<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Verr�ter von Gor</book-title><annotation><p>Bevor er in Ungnade fiel, galt Tarl Cabot als Liebling der Priesterk�nige. Nun schl�gt er sich als Kurier mit geheimer Botschaft durch die Linien der verfeindeten Truppen von Cos und Ar. In der Hafenstadt Ar-Station ger�t er in die F�nge des Kommandanten und wird der Spionage bezichtigt. Das Ende steht ihm drohend vor Augen � da st�rmen die Gegner die belagerte Zitadelle.</p></annotation><date>1997</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="23"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Renegades of Gor</book-title><date>1986</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>romuluz; F451</src-ocr><id>0CD825A6-A5F7-42B4-A5BE-EA8C3D05A528</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Verr�ter von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ein Blitz spaltete den Himmel und ri� den str�menden Regen, die Wagen und die zahllosen Reisenden auf der Stra�e aus der Dunkelheit. Zu meiner Linken, etwa einen halben Pasang voraus, erhob sich das Felsplateau mit der Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn.</emphasis></p><p>�Kein ganzer Pasang mehr, und wir sind da�, sagte ein Mann.</p><p>�Sie werden keine freien Schlafpl�tze mehr haben�, bemerkte ein anderer.</p><p>Der erste Sprecher schnaubte ver�chtlich. �Und selbst wenn es so w�re, k�nntest du ihn dir sowieso nicht leisten.�</p><p>�Wir schlagen das Lager auf der wind gesch�tzten Seite auf�, meldete sich ein dritter Mann zu Wort. �Die Tiere k�nnen wir im Stra�engraben tr�nken.�</p><p>�Da stehen bestimmt schon andere Wagen im Kreis zusammen.�</p><p>Reisegruppen stellen ihre Wagen meistens im Kreis auf; man f�hrt die Enden aneinander, richtet die Deichseln nach innen, schlie�t die L�cken des provisorischen Schutzwalls, so weit es m�glich ist, kettet die Vorderachse an die Hinterachse des n�chsten Wagens und schl�gt das Lager in dem so entstandenen Kreis auf � mitsamt den Zugtieren und dem zumeist mitgef�hrten Vieh. Das Ganze nennt sich Wagenburg. Der Kreis bietet mehr Platz als jede andere geometrische Form, darum ist ein solches Lager so gro�, wie es die Anzahl der Wagen erlaubt. Da jeder Punkt der Kreislinie normalerweise von der Mitte aus zu sehen und auch gleich weit davon entfernt ist, erleichtert dies die Verteidigung. Zum Beispiel kann man die Reserve schnell und angemessen zum Einsatz bringen. Bemerkenswerterweise sucht man diese Art von Lager bei den Wagenv�lkern des S�dens wie den Tuchuk vergeblich, was an der riesigen Anzahl ihrer Wagen liegt. Dort kann man fast schon von Wagenst�dten sprechen. Die weniger gro�en Wagenv�lker des Nordens wie die Alar benutzen allerdings ebenfalls die Wagenburg, vor allem dann, wenn die St�mme auf dem Marsch getrennt werden; allerdings ist ihr Kreis oftmals sehr gro� und hat eine Breite von vier oder f�nf Wagen.</p><p>Erneut zuckte ein Blitz vom Himmel, gefolgt von einem ohrenbet�ubenden Donner.</p><p>Auf dem Plateau, auf dem die Herberge stand, zerrte der Wind an einem mit einer Kette befestigten regennassen gro�en Holzschild. Es besa� die Form eines mi�gestalteten Tarns, dessen verkr�mmter Hals an einen Geier erinnerte und dessen rechtes Bein mit den ausgestreckten, zupackenden Krallen viel l�nger als das linke war. Goreanische Herbergen werden oft von solchen Schildern angek�ndigt, da viele Goreaner � vor allem die Mitglieder unterer Kasten � nicht lesen k�nnen.</p><p>Dann wurde die Welt erneut in Dunkelheit getaucht, und alles beschr�nkte sich auf den str�menden Regen und das Quietschen der Wagen.</p><p>Ich hatte mir den Umhang �ber den Kopf gezogen. Der Wagen, neben dem ich ging, fuhr links von mir auf der linken Stra�enseite, unterwegs in n�rdlicher Richtung auf der Vosk-Stra�e. Zumindest trug sie in jenen Breitengraden diesen Namen; im S�den nannte man sie Viktel Aria. Der Umhang fiel mir vom Kopf �ber die Schultern und reichte mir deswegen nur bis zur Taille. Ich hatte die Riemen der Schwertscheide gek�rzt und so festgezurrt, da� der Schwertgriff unter dem Umhang �ber die linke Schulter ragte. Ich hielt mich an dem Wagen fest. So konnte ich es eher vermeiden, in der Dunkelheit und dem str�menden kalten Regen zu stolpern. Mit der rechten Hand hielt ich den Umhang um den Hals gerafft. Mein B�ndel befand sich in dem Wagen.</p><p>In dem auf der rechten Seite nach S�den reisenden Verkehr erschollen pl�tzlich Fl�che und das Protestgebr�ll eines Tharlarions. Rufe ert�nten. Holz knarrte, gefolgt vom Quietschen eines vorgeschobenen leder�berzogenen Bremsschuhs, der gegen den Eisenbeschlag eines Rades dr�ckte. Jemand rief: �Spring!� Etwas Schweres rutschte, einen Augenblick sp�ter kippte ein Wagen krachend um und landete im Schlamm. Das Tharlarion, das vermutlich von den F��en gerissen worden war, stemmte sich gegen sein Geschirr.</p><p>Ich holte mein B�ndel vom Wagen, tastete umher, bis ich den n�chsten in s�dlicher Richtung fahrenden Wagen ber�hrte, umrundete ihn und begab mich zum Stra�enrand. Ein Tharlarion trabte an mir vorbei. Ich streckte die Hand aus und ber�hrte seine nassen Schuppen. Der n�chste Blitz beleuchtete den Stra�engraben. Der Wagen lag auf der Seite, die festgezurrte Ladung dr�ckte gegen die Segeltuchplane, die sie bedeckte und an Ort und Stelle hielt. Das Tharlarion lag ebenfalls auf der Seite; in sein Geschirr verstrickt, trat es in die Luft, w�hrend es den langen Hals verrenkte.</p><p>Ein Mann dr�ngte sich an mir vorbei, unter dem Umhang hielt er eine aufgeklappte, abgedunkelte Laterne. Regen str�mte die Krempe seines Filzhutes hinunter. Zwei M�nner folgten ihm. Sie rutschten die Seite des Stra�engrabens hinunter.</p><p>�Die Achse ist gebrochen�, sagte der Huttr�ger zu dem Kutscher, der ebenfalls in Begleitung war. Ich blieb am Stra�enrand stehen und tastete mit dem Fu� umher. Ein paar Steine fehlten. Vermutlich war das Rad dort von der Stra�e abgekommen. Bei dem dichten Verkehr und dem Sturm hatten sich offenbar die Begrenzungssteine gelockert. Der Wagen war dann wahrscheinlich in den Stra�engraben gerutscht und hatte das Zugtier mitgezogen. Ich blieb f�r einen Augenblick dort stehen. Ich fand es merkw�rdig, da� drei M�nner, von denen einer eine Laterne trug, so schnell am Unfallort gewesen waren.</p><p>�Nehmt euch in acht!� rief der Kutscher den Fremden zu, die nun neben dem Wagen standen. �Ich bef�rdere in diesem Wagen einen Heimstein.�</p><p>Die drei sahen sich an, dann wichen sie zur�ck. Sie h�tten es nicht gewagt, sich mit jemandem anzulegen, der einen Heimstein transportierte, selbst wenn sie ihm drei zu zwei �berlegen waren.</p><p>Es war so, wie ich gedacht hatte. Es waren Stra�enr�uber. Vermutlich hatte man die Bordsteine absichtlich gelockert.</p><p>�Ihr da�, rief ich in die Tiefe, �hebt eure Laterne!�</p><p>Sie sahen nach oben. Ich schlug den Umhang zur�ck, damit sie meine rote Tunika sehen konnten.</p><p>�Bleibt stehen!� befahl ich.</p><p>Sie gehorchten. Ich h�tte einen von ihnen verfolgen k�nnen. Keiner von ihnen hatte Lust, dieses Risiko einzugehen.</p><p>Ich rutschte die B�schung hinunter.</p><p>Das B�ndel warf ich zu Boden.</p><p>Ich nahm dem Kerl mit dem breitkrempigen Filzhut die Laterne ab und reichte sie dem Begleiter des Kutschers. Das Schwert zog ich nicht. Es war nicht n�tig.</p><p>�Schirr das Tharlarion ab�, verlangte ich von dem Kutscher. �Sieh zu, da� es wieder auf die F��e kommt.�</p><p>Er begab sich zur Vorderseite des Wagens.</p><p>Ich packte den Anf�hrer der R�uber. �Ihr habt in der N�he einen Wagen�, sagte ich. �Ihr beiden holt ihn.�</p><p>�Er steht nicht auf der Stra�e.�</p><p>Ein Sto� bef�rderte den Anf�hrer kopf�ber in den Schlamm; ich stemmte ihm einen Fu� in den R�cken.</p><p>�Holt den Wagen!� befahl er.</p><p>Seine Komplizen eilten los.</p><p>�Glaubst du, sie kommen zur�ck?� fragte ich ihn.</p><p>Er schwieg.</p><p>Ich verlagerte den Fu� in seinen Nacken und dr�ckte sein Gesicht in das schlammige Wasser. Er kam wieder hoch, schnappte nach Luft. �Ja!� stie� er hervor. �Ja!�</p><p>Er hatte recht. Seine beiden Kumpane kamen ein paar Ehn sp�ter zur�ck, mit dem Wagen. Wie ich erwartet hatte, stand er in der N�he.</p><p>�Ladet euren Wagen aus�, befahl ich ihnen. �Und dann ladet ihr die Fracht um.�</p><p>Sie gehorchten. Wie ich es mir gedacht hatte, setzte sich die Ladung ihres Wagens aus allem m�glichen Plunder zusammen, den sie den Fl�chtlingen gestohlen hatten, die aus der Umgebung von Ar-Station am Vosk kamen und auf der Viktel Aria nach S�den unterwegs waren.</p><p>Der Kutscher kam mit seinem ausgeschirrten Tharlarion heran und machte es neben der anderen Zugechse fest. Es kannte seine Stimme und w�rde bereitwilliger gehorchen als das fremde Tier.</p><p>�Gebt dem Kutscher eure Geldbeutel�, sagte ich.</p><p>Sie taten es.</p><p>Ich nahm mir den Inhalt eines metallenen M�nzenk�stchens, das aus ihrem Wagen stammte, und leerte es in meine B�rse. Das K�stchen enthielt etliche M�nzen, vermutlich die Beute mehrerer Tage Arbeit. Der Wert der M�nzen war klein, wie bei den ohnehin schmalen Geldbeuteln der Besitzer nicht anders zu erwarten gewesen war. Ihre Menge entsch�digte jedoch mehr als ausreichend f�r ihren geringen Einzelwert. Es waren etwa siebzehn bis achtzehn Silbertarsk.</p><p>Eine kurze Suche brachte die Steine zum Vorschein, die am Stra�enrand fehlten. Sie lagen im Stra�engraben, unmittelbar unterhalb der Stelle, wo sie fehlten, halb im Schlamm versunken. Man hatte sie offensichtlich absichtlich entfernt, um sie dann nach Bedarf wieder an Ort und Stelle anzubringen und sie erneut zu entfernen, um die Sicherheit der Stra�e zu gef�hrden, da ihr Fehlen in der Dunkelheit eine Falle darstellte.</p><p>Die drei Stra�enr�uber reparierten die L�cke im Regen; es fiel mir nicht schwer, sie zu �berreden. Danach f�hrte ich sie zur�ck in den Stra�engraben, neben den umgest�rzten Wagen.</p><p>�Kniet nieder, zwischen den R�dern, mit dem R�cken zum Wagen.�</p><p>Sie gehorchten. Der umgest�rzte Wagen befand sich nun hinter ihnen, und es w�re ihnen schwergefallen, die Flucht zu ergreifen.</p><p>�Nimm, was du willst, aber la� uns gehen!� bettelte der Anf�hrer.</p><p>�Ich �berlege mir, dich nackt mit dem R�cken auf die Deichsel zu fesseln und deine Komplizen ebenfalls nackt an die R�der zu binden. Es w�re ein Spa�, sie dann zu drehen.�</p><p>Sie sahen sich �ngstlich an.</p><p>�Andererseits seit ihr keine Sklavinnen�, sagte ich nachdenklich.</p><p>�Man w�rde uns mit der Beute finden und uns auf der Stelle pf�hlen!� sagte der Anf�hrer.</p><p>Das war durchaus m�glich. Auf Gor verf�hrt man mit Dieben oft sehr streng.</p><p>�Verurteil uns nicht zum Tod!� bettelte der Anf�hrer.</p><p>�Ausziehen!� befahl ich.</p><p>Dann fesselte ich ihnen die H�nde auf den R�cken. Im Wagen fanden sich genug Seile, und wir legten ihnen Schlingen um den Hals und banden sie hinter dem Wagen fest. Auch Verr und Sklavinnen werden oft hinten am Wagen angebunden.</p><p>�Im S�den gibt es Arbeitsketten�, sagte der Kutscher, der auf dem Kutschbock sa�. �Vielleicht kriegen wir da was f�r sie.�</p><p>�Halt auf der Stra�e den Verkehr auf, wenn du kannst, f�r eine Ehn�, wandte ich mich an seinen Begleiter. �Wir schaffen den Wagen zur�ck auf die Stra�e.�</p><p>�Das schaffen vermutlich nicht mal zwei Tharlarion�, meinte der Kutscher. �Bei dem Gewicht und dem Untergrund.�</p><p>�Beeil dich�, sagte ich zu seinem Begleiter. �Wir versuchen es.�</p><p>Er k�mpfte sich die B�schung hoch. In der einen Hand die Laterne, hielt er sich mit der anderen an nassen Grasb�scheln fest. Er verlor den Halt, rutschte ein St�ck zur�ck, gewann wieder festen Stand und erreichte die Stra�e. Wir standen kn�cheltief im Wasser, das weiterhin in Str�men vom Himmel fiel. Der Regen flo� in kleinen B�chen von der absch�ssigen Stra�enoberfl�che in den Stra�engraben, vereinigte sich mit dem gestauten Wasser, peitschte es schaumig und lie� es aufspritzen; die auftreffenden Regentropfen zeigten sich in Gestalt Tausender sich �berschneidender, konzentrisch auseinanderstrebender Kreise. Der Begleiter schwenkte oben die Laterne. �Halt! Halt!� rief er in den Sturm hinein. Ich glaube, er griff sogar einfach nach dem Geschirr des n�chsten herankommenden Tharlarions.</p><p>�Bleibt stehen!�</p><p>�Wir werden es nicht schaffen�, sagte der Kutscher.</p><p>�Versuch es�, antwortete ich. �Au�erdem werden uns die drei kr�ftigen Burschen hier dabei helfen; sie k�nnen sich mit dem R�cken gegen den Wagen stemmen.�</p><p>�Wenn er ins Rutschen ger�t, k�nnten wir unter seinen R�dern zermalmt werden!� wandte der Anf�hrer der Stra�enr�uber ein.</p><p>�Dann pa�t auf, da� es nicht soweit kommt�, sagte ich.</p><p>Auf der Stra�e ert�nten die ersten w�tenden Rufe, da der Treck nach S�den aufgehalten wurde.</p><p>�Beeil dich�, befahl ich dem Kutscher.</p><p>Er stieg auf den Kutschbock. Einen Augenblick sp�ter feuerte er das Leittier lautstark an, es ert�nte der Knall der Tharlarionpeitsche. Tats�chlich werden die Tiere nur selten von der Peitsche getroffen. Ihre N�he und der Laut den sie verursachen, reichen zumeist aus. Sie dient haupts�chlich dem Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen, sozusagen als Signal, und sie bereitet das Tier auf die unmittelbar folgenden m�ndlichen Befehle vor, auf deren Befolgung es dressiert ist. Nat�rlich ist die Peitsche wie auch der Herrscherstab, der Kommandostab oder das Zepter ein Symbol der Herrschaft. Sie bezieht ihre Autorit�t haupts�chlich aus ihrer Symbolkraft und dem Wissen, was sie anrichten k�nnte. Dasselbe trifft �brigens f�r die Peitsche im Verh�ltnis Herren und Sklaven zu. Der Sklave wird nur selten gepeitscht. Das ist auch gar nicht n�tig. Der Sklave � einerlei, ob Mann oder Frau � sieht sie und wei�, was sie anrichten kann. Das reicht f�r gew�hnlich aus. Nat�rlich wird er sie irgendwann einmal zu sp�ren bekommen haben, so da� sein Wissen in dieser Angelegenheit nicht ausschlie�lich theoretisch bleibt. Er wei� nat�rlich, da� er mit ihr Bekanntschaft macht, sollte er auch nur im mindesten st�rrisch sein oder das Mi�fallen seines Herrn erregen. Er wei� auch, da� er ihr einfach so zum Opfer fallen k�nnte, allein zu dem Zweck, da� er nicht vergi�t, was er ist.</p><p>Der Wagen setzte sich mit einem Ruck in Bewegung.</p><p>Er k�mpfte sich auf einer schr�gen Bahn auf die Stra�e zu. Die Stra�enr�uber wurden nach vorn gerissen. Einer verlor den Halt und wurde ein paar Meter durch das Schlammwasser und dann die B�schung hinauf gezerrt.</p><p>�Stemmt euch mit den R�cken gegen den Wagen!� befahl ich den Gefangenen.</p><p>�Vorsicht!� rief jemand auf der Stra�e, vermutlich ein Mann, der neugierig von einem der angehaltenen Wagen gestiegen war und den Grund f�r den Halt in Erfahrung bringen wollte.</p><p>�Pa�t auf!� ert�nte ein zweiter Ruf.</p><p>�Er ger�t ins Rutschen!� schrie der Anf�hrer der Stra�enr�uber entsetzt.</p><p>Ich versuchte, festen Halt auf der B�schung zu finden, rutschte aber zur�ck, und der Wagen kam seitlich auf mich zu, die R�der rissen den grasigen Boden auf und kippten. Dann fand ich festen Boden, stemmte mich mit beiden H�nden gegen den Wagen und hielt ihn auf.</p><p>�Was ist da unten los?� rief ein Reisender.</p><p>Auf der Stra�e wimmelte es pl�tzlich vor Laternen.</p><p>�Auf der anderen Wagenseite sind f�nf M�nner�, sagte jemand. �Jetzt ist alles in Ordnung. Sie haben ihn geradeger�ckt.�</p><p>Das erste Tharlarion setzte die krallenbewehrten schweren Pfoten auf das Stra�enpflaster. Ich h�rte es deutlich. Ein paar M�nner begaben sich zu dem zweiten Tharlarion und zogen am Geschirr; andere packten die Wagenseiten und die Vorderr�der und halfen, den Wagen wieder auf die Stra�e zu bekommen. Zum einen war dies ein Beispiel f�r die Kameradschaft der Reisenden, aber die M�nner hatten es auch eilig, die Reise fortzusetzen. In diesem Teil des Nordens war es nicht sicher, vor allem nicht f�r Fl�chtlinge aus der Umgebung von Ar-Station.</p><p>�Ich sehe da unten nur einen Mann�, meinte ein Mann.</p><p>Ich war auf dem Weg, mein B�ndel von der Stelle im Stra�engraben zu holen, wo ich es abgelegt hatte. Es war v�llig durchn��t. Trotz K�lte und Regen schwitzte ich. Einen Augenblick lang hatte auch ich gro�e Angst gehabt. Ich hatte bef�rchtet, der Wagen werde umkippen. Er stand nun fast wieder auf der Stra�e, nur die R�der auf der linken Seite ragten noch �ber den Stra�enrand. Die Dunkelheit und der Verkehr auf der anderen Stra�enseite machten es riskant, sie in ihrer Breite zu �berqueren. Man konnte unter die Krallen der Tharlarion geraten, Wagen konnten zusammensto�en und auseinandergerissen werden.</p><p>Ich betrat die Stra�e. Dann legte ich mein B�ndel hinten auf den Wagen.</p><p>Ich h�rte, wie ein Mann zum anderen sagte: �Er geh�rt der scharlachroten Kaste an.�</p><p>�Leuchte mal hier�, sagte ich zu dem Begleiter des Kutschers, der, nachdem er das nachfolgende Tharlarion aufgehalten hatte, nun das Geschirr loslie�, �Das ist Andron, der Stra�enr�uber!� stie� pl�tzlich einer der Fl�chtlinge aus und zeigte auf den Anf�hrer der R�uber.</p><p>W�tende Rufe erschollen.</p><p>�Legt ihre H�lse unter die R�der!�</p><p>�Pf�hlt sie!�</p><p>�Bindet sie an den F��en zusammen und zerrt sie hinter dem Wagen her!�</p><p>�Kniet nieder�, schlug ich den Stra�enr�ubern vor. Eine Menge Leute hatte sich versammelt, und ich war mir nicht sicher, ob ich sie besch�tzen konnte. Ich hatte nicht damit gerechnet, da� man sie kannte. �Die K�pfe nach unten. Seht so harmlos aus wie m�glich.�</p><p>�Legt sie in Ketten und h�ngt sie an einem Eisenkragen vor die Herberge!� schlug jemand vor. Manchmal h�lt ein Delinquent diese Prozedur zwei oder drei Tage lang durch, bevor er stirbt.</p><p>�Kettet sie an die Pfosten!� rief sein Nachbar. Das ist eine �hnliche Form der Bestrafung. Man fesselt das Opfer mit einem Halseisen, Handketten und Fu�ketten an Pfosten, die auf Podesten stehen. Derartige Konstruktionen findet man gew�hnlich in Hafenst�dten, in N�he der Kais. Der Mann, der den Vorschlag gemacht hatte, kam vermutlich aus dem Flu�hafen von Ar-Station. Auf dem Land ist das Pf�hlen weit verbreitet, der Pfahl wird gew�hnlich in unmittelbarer N�he einer Kreuzung aufgestellt.</p><p>�Sollen die Tharlarion sie zu Tode trampeln.�</p><p>�Nein, sie sollen sie vierteilen.� Dazu befestigt man an den Hand- und Fu�gelenken des Opfers Stricke, zurrt sie an den Geschirren zweier Tharlarion fest und treibt die Echsen in zwei Richtungen.</p><p>�Ja, das ist besser�, meinte der erste Sprecher.</p><p>Teilt man mit dem Opfer den Heimstein, f�llt die Bestrafung meistens wesentlich menschlicher aus. Gew�hrt man ihm diese Gnade, zieht man ihn aus, fesselt ihn an einen Pfosten, pr�gelt ihn mit St�cken und enthauptet ihn dann. Alle diese Hinrichtungsmethoden wie das Aufh�ngen an Ketten oder an Pfosten, damit die Verurteilten den Elementen ausgesetzt werden, sind sehr alt.</p><p>Im str�menden Regen blitzte ein Messer auf. �Wir haben keine Zeit�, sagte der Mann, �Ich schneide ihnen die Kehle durch.�</p><p>Zustimmendes Gemurmel ert�nte.</p><p>Die gefesselten Stra�enr�uber blickten von ihrer knienden Haltung in die H�he.</p><p>�Die Zeit dr�ngt�, sagte der Mann mit dem Messer. �Wenn der Sturm sich legt und die Wolkendecke aufbricht, k�nnten Artemidorus� Tarnsm�nner die Fl�chtlingskolonne angreifen.� Artemidorus war ein Cosianer, Hauptmann und Anf�hrer einer fliegenden S�ldnerbande.</p><p>�In wenigen Ahn ist es Morgen�, bemerkte ein Reisender.</p><p>Der Mann mit dem Messer trat vor, aber ich verstellte ihm den Weg.</p><p>�Das sind meine Gefangenen!�</p><p>�Man kennt sie gut in dieser Gegend.�</p><p>�Tritt beiseite�, sagte einer der Umstehenden. �La� der Gerechtigkeit ihren Lauf.�</p><p>�Fahrt endlich weiter!� rief ein Kutscher von einem der hinteren Wagen.</p><p>�Wir sind viele�, sagte der Mann mit dem Messer; sein Tonfall klang nicht freundlich.</p><p>�Der Wagen steht noch immer nicht richtig auf der Stra�e�, wandte ich ein und deutete auf die R�der an der linken Seite. �Sehen wir zu, da� die Fahrt weitergeht.�</p><p>�Um drei Kehlen durchzuschneiden, braucht es nicht l�nger als drei Ihn�, sagte der Mann.</p><p>�Helft mir, den Wagen auf die Stra�e zu schaffen�, bat ich.</p><p>�Du bist schlau�, sagte der Mann. �So h�ttest du unsere Hilfe in Anspruch genommen, wir w�ren deine Freunde, und du k�nntest uns deshalb umstimmen.�</p><p>�Du willst mir nicht helfen?� fragte ich.</p><p>�Hol dir zehn M�nner, die dir helfen�, erwiderte er. �Ich lasse mich nicht abhalten.�</p><p>�Fahrt endlich weiter!�</p><p>Trotz des Regens h�rte man Tharlarion schnauben und bl�ken. F�nf Laternen erhellten die Szene. Weiter hinten in der Reihe wurden ebenfalls Laternen angez�ndet.</p><p>�Wenn wir nicht in zwei Ehn weiterfahren, werde ich ebenfalls ein paar Kehlen durchschneiden�, sagte ein Reisender. �Ich habe eine Gef�hrtin auf dem Wagen und zwei Kinder. Ich br�chte sie gern in Sicherheit.�</p><p>�Du willst also nicht helfen?� fragte ich den Messerhelden erneut.</p><p>�Nein.�</p><p>�Tretet zur�ck�, sagte ich. Dann ging ich in die Knie und stemmte mich unter den hinteren Teil des Wagens.</p><p>�Tu das nicht�, sagte der Begleiter des Kutschers, der eine der Laternen hielt.</p><p>�Er ist verr�ckt.�</p><p>�Seht euch das an!�</p><p>Ich ging langsam in die H�he und hob den beladenen Wagen an. Ich blickte dabei den Mann mit dem Messer an. Das Wagenrad zu meiner Rechten drehte sich, als es freikam, der Regen funkelte im Licht der Laternen auf dem Eisenbeschlag. Die Umstehenden waren verstummt. Ich bewegte mich nach links, Zentimeter f�r Zentimeter. Dann setzte ich den Wagen langsam auf der Stra�e ab, wobei ich den Messertr�ger nicht aus den Augen lie�. Das Rad ber�hrte die Steine der Stra�e.</p><p>Ich trat unter dem Wagen hervor. Schmerzerf�llt richtete ich mich auf. Ich sah auf den Mann mit dem Messer hinab.</p><p>Er trat zur�ck. Dann steckte er das Messer weg. �Es sind deine Gefangenen�, sagte er.</p><p>�Geh zum Kutschbock�, sagte ich zu dem Begleiter des Kutschers. �Verliert keine Zeit. Verschwindet von hier. Wenn ihr Zeit habt, solltet ihr den Gefangenen Hauben aufsetzen, aus Stoff oder S�cken, einerlei, und sie sicher an den H�lsen festbinden. Sorgt daf�r, da� man sie im Umkreis von hundert Pasang nicht erkennt. Wenn man sie euch umbringt, wird euch der Herr der Arbeitskette wohl kaum etwas f�r sie zahlen.�</p><p>�Unser Wagen geh�rt Septimus Entrates�, sagte er.</p><p>�Gut.� Der Name sagte mir nichts.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute!� sagte er und eilte nach vorn.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, erwiderte ich den traditionellen goreanischen Gru� und nahm mein B�ndel vom Wagen. Einen Augenblick sp�ter knallte die Peitsche, gefolgt von Rufen, die die Echsen antrieben. Die anderen M�nner eilten zur�ck zu ihren Fahrzeugen. Der schwere Wagen setzte sich in Bewegung. Ich stand auf der Stra�e, mein B�ndel in der Hand, und sah ihm nach. Ein paar M�nner liefen hinterher, um den Gefangenen, die es eilig hatten, dem Wagen nachzulaufen, Tritte zu versetzen. Sie waren Stra�enr�uber gewesen, hatten Beute angeh�uft. Nun stellten sie in gewisser Weise selbst Beute dar und w�rden am Ende ehrlichen M�nnern einen Gewinn bringen. Ich sah ihnen eine Zeitlang nach. Ja, sie waren jetzt tats�chlich selbst Beute, wie es sonst eigentlich eher Frauen waren.</p><p>�Gestattest du, da� wir weiterfahren?� fragte ein Mann.</p><p>�Einen Moment noch�, erwiderte ich. Der Wagen sollte einen kleinen Vorsprung bekommen. Bedingt durch das langsame Vorankommen der Fl�chtlinge und den Sturm, war es unwahrscheinlich, da� man ihn schnell einholte.</p><p>�Wurde jemand von euch von den M�nnern beraubt?� fragte ich.</p><p>�Ich�, meldete sich ein Reisender.</p><p>�Der gr��te Teil der Beute liegt dort unten im Stra�engraben. Vielleicht wollt ihr euch etwas davon zur�ckholen.�</p><p>�Androns Beute!� rief ein Mann.</p><p>�Die Reifenspuren des Wagens f�hren m�glicherweise zu einem Versteck.�</p><p>Laternen wurden gehoben.</p><p>�Da unten liegt etwas�, sagte ein Mann. Unverz�glich stieg er die B�schung hinunter. Zwei weitere Reisende schlossen sich ihm an. �Fahrt schon weiter�, sagte ein dritter. �Ich hole euch sp�ter wieder ein.� Er stieg ebenfalls in die Tiefe. Ich trat zur Seite, und der Wagenzug setzte sich wieder in Bewegung. Ich h�rte, wie jemand sagte: �Androns Beute!� � �Wo?� � �Dort unten, wo die M�nner stehen!� Weitere M�nner verlie�en die Stra�e. Wagen fuhren an mir vorbei. Der Reisende, der das Messer gezogen hatte, sah mich an. �Ist dort unten wirklich was?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Nun, vielleicht bekomme ich ja doch noch etwas, was mich f�r diesen Abend entsch�digt.� Er rutschte die B�schung hinunter, um sich den anderen anzuschlie�en. Ich begab mich wieder auf die linke Stra�enseite; als der n�chste Wagen vorbeikam, warf ich mein B�ndel hinten auf die Ladefl�che, ohne da� es der Kutscher bemerkte. Dann hielt ich mich wieder mit der linken Hand an der rechten Seite fest, um nicht zu stolpern.</p><p>Der Sturm hatte meiner Meinung nach in seiner Wut nachgelassen, aber der Regen fiel unver�ndert heftig.</p><p>Gelegentlich zuckten Blitze �ber den Himmel und tauchten die Stra�e und das umliegende Land in ihr ungeb�ndigtes wei�es Licht, dem unverz�glich, schneller oder langsamer, ein krachender Donner folgte.</p><p>�Es hat den Anschein, als w�rden die Priesterk�nige Mehl mahlen�, lachte ein Mann in meiner unmittelbaren N�he.</p><p>�Stimmt�, erwiderte ich.</p><p>Diese Bemerkung bezog sich auf eine alte Form der Mehlherstellung, die aus irgendeinem Grund noch immer mit den Priesterk�nigen in Zusammenhang gebracht wird. Hierbei benutzt man einen St��el und einen M�rser. Heute wird das Sa-Tarna in M�hlen gemahlen, zwischen Steinen, wobei der obere Stein gew�hnlich von Wasserkraft angetrieben wird, obwohl man daf�r auch Sklaven oder Tharlarion einsetzt. In einigen D�rfern greift man jedoch auf etwas �hnliches wie M�rser und St��el zur�ck, und zwar auf einen Sto�block, der an einem biegsamen Pfahl befestigt ist, und einen M�rser- oder Ambo�block. An dem Pfahl befestigt man ein Seil oder mehrere Seile. Zieht man daran, senkt sich der Sto�block in den M�rserblock. Durch seine Biegsamkeit bedingt, schnellt der Pfahl wieder in die H�he und ist zum n�chsten Sto� bereit. Viel verbreiteter sind nat�rlich Getreidem�hlen, die, wenn sie gro� sind, von zwei M�nnern bedient werden; f�r die kleineren reichen zwei Jungen. Es gibt auch Handm�hlen, an denen Frauen arbeiten.</p><p>Die normalen Getreidem�hlen arbeiten nach folgendem Prinzip: Sie bestehen aus einem Podest, zwei Steinen, einem dar�berh�ngenden Balken und einer Stange. Die beiden Steine sind runde M�hlsteine. Der untere M�hlstein hat eine kleine Nabe auf der Oberfl�che, die in eine ausgeh�hlte Vertiefung des oberen Steins pa�t. Das h�lt die Steine zusammen. Er ist zus�tzlich mit kreisf�rmigen flachen Furchen ausgestattet, durch die das Gemahlene zwischen den Steinen entweicht und in dem stabilen kasten�hnlichen Podest landet, um von dort aus in einen Vorratsbeh�lter oder einen Sack abgef�llt zu werden. Der obere Stein hat zwei �ffnungen, ein trichterf�rmiges Loch in der Mitte, durch das das Getreide eingef�hrt wird, und ein Loch in Randn�he, wo man die Stange einf�hrt. Diese Stange wird von den beiden Arbeitern bedient. Das obere Ende ist in den dar�berh�ngenden Balken eingepa�t, was f�r die Hebelkraft sorgt; au�erdem wird so nat�rlich f�r Halt gesorgt, was die Bedienung der Stange erleichtert. Die Handm�hle arbeitet nach einem �hnlichem Prinzip, sie wird nat�rlich mit einem kleinen Holzgriff bewegt. Das von diesen M�hlen hergestellte Mehl wird gesiebt und danach meistens noch einmal gemahlen, gelegentlich sogar mehrere Male. Als Sieb dient normalerweise ein St�ck Tierhaut, das auf einen Holzreifen aufgespannt ist. Die L�cher st��t man mit einem hei�en Draht in die Haut.</p><p>Nat�rlich schreiben die wenigsten Goreaner Blitz und Donner der Getreidem�hle der Priesterk�nige zu. Solche Dinge dienen den h�bschen Mythen, denen sie entwachsen sind. Allerdings halten einige der niederen Kasten, insbesondere Bauernkasten � vor allem in abgelegenen Gegenden � es durchaus f�r m�glich, da� solche Naturph�nomene Anzeichen von Streit unter den Priesterk�nigen sind, f�r das Aufeinanderprallen ihrer Waffen, das Gepolter ihrer Streitwagen, den Galopp ihrer Tharlarion und dergleichen. Man hat sogar schon von gebildeteren Goreanern geh�rt, die dar�ber spekulierten, da� ein Blitz durch den Zusammensto� von Wolken am Himmel entsteht. Das gilt nat�rlich nicht f�r Angeh�rige der Kaste der Schrift gelehrten oder der Hausbauer. Es soll sogar Menschen geben, die das Knistern beim Streicheln des Fells eines Jagdsleens mit einem Blitzschlag in Zusammenhang bringen.</p><p>Der Wagen vor uns wurde kurz erhellt, und mir fiel ein schmaler, zylinderf�rmiger, verschlossener Eimer mit �Schmiere� auf, der mit seinem Riemen am Haken neben der Verkleidung der Hinterachse hing. Der dazugeh�rige Pinsel ragte durch ein Loch im Deckel. Solches Zubeh�r ist bei goreanischen Wagen nichts Ungew�hnliches. Bei der �Schmiere� in solchen Beh�ltern handelt es sich nicht um mineralische Schmiere, sondern eine Mixtur aus Pech und Talg. Mit dem Pinsel aufgetragen, benutzt man sie wie mineralische Schmiere, von der es auf Gor nur geringe Vorkommen gibt; sie schmiert die beweglichen Teile des Wagens, insbesondere die Achsen. Man benutzt sie auch f�r metallene Federn, obwohl die nur selten Verwendung finden. Einige wenige goreanische �Kutschen� und Mietwagen sind auf Lederriemen aufgeh�ngt, die aus mehreren Schichten bestehen. Das sorgt zwar f�r eine einigerma�en holperfreie Fahrt, aber die schwingenden Bewegungen k�nnen � falls man sich nicht daran gew�hnt � zu �belkeit und sogar zu Seekrankheit f�hren. Das scheint vor allem freien Frauen zu passieren, die f�r ihre Zartheit ber�chtigt und anf�llig f�r eingebildete Beschwerden sind.</p><p>Bemerkenswerterweise verschwinden diese �Zartheit�, diese anma�ende Zerbrechlichkeit und die mit ihr einhergehenden �Beschwerden� in dem Augenblick, da man sie in die Sklaverei f�hrt. Vermutlich liegt es daran, da� sie in diesem Augenblick dort sind, wo sie hingeh�ren, an dem Platz, den die Natur f�r sie vorgesehen hat. Vielleicht spielt es dabei auch eine Rolle, da� sie, wenn sie auf den Knien zu ihren Herren aufsehen, sogleich begreifen, da� er f�r solche Dinge nur wenig Verst�ndnis hat. Was dieses Thema angeht, k�nnen die Umst�nde f�r gro�e Unterschiede sorgen. Zum Beispiel ist bekannt, da� dieselbe Frau, die das widerw�rtige Spektakel einer freien Reisenden bietet, die in einem ledergefederten Wagen f�hrt, als gefesselte, in einem Sack transportierte Sklavin, die zwischen den Sitzb�nken zu F��en der Passagiere liegt, sich doch sehr zur�ckh�lt.</p><p>Der Gerechtigkeit willen mu� man allerdings zugeben, da� die meisten Goreaner die einfache, holprige Fahrt in einem ungefederten Wagen dem schnelleren Vorankommen in einem ledergefederten Mietwagen vorziehen. Im Licht des Blitzes hatte ich nicht nur den �Schmiereimer� an seinem Haken gesehen, sondern auch zwei Kinder auf einer aufgeh�ngten gro�en Haut. Sie starrten �ngstlich �ber den Rand hinweg. Ihre Augen schienen sehr gro� zu sein. Solche aufgespannten Transporth�ute unter dem Wagen sind nichts Ungew�hnliches. Ungew�hnlich hingegen ist es, auf ihnen Kinder oder sonstige Passagiere zu bef�rdern. Normalerweise dienen sie zum Transport von Brennmaterial, das unterwegs gesammelt wird. Die Kinder hielten sich dort unten zweifellos nur auf, damit sie vor dem Sturm gesch�tzt waren.</p><p>Beim n�chsten Blitz konnte ich sie nicht mehr sehen. Offenbar hatten sie beschlossen, die K�pfe einzuziehen. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Ich mu�te an die Stra�enr�uber denken, die sich nun im Gewahrsam des Kutschers und dessen Begleiters befanden, die den Wagen von �Septimus Entrates� lenkten. Vielleicht war es der Name des Kutschers gewesen oder des Besitzers des urspr�nglichen Wagens, der den Stra�enr�ubern in ihre Falle mit den entfernten Stra�enbegrenzungssteinen gegangen, die B�schung hinuntergerutscht und im Graben umgekippt war. Soweit ich mich erinnern konnte, hatte ich den Namen noch nie geh�rt. Es war ein ungew�hnlicher Name. Er lie� einen an die vielen St�dte am Vosk denken, an Namen, die die kulturellen Vermischungen vieler solcher Orte widerspiegelten, so unterschiedliche Einfl�sse wie die der Insel-Ubarate Cos und Tyros auf der einen und die jener s�dlichen St�dte wie Venna und Ar auf der anderen Seite.</p><p>Mit dem Beutewagen der Stra�enr�uber als Ersatz f�r ihren zerst�rten Wagen harten sie ihre Fahrt fortgesetzt. Die beiden M�nner hatten einen guten Eindruck gemacht. Ich mu�te daran denken, wie die R�uber mitten in ihrem Beutezug innegehalten und den R�ckzug angetreten hatten, nachdem sie erfuhren, da� der Wagen einen Heimstein transportierte. Die H�ter eines Heimsteins sind f�r gew�hnlich furchterregende Gegner. Nur wenige M�nner stellen sich einer solchen Person in den Weg; erst recht w�rden sie sie nicht bedrohen oder gar angreifen. Die Warnung, da� er einen Heimstein transportierte, war ein deutlicher Hinweis gewesen, da� der Kutscher ihre Absichten durchschaute. Es war diese Ank�ndigung gewesen, die mich darin best�rkt hatte, mich einzumischen. Ich fragte mich, ob sie tats�chlich einen Heimstein transportierten oder ob es nur eine List gewesen war, um die R�uber zu vertreiben. Wie dem auch sei, auf jeden Fall waren der Kutscher und sein Begleiter nun wesentlich besser dran als zuvor. Sie besa�en ein zus�tzliches Tharlarion, drei gef�llte Geldbeutel und drei Kerle, die nackt, gefesselt und am Hals angebunden hinter dem Wagen herstolperten und die sie an den Herrn einer Arbeitskette verkaufen konnten, m�glicherweise f�r einen Silbertarsk das St�ck. Ich hoffte nur um ihretwillen, da� sie den Verbrechern vor Einbruch der D�mmerung Kapuzen �bergest�lpt hatten, denn das war erforderlich, wenn sie es bis zu einem K�ufer schaffen wollten. Falls man sie erkannte, w�rde man sie auf der Stelle hinrichten.</p><p>Das war knapp gewesen, vor ein paar Ehn auf der Stra�e. Ein bi�chen harte Arbeit w�rde den Banditen bestimmt nicht schaden. Im S�den, in der N�he von Venna, gab es meines Wissens mehrere solcher Arbeitsketten. Die Stadt setzte ihre Mauern instand. Auf dem Weg nach Norden war mir �fter zu Ohren gekommen, da� Ionicus aus Cos, der Besitzer mehrerer solcher Ketten, zur Zeit kaufte. Solche Ketten sind unpolitisch. Nur so war es �berhaupt m�glich, da� Venna, ein Verb�ndeter von Ar, die Dienste einer solchen Kette in Anspruch nahm, obwohl ihr Besitzer aus Cos stammte.</p><p>Wenn es schon die Cosianer nicht st�rte, gab es meiner Meinung nach auch keinen Grund, warum sich die B�rger Vennas dar�ber aufregen sollten, wenn sie nun billige Arbeitskr�fte brauchten.</p><p>Der Brauch, Gefangene nackt auszuziehen, ist auf Gor weit verbreitet. Daf�r gibt es verschiedene Gr�nde. Es dem�tigt den Gefangenen und freut denjenigen, der ihn gefangen hat. Es macht dem Gefangenen klar, da� er sich in der Gewalt eines anderen befindet. Au�erdem erschwert es den Versuch, Waffen zu verbergen. Auf Gor gibt es keine allgemein gebr�uchliche Gefangenenkleidung, keine �Gef�ngnisuniform�. W�hrend andere Kulturen ihre Gefangenen auf bestimmte Weise kleiden, um sie als Gefangene zu kennzeichnen und andere auf ihren Status aufmerksam zu machen, erreicht man dieses Ziel auf Gor durch den v�lligen oder zumindest beinahe v�lligen Verzicht auf Kleidung. Diese Nacktheit des Gefangenen macht jedermann auf seinen Status aufmerksam. Und sollte dem Gefangenen trotzdem die Flucht gelingen, sieht er sich dem zus�tzlichen Problem der Beschaffung geeigneter Kleidung gegen�ber. In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht auch erw�hnen, da� die meisten Goreaner etwas gegen Verbrecher haben. Also st�rt es sie in keiner Weise, ihnen die Kleidung vorzuenthalten. F�r sie ist es ein Zeichen, da� man den �belt�ter erwischt hat und er nun damit rechnen mu�, da� er so behandelt wird, wie er es verdient.</p><p>Diese Anmerkungen beziehen sich nat�rlich haupts�chlich auf freie Verbrecher und nicht etwa Kriegsgefangene oder Sklaven. Nimmt man Kriegsgefangenen die Kleidung weg, ist dies im allgemeinen nur eine vor�bergehende Ma�nahme; man will sie absondern, da viele goreanische Soldaten und vor allem S�ldner keine Uniformen tragen. Au�erdem soll verhindert werden, da� sie Waffen verbergen. Ob nun Sklaven Kleidung tragen oder nicht, obliegt ihrem Herrn. Zum Beispiel werden in den H�usern der Sklavenh�ndler oder auf Sklavenm�rkten sch�ne Frauen fast immer nackt gehalten.</p><p>Wieder erhellte ein Blitz die Dunkelheit, und mein Blick fiel erneut auf den �Schmiereimer� voller Pech und Talg, der an seinem Haken baumelte. Alles in allem w�rden sich die Stra�enr�uber bestimmt gl�cklich sch�tzen, im S�den einer Arbeitskette zugef�hrt zu werden. Vielleicht lie� man sie sogar nach einer gewissen Zeit wieder frei, wenn man zu der Ansicht kam, da� sie ihren Preis mehrmals eingebracht hatten und man au�erdem der Meinung war, da� sie hart arbeitende und ausreichend f�gsame Mustergefangene gewesen waren. Wegen des Sturms und des damit verbundenen Regens und Winds hatte keiner der Reisenden eine andere Art der Bestrafung vorgeschlagen, die man unter der Bezeichnung �Wagengerechtigkeit� kennt und die durchaus auch Anwendung findet. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber man braucht dazu das Pech, den Talg und Feuer. Wie ich schon sagte, Goreaner haben nicht viel f�r Verbrecher �brig.</p><p>Ich holte mein B�ndel von dem Wagen, neben dem ich herging, lie� ihn weiterfahren und eilte dann zur linken Stra�enseite. Hinter mir fuhr das n�chste Gef�hrt vorbei. Ich blickte in die H�he. Beim n�chsten Blitz sah ich das Felsplateau, das von der Herberge <emphasis>Zum</emphasis><emphasis>Krummen Tarn</emphasis> gekr�nt wurde. Wind und Regen st�rmten gegen meine rechte K�rperseite an. Ich verlie� die Stra�e. Ein breiter, mit Schotter bedeckter Vorplatz grenzte an die Herberge. Er war mindestens je f�nfzig Meter breit und lang, genug Platz, da� sogar ein von zehn Tharlarion gezogener Wagen wenden konnte. Vor mir an einem Pfahl hing eine Laterne. Ich hielt darauf zu. Im Licht der Blitze erkannte ich mehrere Wege, die sich �ber das Plateau zogen. Sie f�hrten zu Rastpl�tzen, auf denen Wagen ihr Lager aufschlagen konnten.</p><p>Zu meiner Linken, auf der dem Wind abgewandten Seite, standen mehrere dicht zusammenstehende Wagen. Unmittelbar vor mir gab es noch mehr; sie waren aus dem Regen gedreht. Durch die Sohlen meiner Sandalen f�hlte ich den Schotter des Wendeplatzes. Ich blieb bei einigen der Wagen stehen. Dann ging ich weiter auf die Laterne zu. Sie kr�nte einen Pfahl, der an der rechten Ecke der Wagenbr�cke aufragte, die �ber einen Graben f�hrte; auf der anderen Seite, ein St�ck hinter der Br�cke, befand sich das Herbergstor. Im Licht des n�chsten Blitzes sah ich zwei M�dchen, die unter dem Rand der Segeltuchplane eines Wagens hervorsp�hten. Sie entdeckten mich ebenfalls, voller Angst. Als der Himmel das n�chste Mal erleuchtet wurde, lag die Plane wieder gerade da. Ich hatte kaum mehr als ihre Augen gesehen, zweifelte aber keinen Augenblick lang, da� sie Kajirae waren. Sie hatten den Eindruck von Frauen gemacht, die gelernt hatten, da� der Mann ihr Herr war. Ich ging �ber den nassen Kies auf die linke Seite der Wagenbr�cke zu. Dort blieb ich stehen, um �ber den Graben zu blicken. Seine Breite betrug etwa vierzig Meter. Der Boden bis zur Staumauer, die zu niedrig war, um einem Mann Deckung zu gew�hren, war leicht absch�ssig. Am Fu� der Mauer befanden sich ungef�hr alle zwanzig Schritte �ffnungen, damit Regenwasser in den Graben abflie�en konnte. Die Neigung des Bodens h�tte es sehr erschwert, den Graben auszutrocknen. Nat�rlich w�re es zu schaffen gewesen, die M�nner h�tten eben unter einem Unterstand arbeiten m�ssen, der sie vor Geschossen wie Pfeilen oder von Schleudern abgefeuerten Stahlkugeln sch�tzte; besser w�re es nat�rlich gewesen, diese Arbeit von Belagerungsingenieuren ausf�hren zu lassen, aus dem Schutz eines Tunnels heraus. Nat�rlich h�tten beide Unternehmungen viele M�nner und noch mehr Zeit erfordert; es w�re eine Ingenieurleistung von erheblichem Ausma� erforderlich gewesen.</p><p>Nat�rlich gibt es zahlreiche andere M�glichkeiten, eine solche Aufgabe zu bew�ltigen. Zum Beispiel konnte man versuchen, den Graben mit Hilfe von Pontons oder Fl��en mit darauf befestigten Belagerungsleitern zu �berwinden. Oder ihn einfach zuzusch�tten. Das Aushungern einer Garnison ist f�r gew�hnlich keine besonders wirksame Methode. Das hat verschiedene Gr�nde. Normalerweise haben die Verteidiger gro�e Mengen an Vorr�ten eingelagert, oftmals genug f�r ein oder sogar zwei Jahre; Wasser beziehen sie aus innenliegenden Belagerungszisternen oder durch Regen oder den Wassergraben. Meistens haben die Belagerer nach einiger Zeit die Lebensmittelvorr�te der Umgebung ersch�pft, und es kommt vor, da� sie lange vor den Belagerten unter Hunger leiden. Eine zeitlich unbegrenzte Belagerung erfordert eine weitreichende und leistungsstarke Logistik, Vorr�te m�ssen erworben, transportiert und besch�tzt werden. Sicher h�ngt viel von der Anzahl der Belagerer und der Belagerten sowie der Art des Festungswerks und dergleichen ab. Falls die Belagerten nicht gen�gend K�mpfer haben, um die Mauern zu bemannen, werden ihre Reihen so d�nn sein, da� sie einen Angriff von mehreren Seiten mit nachfolgendem Sturm f�rmlich herausfordern. Doch statistisch gesehen sind Belagerungen fast immer ein Fehlschlag. Darum haben St�dte auch hohe Mauern. Innerhalb der Stadt gibt es zus�tzlich eine uneinnehmbare Zitadelle, in die sich die Verteidiger zur�ckziehen k�nnen. Dort werden sie selbst dann noch sicher sein, wenn die Stadt um sie herum bis auf die Grundmauern niederbrennt.</p><p>Von Belang ist vielleicht noch die Tatsache, da� Belagerungen nie sehr lange dauern, meistens brechen die Angreifer sie nach wenigen Wochen ab. Sie erkennen entweder die Sinnlosigkeit ihres Tuns oder erleben das Unbehagen gek�rzter Rationen; es ist auch schon vorgekommen, da� der Kriegskontrakt ihres Befehlshabers abgelaufen oder die Dienstverpflichtung der M�nner vorbei ist. Manchmal wollen die Soldaten � vor allem, wenn es sich um steuerpflichtige B�rgersoldaten handelt � auch einfach nur wieder nach Hause, um ihre Gesch�fte fortzuf�hren oder die herbstliche Ernte einzuholen. Meiner festen �berzeugung nach sind mehr St�dte und D�rfer einer List oder Bestechung zum Opfer gefallen als Frontalangriffen. Ein guter Hauptmann kennt die politischen Meinungsverschiedenheiten innerhalb des belagerten Gemeinwesens und versucht sie sich nutzbar zu machen; er macht Versprechungen, nach seinem Sieg die eine oder andere Fraktion an die Macht zu bringen. Die verr�terische Gruppe wird den Eroberer sp�ter vermutlich sogar als Befreier begr��en, was in diesem Augenblick vermutlich sogar ihre ehrliche �berzeugung ist.</p><p>Dietrich von Tarnburg, einer der bekanntesten S�ldnerf�hrer von Gor, hat den Ruf, gro�es Geschick in solchen Dingen zu haben. Er hat zweifellos mehr St�dte mit Gold als mit Eisen erobert. Das verteilte Gold wird nat�rlich hinterher durch einen gro�z�gigen Griff in die betreffende Stadtkasse zur�ckgeholt, ganz zu schweigen vom Verkauf aller m�glichen G�ter wie kostbarer Teller, Teppiche, Kleider, Wandteppiche, eingelegter Holzarbeiten, Silber- und Golddraht, Kunstobjekte, Juwelen, Tharlarion, Tarsk und nat�rlich Frauen. Diese Gewinne erh�lt man auch durch die Erhebung einer �Befreiungssteuer�, und es ist dann Sache der neuen Machthaber, sie mit guter Miene willkommen zu hei�en und sie vor der Bev�lkerung zu rechtfertigen.</p><p>Das sch�umende dunkle Wasser in dem Graben hatte fast die Bohlen der Br�cke erreicht.</p><p>Die Laterne an dem Pfosten zu meiner Rechten schaukelte wild im Sturm.</p><p>Ein Blitz erhellte die Dunkelheit, und einen kurzen Augenblick lang war die Palisade auf der h�chsten Stelle des Plateaus zu sehen.</p><p>Die Blitze kamen nun immer h�ufiger.</p><p>Die Bohlen der Br�cke waren feucht und rutschig. Ihre Breite betrug etwa zwei Meter vierzig; zwei Wagen pa�ten nicht nebeneinander. Sie f�hrte zu einem �berdachten Tor, dem sich vermutlich ein ebenfalls �berdachter Hof und ein dahinterliegendes zweites Tor anschlossen. Solche inneren und �u�eren Tore sind selten zur gleichen Zeit ge�ffnet. In dem �berdachten Wegst�ck befanden sich zweifellos Schie�scharten, an den Seiten und direkt im Dach. Zwei gewaltige Seile, deren Durchmesser mehr als f�nfundzwanzig Zentimeter betrug, ragten von der oberen Torh�lfte zur Br�cke, wodurch es m�glich war, den hinteren Teil nach Gutd�nken zu heben und zu senken. War die Br�cke oben, bedeckte und besch�tzte sie das Tor, und die Herberge war von der Au�enwelt abgeriegelt, eine Insel in einem kleinen See.</p><p>Derartige Herbergen k�nnen auch als Festungen dienen, wovon aber nur selten Gebrauch gemacht wird. Man kann sie als einfacher Reisender betreten und gegen Bezahlung dort �bernachten. So gesehen stehen sie allen offen, obwohl es nicht ungew�hnlich ist, wenn sie in der Nacht verschlossen sind. Doch wie bereits erw�hnt k�nnen sie als Festungen benutzt werden. Mehr als eine solche Herberge wurde in unzug�nglichen Gegenden als Zufluchtsort vor marodierenden Soldaten oder R�uberbanden benutzt. Es ist auch schon vorgekommen, da� sie von den �berresten besiegter Truppen in Beschlag genommen wurden, als Ort, an dem man eine verzweifelte letzte Schlacht schlagen kann. In abgelegenen, unruhigen oder barbarischen Gegenden dienen solche Herbergen als Au�enposten, als Festungen, von denen aus man die Umgebung befrieden kann. Innerhalb der Palisade gab es bestimmt Platz f�r mehrere Wagen. Ich konnte schlecht sch�tzen, wie viele es hier w�ren.</p><p>Au�erdem gab es hier bestimmt irgendwo einen �berdachten Tarnturm, allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, da� er jetzt beleuchtet war. Sie sind nicht nur ein Hinweis auf den Standort der Herberge und ihrer Annehmlichkeiten, sondern bieten auch eine sichere Ann�herung, die nicht durch Tarndraht behindert wird. Nat�rlich steuert man den Vogel auf die linke Seite des Lichts. Von der Tradition her findet auf Gor der Verkehr auf der linken Seite statt. So ist der Schwertarm stets auf die Entgegenkommenden gerichtet � falls man Rechtsh�nder ist, aber das sind die meisten Goreaner.</p><p>Links vor der Br�cke stand ein Wagen. Die hintere Plane war nach unten gezogen. Der Regen perlte von ihr ab. Unter dem Wagen hockte eine zusammengekr�mmte kleine Gestalt, die ein St�ck Segeltuch um Kopf und Schultern gelegt hatte. Im Wagen hielten sich vermutlich ein Mann und seine freie Gef�hrtin auf. Zweifellos war die Anwesenheit der kleinen Gestalt unter dem Wagen, die dort in der K�lte hockte, auf die Anwesenheit der freien Gef�hrtin im Wagen zur�ckzuf�hren, vorausgesetzt sie war nicht auf irgendeine Weise ungehorsam gewesen. Ich hatte keinerlei Zweifel, da� das M�dchen bei weitem sch�ner und anziehender als die freie Gef�hrtin war. Das sagte einem schon ihr Status. Freie Frauen hassen solche Individuen und vers�umen nur wenige Gelegenheiten, sie leiden zu lassen. Ich fragte mich, ob der Bursche im Wagen das M�dchen blo� zu seinem Vergn�gen gekauft hatte oder es als M�glichkeit betrachtete, seine Gef�hrtin zu ermuntern, sich in ihrer Beziehung etwas mehr zu bem�hen. Falls der Plan Erfolg zeigte, war er in diesem Fall vielleicht so anst�ndig, sich des M�dchens zu entledigen und sie auf einem Markt zu verkaufen.</p><p>Ich ging in die Hocke. Erst da sah ich die schwere Kette, die durch einen unter dem Wagen angebrachten Ring f�hrte. Ein Ende verschwand zwischen den Falten des Segeltuchs, in Halsh�he, vermutlich mit einem Schlo� an einem Kragen befestigt. Das andere Ende verschwand hinter der Gestalt, vermutlich um ihre �berkreuzten Kn�chel zu fesseln. Als sie meinen Blick sp�rte, kniete sie sich hin; die H�nde kamen unter der Plane hervor, die Handfl�chen st�tzten sich auf den Kies, der Kopf senkte sich und deutete Gehorsam an.</p><p>�Oh!� stie� sie leise hervor, als ich das Segeltuch zur�ckschob. Auf allen vieren hockend blickte sie auf. Die Kette, die durch den Ring f�hrte, war zweimal um ihren Hals geschlungen und dort mit einem Vorh�ngeschlo� verschlossen. Sie diente ebenfalls dazu, die Kn�chel zu fesseln, die wie erwartet �berkreuzt und eng aneinandergekettet waren. So kann die Gefangene nicht laufen. Es ist allgemein �blich, Gefangene so zu fesseln, da� sie nicht aufstehen k�nnen. Das dient nicht nur der Sicherheit, sondern ist auch ein Symbol ihres rechtm��igen Platzes. Unter dem Tuch war sie nackt und sch�n. Wie ich es mir gedacht hatte.</p><p>Sie schaute zu mir hoch. Ihr K�rper wurde nun dem Regen ausgesetzt. Ihr Haar war schon na�; es war sehr dunkel und fiel ihr �ber die Schultern. Sie kniete nun auf dem Segeltuch, mit dem sie sich bedeckt hatte. Ich schob sie zur�ck und nahm ihre H�nde. Sie waren klein, von wundersch�ner Zartheit und weiblich. Au�erdem waren sie kalt. Ich rieb sie eine Zeitlang. Dann legte ich sie zur�ck auf ihre Oberschenkel. Ich ber�hrte ihren K�rper, ganz z�rtlich, verteilte den Regen auf ihrer Haut. Sie erbebte, Schultern und Br�ste nun ganz feucht und glitschig vom Regen.</p><p>�Du bist hilflos�, sagte ich zu ihr. �Du wirst keinen L�rm machen.�</p><p>�Meine Kn�chel sind aneinandergekettet�, fl�sterte sie.</p><p>Ich legte sie auf den R�cken, etwas tiefer in den Schutz des Wagens. Die Kette glitt ein St�ck durch den Ring �ber uns. Das Holz quietschte. Anscheinend bewegte sich dort oben jemand. Der Bursche, dem der Wagen geh�rte, drehte sich vermutlich im Schlaf um oder wandte sich seiner Gef�hrtin zu. Aber dann wurde es wieder ruhig, es war nichts mehr zu h�ren bis auf den Wind, den Regen und das ferne Grollen des Donners.</p><p>Unsere Gesichter ber�hrten sich fast. �Du bist eine Sklavin�, fl�sterte ich.</p><p>Pl�tzlich blitzte es, Donner krachte ohrenbet�ubend.</p><p>Ich sah ihre Augen, n�herte mich ihr, nahm ihren Kopf und gab ihr einen Ku�, wie es nur ein Sklavenherr konnte.</p><p>Ich zog mich zur�ck.</p><p>Sie sah zu mir hoch, wild, voller Angst, voller Begierde. �Ja�, fl�sterte sie leidenschaftlich, hilflos. �Ich bin eine Sklavin. Ich bin eine Sklavin!� Dann stemmte sie sich mir entgegen, schlang die Arme um mich und dr�ckte die Lippen gierig und dankbar auf die meinen.</p><p>Ich legte sie zur�ck auf den R�cken.</p><p>Dann liebkoste ich sie, und sie wand sich auf dem nassen Segeltuch, dort unter dem Wagen, begleitet von den niedergehenden Blitzen und dem krachenden Donner.</p><p>Sie war klein, nackt und anschmiegsam. Ihr Schenkel trug das Brandzeichen, wie ich herausfand, als ich sie herumdrehte und zuerst abtastete. Im Licht des n�chsten Blitzes sah ich es dann, das zierliche kleine �Kef� f�r �Kajira�, manchmal auch Stab oder Frond genannt. An ihrem Hals, unter der Kette, befand sich der normale, enge goreanische Sklavenkragen.</p><p>�Meine Kn�chel sind zusammengekettet�, schluchzte sie leise und verzweifelt.</p><p>Dem entnahm ich, da� sie noch nicht lange Sklavin war. Sie kannte sich noch nicht gut in den Liebesk�nsten aus.</p><p>Sie st�hnte leise auf.</p><p>Ich schob ihre Beine hoch und glitt zwischen sie; sie umfa�ten mich eng. Ich hob das M�dchen an und lie� es wieder herunter. Es st�hnte wieder und packte mich fester.</p><p>Der Sturm war wild.</p><p>Eine Zeitlang sp�ter befreite ich mich von ihr.</p><p>Es gibt nat�rlich mehrere Methoden, sich um eine Frau mit gefesselten Kn�cheln zu k�mmern. Ich hatte mich nur einer bedient.</p><p>�Falls es Fragen gibt, hat man dir Schweigen befohlen, und du warst hilflos�, sagte ich ihr. Was sogar der Wahrheit entsprach. �Es war jemand, der zuf�llig vorbeikam.� Solche Dinge sind nicht ungew�hnlich, vor allen Dingen, wenn die Sklavinnen keinen Eiseng�rtel tragen und damit allen zur Verf�gung stehen.</p><p>�Ich kann nicht glauben, was ich eben gef�hlt habe�, fl�sterte sie.</p><p>�Du mu�t solche Gef�hle erdulden, wenn dein Herr sie dir zuteil kommen lassen will.�</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>Meiner Meinung nach sind Ausma� und Natur solcher Gef�hle eine normale Funktion der betroffenen Individuen. Nat�rlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle. In diesem speziellen Fall spielte vermutlich die Fesselung eine Rolle. Fesselt man die Frau, und sei es auch nur symbolisch, intensiviert das aus psychologischen und k�rperlichen Gr�nden den Orgasmus. Freien Frauen ist dies weitgehend unbekannt, auch wenn viele von ihnen es anscheinend vermuten. In der Realit�t k�nnen sie diese Erfahrung nat�rlich erst dann machen, wenn sie sich selbst gefesselt auf den Knien wiederfinden. Die bedeutsamste Fessel ist nat�rlich die Natur der Sklaverei selbst, bei der die Frau wei�, da� der Mann ihr �berlegen ist und sie sich ihm in jeder Hinsicht unterordnen mu�. Dies regelt die nat�rliche, biologische Beziehung zwischen den Geschlechtern, und zwar in einem organisierten, sozialen, zivilisierten Zusammenhang.</p><p>�Oh, kauft mich, Herr! Kauft mich!� flehte sie mich an.</p><p>�Nur eine Sklavin bittet darum, gekauft zu werden.�</p><p>�Ich bin eine Sklavin�, sagte sie. �Das hat mir der Sklavenherr beigebracht, der mich vor Wochen gefangen hat!�</p><p>�Vermutlich bist du nicht zu verkaufen.�</p><p>�Mein Herr macht sich nichts aus mir�, erz�hlte sie. �Er hat mich nur gekauft, um seine Gef�hrtin zu �rgern, die schrecklich gemein zu mir ist. Tags�ber �berl��t er mich sogar Fremden, f�r ein Tarskst�ck.�</p><p>�Bem�ht und sorgt sich seine Gef�hrtin jetzt mehr um ihn?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich glaube nicht,�</p><p>�Vielleicht sollte sie diejenige sein, die angekettet unter den Wagen geh�rt.�</p><p>�Sie ist eine freie Frau!� protestierte das M�dchen entsetzt.</p><p>�Dein Herr verlangt ein Tarskst�ck f�r deine Dienste?�</p><p>�Ja.�</p><p>��ffne den Mund!�</p><p>Sie gehorchte, und ich zog eine M�nze aus der Tasche, ein schmales dreieckiges Achtel einer Kupfertarnscheibe, und schob sie ihr in den Mund.</p><p>�Die ist f�r deinen Herrn�, sagte ich. Viele Goreaner, vor allem Angeh�rige der niederen Kasten, tragen bei Besorgungen die M�nzen im Mund. Kleidungsst�cke haben nur selten Taschen.</p><p>Sie sah mich an.</p><p>Ich zog das Segeltuch wieder hoch und legte es ihr um die Schultern, um sie vor der Wut des Sturms zu besch�tzen.</p><p>Als ich ihr die M�nze in den Mund gelegt hatte, hatte ich nicht nur den Preis ihres Herrn bezahlt, der durchaus angemessen war, sondern gleichzeitig verhindert, da� sie mich weiterhin bel�stigte.</p><p>Ich gab ihr noch einen Ku�. Das Wasser, das ihr die Wangen hinunterlief und das ich f�r Regen gehalten hatte, schmeckte salzig.</p><p>Ich kroch unter dem Wagen hervor und nahm mein B�ndel auf.</p><p>Sie sah mir nach. Dank der M�nze in ihrem Mund wu�te sie, da� sie nun still zu sein hatte.</p><p>Ich sah zu dem Felsplateau hoch, zu der Palisade. Dort hing vom Querbalken eines hohen Pfostens das gro�e Schild in der Form eines Vogels mit geier�hnlichem Hals und verzerrtem rechten Bein mit ausgestreckten Krallen an seinen Ketten und schwankte im Sturm, das Zeichen der Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn.</emphasis></p><p>Ein Blick �ber die Schulter verriet mir, da� das M�dchen mir noch immer hinterhersah.</p><p>Ich zeigte auf den Kies vor ihr.</p><p>Sofort kniete sie nieder und senkte gehorsam den Kopf auf den Boden.</p><p>Dann wandte ich mich ab und betrat die Br�cke, die zum Tor f�hrte. Das M�dchen hatte ich da bereits schon vergessen. Schlie�lich war sie eine Sklavin, und sie war bezahlt worden.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>�Du bist keine Frau�, sagte die Stimme hinter der T�r, einer niedrigen, schmalen T�r im linken Torfl�gel. Augen starrten hinter einer kleinen Luke hervor. �Zeig dein Geld!�</p><p>Ich hob einen Kupfertarsk. Der Kerl hinter der T�r hob eine kleine Tharlarion�l-Lampe an die �ffnung. Ich hielt die M�nze so, da� er sie sehen konnte, reichte sie jedoch nicht durch die �ffnung.</p><p>�Das ist nicht genug!�</p><p>Ich hielt einen Silbertarsk hoch. Die T�r �ffnete sich.</p><p>Ich trat ein.</p><p>Er verschlo� die T�r hinter mir.</p><p>Dann folgte ich ihm durch einen hohen, gut drei�ig Meter langen Holztunnel zum Innentor. Dort drehte er sich um. �Etwas f�r den T�rsteher�, verlangte er.</p><p>�Du wirst vom Hausherrn bezahlt.�</p><p>�Die Zeiten sind schwer�, sagte er. �Und es ist sp�t. Ich habe die T�r zu sp�ter Stunde ge�ffnet.�</p><p>�Das stimmt�, erwiderte ich und legte ihm ein Tarskst�ck in die Hand.</p><p>�Die Zeiten sind schwer�, wiederholte er.</p><p>Ich setzte mein B�ndel ab, holte ein Messer heraus, dr�ckte ihm die Spitze gegen den Bauch und dr�ngte ihn gegen das Innentor. Er wurde kreidebleich. Ich hob seinen an den Schn�ren baumelnden Geldbeutel an und �ffnete ihn mit der Messerspitze. Er enthielt mehrere M�nzen. Das war im Licht der kleinen Lampe deutlich zu erkennen, �Die Zeiten sind gar nicht so schwer, wie du glaubst�, sagte ich. �Wieviel verlangst du?�</p><p>�Ein Tarskst�ck ist mehr als ausreichend�, sagte er.</p><p>�Das hast du bekommen.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte er. �Vielen Dank, Herr.� Er steckte das Tarskst�ck in den Geldbeutel, nahm ihn mir ganz sachte aus der Hand und lie� ihn fallen, als er den Eindruck hatte, da� es gestattet war, so da� er wieder an seiner linken Seite vom G�rtel baumelte. Ein Rechtsh�nder hebt den Geldbeutel normalerweise mit der linken Hand an und greift mit der rechten hinein. Das Gewicht des Beutels sorgt daf�r, da� die Schn�re ihn wieder verschlie�en.</p><p>�Es ist eine st�rmische Nacht�, sagte ich.</p><p>�So ist es, Herr�, erwiderte er. �Was gibt es Neues aus dem Norden?�</p><p>�Ich komme aus dem S�den.�</p><p>�Nur wenige reisen jetzt nach Norden.�</p><p>�Die meisten Reisenden hier kommen bestimmt aus dem Norden.�</p><p>�Ja�, sagte er. �Wir sind v�llig �berf�llt.�</p><p>�Mit Leuten aus Ar-Station?�</p><p>�Davon haben wir nicht viele�, sagte er. �Die wenigsten konnten fliehen.�</p><p>�Die meisten sind in der Stadt eingeschlossen?�</p><p>�Anscheinend.�</p><p>�Wie ist der neueste Stand der Dinge?� fragte ich.</p><p>�Es gibt nur wenig Neues.�</p><p>�Und was ist das Alte?�</p><p>�Woher kommst du?� fragte er.</p><p>�Aus dem S�den.� Es ging den Burschen nichts an, da� ich aus Ar kam.</p><p>�Ich habe blo� geh�rt, da� die Cosianer Ar-Station eingeschlossen haben, an drei Seiten von Land. Sie haben den Hafen versperrt, und zwar mit einem Wall aus zusammengeketteten Fl��en.�</p><p>�Sind die Mauern gest�rmt worden?�</p><p>�Mehrere Male sogar, aber die Verteidiger haben es stets geschafft, die geschlagenen Breschen zu halten und die Mauer zu reparieren.�</p><p>Ich nickte. Bei solchen Gelegenheiten kommt es zu erbitterten K�mpfen. Das gilt auch f�r den Stra�enkampf. �Soweit dir also bekannt ist, halten die Cosianer keinen Teil der Stadt besetzt.�</p><p>�Nicht, da� ich w��te.�</p><p>�Wie viele M�nner sind in den Kampf verwickelt, und wer wird deiner Meinung nach gewinnen?�</p><p>�Du bist derjenige, der das Scharlachrot tr�gt�, sagte er. �Ich bin blo� ein T�rsteher.�</p><p>�Du hast doch sicherlich einiges geh�rt�, sagte ich. Ich steckte das Messer wieder ein. Ich sp�rte, da� ich den Burschen damit unruhig machte.</p><p>�Ich habe geh�rt, da� vor Ar-Station Tausende von Cosianern, ihren Hilfstruppen und ihren S�ldnern stehen�, sagte er. �Wenn das stimmt, m�ssen sie den M�nnern von Ar-Station zehn zu eins �berlegen sein.�</p><p>�Ausr�stung, Vorr�te?�</p><p>�Sie haben Belagerungsger�t von Brundisium mitgebracht. Die Stadt ist auch die Quelle ihrer Vorr�te, nehme ich an.�</p><p>Das ergab einen Sinn. Doch wenn dem so war, warum hatten Ars Tarnk�mpfer keinen Versuch unternommen, diese Nachschubwege zu unterbrechen? Falls das geschehen war, hatte ich jedenfalls nichts davon geh�rt.</p><p>�Will man den Berichten Glauben schenken, waren die K�mpfe vor Ar-Station langwierig und verbissen. Die Mauern werden von Soldaten und B�rgern gleicherma�en verteidigt. Ich glaube, die Cosianer haben mit keinem derartigen Widerstand gerechnet.�</p><p>Das glaubte ich auch nicht.</p><p>�Du geh�rst der roten Kaste an�, sagte er. �Warum ist Cos an Ar-Station interessiert?�</p><p>�Da bin ich mir nicht ganz sicher�, sagte ich. �Es k�nnte verschiedene Gr�nde haben, und einige davon scheinen offensichtlich. Wie du wei�t, r�hrt ein Teil der Spannungen zwischen Ar und Cos von der wirtschaftlichen Konkurrenz im Voskbecken her. Die Eroberung von Ar-Station w�rde auf einen Streich den wichtigsten Pfeiler von Ars Macht in dieser Gegend vernichten und einen Keil zwischen die Salerianische Konf�deration und die Voskliga treiben.�</p><p>Dank ihres gegenseitigen Mi�trauens unterhielten Ar, Cos und die Salerianische Konf�deration normalerweise enge Beziehungen zueinander, und die Voskliga, ein Bund von St�dten entlang des Vosk, der urspr�nglich wie die Salerianische Konf�deration am Olni gegr�ndet worden war, um die Flu�piraten in Schach zu halten, war zumindest theoretisch von Ar und Cos unabh�ngig. Ich sage theoretisch, da eine der Gr�ndungsst�dte der Liga Port Cos ist, das, obwohl es eine souver�ne <emphasis>Polis</emphasis> ist, urspr�nglich von Cosianern gegr�ndet und besiedelt wurde. W�re Ar am Vosk aus dem Weg, w�rde es zweifellos sehr schnell Spannungen zwischen Cos und der Salerianischen Konf�deration geben, vielleicht auch zwischen Cos und der Voskliga, und zwar aus denselben Gr�nden wie zuvor zwischen Cos und Ar.</p><p>Victoria, Tafa und Fina sind bekannte St�dte der Voskliga. Die westlichste Stadt der Liga ist Turmus am Delta des Flusses. Die �stlichste ist Wei�wasser. Einige der dem Bund angeh�rigen St�dte befinden sich �stlich von Ar-Station, wie zum Beispiel Waldhafen, Iskander, Tancreds Furt und nat�rlich das eben bereits erw�hnte Wei�wasser. Obwohl Ar-Station offenbar aktiv an dem Kampf gegen die Flu�piraten beteiligt ist, hat es sich niemals der Liga angeschlossen. Der Grund daf�r ist vermutlich im Einflu� von Ar zu suchen, das seine ausgedehnten Gebietsanspr�che in der Region durch die Mitgliedschaft in einem solchen B�ndnis ausgesprochen untergraben und bedroht gesehen h�tte.</p><p>Das Hauptquartier der Liga befindet sich in Victoria. Vermutlich hat das besondere historische Gr�nde, da die Stadt nicht unmittelbar am Vosk liegt, sondern im Westen, in einer Gegend, die traditionellerweise eher dem cosischen Einflu�bereich unterliegt. Demzufolge war die geographische Position � zumindest, was eine w�nschenswerte ungef�hre Mitte zwischen dem Delta und dem Olni betrifft � anscheinend nicht die wichtigste Bedingung f�r den Standort des Hauptquartiers der Liga. W�re das der Fall gewesen, h�tte man eher erwartet, es beispielsweise in Jasmine oder Siba vorzufinden, St�dte von wesentlich zentralerer Lage.</p><p>�Ich habe geh�rt�, sagte der Mann, �da� sich schon vor Wochen in Ar ein gro�es Heer in Marsch gesetzt hat, das Ar-Station zu Hilfe kommen soll.�</p><p>�Das habe ich auch geh�rt�, sagte ich. Ich wu�te, da� das der Wahrheit entsprach. Ich wu�te auch, da� Ar mit diesem Entsatzheer unerkl�rlicherweise � jedenfalls meiner Meinung nach � fast seine gesamten Streitkr�fte in Marsch gesetzt hatte, und das, obwohl die Cosianer gar nicht im Norden standen, sondern vor Torcodino. Ich hielt dies f�r einen taktischen Fehler von beinahe unglaublichem Ausma�. Es war erst wenige Wochen her, da� ich mich in Torcodino aufgehalten hatte; ich war da gewesen, als Dietrich von Tarnburg mit nur ein paar tausend S�ldnern in einem wagemutigen Vorsto� die Stadt eroberte, die als cosisches Depot und Ausgangsort f�r den Vormarsch nach Osten diente und in der Belagerungsger�t und Nachschub gelagert worden waren. Sie hatten die Stadt durch Aqu�dukte betreten, buchst�blich �ber die K�pfe der ahnungslosen cosischen Armee hinweg, die im Umkreis der Stadt kampierte. Diese Tat hatte die Invasion zum Erliegen gebracht. Ich erwartete, da� Dietrich es schaffen w�rde, Torcodino den Winter �ber zu halten, aber nicht l�nger. Ich hatte f�r Dietrich Briefe nach Ar transportiert, die sich mit diesem Problem besch�ftigten.</p><p>In dieser Zeit der Intrigen und um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, hatte Gnieus Lelius, der Hohe Berater und Erste Minister von Ar, der in Abwesenheit von Ubar Marlenus die Stadt als Regent regierte, mich von Soldaten in den Zentralzylinder bringen lassen; als w�re ich verhaftet worden, um mich irgendeiner Anklage zu stellen. Dort hatte ich dann lange pers�nlich mit dem Regenten gesprochen. Ich hatte ihn gedr�ngt, nach Torcodino zu marschieren, um das Gros des cosischen Heeres anzugreifen. Aber Ars Soldaten waren nicht zur�ckgerufen und nach Torcodino umgeleitet worden. Sie waren weiter nach Norden marschiert, als l�ge die Hauptgefahr bei Ar-Station. Das war Wahnsinn oder zumindest unverst�ndlich, da es meiner Meinung nach Ar und sein Herzland den Cosianern auslieferte. Au�erdem schien es den Erfolg der k�hnen Tat Dietrichs zunichte zu machen, der den Vormarsch des Feindes aufgehalten und Ar die Zeit verschafft hatte, Gegenma�nahmen zu planen, die Waffen aufzunehmen und zu marschieren. Ar lie� die Cosianer in Torcodino unbehelligt. Es war nach Norden marschiert, vermutlich um Ar-Station zu entsetzen. Gnieus Lelius hatte mir nachdenklich und geduldig zugeh�rt. Aber allem Anschein nach vertraute er dem Urteil seiner Offiziere. Danach hatte ich Wochen in Ar festgesessen, ein Gast im Zentralzylinder, der unabl�ssig wartete. Schlie�lich �bergab man mir einen versiegelten Brief f�r den befehlshabenden Kommandanten von Ar-Station, einen Mann namens Aemilianus. Das war alles. Noch in derselben Nacht war ich auf dem R�cken eines Tarns nach Norden aufgebrochen. Ich hatte den Tarn erst vor zwei Tagen verkauft, um zu Fu� weiterzugehen. Am Himmel hatte es von Patrouillen nur so gewimmelt. Ich war davon �berzeugt gewesen, da� es, je weiter ich nach Norden kam, nur noch schlimmer werden w�rde. Vermutlich stiegen meine Aussichten, Aemilianus die Botschaft, deren Inhalt mir unbekannt war, erfolgreich zu �bergeben, wenn sie nicht von einem Tarnsmann transportiert wurde, sondern von einem auf der Stra�e Reisenden, der zwischen den S�ldnern und Zivilisten nicht weiter auffiel. Diese �berlegung wurde zus�tzlich von der Tatsache gest�tzt, da� Ar-Station �berall Tarndr�hte gespannt hatte und der Himmel �ber der Stadt zur Zeit von Cos kontrolliert wurde.</p><p>�Aber ein solches Heer ist bis jetzt noch nicht hier vorbeigekommen�, sagte der Mann.</p><p>�Ich wei� auch nicht, wo es ist.� Ich hatte im S�den in Herbergen �bernachtet, an denen das Heer vorbeimarschiert war, wobei es jeweils f�nf Tage zwischen zwei bestimmten Punkten ben�tigt hatte. Als ich nach Norden reiste, war ich in Herbergen eingekehrt, die sich entweder an oder zumindest in der N�he der Viktel Aria befanden, doch hier hatte niemand die Soldaten gesehen. Anscheinend hatte das Heer die Viktel Aria irgendwo n�rdlich von Venna verlassen.</p><p>�Es kann nicht einfach verschwunden sein.�</p><p>�F�r uns mag das ein Geheimnis sein�, sagte ich, �aber denjenigen, die �ber die richtigen Informationskan�le verf�gen, wird die Position des Heeres gut bekannt sein.� Selbst s�dlich von Venna war ich auf Fl�chtlinge aus Ar-Station und Umgebung gesto�en. Einige hatten mir erz�hlt, da� sie aus der Ferne ein vorbeiziehendes Heer gesehen hatten. Mir war sogar von M�nnern und Frauen berichtet worden, die ihm nach Norden gefolgt waren, als w�ren sie von seinem Sieg �berzeugt und kehrten darum nach Hause zur�ck. Am meisten Kopfzerbrechen bereitete mir dabei die Tatsache, da� die Viktel Aria f�r Hunderte von Pasang die direkte Route nach Ar-Station und damit zum Flu� darstellte.</p><p>Es war eine Milit�rstra�e, die von Milit�ringenieuren als Milit�rroute geplant worden war. Sie f�hrte in fast gerader Linie von Ar zum Vosk. Sie machte nur wenige Konzessionen an St�dte oder Gemeinden. In erster Linie war sie als eine verl��liche, beinahe unzerst�rbare Stra�e geschaffen worden, auf der M�nner unter Waffen schnell transportiert werden konnten. Doch warum hatte das Heer aus Ar sie dann verlassen auf seinem angeblichen Marsch nach Ar-Station, wo es den Belagerten zu Hilfe eilen sollte? Von allen Hypothesen hielt ich die f�r am wahrscheinlichsten, da� das Heer nicht nach Ar-Station unterwegs war, sondern auf Brundisium zuhielt, wo die Cosianer vor Monaten gelandet waren. Das bedeutete, da� man entweder Ar-Station in diesem grausamen Spiel opfern wollte oder da� Ars Gener�le der �berzeugung waren, ein Angriff auf Brundisium werde die Belagerung von Ar-Station beenden, da die Cosianer m�glicherweise verleitet wurden, sich von dort zur�ckzuziehen, um Brundisium zu sch�tzen. Ein solcher Zug w�rde nat�rlich den Hauptteil der cosischen Streitmacht isolieren, sie der Unterst�tzung aus Cos und Tyros berauben und sie von ihren Truppen vor Ar-Station berauben. Ich bezweifelte keinen Augenblick lang, da� die milit�rische Macht, die Ar im Norden versammelt hatte � wenn sich das Heer tats�chlich dort befand �, ausreichte, um Brundisium zu erobern. Die Bedenken gegen diese Strategie lagen nat�rlich auf der Hand. Ars Bastion am Vosk, Ar-Station, wurde als entbehrlich behandelt, was es nat�rlich nicht war, wenn Ar seine Macht im Voskbecken behalten wollte. Selbst wenn Brundisium fallen sollte, w�re dies f�r Cos kaum eine Katastrophe. Aller Voraussicht nach w�rden die Cosianer durchaus dazu f�hig sein, sich einen anderen Hafen zu suchen, �ber den sie ihre Nachschubund Kommunikationslinien ge�ffnet hielten. Au�erdem fehlten Ar die M�glichkeiten, aus der Eroberung von Brundisium weiteren Nutzen zu ziehen, indem es die K�ste sperrte oder den Versuch unternahm, eine Invasion von Cos in Angriff zu nehmen, da es �ber keine nennenswerte Marine verf�gte.</p><p>Der schwerstwiegende Einwand bestand nat�rlich darin, da� diese Taktik die Stadt Ar f�r das cosische Invasionsheer angreifbar machte, das zur Zeit vor Torcodino lag. Es hatte fast den Anschein, als seien die Gener�le Ars bereit, Ar gegen einen Hafen einzutauschen, der, wenn man es genau nahm, nicht einmal Cos geh�rte. Und sollte es tats�chlich der Wahrheit entsprechen, da� Ar auf Brundisium zu marschierte, so hatte ich bemerkenswerterweise noch nichts davon geh�rt. Zog man die typische Marschgeschwindigkeit eines Heeres in Betracht, h�tte Ars Entsatzheer nicht nur l�ngst vor Ar-Stations Toren stehen m�ssen, sondern auch Brundisium erreichen k�nnen, das viel weiter entfernt lag.</p><p>Ich wu�te nicht, wo sich Ars Heer aufhielt. Ich stand einem Geheimnis gegen�ber, zumindest soweit es meine beschr�nkten Informationen betraf. Vielleicht plante es ja aus irgendeinem unerfindlichen Grund, Ar-Station aus dem Westen zu Hilfe zu kommen, um sich so zwischen die cosische Belagerungsstreitmacht und ihre voraussichtlichen Fluchtrouten zu setzen, die entweder wests�dwestlich nach Brundisium oder mehr s�dwestlich nach Torcodino f�hrten. Falls dies der Fall war, h�tten wir aber mittlerweile etwas h�ren m�ssen, was diese Annahme untermauerte. Wenn es sich tats�chlich so verhielt, h�tten die Soldaten aus Ar mittlerweile an der Westflanke der Cosianer aufmarschieren m�ssen.</p><p>�Ich f�rchte um Ar-Station�, sagte der T�rsteher.</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich glaube nicht, da� es noch lange standhalten kann�, meinte er. �Die Angreifer sind zahlreich. Die Verteidiger wurden dezimiert. Jeden Tag werden neue Breschen in die Mauer geschlagen. An einigen Stellen wurde sie unterminiert. In der Stadt ist es zu Br�nden gekommen, verursacht von Saboteuren, brennenden Speeren und Feuerk�rben, die man �ber die Mauern katapultierte. Die Stadt hungert. Wenn Ar nicht bald den Belagerungsring sprengt, wird sie sich wohl ergeben m�ssen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Der Kampf, an dem sich die Zivilisten beteiligen, war lang und verbissen. Die M�nner aus Cos haben damit nicht gerechnet. Sie haben schwere Verluste erlitten. Sie werden nicht erfreut sein.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Ich w�re ungern in der Stadt, wenn die Tore nachgeben.�</p><p>�Es ist sp�t.�</p><p>Er �ffnete die T�r des Innentors. �Der Tisch des Verwalters und der Pagaraum befinden sich im rechten Geb�ude�, sagte er.</p><p>Ich blickte durch die T�r auf den Hof der Herberge. Ich war bis auf die Haut durchn��t. Der Regen hatte nicht nachgelassen. In dem �berdachten h�tten�hnlichen Durchgang zwischen den Toren war es wenigstens trocken. Mit Ausnahme von einigen Nebengeb�uden war die Herberge aus stabilen Holzst�mmen erbaut; sie bestand aus zwei Geb�uden, die mit einem durchgehenden Spitzdach verbunden waren. Der freie Platz dazwischen diente als Durchgang. Jedes Geb�ude wies drei oder vier Etagen auf, die vermutlich mit Leitern verbunden waren. Die Entfernung zwischen dem Innentor und dem Durchgang betrug etwa drei�ig Meter. Der Boden des Hofes bestand haupts�chlich aus dem bearbeiteten, begradigten Felsgestein des Plateaus. Man hatte schmale Abflu�rinnen hineingeschlagen. Dadurch wurde das Wasser unter der Palisade durch in den Graben abgeleitet. Der Regen flo� auch von dem mindestens sechzig Meter langen Dach der Herberge und prasselte zw�lf Meter tief in den Hof.</p><p>Ich dr�ckte dem Mann noch ein Tarskst�ck in die Hand. �Vielen Dank, Herr�, sagte er. Er hatte sich bem�ht, hilfsbereit zu sein, obwohl ich zugegebenerma�en nur wenig erfahren hatte, das ich nicht schon zuvor gewu�t hatte. Zumindest wu�te ich nun, da� sich die Belagerung von Ar-Station einem kritischen Punkt n�herte. Ich nahm das B�ndel, schob den Umhang �ber den Kopf und ging los, um in dem kalten Regen den Hof zu �berqueren. Hinter mir krachte die T�r ins Schlo�, dann wurde der Riegel vorgeschoben. Ich eilte auf das Geb�ude zu, das mir am n�chsten stand. Dort hatte etwas meine Neugier erregt. Ich betrachtete sie kurz, wie sie dort hockten, dem str�menden Regen ausgesetzt, dann ging ich einmal um das Geb�ude herum. Ich wollte sie mir sp�ter genauer ansehen. Aber zuerst wollte ich auf Erkundungstour gehen. Daran war vermutlich meine Ausbildung zum Krieger schuld.</p><p>Ich sah nur mehrere der kleineren Geb�ude und H�tten an, ihren Standort und welche Deckung und M�glichkeiten sie boten. Es gab St�lle f�r Tharlarion und Hallen, in denen man Wagen untergestellt hatte. Auf der Plattform eines hohen Turms gab es ein Tarnfeuer, das nicht entz�ndet war. Ich fand auch das Tarntor, aber es war geschlossen; zwischen seinen Pfosten war Tarndraht gespannt, und ich war davon �berzeugt, da� er auf dem ganzen Gel�nde zu finden war (man hatte ihn sicher vom Dach der Herberge bis zur Palisade gespannt). Im Tarnstall hielt sich zur Zeit nur ein Tarn auf. Ich schlo� aus dem Zustand des Vogels und seiner offensichtlichen Wachsamkeit und Wildheit, da� es sich um einen Kampfvogel handelte. Das war allerdings auch der einzige Hinweis, der meine Vermutung best�tigte; es gab keine mit Wappen verzierte Satteldecke, keine Insignien, das Sattelgeschirr wies keinen eindeutigen Stil auf. Ich sah mich weiter um, konnte aber keine Soldatenunterk�nfte und erst recht keine Garnison entdecken. Es fehlten sogar Berufsw�chter, obwohl es zweifellos ein oder zwei st�mmige Burschen f�r Notf�lle gab. Ich kehrte zum Haupthaus zur�ck, das zahlreiche schmale Schie�scharten aufwies. Durch die Bauweise waren so etwas wie zwei Festungst�rme entstanden, die notfalls verteidigt werden konnten. Die Entscheidung diktierte im Einzelfall vermutlich die Anzahl der m�glichen Verteidiger. Ich nahm an, da� ein schmaler, m�helos abzuriegelnder unterirdischer Gang, der aus dem Fels gegraben worden war, beide Herbergsfl�gel miteinander verband. Dieser f�hrte bestimmt unter dem �berdachten Durchgang entlang. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Annahme ist es alles andere als leicht, solche Geb�ude in Brand zu stecken. Das liegt haupts�chlich an der senkrechten Struktur der Wandoberfl�che. Mit der Palisade verh�lt es sich �hnlich. Der normale Brandpfeil brennt sich normalerweise von selbst aus.</p><p>Ich hatte die Vorderseite des linken Geb�udes wieder erreicht, die Stelle, wo ich eben etwas Bemerkenswertes gesehen hatte.</p><p>�L�se mich aus!� rief eine der Frauen. �Ich bitte dich!�</p><p>�Nein, l�se mich aus!�</p><p>�Nimm mich! Mich!�</p><p>Sie waren zu f�nft. Man hatte ihnen die H�nde hoch �ber den K�pfen angekettet, was ihre nackten, regennassen K�rper auf h�bsch anzusehende Weise streckte. Die Handschellen waren mit kurzen Ketten verbunden, die an stabilen Ringen endeten. Die L�nge der Ketten richtete sich nach der K�rpergr��e der Frau.</p><p>�Kann es sein, da� du dich unbehaglich f�hlst?� fragte ich die Frau, die mich als erste angesprochen hatte.</p><p>�Ja. Ja!�</p><p>�Das ist nicht �berraschend, so wie du festgemacht bist.�</p><p>�Bitte!�</p><p>Sie ri� an den Handschellen, stemmte sich gegen die Wand. Ihr schwarzes Haar war von dem unter das Dach hereinwehenden Regen klatschna� und klebte ihr auf den Schultern und am K�rper.</p><p>�Wende den Blick ab!� verlangte sie.</p><p>Ich strich ihr Haar zur�ck hinter die Schultern, so war es aus dem Weg. Angekettet, wie sie war, w�rde es ihr schwerfallen, es wieder nach vorn zu schieben. Falls erforderlich, konnte man es ihr nat�rlich im Nacken zusammenbinden.</p><p>�Bitte!� schluchzte sie.</p><p>An der Wand und dem Hof gab es insgesamt nur f�nf Ringe, und sie waren alle belegt.</p><p>�L�se mich aus!�</p><p>�Ich soll dich kaufen?� vergewisserte ich mich.</p><p>�Niemals! Ich bin eine freie Frau!�</p><p>�Wir sind alle freie Frauen!� rief ihre Nachbarin.</p><p>Das war mir nat�rlich klar gewesen, da keine von ihnen den Kragen trug.</p><p>Die Schwarzhaarige zuckte zusammen, als ich ihren Schenkel �berpr�fte.</p><p>�Stell dich nicht so an�, sagte ich. �Du bist mindestens seit dem Nachmittag hier und bestimmt schon von mehreren M�nnern ber�hrt worden.�</p><p>Ich konnte kein Brandzeichen entdecken, zumindest nicht an den von den Goreanern bevorzugten Stellen. Vermutlich handelte es sich tats�chlich um freie Frauen.</p><p>�L�se mich aus!� bettelte sie.</p><p>Hinter den K�pfen der Frauen hingen kleine Rechtecke aus Wachstuch, mit einem Nagel am Holz angeschlagen. Ich drehte eines um und las im Licht des n�chsten Blitzes die auf der R�ckseite notierten Zahlen.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich die Schwarzhaarige.</p><p>�Ich bin Lady Amina aus Venna. Ich war zu Besuch im Norden und mu�te vor den anr�ckenden Cosianern fliehen.�</p><p>�Der Betrag, den man bezahlen mu�, um dich auszul�sen, betr�gt vierzig Kupfertarsk, eine betr�chtliche Summe.� Dieser Preis hatte auf der R�ckseite des Wachstuches gestanden.</p><p>�Bezahl das Geld!� flehte sie. �Rette eine freie Frau von Adel aus der Gefahr. Ich werde dir ewig dankbar sein!�</p><p>�Nur wenige M�nner g�ben sich mit Dankbarkeit zufrieden.�</p><p>Sie zuckte �ngstlich bis an die harte Wand zur�ck.</p><p>�Meine Rechnung betr�gt nur drei�ig Tarsk�, sagte ihre Nachbarin, eine Blondine.</p><p>�Meine f�nfunddrei�ig!�</p><p>�Meine nur siebenundzwanzig!�</p><p>�Meine f�nfzig�, weinte die f�nfte Frau, �aber ich werde daf�r sorgen, da� du deinen Einsatz nicht bereust.�</p><p>�Wie denn?� fragte ich.</p><p>�In der Art der Frauen!� sagte sie tapfer.</p><p>Schreie des Protests und der Wut ert�nten.</p><p>�Seid nicht so selbstgerecht�, wies ich die vier anderen Gefangenen zurecht.</p><p>�Wir sind freie Frauen!� sagte Lady Amina.</p><p>�Ihr seid verdammte Zechprellerinnen!�</p><p>Amina keuchte entsetzt auf, als sie h�rte, wie ich sie bezeichnete, zwei der anderen protestierten w�tend. Die vierte Frau wimmerte, da sie wu�te, da� ich recht hatte. Die f�nfte schwieg.</p><p>Ich mu�te daran denken, da� mich der T�rsteher, nachdem er sich vergewissert hatte, da� ich keine Frau war, nach meinem Geld gefragt und mich erst eingelassen hatte, als ich eine betr�chtliche B�rse vorweisen konnte. Vielleicht war der Grund daf�r die �berbelegung der Herberge und die in diesen ungew�hnlichen, gef�hrlichen Zeiten vermutlich in die H�he getriebenen Preise.</p><p>�Bitte, nenn uns nicht so�, bat Amina.</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Was du gesagt hast.�</p><p>�Die Preise der Herberge sind doch bestimmt angeschlagen, oder man kann sie erfragen�, sagte ich.</p><p>Sie schwieg.</p><p>�Wu�tet ihr nicht, da� ihr nicht genug Geld hattet?�</p><p>Sie schwiegen alle.</p><p>Ich packte Amina fester.</p><p>�Ja, ja�, keuchte sie. �Ich habe es gewu�t!�</p><p>�Wir haben es alle gewu�t�, sagte die Blonde. �Wir sind freie Frauen. Wir haben erwartet, da� die G�ste sich wie Ehrenm�nner verhalten, Verst�ndnis zeigen, sich um uns k�mmern!�</p><p>Ich lachte, und sie alle erbebten. Ich lie� Aminas Kinn los.</p><p>�Lach nicht�, sagte sie trotzig.</p><p>�Ich will es einmal zusammenfassen�, sagte ich. �Ihr seid in die Herberge gekommen, trotz der Tatsache, da� euch die Mittel fehlen, um eure Verpflichtungen zu erf�llen, in der Erwartung, vielleicht damit durchzukommen, da� man eure Rechnung einfach �bersieht oder euch in hilfloser Wut aus dem Haus weist, oder da� sich bereitwillige M�nner finden, die f�r euch bezahlen, die darum wetteifern, leichtsinnigen freien Frauen zu Diensten sein zu k�nnen.�</p><p>�Sollten wir die Nacht auf der Stra�e verbringen wie B�uerinnen?� emp�rte sich die dritte Frau.</p><p>�Aber es sind schwere Zeiten, und nicht alle M�nner sind Narren!�</p><p>Sie schrie w�tend auf und ri� an den Fesseln. Sie war gutproportioniert, ausgewogene Nahrung und K�rperert�chtigung w�rden ihr guttun. Auf einem Markt w�rde sie bestimmt sechzig Kupfertarsk erzielen. Falls die Herberge so verfuhr � wozu sie wegen der unbezahlten Rechnung das Recht hatte �, w�rde sie sogar noch einen Gewinn von f�nfundzwanzig Kupfertarsk erwirtschaften.</p><p>�Als ihr entdecktet, da� ihr nicht genug Geld hattet, h�ttet ihr darum bitten k�nnen, euch die �bernachtung zu verdienen.�</p><p>�Wir sind doch keine Schankm�dchen!� rief die Blonde.</p><p>�Bemerkenswert, da� dein erster Gedanke in diese Richtung geht�, sagte ich. �Ich hatte da an andere Dinge gedacht, an Arbeit in der Waschk�che oder Putzen.�</p><p>�Das sind Sklavenarbeiten!�</p><p>�Viele freie Frauen tun sie.�</p><p>�Das sind Arbeiten f�r Angeh�rige der unteren Kasten�, sagte sie. �Nicht f�r hochrangige freie Frauen, wie wir es sind!�</p><p>�Und doch seid ihr nun an der Wand angekettet und tragt nicht einmal mehr einen Schleier.�</p><p>�Trotzdem sind wir freie Frauen von Rang, und solche Frauen haben es nicht n�tig zu arbeiten.�</p><p>�Vielleicht werden Frauen wie du bald genau das tun m�ssen�, vermutete ich.</p><p>�Was willst du damit sagen?�</p><p>Ich beachtete sie nicht und wandte mich wieder der Lady Amina aus Venna zu. �Sind in der Herberge noch mehr von eurer Sorte?�</p><p>�Nur eine. Sie hat die h�chsten Schulden. F�r sie war hier drau�en kein Ring mehr frei.�</p><p>�Warum eigentlich ist sie, die das meiste Geld schuldet, im Haus, w�hrend man uns, die weniger Schulden haben, auf so besch�mende Weise hier drau�en angekettet hat und den Elementen aussetzt?� fragte die f�nfte Frau.</p><p>�Vielleicht hat sie schon angefangen, sich Kost und Logis zu verdienen�, sagte ich.</p><p>Sie dr�ngte sich gegen die Wand.</p><p>�Meine Arme schmerzen�, sagte die Blonde.</p><p>�Haben andere freie Frauen den Hof betreten, seit ihr hier seid?� fragte ich Lady Venna.</p><p>�Ja. Und sie haben uns gesehen. Einige von ihnen verlie�en die Herberge wieder, nachdem sie beim Verwalter waren. Vermutlich hatten sie nicht genug Geld.�</p><p>�Also scheint es einen Sinn zu haben, euch hier anzuketten�, sagte ich. �Einmal davon abgesehen, euch auf M�nner aufmerksam zu machen, die euch ausl�sen k�nnten, macht die Herberge mit dieser Handlung eindeutig klar, was sie von versuchtem Betrug h�lt. Ihr dient anderen freien Frauen als Warnung, Frauen, die ansonsten vielleicht versucht gewesen w�ren, �hnliche Schliche zu versuchen.�</p><p>�Wenn man uns nicht ausl�st, was wird dann mit uns geschehen?� jammerte die vierte Frau.</p><p>�Das k�nnt ihr euch doch sicher denken�, sagte ich.</p><p>�Nein, nein nein!� riefen sie im Chor.</p><p>�L�se mich aus�, bat die Fragestellerin. �Ich werde mich erkenntlich zeigen, ansehnlicher Mann.�</p><p>�Sklavin!� schrie Amina sie w�tend an.</p><p>�Sklavin!� schrie auch die Blonde.</p><p>�H�rt auf�, sagte ich. �Sie ist keine Sklavin � <emphasis/><emphasis>noch</emphasis> nicht!�</p><p>Der Gedanke, da� Amina und die Blonde offenbar dachten, Sklavinnen k�nnten handeln, am�sierte mich. Wie viele freie Frauen hatten sie eine v�llig falsche Vorstellung, was die Sklaverei eigentlich bedeutete. Die Sklavin � das gilt nat�rlich auch f�r den Sklaven � ist Besitz. Sie handelt nicht. Sie schuldet alles dem Herren und gibt ihm alles von sich. Sie bem�ht sich, ihn auf jede nur erdenkliche Weise zufriedenzustellen, und hofft verzweifelt, da� es ihr auch gelingt. Vielleicht w�rden die beiden Frauen es irgendwann begreifen.</p><p>Ich wandte mich ab und schritt �ber den �berdachten Platz auf das rechte Haus zu, wo sich laut T�rsteher der Tisch des Verwalters befand. Vielleicht sollte ich noch erw�hnen, da� solche �berdachten Durchg�nge haupts�chlich f�r die Passagiere von Mietkutschen bestimmt sind, damit sie vom Werter gesch�tzt aus- und einsteigen k�nnen.</p><p>Es war sp�t. Der Regen hatte nachgelassen. Doch die Nacht war merklich k�hler geworden. Ich freute mich auf ein hei�es Bad, einen Ort, wo ich meine Kleidung trocknen konnte, eine Mahlzeit und ein warmes Bett.</p><p>�Bitte!� rief mir Lady Amina nach. �Bitte!� Aber ich lie� sie an die Wand gefesselt zur�ck.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Ich klopfte zweimal auf den Tisch des Verwalters.</p><p>Dahinter, an der Wand, hing eine Preisliste. Die Preise waren recht hoch. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� es sich um regul�re Preise handelte. Falls doch, war die Herberge kaum konkurrenzf�hig.</p><p>Ich klopfte noch zweimal auf den Tisch.</p><p>Von der Decke hing eine Tharlarion�l-Lampe an drei Ketten.</p><p>Die Liste sah folgenderma�en aus:</p><cite><p>Brot und Paga � 2 K.T.</p><p>Andere Speisen � 3-5 K.T.</p><p>Unterkunft � 10 K.T.</p><p>Decken (2) � 2 K.T.</p><p>Bad � 1 K.T.</p><p>Badem�dchen � 2 K.T.</p><p>Schwamm, �l und Schaber � 1 K.T.</p><p>M�dchen f�r die Nacht � 5 K.T.</p><p>T., Gr�nfutter und Stall � 2 K.T.</p><p>T., Fleisch und Sitzstange � 5 K.T.</p></cite><p>Zu dieser Preisliste sind ein paar Anmerkungen n�tig. Erstens sind diese Preise in keiner Weise typisch. In vielen Herbergen kann man � je nach Jahreszeit und wenn der Verwalter mit sich handeln la�t � f�r zwei oder drei Kupfertarsk einen ganzen Tag verbringen, wobei alles eingeschlossen ist. Nat�rlich unter der Voraussetzung, da� man beim Pagakonsum und dergleichen nicht �bertreibt. In den meisten Herbergen sind Badem�dchen, Schwamm, �l und Schaber im Preis f�r das Bad enthalten. Die Preise auf dieser Liste erschienen weit �berh�ht, etwa um den Faktor f�nf und mehr. Das K. T. stand nat�rlich f�r Kupfertarsk.</p><p>Um die Sache zu verdeutlichen: In einer normalen Paga-Taverne bekommt man f�r einen einzigen Kupfertarsk Paga, Essen und ein M�dchen f�r den Alkoven, wenn man will. T�nzerinnen kosten nat�rlich manchmal zwei M�nzen. Ich wu�te nicht, was es hier mit der Rubrik andere Speisen auf sich hatte. Danach mu� man immer fragen. Das war der Jahreszeit unterworfen, kam auf die �rtlichen Lebensmittelh�ndler an und manchmal auch auf das Gl�ck der J�ger und Fischer. In den meisten Herbergen ist das Essen einfach und herzhaft. Stellt man besondere Anspr�che, bringt man sich seine Speisen mit und sagt dem Verwalter, wie sie zubereitet werden sollen. Reiche M�nner bringen manchmal sogar ihre eigenen K�che mit. Schlie�lich kann man sich nicht immer darauf verlassen, da� die Herbergsk�che wissen, wie man turianischen Vulo oder Parsit aus Kassau zubereitet. �Gr�nfutter� und �Fleisch� bezogen sich auf Zug-Tharlarion beziehungsweise Tarns; das gleiche galt f�r Stall und Stange.</p><p>Als ich vor einigen Jahren nach Gor kam, rissen die gez�hmten Tarns wie ihre wilden Artgenossen in freier Wildbahn das Futter noch selbst. Das k�nnten sie nat�rlich noch immer tun, aber mittlerweile hat man ihnen anerzogen, sich mit vorbereitetem, sogar haltbar gemachten Fleisch zufriedenzugeben. Im Idealfall fangt man unmittelbar nach dem Ausschl�pfen damit an, sie daran zu gew�hnen; man st��t ihnen das Fleisch in die Schn�bel, so wie es die Mutterv�gel in der Wildnis tun. Das erledigt man mit Zangen. Bei �lteren V�geln, gefangenen wilden Tarns, geht man gew�hnlich so vor, da� man frisch geschlachtetes Fleisch an lebende Tiere bindet und sp�ter, wenn sich der Tarn daran gew�hnt hat, beides zu fressen, allein zu dem Schlachtfleisch �bergeht. Ein jagender Tarn ist au�erordentlich gef�hrlich, wie man sicherlich nicht eigens zu erw�hnen braucht, und auch wenn seine bevorzugte Beute der Tabuk oder das wilde Tarsk ist, greifen sie durchaus auch Menschen an. Bemerkenswerter- und vielleicht auch vorhersehbarerweise lag dieser Neuerung in der Abrichtung weniger die Bestrebung zugrunde, die Sicherheit der Menschen zu erh�hen � vor allem der Bewohner l�ndlicher Gebiete �, sondern haupts�chlich der Versuch, milit�rische Vorgehensweisen zu verbessern, vor allem in der Logistik und im Nachschub der Tarnkavallerie. Es ist allein dieser Ma�nahme zu verdanken, da� das Vorhaben, gro�e, aus Hunderten von Tarnk�mpfern bestehende Luftkavallerieabteilungen aufzustellen, �berhaupt erst durchf�hrbar wurde.</p><p>�Tal�, sagte der grauhaarige Bursche, der m�de durch die T�r kam.</p><p>�Tal�, erwiderte ich.</p><p>�Es ist ruhiger drau�en.�</p><p>�Es regnet noch immer.�</p><p>�Zehn Tarsk die Nacht�, verk�ndete er. Das stimmte mit der Liste �berein.</p><p>�Das ist sehr teuer.�</p><p>�Stimmt�, sagte er. �Ich w�rde nicht so viel bezahlen.�</p><p>�Vielleicht sollte ich sofort wieder gehen.�</p><p>�Der Regen hat nachgelassen.�</p><p>�Kann man �ber diese Preise reden?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Der Verwalter ist ein resoluter und gieriger Kerl, das kannst du mir glauben. Ich wei� es.�</p><p>�Vielleicht ist er gar nicht so �bel, wie du glaubst.�</p><p>�Er ist es, vertrau mir.�</p><p>�Ich h�tte gern ein Bad mit Schwamm und allem, was dazugeh�rt, und ein Badem�dchen�, sagte ich.</p><p>�Dann kommen noch zwei M�nzen dazu.�</p><p>�M��ten das nicht vier sein?� fragte ich.</p><p>�Kein Badem�dchen�, erkl�rte er. �Wegen der �berbelegung und des Bedarfs m�ssen sie als Schankm�dchen arbeiten.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Du wirst dich selbst waschen, ein�len und schaben m�ssen.�</p><p>�Das ist irgendwie eine barbarische Vorstellung.� Au�erdem war es schwer, gewisse Stellen am R�cken zu erreichen.</p><p>�Die Zeiten sind schwer.�</p><p>�Wo ist euer Bad?�</p><p>�Dahinten�, sagte er und zeigte auf einen weiteren Durchgang.</p><p>�Ich m�chte sp�ter ein M�dchen aufs Zimmer geschickt bekommen�, sagte ich.</p><p>�Du bekommst kein Zimmer.�</p><p>�Wof�r bezahle ich dann zehn Tarsk?�</p><p>�F�r die �bernachtung.�</p><p>�Ihr habt keine Zimmer?�</p><p>�Keine Einzelzimmer f�r unsere G�ste. Wir haben Schlafs�le.�</p><p>�Aber dort stehen doch Betten?� vergewisserte ich mich besorgt.</p><p>�Betten?� Er runzelte die Stirn.</p><p>�Ja, Betten.�</p><p>�Nat�rlich nicht.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Du wei�t doch sicher, wo du hier bist�, sagte er.</p><p>�Auf der Vosk-Stra�e�, erwiderte ich vorsichtig.</p><p>�Und hundert Pasang vom Flu� entfernt. Keine Herberge in der Gegend hat Betten. Das m��test du wissen. Du scheinst nicht besonders gut im Bilde zu sein.�</p><p>�Das mag schon sein.�</p><p>�Vielleicht versuchst du es einmal in einer der Prachtherbergen zwischen Ar und Venna.�</p><p>�Das ist �ber zweitausend Pasang weit entfernt�, protestierte ich.</p><p>�Sicherlich wirst du mich daf�r doch nicht verantwortlich machen wollen.�</p><p>�Das k�me mir niemals in den Sinn.�</p><p>�Keine Sorge�, sagte er. �Selbst in diesen schweren Zeiten hat sich der Verwalter, der auch eine sympathische, edle Seite hat, nicht dazu durchringen k�nnen, die Platzlinien zu entfernen.�</p><p>�Das ist eine gute Nachricht�, sagte ich. �Und was sind Platzlinien?�</p><p>�Die meisten Herbergen weisen dir einfach einen gro�en Gemeinschaftssaal zu, den man sich mit anderen teilen mu�. Ziemlich primitiv. Hier im <emphasis>Zum Krummen Tarn</emphasis> vermieten wir Schlafpl�tze.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Die sind sogar deutlich markiert.�</p><p>�Das h�re ich gern.�</p><p>�Zwar kann man so weniger Leute aufnehmen�, erkl�rte er, �aber daf�r gibt es auch weniger Auseinandersetzungen. Freie Frauen ziehen es sowieso vor, einen Platz f�r sich zu haben. Au�erdem kann man f�r markierte Schlafpl�tze mehr verlangen.�</p><p>�Wenn ich es also richtig verstanden habe, ist diese Herberge f�r diese Gegend auf ihre Weise eine Prachtherberge.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Vielleicht kannst du das M�dchen f�r die Nacht dann zu meinem Schlafplatz schicken?� bat ich.</p><p>�Nicht f�r die Nacht, nein�, sagte er. �Aber f�r eine Viertel-Ahn.�</p><p>�Und was bitte steht auf der Preisliste?�</p><p>�Ich wei߫, sagte er. �Aber daf�r sind wir einfach zu �berf�llt. Andererseits w�rden wir dir f�r diese Zeit auch nur drei Kupfertarsk in Rechnung stellen.�</p><p>�F�r eine Viertel-Ahn?�</p><p>�Der Verwalter ist ein Schurke.�</p><p>�Ich denke, er hat aber auch eine sympathische, edle Seite.�</p><p>�Die h�lt er bedeckt�, sagte der Mann.</p><p>�Vielleicht ist er ja doch nicht der Schurke, f�r den du ihn h�ltst.�</p><p>�Doch, doch, er ist ein Schurke.�</p><p>�Drei Tarsk f�r eine Viertel-Ahn h�rt sich gerecht an�, sagte ich, wobei ich mich fragte, ob ich mehr Erfolg h�tte, wenn ich mit dem Verwalter selbst spr�che. Aber vermutlich war er zu dieser Stunde nicht mehr auf den Beinen.</p><p>�Im Pagaraum lassen wir eine Zechprellerin bedienen�, sagte er. �Die k�nntest du f�r eine Ahn haben, kostet ein Tarskst�ck.�</p><p>�Wei� sie, was zu ihren Pflichten geh�rt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich werde sie mir ansehen und dir sp�ter Bescheid geben.�</p><p>�Das w�ren dann vierzehn Kupfertarsk.� �Ich komme nur auf zw�lf�, sagte ich. �Zehn f�r die �bernachtung, zwei f�rs Bad.� �Ich bin davon ausgegangen, da� du Decken willst.� �Nat�rlich.�</p><p>�Also vierzehn.� Die Summe wurde auf eine Rechnung geschrieben. Aus einem Schrank an der Seite holte er die Badesachen und legte sie auf die Theke.</p><p>�Die Decken hole ich mir, wenn ich gegessen habe�, sagte ich.</p><p>�Ich werde dir zwei reservieren, zusammen mit deinem Ostrakon.�</p><p>�Ich h�tte gern einen Schlafplatz in der N�he der Wand, wenn m�glich in der Saalecke.�</p><p>�Das h�tte jeder gern�, sagte er. �Du hast Platz S-Drei-Siebenundneunzig. Das ist Nummer Siebenundneunzig, im S�dfl�gel, dritter Stock.�</p><p>�Gut.�</p><p>�Versuch, nicht �ber die Viehtreiber zu stolpern. Die k�nnen sehr h��lich werden, wenn man mitten in der Nacht auf sie tritt.�</p><p>�Ich werde mich bem�hen.�</p><p>�Wenn du schon auf sie treten mu�t, dann solltest du es so machen, da� sie zumindest eine Zeitlang nicht mehr aufstehen k�nnen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Darf ich deinen Namen erfahren?�</p><p>�Nein.�</p><p>Das schien ihn nicht zu �berraschen. Vermutlich zogen es viele Leute auf der Durchreise vor, sich nicht zu identifizieren oder einen falschen Namen anzugeben.</p><p>�Wir schreiben alles auf die Rechnung�, sagte er.</p><p>�Ausgezeichnet.�</p><p>�Die Rechnung mu� vor oder bei der Abreise bezahlt werden�, sagte er. �Sollte es einen Anla� zum Mi�trauen geben, behalten wir uns das Recht vor, auf der sofortigen Bezahlung zu bestehen.�</p><p>�Das ist vern�nftig.�</p><p>�Das finden wir auch.�</p><p>�Eure Preise sind, wie du ja selbst zugegeben oder zumindest angedeutet hast, ziemlich hoch�, sagte ich.</p><p>�Das sind sie�, best�tigte er. �Ich w�rde sie nicht bezahlen wollen.�</p><p>Ich sah ihn an.</p><p>�Man kann dar�ber verhandeln.�</p><p>�Bist du dir da wirklich sicher?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich kann nicht glauben, da� der Verwalter tats�chlich so stur ist, wie du ihn mir beschrieben hast.�</p><p>�Ich versichere dir, er ist es�, sagte der Bursche.</p><p>�Bestimmt ist er nicht der Schurke, als den du ihn darstellst.�</p><p>�Doch. Glaub mir, ich wei� es.�</p><p>�Ich sch�tze, da� er zu dieser Stunde nicht mehr auf den Beinen ist�, vermutete ich.</p><p>�Aber ja.�</p><p>�Glaubst du, ich k�nnte ihn sprechen?� �Das hast du doch die ganze Zeit getan�, sagte er �Ich bin der Verwalter.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>In einer der Zweiten Wannen, der Reinigungswanne, schlo� ich die Augen. Es gab f�nf Erste Wannen und f�nf Zweite Wannen. Bei allen handelte es sich um gro�e, niedrige, runde Badewannen aus Ton, die mit einem Porzellan�berzug versehen waren und auf offenen, etwa einen Meter hohen Ziegelsteinplattformen ruhten. In diesem Bad, das f�r die Gegend recht angemessen war, sch�rte, h�tete und s�uberte man die Feuer unter den Plattformen mit langstieligen Feuerrechen. Es war schon sp�t, und vermutlich hatte sich seit der achtzehnten Ahn keiner mehr um die Feuer gek�mmert. Aber das Wasser war noch immer angenehm warm. Neue Feuer w�rde man sicher erst zur f�nften Ahn entfachen. Die nasse Kleidung hatte ich hinter der Wanne auf ein Gestell geh�ngt, das vor der Plattform stand. Sie war sicher schon trocken. Jede Wanne war etwa zwei Meter breit und einen halben Meter tief. An einem Haken hinter mir, der f�r Handt�cher bestimmt war, hing das Schwert.</p><p>Wie die Geschichte uns lehrt, sind mehr als nur ein Mann und auch ein paar Ubar im Bad angegriffen worden. Nat�rlich war das Bad in der Herberge sehr einfach, fast schon primitiv. Zum Beispiel erhitzte man das Wasser im selben Raum und nicht etwa mittels im Keller befindlicher �fen, deren W�rme man durch Ventile und Rohre in die H�he leitete. Es gab hier auch keine Becken mit parf�miertem Wasser, keine Massager�ume, keine Dampfb�der. Ganz zu schweigen von Sportpl�tzen, auf denen man sich im Ringen messen oder eine Partie Fangen mit einem gro�en oder kleinen Ball spielen konnte. Es gab keine G�rten, die zum Spazierengehen einluden, keine Kunstgalerien, keine H�ndlerarkaden, keine �rzteh�fe, keine Lesezimmer und auch keine Musikzimmer.</p><p>In den meisten goreanischen St�dten und D�rfern dienen die Badeh�user als bequeme und beliebte Orte der Zusammenkunft. Man kann hier Nachrichten und den neuesten Klatsch erfahren. Viele dieser Etablissements sind gro�z�gig ausgestattet, sie sind ger�umig, manchmal sogar palastartig. Einige B�der erhalten stattliche Summen �ffentlicher Gelder, da sie Objekte des B�rgerstolzes darstellen. Selbst Arme k�nnen sich in ihnen wie die Reichen f�hlen, es kostet sie zumeist nur ein Tarskst�ck. Bewerber f�r �ffentliche �mter verteilen gelegentlich Ostraka an die Armen; diese Eintrittskarten erm�glichen dann den kostenlosen Besuch. In Turia oder Ar sind es Geb�ude von monumentaler Gr��e, die beinahe wie �berkuppelte, s�ulengeschm�ckte Stadien aussehen. Sie umfassen Dutzende von R�umen und Becken; man kann sich darin verlaufen.</p><p>In goreanischen B�dern herrscht fast immer Geschlechtertrennung, und wenn sie auch nur durch die Besuchszeiten geregelt ist. Das bedeutet nicht, da� keine Badem�dchen zur Verf�gung stehen, um die Bed�rfnisse eines richtigen Mannes zu erf�llen, oder da� ansehnliche Seidensklaven in den B�dern der freien Frauen gewisse W�nsche erf�llen. Eine Holzgitterwand trennte das Bad vom Vorraum. Die T�r stand offen. Ein paar Schritte entfernt von mir schlief ein Mann auf dem Boden. Insgesamt schliefen etwa sieben oder acht Burschen im Bad. Vermutlich zogen sie die W�rme hier den ungeheizten Schlafpl�tzen in den Etagen der Herberge vor. Es ist auf Gor nicht ungew�hnlich, da� die Leute bei kaltem Wetter in den B�dern �bernachten. Hier ist es meistens w�rmer als in ihren H�usern. Morgens gehen sie dann, und einige von ihnen begeben sich zu ihren G�nnern, in der Hoffnung auf ein Fr�hst�ck oder eine Einladung zum Mittagessen.</p><p>Ich �ffnete ein Auge. Die T�r zum Vorraum hatte sich ge�ffnet.</p><p>Es gibt viele Arten zu baden. Es kommt beispielsweise auf die Wassertemperatur der Wanne an sowie auf die Reihenfolge, wie man sie benutzt. Eine weitverbreitete Methode sieht vor, da� man in der Ersten Wanne eine Zeitlang einweicht und sich, wenn man will, mit dem Schwamm w�scht. Dann verl��t man die Wanne und benutzt das �l. Es wird in die Haut massiert und mit dem Schaber wieder entfernt. Es gibt viele Arten von Schabern. Einige sind reichverziert, sie werden in der Regel aus Metall gefertigt, in der Form eines Spachtels. Mit dem Schaber kratzt man das �briggebliebene �l von der Haut und mit ihm den Schmutz und den Schwei�, was die Poren s�ubert. Danach steigt man in die Zweite Wanne, in der sauberes Wasser wartet, w�scht mit dem Schwamm den restlichen Schmutz und die R�ckst�nde des �ls ab und entspannt sich.</p><p>Steht ein Badem�dchen zur Verf�gung, �bernimmt sie diese Arbeit. Die Dienste des Badem�dchens, zu denen auch eine Massage und Liebe geh�ren, ganz nach den W�nschen des Kunden, sind im Eintrittspreis eingeschlossen. Aber hier, im <emphasis>Krummen Tarn,</emphasis> waren sie auch in normalen Zeiten gesondert zu bezahlen. Badem�dchen sind nat�rlich immer Sklavinnen. In manchen St�dten werden freie Frauen, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben, zur Arbeit als Badem�dchen verurteilt. Nach einiger Zeit, wenn man der Meinung ist, da� sie ihre Lektionen gelernt haben, werden sie richtig versklavt und in die Ferne verkauft. Vermutlich ist das auch richtig so. Nach dieser Zeit sind sie ohnehin f�r die Freiheit verdorben.</p><p>�He!� rief ein Mann, auf den der Neuank�mmling getreten war.</p><p>Ein anderer stand in dem Zwielicht auf und wurde mit einem Tritt aus dem Weg bef�rdert.</p><p>Ich �ffnete das andere Auge, um die Lage einzusch�tzen.</p><p>Der Bursche schwankte leicht. Er war nackt, seine Kleidung hing zweifellos auf einem der Haken jenseits des Gitters, im Vorraum. Das ist das �bliche Verfahren, besonders wenn die Wannen alle besetzt sind und die Luft von Dampfschwaden durchzogen wird. Ich hatte meine Kleidung nur deshalb hinter der Ziegelplattform aufgeh�ngt, um sie zu trocknen. In der einen Hand hielt er einen Beutel, der vermutlich die Badeutensilien enthielt, in der anderen das an seinen Schn�ren baumelnde, in der Scheide steckende Schwert sowie eine rechteckige flache Tasche. Im allgemeinen gilt das Tragen von Waffen im Bad als unschicklich; in den gro�en �ffentlichen B�dern mu� man sie meistens beim Betreten abgeben. Andererseits konnte ich es ihm wirklich nicht ver�beln, eine Klinge mitzubringen, vor allem an einem Ort wie diesem. Ich hatte es auch getan. Ich wu�te es nicht genau, aber ich vermutete, da� drau�en auf dem Haken ein Helm hing. Ich hatte den Tarn im Tarnstall der Herberge nicht vergessen. Auch wenn er keine Insignien aufgewiesen hatte, war es eindeutig ein Kriegstarn gewesen. Da� der Mann neben dem Schwert die rechteckige Tasche mit ins Bad gebracht hatte, verriet mir, da� sie wichtig war, und zwar zu wichtig, um auf dem Schlafplatz oder an dem Haken zur�ckgelassen zu werden. Er h�ngte Schwert und Tasche an einen Wannenhaken.</p><p>�Was tust du da?� Der Mann, der die Frage stellte, war der einzige, der au�er mir eine Wanne in Beschlag genommen hatte. Da er nach mir eingetroffen war, weichte er seine Glieder noch immer in der Ersten Wanne ein; er hatte aus Bequemlichkeit diejenige ausgew�hlt, die der Trennwand am n�chsten stand. Ich hatte absichtlich die Wannen in der anderen Ecke genommen. So blieb mir eine gewisse Reaktionszeit zwischen dem Eintritt eines Neuank�mmlings und dem Augenblick, in dem er mich erreichte.</p><p>�Ich nehme die erste der Ersten Wannen�, sagte der Mann mit dem Schwert.</p><p>�Ich teile mein Badewasser nicht�, sagte der Bursche im Wasser ziemlich unfreundlich.</p><p>Daheim in ihren St�dten teilen die meisten Goreaner durchaus die Wanne mit anderen. Das ist einer der Gr�nde, warum die Badewannen so gro� sind. Sicher, f�r gew�hnlich tut man es nur mit Freunden oder Bekannten, aber wenn das Badehaus �berf�llt ist, ist es ein Gebot der H�flichkeit, auch einen unbekannten Mitb�rger hineinzulassen. Das gleiche gilt �brigens auch f�r Teiche, die auf Gor meistens in den B�dern zu finden sind.</p><p>�Ich auch nicht�, sagte der Schwerttr�ger und stieg auf die Plattform.</p><p>Der Mann in der Wanne schrie auf, als er gepackt und mit Schwung aus dem Wasser bef�rdert wurde und sich auf dem Holzboden wiederfand. Er k�mpfte sich auf die Beine und erstarrte; im Licht der einzigen Lampe und dem r�tlichen Schein der glimmenden Holzscheite funkelte das blankgezogene Schwert des Fremden.</p><p>�Sch�r das Feuer!�</p><p>Der so unsanft aus dem Wasser entfernte Mann beeilte sich, einen Feuerrechen zu schnappen und unter der Plattform herumzufuhrwerken.</p><p>�Hol Holz. Bring das Feuer zum Brennen. Du gehst nicht eher, bis alles zufriedenstellend ist.�</p><p>Der Mann begab sich zu einem der gro�en F�sser, die ein St�ck �ber dem Boden eine �ffnung aufwiesen, holte einen Eimer Holzsp�ne, die er unter die Ziegelsteinplattform warf. Er schob sie mit dem Rechen zurecht. Er brachte den Eimer zur�ck zu dem Fa�, trat zu der danebenstehenden Holztonne, besorgte sich Kiensp�ne und einen Armvoll schmale Holzscheite. Die Sp�ne brannten schnell. Er schob die Scheite nach. Dann sah er im Schein der flackernden Flammen fragend und �ngstlich zu dem Neuank�mmling hoch.</p><p>�Hinaus!�</p><p>Erleichtert eilte der Mann zum Durchgang, schnappte sich seine Kleidung und verlie� das Bad.</p><p>Der Neuank�mmling schob das Schwert zur�ck in die Scheide und stieg in die Wanne. Er lehnte sich zur�ck und st�hnte wohlig.</p><p>Ich fand nicht da� er sich anst�ndig verhalten hatte, andererseits ging es mich nichts an.</p><p>Einige der Burschen, die auf dem Boden gelegen hatten, r�ckten naher an die Plattform heran, als das Feuer richtig brannte. Allerdings achteten sie darauf, einen breiten Weg freizulassen, damit der Mann in der Wanne freie Bahn hatte, wenn er ausstieg.</p><p>Ich war hungrig und hatte mich lange genug in der Wanne entspannt, also stieg ich aus dem Wasser, zog mich an, suchte meine Habseligkeiten zusammen und verlie� das Bad, wobei ich drauf achtete, �ber niemanden zu stolpern.</p><p>Sobald ich mich auf der anderen Seite der Trennwand befand, nutzte ich die Gelegenheit, um im Licht der kleinen Lampe, die �ber dem Ausgang hing, einen Blick auf die Kleiderhaken zu werfen. Der Helm trug das Feldzeichen der Kompanie von Artemidorus aus Cos.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>�Komm her�, sagte ich. �Noch n�her.� Ich zeigte auf eine Stelle rechts von mir, neben dem niedrigen Pagatisch, hinter dem ich mit �bereinandergeschlagenen Beinen sa�.</p><p>Die Ketten klirrten leise, als sie gehorchte.</p><p>Ich sah mir die Fu�schellen genauer an. Sie hatten Schl�sser. Sie pa�ten wie f�r sie gemacht, lagen eng an ihren Kn�cheln an. Die L�nge der Kette, die sie verband, betrug etwa f�nfzig Zentimeter, was mehr als ausreichend war. Ich zog ihre Handgelenke nach unten. Die Handschellen sa�en fest, unverr�ckbar; es war unm�glich, aus ihnen zu entkommen. Die Kette dazwischen war drei�ig Zentimeter lang.</p><p>�Ist mein Herr mit der Fesselung zufrieden?� fragte sie.</p><p>Ich schwieg und lie� die Kette los, und sie richtete sich wieder auf.</p><p>�Ist der Herr fertig mit seiner Inspektion?� fragte sie scharf.</p><p>Bis auf die Ketten war sie nackt.</p><p>�Dreh dich langsam einmal um.�</p><p>�Ich bin eine freie Frau!� erwiderte sie w�tend.</p><p>�Mu� ich den Befehl wiederholen?�</p><p>Sie drehte langsam eine Pirouette.</p><p>�Was w�nscht der Herr?� fragte sie hochm�tig und mit einer Portion Unverfrorenheit, �Ich meine zu <emphasis>essen.�</emphasis></p><p>�Du bist unversch�mt. F�r eine freie Frau.�</p><p>�Niemand wird mich benutzen, denn ich bin frei�, sagte sie.</p><p>�Bedient hier noch eine andere freie Frau?�</p><p>�Nein.�</p><p>Sie mu�te die Frau sein, von der der Verwalter gesprochen hatte, die ein Tarskst�ck pro Ahn kosten sollte. Das war vermutlich etwas hochgegriffen, da sie immerhin eine freie Frau war. Obwohl freie Frauen technisch gesehen unbezahlbar sind, im Bett taugen sie nicht viel. Ihnen fehlt die Ausbildung, die jede Sklavin genie�t. Daf�r haben sie eine aufgebl�hte Vorstellung, was ihre Anziehungskraft betrifft, In solch schwierigen Zeiten war dieser l�cherliche Preis nat�rlich nicht verwunderlich.</p><p>�Also darfst du nicht ausgepeitscht werden, da du frei bist?� fragte ich.</p><p>Sie wurde leichenbla�.</p><p>Obwohl sie anscheinend nicht vollst�ndig �ber ihre Pflichten als Schankm�dchen aufgekl�rt worden war, hatte man sie zumindest dar�ber belehrt, da� sie trotz ihres Status wenn n�tig bestraft werden konnte.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich.</p><p>�Das geht dich nichts an!� fauchte sie.</p><p>�Bist du schon einmal ausgepeitscht worden?�</p><p>�Ich bin Temione, eine Lady aus Telnus�, sagte sie. �Nein, man hat mich noch nie ausgepeitscht�, f�gte sie dann hinzu.</p><p>Telnus ist eine bedeutende Hafenstadt auf der Insel Cos. Zugleich ist es die Hauptstadt des Insel-Ubarates.</p><p>�Was tust du hier?�</p><p>Sie antwortete nicht.</p><p>�Zweifellos bist du den Cosianern gefolgt, weil du Beute gerochen hast, weil der m�gliche Gewinn verlockend war, wo M�nner beladen mit den Sch�tzen Ar-Stations nach S�den unterwegs sind, M�nner, die anf�llig f�r deine angebliche Notlage sind. Vielleicht hast du sogar gehofft, dir einen reich gewordenen Offizier oder gar einen H�ndler zu schnappen.�</p><p>Temione starrte mich w�tend an.</p><p>�Du wolltest dazu deine Sch�nheit einsetzen.�</p><p>Mit einer w�tenden Kopfbewegung warf sie das Haar �ber die Schultern.</p><p>�Haben dich meine Worte in Wut gebracht?�</p><p>�Willst du bestellen?�</p><p>�Welche Farbe hat dein Haar?� fragte ich. �Es ist schwer zu sehen in diesem Licht.�</p><p>�Kastanienbraun.�</p><p>�Ein nat�rliches Kastanienbraun?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Diese Farbe, vor allem, wenn sie nat�rlich ist, bringt auf Sklavenm�rkten einen hohen Preis.�</p><p>�Ich bin frei.�</p><p>�Da drau�en sind noch mehr von deiner Sorte, denen �hnliche Gedanken im Kopf herumspuken. Sie knien nun im Hof, angekettet. Kennst du sie?�</p><p>Sie wandte w�tend den Kopf ab.</p><p>�Lady Temione�, sagte ich, �man hat dir eine Frage gestellt!�</p><p>�Sie sind zu f�nft�, sagte sie. �Rimice, Klio und Liomache aus Cos, Elene aus Tyros und Amina aus Venna.�</p><p>�Wie, glaubst du, sieht ihr Schicksal aus?�</p><p>�Zweifellos wird man sie ausl�sen und freilassen�, sagte Temione. �Wir sind alle freie Frauen. M�nner werden uns retten, eine ganz bestimmte Sorte von M�nnern. Diejenigen, die es nicht ertragen k�nnen, eine Tr�ne im Auge einer Frau zu sehen. F�r solche M�nner ist es undenkbar, da� wir die Folgen unserer Taten ertragen m��ten.�</p><p>�H�ltst du mich f�r solch einen Mann?�</p><p>�Nein�, sagte Temione. �Sonst h�tte ich dich gebeten, mich auszul�sen.�</p><p>�Die M�nner, von denen du da gesprochen hast, die so f�rsorglich, so verst�ndnisvoll sind, die es so eilig haben, dir zu Hilfe zu kommen, die verzweifelt bem�ht sind, dir zu helfen und dich zu erfreuen � bringen die tief in deinem Inneren eine Saite zum Klingen?�</p><p>�Ich bin eine freie Frau�, erwiderte sie. �Wir stehen �ber solchen Dingen.�</p><p>�Aber du mu�t das Eisen f�rchten.�</p><p>�Das wird niemals geschehen.�</p><p>�Aber du mu�t es bef�rchten.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Die Dinge s�hen dann ganz anders aus.�</p><p>�Ja. Dann w�re alles anders.�</p><p>Das entsprach der Wahrheit. Die Sklavin hat einen ganz anderen Status als die freie Frau. Es ist der Unterschied zwischen einer Person und einem Besitztum. Derselbe Mann, der absurde Bem�hungen unternimmt, um einer freien Frau zu gefallen und sich ihretwegen sogar zum Narren macht, w�rde, sollte dieselbe Frau versklavt worden sein, ohne Z�gern seine W�nsche mit der Peitsche deutlich machen.</p><p>�Wann sind deine betr�gerischen Schwestern und du gefangengenommen worden?� fragte ich.</p><p>�Heute morgen sollten wir die Rechnung bezahlen�, sagte sie. �Als unsere Ausfl�chte die Diener nicht umstimmte, legte man jeder von uns Schlingen um den Hals und f�hrte uns in Gewand und Schleier vor den Tisch des Verwalters. Wir gaben ihm das wenige Geld, das wir hatten, aber es reichte nicht aus. Den Rest des Morgens verbrachten wir in einem K�fig auf R�dern, wo wir auf harten B�nken sitzen mu�ten, w�hrend uns M�nner anstarrten. Keiner wollte uns ausl�sen. Mittags, die zehnte Ahn hatte gerade geschlagen, wurde der K�fig zur�ck in seinen Schuppen gerollt. Dann f�hrte man uns nacheinander aus dem Wagen, und wir wurden unter den Blicken der drau�en wartenden M�nner von zwei kr�ftigen freien Frauen ausgezogen und durchsucht. Als sie fertig waren, durften wir nicht zur�ck, sondern mu�ten uns ein St�ck abseits mit dem Gesicht zur Wand stellen. So verhinderte man auf einfache Weise, da� diejenigen, die bereits durchsucht worden waren, von den anderen etwas zugesteckt bekamen. Unsere Kleider wurden sorgf�ltig durchsucht, unsere K�rper ebenfalls. Das brachte ihnen noch ein paar zus�tzliche M�nzen ein. Die Frauen waren gr�ndlich, das kann ich dir versichern. Zweifellos erledigten sie dies nicht zum erstenmal.</p><p>Als man uns in den Wagen zur�ckbrachte, waren wir ohne Geld und nackt. Wir hatten nur noch uns selbst. Der Wagen wurde dann zur�ck zum Tisch des Verwalters gerollt. Wie du dir sicher vorstellen kannst, wurden die Zudringlichkeiten der anderen G�ste jetzt noch schlimmer. Man sah uns an, als w�ren wir Sklavinnen! Nach der f�nfzehnten Ahn holte man uns aus dem K�fig, und wir mu�ten uns links neben dem Tisch hinknien. Man fesselte unsere Beine. Mit nur einem Seil. So da� wir mit wenig Aufwand aneinandergefesselt waren.�</p><p>�Eure H�nde hat man nat�rlich freigelassen�, fuhr ich fort. �Damit ihr sie mitleiderregend anderen G�sten entgegenstrecken konntet.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte sie w�tend.</p><p>�Erz�hl weiter.�</p><p>�Gegen die siebzehnte Ahn wurde der Verwalter unseres Flehens und den Protesten wohl m�de. Au�erdem schien er nicht besonders erfreut �ber Frauen zu sein, die versucht hatten, in seiner Herberge die Zeche zu prellen.�</p><p>�Das ist wohl verst�ndlich.�</p><p>�Nein�, rief Temione, �wir sind keine Sklavinnen! Wir sind freie Frauen! Wir k�nnen alles tun, was wir wollen!�</p><p>�Ach, so ist das.�</p><p>�Der Verwalter ist kein Ehrenmann!�</p><p>�Das glaube ich gern.�</p><p>�Es stimmt�, entgegnete sie scharf. �Sieh mich an, ich stehe hier nackt und angekettet.�</p><p>�Ich habe dich angesehen�, versicherte ich ihr.</p><p>Sie ri� w�tend an den Ketten.</p><p/><p>�Aber allem Anschein nach hat er euch Gelegenheit gegeben, hier euer betr�gerisches Handwerk auszu�ben�, sagte ich. �Euer Hauptproblem scheint doch darin zu bestehen, da� ihr einfach keinen Erfolg hattet.�</p><p>�Vielleicht ist das so�, sagte sie m�rrisch.</p><p>So wie ich den Verwalter kennengelernt hatte, war ihm nichts wichtiger, als die offenstehenden Betr�ge einzukassieren, und wenn eben nicht auf die eine, dann auf die andere Weise.</p><p>�Fahr fort�, bat ich sie.</p><p>�Da gibt es nicht mehr viel zu erz�hlen�, sagte sie zornig. �Zur siebzehnten Ahn war er unserer Anwesenheit wohl �berdr�ssig, und er lie� uns aus der N�he seines Tisches entfernen. F�nf von uns wurden nach drau�en gebracht, und deinem Bericht entnehme ich, da� man sie auf dem Hof ankettete. Mich hat man in den Pagaraum gebracht, damit ich an den Tischen bediene.�</p><p>�Warum hat man dich nicht nach drau�en gebracht?�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �M�nner sind lustbesessene Tiere�, sagte sie dann. �Zweifellos bin ich hier, weil ich die Sch�nste bin.�</p><p>�Aber das stimmt nicht�, sagte ich.</p><p>Temione warf mir einen w�tenden Blick zu.</p><p>�Lady Amina und das vierte M�dchen am Ring waren beide sch�ner als du.�</p><p>�Wer war die vierte? War sie zierlich und dunkelhaarig?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das ist Rimice�, sagte sie. �Sie ist eine zierliche, kurvenreiche Schlampe.�</p><p>Ich erinnerte mich an das M�dchen. Sie hatte wundersch�ne H�ften gehabt, wie geschaffen f�r die Liebe.</p><p>�Ich bin h�bscher als sie�, sagte Temione.</p><p>�F�r eine freie Frau scheinst du sehr eitel zu sein.�</p><p>�Das stimmt nicht�, erwiderte sie. �Ich k�mmere mich nicht um solche Dinge.�</p><p>�Sicher, die Frauen dort drau�en sind nicht so sch�n, wie sie sein k�nnten. Das gilt auch f�r Lady Amina und Lady Rimice. Sie sind zu steif, zu angespannt, zu gehemmt, um wirklich sch�n zu sein.�</p><p>�Siehst du!� sagte Temione triumphierend.</p><p>�Aber du schl�gst sie um L�ngen�, sagte ich.</p><p>�Sleen!�</p><p>�Es ist eine reizvolle �berlegung, was f�r eine Frau aus dir werden k�nnte, wenn du zu einer Sch�nheit w�rdest.�</p><p>�Sleen! Sleen!�</p><p>�Welchen Eindruck machte der Verwalter, als er den Befehl gab, dich in Ketten zu legen und im Pagaraum arbeiten zu lassen?� wollte ich wissen.</p><p>�Es belustigte ihn�, sagte sie erbost.</p><p>�Vermutlich hast du ihm widersprochen�, dachte ich laut nach, �obwohl du nichts anderes als eine Zechprellerin bist.�</p><p>�Das ist mein Recht�, erwiderte sie. �Ich bin eine freie Frau!�</p><p>�Du hast gewagt, gegen deine Behandlung zu protestieren?�</p><p>�Nat�rlich!� rief Temione. �Wie kann es angehen, da� man mich, eine freie Frau, auszieht, einer Leibesvisitation unterzieht und dann in einen K�fig sperrt?�</p><p>�Hast du Forderungen gestellt, ihn bedroht oder ihn beleidigt?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Ich kann verstehen, warum er es lustig fand, dich als Bedienung arbeiten zu lassen.�</p><p>�Schon m�glich.�</p><p>�Wieviel schuldest du ihm?�</p><p>�Einen Silbertarsk, f�nf�, sagte sie.</p><p>�Das k�nnte ein weiterer Grund sein�, sagte ich. �Es ist weit mehr, als die anderen Frauen ihm schulden.� Immerhin handelte es sich um einen Silbertarsk und f�nf Kupfertarsk.</p><p/><p>�Vielleicht wollte er mich auch nur an einem Ort haben, wo er oder seine M�nner mich im Auge behalten k�nnen�, sagte Temione nachdenklich.</p><p>Glaubte sie wirklich, die M�nner der Herberge k�nnten ihre Flucht bef�rchten � �ber die Palisade, nackt und in Ketten?</p><p>�Wer wei�, m�glicherweise glauben sie auch, da� deine � entschuldige den Ausdruck � Zurschaustellung deine Aussichten erh�ht, freigekauft zu werden.�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Das ist auch m�glich.�</p><p>Am Morgen w�rden die M�dchen auf dem Hof vermutlich gr��ere Aussichten haben. Dann w�rden sie garantiert einen mitleiderregenden Eindruck machen. Dennoch konnte ich mir nicht vorstellen, da� Lady Temione oder eine der anderen Frauen es tats�chlich schaffte, jemanden zu finden, der ihre Schulden bezahlte.</p><p>�M�chtest du nun endlich bestellen, Herr?� fragte sie gereizt.</p><p>Ich betrachtete sie. Ja, sagte ich mir, das war vermutlich der wahre Grund, warum sie im Pagaraum arbeitete, nicht aus Zufall oder aus Gl�ck oder weil sie mehr als die anderen schuldete, sondern weil der Verwalter sie nicht mochte. Auf gewisse Weise stellte es eine Bestrafung dar. Au�erdem hatte er zweifellos daf�r gesorgt, da� sie ausf�hrlich �ber ihren Status aufgekl�rt wurde.</p><p>�Ich warte, <emphasis>Herr!�</emphasis></p><p>�H�ltst du dich f�r begehrenswert?� fragte ich.</p><p>Temione warf den Kopf hochm�tig in den Nacken. �Du hast vorhin von Sch�nheit gesprochen und dich abwertend �ber meine vermeintliche Absicht ge�u�ert, damit etwas zu erreichen. Also sieh her.�</p><p>�Das war nicht meine Frage.�</p><p>�Ja, ich halte mich f�r begehrenswert.� Sie sah mich w�tend an. �Du nicht?�</p><p>�Die richtige Ern�hrung in Verbindung mit K�rperert�chtigung, durchgef�hrt unter den richtigen disziplinierenden Bedingungen, w�rde ein Wunder an dir bewirken.�</p><p>�M�chtest du nun endlich bestellen?�</p><p>�Hast du schon andere M�nner bedient?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und du bist nicht diszipliniert worden?�</p><p>�Nein. Ich bin eine freie Frau.� Der Zorn in ihrem Blick schien noch leidenschaftlicher zu werden. �Willst du jetzt bestellen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und?�</p><p>�Knie nieder�, sagte ich.</p><p>�Was?�</p><p>�Du sollst niederknien. Das ist mein erster Wunsch.�</p><p>Sie starrte mich nur an.</p><p>�Wei�t du nicht, wie ein Pagam�dchen zu bedienen hat?�</p><p>�Ich bin eine freie Frau!�</p><p>�Soll ich dich schicken, mir eine Sklavenpeitsche zu holen?�</p><p>Temione erbebte und kniete nieder. Aber schon einen Augenblick sp�ter hatte sie sich wieder gefangen und starrte mich aufs�ssig an.</p><p>�Du darfst die Knie zusammen lassen�, sagte ich. �Schlie�lich bis du ja eine freie Frau.�</p><p>W�tend schlo� sie die Schenkel. �Ich hasse dich!�</p><p>�Du darfst jetzt den Kopf senken, wie es sich geh�rt.�</p><p>�Niemals!�</p><p>�Sofort!�</p><p>Vor Wut zitternd senkte sie den Kopf. �Das habe ich noch nie zuvor getan�, sagte sie und hob den Kopf wieder.</p><p>�Und jetzt das Gesicht auf den Boden, zwischen die H�nde.�</p><p>Sie gehorchte, dann erhob sie sich und hockte sich auf die Fersen.</p><p>�Was hast du anzubieten?� fragte ich.</p><p>�Paga und Brot kosten zwei Tarsk�, leierte sie herunter. �Andere Speisen kosten zwischen drei und f�nf Tarsk.�</p><p>�Ist der Paga verd�nnt?�</p><p>�Eins zu f�nf.�</p><p>Das war in einer Herberge nicht ungew�hnlich. Auf einen Teil Paga kamen f�nf Teile Wasser. In einer Paga-Taverne w�rde man ihn weniger oder gar nicht strecken. Der Wein, der auf Gor in den eigenen vier W�nden zum Essen getrunken wird, wird grunds�tzlich verd�nnt; man vermischt ihn in einer tiefen Schale mit Wasser. Bei einem Fest oder einem zwanglosen Beisammensein unter Freunden bestimmt der Gastgeber oder ein vorher bestimmter Festmeister die Menge des beigemischten Wassers. Unverd�nnter Wein wird zumeist bei der Festen der jungen M�nner ausgeschenkt, bei denen T�nzerinnen und Fl�tensklavinnen zugegen sind. Als Erkl�rung mu� ich hinzuf�gen, da� goreanische Weine sehr stark sind, manchmal haben sie einen Alkoholgehalt von vierzig bis f�nfzig Prozent.</p><p>�Wieviel Brot?�</p><p>�Zwei von vier.� Das war ein halber Laib. Goreanisches Brot wird immer in flacher, runder Form gebacken und der Laib dann in vier oder acht Teile geschnitten.</p><p>�Was gibt es sonst noch?�</p><p>�Es ist sp�t�, sagte sie. �Nur noch Haferbrei ist �brig.�</p><p>�Ich nehme nicht an, da� man Brot und Paga dazu bekommt, wenn man den Haferbrei bestellt.�</p><p>�Nein.�</p><p>Ich hatte nat�rlich nicht damit gerechnet, besonders nicht nach meiner Unterhaltung mit dem Verwalter. Gut, er war zwar ziemlich habgierig, aber bestimmt kein schlechter Kerl. Zum Beispiel hatte er daf�r gesorgt, da� Lady Temione nackt an den Tischen bediente.</p><p>�Brot, Paga, Haferbrei�, bestellte ich.</p><p>�Gut.�</p><p>�Gut � was?� fragte ich.</p><p>�Gut, Herr!�</p><p>�Verbeuge dich anst�ndig, bevor du gehst.�</p><p>Sie legte w�tend die Handfl�chen auf den Boden und senkte den Kopf. Ich scheuchte sie mit einer Handbewegung auf, damit sie zur K�che eilen konnte.</p><p>�Lady Temione!� rief ich ihr hinterher.</p><p>Sie blieb stehen.</p><p>�Wenn du dich auf die Zehen stellst und kleine Schritte machst, kommst du schneller voran.�</p><p>Sie stie� einen Wutschrei aus, stolperte und fiel. Sie stand wieder auf, eilte auf die K�chent�r zu und verschwand dahinter. Ich sah zu, wie sie hinter dem M�dchen hin- und herschwang, bis sie wieder bewegungslos an ihren Scharnieren hing. Solche Schwingt�ren sind in Herbergen und Tavernen weit verbreitet, denn sie k�nnen leicht von jemandem aufgesto�en werden, der die H�nde voll hat. Noch �fter findet man auf Gor allerdings Perlenvorh�nge, die in Tavernen und �hnlichen Geb�uden R�ume voneinander trennen. Lady Temione brauchte, wie ich bemerkt hatte, Disziplin. Und je fr�her sie sie sp�rte, desto besser w�re es f�r sie.</p><p>Es dauerte nicht lange, und sie trat mit einem Tablett durch die T�r. Sie kniete neben dem Tisch nieder, stellte das Tablett auf dem Boden ab, verneigte sich, ohne daran erinnert werden zu m�ssen, und stellte dann unterw�rfig das Tablett auf den Tisch. Sie r�umte den Paga in seinem kleinen <emphasis>Kantharos</emphasis> und das Brot auf seinem Schneidebrett ab. Die Sch�ssel mit dem Haferbrei bildete den Abschlu�. Ein L�ffel steckte darin. Temione nahm das Tablett, stellte es wieder auf den Boden, verneigte sich und blieb knien.</p><p>Ich trank einen Schluck Paga, tunkte ein St�ck Brot in den Wein und a� es. Dann machte ich mich �ber den Haferbrei her.</p><p/><p>W�hrend ich in aller Ruhe a�, dachte ich �ber meine Pl�ne nach. Wie sollte ich mich Ar-Station n�hern und Aemilianus, dem Stadtkommandanten, die Botschaft Gnieus Lelius� zukommen lassen? Falls ich den Anschein erweckte, aus Ar zu kommen, w�rde ich bei den Cosianern unerw�nschte Aufmerksamkeit erregen. Gab ich mich als Cosianer aus, h�tte ich betr�chtliche Schwierigkeiten, mich den Verteidigern von Ar-Station zu n�hern. Doch ich mu�te bald etwas unternehmen. Die Belagerung von Ar-Station n�herte sich einem kritischen Punkt.</p><p>Pl�tzlich wurde die T�r des Pagaraumes aufgesto�en, und der ungest�me, b�rtige Krieger aus dem Bad trat ein. Er trug tats�chlich die Uniform der Truppe des Artemidorus aus Cos. Sein Schwert ragte �ber der linken Schulter auf. So wird es immer von goreanischen Kriegern getragen, sofern sie sich nicht auf dem Marsch befinden oder auf einem Tarn reiten. Bei dieser Tragweise kann man das Schwert ziehen und mit derselben Bewegung Scheide mitsamt Schn�ren von sich werfen. Er hatte den Helm aufgesetzt und trug die geheimnisvolle Tasche, die schon zuvor im Bad meine Aufmerksamkeit erregt hatte.</p><p>Ich mied seinen Blick, da ich einen Zusammensto� und die sich daraus ergebenden Folgen vermeiden wollte. Falls n�tig w�rde ich es schaffen, mich von ihm dem�tigen zu lassen, denn ich wollte meinen Auftrag auf keinen Fall gef�hrden. Doch ich bin nicht immer so beherrscht, wie ich sein sollte, und falls er mich bedrohte oder herausforderte, k�nnte ich m�glicherweise die Selbstbeherrschung oder Verstellung verlieren, die n�tig waren, um mich herumschubsen zu lassen. Ich bin gelegentlich ein gro�er Hitzkopf, der zu schnell und un�berlegt auf eine Beleidigung oder Kr�nkung reagiert, gleichg�ltig, ob sie nur eingebildet oder wirklich ist. Das ist zweifellos einer meiner vielen Fehler. Vielleicht sollte ich mehr wie Dietrich von Tarnburg sein, der sich nie etwas anmerken lie�, um dann sp�ter, wenn es f�r ihn von Vorteil war und in seine Pl�ne pa�te, mit t�dlicher Schnelligkeit zuzuschlagen.</p><p>Ich bem�hte mich, dem Blick des Mannes auszuweichen, und konzentrierte mich auf meinen Paga. Er grunzte ver�chtlich. Ich fragte mich, ob er bemerkte, da� sich meine Hand fester um den Griff des <emphasis>Kantharos</emphasis> schlo�. Es war besser, wenn ich das unter Kontrolle bekam. Ich an seiner Stelle h�tte es bestimmt an der Bewegung der Oberarmmuskeln bemerkt. Er blieb ein paar Schritte entfernt stehen. Ich fing an, mich beleidigt zu f�hlen. Hitze stieg in mir auf. Ich nahm mich zusammen. Genau das h�tte Dietrich von Tarnburg auch getan. Ich sah nicht auf. Krieger sind darauf trainiert, den Blick in die Ferne zu richten. Kam er mir zu nahe, unterschritt er einen bestimmten Abstand, konnte ich ihm den Paga in die Augen sch�tten, den Tisch in die H�he stemmen und ihm ein Tischbein in den Unterleib sto�en. Im n�chsten Augenblick konnte ich ihm dann den Fu� an die Kehle setzen oder ihm das Schwert in den K�rper treiben. Manche Meister in der Kunst des Kampfes empfehlen auch, den <emphasis>Kantharos</emphasis> im Gesicht des Gegners zu zerbrechen, mit dem Becherrand auf den Nasenr�cken zu zielen. Mit einem metallenen Becher ist das nat�rlich noch viel gef�hrlicher. Viele Zivilisten fragen sich immer, warum Krieger, die in �ffentlich zug�nglichen H�usern essen, stets darauf bestehen, da� ihnen der Paga in einem metallenen Becher serviert wird. Sie betrachten das als Schrulligkeit. Ich h�rte, wie er noch einmal ver�chtlich grunzte, dann ging er weiter, zu einem anderen Tisch. Er war noch immer am Leben. Ich fragte mich, was sich wohl in der Kuriertasche befand, denn darum handelte es sich.</p><p>Ich trank noch einen Schluck Paga.</p><p>Der Krieger w�hlte einen der gr��eren Tische. Der Pagaraum war nicht gerade �berf�llt. Zu dieser Stunde waren er und ich die einzigen Besucher. Ich hatte einen kleinen Tisch in der N�he der Wand genommen. Seine Gr��e verhinderte, da� sich Fremde dazusetzten. Sein Standort war ebenfalls kein Zufall. Hier hatte man den ganzen Raum im Blick, einschlie�lich des Eingangs; au�erdem hatte er die Wand im R�cken.</p><p>Er trommelte mit solcher Kraft auf den Tisch, da� er ein St�ck in die H�he sprang. �Bedienung!� br�llte er. �Bedienung!�</p><p>Die K�chent�r schwang auf, und Lady Temione trat ein. Sie war wirklich h�bsch anzusehen in ihren Ketten. Sie eilte auf den neuen Gast zu.</p><p>Einen Augenblick lang hatte es den Anschein, als wolle sie seine Bestellung aus Trotz stehend entgegennehmen, aber dann warf sie mir einen Blick zu, ging auf die Knie und verneigte sich, eine gehorsame Bedienung, die auf die W�nsche des Gastes wartete.</p><p>Ich trank noch einen Schluck. Sie w�rde nat�rlich noch einmal an meinen Tisch kommen m�ssen, um die Rechnung zu bringen.</p><p>Der Krieger sah sie in dem D�mmerlicht aus zusammengekniffenen Augen an. Sie zuckte vor dem Blick zur�ck. Er erhob sich, kam an ihre Seite und ging neben ihr in die Hocke. Er ber�hrte ihren Hals. Dann drehte er sie einmal herum und sah sich ihre Oberschenkel an. Schlie�lich packte er sie an den Oberarmen und zerrte sie in die H�he.</p><p>�Wo ist dein Kragen?� wollte er wissen. �Wo ist dein Brandzeichen?�</p><p>�Ich bin frei!� schluchzte sie.</p><p>W�tend sch�ttelte er sie wie eine Puppe. Ihr Kopf flog hin und her. Einen Augenblick lang hatte ich Angst, ihr Genick k�nne brechen.</p><p>�Wo ist dein Kragen? Wo ist dein Brandzeichen?� br�llte er.</p><p>�Ich bin frei�, schluchzte sie. �Frei!�</p><p>�Bringt mir eine Frau�, br�llte er in Richtung K�che, w�hrend er sie noch immer festhielt. �Bringt mir eine richtige Frau!�</p><p>�Was ist denn los?� Ein Bursche steckte den Kopf durch die K�chent�r, vermutlich der Nachtkoch.</p><p>�Wo ist der Verwalter?� rief der Krieger.</p><p>�Er hat sich zur�ckgezogen.�</p><p>�Wie kannst du es wagen, so eine an meinen Tisch zu schicken?� br�llte der Krieger. �Schickt mir eine richtige Frau, eine, die weiblich ist!� Er stie� Lady Temione von sich. Sie schlug hart auf dem Boden auf und blieb vor Angst erstarrt dort liegen.</p><p>�Sofort, Herr!� rief der Koch. �Einen Augenblick!� Er wandte sich Lady Temione zu. �Schnell, in die K�che. Nein, steh nicht auf! Krieche!� Er verschwand hinter der T�r. Temione kam auf allen vieren an meinem Tisch vorbei.</p><p>�Die Rechnung�, befahl ich.</p><p>Sie nickte und eilte schluchzend in Richtung K�che weiter. Sie hatte sie noch nicht erreicht, als ein anderes M�dchen in den Raum eilte, das nur ein durchsichtiges Seidentuch um den geschmeidigen K�rper gewunden hatte. Mit welcher Anmut sie sich bewegte! Um ihren Hals lag ein enger Kragen. Sie eilte zu dem Krieger und warf sich auf die Knie, und er schien sofort bes�nftigt.</p><p>Lady Temione brachte die Rechnung. Sie bestand aus zwei mit Scharnieren versehenen Holztafeln, von denen eine mit einer Wachsschicht �berzogen war. Man benutzt sie f�r Notizen, zum Zusammenz�hlen, f�r Schulaufgaben und dergleichen mehr. Die Wachsschicht wird mit einem Griffel beschrieben. Die kleineren Ausgaben lassen sich aufschlagen wie B�cher. Temione legte sie auf dem Tisch ab und kniete gehorsam nieder.</p><p>Ich warf einen Blick zum Nachbartisch. Der Krieger hatte die Sklavin gepackt und sie b�uchlings auf den Tisch geworfen. Es schien ihr zu gefallen.</p><p>�Widerw�rtig�, sagte Lady Temione.</p><p>Ich schwieg. Sie w�rde es auch noch lernen. Ich erhob mich und nahm die Tafel. In das Wachs war der Betrag von f�nf Kupfertarsk eingekratzt. Wenn ich ihn zu der bis jetzt aufgelaufenen Rechnung dazuz�hlte, schuldete ich der Herberge bis jetzt neunzehn Kupfertarsk.</p><p>Ich verlie� den Pagaraum. Der Krieger beachtete mich nicht; er war mit der Sklavin besch�ftigt.</p><p>Der Verwalter war nicht mehr an seinem Tisch; seine Stelle hatte ein Angestellter �bernommen. Er nahm die Tafel und notierte die Summe auf meiner Rechnung. Er behielt sie. Man w�rde die Wachsschicht gl�tten und sie bis zum n�chsten Gebrauch in der K�che an ihrem Band aufh�ngen. Ich nahm die beiden Decken und mein Ostrakon in Empfang, auf dem die Nummer des Schlafplatzes stand. Das Geld f�r die Decken hatte ich zuvor aufschreiben lassen. Bevor ich ging, lie� ich von dem Angestellten noch ein Tarskst�ck auf die Rechnung setzen.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Auf der dritten Etage im s�dlichen Geb�ude gab es einhundert Schlafpl�tze, allerdings trug keiner davon die Nummer einhundert. Der hundertste Platz befand sich ganz vorn am Eingang, in der linken Ecke, und trug die Zahl Null. Im Licht der wenigen Tharlarion�l-Lampen konnte man undeutlich gro�e Zahlen ausmachen, die auf der linken und der hinteren Wand aufgemalt waren. Vom Eingang aus gesehen waren die Reihen von Null bis Neun durchnumeriert; die Reihen, die sich an der R�ckwand entlangzogen, waren auf die gleiche Weise gekennzeichnet. Die Schnittstelle zweier Nummern zeigte dem Gast, wo sich sein Schlafplatz befand. Vom in der linken Ecke befand sich also der Platz �Null�, ganz hinten rechts Platz �Neunundneunzig�. Da in der goreanischen Schrift die erste Zeile von links nach rechts f�hrt, mu�te man folgerichtigerweise von den Zahlen auf der linken Wand ausgehen. Ein Beispiel: Die Schnittstelle der waagerechten Reihe sieben und der senkrechten Reihe drei ergab Platz dreiundsiebzig und nicht etwa siebenunddrei�ig. Der Platz in der hinteren linken Ecke war Platz neunzig; hier trafen sich die Reihen neun und null. Der vorderste Platz in der rechten Ecke trug die Zahl neun; hier stie�en die Reihen null und neun zusammen. Diese Anordnung erm�glichte es einem, auf einen Blick zu sehen, welcher Schlafplatz einem zugeteilt worden war. Zu meiner �berraschung war mein Platz gar nicht so schlecht, wie der Verwalter gesagt hatte. Er befand sich zwar nicht in einer Ecke, lag aber zumindest an einer Wand. H�tte ein erh�hter Plankengang die Schlafpl�tze voneinander abgegrenzt, w�re alles kein Problem gewesen. Ungl�cklicherweise war dies nicht der Fall.</p><p>Pl�tzlich schrie jemand auf. �Es tut mir leid, Freund�, sagte ich. Ich hatte unweigerlich jemanden mit meinem B�ndel getroffen. Das Licht war schlecht.</p><p>Ich beschlo�, einen Augenblick lang dort stehenzubleiben, damit sich meine Augen besser an das Zwielicht gew�hnten. Jedoch begab ich mich vorsichtshalber au�erhalb der Reichweite des Mannes, den ich gest�rt hatte. So konnte er mich nicht mehr erreichen, ohne das Risiko einzugehen, �ber ein paar andere Schlafende zu stolpern. Plankeng�nge w�ren wirklich keine schlechte L�sung gewesen. Sicher, man h�tte aus einem Raum dieser Gr��e auch weniger Schlafpl�tze machen k�nnen. Der Verwalter hatte vermutlich die Vorz�ge von guten Schlafpl�tzen, die eine einigerma�en vern�nftige Breite von beispielsweise einem Meter aufwiesen und seiner Vorstellung von einer erstklassigen Herberge entsprachen, gegen die gr��te Anzahl von Schl�fern abgewogen, die er in einen Raum packen konnte. Verwalter und Kaufleute sehen sich solch schwierigen Fragen gegen�ber. �brigens waren die zweite und dritte Etage durch schmale Treppen statt durch Leitern erreichbar, wie es in einigen Herbergen �blich ist. Zweifellos st�rkte diese Annehmlichkeit das Argument des Verwalters, da� er ein erstklassiges Haus r�hrte � zumindest was diese Gegend anging. Ich wu�te es nicht. Vielleicht hatte er ja recht. Genug Geld verlangte er jedenfalls. Au�erdem hatte mein b�rtiger Freund, der Krieger aus Artemidorus� Kompanie, beschlossen, hier zu �bernachten, und er machte nun wirklich den Eindruck eines Mannes, f�r den das Beste gerade gut genug war.</p><p>Ich begab mich zu meinem Platz. Dort sah ich mich um. Nicht alle Schlafpl�tze waren belegt. Zum Beispiel war Platz achtundneunzig noch frei. Aber im Prinzip war die Etage voll belegt. Mir kam der Verdacht, da� die leeren Pl�tze von Leuten verlassen worden waren, die sehr fr�hzeitig aufgebrochen waren. Manche Reisende brachen mitten in der Nacht auf, um am fr�hen Nachmittag in der n�chsten Herberge einzukehren. So k�nnen sie darauf vertrauen, stets die beste Unterbringung zu bekommen. Die meisten Herbergen verlangen, da� man seinen Raum sp�testens bis zur zehnten Ahn, also mittags, verl��t.</p><p>Ich hatte gerade die Decken auf dem Boden meines Schlafplatzes ausgebreitet und mein B�ndel so hingelegt, da� es als Kopfkissen diente, als ein Hausdiener den Raum betrat. Er trug eine an den H�nden gefesselte Frau auf der Schulter. Ich winkte ihn heran, und er bahnte sich geschickt einen Weg zwischen den Schlafenden. �In einer Ahn komme ich wieder�, sagte er und setzte seine Last ab.</p><p>�Du!� sagte Lady Temione.</p><p>�Pst�, machte ich. �Die Leute hier wollen schlafen.�</p><p>Sie wollte sich auf die F��e k�mpfen, aber ich setzte sie sanft auf die Decke und legte sie auf die Seite.</p><p>�Das ist ein schrecklicher Fehler�, fl�sterte sie. �Du wei�t, da� ich eine freie Frau bin.�</p><p>�Ja.�</p><p>Man hatte ihr die Fesseln abgenommen, ihr aber die Handgelenke auf den R�cken gebunden. Eine schwere Kette zierte nun ihren Hals, in drei engen, unverr�ckbaren Schleifen, Zwei Glieder dieser Kette waren mit schweren Vorh�ngeschl�ssern aneinandergeschlossen. Es handelte sich dabei aber nicht um die Endst�cke; die ragten zu beiden Seiten vorn nach unten, in einer kleidsamen, krawatten�hnlichen Anordnung. Nat�rlich hatte das auch praktische Aspekte. In der N�he des Schlosses hing ein Anh�nger aus Eisen. In der Dunkelheit w�re er mir beinahe entgangen. �Dann mach mich los!� fl�sterte sie. �Ich verstehe nicht.�</p><p>�Du hast zugestimmt, da� es ein schrecklicher Fehler ist!�</p><p/><p>�Nein, nein�, erwiderte ich. �Das Ja bezog sich auf die Tatsache, da� du eine freie Frau bist.�</p><p>�Ich begreife nicht, was ich hier soll, nackt und gefesselt an deiner Seite.�</p><p>�Tats�chlich nicht?�</p><p>�Das kann nicht dein Ernst sein!� Temione war fassungslos.</p><p>�Warum denn nicht?�</p><p>�Ich bin frei!�</p><p>�Aber du hast deine Rechnung noch nicht bezahlt.�</p><p>Sie schnaubte �rgerlich.</p><p>�Was willst du mit mir machen?�</p><p>�Was glaubst du?�</p><p>�Nicht <emphasis>das!�</emphasis></p><p>�Genau das!�</p><p>�Ich bin kein Schankm�dchen. Ich bin nicht f�r die G�ste da.�</p><p>�Hat man dir das gesagt?�</p><p>�Nein�, antwortete sie z�gernd.</p><p>�Also?�</p><p>�Aber ich nahm an, da ich��</p><p>�Bist du noch Jungfrau?�</p><p>�Das ist doch wohl eine pers�nliche Angelegenheit, die nur mich etwas angeht.�</p><p>�Es kostet mich nicht viel M�he, das festzustellen�, sagte ich.</p><p>�Nein�, sagte sie und wich zur�ck. �Ich bin keine Jungfrau.�</p><p>�Also mu�t du mindestens ein oder zweimal jemanden f�r seine Dienste bezahlt haben.�</p><p>�Das waren keine Ehrenm�nner.�</p><p>�Ich glaube, du wirst entdecken, da� du von jetzt an in solchen Dingen nicht mehr handeln kannst.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Ich bin froh, da� du keine Jungfrau mehr bist�, sagte ich. �Das erleichtert unsere Beziehung.�</p><p>�Mu� ich dir wirklich zur Verf�gung stehen?�</p><p>�Ja. Ich habe f�r dich bezahlt.�</p><p>�Bezahlt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das mu� aber schrecklich teuer gewesen sein�, sagte sie beeindruckt. �Vielleicht sollte ich mir M�he geben, dich zufriedenzustellen.�</p><p>�Warum?� fragte ich mit ehrlichem Interesse. Schlie�lich war sie noch immer eine freie Frau.</p><p>�Du mu�t doch mindestens eine goldene Tarnscheibe bezahlt haben, damit ich dir eine ganze Ahn zur Verf�gung stehe.�</p><p>Es war nur ein Tarnst�ck gewesen. Ich w�rde es ihr sp�ter erz�hlen. Ich ber�hrte sie, ihr K�rper reagierte. Ich lie� mir Zeit mit ihr.</p><p>Danach klammerte sie sich an mich. �Oh�, schluchzte sie leise. Sie schien verwirrt dar�ber zu sein, was man mit ihr gemacht hatte, was sie gef�hlt hatte. Der Hausdiener w�rde bald kommen.</p><p>�Du schuldest einen Silbertarsk und f�nf�, sagte ich nachdenklich.</p><p>�Denkst du daran, mich auszul�sen?� fragte Temione.</p><p>�Vielleicht.� Ich mu�te mir auf irgendeine Weise Zugang zu Ar-Station verschaffen. Es wurde von den Cosianern und ihren S�ldnern belagert. M�glicherweise konnte sie mir von Nutzen sein.</p><p>�Ich h�tte Angst, von dir ausgel�st zu werden�, sagte sie.</p><p>�Warum?�</p><p>�Wenn du meine Schulden bezahlst, bes��est du v�llige Macht �ber mich. Du w�rdest mich praktisch besitzen.�</p><p>�Dir ist nat�rlich bewu�t, da� du �berhaupt keinen Einflu� darauf hast, wer dich ausl�st, genausowenig wie eine Sklavin eine Wahl hat, wer sie kauft.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Temione.</p><p>Ich lag dort und dachte nach. Ja, eine Frau wie sie k�nnte ich gebrauchen. Sogar mehrere von ihrer Sorte.</p><p>�Du hast mich wie ein Tarskweibchen genommen�, sagte sie schmollend.</p><p>�Du hast mit aller Leidenschaft darauf reagiert�, sagte ich. �Vielleicht mu� man dich so behandeln.�</p><p>�Du respektierst mich nicht.�</p><p>�Du willst doch gar nicht respektiert werden�, erwiderte ich. �Du willst verehrt, gesch�tzt, beherrscht, besessen werden. Du willst gezwungen werden, zu dienen und zu lieben.�</p><p>Temione schwieg.</p><p>�Da kommt jemand�, sagte ich. �H�rst du die Schritte auf der Treppe?�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>�Er ist auf dem ersten Treppenabsatz.� Ich setzte mich auf. �Es ist ein Mann.�</p><p>�Jetzt h�re ich ihn auch�, sagte sie einen Augenblick sp�ter. �Was soll das?�</p><p>Ich hatte sie auf den Bauch gedreht.</p><p>�Meine Handgelenke!� Ich hatte sie nach hinten gezogen, �bereinandergelegt und hielt sie nun mit der linken Hand fest. Mit der Rechten hatte ich die Schnur von ihrem linken Handgelenk gel�st. Einen Augenblick sp�ter war sie gefesselt. Eigentlich hatte ich mit dem Hausdiener gerechnet, aber der Schritt schien viel schwerer zu sein. Lady Temione stemmte sich auf den rechten Ellbogen, die H�nde auf den R�cken gefesselt. Ich konnte mir denken, wer da kam. Unwillk�rlich blickte ich auf den Schlafplatz neben mir. Allem Anschein nach war er sp�ter als ich in der Herberge eingetroffen, da er auch sp�ter zum Essen gekommen war. Falls meine Annahme zutraf, hatte man ihm auch nach mir einen Schlafplatz zugeteilt. Das w�rde alles vereinfachen. Ich m��te nicht einmal in der Dunkelheit nach ihm suchen m�ssen. Auf Platz neunundneunzig in der Ecke schlief ein Mann. Er mu�te ziemlich fr�h in der Herberge eingetroffen sein, um einen der begehrten Eckpl�tze zu erringen. Falls tats�chlich derjenige die Treppe heraufkam, mit dem ich rechnete, und er sich neben mir zum Schlafen hinlegte, konnte ich die Hilfe des Reisenden in der Ecke gebrauchen. Der zweite Teil meines Plans erforderte einen Verb�ndeten.</p><p>Ein paar Meter entfernt schrie jemand auf. Der Krieger hatte einigen Paga getrunken, vielleicht einen zweiten oder dritten <emphasis>Kantharos.</emphasis> Ich fragte mich, ob er daf�r bezahlt hatte. Ein weiterer w�tender Aufschrei ert�nte, gefolgt von einem dumpfen Schlag. Der Krieger ging etwas unsicher auf den Beinen weiter. Ein weiterer Gast wurde unsanft geweckt und kam auf die Beine. Als er jedoch sah, da� er seinem Gegen�ber nicht einmal bis zur Schulter reichte, trat er einen Schritt zur�ck. Der Krieger winkte ihn heran. �ngstlich gehorchte er. Ohne Vorwarnung schlug der Krieger ihm die Faust in den Magen, und er sank st�hnend in die Knie. Sein Nachbar sagte etwas zu dem Krieger; der zog das Schwert zur H�lfte aus der Scheide, und der Mann rollte sich schnell auf die andere Seite und tat so, als schliefe er. Das Schwert wurde zur�ck in die Scheide gerammt. Das Ger�usch reichte aus, da� die n�chsten beiden M�nner zur Seite r�ckten. Im n�chsten Augenblick hatte der Krieger Schlafplatz achtundneunzig erreicht. Er sah w�tend nach unten. Ich bemerkte erfreut, da� er noch immer die Tasche trug.</p><p>Er stellte sie an der Wand ab, der Helm folgte.</p><p>�Oh!� stie� Lady Temione aus, als sie hochgezerrt wurde.</p><p>Die Tasche wies ein Schlo� auf. Es w�re also nicht einfach, sie ohne weiteres zu �ffnen, um den Inhalt zu begutachten oder zu entfernen. Nat�rlich war ich weniger am Inhalt der Tasche als an etwas anderem interessiert. Da er offensichtlich eine Art Kurier war, w�rde sie die Verkleidung vervollst�ndigen.</p><p>Er hielt Lady Temione fest, ihr Kopf lag im Nacken, sein Bart ber�hrte fast ihren Hals.</p><p>�Sie ist eine freie Frau�, sagte ich trocken.</p><p>Mit einem abf�lligen Grunzen stie� er sie von sich. Ich wei� nicht, ob er sie aus dem Pagaraum wiedererkannte oder nicht. Er war betrunken. Es war dunkel.</p><p>Er blickte sich um. Wie erwartet fiel ihm der Eckplatz ins Auge. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� er sich daran st�ren w�rde, da� er belegt war.</p><p>�He!� rief der Mann, der dort geschlafen hatte, als er pl�tzlich in die H�he gestemmt und gegen die Wand geschleudert wurde.</p><p>Der Krieger hielt ihn dort fest und beugte sich vor, bis sich ihre Gesichter fast ber�hrten. �Warum liegst du auf dem falschen Platz?� fragte er.</p><p>�Ich habe nicht den falschen Platz!� keuchte der Bursche.</p><p>Er wurde erneut gegen die Wand gesto�en.</p><p>�Warum?� wollte der Krieger wissen.</p><p>�Es mu� sich um ein Mi�verst�ndnis handeln!� sagte der Mann. Wie ich zu meiner Freude feststellte, handelte es sich doch tats�chlich um denselben Mann, den der Krieger zuvor aus der Wanne vertrieben und zum unfreiwilligen Dienst als Badediener gezwungen hatte. Zweifellos geh�rte er zu der Art von Mensch, die alles in ihrem Leben von den Gesetzen der Vernunft bestimmen lassen und alles sorgf�ltig planen, die fr�hzeitig in der Herberge eintreffen und dergleichen mehr. Keine Frage, Kerle wie der Krieger sind der Fluch solcher Leute. Er krachte wieder gegen die Wand. Es war ziemlich laut, aber ich schlief ja nicht.</p><p>�Ich habe den Ostrakon f�r diesen Platz!� stammelte der Mann.</p><p>�Was hat das denn damit zu tun?� fragte der Krieger und stie� ihn gegen die Wand.</p><p>�Nichts!� sagte der Mann und rang nach Atem. �Es tut mir leid, da� ich auf dem falschen Platz war! Ich entschuldige mich! Vergib mir! Das war sehr dumm von mir!�</p><p>Der Krieger lie� ihn los, und der Mann suchte auf allen vieren schnell seine Habseligkeiten zusammen.</p><p>�Du hast doch nicht etwa vor, jetzt aufzubrechen oder dich beim Verwalter zu beschweren, wie?� fragte der Krieger.</p><p>�Nein, nat�rlich nicht�, murmelte der Mann hastig und breitete seine Sachen auf Platz achtundneunzig aus, genau neben mir.</p><p>Ich konnte mir nicht vorstellen, da� es der Verwalter eilig gehabt h�tte, sich auf einen derartigen Wortwechsel einzulassen, besonders nicht mit einem bewaffneten Soldaten, der Artemidorus� Kompanie angeh�rte.</p><p>�Du bist auch ein gro�er Bursche�, sagte der Mann und sah mich an. �Kann ich davon ausgehen, da� du diesen Platz nicht haben willst?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Falls doch, k�nnte ich mich selbst gegen die Wand werfen. Ich habe �bung darin.�</p><p>�Sei nicht verbittert�, sagte ich.</p><p>�Scharf die Schlampe aus meinen Augen�, sagte der b�rtige Krieger und sah Lady Temione an. Sie lag noch immer dort, wo er sie zu Boden geworfen hatte, die H�nde auf den R�cken gefesselt, den Kopf neben meinen F��en, zu �ngstlich, um sich zu bewegen.</p><p>�Ich habe sie f�r eine Ahn gemietet�, sagte ich. �Die m��te gleich um sein. Der Hausdiener wird sie holen.�</p><p>�Was hat sie gekostet?� fragte der Krieger.</p><p>�Ein Tarskst�ck.�</p><p>�Das ist mehr, als sie wert ist.�</p><p>�Schon m�glich.�</p><p>�In vielen St�dten k�nnte man daf�r ein M�nzenm�dchen haben.�</p><p>�Das stimmt.� M�nzenm�dchen waren eine Art Stra�ensklavinnen, die von ihren Herren, die gew�hnlich mehrere von ihre Sorte besa�en, gegen Sonnenuntergang auf die Stra�e geschickt wurden. Von den Ketten um ihren Hals baumelten Gl�ckchen, die ihren Standort verrieten, sowie ein verriegeltes M�nzk�stchen, Und wehe dem M�dchen, das nach Hause kommt, ohne da� ein paar M�nzen in dem K�stchen klimpern! Andererseits bekam man an manchen Orten f�r ein Tarskst�ck bereits eine Pagasklavin.</p><p>�F�r eine freie Frau ist das zuviel�, sagte der Krieger.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Vor allem f�r so eine�, sagte er ver�chtlich.</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>�Vielleicht ist es ja doch angemessen, ein Tarskst�ck f�r ein fettes Tarskweibchen.�</p><p>�Eigentlich ist sie gar nicht so fett�, meinte ich. Sicher, ihre Figur war verbesserungsw�rdig, und sobald sie eine Sklavin wurde, was zweifellos sehr bald geschah, w�rde man sich darum k�mmern.</p><p>�Ich habe Tharlarion gesehen, die besser aussahen.�</p><p>Lady Temione versteifte sich vor Wut. Ich konnte ihre Reaktion nicht verstehen.</p><p>�Man h�tte kaum weniger als ein Tarskst�ck f�r sie verlangen k�nnen�, sagte ich irgendwie gereizt. Ich durfte die Beherrschung nicht verlieren. In den meisten St�dten ist das Tarskst�ck die M�nze mit dem kleinsten Geldwert, die in Umlauf ist.</p><p>�F�r soviel hatte man sie dir einen Monat �berlassen m�ssen.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Du mu�t ein seltsamer Kerl sein, um es mit einer freien Frau zu treiben�, meinte er.</p><p>�Sie mu� ja nicht f�r alle Zeiten frei bleiben.�</p><p>Lady Temione zitterte vor Furcht. Die Kette an ihrem Hals und das Vorh�ngeschlo� klirrten leise.</p><p>Er ging neben ihr in die Hocke. Sie wandte �ngstlich den Blick ab.</p><p>�Du bist keine Frau, du bist ein Tarskweibchen�, stie� er h�hnisch hervor.</p><p>Sie schluchzte auf.</p><p>�Misch dich nicht ein�, beschwor mich der Mann auf Schlafplatz achtundneunzig, der so unsanft von seinem Eckplatz vertrieben worden war. �Er ist gef�hrlich.�</p><p>�Das habe ich auch nicht vor.� Ich protestierte nicht gegen seine Beschimpfungen, denn auch wenn sie vielleicht etwas �bertrieben waren, waren sie nicht ganz ungerechtfertigt. Die Gefahr bei jemanden mit meinem Temperament bestand nat�rlich darin, da� ich pl�tzlich meine Ehre beleidigt sah. Falls ich dann meiner Wut freien Lauf lie�e und den Kerl mit dem Schwert auf den Boden nagelte, br�chte das meine Pl�ne ernsthaft durcheinander. Ich mu�te so gelassen sein wie ein Larl, der so tat, als schliefe er, so gelassen sein wie Dietrich von Tarnburg.</p><p>Der Krieger fuhr herum. �Was hast du da gesagt?�</p><p>�Ich? Nichts.�</p><p>Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Lady Temione zu.</p><p>�Du bist wertlos.� Er starrte sie ver�chtlich an. �Schaff sie mir aus den Augen. Ich will mir nicht den Appetit f�rs Fr�hst�ck versauen.�</p><p>Ich hatte bestimmt keine Zeit f�rs Fr�hst�ck. Der Plan sah einen sehr fr�hen Aufbruch vor.</p><p>�Hast du nicht geh�rt?�</p><p>�Der Hausdiener wird gleich da sein.�</p><p>�Willst du mich hinhalten?�</p><p>�Das fiele mir im Traum nicht ein.� Ich fand den Schwertgriff. Es war zwar nicht unbedingt ehrenhaft, einen betrunkenen Krieger im Dunkeln mit dem Schwert zu durchbohren, aber alles in allem ist es besser, als selbst durchbohrt zu werden.</p><p>�Ich bringe sie weg�, sagte der Mann neben mir hastig.</p><p>�Das ist nicht deine Angelegenheit�, sagte ich. Ich f�rchte, mein Tonfall war etwas ungehalten, zog man die Gro�z�gigkeit seines Angebots in Betracht.</p><p/><p>�Sieh mal�, sagte er, �ich habe jetzt gro�e �bung darin, W�nde mit meinem R�cken abzuklopfen, aber ich verstehe mich nicht darauf, in der Dunkelheit in einen Schwertkampf hineinzugeraten und Klingen auszuweichen, verstehst du?�</p><p>�Ein Schwertkampf?� fragte der Krieger.</p><p>�Also br�chte ich sie gern zum Verwalter zur�ck.�</p><p>Der Krieger griff nach dem Schwert, tastete aber daneben. Zumindest sah es so aus.</p><p>Meine Klinge glitt aus der Scheide. Ich stand auf.</p><p>Der Mann in der Mitte zwischen uns st�hnte auf und bereitete sich darauf vor, schnell in Sicherheit zu kriechen.</p><p>�Oh!� sagte Lady Temione, die von den starken H�nden des Hausdieners hochgehoben wurde, der unbemerkt herangekommen war. �Die Zeit ist um�, verk�ndete er.</p><p>�Nimm sie weg�, verlangte der Krieger mit einer Handbewegung.</p><p>�Das habe ich vor�, sagte der Hausdiener. Er drehte uns den R�cken zu, und ich sah Lady Temiones Gesicht.</p><p>�Steck sie in einen Tarsk-K�fig�, lachte der Krieger. �Da geh�rt sie hin.�</p><p>Lady Temione k�mpfte kurz gegen den Griff des Hausdieners an, wobei sie sich sicherlich verf�hrerischer bewegte, als ihr bewu�t war, und zerrte vergeblich an ihren Handfesseln. Sie sah zur�ck, wobei sie dem Krieger einen Blick voller Wut und Angst zuwarf.</p><p>�Wer will einen Kampf?� fragte der Krieger. Er schwankte. Seine Hand lag auf dem Schwertgriff.</p><p>�Niemand�, sagte der Mann in der Mitte hastig.</p><p>Ich konnte mir nicht vorstellen, da� ein Angriff besonders erfolgreich sein w�rde, solange der unschuldige Reisende zwischen uns stand, zumindest nicht ohne ihn vorher mit dem ersten Hieb zu entfernen. Damit h�tte sein Tag, der ohnehin nicht besonders ertreulich gewesen war, einen traurigen Abschlu� gefunden. Ich schob das Schwert zur�ck in die Scheide. Ich war nicht einmal davon �berzeugt, da� der Krieger in der Dunkelheit �berhaupt mitbekommen hatte, da� ich es gezogen hatte. Er war nicht weiter gegangen, als die Hand an die Klinge zu legen. Ich glaube, er hatte �berhaupt nicht bemerkt, da� er sich in Gefahr befand.</p><p>�Bist du es, der k�mpfen will?� fragte er.</p><p>�Ich nicht�, erwiderte ich.</p><p>�Dann mu�t du derjenige sein!� rief der Krieger und wandte sich an den Reisenden.</p><p>�Nein!�</p><p>Seine Erwiderung kam schnell. Sie klang von ganzem Herzen �berzeugt und lie� keinen Zweifel an ihrer Ehrlichkeit aufkommen.</p><p>�Ich bin m�de�, verk�ndete der Krieger.</p><p>�Dann ist es Zeit, sich schlafen zu legen.�</p><p>Der Krieger blieb einen Augenblick lang stehen und �berdachte seine M�glichkeiten. �Vielleicht�, sagte er dann.</p><p>Ich war mittlerweile zu dem Schlu� gelangt, da� es nicht n�tig w�re, den Krieger zu t�ten. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. In seiner augenblicklichen Verfassung w�re es nicht besonders ehrenhaft gewesen, ihm eine Klinge in den Leib zu rammen. Au�erdem ist es schwierig, ein Schwert in der Dunkelheit auf fachm�nnische Weise zu handhaben, und ich neige dazu, auf solche Dinge gro�en Wert zu legen. Das Schwert ist weniger f�r die Dunkelheit geeignet als Verstohlenheit und ein Dolch. Unter diesen Umst�nden h�tte ihn ein Rekrut t�ten k�nnen.</p><p>�Es ist Zeit, um schlafenzugehen�, verk�ndete der Krieger.</p><p>�Ja, da hast du recht�, sagte der Mann.</p><p>Das war das zweite Mal, da� der Krieger in dieser Nacht in betr�chtlicher Gefahr geschwebt hatte. Vermutlich w�rde ihm das am n�chsten Morgen nicht einmal bewu�t sein.</p><p>�Setz dich�, sagte der Krieger zu mir.</p><p>�Sicher�, erwiderte ich und setzte mich. Der Mann schlo� sich mir an.</p><p>Der Krieger sah in die Runde. Er war der einzige im Raum, der auf den Beinen war.</p><p>Er hatte im Bad die Erste Wanne in Beschlag genommen. Er hatte im Pagaraum f�r Aufruhr gesorgt. Er hatte daf�r gesorgt, da� man ihm eine ausgezeichnete Sklavin schickte, vermutlich sogar gratis. Ich war sogar davon �berzeugt, da� man ihm eine viel gr��ere Auswahl an Speisen angeboten hatte als mir. Er war wie ein Wirbelsturm in den Schlafraum eingefallen. Es war zu bezweifeln, da� er sich bei den anderen G�sten besonders beliebt gemacht hatte, schlie�lich hatte er mehr als nur einen Mann geschlagen. Er war sogar auf dem schr�gen, direkten Weg zu seinem Schlafplatz gegangen, statt wie die anderen G�ste den r�cksichtsvolleren l�ngeren Weg am Rand entlang zu nehmen. Au�erdem hatte er mir nicht den gebotenen Respekt erwiesen, von dem Mann neben mir ganz zu schweigen, dessen bezahlten Platz er belegt hatte.</p><p>Er lie� sich auf dem Eckplatz mit der Nummer neunundneunzig nieder, dem sichersten Platz im ganzen Raum.</p><p>�Schnarchst du?� fragte er meinen neuen Nachbarn.</p><p>�Niemals�, versicherte ihm der Mann.</p><p>�Wenn doch, schl�fst du heute im Sitzen!�</p><p>�Das hatte ich sowieso vor!�</p><p>Ich war fest davon �berzeugt, da� der Mann vorhatte, in dem Moment aufzubrechen, in dem der Krieger einschlief. Denn konnte man sich darauf verlassen, da� er in angenehmer Laune war, wenn er aufwachte? Und was, wenn er unter Alptr�umen litt und mitten in der Nacht um sich schlug, mit einem Messer in der Hand?</p><p>Mein Nachbar setzte sich mit dem R�cken an die Wand. Der Krieger sah ver�chtlich zu mir her�ber. �Liebhaber von Tarskweibchen�, lachte er.</p><p>Mir entging nicht, da� er den Riemen der Kuriertasche drei- oder viermal um den linken Arm schlang. Vermutlich war der Lederriemen mit Draht verst�rkt, wie es bei Diplomatenpost h�ufig vorkam; in der Tasche selbst waren wahrscheinlich zwischen Leder und Futter zusammengeschmiedete Eisenringe eingearbeitet. Solche Vorkehrungen machten die Tasche sicher gegen die �blichen Methoden von Beutelschneidern.</p><p>Augenblicke sp�ter schnarchte der Krieger.</p><p>Ich streckte die Hand aus und packte meinen Nachbarn auf Platz achtundneunzig, der offenbar aufbrechen wollte, am Arm.</p><p>Er st�hnte. �Woran liegt es, da� ich niemals von kleinen M�nnern bel�stigt werde?�</p><p>�Was ist dein Beruf?�</p><p>�Ich bin Marketender.�</p><p>�Ausgezeichnet.�</p><p>�Das dachte ich auch einmal.�</p><p>Das verwunderte mich nicht. Diesem Beruf gingen haupts�chlich ehemalige Kutscher oder Fl�chtlinge nach. Das schien aber auf ihn nicht zuzutreffen. Zum Beispiel hatte er weder Kinder noch eine Gef�hrtin dabei. Davon abgesehen h�tten sich nur die wenigsten Fl�chtlinge die Herberge leisten k�nnen. Ihm fehlte sowohl die Raffinesse eines Kaufmanns als auch die Grobheit eines Viehh�ndlers. Ein Viehh�ndler, der hier �bernachtete, h�tte die Taschen voller Geld gehabt und bef�nde sich auf der R�ckreise von Ar-Station. Auf der Hinreise w�re er bei seiner Herde geblieben, die haupts�chlich aus Verr oder Tarsk bestehen.</p><p>�Du bist auf dem Weg zum Heerlager der Cosianer vor Ar-Station�, wagte ich eine Vermutung.</p><p>Er nickte.</p><p>Es war eine naheliegende Vermutung gewesen, da er in der Herberge �bernachtete. Er vertraute auf den Schutz, den sie bot. Geld und Kreditbriefe kann man in einem Wagen verbergen, aber bei gro�en Mengen Mehl, Salz, D�rrfleisch, Paga und dergleichen mehr ist das nicht m�glich, ganz zu schweigen von den unz�hligen Dingen, die man im Feld braucht und f�r die die Marketender sorgen, Dinge wie Haarb�rsten, Kerzen, Lampen�l, kleine Messer, Werkzeuge, Pfannen, E�geschirr, Wetzsteine, Feuersteine, Daumenfesseln, Handund Fu�schellen, Nasenringe, Lederfesseln, Sklavenkragen und Peitschen.</p><p>�Ich habe einen Auftrag f�r dich�, sagte ich.</p><p>�Du willst, da� ich unseren Freund auf neunundneunzig umbringe?� fragte er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Das ist vielleicht auch besser so�, entgegnete er. �Falls ich es nicht schaffen sollte, die Angelegenheit sauber zu erledigen, er aufwacht und ich mit dem blutigen Messer in der Hand �ber ihm knie, kann man sich nicht darauf verlassen, da� er die Sache aus unserer Sicht sieht.�</p><p>�Du hast recht.�</p><p>�Sein Temperament ist ungez�gelt�, sagte er, �und unter diesen Umst�nden k�nnte man es kaum jemandem ver�beln, wenn er gereizt reagiert.�</p><p>�Dem stimme ich vorbehaltlos zu�, sagte ich.</p><p>�Was also kann ich f�r dich tun?�</p><p>�H�r genau zu.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>�Diener!� br�llte der Krieger aus der Zweiten Wanne, die in bequemer N�he zum Badeingang stand. �Sch�r das Feuer!�</p><p>Es war noch fr�h, aber die meisten der M�nner, die auf dem Boden des Bades die Nacht verbracht hatten, waren bereits aufgebrochen.</p><p>Der Bursche, der herankam, um sich um das Feuer zu k�mmern, war eigentlich zu gro� f�r jemanden, der solche Dienste verrichtete; er trug eine Kapuze, vermutlich um entstellende Narben zu verbergen, die die G�ste verschreckt h�tten, und einen langen Umhang. Er humpelte � sicher das Resultat eines Sturzes vom Tarnr�cken � eilig zu der Ziegelsteinplattform, auf der die Wanne stand, und sch�rte die Flammen mit dem Feuerrechen.</p><p>�Schneller! Beeil dich, Kerl!� herrschte ihn der Krieger an.</p><p>�Ja, Herr, ja, Herr!� keuchte der vermummte Diener.</p><p>Durch die Beobachtungen in der vergangenen Nacht war ich fest davon �berzeugt gewesen, da� der Krieger, sollte er ein Bad nehmen, die vorderste Erste Wanne und sp�ter die direkt dahinter befindliche Zweite Wanne ausw�hlen w�rde. Manche M�nner halten sie f�r die besten Wannen, und so konnte man davon ausgehen, da� er ebenfalls diese Meinung vertrat. Anscheinend war das Badefeuer an diesem Morgen nicht richtig zum Brennen gebracht worden. Der Diener, der daf�r zust�ndig war, eilte nun herbei, um sich darum zu k�mmern. Der Krieger, der anscheinend ungern auf gewisse Annehmlichkeiten verzichtete, w�rde sich noch einen Augenblick lang gedulden m�ssen, bis das Wasser sch�n warm war, aber man konnte davon ausgehen, da� er dann noch eine Zeitlang in der Wanne blieb, und sei es nur, um sich f�r die erlittenen Unbequemlichkeiten und Verz�gerungen zu entsch�digen.</p><p>Der Diener, der gelegentlich vor sich hin murmelte, hinkte umher und k�mmerte sich um das Feuer.</p><p>Ich hatte vorausgesehen, da� sich der Krieger am Morgen ins Bad begeben w�rde. Er hatte am vergangenen Abend viel getrunken, also w�rde er wenige Stunden sp�ter durstig und schwei�getr�nkt aufwachen. Sicherlich w�rde er einen schlimmen Kater haben; nach dem, was sich abgespielt hatte, war das keine abwegige Vermutung. F�r den Fall, da� er weniger empfindlich als gedacht war, hatten wir uns die Freiheit genommen, auf dem Boden um seinen Schlafplatz herum einige stattliche Grundbestandteile aus den Nachtgeschirren der Etage zu verteilen. Wir hofften, da� er nach seinen Ausschweifungen eine ganz nat�rliche Erkl�rung f�r ihre Anwesenheit parat hatte.</p><p>Der Diener schrubbte die umliegenden Ziegelsteinplattformen ab, hob Holzsplitter vom Boden auf und machte sich n�tzlich.</p><p>�Ahh!� sagte der Krieger und lehnte sich zur�ck.</p><p>�Ist die Wassertemperatur zufriedenstellend?� fragte der Diener und hinkte heran.</p><p>�Ja!� knurrte der Krieger.</p><p>Der Diener lud eine Armvoll Brennholz auf der Plattform neben der Wanne ab. Auf diese Weise konnte er sich an einem Tag mit starkem Andrang ein paar G�nge zur Vorratstonne sparen. Das ist ein alter Trick der Badebediensteten. Der Diener stellte sich dabei jedoch recht ungeschickt an. Ein paar Holzscheite stie�en lautstark gegen die linke Wannenseite, was den darin sitzenden Krieger zu �rgern schien.</p><p>�Verschwinde!� befahl er.</p><p>�Kann ich noch zu Diensten sein?� fragte der Diener.</p><p>�Du sollst verschwinden!� br�llte der Krieger. �Raus!�</p><p>�Ja, Herr! Ja, Herr!� stie� der zusammengekr�mmte Diener hervor und hinkte schnell weg, als h�tte er Angst. Im n�chsten Augenblick war er hinter der Trennwand verschwunden.</p><p>Als ich hinter der Trennwand stand, warf ich einen letzten Blick zur�ck zu den Wannen, achtete allerdings darauf, mich noch nicht aufzurichten. Unter meinem Umhang befanden sich nat�rlich G�rtel, Schwert und Scheide, sein Geldbeutel und die Kuriertasche; ich hatte alles vom Haken genommen, w�hrend der L�rm der gegen die Wanne prallenden Scheite m�gliche Ger�usche �bert�nte und f�r Ablenkung sorgte. Der Krieger lag zur�ckgelehnt mit geschlossenen Augen im Wasser. Der richtige Diener sa� vermutlich oben im Pagaraum und geno� Kuchen und Batitee, ein an goreanischen Feiertagen sehr beliebtes Fr�hst�ck. Er hatte die n�tigen Mittel dazu. Ich hatte ihm f�nf Kupfertarsk gegeben.</p><p>Im Vorraum nahm ich den Helm und die Kleidung des Kriegers vom Haken.</p><p>Dann verlie� ich das Bad.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Ich ging langsam zum Tarnstall.</p><p>Jede Minute z�hlte. Ich trug nun das Blau von Cos, Uniform und Helm eines Angeh�rigen von Artemidorus� Kompanie. Ich hatte die Sachen von dem Haken im Bad entwendet.</p><p>Ich klopfte gegen das Tor des Tarnstalls.</p><p>Das B�ndel befand sich auf meinem R�cken.</p><p>In dem Stall war nur ein Tarn, offensichtlich der Vogel eines Kriegers.</p><p>Aus einer H�tte neben dem Stall kam ein Stallbursche.</p><p>Von links fuhr ein Wagen vorbei. In dieser Richtung lagen die Tharlarionst�lle. Es waren schon viele Leute auf den Beinen. Ich blickte in die H�he, hinauf zu dem Turm, der das Tarnfeuer beherbergte. Es war nat�rlich nicht entz�ndet. Das Tor, vor dem ich stand, befand sich auf der rechten Seite des Herbergsgel�ndes. N�herte man sich der Herberge aus der Luft, auf dem R�cken eines Tarns, stand das Tor auf der linken Seite.</p><p>�Mach den Vogel bereit!� befahl ich.</p><p>Der Stallbursche schien kurz zu z�gern; er betrachtete meine Aufmachung, das cosische Blau, die Feldzeichen von Artemidorus� S�ldnerkompanie, den Helm, vor allem die Waffen. Denn ich trug zwei Schwerter.</p><p>�Sofort!� sagte ich.</p><p>Er eilte zur�ck in die H�tte, wo zweifellos die Ausr�stung des Kriegers verstaut war, der Sattel, das Tarngeschirr und was man sonst noch brauchte. Ich glaube, der Stallbursche wollte vermeiden, einen Angeh�rigen von Artemidorus� Kompanie l�nger als n�tig aufzuhalten. Vielleicht hatte er es zu seinem Schaden schon einmal getan.</p><p>Ich blickte zum Haupthaus zur�ck. Alles schien seinen normalen Gang zu gehen.</p><p>Das gro�e Schild, das an dem waagerechten Balken von seinen Ketten hing, schwankte nicht. Einige Wagen fuhren ab. Nach dem Regen roch die Welt frisch und sauber. Auf dem Steinboden des Hofes standen Pf�tzen.</p><p>Der Stallbursche kam aus der H�tte. Er hatte sich Sattel, Satteltuch und den Rest der Ausr�stung auf die Schulter geladen.</p><p>�Das Tarntor steht offen, nehme ich an?� sagte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Gut.�</p><p>Offensichtlich hatte ich es eilig. Er war ohne Zweifel an ungeduldige G�ste gew�hnt. Es h�tte ihn jedoch �berrascht, wie eilig ich es tats�chlich hatte.</p><p>Er betrat den Stall, um den Vogel bereitzumachen.</p><p>Ich ging um Stall und Anbau herum, denn ich wollte mich �berzeugen, da� das Tarntor tats�chlich offenstand. Es stand offen. Es war nat�rlich nicht wegen meiner Abreise ge�ffnet worden, sondern blieb den Tag �ber f�r Neuank�mmlinge offenstehen. Die beiden Fl�gel schwangen nach innen auf und wurden an den Seiten der Landeplattform festgemacht, die die Palisade etwa einen halben Meter �berragte. Die Plattform wies eine Verl�ngerung auf, die bei Toresschlu� eingezogen werden konnte; mit Scharnieren befestigte senkrechte St�tzpfeiler sorgten f�r Stabilit�t. Im Innern des Tarnstalls f�hrte auf der rechten Seite eine Rampe zur Plattform. Die Torfl�gel waren sehr gro�, jeder von ihnen wies eine H�he von neun sowie eine Breite von siebeneinhalb Metern auf. F�r ihre Gr��e sind sie allerdings recht leicht, da sie haupts�chlich aus mit Draht bespannten Rahmen bestehen. Obwohl diese Abmessungen gew�hnlichen Sattel- und Kriegstarns einen ungehinderten Einflug erlauben, werden meistens die Landeplattformen benutzt. Mit Tarnk�rben ausgestattete Lasttarns landen nat�rlich immer darauf. Der Lasttarn vollf�hrt eine flatternde Landung. Sobald er sp�rt, da� der Korb Bodenber�hrung bekommt, setzt er sich. Die schr�ge Rampe erleichtert es, den Tarnkorb auf seinen Lederkufen in den Hof zu transportieren. Passagiere genie�en den gleichen Vorzug.</p><p>Nicht alle Tarntore sind derart beschaffen. Bei einer weitverbreiteten Bauweise h�ngen die Torfl�gel vor der Tor�ffnung. In Schienen eingepa�t schiebt man sie beiseite. Jedes �ffnen erweckt den Eindruck, als w�rde man ein Tor zum Himmel �ffnen. Der dazugeh�rige Bau mit seinen Plattformen, Laufg�ngen und schiffs-mast�hnlichen Balken ist sehr stabil. Die Laufg�nge und Plattformen sind mit schmalen Leitern erreichbar. Diese Bauart verlangt von den V�geln, da� sie f�r die Landung erst auf der Stelle schweben m�ssen, was sehr zeitaufwendig ist. Daf�r ist die Landeplattform unn�tig. Der Tarnstall im <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> �hnelte insofern einem milit�rischen Stall, als er das schnelle Aufsteigen und die ebenso schnelle R�ckkehr des Tarnsmanns zulie� � verbunden mit der M�glichkeit, das Tor innerhalb weniger Ihn zu �ffnen und wieder zu schlie�en. Die Bauweise des Tarntors war ein deutlicher Hinweis, da� der <emphasis>Krumme Tarn</emphasis> m�glicherweise nicht immer als Herberge gedient hatte. Vermutlich hatte das Areal vor der Gr�ndung von Ar-Station als Garnison gedient, um den n�rdlicheren Teil der Vosk-Stra�e zu �berwachen. Die N�he zum Vosk war ein weiteres Indiz f�r diese Theorie, da der Flu� h�chstens einhundert Pasang entfernt lag. Die normale Marschleistung eines goreanischen Fu�soldaten betr�gt auf einer Milit�rstra�e f�nfunddrei�ig Pasang. Die Herberge <emphasis>Zum</emphasis><emphasis>Krummen Tarn</emphasis> befand sich also genau drei Tagesm�rsche vom Flu� entfernt.</p><p>Ich lockerte die Klinge in ihrer Scheide und kehrte zum Tarnstall zur�ck.</p><p>Der Tarn war bereit.</p><p>Er zerrte an einem St�ck Tarskfleisch, das an einem Strick hing. Der Strick war fast sechs Zentimeter dick. Wie das Fleisch in der Luft schwebte, erinnerte mich an die Art und Weise, in der Bauersfrauen ihre Braten zubereiteten; sie banden sie an einem Bindfaden fest und lie�en sie �ber dem Feuer baumeln, um ihnen dann gelegentlich einen Sto� zu versetzen. Durch das Umherbaumeln wird das Fleisch gleichm��ig gar, und zwar ohne st�ndige Aufsicht oder Umdrehen. Der Strick, der wie eine Bogensehne gespannt war, ri� pl�tzlich eine Handbreit �ber dem Fleisch. Der Tarn packte es mit einer Klaue und sch�lte es vom Knochen. Ich wartete ab, bis der Vogel fertig war. Der Knochen lag zusammen mit den Resten des Stricks im Stroh. Er wies tiefe Furchen auf. Der Vogel stie� den Schnabel in einen hohen schmalen Beh�lter. Als n�chstes w�rde er Wasser in den schrecklichen Rachen saugen und den Kopf in den Nacken legen. Dann w�rde er den Kopf sch�tteln, damit das Wasser schneller die Kehle hinunterlief.</p><p>Ich wartete geduldig ab. Schlie�lich f�hrte der Stallbursche den Vogel die Rampe zur Landeplattform hinauf. Ich schlo� mich den beiden an. Von hier oben konnte man Pasang weit in die umgebende Landschaft blicken. Die Luft war berauschend. Der Tarn war aufgeregt. Er �ffnete die Fl�gel. Die Balken der Plattform waren ausgesprochen stabil. Der Stallbursche l�ste die f�nfsprossige Strickleiter, mit deren Hilfe man in den Sattel steigt. Ich benutzte sie. Als ich im Sattel sa�, legte ich den Sicherheitsgurt um und schnallte ihn fest.</p><p>Vor langer Zeit war ich in der N�he von Ar str�flich nachl�ssig mit dem Gurt umgegangen. Nur ein gl�cklicher Zufall lie� mich �berleben. Seitdem hatte ich diese Vorsichtsma�nahme nur selten vernachl�ssigt. Ich mu�te an Talena denken, die geschmeidige, sinnliche Tochter des Marlenus aus Ar mit der olivfarbenen Haut, die er versto�en hatte, nachdem sie zu erkennen gab, da� sie eine Sklavin war. Nachdem Samos aus Port Kar sie als ihr neuer Besitzer in Ketten nach Ar zur�ckgebracht hatte, hatte Marlenus sie besch�mt vor der Welt im Zentralzylinder verborgen und ihr die Freiheit zur�ckgegeben, ihr aber jeden Status verweigert. Nachdem er auf einer Strafexpedition gegen die Tarnsm�nner von Treve in den Bergen der Voltai verschwunden war, hatte sich ihr Schicksal anscheinend gewandelt. Sie war bei �ffentlichen Feiern aufgetreten. Man sah ihre S�nfte wieder auf der Stra�e. Zweifellos war sie wieder stolz und hochm�tig geworden. Ich hatte in ihr keine Sklavin gesehen. Rask aus Treve und andere schon. Heute w�re ich vermutlich scharfsichtiger. Obwohl sie die Tochter eines Ubars gewesen und in Ar wieder zu hohem Ansehen gelangt war, war sie trotz allem nur eine Frau. Ich fragte mich, wie sie wohl auss�he, nackt und in Ketten, sich zu meinen F��en windend, w�hrend sie versuchte, meine Aufmerksamkeit zu erwecken. Es war eine erfreuliche Vorstellung. Ich mu�te daran denken, welche Verachtung sie mir in Port Kar entgegengebracht hatte, wie hochm�tig und b�sartig sie gewesen war; sie hatte sogar die Erinnerung an unsere Liebe in den Schmutz gezogen, w�hrend ich gel�hmt im Stuhl gesessen hatte, unf�hig zur geringsten Bewegung, ein Opfer von Sullius Maximus� Gift. Vor der Herrschaft des Kapit�nrates war er einst einer der f�nf Ubars von Port Kar gewesen. Ich fragte mich, ob sie annahm, ich bef�nde mich noch immer in Port Kar, ein Kr�ppel, der zusammengesunken in demselben Stuhl vor dem Kaminfeuer hockte. Aber ich war wieder vollst�ndig gesundet, hatte in Torvaldsland sogar das Gegenmittel f�r das Gift gefunden. Allerdings war es m�glich, da� Talena mich von ihrer S�nfte aus in Ar gesehen hatte. Am darauffolgenden Abend hatte man im <emphasis>Tunnel,</emphasis> einem von Ludmillas Freudenh�usern, einen Anschlag auf mein Leben ver�bt. In der N�he von Brundisium hatte ich Beweise gefunden, da� sie sich des Verrats an Ar schuldig gemacht hatte.</p><p>Talena. Ja, wenn ich es mir richtig �berlegte, so im nachhinein, hatte in ihr eine Sklavin gesteckt. Ja, sie h�tte eine bemerkenswerte Sklavin abgegeben. Ich verdr�ngte sie aus meinen Gedanken.</p><p>Der Stallbursche sah auf. Auf dem Hof erscholl L�rm.</p><p>�Hier, mein Junge�, sagte ich.</p><p>�Vielen Dank, Tarnsmann!� rief er, da er nicht mit derartiger Dankbarkeit gerechnet hatte.</p><p>Ich konnte mir denken, was den Aufruhr ausgel�st hatte; es war Zeit, den <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> zu verlassen.</p><p>�Du bist sehr freigiebig, Tarnsmann�, sagte der Stallbursche, der vor dem Vogel zur�ckwich. Es w�re nicht angenehm gewesen, von der Plattform f�nfundzwanzig Meter in die Tiefe geschleudert zu werden, besonders dann, wenn man gerade einen ganzen Silbertarsk bekommen hatte. Eine solche M�nze zu verteilen, war nat�rlich eine gewisse Prahlerei meinerseits. Andererseits w�rde ich sie nicht vermissen, da sie zu den M�nzen aus dem Geldbeutel des Kriegers geh�rte, dem Soldaten aus der Kompanie des Artemidorus.</p><p>Ich zog die Leiter hoch und machte sie am Sattel fest.</p><p>Die w�tenden Rufe � beinahe schon ein Tumult � waren lauter geworden. Es mu�ten vier oder f�nf M�nner beteiligt sein. Falls ich mich nicht irrte, ert�nten nun auch noch die Ger�usche von Schl�gen, gefolgt von St�hnen und Schmerzlauten.</p><p>Ich r�ckte das Geschirr zurecht, zog an den Z�geln, und der Vogel schritt erwartungsvoll durch das Tarntor hindurch zum Vorderrand der Plattform. Von einer solchen Plattform schwingt sich der Vogel mit einem einzigen Fl�gelschlag in die Luft.</p><p>�Da unten ist ein Kerl�, sagte der Stallbursche. �Er ist nackt! Er k�mpft!�</p><p>�Bemerkenswert�, sagte ich.</p><p>�Vermutlich hat er seine Rechnung nicht bezahlt und versucht zu fliehen�, vermutete der Stallbursche. Er schien es nicht eilig zu haben, nach unten zu eilen und in die Rauferei einzugreifen.</p><p>�Widerw�rtig�, sagte ich.</p><p>Ich hatte meine Rechnung vor Verlassen der Herberge bezahlt, wie es sich geh�rte. Wie sollte sie weiterhin bestehen, wenn keiner die Rechnung bezahlt? Man konnte nicht jeden Gast festhalten und die Zahlung eines L�segeldes verlangen oder jede Lady ausl�sen lassen. Auch wenn sich nicht leugnen l��t, da� einige abgelegene goreanische Herbergen nichts anderes als Sklavenfallen sind, die gew�hnlich mit dem �rtlichen Sklavenh�ndler zusammenarbeiten.</p><p>�Er scheint in diese Richtung zu kommen�, sagte der Stallbursche.</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>Falls dieser Bursche tats�chlich versuchte, die Flucht zu ergreifen, ohne vorher die Rechnung zu bezahlen � und falls es sich tats�chlich so verhielt, hatte er eine seltsame Richtung eingeschlagen �, konnte ich es ihm kaum ver�beln. Die Preise im <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> waren in der Tat unversch�mt. Zum Beispiel hatte sich meine Rechnung am Ende auf neunzehn Kupfertarsk belaufen, zus�tzlich ein Tarskst�ck f�r die Dienste der Lady Temione.</p><p>Die, wenn man es recht bedachte, furchtbar hohe Rechnung hatte sich wie folgt zusammengesetzt: zehn Kupfertarsk f�r die �bernachtung, zwei f�r die Benutzung des Bades, zwei f�r Decken, f�nf f�r Brot, Paga und Haferbrei sowie ein Tarskst�ck f�r Lady Temione, der einzige Posten auf der Rechnung, den man mit ein bi�chen guten Willen als gerechtfertigt h�tte bezeichnen k�nnen. Ich hatte am Morgen auf das Fr�hst�ck verzichtet, um Zeit zu sparen, aber es ist auch m�glich, da� ich es aus gerechtem Protest �ber die Preise getan hatte. Gl�cklicherweise hatte ich ein paar St�cke getrocknetes Tarskfleisch in meinem B�ndel.</p><p>�Und was tut unser Freund jetzt?� fragte ich.</p><p>�Er liegt am Boden! Sie haben ihn. Nein. Er ist wieder auf den Beinen!� berichtete der Stallbursche. �Ha! letzt haben sie ihn in Ketten gelegt!�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich zu dem Stallburschen. Ich hatte dar�ber nachgedacht, gegebenenfalls zu warten, f�r den Fall, da� es der Bursche bis zur Plattform schaffte, und dann abzufliegen, aber es schien nicht so, als sollte ihm dies gelingen. Zumindest nicht an diesem Morgen.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute!� rief der Stallbursche und hielt sich an einer Strebe des Tarntores fest.</p><p>Ich zog entschieden den einen Z�gel zur�ck, und der Tarn kreischte auf, schlug die Luft mit seinen Schwingen und flog!</p><p>Jeder Reiter kennt das Hochgef�hl, das von dem Ritt an sich, dem pr�chtigen Tier, seiner Kraft, seiner Geschwindigkeit und seiner Empf�nglichkeit ausgeht; wie man sich an der Macht des Pferdes berauscht, seinen Atem, die Bewegungen seines K�rpers und sogar das Auftreffen der Hufe auf dem Boden sp�rt. Es ist kein Wunder, da� die primitiven Stammesgesellschaften, denen das Pferd unbekannt war, vor Entsetzen flohen, als sie zum ersten Mal Reitern begegneten; sie hielten Reiter und Pferd f�r ein Wesen, je zur H�lfte Tier und zur H�lfte Mensch, eine ehrfurchtgebietende, unglaublich schnelle, riesige, bewaffnete Schim�re, vor der man nicht weglaufen konnte, die nur so �ber den Boden zu fliegen schien, ein unerm�dliches, unwiderstehliches, gnadenloses und unbarmherziges Wesen, dem die Welt rechtm��ig zu geh�ren schien.</p><p>Diesen ersten, von Furcht gepr�gten Blicken sind m�glicherweise auch die Geschichten �ber den Zentauren entsprungen, jene Kreatur, die halb Mann und halb Pferd ist. Zieht man die unberechenbare Weise in Betracht, in der halbvergessene historische Tatsachen die Phantasien zivilisierterer Zeiten beeinflussen, so ist es nicht unvorstellbar, da� die legend�re Natur dieses Wesens � seine Begierden, seine Gier und seine Macht � ihren Ursprung in jenem ersten Eindruck hatte, den der Reiter und sein Wesen in den Menschen hervorriefen, die sich zu Fu� bewegten. Und selbst in sp�teren Zeiten, als der Unterschied zwischen Pferd und Reiter deutlich wurde, nahm die Furcht vor dem Reiter und seinem Wesen keinesfalls ab. Gl�cklicherweise blieben die Reiterv�lker auf die Grenzen der Zivilisation beschr�nkt. Und dennoch, wie oft ritten sie einem Sturm gleich aus der W�ste heran � beispielsweise die Hyksos aus �gypten � und f�hrten ihre Pferde in die Getreidefelder. Das dem Reiter innewohnende Geheimnis wurde jahrhundertelang nicht in Frage gestellt. Erst Alexander sollte die Kavallerie zu einer entscheidenden Waffe schmieden. Jahrhunderte sp�ter zerst�rten der Steigb�gel und barbarische Lanzentr�ger die erfolgreichsten Kulturen der Welt. Das Wort Ritter bedeutet �brigens nichts anderes als Reiter.</p><p>Die Vorherrschaft der Kavallerie sollte bis zu den Revolutionen in der Infanterietaktik und der Gescho�technik ungebrochen bleiben, auf Dutzenden von Schlachtfeldern erprobte Dinge wie Lanzenw�lle und befiederte Pfeile. Etwas �hnliches wie das mit dem Reiten verbundene Gl�ck und Geheimnis findet sich auch auf Gor, nur da� es hier mit dem Tarn und nicht mit dem Pferd verbunden ist. Wenn man beispielsweise die Begeisterung kennt, die mit den Bewegungen und der Kraft eines edlen Pferdes einhergeht, hat man eine gewisse Vorstellung davon, wie der Flug auf einem Tarnr�cken ist. Da sind der Wind, das Tier zwischen den Schenkeln, die Geschwindigkeit, die nun in allen Dimensionen stattfindende Beweglichkeit: Aufsteigen, Sturzflug, Schweben, Wenden � alles in der Freiheit des Himmels! Die Verschmelzung von Mensch und Tier existiert auch hier. Es gibt sogar die Legende vom Tarntauros, eine Kreatur halb Mann, halb Tarn, die in der goreanischen Mythologie eine �hnliche oder beinahe entsprechende Rolle wie der Zentaur in den irdischen Sagen einnimmt. Den Tarnsmann umgibt auch etwas von dem Glanz, der mit dem irdischen Reiter verbunden ist, nicht zuletzt deshalb, weil die Technologiegesetze der Priesterk�nige, der geheimnisvollen, im verborgenen handelnden Beherrscher von Gor, die Mechanisierung des Transportwesens ausschlie�en. Die Zusammengeh�rigkeit organischen Lebens, die in der Beziehung zwischen Mann und Reittier ihren Ausdruck findet, eine symbiotische Harmonie, bleibt auf Gor bestehen.</p><p>Ich flog!</p><p>Eine Zeitlang lie� ich dem Vogel seinen Willen; nachdem wir einige Pasang zur�ckgelegt hatten, lie� ich ihn einen gro�en Kreis beschreiben, dessen Mittelpunkt die sich tief unter uns befindliche Herberge war.</p><p>Wenn man das erste Mal ein neues Reittier besteigt oder � ein �hnlicher Fall � sich eine neue Frau gef�gig macht, ist es angebracht, ihre F�higkeiten und ihr Wesen auszuloten. Im Falle des Tarns kann das eigene Leben davon abh�ngen, da� man seine Schnelligkeit kennt, sein Steigverm�gen, die Enge seiner Kurven und dergleichen mehr.</p><p>Der Vogel hielt sich pr�chtig in der Luft.</p><p>Er gewann an H�he. Der Aufstieg verlief steil und schnell. Die Luft wurde kalt. Ein derartiges Man�ver ist oft sehr n�tzlich. Es hatte mich mehr als einmal �ber meine Gegner getragen, deren Angriffsgeschwindigkeit eine schnelle Angleichung der Flugbahn verhinderte. Es dauerte ein paar Ehn, dann hatte ich die ann�hernde Flugh�he des Vogels in Erfahrung gebracht. Ich war weit vom Boden entfernt. Zu meiner Rechten schimmerte die Oberfl�che eines Sees wie eine Pf�tze. Ich hatte nicht einmal gewu�t, da� es ihn gab. Tief unter mir, zur linken Hand, schl�ngelte sich die Vosk-Stra�e in der Sonne wie ein heller Strich �ber das Land. Ich zog am vierten Z�gel, und der Tarn stie� j�h in die Tiefe. Das machte er sehr gut. Die Geschwindigkeit eines solchen Sturzfluges ist unglaublich. Selbst wenn er im letzten Augenblick aufgefangen wird, reicht die Wucht aus, das R�ckgrat eines ausgewachsenen Tabuks zu brechen. Als wir noch etwa vierzig Meter vom Boden entfernt waren, zog ich an den Z�geln, und der Vogel ging in waagerechten Flug �ber und schwebte niedrig �ber dem Gras. Bei einem solchen Flug kann man die Deckung eines Waldes, niedriger H�gel oder sogar die von Geb�uden ausnutzen, um sich einem Ziel anzun�hern. Nat�rlich vermindert der niedrige Flug im allgemeinen die Gefahr, gesehen zu werden.</p><p>Ich lie� den Tarn in die N�he der Herberge zur�ckfliegen.</p><p>Dann flog ich dreimal �ber den <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> hinweg, zweimal �ber die Palisade und den Tarndraht und einmal �ber Br�cke und Tor.</p><p>Beim ersten Mal lie� ich den Tarn etwa vierzig Meter �ber dem Hofboden auf der Stelle schweben, ein St�ck links hinter dem Hauptgeb�ude. Dort hockte ein gro�er, nackter, muskul�ser, b�rtiger Mann; er war mit starken Ketten an einen Sleenring gekettet, dessen Platte in den Felsen eingelassen worden war. Hand- und Fu�gelenke waren ziemlich dicht an den Ring gefesselt. Es war der Krieger aus der Kompanie des Artemidorus. Er hatte wohl nicht die Mittel gehabt, um die Rechnung zu bezahlen. Als er mich sah, wurde er pl�tzlich ganz aufgeregt. Allerdings konnte er kaum mehr tun als in die Hocke zu gehen, sich gegen den Ring zu stemmen und den Kopf in den Nacken zu legen. Er kreischte etwas, das ich allerdings nicht verstehen konnte. Vielleicht war es auch besser so. Ich winkte ihm fr�hlich mit der Kuriertasche zu, bevor ich weiterflog. Er schien nicht besonders dar�ber erfreut zu sein, wie sich die Ereignisse entwickelt hatten. Und wenn ich ehrlich war, konnte ich es ihm nicht einmal ver�beln.</p><p>Beim zweiten �berflug machte ich vor dem linken Geb�ude halt. Dort hatten die Ketten die erfreuliche Bekanntschaft der h�bschen Gefangenen gemacht, deren Namen, wie ich von Lady Temione im Pagaraum erfahren hatte, Rimice, Klio und Liomache lauteten; sie stammten aus Cos, Elene und Tyros. Dann war da noch Amina gewesen, die B�rgerin aus Venna. Die Ketten waren nun leer. Ich hatte mir am fr�hen Morgen die Freiheit genommen, sie durch meinen Beauftragten, einen pr�chtigen, wenn auch etwas zu duldsamen und kleinm�tigen Burschen namens Ephialtes, einen Marketender, ausl�sen zu lassen. Die f�nf Frauen hatten mich einhundertzweiundachtzig K.T. gekostet, was eine gewaltige L�cke in meinem Anteil an der Beute von Androns Bande gerissen hatte.</p><p>Zweifellos waren sie zuerst begeistert gewesen, da� ihre Schulden bezahlt worden waren. Sie hatten bestimmt gelacht und vor Freude in die H�nde geklatscht. Aber ihre Begeisterung hatte dann ein j�hes Ende gefunden, als sie erlebten, wie man ihnen Eisenkragen anlegte. Ich hatte durch Ephialtes auch die Lady Temione ausgel�st, was mich einen Silbertarsk f�nf kostete. Das war viel Geld, aber sie w�rde gut auf den Knien aussehen, nur mit einem Kragen bekleidet. Alles in allem hatten mich die Frauen zwei Silbertarsk und siebenundachtzig Kupfertarsk gekostet, wenn man den g�ngigen Kurs zugrunde legte, nach dem man f�r einen Silbertarsk einhundert Kupfertarsk bekam. Wenn alles nach Plan verlaufen war, befanden sich die Frauen auf dem Weg nach Ar-Station, vermutlich an Ephialtes Wagen gekettet. Es kam mir weniger darauf an, mit ihnen einen Gewinn zu machen. Das war nicht ihre wesentliche Rolle in meinem Plan.</p><p>Beim dritten Flug �ber die Herberge blieb ich kurz in der N�he der Br�cke schweben. Dort standen noch ein paar Wagen. Besonders einer davon erregte meine Aufmerksamkeit. An seiner Seite kniete eine st�mmige blonde Frau. Sie war nackt. Um ihren Hals hing eine schwere Kette, die unter den Wagen f�hrte, wo sie befestigt war. Ein Mann mit einer Peitsche in der Hand stand vor ihr. Ich sah, wie die Frau den Kopf senkte. Es handelte sich nicht um die dunkelhaarige schlanke Sch�nheit die sich am vergangenen Abend schaudernd in die Plane geh�llt hatte.</p><p>Die hatte Ephialtes, wenn alles gut vonstatten gegangen war, am Morgen gekauft. Sie w�re das erste M�dchen in dem Sklavinnenzug �freier Frauen� und w�rde die anderen in den n�tigen Disziplinen unterweisen, wie man einem Mann Freude bereitete; die Lektionen w�rden ihr Leben bald entscheidend ver�ndern und bereichern.</p><p>Die Wagenplane war zur�ckgeschlagen, vermutlich um seine vom Sturm feucht gewordene Ladung zu durchl�ften. Bis auf das P�rchen an seiner Seite schien sich niemand in seiner N�he aufzuhalten. Ich hegte nicht den geringsten Zweifel daran, da� die blonde Frau die ehemalige freie Gef�hrtin des Mannes war. Das M�dchen, das die Nacht unter dem Wagen verbracht hatte, war von dem Wagenbesitzer haupts�chlich aus dem eher l�cherlichen und fehlgeleiteten Grund gekauft worden, seine Gef�hrtin zu ermuntern, ihre Beziehung ernster zu nehmen. Offenbar hatte sie das dann auch getan, zumindest in dem Sinn, da� sie die Sklavin mit ausgesuchter B�sartigkeit behandelte. Aber jetzt war die Sklavin weg, und die Kette lag um ihren Hals. Anscheinend war er zum Herzen der Angelegenheit vorgedrungen. Es bestand kein Zweifel, da� sie ihre Beziehung von nun an ernst nehmen w�rde.</p><p>Ich lie� den Tarn wenden und auf vern�nftige Reiseh�he steigen. Unter mir erstreckte sich die Vosk-Stra�e, wir flogen nach Norden. Ein regul�res Regiment goreanischer Infanterie h�tte bei normaler Marschgeschwindigkeit und einschlie�lich der Zeit, die es brauchte, um am Nachmittag ein befestigtes Lager aufzuschlagen, vom <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> bis nach Ar-Station drei Tage gebraucht. Ephialtes und sein Wagen w�rden vermutlich die gleiche Zeit brauchen, vorausgesetzt, er lie� die M�dchen fahren. Goreanische Fu�soldaten werden in der Regel von den Wagen der Nachschubkolonne begleitet; Marketender und Sklavenh�ndler benutzen die gleichen Fahrzeuge.</p><p>Ich kannte nicht einmal den Namen der Sklavin, die mir am vergangenen Abend unter dem Wagen solches Vergn�gen bereitet hatte. Eigentlich hatte das auch keine Rolle gespielt, da sie eine Sklavin war, also hatte ich mir auch nicht die M�he gemacht, sie nach ihrem Namen zu fragen. Nun, da sie in meinen Besitz �bergegangen war, sollte ich ihr einen Namen geben. Es machte die Dinge einfacher. Die Zeit unter dem Wagen war wirklich sch�n gewesen. Das M�dchen hatte ausgesehen wie eine �Liadne�. Das war ein sch�ner Name. Ja, so w�rde ich sie nennen. Auch wenn sie es noch nicht wu�te, sie war ab jetzt Liadne.</p><p>Auf der Vosk-Stra�e befanden sich weniger Fl�chtlinge als am Vortag. Vermutlich hatten viele die Gegend in der Nacht hinter sich gelassen. Vielleicht war die Route jetzt auch gesperrt.</p><p>Ich flog nach Norden.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Das Zelt war winzig. Ich hockte mit �berkreuzten Beinen auf dem Boden. Ich hatte die notd�rftige Behausung am Rand des cosischen Feldlagers aufgeschlagen. Ringsum gab es unz�hlige kleine Zelte und Unterst�nde. Einige wurden von Soldaten bewohnt, doch die meisten geh�rten Zivilisten, Marketendern, Kaufleuten, Sklavenh�ndlern und dergleichen. Der n�chste Belagerungsgraben befand sich etwa einen halben Pasang entfernt. Von unserem Standort aus konnte man die Mauern von Ar-Station sehen. Das Lager bot ein friedliches Bild. Es war schwer zu glauben, da� jeden Tag in der N�he der Stadtmauer K�mpfe stattfanden; tats�chlich gab es manchmal sogar Nachtangriffe. Vor mir kochte Haferbrei in einem kleinen Topf. Es war kein gro�artiges Mahl. In den meisten H�usern von Ar-Station gab es vermutlich noch weniger zu essen.</p><p>Der erste Teil meines Plans hatte vorgesehen, Ar-Station so schnell wie nur m�glich zu erreichen; die Voraussetzung daf�r war der Flug auf dem R�cken eines Tarns gewesen, der aber keinesfalls die Aufmerksamkeit cosischer Tarnpatrouillen erregen durfte. Das war mir gelungen. Die Patrouillen, von denen es in dieser Gegend nur so wimmelte, hatten mich wegen meiner Uniform, der Ausr�stung und der deutlich sichtbaren Kuriertasche f�r einen Kurier gehalten.</p><p>Nat�rlich hatte ich die Hoffnung gehabt, einfach mit dem Tarn in Ar-Station einfliegen zu k�nnen. Doch wie bef�rchtet hatte sich das als unm�glich erwiesen. Nicht einmal die Kurierkleidung hatte mir den Zugang zu dem Luftraum �ber Ar-Station erm�glicht. Cosische Tarnk�mpfer hatten sofort die Verfolgung aufgenommen und auf mich geschossen.</p><p>Ich hatte es sofort am Nachmittag meiner Ankunft versucht und dann noch einmal am Abend. Ohne die St�rke meines Vogels und meine Flugk�nste w�re ich �ber der Stadt abgeschossen worden. Beim zweiten Versuch war mir die Flucht nur unter betr�chtlichen Schwierigkeiten gelungen, die Verfolger hatten mich �ber die Zitadelle und den Hafen gejagt, vorbei an den aneinandergeketteten Fl��en, die den Hafen blockierten, und �ber den Vosk selbst, wo ich sie im Schutz der Dunkelheit endlich absch�tteln konnte.</p><p>Die Tage, die ich danach im Feldlager verbracht hatte, waren nicht unn�tz gewesen. Ich hatte vieles in Erfahrung bringen k�nnen. Zuerst hatte ich gedacht, bei einem der morgendlichen Angriffe die Mauern von Ar-Station auf einer Sturmleiter �berwinden zu k�nnen, aber diesen Gedanken hatte ich bald wieder verworfen. Die Gegenwehr war noch immer so heftig, da� nur wenige Cosianer es bis zu den Zinnen schafften, und die Soldaten, denen es gelang, wurden f�r gew�hnlich zur�ckgedr�ngt. Obwohl es meiner Meinung nach durchaus m�glich war, auf diese Weise in die Stadt zu gelangen, schien mir diese Methode bei n�herer Betrachtung doch eher zweifelhaft. Ich konnte nicht so richtig einsehen, wie es meinen Pl�nen dienen sollte, wenn man mich bei dem Versuch, mich zu identifizieren und meine Mission zu erkl�ren, mit einem Bootshaken aufschlitzte. Genausowenig verlangte es mich danach, inmitten meiner Ansprache einen Eimer kochendes �l ins Gesicht gesch�ttet zu bekommen oder von einer aus der Stadt in die Tiefe geschleuderten Dachschindel von der Leiter gesto�en zu werden. Ich hatte auch in Betracht gezogen, Ar-Station einfach durch das Haupttor zu betreten, indem ich mir das Chaos eines von den Verteidigern gestarteten Ausfalls zunutze machte. Doch seit zwanzig Tagen hatte es keinen Ausfall mehr gegeben. Das allein zeigte deutlich die Not der Verteidiger, ihre Willenskraft und ihre Zahl.</p><p>Der Versuch, die Stadt w�hrend des Tages von der Hafenseite aus zu betreten, war mir wegen der Belagerer ebenfalls als nicht durchf�hrbar erschienen. Doch w�hrend der Nacht waren wiederum die Verteidiger vermutlich au�erordentlich aufmerksam.</p><p>Nat�rlich kannte ich weder die n�tigen Erkennungszeichen noch die Parolen. Vermutlich st�rzten sie sich auf einen, sobald man auch nur den Versuch unternahm, eine der Anlegestellen zu erklimmen. Mit Sicherheit patrouillierten sie das Pfahlwerk mit Ruderbooten. Ein zus�tzliches Problem f�r einen Schwimmer stellten die Voskaale dar, wie ich bei einer Unterhaltung mit einigen Soldaten erfahren hatte. Diese Fische lauern oft in dunklen Ecken unterhalb der Piers. F�r gew�hnlich ern�hren sie sich von Abf�llen und kleinen Fischen, doch es ist auch schon vorgekommen, da� sie Schwimmer angreifen. Die K�mpfe der vergangenen Wochen an den Fl��en und im Hafen selbst hatten � wie zu erwarten gewesen war � Flu�haie angelockt, die normalerweise viel weiter im Westen anzutreffen sind.</p><p>Mein zweiter Plan � beziehungsweise der zweite Teil meines Plans � schlo� die Frauen aus dem <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> ein. Wie erwartet waren sie am sp�ten Nachmittag in der Begleitung von Ephialtes dem Marketender eingetroffen. Ich war abseits seines Wagens mit ihm zusammengetroffen und hatte ihm befohlen, den Frauen mit Ausnahme von Liadne, dem ersten M�dchen und der einzigen richtigen Sklavin, eine Augenbinde anzulegen, bevor ich sie mir ansah. Liadne, die ihren neuen Namen entz�ckend fand, zeigte sie mir stolz. Sie hatte gute Arbeit mit ihnen geleistet, wenn man bedachte, da� sie nur drei Tage Zeit gehabt hatte. Die freien Frauen knieten ausgesprochen gerade, die B�uche eingezogen, die Schultern nach hinten, die Br�ste nach vorn gereckt. Au�erdem hockten sie auf den Fersen, die Beine gespreizt, wie Sklavinnen. Es waren alle da, Lady Temione, Lady Amina aus Venna, Lady Elene aus Tyros und Klio, Rimice und Liomache, die alle aus Cos kamen. Sie alle hatten M�nner ausnutzen wollen oder es zumindest versucht. Nun knieten sie vor mir, ohne zu wissen, vor wem sie knieten. Ich betrachtete sie. Einst waren sie hochm�tige, stolze freie Frauen gewesen. Nun knieten sie am Rande eines Feldlagers, ver�ngstigte, verwirrte, in Ketten gelegte Gefangene, denen man die Augen verbunden hatte. Sie wu�ten nicht, in wessen Macht sie sich befanden oder wie ihr Schicksal aussehen w�rde. Ich hatte Pl�ne f�r sie oder zumindest f�r einige von ihnen. Und sie w�rden bald erfahren, wie diese Pl�ne aussahen.</p><p>Temione und Klio wiesen ein paar blaue Flecken auf. Vermutlich hatten sie es gewagt, zu Anfang widerspenstig zu sein. Vielleicht hatten sie sogar Einw�nde dagegen gehabt, da� man sie nackt an einen Wagen kettete oder da� sie ohne Widerspruch den Befehlen eines Sklavenm�dchens gehorchen sollten, da� sie vor Liadne, dem ersten M�dchen, knien und sie als Herrin ansprechen sollten. Sie hatten geglaubt � zumindest im ersten Augenblick �, als freie Frauen st�nden sie �ber solchen Dingen. Sie hatten dazugelernt.</p><p>In Anbetracht der Gr��e der Belagerungsarmee hielten sich bedeutend weniger Frauen im Lager auf als erwartet. Ich hoffte, dies zu meinem Vorteil ausn�tzen zu k�nnen. Die meisten Frauen fand man bei den ankommenden und abfahrenden Sklaventransportern, die die meisten der Gefangenen fortbrachten. Das waren in der Hauptsache Frauen aus Ar-Station, die sich f�r etwas zu essen in die Sklaverei verkauft hatten und die man nun zu M�rkten wie Ven, Besnit, Port Olni und Harfax brachte. Die Frauen aus der Herberge hatten eine ansprechende Figur gemacht. Wie bereits gesagt, Liadne hatte gute Arbeit mit ihnen geleistet. Zwar hatten sie in der Zeit bestimmt nicht gerade viel von der Kunst gelernt, wie man M�nner erfreute, aber f�r meine Zwecke w�rde es wohl reichen. Die Cosianer in den Frontgr�ben und hinter den Schanzen und Hindernissen, die in der Vergangenheit die Hauptwucht der Ausf�lle hatten erdulden und ohne jeden Zweifel einen gro�en Beitrag zu den Angriffen geleistet hatten, w�ren sicherlich nicht abgeneigt eine Frau zu sehen, vor allem dann, wenn sie nackt und in Ketten war.</p><p>In der Ferne ert�nten Fanfaren. Ich trat aus dem Zelt. Weit voraus waren kleine Lichtpunkte zu sehen. Nach einiger Zeit kehrten die Umstehenden einer nach dem anderen in ihre Zelte zur�ck. Es war nur ein weiterer Angriff. Ich ging ebenfalls zur�ck ins Zelt und beendete mein Abendessen.</p><p>Es war Zeit zum Schlafengehen.</p><p>Morgen w�re die Zeit gekommen, meinen Plan durchzuf�hren.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>�Hier seht ihr Klio, die freie Frau�, verk�ndete ich und ri� das Laken von ihrem K�rper.</p><p>Sie hockte auf allen vieren in dem Belagerungsgraben und sah auf.</p><p>Rauhes Gel�chter erscholl.</p><p>Ich befestigte eine Leine an ihrem Hals.</p><p>�Sie hat bereits ihren Teil zu Cos� Sieg dazugetragen�, lachte ein Mann.</p><p>�Aber bestimmt nicht aus freiem Willen�, erg�nzte grinsend sein Kamerad.</p><p>�Du hast mich angeleint!� protestierte Klio und sah mich an.</p><p>Das rief weiteres Gel�chter hervor.</p><p>�Zieh lieber den Kopf ein�, riet ein Mann.</p><p>�Das ist nicht mehr n�tig�, sagte ein anderer. �Die schie�en nur noch selten, wenn sie kein klares Ziel haben.�</p><p>�Wo bin ich?� fragte Klio.</p><p>�Du befindest dich zweihundert Meter vor den Toren von Ar-Station�, erkl�rte ich.</p><p>Sie erbebte. Das hier war der vorderste der cosischen Belagerungsgr�ben. Selbst die Eing�nge zu den Minen, die nun mit Toren verschlossen und streng bewacht wurden, lagen hinter uns. Vor uns befanden sich nur noch die Vorsto�gr�ben, die streckenweise mit Holzplanken abgedeckt waren; sie f�hrten bis zu den Stadtmauern. Sie dienten nicht nur dazu, die Mauern zu unterminieren, sondern boten den angreifenden Soldaten auch Schutz. Die Errichtung von Vorsto�gr�ben verlangt von den Belagerern weniger Arbeit, aber sie sind nat�rlich viel einfacher zu entdecken und auszuschalten als die Minen. Eine Mine mu� nicht an der Mauer aufh�ren, sondern kann weit in die Stadt hineingetrieben werden, um im richtigen Augenblick ganze Kompanien in ihre Stra�en zu entlassen. Die Mauermine endet f�r gew�hnlich unter der Stadtmauer, wo man sie durch St�tzwerk aufrechterh�lt. Beim n�chsten Angriff brennt man die St�tzen einfach ab oder, was viel gef�hrlicher ist, schl�gt sie mit H�mmern weg, was zum Einsturz der Mine und damit der Mauer f�hrt. Angriff und Zusammenbruch der Mauer kann man ziemlich genau koordinieren, indem man die Zerst�rung der St�tzen und den Sturm durch dasselbe Signal ausl�st.</p><p>�Wo ist Elene?� fragte Klio. Als wir Ephialtes am Morgen verlie�en, hatte ich Elene aus Tyros und Klio aus Telnus mitgenommen.</p><p>�Die habe ich etwa hundert Meter hinter uns verkauft�, sagte ich.</p><p>�Was!� rief Klio.</p><p>Elenes Schulden im <emphasis>Krummen Tarn</emphasis> hatten f�nfunddrei�ig Kupfertarsk betragen, aber ich hatte sie f�r vierzig Kupfertarsk verkauft, ein bescheidener, beinahe unwiderstehlicher Preis, zumindest vor dem Fall der Stadt. Eine Kompanie hatte ihr Geld zusammengeworfen. Elene w�rde zuerst allen dienen, sp�ter w�rden sie dann um sie w�rfeln. Ich hatte den Soldaten den Eindruck vermittelt, als sei ich der Meinung, sie sei nicht soviel wert, au�erdem hatte ich so getan, als brauchte ich dringend Geld. Tats�chlich hatte ich sogar einen Gewinn mit ihr gemacht, womit ich nicht einmal gerechnet hatte. In erster Linie sollte Elene mir bei meinem Plan helfen, und das war nun geschehen.</p><p>�Ja, ich habe sie verkauft�, sagte ich als Antwort auf Klios ungl�ubigen Blick. Die Soldaten lachten.</p><p>�Und bevor ich sie verkaufte, hat sie getanzt.�</p><p>�Nein, bitte!� rief Klio.</p><p>W�hrend ich die ganze Zeit so getan hatte, als wolle ich einen guten Preis f�r Elene erzielen, war ich durch das Netz der Gr�ben immer n�her auf die Mauer von Ar-Station zuger�ckt. Ein Graben zuvor hatte ich sie dann verkauft. Ein paar der Soldaten aus diesem Vorposten waren nach hinten gekommen, um zuzusehen. Es war �berhaupt nicht schwierig gewesen. In meiner Tarnung als S�ldner, der zwei Frauen zu verkaufen hatte, war es leicht, sich durch die Gr�ben zu bewegen. Ich war den M�nnern sp�ter durch einen Verbindungsgang zu dem Vorposten gefolgt.</p><p>�Hast du die Beste wirklich schon verkauft?� fragte ein Mann.</p><p>�Ich wei� es nicht, es kommt auf den Standpunkt an�, erwiderte ich. �Ich zum Beispiel w�rde sie ausw�hlen.�</p><p>Klio sah mich �ngstlich an.</p><p>�Ich glaube, das w�rde ich auch�, sagte einer der M�nner.</p><p>�Sie ist eine wohlgeformte Sch�nheit.�</p><p>�Wir sollten auch die Beste bekommen, schlie�lich sind wir diejenigen, die an vorderster Front stehen.�</p><p>�Bleib du auf dem Posten�, sagte ein Soldat zu seinem Kameraden; die beiden standen auf einer niedrigen Holzplattform am vorderen Grabenrand.</p><p>�Mir gefiele sie auch�, erkl�rte ein anderer Soldat.</p><p>Klio sah sich um. Ich beobachtete, da� ihr die Blicke und die offene Bewunderung der Soldaten gefiel.</p><p>�La� sie tanzen�, sagte ein Mann.</p><p>Ich zog an der Leine. Klio beachtete es nicht. �H�rt mir zu�, wandte sie sich an die M�nner. �Soldaten aus Cos, Krieger im Dienst der Wahrheit und Gerechtigkeit, R�cher von Verbrechen, Landsleute von der anderen Seite des Meeres, ich bin Lady Klio aus Telnus, aus Cos! Ich bin eine freie Frau! Ich bitte um euren Schutz! Rettet mich vor diesem Barbaren! Bekleidet und ehrt mich! Bringt mich in W�rde in die Freiheit zur�ck!�</p><p>�Viele dieser Burschen hier kommen nicht aus Cos, sondern sind S�ldner im Dienste von Cos�, sagte ich.</p><p>Klio blickte sich um. Auf den Gesichtern der meisten M�nner sah sie nichts anderes als Belustigung.</p><p>�Ich komme aus Telnus�, sagte ein Soldat.</p><p>�Ich auch�, sagte sein Kamerad.</p><p>�Dann befreit mich!� rief sie. �Ich verlange es!�</p><p>Sie l�chelten.</p><p>Diese M�nner waren Frontk�mpfer. Sie hatten Ausf�lle abgewehrt, Angriffe anderer Kompanien unterst�tzt und selbst Angriffe unternommen; sie waren oft eingesetzt worden und hatten ihr Leben riskiert. Die Belagerung hatte sich lange hingezogen und war erbittert gef�hrt worden. Diejenigen unter ihnen, die nicht aus Cos kamen, k�mpften f�r ihren Sold und etwas Beute, vielleicht f�r eine Frau oder zwei � und f�r Gold; Appelle an ihre cosische Herkunft oder ihren Patriotismus konnten sie kaum r�hren. Ihre Loyalit�t galt sicherlich weniger Cos als ihren Hauptleuten und ihren Kameraden. Einige von ihnen h�tten wohl auch zu ihrem Wort, ihrem Soldateneid und ihrem Vertrag gestanden, vorausgesetzt, sie h�tten begriffen, was sie da an den Rekrutierungstischen unterzeichneten. Und was die M�nner aus Cos anging, die B�rger von Tyros und ihre Verb�ndeten, so waren sie mittlerweile abgestumpfte Veteranen � wenn sie es nicht schon zuvor gewesen waren �, M�nner, die sich kaum von den Bitten sch�ner Frauen r�hren lassen w�rden, die daran gew�hnt waren, solche Frauen in Ketten zu sehen.</p><p>�Warum bist du nicht in Telnus?� fragte jemand.</p><p>Verbl�fft schwieg Klio.</p><p>�Sie lebte von M�nnern, sie folgte ihnen und nutzte sie aus�, sagte ich. �Sie war eine Zechprellerin. Ich habe ihre Rechnung bezahlt, und darum ist sie <emphasis>de facto</emphasis> in meinen Besitz �bergegangen, im Rahmen der Freikaufgesetze.�</p><p>�Wo war das?� fragte ein Soldat.</p><p>�Im S�den, an der Vosk-Stra�e�, sagte ich. �Im <emphasis>Krum-</emphasis><emphasis>men Tarn,�</emphasis></p><p>�Die Herberge kenne ich!� sagte einer der M�nner.</p><p>�Ich auch�, sagte ein anderer.</p><p>�Mich hat dort mal eine Frau ausgenommen�, sagte der erste Sprecher. �Ihre Ausl�sung hat mich drei Silbertarsk und Reisegeld gekostet, damit sie nach Cos zur�ckkam. F�r meine ganzen Bem�hungen habe ich nicht einmal einen Ku� bekommen; sie meinte, das w�rde unsere Beziehung in den Schmutz ziehen, sie auf eine k�rperliche Ebene erniedrigen. Sie hat mir von der Mietkutsche aus, die sie fortbrachte, mit den Ausl�sungspapieren, die ihre Freiheit garantierten, zugewinkt und mich ausgelacht. Ich war ein Narr. Seitdem habe ich oft davon getr�umt, sie in meiner Gewalt zu haben. Ich w�rde es ihr zeigen. Ihr Name war Liomache.�</p><p>Das war interessant. H�tte ich das gewu�t, h�tte ich Liomache mitgebracht. Es war durchaus m�glich, da� es sich bei der Liomache, die sich noch bei Ephialtes befand, und der Frau, von der der Soldat gesprochen hatte, um ein und dieselbe Frau handelte. Falls das stimmte, w�re sie zweifellos erfreut gewesen, ihre Bekanntschaft mit dem Soldaten zu erneuern. Er w�re mit Sicherheit begeistert gewesen.</p><p>�Ich werde dir nicht noch einmal den Befehl zum Tanzen geben�, sagte ich. Klio lie� den Kopf h�ngen, dann begann sie, mit aufreizenden Bewegungen langsam zu tanzen. Sie machte es nicht einmal schlecht f�r jemanden, dem die Ausbildung fehlte.</p><p>�Gro�artig!� sagte ein S�ldner.</p><p>�Ja, genau�, sagte ein anderer. �Sie soll weitermachen.�</p><p>Klio tanzte.</p><p>Ein b�rtiger Veteran trat an meine Seite, ohne das M�dchen aus den Augen zu lassen. �Ich kaufe sie�, sagte er.</p><p>�Sie ist aber nicht billig�, erwiderte ich.</p><p>�Einen Silbertarsk!� rief er.</p><p>�Einverstanden!� Mit soviel hatte ich nicht gerechnet. Ich ging zu Klio her�ber und nahm die Leine fort. Der Silbertarsk wechselte den Besitzer. Ich hatte ihn noch nicht in den Geldbeutel gesteckt, als bereits das Klicken des zuschnappenden Sklavenkragens erklang. Der Soldat hatte keinen Augenblick lang gez�gert.</p><p>�La� sie weitertanzen!� rief einer seiner Kameraden. Er nickte. Klio tanzte wieder, und die M�nner traten n�her an sie heran. Selbst der Posten war von seiner Plattform gestiegen und hatte sich zu ihnen gesellt.</p><p>Ich entfernte mich unbemerkt und hielt auf den n�chsten Vorsto�graben zu. An einigen Stellen war er mit Planken abgedeckt, um die Arbeiter oder die Soldaten zu sch�tzen. Nach einer Ehn hatte ich sein Ende erreicht, etwa achtzehn Meter vor der Stadtmauer. �berall lagen Felsbrocken herum, die man vermutlich von der Mauer geworfen hatte. Einige hatten die sch�tzenden Planken durchbrochen und steckten im Graben. Mein Herz klopfte schneller. Ich stieg aus dem Graben, schwenkte ein wei�es Tuch, das genau wie auf der Erde auch auf Gor den Waffenstillstand verk�ndet, und kletterte den ziemlich steilen H�gel zur Stadtmauer hinauf.</p><p>�Hallo!� rief ich. �Nicht schie�en! Ich bin ein Freund! Ich riskiere viel, da� ich hier bin. Mich schickt Gnieus Lelius, der Regent von Ar, ich �berbringe eine Botschaft f�r Aemilianus! La�t mich hinein!�</p><p>Oben auf der Mauer blieb alles still.</p><p>Es gab keine Ausfallpforten, das Stadttor lag Hunderte von Metern entfernt. Au�erdem w�rde es in dieser Situation bestimmt nicht f�r einen einzelnen Mann ge�ffnet werden.</p><p>Ich schwenkte eifrig die provisorische wei�e Flagge.</p><p>Der goreanische Brauch, einen Waffenstillstand durch eine wei�e Flagge anzuzeigen, scheint auf eine direkte historische Verbindung zur Erde hinzuweisen. Man k�nnte glauben, da� viele goreanische Institutionen und Br�uche ihren Ursprung auf der Erde haben. Andererseits k�nnte es sich in diesem besonderen Fall auch um einen Zufall handeln; eine wei�e Flagge verk�rpert ziemlich offensichtlich die gew�nschte Neutralit�t. Manchmal bedient man sich auch leerer Flaggen, beziehungsweise mit wei�em Stoff unkenntlich gemachter Flaggen. Es gibt noch andere M�glichkeiten, um diese Absicht zu verdeutlichen, so wie das symbolische Niederlegen der Waffen, aber ich hatte in dieser Situation bestimmt nicht vor, meine Waffen abzulegen.</p><p>�La�t mich ein!� rief ich.</p><p>Befand sich denn niemand auf der Mauer?</p><p>Ich sah zum Graben zur�ck. Dort schien es keine ungew�hnliche Aktivit�t zu geben.</p><p>�Hallo!� rief ich und schwenkte das Tuch. �Hallo!�</p><p>Nichts r�hrte sich.</p><p>�Ist da keiner?�</p><p>Einen verr�ckten, irrwitzigen Augenblick lang fragte ich mich allen Ernstes, ob die Stadt verlassen war. Das war nat�rlich unm�glich. Die Garnison und die Bewohner h�tten nicht unbemerkt abr�cken k�nnen. Das Land wurde belagert. Die Gegend wimmelte vor Cosianern und ihren S�ldnern und Verb�ndeten. Der Hafen wurde von Fl��en und Schiffen abgeriegelt. Vermutlich lag es daran, da� die Stadtmauern nur mit wenigen M�nnern besetzt waren. Bestimmt rief man die �briggebliebenen Verteidiger durch einen Alarm zu den bedrohten Stellen. Ich bef�rchtete, jeden Augenblick von den Cosianern ertappt zu werden; dann s��e ich an der Mauer in der Falle.</p><p>�Ist denn da keiner?� rief ich. Ich ging davon aus, da� die Entfernung zu den cosischen Linien reichte, um nicht von ihnen geh�rt zu werden.</p><p>Pl�tzlich wurde ein an einem Seil festgemachter Korb �ber die Mauer geworfen und in die Tiefe gelassen.</p><p>Ich eilte darauf zu. In dem Korb lag eine goldene Tarnscheibe.</p><p>�Du bist verr�ckt, am Tag zu kommen!� rief eine Stimme von oben, �Schnell, leg die Lebensmittel in den Korb und verschwinde! Hoffe, da� dich niemand gesehen hat!�</p><p>Ich trat ein St�ck zur�ck. Dann steckte ich die wei�e Flagge in den G�rtel.</p><p>Der Versuch, an dem Seil hochzuklettern, war sinnlos, da sie es durchschneiden oder einfach fallen lassen konnten; falls ich oben nicht willkommen war, konnten sie mich auch einfach erstechen.</p><p>�Ich bin Tarl aus Port Kar!� rief ich. �Einer Stadt, die Cos feindlich gesinnt ist.�</p><p>�Hast du etwas zu essen?� fragte ein Mann. Ich sah sein Gesicht, neben einer der Zinnen der Brustwehr, etwa f�nfundzwanzig Meter vom Fu� der Mauer entfernt. Es war hager und verschlossen.</p><p>�Ich komme von Gnieus Lelius, dem Regenten von Ar. Ich habe eine Botschaft f�r Aemilianus! La� mich ein!�</p><p>Neben einer anderen Zinne erschien die Spitze einer Armbrust. Diese Zinnen sind an der Au�enseite breiter als an der Innenseite, was f�r ein gr��eres Schu�feld sorgt.</p><p>�Hast du etwas zu essen?�</p><p>�Nein!�</p><p>�Dann verschwinde!�</p><p>Der Korb wurde an paar Meter nach oben gezogen.</p><p>�La�t mich ein!� rief ich. �Seht her! Ich habe auch eine Kuriertasche, die ich einem von Artemidorus� Kurieren abgenommen habe. Sie k�nnte wichtige Informationen enthalten!�</p><p>�Wie es scheint, hast du viele Gr�nde, warum wir dich in die Stadt lassen sollen�, sagte ein Mann.</p><p>�Nun macht schon�, erwiderte ich. �Nicht schie�en!� wandte ich mich an den Armbrustsch�tzen.</p><p>�Verschwinde!� rief ein Soldat.</p><p>�Ja, du w�rst verr�ckt, dich in diese Stadt zu wagen�, meinte ein anderer Soldat.</p><p>�Er ist ein Spion, der hinter unsere Mauern sehen will, der unsere Verteidigung auskundschaften will!�</p><p>�Nein!� sagte ich. �Wenn ihr wollt, k�nnt ihr mir eine Augenbinde anlegen. Bringt mich zu Aemilianus!�</p><p>�Man hat dich gesehen�, mischte sich ein weiterer Soldat ein. Ich sah eine Hand, die auf die cosischen Linien deutete.</p><p>Ich drehte mich um. Ein paar M�nner waren aus dem Graben geklettert.</p><p>�Deine Freunde rufen dich�, meinte der Armbrustsch�tze. Seine Waffe bewegte sich. Auf einem Sims erschien eine weitere Armbrust.</p><p>�Nicht schie�en!� rief ich.</p><p>�Spion!�</p><p>�Nein! Das bin ich nicht!�</p><p>�K�mst du nicht aus Cos, h�ttest du nicht ihre Linien �berwinden k�nnen!�</p><p>�Ich komme nicht aus Cos!�</p><p>�Und wie hast du ihre Linien dann �berwunden?�</p><p>�Mit Hilfe einer List.�</p><p>Gel�chter ert�nte, h��liches Gel�chter.</p><p>�La�t mich ein!�</p><p>�Kehr zu deinen Freunden zur�ck!� rief der Armbrustsch�tze.</p><p>�Ich komme aus Port Kar! Ich bin ein Kurier f�r Gnieus Lelius. Holt Aemilianus, wenn keiner von euch das entscheiden kann!�</p><p>�Deine Freunde sind im Graben. Sie kommen dir zu Hilfe! Vielleicht schaffst du es ja, den Graben unverletzt zu erreichen. Lauf!�</p><p>Ich r�hrte mich nicht von der Stelle. Tats�chlich schien sich etwas in dem Graben zu bewegen.</p><p>�La�t mich in die Stadt!� rief ich. Dann rannte ich zum Fu� der Mauer. Dort, wo ich eben noch gestanden hatte, bohrten sich zwei Armbrustbolzen in den Boden.</p><p>�La�t mich in die Stadt!� rief ich vom Fu� der Mauer aus. Es w�re schwer, mich dort zu treffen.</p><p>�Wenn du ein Freund bist, so zeig dich!�</p><p>�Ja, komm ins Freie, wo ich dich sehen kann�, meinte eine andere Stimme lockend. Es war der Armbrustsch�tze.</p><p>Pl�tzlich prallte neben meinem Kopf ein Bolzen gegen die Mauer; er kam aus Richtung des Vorsto�grabens.</p><p>�Sie schie�en auf ihn!�</p><p>Der Soldat hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als das Feuer auch schon von der Brustwehr erwidert wurde; ein Bolzen prallte von einem der Felsbrocken ab und wirbelte durch die Luft, ein anderer bohrte sich in eine der sch�tzenden Holzplanken �ber dem Graben und blieb stecken.</p><p>Ich h�rte, wie der Korb die Mauer entlangschleifte, als er sich wieder senkte.</p><p>Ein Mann richtete sich �ber den Grabenrand auf, seine Armbrust zeigte in meine Richtung. Ich rannte auf das Seil zu, erst schnell, dann wieder langsam, wobei ich den Sch�tzen die ganze Zeit nicht aus dem Blick verlor. Das abgefeuerte Gescho� jagte an mir vorbei und traf die Mauer. Der Cosianer hatte zu hoch gezielt. Dann hatte ich das Seil erreicht. Ich stie� mich von der Mauer ab und baumelte einen Moment lang unkontrolliert herum, dann ging es in die H�he; halb kletterte ich, halb wurde ich gezogen. Im Graben ert�nte der Befehl zum Schie�en. Zwei Bolzen schlugen �ber mir ein. Auf der Mauer wurde zur�ckgeschossen. Ich kletterte weiter, zog mich fieberhaft Hand �ber Hand in die H�he, wenn das Seil ruhte, wenn man es in die H�he zog, beschr�nkte ich mich darauf, mich daran festzuklammern. Manchmal kletterte ich auch und wurde gleichzeitig gezogen. Dabei stie� ich mich die ganze Zeit immer wieder von der Mauer ab und baumelte vor und zur�ck, um den Sch�tzen im Graben kein ruhendes Ziel zu bieten. Armbrustbolzen lie�en Steinsplitter durch die Luft fliegen, ein paar ritzten mir die Haut auf, und dann, endlich, nach einem scheinbar nicht enden wollenden Aufstieg, hatte ich mit wundgescheuerten und brennenden H�nden die Brustwehr erreicht, und H�nde griffen nach mir und zogen mich �ber den Sims.</p><p>�Danke�, keuchte ich.</p><p>Man stie� mich hinter der Brustwehr auf den Wehrgang, hielt mich fest und nahm mir die Kuriertasche und alle Waffen ab.</p><p>�Zieht ihn aus und legt ihn in Ketten!� befahl eine Stimme.</p><p>Kurze Zeit sp�ter lag ich b�uchlings und nackt auf dem Laufgang, die H�nde auf den R�cken gefesselt. Von den Handschellen f�hrte eine Kette nach unten, wo sie mit der Kette zwischen den Fu�schellen verschmolz.</p><p>�Ich bin Tarl aus Port Kar�, sagte ich. �Ein Kurier im Auftrag von Gnieus Lelius, dem Regenten von Ar!�</p><p>�Setzt ihm eine Haube auf�, befahl die gleiche Stimme wie vorher. �Nehmt seine wei�e Flagge dazu.�</p><p>Das Tuch, das mir als Flagge gedient hatte, wurde zusammengefaltet, mir �ber den Kopf gest�lpt und unter dem Kinn zusammengeknotet.</p><p>�Er soll knien!�</p><p>Die Soldaten zerrten mich auf die Knie.</p><p>�Das hier hatte er dabei.�</p><p>Durch die provisorische Haube konnte ich kaum etwas wahrnehmen, nicht mehr als ein paar Schatten.</p><p>�Legt ihm ein Seil um den Hals.�</p><p>Ein Schatten beugte sich �ber mich. Man streifte mir eine Schlinge um den Hals.</p><p>�Macht mich frei�, sagte ich. �Bringt mich zu Aemilianus! Die Botschaft in meinem Geldbeutel ist f�r ihn. M�glicherweise interessiert er sich auch f�r den Inhalt der Kuriertasche. Ich wei� es nicht. Ich habe sie einem von Artemidorus� Kurieren abgenommen, s�dlich von hier, an der Vosk-Stra�e, in der Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn.�</emphasis></p><p>�Mit verh�lltem Kopf und einem Strick um den Hals wirst du nicht viel von unseren Verteidigungsstellungen sehen k�nnen�, sagte die Stimme.</p><p>�Bringt mich zu Aemilianus�, verlangte ich.</p><p>�Halt den Mund, Spion�, sagte ein Krieger.</p><p>�Ich bin kein Spion�, erwiderte ich aufgebracht.</p><p>�Wir sollten ihn aufh�ngen�, sagte der Krieger. �Zeigen wir den Sleen aus Cos, da� wir mit ihren Spionen keine Zeit verschwenden.�</p><p>�Ich bin kein Spion!�</p><p>�Machen wir das Seil hier fest�, fuhr der Sprecher fort. �Dann k�nnen sie zusehen, wie ihr Spion �ber die Mauer geworfen wird und dort h�ngenbleibt, keine Ihn nach seinem Eindringen in die Stadt.�</p><p>Jemand ri� an dem Seil um meinen Hals.</p><p>Kr�ftige H�nde packten mich an den Oberarmen.</p><p>�Sie haben auf mich geschossen! Ihr habt es doch gesehen!�</p><p>�Aber sie haben dich verfehlt!�</p><p>�W�re es euch lieber, sie h�tten mich getroffen?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht w�re es f�r dich besser gewesen, sie h�tten dich getroffen�, meinte der Soldat grimmig.</p><p>Man zerrte mich auf die F��e.</p><p>�Ich bin unter dem Schutz der wei�en Fahne gekommen�, sagte ich. �Respektiert man in Ar-Station auf diese Weise die Kriegskonventionen?�</p><p>Der Griff der M�nner war fest. Durch den wei�en Stoff entdeckte ich links von mir die Umrisse der Zinnen. Ein Luftzug strich durch sie hindurch.</p><p>�Wartet�, sagte der Mann, der Befehl gegeben hatte, mich zu fesseln. �Wir h�tten beinahe unsere Ehre vergessen. Wir danken dir, da� du uns daran erinnert hast. Nat�rlich besch�mt es uns, da� es ein Sleen aus Cos tat. Doch das spielt keine Rolle. Da� wir daran erinnert wurden, z�hlt allein.� Der Soldat verstummte. �Bis zu diesem Augenblick war mir nicht bewu�t, da� wir sosehr gelitten haben. Bis zu diesem Augenblick war mir nicht bewu�t, da� man uns sosehr verletzt hat, da� unsere Wunden so schwerwiegend sind.�</p><p>�Ich glaube, in den Gr�ben formieren sich die Cosianer�, unterbrach ihn ein Soldat.</p><p>�Es ist der Morgenangriff�, sagte ein anderer Soldat m�de.</p><p>�Fremder�, sagte der Mann, der von Ehre gesprochen und hier anscheinend als Offizier das Kommando hatte. �Du sollst wissen, da� dich die wei�e Flagge gerettet hat. Und ich mu� gestehen, da� es tragischerweise beinahe anders ausgegangen w�re. Aber nun, unter ihrem Schutz, bis du so sicher, als w�rst du von Eisenmauern umgeben. Daf�r sorgt die Ehre von Ar-Station. Darum gebe ich dir die M�glichkeit, zu den M�nnern aus Cos zur�ckzukehren, wenn das dein Wunsch ist.�</p><p>�Bringt mich zu Aemilianus�, verlangte ich.</p><p>�Ich halte dich f�r einen Spion�, sagte er.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du wei�t, da� du den Schutz der Flagge verlierst, wenn du jetzt zu Aemilianus gehst�, sagte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Bringt ihn zu Aemilianus�, befahl er.</p><p>�Gebt mir etwas, um meine Bl��e zu bedecken�, bat ich, �selbst wenn es nur ein Fetzen meiner Tunika ist.�</p><p>�Es sind viele Cosianer�, sagte der Soldat an der Brustwehr.</p><p>�Du kamst als Spion�, sagte der Offizier. �Und als gefangener Spion wirst du auch vor Aemilianus gebracht. Schafft ihn hier weg!�</p></section><section><title><p>11</p></title><p>�Da ist er�, sagte die Stimme.</p><p>Man zwang mich auf die Knie. Der Boden war hart und kalt, vermutlich Steinfliesen.</p><p>Das Tuch, das ich als wei�e Flagge benutzt hatte, wurde mir vom Kopf gerissen. Ich blinzelte, sah mich um.</p><p>Wie ich vermutet hatte, kniete ich auf Steinfliesen, vor einem kurulischen Stuhl, der auf einem mit Stufen versehenen Podest stand.</p><p>Neben dem Stuhl, auf einer der breiten Stufen, kniete eine blasse Sklavin, sie hatte blonde Haare und trug eine knappe Tunika.</p><p>�Du darfst gehen, Shirley�, sagte der Mann auf dem Stuhl.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. Ihr Kopf war zur Seite gedreht, ihr Blick abgewandt. Ich war ein freier Mann; h�tte sie mich ohne Erlaubnis angesehen, w�re sie m�glicherweise bestraft worden. Es kommt vor, da� Sklavenm�dchen auf der Stra�e nackte freie Gefangene ansehen, sie manchmal sogar verspotten, aber in Gegenwart ihres Herrn w�rden sie es bestimmt nicht wagen.</p><p>Shirley ist ein irdischer Name, aber ich glaubte nicht, da� sie von der Erde kam. Ihr Akzent deutete jedenfalls nicht darauf hin. Goreaner geben ihren M�dchen manchmal irdische Namen, da sie sie f�r ausgezeichnete Sklavennamen halten. F�r goreanische Ohren haben Namen wie �Jean� oder �Joan� einen exotischen Klang, au�erdem werden sie als passend angesehen f�r Sklavinnen, die von solch weit entfernten, geheimnisvollen Orten wie �Tennessee� oder �Oregon� kommen.</p><p>�Ja�, sagte der Mann auf dem kurulischen Stuhl; er war kr�ftig, machte aber einen ersch�pften Eindruck.</p><p>Ein blutiger Verband war um seinen Kopf gewickelt. �Sie war einmal sehr sch�n.�</p><p>Ich wandte ihm meine Aufmerksamkeit zu. Auf seinem Scho� lagen die ge�ffnete Kuriertasche und der Briefzylinder aus meinem Geldbeutel. Er war mit Wachs und Schlaufe versiegelt gewesen, das Wachs hatte das Siegel von Gnieus Lelius getragen, des Regenten von Ar.</p><p>�Bist du Aemilianus, der Kommandant von Ar-Station?� fragte ich.</p><p>�Das bin ich�, sagte er und betrachtete mich.</p><p>Ich warf der Sklavin einen Blick zu, die sich umgedreht hatte und mich ansah.</p><p>Aemilianus l�chelte. �Hat sie es gewagt, dich anzusehen?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Sie sind so neugierig.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Shirley?� rief er, ohne einen Blick an sie zu verschwenden.</p><p>�Herr?� fragte sie von der Seitent�r her, an der sie stand.</p><p>�Erinnere mich heute abend daran, dich zu bestrafen!�</p><p>�Ja, Herr!� schluchzte sie, wandte sich um und floh aus dem Raum.</p><p>�Sie sind Frauen�, sagte ich. �Sie k�nnen nichts daf�r.�</p><p>�Mich st�rt nicht, was sie getan hat�, sagte er. �Sie wird bestraft, weil sie es getan hat.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Selbst in schweren Zeiten ist es gut, die Disziplin aufrechtzuerhalten.�</p><p>�Zweifellos.�</p><p>�Wei�t du, wo du bist?� fragte er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Du befindest dich in der Zitadelle.�</p><p>�Das habe ich mir gedacht.� Es war ein logischer Ort f�r das Hauptquartier der Stadt.</p><p>�Du bist Tarl, ein Mann aus Port Kar? Das hast du meinen M�nnern auf der Mauer gesagt?�</p><p>Ich nickte. �Ich bin Tarl aus Port Kar.�</p><p>�Und du behauptest, der Kurier des Regenten zu sein?�</p><p>�Ich bin der Kurier des Regenten�, sagte ich. �Warum bin ich noch immer nackt und gefesselt?�</p><p>�Warum sollte der Regent einen B�rger Port Kars zum Kurier machen? Findest du das nicht merkw�rdig?�</p><p>�Vielleicht�, antwortete ich. �Ich habe ihm Briefe von Dietrich von Tarnburg �berbracht. M�glicherweise kam ihm der Gedanke, ich k�nnte Ar auf �hnliche Weise dienen.�</p><p>�Dietrich, der Tarn von Tarnburg?� fragte er �berrascht.</p><p>�Vielleicht nennen ihn einige so�, sagte ich. �Ich bin nie Zeuge geworden, da� er diesen Ausdruck benutzt, ich kann mich auch nicht erinnern, da� es die Leute seiner Umgebung getan h�tten. Ich glaube nicht einmal, da� ihm diese Bezeichnung gefiele.�</p><p>�Und wie sieht er sich?� fragte Aemilianus.</p><p>�Als Dietrich�, sagte ich. �Als Dietrich von Tarnburg, ein Soldat, ein Hauptmann.�</p><p>�Dietrich vom silbernen Tarn?�</p><p>�Es stimmt, sein Feldzeichen ist der silberne Tarn.�</p><p>�Er ist ein S�ldner�, sagte Aemilianus bitter.</p><p>�Er h�lt zur Zeit Torcodino besetzt, um den Vorsto� der Cosianer nach S�den aufzuhalten.�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Aemilianus.</p><p>Erst in diesem Augenblick begriff ich das Ausma� der Isolierung von Ar-Station. Aemilianus kannte nicht einmal so grunds�tzliche Tatsachen wie die Vorst��e Dietrichs von Tarnburg.</p><p>�Dar�ber steht doch sicherlich etwas in Gnieus Lelius� Brief oder Briefen, die ich �berbracht habe.�</p><p>�Auch du bist ein S�ldner �, sagte er ver�chtlich.</p><p>�Ich bin bezahlt worden�, best�tigte ich.</p><p>�Jedermanns Gold kann dein Schwert kaufen�, sagte er.</p><p>�Vielleicht nicht jedermann�, antwortete ich. Viele S�ldner suchen sich ihre Auftraggeber mit gro�er Sorgfalt aus.</p><p>�Ist dir der Inhalt der Kuriertasche bekannt? Denn darum scheint es sich hier ja zu handeln.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Wie dir nicht entgangen sein d�rfte, war ihr Siegel ungebrochen.�</p><p>�Vielleicht hat man dir gesagt, was sie enth�lt, bevor sie versiegelt wurde.�</p><p>�Nein. Ich habe sie in der Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn</emphasis> einem von Artemidorus� Kurieren abgenommen. Das habe ich deinen M�nnern gesagt.�</p><p>�Und du erwartest, da� ich das glaube?�</p><p>�Wie h�tte ich sie sonst bekommen sollen?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht aus den H�nden von Artemidorus pers�nlich.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Ich bin durchaus bereit, dir zu glauben, da� du �ber den Inhalt der Tasche nicht Bescheid wu�test.�</p><p>�Warum?� fragte ich verbl�fft.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, da� du es gewagt h�ttest, hierher zu kommen, h�ttest du �ber ihren Inhalt Bescheid gewu�t.�</p><p>Mir gefiel gar nicht, was ich da h�rte. �Was ist der Inhalt?�</p><p>�Er ist nicht einmal verschl�sselt�, sagte Aemilianus. �Findest du es nicht ungew�hnlich, da� Artemidorus, ein Tarnsmann, ein gerissener Befehlshaber, milit�rische Dokumente auf so sorglose und offene Weise transportiert?�</p><p>�Vielleicht ist er vermessen oder hochm�tig�, sagte ich. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Kommt es dir nicht merkw�rdig vor?�</p><p>�Doch, ja.�</p><p>�Ich glaube, ich sollte diese Dokumente erhalten�, sagte Aemilianus.</p><p>�Das bezweifle ich�, meinte ich. �Was steht darin?�</p><p>�Es handelt sich um einen Bericht des Geheimdienstes. Er beschreibt St�rke und Position von Ars Heer.�</p><p>�Darf ich fragen, wo es sich befindet?� Ich hatte oft dar�ber nachgedacht.</p><p>�Ich werde dir verraten, wo es wirklich ist�, sagte Aemilianus. �Es kommt uns in einem Gewaltmarsch zu Hilfe.�</p><p>�Auf welcher Route?� fragte ich �berrascht.</p><p>�Auf der Viktel Aria, nach Norden!�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich bin auf der Viktel Aria gekommen. Da ist das Heer nicht. Niemand hat es gesehen, nicht im Umkreis von Hunderten von Pasang.�</p><p>Aemilianus l�chelte.</p><p>�Darf ich fragen, wo es dem Bericht zufolge ist?�</p><p>�Der Bericht behauptet, es befinde sich vor Holmesk, einhundert Pasang s�dlich des Vosk, im Winterlager.�</p><p>�Im Winterlager? W�hrend Cos vor Torcodino steht und Ar-Station belagert wird?�</p><p>�Du begreifst, wie l�cherlich dieses Dokument ist?� fragte Aemilianus.</p><p>�Allerdings�, sagte ich beeindruckt.</p><p>�W�re dir dies bekannt gewesen, h�ttest du den Transport vielleicht abgelehnt�, sagte er mit einem L�cheln.</p><p>Ich wollte aufstehen, aber man stie� mich zur�ck auf die Knie.</p><p>�Kommandant, ich gebe zu bedenken, da� dieser Bericht die Wahrheit sein k�nnte, so unglaublich es auch scheint�, sagte ich dr�ngend. Die Situation nahm pl�tzlich alarmierende Konturen an. Im Gegensatz zu Aemilianus war ich davon �berzeugt, da� der Bericht � von Einzelheiten abgesehen � der Wahrheit entsprach.</p><p>Aemilianus lachte, und einige der Soldaten schlossen sich ihm an.</p><p>�Wo ist denn der Entsatz aus Ar?� fragte ich. �Wo?�</p><p>Aemilianus warf mir einen w�tenden Blick zu.</p><p>�Auch wenn ihr hier isoliert seid und belagert werdet�, sagte ich, �so m��te euch doch klar sein, da� die Belagerung von Ar-Station kein Geheimnis sein kann. H�tte man ein Entsatzheer losgeschickt, w�re es schon l�ngst eingetroffen. Auch wenn du der Zukunft voller Optimismus entgegensiehst, so kann ich mir doch nicht vorstellen, da� deine M�nner auf der Stadtmauer diese Einstellung teilen. Ich habe sie gesehen. Sie sind hungrig. Sie sind abgemagert. Sie sind verzweifelt. Auch wenn du anders dar�ber denkst � meiner Meinung nach haben sie begriffen, da� ein Entsatzheer schon vor langer Zeit h�tte eintreffen m�ssen!�</p><p>Ich h�rte, wie hinter mir ein Schwert zur H�lfte aus der Scheide gezogen wurde. Dann wurde es genauso w�tend wieder hineingerammt.</p><p>�Der Bericht ist falsch�, sagte Aemilianus. �Er ist nicht einmal klug verfa�t. Die St�rke des bei Holmesk �berwinternden Heeres w�rde bewirken, da� sich fast s�mtliche Divisionen Ars im Norden aufhalten, was undenkbar ist. Man braucht keine so gro�e Streitmacht, um eine Belagerung zu beenden. Ar w�re in diesem Fall ohne jede Verteidigung, seine Territorien, ja, die Stadt selbst w�re der Gnade der Salerianer, der Travianer oder der Tharnianer ausgeliefert, sogar den Heeren kleiner St�dte wie Tarnburg oder Hochberg.�</p><p>Ich sagte: �Es k�nnte Verrat im Spiel sein.�</p><p>Hinter mir erscholl �rgerliches Gemurmel.</p><p>�Man k�nnte euch aufgegeben haben.�</p><p>�La� mich ihm die Kehle durchschneiden�, sagte ein Mann hinter mir.</p><p>�Allein Dietrich steht zwischen Ar und Cos�, fuhr ich fort, �in Torcodino, wo er den cosischen Nachschub und ihr Belagerungsger�t erbeutet hat.�</p><p>�Er h�tte Torcodino nicht einnehmen k�nnen�, sagte Aemilianus. �Daf�r hat er zu wenige Leute.�</p><p>�Er hat die Stadt durch einen �berraschungsangriff besetzt, �ber die Aqu�dukte.�</p><p>�Er h�tte zu wenige M�nner, um die Stadt halten zu k�nnen�, sagte Aemilianus.</p><p>�In Torcodino ist ihm das cosische Belagerungsger�t in die H�nde gefallen�, sagte ich. �Den letzten Nachrichten zufolge ist die Stadt zwar eingeschlossen, aber nicht angegriffen worden. Tats�chlich hat der gr��te Teil des cosischen Expeditionsheeres, das dem Heer von Ar keineswegs zahlenm��ig unterlegen ist, wie ich dir versichern kann, vermutlich das Winterlager bezogen, und ein Zehntel der Truppen befindet sich in der Umgebung von Torcodino. Die Situation, in der Cos sich befand, war eindeutig. Cos konnte ohne das Belagerungsger�t nicht weiter vorr�cken, und es w�rde mehrere Monate brauchen, um das Material zu ersetzen.�</p><p>�Und was wird deiner Meinung nach geschehen?� fragte Aemilianus.</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete ich. �Sobald Cos �ber neues Ger�t verf�gt, k�nnte es Torcodino angreifen, und sei es nur, um Dietrich zu bestrafen. Myron ist der Polemarkos von Cos, der Befehlshaber des Expeditionsheeres; ich an seiner Stelle w�rde mit Torcodino, einem nebens�chlichen Objekt, keine Zeit verschwenden, sondern sofort auf Ar zu marschieren. Dietrich k�nnte dann zwar entkommen, aber mit seinen wenigen M�nnern k�nnte er den cosischen Vorsto� bestenfalls behindern, aber nicht aufhalten. Au�erdem k�nnte man in diesem Fall seine Kompanien jagen und vernichten, dazu bed�rfte es nur einen kleinen Teil des cosischen Heeres.�</p><p>�Warum sollte Dietrich sich auf ein so gef�hrliches Unternehmen wie die Einnahme von Torcodino einlassen?�</p><p>�Dort gibt es reiche Beute zu machen�, sagte ich.</p><p>�Die kann man in Hunderten von St�dten finden.�</p><p>�Seine Sympathien geh�ren weder Ar noch Cos�, erkl�rte ich. �Er z�ge es vor, da� keiner von beiden siegt. Ein solcher Sieg, gleichg�ltig, von welcher Seite, und die dadurch entstehende Hegemonie w�rden sicherlich die Existenz der freien S�ldnerkompanien bedrohen oder sie sogar vernichten. Davon abgesehen wird allgemein bef�rchtet, da� ein solcher Sieg die soziale Vielfalt, den Pluralismus und die Freiheit zerst�rt, wie wir sie jetzt auf Gor haben.�</p><p>�Und du teilst diese Bef�rchtungen?�</p><p>�Ich w�re wenig begeistert �ber eine Welt, die allein von Marlenus aus Ar oder Lurius aus Jad beherrscht wird.�</p><p>�Ist denn der Frieden nicht wichtiger als alles andere?� fragte Aemilianus.</p><p>�Nein.�</p><p>�Es f�llt mir schwer zu glauben, da� dein Eintreten f�r diese Dinge in einer solch abstrakten Richtung liegt.�</p><p>Darauf antwortete ich nicht. Er brauchte meine eigentlichen Beweggr�nde nicht zu erfahren, die ich nur wenigen anvertraute und weswegen ich die Reise nach Ar urspr�nglich angetreten hatte, eine Reise, auf der es mich nur zuf�llig nach Torcodino verschlagen hatte. So ging ihn zum Beispiel der Inhalt der Geheimpapiere nichts an, die mir im letzten Se�Kara in Brundisium in die H�nde gefallen waren und die ich schnell verbrannt hatte. Jene Papiere waren ein eindeutiger Beweis f�r den Verrat einer Person gewesen, die zur Zeit in Ar eine hohe Stellung bekleidete.</p><p>�Ich werde dir nun die Situation erkl�ren, wie sie sich genau verh�lt�, verk�ndete Aemilianus. �Fast das ganze Expeditionsheer aus Cos liegt hier vor Ar-Station. Ihm fehlen die M�nner, die n�tig sind, um in den S�den vorzusto�en. Cos will die Macht �ber das Voskbecken erringen � im �brigen das einzige, was es sich erhoffen kann. Torcodino ist ein Verb�ndeter von Ar und niemals gefallen. Es gibt im S�den kein cosisches Invasionsheer. Die Geschichte �ber Dietrich von Tarnburg ist reine Erfindung. Dieser angebliche Geheimdienstbericht, eine ebenfalls absurde Erfindung, soll uns in die Verzweiflung treiben. Es ist eine List, um uns zur Aufgabe zu bewegen. Glauben die Belagerer wirklich, wir w�rden uns davon �berzeugen lassen, da� uns dieser Bericht gerade jetzt zuf�llig in die H�nde f�llt? Glauben sie wirklich, wir n�hmen ihn ernst? Er ist nicht einmal verschl�sselt. Die Absurdit�t dieses Dokumentes, das uns glauben machen soll, Ar st�nde mit fast seinem ganzen Heer tatenlos da, w�hrend wir angegriffen werden � da� man uns mit anderen Worten im Stich lie�e, ist der Beweis, da� sich das Entsatzheer aus Ar in unmittelbarer N�he befindet, vielleicht nur einen oder zwei Tage entfernt.�</p><p>Hinter mir ert�nte zustimmendes Gemurmel, das sich in meinen Ohren recht verzweifelt anh�rte.</p><p>�Ich kenne den Standort von Ars Heer nicht�, sagte ich, �aber ich vermute, er befindet sich genau dort, wo ihn dieser Bericht lokalisiert, der Artemidorus auf den neuesten Stand der Dinge bringen soll. Ich wei� nicht, warum man ihn nicht verschl�sselt hat. Vielleicht ist diese Information kein so gro�es Geheimnis, zumindest nicht f�r die Cosianer. Schlie�lich ist es nicht leicht, den Aufenthaltsort Tausender von M�nnern vor einem Feind zu verbergen, der �ber Tarnaufkl�rer verf�gt. Ich sage dir, im S�den gibt es tats�chlich eine cosische Invasionsstreitmacht, gegen die das Belagerungsheer hier vor Ar-Station wie eine Kompanie aussieht. Deine Annahme, die Cosianer k�nnten eine solche Landstreitmacht nicht aufstellen, beruht auf der Vermutung, da� sie sie aus ihren eigenen Reihen aufstellen. Du mu�t aber begreifen, da� die Mehrzahl der M�nner, die dir gegen�berstehen, keine Cosianer sind, sondern deren Verb�ndete und S�ldner.�</p><p>�Hast du �berhaupt eine Vorstellung, was es kosten w�rde, ein solches Heer aufzustellen?� fragte Aemilianus.</p><p>�Ich sch�tze, Lurius ist bereit, alles Gold von Cos auf einen Sieg zu setzen und seine Investition in der Zukunft tausendfach wettzumachen.�</p><p>�Soviel Gold gibt es in ganz Cos und Tyros nicht.�</p><p>�Vielleicht kommt es ja nicht nur aus Cos und Tyros�, wandte ich ein.</p><p>�Und woher dann?�</p><p>�Von St�dten, denen an einem cosischen Sieg liegt�, sagte ich, �und aus Ar selbst.�</p><p>Ich sp�rte, wie man mir ein Messer an den Hals setzte, knapp �berhalb der Schlinge.</p><p>�Du kennst also den Inhalt der Nachricht nicht, die im Briefzylinder war?� fragte Aemilianus.</p><p>�Nein.�</p><p>�Hast du mit eigenen Augen gesehen, wie der Regent den Zylinder schlo� und mit Wachs versiegelte?�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ein Untergebener hat ihn mir �bergeben, und zwar in dem Zustand, in dem du ihn bekommen hast.�</p><p>�Es ist ein kleiner Scherz von seiten des Regenten�, sagte Aemilianus.</p><p>�Ein Scherz?�</p><p>�Ja. Dein Verrat und deine Hinterm�nner sind lange vor deinem Eintreffen hier in Ar aufgedeckt worden.�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte ich.</p><p>��Der �berbringer dieses Zylinders, der sich Tarl aus Port Kar nennt, ist ein cosischer Spion��, las Aemilianus. ��Verfahr mit ihm, wie Du es f�r richtig h�ltst.��</p><p>�Nein!� rief ich. Ich wollte aufstehen, wurde jedoch erneut mit Gewalt auf die Knie gezwungen. Dort hielt man mich fest. Ein Soldat trat mit dem Fu� auf das Seil, das um meinen Hals hing, und zwang mich, den Kopf gesenkt zu halten. Ich hob ihn, soweit es in meiner Macht stand, um Aemilianus anzusehen.</p><p>Grimmiges Gel�chter erscholl.</p><p>�Hast du wirklich geglaubt wir erg�ben uns?� fragte Aemilianus. �Wei�t du wirklich nicht, wie erbittert und langwierig diese Belagerung war? Wei�t du nicht, wie schrecklich die K�mpfe waren? Oder welch hohe Verluste Cos und wir davongetragen haben? Hast du wirklich geglaubt wir w��ten nicht welches Schicksal uns erwartet, �ffneten wir die Tore?�</p><p>Man ergriff mich noch fester, das Seil wurde um ein weiteres St�ck verk�rzt.</p><p>�Aber wo ist das Entsatzheer aus Ar?� fragte ein junger Mann. Es war das erste Mal, das er sich zu Wort meldete.</p><p>�Ich hoffe, es ist auf dem Weg�, sagte Aemilianus.</p><p>�Aber warum ist es noch nicht eingetroffen?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Aemilianus.</p><p>�Es ist m�glich, da� sie zu sp�t kommen, nicht wahr?�</p><p>�Auch das ist m�glich.�</p><p>�Die Sicherheit der Stadt liegt in deinen H�nden, Kommandant�, sagte der junge Mann. �Du bist f�r die Sicherheit der B�rger verantwortlich. Ich finde, angesichts der j�ngsten Ereignisse solltest du �ber eine Alternative nachdenken.�</p><p>�Wer sollte es tun?� fragte Aemilianus.</p><p>Ich verstand nicht, wovon sie sprachen.</p><p>�Ich werde es tun!� sagte der junge Mann.</p><p>�Nein!� rief ein �lterer Mann. �Wir wollen eher bis zum letzten Mann sterben, bevor wir zu einer derartigen Handlung Zuflucht suchen!�</p><p>�Man w�rde uns auslachen!� meinte ein anderer.</p><p>�Ihr seid damals nicht auf dem Flu� gewesen�, sagte Aemilianus.</p><p>�Mit deiner Erlaubnis, Kommandant?� fragte der junge Mann.</p><p>�Geh�, sagte Aemilianus resigniert.</p><p>�Nein!� rief der �ltere, aber der junge Mann hatte sich bereits abgewandt und verlie� den Raum.</p><p>�Er wird es niemals aus der Stadt schaffen�, sagte der �ltere.</p><p>�Er wird bei Sonnenuntergang tot sein�, meinte ein anderer Mann.</p><p>�H�rt. Die Fanfaren!�</p><p>�Der Morgenangriff hat begonnen!�</p><p>Aemilianus erhob sich unsicher auf die F��e. �Meine Herren�, sagte er, �la�t uns auf unsere Posten gehen.� Dann blickte er m�de auf mich herunter. �Wie ich h�rte, bist an der Mauer beinahe aufgeh�ngt worden.�</p><p>Ich sah zu ihm hoch, so gut ich konnte, sagte aber kein Wort.</p><p>�Vielleicht ist es ganz gut, da� das nicht geschehen ist. Aufh�ngen ist ein zu schneller Tod f�r einen Spion.�</p><p>Ich k�mpfte vergeblich gegen die M�nner an.</p><p>�Bringt ihn zu der anderen Spionin�, befahl Aemilianus.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Das Seil um meinen Hals wurde entfernt.</p><p>Ich stand vor einer offenen Eisent�r.</p><p>�Entfernt seine Fesseln�, befahl ein Offizier.</p><p>Man nahm mir die Hand- und Fu�schellen ab. Zwei Armbr�ste zielten auf mich. Jede verd�chtige oder pl�tzliche Bewegung endete garantiert damit, da� sich zwei spitze Eisenbolzen in meinen K�rper bohrten.</p><p>Man stie� mich durch die T�r. Sie krachte hinter mir ins Schlo�. Ein schwerer Riegel wurde vorgeschoben.</p><p>Ich stand in einer Zelle, deren aus gro�en flachen Steinen bestehender Boden mit Stroh bedeckt war. In den Ecken lag weiteres Stroh. Der Raum ma� etwa sechs Quadratmeter. Aus einem Fenster hoch oben in der Wand drang Licht herein. Das Fenster war vergittert. Die Gitterst�be schienen ungef�hr f�nf Zentimeter dick zu sein; die L�cke dazwischen hatte die gleiche Abmessung.</p><p>Ich trat zur T�r. Sie war stabil, ihre Angeln befanden sich auf der anderen Seite. In ihrer Mitte war ein rechteckiges Guckloch, das nur von au�en ge�ffnet werden konnte. Durch den schmalen Schlitz im unteren Teil der T�r, der zur Zeit ebenfalls verschlossen war, konnte man eine Tasse Wasser oder etwas zu essen hereinschieben. Ich sah mich genau um. Ich �berpr�fte den Boden und die W�nde. Es war eine sehr stabile Zelle. Es war die Art von Zelle, in der Gefangene zu ihrer Best�rzung bald erkennen m�ssen, da� eine Flucht unm�glich ist, da� sie vollkommen hilflos sind.</p><p>Erst dann wandte ich mich der Gefangenen zu.</p><p>Sie wich zur Wand zur�ck. Sie kniete am Boden, im Stroh, nackt und ver�ngstigt, die Knie eng aneinandergepre�t. Als man mich in die Zelle gebracht hatte, war sie zusammengezuckt und hatte protestierend aufgeschrien. Dann hatte sie sich Stroh �ber Oberschenkel und Scho� geschoben und sich zusammengekr�mmt, um ihre Bl��en zu bedecken. Jetzt starrte sie mich mit einem wilden Blick an.</p><p>�Warum haben sie dies nur getan?� fragte sie.</p><p>�Was denn?� fragte ich.</p><p>�Dich zu mir gesperrt?�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>Sie kr�mmte sich noch mehr zusammen.</p><p>�Bist du ein Ehrenmann?� fragte sie dann.</p><p>�Nein.�</p><p>Sie st�hnte. �Sie m�ssen mich sehr hassen�, weinte sie. �Das haben sie absichtlich getan! Reicht es denn nicht, da� sie mir die Kleidung weggenommen und mich hier eingesperrt haben?�</p><p>�Du bist eine Spionin�, sagte ich.</p><p>�Dann mu�t du auch ein Spion sein, wenn sie dich zu mir gesperrt haben!� rief sie.</p><p>�Zumindest glauben sie das�, erwiderte ich gereizt.</p><p>�Mich haben sie erwischt!� rief sie. �Was werden sie mit mir anstellen?�</p><p>�Bist du eine freie Frau?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Nat�rlich!�</p><p>�Dann wird es bestimmt nicht angenehm!�</p><p>Sie st�hnte auf.</p><p>Ich blickte zum Fenster hoch. In dem Raum gab es keinerlei Hilfsmittel, um dort hinauf zu gelangen, nicht einmal um hinauszusehen.</p><p>�Sie geben mir nicht einmal genug zu essen, damit ich �berleben kann!� rief sie aus.</p><p>�Vermutlich bekommst du genausoviel wie alle anderen Bewohner Ar-Stations auch�, meinte ich.</p><p>�Die Stadt mu� bald fallen�, sagte sie. �Dann wird man uns retten!�</p><p>�Die Zitadelle kann lange gehalten werden, nachdem die Mauern gefallen sind�, sagte ich. �Sie h�tten genug Zeit, um uns zu t�ten.�</p><p>Sie lie� den Kopf h�ngen und fing an zu schluchzen.</p><p>�Wann bekommen wir unser Essen?� fragte ich.</p><p>�Mittags�, schniefte sie und sah mich �rgerlich an.</p><p>�Mu�t du f�r dein Essen eine Gegenleistung erbringen?�</p><p>Aus dem �rger in ihrem Blick wurde blanke Wut.</p><p>�Also hatte ich recht.�</p><p>�Nicht mehr�, sagte sie. �Sie haben jetzt eine Aufseherin. Die M�nner wurden auf der Stadtmauer gebraucht.�</p><p>�Mu�test du auf alle Arten dienen?�</p><p>�Nein�, sagte sie noch immer w�tend. �Nur tanzen und vor der Klappe posieren. Sie haben die Zelle nie betreten.�</p><p>�Warst du eine gute T�nzerin?�</p><p>�Wenn ich mir keine M�he gab, habe ich nichts zu essen bekommen�, sagte sie bitter.</p><p>�Hat dir das Tanzen und Posieren gefallen?�</p><p>�Bist du verr�ckt?�</p><p>�Vielleicht.� Doch innerlich mu�te ich l�cheln. Das war etwas zu schnell gekommen, um ehrlich zu sein.</p><p>Ich sah zu Boden.</p><p>�Wir haben hier eine Gef�ngnisw�rterin?� fragte ich dann.</p><p>�Mach dir keine Hoffnungen. Sie kommt nicht in die Zelle.�</p><p>�Wer bist du eigentlich?�</p><p>�Claudia, eine Lady aus Ar-Station.�</p><p>�Wo hat man dich gefangengenommen?�</p><p>�Auf der Stadtmauer�, sagte sie. �Ich wu�te nicht einmal, da� sie mich verd�chtigen, bis ich das Seil um den Hals sp�rte.�</p><p>Ich setzte mich auf den Boden, der T�r zugewandt. �Erz�hl mir davon.�</p><p>�Zweifellos sind unsere Geschichten sehr �hnlich.�</p><p>�Das ist schon m�glich.�</p><p>Sie sprach nun freier, da ich sie nicht mehr ansah.</p><p>�Man �berging mich, verweigerte mir zustehende Ehrungen und den damit verbundenen Aufstieg�, begann sie. �Ich wollte sogar im diplomatischen Auftrag nach Ar reisen, aber man zog andere mir vor. Welch ein Fehler!�</p><p>�Erz�hl weiter!�</p><p>�Ich bin eine wundersch�ne und �beraus kluge Frau�, sagte sie. �Doch meine Vollkommenheit wurde nicht ausreichend belohnt.�</p><p>�Vielleicht bist da ja doch nicht mehr als h�bscher Durchschnitt�, sagte ich.</p><p>�Man hat meine Talente mi�achtet�, beharrte sie w�tend.</p><p>Ich konnte mir schon vorstellen, da� sie talentiert war, aber bestimmt nicht auf den Gebieten, die sie meinte.</p><p>�Dann standen die Cosianer vor unseren Toren. Wir alle f�rchteten um unser Leben. Nach Wochen wurde klar, da� Ar nicht zu unserer Rettung kam. Jeder war f�r sich selbst �berlassen. Die Klugen mu�ten sich aus eigener Kraft retten. Und ich w�rde klug sein. Manchmal stiegen die Frauen in der Nacht auf die Mauer, um K�rbe von den Brustwehren hinunterzulassen, in denen Geld f�r Essen lag. Wie du vielleicht wei�t, zogen sich einige der Frauen, die �ber keine Mittel verf�gten, auch aus und kletterten hinunter, um sich dem erstbesten Cosianer hinzugeben. Sie verkauften sich f�r ein St�ck Brot in die Sklaverei.�</p><p>Es gab in Ar-Station noch immer Lebensmittel, auch wenn es den Anschein hatte, da� auf den Stra�en kaum noch etwas zu bekommen war. Zum Beispiel bekam selbst Claudia, eine auf frischer Tat ertappte Spionin, etwas zu essen.</p><p>�Aber f�r mich kam so etwas nat�rlich nicht in Frage�, fuhr sie fort. �Ich hatte kein Bed�rfnis, in Ketten in einem Kreuzungsstall in Tyros zu enden, um f�r Chenbar, den See-Sleen, Sklaven f�r den Steinbruch zu geb�ren.�</p><p>Ich hatte meine Zweifel, da� sie ein solches Schicksal zu bef�rchten hatte, denn sie war zierlich, h�bsch und mit einer bezaubernden Figur ausgestattet. Au�erdem verbrachten die wenigsten Frauen lange Zeit in einer solchen Einrichtung. Wie lange kann es schon dauern, eine Sklavin zu schw�ngern, der man den Sklavenwein vorenth�lt und die man im genau richtigen Augenblick ihres Zyklus dort unterbringt?</p><p>�Ich machte es mir zur Gewohnheit, mit den anderen Frauen �zum Fischen� zu gehen, wie sie es nannten. Nat�rlich sorgte ich daf�r, jede Nacht zur selben Zeit an derselben Stelle zu sein. Die ersten paar Male legte ich Geld in den Korb. Als ich dann die Summe erh�hte, bekam ich Brot und etwas Gem�se. Kannst du das glauben? Ein paar Suls f�r einen Silbertarsk?�</p><p>�Der Preis ist jetzt noch h�her�, sagte ich. Als man mir den Korb heruntergelassen hatte, hatte ein Goldtarn daringelegen.</p><p>�Dann fing ich an, Botschaften in den Korb zu legen, zuerst ganz unverf�ngliche, zum Beispiel fragte ich nach der Position des Entsatzheeres und dergleichen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Aber anscheinend begriff man sehr schnell, was ich wollte, denn kurz darauf lagen unter den Lebensmitteln Zettel mit Fragen, die sich auf die Zust�nde in der Stadt bezogen.�</p><p>�Hast du sie beantwortet?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Zu diesem Zeitpunkt warst du eine Spionin.�</p><p>�Das habe ich anders gesehen�, sagte sie. �Diese Informationen waren doch bestimmt allgemein bekannt.�</p><p>�Nicht notwendigerweise�, erwiderte ich. �Sicher, f�r gew�hnlich gibt es Spitzel, wenn nicht sogar Verr�ter, die solche Dinge verl��lich erledigen.�</p><p>�Als ich den Korb das n�chste Mal in die H�he zog, war in einem St�ck Sa-Tarna-Brot eine genau formulierte Frage versteckt. �Bist du f�r Cos?� In der n�chsten Nacht lie� ich die Antwort hinunter. Ich hatte �Ja� geschrieben.�</p><p>�Ab diesem Augenblick warst du eine Verr�terin�, sagte ich.</p><p>�Ar-Station hat mich verraten!� rief Claudia. �Es hat mir nicht das gegeben, was ich wollte. Es hat mich nicht einmal mit Missionen nach Ar betraut! Davon abgesehen � glaubst du etwa, da� eine Person wie ich ihr ganzes Leben hier am Vosk verbringen will?�</p><p>�Was ist dann geschehen?�</p><p>�Ich hatte meine Position klargemacht, ihnen war klar, da� ich verhandeln w�rde, und zwar hart verhandeln w�rde.�</p><p>�Hast du Lebensmittel verlangt?�</p><p>�Die hatte ich. Ich hatte sie seit dem Beginn der Belagerung gehortet, sie sogar aufgekauft, wenn sie billig waren, zu Anfang, als man noch glaubte, da� Ar jeden Tag mit flatternden Fahnen eintreffen und die Cosianer vertreiben w�rde wie die aufsteigende Sonne die Flu�fr�sche.�</p><p>�Also f�r Gold!� sagte ich.</p><p>�Ja! F�r Gold und f�r Juwelen!�</p><p>�So wie es aussieht, hast du im Augenblick nur wenig Gold oder Juwelen.�</p><p>Ich h�rte, wie sie aufgebracht in dem Stroh herumscharrte.</p><p>�Es w�re kl�ger gewesen, du h�ttest nicht angefangen, um Bezahlung zu feilschen, nachdem du Cos deine Treue erkl�rt hattest�, meinte ich.</p><p>�Warum denn das?�</p><p>�Weil du Cos deine Treue erkl�rt hast�, sagte ich. �Wie die B�rger Ars erwarten auch die Cosianer von jenen, die sich freiwillig ihrer Sache verschreiben, da� sie ihnen aus freien St�cken dienen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, eben nicht wie Kaufleute oder S�ldner.�</p><p>�Wo liegt denn da der Unterschied?�</p><p>�Manchmal machen solche Dinge den Unterschied zwischen Reicht�mern und dem Sklavenkragen aus.�</p><p>�Ich habe in meinen Verhandlungen Vorkehrungen getroffen, damit so etwas nicht geschieht�, sagte Claudia. �F�r meine Hilfe habe ich nicht nur Geld verlangt, sondern auch die Gew�hrleistung meiner Freiheit und Sicherheit.�</p><p>�Also da� man dich nicht zur Sklavin macht zum Beispiel.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Aber einmal angenommen, du wirst in der Zwischenzeit von anderen versklavt.�</p><p>�Das w�re eben das Ende gewesen�, erwiderte sie. �Ich w�re eine Sklavin gewesen. Eine Sklavin ist eine Sklavin.�</p><p>�Das ist richtig.� Die Cosianer hatten zugestimmt, sie nicht zu versklaven, aber nicht, sie zu befreien, falls sie eine Sklavin wurde. Wie sie gesagt hatte: Eine Sklavin ist eine Sklavin.</p><p>�Au�erdem habe ich Macht in Ar-Station gefordert, sollte die Stadt nicht zerst�rt werden, denn hier gibt es Leute, die mich betrogen haben und an denen ich mich r�chen wollte. Und ich wollte, da� man mir einige der Frauen als Sklavinnen zur Verf�gung stellt, damit ich sie M�nnern verkaufen konnte.�</p><p>�Du warst gr�ndlich.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du mu�test dich also nur auf die Ehre von Cos verlassen.�</p><p>�M�nner sind ehrenhaft.�</p><p>�Manche Frauen auch�, sagte ich.</p><p>�Meine Treue geh�rt mir�, sagte sie gereizt.</p><p>�F�r Frauen wie dich gibt es Einrichtungen�, murmelte ich.</p><p>�Was?�</p><p>�Erz�hl weiter.�</p><p>�Nachdem man meine Bedingungen akzeptiert hatte, erhielt ich ausgesprochen genaue Anweisungen. Diese Anweisungen bezogen sich auf alle m�glichen Informationen, die Versorgungslage der Stadt, den Zustand der Mauern und Tore, wo sich die schw�cheren und weniger verteidigten Stellen befinden, die zahlenm��ige St�rke der Garnison, die St�rke der B�rgermiliz, die Posten der W�chter, ihre Abl�sung und dergleichen mehr. Dinge wie Parolen konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Soweit ich herausfand, wurden sie t�glich gewechselt.�</p><p>�So verf�hrt man im allgemeinen.�</p><p>�Jede Nacht gab ich alles weiter, was ich in Erfahrung gebracht hatte. Im Gegenzug erhielt ich Gold und Juwelen.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Hast du deinem Kontaktmann oder vielmehr deinen Kontaktleuten, denn es waren bestimmt mehrere, deinen Namen mitgeteilt?�</p><p>�Daf�r war ich zu schlau�, sagte sie. �Allerdings habe ich einen Passierschein und eine Best�tigung f�r geleistete Dienste verlangt. Beides sollte f�r die Person gelten, die sie bei sich f�hrt. Und ich habe die Dokumente auch bekommen.�</p><p>�Du bist eine kluge Frau.�</p><p>�Ich bin sogar au�erordentlich klug.�</p><p>�Und wie kommt es dann, da� du nackt in einer Zelle sitzt?�</p><p>Claudia stie� einen unterdr�ckten, w�tenden Laut aus.</p><p>�Erz�hl weiter.�</p><p>�Vielleicht habe ich Verdacht erregt�, sagte sie. �Vielleicht sind den W�chtern meine h�ufigen Besuche auf der Mauer aufgefallen, immer an derselben Stelle zur selben Zeit. Einmal mu�te ich ein anderes M�dchen von meinem Platz vertreiben. Es verstand meine Beharrlichkeit nicht. Vermutlich nahm es an, da� es eine besonders gute Stelle zum �Fischen� sei. Aber es war meine Stelle! Vielleicht hat man bemerkt, da� ich �berall in der Stadt Fragen stellte oder �berall umherstreifte. Vielleicht haben mich auch meine Feinde denunziert. Aber ich war eine freie Frau!�</p><p>Drau�en ert�nte ein leises Ger�usch, vielleicht ging jemand an der Zelle vorbei. Es mu�te um die Mittagszeit sein.</p><p>�Fahr fort�, sagte ich.</p><p>�Ich wurde tollk�hn�, sagte Claudia. �Ich w�rde reich sein. Zu meiner Befriedigung konnte ich verfolgen, wie Ar-Station jeden Tag schw�cher wurde. Aber wenn es fiel, w�rde mir nichts geschehen! Und ich w�rde mich an meinen Feinden r�chen!�</p><p>�Die Stadt wird aller Voraussicht nach zerst�rt werden�, sagte ich.</p><p>�Wie es auch ausginge, ich h�tte meine Rache.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Au�erdem hatte ich mir, wie du dich vielleicht entsinnen wirst, das Recht ausbedungen, da� man mir bestimmte Frauen als Sklavinnen �berlie�.�</p><p>�Pers�nliche Feinde?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich. Und so stieg ich wieder zur Brustwehr hinauf, wie so oft zuvor. Diesmal beschrieb der in meinem Korb versteckte Brief die Verteidigung des gro�en Stadttores, die Posten der W�chter und was noch dazugeh�rt. Ich schob den Korb zwischen zwei Zinnen hindurch und lie� ihn hinunter. Ich hatte auf der Brustwehr sogar Schw�che vorget�uscht, war getaumelt, als w�re mir schlecht vor Hunger. Ich war �berzeugt, mich geschickt verstellt zu haben. Meine Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf das Seil und den Korb. Pl�tzlich legte mir jemand eine Schlinge um den Hals und zog sie zu. Man zog mich zur�ck. �Kein Laut!� warnte mich eine Stimme. Dabei h�tte ich keinen Laut aussto�en k�nnen, da die Schlinge so eng sa�. Ich wollte den Korb fallen lassen, aber dazu hatte ich keine Gelegenheit mehr. Sie waren zu dritt. W�hrend der erste Mann mir die Schlinge umlegte und mich zu seiner Gefangenen machte, nahm mir der zweite das Seil aus den H�nden. Der dritte Mann, der ein St�ck abseits stand, hielt eine geschlossene Laterne. Ich hatte sie nicht einmal kommen h�ren. Nachdem sie die Laterne ge�ffnet hatten, dauerte es nicht einmal einen Augenblick, bis sie den Korb durchsucht und den Bericht gefunden hatten. Es war sofort klar, worum es sich handelte. Man zog mich auf der Stelle aus. Die Schlinge um meinen Hals wurde festgeknotet und diente als Fessel. Sie legten meine Kleidung in den Korb und lie�en ihn hinunter. Die Cosianer w�rden die Botschaft verstehen. Dann zog man den Korb wieder in die H�he und l�ste das Seil. Man benutzte es dazu, mir die Arme eng an den Leib zu fesseln. Ich finde nicht die richtigen Worte, um dir verst�ndlich zu machen, wie hilflos ich mich f�hlte. Dann zerrte man mich in mein Haus, wo man die Juwelen und das Gold fand sowie Notizen f�r die n�chsten Berichte. Sie fanden auch den Passierschein und das Dokument, in dem man meine Dienste w�rdigte. Dann brachte man mich gefesselt und nackt zu Aemilianus. Ich mu�te mich vor ihn hinknien. Man zeigte ihm die Beweise. Und noch in derselben Nacht brachte man mich in diese Zelle.�</p><p>�Und jetzt erwartest du die Wohltaten, die dir diejenigen erweisen werden, die du verraten hast�, sagte ich.</p><p>�Ja.� In ihrem Tonfall lag nackte Angst.</p><p>Auf der anderen Seite der T�r gab es ein Ger�usch, ein Topf wurde auf dem Steinboden abgesetzt.</p><p>�Und wie lautet deine Geschichte?� fragte Claudia.</p><p>�Ich bin ein Kurier von Gnieus Lelius, dem Regenten von Ar, den man f�lschlicherweise f�r einen Spion h�lt�, sagte ich. Ich war davon �berzeugt, da� es in Ar Verrat gab, und zwar an hohen Stellen. Entweder hatten sie die Botschaft des Regenten aus dem Briefzylinder entfernt, oder diese Botschaft hatte sich niemals darin befunden. Es bestand kein Zweifel, da� die Botschaft oder sogar der Zylinder vertauscht worden waren. Nat�rlich war ich nicht zugegen gewesen, als der Regent seinen Brief in den Zylinder gesteckt und ihn versiegelt hatte. Daran war nichts Ungew�hnliches, denn es ist nicht �blich, da� der Kurier dabei anwesend ist. Kuriere sind nur selten in die Staatsangelegenheiten eingeweiht. Normalerweise bringt ihnen ein Untergebener den versiegelten Brief oder den verschlossenen Zylinder und sie machen sich auf den Weg.</p><p>�Nein�, sagte Claudia. �Du l�gst! Du versuchst nur, dich zu retten! Du bist auch ein Spion!�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Die Klappe in der T�r �ffnete sich. Lady Claudia eilte schnell nach vorn und kniete ein paar Schritte vor der T�r nieder, zwar immer noch ein gutes St�ck von der T�r entfernt, aber nahe genug, damit man sie gut durch die �ffnung sehen konnte. �Knie dich neben mich�, fl�sterte sie angespannt. �Wir bekommen nur einmal am Tag etwas zu essen! �Ich konnte niemanden in der �ffnung sehen. Ich blieb sitzen.</p><p>�Knie dich neben mich!� flehte Claudia mich an.</p><p>Vor der T�r wurde etwas �ber den Boden geschoben, vermutlich die Beine eines Hockers oder einer Trittleiter. Einen Augenblick sp�ter kam ein kleiner Kopf in Sicht, der entweder einer Frau oder einem Kind geh�rte. Ich konnte nur wenig erkennen, aber es schien ein zierlicher Kopf zu sein; er wurde von einem enganliegenden Turban verh�llt; die untere Gesichtsh�lfte lag hinter einem Schleier verborgen. Ein St�ck oberhalb des vom Schleier verh�llten zierlichen Nasenr�ckens blickten dunkle Augen.</p><p>�Wie ich sehe, wirst du von jetzt an nicht mehr so einsam sein, Lady Claudia�, sagte die Frau hinter der T�r belustigt.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� rief Claudia ver�ngstigt. Sie wandte sich mir zu. �Knie dich neben mich!� flehte sie mich an. �Oder wir bekommen nichts zu essen.�</p><p>Ich tat ihr den Gefallen, und die Frau hinter der T�r lachte. Dann fauchte sie: �Spione!� Ich w�rde es nicht schaffen, die Hand durch die Klappe zu schieben; sie war zu eng. Die W�rterin sagte: �Ruhm und Ehre f�r Ar!�</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar! Ruhm und Ehre f�r Ar! Ruhm und Ehre f�r Ar!� rief Lady Claudia. Sie sah mich verzweifelt an. Ich hatte geschwiegen. �Bitte!�</p><p>Ich sagte dreimal: �Ruhm und Ehre f�r Ar!�</p><p>Die Frau hinter der T�r lachte.</p><p>Ich w�nschte, es h�tte eine M�glichkeit gegeben, sie in meine H�nde zu bekommen. Der verh�llte kleine Kopf verschwand, und kurze Zeit sp�ter �ffnete sich die untere Klappe. Ein niedriger Beh�lter mit Wasser wurde hindurchgeschoben. Lady Claudia nahm ihn und entleerte ihn in eine schmale Zisterne an der Zellenwand. Sie schob ihn zur�ck und nahm ihre vorherige Position wieder ein. Es sah nicht so aus, als k�nnte ich die Hand durch die schmale Klappe schieben, um ein Handgelenk oder einen Fu� zu packen. Trotzdem war es vern�nftig, diese Idee zu durchdenken. Ein W�rter, der von Natur aus gr��er war, konnte durch die Beobachtungsklappe schauen und sich vergewissern, ob wir an der richtigen Stelle knieten, gleichzeitig konnte er mit dem Fu� den Wasserbeh�lter oder einen Topf durch die untere Klappe schieben. Die Frau war daf�r nicht gro� genug.</p><p>Ihr Kopf erschien wieder in der Sicht�ffnung. �Den Topf�, befahl sie.</p><p>Sofort holte Lady Claudia einen schmalen Topf und stellte ihn anderthalb Meter vor der T�r auf dem Boden ab. Ich entnahm der Prozedur, da� man ihr genau beigebracht hatte, wie sie sich bei der Essensausgabe zu verhalten hatte. Den Topf hinzustellen, bevor man den Befehl dazu erhielt, w�rde vermutlich als vermessen betrachtet, was wiederum dazu f�hrte, da� man an diesem Tag leer ausging.</p><p>�Du bietest nackt einen h�bschen Anblick, Lady Claudia�, sagte die W�rterin.</p><p>Claudia unterdr�ckte ein Aufschluchzen.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� sagte die Gefangenenw�rterin streng.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� rief Claudia dreimal. Ich schlo� mich ihr an.</p><p>Der Kopf verschwand. Wieder ert�nte das schabende Ger�usch, wie von Holz auf Stein, bestimmt brauchte die W�rterin einen Hocker. Das Ger�usch verstummte, es wurde still. Zu Claudias Entsetzen eilte ich zu der Beobachtungsklappe und sah hindurch. Die W�rterin ging den Korridor entlang. Sie war barfu�, und ihre Kleidung bestand fast nur noch aus Lumpen; allem Anschein nach handelte es sich um ein Kleid, das man gek�rzt hatte. Ihre Waden waren deutlich zu sehen. Die S�ume sowohl des Unterrocks als auch des dar�ber befindlichen Rockes waren gezackt, die tiefen Einschnitte, die zweifellos beim K�rzen entstanden waren, bildeten sieben oder acht dreieckige lange Stoffbahnen. Sie waren so angebracht, da� sich der Stoff des Unterrocks stets mit dem des Rocks abwechselte. Obwohl das Kleid auf den ersten Blick behelfsm��ig und zerlumpt aussah, steckte doch eine Absicht dahinter. Ich fragte mich, ob ihr klar war, wie aufreizend diese Aufmachung letztlich war. Sie erweckte in einem Mann den Wunsch, sie sofort auszuziehen. Der Schleier geh�rte nat�rlich zu einer freien Frau. Doch ich war davon �berzeugt, da� sie sich am Ende, wenn die Stadt gest�rmt wurde, sofort unterwarf und diese Farce beendete. Sie b�ckte sich und hob einen Eimer hoch, und bevor sie sich umdrehte, war ich an meinen Platz zur�ckgekehrt.</p><p>�Verla� bei der Essensausgabe nie deinen Platz�, bettelte Lady Claudia mit Tr�nen in den Augen.</p><p>Das verh�llte Gesicht erschien wieder in der T�r�ffnung und fand uns am richtigen Platz vor. Sobald es verschwand, b�ckte ich mich, um zu sehen, ob es irgendwie m�glich war, die W�rterin durch die untere Klappe zu packen. Aber zu meinem Unmut wurde ein flacher Topf, in dem sich etwas Eintopf und ein St�ck Brot befanden, mit Hilfe eines langen Stabes durch die Klappe in die Zelle geschoben. Lady Claudia eilte zu dem Topf, f�llte den Inhalt in den Zellentopf um und stellte ihn wieder vor der T�r ab. Er wurde mit der Stange zur�ckgeholt. In Anbetracht der Tatsache, da� es sich hier um eine W�rterin handelte, mu�te man zugeben, da� man sie gut auf ihre Arbeit vorbereitet hatte. Zweifellos befanden sich hier irgendwo auch ein paar M�nner, um sie notfalls zu unterst�tzen. Ich war w�tend. Ich stand rechtzeitig auf, um sie besser sehen zu k�nnen, wenn sie durch die obere Klappe blickte. Der Gebrauch zweier T�pfe dient weniger der Sicherheit (man k�nnte die T�pfe auch einfach austauschen, vorausgesetzt, der n�tige Abstand zwischen Gefangenen und W�rter bleibt bestehen); damit soll vielmehr gesichert werden, da� der Topf in der Zelle bleibt. Das hilft, die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, und sorgt daf�r, da� die Gefangenen f�r die hygienischen Verh�ltnisse verantwortlich sind.</p><p>�Bitte gib uns mehr zu essen!� rief Claudia.</p><p>�Du bist ohnehin schon zu fett!� lautete die Antwort.</p><p>�Bitte!�</p><p>Meiner Meinung nach war Lady Claudia keineswegs fett. Andererseits hatte sie besseres Essen als die Bewohner von Ar-Station gehabt, zumindest bis zu ihrer Verhaftung. Schlie�lich hatte sie Lebensmittel gehortet und sich an der Mauer zus�tzliche Vorr�te besorgt.</p><p>�Hast du Angst, deine Haut k�nnte darunter leiden?� fragte die W�rterin.</p><p>�Bitte!� sagte Claudia. �Bitte!�</p><p>Die Klappen wurden geschlossen.</p><p>�Dieses Sleen-Weibchen!� rief Claudia. �Wie ich sie hasse!� Sie ballte die F�uste. �Ich hasse sie! Ich hasse sie!� Sie trommelte mit den F�usten auf den Boden; die Schl�ge wurden von dem Stroh ged�mpft. Dann starrte sie entt�uscht auf den Eintopf und das Brot. �Sie wollen, da� ich verhungere.�</p><p>�Meinst du nicht uns?� fragte ich.</p><p>�Ja, nat�rlich�, erwiderte sie hastig.</p><p>�Du bekommst vermutlich genausoviel wie alle B�rger Ar-Stations�, sagte ich. Die M�nner auf der Stadtmauer bekamen hoffentlich mehr. Allerdings hatten jene, die ich kennengelernt hatte, halb verhungert ausgesehen.</p><p>Claudia stand auf und wollte zu dem Topf gehen. Pl�tzlich blieb sie stehen. Ich hatte ihren Fu�kn�chel gepackt. Sie sah mich an. Ich sch�ttelte den Kopf und zeigte auf den Boden.</p><p>Sie wurde ganz bla�.</p><p>Dann schluchzte sie auf, kniete nieder und legte den Kopf zwischen die H�nde. Die Gef�ngnisw�rter hatten ihr schon viel beigebracht.</p><p>Ich ging zu ihr.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Chloe lag neben meinem Oberschenkel. Sie blickte zu mir auf. �Du hast aus mir eine Frau gemacht�, sagte sie. �Es war dein Wille, und du hast ihn durchgesetzt. Jetzt kann ich nie wieder etwas anderes sein, und ich will es auch gar nicht.�</p><p>�K�� mich�, sagte ich.</p><p>Sie gehorchte und k��te mich z�rtlich, wie es sich f�r eine Sklavin geh�rte.</p><p>Ich hatte ihr den Namen �Chloe� verliehen. Technisch gesehen war sie noch immer die Lady Claudia aus Ar-Station. Doch wegen ihres Verrats hatte ich ihr einen cosischen Namen verliehen. Es war ein sch�ner Name. Er gefiel ihr, und sie reagierte gut darauf, in psychologischer, gesellschaftlicher und sexueller Hinsicht. Vor allen Dingen verstand sie, wie richtig es gewesen war, da� ich ihr einen neuen Namen verliehen hatte.</p><p>Die Mauern von Ar-Station waren vor f�nf Tagen gefallen. Die Cosianer befanden sich nun in der Stadt. Die Verteidiger, die um jede Stra�e und jedes Haus gek�mpft hatten, hatten sich in die Zitadelle zur�ckgezogen; sie hatten von ihren Besitzt�mern und ihren Vorr�ten mitgebracht, was sie hatten retten k�nnen. Neben den Soldaten befanden sich Hunderte von Frauen und Kindern in der Zitadelle, die unter dem Hunger litten. Ar-Station stand in Flammen. Der Qualm drang bis in unsere Zelle.</p><p>�Was war das?� rief Chloe und sprang auf.</p><p>Ich sprang ebenfalls auf.</p><p>Irgendwo au�erhalb der Zitadelle war lautes Get�se zu h�ren.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, sagte ich.</p><p>Im Verlauf des Nachmittages h�rten wir das Ger�usch noch �fter, immer auf der Landseite der Zitadelle.</p><p>�Da war es wieder�, sagte Chloe gegen Sonnenuntergang.</p><p>�Es sind die Cosianer�, sagte ich. �Sie zerst�ren die H�user rings um die Zitadelle, damit sie ihre Belagerungsmaschinen in Stellung bringen k�nnen.�</p><p>Dann h�rten wir den langen, verzweifelten Schrei einer Frau, irgendwo von au�erhalb der Zitadelle.</p><p>Chloe sah mich an.</p><p>�Man hat sie gefangengenommen�, sagte ich.</p><p>�Auch ich wurde gefangengenommen�, antwortete Chloe. �Und du hast mich sp�ter noch einmal gefangengenommen. Doch das macht mir nichts mehr aus. Ich bin sogar froh, da� du mich gefangengenommen hast.�</p><p>Ich k��te sie. Sie schmiegte sich in meine Arme. �In der Zitadelle kann doch kaum Platz sein�, sagte sie.</p><p>�Unsere Zelle geh�rt zweifellos zu den Luxusquartieren�, stimmte ich ihr zu.</p><p>�Warum kettet man uns nicht drau�en an einen Pfahl?�</p><p>�Vielleicht, damit uns die Leute nicht in St�cke rei�en.�</p><p>Sie erschauderte. Die fest verriegelte Zellent�r schien uns nun eher zu besch�tzen als einzusperren. Nur wenige Leute wu�ten von unserer Existenz. H�tten sie davon erfahren, h�tten sie vielleicht die T�r aufzubrechen versucht.</p><p>�Die Cosianer d�rfen ihre Katapulte nicht benutzen, nicht bei dieser geringen Entfernung�, erkl�rte Chloe.</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Die Menschen�, sagte sie. �Die Zitadelle ist �berf�llt. Es w�re schrecklich. Das werden sie doch nicht tun.�</p><p>�Ich nehme an, die Belagerungsmaschinen sind morgen fr�h an Ort und Stelle�, sagte ich. �Sie werden alles einsetzen, Steine, siedendes �l, Speere.�</p><p>�In der Zitadelle kann es kaum noch etwas zu essen geben�, sagte sie.</p><p>Unsere ohnehin schon mageren Rationen waren noch einmal halbiert worden. Wir waren beide ziemlich schwach.</p><p>�Warum machen sie sich �berhaupt noch die M�he, uns etwas zu essen zu geben?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich. Doch ich konnte mir denken, warum sie zumindest Chloe nicht verhungern lie�en. Doch ich wollte es ihr nicht sagen.</p><p>Die Beobachtungsklappe wurde ge�ffnet. Das verh�llte Gesicht unserer W�rterin erschien, als sie auf ihren Hocker stieg. �Gefangene, tretet vor!� befahl sie. �Kniet nieder!�</p><p>Wir gehorchten. Es war kurz vor Sonnenuntergang. Keine Essenszeit.</p><p>�Du, Claudia, Sklavin�, sagte die W�rterin. �Knie dich hinter ihm hin, zu seiner Linken.� Eine Sklavin folgt ihrem Herren immer auf der linken Seite. Damit zeigt sie ihre Unterwerfung; dieser Brauch ist vermutlich durch die Tatsache entstanden, da� die meisten Goreaner Rechtsh�nder sind; steht die Frau links von ihm, kann sie seinen Schwertarm nicht behindern.</p><p>�Du bist eine h�bsche Sklavin, Lady Claudia�, knurrte die W�rterin.</p><p>�Ja!� erwiderte Claudia. �Ich bin eine Sklavin! Er hat mir gezeigt, da� ich eine echte Sklavin bin! Ich wei� es jetzt!�</p><p>�Sklavin!� fauchte die W�rterin. Ich konnte ihren Ha� auf Lady Claudia nicht verstehen. Er lie� sich von der Logik her l�ngst nicht mehr durch ihre Taten erkl�ren. �Schlampe!� br�llte die W�rterin sie an. Ihre Feindseligkeit war eindeutig auf Claudia gem�nzt, nicht auf mich. Anscheinend konnte sie nicht ertragen, da� Claudia � meine Chloe � trotz ihrer Lage zu einer wahren Sch�nheit erbl�ht war. Sie hatte nichts mehr mit ihrem fr�heren Ich gemein. Ihr w�re nicht einmal mehr im Traum eingefallen, Ar-Station oder seine M�nner zu verraten. Doch das spielte keine Rolle, man w�rde sie f�r ihre Verbrechen zur Verantwortung ziehen, ob sie sich gewandelt hatte oder nicht.</p><p>�Ja�, erwiderte Claudia leise und dem�tig, um dann bedeutsam und mit einem Hauch B�sartigkeit hinzuzuf�gen: <emphasis>�Herrin!�</emphasis></p><p>Die W�rterin schrie ihre Wut heraus und trommelte mit den kleinen F�usten gegen die Zellent�r.</p><p>�Warum st�rst du uns?� fragte ich sie.</p><p>�Mit dir rede ich nicht�, antwortete sie.</p><p>�Aber ich rede mit dir, Frau!�</p><p>Ihr Kopf ruckte w�tend herum. Ich w�nschte mir, ich h�tte durch die �ffnung greifen und ihr den Schleier vom Gesicht rei�en k�nnen. Ob sie wohl gut aussah?</p><p>�Glaub ja nicht, du k�nntest deiner gerechten Strafe entgehen, indem du vorgibst, eine Sklavin zu sein!� fuhr die W�rterin Lady Claudia an.</p><p>�Keine Angst, meine Liebe�, antwortete Claudia. �Ich wei�, da� ich nach dem Gesetz noch immer eine freie Frau bin. Ich mag in meinem Herzen eine Sklavin sein und in dieser Zelle auch wie eine Sklavin dienen, aber ich wei�, da� ich rechtlich noch immer frei bin.�</p><p>�Glaubst du, da� die Zitadelle morgen oder �bermorgen f�llt?� fragte ich. �Und tr�gst du noch immer dieses pr�chtig zurechtgemachte Lumpengewand und gehst barfu� mit entbl��ten Waden und Fesseln?�</p><p>Ihre Augen wurden gro�. Sie begriff, da� ich ihr durch die �ffnung nachspioniert hatte. Ich kannte ihre kleinen Geheimnisse, deren Bedeutung jedem starken Mann klar sein mu�te. Sie runzelte w�tend die Stirn.</p><p>�Glaubst du, du wirst Gelegenheit haben, dich einem Mann zu unterwerfen?� fragte ich. �Hast du ge�bt, dir das Kleid von den Br�sten zu rei�en, oder die Worte einstudiert, mit denen du bettelst verschont zu werden?�</p><p>�Sleen!� sagte die W�rterin.</p><p>�Wie ich sehe, hast du ge�bt, edle freie Frau�, sagte ich.</p><p>�Sleen!� rief sie.</p><p>Lady Claudia lachte fr�hlich.</p><p>�Lach ruhig�, sagte die W�rterin. �Aber ich will dir sagen, warum ich gekommen bin. Du, Lady Claudia, Verr�terin und Schlampe, bist von Aemilianus verurteilt worden. Morgen mittag wird man dich auf der Mauer pf�hlen � als Akt der Verachtung!�</p><p>Lady Claudia erbleichte.</p><p>�Und was dich angeht�, fuhr die W�rterin fort, �wei� ich nicht, was aus dir wird. Aus irgendeinem Grund scheint Aemilianus bei dir mit seinem Urteil zu z�gern.� Die Klappe schlo� sich mit einem Ruck.</p><p>Ich fing Claudia auf, damit sie nicht fiel.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte ich.</p><p>�Geht das Pf�hlen schnell?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich kann mich nicht bewegen.�</p><p>Ich hob sie hoch und legte sie ganz sanft ins Stroh.</p><p>Es �berraschte mich nicht, da� Aemilianus nicht genau wu�te, was er mit mir anstellen sollte. Aus seiner Sicht war mein Fall nicht ganz eindeutig. Warum zum Beispiel hatte man mich nicht sofort in Ar erledigt, wenn man mich f�r einen �berf�hrten Spion hielt? Und dann waren da die Dokumente in der Kuriertasche gewesen. Handelte es sich tats�chlich um eine F�lschung, die in der Absicht angefertigt worden war, Ar-Station zur Aufgabe zu bewegen? Wenn dies der Fall war, warum hatte man die F�lschung dann nicht echter aussehen lassen, sie zum Beispiel kodiert, um ihren Inhalt erst nach einiger M�he in Erfahrung bringen zu k�nnen? Und warum sollte ein dem ersten Anschein nach echter Bericht Informationen enthalten, die dem Befehlsstab von Ar-Station auf jeden Fall milit�risch unglaubhaft, ja sogar l�cherlich vorkommen mu�ten?</p><p>Allein die Vorstellung, Ar k�nnte ein so gro�es Heer im Norden stationiert haben, weit weg vom Feind! Nein, Aemilianus war kein Narr, gleichg�ltig, wie ersch�pft und verwirrt er auch sein mochte. Zweifellos war ihm der Verdacht gekommen, da� der Bericht die Wahrheit verk�ndete. Tage waren verstrichen, und das ersehnte Entsatzheer aus Ar, der Vorsto�, den er f�r den Anla� einer solch verzweifelten und l�cherlichen List gehalten hatte, war nicht eingetroffen.</p><p>�Es ist schrecklich schmerzhaft, gepf�hlt zu werden, nicht wahr?� fragte Claudia.</p><p>�Es kommt darauf an, wie es gemacht wird�, sagte ich ausweichend.</p><p>�Ich bin eine Verr�terin.�</p><p>�Das warst du einmal. Jetzt bist du es nicht mehr.�</p><p>�Ich habe Angst.�</p><p>Ich k��te sie sanft. Ich w�nschte mir, ich h�tte etwas gehabt, um sie zuzudecken.</p><p>�Es ist hoffnungslos.�</p><p>�Hoffnung gibt es immer�, sagte ich. �Drau�en ist es ganz still geworden.�</p><p>�Und?�</p><p>�Schon seit einiger Zeit sind keine Geb�ude mehr eingest�rzt. Die Stadt ist in cosischer Hand. Nichts kann sie davon abhalten, die Fundamente zu unterminieren, die H�user anzustecken und Pfade durch die Tr�mmer zu bahnen.�</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Das Belagerungsger�t befindet sich vermutlich an Ort und Stelle. Ich rechne damit, da� sie morgen fr�h mit dem Angriff beginnen.�</p><p>Sie sah mich �ngstlich an.</p><p>�Ich werde dich so gut verteidigen wie m�glich�, versprach ich ihr. �Sie werden in die Zelle kommen m�ssen, um dich zu holen.� Ich nahm sie in den Arm.</p><p>�Darum haben sie mir zu essen gegeben, nicht wahr?� fragte sie. �Damit ich morgen noch lebe?�</p><p>�Vermutlich.�</p><p>Sie schluchzte, ich sp�rte ihre Tr�nen auf der Brust. Das Mondlicht str�mte durch die hohe, vergitterte Fenster�ffnung. Drau�en herrschte Stille. Ich hielt sie weiter in den Armen, meine nackte Spionin, dort im Stroh.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>�Sie werden mich noch vor Mittag holen�, fl�sterte sie.</p><p>In der Zelle war es noch dunkel.</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. Vor ein paar Ehn hatte man etwas zu essen in die Zelle geschoben. �Bring mir den Topf.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte sie bitter. Sie drehte sich um und kroch zu dem Topf. Dann stand sie auf und kam langsam zur�ck.</p><p>�Warum wollen sie nicht bis zum Mittag warten?� fragte sie traurig.</p><p>Die W�rterin hatte es ihr gesagt.</p><p>�Es ist ein gutes Zeichen�, sagte ich. �Es ist sogar ein sehr gutes Zeichen.� Ich erkl�rte es ihr nicht, aber aus dieser unverf�nglichen Bemerkung konnte ich die Lage der Verteidiger schlie�en, die Zahl, die Position der Cosianer und die Bedrohung ihrer Belagerungsmaschinen.</p><p>�Ich verstehe nicht.�</p><p>�Wir befinden uns doch auf der Stadtseite der Zitadelle, nicht wahr?�</p><p>�Ja.� Obwohl man uns mit verbundenen Augen in die Zelle gebracht hatte, war es nicht schwer gewesen, dies in Erfahrung zu bringen. Aus den Mustern, die das durch das Fenster einfallende Sonnenlicht auf dem Boden zeichnete, war ersichtlich geworden, da� die Zelle nach S�den hinausf�hrte, also in Richtung Stadt. Noch offensichtlicher war, da� wir die Ger�usche aus der Stadt h�ren konnten, nicht die vom Hafen.</p><p>�Das ist es.�</p><p>Claudia sah mich verst�ndnislos an.</p><p>�Es ist m�glich, da� die Cosianer bald eine viel gr��ere Gefahr f�r dich sind als deine ehemaligen Nachbarn aus Ar-Station.�</p><p>�Du machst Scherze.�</p><p>�Darum wollen sie nicht mehr bis Mittag warten.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Ich glaube nicht einmal, da� die Zitadelle bis zum Mittag zu halten ist.�</p><p>�Das ist absurd�, sagte sie. �Sie ist uneinnehmbar.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Die Verteidiger sind ersch�pft und halb verhungert. Die Geb�ude rings um die Zitadelle sind niedergerissen worden. Die Katapulte k�nnen aus n�chster N�he schie�en. Die ganze Macht, die Cos im Norden versammelt hat, wird sich auf einen kleinen Funkt konzentrieren. Die Zitadelle.�</p><p>�Was wird geschehen?�</p><p>�Man hat die Frauen und Kinder vermutlich bereits alle auf die Hafenseite der Zitadelle gebracht.�</p><p>�Was wird geschehen?� fragte sie erneut.</p><p>�Sie werden die Zitadelle einnehmen. Die Cosianer werden mit Feuer und Schwert kommen. Zivilisten, Soldaten und alle anderen, die noch �brig sind, werden gezwungen sein, sich in den Hafen zur�ckzuziehen. Bis man sie noch weiter zur�cktreibt. Ich f�rchte, im Hafen wird es zu einem blutigen Gemetzel kommen. Nur wenige werden fliehen k�nnen.�</p><p>�Aber man wird doch bestimmt eine �bergabe aushandeln�, meinte sie.</p><p>�Die Cosianer haben lange f�r Ar-Station gek�mpft�, sagte ich. �Zweifellos haben sie nicht mit dem Widerstand gerechnet, den man ihnen entgegengebracht hat. Sie haben gro�e Verluste erlitten. Ihre Geduld ist am Ende.�</p><p>�Es ist meine Schuld�, sagte sie niedergeschlagen. �Es w�re besser gewesen, ich w�re vorher schon das gewesen, was ich nun bin, eine Sklavin.�</p><p>�Es ist nicht deine Schuld. Ich bezweifle, da� deine l�cherlichen Informationen �berhaupt einen Unterschied gemacht haben. Die Schuld tr�gt Ar.�</p><p>�Aber ich bin schuldig!� beharrte sie.</p><p>�Ja�, sagte ich, �aber diese Strafe ist nicht angebracht,� Ich wandte mich dem Topf zu. �Man hat dir viel gebracht, sogar Fleisch. Ich bezweifle, da� die M�nner drau�en auf den Brustwehren oder am Tor so gut gefr�hst�ckt haben.�</p><p>�Aber du ber�hrst es ja nur mit den Lippen.�</p><p>�Ich schmecke nur.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Es w�re m�glich gewesen, da� sie etwas ins Essen getan h�tten, ein Schmerzmittel, um es dir leichter zu machen. Aber das haben sie nicht getan. Anscheinend stimmt es, was unsere liebreizende W�rterin eben gesagt hat. Sie wollen sehen, wie du dich auf dem Speer windest.�</p><p>Claudia erbebte.</p><p>Ich griff zu und f�hlte, wie neue Kr�fte meinen K�rper durchstr�mten. So gut hatte ich seit Tagen nicht gegessen. Ich lie� mir von meinem M�dchen auch Wasser bringen.</p><p>�Das war gut�, sagte ich.</p><p>�Wie kannst du zu einem solchen Zeitpunkt etwas essen?� fragte Claudia.</p><p>�Du darfst die Hoffnung nicht verlieren.�</p><p>�Ich bin eine nackte Frau�, erwiderte sie. �M�nner k�nnen mit mir machen, was sie wollen.�</p><p>�Das ist wahr�, erwiderte ich. �Aber es kann sein, da� nicht jeder Mann zur selben Zeit dasselbe mit dir machen will.�</p><p>�Das wohl nicht.�</p><p>�Und darin liegt unsere Hoffnung.�</p><p>�Welche Hoffnung habe ich schon, als da� sie mich etwas sp�ter auf den Spie� stecken?�</p><p>�Ich glaube, du hast mehr M�glichkeiten, als du wei�t.�</p><p>�Wie das?�</p><p>�Du hast unerwartete Verb�ndete.�</p><p>�Wen denn?�</p><p>�Die Cosianer.�</p><p>�Ich glaube, der Tag bricht an�, fl�sterte sie. Die Dunkelheit schien sich aufzuhellen. Wir richteten unsere Blicke auf das Fenster.</p><p>�Ich glaube, du hast recht.�</p><p>Pl�tzlich schrie sie erschrocken auf und warf sich in meine Arme.</p><p>�Das sind die Fanfaren�, erkl�rte ich. �Das Signal f�r den Angriff.�</p><p>Aus der Zitadelle ert�nte eine Antwort.</p><p>Drau�en waren bestimmt Hunderte von Instrumenten erklungen. Die Antwort von der Mauer war zwar eine tapfere Geste, aber es hatte kl�glich geklungen. Zus�tzlich zu der Musik waren vor der Zitadelle die Kriegsrufe Tausender von M�nnern erschollen. Auch sie waren von der Mauer beantwortet worden, aber diese Rufe waren d�nn und br�chig gewesen. Claudia sah zu mir hoch, halb kniete sie im Stroh, halb lag sie in meinen Armen. Es ist ein gutes Gef�hl, eine nackte Frau in den Armen zu halten. Ich w�nschte, sie h�tte mir geh�rt. Sie f�hlen sich noch besser an, wenn sie einem geh�ren.</p><p>In der Ferne ert�nte ein dumpfer Einschlag.</p><p>�Was ist das?� fragte sie entsetzt.</p><p>Das Ger�usch wiederholte sich.</p><p>�Komm her�, sagte ich und zog sie zu der Wand, hinter der die Au�enseite lag. Wir legten uns ins Stroh. Dort, wo der Boden die Wand wie ein Pfeiler st�tzte, war es sicherer, vor allem vor m�glicherweise einst�rzenden Mauern.</p><p>�Das ist die Artillerie�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>Gelegentlich konnten wir auch h�ren, wie �ber uns auf der Mauer ein Katapult abgeschossen wurde; beim R�cksto� federte es; beim Spannen �chzten die Seile. Man macht die Katapulte oft mit Seilen am Boden fest, da sich ihre Stellung sonst ruckartig und unberechenbar ver�ndert; sie wirbeln herum oder rutschen sogar quer �ber den Wehrgang. Auf nachgiebigen Oberfl�chen sind sie leichter zu bedienen, da man dort die R�der eingraben kann. Ich sch�tzte Claudia mit meinem K�rper. Immer �fter h�rten wir den Einschlag von Geschossen. Zwei Angriffe wurden zur�ckgeschlagen. Als es heller wurde und ich f�rchtete, da� sie kommen und sie abholen w�rden, lie� ich sie dort zur�ck, kehrte zu meinem fr�heren Platz zur�ck und legte mich dort hin. Den Topf hatte ich dort abgestellt, wo man ihn durch die Klappe sehen konnte. Ich lag wie leblos im Stroh, als w�re ich zu schwach, um mich zu bewegen.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>�Komm schon, kleine Vula, sei nicht sch�chtern�, sagte der Mann. Er winkte Lady Claudia aufmunternd zu. Sie hockte noch immer an der Au�enwand im Stroh, starr vor Angst. Ich wu�te nicht, ob sie �berhaupt in der Lage war, aus eigener Kraft auf den Beinen zu stehen. In der linken Hand hielt er ein zusammengerafftes Seil, eine Leine und einen Kragen. Claudia starrte ihn entsetzt an. �Nun mach schon�, sagte er und ging an mir vorbei auf sie zu. In der Zelle standen zwei weitere Soldaten, rechts neben der T�r, die gespannten Armbr�ste in der Hand. Unsere W�rterin stand in der T�r.</p><p>Ich glaubte nicht, da� der Bursche mit dem Seil sich in die unmittelbare N�he der Au�enwand, der Wetterwand, begeben wollte. Gelegentlich konnten wir die Einschl�ge der cosischen Projektile h�ren und manchmal auch f�hlen, wenn sie den Zellenboden zum Erzittern brachten, gro�e Felsbrocken, die bis zu tausend Pfund wogen und von gewaltigen, manchmal haushohen Katapulten abgefeuert wurden. Man konnte sogar das rhythmische Pochen des weit entfernten Rammbocks h�ren, der von M�nnern bedient wurde, die ihn unter dem langen Schutzdach, das seine ganze L�nge �berspannte, mit hundert Seilen in Schwung brachten.</p><p>�Beeil dich�, sagte die Gef�ngnisw�rterin zu dem Mann mit dem Seil. �Es ist gef�hrlich auf dieser Seite.�</p><p>�Komm her�, befahl der Mann Claudia. �Knie dich da hin, die Arme an die Seiten.�</p><p>�Bitte!� schluchzte Lady Claudia.</p><p>�Beeil dich�, fauchte die W�rterin.</p><p>Ich konnte mir nicht vorstellen, da� er es besonders sch�tzte, von der W�rterin belehrt zu werden. Er sagte jedoch nichts. Er nahm ziemlich �rgerlich seinen Mut zusammen, ging zu Claudia, packte sie an den Haaren und zerrte sie in die Zellenmitte, wo er sie dann auf die Knie stie�.</p><p>Die Gef�ngnisw�rterin lachte.</p><p>Der Soldat fesselte Claudia mit dem Seil, er legte eine Bahn nach der anderen um ihren K�rper. Genauso hatte man sie zu Aemilianus gebracht, wenn ich mich recht an ihre Erz�hlung erinnerte. Dies geschah zweifellos mit Absicht, sie an diesen Abend zu erinnern.</p><p>�Zieh das Seil straff!� sagte die W�rterin.</p><p>Claudia st�hnte auf, als er das Seil enger zog.</p><p>�Und jetzt den Kragen und die Leine�, stie� die W�rterin hervor.</p><p>Einen Augenblick sp�ter hatte er ihr den Kragen angelegt. Claudia kniete jetzt in der Zellenmitte, gefesselt, mit dem Kragen versehen, die Leine baumelte vor dem Seil herunter.</p><p>�Gro�artig�, sagte die W�rterin.</p><p>Tr�nen liefen Claudia die Wangen hinab. Sie sah mich an und l�chelte. Sie sch�rzte leicht die Lippen und warf mir einen fast unmerklichen Ku� zu. Ich lag im Stroh, die Augen halb geschlossen. Ich reagierte nicht auf ihre kleine pathetische Geste. Allerdings fand ich es bemerkenswert, da� sie mir nichts nachtrug. Hatte ich nicht versucht, ihr Mut zu machen? Hatte ich ihr nicht zu verstehen gegeben, ich w�rde ihr helfen? Aber offensichtlich hatte sie niemals erwartet, da� ich im Augenblick der Wahrheit tats�chlich handeln w�rde. Es w�re sinnlos gewesen.</p><p>�Wie r�hrend�, sagte die W�rterin.</p><p>Ich tat so, als w�rde ich versuchen, auf die Knie zu kommen. Anscheinend schaffte ich es nicht.</p><p>�Bleib, wo du bist�, knurrte einer der Armbrustsch�tzen.</p><p>�Er ist zu schwach, um irgend etwas zu tun�, sagte die W�rterin. �Er kann nicht einmal mehr auf den Beinen stehen.� Dann baute sie sich vor Claudia auf. �Der Spie�, liebe Claudia, auf dem du gepf�hlt werden wirst, besteht aus einem einzigen St�ck hartem, poliertem Eisen. Er ist sehr lang und weniger als einen Hort dick. Er ist spitz zugefeilt. Er steckt in einer Halterung.�</p><p>Lady Claudia schlo� die Augen.</p><p>Ich tat erneut so, als wolle ich aufstehen. Einer der W�chter sah zu mir her und wandte den Blick wieder ab.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� fauchte die W�rterin.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� weinte Claudia.</p><p>�Wei�t du, worauf wir warten?� fragte die W�rterin.</p><p>Claudia sch�ttelte den Kopf.</p><p>Etwas traf die Au�enwand, vermutlich keine zwei Meter von uns entfernt.</p><p>�Das war knapp�, sagte einer der W�chter unbehaglich.</p><p>Wie erwartet hatten sie andere Sorgen als das, was sich hier in der Zelle abspielte.</p><p>Wieder k�mpfte ich mich hoch, aber diesmal blieb ich dort knien; ich lie� den Kopf h�ngen, als k�nnte ich mich nicht r�hren.</p><p>�Bleib, wo du bist�, sagte der W�chter. Er stand vielleicht zwei Meter von mir entfernt.</p><p>�Wir warten auf den Henker�, sagte die W�rterin begeistert. �Er wird kommen und dich holen. Er wird dich zur Mauer und zum Pfahl bringen.�</p><p>Lady Claudia senkte den Kopf.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!�</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� wiederholte Claudia tonlos. Sie hatte die Augen geschlossen. Das war auch gut so. Der W�chter sah mich an, dann konzentrierte er sich wieder auf die beiden Frauen. Die M�nner hielten sich nun schon seit einiger Zeit in der Zelle auf, sie w�ren jetzt nicht mehr so angespannt. In den ersten paar Ehn war die Aufmerksamkeit am gr��ten; in diesen Augenblicken rechnete man mit Widerstand. Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, da� ihre Wachsamkeit unter diesen Umst�nden noch einmal so ausgepr�gt w�re, und falls doch, dann kurz vor Verlassen der Zelle. Sie warteten auf die Ankunft des Henkers, der Lady Claudia zum Pf�hlen bringen sollte. Ihre Aufmerksamkeit befand sich jetzt vermutlich auf dem tiefsten Stand. Nat�rlich ist das genau der richtige Moment, um alle Sinne zu sch�rfen. Doch es ist unm�glich, lange Zeit ununterbrochen wachsam zu sein. Es ist psychologisch unm�glich. Das bedeutete, da� die Initiative bei mir lag. Falls sie mit Widerstand gerechnet hatten, waren sie bestimmt und auch zu Recht davon �berzeugt gewesen, da� ich vor dem Eintreffen des Henkers etwas untern�hme, da er ein zus�tzlicher Gegner war.</p><p>Doch ich hatte nicht damit gerechnet, da� der Henker in die Zelle k�me. H�tte ich ihn in meine �berlegungen mit einbezogen, w�re ich sicher zu dem Schlu� gekommen, da� er Claudia an der Mauer erwartete. Solche Sitten sind in jeder Stadt anders. Ich war �ber seine kurz bevorstehende Ankunft alles andere als erfreut, da er ein zus�tzliches Problem darstellte, mit dem ich nicht gerechnet hatte und das ich bestimmt nicht willkommen hie�.</p><p>Es war kein Zufall, da� ich genau an dieser Stelle im Stroh lag. Am Vortag hatte ich dort eine Erhebung im Boden gefunden, die mir zus�tzlichen Halt verlieh und von der ich mich absto�en konnte. Ich war barfu�, also konnte ich nicht abrutschen. Ich hob schwerf�llig den Kopf, als w�re ich zu benommen, um mir die Wachen anzusehen. Sie waren halb verhungert. Ich war davon �berzeugt, da� ihre Reflexe verlangsamt waren. Sie verf�gten nicht �ber ihre vollen Kr�fte. Der Mann, der mir am n�chsten stand, sah mich wieder an, und ich erwiderte den Blick teilnahmslos. Er wandte sich wieder den Frauen zu.</p><p>�Er versteht sein Handwerk�, sagte die W�rterin zu Lady Claudia. �Er wird dich so geschickt auf den Pfahl spie�en, da� du lange Zeit durchh�ltst.�</p><p>Claudia hielt die Augen geschlossen; sie erbebte.</p><p>�Aber wenn er es etwas schneller haben will, wird er dir Gewichte an die Beine binden!�</p><p>Claudia schluchzte auf.</p><p>�Wie h�bsch du aussiehst, meine Liebe, auf den Knien, gefesselt und mit dem Kragen versehen. Keine Angst. Er wird bald hier sein! Dann wirst du zum Pfahl gebracht! Du mu�t nicht mehr lange warten! Du wirst ein lustiges Bild abgeben, wenn du auf dem Pfahl zuckst! Ruhm und Ehre f�r Ar! Ruhm und Ehre f�r Ar!�</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Ar!� weinte Claudia.</p><p>In diesem Augenblick warf ich mich nach vorn, und der W�chter hatte nicht einmal genug Zeit, den Kopf in meine Richtung zu drehen, bevor ich ihn gegen seinen Kameraden stie� und beide mit aller mir zur Verf�gung stehenden Kraft weiterdr�ngte, w�hrend sie aus dem Gleichgewicht gebracht zur�cktaumelten und w�hrend ein abgeschossener Armbrustbolzen durch den Raum jagte wie ein ver�ngstigtes wildes Tier und die andere Armbrust aus dem Griff des W�chters geprellt im Stroh landete. Ich stie� ein Knurren aus, das in diesem Augenblick nicht menschlich klang, denn es war das schreckliche Entz�cken des Kriegers, das in diesem Moment mein Herz und meinen Mund beherrschte, und ich ergriff sie, eine Hand f�r jeden Mann, und stie� sie mit den K�pfen gegen den Stein. Ohne Helm w�ren ihre Sch�del zerbrochen wie Eierschalen.</p><p>Noch aus der gleichen Bewegung heraus zog ich einem von ihnen das Schwert aus der Scheide, fuhr in der Hocke herum und wandte mich knurrend dem Soldaten zu, der neben Lady Claudia stand. Er war ganz wei� im Gesicht. Vielleicht erschien ich ihm mehr wie ein Tier als ein Mensch. Ich lie� ihn nicht aus den Augen. Ich hatte gegen die Kurii gek�mpft und �berlebt. Ich stand zwischen ihm und der T�r. Die W�rterin war ebenfalls gefangen und hatte sich hinter ihn gefl�chtet. Er zog halbherzig die Klinge, aber bevor sie die Scheide verlassen hatte, hatte ich ihn erreicht. Er lie� den Schwertgriff los. Die Klinge glitt zur�ck in die Scheide. Ich drehte mich, trat aus dieser Position zu, und er brach aufst�hnend zusammen. Die W�rterin scho� auf die T�r zu, aber ich erwischte sie an der T�rschwelle, ergriff sie am Nacken, stemmte sie in die H�he, drehte mich um und stie� sie zur�ck in die Zelle. Dann trat ich zu dem zu Boden gegangenen Soldaten und beugte mich �ber ihn. Er schnappte nach Luft. In seinen Augen lag ein wilder Ausdruck. Ohne die W�rterin aus dem Blick zu lassen, die sich jetzt an der Au�enwand zusammenkr�mmte und mich entsetzt anstarrte, fa�te ich ihn unterhalb des Helmes im Nacken und hob seinen Kopf ein St�ck an. Er war zu keiner Gegenwehr f�hig. Dann schlug ich seinen Kopf auf den Zellenboden.</p><p>�Du hast ihn get�tet, du hast sie alle get�tet!� stammelte die W�rterin.</p><p>�Nein�, sagte ich. Die ersten beiden Soldaten waren in gr��ter Gefahr gewesen, aber die Helme hatten sie gerettet. Ich hatte in jenen ersten Augenblicken keinesfalls die Beherrschung �ber mich verloren. Das hatte ich nicht. Ich hatte nur in Anbetracht der Situation kein Risiko eingehen wollen. Aber ihre Helme hatten sie gerettet.</p><p>�Leg dich auf den Boden�, befahl ich der W�rterin. �Auf den Bauch, den Kopf zur Wand, Spreiz die Beine, so weit du kannst. Die H�nde auf den Kopf.�</p><p>Sie schluchzte, aber sie gehorchte. Auf diese Weise konnte sie nicht sehen, was hinter ihr geschah, sie konnte nicht so ohne weiteres aufstehen, und sie h�tte einen gewissen Schutz vor herabfallenden Steinen, falls die Zelle getroffen werden sollte.</p><p>Ich nahm dem dritten Soldaten Kleidung und Ausr�stung ab und legte sie selbst an. Allerdings wechselte ich die Schwerter; ich zog seine Waffe aus der Scheide und behielt die Klinge, die ich seinem Kameraden abgenommen hatte. Sie lie� sich schneller aus der Scheide ziehen, was mir gefiel.</p><p>Die Zitadelle erhielt einen Treffer, etwa drei�ig Meter entfernt. Der Steinboden erzitterte. Die W�rterin st�hnte auf und legte die H�nde fester auf den Kopf. Ich trug die drei Soldaten in eine Zellenecke und bedeckte sie mit Stroh. Von der T�r aus konnte man sie nicht sehen.</p><p>Als das erledigt war, wandte ich mich Claudia zu, die noch immer an Ort und Stelle kniete. Ihr zierlicher K�rper wurde von mindestens f�nfzig Seilschlingen gefesselt. Von dem Kragen um ihren Hals baumelte die Leine.</p><p>�Hallo�, sagte ich.</p><p>�Du mu�t fliehen!� fl�sterte sie. �Rette dich! Mich kennen sie! Halt dich nicht mit mir auf!�</p><p>Ich nahm ihr den Kragen ab.</p><p>�Flieh!� flehte sie.</p><p>Ich entfernte das Seil.</p><p>�Der Henker kann jeden Augenblick eintreffen�, sagte sie mit kl�glicher Stimme.</p><p>�Er w�rde wohl denken, da� ich dich fessele und nicht befreie�, erwiderte ich.</p><p>Sie st�hnte.</p><p>Dann war sie endlich frei.</p><p>�Du mu�t mich zur�cklassen!� beschwor sie mich.</p><p>�Du bist zu h�bsch, um zur�ckgelassen zu werden.�</p><p>Sie sah mich freudig an.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Sie l�chelte mich mit Tr�nen in den Augen an. �Ich bin erfreut, da� mich mein Herr sch�n findet�, fl�sterte sie.</p><p>�Woher kennst du denn solche Worte?� fragte ich verbl�fft.</p><p>�Ich habe einmal eine Sklavin und ihren Herren belauscht.�</p><p>�Und was hast du dann getan?�</p><p>�Ich lief nach Hause, warf mich aufs Bett, trommelte mit den F�usten darauf und weinte vor Sehnsucht!�</p><p>�Auch du darfst solche Worte jetzt sagen, es steht dir zu.�</p><p>�Ich wei�!� antwortete sie. �Ich wei�!�</p><p>Ich warf einen Blick in den Geldbeutel des Soldaten, der nun an meinem G�rtel hing. Wie erhofft befand sich ein Kanten Brot darin. In diesen Tagen wurden in Ar-Station solche Dinge an einem solchen Platz verwahrt. Vermutlich war es sein geheimer Vorrat oder die Tagesration. F�r ihn war das Brot wertvoller als Gold gewesen. Ich reichte es Claudia, und sie stopfte es sich dankbar mit beiden H�nden in den Mund. �Untersuch auch die Geldbeutel der anderen beiden Burschen�, sagte ich. �Vielleicht haben sie auch etwas zu essen dabei. I� es. Dann komm zur�ck an meine Seite.�</p><p>Claudia gehorchte. Es belustigte mich zu sehen, mit welcher Bereitwilligkeit sie aufsprang, um meinen Befehl zu befolgen. Es war, als w�re sie ein neuer Mensch. Ich ging zu unserer W�rterin hin�ber, die noch immer vor der Wand lag, die H�nde auf dem Kopf, die Beine gespreizt. Als sie mich kommen h�rte, spreizte sie die Beine noch weiter. Dabei rutschte das kunstvoll hergestellte Lumpenkleid mit dem Spitzensaum noch h�her. Sie hatte h�bsche Waden und Fu�gelenke.</p><p>�Hier ist etwas zu essen�, rief Claudia freudig.</p><p>�Gut�, erwiderte ich. �Dann i�.�</p><p>Sie stopfte sich das Essen in den Mund, a� mit der Gier eines halbverhungerten Sklavenm�dchens.</p><p>Ich sah auf unsere W�rterin hinab. �Die Beine zusammen�, befahl ich ihr, �und die Arme an die Seiten, Handfl�chen nach oben!�</p><p>Sie gehorchte.</p><p>Ich ging neben ihr in die Hocke.</p><p>Sie bewegte sich unbehaglich, behielt aber ihre Stellung bei.</p><p>�Diese Lumpen sind doch zweifellos so angeordnet, da� sie sich ganz leicht ausziehen lassen�, sagte ich.</p><p>Sie wand sich vor Wut.</p><p>�Wie ist dein Name, Gefangene?� fragte ich.</p><p>�Publia.�</p><p>�Bist du eine freie Frau?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Claudia trat heran, in der Hand ein St�ck Brot. �Welcher Kaste geh�rst du an?�</p><p>�Der Kaste der Kaufleute�, sagte Publia.</p><p>�Das ist doch im allgemeinen eine recht wohlhabende Kaste�, vermutete ich.</p><p>Claudia sagte: �Ich geh�rte ihr auch an.�</p><p>Ich ri� unserer Gefangenen den Geldbeutel vom G�rtel. Er war ziemlich schwer. Ich warf ihn Claudia zu, die sich seinen Inhalt betrachtete.</p><p>�Hier ist viel Gold.�</p><p>�Steck es in meinen Geldbeutel�, befahl ich.</p><p>Lady Claudia gehorchte.</p><p>�Wie kommt es, Lady Publia, da� du, ein Mitglied der Kaste der Kaufleute, die bis eben einen vollen Geldbeutel besa�, barfu� und in Lumpen gekleidet gehst?�</p><p>Publia beantwortete meine Frage nicht.</p><p>�Und noch dazu in so kunstvollen Lumpen?�</p><p>Sie schwieg beharrlich.</p><p>Ich strich �ber das Kleid. �Ich bezweifle, da� du es selbst gen�ht hast. Das ist die Arbeit einer Schneiderin. Diese engsitzenden, sauberen N�hte, Das sieht alles sehr gekonnt aus. Zweifellos nach deinen genauen Anweisungen. Dieses Kleid soll aussehen, als tr�gst du nur noch Lumpen auf der Haut, aber bei n�herer Betrachtung entdeckt man, da� alles mit einer Absicht geschah.� Innerlich mu�te ich l�cheln. Auch Sklavinnen schneidern sich mit viel M�he solche Fetzen, die hier etwas Haut verbergen und sie an anderer Stelle enth�llen, sie arbeiten, bis sie Meisterwerke an Sinnlichkeit, Verwundbarkeit und Verlockung erschaffen haben. Mit solchen und anderen ausgefeilten Methoden gelingt es den sch�nen, mit dem Kragen versehenen kleinen Mistst�cken, verdienten Pr�gelstrafen zu entgehen und ihre Herren vor Leidenschaft und Begehren fast um den Verstand zu bringen.</p><p>�Ich gratuliere dir�, sagte ich. �Dieses Kleid mit seinem gezackten Saum, der gelegentlich deine Waden enth�llt, teils hier und teils da, ist dir gut gelungen. Es zeugt von Phantasie und ausgezeichnetem Geschmack.�</p><p>Publia gab einen leisen erfreuten Laut von sich.</p><p>�Nat�rlich bleibt die Frage bestehen, warum du dir solche M�he gegeben hast.�</p><p>Sie erstarrte.</p><p>�Aber auf diese Frage findet sich bestimmt eine einfache Antwort. L��t sich die Kleidung in der m�hsamen Art der freien Frauen ausziehen oder schnell und aufreizend? Tr�gst du Unterw�sche, wie es die Angeh�rigen der untersten Kasten tun, oder nicht?�</p><p>Sie ballte die F�uste.</p><p>�Also�, fuhr ich fort, �erheb dich auf die Knie und dreh dich um.�</p><p>Publia gehorchte w�tend.</p><p>Doch ihre Wut verwandelte sich schnell in Angst und Unterw�rfigkeit, als ich ihren Schleier anfa�te. Ich zog vorsichtig daran, und sie machte die Bewegung mit und fiel auf alle viere, um zu verhindern, da� ich ihn ihr wegnahm. �Nein�, sagte sie. �Bitte nimm mir nicht den Schleier ab.�</p><p>�Das werde ich auch nicht tun�, erwiderte ich.</p><p>Sie stie� einen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p>�Das wird Lady Claudia erledigen.�</p><p>Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen.</p><p>�Du hast sie doch sicher auch ohne Schleier gesehen.� Publia schluchzte. �Bleib auf allen vieren�, warnte ich sie. So konnte sie nichts tun. Auch nicht die H�nde vors Gesicht schlagen.</p><p>�Nimm ihr den Schleier ab�, befahl ich Claudia. �Aber tu es vorsichtig.� Ich hatte meine Gr�nde, da� er nicht besch�digt wurde.</p><p>�Bitte, nein!� flehte Lady Publia. Der Schleier war mit einer Schnur befestigt, und Claudia l�ste ihn behutsam mit beiden H�nden und nahm ihn sanft vom Gesicht der Gefangenen. �Sie ist wundersch�n!� rief sie aus.</p><p>�Nicht sch�ner als du�, sagte ich.</p><p>�Ist das dein Ernst?� fragte Claudia.</p><p>�Ja.� Ich wandte mich Publia zu. �Auf die Knie.�</p><p>Sie verlor keine Zeit, sich in die kniende Haltung zu begeben, und schlug die H�nde vors Gesicht.</p><p>�Die H�nde herunter�, sagte ich.</p><p>�Ich habe meinen Schleier nicht!�</p><p>Es stimmte. Senkte sie die H�nde, war ihr Gesicht entbl��t, und ihre Lippen, der Mund und die sch�nen Z�ge in ihrer ganzen Sinnlichkeit waren den Blicken aller ausgesetzt. Ihr Gesicht war so nackt wie das einer Sklavin.</p><p>�Sofort!�</p><p>Sie senkte schluchzend die H�nde. Ich hatte ihr den Schleier als Schild und Versteck verweigert, wie er den Sklavinnen verweigert wird.</p><p>�Hattest du nicht vor, dir den Schleier vor den Cosianern herunterzurei�en?�</p><p>Publia warf mir nur einen w�tenden Blick zu.</p><p>�Gut, und jetzt herunter mit den h�bschen Lumpen.�</p><p>Aufgebracht schnallte sie den G�rtel auf. Er war stabil, aus flachem, seil�hnlichem wei�en Material geflochten, stark genug, den Geldbeutel zu halten. Dann fa�te sie sich an den Kragen. Sie trug ein Wickelkleid, �ffnete einen Haken und streifte es mit beiden H�nden anmutig, trotzig und m�helos hinunter.</p><p>�Oh�, stie� Lady Claudia leise und bewundernd hervor.</p><p>Publia richtete sich gerade auf, erfreut.</p><p>�Hast du gesehen, wie sie das auf den Knien erledigte?� fragte ich Claudia. �Das Kleid ist so geschnitten. Du kannst dir sicher vorstellen, wie schwierig es w�re, ein normales Gewand der Verh�llung auf den Knien auszuziehen.�</p><p>�Sie ist so sch�n!�</p><p>Es stimmte. Lady Publia hatte wundersch�ne Augen und pr�chtiges Haar, Bauch, Schenkel und Br�ste waren herrlich anzusehen. Frauen sind so unbeschreiblich gro�artig, so begehrenswert!</p><p>�Dreh dich um und leg dich auf den Bauch�, befahl ich, �wie eben, die Arme an den Seiten, Handfl�chen nach oben.�</p><p>Sie gehorchte und nahm dieselbe Stellung ein wie eben, nur da� sie jetzt nackt war. Ich hob den Turban, den Schleier und ihre �Lumpen� auf. Pl�tzlich hob Claudia den Kopf. �Da sind wieder die Fanfaren!� sagte sie.</p><p>�Sie blasen zum R�ckzug�, stellte ich fest. �Das sind deine Freunde, die Cosianer�, sagte ich zu Publia.</p><p>�Sie sind nicht meine Freunde!� erwiderte sie trotzig.</p><p>�Und doch hast du dich sorgf�ltig vorbereitet, in der Hoffnung, von jemandem zur Sklavin gemacht zu werden.�</p><p>�L�gner!� rief sie. Ich sah, da� sie die zierlichen Finger bewegte, aber sie wagte nicht, sie zur Faust zu ballen. Die Finger kr�mmten sich hilflos, aber die Handfl�chen zeigten weiterhin entbl��t in die H�he.</p><p>Ich gab Claudia das Kleid und den Rest der Sachen. Dann packte ich Publia unvermittelt am Nacken und schleifte sie zu der Stelle, auf der eben Claudia vor dem Soldaten gekniet hatte.</p><p>�Knie dich dorthin�, befahl ich Publia. �Auf die Fersen, die Arme an die Seiten.� Sie gehorchte eingesch�chtert. Ich hob das eine Seilende auf und fing an, Publia auf genau die gleiche Art zu fesseln, wie Claudia gefesselt worden war. Ich fing an der Taille an.</p><p>�Was tust du da?� st�hnte Publia.</p><p>�Zieh ihre Sachen an�, sagte ich Claudia. �Beeil dich.� Der dritte Angriff an diesem Tag war abgebrochen worden. F�r die Verteidiger bedeutete dies eine Atempause. Bei einer solchen Gelegenheit konnten M�nner von der Mauer abgezogen werden. Au�erdem neigte sich der Vormittag dem Ende zu.</p><p>�Wie kann sie es wagen!� rief Lady Publia wutentbrannt. �Au!�</p><p>�Wenn ich mich recht erinnere, hattest du vorgeschlagen, das Seil stramm zu ziehen�, meinte ich zu Publia. Einen Augenblick sp�ter war sie verschn�rt. �Deine Waden und Kn�chel sind genauso reizvoll wie die ihren�, sagte ich Claudia.</p><p>Das Kompliment lie� Claudia err�ten. Sie strich entz�ckt �ber das Kleid. �Ich habe schon seit Tagen keine Kleidung mehr tragen d�rfen!� Ich l�chelte. Sollte sie sich dar�ber freuen, solange man ihr gestattete, Kleidung zu tragen!</p><p>�Und jetzt leg den Schleier an und wickle dir den Turban um den Kopf�, sagte ich. �Genau wie sie.�</p><p>�Was hat dieses emp�rende Verhalten zu bedeuten?� verlangte Lady Publia zu wissen und k�mpfte gegen die Fesseln an.</p><p>�Das ist sehr gut.� Lady Claudia hatte ebenfalls braune Augen. Wenn man Publia nicht pers�nlich oder besonders gut kannte, fiele einem nicht auf, da� es sich um Claudia handelte.</p><p>�Was soll das?� rief Lady Publia.</p><p>�Geh zu einem der bewu�tlosen Soldaten und schneide ihm die Tunika vom Leib. Ich brauche dringend Stoff.�</p><p>Lady Claudia gehorchte. In der Zwischenzeit hob ich den Kragen auf und legte ihn Publia um den Hals. Die Leine war bereits angebracht. Nun kniete unsere Gefangene dort, wie zuvor Claudia.</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte Publia aufgebracht.</p><p>�Du wirst uns helfen, die Zitadelle zu verlassen�, sagte ich.</p><p>�Niemals!�</p><p>�Ich habe einen Plan.�</p><p>�Du glaubst wohl, du k�nntest sie f�r mich ausgeben�, sagte Publia ver�chtlich und sah Claudia an, die mit einem gro�en St�ck Stoff an meine Seite zur�ckkehrte.</p><p>In diesem Augenblick gab es irgendwo einen Einschlag. �Die Artillerie!� sagte Claudia und erbebte. �Sie haben wieder angefangen.�</p><p>�Worauf wartet ihr dann noch?� fragte Publia �ngstlich. �Warum flieht ihr nicht?�</p><p>�Wir warten auf unseren Besucher.�</p><p>�Auf wen?�</p><p>�Den wirst du doch nicht vergessen haben. Er sollte doch in wenigen Ehn hier sein. Ich rechne jeden Augenblick mit ihm, jetzt, da der Sturmangriff ruht.�</p><p>Pl�tzlich starrte Publia Lady Claudia voller Angst an, die ihr Kleid und ihren Turban einschlie�lich Schleier trug. �Wenn sie in dieser Farce meine Rolle �bernehmen soll, was wird dann aus mir?�</p><p>W�hrend wir sprachen, hatte ich Claudia den Stoff abgenommen und mich daran zu schaffen gemacht.</p><p>�Kannst du dir das nicht denken?�</p><p>�Nein!� rief sie. �Nein!�</p><p>�Vielleicht doch.� Ich drehte eines der Stoffst�cke zu einem festen kleinen Ball zusammen.</p><p>�Bist du kein Cosianer?� fragte Publia.</p><p>�Nein.�</p><p>�Aus welcher Stadt kommst du?� Es klang �ngstlich.</p><p>�Port Kar�, sagte ich.</p><p>Sie wurde bleich.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Port Kar�, sagte ich.</p><p>�Gnade!� schrie sie.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Port Kar�, wiederholte ich in aller Ruhe.</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Port Kar!� rief sie verzweifelt und voller Inbrunst.</p><p>�Dreimal.�</p><p>�Ruhm und Ehre f�r Port Kar!� rief sie dreimal.</p><p>Dann stie� ich ihr den Stoffball in den Mund, der, da er aus einem ziemlich gro�en, eng zusammengerollten St�ck bestand, sofort auseinanderfiel.</p><p>�Unter Umst�nden waren das die letzten Worte, die du je gesprochen hast�, belehrte ich sie.</p><p>Publia starrte mich mit wildem Blick und Tr�nen in den Augen an, wand sich, sch�ttelte den Kopf, gab leise Ger�usche von sich, aber dann befestigte ich den Knebel mit zwei Stoffstreifen, die ich in ihrem Nacken zusammenband.</p><p>�Wenn der Henker kommt � wen, glaubst du, wird er hier wartend vorfinden?�</p><p>Ihr Gesicht verlor den letzten Rest Farbe. Sie wand sich, warf den Kopf hin und her.</p><p>�Halt die Leine fest�, befahl ich Claudia, die ebenfalls totenbleich geworden war. Das sollte verhindern, da� Publia den Kopf auf den Boden schmetterte.</p><p>Sie wollte zur�ckweichen, aber ich griff ihr ins Haar und legte ihr das �briggebliebene gro�e Stoffst�ck �ber den Kopf. Ich stie� unten mit dem G�rtelmesser ein paar L�cher hinein, kn�pfte ein paar Stoffstreifen zusammen und bastelte eine behelfsm��ige Haube, die ich dann im Nacken zusammenband.</p><p>Sie fing an, verzweifelt zu st�hnen und sich zu winden. Also nahm ich die Leine, f�hrte sie von oben zwischen ihren Schenkeln hindurch und band ihr die F��e zusammen. Nun kniete sie zusammengekr�mmt da, hilflos. Ich ging neben ihr in die Hocke. �Wenn ich mich recht erinnere�, sagte ich und rief mir ihre fr�heren Worte ins Ged�chtnis, �besteht der Pfahl aus einem einzigen St�ck hartem, poliertem Eisen. Er ist sehr lang und weniger als einen Hort dick. Er ist spitz zugefeilt. Er steckt in einer Halterung.�</p><p>Lady Publia h�pfte wie von Sinnen auf den Knien auf und ab. Dabei stie� sie ged�mpfte Laute des Protests aus.</p><p>Claudia sah mich mit Tr�nen in den Augen ungl�ubig an. In diesem Augenblick brachte ein f�rchterliches Krachen den Raum zum Erbeben; der Treffer mu�te in der Nachbarzelle eingeschlagen sein, denn Steine prasselten zu Boden, und eine Staubwolke wurde durch den Korridor getrieben, von der ein paar Schwaden durch die offene T�r hereinwehten. Ich legte sch�tzend die Hand vor Mund und Nase.</p><p>Jemand hustete.</p><p>Im n�chsten Moment betrat ein hochgewachsener Mann unsere Zelle. Er trug eine schwarze Kapuze, die bis auf die rechteckigen �ffnungen f�r die Augen den ganzen Kopf bedeckte. Er klopfte sich den Staub aus dem Gewand. �Die Mauer gibt nach�, sagte er an mich gewandt. �In ein paar Ehn greifen sie wieder an. Sie formieren sich schon. Wir k�nnen sie nicht l�nger zur�ckschlagen. Ihre Belagerungst�rme haben die Zitadelle fast schon erreicht.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Du bist Lady Publia, die Gefangenenw�rterin?� fragte er Claudia.</p><p>�Das bin ich�, sagte sie mutig.</p><p>�Ich halte nichts von Gef�ngnisw�rterinnen�, meinte er. �Das ist M�nnerarbeit.�</p><p>Sie warf den Kopf in den Nacken.</p><p>�Vielleicht bedauerst du ja, diesen Posten angenommen zu haben�, fuhr er fort.</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Claudia.</p><p>Lady Publia, die zusammengekr�mmt zu unseren F��en kniete, unf�hig, den mit der Haube verh�llten Kopf zu heben, k�mpfte gegen die Fesseln an und stie� ged�mpfte Schreie aus. Wir schenkten ihr keine Beachtung, da sie die Gefangene war. Allerdings konnte ich mir durchaus vorstellen, da� sie es nun im nachhinein bereute, die Stellung der Gefangenenw�rterin angenommen zu haben.</p><p>�Du hast h�bsche Beine�, sagte der Henker zu Claudia. Sie antwortete nicht.</p><p>�Welcher Kaste geh�rst du an?�</p><p>�Den Kaufleuten.�</p><p>�Warum tr�gst du dann nicht Wei� und Gold, vor allem heute, an diesem Tag?� fragte er. Wei� und Gold sowie Wei� und Gelb sind die Farben der Kaste der Kaufleute.</p><p>Sie antwortete nicht.</p><p>�Du tr�gst nicht einmal ein Gewand der Verh�llung!�</p><p>�Das schien hier nicht angebracht zu sein.�</p><p>�Tr�gst du es nicht, weil es den Gefangenen gegen�ber nicht angebracht w�re, oder bist du aus diesem Grund �berhaupt erst hier, weil es eben nicht angebracht ist, solche Kleidung hier zu tragen?� wollte er wissen.</p><p>�Es gibt viele Orte, an denen es unpassend ist, ein Gewand der Verh�llung zu tragen�, sagte sie.</p><p>�Ja�, erwiderte er. �Zum Beispiel auf einem cosischen Sklavenmarkt.�</p><p>�Ich hatte andere Orte im Sinn!�</p><p>�Das ist wahr. Zum Beispiel, wenn man in den Tr�mmern umherklettert, den Arbeitern an der Mauer Steine zum Ausbessern bringt oder sich um die Verwundeten k�mmert. Genau darum frage ich mich ja auch, warum du dir diese Aufgabe ausgesucht hast.�</p><p>�Hier ist es k�hl.�</p><p>�Und hier kannst du dich mehr wie ein Mann f�hlen, wie?�</p><p>�Vielleicht�, sagte sie �rgerlich.</p><p>Lady Publia gab einen Laut von sich, es klang wie eine Mischung aus Begreifen, Verzweiflung, Bedauern und Schmerz. Aus irgendeinem Grund hatten die Fragen des Henkers eine tiefe Bedeutung f�r sie.</p><p>Er wandte sich ihr zu. �Keine Angst, kleine Vulo�, sagte er und t�tschelte ihr den Kopf. �Bald ist alles vorbei.� Er �berh�rte ihr Aufschluchzen, b�ckte sich und l�ste die Fesseln um ihre Fu�kn�chel.</p><p>�Denk an das cosische Gold�, sagte er.</p><p>Sie erschauderte.</p><p>�Dann wollen wir deinen cosischen Freunden mal zeigen, wie h�bsch du auf dem Pfahl aussiehst.�</p><p>Publia sch�ttelte wie bet�ubt den Kopf. Der Henker beugte sich tief hinunter, um sie sich auf die Schulter zu laden. Pl�tzlich verharrte er. Er hatte die Soldaten entdeckt, die mit Stroh bedeckt in der Zellenecke lagen. Ich eilte auf ihn zu.</p><p>In diesem Augenblick explodierte die Welt. Ich fuhr herum und ri� die Arme vor den Kopf; es donnerte, und die Zelle f�llte sich mit zerberstenden Ziegelsteinen. Lady Claudia schrie entsetzt auf, und ich konnte nichts sehen oder gar Luft holen, denn die Luft bestand nur aus Staub, aus dichtem wei�en Staub, und wir husteten, und mir brannten die Augen. �berall waren Tr�mmer; grelles Licht flutete in die Zelle, denn fast die halbe Wand war verschwunden. Der Henker kauerte am Boden, einige der gro�en Steinfliesen hatten sich gel�st und w�lbten sich in die H�he, Er schien verwirrt und halb bet�ubt zu sein. Er drehte sich um, zeigte auf die Wand, um mich auf seine Entdeckung hinzuweisen, allem Anschein nach nicht einmal mi�trauisch, und sackte zusammen, als ich ihn mit dem Stein traf, den ich vom Boden aufgehoben hatte. Lady Claudia kr�mmte sich zitternd zusammen, den Kopf mit den H�nden sch�tzend. Lady Publia lag reglos zwischen den aufgerichteten und zerborstenen Fliesen. Beide waren staubbedeckt.</p><p>Ich stolperte �ber die Tr�mmer bis zu dem gro�en Loch in der Wand.</p><p>Vor mir breitete sich die geballte Streitmacht von Cos im Norden aus, in der hellen Morgensonne funkelten Speerspitzen und Schilde und die Flaggen von Kompanien und Regimentern, w�hrend am strahlendblauen Himmel Tarnsm�nner flogen. Die enggeschlossenen Reihen erstreckten sich bis zu den letzten noch stehenden Geb�uden und dr�ngten sich in den weitentfernt liegenden Stra�en, doch in der Hauptsache standen sie auf einer k�nstlichen, dreihundert Meter langen Ebene versammelt, die man aus den geschleiften Ruinen der niedergebrannten Geb�ude geschaffen hatte, deren Tr�mmer dazu benutzt worden waren, die Keller und Erdgeschosse auszuf�llen.</p><p>Ich winkte Lady Claudia heran, damit wir uns die Pracht des Krieges zusammen ansehen konnten.</p><p>�Siehst du das, kannst du verstehen, warum M�nner so etwas lieben k�nnen?�</p><p>Sie st�hnte auf. �Es macht mir angst!�</p><p>�Sieh sie an, die Soldaten, ihre Pracht, ihre Macht!�</p><p>�Nein�, schluchzte sie, und der Wind dr�ckte den Schleier gegen ihre Lippen.</p><p>�Ein gro�artiger Anblick!� rief ich.</p><p>Sie sch�ttelte nur ver�ngstigt den Kopf. H�tte ich sie nicht beim Arm gegriffen, w�re sie vermutlich ohnm�chtig zusammengesunken.</p><p>Fanfaren ert�nten aus allen Richtungen.</p><p>�Die M�nner bewegen sich�, fl�sterte Claudia.</p><p>�Das ist der Angriff.�</p><p>�Sie schweigen!� Bis jetzt war den Fanfaren stets gewaltiger Jubel gefolgt.</p><p>�Sie haben genug gebr�llt�, sagte ich. �Jetzt kommen sie, um die Sache zu Ende zu bringen.�</p><p>Mit leichten Waffen ausgestattete Regimenter eilten nach vorn, die Bogensch�tzen, Schleuderer und Speerwerfer sollten die Verteidiger von den Zinnen fernhalten. Unter ihrem Schutz folgten die Leiterbrigaden und die Wurfhakenm�nner, dahinter kamen die Kletterer zusammengeduckt unter den Schildd�chern der Infanteristen heran.</p><p>�Die Mauer wird an mehreren Stellen angegriffen�, erkl�rte ich, �damit sich die Verteidiger verteilen.�</p><p>Pl�tzlich st�hnte Claudia entsetzt auf.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Ich glaubte, ich h�tte ein Haus gesehen, das sich bewegt�, sagte sie. �Dort hinten, bei den anderen H�usern.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Es spielt keine Rolle, es war nur eine Illusion, eine Luftspiegelung, Hitze, die von den Steinen aufsteigt.�</p><p>�Wo?� wiederholte ich meine Frage.</p><p>Sie zeigte in die Richtung, dann st�hnte sie erneut auf.</p><p>�Es ist keine Illusion. Es bewegt sich. Da ist noch eins, und dort hinten.�</p><p>�H�user k�nnen sich nicht bewegen!� sagte sie.</p><p>�Ich z�hle elf St�ck�, sagte ich. �Sie k�nnen auf verschiedene Weise bewegt werden; manche von innen heraus. Dort stemmen sich M�nner gegen Balken, oder Tharlarion ziehen sie, die hinter solchen Balken angeschirrt sind. Andere werden mit Seilen von M�nnern oder Tharlarion gezogen. Sieh dort, da ist eins! Es wird von M�nnern gezogen. Siehst du es?�</p><p>Sie nickte.</p><p>Es waren mindestens f�nfzig Seile, und an jedem Seil standen f�nfzig M�nner. Doch auf diese Entfernung wirkten sie trotz ihrer Anzahl winzig.</p><p>�Trotzdem, wie kann man solche Geb�ude nur bewegen?�</p><p>�Das sind keine richtigen Geb�ude aus Stein und Lehm�, erkl�rte ich ihr. �Es handelt sich um Belagerungst�rme, hohe, bewegliche Konstruktionen auf R�dern. Sie sind schwer, das ist richtig, aber in Anbetracht ihrer Gr��e sind sie verh�ltnism��ig leicht. Sie bestehen aus einem Ger�st, das von drei Seiten mit Holzplatten oder auch mit H�uten verkleidet ist. Wenn sie n�her kommen, wird man die H�ute mit Wasser tr�nken, damit man sie nicht so leicht in Brand stecken kann. Die Belagerungst�rme �berragen die Mauern, oben sind Zugbr�cken eingebaut, die man hinunterl��t, wobei es von Vorteil ist, wenn sie absch�ssig sind, das verleiht dem Angriff mehr Wucht. �ber diese Zugbr�cken st�rmen die ersten Soldaten die Wehrg�nge, w�hrend andere die im Innern des Turms angebrachten Leitern erklimmen und ihnen folgen. Von diesen Belagerungst�rmen gibt es viele verschiedene Arten. Manche werden sogar auf Schiffen eingesetzt.�</p><p>�Sie sind schrecklich�, sagte Claudia.</p><p>�Jeder Turm kann innerhalb von zehn Ehn eintausend Mann in eine Stadt str�men lassen.�</p><p>�Sie sind wie Riesen.�</p><p>�In der Tat machen sie einen bedrohlichen Eindruck�, gab ich ihr recht.</p><p>Wir blieben noch einen Augenblick lang in dem Loch in der Wand stehen. Dann sagte ich pl�tzlich: �Komm!� Und ich zog sie �ber das Ger�ll zur�ck in die Zelle. Ich nahm dem Henker die Maske ab und zog sie mir �ber den Kopf. Dann trat ich zu Lady Publia, die voller Staub in den Tr�mmern lag. Ich stie� sie mit dem Fu� an, doch sie r�hrte sich nicht. Ich glaubte nicht, da� sie tot war, denn von uns allen hatte sie sich an der sichersten Stelle aufgehalten, als die Wand durchschlagen worden war. Weder auf dem Seil noch auf der Haube war Blut zu sehen. Wahrscheinlich war sie nicht einmal bewu�tlos, sondern hoffte verzweifelt, da� man sie vergessen hatte. Ich nahm sie bei der Taille und warf sie mir �ber die linke Schulter. So hat man den Schwertarm frei. Sie st�hnte mitleiderregend. Bestimmt glaubte sie sich auf der Schulter des Henkers. Ich trug sie aus der Zelle. Lady Claudia folgte mir.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Wo bleibst du?� rief der Mann, der uns im Korridor entgegenkam. �Sie kommen! In einer Ehn steht der Rammbock wieder vor dem Tor!�</p><p>Ich hob die rechte Hand und gab ihm zu verstehen, da� ich seine Worte verstanden hatte. Wir hatten den Rammbock von der Zelle aus nicht sehen k�nnen, vermutlich hatte die Westecke des Haupttores den Blick versperrt. Der Mann drehte sich um, und ich folgte ihm. Vermutlich ging es zur vorderen Brustwehr.</p><p>Lady Publia wand sich wie wild auf meiner Schulter, in dem Glauben, da� dies die letzte Gelegenheit sei, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ihre Bem�hungen waren nicht vergeblich, sie ernteten h�hnische und sp�ttische Bemerkungen, die sie selbst verh�llt gut h�ren konnte. Mehrere Frauen und M�nner, an denen wir auf unserem Weg vorbeikamen, schlugen ha�erf�llt nach ihr, wobei sie jedesmal zusammenzuckte. Zweifellos w�re sie gr�n und blau geschlagen, sobald wir die Mauer erreicht hatten. Lady Claudia folgte uns ver�ngstigt und eingesch�chtert. Ich hatte den Eindruck, als schriee sie jedesmal leise auf, wenn die Schl�ge meine hilflose, weiche Last trafen, so als m��te sie diejenige sein, die sie zu erdulden h�tte. Manchmal schluchzte sie sogar auf. Falls Publia diese Laute h�rte und sie mit Lady Claudia in Verbindung brachte, nahm sie bestimmt an, Claudia begleite den Henker zur Mauer, so wie sie es zweifellos an ihrer Stelle getan hatte. Als W�rterin hatte sie uns grausam behandelt und Lady Claudia bei jeder sich bietenden Gelegenheit erniedrigt. Nun war sie es, die zu ihrem Entsetzen zur Mauer gebracht wurde.</p><p>Nachdem wir eine spiralenf�rmige hohe Treppe hinaufgestiegen waren, gelangten wir in ein Wachhaus, durch das wir die Mauer betraten. Hier war es hell und windig. Lady Publia, die die k�hle Luft sp�rte, stie� ein langes hilfloses St�hnen aus.</p><p>�Da�, sagte der Soldat, dem wir gefolgt waren. Er zeigte auf die Brustwehr �ber dem Tor zur Zitadelle, die h�her war als ihre Gegenst�cke auf der Mauer. Auf der zinnengesch�tzten Plattform reckte sich der lange polierte Pfahl in die H�he. Der Soldat verlie� uns.</p><p>Ich warf einen Blick �ber die Mauer und sah, da� der fahrbare Unterstand, unter dessen Dach der Rammbock an seinen Seilen hing, bereits ziemlich nahe heran war. Meine Vermutung, da� er von der vorstehenden Westecke des Tores verdeckt worden war und man ihn in der Zelle deshalb nicht hatte sehen k�nnen, best�tigte sich. Einige der Leitertr�ger und der Hakenwerfer standen bereits am Fu� der Mauer. Die Belagerungst�rme waren noch ein paar hundert Meter entfernt.</p><p>Ein Armbrustbolzen traf die Innenseite einer Zinne, schlug eine Kerbe in den Stein und flog abgelenkt in die H�he.</p><p>Als ich auf das Tor zuging, flog ein Wurfhaken anmutig �ber die Mauer und fiel �ber den Wehrgang hinaus. Aus dem Bogen, den er beschrieben hatte, und der H�he, aus der er gekommen war, schlo� ich, da� ihn ein Katapult abgeschossen hatte. Er wurde zur�ckgezogen, eine der gekr�mmten Spitzen verhakte sich an der Wehrgangkante, das daran befestigte Seil wurde straffgezogen. Normalerweise taugen bei dieser Art von Kampf solche Wurfhaken nicht viel, es sei denn, man benutzt sie des Nachts, wenn sie nicht gesehen werden, oder es gibt zu viele von ihnen, als da� man ihrer Herr werden kann. Meiner Meinung nach sind sie auf See viel n�tzlicher, um Schiffe auf Enterdistanz aneinander heranzuziehen, wobei die Haken an drei Meter langen Ketten h�ngen, die wiederum mit Seilen verbunden sind. Das erschwert es, sie zu durchtrennen. Wenn man nahe genug ist benutzt man f�r solche Zwecke auch andere, kleinere Enterhaken. Hinter der Spitze sind diese Enterhaken mit Blech ummantelt, was ebenfalls das Durchtrennen erschweren soll. �brigens werden die oberen Enden der Piken, mit denen die Enterer abgewehrt werden sollen, mit Schmiere bestrichen, damit der Feind sie den Verteidigern nicht so ohne weiteres aus den H�nden rei�en und so L�cken in den Pikenwall rei�en kann.</p><p>Ich behielt das an dem Haken befestigte Seil einen Augenblick lang im Auge und bemerkte, da� es zwar straff gespannt war, aber nicht den unverkennbaren Zug aufwies, der zu sehen gewesen w�re, wenn jemand daran in die H�he geklettert w�re. Ich machte den Haken los und lie� ihn zur�ck �ber den Wehrgang und die Zinnen fliegen, wobei ich die Spannung des Seils die Arbeit erledigen lie�. H�tte ich mehr Zeit gehabt oder zu den Verteidigern von Ar-Station geh�rt, h�tte ich vielleicht gewartet, bis jemand in die H�he geklettert w�re und das Seil dann gekappt. F�r denjenigen, der die Mauer hochklettert, kann das sehr unerfreulich sein, vor allem wenn er sich in diesem Augenblick zwanzig oder mehr Meter �ber dem Boden befindet. Man braucht viel Mut, um im hellen Tageslicht mitten im Kampf ein solches Seil zu erklimmen. Ich hatte keinen Zweifel, da� es jetzt auf der anderen Seite der Mauer einen oder zwei Burschen gab, die erleichtert waren, da� der Haken zur�ckkam. Nat�rlich braucht es genausoviel Mut, eine Belagerungsleiter hochzusteigen � obwohl das nat�rlich viel einfacher ist �, vor allem dann, wenn die Mauer heftig verteidigt wird. Bei Mauern, die h�her als sechs Meter sind, hat der Angreifer gr��ere Erfolgsaussichten, wenn er versucht, �ber die Zugbr�cke eines Belagerungsturms in die Stadt einzudringen � oder noch besser durch das gest�rmte Tor oder eine L�cke in der Mauer.</p><p>Ich warf einen Blick zwischen zwei Zinnen hindurch.</p><p>Die Belagerungst�rme waren noch immer mindestens zweihundert Meter weit entfernt. Man braucht Zeit, um solch unhandliches Ger�t zu bewegen. Das Vorankommen der T�rme war so langsam, da� sich der Eindruck aufdr�ngte, man beobachte die Bewegung von Uhrzeigern.</p><p>Ich ging an einem jungen Burschen vor�ber, der mit einer Armbrust hinter einer Schie�scharte stand. Er war zu jung, um auf der Mauer zu stehen. In die Bolzenrinne war ein Gescho� eingelegt. Neben ihm an der Br�stung lehnten weitere Armbrustbolzen, von denen aber nur zwei befiedert waren, der eine mit echten Federn, der andere mit Metallflossen. Der Rest bestand aus zugespitzten Holzst�ben; ich entdeckte sogar ein paar stumpfe Holzbolzen, wie sie von Jungen f�rs V�gelschie�en benutzt werden. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� sie etwas ausrichten w�rden. Bestenfalls w�rden sie, aus einer Entfernung von einem Meter abgeschossen, einen Angreifer vielleicht von der Leiter sto�en, aber vermutlich waren sie nur l�stig.</p><p>Der Geruch kochenden �ls trieb �ber die Brustwehr, und ich ging an dem Kessel vorbei. Man nahm an langen St�ben befestigte Eimer, tauchte sie in den Kessel, z�ndete das gesch�pfte �l an und go� es auf die Angreifer. Ich passierte zwei Katapulte, Sie standen nutzlos da; sie waren nicht einmal bemannt.</p><p>Ich ging weiter zu der hohen Plattform �ber dem Tor, wo der Pfahl, der in der Sonne wie eine polierte Nadel funkelte, in seiner Halterung steckte. Ich kam an einem weiteren Burschen vorbei, der meiner Meinung nach ebenfalls viel zu jung war, um an den Zinnen zu stehen. In ihrem Alter h�tten sie sich an den windigen Ecken der M�rkte herumdr�cken sollen, in der Hoffnung, da� der Wind den Schleier einer freien Frau l�pfte. Oder sie h�tten hinter den St�nden �Stein oder Ring� spielen sollen. Er duckte sich hinter einem Steinhaufen. Es ist schwer, Steine zielgerecht zu werfen, ohne dabei auf den Zinnen zu stehen. Nat�rlich steht der Werfer in diesem Fall deckungslos da. Der Junge schien in Gedanken versunken zu sein. Ich fragte mich, ob er vorher je auf der Mauer gestanden hatte. Vermutlich hatte er eine Mutter, die ihn liebte.</p><p>Als ich an ihm vorbeiging, sah er zu mir auf. Da erkannte ich, da� er nicht das erste Mal auf der Mauer stand und da� es sich bei ihm, auch wenn er dem Alter nach ein Junge war, um einen Mann handelte. Er senkte den Kopf und gab sich wieder seinen Gedanken hin, wie auch immer sie aussahen. Vor der Treppe zur Plattform gabelte sich der Wehrgang und f�hrte um sie herum. Dort standen zwei Soldaten mit langsch�ftigen Dreizacken. Mit ihnen st��t man Sturmleitern zur�ck.</p><p>Ich drehte mich um und sah, wie etwa f�nfzig Meter hinter mir eine Leiter �ber den Zinnenrand geschoben wurde. Die beiden abgemagerten und m�den Soldaten schenkten ihr keinerlei Beachtung. Ein paar M�nner st�rmten bereits heran. Klingen trafen aufeinander. Mehr als ein Angreifer sprang auf den Wehrgang, die Leiter wurde umgesto�en. Pl�tzlich waren die Cosianer von ihren Leuten abgeschnitten. M�nner warfen sich ihnen entgegen. Zwei wurden niedergemacht, der dritte kletterte �ber die Brustwehr und sprang in die Tiefe; er zog die m�glichen Konsequenzen eines solchen Sturzes dem sicheren Tod auf dem Wehrgang vor. Man nahm seinen toten, verst�mmelten Kameraden die Waffen ab und warf ihm die Leichen hinterher.</p><p>Ich eilte die breiten Steinstufen zur Plattform hoch. Sie war menschenleer, zumindest im Augenblick, vielleicht wegen ihrer H�he und ihrer Position genau �ber dem Tor, gegen das in absehbarer Zeit der Rammbock anst�rmen w�rde. Es w�re der ideale Kommandoposten f�r Aemilianus gewesen, aber er hielt sich vermutlich unten in der N�he des Tores auf. Vielleicht glaubte er � m�glicherweise sogar zu Recht �, da� dort die gr��te Gefahr drohte. Vermutlich hatte man hinter dem Tor mittlerweile Tonnen von Gestein aufgesch�ttet. Trotzdem w�rde man sich mit der Ramme aller Voraussicht nach dort Einla� zu verschaffen suchen; sie w�rde die in die dicken Holzbohlen des Tores eingelassenen Messingbeschl�ge durchschlagen, die verriegelnden Balken entzweibrechen und schlie�lich Schlag f�r Schlag die aufgeschichteten Felsbrocken zur�ckzwingen.</p><p>Ich legte Lady Publia auf dem Boden ab, neben der Pfahlhalterung.</p><p>Dann verbannte ich sie einen Augenblick lang aus den Gedanken.</p><p>Ich betrachtete die n�her kommenden Belagerungst�rme, die unz�hligen Soldaten, die Leitern, die man herantrug, die Katapulte. Dann betrachtete ich die Mauer. Sie war mit zu wenigen M�nnern besetzt. Der Ausgang der Schlacht stand von vornherein fest. Die Cosianer hatten lange auf diesen Tag gewartet.</p><p>Zur Linken flatterte eine zerrissene Flagge trotzig im Wind; auf rotem Hintergrund prunkte in Gelb der Buchstabe �Ar�, darunter schl�ngelte sich eine gelbe Linie. Es war die Flagge von Ar-Station, die von Ars Macht am Vosk k�ndete. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� sie dort noch lange flatterte.</p><p>Dann hob ich den langen Spie� aus der Halterung und legte ihn mit einem h�rbaren Laut neben meine gefesselte Gefangene. Sie wollte aufstehen, aber es gelang ihr nicht. Dann versuchte sie wegzukriechen, aber ich packte sie am Fu�gelenk und zog sie n�her zu mir heran.</p><p>�Bitte, nein!� schluchzte Lady Claudia und streckte die Hand aus. Ich stie� sie beiseite.</p><p>Ich ging neben Publia in die Hocke. �W�rdest du dich zur Sklavin erkl�ren?� fragte ich.</p><p>Sie wand sich, stie� zustimmende Laute aus und nickte heftig.</p><p>�Du erkennst meine Stimme?�</p><p>Sie nickte erneut.</p><p>�Du erkl�rst dich also dem Gesetz nach freiwillig zur Sklavin. Du willst nicht l�nger Publia sein, sondern eine Sklavin, f�r die noch ein Name gefunden werden mu�?�</p><p>Sie nickte.</p><p>Claudia ber�hrte dankbar meine Schulter.</p><p>Ich erhob mich.</p><p>�Was tust du da?� rief Claudia.</p><p>�Sie hat uns bis hierher gebracht�, sagte ich. �Sie hat uns so weit gebracht, wie zu erwarten war, ohne da� wir kontrolliert worden w�ren. Sie hat soviel f�r uns getan, wie zu erwarten war. Und somit hat sie ihren Zweck erf�llt.�</p><p>�Was meinst du damit?� fl�sterte Claudia.</p><p>Ich griff nach dem Spie�.</p><p>�Nein�, stie� Claudia hervor.</p><p>Ich dr�ckte der Sklavin die kalte Spitze gegen die Innenseite des Oberschenkels. Sie st�hnte auf. Pl�tzlich warf sich Claudia auf die Sklavin, als k�nne sie sie mit ihrem K�rper sch�tzen. Eine r�hrende Geste, wie ich fand. Nat�rlich sinnlos und etwas l�cherlich. Ich konnte sie m�helos ein Dutzend Schritte wegsto�en oder mit einem leichten Schlag in den Magen daf�r sorgen, da� sie hilflos auf dem R�cken lag und nach Luft schnappte. Falls n�tig, h�tte ich sie fesseln k�nnen.</p><p>�Du w�rdest sie tats�chlich besch�tzen, nicht wahr?�</p><p>�Ja!� stie� sie hervor.</p><p>�Sie ist vielleicht deine schlimmste Feindin�, erinnerte ich sie.</p><p>�Das spielt keine Rolle�, weinte sie.</p><p>�Du hast unglaublich tiefe Gef�hle�, sagte ich. �Du g�bst eine ausgezeichnete Sklavin ab.�</p><p>Claudia sah mich verwundert an. Ihr Schleier war na� von Tr�nen.</p><p>�Nun, wir sollten diese Sklavin endlich auf den Pfahl stecken�, sagte ich und nahm den Schwertg�rtel ab.</p><p>�Das war nur ein grausamer Scherz�, stie� Claudia pl�tzlich hervor. �Du hast nie vorgehabt, sie zu pf�hlen!�</p><p>�Sie wird an dem Pfahl h�ngen, das schon�, sagte ich. Ich zog das Schwert aus der Scheide und schob die Scheide zwischen den R�cken der Sklavin und die Fesseln. Dann zwang ich den Spie� so weit wie m�glich in die Scheide. Das beulte sie zwar aus und tat ihr alles andere als gut, aber schlie�lich hatte ich sie nicht mit meinen Tarsk bezahlt, also war es einerlei. Dann bohrte ich mit dem G�rtelmesser ein neues Loch in den Schwertg�rtel und schnallte ihn um die schmale Taille der Sklavin, so fest, wie es nur m�glich war. Dabei achtete ich darauf, da� er zwischen zwei Seilbahnen verschwand. Die Spitze steckte nun in der Schwertscheide, die von den Fesseln der Sklavin gehalten wurde; der G�rtel sorgte f�r zus�tzliche Festigkeit. Sie konnte nicht den Spie� hinunterrutschen, da dieser in der Scheide steckte. Auf diese Weise s�he es aus, als h�tte man sie gepf�hlt; zumindest hoffte ich das. Um den wahren Sachverhalt zu erkennen, mu�te man schon ziemlich nahe herankommen. Au�erdem flie�t bei einer derartigen Pf�hlung nur wenig Blut, da der Spie� die Wunde verschlie�t.</p><p>�Du verschonst sie!� Lady Claudia atmete erleichtert auf.</p><p>Die ehemalige Lady Publia erschauderte, da sie erkannte, welchem Schicksal sie gerade noch entronnen war.</p><p>Ich hob den Spie� mit seiner Last an und steckte ihn in die Halterung.</p><p>Auf dem Wehrgang ert�nte vereinzelter Jubel. Doch die meisten der M�nner hatten anderes im Sinn. Im Schutz der sich langsam n�hernden Belagerungst�rme r�ckten Hunderte von Cosianern heran. Die T�rme selbst waren keine f�nfundsiebzig Meter mehr entfernt. Sie standen nun in einer Reihe ausgerichtet, und man w�rde die Zugbr�cken gleichzeitig absenken, sobald alle ihre Stellung erreicht h�tten. Sicherlich w�rde man unten in der Zitadelle M�nner abziehen, um bei der, Verteidigung der Mauer zu helfen. Der Beschu� mit Wurfhaken hatte mittlerweile nachgelassen, daf�r kamen Dutzende von Leitermannschaften heran.</p><p>�Winde dich�, befahl ich der neuen Sklavin, die in der Luft hing. �Winde dich vern�nftig, oder ich pf�hle dich richtig.�</p><p>Sie wand sich hilflos.</p><p>�T�test du das wirklich?� fragte Lady Claudia leise.</p><p>�Aber sicher�, antwortete ich. Es war die Wahrheit.</p><p>An einigen Stellen der Mauer ert�nte nun Gel�chter, und vermutlich konnte man es sogar von den Cosianern unten vor der Mauer h�ren. Auch sie hatten wenig Respekt vor einer Verr�terin.</p><p>Lady Claudia erschauderte.</p><p>��bertreib es aber nicht�, wies ich die neue Sklavin an. �Zuerst st�rker, dann weniger. Und zum Schlu� bleibst du reglos h�ngen.�</p><p>Sie nickte schwach.</p><p>�Was ist?� fragte ich Lady Claudia, die ganz elend aussah.</p><p>�Das dort oben h�tte ich sein k�nnen, nur da� man mich richtig gepf�hlt h�tte�, sagte sie.</p><p>�Aber du bist es nicht.�</p><p>�Der Rammbock schl�gt gegen das Tor�, sagte sie.</p><p>Man konnte die Vibrationen noch hier oben sp�ren.</p><p>�La� uns gehen�, sagte ich.</p><p>�Es ist doch nirgendwo sicher.�</p><p>Unten auf dem Wehrgang drehten wir uns zur Plattform um. Es sah tats�chlich so aus, als w�re die ehemalige Lady Publia gepf�hlt worden.</p><p>Die Belagerungst�rme waren noch etwa drei�ig Meter entfernt. Es bestand keine Aussicht, da� die Verteidiger den Soldatenstrom abwehren w�rden, den sie ausspucken w�rden.</p><p>�Falls sie gerettet wird�, sagte Claudia, die noch immer auf die zappelnde nackte Gestalt blickte, �wird sie zweifellos bestreiten, da� sie eine Sklavin ist.�</p><p>�Und wenn schon�, erwiderte ich. �In ihrem Herzen wei� sie es.�</p><p>�Ja.�</p><p>Die T�rme blieben in einer Reihe stehen, h�chstens zwanzig Meter entfernt. Sie �berragten die Zinnen. Wenn sie angriffen, w�rden sie es gemeinsam tun.</p><p>�Du solltest jetzt gehen�, sagte ich zu Claudia.</p><p>�Aber ich will dich nicht verlassen.�</p><p>�Wenn die Mauer gest�rmt wird, werden sich die Cosianer nicht damit aufhalten, jemanden zu versklaven. Geh, versteck dich. Sp�ter, wenn die Zitadelle brennt, wenn der Widerstand gebrochen ist, wenn der Blutdurst nachgelassen hat, erh�ltst du vielleicht Gelegenheit, dich den Siegern hinzugeben.�</p><p>Sie warf den Kopf in den Nacken. �Ich bin eine freie Frau. Ich glaube, ich bleibe an deiner Seite.�</p><p>�Freie Frau oder nicht�, sagte ich. �Ich w�nschte, ich h�tte eine Sklavenpeitsche. Dann br�chte ich dir schnell Gehorsam bei.�</p><p>�Und ich w�re dir auch ohne die Peitsche gehorsam�, erwiderte sie. �Herr.�</p><p>�Was hast du doch f�r ein Gl�ck, da� du keine Sklavin bist!�</p><p>Sie lachte fr�hlich.</p><p>�Geh!�</p><p>�Ich will aber nicht.�</p><p>�Ich werde dich hier nicht besch�tzen k�nnen, das kann keiner.�</p><p>�Ich bleibe hier!�</p><p>�Hier bist du im Weg�, sagte ich. �Du br�chtest andere nur in Gefahr.�</p><p>Sie sah mich w�tend an.</p><p>�Geh. Du geh�rst nicht hierher.�</p><p>�Und du?� fragte sie. �Du hast nichts mit Ar-Station zu tun. Du kommst nicht einmal aus Cos!�</p><p>�Geh�, sagte ich. �Hier findet bald M�nnerhandwerk statt.�</p><p>Sie ging vor mir auf die Knie, obwohl sie eine freie Frau war, und nahm den Schleier ab. Dann sah sie mit Tr�nen in den Augen zu mir hoch. �Ich w�nschte, ich w�re deine Sklavin, Herr.�</p><p>�Geh. Und wenn ich du w�re, w�rde ich den Schleier anbehalten, solange noch ein Mann aus Ar-Station mit einem Schwert in der N�he ist.�</p><p>Sie nickte �ngstlich. Dann warf sie der nackten, gefesselten Publia, die nun eine Sklavin war und am Pfahl hing, einen letzten Blick zu, sah mich noch einmal kurz an und eilte von der Mauer.</p><p>Ich drehte mich um und betrachtete die d�steren, drohenden Belagerungst�rme. Man konnte schon die Spalten im Holz erkennen. Hinter einigen herrschte un�bersichtliches Gedr�nge, und zwar auf den verschiedensten Ebenen. Die unz�hligen H�ute, die an den Au�enw�nden hingen, troffen vor Wasser. Der Rammbock rannte noch immer gegen das Tor an.</p><p>Die Verteidiger der Mauer, die nun von unten herbeieilenden Kameraden verst�rkt wurden, bereiteten sich auf den Angriff vor. Vor jedem Turm fanden sich Gruppen zusammen. Andere verteilten sich den Wehrgang entlang, um gegen die Sturmleitern und ihre Mannschaften anzutreten. Waffen wurden blankgezogen, Dreizacke angehoben. Der Inhalt der �leimer an den langen Stangen wurde entz�ndet.</p><p>Ich hatte damit gerechnet, da� Aemilianus, der Kommandant der Zitadelle, sich auf die Mauer beg�be, konnte aber den Helm mit dem Kamm aus Sleenhaar nirgends entdecken.</p><p>Mir kam der Gedanke, da� ich hier eigentlich nichts zu suchen hatte. Das war nicht mein Kampf. Meine Liebe geh�rte weder Cos noch Ar.</p><p>Jeden Augenblick w�rden die Fanfaren ert�nen.</p><p>Der Himmel war ganz still, der bevorstehende Kampf bek�mmerte ihn nicht. Die Wolken k�mmerte das Blut nicht, das in ihrem Schatten vergossen w�rde. Was hier geschah, war im Angesicht des Universums v�llig unbedeutend. Im Vergleich mit dem Untergang und der Geburt ganzer Welten und dem Inferno innerhalb der wei�gl�henden Sterne erschienen die H�ndel dieses Nachmittags nichtig. Und doch pulsierten hier Gef�hle und Gedanken � sonst kaum mehr als ein winziges und zerbrechliches Flackern in der Dunkelheit �, die in diesem Augenblick mit einer Kraft aufloderten, deren Berechnung keinem Physiker m�glich gewesen w�re und die auf ihre ureigene Weise den gef�hllosen Gleichmut des Alls in den Schatten stellten und verspotteten. Sollte das Auge, das die ehrfurchtgebietende Gewalt des Universums sieht, sich nicht genausogut der Ehrfurcht bewu�t werden, die das eigene Sehen gebietet?</p><p>Wo war Aemilianus?</p><p>Es war nicht mein Kampf. Ich h�tte die Mauer verlassen sollen. Sicher h�tte sich irgendwo in der Zitadelle andere Kleidung finden lassen. Mein Akzent unterschied sich deutlich von dem nasalen Akzent Ars oder dem ihm so �hnlichen Akzent Ar-Stations. Es h�tte keine Schwierigkeit bedeutet, sich unter die eindringenden Sieger zu mischen.</p><p>Es war nicht mein Kampf.</p><p>Wo war Aemilianus?</p><p>Wie mutlos die Verteidiger erschienen! Wie lustlos sie dastanden! Wie ergeben in ihr Schicksal! Wo waren die Vorbereitungen, die sie f�r die Abwehr der Belagerungst�rme trafen? Glaubten sie, sie st�nden nur den M�nnern auf den Leitern gegen�ber, dem kletternden, an den Seilen klebenden, in die H�he str�menden, br�llenden, mit Speeren und Klingen zustechenden Schwarm, den sie aus Hunderten von Angriffen in der Vergangenheit kannten? Man w�rde sie beiseite fegen, wie ein Torvaldslander Sturm vertrocknete Bl�tter beiseite fegt.</p><p>�He, ihr Narren!� rief ich und marschierte den Wehrgang entlang. �Die Zugbr�cken werden niederkrachen, und ihr werdet glauben, eine Eisenlawine sei auf euch herabgeprasselt! Wie wollt ihr euch dagegen wehren? Wollt ihr sie auf eure K�pfe niedergehen lassen? Eine kluge Taktik! Holt Pf�hle! Holt Steine! Du da, hol Wurfhaken und Seile! Die Besatzung an die Katapulte, sofort! Ihr M�nner da, ihr seht doch, wo der Turm ankommen wird, dort an der Treppe. Brecht den Stein heraus! Macht eine gro�e L�cke! Du da, hol Tarndraht!�</p><p>�Wer bist du?� rief ein Mann.</p><p>�Ich bin der Mann, der dieses Schwert h�lt!� gab ich zur Antwort. �Willst du, da� ich es dir in den Leib sto�e?�</p><p>�Du bist nicht Marsias!� rief der Mann neben ihm.</p><p>�Ich �bernehme hier das Kommando!� sagte ich.</p><p>Die M�nner blickten sich unsicher an.</p><p>�Wir k�nnen die Mauer nicht halten�, sagte ein Soldat.</p><p>�Das ist wahr�, erwiderte ich. �Ich werde euch nicht bel�gen. Diese Mauer ist nicht zu halten. Aber welchen Preis m�ssen die Cosianer daf�r entrichten?�</p><p>�Einen hohen�, sagte der Soldat grimmig.</p><p>�Diejenigen von euch, denen der Mut daf�r fehlt, sollen sich unten zwischen den Frauen und Kindern verstecken!�</p><p>�Das Leben ist kostbar�, sagte ein Mann. �Aber so kostbar wiederum auch nicht.�</p><p>Pl�tzlich ert�nten die Fanfaren, und die elf Belagerungst�rme setzten sich rasselnd und quietschend in Bewegung.</p><p>�Beeilt euch!� rief ich.</p><p>�Holt Steine, Pf�hle, Tarndraht!� riefen die M�nner.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Die Zugbr�cken der Belagerungst�rme waren noch nicht gesenkt. Die Vorderseite der Holzbauten, deren Breite in dieser H�he etwa f�nf Meter betrug, fiel senkrecht herab, damit sie genau mit der Zitadellenmauer abschlossen. Sie waren noch etwa zwei Meter weit entfernt. Die Br�ckenachsen, die krachend auf die Zinnen herabschwingen w�rden, �berragten die Mauer etwa anderthalb Meter. Das verlieh den Angreifern betr�chtlichen Schwung, da sie abw�rts st�rmen konnten, gleichzeitig war es nicht so steil, da� sie Gefahr liefen, den Halt zu verlieren. Die H�he der T�rme war nicht willk�rlich gew�hlt. Eine simple Rechenaufgabe, denn man wu�te, wie hoch die Mauer war. Aus ihrem Inneren drangen leise Ger�usche; viele Cosianer dr�ngten sich dort auf engstem Raum.</p><p>�Es ist das Warten, das mir nicht gef�llt�, sagte ein Soldat in meiner N�he.</p><p>Ich hob das Schwert und senkte es wieder. Entlang der Mauer machten sich die Verteidiger bereit. Feuer wurden entz�ndet.</p><p>Die T�rme hatten fast f�nf Ehn gebraucht, um die letzten zwanzig Meter zu �berwinden.</p><p>Jetzt waren sie da.</p><p>Es gibt viele M�glichkeiten, sich solchen Belagerungsmaschinen entgegenzustellen. Die wirkungsvollste Methode, die nat�rlich meistens nicht durchf�hrbar ist, da sie viel Zeit und Material beansprucht, besteht nat�rlich darin, die Mauer zu erh�hen. Ist gen�gend Zeit vorhanden, baut man tragbare, f�nf Meter hohe Holzw�nde mit Wehrg�ngen und Schie�scharten, die man den T�rmen dann entgegenstellt. Ausf�lle, um sie in Brand zu stecken, sind weniger erfolgreich, als allgemein angenommen wird. Die T�rme werden gut verteidigt, au�erdem erfolgt ihr Einsatz h�ufig erst dann, wenn die Verteidiger nicht mehr �ber die n�tigen Mittel verf�gen, um einen Ausfall zu machen. Davon abgesehen ist es schwierig, solche Konstruktionen in Brand zu setzen, und von Kommandotruppen gelegte Feuer sind meist schnell gel�scht.</p><p>Auf einen Fanfarensto� hin senkten sich elf Br�cken ratternd den Zinnen entgegen.</p><p>Sobald sie auf den Stein auftrafen, st�rmten Dutzende M�nner voran, brachen wie Lava aus einem Vulkan oder Wasser aus einem Geysir hervor, liefen mit hochgehobenen Schilden die drei Meter breiten Br�cken entlang und griffen an. Pf�hle, Piken, Steine, Draht, Stahl und Feuer stellten sich ihnen entgegen. Bei zwei T�rmen kamen gro�e Holzbalken zum Einsatz. Der eine Balken war sechs Meter lang und drei�ig Zentimeter breit und steckte in einem Winkel von zwanzig Zentimetern in einem Fundament aus schnell aufgeschichteten Steinen. Zehn M�nner bedienten ihn mit Seilen. Der Balken fegte einen Augenblick, nachdem die Br�cke auf die Zinnen aufschlug, quer �ber sie hinweg, um dann, nur einmal eingesetzt, hinter die Brustwehr zu fallen. Die getroffenen Cosianer st�rzten schreiend in die Tiefe, aber die n�chsten M�nner folgten ihnen schon und schw�rmten auf die Mauer, um sich in dem an dieser Stelle gespannten Tarndraht zu verfangen, wo sie blut�berstr�mt ins Taumeln gerieten und von Steinen und Stahl empfangen wurden.</p><p>An den anderen Balken hatte man zwei Querbalken gebunden, die von jeweils zehn M�nnern gehalten wurden. Die Sturmbr�cke war kaum heruntergelassen worden, als die Verteidiger mit diesem Rammbock nach vorn eilten und ihn in die H�he hielten. Die stabile Barriere spaltete den Strom der Angreifer; viele M�nner am Br�ckenrand wurden von ihren Kameraden unbeabsichtigt in die Tiefe gesto�en, eine Gefahr, mit der man in der Schlacht auf einer solchen Br�cke jederzeit rechnen mu�. Soldaten klammerten sich an dem Balken fest oder versuchten, unter ihm hindurchzukriechen oder �ber ihn hinwegzuklettern, aber die Verteidiger nutzten den von ihnen eroberten Platz, kletterten auf die Zugbr�cke, stellten sich dem Angriff entgegen und nagelten den Feind zwischen Turm und Mauer fest.</p><p>Auf zwei der Sturmbr�cken begr��te man die Angreifer mit einem Hagel aus Steinplatten und gro�en Ziegelsteinen, was weniger den Angriff zum Stocken bringen als vielmehr die Br�ckenbeschaffenheit tr�gerischer machen sollte, damit die heranst�rmenden M�nner dar�ber stolperten und zu Fall gebracht wurden. Au�erdem dr�ngten die nachfolgenden Soldaten, die die Leitern im Turminneren erklommen, ihre bereits im Freien befindlichen Kameraden weiter vorw�rts. Auch hier war Tarndraht gespannt worden, in dem sich diejenigen verfangen sollten, die es bis zur Brustwehr schafften.</p><p>Ich hatte die hinteren St�tzen der beiden Katapulte mit Holzkeilen erh�hen lassen, damit der Schu�winkel flacher wurde. Die rechteckigen gro�en �ffnungen, die von den heruntergelassenen Sturmbr�cken enth�llt wurden, machten es m�glich, auf k�rzeste Entfernung zu treffen. Die Ladung des ersten Katapults bestand aus Tausenden kleiner Steinsplitter und Metallst�cke, w�hrend wir das zweite Katapult mit einem gro�en Felsblock luden, der �ber eintausendf�nfhundert Pfund wog und der von f�nf M�nnern auf den Wehrgang gew�lzt werden mu�te.</p><p>Das erste Katapult feuerte seine kleinen Geschosse mitten in die erste Welle der Angreifer hinein und verwundete M�nner, verbeulte Schilde und zerfetzte Uniformen. Das zweite Katapult schleuderte den Felsen zwischen die �berraschten Soldaten, und h�tten ihre zerschmetterten K�rper seine Wucht nicht ged�mpft, h�tte er noch die R�ckwand des Belagerungsturms durchschlagen. Die Verteidiger kletterten auf die beiden Br�cken und trieben den Feind so weit zur�ck, da� der Nachschub auf den Leitern ins Stocken geriet. Vor einem anderen der elf Belagerungst�rme hatten wir einen Treppenaufgang vergr��ert indem wir Teile des Wehrganges einschlugen. Hier sprang der anst�rmende Feind in eine �ffnung, die nun je zur H�lfte Fallgrube und Treppe war. Unten warteten M�nner mit �xten, die sich um jene k�mmerten, die sich noch r�hren konnten. Ein anderer Sturmangriff, den wir unm�glich h�tten aufhalten k�nnen, raste mitten in eine Feuerwand. Wir hatten mit Pech getr�nkte Holzscheite genommen, die man nachts an Dr�hten und Ketten �ber die Mauer h�ngt, um herannahende Angreifer zu beleuchten, und sie ihnen b�ndelweise in den Weg gelegt. Vor einem der T�rme k�mpften Fischer vom Vosk, die zuf�llig in der Stadt gewesen waren, als die Cosianer den Belagerungsring geschlossen und alle eingesperrt hatten, neben diesen schlugen sich J�ger aus dem Landesinneren, die wohl ein �hnliches Schicksal getroffen hatte. Die Fischer hatten ein Netz dabei, zweifellos aus ihrem kleinen Boot. Ein Netz kann im Kampf von gro�em Nutzen sein. Es kann M�nner auf den Sturmleitern abwehren. Man kann damit Korridore absperren. Man kann mit Piken durchstechen oder Pfeile zwischen den Maschen abfeuern. Im Feld kann es als Grundlage f�r die Tarnung dienen, mit der man Stellungen vor den Augen der Tarnsm�nner verbergen will. Als man mich um die Erlaubnis bat, es einsetzen zu d�rfen, willigte ich sofort ein, erfreut, die unerwartete und willkommene Hilfe eines Netzes zu haben. Netze werden nat�rlich auch auf See eingesetzt, um Entermannschaften abzuwehren. An beiden Zugbr�cken wurden die Angriffe von den funkelnden Spitzen eines Pikenwalls aufgehalten, wobei je zwei M�nner eine Pike hielten. An der Zugbr�cke der Fischer wurde das Netz geworfen, aber man hatte die Gewichte ausgetauscht. Statt Steinen baumelten an den Enden nun Holzkl�tze, die man, sobald sich jemand darin verfangen hatte, �ber die Brustwehr stie�.</p><p>An der Br�cke der J�ger warf man Tarndrahtschlingen �ber die Angreifer; wenn der Gegner versuchte, sich von ihnen zu befreien, stellte er zu seinem Entsetzen fest, da� man sie zusammenzog und er in die Tiefe gerissen wurde. J�ger benutzen solche Schlingen bei ihrer Arbeit, und sie wissen, wie man sie mit Gewichten versehen mu�.</p><p>Durch den Erfolg der improvisierten Waffen der J�ger und der Fischer geriet der Vorsto� an beiden Belagerungst�rmen ins Stocken, was den Verteidigern erm�glichte, deren Platz auf der schwankenden Br�cke zu �bernehmen, wo sie schon Augenblicke sp�ter den Durchgang zum Turminneren erk�mpft hatten. Vor dem letzten Turm hatte man einfach einen der fast unsichtbaren Tarndr�hte in Halsh�he zwischen zwei Pfosten gespannt. Normalerweise fa�t man solchen Draht nur mit Handschuhen an. Er kann bis auf den Knochen schneiden. Er kann einem Tarn den Fl�gel kosten, Ich glaube nicht, da� die ersten Soldaten, die auf die Brustwehr zust�rmten, ihn �berhaupt bemerkten. Ihre zerschnittenen K�rper waren ein Hindernis f�r die nachfolgenden M�nner. Von allen Seiten stachen nun Piken auf die Br�cke ein, die ein St�ck in die Zitadelle hineinragte. W�hrend sich dies alles abspielte, flogen Hunderte von Wurfhaken �ber die Brustwehr, und die daran befestigten Seile �chzten unter der Last der mit aller Kraft nach oben kletternden Soldaten, w�hrend Hunderte von Leitern an die Mauer gelehnt wurden. Die M�nner aus Ar-Station eilten den Wehrgang entlang und durchschnitten so viele Seile wie nur m�glich, und wo sie konnten, stie�en sie die Leitern mit den langen Dreizacken zur�ck. Sie gossen siedendes �l auf die nach oben kletternden Cosianer. Brennende Soldaten sprangen von Leitern und Seilen. Aber trotzdem schafften es viele �ber die Mauer.</p><p>�Wir k�nnen sie nicht aufhalten!� rief ein Soldat aus Ar-Station.</p><p>Verst�rkung kam die Treppen hinaufgelaufen. Auf dem Wehrgang wimmelte es nur so von M�nnern.</p><p>Die Verteidiger hatten in zwei T�rmen die oberste Plattform erobert und gossen nun brennendes �l in die Sch�chte. Auf zwei anderen schlugen M�nner mit �xten auf die Zugbr�cken ein, um sie abzutrennen.</p><p>Ich sah, wie Armbrustbolzen auf kurze Entfernung abgefeuert wurden.</p><p>Klingen trafen aufeinander.</p><p>Ein Cosianer kr�mmte sich zusammen und st�rzte von der Mauer.</p><p>Ich sah, wie einer unserer Leute von einer Klinge durchbohrt wurde, auf ein Knie sackte und �ber den Rand des Wehrgangs in den Innenhof fiel.</p><p>Ich sah, wie ein Verteidiger mit einer Fackel in der Hand aus einem Turm lief. Aus der �ffnung hinter ihm quoll Rauch. Belagerungsger�te lassen sich leichter von innen anz�nden als von au�en. Andere Soldaten trugen brennende Holzscheite und mit Pech beschmierte Piken in einen Turm, der bereits in Flammen stand.</p><p>An einer anderen Stelle sprangen M�nner zur�ck auf den Wehrgang, w�hrend hinter ihnen die durchtrennte Br�cke zu Boden st�rzte.</p><p>Schwitzende Cosianer, deren Augen hinter den Helmschlitzen einen wilden Ausdruck trugen, lie�en die Seile und Leitern hinter sich und k�mpften sich den Weg frei.</p><p>Eine der Katapultbesatzungen hatte ihr Gesch�tz mit einem weiteren gro�en Stein geladen. Mit gekr�mmten R�cken drehten sie die Kurbel an der Winde, um den Wurfarm zu spannen. Einer von ihnen sackte �ber der Kurbel zusammen, einen Armbrustbolzen im R�cken. Dann wurde pl�tzlich der Riegel gel�st, und der m�chige Wurfarm schleuderte vorw�rts; der Stein krachte gegen einen Belagerungsturm; er wurde ein St�ck herumgerissen und schwankte einen Augenblick lang, aber er fiel nicht. Doch die Zugbr�cke ragte nun nur noch ins Leere.</p><p>Am linken Ende der Mauer beobachtete ich, wie immer mehr Cosianer aus ihrem Turm str�mten. Der Tarndraht hielt sie nicht mehr auf. Sie �berwanden das Hindernis buchst�blich auf den R�cken ihrer gefallenen Kameraden, so wie man eine Furt auf ein paar Steinen �berquert. Ich schickte die kleine Reserve los, die ich hatte, um diesen Teil des Wehrgangs abzuriegeln. Da der Gang recht schmal war, hoffte ich, da� zwanzig Mann ihn gegen eintausend halten konnten, da von den Tausend immer nur zwanzig an der Spitze k�mpfen konnten. Aber die Tausend waren gut gen�hrt und stark, es waren richtige Soldaten, keine zusammengew�rfelte Gruppe halb verhungerter Angeh�riger der verschiedensten Kasten, von denen nicht mal einer von zehn der Kriegerkaste angeh�rte und kaum einer von f�nf an den Waffen ausgebildet worden war.</p><p>Ich hatte meinen Befehlsstand �ber dem Haupttor aufgeschlagen, auf der erh�hten Plattform, auf der sich der Spie� in den Himmel erhob und die Flagge von Ar-Station noch immer trotzig im Wind flatterte. Es war ein guter Ort f�r einen Befehlsstand. Hier war die Mitte der Zitadellenmauer. Hier h�tte ich Aemilianus erwartet.</p><p>Immer mehr Cosianer dr�ngten auf die Mauer. �berall auf dem Wehrgang bildeten sie Br�ckenk�pfe, wo der Kampf am heftigsten tobte. Die M�nner, die ich zum westlichen Mauerende geschickt hatte, waren daran vorbeigelaufen. Ich habe oft erlebt, da� sich in einer Schlacht seltsame Dinge abspielen, die unerkl�rlich scheinen, und trotzdem geschehen sie. Ich habe h�ufig beobachtet, wie ein Mann sich seinen Weg zwischen den K�mpfenden bahnt, wie in einer Menschenmenge auf einem Markt, und niemand stellt sich ihm in den Weg oder schenkt ihm die geringste Aufmerksamkeit. Aber sobald ein Blickkontakt hergestellt wird, entbrennt ein Kampf bis zum Tod. Oder zwei M�nner k�mpfen Seite an Seite gegen zwei Gegner, dabei sind sie Feinde. Das reiterlose Tharlarion oder Kaiila gehorcht wie das reiterlose Pferd auf der Erde dem Fanfarensignal und greift an oder tritt den R�ckzug an. Aber manchmal stehen die Tiere auch einfach nur ruhig da, w�hrend sich um sie herum der erbittertste Kampf abspielt. Ich habe gesehen, wie Verwundete von ihren Tr�gern durch die R�nge der K�mpfenden getragen werden, w�hrend andere in aller Ruhe einen Toten pl�ndern, obwohl um sie herum Klingen durch die Luft sausen. Manchmal bemerkt man in einer kurzen Atempause Dinge, denen man sonst nie Beachtung geschenkt h�tte, den Lauf einer Ameise oder das unregelm��ige Muster eines Wasserflecks auf einem Stein, das der Beschaffenheit der verwitterten Oberfl�che folgt.</p><p>Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir ein Krieger �ber einen Mann erz�hlte, der neben ihm auf dem Schlachtfeld starb. Der Mann lag auf dem R�cken, und seine letzten Worte lauteten: �Der Himmel ist sehr sch�n.� Wie mir der Erz�hler versicherte, sah der Himmel in diesem Augenblick nicht anders aus als sonst auch. Diese Geschichte kann man nur schwer verstehen. Vielleicht hatte der Sterbende etwas anderes gesehen, oder aber er hatte in diesem Augenblick die Sch�nheit des Himmels erkannt. Ich lie� die Blicke schweifen und sah einen Mann aus Ar-Station, der mitten auf dem Dach eines Belagerungsturms stand. Er stand einfach da und schien die Aussicht zu bewundern. Ich bezweifelte nicht, da� sie atemberaubend war. Er winkte mir zu. Ich hob das Schwert und salutierte ihm. Pl�tzlich l�ste sich zu meiner Rechten ein Cosianer aus einer Gruppe von K�mpfenden und st�rmte mit gez�cktem Schwert die Treppe zu mir hinauf. Vermutlich wollte er die Ehre erringen, den Befehlshaber der Verteidiger zu t�ten. Doch dann spritzte unter seinem Helmrand Blut hervor, und er st�rzte r�cklings die Stufen hinunter.</p><p>Im Osten standen vier Belagerungst�rme in Flammen.</p><p>Keine zwanzig Meter von mir entfernt wurde ein Seil durchtrennt, und M�nner st�rzten schreiend dem Boden entgegen.</p><p>Auf zwei T�rmen schlugen Verteidiger auf die K�sten ein, in denen sich die Ketten verbargen, an denen man die Zugbr�cken hinablie�. Nur wenige Br�cken wurden mit Seilen bedient. Die hatte man einfach durchtrennt, und die Sturmbr�cken hingen nun nutzlos von den T�rmen hinunter. Die Cosianer versuchten, den g�hnenden Abgrund mit Planken zu �berwinden. Ich bezweifelte keinen Augenblick lang, da� man die T�rme fr�her oder sp�ter unmittelbar an die Mauer fuhr. Das geschieht aus verschiedenen Gr�nden nicht beim ersten Angriff. Der Turm gelangt in die unmittelbare Reichweite der Verteidiger, die dann die H�ute herunterrei�en und den Turm mit brennendem Pech beschmieren oder ihn nach Belieben st�rmen k�nnten. Au�erdem kann man so verhindern, da� die Zugbr�cken heruntergelassen werden, indem man sie mit Pf�hlen blockiert oder aber Eisenst�be in die Ketten steckt. Es ist vorteilhafter f�r den Angreifer, den Turm ein St�ck abseits der Mauer in Stellung zu bringen, dann hat man die Zugbr�cke besser unter Kontrolle. Man kann sie bei einem R�ckzug wieder in die H�he ziehen und die Belagerungsmaschine auf diese Weise in eine uneinnehmbare Festung verwandeln, nur um sie irgendwann, vielleicht sogar in der Nacht, wieder zu senken und erneut einen Strom von Angreifern �ber ihre Planken zu schicken.</p><p>Ich sah einen Mann, der am Fu� der Mauer brennend davonlief, st�rzte und sich am Boden w�lzte.</p><p>Das dumpfe Dr�hnen des Rammbocks hielt an. Allerdings klang es nun ver�ndert. Ich fragte mich nach dem Grund.</p><p>Dann glaubte ich, das Schaben einer Leiter zu h�ren, die in meiner N�he an die Mauer gelehnt wurde. Das �berraschte mich, da die Brustwehr �ber dem Tor h�her als selbst die l�ngste Sturmleiter war.</p><p>Ich beobachtete, wie noch mehr Cosianer aus einem Turm quollen, die Br�cke entlangliefen und im Tarndraht endeten, wo sie schon die Piken der Verteidiger erwarteten. Von meiner erh�hten Stellung aus konnte ich am Fu� der Mauer Hunderte von Cosianern und ihre Verb�ndeten sehen. Sie waren etwa neunzig Meter von der Zitadelle entfernt und schienen in aller Ruhe dem Kampf zuzusehen.</p><p>Hier und da versuchten die Verteidiger, Holzpf�hle unter die Br�ckenenden zu stemmen. Es befanden sich Cosianer und Verteidiger auf der Br�cke, was die M�nner auf der Brustwehr aber nicht von ihren Versuchen abhielt. Bei zwei T�rmen waren diese Bem�hungen erfolgreich gewesen und die Br�cken wieder oben. Aber die Cosianer hieben von innen auf die Planken ein, wobei sie die Br�cken fast zerst�rten, und zwangen sie wieder herunter.</p><p>Am Fu� der Mauer ert�nte das gequ�lte Br�llen eines Tharlarion, und ich sah, wie man einige Echsen aus ihrem Geschirr befreite und sie von den brennenden T�rmen fortf�hrte. Eines ri� sich los und rannte trotz der beruhigenden Rufe seines F�hrers auf die Stadt zu, und die M�nner an den Belagerungsger�ten sprangen beiseite, um es vorbeizulassen.</p><p>Zu meiner �berraschung entdeckte ich in diesem Augenblick, wie nur wenige Schritte von mir entfernt eine Leiter zwischen zwei Zinnen auftauchte. Ich lief zu ihr hin und stie� mit dem Schwert nach dem Soldaten, der bereits die Hand halb auf der Innenseite der Br�stung hatte. Er kippte zur�ck und st�rzte in die Tiefe. Der Mann unter ihm hielt den Schild hoch. Ich kam nicht an ihn heran, aber im Gegenzug konnte er mich ebenfalls nicht angreifen. Ich beugte mich �ber die Br�stung und suchte mit der linken Hand einen sicheren Halt. Mein Gegner erklomm die n�chste Sprosse, und ich trat den Schild beiseite. Die Schildriemen h�tten ihn beinahe von der Leiter gerissen, er rutschte ein paar Sprossen hinunter, fing sich aber wieder. Er sah nach oben. Ich konnte ihn nicht erreichen. Etwas raste kaum wahrnehmbar an mir vorbei und hinterlie� einen bedrohlichen Laut Dann zerschnitt etwas wie ein Messer meine Maske.</p><p>Ein Krieger versuchte, an dem Mann mit dem Schild vorbeizuklettern. Er hielt einen Speer. Im n�chsten Moment war er eine Sprosse h�her. Das Speerblatt zuckte in die H�he und kratzte �ber die Innenseite der Zinne. Meine Hand schnellte vor, und ich ergriff den Speerschaft unmittelbar hinter der Spitze. Der Cosianer hielt ihn mit beiden H�nden fest. Ich wollte den Speer haben. Doch aus meiner Position heraus konnte ich nicht gen�gend Hebelkraft gewinnen, um die Pfosten der Leiter zu bewegen. Er lie� nicht los. Dann glitt er von der Sprosse ab und baumelte in der Luft. Ein Armbrustbolzen prallte keine drei�ig Zentimeter von meinem Gesicht entfernt gegen die Au�enwand der Mauer. Es war, als h�tte man einen Pickel in einen Block Eis gerammt, nur mit dem Unterschied, da� die umherfliegenden Splitter hier aus Stein waren. Der Cosianer klammerte sich verbissen an seinem Speer fest. Begriff er denn in diesem Augenblick des Entsetzens nicht, was ihn da eigentlich hielt, da� er nicht an dem Speer hing, sondern letztlich an mir? Ich sah ein, da� ich den Speer nicht bekommen w�rde und lie� los. Der Cosianer unternahm den verzweifelten Versuch, nach der Leiter zu greifen, aber er schaffte es nicht. Ich zog mich ein St�ck zur�ck. Wieder zischte etwas wie ein Atemhauch an meinem Ohr vorbei. Ich h�rte, wie ein weiterer Angreifer hinaufkletterte, und dann noch einer. Rufe ert�nten. Ich blickte zwischen den benachbarten Zinnen hindurch. Der Mann mit dem Schild hing noch immer mit einem Fu� in der Luft. Einer seiner Kameraden kletterte an ihm vorbei auf die Brustwehr zu. Ich kehrte an meinen urspr�nglichen Standort zur�ck, um mich ihm entgegenzustellen, aber gerade, als er in Reichweite kam, ert�nte ein Ger�usch, als w�rde eine Faust auf Leder treffen, und er ri� �berrascht die Augen auf. Sein ganzer K�rper versteifte sich, er warf Arme und Kopf zur�ck und st�rzte in die Tiefe. Aus seinem R�cken ragte ein Armbrustbolzen.</p><p>Doch hinter ihm kam bereits der n�chste Cosianer, und ich stellte mich ihm entgegen. Er wehrte meinen Schlag mit seiner Klinge ab. Das gelang ihm auch noch ein zweites Mal. Beim drittenmal schaffte er es nicht mehr. Er klammerte sich an der Leiter fest, verzerrte das Gesicht und rutschte blutverschmiert ein paar Sprossen in die Tiefe, bis er sich einen oder anderthalb Meter unter mir befand. Ich sah mich rasch um. Dann schob ich das Schwert in den G�rtel, an dem sich mein Geldbeutel und der Dolch in seiner Scheide befanden, und zwar beide an der linken Seite. Ich rannte zu dem Spie� und stemmte ihn aus seiner Halterung. Die Sklavin, die einst Lady Publia gewesen war, fing wild an zu zappeln und warf den Kopf herum, als wolle sie durch die Haube hindurchblicken, dabei stie� sie durch den Knebel einen fragenden, hilflosen, ver�ngstigten Laut aus. Ich legte den Spie� auf den Boden, stemmte den Fu� gegen die Schwertscheide, den G�rtel und das Seil und zog kr�ftig, bis ich die Waffe in der Hand hielt.</p><p>Ich eilte zur�ck zur Sturmleiter. Ein Cosianer erschien gerade am Sims, und ich stie� mit dem langen Spie� nach ihm. Die Spitze war stumpf, doch das war Absicht, damit die Pf�hlung lange dauerte. Aber da ich soviel Anlauf genommen hatte, durchbohrte sie den Soldaten und stie� ihn von der Leiter. Einen Augenblick lang wand er sich auf dem Spie�, dann st�rzte er hinunter. Ich glaube, er prallte ein paar Meter tiefer noch einmal gegen die Leiter, denn ein Mann schrie auf.</p><p>Mit dem f�nf Meter langen Spie� bewaffnet � was der L�nge eines in der dritten oder vierten Reihe eingesetzten Phalanxspeeres entsprach � beugte ich mich �ber den Sims, und es gelang mir, die Spitze hinter die oberste Leitersprosse zu setzen. Niemand war in meiner N�he. Der n�chste Cosianer war der Schildtr�ger, der sich eben zur�ckgezogen hatte. Er blickte auf, warf den Schild beiseite und begann mit aller Kraft auf den Spie� zuzuklettern, dann verharrte er. Die Leiter wurde von der Mauer fortgedr�ckt, vielleicht einen Meter. Ich verdoppelte meine Anstrengungen, und sie stand senkrecht da, allein von dem Spie� gehalten. Ein paar der Cosianer auf den unteren Sprossen sprangen bereits hinunter. Andere warfen sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Sturmleiter, um sie wieder nach vorn zur Mauer zu zwingen. Einige wiederum klammerten sich einfach nur fest. Ich ging einen Schritt zur�ck und stemmte mich erneut gegen den Spie�. Die Leiter schwankte. Sie mu�te umkippen! Aber sie tat es nicht. Statt dessen krachte sie gegen die Mauer, als der Spie� abrutschte. Ich setzte ihn erneut an, und die oberste Sprosse brach. Ich w�nschte mir, ich h�tte einen Dreizack oder eine der scharfen st�hlernen Halbmondklingen, die an einem Metallschaft befestigt und f�r eine solche Arbeit wie geschaffen sind. Der ehemalige Schildtr�ger kletterte auf mich zu. Ich versuchte es erneut, und diesmal gelang es mir, die Spitze unter den linken Leiterpfosten zu zw�ngen. Ich dr�ckte mit aller Kraft. Der Cosianer schlug die Eisenspitze aus dem Holz, aber ich trat zur�ck und stie� erneut zu, wobei ich ihn zwischen Arm und K�rper traf. Der Spie� verfing sich in seiner Tunika. Ich hoffte, seine Furcht gegen ihn benutzen zu k�nnen, seinen Widerwillen, die Leiter loszulassen, aber bevor ich ihn weit genug nach hinten dr�cken konnte, lie� er mit einer Hand los und drehte den K�rper, so da� sich die Eisenspitze wieder l�ste. Ich gab nicht auf, und es gelang mir, den anderen Pfosten zu treffen. Die Sturmleiter r�ckte wieder von der Brustwehr ab, ich schob den Spie� einen halben Meter weiter vor, und dann noch einen, wobei meine schwei�feuchten H�nde auf dem rutschigen Metall abzugleiten drohten, und einen Augenblick lang stand die Leiter senkrecht in der Luft. Einen Augenblick lang war der Ausgang ungewi�, und ich wu�te nicht, ob ich es endlich geschafft hatte. Aber dann sprangen M�nner aufschreiend in die Tiefe, und ich sah, wie sich die Leiter auf dem linken Pfosten drehte, woran zweifellos mehr die hektischen Bewegungen der Cosianer schuld waren als meine Bem�hungen, und dann kippte sie um und zerbrach. Ich zog mich von dem Sims zur�ck, und zwei Armbrustbolzen verfehlten mich knapp. Vermutlich hatte mich die ganze Zeit, w�hrend ich mich mit der Sturmleiter abm�hte, jemand unter Beschu� genommen, denn ich entdeckte mindestens einen neuen Kratzer im Stein. Ich hatte es nicht einmal bemerkt, obwohl ich die Treffer h�tte h�ren m�ssen. Erst jetzt, im nachhinein, glaubte ich mich an seltsame vorbeizischende Ger�usche zu erinnern.</p><p>Einer der beiden Burschen, die mir vor dem Angriff auf dem Wehrgang wegen ihrer Jugend aufgefallen waren, erschien auf der Plattform. Er hatte nur noch zwei Geschosse, eines steckte in der gespannten Armbrust, das andere hielt er in der Hand; es waren nicht einmal vern�nftige Bolzen, sondern nur angespitzte Holzpfl�cke. Selbst die stumpfen Bolzen, die eigentlich f�r die Vogeljagd bestimmt waren, hatte er verschossen. Ich hatte ihn und seinen Freund als Boten eingesetzt, ihn f�r den Westteil der Mauer, den anderen f�r den Ostteil, in der Hoffnung, sie auf diese Weise aus dem Kampfget�mmel heraushalten zu k�nnen. �Sie k�nnen den Wehrgang nicht l�nger halten!� rief er. �Die Frontlinie bricht!�</p><p>Ich gab ihm neue Befehle, und er rannte zur�ck. Selbst wenn ich mit meinem Plan Erfolg hatte, w�rde ich den Wehrgang in der N�he des Befehlsstandes nur noch wenige Ehn halten k�nnen. Ich sah nach Osten. Dort st�rmte die n�chste Abteilung Cosianer aus dem Belagerungsturm und stolperte �ber die im Tarndraht verfangenen Toten und Verletzten. M�nner stellten sich ihnen mit Piken und �xten in den Weg. Die Schl�ge des Rammbocks drangen mir wieder ins Bewu�tsein. In den letzten paar Ehn hatten sie sich irgendwie anders angeh�rt. Und wieso hatte die Sturmleiter bis zu meinem Befehlsstand reichen k�nnen? Ich ging zu den Zinnen, beugte mich �ber die Mauer und sah, da� das Dach des Unterstandes schr�g aufw�rts zeigte. Sie hatten vor dem Tor einen H�gel aus Tr�mmern, Sand, Felsbrocken und Leichen errichtet und den Rammbock die Schr�ge hinaufgestemmt. So landeten die Schl�ge auf der oberen Torh�lfte, weit �ber der Barriere, die die Verteidiger auf der anderen Seite zur Verst�rkung des Tores aufgesch�ttet hatten. Darum klangen die Schl�ge des Rammbocks so ver�ndert. Welche Anstrengungen es gekostet haben mu�te, den langen Unterstand den steilen H�gel hinaufzuzwingen, wie m�hsam die Arbeit der M�nner an den Seilen sein mu�te, den gro�en Rammbock aufw�rts zu schwingen! Zwischen seinen rhythmischen Schl�gen konnte ich die Hiebe unz�hliger H�mmer und �xte h�ren sowie das Klirren von Brechstangen und Mei�eln; Eisen kreischte, als M�nner versuchten, die Beschl�ge des Tores zu zertr�mmern, um die Platten dann abzustemmen. Die Sturmleiter hatte nur wegen des k�nstlichen H�gels bis zur Brustwehr gereicht.</p><p>Ich trat zur�ck und richtete meine Aufmerksamkeit auf die Westmauer. Die Verteidiger, die den Wehrgang bislang gehalten hatten, zogen sich pl�tzlich zur�ck. Sie hatten hinter einem Wall aus Toten gek�mpft, der aus Cosianern und ihren eigenen Leuten bestand. Die Cosianer schienen einen Augenblick lang verbl�fft, dann setzten sie jubelnd �ber die Leichen hinweg und nahmen die Verfolgung auf. Die Verteidiger blieben bei dem gro�en Kessel stehen, aus dem man die ganze Zeit mit dem kleinen Eimer �l gesch�pft hatte, stemmten sich gegen die Tragestangen und kippten ihn um. Brennendes �l ergo� sich �ber den Wehrgang. Die Masse der Cosianer kam vor der breiten Flammenwand zum Stehen, einige liefen jedoch mitten in sie hinein. Viele starben in den Flammen. Andere drehten sich um und rannten brennend und schreiend zu ihren Kameraden zur�ck. Einige wenige schafften es bis auf die andere Seite und wurden dort niedergemacht. Zwar hatten wir mit diesem R�ckzug den westlichen Wehrgang aufgegeben, aber dadurch verkleinerte sich das Gebiet, das verteidigt werden mu�te, was wiederum die Anzahl der Verteidiger erh�hte. Die Cosianer, die die Mauer �berwunden hatten, sahen sich nun einer viel st�rkeren Gegenwehr gegen�ber. Einige zogen sich sogar zu den Belagerungst�rmen zur�ck, von denen vier lichterloh brannten. Ich sah, wie sich einige Soldaten trotzdem auf die Zugbr�cken wagten, die unter ihnen zusammenbrachen.</p><p>Im Osten hatten die Cosianer an Boden gewonnen und den Tarndraht hinter sich gelassen. Die M�nner aus Ar-Station wurden Schritt f�r Schritt zur�ckgedr�ngt. Der Feind erhielt immer mehr Verst�rkung, die sich beeilte, in den Kampf einzugreifen. Der Wehrgang konnte nicht mehr lange gehalten werden.</p><p>Ich ging m�de zu der gefesselten Sklavin, die nackt und mit verh�lltem Kopf auf den Steinplatten lag. Mit dem Fu� drehte ich sie auf den R�cken. Ich ging in die Hocke, schnallte den Schwertg�rtel auf und drehte sie wieder auf den Bauch. Dann zog ich die Scheide unter den Seilschlingen hervor, die vom Spie� v�llig verbeult war. Mit H�nden und F��en dr�ckte ich sie so flach, wie es nur ging. Die Klinge pa�te nun wieder einigerma�en hinein. Ich schnallte mir den G�rtel um und f�hrte den Riemen �ber die rechte Schulter, wobei die Scheide auf der linken H�fte ruhte, wie man sie auf dem Marsch tr�gt. Dies war eine sichere, stabile Trageweise. Der Vorteil des Tragens �ber der linken Schulter, wobei die Scheide an der linken H�fte endet, liegt darin, da� man G�rtel und Scheide schnell abstreifen und sich einer m�glichen Behinderung entledigen kann.</p><p>Der junge Armbrustsch�tze kam. Er hatte nur noch einen Bolzen. �Die Flammen auf dem Wehrgang verl�schen.� Er sah die Sklavin an. �Sie ist ja noch am Leben�, sagte er verbl�fft.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie kann das sein?�</p><p>�Was glaubst du?� fragte ich.</p><p>�Ein Trick?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber ich habe sie gepf�hlt auf dem Spie� h�ngen gesehen.�</p><p>�Sie war nur daran gefesselt, nicht gepf�hlt�, erwiderte ich.</p><p>�Wirst du sie jetzt t�ten?� fragte er.</p><p>�Nein. Nicht, wenn sie gehorcht.�</p><p>�Du sprichst von ihr wie von einer Sklavin.�</p><p>�Bist du eine Sklavin?� fragte ich das M�dchen. �Ein Laut hei�t ja, zwei bedeuten nein.�</p><p>Sie stie� einen Laut aus.</p><p>�Das ist nicht Lady Claudia�, stie� der Junge hervor.</p><p>�Das geht dich nichts an.�</p><p>�Wo ist Lady Claudia, die Verr�terin?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Es ist, wie Caledonius gesagt hat�, meinte er. �Du bist nicht Marsias.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich bin nicht Marsias.�</p><p>�Wer bist du dann?�</p><p>�Ich bin der Mann, den du als deinen Hauptmann anerkannt hast,�</p><p>�Ja, Hauptmann�, erwiderte er und hob die Armbrust zum Salut.</p><p>Ich gab ihm neue Befehle, nach deren Ausf�hrung er wieder zur Plattform zur�ckkehren sollte. Dann b�ckte ich mich und l�ste die Fu�fesseln meiner Sklavin. In diesem Augenblick kam der andere junge Bursche, der als Bote auf der Ostmauer diente, keuchend die Treppe heraufgest�rmt.</p><p>�Sie brechen durch!�</p><p>Darauf hatte ich gewartet.</p><p>Auch er war �berrascht, als er die Sklavin sah. �Das ist nicht Lady Claudia�, sagte er. Daraufhin ignorierte er sie. �Sie haben Bescheid gegeben. Das Tor geht in die Br�che.�</p><p>Ich gab ihm die gleichen Befehle wie seinem Gef�hrten; auch er sollte anschlie�end zu mir zur�ckkehren.</p><p>Danach begab ich mich noch einmal zur Brustwehr und lie� den Blick �ber den verbrannten, geschleiften Boden schweifen, die Belagerungsmaschinen, die Soldaten, die zerst�rten Geb�ude in der Ferne. Im Osten der Stadt gab es noch immer Rauchwolken. Dort brannte es schon seit Tagen, Ich konnte sogar die weit entfernte Stadtmauer sehen. Es schien schon so lange her zu sein, da� man sie durchbrochen hatte. Dann holte ich langsam die Flagge von Ar-Station ein. Das w�rden nicht die Cosianer tun. Ich verzichtete darauf, an ihrer Stelle ein anderes Tuch zu hissen.</p><p>�Wir haben uns bis zur Westtreppe zur�ckgezogen�, verk�ndete der Armbrustsch�tze atemlos den Vollzug meiner Befehle.</p><p>�Nimm die Sklavin und bring sie zu den Frauen und Kindern. Dann gehst du zu der Stelle des Wehrgangs, die an der Plattform hier vorbeif�hrt. Dort findest du Sklavenringe im Boden. Nimm ein langes Seil und mach es dort fest.� Er nickte. �Dann gehst du zu deinen Kameraden und wartest auf mein Zeichen.�</p><p>�Ja, Hauptmann!�</p><p>Er wandte sich der Sklavin zu. �Hoch mit dir, Frau!� Die einstige Lady Publia gehorchte. Ich sah den beiden nach, wie sie die Treppe zum Wehrgang hinuntergingen.</p><p>Der andere Junge kam die Osttreppe hinauf.</p><p>�Die Fahne!� rief er.</p><p>Ich gab sie ihm. �Behalte sie�, sagte ich. �Eines Tages flattert sie vielleicht wieder im Wind.�</p><p>Tr�nen glitzerten in seinen Augen.</p><p>�Kehre zu deinen Kameraden zur�ck�, sagte ich. �Achte auf mein Signal. Ich werde mich hinter die Plattform stellen und es von dort aus geben.�</p><p>Er eilte fort.</p><p>Ich blickte �ber den Rand der Plattform. Der Sch�tze hatte sich zu seinen Kameraden gesellt. Er stand in der letzten Reihe.</p><p>Sein Gef�hrte stand auf der anderen Seite; er hatte sich in die Flagge geh�llt.</p><p>Es war wichtig, den R�ckzug auf beiden Wehrg�ngen aufeinander abzustimmen, damit er geordnet durchgef�hrt wurde und es zu keinen Flankenangriffen kam. Ich glaubte, den M�nnern etwas Zeit verschaffen zu k�nnen, indem ich den Cosianern scheinbar eine erstrebenswerte Troph�e anbot: die Gefangennahme des Mauerkommandanten. Ich ging davon aus, da� sie in Anbetracht der an diesem Nachmittag erlittenen Verluste daran interessiert waren.</p><p>Unten ert�nte das Pochen des Rammbocks; in die dr�hnenden Schl�ge mischten sich die unverkennbaren Ger�usche brechenden Holzes und zerspringender Eisenbeschl�ge.</p><p>Ich stieg die Treppe hinunter und eilte hinter die Plattform. Wie �berall lagen auch hier Tote und Verwundete, sowohl Angreifer als auch Verteidiger. Ein verwundeter Cosianer sah mich und versuchte, auf die Beine zu kommen. Er war blut�berstr�mt. Sein Bart war blutverkrustet. Seinen Helm hatte er verloren. Er konnte kaum die Klinge heben.</p><p>�Wie stehen die Dinge in Cos?� fragte ich.</p><p>�Gut�, antwortete er.</p><p>�Leg die Klinge nieder�, schlug ich vor.</p><p>Er �berlegte einen Moment lang und zuckte dann mit den Schultern. Er konnte sie kaum halten.</p><p>Ich trat sie ihm aus der Hand.</p><p>�Es scheint, als geh�rte der Tag euch�, sagte ich.</p><p>�Das ist wahr�, fl�sterte er.</p><p>�Ruh dich aus.�</p><p>Er taumelte gegen die Mauer der Plattform, nicht weit von den Sklavenringen entfernt.</p><p>Von links und rechts drang das helle Klingen aufeinandertreffender Schwerter und das dumpfe Krachen von Eisen auf Schilder an meine Ohren. Ich drehte mich langsam einmal nach jeder Seite um und vergewisserte mich, da� meine beiden Boten mich sahen. Dann hob ich das Schwert in die H�he und senkte es wieder. Sofort begannen die Verteidiger mit dem geordneten R�ckzug, die hintersten Reihen machten den Anfang, die vorderste Reihe wich k�mpfend zur�ck. Beide Seiten hielten auf die Treppen zu, die am n�chsten waren, die beiden Tortreppen, die sich westlich und �stlich des Tores befanden. Ihre Stufen waren schmaler als der Wehrgang und konnten daher von weniger M�nnern gehalten werden.</p><p>�He, ihr da!� rief ich den Cosianern zu und schwenkte das Schwert. Soldaten zeigten auf mich. Ich hatte keinen Zweifel, da� mich zumindest einige von ihnen auf der Plattform gesehen hatten und sich zusammenreimten, da� ich die Befehle auf der Mauer gegeben hatte.</p><p>Ich schob das Schwert in die Scheide.</p><p>Es mu� so ausgesehen haben, als w�ren meine Fluchtwege abgeschnitten, als s��e ich zwischen beiden Treppen fest. Au�erdem hatte ich die Waffe weggesteckt. Bedeutete das nicht, da� ich mich in der Falle w�hnte, was tats�chlich der Fall zu sein schien, da� ich mich aus diesem Grund entschlossen hatte, keine Gegenwehr zu leisten, sondern mich zu ergeben?</p><p>Beinahe gleichzeitig st�rmten auf beiden Seiten etwa zwei Dutzend Cosianer los. Andere blieben auf H�he der Treppen stehen, um sich die Angelegenheit nicht entgehen zu lassen. Das w�rde einigen Druck von den umk�mpften Treppen nehmen. Der R�ckzug meiner Verteidiger w�rde sich einfacher gestalten und ihnen die n�tige Zeit verschaffen, um Tore zu schlie�en und G�nge abzuriegeln.</p><p>Mit dem Fu� stie� ich die Taurolle am Rand des Wehrgangs in die Tiefe, b�ckte mich und kletterte so schnell wie m�glich nach unten. Ich rutschte das Seil nicht hinunter, da meine H�nde ungesch�tzt waren. Schon zw�lf Meter reichen aus, um einem die Haut von den H�nden zu brennen. Es kann durchaus zur Folge haben, da� man wochenlang ein hilfloser Kr�ppel ist. Unter bestimmten Umst�nden mag das ein akzeptabler Preis sein, aber nicht, wenn man damit rechnen mu�, bald wieder ein Schwert zu f�hren.</p><p>Auf dem Hof lag ein H�gel aus Tr�mmern, Sand und Gestein, und sobald ich ihn erreichte, eilte ich rutschend und springend hinunter, wobei ich mich noch immer an dem Seil festhielt. Erst als ich den Boden des Innenhofs erreicht hatte, wagte ich einen Blick in die H�he, um festzustellen, ob sich oben auf dem Wehrgang Armbrustsch�tzen versammelt hatten. Es war keiner zu sehen. Ein oder zwei Cosianer sahen aus, als d�chten sie dar�ber nach, mir das Seil hinunter zu folgen, aber sie taten es nicht. Auf dem Schutth�gel w�rden sie einen unsicheren Stand haben, und im Hof selbst liefen sie Gefahr, da� sie f�r einige Zeit von ihren Kameraden abgeschnitten waren. Schlie�lich konnte sich nur einer nach dem anderen an dem Seil herablassen. Alles in allem konnte ich ihnen ihr Z�gern nicht verdenken.</p><p>�Gut gemacht�, sagte eine junge Stimme.</p><p>Ich drehte mich um. Es war der Armbrustsch�tze, mein Bote.</p><p>�Ich habe mir gedacht, da� das dein Plan ist, nachdem ich das Seil dort befestigen sollte�, sagte er.</p><p>Ich grinste. �Du bist ein schlauer Bursche.�</p><p>�Also habe ich deinen Abstieg gedeckt.�</p><p>Das war also noch ein Grund gewesen, warum mir niemand das Seil hinunter gefolgt war. Im Gegensatz zu mir hatten ihn die Cosianer auf dem Wehrgang gesehen. Sicher, er hatte nur noch einen Bolzen f�r seine Armbrust. Aber keiner hatte den Anfang machen wollen.</p><p>�Du bist ein tapferer junger Bursche�, sagte ich, �mit nur einem Schu� herzukommen.�</p><p>�Ich werde schon irgendwo Bolzen auftreiben�, sagte er.</p><p>�Danke.�</p><p>�Nicht der Rede wert�, sagte er.</p><p>Der Flaggentr�ger, mein anderer Bote, betrat den Hof. Er sah zum Wehrgang hoch. Die Cosianer verschwanden und eilten zu den Treppen.</p><p>�Die Zitadelle wird ger�umt�, verk�ndete er.</p><p>�Wir werden uns in den Hafen zur�ckziehen�, sagte der Armbrustsch�tze. �Dort wird die letzte Schlacht stattfinden.�</p><p>�Wir haben ihnen einen guten Kampf geliefert�, meinte sein Freund.</p><p>�Der Meinung bin ich auch.�</p><p>�Ich m�chte, da� ihr zu den Frauen und Kindern geht�, sagte ich.</p><p>�Wir w�rden lieber hier bei dir bleiben, Hauptmann�, sagte der Armbrustsch�tze.</p><p>�Die Frauen und Kinder werden euch brauchen�, sagte ich.</p><p>�Und du?�</p><p>�Ich will sehen, wie die Dinge am Zitadellentor stehen.�</p><p>Er hob die Armbrust zum Salut. Dann verschwanden die beiden durch ein Innenportal am anderen Ende des Hofes. Ich begab mich zu einem der kleineren Seitenportale und lief den sich anschlie�enden Korridor entlang bis in die N�he des Haupttores. Das Tor, das ebenfalls in einen Hof f�hrte, setzte sich aus einem Innenund einem Au�entor zusammen, zwischen denen sich ein �berdachter, etwa zw�lf Meter langer Gang erstreckte. Ich traf auf sich zur�ckziehende Verteidiger.</p><p>�Wir geben das Tor auf, Marsias�, sprach mich einer der M�nner an. �Komm mit uns!�</p><p>Ich nickte. Erst danach begriff ich, da� er mich als Marsias angesprochen hatte, und mir fiel wieder ein, da� ich noch immer die Kapuze trug. Einer der M�nner auf der Mauer hatte erkannt, da� ich eben nicht dieser Marsias war. Trotzdem waren sie alle meinem Befehl gefolgt.</p><p>Ich kam in dem geschlossenen Gang zwischen dem Innen- und dem Au�entor heraus. Das untere Drittel des Au�entores wurde von einem gewaltigen H�gel aus Sand, Felsen und allen m�glichen sperrigen Dingen blockiert. Es war so gut wie unm�glich, den Rammbock in den schmalen Gang zu fahren.</p><p>An der Seite des Ganges sa� Aemilianus auf einem Stein und hielt sich den Kopf. Er blutete. M�nner aus allen Teilen der Zitadelle eilten an ihm vorbei, vermutlich auf dem Weg in den Hafen.</p><p>Pl�tzlich erscholl �ber unseren K�pfen ein berstendes Ger�usch, als Holz zersplitterte, und dann scho� ein fast zwei Meter gro�er Kopf aus schwarzem Eisen, einem mythologischen Ungeheuer gleich, �ber den Rand des Schutth�gels; er hatte an beiden Seiten gewundene H�rner und war einem ausgewachsenen Verrbock nachempfunden.</p><p>Ich hatte so ein Ding noch nie aus dieser N�he gesehen. Ich zog das Schwert und eilte den Schutth�gel hoch, um mir den Rammbock genau anzusehen, aber als ich n�her kam, schwang er gefangen in seinem Rhythmus wieder zur�ck. Ich konnte durch das Loch undeutlich Gestalten ausmachen, die sich aufgeregt bewegten. Dann mu�te ich mich auch schon zur�ckziehen und meine Augen sch�tzen, denn der Riesenverr durchbrach das Tor erneut und schleuderte Holzsplitter durch die Luft. Er war keinen halben Meter von mir entfernt. Ich streckte die Hand aus und ber�hrte ihn. Als er diesmal zur�ckschwang, blickte ich den langen Schaft entlang ins Innere des Unterstandes; der Rammbock hatte eine L�nge von f�nfzehn Metern und ruhte in zahlreichen Lederschlingen, er wurde mit Seilen von mindestens einhundert M�nnern bedient, die mit nacktem Oberk�rper schwei�gebadet im Schutz des Unterstandes standen und ihre Arbeit taten. Als er diesmal zur�ckgezogen wurde, sprang pl�tzlich ein Cosianer durch die �ffnung, und ich parierte seinen Schwerthieb und durchbohrte ihn, obwohl ich vermutlich genauso �berrascht gewesen war wie er. Seine Kameraden zogen ihn blutend in Sicherheit. Rufe ert�nten, und ich begab mich mit einem Sprung erneut zur Seite und bedeckte die Augen, w�hrend der gewaltige Kopf sich erneut seinen Weg durch das Au�entor der Zitadelle bahnte.</p><p>Ich blieb in der N�he des Durchbruchs stehen, aber diesmal st�rmte niemand durch ihn hindurch. Ich blickte wieder am Schaft des Rammbocks entlang in den Unterstand mit den vielen M�nnern. Ein Armbrustbolzen verfehlte mich. Ich h�rte, wie es hinter mir polterte; der westliche Korridor wurde versperrt, als man die St�tzen eines mit Felsen beladenen Ger�sts wegschlug. Aemilianus blieb blutend auf dem Stein sitzen. An seiner Seite harrten zwei seiner M�nner aus, einer trug die Abzeichen eines Offiziers. Vermutlich waren es seine Adjutanten. �Komm schon�, h�rte ich jemanden rufen, womit vermutlich Aemilianus gemeint war. �Wir schlie�en jetzt den Ostgang!� Irgendwo in der N�he des Hafens ert�nte ein Fanfarensto�. �Das ist das Zeichen zum R�ckzug!� rief der Adjutant. �Wie du befohlen hast. Komm mit, Kommandant!� Also wurde die Zitadelle aufgegeben. Aber Aemilianus r�hrte sich nicht von der Stelle. Ich roch Rauch. Pl�tzlich erschien wieder ein Cosianer in dem Loch, das man in das Tor geschlagen hatte. Unsere Schwerter trafen dreimal aufeinander, dann verschwand er wieder. Ich warf mich zur Seite, und der Rammbock raste an mir vorbei. Wieder erschien ein Soldat in der �ffnung, gefolgt von zwei Kameraden. Funken flogen durch die Luft, als Stahl auf Stahl traf. �Vorsicht!� br�llte jemand vor dem Tor. Im Gegensatz zu meinem Gegner konnte ich sehen, da� der Rammbock vorw�rts donnerte. Er mu�te die Gefahr gekannt haben, hatte aber vermutlich nicht damit gerechnet, an der �ffnung festgehalten zu werden. Er lie� von mir ab, und seine beiden Kameraden sprangen zur Seite, um ihm Platz zu machen, aber es war zu sp�t. Der Eisenverr traf ihn, schmetterte ihn gegen die Tr�mmer und trug ihn dann noch anderthalb Meter durch die Luft, bis er sich l�ste und den Schutth�gel hinunterrollte. Zwei Teile eines K�rpers blieben liegen. Der Verrsch�del und die Torseite waren blutbespritzt. Mehrere M�nner versammelten sich in ihrer N�he.</p><p>�Haltet die Ramme an!� rief jemand, w�hrend ein Speer nach mir stach. Aber der Rammbock raste wieder heran. Ich packte den Speer ein St�ck unterhalb der Spitze. Er zerbrach wie ein Zweig, als der gigantische Kopf wieder herandonnerte. Ich warf den Rest fort. Der Vorderteil des Rammbocks mit seinen H�rnern war so gebaut, da� er sich nicht in der von ihm geschaffenen �ffnung verkeilte und dort steckenblieb. Der Versuch, einfach ein paar der Balken, die aus dem Schutt ragten, hinter die H�rner zu schieben und ihn so zu blockieren, war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Schutt war nicht zu gebrauchen. Doch die Felsbrocken konnten als Notbehelf dienen. Wieder forderte jemand lautstark, den Rammbock zum Stehen zu bringen, aber er mu�te mindestens noch einmal nach vorn schwingen. Die Soldaten z�gerten mit ihrem Angriff. Dann r�ckte der riesige Eisensch�del wieder in mein Blickfeld und wurde scheinbar unaufhaltsam gr��er. Als die blutige Ramme durch das Tor brach, stemmte ich mich gegen einen gro�en Felsblock, der aus dem Schutt herausragte, und rollte ihn vor die Unterkante der �ffnung. Ein Knirschen erf�llte die Luft, als beim R�ckschwung Eisen und Fels aufeinandertrafen; die Ramme kam zum Stehen. Den M�nnern an den Seilen war der Schwung genommen, aber sie konnten versuchen, den Schaft zur�ckzuziehen oder ihn wieder ein St�ck nach vorn bringen, bis er genug Schwung hatte, um das Hindernis zu �berwinden.</p><p>Eine Klinge zw�ngte sich zwischen Rammbock und Tor und stach nach mir, gefolgt von einem Speer. Der gro�e Verrsch�del r�ckte ein paar Zentimeter nach vorn und wieder zur�ck. Die Soldaten versuchten, den Felsblock mit Speeren zur Seite zu sto�en. Hier konnte ich nichts mehr ausrichten. Sobald sie den Rammbock aus der �ffnung gezogen hatten, w�rden sie ihn festhalten, und die Soldaten hatten freie Bahn. Ich konnte das Tor nicht lange verteidigen, nicht gegen Armbr�ste, nicht ohne Schild. Die Ramme bewegte sich wieder. Ich schob das Schwert in die Scheide, rutschte und lief den Schutthaufen hinunter und landete auf dem Steinboden. Aemilianus sah mich teilnahmslos an. M�nner warteten vor dem Ger�st, das die Steinlast hielt, die den Ostkorridor blockieren w�rde. Ich versp�rte nicht die geringste Lust, hier festzusitzen, wenn die Cosianer kamen. �Helft mir�, sagte ich zu den beiden Offizieren, die treu bei Aemilianus ausharrten.</p><p>�Geht�, sagte Aemilianus. �Ich werde hierbleiben.�</p><p>�Ich trage ihn, oder ihr st�tzt ihn�, sagte ich.</p><p>�Wer bist du?� fragte Aemilianus.</p><p>In diesem Augenblick ert�nte vor dem Tor Jubel, und der von den Speeren beiseite gedr�ckte Felsblock rollte den Schuttberg hinunter. Gleichzeitig schwang die Ramme zur�ck.</p><p>�H�rt auf!� rief Aemilianus, aber seine Leute hatten ihn bei den Armen gepackt, legten sie sich �ber die Schultern und schleppten ihn auf den Ostkorridor zu.</p><p>Ich blickte hoch und sah vier oder f�nf Cosianer �ber den Schutthaufen schleichen.</p><p>Sofort wich ich auf den Ostkorridor zu.</p><p>�Hier ist es aber dunkel�, sagte einer der Cosianer. Zwei seiner Kameraden zw�ngten sich an ihm vorbei und sahen von oben in den Torgang.</p><p>Hinter mir h�rte ich die Schl�ge von Holzh�mmern, die auf die Ger�stst�tzen einhieben.</p><p>�La�t sie nicht entkommen!� rief ein Cosianer.</p><p>�Greift sie von den Seiten an!� rief ich, als w�rden M�nner im Hinterhalt warten.</p><p>Die zw�lf Cosianer, die sich mittlerweile durch das zerst�rte Tor geschoben hatten, blieben unvermittelt stehen und sahen sich wild um.</p><p>Ich schl�pfte durch den Torbogen des Ostkorridors. Im gleichen Augenblick schlug man die letzten St�tzen weg, und Steine und Ger�ll st�rzten in einer gewaltigen Staubwolke in die Tiefe.</p><p>Die anderen M�nner und ich waren keine zehn Schritte in den Korridor eingedrungen, als man hinter uns die ersten Steine aus der Blockade ri�. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� die Cosianer ohne Gegenwehr l�nger als ein paar Ehn brauchten, um sich einen Weg in den Korridor zu bahnen.</p><p>Pl�tzlich wurden Schwerter gezogen und der Gang von M�nnern versperrt, die zweifellos �ber die Mauer gekommen waren. Allerdings trugen sie nicht das Blau der Cosianer, sondern lediglich blaue Armbinden. Aemilianus, seine beiden Offiziere, die beiden M�nner, die den Korridor blockiert hatten und ich blieben stehen.</p><p>�He, Leute!� rief ich. �Seht den Glanz des Goldes!� Ich zog die Goldst�cke aus dem Geldbeutel, die ich Lady Publia in der Zelle abgenommen hatte. Ich warf sie an den M�nnern vorbei in den links abzweigenden Gang hinein, aus dem sie gekommen waren.</p><p>�Gold oder Stahl?� fragte ich.</p><p>�Warum nicht beides?� fragte einer der S�ldner und trat einen Schritt vor. Im n�chsten Augenblick lag er tot am Boden.</p><p>�Gold�, sagte einer seiner Kameraden mit einem Grinsen. Dann wichen er und die anderen in den Seitengang zur�ck, in den ich die M�nzen geworfen hatte, und machten sich in dem D�mmerlicht daran, sie aufzulesen.</p><p>Ich wischte meine Klinge an der Tunika des Burschen ab, der sich uns hatte entgegenstellen wollen.</p><p>�Du bist nicht Marsias�, sagte einer M�nner. Ich erkannte ihn wieder. Er war auf der Mauer gewesen. Sein Name war Caledonius.</p><p>�Nein.� Ich b�ckte mich, nahm dem Toten den Geldbeutel ab und steckte die drei M�nzen ein, die sich darin befanden.</p><p>Caledonius schlo� die T�r zu dem Korridor, in den ich das Geld geworfen hatte.</p><p>An einem Ort wie dieser Zitadelle ist man sehr vorsichtig, was geschlossene T�ren angeht, vor allem in Kriegszeiten. Man �ffnet sie behutsam oder tritt sie auf, geht in Deckung und wartet. Man platzt nicht einfach herein. Denn man wei� nie, was sich auf der anderen Seite befindet.</p><p>�La� uns weitergehen�, sagte Caledonius.</p><p>Unsere kleine Gruppe setzte sich wieder in Bewegung. �Da hinten wird es heller�, sagte ich. �Dort steht ein Tor offen.�</p><p>�Das ist das Tor zur Kaimauer und zu der Br�cke, die zu dem Pier f�hrt�, sagte einer der Offiziere.</p><p>Es fiel mir zu diesem Zeitpunkt nicht auf, aber h�tte er mich f�r einen B�rger aus Ar-Station gehalten, h�tte er sich diese Erkl�rung vermutlich gespart. Heute glaube ich, da� mehr als nur einer der M�nner einen Verdacht hatte, wer sich unter der schwarzen Kapuze verbarg.</p><p>�Du h�ttest mich am Haupttor zum Sterben zur�cklassen sollen�, sagte Aemilianus.</p><p>�M�chtest du nicht lieber im Sonnenlicht sterben?� fragte ich. �An der frischen Luft, unter dem blauen Himmel, mit Blick auf den Hafen, auf das Wasser?�</p><p>�Ich w�rde lieber vor den Mauern von Ar sterben, damit ich auf sie spucken kann�, erwiderte er.</p><p>�Es hat nie ein Entsatzheer gegeben�, sagte ich.</p><p>�La� uns weitergehen�, sagte Caledonius. �Ich h�re schon die Verfolger.�</p><p>�Und ich h�re Frauen und Kinder�, sagte der Adjutant.</p><p>�Es ist eine Schande, vor ihren Augen zu sterben�, sagte Aemilianus. �La�t mich hier, damit ich unsere Verfolger aufhalte, solange ich noch ein Schwert halten kann.�</p><p>�Bringt ihn mit�, befahl ich und ging auf das Tor zu.</p><p>�Und wer bist du?� fragte Caledonius.</p><p>�Jemand, der an diesem Nachmittag klarer denkt als andere,�</p><p>�Und warum sollte ausgerechnet dir das gelingen?�</p><p>�Vielleicht habe ich mehr zu essen bekommen�, erwiderte ich.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>�Hauptmann, ich gr��e dich!� rief der junge Armbrustsch�tze, der neben dem Tor zum Kai stand. Von dort f�hrte eine gel�nderlose Br�cke, die etwa zweihundert Meter Wasser �berspannte, zu einer langen Pier mit Dutzenden von Anlegepl�tzen. Jenseits des Hafens und des Walls aus aneinandergeketteten Fl��en, der die Ausfahrt blockierte, schwammen f�nf cosische Kriegsschiffe. Ausgebrannte Schiffswracks zerrten an ihren Ankern, an einigen Stellen ragten Mastspitzen aus dem Wasser.</p><p>�Hauptmann!� rief auch sein Freund.</p><p>�Hauptmann!� riefen andere der M�nner, die auf der Mauer gek�mpft hatten.</p><p>Auf der Kaimauer dr�ngten sich Frauen und Kinder. Viele waren bereits zur Pier unterwegs.</p><p>�Kommandant, wir gr��en dich!� riefen die M�nner, als sie Aemilianus bei uns entdeckten.</p><p>�Warum nennen sie dich Hauptmann?� wollte Aemilianus wissen.</p><p>�Er hat die Mauer befehligt�, rief ein Soldat. Ich erkannte sein Gesicht wieder; auch er hatte an der Brustwehr gek�mpft.</p><p>�Du warst derjenige, der die Mauer solange gehalten hat?� fragte Aemilianus.</p><p>�Ich und ein paar Hundert deiner tapferen M�nner wie diese hier�, erwiderte ich und zeigte auf die jungen Burschen an meiner Seite.</p><p>�Die Cosianer stehen auf der Innenmauer�, meldete ein Soldat.</p><p>Ich sah hoch. Da waren sie, auf der Mauer, die sich genau oberhalb des Kais befand. Einige hatten die Helme abgenommen und hielten die K�pfe in den Wind, der dort oben heftiger wehte.</p><p>�Sie k�nnen in die Menge schie�en�, sagte ein Soldat.</p><p>�Aber sie haben es nicht getan�, sagte ein anderer.</p><p>�Sie warten auf den Kommandanten�, sagte ein dritter Mann.</p><p>�Mich bringt keiner in einem K�fig nach Cos, nackt und in Ketten�, sagte Aemilianus zu seinem Adjutanten, der ihn st�tzte. �Surilius, wenn das Ende gekommen ist, dann wei�t du, was du zu tun hast.�</p><p>�Wie du w�nschst, Kommandant�, erwiderte Surilius mit belegter Stimme.</p><p>�Wie viele Leute haben sich hier eigentlich versammelt?� fragte ich einen der Umstehenden. Die Kaimauer war wie der lange Pier voller Frauen und Kinder.</p><p>�Wer wei� das schon?� erhielt ich zur Antwort. �Meiner Meinung nach m�ssen das zweitausend oder dreitausend Frauen und Kinder sein, und vielleicht f�nfhundert M�nner. Ich wei� es nicht.�</p><p>�Von der gesamten Bev�lkerung von Ar-Station?�</p><p>�Viele sind schon vor Monaten geflohen. Die ersten, als bekannt wurde, da� die Cosianer in Brundisium gelandet sind, die n�chsten, als es Ger�chte gab, sie w�rden auf Ar-Station zumarschieren. Viele sind entkommen, bevor sich der Belagerungsring schlo�. Die n�chsten Fl�chtlinge haben sich den Weg freigekauft, das war zu Anfang noch m�glich, bevor die Cosianer diese hohen Verluste erlitten.�</p><p>�Gut und sch�n, aber als sich der Belagerungsring schlo�, m�ssen sich doch Tausende von Menschen in der Stadt aufgehalten haben.�</p><p>�Das stimmt�, sagte der Mann verbittert.</p><p>�Und das hier ist alles, was davon �brig blieb?�</p><p>�Es hat Desertionen gegeben.�</p><p>�Trotzdem.�</p><p>�Etliche sind an Hunger oder Krankheit gestorben�, sagte er. �Und viele sind im Feuer umgekommen.�</p><p>Ich sah ihn an.</p><p>�Viele haben es nicht mehr bis zur Zitadelle geschafft. Zahlreiche Stra�en, sogar ganze Bezirke, waren abgeschnitten.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Warum ist die Verst�rkung aus Ar nicht eingetroffen?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich, obwohl ich es zu wissen glaubte.</p><p>�Man sagt, die Cosianer h�tten in der Stadt Massaker ver�bt.�</p><p>�Das ist schon m�glich�, erwiderte ich.</p><p>�Sie sind mit Wagen voller Beute vor der Zitadellenmauer vorbeimarschiert und mit unseren Frauen, die alle entkleidet und wie Sklavinnen gefesselt waren.�</p><p>Ich nickte. Nat�rlich hatte ich das in der Zelle nicht sehen k�nnen, aber es bestand kein Zweifel, da� es die Wahrheit war. Es war typisch goreanisch.</p><p>�Und doch sind noch viele hier.�</p><p>�Ja�, sagte ich und blickte mich auf dem �berf�llten Kai und der Pier um. �Das ist wahr.�</p><p>�Es wird ein schreckliches Blutbad geben.�</p><p>Aemilianus sa� ganz in der N�he auf dem Boden. Der Adjutant st�tzte ihn, indem er ihn bei den Schultern hielt.</p><p>Ich sah zu der Mauer hoch.</p><p>Dann sprach ich ihn an. �Kommandant, viele deiner B�rger stehen in Schu�weite der Mauer.� In der Tat d�rfte es schwer gewesen sein, von dort oben zu schie�en, ohne jemanden zu verfehlen.</p><p>�Ich bin m�de�, erwiderte er.</p><p>�Viele haben Angst, den Pier zu betreten�, sagte Caledonius. �Sie haben Angst vor den cosischen Schiffen, da� der Flo�wall ge�ffnet wird und sie durch die L�cke angreifen. Sie f�rchten sich, den Kai und damit den Schutz der Zitadellenmauer zu verlassen.�</p><p>�Was f�r einen Schutz denn?� stie� ich �rgerlich hervor.</p><p>�Viele f�rchten sich auch, �ber die Br�cke zu gehen.�</p><p>�Im Wasser sind Haie�, sagte der Armbrustsch�tze.</p><p>�Man kann ihre R�ckenflossen sehen�, sagte sein Freund. �Sieh nur, da vorn schwimmen zwei!�</p><p>�Blut wurde das Delta herabgesp�lt�, sagte Caledonius verbittert. �Die Flu�haie kommen von so weit westlich wie Turmus. Aufgedunsene Deltahaie haben das Salzwasser des Deltas verlassen und verseuchen zwischen dem Delta und Ven die Ufer.�</p><p>�Aber es gibt noch einen viel bedeutsameren Grund, die Br�cke zu meiden�, sagte ein anderer Soldat.</p><p>�Und der w�re?� fragte ich.</p><p>Er gab keine Antwort.</p><p>Pl�tzlich sah Aemilianus mich an. �Was hast du gesagt?�</p><p>Ich ging neben ihm in die Hocke. �Schick deine Leute auf den Pier und zerst�re die Br�cke hinter ihnen. Dann k�nnen die Cosianer nur �bers Wasser folgen.�</p><p>�Dort haben wir nichts zu essen�, sagte Caledonius.</p><p>�Das haben wir hier auch nicht�, erwiderte ich.</p><p>�Es macht doch keinen Unterschied mehr�, sagte Aemilianus m�de.</p><p>�Aber es ist die einzig richtige Handlung�, sagte ich.</p><p>�Das Sehen f�llt mir so schwer�, sagte er pl�tzlich.</p><p>�Macht eine Trage�, befahl ich. �Bringt den Kommandanten auf den Pier.�</p><p>Man schob zwei Speere durch ein Fischernetz und legte Aemilianus auf die so entstandene Trage.</p><p>Er �ffnete die Augen.</p><p>�Da stehen Cosianer auf der Mauer!� sagte er. �Warum haben sich die Menschen nicht auf den Pier zur�ckgezogen?�</p><p>�Der Befehl dazu wurde nicht gegeben�, sagte ich.</p><p>�Wo ist Marcus Tulvinius?� fragte er.</p><p>�An deiner Seite�, sagte ein Offizier und trat vor.</p><p>�Zieht euch zur Pier zur�ck!�</p><p>�Das geht nicht.�</p><p>Aemilianus bem�hte sich, ihn anzusehen.</p><p>�Es ist verboten, die Br�cke zu betreten�, sagte Tulvinius. �Die Leute, die schon auf dem Pier sind, haben es vor dem Eintreffen der Cosianer auf der Mauer dorthin geschafft. Jetzt liegen dort die Leichen derjenigen, die es sp�ter versucht haben. Setze einen Fu� auf die Br�cke, und hundert Armbr�ste richten sich auf dich.�</p><p>�Es hat den Anschein, als bliebe uns die Wahl, hier oder dort zu sterben�, sagte Aemilianus.</p><p>�Ich w�re daf�r, es den Cosianern weniger einfach zu machen�, sagte ich.</p><p>Aemilianus l�chelte.</p><p>�Die Lage ist hoffnungslos�, sagte Tulvinius. �Ich werde die Bedingungen zur �bergabe in Erfahrung bringen.�</p><p>�Die Bedingungen der Cosianer?� Aemilianus l�chelte.</p><p>�Seht nur, dort auf der Mauer!� rief Caledonius.</p><p>Hinter der Brustwehr stand ein hochgewachsener Mann, dessen Helmbusch von einem Kranz Sleenhaar umgeben wurde. Hinter ihm wurden Standarten in die H�he gehoben.</p><p>�Es ist ihr Befehlshaber!�</p><p>�Kommandant?� fragte Tulvinius.</p><p>�Tu, was du f�r richtig h�ltst�, sagte Aemilianus ersch�pft.</p><p>Tulvinius drehte sich um, zog ein wei�es Tuch unter dem Umhang hervor, das er dort verborgen hatte, hob es hoch und trat zum Fu� der Mauer.</p><p>Diese Handlung wurde von den Cosianern mit Verachtung begr��t. Der Mann mit dem Sleenhaar auf dem Helm regte sich nicht.</p><p>�Aemilianus erbittet die Bedingungen zur �bergabe!� rief Tulvinius.</p><p>Mir entging nicht, da� Aemilianus auf der Trage die F�uste ballte.</p><p>Auf der Mauer erscholl Gel�chter.</p><p>Eure Frauen sollen sich ausziehen�, rief ein Soldat, sich uns am Tor zeigen, damit wir sie einsch�tzen k�nnen!�</p><p>�Vielleicht gefallen uns ja einige.�</p><p>�Dem Rest k�nnen wir die H�lse durchschneiden!�</p><p>Der hochgewachsene Mann hinter der Brustwehr verriet kein Gef�hl. Er betrachtete k�hl die Szene, die sich ihm bot. Aus der Zitadelle stieg Rauch in den Himmel.</p><p>�Aemilianus hat zugestimmt, sich euch zu ergeben!� rief Tulvinius.</p><p>Aemilianus legte den Kopf zur�ck und schlo� die Augen.</p><p>�Die �bergabebedingungen�, rief Tulvinius. �Wir wollen die Bedingungen erfahren.�</p><p>Der Mann auf der hohen Mauer hob die Hand; es war eine unscheinbare Geste.</p><p>�Nein!� rief Tulvinius. Er trat zur�ck, die Hand mit dem wei�en Tuch senkte sich. �Nein!�</p><p>Zwei Armbrustsch�tzen traten nach der Geste des Befehlshabers vor und legten an.</p><p>�Nein!� schrie Tulvinius und wich weiter zur�ck.</p><p>Die Armbrustbolzen schossen wie zwei metallene Vogel durch die Luft, man konnte das Sirren der Sehnen deutlich h�ren.</p><p>�Schildwall!� rief ich. �Alle M�nner mit Schilden zu mir! Bildet den Schildwall!�</p><p>M�nner eilten auf mich zu, hoben die Schilde und hielten sie so aneinander, da� sie sich an den R�ndern �berschnitten. Ich erzwang mir einen Weg zwischen den M�nnern und brachte ihre Schilde gewaltsam in die richtige Position. Um mich herum schlugen Armbrustbolzen ein. Tulvinius drehte sich um. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck voller Verzweiflung und Unglauben. Dann st�rzte er zu Boden. Die beiden Armbrustbolzen ragten aus seiner Brust.</p><p>�Zur�ck!� rief ich den schreienden Frauen und Kindern zu, �Dr�ckt euch so dicht an die Mauer, wie es nur geht! Zur�ck! Zur�ck!�</p><p>Aber viele flohen in unsere Richtung.</p><p>Ein Soldat st�rzte von der Mauer, einen Bolzen in der Brust, der nicht befiedert war. Ein Seitenblick verriet mir, da� mein junger Sch�tzenfreund seine Waffe senkte.</p><p>Geschosse regneten auf uns herab.</p><p>Ich kommandierte M�nner dazu ab, mit ihren Schilden die auf die Br�cke zulaufenden Frauen und Kinder zu sch�tzen.</p><p>Mittlerweile hatten sich Hunderte von Sch�tzen auf der Mauer versammelt. Aus der Br�cke schienen Armbrustbolzen wie Gras zu sprie�en. Viele der Sch�tzen hatten offensichtlich den Befehl erhalten, die Br�cke unter Beschu� zu nehmen und die Leute zwischen dem Wasser und der Mauer festzuhalten wie Schlachtvieh.</p><p>Ich ging hinter dem Schildwall in die Hocke. �Bringt den Kommandanten im Schutz der Schilde r�ber�, befahl ich.</p><p>�Ich werde hierbleiben�, sagte Aemilianus.</p><p>�Du wirst von dort weiterbefehlen�, sagte ich.</p><p>�Ich werde hierbleiben!�</p><p>Ich gab den Tr�gern ein Zeichen, die das zwischen zwei Speeren gespannte Netz anhoben. Aemilianus streckte die Hand nach mir aus, und ich ergriff sie. Die Tr�ger wurden von vier Schildtr�gern von der Mauer abgeschirmt und eilten geduckt auf die Br�cke zu.</p><p>Die Frauen und Kinder, die sich an die Mauer dr�ckten, hatten nichts von dem Beschu� zu bef�rchten. Es war nicht m�glich, sie von der Brustwehr aus zu treffen.</p><p>Ich sah in die H�he. Der Befehlshaber war verschwunden.</p><p>Nach kurzem �berlegen schickte ich M�nner einzeln und in Gruppen aus dem Schildwall heraus, um Frauen und Kinder auf die Br�cke zu holen. Sobald sie Erfolg hatten, eilten sie wieder zur�ck, um noch mehr Leute in die zeitweilige Sicherheit des Schutzwalls zu holen.</p><p>Oben auf der Mauer ert�nten Wutschreie.</p><p>Der junge Armbrustsch�tze huschte im Schutz eines Schildes, der von seinem Freund gehalten wurde, �ber die Br�cke und sammelte Bolzen auf. Es waren pr�chtige, von Metallarbeitern gefertigte Geschosse, nicht angespitzte oder stumpfe St�cke, die man nur dazu gebrauchen konnte, um V�gel zu bet�uben. Er teilte sie an seine Kameraden aus, verga� aber nicht, selbst welche zu behalten. Er war jung, aber seine Treffsicherheit war zum F�rchten. Er war in Hunderten von Angriffen auf die Mauer geschult worden.</p><p>Nun warfen einige der Cosianer Steine und Dachschindeln in die Tiefe.</p><p>Einer kippte pl�tzlich zur�ck, die H�nde um einen Bolzen geklammert, der aus seinem Kinn ragte. Die Innenseite des Helmes hatte verhindert, da� das Gescho� seinen Kopf durchschlug.</p><p>Der junge Sch�tze legte den n�chsten Bolzen in seine gespannte Armbrust ein.</p><p>Ich schickte noch ein paar M�nner los, um die sich zusammenkauernden Zivilisten zu sch�tzen, bevor man sie von der Mauer wegbringen konnte, aber es nutzte nicht viel.</p><p>Viele flohen blindlings in Richtung Br�cke und wurden niedergeschossen, bevor sie unseren Schildwall erreichten.</p><p>�Bleibt an der Mauer!� rief ich. Mein Blick fiel auf einen Cosianer, der einen Stein �ber den Kopf hielt. Er wurde angeschossen und verschwand von der Brustwehr.</p><p>Der junge Armbrustsch�tze lud nach.</p><p>�Es ist schwerer f�r sie, als ihnen lieb sein kann�, sagte ein Soldat.</p><p>�Sie werden jeden Moment aus dem Tor str�men�, meinte sein Kamerad.</p><p>�Und die Mauer herunter!� sagte ein dritter grimmig.</p><p>Er hatte kaum ausgesprochen, als das Innentor, das zum Kai f�hrte, nach innen aufschwang und mit Helmen und Schilden ausger�stete Cosianer sich mit Schwertern und Speeren auf die Verteidiger st�rzten. Im gleichen Augenblick fielen Hunderte von Seilen von der Brustwehr in die Tiefe, und ein Soldat nach dem anderen lie� sich auf den Kai hinunter. Die Frauen und Kinder flohen voller Panik von der Mauer. Sie eilten weiter, genau auf uns zu, durchbrachen den Schildwall und liefen weiter auf die Br�cke zu. Als die Schilde kippten, flogen Salve auf Salve von der Brustwehr, und M�nner schrien getroffen auf.</p><p>�Vorw�rts!� rief ich und hob den Schild eines Gefallenen auf. �Zur Mauer!� Hinter uns ert�nten die Schreie der Frauen und Kinder, die sich auf der Br�cke dr�ngelten. Dazu kamen die Schreie derjenigen, die von dem rei�enden Strom der Fl�chtlinge von der Br�cke ins Wasser gesto�en wurden. In der entstandenen Panik waren viele Menschen aus der N�he der Zitadelle geflohen. Obwohl es sie dem Feuer der Angreifer auslieferte, verschaffte es uns Platz zum K�mpfen. Vor mir sprang ein Cosianer von dem Seil, und bevor er das Gleichgewicht wieder erringen konnte, war er tot. Ein anderer schrie, als ihm die Beine abgehackt wurden. Ein Cosianer landete genau auf einem Speer. Der Mann aus Ar-Station stemmte den Fu� gegen die Leiche, ri� den Speer heraus und stie� ihn dem n�chsten Angreifer in den Leib. Die Schl�chterei nahm ihren Lauf. Einige versuchten mit nur einer Hand hinabzuklettern und mit der anderen zu k�mpfen. An einigen Stellen packten je zwei Verteidiger das Seilende, zogen es zur�ck und schmetterten es solange gegen die Mauer, bis die daran h�ngenden Cosianer in die Tiefe st�rzten. Die nachr�ckenden Angreifer z�gerten, sich auf die erhobenen Klingen zu st�rzen, die wie blitzende Stahlz�hne auf sie warteten. Einige versuchten an ihren Kameraden vorbeizuklettern, die sich verzweifelt an den Seilen festklammerten, nachdem sie gesehen hatten, was sie dort unten erwartete. M�nner landeten auf dem Kai, um in St�cke gehackt zu werden. Manche versuchten vergeblich, wieder nach oben zu klettern, da sie an jenen, die �ber ihnen waren, nicht vorbeikamen. Ein paar Cosianer, die es bis zur Brustwehr schafften, wurden von den zustechenden Speeren der eigenen M�nner zur�ckgetrieben, die sie anbr�llten. Wenn sie abst�rzten, kam es vor, da� sie andere die zwanzig Meter bis zum Boden mit sich rissen; die Mauer an der Hafenseite war niedriger als an der Stadtseite.</p><p>Einige der Angreifer klammerten sich an den Seilen fest, zu keiner Bewegung f�hig. Unter ihnen hielten die Bolzen blutige Ernte, da die Sch�tzen in aller Ruhe zielen konnten. Einige der Verteidiger stellten sich sogar auf die Toten, um an die M�nner an den Seilen heranzukommen. Wieder regneten Steine und Dachschindeln in die Tiefe. Ich sah, wie ein Mann in die Knie ging, nachdem sein Schild von einem Stein getroffen worden war. Einen Augenblick lang erschien er benommen. Dann k�mpfte er sich unsicher wieder auf die Beine, um seinen Abschnitt der Mauer zu bewachen. Bolzen regneten herab. Sie trafen die Br�cke wie Hagel. Frauen schrien. Einige riefen, man solle zur�ck zur Mauer fliehen. Vermutlich hielten sich viele der Sch�tzen, die sich in der Sicherheit der Brustwehr befanden, an ihre urspr�nglichen Befehle, die Br�cke mit Sperrfeuer zu belegen, um die Menge zur�ckzuhalten. Ein Kind rannte schreiend an mir vorbei, um sich gegen die Mauer zu dr�cken. Einen Augenblick sp�ter wurde es von einer Frau �berholt, die es in ihren Umhang h�llte und sich mit ihm gemeinsam zusammenduckte. Wir wurden von Frauen angerempelt.</p><p>�Aus dem Weg!� schrie einer unserer M�nner. Ein Cosianer rutschte im Schutz der Frauen das Seil hinunter. Er stie� einem Soldaten das Schwert in die Seite.</p><p>Doch ein Verteidiger sprang ihn von der anderen Seite an, und er prallte blutspuckend gegen die Mauer. Die Frau, die das Kind in ihrem Umhang beruhigte, sah zu, wie er zu Boden sank. Die Frau weinte. Ein Blick in die Runde verriet mir, da� die eigentliche Gefahr vom Tor kam, aus dem mittlerweile Hunderte von Cosianern auf den Kai st�rmten. Ich eilte die Mauer entlang auf die linke Torseite zu.</p><p>�Zum Tor!� rief ich meinen M�nnern zu. �Zum Tor!� Mit blutigen Schwertern wandten sie sich um und eilten auf das Tor zu. Ich umging die K�mpfenden und kommandierte noch mehr M�nner von der rechten Seite ab. Der Leder�berzug meines Schildes war gespickt mit Bolzen.</p><p>Ich kehrte zur Zitadelle zur�ck. Nur noch wenige Cosianer kletterten an den Seilen in die Tiefe. Vermutlich konnte man von der Brustwehr aus deutlicher sehen, wie die Angreifer mit jedem Hieb weiter vordrangen. Wenn sie die Br�cke erreichten, w�rde dieser Fluchtweg endg�ltig versperrt sein. Das wollte ich mit allen Mitteln verhindern. Es lag mir nichts daran, die Kaimauer zu halten. Mein Hauptziel lag darin, alle zu evakuieren und auf den Pier zu schaffen. Sobald die Evakuierung abgeschlossen war, wollte ich die Br�cke sperren. Ich griff mir zwei Soldaten und erteilte ihnen Befehle. Ich gab den Kai auf. Der erste lief zur linken Seite, sein Kamerad zur rechten. Zwei Reihen aus M�nnern mit Schilden bildeten sich. Diese Reihen nahmen ihren Anfang am Schlachtfeld vor dem Tor und endeten fast vierzig Meter hinter dem Br�ckenanfang.</p><p>Die M�nner kauerten sich hinter ihren Schilden zusammen, die Schilde der Zitadelle zugewandt, und schufen eine offene Gasse, in Anbetracht der geringen Anzahl der M�nner eine zwar sp�rliche, l�ckenhafte Deckung, aber besser als gar keine. Ein paar der Verteidiger in der N�he der Mauer dr�ngten die Frauen und Kinder, die Schildgasse geduckt entlangzulaufen und sich in Sicherheit zu bringen. Viele taten es auch. Ich sah, da� die Frau mit dem Kind, das sie noch immer mit ihrem Umhang sch�tzte, von Schild zu Schild rannte. Andere Frauen weigerten sich, aus Furcht oder Klugheit, an diesem gef�hrlichen Lauf teilzunehmen. Einige von ihnen schauten furchtsam zur Brustwehr hoch, dann nahmen sie die Schleier ab, schlugen die Kapuzen zur�ck und legten die H�nde an die Kragen ihrer Gew�nder.</p><p>Eine Frau sank neben mir auf die Knie und klammerte sich an meinen Beinen fest. Ich sah sie w�tend an und erkannte sie. Es war Claudia, die noch immer das Lumpenkost�m der Lady Publia trug. Eine freie Frau in einem Gewand der Verh�llung spuckte sie im Vorbeigehen an. �Sklavin!� stie� sie hervor. Lady Claudia hielt mich nur noch fester umklammert und sah zu mir hoch. Ich schob sie mit dem Fu� in Richtung Zitadelle. �Verr�terin!� sagte ich. Sie kroch zu mir zur�ck, schob den Schleier beiseite und dr�ckte mir die Lippen auf den Fu�. �Zum Pier�, sagte ich. Sie sprang schluchzend auf und floh zur Br�cke.</p><p>Jetzt, wo vor der Mauer nicht mehr mit Gegenwehr zu rechnen war, kletterten Cosianer nach unten. Mit einiger Erleichterung sah ich, wie kleine Boote vom Pier ablegten, die offenbar mit Fischern und anderen M�nnern, die es bis dorthin geschafft hatten, bemannt waren, und auf die Br�cke zuhielten. Es gab f�r mich keinen Zweifel, da� Aemilianus den Befehl dazu gegeben hatte. Er hoffte vermutlich, da� sie bei der Evakuierung helfen konnten. Bei dem Beschu� erforderte es gro�en Mut, sich auf die Kaimauer zu wagen. Un�bersehbar waren auch die R�ckenflossen der Haie, die sich am Ufer und an der Br�cke dr�ngten. Es waren so viele, da� sie scheinbar eine feste Oberfl�che bildeten, die begehbar aussah. Und doch w�re mir nicht im Traum eingefallen, auch nur einen Fu� auf diese unsichere, sich st�ndig bewegende Fl�che zu setzen. Das Wasser in Ufern�he sch�umte unter ihren ungest�men Bewegungen. Ich glaube, sie fielen fast genauso oft �bereinander her wie �ber die Menschen, die im Wasser landeten.</p><p>Ich sah mehr als nur eine Frau, die von der Br�cke ins Hafenbecken st�rzte und schreiend nach einem der Holzpf�hle griff, um sich in Sicherheit zu bringen. Barf��ige Sklavinnen in ihren knappen Kleidern hatten sich unter die freien Frauen gemischt, die im Schutz der Schilde auf den Pier zueilten. Unter ihnen fiel mir eine nackte Frau ins Auge, deren Kopf in einer Haube steckte, die aus einer M�nnertunika gefertigt worden war. Eine freie Frau zog sie an der Leine um ihren Hals hinter sich her. Ich erkannte sie wieder. Es war die einstige Lady Publia.</p><p>Ich hatte den Eindruck, als h�tten die Frauen, die den Mut oder den Willen hatten, sich auf die Br�cke zu begeben, es mittlerweile getan. Das war auch gut so, denn die Verteidiger wurden zur�ckgedr�ngt und hatten die Br�cke fast erreicht. Mehr als ein Hai schnellte aus dem Wasser. Die Cosianer setzten nach. Immer mehr von ihnen kamen aus dem Tor oder rutschten die Seile hinunter. Ich gab neue Befehle und schickte Soldaten los, um sie zu �berbringen. Die beiden Reihen, die den Frauen und Kindern einen gewissen Schutz gegeben hatten, l�sten sich auf, und die M�nner zogen sich zur�ck, um die Flanken zu sch�tzen. Ich stellte mich an den Rand der Br�cke und schickte bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Mann nach dem anderen in Richtung Pier. Die meisten von ihnen sch�tzten sich mit ihren Schilden und marschierten in zwei Reihen an den M�nnern vorbei, die noch immer ihre Stellung zu beiden Seiten der Br�cke hielten. Der Strom der Zur�ckweichenden wurde immer d�nner, w�hrend die Cosianer rasch n�her kamen.</p><p>Ich harrte aus, w�hrend die M�nner von Ar-Station an mir vorbeigingen. Die ganze Zeit �ber hatte ich mich hinter dem Kampfgeschehen aufgehalten und Befehle erteilt. Jetzt trennten mich nur noch zwei Reihen vom Feind. In der N�he der Zitadelle ert�nten Schreie. Einige der nachr�ckenden Cosianer hielten sich vom Kampf fern und besch�ftigten sich mit den Frauen. �Sie nehmen sich die Frauen!� rief ein S�ldner. Er drehte sich um und lief zur�ck, und ein paar M�nner schlossen sich ihm an. Der Angriff geriet einen Augenblick lang ins Stocken. Ich ergriff die Gelegenheit, um weitere M�nner nach hinten zu schicken. Darin zog ich mich selbst drei Meter zur�ck. Schreie ert�nten, als die Frauen ergriffen und versklavt wurden. Wieder z�gerten die Cosianer. �Sie nehmen sich die Frauen�, rief ich ihnen zu, �und zwar die Leute, die ihre Schwerter nicht einmal blankgezogen haben!�</p><p>�Vorw�rts!� trieb ein cosischer Offizier die M�nner an. �Vorw�rts!�</p><p>�Ihr bekommt keine Sklavinnen mehr ab!�</p><p>�Auf der Pier sind genug Sklavinnen f�r alle!� rief der Offizier.</p><p>�Seht nur, wie sie sich ausziehen, wie eilig sie es haben, versklavt zu werden!� rief ich.</p><p>Einige Soldaten in den hinteren Reihen drehten sich um. Ich beorderte weitere M�nner zur�ck.</p><p>�Sie sind h�bsch�, rief ich. �Sie betteln f�rmlich um einen Nasenring!�</p><p>Es stimmte, viele der Frauen hatten sich die Kleider vom Leib gerissen und knieten nun, einige mit gefalteten, andere mit ausgestreckten H�nden, in verschiedenen Posen der Unterwerfung. Zwischen ihnen gingen M�nner umher, manche mit blutigen Schwertern. Handgelenke wurden gefesselt.</p><p>�Ihr verliert eure Sklavinnen!� rief ich erneut.</p><p>�Sie werden sp�ter verteilt!� rief der Offizier seinen M�nnern zu.</p><p>�An wen denn?� h�hnte ich. �An euch M�nner, die an vorderster Front schwitzen, oder an die H�ndler und Offiziere? Wer sagt euch denn, da� ihr �berhaupt welche bekommt? Und wenn ja, habt ihr wirklich die freie Auswahl? K�nnt ihr aus den sch�nsten ausw�hlen? Was ist mit den Hunderten von Frauen, die bereits nach Brundisium und Cos und Tyros unterwegs sind? Hat man die etwa verteilt? Ich glaube, ihr werdet bei Lagerauktionen f�r den k�mmerlichen Rest bieten m�ssen! War das nicht schon fr�her so? Ihr k�mpft jetzt f�r Cos, nicht f�r eine freie Abteilung, deren Hauptmann in eurem Sinne handelt, der daf�r sorgt, da� die Sch�nheiten ein Teil eures Lohns werden!�</p><p>�Er sagt die Wahrheit!� grollte ein Mann und zog sich zur�ck.</p><p>�Vorw�rts!� br�llte der Offizier.</p><p>�Nehmt sie euch, solange ihr die M�glichkeit dazu habt. Sie warten auf euch vor der Zitadelle!�</p><p>�H�rt nicht auf ihn!� rief der Offizier.</p><p>�O weh!� sagte ich. �Diejenigen, die nicht einmal gek�mpft haben, n�hern sich ihnen schon!�</p><p>Die S�ldner verharrten unentschlossen.</p><p>Nur noch wenige Armbrustbolzen bohrten sich in die Br�cke, da die Sch�tzen auf der Brustwehr bef�rchten mu�ten, die eigenen Leute zu treffen.</p><p>Weitere Schreie ert�nten.</p><p>�Vorw�rts!� rief der Offizier.</p><p>Jetzt h�rte man auch auf der Br�cke das Wimmern und den Protest der Sch�nheiten, die gefesselt wurden.</p><p>�Zur�ck!� raunte ich den M�nnern zu, die mich umringten. �Begebt euch hinter mich!� Ich wandte mich wieder den Cosianern zu. �Es sind keine zweihundert mehr �brig, Jungs!� rief ich ihnen zu.</p><p>Inzwischen hatten alle M�nner aus Ar-Station die Br�cke betreten und zogen sich zu beiden Seiten von mir zur�ck. Ich gab leise Befehle. Diejenigen, die die Hauptlast des Abwehrkampfes getragen hatten, stellten sich hinter die M�nner mit den Schilden, die den R�ckzug der Frauen gedeckt hatten. Dann erhoben sich die ausgeruhten M�nner und r�ckten zu mir vor.</p><p>�Zieht euch zur�ck!� befahl der cosische Offizier w�tend. Die Unschl�ssigkeit seiner M�nner war ihm genausowenig entgangen wie die Tatsache, da� ich nun von ausgeruhten K�mpfern umringt wurde.</p><p>Einige S�ldner brachen aus den hinteren Reihen aus und rannten zur Mauer, um sich ihren Teil der Beute zu sichern. Einige der M�nner in den vordersten Reihen folgten ihrem Beispiel, zuerst wichen sie zur�ck, dann drehten sie sich um. Der Offizier versammelte gen�gend cosische Soldaten um sich, um zu verhindern, da� wir einen Gegenangriff starteten.</p><p>�Zieht euch langsam zur�ck�, sagte ich und setzte mich behutsam r�ckw�rts in Bewegung. Die Cosianer r�ckten ein paar Meter auf die Br�cke vor. Allerdings hatten sie es nicht eilig, sich in unsere N�he zu wagen.</p><p>Wir sahen einen Hai, der die Kaimauer hochschnellte, einen Toten am Bein packte und ins Wasser zog.</p><p>�Zieht euch zur�ck und berichtet Aemilianus, da� die Evakuierung abgeschlossen ist. Er wird wissen, was er zu tun hat.�</p><p>Der Mann neben mir erschauderte. Es war kein Zufall, da� ich genau an dieser Stelle stehengeblieben war. Hier befand man sich au�erhalb der Reichweite eines Armbrustbeschusses.</p><p>�Wir bleiben bei dir�, sagte der junge Sch�tze. Sein Freund, der andere junge Mann von der Mauer, der nun dessen Schild trug, war an seiner Seite.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Ist das ein Befehl, Hauptmann?�</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Das ist ein Befehl.�</p><p>Er und sein Freund z�gerten kurz, dann drehten sie sich um und gingen in Richtung Pier.</p><p>�Der Rest von euch zieht sich jetzt ebenfalls zur�ck�, sagte ich.</p><p>�Du kannst die Br�cke nicht allein halten�, sagte ein st�mmiger, grauhaariger Krieger.</p><p>�Geht�, sagte ich. Ich hatte nicht die Absicht, einem von ihnen zu befehlen, an meiner Seite zu bleiben, nicht bei dem, was getan werden mu�te. Und ich konnte mir auch nicht vorstellen, da� Aemilianus anders gehandelt h�tte.</p><p>�Du wirst erfahrene Schwertk�mpfer brauchen�, sagte der Krieger. �Am besten Tr�ger der scharlachroten Tunika.�</p><p>�Geht.�</p><p>�Vier oder f�nf d�rften reichen.�</p><p>�Einschlie�lich meiner Person sind wir zu viert�, sagte eine Stimme hinter mir.</p><p>�Und ich bin der f�nfte�, sagte der Grauhaarige.</p><p>M�nner eilten �ber die Br�cke.</p><p>Ich drehte mich �berrascht um.</p><p>�Es w�re eine Ehre, in Gesellschaft von Marsias zu sterben�, sagte ein hochgewachsener Mann.</p><p>�Ich bin nicht Marsias�, erwiderte ich.</p><p>�Das ist eine Erleichterung�, sagte er grimmig, �weil mir dieses Problem schon Kopfzerbrechen bereitete. Wei�t du, ich glaubte immer, ich sei Marsias.�</p><p>�Ich erkenne dich jetzt�, sagte ich.</p><p>�Ich f�hle mich geschmeichelt.�</p><p>�Was macht dein Kopf?�</p><p>�In Anbetracht der Tatsache, da� er mit einem Ziegel einen mit gro�er Kraft gef�hrten Schlag abbekommen hat, gro�artig.�</p><p>Ich sah mir den Mann neben ihm an. �Wie ich sehe, hast du dir eine neue Tunika besorgt.�</p><p>�Ja�, erwiderte er. �Meine wurde mir in einer Zelle gestohlen.�</p><p>�Dort habe ich eine gefunden�, gab ich zu.</p><p>�Eine Wache, die die W�nde nach L�chern absuchte, durch die m�glicherweise Cosianer eindringen konnten, hat uns wachger�ttelt�, sagte Marsias. �Wie du dich vielleicht erinnerst, fand sie in einer gewissen Zelle ein ausgezeichnetes Beispiel einer solchen Bresche.�</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Wie du dir sicher denken kannst, hatten wir vor, dich auf der Stelle aufzusp�ren, um das Konto auszugleichen, um es einmal so auszudr�cken, aber die Cosianer mischten sich ein, wie es heute ihre Art zu sein scheint�, sagte Marsias. �Wir mu�ten das Loch in der Wand eine Ahn lang verteidigen. Als zum R�ckzug geblasen wurde, erfuhren wir zu meiner gro�en �berraschung, da� ich der Held auf der Mauer und sp�ter dann am Tor war. Zumindest behaupteten das einige M�nner. Diese Burschen und ich entschieden uns dann, dieses Geheimnis zu ergr�nden, was uns wohl gelungen ist.�</p><p>�Ihr habt mich gefunden�, sagte ich.</p><p>�Und werden an deiner Seite k�mpfen�, sagte Marsias.</p><p>�Daf�r bin ich dankbar.�</p><p>�Die Ruderboote kommen�, sagte einer der Soldaten.</p><p>�Die Cosianer haben sie wohl auch entdeckt�, sagte ich. An der Br�cke und auf der Kaimauer herrschte betr�chtliche Aufregung. Ich sah nun auch die Flaggen, die �ber die Mauer der Zitadelle hinausragten. Der Befehlshaber der cosischen Streitkr�fte vor Ar-Station hatte seinen Vorteil genutzt. In den Booten, die vom Pier kamen � dieselben Boote, die zuvor die Frauen und Kinder evakuiert hatten �, sa�en M�nner mit Fackeln und �xten. Vor der Zitadelle ankerten noch ein paar Boote, die sich vermutlich schon zuvor dort befunden hatten oder die man aus der Zitadelle gebracht hatte.</p><p>�Den Berichten der M�nner auf der Mauer habe ich entnommen, da� du die Verr�terin Lady Claudia gepf�hlt hast�, sagte Marsias.</p><p>�Schon m�glich�, entgegnete ich.</p><p>�Oder war es unsere b�sartige kleine W�rterin Lady Publia?�</p><p>�Denk nicht dr�ber nach�, meinte ich.</p><p>�Das w�re eine Ironie gewesen�, sagte er.</p><p>�Zweifellos.�</p><p>�Und eine Verschwendung.�</p><p>�Zweifellos.�</p><p>Die kleinen Ruderboote n�herten sich der Br�cke.</p><p>�Ich vermute, da� gar keine Frau gepf�hlt wurde�, sagte Marsias.</p><p>�Eine interessante Vermutung.�</p><p>�Wenn das stimmt, wartet Lady Claudia, die vermutlich hier irgendwo in Lady Publias Lumpenkleid heruml�uft, noch immer auf ihre Pf�hlung.� Er sah mich an. �Bist du anderer Meinung?�</p><p>�Sie versammeln sich vor der Br�cke�, sagte ich.</p><p>Hinter uns hackten �xte auf die Pf�hle ein, auf denen die Br�cke ruhte.</p><p>�Findest du nicht?� fragte Marsias.</p><p>�Du bist ein eifriger Bursche�, sagte ich. �Mir ist selten ein solch stures Pflichtbewu�tsein begegnet.�</p><p>�Wenn du sie nicht gepf�hlt hast, dann offensichtlich deshalb, weil du es nicht wolltest, und du hast Ar-Station beigestanden, was auch immer dein Heimstein sein mag. Das ist ein Grund, warum ich jetzt an deiner Seite stehe, damit ich ohne Schuld meiner sehr unangenehmen, aber eindeutigen Pflicht in dieser Angelegenheit entgehen kann.�</p><p>�Ich hatte nicht verstanden�, sagte ich. �Es tut mir leid.�</p><p>�Aber sollten wir �berleben, mu�t du verstehen, da� wir versuchen m�ssen, die Gefangene in unsere Gewalt zu bekommen und das Urteil zu vollstrecken.�</p><p>�Die Cosianer!� rief ich.</p><p>Dann trafen Schwerter und Schilde mit metallischem Klirren aufeinander, als die Cosianer mit lauten Kriegsrufen auf uns zust�rmten und die sechs Verteidiger � Marsias, die drei Soldaten aus der Zelle, der grauhaarige Krieger und ich � beinahe �berrannten. Doch wir k�mpften verbissen, um die Br�cke zu halten.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Auf der langen Br�cke zur Pier leisteten wir verbittert Widerstand.</p><p>F�nfzehn Meter hinter uns stand die Br�cke in Flammen.</p><p>Die Bootsbesatzungen hieben mit �xten auf die Planken und Pf�hle der Br�cke ein. Die meisten dieser Boote stammten aus Ar-Station und waren an den Anlegepl�tzen festgemacht gewesen. Der Feind hatte sich ebenfalls Boote verschafft, mit denen er versuchte, unsere Stellung zu umgehen, um uns mit Armbr�sten unter Beschu� zu nehmen, doch die Boote aus Ar-Station verhinderten dies. Die Mannschaften hatten die Br�cke in unmittelbarer N�he zum Kai gedeckt, bis der cosische Befehlshaber seine Sch�tzen losgeschickt hatte, um sie zur�ckzuwerfen.</p><p>Die Cosianer griffen vierzehnmal an. Beim f�nften Angriff wurden Marsias und einer der Soldaten aus der Zelle schwer verwundet. Obwohl die Br�cke zu diesem Zeitpunkt schon brannte, war sie doch noch soweit begehbar, da� sich die Verwundeten durch die Flammen und den Rauch zur Pier zur�ckziehen konnten. Ihre Pl�tze wurden zu meinem Erstaunen von einem anderen kr�ftigen Burschen aus Ar-Station eingenommen. Es hatte den Anschein, als w�rden hinter uns die M�nner darum wetteifern, uns beistehen zu k�nnen. Nach dem siebten Angriff mu�ten zwei weitere M�nner der urspr�nglichen Gruppe � die beiden anderen Soldaten aus der Zelle � blutend aufgeben; sie konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten. Fischer lie�en sie in wartende Boote herab. F�r die beiden kletterten zwei andere Krieger auf die Br�cke, um ihren Platz einzunehmen. Danach waren von der urspr�nglichen Gruppe nur noch der Grauhaarige und ich �brig.</p><p>R�ckenflossen durchschnitten die Wasseroberfl�che und umkreisten die Boote, schwammen unter der Br�cke hindurch, schl�ngelten sich an den Pf�hlen vorbei. Manchmal strebten sie pl�tzlich zusammen und schossen auf die Stelle zu, an der jemand im Wasser gelandet war, weil er gestolpert und von der Br�cke gefallen war und blutend in die Tiefe st�rzte. Aus dem Wasser ert�nten Schreie, man sah ausgestreckte H�nde und panische Blicke. Sch�umende Gischt folgte, blutige Strudel und Griffe ins Leere, danach wurden die K�rper unter Wasser gezerrt oder unter die Br�cke gezogen, wo sie in den Schatten verschwanden. Gelegentlich sahen wir sogar die langen dunklen Formen, die einen Meter unter der Oberfl�che schwammen, sowie die Bewegungen der kr�ftigen, senkrechten Schwanzflossen. Es kam vor, da� die Fische um ihre Beute k�mpften, auch unter der Br�cke, und dann schlugen ihre m�chtigen K�rper gegen die Pf�hle. Ein Mann aus Ar-Station stand in einem kleinen Boot, schrie seinen Ha� hinaus und stach wild mit der Pike auf einen der Schemen ein. Ich glaube, er schlitzte ihm den R�cken auf. Ein Cosianer scho� mit der Armbrust auf einen Flu�r�uber, der sein Boot umkreiste. Er tauchte unter, als sei er getroffen, und die Metallbefiederung des Bolzens verschwand mit der R�ckenflosse im Wasser.</p><p>Zwischen den Angriffen schnappten wir keuchend nach Luft und kauerten uns hinter unsere Schilde, deren R�nder wir auf der Br�cke abst�tzten. Sie viele Ehn lang hochzuhalten und einen Schlag nach dem anderen damit abzufangen, ist nach einiger Zeit schrecklich erm�dend f�r den Arm und l��t ihn schmerzen. Kein Wunder, da� Krieger oftmals mit Schilden �ben, die mit zus�tzlichen Gewichten beschwert sind. Verluste in den fr�hen Ahn einer Schlacht werden h�ufig durch Leichtsinn oder das Unverm�gen verursacht, den Schild richtig einzusetzen, um sich zu sch�tzen. Das gilt vor allem f�r junge Krieger. In den sp�ten Ahn einer Schlacht kommt es jedoch viel �fter zu Verlusten, weil die K�mpfer nicht mehr f�hig sind, den Schild zu heben. Die Versuchung ist gro�, ihn zu senken, um den Schmerz in den protestierenden Muskeln zu lindern. Hinzu kommt die Ersch�pfung des Armes, die durch das Schwingen des Schwertes und die Verlangsamung der Reflexe durch Erm�dung hervorgerufen wird.</p><p>Selbstverst�ndlich hat der Gegner die gleichen Probleme. Das mu� man einfach wissen � genau wie die Tatsache, da� Schlachten oft mehrere Stunden dauern und manchmal zwei oder gar drei Tage lang immer wieder aufflammen �, wenn man gewisse Dinge verstehen will, die auf den ersten Blick sehr ungew�hnlich erscheinen, wie zum Beispiel die Atempausen zwischen den Angriffen, die st�ndigen Ver�nderungen im Gef�ge der Reihen oder die gelegentlichen, scheinbar unbegreiflichen Waffenruhen, die sich an beliebigen Stellen der Schlachtenlinie durch eine stillschweigende �bereinkunft ergeben. Dort stehen M�nner beider Seiten dann einfach herum, sehen sich an und unterhalten sich manchmal sogar miteinander. Ein weiterer Punkt ist die gro�e Bedeutsamkeit des wohl�berlegten Einsatzes der Reserve.</p><p>F�r denjenigen, der sich f�r derlei Dinge interessiert, sei angemerkt, da� es wohl solche �berlegungen waren, die dazu f�hrten, die Phalanx allm�hlich durch das Karree zu ersetzen, wie es zur Zeit in der goreanischen Kriegskunst geschieht. Ein Karree ist taktisch gesehen nicht nur flexibler und kann in zerkl�ftetem Gel�nde eingesetzt werden, es erleichtert den Austausch der Frontlinie und erm�glicht das schnelle Heranf�hren ausgeruhter Truppen an entscheidende Punkte. Meiner Meinung nach ist der Erfolg vieler Gener�le haupts�chlich auf den wohl�berlegten Einsatz der Reserve zur�ckzuf�hren.</p><p>Zum Beispiel Dietrich von Tarnburg: Obwohl man ihn oft nur mit solchen Neuerungen wie dem schr�gen Vorsto� oder dem Einsatz von Belagerungsger�t im Feld in Zusammenhang bringt, ist er meiner festen �berzeugung nach ebenfalls ein Meister im Einsatz der Reserve. Diese Meinung gr�ndet sich auf meine Studien seiner Feldz�ge in den Kommentaren des Minicius und den �Tageb�chern�, die einige Gelehrte Carl Commenius zuschreiben, einem Milit�rhistoriker aus Argentum. Es wird behauptet, Commenius sei ebenfalls ein S�ldner gewesen. Ich kann nicht sagen, ob dies der Wahrheit entspricht, aber seine Tageb�cher � falls sie tats�chlich von ihm verfa�t wurden � vermitteln den Eindruck, da� ihm das Feld keineswegs fremd war. Ich kann mir nicht vorstellen, da� alle dort dargestellten K�mpfe mit ihren vielen Einzelheiten sich nur auf die Berichte von Dritten st�tzen. Seine Beschreibungen von Rovere und Kargash haben f�r mich die Lebendigkeit und die Unmittelbarkeit eines aufmerksamen Augenzeugen. Ich kann nicht glauben, da� beispielsweise ein einfacher Soldat ein Detail wie den Verlust des Wasservorrates auf dem Schlachtfeld durch ein ver�ngstigtes Tharlarion erw�hnen w�rde. Nat�rlich w�re ihm so ein Vorfall nicht entgangen, aber er w�rde ihn wohl kaum in seinem Bericht �ber die Schlacht zur Sprache bringen. Davon abgesehen stellt sich die Frage, wie ein einfacher Gelehrter zu so vielen sch�nen Sklavinnen und einer festungs�hnlichen Villa kommen sollte, wie Carl Commenius sie sein eigen nennt. Ich vermute, da� er vor langer Zeit ebenfalls zur Stelle war, wenn die Beute verteilt wurde.</p><p>�Sie ziehen sich zur�ck�, sagte der Soldat neben mir.</p><p>�Sie k�nnen hier nichts mehr ausrichten�, meinte ein anderer.</p><p>Wir sahen uns ersch�pft um. Ein Gro�teil der Br�cke stand in Flammen oder lag eingebrochen im Wasser. Bohlen trieben im Hafenbecken umher und stie�en gegen die Pf�hle.</p><p>�Wir haben die Br�cke gehalten�, sagte der Grauhaarige.</p><p>�Ja, das haben wir.�</p><p>Wir standen auf blutbeschmierten Holzplanken.</p><p>Es stimmte, wir hatten die Br�cke gehalten.</p><p>Der Nachmittag war zur H�lfte vor�ber. Wir standen am neuen Ende der Br�cke, einer Br�cke, die auf eine v�llig sinnlose Weise an der Kaimauer ihren Anfang nahm und abrupt mit zersplitterten, zerschlagenen und angesengten Bohlen endete. Man hatte die Br�cke hinter uns zerst�rt. Einige der Bootsbesatzungen hatten sich die M�he gemacht, das Holz hinter uns mit Wasser zu tr�nken, um zu verhindern, da� die Flammen auf unseren Teil �bergriffen, w�hrend ihre Kameraden die Pf�hle durchtrennten. Trotzdem hatten wir die Hitze des Feuers in unseren R�cken gesp�rt. Es hatte auch Rauch gegeben, aber nicht genug, um das Geschehen auf der Br�cke zu beeinflussen. Der Wind hatte sich zweimal gedreht, und der Qualm war an uns vorbeigeweht. Aus der Zitadelle war viel mehr Rauch aufgestiegen, doch der Wind, dessen St�rke seit dem fr�hen Nachmittag betr�chtlich nachgelassen hatte, hatte ihn �ber den Hafen auf den Flu� hinausgetrieben.</p><p>�Sollen wir nun zur Pier schwimmen?�</p><p>�Was sonst?�</p><p>�Ich werde lieber auf die Boote warten.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich habe nicht gern nasse F��e.�</p><p>Ich h�rte dem Gerede der M�nner nur mit halbem Ohr zu. Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf die R�ckenflossen, die im Wasser umherschwammen. Hier und dort geriet die Oberfl�che in Bewegung, als w�rden sich einige Meter tiefer gewaltsame Handlungen abspielen. An einigen Stellen wurde das Hafenwasser ganz schmutzig. Diese aufgewirbelten Verf�rbungen wurden vermutlich von Fischen verursacht, die verbissen um Beute k�mpften und dabei den Grund aufwirbelten.</p><p>Zu unserer Linken stie� ein kleines Boot sanft an einen St�tzpfahl.</p><p>Wir waren zu elft. Zwei waren verwundet. Dazu geh�rte der grauhaarige Bursche, der zu den ersten geh�rt hatte, die sich an meine Seite stellten. Er war beim letzten Angriff verletzt worden. Genau wie der andere Verwundete. Wie lie�en die beiden ins Boot hinab. Zwei weitere M�nner gesellten sich zu ihnen. Das kleine Boot schaukelte und w�re beinahe umgekippt.</p><p>�Wartet�, sagte der Mann an den Rudern und hob die Hand.</p><p>Wir sahen zu, wie er ablegte.</p><p>�Es sind jetzt weniger Fische zu sehen�, sagte ein Soldat.</p><p>�Bleib, wo du bist�, riet ich ihm. Seine Beobachtung stimmte, viele der Fische waren anscheinend verschwunden. Ich war sogar �berzeugt davon, da� sie mit ihrer Beute im Maul in den Hafen, wenn nicht sogar in den Flu� hinausgeschwommen waren, vermutlich verfolgt von ihren weniger erfolgreichen Artgenossen. Trotzdem war das Wasser noch immer gef�hrlich. Manchmal verbergen sich Flu�haie wie Voskaale im Schatten der Piere und ihrer Pf�hle, wo sie oft Beute in Form von Abf�llen und anderen Leckerbissen machen. An einigen Stellen waren noch immer deutlich blutige Schlieren im Wasser sehen.</p><p>�Seht nur!� sagte der Soldat. Er zeigte auf die Zitadelle. Es sah so aus, als w�rden dort viele kleine Boote bereitgemacht sowie eine betr�chtliche Zahl flo��hnlicher Gebilde, die man aus allen m�glichen Materialien aus der Zitadelle zusammengebaut hatte.</p><p>�Alles war umsonst�, sagte der Mann neben ihm. Dann sprachen sie alle.</p><p>�Der Hafen wird von cosischen Schiffen und der Flo�kette versperrt. Eine Flucht ist unm�glich.�</p><p>�Anscheinend wollen sie nicht warten, bis wir verhungert sind.�</p><p>�Es sind ungeduldige Burschen.�</p><p>�Sie haben lange Zeit gewartet. Sie m�chten die Sache eben heute nachmittag zu Ende bringen.�</p><p>�Das sollte nicht schwer sein.�</p><p>�Auf der Pier wird es ein Massaker geben. Dort gibt es keine Deckung. Alle stehen dort wie auf dem Pr�sentierteller. Was kann eine Handvoll Schilde da schon ausrichten? Nichts, oder so gut wie nichts. Sie k�nnen tun, was sie wollen. Sie k�nnen sich von den Booten und Fl��en aus ihre Ziele suchen oder einen Frontalangriff starten.�</p><p>�Vermutlich werden sie ihren Landsleuten vor der Hafensperre ein Signal geben, damit sie gleichzeitig von zwei Seiten angreifen k�nnen.�</p><p>�Es ist alles vorbei.�</p><p>�Ja. In zwei oder drei Ahn wird alles vorbei sein.�</p><p>�Ihr beiden geht in das Boot�, sagte ich, als das n�chste Ruderboot an den Pfahl stie�. Der Ruderer, ein Fischer, streckte die Hand aus, um den beiden M�nnern beim Einsteigen zu helfen. Wir hatten das letzte Boot �berladen.</p><p>Jetzt waren wir nur noch zu f�nft. Wir sahen zu, wie das Boot ablegte und langsam zur Pier ruderte.</p><p>�Ich h�tte mich gern von meiner Gef�hrtin verabschiedet�, sagte ein Mann, offenbar ein B�rger.</p><p>�Vielleicht ist sie ja da drau�en�, sagte sein Freund und legte ihm die Hand auf die Schulter.</p><p>�Wann wird es vorbei sein, was glaubt ihr?� fragte ein Soldat.</p><p>�Zur f�nfzehnten Ahn�, erwiderte sein Kamerad grimmig.</p><p>�Das ist gut.�</p><p>�Wieso ist das gut?�</p><p>�Dann m�ssen wir nicht noch eine Abendmahlzeit vers�umen.�</p><p>Kurze Zeit sp�ter legte ein weiteres der winzigen Boote an der Br�cke an, und die beiden Soldaten stiegen ein.</p><p>Jetzt waren wir nur noch zu dritt.</p><p>�Die Frauen und Kinder tun mir unendlich leid�, sagte der B�rger und sah zur Pier hin�ber. Dort dr�ngten sich Zivilisten, es mu�ten zwischen zweitausend und zweitausendf�nfhundert Frauen und Kinder sein, und allenfalls dreihundert kampfbereite M�nner. Wenige Augenblicke sp�ter traf das n�chste Ruderboot ein.</p><p>�Ich werde mit dir warten�, sagte der B�rger zu mir.</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �Geh nur.�</p><p>Die beiden M�nner kletterten vorsichtig in das Boot.</p><p>Ich blieb allein zur�ck.</p><p>Rechts von mir trieb ein Fragment der Br�cke halb untergetaucht im Wasser. Ich sah �ber den Schildrand, dann erhob ich mich und nahm den Schild wieder hoch.</p><p>Ein einzelner Mann kam auf mich zu; er trug einen Helm, und sein Schwert steckte in der Scheide. Er hatte keinen Schild. Es schien ein langer Weg bis zu mir zu sein. Als er ein paar Meter von mir entfernt war, konnte ich seine Schritte h�ren. Das Wasser schlug gegen das Pfahlwerk unter der Br�cke. Am Himmel ert�nte der Schrei einer Voskm�we. Aus der Zitadelle stieg noch immer Rauch auf, der vom Wind auf den Flu� hinaus getrieben wurde.</p><p>�Komm nicht n�her�, sagte ich.</p><p>�Der Tag geh�rt Cos!�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Es bleibt nur noch das Massaker auf der Pier zu erledigen.�</p><p>Darauf blieb ich ihm die Antwort schuldig.</p><p>�Und so war alles, was du getan hast, vergebens.�</p><p>Ich schwieg. Was hier geschehen war, war in die Annalen der Vergangenheit eingegangen. Die Geschichte hat Berge und Gipfel, und nicht alles ist der Prolog zu einem letzten Akt, dem nichts mehr folgt.</p><p>�Viele glauben, du kommst gar nicht aus Ar-Station�, sagte der Fremde.</p><p>Ich zuckte mit den Schultern.</p><p>�Du k�nntest ein S�ldner sein�, fuhr er fort. �Cos braucht solche M�nner. Ich komme im Auftrag von Aristimenes, dem Befehlshaber von Cos im Norden. Ihm hat deine Arbeit gefallen, auch wenn sie zu seinen Lasten ging. Ich habe hier einen Beutel voller Gold. Vermiete Cos dein Schwert, und er geh�rt dir.� Er lie� den Geldbeutel, dessen Riemen verschn�rt waren, auf die Br�cke fallen. Dann trat er einen Schritt zur�ck. �Siehst du�, sagte er. �Wir schlagen dir nicht den Kopf ab, w�hrend du dich danach b�ckst.�</p><p>�Ich bin heute nicht auf irgendwelchen Sold aus�, sagte ich.</p><p>�Dann kommst du also doch aus Ar-Station, oder gar aus Ar selbst?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Mit dem Gold kommt ein Kommando und Frauen, ausgebildete Sklavinnen, die einen Mann auf alle erdenklichen Arten erfreuen k�nnen.�</p><p>�Aristimenes ist gro�z�gig.�</p><p>�Wie lautet deine Antwort?�</p><p>�Ich will heute keinen Sold annehmen.�</p><p>�Und was ist mit den Frauen?� fragte er.</p><p>�Die nehme ich mir selbst.�</p><p>Er ging zu dem Gold und hob es auf. Dabei behielt er mich nicht einmal im Blickfeld. Ich wertete dies als Tribut an meine Ehre.</p><p>Er schob den Geldbeutel zur�ck in seine Tunika. �Du bist also kein S�ldner?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt.�</p><p>�Entscheide dich f�r Cos.�</p><p>�Nicht heute.�</p><p>�Aber heute w�re ein guter Tag, um sich f�r Cos zu entscheiden�, sagte er mit einem Blick auf den Pier.</p><p>�Warum hat man Ar-Station keine Verst�rkung geschickt?� fragte ich.</p><p>�Lurius aus Jad, der Ubar von Cos, wollte es nicht.�</p><p>�Ich verstehe.� Wie luftig mu�ten dann die H�hen des Verrates sein, der sich hinter den Mauern von Ar abspielte.</p><p>�Und der Wille von Lurius ist im Norden noch nicht vollkommen ausgef�hrt.�</p><p>Ich verstand nicht, was er damit sagen wollte.</p><p>�Ich habe dir das Gold von Cos gebracht�, sagte er. �Wenn ich zur�ckkehre, bringe ich seinen Stahl. Das ist dir doch bewu�t, oder?�</p><p>�Die Br�cke ist nun bedeutungslos�, sagte ich.</p><p>�Nicht f�r Aristimenes!�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich w�nsche dir auch alles Gute�, erwiderte er, drehte sich um und ging schnell auf den Kai zu. Er hatte noch keine f�nf Schritte zur�ckgelegt, als eine Abteilung Cosianer, die bereits dort gewartet hatten, auf die Br�cke eilten. Einen Augenblick lang war er wie ein Fels in ihrer Brandung, dann drehte er sich zu mir um. Gleichzeitig legte ein kleines Flo� vom Ufer ab. Zwei der M�nner, die auf mich zukamen, hatten es zu eilig und trennten sich von ihren Kameraden. Dem ersten schlug ich gegen den Schildrand, und da er sich nicht mehr abfangen konnte, stolperte er von der Br�cke. Den zweiten Mann traf ich unterhalb des Schildes am Knie, und er sackte auf die Bohlen. �Wartet, M�nner!� rief der Offizier, der mir das Angebot unterbreitet hatte. �Bleibt zusammen, gut so! Die Speere nach unten. Vorsichtig vorr�cken. Dort steht nur ein Mann. Die Schwertk�mpfer an die Flanken, hinter die Speertr�ger. Beide Seiten abdecken. Vorw�rts.�</p><p>�Hilfe!� br�llte der Soldat im Wasser und griff in die H�he. Er versuchte, einen Pfahl hochzuklettern, rutschte aber immer wieder ab. Er kam nicht an die Holzbohlen heran. Das Br�ckenst�ck, das sich zu meiner Rechten befunden hatte, schwamm nun ein paar Meter vom verbrannten Br�ckenende entfernt im Hafenbecken.</p><p>�Halt!� befahl ich den anr�ckenden Cosianern.</p><p>Verbl�fft blieben sie stehen.</p><p>Der Mann, dessen Bein ich aufgeschlitzt hatte, hinkte m�hsam zu. seinen Kameraden zur�ck. Blut str�mte �ber sein Knie und die Riemen seiner stiefel�hnlichen Sandalen. Sein R�ckzug lie� sich anhand der Blutspur auf der Br�cke zur�ckverfolgen.</p><p>Ich legte den Schild auf dem Boden ab und streckte dem Burschen im Wasser die Hand entgegen. Es waren weniger Fische als vorhin da, aber es war unwahrscheinlich, da� er noch lange dort allein herumplanschte. Unter ihm waren bereits zwei dunkle Schatten zu sehen.</p><p>�Bleibt stehen�, befahl der Offizier.</p><p>Der Mann im Wasser, der fast gel�hmt vor Angst war und dessen Augen f�rmlich hervorquollen, packte meine Hand, und ich zog ihn auf die Br�cke. Er blieb am ganzen Leib zitternd auf den nassen Bohlen liegen. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� mir so etwas vor einer Ahn gelungen w�re. Da w�re er schon l�ngst in einem Rachen eines Besuchers aus dem Flu�, der von dem Blut im Wasser angelockt worden war, verschwunden gewesen.</p><p>Ich trat zur�ck und sah die Cosianer an.</p><p>Der Offizier hob sein Schwert und salutierte. Ich erwiderte den Salut. Seine M�nner h�mmerten mit den Schwertern auf ihre Schilde. Ich nahm auch ihre Ehrenbezeugung zur Kenntnis.</p><p>�Bei meiner Autorit�t und auf eigene Gefahr, n�mlich mein Leben gegen deines, sollte meine Handlung Aristimenes mi�fallen, biete ich dir erneut das Gold von Cos!� sagte der Offizier.</p><p>Ich schob das Schwert in die Scheide. �Ich nehme heute keinen Sold an�, sagte ich.</p><p>�Senkt die Speere�, befahl der Offizier. �Schwertk�mpfer, an die Flanken.�</p><p>Da drehte ich mich pl�tzlich um und lief ans Ende der Br�cke. Ich stie� mich ab und sprang auf das zur H�lfte untergetauchte Br�ckenteil. Es sank in die Tiefe, aber dann hob es sich wieder. Einen Moment sp�ter dr�ngten sich die Cosianer an dem zersplitterten Ende. Wie erwartet versp�rte keiner von ihnen Lust, den Sprung nachzumachen. Ich hatte einen Vorsprung gehabt und gewu�t, wo das Tr�mmerst�ck im Wasser trieb. Keiner von ihnen w�rde mir nachspringen. Falls es doch einer versuchte und es bis hierher schaffte, erwartete ich ihn mit gezogenem Schwert. Meine F��e standen im Wasser. Die Kraft meines Sprungs hatte das Br�ckenfragment noch weiter in den Hafen getragen, in Richtung Pier. Die Cosianer und ich starrten einander an. Einige hoben die Waffen zum Salut. Ich hob die Hand. Das war wohl einer dieser seltsamen Augenblicke, die es manchmal im Krieg gibt, wenn die Rose der Ritterlichkeit einem Boden aus Gefahr und Blut entsprie�t. Pl�tzlich scho� ein gro�er Hai aus dem Wasser und blieb zur H�lfte auf dem Tr�mmerst�ck liegen. Ich stie� ihn mit dem Fu� zur�ck. Ein paar kleine Boote voller Sch�tzen legten vom Kai ab. Aber dann sah ich, da� die Ruderer verharrten. Auf einmal war das Br�ckenst�ck von kleinen Booten umringt, die von der anderen Seite kamen. In einem sah ich den jungen Armbrustsch�tzen. Es wurden keine Sch�sse abgegeben. Ich stieg in ein Boot. Dann drehten wir um und ruderten langsam zu dem Pier.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Ich stieg aus dem Boot und betrat den Pier.</p><p>M�nner hoben die Waffen und salutierten.</p><p>�Komm mit�, sagte ein Soldat.</p><p>Ich ging an Reihen von Verwundeten vorbei. Bei ihnen befand sich auch Marsias, der Krieger, der auf der Br�cke an meiner Seite gek�mpft hatte, und viele Frauen und Kinder.</p><p>Schlie�lich stand ich vor Aemilianus.</p><p>�Ihr habt die Br�cke gut gehalten, du und die anderen�, sagte er. Der Kommandant sa� auf dem Boden, angelehnt an ein paar Kisten. Der lange Pier bildete die Grenze zwischen dem inneren Hafenbecken, das bis zur Kaimauer vor der Zitadelle reichte, und dem �u�eren Hafenbecken, das in den Flu� f�hrte. Der Au�enhafen war ein paar hundert Meter weiter durch Fl��e und f�nf cosische Galeeren blockiert.</p><p>�Die hier� � er zeigte in die Runde � �w�ren jetzt alle tot, h�ttet ihr nicht so gehandelt.�</p><p>Ich lie� den Blick �ber den Innenhafen und den Rest der Br�cke schweifen. �Dort weht nun die Flagge von Cos�, sagte ich.</p><p>�Du hast sie solange gehalten, wie es n�tig war�, sagte Aemilianus. �Solange, wie wir brauchten, um den Weg zum Pier zu versperren.�</p><p>Ich fand es bemerkenswert, da� sich die Cosianer die M�he machten, ihre Flagge am Ende der zerst�rten Br�cke aufzupflanzen. Anscheinend hatten wir daf�r gesorgt, da� sie ihnen etwas bedeutete.</p><p>Ich warf auch einen Blick auf die Zitadelle und die Stadt. Die Zitadelle brannte. Auch in der Stadt brannten noch Feuer, selbst nach all diesen Tagen.</p><p>�Du bist nicht Marsias�, sagte ein Soldat. Ich erkannte ihn wieder. Es war Caledonius. �Wer bist du?�</p><p>�Ar-Station gibt es nicht mehr�, sagte ich zu Aemilianus.</p><p>�Doch. Seinen Heimstein gibt es noch immer.�</p><p>�Er wurde aus der Stadt gebracht?�</p><p>�Ja. Er wurde vor Wochen aus der Stadt gebracht und nach S�den geschickt, nach Ar, wo er mittlerweile eingetroffen sein m��te, wenn alles nach Plan verlief.�</p><p>�Schon vor so langer Zeit hattest du die Hoffnung auf das Entsatzheer aus Ar aufgegeben?� fragte ich.</p><p>�Ich hatte recht�, erwiderte er verbittert.</p><p>Ich nickte. Es ist unm�glich, die Belagerung einer Stadt wie Ar-Station geheimzuhalten. Es war eine der gr��ten Hafenst�dte am Vosk. Au�erdem kann jeder einen Kalender lesen.</p><p>�Du hast dir nichts anmerken lassen�, sagte ich.</p><p>�Und was h�ttest du an meiner Stelle getan, als Kommandant von Ar-Station?�</p><p>Ich zuckte mit den Schultern. �Vermutlich das gleiche.�</p><p>�Und obwohl ich die Hoffnung nicht aufgab, wollte ich den Heimstein nicht gef�hrden. Darum schickte ich ihn s�dw�rts.�</p><p>�Mit einem Tarnsmann?�</p><p>�Nein�, antwortete er. �Cos beherrscht den Himmel. Ich schickte ihn im Wagen eines Kaufmannes nach S�den, eines gewissen Septimus Entrates.�</p><p>�Unter den zahllosen Wagen und Karren mit Fl�chtlingen, die nach S�den unterwegs waren, d�rfte er kaum aufgefallen sein�, meinte ich.</p><p>�Das hoffe ich�, sagte Aemilianus.</p><p>Irgendwie hatte der Name Septimus Entrates einen vertrauten Klang. Andererseits h�rt man im Laufe der Zeit Tausende von Namen.</p><p>�Cos trifft Vorbereitungen zum Angriff�, meldete ein Krieger.</p><p>�Von beiden Seiten?� fragte Aemilianus.</p><p>�Es hat den Anschein�, sagte der Bote. �Die Kette der Fl��e wurde an drei Stellen ge�ffnet. Die Schiffe von Cos fahren in diesem Augenblick in den Hafen ein. Auf dem Flu� sind noch weitere Fl��e zu sehen. Au�erdem legen Boote und Fl��e vom Kai ab.�</p><p>�Die Cosianer werden von den Booten und Fl��en einen Feuersturm her�berschicken�, prophezeite Aemilianus d�ster. �Der Himmel wird sich verdunkeln mit ihren Peilen und Bolzen. Benutzt die K�rper der Toten und Verwundeten als Schilde.� Er befahl ihnen nicht, Planken aus der Pier zu rei�en, um damit notd�rftige Barrikaden zu errichten. Vielleicht war das sp�ter m�glich, doch jetzt h�tten wir damit den Boden vernichtet auf dem wir standen, so viele Menschen dr�ngten sich hier. Es w�rde sogar schwierig sein, die Waffen einzusetzen; eigentlich war nur gen�gend Platz da, um zuzusto�en. �Wenn die Cosianer den Pier st�rmen�, fuhr Aemilianus fort, �wird sich der Rest von uns ihnen entgegenstellen und sie f�r jede Planke bezahlen lassen, die sie �berschreiten. Tragt mich nun auf die andere Seite, an den Innenhafen.�</p><p>�Aber du bist verwundet�, sagte sein Adjutant.</p><p>�Nat�rlich, du Narr�, stie� Aemilianus w�tend hervor. �Was denkst du dir? Glaubst du, ich w�rde einen Befehl geben, dem ich selbst nicht gehorchen w�rde? Mein verwundeter K�rper wird beim Kampf als Schild dienen. Nur dazu ist er noch zu gebrauchen.�</p><p>�Wir brauchen Aemilianus, unseren Kommandanten�, sagte Caledonius. �Keinen K�rper f�r einen Schild.�</p><p>Aemilianus versuchte w�tend, auf die Beine zu kommen. Eine frische, helle Blutspur sickerte unter dem Verband um seinen Leib hervor. Er sank zur�ck in die sitzende Position. �Surilius�, sagte er zu seinem Adjutanten. �Das Schwert. Benutze es jetzt. Dann hat der Streit um K�rper und Schilde ein Ende.�</p><p>�Nein, Kommandant.�</p><p>Aemilianus war verbl�fft. �Ich habe noch nie erlebt, da� du einen Befehl verweigerst.�</p><p>Surilius zog sein Schwert, �Wenn schon ein K�rper als Schild dienen soll, dann nimm meinen an deiner Stelle.�</p><p>�Nein, alter Freund�, flehte Aemilianus. Doch Surilius machte sich bereit, sich das eigene Schwert ins Herz zu sto�en.</p><p>�Du�, sagte Aemilianus und wies auf mich. �T�te mich.�</p><p>�Ich bin m�de�, erwiderte ich.</p><p>�Zieh dein Schwert�, bat er verzweifelt. �Halte es so, da� ich mich auf die Klinge st�rzen kann.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Nein?�</p><p>�Ich bin kein B�rger von Ar-Station�, sagte ich. �Versuche nicht, jemandem einen Befehl zu geben, der weder f�r Ar noch f�r Ar-Station gro�e Sympathien hegt.�</p><p>�Aber du hast f�r uns gek�mpft�, sagte Aemilianus.</p><p>�Ich sah Dinge, die mir nicht gefielen�, erwiderte ich. �Und ich habe gek�mpft, aber es liegt in der Natur des Tarns zu fliegen und eines Kaiilas zu laufen.�</p><p>M�nner erschauderten. Im Kodex steht geschrieben, da� alle Krieger einen gemeinsamen Heimstein haben. Sein Name ist Kampf.</p><p>Aemilianus wandte sich wieder an Surilius. �Du hast dein Wort gegeben�, sagte er flehend.</p><p>�Mein Wort ist mir heilig�, sagte der Adjutant. �Aber das gleiche gilt f�r die Bedingungen, unter denen ich es dir gegeben habe, und danach darf ich nicht zulassen, da� du in die H�nde der Cosianer f�llst, falls du es aus eigener Kraft nicht verhindern kannst. Dann, und nur dann, werde ich dich t�ten.�</p><p>�Du bist ein guter Soldat�, sagte Aemilianus. �Ich bitte dich um Verzeihung, mein Freund.� Er verzog das Gesicht. Wieder sickerte ein Blutstrom unter dem Verband hervor.</p><p>�La�t ihn ruhen�, sagte ich.</p><p>Caledonius half dem Kommandanten, sich hinzulegen, der die Hand nach seinem Freund ausstreckte.</p><p>�Ich werde an deiner Seite sein�, sagte Surilius.</p><p>Ein Soldat kam heran. �Sie kommen�, verk�ndete er. �Es m�ssen �ber hundert Boote und Fl��e sein, und sie kommen von beiden Seiten.�</p><p>�Nun wird es nicht mehr lange dauern, mein Freund, nicht wahr?� fragte Aemilianus.</p><p>�Nein, lieber Freund�, sagte Surilius. �Ich glaube nicht, da� es noch lange dauert.�</p><p>�Seht doch�, sagte Caledonius und zeigte auf den Hafen. �Ich wu�te nicht, da� sie so viele Schiffe haben.�</p><p>�Was?� rief ich.</p><p>�Da�, erwiderte Caledonius und zeigte in Richtung Flu�.</p><p>Jenseits des an drei Stellen ge�ffneten Flo�walls kam eine Gruppe von Segeln in Sicht, sie waren lang und dreieckig und geh�rten zu mit Lateinersegeln getakelten Galeeren.</p><p>�Sie kommen, um das Ende zu besiegeln�, sagte Caledonius.</p><p>�Wo ist ein Glas?� rief ich, �ein Hausbauerglas?�</p><p>Unter unseren Blicken senkte sich das Segel des ersten Schiffes auf die waagerechte Unterrah, die dann parallel zum Kiel geschwenkt und gesenkt wurde. Im n�chsten Augenblick wurde der Mast umgelegt. Die anderen Galeeren folgten dem Beispiel. Mir str�ubten sich die Nackenhaare. Das sind die Vorbereitungen, die eine Galeere trifft, wenn sie in die Schlacht f�hrt. Die Schiffe wurden jetzt nur noch durch die Kraft ihrer Ruder bewegt. Es fiel schwer, sie auf diese Entfernung genau zu sehen. Aber es waren keine Rundschiffe. Es handelte sich um schmale Schiffe, um Rammschiffe. Sie waren flach gebaut und lagen niedrig auf dem Wasser, wie Messer.</p><p>�Bringt mir ein Fernglas!� rief ich.</p><p>�Ein Glas her!� nahm Caledonius den Ruf auf.</p><p>�Eines der cosischen Schiffe wendet�, sagte einer der umstehenden Soldaten.</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte Surilius.</p><p>�Wie viele Schiffe sind das �berhaupt?� fragte der Soldat.</p><p>�Und wo hat Cos solche Schiffe her?�</p><p>�Die Cosianer in den Booten und auf den Fl��en sind fast da�, meldete jemand. �Gleich werden sie mit dem Angriff beginnen.�</p><p>Ein Tarnsmann kam aus Richtung Flu� angeflogen, �berquerte den Pier und raste dann der Kaimauer entgegen.</p><p>�Die Schilde an die R�nder der Pier!� rief Surilius. Er hatte sein Schwert gezogen.</p><p>Frauen und Kinder begaben sich in die Mitte des Piers und kauerten sich nieder. Viele der Frauen sch�tzten die Kinder mit ihren K�rpern. Alles geschah mit erstaunlicher Lautlosigkeit.</p><p>Jemand hielt mir ein Hausbauerglas hin. Ich hob den Apparat vor die Augen. Es dauerte nur kurz, dann hatte ich ihn justiert und richtete ihn auf das Flaggschiff der n�herkommenden Flottille. Ich suchte nach der Flagge, die an ihrem Tau zwischen Bug und Vordersteven flatterte. Dann senkte ich das Glas wieder und verschlo� es.</p><p>�Welche Farben haben sie?� fragte Caledonius.</p><p>�Es ist das Blau von Cos�, antwortete ich.</p><p>Surilius packte das Schwert fester und starrte auf die bewu�tlose Gestalt von Aemilianus hinab.</p><p>�Cos hat auf dem Flu� keine so gro�e Streitmacht�, sagte ein Mann.</p><p>�Seht euch die M�nner auf den Fl��en an�, meinte Caledonius. �Sie scheinen sehr aufgeregt zu sein.�</p><p>�Darf ich mal sehen?� fragte der Soldat.</p><p>Ich gab ihm das Glas.</p><p>Er richtete es auf die Hafenm�ndung. Die Schiffe waren n�her heran. Man konnte die blaue Flagge bereits mit blo�em Auge erkennen.</p><p>�Das ist nicht die Flagge von Cos!� rief der Soldat.</p><p>�Dann ist es eben eine Variante�, sagte ich, �vielleicht die Flagge ihrer Flu�streitmacht.�</p><p>�Es ist die Flagge von Port Cos!� rief er. �Es ist die Flagge von Port Cos!�</p><p>�Die Flagge von Port Cos!� nahmen andere den Ruf auf.</p><p>�Und?� fragte ich. �Port Cos ist eine cosische Kolonie, seine Machtbasis am Vosk.�</p><p>�Der Topas!� rief der Soldat.</p><p>�Der Topas! Der Topas!� erscholl der Ruf aus Hunderten von Kehlen.</p><p>Surilius sch�ttelte Aemilianus, versuchte ihn aufzuwecken. Tr�nen str�mten aus seinen Augen, �Der Topas!� rief er. �Marcus ist durchgekommen! Es ist Calliodorus aus Port Cos! Es ist der Schwur des Topas!�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte ich.</p><p>Dann war das Flaggschiff heran, scho� durch die �ffnung in dem Flo�wall und rasierte die Ruder des cosischen Schiffes im Hafen ab. Die n�chste cosische Galeere wurde mittschiffs gerammt. Die drei restlichen Schiffe des Feindes versuchten, an den Hafenseiten anzulegen. Eines lief vor einem Wachturm auf Grund. Die M�nner auf den Fl��en versuchten die Ketten zusammenzuziehen und den Hafen wieder zu verschlie�en. Aber vier Galeeren schoben sich �ber sie hinweg; Holz zersplitterte, w�hrend sich die Rammsporne aus dem Wasser erhoben, dann waren sie im Hafen. Die Besatzungen der beiden anderen cosischen Schiffe, die nicht auf Grund gelaufen waren, sprangen �ber Bord und wateten in dem h�fthohen Wasser aufs Ufer zu. Weitere Galeeren gingen l�ngsseits zu den noch nicht zerst�rten Teilen des Flo�walls, und M�nner schw�rmten aus. Die Cosianer, die sich dort aufgehalten hatten, ergriffen die Flucht. Die drei �ffnungen in der Flo�kette blieben bestehen. Davon abgesehen trieben zwei Fl��e ziellos im Hafenbecken umher, w�hrend die beiden Fl��e an den jeweiligen Enden der Ausfahrt nur noch an den dicken Pf�hlen vert�ut waren, die man in der N�he der Wacht�rme in den Sand getrieben hatte; sie schwammen zur Seite. Die Ruderboote und Fl��e der Cosianer, die sich im Hafenbecken zum Angriff bereitgemacht hatten, flohen nun in den Schutz des n�chsten Wachturms. Noch immer liefen Galeeren in den Hafen ein. Das Flaggschiff legte an dem �u�ersten Anlegeplatz der Pier an.</p><p>�Ich verstehe nicht, was hier vorgeht�, sagte ich. �Was hat es mit diesem Topas auf sich?�</p><p>�Dann mu�t du wirklich ein Fremder in Ar-Station und am Flu� sein�, meinte Caledonius. �Urspr�nglich war der Schwur des Topas ein Abkommen der Flu�piraten, das Versprechen, sich gegenseitig zu helfen und im Falle einer Gefahr einander beizustehen. Es war ein B�ndnis zwischen dem �stlichen und dem westlichen Vosk, zwischen Policrates im Osten und Ragnar Voskjard im Westen. Als sich die Hafenst�dte des Flusses gegen die Raubz�ge, die Tributzahlungen und Z�lle der Piraten erhoben, fiel der Topas in die H�nde der siegreichen Rebellen. Aus diesem Kampf entstand die Voskliga.�</p><p>�ber die Voskliga wu�te ich Bescheid. Ihr Hauptquartier befand sich in Victoria, am Nordufer des Vosk, zwischen Fina und Tafa. Ihre Patrouillen hatten daf�r gesorgt, da� es die Piraterie im gro�en Stil kaum noch gab, und zwar von Wei�wasser im Osten bis zu Lara, einer Stadt der Salerianischen Konf�deration am Flu�delta, wo der Vosk und der Olni zusammenstr�mten.</p><p>�Aber ein Topas ist ein Stein�, sagte ich, �eine Art Halbedelstein.�</p><p>�Und ein solcher Stein ist das Symbol des B�ndnisses. Einstmals handelte es sich um einen recht ungew�hnlichen Stein, dessen Muster und Farbe den Eindruck erweckten, es handele sich um die Darstellung einer Flu�galeere. Der Stein wurde jedoch in zwei Teile zerbrochen. Auf den Einzelst�cken kann man das Schiff nicht sehen, da die Verf�rbungen und Einschl�sse bedeutungslos erscheinen. F�gt man die Teile aneinander, ist das Schiff zu erkennen. Das eine St�ck befand sich urspr�nglich im Besitz von Ragnar Voskjard, dem Anf�hrer der Piraten des Westens, das andere geh�rte Policrates, dem Anf�hrer des Ostens. Brauchte einer von ihnen Rat oder Hilfe, schickte er dem anderen sein St�ck. Dann vereinten sie ihre Kr�fte.�</p><p>�Was hat der Topas mit der Voskliga zu tun?�</p><p>�Mit der Liga selbst �berhaupt nichts�, sagte Caledonius. �Er symbolisiert jetzt ein privates Versprechen zwischen Port Cos und Ar-Station.�</p><p>�Aber die Sympathien von Port Cos liegen doch bestimmt bei seinem Mutter-Ubarat�, sagte ich, �und die von Ar-Station bei Ar.�</p><p>An dem Pier legten mehrere Galeeren an. M�nner mit Schilden sprangen von Bord und liefen zu der dem Innenhafen zugewandten Seite. Cosianer, die versuchten, die Anlegestellen zu erklimmen, w�rden dort nun auf Hunderte ausgeruhte und bewaffnete M�nner sto�en.</p><p>�Port Cos und Ar-Station haben auf dem Flu� Rumpf an Rumpf schreckliche, blutige Schlachten gek�mpft. Nach dem Endsieg �ber die Piraten, das war 10.127 C.A., gelangten die Topasst�cke in den Besitz von Calliodorus, dem Ersten Kapit�n von Port Cos, und Aemilianus, der damals die Marine von Ar-Station befehligte. Sie haben den Schwur untereinander erneut bekr�ftigt, sozusagen als Kriegskameraden, da Ar verbot, da� Ar-Station Mitglied der Voskliga wurde.�</p><p>�Warum denn das?� fragte ich.</p><p>�Das wei� ich nicht. Vermutlich hatte Ar die Bef�rchtung, eine solche Allianz k�nnte seinen Anspr�chen im Voskbecken schaden.�</p><p>Ich nickte. Das machte Sinn. Meine Gedanken waren in die gleiche Richtung gegangen. Der Soldat hatte als Jahr der Schlacht 10.127 C.A. angegeben. Es war nur nat�rlich, da� er als B�rger von Ar-Station den Kalender von Ar benutzte. Viele St�dte haben ihre eigene Zeitrechnung, die auf den Listen ihrer Administratoren oder dergleichen beruht; vielleicht liegt das in ihrer Eitelkeit begr�ndet, vielleicht auch in ihren Traditionen. Daraus folgt allerdings, da� die goreanische Zeitrechnung ein heilloses Wirrwarr darstellt. Nach dem Kalender von Port Kar fand die Schlacht im Jahr acht der Herrschaft des Kapit�nrates von Port Kar statt. Fast jedes Jahr schl�gt eine kleine Gruppe aus der Kaste der Schriftgelehrten auf dem Jahrmarkt im En�Kara in der N�he des Sardargebirges eine umfassende Reform der Zeitrechnung vor, aber so vern�nftig dieser Vorschlag auch erscheinen mag, erh�lt er nur selten Unterst�tzung, nicht einmal von den eigenen Kastenmitgliedern. Das mag darin begr�ndet liegen, da� die Koordination eines solchen Unternehmens genau wie die Darstellung und Bewahrung der Gesetze f�r gew�hnlich als Vorrecht dieser Kaste betrachtet werden.</p><p>�Das ist die <emphasis>Tais�,</emphasis> sagte Caledonius und zeigte auf das Flaggschiff der kleinen Flotte. �Die w�rde ich �berall erkennen!� Die Galeere wurde gerade festgemacht. Ihr Kapit�n, der vom Achterdeck Befehle gegeben hatte, stieg nun den Niedergang hinab, vorbei an den beiden Ruderg�ngern. Einen Augenblick sp�ter sprang er wie ein gew�hnlicher Matrose �ber die Reling. Er trug weder einen Hut noch einen Helm. Ein junger Mann folgte ihm. Ich kannte ihn; er hatte damals in der Zitadelle das Audienzgemach verlassen. Sein Name war Marcus, und er geh�rte der Kriegerkaste an. M�nner jubelten, klopften ihm im Vorbeigehen auf die Schulter. Sie versuchten sogar, den wehenden Umhang des Kapit�ns zu ber�hren.</p><p>�Wo ist Aemilianus?� rief der Kapit�n. Sonnenstrahlen fingen sich auf der polierten Oberfl�che eines gelbbraunen Steines in seiner erhobenen Hand, der etwa die Gr��e einer halben Faust besa�. M�nner, die ihn erblickten, fingen an zu weinen.</p><p>�Das sind doch bestimmt mehr Schiffe, als Port Cos zur Verf�gung hat�, murmelte Caledonius.</p><p>�Sei still!� zischte Surilius. Seine Vorsicht verbl�ffte mich.</p><p>Mittlerweile waren ungef�hr f�nfundzwanzig Schiffe in den Hafen eingelaufen, von denen die meisten an den Anlegepl�tzen vert�ut wurden. Die ersten Frauen und Kinder wurden bereits �ber Planken an Bord genommen.</p><p>Der Kapit�n und Marcus bahnten sich einen Weg durch die Menge, bis sie vor Aemilianus standen. Surilius half dem Kommandanten, sich aufzusetzen.</p><p>Ich trat ein paar Schritte zur�ck, damit ich die Szene besser beobachten konnte. Der Kapit�n, bei dem es sich wohl um Calliodorus handelte, der vor langer Zeit, als beide noch niederrangige Offiziere gewesen waren, an Aemilianus� Seite auf dem Flu� gek�mpft hatte, kniete neben ihm nieder. Er dr�ckte ihm den mitgebrachten Stein in die Hand. Aemilianus hielt ihn mit Tr�nen in den Augen fest. Calliodorus griff nun unter die Tunika und holte einen �hnlichen Stein hervor. Dann f�hrte er beide Steine zusammen, wobei er Aemilianus� Hand st�tzte, da dieser den Topas kaum halten konnte. Es war verbl�ffend, wie auf der Oberfl�che beider Steine das Bild einer Galeere erschien.</p><p>Ein Soldat, der neben mir stand, brach in Tr�nen aus.</p><p>Eine blonde, abgemagerte, in Lumpen gekleidete Sklavin wagte es, zwischen den Beinen der freien M�nner vorbeizukriechen, bis sie Aemilianus erreicht hatte. Sie ber�hrte sein Bein. Auch sie weinte. Ich erkannte sie wieder, es war Shirley aus dem Audienzsaal der Zitadelle.</p><p>Calliodorus legte Aemilianus� H�nde um den Stein und umschlo� sie seinerseits mit seinen H�nden. Nun ber�hrten sie beide die geeinter H�lften des Topas. �Ich habe den Schwur erf�llt!�</p><p>�Ich danke dir, Kommandant�, sagte Aemilianus leise.</p><p>�Nicht der Rede wert, Kommandant�, erwiderte Calliodorus.</p><p>Noch immer bestiegen Frauen und Kinder die Galeeren. Vom Kai konnte man R�ckzugsfanfaren h�ren. Die Ruderboote und Fl��e im Innenhafen drehten um und zogen sich zur�ck. Die Flagge von Cos wurde von der Brustwehr eingeholt. Kein einziger Bolzen war abgefeuert worden.</p><p>�Ich habe Tage gebraucht, bis ich Port Cos erreichte�, sagte der junge Marcus. �Man hat mich verfolgt. Einmal wurde ich gefangengenommen. Ich konnte entfliehen. Ich reiste nur noch nachts. Ich verbarg mich in den S�mpfen. Es tut mir leid.�</p><p>Aemilianus griff m�hsam nach seiner Hand. �Du hast Port Cos erreicht.�</p><p>�Es dauerte einige Zeit, bis wir die Schiffe ausger�stet hatten�, sagte Calliodorus. �Es tut mir leid.�</p><p>�Solche Vorbereitungen brauchen ihre Zeit�, sagte Aemilianus.</p><p>�Es gab keine Probleme, gen�gend Mannschaftsmitglieder zu finden�, fuhr Calliodorus fort. �Es gab unz�hlige Freiwillige. Tats�chlich ist hier kein Mann, der nicht ein Freiwilliger war. Wir mu�ten sogar M�nner abweisen. Die meisten der Matrosen haben mit uns gegen Policrates und Voskjard gek�mpft.�</p><p>Aemilianus l�chelte. �Gut.�</p><p>�Wir, die wir so weit im Westen leben, hatten nicht erkannt, da� eure Lage so verzweifelt war.�</p><p>Das war bemerkenswert. Soweit ich herausgefunden hatte, befand sich Ars Heer irgendwo im Westen, s�dlich des Flusses. Ich h�tte jede Wette abgeschlossen, da� keiner seiner Soldaten besser �ber die Lage Bescheid wu�te als die B�rger von Port Cos.</p><p>�Wie viele Schiffe hast du mitgebracht?� wollte Aemilianus wissen; es war die Frage eines Kommandanten.</p><p>Calliodorus l�chelte. �Zehn aus Port Cos�, sagte er. �Aber als wir den Flu� hinaufsegelten, stie�en hier und da ein paar Schiffe zu uns, die ihre Herkunft nicht enth�llen wollten.�</p><p>�Unbekannte Schiffe?� Jetzt l�chelte auch Aemilianus. �Die von hier und da kamen?�</p><p>�Genau�, erwiderte Calliodorus, dessen L�cheln breiter wurde. �Wir haben ihre Heimath�fen nie erfahren.�</p><p>�Wie viele sind es?�</p><p>�F�nfzehn.�</p><p>�Diese Schiffe stehen nicht zuf�llig unter dem Kommando eines gewissen Jason, der aus Victoria stammt?�</p><p>�Man kann von mir nicht erwarten, da� ich �ber solche Dinge Bescheid wei߫, sagte Calliodorus.</p><p>�Die Voskliga sei gepriesen!� sagte ein Soldat.</p><p>�Sie sei gepriesen!� fl�sterte Caledonius.</p><p>�Jedem einzelnen hier mu� klar sein�, sagte Calliodorus l�chelnd und schob seine H�lfte des Topas wieder in den Beutel, �da� die Voskliga, die auf dem Flu� eine neutrale Macht darstellt und lediglich daf�r da ist, auf dem Flu� f�r Recht und Ordnung zu sorgen, auf keinen Fall in diese Operation verwickelt ist.�</p><p>�Die Voskliga sei gepriesen�, murmelte mehr als nur ein B�rger Ar-Stations.</p><p>Ich l�ste mich aus der Menge um Aemilianus und begab mich an den Rand des Piers. Insgesamt z�hlte ich f�nfundzwanzig Schiffe. Zehn davon hatten die blaue Flagge gehi�t, die ich f�r die Flagge von Cos gehalten hatte. An den Flaggentauen der anderen f�nfzehn Schiffe waren keine Farben zu sehen, soweit ich das erkennen konnte. Als ich den Pier entlangging, fiel mir auf, da� bei einigen Schiffen die Stellen an Bug oder Heck, an denen sonst die Namen standen, mit Segeltuch verh�llt waren.</p><p>Auf dem R�ckweg blieb ich vor dem Schiff stehen, das neben der <emphasis>Tais</emphasis> festgemacht war. Es war die zweite Galeere, die in den Hafen eingedrungen war und das cosische Schiff gerammt hatte.</p><p>�Du fragst dich sicher, wo das Schiff herkommt�, sprach mich ein B�rger aus Ar-Station an.</p><p>�Allerdings, ich bin neugierig.�</p><p>�Das ist die <emphasis>Tina</emphasis> aus Victoria�, sagte er. �Ich habe sie oft genug auf Patrouillenfahrt gesehen.�</p><p>�Das ist interessant�, sagte ich. In Victoria befand sich das Hauptquartier der Voskliga.</p><p>�Das wei�t du nat�rlich nicht von mir.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>In der N�he des Bugs stand ein dunkelhaariger Mann. Seine Haltung verstr�mte nat�rliche Autorit�t, aber er trug weder Uniform noch Rangabzeichen. Seine M�nner wu�ten auch so, wer er war, und andere hatte es nicht zu interessieren. Er bemerkte uns. Am Bug, ein St�ck oberhalb unserer Position, hing ein St�ck Segeltuch, das den Namen verbarg.</p><p>�Tal�, sagte er.</p><p>�Tal�, erwiderte ich. �Wenn ich dieses Tuch entfernte, w�rde ich dann den Namen <emphasis>Tina</emphasis> lesen?�</p><p>Der Seemann warf dem Mann neben mir einen scharfen Blick zu. Anscheinend kannte er ihn von irgendwoher. Zumindest hatte der B�rger kein Problem gehabt, das Schiff zu identifizieren. �Vitruvius?� fragte er.</p><p>�Man kann ihm vertrauen�, sagte der B�rger aus Ar-Station. Dieses Vertrauen hatte ich mir wohl auf der Brustwehr, vor dem Tor und auf der Br�cke verdient.</p><p>�Tu, was du willst�, sagte der Seemann.</p><p>Ich hob das Segeltuch ein St�ck an und lie� es wieder zur�ckfallen. Der in archaischen Buchstaben geschriebene Name lautete <emphasis>Tina.</emphasis></p><p>�Also ist dein Schiff tats�chlich die <emphasis>Tina�,</emphasis> sagte ich.</p><p>Er l�chelte. �Es gibt zweifellos viele Schiffe mit diesem Namen.�</p><p>�Und wo ist sein Heimathafen?� fragte ich.</p><p>�Westlich von hier�, sagte er grinsend.</p><p>�Victoria?�</p><p>�Oder in Fina, oder sonstwo.�</p><p>�Diese Flotte, die �berraschenderweise keine Flagge zeigt, geh�rt doch nicht der Voskliga, oder?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Wir sind eine unschuldige Handelsflotte.�</p><p>�Im Hafen wurde ein cosisches Schiff zerst�rt�, sagte ich. �Ein anderes wurde schwer besch�digt.�</p><p>�Ja�, sagte er. �Es hat den Anschein, als h�tte es im Hafen zwei bedauerliche Unf�lle gegeben.�</p><p>�Du nimmst Frauen und Kinder an Bord.�</p><p>�Passagiere.�</p><p>�Manche Leute k�nnten auf die Idee kommen, da� diese Galeeren der Voskliga geh�ren�, sagte ich.</p><p>�Was glaubst du, Vitruvius?� fragte der Seemann und lehnte sich auf die Reling.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, da� diese Schiffe der Voskliga geh�ren�, sagte Vitruvius. �Wie allseits bekannt ist, ist die Liga neutral. Findest du es nicht auch unwahrscheinlich?�</p><p>�Ziemlich unwahrscheinlich.�</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich den Seemann.</p><p>�Und wie hei�t du?�</p><p>�Tarl.�</p><p>�Ein weitverbreiteter Name.�</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Vor allem im Norden.�</p><p>�Ich habe auch einen weitverbreiteten Namen, vor allen Dingen im Westen, am Flu�.�</p><p>�Und wie lautet er nun?�</p><p>�Jason.�</p><p>�Und aus welcher Stadt kommst du?�</p><p>�Aus derselben Stadt, die auch der Heimathafen dieses Schiffes ist.�</p><p>�Westlich von hier?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Victoria?�</p><p>�Oder Fina oder dergleichen.�</p><p>Ich nickte. �Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>Jetzt gingen die ersten M�nner an Bord des Schiffes. Ich drehte mich um und sah zum Flaggschiff. Aemilianus wurde gerade an Bord getragen. �ber unseren K�pfen flogen einige Tarnsm�nner, aber keiner scho�.</p><p>Ich sah zu, wie die Bewohner von Ar-Station auf die Schiffe verladen wurden. In der Menge entdeckte ich auch Lady Claudia, ihr waren nun die H�nde auf den R�cken gefesselt. Vermutlich hatte sie jemand erkannt, vielleicht sogar der verwundete Marsias. Hinter ihr brachte man die Sklavin Publia ebenfalls an Bord des Flaggschiffs.</p><p>Die bereits an Bord befindlichen Frauen und Kinder erhielten bereits Schiffsrationen. F�nf Galeeren hatten schwer mit Passagieren beladen abgelegt und sie zu den Schiffen gebracht, die vor der Hafeneinfahrt ankerten. Die letzte Ladung behielten sie an Bord und gingen dann ebenfalls vor Anker. Auch die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis> hatten Passagiere aufgenommen, waren aber die ganze Zeit an ihren Anlegepl�tzen vert�ut geblieben. �berall dr�ngten sich die Bewohner von Ar-Station. Ich bezweifelte, da� kein Schiff weniger als hundert Passagiere bef�rderte.</p><p>Dabei darf man nicht vergessen, da� es sich hier um Flu�galeeren handelte, die schmaler als die Galeeren waren, die das Thassa ber�hren. Die Flu�galeeren f�hren auch niedrigere M�ste als die Thassagaleeren, sie haben in der Regel auch nur einen Mast und f�hren nicht die verschiedenen Segel mit, die auf den Meergaleeren je nach Windst�rke angeschlagen werden. Sie weisen selten mehr als zwanzig Ruderer pro Seite auf.</p><p>Jetzt lagen noch f�nfzehn Schiffe an der Pier, die �berwiegend aus Port Cos stammten und bis auf die Besatzungen leer waren. Auf dem Heckkastell der <emphasis>Tais</emphasis> erscholl ein Kriegshorn. Es war das Signal zum R�ckzug. Die zahllosen Soldaten und bewaffneten Ruderer, die den Pier zur Landseite hin besch�tzt hatten, zogen sich in Reih und Glied auf die Schiffe zur�ck.</p><p>Auf einigen hatten die Ruderer kaum noch genug Platz, um die Ruder einzulegen. Die Rammsporne befanden sich fast einen halben Meter unter Wasser. Matrosen l�sten die Taue und begaben sich dann an Deck. Einige der Schiffe wurden mit den traditionellen drei Stangen von den Landungsstegen abgesto�en. Darunter auch die <emphasis>Tina.</emphasis></p><p>Ich blickte in den Hafen hinaus.</p><p>Einige der Schiffe holten die Anker ein, einen am Bug und einen am Heck, und drehten, bis die riesigen, aufgemalten Augen nach Norden auf den m�chtigen Flu� hinausblickten. Fast alle goreanischen Schiffe weisen diese Augen auf. Wie, fragen die Seeleute, sollen sie sonst den Weg finden? F�r den goreanischen Seemann und viele andere, die die See kennen, f�rchten und lieben, ist ein Schiff mehr als eine von Ingenieuren entworfene Konstruktion aus Holz und Eisen. Es ist mehr als die Summe des Tauwerks und der Bl�cke, der Bohlen und der Planken, dem Segeltuch und der Farbe. Es hat etwas Undefinierbares, Kostbares, ein Mysterium, das weit �ber das hinausgeht, was man mit den Augen sehen kann, ein nat�rliches, wunderbares Geheimnis, wie das von Liebenden und Freunden. Obwohl ich nur selten Zeuge wurde, wie goreanische Seeleute dies in Worte fa�ten, vor allem in Anwesenheit von Landbewohnern, scheinen doch viele von ihnen zu glauben, da� ihr Schiff lebendig ist. Dieses Leben nimmt seinen Anfang in dem Moment, in dem die Augen aufgemalt werden. Wenn es sehen kann, f�ngt es auch an zu leben. Zugegeben, man k�nnte das als Aberglauben bezeichnen, andererseits k�nnte man es auch Liebe nennen.</p><p>Die Schiffe im Au�enhafen, die bereits nach Norden ausgerichtet waren, holten ebenfalls die Anker ein.</p><p>Ich blickte zum Kai und der Zitadelle hin�ber. Von meiner Position aus konnte ich den Rest der Br�cke sehen. Die Zitadelle brannte.</p><p>Ich drehte mich wieder zum Au�enhafen um.</p><p>Die ersten Schiffe fuhren auf den Flu� zu. Andere folgten ihnen in einer Linie.</p><p>Rauch aus der Stadt trieb zu dem Pier. Die Feuer w�rden noch zwei oder drei Tage lang brennen.</p><p>Ich sah noch einmal zur Br�cke. Es war ein guter Kampf gewesen, der dort ausgefochten worden war. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� es jemanden geben w�rde � sowohl aus Cos wie auch aus Ar-Station � der ihn bedauerte. Ruhm ist sein eigener Sieg.</p><p>Die letzten Schiffe legten ab, Wasser tropfte von den Ruderbl�ttern. Allein die <emphasis>Tais</emphasis> lag noch an ihrem Anlegeplatz.</p><p>�Hauptmann?� rief eine Stimme. Es war der junge Armbrustsch�tze.</p><p>Sein Freund stand neben ihm.</p><p>Sie l�sten die Taue und folgten mir dann an Bord. Dann wurde die Planke �ber die Reling gehoben. Drei Matrosen stie�en die <emphasis>Tais</emphasis> mit langen Stangen ab.</p><p>�Die Ruder aufnehmen!� erscholl der Ruf des Rudermeisters.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Die <emphasis>Tais</emphasis> folgte der Str�mung des Vosk und fuhr nach Westen. Sie f�hrte den Hauptteil der Flottille an. Vor uns befanden sich vier kleinere Galeeren, die kaum noch auszumachen waren. Sie bildeten die Vorhut. Hinter der Flottille, einen Pasang entfernt, bildeten zwei Galeeren die Nachhut, die ohne Flagge und mit abgedecktem Namen fuhren. Eines der Schiffe war die <emphasis>Tina,</emphasis> mit deren Kapit�n ich mich am Vortag kurz unterhalten hatte.</p><p>Der Vormittag war etwa zur H�lfte vorbei. Aemilianus sa� vor dem Niedergang, der zum Ruderdeck und von dort aus weiter zum Heckkastell f�hrte; er lehnte mit dem R�cken an einem Ballen Segeltuch und Seilen. Sein Freund Calliodorus leistete ihm Gesellschaft. An seiner Seite war wie immer sein Adjutant Surilius. Viele der Verwundeten befanden sich an Deck, so auch Marsias. Der junge Marcus war ebenfalls anwesend. Er war der Mann, der sich bis nach Port Cos durchgeschlagen hatte und mit den Schiffen zur�ckgekehrt war und so die Evakuierung von Ar-Station �berhaupt erst m�glich gemacht hatte. Nun geh�rte er trotz seiner Jugend zum inneren Kreis der �berlebenden. Es waren noch viele andere da, auch die beiden Jungs, die auf der Mauer als meine Boten gedient und sich sp�ter auf der Br�cke bew�hrt hatten. Alle, die sich in Aemilianus� N�he aufhielten, hatten unter den �berlebenden von Ar-Station hohes Ansehen erworben.</p><p>Es war erstaunlich, was eine ordentliche Mahlzeit und eine vern�nftige Nachtruhe bewirkt hatten, auch wenn es nur ein ungem�tlicher Schlafplatz auf dem �berf�llten. Galeerendeck gewesen war. F�r die meisten von ihnen war es der erste Schlaf seit Wochen gewesen, der nicht durch einen Alarm oder Postengehen unterbrochen wurde.</p><p>Kurz nachdem wir den Hafen von Ar-Station verlassen hatten, hatte ich mir Marsias� Kapuze vom Gesicht gezogen und den Kopf gesch�ttelt, erleichtert, die frische und klare Luft des Vosk zu sp�ren.</p><p>�Ich hatte mir schon gedacht, da� du es bist�, sagte Aemilianus ersch�pft. �Dein Entkommen und die Flucht jener schrecklichen Verr�terin Lady Claudia wurde nach dem R�ckzug der Truppen aus der Zitadelle allgemein bekannt. Der gute Marsias und seine W�chter teilten es mir mit. Au�erdem gab es keinen zweiten Krieger wie dich in ganz Ar-Station.�</p><p>�Du h�ttest dich doch den Cosianern anschlie�en k�nnen�, f�gte Caledonius hinzu. �Warum hast du das nicht getan?�</p><p>�Die Mauer mu�te verteidigt werden�, erwiderte ich. �Dann f�hrte eines zum anderen.�</p><p>�H�ttest du die Mauer nicht so lange gehalten und danach Cos am Tor und auf der Br�cke bek�mpft, w�re f�r uns der Tag lange vor Calliodorus� Eintreffen zu Ende gewesen!�</p><p>Mehrere M�nner stimmten dem zu.</p><p>�Es war nicht der Rede wert�, lautete meine Antwort.</p><p>An der Backbordseite des Niederganges kniete Shirley, Aemilianus� blonde Sklavin. Sie war nicht mehr so bla� wie zuvor. Als ich sie ansah, fiel mir auf, da� sich auch Aemilianus heute viel besser f�hlte und an Kr�ften gewonnen hatte. Sie war angekettet. Obwohl die Sklavin den Herren von ganzem Herzen liebt und ihr nicht im Traum einfallen w�rde, von ihm zu fliehen � was auf Gor ohnehin eine absurde Vorstellung w�re, zieht man die Brandzeichen, die Sklavenkragen und die Geschlossenheit der Gesellschaft in Betracht � wei� sie doch, da� sie gelegentlich in Ketten gelegt wird. Dies symbolisiert sein Verfangen nach ihr, da� sie es wert ist, in Ketten gelegt und behalten zu werden. Es symbolisiert nat�rlich auch seine Macht �ber sie. Trotz ihrer Liebe geh�rt sie ihm und bleibt eine Sklavin.</p><p>�Wie geht es meinem alten Freund Callimachus, dem Befehlshaber der Streitkr�fte der Voskliga?� fragte Aemilianus den Kapit�n. Soviel ich wei�, wird die Voskliga von einem Hohen Rat beherrscht, der sich aus Repr�sentanten der Mitgliedst�dte zusammensetzt. Wer auch immer dieser Callimachus war, er mu�te von diesem Rat in sein Amt eingesetzt worden sein.</p><p>�Er wird an seinem Schreibtisch sitzen, hart an der Arbeit, und seinen administrativen Pflichten nachkommen�., sagte Calliodorus.</p><p>Aemilianus l�chelte. �Zweifellos wird er daf�r sorgen, da� er in Victoria in der �ffentlichkeit gesehen wird.�</p><p>�Das w�rdest du an seiner Stelle auch tun�, sagte Calliodorus.</p><p>�Er wird �berrascht sein, wenn er von der gestrigen Aktion vor Ar-Station h�rt.�</p><p>�Zweifellos�, erwiderte Calliodorus. �Aber wir k�nnen uns darauf verlassen, da� er eine sorgf�ltige Untersuchung einleiten wird.�</p><p>Aemilianus lachte.</p><p>Die Ergebnisse dieser Untersuchung w�rden mit Sicherheit wenig ergiebig sein. Aemilianus sah mich an. �Ich trage dir nichts nach�, sagte er dann. �Ich glaube nicht mehr, da� du ein Spion der Cosianer warst. Es stimmt, ich war mir nicht sicher, wer du warst oder was deine Beweggr�nde waren. Aber es gibt viele Dinge, die ich noch immer nicht verstehe, zum Beispiel das fehlende milit�rische Engagement in den vergangenen Monaten.�</p><p>�Es w�rde vieles klar, wenn du bereit w�rst, die M�glichkeit in Betracht zu ziehen, da� es in Ar Verrat gab, und zwar Verrat an h�chster Stelle, ein Verrat von ungeheurem Ausma�.�</p><p>�Noch vor wenigen Tagen w�re dieser Gedanke v�llig undenkbar gewesen�, sagte er.</p><p>�Ist er das noch immer?� fragte ich.</p><p>�Nein�, sagte Aemilianus. �Offensichtlich wurde Ar-Station aufgegeben, womit man Cos das Voskbecken und den Flu� �berlie�.�</p><p>�Wie allgemein klar sein d�rfte, liegen meine Sympathien bei Cos�, meinte Calliodorus. �Ich habe bestimmt nichts f�r Ar �brig. Aber falls Cos glaubt, es k�nnte jetzt �ber den Flu� herrschen, dann hat es die Rechnung ohne Port Cos und vor allem ohne die Flu�st�dte gemacht. Wir Flu�bewohner werden weder die Botschafter des Lurius aus Jad noch die des Marlenus aus Ar willkommen hei�en. Au�erdem haben wir mit der Voskliga, der Port Cos angeh�rt, die Voraussetzungen f�r eine Allianz, die handeln kann, vielleicht sogar f�r eine unabh�ngige Regierung.�</p><p>�Ar hat etwas gegen die Voskliga�, sagte Aemilianus. �Es bef�rchtet, sie k�nnte zu einer weiteren Salerianischen Konf�deration werden.�</p><p>�Es hat Ar-Station verboten, sich der Liga anzuschlie�en�, meinte Calliodorus.</p><p>�Viele B�rger Ars, darunter angeblich auch Marlenus, waren der Meinung, der Eintritt in die Liga k�nnte den Eindruck erwecken, da� Ar am Flu� nur eine Macht unter vielen sei und nicht der Beherrscher der Wasserwege, wie es ihm zusteht. Cos hat da vielleicht etwas wohl�berlegter gehandelt, vielleicht ist es von der Annahme, ausgegangen, da� Port Cos irgendwann die Geschicke der Liga bestimmt und es �ber diesen Umweg die Kontrolle �ber die Liga gewinnt.�</p><p>�Falls das die Absicht von Cos war�, sagte Calliodorus, �und ich bezweifle das keinen Augenblick lang, dann hat es die Interessen und den Stolz von Port Cos falsch eingesch�tzt. Obwohl wir in kultureller, historischer und politischer Hinsicht eng mit Cos verbunden sind, sind wir im Gegensatz zu Ar-Station ein unabh�ngiger Stadtstaat. Wir sind auf jede institutionelle und vertragliche Weise unabh�ngig.�</p><p>Aemilianus schwieg.</p><p>�Aber mal was anderes�, sagte der Kapit�n. �Ich m�chte dich um einen Gefallen bitten.�</p><p>�Sicher. Worum geht es?�</p><p>�Wenn wir in Port Cos einlaufen, m�chte ich es auf eine Art tun, die schon von weitem klarmacht, da� es einen Grund zum Feiern gibt, da� unsere Reise ein Erfolg war.�</p><p>�Tu, was du willst.�</p><p>�Dann werde ich mit deiner Erlaubnis das Schiff mit Flaggen und Wimpeln und Fahnen schm�cken, und die Flagge von Ar-Station am Bug auf der Backbordseite hissen und die Flagge von Port Cos auf der Steuerbordseite.�</p><p>�Wieso f�hrt ein Schiff aus Port Cos die Flagge von Ar-Station an Bord?� wollte Aemilianus wissen.</p><p>�Man kann nie wissen, wann man solche Dinge einmal braucht�, l�chelte Calliodorus. �Und habt ihr ehrenwerten Herren aus Ar-Station keine Flaggen von Port Cos und anderen St�dten an Bord eurer Schiffe, vielleicht in den Truhen in euren Heckkastellen?� Das war ein einleuchtender Ort, um solche Dinge zu verstauen. Dort waren sie aus dem Weg und doch schnell zur Hand.</p><p>�Schon m�glich�, meinte Aemilianus und l�chelte.</p><p>�Mein lieber Freund�, sagte Calliodorus und erwiderte das L�cheln.</p><p>�Mein lieber Freund�, sagte Aemilianus.</p><p>Calliodorus beugte sich vor und nahm Aemilianus� hochgehaltene Hand. Die beiden waren wirklich alte Kameraden.</p><p>Calliodorus richtete sich wieder auf.</p><p>Es befand sich eine Flagge von Ar-Station an Bord, die aus der Stadt selbst stammte, eine verblichene, zerrissene und gro�e Flagge, aber um die ging es hier nicht. Sie hatte auf der Brustwehr geweht, w�hrend der ganzen Belagerung, stolz und unbeugsam. Der Freund des Armbrustsch�tzen, dem ich sie anvertraut hatte, hatte sie an Bord der <emphasis>Tais</emphasis> gebracht. Er hatte sie Aemilianus �bergeben, der sie wiederum an Surilius weitergab. Es war keine Frage, da� diese Flagge den B�rgern von Ar-Station viel bedeutete. Sie w�rden genau darauf achten, welche Flagge man auf dem Schiff anbrachte.</p><p>�Ich mu� mich wieder um meine Pflichten k�mmern�, sagte Calliodorus. �Ruh dich aus, mein Freund.�</p><p>Die meisten der umstehenden M�nner waren weitergegangen. Calliodorus verharrte in der Bewegung, als wollte er Aemilianus noch etwas sagen, aber dann schien er es sich anders zu �berlegen. Er erklomm die Stufen zum Ruderdeck. Ich sah ihm nach.</p><p>�Er wollte uns warnen�, bemerkte Aemilianus und l�chelte.</p><p>�Warnen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte Aemilianus. �Er ist ein guter Mann.�</p><p>Ich begriff, da� es nicht angebracht war, hier nachzuhaken, zumindest nicht jetzt. Aber im Augenblick hatte wohl keine freie Person etwas zu bef�rchten. Ich nickte dem Kommandanten von Ar-Station zu und schlenderte an den Frauen und Kindern vorbei zum Bug. Dort blieb ich stehen und sah auf den Flu� herunter. Die Vorhut war etwa einen Viertelpasang voraus. Ich fragte mich, was Calliodorus mit der Warnung gemeint hatte.</p></section><section><title><p>22</p></title><p>�Dort�, sagte Calliodorus, der auf dem Bugdeck stand, �ist der <emphasis>Pharos</emphasis> von Port Cos!�</p><p>Aemilianus, der wieder auf den Beinen war, aber noch von Surilius gest�tzt wurde, stand neben ihm. Weitere M�nner hielten sich dort auf, darunter auch der junge Marcus, der Armbrustsch�tze und sein Freund, die beide noch so jung und doch schlachterprobte K�mpfer waren. Wir betrachteten den gro�en zylinderf�rmigen Bau, der an der s�dwestlichsten Stelle des Hafens auf einer Mole stand. Das sich nach oben verj�ngende Geb�ude war etwa f�nfundvierzig Meter hoch, der Durchmesser der stumpfen Spitze betrug etwa sechs Meter. Es war gelb und rot gestrichen, in den Farben der Hausbauer und der Krieger. Die Hausbauer waren die Kaste, die es errichtet hatten, die Krieger waren die Kaste, die die Besatzung stellten. Das Geb�ude war sowohl Festung als auch Hafenzeichen. In der Nacht diente es mit Hilfe von Fackeln und Spiegeln als Leuchtfeuer. An diesem Morgen hatte die Vorhut einen Kuriersegler durchgelassen, der Calliodorus irgendwelche Botschaften �bergeben hatte. Offenbar hatte er Aemilianus eingeweiht. Was nun der Inhalt der versiegelten Lederzylinder gewesen war, die der Kapit�n mit Zeichen und Gegenzeichen entgegengenommen hatte, hatte ich nicht in Erfahrung bringen k�nnen. Der Kuriersegler war zur�ck nach Port Cos geeilt.</p><p>�Ich h�tte niemals gedacht, Port Cos auf diese Weise zu betreten�, sagte Aemilianus.</p><p>�Und ich h�tte nie geglaubt, mich in einer solchen Mission nach Ar-Station zu begeben�, sagte Calliodorus.</p><p>Ich musterte Marcus� Gesicht. Es schien entschlossen und voller unterdr�ckter Wut zu sein. Auf seine Weise war er ein Held, doch trotz allem, was er getan hatte, kamen er und die anderen B�rger Ar-Stations mit kaum mehr als den Kleidern auf dem Leib als Fl�chtlinge nach Port Cos, der Stadt, die einst ihr gr��ter Rivale am Flu� gewesen war. Von Ar-Station war nur noch wenig �brig. Ein paar M�nner, ein paar Frauen und Kinder, eine Flagge. Sicher, der Heimstein war angeblich in Sicherheit gebracht worden. Zumindest hoffte ich das. F�r die Goreaner w�rde dies au�erordentlich wichtig sein. Sie hatten ihn nach S�den geschickt, nach Ar. H�tte sich seine Abreise aus der Stadt ein paar Tage verz�gert, w�re er bestimmt nicht in diese Richtung geschickt worden. Ich konnte mir nicht vorstellen, da� Ar-Stations B�rger Ar jetzt noch viel Liebe entgegenbrachten.</p><p>�Die Ruder aufnehmen!� rief der Rudermeister von seinem Platz vor den Ruderg�ngern achtern.</p><p>Die gro�en Ruder wurden polternd durch die Dollbords geschoben. Die Ruderer von Port Cos trugen heute ihre besten Uniformen; die Tuniken waren makellos, das Leder poliert, die randlosen Kappen sa�en schr�g auf den K�pfen. Sie waren bester Stimmung. Bald waren sie wieder zu Hause. Bei den M�dchen von Port Cos w�rden sie bestimmt viel Gl�ck haben. Zweifellos w�rde sich im Hafen eine Menschenmenge versammeln, um sie willkommen zu hei�en.</p><p>Darunter w�rden sich bestimmt auch viele M�dchen in kurzen Gew�ndern und mit Kragen befinden, die begeistert winkten, und zwar nicht nur M�dchen, die f�r diese Gelegenheit Ausgang aus den Tavernen und Bordellen erhalten hatten, sondern Sklavinnen aus der ganzen Stadt. Sie w�rden nicht nur die heimkehrenden Helden freudig begr��en, sondern auch ihre Herren.</p><p>In einer Stadt erfreut sich die Sklavin f�r gew�hnlich recht gro�er Bewegungsfreiheit. Sie kann tun, was sie will. In dieser Hinsicht ist ihre Bewegungsfreiheit sogar viel gr��er als die der freien Frauen. Nat�rlich darf sie die Stadt nicht verlassen, es sei denn, in Begleitung einer freien Person.</p><p>�Das ist der <emphasis>Pharos�,</emphasis> sagte eine Mutter zu ihrem Kind und hielt es hoch, damit es besser sehen konnte.</p><p>Von einigen der M�nner abgesehen waren die Fl�chtlinge sicher froh, den <emphasis>Pharos</emphasis> zu sehen, denn das bedeutete, da� der Hafen von Port Cos nahe war. Dieser Hafen bedeutete Zuflucht und Sicherheit. Der Alptraum der Belagerung war f�r sie vorbei.</p><p>Die kleinen Galeeren, die als Vorhut gedient hatten, verlangsamten ihre Fahrt. In kurzer Zeit w�rden sie sich auf gleicher H�he befinden, dann achtern. Unser Schiff, die <emphasis>Tais</emphasis> des Calliodorus, w�rde als erste Galeere im Hafen einlaufen.</p><p>Zuf�llig sah ich zu dem jungen Armbrustsch�tzen und seinem Freund. Unsere Blicke trafen sich kurz, und wir l�chelten. Sein Name war Fabius. Sein Freund hie� Quintus. Sie konnten es kaum erwarten, Port Cos zu sehen. Wie erstaunlich, wie wunderbar doch die Kraft der Jugend ist. Wenn man sie so ansah und ihre Erwartungen und Ungeduld bemerkte, h�tte man nicht geglaubt, da� sie Strapazen erduldet hatten, die manchen tapferen Burschen h�tten verzweifeln lassen, da� sie auf der Zitadellenmauer gestanden und auf dem Kai gek�mpft hatten. Ich hatte jedem von ihnen eine Handvoll M�nzen gegeben, damit sie sich in Port Cos ein M�dchen kaufen konnten; das Geld stammte von dem Pl�nderer, der sich mir in dem Korridor der Zitadelle in den Weg gestellt hatte.</p><p>Die Schiffe der Vorhut hatten wir hinter uns gelassen.</p><p>�Ausholen!� rief der Rudermeister.</p><p>Die Ruder tauchten im Gleichklang ins Wasser, wurden durchgezogen, verlie�en tropfend den Flu�.</p><p>Ich betrachtete erneut den hohen, zylinderf�rmigen <emphasis>Pharos.</emphasis> Nachts, wenn das Leuchtfeuer brannte und sein Licht in den Spiegeln vermehrt wurde, war er viele Pasang weit auf dem Flu� zu sehen.</p><p>Wir waren noch h�chstens drei oder vier Pasang von der Hafeneinfahrt entfernt.</p><p>�Ausholen!� rief der Rudermeister.</p><p>Calliodorus stand in meiner N�he. Genau wie Aemilianus, der von Surilius gest�tzt wurde. Es hatte eines langen, ernsten Gespr�chs bedurft, um zu verhindern, da� das Urteil an Lady Claudia doch noch vollstreckt wurde. Ehre war zur Sprache gekommen, das Wort Verschwendung war mehrmals gefallen. Der Kommandant hatte sich umstimmen lassen; ihre Sch�nheit war zu au�ergew�hnlich. Sie und Publia waren nun Sklavinnen, die in Port Cos verkauft werden w�rden.</p><p>Das Schiff war mit Flaggen und Wimpeln �bers�t. An der Backbordseite flatterte auff�llig die Flagge von Ar-Station. Auf der Steuerbordseite thronte die Flagge von Port Cos. Aemilianus h�tte sich keine gr��ere Ehre w�nschen d�rfen. Er betrat Port Cos nicht als mitleiderregender Fl�chtling, sondern als willkommener und geachteter Verb�ndeter.</p><p>Ich lie� die Erlebnisse der letzten Zeit noch einmal in Gedanken vorbeiziehen. Die Herberge <emphasis>Zum Krummen Tarn,</emphasis> das Lager der Cosianer, die �berwindung der Mauer, meine Gefangenschaft, die Flucht, die Schlacht um die Zitadelle, die Flucht von dem Pier. Wie grausam und voller Verzweiflung die Welt doch geworden war. Ich f�hlte mich klein, wie Treibgut, das unter einem weiten Himmel in einem gro�en Meer schwimmt und ein Spielball der Gezeiten und des Windes ist, ohne dabei zu begreifen, was eigentlich um sich herum geschieht. Aber es gab Kompasse und Wahrzeichen, die f�r mich so deutlich wie die Sterne waren, mit deren Hilfe ich auf dem Thassa navigierte, die so fest und unverr�ckbar wie die Ziegelmauern des <emphasis>Pharos</emphasis> von Port Cos waren. Es gab den Verhaltenskodex und die Ehre. Und es gab den Stahl.</p><p>Leise Musik erscholl, als ein Trommler sein Instrument erprobte. Fl�ten wurden geblasen.</p><p>Auf Gor herrschte Verrat und zwar Verrat eines schrecklichen und un�bersehbaren Ausma�es. Ich war davon �berzeugt da� ich aus Geheimpapieren, die mir vor langer Zeit in Brundisium in die H�nde gefallen waren, zumindest eine Person kannte, die in diesen Verrat verwickelt war, die m�glicherweise zum engsten Kreis der Verr�ter geh�rte, wenn sie nicht sogar die Urheberin des verschlagenen und heimt�ckischen Plans war. Und ich hatte sie, als ich sie in Port Kar in meiner Gewalt hatte, wie ein Narr freigelassen � selbst als sie mich verspottete und verh�hnte, da sie mich f�r einen Kr�ppel hielt � und daf�r gesorgt, da� sie sicher und unbeschadet nach Ar zur�ckkam! Ich erinnerte mich noch gut an sie. Wie unversch�mt sie doch gewesen war! Wie hochm�tig! Ich fragte mich, wie ihr Schicksal aussehen sollte.</p><p>Wir n�herten uns dem Hafen.</p><p>Marcus� Gesicht war wie versteinert.</p><p>�Mein Platz ist jetzt auf dem Heckkastell�, sagte Calliodorus. Er zog sich mit einer Verbeugung zur�ck. Man brachte f�r Aemilianus einen kurulischen Stuhl. Er setzte sich, und einige seiner Offiziere versammelten sich um ihn.</p><p>Ein paar girlandengeschm�ckte kleine Schiffe kamen heran, um die Flottille zu begr��en. Sie schw�rmten aus. In ihnen klammerten sich M�nner und Sklavenm�dchen an den Masten fest oder knieten an Deck und winkten begeistert. Sie w�rden uns in den Hafen eskortieren.</p><p>�M�nner�, sagte Aemilianus von seinem kurulischen Stuhl aus. �Da wir uns Port Cos n�hern, ist es n�tig, da� ich ein paar klare Worte spreche. Euch wird nicht alles gefallen, was ihr h�ren werdet. Doch vieles habt ihr euch bestimmt schon gedacht.�</p><p>�Sprich, Kommandant�, sagte Caledonius.</p><p>Aemilianus r�usperte sich. �Was ich euch jetzt sage, ist in Port Cos bereits allgemein bekannt.�</p><p>�Hat das etwas mit dem Kurierschiff heute morgen zu tun?� fragte Marsias.</p><p>�Ja, Es war der Wunsch der Kuriere von Port Cos, da� wir die Neuigkeiten vor unserem Landgang erfuhren. Aber es war wenig dabei, das mich �berrascht h�tte oder das unser Freund Calliodorus mir nicht schon zuvor in einem vertraulichen Gespr�ch gesagt h�tte.�</p><p>Ich erinnerte mich, da� Calliodorus schon am ersten Morgen nach der Flucht aus Ar-Station mit sich gerungen hatte, Aemilianus auf gewisse schwerwiegende Dinge anzusprechen und ihn zu warnen. Er hatte damals gez�gert, vermutlich, weil er es f�r kl�ger hielt, damit zu warten, bis sein Freund wieder zu Kr�ften gekommen war.</p><p>�Heil Port Cos!� rief ein Seemann in einem kleinen Boot, das an Steuerbord an uns vorbeifuhr. Hinter ihm stand eine halbnackte Sklavin mit sch�nen langen Beinen. �Heil Port Cos!� rief sie fr�hlich und winkte. �Heil Port Cos!� Sie war h�bsch anzusehen. Der Kragen stand ihr gut.</p><p>Einer der Matrosen an Deck winkte zur�ck. �Heil Port Cos!� rief er.</p><p>�Wir sind nach Port Cos gefahren�, sagte Aemilianus. �Das wird allem �u�eren Anschein nach die Geschichte best�tigen, die in Ar erz�hlt wird und die, so wie ich es verstanden habe, die offizielle Version der Geschehnisse vor Ar-Station ist.�</p><p>�Sprich, Kommandant!� dr�ngte Marcus, der junge Krieger.</p><p>�Ihr werdet es sicher interessant finden, wenn ihr h�rt, da� sich Ar-Station schon vor mehr als zwei Monaten Cos ergeben hat�, sagte er trocken. �Und zwar bevor das Entsatzheer eintreffen konnte. Fehlendes Belagerungsger�t war der Grund, warum es nicht sofort nach Ar-Station weitermarschierte, sondern sich ins Winterquartier begab.�</p><p>�Ar-Station hat sich nicht ergeben!� sagte Caledonius.</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte ein Offizier. �Die Stadt ist doch erst vor sieben Tagen gefallen.�</p><p>�Es m�ssen doch Tausende sein, die die Falschheit dieser Behauptungen kennen!� rief ein anderer.</p><p>�Nicht offiziell, nicht in Ar�, sagte Aemilianus. �Die meisten B�rger wissen, von Ger�chten abgesehen, nur das, was sie wissen d�rfen. Ich vermute, es w�re sogar sehr unklug, gewisse Wahrheiten in Ar laut zu sagen.�</p><p>�Ich verstehe es einfach nicht�, sagte der Offizier.</p><p>�Angeblich stehen die Dinge folgenderma�en�, sagte Aemilianus. �Vor zwei Monaten haben ich, meine hohen Offiziere, die Kastenoberen und die Ratsherren von Ar-Station die Stadt einer Delegation der Cosianer �bergeben, und zwar verr�terischerweise und v�llig kampflos. Als Gegenleistung f�r diesen Treubruch erhielten wir viel Gold und sicheres Geleit nach Port Cos, hinter deren Mauern man uns Unterkunft und Schutz gew�hrt.�</p><p>�Unsere Ankunft hier wird es so aussehen lassen, als sei dies die Wahrheit!� rief Caledonius.</p><p>�Das bef�rchte ich auch�, meinte der Offizier.</p><p>�W�rdest du lieber in die Asche von Ar-Station zur�ckkehren?� fragte Aemilianus erbittert.</p><p>�Sicherlich werden die B�rger von Port Cos solche L�gen nicht glauben�, meinte Caledonius.</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte Aemilianus. �Hier kennt man die Wahrheit. Doch das gilt nicht f�r Ar und den ganzen S�den.�</p><p>�Woher hast du das erfahren?� wollte Marsias wissen.</p><p>�Um genau zu sein, aus den Botschaften�, sagte Aemilianus. �Wie es scheint, hat Cos viele Spione. Au�erdem scheint es �ber schnelle, verborgene Nachrichtenwege zu verf�gen. Ich bezweifle nicht, da� seine Taten auf dem Kontinent von langer Hand vorbereitet waren. Nat�rlich haben die Cosianer einen engen Kontakt zu Port Cos, dessen Unterst�tzung am Flu� ihnen sehr wichtig ist. Ich w�rde zwar nicht behaupten, da� zwischen ihnen v�llige Offenheit besteht, aber es scheint kein Problem, solche Dinge in Erfahrung zu bringen.�</p><p>�Kapit�n Calliodorus nimmt diese Berichte ernst?� fragte Surilius.</p><p>�Ja. Da Ar-Station von Ar im Stich gelassen wurde, hatte er, wie ich auch, damit gerechnet, da� man die Geschehnisse so deuten w�rde.�</p><p>�Anscheinend sind die Spione aus Cos sehr t�chtig�, meinte Marsias.</p><p>�Wie Calliodorus mir berichtete, wird behauptet, da� ein morgendliches Fl�stern in Ar am Abend in Telnus geh�rt wird.�</p><p>Wir hatten den Hafen fast erreicht. Uns umgab eine ganze Wolkenbank wei�er Segel, von so vielen Schiffen wurden wir umringt.</p><p>�Da ist noch mehr�, fuhr Aemilianus bitter fort. �Die B�rger von Ar-Station und diejenigen, die sie zum Verrat angestiftet haben, sind �ffentlich in Ungnade gefallen, was wenig �berraschend ist, bedenkt man die verf�lschte und verzerrte Darstellung unserer Handlungen.�</p><p>W�tende Aufschreie ert�nten. H�nde schlossen sich um Schwertgriffe.</p><p>�War das der Inhalt der Botschaften, Kommandant?� fragte ein Offizier.</p><p>�Das m��te dir reichen. Den Rest willst du sicher nicht wissen�, sagte Aemilianus grimmig.</p><p>�Kommandant!� protestierte der Mann.</p><p>�Der Heimstein ist in Ar eingetroffen.�</p><p>�Das ist gut�, jubelte Caledonius.</p><p>�Es w�re besser, es w�re nie geschehen�, sagte Aemilianus.</p><p>�Aber Kommandant!�</p><p>�Er wird auf der Stra�e des Zentralzylinders in dessen N�he unter Bewachung gehalten�, sagte er. �Dort ist er aufgebaut, damit die B�rger von Ar und alle, die es sonst wollen, daran vorbeigehen und darauf spucken k�nnen.�</p><p>�Vergeltung!� schrie Marcus.</p><p>�Und wir alle wurden zu Renegaten erkl�rt!�</p><p>�Vergeltung!� schluchzte Marcus, der junge Krieger. Er hatte das Schwert gezogen.</p><p>�Vergeltung!� rief Marsias.</p><p>�Vergeltung!� riefen andere. Wutschreie erschollen, Schwerter wurden gezogen.</p><p>�Meine lieben Freunde, steckt die Schwerter weg�, sagte Aemilianus. �La�t uns jetzt an diesem Feiertag, der zum Tag des Topas erkl�rt werden soll, alle Gedanken an Wut und Blut beiseite legen. Beeilt euch lieber, eure Gew�nder vom Staub zu befreien, und zaubert ein L�cheln auf eure Gesichter. Ich bitte euch, zeigt heute nur freudige Mienen. La�t uns diesen Tag Port Cos zur Ehre gereichen, unseren Br�dern am Flu�, la�t uns mit ihnen unsere Rettung feiern. Sie haben unsere Dankbarkeit verdient. Ihr werdet sicher begreifen, da� die Treue, mit der Port Cos den Schwur des Topas erf�llt hat, die Stadt in der Zukunft noch teuer zu stehen kommen wird.�</p><p>�Die B�rger von Port Cos haben sich als bessere Freunde erwiesen als die Menschen Ars�, sagte Marsias.</p><p>�Vielleicht ist der Flu� unsere Heimat�, murmelte Caledonius.</p><p>�Vielleicht�, schlossen sich M�nner seiner Meinung an.</p><p>Von den Landungsstegen von Port Cos kam Musik. Als der Bug herumschwenkte, um in die Einfahrt zu fahren, sahen wir, da� sich Menschenmengen in Festtagsgew�ndern dr�ngelten. Es schien, als seinen dort alle Kastenfarben Gors vertreten.</p><p>�Meine verehrten Freunde�, sagte Aemilianus. �Bereitet euch darauf vor, von unseren Freunden aus Port Cos empfangen zu werden.�</p><p>Schwerter wurden in die Scheiden geschoben.</p><p>Die meisten der M�nner zogen sich vom Vorderdeck zur�ck. Surilius, der junge Krieger Marcus und ein paar andere blieben. Ich ebenfalls.</p><p>Ich wandte mich an Aemilianus. �Bestimmt wird Ar wegen des Verlustes von Ar-Station, seinem Stolz am Vosk, nach Vergeltung verlangen.�</p><p>�So scheint im n�rdlichen Heerlager die Stimmung zu sein�, erwiderte er.</p><p>�Das wei�t du auch aus den Botschaften?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das Heer von Ar sollte noch vor dem Fr�hling so schnell wie m�glich nach S�den marschieren, um dort das cosische Expeditionsheer anzugreifen. Ohne Dietrich von Tarnburgs Sieg in Torcodino st�nde es schon lange vor Ars Toren.�</p><p>�Aber das wird es nicht tun, oder?� fragte Aemilianus.</p><p>�Das mu� es tun�, sagte ich.</p><p>�Allem Anschein nach wollen sie das cosische Belagerungsheer im Norden vernichten�, sagte Aemilianus.</p><p>�Das d�rfte ihnen nicht schwerfallen�, sagte Marcus bitter. �Obwohl uns die Cosianer zehn zu eins �berlegen waren, h�tten sie gegen ein Heer, das, so wie ich es verstanden habe, Ars gesamte Streitmacht darstellt, keine Chance.�</p><p>�Trotzdem h�tten sie es bestimmt nicht so leicht, wie sie glauben�, meinte Aemilianus. �Sie gehen davon aus, da� das Heer vor Ar-Station im Winterlager liegt. Sie wissen nicht, da� es kampferprobt und seit Monaten im Feld ist.�</p><p>�Aber wenn du der cosische Befehlshaber im Norden w�rst�, sagte ich, �dann w�rdest du es doch nach M�glichkeit vermeiden, das Heer von Ar anzugreifen.�</p><p>�Das ist wahr�, sagte Aemilianus.</p><p>�Er wird aber keine Wahl haben�, sagte Marcus. �Ars Heer steht zwischen Ar-Station und Brundisium. Au�erdem verhindert es den R�ckzug nach Torcodino.�</p><p>Aemilianus nickte nachdenklich. �So sieht es zumindest aus.�</p><p>�Es d�rfte den Cosianern kaum gelingen, den Flu� nach Norden zu �berqueren�, fuhr Marcus fort. �Und selbst wenn es ihnen gelingt, k�nnte man ihnen folgen. Davon abgesehen ist es unwahrscheinlich, da� sich die Cosianer auf das Gebiet der Salerianischen Konf�deration zur�ckziehen, denn diese will keinen Krieg mit Ar riskieren. Und sollten sie versuchen, mit Gewalt dort einzudringen, st�nden sie zwischen den Salerianern und Ar. Das Schicksal der Cosianer im Norden steht jetzt schon fest.�</p><p>�Mein eifriger junger Freund�, sagte Aemilianus. �Im Krieg steht nur selten etwas von vornherein fest.�</p><p>�Mit allem n�tigen Respekt, Kommandant, Ars Standort im Norden ist bestens geeignet, um das Belagerungsheer zu vernichten.�</p><p>�Aber sie m��ten zuerst angreifen.�</p><p>�Es ist ein Heer�, sagte Marcus, �keine zehn Mann, die in der Nacht marschieren.�</p><p>�Cos beherrscht den Himmel.�</p><p>�Und wenn schon�, protestierte Marcus.</p><p>�Es w�rde mich nicht �berraschen, wenn das Heer an den Soldaten von Ar vorbeischl�pft�, sagte Aemilianus leise.</p><p>�Zwischen dem Winterlager und dem S�dufer des Vosk�, meinte ich.</p><p>�Genau�, sagte Aemilianus grimmig.</p><p>�Das ist l�cherlich�, sagte Marcus. �Sie s��en am Flu� fest. Es w�re ein Massaker.�</p><p>�Aber nur, wenn man sie stellt�, wandte Aemilianus ein.</p><p>Marcus sch�ttelte den Kopf. �Kein verantwortungsvoller Befehlshaber w�rde eine solche Route w�hlen.�</p><p>�Es sei denn, er w��te etwas, das du nicht wei�t.�</p><p>�Die Vorstellung ist absurd.�</p><p>�So absurd wie die Vorstellung, da� Ar im Winterlager Latrinen gr�bt, w�hrend die Mauern von Ar-Station fallen?�</p><p>�Aber Ar k�nnte �ber die Bewegungen des Heeres unterrichtet werden, um sich rechtzeitig zwischen die feindlichen Truppen und ihre Basis in Brundisium zu setzen�, sagte Marcus nachdenklich. �Warum also sollten die Cosianer nach Westen marschieren?�</p><p>�Was liegt im Westen des Vosk?� fragte Aemilianus.</p><p>�Ven, am S�dufer�, sagte Marcus. Turmus, die letzte gro�e Stadt im Westen des Vosk, befand sich am Nordufer.</p><p>�Und was liegt jenseits von Ven?�</p><p>�Das Delta.�</p><p>�Genau�, sagte Aemilianus.</p><p>�Ich glaube nicht, da� ich das alles verstehe�, sagte Marcus langsam.</p><p>�Ich denke, es geht mir genauso�, sagte Aemilianus. �Aber ich habe schreckliche Angst.�</p><p>�Im Herbst habe ich in Torcodino mit Dietrich von Tarnburg gesprochen�, sagte ich. �Er hatte �hnliche Bef�rchtungen.�</p><p>�Ich begreife das alles nicht�, sagte Marcus.</p><p>�Du bist noch unerfahren in Kriegsdingen�, sagte Aemilianus. �Der Krieg ist mehr als wehende Helmb�sche und Sonne, die sich auf versilberten Schilden spiegelt.�</p><p>�Wenn Ar in Gefahr ist, mu� es gewarnt werden!�</p><p>�Von Renegaten?�</p><p>Marcus starrte ihn nichtbegreifend an.</p><p>�Ich, du, wir alle sind zu Renegaten erkl�rt worden�, sagte der Kommandant.</p><p>�Sollte Ar nicht gewarnt werden?�</p><p>�Und was schulden wir Ar jetzt noch, das uns im Stich gelassen hat, die wir in Ungnade gefallen sind, dessen Heimstein man anspuckt, die man zu Renegaten erkl�rt hat?�</p><p>�Wir schulden Ar nichts�, sagte Marcus bitter. �Aber ich w�rde es trotzdem gern warnen.�</p><p>�Das w�rde ich auch�, sagte Aemilianus und l�chelte. �Das w�rde ich auch. Aber wovor genau sollte man Ar warnen?�</p><p>�Und an wen w�rdest du dich wenden?� fragte ich.</p><p>�Wir wissen nicht genau, was geschehen wird�, sagte Aemilianus. �Im Augenblick haben wir kaum mehr als einen Verdacht.�</p><p>�Ar wird die Cosianer im Norden vernichten, und dann die im S�den�, sagte Marcus.</p><p>Der Kommandant nickte. �Davon ist auszugehen.�</p><p>�Dann bleibt uns nichts, was wir tun k�nnten�, sagte der junge Krieger bed�chtig.</p><p>�Im Augenblick nicht.�</p><p>Mittlerweile befanden wir uns innerhalb des Hafens von Port Cos. Die mit Menschen vollgestopften Piere waren noch dreihundert Meter entfernt. Musik erscholl. Wimpel wurden geschwenkt. Der <emphasis>Pharos</emphasis> auf seiner Mole lag nun hinter uns, auf der Backbordseite, etwa einen Pasang entfernt. Die Flottille mit ihrer Beflaggung bot einen gro�artigen Anblick.</p><p>�Belaste dich jetzt nicht mit solchen Problemen�, sagte Aemilianus zu dem jungen Krieger. �Freu dich. Wir sind sicher in Port Cos eingetroffen.�</p><p>An Bord der <emphasis>Tais</emphasis> ert�nten Trommeln und Fl�ten. Die Galeere legte unter dem Jubel der B�rger an. Aemilianus begab sich gest�tzt von dem treuen Surilius auf das Hauptdeck, wobei er gelegentlich stehenblieb und der Menge zuwinkte. Calliodorus hatte das Heckkastell verlassen und wartete auf seinen Freund. Aemilianus, der Kommandant von Ar-Station, sollte wohl der erste sein, der von Bord ging. Ein paar der M�nner, darunter auch Marcus und ich, blieben auf dem Vorderdeck stehen. Ein paar Augenblicke sp�ter schritt Aemilianus ohne Hilfe �ber die Planke, begleitet von Trommeln und Fl�ten und dem Jubel; er war offensichtlich noch sehr schwach. Hinter ihm kamen Calliodorus und Surilius. Am Fu� der Planke wurden sie bereits von einigen B�rgern erwartet, die als Zeichen ihrer offiziellen �mter Medaillons auf der Brust trugen.</p><p>Nach den Ehrenm�nnern gingen die Fl�chtlinge von Ar-Station von Bord; wenige dr�ckten die winzigen B�ndel mit geretteten Habseligkeiten fest an sich. Einige ihrer anderen Besitzt�mer folgten ihnen eingesch�chtert auf den nackten F��en. Viele Einheimische verfolgten die Prozession aus Offiziellen und Offizieren, Fl�chtlingen und Sklaven von dem Pier aus. Ruder wurden eingeholt. Dann luden sich die Matrosen und Ruderer Waffen und Sees�cke auf die Schultern, um sich auf ihren verdienten Landgang zu begeben. �berall kam es zu oftmals demonstrativen Zusammenk�nften, wenn sich Familienangeh�rige, Liebende oder Herren und Sklavinnen in die Arme fielen.</p><p>Marcus hatte keinen Blick f�r die Stadt �brig, die sich hinter dem Hafen erhob. Er schien seine Aufmerksamkeit auf den Hafeneingang gerichtet zu haben.</p><p>�Du scheinst es nicht eilig zu haben, Port Cos zu sehen�, wandte ich mich an ihn.</p><p>Er starrte stur geradeaus. �Was glaubst du, wo befindet sich das Heer von Ar?�</p><p>�S�dlich des Flusses, irgendwo im Osten.�</p><p>�Das Belagerungsheer wird es niemals schaffen, zwischen ihm und dem Flu� hindurchzuschl�pfen.�</p><p>�Schon m�glich.�</p><p>�Es w�re unm�glich.�</p><p>�Vielleicht.� Ich betrachtete den <emphasis>Pharos.</emphasis> Wie man sagte, konnte man in der Nacht sein Licht pasangweit sehen, im Osten wie im Westen.</p><p>�Woran denkst du?�</p><p>Marcus sch�ttelte den Kopf. �An Vergeltung�, sagte er bitter. �Und an Treue.�</p><p>�Eine seltsame Mischung�, bemerkte ich. Dann drehte ich mich um, um zuzusehen, wie man Publia und Claudia von Bord brachte, nackt, aneinandergekettet, die H�nde auf den R�cken gefesselt. F�r sie begann nun ein neues Leben.</p><p>�Ich bin so w�tend�, sagte Marcus mehr zu sich selbst als zu mir.</p><p>�Warum?�</p><p>�Es gibt viele Dinge, die ich nicht verstehe.�</p><p>�Es gibt viele Dinge, die keiner von uns versteht.�</p><p>�Ich bin verbittert.�</p><p>�Weil der Krieg mehr ist als wehende Helmb�sche und Sonne, die sich auf versilberten Schilden spiegelt?� wiederholte ich Aemilianus� Worte.</p><p>�Vielleicht�, sagte Marcus.</p><p>Ich blickte zum Pier hin�ber. Drei Sklavinnen standen dort, zwei davon barbusig.</p><p>�Verscheuche die d�steren Gedanken�, sagte ich. �Du bist sicher in Port Cos eingetroffen. Freu dich. Sieh dir die Stadt an. Begleite mich, wenn du Lust hast, i� mit mir. La� uns sehen, was Port Cos an Sklavinnen zu bieten hat. Die Stadt hat in dieser Beziehung einen guten Ruf.�</p><p>�Ich danke dir�, erwiderte er. �Aber bitte geh ohne mich.�</p><p>�Du bist ein Held und ein Krieger�, sagte ich. �Du h�ttest doch sicher nichts dagegen, eine sinnliche, sch�ne Frau in den Arm zu nehmen.�</p><p>�Alles, woran ich im Augenblick denken kann, ist Verrat, Blut und Ha�, ich bin zornig und verwirrt�, sagte Marcus. �Mir steht nicht der Sinn nach den mit Gl�ckchen geschm�ckten, parf�mierten Leibern von Sklavinnen.�</p><p>�Es ist schwer vorstellbar, da� du sie nicht gern tanzen sehen w�rdest.�</p><p>�Ich denke im Augenblick an weniger angenehme Dinge.�</p><p>�Einige dieser h�bschen, kurvigen M�dchen mit ihren Kragen w�rden dich vor Vergn�gen aufschreien lassen.�</p><p>Er schwieg und starrte nach Osten.</p><p>�Es ist schwer, Ideale zu verlieren�, sagte ich. �Aber manchmal kann man sie durch Taten zur�ckgewinnen, wenn auch in neuer Form.� Ich erinnerte mich an das Voskdelta, an Torvaldsland.</p><p>Marcus schwieg.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, erwiderte er.</p><p>Ich ging zur�ck zu der Stelle auf dem Hauptdeck, wo ich meinen Seesack verstaut hatte; ich hatte den Matrosen ein Rasiermesser und �hnliche Kleinigkeiten abgekauft. Das Schwert ruhte auf der anderen Schulter. Ich winkte dem Decksoffizier zu und verlie� die <emphasis>Tais.</emphasis></p><p>Ich hatte den Pier noch nicht betreten, als die drei M�dchen ankamen und vor mir niederknieten.</p><p>�Komm ins <emphasis>Dina!�</emphasis> sagte die erste Sklavin. �Alle unsere M�dchen sind Dinas!� Sie schob die Tunika hoch und entbl��te das Brandzeichen auf dem linken Oberschenkel. Die Dina ist eine kleine, rosen�hnliche Blume, die man im Volksmund auch �Sklavenblume� nennt. Das Dinabrandzeichen ist auf Gor weit verbreitet.</p><p>�Komm ins <emphasis>Veminium!�</emphasis> sagte die zweite Sklavin. Die Veminium ist eine zarte, f�nfbl�ttrige blaue Blume, die man sowohl in der n�rdlichen wie auch der s�dlichen Hemisph�re findet. �Wir sind viel preiswerter!� Eine Taverne nach einer Veminium zu benennen, sollte die G�ste wohl an erschwingliche Sch�nheit denken lassen, da die Blume so weit verbreitet ist. Das zweite und das dritte M�dchen waren diejenigen mit den nackten Oberk�rpern.</p><p>�Die Taverne meines Herren ist das <emphasis>Larma!�</emphasis> sagte die dritte Sklavin.</p><p>Ich l�chelte. Die Larma ist k�stlich. Sie hat zwar eine ziemlich harte Schale, die sich jedoch leicht zerbrechen l��t. Die fleischige Frucht im Inneren ist k�stlich und sehr saftig. Wenn gelegentlich eine Frau als �Larma� bezeichnet wird, will man damit andeuten, da� sich hinter ihrer kalten und abweisenden Art ein ganz anderes, s��es und verletzliches Wesen verbirgt.</p><p>�Sind alle Paga-Tavernen von Port Cos nach Blumen oder Fr�chten benannt?� fragte ich.</p><p>�Nein!� lachte die erste Sklavin.</p><p>�Aber bestimmt gibt es da eine Verbindung, sei es durch den Besitzer oder die Tradition?�</p><p>�In vielen St�dten gibt es Tavernen, die <emphasis>Dina</emphasis> hei�en, Herr.�</p><p>�Das ist wahr�, mu�te ich ihr zugestehen.</p><p>�Veminium ist ein h�bscher Name�, sagte die zweite Sklavin.</p><p>�Stimmt�, sagte ich. ��brigens, was soll der Name bedeuten? Soll das hei�en, da� alle M�dchen dort wie die Veminium billig und h�bsch sind?�</p><p>Das M�dchen aus dem <emphasis>Veminium</emphasis> keuchte auf, mu�te lachen und legte die Hand vor den Mund. �Ich wei� es nicht�, sagte sie. �Der Gedanke ist mir noch nie gekommen! Vielleicht, Herr!�</p><p>�Und sind die M�dchen billig und h�bsch?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich denke schon, da� wir h�bsch sind�, sagte sie. �Aber ich wei� nicht, ob wir auch billig sind.�</p><p>Ich l�chelte. Ich hatte mich schon gefragt, ob man den Namen nicht gew�hlt hatte, um G�ste anzulocken, statt eine sachliche Bewertung der angebotenen Dienste zu verk�nden.</p><p>�In Port Cos gibt es viele Paga-Tavernen, Herr�, sagte die erste Sklavin. �Nicht alle sind nach Blumen oder Fr�chten benannt. Es gibt den <emphasis>K�fig,</emphasis> die <emphasis>Juwelen von Tel-</emphasis><emphasis>nus, Artemidorus� Fracht,</emphasis> die <emphasis>Scharlachrote Peitsche,</emphasis> die <emphasis>Ta-</emphasis><emphasis>verne zum Kragen der zwei Ketten</emphasis> und viele andere mehr.�</p><p>�Das h�re ich gern�, meinte ich. �Ich nehme an, ihr seid Freundinnen?�</p><p>�Ja, Herr. Das <emphasis>Veminium</emphasis> und das <emphasis>Larma</emphasis> geh�ren Br�dern.�</p><p>�Sie stehen sich sehr nahe�, sagte das zweite M�dchen.</p><p>Das h�rte sich gut an. Die M�dchen waren miteinander befreundet, was vermuten lie�, da� sie in �hnlichen Etablissements arbeiteten. M�dchen aus erstklassigen Tavernen und aus Spelunken hatten nur selten Umgang miteinander. Und zwei der Tavernen geh�rten Br�dern und befanden sich ganz in der Nahe voneinander. Also gab es Verbindungen zwischen den H�usern.</p><p>�Und was ist mit den M�dchen im <emphasis>Larma?�</emphasis> fragte ich. �Sind sie teuer?�</p><p>Die dritte Sklavin sch�ttelte den Kopf. �Wir sind auch erschwinglich.�</p><p>�Waren die M�dchen dort fr�her alle mal Larmas?�</p><p>�Einige wohl schon!� lachte sie.</p><p>�Warst du eine Larma?�</p><p>�Nein, Herr�, sagte sie. �Ich bin seit der Pubert�t eine Sklavin und habe nie so getan, als w�re ich etwas anderes. Vielleicht weil ich bef�rchtete, jemand k�nnte mich durchschauen und schlagen.�</p><p>�Aus welcher Kaste stammst du?�</p><p>�Aus der Bauernkaste�, sagte sie. �Wir hatten zu viele T�chter und zu wenig S�hne. Zwei meiner �lteren Schwestern wurden in die Sklaverei verkauft, bevor ich f�nfzehn war. Eines Herbstes brachten die Felder meines Vaters wieder keinen Ertrag. Wir waren am Verhungern. Ich flehte ihn an, mich zu verkaufen. Also fesselte er mich und verkaufte mich.�</p><p>�Bist du gl�cklich als Sklavin?�</p><p>�Ja, Herr. Es ist das, was ich bin und was ich sein will. Ich hoffe nur, da� ich eines Tages einen Herren f�r mich allein habe, den ich lieben kann,�</p><p>Sie war ein h�bsches junges Ding mit dunklem Haar und sehr heller Haut und war f�r ein M�dchen, das aus der Bauernkaste kam, erstaunlich zierlich. Sie erinnerte mich an Phoebe aus Telnus, die ich ausgel�st hatte.</p><p>Ich stellte den Seesack ab und ging vor ihr in die Hocke. �Sind die anderen M�dchen im <emphasis>Larma</emphasis> genauso h�bsch wie du?�</p><p>�Ich denke schon, Herr.�</p><p>�Und du machst Werbung f�r die Taverne deines Herren?�</p><p>�Nat�rlich, Herr.�</p><p>�He, Krieger�, rief ich und erhob mich, als ich Marcus die Planke herunterkommen sah. Er sah in unsere Richtung, und ich winkte ihn heran. Die M�dchen knieten sich kerzengerade hin, als er kam.</p><p>�Wie findest du sie?� fragte ich Marcus.</p><p>�Sie sind h�bsch�, sagte er.</p><p>Sein Interesse machte mir Mut. Er brauchte dringend Gesellschaft.</p><p>�Wer seid ihr?� fragte ich die drei.</p><p>�Ich bin Roxanne aus dem <emphasis>Dina,</emphasis> Sklavin des Simonides, Tavernenbesitzer aus Port Cos.�</p><p>�Ich bin Korinne aus dem <emphasis>Veminium,</emphasis> Sklavin des Agathocles, Tavernenbesitzer aus Port Cos.�</p><p>�Ich bin Yakube aus dem <emphasis>Larma,</emphasis> Sklavin des Panicrates, Tavernenbesitzer aus Port Cos.�</p><p>�Das ist doch ein Name aus der Tahari�, sagte Marcus und sah sie sich genauer an. Die junge Sklavin aus dem <emphasis>Larma</emphasis> war von den drei Frauen diejenige, an der er am meisten Gefallen fand. Sie geh�rte dem Frauentyp an, den er au�erordentlich anziehend fand, zu dem er sich stark, vielleicht sogar unwiderstehlich hingezogen f�hlte. Sein Interesse freute mich, denn ich hatte gehofft, da� eines der M�dchen ihn von seinen d�steren Gedanken ablenken konnte. Aber etwas in seinem Tonfall war bedrohlich gewesen.</p><p>�Ja, Herr�, sagte Yakube z�gernd. Offensichtlich war ihr die unterschwellige Drohung nicht entgangen. Sklavenm�dchen sind f�r derartige Dinge au�erordentlich empf�nglich. Ich konnte sehen, da� sie Angst hatte.</p><p>�Aber du kommst nicht aus der Tahari?�</p><p>�Nein, Herr.� Ihre Hautfarbe gab keinen Anla� zu der Vermutung, sie k�nnte aus der Tahari kommen.</p><p>�Warum tr�gst du dann diesen Namen?�</p><p>�Man hat ihn mir gegeben, Herr.�</p><p>Das war nicht ungew�hnlich. So hatte ich im Herbst der ehemaligen Lady Charlotte aus Samnium den Namen �Feiqua� verliehen, nachdem sie meine Sklavin geworden war. Der Name hatte Wunder gewirkt, was ihr neues Selbstverst�ndnis und ihre Sexualit�t anging. Viele Herren �ndern den Namen einer Sklavin, damit sie bei ihm ein neues Leben beginnt.</p><p>�Damit soll kein anderer Name verborgen werden?�</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>Marcus starrte sie an.</p><p>Ich begriff seine Wut und sein Mi�trauen nicht.</p><p>�Ich habe viele Namen gehabt, Herr�, sagte sie. �Ich bin eine Sklavin. M�nner geben mir den Namen, den sie f�r richtig halten.�</p><p>�Bist du schon immer Sklavin gewesen?�</p><p>�Nicht im eigentlichen Sinn�, erwiderte Yakube.</p><p>�Erkl�re das!�</p><p>�Obwohl ich mit ganzem Herzen eine Sklavin bin, gab es doch eine Zeit, in der ich keine Sklavin war. In den Augen des Gesetzes war ich einst eine freie Frau.�</p><p>�Und wie hast du gehei�en, als du noch frei warst?�</p><p>Yakube zuckte unter Marcus� Blick zusammen, der wie gesch�rfter Stahl war. Ich bezweifelte keinen Augenblick lang, da� ihre Handfl�chen schwei�feucht waren. Sie schob die Knie ein St�ck weiter auseinander, vermutlich um den Wunsch zu verdeutlichen, ihm zu gefallen. Wie h�bsch ihr Hals durch den engsitzenden Stahlkragen doch aussah.</p><p>�Prokne.�</p><p>Marcus� Augen funkelten.</p><p>Sie zitterte. Sie hatte nat�rlich an seinen Insignien erkannt, da� er aus Ar-Station kam.</p><p>Seine Hand n�herte sich dem G�rtel, und sie zuckte zur�ck. Ich hatte den Verdacht, da� Marcus daran dachte, ihn abzunehmen und sie damit zu schlagen.</p><p>�Kommst du aus Cos?� fragte er.</p><p>�Nein, Herr!� erwiderte sie. �Die Felder meines Vaters waren n�rdlich von Wei�wasser!�</p><p>Wei�wasser hat seinen Namen von den nahegelegenen Stromschnellen und ist eine Stadt am Nordufer des Vosk. Sie ist Mitglied der Voskliga und die erste richtige Stadt westlich von Lara, das am Zusammenflu� vom Vosk und dem Olni liegt. Lara ist die westlichste Stadt der Salerianischen Konf�deration. Zwischen Ar-Station und Wei�wasser gibt es drei wichtige St�dte: Waldhafen, Iskander und Tancreds Furt, alles ebenfalls Mitglieder der Voskliga.</p><p>Die meisten der bedeutsamen St�dte am Vosk liegen am Nordufer, eine Folge der einstigen Politik Ars, im Norden einen gro�en Landstrich in eine �dnis zu verwandeln, die den Vormarsch eines m�glichen Invasoren erschweren sollte. Damals wie heute ist die Viktel Aria die Hauptroute nach S�den, die Ar durch Lager und Milit�rposten kontrolliert. So kann Ar m�helos nach Norden vorr�cken, w�hrend andere Heere nur mit M�he nach S�den marschieren k�nnten, es sei denn, sie machten Ar die Viktel Aria streitig. Diese �dnis ist jedoch seit Jahren nicht mehr unterhalten worden. Ihre milit�rische Bedeutung schwand mit der Einf�hrung des Tarntransportes im gro�en Stil, mit dem auch Truppen versetzt werden. Dazu kam, da� Ars Bev�lkerung wuchs und sich immer weiter nach Norden ausbreitete. Ars Interesse am Voskbecken ist allgemein bekannt. In den letzten Jahren war seine Politik auf Eroberungen bedacht, besonders unter der F�hrung von Marlenus. Dementsprechend wurde deutlich, da� die Strategen von Ar den �dnisstreifen weniger als Schutz sondern als Hindernis ansehen.</p><p>Marcus sagte: �Solche Namen sind �stlich vom Flu� kaum gebr�uchlich.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Du bist weit von Wei�wasser entfernt.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Seine H�nde umklammerten den G�rtel nahe der Schnalle. Das entging der Sklavin nicht.</p><p>�Du kommst aus der Gegend von Wei�wasser?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Mit einem Namen wie Prokne?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ich frage mich, ob du l�gst.�</p><p>�Nein, Herr, ich l�ge nicht! Die Sklavin Yakube l�gt einen freien Mann nicht an! Das w�rde sie nicht wagen!�</p><p>�Vielleicht kommst da ja tats�chlich von weither.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Er sah auf sie herunter.</p><p>�M�nner tun mit mir, was sie wollen und wo sie es wollen.�</p><p>Im allgemeinen sehen Sklavinnen, die eine Handelsware sind, weit mehr von der Welt als eine durchschnittliche freie Frau. Die meisten Freien entfernen sich nur selten mehr als ein paar Pasang von ihrem Dorf oder den Mauern ihrer Stadt. Eine wichtige Ausnahme ist die Pilgerfahrt zum Sardar. Von jedem Goreaner, egal ob Mann oder Frau, wird erwartet, da� er sie zumindest einmal im Leben unternimmt. Je nachdem aus welcher Gegend Gors man kommt, ist die Reise nicht ungef�hrlich. Es kommt vor, da� junge Frauen, die im Wei� der Pilger aufbrechen, als Sklavinnen in Ketten auf dem Jahrmarkt eintreffen, wo sie dann verkauft werden.</p><p>�Aber vielleicht kommst du ja aus dem Westen, und nicht aus dem Osten�, sagte Marcus.</p><p>�Herr?�</p><p>�Vielleicht kommst du aus Cos?� Seine Augen waren jetzt ganz schmal, die H�nde am G�rtel verkrampften sich.</p><p>�Nein, Herr!� fl�sterte sie.</p><p>�Das ist auch besser f�r dich.�</p><p>�Ja, Herr!� fl�sterte sie.</p><p>Marcus hatte ganz leise gesprochen, doch die Drohung in seiner Stimme war schrecklich gewesen. Er lie� den G�rtel los. Yakube erschauderte. Einen Augenblick lang f�rchtete ich, sie w�rde in Ohnmacht fallen. Auch die anderen M�dchen hatten Angst. Die Wut des jungen Kriegers war nicht zu �bersehen.</p><p>�Ich werde mir eine Schlafgelegenheit suchen�, sagte er zu mir. �Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, erwiderte ich. Ich verzichtete darauf, ihm noch einmal vorzuschlagen, mit mir zu essen.</p><p>Wir sahen ihm nach.</p><p>�D�rfen wir gehen, Herr?� fragte Roxanne.</p><p>�Alle bis auf Yakube�, sagte ich.</p><p>Dankbar sprangen Roxanne und Korinne auf und eilten fort.</p><p>Yakube sah zu mir hoch.</p><p>�Ich werde dir nichts tun�, sagte ich.</p><p>Sie zitterte am ganzen Leib.</p><p>�Kennst du den Krieger von irgendwoher?�</p><p>Sie sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>Ich sah Marcus noch immer nach.</p><p>�Warum ha�t er mich so?� fragte Yakube.</p><p>�Ich glaube nicht, da� er dich ha�t�, sagte ich. �Ich glaube eher, da� du ihn beunruhigst. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, da� du zu der Art von Frauen geh�rst, die er au�erordentlich aufregend und atemberaubend sch�n findet.�</p><p>Sie erschauderte.</p><p>�Er ha�t Cos�, sagte ich.</p><p>�Ich bin froh, da� ich nicht aus Cos komme.�</p><p>�Du darfst gehen.�</p><p>Yakube sprang dankbar auf und eilte ihren Freundinnen hinterher. Sie hatten am Ende der Anlegestelle auf sie gewartet. Als sie sie erreicht hatte, liefen sie gemeinsam weiter. Sie achteten darauf, eine andere Stra�e als der junge Krieger zu nehmen.</p><p>Ein kalter Wind war aufgekommen. Er kam aus dem Osten.</p><p>Ich dachte an Dietrich von Tarnburg, der noch immer Torcodino hielt, ich dachte an Ar, an Cos, an das Belagerungsheer im Norden, an das Heer von Ar, an das Delta.</p><p>Ich hatte Angst.</p><p>Dann wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder der Stra�e zu, in der der junge Krieger verschwunden war. Es war eine jener schmalen Stra�en, die zwischen Geb�uden verliefen und vom Hafen fortf�hrten. Sie lag nun verlassen da.</p></section></body><binary id="cover" 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