein Freund.�</p><p>�Ihr wart beide Spione�, sagte der Mann grimmig.</p><p>�Was ist aus ihm geworden?�</p><p>�Was glaubst du denn?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Vermutlich wurde er kastriert, gefoltert und gepf�hlt�, meinte der Soldat.</p><p>�Er stammte aus Ar-Station, aus einer uralten und ehrenhaften Familie. Den Marcelliani.�</p><p>�In diesem Fall wurde er vielleicht nur ausgepeitscht und gek�pft.�</p><p>�Hast du davon geh�rt?�</p><p>�Nein. Ich wei� nichts von ihm.�</p><p>�Warum hat man mich ins Delta gebracht?� fragte ich.</p><p>�Damit du Zeuge wirst, wie man deine L�gen enth�llt�, sagte er. �Damit du siehst, wie wir die Sleen aus Cos einholen, damit du miterleben kannst, wie deine Freunde, deine Zahlmeister niedergemacht werden, damit du miterlebst, wie sie die Rache Ars trifft! Ruhm und Ehre f�r Ar!�</p><p>�Und wie viele Cosianer habt ihr get�tet?�</p><p>�Wir werden sie bald eingeholt haben�, sagte der erste Soldat w�tend. �Vielleicht schon morgen. Schlaf jetzt!�</p><p>Ich lag noch eine Zeitlang da und betrachtete die Sterne. Einmal zeichneten sich krallenbewehrte, membranhafte Schwingen vor einem der Monde ab, der gleitende Umri� eines riesigen, r�uberischen Uls, das gef�rchtete fliegende Tharlarion des Delta. Das ist die einzige Kreatur, die es in dieser Gegend wagt, ihre Gestalt am Himmel zu zeigen. Ich versuchte, die winzigen F��e zu ignorieren, die �ber meinen K�rper krabbelten. Irgendwann gegen Morgen schlief ich schlie�lich ein.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Plenius fluchte. Der Soldat stand hinter mir, mit dem Ruder in der Hand. Er wechselte sich mit anderen darin ab, mich zu bewachen. Wir standen knietief im Wasser.</p><p>Der Bug des Rencebootes, der noch immer trocken war, bahnte sich einen Weg durch das Schilfgras. Hinter ihm kamen andere Boote.</p><p>�Wir m��ten doch schon l�ngst auf die Sleen aus Cos gesto�en sein!� schluchzte ein Mann entnervt.</p><p>�Halt!� rief eine Stimme von vorn.</p><p>Aufgescheucht flatterte ein Gant aus dem Schilf, gewann an H�he und ging wieder tiefer.</p><p>�Da treibt eine Leiche im Wasser�, meldete ein Soldat, der linkerhand auf einem schmalen Flo� stand.</p><p>�Ein Cosianer?� fragte Plenius.</p><p>�Nein.�</p><p>Wir schlossen n�her auf. Die Barke, die der Hauptmann zu seinem schwimmenden Befehlstand gemacht hatte, kam heran; sie wurde mit Hilfe von Stangen fortbewegt.</p><p>Im Sumpfwasser trieb eine Leiche, halb untergegangen, mit dem Gesicht nach unten.</p><p>�Das ist einer von uns�, sagte Plenius. �Das waren die Cosianer.�</p><p>�Das ist unwahrscheinlich�, meinte ich.</p><p>�Wer soll es denn gewesen sein?�</p><p>�Sieh dir die Wunde an.� Es waren drei Einstiche, alle im R�cken.</p><p>�Man hat dreimal auf ihn eingestochen.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein, einmal.�</p><p>�Es sind aber drei Wunden.�</p><p>�Sieh sie dir genau an, die geradlinige Anordnung, der dazwischenliegende Abstand.�</p><p>�Ein Dreizack�, sagte mein Bewacher.</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Der dreizackige Fischspeer.�</p><p>�Das ist keine Waffe.�</p><p>�Aber man kann ihn so benutzen, wie man sieht.�</p><p>�Genau, wie in der Arena.� Plenius bezog sich auf einen beliebten Schaukampf in der Arena, in dem der �Fischer� mit Netz und Dreizack k�mpft. �Aber hier im Vosk-Delta gibt es bestimmt keine Arenak�mpfer.�</p><p>Man zog die Leiche auf ein Flo�.</p><p>�Aber Fischer k�mpfen oft mit solchen Waffen�, sagte ich. �Bei st�ndiger �bung sind sie t�dlich, nur aus diesem Grund haben die Arenak�mpfer sie �bernommen.�</p><p>�Rencebauern?� fragte mich der Hauptmann, der zugeh�rt hatte.</p><p>�Zweifellos.� Rencebauern leben im Vosk-Delta. Sie bewohnen Renceinseln, gewaltige Fl��e aus zusammengewobenem Renceschilf. Da die Rencehalme unten verfaulen, werden sie ersetzt, indem man oben neue hinzuf�gt. Wie bereits erw�hnt sind die Sandb�nke ungeeignet f�r eine permanente Besiedlungen. Da die Renceinseln schwimmen, sind sie transportierbar. Auf diese Weise kann ein ganzes Dorf an einen anderen Ort gebracht werden. Diese Mobilit�t kann f�r die Rencebauern sehr n�tzlich sein, wenn sie neue Fischgr�nde suchen oder frisches Rence ernten wollen, ihr wichtigstes Handelsgut, das unter anderem der Herstellung von Stoff und Papier dient. Es ist auch ganz n�tzlich, um gelegentlichen Ansammlungen von Tharlarion aus dem Weg zu gehen oder unerw�nschte Begegnungen mit seinen Mitmenschen zu vermeiden. Der Standort solcher D�rfer ist f�r gew�hnlich geheim. Handelskontakte werden von den Rencebauern gekn�pft, nach ihren Bedingungen, an bekannten Treffpunkten. Solche D�rfer sind selbst aus der Luft schwierig zu entdecken.</p><p>�Glaubst du, von ihnen sind welche in der N�he?� fragte der Hauptmann.</p><p>�Das wei� ich nicht�, erwiderte ich. �Schon m�glich. Vielleicht auch nicht.�</p><p>�Sie k�nnten �berall im Rence stecken�, sagte ein Soldat unbehaglich.</p><p>�Das ist wahr.� Ich bezweifelte, da� sich Bauern in der N�he befanden. Hier marschierten �berall Regimenter aus Ar.</p><p>�Warum sollten sie ihn umbringen?�</p><p>�Wer kann das schon sagen.� Tats�chlich hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung, was hier vorgefallen war.</p><p>��bergebt die Leiche dem Delta�, befahl der Hauptmann.</p><p>Man rollte die Leiche vom Flo� ins Wasser.</p><p>�Weiter�, sagte der Hauptmann.</p><p>�Beweg dich�, sagte Plenius, der im Bug des kleinen Rencebootes stand. Wir waren mindestens dreihundert Pasang tief ins Vosk-Delta eingedrungen. Die Soldaten hatten den ausdr�cklichen Befehl erhalten, mich am Leben zu erhalten.</p><p>Ich k�mpfte mich vorw�rts durch das Schilf, stemmte mich gegen das Wasser, das mir hier bis an die Brust reichte; das Seil um meinen Hals war an dem Boot befestigt. Meine H�nde waren mit Handschellen auf den R�cken gefesselt. Ich zog sie jedem Seil vor, denn sie waren viel angenehmer zu tragen. Nat�rlich hatten meine Aufseher dies nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit getan. Sie wollten sich meiner st�ndigen Hilflosigkeit versichern, jetzt, wo meine H�nde nicht mehr ununterbrochen in Sicht waren. Ein Seil konnte man unter der Wasseroberfl�che lockern oder abstreifen. Das Eisen w�rde mich halten. Ich hatte nicht dagegen protestiert. Unter umgekehrten Umst�nden h�tte ich vermutlich �hnliche Vorsichtsma�regeln getroffen. Ich wu�te nicht, wer den Schl�ssel f�r die Handschellen hatte.</p><p>Ich tauchte einen Augenblick lang unter und k�mpfte mich hustend wieder an die Oberfl�che. Auf dem Grund gibt es viele L�cher. Schilfhalme schnitten mir ins Gesicht. Ich spuckte Wasser aus.</p><p>�Beweg dich, zieh!� h�rte ich hinter mir Plenius� Stimme.</p><p>Ich wandte den Kopf zur Seite, so da� das Seil mehr auf einer Halsseite ruhte. Ich versuchte mit aller Kraft, das kleine Boot zu ziehen. Das Rudern fiel immer schwerer, das Rence, aus dem es bestand, hatte sich mit Wasser vollgesogen. Man hatte mich am Morgen mit einem Strick um den Hals vom Boot gesto�en, damit mein Gewicht wegfiel. So w�rde das Gef�hrt ein oder zwei Tage l�nger halten.</p><p>�Nun zieh schon, du fauler Sleen!� Der Bug tauchte neben meiner Schulter auf, das Seil wurde schlaff und tauchte ins Wasser. Plenius stie� mit dem Ruder zu und traf mich am R�cken. Ich stolperte, konnte aber das Gleichgewicht wiederfinden. Dann k�mpfte ich mich weiter durch das Schilf.</p><p>Etwas Lebendiges ber�hrte mein Bein, und ich h�tte um ein Haar aufgeschrien.</p><p>Ganz in der N�he trieb eine Barke, eines der gr��eren Gef�hrte unser zusammengew�rfelten Flottille, das etwa f�nfzig Mann bef�rderte. Sie wurde mit Stangen fortbewegt; auf jeder Seite standen zehn Soldaten, die in Schichten arbeiteten. Ein paar M�nner sch�pften mit ihren Helmen Wasser heraus. Ein paar Arer klammerten sich am Heck fest. Ich konnte von meinem Standort aus nicht viel sehen, aber �berall waren Soldaten und kleine Boote.</p><p>Dabei war ich nicht der einzige Mann im Wasser. Ganz im Gegenteil. Die meisten Soldaten bewegten sich in langen Marschreihen vorw�rts. Auf diese Weise konnte der Mann an der Spitze den Weg f�r diejenigen pr�fen, die hinter ihm kamen, w�hrend jeder Soldat seinen Vordermann im Auge behielt. Gew�hnlich bildete ein kleines Boot die Nachhut f�r eine solche Reihe.</p><p>�Zieh, du Sleen!� befahl mein Aufpasser.</p><p>Ich stemmte mich wieder gegen das Seil, um das Boot weiterzubef�rdern.</p><p>�H�tte ich eine Peitsche, w�rdest du dich schneller bewegen!� rief er.</p><p>�Blutegel!� rief ich da. �Ein Blutegel.� Ich konnte ihn auf dem R�cken sp�ren. Er war ziemlich gro�. Vielleicht war er es gewesen, der vorhin mein Bein ber�hrt hatte. Mit meinen zusammengeketteten H�nden kam ich nicht an ihn heran.</p><p>Da erscholl ein lauter Hilfeschrei.</p><p>Ich drehte mich um und beobachtete, wie einige Meter entfernt ein Soldat die H�nde hob; aus seinen Augen sprach blankes Entsetzen. �Ich kann mich nicht bewegen!� rief er. �Ich versinke!� Er hatte sich einen seichteren Weg gesucht. Von denen gab es einige. Das Wasser hatte ihm dort nur bis zu den Knien gereicht. Nun war er schon bis zur Taille eingesunken.</p><p>�Treibsand!�</p><p>Ein Kamerad hielt dem Soldaten einen Speer hin, und er packte ihn verzweifelt, denn das Wasser stand ihm nun schon bis zum Hals. Man zog ihn heraus.</p><p>�Bleib in der Reihe!� br�llte ihn ein Offizier an. Aber der mit Sand bedeckte Soldat, der seinen Dank stammelte, brauchte keine weiteren Ermahnungen mehr. Er nahm schnell wieder seinen Platz in der Reihe ein.</p><p>Der Verlust an Menschenleben durch Treibsand war durch die Einf�hrung der Marschreihen zur�ckgegangen. In den ersten Tagen hatte es Verluste von �ber zweihundert Mann gegeben, in einem Fall hatte es sogar einen ganzen Zug erwischt. M�glicherweise hatte der tr�gerische Untergrund sogar noch gr��ere Verluste gefordert, die nur nicht bekannt geworden waren.</p><p>�Beweg dich gef�lligst!� rief Plenius aus dem Boot.</p><p>�Auf meinem R�cken, ein Blutegel�, sagte ich. �Ich kann ihn f�hlen. Macht ihn weg!�</p><p>�Von mir aus kannst du damit �bers�t sein, du spionierender Sleen�, knurrte er.</p><p>�Ich m�chte, da� man ihn entfernt!� beharrte ich.</p><p>�Keine Angst, die haben nur Hunger. Wenn er genug hat, f�llt er schon von selbst ab.�</p><p>�Hier ist noch einer�, sagte ein Mann, der neben mir durch das Wasser watete, und hielt einen nassen, platten, sich windenden Egel hoch. Er war etwa zehn Zentimeter lang und vielleicht einen Zentimeter dick. �Von denen gibt�s hier vermutlich eine ganze Menge�, sagte er und warf ihn zur�ck ins Wasser.</p><p>Ich schauderte.</p><p>�Komm ja nicht zum Boot zur�ck�, warnte mich Plenius.</p><p>Ich erschauderte erneut. Da war eine zweite dieser Kreaturen an meinem Bein, hoch oben an der Hinterseite.</p><p>�Anhalten!� rief da ein Ausguck. Er stand hoch oben auf einer Plattform, die man im Bug eines der Lastk�hne aufgestellt hatte. Von dieser Position aus konnte er �ber das Rence blicken. �Da vorn!� rief er. �Da ist eine Barke!�</p><p>Ein Offizier kletterte hinauf. Er hielt sich sch�tzend die Hand �ber die Augen. �Jawohl!� rief er dann hinunter. �Eine Barke! Keine von unseren! Wir haben sie!�</p><p>Aus vielleicht tausend M�ndern erschallte Jubel.</p><p>�Vorw�rts!� riefen anderen Offiziere. �Vorw�rts, M�nner!�</p><p>Die Soldaten dr�ngten nach vorn. Ich konnte Rufe unserer Nachhut h�ren, so schnell hatte sich die Nachricht verbreitet.</p><p>�Die Verfolgung ist zu Ende!� rief mein Bewacher. �Ars Rache steht unmittelbar bevor!�</p><p>Mein Hals war wund.</p><p>�Bald, Sleen�, sagte er schadenfroh. �Bald wirst du deine cosischen Herrn sehen, wie sie unter unseren Klingen fallen.�</p><p>Ich stand auf unsicheren Beinen im Wasser. Ich konnte die Blutegel deutlich auf meinem K�rper sp�ren, einen auf dem R�cken, den anderen am Bein. Pl�tzlich sp�rte ich einen weiteren. Er sog sich neben dem ersten fest, auf meinem R�cken.</p><p>�Zieh schon!�</p><p>Ich stemmte mich wieder gegen das Seil; es schnitt mir in die Haut ein.</p><p>Die Sonne stand hoch am Himmel.</p><p>Wir kamen nur langsam voran; es dauerte eine scheinbare Ewigkeit, bis wir die L�cke zu der angeblichen Barke schlossen. Sie wurde von Zeit zu Zeit erneut gesichtet. Nach einiger Zeit begannen die M�nner aus Ar zu singen. Der Sumpf hallte von ihren Liedern wider.</p><p>�Wessen Barke ist das?� fragte ich pl�tzlich.</p><p>Sie glitt an uns vorbei, von mehreren M�nnern mit Stangen fortbewegt, wie eine Geistererscheinung. Sie war purpurn und vergoldet; ihr Bug war dem anmutigen langen Hals und spitzschn�beligen Kopf eines Gant nachempfunden; die Heckschnitzereien stellten Federn dar. Sie verf�gte �ber eine offene, vergoldete Kabine, die von einem durchsichtigen, goldenen Netz verh�llt wurde. Die Stangen, die das Gef�hrt vom Grund abstie�en, waren vergoldet. Ein solches Schiff stellte einen verbl�ffenden, unzumutbaren Gegensatz zu dem erb�rmlichen, verkommenen und zusammengew�rfelten Rest der Flotte dar. Es geh�rte nicht ins Delta, sondern in einen Kanal oder auf eine ruhige Wasserstra�e.</p><p>�Sie will dabeisein, wenn wir sie vernichten�, sagte ein Soldat.</p><p>�Sie?�</p><p>�Ina, eine Lady aus Ar.�</p><p>�Ina�, wiederholte ich. �K�nnte ein Sklavenname sein.�</p><p>�Das ist aber keine Sklavin.�</p><p>�Nein, allerdings nicht�, lachte ein anderer, vielleicht sogar etwas bedauernd.</p><p>�Das ist Ina, eine Lady aus Ar�, erkl�rte der Soldat. �Sie geh�rt zum Stab von Saphronicus, eine politische Beobachterin, angeblich eine Vertraute von Lady Talena aus Ar; sie erstattet ihr Bericht.�</p><p>�Wo ist Saphronicus� Barke?� fragte ich.</p><p>�Die ist zweifellos irgendwo hinter uns.�</p><p>�Zweifellos�, sagte ich.</p><p>�Zieh jetzt endlich!� befahl Plenius.</p><p>Ich stemmte mich wieder gegen das Seil und zog das mit Wasser vollgesogene Boot weiter.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>�Da will dich jemand sehen�, sagte Plenius.</p><p>Die Cosianer waren angeblich noch immer irgendwo vor uns. So wie Saphronicus, der Kommandant, irgendwo hinter uns war.</p><p>Ich blickte von dem Sand auf, auf dem ich zwischen zwei Pfosten angebunden lag, die H�nde auf dem R�cken zusammengekettet.</p><p>�S�ubert ihn�, befahl ein Soldat, den ich bis jetzt noch nie zuvor gesehen hatte. Er trug das Abzeichen eines Adjutanten.</p><p>�K�mmt sein Haar, wascht ihn. Aber schnell�, erg�nzte sein Begleiter, ebenfalls ein mir unbekannter Soldat. �Er soll ordentlich aussehen.�</p><p>Man l�ste meine Fu�fesseln. Das Seil um meinen Hals wurde f�r den Augenblick, den sie brauchten, um mich auf die Knie zu ziehen, gel�st, um dann sofort wieder angelegt zu werden, diesmal meiner knienden Position angepa�t. Sand und Schlamm wurden von meinem K�rper gewischt. Meine H�nde blieben auf den R�cken gefesselt. Man k�mmte mein Haar.</p><p>�Soll er ein Lendentuch bekommen?� fragte Plenius.</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, erwiderte der Adjutant.</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>�Du sollst verh�rt werden�, antwortete er.</p><p>�Ist er sicher gefesselt?� Ich war �berrascht. Wie jeder, der diese Stimme hier im Delta geh�rt h�tte. Es war eine Frauenstimme!</p><p>�Das ist er, Lady�, sagte der Adjutant.</p><p>Sie ging vorsichtig �ber den feuchten Sand, die in Pantoletten steckenden F��e machten tastende, angeekelte kleine Schritte. Die Schuhe waren vermutlich ziemlich teuer gewesen. Vermutlich wollte sie sie nicht besch�digen.</p><p>Sie betrachtete mich.</p><p>Sie war klein, und ihre Figur, die von dem schweren Stoff ihres Gewandes, das hier im Delta sowohl l�cherlich wie auch unbequem aussah, verborgen wurde, schien recht mollig zu sein. Sie war verschleiert, wie es sich f�r eine goreanische Frau � vor allem eine von hohem gesellschaftlichen Rang � aus einer der gro�en St�dte geh�rte. In einigen St�dten ist der Schleier f�r die freien Frauen durch das Gesetz vorgeschrieben, nicht zu vergessen durch Schicklichkeit und Etikette, so wie das Gesetz verbietet, da� Sklavinnen verschleiert gehen d�rfen.</p><p>�Zieht euch zur�ck�, befahl sie den Umstehenden. �Ich will ungest�rt mit ihm sprechen.�</p><p>Plenius �berpr�fte die Handschellen und die L�nge und Festigkeit der Leine um meinen Hals. Dann zog er sich mit den anderen zur�ck.</p><p>Sie hob den Saum ihres Gewandes ein winziges St�ck von dem feuchten Sand hoch und hielt den Stoff mit einer Hand fest. Sie wollte ihn wohl nicht beschmutzen. Sie wirkte hochm�tig, unzufrieden, verachtungsvoll und verw�hnt. Zweifellos gab es andere Orte, an denen sie lieber als im Delta gewesen w�re, so wie die Arkaden und Basare von Ar. Ich konnte die Spitzen der bestickten Pantoletten sehen.</p><p>�Wei�t du, wer ich bin?� fragte sie.</p><p>Ich blickte an ihr vorbei, �ber die Fackeln hinaus. Da ich nun kniete, konnte ich die purpurne und vergoldete Barke sehen, die mit der goldenen Kabine und dem goldenen Netz.</p><p>�Wei�t du, wer ich bin?�</p><p>Mir entging nicht, da� sie den Saum des Gewandes kaum mehr als einen Hort hob, kaum genug, um ihn vom Sand zu heben. Die Soldaten von Ar, alles Berufs-Soldaten, unterlagen einer strengen und genauen Disziplin. Doch ich vermutete, da� sie schlau genug war, ihnen nicht ihre Fu�kn�chel zu zeigen. Schlie�lich waren es alles M�nner, goreanische M�nner, die schon lange keine Frau mehr gehabt hatten.</p><p>�Ich bin Ina, eine Lady aus Ar�, sagte sie, �und geh�re zum Stab von Saphronicus, dem Kommandanten des Nordens.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich.</p><p>�Ich bin eine Beobachterin, im Auftrag von Talena, der Lady aus Ar, der Tochter des Marlenus.�</p><p>�Der ehemaligen Tochter von Marlenus�, berichtigte ich. �Er hat sie enterbt und versto�en, und zwar r�cksichtslos.�</p><p>�Du scheinst dich in der Politik von Ar auszukennen.�</p><p>�Es kommt mir ungew�hnlich vor, da� eine solche Frau, die enterbt und versto�en wurde, die doch sicherlich im Zentralzylinder entehrt unter Hausarrest stand, da� eine solche Frau in der Lage ist, eine Beobachterin ins Delta zu schicken.�</p><p>�Sie ist wieder im Aufstieg begriffen.�</p><p>�Den Eindruck habe ich auch.�</p><p>�Du bist Tarl, aus Port Kar?�</p><p>�Schon m�glich.�</p><p>�Du wirst meine Fragen auf befriedigende Weise beantworten!�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Mach die Beine auseinander!� fauchte sie.</p><p>Ich gehorchte.</p><p>�Du bist Tarl, aus Port Kar.�</p><p>�Man kennt mich an allen m�glichen Orten, unter verschiedenen Namen.�</p><p>�Du bist Tarl, aus Port Kar�, wiederholte sie �rgerlich.</p><p>�Ja.� Ich war Tarl aus Port Kar, Stadt des gro�en Arsenals, Stadt der vielen Kan�le, Juwel des schimmernden Thassa.</p><p>�Du bist ein ansehnlicher Bursche, Tarl.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Aber da sind viele Wunden an deinem K�rper�, schalt sie mich.</p><p>�Die sind von Schl�gen, von Fesseln, von dem scharfen Renceschilf, von den Bissen der vielen Insekten, von den Z�hnen der Sumpfegel.�</p><p>Sie erschauderte.</p><p>�Es ist schwierig, das Delta unbeschadet zu durchqueren�, erkl�rte ich, �besonders wenn man nackt im Wasser ein Flo� zieht.�</p><p>�Eine passende Besch�ftigung f�r einen Spion�, lachte sie.</p><p>�Zweifellos.�</p><p>�Du siehst gut aus, nackt, angekettet, auf den Knien vor mir, Spion aus Cos.�</p><p>�Bei der Hitze und der Luftfeuchtigkeit hier im Delta ist dein verh�llendes Gewand sicher sehr unbequem�, sagte ich.</p><p>Sie sah mich �rgerlich an.</p><p>�Zweifellos w�rdest du sich besser f�hlen, wenn du es ausz�gest.�</p><p>�Heute haben wir einen gro�en Sieg errungen�, sprach sie w�tend, ohne auf meine Bemerkung einzugehen.</p><p>��ber die Cosianer?�</p><p>�In gewisser Weise�, sagte sie verdrossen.</p><p>�Nein�, sagte ich. ��ber Rencebauern.�</p><p>Ihre Augen blitzten �ber dem Rand des Schleiers auf.</p><p>�Die M�nner der rechten Flanke stolperten �ber ein Dorf von Rencebauern�, sagte ich. �Das ist alles.� Ich hatte mir das aus den Ger�chten zusammengereimt, die heute aus dieser Richtung gekommen waren.</p><p>�Die Rencebauern sind Verb�ndete von Cos!� behauptete sie.</p><p>Cos hatte im Delta einen starken Einflu�, das war richtig, aber ich hielt die Bauern nicht f�r offizielle Verb�ndete von Cos. Mit ihren kleinen, weit verstreuten Gemeinschaften neigten sie dazu, ein geheimniskr�merisches, ausgesprochen unabh�ngiges V�lkchen zu sein.</p><p>�Das Dorf wurde zerst�rt!� Sie lachte.</p><p>�Es tut mir leid das zu h�ren.�</p><p>�Weil du Cos unterst�tzt.�</p><p>�Die B�rger Port Kars befinden sich mit Cos im Krieg.� Dieser Krieg bestand haupts�chlich aus Scharm�tzeln, die fast immer auf See stattfanden, und politischen Formalit�ten. Seit der Schlacht am 25. Se�Kara im ersten Jahr der Herrschaft des Kapit�nrates von Port Kar, oder, um die Chronologie Ars zu benutzen, dem Jahr 10120 C.A., Contasta Ar, nach der Gr�ndung Ars, hatte keine gr��ere Auseinandersetzung mehr stattgefunden. In dieser Schlacht hatten die Streitkr�fte von Port Kar die vereinigten Flotten von Cos und Tyros besiegt.</p><p>�Unter den B�rgern von Port Kar gibt es zweifellos genau solche Verr�ter wie in den anderen St�dten auch.�</p><p>Ich nickte.</p><p>Sie lachte wieder ver�chtlich. �Aber du jammerst �ber das Schicksal deiner Verb�ndeten, der Rencebauern.�</p><p>�Nicht nur sie tun mir leid�, sagte ich.</p><p>�Wer denn noch?�</p><p>�Die M�nner aus Ar.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Es gab doch sicher Warnsignale, T�cher an zepter�hnlichen Rencestengeln, zuerst wei�e, sp�ter dann rote, die man in der N�he des Dorfes aufspannte.�</p><p>Lady Ina nickte. �Sie wurden in den Berichten erw�hnt.�</p><p>�Trotzdem sind eure Sp�her weitergezogen.�</p><p>�Ar geht dorthin, wo es will. Davon abgesehen h�tten diese Zeichen auch von Cos aufgestellt worden sein k�nnen.�</p><p>�Diese Zeichen dienen dazu, Fremde zu warnen�, erkl�rte ich. �In ihrer N�he w�ren Cosianer genauso wenig willkommen wie Arer.�</p><p>Sie lachte erneut. �Wir Arer kennen keine Furcht. Au�erdem spielt das alles keine Rolle mehr. Wir haben gesiegt. Das Dorf wurde zerst�rt.�</p><p>�Ist deine Barke in der N�he des Dorfes gesehen worden?�</p><p>�Vermutlich.�</p><p>�Gab es �berlebende?�</p><p>�Woher soll ich das wissen?�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Es war ein gro�er Sieg.�</p><p>Darauf gab es nichts zu erwidern. Ich kannte ein paar Rencebauern. Allerdings lebten die viel weiter im Westen.</p><p>Sie lachte wieder. �Denk nicht l�nger dar�ber nach, mein hilfloser, h�bscher Spion�, sagte sie dann. �Es ist vorbei. Erledigt.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Sie hob den Kopf. �H�r doch, im Sumpf sind Vosk-M�wen.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>Ich schwieg wieder.</p><p>�Ich habe die Befehlsgewalt �ber viele M�nner�, warnte sie mich.</p><p>�Warum bist du gekommen?� fragte ich sie. �Um mich zu qu�len?�</p><p>�Mach die Knie noch weiter auseinander�, fauchte sie.</p><p>Ich gehorchte.</p><p>Sie lachte. �Wie ich h�rte, hat man dir heute einen Knebel verpa�t, da keiner dein Gejammer mehr h�ren wollte.�</p><p>Das entsprach der Wahrheit. Der Hauptmann hatte mich knebeln lassen. Ich hatte ihn sprechen wollen. Pl�tzlich sah ich eine Gelegenheit.</p><p>�H�ren die Offiziere auf dich?�</p><p>�Vielleicht�, lachte sie.</p><p>�Dann la� mich dir ein paar Dinge anvertrauen�, fuhr ich dr�ngend fort.</p><p>�Sprich weiter.�</p><p>�Diese Dinge m�ssen an die hohen Offiziere weitergeleitet werden. Das ist unglaublich wichtig.�</p><p>Sie lachte wieder. �Sag schon, du l�gnerischer Spion.�</p><p>�In Ar findet ein Verrat von gigantischen Ausma�en statt�, fing ich an. �Einige der h�chsten W�rdentr�ger der Stadt haben Anteil an diesem Verrat, darunter Seremides, der Hohe General, und Saphronicus, dessen Stab du zugeteilt wurdest. Aus diesem Grund kam niemand Ar-Station zur Hilfe, und es fiel. Aus diesem Grund hat Ar den Winter unt�tig verstreichen lassen. Und jetzt hat man Ar ins Vosk-Delta gelockt! Ich sage dir, es war kein Zufall oder unerwartetes Gl�ck, da� in Turmus und Ven Hunderte von Booten aller Art f�r die Delta-Expedition bereitstanden. W�re das m�glich gewesen, wenn vorher cosische Truppenverb�nde in gro�er Zahl das Delta betreten h�tten, um der Rache von Ar zu entfliehen? H�tten sie diese Gef�hrte nicht selbst benutzt oder sie zumindest zerst�rt? Was glaubst du, wo die Sympathien der B�rger von Turmus oder Ven liegen, bei Ar oder bei Cos?</p><p>Begreifst du nicht, da� man diese Boote f�r Ar zusammengesucht hat, da� diese Boote fast alle in erb�rmlichem Zustand sind? Das Holz ist alt, die Planken weisen Risse auf, die R�mpfe sind nachgiebig; vielleicht hat man sogar die Kalfaterung entfernt oder sie durch Pech und Schlamm ersetzt. Bei vielen Rencebooten sind die Schilfb�ndel schon halb verfault. Ich glaube nicht einmal, da� sich �berhaupt cosische Verb�nde im Sumpf aufhalten! Sicherlich mu� doch ein halbwegs intelligenter Offizier diese M�glichkeiten in Betracht gezogen haben! Ich gebe dir nur zu bedenken, da� Saphronicus, dein Kommandant, nicht im Delta ist!�</p><p>�Nein�, antwortete Lady Ina. �Saphronicus h�lt sich nicht im Delta auf.�</p><p>�Das wei�t du?�</p><p>�Aber sicher.� Sie lachte wieder.</p><p>�Leite diese �berlegungen an die hohen Offiziere weiter, ich beschw�re dich!� sagte ich. �Und wenn du das nicht tun willst, la� sie wenigstens �berpr�fen! Ar mu� sich so schnell wie m�glich aus dem Delta zur�ckziehen!�</p><p>�Das sehe ich anders.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte ich. �Selbst du m��test doch verstehen k�nnen, was ich eben gesagt habe.�</p><p>�Aber sicher.� Und wieder lachte sie.</p><p>�Dann trag alles den Offizieren vor.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum denn nicht?�</p><p>�Das sind die wilden Hirngespinste eines Spions.�</p><p>�Das glaubst du doch selbst nicht.�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht.�</p><p>Pl�tzlich lie� ich mich auf die Fersen zur�cksinken. �Du!� sagte ich. �Du bist die Spionin! Du geh�rst zu ihnen!�</p><p>Sie lachte sp�ttisch. �Ja. Ich geh�rte zu ihnen.�</p><p>�Aus diesem Grund wolltest du mich verh�ren, um zu erfahren, was ich wei� oder vermute.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Ich war ein Narr�, sagte ich.</p><p>�Wie alle M�nner.�</p><p>Ich dachte nach. Dann sagte ich: �Aber ich glaube nicht, da� ich hier der einzige Narr bin.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Du bist auch im Delta.�</p><p>�Meine Barke wird mich besch�tzen�, sagte sie. �Sie ist bekannt. Die Cosianer haben den Befehl, nicht auf sie zu schie�en, sie unbehindert passieren zu lassen.�</p><p>�Darauf w�rde ich mich nicht verlassen.�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>�Du wei�t eine Menge�, antwortete ich. �Meiner Meinung nach ist dein Leben nicht so sicher, wie du glaubst.�</p><p>�So einen Unsinn mu� ich mir nicht anh�ren.�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>�Aber ich wollte dich noch aus einem anderen Grund verh�ren�, fuhr sie fort. �Sklavinnen in Ven, die dich im K�fig sahen, bevor wir nach Westen aufbrachen, berichteten von dir. Sie meinten, du w�rst ein attraktives, kr�ftiges Exemplar von einem Mann.� Sie lachte. �Anscheinend hat dein Anblick sie hei� gemacht.�</p><p>�Sie wissen vielleicht, was es hei�t, einem Mann zu gehorchen.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Und du?� fragte ich. �Mache ich dich auch hei�?�</p><p>�Sei nicht vulg�r.�</p><p>�Vielleicht mu�t du ja weniger um dein Leben f�rchten, als ich dachte. Vielleicht ist f�r dich ja etwas anderes geplant.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Der Sklavenkragen.�</p><p>�Sleen!� fauchte sie.</p><p>�Falls du ausgezogen sch�n genug sein solltest�, f�gte ich hinzu.</p><p>Sie versteifte sich vor Wut. �Verdammter Sleen. Das bringt dir zehn Peitschenhiebe ein. Ich bin eine freie Frau. Ich bin unbezahlbar.�</p><p>�Aber nur bis man dich auszieht und verkauft.�</p><p>�Ich bin wundersch�n.�</p><p>�Du kannst mir viel erz�hlen.�</p><p>�Warte ab�, erwiderte sie. �Um dich wirklich zu qu�len, werde ich meinen Schleier senken, damit du einen kurzen Blick auf meine Sch�nheit werfen kannst, eine Sch�nheit, die du niemals besitzen wirst, die du niemals k�ssen oder ber�hren wirst, einen kurzen Blick, den du nie vergessen wirst und der dich qu�len wird auf deinem Marsch durch den Sumpf!�</p><p>Langsam und anmutig senkte sie den Schleier.</p><p>Ich betrachtete sie.</p><p>�Bin ich nicht wundersch�n?�</p><p>�Falls wir uns je noch einmal begegnen sollten, werde ich dich nun wiedererkennen k�nnen.�</p><p>�Du hast mich reingelegt!�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>�Wachen!� schrie sie w�tend, w�hrend sie an dem Schleier herumzerrte und ihn wieder befestigte. Soldaten eilten auf sie zu. Sie zeigte auf mich. �Es ist wahr�, rief sie. �Er ist ein Spion, ein Sleen aus Cos. Er will aufwieglerische Gedanken unter den Truppen verbreiten. Gebt ihm zehn Hiebe!�</p><p>�Wird erledigt, meine Lady�, sagte Plenius.</p><p>�Danach soll er geknebelt werden.�</p><p>�Jawohl, Lady.�</p><p>Ein anderer Soldat machte sich bereits an meinen Handschellen zu schaffen. Einen Augenblick sp�ter waren mir die H�nde vor den Bauch gefesselt.</p><p>Dann pfiff auch schon die Peitsche durch die Luft.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>�Bleib stehen!� fl�sterte der Soldat vor mir und streckte die Hand aus.</p><p>Ich gehorchte. Das aus drei Baumst�mmen gezimmerte Flo�, das ich mit Hilfe eines Jochs zog, trieb langsam n�her heran; das Geschirr sackte ins Wasser. Einen Augenblick sp�ter stie�en die Baumst�mme unterhalb des Jochs sanft gegen meinen R�cken. �berall um mich herum wurden Waffen gezogen.</p><p>Die Barke des Hauptmanns schwamm zu meiner Rechten. Er stand ganz vorn, von seinen M�nnern umringt. Der Soldat auf der Aussichtsplattform kauerte sich zusammen.</p><p>�Jetzt haben wir sie, Jungs�, fl�sterte der Hauptmann den M�nnern zu, die zwischen dem Flo� und der Barke im Wasser wateten. Er gab ein Zeichen. Unteroffiziere schickten ihre M�nner los.</p><p>Ein Arm legte sich um meinen Hals, und das Joch und hielt mich an Ort und Stelle fest. Eine Messerklinge ber�hrte meine Haut. �Keine Bewegung�, warnte mich Plenius, der b�uchlings auf dem Flo� lag. Sie brauchten nicht zu bef�rchten, da� ich einen Warnschrei ausstie�, denn man hatte mich geknebelt. Doch sie wollten nicht das geringste Risiko eingehen, da� ich irgendwie L�rm schlug, indem ich das Joch gegen das Flo� schlug oder Wasser aufspritzen lie�.</p><p>Reihen von Soldaten wateten an mir vorbei. Auf der anderen Seite konnte ich weitere Marschreihen sehen, sobald sie hinter der Barke hervortraten. Einige begaben sich direkt in das Schilf, andere umkreisten es links. Vermutlich geschah auf der rechten Seite das gleiche.</p><p>Tagelang waren wir immer tiefer in das Delta eingedrungen, auf der Jagd nach den Cosianern. Dabei hatten wir die geheimnisvolle Barke, die nicht aus Ar kam, immer wieder vor uns gesichtet. Sie war, ob zu recht oder unrecht, so etwas wie ein Symbol geworden, ein Zeichen der Cosianer, des verfolgten Feindes. Zog man die Haltung der Arer in Betracht, war es von einem n�chternen milit�rischen Standpunkt aus gesehen nur nat�rlich, die Barke mit den Cosianern in Verbindung zu bringen und von der Annahme auszugehen, da� es sich um einen Frachter oder ein Boot der Nachhut handelte. Die Tatsache, da� es so schwerfiel, sie einzuholen, unterst�tzte diese Vermutung nur noch.</p><p>�Na los, du Sleen�, fl�sterte Plenius mir ins Ohr und dr�ckte mit dem Messer fester zu, �versuch deine Freunde zu warnen. Los!�</p><p>Ich regte keinen Muskel.</p><p>�Bald werden Ars Schwerter das Blut der cosischen Sleen trinken.�</p><p>Ich sp�rte das Messer an der Kehle.</p><p>Ich bewegte mich nicht.</p><p>Lautlos wateten weitere Soldaten vorbei.</p><p>�Aus diesem Grund wurdest du ins Delta gebracht�, sagte er, �damit du mit eigenen Augen das Scheitern deiner Spionageversuche und die Vernichtung deiner Freunde siehst.�</p><p>Ich hielt still.</p><p>�Andererseits w�rdest du als Spion wahrscheinlich sowieso nicht versuchen, sie zu warnen. Daf�r w�rst du zu schlau. Spione sind viel mehr um ihre eigene Haut besorgt.� Er kicherte. �Aber deine Haut, Sleen aus Cos, geh�rt nun Ar. Haben Joch und Geschirr dir das noch nicht verraten?�</p><p>Ich bewegte mich nicht, denn ich hatte die Bef�rchtung, er k�nnte in seiner Aufregung mit dem Messer abrutschen, wenn das Angriffssignal gegeben wurde.</p><p>�Deine Haut, Spion, geh�rt Ar, wie eine Sklavin ihrem Herrn.�</p><p>Das Signal w�rde gleich gegeben werden, ich konnte es sp�ren. Mittlerweile mu�ten die Soldaten in Stellung gegangen sein.</p><p>�M�chtest du nicht doch versuchen zu entkommen?�</p><p>Das Messer an meiner Kehle war von der �blichen goreanischen Sch�rfe. Dann drehte Plenius die Klinge ein wenig, so da� ich ihre Fl�che sp�rte. Fast im gleichen Augenblick h�rte ich die Kriegsrufe Ars und die Bewegungen einer gro�en Zahl von M�nnern � es mu�ten Hunderte sein �, die vorw�rts st�rmten, auf die Barke zu. Die flache Seite des Messers dr�ckte gegen meinen Hals, als Reaktion auf den L�rm im Sumpf. Nach dem n�chsten Lidschlag wurde die Klinge wieder gedreht, und die Schneide lag wieder an meiner Kehle.</p><p>�Ruhig, ganz ruhig�, sagte Plenius.</p><p>Ich bewegte mich nicht.</p><p>Aber von vorn kamen keine Kampfger�usche, kein Stahl traf klirrend aufeinander, keine Stimmen flehten um Gnade.</p><p>Wir h�rten, wie die M�nner auf die Barke losgingen.</p><p>Plenius� Messer blieb noch einige Zeit lang an meinem Hals. Sollten fl�chtende Cosianer durch den Sumpf auf uns zust�rmen, wollte er mir wohl die Kehle durchschneiden. Auf diese Weise konnte er sowohl meine Flucht verhindern als auch die H�nde frei haben, um sich gegen den Feind zu verteidigen oder sich ihm entgegenzustellen.</p><p>Aber Augenblicke sp�ter nahm er das Messer weg und stand verbl�fft da.</p><p>Keine Fl�chtlinge brachen durch das Rence.</p><p>Mich �berraschte das nicht im mindesten.</p><p>Ein paar Ehn sp�ter brach dann doch ein schlammbespritzter Soldat aus dem Schilf. Er hatte seine Waffe noch nicht weggesteckt. �Bringt den Gefangenen her�, befahl er.</p><p>Plenius legte mir eine Seilschlinge um den Hals und befreite mich dann von dem Geschirr. Das Flo� wurde auf eine kleine Sandbank geschoben, damit es nicht abtrieb.</p><p>�Geh voraus!� befahl er.</p><p>Ich bahnte mir einen Weg durch das Schilf. Nach wenigen Metern standen wir vor der flachen, abgedeckten Barke. Viele M�nner standen im Wasser darum herum. Mittlerweile waren auch einige der kleinen Boote eingetroffen. Die Barke war auf eine niedrige Sandbank gelaufen und steckte fest. In einer Ahn w�rde sie wieder schwimmen, oder sogar noch fr�her, falls der Wind drehte oder sich die Str�mung �nderte.</p><p>�Komm an Bord�, sagte der Hauptmann, der an Deck stand. Ich kannte ihn nur vom Sehen.</p><p>Ich blickte �ber den Knebel hinweg zu ihm hinauf.</p><p>Jemand versetzte mir von hinten einen Sto�. M�nner griffen zu, packten mich unter den Armen. Andere schoben. Man zog mich an Bord, Plenius, der die Leine nicht loslie�, folgte mir.</p><p>Das kleine, schr�ge Fenster in Heckn�he auf der Backbordseite der Barke war eingedr�ckt. Die Kabinent�r, zu der zwei oder drei Stufen nach unten f�hrten, stand offen.</p><p>Der Hauptmann musterte mich.</p><p>Ich kniete nieder.</p><p>�Entfernt den Knebel�, befahl er.</p><p>Es tat gut, das schwere, feuchte Stoffkn�uel aus dem Mund zu haben.</p><p>�Einige sagen, du w�rdest dich im Delta auskennen�, sagte er zu mir.</p><p>�Ich bin kein Rencebauer�, erwiderte ich. �Wenn jemand das Delta wirklich kennt, dann nur sie. Ich komme aus Port Kar.�</p><p>�Aber du warst schon einmal im Delta.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sind dir da solche Barken begegnet?�</p><p>�Ja, nat�rlich.�</p><p>Er wandte sich Plenius zu. �Wickel die Leine um das Joch. Ich �bernehme ihn.�</p><p>Plenius, mein Bewacher, gehorchte.</p><p>�Komm mit!� befahl der Hauptmann dann.</p><p>Ich erhob mich auf die F��e. Mit einem schweren Joch, einem Bestrafungsjoch, kann das �u�erst m�hsam, aber bei dem leichten Arbeitsjoch, das ich auf den Schultern trug, war es kein Problem. Ich senkte den Kopf und folgte dem Offizier durch die schmale T�r die Stufen hinunter ins Innere der Kabine. Seine Miene machte jedem klar, da� uns keiner folgen sollte.</p><p>In der Kabine war es nicht v�llig dunkel, da die Fenster an den Seiten aufgebrochen waren, einige davon vermutlich schon vor langer Zeit. Aber ich hatte keinen Zweifel, da� die M�nner von Ar in ihrer Angriffswut die T�r eingetreten und die restlichen Fenster eingeschlagen hatten. Ich sah mich im Halbdunkel in der gro�en Kabine mit der niedrigen Decke um.</p><p>�Ein gro�er Sieg�, meinte ich.</p><p>Bis auf ein paar B�nke und andere Nebens�chlichkeiten war die Kabine leer. Es lag viel Staub am Boden. Es gab kein Anzeichen, da� sich hier in der letzten Zeit jemand aufgehalten hatte.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte der Hauptmann. �Wo sind die Cosianer?�</p><p>�Hast du die Besatzung befragt?�</p><p>�Es gab keine Besatzung�, erwiderte er w�tend.</p><p>Ich schwieg. Das hatte ich auch nicht angenommen. H�tte es sie gegeben, w�re es sehr unwahrscheinlich gewesen, da� das Schiff auf Grund lief, vor allem, wo doch die Verfolger in der N�he waren. Die Soldaten marschierten am Tag, in gro�er Zahl. Sie waren fremd im Delta. Sie bewegten sich nicht mit der Lautlosigkeit von Rencebauern.</p><p>�Vielleicht hat es eine Besatzung gegeben, vielleicht hatten sie nicht genug Zeit, die Barke von der Sandbank zu bekommen.�</p><p>�Aber es gibt nur sehr wenige Hinweise darauf, da� hier �berhaupt eine Besatzung gelebt hat�, sagte ich. Sicher, ein paar M�nner hatten die Barke mit ihren Stangen fortbewegt. Aber selbst davon gab es keine Spuren, zumindest nicht in der Kabine.</p><p>�Wo sind die Cosianer?� wollte er wissen.</p><p>Ich sah mich in der staubigen Kabine um. �Hier jedenfalls nicht.�</p><p>�Wir haben diese Barke tagelang verfolgt�, sagte er w�tend. �Jetzt haben wir sie eingeholt. Und sie ist leer!�</p><p>�Meiner Meinung nach war sie seit Wochen leer.�</p><p>�Unm�glich!�</p><p>�Ich halte sie einfach f�r eine aufgegebene Barke�, sagte ich. �So etwas kommt im Delta vor.�</p><p>�Nein�, sagte er. �Sie geh�rt zur cosischen Nachhut.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Oder es ist einer ihrer Truppentransporter, den man aufgegeben hat.�</p><p>�Auch das ist m�glich�, best�tigte ich.</p><p>Er ging zu einem der kleinen Fenster und sah w�tend hinaus.</p><p>�Allerdings ist das eine seltsame Wahl f�r einen Frachtkahn, findest du nicht?�</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>�Du kommst nicht aus diesem Teil des Landes, nicht aus dem Delta oder vom Vosk oder Port Kar.�</p><p>�Worauf willst du hinaus?�</p><p>�Sieh dir das Fenster einmal genauer an, den Fensterladen.�</p><p>Er betrachtete den eingeschlagen Fensterladen, der herunterhing.</p><p>�Und?�</p><p>�Die Stellung des Hebels.�</p><p>�Ja, und?�</p><p>�Das Fenster konnte nicht von innen ge�ffnet werden�, sagte ich. �Nur von au�en.�</p><p>Der Hauptmann zuckte mit den Schultern.</p><p>�Zieht man einmal die Tiefe des Kabinenbodens in Betracht, konnte man im Sitzen nicht aus den Fenstern sehen, nicht einmal wenn sie ge�ffnet waren. Es ist h�chstens ein St�ck Himmel zu sehen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte er m�rrisch.</p><p>�Und wenn der Laden geschlossen war, war es stockfinster in der Kabine. Du kannst dir sicher vorstellen, wie es bei geschlossenen L�den hier drin war, die Hitze, die stickige Luft.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Sieh dir auch einmal die B�nke genauer an.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte er bitter.</p><p>�Du oder ich w�rden sie unbequem niedrig finden�, sagte ich, �aber f�r Leute mit k�rzeren Beinen w�ren sie in Ordnung.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Und hier und dort, siehst du die Halterungen f�r Fu�klemmen und an den Armlehnen die Handklemmen?�</p><p>�Aber nur f�r ziemlich kleine Fu�- und Handgelenke.�</p><p>�Das stimmt. Und dort siehst du noch das Eisengeschirr zum Befestigen der Halsh�lzer. Barken dieser Bauweise werden in den Kan�len von Port Kar benutzt, und im Delta, und zwar f�r den Transport von Sklavinnen.�</p><p>�Ja, du hast recht.�</p><p>�Nat�rlich benutzt man solche Frachtk�hne auch anderswo.�</p><p>�Im S�den transportieren wir Sklaven mit Hauben �ber dem Kopf oder in verh�llten K�figen.� Der Hauptmann schritt w�tend vom Fenster weg und betrachtete die B�nke. Bei einigen war der Lack abgebl�ttert. Diese Barke hatte offensichtlich einst oft das Delta befahren, vermutlich im Pendelverkehr zwischen Port Kar und Turmus und Ven. Sklavinnen werden meistens nackt transportiert.</p><p>�Also haben wir Tage damit verschwendet, eine Sklavenbarke zu verfolgen�, stellte der Hauptmann erbittert fest.</p><p>�So sieht es aus.�</p><p>�Also m�ssen die Cosianer noch immer vor uns sein.�</p><p>Ich schwieg. Das kam mir nicht sehr wahrscheinlich vor, zumindest nicht in gro�er Zahl.</p><p>Pl�tzlich ert�nten drau�en Rufe, gefolgt von Schreien.</p><p>Der Hauptmann sah verbl�fft auf, dann lief er die Stufen zum Deck hoch, ohne mir auch nur einen weiteren Blick zu schenken.</p><p>Ich folgte ihm.</p><p>�Wir konnten sie so gut wie nie sehen!� rief ein Soldat. �Es war, als w�re das Rence lebendig geworden.�</p><p>Ich trat an Deck, wo ich in der Sonne blinzelte. Plenius wartet schon auf mich, er wickelte das Seil von dem Joch und hielt mich an kurzer Leine, etwa einen halben goreanischen Meter.</p><p>�Wir hatten keine Chance�, schluchzte ein Mann im Wasser. �Wir haben sie nicht einmal gesehen!�</p><p>�Wo?� wollte der Hauptmann wissen, der nun an der Reling stand.</p><p>�Auf der rechten Seite.�</p><p>Ich folgte meinem H�ter, der neugierig geworden war, bis zur Reling. Im Wasser standen etwa sechs oder sieben fassungslose, entsetzte Soldaten, einige bluteten aus Wunden, andere st�tzten Kameraden.</p><p>�Anzahl?�</p><p>�Es m�ssen Hunderte gewesen sein, auf einer Front von vielen Pasang�, berichtete ein Unteroffizier, der im Wasser stand. �Wir konnten nicht k�mpfen. Wir konnten sie nicht sehen. Es gab einfach nichts, gegen das wir die Schwerter h�tten ziehen k�nnen.�</p><p>�Da waren nur Schatten�, schluchzte ein anderer Soldat, �eine Bewegung im Rence, ein Verdacht, und dann die Pfeile, ein Pfeilregen!�</p><p>�Wie hoch sind die Verluste?� fragte der Hauptmann.</p><p>�Es war ein Massaker!� antwortete der Unteroffizier.</p><p>�Ich will die genauen Verluste wissen�, wiederholte der Hauptmann seine Frage mit mehr Sch�rfe.</p><p>�Die rechte Flanke ist verloren.�</p><p>�Sie ist einfach weg!�</p><p>Weitere Soldaten kamen jetzt aus dem Rence, weitere �berlebende, viele davon verwundet.</p><p>Ich konnte mir nicht vorstellen, da� die gesamte rechte Flanke vernichtet worden sein sollte, aber auf jeden Fall hatte sie schwere Verluste erlitten, war betr�chtlich dezimiert worden. Die Soldaten, die da auf uns zukamen, hatten alle zur rechten Flanke geh�rt, und sie waren anscheinend nicht in der Lage gewesen, sich neu zu gruppieren. Nach einem katastrophalen Kampf, insbesondere einem geheimnisvollen, der v�llig unerwartet ausgebrochen war, neigen �berlebende dazu, die Verluste zu �bersch�tzen. Ein Mann, der beispielsweise miterleben mu�te, wie auf dem von ihm zu �berschauenden Teil des Schlachtfeldes � f�r gew�hnlich kaum mehr ein paar Quadratmeter � die meisten seiner Kameraden fielen, neigt zu der Annahme, da� diese Verluste f�r das ganze Schlachtfeld typisch sind. Genauso kann es nat�rlich geschehen, da� ein Soldat, der Gel�nde gewonnen hat, erst sp�ter zu seinem Entsetzen erfahren mu�, da� sich seine Seite auf dem R�ckzug befindet, ja, da� die ganze Schlacht verloren ist. Allerdings bezweifelte ich nicht, da� die Verluste betr�chtlich waren. Die ganze rechte Flanke w�rde neu organisiert werden m�ssen.</p><p>�Wir werden einen Gegenangriff unternehmen�, sagte der Hauptmann.</p><p>�Es wird kein Gegner da sein�, gab ich zu bedenken.</p><p>�Das ist ein tragischer Tag f�r Ar�, murmelte ein Soldat.</p><p>Noch mehr Soldaten wateten heran, einige taumelnd.</p><p>�Die erste Feindber�hrung mit Cos�, sagte Plenius verbittert. �Wer h�tte gedacht, da� sie so ablaufen k�nnte?�</p><p>�Ihr seid nicht mit Armbrustbolzen beschossen worden�, stellte ich fest.</p><p>�Nein, es waren Pfeile.�</p><p>Ich nickte. �Pfeile, abgeschossen von einem Bauernbogen.� In den letzten Jahren hatte sich der Gebrauch des Bauernbogens, der in der N�he des M�ndungsgebietes seinen Anfang genommen hatte, in �stlicher Richtung in Windeseile im ganzen Delta ausgebreitet. Das Material f�r die Waffe und ihre Munition, das in dieser Gegend nicht vorkommt, wird importiert. Die Rencebauern hatten vor langer Zeit ihre Schlagkraft kennengelernt und sie niemals vergessen. Durch sie waren sie f�rchterliche Gegner geworden. Das Delta mit seiner nat�rlichen Deckung und der Bauernbogen machten die Rencebauern beinahe unverwundbar.</p><p>Der Hauptmann sah mich an.</p><p>�Ihr habt es nicht mit den Cosianern zu tun�, sagte ich. �Sondern mit den Rencebauern.�</p><p>�Leute mit Fischmessern, Wurfst�cken und Fischspeeren!� lachte ein Soldat ver�chtlich.</p><p>�Und dem Bauernbogen.�</p><p>�Das ist doch nicht dein Ernst, oder?�</p><p>�Habt ihr vor dem Angriff den Ruf der Sumpfgant geh�rt?�</p><p>Ein paar der im Wasser stehenden M�nner nickten aufgeregt.</p><p>�Mit solchen Rufen verst�ndigen sich die Rencebauern w�hrend des Tages. In der Nacht ahmen sie den Ruf der Vosk-M�we nach.�</p><p>�Wir werden sie angreifen�, wiederholte der Hauptmann.</p><p>�Ihr werdet sie nicht finden.�</p><p>�Wir werden unsere Sp�her vorausschicken.�</p><p>�Die w�rden nicht zur�ckkommen.� Nat�rlich war es m�glich, Rencebauern auszusp�hen, aber das konnten normalerweise nur M�nner, die sich im Delta auskannten. Die Arer hatten, soweit mir bekannt war, keine erfahrenen Sp�her. Selbst diese Kleinigkeit war ein erneutes Indiz daf�r, wie �berst�rzt Ar gehandelt hatte, wie wenig das Eindringen in das Delta vorbereitet gewesen war.</p><p>�Wir d�rfen nicht zulassen, da� sie ihren Vorteil weiter ausnutzen�, sagte der Hauptmann.</p><p>Noch immer str�mten Soldaten der rechten Flanke herbei.</p><p>�Das werden sie nicht tun � noch nicht.�</p><p>Er blickte mich ungl�ubig an.</p><p>�Es ist eine andere Art der Kriegsf�hrung�, sagte ich.</p><p>�Das ist keine Kriegsf�hrung�, mischte sich ein Soldat ein. �Das ist Wegelagerei, hinterh�ltiges Banditentum.�</p><p>�Ich w�rde sie nicht verfolgen�, sagte ich. �Sie werden euch ausweichen, vielleicht sogar eure Flanken angreifen.�</p><p>�Was schl�gst du vor?� fragte der Hauptmann.</p><p>�Ich w�rde einen Verteidigungsring aufbauen.�</p><p>�Labienus hat hier den Befehl�, sagte der Unteroffizier w�tend. �H�r nicht auf ihn, Hauptmann. Sicher steht er auf ihrer Seite. Er k�nnte sogar einer von ihnen sein.�</p><p>�Du rechnest mit einem weiteren Angriff?� fragte Hauptmann Labienus.</p><p>�Ein �u�erer Verteidigungsring, um jede Infiltration abzuwehren. Am besten an einer Stelle, wo das Delta weit offen ist. Achtet auf Rencehalme, die sich scheinbar im Wasser bewegen.�</p><p>�Du rechnest also nicht mit einem weiteren Angriff?�</p><p>�Der �berraschungsmoment ist vorbei�, sagte ich. �Ich glaube nicht, da� es einen weiteren Angriff gibt, zumindest nicht in diesem Augenblick, und nicht auf die gleiche Weise, wie er eben erfolgt ist.�</p><p>�Du sprichst von einfachen Rencebauern, als w�ren sie ausgebildete Krieger, du sprichst von Finten, von Strategien und Taktiken, die das Merkmal eines Maximus Hegesius Quintilius oder eines Dietrich von Tarnburgs w�ren.�</p><p>�Oder eines Ho-Hak oder eines Tamrun, beides Rencebauern�, erwiderte ich.</p><p>�Von denen habe ich noch nie geh�rt�, sagte Labienus.</p><p>�Und viele Rencebauern haben noch nie von Marlenus aus Ar geh�rt.�</p><p>W�tende Rufe ert�nten unter den Zuh�rern.</p><p>�Ihr befindet euch in ihrem Land, ohne Einladung.�</p><p>�Rencebauern�, schnaubte Plenius ver�chtlich.</p><p>�Die mit dem gro�en Bogen, dem Bauernbogen, k�mpfen�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Abschaum�, zischte der Unteroffizier.</p><p>�Anscheinend war eure rechte Flanke da anderer Meinung.�</p><p>Labienus nickte. �Baut einen Verteidigungsring auf.�</p><p>Die Unteroffiziere leiteten den Befehl �rgerlich an ihre M�nner weiter.</p><p>�Steht die Vorpostenlinie erst einmal, werden die Rencebauern wohl Abstand halten�, sagte ich. �Bis es dunkel wird.�</p><p>�Sie werden niemals wagen, Ar noch einmal anzugreifen�, sagte Plenius. �Und vielleicht waren es ja doch die Cosianer. Oder sie standen unter cosischem Befehl.�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte ich, �obwohl die Cosianer im Delta bestimmt viele Freunde und Verbindungsleute haben, seit vielen Jahren schon. Ich bezweifle nicht, da� ihre Agenten als Kaufleute getarnt die Rencebauern auf euren Besuch vorbereitet haben. Ihr k�nnt euch sicher vorstellen, was man ihnen gesagt hat.�</p><p>Soldaten sahen einander an.</p><p>�Ich glaube, es besteht nur wenig Zweifel, da� die Cosianer politisch kl�ger sind als die Arer.� Ein ausgezeichnetes Beispiel daf�r war, wie Cos Port Cos� Eintritt in die Vosk-Liga unterst�tzt hatte in der Hoffnung, die Entscheidungen der Liga durch ihre unabh�ngige Kolonie zu beeinflussen, w�hrend Ar die gleiche Chance bei Ar-Station ungenutzt verstreichen lie�, womit es Ar-Station noch st�rker am Flu� isolierte.</p><p>�Cos kommt mit einem L�cheln und Geschenken ins Delta, als Verb�ndeter und Freund. Ar kommt als unerw�nschter St�renfried, wie ein Eroberer.�</p><p>�Die Rencebauern haben uns angegriffen�, warf ein Verletzter ein. �Sie m�ssen bestraft werden.�</p><p>�Ihr seid es, die bestraft werden�, erwiderte ich.</p><p>�Wir?�</p><p>�Ja. Habt ihr nicht erst vor kurzem ein Rencedorf zerst�rt?�</p><p>Schweigen kehrte ein.</p><p>�War das nicht der �gro�e Sieg�?�</p><p>�Wieso konnten die Rencebauern so schnell zur�ckschlagen?� fragte Labienus. �Den Berichten zufolge waren es Hunderte.�</p><p>�Das kann gut sein�, sagte ich. �Vermutlich sammeln sie sich schon seit Tagen.�</p><p>�Aber sie m�ssen doch wissen, da� wir nur das cosische Expeditionsheer einholen wollen.�</p><p>�Das werden sie wohl kaum glauben.�</p><p>�Warum?� fragte Labienus.</p><p>Ich bedachte ihn lediglich mit einem vielsagenden Blick.</p><p>�Nein�, sagte er w�tend. �Das ist unm�glich.�</p><p>�Wir haben keinen Streit mit den Rencebauern�, erkl�rte Plenius.</p><p>�Jetzt schon.�</p><p>�Wir haben sie nicht einmal zu Gesicht bekommen�, sagte einer der Verletzten. �Vielleicht haben sie wie Banditen nur zugeschlagen und sind dann geflohen.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein, sie sind noch irgendwo in der N�he.�</p><p>�Das Delta ist so gro߫, sagte Labienus. �Es ist so gro�, so gr�n, sieht �berall gleich aus und ist doch �berall anders.�</p><p>�Wir brauchen Sp�her, wir brauchen scharfe Augen�, meinte Plenius.</p><p>�Da, seht doch!� rief der Verwundete und deutet gen Himmel. Die M�nner � mittlerweile waren es Hunderte � brachen in Jubel aus. �Da sind unsere Augen!� rief der Verwundete.</p><p>Ein Tarnsmann war zu sehen; er flog aus dem S�den heran. Selbst auf diese Entfernung konnte man seine rote Uniform erkennen.</p><p>�Er zieht den Vogel herum!�</p><p>�Er will landen!�</p><p>Viele der Soldaten hoben die H�nde und winkten der n�herkommenden Gestalt auf dem Tarnr�cken zu.</p><p>Der Soldat auf der Ausguckplattform der Befehlsbarke richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf und winkte den Tarnsmann hinunter.</p><p>Ich betrachtete das Flugmuster am Himmel. Unbehagen erf�llte mich. Sein Wendeman�ver hatte eine ganz bestimmte Anmut gezeigt, und jetzt lie� er � wie ich bef�rchtet hatte � den Tarn die Schwingen ausbreiten.</p><p>�Er l�dt die Armbrust!� sagte ich. �Pa�t auf!�</p><p>Der Vogel ging in einen glatten, schwebenden Sinkflug �ber, und ich verfolgte, wie das Tier scheinbar reglos in der Luft hing, w�hrend es doch jeden Augenblick gr��er wurde. Die Krallen des Tarns waren nach hinten an den K�rper gepre�t.</p><p>�Vorsicht!� rief ich. �Er will nicht landen!� Soldaten sahen verbl�fft zum Himmel hinauf. �Vorsicht! Das ist ein Angriffsman�ver!�</p><p>Sahen sie es denn nicht? Begriffen sie denn nicht, was da geschah? Verstanden sie nicht, was dieser verhaltene Flug bedeutete, welche Bedrohung die Reglosigkeit dieser gro�en Schwingen darstellte? Sahen sie nicht, da� das, was da stetig n�herkam, nichts anderes als eine ruhig dahingleitende, unglaublich stabile Schu�plattform war?</p><p>�In Deckung!� rief ich. Der Soldat auf der Ausguckplattform senkte verwirrt die Arme. �In Deckung!�</p><p>Der Flug des Armbrustbolzens war kaum zu sehen. Er war wie ein Flackern, etwas schrecklich Schnelles, kaum Wahrnehmbares, dann schlug der Vogel mit den Schwingen und gewann an H�he. In k�rzester Zeit war er im S�den verschwunden.</p><p>�Er ist tot�, sagte ein Soldat an Deck der Offiziersbarke, wo der Mann aus dem Ausguck zusammengebrochen war; aus seiner Brust ragten die Stabilisierungsfedern eines Bolzens. Es war kein schwieriger Schu� gewesen. Der Betroffene h�tte genausogut ein stillstehendes Ziel sein k�nnen, das man bei einer �bung auf dem Schie�stand anflog.</p><p>�Das sind nicht unsere Augen�, sagte ich zu Labienus. �Das sind die Augen von Cos.� Der Tarn war im S�den verschwunden. Wie ich erwartet hatte.</p><p>Die M�nner standen wie bet�ubt herum.</p><p>�Wo sind unsere Tarnsm�nner?� fragte ein Unteroffizier.</p><p>�Cos beherrscht den Himmel�, erwiderte ich. �Ihr seid im Delta allein.�</p><p>�T�tet ihn�, sagte einer der umstehenden Soldaten.</p><p>�Ihr glaubt doch nicht allen Ernstes, die geringe Zahl eurer Tarnsm�nner in einer solchen Gegend oder in der N�he von Holmesk sei ein Zufall?�</p><p>�T�tet ihn�, sagte ein anderer Soldat.</p><p>�T�tet ihn!�</p><p>�Was sollen wir tun, Hauptmann?� wurde Labienus gefragt.</p><p>�Wir haben unsere Befehle�, sagte der Offizier. �Wir ziehen weiter nach Westen.�</p><p>�Aber zuerst m�ssen wir noch bleiben, um die Rencebauern zu bestrafen�, sagte der Unteroffizier.</p><p>�Dann w�rde Cos entkommen�, meinte Plenius.</p><p>�Uns geht es nicht in erster Linie um die Rencebauern, sondern um Cos.�</p><p>�Das stimmt�, pflichtete Plenius bei.</p><p>�Und wir m�ssen ihnen dicht auf den Fersen sein.�</p><p>�Ja, genau!�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Ich w�rde vorschlagen, sich so schnell wie nur m�glich aus dem Delta zur�ckzuziehen.�</p><p>�Ein ausgezeichneter Vorschlag, Spion�, spottete der Unteroffizier.</p><p>�Genau, jetzt wo wir sie fast haben!�</p><p>�Cosischer Sleen!�</p><p>�Wir werden weiter nach Westen marschieren�, sagte der Hauptmann.</p><p>�Wenigstens werden euch die Rencebauern auf einem solchen Marsch keinen gro�en Widerstand entgegenbringen, denn er f�hrt euch nur noch tiefer in den Sumpf und liefert euch alle ihrer Gnade aus�, sagte ich bitter.</p><p>�Alles zum Weitermarschieren bereitmachen�, befahl Hauptmann Labienus.</p><p>�Die Rencebauern sind noch nicht mit euch fertig�, sagte ich.</p><p>�Wir haben keine Angst vor ihnen.�</p><p>�Sie werden wie Sleen an euren Flanken h�ngen�, sagte ich. �Sie werden euch zusammendr�ngen, euch wie eine Herde Vieh treiben. Und dann, wenn ihr dicht gepfercht dasteht, ersch�pft, hilflos, schwach, dann werden sie Pfeile auf euch herabregnen lassen. Wenn euer Heer auseinanderbricht und sich in alle Himmelsrichtungen verteilt, werden sie euch im Sumpf jagen, einen nach dem anderen, und euch einfangen. Vielleicht, wenn ihr euch entkleidet und die Arme hebt, vielleicht schont man dann euer Leben und legt euch in Ketten, um euch als Besiegte zu den Handelsstationen zu bringen, wo ihr als Sklaven verkauft werdet, um an die Ruderb�nke gekettet die Galeeren von Cos zu rudern.�</p><p>�Sleen!� zischte der Unteroffizier.</p><p>�Gut, einige von euch werden vermutlich in den Steinbr�chen von Tyros schuften.�</p><p>�T�tet ihn!� rief ein Soldat.</p><p>�Ihr m��t euch aus dem Delta zur�ckziehen, unverz�glich!� sagte ich.</p><p>�Es halten sich viele Regimenter im Delta auf�, sagte Hauptmann Labienus.</p><p>�F�r dieses Regiment bist du verantwortlich.�</p><p>�Wir haben unsere Befehle.�</p><p>�Ich beschw�re dich, zieh dich zur�ck.�</p><p>�Unsere Befehle lauten aber anders.�</p><p>�Dann setzte dich mit den anderen in Verbindung.�</p><p>�Die Regimenter agieren unabh�ngig voneinander.�</p><p>�H�ltst du es dann f�r einen Zufall, da� ihr �ber keine zentrale Kommandokette verf�gt?�</p><p>Er blickte mich w�tend an.</p><p>�Ar zieht sich nicht zur�ck�, sagte Plenius.</p><p>�Du bist hier der Befehlshaber�, sagte ich zu Labienus. �Du mu�t die Entscheidung treffen.�</p><p>�Wir sind nicht ins Delta eingedrungen, um ohne cosisches Blut an den Klingen zur�ckzukehren!� sagte Plenius.</p><p>�Triff deine Entscheidung!�</p><p>�Das habe ich�, erwiderte Labienus. �Wir marschieren weiter nach Westen.�</p><p>Jubel ert�nte.</p><p>�Saphronicus befindet sich nicht einmal im Delta!� sagte ich.</p><p>�Wenn das der Wahrheit entspr�che, wer au�er einem Spion k�nnte das wissen?� fragte Labienus.</p><p>�Der andere Spion, der es mir erz�hlt hat�, sagte ich.</p><p>�Damit bist auch du ein Spion�, sagte er. �Knebelt ihn.�</p><p>Plenius lie� sich nicht zweimal bitten.</p><p>�La� mich ihn t�ten�, bat ein Soldat und zog das Messer, aber der Hauptmann hatte sich bereits abgewandt, um sich mit seinen Unteroffizieren zu beraten.</p><p>�Er hat versucht, Aurelian vor dem Tarnsmann zu warnen�, sagte ein anderer Mann.</p><p>�Er f�rchtete nur um seine eigene Haut�, meinte Plenius und zurrte den Knebel noch fester.</p><p>�Dann soll er noch etwas mehr darum f�rchten�, verk�ndete der Mann. Die Messerspitze ber�hrte meinen Bauch, links unten. Die Schneide zeigte nach oben.</p><p>Sie konnte mit einem Ruck hineingesto�en und gleichzeitig in die H�he gezogen werden und mich m�helos entleiben.</p><p>Ich blieb ganz still stehen.</p><p>Der Soldat trat w�tend einen Schritt zur�ck und steckte das Messer weg. �Cosischer Sleen�, knurrte er. Dann wandte er sich zusammen mit seinen Kameraden von mir ab.</p><p>Plenius versetzte dem Joch einen Sto�, und ich st�rzte �ber die Reling der Barke und landete hart im Wasser und im Schlamm. Ich k�mpfte mich m�hsam auf die Beine, wobei ich mehrmals ausrutschte. �Geh vor mir her!� befahl Plenius. Ich versuchte, mir das Wasser aus den Augen zu sch�tteln. Dann stolperte ich los, zur�ck zu dem Flo�; er ging hinter mir, die Leine fest in der Hand.</p><p>Ich sch�ttelte erneut den Kopf, ich wollte das Wasser in den Augen los werden. In mir waren Wut und Hilflosigkeit. Ich wollte gegen den Knebel anschreien. Die M�nner von Ar waren verr�ckt. Sie begriffen einfach nicht, was mit ihnen geschehen war! Ich wollte es ihnen zubr�llen, sie wachr�tteln, sie warnen! Aber der Knebel in meinem Mund war ein goreanischer Knebel. Ich brachte nicht mehr als ein Wimmern zustande; einmal wimmern hie� �ja�, zweimal wimmern hie� �nein�. Auf diese Weise verst�ndigte sich ein geknebelter Gefangener mit seinen H�schern, antwortete auf ihre Befehle und Fragen, denn allein ihre Interessen und Launen z�hlten. Aber selbst wenn ich h�tte sprechen k�nnen, sie h�tten mir nicht zugeh�rt. Das wurde mir nun klar. Sie hatten mir zuvor nicht zugeh�rt, sie w�rden es auch nun nicht tun.</p><p>Ich mu�te fliehen! Ich mu�te ihnen entkommen. Irgendwie mu�te ich dem Schicksal entgehen, dem sie mit ziemlicher Sicherheit zum Opfer fallen w�rden. Ich hatte kein Interesse daran, ihre Dummheit, Verstocktheit und ihr schreckliches Ende zu teilen. Ich mu�te fliehen! Es gab keine andere M�glichkeit.</p><p>Wir waren am Flo� angelangt. Es lag genau dort, wo wir es verlassen hatten, ein St�ck auf die kleine Sandbank geschoben, damit es w�hrend unserer Abwesenheit nicht abtrieb. Plenius beugte sich vor, um das an dem Flo� befestigte Geschirr aus dem Wasser zu ziehen. Ich spannte alle Muskeln an. Nur ein paar Schritte von uns entfernt watete ein Soldat durch das Wasser.</p><p>�Wende dich von mir ab!� befahl mein H�ter.</p><p>Ich gehorchte. Der Soldat watete an mir vorbei.</p><p>�Bleib still stehen, Zugochse�, sagte Plenius. Der n�chste Soldat ging an uns vorbei. Plenius legte mir das Geschirr an. W�tend sp�rte ich sein Gewicht. Ich wu�te nicht, wieviel Zeit ihnen die Rencebauern geben w�rden, vielleicht nur bis Einbruch der Dunkelheit. Plenius zurrte noch immer an dem Geschirr herum. Im Augenblick standen wir ganz allein dort, niemand befand sich in unmittelbarer N�he.</p><p>Ich fuhr auf dem Absatz herum. Plenius ri� die Augen weit auf, dann traf ihn das Joch an der Schl�fe. Es war unfa�bar, da� niemand diesen Laut h�rte! Doch es erfolgte keine Reaktion. Keiner st�rzte auf uns zu.</p><p>Ich sah auf Plenius, meinen Bewacher, herab. Er lag reglos auf der Sandbank. Er war ohne jeden Laut zusammengebrochen.</p><p>Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung zerrte ich das Flo� ins Wasser. Ich war fest davon �berzeugt, da� ich, falls ich an den Soldaten vorbeik�me, das Joch an den St�mmen des Flo�es in St�cke brechen konnte und so meine H�nde freibek�me, um mich unverz�glich von dem Geschirr zu befreien und mich davonzumachen. Ich ging los, das Flo� im Schlepptau.</p><p>Es gelang mir, mehrere Ehn im dicksten Renceschilf zu bleiben. Dort betrug die Sichtweise kaum mehr als ein paar Meter. Manchmal ert�nten die Stimmen von Soldaten. Zweimal passierten sie mich nur wenige Zentimeter entfernt. Das Flo� verkantete sich mehrmals an dem Schilf. Einmal mu�te ich es zu meinem Unbehagen �ber eine offene Wasserfl�che ziehen. Ich war sehr erleichtert, als ich wieder im Schilf war.</p><p>�Halt!� sagte pl�tzlich eine Stimme.</p><p>Ich blieb stehen. Eine Schwertspitze bohrte sich in meinen Bauch. Ein zweiter Soldat trat an meine Seite.</p><p>Es waren Mitglieder des �u�eren Verteidigungsrings, der, wie ich w�tend erkannte, aufgrund meiner Vorschl�ge �berhaupt erst gebildet worden war.</p><p>Hinter mir wateten M�nner heran.</p><p>�Habt ihr ihn?�</p><p>Diese Stimme kannte ich. Es war Plenius, mein Bewacher.</p><p>�Ja�, erwiderte der Soldat, dessen Schwert ich am Bauch sp�rte. Er dr�ckte fester zu, und ich wich zur�ck, bis ich gegen das Flo� stie�. In dieser Stellung hielt er mich dann fest, ohne jede M�glichkeit zum Ausweichen. �Er wartet schon auf dich, im Joch und angeschirrt, so unterw�rfig wie eine Sklavin.�</p><p>Ich h�rte das Klirren von Ketten.</p><p>�Anlegen�, sagte Plenius. �Vor dem K�rper.�</p><p>So lag mein R�cken frei.</p><p>Eine Handschelle schnappte um mein rechtes Handgelenk zu, bevor es von dem Joch befreit wurde. Dann wurde es zur Seite gerissen, und die andere Fessel schlo� sich um das linke Gelenk. Erst danach befreite man mich vollends von dem Joch. Die zusammengeketteten H�nde band man mir vor den Bauch, indem man ein Seil durch die Kettenglieder f�hrte und es auf dem R�cken zusammenknotete.</p><p>�War der Zugochse st�rrisch?� fragte der Soldat besorgt. M�nner lachten.</p><p>Plenius war auf das Flo� geklettert. Andere schlossen sich ihm an.</p><p>Eine Peitsche knallte.</p><p>�Umdrehen, Zugochse!� befahl Plenius. �Wir marschieren nach Westen!�</p><p>Meine H�nde steckten hilflos in dem Eisen fest.</p><p>�Beeilung!�</p><p>Die Peitsche z�ngelte �ber meinen R�cken. Und noch einmal.</p><p>�Beeilung!�</p><p>Ich drehte mich um, rutschte im Schlamm aus und drehte mit brennendem, blut�berstr�mtem R�cken das Flo�. Dann zog ich es westw�rts, noch tiefer ins Delta hinein.</p><p>�Nun mach schon�, rief Plenius.</p><p>Wieder traf die Peitsche meinen R�cken.</p><p>Ich stemmte mich gegen das Geschirr, nach Westen.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Siehst du�, sagte Plenius und stie� mir ein St�ck rohen Fisch in den Mund, �es gibt keine Gefahr.�</p><p>Der Knebel war um das Seil um meinen Hals gewickelt, das in einer L�nge an den Pflock geknotet war, die mir erlaubte, aufrecht zu sitzen. Meine F��e waren noch immer auf die �bliche Weise eng aneinandergebunden und an einem anderen Pflock befestigt. Die H�nde waren auf den R�cken gefesselt. Wieder wu�te ich nicht, wer den Schl�ssel hatte. Aus Sicherheitsgr�nden erhielt ihn jeden Tag ein anderer.</p><p>�Lauscht nach Steinen, die sich unter Wasser bewegen�, erwiderte ich.</p><p>�Du bist verr�ckt.�</p><p>�Hast du meine Warnungen an den Hauptmann weitergeleitet?�</p><p>�Man hat eine Wache aufgestellt, so unn�tz das auch sein mag.�</p><p>Auf der Sandbank befanden sich etwa f�nfhundert Mann.</p><p>�I߫, sagte Plenius. �Und schluck.�</p><p>Ich gehorchte. Es lag in meinem Interesse, soviel zu essen zu bekommen wie nur m�glich. Es war sowieso kaum genug f�r alle da. Ar hatte meiner Sch�tzung nach etwa f�nfzigtausend Soldaten ins Delta geschickt. Und das ohne ausreichende logistische Unterst�tzung.</p><p>�Das war�s�, verk�ndete Plenius.</p><p>Ich blickte ihn �berrascht an.</p><p>�Mehr gibt es nicht.�</p><p>�Du bist ein harter Kerl�, sagte Hauptmann Labienus und schaute auf mich herunter. �Ich h�tte gedacht, du w�rdest heute im Sumpf sterben.� Die Sonne hatte hei� vom Himmel gebrannt. Das Flo� war sehr schwer gewesen, viele M�nner hatten es benutzt. Plenius hatte nicht an Peitschenhieben gespart. �Und doch bist am Leben und hast Appetit.� Er wandte sich an meinen H�ter. �La� den Knebel! Geh!�</p><p>Sobald Plenius ein paar Meter weit weg war, ging der Hauptmann in die Hocke und musterte mich mit eindringlichem Blick. Ich hatte ihn nicht herankommen gesehen.</p><p>�Du hast heute einen Fluchtversuch unternommen?�</p><p>Darauf gab ich ihm keine Antwort.</p><p>�Du kannst dich gl�cklich sch�tzen, da� du keine Sklavin bist.�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern. Das entsprach zweifellos der Wahrheit. Auf Gor gibt es eine Doppelmoral, was die Behandlung von M�nnern und Frauen, insbesondere Sklavinnen, angeht. Denn bei Frauen und M�nnern handelt es sich nicht um dieselben Wesen. Da� Frauen und M�nner gleich sind und auch dementsprechend behandelt werden sollten, halten die Goreaner f�r Wahnsinn. Ich hatte in der Tat Gl�ck, keine Sklavin zu sein. Bei den meisten Sklavenherrn h�rt bei einem Fluchtversuch die Nachsicht auf. So etwas wird nicht geduldet.</p><p>�Du verstehst, warum du den Knebel tr�gst?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Damit ich nicht daf�r sorge, da� Fragen gestellt werden, damit ich keine Unruhe sch�re, nicht die Moral der M�nner untergrabe.�</p><p>Labienus blickte zu Boden.</p><p>�Hast du Angst, du k�nntest die Geschehnisse der letzten Tage kritisch beleuchten?�</p><p>�Erkl�re mir deine Meinung�, sagte er.</p><p>�Du scheinst ein intelligenter Offizier zu sein�, sagte ich. �Bestimmt hast du mittlerweile deine eigenen Schl�sse gezogen.�</p><p>�Sprich!�</p><p>�Ich glaube nicht, da� das noch eine Rolle spielt. Ihr seid bereits tief ins Delta vorgesto�en.�</p><p>In seinem Blick lag tiefer Ernst.</p><p>�Wenn du meine Meinung h�ren willst, ist Ar verraten worden, und zwar in der Angelegenheit mit Ar-Station, bei der Aufstellung des Heeres, und jetzt bei dem v�llig �berst�rzten, schlecht vorbereiteten Vorsto� ins Vosk-Delta. Ihr wart nicht vorbereitet. Euch fehlen Vorr�te und Unterst�tzung. Mittlerweile d�rften die Nachschublinien, die ihr hattet, von den Rencebauern unterbrochen worden sein. Ihr habt keine Tarndeckung oder Tarnsp�her. Ihr habt nicht einmal F�hrer, die sich im Rencegebiet auskennen. Offensichtlich wu�tet ihr nicht einmal, da� eure Schiffe im Delta verrotten w�rden. H�ltst du es wirklich f�r einen gl�cklichen Zufall, da� in so kurzer Zeit eine ganze Flottille kleiner Boote in Ven und Turmus besorgt werden konnten? So wie es jetzt einfach Pech ist, da� genau diese Boote innerhalb weniger Tage unter euren F��en auseinanderbrechen und versinken?�</p><p>Er sah mich nur w�tend an.</p><p>�Sie haben euch erwartet.�</p><p>Labienus sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Zieht euch aus dem Delta zur�ck, solange ihr noch k�nnt.�</p><p>�Du hast Angst, hier zu sein.�</p><p>�Ja, das habe ich.�</p><p>�Wir alle haben es mit der Angst bekommen.�</p><p>�Tretet den R�ckzug an.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bef�rchtest du, vors Kriegsgericht gestellt zu werden? F�rchtest du, dein Kommando zu verlieren, in Unehre zu fallen?�</p><p>�Das w�rde zweifellos geschehen, wenn ich den Befehl zum R�ckzug geben w�rde.�</p><p>�Besonders wenn du der einzige bist.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Und es gibt bei diesem Vorsto� keinen �bergeordneten Kommandostab.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Auch das ist merkw�rdig.�</p><p>�Kommunikation ist schwierig�, sagte er. �Die Verb�nde operieren getrennt voneinander.�</p><p>�Was w�rdest du an Saphronicus� Stelle tun?� fragte ich ihn.</p><p>�Ich h�tte einen �bergeordneten Kommandostab�, sagte er. �Ich w�rde alle Anstrengungen unternehmen, die Kommunikationswege aufrechtzuerhalten, besonders bei den Bedingungen hier im Delta.�</p><p>�Das w�rde jeder halbwegs f�hige Kommandant tun.�</p><p>�Du stellst Saphronicus� F�higkeiten in Frage?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein�, sagte ich. �Ich halte ihn f�r einen ausgesprochen kompetenten Kommandanten.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Das ist doch nicht schwer.�</p><p>�Du glaubst nicht, da� sich Saphronicus im Delta aufh�lt?�</p><p>�Nein. Er ist nicht im Delta.�</p><p>�Das kannst du nur von einem anderen Spion wissen, also bist du auch einer, du bist ein Agent von Cos.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bei wem liegt deine Loyalit�t dann?�</p><p>�Ich komme aus Port Kar.�</p><p>�Zwischen Ar und Port Kar herrscht keine Freundschaft.�</p><p>�Aber wir befinden uns mit Cos im Kriegszustand.�</p><p>Er schnaubte. �Wir marschieren weiter nach Westen.�</p><p>�Das ist ein Fehler.�</p><p>�Unsere Befehle sind klar.�</p><p>Wieder sch�ttelte ich den Kopf. �Und was ist mit den Rencebauern?�</p><p>�Ich begreife nicht, da� es so viele sind�, meinte er. �Ein Dorf wurde zerst�rt, ein Dorf.�</p><p>�Anscheinend haben sie sich schon seit einiger Zeit gesammelt.�</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Ihr habt ihr Land betreten�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Aber sie m�ssen doch begreifen, da� wir nur Cos einholen wollen.�</p><p>�Wie ich bereits sagte, werden sie das kaum glauben. Es sind keine Cosianer im Delta.�</p><p>�Das ist unm�glich!�</p><p>�Vielleicht sind ja ein paar von ihnen hier, das will ich dir gern zugestehen. Ich wei� es nicht. Vielleicht gerade genug, um Spuren zu hinterlassen, um Ar weiter nach Westen zu locken. Das w�re m�glich.�</p><p>Er blickte mich an.</p><p>�Hast du, der Befehlshaber der Vorhut, bis jetzt auch nur den winzigsten Beweis selbst f�r nur ein paar gegnerische Soldaten gefunden?�</p><p>�Es gab niedergetrampeltes Schilf.�</p><p>�Das kann auch von Tharlarion stammen.�</p><p>�Das Expeditionsheer von Cos hat das Delta betreten�, sagte er. �Das wissen wir.�</p><p>�Das bezweifle ich ja auch gar nicht�, erwiderte ich. Bestimmt hatte auch Ar seine Informationsquellen. Sein Gold konnte genausogut Spione kaufen wie das von Cos. �Aber ich vermute, da� die cosischen Verb�nde nicht im Delta geblieben sind, sondern sich nach ein paar Tagen wieder daraus zur�ckzogen, nachdem sie aller Welt bewiesen haben, da� sie unterhalb von Turmus in das Gebiet eingedrungen sind.�</p><p>�Das ist absurd.�</p><p>�Glaubst du wirklich, Cos w�rde das Vosk-Delta ausw�hlen?�</p><p>�Sie flohen vor uns, aus Angst um ihr Leben.� Seine Stimme klang w�tend.</p><p>�Ich habe mich mehrere Tage bei dem Expeditionsheer aufgehalten, bis n�rdlich von Holmesk. Ich versichere dir, da� sie sich bei ihrem Marsch nicht beeilt haben.�</p><p>�Dann bist du ein Cosianer.�</p><p>�Ich war dort zusammen mit einem Freund, der Ar einen Dienst erweisen wollte.�</p><p>�Die Cosianer m�ssen uns entgegentreten�, beharrte er w�tend.</p><p>�Das werden sie auch�, versicherte ich ihm. �Aber f�r den Zeitpunkt, den sie f�r richtig halten.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Sie werden euch in dem Augenblick gegen�bertreten, in dem ihr versucht, das Delta zu verlassen.�</p><p>�Das Heer ist vor uns.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>�Das ist eine L�ge!� Er verstummte. �St�nden wir ihnen doch schon gegen�ber!�</p><p>�In gewisser Weise tut ihr das doch.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Das Delta ist ihre Waffe, das Delta und die Rencebauern.�</p><p>Der Hauptmann stand auf. Er sah zu mir herab. �Deine Mutma�ungen sind die vergeblichen L�gen eines sich windenden Spions, der versucht, sich der gerechtfertigten Wut seiner erz�rnten Gefangenenw�rter zu entziehen. Deine Spekulationen sind absurd. H�ttest du etwas l�nger nachgedacht, w�re dir bestimmt etwas Plausibleres eingefallen. Au�erdem finde ich deine Bem�hungen, die Integrit�t und Ehre von Saphronicus, dem General des Nordens, in den Dreck zu ziehen, widerlich und anst��ig. Deine Andeutungen sind allesamt einfach l�cherlich. Entspr�chen sie der Wahrheit, w�rden sie einen Verrat eines fast unvorstellbaren Ausma�es bedeuten.�</p><p>�In Ar gibt es Verrat, und zwar auf allerh�chster Ebene.�</p><p>�Mit welchem Ziel?�</p><p>�Damit Cos die Vorherrschaft erlangt!�</p><p>�Und Saphronicus ist darin verwickelt?�</p><p>�Ja.� Mehr wollte ich dazu nicht sagen. Unter den Verschw�rern gab es eine Person, die ich sch�tzen wollte.</p><p>�Das ist wirklich absurd.� Er hob die Hand und winkte Plenius heran. �Steck ihm den Knebel wieder in den Mund.�</p><p>Plenius wickelte den Knebel von meinem Halsseil. Ein Soldat kam heran. �Hauptmann, da ist ein Laut unter Wasser.�</p><p>�Hat er eine nat�rliche Ursache?� fragte Labienus.</p><p>�Das ist schwer zu sagen�, antwortete der Soldat. �Es h�rt sich wie ein Klicken an.�</p><p>�Das wird mit Steinen gemacht�, sagte ich.</p><p>Labienus runzelte finster die Stirn.</p><p>�Ist der Laut noch weit entfernt?� fragte ich.</p><p>Der Soldat sah Labienus an. Der Hauptmann nickte unmerklich. �Das ist schwer zu, sagen�, sagte der Mann. �Ich glaube schon.�</p><p>�Ist es ein rhythmischer Laut?�</p><p>�Er ert�nt in regelm��igen Abst�nden.�</p><p>Ich wandte mich an den Hauptmann. �Hol die Vorposten zur�ck.�</p><p>�Du scherzst!� schnaubte er.</p><p>�Die Rencebauern benutzen Steine und schlagen sie unterhalb der Wasseroberfl�che aneinander. Das kann man nur h�ren, wenn man den Kopf unter Wasser h�lt. Sie �bermitteln auf diese Weise Befehle. Allerdings kenne ich ihre Verschl�sselung nicht.�</p><p>�Wir sprechen hier von einfachen Fischern�, sagte Labienus. �Von Vogelj�gern und Leuten, die das Rence abernten.�</p><p>�Aber die Ger�usche sind nun rhythmisch�, erwiderte ich unbeeindruckt. �Also dienen sie im Augenblick nicht der schlichten Verst�ndigung!�</p><p>�Die Rencebauern haben uns schon einige Ahn nicht mehr bel�stigt�, sagte Labienus. �Ich glaube, die Gefahr ist vorbei. Ich halte es sogar f�r m�glich, da� wir sie durch unser Marschtempo hinter uns gelassen haben. Vermutlich sind sie auseinandergegangen, in ihre D�rfer zur�ckgekehrt. Sicher haben sie inzwischen begriffen, da� wir von ihnen nichts wollen.�</p><p>�Die Ger�usche werden mittlerweile n�her gekommen sein.�</p><p>�Ich will dir zugestehen, da� sie m�glicherweise noch immer Beobachter im Sumpf haben.�</p><p>�Es sind regelm��ige Ger�usche�, sagte ich. �Sie dienen nicht der Verst�ndigung, sondern sollen nerv�s machen, etwas aufscheuchen.�</p><p>�Aber sie sind doch unter Wasser�, sagte ein Unteroffizier; mittlerweile hatte sich eine kleine Gruppe um uns versammelt.</p><p>�Man wird sie auf allen Seiten der Sandbank h�ren k�nnen�, sprach ich weiter. �Sie kommen n�her, sie werden lauter werden. Hol die Posten zur�ck.�</p><p>�Der Spion will, da� wir unsere Vorposten zur�ckziehen�, sagte Plenius kopfsch�ttelnd zu einem der Soldaten.</p><p>�Wir sind doch keine Narren�, erwiderte der Mann.</p><p>Pl�tzlich spritzte nur wenige Meter entfernt lautstark Wasser auf.</p><p>�Was war das denn?� fragte der Unteroffizier.</p><p>�Zwei Tharlarion�, meinte Plenius.</p><p>�Nein, da war doch gar nichts�, sagte sein Kamerad.</p><p>�Ihr wi�t doch sicher, wie Larls gejagt werden�, sagte ich. �Wie man das Wild vor sich hertreibt.�</p><p>�So ein Kreis kann Pasangs durchmessen�, sagte ein Soldat.</p><p>�Genau wie hier.� Bei derartigen Treibjagden wird der Kreis immer enger, man kann Hunderte von Tieren zu einer bestimmten Stelle treiben. Manchmal schlie�en sich Bauern aus verschiedenen D�rfern zu einer solchen Jagd zusammen. F�r die Arena bestimmte Tiere werden ebenfalls auf diese Weise gejagt, man treibt sie dann mit Fackeln und Speeren in die K�fige und Netze.</p><p>�Das ist der Grund, warum ihr im Augenblick die Rencebauern nicht zu f�rchten braucht�, fuhr ich fort. �Die sind nicht so dumm, um sich innerhalb des Kreises aufzuhalten. Wir sind diejenigen, die eingekreist sind! Sie werden sp�ter kommen. Und dann werdet ihr sie f�rchten!�</p><p>Ein Soldat stolperte aus dem Wasser auf die Sandbank. �Aii!� rief er.</p><p>�Das ist doch einer der Posten!�</p><p>Nur ein paar Schritte zu seiner Rechten scho� pl�tzlich der langhalsige Kopf eines Tharlarions aus dem Sumpf. Links von ihm kam pl�tzlich ebenfalls ein kurzbeiniges Tharlarion heran. Dann durchbrachen weitere der Bestien die Wasseroberfl�che.</p><p>�Holt die Posten zur�ck!� br�llte Labienus.</p><p>�Bringt Fackeln!� rief der Unteroffizier.</p><p>�Nein, kein Feuer!� rief ich.</p><p>Plenius rammte mir den Knebel in den Mund und band ihn fest. Er stie� mich zur�ck auf den Sand und k�rzte die Leine. Ich versuchte mich zu befreien, aber das war unm�glich. Ich k�mpfte gegen die Eisenmanschetten an, aber das war ein genauso vergeblicher, n�rrischer Versuch. Dann versuchte ich, wenigstens den Kopf ein St�ck zu heben, damit ich zusehen konnte.</p><p>Soldaten eilten mit Speeren und Fackeln umher und schlugen auf die Tharlarion ein. Der Uferstreifen und der Sumpf wimmelten nur so von den riesigen Echsen. �berall auf der Sandbank ert�nten Schreie. Ganz in der N�he rammten Soldaten ihre Speere in den K�rper eines gewaltigen Tharlarions. Weitere der Bestien st�rmten aus dem Sumpf, von denen gehetzt, die hinter ihnen kamen. Sie schw�rmten �ber die Sandbank. Nur die wenigsten griffen die M�nner direkt an, abgesehen von ein paar, die instinktiv zuschnappten, wenn sich ihnen ein Hindernis in den Weg stellte. Die meisten Verletzungen erfolgten durch die schnellen, unberechenbaren Bewegungen ihrer gewaltigen Schw�nze, die wild umherpeitschten, Schl�ge, die Beine brechen und einen Mann mehrere Meter weit fortschleudern konnten, und weniger durch einen Bi� der wei�en, gebogenen, haken�hnlichen Z�hne oder das Zuschnappen der kr�ftigen Kiefer. Diese Tiere hatten die Sandbank nicht in aggressiver Absicht �berschwemmt. Sie griffen nicht an, sie wollten nicht fressen. Sie rannten ziellos umher, erst in die eine Richtung, dann wieder in die andere, unsicher, v�llig verwirrt. Keine Erfahrung hatte sie jemals auf diesen Tumult, dieses Chaos vorbereitet, genausowenig wie die M�nner aus Ar. Falls das �berhaupt m�glich war, waren die Riesenechsen noch viel verst�rter und aufgeregter als die Soldaten. Ich lie� mich flach zur�ckfallen, als pl�tzlich ein langer, schwerer, schuppiger K�rper auf kurzen Beinen �ber meinen K�rper krabbelte.</p><p>Wieder ert�nte der Ruf nach mehr Fackeln.</p><p>Ich k�mpfte gegen die Handschellen an, versuchte, mich von den Pfl�cken zu befreien. Aber es war vergebens, ich blieb v�llig hilflos liegen, genau wie es meine H�scher gewollt hatten.</p><p>�Mehr Fackeln!�</p><p>Ich wollte an dem Knebel vorbei einen Schrei aussto�en, wollte den Stoff mit der Zunge aus dem Mund schieben, aber er sa� zu tief und wurde von einem Band gehalten. Verzweifelt versuchte ich dann, das Halteband abzustreifen, indem ich die Seite meines Gesichts im Sand rieb. Auch dieses war vergeblich. Ich versuchte mit aller Gewalt, irgend jemandes Aufmerksamkeit zu erreichen, aber niemand schenkte mir auch nur einen Blick. Meine Zunge schmerzte. Meine Wange brannte. Sand und Schwei� bedeckten meinen K�rper. Eine weitere Echse trabte vorbei, der lange K�rper erhob sich nur wenige Zentimeter �ber den Boden.</p><p>�Entz�ndet mehr Fackeln!�</p><p>Ersch�pft und elend lie� ich den Kopf auf den Sand sinken. Die Sandbank, eine Menagerie aus verwirrten Tieren und vielen w�tenden, ver�ngstigten M�nnern, war nun hell erleuchtet.</p><p>Ihr Narren, dachte ich und schluchzte still vor mich hin. Ihr verdammten Narren!</p><p>Dann versuchte ich, mich mit unbeholfenen Bewegungen tiefer in den Sand einzugraben.</p><p>Einen Augenblick sp�ter h�rte ich den ersten Treffer, ein Ger�usch wie ein Faust schlug gegen eine Brust, dann sah ich einen Soldaten zwischen den Tharlarion schwanken. Das Ger�usch ert�nte wieder und wieder. Ein Mann ri� die H�nde hoch, die Fackel in seinem Griff beschrieb ein seltsames Muster, dann verlor er sie und st�rzte zu Boden.</p><p>Die Luft wurde lebendig, wie ein Sturmwind rasten von allen Seiten Pfeile aus der Dunkelheit des Sumpfes und bohrten sich in die Sandbank.</p><p>�Runter!� rief jemand. Ich erkannte die Stimme. Es war Labienus, der Hauptmann. �Runter! Schnell! In Deckung!�</p><p>M�nner schrien.</p><p>�Die Fackeln l�schen! Schnell!�</p><p>�Aber die Tharlarion!� protestierte ein Soldat. Dann wurde er getroffen und st�rzte zwischen den Echsen zu Boden.</p><p>�L�scht die Fackeln!� schrie der Hauptmann. Er selbst hatte seine weggeworfen.</p><p>Pfeile flogen �ber die Sandbank. Tharlarion b�umten sich auf, nun ebenfalls getroffen. Soldaten schrien schmerzerf�llt auf, dann begannen die Fackeln zu verl�schen, eine nach der anderen.</p><p>�Runter mit euch! Runter!�</p><p>Ein Soldat warf den Kopf zur�ck und schrie seine Angst hinaus, die Fackel fest mit beiden H�nden umklammert. Er hatte Angst, sie zu behalten, so wie er Angst hatte, sie fortzuwerfen. Dann ging ein Ruck durch seinen K�rper, und er fiel langsam nach vorn zwischen die Tharlarion; aus seinem R�cken ragte ein Pfeil aus Temholz, mit Voskm�wenfedern befiedert. Einer seiner Kameraden, der ebenfalls v�llig verwirrt war, erlitt das gleiche Schicksal. Es w�re besser gewesen, er h�tte dem Befehl ohne nachzudenken gehorcht.</p><p>�In Deckung!� rief der Hauptmann. �T�tet die Tharlarion. Geht hinter ihnen in Deckung!�</p><p>Ein gr��licher Schrei ert�nte.</p><p>Dann h�rte der Beschu� auf. Die verg�ngliche Insel aus Sand lag in tiefer Dunkelheit. Ein paar der Echsen waren zu h�ren, wie sie herumliefen. Die meisten von ihnen r�hrten sich jedoch nicht mehr von der Stelle, jetzt, wo sie weder von den M�nnern noch von den Fackeln behelligt wurden. Einen Augenblick sp�ter ert�nte ein Bl�ken; sie trampelten dem Wasser entgegen und verlie�en die Sandbank. Es regnete keine Pfeile mehr vom Himmel. Wie die Bogen aus Ka-la-na-Holz m�ssen auch die Pfeile aus Temholz ins Delta importiert werden und stellen f�r die Rencebauern einen kostbaren Besitz dar. Darum schie�en sie nur selten ohne ein genaues Ziel vor Augen.</p><p>Zwei oder drei Ahn sp�ter brach die Morgend�mmerung herein.</p><p>Die Rencebauern hatten sich zur�ckgezogen. Zumindest f�r den Augenblick.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Ich stemmte mich gegen das Geschirr und k�mpfte mich weiter westw�rts durch den Sumpf, geknebelt, mit vor den K�rper gefesselten H�nden. Dazu trug ich noch eine schwarze, undurchsichtige Sklavenhaube. Plenius war der Gedanke gekommen, ich k�nnte mich vielleicht mit Hilfe von Blicken mit den Rencebauern verst�ndigen. Vielleicht wollten sie aber auch einfach nur nicht, da� ich sie in ihrem erbarmungsw�rdigen Zustand sah. Und so rang ich dem Sumpf jeden Schritt ab und zog das schwere Flo�, das nun haupts�chlich mit Verwundeten und Kranken beladen war, durch das endlose Schilf.</p><p>Es war vier Tage her, da� man die Tharlarion auf uns gehetzt hatte.</p><p>Wir waren weiter nach Westen gezogen.</p><p>Die Rencebauern waren mittlerweile dazu �bergegangen, sich ihre Ziele sorgf�ltig auszusuchen. Manchmal vergingen Ahn, und die M�nner w�hnten sich in Sicherheit. Dann flog ein Pfeil aus dem Rence, abgeschossen von einem unsichtbaren Bogensch�tzen, dessen Anwesenheit man nicht einmal erahnt hatte, und ein weiterer Soldat versank im Sumpf. Hauptmann Labienus wagte es nicht mehr, M�nner vom Haupttro� abzukommandieren. Allzu h�ufig kehrten sie nicht zur�ck, und dabei spielte es keine Rolle, ob sie als Vorhut, Nachhut oder Sp�her ausgesandt worden waren.</p><p>Die Soldaten von Ar marschierten nun als Gruppe, dicht aneinandergedr�ngt. Soviel ich mitbekommen hatte, waren viele �berlebende anderer Regimenter mit eigenen Erlebnissen voller Leid und Schrecken zu uns gesto�en oder hatten uns eingeholt. Vielleicht hatte der Feind sie auch auf uns zugetrieben wie ein Hirte seine Herde. Ich fragte mich, wie viele von ihnen � vielleicht auch nur unterbewu�t � sich w�nschten, ihre Kameraden als Deckung zu benutzen. Ich hatte oft genug geh�rt, wie der Befehl zum Einhalten oder zum Wiederaufbau der Marschkolonne erteilt worden war. Danach marschierten sie wieder eine Zeitlang hintereinander, obwohl es, zog man die allgemeine Ersch�pfung in Betracht, bestimmt eine stolpernde, unordentliche Kolonne war, die aber noch immer die potentiellen Ziele voneinander trennte. Ich konnte mir vorstellen, wie die m�den, entnervten Soldaten �ngstlich nach rechts und links schauten. Das Rence w�rde �berall gleich aussehen.</p><p>Was mich anging, so beschr�nkte sich meine Welt auf das schwere Flo�, den nachgiebigen Sumpfboden und die Schl�ge, die mich antrieben.</p><p>Aus den Berichten Soldaten anderer Regimenter, die uns manchmal begegneten, manchmal aber auch halb von Sinnen ziellos im Sumpf umherirrten, hatten wir uns St�ck f�r St�ck ein Bild von dem machen k�nnen, was im Delta geschah. Es war mir nicht schwergefallen, die Unterhaltungen zu belauschen, sowohl in der Nacht wie auch w�hrend des Marsches. Interessanterweise war es die Nachhut gewesen, die als erste aufgegeben hatte, aber ihr R�ckzug war von einer riesigen Anzahl von Rencebauern gestoppt worden. Die Pfeile aus Temholz hatten jeden Weg in den Osten abgeschnitten. Danach war die Nachhut tiefer ins Vosk-Delta geflohen.</p><p>�Sie wollen euch im Delta festhalten�, hatte ich Labienus vor zwei N�chten gesagt, als man mich gef�ttert hatte. �Sie wollen euch alle hier haben, je mehr, um so besser, alle ihrer Gnade ausgeliefert, wo sie nach Herzenslust mit euch verfahren k�nnen, wie es ihnen beliebt.�</p><p>Labienus hatte mich nur wortlos angesehen. Am n�chsten Tag war es weiter westw�rts gegangen.</p><p>Bald sickerten weitere Berichte durch. Die Rencebauern hatten zwei Regimenter aufgerieben und ihnen schwere Verluste zugef�gt. Hunderte von M�nnern waren im Treibsand gestorben. Viele von ihnen waren anscheinend vom Feind dorthin gelockt worden, indem dieser sich gezeigt hatte und sofort verfolgt worden war � Rencebauern, die sich zweifellos in der Gegend auskannten, die vielleicht sogar die Zeichen, die sichere Wege markierten, hinter sich vernichtet hatten. Andere Soldaten waren Angriffen von Tharlarion und Sumpfhaien zum Opfer gefallen, die am fr�hen Morgen und gegen Sonnenuntergang besonders aggressiv waren. Krankheiten hatten epidemische Ausma�e angenommen. Hunger, Sonnenstiche und Durchfall waren weit verbreitet. Desertion war an der Tagesordnung. Vielleicht w�rden es einige der Deserteure sogar aus dem Delta heraus schaffen. Wer konnte das schon wissen. Und immer waren die Rencebauern in der N�he, wie Sleen, die an den Flanken einer Viehherde entlangstrichen.</p><p>Ich h�rte, wie ein K�rper ins Wasser klatschte.</p><p>�Das kam von dort hinten!� rief ein Soldat. Schwerter wurden gezogen. M�nner verlie�en die Kolonne und wateten zur rechten Seite, kehrten aber bald unverrichteter Dinge zur�ck.</p><p>Die Peitsche knallte, und ich stemmte mich gegen das Geschirr. Eine Ehn sp�ter h�rten wir einen langgezogenen, einzelnen Aufschrei aus dem Sumpf. Er kam aus der Richtung hinter uns. Rechts hinter uns. </p><empty-line/><p>�M�glicherweise h�lt sich das Expeditionsheer von Cos tats�chlich nicht im Delta auf�, sagte Hauptmann Labienus.</p><p>�Diese Meinung vertrete ich schon lange�, erwiderte ich.</p><p>Keine Feuer brannten. Es war ziemlich still.</p><p>�Ich habe mir den Kopf zermartert, besonders in den letzten Tagen, ob du nicht doch die Wahrheit gesagt hast.�</p><p>�Es freut mich, da� du das in Betracht gezogen hast�, sagte ich.</p><p>�Es f�llt in letzter Zeit schwer, es nicht zu tun.�</p><p>�Das denke ich auch.�</p><p>�Selbst wenn es nur die �u�erungen eines sich windenden Spions waren.� Labienus spuckte die Worte f�rmlich aus. �Die M�nner sind ersch�pft und krank. <emphasis>Ich</emphasis> bin ersch�pft und krank.�</p><p>Er sa� neben mir. Nur wenige Soldaten sa�en in aufrechter Haltung da. Selbst beim Marschieren nahmen sie eine geduckte Haltung ein. Eine geduckt gehende Gestalt gab ein kleineres Ziel ab. Wir unterhielten uns leise. Man hatte mir die H�nde auf den R�cken gefesselt. Meine H�ter wurden leichtsinnig. Ich war fest davon �berzeugt, genau zu wissen, wer heute den Schl�ssel der Handschellen verwahrt hatte. Wenn ich am n�chsten Morgen aufpa�te, w�rde ich vielleicht trotz der Haube herausfinden k�nnen, wer den Schl�ssel bekam. Ein Wort, ein sorgloses Ger�usch w�rde ausreichen.</p><p>�Einige sind der Meinung, wir sollten den Versuch unternehmen, uns aus dem Delta zur�ckzuziehen.�</p><p>�Dazu ist es vielleicht schon zu sp�t.�</p><p>�Was sagst du da?�</p><p>�Kein Regiment schafft allein den R�ckzug.�</p><p>�Und was w�re mit mehreren Regimentern?� fragte er.</p><p>�Das w�re m�glich, aber schwierig. Die Bewegungen einer so gro�en Streitmacht sind leicht auszumachen. Selbst wenn man einmal die Bauern au�er acht l��t, beherrscht Cos noch immer den Himmel. Und sein Heer, gut informiert, gut ausger�stet, bei guter Gesundheit, kann ungehindert viel schneller zu einem bestimmten Punkt geleitet werden als die M�nner von Ar, die sich aus dem Sumpf k�mpfen m�ssen.�</p><p>�Nichts kann gegen Ar bestehen�, behauptete Labienus.</p><p>�Untersch�tze den Feind nicht.�</p><p>Er spuckte ver�chtlich aus. �S�ldner.�</p><p>�Und regul�re Truppen�, sagte ich. �Davon abgesehen werden deine M�nner ersch�pft und krank sein. Au�erdem m��tet ihr es erst einmal bis zum Rand des Deltas schaffen.�</p><p>�Sieben Regimenter, vier im S�den und drei im Norden, wollen einen Ausbruch versuchen.�</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Das haben mir Versprengte berichtet.�</p><p>�Was ist mit der linken Flanke?�</p><p>�Soweit ich wei�, ist sie noch intakt.�</p><p>�Ich sch�tze, die Regimenter im Norden d�rften die gr��ten Erfolgschancen haben�, sagte ich.</p><p>�Der Norden ist unklug�, erwiderte er. �Das ist weit von Ar und unseren Verb�ndeten entfernt. Das ist Feindesland. Dort hat Cos viele Sympathisanten. Port Cos liegt in dieser Richtung. Und selbst wenn die Regimenter es schaffen sollten, m��ten sie den Vosk �berqueren, um nach Holmesk oder Ar zur�ckzukehren.�</p><p>�Auf diesen Gr�nden beruht meine Annahme, da� sich im Norden keine starken cosischen Verb�nde aufhalten.�</p><p>�Glaubst du, die Heere von Cos befinden sich haupts�chlich auf der anderen Seite des Vosk im S�den?�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte ich. �Sie werden damit rechnen, da� ihr genau aus diesen Gr�nden eine �berquerung des Flusses vermeiden werdet.�</p><p>Labienus rieb sich das Kinn. �Ich wei� nicht.�</p><p>�Au�erdem ist es eine vorteilhafte Position. Das Heer kann von Brundisium aus versorgt werden. Es k�nnte sogar zus�tzliche Truppen aus Torcodino anfordern.�</p><p>�Ich halte es noch immer f�r m�glich, da� sich das Expeditionsheer im Delta befindet�, sagte er leise.</p><p>�Anscheinend vertreten viele der anderen Kommandanten eine andere Meinung.�</p><p>�Oder sie f�rchten, da� die Verfolgung zu viele Opfer kostet.�</p><p>�Oder das.�</p><p>Drau�en im Sumpf ert�nten die verschiedensten Ger�usche, das Pl�tschern von Wasser, das gelegentliche Br�llen eines Tharlarions und die Schreie der Vosk-M�wen. Falls es Vosk-M�wen waren.</p><p>�Du willst dich also auch zur�ckziehen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht?� fragte ich erstaunt.</p><p>�Meine Befehle sind eindeutig.�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern. �Vielleicht w�rde ein R�ckzug auch keinen gro�en Unterschied mehr machen.�</p><p>�Was soll das nun wieder hei�en?�</p><p>�Du bist isoliert, so wie vermutlich die meisten Einheiten im Delta. Ich halte es f�r unwahrscheinlich, da� du mit deiner Mannst�rke einen Ausbruch erzwingen k�nntest.�</p><p>�Du h�ltst uns also f�r verloren?�</p><p>�Es werden M�nner aus dem Delta entkommen�, sagte ich. �Einige haben es vielleicht schon geschafft, m�glicherweise sogar ganze Z�ge. Vielleicht werden sogar die vereinigten Anstrengungen der Regimenter Erfolg zeigen. Wollen wir es hoffen, um Ars willen.�</p><p>�Aber?�</p><p>�Aber ich glaube, die einzige realistische Hoffnung auf eine Flucht aus dem Delta liegt nicht bei den Regimentern, sondern bei jedem einzelnen, vielleicht noch in kleinen Gruppen, bei M�nnern, die es mit Gl�ck und K�nnen und Verstohlenheit schaffen, sowohl den Rencebauern als auch den cosischen Tarnpatrouillen aus dem Weg zu gehen. Die gr��ten Chancen h�tte ein auf sich allein gestellter Mann. Es liegt auf der Hand, da� Cos nicht das ganze Vosk-Delta �berwachen kann. Es kann nicht jeden Rencestengel beobachten. Es kann nicht jeden sumpfigen Quadratmeter der Randzone gr�ndlich durchk�mmen. Ich glaube wirklich, da� ein Mann, ein erfahrener Sumpfl�ufer, der sich in �berlebenstechniken auskennt und wei�, wie er den Feind �berlisten kann, entkommen k�nnte, vorausgesetzt, er l��t die n�tige Vorsicht walten.�</p><p>�Von dieser Sorte gibt es nicht viele.�</p><p>�Unter den roten Wilden schon�, erwiderte ich. Ich dachte an M�nner wie Cuwignaka, Canka und Hci.</p><p>Er hielt den Kopf in den H�nden. �Das Expeditionsheer mu� im Delta sein�, fl�sterte er.</p><p>�Handelst du so, weil du das Kriegsgericht oder die Entehrung f�rchtest?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum dann?�</p><p>�Pflichtbewu�tsein�, sagte er. �Kannst du, ein Spion, so etwas verstehen?�</p><p>�Ich habe davon geh�rt.�</p><p>Er stand auf und ging. Einige Augenblicke sp�ter war Plenius zur Stelle, um mich wieder zu knebeln und mir die Haube �berzustreifen. �Wenn es nach mir ginge�, sagte er, �w�rde ich dich in helles Rot kleiden und dich mit einem Strick um den Hals an der Spitze marschieren lassen.�</p><p>Dann ging er.</p><p>Es war wieder sehr hei�, aber das war nicht der Grund, warum ich ein tiefes Unbehagen versp�rte. Erneut verfolgte mich das Gef�hl, als w�rde eine dunkle Wolke �ber dem Sumpf liegen, etwas Finsteres, Bedrohliches, beinahe schon eine k�rperliche Pr�senz.</p><p>Es war ein seltsames Gef�hl.</p><p>Pl�tzlich fiel mir auf, da� der Sumpf ungew�hnlich still war. Die Schreie der Vosk-M�wen waren verstummt.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>�Bleib stehen, Zugochse!� rief Plenius.</p><p>Ich gehorchte dankbar.</p><p>Fassungslose Rufe und Wehklagen hallten �ber den Sumpf. Berichte von der linken Flanke waren eingetroffen. Es war unm�glich, sie nicht zu h�ren, denn sie verbreiteten sich in Windeseile unter den M�nnern. Tats�chlich erfuhren es die Soldaten schneller als ihr Hauptmann, denn sie waren die ersten, die den Boten begegneten, die schlechte Nachrichten �berbrachten und deren Besatzungen nach Hilfe riefen, denn viele waren verwundet. Seltsamerweise waren die wenigsten von ihnen unterwegs auf Rencebauern gesto�en. Es war, als w�ren die geheimnisvollen Bewohner des Delta auf unerkl�rliche Weise pl�tzlich verschwunden.</p><p>�Ich kannte Camillus! Ich kannte ihn!� schluchzte ein Soldat.</p><p>�Flavius ist gefallen?� wollte ein anderer wissen.</p><p>�Ich sah ihn sterben�, sagte der Bote.</p><p>Die linke Flanke war vor zwei Tagen angegriffen worden, auf eine ziemlich �hnliche Weise wie zuvor die rechte. Bis zu dem Angriff hatten die Regimenter nur geringen Kontakt mit den Rencebauern gehabt. Es hatte sogar die Meinung bestanden, da� der unsichtbare Feind sich �berhaupt nur an der rechten Seite des Heeres befand. Aber der Angriff auf die linke Flanke � im S�den � war viel verheerender gewesen, vielleicht weil man dort weniger aufmerksam gewesen war.</p><p>�Wehe Ar!� wimmerte einer der Soldaten.</p><p>Obwohl ich die Haube trug, glaubte ich zu wissen, wer den Schl�ssel zu meinen Handschellen verwahrte. Ich hatte am Morgen den Austausch geh�rt.</p><p>�Wehe uns, wehe uns!�</p><p>�Vier Regimenter sind im S�den vernichtet worden!� rief jemand.</p><p>�Erz�hl uns alles!�</p><p>Ich h�rte, wie M�nner in meine Richtung wateten. Einer hustete.</p><p>�Ich komme vom Vierzehnten�, sagte ein Mann. �Wir haben zusammen mit dem Neunten, dem Siebten und dem Elften versucht, aus dem Delta herauszukommen.�</p><p>�Desertion!� rief jemand.</p><p>�Die Cosianer warteten schon auf uns�, fuhr der Neuank�mmling fort. �Es war ein Gemetzel, ein Abschlachten! Wir wurden aus der Luft mit Bolzen beschossen. Man warf Steine, um unsere Reihen auseinanderzutreiben. Wir wurden von Tharlarion �berrannt. Man hetzte Kriegssleen auf uns. Wir hatten keine Chance. Wir konnten uns kaum bewegen. Wir standen zu eng beieinander, um unsere Waffen vern�nftig zu schwingen. Hunderte starben im Sumpf. Viele, die es noch konnten, fl�chteten zur�ck ins Delta!�</p><p>�Weh uns!� jammerte ein Soldat.</p><p>�Wir hatten nicht die geringste Chance. Sie haben den Kampf gewonnen!�</p><p>Die Erw�hnung der Cosianer machte mir erst klar, da� hier gar nicht die Rede von dem Angriff auf die linke Flanke war, den die Rencebauern durchgef�hrt hatten, sondern vom S�den, wo die Regimenter einen Ausbruchsversuch unternommen hatten. Es war keine gro�e �berraschung, da� die Cosianer auf sie gewartet hatte. Vermutlich hatten Tarnsp�her seit Tagen jede ihrer Bewegungen an den cosischen Befehlshaber �bermittelt, vielleicht sogar an Policrates h�chstpers�nlich, der angeblich einst ein Pirat gewesen war.</p><p>�Bestimmt habt ihr sie f�r ihren Sieg teuer bezahlen lassen�, sagte ein Soldat.</p><p>�Wir waren schwach, ersch�pft�, erkl�rte der �berlebende. �Wir konnten kaum die Waffen heben.�</p><p>�Wie viele Gefangene habt ihr denn gemacht?�</p><p>�Ich wei� es nicht, sofern �berhaupt Gefangene gemacht wurden.�</p><p>Die Cosianer hatten bestimmt Gefangene gemacht. Gefangene k�nnen sehr wertvoll sein, sei es f�r die Steinbr�che oder die B�nke der Galeeren. Ich fragte mich, ob die Cosianer gen�gend Ketten und K�fige f�r die Gefangenen dabei hatten, vorausgesetzt, sie wollten sie �berhaupt mitnehmen. Ein sich ergebender Gefangener erh�lt oft den Befehl, sich nackt auszuziehen und mit ausgestreckten Armen und Beinen b�uchlings auf den Boden zu legen. Dann mu� er abwarten, ob man ihn fesselt oder ihm die Kehle durchschneidet.</p><p>Der Mann fing wieder an zu husten. Dem Ger�usch nach zu urteilen hatte er Blut in der Kehle.</p><p>�Verbindet seine Wunden neu�, sagte ein Unteroffizier.</p><p>Mittlerweile hatten die cosischen Soldaten vermutlich ein Siegesdenkmal auf dem Schlachtfeld errichtet. F�r gew�hnlich f�llt man ein paar B�ume, baut daraus ein Ger�st und h�ngt die erbeuteten Waffen daran auf. Manchmal stellt man auch Troph�enpfeiler auf.</p><p>�Da! Im Norden!� Die Stimme kam aus der H�he, vermutlich von der Aussichtsplattform der Kommandobarke, die man mit schweren Brettern sozusagen gepanzert hatte, um den Ausguck wenigstens, einigerma�en zu sch�tzen. Trotzdem wurden die M�nner dort oft abgel�st, und soviel ich mitbekommen hatte, war dieser Posten trotz der vergleichsweise angenehmen Trockenheit und K�hle, die die Plattform bot, nicht besonders beliebt. Selbst mit dem Plankenschutz f�hlte man sich nicht besonders besch�tzt, sondern sah sich als Ziel unsichtbarer Bogensch�tzen.</p><p>�Da ist die Fahne von Ar, dort �ber dem Rence!�</p><p>Jetzt sahen sie auch andere. Aufregung machte sich breit. �Das ist das Siebzehnte Regiment. Es kommt von der rechten Seite.�</p><p>�Verst�rkung!�</p><p>�Sie sind durchgebrochen! Sie haben die Rencebauern besiegt!�</p><p>�Wir haben einen gro�en Sieg errungen!�</p><p>Das war nat�rlich eine Erkl�rung f�r den scheinbaren R�ckzug der Rencebauern. Denn warum h�tten sie sich sonst zur�ckgezogen, wenn sie nicht vor den Soldaten h�tten fliehen m�ssen?</p><p>�Aber wo ist dann der Voraustrupp, wo sind die Sp�her?�</p><p>�Warum kommt die Fahne als erstes?�</p><p>�Da, sie schwankt!�</p><p>�Schnell, zu ihm!� rief ein Unteroffizier.</p><p>�Vorsicht, das k�nnte auch eine Falle der Rencebauern sein!�</p><p>Der Mann im Ausguck meldete sich wieder zu Wort. �Er kommt jetzt aus dem Rence heraus. Er ist allein, nein � wartet, da sind noch andere bei ihm, seht ihr?�</p><p>�Er ist verwundet!�</p><p>M�nner wateten eilig durch das Wasser. Sie eilten bestimmt dem Fahnentr�ger entgegen. Ich versuchte, allein auf mein Geh�r angewiesen, die Position des Schl�sseltr�gers im Kopf zu behalten. Aber dann verlor ich ihn.</p><p>Doch was machte das letztlich f�r einen Unterschied, fragte ich mich verbittert, war ich denn nicht ohnehin v�llig hilflos? Die meisten Gefangenenw�rter machen kein Geheimnis daraus, wer den Schl�ssel f�r die Ketten hat; was f�r einen Unterschied kann das f�r den Gefangenen schon machen? Einige W�rter erz�hlen dem Gefangenen sogar absichtlich, wer den Schl�ssel hat, so machen sie ihm schonungslos und nachdr�cklich klar, in wessen Gewalt er sich befindet. Ich h�tte genausogut eine sch�ne Sklavin sein k�nnen, dachte ich w�tend, in einer Nische angekettet, die, wenn sie den Kopf ein St�ck wendet, den Schl�ssel in bequemer Reichweite f�r jeden Gast oder Kunden h�ngen sieht, f�r sie selbst jedoch einen Fingerbreit au�er Reichweite.</p><p>Pl�tzlich erschallte ein gro�es Geschrei. Ich bem�hte mich, durch die Haube alles zu h�ren.</p><p>Harte Krieger brachen in Tr�nen aus.</p><p>�Wehe uns, wir sind verloren!� rief einer.</p><p>Nach wenigen Augenblicken konnte ich mir genug zusammenreimen. Drei Regimenter waren zum n�rdlichen Rand des Deltas vorgesto�en. Dort hatte man sie schon erwartet und in St�cke gehauen. Der Fahnentr�ger des Siebzehnten hatte sich bis zu uns durchschlagen k�nnen. Es hatte zahllose Verwundete gegeben. Wie viele auf dem Schlachtfeld gefallen waren, erfuhr ich nicht. Im Vergleich zu den Verlusten bei dem Ausbruchsversuch im S�den hatten die n�rdlichen Regimenter schwerere Verluste davongetragen. Anscheinend hatten die M�nner festen Boden, Gras und Felder gesehen und waren freudig darauf zugest�rmt, und die Falle war erst eine Ehn sp�ter zugeschnappt, als das zweite Regiment aus dem Delta gekommen war.</p><p>�Wir sind hier gefangen!� rief ein Soldat. �Es gibt kein Entkommen!�</p><p>�Labienus, f�hre uns!�</p><p>�Wir gehen nicht weiter nach Westen! Das ist doch Wahnsinn!�</p><p>�Wir k�nnen nicht zur�ck!�</p><p>�Aber hierbleiben k�nnen wir auch nicht!�</p><p>Ich fragte mich, wie es die M�nner des Siebzehnten und des ihm zugeteilten Dritten und Vierten geschafft hatten, sich bis zu uns durchzuschlagen. Anscheinend waren sie auf keine Gegenwehr der Rencebauern gesto�en. Nat�rlich war schon klar, warum sie zumindest ein paar Mann durchgelassen hatten: der Anblick auseinandergetriebener, besiegter Soldaten w�rde bei den anderen Regimentern seine Wirkung nicht verfehlen, aber soweit ich es mitbekam, war nicht einer von ihnen Partisanen begegnet.</p><p>Noch immer schrie alles durcheinander.</p><p>�Hauptmann, f�hr uns nach Osten!�</p><p>�Der Osten ist abgeriegelt. Das wissen wir doch!�</p><p>�Dann eben nach Norden! Nach Norden�</p><p>�Du Narr! Sieh dir doch die Kameraden des Siebzehnten an!�</p><p>�F�hr uns nach S�den, Labienus!�</p><p>�Meuterei!� Das war die Stimme des Unteroffiziers.</p><p>Schwerter wurden gezogen.</p><p>Die Abwesenheit der Rencebauern war mir unbegreiflich. Warum st�rzten sie sich jetzt nicht auf die verwirrte, rebellische, hilflose Vorhut, die v�llig ersch�pft im Sumpf umherirrte?</p><p>�Wir m�ssen nach S�den!�</p><p>�Nein, nicht nach S�den!�</p><p>�Labienus hat uns hierhergef�hrt� rief jemand voller Wut. �Es ist seine Schuld! T�tet ihn! Er ist ein cosischer Spion!�</p><p>�Deine Worte sind Verrat. Verteidige dich!�</p><p>Stahl traf klirrend auf Stahl.</p><p>�Aufh�ren!� Man trennte die beiden M�nner gewaltsam voneinander.</p><p>�Labienus, was sollen wir nur tun?�</p><p>�Vorsicht!� schrie pl�tzlich jemand. Ein Summen erf�llte die Luft. Es war das Ger�usch gro�er Fl�gel, die sich schnell n�herten.</p><p>�Das ist doch blo� eine Zarlitfliege.�</p><p>Die Zarlitfliege ist gro�, mi�t etwa einen Meter in der L�nge und verf�gt �ber vier gro�e, durchsichtige Fl�gel mit einer Spannweite von fast einem Meter. Sie hat gro�e, paddel�hnliche F��e, mit denen sie �ber die Wasseroberfl�che huschen kann. Sie bietet ein pr�chtiges Erscheinungsbild und kann einem einen h�llischen Schreck einjagen, wenn man auf sie st��t, aber f�r den Menschen sind sie harmlos. Einige der Arer f�hlten sich in ihrer N�he noch immer unbehaglich. Die Zarlitfliege erbeutet kleine Insekten, meistens im Flug.</p><p>�Das ist noch eine�, bemerkte ein anderer Mann.</p><p>Das war merkw�rdig. Zwei von ihnen, so nahe zusammen?</p><p>�Sag was, Labienus!�</p><p>Eine weitere Fliege brummte heran.</p><p>�Was sind denn das f�r dunkle Wolken am Himmel? Ich habe noch nie solch dunkle Wolken gesehen.�</p><p>�Das mu� ein Sturm sein.�</p><p>Pl�tzlich versp�rte ich ein �bles Gef�hl in der Magengegend.</p><p>�Was ist das f�r ein Ger�usch?�</p><p>Falls Labienus etwas hatte sagen wollen, wartete er noch.</p><p>Vermutlich hatten alle Soldaten die Blicke nach Westen gerichtet. Ich war in dieser Jahreszeit noch nie im Delta gewesen. Trotzdem wu�te ich jetzt, warum die Rencebauern verschwunden waren.</p><p>�H�rt euch das an!�</p><p>In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie ein derartiges Ger�usch geh�rt, aber man hatte mir davon berichtet.</p><p>�Die Wolken bedecken den ganzen Horizont. Die sind ja riesig. Und so dunkel!�</p><p>�Die Ger�usche kommen aus den Wolken�, sagte ein Soldat. �Da bin ich sicher.�</p><p>Jeden Sommer zu dieser Zeit ziehen sich die Bauern in ihre H�tten zur�ck, nehmen Wasser und Vorr�te mit und verbarrikadieren s�mtliche �ffnungen mit Renceschilf. Zwei oder drei Tage sp�ter kommen sie wieder heraus.</p><p>Pl�tzlich erfolgte ein schmerzerf�llter Aufschrei. �Das war eine Nadelfliege.�</p><p>�Vorsicht, da kommen noch mehr!�</p><p>Die meisten Stech- oder Nadelfliegen � wie sie in den Gegenden s�dlich des Vosk genannt werden � stammen aus dem Vosk-Delta und vergleichbaren Orten; sie legen ihre Eier an den Halmen der Rencepflanzen. Die Regelm��igkeit ihrer Fortpflanzungs- und Brutzeit f�hrt oftmals zur gleichzeitigen Schlupfzeit. Man vermutet, da� ein Zusammentreffen nat�rlicher Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit des Deltas daf�r verantwortlich sind, nicht zu vergessen die hohe Zuverl�ssigkeit dieser Faktoren. Wie man sich vielleicht denken kann, wird die Schlupfzeit von den Bauern sorgf�ltig im Auge behalten. Sobald die Stechfliegen, die die Zeitspanne ihres ausgewachsenen Lebens als Einzelg�nger verbringen, das Delta verlassen haben, verteilen sie sich �ber das ganzer Land. Von den Millionen Insekten, die jedes Jahr innerhalb von vier bis f�nf Tagen im Delta ausschl�pfen, kehren nur wenige im Herbst dorthin zur�ck, um den Zyklus erneut zu beginnen.</p><p>Weitere Schmerzensschreie ert�nten; ich h�rte, wie die M�nner nach den Insekten schlugen.</p><p>�Die Wolken kommen n�her!�</p><p>Das st�ndig in seiner St�rke anschwellende Ger�usch, das aus dem Westen kam, war nicht l�nger zu �berh�ren. Es f�llte allm�hlich das ganze Delta aus. Es wurde verursacht vom unvorstellbar schnellen Schlagen von Millionen und Abermillionen bis jetzt noch winziger Fl�gel.</p><p>�Das sind keine richtigen Wolken, das sind Nadelfliegen! Pa�t auf!�</p><p>Wieder ert�nten Schmerzensschreie. Ich nahm den Kopf zur Seite, obwohl ich die Haube trug. Ein kleiner K�rper landete in H�he meines Gesichts auf der Lederhaube.</p><p>Ich zuckte zur�ck, stie� einen leisen Schmerzenslaut aus, der von dem Knebel ged�mpft wurde. Ich war an der Schulter gestochen worden. Ich tauchte ins Wasser ein, bis nur noch mein vermummter Kopf herausragte. �berall sprangen M�nner ins Wasser. Das Summen war nun ohrenbet�ubend.</p><p>�Meine Augen!� schrie ein Soldat. �Meine Augen!�</p><p>Augen zogen die Fliegen unwillk�rlich an, wie alle feuchten, hellen Dinge.</p><p>Das Flo� schaukelte, als die M�nner heruntersprangen.</p><p>Der Stich der Stechfliege ist au�erordentlich schmerzhaft, aber nicht gef�hrlich, solange man nicht �berm��ig viele davontr�gt. Mehrere Stiche k�nnen �belkeit hervorrufen. Es sind auch schon M�nner daran gestorben, aber in solchen F�llen mu�te schon eine gro�e Anzahl an Stichen zusammenkommen. F�r gew�hnlich verursacht das Gift der Fliege eine schmerzhafte Schwellung. Ein paar Stiche im Gesicht k�nnen eine Person unkenntlich machen. Die Schwellungen bilden sich normalerweise nach ein paar Ahn wieder zur�ck.</p><p>Ich zog an dem Geschirr. Dem Gef�hl nach zu urteilen war das Flo� menschenleer.</p><p>�Sie verdunkeln die Sonne!�</p><p>Noch mehr Soldaten sprangen ins Wasser.</p><p>Die Luft war erf�llt von kl�glichen Schreien, aufklatschenden H�nden und wilden Fl�chen.</p><p>Kleine Insektenk�rper trommelten gegen meine Haube.</p><p>Ich zerrte das Flo� nach rechts, mit schnellen, wilden Bewegungen. Dabei blieb ich so gut es ging unter Wasser, hob nur von Zeit zu Zeit den verh�llten Kopf. Falls jemand das Flo� auffiel, hoffte ich nur, da� er glaubte, es w�rde aus eigener Kraft dahintreiben, im Griff einer Str�mung. Immer wenn ich auftauchte, um Atem zu sch�pfen, lauschte ich angestrengt, aber niemand br�llte mir hinterher, niemand befahl mir, sofort stehenzubleiben. Das Summen wurde nicht leiser. Ich traf auf eine Sandbank, fluchte und zog das Flo� dar�ber. Das Wasser reichte mir hier nur bis zu den Knien, erst dahinter wurde es wieder tiefer. In diesem kurzen Augenblick wurde ich viermal gestochen. Dar�ber hinaus waren zahllose Insekten auf mir gelandet, ohne mich zu stechen. Ich stie� gegen einen Soldaten, aber er war sofort verschwunden. Ich konnte nicht einmal sagen, ob er wu�te, mit wem er zusammengesto�en war. Als ich wieder zum Luftholen nach oben kam, prasselten Insekten gegen die Haube. Ein weiterer Stich traf meinen Nacken. Beim Tauchen wurden die meisten Fliegen abgesp�lt. M�glicherweise hatten sich auch einige, die nicht weiterfliegen konnten, daran festgeklammert.</p><p>Mein Vorsto� nahm nur ein paar Ehn in Anspruch. Dabei versuchte ich die ganze Zeit �ber sogar, die Schritte zu z�hlen, damit ich eine ungef�hre Ahnung hatte, wie weit ich mich von dem Regiment entfernte. Ich wollte mich tief genug ins Schilf schlagen, um der erneuten Gefangennahme zu entgehen, aber nicht so weit, da� ich den Kontakt verlor. Vor Rencebauern brauchte ich w�hrend des Fliegenschwarms, der vermutlich in mehreren Wellen stattfand und mindestens ein paar Ahn, wenn nicht sogar einige Tage dauern w�rde, keine Angst zu haben.</p><p>�berall um mich herum f�hlte ich Rence. Also hatte ich eine gewisse Deckung. Nichts sehen zu k�nnen machte mich rasend. Es war durchaus m�glich, da� in diesem Augenblick ein Soldat belustigt meine Bem�hungen beobachtete.</p><p>Etwas Weiches glitt an meinem Nacken vorbei. Es konnte durchaus eine Mokassinschlange sein. Ich hatte keine Lust, bei Einbruch der D�mmerung noch im Wasser zu sein.</p><p>Ich ballte die H�nde, die mir mit Handschellen vor den K�rper gebunden waren, zu F�usten.</p><p>Dann machte ich mich daran, die Haube an dem Flo� zu reiben, an einem scharfkantigen Vorsprung. Dabei bem�hte ich mich, es in der H�he des Knebels zu machen, m�glichst mein Gesicht zu sch�tzen. Fliegen umschw�rmten die Haube und lie�en sich darauf nieder. Ich rieb weiter, obwohl meine Wange brannte. Es war sehr schwer, einen best�ndigen Druck an derselben Stelle auszu�ben, aber ich versuchte es, so gut es ging, und glich das Verrutschen der Haube aus. Ich konnte die Reibung f�hlen. Ich versuchte, den unteren Haubenrand �ber den Vorsprung zu st�lpen und die Haube herunterzurei�en, aber auf diese Weise schnitt ich mir nur in den Hals. Also rieb ich weiter. Ein paar Ehn sp�ter konnte ich f�hlen, wie sich die Rinde vom Holz l�ste. Jetzt rutschte das Leder �ber eine glatte, feuchte Oberfl�che, was noch entt�uschender war.</p><p>Ich wei� nicht, wie lange es dauerte, aber pl�tzlich sp�rte ich einen k�hlen Hauch auf der Haut. Au�erdem zeigte sich ein winziger Lichtschimmer im Inneren der Haube. Ich konnte die rechte Innenseite sehen! Und dann kroch eine Stechfliege durch die �ffnung herein und lie� sich auf meiner Wange nieder.</p><p>Ich verharrte reglos, und sie bewegte sich auf das Licht zu und verschwand wieder durch die �ffnung. Sofort nahm ich meine Bem�hungen wieder auf, verst�rkte sie, rieb die Haube gegen das Holz � und dann ri� das Leder.</p><p>Die Haube wies an der rechten Seite eine gro�e �ffnung auf. Im ersten Augenblick war das Licht grell und blendend. Ich konnte die �ffnung sehen, und behutsam st�lpte ich ihren zerfetzten Saum �ber das Holz und senkte den Kopf. Das Flo� senkte sich, und die Sklavenhaube wurde zur H�lfte abgerissen. Fast im gleichen Augenblick sah ich, wie ein kleines, von Stechfliegen bedecktes Tharlarion, das kaum gr��er als einen halben Meter war, von dem Flo� ins Wasser sprang. Die St�mme waren mit einer dicken Schicht Fliegen �berzogen. Andere schw�rmten dicht dar�ber.</p><p>Schnell erkundete ich meine Umgebung.</p><p>�berall ragten Rencehalme in die H�he. Von den Soldaten fehlte jede Spur. Auf der einen Seite gab es eine kleine Sandbank. Drei ausgewachsene Tharlarion lagen dort und be�ugten mich. Sie waren mit Stechfliegen �bers�t, aber es schien sie weder zu st�ren noch ihnen irgendwelches Unbehagen zu bereiten. Sie betrachteten mich durch die dritten, transparenten Augenlider hindurch. Ich schob das Flo� tiefer in das Rencefeld, von ihnen fort. W�ren sie auf mich zugekommen, h�tte ich versucht, mich auf das Flo� zu retten. Tharlarion k�nnen au�erordentlich gef�hrlich sein, aber der Mensch ist nicht ihre bevorzugte Beute. Au�erdem sind sie daran gew�hnt, ihre Beute im oder in der N�he zum Wasser zu t�ten, daher ist es unwahrscheinlich, da� sie auf Fl��e klettern. Manchmal paddeln die Rencebauern in ihren leichten Gef�hrten mitten durch sie hindurch. Sie klettern auch nicht auf die Renceinseln. Und sollte dies doch einmal vorkommen, k�nnen Kinder sie mit St�cken vertreiben. Etwas anderes ist es jedoch, wenn eine der Echsen einmal Menschenfleisch gefressen hat; n�hert sie sich einem Renceboot oder will sie auf eine Renceinsel steigen, droht h�chste Gefahr. F�r gew�hnlich erlegen die Bauern ein solches Tier, da es eine Bedrohung darstellt.</p><p>Ich tauchte immer wieder unter, um meinen Kopf und die Reste der Sklavenhaube von den Fliegen zu befreien. Tief innerhalb der Schilfansammlung befanden sich sp�rbar weniger Fliegen.</p><p>Dann kam der Knebel an die Reihe. Ich zwang das Halteband �ber den Vorsprung und zerrte, so hart ich konnte, wobei ich das Flo� mehr als nur einmal zur H�lfte untertauchte. Es gelang mir, das Band einen Viertelhort zu lockern. Dann dr�ckte ich mit einiger Zungenarbeit das Tuch aus dem Mund. Ich warf den Kopf in den Nacken und atmete tief ein; jetzt lag nur noch das Halteband �ber meinen Z�hnen. Ich konnte froh sein, da� sie keinen Eisen- und Lederknebel benutzt hatten. Ein solcher Knebel besteht aus zusammengen�hten Lederst�cken, die von einem Eisenband an Ort und Stelle gehalten werden; dieses wird im Nacken verschlossen und verhindert jede Manipulation. Es sind auch Modelle in Gebrauch, bei denen der eingef�hrte Knebel aus einer leder�berzogenen Eisenkugel besteht, in die ein Eisenreifen hineinmontiert wurde. Eine Mechanik aus gezahnten Sperrstangenund Haken erlaubt, da� man ihn an die jeweils ben�tigte Gr��e anpassen kann. Es gibt zwei Gr��en, f�r M�nner und f�r Frauen. Der Vorteil dieser Art von Knebel liegt darin, da� der Gefangene ihn selbst mit freien H�nden nicht entfernen kann. Wie man sich sicher denken kann, werden die kleineren Schlo�knebel weitaus h�ufiger benutzt, und dann so gut wie nie bei M�nnern, sondern bei Sklavinnen. So kann ihr Herr �ber ihre H�nde verf�gen, sie arbeiten oder ihn erfreuen lassen, mu� sie aber nicht sprechen h�ren, wenn er nicht will.</p><p>Mit einigen Schwierigkeiten kletterte ich auf das Flo� und zerrte mit meinen aneinandergeketteten und an der Taille festgebundenen H�nden das Geschirr ebenfalls hinauf.</p><p>Der Stich einer Fliege h�tte mich beinahe aufschreien lassen.</p><p>Da ich die H�nde vor dem K�rper hatte, gelang es mir, das Geschirr von dem Flo� zu l�sen. Gefesselt wie ich war konnte ich mich selbst jedoch nicht davon befreien. Aber wenigstens konnte ich jetzt das Flo� verlassen. Ich war nicht l�nger daran gefesselt, ich war kein Zugochse f�r Ar mehr. Trotz der Handschellen verf�gte ich wieder �ber eine gewisse Beweglichkeit. Ich kniete auf dem Flo� und f�hlte mich gro�artig.</p><p>Ich blickte mich um. Um mich herum gab es nichts anderes als Rence. Ich zerrte an dem Riemen um meinem Leib, der die Handschellen hielt. Ich war noch immer nackt und ziemlich hilflos. Auch ein zweiter Versuch erwies sich als fruchtlos: ich konnte den Riemen nicht zerrei�en. Er war sehr stabil. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, es mit den Eisenmanschetten zu versuchen, aber dabei w�rde der Riemen schmerzhaft in meinen R�cken schneiden. Ich wollte keine offenen Wunden dem Sumpfwasser aussetzen, wenn es sich vermeiden lie�. Bei vielen der Soldaten hatten sich die Wunden entz�ndet, selbst wenn es sich nur um geringf�gige Verletzungen wie Schnitte von den Rencehalmen handelte. Diese Entz�ndungen hatten die Strapazen und H�rten des Deltas nur noch verst�rkt. Ich kroch zur Seite des Flo�es und schob den Riemen �ber einen der unregelm��igen Holzvorspr�nge. Dann griff ich mit beiden H�nden zu und bewegte ihn mit wohldosierten kleinen Bewegungen vor und zur�ck. Wenige Ehn sp�ter ging er entzwei, und ich streckte die Arme aus. Ein gro�artiges Gef�hl.</p><p>Ich ri� die Handgelenke auseinander. Die kurze Kette dazwischen stoppte sie fast sofort. Meine Bewegungsfreiheit war auf wenige Zentimeter beschr�nkt. Die mittlerweile angerosteten Kettenglieder erf�llten noch immer ihren Zweck. Trotzdem h�tte ich jubeln k�nnen. Auch ein auf diese Weise gefesselter Mann kann gef�hrlich sein.</p><p>Ich entfernte das Halteband des Knebels. Die M�nner von Ar rechneten zweifellos damit, da� ich tiefer in den Sumpf floh. Ich hatte das auch durchaus vor. Aber da waren noch vorher ein paar Dinge zu erledigen; es galt, einen Schl�ssel zu finden. Zweifellos war die Flucht aus dem Delta � von der ich keinen Augenblick lang zweifelte, da� sie mir gel�nge � mit ein paar Vorr�ten einfacher zu bewerkstelligen. Sicherlich w�rden mir die guten Soldaten von Ar, die alle schlie�lich das Herz auf dem rechten Fleck trugen, das nicht ver�beln. Au�erdem war ich der Meinung, da� sie mir das schuldeten, zog man die ganzen Unannehmlichkeiten und die Arbeit in Betracht, f�r die ich nicht entsch�digt worden war. Immerhin war ich ein freier Mann.</p><p>Ich glitt vom Flo� ins Wasser, um den Fliegen weniger ausgeliefert zu sein. Ein Blick nach oben zeigte, da� noch immer Millionen von Fliegen durch die Luft summten, aber der Schwarm war deutlich kleiner geworden.</p><p>Ich w�rde auf die n�chste Welle warten.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Ausgeh�hlt kann der Rencehalm als Atemrohr dienen. Auf diese Weise kann man sich unter Wasser einigerma�en sicher und unbemerkt fortbewegen, vorausgesetzt, die Halm�ffnung befindet sich in unmittelbarer N�he der Wasseroberfl�che und diejenigen, die sich in der N�he aufhalten, sind nicht mit den Feinheiten des Sumpfl�ufertums vertraut und nicht wachsam und scharfsinnig genug, um mit einer solchen M�glichkeit zu rechnen. Nat�rlich m��te die Bewegung des Halmes eigentlich sofort f�r Mi�trauen sorgen, vor allem wenn seine Bewegungen gesteuert erscheinen. Rencebauern sind mit diesen Techniken vertraut, machen aber nur selten Gebrauch davon, au�er bei Messer- oder Dreizackangriffen. Ein Eintauchen des gro�en Bogens, vor allem wenn es sich um eine l�ngere Zeit handelt, in der er viel Wasser aufnehmen kann, mindert seine Spannkraft; das Leben der Sehne, f�r gew�hnlich mit Seide durchwirkter Hanf, wird ebenfalls verk�rzt. Jeder auf diese Weise durchgef�hrte Angriff erfordert ein Untertauchen im Sumpf, was nicht ungef�hrlich ist. Rencebauern greifen daher normalerweise mit ihren Booten an und benutzen die allgegenw�rtigen Schilfinseln als Deckung. Eine Angriffseinheit besteht aus zwei Mann; der eine bewegt das Boot mit einer Stange oder dem Paddel vorw�rts, w�hrend der andere mit dem Bogen schie�t.</p><p>Ich hob den Kopf ein St�ck aus dem Wasser.</p><p>Viele der Soldaten hatten auf Sandb�nken Zuflucht gesucht. Man hatte Lagerfeuer entz�ndet, in die man feuchtes Schilf warf, um mit dem entstehenden Rauch die Fliegen abzuwehren. Viele dr�ngten sich zitternd um die Flammen. Es lagen viele Kranke am Boden. Vermutlich waren das Reaktionen auf das Gift der Stechfliegen. Die M�nner hatten sich Decken �bergeworfen; andere sa�en mit gesenkten K�pfen da, die Tuniken �bers Gesicht gezogen. Andere wiederum hatten sich Gesichter, Arme und Beine mit Schlamm und Asche eingerieben, ein kl�glicher Schutz vor den Fliegen. �berall waren rote Augen zu sehen, es wurde gehustet. Ich h�rte, wie sich ein Mann in den Sumpf �bergab. Ich h�rte M�nner weinen und st�hnen. Einige der Gesichter waren unf�rmig zugeschwollen, verf�rbt und mit pustel�hnlichen Wucherungen bedeckt. Arme und Beine waren mit �hnlichen Schwellungen �bers�t. Ein paar M�nner konnten nicht mehr aus den Augen blicken.</p><p>Ich entdeckte den Soldaten, von dem ich �berzeugt war, da� er den Schl�ssel zu meinen Handschellen verwahrte. Er lag zitternd auf dem Bauch, halb mit Renceschilf bedeckt. Anscheinend hatte er viele Stiche davongetragen. Der Schl�ssel befand sich sehr wahrscheinlich in seiner G�rteltasche. �berall lagen Ausr�stungsgegenst�nde herum. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� es schwer sein w�rde, sich einige davon anzueignen. Davon abgesehen waren selbst Schilde und Waffen im Sumpf weggeworfen worden. Man h�tte dem Regiment allein aufgrund dieser Spur folgen k�nnen. Bei den anderen Einheiten sah es vermutlich nicht anders aus. Nicht da� ich vorgehabt h�tte, seinen Weg zur�ckzuverfolgen.</p><p>Ein Soldat schrie schmerzerf�llt auf; er war gerade gestochen worden. Aber im Augenblick summten weniger Fliegen durch die Luft.</p><p>Vielleicht waren die M�nner, die so elend hier auf den Sandb�nken hockten, der Meinung, da� die Fliegenplage endg�ltig vorbei war.</p><p>Ich hatte jedoch schon vom Schilf aus gesehen, da� sich aus dem Westen neue Wolken n�herten, die noch dichter und dunkler waren. Die erste Welle ist nie die schrecklichste. Das ist immer die mittlere. Die letzten sind dann kleiner. Manchmal verlassen die Sumpfbauern sogar schon w�hrend der letzten Wellen, die wie weit verstreute Wolken �ber ihren K�pfen hinwegsummen, ihre H�tten.</p><p>Nach dem ersten Blick auf diese neue Dunkelheit, die wie ein schwarzer, aufgehender Mond am Horizont �ber den Schilffeldern erschienen war, hatte ich das vorbereitete Atemrohr genommen und war zu dem Regiment zur�ckgekehrt. Dem ersten Eindruck nach zu urteilen war sich keiner auf der Sandbank der herannahenden neuen Fliegenschw�rme bewu�t.</p><p>Das konnte mir nur von Nutzen sein.</p><p>Sollte der neue Sturm sie wie ein Blitz treffen.</p><p>�H�rt mal!� rief da ein Soldat entsetzt.</p><p>Mit Zufriedenheit beobachtete ich, wie die M�nner aus Ar verzweifelt nach Schutz suchten; sie gruben sich in den Sand ein, zogen Wolldecken �ber sich, bedeckten sich mit Schilfb�scheln, wickelten sich Kleidungsst�cke um Kopf und Augen, begruben den Kopf in den Armen, taten, was sie nur konnten, um sich f�r die unmittelbar bevorstehende Ankunft ihrer zahllosen kleinen Besucher vorzubereiten, der zeitweiligen Herren des Vosk-Deltas.</p><p>In diesem Augenblick h�tte sich ein Larl unbemerkt zwischen den Soldaten bewegen k�nnen.</p><p>Ein Mann schrie auf, gestochen von einer Fliege, die kaum mehr als ein Bote der herannahenden Wolke sein konnte. Es ist wie ein Regengu�, dachte ich, zuerst nur ein paar Tropfen, dann sind es schon mehr, dann kommen Sturzb�che herunter, vielleicht sogar eine lange Zeit, bis der Spuk dann schlie�lich nachl��t, die letzten Tropfen fallen und � wenn man vielleicht schon alle Hoffnung aufgegeben hat � es sich wieder aufhellt. Hier f�llt der Regen allerdings horizontal, und er ist trocken und schwarz, und einige der �Tropfen� bleiben und krabbeln umher.</p><p>Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann war die Luft voller Bewegung. Diese Bewegungen waren flink und unvorhersehbar, beinahe verschwammen sie ineinander. Und doch bildeten sie keine erkennbare Masse. Es war, als w�rden diese kleinen, w�tenden fliegenden Lebewesen durchsichtige Tunnel durchrasen, die sie voneinander trennten.</p><p>Soldaten schrien gepeinigt auf. Manche warfen sich b�uchlings zu Boden und bedeckten den Kopf mit den H�nden.</p><p>Ich tauchte kurz unter, um Fliegen von meinem Gesicht zu waschen. Die meisten der Fliegen, die sich auf einem niederlie�en, stachen nat�rlich nicht. W�re das der Fall gewesen, w�ren wir bei dem kumulativen Effekt solcher Gifte in wenigen Ehn alle tot gewesen.</p><p>Pl�tzlich war die Luft erf�llt von schnellen, hin und her flitzenden K�rpern, die auf einen niederprasselten und dabei sogar gegeneinander prallten. Ich erhob mich aus dem Sumpf und rannte zusammengeduckt los. In weniger als einer Ehn befand ich mich hinter dem Soldaten, der mit Rence bedeckt reglos auf der Sandbank lag. Ich kniete mich auf seinen K�rper, und noch bevor er �berhaupt begriff, was da geschah, dr�ckte ich ihm mit meinen aneinandergeketteten H�nden den Kopf in den Sand. Jetzt konnte er nicht mehr atmen. Aber er konnte h�ren. F�r einen kurzen Augenblick b�umte er sich auf, lag dann aber still. Ich glaube, mein Gewicht und mein Griff machten ihm sofort die Hoffnungslosigkeit seiner Lage begreiflich. Er konnte nicht atmen, wenn ich es ihm nicht erlaubte. Er wu�te, da� er in meiner Gewalt war.</p><p>�Kein Laut�, fl�sterte ich. �Oder ich breche dir das Genick.� Es gibt verschiedene Techniken, wie man das bewerkstelligen kann, es kommt auf die K�rperkraft an. Da w�re zum Beispiel ein kr�ftiger Fausthieb oder ein Fu�tritt direkt unterhalb der Sch�delbasis, oder ein Schlag mit der Handkante oder der Au�enseite des Fu�es, der den Kopf zur Seite zwingt, was besonders wirksam ist, wenn sich der K�rper in einer Position befindet, in der er sich nicht mit dem Schlag bewegen kann.</p><p>Ich hob seinen Kopf ein St�ck, nicht so weit, da� sein Mund nicht mehr den Sand ber�hrte, aber immerhin so weit, da� er etwas Luft durch die Nase bekam, vielleicht auch noch durch den Mundwinkel. Sein Gesicht war mit Sand bedeckt; vermutlich hatte er auch Sand in den Augen. Ich stie� seinen Kopf wieder nach unten.</p><p>�Du wirst zehn Ihn in dieser Position verharren�, lie� ich ihn wissen. �Hast du verstanden?� Der Kopf bewegte sich unmerklich. Dann nahm ich die H�nde von ihm und zog ihm den Dolch aus dem G�rtel. Mit dem Dolch schnitt ich den Schwertgurt los und entwaffnete ihn. �Du darfst den Kopf heben�, fl�sterte ich. �Ein kleines St�ck.�</p><p>Er gehorchte und f�hlte seinen Dolch an der Kehle.</p><p>�Du!� fl�sterte er halb erstickt. Er hatte die Kettenglieder der Handschellen im Nacken gef�hlt.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich ihn.</p><p>�Titus.�</p><p>�Also gut, Titus. Wo ist der Schl�ssel f�r die Handschellen?� Ich ging davon aus, da� er sich in seiner G�rteltasche befand, hatte aber keine Lust, sie zu durchst�bern, falls er doch an anderer Stelle untergebracht war. Es konnte durchaus sein, da� er sich im Marschgep�ck des Soldaten befand. Der Schl�ssel war mit einer Schnur versehen, an der sich ein kleines Holzst�ck befand. So konnte man ihn um den Hals tragen oder ihn sich ums Handgelenk binden. Das Holz diente zur Sicherheit, f�r den Fall, da� der Schl�ssel in den Sumpf fiel. Auf diese Weise war er nicht sofort verloren.</p><p>�Ich habe ihn nicht.�</p><p>�Keine L�gen�, sagte ich grob. Um ein Haar h�tte ich ihm das Messer in den Hals gerammt. Ich hatte es nicht bis hierher geschafft, um jetzt entt�uscht zu werden.</p><p>�Ich habe ihn nicht!� stie� Titus hervor.</p><p>Einen kurzen Augenblick lang wurde ich mir der Fliegenschw�rme bewu�t. Ich mu�te mit Fliegen bedeckt sein. Ich war bestimmt gestochen worden, aber meine Gef�hle und meine Konzentration waren so stark, da� ich es nicht bemerkt hatte.</p><p>�Wer hat ihn dann? Wo ist er?�</p><p>�T�te mich nicht!�</p><p>�Wo ist der Schl�ssel?�</p><p>�Plenius wei� das.�</p><p>�Dann werden wir ihm einen Besuch abstatten�, sagte ich. �Erhebe dich langsam auf die Knie.� Mit einer schnellen Bewegung schlang ich ihm die Kette um den Hals, damit er da blieb, wo ich wollte, und hielt ihm auch wieder die Klinge an den Hals. �Und jetzt schiebst du H�nde und Unterarme unter den G�rtel deiner Tunika. Sehr gut.�</p><p>Nachdem er sich auf die Knie erhoben hatte, warf er einen Blick auf das Schwert, das in seiner Scheide dort am Boden lag, wo es hingefallen war, nachdem ich den G�rtel durchtrennt hatte.</p><p>�Und jetzt suchen wir deinen Freund Plenius.�</p><p>Wenige Augenblicke sp�ter waren wir bei einer Gestalt angelangt � er auf den Knien, ich hinter ihm �, die zusammengekr�mmt unter einer Decke lag.</p><p>�Ruf ihn, aber leise.�</p><p>�Plenius, he, Plenius!�</p><p>W�tend zog Plenius die Decke ein St�ck zur�ck. Dann warf er sie trotz der Fliegen ganz beiseite. Seine Hand flog zum Schwertgriff, aber mein Gesichtsausdruck und die Bewegung des Messers am Hals meines Gefangenen lie�en ihn innehalten. Plenius� Gesicht war eine einzige Schwellung. Ein Auge war v�llig zu.</p><p>�Den Schl�ssel f�r die Handschellen�, sagte ich.</p><p>Er stand auf, trat die Decke beiseite.</p><p>�berall waren Fliegen. Zeitweise konnte ich ihn nicht mal mehr deutlich sehen.</p><p>�Der Schl�ssel.�</p><p>Das Summen der Insekten war ohrenbet�ubend.</p><p>Ich beobachtete, wie seine Hand unwillk�rlich nach seiner Tunika griff. Er hatte ihn also unter der Tunika, vermutlich am Hals. In seinem ge�ffneten Auge schimmerte ein eigent�mlicher Glanz.</p><p>�Ich dachte mir, da� du zur�ckkommst�, sagte er.</p><p>�Sprich leise�, erwiderte ich und dr�ckte fester mit dem Messer zu.</p><p>Er zog den Schl�ssel an seinem Band unter der Tunika hervor. �Aus diesem Grund habe ich auch den Schl�ssel behalten, damit du zu mir kommen mu�test, um ihn zu holen.�</p><p>�Titus hatte ihn davor, richtig?�</p><p>�Ja.�</p><p>Das freute mich, denn es bewies, da� ich mich nicht geirrt hatte.</p><p>�Wenn du ihn haben willst, mu�t du ihn mir abnehmen�, sagte Plenius.</p><p>�Ich h�tte wissen m�ssen, da� du ihn wieder an dich nimmst�, meinte ich, �da� du dir diese Verantwortung aufl�dst, das Risiko eingehst, da� ich deswegen zur�ckkehren k�nnte.�</p><p>�Ich wollte, da� du deswegen zur�ckkommst�, sagte er.</p><p>�Dann hat sich dein Wunsch ja erf�llt.�</p><p>Plenius grinste. �Du erwartest doch sicher nicht, da� ich ihn dir freiwillig gebe, oder?�</p><p>�O ja, genau das erwarte ich.� Ich hielt das Messer dichter an den Hals meines Gefangenen. Titus r�ckte n�her zu mir, damit er sich nicht selbst den Hals aufschnitt.</p><p>�Gib ihm den Schl�ssel�, fl�sterte er. �Gib ihm ihn!�</p><p>�Niemals!�</p><p>�Ich finde, es ist ein guter Handel�, meinte ich. �Ein St�ck Eisen, an einem Band, im Austausch f�r deinen Freund.�</p><p>�Niemals!� wiederholte Plenius.</p><p>Ich zuckte mit den Schultern. �Wie du willst!�</p><p>�Nein!� Mein ehemaliger W�rter streckte die H�nde aus. �Ich gebe dir den Schl�ssel!�</p><p>�Leg ihn zwischen uns auf den Sand.�</p><p>�La� Titus los.�</p><p>�Erst den Schl�ssel.�</p><p>�Vielleicht t�test du ihn ja, sobald du den Schl�ssel hast.�</p><p>�Vielleicht greifst du mich ja an, sobald er frei ist�, hielt ich dagegen.</p><p>�Ich brauche blo� zu rufen, und ein Dutzend Krieger kommen angelaufen.�</p><p>�Aber Titus wird nicht unter ihnen sein�, erwiderte ich.</p><p>�Plenius, gib ihm den Schl�ssel�, fl�sterte Titus mit weit zur�ckgelegtem Kopf.</p><p>�Zuerst l��t du ihn frei�, beharrte Plenius.</p><p>�Also gut.� Ich nahm die aneinandergeketteten H�nde von Titus� Hals, und er bewegte sich halb laufend und halb kriechend von mir fort, und zwar so schnell, da� der Sand aufspritzte. Erst nach einem halben Dutzend Schritten blieb er stehen und zog die Arme aus dem G�rtel. �Gib ihm den Schl�ssel, Plenius.�</p><p>Mein W�rter grinste. Er wischte sich Fliegen vom Gesicht, dann zog er den Schl�ssel an seinem Band �ber den Kopf. �Fang!� rief er pl�tzlich und warf ihn weit an mir vorbei. Ein schneller Blick �ber die Schulter lie� mich sehen, wie er ins Wasser fiel, w�hrend gleichzeitig Stahl aus einer goreanischen Schwertscheide glitt.</p><p>�Plenius, nein!� rief jemand.</p><p>Ich fuhr herum, ri� die H�nde in die H�he und fing die herabsausende Klinge mit der Kette auf. Funken stoben durch die Luft. Dann wurde die Klinge zur�ckgezogen, noch bevor ich Gelegenheit gehabt hatte, die Kette darumzuwinden oder sie zu packen. Ich h�tte mit dem Messer zustechen k�nnen, aber Plenius befand sich au�erhalb meiner Reichweite.</p><p>�Was ist mit deiner Ehre!� rief ich w�tend.</p><p>�Einem Spion schuldet man keine Ehre�, erwiderte er. �Genausowenig wie einem Sleen aus Cos. Zu den Waffen, M�nner!�</p><p>Soldaten sprangen auf. Zweifellos hatten sie Titus� Schrei und das Klirren des zuschlagenden Schwertes geh�rt. Ich wich in Richtung Wasser zur�ck. Soldaten eilten umher, aber die Fliegenschw�rme behinderten sie. Plenius wischte sich mit dem Unterarm Fliegen vom Gesicht, mit dem Arm, mit dem er das Schwert hielt. Selbst auf der Klinge sa�en Fliegen. Plenius kam auf mich zu. Ich sah, wie Titus ihn zur�ckhalten wollte, aber da er gr��er und st�rker war, stie� er ihn einfach beiseite. �Der Spion ist unter uns!� rief er. �T�tet ihn!�</p><p>Ich hatte das Wasser erreicht. Plenius watete hinter mir her. Zweimal wehrte ich die Klinge mit dem Messer ab. Pl�tzlich wandte sich Plenius ab und watete in den Sumpf hinein. Er wollte den Schl�ssel holen. Ich folgte ihm. Er drehte sich um und hielt mich mit dem Schwert in Schach. Ich erblickte das Holzst�ck zwischen Hunderten von Insekten, die auf der Wasseroberfl�che trieben. Ich wollte Plenius umgehen, auf seine linke Seite zu kommen, die Seite, an der er durch das zugeschwollene Auge behindert wurde. In meinem Herzen ha�te ich ihn. Aber es gelang mir nicht, ihn zu �berrumpeln. Er lie� das Schwert durch die Luft sausen. Ich rutschte aus, fiel auf ein Knie. Soldaten n�herten sich uns, wie das aufspritzende Wasser verriet. Plenius wandte sich wieder mir zu.</p><p>�Komm zur�ck�, h�rte ich Titus� Stimme. �La� ihn gehen. Der Schl�ssel steht ihm zu.�</p><p>�T�tet den Spion!�</p><p>Vor lauter umherschwirrender Fliegen konnte ich kaum etwas sehen. Ich wischte sie mir w�tend aus den Augen, suchte wieder nach dem Holzst�ck.</p><p>Pl�tzlich schrie Plenius laut auf und hieb mit dem Schwert auf die Wasseroberfl�che ein. Mit der linken Hand hielt er sich das Gesicht. Ich vermutete, er war in der N�he seines gesunden Auges gestochen worden. M�glicherweise konnte er nun gar nichts mehr sehen. Die Schwertschl�ge hatten das Wasser aufgew�hlt und das Holzst�ck weitertreiben lassen. Vermutlich hatte Plenius die Schnur zerschneiden wollen. Es war nat�rlich auch m�glich, da� er mich lediglich von dem Schl�ssel hatte fernhalten wollen.</p><p>�Vorsicht!� rief da einer der n�herkommenden Soldaten und streckte deutend den Arm aus.</p><p>�Ein Hai!�</p><p>Neben mir, so nahe, da� ich sie h�tte ber�hren k�nnen, schnitt eine R�ckenflosse durch das Wasser.</p><p>Die D�mmerung war hereingebrochen.</p><p>Einige der Soldaten beeilten sich, aus dem Wasser zu kommen.</p><p>Das Holzst�ck und die daran befestigte Schnur lagen pl�tzlich auf dem R�cken des Hais, dann rutschten sie auf der anderen Seite wieder herunter. Ich griff nach der Schnur. Ein Schwerthieb hatte das Holz getroffen, es aber nicht in zwei H�lften teilen k�nnen. Der Schl�ssel baumelte noch immer an der Schnur. Ich stie� den Hai mit einem Fu�tritt in eine andere Richtung und h�ngte mir den Schl�ssel um.</p><p>�Da kommt noch einer!�</p><p>Ein von der Sandbank geschleuderter Speer tauchte ins Wasser ein.</p><p>Ich warf mich ins Wasser und schwamm auf das Schilf zu. Dabei ber�hrte ich einen Hai. Ein solches Gesch�pf ist unverwechselbar. Seine Haut ist sehr rauh, was f�r ein im Wasser lebendes Wesen �berraschend ist. Sie f�hlt sich an wie Schmirgelpapier. Sie kann einem schlimme Sch�rfungen zuf�gen. Die Rencebauern benutzen sie dazu, um Holz zu gl�tten. Ich stie� den Hai beiseite. Er schwamm weiter; der Schlag des sichelf�rmigen Schwanzes w�hlte das Wasser auf. Der Mensch ist nicht die nat�rliche Beute des Hais. Aus diesem Grund wird er auch zuerst in Augenschein genommen, der Hai st��t ihn an und reibt sich an ihm, bevor er genug Mut oder Selbstvertrauen zum Angriff hat. Sobald er allerdings einmal Menschenfleisch gekostet hat, wird er viel aggressiver als �blich. Blut im Wasser steigert diese Aggression noch zus�tzlich. Genau wie unregelm��ige Bewegungen im Wasser, die ihn vermutlich an einen verletzten Fisch erinnern. Sicher hatten Plenius� Schwertschl�ge aufs Wasser den Hai angelockt. Wobei ich davon �berzeugt bin, da� der Krieger sich nicht bewu�t gewesen war, welche Folgen diese Handlung haben w�rde.</p><p>Aus der Deckung des Rence blickte ich zur Sandbank. Die M�nner hatten sich wieder aufs Trockene zur�ckgezogen. Sie lie�en die Blicke �ber den Sumpf schweifen, direkt in meine Richtung, allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, da� sie mich in dem schwindenden Licht und durch die Fliegenschw�rme hindurch sehen konnten.</p><p>�Verfolgt ihn! Ich kann nichts mehr sehen!� Das konnte nur Plenius sein. Falls ihn die Fliegen nicht direkt ins Auge gestochen hatten, w�rde er sich wieder erholen. Aber er w�rde zweifellos ein paar sehr unangenehme Tage vor sich haben, soviel war sicher. �Verfolgt ihn!� Aber anscheinend versp�rte keiner gro�e Lust, mir ins Wasser zu folgen.</p><p>�Die Haie werden ihn erwischen.�</p><p>�Holt die Boote!� schrie Plenius.</p><p>Niemand r�hrte sich.</p><p>�Die Fliegen!� br�llte jemand schmerzerf�llt. �Geht in Deckung!�</p><p>Zuletzt stand Plenius ganz allein am Wasserrand; <emphasis>er</emphasis> hatte <emphasis>das</emphasis> Schwert in die Scheide zur�ckgeschoben und hob die F�uste, um dem Sumpf zu drohen.</p><p>Ich wog das Risiko ab, jetzt zur�ckzukehren und ihn zu t�ten, solange er dort allein stand. Es schien nicht besonders gro� zu sein. Aber dann trat ein Mann auf ihn zu, vermutlich Titus, und nahm ihn beim Arm. Er lie� sich widerstrebend zu den anderen f�hren.</p><p>Im Licht der Monde, das immer wieder von den am Himmel vorbeischwebenden lebenden Wolken verdunkelt wurde, schlo� ich die verrosteten Handschellen auf und schleuderte sie zusammen mit dem Schl�ssel weit in den Sumpf hinaus.</p><p>Ich versuchte, meinen Ha� auf die Soldaten zu beherrschen.</p><p>Was h�tte ich davon, wenn ich die Sandbank betreten, mir ein Schwert greifen und wahllos t�ten w�rde?</p><p>Davon abgesehen gab es unter ihnen nur einen, dessen Blut ich wirklich wollte.</p><p>Nein, sagte ich mir. �berla� sie dem Sumpf.</p><p>Ich verlie� das Rence und schwamm langsam und bed�chtig um die Sandinsel herum. Auf der gegen �berliegenden Seite kroch ich an Land und bediente mich bei den B�ndeln von Ausr�stungsgegenst�nden. Ich lud alles in eines der heruntergekommenen Renceboote, dessen Boden bereits halb verfault war, l�ste das Tau, mit dem es festgebunden war, und paddelte zu der Stelle im Rence zur�ck, wo ich das Flo� versteckt hatte; dabei hockte ich bis zu den Knien im Wasser.</p><p>Wenige Ehn sp�ter lag ich, gest�rkt von Fleisch und Fladenbrot, in eine Tunika aus Ar gekleidet und mit Dolch und Schwert bewaffnet auf dem Flo�. Trotz der Hitze hatte ich eine der gestohlenen Decken �ber mich gezogen. Das verschaffte mir einen gewissen Schutz vor den Fliegen. Davon abgesehen w�rde sie n�tzlich sein, wenn der Sch�ttelfrost einsetzte, eine vorhersehbare Auswirkung des Giftes der Stechfliegen.</p><p>Eine Ahn sp�ter schwitzte ich unter der Decke und mir war �bel. Erst da wurde mir richtig bewu�t, wieviel Stiche ich davongetragen haben mu�te. Sicher, von den Hunderten von Fliegen, die sich auf mir niedergelassen hatten, hatten mich vermutlich nicht mehr als zwanzig oder drei�ig gestochen. Ich hatte gro�e Schmerzen, und mir war schlecht, aber trotzdem war ich in bester Stimmung. Tats�chlich versp�rte ich ein Hochgef�hl.</p><p>Die Reise aus dem Delta hinaus, w�rde gef�hrlich sein, aber ich konnte mir nicht vorstellen, da� sie �berm��ig schwierig sein w�rde, nicht f�r einen Mann, der allein reiste, einen Mann, dem das Handwerk des Sumpfl�ufers vertraut war. Auch wenn ich mich vor den Rencebauern in acht nehmen mu�te, f�rchtete ich sie nicht sonderlich. Ihre tats�chliche Zahl ist nicht allzu gro�, und davon abgesehen w�rden sie in der N�he des Heeres bleiben, oder dessen, was davon noch �brig war. Die Wahrscheinlichkeit, bei den Tausenden von Quadratpasang, die das Vosk-Delta ma�, auf sie zu sto�en, war eher gering, vor allem wenn man sich bem�hte, ihnen aus dem Weg zu gehen. Au�erdem mu� man wissen, da� die meisten Bauernd�rfer Warnzeichen aufstellen. Vor langer Zeit hatte ich einmal ein solches Zeichen mi�achtet. Ich hatte nicht die Absicht, diesen Fehler zu wiederholen.</p><p>Da waren die Tarnsp�her und cosischen Patrouillen schon gef�hrlicher.</p><p>Einige Zeit sp�ter, w�hrend ich am ganzen K�rper schwitzte und zugleich zitterte, zog ich die Decke zur�ck, um mir die Monde anzusehen. Sie schwebten nun klar am Himmel. Die zweite Fliegenwelle war vorbei. Ich hatte es nicht eilig, die relative Sicherheit des Schilfs zu verlassen. Ich hatte Vorr�te und konnte, falls das mein Wunsch war, auch von dem leben, was der Sumpf bot. Wenn ich gewollt h�tte, h�tte ich sogar f�r unbegrenzte Zeit im Sumpf leben k�nnen.</p><p>Ich beschlo�, mindestens zwei oder drei Tage hierzubleiben. Ich konnte eine Pause gebrauchen. Das Schleppen des Flo�es, die Schl�ge und die allgemeine Behandlung hatten mir schwer zugesetzt. Au�erdem d�rfte die Fliegenplage dann vorbei sei. Bis dahin w�rde es mir auch wieder bessergehen, die Schmerzen w�rden verschwunden sein, genau wie die Schwellungen. Eine der gr��ten Gefahren auf feindlichem Territorium ist die Ungeduld. Man mu� dort sehr geduldig sein. Mehr als nur ein Mann ist nur wenige Meter vor der Freiheit wieder in Gefangenschaft geraten, weil er unvorsichtig, hastig und un�berlegt handelte. Ein Krieger mu� begreifen, da� die letzten paar hundert Meter, das letzte, einladende Pasang, den gef�hrlichsten Schritt einer gef�hrlichen Reise darstellen k�nnen.</p><p>Ich schaute zu den Monden hoch.</p><p>Zum erstenmal seit Wochen konnte ich mich strecken und bewegen, wie ich wollte. Zum erstenmal seit Wochen war ich nicht mit gefesselten H�nden an zwei Pfl�cken angebunden.</p><p>Ich hatte gegessen. Ich trug Kleidung. Ich war bewaffnet.</p><p>Die Monde waren wundersch�n.</p><p>In ein paar Tagen w�rde ich nach Norden aufbrechen. Ich hatte Freunde in Port Cos. Oder ich w�rde mich direkt nach Port Kar begeben.</p><p>Pl�tzlich mu�te ich mich in den Sumpf �bergeben.</p><p>Ich zitterte am ganzen K�rper, h�tte am liebsten die Schmerzen hinausgebr�llt, aber ich schwieg. Ich h�tte mich am liebsten am ganzen K�rper gekratzt, aber ich blieb reglos liegen.</p><p>Ich war zufrieden.</p><p>Die Monde waren wundersch�n anzusehen.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Noch niemals zuvor war ich einem von ihnen so nahe gewesen. Ich hatte gar nicht gewu�t, da� sie so gro� wurden.</p><p>Seit f�nf Tagen war ich die Handschellen los. Seit drei Tagen reiste ich nach Norden.</p><p>Pl�tzlich �ffnete die Bestie die Schwingen. Ihre Spanne mu� fast neun irdische Meter betragen haben.</p><p>Ich hatte das Flo� ein paar Meter hinter mir auf einer Sandbank zur�ckgelassen. Das Renceboot, das ich den Soldaten von Ar abgenommen hatte, war verfault und tr�gerisch. Es war versunken, noch bevor ich das Rencefeld, in dem ich Zuflucht gesucht hatte, verlie�. Das Paddel hatte ich behalten, aber das Flo� war so schwer, da� es nur von geringem Nutzen war. Allerdings hatte ich eine weggeworfene Bootsstange gefunden, die sich als ausgesprochen n�tzlich erwies. Man hatte sie mit Goldlack verziert, der aber an den meisten Stellen abgebl�ttert war. Davon abgesehen tat sie ihre Dienste.</p><p>Ich hatte die Bestie �ber dem Rence schweben sehen, kurz bevor sie zur Landung ansetzte und abtauchte. Neugierig geworden, hatte ich das Flo� auf die Stelle zugesteuert.</p><p>In diesem Augenblick hatte ich den Schrei der Frau geh�rt; er war langgezogen, voller Angst und mitleiderregend gewesen.</p><p>Ich war nicht darauf zugeeilt, da mir Vorsicht angebracht erschienen war. Nicht da� ich die Echtheit der Angst der Frau in Zweifel gezogen h�tte. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� ein K�derm�dchen so �berzeugend Angst h�tte vort�uschen k�nnen. Aber ein solcher Schrei w�rde einem M�dchen nicht schwerfallen, das von jagenden Rencebauern wie ein Verr an einen Pfahl gefesselt wurde, um gef�hrliche Beutetiere wie beispielsweise Tharlarions anzulocken. Nat�rlich benutzen sie dazu nicht ihre eigenen Frauen, sondern f�r gew�hnlich Sklavinnen.</p><p>Wenn ich es mir recht �berlegte, hatte nicht nur reines Entsetzen in dem Schrei gelegen, sondern auch eine besondere Art flehender Hilflosigkeit. Er hatte in mir das Gef�hl hervorgerufen, da� die Frau nicht die Aufmerksamkeit von J�gern erwecken, sie verzweifelt auf die Anwesenheit ihrer Beute aufmerksam machen wollte, sondern da� sich �berhaupt keine J�ger in der N�he befanden. Er erweckte den Eindruck, da� sie allein war.</p><p>Ich hatte mich umgesehen. Nichts deutete darauf hin, da� sich hier Menschen aufgehalten hatten, zumindest nicht innerhalb der letzten paar Ahn. Der Sumpfk�fer krabbelt nachts �ber den Sand, und seine winzigen Spuren sind unverkennbar. Mehrere Fu�abdr�cke wurden von den Pfaden der Sumpfk�fer gekreuzt. Also waren sie vor der letzten Nacht entstanden. Das Br�ckeln ihrer R�nder war ein weiteres Zeichen gewesen, da� mehrere Ahn verstrichen waren, da� sie m�glicherweise schon am gestrigen Morgen entstanden waren, wenn nicht sogar am Tag davor.</p><p>Wieder war der kl�gliche Schrei ert�nt. Beim N�herkommen hatte ich dann den kleinen Kopf der Kreatur � klein im Vergleich zum Rest des K�rpers � erblickt, der in langen, schmalen, mit Rei�z�hnen best�ckten Kiefern endete. Aus dem Hinterkopf ragte ein langer Fortsatz aus Knochen und Haut, der das Gewicht der Schnauze ausbalancierte und � zog man die allgemeine Scherf�lligkeit des K�rpers in Betracht � f�r zus�tzliche Stabilit�t vor allem beim Gleitflug sorgte.</p><p>Ich war aus dem Rence gesprungen.</p><p>Und der Ul, ein gefl�geltes Tharlarion, hatte sich umgedreht und pl�tzlich die Schwingen mit dieser gewaltigen Spanne gespreizt. Dann hatte er sie wieder an den K�rper gefaltet.</p><p>Ich war ziemlich beeindruckt. Noch niemals war ich einem Ul so nahe gewesen.</p><p>Es stie� einen zischenden, grunzenden Laut aus. Sein langer, schlangen�hnlicher Schwanz endete in einem flachen, spatenf�rmigen Knochenblatt. Der Schwanz schlug zu, und das spatenf�rmige Ende lie� Sand in die H�he spritzen.</p><p>Ein stabiler, etwa f�nfzehn Zentimeter durchmessender und ungef�hr zwei Meter hoher Pfahl war in den Sand eingegraben worden. Am unteren Ende, etwa einen halben Meter �ber dem Boden, hatte man einen abgerundeten, einen Meter langen Balken horizontal durch eine in den Pfahl geschlagene �ffnung geschoben. Anderthalb irdische Meter h�her gab es einen weiteren, auf die gleiche Weise durchgeschobenen und befestigten Balken, der allerdings etwas l�nger als der untere war; ihr Durchmesser betrug etwa sechs Zentimeter. W�ren sie f�r einen Mann bestimmt gewesen, w�ren sie dicker ausgefallen, au�erdem w�re der Pfahl l�nger gewesen.</p><p>In diesem Fall reichten die Kreuzbalken allerdings aus.</p><p>Sie war blond.</p><p>Ihre F��e waren an die unteren Kreuzbalken gefesselt. Ihre Arme hatte man �ber den oberen Balken gelegt und mit Lederriemen festgebunden, die H�nde waren vor den K�rper gefesselt.</p><p>Sie warf wild den Kopf zur�ck � ihr Haar fiel in H�he des Nackens �ber das Pfahlende � und stie� einen Schrei aus.</p><p>Das erregte die Aufmerksamkeit des Uls. Es war wenige Meter vor dem Pfahl gelandet. Sie hatte mich noch nicht gesehen. Sie k�mpfte mit aller Kraft gegen die Fesseln an.</p><p>Wir waren nicht allein auf der Sandbank. Nur wenige Meter entfernt hockte ein langhalsiges Tharlarion. Aber noch viel gef�hrlicher waren die beiden kurzbeinigen Tharlarion, die in der N�he des Pfahls �ber den Sand schlichen.</p><p>Das M�dchen zerrte wieder an den Stricken, ohne jeden Erfolg.</p><p>Ja, dachte ich, sie ist h�bsch.</p><p>Man hatte sie den Tharlarion �berlassen. Der Ha� der Rencebauern mu�te so gro� gewesen sein, da� sie sie trotz ihres angenehmen �u�eren weder verkauft noch selbst als Sklavin behalten hatten.</p><p>Ich fragte mich, ob sie damit nicht sogar richtig gehandelt hatten.</p><p>Nat�rlich war das, was man ihr angetan hatte, schlichtweg ein Unding. Immerhin war sie eine freie Frau. W�re sie eine Sklavin gewesen, h�tte ihr Herr schon aus einer Laune heraus so mit ihr verfahren d�rfen. Einmal davon abgesehen, da� sich mit einer Sklavin Erfreulicheres anstellen lie�.</p><p>Sie schrie wieder auf und wand sich an dem Pfahl.</p><p>Ja, dachte ich, viel Erfreulicheres.</p><p>Ich malte mir aus, wie sie wohl mit einem Sklavenkragen aussah. Aber dann rief ich mir ins Ged�chtnis, da� sie noch immer eine freie Frau war, was sie auf eine gewisse Art und Weise zu etwas Besonderem machte. Auf eine l�stige Art und Weise.</p><p>Das Ul mit der langen Schnauze wandte sich dem Tharlarion mit dem langen Hals zu und fauchte drohend. Die Echse schob sich langsam auf ihren paddelf�rmigen Pfoten zur�ck in den Sumpf. Dann drehte sie sich um und zog sich halb untergetaucht zur�ck.</p><p>�Verschwinde! Verschwinde!� br�llte das M�dchen das Ul an.</p><p>Solche Ausbr�che sind nat�rlich verst�ndlich. Andererseits erscheinen sie � falls sie nicht bewu�t erfolgen in der Absicht, L�rm zu schlagen � nach geb�hrlicher �berlegung als ziemlich befremdlich. So ist zum Beispiel eher unwahrscheinlich, da� ein solches Tier Goreanisch versteht. Davon abgesehen, begriff sie denn nicht, da� man sie den Tharlarion zum Fra� vorgeworfen hatte, und, nach der aufrechten Position an dem Pfahl zu schlie�en, auch den Uls? War ihr denn nicht klar, da� sie, wenn die Tiere sie nicht anfielen, sie in k�rzester Zeit verhungern und verdursten w�rde? Sollte sie den Rachen des Uls nicht lieber willkommen hei�en?</p><p>�Verschwinde!�</p><p>Offensichtlich nicht.</p><p>Vermutlich mu� man einer Frau in dieser Situation ein gewisses Ma� an Hysterie oder Unvernunft zugestehen. In einer vergleichbaren gef�hrlichen Lage h�tte ich vielleicht �hnlich gehandelt. An meiner Stelle war es leicht, Kritik zu �ben.</p><p>Das Ul stolzierte zwei, drei Meter n�her heran. Sein Kopf befand sich etwa dreieinhalb Meter �ber dem Boden. Es war nur noch ein kleines St�ck von der Frau entfernt.</p><p>�Geh weg!� schluchzte sie. �Verschwinde!�</p><p>Erneut spreizte das Ul die Schwingen. Sie bestehen aus Haut und erstrecken sich von den klauenbewehrten Hinterbeinen, mit denen sie verwachsen sind, bis zu den au�erordentlich langen vierten Fingern der Klauenh�nde. Es fauchte die beiden Tharlarion in der N�he des Pfahls an. Eine der Echsen wich zur�ck. Die andere behauptete ihre Stellung, �ffnete den Rachen und fauchte zur�ck.</p><p>Daraufhin spreizte das Ul wieder und wieder die Schwingen. Ich hatte nicht mit den Windst��en gerechnet, die dadurch erzeugt wurden, und wurde r�cklings in das Schilf gesto�en. Nachdem ich wieder auf den Beinen stand, k�mpfte ich mich schrittweise vorw�rts, wie durch einen Sandsturm in der Tahari. Dabei hielt ich mir den Arm vors Gesicht. Das kurzbeinige Tharlarion gab einen seltsamen Laut von sich, dann sah ich durch zusammengekniffene Augen, wie es in die H�he gehoben und gesch�ttelt wurde. Etwas in seinem R�cken gab krachend nach. Das Ul erhob sich mit seinen m�chtigen Schwingen in die Luft, wobei es durchaus mit dem Gewicht des Tharlarion zu k�mpfen hatte, und lie� es dann aus einer H�he von vielleicht drei�ig Metern in den Sumpf fallen. Wegen der riesigen Rencehalme konnte ich nicht sehen, wie es ins Wasser fiel; ich sah nur hundert Meter von uns entfernt das Aufspritzen.</p><p>Dann sauste ein gewaltiger Schatten �ber das Sumpfwasser, einen Augenblick sp�ter gruben sich krallenbewehrte Klauen in den Sand, und zwar genau dort, wo sich die Echsen eben noch befunden hatten. Die ganze Sache hatte nur wenige Ihn gedauert.</p><p>Ich hatte gar nicht gewu�t, da� Ul �ber derartige Kr�fte verf�gten oder da� sie solche Lasten heben konnten. Im Vergleich dazu w�rden sie das Gewicht eines Mannes oder einer Frau �berhaupt nicht sp�ren. Es wunderte mich nicht, da� viele das r�uberische Ul als den K�nig des Deltas betrachteten.</p><p>Die Bestie n�herte sich wieder der jungen Frau.</p><p>Sie warf den Kopf zur�ck, schrie und k�mpfte vergeblich gegen die Fesseln an. Man hatte sie den Tharlarions �berlassen wollen. Warum sollte ich mich also einmischen?</p><p>Sie fing an zu schluchzen.</p><p>Das Ul hockte nun vor ihr.</p><p>Sie k�mpfte. Ja, sie war h�bsch. Ungl�cklicherweise war sie eine freie Frau. Aber eine solche Unsinnigkeit, ein solcher Fehler des Gesetzes und der Gesellschaft war nicht unab�nderlich.</p><p>Das Ul klappte den Rachen auf.</p><p>Ich bezweifelte keinen Augenblick lang, da� es das M�dchen von dem Pfahl pfl�cken, oder, wegen der Lederriemen, das M�dchen mitsamt dem Pfahl aus dem Sand ziehen konnte.</p><p>Ich fragte mich erneut, aus welchem Grund ich mich hier einmischen sollte.</p><p>Sie warf verzweifelt schluchzend den Kopf zur Seite.</p><p>Das Ul schob den biegsamen Hals nach vorn, um sie von dem Pfahl zu befreien.</p><p>�Ho!� br�llte ich. �Ho!�</p><p>Die Flugechse drehte den Kopf, blickte in meine Richtung. Die Frau gab einen verbl�fften, hilflosen, v�llig hysterischen Laut von sich.</p><p>Ich hob einen gro�en Stein auf, warf ihn nach dem gro�en K�rper und traf die linke Fl�gelhaut zwischen Bein und Arm.</p><p>Die Frau verrenkte sich m�hsam, um mich besser sehen zu k�nnen. �Rette mich! Rette mich!� flehte sie.</p><p>Ungl�cklicherweise schien das Ul nicht besonders von dem Stein beeindruckt zu sein. Dabei h�tte er einem Mann den Sch�del einschlagen k�nnen.</p><p>Ich hob noch einen auf und warf. Diesmal traf ich die Brust.</p><p>�Verschwinde!� br�llte ich. �Verschwinde!� Erst sp�ter fiel mir ein, da� das Ul bestimmt kein Goreanisch verstand. Andererseits, was h�tte ich sagen sollen? Vielleicht �Komm her, alter Freund, la� uns eine Tasse Tee trinken�? Bestimmt nicht.</p><p>Das Ul tat einen Schritt in meine Richtung. Ungl�cklicherweise hatte es vor Menschen keine Angst. Ich hatte gehofft, es w�rde sich von meinen Rufen verscheuchen lassen, und wenn schon nicht davon, so zumindest doch von den Steinen. Das war aber nicht der Fall. Ich zog mich einen Schritt ins Schilf zur�ck. Die Flugechse machte einen Schritt vorw�rts. Ich zog das Schwert.</p><p>Falls sie mich mit dem von diesen riesigen Schwingen erzeugten Wind umwerfen wollte, hatte ich mitten im Rence eine bessere Position. Dort konnte ich mich auf dem R�cken liegend mit der Klinge verteidigen. Aus dem, was ich bis jetzt beobachtet hatte, schlo� ich, da� sie vermutlich versuchen w�rde, mich mit dem langen Rachen zu packen. Und dagegen w�rde ich mich zur Wehr setzen k�nnen. Meine Kenntnisse �ber Uls hielten sich in Grenzen, aber ich ging davon aus, da� sie sich nicht mit Menschen und Stahl auskannten.</p><p>Aber das Ul schlug nicht mit den Schwingen. Statt dessen verfolgte es mich und stie� pl�tzlich mit schr�g gelegtem Kopf mit dem Schnabel zu. Ich schlug mit dem Schwert zu, Knochensplitter und Z�hne sausten durch die Luft. Der Kopf des Uls zuckte zur�ck. Ich glaube nicht, da� es gro�e Schmerzen versp�rte. Pl�tzlich schlug es mit den Fl�geln und stieg einen Meter in die Luft. Es schwebte auf der Stelle, griff mit den Krallenf��en nach mir. Ich duckte mich, halb geblendet von dem durch die Luft wirbelnden Sand und Rence, schlug nach den Klauen. Die Klinge traf etwas, sie war blutbeschmiert. Das Ul stieg h�her in die Luft, au�er Reichweite, schwebte ein St�ck zur�ck und landete auf dem Sand. Der Boden in N�he des linken Fu�es war blutig. Die Flugechse hob den Fu� und leckte ihn mit der langen Zunge ab. Dann betrachtete sie mich wieder. Sie schlug mit den Schwingen. Der Windsto� zerrte an der Uniformtunika von Ar. Anscheinend war sie w�tend. Vielleicht w�rde sie jetzt verschwinden. Doch sie machte keinerlei entsprechende Anstalten. Aber hatte ich sie nicht besiegt? Hatte ich sie denn nicht wenigstens entmutigt? H�tte sie nicht den Anstand besitzen k�nnen, aufzusteigen und ihren Hunger an einem anderen Ort zu stillen, wo doch das Delta mit einem so reichhaltigen Angebot an Nahrung aufwartete?</p><p>Aber die Aufmerksamkeit des Uls war offenbar auch weiterhin auf mich gerichtet. Man h�tte es f�r ein Sleen halten k�nnen, ein Raubtier, das f�r seine Hartn�ckigkeit ber�chtigt ist. Nun gut, dachte ich, dann soll es den gef�hrlichsten Verb�ndeten des Menschen kennenlernen, das geheimnisvolle Feuer.</p><p>Ich wollte trockene Rencehalme sammeln und sie mit dem Feuermacher, einem einfachen Werkzeug, das im wesentlichen aus einem Rad und einem Feuerstein bestand und das ich in meiner G�rteltasche trug, entz�nden. Doch das Ul kam schnell mit weit aufgerissenem Rachen n�her. Ich zog mich in das Schilf zur�ck. Aber es verfolgte mich, stieg auf und verursachte mit den Schwingen einen derartigen Sturm, da� das Schilfgras niedergedr�ckt wurde. Ich schlug nach ihm, ohne jedoch etwas Entscheidendes zu bewirken. Einmal st�rzte ich, konnte aber hinter einem Baumstamm Zuflucht finden, der vom Vosk angesp�lt worden war.</p><p>�berall klebte das Blut des Urs an mir. Zweimal brachte ich einen Treffer an seinem Rachen an. Dann flog es h�her und kreiste; ob der Schmerz es zu einem zwischenzeitlichen R�ckzug veranla�t oder ob es den Kontakt zu mir verloren hatte, kann ich nicht sagen. Ich f�rchtete, da� es zur�ck zu dem M�dchen flog.</p><p>Also schob ich das Schwert in die Scheide, br�llte, so laut ich konnte, und fuchtelte wild mit den Armen. Zwischendurch sammelte ich eifrig Rencehalme.</p><p>Das Ul beschrieb am Himmel eine Kurve.</p><p>Ich lie� Funken auf die trockenen Halme hinabregnen.</p><p>Dann scho� die Flugechse auf mich zu, die Klauen ausgestreckt. Ich wich ihr aus. Sie zog nach oben. Das Rence brannte. Ich watete los und z�ndete die trockenen Schilfspitzen an. F�r einen kurzen Augenblick, der nicht lange w�hren w�rde, brannte das Rencegras. Rauch stieg in die H�he. Das Ul flog genau in diesen brennenden Willkommensgru�, kreischte schmerzerf�llt auf, stieg wieder in die H�he und verschwand irgendwo �ber dem Sumpf. Ich warf die provisorische Fackel fort. Sie war beinahe bis auf meine Hand niedergebrannt. Einen Augenblick lang zischte sie im Wasser, trieb brennend neben mir her und erlosch dann. Ich stand zwischen qualmenden, geschw�rzten Rencehalmen. Von dem Ul war nichts mehr zu sehen. Ich watete zur�ck an Land. Dabei zitterte ich am ganzen Leib. Ich wollte nie wieder etwas mit einem Ul zu tun haben.</p><p>�Ist es weg?� fragte die Frau mit bebender Stimme.</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>H�tte ich einen Speer gehabt, w�re der Flugechse leichter beizukommen gewesen. Sie hatte keine Angst vor Menschen gehabt und war ungesch�tzt und zielstrebig auf mich zugekommen. Aber ich hatte keinen Speer. Vielleicht h�tte ich auf der von Ar in Beschlag genommenen Sandbank danach suchen sollen, bevor ich die Flucht ergriff. Andererseits hatte ich es aber ziemlich eilig gehabt.</p><p>�Befreie mich!� befahl sie jetzt schroff.</p><p>�Bist du nicht dankbar f�r deine Rettung?� fragte ich.</p><p>�Es ist die Pflicht der M�nner, Frauen zu besch�tzen!�</p><p>�Ach so.�</p><p>�Du sollst mich befreien!�</p><p>�Aber man hat dich den Tharlarion zum Fra� vorwerfen wollen�, meinte ich.</p><p>Sie k�mpfte kurz gegen die Fesseln an. �Aber du wirst mich doch sicher befreien.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Bitte.�</p><p>Ich betrachtete sie. �Du bist h�bsch�, sagte ich dann.</p><p>Ihre kleinen F��e standen auf dem unteren, abgerundeten Querbalken. Sie hatte h�bsche Kn�chel. Im Augenblick steckten sie in den Riemen, die sie an den Querbalken und den Pfahl fesselten. Ihre Waden und Oberschenkel waren einfach gro�artig, w�hrend zwischen den ausladenden, wohlgerundeten H�ften s��e Geheimnisse auf ihre Erforschungen warteten. Drei Riemen waren um die schmale Taille geschlungen und �berkreuzten sich. Sie hatten tiefe Abdr�cke in ihrem Bauch hinterlassen, da sie sich von Zeit zu Zeit bewegt hatte. Im Augenblick schnitten sie so tief ein, da� das Fleisch dar�berquoll. Von der schmalen Taille, die von den Riemen noch enger zusammengeschn�rt wurde, ging es weiter aufw�rts zu den unbeschreiblichen Reizen des Oberk�rpers mit der weichen und so verletzlichen Brust, den sanft gerundeten Schultern und dem makellosen Hals. Ich betrachtete ihre kurzen, fraulichen Unter- und Oberarme. Ich betrachtete ihr Gesicht, ihr Haar.</p><p>�Wirklich h�bsch�, sagte ich.</p><p>Sie err�tete von den Haarwurzeln bis zu den Zehen.</p><p>�Bitte, sieh mich nicht so an!� sagte sie.</p><p>Ich musterte sie weiter und versp�rte dabei gro�es Vergn�gen.</p><p>�Bitte!� sagte sie.</p><p>Sie war wirklich h�bsch. Sie war sogar h�bsch genug, um eine Sklavin zu sein.</p><p>Ich betrachtete sie weiter.</p><p>�Ich appelliere an deine Ehre als Soldat von Ar.�</p><p>Richtig, ich trug ja eine Ar-Tunika.</p><p>�Kommst du aus Ar?� fragte ich.</p><p>�Ja. Ich bin Lady Ina aus Ar.�</p><p>�Ich komme aber nicht aus Ar�, sagte ich. Anscheinend erkannte sie mich in der Tunika nicht wieder. Sie hatte mich ja auch nur kurz gesehen, und das bei schlechtem Licht und vor vielen Tagen. Zweifellos hatte sie nicht damit gerechnet, mir jemals wieder zu begegnen. Vielleicht hatte sie unterbewu�t auch Angst, mich zu erkennen.</p><p>�Dann bist du also ein Rencebauer, der eine Tunika von Ar tr�gt?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Ich bin gar keine Lady aus Ar�, berichtigte sie sich schnell.</p><p>�Was denn dann?�</p><p>�Ein einfaches Rencem�dchen.�</p><p>�Ich glaube, du bist eine Sklavin.�</p><p>�Nein!� erwiderte sie emp�rt. �Du siehst doch, da� ich kein Brandzeichen trage.�</p><p>Ich nickte. Nat�rlich trug sie kein Brandzeichen. �Du bist also ein einfaches Rencem�dchen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wo ist dein Dorf?� fragte ich.</p><p>Sie bewegte den h�bschen Kopf. �Irgendwo dort hinten�, sagte sie ausweichend.</p><p>�Dann bringe ich dich zur�ck.�</p><p>�Nein!� rief sie. �Ich habe das Dorf verlassen.�</p><p>�Warum denn?�</p><p>�Ich sollte verheiratet werden, mit einem ungeliebten Mann.�</p><p>�Und wieso bist du hier angebunden?�</p><p>�Wegelagerer haben mich ausgeraubt und hier zur�ckgelassen.�</p><p>�Warum haben sie dich nicht an der Deltagrenze verkauft?�</p><p>�Sie haben sofort erkannt, da� ich mich nicht als Sklavin eigne�, antwortete sie hochm�tig.</p><p>�Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Du w�rdest sogar eine h�bsche Sklavin abgeben.�</p><p>�Niemals!� rief sie. �Ich bin eine freie Frau!�</p><p>�Das waren die meisten Sklavinnen auch einmal.�</p><p>Sie ri� an den Fesseln.</p><p>�Ich werde dich in dein Dorf zur�ckbringen�, wiederholte ich. �Vielleicht zahlt man mir ja eine Belohnung daf�r.�</p><p>�Ich will aber nicht zur�ck.�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, meinte ich. �Wo genau ist das Dorf?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Wir k�nnen uns ja in ein paar der umliegenden D�rfern erkundigen.�</p><p>�Nein!� Sie schwieg. �Es waren gar keine Wegelagerer, die mich hier ausgesetzt haben.�</p><p>�Das dachte ich mir schon. Sie h�tten dich verkauft. Da habe ich dich also bei einer L�ge ertappt.�</p><p>Sie dr�ckte sich an den Pfahl. �Ich bin auch kein Rencem�dchen�, gestand sie dann.</p><p>�Das �berrascht mich nicht.�</p><p>�Und du bist auch kein Rencebauer!�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Aber du hast auch behauptet, du k�mst nicht aus Ar.�</p><p>�Das ist ebenfalls wahr.�</p><p>�Dann befreie mich!� verlangte sie begierig. �Wir sind Verb�ndete.�</p><p>Ich sah sie abwartend an.</p><p>�Ich bin eine Spionin. Ich arbeite f�r Cos.�</p><p>�Und wieso bist du dann hier an diesem Pfahl?�</p><p>�Sie haben ein Rencedorf niedergebrannt�, erz�hlte sie. �Sp�ter wurde das Heer auf der rechten Flanke von den Bauern angegriffen. Sie �berfielen auch meine Barke. Meine W�chter lie�en mich im Stich, fl�chteten in den Sumpf. Man ergriff mich und legte mich nackt in Ketten, obwohl ich eine freie Frau bin! Die Barke wurde angez�ndet. Dann brachten sie mich in ein Rencedorf. Dort wurde ich in einer muffigen kleinen H�tte tagelang gefangengehalten. �berall waren diese schrecklichen Fliegen. Gestern morgen brachten sie mich dann an diese Stelle.�</p><p>Ich zweifelte keinen Augenblick lang an dieser Geschichte. Die Stange, die ich im Sumpf gefunden hatte und mit der ich mein Flo� anstie�, war vergoldet, auch wenn der gr��te Teil der Lackierung weggebrannt war.</p><p>�Warum haben sie mich nur hierhergebracht?� fragte sie. �Wissen sie denn nicht, wie gef�hrlich die Tharlarion sind?�</p><p>�Na, eben wegen der Tharlarion�, sagte ich kopfsch�ttelnd. �Das mu� dir doch klar gewesen sein.�</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Ein Dorf wurde niedergebrannt.�</p><p>�Ich habe ihnen aber doch erz�hlt, da� meine Loyalit�t Cos geh�rt.�</p><p>�Du hast ihnen vermutlich viel erz�hlt.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Mit einem Akzent, der klar auf Ar hinweist?�</p><p>Sie nickte, ohne zu begreifen.</p><p>�Und du hast ihnen gedroht.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Und ihnen viele L�gen aufgetischt.�</p><p>�Auch das, aber wie sich herausstellte, spielte das alles keine Rolle, denn die Rencebauern k�nnen kein Goreanisch.�</p><p>�Wieso denn das?�</p><p>�Sie haben nicht ein Wort zu mir gesagt.�</p><p>�Sie sprechen perfekt Goreanisch�, antwortete ich.</p><p>Sie erbleichte.</p><p>�Immerhin haben sie deinen Status als freie Frau geachtet und dich hier den Tharlarion �berlassen.�</p><p>�Aber warum haben sie mich nicht�� Sie verstummte.</p><p>�Als <emphasis>Sklavin</emphasis> behalten?� half ich ihr auf die Spr�nge.</p><p>�Ja!�</p><p>�Die Bauern werden ihre Gr�nde gehabt haben. Die Ein�scherung ihres Dorfes, der Wunsch nach Rache, ihr Ha� auf Ar.�</p><p>�Aber ich bin doch eine Frau!� protestierte sie.</p><p>�Schon m�glich�, erwiderte ich. �Zumindest hast du den K�rper einer Frau.�</p><p>�Ich bin eine Frau. Eine richtige Frau, in jeder Beziehung!�</p><p>�Wie kann das sein, da du doch keine Sklavin bist?�</p><p>Wieder zerrte sie w�tend an den Lederriemen.</p><p>�Freie Frauen sind nichts anderes als Sklavinnen, die noch keinen Sklavenkragen tragen�, meinte ich.</p><p>Das gefiel ihr nicht. �Sleen!� schluchzte sie aufgebracht.</p><p>�Ich mu� weiter.�</p><p>�Nein! Nein! Du mu�t mich mitnehmen! Ich wei�, da� du Cos� Sache unterst�tzt. Genau wie ich! Ich mag aus Ar kommen, aber ich bin eine cosische Agentin! Also sind wir Verb�ndete!�</p><p>�Du gibst also zu, da� du eine cosische Spionin bist?� fragte ich.</p><p>Sie z�gerte. Dann sagte sie: �Ja.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Ja!�</p><p>�Sag es laut und deutlich.�</p><p>�Ich bin eine cosische Spionin!�</p><p>�Ausgezeichnet.�</p><p>�Und jetzt binde mich los.�</p><p>�Ich stehe nicht auf Cos� Seite�, sagte ich.</p><p>�Aber du kommst doch nicht aus Ar, hast du gesagt.�</p><p>�Ich unterst�tze weder Ar noch Cos!�</p><p>�Welchen Heimstein hast du?� fragte sie pl�tzlich furchtsam.</p><p>�Port Kar.�</p><p>Sie st�hnte auf. Es hei�t, die Ketten einer Sklavin sind in Port Kar am schwersten.</p><p>Ich wandte mich scheinbar zum Gehen.</p><p>�Warte!� rief sie.</p><p>Ich blieb stehen.</p><p>�Du kannst mich nicht den Tharlarion �berlassen!�</p><p>�Die Rencebauern waren der Meinung, du h�ttest es verdient�, sagte ich. �Wer bin ich, ein B�rger Port Kars, ein Fremder im Delta, da� ich ihre Entscheidung in Frage stelle?�</p><p>�Aber das sind Barbaren!�</p><p>�Vielleicht weniger als ich.�</p><p>�Befreie mich!�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich k�nnte dich belohnen.�</p><p>�Wie denn?�</p><p>�Als Frau.�</p><p>�Dr�ck dich bitte deutlicher aus.�</p><p>�Als Frau mit meinen Reizen.�</p><p>�Ein interessanter Vorschlag�, meinte ich nachdenklich. �Du handelst also mit deiner Sch�nheit.�</p><p>�Nat�rlich. Ich werde mich dir unterwerfen, wenn du willst. Ich werde deine Sklavin sein.�</p><p>�Pa� auf, was du sagst, wenn du dich nicht selbst formell zur Sklavin machen m�chtest.�</p><p>Eine derartige Erkl�rung ist bindend; sobald sie ausgesprochen ist, ist die Frau unwiderruflich eine Sklavin.</p><p>�Egal, wenn du willst, spreche ich die n�tigen Worte aus.�</p><p>Ich schwieg. �Erkennst du mich eigentlich nicht?� fragte ich dann.</p><p>�Sollte ich?�</p><p>�Erinnerst du dich an ein Lager im Sumpf, vor einigen Tagen? Im S�dosten, an einem Abend? An einen Gefangenen?�</p><p>Sie betrachtete mich eindringlich. �Du bist das!� schluchzte sie dann auf.</p><p>�Ja.�</p><p>Sie legte st�hnend den Kopf zur�ck.</p><p>Im Sumpf br�llte ein Tharlarion. Sie h�rte es. Ihre Augen waren vor Furcht weit aufgerissen.</p><p>�Vielleicht sollte ich dein Angebot ja annehmen�, sagte ich nachdenklich.</p><p>�Vielleicht?�</p><p>�Ja, vielleicht�, antwortete ich. Ich zog das Messer aus der Scheide, schob es behutsam zwischen ihren Bauch und die drei Riemen, mit denen ihre Handgelenke gefesselt waren. Mit einer Bewegung waren sie durchschnitten und flogen beiseite. Dann stieg ich auf den Querbalken und k�mmerte ich mich um die anderen Fesseln.</p><p>�Langsam�, sagte ich und steckte das Messer zur�ck. Sie st�hnte, als ich ihr linkes Handgelenk nahm und den Arm behutsam �ber den Balken f�hrte. Dann kam der rechte Arm an die Reihe. Ich hielt sie fest, damit sie nicht zu Boden st�rzte. Zweifellos hatte sie Schmerzen. �Halte dich an dem Pfahl fest.� Sie umklammerte ihn. Ich packte sie an den H�ften und hob sie von dem Querbalken herunter. Sie sank auf die Knie und kroch ein paar Schritte zur Seite. Ihre Handgelenke waren nat�rlich noch immer gefesselt, lediglich die durchtrennten Riemen baumelten herab. Sie erhob sich unsicher auf die Beine und wandte sich mir zu. Es war schwer, in ihren Augen zu lesen. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, da� sie versuchen w�rde zu fliehen. Und ich w�rde ihr die Gelegenheit geben.</p><p>�Es w�re nicht gut, wenn die Rencebauern den Pfahl leer vorf�nden�, sagte ich. �Ich habe keine Lust, die n�chsten Tage oder Wochen damit zu verbringen, sie abzusch�tteln. Darum halte ich es f�r das beste, wenn sie sein Verschwinden nat�rlichen Ursachen zuschreiben und annehmen, da� ein Tharlarion ihn aus dem Sand gerissen hat, als es an das h�bsche Opfer heranwollte, oder da� sich die Str�mung ver�ndert hat. Ich werde ihn aus dem Sand ziehen.�</p><p>�Er ist doch viel zu schwer.�</p><p>�Man kann die Schulter unter das Querholz stemmen�, sagte ich. �Das d�rfte nicht allzu schwierig sein.�</p><p>Ich wandte mich von Ina ab und k�mmerte mich um den Pfahl. Ich stemmte die Schulter unter den Balken, und wie erwartet erwies es sich nicht als allzu schwer, ihn aus dem weichen Sand zu heben. Als er dort der L�nge nach lag, blickte ich auf. Ina war verschwunden. Ihre Fu�abdr�cke verrieten, wo sie den Sumpf betreten hatte. Nat�rlich konnte sie im Sumpf die Richtung ge�ndert haben. Ich �berlegte, welche Route sie vermutlich nehmen w�rde, verzichtete aber auf eine Verfolgung. Statt dessen zog ich den Pfahl in den Sumpf, watete ein St�ck hinein und stie� ihn dann in die Mitte einer vielversprechend aussehenden Fahrrinne. Dann kehrte ich auf die Sandbank zur�ck und ging weiter in Richtung Flo�.</p><p>Ich hatte es noch nicht erreicht, als ich Inas Schrei h�rte. Er schallte aus der Richtung, aus der ich gerade gekommen war.</p><p>Wieder ert�nte ein Schrei.</p><p>Dann erblickte ich etwa hundert Meter entfernt den Kopf des Uls, das mitten im Rence jagte.</p><p>Wirklich hartn�ckig, dachte ich.</p><p>Wasser spritzte laut auf, gefolgt vom n�chsten Schrei.</p><p>Das Ul schlug mit den gewaltigen Schwingen und schwebte �ber dem Rence auf der Stelle.</p><p>Die Schreie verstummten.</p><p>Die Flugechse stieg in die H�he und drehte suchend ihre Kreise. Ihre Beute mu�te sich irgendwo im Schilf verbergen. Sie hatte sie wohl aus den Augen verloren. Dann beobachtete ich, wie das Ungeheuer die Flugh�he ver�nderte und lautlos auf den Sumpf herabglitt. Als es auftraf, spritzte Sumpfwasser fast zehn Meter in die H�he. Die Schreie setzten wieder ein. Lady Ina stolperte mit ausgestreckten H�nden und wehendem Haar durch den Sumpf. �ber dem Schilfgras erhob sich nun wieder der kleine Kopf des Uls, der vogel�hnlich neugierig auf- und abh�pfte.</p><p>Ich zog das Schwert und eilte auf die Insel zu, in der Absicht, Lady Ina abzufangen. Ich erhaschte einen kurzen Blick auf sie, eine kleine wei�e blonde Person, die sich in panischer Angst einen Weg durch das Schilf bahnte. Es war einfacher, den Weg des Uls im Auge zu behalten, dessen Kopf �ber die Halme hinausragte. Einmal sah ich den ganzen K�rper, der sich, angetrieben vom Schlagen der gro�en Hautschwingen, mit gro�er Geschwindigkeit bewegte. Dann war wieder nur sein Kopf zu sehen. Obwohl ich Lady Ina nur selten direkt zu Gesicht bekam, war es eigentlich nicht schwer, ihre Position zu bestimmen. Die Entschlossenheit des Uls verriet sie mir. Ina floh vor der Flugechse. Sie befand sich genau auf ihrer Spur.</p><p>Ich erblickte Ina wieder, als sie sich dem Rand der Sandinsel n�herte. Sie watete heran, st�rzte, stemmte sich hoch, watete weiter. Sie erreichte festen Boden und blickte sich wild um. Direkt hinter ihr brach das Ul aus dem Schilf. Ina wandte den Kopf und schrie auf. Sie wollte weiterlaufen, stolperte aber und fiel in den Sand, und sofort hatte das Ul sie erreicht und dr�ckte sie mit einer seinem riesigen Krallenf��e in den Boden. Ina wand sich verzweifelt, und die Flugechse griff zu. Dann packte sie auch noch mit dem anderen Fu� zu. Ina war nun so hilflos wie in den Krallen eines Tarns. Sie hob den Kopf Zentimeter vom Sand und schrie.</p><p>Das Ul senkte gerade den Kopf und ri� den Rachen auf, als es mich entdeckte und die Kiefer wieder zuklappte. Und dann, aus welchem Grund auch immer � vielleicht erinnerte es sich an das Feuer oder an die Verletzungen, die ich ihm beigebracht hatte, vielleicht wollte es auch nur seine Beute sch�tzen � entfaltete es die riesigen Schwingen, schlug damit, da� Sand aufst�ubte und sich das Schilf bog, und erhob sich langsam in die Luft. Mit halb geschlossenen Augen k�mpfte ich mich geduckt durch B�en und den wehenden Sand auf die Flugechse zu. Ich griff nicht ihre Krallenf��e an, aus Angst, das M�dchen zu treffen. Dann war ich ganz unter der Bestie.</p><p>Mit ausgestrecktem Schwert sprang ich in die H�he, und die Klinge bohrte sich in den schlagenden Fl�gel und durchstie� ihn wie ein Blatt Papier. Das Ungeheuer stie� ein zischendes Ger�usch aus, w�hrend es mit dem M�dchen in den Klauen weiter in die H�he stieg. Zusammen mit mir, denn ich hing an dem zerschnittenen Fl�gel.</p><p>Der Flug war ziellos; die Flugechse stieg in die H�he, wirbelte umher, Wind wehte durch den verletzten Fl�gel, der zus�tzlich mit meinem Gewicht belastet war. Ich wurde hin- und hergeschleudert. Unter mir zog der Sumpf auf schwindelerregende Weise vorbei. Das Kr�chzen der Bestie hatte sich zu einem wilden, ohrenbet�ubenden Kreischen gesteigert. Die Beute des Uls, deren wei�e Glieder in seinen Klauen hingen und deren blondes Haar im Wind flatterte, gab schluchzende, verzweifelte Ger�usche von sich. Ich glaube, sie bekam wegen des st�ndigen Auf und Ab kaum noch Luft.</p><p>Mein Arm rutschte durch den Ri� in der Haut. Ich bef�rchtete, den Halt zu verlieren und in den Sumpf zu st�rzen, der mal drei�ig Meter und dann wieder nur f�nf Meter unter uns lag. Das Ul wollte mich bei�en, mich von seiner Schwinge ziehen, und ich trat nach dem langen Rachen. Dabei geriet meine Hand einmal in den Unterkiefer, und es gelang mir im buchst�blich letzten Augenblick, sie zur�ckzuziehen, bevor die Kiefer wie eine ge�ffnete Truhe zusammenschnappten. Dann beschrieb das Ul erneut eine unerwartete Kurve, und die Welt drehte sich.</p><p>Als wir wieder eine einigerma�en stabile Lage erreicht hatten, gelang es mir, das Schwert in die linke Hand zu verlagern. Dann stie� ich die Klinge in den Echsenleib, immer wieder. Wegen meiner ung�nstigen Position fielen die St��e eher kraftlos aus, aber ich h�rte nicht auf, und das flie�ende Blut zeigte meinen Erfolg. Dann �ffnete sich der Rachen wieder, vielleicht die ganzen anderthalb Meter, und schnappte nach mir.</p><p>Ich versuchte zur�ckzuschwingen, hatte aber keinen Platz zum Ausweichen. Also stie� ich die Klinge waagerecht zwischen die Kiefer. Sie klappten zu, und die Schwertspitze durchstie� den Oberkiefer, w�hrend sich der Knauf im Unterkiefer verkantete. Die Zunge z�ngelte am Stahl vorbei und schnitt sich dabei, bis sie blutend meine Hand traf. Fauchend raste das Ungeheuer durch die Luft und bem�hte sich, den Rachen zu schlie�en. Das trieb die Klinge nur noch weiter durch die lange Schnauze. Meine Hand kam dabei den gnadenlosen Rei�z�hnen des Oberkiefers zusehends n�her, bis die Parierstange sie aufhielten. Die Echsenzunge stie� gegen meine Hand und den Griff.</p><p>Pl�tzlich wirbelte das Ul mitten in der Luft herum, gewann an H�he und versuchte, den Rachen wieder zu �ffnen. Sein linkes Auge starrte mich unheilvoll an. Seine linke Seite blutete an vielen Stellen. Es st�rzte in die Tiefe und drehte sich in der Luft, aber irgendwie gelang es ihm, wieder eine stabile Fluglage einzunehmen. Links unter mir befand sich eine helle Fl�che, die ich f�r die Insel aus Sand hielt. Wir waren vielleicht f�nfzehn Meter vom Schilf entfernt.</p><p>Das Ul bog ruckartig den Kopf zur�ck, der Kraft seines K�rpers hatte ich nichts entgegenzusetzen, und das Schwert, das noch immer in seinem Rachen steckte, wurde mir aus der Hand gerissen. Ich h�rte Ina aufschreien. Pl�tzlich losgelassen, st�rzte sie dem Sumpf entgegen. Von dem Gewicht befreit, versuchte die Flugechse an H�he zu gewinnen, schaffte aber nur wenige Meter. Die riesigen Schwingen schlugen nicht mehr so rasend wie zuvor.</p><p>Es versuchte, mich mit den Klauen zu erwischen. Mit dem linken Fu� war das unm�glich, also griff es mit dem anderen Fu� quer �ber den K�rper hinweg. Ich wollte ausweichen, aber die Krallen fuhren �ber mein Bein.</p><p>Die Flugechse schlug eine andere Taktik ein. Sie griff jetzt mit der Klaue nach mir, der Fl�gelklaue, die sich in der Mitte der Schwinge befindet. Die Klauen sind gr��tenteils verk�mmert, da der Arm so ver�ndert ist, da� er die Hautschwinge h�lt. Allerdings erm�glichen sie es der Flugechse im Zusammenspiel mit den Klauenf��en, sich wie eine Fledermaus an Felsklippen oder B�umen festzuklammern. Sie dienen auch bei Revierk�mpfen als Waffe.</p><p>Ich stie� die Krallen beiseite. Bei dem Versuch, mich damit zu erreichen, verlor das Ul nat�rlich seine stabile Fluglage und st�rzte dem Boden entgegen. Es erkannte seinen Fehler, ging in den Gleitflug �ber und bem�hte sich, mich nun durch Fl�gelschlagen abzusch�tteln. Doch bei diesem Versuch verlor es erneut das Gleichgewicht und trudelte wieder dem Sumpf entgegen. Es spreizte die Schwingen weit und gewann flatternd erneut an H�he, um gleich darauf wieder abzusacken. Pl�tzlich kam es mit der Wasseroberfl�che in Ber�hrung, und ich befreite mich von der zerfetzten Hautschwinge und wich sofort zur�ck.</p><p>Die Flugechse griff mit den Fl�gelkrallen nach mir. Ich sprang noch ein St�ck zur�ck. Sie kippte um und lag mit einem zerrissenen und verst�mmelten Fl�gel zur H�lfte im Wasser. Ihr Kopf wandte sich mir zu. Ich wartete ab. Der K�rper sank tiefer. Vorsichtig kam ich n�her und befreite mein Schwert aus dem Rachen. Ich stie� dem Ul die Klinge tief in die linke Seite, und es war tot.</p><p>Nicht das Ul ist der K�nig des Deltas, dachte ich. Der Mensch, der winzige, kleine Mensch mit seinen Waffen ist der K�nig des Deltas. Es war viel Blut im Wasser, ich watete zu der Insel zur�ck. Zwei kurzbeinige Tharlarion schwammen wie Schiffe an mir vorbei auf das tote Ul zu.</p><p>Ich betrat den Sand. Das Schwert hielt ich noch immer in der Hand.</p><p>�Warte�, ert�nte da eine leise, zittrige Stimme. Ich drehte mich nicht um. Ich hatte sie f�r tot gehalten.</p><p>�Bitte, warte�, rief Lady Ina.</p><p>Ich drehte mich um.</p><p>Sie stand einige Meter hinter mir, kam ein paar Schritte n�her, blieb dann zitternd und �ngstlich stehen. Sie war von oben bis unten verdreckt, voller Sumpfschlamm.</p><p>�Ich glaubte, du w�rst tot�, sagte sie.</p><p>�Und ich glaubte, du w�rst tot.�</p><p>�Ich fiel ins Wasser.�</p><p>�Offensichtlich in einen Kanal.�</p><p>�Um ein Haar w�re ich im Schlamm erstickt.�</p><p>�Du siehst widerlich aus�, stellte ich fest.</p><p>�Ist es tot?� fragte sie furchtsam.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Du bist verwundet�, sagte sie dann. Mein Bein war blutig.</p><p>�Es ist nichts.�</p><p>�Vielleicht sind ja noch andere in der N�he.�</p><p>�Das ist unwahrscheinlich�, erwiderte ich. Im Gegensatz zu den kleineren Uls, von denen einige Arten nicht viel gr��er als Jards sind, neigen die gr��eren dazu, ihr Territorium eifers�chtig zu h�ten.</p><p>�Aber im Sumpf lauern noch viele andere Gefahren.�</p><p>�Das ist schon m�glich.�</p><p>Pl�tzlich eilte sie auf mich zu und fiel vor mir auf die Knie. Sie schluchzte unbeherrscht. Am ganzen Leib bebend legte sie den Kopf auf den Sand. Ihre H�nde lagen ebenfalls flach auf dem Sand, der zwischen ihren Fingern hervorquoll. Diese Haltung behielt sie f�r mehrere Ihn bei. Dann blickte sie auf allen vieren flehend zu mir hoch. �Bitte�, sagte sie. �Bitte!�</p><p>Ina hatte vor mir die Position der Unterwerfung angenommen.</p><p>�Bitte!� schluchzte sie.</p><p>Ich betrachtete sie reglos.</p><p>Sie kroch auf mich zu, umschlang meine Knie mit beiden Armen und sah mit Tr�nen in den Augen zu mir hoch. Ich konnte das Beben ihres K�rpers sp�ren. Dann legte sie die Wange an mein blutiges Bein. �Bitte�, fl�sterte sie mitleiderregend.</p><p>�Zur�ck�, befahl ich. �Bleib auf den Knien.�</p><p>Auf den Knien rutschte sie einen Meter zur�ck.</p><p>Ich hob das Schwert ein St�ck. �Heb das Kinn.�</p><p>Sie gehorchte.</p><p>�Du bist schmutzig.�</p><p>�La� mich mit dir kommen.�</p><p>�In deinem derzeitigen Zustand kann man dich nur schwer einsch�tzen.�</p><p>Sie sah mich best�rzt an.</p><p>�Geh und mach dich zurecht.� Bestimmt w�rde sie sich daran erinnern, da� die Soldaten vor unserem kleinen Gespr�ch mein �u�eres hergerichtet hatten.</p><p>Aufschluchzend sprang sie auf, eilte �ber den Sand und lief ins Wasser. Sie wusch sich Arme und Beine, den ganzen K�rper. Tropfen spritzten durch die Luft. Ich sah ihr zu. Es war ganz nett. Eine Sklavin h�tte es nat�rlich viel geschickter angestellt, und zwar auf eine Weise, die ihren zusehenden Herrn verr�ckt vor Leidenschaft gemacht h�tte. Lady Ina hingegen war nur eine freie Frau. Aufgeregt blickte sie gelegentlich zur�ck, aber das geschah meiner Meinung nach weniger, um mein Interesse und meine Reaktion zu beobachten, als vielmehr um sich zu vergewissern, da� ich sie nicht verlassen hatte. Dann kniete sie sich ins Wasser und wusch sich die Haare. Das geschah mit einem Hauch von Sinnlichkeit, vielleicht weil sie angemessen zuversichtlich war, da� ich nicht im Schilf verschwand. Diese Sinnlichkeit wurde ausgepr�gter, als sie sich das Haar mit den Fingern ausk�mmte und es danach trocknete, indem sie es leicht hin- und herwirbelte und zwischen den Fingern rieb. Schlie�lich warf sie es zur�ck �ber die Schultern, erhob sich und ging langsam auf mich zu.</p><p>Sie blieb vor mir stehen, voller Anmut, bis zu den Kn�cheln im Sand versunken, von der Sonne beschienen. Ihre Haut war jetzt � vom Schlamm befreit � sehr hell, ihr Haar wundersch�n. Sie gl�nzte f�rmlich. Dann l�chelte sie. Ich glaube, sie wu�te, da� sie eine Sch�nheit war, oder zumindest hielt sie sich daf�r. Aber als ich sie unverwandt reglos anblickte, verlor sie ihr Selbstvertrauen.</p><p>Ich zeigte auf den Sand zu meinen F��en.</p><p>Augenblicklich lie� sie sich auf die Knie fallen und legte Kopf und H�nde in den Sand.</p><p>Es ist sch�n, wenn eine Frau einem Gehorsam erweist. Und es geh�rt sich so. Mit solchen symbolischen Gesten kann man die der Natur innewohnende Ordnung und die in ihr verborgenen tieferen Wahrheiten auf konventionelle und zivilisierte Art zum Ausdruck bringen.</p><p>Zugegeben, diese Geste war diesmal nicht freiwillig erfolgt, diese Frau hatte zu diesem Zeitpunkt nicht von sich aus dem Mann, der Natur und damit sich selbst die n�tige Ehrerbietung erwiesen, sondern auf meinen Befehl gehandelt. Und ich hatte diese Position nicht nur um meines eigenen Vergn�gens willen angeordnet, um diese Sch�nheit bewundern zu k�nnen, sondern es zu ihrem eigenen Besten getan, damit sie die Natur unserer Beziehung deutlich begriff, damit sie in ihrem tiefsten Inneren verstand, da� sie sich hier unterwarf. Ich hatte es bedingungslos, ja, gnadenlos von ihr verlangt, wie ein Herr von seiner Sklavin.</p><p>�Du darfst den Kopf heben�, sagte ich.</p><p>Ina blickte zu mir hoch, ihre Unterlippe zitterte.</p><p>�Hock dich auf die Fersen�, befahl ich. �Spreiz die Beine, weiter, noch weiter, so ist es gut.� Ich zweifelte keinen Augenblick lang, da� sie sich daran erinnerte, wie sie mir vor Tagen den gleichen Befehl gegeben hatte, damals, als sie noch Macht ausge�bt und zahllose bewaffnete Soldaten hinter sich gewu�t hatte. �Leg die H�nde auf die Oberschenkel. Heb den Kopf.�</p><p>�Das ist eine Sklavinnenposition, nicht wahr?� fragte sie atemlos.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber ich bin keine Sklavin!�</p><p>�Du sollst die Position halten.�</p><p>In ihren Augen schimmerten Tr�nen.</p><p>�Du darfst sprechen.�</p><p>�Nimm mich mit!� rief sie. �Besch�tze mich! Verteidige mich! Ich kann mich nicht allein sch�tzen! Ich bin eine Frau. Ich brauche m�nnlichen Schutz! Ich bin nur eine Frau. Ohne deinen Schutz werde ich im Delta sterben. Ohne deinen Schutz werde ich das Delta niemals lebend verlassen. Ich bin eine Frau, nur eine Frau. Ich brauche dich dringend.�</p><p>Ich lie� den Blick �ber den Sumpf schweifen. Es war schon sp�ter Nachmittag.</p><p>�Ich glaube, ich k�nnte ohne gro�e Schwierigkeiten aus dem Delta herauskommen, auf mich allein gestellt�, sagte ich. �Jedoch eine Frau mitzunehmen, ganz besonders eine Frau wie dich, ist, wie du dir sicher vorstellen kannst, eine sehr gro�e Behinderung.�</p><p>�Ich mache keine Schwierigkeiten!!� versprach sie eifrig.</p><p>�Es ist ja nicht so, als w�rst du eine Sklavin�, meinte ich, �ein Besitz, den man nicht zur�cklassen will.�</p><p>�Ich k�nnte ja eine Sklavin werden�, erwiderte sie mit einem seltsamen Unterton in der Stimme.</p><p>�Au�erdem kann man davon ausgehen, da� eine Sklavin keine Scherereien macht.�</p><p>�Dann versklave mich!�</p><p>�Aber du bist eine freie Frau.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Wenn ich dich als freie Frau mitnehmen w�rde�, sagte ich, �welche Bedingungen w�rdest du stellen?�</p><p>�Wenige�, antwortete sie. �Nur da� ich mit Respekt und W�rde behandelt werde.� Sie verstummte. Dann rief sie: �Komm zur�ck! Bitte!�</p><p>Ich blieb stehen, drehte mich wieder um und sah sie an. Ihre Anspannung war �berdeutlich. Aber sie hatte ihre Position nicht verlassen.</p><p>�Ich stelle keine Bedingungen!� rief sie. �Nicht die geringsten.�</p><p>Ich kehrte zu ihr zur�ck.</p><p>�Ich bin eine Frau aus Ar�, sagte sie. �Du bist aus Port Kar. Unsere St�dte f�hren beide Krieg gegen Cos. Also sind wir Verb�ndete.�</p><p>�Du bist eine cosische Spionin.�</p><p>�Ich stelle keine Bedingungen.�</p><p>�Wenn ich dich mitnehme, dann ohne jedes Zugest�ndnis.�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>�Bedingungslos wie eine Sklavin.�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>�Au�erdem, wenn ich dich mitnehme, dann nur als Gefangene, als willige Gefangene. Verstehst du, was es bedeutet, eine willige Gefangene zu sein?�</p><p>�Ja�, fl�sterte sie.</p><p>�Du wirst mich behandeln, als w�rst du eine Sklavin.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich kann mit dir machen, was ich will.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Ich kann dich weggeben, verkaufen, vermieten, was ich will.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Und ich kann dich versklaven, oder dich versklaven lassen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Hast du alles verstanden?�</p><p>�Ja.�</p><p>Ich betrachtete sie. Ausgiebig.</p><p>�Ich hoffe, dir gef�llt, was du da siehst.�</p><p>�Du bist nicht unattraktiv�, r�umte ich ein.</p><p>Ina l�chelte. �Es freut mich, da� ich dir gefalle.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich nehme an, da� du dann eher bereit bist, mir zu erlauben, dich zu begleiten.�</p><p>�Gibt es da noch einen anderen Grund?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, stammelte sie.</p><p>Ich l�chelte. Was war sie doch nur f�r ein falsches, eitles Ding! Wie alle Frauen hoffte sie, den M�nnern zu gefallen, reizvoll und begehrenswert zu sein.</p><p>�Ich werde dich Ina nennen�, sagte ich.</p><p>�Nicht Lady Ina?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und wie soll ich dich ansprechen?� fragte sie furchtsam.</p><p>�Du nennst mich Herr.�</p><p>�Ah�, meinte sie erleichtert.</p><p>�Hast du verstanden?�</p><p>�Ja.�</p><p>Ich blickte sie an.</p><p>�� Herr�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Steh auf und geh in diese Richtung.�</p><p>Sie ging vor mir her bis zum Rand der Insel, z�gerte kurz und watete dann auf ein grobes Wort hin in den Sumpf hinein. Nur wenige Augenblicke sp�ter waren wir zu der kleinen Sandbank gekommen, auf die ich mein Flo� gezogen hatte.</p><p>�Ein Flo�!� sagte sie erfreut. Ich glaube, sie h�tte sich nicht mehr freuen k�nnen, h�tte sie ihre Barke unzerst�rt entdeckt. Selbst ein einfaches Gef�hrt wie ein Flo� erh�ht die �berlebenschancen im Delta hundertfach. �Seht mal, Herr�, sagte Ina, die jetzt die h�fliche Anrede benutzte, �Das ist doch eine der Stangen von meiner Barke! Man kann noch den Gold�berzug sehen, wo er nicht abgebrannt ist!�</p><p>Das Flo� war schwer. Ich glaubte nicht, da� sie es wie ich mit einem Joch w�rde ziehen k�nnen, genausowenig wie sie mit der Stange zurechtkommen w�rde, da sie sehr dick und lang war.</p><p>�Wir haben ein Flo߫, sagte Ina.</p><p>�Ich habe ein Flo߫, stellte ich fest.</p><p>�Und da ist ja auch Proviant.�</p><p>�F�r den gilt dasselbe.�</p><p>�Aber bestimmt werdet Ihr doch der kleinen Ina etwas davon abgeben�, sagte sie und drehte sich l�chelnd zu mir um. Dann stutzte sie. �Warum seht Ihr mich so an?�</p><p>�Ich frage mich, welchen Wert du f�r mich hast.�</p><p>�Wert?�</p><p>�Ich glaube nicht, da� du mir bei dem Flo� eine gro�e Hilfe sein wirst.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte sie. �Ich bin eine Frau.�</p><p>�Ganz genau.�</p><p>�Ich kann Euch meinen Wert vorf�hren�, sagte Ina und kam n�her. Sie blickte zu mir hoch. �Jetzt sp�rt Ihr, was ich wert bin, nicht wahr?�</p><p>�Wir werden hier auf dieser Sandbank ein paar Ahn lang lagern�, sagte ich.</p><p>Sie lachte leise. Sie glaubte, diese Entscheidung habe etwas mit ihr zu tun.</p><p>�Dann reisen wir weiter.�</p><p>�Nach Einbruch der Dunkelheit?�</p><p>Ich nickte. �Aus Sicherheitsgr�nden.� Jetzt, wo wir zu zweit waren, war das noch wichtiger geworden.</p><p>�Und wie wollt Ihr etwas sehen?�</p><p>�Da sind die Sterne, die Monde.�</p><p>�Wir bleiben also ein paar Ahn lang hier?� fragte sie. �Ich glaube, das wird mir genug Zeit geben, meine Passage zu verdienen.�</p><p>�Du wirst gefesselt an einer Leine folgen.�</p><p>Ina lachte. �Das ist doch sicherlich nicht Euer Ernst, Herr.�</p><p>�Geh auf die Sandbank.�</p><p>�Ich werde tun, was Ihr w�nscht.�</p><p>Ich blickte sie nur an.</p><p>�Ich tue, was Ihr wollt�, versicherte sie, legte mir die Hand auf die Schulter und l�chelte. Dann drehte sie sich um und betrat die winzige Insel im Sumpf. Ich folgte ihr kurz darauf, nachdem ich das Flo� mit seiner Ladung verborgen hatte. Ina erwartete mich schon an einer warmen, von der Sonne beschienen Stelle.</p><p>�Die Gefangene erwartet ihren Herrn�, sagte sie und streckte die Arme nach mir aus.</p><p>�So?� fragte ich lediglich. �Soll ich gehen und noch einmal wiederkommen?�</p><p>Sie kniete schnell nieder und nahm die Haltung ein, die ich ihr beigebracht hatte.</p><p>Ich betrachtete sie. Sie bot einen wundersch�nen Anblick in der Position der Unterwerfung.</p><p>�Steh wieder auf und komm n�her�, sagte ich.</p><p>Sie gehorchte. Nur noch eine Handbreit trennte uns. Ich h�tte sie m�helos in den Arm nehmen k�nnen. �Seht Ihr�, sagte sie. �Ich kann doch sehr gehorsam sein.� Ich r�hrte mich nicht. Sie hob die Arme und legte sie mir um den Hals. �Ich bin bereit, mir meine Reise zu verdienen.�</p><p>�Deine Reise?�</p><p>�Meinen Unterhalt�, verbesserte sie sich schnell.</p><p>�Zweifellos ist das f�r dich das erste Mal, da� du, eine Frau, dir deinen Unterhalt verdienen mu�t.�</p><p>�Das ist schon m�glich�, lachte sie.</p><p>�Und bist du sicher, da� du das willst?�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Da bin ich mir absolut sicher.� Sie hob den Kopf und stellte sich auf die Zehen, um mich zu k�ssen, aber ich wich zur�ck und entfernte ihre Arme um meinem Hals. Dann hielt ich sie fest. Sie hatte noch so viel zu lernen.</p><p>Ina blickte mich unsicher an.</p><p>�Dreh dich um�, sagte ich, �und leg dich auf dem Bauch in den Sand.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Bist du eine ungehorsame Gefangene?�</p><p>�Nein!� erwiderte sie und legte sich schnell hin.</p><p>Ich zog die Tunika aus.</p><p>�Oh!� schrie sie einen Augenblick sp�ter auf. �Oh!� protestierte sie.</p><p>Unwillk�rlich schrie ich ebenfalls auf, bem�hte mich dann aber, nicht zuviel L�rm zu machen.</p><p>Sie wand sich, k�mpfte gegen mich an. Sie st�tzte sich auf die Ellbogen, b�umte sich auf. �Nein, ich bin eine freie Frau!� rief sie. �Nicht so!� Ich hielt sie fest. �H�r auf!�</p><p>Wieder st�hnte ich vor Erleichterung, vor Vergn�gen, vor Zufriedenheit. Ich hatte lange keine Frau gehabt.</p><p>Keuchend hielt ich sie fest, rang nach Atem.</p><p>�Oh�, sagte sie leise. Sie war schwei��berstr�mt, genauso atemlos wie ich. �Du benutzt mich wie eine Sklavin�, st�hnte sie. �H�r auf.� Sie war wieder in die fr�here Anredeform verfallen.</p><p>�Also gut�, erwiderte ich und hielt inne.</p><p>�Nein! Nein!� rief sie da. �Nicht aufh�ren! Nicht aufh�ren! Was machst du nur mit mir?�</p><p>Ich schwieg. Sie war wundersch�n, verschwitzt, voller Leben, wie sie sich wand und st�hnte, mich best�rmte, nur nicht aufzuh�ren. �Jetzt verstehe ich, was es bedeutet, eine Sklavin zu sein! Bring mich noch einmal zu den h�chsten H�hen! Zeig keine Gnade!� schluchzte sie.</p><p>�Keine Gnade?�</p><p>�Nein!�</p><p>Ich erf�llte ihr den Wunsch.</p><empty-line/><p>Einige Ahn sp�ter schob ich das Flo� aus seinem Versteck und machte es zur Abreise bereit. Dann ging ich zu meiner sch�nen Gefangenen. Sie erwachte, als ich den Riemen l�ste, der ihre Hand- und Fu�fesseln miteinander verband. Ich warf sie mir �ber die Schulter und trug sie zum Flo�. Dort setzte ich sie ab und schnallte ihr einen Lederriemen um den Hals, den ich aus dem Geschirr geschnitten hatte, mit dem ich das Flo� gezogen hatte.</p><p>Ich betrachtete sie im Licht der Monde, die Kn�chel gebunden, die H�nde auf den R�cken gefesselt, den improvisierten Kragen um den Hals.</p><p>�Ich glaube, ich werde mich noch etwas ausruhen�, sagte sie und legte sich auf das Flo�. Das tat sie auf eine Weise, die keinen Zweifel an ihrer Weiblichkeit lie�.</p><p>Ich schob das Flo� in den Sumpf. Sie sah mir dabei zu. Ich zog mich auf das Flo�, b�ckte mich und befreite sie von den Fu�fesseln. �Danke�, sagte sie und streckte die sch�nen Beine. �Was tust du da?� fragte sie pl�tzlich. Ich hob sie hoch und warf sie hinter dem Flo� ins Wasser. Sie tauchte unter und kam sofort wieder hoch.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?� schrie sie w�tend.</p><p>�Warum sollte ich dein zus�tzliches Gewicht bef�rdern?� fragte ich und nahm die Stange. Sie stand bis zur Taille im Wasser. Die Leine um ihren Hals, deren eines Ende ich am Heck befestigt hatte, hing schlaff durch. �Ich habe dir doch gesagt, da� du gefesselt hinterhergehst.�</p><p>�Nein! Das kann nicht dein Ernst sein.�</p><p>Ich stie� die Stange in den schlammigen Sumpfboden und setzte das Flo� in Bewegung.</p><p>�Das kann unm�glich dein Ernst sein�, rief sie. �Oh!�</p><p>Ich blickte zur�ck; sie folgte mir an der Leine.</p><p>Ein paar Ehn sp�ter sagte sie pl�tzlich: �Warte!�</p><p>Ich hielt das Flo� an.</p><p>�Wir gehen gar nicht nach Norden, nicht wahr?�</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �Wir gehen nach S�den.� Ich hatte mich schon gefragt, wann es ihr auffallen w�rde.</p><p>�Aber du wolltest doch nach Norden.�</p><p>�Ich habe meine Meinung ge�ndert.�</p><p>�Aber im S�den ist Ar!�</p><p>�Und Brundisium und Torcodino und hundert andere St�dte.�</p><p>�Du wirst mich doch nicht den Arern ausliefern!� rief sie. �Ich habe Ar verraten!�</p><p>�Aber das werden sie doch nicht wissen�, meinte ich.</p><p>�Ich habe Saphronicus� Stab angeh�rt�, sagte sie. �Ich war eine Beobachterin f�r Talena aus Ar. Diejenigen, die im Delta waren, werden mittlerweile zweifellos erkannt haben, welchem Verrat sie zum Opfer gefallen sind.�</p><p>�Vielleicht auch nicht.�</p><p>�Und sie kennen mich!� schluchzte sie. �Liefere mich ihnen nicht aus!�</p><p>�Glaubst du nicht, da� sie gern eine cosische Spionin in ihrer Gewalt h�tten?�</p><p>�Liefere mich ihnen nicht aus!� flehte sie.</p><p>�Ich glaube, du wirst lernen, bescheiden und gehorsam zu sein.�</p><p>�Ja, das werde ich. Das werde ich!�</p><p>�Aber vielleicht w�rden die Soldaten dich auch gar nicht erkennen�, meinte ich.</p><p>�Wieso?� fragte sie.</p><p>�Du bist nackt, in Fesseln; selbst wenn du den Wunsch h�ttest, w�rde dir der Beweis schwerfallen, da� du Lady Ina aus Ar bist.�</p><p>�Aber dann w�rden sie mich ja nur als eine nackte, gebundene Frau ansehen und mich dementsprechend behandeln�, rief sie.</p><p>�Ja.�</p><p>Das St�hnen, das sie ausstie�, kam aus tiefster Seele. �Nat�rlich k�nnte ich dich auch den Cosianern ausliefern�, schlug ich ihr vor.</p><p>�Das w�rdest du nicht wagen!� rief sie.</p><p>Ich setzte das Flo� wieder in Bewegung. Ina watete niedergeschlagen hinterher.</p><p>�Das w�re interessant, wenn man deinen Akzent in Betracht zieht.�</p><p>�Nein!� schluchzte sie.</p><p>�Wenn du in Ketten zu ihren F��en liegst, k�nntest du ihnen doch immer noch erkl�ren, da� du eigentlich zu ihren Spionen geh�rst.�</p><p>�Aber das w�rde mir doch sicher keiner glauben.�</p><p>�Das glaube ich auch nicht.�</p><p>�Aber ich wei� viel�, sagte sie. �Ich bin die Vertraute von Lady Talena.�</p><p>�Steht sie Ar genauso verr�terisch gegen�ber wie du?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>Ich drehte mich um und blickte sie an.</p><p>�Sie ist eine Erzverr�terin�, sagte sie und verstummte j�h. �Warum siehst du mich so an? T�te mich nicht!� flehte sie dann.</p><p>Ich beruhigte mich und stemmte mich wieder gegen die Stange. �Man wird dich f�r eine gedungene Spionin halten�, sprach ich weiter. �Lady Talena wird �ber jeden Verdacht erhaben sein. Mittlerweile hat sie sich bestimmt von dir distanziert.�</p><p>�Das d�rfte nicht so leicht sein�, meinte sie. �Ich kenne viele Geheimnisse.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>Ina lachte.</p><p>Anscheinend begriff sie nicht, da� ihre Auftraggeber sie in der Zwischenzeit als Gefahr f�r ihre Gruppe halten k�nnten.</p><p>�Vielleicht sollte ich dich auch irgendwelchen M�nnern aus Brundisium �bergeben.�</p><p>�Aber f�r die w�re ich doch nur eine Frau aus Ar.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Und wie w�rde mein Schicksal dann aussehen?�</p><p>�Du hast einen h�bschen, gut entwickelten K�rper�, meinte ich. �Du k�nntest T�nzerin werden, in einer Taverne in Brundisium.�</p><p>�Ich kann nicht tanzen.�</p><p>�Das w�rde man dir schon beibringen, verla� dich drauf�, sagte ich.</p><p>Wasser spritzte auf, als sie vergeblich gegen ihre Fesseln ank�mpfte. Dann folgte sie dem Flo� wieder.</p><p>�Warum st�rt dich das?� fragte ich. �Du wei� doch, da� du im Grunde deines Herzens gern d�rftig bekleidet oder nackt vor M�nnern tanzen w�rdest.�</p><p>Die Antwort bestand aus einem w�tenden Schnauben. Aber sie stritt es nicht ab.</p><p>Im Licht der Monde steuerte ich das Flo� weiter nach S�den. Ich hatte diesen Entschlu� gefa�t, nachdem ich auf meine sch�ne Gefangene gesto�en war. In gewisser Weise hatte sie mich an den Krieg und das erinnert, was hier auf dem Spiel stand. Im S�den befanden sich auch die Dinge, die mich noch viel mehr angingen, und ich hatte mich entschlossen, sie nicht l�nger zu mi�achten. Im S�den war Dietrich von Tarnburg in Torcodino eingeschlossen. Und in Ar hatte man mich verraten. Davon abgesehen erinnerte mich Ina an eine ganz bestimmte Frau, deren Name Talena war und die einst die Tochter des Marlenus aus Ar gewesen war.</p><p>Ich stemmte mich gegen die Stange.</p><p>Es lag noch ein weiter Weg vor uns.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�H�r auf zu singen�, sagte ich.</p><p>�Tut mir leid�, sagte Ina gl�cklich. Es war nicht das erste Mal, da� ich sie wegen solcher Dinge verwarnen mu�te.</p><p>Ina sa� am Heck des Flo�es. Ihre Beine waren schlammverschmiert. Wir hatten kurz ins Wasser springen m�ssen, um unser Gef�hrt durch ein dichtes Rencefeld zu schieben. Auch wenn sie nicht besonders kr�ftig war, half sie mir sofort und bereitwillig. Es war schon ein seltsamer Anblick, sie, eine Lady aus Ar, dabei zu beobachten, wie sie eifrig in den Sumpf sprang und ihre geringen Kr�fte gegen die sperrigen Baumst�mme einsetzte, um auf diese Weise zu unserem Fortkommen beizutragen. Meistens fuhr sie jetzt hinten auf dem Flo�. Da ihr Gewicht im Vergleich zu dem Flo� unbedeutend war, beeintr�chtigte dies unsere Reise nicht im mindesten. Ihre H�nde waren nicht mehr gefesselt, aber die Leine um ihren Hals war am Flo� festgebunden. Nat�rlich war ihr verboten, sie ohne Erlaubnis zu l�sen.</p><p>Dies war der zwanzigste Tag unserer Reise. Die Jagd hatte unseren Proviant immer wieder erg�nzt. Ina hatte sich in dieser Zeit sehr ver�ndert. Sie war sehr reinlich geworden, tat was sie konnte, damit ihr Haar gewaschen und gek�mmt blieb, was im Sumpf bestimmt nicht einfach war. Sie hatte ihre wahre Identit�t als Frau entdeckt.</p><p>Sie blickte auf. �Wei�t du, ich bin v�llig deiner Gnade ausgeliefert�, sagte sie unvermittelt.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Und du wirst mit mir machen, was du willst, nicht wahr?�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte ich.</p><p>�Gut.�</p><p>�Was?�</p><p>�Nichts�, sagte sie.</p><p>Ich steuerte das Flo� nach rechts. In einer Entfernung von etwa einhundert Metern befand sich eine kleine Insel, die sich gut als Lager eignen w�rde.</p><p>�Du k�nntest mich unter Umst�nden sogar verkaufen, nicht wahr?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Willst du mich denn verkaufen?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Ina sah zu mir hoch.</p><p>�Der Gedanke besch�ftigt dich, stimmt�s?� fragte ich.</p><p>�Ja�, fl�sterte sie.</p><p>�Und du bist neugierig, wie es wohl w�re, die sinnlichste, aufregendste und begehrenswerteste Frau von allen zu sein, eine Sklavin?�</p><p>�Eine freie Frau wagt es nicht einmal, an solche Dinge auch nur zu denken.�</p><p>�Denk ruhig dar�ber nach.�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie etwas �ngstlich. Dann kam sie heran und k��te mich.</p><p>Ich steuerte das Flo� auf die Sandbank. Ich wollte Ina gerade von dem Kragen um ihren Hals befreien, als aus der Ferne ein kl�glicher Schrei ert�nte.</p><p>�Das ist ein Tier�, sagte Ina �ngstlich.</p><p>Ich runzelte die Stirn.</p><p>�Ein Tier, das in Treibsand geraten ist.�</p><p>Der Schrei wiederholte sich. Es war wirklich nicht zu bestreiten, da� ein seltsamer, unmenschlicher Unterton in ihm lag.</p><p>�Ja, genau das ist es�, sagte sie.</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �Das ist ein Mensch.�</p><p>Ich watete in den Sumpf und schob das Flo� h�her auf die Sandbank.</p><p>Der n�chste Schrei ert�nte.</p><p>Ich zog einen Lederriemen hervor und band Ina die H�nde auf den R�cken.</p><p>�Warum tust du das?� fragte sie.</p><p>Sie hatte noch immer etwas von einer freien Frau in sich, wie ich erkannte.</p><p>�Du wirst hier sein, wenn ich zur�ckkehre.�</p><p>�Ich laufe nicht weg.�</p><p>�Das glaube ich auch nicht.� Ich zog den Knoten zu.</p><p>Wieder hallte ein Schrei �ber den Sumpf.</p><p>�Sieh nicht nach�, bat sie. �Es k�nnte gef�hrlich sein.�</p><p>Ich packte sie an den Schultern und stie� sie herum. Sie sah mich furchtsam an. �Was ist denn?�</p><p>�Auf den Bauch!� stie� ich hervor.</p><p>Sie war klug genug, sofort zu gehorchen. Ich blickte auf sie hinunter. �Freie Frau!� sagte ich ver�chtlich.</p><p>�Ja, Herr!� schluchzte sie.</p><p>�Auf die Knie!�</p><p>Sie rappelte sich auf.</p><p>Ich brach auf, in die Richtung, aus der die Schreie gekommen waren. Einmal blickte ich zur�ck. Ina kniete im Sand. Ihre H�nde waren hinter ihrem R�cken. Von dem improvisierten Kragen f�hrte eine Leine zum Flo�.</p><p>Sie sah h�bsch aus, wie sie da kniete.</p><p>Aber eines durfte man nicht vergessen: Sie war noch immer eine freie Frau.</p><empty-line/><p>Der Mann steckte schon bis zur Taille im Sand. Es ist keine Seltenheit, zuf�llig auf diese Art Sand zu sto�en. Ohne es zu ahnen steht man unvermittelt mitten drin. Statt das Gewicht der betreffenden Person zu tragen, gibt der Untergrund unvermutet mehrere Zentimeter nach und scheint pl�tzlich nach ihren Kn�cheln zu greifen. Dann beginnt die Schwerkraft ihr langsames Werk.</p><p>F�r gew�hnlich ist Treibsand nicht besonders gef�hrlich; normalerweise kann man sich umdrehen und zur�ckweichen, bis man festeren Boden oder den Rand des T�mpels erreicht. Manchmal ist er auch nicht tiefer als einen oder anderthalb Meter. An einigen Stellen ist er allerdings extrem gef�hrlich. Wenn man schon mehrere Schritte hineingelaufen ist, bevor es einem auff�llt, kann man steckenbleiben, falls der Sand tiefer als das Opfer ist. Lebensgef�hrlich sind Stellen, die von der Natur selbst getarnt werden, wo der obenliegende Sand von einer Oberfl�chenspannung gehalten wird und scheinbar an normalen sandigen Boden angrenzt, oder die von Algen oder Sumpfgew�chsen bedeckt werden. Diese Stellen unterscheiden sich in ihrer Dichte; in einigen sinkt man relativ schnell, in anderen, in denen der Sand gr��ere Dichte aufweist, kann ein vergleichbares Absinken mehrere Ehn dauern, in manchen F�llen sogar eine halbe Ahn.</p><p>Es gibt verschiedene Methoden, um den Gefahren des Treibsandes aus dem Weg zu gehen. Man kann sich an bekannte, erkundete Pfade halten, indem man seinem Vorg�nger folgt oder sich an die markierten Wege h�lt, falls es sie gibt. Man sollte nie allein in solche Gegenden gehen, man sollte zu den anderen einen bestimmten Abstand wahren, immer ein Seil dabeihaben und was es an dergleichen Vorsichtsma�nahmen noch mehr gibt. Schnelle, aufgeregte Bewegungen lassen einen schneller versinken. In bestimmten F�llen ist es angebracht, die Ruhe zu bewahren und um Hilfe zu rufen. Wenn sich nat�rlich niemand in der N�he aufh�lt und man ansonsten unweigerlich versinken wird, ist es sinnvoll, einen Befreiungsversuch zu unternehmen, indem man auf das feste Land zuwatet oder versucht, sich freizuschwimmen. Stecken die Beine schon im Sand fest, erschwert das die Befreiungsversuche ungemein.</p><p>Allem Anschein nach hatte er heftig gegen den Sand angek�mpft, was darauf schlie�en lie�, da� er allein war. Aber jetzt hatte er aufgeh�rt zu k�mpfen und rief nur noch um Hilfe, in der Hoffnung, da� trotz allem jemand in der N�he sein k�nnte. Ich hatte den Eindruck, da� er seine Bem�hungen in der �berzeugung eingestellt hatte, da� sie sinnlos waren. Der Meinung war ich auch.</p><p>Der Mann im Sand trug die Uniform von Ar.</p><p>�Hilfe!� rief er pl�tzlich, als er mich sah, und streckte die H�nde nach mir aus. �Hilfe! Hilfe!�</p><p>Er war mit Schlamm und Sand bedeckt. �Freund�, rief er. �Kamerad! Hilf mir!�</p><p>Ich blieb am Rand des Treibsandes stehen. Er war etwa drei Meter von mir entfernt. Ich betrachtete ihn.</p><p>�Ich bin v�llig hilflos! Ich stecke in der Falle! Ich kann mich nicht bewegen, ohne tiefer einzusinken.�</p><p>Er sprach die Wahrheit.</p><p>�Ich versinke!� rief er. �Hilf mir, oder ich sterbe.�</p><p>Ich sah keinen Grund, seiner Einsch�tzung der Situation zu widersprechen. Soweit ich es von meinem Standpunkt aus beurteilen konnte, traf sie zu.</p><p>�Kamerad, du kommst doch auch aus Ar!� rief er. �Hilf mir, ich bitte dich!�</p><p>�Ich bin kein Soldat von Ar.�</p><p>Er starrte mich an.</p><p>�Erkennst du mich nicht?�</p><p>Er st�hnte entsetzt auf.</p><p>In meinem Herzen f�hlte ich nur Ha� auf ihn. W�re er in Reichweite meiner Klinge gewesen, h�tte ich ihn durchbohrt und dann zu Tharlarionfutter gehackt.</p><p>�Hilf mir!� verlangte er.</p><p>Der Sand reichte ihm nun bis zur Brust.</p><p>Ich sah ihm zu.</p><p>�Hilf mir, Freund�, wiederholte Plenius und streckte mir die Hand entgegen.</p><p>�Ich bin nicht dein Freund�, sagte ich. �Und du bist kein ehrenwerter Mann.�</p><p>�Bitte!� rief er.</p><p>In seinen Augen flackerte ein gehetzter Blick. Seine Hand blieb auf mitleiderregende Weise hilflos nach mir ausgestreckt.</p><p>Ich drehte mich um und verlie� den Treibsandt�mpel.</p><p>�Sleen!� rief er mir schluchzend hinterher. �Verdammter Sleen!�</p><p>Ich schlug w�tend den Weg zum Flo� ein. Als Ina, die daneben auf der Sandbank kniete, meinen Gesichtsausdruck und den energischen Schritt sah, senkte sie schnell den Kopf. Voller Wut ergriff ich die Ruderstange und stapfte zu der Treibsandfalle zur�ck. Ich streckte sie dem Soldaten aus Ar entgegen. Plenius, meinem Bewacher. Der Sand reichte ihm bis zum Mund.</p><p>Er griff hektisch nach der Stange, konnte sie aber nicht erreichen. Dann gelang es ihm doch, zuerst nur mit einer Hand, dann mit beiden. Ich zog ihn auf festen Boden; er war dreckig, voller Wasser und Treibsand. Er zitterte am ganzen Leib.</p><p>Ich zog das Schwert. Er w�rde mich bestimmt angreifen.</p><p>Tats�chlich griff er nach dem Schwert, stie� die Klinge dann aber auf den Knien vor mir liegend in den Sand. Sein Dolch folgte.</p><p>�Ich bin dein Gefangener�, sagte er ersch�pft.</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �Du bist ein freier Mann.�</p><p>�Du, ein cosischer Spion, schenkst mir das Leben und die Freiheit?� Ich schwieg. �Ich habe mich dir gegen�ber ehrlos verhalten, was die Sache mit dem Schl�ssel betrifft, als du ihn rechtm��ig gewonnen hattest.�</p><p>�Das ist richtig.�</p><p>�Du besch�mst mich.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Wenn du willst, sto�e ich mir den Dolch mit eigener Hand in die Brust.�</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Geh einfach!�</p><p>Er griff nach dem Schwert. Ich stand fast �ber ihm, bereit, ihm den Kopf abzuschlagen.</p><p>�Hast du mein Leben nur gerettet, um es mir jetzt zu nehmen?� fragte Plenius.</p><p>�Wenn du mit mir k�mpfen willst, dann stell dich mir mit dem Schwert in der Hand entgegen.�</p><p>Er schob die Klinge in die Scheide. �Du hast mir das Leben gerettet�, sagte er. �Ich will nicht gegen dich k�mpfen, ganz egal, was du auch sein magst.�</p><p>Ich trat einen Schritt zur�ck, f�r den Fall, da� er mit dem Dolch auf mich losging. Plenius stand m�hsam auf. Erst jetzt erkannte ich, da� ihm nicht nur der Sand zugesetzt hatte, sondern da� Wochen voller Angst und Hunger ihn schwach und krank gemacht hatten.</p><p>�Wie hast du es geschafft, im Delta zu �berleben?� fragte Plenius.</p><p>�Das ist nicht schwer.�</p><p>Er starrte mich �berrascht an.</p><p>�Hunderte k�nnen das�, erkl�rte ich. �Denk an die Rencebauern.�</p><p>�Bist du ihnen begegnet?�</p><p>�Nicht in letzter Zeit.�</p><p>�Hier gibt es keine Wege, keine Pfade.�</p><p>�Zumindest keine, die auf euren Karten verzeichnet w�ren.�</p><p>�Es ist ein Labyrinth�, sagte er m�de.</p><p>�Da sind die Sonne und die Sterne, der Wind, die Str�mungen�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Wir werden von den Bauern gejagt.�</p><p>�Sei zu gef�hrlich, um gejagt zu werden�, riet ich ihm.</p><p>�Wir verhungern.�</p><p>�Dann wi�t ihr nicht, wo etwas zu essen zu finden ist.�</p><p>�Da sind die Haie, die Tharlarion.�</p><p>�Das ist doch Nahrung.�</p><p>�Wir sind aber zivilisierte M�nner�, sagte Plenius. �Wir k�nnen im Delta nicht �berleben. Wir sind verloren.�</p><p>�Die gr��te Gefahr f�r euch d�rfte wohl in dem Versuch liegen, das Delta zu verlassen.�</p><p>�Das Delta hat das m�chtige Ar bezwungen.�</p><p>�Das Delta ist wie jede Frau zu z�hmen�, erwiderte ich. �Ihr wu�tet nur nicht, wie ihr ihm die Fesseln anlegen mu�tet. H�tte man euch ausreichend informiert und vorbereitet, h�ttet ihr es bezwungen, es h�tte euch wie jede Frau als Sklavin zu F��en gelegen.�</p><p>�Man hat uns verraten.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Ich danke dir f�r mein Leben, f�r meine Freiheit.�</p><p>�Ich nehme an, du bist nicht allein�, sagte ich.</p><p>�Es gibt eine Handvoll �berlebender�, erwiderte er. �Aber wir sterben.�</p><p>�Was ist mit Labienus?� wollte ich wissen.</p><p>�Er �berlebt�, sagte Plenius. �Auf seine Weise.�</p><p>�Auf seine Weise?�</p><p>Plenius zuckte mit den Schultern.</p><p>�Du solltest gehen�, sagte ich. �Es soll so sein, als w�ren wir uns niemals begegnet.�</p><p>�Es w�re mir nicht im Traum eingefallen, da� der Tag kommt, an dem ich mein Leben und meine Freiheit einem cosischen Spion schulde.�</p><p>�Ich bin kein cosischer Spion.�</p><p>Er sah mich unsicher an.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Mein Fehler war wohl, da� ich versuchte, Ar zu dienen. Damals, als ich dem jungen Marcus, einem Offizier aus Ar-Station, der f�r Ar arbeitet, helfen wollte, wu�te ich noch nicht, da� Ar seine Freunde mit Peitsche und Ketten belohnt.�</p><p>�Du bist kein B�rger von Cos und spionierst auch nicht f�r die Insel?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Das waren falsche Beschuldigungen, von jenen aufgebracht, die tats�chlich im Sold von Cos stehen.�</p><p>�Saphronicus?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Mittlerweile ist uns klar geworden, da� er uns verraten hat.�</p><p>�Es w�re besser gewesen, ihr h�ttet es fr�her begriffen.�</p><p>�Aber vielleicht wissen nur wir, die wir im Delta sind, was man uns angetan hat.�</p><p>�Das ist schon m�glich.�</p><p>�Drau�en h�lt man Saphronicus m�glicherweise f�r einen Helden�, sagte er verbittert.</p><p>�Dem w�rde ich nicht widersprechen.�</p><p>�Und ich kenne noch einen anderen Verr�ter�, f�gte er hinzu.</p><p>�Wen denn?�</p><p>�Diese Schlampe, die hochm�tige Lady Ina aus Ar!�</p><p>�Vielleicht hast du recht�, sagte ich.</p><p>�Nein, bestimmt sogar�, meinte Plenius. �Sie geh�rte zu Saphronicus� Stab und wu�te daher sicherlich von seinem Verrat.�</p><p>�Das ist wahrscheinlich.�</p><p>�Ich w�rde sie zu gern in die Finger bekommen.�</p><p>�Die Ruderstange, mit der ich dich gerettet habe, stammt von ihrer Barke�, sagte ich. �Wenn du genau hinsiehst, kannst du noch etwas von der Vergoldung erkennen.�</p><p>�Also haben sie die Barke �berfallen.�</p><p>�Ja. Anscheinend haben die Rencebauern sie angegriffen und verbrannt. Hier sind noch Brandspuren.</p><p>Ich habe im Sumpf noch andere Wrackteile gefunden.�</p><p>�Und was ist mit Lady Ina?�</p><p>�Anscheinend haben die Rencebauern sie gefangengenommen.�</p><p>�Sie werden sie t�ten�, sagte Plenius.</p><p>�Vielleicht machen sie sie ja auch zur Sklavin.�</p><p>Er sch�ttelte energisch den Kopf. �Nein, sie ist nicht genug Frau, um zu verstehen, was es hei�t, eine Sklavin zu sein, geschweige denn um eine zu werden.�</p><p>�Vielleicht hast du recht.�</p><p>�Wer wei�, vielleicht ist es ja besser so�, sagte Plenius. �Bek�men wir sie in die H�nde, w�rde sie vor dem Kriegsgericht landen.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Ist das nicht offensichtlich? Sie w�rde gepf�hlt.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte Plenius dann.</p><p>Darauf gab es nichts zu erwidern.</p><p>�Es tut mir leid, da� du die Soldaten Ars so sehr ha�t.�</p><p>�Daf�r habe ich ausgezeichnete Gr�nde.�</p><p>�Das ist allerdings wahr.�</p><p>�Was wolltest du eigentlich hier?�</p><p>Plenius verzog das Gesicht. �Ich war auf der Jagd.�</p><p>�Aber wohl nicht mit gro�em Erfolg.�</p><p>�Wir k�nnen im Delta nicht leben�, erkl�rte er. �Wir k�nnen ihm auch nicht entfliehen.�</p><p>�Ar h�tte gut daran getan, sich vorher �ber solche Dinge Gedanken zu machen, bevor es ins Delta einfiel�, sagte ich.</p><p>Plenius nickte.</p><p>�Ihr seid f�r mich wie meine anderen Feinde�, sagte ich.</p><p>�Dann freue dich, denn wir werden hier alle zugrunde gehen.�</p><p>Darauf gab es keine Antwort.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte er erneut, und ich schwieg wieder. Er drehte sich um und ging, wobei er diesmal sorgf�ltig darauf achtete, wohin er den Fu� setzte. Ich blickte ihm nach, bis er in dem Renceschilf verschwunden war.</p><p>Und dann �berkamen mich Ha� und Wut auf die Soldaten von Ar, die mich so grausam behandelt hatten, wie eine Welle. Ich ha�te sie, und tief in meinem Herzen verabscheute ich sie. Sollten sie doch im Sumpf zugrunde gehen oder den S�ldnerklingen zum Opfer fallen, die an den Grenzen auf sie warteten. Es w�rde schon einem einzelnen Mann schwerfallen, hier mit heiler Haut herauszukommen, oder einem Mann und einer Frau. Wieviel schwieriger w�re es f�r eine Gruppe? Ich ging langsam zum Flo� zur�ck.</p><p>Bei meinem N�herkommen kniete Ina schnell hin. Sie blickte mich mit einer gewissen Ehrfurcht an.</p><p>�Du hast nicht die Erlaubnis zu sprechen�, teilte ich ihr mit.</p><p>Gehorsam schwieg sie.</p><p>�Dreh dich um�, sagte ich zu ihr. �Leg den Kopf auf den Sand.�</p><p>Ich mu�te nachdenken.</p><p>Sollten die M�nner aus Ar doch sterben, dachte ich.</p><p>�Oh�, stie� sie pl�tzlich hervor.</p><p>�Sei still�, warnte ich sie.</p><p>Sie keuchte auf.</p><p>Sie hatten mich mi�handelt. Was spielte es also f�r eine Rolle, wenn sie bis auf den letzten Mann in der gr�nen Wildnis des Deltas starben?</p><p>�La� den Kopf unten�, befahl ich Ina geistesabwesend. Was hatte ich mit ihnen zu schaffen?</p><p>�Oh, oh�, stie� Ina hervor. Ich duldete ihr leises St�hnen. Ihre kleinen, auf dem R�cken zusammengebundenen H�nde ballten sich zu F�usten.</p><p>Es w�rde schon f�r einen Mann schwierig genug sein, dem Delta zu entkommen, oder einen Mann, der bereit war, die Belastung durch eine hilflose, sch�ne Gefangene in Kauf zu nehmen; wie sollte er sich da noch zus�tzlich Sorgen um andere machen, m�glicherweise einen ganzen Trupp.</p><p>�Oh!� keuchte Ina pl�tzlich laut auf.</p><p>Mit jeder zus�tzlichen Person vergr��erte sich die Gefahr, von Rencebauern, einer Patrouille oder Tarnsp�hern entdeckt zu werden, um ein Vielfaches.</p><p>Ina schluchzte nur noch, bereitwillig, hilflos, dankbar.</p><p>Ich schrie auf.</p><p>Ina stie� ein ungl�ubiges, langgezogenes Keuchen aus.</p><p>Ich legte mich neben sie; sie blieb auf dem Bauch liegen. Sie war sehr hilfreich gewesen. Ich war zu einer Entscheidung gelangt.</p><p>�Du darfst sprechen�, lie� ich sie wissen.</p><p>Aber es hatte den Anschein, als w�rde sie es noch immer nicht wagen. Ich schob mich n�her an sie heran und st�tzte mich auf den Ellbogen. Sie blickte mich sch�chtern an.</p><p>�Es war kein Tier�, sagte ich. �Es war einer der Soldaten. Ich habe ihn gerettet.�</p><p>Sie schlo� die Augen.</p><p>�Willst du wissen, was aus ihm geworden ist?�</p><p>�Ja�, fl�sterte sie.</p><p>�Er ist zu seinen Kameraden zur�ckgekehrt�, sagte ich. �Anscheinend ist ihr Lager nicht weit von hier entfernt.�</p><p>In ihren Augen flackerte Entsetzen auf.</p><p>�Er wei� nat�rlich nicht, da� du bei mir bist.�</p><p>�Das ist gut.�</p><p>�Er sprach von einer Kriegsgerichtverhandlung, hier im Delta.�</p><p>Ina sah mich �ngstlich an.</p><p>�Der nat�rlich der Pfahl folgt.�</p><p>Sie erschauderte.</p><p>�Allerdings glaubt er, die Rencebauern h�tten dich erwischt.�</p><p>�Gut!�</p><p>�Interessanterweise hat er die M�glichkeit deiner Versklavung nicht einmal ann�hernd in Betracht gezogen. Er h�lt dich nicht f�r eine Frau, die auch nur im Ansatz die n�tigen Voraussetzungen f�r eine Sklavin mitbringt.�</p><p>Sie warf mir einen �rgerlichen Blick zu.</p><p>Ich lie� die Hand �ber ihren K�rper gleiten. Sie bi� sich auf die Lippen, st�hnte auf und dr�ngte sich mir sehnsuchtsvoll entgegen, schlo� die Augen und gab sich ganz ihren Bed�rfnissen hin. Sie war wundersch�n, gefangen von ihrer Lust.</p><p>�Ich bin da anderer Meinung�, sagte ich. �Darum werde ich dich in eine Sklavinnentunika stecken.�</p><p>Sie schlug die Augen auf.</p><p>�Sie wird zwar nur das N�tigste bedecken, aber vermutlich wird es reichen.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Das w�re sonst, als br�chte man ein Tablett mit dampfenden, ger�steten Delikatessen in einen Zwinger gez�hmter, aber ausgehungerter Sleen bringen.�</p><p>�Was sagt Ihr da?�</p><p>�Man k�nnte es ihnen kaum ver�beln, wenn sie sich mit hungriger Wildheit darauf st�rzen w�rden und sie auf der Stelle verschl�ngen.�</p><p>�Ich verstehe Euch nicht.�</p><p>�Ich spreche von der Schwierigkeit, in Anwesenheit von Dingen, die unglaublich begehrenswert sind, die n�tige Zur�ckhaltung zu �ben�, sagte ich, �selbst wenn es sich um abgerichtete Tiere handelt, besonders unter bestimmten Umst�nden.�</p><p>Ina sah mich furchtsam an.</p><p>�Sicher, man k�nnte den Tieren die Delikatessen auch vor die F��e werfen, damit sie fressen. Fr�her oder sp�ter ist das zweifellos das beste.�</p><p>�Unglaublich begehrenswert?� stammelte sie.</p><p>�Du, liebe Ina, bist dazu geworden.�</p><p>�Nein!� protestierte sie. �Nein!�</p><p>�Du bist sehr sch�n�, sprach ich weiter. �Warte, bis du die Folgen davon erlebst.�</p><p>�Bitte, nein, Herr!� bettelte sie.</p><p>�Die Arer brauchen Hilfe�, sagte ich. �Ich bin nicht scharf darauf, wie du dir denken kannst, aber fest davon �berzeugt, da� es mit ihnen ein b�ses Ende nimmt, wenn man sich ihrer nicht annimmt.�</p><p>�Das kann doch nicht Euer Ernst sein!�</p><p>�Das ist sogar mein voller Ernst�, erwiderte ich, �obwohl ich es nur ungern zugebe.�</p><p>�Und was ist mit mir?� fragte Ina.</p><p>�Du, meine Liebe, wirst ein stummes Rencem�dchen sein.�</p><p>�Ein Rencem�dchen!� wiederholte sie und b�umte sich auf.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Es wird den Soldaten ganz selbstverst�ndlich vorkommen, da� ich ein Rencem�dchen erbeutet habe, besonders ein so h�bsches wie dich. Das werden sie verstehen. Welcher Mann t�te nicht das gleiche, falls sich die Gelegenheit b�te? Au�erdem hast du kein Brandzeichen, was die Geschichte nur unterst�tzt. Da du nicht gezeichnet bist, w�re es sehr unwahrscheinlich, da� es mir gel�nge, dich als Sklavin auszugeben. Wer w�rde das schon glauben? Nach allem, was ich Plenius erz�hlt habe, dem Burschen, den ich aus dem Treibsand gerettet habe, werden sie dich kaum mit der Lady Ina aus Ar in Verbindung bringen. Alle werden glauben, da� sie den Rencebauern in die H�nde gefallen ist und vermutlich von ihnen get�tet oder versklavt wurde. Also d�rftest du in keiner gro�en Gefahr schweben. Zumindest hoffe ich das. Vergi� nicht, sie haben das Gesicht der Lady Ina nie gesehen, da sie in ihrer Gegenwart immer verschleiert war. Au�erdem hast du dich meiner Disziplin unterworfen, die ich auch weiterhin aus�ben werde, und da halte ich es f�r unwahrscheinlich, da� du dich durch die Arroganz und das Gehabe der freien Frau verr�tst. Es ist dir vielleicht nicht einmal bewu�t, aber du verh�ltst und gibst dich mittlerweile anders als fr�her. Was du auch tust, du tust es anmutiger und sch�ner als zuvor. Ehrlich gesagt wei� ich nicht, ob es dir gel�nge, wieder als freie Frau zu leben. Ich f�rchte, das liegt, ob zum guten oder schlechten, nun hinter dir.�</p><p>�Es hat den Anschein, als h�ttet Ihr diese Probleme gr�ndlich durchdacht�, sagte sie.</p><p>��brigens werde ich dich auch weiterhin Ina nennen.�</p><p>�Ist das klug?�</p><p>�Ich glaube schon�, erwiderte ich. �Ich glaube, die Arer werden sich daran erinnern, da� mich Lady Ina nicht besonders nett behandelt hat, und es als gelungenen Scherz ansehen, da� ich ihren Namen einem kleinen Rencem�dchen gegeben habe. Und falls sie doch mi�trauisch sein sollten, m�chte ich, da� du sofort und ohne Z�gern auf den Namen Ina ansprichst. Es w�rde sicher Mi�trauen erzeugen, wenn du angeblich eine Feize oder Yasmine w�rst und dann auf den Namen Ina reagierst.�</p><p>�Ihr sprecht von mir, als w�re ich ein Sleen�, sagte sie, �der auf einen Namen h�rt.�</p><p>�Du bist eine Gefangene�, erinnerte ich sie.</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Au�erdem gef�llt mir der Name Ina. Er pa�t zu dir.�</p><p>�Soll ich mich jetzt geschmeichelt f�hlen?�</p><p>Ich blickte sie an. Ich fragte mich, wie sie wohl in Ketten und mit einem Eisenkragen auss�he. �Ja.� Ob sie wohl wu�te, da� �Ina� ein gebr�uchlicher Sklavenname war?</p><p>�Und ich bin angeblich stumm?� fragte sie.</p><p>�Das d�rfte f�r uns beide von Vorteil sein�, sagte ich. �Als einfaches Rencem�dchen kannst du schlecht mit dem Akzent einer gebildeten Dame aus Ar sprechen.�</p><p>�Das wohl nicht�, gab sie widerstrebend zu. �Aber ich k�nnte doch in den Sand schreiben.�</p><p>�Nein! Rencem�dchen k�nnen nicht lesen und schreiben.�</p><p>�Und wie soll ich mich dann mitteilen?�</p><p>�Mit St�hnlauten, durch Wimmern.�</p><p>�Dann werde ich also letztlich nichts anderes als ein Spielzeug sein!�</p><p>�Genau�, sagte ich. �Und was das St�hnen und das Wimmern angeht: In Anbetracht dessen, was man mit dir anstellen wird, wirst du solche Laute vermutlich durchaus angemessen finden.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Dann gehe ich davon aus, da� du deine Rolle spielen wirst. Dein Leben k�nnte davon abh�ngen.�</p><p>�Dann werdet Ihr den Arern tats�chlich helfen.�</p><p>�Ja.�</p><p>Ina schlo� ergeben die Augen und gab sich wieder meinen Liebkosungen hin, zuerst verhalten, dann immer dr�ngender, bis sie sich st�hnend und am ganzen Leib zitternd im Sand wand.</p><p>Sie war wirklich wundersch�n.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>�Es werden kleine Lager sein�, sagte ich. �Klein, in der Gegend verstreut, gut vor fremden Blicken verborgen, selbst aus der Luft. Sie werden haupts�chlich zum Schlafen dienen. W�hrend des Tages sollen sie wie ausgestorben wirken. Die Augen eines Tarnsmann k�nnen selbst die winzigste Bewegung entdecken.�</p><p>Die M�nner blickten einander an. Ihr Anf�hrer Labienus, der den Rang eines Hauptmannes bekleidete und der der befehlshabende Offizier der Vorhut der Hauptstreitmacht gewesen war, die ins Delta eingedrungen war, sa� auf einem Felsen. Ina kniete mit gesenktem Kopf im Hintergrund; die zusammengefesselten H�nde waren mit einem Riemen mit den �berkreuzten, gebundenen Kn�cheln verbunden. Sie trug Sklavenstreifen, ein breites Tau, das um die Taille geschlungen war und zwei Stoffstreifen hielt. Das erleichterte es den Arern, sich in ihrer Gegenwart zu beherrschen. Es w�re nicht gut gewesen, wenn ein paar Augenblicke nach ihrem Betreten des Lagers einige der M�nner schon um sie gek�mpft h�tten. Aber da hatte ich mich gewaltig geirrt. Die Soldaten, die wortkarg, hungrig, besiegt, ersch�pft, entt�uscht, zerm�rbt und krank waren, schienen sie kaum wahrzunehmen. Das �berraschte mich.</p><p>�Wir werden nachts reisen und uns davon ern�hren, was der Sumpf uns zu bieten hat�, fuhr ich fort.</p><p>�Er hat nichts zu bieten�, sagte ein Soldat mutlos.</p><p>�Das ist deine Entscheidung�, erwiderte ich.</p><p>�Und wie sollen wir etwas sehen k�nnen?� fragte ein anderer. Er hatte blonde Haare; die Wunde an der Schl�fe war verschorft.</p><p>�Es gibt das Sternenlicht und die Monde. Die Schwierigkeiten, die ihr haben werdet, wird jeder eurer J�ger auch haben, von denen die meisten sowieso schlafen werden, da sie nicht einmal wissen, da� ihr in der N�he seid. Au�erdem ist es bei einem m�glichen Angriff leichter, in der Dunkelheit unterzutauchen.�</p><p>Plenius meldete sich zu Wort. �Und da ist der Treibsand.�</p><p>�So viele Stellen mit Treibsand gibt es nun auch wieder nicht; wenn ihr wollt, k�nnen wir uns anseilen und dicht genug hintereinandergehen, da� man die leisen Rufe des anderen h�rt.�</p><p>Ich schnitt in das kleine Tharlarion, das ich get�tet und dessen lederartige Haut bereits abgezogen hatte. Ich hatte es �ber die Schulter gelegt mitgebracht, als ich mich am Lagerrand zu erkennen gegeben und nach Plenius verlangt hatte, um sicheres Geleit zu erhalten. Ich war davon ausgegangen, da� die Soldaten etwas E�bares zu sch�tzen wu�ten, selbst wenn es sich um solches Essen handelte.</p><p>Ich nahm ein St�ck rohes Fleisch und hielt es dem Mann hin, der seinen Unglauben dar�ber zum Ausdruck gebracht hatte, da� das Delta einen ern�hren konnte.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du bist hungrig�, sagte ich.</p><p>�Das kann ich nicht essen.�</p><p>Ich steckte mir das St�ck selbst in den Mund und schnitt einen weiteren Bissen ab.</p><p>�Das ist nicht mal gekocht�, sagte der blonde Soldat.</p><p>�Ihr werdet kein Feuer anz�nden�, sage ich. �Eine Rauchwolke markiert ein Lager. Nachts kann die Flamme einer Tharlarion�l-Lampe noch Hunderte von Metern weit gesehen werden, das gilt sogar schon f�r einen Feuermacher. Ich versichere euch, da� einem Tarnsp�her in der Luft so etwas keineswegs entgehen wird. Wer will diese K�stlichkeit haben?� Ich hielt das Tharlarionfleisch in die Runde.</p><p>�Ich nicht.�</p><p>�Allein schon der Anblick verursacht mir �belkeit.�</p><p>W�ren sie hungriger gewesen, w�ren sie vermutlich weniger w�hlerisch gewesen. Aber dann dachte ich daran, da� M�nner schon auf tragische Weise verhungert waren, obwohl es um sie herum in H�lle und F�lle zu essen gegeben hatte, vielleicht aus Unwissen, vielleicht auch weil sie Angst gehabt und auf unerkl�rliche Weise gez�gert hatten, die n�tigen Schritte zum �berleben zu ergreifen.</p><p>�Kannst uns aus dem Delta bringen?� fragte Labienus. Er starrte auf den Sumpf hinaus.</p><p>�Ich glaube schon�, erwiderte ich.</p><p>�Wir sind f�nfzehn Mann.�</p><p>�Aber ich glaube auch, da� es nicht einfach wird.�</p><p>�Und doch machst du uns Hoffnung.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Es gibt keine Hoffnung mehr�, sagte der Soldat, der so v�llig mutlos klang.</p><p>�I߫, erwiderte ich und hielt ihm das rohe Tharlarionfleisch hin.</p><p>Er zuckte zur�ck.</p><p>�Wir sind dem Untergang geweiht�, sagte ein anderer Soldat.</p><p>�Genau�, stimmte ihm der Mutlose zu.</p><p>�Solche Ansichten zeugen nicht von dem Geist, der Ar zur Pracht und zum Schrecken ganz Gors gemacht hat�, meinte ich.</p><p>�Ar gibt es nicht l�nger.�</p><p>�Es ist im Delta zugrunde gegangen.�</p><p>�Ich bin wirklich �berrascht, so etwas von M�nnern zu h�ren, die einst Ars Heimstein gehalten und gek��t haben m�ssen.� Das war eine B�rgerzeremonie, bei der man den Heimstein tats�chlich ber�hrt, nachdem man der Stadt den Treueschwur geleistet hat. Im Leben der meisten B�rger ist es das einzige Mal, da� sie den Heimstein ber�hren d�rfen. Wie in den meisten goreanischen St�dten wird auch in Ar die B�rgerschaft mit einer solchen Zeremonie best�tigt. Die Weigerung, an dieser Zeremonie teilzuhaben, kann zur Vertreibung aus der Stadt f�hren. Dahinter steckt der Gedanke, da� die Gemeinschaft das Recht hat, von ihren Mitgliedern Treue zu erwarten.</p><p>Plenius hob den Kopf. �Ar ist nicht tot�, sagte er. �Es ist nicht im Delta zugrunde gegangen.�</p><p>�Nein�, erwiderte der Mutlose. �Nicht Ar ist tot. Wir sind es, die tot sind.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Ihr seid nicht tot.�</p><p>�Ohne seine milit�rische Macht ist Ar nicht mehr dasselbe�, meldete sich der blonde Soldat wieder zu Wort.</p><p>�Ohne seine milit�rische Macht kann Ar nur wenig mehr als ein kulturelles Signalfeuer sein, eine Erinnerung an eine goldene Zeit, etwas, auf da� man zur�ckblicken kann, ein Ansporn f�r andere, eine Lektion.�</p><p>�Vielleicht kann es aus der Niederlage heraus seine Eroberer kulturell erobern�, meinte der Mutlose d�ster.</p><p>�So etwas ist in der Vergangenheit oft genug geschehen�, sagte der Blonde. �Auf diese Weise werden wir vielleicht doch noch den Sieg davontragen.�</p><p>Das war nicht unbedingt von der Hand zu weisen. Es ist schon oft vorgekommen, da� die Barbaren, die �ber eine schw�chere Zivilisation herfielen, sp�ter selbst verweichlichten, um dann von neuen Barbaren mit neuen Peitschen und Ketten unterworfen zu werden. Um diesem Schicksal zu entgehen, legen manche Barbarenst�mme gro�en Wert darauf, ihre Herkunft zu bewahren, ihre jungen M�nner H�rten zu unterziehen und an den Waffen auszubilden sowie sich von der unterworfenen Bev�lkerung fernzuhalten, wie es sich f�r fremde Herrscher geh�rt.</p><p>�Bei allem n�tigen Respekt�, sagte ich, �aber es gibt auf diesem Planeten noch ein paar andere St�dte, und einige davon sch�tzen ihre Kultur wesentlich h�her ein, als Ar es tut.�</p><p>Einige der M�nner blickten mich skeptisch an.</p><p>�Ko-ro-ba, Telnus und Jad auf Cos, Turia im S�den�, z�hlte ich auf. Zugegeben, die Kultur der Stadtstaaten war sich sehr �hnlich. Um wirklich andere Kulturen zu finden, mu�te man nach Torvaldsland, in die Tahari, das Land des Wagenvolkes oder in das Land �stlich von Schendi reisen.</p><p>�Die kann man nicht mit Ar vergleichen�, sagte Plenius.</p><p>�Da bin ich anderer Meinung.�</p><p>�Was wei�t du denn schon?� meinte der Blonde. �Du bist ein Cosianer.�</p><p>�Das stimmt nicht.�</p><p>�Warum bist du �berhaupt gekommen, um uns in unserem Elend noch zu qu�len?� beharrte der Blonde.</p><p>�Ein St�ck Tharlarion?� bot ich ihm freundlich an.</p><p>Er blickte angewidert zur Seite.</p><p>�Viele Leute, die an Ar denken, denken dann nicht an seine Musiker, seine Dichter und dergleichen, sondern an die M�nner der Verwaltung, die Ingenieure und Soldaten.�</p><p>�Auch das ist Ar�, gab Plenius widerstrebend zu.</p><p>�T�tet ihn�, sagte der Blonde.</p><p>�Die Cosianer sagen, da� ihre Gesetze mit ihren Speeren marschieren�, warf der Mutlose ein.</p><p>�Das gilt auch f�r Ar�, sagte Plenius.</p><p>�Aber heute ist es Cos, das marschiert�, erwiderte der Mann.</p><p>�Ar ist verloren�, sagte der Blonde.</p><p>�Nein, nur wir sind es, die verloren sind�, schr�nkte der Mutlose ein.</p><p>�Ihr seid nicht verloren�, widersprach ich.</p><p>�Der Heimstein wird �berleben.�</p><p>�Das k�nnen wir nicht wissen.�</p><p>�Hier geht es nicht um historische Mutma�ungen�, sagte ich, �sondern um unser �berleben.�</p><p>Der Mutlose sah auf. �Das Problem hat das Delta bereits f�r uns gel�st.�</p><p>�Keineswegs�, erwiderte ich. �Nimm ein St�ck Fleisch.�</p><p>�Nein, danke.�</p><p>Labienus starrte weiter auf den Sumpf hinaus. �Tr�gst du uns etwas nach?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Und ob ich euch etwas nachtrage.�</p><p>�Warum bist du dann �berhaupt gekommen?�</p><p>�Meine Gr�nde, welchen Wert sie auch haben m�gen � und ich glaube, es d�rfte kein allzu gro�er Wert sein �, sind allein meine Sache.�</p><p>�Bist du ein Krieger?�</p><p>�Ja.�</p><p>�H�rt ihr?� wandte sich Labienus an seine M�nner. �Er ist ein Krieger.�</p><p>Der Mutlose schnaubte. �Er kann uns viel erz�hlen.�</p><p>�Wie lautet der siebenundneunzigste Aphorismus des Kodex?� fragte Labienus.</p><p>�Meine Schriftrollen entsprechen vielleicht nicht denen Ars�, sagte ich. Aber sie w�rden sich nicht sehr von ihnen unterscheiden.</p><p>�Sag ihn�, verlangte Labienus.</p><p>�Entfernt die Frau.�</p><p>�Er ist ein Krieger�, sagte Plenius.</p><p>Einer der Soldaten lud sich die gefesselte Ina auf und trug sie fort. Augenblicke sp�ter war er wieder da.</p><p>�Die Frau ist au�er H�rweite?� fragte Labienus und starrte weiter geradeaus.</p><p>Der Soldat setzte sich wieder. �Ja. Und dort wird sie auch bleiben. Sie ist an einen Strauch gebunden.�</p><p>�Der siebenundneunzigste Aphorismus, der mir beigebracht wurde�, fing ich an, �hat die Form eines R�tsels. Er lautet: �Was ist unsichtbar und sch�ner als ein Diamant?��</p><p>�Und wie lautet die Antwort?� wollte Labienus wissen.</p><p>�Das, was keine Ger�usche macht, aber den Donner �bert�nt.�</p><p>Die Soldaten blickten einander an.</p><p>�Und was ist das?� fragte Labienus.</p><p>�Das gleiche, das keine Waagschale sinken l��t, aber schwerer als Gold wiegt.�</p><p>�Und was ist das?�</p><p>�Die Ehre!�</p><p>�Er ist ein Krieger�, sagte der Mutlose.</p><p>Plenius wandte sich besch�mt ab.</p><p>�Aber es ist mir auch schon widerfahren, da� ich den Kodex gelegentlich verraten mu�te.�</p><p>Plenius drehte sich wieder mir zu, auf seinem Gesicht lag ein seltsamer Ausdruck.</p><p>�Meiner Meinung nach ist das nicht besonders schwer.�</p><p>Labienus l�chelte. �Ja, ich glaube, das hat jeder von uns schon einmal getan.�</p><p>�Du bist sehr freundlich�, sagte ich.</p><p>�Du glaubst also, du kannst uns von hier wegbringen�, sagte Labienus.</p><p>�Ich glaube schon�, erwiderte ich und verzweifelte daran, da� keiner der Kerle auch nur einen Hauch von Appetit auf das Tharlarion zeigte, das ich abgeschnitten hatte, darum schob ich es mir den Mund und kaute.</p><p>�Was tust du da?� fragte Labienus.</p><p>�Essen.�</p><p>�Gib mir ein St�ck.�</p><p>Ich schnitt etwas ab und dr�ckte es dem Hauptmann in die Hand. Seine M�nner beobachteten ehrf�rchtig, wie er die einfache Handlung des Kauens durchf�hrte.</p><p>�Schmeckt �hnlich wie Vulo�, sagte er.</p><p>�Stimmt.� Das war in der Tat richtig. Ich schnitt ein weiteres St�ck ab und hielt es Plenius hin. Er nahm es, und die anderen M�nner r�ckten n�her heran. Bald waren von dem Tharlarion nur noch die Knochen und die abgezogene Haut �brig.</p><p>�Das Fleisch h�tte etwas Salz gebrauchen k�nnen�, meinte der Mutlose.</p><p>�Aber dein Hunger ist jetzt nicht mehr so gro߫, bemerkte ich.</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Und du besitzt Salz, nicht wahr?� fragte ich.</p><p>�Ja, schon, aber wir hatten nichts, das wir damit w�rzen konnten. Als wir jetzt etwas hatten, haben wir nicht daran gedacht.�</p><p>�So ist das mit dem Hunger.�</p><p>�In Zukunft werden wir daran denken, da kannst du sicher sein.�</p><p>�Du sprichst von der Zukunft�, bemerkte ich.</p><p>�Ja�, sagte er nachdenklich. �Ich habe von der Zukunft gesprochen.�</p><p>�Das ist der erste Schritt aus dem Delta hinaus.�</p><p>Die M�nner blickten einander an.</p><p>�Das Delta ist voller Leben. G�be es nicht die Rencebauern und die Cosianer, k�nntet ihr f�r alle Zeiten hierbleiben. In kleinen Gruppen k�nntet ihr es trotzdem schaffen. Aber so wie ich es verstanden habe, wollt ihr nach Ar zur�ckkehren.�</p><p>�Das glorreiche Ar�, sagte der Blonde voller Sehnsucht. �Glaubst du wirklich, es gibt ein Entkommen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Vielleicht bist du ja ein Spion�, sagte ein Soldat, der damit besch�ftigt war, einen Tharlarionknochen auszusaugen, �der geschickt wurde, um uns in einen Hinterhalt zu locken.�</p><p>�Warum sollte ich dann zu euch kommen, nachdem ich euch doch bereits aufgesp�rt h�tte�, gab ich zu bedenken. �W�re es nicht viel einfacher und sicherer f�r mich, eure Position einfach den Rencebauern oder Cosianern zu melden? H�tten sie euch nicht schon l�ngst angreifen m�ssen?�</p><p>So einfach war der Bursche nicht zu �berzeugen. �Aber vielleicht sind sie noch nicht so weit, und du bist hier, um unsere Position zu markieren und ihren Angriff zu koordinieren. Vielleicht willst du uns ja auch am Deltarand in einen Hinterhalt f�hren und dann das Kopfgeld kassieren.�</p><p>�Das ist eine ausgezeichnete Idee�, meinte ich. �Ich werde dar�ber nachdenken.�</p><p>Der Soldat zeigte mit dem Knochen auf mich. �Solltest du dich dazu entscheiden, hoffe ich doch, da� du uns Bescheid gibst.�</p><p>�Du kannst dich darauf verlassen.�</p><p>�Das ist ehrenhaft�, meinte er.</p><p>�Es gibt viel, das du den M�nnern beibringen mu�t�, sagte Labienus.</p><p>�Mindestens ein Mann mu� st�ndig den Himmel beobachten�, best�tigte ich. �Au�erdem mu� er wie auch alle anderen, sei es Sp�her oder Vorhut, nat�rliche Zeichen kennen, mit deren Hilfe er mit den anderen in Verbindung treten kann.�</p><p>�Die Rencebauern benutzen solche Signale�, warf Plenius ein.</p><p>�Dann werden wir das auch k�nnen�, sagte der Blonde.</p><p>�Ihr werdet viele Dinge lernen�, fuhr ich fort. �Ganz wichtig ist es, die Konturen des menschlichen K�rpers zu verschleiern. Das kann mit B�schen oder aufgetragenen Farben geschehen. Man kann das Gesicht dunkler machen, um mit den Schatten zu verschmelzen, um seine Z�ge zu verzerren. Wir werden einzeln gehen, aber jeder Mann soll mindestens mit zwei anderen in st�ndigem Kontakt bleiben, und zwar die ganze Zeit �ber. Wird dieser Kontakt gebrochen, mu� das den anderen so schnell wie m�glich mitgeteilt werden. Falls offene Fl�chen �berquert werden m�ssen, werden sie einzeln und in Abst�nden �berschritten � aber erst dann, wenn mit Signalen mitgeteilt wurde, da� sie sicher sind. Keiner wird immer aufrecht gehen, sondern �fter auch geduckt. Manchmal werden wir uns auch auf allen vieren bewegen oder auf dem Bauch kriechen. Jede m�gliche Deckung wird benutzt. Keiner wird jemals erh�htes Gel�nde �berqueren, sondern es sich zunutze machen, es umkreisen, damit er sich nie vor dem Horizont abhebt.�</p><p>�Das ist eine ganze Menge, woran man denken mu߫, sagte der Mutlose.</p><p>�Es gibt auch noch viele Kleinigkeiten�, fuhr ich unger�hrt fort. �Bedenkt zum Beispiel die schlichte Tatsache, da� man das Urinieren in der Nacht weithin h�ren kann. Es ist also wichtig, da� man die Ger�usche einer solchen Erleichterung d�mpft, indem man, was wei� ich, in den Sand uriniert, sich hinhockt, sich schr�ge Oberfl�chen zunutze macht, eben solche Dinge.�</p><p>�Man sollte auch Abf�lle, F�kalien, Anzeichen f�r Lagerst�tten bedenken�, sagte Plenius.</p><p>�Genau.�</p><p>�Das ist viel, woran man denken mu߫, seufzte der blonde Soldat.</p><p>�Diese Dinge werden euch zur zweiten Natur werden�, erwiderte ich.</p><p>�Es wird beinahe so sein, als w�ren wir �berhaupt nicht da�, sagte der Mutlose staunend.</p><p>�So leise wie der Wind, so lautlos wie ein Schatten�, zitierte ich.</p><p>Labienus� Soldaten blickten einander an. In diesem Augenblick kamen sie mir wie verwandelt vor. Ich staunte, da� man mit nichts als ein paar Bissen Fleisch und einem Quentchen Hoffnung soviel erreichen konnte. Wie wunderbar ist doch der Mensch, da� er mit so wenig so weit �ber sich hinauswachsen kann! Und sind nicht K�nigreiche aus dem Sumpf und Ubarate auf dem Staub entstanden?</p><p>�Bei Einbruch der Dunkelheit brechen wir auf�, sagte Labienus und blickte �ber unsere K�pfe.</p><p>�Ja, Hauptmann�, sagte mehr als nur einer der Soldaten.</p><p>�Behaltet einen k�hlen Kopf�, empfahl ich. �Die Reise ist lang und schwierig, die Gefahren sind zahlreich und gro�. Wir m�ssen �beraus vorsichtig sein. Wir m�ssen �beraus geduldig sein.�</p><p>�Ich kann sehr geduldig sein�, sagte Labienus und blickte auf den Sumpf hinaus. Er l�chelte. In seiner Stimme hatte ein seltsamer Unterton gelegen, den ich nicht verstanden hatte. �Ihr auch, Jungs?� fragte er dann im Tonfall eines Offiziers.</p><p>�Ja, Hauptmann!� sagten die M�nner.</p><empty-line/><p>Bald w�rde die D�mmerung �ber uns hereinbrechen.</p><p>�Tarl aus Port Kar�, sagte Labienus.</p><p>�Ich bin hier, Hauptmann�, sagte ich. Labienus sa� noch immer auf dem Felsen.</p><p>�Ist jemand in der N�he?�</p><p>�Jedenfalls nicht so nahe, da� sie uns zuh�ren k�nnten, wenn wir leise sprechen.�</p><p>�Au�erdem sind sie vermutlich besch�ftigt�, l�chelte er.</p><p>�Das glaube ich auch.�</p><p>Labienus sah mich beim Sprechen nicht direkt an. Statt dessen schweifte sein Blick �ber den Sumpf.</p><p>Allerdings konnte er nichts sehen.</p><p>Er war blind.</p><p>Das war das Werk der Stechfliegen. Er hatte sich nur unzureichend gegen ihre Angriffe zur Wehr gesetzt, die viel zu oft gegen die Augen gerichtet sind. Die meisten M�nner schlossen nat�rlich die Augen oder w�rden sie bedecken, mit den H�nden oder einem St�ck Stoff. Die Rencebauern benutzen aus Rence geflochtene Matten oder Helme, die es einem erlauben, durch die Ritzen zu blicken, ohne da� die Fliegen hineink�nnen. H�tte sich der Hauptmann gesch�tzt und nicht versucht, seinen Rang und sein Auftreten als Kommandant um jeden Preis zu bewahren, h�tte er die Fliegen zweifellos daran hindern k�nnen, ihm derartige Verletzungen zuzuf�gen. Er mu� wohl mehrmals in die Augen gestochen worden sein.</p><p>Meiner Meinung nach war Labienus ein guter, verantwortungsvoller, vertrauensw�rdiger Offizier. Allerdings hatte er bei seinem Kommando einige Fehler gemacht. Er hatte seine Befehle zu starr ausgelegt; er hatte zuviel Vertrauen in die Weisheit und Lauterkeit seiner Vorgesetzten gehabt; er hatte die M�glichkeit, da� sie Opfer eines Verrates waren, viel zu z�gernd in Betracht gezogen. Er hatte in einer hoffnungslosen Situation, in der es l�ngst nicht mehr angebracht war, die urspr�nglichen Befehle weiter auszuf�hren, nicht schnell genug die Konsequenzen gezogen; sogar was die F�hrung und Taktik seines Regimentes anging, hatte er, indem er die M�glichkeit betr�chtlicher Verletzungen zulie�, auf lange Sicht nicht nur sich selbst in Gefahr gebracht, sondern auch die M�nner, die auf ihn angewiesen waren.</p><p>Zugegeben, viele dieser von mir als Fehlleistungen bewerteten Handlungen waren Vorz�ge � wenn man sie von einem anderen Standpunkt aus betrachtete. Es war meiner Meinung nach bestimmt kein Zufall, da� Hauptmann Labienus den Befehl �ber die Vorhut erhalten hatte. Vermutlich hatte Saphronicus einen vertrauensvollen, verl��lichen, hartn�ckigen, rastlosen und nicht sonderlich phantasievollen Offizier auf diesem Posten haben wollen, jemanden, der seine Leute unbeirrt immer tiefer ins Delta f�hrte, ganz gleich, welche Gefahren oder Unw�gbarkeiten sich aus der Situation erg�ben.</p><p>�Das Rencem�dchen, das du mitgebracht hast, ist stumm�, sagte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ist es nicht ziemlich unwahrscheinlich, da� ein im Sumpf entdecktes Rencem�dchen stumm ist?�</p><p>�Ja, das ist es allerdings.�</p><p>�Aber so etwas kann durchaus vorkommen.�</p><p>�Das kann es.�</p><p>�Soviel ich mitbekommen habe, warst du es, der das Tharlarion f�r die M�nner vorbereitet hat.�</p><p>�Das ist richtig.�</p><p>�Warum hat das M�dchen das nicht getan?� fragte er. �Sicher hat sie doch erwartet, damit betraut zu werden.�</p><p>�Ich wollte ihr keine Waffe in die Hand geben�, erwiderte ich. Das erschien mir als plausible Antwort, da sie, angeblich erst kurze Zeit eine Gefangene, sich unter Umst�nden noch nicht v�llig �ber die Sinnlosigkeit jeden Widerstandes im klaren war. Au�erdem werden in manchen St�dten Sklaven schon mit dem Tod bestraft, wenn sie auch nur eine Waffe ber�hren.</p><p>�Zweifellos erwartest du doch von ihr, da� sie gelegentlich mit spitzen Gegenst�nden hantiert, wenn sie zum Beispiel kocht.�</p><p>�Sie hat bis jetzt weder ein Brandmal noch den Kragen erhalten.�</p><p>�Es �berrascht mich, da� die Rencebauern nicht durch den Sumpf streifen, um sie zur�ckzuholen.�</p><p>�Vielleicht tun sie es ja.�</p><p>�Vielleicht. Es besteht auch die M�glichkeit, da� ein stummes Rencem�dchen, zweifellos eine Ausgesto�ene, ganz allein im Sumpf lebte, bis du auf sie gesto�en bist.�</p><p>�Auch das ist m�glich.�</p><p>�Die Lady Ina aus Ar, nach der du deine Gefangene benannt hast, war, wenn ich mich recht erinnere, f�r eine Frau etwas kurz geraten.�</p><p>�Tats�chlich?� Ich hatte Ina dem Hauptmann in allen Einzelheiten beschrieben, aber im Gegensatz zu seinen M�nnern hatte er keine Neigung f�r sie gezeigt.</p><p>�Das w�rde den Namen noch passender machen.�</p><p>�Da gebe ich dir recht.�</p><p>�Du sagtest, da� deine Ina blond ist?�</p><p>�Das ist richtig.�</p><p>�Lady Ina aus Ar auch.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>Labienus nickte. �Ich sah einmal einige Str�hnen ihres Haares, die aus der Kapuze hervorragten.�</p><p>�Welch ein Zufall.�</p><p>�Aber dadurch wirkt der Name nur noch passender.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Wie ich h�rte, sind blonde Rencebauern sehr selten.�</p><p>�Aber es gibt sie.�</p><p>�Zweifellos.�</p><p>Ich sagte vorsichtig: �Obwohl du blind bist, habe ich den Eindruck, da� du einige Dinge klarer als deine M�nner siehst.� Wir lauschten einigen Augenblicken den Ger�uschen, die von den Soldaten her�berdrangen.</p><p>�Glaubst du an Gerechtigkeit?� fragte der Hauptmann.</p><p>�Gelegentlich.�</p><p>�Wie sieht deiner Meinung nach Gerechtigkeit f�r eine Verr�terin aus?�</p><p>�Es gibt verschiedene Arten von Gerechtigkeit�, erwiderte ich.</p><p>�Du beanspruchst das M�dchen f�r dich, durch das Recht der Gefangennahme?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir werden nicht l�nger �ber die Angelegenheit sprechen.�</p><p>�Damit bin ich einverstanden.�</p><p>�Wenn du m�chtest, k�nntest du ihr erlauben zu sprechen.�</p><p>�Ich m�chte nicht�, erwiderte ich. �Deine M�nner k�nnten ihr den Hals durchschneiden.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>Labienus blickte �ber den Sumpf hinaus. �F�nfzigtausend Mann sind in das Delta eingedrungen.�</p><p>�Ich habe mir schon gedacht, da� es so viele sind.�</p><p>�Wie viele davon haben es deiner Meinung nach geschafft, sich unversehrt zur�ckzuziehen?�</p><p>�Vermutlich eine ganze Menge. Vor allem vor dem Angriff der Rencebauern. Nicht alle Kommandanten waren wohl so entschlossen wie du.�</p><p>�Die Rencebauern hatten sehr schnell ihre Stellung bezogen.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Was glaubst du, wie viele?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich ehrlich.</p><p>�Laut meinen Informationen, zusammen mit plausiblen Sch�tzungen, sind es sch�tzungsweise mindestens f�nfhundert, h�chstens aber nicht mehr als f�nftausend.�</p><p>�Selbst wenn f�nftausend Mann den R�ckzug geschafft haben sollten�, sagte ich, �w�re dies noch immer eine der gr��ten milit�rischen Katastrophen in der Geschichte des Planeten.�</p><p>�Und wie viele von diesen f�nftausend Soldaten, falls es so viele sind, haben es deiner Meinung nach bis nach Holmesk, Venna oder Ar geschafft?�</p><p>�Das kann ich nicht sagen. Hoffentlich viele, besonders wenn es Saphronicus geschafft hat, sich nach Holmesk zur�ckzuziehen.�</p><p>�Er wird dort sein�, sagte Labienus.</p><p>�So?�</p><p>�Bestimmt. Dann kann er in s�d�stlicher Richtung marschieren, zur Viktel Aria.�</p><p>�Die Cosianer werden nicht versuchen, sich ihm in den Weg zu stellen?�</p><p>�Nicht zwischen Holmesk und der Viktel Aria�, erkl�rte der Hauptmann grimmig. �Aber sie werden irgendwo zwischen dem Vosk und Brundisium lauern � und nicht zu vergessen zwischen dem Delta und Holmesk, um den Weg zum Heerlager abzuschneiden.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Nur die Kl�gsten und Gerissensten werden Holmesk erreichen.�</p><p>�Ar k�nnte man auf verschiedenen Wegen erreichen�, sagte ich. �Ich ginge zuerst nach Brundisium und von dort dann weiter nach Ar.�</p><p>�Das w�re ein k�hner Versuch.�</p><p>�F�r dich und deine M�nner w�re diese Route jedoch nicht empfehlenswert � bei eurem Akzent.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Und du glaubst wirklich nicht, da� die Cosianer versuchen werden, Saphronicus an einer R�ckkehr nach Ar zu hindern?�</p><p>�Nein�, erwiderte er entschieden. �Saphronicus wird nach Ar zur�ckkehren, ein tragischer Held, der oftmals verraten wurde und den man daf�r feiern wird, da� er einen Teil seiner Streitkr�fte gerettet hat. Er wird dort im Triumph eintreffen.�</p><p>�Du klingst bitter.�</p><p>�Saphronicus hat mir versichert, ich sei einer seiner besten Offiziere.�</p><p>�Das ist bestimmt richtig.�</p><p>�Aus diesem Grund hat man mich zum Befehlshaber der Vorhut gemacht�, fuhr er fort, �damit ich der erste bin, der auf die fl�chtenden Cosianer st��t.�</p><p>�Ich bin davon �berzeugt, da� du einer der entschlossensten, verl��lichsten und treuesten Offiziere warst.� Nach dem, was ich �ber ihn wu�te, bestand daran f�r mich nicht der geringste Zweifel.</p><p>�Und er hat es in aller �ffentlichkeit verk�nden lassen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Sollte ich es bis Holmesk schaffen, gew�hrt man mir vielleicht sogar eine Ehrenbeflaggung. M�glicherweise verleiht man mir als Veteran des Deltas einen Orden.�</p><p>�Wer wei�.� Ich fragte mich, ob Labienus den Verstand verloren hatte. Doch nichts an seinem Benehmen wies darauf hin.</p><p>�Zuerst mu� es mir gelingen, meine M�nner aus dem Delta zu f�hren.�</p><p>�Ich werde tun, was in meiner Macht steht, um dabei zu helfen�, versprach ich.</p><p>Er streckte die Hand aus, und ich nahm sie. Er griff fest zu.</p><p>�Dann bleibt mir nur noch eine letzte Pflicht zu erf�llen�, sagte er.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Ich mu� Saphronicus Bericht erstatten.�</p><p>�Ich verstehe.� Ich kam zu dem Schlu�, da� der Hauptmann doch den Verstand verloren hatte.</p><p>�Sollte ich Holmesk erreichen, wird es nicht schwer sein, eine Audienz bei ihm zu bekommen. Es w�re politisch unm�glich, sie zu verweigern. Ich bin ein Veteran des Deltas, der Anf�hrer der Vorhut, einer seiner besten Offiziere.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Labienus lie� meine Hand los. Sein Griff war sehr stark.</p><p>�Vertraust du mir?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte der Hauptmann.</p><p>�Warum?�</p><p>�Um dessen willen, das unsichtbar und doch sch�ner ist als ein Diamant�, sagte Labienus. �Wegen der Stille, die lauter ist als der Donner, um dessen willen, das keine Waagschale niederdr�ckt und doch schwerer ist als Gold.�</p><p>�Du kannst nicht einmal sehen.�</p><p>�Man kann auf mehr als nur eine Weise sehen.� Er verstummte. �Einer der M�nner soll mir eine Schale mit Wasser bringen. Und Salz. Und ich brauche ein St�ck Holz oder �ste, aber mit vollst�ndiger Rinde.�</p><p>�Krieger�, rief ich einem der Soldaten zu, die in der N�he sa�en. Er kam zu uns her�ber, �dein Hauptmann verlangt eine Schale mit Wasser, Salz und Holz, �ste oder so etwas in der Art, aber mit der Rinde!�</p><p>Der Mann sah mich verst�ndnislos an.</p><p>Ich zuckte nur mit den Schultern.</p><p>Er ging, vermutlich um den Auftrag auszuf�hren.</p><p>�Ich werde diese Dinge regelm��ig brauchen�, sagte Labienus, �zumindest aber so lange, bis wir das Delta verlassen haben.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte ich. Das Schicksal, dem sich Labienus ergeben hatte, h�tte auch st�rkere M�nner gef�llt.</p><p>�Du darfst dich jetzt zur�ckziehen�, sagte er.</p><p>�Du kommst zurecht?� fragte ich.</p><p>Der Hauptmann nickte.</p><p>�Was willst du tun?�</p><p>�Ich werde �ber meinen Bericht nachdenken.�</p><p>�Ich verstehe.� Ich hoffte, da� Labienus� Wahnsinn unsere Bem�hungen, uns aus dem Delta zur�ckzuziehen, nicht gef�hrden w�rde. Der Soldat, der mit den Besorgungen beauftragt war, blickte zu Labienus hin�ber und redete dabei weiter auf einen Kameraden ein.</p><p>In etwa einer Ahn w�rde es vollends dunkel sein. Wir alle brauchten Ruhe.</p><p>Ich setzte mich in den Sand und beobachtete, wie der Soldat Labienus eine Schale mit Wasser und ein S�ckchen Salz brachte. Er hatte auch ein paar �ste gefunden. Der Hauptmann stellte das Wasser und das Salz neben sich ab. Dann zupfte er die Rinde gr�ndlich mit den Fingern ab. Ich legte mich hin. Einige Zeit sp�ter nahm er die Wasserschale und balancierte sie auf den Knien. Er sch�ttete Salz hinein, bis er eine dickfl�ssige Salzlake hatte. Dann tauchte er die H�nde hinein. Die Zweige der kleinen �ste waren v�llig blank; er hatte die Rinde vollst�ndig abgezogen. Es stimmte mich traurig, da� sein Verstand zerbrochen war.</p><p>Ina kam und setzte sich zu mir. Sie sah ersch�pft aus, schien aber sehr zufrieden mit sich zu sein. Als sie meinen Blick bemerkte, schlug sie schnell die Augen nieder.</p><p>�Ruh dich aus.� Ich wollte, da� sie ausgeruht war, wenn wir weiterzogen.</p><p>�Wann brechen wir auf?� fragte sie im Fl�sterton.</p><p>�In wenigen Ahn�, erwiderte ich. �Ich werde dich etwas fr�her wecken, um deinen K�rper hier und da mit Schlamm aus dem Sumpf dunkler zu machen.�</p><p>Sie sah zu mir hoch.</p><p>�Es ist eine Sache der Tarnung.�</p><p>�Du kannst damit anfangen, was du willst�, raunte sie. �Es sind das Gesicht und der K�rper einer Sklavin.�</p><p>Lady Ina aus Ar hatte sich seit unserer ersten Begegnung wirklich sehr ver�ndert.</p><p>Ich nickte, stand auf und lie� sie allein.</p><p>Labienus hatte seine H�nde aus der Salzlauge entfernt und vertiefe sich darin, den n�chsten Ast von der Rinde zu befreien.</p><p>Ich legte mich schlafen.</p><p>Die n�chsten Tage w�rden anstrengend werden.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Der Soldat vor mir w�hlte das Wasser auf. Die Tiefe betrug hier, ein paar Meter von der Sandbank entfernt, etwa einen Meter. Es war fr�her Morgen. Der Nachtmarsch hatte uns alle erm�det. Auf der Sandbank bereiteten einige der M�nner bereits das Tageslager vor.</p><p>Seit zehn Tagen zogen wir nach S�den, die M�nner aus Ar, Ina und ich. Dreimal war der Ruf des Sumpfjard ert�nt, das von uns vereinbarte Signal, das uns vor Gefahr warnen sollte. Zweimal war es ein Tarnsmann gewesen, der sich hoch am Himmel vom Mond abzeichnete. Einmal war es eine cosische Patrouille in schmalen Booten gewesen. Jedesmal waren wir in den Sumpf getaucht, bis nur noch unsere M�nder und Augen aus dem Wasser ragten. Die Cosianer konnten sich gl�cklich sch�tzen, da� sie uns nicht entdeckt hatten, denn sonst w�ren sie nie zu ihrem Lager zur�ckgekehrt. In unseren Tageslagern hatte uns das Signal zweimal erreicht, um uns zu warnen, da� sich jemand in der N�he befand; in beiden F�llen hatte es sich um Rencebauern gehandelt, die fischten oder Rence ernteten.</p><p>Plenius und Titus flankierten uns mit Speeren in den H�nden. In einer Entfernung von f�nfzehn oder zwanzig Metern ragte die schwarze R�ckenflosse eines Sumpfhais aus dem tiefen Wasser. Er schwamm tr�ge umher. Gelegentlich durchschnitt seine sichel�hnliche Schwanzflosse die Wasseroberfl�che.</p><p>�Er kommt�, sagte Plenius.</p><p>�H�r jetzt auf�, befahl ich dem Soldaten. Die R�ckenflosse markierte den Weg des gro�en K�rpers unter der Oberfl�che. Ich ging davon aus, da� er sich sein erw�hltes Opfer n�her betrachtete, bevor er zuschlug. Der Soldat erstarrte.</p><p>Die Flosse kam auf uns zu, viel zu schnell f�r eine erste Erkundung. Plenius und Titus machten sich bereit. Ich packte den Soldaten, der den Lockvogel gespielt hatte, bei den Armen und ri� ihn zur Seite.</p><p>Beide Speere stie�en zugleich nach unten, und pl�tzlich b�umte sich der sieben goreanische Fu� gro�e Hai auf, der schwarze K�rper wand sich, sein Schwanz peitschte das Wasser auf. Titus� Speer wurde aus den Kiemen freigesch�ttelt, aus denen das Blut hervorbrach, aber Plenius� Speer blieb stecken, und die Bestie tauchte wieder unter und wurde gewaltsam in Richtung Sandbank gedr�ckt. Der Soldat, den ich zur Seite gesto�en hatte, und ich waren klatschna�. Ich blinzelte das Wasser aus den Augen, ergriff Titus� Speer und jagte ihn dem Hai in die Seite. Plenius stemmte sich gegen seine Waffe und zwang ihn weiter auf die Sandbank zu. Zwei Soldaten mit Speeren wateten heran. Einer stie� ihn auf Plenius� Seite in die Kiemen, und gemeinsam dr�ckten wir die Bestie in die von uns gew�nschte Richtung. Dann war der Hai im flachen Wasser, wo er sich wild umherwarf. Einer der Speere, die in seinem K�rper steckten, brach ab. Ein paar Tage zuvor hatten wir einen Hai in diesem Augenblick verloren, als er sich so heftig bewegte, da� er es zur�ck ins Wasser schaffte. Ein zweiter hatte sich kurz vor dem Ufer von den Speeren befreit und war, eine Blutspur hinterlassend, zwischen dem Renceschilf in die Freiheit geschwommen.</p><p>Aber diesmal steckten f�nf Speere im K�rper des Hais, denn uns waren weitere M�nner zur Hilfe gekommen. Wir schafften ihn an Land. Seine blutigen Kiemen pulsierten noch immer. Der kr�ftige Schwanz, dessen Schlag einem Mann durchaus das Bein brechen konnte, bewegte sich kaum noch. Zwei Soldaten schoben eine Schlinge um den Schwanz und zogen ihn zum Lager.</p><p>Ich stieg aus dem Wasser und stattete Labienus einen Besuch ab. Der Hauptmann hielt einen dicken Ast in der Hand. Er zog die Rinde mit den Fingern ab. Seine H�nde waren mittlerweile hart und grau. Meiner Meinung nach konnte er kaum noch etwas f�hlen. Er schien sich die H�nde zerst�ren zu wollen. Sowohl die anderen M�nner wie auch ich hatten ihn gedr�ngt, damit aufzuh�ren, aber er l�chelte blo� und beachtete uns nicht. Auf der einen Seite stand eine Schale Salzwasser. Von Zeit zu Zeit tauchte er die H�nde in die scharfe L�sung. Ich bezweifelte, da� er seine Finger �berhaupt noch richtig benutzen konnte. Er hatte stets kleinere �ste dabei, mit einem Durchmesser von sechs Zentimetern. Unterwegs nahm er sie manchmal und dr�ckte und zerrte �ber eine Ahn lang an ihnen herum. Oder er hielt den Ast mit beiden H�nden fest und ri� ihn entzwei. Sein Griff, der auch zuvor nicht schwach gewesen war, mu�te mittlerweile furchterregend stark sein.</p><p>Der Hai lag mitten im Lager, das Seil noch immer um den Schwanz gewunden. Die Kiemen bewegten sich nicht l�nger. Ein Soldat n�herte sich ihm mit einem Messer.</p><p>�Warte!� rief ich und ging zur�ck.</p><p>�Was ist denn?�</p><p>�Was hast du vor?�</p><p>�Ich werde dem Hai die Z�hne herausschneiden � f�r eine Halskette.�</p><p>�An deiner Stelle w�rde ich damit noch warten.�</p><p>�Der ist doch tot.�</p><p>�Das wei�t du nicht.�</p><p>Er blickte mich stirnrunzelnd an.</p><p>Ich nahm einem der umstehenden Soldaten den Speer ab und stie� dem Hai das Ende in den Rachen.</p><p>Das Holz war noch nicht richtig eingedrungen, als die Kiefer zuschnappten. Ich zog das zersplitterte Ende des Speeres zur�ck. Er war sauber durchgebissen worden.</p><p>�Ich w�rde warten�, sagte ich.</p><p>Der Mann nickte. �Das werde ich tun. Danke, Krieger.�</p><p>�Und selbst dann w�re es nicht verkehrt, sicherzugehen, da� das Maul offenbleibt, vielleicht mit Hilfe von Steinen.�</p><p>�La�t uns das Fleisch herunterschneiden�, schlug einer der M�nner vor. �Wir m�ssen essen. Wir m�ssen uns ausruhen.�</p><p>Der Mann mit dem Messer beugte sich vor, stie� dann aber einen Fluch aus.</p><p>�Was ist los?� fragte Titus.</p><p>�Das Messer ist scharf, ich habe es eben gesch�rft. Trotzdem ist schwer, die Haut aufzuschneiden.�</p><p>�Brauchst du Hilfe?�</p><p>�Nein!�</p><p>�Wo ist der Fisch?� fragte Labienus.</p><p>Alle wandten sich dem Hauptmann zu. Wir waren �berrascht, da� er gesprochen hatte. In den letzten Tagen hatte er kaum ein Wort gesagt. Er war in seine ungew�hnliche Besch�ftigung vertieft.</p><p>�F�hrt mich zu ihm�, sagte er. �Legt meine H�nde auf ihn, hinter den Kopf.�</p><p>Titus geleitete ihn zu dem toten Hai. Labienus kniete neben ihm nieder und legte die H�nde darauf. Er tastete umher und lie� die Finger �ber die rauhe Oberfl�che gleiten.</p><p>Wir sahen schweigend zu.</p><p>Labienus hob die H�nde, die Finger gekr�mmt wie die Klauen eines Tarn, dann stie� er sie dem Fisch pl�tzlich in die Seite. Wie Eisenklauen drangen sie ein. Er stand auf, stemmte das gewaltige Gewicht in die H�he und sch�ttelte es, und der Fisch drehte sich und fiel wieder in den Sand; ein drei�ig Zentimeter breiter Hautstreifen war abgesch�lt. Zweimal wiederholte er diese Leistung, und zweimal wurden gro�e Hautstreifen zur Seite geschleudert.</p><p>�Jetzt d�rfte es leichter sein, an das Fleisch zu gelangen�, verk�ndete Labienus.</p><p>�Ja, Hauptmann�, fl�sterte der Soldat mit dem Messer. Der Rest von uns schwieg. Titus f�hrte Labienus zur�ck an seinen Platz, wo er sich stumm mit untergeschlagenen Beinen wie ein Krieger hinsetzte und �ber den Sumpf hinausstarrte.</p><p>�La�t uns essen�, sagte Plenius.</p><p>Der Soldat mit dem Messer fing an zu schneiden. Wenige Augenblicke sp�ter kamen in dem Lager ged�mpfte Unterhaltungen auf, Essen wurde umhergereicht.</p><p>Plenius setzte sich neben mich.</p><p>�Tal�, sagte ich.</p><p>�Ich bin neugierig, was deine Gefangene angeht�, sagte er.</p><p>Ich blickte ihn stirnrunzelnd an.</p><p>�Einige der anderen �brigens auch.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Darf ich sie holen?�</p><p>Ich nickte.</p><p>Er schnalzte mit den Fingern, und Ina eilte herbei, um in geb�hrendem Abstand neben uns niederzuknien. Sie hatte noch nicht gegessen.</p><p>Ich hielt Ina ein St�ck Fisch hin, und sie beugte sich vor und nahm es mit dem Mund. Sie hatte keine Erlaubnis erhalten, die Finger zu benutzen.</p><p>�Du hast deine Ina gut ausgebildet�, sagte Plenius. �Sie ist h�bsch. H�bsch genug f�r eine Sklavin.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Sehr h�bsch f�r ein Rencem�dchen.�</p><p>�Im Rence leben viele Sch�nheiten�, erwiderte ich. Vor einigen Jahren waren Sklavenj�ger ins Delta gekommen, um sie fast ungehindert zu jagen. Seitdem die Rencebauern �ber den gro�en Bogen verf�gten, war es eher �blich, ganz offen zu kommen und sie zu kaufen.</p><p>�Zweifellos�, meinte Plenius. �Aber ich bin mir einfach nicht sicher, was sie betrifft.�</p><p>�Sprich.�</p><p>Einige der Soldaten hatten sich um uns versammelt und h�rten zu.</p><p>�Es ist nicht nur auffallend, da� sie f�r ein Rencem�dchen au�ergew�hnlich sch�n ist, sondern viele andere kleine Dinge sind ungew�hnlich � wie sie geht, wie sie sich gibt.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Wir haben sie oft ohne Fesseln gehen lassen, und doch hat sie keinen Versuch unternommen, sich ins Schilf zu schlagen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Wir halten sie f�r kein Rencem�dchen, wir glauben, da� sie Lady Ina aus Ar ist!�</p><p>Ina schrak zur�ck; sie zitterte am ganzen Leib.</p><p>Diese Reaktion kam pl�tzlich, unwillk�rlich und fast wie ein Reflex. Er war den M�nnern bestimmt nicht entgangen. Ich bef�rchtete sofort, da� sie sich verraten hatte. Au�erdem bef�rchtete ich, sie werde einen Fluchtversuch unternehmen. Gl�cklicherweise war sie klug genug, es nicht zu versuchen. Die M�nner h�tten sie nach wenigen Schritten erwischt.</p><p>�Es hat den Anschein, als h�tte sie von der Lady Ina geh�rt�, bemerkte Plenius.</p><p>�Das ist schon m�glich�, sagte ich, �und vielleicht hat sie Angst, mit ihr verwechselt zu werden.� In aller Ruhe kaute ich das St�ck Fisch zu Ende und schluckte es. Das verschaffte Ina die n�tige Zeit, sich wieder zu beherrschen.</p><p>�Seht sie euch an�, sagte ich dann.</p><p>Die M�nner betrachteten Ina, die den Kopf senkte.</p><p>�Ist sie nicht h�bsch?�</p><p>�Ja�, sagte Titus.</p><p>�Und ist sie nicht hei�, wenn man bedenkt, da� sie gar keine Sklavin und f�r derlei Zwecke nicht ausgebildet ist?�</p><p>�Das ist sie.�</p><p>�Und was ist Lady Ina?� fragte ich.</p><p>�Ein hochm�tiges, anma�endes Sleen-Weibchen�, sagte Plenius.</p><p>�Also ist es doch wohl ziemlich unwahrscheinlich, da� es sich bei dieser h�bschen, willigen und gut ausgebildeten Schlampe und Lady Ina um ein- und dieselbe Person handelt.�</p><p>Die Soldaten wechselten vielsagende Blicke.</p><p>�Es erscheint doch ziemlich unwahrscheinlich, nicht wahr?�</p><p>�Ja, schon�, sagte Titus, �aber��</p><p>�Wollen wir doch sehen, ob sie sich wie die Lady Ina benimmt�, schlug ich vor. Ich schnippte mit den Fingern und zeigte auf die M�nner. Sofort warf sich Ina auf die Knie und rutschte dem�tig und mit einem Eifer, der einer Sklavin gut zu Gesicht gestanden h�tte, zu den Soldaten hin und fing an, sie zu liebkosen. Ich sah zu, wie sie sie hielt und streichelte, sie k��te und leckte, in der Hoffnung, ihre Aufmerksamkeit zu erringen, f�r sie begehrenswert zu sein, in der Hoffnung, sie zu erfreuen. Dann blieb sie furchtsam auf dem Bauch liegen.</p><p>�Soll das die Lady Ina sein?�</p><p>Sie hockte sich auf die Knie, das Gesicht weiter im Sand.</p><p>Die M�nner lachten.</p><p>�Wer wei߫, sagte Plenius.</p><p>�Auf jeden Fall geh�rt sie mir�, sagte ich.</p><p>Plenius grinste.</p><p>�Vielleicht willst du sie ja retten�, meinte ich.</p><p>�F�r den Speer?� fragte er.</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>�Du hast mich aus dem Treibsand gezogen�, sagte er.</p><p>�W�rst du nicht gewesen�, sagte der Soldat, der die Haifischz�hne hatte haben wollen, �h�tte ich vielleicht eine Hand oder einen Arm verloren.�</p><p>�Ohne dich w�ren wir irgendwo im Delta verschollen, vielleicht sogar tot�, sagte Titus.</p><p>Plenius wandte sich an seine Kameraden. �Ich glaube nicht, da� sie Lady Ina ist�, verk�ndete er.</p><p>�Nein�, sagte der Soldat mit dem Messer.</p><p>�Hauptmann?� fragte Titus.</p><p>�Nein�, l�chelte Labienus. �Das ist nicht die Lady Ina.�</p><p>�Du bist sicher, Ina�, sagte ich der knienden Gefangenen.</p><p>Erleichtert schluchzte sie los, ihre Tr�nen benetzten den Sand.</p><p>�Du solltest ihr erlauben zu sprechen�, sagte Plenius.</p><p>�Hauptmann?� fragte ich.</p><p>�Auf jeden Fall�, sagte Labienus.</p><p>�Selbst wenn sie zuf�llig mit dem Akzent einer Lady von Ar sprechen sollte?� fragte ich.</p><p>�Aber sicher.�</p><p>�Das w�re gro�artig�, sagte Titus. �Wie oft habe ich mir schon gew�nscht, eine jener hochwohlgeborenen Damen zu meinen F��en liegen zu sehen, als eine echte Frau.�</p><p>Ich wandte mich wieder Ina zu. �Du darfst sprechen.�</p><p>�Danke, mein Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Ich glaube, aus ihr k�nnte man eine gute Sklavin machen�, meinte Plenius grinsend. Dann zuckte er zusammen, und ich glaube, einige der anderen auch, denn pl�tzlich ert�nte ein ziehendes, rei�endes Ger�usch. Wir blickten uns um und sahen, da� Labienus ein gro�es St�ck Rinde von einem kr�ftigen, fast schon stammdicken Ast abri�. Die Fingerkuppen hatten in dem abgesch�lten Holz sogar tiefe Abdr�cke hinterlassen. Er blickte wieder auf den Sumpf hinaus und tauchte die H�nde in das Salzwasser.</p><p>Ich bot Plenius ein St�ck Fisch an, er nahm es, und wir a�en gemeinsam.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Ich blickte auf und musterte das von B�umen durchsetzte Unterholz hinter Titus.</p><p>Dort gab es etwas Bemerkenswertes zu sehen.</p><p>Plenius stand neben mir. Wir befanden uns im Lager. Im sumpfigen Delta sind B�ume eher eine Seltenheit, aber jetzt, da wir uns dem s�dlichen Rand n�herten, kamen sie �fter vor.</p><p>Vor elf Tagen war die Wahrheit �ber die Gefangene Ina aufgedeckt worden. Vor neun Tagen hatten wir die Sandinsel �berquert, �ber die die Rencebauern die Tharlarionherde getrieben und dann einen Pfeilregen hatten folgen lassen. Die meisten der Pfeile waren verschwunden; vermutlich hatten die Sch�tzen sie sp�ter wieder eingesammelt. Wie bereits erw�hnt sind die Pfeile aus Temholz kostbar, da es diese Art Holz im Delta nicht gibt.</p><p>Vor vier Tagen waren wir weit genug nach Osten gereist, um hoffen zu k�nnen, da� sich die cosischen Patrouillen nun hinter uns bef�nden, und schlugen einen Bogen nach S�den. Das w�rde uns in eine Gegend bringen, die weit genug sowohl von Brundisium als auch von Ven entfernt lag, eine Gegend, die die Cosianer � so hoffte ich � nicht l�nger f�r �berwachenswert hielten. Sie w�rden vermutlich von der Annahme ausgehen, da� Fl�chtlinge von der Stelle, an der ihr Regiment aufgehalten worden war, geradewegs nach Norden oder S�den fliehen w�rden, in dem Bem�hen, den Gefahren des Deltas so schnell wie m�glich zu entkommen. Ihnen w�rde hoffentlich nicht der Gedanke kommen, da� die Fl�chtlinge eine Zeitlang auf ihrer fr�heren gl�cklosen Route zur�ckgingen, die ohnehin h�chstwahrscheinlich von den Rencebauern blockiert und f�r sie so unglaublich verlustreich gewesen war. Und genau diese Route, die die Vorhut eingeschlagen hatte, war diejenige, die ich ausgesucht hatte.</p><p>Allerdings hatten wir sie mittlerweile verlassen. Ich vermutete, da� wir noch vier oder f�nf Tage vom Deltarand entfernt waren. Nat�rlich w�rden wir nicht weiter nach Osten reisen, denn das w�rde uns in die von Turmus und Ven beherrschten Gebiete bringen, beides St�dte, die Cos� Politik zugetan waren.</p><p>Ich sagte: �Plenius?�</p><p>Er blickte auf.</p><p>�Sieh doch einmal in Titus� Richtung ins Unterholz, in eine Entfernung von etwa drei�ig Meter, wo die beiden B�ume nahe zusammenstehen.�</p><p>�Und?�</p><p>�Das reicht schon.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Was hast du gesehen?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Nichts.�</p><p>�Was du gesehen hast, will ich wissen.�</p><p>�Nur Geb�sch�, sagte er. �Gras, Renceschilf, zwei B�ume.�</p><p>�Welche Art von Geb�sch?�</p><p>�Etwas Festal, Tes, ein bi�chen Tor.�</p><p>�Bist du sicher, da� es ein Torbusch ist?�</p><p>Er vergewisserte sich. �Ja.�</p><p>�Ich halte es auch f�r einen Torbusch.� Man kennt den Strauch unter mehreren Namen; einer davon ist Torstrauch, was man mit heller Strauch oder Lichtstrauch �bersetzen k�nnte, was auf der verschwenderischen Bl�tenpracht beruht, die wei� oder gelb sein kann. In voller Bl�te ist es ein pr�chtiger Strauch. Jetzt bl�hte er nicht, schlie�lich war es nicht Herbst.</p><p>Plenius blickte mich an. �Und?�</p><p>�F�llt dir daran nichts Ungew�hnliches auf?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wie hoch ist er?�</p><p>�Ich w�rde sagen, so etwa anderthalb Meter.�</p><p>�Das ist auch meine Sch�tzung.�</p><p>�Ich verstehe nicht, worauf du hinauswillst.�</p><p>�Kommt dir das nicht ungew�hnlich vor?� fragte ich.</p><p>�Eigentlich nicht.�</p><p>�Mir schon.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Der Torstrauch w�chst einem Mann nur bis zur H�fte.�</p><p>Er stand ganz ruhig da, etwas vorn�bergebeugt, und beobachtete unser Lager.</p><p>Ich hatte Plenius stehen lassen, war unauff�llig weggegangen und hatte dann einen gro�en Bogen geschlagen. Auf diese Art hatte ich ihn umgangen.</p><p>Meine linke Hand verschlo� ihm den Mund und dr�ckte ihm den Kopf zur�ck; ich zog ihn gegen meinen gedrehten K�rper und entbl��te so seinen Hals f�r mein Messer, das ich ihm an die Kehle hielt. Er war hilflos, war zum Schweigen gebracht worden und konnte sofort get�tet werden.</p><p>�Keine Bewegung, Rencebauer�, sagte ich, �oder du bist tot.�</p><p>Er bewegte sich nicht, gab nicht den geringsten Laut von sich.</p><p>�Auf die Knie�, fl�sterte ich ihm ins Ohr.</p><p>Er gehorchte.</p><p>Dann zwang ich ihn auf den Bauch, kniete mich auf ihn, das Messer zwischen die Z�hne geklemmt, zog in rasender Eile einen Lederriemen hervor und fesselte ihm die H�nde auf den R�cken.</p><p>�Keinen Laut�, warnte ich ihn.</p><p>Soweit ich feststellen konnte, befanden sich keine anderen Rencebauern in unmittelbarer N�he. Die Zeichen auf seinem Gesicht und der Strauch, mit dem er sich getarnt hatte, verrieten, da� es sich bei ihm um keinen gew�hnlichen Rencebauern handelte, der seinen t�glichen Pflichten nachkam und sich seinen Lebensunterhalt verdiente. Er war vielleicht ein Sp�her oder ein Menschenj�ger. Allerdings war er noch jung, kaum �lter als ein Junge. Doch auch die k�nnen sehr gef�hrlich sein. Ein erfahrener Krieger nimmt sie durchaus ernst.</p><p>�Auf die F��e!� befahl ich. Dann schob ich ihn in Richtung unseres Lagers.</p><p>�Ein Rencebauer�, verk�ndete ich und stie� ihn in unsere Mitte.</p><p>Sofort dr�ngten sich M�nner um uns.</p><p>�Stellt Wachen auf!� befahl ich.</p><p>Titus und ein anderer Mann brachen sofort auf.</p><p>Neugierig kam Ina n�her; auch sie wollte sehen, was geschehen war.</p><p>�Das ist ein Mann�, sagte ich. Sofort fiel sie auf die Knie, legte die H�nde in den Sand und den Kopf dazwischen. Er war jung, aber sie als Frau hatte ihm ihren Gehorsam erwiesen, hatte ihre Weiblichkeit seiner M�nnlichkeit unterworfen.</p><p>Er blickte sie einen Augenblick lang verbl�fft an. Vermutlich blieben ihm auf seiner Rence-Insel derartige Aufmerksamkeit und die Ehrerbietung einer sch�nen Frau verwehrt. Im allgemeinen sind Rencefrauen launisch, leicht gekr�nkt und eifers�chtig auf die M�nner. Viele von ihnen scheinen die Meinung zu vertreten, da� es eine Erniedrigung ist, eine Frau zu sein; sie scheinen lieber die M�nner zu imitieren statt wahre Frauen zu sein. Die st�ndig wachsende Zahl der ins Delta importierten Sklavinnen (eine Tendenz, die die freien Frauen, aus welchen schwer vorstellbaren Gr�nden auch immer � pochen sie doch stets auf ihre �berlegenheit �ber derartige Gesch�pfe �, von ganzem Herzen verabscheuen) hat dazu gef�hrt, da� die M�nner, die das Gl�ck haben, eine von ihnen zu besitzen, nicht mehr so mi�trauisch und zaghaft sind, wie es einst der Fall war.</p><p>�Ein Rencebauer�, knurrte ein Soldat.</p><p>Der Junge dr�ckte den R�cken durch, wich aber ein St�ck zur�ck.</p><p>�Erinnert euch an die Tharlarion, an die Pfeile!�</p><p>�Ja, genau!�</p><p>�Erinnert euch an den Marsch durch das Rence!�</p><p>�Richtig!�</p><p>Der Junge schien Mut zu haben.</p><p>�Seht die Zeichen auf seinem Gesicht, und das hier!� Der Soldat ri� ihm die Zweige des Strauches vom Leib.</p><p>�M�rderischer Rencebauer�, sagte ein anderer Soldat und zog ein Messer. �T�ten wir ihn.�</p><p>�Wartet!� warf ich ein.</p><p>�Ich werde ihm die Kehle durchschneiden.�</p><p>�Wartet!� wiederholte ich. �Wo ist Labienus?�</p><p>�Da hinten�, sagte ein Mann. Der Hauptmann sa� vor einem Baum, lehnte sich gegen den Stamm, als w�rde er meditieren, und umschlo� ihn mit den Armen.</p><p>�Bringen wir ihn zum Hauptmann�, schlug ich vor.</p><p>Das erschien mir als die vern�nftigste Methode, das Leben des Jungen zu retten. Seine Jugend w�rde den M�nnern, die im Pfeilregen gestanden und geliebte Kameraden verloren hatten, nicht das geringste bedeuten. Sie w�rden nur die Meinung vertreten � und das zu Recht �, da� ein so gro�er und kr�ftiger Junge schon jetzt dazu f�hig war, den gro�en Bogen zu spannen, und selbst wenn er nicht k�nnte, w�rde er in einem oder zwei Jahren soweit sein. Mir war da ein verr�ckter Gedanke gekommen. Ich war neugierig, ob Labienus �hnliche Gedanken hegte.</p><p>�Ja�, sagte der Soldat, der mit dem Messer herumfuchtelte, �bringen wir ihn zum Hauptmann!�</p><p>Der Junge wurde bleich.</p><p>Sie stie�en ihn bis zu Labienus, der sich aus seinen Gedanken l�ste und sich zu uns umdrehte.</p><p>�Wir haben dir einen Rencebauern gebracht.�</p><p>�Einen Spion!�</p><p>�Tarl hat ihn gefangen.�</p><p>�Seinem Aussehen nach ist er ein J�ger und M�rder.�</p><p>�Er ist noch ein Junge�, sagte ich.</p><p>Labienus wandte uns den Kopf zu. Seine Augen waren eine Masse entstellender Narben.</p><p>�Wie ist dein Name, Junge?� fragte er.</p><p>�Ho-Tenrik�, antwortete der Junge stolz.</p><p>�Hat er eine besondere Bedeutung?� fragte ich. So, wie er den Namen aussprach, war es vorstellbar, da� dies zutraf. Im Goreanischen ist �Ho� eine weit verbreitete Vorsilbe, die auf die Abstammung hinweist. Manchmal wird sie benutzt, manchmal auch nicht. In diesem Zusammenhang war es ein Hinweis, da� es sich bei dem jungen Mann um den Sohn oder Abk�mmling eines Mannes namens �Tenrik� handelte. Ich h�tte den Namen auch als �Tenriksohn� �bersetzen k�nnen, zog es aber vor, beim Goreanischen zu bleiben.</p><p>�Ich bin Tenriks Sohn�, sagte er, �Tamruns Bruder.�</p><p>Die Soldaten blickten sich an. Ich sah, da� ihnen das nicht das geringste sagte.</p><p>�Also Tamruns Neffe�, fuhr der Junge fort.</p><p>�Ich verstehe.� Mir entging nicht, da� Labienus sich ebenfalls an den Namen zu erinnern schien. Vor langer Zeit hatte ich ihn ihm gegen�ber einmal erw�hnt.</p><p>�Kommst du aus Tamruns Dorf?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber aus einem Dorf in dessen N�he?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Du bist weit weg von zu Hause.�</p><p>�Wir jagen die M�nner aus Ar!�</p><p>�T�tet ihn!� verlangte ein Soldat.</p><p>Plenius fragte: �Wer ist Tamrun?�</p><p>�Tamrun ist im Rence ein hochrangiger F�hrer�, erkl�rte ich. �So etwas wie eine Legende, eine Art Stratege und Staatsmann, so �hnlich wie Ho-Hak aus den Gezeitens�mpfen, einer der wenigen M�nner, die zu jeder Zeit eine beliebige Anzahl von D�rfern mobilisieren k�nnen.�</p><p>�Dann war er in die Angriffe verwickelt?�</p><p>�Davon gehe ich aus�, sagte ich.</p><p>�Ja!� sagte Ho-tenrik stolz. �Und ich auch, und die M�nner aus meinem Dorf!�</p><p>Unter diesen Umst�nden war diese enthusiastische, feierliche Erkl�rung des Jungen meiner Meinung nach eher unangebracht.</p><p>�Welch eine s��e Rache, einen Neffen dieses Tamruns in unserer Gewalt zu haben!� erkl�rte Plenius.</p><p>�Ich f�rchte die Folter nicht�, sagte Ho-Tenrik.</p><p>Er war wirklich mutig. Ich selbst habe der Folter seit jeher eine gesunde Abneigung entgegengebracht, man k�nnte sogar so weit gehen und es als entschiedenen Abscheu bezeichnen.</p><p>�Warum habt ihr uns angegriffen?� fragte Labienus.</p><p>�Ihr seid unsere Feinde�, sagte der Junge. �Ihr seid in unser Land eingefallen.�</p><p>�Wir haben die Cosianer verfolgt!� rief Plenius.</p><p>�Im Delta halten sich nur wenige Cosianer auf�, behauptete der Junge.</p><p>�Von seinem Blickpunkt aus scheint diese Meinung durchaus gerechtfertigt�, sagte ich. �Au�erdem wu�te er, da� es im Delta keine auf dem R�ckzug befindliche cosische Streitmacht gab; also konnte er davon ausgehen, da� euch das ebenfalls bekannt war. Ungl�cklicherweise wurde eines ihrer D�rfer niedergebrannt, was man verst�ndlicherweise f�r einen Kriegsakt gehalten hat. Wenn ihr einem Larl einen Tritt versetzt, k�nnt ihr es ihm nicht verdenken, wenn er darauf reagiert.�</p><p>�Stellst du dich auf seine Seite?� fragte ein Soldat.</p><p>�Was h�ttet ihr gedacht, wenn ihr im Rence leben w�rdet?� stellte ich eine Gegenfrage.</p><p>�Wir wu�ten, da� ihr der Feind seid�, verk�ndete Ho-Tenrik. �Schon lange bevor ihr in unser Land eingedrungen seid.�</p><p>�Wieso denn das?� fragte ich.</p><p>�Unsere Freunde, die Cosianer, haben uns gewarnt.�</p><p>�Und ihr habt ihnen geglaubt?�</p><p>�Euer Verhalten hat ihre Worte best�tigt.�</p><p>�Nein!� sagte Plenius.</p><p>�Aber den Bauern mu� das so vorgekommen sein�, sagte ich.</p><p>Die M�nner warfen sich w�tende Blicke zu. �T�tet ihn!� stie� einer hervor.</p><p>�Ich habe keine Angst vor dem Tod�, behauptete Ho-Tenrik. Aber seine Unterlippe zitterte ein wenig.</p><p>Ein Soldat hielt ihm das Messer unter das Kinn. �Du machst Jagd auf M�nner aus Ar, das stimmt doch?� fragte er.</p><p>�Ja�, erwiderte Ho-tenrik und hob das Kinn ein St�ck, damit die Klinge nicht in die Haut schneiden konnte.</p><p>�Aber du bist jetzt in unserer Gewalt, gefesselt�, fuhr der Mann fort. �Es sieht also so aus, als w�re der J�ger gejagt worden.�</p><p>�Und in die Falle gegangen�, f�gte Plenius hinzu.</p><p>�Aber nicht dir�, erwiderte Ho-Tenrik. Eine Anspannung ergriff Plenius, seine Hand tastete nach dem Schwert.</p><p>�Aber das w�re durchaus m�glich gewesen�, sagte ich.</p><p>Der Junge blickte mich an. �Vielleicht.�</p><p>Dieses Zugest�ndnis war meiner Meinung nach nicht nur gerechtfertigt, sondern schien auch eine der ersten �berlegten Antworten des Jungen zu sein.</p><p>�Es sind sicher noch andere in der N�he�, vermutete Plenius.</p><p>�Wir sollten den da ausziehen und gefesselt und geknebelt als Lockmittel f�r die anderen benutzen�, schlug der Mann mit dem Messer vor.</p><p>�Dann k�nnen wir sie alle t�ten.�</p><p>�Dazu haben wir keine Zeit�, warf ein anderer Soldat ein. �La�t uns ihn in St�cke hacken und seine Einzelteile als Warnung an die �ste eines Baumes h�ngen.�</p><p>Ho-Tenrik wurde erkl�rlicherweise ziemlich bla�, als er diese bedrohlichen Vorschl�ge h�rte. Ich war froh, nicht in seiner Haut zu stecken.</p><p>�Hauptmann?� fragte Plenius.</p><p>�Ich denke nach�, sagte Labienus. �Ich mu� nachdenken.�</p><p>��berpr�fe die Vorposten�, bat ich einen Mann. �Seht nach, ob noch andere in der N�he sind.�</p><p>Er verlie� die Gruppe.</p><p>�Sieh dir den Himmel an, Junge�, riet einer der �lteren Soldaten dem Jungen. Jetzt am Sp�tnachmittag war er in der Tat sehr sch�n. Der junge Bauer schluckte schwer.</p><p>Der Mann, den ich ausgesandt hatte, kehrte wenige Ehn sp�ter zur�ck. �Es gibt keinerlei Anzeichen, da� noch mehr von ihnen in der N�he sind�, meldete er.</p><p>�Zu schade�, bedauerte einer der Umstehenden. �Es w�re sch�n, mehr von diesen Kerlen umbringen zu k�nnen.�</p><p>�Junge, schlag dir jeden Gedanken an Rettung aus dem Kopf�, sagte der Soldat, der ihm eben noch geraten hatte, sich noch einmal an der Sch�nheit des Himmels zu erfreuen.</p><p>�Ich habe nachgedacht�, verk�ndete da Labienus.</p><p>Wir wandten uns ihm zu.</p><p>Er stellte sich wieder mit dem Gesicht zu dem Baum, neben dem er stand. Er streckte die H�nde aus und ber�hrte ihn. Dabei schien er v�llig entspannt zu sein. Seine Reglosigkeit verbl�ffte uns. Pl�tzlich, wie aus heiterem Himmel, verzerrte sich sein Gesicht vor Wut, er stie� einen tierhaften Schrei aus und hieb auf den Baum ein, grub tiefe Furchen in das Holz, ri� die Rinde ab und schleuderte sie in alle Himmelsrichtungen. Einen Augenblick lang wirkte er wie ein tollw�tiger Sleen.</p><p>�Aii!� rief der Junge.</p><p>Und wir, denen Labienus� Kraft und seine seltsamen �bungen nicht unbekannt waren, reagierten in �hnlicher Weise. Ich war entsetzt, und ich glaube, ich kann auch f�r die anderen sprechen, wenn ich behaupte, da� sie ebenfalls entsetzt waren. Denn selbst wir, die sich die ganze letzte Zeit in Labienus� N�he aufgehalten hatten, hatten nicht begriffen, wozu er nun f�hig war. Die Wirkung auf den unschuldigen jungen Burschen, der ja nichts anderes als ein gefangengenommener Fremder war, war deutlich sichtbar. Er war ersch�ttert und totenbleich. So wie wir auch.</p><p>Dann drehte sich Labienus wieder seltsam ruhig um, wobei er uns jene zerst�rten, haken�hnlichen grauen H�nde, an denen hier und da noch Holz klebte, wie eiserne Klauen entgegenstreckte, und wandte uns die erblindeten wei�en Augen zu.</p><p>�Hauptmann?� fragte Plenius.</p><p>�Ich halte ein Messer in der Hand, Hauptmann�, sagte der eine Soldat. �Soll ich den Gefangenen entkleiden?� Gefangene werden auf Gor oft nackt ausgezogen. Daf�r gibt es mehrere Gr�nde. So unterscheiden sie sich von der Masse und werden m�helos als Sklaven oder Gefangene erkannt; man hilft ihnen zu verstehen, da� sie sich nun in der Gewalt von anderen befinden, davon abgesehen erschwert man ihnen das Verbergen von Waffen. Wie so oft im Leben mu� man alles im Zusammenhang sehen. So arbeiten einige goreanische Handwerker ebenfalls nackt oder so gut wie unbekleidet. Auch in der Sporthalle, auf dem Sportplatz und in den B�dern ist Nacktheit nichts Besonders.</p><p>�Nein�, sagte Labienus. �La�t ihn angezogen.�</p><p>�Ich danke dir, Hauptmann�, sagte Ho-Tenrik respektvoll und dankbar. Ich nehme an, da� er das nicht nur wegen seiner Person zu sch�tzen wu�te, sondern auch wegen gewisser heikler Ehrvorstellungen, die mit seiner Familie und deren Bedeutung im Sumpf zu tun hatten.</p><p>Labienus sah den Jungen mit seinen furchteinfl��enden, schrecklichen blinden Augen an.</p><p>�Hauptmann?�, fragte Ho-Tenrik.</p><p>Labienus sagte kein Wort.</p><p>�Ich bin dein Gefangener, Hauptmann�, sagte der Junge unsicher.</p><p>�Wir machen keine Gefangenen�, erkl�rte Labienus.</p><p>�Ah!� rief der Soldat und hob das Messer.</p><p>Ina stie� einen leisen Ruf des Entsetzens aus.</p><p>Ho-Tenrik erbleichte.</p><p>�Nehmt ihm die Fesseln ab�, befahl Labienus.</p><p>�Hauptmann?� fragte der Soldat unsicher.</p><p>�Ihr sollt ihn losmachen.�</p><p>Der Soldat durchschnitt die Fesseln.</p><p>�Wir machen keine Gefangenen�, wiederholte Labienus an den Jungen gewandt. �Du kannst gehen.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte Ho-Tenrik. Er rieb sich die Handgelenke. Ich hatte ihm den Riemen fast so eng wie einer Sklavin gezurrt.</p><p>�Im Namen von Gnieus Lelius, dem Regenten von Ar, und dem Hohen Rat von Ar�, sagte Labienus, �dr�cke ich als ihr De-facto-Bevollm�chtigter im Delta ihr Bedauern �ber die Mi�verst�ndnisse zwischen unseren V�lkern aus, insbesondere dar�ber, da� diese in einem heimt�ckischen und brutalen Angriff auf ein unschuldiges Dorf ihren Ausdruck fanden. Man kann einen solchen Zwischenfall kaum mit Worten entschuldigen, aber wenn Blut mit Blut vergolten werden kann, dann halte ich, was diese Angelegenheit betrifft, die Schuldlast f�r ausgeglichen.�</p><p>Ho-Tenrik war sprachlos. Auch ich war �ber diese staatsm�nnische Handlung v�llig �berrascht. Zwar hatte ich gehofft, da� etwas in dieser Richtung gesch�he, aber ich h�tte nie zu glauben gewagt, da� es etwas f�r Ar so Dem�tigendes w�re und das gleichzeitig soviel Gro�mut zeigte.</p><p>�Die M�nner aus Cos m�gen eure Freunde sein oder auch nicht�, fuhr der Hauptmann fort. �Das kann ich nicht beurteilen. Was das angeht, m��t ihr euer eigenes Urteil f�llen. Eines jedoch wei� ich genau: Die B�rger Ars sind nicht eure Feinde.�</p><p>Labienus streckte die Hand aus, und Plenius ergriff sie und f�hrte ihn fort.</p><p>�Du kannst gehen�, sagte ich zu Ho-Tenrik.</p><p>�Er wird uns nur die anderen auf den Hals hetzen�, knurrte der Soldat mit dem Messer.</p><p>�Bis dahin sind wir verschwunden�, beschwichtigte ich ihn.</p><p>�Du h�rst dich nicht an wie jemand, der aus Ar kommt�, sagte der Junge.</p><p>�Ich stamme aus Port Kar.�</p><p>�Das Rence hat keinen Streit mit Port Kar�, wandte Ho-Tenrik ein.</p><p>�Genausowenig wie Port Kar mit dem Rence�, erwiderte ich.</p><p>�Wieso bist du bei ihnen?�</p><p>�Ich wollte ihnen helfen�, erkl�rte ich. �Schlie�lich befinden sie sich mit Cos im Kriegszustand, genau wie Port Kar � wenn nicht sogar wie das Rence.�</p><p>Er nickte. �Nehmt euch vor den Cosianern in acht�, riet er. �Sie und ihre bezahlten Schl�ger haben sich an den R�ndern des Deltas eingenistet.�</p><p>Das h�rte ich gar nicht gern, andererseits hatte ich es aber bereits vermutet.</p><p>�Verla� sie�, sagte er. �Sie werden den Durchbruch niemals schaffen.�</p><p>�Vielleicht hast du ja Lust, ein paar Ehn zu bleiben�, schlug ich vor.</p><p>�Ich sollte aufbrechen.�</p><p>�Mein Freund Plenius hat meines Wissens ein paar St�cke hartes Brot in seinem B�ndel verwahrt. Es ist mittlerweile alt und trocken, aber es k�nnte dir schmecken. Hast du schon einmal so etwas gegessen?�</p><p>�Nein, ich glaube nicht.�</p><p>�M�chtest du es nicht einmal kosten?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Ich kann es holen lassen�, sagte ich.</p><p>�Holen lassen?�</p><p>�Von der Frau nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte er.</p><p>�Ina�, sagte ich.</p><p>Sie sprang auf, kam zu uns her�ber und kniete mit gesenktem Kopf nieder.</p><p>�Ist das eine Sklavin?�</p><p>�Nein, blo� eine Gefangene.�</p><p>Ho-Tenrik musterte Ina und die Sch�nheit der ihr angemessenen unterw�rfigen Haltung.</p><p>�Ina, wenn Plenius gerade nichts zu tun hat, bitte ihn, da� er dir ein St�ck hartes Brot gibt, f�r mich und meinen jungen Freund.�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie, stand auf und eilte zu Plenius.</p><p>�Sie gehorcht aufs Wort�, bemerkte Ho-Tenrik.</p><p>�Wenn nicht, bek�me sie Schl�ge.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>Ein paar Augenblicke sp�ter war Ina wieder da. Sie hielt ein St�ckchen Brot in der Hand. Es war das letzte der beiden St�cke, die Plenius noch hatte, und ich war ihm dankbar f�r seine Gro�z�gigkeit. Es geh�rte zu den wenigen e�baren Dingen in unserem Lager, die wir dem jungen Rencebauern anbieten konnten. Zumindest war es nicht roh.</p><p>�Ina, brich es in zwei St�cke�, sagte ich, �und gib unserem Gast das gr��ere St�ck.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Nat�rlich war es keinesfalls das Brot, das unseren jungen Freund im Lager festhalten sollte.</p><p>�Bedien zuerst unseren Gast�, verlangte ich und korrigierte mit diesen Worten ihr Benehmen, da sie anscheinend mich zuerst bedienen wollte.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Auf den Knien bot sie Ho-Tenrik das gr��te St�ck hartes Brot an, das er auch annahm; danach bediente sie mich.</p><p>Wir betrachteten Ina, die zu unseren F��en kniete.</p><p>�Sie ist ja fast nackt�, sagte der junge Rencebauer.</p><p>�Weil ich das so will�, erkl�rte ich.</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�M�nnern gef�llt es, sich an der Sch�nheit von Gefangenen und Sklavinnen zu erfreuen. Tust du das nicht?�</p><p>�Ja, doch�, antwortete er z�gernd. Dann: �Ja!�</p><p>�Gut.�</p><p>Ina err�tete unter unseren Blicken, langsam und verstohlen tasteten ihre H�nde nach oben, um die Br�ste zu bedecken.</p><p>�Du hast keine Erlaubnis erhalten, deine Br�ste zu bedecken, Ina�, r�gte ich sie.</p><p>Blitzschnell nahm sie die H�nde herunter und legte sie auf die Oberschenkel. �Verzeihung, Herr.�</p><p>�Deine Br�ste sind sehr sch�n�, sagte ich, �und du mu�t sie zeigen, wenn es der Wunsch deines Herrn ist.�</p><p>�Ja, Herr, danke, Herr�, sagte sie.</p><p>�Wie bestimmend du mit ihr umgehst�, staunte He-Tenrik.</p><p>�Sie ist eine Frau�, sagte ich etwas verbl�fft. Anscheinend hatte er noch nicht viel Erfahrung mit Frauen.</p><p>�Wie sch�n Frauen doch sind!� sagte er.</p><p>�Ja�, stimmte ich ihm zu. �Willst du dich nicht setzen und dein Brot essen?�</p><p>�Ich mu� weiter.�</p><p>Ich warf Ina einen strengen Blick zu. Sofort spreizte sie die Beine noch weiter auseinander.</p><p>�Vielleicht kann ich auch noch, einen Augenblick bleiben�, meinte der Junge.</p><p>Wir setzten uns und kauten das Brot. Er konnte den Blick nicht von der Gefangenen losrei�en. Sie kniete kerzengerade, wagte es aber nicht, seinem Blick zu begegnen.</p><p>�Und?�</p><p>�Sie ist wundersch�n�, sagte er.</p><p>�Das Brot.�</p><p>�Es� es schmeckt nicht schlecht.�</p><p>Ho-Tenrik war h�flich. Im B�ndel eines jeden Soldaten findet man derartiges hartes Brot. Einige behaupten sogar, es schmecke ihnen. Plenius zum Beispiel hatte es seit Wochen aufbewahrt.</p><p>Anderseits war es durchaus m�glich, da� er sich blo� nicht �berwinden konnte, es zu essen, da� er es blo� als die allerletzte M�glichkeit gegen das Verhungern aufsparte. Er hatte es uns verd�chtig schnell �berlassen. Ich konnte mich aber auch irren, vielleicht schmeckte es ihm ja tats�chlich. Gelegentlich a� ich solche Rationen durchaus gern. Ich w�rde sie nur nicht als die Kr�nung der Gen�sse bei einem wichtigen diplomatischen Bankett auftischen, bei dem es darum ginge den m�glichen Ausbruch eines Krieges zu verhindern.</p><p>�Ina, hol Wasser!� befahl ich.</p><p>Wir sahen zu, wie sie aufsprang und loseilte.</p><p>�Gibt es in eurem Dorf solche Frauen?� fragte ich.</p><p>�Nein. Nicht einmal entfernt �hnliche Frauen.�</p><p>Wir sahen zu, wie Ina zur Wasserstelle ging, die zuvor in Wassern�he gegraben worden war, damit das Wasser dort hineinsickern konnte, und ein kleines Metallgef�� f�llte.</p><p>Sie kam zur�ck, kniete nieder und bot uns das Gef�� an. Ho-Tenrik sp�lte das Brot hinunter.</p><p>�Wie hast du eigentlich bemerkt, da� ich euch ausspionierte?� fragte er.</p><p>�Der Torstrauch. Er w�chst nicht h�her als bis zur H�fte.�</p><p>�Ich war dumm.�</p><p>�Nein�, sagte ich, �du warst unvorsichtig.�</p><p>�Es war ein Fehler.�</p><p>�Ja, es war ein Fehler.�</p><p>�Solch ein Fehler kann einem Mann das Leben kosten.�</p><p>�Das ist m�glich�, sagte ich.</p><p>�Ich werde ihn nicht wiederholen.�</p><p>�Gut.�</p><p>Ho-Tenrik trank noch einen Schluck Wasser. �Du bist nicht mein Feind, nicht wahr?� fragte er dann.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Genausowenig wie die anderen hier.�</p><p>�Danke f�r das Essen.�</p><p>�Es war nur wenig.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, erwiderte ich.</p><p>Er stand auf, drehte sich um und verlie� das Lager. Plenius kam zu mir her�ber. �Wir m�ssen bald aufbrechen.�</p><p>�Ja, das m�ssen wir.� Ich konnte mir nicht vorstellen, da� der Junge mit seinen Leuten zur�ckkehren w�rde, um uns anzugreifen, aber sie kannten sich m�glicherweise im Sumpfl�ufertum aus und kamen darum viel schneller vorw�rts als wir. Aus diesem Grund w�rde ich die Gruppe nach S�dwesten f�hren, denn sie n�hmen gewi� an, da� wir nach S�den gingen oder, falls wir ihre Verfolgung f�rchteten, nach Osten, fort von der Stelle, an der wir den Jungen beim Spionieren erwischt hatten. Aber es w�rde nicht einfach sein, die M�nner zu verfolgen, mit denen ich unterwegs war. Sie hatten begriffen, wie man sich im Sumpf bewegen mu�te. Es w�rde h�chst gef�hrlich sein, sie nun zu verfolgen.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>�Da kommt jemand!� zischte Titus. Seit unserer Begegnung mit dem jungen Rencebauern waren drei Tage vergangen.</p><p>�Wo? Wer?� fragte ich.</p><p>�Dort!� Titus zeigte in nordwestliche Richtung. �Da l�uft ein Mann, ein Cosianer, und ein paar Soldaten in der Uniform von Ar � ich wei� nicht, wie viele � verfolgen ihn.�</p><p>In dieser Gegend erschien das sehr seltsam. Wenn �berhaupt, dann h�tte ich erwartet, da� Cosianer ein paar arme Arer verfolgten, die aus dem Delta zu entkommen versuchten. Vielleicht handelte es sich ja um Cosianer oder S�ldner, die sich verkleidet hatten, um M�nner aus Ar in die Falle zu locken, w�hrend der Verfolgte, der die Uniform von Cos trug, in Wirklichkeit ein Arer war. Das h�tte einen schl�ssigen Sinn ergeben.</p><p>�Plenius!� rief ich leise. Nach Labienus war er der n�chste, der in unserer kleinen Gruppe das Sagen hatte.</p><p>�Ich habe es geh�rt�, sagte er und trat mit einem Speer in der Hand hinter einem Strauch hervor.</p><p>�Sie kommen in unsere Richtung!� rief Titus.</p><p>�Das sollten wir uns ansehen�, sagte ich. Es konnten auch alles Cosianer oder S�ldner sein, die eine Scharade spielten, um uns in Sicherheit zu wiegen.</p><p>Mit Handsignalen schickte Plenius unsere M�nner auf ihre Posten. Als sie dann hinter ihm ausschw�rmten, folgte er mir.</p><p>Wenige Augenblicke sp�ter kamen der L�ufer und seine Verfolger in mein Blickfeld. Seltsamerweise schien keiner von ihnen bewaffnet zu sein. Das erweckte in mir den Verdacht, da� keiner von ihnen ein Cosianer war.</p><p>Ich rechnete mir aus, welchen Weg der Fl�chtling aller Voraussicht nach nehmen w�rde, indem ich mir das Gel�nde ansah und den f�r ihn einfachsten und am wenigsten beschwerlichen Weg berechnete.</p><p>Ich h�rte ihn, wie er nur wenige Meter entfernt durch das seichte Wasser trampelte. Ich machte Plenius ein Zeichen, da� seine M�nner zu beiden Seiten eines Pfades hinter den B�schen Aufstellung nehmen sollten. Plenius, der jetzt ganz in meiner N�he halb �ber einen Strauch gebeugt stand, hielt den Speer mit beiden H�nden umfa�t, bereit f�r einen Vorw�rtssto�. Nahm man die Geschwindigkeit des L�ufers und brachte sie in Zusammenhang mit Plenius� Kraft, w�rde der Speer vermutlich bis zur H�lfte des Schaftes in seinen K�rper eindringen, denn Plenius war ein gro�er, kr�ftiger Mann, der aus den R�ngen der Speertr�ger aufgestiegen war.</p><p>Ich legte die Hand auf den Speer und dr�ckte ihn hinunter. �La� ihn vorbei.� Er sah mich erstaunt an, widersprach aber nicht. Er gab den anderen ein Zeichen, noch nicht zuzuschlagen. Ich rechnete nicht damit, da� sie �ber die Verfolger herfallen w�rden. Dem Anschein handelte es sich ja um Soldaten aus Ar.</p><p>Der L�ufer st�rzte, k�mpfte sich keuchend wieder auf die Beine und lief weiter. Ich l�chelte. Er bewegte sich nicht so geschickt, wie es ihm m�glich gewesen w�re. Vielleicht hatte er in letzter Zeit nicht genug zu essen gehabt. Andererseits waren seine Verfolger auch nicht besonders gut. Ich glaube nicht, da� ich auch nur einen von ihnen f�r die Wettl�ufe auf dem Sardarmarkt angemeldet h�tte.</p><p>Der Mann in der blauen Uniform stolperte vorbei; soweit ich es beurteilen konnte, bemerkte er uns nicht einmal.</p><p>Unmittelbar hinter ihm kam ein Mann in Rot, bei dem ich mir die Freiheit nahm, ihm ein Bein zu stellen. Er st�rzte der L�nge nach hin, und bevor er wieder aufstehen konnte, hatte ich einen Fu� auf seine flach ausgestreckte Hand gestellt und ihn festgenagelt, w�hrend ich ihm die Schwertspitze in den Nacken dr�ckte. Ich sagte: �Keine Bewegung.� Dann stolperten die anderen Verfolger heran, und ich streckte die Hand aus. �Halt!� befahl ich. Sie blieben verbl�fft stehen. Ich trug die Uniform von Ar, auch wenn sie mir in Fetzen vom K�rper hing.</p><p>�Keinen Schritt weiter�, sagte ich, �oder dieser Kerl ist tot.�</p><p>�Wir verfolgen einen Cosianer!� keuchte einer.</p><p>Ich nahm den Fu� von der Hand des Liegenden und das Schwert aus seinem Nacken, um ihm und den anderen zu zeigen, da� ich keine b�sen Absichten hatte � wie beispielsweise einen schnellen Sto�, der die Halswirbel im Nacken durchtrennt. Davon abgesehen waren sie stehengeblieben, hatten also meiner Bitte entsprochen. Der Anf�hrer kroch zu seinen Kameraden zur�ck. Es waren sieben Mann.</p><p>�Wir verfolgen einen Soldaten aus Cos�, sagte er.</p><p>�Er kommt nicht aus Cos, sondern aus Ar-Station�, erwiderte ich.</p><p>Die Soldaten blickten einander an. Dann tauchten Labienus� M�nner wie Geister auf, kamen hinter B�schen und Schilf hervor, und die Soldaten erschraken erneut. Es hatte so ausgesehen, als sei niemand da, und dann pl�tzlich, vielleicht sogar allzu pl�tzlich, hat es den Anschein, als st�nden �berall M�nner. Wenigstens br�llten unsere Jungs nicht wild und lie�en Pfeile von ihren kleinen Bogen schnellen oder griffen sie mit Messern und Macheten an.</p><p>�Ich bin Plenius, Unteroffizier des Labienus, des Kommandanten der Vorhut�, stellte dieser sich vor.</p><p>�Ich bin Claudius, Speertr�ger des elften Regimentes�, erwiderte der Mann, den ich recht heftig zu Boden geschickt hatte. Das elfte Regiment war eine der wichtigsten Truppenverb�nde der linken Flanke. Bei dem Versuch, sich zusammen mit dem siebten, dem neunten und dem vierzehnten Regiment aus dem Delta zur�ckzuziehen, hatte es hohe Verluste davongetragen. Es gab bestimmt �berlebende dieser Katastrophe, die zur�ck ins Delta geflohen waren und sich so der Gnade der Rencebauern ausgeliefert hatten.</p><p>�Ihr habt verhindert, da� wir einen Cosianer schnappen�, sagte der Mann hinter Claudius.</p><p>�Er ist kein Cosianer�, sagte ich.</p><p>�Und wer bist du?� fragte Claudius.</p><p>�Ich bin Tarl aus Port Kar.�</p><p>�Der andere Spion!� rief einer der Neuank�mmlinge.</p><p>�Ergreift ihn!� wandte sich Claudius an Plenius. Da er entwaffnet war, schien es unwahrscheinlich, da� er sich auf mein Schwert st�rzen w�rde.</p><p>�Schweig!� erwiderte Plenius. �Es k�nnten Cosianer in der N�he sein.�</p><p>Claudius sah Plenius verwundert an.</p><p>�Tarl aus Port Kar ist ein Freund Ars!� erkl�rte Plenius.</p><p>�Nun�, mischte ich mich ein, �das mit Ar wei� ich nicht, aber zumindest bin ich sein Freund.�</p><p>�Wenn du ihm etwas antun willst�, fuhr Plenius fort, �werden wir dich in St�cke hauen.�</p><p>Diese Ank�ndigung d�mpfte die Begeisterung der Neuank�mmlinge.</p><p>�Und der andere Mann ist zweifellos ebenfalls ein Freund von Ar�, stellte Plenius fest.</p><p>�Zumindest d�rfte er euch pers�nlich sehr gewogen sein�, stellte ich richtig. Ich bezweifelte doch sehr, da� es viele B�rger von Ar-Station gab, die Ar noch gro�e Zuneigung entgegenbrachten oder gar die Treue hielten, nachdem Ar-Station dem Expeditionsheer von Cos ausgeliefert worden war. Falls es tats�chlich noch welche gab, die so dachten, geh�rte der junge Bursche, der eben an uns vorbeigelaufen war, bestimmt dazu.</p><p>�Wo ist er?� fragte Titus.</p><p>�Bei der Langsamkeit, die er an den Tag legte, ist er bestimmt noch nicht weit gekommen�, vermutete ich.</p><p>�Habt ihr Hunger?� fragte Plenius die Neuank�mmlinge.</p><p>�Ja!� riefen mehrere von ihnen. Das glaubte ich ihnen gern. Es schien die grollenden Ger�usche, die an mein Ohr drangen, zu best�tigen.</p><p>�Was habt ihr denn zu essen?� fragte Claudius.</p><p>�Fragt nicht.�</p><p>�Warum trug der Bursche, hinter dem ihr her wart, eine cosische Uniform?� fragte ich.</p><p>Als ich Gefangener der Arer gewesen war, hatte man mir nicht soviel Milde gew�hrt.</p><p>�Die hat er von den Rencebauern�, erkl�rte Claudius. �Sie glaubten uns, da� er ein Cosianer ist, auch wenn er es bestritt.�</p><p>�Ihr hattet Kontakte zu den Rencebauern?� fragte Plenius.</p><p>Die Neuank�mmlinge blickten einander an.</p><p>�Nun sagt schon.�</p><p>�Wir geh�rten zum Elften, das mit den verb�ndeten Regimentern bei dem Ausbruchsversuch vor ein paar Wochen besiegt wurde. Viele wurden get�tet, viele gefangengenommen. Viele flohen so wie wir zur�ck in den Sumpf. Keiner wei�, was aus den M�nnern geworden ist. Ich vermute, viele sind im Sumpf umgekommen, entweder durch die Pfeile der Bauern oder durch Ungeheuer oder Treibsand. Ich wei� es nicht. Zweifellos sind einige entkommen.�</p><p>�Aber ihr hattet Kontakte zu den Bauern?� wiederholte Plenius seine Frage.</p><p>�Die letzten Wochen haben die Bauern den Sumpf nach �berlebenden durchk�mmt�, sagte Claudius.</p><p>�Und, weiter�, ermunterte Plenius ihn.</p><p>�Sie haben uns wie Tiere gejagt�, murmelte Claudius bitter.</p><p>�Damit sie euch t�ten konnten?�</p><p>�Wenn sie Lust dazu hatten. Aber es kam auch vor, da� sie uns in eine Falle lockten und �berraschten, um uns nackt an die Kette zu legen und den Cosianern als Sklaven zu verkaufen.�</p><p>�Und wie sahen eure Kontakte zu den Bauern nun aus?� fragte Plenius. Ihm war bestimmt nicht entgangen, da� sie ohne Waffen waren. Andererseits waren sie bekleidet.</p><p>�Wir irrten ersch�pft im Rence umher, standen kurz vor dem Verhungern�, sagte Claudius. �Ich glaube nicht, da� wir einen direkten Angriff �berlebt h�tten. Sie m�ssen uns gefolgt sein. Wir hingegen wu�ten nicht einmal, da� sie �berhaupt da waren. Wir glaubten, wir seien mit unserem Elend und den Tharlarion allein. Eines Nachts wurden wir aufgeweckt, und man hielt uns Messer an die H�lse. Wenige Ehn sp�ter marschierten wir nackt, an Hand und Fu� gefesselt und mit einer Kette um den Hals, in einer Reihe. Unsere Uniformen wurden nicht vernichtet. Sie wurden uns nicht vom Leib geschnitten. Statt dessen zwang man uns, sie auszuziehen. Anscheinend wollten die Cosianer diese Umformen haben, zweifellos f�r feiges Einschleichen.�</p><p>Einer unserer M�nner gab ein w�tendes Knurren von sich. Dabei sind solche Praktiken weit verbreitet.</p><p>�Mit Peitschenhieben trieben sie uns nordw�rts, als w�ren wir Frauen, und brachten uns zu einem Sammellager. Dort wurden wir an mindestens zweihundertf�nfzig andere arme Schlucker angekettet, die man ebenfalls im Sumpf gefangen genommen hatte.�</p><p>�Und was war mit dem Mann, den ihr einen Cosianer nennt?� fragte ich.</p><p>�Obwohl sie ihn gefesselt in unserem Lager vorfanden, erlitt er ein �hnliches Schicksal�, sagte Claudius. �Unsere F�nger machten zwischen uns keine gro�en Unterschiede. Vielleicht haben sie ihn zuerst auch f�r einen von uns gehalten, der einfach nur bestraft wurde. Seinem Akzent nach kam er nicht aus Cos.�</p><p>�Aber ihr seid jetzt hier�, sagte Plenius.</p><p>�Daf�r habe ich keine Erkl�rung�, erwiderte Claudius.</p><p>�Was ist geschehen?�</p><p>�Vor ein paar Tagen lie� man uns alle frei. Man gab uns unsere Uniformen zur�ck; die Waffen behielt man sie aber. Zum ersten Mal nahmen unsere Gefangenenw�rter die Behauptung ernst, der bei uns gefundene Cosianer sei ein Cosianer. Auf unsere Bitte hin fanden sie eine cosische Uniform f�r ihn; vermutlich war sie ein diplomatisches Geschenk, oder sie wurde von cosischen Patrouillen benutzt. Er weigerte sich, aber wir bestanden darauf, da� er sie anzog. Wir wollten ihm auf keinen Fall gestatten, die Uniform des glorreichen Ar zu tragen. Wir w�rden sie ihm so bald wie m�glich vom Leib rei�en. Die Rencebauern, denen unsere Abneigung ihm gegen�ber nicht entging, erlaubten ihm, die Gegend vor uns zu verlassen, damit er Zeit hatte, sich zu den cosischen Linien durchzuschlagen. Ein paar von uns, in deren Gewahrsam er sich zuvor befand, waren entschlossen, ihm zu folgen und wieder einzufangen. Wir haben ihn seit Tagen in s�d�stliche Richtung verfolgt und sind erst heute morgen auf ihn gesto�en. Und wir h�tten ihn auch eingefangen, w�rt ihr nicht dazwischengegangen.�</p><p>�Er ist kein Cosianer�, wiederholte ich.</p><p>Claudius zuckte mit den Schultern.</p><p>�Wi�t ihr, warum man euch freilie�?� fragte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte er. �Wir wissen nur, da� es auf den Befehl eines Burschen namens Tamrun geschah.�</p><p>Plenius und ich tauschten einen erfreuten Blick aus, genau wie die anderen M�nner unserer Gruppe.</p><p>�Ist das von Bedeutung?�</p><p>�Allerdings�, sagte ich. �Aber das erkl�ren wir euch sp�ter. Jetzt ist nur wichtig, da� die Soldaten, die sich noch im Delta aufhalten, vor den Rencebauern sicher sind. Das hei�t, da� sie nicht gef�hrdeter als sonst auch sind, wenn sie Warnsignale mi�achten und dergleichen.�</p><p>�Aber nicht sicher vor den Cosianern�, sagte Plenius.</p><p>�Mit Sicherheit nicht.�</p><p>�Oder vor den Leuten, die im Sold von Cos stehen�, meinte Titus.</p><p>�Das ist wahr�, best�tigte ich.</p><p>�Seht nur!� rief einer der Soldaten. Einige Meter von uns entfernt stand ein Mann in der Uniform von Cos. Er hatte zweifellos bald erkannt, da� die Verfolger zur�ckgeblieben waren. Statt die Flucht fortzusetzen, hatte er die Lage erkundet. Unsere kleine Gruppe mu�te ihm sehr merkw�rdig vorgekommen sein.</p><p>Ich winkte ihm zu. �He, Marcus, komm zu uns!�</p><p>�Jeder, der ihm etwas antun will, wird in St�cke gehackt�, warnte Plenius.</p><p>Die Neuank�mmlinge blickten einander an.</p><p>�Ist das klar?�</p><p>�Ja�, sagte Claudius.</p><p>Marcus kam heran, seine Schritte waren langsam. �Tarl�, sagte er. �Bist du es?�</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Und du bist schlecht gelaufen. Wir werden dir was zu essen geben, danach kannst du dich ausruhen. Dann wartet Arbeit auf uns.�</p><p>�Arbeit?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Wir m�ssen die n�tigen Vorbereitungen treffen, um das Delta zu verlassen.�</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Marcus und ich schlichen ganz langsam und mit geschw�rzten Gesichtern durch das Gras und n�herten uns aus verschiedenen Richtungen der gegnerischen Stellung. In der Nacht zuvor hatten wir das Gebiet erforscht. Es gab f�nf Posten und eine H�tte, die ein paar hundert Meter weiter hinten stand; dort bewahrten die Kopfgeldj�ger ihre schrecklichen Troph�en auf. Vor zwei N�chten hatten wir den Rand des Sumpfes erkundet. Mitten im Rence am Deltarand trieben zwei Leichen im Wasser; sie waren zur H�lfte verwest und angefressen, vermutlich von kleinen Fischen und Tharlarion. Anscheinend brachten die Kopfgeldj�ger ihre Opfer in den Sumpf, nachdem sie die K�pfe entfernt hatten, die sie brauchten, um ihr Kopfgeld zu erhalten. Eine der Leichen war ein Cosianer gewesen. Kopfgeldj�ger sind manchmal nicht besonders w�hlerisch, welche K�pfe sie sammeln, und ihre Auftraggeber k�nnen nat�rlich nicht feststellen, ob es der Kopf eines Arers, eines Cosianers oder etwa eines Rencebauern ist.</p><p>In der Dunkelheit sind alle Sinne angespannt, so ist es schwierig, nicht schon auf das geringste Ger�usch zu reagieren.</p><p>Marcus mu�te mittlerweile seine Stellung bezogen haben. Ich war jedenfalls an Ort und Stelle, keinen Meter von dem Mann entfernt. Die Umrisse seines Kopfes hoben sich von der Dunkelheit ab.</p><p>Ein Laut ert�nte, fast unh�rbar, ein winziges klickendes Ger�usch, nicht un�hnlich den schnalzenden Lauten einiger Sprachen, die �stlich von Schendi gesprochen werden. Marcus hatte es verursacht. Sofort wandte sich der Mann der Quelle des Ger�uschs zu. Ich n�herte mich von der anderen Seite und schnitt ihm die Kehle durch.</p><p>Marcus gesellte sich zu mir.</p><p>�Das d�rfte der letzte gewesen sein�, fl�sterte ich, �von dem Kerl � oder den Kerlen � in der H�tte abgesehen.�</p><p>�Hier ist sein Sack�, erwiderte Marcus und hob einen Gegenstand hoch.</p><p>Ich sagte: �Ich habe eine Idee.�</p><empty-line/><p>Ich gab mir nicht die geringste M�he, mein N�herkommen zu verbergen. Ich ging geradewegs auf die H�tte zu. Ein paar Schritte hinter mir kam Marcus. Wir trugen beide Kleidung, die wir den Kopfgeldj�gern ausgezogen hatten. Sie brauchten sie nicht l�nger. Ich hatte mir den Umhang �bergeworfen. Der Sack ruhte auf meiner Schulter.</p><p>Ich stie� die T�r auf.</p><p>In ihrem Innern hielt sich nur ein Mann auf, und der hockte am anderen Ende vor einem kleinen Feuer im Kamin und r�hrte in einem Topf. Der Geruch des einfachen Eintopfs brachte mich beinahe um den Verstand. Es war lange her, da� ich etwas Gekochtes gegessen hatte. Ich glaubte nicht, da� er etwas dagegen h�tte, wenn ich mit ihm den �Kessel teilte�, wie es auf Gor hei�t. Er drehte sich bei unserem Eintreten nicht einmal um.</p><p>�Gl�ck gehabt?� fragte er.</p><p>Ich warf den Sack neben ihm zu Boden.</p><p>�Der ist aber schwer�, sagte er aufgeregt. �Wie viele?� Er drehte sich um. Ich stand neben ihm, die tief ins Gesicht gezogene Kapuze verbarg meine Z�ge. Ich hielt die Hand hoch.</p><p>�F�nf�, sagte der Kopfgeldj�ger. �Ausgezeichnet! Gute Arbeit f�r eine Nacht.�</p><p>Der Meinung war ich auch.</p><p>Er �ffnete gierig den Sack. �Hoffentlich sind es alles Arer�, sagte er. �Anesidemus wird allm�hlich mi�trauisch.�</p><p>Er leerte den Sackinhalt auf den Steinboden neben dem Kamin. Ich glaube nicht, da� er dabei h�rte, wie ich das Schwert zog.</p><p>Er hielt einen der K�pfe an den Haaren hoch. �Barsis!� rief er aus. Entsetzt betrachtete er die anderen K�pfe, die er zweifellos erkannte. Dann drehte er sich zu mir um, im n�chsten Augenblick war er tot.</p><p>�Komm herein�, sagte ich zu Marcus.</p><p>Mein junger Freund betrat die H�tte.</p><p>�Wir haben hier noch eine Leiche f�r den Sumpf�, sagte ich. �Soweit ich es beurteilen kann, sind es nicht einmal S�ldner, sondern irgendwelche Stra�enr�uber.�</p><p>�Anscheinend waren sie recht erfolgreich in ihrer Arbeit�, sagte Marcus, nachdem er sich umgesehen hatte.</p><p>�Wir werden alles im Sumpf versenken�, sagte ich. �Sollten irgendwelche Cosianer vorbeikommen, werden sie keinen Hinweis auf das Schicksal finden, das wir f�r diese Kerle angebracht hielten. Da sie von solchen Typen weder Disziplin noch Verl��lichkeit erwarten, gehen sie vermutlich von der Annahme aus, da� sie entweder einfach weitergezogen sind oder sich ihren Lohn abholen wollten.�</p><p>�Warum sollten dazu nicht einer oder zwei ausreichen?�</p><p>�W�ren sie M�nner von Ehre, w�rde es reichen, um die Beute fortzuschaffen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Marcus. �Sie sollen alle dabeisein, wenn die Bezahlung winkt.�</p><p>�Ganz genau.�</p><p>�Nun haben wir einen Weg aus dem Delta hinaus freigemacht�, sagte Marcus.</p><p>�Einen schmalen Pfad, der wenigstens ein paar Ahn lang auch frei bleibt.�</p><p>�Das sollte reichen.�</p><p>�Es wird noch immer sehr gef�hrlich sein�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Ich werde dir helfen, dies alles hier loszuwerden.�</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �Hol die anderen.�</p><p>�Es gilt, keine Zeit zu verschwenden.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Und was hast du vor?� fragte ich Labienus in der H�tte der Banditen am Deltarand.</p><p>Wir hatten das Essen miteinander geteilt � wenig genug f�r so viele Menschen. Aber wir hatten etwas Warmes gegessen.</p><p>�Ich mu� Saphronicus in Holmesk Bericht erstatten�, sagte der Hauptmann.</p><p>�Nat�rlich.� Ich bedauerte zutiefst, da� er den Verstand verloren hatte.</p><p>�Plenius und Titus werden mich zu den Linien von Ar bringen.�</p><p>Die meisten von uns waren nach dem Essen bereits in alle Himmelsrichtungen aufgebrochen. Wir hatten versucht, den Soldaten der anderen Regimenter, die Marcus verfolgt hatten, durch Erkl�rungen und Beispiele beizubringen, wie man im Feindesland �berleben konnte. Viele von ihnen hatten sich entschieden, das Delta mit einem oder mehreren unserer M�nner zu verlassen. Auf diese Weise wurden die Aussichten auf ein Entrinnen aus dem Delta gr��er, besonders wenn sie nach Osten oder S�den zogen. Nat�rlich wurde jede Gruppe, je gr��er sie war, anf�lliger f�r eine Entdeckung.</p><p>�Du bestehst darauf, deine Uniform mitzunehmen?� fragte ich Labienus. Falls man ihn anhielt und die Uniform in seinem B�ndel fand, war das so gut wie sein Todesurteil.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich will sie bei meinem Bericht tragen.�</p><p>Ich blickte Plenius an.</p><p>�Es ist schon in Ordnung�, sagte er.</p><p>�Ihr seid alle tapfere M�nner�, sagte ich.</p><p>�Wir, also Titus und ich�, sagte er, �werden nach M�glichkeit nur bis zu dem Gebiet mitkommen, das von Ar kontrolliert wird. Dort werden wir ihn mit einem Stock auf die Stra�e schicken.�</p><p>�Trotzdem ist es ein betr�chtliches Risiko.�</p><p>�Er ist unser Hauptmann.�</p><p>�Und danach werdet ihr versuchen, euch auf einem anderen Weg nach Ar durchzuschlagen?�</p><p>�Das ist die Stadt meines Heimsteines�, erkl�rte Plenius.</p><p>�Was sie vorhaben, geschieht nicht aus Pflichtgef�hl, sondern aus Liebe�, sagte Labienus.</p><p>�Ja�, sagte ich, �aber ich finde, es liegt auch viel Ehre in ihrem Handeln.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Labienus. �Es liegt viel Ehre in ihrem Handeln.�</p><p>�Nimmst du die Frau mit?� wollte Plenius wissen.</p><p>�Ja.�</p><p>Labienus erhob sich. �Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Hauptmann�, erwiderte ich.</p><p>Er ergriff meine Hand. Ich schrie nicht auf, fragte mich aber unwillk�rlich, ob er wu�te, was er seinen H�nden angetan hatte. Es war, als h�tte er sie aufgegeben, um diesen Teil von ihm in ein schreckliches Werkzeug zu verwandeln, f�r das es jedoch keinen vorstellbaren Nutzen gab. Er konnte mit Sicherheit keine Dinge mehr erledigen, die Genauigkeit und Feingef�hl erforderten. Er konnte keinen Zeigestock mehr ergreifen. Er konnte kein Schwert mehr schwingen. Als er loslie�, war meine Hand blutig, obwohl er sie bestimmt nicht fest ergreifen wollte.</p><p>Dann verlie� Labienus, gef�hrt von Titus, die H�tte. Plenius blieb noch einen Augenblick lang stehen.</p><p>�Ich habe mich sehr in dir get�uscht�, sagte ich. �Jetzt wei� ich, da� du ein Mann von Ehre bist.�</p><p>�Man hat mich gelehrt, was Ehre ist�, sagte er.</p><p>�Labienus ist ein ausgezeichneter Lehrmeister.�</p><p>�Er und andere.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich. Es freute mich, da� er von seinen Kameraden etwas �ber Ehre gelernt hatte.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>Er verlie� die H�tte.</p><p>Ich blickte auf Ina hinab. Sie konnte nicht zu mir aufsehen, da ich sie so gebunden hatte, da� sie mit gesenktem Kopf auf den Knien lag. Bei dieser besonderen Fesselung, die auch unter dem Namen Tharnan-Fessel bekannt ist, legt man die Fu�kn�chel �bereinander und fesselt sie; dann wird der Kopf hinuntergebunden, indem man einen kurzen Riemen um den Hals legt und ihn von vorn zu den Kn�cheln durchf�hrt. Der Druck dieses Riemens findet im Nacken statt und nicht an dem empfindlichen, verletzlichen Hals. Dies kann man auch mit einer Kette tun. Die H�nde werden ganz einfach auf den R�cken gefesselt.</p><p>�Wir sollten aufbrechen�, sagte Marcus. Alle waren gegangen.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Das sollten wir.�</p></section><section><title><p>19</p></title><p>�Dort, seht es euch an�, sagte ich.</p><p>�Ja�, sagte Marcus.</p><p>�Das sind die Mauern von Brundisium�, erkl�rte ich Ina.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� die Stadt so gro� ist.�</p><p>�Es ist eine der gr��ten K�stenst�dte s�dlich des Deltas.�</p><p>Marcus streckte den Arm aus. �Sieh dir die vielen Zelte vor der n�rdlichen Stadtmauer an.�</p><p>�Die meisten geh�ren sicher zu dem Expeditionsheer�, meinte ich. �Das Heer, mit dem wir damals gereist sind. Man kann Brundisium keinen Vorwurf machen, da� es nicht so viele M�nner innerhalb seiner Mauern aufnehmen kann oder will.�</p><p>�Nein�, sagte Marcus.</p><p>In den Kleidern, die wir uns unterwegs besorgt hatten, sahen wir aus wie verarmte Reisende. Wir hatten sie mit unserem Anteil an der Beute bezahlt, die wir den Banditen abgenommen hatten. Marcus hatte seine cosische Uniform einem von Labienus� M�nnern �berlassen. Einige hatten die Kleidung der Banditen angezogen. Doch die meisten hatten ihre Reise in der Uniform von Ar begonnen und mittlerweile hoffentlich sicheres Gebiet erreicht.</p><p>Marcus und ich hatten zusammen mit Ina den Weg nach Brundisium eingeschlagen. Daf�r gab es drei gewichtige Gr�nde: Es lag in der Richtung, die f�r uns am ungef�hrlichsten gewesen war; niemand h�tte erwartet, da� Fl�chtlinge aus dem Delta diese Route einschl�gen. Allerdings mu�ten wir daf�r sorgen, da� Marcus so gut wie nichts sagte, denn sein Akzent � der Akzent von Ar-Station � h�tte bei Leuten, die etwas davon verstanden, f�r Mi�trauen gesorgt. Da� Ina mit ihrem Akzent Aufmerksamkeit erregte, war wiederum unwahrscheinlich, denn sie war eine Frau und geh�rte offensichtlich zu uns. Nach dem Fall von Ar-Station und den Erfolgen der Invasoren auf dem Festland hatten sich die Menschen dieser Gegend gewi� an Frauen mit derartigen Akzenten gew�hnt. Die meisten von ihnen trugen wahrscheinlich den Kragen oder waren an Sklavenwagen angekettet.</p><p>Zweitens konnte man von Brundisium aus einen Bogen schlagen und eine Route zu den Territorien nehmen, die mit Ar verb�ndet oder ihm zumindest freundlich gesonnen waren.</p><p>Und drittens hoffte ich, hier meinen Freund Ephialtes, den Marketender, zu finden, denn er war mit dem Expeditionsheer nach Brundisium gezogen. Ich wollte aus verschiedenen Gr�nden mit ihm in Kontakt treten, nicht zuletzt weil er einige Geldmittel f�r mich aufbewahrte. Nachdem ich daf�r gesorgt hatte, da� sich Marcus und Ina in relativer Sicherheit befanden, wollte ich nach Torcodino reisen, wo ich Dietrich von Tarnburg Information �ber die Lage im Norden �berbringen wollte.</p><p>�Es ist wundersch�n�, sagte Ina.</p><p>�Es ist eine sch�ne Stadt in einer sch�nen Lage�, best�tigte ich. Man konnte den Hafen sehen und das sich anschlie�ende glitzernde Thassa, das Meer.</p><p>Ich sah zu Ina hinunter.</p><p>Sie trug ein �rmelloses, bis zum Unterschenkel reichendes Kleid, das aus Hurtwolle gewoben war. Trotz der fehlenden �rmel war es die Kleidung einer freien Frau. Das verrieten Qualit�t, L�nge, Steifheit und Undurchsichtigkeit. Es war aber auch ein Kleid, wie es nur von einer Frau der unteren Kasten getragen wurde. Es war ein einfaches und allt�gliches Kleidungsst�ck, wie man es bei der Arbeit trug. Ich fand, da� es Ina gut stand, trotz seiner Steifheit und Undurchsichtigkeit. Nat�rlich war das alles, was sie abgesehen von ihren Sandalen trug.</p><p>�Werden wir die Stadt betreten?� fragte sie.</p><p>�Ich habe mich noch nicht entschieden�, erwiderte ich. �Ich will vor allem meinen Freund Ephialtes finden, und sein Wagen und seine Ware d�rften sich aller Wahrscheinlichkeit nach am Rand des Lagers befinden.� Dort w�rden die meisten Marketenderwagen stehen. Man gestattet ihnen w�hrend bestimmter Ahn den Zutritt zum Lager, damit sie Waren liefern oder verkaufen konnten.</p><p>�Soviel ich wei�, gibt es au�erhalb von Brundisium auch ein gro�es Sklavenlager�, sagte Marcus.</p><p>�Das stimmt.� Das Lager existierte seit mehreren Monaten � eine lange Zeit f�r solche Lager. Das hatte vermutlich mit dem Krieg und der gro�en Zahl in Gefangenschaft geratener Frauen zu tun; allein in Ar-Station waren es mehrere tausend gewesen. In solchen Lagern arbeiten die meisten H�ndler als Gro�h�ndler, die nach preiswerter Ware Ausschau halten. Es war nur nat�rlich, da� sich ein solches Lager in Brundisium befand. Von Brundisium aus, einer wichtigen Hafenstadt, die Cos freundlich gesinnt war, die sogar der Anlaufpunkt f�r die Invasionsstreitmacht gewesen war, konnte man bequem Beute nach Cos und zu den Inseln verschiffen. Nat�rlich konnte man von dem Lager aus Hunderte von Orten auf dem Kontinent erreichen, beispielsweise die Sklavenm�rkte von Semris, Samnium, Besnit, Harfax oder Ko-ro-ba.</p><p>�La�t uns weitergehen�, sagte ich.</p><p>Wir gingen weiter, auf Brundisium und damit auf das Lager der Cosianer zu.</p><p>Ich hoffte, bei Einbruch der Dunkelheit dort einzutreffen.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Ephialtes, der Marketender, trat um den Wagen herum; er kam von der anderen Seite, auf der man ein kleines Lager aufgeschlagen hatte und wo ein Kochfeuer brannte.</p><p>�Tarl, mein Freund!�</p><p>Wir reichten uns die H�nde, dann umarmten wir uns.</p><p>�Es ist sch�n, dich zu sehen, mein Freund�, sagte ich.</p><p>�Wie geht es dir?� wollte er wissen.</p><p>�Ausgezeichnet. Und dir?�</p><p>�Gro�artig.�</p><p>�Das ist sch�n. Was macht das Gesch�ft?�</p><p>�Man versucht verzweifelt, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.�</p><p>�In deine Tunika sind Goldf�den eingewebt�, sagte ich.</p><p>�Das ist nur gelber Faden.�</p><p>�Dein Geldbeutel scheint prall gef�llt.�</p><p>�Alles nur Tarskst�cke.�</p><p>�Ich glaube, dein Gl�ck hat sich gewandelt.�</p><p>�Wenn das so ist, dann hast du dazu beigetragen.�</p><p>�Und die Bed�rfnisse der Truppen von Cos.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Es sind gro�artige Zeiten f�r einen Marketender � bei den vielen Soldaten und den Erfolgen der Cosianer.�</p><p>�Ich sch�tze, meine Kollegen bei den Truppen von Ar sind weniger erfolgreich.�</p><p>�Einige von ihnen haben ihre Ware vielleicht nach Brundisium gebracht�, meinte ich.</p><p>�Das ist richtig�, fl�sterte er.</p><p>Wagen konnte man einen anderen Anstrich verpassen. Akzente konnten vorget�uscht werden. Marketender waren in erster Linie Gesch�ftsleute, denen man es kaum zum Vorwurf machen konnte, wenn sie nach guten M�rkten Ausschau hielten.</p><p>Ephialtes sah zu den beiden Frauen am Boden hinunter, die neben dem Wagen an Pfl�cken festgekettet waren.</p><p>�Amina�, sagte er, �Rimice, ihr kennt doch sicherlich noch unseren Freund Tarl, dem ihr eure Erl�sung aus dem <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> verdankt.�</p><p>Die Angst in ihren Augen verriet mir, da� sie mich erkannten. Sie nahmen sofort die Gehorsamsstellung ein, auf den Knien, die H�nde auf die Oberschenkel gelegt.</p><p>�Gut gemacht�, sagte ich zu Ephialtes. Er hatte sie wirklich hervorragend ausbilden lassen. ��brigens, da war doch noch ein M�dchen.�</p><p>�Die h�bsche Cosianerin aus Telnus, Phoebe?�</p><p>�Ja.� Wir gingen zur anderen Wagenseite. �Hast du sie verkauft?�</p><p>�Nein.�</p><p>Das freute mich au�erordentlich, denn sie war einer der weiteren Gr�nde, warum ich nach Brundisium gekommen war. Ich folgte Ephialtes und setzte mich mit untergeschlagenen Beinen vor das Feuer.</p><p>�Was gibt es Neues aus Torcodino?� fragte ich.</p><p>�Ich habe nichts geh�rt.�</p><p>Ein M�dchen in einer gelben Tunika bediente uns, schweigend, unterw�rfig, aufmerksam. Es war Liadne, eine Sklavin. Auch sie war vor Monaten in der N�he des <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> erworben worden.</p><p>�Das ist seltsam�, sagte ich. �Mittlerweile h�tte man doch etwas aus Torcodino h�ren m�ssen.�</p><p>�Dietrich von Tarnburg sitzt in der Falle�, sagte Ephialtes. �Es ist nur eine Frage der Zeit. Man wird ihn aushungern.�</p><p>Das konnte ich mir nicht vorstellen. Er hielt Torcodino mit nur f�nftausend Mann, und die konnten sich mit dem ern�hren, was man in der Stadt selbst anbaute, in Hinterh�fen, auf Dachg�rten, in aufgerissenen Stra�en und dergleichen mehr. Die Zivilbev�lkerung war kurz nach der Einnahme der Stadt ausgewiesen worden, was ebenfalls sehr hilfreich war.</p><p>�Er kann nirgendwohin fliehen�, sagte Ephialtes.</p><p>�Das wohl nicht.�</p><p>�Das gilt zumindest f�r seine M�nner�, fuhr der Marketender fort. �Vielleicht k�nnten er und einige Offiziere bei Nacht auf Tarnr�cken fliehen.�</p><p>�Vielleicht.� Ich bezweifelte jedoch, da� Dietrich seine M�nner im Stich lie�e.</p><p>�Bist du allein nach Brundisium gekommen?�</p><p>�Nein. Ich habe zwei Gef�hrten dabei, aber die sind in meinem Lager geblieben.�</p><p>�Sie sind hier nat�rlich willkommen�, sagte Ephialtes. �Unter dem Wagen ist noch Platz.�</p><p>�Danke.� Ich hatte Marcus und Ina nicht zu Ephialtes� Wagen mitnehmen wollen, da er sich aus praktischen Erw�gungen in unmittelbarer N�he des cosischen Heerlagers befand. Ich h�tte einen Stein zwischen die Zelte der Soldaten werfen k�nnen, ohne mich anstrengen zu m�ssen. Hier h�tte Marcus� Akzent Mi�trauen und Erkundigungen ausl�sen k�nnen. Ich hatte ihn und Ina an einem dichtbev�lkerten gro�en Platz in unmittelbarer N�he des Sklavenlagers zur�ckgelassen, an dem sich Reisende, H�ndler, Lagerwachen und dergleichen mehr versammelten. An einem solchen Ort gab es zahllose Akzente, und ich konnte mir nicht vorstellen, da� der junge Mann und die blonde Frau �bertriebene Aufmerksamkeit erregen w�rden.</p><p>�Ich m�chte, da� du Phoebe pr�chtig herrichtest, und zwar f�r die neunte Ahn.� Mit diesen Worten wechselte ich das Thema. Das war die Ahn vor dem Mittag. Der goreanische Tag hat zwanzig Ahn.</p><p>�Das ist leicht zu bewerkstelligen�, sagte Ephialtes. �Liadne wird sich darum k�mmern.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte Liadne. �Sie wird strahlen!�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte ich. �Danke f�r das Essen, Ephialtes.� Wir standen auf, und er reichte mir die Hand. Dann verlie� ich das Lager.</p><p>�Es wird bald Neuigkeiten aus Torcodino geben�, sagte ich Marcus. Er blickte mich verbl�fft an.</p><p>�Komm her, M�dchen!� befahl ich Ina, und sie eilte herbei.</p><p>�Warum setzt Ihr mir eine Haube auf?� fragte sie.</p><p>�Diese Kunde k�nnte sich bereits in den Paga-Tavernen herumsprechen�, fuhr ich fort.</p><p>�Ich habe auch etwas geh�rt, und das m�chte ich dir erz�hlen, damit du die Wichtigkeit einsch�tzen kannst�, sagte Marcus.</p><p>�Ich glaube, ich habe das gleiche geh�rt. Es hat sich im Lager herumgesprochen.�</p><p>�Ich kann nichts sehen�, protestierte Ina.</p><p>�Das ist ja auch der Zweck einer Sklavenhaube�, sagte ich.</p><p>�Ich bin keine Sklavin.�</p><p>�Die Hauben passen auch einer freien Frau.� Ich wandte mich wieder Marcus zu. �Du beziehst dich da auf die angeblich geheimen Meldungen, die im Lager nicht an den Tafeln angeschlagen werden d�rfen.�</p><p>�Ich denke schon.�</p><p>�Wo es um einhundert Goldst�cke geht.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Eine stolze Summe.�</p><p>�Warum legt Ihr mir eine Leine um den Hals?� fragte Ina.</p><p>�Warum sollte es Neuigkeiten aus Torcodino geben?� fragte Marcus.</p><p>�Ich habe Grund zu der Annahme, da� wir bald etwas h�ren werden.�</p><p>�K�nntest du mich vielleicht �ber die Quelle deiner �berlegungen aufkl�ren?�</p><p>�Es hat etwas damit zu tun, was ich heute abend auf der Stra�e in der N�he des Heerlagers sah, als ich von dem Marketender zur�ckkehrte.�</p><p>�Mehr willst du mir nicht erz�hlen?�</p><p>�Im Augenblick ist das alles�, sagte ich. �Die H�nde auf den R�cken!�</p><p>Ina gehorchte, und ich lie� die Handschellen zuschnappen. Dann zog ich zweimal pr�fend an der Leine.</p><p>�Wohin gehst du?�</p><p>�Nach Brundisium�, erkl�rte ich. �Mit etwas Gl�ck sollte ich morgen fr�h zur�ck sein.�</p><p>�Soll ich dich begleiten?�</p><p>�Ich glaube, es ist besser, ich gehe allein.�</p><p>�Wie du w�nschst.�</p><p>Ich zog noch einmal an der Leine, diesmal um Ina darauf hinzuweisen, da� sie gleich gef�hrt werden w�rde und in welche Richtung es losging.</p><p>Marcus lie� nicht locker. �Warum gehst du nach Brundisium?�</p><p>�Da gibt es drei Gr�nde.�</p><p>�H�ttest du die G�te und w�rdest mir wenigstens einen davon nennen?�</p><p>�Aber sicher�, sagte ich. �Ich vergesse nur selten eine Sklavin.�</p><p>�Und morgen wirst du das Gesch�ft mit deinem Freund zu Ende bringen?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Und dann willst du nach Torcodino aufbrechen.�</p><p>�Das wird nicht l�nger n�tig sein.�</p><p>Marcus runzelte die Stirn. �Ich verstehe nicht.�</p><p>�Dietrich von Tarnburg h�lt sich nicht mehr in Torcodino auf.�</p><p>�Wo ist er dann?�</p><p>�In Brundisium.�</p><p>Er starrte mich ungl�ubig an. �Wie kommst du denn darauf?�</p><p>�Ich habe ein ausgezeichnetes Ged�chtnis, f�r Sklavinnen�, erwiderte ich.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Ich klopfte leise an die Hintert�r der Paga-Taverne. Eine Klappe wurde aufgeschoben. �La� mich herein.�</p><p>�Geh zum Vordereingang�, erwiderte eine Stimme.</p><p>�Ich will aber hier eintreten.�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>Ich warf einen Blick �ber die Schulter, zur�ck in die Gasse. Die Schatten, die uns seit dem Verlassen des Lagers begleitet hatten, Dunkelheit inmitten der Dunkelheit, huschten in Deckung. Bereits w�hrend des ganzen letzten Tages hatte ich ein paar Burschen im Lager herumlungern sehen; das war einer der Gr�nde, warum ich mich dazu entschieden hatte, der Stadt einen Besuch abzustatten, und zwar ohne Marcus. Ich wollte ihn nicht in Schwierigkeiten verwickeln, die nichts mit ihm zu tun hatten.</p><p>Die T�r �ffnete sich einen Spaltbreit, und ich schob die barf��ige, gefesselte und mit einer Haube versehene Ina hinein; die Leine baumelte von dem angeschnallten Lederhalsband herunter. Ich folgte ihr. Der Mann schlo� die T�r und schob die Riegel vor.</p><p>Wir standen in einem schlecht beleuchteten kleinen Korridor. Die Taverne hie� <emphasis>Die Juwelenverzierte</emphasis><emphasis>Peitsche</emphasis> und war nur eine von mehreren Tavernen in der Dockstra�e.</p><p>�Oberschenkel�, befahl der Mann, der uns eingelassen hatte, mit einem Blick auf Ina. Er wollte sich vergewissern, da� sie eine Sklavin war.</p><p>�Sie ist eine freie Frau�, sagte ich.</p><p>�Die wollen wir hier nicht haben.�</p><p>�Wo bin ich?� fragte Ina.</p><p>�Es ist gegen das Gesetz�, beharrte der Kerl. �Wir k�nnen nicht noch mehr Schwierigkeiten mit den Beh�rden gebrauchen. Davon abgesehen machen solche wie die hier die M�dchen unruhig.�</p><p>�Du sollst sie nur f�r mich verwahren.� Er sah mich an. Ich hielt einen Kupfertarsk in die H�he. In dieser Taverne kosteten die M�dchen ein Tarskst�ck; in dem Preis waren Essen und Paga eingeschlossen.</p><p>Er nahm die M�nze.</p><p>Dann packte er Ina am Oberarm und f�hrte sie in einen abzweigenden Gang. Ich hielt mich an den Hauptkorridor, stie� eine T�r auf und betrat den Paga-Raum.</p><p>Zwischen K�rpern blitzten die Glieder einer nackten Sklavin auf, die sich in einem Netz auf der Tanzfl�che wand. Vier andere Sklavinnen waren als Sklavenj�ger verkleidet, aber die Kost�me waren auf eine Weise geschnitten, da� weder ihr Geschlecht noch ihre Reize verborgen blieben. Sie hielten leichte St�be, sprangen um die Gefangene herum und verhinderten ihre Flucht; in ihrem Triumph taten sie so, als w�rden sie sie qu�len. Das Umgehen mit dem Stab war gekonnt, die nachgeahmten Waffen bewegten sich im Gleichklang, wirbelten umher, wechselten die Besitzer und trafen zusammen auf dem Boden auf. Es war eine Version des Tanzes der im Netz gefangenen Sklavin. Netze sind ein weit verbreitetes Handwerkszeug der Sklavenj�ger. Sie finden meistens in l�ndlichen Gebieten ihren Einsatz, bei �berf�llen auf kleine D�rfer.</p><p>Ich setzte mich abseits der Tanzfl�che in die N�he der Musikanten, mit dem R�cken zur Wand.</p><p>�Paga, Herr?� fragte ein M�dchen und kniete neben dem niedrigen Tisch nieder, hinter dem ich mit untergeschlagenen Beinen sa�.</p><p>Ich betrachtete sie. Sie war h�bsch zurechtgemacht, mit Lippenstift und Lidschatten. Auf der Stirn trug sie an einer winzigen Goldkette eine Perle in einer tropfenf�rmigen Fassung. Sie war bekleidet mit gelber Sklavenseide. Um ihren linken Arm wand sich ein schlangenf�rmiges Schmuckst�ck, die Handgelenke waren voller Armreifen. Am linken Kn�chel baumelte ein Gl�ckchen.</p><p>�Ja�, sagte ich. Ich hatte vor, an dem Paga nur zu nippen.</p><p>Sie erhob sich mit gesenktem Kopf, drehte sich mit bimmelnden Gl�ckchen und wehender Sklavenseide um und eilte zur Theke.</p><p>Ich musterte die G�ste. Es war kein bekanntes Gesicht aus dem Lager oder seiner N�he darunter. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, da� sie drau�en in der Gasse ihren Zug machten. Sie hatten es nicht getan.</p><p>Der Tanz n�herte sich seinem Ende. Die Sklavin, die mit dem Netz gefangen und mittlerweile gefesselt worden war, wurde von den J�gerinnen ihrem Auftraggeber vorgef�hrt. Die Gefangene kniete auf der Mitte der Tanzfl�che, die J�ger triumphierten. Die Musik steigerte sich noch einmal und brach dann ab; die Gefangene senkte dem�tig den Kopf. <emphasis>Es</emphasis> gab reichlich goreanischen Applaus (die rechte Handfl�che klopft dabei auf die linke Schulter). Pl�tzlich knallte eine Sklavenpeitsche, und die J�gerinnen zogen sich schnell aus, warfen die St�be beiseite und knieten neben der Gefangenen nieder. Einer der Bediensteten der Taverne hob das Netz auf und warf es �ber die Gruppe. Jetzt waren auch die J�gerinnen wieder Sklavinnen. Eine andere Melodie ert�nte, alle standen auf und huschten mit den h�bschen Trippelschritten eilender Sklavinnen im Netz von der Tanzfl�che. Weiterer Applaus ert�nte.</p><p>Das M�dchen kehrte mit dem Paga zur�ck. Sie k��te den Pokal und reichte ihn mir mit ausgestreckten Armen und gesenktem Kopf. �Paga, Herr?�</p><p>Ich nahm den Pokal und stellte ihn auf dem Tisch ab.</p><p>�Sipa, Herr?� Sie war nat�rlich im Preis des Pagas Inbegriffen.</p><p>�Du darfst gehen.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Die meisten M�nner besuchen eine Taverne, um etwas zu trinken, Neuigkeiten zu h�ren und Freunde zu treffen. Einige wollen Kaissa spielen. Sollte einer an einem bestimmten M�dchen Gefallen finden, ist es nat�rlich m�glich, es an den Tisch zu befehlen.</p><p>Ich blickte mich wieder im Schankraum um. Obwohl es sich bei den meisten G�sten zweifellos um B�rger Brundisiums handelte, sah man auch viele andere M�nner: Ruderer von den Galeeren im Hafen, Soldaten aus dem Heerlager und S�ldner.</p><p>In dem Schankraum gab es mehrere T�ren, die vermutlich in private E�r�ume f�hrten. Eine dieser T�ren �ffnete sich, und eine sinnliche dunkelhaarige Sklavin trat heraus. Sie eilte zur Theke, um Paga zu holen, trug ihn vorsichtig zur�ck und schlo� die T�r hinter sich.</p><p>Das letzte Mal hatte ich diese Sch�nheit fr�her an diesem Abend gesehen, auf dem R�ckweg von Ephialtes� Wagen. Nackt, die H�nde auf dem R�cken gefesselt, am Hals angekettet, war sie neben dem Steigb�gel ihres Herrn hergelaufen.</p><p>Aber nat�rlich hatte ich sie schon einmal zuvor gesehen, hilflos in Ketten neben dem Tisch ihres Herrn. Damals war sie nicht einmal eine legale Sklavin gewesen; zu ihrer Verzweiflung hatte ihr Herr ihr dies verweigert. Jetzt war sie eine richtige Sklavin, vor dem Gesetz anerkannt, stolz und sich ihrer selbst bewu�t. Einst war ihr Name Lady Cara aus Venna gewesen. Sie war dabei belauscht worden, wie sie abf�llige Bemerkungen �ber eine bestimmte Stadt gemacht hatte. Das war einem S�ldnerhauptmann aus der besagten Stadt zu Ohren gekommen, der daf�r gesorgt hatte, da� man sie ihm nackt und in Ketten zu F��en legte. Sie hatte bald gelernt, was es bedeutete, in der Gewalt eines solchen Mannes zu sein. Ich hatte selbst geh�rt, wie sie ihn um den Kragen anflehte. Ihr jetziger Name war mir unbekannt.</p><p>Die Stadt, �ber die sich die ehemalige Lady Cara abf�llig ge�u�ert hatte, bevor man sie zu dem S�ldnerhauptmann gebracht hatte, war Tarnburg gewesen.</p><p>Sein Name lautete Dietrich von Tarnburg.</p><p>Am Abend hatte ich etwa hundert S�ldner gesehen, die mit einigen Sklavinnen auf Brundisium zu marschierten. Der auf einem Tharlarion reitende Anf�hrer sowie einige der M�nner hatten Halst�cher vor dem Gesicht getragen, um sich vor dem Reisestaub zu sch�tzen. Zweifellos dienten die T�cher auch dazu, die Gesichtsz�ge zu verbergen. Ich h�tte mir nichts dabei gedacht, schlie�lich sah man hier immer S�ldner � es herrschte ein st�ndiges Kommen und Gehen �, h�tte ich nicht die Sklavin am Steigb�gel des Anf�hrers wiedererkannt. Da ich mit den anderen Fu�g�ngern zur�cktrat, um die Marschreihe passieren zu lassen, konnte mich der Anf�hrer nicht sehen. Ich hatte mich in Brundisium nach den M�nnern erkundigt, um ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen. Zuerst fand ich heraus, in welchem Stadtteil sie sich befanden, dann, welche Tavernen oder Herbergen sie vermutlich besuchten. Das war nicht schwer, da die meisten S�ldner nicht in der Stadt untergebracht waren, sondern im cosischen Heerlager.</p><p>Ich stand auf, nahm meinen Pokal und trat zur Theke.</p><p>�Hast du schon das Neueste geh�rt?� wandte sich ein eben erst eingetretener Gast, der Kleidung nach ein Kaufmann, aufgeregt an einen Freund.</p><p>�Nein.�</p><p>Sofort versammelten sich andere M�nner um die beiden; ich gesellte mich unauff�llig zu ihnen und war zuversichtlich, bereits zu wissen, was jetzt k�me. Nur die Einzelheiten kannte ich nicht.</p><p>�Dietrich von Tarnburg hat sich aus Torcodino zur�ckgezogen!�</p><p>Sofort sprachen alle durcheinander.</p><p>�Unm�glich!�</p><p>�Myron hat Torcodino mit Ringen aus Stahl eingeschn�rt. Das st�rkste Kontingent der cosischen Invasionsstreitmacht liegt vor der Stadt!�</p><p>�Wann ist das geschehen?�</p><p>�Schon vor Wochen�, meldete sich ein anderer Mann zu Wort.</p><p>�Wann hast du das geh�rt?� fragte der Mann, der so begierig gewesen war, es allen zu erz�hlen.</p><p>�Vor zwei Tagen. Anscheinend hat man die Nachricht unterdr�ckt.�</p><p>Falls das stimmte, war es nicht �berraschend. Myron hatte es bestimmt nicht eilig gehabt, die Nachricht zu verbreiten, da� ihm sein angeblich hilflos in der Falle sitzendes Opfer durch die H�nde geschl�pft war. M�glicherweise hatte sein Versuch, diese Nachricht zu unterdr�cken, sogar M�nner das Leben gekostet.</p><p>�Ist es gef�hrlich, dar�ber zu sprechen?� fragte der Kaufmann.</p><p>�Jetzt wohl nicht mehr.�</p><p>�Ich habe heute abend auch schon etwas in der Richtung geh�rt�, meinte ein anderer Mann. �Es ist in der ganzen Stadt herum.�</p><p>�Ich komme aus Ven�, sagte ein dritter. �Dort wei� man es auch schon.�</p><p>�F�r mich ist das neu�, sagte ein Gast. �Bitte erz�hlt.�</p><p>Einige der M�nner, die sich versammelt hatten, blickten sich um. Die Gruppe bestand aus B�rgern aus Brundisium, Ruderern, Kaufleuten, S�ldnern, cosischen Soldaten und anderen. Alle waren begierig zu erfahren, was geschehen war. Ich entdeckte keine cosischen Offiziere oder sonst jemanden, dem daran gelegen war, gegen diese Gruppe Neugieriger einzuschreiten.</p><p>�Wenn niemand etwas dagegen hat, werde ich berichten, was ich geh�rt habe�, sagte ein gutgekleideter Mann.</p><p>�Hier hat keiner etwas dagegen�, erwiderte der Kaufmann, nachdem er sich noch einmal umgeblickt hatte.</p><p>�Ich mu� vorausschicken, da� meine Neuigkeiten allgemein bekannt sind und von Hunderten berichtet werden. Sollte damit also die Staatssicherheit verletzt werden, bin nicht ich derjenige, der daf�r verantwortlich ist. Dar�ber hinaus breche ich dadurch keinerlei Vertrauen. Au�erdem kann ich nicht f�r die Richtigkeit dessen b�rgen, was ich geh�rt habe, sondern es lediglich wiederholen, und das auch nur, weil mich andere eindringlich darum gebeten haben. Ich sage es auch nur deshalb in aller �ffentlichkeit, damit wir dar�ber spotten k�nnen; keiner von uns wird diesen Bericht ernsthaft f�r wahr halten. Tats�chlich ist das Ganze so absurd, da� es stimmen kann. Ich berichte also f�r unser aller Belustigung nur das, was offensichtlich nicht wahr sein kann.�</p><p>�Nun fang schon an!�</p><p>�Ja!�</p><p>�Dietrich ist aus Torcodino entkommen.�</p><p>�Mit seinen M�nnern?�</p><p>�Mit seinen M�nnern und den Sklaven.�</p><p>�Das ist unm�glich!�</p><p>�Dem stimme ich aus ganzem Herzen zu�, sagte der Sprecher. Es handelte sich meiner Meinung nach um einen Schriftgelehrten der Jurisprudenz. Umst�ndlich genug dazu war er ja.</p><p>�Wie soll das m�glich gewesen sein?�</p><p>�Eine Nachricht erreichte das cosische Lager vor Torcodino, �berbracht von einem angeblichen Deserteur, einem Burschen namens Mincon�, sagte der Schriftgelehrte. �Unter der Nordmauer war angeblich ein Geheimtunnel gegraben worden, ein niedriger Tunnel, �ber elf Pasang lang, der Monate bis zu seiner Fertigstellung gebraucht hatte, ein Tunnel, der sich angeblich hinter den feindlichen Linien �ffnen sollte. Selbst der Tag der Flucht stand schon fest. Au�erdem sollten Dietrich und einige seiner engsten Vertrauten den Tarndraht in der N�he des Semniums �ffnen und die Stadt in derselben Nacht verlassen.�</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, da� ein paar M�nner auf Tarns Schwierigkeiten haben sollten, aus der Stadt zu entkommen�, sagte ein S�ldner.</p><p>�Aber es gibt Tarnpatrouillen�, entgegnete ein anderer, �und es gibt Kavallerie, die sofort die Verfolgung aufnehmen kann.�</p><p>�Der besagte Abend kam�, fuhr der Schriftgelehrte fort, �und genau wie Mincon, Myrons Informant, es vorausgesagt hatte, erhob sich ein Dutzend Tarns vom Dach des Semniums. Cos erwartete sie nat�rlich bereits; sofort wurde die Verfolgung aufgenommen. Die von dem Dach des Semniums gestarteten Tarns waren pr�chtige Tiere, wie h�tte es auch anders sein k�nnen, und sie entgingen den Verfolgern f�r Ahn. Aber die Verfolger waren darauf vorbereitet und f�hrten eigens frische Ersatzv�gel mit, um jede Ahn das Reittier wechseln zu k�nnen. In der Zwischenzeit r�stete sich Myron vor Torcodino f�r die Schlacht und f�hrte die meisten seiner M�nner in die N�he der Stelle, an der sich der Tunnel �ffnen sollte. Sie verbargen sich in Sch�tzengr�ben. Sie wollten die Truppen aus Torcodino an die Oberfl�che kommen lassen und sie dann mit ihrer �bermacht auf offenem Gel�nde vernichten. Einigen M�nnern w�rde die Flucht zur�ck in den Tunnel gelingen, wo sie in ihrer Panik, sich einen Weg durch die Nachfolgenden zu bahnen, gegeneinander k�mpfen w�rden und wo man sie einfach niedermachen k�nnte. Um den Rest wollte man sie sich sp�ter k�mmern, da es zu wenige sein w�rden, um selbst einem bescheidenen Angriff standhalten zu k�nnen. Man rechnete sogar damit, da� sich die Fl�chtlinge ergeben und der Gnade Cos� unterwerfen w�rden. Nat�rlich lie� Myron klugerweise viele M�nner vor der Stadt zur�ck, ein paar verst�rkte Regimenter in der N�he der Stadttore, f�r den Fall, da� Dietrich ihn �berlisten und einen Ausbruchsversuch starten sollte.�</p><p>�Myron ist ein guter Polemarkos�, sagte ein Mann.</p><p>�Das ist er.�</p><p>Ich konnte dem nur zustimmen. Myron hatte sowohl als Offizier wie auch als Mann seine Schw�chen, aber er war ein ausgezeichneter Befehlshaber. Aber hier hatte er es mit Dietrich von Tarnburg zu tun.</p><p>�Was geschah dann?�</p><p>�Gegen Morgen hatte man die fl�chtenden Tarns eingeholt, aber in ihren S�tteln sa�en gefesselte und geknebelte cosische Gefangene.�</p><p>�Was war mit den Truppen in der Stadt?�</p><p>�In Torcodino sah man Flammen aufsteigen. Wo es brannte, war unbekannt. Sp�ter fand man heraus, da� es sich um die Zerst�rung des cosischen Belagerungsger�ts gehandelt hatte, der Kriegsmaschinen, Wagen und Vorr�te, die man in Torcodino erbeutet hatte.�</p><p>Die Erbeutung dieses Materials in Torcodino, das als Ausr�stungsdepot f�r die Invasionsstreitmacht gedient hatte, war der Hauptgrund f�r Dietrichs Eroberung der Stadt gewesen; er hatte gehofft, den cosischen Vormarsch behindern zu k�nnen und Ar gen�gend Zeit zu verschaffen, um sich auf den Krieg vorzubereiten. Wie sich jedoch herausstellte, hatte Ar sein Heer nach Norden geschickt; statt dem belagerten Ar-Station Entsatz zu leisten, verfolgte es allem Anschein nach das Expeditionsheer, das Ar-Station zerst�rt hatte, um schlie�lich im Delta vernichtet zu werden. Ohne Verrat in Ar w�re das nicht m�glich gewesen. Eine der Verr�terinnen, eine sehr h�bsche Verr�terin, lag jetzt angekettet in einem der Hinterzimmer der Taverne. Dietrich hatte Ar Zeit verschaffen wollen, um sich zu bewaffnen und in Stellung zu gehen, damit es ein Gegengewicht zu den Streitkr�ften von Cos bildete und auf diese Weise den Aufstieg einer einzigen gro�en Macht auf dem Kontinent verhinderte, eine M�glichkeit, die Dietrichs Meinung nach die Existenz der freien Kompanien gef�hrdet h�tte, von denen seine Kompanie eine der gr��ten und besten war.</p><p>�Aber was war mit dem Tunnel?�</p><p>�Was war mit Dietrich und seinen M�nnern?�</p><p>�Myron und seine Soldaten warteten die ganze Nacht, den n�chsten Morgen und den ganzen folgenden Tag lang, aber der Tunnel �ffnete sich nicht.�</p><p>�Warum nicht?� fragte der S�ldner.</p><p>�Aus einem einleuchtenden Grund�, sagte der Schriftgelehrte. �Es gab keinen Tunnel.�</p><p>Die M�nner blickten einander an.</p><p>�Myron, der fest von seiner Existenz �berzeugt war, entschied sich, ihn selbst zu �ffnen; seine Ingenieure holten Bergleute und Sappeure. Sie gruben und stocherten zwei Tage lang herum, fanden aber nat�rlich nichts. In der Zwischenzeit stiegen aus Torcodino die Rauchwolken auf.�</p><p>�Zweifellos hat man diesen Mincon, diesen Informanten, in siedendes �l getaucht.�</p><p>�Er war verschwunden�, sagte der Schriftgelehrte.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Myron lie� Beobachter an dem angeblichen Standort des Tunnels zur�ck und kehrte w�tend in sein Hauptquartier zur�ck. Dann schickte er Sp�her aus, die Torcodinos Verteidigungsbereitschaft pr�fen sollten. Ohne auf die geringste Gegenwehr zu sto�en, erklommen kleine Gruppen die Mauern. Sp�ter begab sich eine gr��ere Streitmacht in die Stadt und �ffnete die Tore. Myron trat ein und fand nur Leere vor. Torcodino war verlassen.�</p><p>�Und Dietrich und seine M�nner?�</p><p>�Fort.�</p><p>�Unm�glich�, sagte ein Zuh�rer.</p><p>�Unter Myrons M�nnern herrschte gro�e Furcht�, sagte der Schriftgelehrte.</p><p>�Das kann ich mir vorstellen�, meinte ein S�ldner unbehaglich.</p><p>�Einige fragten sich, ob der Feind nicht schon seit Monaten fort sei, andere wiederum, ob er jemals dagewesen sei. Es hie�, sie h�tten geheimnisvolle Tr�nke zu sich genommen, die unsichtbar machten, oder die Priesterk�nige h�tten sie fortgezaubert.�</p><p>�Aber jemand mu� doch in der Nacht, als die Tarns aufstiegen, die Feuer entz�ndet haben�, sagte der S�ldner. �Die Nacht, als Myron vergeblich im Norden wartete.�</p><p>�Nat�rlich�, stimmte der Schriftgelehrte zu. �Tage sp�ter folgten zwei Soldaten, die aus Langeweile mit Kn�ppeln Jagd auf Urts machten, einem gro�en Urt in einen Keller, in dem es scheinbar spurlos verschwand. Sie entdeckten ein Loch, untersuchten es und fanden heraus, da� es sich um einen verborgenen Zugang zu einem Tunnel handelte. Er war von innen eingest�rzt. Der Tunnel f�hrte nicht in den Norden Torcodinos, sondern in den S�den. Myron schickte Soldaten hinein, und er f�hrte viele Pasang nach S�den, bis sie schlie�lich das Ende fanden, das ebenfalls eingest�rzt und getarnt war, diesmal nat�rlich von au�en. Man grub den Ausgang frei und entdeckte, da� er sich in der N�he der Aqu�dukte befand, die einst aus dem Norden Wasser vom Issus nach Torcodino gebracht hatten.�</p><p>�Durch diese Aqu�dukte hat sich Dietrich doch �berhaupt erst Zugang zu der Stadt verschafft�, sagte der S�ldner.</p><p>��ber den K�pfen der Cosianer!�</p><p>�Aber Dietrich hatte ihr n�rdliches Ende doch selbst zerst�rt, um andere daran zu hindern, sich auf die gleiche Weise Zugang zu der Stadt zu verschaffen.�</p><p>�Und doch hat er sie sp�ter wieder benutzt!� staunte ein Mann.</p><p>�Ja�, sagte der Schriftgelehrte. �Mit seinen M�nnern und allen Sklaven ist er durch die Aqu�dukte gewatet und wie unsichtbar auf den Issus vorger�ckt. Wie die Untersuchung ergab, hat er seinen M�nnern dort anscheinend den Befehl gegeben, sich in alle Winde zu zerstreuen. Es w�re bestimmt nicht leicht gewesen, f�nftausend Mann vor den Cosianern zu verbergen.�</p><p>�Sie h�tten sich ja irgendwo wieder sammeln k�nnen.�</p><p>�Wenn es sicher gewesen w�re.�</p><p>�Dieses Unternehmen war gut geplant�, erkl�rte der Schrift gelehrte. �So wurden vor langer Zeit Vorbereitungen getroffen, da� am Issus Ausr�stung, Vorr�te und Tharlarion bereitstanden.�</p><p>�Ist es sicher, da� Dietrich seine Sklaven aus Torcodino mitgenommen hat?�</p><p>�Ja. Neben den Fu�abdr�cken der M�nner entdeckte man im Tunnel die zahllosen Abdr�cke nackter kleiner F��e.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte der Fragesteller.</p><p>�Die Abdr�cke waren allerdings ziemlich tief�, sagte der Schriftgelehrte. �Was sagt euch das?�</p><p>�Sie trugen Lasten.�</p><p>�Ja, die Beute aus Torcodino.�</p><p>�Die meisten von ihnen werden selbst Teil der Beute gewesen sein.�</p><p>�Wo sind Dietrich und seine M�nner jetzt?�</p><p>�In alle Winde zerstreut�, sagte der Schriftgelehrte.</p><p>�Sie k�nnten �berall sein�, meinte der S�ldner.</p><p>�Sogar in Brundisium�, vermutete der Kaufmann.</p><p>�Nein, vermutlich ist er mittlerweile schon l�ngst wieder in Tarnburg.�</p><p>�Ja, genau.�</p><p>�Wurde Myron in Schimpf und Schande nach Telnus zur�ckbeordert?� fragte jemand.</p><p>�Er ist der Vetter von Lurius von Jad!�</p><p>�Sonst w�re er in kochendem �l gelandet.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Zweifellos erf�hre er gar zu gern den Aufenthaltsort von Dietrich und seinen M�nnern.�</p><p>�Das glaube ich auch.�</p><p>�Paga!� rief der S�ldner.</p><p>�Paga!� rief der Kaufmann.</p><p>M�dchen eilten herbei, um ihre Herren zu bedienen.</p><p>Ich l�ste mich von der Gruppe und begab mich zu der T�r, die zu dem privaten E�raum f�hrte. Ich klopfte leise.</p><p>Die T�r �ffnete sich zuerst nur einen Spaltbreit, aber dann schwang sie ganz auf, als man mich einlie�.</p><p>�Willkommen, Tarl�, sagte Mincon, mein Freund von der Stra�e des Genesian und aus Torcodino. �Wir haben dich bereits erwartet.�</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Marcus fragte: �Siehst du, welcher Kampf in der Gasse stattgefunden hat?�</p><p>�Was tust du denn hier?� Ich kam gerade mit Ina aus der Hintert�r der Paga-Taverne <emphasis>Die Juwelenverzierte</emphasis><emphasis>Peitsche.</emphasis> �Einen Augenblick!�</p><p>Marcus trat in dem grauen Licht zur Seite.</p><p>Ich befahl Ina, sich hinzuknien und an die H�userwand anzulehnen. Dort lie� ich sie zur�ck und nahm Marcus beiseite, um mit ihm zu sprechen.</p><p>�Ich bin dir nat�rlich gefolgt�, sagte er, �um dir zu helfen, da du ja offensichtlich hofftest, die M�nner, die die Frau verfolgen, in eine Schwertfalle locken zu k�nnen.�</p><p>�Mein Freund, ich hatte eigentlich gehofft, dich aus der Sache herauszuhalten.�</p><p>�Mich daran teilhaben zu lassen, w�re ein Beweis gewesen, da� ich tats�chlich dein Freund bin�, erwiderte er gereizt.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte ich. �Ich wollte dich nicht in Gefahr bringen.�</p><p>�Du hast mich �ber den Vosk gebracht�, sagte er. �Du hast mich bei meinem Spionageauftrag begleitet. Du hast dein Leben riskiert, indem du s�dlich vom Heerlager der Cosianer auf mich gewartet hast. Allein meinetwegen wurdest du von Saphronicus ergriffen und ins Delta verschleppt. Und doch wolltest du mir nicht erlauben, dir bei deinem Privatkrieg zu helfen, als du in ernster Gefahr schwebtest.�</p><p>�Sei mir nicht b�se, mein Freund�, sagte ich. �Ich wollte weder deine Ehre noch deine Vertrauensw�rdigkeit in Frage stellen. Falls die Ehre eines Mannes befleckt wurde, dann mit Sicherheit meine Ehre und nicht die deine.�</p><p>�Was hattest du eigentlich vor?� fragte er.</p><p>�In der Dunkelheit kann einer gegen viele k�mpfen, denn er wei�, da� derjenige, gegen den er sein Schwert erhebt, der Feind ist, w�hrend die vielen ihm seine Arbeit erleichtern, weil sie gegen viele antreten.�</p><p>�Und mit wie vielen Gegnern hast du gerechnet?�</p><p>�Vier, vielleicht auch f�nf Mann�, sagte ich. �Die Kerle, die in unserem Lager herumlungerten.�</p><p>�Ich habe im Licht des Morgens f�nfundzwanzig Tote gez�hlt�, sagte Marcus.</p><p>�Aii!� stie� ich �berrascht aus.</p><p>�Und ich halte es f�r besser, aus dieser Gegend zu verschwinden, bevor die Stadtw�chter ihre Runde machen.�</p><p>�Du bist mir gefolgt, um mir bei dem Kampf zu helfen?�</p><p>�Nat�rlich, falls es zu einem Kampf gekommen w�re.�</p><p>�Wu�test du, da� es so viele waren?�</p><p>�Ja. Ich habe beobachtet, wie sie das Lager verlie�en � wie ein Schwarm Nadelfliegen.�</p><p>�Und du bist trotzdem gekommen?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Du bist wirklich ein mutiger Mann.�</p><p>�Aber mein Schwert verlie� doch nicht einmal die Scheide.�</p><p>�Aber wie sind die M�nner dann gestorben?� fragte ich. Ich sah einige der Leichen. Eine lag kaum einen Meter von uns entfernt, eine andere wiederum beinahe hundert Meter weit fort.</p><p>�Lautlos�, sagte er. �Der letzte Mann kam zuerst dran, dann der n�chste und immer so weiter; man hat ihnen die Kehle durchgeschnitten.�</p><p>�Das erkl�rt, warum es in der Gasse so wenig L�rm gab.�</p><p>�Du sprichst, als h�ttest du davon gewu�t.�</p><p>�Ich wu�te, da� etwas vor sich ging, aber ich kannte weder Einzelheiten noch das Ausma� des Ganzen.�</p><p>�Offensichtlich hast du noch andere Verb�ndete als blo� einen einfachen Offizier aus Ar-Station.�</p><p>�So stellte es sich heraus.�</p><p>Marcus sah mich abwartend an.</p><p>�Ich habe gestern jemanden auf der Stra�e nach Brundisium gesehen�, erkl�rte ich. �Er hatte das Gesicht verh�llt, aber ich erkannte seine Sklavin. Ich war fest �berzeugt, ihn zu kennen. Ich wollte mit ihm sprechen, das war einer der Gr�nde, warum ich die Stadt Brundisium betrat.�</p><p>�Und au�erdem wolltest du die M�nner in einen Hinterhalt locken, die hinter Ina her sind.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Erz�hl mir von deinen Verb�ndeten.�</p><p>�Ich werde keine Einzelheiten berichten, aber ich war nicht der einzige auf der Stra�e nach Brundisium, der jemanden erkannte. Derjenige, den ich zu erkennen glaubte, hat mich ebenfalls erkannt, lie� es sich aber nicht anmerken. Er sandte seine M�nner aus, um mich aufzusp�ren und in seine Unterkunft einzuladen. Sie entdeckten mich auf der Stra�e und folgten mir. Ihnen wurde bald klar, da� ich auch noch andere Verfolger hatte, zweifellos die M�nner, die du dabei beobachtet hast, wie sie das Lager verlie�en.�</p><p>�Auf der Stra�e herrschte ziemliches Gedr�nge�, best�tigte Marcus.</p><p>�Die M�nner meines Freundes bildeten eine Stafette�, sagte ich. �Ein Mann machte da weiter, wo der andere aufgeh�rt hatte. Es ist �brigens ganz lustig; einige der Kerle, die um mich herumschwirrten, habe ich nach der Unterkunft meines Freundes befragt. Nach mehreren Ausk�nften, bei denen ich hier und dort etwas Wissenswertes erfuhr, wu�te ich schlie�lich, da� er mit seinem Stab in der <emphasis>Juwelenverzierten Peitsche</emphasis> abgestiegen war.�</p><p>�Und du hattest nicht den geringsten Verdacht?�</p><p>�Ich hatte diese M�nner nie zuvor gesehen.�</p><p>�Vielleicht hat man sie aus genau diesem Grund ausgesucht�, meinte Marcus.</p><p>�Das glaube ich auch.�</p><p>�Du hattest wirklich nicht den geringsten Verdacht?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich hielt sie f�r B�rger Brundisiums.�</p><p>�Kam es dir nicht ungew�hnlich vor, da� du diese Nachrichten so leicht erhieltest?�</p><p>�So einfach war das gar nicht. Ein- oder zweimal schickte man mich sogar in die falsche Richtung.�</p><p>�Dein Freund mu� ein sehr kluger Bursche sein.�</p><p>�Der Meinung bin ich auch.�</p><p>�Andererseits ist es ja nicht so, als k�mst du aus Ar oder Ar-Station.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Und hast du dich gut mit ihm unterhalten?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Wir haben eine Zeitlang miteinander gesprochen.�</p><p>�Sch�n�, sagte Marcus.</p><p>�Und was hast du w�hrend der Zeit getan?�</p><p>�In der Gasse gefroren.�</p><p>�Du h�ttest hereinkommen und etwas trinken sollen.�</p><p>�Du scheinst ja ausgezeichnete Laune zu haben.�</p><p>�La� uns nicht streiten�, sagte ich. �Kehren wir doch in unser Lager zur�ck und g�nnen uns etwas Schlaf. Gegen Mittag mu� ich dir unbedingt etwas Bemerkenswertes zeigen.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Du wirst schon sehen.�</p><p>�Wei� Ina, da� man eine Belohnung auf sie ausgesetzt hat � die angebliche geheime Belohnung von einhundert Goldst�cken?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Das ist vermutlich auch besser so.�</p><p>�Der Meinung bin ich auch.�</p><p>Marcus schenkte mir einen ziemlich m�rrischen Blick. �Du scheinst wirklich bester Laune zu sein.�</p><p>�Ich glaube, da� Ina jetzt sicher ist.�</p><p>�Schon m�glich. Daf�r haben deine Freunde gesorgt, die sich so wirksam und skrupellos um deine Verfolger gek�mmert haben.�</p><p>�Das finde ich auch�, sagte ich. �Davon abgesehen � wie viele Leute k�nnten das Gesicht einer freien Frau aus Ar wiedererkennen, die f�r gew�hnlich st�ndig verschleiert geht?�</p><p>�Ich glaube, du hast recht�, sagte Marcus. �Trotzdem, sie ist noch immer frei, und hier gibt es nur wenige freie Frauen aus Ar oder Frauen mit einem solchen Akzent.�</p><p>�Aber Frauen in Ketten mit solchem Akzent gibt es viele.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>�Du scheinst unruhig zu sein�, meinte ich.</p><p>�Wir sollten gehen. Ich will nicht einmal in der N�he sein, wenn die Stadtw�chter hier ihre Runde machen. Sie k�nnten zumindest wissen wollen, warum wir dieses Massaker nicht gemeldet haben.�</p><p>�Du hast recht�, erwiderte ich und holte Ina.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>�Warum hast du mich hergebracht?� fragte Marcus, w�hrend wir vor Ephialtes� Wagen warteten.</p><p>�Du wirst schon sehen.�</p><p>Wir hatten den Standort unseres kleinen Lagers in der N�he des behelfsm��igen Sklavenlagers verlassen und uns alle M�he gegeben, da� es so aussah, als sei es verlassen worden. Dann waren wir ein St�ck die Stra�e nach Brundisium entlanggegangen und hatten uns in einem kleinen Wald in die B�sche geschlagen, um wieder zur�ckzukehren. Wir hofften, da� jedermann nun ann�hme, da� wir unser Lager abgebrochen hatten und nach Osten gezogen waren, auf eine der Deltastra�en zu. Auf dem R�ckweg hatten wir das Sklavenlager durchquert. Es war ziemlich gro� und umschlo� etwa vier bis f�nf Quadratpasang. Noch immer lieferte man auf unterschiedlichste Weise neue Frauen: in Sklavenwagen, K�figen oder auch zu Fu�.</p><p>�Das ist also der Wagen deines Freundes?� fragte Marcus.</p><p>�Ja.�</p><p>Wir hatten Ina in einem angemieteten Sklavenk�fig in dem Sklavenlager zur�ckgelassen. Das kostete ein Tarskst�ck.</p><p>�Ich wei� nicht, was ich eigentlich hier soll�, beschwerte sich Marcus. �Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist dein Freund, dieser Ephialtes oder wie immer er hei�t, ein Cosianer. Ich bin nicht geneigt, mit einem Cosianer ins Gespr�ch zu kommen.�</p><p>�An deiner Stelle w�rde ich hier nicht so oft den Mund �ffnen�, erwiderte ich. �Am Rande des cosischen Heerlagers.�</p><p>�Warum hast du mich dann hergebracht�, fl�sterte Marcus.</p><p>�Das habe ich dir doch heute morgen gesagt�, erwiderte ich. �Ich will dir etwas zeigen.�</p><p>�Was?�</p><p>�Hab Geduld. Du wirst schon sehen.�</p><p>�Wehe, wenn das eine Zeitverschwendung ist.�</p><p>�Du hast blo� schlechte Laune, weil ich dich zum Rand des Heerlagers mitgenommen und damit dein Leben grundlos in t�dliche Gefahr gebracht habe.�</p><p>�Das ist einfach nicht wahr�, zischte er. �Wer k�nnte so kleinlich sein?�</p><p>�Was ist es dann?�</p><p>�Ich habe eine sehr unerfreuliche Nacht verlebt�, sagte er, �und der Morgen war bis auf ein paar Ahn Schlaf auch nicht viel besser.�</p><p>�Das wird sich bald �ndern.�</p><p>�Hoffentlich�, knurrte er.</p><p>Marcus war von Natur aus ein eher launischer Mensch, der Dinge wie Leben und Tod ernster nahm, als es eigentlich n�tig war. An diesem Morgen wirkte er jedoch ausgesprochen schroff, was f�r ihn doch eher ungew�hnlich war. Zugegeben, er hatte auf seinem einsamen, gef�hrlichen Posten in der Gasse hinter der Taverne eine ungem�tliche Nacht erlebt, w�hrend ich es mir drinnen gut gehen lie�. Doch dann rief ich mir ins Ged�chtnis zur�ck, da� man solche Opfer im Verlauf einer wahren Freundschaft durchaus erwarten kann.</p><p>�Willkommen im Lager von Ephialtes�, sagte der Marketender und trat um den Wagen herum. Man konnte nicht daruntersehen; ein St�ck aufgespanntes Segeltuch versperrte den Blick. Das allein war nicht ungew�hnlich, aber ich vermutete, da� es aus einem dramatischen Grund dort hing, um eine Mauer zu errichten, hinter der man etwas verstecken und dann zeigen konnte.</p><p>�Mein Freund Ephialtes�, sagte ich. �Ich glaube, du willst uns etwas zeigen.�</p><p>�Ja�, erwiderte er. Dann klatschte er zweimal in die H�nde.</p><p>Dem�tig trat eine junge Frau hinter dem Wagen und der Leinwand hervor, dem�tig und wundersch�n, nur mit einem Bauchriemen und einem schmalen gelben Sklavenschurz bekleidet, die H�nde auf dem R�cken haltend, vermutlich in Ketten. Liadne ging hinter ihr und hielt ihre Leine. Die junge Frau war schlank, mit einer ungew�hnlich hellen Haut und gleichfalls au�erordentlich dunklem Haar und Augen.</p><p>�Aii!� rief Marcus �berw�ltigt aus.</p><p>Die Frau blickte Marcus an, als w�re er der erste Mann, den sie je zu Gesicht bekommen h�tte.</p><p>Dann starrte sie mich an.</p><p>�Kein Wort!� warnte ich sie.</p><p>Sie kniete vor uns nieder. Dann blickte sie zu Marcus hoch, wie voller Ehrfurcht, als k�nne sie den Blick nicht von ihm wenden.</p><p>�Gef�llt sie dir?� fragte ich.</p><p>�Ich habe noch nie eine solche Frau gesehen!� rief er. �Sie ist das sch�nste Wesen, das mir in meinem ganzen Leben begegnet ist.�</p><p>�Ich dachte mir schon, da� du sie nicht absto�end f�ndest.�</p><p>�Sie ist eine Frau, f�r die ein Mann t�ten w�rde!� rief er.</p><p>�Und angenommen, sie w�re eine Sklavin?�</p><p>Dieser Gedanke lie� ihn stocken, er schluchzte auf, kr�mmte sich zusammen und hieb sich mit den F�usten auf die Knie.</p><p>�Welche Stellung nimmt sie ein?� fragte ich Ephialtes.</p><p>�Freie Frau, aber eine Gefangene und vollst�ndige Dienerin�, antwortete der Marketender.</p><p>�Dann kann sie also erworben und versklavt werden!� rief Marcus.</p><p>Ephialtes nickte.</p><p>�Ich mu� sie haben!�</p><p>Sie sah von den Knien zu ihm hoch, ihre Unterlippe bebte.</p><p>�Aber sie ist bestimmt sehr teuer�, sagte ich.</p><p>�Ich mu� sie haben!�</p><p>�Wieviel hast du?�</p><p>�Nur ein paar Tarskst�cke�, sagte Marcus.</p><p>�Das reicht bestimmt nicht�, meinte ich. �La� uns gehen.�</p><p>Er griff nach dem Schwert, aber ich legte ihm die Hand auf die Hand, damit er nicht aus Wut und Entt�uschung die Klinge zog und den armen Ephialtes erschlug.</p><p>�La� uns gehen.�</p><p>�Warum hast du mich hergebracht?� rief er aufgebracht. �Nur um mich zu qu�len?�</p><p>��berhaupt nicht�, sagte ich. �Ich wu�te, da� dir diese Art von Frau gef�llt.�</p><p>�Diese Art von Frau!� rief er. �Sie ist einzigartig, unvergleichlich! Ich kenne sie aus Tausenden von Tr�umen!�</p><p>�Sie ist ganz nett�, sagte ich. �Danke, Ephialtes. Ich wollte nur, da� er sie einmal sieht. Wie erwartet kann er sie ansehen, ohne zusammenschrecken zu m�ssen.�</p><p>�Das kann man�, best�tigte Ephialtes.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, erwiderte er.</p><p>Marcus stand noch immer wie versteinert da. �Komm schon�, sagte ich.</p><p>�Ich will sie! Ich mu� sie haben!� rief er.</p><p>�Du kannst sie dir nicht leisten. Komm jetzt.� Ich nahm ihn beim Arm und zog ihn mit mir. Wir waren noch keine zehn Schritte gegangen, als er sich von mir losri�.</p><p>�Was ist denn jetzt schon wieder?�</p><p>�Du begreifst nicht!� rief er. �Ich habe noch nie eine solche Frau gesehen! Sie ist mein Traum!�</p><p>�Ja, sie ist ganz nett.�</p><p>�Sie mu� mein werden!�</p><p>�Ja, ja. Und jetzt komm.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Vergi� sie.�</p><p>Von meinem Standort aus konnte ich an Marcus vorbei sehen. �Nein, sieh nicht hin�, sagte ich beruhigend zu ihm. �Das ist besser so.� Ich hielt ihn an den Armen fest, um zu verhindern, da� er sich umdrehte. Liadne f�hrte das M�dchen zur�ck, aber es str�ubte sich und starrte Marcus ungl�ubig hinterher. Aber Liadne setzte sich durch. Marcus befreite sich w�tend von mir und drehte sich um. Aber das M�dchen war nicht mehr zu sehen.</p><p>�Sie ist weg�, sagte ich und hielt ihn davon ab, zu dem Wagen zur�ckzust�rmen. �Du kannst sie nicht bezahlen. Einige M�nner w�rden m�glicherweise in der Nacht zur�ckkehren und sie stehlen, vielleicht dabei ein paar H�lse durchschneiden, aber f�r einen Marcelliani, der ein ehrenhafter Bursche ist, ein Offizier und so, k�me so etwas nat�rlich nicht in Frage.�</p><p>�Nein!� fluchte Marcus.</p><p>�Tja, so spielt das Leben eben manchmal.�</p><p>Marcus starrte mich wild an. Einen Augenblick lang f�rchtete ich, er k�nne mich angreifen.</p><p>�Komm jetzt.�</p><p>Marcus drehte sich um und starrte jetzt m�rderisch zu dem unschuldigen Ephialtes hin�ber, der etwas an dem Wagen in Ordnung brachte. �Er ist ein Cosianer.�</p><p>�Aber er ist auch mein Freund, und das d�rfte die Sache erschweren.�</p><p>�Ja�, grollte Marcus. Dann st�hnte er auf. �Ich h�tte sie niemals sehen d�rfen.�</p><p>�Unsinn�, sagte ich.</p><p>�Mein Leben ist zerst�rt.�</p><p>�Deine Aussichten waren ohnehin nicht besonders vielversprechend.�</p><p>Marcus beachtete mich nicht. �Ich wu�te nicht, da� es eine solche Frau geben kann.�</p><p>�Sie ist ganz nett.�</p><p>�Sie ist wundersch�n!�</p><p>�Ganz h�bsch.�</p><p>�Eine G�ttin!�</p><p>�Ich mu� Ina holen�, sagte ich. �Warum treffen wir uns nicht in unserem neuen Lager?�</p><p>Er blickte mich voller Verzweiflung an. �Nun gut�, murmelte er niedergeschlagen und ging.</p><p>Ich war ganz zufrieden mit dem Verlauf des Vormittags, auch wenn es jetzt schon nach Mittag sein mu�te. Ich hatte damit gerechnet, da� sich Marcus von Phoebe stark angezogen f�hlen w�rde, denn sie war eine ausgesprochen sch�ne Vertreterin eines Frauentyps, der ihn fast um den Verstand brachte. Wie die Sklavin Yakube in Port Cos, die er so attraktiv gefunden hatte. Allerdings war hier die Anziehung gegenseitig gewesen. Phoebe hatte den Blick nicht von ihm wenden k�nnen. Vielleicht hatte auch sie von einem Mann wie ihm getr�umt, der sie eines Tages in Besitz n�hme. Das versprach eine innige Beziehung zu werden.</p><p>Ich pfiff leise vor mich hin und schlug die Richtung zum Sklavenlager ein.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>�Zeig mir das Gesicht der Sklavin!� verlangte der Mann.</p><p>Irgendwie kam er mir bekannt vor, er mu�te mir einmal kurz begegnet sein.</p><p>Es war sp�ter an demselben Tag, an dem Marcus seiner Liebe begegnet war.</p><p>�Warum?� Soweit ich sehen konnte, war er allein.</p><p>�Ihr k�nnt nicht entkommen�, sagte er. �Ich kann mit hundert M�nnern zur�ckkehren.�</p><p>Marcus musterte ihn. Seine Hand lag in der N�he des Schwertgriffs. �Verschwinde�, knurrte er dann.</p><p>�Wir wollen doch h�flich sein�, beschwichtigte ich ihn.</p><p>Der Fremde nickte. �Wie ich sehe, bist du ein vern�nftiger Mann.�</p><p>�Vielleicht willst du sie mir ja abkaufen�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Sie ist nicht ausgebildet, daher d�rfte sie nicht mehr als einen Silbertarsk einbringen.�</p><p>�Ich dachte da an eine Summe in der Gr��enordnung von einhundert Goldst�cken�, sagte der Fremde, ohne eine Miene zu verziehen. Ich fragte mich, woher ich ihn kannte.</p><p>�Gold?�</p><p>�Tarnscheiben aus <emphasis>Ar,</emphasis> das volle Gewicht.�</p><p>�Das ist eine gro�e Summe�, sagte ich staunend.</p><p>�Denk dar�ber nach.�</p><p>�Hast du sie dabei?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wer ist bereit, soviel zu zahlen?�</p><p>�Ich�, sagte er.</p><p>Das glaubte ich ihm nicht. Also erwiderte ich: �Du bist nur ein Mittelsmann! In wessen Diensten stehst du?�</p><p>�Ich kann das Geld morgen bringen.�</p><p>Ich stand von dem kleinen Feuer auf. �Ich zeige sie dir.�</p><p>Ina sa� ein St�ck abseits. Der Fremde begleitete mich.</p><p>�Soll ich dir eine Lampe holen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, dann ging er wortlos neben ihr in die Hocke.</p><p>�Ein ganz normales Kajira-Brandzeichen�, sagte er.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Diese Feststellung fiel ihm nicht schwer, denn bis auf die Haube war sie nackt. Ich hatte die n�tigen Formalit�ten am Nachmittag erledigt. Ina war nun eine gesetzm��ige Sklavin.</p><p>�Wie nennst du sie?�</p><p>�Ina.�</p><p>�Bitte entfern die Haube�, bat er mich.</p><p>Ich l�ste die Schnallen und zog sie herunter. Ina blinzelte, dann starrte sie den Fremden mit weit aufgerissenen Augen an. �Octantius!� rief sie entsetzt.</p><p>�Sie scheint dich zu kennen�, sagte ich.</p><p>�Ich bin Octantius aus Ar�, sagte er. �Ich war im Delta Erster Offizier auf ihrer Barke.�</p><p>�Ich verstehe.� Vermutlich hatte ich ihn dort gesehen, hatte einen kurzen Blick auf ihn geworfen, w�hrend ich das vollgesogene Renceboot f�r Plenius und die anderen zog. Er hatte vermutlich an Deck gestanden.</p><p>�Wie gro� war die Besatzung?�</p><p>�Neun Mann, mich eingeschlossen.�</p><p>Ich nickte. �Die Rencebauern haben euch in einen Hinterhalt gelockt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie viele von euch sind dem Delta entkommen?�</p><p>�Neun Mann�, sagte er. �Es hat den Bauern anscheinend Vergn�gen bereitet, uns ziehen zu lassen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Sie wollten nur sie haben.�</p><p>Das war verst�ndlich.</p><p>Er beugte sich vor. �Du warst einmal sehr wichtig, nicht wahr, Ina?� fragte er.</p><p>�Schon m�glich, Herr.�</p><p>�Aber jetzt bist du nicht mehr so wichtig?�</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>�Ich glaube, es hat ihnen Vergn�gen bereitet, uns ziehen zu lassen�, sagte er. �Sie machten nicht einmal den Versuch, uns festzuhalten oder uns zu verfolgen. Ich glaube, sie wollten, da� sie allein auf der Barke stand, w�hrend sie auf die J�ger wartete, auf die Seile, die ihren K�rper fesseln w�rden.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Widerstand war zwecklos. Es gab Hunderte von ihnen. Es hatte keinen Sinn, sein Leben f�r eine Schlampe wie sie herzugeben, f�r eine zum Scheitern verurteilte Sache.� Pl�tzlich griff er nach ihrem Kinn und hob es unsanft an. �Wie oft habe ich sie mir so vorgestellt, in Ketten.�</p><p>�Von den neun M�nnern deiner Besatzung � was glaubst du, wie viele au�er dir w�rden sie erkennen?� fragte ich.</p><p>�Alle.�</p><p>�Aber sie war doch sicherlich verschleiert.�</p><p>Er l�chelte. �Gelegentlich senkte sie den Schleier, wenn M�nner in der N�he waren, ganz zuf�llig, als wolle sie ihn ordnen oder ganz kurz senken, um das Gesicht zu k�hlen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Es hat ihr Vergn�gen bereitet, sich uns zu zeigen�, sagte er. �Uns zu qu�len, zu erregen, in dem Wissen, da� sie f�r uns unerreichbar war, da� sie nichts von uns zu bef�rchten hatte.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Das wunderte mich nicht. �Schon damals warst du eine eitle Sklavin, nicht wahr, Ina?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Aber jetzt bist du eine gesetzm��ige Sklavin�, sagte Octantius.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Glaubst du, da� du jetzt auch noch unerreichbar bist?�</p><p>�Nein, Herr�, sagte sie �ngstlich.</p><p>�Du kannst ihr wieder die Haube aufsetzen.�</p><p>Ich st�lpte ihr die Haube �ber den Kopf.</p><p>�Von den neun M�nnern, die sie erkennen k�nnte � wie viele sind hier in der N�he?�</p><p>�Alle.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>Wir kehrten zum Feuer zur�ck.</p><p>�Da sie nun eine Sklavin ist�, sagte ich, �zieht dein Vorgesetzter sein Angebot vermutlich zur�ck.�</p><p>�Ganz im Gegenteil. Du willst die hundert Goldst�cke doch verdienen, oder nicht?�</p><p>�Ich h�tte nichts dagegen, soviel Gold zu besitzen.�</p><p>�Dann brauchst du solche Fragen nicht zu stellen.�</p><p>Ich verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Aber ich bin trotzdem neugierig.�</p><p>Octantius zuckte mit den Schultern. �Vielleicht will ein Wohlt�ter sie vor der Sklaverei bewahren.�</p><p>�Keiner, der sie im Kragen gesehen hat, z�ge auch nur in Erw�gung, sie vor der Sklaverei zu bewahren.�</p><p>Er l�chelte. �Das ist wahr.�</p><p>�Warum will man sie mir denn abkaufen?�</p><p>�Ich werde morgen mit dem Geld zur�ckkehren�, sagte Octantius.</p><p>�Und wenn ich sie nicht verkaufen will?�</p><p>�Ich werde hundert Mann mitbringen.�</p><p>�Das h�rt sich nach einer ganzen Menge an.�</p><p>�Unsere M�glichkeiten sind betr�chtlich.�</p><p>�Anscheinend.�</p><p>�Bis morgen.�</p><p>�Wie steht�s damit, jetzt um sie zu k�mpfen, nur du und ich und zwei Schwerter?�</p><p>�Mach keine Schwierigkeiten�, sagte Octantius. �Du kannst sie uns morgen geben, oder wir werden sie dir abnehmen.�</p><p>�Ach, so ist das.�</p><p>�Und in der Zwischenzeit solltest du nicht zu entkommen versuchen. Dein Lager wird von mehreren M�nnern beobachtet.�</p><p>Er wandte sich zum Gehen.</p><p>�Wem wirst du sie �bergeben?� fragte ich.</p><p>Er drehte sich noch einmal um. �Ich werde nur ihren Kopf �bergeben.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>Octantius verschwand in der Dunkelheit.</p><p>�Wirst du sie ihm verkaufen?� fragte Marcus.</p><p>�Nein.�</p><p>Er blickte mich an.</p><p>�Du solltest vor Einbruch der Morgend�mmerung gehen�, sagte ich.</p><p>�Und du?�</p><p>�Ich bleibe.�</p><p>Er sah mich wortlos an.</p><p>�Du hast unsere Unterhaltung mitbekommen?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Geh.�</p><p>Marcus sch�ttelte den Kopf. �Sie ist nur eine Sklavin.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>Er stand auf und verlie� das Lager.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>Ich stand auf, streckte mich und lachte. Ina, die an meiner Seite geschlafen hatte, sah mich �berrascht an. Ich f�hlte mich ausgeruht.</p><p>�Ihr kettet mich ja los�, sagte sie.</p><p>�Bleib in meiner N�he.�</p><p>�Wohin gehen wir?�</p><p>�Neugier bekommt einer Kajira nicht.�</p><p>Ich wollte zum Sklavenlager. Dort gab es Hunderte von Sklavinnen. M�glicherweise bot sich mir dort die Gelegenheit, Ina zu verstecken oder sie entkommen zu lassen. Allerdings war ich, wenn ich mir gegen�ber ehrlich war, nicht besonders zuversichtlich.</p><p>Ein Mann stellte sich mir in den Weg. �Bleib stehen!� sagte er. �Du verl��t das Lager nicht.�</p><p>�Tritt beiseite�, sagte ich, �oder ich entferne dich aus meinem Weg.�</p><p>Er lachte. Und Ina schrie auf.</p><p>�Ihr habt ihn get�tet!�</p><p>Ich wischte die Klinge an seiner Tunika ab. Ich war nicht in scherzhafter Stimmung.</p><p>�Was wollte er?� fragte sie. �Warum wollte er uns am Gehen hindern?�</p><p>Ich blickte mich um. Die sieben M�nner schienen wie aus dem Nichts zwischen den Zelten aufgetaucht zu sein.</p><p>�Was wollen sie?� rief Ina.</p><p>�Stell dich mir nicht in den Weg�, sagte ich zu dem Mann vor mir.</p><p>Er warf einen Blick auf seinen gefallenen Kameraden, auf das Blut im Stra�enstaub.</p><p>Ich trat bedrohlich einen Schritt auf ihn zu, und er wich schnell zur Seite, genau wie ein anderer seiner Kameraden, der ebenfalls den Weg verstellt hatte.</p><p>Ich ging mit gezogener Klinge an ihnen vorbei. Ina eilte hinter mir her.</p><p>Sofort nahmen sie die Verfolgung auf, kamen aber nicht nahe genug, um in einen Kampf verwickelt zu werden.</p><p>Ich drehte mich um, drohte ihnen, und sie wichen zur�ck. Ich ging schnell auf einen zu, und er drehte sich um und lief davon. Da schrie Ina auf. Ich fuhr herum, und ein anderer Mann, der nahe an mich herangekommen war, wich zur�ck.</p><p>�Kommt her, na los!� lud ich sie ein. Meine Stimme mu� sich schrecklich bedrohlich angeh�rt haben. Ina wimmerte. Ich glaube, sie hatte Angst, mir zu folgen.</p><p>�Geh nicht mit ihm, kleine Vulo!� rief einer der M�nner.</p><p>�Komm mit uns�, lockte ein anderer.</p><p>�Er ist verr�ckt�, sagte ein dritter. �Sieh dir nur sein Gesicht an, seine Augen.�</p><p>�Ich mu� mit ihm gehen�, rief Ina. �Er ist mein Herr.�</p><p>�Wir werden deine Herren sein.�</p><p>�Was wollen sie von Euch�, fragte sie mich. �Was habt Ihr getan?�</p><p>�Komm mit�, erwiderte ich nur.</p><p>Ich schob das Schwert in die Scheide, scheinbar voller Hochmut, drehte ihnen bewu�t den R�cken zu und ging los. Ich z�hlte bis drei, warf mich ohne Vorwarnung herum und zog die Klinge. Ina sprang beiseite.</p><p>Der Verfolger spuckte Blut, taumelte zur�ck und st�rzte in den Staub. Ich drehte mich im Kreis. Keiner der anderen hatte sich mehr als einen Meter gen�hert; sie waren stehengeblieben. Ich sah mir den Mann, der zu Boden gegangen war, genauer an. Es war derselbe Bursche, der eben versucht hatte, mich von hinten niederzuschlagen. Ich hatte mir schon gedacht, da� er es war und da� er es auf die gleiche Weise erneut versuchen w�rde, und er hatte es tats�chlich versucht. Mit einer solchen List kann man einen Gegner manchmal auflaufen lassen.</p><p>�Er ist tot�, sagte einer seiner Kameraden, der ihn umdrehte.</p><p>Ina schrie auf.</p><p>Sie starrte mich entsetzt an.</p><p>Ich hatte Angst, sie k�nnte vor mir davonlaufen, also ergriff ich sie am Arm und schob sie auf das Sklavenlager zu. Keiner der M�nner stellte sich mir in den Weg. Allerdings blieben sie so nahe auf den Fersen, wie es ihr Mut zulie�.</p><p>Unbeirrt ging ich weiter.</p><p>Im Lager drehten sich K�pfe zu uns um.</p><p>Ich schritt schneller aus. Ina keuchte. Sie kam kaum mit. �Herr!� schluchzte sie.</p><p>�Still, Sklavin!� sagte ich. Ich war w�tend. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, Ina im Lager verschwinden zu lassen oder gegen jemanden auszutauschen. Die Verfolger waren zu nahe. Ich kam nie mehr als an einen oder zwei von ihnen heran; das verschaffte den anderen mehr als genug Zeit, sich zur�ckzuziehen oder � was wahrscheinlicher war � die Gelegenheit zunutze zu machen und die Sklavin zu entf�hren oder zu t�ten.</p><p>Ich stie� Ina durch das Tor des Sklavenlagers.</p><p>Ein Mann, der dort herumlungerte, lachte, als er sah, wie die h�bsche Sklavin ins Lager gebracht wurde, aber dann verstummte er, als er die Gruppe bemerkte, die uns verfolgte und die pl�tzlich von f�nf auf ein Dutzend angewachsen war.</p><p>Ich ging eine Zeitlang stur geradeaus, zwischen Zelten und �berdachten offenen St�nden vorbei, durch Korridore aus K�figen, Wagen und K�figwagen, vorbei an dem Krankenzelt, an St�nden, an denen man Salben, Parf�m, Tuniken, Stricke, Riemen, Peitschen, Handschellen, Ketten und Eisenkragen erwerben konnte. Irgendwo in der Mitte des Lagers blieb ich stehen, auf einem runden Platz, auf dem sich sonst w�hrend der Auktionen Gro�h�ndler dr�ngten und ihre Gebote machten.</p><p>Unsere bedrohlichen Gef�hrten waren uns nicht von der Seite gewichen; sie begleiteten uns wie Schatten, bewaffnet und stumm. Mittlerweile waren es f�nfzehn Mann.</p><p>Ich lie� Ina los, und sie sank schluchzend auf die Knie. In ihren Augen flackerte die nackte Angst.</p><p>�Warum wollen sie mich t�ten?� Sie war klug; sie hatte begriffen, worum es hier ging.</p><p>�Ich vermute, da� Ar jemanden f�r die Katastrophe im Delta zur Verantwortung ziehen will. Deine Mitverschw�rer haben dich und vielleicht einige andere auserw�hlt, �ffentlich von euch Abstand genommen und die Behauptung in die Welt gesetzt, da� ihr die anderen get�uscht habt und so weiter. Auf diese Weise k�nnen die m�chtigeren Verschw�rer Ars Ruf nach den Verantwortlichen befriedigen und zur gleichen Zeit die Aufmerksamkeit von sich ablenken. Andererseits wollen deine einflu�reicheren Freunde das Risiko nicht eingehen, da� deine Aussage bei einer Gerichtsverhandlung zur Sprache kommt.�</p><p>�Aber ich bin doch nur eine Sklavin�, sagte sie.</p><p>�Aber eine Sklavin, die mehr wei�, als gut f�r sie ist.�</p><p>�Ich k�nnte doch versprechen, nichts zu sagen.�</p><p>�Du w�rdest sprechen�, sagte ich.</p><p>Sie starrte mich �ngstlich an.</p><p>�Wie du wei�t, wird die Aussage einer Sklavin unter der Folter aufgenommen.�</p><p>�Gib sie uns, und wir lassen dich gehen!� rief einer der M�nner.</p><p>Ich musterte ihn.</p><p>�Schnappen wir sie uns und teilen die Belohnung allein unter uns�, schlug ein anderer vor.</p><p>�Ja, genau�, rief einer eifrig. Er lie� sich wohl zu leicht von seinem Freund beeinflussen, denn er st�rzte sich auf mich. Mit einem Tritt l�ste ich ihn von der Klinge, dann fuhr ich herum, um mich seinem Freund zu stellen, der den Vorschlag gemacht hatte. Der blieb wie angewurzelt stehen, rutschte aus, fiel auf ein Knie und kroch auf allen vieren zur�ck. Mir blieb nicht genug Zeit, ihm einen Hieb zu verpassen, da ich einen weiteren von Octantius� M�nnern von Ina verscheuchen mu�te, die hinter mir auf dem Boden kniete.</p><p>��berla� sie uns, wir teilen die Belohnung mit dir!�</p><p>�Ja, wir geben dir zehn Goldst�cke, Tarnscheiben aus Ar!�</p><p>�Das ist mehr, als du sonst f�r sie bek�mst.�</p><p>Ich betrachtete Ina. Ja, dachte ich, das ist mehr, als sie mir auf dem Auktionsblock einbr�chte.</p><p>�Octantius wird bald hier sein�, sagte einer der Verfolger und warf einen Blick �ber die Schulter. �Dann mu� die Belohnung zwischen zu vielen Leuten aufgeteilt werden.�</p><p>�Einige dich mit uns.�</p><p>�Octantius wird Bogensch�tzen mitbringen. Dann ist jeder Widerstand zwecklos.�</p><p>�Einige dich mit uns�, wiederholte der erste Sprecher.</p><p>�Bleibt zur�ck!� warnte ich die M�nner. Dann zerrte ich Ina auf die Beine und ging einfach weiter geradeaus, zwischen den J�gern hindurch, die den Weg freigaben. Aber sobald ich an ihnen vorbei war, nahmen sie die Verfolgung wieder auf, kamen so nahe heran, wie sie es nur wagen konnten. Gelegentlich tat ich einen Schritt auf den einen oder anderen zu, der dann die Flucht ergriff, aber die Meute blieb bei uns wie ein Rudel Sleen, das einen Larl verfolgt und darauf wartet, da� er einen Fehler begeht oder m�de wird.</p><p>�Wohin willst du eigentlich?� rief mir einer nach.</p><p>Ich beachtete ihn nicht.</p><p>Es ging weiter in die Richtung, in die der Mann geblickt hatte, der bef�rchtete, da� Octantius mit seinen M�nnern zu fr�h eintreffen und so den Anteil an der versprochenen Beute verkleinern k�nnte.</p><p>Ich hatte zwei Pl�ne, denen ich ehrlich gesagt allerdings keine gro�en Erfolgssaussichten zubilligte. Beide Pl�ne verlangten das Zusammentreffen mit Octantius; falls er das Gold nicht bei sich trug, wollte ich ihn in ein dreistes T�uschungsman�ver verwickeln und ihn davon �berzeugen, wie es zweifelhaft war, da� er es �berhaupt bekam; h�tte er das Gold dabei, wollte ich ihn zu einem Zweikampf verleiten, nach dem ich, falls ich siegreich w�re, mir das Gold schnappen und es an die M�nner verteilen k�nnte, um sie auf diese Weise hoffentlich loszuwerden.</p><p>�Da ist Octantius!�</p><p>Ich blieb stehen und fand mich in der Mitte eines aus M�nnern gebildeten gro�en Kreises wieder, der etwa einhundert Meter durchma�; wir befanden uns in der N�he des Haupttores, und es mu�ten mindestens siebzig oder achtzig Mann sein.</p><p>�Tal�, sagte Octantius, erhob sich von dem Stuhl, auf dem er unter einem Baldachin sa�, und reichte einem Untergebenen seinen Becher.</p><p>�Tal�, erwiderte ich den Gru�.</p><p>Er zeigte auf einen Ledersack, den ein Mann an seiner Seite in beiden H�nden hielt. �Ich habe nicht damit gerechnet, da� man mir die unversehrte Sklavin liefert�, sagte er. �Ich dachte, ich erhielte nur ihren Kopf, der dann in diesen Sack gesteckt werden sollte.�</p><p>Keiner der M�nner, die den Ring bildeten, trat vor. Ich vergewisserte mich dessen mit einem Blick in die Runde.</p><p>Ina sank auf die Knie. Ich glaube nicht, da� sie noch die Kraft hatte, sich auf den Beinen zu halten. Andererseits war es angemessen, da� sie niederkniete, befand sie sich schlie�lich in der Gegenwart von freien M�nnern.</p><p>�Erinnerst du dich an mich?� rief Octantius.</p><p>�Ja�, sagte sie.</p><p>�Ich mu�te einst von ihr Befehle entgegennehmen�, sagte er.</p><p>Gel�chter erscholl.</p><p>�Wo sind dein Schleier und deine sch�nen Gew�nder jetzt?� rief er. Sie schwieg.</p><p>�Jetzt bist du, was du schon immer h�ttest sein sollen�, sagte er. �Eine Sklavin.�</p><p>Ina antwortete nicht.</p><p>�Ist das nicht richtig?�</p><p>�Ja�, sagte sie.</p><p>Ich warf ihr einen scharfen Blick zu.</p><p>�Ja, Herr!� rief sie Octantius zu.</p><p>Erneut erscholl Gel�chter. Mittlerweile hatten sich weitere M�nner dazugesellt, die neugierig sehen wollten, was sich hier abspielte.</p><p>�Mir ist berichtet worden, da� du gut gek�mpft hast�, wandte sich Octantius an mich.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�K�pf sie!�</p><p>�Nein.�</p><p>��bergib sie uns, und du kannst gehen.�</p><p>�Nein.�</p><p>Octantius zuckte mit den Schultern. �Wie du willst. Es ist deine Entscheidung.� Auf ein Signal hin traten einige seiner M�nner vor. Armbrustsch�tzen. Sie zogen Bolzen und legten sie ein.</p><p>�Warte!� rief ich.</p><p>Er hob die Hand, und die Sch�tzen warteten mit dem Anlegen.</p><p>�Das Gold wird niemals f�r sie bezahlt werden.�</p><p>�Warum nicht?� fragte er.</p><p>�Saphronicus ist tot!�</p><p>Pl�tzlich schien er nachdenklich zu werden.</p><p>Ich war nat�rlich von der Annahme ausgegangen � eine unter diesen Umst�nden naheliegende und anscheinend auch gerechtfertigte Annahme �, da� er einer von Saphronicus� Agenten war. Nur Saphronicus, im Norden vermutlich der wichtigste Verschw�rer, konnte derjenige sein, der Octantius lenkte und die Belohnung zur Verf�gung stellte.</p><p>�Saphronicus ist nicht tot!� sagte er.</p><p>�Doch, er ist tot�, beharrte ich auf meiner Behauptung.</p><p>�Wo willst du das geh�rt haben?� erkundigte sich Octantius l�chelnd.</p><p>�Ich habe eben davon geh�rt.� Nat�rlich hatte ich nichts dergleichen geh�rt. Ich hatte gehofft, da� Octantius das Gold nicht bei sich tr�ge und da� ihm im Fall von Saphronicus� Tod Zweifel k�men, ob es jemals bezahlt werden w�rde. Auf diese Weise hatte ich Zeit gewinnen wollen. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� man Ina ohne den n�tigen Anreiz umbringen w�rde.</p><p>Octantius warf den Kopf in den Nacken und lachte.</p><p>�Saphronicus ist tot!� beharrte ich, was diesmal aber mehr an die M�nner als an Octantius gerichtet war.</p><p>Die M�nner, ein rauher Haufen, blickten einander unbehaglich an. Mittlerweile waren noch mehr Fremde dazugekommen, die wissen wollten, was hier geschah.</p><p>�Octantius?� rief einer der M�nner fragend.</p><p>�Er l�gt.�</p><p>Die M�nner tauschten Blicke aus.</p><p>�Es ist ein Spiel, eine List, um Zeit zu gewinnen�, sagte Octantius. �Merkt ihr das nicht?�</p><p>Zu meiner Zufriedenheit sah ich, da� nicht alle M�nner davon �berzeugt waren. Neuigkeiten verbreiten sich auf Gor nicht auf eine geradlinige, verl��liche Weise. Au�erdem reisen sie bei den Entfernungen, den �bertragungsm�glichkeiten und den gelegentlich gef�hrlichen Reisewegen nicht immer schnell. Zweifellos gab es auf Gor noch immer St�dte, die noch nichts vom Fall Ar-Stations geh�rt hatten. Daher ist es nicht verwunderlich, da� sich in einem solchen Milieu Ger�chte oft verselbst�ndigen. Selbst am Hof eines Ubars f�llt es bisweilen schwer, das eigentliche Geschehen zu ergr�nden, weil die Berichte der untergeordneten St�dte und D�rfer verzerrt und von Meinungen entstellt wiedergegeben werden.</p><p>�Selbst wenn Saphronicus tot w�re, was er nicht ist�, sagte Octantius w�tend, �w�rde das keine Rolle spielen.� Er zerrte eine Geldb�rse unter der Tunika hervor. �Das Gold ist hier!�</p><p>Seine M�nner jubelten.</p><p>Einhundert Goldst�cke sind eine Menge Geld, wenn man sie mit sich herumzutr�ge, es ist ein Verm�gen, vor allem in allgemein g�ltigen Tarnscheiben. Es w�re durchaus vorstellbar gewesen, da� Octantius das Gold nicht bei sich tr�ge; ebenso h�tte er einen Wechsel �ber das Geld dabei haben k�nnen. In diesem Fall h�tte ich versucht, den Wert des Wechsels in Zweifel zu ziehen. Viele der Kerle konnten vermutlich nicht einmal lesen. Sie geh�rten zu den M�nnern, die Papieren wie Wechseln oder Kreditbriefen nicht trauten. Das war etwas anderes als eine Geldm�nze in der Hand oder eine Frau im Arm.</p><p>�Fordere mich doch heraus!� lud ich Octantius ein.</p><p>Er l�chelte.</p><p>�Wenn du sie haben willst, la� uns das Klingenspiel spielen.�</p><p>Er schob das Gold zur�ck unter die Tunika.</p><p>�La� die Schwertkunst entscheiden.�</p><p>�Nein, das will ich nicht.�</p><p>�K�mpfe!�</p><p>�Warum sollte ich? Sie geh�rt mir doch schon. Was h�tte ich durch einen Kampf zu gewinnen?�</p><p>Ich erwiderte: �Feigling!�</p><p>�Das kannst du nicht behaupten, und selbst wenn es der Wahrheit entspr�che, w��test du es nicht.�</p><p>�Feigling!� wiederholte ich �rgerlich.</p><p>�Ich halte mich f�r mutig genug, um unter M�nnern bestehen zu k�nnen�, sagte er. �Andererseits ist es nicht meine Auffassung von Mut, in einen Abgrund zu springen oder mich in den Rachen eines Larls zu st�rzen.�</p><p>�Du gibst deine Feigheit also zu?�</p><p>�Du beleidigst eher meine F�higkeit zu denken als meinen Mut, da du tats�chlich glaubst, du k�nntest mich auf so billige Weise beeinflussen.�</p><p>�K�mpfe!�</p><p>�Wie ich geh�rt habe, hast du bereits einige meiner M�nner get�tet�, sagte er, �und darunter waren einer oder zwei, die weitaus bessere Schwertk�mpfer waren als ich.�</p><p>�Wenn du nicht k�mpfst, verlierst du vor deinen M�nnern das Gesicht.�</p><p>�Ich bin nicht ihr Hauptmann�, antwortete er. �Ich bin ihr Arbeitgeber.�</p><p>�Was ist mit der Ehre?� fragte ich.</p><p>�Etwas L�stiges�, sagte er, �ein Hindernis auf dem Weg zur Macht.�</p><p>�Dann la� die M�nner gegen mich antreten, einer nach dem anderen.�</p><p>Die Schl�ger tauschten beunruhigte Blicke aus.</p><p>�Sch�tzen�, sagte Octantius. �Legt an.�</p><p>Mittlerweile hatten sich zweihundert oder mehr M�nner um uns versammelt. Viele waren durch das Tor gekommen.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Ina�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche Euch alles Gute, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Zielt!� befahl Octantius.</p><p>Ich war neugierig, wie es wohl w�re, die auf mich zurasenden Bolzen in ihrem Flug zu beobachten. Ich fragte, ob es mir gel�nge, ihre Bahn zu verfolgen.</p><p>�Schie�t!�</p><p>Ich wei� nicht, ob ich unwillk�rlich die Augen schlo� oder nicht. Ina hatte den Kopf gesenkt.</p><p>Pl�tzlich ergriff ein seltsames Gef�hl Besitz von mir, so als w�rde ich verdr�ngen, da� ich getroffen worden war.</p><p>Aber dann sah ich die Sch�tzen, zehn oder mehr, beinahe wie im Traum, wie sie sich umdrehten, taumelten und in den Staub sanken oder fielen. Ich war mir undeutlich der Bolzen bewu�t, die sich in den Boden bohrten oder Furchen hineingruben wie Pfl�ge und Staubw�lkchen aufsteigen lie�en, w�hrend andere wild in den Himmel schossen, zehn, f�nfzehn Meter hoch, bis sie aus der Sicht verschwanden. Unwillk�rlich kam mir der Gedanke ob es sich etwa so verhielt, wenn jemand in meiner Lage die Wirklichkeit nicht anerkennen wollte. Aber dann sah ich mehr als einen Sch�tzen im Staub liegen, aus dessen R�cken ein Bolzen ragte oder dessen Hals blutverschmiert war, wo ihm die Kehle durchtrennt worden war.</p><p>Ina sah verbl�fft auf.</p><p>Ich konnte in meinem K�rper keinen Eisenbolzen entdecken. Dann erst begriff ich, da� ich unverletzt war. Ich roch die Ger�che des Lagers. Ich sah die Unruhe in der Menge, die Bewegung von Gew�ndern. Octantius hatte die H�nde gehoben. Seine Leute wurden entwaffnet.</p><p>�Wir sind am Leben!� sagte ich zu Ina. �Ich bin mir sicher! Wir leben!�</p><p>Aber sie war zu Boden gefallen. Ich drehte sie um. Sie war ohnm�chtig geworden.</p><p>�Du hast uns ja eine sch�ne Verfolgungsjagd geliefert�, rief Marcus w�tend und blickte �ber die Schulter. �Warum bist du nicht in unserem Lager geblieben? Wie sollten wir wissen, wo wir dich finden?� Er ri� Octantius� Tunika auf und nahm sich die Geldb�rse. �Hier!� sagte er und warf das Gold einem gro�en Burschen zu, dessen Gesicht von einem breiten Halstuch so gut wie unkenntlich gemacht wurde. �Hier ist dein Gold!�</p><p>�Marcus!� rief ich.</p><p>�Du h�ttest im Lager bleiben sollen�, sagte Marcus w�tend.</p><p>�Was hast du getan?�</p><p>�Ich habe S�ldner angeheuert�, sagte er. �Ich ging gestern nacht zur <emphasis>Juwelenverzierten Peitsche</emphasis> und traf die n�tigen Vorbereitungen. Es w�re auch alles glatt vonstatten gegangen, w�rst du da geblieben, wo du hingeh�rtest.�</p><p>�Du hattest kein Gold, um S�ldner zu bezahlen.�</p><p>�Der hier besa� genug�, erwiderte Marcus und deutete mit dem Daumen auf Octantius, der noch immer dastand und die H�nde auf dem Kopf gefaltet hatte. �Also benutzte ich sein Gold.�</p><p>�Mein Freund�, sagte ich.</p><p>�Wir h�tten dich nie gefunden, h�tten die Leute nicht von einem Verr�ckten erz�hlt, der durch das Sklavenlager lief und Unschuldige t�tete. Mir war sofort klar, da� das nur du das sein konntest.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Also eilten wir herbei.�</p><p>�Wie viele sind es?�</p><p>�Etwas mehr als hundert Mann�, sagte Marcus. �Und ich kann dir versichern, diese Sleen sind wirklich nicht billig.�</p><p>Ich sah zu, wie Octantius und seine Leute gefesselt wurden. Man leerte ihre Geldbeutel.</p><p>�Wir bringen diese Kerle ein paar Pasang au�erhalb von Brundisium�, sagte der Anf�hrer der S�ldner, �ziehen sie aus und lassen sie frei.�</p><p>�Ich danke dir�, sagte ich zu ihm, und mein Dank kam von Herzen.</p><p>�Du brauchst dich nicht bei ihnen zu bedanken�, sagte Marcus. �Sie sind Sleen, die man mieten kann. Es steht alles im Vertrag.�</p><p>�Wei�t du, mit wem du es da eigentlich zu tun hast?� fragte ich Marcus.</p><p>�Er hat mit Edgar von Tarnwald zu tun�, sagte der Anf�hrer der S�ldner schnell.</p><p>Ich nickte. Unter diesen Umst�nden war das ein ausreichender Name. �Nat�rlich.�</p><p>�Der S�ldnersleen ist nicht billig�, sagte Marcus. Als echter Soldat hatte er nur Verachtung f�r den S�ldner �brig. Er hatte noch nicht gelernt, zwischen S�ldner und S�ldner zu unterscheiden. Das hatte einigen Kommandanten regul�rer Verb�nde den Untergang beschert.</p><p>�Warum hast du mich nicht benachrichtigt, da� du da bist?� fragte ich ihn.</p><p>�Wir waren nicht da�, sagte Marcus. �Wir sind gerade erst eingetroffen.�</p><p>Ich mu�te schlucken.</p><p>�Du h�ttest in unserem Lager bleiben sollen.�</p><p>�Offensichtlich.�</p><p>Ich ging zu Octantius her�ber, dem gerade die H�nde auf den R�cken gefesselt wurden. Ein Strick lag um seinen Hals. Er und seine M�nner wurden in einer Reihe aufgestellt.</p><p>�Ich gehe davon aus�, sagte er, �da� man uns fortbringt und t�tet.�</p><p>�Du bist ein tapferer Mann�, sagte ich.</p><p>�Es ist leicht, mutig zu sein, wenn man keine Hoffnung mehr hat.�</p><p>�Es tut mir leid, was ich eben zu dir gesagt habe.�</p><p>�Dein Plan war offensichtlich. Du hast mich nicht beleidigt.�</p><p>�Sie werden dich nicht t�ten�, sagte ich. �Ihr werdet fortgebracht und freigelassen.�</p><p>Er blickte mich �berrascht an. Dann wurde er auch schon in Richtung auf das Tor gesto�en, wo er stehenbleiben mu�te, da die n�chsten M�nner in die Reihe eingegliedert wurden.</p><p>Der S�ldnerhauptmann wog den Beutel mit dem Gold in der Hand. Er blickte Marcus an. �Du hast uns angeheuert und dabei verschwiegen, da� du kein Gold hattest.�</p><p>�Ich hatte Aussichten auf eine gr��ere Summe�, erwiderte Marcus.</p><p>�Und wenn du es nicht bekommen h�ttest?�</p><p>�Dann�, sagte Marcus, �h�tte ich mein Leben teuer verkauft.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Edgar von Tarnwald.</p><p>Es freute mich, da� Marcus einen Plan f�r diese M�glichkeit geschmiedet hatte.</p><p>�Nun, jetzt hast du dein Gold�, sagte Marcus. �Du kannst gehen.�</p><p>�Marcus�, fl�sterte ich. �Bitte.�</p><p>Der S�ldner ging zu Ina hin�ber, die noch immer bewu�tlos im Staub lag. �Das ist also die kleine Verr�terin und Sklavin�, sagte er. Er drehte sie mit dem Fu� auf den Bauch. �Nicht schlecht.� Er drehte sie wieder auf den R�cken. �Sch�ner Sklavenk�rper�, meinte er.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wohin gehst du?� fragte er mich dann.</p><p>�Nach Ar.�</p><p>�Es w�re gef�hrlich, die Sklavin mit dorthin zu nehmen.�</p><p>�Diese Absicht habe ich nicht�, l�chelte ich.</p><p>�Gut�, sagte er.</p><p>�In einer Ahn in meinem Lager?�</p><p>�Ich werde Mincon schicken.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Du wirst sie kaufen m�ssen, wenn du sie haben willst�, mischte sich Marcus ein. Er wu�te noch immer nicht, wem er eigentlich gegen�berstand.</p><p>�Welch ein mutiger Bursche�, sagte der Hauptmann. Dann warf er Marcus mit einem Lachen das Gold zu.</p><p>Marcus fing den Beutel auf und dr�ckte ihn �berrascht an die Brust.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte Edgar von Tarnwald zu mir.</p><p>�Ich w�nsche dir ebenfalls alles Gute.�</p><p>Dann wandte er sich Marcus zu. �Ich w�nsche dir ebenfalls alles Gute, mein junger Freund.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte Marcus.</p><p>�Das liegt daran, da� du kein S�ldner bist�, erkl�rte der Hauptmann.</p><p>�Ich verstehe noch immer nicht.�</p><p>�Wir haben unsere Belohnung bereits erhalten.�</p><p>�Aber� das Gold?�</p><p>�Gold ist nicht die einzige M�nze, mit der bezahlt werden kann.�</p><p>�Nochmals danke�, sagte ich.</p><p>�Nicht der Rede wert�, antwortete der Hauptmann. Er wandte sich zum Gehen, blieb dann aber noch einmal stehen. �Ich h�rte eben, wie ein Zuschauer erz�hlte, du h�ttest behauptet, Saphronicus sei tot.�</p><p>�Das ist richtig.�</p><p>�Woher hast du das gewu�t?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich habe es mir einfallen lassen, da ich Zeit gewinnen wollte.�</p><p>�Ein bemerkenswerter Einfall.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil Saphronicus tot ist.�</p><p>Ich konnte es nicht glauben. �Woher willst du das wissen?�</p><p>�Ich habe einen Agenten im Heerlager von Ar vor Holmesk�, sagte Edgar von Tarnwald.</p><p>�Was ist geschehen?�</p><p>�Das ist unklar�, sagte er. �Die Berichte widersprechen sich.� Dann drehte sich der Hauptmann um und verlie� mit wehendem Umhang das Lager.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute!� rief Marcus ihm verbl�fft hinterher.</p><p>�Du bist reich�, sagte ich.</p><p>�Die dunkelhaarige Sklavin!� rief er. �Jetzt kann ich mir sie leisten.�</p><p>Er drehte sich um und rannte davon.</p><p>Ich ging neben Ina in die Hocke und sch�ttelte sie.</p><p>�Bin ich am Leben?� fragte sie und kniete sich hin.</p><p>�So sieht es wohl aus.�</p><p>�Wo sind sie?�</p><p>�Man hat sie weggebracht�, sagte ich.</p><p>�Werden sie zur�ckkehren?�</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte ich. �Das Gold ist weg.�</p><p>�Dort, wo es herkommt, gibt es noch mehr.�</p><p>�Da bin ich mir nicht so sicher�, sagte ich. �Ich habe geh�rt, da� Saphronicus tot ist.�</p><p>�Er ist tats�chlich tot?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Dann droht mir keine Gefahr mehr?�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Und was geschieht mit mir?�</p><p>�W�hrend du ohnm�chtig warst, fand jemand Gefallen an deinem Sklavenk�rper.�</p><p>�Mein Sklavenk�rper!� Entsetzt pre�te sie die Knie zusammen und bedeckte die Br�ste mit den H�nden.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Und jetzt spreiz die Knie und leg die H�nde auf die Oberschenkel.�</p><p>Sie gehorchte.</p><p>�Was geschieht mit mir?� fragte sie erneut.</p><p>�Komm mit�, sagte ich, und wir kehrten zur�ck in unser Lager.</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Mincon wurde von zwei M�nnern begleitet. �Ist sie bereit?� fragte er.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Ina senkte den Kopf bis auf den Boden. Ich fesselte ihr die H�nde auf den R�cken.</p><p>�Das ist die Verr�terin?� fragte Mincon.</p><p>�Ja.�</p><p>Er ging neben ihr in die Hocke und band ihr eine Leine um den Hals. �Wir m�gen keine Verr�terinnen�, sagte er zu ihr.</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie, ohne den Kopf zu heben.</p><p>�Du wei�t, welche Schwierigkeiten mit ihr verbunden sind?� fragte ich Mincon.</p><p>�Ja. Sie wird nur eine Sklavin unter vielen sein.�</p><p>�Ina�, sagte ich, �du wei�t, in welcher Gefahr du schweben w�rdest, wenn man erf�hre, wer du fr�her warst?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ich g�be mir M�he, dies nach M�glichkeit zu verbergen.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Auf die F��e, Sklavin!� befahl Mincon.</p><p>Ina gehorchte schnell.</p><p>Ich hob den Sack vom Boden auf, den ich aus dem Sklavenlager mitgenommen hatte. Sie starrte ihn �ngstlich an.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche Euch auch alles Gute, Herr�, erwiderte sie.</p><p>Dann k��te ich sie und streifte ihr den Sack �ber den Kopf; es war derselbe Sack, in dem Octantius ihren Kopf Saphronicus hatte �bergeben wollen. Andererseits unterschied er sich durch nichts von Hunderten anderer S�cke.</p><p>�Komm, Sklavin�, sagte Mincon und zog an der Leine. Ich sah zu, wie sie aus meinem Lager gef�hrt wurde, eine nackte, gebundene, mit einer Haube versehene, namenlose Sklavin.</p><p>Dann blickte ich zur Seite. Dort kniete eine andere Sklavin, die mit einer Fu�kette an einen Pflock gefesselt war. Sie kauerte unter einer Decke. Ich hatte am Vortag die n�tigen Vorbereitungen getroffen, damit sie an diesem Nachmittag geliefert wurde. Als ich mit Ina aus dem Sklavenlager zur�ckgekehrt war, hatte ich sie dort vorgefunden.</p><p>Marcus kam. Wie ich zu meinem Vergn�gen sah, bot er ein Bild des Jammers und der Verzweiflung.</p><p>�Sie ist nicht da�, sagte er.</p><p>�Ach?� murmelte ich. W�hrend meines Aufenthaltes bei der Truppe von Boots Tarskst�ck war ich zu einem achtbaren Schauspieler geworden. Sicher, er hatte mich nie auf die B�hne gelassen; nach einer Probe meines K�nnens hatte er mich haupts�chlich f�r andere Arbeiten wie den B�hnenaufbau oder das Befreien von Wagenr�dern eingeteilt, die im Schlamm versunken waren. Vermutlich h�tete er eifers�chtig seine Rolle als Hauptdarsteller der Truppe.</p><p>�Sie ist weg.�</p><p>�Das ist oft der Fall bei Leuten, die nicht da sind�, erwiderte ich. Aber mir entging nicht, da� er nicht in der Stimmung f�r geistreiche Bemerkungen war.</p><p>�Ohne sie kann ich nicht leben.�</p><p>�Bis gestern morgen ist dir das aber ganz gut gelungen�, sagte ich, �und mit etwas M�he wirst du es auch wieder schaffen.�</p><p>�Nein�, sagte er. �Nicht, nachdem ich sie gesehen habe.�</p><p>�Streich sie einfach aus deinem Ged�chtnis, wie es sich f�r einen vern�nftigen Burschen geh�rt.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum ziehst du dein Schwert?� fragte ich ein wenig besorgt.</p><p>�H�ltst du es bitte f�r mich?� bat er mich.</p><p>�Wof�r?�</p><p>�Ich habe vor, mich in die Klinge zu st�rzen.�</p><p>�Das ist auch eine M�glichkeit, sie nach Gebrauch nicht mehr s�ubern zu m�ssen�, meinte ich.</p><p>Er stie� den Griff in den Boden.</p><p>�Und was ist, wenn du zur Seite st�rzt?� fragte ich. �Ich k�nnte mich schneiden.�</p><p>�Bitte, Tarl.�</p><p>�Ina ist nicht da�, sagte ich. �Ist dir das schon aufgefallen?�</p><p>�Nein�, erwiderte er m�rrisch.</p><p>�Ich habe sie dem S�ldner �berlassen�, sagte ich. �Sein Mann hat sie abgeholt.�</p><p>�Das ist sch�n�, erwiderte Marcus.</p><p>�Ich hoffe, da� sie jetzt in Sicherheit ist.�</p><p>�Ich teile deine Hoffnung�, sagte er und versuchte, das Schwert in einem rechten Winkel zum Boden aufzurichten.</p><p>�Soll ich dir helfen?�</p><p>�Ja�, antwortete er. �Danke.�</p><p>�Du willst dich hineinst�rzen?�</p><p>�Ja, das werde ich tun.�</p><p>Als er sich bereitmachte, auf die Klinge zu springen, stie� ich sie beiseite.</p><p>�Bist du sicher, da� du das tun willst?�</p><p>�Ziemlich sicher.�</p><p>�Willst du nicht lieber einen Paga-Ausschank aufsuchen?�</p><p>�Im Augenblick nicht.�</p><p>�Vielleicht sp�ter?�</p><p>�Bitte, Tarl.�</p><p>Ich stie� die aufgerichtete Klinge erneut beiseite. �Es ist schwer, w�rdevoll auszusehen, w�hrend man sich in sein Schwert st�rzt�, sagte ich.</p><p>�Schon m�glich�, erwiderte er gereizt.</p><p>�Das ist mir noch nie zuvor aufgefallen.�</p><p>�Bitte halt die Klinge still!� verlangte er.</p><p>Ich stie� sie wieder zur Seite.</p><p>�Tarl!� rief er erz�rnt.</p><p>�Du findest also Gefallen an diesem M�dchen.�</p><p>�Ich bin dabei, mich seinetwegen umzubringen.�</p><p>�Das habe ich begriffen�, sagte ich. �Sie hat dich entflammt.�</p><p>�Warum st��t du mir das Schwert nicht einfach ins Herz?� fragte er.</p><p>�Das k�nnte ich wohl tun.�</p><p>Er stellte sich aufrecht hin. �Bitte, ich bin bereit.�</p><p>�Ja, das scheinst du tats�chlich zu sein.� Marcus, der ein sehr ernster junger Mann war, zeigte einen selbst f�r ihn ungew�hnlich grimmigen Gesichtsausdruck.</p><p>�Bist du sicher, du schaffst das?� fragte er zweifelnd.</p><p>�Das denke ich schon�, erwiderte ich. �F�r mich ist das bestimmt einfacher als f�r dich, allgemein gesehen.�</p><p>�Bitte, Tarl.�</p><p>�Wozu sind Freunde schlie�lich da?�</p><p>�Sto� zu!�</p><p>Ich senkte die Klinge.</p><p>�Wo kriegen wir blo� weibliche Gesellschaft her, jetzt, da Ina weg ist?�</p><p>�Das ist doch wohl eher dein Problem als das meinige�, rief Marcus. �Sto� zu!�</p><p>Ich senkte die Klinge erneut.</p><p>�Aber ich habe mir dar�ber bereits Gedanken gemacht�, verk�ndete ich.</p><p>�Wie sch�n.�</p><p>Irgendwie hatte ich die Bef�rchtung, da� Marcus allm�hlich ungehalten wurde.</p><p>�Ich habe einen Ersatz f�r sie besorgt.�</p><p>�Ich gratuliere dir.�</p><p>�Ich dachte mir, da� es dich freut.�</p><p>Er schlo� die Augen. �Vielleicht habe ich ja noch Gift in meinem B�ndel.�</p><p>�M�chtest du sie sehen?� fragte ich.</p><p>�Nein!�</p><p>�Du bist nicht in der richtigen Stimmung dazu?�</p><p>�Jetzt nicht�, sagte er. �Ich versuche gerade, mein Leben zu beenden.�</p><p>�Ich habe einen besseren Einfall.�</p><p>�Einen besseren Einfall?�</p><p>�Ja. Du erinnerst dich doch bestimmt an die rauchenden Ruinen von Ar-Station? Und an die Racheschw�re, die du gegen alle Cosianer ausgesto�en hast?�</p><p>Pl�tzlich ging mit Marcus eine Ver�nderung vor, eine eher beunruhigende, bedrohliche Ver�nderung.</p><p>Ich gab ihm das Schwert zur�ck.</p><p>Er stie� es w�tend in die Scheide.</p><p>�Danke�, sagte er. �Krieger, ich war schwach. Ich sch�me mich. Ich bin dankbar, da� du mich wieder zur Vernunft gebracht hast.�</p><p>�Schon gut.�</p><p>�Ich habe eine Aufgabe, f�r die es sich zu leben lohnt�, verk�ndete er grimmig. �Ich kann f�r die Rache leben, f�r eine schreckliche, umfassende, gnadenlose Rache gegen Cos und alle Cosianer!�</p><p>�Sicher.� Ich versp�rte eine gewisse Besorgnis, da� Marcus, ein Mann der Tat, zum cosischen Heerlager hin�berlaufen und blindlings auf die Soldaten einschlagen k�nnte, die gerade ihre W�sche wuschen und �hnliche T�tigkeiten verrichteten.</p><p>�Ich danke dir von ganzem Herzen!� sagte Marcus.</p><p>�Nicht der Rede wert�, erwiderte ich etwas unbehaglich.</p><p>�Und wo ist nun die Frau, die als Ersatz f�r Ina dienen soll?� fragte er. Er wirkte jetzt sehr stark und w�tend. So etwas wie die Hitze der Jagd schien von ihm auszugehen.</p><p>�Die ist irgendwo hier in der N�he.�</p><p>�Nun sag schon, wo ist sie?�</p><p>�Dort hinten.� Ich f�hrte ihn zu dem Pfahl, an den die Frau unter ihrer Decke festgekettet war.</p><p>�Zeig sie mir!�</p><p>Ich b�ckte mich, ergriff einen <emphasis>Zipfel</emphasis> der Decke und ri� sie � m�glicherweise mit einer gewissen Dramatik � von dem M�dchen.</p><p>�Da ist sie ja!� rief Marcus freudig �berrascht aus.</p><p>Das M�dchen hob den Kopf, soweit die Fesseln das zulie�en, und starrte Marcus mit wilder Freude an.</p><p>Er fiel neben ihr auf die Knie und fingerte fast au�er sich vor Begeisterung an den Knoten.</p><p>�Aber wie? Aber wie?� brachte er nur heraus.</p><p>Ich legte den Finger an die Lippen, um das M�dchen zu warnen, nichts zu sagen.</p><p>Sie schluchzte vor Freude.</p><p>�Wie ist das m�glich?� rief Marcus und ri� an dem Seil, das ihre Kn�chel zusammenband.</p><p>�Phoebe war vor langer Zeit meine Gefangene und Dienerin�, sagte ich, �im <emphasis>Krummen Tarn.�</emphasis></p><p>�Dienerin?� fragte Marcus.</p><p>Ich sah, da� er nicht begeistert war, seine Frau teilen zu m�ssen. Ich glaube, er wollte sie ganz f�r sich haben.</p><p>�Ephialtes hat sie f�r mich verwahrt�, sagte ich.</p><p>�Sie jetzt eine Sklavin!� rief er aus.</p><p>�Ja.� Ephialtes hatte auf meinen Wunsch hin am gestrigen Nachmittag die n�tigen Formalit�ten erledigt.</p><p>�Sie hei�t also Phoebe! Ich mu� sie haben!� Er befreite sie von dem Seil um den Hals und ri� sie in die Arme, was sie, schluchzend und lachend zugleich, hilflos geschehen lie�, da ihre H�nde auf dem R�cken gefesselt waren. Er zog sie an sich.</p><p>�Der Kn�chel!� rief ich.</p><p>Er hatte sie an sich gedr�ckt, und ihr linkes Bein war lang ausgestreckt und die Kette zum Zerrei�en gespannt.</p><p>�Befrei sie! Befrei sie!� rief Marcus und bedeckte sie mit K�ssen.</p><p>Ich zog den Schl�ssel f�r die Fu�schelle hervor, �ffnete das Schlo�, und Marcus zog sie noch fester an sich.</p><p>�Trag sie zur�ck in unser Lager�, riet ich ihm. �Sie ist eine Sklavin, vergi� das nicht.�</p><p>Und er warf sie sich �ber die Schulter, den Kopf nach hinten, wie sich das f�r eine Sklavin geh�rte, und trug sie die paar Meter in unser Lager. Dort setzte er sie ab. Sie kniete nieder und sah ihn bewundernd an.</p><p>�Ich mu� sie haben!� rief er.</p><p>Phoebe sah mich voller Hoffnung an.</p><p>�Sie geh�rt dir�, sagte ich.</p><p>Phoebe stie� einen Freudenschrei aus.</p><p>�Ein Geschenk?� rief er.</p><p>�Ja�, sagte ich, �ein Geschenk.�</p><p>�Nein, das nehme ich nicht an!� Er warf mir die B�rse mit dem Gold zu, das er Octantius abgenommen hatte.</p><p>�Also gut�, sagte ich und nahm das Gold. Einhundert Goldst�cke waren schlie�lich nicht zu verachten.</p><p>�Das hast du getan!� sagte Marcus bewegt zu mir. Er ergriff meine Hand. �Wie kann ich dir jemals danken?�</p><p>�Schon gut�, erwiderte ich. Au�erdem hatte ich gerade einhundert Goldst�cke bekommen. Das mu�te doch bestimmt etwas z�hlen.</p><p>�Du geh�rst mir!� rief er Phoebe zu.</p><p>Sie warf sich vor ihm auf den Bauch und bedeckte seine F��e mit K�ssen. Im n�chsten Augenblick lag er vor ihr auf den Knien und zog sie hoch, nahm sie in den Arm und k��te sie.</p><p>Ich lie� ihn eine Zeitlang gew�hren, dann sagte ich: �Es wird gleich dunkel.� Ich hielt es nicht f�r klug, noch lange hier im Lager zu bleiben. Zwar rechnete ich nicht damit, da� Octantius und seine M�nner bald zur�ckk�men, und auf jeden Fall w�rde es einige Zeit dauern, bis sie sich organisiert und bewaffnet h�tten. Au�erdem mu�ten sie damit rechnen, da� die S�ldner noch immer in der N�he waren; davon abgesehen war das Gold weg. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� wir viel zu bef�rchten hatten. Trotzdem war es vern�nftiger, schnell zu verschwinden.</p><p>Marcus stand auf, um seine Sachen zusammenzusuchen. In der ersten Zeit w�rden wir nachts reisen und zumindest in dieser Gegend Stra�en, Pfade, Wasserwege, landwirtschaftliche Gebiete und D�rfer meiden. Wir w�rden mit der Verstohlenheit reisen, die wir im Delta an den Tag gelegt hatten. Sp�ter, in zivilisierten Gegenden, k�nnte man sich vermutlich gefahrlos sehen lassen.</p><p>Es w�rde nicht lange dauern, bis wir ungestraft wie Vagabunden nach Ar reisen k�nnten, m�glicherweise sogar auf der Viktel Aria und im hellen Licht des Tages.</p><p>Schlie�lich waren wir soweit. Mit dem Fu� trat ich Erde auf das Feuer und l�schte es. Dann verlie�en Marcus und ich das Lager, und die Sklavin folgte uns.</p></section><section><title><p>27</p></title><p>Vom H�gelkamm aus sieht man die Mauern von Ar. Es ist lange her, seit ich sie zuletzt sah. Sie sind wundersch�n. Marcus ist ganz in der N�he. Phoebe auch, sie geht ihren Pflichten im Lager nach.</p><p>Es gibt noch zwei Dinge, die ich dem vorangegangenen Manuskript anf�gen m�chte.</p><p>Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, wird die Frau, die einst unter dem Namen Ina bekannt war, nicht l�nger von den M�nnern aus Ar gesucht. Auch wenn sie nun das Eigentum ihres neuen Herrn ist, ist sie f�r ihre Sicherheit jetzt selbst verantwortlich. Sie mu� nur atemberaubend sch�n und gehorsam sein und ihren Herrn zufriedenstellen; dann ist alles in Ordnung.</p><p>Mittlerweile ist es eine allgemein best�tigte Tatsache, da� Saphronicus, der Heerf�hrer von Ar, tot ist. Er starb in dem Heerlager vor oder in der N�he von Holmesk. Wie er nun gestorben ist, bleibt ein Geheimnis, und es kursieren viele Ger�chte dar�ber. So habe ich zum Beispiel geh�rt, er sei von einem Tarn zerfetzt oder von einem Larl weitab von dessen gew�hnlichem Jagdrevier angegriffen worden, oder aber hundert Wahnsinnige mit Berserkerkr�ften h�tten ihm den Kopf von den Schultern gerissen. Vielleicht kennen nur diejenigen, die ihm wirklich nahestanden, die ganze Wahrheit. Ich hingegen bin der festen �berzeugung, da� Labienus, der Kommandant der Vorhut, ihm Bericht erstattet hat.</p></section></body><binary id="cover" 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