<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><genre>ya</genre><author><first-name>Cassandra</first-name><last-name>Clare</last-name></author><book-title>City of Lost Souls</book-title><date>2013</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Franca</first-name><last-name>Fritz</last-name></translator><translator><first-name>Heinrich</first-name><last-name>Koop</last-name></translator><sequence name="Chroniken der Unterwelt" number="5"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><genre>ya</genre><author><first-name>Cassandra</first-name><last-name>Clare</last-name></author><book-title>City of Lost Souls</book-title><date>2012</date><lang>en</lang><sequence name="The Mortal Instruments" number="5"/></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>721B568B-CE9A-416E-9174-4CA989F16F93</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Cassandra Clare</p><p>City of Lost Souls</p></title><epigraph><p>F�r Nao, Tim, David und Ben</p></epigraph><epigraph><p>Kein Mensch entscheidet sich f�r das B�se, weil es b�se ist. Er verwechselt es lediglich mit dem Gl�ck, dem Guten, nach dem er st�ndig strebt.</p><text-author>Mary Wollstonecraft</text-author></epigraph><section><title><p>Prolog</p></title><p>Simon stand schweigend da und starrte wie bet�ubt auf die Eingangst�r seines Elternhauses.</p><p>Er hatte nie ein anderes Zuhause gekannt. An diesen Ort hatten seine Eltern ihn nach seiner Geburt gebracht und hier war er aufgewachsen: in den vier W�nden dieses Reihenhauses in Brooklyn. Im Sommer hatte er im Schatten der B�ume auf der Stra�e gespielt und im Winter aus einem umfunktionierten M�lltonnendeckel eine Art Schlitten improvisiert. In diesem Haus hatten er und seine Familie nach dem Tod seines Vaters gemeinsam das <emphasis>Schiwa-</emphasis>Sitzen, die sieben Tage der Trauer, verbracht. Hier hatte er Clary zum ersten Mal gek�sst.</p><p>Er h�tte sich nie tr�umen lassen, dass diese Haust�r f�r ihn einmal verschlossen sein k�nnte. Als er seine Mutter das letzte Mal gesehen hatte, hatte sie ihn als Monster bezeichnet und Gebete gewispert, damit er verschwand. Mithilfe eines Zaubers hatte er sie vergessen lassen, dass er ein Vampir war, ohne genau zu wissen, wie lange die Wirkung anhalten w�rde. Als er nun in der kalten Herbstluft vor dem Haus stand, wurde ihm klar, dass der Effekt l�ngst verflogen war.</p><p>Die Eingangst�r war mit Zeichen �bers�t: Jemand hatte mit Farbe Davidsterne und das geschweifte Symbol f�r <emphasis>Chai</emphasis>, Leben, aufgespr�ht. Am T�rknauf und am T�rklopfer hingen Gebetsriemen, und eine <emphasis>Hamsa,</emphasis> die Hand Miriams, verdeckte den T�rspion.</p><p>Benommen legte Simon eine Hand auf die metallene <emphasis>Mesusa,</emphasis> die rechts am T�rpfosten befestigt war. Er sah, wie Qualm von der Stelle aufstieg, an der seine Haut das geweihte Objekt ber�hrte, aber er sp�rte nichts. Keinen Schmerz. Nur eine schreckliche Leere, die sich langsam in kalte Wut verwandelte.</p><p>Zornig trat er mit dem Fu� gegen die T�r und h�rte das Echo durch den Hausflur dr�hnen. �Mom!�, br�llte er. �Mom, ich bin�s!�</p><p>Keine Antwort � nur das metallische Klacken der T�rschl�sser, die verriegelt wurden. Mit seinem hochempfindlichen Vampirgeh�r konnte er die Schritte seiner Mutter wahrnehmen, ihre flache Atmung. Aber sie schwieg. Selbst durch das Holz hindurch witterte er den scharfen Geruch von Furcht und Panik. �Mom!� Seine Stimme brach. �Mom, das ist doch l�cherlich! Lass mich rein! <emphasis>Ich</emphasis> bin�s, Simon!�</p><p>Die T�r bebte, als h�tte seine Mutter dagegengetreten. �Verschwinde!� Ihre Stimme klang heiser, vor Angst verzerrt. �M�rder!�</p><p>�Ich bringe keine Leute um.� Simon lehnte den Kopf gegen die T�r. Er wusste, dass er sie m�helos �ffnen konnte, aber wozu? �Das hab ich dir doch schon erkl�rt. Ich trinke <emphasis>Tier</emphasis>blut.�</p><p>�Du hast meinen Sohn get�tet�, stie� seine Mutter auf der anderen Seite der T�r hervor. �Du hast ihn get�tet und ihn durch ein Monster ersetzt.�</p><p>�Ich <emphasis>bin</emphasis> dein Sohn��</p><p>�Du tr�gst vielleicht sein Gesicht und sprichst mit seiner Stimme, aber du bist nicht mein Sohn! Du bist nicht Simon!� Ihr Ton steigerte sich fast zu einem Kreischen. �Verschwinde von hier, bevor ich dich umbringe, du Monster!�</p><p>�Becky��, setzte Simon an. Sein Gesicht f�hlte sich feucht an, und als er sich mit den H�nden �ber die Wangen fuhr, schimmerten seine Finger r�tlich: Seine Tr�nen waren blutgetr�nkt. �Was hast du Becky erz�hlt?�</p><p>�Halte dich ja von deiner Schwester fern.�</p><p>Simon h�rte aus dem Inneren des Hauses ein Rumpeln, als w�re irgendetwas zu Boden gest�rzt. �Mom�, versuchte er es erneut, doch dieses Mal versagte ihm die Stimme und er brachte nur ein raues Kr�chzen heraus. Seine Hand hatte begonnen, dumpf zu pochen. �Ich muss es wissen � ist Becky da? Mom, mach die T�r auf. Bitte��</p><p>�Bleib weg von Becky!� Seine Mutter wich von der T�r zur�ck; Simon konnte es deutlich h�ren. Dann ert�nte das unverkennbare Quietschen der K�chent�r und das Knirschen ihrer Schritte auf dem Linoleumboden, gefolgt vom schleifenden Ger�usch einer Schublade, die aufgezogen wurde. Pl�tzlich sah Simon vor seinem inneren Auge, wie seine Mutter nach einem Messer griff.</p><p><emphasis>Bevor ich dich umbringe, du Monster.</emphasis></p><p>Die Vorstellung lie� ihn zur�ckzucken. Wenn sie versuchte, mit dem Messer auf ihn loszugehen, w�rde das Kainsmal aufleuchten und seine volle Wirkung entfalten � und es w�rde seine Mutter vernichten, so wie es Lilith vernichtet hatte.</p><p>Simon lie� seine Hand sinken und wich langsam zur�ck; er taumelte die Stufen hinunter, �ber den Gehweg bis zu einem der gro�en B�ume, deren Kronen die D�cher der H�user �berragten. Dort blieb er reglos stehen und starrte auf die mit Symbolen �bers�te und verunstaltete Eingangst�r seines Elternhauses � Symbole des Hasses, den seine Mutter ihm gegen�ber empfand.</p><p><emphasis>Nein, das stimmt nicht,</emphasis> ermahnte Simon sich. Sie hasste nicht <emphasis>ihn</emphasis> � sie hielt ihn f�r tot. Seine Mutter hasste etwas, das nicht existierte. <emphasis>Ich bin nicht das Monster, f�r das sie mich h�lt.</emphasis></p><p>Simon wusste nicht, wie lange er wohl noch dort gestanden und auf die T�r gestarrt h�tte, wenn nicht pl�tzlich sein Handy in der Manteltasche vibriert h�tte.</p><p>Gedankenverloren holte er es hervor und bemerkte dabei, dass sich das Muster der Mesusa � mehrere miteinander verbundene Davidsterne � in seine Handfl�che gebrannt hatte. Er nahm das Telefon in die andere Hand und hielt es sich ans Ohr. �Hallo?�</p><p>�Simon?� Clary war am anderen Ende der Leitung; sie klang atemlos. �Wo bist du gerade?�</p><p>�Zu Hause�, erwiderte Simon und hielt inne. �Vor dem Haus meiner Mutter�, berichtigte er sich. Selbst in seinen eigenen Ohren klang seine Stimme leer und weit entfernt. �Wieso bist du nicht im Institut? Ist alles in Ordnung?�</p><p>�Genau darum geht�s�, erkl�rte Clary. �Kurz nachdem du gegangen bist, ist Maryse wieder von der Dachterrasse heruntergekommen, wo Jace eigentlich auf sie h�tte warten sollen. Aber es war niemand dort.�</p><p>Ohne lange nachzudenken, setzte Simon sich in Bewegung und marschierte fast wie eine Aufziehpuppe in Richtung U-Bahn-Station. �Was soll das hei�en: Es war niemand dort?�</p><p>�Jace ist verschwunden�, sagte Clary. Simon konnte die Anspannung in ihrer Stimme h�ren. �Genau wie Sebastian.�</p><p>Abrupt blieb Simon unter einem der kahlen B�ume stehen. �Aber Sebastian ist tot. Er ist tot, Clary��</p><p>�Dann verrat mir mal, warum sein Leichnam weg ist�, entgegnete Clary, deren Stimme nun endg�ltig brach. �Die Dachterrasse ist vollkommen leer � bis auf jede Menge Blut und Glasscherben. Sie sind beide nicht mehr da, Simon. Jace ist verschwunden��</p></section><section><title><p>I</p><p>Kein b�ser Engel</p></title><epigraph><p>Liebe ist ein Kobold; Liebe ist ein Teufel; es gibt keinen b�sen Engel, als die Liebe.</p><text-author>William Shakespeare, <emphasis>�Liebes Leid und Lust�</emphasis><a l:href="#fn1" type="note">[1]</a></text-author></epigraph><section><title><p>1</p><p>Die letzte Ratssitzung</p></title><subtitle>Zwei Wochen sp�ter</subtitle><p>�Wie lange wird es denn noch dauern, bis das Urteil endlich gef�llt ist?�, fragte Clary. Sie hatte keine Ahnung, wie viel Zeit inzwischen mit Warten verstrichen war, aber es f�hlte sich wie eine halbe Ewigkeit an. In Isabelles schwarz und pink dekoriertem Zimmer gab es keine Uhren � nur Kleiderhaufen, B�cherstapel, Unmengen von Waffen und einen Frisiertisch mit wahllos herumliegenden Make-up-Utensilien, benutzten Haarb�rsten und offenen Schubladen, aus denen Spitzenslips, hauchd�nne Seidenstr�mpfe und Federboas hervorquollen. Das Ganze erinnerte an die K�nstlergarderobe von <emphasis>Ein K�fig voller Narren,</emphasis> aber im Laufe der vergangenen zwei Wochen hatte Clary so viel Zeit inmitten dieses glitzernden und gl�nzenden Durcheinanders verbracht, dass es allm�hlich eine beruhigende Wirkung auf sie aus�bte.</p><p>Isabelle stand mit Church auf dem Arm am Fenster. Geistesabwesend streichelte sie den Kater, der sie aus unheilvollen gelben Augen musterte. Auf der anderen Seite des Fensters tobte ein schwerer Novembersturm und der Regen lief wie Klarlack an den Scheiben herunter. �Nicht mehr lange�, erwiderte sie gedehnt. Sie trug kaum Make-up, nur etwas Wimperntusche, wodurch sie j�nger wirkte und ihre dunklen Augen gr��er erschienen. �Wahrscheinlich f�nf Minuten oder so.�</p><p>Clary sa� auf Izzys Bett, zwischen herumliegenden Modezeitschriften und klirrenden Seraphklingen, und musste mehrfach schlucken, um den bitteren Geschmack aus dem Mund zu bekommen. <emphasis>Ich bin gleich wieder zur�ck. Ich brauch nur f�nf Minuten.</emphasis></p><p>Das waren ihre letzten Worte auf der Dachterrasse gewesen � zu dem Jungen, den sie mehr als alles andere auf der Welt liebte. Inzwischen hatte sie das Gef�hl, dass es m�glicherweise ihre letzten Worte f�r Jace gewesen sein k�nnten.</p><p>Clary erinnerte sich noch genau an jenen Augenblick: Die Dachterrasse. Die kristallklare Oktobernacht. Die kalt funkelnden Sterne am wolkenlosen schwarzen Himmel. Die Steinplatten, mit schwarzen Runen verunstaltet und mit Blut und D�monensekret beschmiert. Jace� Mund auf ihren Lippen � das einzig Warme in dieser eisigen Welt. Der Morgenstern-Ring an ihrer Halskette. <emphasis>Die Liebe, die kreisen macht die Sonne wie die Sterne.</emphasis> Ihr letzter Blick hin�ber zu Jace, als sich die T�r des Aufzugs geschlossen und dieser sie in die Schatten des Geb�udes hinuntergezogen hatte. Sie hatte die anderen im Foyer getroffen, ihre Mutter, Luke und Simon umarmt. Aber wie immer war ein Teil von ihr bei Jace zur�ckgeblieben, auf der Dachterrasse, allein mit ihm hoch oben �ber der kalten, leuchtenden, elektrisch funkelnden Stadt.</p><p>Maryse und Kadir waren in den Aufzug gestiegen und hochgefahren, um zu Jace zu sto�en und sich die �berreste von Liliths Ritual anzusehen. Es hatte etwa zehn Minuten gedauert, ehe Maryse schlie�lich zur�ckgekehrt war, allein, ohne Kadir. Als die Aufzugst�r aufschwang und Clary ihr Gesicht sah, kreidebleich, angespannt und aufgew�hlt, da wusste sie sofort, dass etwas Schreckliches passiert war.</p><p>Die darauffolgenden Minuten erlebte Clary wie in einem Albtraum. Die Gruppe der Schattenj�ger im Foyer st�rmte auf Maryse zu; Alec l�ste sich von Magnus und Isabelle sprang von der Bank auf. Wei�e Lichtstrahlen durchschnitten die Dunkelheit wie Kamerablitze an einem Tatort, als ein Nephilim nach dem anderen seine Seraphklinge z�ckte und in die H�he hielt. W�hrend Clary sich durch die Menge arbeitete, h�rte sie bruchst�ckweise, was vorgefallen war: Die Dachterrasse hatte verlassen dagelegen; Jace war verschwunden. Der gl�serne Sarg, in dem Sebastian geschwebt hatte, war zertr�mmert; die Glasscherben lagen �berall verstreut. Blut, frisches Blut, tropfte von dem Sockel, auf dem der Sarg gestanden hatte.</p><p>Die Schattenj�ger einigten sich rasch auf einen Plan und str�mten dann in alle Richtungen davon, um die Gegend um das Geb�ude herum abzusuchen. Mit blaue Funken spr�henden Fingern kam Magnus auf Clary zu und fragte, ob sie einen Gegenstand von Jace besa�, mit dem er versuchen konnte, den jungen Nephilim zu orten. Benommen gab Clary ihm den Morgenstern-Ring und zog sich anschlie�end in eine Ecke zur�ck, um Simon anzurufen. Sie hatte gerade ihr Handy zugeklappt, als eine Schattenj�gerstimme alle anderen �bert�nte: �Orten? Das funktioniert doch nur, wenn er noch lebt. Aber bei der Blutmenge ist das nicht sehr wahrscheinlich��</p><p>Irgendwie war das der Tropfen gewesen, der das Fass zum �berlaufen brachte: Fortdauernde Unterk�hlung, Ersch�pfung und Schock machten sich schlagartig bemerkbar und Clary sp�rte, wie ihre Knie nachgaben. Ihre Mutter konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie auf dem Boden aufschlug. Danach war alles dunkel und verschwommen. Als sie am n�chsten Morgen in ihrem Bett in Lukes Haus aufwachte, setzte sie sich ruckartig und mit wild pochendem Herzen auf, fest davon �berzeugt, dass sie einen Albtraum gehabt hatte.</p><p>Aber w�hrend sie sich aus den zerw�hlten Bettlaken k�mpfte, erz�hlten ihr die verblassenden Bluterg�sse an ihren Armen und Beinen eine andere Geschichte, eine Geschichte, die durch den fehlenden Morgenstern-Ring best�tigt wurde. Hastig sprang Clary in ihre Jeans, streifte einen Kapuzenpullover �ber und wankte ins Wohnzimmer, wo Jocelyn, Luke und Simon mit d�sterer Miene dasa�en. Obwohl sich die Frage eigentlich er�brigte, stie� sie dennoch hektisch hervor: �Hat man ihn gefunden? Ist Jace wieder da?�</p><p>Langsam erhob Jocelyn sich aus ihrem Sessel. �Nein, S��e, er ist weiterhin wie vom Erdboden verschluckt��</p><p>�Aber nicht tot? Man hat keinen Leichnam gefunden?� Clary lie� sich neben Simon auf das Sofa fallen. �Nein � er ist nicht tot. Das w�rde ich <emphasis>wissen</emphasis>.�</p><p>W�hrend Clary nun auf Isabelles Bett sa�, erinnerte sie sich wieder daran, wie Simon ihre Hand gehalten hatte, als Luke die wenigen Informationen zusammengefasst hatte: Jace war noch immer verschwunden, genau wie Sebastian. Au�erdem hatte Luke eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte lautete: Das Blut auf dem Sockel hatte identifiziert werden k�nnen � es stammte von Jace. Aber die gute Nachricht war: Es handelte sich um deutlich weniger Blut als urspr�nglich angenommen. Offenbar hatte es sich mit dem Wasser aus dem zertr�mmerten Sarg vermischt und so den Eindruck einer gewaltigen Blutmenge erweckt. Daher war es durchaus m�glich, dass Jace �berlebt hatte � was auch immer mit ihm passiert sein mochte.</p><p><emphasis>�Aber was genau ist denn passiert?�</emphasis>, hakte Clary nach.</p><p>Luke sch�ttelte den Kopf, seine blauen Augen schauten traurig. �Das wei� niemand, Clary.�</p><p>In dem Moment f�hlte es sich so an, als w�rde Eiswasser durch ihre Adern str�men. �Ich will bei der Suche helfen. Irgendwas tun. Und nicht nutzlos rumsitzen, w�hrend Jace vermisst wird.�</p><p>�Dar�ber w�rde ich mir an deiner Stelle keine Sorgen machen�, bemerkte Jocelyn grimmig. �Der Rat will dich n�mlich sprechen.�</p><p>Unsichtbare Eiskristalle knackten in Clarys Gelenken und Sehnen, als sie aufstand. �Prima. Von mir aus. Ich werde ihnen alles erz�hlen, was sie wissen wollen, wenn sie daf�r Jace finden.�</p><p>�Du wirst ihnen alles erz�hlen, was sie wissen wollen, weil sie das Engelsschwert haben.� Verzweiflung schwang in Jocelyns Stimme mit. �Ach, S��e, es tut mir so leid.�</p><p>Nach zwei Wochen st�ndiger Befragungen, nach etlichen Zeugenaussagen und nachdem sie das Engelsschwert etwa ein Dutzend Mal in den H�nden gehalten und Bericht erstattet hatte, sa� sie jetzt hier in Isabelles Zimmer und wartete darauf, dass der Rat �ber ihr weiteres Schicksal entschied. Bei der Erinnerung an das Engelsschwert fuhr Clary ein Schauer �ber den R�cken: Es hatte sich angef�hlt, als w�rden sich winzige Angelhaken in ihre Haut bohren und ihr die Wahrheit f�rmlich aus dem K�rper ziehen. Sie hatte auf dem Boden gekniet, inmitten der Sprechenden Sterne, das Schwert in den H�nden, und ihre eigene Stimme geh�rt, die den Ratsmitgliedern alles erz�hlte: wie Valentin den Erzengel Raziel herbeigerufen und wie sie ihrem Vater die Macht �ber den Engel aus der Hand genommen hatte, indem sie seinen Namen mit ihrem eigenen �berschrieb. Wie der Engel ihr eine Gunst gew�hrt und sie diese genutzt hatte, um Jace von den Toten zur�ckzuholen. Au�erdem hatte sie dem Rat berichtet, wie Lilith von Jace Besitz ergriffen und versucht hatte, mit Simons Blut Sebastian wiederzubeleben � Clarys Bruder, den Lilith als ihren Sohn betrachtet hatte. Und wie Simons Kainsmal Lilith vernichtet hatte, weshalb sie Sebastian ebenfalls als besiegt und nicht l�nger als eine Gefahr betrachtet hatten.</p><p>Clary seufzte und klappte ihr Handy auf, um nach der Uhrzeit zu sehen. �Die Ratsmitglieder sitzen jetzt schon seit einer Stunde zusammen und beraten sich�, sagte sie. �Ist das normal? Oder ist das ein schlechtes Zeichen?�</p><p>Isabelle setzte Church auf den Boden, der sich miauend beschwerte. Dann kam sie zum Bett und hockte sich neben Clary. Die junge Schattenj�gerin erschien zwar noch schlanker als sonst � genau wie Clary hatte sie w�hrend der vergangenen zwei Wochen Gewicht verloren �, wirkte aber in ihrer schwarzen R�hrenhose und dem taillierten grauen Samttop elegant wie eh und je. Die Wimperntusche war leicht verschmiert. Eigentlich h�tte sie dadurch aussehen m�ssen wie ein Waschb�r, doch stattdessen wirkte sie nur noch mehr wie ein franz�sischer Filmstar. Als Izzy mit den H�nden gestikulierte, klimperten ihre Elektrumarmb�nder mit den Runenanh�ngern melodisch. �Nein, das ist kein schlechtes Zeichen�, erkl�rte sie. �Es bedeutet lediglich, dass die Ratsmitglieder viel zu besprechen haben.� Nachdenklich drehte sie den Lightwood-Ring an ihrem Finger. �Mach dir keine Sorgen. Schlie�lich hast du nicht gegen das Gesetz versto�en und das ist die Hauptsache.�</p><p>Clary seufzte. Nicht einmal die W�rme von Isabelles Schulter an ihrem Oberarm konnte das Eis in ihren Adern zum Schmelzen bringen. Ihr war klar, dass sie streng genommen kein einziges Gesetz gebrochen hatte, aber sie wusste auch, dass der Rat furchtbar w�tend auf sie war. Schattenj�ger durften niemanden von den Toten erwecken, aber das galt nicht f�r den Erzengel; trotzdem war ihre Bitte an den Engel, Jace ins Leben zur�ckzuholen, von derart gro�er Tragweite gewesen, dass sie und Jace beschlossen hatten, niemandem davon zu erz�hlen.</p><p>Aber jetzt war die ganze Sache doch noch ans Licht gekommen und hatte die Nephilimgemeinschaft in ihren Grundfesten ersch�ttert. Clary wusste, dass die Ratsmitglieder sie bestrafen wollten � und sei es nur deshalb, weil ihre Bitte solch katastrophale Konsequenzen nach sich gezogen hatte. Tief in ihrem Inneren w�nschte sie sich fast, man w�rde sie bestrafen� ihr die Knochen brechen, die Fingern�gel herausrei�en, ihren Verstand mit den messerscharfen Gedanken der Stillen Br�der durchforsten. Eine Art Teufelspakt: ihr eigener Schmerz im Tausch gegen Jace� unversehrte R�ckkehr. Das w�rde ihr auch gegen ihre Gewissensbisse helfen, weil sie Jace allein auf der Dachterrasse zur�ckgelassen hatte � selbst wenn Isabelle und die anderen ihr schon hundert Mal versichert hatten, das sei l�cherlich. Schlie�lich hatten sie alle angenommen, dass es dort oben ungef�hrlich f�r ihn war. Und au�erdem: Wenn Clary bei ihm geblieben w�re, w�rde sie jetzt wahrscheinlich ebenfalls zu den Vermissten z�hlen.</p><p>�H�r auf damit�, sagte Isabelle.</p><p>Einen Moment lang war Clary sich nicht sicher, ob Izzy mit ihr oder mit dem Kater sprach. Denn Church zog mal wieder seine Show ab, die er gern inszenierte, wenn man ihn absetzte: Er lag auf dem R�cken, alle viere in die Luft gestreckt, und stellte sich tot, um seinem Frauchen ein schlechtes Gewissen zu machen. Doch als Isabelle ihre schwarzen Haare nach hinten warf und Clary anfunkelte, erkannte sie, dass <emphasis>sie</emphasis> gemeint war und nicht der Kater. <emphasis>�Womit</emphasis> soll ich aufh�ren?�, fragte sie.</p><p>�In d�steren Gedanken zu versinken, was dir f�r schreckliche Dinge zusto�en k�nnten � oder was f�r schreckliche Dinge du dir sogar w�nschst, weil du lebst und Jace� verschwunden ist.� Isabelles Stimme machte einen kleinen Satz wie die h�pfende Nadel eines Tonabnehmers auf einer Schallplatte. Die Worte, dass Jace vielleicht tot war, brachte sie nicht �ber die Lippen � sie und Alec weigerten sich, diese M�glichkeit in Betracht zu ziehen.</p><p>Und Isabelle hatte ihr auch nie Vorw�rfe gemacht, weil sie solch ein gewaltiges Geheimnis nicht mit ihr geteilt hatte, �berlegte Clary. Tats�chlich hatte sie sich in letzter Zeit als ihre unersch�tterliche Besch�tzerin entpuppt: Isabelle hatte sie jeden Tag an der T�r zum Ratssaal abgefangen, sich fest bei Clary untergehakt, um dann gemeinsam an der Meute finster starrender, murmelnder Nephilim vorbeizumarschieren. Und sie hatte w�hrend endlos langer Ratsbefragungen geduldig auf Clary gewartet und jedem einen scharfen Blick zugeworfen, der es wagte, sie auch nur schr�g anzusehen. Clary war vollkommen �berrascht gewesen. Sie h�tte sich und Isabelle nicht unbedingt als beste Freundinnen bezeichnet � schlie�lich geh�rten sie beide eher zu der Sorte M�dchen, die mit Jungs besser klarkamen als mit anderen weiblichen Wesen. Aber Isabelle war ihr nicht von der Seite gewichen, wor�ber Clary ebenso verwundert wie dankbar war.</p><p>�Ich kann einfach nicht anders�, erwiderte Clary nun. �Wenn ich an der Suche teilnehmen d�rfte � oder wenigstens <emphasis>irgendetwas</emphasis> tun d�rfte �, dann w�re es nicht ganz so schlimm, glaub ich.�</p><p>�Ich wei� nicht recht.� Isabelle klang m�de. W�hrend der vergangenen zwei Wochen waren sie und Alec jeden Abend nach sechzehnst�ndigen Patrouillen und Suchaktionen ersch�pft ins Institut zur�ckgewankt.</p><p>Als Clary herausfand, dass es ihr verboten war, sich an den Suchtrupps zu beteiligen oder auf sonstige Weise nach Jace zu suchen, bis der Rat seinen Beschluss gefasst hatte, war sie so w�tend geworden, dass sie ein Loch in ihre Schlafzimmert�r getreten hatte.</p><p>�Manchmal kommt mir das alles so nutzlos vor�, f�gte Isabelle hinzu.</p><p>Eine eisige K�lte kroch knackend durch Clarys Knochen. �Soll das hei�en, du glaubst, er ist tot?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Ich glaube nur, dass er unm�glich noch in New York sein kann.�</p><p>�Aber in anderen St�dten werden doch ebenfalls Suchaktionen durchgef�hrt, oder nicht?� Reflexartig griff Clary an ihren Hals und verga�, dass der Morgenstern-Ring sich nicht l�nger dort befand. Magnus hatte ihn noch immer, um Jace zu orten, obwohl bisher nichts dabei herausgekommen war.</p><p>�Selbstverst�ndlich suchen sie auch in anderen St�dten nach ihm.� Isabelle beugte sich vor und ber�hrte vorsichtig die winzige Silberglocke, die statt des Rings um Clarys Hals hing. �Was ist das?�, fragte sie neugierig.</p><p>Clary z�gerte. Die Glocke war ein Geschenk der Elbenk�nigin. Nein, das stimmte nicht ganz, denn die K�nigin des Lichten Volkes machte keine Geschenke. Diese Silberglocke diente nur dazu, Kontakt mit ihr aufzunehmen, wenn Clary ihre Hilfe ben�tigte. Als mehr und mehr Tage ohne ein Zeichen von Jace verstrichen, hatte Clary sich immer wieder dabei ertappt, wie ihre Hand nach der Glocke tastete. Doch bisher hatte sie sich nicht getraut, sie zu l�uten, weil sie wusste, dass sie ohne eine Furcht einfl��ende Gegenleistung keine Unterst�tzung von der Elbenk�nigin bekommen w�rde.</p><p>Doch ehe Clary Isabelles Frage beantworten konnte, wurde die T�r ge�ffnet. Ruckartig setzten beide M�dchen sich auf, dabei umklammerte Clary eines von Isabelles rosa Zierkissen so fest, dass sich die Strasssteinchen in ihre Handfl�chen dr�ckten.</p><p>�Hi.� Eine schlanke Gestalt betrat das Zimmer und zog die T�r hinter sich zu: Alec, Isabelles �lterer Bruder, trug die offizielle Ratskleidung � eine schwarze Robe, mit silbernen Runen durchwirkt � offen �ber seiner Jeans und einem schwarzen Langarmshirt. Die dunkle Kleidung lie� seine helle Haut noch blasser erscheinen und seine kristallblauen Augen noch blauer leuchten. Seine Haare waren genauso schwarz und glatt wie die seiner Schwester, allerdings k�rzer, sodass sie ihm nur bis zum Kinn reichten. Und er hatte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst.</p><p>Clarys Herz begann, wild zu schlagen. Alec wirkte nicht sehr gl�cklich. Was auch immer f�r Neuigkeiten er hatte, sie konnten nicht gut sein.</p><p>Isabelle fand als Erste ihre Stimme wieder. �Wie ist die Sitzung gelaufen?�, fragte sie leise. �Wie lautet das Urteil?�</p><p>Schweigend ging Alec zu ihrem Frisiertisch und setzte sich auf den Stuhl, sodass er Izzy und Clary �ber die Lehne hinweg ansehen konnte. Zu jedem anderen Zeitpunkt w�re dieser Anblick komisch gewesen: Alec war ziemlich gro� und hatte lange Beine wie ein T�nzer, die er nun unbeholfen um den Stuhl schlang, der dadurch wie ein M�belst�ck aus einem Puppenhaus wirkte. �Clary�, setzte er an. �Jia Penhallow hat das Urteil verk�ndet: Du bist von allen Vorw�rfen freigesprochen. Du hast gegen kein einziges Gesetz versto�en und Jia ist der �berzeugung, dass du durch die jetzige Situation schon genug gestraft bist.�</p><p>Isabelle atmete h�rbar aus und l�chelte. Einen Moment lang brach ein Anflug von Erleichterung die dicke Eisschicht auf, die Clary zu erdr�cken drohte. Man w�rde sie nicht bestrafen � sie nicht in der Stadt der Stille einkerkern, einem Ort, von dem aus sie Jace nicht helfen konnte. Luke, der als Repr�sentant der Werw�lfe bei der Urteilsverk�ndung dabei gewesen war, hatte versprochen, Jocelyn sofort nach dem Ende der Ratssitzung anzurufen, doch Clary griff trotzdem nach ihrem Handy; die Aussicht darauf, ihrer Mutter zur Abwechslung einmal gute Nachrichten �berbringen zu k�nnen, war einfach zu verlockend.</p><p>�Clary�, sagte Alec in dem Augenblick, als sie ihr Telefon aufklappte. �Warte.�</p><p>Erstaunt schaute Clary ihn an: Sein Gesichtsausdruck war noch immer so ernst wie der eines Leichenbestatters. Pl�tzlich wurde sie von einer b�sen Vorahnung gepackt und legte ihr Handy auf das Bett. �Alec � was ist los?�, fragte sie leise.</p><p>�Nicht deinetwegen hat der Rat so lange getagt�, setzte Alec an. �Es gab noch etwas anderes zu besprechen.�</p><p>Das eisige Gef�hl kehrte schlagartig zur�ck. Clary zitterte. �Jace?�</p><p>�Nicht direkt.� Alec beugte sich vor und umfasste die Stuhllehne mit beiden H�nden. �In den fr�hen Morgenstunden ist ein Bericht aus dem Moskauer Institut eingetroffen. Die Schutzschilde �ber der Wrangelinsel sind gestern zerst�rt worden. Inzwischen hat man zwar einen Reparaturtrupp losgeschickt, aber die Tatsache, dass so wichtige Schutzschilde so lange au�er Wirkung gesetzt waren� na ja, das hat jetzt f�r den Rat oberste Priorit�t.�</p><p>Die Schutzschilde waren von der ersten Schattenj�gergeneration errichtet worden. Wie Clary aus dem <emphasis>Codex</emphasis> wusste, umgaben sie die Erde wie eine Art magisches Abwehrsystem. Zwar gelang es manchen D�monen, diese Schranken zu durchbrechen, aber nur mit erheblichem Aufwand, sodass die gro�e Mehrheit dieser H�llenwesen ferngehalten und die Welt dadurch vor einer gewaltigen D�moneninvasion bewahrt wurde. Clary erinnerte sich an Jace� Worte, als er ihr vor einer gef�hlten Ewigkeit erkl�rt hatte: <emphasis>Fr�her gab es nur kleine Invasionen von D�monen, mit denen man leicht fertig werden konnte. Aber allein seit dem Jahr meiner Geburt sind mehr D�monen durch die Schranken gedrungen als in allen Jahren davor zusammengenommen.</emphasis></p><p>�Okay, das ist �bel�, r�umte Clary ein. �Aber ich w�sste nicht, was das mit Jace zu tun hat��</p><p>�Der Rat setzt seine eigenen Priorit�ten�, unterbrach Alec sie. �W�hrend der vergangenen zwei Wochen hatte die Suche nach Jace und Sebastian absoluten Vorrang. Aber inzwischen hat man jeden Winkel der Schattenwelt durchk�mmt, ohne auch nur eine Spur von ihnen zu finden. Keine von Magnus� Ortungsbem�hungen hat etwas ergeben. Elodie, die Frau, bei der der echte Sebastian Verlac aufgewachsen ist, hat best�tigt, dass niemand versucht hat, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Das war ohnehin ziemlich weit hergeholt. Auch von den bekannten Mitgliedern aus Valentins ehemaligem Kreis wurden keine ungew�hnlichen Aktivit�ten berichtet. Und die Stillen Br�der haben noch nicht herausfinden k�nnen, was das Ritual, das Lilith vollzogen hat, genau bewirken sollte und ob es �berhaupt erfolgreich war. Man nimmt allgemein an, dass Sebastian � den die Ratsmitglieder nat�rlich bei seinem richtigen Namen, Jonathan, nennen � Jace entf�hrt hat, aber das ist uns ja nicht neu.�</p><p>�Und was jetzt?�, fragte Isabelle. �Bedeutet das, dass die Suchtrupps verst�rkt werden? Mehr Patrouillen durchgef�hrt werden?�</p><p>Alec sch�ttelte den Kopf. �Die Ratsmitglieder haben nicht davon gesprochen, die Suche zu intensivieren�, sagte er leise. �Im Gegenteil: Sie stufen die Priorit�t herunter. Inzwischen sind zwei Wochen verstrichen, ohne Ergebnis. Die Spezialeinheiten, die extra aus Idris angereist sind, kehren nach Hause zur�ck. Das Problem mit den Schutzschilden hat jetzt Vorrang. Ganz zu schweigen davon, dass der Rat sich derzeit in schwierigen Verhandlungen befindet, die Gesetze f�r die Neuzusammensetzung der Kongregation �berarbeiten, neben dem neuen Konsul auch einen neuen Inquisitor ernennen und die ungleiche Behandlung von Schattenweltlern beenden muss� Von diesen Aufgaben will man sich nicht komplett ablenken lassen.�</p><p>Clary starrte Alec an. �Sie wollen nicht, dass Jace� Verschwinden ihren Zeitplan zur �berarbeitung irgendwelcher d�mlicher alter Gesetze durcheinanderwirft? Das hei�t, sie geben auf?�</p><p>�Nein, so kann man das nicht sagen��</p><p><emphasis>�Alec�,</emphasis> stie� Isabelle scharf hervor.</p><p>Ihr Bruder holte tief Luft und schlug resigniert die H�nde vors Gesicht. Er hatte lange Finger, die voller Narben waren, genau wie Jace, dachte Clary. Das augenf�rmige Runenmal aller Nephilim leuchtete auf dem R�cken seiner rechten Hand. �Clary, f�r dich � f�r uns � ging es bei dieser Suche immer um Jace. Der Rat interessiert sich nat�rlich auch f�r Jace, aber vorrangig f�r Sebastian. Denn er stellt die Gefahr dar. Er hat die Schutzschilde von Alicante zerst�rt. Er ist ein Massenm�rder. Jace ist��</p><p>�Nur ein weiterer Schattenj�ger�, fiel ihm Isabelle ins Wort. �Wir sterben und verschwinden st�ndig.�</p><p>�Selbstverst�ndlich ist man ihm f�r seine heldenhaften Taten in der Gro�en Schlacht dankbar�, r�umte Alec ein. �Aber letztendlich hat der Rat keinen Zweifel gelassen: Die Suche wird zwar nicht eingestellt, aber auch nicht mehr so intensiv vorangetrieben. Das Ganze ist eine Geduldsprobe. Man wartet darauf, dass Sebastian den n�chsten Schritt macht. In der Zwischenzeit steht die Suche nach Jace nur noch an dritter Stelle auf der Priorit�tenliste. Wenn �berhaupt. Man erwartet von uns, dass wir unser normales Leben wieder aufnehmen.�</p><p><emphasis>Normales Leben?</emphasis> Clary konnte es einfach nicht glauben. <emphasis>Ein normales Leben ohne Jace?</emphasis></p><p>�Genau dasselbe wurde uns auch nach Max� Tod geraten�, bemerkte Izzy mit erstickter Stimme, w�hrend ihre schwarzen Augen vor Zorn brannten. �Man hat uns erz�hlt, dass wir den Kummer schneller hinter uns lassen k�nnten, wenn wir unser normales Leben wieder aufnehmen w�rden.�</p><p>�Das soll angeblich helfen�, murmelte Alec hinter seinen Fingern.</p><p>�Dann erz�hl das mal Dad. Ist er �berhaupt aus Idris angereist, um an der Sitzung teilzunehmen?�</p><p>Alec sch�ttelte den Kopf und nahm die H�nde herunter. �Nein. Falls es euch irgendwie ein Trost ist� w�hrend der Sitzung haben sich eine Menge Leute f�r die Fortsetzung der Suche starkgemacht: Magnus, Luke nat�rlich, Konsulin Penhallow, sogar Bruder Zachariah. Aber letztendlich konnten sie nichts ausrichten.�</p><p>Ruhig musterte Clary den jungen Schattenj�ger. �Alec, sp�rst du denn gar nichts?�, fragte sie.</p><p>Alecs Augen verdunkelten sich und f�r einen Moment erinnerte Clary sich an den Jungen, der sie bei ihrer Ankunft im Institut gehasst hatte � der Junge mit den abgekauten N�geln und dem l�chrigen Pullover und dem superempfindlichen Ego. �Ich wei�, dass dich die Sache ziemlich mitnimmt, Clary�, erwiderte er scharf, �aber wenn du damit andeuten willst, dass Izzy und ich uns weniger um Jace sorgen als du��</p><p>�Nein, nat�rlich nicht�, versicherte Clary hastig. �Ich meinte eigentlich eure <emphasis>Parabatai</emphasis>-Verbindung. Im <emphasis>Codex</emphasis> hab ich vor Kurzem von dieser Zeremonie gelesen und wei�, dass die beiden <emphasis>Parabatai</emphasis> dadurch auf besondere Weise miteinander verbunden sind. Du kannst bestimmte Dinge von Jace wahrnehmen. Dinge, die euch im Kampf helfen. Daher dachte ich� na ja, kannst du vielleicht f�hlen, ob Jace noch lebt?�</p><p>�Clary.� Isabelle klang besorgt. �Ich dachte, du wolltest nicht��</p><p>�Er lebt�, sagte Alec vorsichtig. �Glaubst du, ich w�re noch derart handlungsf�hig, wenn Jace nicht mehr leben w�rde? Irgendetwas stimmt nicht mit ihm, etwas l�uft total schief. Das kann ich sp�ren. Aber er atmet zumindest noch.�</p><p>�K�nnte es sich bei dem, was du als �schieflaufen� bezeichnest, vielleicht darum handeln, dass er irgendwo gefangen gehalten wird?�, fragte Clary bedr�ckt.</p><p>Nachdenklich schaute Alec zum Fenster, gegen dessen Scheibe graue Regenschwaden klatschten. �M�glicherweise. Ich kann es nicht erkl�ren. Etwas Vergleichbares hab ich noch nie gef�hlt.�</p><p>�Aber Jace lebt.�</p><p>Alec blickte Clary direkt in die Augen. �Da bin ich mir absolut sicher.�</p><p>�Dann pfeif auf den Rat. Wir werden Jace auf eigene Faust finden�, verk�ndete Clary.</p><p>�Clary� wenn das m�glich w�re� meinst du nicht, dass wir dann l�ngst��, setzte Alec an.</p><p>�Bisher haben wir nur das getan, was der Rat von uns verlangt hat�, warf Isabelle ein. �Patrouillen, Suchtrupps. Aber es gibt noch andere Mittel und Wege.�</p><p>�Wege, die gegen das Gesetz versto�en, meinst du wohl�, erwiderte Alec z�gerlich.</p><p>Clary hoffte, er w�rde jetzt nicht den Schattenj�ger-Wahlspruch zitieren: <emphasis>Dura lex sed lex</emphasis> � das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz. Das w�rde sie jetzt nicht ertragen k�nnen. �Die Elbenk�nigin hat angeboten, mir einen Gefallen zu tun�, sagte sie rasch. �Bei der Siegesfeier in Idris.� Die Erinnerung an jene Nacht, in der sie so gl�cklich gewesen war, versetzte ihr einen Stich ins Herz, und sie brauchte einen Augenblick, um wieder zu Atem zu kommen. �Und sie hat mir einen Weg gezeigt, um mit ihr Kontakt aufzunehmen.�</p><p>�Die K�nigin des Lichten Volkes macht keine Geschenke.�</p><p>�Das wei� ich. Was auch immer sie im Gegenzug verlangt, ich werde es auf mich nehmen.� Clary erinnerte sich wieder an die Worte der Elfe, die ihr die Silberglocke �berreicht hatte. <emphasis>Du w�rdest alles tun, um ihm zu helfen. Ganz gleich, was es dich kosten w�rde, ganz gleich, was du dem Himmel oder der H�lle daf�r schulden w�rdest, habe ich recht?</emphasis> �Ich m�chte nur, dass einer von euch mich begleitet. Ich bin nicht besonders gut darin, diese Feensprache immer richtig zu treffen. Dadurch kann der m�gliche Schaden zumindest begrenzt werden. Aber wenn die K�nigin irgendetwas tun kann��</p><p>�Ich komme mit�, sagte Isabelle sofort.</p><p>Alec warf seiner Schwester einen finsteren Blick zu. �Wir haben bereits mit dem Lichten Volk gesprochen. Der Rat hat die Feenwesen intensiv befragt. Und sie k�nnen ja nicht l�gen.�</p><p>�Der Rat hat sie gefragt, ob sie w�ssten, wo Jace und Sebastian sind, aber nicht, ob sie bereit w�ren, nach ihnen zu suchen�, entgegnete Clary. �Die Elbenk�nigin wusste von meinem Vater, wusste von dem Engel, den er herbeigerufen und gefangen gehalten hatte, und sie kannte die Wahrheit �ber mein Blut und das von Jace. Ich denke, in dieser Welt passieren nur wenige Dinge, �ber die sie nicht genau Bescheid wei�.�</p><p>�Das stimmt�, best�tigte Isabelle mit zunehmender Begeisterung in der Stimme. �Du wei�t doch, dass man den Feenwesen die richtigen Fragen stellen muss, um irgendwelche n�tzlichen Informationen aus ihnen herauszukriegen, Alec. Sie lassen sich nur schwer verh�ren, selbst wenn sie verpflichtet sind, die Wahrheit zu sagen. Aber ein Gefallen, den sie von sich aus anbieten, ist etwas vollkommen anderes.�</p><p>�Daf�r ist das damit verbundene Risiko v�llig unkalkulierbar�, erwiderte Alec. �Wenn Jace w�sste, dass ich Clary erlaube, die Elbenk�nigin aufzusuchen, dann w�rde er��</p><p>�Das ist mir egal�, unterbrach Clary ihn. �Jace w�rde f�r mich dasselbe tun. Versuch mir nicht zu erz�hlen, dass das nicht stimmt. Wenn ich verschwunden w�re��</p><p>�W�rde er die ganze Welt in Schutt und Asche legen, um dich aus den Tr�mmern ausgraben zu k�nnen. Ich wei߫, r�umte Alec leicht ersch�pft ein. �Glaubt ihr wirklich, ich w�rde das nicht auch wollen? Ich versuche doch nur��</p><p>�Wie ein �lterer Bruder zu handeln�, erg�nzte Isabelle. �Ich versteh schon.�</p><p>Einen Moment lang sah Alec aus, als m�sste er um seine Fassung ringen. �Wenn dir etwas zusto�en w�rde, Isabelle � nach dem, was mit Max passiert ist, und nun Jace��</p><p>Izzy sprang auf, durchquerte den Raum und schlang die Arme um Alec. Ihre dunklen Haare, die exakt denselben Farbton besa�en, schoben sich ineinander, als Isabelle ihrem Bruder etwas ins Ohr fl�sterte.</p><p>Mit einem leichten Anflug von Neid beobachtete Clary die beiden. Sie hatte sich immer einen Bruder gew�nscht. Jetzt hatte sie einen: Sebastian. Es schien, als h�tte sie sich einen Welpen zu Weihnachten erhofft und w�re stattdessen mit einem H�llenhund �berrascht worden. Sie sah zu, wie Alec seiner Schwester liebevoll durch die Haare fuhr, dann nickte und sie loslie�.</p><p>�Wir gehen gemeinsam�, verk�ndete er. �Aber ich muss wenigstens Magnus erz�hlen, was wir vorhaben. Alles andere w�re nicht fair.�</p><p>�Du kannst mein Handy benutzen�, sagte Isabelle und streckte ihm das zerbeulte pinkrosa Mobiltelefon entgegen.</p><p>Doch Alec sch�ttelte den Kopf. �Er wartet unten, zusammen mit den anderen. Du wirst Luke ebenfalls irgendeine Ausrede auftischen m�ssen, Clary. Denn ich bin mir sicher, er erwartet, dass du ihn nach Hause begleitest. Au�erdem meinte er, dass es deiner Mutter wegen dieser ganzen Geschichte ziemlich mies geht.�</p><p>�Sie gibt sich die Schuld an Sebastians Existenz.� Clary stand auf. �Auch wenn sie die ganze Zeit gedacht hat, er w�re tot.�</p><p>�Das ist doch nicht ihr Fehler.� Isabelle nahm die goldene Peitsche vom Wandhaken und wickelte sie um ihr Handgelenk, sodass sie wie eine Reihe gl�nzender Armb�nder wirkte. �Und es macht ihr doch auch niemand einen Vorwurf.�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, wandte Alec ein. �Nicht, wenn man sich selbst die Schuld gibt.�</p><p>Schweigend machten die drei sich auf den Weg durch die G�nge des Instituts, in dem es untypischerweise von Schattenj�gern nur so wimmelte. Einige der Nephilim geh�rten den Spezialeinheiten an, die Idris zur Unterst�tzung in diesem Fall entsandt hatte. Aber niemand von ihnen schenkte Isabelle, Alec oder Clary besondere Beachtung. Anfangs hatte Clary das Gef�hl gehabt, man w�rde sie von allen Seiten anstarren, und gefl�sterte Bemerkungen wie �Valentins Tochter� hatten sie beinahe dazu gebracht, nicht mehr ins Institut zu kommen. Doch inzwischen hatte sie oft genug vor dem Rat ausgesagt, dass ihr Anblick f�r die meisten Schattenj�ger nichts Besonderes mehr war.</p><p>Der Aufzug brachte sie hinunter in das Mittelschiff des Instituts, das mit Elbenlichtfackeln und Wachskerzen hell erleuchtet war. Zahlreiche Ratsmitglieder und ihre Familien standen in den G�ngen und unterhielten sich. Luke und Magnus sa�en in einer der Kirchenb�nke, in ein Gespr�ch vertieft. Daneben entdeckte Clary eine gro� gewachsene Frau mit blauen Augen, die genau wie Luke aussah. Ihre eigentlich grauen Haare waren braun gef�rbt und lockig, doch Clary erkannte sie trotzdem wieder: Lukes Schwester Amatis.</p><p>Als Magnus Alec erblickte, stand er auf und ging zu ihm hin�ber; Izzy schien eine Bekannte in einer der anderen B�nke zu ersp�hen und marschierte direkt auf sie zu � wie �blich, ohne irgendjemandem zu erz�hlen, was sie vorhatte. Clary schlenderte hin�ber zu Luke und Amatis; beide wirkten sehr ersch�pft und Amatis klopfte ihrem Bruder mitf�hlend auf die Schulter. Luke umarmte Clary und auch Amatis gratulierte ihr zu ihrem Freispruch, woraufhin sie stumm nickte. Sie f�hlte sich wie bet�ubt, als w�re sie gar nicht richtig anwesend, und reagierte mehr oder weniger auf Autopilot.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah sie Magnus und Alec. Die beiden unterhielten sich, die K�pfe dich beieinander � so wie Clary es auch schon bei anderen Paaren beobachtet hatte: einander eng zugewandt, allein in ihrem eigenen, kleinen Universum. Obwohl Clary sich freute, die beiden gl�cklich zu sehen, schmerzte sie der Anblick. Und sie fragte sich, ob sie selbst etwas �hnliches jemals wieder erleben w�rde oder es �berhaupt erleben wollte. Unwillk�rlich musste sie an Jace� Worte denken: <emphasis>Aber ich will niemand anderen au�er dir. Ich will noch nicht mal jemand anderen als dich </emphasis>wollen.</p><p>�Erde an Clary�, bemerkte Luke in dem Moment. �Sollen wir nach Hause fahren? Deine Mutter will dich unbedingt sehen und sie m�chte sich bestimmt gern noch in Ruhe mit Amatis unterhalten, ehe sie morgen nach Idris zur�ckkehrt. Ich dachte, wir k�nnten zusammen eine Kleinigkeit essen gehen. Du darfst das Restaurant ausw�hlen�, sagte er und versuchte dabei, die Sorge in seiner Stimme zu �berspielen.</p><p>Doch Clary konnte sie trotzdem h�ren. Sie hatte in letzter Zeit nicht viel gegessen und ihre Kleidung hing ihr allm�hlich ziemlich locker von den Schultern. �Mir ist eigentlich nicht nach Feiern zumute�, stellte sie fest. �Jedenfalls nicht, solange der Rat die Suche nach Jace als weniger wichtig eingestuft hat.�</p><p>�Clary, das bedeutet nicht, dass die Suche vollkommen eingestellt w�rde�, erkl�rte Luke.</p><p>�Ich wei�. Es ist nur so� wie in diesen Berichterstattungen, in denen davon geredet wird, dass die �Such- und Rettungsaktion� jetzt nur noch eine Leichensuche ist. Genau so klingt es jedenfalls.� Clary musste schlucken. �Na jedenfalls habe ich sowieso daran gedacht, mit Isabelle und Alec zu Taki�s zu gehen und da was zu essen�, sagte sie. �Einfach� was ganz Normales machen.�</p><p>Amatis sp�hte in Richtung T�r. �Drau�en regnet es ziemlich heftig.�</p><p>Clary sp�rte, wie sich ihr Mund zu einem L�cheln verzog. Und sie fragte sich, ob dieses L�cheln wohl genauso falsch wirkte, wie es sich anf�hlte. �Mir passiert schon nichts. Ich bin ja nicht aus Zucker.�</p><p>�Aber versprich mir, dass du auch wirklich etwas isst�, verlangte Luke und dr�ckte ihr etwas Geld in die Hand, sichtlich erleichtert, dass sie etwas Normales unternehmen und mit ihren Freunden essen gehen wollte.</p><p>�Okay.� Trotz eines Anflugs von schlechtem Gewissen gelang es Clary, ihm ein wenigstens halbwegs aufrichtiges L�cheln zu schenken, ehe sie sich auf den Weg machte.</p><p>Magnus und Alec standen nicht mehr dort, wo sie sich kurz zuvor noch unterhalten hatten. Fragend schaute Clary sich um und entdeckte schlie�lich Izzys vertrauten schwarzen Haarschopf in der Menge. Die junge Schattenj�gerin lehnte an der gro�en Doppelfl�gelt�r des Instituts und sprach mit jemandem, den Clary nicht sehen konnte. Als sie n�her kam, erkannte sie pl�tzlich und mit einem leichten Schreck ein Gesicht in der Gruppe rund um Isabelle: Aline Penhallow, deren gl�nzende schwarze Haare zu einer modischen, schulterlangen Frisur geschnitten waren. Neben Aline stand ein schlankes M�dchen mit platinblonden Ringellocken; sie hatte sie nach hinten gebunden, wodurch ihre leicht spitzen Ohren zum Vorschein kamen. Das M�dchen trug die Ratsrobe und Clary bemerkte, dass ihre Augen einen strahlenden, ungew�hnlichen Blaugr�nton besa�en � eine Farbe, die in Clary zum ersten Mal seit zwei Wochen den Wunsch weckte, ihre Zeichenstifte hervorzuholen.</p><p>�Muss doch irgendwie merkw�rdig sein, dass deine Mutter die neue Konsulin ist�, sagte Isabelle gerade zu Aline, als Clary sich zu ihnen gesellte. �Nicht, dass Jia schlechter w�re als� Hey, Clary. Aline, du erinnerst dich doch an Clary, oder?�</p><p>Die beiden M�dchen nickten sich zu. Clary hatte Aline mal beim Knutschen mit Jace �berrascht. Damals war dieser Anblick einfach schrecklich gewesen, doch nun versetzte ihr die Erinnerung daran keinen Stich mehr. Denn inzwischen hatte Clary einen Punkt erreicht, an dem sie erleichtert gewesen w�re, wenn sie Jace bei einem Kuss mit einer anderen ertappt h�tte � schlie�lich w�rde das bedeuten, dass er noch lebte.</p><p>�Und das hier ist Helen Blackthorn, Alines <emphasis>Freundin�,</emphasis> f�gte Isabelle �bertrieben betont hinzu.</p><p>Ver�rgert warf Clary ihr einen Blick zu. Hielt Isabelle sie etwa f�r bescheuert? Au�erdem erinnerte sie sich daran, dass Aline ihr erz�hlt hatte, sie habe Jace nur versuchsweise gek�sst, als eine Art Experiment, um herauszufinden, welche Sorte von Jungs ihr Typ war. Offenbar gar keiner.</p><p>�Helens Familie leitet das Institut in Los Angeles. Helen, das ist Clary Fray�, fuhr Isabelle fort.</p><p>�Valentins Tochter�, sagte Helen und betrachtete Clary �berrascht und ein wenig beeindruckt.</p><p>Clary zuckte zusammen. �Ich versuche, nicht allzu oft dar�ber nachzudenken.�</p><p>��tschuldigung. Ich versteh schon, warum du das nicht willst�, erwiderte Helen und err�tete, wobei ihre sehr helle, fast schon perlmuttartig schimmernde Haut einen leichten Rosaton annahm. �Ich habe mich �brigens daf�r ausgesprochen, dass die Suche nach Jace weiterhin oberste Priorit�t hat. Tut mir leid, dass wir �berstimmt wurden.�</p><p>�Danke�, sagte Clary. Da sie nicht l�nger �ber dieses Thema sprechen wollte, wandte sie sich an Aline und meinte: �Herzlichen Gl�ckwunsch zur Bef�rderung deiner Mutter. Das muss doch toll sein, dass sie jetzt die neue Konsulin ist.�</p><p>Aline zuckte die Achseln. �Sie ist jetzt noch viel mehr unterwegs als sonst.� Dann wandte sie sich an Isabelle: �Hast du gewusst, dass dein Dad sich f�r den Posten des Inquisitors beworben hat?�</p><p>Clary sp�rte, wie Isabelle neben ihr erstarrte.</p><p>�Nein. Nein, das hab ich nicht gewusst.�</p><p>�Ich war auch �berrascht�, fuhr Aline fort. �Ich dachte, sein Herz hinge an der Leitung des hiesigen Instituts�� Pl�tzlich verstummte Aline, schaute an Clary vorbei und meinte dann: �Helen, ich glaub, dein Bruder versucht gerade, den gr��ten Wachsflecken der Welt zu fabrizieren. Wahrscheinlich solltest du besser eingreifen.�</p><p>Helen schnaubte genervt, murmelte irgendetwas �ber zw�lfj�hrige Jungs und verschwand in dem Augenblick in der Menge, als Alec sich einen Weg zu ihnen bahnte und Aline zur Begr��ung herzlich umarmte. Manchmal verga� Clary, dass die Penhallows und die Lightwoods sich schon seit Jahren kannten�</p><p>�War das gerade deine Freundin?�, fragte Alec und schaute Helen nach.</p><p>Aline nickte. �Ja, Helen Blackthorn.�</p><p>�Ich hab geh�rt, dass durch die Adern ihrer Familie Feenblut flie�en soll�, sagte Alec.</p><p><emphasis>Ah,</emphasis> dachte Clary, <emphasis>das erkl�rt die spitzen Ohren.</emphasis> Das Blut der Nephilim war zwar dominant, sodass das Kind eines Feenwesens und eines Schattenj�gers auf jeden Fall auch ein Nephilim wurde, aber manchmal schlug das Feenblut eben doch durch und machte sich noch Generationen sp�ter auf eigent�mliche Weise bemerkbar.</p><p>�Ja, ein wenig�, best�tigte Aline. �H�r mal, Alec, ich m�chte mich bei dir bedanken.�</p><p>Verwundert schaute Alec sie an. �Wof�r?�</p><p>�F�r das, was du in der Halle des Abkommens getan hast: Magnus in aller �ffentlichkeit zu k�ssen�, erkl�rte Aline. �Das hat mir den n�tigen Ansto� gegeben, es meinen Eltern zu erz�hlen� ich meine, mich zu outen. Und wenn ich das nicht getan h�tte, w�re ich danach vermutlich nicht in der Lage gewesen, Helen anzusprechen, als ich sie das erste Mal traf� ich h�tte einfach nicht den Mut dazu gehabt.�</p><p>�Ach ja?� Alec wirkte verbl�fft, als h�tte er nie dar�ber nachgedacht, welche Auswirkungen seine Handlungen auf andere Menschen haben konnten � Menschen, die nicht zu seinem engsten Familienkreis geh�rten. �Und deine Eltern� wie haben sie darauf reagiert?�</p><p>Aline rollte mit den Augen. �Sie ignorieren es. Als w�re es nur eine Phase, die vor�bergeht, wenn man nicht dar�ber spricht.�</p><p>Clary erinnerte sich daran, was Isabelle �ber die Haltung des Rats zur Homosexualit�t gesagt hatte: <emphasis>Wenn jemand schwul ist, dann wird nicht dar�ber gesprochen.</emphasis></p><p>�Aber es k�nnte schlimmer sein�, f�gte Aline hinzu.</p><p>�Definitiv�, best�tigte Alec mit einem so bitteren Ton in der Stimme, dass Clary ihn erstaunt musterte.</p><p>Aline schaute ihn an und l�chelte verst�ndnisvoll. �Das tut mir leid � wenn deine Eltern nicht��</p><p>�Sie haben kein Problem damit�, warf Isabelle etwas zu scharf ein.</p><p>�Na ja, wie dem auch sei. Ich h�tte gar nicht davon anfangen sollen. Jedenfalls nicht jetzt, wo Jace verschwunden ist. Ihr macht euch bestimmt furchtbare Sorgen.� Aline holte tief Luft. �Ich bin mir sicher, dass ihr schon die d�mlichsten Dinge �ber ihn zu h�ren bekommen habt � so wie die Leute nun mal reden, wenn sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Ich� ich wollte euch nur schnell was erz�hlen.� Ungeduldig wich sie einem vorbeischlendernden Ratsmitglied aus und trat n�her an die Lightwood-Geschwister und Clary heran. �Alec, Izzy��, setzte sie mit gesenkter Stimme an, �ich erinnere mich noch gut an einen eurer Ferienaufenthalte in Idris, als ihr uns besucht habt. Ich war dreizehn und Jace war� ich glaub, er war zw�lf. Damals wollte er unbedingt in den Brocelind-Wald, also haben wir uns ein paar Pferde geliehen und sind losgeritten. Und nat�rlich haben wir uns total verirrt. Dieses Gebiet ist schlie�lich nicht umsonst f�r sein undurchdringliches Dickicht ber�chtigt. Jedenfalls wurde es immer dunkler und der Wald immer dichter und ich immer �ngstlicher. Ich dachte, wir m�ssten dort sterben. Aber Jace hatte nicht die geringste Angst. F�r ihn bestand �berhaupt kein Zweifel daran, dass wir wieder aus dem Wald hinausfinden w�rden. Es hat zwar Stunden gedauert, aber letztendlich hat er es geschafft: Er hat uns da rausgelotst. Ich war ihm total dankbar, aber er hat mich nur angesehen, als h�tte ich den Verstand verloren. F�r ihn war es selbstverst�ndlich, dass er einen Weg aus dem Wald finden w�rde. Etwas anderes kam gar nicht infrage. Ich will damit nur sagen: Er wird einen Weg zu euch zur�ck finden. Ich wei� es einfach.�</p><p>Clary konnte sich nicht erinnern, dass Izzy in ihrer Gegenwart jemals geweint h�tte, und sie gab sich auch jetzt alle M�he, nicht in Tr�nen auszubrechen. Aber ihre Augen gl�nzten verd�chtig. Und auch Alec schaute auf seine Schuhe. Pl�tzlich sp�rte Clary, wie eine Woge aus Kummer und Leid sie zu �berw�ltigen drohte, doch sie unterdr�ckte sie mit aller Macht. Sie durfte jetzt nicht an Jace denken, wie er sich als Zw�lfj�hriger im dunklen Wald verirrt hatte, weil sie sonst daran denken musste, wo er sich jetzt wohl befand � irgendwo eingesperrt, allein in der Dunkelheit, wartend, dass sie zu ihm kam und ihm half� Sobald sie dar�ber nachdachte, w�rde sie komplett zusammenbrechen. �Danke, Aline�, presste sie stattdessen hervor, da weder Isabelle noch Alec in der Lage waren zu sprechen. �Danke.�</p><p>Das M�dchen schenkte ihr ein sch�chternes L�cheln. �Ich bin sicher, er findet zur�ck.�</p><p>�Aline!�, rief Helen in dem Moment und zog mit festem Griff einen Jungen hinter sich her, dessen H�nde mit blauem Wachs verschmiert waren. Er hatte wohl mit den Kerzen in den riesigen St�ndern herumgespielt, die die Seiteng�nge des Kirchenschiffs erhellten. Dem Aussehen nach musste er um die zw�lf Jahre alt sein; ein lausb�bisches Grinsen lag auf seinem kleinen Gesicht und seine Augen funkelten schelmisch. Derselbe aufsehenerregende Blaugr�nton wie bei seiner Schwester, dachte Clary, allerdings besa� er dunkelbraune Haare. �Ich glaube, wir sollten uns besser auf den Weg machen, ehe Jules noch das gesamte Institut verw�stet. Ganz zu schweigen davon, dass ich keine Ahnung habe, wo Tibs und Livvy stecken k�nnten.�</p><p>�Sie sind dahinten und essen Wachs�, erkl�rte der Junge � Jules � hilfsbereit.</p><p>�Oh Gott�, st�hnte Helen und schaute dann entschuldigend in die Runde. �Tut mir leid. Aber ich bin die Zweit�lteste von uns und hab noch sechs j�ngere Geschwister. Bei uns geht es immer zu wie in einem Zoo.�</p><p>Jules betrachtete Alec, dann Isabelle und schlie�lich Clary. �Wie viele Br�der und Schwestern habt ihr denn?�, fragte er.</p><p>Helen erbleichte. Doch Isabelle erkl�rte mit bemerkenswert ruhiger Stimme: �Wir sind zu dritt.�</p><p>Mit gro�en Augen musterte Jules Clary und meinte dann: �Du siehst den anderen gar nicht �hnlich.�</p><p>�Wir sind auch nicht miteinander verwandt�, sagte Clary. �Ich hab keine Geschwister.�</p><p>�Keinen einzigen Bruder oder Schwester?� Jules klang ziemlich erstaunt, als h�tte Clary ihm gerade erz�hlt, sie bes��e Schwimmh�ute zwischen den Zehen. �Bist du deshalb so traurig?�</p><p>Clary musste an Sebastian denken, mit den wei�blonden Haaren und den schwarzen Augen. <emphasis>Sch�n w�r�s,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Wenn ich doch nur keinen Bruder h�tte, denn dann w�re all das hier nicht passiert.</emphasis> Ein hei�er Anflug von Hass jagte durch ihren K�rper und w�rmte ihr eisiges Blut. �Ja�, best�tigte sie leise, �deshalb bin ich so traurig.�</p></section><section><title><p>2</p><p>Dornen</p></title><p>Simon wartete vor dem Institut auf Clary, Alec und Isabelle. Er stand unter einem Mauervorsprung, der ihn notd�rftig vor dem schlimmsten Regen abschirmte, und drehte sich um, als die drei das Geb�ude verlie�en. Clary sah, dass die dunklen Haare ihm vor lauter N�sse an Hals und Nacken klebten. Mit einer ungeduldigen Handbewegung schob er sie zur Seite und schaute Clary fragend an.</p><p>�Ich bin von allen Vorw�rfen freigesprochen�, erkl�rte sie, doch als sich ein L�cheln auf Simons Gesicht ausbreitete, sch�ttelte sie den Kopf. �Aber die Suche nach Jace hat nicht mehr oberste Priorit�t. Ich� bin mir sicher, dass der Rat ihn f�r tot h�lt.�</p><p>Kopfsch�ttelnd senkte Simon die Augen und blickte auf seine nasse Jeans und das T-Shirt, ein zerknittertes graues Ringershirt mit farblich abgesetztem Kragen und der Aufschrift clearly i have made some bad decisions. �Tut mir echt leid�, meinte er mitf�hlend.</p><p>�So ist der Rat nun mal�, erkl�rte Isabelle. �Vermutlich h�tten wir nichts anderes erwarten d�rfen.�</p><p><emphasis>�Basia coquum�,</emphasis> sagte Simon. �Oder wie auch immer dieses Nephilim-Motto hei�t.�</p><p>�Unser Motto lautet: <emphasis>Facilis descensus Averni</emphasis> � �der Abstieg zur H�lle ist leicht��, berichtigte Alec ihn. �Und <emphasis>du</emphasis> hast gerade gesagt: �K�ss den Koch.��</p><p>�Verdammt�, stie� Simon hervor. �Ich hab doch gewusst, dass Jace mich verarscht.� Als ihm seine feuchten dunklen Haare erneut in die Augen fielen, schob er sie ein weiteres Mal so ungeduldig zur�ck, dass Clary einen kurzen Blick auf das silbern schimmernde Kainsmal auf seiner Stirn werfen konnte. �Und was machen wir jetzt?�, fragte er.</p><p>�Jetzt besuchen wir die K�nigin des Lichten Volkes�, verk�ndete Clary. Sie ber�hrte die Glocke an ihrer Halskette, w�hrend sie Simon rasch von der Elfe Kaelie erz�hlte, die an Lukes und Jocelyns Polterabend zu ihr gekommen war und ihr die Hilfe der Elbenk�nigin angeboten hatte.</p><p>Simon musterte sie skeptisch. �Das ist doch diese arrogante rothaarige Dame, die dich gezwungen hat, Jace zu k�ssen, oder? Ich mag sie nicht.�</p><p>�Ist das alles, woran du dich im Zusammenhang mit der K�nigin erinnerst? Dass sie Clary dazu gebracht hat, mit Jace zu knutschen?�, meinte Isabelle aufgebracht. �Die K�nigin des Lichten Volkes ist gef�hrlich. Damals hat sie sich mit uns nur ein wenig am�siert. Normalerweise treibt sie schon vor dem Fr�hst�ck wenigstens eine Handvoll Menschen in den Wahnsinn.�</p><p>�Ich bin kein Mensch�, sagte Simon. �Nicht mehr.� Er warf Isabelle einen kurzen Blick zu, schaute dann rasch zu Boden und wandte sich anschlie�end an Clary: �M�chtest du, dass ich mitkomme?�</p><p>�Ich denke, es w�re gut, dich dabeizuhaben. Tageslichtler, Kainsmal � mit manchen Dingen m�sste selbst die Elbenk�nigin zu beeindrucken sein.�</p><p>�Ich w�rde nicht darauf wetten�, bemerkte Alec.</p><p>Clary schaute an ihm vorbei und fragte: �Wo ist Magnus?�</p><p>�Er meinte, es sei wohl besser, wenn er uns nicht begleitet. Anscheinend verbindet ihn und die Elbenk�nigin eine gemeinsame Geschichte.�</p><p>Verwundert zog Isabelle die Augenbrauen hoch.</p><p>�Nicht <emphasis>die</emphasis> Art von Geschichte�, erwiderte Alec gereizt. �Eher eine Fehde. Obwohl��, f�gte er leise hinzu, �so wie Magnus vor meiner Zeit herumgekommen ist, w�rde mich das auch nicht wundern.�</p><p>�Alec!� Isabelle blieb abrupt stehen, um mit ihrem Bruder zu reden, w�hrend Clary ihren Schirm mit einem <emphasis>Klick</emphasis> aufspringen lie�. Simon hatte ihr den Taschenschirm vor Jahren im <emphasis>Museum of Natural History</emphasis> gekauft und Clary sah ihn grinsen, als er das Dinosauriermuster wiedererkannte.</p><p>�Lust auf einen Spaziergang?�, fragte er und bot ihr seinen Arm an.</p><p>Der Regen prasselte unabl�ssig vom Himmel und bildete kleine Rinnsale, die sich vor den Gullis stauten und von den R�dern vorbeifahrender Taxis in einem Schwall auf den Gehweg gespritzt wurden. Seltsam, dachte Simon � obwohl er keine K�lte mehr sp�rte, f�hlte sich die v�llig durchn�sste Kleidung auf seiner Haut noch immer unangenehm an. Vorsichtig warf er einen Blick �ber die Schulter, zu Alec und Isabelle. Seit die drei aus dem Institut gekommen waren, hatte Isabelle ihm noch nicht richtig in die Augen gesehen, und Simon fragte sich, was sie wohl dachte. Sie schien mit ihrem Bruder viel zu besprechen zu haben, und als sie an der Ecke zur Park Avenue kurz stehen blieben, h�rte er, wie sie Alec fragte: �Und, was h�ltst du jetzt davon? Dass Dad sich f�r den Posten des Inquisitors beworben hat?�</p><p>�F�r mich klingt das nach einem ziemlich langweiligen Job.�</p><p>Isabelles transparenter Regenschirm war �ber und �ber mit bunten Blumen dekoriert � und das mit Abstand M�dchenhafteste, das Simon je an ihr gesehen hatte. Kein Wunder, dass Alec sich nicht bei seiner Schwester unterstellen wollte und sich stattdessen lieber dem Regen aussetzte, dachte er.</p><p>�Keine Ahnung, warum Dad auf die Stelle �berhaupt scharf sein sollte�, f�gte Alec hinzu.</p><p>�Es interessiert mich nicht, ob der Job <emphasis>langweilig</emphasis> ist�, zischte Isabelle im Fl�sterton. �Wenn er den Posten bekommt, wird er st�ndig in Idris sein. Die <emphasis>ganze</emphasis> Zeit. Er kann nicht das Institut leiten und als Inquisitor arbeiten. Schlie�lich kann er nicht zwei Jobs gleichzeitig machen.�</p><p>�Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte, Izzy: Er ist auch jetzt schon st�ndig in Idris.�</p><p>�Alec�� Der Rest ihrer Worte ging im Stra�enl�rm unter, als eine Ampel gr�n wurde und der Verkehr weiterbrauste. Clary versuchte, einer Wasserfont�ne auszuweichen, und w�re dabei fast gegen Simon gesto�en, der sie reflexartig an der Hand packte.</p><p>��tschuldigung�, murmelte sie.</p><p>Ihre Hand f�hlte sich klein und kalt in der seinen an.</p><p>�Ich habe gerade nicht aufgepasst�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Ich wei߫, sagte Simon, darum bem�ht, nicht allzu besorgt zu klingen. Seit zwei Wochen hatte Clary nun schon �gerade nicht aufgepasst�. Anfangs hatte sie viel geweint und dann war sie w�tend geworden � weil sie nicht an der Suche nach Jace teilnehmen durfte und der Rat sie tagelang wieder und wieder befragte. Wie eine Gefangene musste sie zu Hause herumsitzen, solange sie unter Verdacht stand. Doch die meiste Zeit war sie auf sich selbst w�tend gewesen, weil ihr beim besten Willen keine Rune einfiel, die bei der Suche helfen konnte. Ganze N�chte sa� sie am Schreibtisch, die Stele so fest umklammert, dass ihre Fingerkn�chel wei� hervortraten und Simon schon bef�rchten musste, Clary w�rde sie in der Mitte zerbrechen. Sie versuchte, ihren Verstand dazu zu zwingen, ihr irgendein Bild zu liefern mit dem Hinweis, wo Jace sich befand. Doch Nacht f�r Nacht passierte rein gar nichts.</p><p>Sie sah �lter aus, �berlegte Simon, w�hrend sie durch eine L�cke in der Steinmauer an der Fifth Avenue den Central Park betraten. �lter, aber keineswegs schlechter; nur eben ganz anders als das M�dchen, mit dem er damals in den Pandemonium Club gegangen war � an jenem Abend, der alles ver�ndert hatte. Klar war sie in der Zwischenzeit gewachsen, aber das war noch nicht alles: Ihre Miene wirkte ernster, ihr Gang besa� mehr Kraft und Anmut und ihre gr�nen Augen zuckten weniger hin und her, schauten konzentrierter. Sie entwickelte allm�hlich immer gr��ere �hnlichkeit mit Jocelyn, stellte Simon �berrascht fest.</p><p>In einem Kreis aus leise tropfenden B�umen blieb Clary stehen; die dichten Zweige sch�tzten vor dem starken Regen und die beiden M�dchen lehnten ihre Schirme gegen einen Baumstamm. Dann nahm Clary die Glocke von der Halskette und hielt sie in ihrer offenen Handfl�che. Mit ernstem Gesichtsausdruck schaute sie die anderen der Reihe nach an. �Wenn ich die Glocke l�ute, gehe ich damit ein gro�es Risiko ein�, sagte sie, �und ich bin mir sicher, wenn ich das tue, werde ich keinen R�ckzieher machen k�nnen. Falls also einer von euch nicht mitkommen m�chte, ist das vollkommen in Ordnung. Ich verstehe das.�</p><p>Simon streckte den Arm aus und legte seine Hand �ber Clarys. Er brauchte nicht lange nachzudenken: Wo Clary hinging, da ging auch er hin. Sie hatten schon zu vieles gemeinsam durchgestanden, als dass irgendetwas anderes infrage gekommen w�re. Isabelle folgte seinem Beispiel und schlie�lich auch Alec. Von seinen langen schwarzen Wimpern tropfte der Regen wie Tr�nen, aber seine Miene wirkte entschlossen. Die vier hielten einander fest an den H�nden.</p><p>Dann l�utete Clary die Silberglocke.</p><p>Im n�chsten Moment kam es ihr so vor, als w�rde sich die Welt um sie herum bewegen. Es f�hlte sich aber ganz und gar nicht wie die Reise durch ein Portal an � als w�re sie in einen Meeresstrudel geraten �, sondern eher wie eine Fahrt in einem Karussell, das sich immer schneller drehte. Clary wurde schwindlig und sie musste nach Luft schnappen, als die Kreiselbewegung abrupt endete und sie wieder festen Boden unter den F��en sp�rte. Doch Isabelle, Alec und Simon hielten sie noch immer an den H�nden.</p><p>Die vier Jugendlichen l�sten sich voneinander und Clary schaute sich um. Sie war schon einmal hier gewesen, in diesem dunkelbraunen Erdgang, dessen W�nde aussahen, als w�ren sie aus Tigeraugenquarz gemei�elt. Der Boden schimmerte, glatt poliert von kleinen Elbenf��en, die seit Jahrtausenden diesen Weg gegangen waren. Glitzernde Goldpartikel in den W�nden strahlten Licht aus und am Ende des Gangs hing ein bunter Vorhang, der langsam vor und zur�ck schwang, als w�rde er durch einen Luftzug bewegt � obwohl es hier unten nicht den geringsten Windhauch gab. Als Clary n�her kam, erkannte sie, dass der Querbehang aus Schmetterlingen gen�ht war. Manche der Falter lebten noch und ihr Todeskampf lie� den Vorhang leicht flattern.</p><p>Clary schluckte den bitteren Geschmack in ihrem Mund hinunter. �Hallo?�, rief sie. �Ist da jemand?�</p><p>Im n�chsten Moment wurde der Vorhang raschelnd beiseitegeschoben und der Elbenritter Meliorn betrat den Gang. Er trug dieselbe wei�e R�stung wie bei ihrer letzten Begegnung, nun jedoch mit dem gleichen Siegel auf der linken Brust, das auch Lukes Ratsrobe zierte und ihn als Mitglied der Kongregation auswies � dem vierfachen C. Eine frische Narbe schimmerte direkt unterhalb seiner blattgr�nen Augen. K�hl musterte er Clary. �Man begr��t die K�nigin des Lichten Volkes nicht mit einem barbarischen �Hallo�, als w�rde man einen Bediensteten herbeirufen�, teilte er ihr frostig mit. �Die korrekte Form der Anrede lautet �Seid gegr��t�.�</p><p>�Aber wie kann ich sie gr��en, wenn ich nicht einmal wei�, ob sie �berhaupt hier ist?�, erwiderte Clary.</p><p>Meliorn warf ihr einen ver�chtlichen Blick zu. �Wenn die K�nigin nicht anwesend und bereit w�re, dich zu empfangen, h�tte das L�uten der Glocke dich nicht hierhergebracht. Und jetzt komm und sag deinen Begleitern, dass sie mir folgen sollen.�</p><p>Clary gab den anderen ein Zeichen und tauchte dann hinter Meliorn durch den Vorhang aus gemarterten Schmetterlingen hindurch, wobei sie die Schultern kr�mmte in der Hoffnung, nicht mit den Falterfl�geln in Ber�hrung zu kommen.</p><p>Der Reihe nach betraten die vier die Gem�cher der K�nigin. Verwundert schaute Clary sich um: Der Raum sah v�llig anders aus als bei ihrem letzten Besuch. Der Boden bestand aus schwarzen und wei�en Steinquadern und erinnerte an ein gigantisches Schachbrett, in dessen Mitte die Elbenk�nigin auf einem wei�en, mit Gold verzierten Diwan ruhte. Ranken mit spitzen Dornen hingen wie Schn�re von der Decke und auf jedem Dorn war ein Irrlicht aufgespie�t. W�hrend sie ihr Leben aushauchten, flackerte ihr einst so helles Leuchten kl�glich und tauchte den Raum in ein ged�mpftes Licht.</p><p>Au�er Meliorn, der sich direkt neben der K�nigin postierte, war nicht ein einziger ihrer H�flinge anwesend. Langsam setzte die Elbenk�nigin sich auf. Sie war so sch�n wie eh und je: ihr Kleid ein durchscheinendes Gewebe aus Silber- und Goldf�den, ihr Haar so schimmernd wie gl�nzendes Kupfer. Lasziv drapierte sie es �ber ihre wei�en Schultern. Clary fragte sich, wozu sie sich �berhaupt die M�he machte: Denn von allen Anwesenden im Raum war Simon der Einzige, den ihre Sch�nheit m�glicherweise ber�hren konnte, aber er hasste sie aus ganzem Herzen.</p><p>�Seid gegr��t, Nephilim, Tageslichtler�, sagte die K�nigin und neigte den Kopf in ihre Richtung. �Valentinstochter, was f�hrt dich zu mir?�</p><p>Clary �ffnete ihre Hand. Die schimmernde Silberglocke wirkte wie ein lebender Vorwurf. �Ihr habt mir durch Eure Dienerin ausrichten lassen, dass ich diese Glocke l�uten soll, wenn ich jemals Eure Hilfe brauchen w�rde.�</p><p>�Aber du hast mir doch mitgeteilt, dass du keinen Gefallen von mir ben�tigen w�rdest. Weil du bereits alles h�ttest, was du dir nur w�nschen k�nntest�, entgegnete die K�nigin.</p><p>Verzweifelt versuchte Clary, sich daran zu erinnern, wie Jace sich w�hrend der ersten Audienz am Lichten Hof verhalten hatte, wie er die K�nigin umgarnt und ihr geschmeichelt hatte. Er hatte pl�tzlich ganz neue Worte und Formulierungen verwendet. Ratlos warf Clary einen Blick �ber die Schulter zu Isabelle und Alec, doch Isabelle machte nur eine gereizte Handbewegung und gab ihr zu verstehen, sie solle einfach fortfahren. �Die Dinge �ndern sich�, sagte Clary vorsichtig.</p><p>Die K�nigin reckte gen�sslich ihre langen Beine. �Nun gut. Und was w�nschst du von mir?�</p><p>�Ich m�chte, dass Ihr Jace Lightwood findet.�</p><p>In dem darauffolgenden Schweigen h�rte man nur noch die ged�mpften Schmerzensschreie der Irrlichter. Schlie�lich sagte die K�nigin: �Du musst uns f�r sehr m�chtig halten, wenn du glaubst, das Lichte Volk k�nnte dort Erfolg haben, wo der Rat versagt hat.�</p><p>�Der Rat will Sebastian finden. Aber mich interessiert Sebastian nicht. Ich will Jace�, erkl�rte Clary. �Au�erdem wei� ich, dass Ihr �ber mehr Informationen verf�gt, als Ihr zugeben wollt. Ihr habt vorausgesagt, dass das hier passieren w�rde. Niemand sonst wusste davon. Au�erdem denke ich nicht, dass Ihr mir diese Glocke geschickt habt, noch dazu in derselben Nacht, in der Jace verschwunden ist, ohne genau zu wissen, dass sich etwas zusammenbraute.�</p><p>�M�glicherweise habe ich davon gewusst�, sagte die K�nigin und betrachtete ihre schimmernden Zehenn�gel.</p><p>�Mir ist aufgefallen, dass die Feenwesen gern �m�glicherweise� sagen, wenn sie irgendetwas zu verbergen haben�, bemerkte Clary. �Dadurch brauchen sie keine direkte Antwort zu geben.�</p><p>�M�glicherweise�, sp�ttelte die K�nigin mit einem belustigten L�cheln.</p><p>��Eventuell� ist auch ein sch�nes Wort�, schlug Alec vor.</p><p>�Genau wie �unter Umst�nden��, f�gte Izzy hinzu.</p><p>��Vielleicht� ist ebenfalls nicht schlecht�, warf Simon ein. �Zugegeben, es klingt ziemlich modern, bringt aber den Kern der Sache sehr sch�n r�ber.�</p><p>Die K�nigin wischte die Bemerkungen der vier beiseite, als handelte es sich um Bienen, die ihren Kopf umschwirrten. �Ich traue dir nicht, Valentinstochter�, beschied sie Clary von oben herab. �Es gab einmal eine Zeit, da erbat ich einen Gefallen von dir, doch dieser Moment ist verstrichen. Meliorn hat seinen Sitz in der Kongregation eingenommen. Ich w�sste nicht, was du mir noch zu bieten h�ttest.�</p><p>�Wenn Ihr das glauben w�rdet, h�ttet Ihr mir die Glocke niemals geschickt�, konterte Clary.</p><p>Einen Moment kreuzten sich ihre Blicke. Die K�nigin war atemberaubend sch�n, aber hinter ihrem Gesicht verbarg sich etwas, das Clary an die Knochen eines kleinen Tiers denken lie�, die langsam in der Sonne bleichten. Schlie�lich erwiderte die K�nigin: �Nun gut. M�glicherweise kann ich dir helfen. Aber ich erwarte eine Gegenleistung.�</p><p>�Das ist ja mal �ne �berraschung�, murmelte Simon. Er hatte die H�nde in die Taschen gestopft und musterte die K�nigin voller Abscheu.</p><p>Alec lachte laut auf.</p><p>In dem Moment blitzten die Augen der K�nigin und einen Sekundenbruchteil sp�ter stie� der junge Schattenj�ger einen best�rzten Schrei aus und taumelte r�ckw�rts. Fassungslos starrte er auf seine H�nde: Die Haut wurde fleckig und runzlig, seine Gelenke schwollen an und die Finger kr�mmten sich nach innen. Sein R�cken formte sich zu einem Buckel, das Haar ergraute und die blauen Augen verblassten und versanken in tiefen Falten. Erschrocken schnappte Clary nach Luft. Dort, wo sich Alec befunden hatte, stand nun ein alter Mann, altersgebeugt, wei�haarig und auf zittrigen Beinen.</p><p>�Wie schnell die Anmut der Sterblichen doch dahinschwindet�, am�sierte sich die K�nigin. �Sieh dich an, Alexander Lightwood. Ich gew�hre dir einen Vorgeschmack auf dein Ebenbild in gerade einmal sechzig Jahren. Was wird dein Hexenmeister wohl dann von deiner Sch�nheit halten?�</p><p>Alecs Brust hob und senkte sich sto�weise. Sofort eilte Isabelle zu ihm und nahm seinen Arm. �Alec, keine Sorge. Das ist nur ein Zauberglanz.� Aufgebracht wandte sie sich an die K�nigin. �Hebt diese T�uschung auf! Nehmt den Zauber von ihm!�</p><p>�Wenn du und deinesgleichen mir mehr Respekt entgegenbringt, werde ich mich m�glicherweise dazu bereiterkl�ren.�</p><p>�Das werden wir�, versicherte Clary ihr hastig. �Wir entschuldigen uns f�r jede Unh�flichkeit.�</p><p>Gekr�nkt r�mpfte die K�nigin die Nase. �Ich vermisse ja euren Jace�, klagte sie. �Von euch allen war er der Attraktivste und Wohlerzogenste.�</p><p>�Wir vermissen ihn ebenfalls�, sagte Clary leise. �Es war nicht unsere Absicht, uns unh�flich zu benehmen. Wir Menschen k�nnen manchmal recht schwierig sein, wenn wir Kummer haben.�</p><p>�Pah!�, schnaubte die K�nigin, schnippte aber mit den Fingern, worauf der Zauberglanz von Alec abfiel. Er war wieder er selbst, wenn auch etwas verst�rt und kreidebleich im Gesicht. Die K�nigin bedachte ihn mit einem �berlegenen Blick und wandte sich dann wieder Clary zu: �Es gibt da ein Paar Ringe, die einst meinem Vater geh�rten. Ich w�nsche die R�ckkehr dieser Objekte, da sie von Elfenhand gefertigt sind und gro�e Macht besitzen. Die Ringe erlauben uns, miteinander zu sprechen, per Gedanken�bertragung, genau wie eure Br�der der Stille. Wie ich aus zuverl�ssiger Quelle wei�, befinden sich die Ringe derzeit in einem Schaukasten im Institut.�</p><p>�Ich erinnere mich, dass ich so was �hnliches schon mal gesehen habe�, meinte Isabelle gedehnt. �Zwei Elbenringe in einer Vitrine, auf der Galerie der Bibliothek.�</p><p>�Ihr wollt, dass ich f�r Euch etwas aus dem Institut stehle?�, fragte Clary �berrascht. Von allen Gefallen, die sie als Gegenleistung in Betracht gezogen hatte, rangierte Diebstahl definitiv im unteren Bereich der Liste.</p><p>�Es handelt sich nicht um Raub, wenn ein Objekt seinem rechtm��igen Besitzer zur�ckgebracht wird�, erwiderte die K�nigin.</p><p>�Und dann werdet Ihr Jace f�r uns finden?�, hakte Clary nach. �Und sagt jetzt nicht �m�glicherweise�. Was genau werdet Ihr tun?�</p><p>�Ich werde euch bei der Suche nach ihm behilflich sein�, erkl�rte die K�nigin. �Ich gebe euch mein Wort, dass meine Unterst�tzung von unsch�tzbarem Wert sein wird. So kann ich euch beispielsweise verraten, warum all eure Ortungsversuche vergebens gewesen sind. Ich kann euch verraten, in welcher Stadt er sich h�chstwahrscheinlich befindet��</p><p>�Aber der Rat hat Euch doch befragt�, warf Simon ein. �Wie habt Ihr es geschafft, die Ratsmitglieder anzul�gen?�</p><p>�Sie haben einfach nicht die richtigen Fragen gestellt.�</p><p>�Warum habt Ihr sie belogen?�, fragte Isabelle fordernd. �Wem gegen�ber seid Ihr zur Loyalit�t verpflichtet?�</p><p>�Ich bin niemandem verpflichtet. Aber Jonathan Morgenstern k�nnte ein m�chtiger Verb�ndeter werden, wenn ich ihn mir nicht vorher zum Feind mache. Warum sollte ich ihn in Gefahr bringen oder seinen Zorn heraufbeschw�ren, ohne gleichzeitig einen Vorteil daraus zu ziehen? Das Lichte Volk ist sehr alt; wir treffen keine un�berlegten Entscheidungen, sondern warten erst einmal ab, in welche Richtung der Wind sich dreht.�</p><p>�Aber diese Ringe bedeuten Euch so viel, dass Ihr daf�r in Kauf nehmen w�rdet, ihn zu ver�rgern?�, hakte Alec nach.</p><p>Statt einer Antwort zeigte die K�nigin nur ein laszives verhei�ungsvolles L�cheln. �Ich denke, das reicht f�r heute�, sagte sie schlie�lich. �Bringt mir die Ringe und wir unterhalten uns weiter.�</p><p>Clary z�gerte und schaute fragend zu Alec und Isabelle. �Seid ihr damit einverstanden? Ich meine, dass wir etwas aus dem Institut stehlen?�</p><p>�Wenn das bedeutet, dass wir dadurch Jace finden, dann ja�, erkl�rte Isabelle.</p><p>Alec nickte. �Was auch immer daf�r n�tig sein sollte.�</p><p>Clary wandte sich wieder der K�nigin zu, die sie erwartungsvoll musterte. �Dann haben wir also eine Abmachung.�</p><p>Die K�nigin streckte sich und l�chelte zufrieden. �Gehabt euch wohl, kleine Schattenj�ger. Und noch eine Warnung, obwohl ihr diese durch nichts verdient habt: Ihr solltet euch gut �berlegen, ob es wirklich weise ist, die Suche nach eurem Freund voranzutreiben. Denn wie bei vielen verlorenen Kostbarkeiten gilt auch in diesem Falle: Wenn ihr ihn wiederfindet, k�nnte euer Freund m�glicherweise nicht mehr so sein, wie ihr ihn in Erinnerung habt.�</p><p>Es war fast elf Uhr, als Alec die Haust�r von Magnus� Wohnung in Greenpoint erreichte. Isabelle hatte ihren Bruder �berredet, zusammen mit Clary und Simon noch ins Taki�s zu fahren und etwas zu essen. Obwohl Alec zuerst protestiert hatte, war er nun froh, dass er mitgegangen war. Denn er hatte etwas Ablenkung gebrauchen k�nnen, um seine Nerven nach dem Vorfall am Lichten Hof wieder zu beruhigen. Magnus sollte nicht merken, wie sehr ihn der Zauberglanz der Elbenk�nigin ersch�ttert hatte.</p><p>Im Gegensatz zu fr�her musste Alec nicht mehr klingeln, damit Magnus ihn hereinlie�: Er besa� jetzt einen Schl�ssel � eine Tatsache, auf die er insgeheim sehr stolz war. Rasch schloss er die T�r auf und ging zur Treppe. Dabei kam er an der Wohnung von Magnus� Nachbarn vorbei. Obwohl Alec den Mietern der Erdgeschosswohnung noch nie pers�nlich begegnet war, schienen sie eine ziemlich st�rmische Beziehung zu f�hren. Eines Abends hatte einmal ein Kleiderberg im Flur herumgelegen, mit einer Nachricht am Kragen einer Jacke: �An den verlogensten l�gnerischsten L�gner.� Und jetzt lehnte ein Blumenstrau� an der Wohnungst�r, mit einer kleinen Karte, auf der �BITTE VERZEIH MIR� zu lesen war. Das war das Besondere an New York: Man erfuhr immer mehr �ber seine Nachbarn, als man eigentlich wissen wollte.</p><p>Magnus� T�r stand einen Spalt offen und der Klang leiser Musik drang in den Flur: Tschaikowski. Alec sp�rte, wie sich seine Schultern entspannten, w�hrend er die Wohnungst�r hinter sich ins Schloss dr�ckte. Er konnte sich zwar nie sicher sein, wie das Loft wohl aussehen w�rde � im Moment war es minimalistisch eingerichtet, mit wei�en Sofas, roten Stapeltischen und riesigen Schwarz-Wei�-Fotos von Paris an den W�nden �, aber die Wohnung f�hlte sich von Tag zu Tag vertrauter an, fast schon wie sein Zuhause. Und sie roch nach den Dingen, die er mit Magnus in Verbindung brachte: Tusche, Eau de Cologne, Lapsang-Souchong-Tee und der leicht verbrannte karamellartige Geruch von Magie. Alec nahm den Gro�en Vorsitzenden Miau Tse-tung, der d�send auf einer Fensterbank lag, auf den Arm und marschierte dann zu Magnus� Arbeitszimmer.</p><p>Als Alec den Raum betrat, schaute Magnus auf. Er trug ein f�r seine Verh�ltnisse fast schon dezentes Outfit: Jeans und ein schwarzes T-Shirt mit Nieten an Kragen und B�ndchen. Seine schwarzen Haare hingen lose herab, durcheinander und zerzaust, als w�re er sich wieder und wieder ver�rgert mit den H�nden hindurchgefahren. Seine katzenartigen Augen wirkten ersch�pft. Bei Alecs Anblick lie� er den Stift fallen und grinste. �Der Gro�e Vorsitzende mag dich.�</p><p>�Er mag jeden, der ihn hinter dem Ohr krault�, erwiderte Alec und verlagerte das Gewicht des d�senden Katers so, dass dessen Schnurren durch seine Brust zu vibrieren schien.</p><p>Magnus lehnte sich zur�ck, streckte die Arme aus und g�hnte herzhaft. Der Schreibtisch war mit Zetteln �bers�t, dicht beschrieben mit Buchstaben und Zeichnungen � �berall dasselbe Muster, Variationen der Symbole, mit denen der Boden der Dachterrasse verunstaltet gewesen war. �Und, wie war die Elbenk�nigin?�</p><p>�Wie immer.�</p><p>�Ein eiskaltes Mistst�ck?�</p><p>�Ja, k�nnte man sagen.� Alec erz�hlte Magnus die Kurzfassung der Ereignisse am Lichten Hof. Darin war er ziemlich gut � Dinge knapp zusammenzufassen, kein Wort zu viel. Leute, die ununterbrochen quasselten, hatte er noch nie verstanden, genauso wenig wie Jace� Begeisterung f�r komplizierte Wortspielereien.</p><p>�Ich mach mir Sorgen um Clary�, sagte Magnus. �Ich f�rchte, das Ganze w�chst ihr �ber ihren kleinen Rotschopf.� Alec setzte Miau Tse-tung auf den Tisch, wo sich der Kater prompt zusammenrollte und weiterschlief. �Sie will Jace finden. Kann man ihr das ver�beln?�</p><p>Magnus� Augen nahmen einen sanfteren Ausdruck an. Er hakte einen Finger in den Bund von Alecs Jeans und zog ihn n�her zu sich heran. �Willst du damit sagen, dass du dasselbe tun w�rdest, wenn es um mich ginge?�</p><p>Statt einer Antwort wandte Alec das Gesicht ab und schaute auf den Papierbogen, den Magnus gerade beiseitegeschoben hatte. �Du br�test schon wieder �ber diesen Symbolen?�</p><p>Mit leicht entt�uschter Miene lie� Magnus Alec los. �Es <emphasis>muss</emphasis> einfach einen Schl�ssel geben, um sie zu knacken. Irgendeine Sprache, an die ich noch nicht gedacht habe. Irgendetwas Uraltes�, sagte er. �Das hier ist alte Schwarze Magie, sehr d�ster� anders als alles, was ich je gesehen habe.� Erneut warf er einen Blick auf das Papier, den Kopf leicht zur Seite geneigt. �Kannst du mir mal die Schnupftabakdose reichen? Da dr�ben, die silberne Dose.�</p><p>Alec folgte Magnus� ausgestrecktem Arm, entdeckte ein kleines Silberk�stchen am anderen Ende des gro�en Tischs, beugte sich hin�ber und griff danach. Es sah aus wie eine Miniaturtruhe mit winzigen Metallbeinen; auf dem gew�lbten Deckel waren die Initialen <emphasis>W. S. </emphasis>in Diamanten eingelegt.</p><p><emphasis>W,</emphasis> �berlegte Alec. <emphasis>Will?</emphasis></p><p><emphasis>Will? Ach du liebe G�te. Das ist ewig her,</emphasis> hatte Magnus geantwortet, als Alec mehr �ber den Mann wissen wollte, mit dessen Namen Camille ihn aufgezogen hatte.</p><p>Alec biss sich auf die Lippe. �Was ist das?�</p><p>�Eine Schnupftabakdose�, erwiderte Magnus, ohne von dem Papierbogen aufzuschauen. �Das hab ich doch gerade gesagt.�</p><p>�Schnupftabak? Hat das was mit �Schnupfen� zu tun?� Alec musterte das K�stchen misstrauisch.</p><p>Magnus sah ihn an und lachte. �Nein, nichts mit Erk�ltung. Im siebzehnten, achtzehnten Jahrhundert war das Schnupfen von Tabak sehr beliebt. Aber heute nutze ich die Dose nur noch zur Aufbewahrung von Krimskrams�, erkl�rte er und streckte die Hand aus.</p><p>Z�gernd gab Alec ihm die Dose. �Hast du dich je gefragt�?�, setzte er an, hielt dann inne und versuchte es erneut: �St�rt es dich, dass Camille irgendwo da drau�en ist? Dass sie fliehen konnte?� <emphasis>Und dass das allein meine Schuld ist,</emphasis> dachte Alec, sprach es aber nicht laut aus. Magnus musste ja nicht unbedingt davon erfahren.</p><p>�Camille ist schon immer irgendwo da drau�en gewesen�, erwiderte Magnus. �Ich wei�, dass der Rat nicht allzu begeistert dar�ber ist, aber ich bin daran gew�hnt, dass sie ihr eigenes Leben f�hrt und ich nichts von ihr h�re. Wenn es mich jemals gest�rt hat, dann muss das schon sehr lange zur�ckliegen.�</p><p>�Aber du hast sie geliebt. Fr�her mal.�</p><p>Magnus strich mit den Fingern �ber die Diamanten auf dem Deckel der Tabakdose. �Das dachte ich zumindest.�</p><p>�Und liebt sie dich noch immer?�</p><p>�Das denke ich eher nicht�, erwiderte Magnus trocken. �Bei unserer letzten Begegnung war sie nicht sehr umg�nglich. Was nat�rlich damit zusammenh�ngen k�nnte, dass ich einen achtzehnj�hrigen Freund mit einer Rune f�r besondere Ausdauer habe und sie nicht��</p><p>Alec err�tete und stammelte: �Als derjenige, der hier gerade zum Objekt gemacht wird� protestiere ich entschieden gegen diese Beschreibung.�</p><p>�Camille war schon immer eifers�chtig�, fuhr Magnus grinsend fort.</p><p><emphasis>Und Magnus war schon immer geschickt darin, schnell das Thema zu wechseln,</emphasis> dachte Alec. Der Hexenmeister hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nicht gern �ber sein fr�heres Liebesleben redete. Doch an irgendeinem Punkt dieses Gespr�chs hatte sich Alecs Gef�hl der Geborgenheit und Vertrautheit, das Gef�hl von Zuhause verfl�chtigt. Ganz gleich wie jung Magnus auch aussehen mochte � und in diesem Moment wirkte er mit seinen nackten F��en und den zerzausten Haaren wie ein Achtzehnj�hriger �, sie beide trennte ein endloses, un�berwindliches Meer der Zeit.</p><p>Magnus klappte die Dose auf, nahm ein paar Rei�zwecken heraus und befestigte damit den Papierbogen auf der Tischoberfl�che. Als er schlie�lich aufschaute und Alecs Gesichtsausdruck sah, stutzte er: �Alles in Ordnung?�</p><p>Statt einer Antwort beugte Alec sich hinab und nahm Magnus an den H�nden. Verwundert lie� der Hexenmeister sich hochziehen, doch bevor er etwas sagen konnte, zog Alec ihn fest an sich und k�sste ihn. Magnus st�hnte leise auf, packte die R�ckseite von Alecs T-Shirt, zupfte es hoch und fuhr mit seinen k�hlen Fingern �ber Alecs R�ckgrat, woraufhin Alec sich noch enger an ihn dr�ckte und Magnus mit seinem K�rper gegen die Tischkante presste. Nicht, dass dieser etwas dagegen einzuwenden gehabt h�tte.</p><p>�Komm�, murmelte Alec Magnus ins Ohr. �Es ist sp�t. Lass uns ins Bett gehen.�</p><p>Magnus biss sich auf die Lippe und warf einen Blick �ber die Schulter, auf die Papiere und Zettel auf dem Tisch mit den uralten Silben in l�ngst vergessenen Sprachen. �Warum gehst du nicht schon vor?�, meinte er. �Ich komm gleich nach � gib mir f�nf Minuten.�</p><p>�Okay.� Alec richtete sich auf, wohl wissend, dass aus den f�nf Minuten leicht f�nf Stunden werden konnten, wenn Magnus in seine Arbeit vertieft war. �Dann bis gleich.�</p><p>�Pst.� Clary presste einen Finger an ihre Lippen, w�hrend sie die Eingangst�r von Lukes Haus aufschloss und Simon mit einer Handbewegung aufforderte vorzugehen. Im Flur brannte kein Licht und auch das Wohnzimmer lag dunkel und still vor ihnen. Clary scheuchte Simon in ihr Zimmer und lief dann rasch in Richtung K�che, um sich ein Glas Wasser zu holen. Doch pl�tzlich erstarrte sie.</p><p>Die Stimme ihrer Mutter drang in den Flur und Clary konnte die Anspannung darin h�ren. So wie Jace� spurloses Verschwinden Clarys gr��te Schreckensvision war, durchlitt auch Jocelyn gerade ihren schlimmsten Albtraum. Die Tatsache, dass ihr Sohn lebte und drau�en in der Welt herumlief, buchst�blich zu allem f�hig, schien sie innerlich zu zerrei�en.</p><p>�Aber der Rat hat sie freigesprochen�, erwiderte Luke mit bem�ht gesenkter Stimme auf der anderen Seite der Schlafzimmert�r. �Man wird sie nicht bestrafen.�</p><p>�Das ist alles nur meine Schuld.� Jocelyn klang ged�mpft, als h�tte sie den Kopf an Lukes Schulter gedr�ckt. �Wenn ich diese� diese Kreatur nicht zur Welt gebracht h�tte, dann w�rde Clary das jetzt nicht durchstehen m�ssen.�</p><p>�Aber du hast doch nicht wissen k�nnen�� Lukes Stimme ging in ein leises Murmeln �ber.</p><p>Obwohl Clary wusste, dass er recht hatte, versp�rte sie eine pl�tzlich aufflackernde Wut auf ihre Mutter. Jocelyn h�tte Sebastian schon in der Krippe t�ten sollen, ehe er auch nur die Chance hatte, aufzuwachsen und ihr aller Leben zu ruinieren. Im n�chsten Moment war sie �ber sich selbst entsetzt, dass sie so etwas auch nur denken konnte. Abrupt machte sie kehrt, st�rmte in ihr Zimmer am anderen Ende des Hauses und schloss die T�r so sorgf�ltig hinter sich, als w�rde sie verfolgt.</p><p>Simon, der auf dem Bett sa� und auf seiner Nintendo DS spielte, schaute �berrascht auf. �Alles klar bei dir?�</p><p>Clary versuchte, ein L�cheln zustande zu bringen. Simon war ein vertrauter Anblick in diesem Raum � schlie�lich hatten sie schon seit ihrer Kindheit gemeinsam in Lukes G�stezimmer �bernachtet. Clary hatte sich nach Kr�ften bem�ht, dem Raum eine pers�nliche Note zu geben und zu ihrem Zimmer zu machen: Fotos von ihr und Simon, von den Lightwoods, von Jace und von ihrer Familie steckten wahllos im Rahmen des Spiegels �ber der Frisierkommode. Luke hatte ihr ein Zeichenbrett geschenkt und ihre Malutensilien lagen ordentlich sortiert in den F�chern des kleinen Wandregals. Au�erdem hatte Clary ein paar Poster ihrer Lieblings-Animes aufgeh�ngt: <emphasis>Fullmetal Alchemist, Rurouni Kenshin, Bleach</emphasis>.</p><p>Es gab auch zahlreiche Beweise f�r ihr jetziges Leben als Schattenj�gerin: eine dicke Ausgabe des <emphasis>Codex</emphasis> mit ihren handschriftlichen Anmerkungen und Skizzen am Rand, ein ganzes Regalbrett mit B�chern zu okkulten und paranormalen Themen, ihre Stele auf ihrem Schreibtisch und ein neuer Globus, den Luke ihr geschenkt hatte und der Idris in Gold gefasst im Zentrum Europas zeigte.</p><p>Simon, der jetzt im Schneidersitz auf dem Bett hockte, z�hlte zu den wenigen Dingen, die sowohl zu Clarys altem als auch zu ihrem neuen Leben geh�rten. Fragend musterte er sie mit seinen dunklen Augen, die sein Gesicht noch blasser erscheinen lie�en; das Kainsmal auf seiner Stirn war kaum zu erkennen.</p><p>�Meine Mom��, setzte Clary an und lehnte sich mit dem R�cken gegen die T�r. �Es geht ihr echt nicht gut.�</p><p>�Ist sie denn nicht erleichtert? Ich meine, weil man dich von allen Vorw�rfen freigesprochen hat?�</p><p>�Sie kommt einfach nicht �ber Sebastian hinweg� Sie gibt sich an allem die Schuld.�</p><p>�Aber das war doch nicht ihr Fehler, dass er sich so entwickelt hat. Daf�r tr�gt Valentin die Verantwortung.�</p><p>Clary schwieg. Sie erinnerte sich wieder an den f�rchterlichen Gedanken, der eben in ihr hochgekommen war: Ihre Mutter h�tte Sebastian direkt nach der Geburt t�ten sollen.</p><p>�Ihr beide f�hlt euch schuldig f�r Dinge, die ihr nicht in der Hand habt�, sagte Simon. �Du machst dir Vorw�rfe, weil du Jace allein auf der Dachterrasse zur�ckgelassen hast��</p><p>Ruckartig hob Clary den Kopf und sah Simon scharf an. Sie konnte sich nicht erinnern, dass sie ihm gegen�ber erw�hnt hatte, sich die Schuld an Jace� Verschwinden zu geben. �Ich hab doch nie��</p><p>�Aber du kannst es auch nicht leugnen�, entgegnete Simon. �Der entscheidende Punkt ist doch: Ich habe Jace ebenfalls da oben zur�ckgelassen, genau wie Isabelle und Alec� und Alec ist sein <emphasis>Parabatai</emphasis>. Wir h�tten unm�glich vorhersehen k�nnen, was passieren w�rde. Wenn du geblieben w�rst, w�re das Ganze vielleicht sogar noch schlimmer geworden.�</p><p>�Vielleicht.� Clary wollte nicht dar�ber reden. Sie wich Simons Blick aus und ging ins Bad, um ihren flauschigen Pyjama anzuziehen und sich die Z�hne zu putzen. Sorgf�ltig vermied sie jeden Blick in den Spiegel �ber dem Waschbecken. Sie hasste es, dass sie so blass aussah und dunkle Ringe unter den Augen hatte. Missmutig riss sie sich zusammen: Sie war stark und sie w�rde nicht zusammenbrechen. Denn sie hatte einen Plan. Auch wenn dieser Plan ein wenig verr�ckt war und etwas mit einem Diebstahl im Institut zu tun hatte.</p><p>Als sie fertig war, band sie ihre lockigen Haare zu einem Pferdeschwanz und trat genau in dem Moment aus dem Bad, als Simon eine Flasche in seine Kuriertasche zur�ckgleiten lie� � zweifellos das Blut, das er bei Taki�s gekauft hatte. Clary ging zum Bett und zerzauste ihm die Haare. �Du kannst die Flaschen gern in den K�hlschrank stellen�, meinte sie. �Falls du es nicht lauwarm trinken magst.�</p><p>�Ehrlich gesagt, ist eiskaltes Blut noch schlimmer als lauwarmes. Es schmeckt am besten aufgew�rmt, aber ich glaub nicht, dass deine Mom sehr begeistert w�re, wenn ich daf�r einen ihrer T�pfe verunstalte.�</p><p>�Hat Jordan was dagegen?�, hakte Clary nach und fragte sich, ob Jordan sich �berhaupt noch daran erinnerte, dass Simon bei ihm wohnte. In der vergangenen Woche hatte Simon jede Nacht bei ihr verbracht. In den ersten N�chten nach Jace� Verschwinden hatte sie nicht schlafen k�nnen. Obwohl sie sich f�nf Decken �ber den Kopf gezogen hatte, wollte ihr einfach nicht warm werden. Zitternd lag sie wach und stellte sich vor, wie eiskaltes Blut tr�ge durch ihre Adern floss und Eiskristalle langsam ein korallenartiges Gebilde um ihr Herz bildeten. Schwarze Ozeane, Treibeis und gefrorene Seenplatten beherrschten ihre Tr�ume � und Jace, dessen Gesicht stets hinter Schatten, einer Atemwolke oder seinen eigenen schimmernden Haaren verborgen lag, w�hrend er sich von ihr abwandte. Und obwohl Clary vor Ersch�pfung immer wieder die Augen zufielen, schreckte sie jedes Mal nach wenigen Minuten wieder hoch, weil sie im Traum zu ertrinken drohte.</p><p>Am ersten Tag der endlosen Befragungen war sie von der Ratssitzung ausgelaugt nach Hause zur�ckgekommen und sofort ins Bett gefallen. Doch sie hatte nicht schlafen k�nnen, bis sie irgendwann ein Klopfen an ihrer Scheibe h�rte. Kurz darauf war Simon durch ihr Fenster geklettert, wobei er beinahe kopf�ber auf ihren Zimmerboden gest�rzt w�re. Wortlos hatte er sich neben sie ins Bett gelegt. Seine Haut war kalt gewesen und er hatte nach Stadtluft und erstem Nachtfrost gerochen.</p><p>Clary hatte sich schweigend an seine Schulter gekuschelt, woraufhin die Anspannung, die ihren K�rper fest im Griff hielt, sich etwas l�ste. Simons Hand war zwar k�hl, aber auch vertraut, genau wie das Gewebe seiner Cordjacke an ihrem Arm.</p><p>�Wie lange kannst du bleiben?�, fragte sie in die Dunkelheit.</p><p>�So lange du willst.�</p><p>Clary drehte sich auf die Seite und sah ihn an. �Hat Izzy denn nichts dagegen?�</p><p>�Sie hat mich zu dir geschickt. Denn sie meinte, du k�nntest nicht schlafen � und wenn du dich durch meine Anwesenheit besser f�hlst, kann ich die ganze Nacht bleiben. Oder wenigstens so lange, bis du einschl�fst.�</p><p>Erleichtert atmete Clary auf. �Bleib die ganze Nacht. Bitte.�</p><p>Und Simon war geblieben. In jener Nacht hatte sie zum ersten Mal keine Albtr�ume gehabt.</p><p>Solange Simon an ihrer Seite lag, war ihr Schlaf traumlos und leer, ein dunkler Ozean des Nichts. Ein Zustand schmerzloser Bewusstlosigkeit.</p><p>�Das Blut ist Jordan ziemlich egal�, sagte Simon nun. �Er interessiert sich in erster Linie daf�r, dass ich mit mir selbst im Reinen bin, mit dem, was ich bin. Ich soll mit meinem inneren Vampir in Kontakt treten, blablabla.�</p><p>Langsam krabbelte Clary neben Simon auf das Bett, nahm ein Kissen und dr�ckte es an sich. �Unterscheidet sich dein innerer Vampir denn von deinem� �u�eren?�</p><p>�Definitiv. Er will, dass ich bauchnabelfreie T-Shirts und so einen Mafia-Hut trage. Aber ich k�mpfe dagegen an.�</p><p>Clary l�chelte matt. �Dann ist dein innerer Vampir also wie Magnus?�</p><p>�Warte, da f�llt mir was ein.� Simon w�hlte in seiner Kuriertasche, holte zwei Mangas hervor und wedelte damit triumphierend vor Clarys Nase herum. <emphasis>�Magical Love Gentleman</emphasis> Band f�nfzehn und sechzehn�, verk�ndete er. ��berall ausverkauft; hab die letzten bei �Midtown Comics� ergattert.�</p><p>Clary nahm die beiden Hefte und betrachtete die bunten Cover. Vor nicht allzu langer Zeit w�re sie vor Begeisterung laut jubelnd durchs Zimmer geh�pft; aber jetzt brachte sie nur noch ein L�cheln und ein �Danke� zustande. Doch dann ermahnte sie sich, dass Simon extra die M�he auf sich genommen hatte, die Mangas f�r sie zu besorgen � selbst wenn sie sich im Moment �berhaupt nicht vorstellen konnte, sich mit Lesen abzulenken. �Du bist der Beste�, sagte sie und stupste ihn mit der Schulter an. Simon war ein echter Freund. Dann lehnte sie sich in die Kissen zur�ck, die Mangas auf dem Scho�. �Und nochmals danke daf�r, dass du zum Lichten Hof mitgekommen bist. Ich wei�, dass der Ort bei dir miese Erinnerungen weckt, aber� zusammen mit dir f�hle ich mich einfach immer st�rker.�</p><p>�Das war klasse, wie du die K�nigin rumgekriegt hast.� Simon rutschte neben Clary, sodass sich ihre Schultern ber�hrten und beide an die Decke starrten, mit den vertrauten Rissen und den alten, selbstklebenden Leuchtsternen, die l�ngst nicht mehr strahlten. �Und, wirst du das wirklich machen? Die Ringe f�r die K�nigin stehlen?�, fragte er.</p><p>�Ja.� Clary lie� den angehaltenen Atem aus ihrer Lunge entweichen. �Morgen Mittag. Dann findet eine interne Sitzung der Division statt, an der alle teilnehmen werden. Der perfekte Moment, um zuzuschlagen.�</p><p>�Das gef�llt mir nicht, Clary.�</p><p>Sofort sp�rte Clary, wie sich ihr K�rper anspannte. <emphasis>�Was</emphasis> gef�llt dir nicht?�</p><p>�Dass du irgendwas mit dem Lichten Volk zu tun hast. Feenwesen sind L�gner.�</p><p>�Sie k�nnen nicht l�gen.�</p><p>�Du wei�t, was ich meine. �Feenwesen sind T�uscher� klingt halt irgendwie lahm.�</p><p>Clary drehte den Kopf und schaute Simon an, w�hrend ihr Kinn an seinem Schl�sselbein ruhte. Automatisch legte er den Arm um ihre Schultern und zog sie n�her an sich. Sein K�rper war k�hl, sein T-Shirt noch feucht vom Regen und seine sonst glatten Haare vom Wind zerzaust. �Glaub mir, ich bin auch nicht scharf darauf, mit dem Lichten Hof zusammenarbeiten zu m�ssen. Aber dasselbe w�rde ich auch f�r dich tun�, erwiderte Clary. �Und du w�rdest es f�r mich tun, oder etwa nicht?�</p><p>�Nat�rlich w�rde ich das. Aber das Ganze ist trotzdem eine miese Idee.� Simon drehte den Kopf und sah sie an. �Ich wei�, wie du dich f�hlst. Als mein Vater gestorben ist��</p><p>Erneut versteifte sich Clarys K�rper. �Jace ist nicht tot.�</p><p>�Ich wei�. Das wollte ich ja auch gar nicht sagen. Es ist nur so� du brauchst nicht zu sagen, dass du mit mir st�rker bist als ohne mich. Denn ich bin doch immer bei dir. Der Kummer gibt dir das Gef�hl, allein zu sein, aber das bist du nicht. Ich wei�, du glaubst nicht an� an Religion, so wie ich, aber du kannst doch wenigstens glauben, dass du von Menschen umgeben bist, die dich lieben, oder?� Hoffnungsvoll schaute er sie aus gro�en Augen an, die noch immer denselben dunkelbraunen Farbton besa�en wie fr�her, gleichzeitig aber auch anders wirkten� als w�re eine neue Schicht hinzugekommen. Genau wie seine Haut gleichzeitig porenfrei und durchscheinend wirkte.</p><p><emphasis>Ich glaube es ja,</emphasis> dachte Clary. <emphasis>Ich bin mir nur nicht sicher, ob das eine Rolle spielt.</emphasis> Sanft stupste sie ihn wieder mit der Schulter an. �H�r mal, kann ich dir eine Frage stellen? Es ist zwar pers�nlich, aber auch ziemlich wichtig.�</p><p>Vorsichtig fragte Simon: �Worum geht�s?�</p><p>�Diese ganze Kainsmal-Geschichte� wenn ich dich also jetzt versehentlich im Schlaf trete, wird mir dann eine unsichtbare Kraft sieben Mal gegen das Schienbein treten?�, fragte Clary und sp�rte, wie er leise lachte.</p><p>�Schlaf endlich, Fray.�</p></section><section><title><p>3</p><p>Gefallene Engel</p></title><p>�Mann, ich dachte schon, du h�ttest total vergessen, dass du noch hier wohnst�, sagte Jordan in dem Moment, in dem Simon mit dem Hausschl�ssel in der Hand das Wohnzimmer ihres kleinen Appartements betrat. Normalerweise l�mmelte Jordan immer auf dem Futonsofa herum, die langen Beine �ber der Seitenlehne und den Controller der Xbox in Reichweite. Und auch heute befand er sich auf seinem Lieblingsplatz � allerdings sa� er diesmal aufrecht auf dem Sofa, die breiten Schultern leicht nach vorn gebeugt und die H�nde in den Taschen, die Fernbedienung war nirgends zu sehen. Bei Simons Anblick wirkte er erleichtert � und einen Augenblick sp�ter wusste Simon auch, wieso.</p><p>Jordan war nicht allein. Ihm direkt gegen�ber, in einem orangefarbenen Sessel mit genopptem Samtpolster � der genau wie die anderen M�bel in Jordans Wohnung nicht zum Rest der Einrichtung passte � sa� Maia, die wild gelockten Haare zu zwei Z�pfen gez�hmt. Bei ihrer letzten Begegnung auf Jocelyns und Lukes Polterabend war sie extrem schick gewesen, doch jetzt trug sie wieder ihre Alltagsuniform: Jeans mit ausgefranstem Saum, ein lang�rmeliges Shirt und eine karamellbraune Lederjacke. Sie schien sich genauso unbehaglich zu f�hlen wie Jordan, sa� kerzengerade da und schaute immer wieder verlegen zum Fenster. Als sie Simon erblickte, sprang sie dankbar auf und umarmte ihn. �Hi, ich bin nur kurz vorbeigekommen, um mich zu erkundigen, wie es dir geht�, begr��te sie ihn.</p><p>�Mir geht�s gut. Zumindest den Umst�nden entsprechend.�</p><p>�Ich meinte damit eigentlich nicht diese ganze Geschichte mit Jace�, erwiderte Maia. �Ich dachte eher an dich. Wie kommst <emphasis>du</emphasis> zurecht?�</p><p>�Ich?� Simon war verbl�fft. �Gut so weit. Ich mach mir halt Sorgen um Isabelle und Clary. Du wei�t ja, dass sie vom Rat befragt worden ist��</p><p>Maia nickte und lie� Simon los. �Ja, ich hab geh�rt, dass sie von jedem Verdacht freigesprochen wurde. Das ist klasse. Aber ich musste die ganze Zeit an dich denken. Und an das, was mit deiner Mutter passiert ist.�</p><p>�Woher wei�t du davon?� Simon warf Jordan einen scharfen Blick zu, doch der sch�ttelte kaum merklich den Kopf � er hatte nichts ausgeplaudert.</p><p>Verlegen spielte Maia mit ihrem Zopf. �Ich hab Eric zuf�llig in der Stadt getroffen. Er hat mir erz�hlt, was passiert ist, und dass du deshalb in den letzten zwei Wochen bei keinem der Gigs von �Millennium Lint� mitgespielt hast.�</p><p>��h, die Band hat inzwischen ihren Namen ge�ndert � sie hei�t jetzt �Midnight Burrito��, erkl�rte Jordan.</p><p>Ver�rgert warf Maia ihm einen Blick zu, woraufhin Jordan noch tiefer in den Polstern des Sofas versank. Simon fragte sich, wor�ber sich die beiden wohl unterhalten hatten, bevor er nach Hause gekommen war. �Hast du mit irgendjemand anderem aus deiner Familie geredet?�, erkundigte Maia sich besorgt. Ihre bernsteinfarbenen Augen waren voller Anteilnahme.</p><p>Simon wusste, dass er sich kindisch verhielt, aber irgendetwas an der Art und Weise, wie sie ihn anschaute, gefiel ihm nicht. Es kam ihm so vor, als w�rde das Problem durch ihre Sorge erst real werden, wohingegen er sonst so tun konnte, als w�re �berhaupt nichts passiert. �Ja, hab ich�, sagte er. �Mit meiner Familie ist alles in Ordnung.�</p><p>�Wirklich?�, hakte Jordan nach. �Du hast n�mlich dein Handy hier vergessen. Und deine Schwester hat etwa alle f�nf Minuten angerufen. Den ganzen Tag �ber. Gestern auch.�</p><p>Ein eisiges Gef�hl breitete sich in Simons Magen aus. Er nahm das Telefon von Jordan entgegen und schaute auf das Display: siebzehn Anrufe in Abwesenheit, alle von Rebecca. �Mist�, murmelte er. �Das hatte ich eigentlich vermeiden wollen.�</p><p>�Na ja, sie ist deine Schwester�, sagte Maia. �War doch klar, dass sie dich irgendwann anrufen w�rde.�</p><p>�Ich wei�, aber ich hab versucht, sie da rauszuhalten � hab ihr Nachrichten aufs Band gesprochen, wenn ich wusste, dass sie nicht da war und so. Ich� ich sch�tze, ich wollte wohl vor dem Unvermeidlichen davonlaufen.�</p><p>�Und was jetzt?�</p><p>Simon legte das Handy auf die Fensterbank. �Ihr weiterhin aus dem Weg gehen?�</p><p>�Nein, mach das nicht�, sagte Jordan und nahm die H�nde aus den Taschen. �Du solltest mit deiner Schwester reden.�</p><p>�Und <emphasis>was</emphasis> genau soll ich ihr sagen?� Simons Ton klang sch�rfer, als er beabsichtigt hatte.</p><p>�Deine Mutter hat ihr bestimmt irgendetwas erz�hlt�, erwiderte Jordan. �Sie macht sich wahrscheinlich Sorgen.�</p><p>Simon sch�ttelte den Kopf. �Sie kommt in ein paar Wochen sowieso zu Thanksgiving nach Hause. Bis dahin will ich sie nicht mit reinziehen, in das, was zwischen mir und meiner Mutter l�uft.�</p><p>�Aber sie h�ngt da schon mit drin. Sie ist Teil deiner Familie�, entgegnete Maia. �Au�erdem: Das, was mit deiner Mutter los ist, geh�rt jetzt zu deinem Leben.�</p><p>�In dem Fall will ich Rebecca lieber ganz aus meinem Leben raushalten.� Simon wusste, dass er unvern�nftig reagierte, konnte aber nichts dagegen machen. Seine Schwester war� besonders. Anders. Ein Teil seines Lebens, der bis jetzt von all diesem Irrsinn unber�hrt geblieben war. M�glicherweise der einzige Teil.</p><p>Genervt riss Maia die H�nde hoch und wandte sich an Jordan: �Sag doch auch mal was! Schlie�lich bist du doch sein <emphasis>Praetor</emphasis>-Beistand.�</p><p>�Ach, kommt schon�, protestierte Simon, bevor Jordan den Mund aufmachen konnte. �Hat einer von euch beiden vielleicht noch Kontakt zu seinen Eltern? Oder anderen Familienmitgliedern?�</p><p>Maia und Jordan tauschten rasch einen Blick und dann meinte Jordan gedehnt: �Nein, aber wir hatten auch vorher schon keine gute Beziehung zu ihnen��</p><p>�Womit dann alles gesagt w�re�, erwiderte Simon. �Wir sind alle Waisen. Waisen im Sturm.� </p><p>�Du kannst deine Schwester nicht einfach ignorieren�, beharrte Maia.</p><p>�Und ob ich das kann.�</p><p>�Und was ist, wenn Rebecca heimkommt und euer Haus aussieht wie das Filmset von <emphasis>Der Exorzist</emphasis>? Und deine Mom nicht erkl�ren kann, wo du steckst?� Jordan beugte sich vor, die H�nde auf die Knie gest�tzt. �Dann wird deine Schwester die Polizei rufen und deine Mutter wird in einer Nervenklinik landen.�</p><p>�Ich glaub einfach nicht, dass ich schon dazu bereit bin, ihre Stimme zu h�ren�, widersprach Simon, obwohl er wusste, dass er die Diskussion verloren hatte. �Auf jeden Fall muss ich jetzt dringend weg, aber ich verspreche, ihr eine SMS zu schicken.�</p><p>�Okay�, sagte Jordan, schaute dabei jedoch nicht Simon, sondern Maia an, als hoffte er, sie w�rde seine Fortschritte mit Simon bemerken und wohlwollend nicken.</p><p>Simon fragte sich, ob Jordan und Maia sich w�hrend der vergangenen zwei Wochen, in denen er kaum in der Wohnung gewesen war, �berhaupt gesehen hatten. Aber wenn er an die angespannte Stimmung dachte, die bei seiner R�ckkehr im Wohnzimmer geherrscht hatte, tippte er auf Nein; allerdings konnte man sich bei den beiden nie sicher sein.</p><p>�Das ist doch schon mal ein Anfang�, f�gte Jordan hinzu.</p><p>Der goldfarbene Aufzug setzte sich ratternd in Bewegung und hielt im zweiten Geschoss des Instituts. Clary holte tief Luft und betrat den Flur. Genau wie Alec und Isabelle ihr versichert hatten, war das Geb�ude still und menschenleer. Von drau�en drang nur das leise Rauschen des Verkehrs auf der York Avenue an ihr Ohr. Clary stellte sich vor, sie k�nnte h�ren, wie die im Sonnenlicht tanzenden Staubpartikel gegeneinanderprallten. Entlang der Wand befand sich eine Reihe Kleiderhaken, an denen die Bewohner des Instituts bei ihrer R�ckkehr ihre M�ntel aufh�ngen konnten. Eine von Jace� schwarzen Jacken hing noch immer dort, die �rmel baumelten gespenstisch leer herab.</p><p>Clary schauderte und machte sich dann auf den Weg zur Bibliothek. Dabei erinnerte sie sich, wie Jace sie zum ersten Mal durch diese G�nge gef�hrt und ihr mit unbek�mmerter Stimme von den Schattenj�gern und von Idris erz�hlt hatte, einer Welt, von deren Existenz sie nicht einmal geahnt hatte. W�hrend er redete, hatte sie ihn heimlich beobachtet � zumindest hatte sie das damals gedacht, aber heute wusste sie, dass Jace nichts entging. Sie hatte das Licht gesehen, das von seinen hellen Haaren reflektierte, die schnellen Bewegungen seiner schlanken H�nde, das Spiel seiner Muskeln, w�hrend er mit den Armen gestikulierte.</p><p>Ohne auf einen anderen Nephilim zu treffen, erreichte sie schlie�lich die Bibliothek und stie� die T�r auf. Dieser Raum jagte ihr immer noch einen Schauer �ber den R�cken; daran hatte sich seit ihrem ersten Besuch nichts ge�ndert. Der kreisf�rmige, innerhalb eines Turms errichtete Saal besa� eine Empore, die sich direkt oberhalb der hohen B�cherregale an der Wand entlangzog. In der Raummitte stand der massive Schreibtisch, den Clary noch immer mit Hodge in Verbindung brachte: eine gewaltige Tischplatte � aus einem Eichenholzblock geschnitzt �, die auf den R�cken zweier kniender Engel ruhte. Fast erwartete Clary, dass Hodge sich dahinter erhob, seinen scharf�ugigen Raben Hugo auf der linken Schulter.</p><p>Rasch sch�ttelte sie die Erinnerungen daran ab und lief zur Wendeltreppe am hinteren Ende des Raums. Sie trug Jeans und Turnschuhe mit Gummisohlen und auf ihren Fu�kn�cheln prangte eine Unh�rbarkeitsrune; die Stille war fast unheimlich, w�hrend sie die Stufen hinaufsprang und die Empore betrat. Auch hier standen B�cher, allerdings hinter Glas verschlossen. Einige der W�lzer waren uralt, mit ausgefransten Einb�nden und R�cken, die nur noch von wenigen F�den zusammengehalten wurden. Bei anderen handelte es sich eindeutig um Werke Schwarzer oder gef�hrlicher Magie: <emphasis>Von unaussprechlichen Kulten, Des D�mons Pocken, Ein praktischer Ratgeber zur Auferweckung der Toten.</emphasis></p><p>Zwischen den abgeschlossenen B�cherschr�nken standen Schauk�sten, in denen Exemplare seltener und au�ergew�hnlicher Objekte ausgestellt waren � ein zierlicher Glasflakon mit einem riesigen Smaragd als St�psel; eine Krone mit einem Diamanten, die nicht so aussah, als w�rde sie jemals auf einen menschlichen Kopf passen; ein Anh�nger in der Gestalt eines Engels, dessen Schwingen aus Zahnr�dern und Metallteilen gefertigt waren. Und in der letzten Vitrine, genau wie Isabelle es beschrieben hatte, lagen zwei gl�nzende Goldringe, geformt wie aufgerollte Bl�tter und mit �beraus filigranen Verzierungen.</p><p>Nat�rlich war auch dieser Schaukasten verschlossen, aber eine Entriegelungsrune � die Clary mit �u�erster Vorsicht auftrug, damit deren Kraft nicht den Glasdeckel sprengte und unerw�nschte Besucher anlockte � lie� das Schloss aufspringen. Behutsam �ffnete Clary die Vitrine. Doch erst in dem Moment, in dem sie ihre Stele wieder in die Tasche schob, z�gerte sie.</p><p>War das hier wirklich sie? Wollte sie tats�chlich den Rat bestehlen, um damit die K�nigin des Lichten Volkes zu bezahlen? Jace hatte ihr n�mlich einmal erkl�rt, dass deren Versprechen immer mit einem dicken Pferdefu� verbunden waren.</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf, als wollte sie ihre Zweifel vertreiben � und erstarrte: Die T�r der Bibliothek schwang auf. Sie konnte deutlich das Quietschen der T�rscharniere h�ren, dann ged�mpfte Stimmen und Schritte, die langsam n�her kamen. Ohne lange nachzudenken, lie� Clary sich auf den Boden fallen und presste sich flach auf die kalten Holzdielen der Empore.</p><p>�Du hast recht gehabt, Jace�, t�nte eine sp�ttische und schrecklich vertraute Stimme durch die Bibliothek. �Das Institut ist tats�chlich wie ausgestorben.�</p><p>Das Blut in Clarys Adern verwandelte sich schlagartig zu Eis: Sie konnte sich nicht bewegen, nicht atmen. Seit dem Moment, als sie zusehen musste, wie ihr Vater Jace ein Schwert in die Brust rammte, hatte Clary keinen solchen Schock mehr erlebt. �u�erst vorsichtig robbte sie zur Kante der Empore und sp�hte hinunter.</p><p>Und dann biss sie sich heftig auf die Lippe, um nicht laut aufzuschreien.</p><p>Das schr�g ansteigende Turmdach war in der Mitte mit einem gro�en Oberlicht versehen. Sonnenstrahlen fielen durch dieses Fenster in den Raum und erhellten einen Teil des Fu�bodens wie ein Scheinwerfer eine B�hne. Von Clarys erh�hter Position aus konnte sie das polierte Parkett mit den Intarsien aus Glas, Marmor und Halbedelsteinen erkennen, die zusammen ein Muster ergaben � den Erzengel Raziel, den Kelch und das Schwert. Und auf einer der ausgebreiteten Engelsschwingen stand Jonathan Christopher Morgenstern.</p><p>Sebastian.</p><p>So also sah ihr Bruder aus. So sah er <emphasis>tats�chlich</emphasis> aus, lebend, in Bewegung und beseelt. Gro� und schlank in schwarzer Kampfmontur, ein bleiches, kantiges Gesicht. Im Gegensatz zu ihrer ersten Begegnung in Idris, als er sich die Haare dunkel gef�rbt hatte, um dem echten Sebastian Verlac �hnlicher zu sehen, schimmerten seine eigenen Haare silberwei� � eine Farbe, die besser zu ihm passte. Seine schwarzen Augen spr�hten vor Energie. Als Clary ihn das letzte Mal gesehen hatte, hatte er wie Schneewittchen in einem Glassarg getrieben, die rechte Hand nur noch ein bandagierter Stumpf. Doch nun schien diese Hand, an der ein silbernes Armband gl�nzte, wieder vollkommen intakt zu sein � nichts deutete darauf hin, dass sie jemals verletzt oder sogar abgetrennt gewesen war.</p><p>Und neben ihm stand jemand, dessen goldblondes Haar im hellen Sonnenschein leuchtete: Jace. Aber nicht der Jace, den Clary sich w�hrend der vergangenen zwei Wochen so oft in ihrer d�steren Fantasie ausgemalt hatte � zusammengeschlagen, blutig, gefoltert, halb verhungert, eingesperrt in einem dunklen Kerker, wo er vor Schmerzen schrie oder nach ihr rief. Dort unten stand der Jace, wie sie ihn in Erinnerung hatte, wenn sie sich erlaubte, an ihn zu denken: gesund und lebendig und wundersch�n. Er hatte die H�nde achtlos in die Taschen seiner Jeans geschoben und trug �ber seinem wei�en T-Shirt, durch das seine Runenmale hindurchschimmerten, eine neue hellbraune Wildlederjacke, die den warmen Goldton seiner Haut perfekt erg�nzte. Langsam legte er den Kopf in den Nacken, als w�rde er das Gef�hl der Sonne auf seinem Gesicht genie�en. �Ich habe immer recht, Sebastian�, erkl�rte er. �Das solltest du inzwischen wissen.�</p><p>Sebastian warf ihm einen langen Blick zu und l�chelte dann.</p><p>Clary starrte ihn an. Das L�cheln wirkte tats�chlich echt. Aber konnte sie sich da wirklich sicher sein? Sebastian hatte auch ihr einmal ein L�cheln geschenkt und das hatte sich als gemeine L�ge herausgestellt.</p><p>�Und wo stehen jetzt die B�cher zum Thema �Beschw�rung�? Verbirgt sich hinter diesem Chaos hier irgendein System?�, fragte Sebastian.</p><p>�Nein, eigentlich nicht. Die B�cher sind jedenfalls nicht alphabetisch sortiert. Die Anordnung folgt eher Hodges Spezialsystem.�</p><p>�Ist er der Typ, den ich get�tet habe? Wirklich zu dumm�, bemerkte Sebastian. �Vielleicht sollte ich oben mit der Suche anfangen und du hier unten.� Er marschierte zur Treppe, die zur Empore hinauff�hrte.</p><p>Clarys Herz begann vor Furcht zu rasen. Mit Sebastian verband sie nur Mord, Blut, Schmerz und Entsetzen. Sie wusste zwar, dass Jace gegen ihn gek�mpft und ihn besiegt hatte, aber dabei w�re er selbst fast gestorben. In einem Kampf von Angesicht zu Angesicht w�rde sie ihren Bruder niemals besiegen k�nnen. Hektisch fragte sie sich, ob sie sich wohl �ber die Br�stung der Empore st�rzen konnte, ohne sich dabei die Beine zu brechen. Und falls ja, was w�rde dann geschehen? Wie w�rde Jace reagieren?</p><p>Sebastian setzte gerade einen Fu� auf die unterste Stufe, als Jace ihn zur�ckrief: �Warte mal. Hier stehen sie ja. Eingeordnet unter �Magie, nicht t�dliche.��</p><p>�Nicht t�dlich? Wo bleibt denn da der Spa�?�, murrte Sebastian, nahm aber den Fu� von der Treppe und ging zu Jace hin�ber. �Das ist wirklich eine ganz eigenartige Bibliothek�, stellte er fest und las im Vorbeigehen einige der Titel laut vor: ��Ern�hrung und Pflege von Hauskobolden�, �D�monen enth�llt�.� Er zog das Buch aus dem Regal und lachte leise in sich hinein.</p><p>�Und worum geht�s da?� Jace schaute auf, ein L�cheln um die Mundwinkel.</p><p>In diesem Moment w�re Clary am liebsten nach unten gest�rmt und h�tte sich ihm in die Arme geworfen; der Drang war so �berw�ltigend, dass sie sich erneut auf die Lippe bei�en musste.</p><p>�Das ist Pornografie�, erkl�rte Sebastian. �Sieh selbst: D�monen� enth�llt.�</p><p>Jace stellte sich schr�g hinter Sebastian und st�tzte sich mit einer Hand auf dessen Schulter ab, w�hrend er einen Blick in das Buch warf.</p><p>Es erschien Clary, als w�rde sie Jace mit Alec beobachten, mit jemandem, in dessen Gegenwart er sich so ungezwungen f�hlte, dass er ihn ohne langes Nachdenken ber�hren konnte � aber auf eine schreckliche, grundverkehrte Art und Weise.</p><p>�Okay, und woran erkennst du das?�, fragte Jace.</p><p>Sebastian schlug das Buch zu und klopfte Jace damit leicht auf die Schulter. ��ber manche Dinge wei� ich eben mehr als du. Hast du die B�cher?�</p><p>�Ja, hier.� Jace schnappte sich einen Stapel schwerer W�lzer von einem nahe stehenden Tisch. �Haben wir noch Zeit, um kurz zu meinem Zimmer zu gehen? Ich br�uchte ein paar Dinge��</p><p>�Was willst du denn mitnehmen?�</p><p>Jace zuckte die Achseln. �Haupts�chlich Klamotten und ein paar Waffen.�</p><p>Doch Sebastian sch�ttelte den Kopf. �Zu gef�hrlich. Wir m�ssen hier schnell wieder raus. Also nimm nur das, was du als Notausstattung brauchst.�</p><p>�Meine Lieblingsjacke geh�rt zur Notausstattung�, widersprach Jace.</p><p>Clary hatte wirklich das Gef�hl, als w�rde er mit Alec reden oder irgendeinem anderen seiner Freunde.</p><p>�Diese Jacke ist fast wie ich � angenehm und trendy�, f�gte Jace hinzu.</p><p>�H�r zu, wir haben mehr als genug Geld�, entgegnete Sebastian. �Kauf dir neue Klamotten. Und au�erdem: In ein paar Wochen wirst du dieses Institut leiten. Dann kannst du deine Lieblingsjacke am Fahnenmast hochziehen und als deine pers�nliche Flagge hissen.�</p><p>Jace lachte � jenes weiche, warme Lachen, das Clary so liebte. �Ich warne dich: Diese Jacke ist so hei�, dass sie das ganze Institut in Flammen aufgehen lassen k�nnte.�</p><p>�Das w�re nicht das Schlechteste� es ist eh viel zu trostlos hier.� Sebastian packte Jace im R�cken seiner neuen Wildlederjacke und zog ihn zur Seite. �So, und jetzt verschwinden wir. Pass auf die B�cher auf.� Er schaute auf seine andere Hand, an der ein d�nner Silberring gl�nzte, und drehte diesen mit dem Daumen, w�hrend er Jace weiterhin festhielt.</p><p>�Hey, glaubst du��, setzte Jace an, verstummte dann aber.</p><p>Einen Moment lang dachte Clary, er h�tte sich unterbrochen, weil er nach oben geschaut und sie entdeckt hatte � sein Gesicht zeigte tats�chlich zur Decke. Aber noch w�hrend sie erschrocken die Luft anhielt, verschwanden Sebastian und Jace wie zwei Trugbilder in flirrender Hitze.</p><p>Langsam lie� Clary den Kopf auf den Arm sinken. Ihre Lippe blutete an der Stelle, wo sie sie aufgebissen hatte; sie schmeckte das Blut in ihrem Mund. Sie wusste, dass sie eigentlich sofort aufspringen, nach unten st�rmen und aus dem Institut fl�chten sollte � schlie�lich hatte sie hier nichts zu suchen. Aber das Eis in ihren schockgefrorenen Adern war so dick, dass sie f�rchtete, in tausend Scherben zu zerbrechen, wenn sie auch nur einen Finger r�hrte.</p><p>Alec wachte auf, als Magnus ihn an der Schulter r�ttelte.</p><p>�Komm schon, Zuckerschnecke�, sagte er. �Zeit zum Aufstehen.�</p><p>Benommen sch�lte Alec sich aus den Decken und Kissen und blinzelte seinen Freund an. Obwohl Magnus kaum geschlafen hatte, wirkte er unversch�mt munter. Seine Haare waren nass und tropften auf das wei�e Hemd, machten es durchsichtig. Au�erdem trug er eine l�chrige Jeans mit ausgefranstem Saum, was in der Regel bedeutete, dass er den Tag in der Wohnung verbringen w�rde.</p><p>��Zuckerschnecke�?�, fragte Alec.</p><p>�Ich wollte es mal ausprobieren.�</p><p>Entschieden sch�ttelte Alec den Kopf. �Kommt nicht infrage.�</p><p>Magnus zuckte die Achseln. �Also gut, ich werd mir was anderes �berlegen.� Er hielt Alec einen angeschlagenen blauen Becher mit Kaffee entgegen � Kaffee so wie Alec ihn mochte: schwarz und mit Zucker. �Wach auf.�</p><p>Alec setzte sich auf, rieb sich die Augen und nahm den Becher. Der erste herbe Schluck sandte einen prickelnden Energieschub durch seine Nervenbahnen. Und er erinnerte sich wieder an die Nacht zuvor: Er hatte wach gelegen und darauf gewartet, dass Magnus endlich ins Bett kam, doch irgendwann hatte ihn die M�digkeit �bermannt und er war gegen f�nf Uhr morgens eingeschlafen. �Ich werd� heut nicht zur Ratssitzung gehen�, verk�ndete er.</p><p>�Ich wei�, aber du wolltest dich mit deiner Schwester und den anderen im Central Park am Turtle Pond treffen. Du hast mich extra gebeten, dich daran zu erinnern.�</p><p>Alec schwang die Beine �ber die Bettkante. �Wie sp�t ist es?�</p><p>Sanft nahm Magnus ihm den Becher aus der Hand, damit Alec den Kaffee nicht versch�ttete, und stellte ihn auf den Nachttisch. �Keine Sorge � du hast etwa eine Stunde�, erkl�rte er beruhigend, beugte sich dann vor und presste seine Lippen auf Alecs.</p><p>Sofort erinnerte Alec sich wieder an ihren ersten gemeinsamen Kuss, hier in dieser Wohnung, und am liebsten h�tte er die Arme um Magnus geschlungen und ihn an sich gezogen. Doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Stattdessen stand er auf, l�ste sich von seinem Freund und ging zur Kommode. Er hatte eine eigene Schublade f�r seine Klamotten, einen Platz im Bad f�r seine Zahnb�rste, einen Haust�rschl�ssel � eigentlich ausreichend Raum im Leben seines Freundes, und dennoch konnte er die kalte Angst, die in seinem Magen rumorte, einfach nicht loswerden.</p><p>Magnus hatte sich wieder auf das Bett fallen lassen und beobachtete Alec mit einem Arm hinter dem Kopf. �Trag doch den Schal da�, sagte er und zeigte auf einen blauen Kaschmirschal, der an einem Haken hing. �Der passt so gut zu deinen Augen.�</p><p>Alec musterte den Schal. Pl�tzlich erfasste ihn eine hei�e Wut � auf den Schal, auf Magnus und vor allem auf sich selbst. �Lass mich raten: Der Schal ist hundert Jahre alt und wurde dir von K�nigin Victoria pers�nlich kurz vor ihrem Tod �berreicht � f�r besondere Verdienste um das K�nigshaus oder was wei� ich�, knurrte er.</p><p>Ruckartig setzte Magnus sich auf. �Was ist los? Was hast du?�</p><p>Finster starrte Alec ihn an. �Bin ich dein neuestes Objekt in dieser Wohnung?�</p><p>�Ich denke, diese Ehre geb�hrt dem Gro�en Vorsitzenden. Schlie�lich ist Miau Tse-tung gerade mal zwei Jahre alt.�</p><p>�Ich sagte �neuestes�, nicht �j�ngstes��, fauchte Alec. �Wer ist W. S.? Steht die Abk�rzung etwa f�r Will?�</p><p>Magnus sch�ttelte verst�ndnislos den Kopf, als h�tte er Wasser in den Ohren. �Was zum Teufel�? Du meinst die Schnupftabakdose? W. S. steht f�r Woolsey Scott. Er��</p><p>�Hat die <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> gegr�ndet. Ich wei�.� Alec stieg in seine Jeans und zog den Rei�verschluss hoch. �Das hattest du bereits erw�hnt und au�erdem ist er eine historische Pers�nlichkeit. Und seine Schnupftabakdose liegt in deiner Schreibtischschublade. Was fliegt da sonst noch alles drin rum? Vielleicht Jonathan Shadowhunters Nagelschere?�</p><p>Magnus� Katzenaugen bekamen einen kalten Ausdruck. �Was ist los mit dir, Alexander? Ich bel�ge dich nicht. Wenn du irgendetwas �ber mich wissen willst, kannst du mich einfach fragen.�</p><p>�Bl�dsinn�, entgegnete Alec unverbl�mt, w�hrend er sein Hemd zukn�pfte. �Du bist nett und witzig und vieles mehr, aber alles andere als mitteilsam, <emphasis>Zuckerschnecke</emphasis>. Du kannst stundenlang �ber die Probleme anderer Leute reden, aber �ber dich oder deine Vergangenheit r�ckst du nichts raus, und wenn ich dich danach frage, windest du dich wie ein Wurm am Angelhaken.�</p><p>�Vielleicht liegt das ja daran, dass du mich nicht fragen kannst, ohne gleich einen Streit vom Zaun zu brechen� einen Streit dar�ber, dass ich ewig leben werde und du nicht�, konterte Magnus aufgebracht. �Oder daran, dass das Thema Unsterblichkeit sich mehr und mehr zu einer dritten Person in unserer Beziehung entwickelt, Alec.�</p><p>�In unserer Beziehung sollte es keine dritte Person geben.�</p><p>�Ganz genau.�</p><p>Alec schn�rte es die Kehle zu. Es gab tausend Dinge, die er eigentlich sagen wollte, aber er war mit Worten nie so geschickt gewesen wie Jace oder Magnus. Stattdessen riss er den blauen Schal vom Haken und schlang ihn sich trotzig um den Hals. �Meinetwegen brauchst du nicht aufzubleiben. Kann sein, dass ich heute Nacht auf Patrouille muss�, knurrte er und marschierte hinaus. Als er die Wohnungst�r hinter sich zuschlug, h�rte er, wie Magnus ihm etwas hinterherrief.</p><p>�Und der Schal ist von Gap! Nur damit du�s wei�t. Den hab ich erst letztes Jahr gekauft!�</p><p>Genervt rollte Alec mit den Augen und lief die Treppe zur Eingangshalle hinunter. Die nackte Gl�hbirne, die die Stufen normalerweise beleuchtete, war durchgebrannt, daher lag der Flur so finster vor ihm, dass Alec die Gestalt, die aus den Schatten trat, erst beim zweiten Hinsehen bemerkte. Vor Schreck lie� er seinen Schl�ssel fallen, der rasselnd auf dem Boden landete.</p><p>Lautlos kam die Gestalt auf ihn zu. Alec konnte nicht erkennen, wer oder was sich unter der Kutte verbarg � weder Alter noch Geschlecht, nicht einmal die Spezies. Die Stimme, die unter der weiten Kapuze hervordrang, klang tief und kr�chzend: �Ich habe eine Nachricht f�r dich, Alec Lightwood. Eine Nachricht von Camille Belcourt.�</p><p>�Wollen wir heute Abend gemeinsam auf Patrouille gehen?�, fragte Jordan etwas unvermittelt.</p><p>�berrascht drehte Maia sich zu ihm um. Jordan lehnte mit dem R�cken an der K�chentheke, die Ellbogen hinter ihm auf die glatte Oberfl�che gest�tzt. Seine Haltung hatte etwas derart Gleichg�ltiges an sich, dass es schon fast einstudiert wirkte. Das war das Problem, wenn man jemanden so gut kannte, �berlegte Maia: Man konnte ihm schlecht etwas vort�uschen und auch dessen vorget�uschtes Verhalten schlecht ignorieren � obwohl das im Moment wesentlich einfacher gewesen w�re.</p><p>�Gemeinsam auf Patrouille gehen?�, wiederholte sie. Simon war in seinem Zimmer, um sich umzuziehen. Maia hatte ihm angeboten, ihn bis zur U-Bahn-Station zu begleiten, und w�nschte nun, sie h�tte nichts gesagt. Sie wusste, dass sie sich schon fr�her bei Jordan h�tte melden sollen � nach ihrer letzten Begegnung, als sie ihn unvorsichtigerweise gek�sst hatte. Aber dann war Jace verschwunden und die ganze Welt schien auf den Kopf gestellt, was ihr die passende Ausrede geliefert hatte, sich nicht mit dem Thema zu befassen.</p><p>Nat�rlich war es wesentlich einfacher, nicht an seinen Ex zu denken, der einem das Herz gebrochen und die Verwandlung zum Werwolf verursacht hatte, solange er nicht direkt vor einem stand � noch dazu in einem gr�nen T-Shirt, das sich genau an den richtigen Stellen an seinen schlanken muskul�sen K�rper schmiegte und seine gr�n-braunen Augen perfekt zur Geltung brachte.</p><p>�Ich dachte, die Suche nach Jace w�rde eingestellt�, sagte sie ausweichend und schaute weg.</p><p>�Na ja, nicht vollst�ndig eingestellt, eher reduziert. Aber ich bin Mitglied der <emphasis>Praetor</emphasis> und nicht des Rats. Ich kann in meiner Freizeit also nach Jace suchen.�</p><p>�Stimmt�, murmelte Maia.</p><p>Jordan spielte mit irgendetwas auf der K�chentheke, schob es nerv�s hin und her, doch sein Blick ruhte noch immer auf ihr. �M�chtest du� Fr�her wolltest du doch nach Stanford aufs College gehen. M�chtest du immer noch dort studieren?�, fragte er.</p><p>Maias Herz machte einen Sprung. �Ich hab nicht mehr dar�ber nachgedacht, seit ich�� Sie r�usperte sich. �Seit meiner Verwandlung.�</p><p>Sofort lief Jordan rot an. �Du hattest� ich meine, du wolltest doch immer nach Kalifornien ziehen. Du hattest vor, Geschichte zu studieren, und ich wollte mitkommen, um zu surfen. Wei�t du noch?�</p><p>Langsam schob Maia die H�nde in die Taschen ihrer Lederjacke. Sie hatte das Gef�hl, unendlich w�tend auf ihn sein zu m�ssen � sie war es aber nicht. Lange Zeit hatte sie Jordan die Schuld daran gegeben, dass sie ihren Traum von einem normalen menschlichen Leben mit Schule und Ausbildung und sp�ter vielleicht einmal einem Haus und Familie aufgeben musste. Aber in der Polizeiwache gab es gen�gend andere Werw�lfe, die ihre Tr�ume und Talente weiterhin verfolgten. Bat beispielsweise. Es war ihre eigene Entscheidung gewesen, ihr Leben auf Sparflamme zu setzen. �Ja, ich erinnere mich�, sagte sie nun.</p><p>Jordans Wangen r�teten sich noch st�rker. �Um noch mal auf heute Abend zur�ckzukommen: Bisher hat noch niemand den Brooklyn Navy Yard durchsucht, deshalb dachte ich� Aber allein macht das keinen richtigen Spa�. Wenn du allerdings keine Lust hast mitzukommen��</p><p>�Nein, nein�, sagte Maia; die Worte klangen in ihren Ohren, als stammten sie von einer anderen Person. �Ich meine: doch, klar. Ich komme mit.�</p><p>�Wirklich?� Jordans gr�n-braune Augen leuchteten auf.</p><p>Maia verfluchte sich innerlich. Sie sollte ihm keine falschen Hoffnungen machen � nicht, solange sie sich nicht sicher war, was sie selbst empfand. Es fiel ihr immer noch schwer zu glauben, dass ihm wirklich etwas an ihr lag.</p><p>Das <emphasis>Praetor-Lupus</emphasis>-Medaillon gl�nzte an seinem Hals, als er sich vorbeugte, und Maia konnte den vertrauten Seifenduft riechen � und darunter den Wolfsgeruch. Sie schaute zu ihm hoch� gerade als Simon aus seinem Zimmer kam und sich den Kapuzenpulli �berstreifte.</p><p>Beim Anblick der beiden blieb er abrupt stehen. Mit hochgezogenen Augenbrauen wanderte sein Blick von Jordan zu Maia. �H�r mal, ich kann auch allein zur U-Bahn gehen�, versicherte er Maia, wobei ein leises L�cheln seine Lippen umspielte. �Falls du lieber hierbleiben willst��</p><p>�Nein, nein.� Hastig nahm Maia die H�nde aus den Taschen, die sie dort die ganze Zeit �ber nerv�s zu F�usten geballt hatte. �Nein, ich komm mit. Jordan, ich� ich seh dich dann sp�ter.�</p><p>�Bis nachher!�, rief er ihr nach, doch Maia drehte sich nicht mehr um � sie beeilte sich, Simon ins Treppenhaus zu folgen.</p><p>Simon trottete allein den sanft ansteigenden H�gel hinauf und h�rte die Rufe der Frisbee-Spieler auf der Sheep Meadow hinter sich wie weit entfernt spielende Musik. Es war ein strahlender Novembertag, frisch und windig, und die Sonne lie� das restliche Laub der B�ume in bunten Farben aufleuchten � Scharlachrot, Goldorange, Bernsteingelb.</p><p>Die H�gelkuppe war mit Felsbrocken �bers�t � von hier aus lie� sich gut erkennen, dass das Gel�nde fr�her nur eine Wildnis aus Wald und Steinen gewesen war. Isabelle sa� auf einem der massiven Felsen; sie trug ein langes Kleid aus flaschengr�ner Seide und dar�ber einen schwarzen, mit Silberfaden bestickten Mantel. Als Simon n�her kam, schaute sie auf und strich sich die langen dunklen Haare aus dem Gesicht. �Ich dachte, Clary begleitet dich�, rief sie ihm zu. �Wo ist sie?�</p><p>�Noch im Institut, aber auf dem Weg hierher�, erkl�rte Simon, hockte sich dann neben Isabelle auf den Felsblock und steckte die H�nde in die Taschen seiner Windjacke. �Sie hat mir eine SMS geschickt � sie m�sste gleich hier sein.�</p><p>�Alec ist ebenfalls auf dem Weg��, setzte Isabelle an, verstummte aber, als Simons Tasche pl�tzlich vibrierte � oder vielmehr, als das Handy in seiner Tasche brummte. �Ich glaub, da hat dir jemand �ne Nachricht geschickt.�</p><p>Simon zuckte die Achseln. �Darum k�mmer ich mich sp�ter.�</p><p>Isabelle warf ihm unter ihren langen Wimpern einen skeptischen Blick zu. �Na, wie schon gesagt, Alec ist auch auf dem Weg hierher. Er musste die ganze Strecke von Brooklyn aus��</p><p>Erneut brummte Simons Telefon und h�rte damit gar nicht mehr auf.</p><p>�Okay, jetzt reicht�s. Wenn du nicht rangehst, mach ich das eben.� Isabelle beugte sich vor und griff blitzschnell in seine Jackentasche.</p><p>Dabei streiften ihre Haare sein Kinn, sodass er ihr Vanilleparf�m und den Duft ihrer Haut riechen konnte. Als sie das Handy aus der Tasche zog und sich wieder aufrichtete, war er erleichtert und entt�uscht zugleich.</p><p>Fragend sp�hte Isabelle auf das Display. �Rebecca? Wer ist Rebecca?�</p><p>�Meine Schwester.�</p><p>Isabelle entspannte sich. �Sie will sich mit dir treffen. Sie schreibt, sie h�tte dich seit einer Ewigkeit nicht gesehen, seit��</p><p>Rasch schnappte Simon sich sein Telefon und schaltete es aus, ehe er es wieder in seine Tasche gleiten lie�. �Ich wei�, ich wei�.�</p><p>�Willst du sie denn nicht sehen?�</p><p>�Mehr als� mehr als fast alles andere. Aber ich will nicht, dass sie es erf�hrt. Das mit mir.� Simon hob einen Stock auf und warf ihn den H�gel hinunter. �Du wei�t ja, was passiert ist, als meine Mom davon erfahren hat.�</p><p>�Dann triff dich doch an einem �ffentlichen Ort mit ihr. Irgendwo, wo sie nicht ausflippen kann. Weit weg von eurem Elternhaus.�</p><p>�Aber selbst wenn sie nicht ausflippt, k�nnte sie mich immer noch so ansehen, wie meine Mom mich angesehen hat�, erwiderte Simon mit leiser Stimme. �So, als w�re ich ein Monster.�</p><p>Vorsichtig ber�hrte Isabelle Simon am Handgelenk. �Meine Mutter hat Jace vor die T�r gesetzt, weil sie dachte, er w�re Valentins Sohn und ein Spion � und hat es anschlie�end furchtbar bereut. Und meine Eltern gew�hnen sich gerade an den Gedanken, dass Alec mit Magnus zusammen ist. Ich bin mir sicher, dass auch deine Mutter sich irgendwann an dein Vampirdasein gew�hnen wird. Versuch, deine Schwester auf deine Seite zu bringen. Das hilft bestimmt.� Isabelle neigte den Kopf leicht zur Seite. �Manchmal denke ich, Geschwister verstehen mehr als Eltern. Der Erwartungsdruck ist nicht so gro�. Ich k�nnte Alec niemals aus meinem Leben verbannen � ganz gleich, was er getan h�tte. Niemals. Und Jace auch nicht�, f�gte sie hinzu, dr�ckte Simons Arm und lie� ihn dann los. �Mein kleiner Bruder ist tot. Ich werde ihn nie wiedersehen. Tu das deiner Schwester nicht an.�</p><p>�Was soll er ihr nicht antun?�, fragte in dem Moment eine Stimme. Alec kam den H�gel hinaufgestapft und kickte dabei trockenes Laub aus dem Weg. Er trug wie �blich einen fransigen Pullover �ber der Jeans und hatte einen dunkelblauen Schal um den Hals gewickelt, der farblich zu seinen Augen passte.</p><p>Der Schal musste ein Geschenk von Magnus sein, dachte Simon. Alec konnte ihn unm�glich selbst gekauft haben � die Idee farblich aufeinander abgestimmter Kleidung lag jenseits seiner Vorstellungswelt.</p><p>Isabelle r�usperte sich. �Simons Schwester m�chte��, setzte sie an, doch weiter kam sie nicht. Denn im n�chsten Moment fegte ein kalter Wind �ber den H�gel und wirbelte die trockenen Bl�tter auf. Isabelle riss sch�tzend die H�nde vors Gesicht, um den Staub abzuhalten, als die Luft pl�tzlich transparent zu schimmern begann und sich die unverkennbaren Anzeichen eines sich �ffnenden Portals ank�ndigten. Einen Sekundenbruchteil sp�ter stand Clary vor ihnen, mit der Stele in der Hand und tr�nen�berstr�mtem Gesicht.</p></section><section><title><p>4</p><p>Unsterblichkeit</p></title><p>�Und du bist dir absolut sicher, dass es Jace war?�, fragte Isabelle bestimmt zum hundertsten Mal � zumindest kam es Clary so vor.</p><p>Clary biss sich auf ihre ohnehin schon wunde Lippe und z�hlte innerlich bis zehn. �Hallo, Isabelle � <emphasis>ich</emphasis> bin�s!�, erwiderte sie schlie�lich. �Glaubst du ernsthaft, ich w�rde Jace nicht erkennen?� Fragend schaute sie zu Alec hoch, der �ber ihnen stand und dessen blauer Schal im Wind flatterte. �K�nntest <emphasis>du</emphasis> jemand anderen mit Magnus verwechseln?�</p><p>�Nein. Niemals�, erkl�rte Alec wie aus der Pistole geschossen. Seine dunkelblauen Augen schauten voller Sorge. �Es ist nur� ich meine, nat�rlich stellen wir dir diese Frage. Das Ganze ergibt doch �berhaupt keinen Sinn.�</p><p>�M�glicherweise wird er als Geisel gehalten�, �berlegte Simon und lehnte sich mit dem R�cken an einen Felsbrocken. In der Herbstsonne hatten seine Augen die Farbe von dunklem Kaffee. �K�nnte doch sein, dass Sebastian ihm droht, er w�rde jemandem, an dem Jace etwas liegt, was antun, falls der sich seinen Pl�nen widersetzt.�</p><p>Alle Augen richteten sich auf Clary, aber sie sch�ttelte nur frustriert den Kopf. �Ihr habt die beiden nicht zusammen erlebt. Keine Geisel w�rde sich so verhalten. Jace wirkte total entspannt.�</p><p>�Dann muss er besessen sein�, stellte Alec fest. �Wie damals, als Lilith von ihm Besitz ergriffen hatte.�</p><p>�Genau das hab ich anfangs auch gedacht. Aber als er unter Liliths Einfluss stand, hat er sich wie ein Roboter verhalten und wieder und wieder dieselben Sachen geplappert. Doch das hier war eindeutig Jace. Er hat die gleichen Witze gerissen wie sonst auch. Und so gel�chelt wie sonst auch.�</p><p>�Vielleicht leidet er ja unter dem Stockholm-Syndrom�, mutma�te Simon. �Ihr wisst schon: wenn die Geisel einer Gehirnw�sche unterzogen wird und mit dem Geiselnehmer zu sympathisieren beginnt.�</p><p>�Das scheint mir unwahrscheinlich�, warf Alec ein und wandte sich dann wieder an Clary: �Wie hat er ausgesehen? War er verletzt oder irgendwie angeschlagen? Kannst du die beiden genauer beschreiben?�</p><p>Auch diese Frage stellte er nicht zum ersten Mal. Clary seufzte, und w�hrend der Wind trockenes Laub um ihre F��e wirbelte, erz�hlte sie den anderen erneut, wie Jace ausgesehen hatte: gesund und munter. Genau wie Sebastian. Die beiden hatten einen v�llig entspannten Eindruck gemacht. Jace� Kleidung war sauber gewesen � sauber, stylish, normal wie immer. Und Sebastian hatte einen langen schwarzen Trenchcoat aus schwerer Wolle getragen, der sehr teuer aussah.</p><p>�Klingt nach einer Burberry-Werbung f�r D�monen�, bemerkte Simon, als Clary ihre Beschreibung beendet hatte.</p><p>Isabelle warf ihm einen vernichtenden Blick zu. �M�glicherweise verfolgt Jace ja einen Plan�, sagte sie. �Vielleicht versucht er, Sebastian hereinzulegen. Sein Vertrauen zu erschleichen, um herauszufinden, was er vorhat.�</p><p>�Jace h�tte doch wohl versucht, uns auf irgendeine Art zu benachrichtigen, wenn er so was vorh�tte�, warf Alec ein. �Statt uns in helle Panik zu versetzen. Alles andere w�re einfach nur grausam.�</p><p>�Es sei denn, das damit verbundene Risiko w�re zu gro� f�r ihn. Er w�rde davon ausgehen, dass wir ihm vertrauen. Und das tun wir ja auch�, erwiderte Isabelle mit erhobener Stimme und schlang dann zitternd die Arme um ihren K�rper. Ein kalter Wind pfiff durch die fast kahlen B�ume, die den Kiesweg s�umten.</p><p>�Vielleicht sollten wir den Rat informieren�, sagte Clary und h�rte ihre eigene Stimme wie aus gro�er Entfernung. �Das Ganze ist� Ich habe keine Ahnung, wie wir diese Situation allein in den Griff kriegen sollen.�</p><p>�Wir d�rfen den Rat nicht informieren�, stellte Isabelle mit harter Stimme klar.</p><p>�Und warum nicht?�</p><p>�Wenn der Rat der Meinung ist, dass Jace mit Sebastian kooperiert, dann wird der Befehl erteilt, ihn auf der Stelle zu t�ten�, erkl�rte Alec. �So lautet nun mal das Gesetz.�</p><p>�Selbst wenn Isabelle recht hat? Wenn Jace nur zum Schein mitspielt?�, fragte Simon zweifelnd. �Wenn er versucht, Sebastians Vertrauen zu gewinnen, um an wichtige Information zu kommen?�</p><p>�Das l�sst sich aber nicht beweisen. Und wenn wir seinen Plan �berall herumposaunen und Sebastian irgendwie davon erf�hrt, wird er Jace sehr wahrscheinlich umbringen�, gab Alec zu bedenken. �Falls Jace aber besessen ist, werden die Ratsmitglieder ihn t�ten. Wir d�rfen ihnen also auf gar keinen Fall etwas erz�hlen.� Er klang resolut. Clary schaute ihn �berrascht an; normalerweise war Alec derjenige, der sich am strengsten an die Vorschriften hielt.</p><p>�Wir reden hier �ber Sebastian�, erkl�rte Izzy. �Es gibt wohl kaum jemanden, den der Rat mehr hasst � abgesehen von Valentin, aber der ist tot. Fast jeder Nephilim kennt jemanden, der in der Gro�en Schlacht umgekommen ist, und Sebastian war derjenige, der die Schutzschilde zerst�rt hat.�</p><p>Clary scharrte mit den Schuhen im Kies. Die ganze Situation erschien ihr wie ein b�ser Traum� aus dem sie jeden Moment aufwachen m�sste. �Und was machen wir jetzt?�</p><p>�Wir reden mit Magnus. Vielleicht hat er ja eine Idee.� Alec zupfte an seinem Schal herum. �Er wird sich nicht an die Kongregation wenden. Jedenfalls nicht, wenn ich ihn darum bitte.�</p><p>�Das w�rde ich ihm auch raten�, meinte Isabelle emp�rt. �Ansonsten w�re er der mieseste Freund aller Zeiten.�</p><p>�Ich hab doch gesagt, dass er nicht losrennen und uns verpetzen wird��</p><p>�Hat das eigentlich noch irgendeinen Sinn?�, unterbrach Simon die beiden Geschwister. �Ich meine, der Besuch bei der Elbenk�nigin? Jetzt, da wir wissen, dass Jace besessen ist oder sich m�glicherweise ganz bewusst versteckt h�lt��</p><p>�Man vers�umt keine Verabredung mit der K�nigin des Lichten Volkes�, erwiderte Isabelle bestimmt. �Jedenfalls nicht, wenn einem sein Leben lieb ist.�</p><p>�Aber sie wird Clary die Ringe abnehmen und uns nichts Neues erz�hlen�, hielt Simon dagegen. �Inzwischen wissen wir mehr als beim ersten Besuch. Und w�rden ihr andere Fragen stellen. Aber auf die wird sie garantiert nicht eingehen. Die K�nigin wird nur die bereits gestellten Fragen beantworten. So sind die Feenwesen nun mal. Sie machen keine Geschenke. Und sie w�rde sicherlich auch nicht zulassen, dass wir erst mit Magnus reden und dann wieder zu ihr kommen.�</p><p>�Das spielt jetzt auch keine Rolle mehr.� Clary rieb sich mit beiden H�nden das Gesicht und registrierte dann, dass sie trocken blieben. Irgendwann hatten ihre Tr�nen aufgeh�rt zu flie�en � Gott sei Dank. Sie h�tte der K�nigin nicht total verheult gegen�bertreten wollen. �Denn ich hab die Ringe nicht�, f�gte sie hinzu.</p><p>Isabelle blinzelte. �Wie bitte?�</p><p>�Nachdem ich Jace und Sebastian gesehen habe, war ich viel zu aufgew�hlt, um sie mitzunehmen. Ich bin einfach aus dem Institut gest�rmt und hab mich hierher teleportiert.�</p><p>�Na, dann k�nnen wir auch nicht zur K�nigin�, bemerkte Alec. �Wenn du nicht das getan hast, was sie von dir verlangt, wird sie wahrscheinlich ausrasten.�</p><p>�Mehr als nur ausrasten�, erg�nzte Isabelle. �Du hast ja gesehen, was sie mit Alec gemacht hat. Und das war nur ein Zauberglanz. Wahrscheinlich wird sie dich in einen Hummer verwandeln oder so was.�</p><p>�Die K�nigin hat es gewusst�, �berlegte Clary. �Sie sagte w�rtlich: �Wenn ihr ihn wiederfindet, k�nnte euer Freund m�glicherweise nicht mehr so sein, wie ihr ihn in Erinnerung habt.�� Die Stimme der K�nigin hallte in Clarys Gedanken noch einen Moment nach und ein Schauer jagte ihr �ber den R�cken. Sie konnte verstehen, warum Simon die Feenwesen so sehr hasste. Denn diese verstanden es jedes Mal, genau <emphasis>die</emphasis> Worte zu finden, die sich wie ein Splitter im Hirn festsetzten � schmerzhaft und nicht zu ignorieren oder zu beseitigen. �Die K�nigin spielt nur mit uns. Sie will unbedingt diese Ringe haben, aber ich glaube nicht, dass auch nur die geringste Chance besteht, dass sie uns wirklich hilft.�</p><p>�Okay�, meinte Isabelle skeptisch. �Aber wenn sie davon wusste, dann wei� sie vielleicht noch mehr. Und wer sonst kann uns helfen, wenn wir uns nicht an den Rat wenden d�rfen?�</p><p>�Magnus�, erkl�rte Clary. �Er versucht schon die ganze Zeit, Liliths Beschw�rungsformel zu entschl�sseln. Wenn ich ihm erz�hle, was ich gesehen habe, bringt ihn das vielleicht weiter.�</p><p>Simon verdrehte die Augen. �Wie gut, dass wir denjenigen kennen, der mit Magnus zusammen ist. Sonst w�rden wir uns wahrscheinlich st�ndig fragen, was zum Teufel wir als N�chstes tun sollen. Oder wir w�rden versuchen, Limonade zu verkaufen, um Geld f�r Magnus� Bezahlung zusammenzukratzen.�</p><p>Diese Bemerkung entlockte Alec nur ein m�des L�cheln. �Du k�nntest nur dann durch den Verkauf von Limonade gen�gend Geld zusammenbekommen, wenn du <emphasis>Meth</emphasis> daruntermischen w�rdest.�</p><p>�Das sagt man doch nur so. Wir sind uns alle der Tatsache bewusst, dass die Dienste deines Freundes nicht billig sind. Ich w�nschte nur, wir m�ssten nicht mit jedem Problem zu ihm rennen.�</p><p>�Das geht ihm genauso�, erwiderte Alec. �Magnus muss heute irgendeinen Auftrag erledigen, aber ich rede am Abend mit ihm und dann k�nnen wir uns morgen fr�h bei ihm in der Wohnung treffen.�</p><p>Clary nickte, obwohl sie sich im Moment nicht einmal vorstellen konnte, am n�chsten Morgen wieder aus dem Bett zu steigen. Sie wusste zwar: Je eher sie mit Magnus redeten, desto besser, aber sie f�hlte sich total ersch�pft und ausgelaugt, als h�tte sie in der Bibliothek literweise Blut verloren.</p><p>Inzwischen war Isabelle n�her an Simon herangetreten. �Sieht so aus, als h�tten wir den Rest des Tages frei. Sollen wir zu Taki�s fahren? Du k�nntest dir ein gro�es Glas Blut bestellen.�</p><p>Simon warf Clary einen langen, besorgten Blick zu. �M�chtest du mitkommen?�</p><p>�Nein, ist schon okay. Ich werd mir ein Taxi holen und nach Williamsburg zur�ckfahren. Ich sollte ein bisschen Zeit mit meiner Mutter verbringen. Die ganze Geschichte mit Sebastian zerrei�t sie innerlich und jetzt noch das��</p><p>Isabelles schwarzes Haar wehte im Wind, als sie heftig den Kopf sch�ttelte. �Du darfst ihr nichts davon erz�hlen. Luke hat einen Sitz in der Kongregation. Er kann diese Informationen nicht zur�ckhalten und du wiederum darfst von deiner Mutter nicht verlangen, dass sie ihm die Geschichte verschweigt.�</p><p>�Ich wei�.� Clary betrachtete die besorgten Gesichter ihrer Freunde. Wie hatte es nur so weit kommen k�nnen?, �berlegte sie. Fr�her hatte sie nie Geheimnisse vor ihrer Mutter gehabt � jedenfalls keine richtigen � und jetzt fuhr sie nach Hause und unterschlug ihr und Luke Informationen von gravierender Tragweite. Gleichzeitig redete sie v�llig offen mit Leuten wie Alec und Isabelle Lightwood und Magnus Bane � Personen, von deren Existenz sie vor sechs Monaten nicht einmal geahnt hatte. Es war seltsam, wie sich die eigene Welt urpl�tzlich auf ihrer Achse verlagern konnte und sich alles Vertraute ins Gegenteil verkehrte.</p><p>Aber wenigstens hatte sie immer noch Simon an ihrer Seite � der best�ndige, verl�ssliche Simon. Clary dr�ckte ihm rasch einen Kuss auf die Wange, winkte den anderen zum Abschied zu und machte sich dann auf den Weg. Dabei sp�rte sie genau, wie die drei ihr sorgenvoll nachschauten, w�hrend sie den Park durchquerte und die letzten trockenen Bl�tter wie winzige Knochen unter ihren Schuhen knackten und knirschten.</p><p>Alec hatte gelogen: Nicht Magnus hatte f�r den Nachmittag schon andere Pl�ne, sondern er selbst.</p><p>Er wusste, dass sein Vorhaben ein Fehler war, aber er konnte einfach nichts dagegen machen: Das Ganze war wie eine Sucht� dieser Drang, mehr zu erfahren. Und nun stand er hier, tief unter der Erde, das Elbenlicht in der Hand, und fragte sich, was zum Teufel er gerade tat.</p><p>Genau wie alle New Yorker U-Bahn-Stationen roch auch diese nach Rost, Wasser, Metall und Moder. Aber im Gegensatz zu allen anderen Haltestellen, die Alec kannte, herrschte hier eine unheimliche Stille. Abgesehen von ein paar Stockflecken, die durch einen Wasserschaden entstanden sein mussten, wirkten die W�nde und der Bahnsteig sauber. �ber Alec erhoben sich breite Gew�lbedecken, die in regelm��igen Abst�nden von Kronleuchtern durchbrochen wurden. Die Deckenb�gen waren mit gr�nen Fliesen gekachelt, daneben verrieten wei�e Fliesen mit blauen Gro�buchstaben den Namen der Haltestelle: CITY HALL.</p><p>Die U-Bahnstation City Hall war bereits seit 1945 au�er Betrieb, wurde aber von der Stadt New York als historisches Bauwerk weiterhin instand gehalten; hin und wieder nutzten die Z�ge der Linie 6 die Haltestelle als Wendegelegenheit, doch niemand stieg hier ein oder aus. Alec hatte sich im City Hall Park durch eine L�ftungsluke gezw�ngt, die fast komplett von Hartriegelstr�uchern �berwuchert war, und dann in die Station hinunterfallen lassen � aus einer H�he, die jedem normalen Menschen vermutlich beide Beine gebrochen h�tte. Nun blieb er einen Moment ruhig stehen, atmete die staubige Luft ein und sp�rte, wie sich sein Puls beschleunigte.</p><p>Das war der Ort, den er aufsuchen sollte � so hatte es in dem Brief gestanden, den ihm der Vampir-Domestik in Magnus� Eingangshalle �berreicht hatte. Zun�chst war Alec fest entschlossen gewesen, das Ganze zu vergessen. Aber er hatte es auch nicht geschafft, den Brief einfach wegzuwerfen. Stattdessen hatte er den Papierbogen zusammengekn�llt und in die Tasche seiner Jeans gestopft � woraufhin ihm die Worte den ganzen Tag �ber, selbst im Central Park, permanent im Hinterkopf herumgespukt waren.</p><p>Genau wie die gesamte Situation mit Magnus ihm nicht aus dem Kopf gehen wollte. Alec konnte einfach nicht aufh�ren, sich deswegen Sorgen zu machen � so als w�rde man mit der Zunge immer wieder gegen einen kaputten Zahn sto�en, obwohl man wusste, dass das die Situation wom�glich nur noch schlimmer machte. Magnus hatte nichts Falsches getan � schlie�lich war es nicht seine Schuld, dass er Hunderte von Jahren alt war und schon andere Beziehungen gef�hrt hatte. Trotzdem brachte dieser Gedanke Alecs Seelenfrieden durcheinander. Und dass er im Hinblick auf die Situation mit Jace auch nicht viel schlauer war als am Tag zuvor, hatte das Fass zum �berlaufen gebracht: Er musste unbedingt mit jemandem reden, musste sich irgendwohin wenden, irgendetwas tun.</p><p>Und darum stand er nun hier. Und sie war ebenfalls hier, daran zweifelte Alec keine Sekunde. Langsam ging er �ber den Bahnsteig. Durch eine kleine Luke in der Gew�lbedecke fiel Licht aus dem dar�berliegenden Park auf den Boden; die vier Fliesenreihen, die sternf�rmig von der Lichtkuppel abgingen, erinnerten an die Beine einer Spinne. Am Ende des Bahnsteigs befand sich eine schmale Treppe, deren Stufen sich in der Dunkelheit verloren. Alec fiel auf, dass sie durch einen Zauberglanz getarnt war: Jeder Irdische, der die Treppe hinaufschaute, w�rde nur eine Betonwand sehen, wohingegen <emphasis>er</emphasis> einen offenen Torbogen wahrnahm. Leise eilte er die Stufen hinauf.</p><p>Kurz darauf fand er sich in einem d�mmrigen Raum mit niedriger Decke wieder; durch die Amethystglasscheiben des Oberlichts fiel nur ein schwacher Lichtschimmer. In einer Ecke des d�steren Raums stand ein Samtsofa mit einer hohen, geschwungenen und vergoldeten R�ckenlehne � und auf dem Sofa sa� Camille.</p><p>Die Vampirdame war so sch�n, wie Alec sie in Erinnerung hatte, auch wenn sie bei ihrer letzten Begegnung nicht besonders vorteilhaft ausgesehen hatte: schmutzig, blutverklebt und an ein Leitungsrohr in einem Rohbau gekettet. Doch nun trug sie einen eleganten schwarzen Hosenanzug mit roten hochhackigen Pumps und ihre hellen Haare ergossen sich in sanften Wellen �ber ihre Schultern. Auf dem Scho� hielt sie ein aufgeschlagenes Buch � <emphasis>La Place de l��toile</emphasis> von Patrick Modiano. Alecs Franz�sischkenntnisse reichten aus, um den Titel zu �bersetzen: �Der Platz des Sterns.�</p><p>Camille schaute Alec ruhig an, als h�tte sie mit seinem Kommen gerechnet.</p><p>�Hallo, Camille�, begr��te er sie.</p><p>Die Vampirdame blinzelte langsam. �Alexander Lightwood�, sagte sie schlie�lich. �Ich habe deine Schritte auf der Treppe wiedererkannt.� Sie st�tzte den Kopf auf eine Hand und schenkte Alec ein L�cheln � ein L�cheln, das distanziert wirkte und keinerlei W�rme ausstrahlte. �Ich nehme nicht an, dass du mir eine Nachricht von Magnus �berbringst?�, f�gte sie hinzu.</p><p>Alec schwieg.</p><p>�Nat�rlich nicht�, beantwortete Camille ihre eigene Frage. �Ich Dummerchen! Als ob Magnus w�sste, wo du gerade steckst��</p><p>�Woher hast du gewusst, dass ich es bin? Eben auf der Treppe?�, fragte Alec.</p><p>�Du bist ein Lightwood�, erkl�rte Camille. �Und deine Familie gibt niemals auf. Ich wusste, du w�rdest dich mit dem, was ich dir in jener Nacht gesagt habe, nicht zufriedengeben. Die Nachricht, die ich dir heute zukommen lie�, war nur eine kleine Ged�chtnisst�tze.�</p><p>�Du brauchst mich nicht daran zu erinnern, was du mir versprochen hast. Oder war das eine L�ge?�</p><p>�In jener Nacht h�tte ich alles versprochen, nur um freizukommen�, erwiderte die Vampirdame. �Aber ich habe nicht gelogen.� Langsam beugte sie sich vor; ihre gr�nen Augen leuchteten und waren d�ster zugleich. �Du bist ein Nephilim, Mitglied des Rats und der Kongregation. Auf mich ist ein Kopfgeld ausgesetzt, wegen des Mordes an mehreren Schattenj�gern. Aber ich wei�, dass du nicht hier bist, um mich dem Rat zu �bergeben. Du suchst Antworten.�</p><p>�Ich will wissen, wo Jace ist�, erwiderte Alec.</p><p>�Sicher m�chtest du das�, best�tigte Camille. �Doch du wei�t nat�rlich, dass es keinen Grund gibt, warum <emphasis>ich</emphasis> eine Antwort darauf haben sollte. Und genauso ist es auch: Ich wei� es nicht. Ich w�rde es dir sagen, wenn ich es w�sste. Mir ist lediglich bekannt, dass Jace von Liliths Sohn entf�hrt wurde, und ich habe keinerlei Veranlassung, ihr gegen�ber loyal zu sein. Lilith existiert nicht mehr. Und nat�rlich bin ich dar�ber informiert, dass Suchtrupps ausgeschickt wurden, um mich aufzusp�ren und herauszufinden, was ich m�glicherweise wei�. Doch ich kann dir hier und jetzt versichern: Ich habe nicht die geringste Kenntnis �ber seinen Verbleib. Wenn ich w�sste, wo dein Freund sich aufh�lt, w�rde ich es dir sagen. Schlie�lich will ich die Nephilim nicht noch mehr gegen mich aufbringen.� Camille fuhr sich mit einer Hand durch ihr dichtes blondes Haar. �Aber deswegen bist du nicht hier. Gib es zu, Alexander.�</p><p>Alec sp�rte, wie sein Atem schneller ging. Er hatte sich diesen Moment oft vorgestellt, vor allem nachts, wenn er wach neben Magnus gelegen hatte, auf dessen ruhige Atmung gelauscht und seine eigenen Atemz�ge gez�hlt hatte. Jeder Atemzug brachte ihn einen Schritt n�her in Richtung Alter und Tod. Jede Nacht dem Ende ein St�ck n�her. �Du hast gesagt, du kennst eine M�glichkeit, mich unsterblich zu machen�, entgegnete Alec. �Du hast gesagt, du w�sstest einen Weg, wie Magnus und ich f�r immer zusammenbleiben k�nnten.�</p><p>�Das habe ich tats�chlich gesagt? Wie interessant.�</p><p>�Ich will, dass du es mir jetzt verr�tst.�</p><p>�Und das werde ich auch�, bekr�ftigte Camille und legte das Buch beiseite. �Gegen entsprechende Bezahlung.�</p><p>�Keine Bezahlung�, widersprach Alec. �Ich habe dich freigelassen. Und jetzt wirst du mir erz�hlen, was ich wissen will. Oder ich werde dich dem Rat �bergeben. Der wird dich an das Dach des Instituts ketten und in Ruhe den Sonnenaufgang abwarten.�</p><p>Camilles Augen bekamen einen harten Ausdruck. �Drohungen sch�tze ich nicht.�</p><p>�Dann gib mir die Information, die ich haben will.�</p><p>Langsam erhob die Vampirdame sich vom Sofa, strich mit den H�nden �ber die Vorderseite ihrer Anzugjacke und gl�ttete die Falten. �Komm doch und hol sie dir, Schattenj�ger.�</p><p>Schlagartig platzten die angestaute Frustration, die Angst und die Verzweiflung der vergangenen zwei Wochen aus ihm heraus: Alec st�rmte auf Camille zu, die sich mit ausgefahrenen Fangz�hnen auf ihn st�rzte. Dem jungen Nephilim blieb kaum Zeit, seine Seraphklinge zu z�cken, als sie auch schon zum Sprung ansetzte. Er hatte schon zuvor gegen Vampire gek�mpft; ihre Schnelligkeit und Kraft war erstaunlich und es kam ihm jedes Mal so vor, als w�rde er gegen einen heranbrausenden Tornado antreten. Rasch warf er sich zur Seite, rollte sich ab, kam wieder auf die Beine und trat eine fallende Leiter in Camilles Richtung. Die Leiter hielt die Vampirin gerade lange genug auf, dass Alec das Engelsschwert heben und dessen Namen fl�stern konnte: <emphasis>�Nuriel.�</emphasis></p><p>Das Licht der Waffe flammte auf wie ein heller Stern und lie� Camille einen Moment z�gern, dann aber st�rzte sie sich erneut auf Alec. Dabei kratzte sie ihm mit ihren langen Fingern�geln Wange und Schulter auf. Alec sp�rte das warme Blut hervordr�ngen; blitzschnell wirbelte er um die eigene Achse und schlug mit dem Engelsschwert nach Camille. Sie sprang hoch in die Luft, knapp au�erhalb seiner Reichweite, und lachte sp�ttisch.</p><p>Alec st�rmte zur Treppe, die zum Bahnsteig hinunterf�hrte, dicht gefolgt von Camille, doch er war schneller: Leichtf��ig wich er zur Seite aus, wirbelte herum, dr�ckte sich mit den F��en von der Wand ab und sprang im selben Moment auf die Vampirin zu, als diese die Stufen hinunterhechtete, sodass sie in der Luft zusammenprallten: Camille schrie wie wild und schlug nach ihm, doch Alec hielt sie am Arm fest � selbst als beide krachend auf dem Bahnsteig landeten und der Aufprall ihm die Luft aus den Lungen presste. Um sie besiegen zu k�nnen, musste er sie am Boden halten. Alec schickte Jace ein stummes Dankesgebet � daf�r, dass er ihn gezwungen hatte, im Fechtsaal wieder und wieder Salti zu �ben, bis Alec sich von nahezu jeder Oberfl�che absto�en und wenigstens ein oder zwei Sekunden in der Luft umherwirbeln konnte.</p><p>W�hrend sie �ber den Bahnsteig rollten, schlug er immer wieder mit der Seraphklinge auf sie ein, aber Camille wehrte seine Angriffe m�helos ab, indem sie sich so schnell bewegte, dass ihre Silhouette vor Alecs Augen zu verschwimmen begann. Gleichzeitig trat sie ihn mit ihren hochhackigen Schuhen und bohrte ihm die spitzen Abs�tze in die Oberschenkel. Alec zuckte zusammen und fluchte und Camille lie� eine beeindruckende Schimpftirade �ber Alecs Liebesleben mit Magnus und ihr eigenes Liebesleben mit dem Hexenmeister vom Stapel. Und vermutlich h�tte sie ihm noch mehr an den Kopf geworfen, wenn die beiden nicht die Mitte des Bahnsteigs erreicht h�tten, wo durch die Luke in der Decke ein kreisrunder Sonnenstrahl auf den Boden fiel. Sofort packte Alec Camille am Handgelenk und dr�ckte ihre Hand nach unten, direkt ins Licht.</p><p>Die Vampirin kreischte ohrenbet�ubend auf und gewaltige Brandblasen bildeten sich auf ihrer wei�en Haut. Alec konnte die Hitze, die von ihrer brodelnden Hand ausging, f�rmlich sp�ren. Rasch verschr�nkte er seine Finger mit Camilles und riss ihre Hand hoch, zur�ck in die Schatten. Camille fauchte und schnappte nach ihm, doch Alec rammte ihr den Ellbogen in den Mund, sodass ihre Lippe aufplatzte. Rubinrotes Vampirblut � leuchtender als menschliches Blut � tropfte ihr aus dem Mundwinkel.</p><p>�Hast du jetzt endlich genug? Oder willst du noch mehr?�, knurrte Alec und senkte ihre Hand mit den bereits verheilenden und zu rosa Flecken verblassenden Brandblasen in Richtung des Sonnenstrahls.</p><p>�Nein!�, stie� Camille keuchend hervor, hustete � und begann dann zu beben, bis ihr ganzer K�rper unkontrolliert zuckte. Alec ben�tigte einen Augenblick, um zu erkennen, dass sie <emphasis>lachte</emphasis> � trotz des ganzen Bluts. �Das hab ich gebraucht, einen guten Kampf. Jetzt f�hl ich mich gleich viel lebendiger, kleiner Nephilim. Eigentlich sollte ich dir danken.�</p><p>�Du kannst mir danken, indem du mir meine Frage beantwortest�, erwiderte Alec keuchend. �Oder ich werde dich ein�schern. Ich habe keine Lust mehr auf deine Spielchen.�</p><p>Camilles Lippen verzogen sich zu einem d�nnen L�cheln. Die Wunden in ihrem blutverschmierten Gesicht waren bereits verheilt. �Es gibt keinen Weg, dich unsterblich zu machen. Jedenfalls nicht ohne den Einsatz von Schwarzer Magie oder durch deine Verwandlung zum Vampir � und diese Optionen hast du ja bereits abgelehnt.�</p><p>�Aber du hast doch gesagt� du hast gesagt, es g�be noch eine andere M�glichkeit, wie Magnus und ich zusammen sein k�nnten��</p><p>�Oh, ja, nat�rlich, die gibt es.� Camilles Augen funkelten. �Du magst zwar nicht in der Lage sein, dich selbst unsterblich zu machen, kleiner Nephilim � zumindest nicht zu den Bedingungen, die dir angenehm w�ren. Aber du kannst Magnus seine Unsterblichkeit nehmen.�</p><p>Clary sa� in ihrem Zimmer in Lukes Wohnung, einen Stift in der Hand, einen Bogen Papier auf dem Schreibtisch vor sich. Die Sonne war bereits untergegangen und die Schreibtischlampe warf ihr helles Licht auf eine Rune, an der Clary gerade zu arbeiten begonnen hatte.</p><p>Die Idee dazu war ihr auf dem Heimweg gekommen, in einem Abteil der Linie L, als sie aus dem Fenster gestarrt hatte. Es war eine v�llig neue Rune, die sich mit nichts aus dem Grauen Buch vergleichen lie� � also war Clary von der Haltestelle nach Hause gest�rmt, solange sie das Bild noch deutlich vor Augen hatte, hatte die Fragen ihrer Mutter abgewiegelt, sich in ihr Zimmer verzogen und hastig zu Papier und Bleistift gegriffen�</p><p>Als kurz darauf jemand leise an der T�r klopfte, schob Clary das Papier mit der angefangenen Runenzeichnung rasch unter ein leeres Blatt, und eine Sekunde sp�ter kam ihre Mutter auch schon ins Zimmer.</p><p>�Ich wei�, ich wei߫, sagte Jocelyn und hielt abwehrend eine Hand hoch, als Clary zu protestieren begann. �Du willst in Ruhe gelassen werden. Aber Luke hat gekocht und du musst etwas essen.�</p><p>Clary warf ihrer Mutter einen skeptischen Blick zu: �Das Gleiche gilt f�r dich.� Genau wie sie selbst neigte auch Jocelyn dazu, bei Stress jeglichen Appetit zu verlieren. Ihre Wangen wirkten inzwischen ziemlich eingefallen. Eigentlich h�tte ihre Mutter jetzt Vorbereitungen f�r ihre Flitterwochen treffen sollen, die Koffer packen und sich auf eine tolle Reise an einen sch�nen, weit entfernten Ort freuen. Doch die Hochzeit war auf unbestimmte Zeit verschoben und Clary konnte durch die Wand h�ren, wie ihre Mutter nachts weinte. Clary kannte diese Tr�nen nur zu gut: Sie entsprangen einer Mischung aus Wut und Gewissensbissen � einem Gef�hl, das einem sagte: <emphasis>Das ist alles nur meine Schuld</emphasis>.</p><p>�Ich werde etwas essen, wenn du auch einen Happen isst�, bot Jocelyn nun an und zwang sich zu einem L�cheln. �Luke hat Nudeln gekocht.�</p><p>Langsam drehte Clary sich auf ihrem Stuhl um. Dabei neigte sie ihren K�rper bewusst so zur Seite, dass ihre Mutter nicht auf den Schreibtisch sehen konnte. �Mom�, setzte sie an. �Ich wollte dich mal was fragen.�</p><p>�Worum geht�s?�</p><p>Clary knabberte an ihrem Stift � eine schlechte Angewohnheit, die sie bereits seit ihren allerersten Malversuchen begleitete. �Als ich mit Jace in der Stillen Stadt war, haben die Br�der mir erz�hlt, dass nach der Geburt eines Schattenj�gerkindes ein Ritual vollzogen wird: Sowohl die Br�der der Stille als auch die Eisernen Schwestern versehen das Neugeborene mit einer Reihe von Schutzzaubern. Und da habe ich mich gefragt��</p><p>�Ob diese Zeremonie auch bei dir durchgef�hrt wurde?�</p><p>Clary nickte.</p><p>Jocelyn holte tief Luft und fuhr sich mit den H�nden durch die Haare. �Das Ritual wurde vollzogen�, best�tigte sie. �Ich habe Magnus alle n�tigen Vorbereitungen treffen lassen: Ein Bruder der Stille war anwesend � jemand, der zur Verschwiegenheit verpflichtet war � und eine Hexe, die die Eisernen Schwestern vertrat. Anfangs wollte ich nichts von der Zeremonie wissen: Ich wollte einfach nicht wahrhaben, dass du vielleicht in Gefahr schweben k�nntest, nachdem ich dich so sorgf�ltig verborgen gehalten hatte. Aber Magnus hat mich schlie�lich �berredet und damit auch recht behalten.�</p><p>Neugierig musterte Clary ihre Mutter. �Wer war denn die Hexe?�</p><p>�Jocelyn!�, rief Luke in diesem Moment aus der K�che. �Das Wasser kocht �ber!�</p><p>Rasch dr�ckte Jocelyn Clary einen Kuss auf die Stirn. �Tut mir leid. K�chenkrise! Kommst du in f�nf Minuten zum Essen?�</p><p>Clary nickte, w�hrend ihre Mutter bereits aus dem Zimmer lief, und wandte sich wieder ihrem Schreibtisch zu. Die angefangene Rune leuchtete ihr vom Papier entgegen und lie� ihr keine Ruhe. Sofort machte Clary sich wieder an die Arbeit und vervollst�ndigte die Zeichnung. Als sie fertig war, lehnte sie sich zur�ck und betrachtete ihr Werk. Das Design erinnerte ein wenig an eine Entriegelungsrune, aber diese Rune hier war so schlicht wie ein Kreuz und so frisch auf dieser Welt wie ein Neugeborenes. Und aus ihr sprach eine unterschwellige Drohung � eine dunkle Aura, die bezeugte, dass sie aus Clarys Zorn und Schuldgef�hlen und einer ohnm�chtigen Wut entsprungen war.</p><p>Es handelte sich um ein m�chtiges Symbol. Doch obwohl Clary genau wusste, was die Rune bedeutete und wozu sie diente, fiel ihr beim besten Willen nicht ein, wie sie sie in der jetzigen Situation sinnvoll nutzen konnte. Als w�re sie mit dem Wagen auf einer einsamen Landstra�e liegen geblieben und h�tte beim verzweifelten Herumw�hlen im Kofferraum eine Verl�ngerungsschnur gefunden anstatt eines Starthilfekabels.</p><p>Clary hatte das Gef�hl, von ihrer eigenen F�higkeit ausgelacht zu werden. Mit einem unterdr�ckten Fluchen warf sie den Stift auf den Schreibtisch und vergrub das Gesicht in den H�nden.</p><p>Die Innenr�ume des ehemaligen Marinehospitals waren sorgf�ltig gekalkt, was den Wandfl�chen einen unheimlichen Glanz verlieh. Viele der Fenster hatte man mit Brettern zugenagelt, doch selbst in diesem D�mmerlicht konnte Maia dank ihres gesteigerten Sehverm�gens alle Einzelheiten erkennen: herabgerieselter Putz auf den nackten B�den der G�nge, Spuren von den St�ndern der Baulampen in den Dielen, kurze Kabelabschnitte, die unter dicken Farbklecksen an den W�nden klebten, M�use, die in den dunklen Ecken herumhuschten.</p><p>Pl�tzlich sprach eine Stimme sie von hinten an: �Ich hab den gesamten Ostfl�gel durchsucht. Nichts. Wie sieht�s bei dir aus?�</p><p>Maia drehte sich um. Jordan stand hinter ihr; er trug eine dunkle Jeans und eine schwarze Sweatshirtjacke mit halb ge�ffnetem Rei�verschluss �ber einem gr�nen T-Shirt. Maia sch�ttelte den Kopf. �Auch im Westfl�gel nicht die geringste Spur. Nur ziemlich morsche Treppen und ein paar interessante architektonische Details, falls du dich f�r so was interessierst.�</p><p>Verneinend sch�ttelte Jordan den Kopf. �Dann lass uns verschwinden. Dieser Ort hier ist mir unheimlich.�</p><p>Maia konnte ihm nur zustimmen und war erleichtert, dass nicht <emphasis>sie</emphasis> es laut hatte aussprechen m�ssen. Gemeinsam stiegen sie eine Treppe hinunter, deren Gel�nder mit so viel heruntergerieseltem Putz bedeckt war, dass es fast so aussah, als w�rde Schnee darauf liegen. Maia war sich nicht ganz sicher, warum sie eingewilligt hatte, mit Jordan auf Patrouille zu gehen, aber sie musste zugeben, dass sie beide ein ganz ordentliches Team abgaben. Mit Jordan konnte man gut auskommen � trotz der Dinge, die sich kurz vor Jace� Verschwinden zwischen ihnen abgespielt hatten, zeigte er sich respektvoll und hielt einen gewissen Abstand, ohne dass sie sich dabei unwohl f�hlte.</p><p>Der Mond warf sein helles Licht auf die beiden jungen Werw�lfe, als sie das alte Hospital verlie�en, auf den Vorplatz hinaustraten und sich noch einmal zu dem gro�en wei�en Marmorgeb�ude umschauten, dessen zugenagelte Fenster wie blinde Augen wirkten. Ein knorriger Baum, der seine letzten Bl�tter abwarf, kauerte neben der Eingangst�r.</p><p>�Na, das war echt die reinste Zeitverschwendung�, bemerkte Jordan.</p><p>Verstohlen sah Maia in seine Richtung: Jordan musterte das ehemalige Marinehospital und das kam ihr gelegen. Denn sie betrachtete ihn gern, wenn er nicht zu ihr hinschaute. Auf diese Weise konnte sie die Konturen seines Kinns studieren, die leicht gelockten dunklen Haare in seinem Nacken, die geschwungene Linie seines Schl�sselbeins unter dem V-Ausschnitt seines T-Shirts, ohne ihm dabei gleich Hoffnungen zu machen.</p><p>Als sie ihn kennengelernt hatte, war er ein attraktiver Indie-Rocker gewesen, mit kantigen Z�gen und langen Wimpern, doch inzwischen war er �lter geworden � mit narbigen Fingerkn�cheln und Muskeln, die sich unter seinem eng anliegenden T-Shirt geschmeidig hin und her bewegten. Geblieben waren jedoch der Olivton seiner Haut, der von seinen italienischen Wurzeln zeugte, und die gr�nbraunen Augen, jetzt allerdings mit einem goldenen Ring um die Pupille � ein Kennzeichen der Lykanthropie. Die gleichen Pupillen, die auch ihr jeden Morgen aus dem Spiegel entgegenschauten. Die Pupillen, die sie seinetwegen besa�.</p><p>�Maia?� Jordan musterte sie fragend. �Was meinst du?�</p><p>�Hm?� Sie blinzelte. �Ich, �h� Nein, es war nicht besonderes sinnvoll, das Hospital zu durchsuchen. Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht, wieso man uns �berhaupt zum Brooklyn Navy Yard geschickt hat. Warum sollte Jace hier auf der alten Werft sein? Er war doch eh kein gro�er Fan von Schiffen.�</p><p>Jordans fragender Gesichtsausdruck bekam eine deutlich d�stere Note. �So manche Leiche, die auf irgendwelchen Wegen in den East River gelangt, wird hier an Land gesp�lt. Hier an dieser alten Marinewerft.�</p><p>�Hei�t das, wir suchen inzwischen nach einem Leichnam?�</p><p>�Keine Ahnung.� Achselzuckend wandte Jordan sich ab und setzte sich in Bewegung. Seine festen Schuhe brachten das trockene Gras zum Rascheln. �Vielleicht habe ich ja einen Punkt erreicht, wo ich nur noch deshalb weitersuche, weil es sich falsch anf�hlt, einfach aufzugeben.� Seine Schritte waren langsam, gem�chlich und die beiden Jugendlichen gingen Seite an Seite, wobei sich ihre Schultern fast ber�hrten.</p><p>Maia heftete ihren Blick auf die Skyline Manhattans auf der anderen Seite des Flusses � ein Flimmern heller wei�er Lichter, die sich auf dem Wasser spiegelten. Als sie sich der seichten Wallabout Bay n�herten, kamen die Brooklyn Bridge und das hell erleuchtete Rechteck des South-Street-Seaport-Viertels in Sicht. Maia konnte den fast schon chemischen Geruch des Flusses wahrnehmen, den Dreck und Dieselgestank der Marinewerft und den Geruch des Kleingetiers, das durch das Gras huschte. �Ich glaube nicht, dass Jace tot ist�, sagte sie schlie�lich. �Ich denke, er <emphasis>m�chte</emphasis> nicht gefunden werden.�</p><p>Verwundert schaute Jordan sie an. �Willst du damit sagen, dass wir nicht weiter nach ihm suchen sollten?�</p><p>�Nein.� Maia z�gerte. Inzwischen hatten sie das Ufer erreicht, das an dieser Stelle von einer niedrigen Mauer ges�umt wurde. Zwischen ihnen und dem Fluss lag nur noch ein schmaler Streifen Asphalt. W�hrend Maia weiterging, lie� sie ihre Hand �ber die Mauerkrone gleiten. �Als ich damals nach New York abgehauen bin, wollte ich nicht, dass mich jemand findet. Aber es h�tte mir gut gefallen, wenn jemand so intensiv nach mir gesucht h�tte, wie wir jetzt nach Jace��</p><p>�Hast du Jace gemocht?�, fragte Jordan in neutralem Ton.</p><p>�Gemocht? Na ja, jedenfalls nicht <emphasis>so</emphasis>��</p><p>Jordan lachte. �So hab ich das gar nicht gemeint. Obwohl er ja allgemein als umwerfend attraktiv gilt.�</p><p>�Ziehst du gerade diese Hetero-Nummer ab, bei der man so tut, als k�nne man nicht beurteilen, ob andere Kerle attraktiv sind oder nicht? Nehmen wir mal Jace und den haarigen Typen aus dem Deli an der Ninth Street� die sehen f�r dich beide gleich aus?�</p><p>�Na ja, der behaarte Typ hat diesen gro�en Leberfleck, deshalb denke ich, dass Jace leicht vorne liegt. Vorausgesetzt du stehst auf diesen kantigen blonden Dressman-Look.� Jordan warf Maia durch seine dichten Wimpern einen langen Blick zu.</p><p>�Die Dunkelhaarigen haben mir schon immer besser gefallen�, erwiderte sie leise.</p><p>Nachdenklich schaute Jordan auf den Fluss hinaus. �So einer wie Simon.�</p><p>�Na ja� ja.� Maia hatte schon eine ganze Weile nicht mehr auf diese Weise an Simon gedacht. �Ich sch�tze schon.�</p><p>�Und du magst Musiker.� Jordan streckte sich und zupfte ein Blatt von einem herabh�ngenden Zweig, der �ber ihre K�pfe ragte. �Ich meine, ich bin S�nger, Bat war DJ und Simon��</p><p>�Ich mag Musik.� Maia strich sich die Haare aus dem Gesicht.</p><p>�Und was magst du sonst noch?�, fragte Jordan, w�hrend er das Blatt zwischen seinen Fingern zerrupfte. Dann hielt er inne, hievte sich auf die niedrige Mauer und wandte sich Maia wieder zu. �Ich meine, gibt es irgendetwas, das dir so gut gef�llt, dass du dir vorstellen k�nntest, damit deinen Lebensunterhalt zu verdienen?�</p><p>�berrascht sah Maia ihn an. �Wie meinst du das?�</p><p>�Wei�t du noch, wie ich <emphasis>die</emphasis> hier bekommen hab?� Jordan zog seine Sweatshirtjacke aus. Das T-Shirt, das er darunter trug, hatte kurze �rmel, sodass die Sanskrit-Worte der <emphasis>Shanti</emphasis>-Mantras zum Vorschein kamen, die sich um seine Bizepse wanden.</p><p>Maia erinnerte sich noch sehr gut daran: Ihre gemeinsame Freundin Valerie hatte sie t�towiert, in ihrem Tattooshop in Red Bank� nach Ladenschluss und umsonst. Vorsichtig trat Maia einen Schritt n�her. Da Jordan auf der Mauer sa� und sie stand, befanden sie sich fast auf Augenh�he. Maia streckte eine Hand aus und zeichnete mit dem Finger z�gernd die Buchstaben auf seinem linken Oberarm nach. Bei ihrer Ber�hrung schloss Jordan die Augen.</p><p><emphasis>�F�hre uns vom Unwirklichen zum Wirklichen�,</emphasis> las sie laut vor. <emphasis>�F�hre uns vom Dunkel zum Licht. F�hre uns vom Tod zur Unsterblichkeit.�</emphasis> Seine Haut f�hlte sich unter ihren Fingerkuppen ganz glatt an. �Das ist aus den Upanishaden.�</p><p>�Die Mantras waren deine Idee. Du warst immer diejenige, die st�ndig gelesen hat. Du warst diejenige, die immer alles gewusst hat�� Jordan schlug die Lider auf und sah Maia direkt an; seine Augen schimmerten einen Ton heller als das Wasser des Flusses hinter ihm. �Maia, was auch immer du machen m�chtest, ich werde dich dabei unterst�tzen. Ich hab von dem Gehalt, das die <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> mir zahlen, fast alles beiseitegelegt. Das k�nnte ich dir geben� Damit k�nntest du die Studiengeb�hren f�r Stanford bezahlen. Na ja, zumindest einen Gro�teil davon. Falls du noch immer studieren willst.�</p><p>�Ich wei� nicht recht�, erwiderte Maia, w�hrend sich ihre Gedanken �berschlugen. �Als ich mich dem Rudel angeschlossen hab, dachte ich, man k�nnte nebenher nichts anderes machen. Ich dachte, es ginge darum, als Werwolf im Rudel zu leben, ohne eigene Identit�t. Das erschien mir der sicherste Weg. Aber vielleicht hast du recht. Luke f�hrt schlie�lich auch sein eigenes Leben� er hat eine Buchhandlung. Und du� du bist bei den <emphasis>Praetor</emphasis>. Ich sch�tze, man kann wohl mehr als nur eines auf einmal sein.�</p><p>�Du warst schon immer viel mehr.� Jordans Stimme klang heiser, rau. �Wei�t du noch, was du eben gesagt hast� dass dir damals nach deiner Flucht nach New York der Gedanke gefallen h�tte, wenn jemand nach dir gesucht h�tte�� Jordan holte tief Luft. �Ich hab nach dir gesucht, Maia. Ich hab nie aufgeh�rt, nach dir zu suchen.�</p><p>Maia schaute in seine gr�nbraunen Augen. Jordan verharrte reglos; nur seine H�nde gruben sich in seine Knie, bis die Fingerkn�chel wei� hervortraten. Langsam beugte Maia sich vor. Sie war ihm nun so nahe, dass sie den dunklen Schatten seiner Bartstoppeln sehen, seinen Geruch wahrnehmen konnte � diese typische Mischung aus Wolfsgeruch, Zahnpasta und Mann. Vorsichtig legte Maia ihre Finger auf Jordans H�nde. �Na ja�, sagte sie. �Jetzt hast du mich gefunden.�</p><p>Nur noch wenige Zentimeter trennten ihre Gesichter voneinander. Maia sp�rte Jordans Atem an ihren Lippen, bevor er sie k�sste. Sie beugte sich noch weiter vor und schloss dabei die Augen. Seine Lippen waren noch genauso weich, wie sie sie in Erinnerung hatte; sein Mund streifte behutsam �ber ihre Lippen und sandte kleine Schauer durch ihren K�rper. Maia schlang die Arme um Jordans Nacken, schob ihre Finger unter die gelockten dunklen Haare und ber�hrte sanft die nackte Haut im Genick und am Rand seines abgewetzten T-Shirts.</p><p>Jordan zog sie n�her an sich. Er zitterte. Maia sp�rte die W�rme, die von seinem muskul�sen K�rper ausging, w�hrend seine H�nde �ber ihren R�cken glitten. �Maia�, wisperte er. Langsam hob er den Saum ihres Sweatshirts an, schob seine Finger darunter und umfasste ihre H�ften. Seine Lippen bewegten sich an ihrem Mund: �Ich liebe dich. Ich habe nie aufgeh�rt, dich zu lieben.�</p><p><emphasis>Jetzt geh�rst du nur noch mir. Und so wird es immer sein.</emphasis></p><p>Maias Puls begann zu h�mmern und sie riss sich von ihm los, w�hrend sie gleichzeitig das Sweatshirt hinunterzog. �Jordan � h�r auf.�</p><p>Sofort hielt Jordan inne und ein verwirrter, best�rzter Ausdruck zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. �Tut mir leid. Hab ich was falsch gemacht? Au�er dir hab ich niemanden mehr gek�sst, jedenfalls nicht seit�� Er verstummte.</p><p>Maia sch�ttelte den Kopf. �Nein, das ist es nicht� ich� ich kann einfach nicht.�</p><p>�Okay�, sagte Jordan. Er wirkte sehr verwundbar und ziemlich durcheinander. �Wir brauchen nichts� ich meine, wir m�ssen ja nichts tun��</p><p>Verzweifelt suchte Maia nach den richtigen Worten. �Das ist mir einfach alles zu viel.�</p><p>�Es war nur ein Kuss.�</p><p>�Du hast gesagt, dass du mich lieben w�rdest.� Ihre Stimme zitterte. �Und du hast mir deine gesamten Ersparnisse angeboten. Ich kann das nicht von dir annehmen.�</p><p>�Was kannst du nicht annehmen?�, fragte er leise und verletzt. �Mein Geld oder meine Liebe?�</p><p>�Weder noch. Ich kann das einfach nicht, okay? Nicht mit dir, nicht jetzt�, sagte Maia und entfernte sich langsam von ihm.</p><p>Jordan schaute ihr nach, die Lippen leicht ge�ffnet.</p><p>�Lass mich jetzt allein, bitte�, f�gte Maia hinzu, drehte sich dann um und hastete den Weg zur�ck, den sie gekommen waren.</p><p/></section><section><title><p>5</p><p>Valentins Sohn</p></title><p><emphasis>Ein weiteres Mal tr�umte sie von eisigen Landschaften. Bitterkalte Tundra, so weit das Auge reichte, langsam treibende Eisschollen auf den schwarzen Fluten des Nordpolarmeers, schneebedeckte Berge und schlie�lich eine aus Eis gehauene Stadt mit glitzernden T�rmen, wie die D�monent�rme von Alicante.</emphasis></p><p><emphasis>Vor der vereisten Stadt lag ein zugefrorener See. Clary rutschte einen steilen Hang hinab, um zum Ufer zu gelangen, obwohl sie nicht wusste, warum sie das tat. In der Mitte des Sees standen zwei dunkle Gestalten auf der Eisfl�che. Als Clary sich stolpernd und schlitternd dem See n�herte</emphasis> �<emphasis> ihre H�nde brannten von der Ber�hrung mit dem Eis, und Schnee drang in ihre Schuhe</emphasis> �<emphasis>, erkannte sie, dass es sich bei einer der beiden Gestalten um einen Jungen handelte</emphasis> �<emphasis> mit schwarzen Schwingen, die sich wie Kr�henfl�gel hinter seinem R�cken ausbreiteten. Seine Haare schimmerten so wei� wie das umliegende Eis. Sebastian. Und neben Sebastian stand Jace, dessen goldblondes Haar die einzige Farbe in der vereisten Landschaft aus schwarzen und wei�en Schattierungen war. Als Jace sich von Sebastian abwandte und auf Clary zuging, brachen hinter seinem R�cken wei�golden schimmernde Schwingen hervor.</emphasis></p><p><emphasis>Clary schlitterte die letzten Meter zur zugefrorenen B�schung hinunter und fiel dort ersch�pft und keuchend auf die Knie. Ihre H�nde bluteten und waren blau angelaufen, ihre Lippen waren gesprungen und ihre Lungenfl�gel schmerzten bei jedem eisigen Atemzug. �Jace�, wisperte sie.</emphasis></p><p><emphasis>Einen Sekundenbruchteil sp�ter war er bei ihr und half ihr auf, w�hrend seine Schwingen sie warm umfingen. Im n�chsten Moment begann ihr K�rper aufzutauen, vom Herz �ber die Adern bis hin zu ihren H�nden und F��en, die mit einem schmerzhaften und zugleich angenehmen Prickeln wieder zum Leben erwachten.</emphasis></p><p><emphasis>�Clary�, sagte Jace und strich ihr sanft �bers Haar. �Versprichst du mir, nicht zu schreien?�</emphasis></p><p>Clary schlug die Augen auf. Einen Moment f�hlte sie sich derartig orientierungslos, dass sich die Welt um sie herum zu drehen schien wie auf einem Kettenkarussell. Doch schlie�lich erkannte sie, dass sie sich in ihrem Zimmer in Lukes Haus befand: der vertraute Futon, ihr Kleiderschrank mit dem gesprungenen Spiegel in der T�r, die Fenster, die auf den East River hinausgingen, und der Heizk�rper, der leise rauschte und fauchte. Silbernes D�mmerlicht drang durch die Fensterscheiben und �ber dem Schrank gl�hte das rote L�mpchen des Rauchmelders. Clary lag auf der Seite, unter einem Berg von Decken, und ihr R�cken f�hlte sich angenehm warm an. Ein fremder Arm dr�ckte auf ihre H�fte. Einen kurzen Augenblick � w�hrend dieses d�mmrigen, nicht ganz klaren Zustands zwischen Schlafen und Wachen � fragte sie sich, ob Simon in der Nacht vielleicht durch das Fenster geklettert war und sich neben sie gelegt hatte, so wie sie schon als Kinder oft in einem Bett �bernachtet hatten.</p><p>Aber Simon strahlte keine K�rperw�rme aus.</p><p>Clarys Herz machte einen Satz. Sie war schlagartig hellwach und drehte sich unter der Bettdecke um. Neben ihr lag Jace, den Kopf in die Hand gest�tzt, und schaute sie an. Im schwachen Mondlicht schimmerte sein Haar wie ein Heiligenschein und seine Augen funkelten golden wie die einer Katze. Er war vollst�ndig bekleidet und trug noch immer das kurz�rmelige wei�e T-Shirt, in dem Clary ihn auch in der Bibliothek gesehen hatte. Und seine nackten Arme waren mit Runen �bers�t, die sich wie Ranken um seine Muskeln wanden.</p><p>�berrascht schnappte Clary nach Luft. Jace, <emphasis>ihr</emphasis> Jace, hatte sie noch nie auf diese Weise betrachtet. Nat�rlich hatte er sie bereits verlangend angeschaut, aber nicht mit diesem lauernden, raubtierartigen, verschlingenden Blick, der ihren Puls beschleunigte und ihren Herzschlag au�er Takt brachte.</p><p>Clary �ffnete den Mund � um seinen Namen zu sagen oder laut zu schreien? Sie wusste es selbst nicht und hatte auch keine Zeit mehr, es herausfinden, da Jace sich genau in dem Augenblick blitzschnell bewegte: In dem einen Moment lag er noch neben ihr und im n�chsten bereits auf ihr, eine Hand fest auf ihren Mund gepresst. Seine Beine umspannten ihre H�ften und sie konnte seinen schlanken, muskul�sen K�rper sp�ren, der sie auf die Matratze presste.</p><p>�Ich werde dir nicht wehtun�, sagte Jace. �Ich w�rde dich niemals verletzen. Aber ich will nicht, dass du schreist. Ich muss unbedingt mit dir reden.�</p><p>Clary funkelte ihn w�tend an.</p><p>Zu ihrer �berraschung begann Jace zu lachen � sein vertrautes, leises Lachen. �Ich kenne dich einfach zu gut, Clary Fray. Sobald ich meine Hand von deinem Mund nehme, wirst du losschreien. Oder dein Training nutzen und mir die Handgelenke brechen. Komm schon, versprich mir, dass du nicht schreien wirst. Schw�r es beim Erzengel.�</p><p>Dieses Mal rollte Clary mit den Augen.</p><p>�Okay, du hast recht�, r�umte Jace ein. �Mit meiner Hand auf dem Mund kannst du schlecht schw�ren. Ich werd sie jetzt wegnehmen. Und falls du doch schreist�� Er neigte den Kopf leicht zur Seite und seine blassgoldenen Haare fielen ihm in die Augen. �Dann werde ich verschwinden�, sagte er und nahm die Hand weg.</p><p>Clary lag reglos da und holte keuchend Luft, w�hrend sie weiterhin den Druck von Jace� K�rper auf ihrem Leib sp�rte. Sie wusste, dass er schneller war als sie und dass er jede ihrer Attacken problemlos kontern w�rde. Doch momentan schien er die Situation als ein Spiel zu betrachten, als einen Spa�. Er beugte sich tiefer zu ihr herab und Clary merkte, dass ihr Tr�gertop hochgerutscht war und sie seine flache, harte Bauchmuskulatur auf ihrer nackten Haut sp�ren konnte. Blut schoss ihr ins Gesicht und sie err�tete.</p><p>Aber trotz ihrer hei�en Wangen hatte sie das Gef�hl, als w�rden eisige Nadeln durch ihre Adern jagen. �Was tust du hier?�, stie� sie hervor.</p><p>Mit einem entt�uschten Ausdruck in den Augen richtete Jace sich wieder auf. �Das ist eigentlich nicht die Reaktion, die ich mir gew�nscht habe. Ich hatte eher so was wie ein �Halleluja� erwartet. Schlie�lich kehrt dein Freund nicht jeden Tag von den Toten zur�ck.�</p><p>�Ich wusste, dass du nicht tot bist�, erwiderte Clary mit noch immer leicht tauben Lippen. �Ich hab dich in der Bibliothek gesehen. Zusammen mit��</p><p>�Oberst von Gatow?�</p><p>�Sebastian.�</p><p>Jace lachte leise in sich hinein. �Ich hab gewusst, dass du ebenfalls dort warst. Ich konnte es f�hlen.�</p><p>Clary sp�rte, wie sich ihr ganzer K�rper anspannte. �Du hast mich glauben lassen, du w�rst verschwunden� die ganze Zeit�, entgegnete sie. �Ich hab gedacht, du� ich hab wirklich gedacht, dass du m�glicherweise nicht mehr�� Sie verstummte, konnte es einfach nicht �ber die Lippen bringen. Nicht mehr <emphasis>lebst</emphasis>. �Das war die H�lle. Wenn ich dir so was angetan h�tte��</p><p>�Clary.� Erneut beugte Jace sich �ber sie.</p><p>Seine H�nde ruhten warm auf ihren Handgelenken, sein Atem strich sanft �ber ihr Ohr. Clary konnte jeden einzelnen Zentimeter sp�ren, an denen sich ihre K�rper ber�hrten, nackte Haut an nackter Haut � und es fiel ihr furchtbar schwer, sich zu konzentrieren.</p><p>�Ich konnte nicht anders. Die Sache war viel zu gef�hrlich. Wenn ich dich informiert h�tte, h�ttest du dich entscheiden m�ssen: Entweder dem Rat mitzuteilen, dass ich noch lebe � und damit zuzulassen, dass man mich jagt �, oder das Ganze zu verschweigen, was dich in den Augen der Ratsmitglieder zu meiner Komplizin gemacht h�tte. Und dann, nachdem du mich in der Bibliothek gesehen hattest, musste ich erst recht abwarten. Ich musste herausfinden, ob du mich noch immer liebst oder ob du zum Rat gehen und alles erz�hlen w�rdest. Aber das hast du nicht getan. Ich musste mich einfach vergewissern, dass ich dir mehr bedeute als das Gesetz. Und das stimmt doch, oder?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, wisperte Clary. �Ich wei� es wirklich nicht. Wer bist du?�</p><p>�Ich bin noch immer ich � Jace�, erkl�rte er. �Und ich liebe dich noch immer.�</p><p>Hei�e Tr�nen schossen Clary in die Augen. Sie blinzelte und die Tr�nen liefen ihr �bers Gesicht. Langsam senkte Jace den Kopf und k�sste sanft ihre Wangen und dann ihren Mund. Clary konnte ihre eigenen Tr�nen schmecken, die salzigen Tropfen auf seinen Lippen, die ihren Mund sanft und behutsam �ffneten. Clary sp�rte, wie Jace� vertrauter Geruch und K�rper sie �berw�ltigten, und sie presste sich f�r einen Sekundenbruchteil an ihn. Das blinde Bed�rfnis ihres K�rpers lie� sie s�mtliche Zweifel vergessen; sie wollte ihn ganz nah bei sich haben, ihn nicht mehr gehen lassen � als pl�tzlich die T�r zu ihrem Zimmer ge�ffnet wurde.</p><p>Jace l�ste sich von ihr und Clary stie� ihn weg und zerrte den Saum ihres Tr�gertops hinunter. Vollkommen unger�hrt setzte Jace sich auf und grinste die Gestalt im T�rrahmen an. �Also, echt�, meinte er leicht tadelnd. �Du hast wirklich das mieseste Timing, seit Napoleon auf die Idee kam, der tiefste Winter sei der richtige Zeitpunkt f�r eine Invasion Russlands.�</p><p>In der T�r stand Sebastian.</p><p>Aus der N�he konnte Clary deutlich erkennen, dass er sich seit ihrer ersten Begegnung in Idris ver�ndert hatte: Seine Haare waren papierwei�, seine Augen wie schwarze Tunnel, ges�umt von langen Wimpern, die an Spinnenbeine erinnerten. Er trug ein wei�es Hemd mit hochgekrempelten �rmeln und Clary entdeckte eine rote Narbe, die sich wie ein gerilltes Armband um sein rechtes Handgelenk wand, w�hrend in seiner Handfl�che eine ziemlich frische, wulstige Narbe leuchtete.</p><p>�Dir ist schon klar, dass du da gerade meine Schwester sch�ndest�, bemerkte er in Jace� Richtung, wobei eine gewisse Belustigung aus seiner Miene sprach.</p><p>�Tut mir leid�, erwiderte Jace, aber er klang nicht so. Dann lie� er sich geschmeidig auf die Bettdecke zur�cksinken. �Wir konnten uns einfach nicht mehr bremsen.�</p><p>Clary schnappte nach Luft, was selbst in ihren eigenen Ohren �berlaut klang. �Raus!�, knurrte sie in Sebastians Richtung.</p><p>Doch dieser lehnte sich l�ssig an den T�rrahmen, woraufhin Clary verbl�fft die �hnlichkeit zwischen Sebastians und Jace� Bewegungen registrierte. Die beiden sahen einander zwar nicht �hnlich, aber sie bewegten sich auf die gleiche Weise� als ob�</p><p>Als ob sie von ein und derselben Person ausgebildet worden waren.</p><p>�Na, na, na�, tadelte Sebastian, �spricht man so mit seinem gro�en Bruder?�</p><p>�Magnus h�tte dich nicht zur�ckverwandeln sollen � dann w�rdest du noch heute wie ein Kleiderst�nder in Ragnor Fells H�tte herumstehen�, fauchte Clary.</p><p>�Ach, das wei�t du noch? Ich fand ja, dass wir an diesem Tag unheimlich viel Spa� zusammen hatten�, entgegnete Sebastian sp�ttisch und Clary erinnerte sich mit einem mulmigen Gef�hl im Magen daran, wie er sie zu den niedergebrannten Mauern von Jocelyns Elternhaus gef�hrt hatte, wie er sie inmitten der Ruinen gek�sst hatte, obwohl er die ganze Zeit wusste, in welchem Verwandtschaftsverh�ltnis sie tats�chlich zueinander standen � und wie er sich dar�ber gefreut hatte, dass sie selbst vollkommen ahnungslos gewesen war.</p><p>Clary warf Jace einen raschen Seitenblick zu. Er wusste ganz genau, dass Sebastian sie gek�sst hatte. Sebastian hatte ihn damit aufgezogen, woraufhin Jace ihn beinahe get�tet hatte. Doch nun wirkte er nicht w�tend; stattdessen schien er am�siert und bestenfalls leicht ver�rgert dar�ber, dass man Clary und ihn unterbrochen hatte.</p><p>�Das sollten wir unbedingt noch mal machen�, schlug Sebastian vor und betrachtete eingehend seine Fingern�gel. �Ein wenig Zeit mit der Familie verbringen.�</p><p>�Es interessiert mich nicht, was du denkst. Du bist nicht mein Bruder�, schnaubte Clary. �Du bist ein M�rder.�</p><p>�Ich w�sste wirklich nicht, wieso das eine das andere ausschlie�en sollte. War bei unserem guten alten Dad ja auch nicht der Fall�, erwiderte Sebastian und lie� seinen Blick wieder zu Jace schweifen. �Normalerweise mische ich mich ja h�chst ungern in das Liebesleben eines Freundes ein, aber ich hab echt keine Lust, ewig lange hier drau�en im Flur rumzustehen. Zumal ich kein Licht einschalten kann. Das ist total langweilig.�</p><p>Jace richtete sich auf und zog sein hochgerutschtes T-Shirt zurecht. �Gib uns f�nf Minuten.�</p><p>Sebastian seufzte �bertrieben und schloss dann die T�r.</p><p>W�tend starrte Clary Jace an: �Was zum Teu��</p><p>�Achte auf deine Worte, Fray!� Jace� Augen funkelten belustigt. �Und entspann dich.�</p><p>Doch Clary zeigte aufgebracht mit dem Finger auf die T�r. �Du hast geh�rt, was er gesagt hat. �ber den Tag, als er mich gek�sst hat. Damals hat er genau gewusst, dass ich seine Schwester bin. Jace��</p><p>Pl�tzlich flammte etwas in Jace� Augen auf und tr�bte ihren Goldton � doch es schien, als w�ren Clarys Worte von einer Teflonschicht abgeperlt, ohne den geringsten Eindruck zu hinterlassen.</p><p>Betroffen zog Clary sich zur�ck. �Jace, hast du �berhaupt mitbekommen, was ich gesagt habe? H�rst du mir eigentlich zu?�</p><p>�Ich verstehe ja, dass du dich unwohl f�hlst, w�hrend dein Bruder drau�en im Flur wartet. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, dich zu k�ssen.� Jace grinste auf eine Weise, die Clary zu jedem anderen Zeitpunkt hinrei�end gefunden h�tte. �Es schien mir nur in dem Moment eine gute Idee.�</p><p>Clary stieg aus dem Bett und starrte auf Jace hinab, w�hrend sie gleichzeitig nach ihrem Morgenmantel griff, der am Bettpfosten hing, und sich darin einh�llte.</p><p>Jace beobachtete sie, unternahm aber nichts, um sie aufzuhalten, obwohl seine Augen in der Dunkelheit schimmerten.</p><p>�Ich� ich kapier das nicht�, sagte Clary. �Zuerst verschwindest du spurlos und jetzt kommst du zur�ck mit� mit <emphasis>ihm</emphasis> und tust so, als ob ich nicht den geringsten Grund h�tte auszuflippen��</p><p>�Das hab ich dir doch schon erkl�rt�, erwiderte Jace. �Ich musste erst sichergehen, dass du mich noch liebst. Und ich wollte nicht, dass du meinen Aufenthaltsort erf�hrst, w�hrend der Rat dich noch verh�rt. Ich dachte, das w�re einfach zu schwer f�r dich��</p><p><emphasis>�Schwer?�,</emphasis> fauchte Clary atemlos vor Wut. �Pr�fungen sind schwer. Hindernisrennen sind schwer. Aber dass du einfach verschwunden bist� das hat mich fast umgebracht, Jace. Und was glaubst du eigentlich, was du Alec damit angetan hast? Und Isabelle? Oder Maryse? Hast du auch nur die geringste Ahnung, wie die vergangenen Wochen f�r sie gewesen sind? Kannst du dir das vorstellen? Nichts zu wissen� ununterbrochen zu suchen��</p><p>Erneut huschte dieser eigenartige Ausdruck �ber Jace� Gesicht, als w�rde er sie h�ren, aber nicht wirklich verstehen. �Ach ja, richtig, das wollte ich dich auch noch fragen.� Er l�chelte wie ein Engel. �Suchen alle nach mir?�</p><p>�Ob alle nach dir suchen�� Clary sch�ttelte den Kopf und zog den Morgenmantel enger um sich. Pl�tzlich hatte sie das Bed�rfnis, sich vor ihm abzuschirmen � vor ihm und dieser Vertrautheit und Sch�nheit und diesem umwerfenden, raubtierartigen L�cheln, aus dem sprach, dass er bereit war, alles mit ihr zu tun, ganz gleich, wer drau�en im Flur wartete.</p><p>�Ich hatte ja gehofft, man w�rde Flugbl�tter aufh�ngen, so wie bei vermissten Katzen�, bemerkte er. <emphasis>�Gesucht: ein erstaunlich attraktiver Teenager. H�rt auf den Namen �Jace� oder auch �Hei�er Typ�.�</emphasis></p><p>�Das ist nicht dein Ernst.�</p><p>��Hei�er Typ� gef�llt dir nicht? Meinst du �Zuckerschn�uzchen� w�re besser? Oder �Sexgott�? Obwohl Letzteres vielleicht ein wenig zu weit geht��</p><p>�Halt die Klappe!�, fauchte Clary w�tend. �Und verschwinde!�</p><p>�Ich�� Jace wirkte best�rzt und Clary erinnerte sich daran, wie �berrascht er gewesen war, als sie ihn auf dem Hang hinter dem Herrenhaus von sich gesto�en hatte. �Also gut, von mir aus. Dann bin ich jetzt eben ernst. Clarissa, ich bin hier, weil ich m�chte, dass du mit mir kommst.�</p><p>�Mit dir? Wohin?�</p><p>�Begleite mich einfach�, sagte er und f�gte dann z�gernd hinzu: �Mich und Sebastian. Dann werde ich dir alles erkl�ren.�</p><p>Einen Moment war Clary wie erstarrt und ihre Blicke trafen sich. Das Mondlicht betonte die geschwungenen Konturen seiner Lippen, die Form seiner Wangenknochen, die Schatten seiner Wimpern, die W�lbung seines Adamsapfels. �Als ich beim letzten Mal �mit dir gekommen� bin, hab ich das Bewusstsein verloren und bin inmitten einer Zeremonie voller schwarzer Magie aufgewacht.�</p><p>�Das war ich nicht. Das war Lilith.�</p><p>�Der Jace Lightwood, den ich kenne, k�nnte keine zwei Sekunden im selben Raum mit Jonathan Morgenstern sein, ohne nicht wenigstens zu versuchen, ihn zu t�ten.�</p><p>�Kann sein, aber es w�rde leider nicht gut f�r mich ausgehen�, erwiderte Jace leichthin, angelte sich seine Stiefel vom Boden und streifte sie �ber, w�hrend er noch auf dem Bett lag. �Wir sind aneinander gebunden, er und ich. Verletzt du ihn, werde ich bluten.�</p><p>�Aneinander gebunden? Was meinst du damit?�</p><p>Jace warf die hellen Haare in den Nacken und ignorierte Clarys Frage. �Das Ganze ist viel gr��er, als du verstehen k�nntest, Clary. Sebastian hat einen Plan. Er ist bereit, viel daf�r zu tun� Opfer zu bringen. Wenn du mir nur die Gelegenheit geben w�rdest, es dir zu erkl�ren��</p><p>�Er hat Max umgebracht, Jace�, entgegnete Clary. �Deinen kleinen Bruder.�</p><p>Jace zuckte zusammen und einen Moment lang flammte in Clary die Hoffnung auf, dass sie zu ihm durchgedrungen war. Doch dann gl�ttete sich seine Miene wieder wie ein straff gezogenes Bettlaken. �Das war� das war nur ein Unfall. Au�erdem ist Sebastian ebenso sehr mein Bruder wie Max es war.�</p><p>�Nein.� Clary sch�ttelte heftig den Kopf. �Nein, das ist er nicht � er ist <emphasis>mein</emphasis> Bruder. Glaub mir, ich w�nschte, es w�re nicht der Fall, aber so ist es nun mal. Sebastian h�tte nie geboren werden d�rfen��</p><p>�Wie kannst du so was sagen?�, fragte Jace fordernd und schwang die Beine �ber die Bettkante. �Hast du je dar�ber nachgedacht, dass die Welt vielleicht nicht so schwarz und wei� ist, wie du glaubst?� Er beugte sich vor, hob seinen Waffengurt auf und band ihn sich um. �Nat�rlich, es hat diesen Krieg gegeben und viele Leute wurden verletzt, Clary, aber damals sah die Situation v�llig anders aus. Inzwischen wei� ich, dass Sebastian niemandem, den ich liebe, absichtlich Schaden zuf�gen w�rde. Er dient einer gr��eren Sache. Und dabei sind Kollateralsch�den manchmal nicht zu vermeiden��</p><p>�Hast du deinen eigenen Bruder gerade eben echt als <emphasis>Kollateralschaden</emphasis> bezeichnet?�, rief Clary ungl�ubig. Sie hatte das Gef�hl, kaum Luft zu bekommen.</p><p>�Clary, du h�rst nicht zu. Das hier ist wichtig��</p><p>�So wie das, was Valentin f�r wichtig gehalten hat?�</p><p>�Valentin hat sich geirrt�, erwiderte Jace. �Er hatte recht, was den Rat anbelangt� dass dieser korrumpiert ist. Aber mit seinen Vorstellungen, wie man das �ndern sollte, lag er v�llig daneben. Dagegen hat Sebastian hundertprozentig recht. Wenn du dir nur mal eine Minute Zeit nehmen und uns zuh�ren w�rdest��</p><p>��Uns��, schnaubte Clary. �Gott. Jace�� Er schaute sie vom Bett aus an, und obwohl Clary sp�rte, wie es ihr das Herz brach, �berschlugen sich ihre Gedanken f�rmlich: Sie versuchte, sich daran zu erinnern, wo sie ihre Stele abgelegt hatte. Fragte sich, ob sie vielleicht an das scharfe Papierschneidemesser herankam, das in ihrer Nachttischschublade lag. Und ob sie sich wohl dazu �berwinden konnte, es zu benutzen.</p><p>�Clary?� Jace neigte den Kopf leicht zur Seite und musterte sie. �Du� du liebst mich doch noch immer, oder?�</p><p>�Ich liebe Jace Lightwood�, sagte sie. �Aber ich habe keine Ahnung, wer <emphasis>du</emphasis> bist.�</p><p>Jace� Miene ver�nderte sich, doch bevor er etwas erwidern konnte, zerriss ein Schrei die n�chtliche Stille. Ein Schrei und das Klirren von zersplitterndem Glas.</p><p>Clary erkannte die Stimme sofort � Jocelyn! Ohne Jace noch eines Blickes zu w�rdigen, riss sie die T�r auf, raste durch den Flur und st�rmte ins Wohnzimmer.</p><p>Der gro�e, offene Wohnbereich war von der K�che nur durch eine Theke getrennt � und dort stand Clarys Mutter, in Yogahose und einem zerl�cherten T-Shirt, die Haare zu einem zerzausten Knoten hochgesteckt. Jocelyn war anscheinend in die K�che gegangen, um sich etwas zu trinken zu holen: Glasscherben lagen vor ihren F��en und Wasser sickerte in den grauen Teppichboden. Jegliche Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen, sie wirkte so bleich wie wei�er Sand. Gebannt blickte sie ins Wohnzimmer und Clary wusste, ohne den Kopf drehen zu m�ssen, wen Jocelyn dort anstarrte.</p><p>Ihren Sohn.</p><p>Sebastian lehnte an der Wand, in der N�he der Wohnzimmert�r, mit ausdrucksloser Miene. Langsam senkte er die Lider und musterte Jocelyn durch die dichten Wimpern. Irgendetwas an seiner Haltung, an seinem Blick erinnerte Clary an ein Foto� die Aufnahme, die Hodge vom siebzehnj�hrigen Valentin gemacht hatte. Sebastian h�tte diesem Bild entsprungen sein k�nnen.</p><p>�Jonathan�, wisperte Jocelyn.</p><p>Clary stand wie erstarrt da, selbst als Jace aus dem Flur ins Wohnzimmer platzte. Im Bruchteil einer Sekunde erfasste er die Szenerie vor ihm und blieb abrupt stehen. Seine linke Hand schwebte �ber seinem Waffengurt, die schlanken Finger nur wenige Zentimeter vom Heft seines Dolches entfernt, und Clary wusste, dass er nur einen Wimpernschlag ben�tigen w�rde, um die Waffe zu z�cken.</p><p>�Ich hei�e jetzt Sebastian�, verk�ndete Clarys Bruder. �Mir ist klar geworden, dass ich den Namen, den du zusammen mit meinem Vater f�r mich ausgew�hlt hast, nicht l�nger tragen wollte. Ihr habt mich beide betrogen und ich m�chte so wenig wie m�glich an euch erinnert werden.�</p><p>Vor Jocelyns F��en bildete das Wasser zwischen den Glasscherben bereits einen dunklen Fleck auf dem Teppichboden. Z�gernd trat sie einen Schritt vor und ihr Blick huschte suchend �ber Sebastians Gesicht. �Ich habe geglaubt, du w�rst tot�, wisperte sie. �Tot. Ich habe die �berreste deiner verbrannten Asche gesehen.�</p><p>Sebastian musterte sie aus zusammengekniffenen schwarzen Augen. �Wenn du eine richtige Mutter w�rst� eine gute Mutter�, setzte er an, �dann h�ttest du gewusst, dass ich noch am Leben war. Ein kluger Mann hat mal gesagt: M�tter tragen den Schl�ssel zu unserer Seele ein Leben lang in ihrer Brust. Aber du hast meinen weggeworfen.�</p><p>Ein R�cheln drang tief aus Jocelyns Kehle. Sie klammerte sich Halt suchend an die Theke. Clary wollte zu ihr laufen, aber ihre F��e waren wie festgenagelt. Was auch immer gerade zwischen ihrem Bruder und ihrer Mutter passierte � es hatte nichts mit ihr zu tun.</p><p>�Erz�hl mir nicht, du bist nicht wenigstens ein kleines bisschen froh, mich zu sehen, Mutter�, fuhr Sebastian fort, doch trotz der eindringlichen Worte klang seine Stimme seltsam tonlos. �Bin ich denn nicht alles, was du dir von einem Sohn nur w�nschen k�nntest?� Er breitete die Arme aus. �Stark, attraktiv und dem guten alten Dad wie aus dem Gesicht geschnitten.�</p><p>Jocelyn sch�ttelte den Kopf; ihr Gesicht war aschgrau. �Was willst du, Jonathan?�</p><p>�Ich will das, was alle wollen�, erwiderte Sebastian. �Ich will das, was mir zusteht. In diesem Fall das Verm�chtnis der Familie Morgenstern.�</p><p>�Das Verm�chtnis der Morgensterns besteht aus Tod und Verw�stung�, sagte Jocelyn. �Aber wir sind hier keine Morgensterns. Weder ich noch meine Tochter.� Sie richtete sich auf. Ihre H�nde umklammerten zwar noch immer die Theke, doch Clary konnte sehen, wie ein Teil des alten Feuers in Jocelyns Miene zur�ckkehrte. �Wenn du jetzt gehst, Jonathan, werde ich dem Rat nichts von deinem Besuch hier erz�hlen.� Ihr Blick zuckte zu Jace hin�ber. �Oder von dir. Wenn die Ratsmitglieder w�ssten, dass du mit ihm zusammenarbeitest, w�rden sie euch beide t�ten lassen.�</p><p>Reflexartig stellte Clary sich vor Jace, der �ber ihre Schulter hinweg zu Jocelyn schaute. �Seit wann interessierst du dich daf�r, ob ich lebe oder sterbe?�, fragte Jace.</p><p>�Ich interessiere mich daf�r, weil ich wei�, dass es meiner Tochter etwas bedeutet�, erkl�rte Jocelyn. �Und das Gesetz ist hart, zu hart. Das, was mit dir passiert ist� vielleicht kann es ja r�ckg�ngig gemacht werden.� Dann kehrte ihr Blick zu Sebastian zur�ck. �Aber f�r dich� meinen Jonathan� ist es l�ngst zu sp�t.� Die Hand, die gerade noch die Theke umklammert hatte, schnellte mit Lukes <emphasis>Kindjal</emphasis> vor. Tr�nen glitzerten auf Jocelyns Gesicht, doch ihr Griff um den Dolch war fest und entschlossen.</p><p>�Ich sehe genauso aus wie er, nicht wahr?�, fragte Sebastian, ohne sich von der Stelle zu r�hren. Er schien die Waffe kaum zu bemerken. �Genau wie Valentin. Deswegen schaust du mich auch so an, mit diesem Blick.�</p><p>Jocelyn sch�ttelte den Kopf. �Du siehst aus wie immer� so wie du schon immer ausgesehen hast. Wie ein D�monenwesen.� Abgrundtiefe Trauer sprach aus ihrer Stimme. �Es tut mir so leid.�</p><p>�Was tut dir leid?�</p><p>�Dass ich dich nicht gleich nach der Geburt get�tet habe�, sagte Jocelyn, l�ste sich von der Theke und wirbelte den <emphasis>Kindjal</emphasis> in der Hand herum.</p><p>W�hrend Clary angespannt zuschaute, blieb Sebastian vollkommen reglos. Seine dunklen Augen folgten jeder Bewegung seiner Mutter, die drohend auf ihn zukam. �Ist es das, was du willst: meinen Tod?�, fragte er, breitete die Arme aus, als wollte er Jocelyn umarmen, und trat einen Schritt vor. �Nur zu! T�te dein eigenes Kind. Ich werde dich nicht aufhalten.�</p><p>�Sebastian!�, rief Jace.</p><p>Clary warf ihm einen ungl�ubigen Blick zu. Hatte er tats�chlich besorgt geklungen?</p><p>Gleichzeitig trat Jocelyn einen weiteren Schritt vor. Der Dolch in ihrer Hand wirbelte um die eigene Achse, und als sie schlie�lich innehielt, zeigte die Spitze direkt auf Sebastians Herz.</p><p>Trotzdem r�hrte er sich noch immer nicht von der Stelle. �Na los�, forderte er sie leise auf und neigte den Kopf leicht zur Seite. �Oder bringst du es einfach nicht fertig? Du h�ttest mich direkt nach der Geburt t�ten k�nnen. Aber das hast du nicht getan.� Sebastian senkte die Stimme. �Vielleicht wei�t du ja, dass Mutterliebe nicht an Bedingungen gekn�pft sein sollte. Wenn du mich mehr geliebt h�ttest, w�rst du vielleicht in der Lage gewesen, mich zu retten.�</p><p>Einen Moment lang starrten sie einander an � Mutter und Sohn. Eisgr�ne Augen trafen auf kohlschwarze. Tiefe Falten � von denen Clary h�tte schw�ren k�nnen, dass sie zwei Wochen zuvor noch nicht da gewesen waren � hatten sich in die Haut um Jocelyns Mundwinkel gegraben. �Du spielst uns doch nur etwas vor�, erwiderte sie mit zittriger Stimme. �Du empfindest rein gar nichts, Jonathan. Dein Vater hat dich gelehrt, menschliche Gef�hle vorzut�uschen, so wie man einem Papagei das Wiederholen von Worten beibringt. Aber der Vogel versteht nicht, was er da plappert, und das Gleiche gilt f�r dich. Ich w�nschte� Gott, ich w�nsche mir wirklich, du k�nntest es verstehen. Aber�� Mit einer raschen Bewegung riss Jocelyn den Dolch herum und lie� ihn in einem perfekten Bogen aufw�rtsschnellen.</p><p>Die Waffe h�tte sich von unten unter Sebastians Rippen und tief in sein Herz gebohrt, wenn dieser nicht blitzschnell reagiert h�tte. Er zuckte zur�ck und wirbelte zur Seite, sodass die Spitze der Klinge nur eine flache Schnittwunde auf seiner Brust hinterlie�.</p><p>Jace, der neben Clary stand, hielt best�rzt die Luft an, woraufhin Clary sich zu ihm umdrehte. Ein roter Fleck breitete sich auf seinem wei�en T-Shirt aus. Vorsichtig ber�hrte er die Stelle und betrachtete dann seine blutigen Fingerkuppen. <emphasis>Wir sind aneinander gebunden. Verletzt du ihn, werde </emphasis>ich<emphasis> bluten.</emphasis></p><p>Ohne lange nachzudenken, st�rmte Clary durch das Wohnzimmer und warf sich zwischen Jocelyn und Sebastian. �Mom�, keuchte sie. �H�r auf!�</p><p>Doch Jocelyn, den Dolch noch immer in der Hand und den Blick fest auf Sebastian gerichtet, knurrte nur: �Clary, geh aus dem Weg.�</p><p>In dem Moment begann Sebastian zu lachen. �Ist das nicht s��? Eine kleine Schwester, die ihren gro�en Bruder verteidigt.�</p><p>�Ich verteidige nicht <emphasis>dich�,</emphasis> erwiderte Clary, ohne die Augen von Jocelyns Gesicht abzuwenden. �Alles, was mit Jonathan geschieht, passiert auch Jace. Hast du mich verstanden, Mom? Wenn du ihn t�test, stirbt Jace. Er blutet schon. Mom, bitte!�</p><p>Jocelyn umklammerte den Dolch zwar weiterhin, doch ein Z�gern zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. �Clary��</p><p>�Du meine G�te, was f�r ein Dilemma�, bemerkte Sebastian. �Bin mal gespannt, wie ihr das Problem l�st. Schlie�lich hab ich nicht den geringsten Grund zu verschwinden.�</p><p>�Oh doch, den hast du�, drang im n�chsten Moment eine Stimme aus dem Flur � Luke, der barfu� mit Jeans und einem alten Pullover im T�rrahmen erschien. Er wirkte zerzaust und ohne seine Brille seltsamerweise deutlich j�nger. Au�erdem hielt er eine abges�gte Schrotflinte in der Hand, deren Lauf direkt auf Sebastian gerichtet war. �Das hier ist eine Winchester Pump Gun, Kaliber 12. Damit legen wir im Rudel die W�lfe um, die abtr�nnig und zu b�sartigen Einzelg�ngern geworden sind�, sagte er. �Selbst wenn ich dich nicht t�te, kann ich dich damit noch immer umpusten, Valentinssohn.�</p><p>Es schien, als w�rden alle Anwesenden gleichzeitig nach Luft schnappen � bis auf Luke und Sebastian, der mit einem sp�ttischen Grinsen auf Luke zumarschierte, als w�rde er die Flinte gar nicht wahrnehmen. ��Valentinssohn��, sagte er. �Denkst du das wirklich von mir? Unter anderen Umst�nden h�ttest du mein Pate sein k�nnen.�</p><p>�Unter anderen Umst�nden��, setzte Luke an und legte seinen Finger an den Abzug, �h�ttest du ein Mensch sein k�nnen.�</p><p>Abrupt blieb Sebastian stehen. �Das Gleiche k�nnte man von dir behaupten, Werwolf.�</p><p>Clary hatte das Gef�hl, als w�rde die Welt sich unendlich viel langsamer drehen: Luke nahm Sebastian �ber den Lauf der Flinte ins Visier, w�hrend dieser einfach dastand und grinste. �Luke�, kr�chzte Clary. Das Ganze erschien ihr wie einer jener Albtr�ume, in denen sie laut schreien wollte, aber nur ein Wispern hervorbrachte. �Luke, tu es nicht.�</p><p>Ihr Stiefvater kr�mmte den Finger am Abzug � und dann schien Jace wie aus dem Nichts in Aktion zu treten, sprang im Bruchteil einer Sekunde nach vorn und warf sich auf Luke, w�hrend gleichzeitig die Waffe losging.</p><p>Der Schuss verfehlte sein Ziel und die Kugeln zertr�mmerten eine der Fensterscheiben. Aus dem Gleichgewicht gebracht, taumelte Luke r�ckw�rts. Sofort riss Jace ihm die Waffe aus der Hand, schleuderte sie aus dem zerborstenen Fenster und wandte sich wieder dem �lteren Mann zu. �Luke��, setzte er an.</p><p>Doch Luke versetzte ihm einen Faustschlag.</p><p>Trotz der ganzen Situation empfand Clary den Anblick von Luke � Luke, der Jace unz�hlige Male gegen�ber Jocelyn, gegen�ber Maryse und gegen�ber dem Rat verteidigt hatte, Luke, der im Grunde seines Herzens sanft und freundlich war, Luke, der Jace nun tats�chlich mitten ins Gesicht schlug � so schockierend, als h�tte er statt des Jungen sie geschlagen.</p><p>Der Schlag traf Jace vollkommen unvorbereitet und warf ihn r�ckw�rts gegen die Wand.</p><p>Und Sebastian, der bis auf Spott und Abscheu keine echten Gef�hle gezeigt hatte, knurrte � knurrte und zog einen langen, d�nnen Dolch aus seinem G�rtel. Best�rzt riss Luke die Augen auf und versuchte, sich wegzudrehen, doch Sebastian war schneller als er� schneller als jeder andere, den Clary jemals gesehen hatte. Schneller als Jace. Er rammte Luke den Dolch tief in die Brust, drehte ihn herum und zog ihn mit einem Ruck wieder heraus. Die Klinge war bis zum Heft blutrot. W�hrend Clary starr vor Entsetzen zusah, taumelte Luke r�ckw�rts gegen die Wand, rutschte daran herunter und hinterlie� dabei eine breite Blutspur.</p><p>In dem Moment schrie Jocelyn auf. Das Ger�usch war schlimmer als der Knall der Kugeln, die das Fenster zertr�mmert hatten, obwohl Clary alles nur wie aus weiter Ferne oder unter Wasser zu h�ren schien. Wie angewurzelt stand sie da und blickte auf Luke hinab, der auf dem Boden zusammengebrochen war, wo sich der Teppich um ihn herum mehr und mehr blutrot verf�rbte.</p><p>Erneut hob Sebastian den Dolch � und dieses Mal st�rzte Clary sich auf ihn, rammte ihn, so fest sie konnte, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Doch obwohl sie ihn kaum von der Stelle bewegte, lie� er die Waffe fallen und wandte sich ihr zu. Seine Unterlippe war aufgeplatzt und blutete. Clary hatte keine Ahnung, wieso � bis Jace in ihr Blickfeld kam und sie das Blut an seinem Mund sah, dort, wo Lukes Faust ihn getroffen hatte.</p><p>�Das reicht!�, fauchte Jace, packte Sebastian an seiner Jacke und hielt ihn fest. Er war blass im Gesicht, mied jeden Blick in Lukes oder Clarys Richtung. �H�r auf! Deswegen sind wir nicht hierhergekommen.�</p><p>�Lass mich los��</p><p>�Nein.� Jace beugte sich vor und schnappte sich Sebastians Hand. Sein Blick kreuzte sich kurz mit Clarys, seine Lippen formten Worte und dann blitzte etwas silbern auf � der Ring an Sebastians Finger. Eine Sekunde sp�ter waren beide fort, verschwunden zwischen zwei Atemz�gen � und im selben Augenblick flog etwas metallisch Glitzerndes durch die Luft und bohrte sich dort in die Wand, wo die beiden gerade noch gestanden hatten.</p><p>Lukes <emphasis>Kindjal.</emphasis></p><p>Clary wirbelte zu ihrer Mutter herum, die den Dolch geworfen hatte. Doch Jocelyn hastete bereits zu Luke, kniete sich neben ihn auf den blutgetr�nkten Teppich und zog ihn auf ihren Scho�. Luke hatte die Augen geschlossen; Blut sickerte aus seinem Mundwinkel. Sebastians blutbeschmierter Dolch lag nur wenige Schritte entfernt.</p><p>�Mom�, wisperte Clary. �Ist er��</p><p>�Der Dolch war aus Silber�, stie� Jocelyn mit zittriger Stimme hervor. �Luke wird nicht so schnell heilen k�nnen wie sonst� nicht so schnell, wie er m�sste� jedenfalls nicht ohne besondere Behandlung.� Behutsam ber�hrte sie sein Gesicht mit den Fingerspitzen.</p><p>Erleichtert stellte Clary fest, dass sich Lukes Brust, wenn auch sehr flach, langsam hob und senkte. Sie konnte sp�ren, wie ihr hei�e Tr�nen in die Augen schossen, und war einen Moment lang verwundert, wie ruhig ihre Mutter blieb. Andererseits war Jocelyn dieselbe Frau, die einst vor den Ruinen ihres Elternhaus gestanden hatte, umgeben von der Asche und den verkohlten �berresten ihrer Familie, darunter ihre Eltern und ihr Sohn, und die trotzdem ihr Leben wieder aufgenommen hatte.</p><p>�Hol mir ein paar Handt�cher aus dem Bad�, befahl sie. �Wir m�ssen die Blutung stoppen.�</p><p>Clary rappelte sich auf und taumelte fast blind in Lukes kleines, gefliestes Bad. Hinter der T�r hing ein graues Handtuch am Haken. Clary zerrte ungeduldig daran und brachte es ins Wohnzimmer. Jocelyn hielt Luke mit einer Hand auf ihrem Scho�, w�hrend sie mit dem Mobiltelefon in der anderen Hand telefonierte und gerade das Gespr�ch beendete. Hastig lie� sie das Handy fallen und griff nach dem Handtuch, das Clary ihr reichte. Sie faltete es zusammen und presste es fest auf die Wunde in Lukes Brust.</p><p>Entsetzt beobachtete Clary, wie sich das Gewebe des grauen Handtuchs mit Blut vollsog und scharlachrot verf�rbte. �Luke�, wisperte sie. Doch er regte sich nicht. Sein Gesicht war inzwischen aschgrau.</p><p>�Ich habe gerade sein Rudel angerufen�, sagte Jocelyn, ohne ihre Tochter dabei anzusehen. Und Clary wurde bewusst, dass ihre Mutter bisher keine einzige Frage zu Jace und Sebastian gestellt hatte � oder wieso sie und Jace zusammen hergest�rmt waren. Jocelyns einzige Sorge galt momentan Luke. �Ein paar der Rudelmitglieder sind in der N�he auf Patrouille. Sobald sie hier sind, brechen wir auf. Jace wird auf jeden Fall zur�ckkommen, um dich zu holen.�</p><p>�Das wei�t du doch gar nicht��, wisperte Clary trotz ihrer trockenen Kehle.</p><p>�Doch, das wei� ich�, erwiderte Jocelyn. �Valentin ist nach f�nfzehn Jahren zur�ckgekommen, um mich zu holen. So sind die Morgenstern-M�nner nun mal gestrickt: Sie geben niemals auf. Er wird wieder und wieder hier auftauchen, um dich zu holen.�</p><p><emphasis>Jace ist nicht Valentin.</emphasis> Doch Clary brachte die Worte nicht �ber ihre Lippen. Am liebsten h�tte sie sich neben Luke gekniet, seine Hand genommen, ganz fest gehalten und ihm gesagt, dass sie ihn liebte. Gleichzeitig erinnerte sie sich daran, wie Jace sie ber�hrt hatte, wie seine H�nde ihren K�rper gestreichelt hatten. Geknickt lie� sie den Kopf sinken: Das war alles nur ihre Schuld. Sie verdiente es nicht, Luke zu tr�sten � oder sich selbst. Was sie verdiente, waren Schmerz und Schuldgef�hle.</p><p>Pl�tzlich waren Schritte auf den Stufen vor dem Haus zu h�ren, dann leises Stimmengewirr. Ruckartig hob Jocelyn den Kopf. Das Rudel.</p><p>�Clary, geh in dein Zimmer und pack deine Sachen�, befahl sie. �Nimm alles mit, was du unbedingt brauchst, und nur so viel, wie du tragen kannst. Wir werden nicht hierher zur�ckkehren.�</p></section><section><title><p>6</p><p>Keine Waffe dieser Welt</p></title><p>Der erste Schnee fiel: Wei�e Flocken schwebten wie Federn aus dem stahlgrauen Himmel herab, w�hrend Clary und ihre Mutter durch die Greenpoint Avenue eilten, die K�pfe gegen den eisigen Wind gesenkt, der vom East River heraufwehte.</p><p>Seit sie Luke in der ehemaligen Polizeiwache zur�ckgelassen hatten, die dem Rudel als Hauptquartier diente, hatte Jocelyn kein einziges Wort gesagt. Die ganze Situation war wie im Nebel an Clary vorbeigezogen: Das Rudel, das seinen Anf�hrer in die Wache trug, ein Mitglied, das mit einem Sanit�tskasten herbeigeeilt kam, ihre Mutter, die sich genau wie sie selbst angestrengt bem�hte, einen Blick auf Luke zu werfen, w�hrend die Werw�lfe ihre Reihen um ihn zu schlie�en schienen. Clary wusste nat�rlich, warum sie ihn nicht in ein irdisches Krankenhaus bringen konnten, aber es war ihr schwergefallen, fast unertr�glich schwer, ihn in dem wei� gekalkten Raum zur�ckzulassen, der dem Rudel als Krankenstation diente.</p><p>Dabei war es nicht so, dass die W�lfe Jocelyn oder Clary nicht mochten. Es lag vielmehr daran, dass Lukes Verlobte und ihre Tochter keine Rudelmitglieder waren � und auch nie welche sein w�rden. Clary hatte sich nach Maia umgesehen, auf der Suche nach einer Verb�ndeten, aber das M�dchen war nicht da gewesen. Schlie�lich hatte Jocelyn Clary hinausgeschickt, weil sich bereits zu viele Leute in der Krankenstation dr�ngten, und Clary hatte sich drau�en vor dem Raum auf den Boden gehockt, ihren Rucksack auf den Knien. Nie zuvor hatte sie sich so allein gef�hlt wie in diesem Moment, um zwei Uhr morgens im menschenleeren Flur. Wenn Luke sterben w�rde�</p><p>Sie konnte sich an ein Leben ohne ihn kaum noch erinnern. Und sie verdankte es Luke und Jocelyn, dass sie bedingungslose Liebe kennengelernt hatte. Eine ihrer fr�hesten Kindheitserinnerungen beinhaltete Luke, der sie hochhob und in die Astgabel des Apfelbaums auf seiner Farm setzte. Auf der Krankenstation lag er mit rasselnder Atmung, w�hrend sein Zweiter Offizier, Bat, den Sanit�tskasten auspackte. Clary erinnerte sich, dass es hie�, Todgeweihte w�rden kurz vor ihrem Ableben nur noch r�chelnd atmen. Sie konnte sich nicht mal mehr daran erinnern, was das Letzte war, wor�ber sie mit Luke gesprochen hatte. Es hie� doch immer, man m�sste sich an die letzten Worte erinnern, die man zu jemandem gesagt hatte, bevor derjenige starb�</p><p>Als Jocelyn endlich aus dem Krankenzimmer trat, wirkte sie vollkommen ersch�pft. M�de streckte sie Clary ihre Hand entgegen und half ihr beim Aufstehen.</p><p>�Ist er��, setzte Clary an.</p><p>�Sein Zustand ist stabil�, erkl�rte Jocelyn, warf dann einen Blick in beide Richtungen des Flurs und f�gte hinzu: �Wir sollten aufbrechen.�</p><p>�Aber wohin denn?�, fragte Clary verwirrt. �Ich dachte, wir bleiben hier� bei Luke. Ich will ihn nicht allein lassen.�</p><p>�Das <emphasis>will</emphasis> ich auch nicht�, erwiderte Jocelyn fest. Und Clary musste an die junge Frau denken, die Idris den R�cken gekehrt und alles zur�ckgelassen hatte, was ihr lieb und vertraut war, um ganz auf sich allein gestellt ein neues Leben zu beginnen. �Aber wir k�nnen nicht zulassen, dass Jace und Jonathan dich hier aufsp�ren. Das w�rde das Rudel in Gefahr bringen und Luke erst recht. Und das Hauptquartier ist der erste Ort, an dem Jace nach dir suchen wird.�</p><p>�Und wohin�?�, setzte Clary an, unterbrach sich aber, da ihr die Antwort d�mmerte. An wen hatten sie sich jedes Mal gewandt, wenn sie in den vergangenen Wochen Hilfe gebraucht hatten?</p><p>Inzwischen war der br�ckelnde Gehweg der Greenpoint Avenue wie mit einer Schicht Puderzucker best�ubt. Vor ihrem Aufbruch hatte Jocelyn einen langen Mantel �bergestreift, doch darunter trug sie noch immer die Sachen, die mit Lukes Blut getr�nkt waren. Sie hatte die Lippen zusammengekniffen und hielt den Blick fest auf die Stra�e geheftet. Clary fragte sich, ob ihre Mutter wohl �hnlich ausgesehen hatte, als sie Idris verlie�: ihre Stiefel mit grauer Asche �berzogen, der Engelskelch unter ihrem Mantel versteckt.</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf, um ihre Gedanken zu ordnen. Offenbar ging ihre Fantasie mit ihr durch � sie sah Dinge, die sie gar nicht wissen konnte. Aber vielleicht versuchte ihr Verstand auch nur, die schrecklichen Bilder zu verdr�ngen, die sie kurz zuvor tats�chlich gesehen hatte.</p><p>Pl�tzlich kam ihr Sebastians Anblick wieder in den Sinn, wie er Luke den Dolch in die Brust gerammt hatte, und sie h�rte erneut Jace� vertraute Stimme, als er von �Kollateralsch�den� sprach.</p><p><emphasis>Denn wie bei vielen verlorenen Kostbarkeiten gilt auch in diesem Falle: Wenn ihr ihn wiederfindet, k�nnte euer Freund m�glicherweise nicht mehr so sein, wie ihr ihn in Erinnerung habt.</emphasis></p><p>Jocelyn zitterte und schlug ihre Kapuze hoch, um ihre Haare zu bedecken. Wei�e Schneeflocken hatten sich bereits in ihre leuchtend roten Locken gemischt. Sie blieb stumm, w�hrend sie durch die menschenleere Stra�e eilten, die von polnischen und russischen Restaurants, Friseurl�den und Sch�nheitssalons ges�umt war.</p><p>Pl�tzlich blitzte vor Clarys innerem Auge ein Bild auf � dieses Mal eine echte Erinnerung, kein Werk ihrer Fantasie: <emphasis>Ihre Mutter scheuchte sie mitten in der Nacht �ber eine dunkle Stra�e, an deren R�ndern sich schmutzige Schneehaufen auft�rmten. Dann ein niedriger grauer und bleierner Himmel</emphasis>�</p><p>Sie hatte dieses Bild schon einmal gesehen� als die Br�der der Stille zum ersten Mal in ihrem Verstand herumgew�hlt hatten. Jetzt begriff sie auch, worum es dabei ging: eine Erinnerung an die Zeit, als ihre Mutter sie regelm��ig zu Magnus gebracht hatte, um ihr Ged�chtnis manipulieren zu lassen. Auch damals musste es tiefer Winter gewesen sein, aber Clary erkannte die Greenpoint Avenue aus ihrer Erinnerung wieder.</p><p>Kurz darauf erhob sich vor ihnen das Lagergeb�ude aus rotem Backstein, in dem Magnus wohnte. Jocelyn dr�ckte die Glast�r auf und gemeinsam dr�ngten sie sich in den �bel riechenden Eingang, wobei Clary durch den Mund zu atmen versuchte, w�hrend ihre Mutter ein, zwei, drei Mal auf Magnus� Klingel dr�ckte. Schlie�lich sprang die T�r auf und sie eilten die wacklige Treppe hinauf.</p><p>Die Wohnungst�r stand weit offen und Magnus lehnte bereits wartend am Rahmen. Er trug einen kanariengelben Pyjama und gr�ne Pantoffeln mit Alien-Gesichtern, inklusive wippender insektenartiger F�hler. Seine stachligen schwarzen Haare waren zerzaust und seine goldgr�nen Augen sahen m�de aus. �Sankt Magnus� Heim f�r bed�rftige Schattenj�ger in Not hei�t euch willkommen�, sagte er zur Begr��ung mit tiefer Stimme und breitete die Arme aus. �Die G�stezimmer sind dort dr�ben. Schuhe abputzen nicht vergessen!� Dann trat er einen Schritt zur�ck, lie� Clary und Jocelyn ein und dr�ckte die Wohnungst�r hinter ihnen fest ins Schloss. Das Loft war dieses Mal in einer Art viktorianischem Dekor gehalten: Sofas mit hohen R�ckenlehnen und gro�e, vergoldete Spiegel an allen W�nden, w�hrend sich bl�tenf�rmige Lichterketten um die Metalls�ulen wanden.</p><p>Vor dem Hauptraum ging ein kleiner Flur ab, der zu drei G�stezimmern f�hrte. Clary w�hlte willk�rlich eines auf der rechten Seite. Der Raum war orangefarben gestrichen, genau wie ihr ehemaliges Zimmer in Park Slope, und verf�gte �ber ein Schlafsofa und ein kleines Fenster, von dem man die dunklen Scheiben eines geschlossenen Restaurants sehen konnte. Miau Tse-tung lag zusammengerollt auf der Bettdecke, die Nase unter dem Schwanz vergraben. Clary setzte sich neben ihn, kraulte ihm die Ohren und sp�rte das wohlige Schnurren, das durch seinen kleinen, pelzigen K�rper vibrierte. W�hrend sie ihn streichelte, fiel ihr Blick auf den �rmel ihres hastig �bergestreiften Sweatshirts: Er war dunkel verf�rbt und blutverkrustet. Lukes Blut.</p><p>Clary stand auf und riss sich w�tend das Sweatshirt vom Leib. Dann fischte sie eine saubere Jeans und ein schwarzes Thermo-Shirt mit V-Ausschnitt aus ihrem Rucksack und zog sich schnell an. Schlie�lich warf sie einen kurzen Blick auf ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe, das ihr blasses Gesicht zeigte, ihre schneefeuchten, schlaff herabh�ngenden Locken und ihre Sommersprossen, die sich wie Farbkleckse von ihrer bleichen Haut abhoben. Aber es spielte jetzt keine Rolle, wie sie aussah: Ihre Gedanken wanderten zu Jace und wie er sie gek�sst hatte � eine Erinnerung, die bereits Tage zur�ckzuliegen schien � und ihr Magen schmerzte, als h�tte sie unz�hlige winzige Messer verschluckt.</p><p>Einen langen Moment hielt sie sich am Bettsofa fest, bis der Schmerz schlie�lich verebbte. Dann holte sie tief Luft und marschierte durch den Flur zum Wohnzimmer.</p><p>Ihre Mutter sa� auf einem der St�hle mit den vergoldeten Lehnen; ihre langen K�nstlerfinger umklammerten einen Becher mit hei�er Zitrone. Magnus l�mmelte auf einem knallrosa Sofa, die F��e mit den gr�nen Pantoffeln auf dem Beistelltisch abgelegt. �Die Rudelmitglieder haben Luke stabilisieren k�nnen�, erz�hlte Jocelyn gerade mit ersch�pfter Stimme. �Allerdings wissen sie nicht, f�r wie lange. Zuerst dachten sie, die Klinge sei mit Silberpulver pr�pariert gewesen, doch dann stellte sich heraus, dass es sich um eine andere Substanz handeln muss. Die Spitze des Dolchs�� Jocelyn schaute hoch, sah Clary und verstummte.</p><p>�Ist schon okay, Mom. Ich bin alt genug, um zu erfahren, was mit Luke los ist.�</p><p>�Na ja, man wei� es eben nicht genau�, sagte Jocelyn leise. �Die Spitze des Dolchs, den Sebastian benutzt hat, ist gegen eine von Lukes Rippen geprallt und abgebrochen und hat sich dabei in den Knochen gebohrt. Aber sie kann nicht entfernt werden. Denn sie� sie bewegt sich.�</p><p>�Sie bewegt sich?�, wiederholte Magnus verwirrt.</p><p>�Als man versucht hat, die Klingenspitze herauszuholen, hat sie sich tiefer in den Knochen gebohrt und ihn fast gespalten�, erkl�rte Jocelyn. �Luke ist ein Werwolf � seine Verletzungen verheilen schnell, aber die Spitze sitzt tief in seinem K�rper und zerfetzt seine inneren Organe, wodurch sich die Wunde nicht schlie�en kann.�</p><p>�D�monenmetall�, sagte Magnus. �Kein Silber.�</p><p>Jocelyn beugte sich vor. �Denkst du, du kannst ihm helfen? Ich werde zahlen, was immer du verlangst��</p><p>Langsam stand Magnus auf. Seine Pantoffeln mit den Alien-Gesichtern und seine schlafzerzauste Frisur wirkten fehl am Platz, dem Ernst der Lage nicht angemessen. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Aber du hast doch auch Alec geheilt�, warf Clary ein. �Als der D�monenf�rst ihn verwundet hatte��</p><p>Magnus ging unruhig auf und ab. �Damals wusste ich, was Alec fehlte, doch dieses Mal habe ich keine Ahnung, um welche Sorte von D�monenmetall es sich handelt. Nat�rlich k�nnte ich herumexperimentieren, verschiedene Heilformeln ausprobieren, aber das ist nicht der schnellste Weg, Luke zu helfen.�</p><p>�Und was ist der schnellste Weg?�, fragte Jocelyn.</p><p>�Die <emphasis>Praetor Lupus,</emphasis> die<emphasis/>Wolfsgarde�, erkl�rte Magnus. �Ich kannte den Mann, der sie gegr�ndet hat � Woolsey Scott. Aufgrund gewisser� Vorf�lle hat er sich f�r die genaue Wirkungsweise von D�monenmetallen und D�monengiften bei Lykanthropen interessiert und seine Erkenntnisse niedergeschrieben, so wie die Br�der der Stille m�gliche Heilmethoden f�r Nephilim jahrhundertelang schriftlich festgehalten haben. Leider sind die <emphasis>Praetor</emphasis> im Laufe der Zeit sehr verschwiegen geworden und haben sich von der Welt abgeschottet. Aber jemand aus ihren Reihen k�nnte Zugriff auf ihr gesammeltes Wissen erhalten.�</p><p>�Luke geh�rt ihnen nicht an�, gab Jocelyn zu bedenken. �Und die Namen ihrer Mitglieder sind geheim��</p><p>�Aber Jordan��, warf Clary ein. �Jordan ist Mitglied der <emphasis>Praetor</emphasis>. Er kann es herausfinden. Ich rufe ihn sofort an��</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> werde ihn anrufen�, sagte Magnus. �Ich habe zwar keinen Zugang zum Hauptquartier der <emphasis>Praetor,</emphasis> aber ich kann �ber Jordan eine Nachricht �bermitteln lassen, die unserem Anliegen zus�tzliches Gewicht verleihen d�rfte. Bin gleich wieder da.� Er schlappte in die K�che, wobei die Insektenf�hler auf seinen Pantoffeln sanft hin und her wogten wie Seetang in einer Meeresstr�mung.</p><p>Clary wandte sich wieder ihrer Mutter zu, die in ihren Becher mit dem dampfenden Getr�nk starrte. Hei�e Zitrone war eines ihrer liebsten St�rkungsmittel � auch wenn Clary einfach nicht verstand, wieso jemand warmes, saures Wasser trinken wollte. Die Schneeflocken hatten Jocelyns Haare durchn�sst und jetzt begannen sie, sich beim Trocknen zu kr�useln, so wie Clarys eigene Haare sich bei feuchtem Wetter kringelten. �Mom�, sagte Clary leise, woraufhin ihre Mutter aufschaute. �Den Dolch, den du geworfen hast� in Lukes Wohnzimmer� war der gegen Jace gerichtet?�</p><p>�Nein, gegen Jonathan�, erwiderte Jocelyn. Sie w�rde ihn niemals Sebastian nennen, das wusste Clary.</p><p>�Es ist nur so�� Clary holte tief Luft. �Im Grunde ist es fast dasselbe. Du hast es ja selbst gesehen. Als du Sebastian mit dem Dolch verletzt hast, begann Jace zu bluten. Es scheint, als w�ren die beiden irgendwie� das Spiegelbild des anderen. Verletzt man Sebastian, dann blutet Jace. T�tet man Sebastian, dann stirbt Jace.�</p><p>�Clary.� Jocelyn rieb sich die m�den Augen. �K�nnen wir das bitte ein anderes Mal besprechen?�</p><p>�Aber du glaubst doch, dass er zur�ckkommen wird, um mich zu holen � Jace, meine ich. Ich muss sichergehen, dass du ihn nicht verletzen wirst��</p><p>�Tja, da kannst du dir nicht sicher sein. Weil ich das n�mlich nicht versprechen werde, Clary. Ich kann es einfach nicht.� Ihre Mutter musterte sie mit eindringlichem Blick. �Ich hab euch beide aus deinem Zimmer kommen sehen.�</p><p>Clary err�tete. �Ich m�chte nicht��</p><p>�Was? Nicht dar�ber reden? Tja, Pech. Du hast das Thema selbst angesprochen. Und du kannst von Gl�ck reden, dass ich nicht mehr der Nephilimgemeinschaft angeh�re. Wie lange hast du schon gewusst, wo Jace steckt?�</p><p>�Ich wei� nicht, wo er steckt. Ich habe heute Nacht zum ersten Mal seit seinem Verschwinden mit ihm gesprochen. Allerdings habe ich ihn gestern im Institut beobachtet � zusammen mit Seb� mit Jonathan � und ich habe Alec, Isabelle und Simon davon erz�hlt. Aber ich konnte sonst niemanden einweihen. Wenn der Rat Jace in die Finger bekommt� Das kann ich einfach nicht zulassen.�</p><p>Jocelyn musterte sie aus ihren gr�nen Augen. �Und warum nicht?�</p><p>�Weil er immer noch Jace ist. Weil ich ihn liebe.�</p><p>�Er ist nicht mehr Jace � darum geht es ja gerade, Clary. Er ist nicht mehr der Junge, der er einmal war. Kannst du das denn nicht verstehen�?�</p><p>�Nat�rlich verstehe ich das. Ich bin doch nicht bl�d. Aber ich glaube an ihn. Ich habe schon einmal miterlebt, wie er von einem D�mon besessen war und sich davon befreit hat. Ich bin mir sicher, irgendwo steckt der echte Jace noch immer tief in ihm drin. Und ich bin davon �berzeugt, dass es einen Weg gibt, um ihn zu retten.�</p><p>�Und was, wenn nicht?�</p><p>�Das musst du mir erst mal beweisen.�</p><p>�Man kann ein Negativum nicht beweisen, Clarissa. Ich wei�, dass du ihn liebst. Du hast ihn schon immer geliebt� viel zu sehr. Denkst du, ich h�tte deinen Vater nicht geliebt? Denkst du, ich h�tte ihm nicht jede nur erdenkliche Chance einger�umt? Und jetzt sieh dir an, was dabei herausgekommen ist. Jonathan. Wenn ich nicht bei deinem Vater geblieben w�re, w�rde er heute nicht existieren��</p><p>�Und ich auch nicht. Falls du das vergessen haben solltest: Ich wurde <emphasis>nach</emphasis> meinem Bruder geboren, nicht <emphasis>vorher�,</emphasis> entgegnete Clary und musterte ihre Mutter mit einem scharfen Blick. �Oder willst du damit sagen, du w�rdest liebend gern auf mich verzichten, wenn du Jonathan dadurch loswerden k�nntest? �</p><p>�Nein, ich��, setzte Jocelyn an, verstummte aber im n�chsten Moment.</p><p>An der Wohnungst�r ert�nte das Ger�usch eines sich drehenden Schl�ssels, dann schwang die T�r auf und Alec erschien. Er trug einen langen, ledernen Staubmantel �ber einem blauen Pullover und wei�e Schneeflocken schmolzen auf seinen schwarzen Haaren. Von der K�lte gl�hten seine Wangen apfelrot, aber der Rest seines Gesichts war bleich. �Wo ist Magnus?�, fragte er.</p><p>Als er in Richtung K�che schaute, bemerkte Clary eine Wunde an seinem Kiefer, direkt unterhalb des Ohrs, etwa von der Gr��e eines Daumenabdrucks.</p><p>�Alec!� Magnus eilte ins Wohnzimmer und warf seinem Freund quer durch den Raum eine Kusshand zu. Offenbar hatte er seine Pantoffeln abgelegt, denn er war nun barfu�. Seine katzenartigen Augen leuchteten beim Anblick von Alec auf.</p><p>Clary kannte diesen Blick. Genau auf dieselbe Art und Weise schaute sie Jace an. Aber Alec erwiderte Magnus� Blick nicht; er streifte den Mantel ab und hing ihn an einen Haken an der Wand. Alec war sichtlich aufgebracht. Seine H�nde zitterten und seine breiten Schultern wirkten angespannt.</p><p>�Hast du meine SMS bekommen?�, fragte Magnus.</p><p>�Ja. Ich war ohnehin nur ein paar H�userblocks entfernt.� Alec schaute zu Clary und dann zu ihrer Mutter; auf seinem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus Sorge und Unentschlossenheit. Obwohl er zu Jocelyns Polterabend eingeladen gewesen war und sie auch schon bei anderen Gelegenheiten gesehen hatte, konnte man nicht behaupten, dass sie einander gut kannten. �Stimmt es, was Magnus sagt? Du hast Jace wieder gesehen?�, wandte er sich schlie�lich an Clary.</p><p>�Und Sebastian�, best�tigte Clary.</p><p>�Aber Jace� wie ging es� ich meine, was f�r einen Eindruck hat er auf dich gemacht?�, hakte Alec nach.</p><p>Clary wusste genau, was er meinte � ausnahmsweise verstanden sie und Alec einander besser als alle anderen im Raum. �Jace spielt keine Spielchen mit Sebastian�, erkl�rte sie leise. �Er hat sich wirklich ver�ndert. Er ist �berhaupt nicht mehr er selbst.�</p><p>�Inwiefern?�, fragte Alec fordernd und mit einer seltsamen Mischung aus Wut und Verletzlichkeit. �Wie hat er sich ver�ndert?�</p><p>Clarys Jeans hatte am Knie ein Loch, an dem sie einen Moment abwesend herumzupfte und dabei �ber die darunterliegende Haut kratzte. �Wie er redet. Er glaubt an Sebastian. Glaubt an das, was er tut � was auch immer das sein mag. Als ich ihn daran erinnert habe, dass Sebastian Max get�tet hat, schien ihn das �berhaupt nicht zu k�mmern.� Clarys Stimme brach. �Er meinte, Sebastian sei ebenso sehr sein Bruder, wie Max es war.�</p><p>Alec wurde noch blasser und seine roten Apfelb�ckchen stachen wie Blutflecke von seiner hellen Haut ab. �Hat er irgendetwas �ber mich gesagt? Oder Izzy? Hat er nach uns gefragt?�</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf; sie konnte den Ausdruck auf Alecs Gesicht kaum ertragen. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie auch Magnus Alec musterte. Trauer spiegelte sich in seiner Miene und Clary fragte sich, ob er wohl noch immer eifers�chtig auf Jace war oder einfach nur mit Alec mitf�hlte.</p><p>�Warum ist er bei dir zu Hause aufgetaucht?� Alec sch�ttelte den Kopf. �Ich versteh das nicht.�</p><p>�Er wollte, dass ich mit ihm mitkomme. Dass ich mich ihm und Sebastian anschlie�e. Ich sch�tze, er m�chte ihr kleines, unheiliges Duo in ein kleines, unheiliges Trio verwandeln�, erwiderte Clary achselzuckend. �Vielleicht f�hlt er sich ja einsam. Sebastian ist bestimmt nicht die angenehmste Gesellschaft.�</p><p>�Das wissen wir nicht�, widersprach Magnus. �Beim Scrabble k�nnte er beispielsweise ganz fantastisch sein.�</p><p>�Sebastian ist ein M�rder und ein Psychopath�, sagte Alec tonlos. �Und Jace wei� das auch.�</p><p>�Aber Jace ist im Moment nicht er selbst��, setzte Magnus an und verstummte dann, als das Telefon klingelte. �Ich geh schon. Wer wei�, wer noch alles auf der Flucht vor dem Rat ist und einen Platz zum �bernachten braucht? Es ist ja nicht so, als ob es in dieser Stadt irgendwelche Hotels g�be�, murmelte er und trottete in die K�che.</p><p>Alec warf sich auf das Sofa und schaute seinem Freund nach. �Magnus arbeitet zu viel�, sagte er besorgt. �Er hat sich die ganzen letzten N�chte um die Ohren geschlagen, um diese Runen zu entziffern.�</p><p>�Hat der Rat ihn damit beauftragt?�, fragte Jocelyn.</p><p>�Nein�, erwiderte Alec gedehnt. �Er tut es f�r mich. Weil er wei�, wie viel Jace mir bedeutet.� Alec zog seinen �rmel hoch und zeigte Jocelyn die <emphasis>Parabatai</emphasis>-Rune auf der Innenseite seines Unterarms.</p><p>�Du hast gewusst, dass Jace nicht tot ist�, sagte Clary und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. �Weil ihr beide <emphasis>Parabatai</emphasis> seid, weil zwischen euch eine besondere Verbindung besteht. Aber du hast auch gesagt, du k�nntest sp�ren, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt.�</p><p>�Weil Jace besessen ist�, erkl�rte Jocelyn. �Das hat ihn ver�ndert. Valentin hat genau das Gleiche berichtet, als Luke sich in einen Schattenweltler verwandelt hat� er meinte, dass er es sp�ren konnte� dieses Gef�hl, dass irgendetwas nicht stimmte.�</p><p>Doch Alec sch�ttelte den Kopf. �Als Jace von Lilith besessen war, hab ich �berhaupt nichts gesp�rt�, gab er zu bedenken. �Nur jetzt kann ich etwas f�hlen� irgendetwas ist nicht richtig� irgendwie falsch.� Betreten schaute er auf seine Schuhe. �Man kann sp�ren, wenn der eigene <emphasis>Parabatai</emphasis> stirbt � es ist so, als w�re man mit einer Art Kordel an etwas gebunden und diese w�rde rei�en und man w�rde ins Bodenlose fallen.� Alec schaute auf und blickte Clary direkt in die Augen. �In Idris hab ich das einmal gesp�rt, w�hrend der Schlacht. Aber der Moment war so kurz� und als ich nach Alicante zur�ckkehrte, war Jace quicklebendig. Daraufhin bin ich zu der �berzeugung gekommen, dass ich mir das alles nur eingebildet hatte.�</p><p>Clary musste an Jace und den blutgetr�nkten Sand am Ufer des Lyn-Sees denken. <emphasis>Nein, das hast du dir nicht eingebildet.</emphasis></p><p>�Aber das, was ich jetzt sp�re, f�hlt sich anders an�, fuhr Alec fort. �Es kommt mir so vor, als w�re Jace zwar nicht auf dieser Welt, aber auch nicht tot. Und auch nicht eingesperrt� nur einfach nicht <emphasis>hier.�</emphasis></p><p>�Das trifft es genau�, best�tigte Clary. �Bei beiden Malen, als ich Jace und Sebastian gesehen habe, schien es, als w�rden sie sich einfach in Luft aufl�sen. Kein Portal oder so was. Einen Moment lang waren sie hier und im n�chsten schon verschwunden.�</p><p>�Wenn ihr von <emphasis>hier</emphasis> und <emphasis>dort</emphasis> sprecht und von <emphasis>dieser</emphasis> Welt und <emphasis>jener�,</emphasis> sagte Magnus, der g�hnend in den Wohnraum zur�ckkehrte, �dann redet ihr im Grunde �ber verschiedene Dimensionen. Aber es gibt nur wenige Hexenmeister, die die Kunst der Dimensionsmagie beherrschen. Mein alter Freund Ragnor geh�rte dazu. Die Dimensionen liegen nicht einfach nebeneinander � sie sind vielmehr zusammengefaltet, wie Papier. Und dort, wo sie sich �berschneiden, k�nnen Dimensionsfalten entstehen, die verhindern, dass jemand mithilfe von Magie aufgesp�rt werden kann. Denn man ist ja nicht <emphasis>hier</emphasis>, sondern <emphasis>dort.�</emphasis></p><p>�Vielleicht ist das ja der Grund, warum wir Jace nicht orten k�nnen? Und wieso Alec ihn nicht f�hlen kann?�, mutma�te Clary.</p><p>�Durchaus denkbar.� Magnus klang fast beeindruckt. �Das w�rde aber bedeuten, dass es wirklich keine M�glichkeit gibt, die beiden gegen ihren Willen zu finden. Und auch keine M�glichkeit, uns eine Nachricht zukommen zu lassen, falls es dir gelingen sollte, sie trotzdem aufzusp�ren. Bei dem Ganzen handelt es sich um eine hochkomplexe, aufw�ndige Form der Magie. Sebastian muss in der Tat �ber einige Beziehungen verf�gen�� In dem Moment schrillte die T�rklingel, worauf alle Anwesenden erschrocken zusammenfuhren. Nur Magnus rollte mit den Augen und meinte: �Jetzt beruhigt euch mal wieder.� Dann verschwand er im Flur und kehrte kurz darauf mit einem Mann in einer langen, pergamentfarbenen Robe mit blutroten Runen an Saum und �rmeln ins Wohnzimmer zur�ck. Obwohl der Mann die Kapuze hochgeschlagen hatte und sein Gesicht im Schatten lag, schien er trocken zu sein, als w�re er mit keiner Schneeflocke in Ber�hrung gekommen. Als er die Kapuze zur�ckschlug, war Clary nicht im Geringsten �berrascht, darunter das Gesicht von Bruder Zachariah zu sehen.</p><p>Ruckartig stellte Jocelyn ihre Tasse auf dem Beistelltisch ab, den Blick fest auf den Bruder der Stille geheftet, von dem Clary nur die dunklen Haare und die hohen, mit Runennarben �bers�ten Wangenknochen erkennen konnte, nicht aber die Augen. �Du��, setzte Jocelyn an, verstummte f�r einen Moment und f�gte dann hinzu: �Aber Magnus hat mir gesagt, dass die Br�der der Stille niemals��</p><p><emphasis>Unerwartete Ereignisse erfordern unerwartete Ma�nahmen</emphasis>. Bruder Zachariahs Stimme schwebte durch den Raum und ber�hrte Clarys Verstand; und der Ausdruck auf den Gesichtern der anderen verriet ihr, dass diese ihn ebenfalls h�ren konnten. <emphasis>Ich werde weder den Rat noch die Kongregation dar�ber in Kenntnis setzen, was sich hier und jetzt ereignet. Denn falls sich mir die Gelegenheit bietet, den letzten Erben der Familie Herondale zu retten, stufe ich dies als wesentlich wichtiger ein als meine dem Rat geschuldete Treue.</emphasis></p><p>�Na, das w�re dann ja gekl�rt�, bemerkte Magnus. Er und der Stille Bruder bildeten ein seltsames Paar: der eine bleich und in heller Robe und der andere in einem knallgelben Pyjama. �Gibt es irgendwelche Neuigkeiten bez�glich Liliths Runen?�, fragte der Hexenmeister.</p><p><emphasis>Ich habe diese Runen sorgf�ltig studiert und mir s�mtliche Zeugenaussagen im Rat angeh�rt,</emphasis> erkl�rte Bruder Zachariah. <emphasis>Und ich bin zu der �berzeugung gelangt, dass es sich bei Liliths Zeremonie um ein Doppelritual gehandelt hat. Zun�chst nutzte sie den Biss des Tageslichtlers, um Jonathan Morgensterns Bewusstsein wiederzuerwecken. Sein K�rper war zwar noch geschw�cht, aber sein Verstand und sein Wille waren lebendig. Ich glaube, als Jace Herondale mit ihm allein auf der Dachterrasse zur�ckblieb, nutzte Jonathan die Macht von Liliths Runen und zwang Jace, den verwunschenen Kreis zu betreten, der ihn umgab. Ab diesem Moment wird Jace� Wille seinem unterworfen gewesen sein. Ich denke, er wird sich Jace� Blut bedient haben, um die erforderliche Kraft zu gewinnen, die er ben�tigte, um sich zu erheben und von der Dachterrasse zu fliehen. Und Jace hat er mit sich genommen.</emphasis></p><p>�Und das hat irgendwie eine Verbindung zwischen den beiden erschaffen?�, hakte Clary nach. �Denn als meine Mutter Sebastian mit einem Messer verletzt hat, begann Jace zu bluten.�</p><p><emphasis>Ja. Lilith hat eine Art Verbr�derungsritual vollzogen, �hnlich dem unserer </emphasis>Parabatai<emphasis>-Zeremonie, allerdings deutlich m�chtiger und gef�hrlicher. Die beiden sind nun untrennbar miteinander verbunden. Sollte einer der beiden sterben, wird der andere ihm unweigerlich folgen. Keine Waffe dieser Welt kann den einen verletzen, ohne den anderen ebenfalls zu verwunden.</emphasis></p><p>�Du hast gesagt, die beiden sind untrennbar miteinander verbunden�, setzte Alec an und beugte sich vor. �Bedeutet das� ich meine, Jace hasst Sebastian. Er hat unseren kleinen Bruder ermordet.�</p><p>�Und Sebastian kann Jace auch nicht sonderlich ins Herz geschlossen haben. Er war sein Leben lang furchtbar eifers�chtig auf ihn, weil er glaubte, Jace w�re Valentins Liebling�, f�gte Clary hinzu.</p><p>�Ganz zu schweigen davon, dass Jace ihn get�tet hat�, bemerkte Magnus. �Das m�sste eigentlich jeden absto�en.�</p><p>�Aber es scheint, als w�rde Jace sich an keinen dieser Vorf�lle erinnern� oder es einfach nicht glauben wollen�, stellte Clary frustriert fest.</p><p><emphasis>Er erinnert sich durchaus. Doch die Kraft dieses Bundes sorgt daf�r, dass Jace� Verstand sich an diesen Tatsachen vorbeibewegt, so wie Wasser die Felsen in einem Flussbett umstr�mt. Das Ganze besitzt eine gewisse �hnlichkeit mit dem Zauber, mit dem Magnus deinen Geist belegt hatte, Clarissa: Jedes Mal, wenn du Teile der Verborgenen Welt gesehen hast, hat dein Verstand sie abgelehnt und sich anderen Dingen zugewandt. Deshalb ist es vollkommen sinnlos, mit Jace �ber Jonathan zu diskutieren. Die Wahrheit vermag ihre Verbindung nicht zu trennen.</emphasis></p><p>Clary musste an den Moment zur�ckdenken, als sie Jace daran erinnert hatte, dass Sebastian f�r Max� Tod verantwortlich war: Jace� Gesicht hatte sich einen Moment nachdenklich verzogen und dann wieder gegl�ttet, als h�tte er ihre Worte sofort wieder vergessen.</p><p><emphasis>Vielleicht k�nnt ihr ja einen gewissen Trost aus der Tatsache sch�pfen, dass Jonathan Morgenstern genauso sehr an Jace gebunden ist wie dieser an ihn. Daher kann er Jace keinen Schaden zuf�gen. Er w�rde es gar nicht wollen,</emphasis> f�gte Zachariah hinzu.</p><p>Genervt warf Alec die H�nde hoch. �Soll das hei�en, dass die beiden sich jetzt lieben? Dass sie beste Freunde sind?� Aus seiner Stimme sprachen Schmerz und Eifersucht.</p><p><emphasis>Nein. Die beiden </emphasis>sind<emphasis> jetzt der jeweils andere. Sie sehen, was der andere sieht. Und sie wissen, dass der andere f�r sie irgendwie unentbehrlich ist. Sebastian ist der Anf�hrer, das Haupt der beiden. Alles, was er glaubt, wird auch Jace glauben. Alles, was er will, wird Jace tun.</emphasis></p><p>�Dann ist er also besessen�, sagte Alec tonlos.</p><p><emphasis>Bei einer Besessenheit ist ein Teil des urspr�nglichen Bewusstseins h�ufig noch intakt. Diejenigen, die einmal besessen waren, berichten oft, dass sie ihre eigenen Handlungen wie von au�en beobachtet haben, dass sie um Hilfe geschrien haben, aber nicht geh�rt werden konnten. Doch Jace ist nach wie vor Herr seiner Sinne. Er h�lt sich selbst f�r geistig vollkommen gesund. Und er ist davon �berzeugt, dass Sebastians W�nsche genau das sind, was er selbst auch will.</emphasis></p><p>�Und was wollte er dann von mir?�, fragte Clary mit zittriger Stimme. �Warum ist er heute Nacht in meinem Zimmer aufgetaucht?� Sie hoffte inst�ndig, dass ihre Wangen nicht gl�hten, und versuchte, die Erinnerung zu verdr�ngen � die Erinnerung daran, wie sie ihn gek�sst hatte, wie sich sein K�rper hart auf ihren gepresst hatte.</p><p><emphasis>Er liebt dich noch immer,</emphasis> erkl�rte Bruder Zachariah in erstaunlich sanftem Ton. <emphasis>Du bist der Dreh- und Angelpunkt seiner Welt. Daran hat sich nichts ge�ndert.</emphasis></p><p>�Und das ist auch der Grund, warum wir Lukes Haus verlassen mussten�, sagte Jocelyn angespannt. �Jace wird zur�ckkommen, um Clary zu holen. Deswegen konnten wir auch nicht im Hauptquartier des Rudels bleiben. Ich habe keine Ahnung, wo wir sicher sind��</p><p>�Hier�, erwiderte Magnus. �Ich kann einen Wall aus Schutzzaubern errichten, der Jace und Sebastian fernhalten wird.�</p><p>Clary sah, wie sich gro�e Erleichterung in den Augen ihrer Mutter abzeichnete. �Danke�, sagte Jocelyn.</p><p>Doch Magnus winkte ab: �Es ist mir eine Ehre. Ich liebe es, w�tende Schattenj�ger abzuwehren, insbesondere wenn sie auch noch besessen sind.�</p><p><emphasis>Er ist nicht besessen,</emphasis> ermahnte Bruder Zachariah den Hexenmeister.</p><p>�Ach, das sind doch nur Haarspaltereien�, fl�tete Magnus. �Bleibt die Frage: Was haben die beiden jetzt vor? Welche Pl�ne schmieden sie?�</p><p>�Als Clary die beiden in der Bibliothek gesehen hat, meinte Sebastian zu Jace, dass er in ein paar Wochen ohnehin das Institut leiten w�rde�, warf Alec ein. �Das hei�t also, dass sie irgendetwas aushecken.�</p><p>�Vermutlich wollen sie Valentins Werk fortsetzen�, �berlegte Magnus laut. �Nieder mit den Schattenweltlern, Tod allen uneinsichtigen Schattenj�gern, blablabla��</p><p>�Kann schon sein�, r�umte Clary ein, aber sie war sich nicht ganz sicher. �Jace hat irgendwas gesagt� dass Sebastian einer gr��eren Sache dient.�</p><p>�Wei� der Himmel, was sich dahinter verbirgt�, schnaubte Jocelyn. �Ich war jahrelang mit einem Fanatiker verheiratet � ich wei�, was �einer gr��eren Sache dienen� bedeutet. Es bedeutet, dass man Unschuldige foltert, brutale Morde begeht, seinen ehemaligen Freunden den R�cken kehrt� und das alles im Namen einer Sache, die man f�r bedeutend h�lt, f�r wichtiger als man selbst, die aber in Wirklichkeit nichts anderes ist als Gier und kindisches Gehabe, verpackt in eine blumige Sprache.�</p><p>�Mom�, protestierte Clary, besorgt dar�ber, dass Jocelyn so verbittert klang.</p><p>Doch Jocelyn wandte sich bereits an Bruder Zachariah. �Du hast gesagt, keine Waffe dieser Welt k�nnte den einen verletzen, ohne den anderen ebenfalls zu verwunden�, konstatierte sie. �Keine Waffe, von der du wei�t��</p><p>Pl�tzlich leuchteten Magnus� Augen auf, wie die Pupillen einer Katze im Licht eines Scheinwerfers. �Du meinst��</p><p>�Die Eisernen Schwestern�, best�tigte Jocelyn. �Sie sind die unangefochtenen Expertinnen auf dem Gebiet der Waffenkunde. M�glicherweise wissen sie ja eine Antwort.�</p><p>Soweit Clary wusste, waren die Eisernen Schwestern der Schwesterorden der Stillen Br�der, doch im Gegensatz zu diesen verzichteten sie darauf, sich Augen und Mund zuzun�hen. Allerdings lebten sie noch zur�ckgezogener � in fast v�lliger Abgeschiedenheit auf einer alten Festung, deren Standort unbekannt war. Nur �u�erst selten lie�en sie sich in der �ffentlichkeit blicken und nahmen in der Regel weder an Ratssitzungen noch am Leben in Alicante teil. Die Aufgabe dieser Frauen bestand nicht im Kampf, sondern in der Kreation: Ihre H�nde schufen die Waffen, die Stelen, die Seraphklingen, die den Nephilim das �berleben erm�glichten.</p><p>Es gab Runen, die ausschlie�lich die Eisernen Schwestern mei�eln konnten, und nur sie verstanden es, die silberwei�e Substanz namens <emphasis>Adamant</emphasis> zu D�monent�rmen, Stelen und Elbenlichtsteinen zu verarbeiten und kannten alle damit verbundenen Geheimnisse.</p><p><emphasis>Es w�re m�glich,</emphasis> sagte Bruder Zachariah nach einer langen Pause.</p><p>�Wenn Sebastian get�tet werden k�nnte� falls es eine Waffe gibt, die ihn t�ten, aber Jace unversehrt lassen w�rde� bedeutet das dann, dass Jace nicht l�nger unter seinem Einfluss stehen w�rde?�, fragte Clary.</p><p>Nach einer noch l�ngeren Pause nickte Bruder Zachariah und best�tigte: <emphasis>Das scheint mir wahrscheinlich</emphasis>.</p><p>�Dann sollten wir uns auf den Weg zu diesen Schwestern machen.� Die Ersch�pfung lastete wie ein wuchtiger Mantel auf Clarys Schultern, dr�ckte schwer auf ihre Lider und hinterlie� einen sauren Geschmack in ihrem Mund. G�hnend rieb sie sich die Augen, im Versuch, die M�digkeit zu vertreiben. �Jetzt sofort.�</p><p>�Ich kann nicht mitkommen�, warf Magnus ein. �Der Zugang zur Adamant-Zitadelle ist nur Schattenj�gerinnen gestattet.�</p><p>�Und <emphasis>du</emphasis> gehst auch nicht�, beschied Jocelyn Clary in ihrem strengsten <emphasis>Du-wirst-nicht-mit-Simon-nach-Mitternacht-durch-die-Clubs-ziehen</emphasis>-Tonfall. �Hier, innerhalb der Schutzschilde, bist du wesentlich sicherer.�</p><p>�Isabelle�, meinte Alec. �Isabelle k�nnte die Eisernen Schwestern aufsuchen.�</p><p>�Hast du denn eine Ahnung, wo sie gerade steckt?�, fragte Clary.</p><p>�Zu Hause, vermute ich mal�, erwiderte Alec und zuckte die Achseln. �Ich kann sie anrufen��</p><p>�Ich k�mmere mich darum�, warf Magnus ein, fischte sein Handy aus der Tasche und tippte mit der Geschwindigkeit des ge�bten Benutzers eine SMS in die Tasten. �Es ist schon sp�t und wir m�ssen sie ja nicht unbedingt wecken. Im Grunde brauchen wir alle etwas Ruhe. Vor morgen fr�h werde ich ohnehin niemanden zu den Eisernen Schwestern teleportieren.�</p><p>�Ich werde Isabelle begleiten�, verk�ndete Jocelyn. �Nach mir sucht niemand und sie sollte nicht allein zu den Schwestern aufbrechen. Ich mag zwar keine Schattenj�gerin mehr sein, aber ich war mal eine, und es reicht, wenn eine von uns diese Anforderung erf�llt.�</p><p>�Das ist nicht fair�, protestierte Clary.</p><p>Doch ihre Mutter w�rdigte sie nicht einmal eines Blickes. �Clary��</p><p>W�tend sprang Clary auf. �W�hrend der vergangenen zwei Wochen bin ich fast wie eine Gefangene behandelt worden�, stie� sie mit zitternder Stimme hervor. �Der Rat hat mir untersagt, nach Jace zu suchen. Und jetzt ist er endlich zu mir gekommen � zu <emphasis>mir</emphasis> � und ich darf dich nicht einmal zu den Eisernen Schwestern begleiten��</p><p>�Es ist zu gef�hrlich. Jace verfolgt wahrscheinlich jeden deiner Schritte��</p><p>In dem Moment verlor Clary vollends die Beherrschung: �Jedes Mal, wenn du versuchst, mich in Sicherheit zu bringen, ruinierst du mein Leben!�</p><p>�Nein, je mehr du dich mit Jace einl�sst, desto mehr ruinierst <emphasis>du</emphasis> dein Leben!�, fauchte ihre Mutter zur�ck. �Jedes Risiko, das du eingegangen bist, jede Gefahr, in die du dich gest�rzt hast� das war immer nur seinetwegen! Er hat dir ein Messer an die Kehle gedr�ckt, Clarissa��</p><p>�Das war nicht er�, erwiderte Clary leise und todernst. �Glaubst du wirklich, ich w�rde auch nur eine Sekunde mit jemandem zusammenbleiben, der mich mit einem Messer bedroht hat � selbst wenn ich ihn lieben w�rde? Vielleicht hast du ja zu lange in der Welt der Irdischen gelebt, Mom, aber da drau�en gibt es so was wie Magie. Die Person, die mich verletzt hat, war nicht Jace, sondern eine D�monin, die sein Gesicht trug. Und die Person, nach der wir jetzt suchen, ist auch nicht Jace. Aber wenn er stirbt��</p><p>�Besteht nicht die geringste Chance, dass wir Jace jemals zur�ckbekommen�, beendete Alec Clarys Satz.</p><p>�Diese Chance besteht m�glicherweise schon jetzt nicht mehr�, entgegnete Jocelyn. �Herrgott noch mal, Clary, sieh dir doch mal die Fakten an. Du dachtest, du und Jace w�rt Geschwister! Du hast alles aufgegeben, nur um ihn zu retten, und ein D�monenf�rst hat ihn benutzt, um an dich heranzukommen! Wann wirst du endlich der Tatsache ins Auge sehen, dass ihr beide nicht f�reinander bestimmt seid?�</p><p>Ruckartig wich Clary zur�ck, als h�tte ihre Mutter sie geschlagen. Bruder Zachariah stand reglos wie eine Statue da, als h�tte niemand auch nur die Stimme erhoben, w�hrend Magnus und Alec Mutter und Tochter stumm anstarrten. Jocelyns Gesicht war rot vor Zorn und ihre Augen blitzten w�tend. Clary, die nicht f�r sich garantieren konnte, machte auf dem Absatz kehrt, marschierte durch den Flur in Magnus� G�stezimmer und schlug die T�r hinter sich zu.</p><p>�Okay, ich bin hier�, rief Simon. Eine kalte Brise pfiff �ber die weitl�ufige Dachterrasse und er stopfte die H�nde in die Hosentaschen. Im Grunde sp�rte er die K�lte nicht, aber er hatte das Gef�hl, als m�sste er sie sp�ren. Erneut hob er die Stimme: �Ich bin da. Wo steckst du?�</p><p>Die Dachterrasse des Greenwich Hotel, die zu dieser Stunde geschlossen war und deshalb menschenleer dalag, war wie ein englischer Garten gestaltet � mit sorgf�ltig gestutzten Zwergbuchsb�umen, eleganten Gartenm�beln aus Korbgeflecht und Glas sowie dunkelroten Sonnenschirmen, die im Wind flatterten. Die nackten Spaliergitter der Kletterrosen �berzogen die halbhohen Steinmauern am Dachrand wie ein Spinnennetz. �ber die Mauerkronen hinweg konnte Simon die Lichter von New York City erkennen.</p><p>�Ich bin hier dr�ben�, sagte eine Stimme und ein schlanker Schemen l�ste sich aus einem Korbsessel und erhob sich. �Ich hatte mich schon gefragt, ob du �berhaupt noch auftauchen w�rdest, Tageslichtler.�</p><p>�Raphael�, murmelte Simon resigniert. Dann ging er auf den jungen Vampir zu, quer �ber die Holzplanken, die sich zwischen den Blumenbeeten und k�nstlich angelegten Teichen mit den glitzernden Quarzsteinen hin und her wanden. �Ja, das hab ich mich auch gefragt�, best�tigte er. Inzwischen konnte er den anderen Vampir deutlich erkennen. Eigentlich besa� Simon ein hervorragendes Nachtsehverm�gen und lediglich Raphaels F�higkeit, mit der Umgebung zu verschmelzen, hatte daf�r gesorgt, dass Simon ihn nicht schon fr�her entdeckt hatte.</p><p>Raphael trug einen schwarzen Anzug mit aufgekrempelten �rmeln, unter denen Manschettenkn�pfe in Form von Handschellen zum Vorschein kamen. Er besa� noch immer das Antlitz eines unschuldigen Engels, doch der Blick, mit dem er Simon musterte, war eiskalt. �Wenn das Oberhaupt des Manhattaner Vampirclans dein Erscheinen verlangt, dann hast du gef�lligst zu kommen, Lewis.�</p><p>�Und was h�ttest du gemacht, wenn ich nicht aufgetaucht w�re? Mich mit einem Pfahl durchbohrt?� Simon breitete die Arme aus. �Nur zu! Tu, was immer du willst. Tob dich richtig aus.�</p><p><emphasis>�Dios,</emphasis> bist du langweilig�, erwiderte Raphael. Hinter ihm konnte Simon das Glitzern von Chrom erkennen � Raphaels Vampirmotorrad, das an der Mauer lehnte.</p><p>Simon senkte die Arme. �Du bist schlie�lich derjenige, der <emphasis>mich</emphasis> sprechen wollte.�</p><p>�Ich hab einen Job f�r dich�, sagte Raphael.</p><p>�Echt? Seid ihr in eurem Hotel personell unterbesetzt?�</p><p>�Ich brauche einen Leibw�chter.�</p><p>Simon musterte Raphael. �Hast du in letzter Zeit zu oft <emphasis>Bodyguard</emphasis> gesehen? Denn ich werd mich auf keinen Fall in dich verlieben und dich in meinen kr�ftigen Armen herumtragen.�</p><p>Raphael warf ihm einen s�uerlichen Blick zu. �Ich w�rde dir einen zus�tzlichen Bonus zahlen, wenn du w�hrend der Arbeit den Mund h�ltst.�</p><p>Verwundert starrte Simon den Vampirjungen an: �Du meinst das wirklich ernst?�</p><p>�Ich w�rde mir wohl kaum die M�he machen herzukommen, wenn ich es nicht ernst meinen w�rde. Wenn mir nach Scherzen zumute w�re, w�rde ich meine Zeit mit jemandem verbringen, den ich mag.� Raphael lie� sich wieder in den Korbsessel sinken. �Camille Belcourt l�uft frei in New York herum. Die Schattenj�ger sind voll und ganz damit besch�ftigt, sich um diese d�mliche Angelegenheit mit Valentins Sohn zu k�mmern und haben keine Lust, Camille aufzusp�ren. Aber sie stellt f�r mich eine akute Bedrohung dar, weil sie die Kontrolle �ber den Clan wieder an sich rei�en will. Obwohl die meisten Clanmitglieder mir treu ergeben sind, k�nnte sie sich durch meinen Tod sofort wieder an die Spitze der Hierarchie katapultieren.�</p><p>�Verstehe�, sagte Simon gedehnt. �Aber warum fragst du ausgerechnet mich?�</p><p>�Du bist ein Tageslichtler. Andere k�nnen mich in der Nacht besch�tzen, aber du bist derjenige, der mir auch am Tag den R�cken freihalten kann, wenn die meisten unserer Art hilflos sind. Au�erdem tr�gst du das Kainsmal. Wenn du dich zwischen Camille und mich stellst, wird sie es nicht wagen, mich anzugreifen.�</p><p>�Das mag zwar alles richtig sein, aber ich werd den Job trotzdem nicht �bernehmen.�</p><p>Raphael starrte Simon ungl�ubig an. �Und warum nicht?�</p><p>In dem Moment platzte Simon der Kragen: �Machst du Witze? Weil du in der ganzen Zeit seit meiner Verwandlung zum Vampir nicht ein einziges Mal irgendwas f�r mich getan hast. Stattdessen hast du dich nach Kr�ften bem�ht, mir das Leben so schwer wie m�glich zu machen und mich dann zu t�ten. Also, nur f�r dich in Vampirsprache und zum Mitschreiben: Es ist mir ein Vergn�gen, Euer Gnaden, es Euch hier und jetzt ein f�r alle Mal mitzuteilen: nur �ber meine Leiche!�</p><p>�Es ist nicht klug, sich jemanden wie mich zum Feind zu machen, Tageslichtler. Als Freunde��</p><p>Simon lachte ungl�ubig: �Warte mal: Waren wir <emphasis>Freunde?</emphasis> Das ist dein Verst�ndnis von Freundschaft?�</p><p>Blitzartig schossen Raphaels Fangz�hne hervor. Er musste in der Tat sehr sauer sein, stellte Simon fest. �Ich wei�, warum du mich abweist, Tageslichtler: Nicht aufgrund irgendeines angeblichen Gef�hls von Ablehnung, sondern weil du dich so intensiv mit den Schattenj�gern besch�ftigst, dass du glaubst, einer von ihnen zu sein. Wir haben dich gesehen, zusammen mit den Nephilim. Statt deine N�chte auf der Jagd zu verbringen, wie es eigentlich sein sollte, vertr�delst du sie mit Valentins Tochter. Und obendrein wohnst du mit einem Werwolf zusammen. Du bist eine Schande.�</p><p>�Stellst du dich eigentlich bei jedem Vorstellungsgespr�ch so ungeschickt an?�</p><p>Raphael fletschte die Z�hne. �Du musst dich entscheiden, Tageslichtler, ob du ein Vampir bist oder ein Schattenj�ger.�</p><p>�In dem Fall stimme ich f�r Schattenj�ger. Denn nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Vampiren sind die meisten von euch nichts als miese, kleine Blutsauger � entschuldige bitte das schlechte Wortspiel.�</p><p>�Du begehst einen schweren Fehler�, knurrte Raphael und erhob sich.</p><p>�Ich hab dir doch schon gesagt��</p><p>Doch der Vampirjunge unterbrach ihn mit einer ungeduldigen Handbewegung. �Eine Gro�e Finsternis wird kommen. Und sie wird die Menschheit mit Feuer und Schatten von der Erde vertilgen, und wenn sie sich gelegt hat, wird von deinen hei�geliebten Schattenj�gern keiner mehr �brig sein. Wir, die Kinder der Nacht, werden die Finsternis �berstehen, denn wir leben in der Dunkelheit. Aber wenn du weiterhin verleugnest, wer du bist, wirst auch du vernichtet werden und niemand wird einen Finger r�hren, um dir zu helfen.�</p><p>Ohne dar�ber nachzudenken, griff Simon sich an die Stirn und ber�hrte das Kainsmal.</p><p>Doch Raphael lachte freudlos. �Ah ja, das Engelszeichen auf deiner Haut. Doch im Zeitalter der Finsternis werden sogar die Engel vernichtet werden. Ihre Macht wird dir nicht helfen. Also fang besser schon einmal an zu beten, Tageslichtler, dass du dieses Zeichen nicht verlierst, ehe der Krieg beginnt. Denn solltest du es verlieren, werden deine Feinde Schlange stehen, um dich zu t�ten. Und ich werde in vorderster Front dabei sein.�</p><p>Clary hatte eine ganze Weile auf Magnus� Bettsofa gelegen, die H�nde im Nacken verschr�nkt. Sie hatte geh�rt, wie ihre Mutter den Flur zu einem der angrenzenden G�stezimmer durchquert und die T�r hinter sich geschlossen hatte. Durch die Zimmert�r konnte Clary Magnus und Alec h�ren, die sich mit gesenkten Stimmen im Wohnzimmer unterhielten. Nat�rlich konnte sie warten, bis die beiden schlafen gegangen waren, aber Alec hatte erz�hlt, dass Magnus die letzten N�chte immer lange aufgeblieben war, um Liliths Runen zu entziffern. Und obwohl Bruder Zachariah deren Bedeutung offenbar entschl�sselt hatte, konnte sie nicht darauf vertrauen, dass Alec und Magnus sich bald zur�ckziehen w�rden.</p><p>Entschlossen setzte Clary sich auf, woraufhin Miau Tse-tung schl�frig protestierte. Nachdem sie eine Weile in ihrem Rucksack gew�hlt hatte, holte sie eine transparente Plastikbox hervor und klappte sie auf. Darin lagen ihre Zeichenstifte, ein paar Kreidestummel � und ihre Stele.</p><p>Clary stand auf, schob die Stele in ihre Jackentasche, nahm ihr Mobiltelefon vom Tisch und tippte eine SMS: KOMM ZU TAKI�S. WARTE DORT AUF DICH. Dann sah sie zu, wie die Nachricht gesendet wurde, lie� das Handy in ihre Jeans gleiten und holte tief Luft.</p><p>Sie wusste, dass dies Magnus gegen�ber nicht fair war. Schlie�lich hatte er ihrer Mutter versprochen, auf sie aufzupassen � und dazu z�hlte nicht, dass sie sich heimlich aus seiner Wohnung stahl. Aber sie selbst hatte bewusst den Mund gehalten, hatte nichts versprochen. Und au�erdem ging es hier um Jace.</p><p><emphasis>Du w�rdest alles tun, um ihm zu helfen. Ganz gleich, was es dich kosten w�rde, ganz gleich, was du dem Himmel oder der H�lle daf�r schulden w�rdest, habe ich recht?</emphasis></p><p>Clary holte ihre Stele hervor, setzte die Spitze auf die orange gestrichene Wand und begann, ein Portal zu zeichnen.</p><p>Ein lautes, wummerndes H�mmern riss Jordan aus dem Schlaf. Instinktiv fuhr er hoch, rollte sich zur Seite und landete in der Hocke auf dem Boden neben dem Bett. Das jahrelange Training bei den <emphasis>Praetor</emphasis> hatte ihm schnelle Reflexe beschert und einen besonders leichten Schlaf. Ein rascher Blick in den Raum verriet ihm, dass er leer war � lediglich der Mond warf einen Lichtkegel auf den Fu�boden.</p><p>Das Wummern ert�nte erneut und dieses Mal erkannte Jordan, worum es sich dabei handelte: Jemand h�mmerte gegen die Wohnungst�r. Da er wie immer nur mit Boxershorts bekleidet geschlafen hatte, sprang er hastig in seine Jeans, streifte ein T-Shirt �ber, riss die T�r seines Zimmers auf und marschierte in den Flur. Falls da drau�en eine Horde betrunkener Studenten herumlief und sich einen Spa� daraus machte, an jeder einzelnen Wohnung im Haus zu h�mmern, konnten sie sich auf einen stinkw�tenden Werwolf gefasst machen.</p><p>Jordan streckte die Hand nach der T�r aus � und hielt inne. Vor seinem inneren Auge tauchte wieder dieses Bild auf, genau wie in den langen Stunden, bevor er endlich eingeschlafen war: Maia, die auf dem Gel�nde der alten Marinewerft vor ihm weggelaufen war; der Ausdruck auf ihrem Gesicht, als sie sich von ihm gel�st hatte. Er hatte sie zu sehr bedr�ngt, das wusste er, hatte zu viel verlangt, zu fr�h. Hatte wahrscheinlich alles vermasselt. Es sei denn� vielleicht hatte sie es sich ja anders �berlegt. Als sie noch zusammen gewesen waren, hatte es eine Zeit gegeben, in der ihre Beziehung fast nur aus leidenschaftlichen Streitereien und gleicherma�en leidenschaftlichen Vers�hnungen bestanden hatte.</p><p>Jordans Herz begann, wie wild zu klopfen, und er riss die T�r auf � und blinzelte verbl�fft. Vor der T�r stand Isabelle Lightwood, deren lange, gl�nzend schwarze Haare ihr fast bis zur Taille reichten. Sie trug schwarze, kniehohe Wildlederstiefel, eng sitzende Jeans und ein rotes Seidentop, �ber dessen Ausschnitt der rote Anh�nger, den sie nur selten ablegte, dunkel glitzerte.</p><p>�Isabelle?�, stammelte Jordan, unf�hig, die �berraschung � oder vielmehr Entt�uschung � in seiner Stimme zu verbergen.</p><p>�Ja� und du kannst mir glauben, ich bin nicht deinetwegen hier�, erwiderte sie, schob sich an ihm vorbei und stolzierte in die Wohnung. Sie roch nach Schattenj�gern � ein Duft wie von sonnengew�rmtem Glas � und einem zarten Rosenparf�m. �Ich bin auf der Suche nach Simon�, f�gte sie hinzu.</p><p>Jordan musterte sie aus zusammengekniffenen Augen. �Es ist zwei Uhr morgens.�</p><p>Doch Isabelle zuckte nur die Achseln. �Er ist ein Vampir.�</p><p>�Aber <emphasis>ich</emphasis> nicht.�</p><p>�Ohhhhh? Hab ich dich geweckt?� Ein am�siertes L�cheln umspielte Isabelles Mundwinkel, dann streckte sie den Arm aus, schnippte mit einer raschen Handbewegung gegen den obersten Knopf von Jordans Jeans und streifte dabei mit der Fingernagelspitze �ber seinen flachen Bauch.</p><p>Jordan sp�rte, wie seine Muskeln zuckten. Izzy war umwerfend, daran bestand nicht der geringste Zweifel. Aber sie war auch ein wenig be�ngstigend und er fragte sich, wie der zur�ckhaltende Simon �berhaupt mit ihr zurechtkam.</p><p>�Vielleicht solltest du die besser ganz zukn�pfen. H�bsche Boxershorts, nebenbei bemerkt�, f�gte Isabelle hinzu und wandte sich in Richtung von Simons Zimmer.</p><p>Jordan folgte ihr, wobei er seine Jeans zukn�pfte und vor sich hin murmelte, dass an Unterw�sche mit tanzenden Pinguinen absolut nichts Verwunderliches sei.</p><p>Doch Isabelle ignorierte ihn und steckte den Kopf in Simons Zimmer. �Er ist nicht da�, stellte sie fest, schlug die T�r wieder zu, lehnte sich an die Wand und musterte Jordan. �Hattest du nicht gesagt, es ist zwei Uhr morgens?�</p><p>�Ja. Vermutlich ist er bei Clary. In letzter Zeit �bernachtet er dort ziemlich oft.�</p><p>Isabelle biss sich auf die Lippe. �Richtig. Nat�rlich.�</p><p>Allm�hlich beschlich Jordan das Gef�hl, dass er etwas Falsches gesagt hatte, ohne genau zu wissen, was. �Gibt es einen Grund, warum du hierhergekommen bist? Ich meine, ist was passiert? Irgendwas Schlimmes?�, fragte er vorsichtig.</p><p>�Irgendwas Schlimmes?� Genervt riss Isabelle die Arme in die H�he. �Du meinst, mal abgesehen von der Tatsache, dass mein Bruder verschwunden ist und von diesem miesen D�mon, der meinen j�ngeren Bruder umgebracht hat, einer Gehirnw�sche unterzogen wurde� und auch abgesehen von der Tatsache, dass meine Eltern sich scheiden lassen und Simon bei Clary hockt�� Sie verstummte abrupt und marschierte an Jordan vorbei in den Wohnraum.</p><p>Hastig ging er ihr nach. Als er das Wohnzimmer betrat, rumorte sie bereits in der angrenzenden K�che herum und durchst�berte die Schr�nke.</p><p>�Habt ihr nicht irgendwas zu trinken im Haus? Einen anst�ndigen Barolo? Oder einen Sagrantino?�</p><p>Jordan nahm Isabelle an den Schultern und schob sie sanft aus der K�che. �Setz dich�, sagte er. �Ich hol dir einen Tequila.�</p><p>�Tequila?�</p><p>�Tequila ist das Einzige, was wir im Haus haben. Entweder das oder Hustensaft.�</p><p>Isabelle lie� sich auf einen der Barhocker an der K�chentheke sinken und machte eine auffordernde Handbewegung. Eigentlich hatte Jordan erwartet, dass sie lange rote oder pinkfarbene, perfekt manik�rte Fingern�gel besa�, passend zum restlichen Erscheinungsbild, doch da hatte er sich geirrt: Isabelle war eine Schattenj�gerin. Ihre H�nde waren mit Narben �bers�t, die N�gel kurz geschnitten. Die <emphasis>Voyance</emphasis>-Rune auf ihrer rechten Hand schimmerte schwarz. �Von mir aus�, murmelte sie.</p><p>Jordan holte eine Flasche Cuervo hervor, schraubte den Deckel ab, schenkte ein Glas ein und lie� es �ber die Theke zu Isabelle gleiten.</p><p>Sie griff danach, kippte den Inhalt in einem Zug hinunter, runzelte die Stirn und knallte das Glas auf die Theke. �Das reicht nicht�, sagte sie, beugte sich �ber die Theke und nahm Jordan die Flasche aus der Hand. Dann legte sie den Kopf in den Nacken und nahm zwei, drei tiefe Schlucke. Als sie die Flasche wieder absetzte, waren ihre Wangen leicht ger�tet.</p><p>�Wo lernt man denn so zu trinken?�, fragte Jordan. Er war sich nicht ganz sicher, ob er beeindruckt oder besorgt sein sollte.</p><p>�In Idris liegt das Mindestalter f�r Alkohol bei f�nfzehn Jahren. Aber im Grunde k�mmert sich niemand darum. Ich hab schon als kleines Kind bei Familienfeiern mit Wasser verd�nnten Wein getrunken�, erkl�rte Isabelle und zuckte die Achseln, doch diese Geste wirkte etwas unkoordinierter als sonst.</p><p>�Okay. Also, falls du eine Nachricht f�r Simon hinterlassen willst oder ich ihm was ausrichten soll oder��</p><p>�Nein.� Isabelle trank einen weiteren Schluck aus der Flasche. �Ich hab ordentlich vorgegl�ht und bin extra hierhergekommen, um mit ihm zu reden, und nat�rlich steckt er bei Clary. War ja klar!�</p><p>�Ich hab gedacht, du w�rst diejenige gewesen, die ihn �berhaupt auf die Idee gebracht hat.�</p><p>�Ja.� Isabelle knibbelte am Etikett der Tequila-Flasche. �Stimmt.�</p><p>�Na, dann sag ihm doch einfach, er soll damit wieder aufh�ren�, schlug Jordan in einem Ton vor, der in seinen Ohren ganz vern�nftig klang.</p><p>�Das kann ich nicht machen�, erwiderte Isabelle ersch�pft. �Ich bin es ihr schuldig.�</p><p>Jordan st�tzte sich auf die Theke. Er kam sich vor wie ein Barkeeper aus einer dieser Fernsehserien, der seinen G�sten weise Ratschl�ge erteilt. �Was schuldest du ihr denn?�</p><p>�Mein Leben�, sagte Isabelle.</p><p>Verwundert starrte Jordan sie an. Das ging jetzt �ber seine Barkeeperf�higkeiten und Kummerkasten-Ratschl�ge weit hinaus. �Clary hat dir das Leben gerettet?�</p><p>�Sie hat Jace das Leben gerettet. Dabei h�tte sie vom Erzengel Raziel alles verlangen k�nnen, aber sie hat meinen Bruder gerettet. Ich hab in meinem ganzen Leben bisher nur einer Handvoll Leuten vertraut. Wirklich vertraut. Meiner Mutter, Alec, Jace und Max. Und einen davon hab ich bereits verloren. Clary ist der einzige Grund, warum ich nicht noch einen verloren habe.�</p><p>�Meinst du, du wirst jemals jemandem wirklich vertrauen k�nnen, der nicht mit dir verwandt ist?�</p><p>�Mit Jace bin ich nicht verwandt. Jedenfalls nicht richtig�, bemerkte Isabelle, vermied aber jeden Blickkontakt mit Jordan.</p><p>�Du wei�t, was ich meine�, erwiderte Jordan und warf einen bedeutungsvollen Blick auf Simons Zimmert�r.</p><p>Izzy runzelte die Stirn. �Schattenj�ger leben nach einem Ehrenkodex, Werwolf�, sagte sie und klang dabei wie eine typische arrogante Nephilim � was Jordan wieder daran erinnerte, warum so viele Schattenweltler die Nephilim nicht ausstehen konnten. �Clary hat einen Lightwood gerettet. Ich schulde ihr daf�r mein Leben. Wenn ich ihr das nicht geben kann � und ich w�sste nicht, welche Verwendung sie daf�r h�tte �, dann sollte ich ihr zumindest etwas geben, das daf�r sorgt, dass sie weniger ungl�cklich ist.�</p><p>�Du kannst ihr nicht Simon geben. Simon ist eine eigenst�ndige Person, Isabelle. Er geht, wohin er will.�</p><p>�Sieht so aus�, best�tigte Isabelle. �Aber es scheint ihm nichts auszumachen, dahin zu gehen, wo sie ist, oder?�</p><p>Jordan z�gerte. Irgendetwas an Isabelles Worten wirkte nicht ganz stimmig � andererseits hatte sie nicht vollkommen unrecht: Simon ging mit Clary auf eine lockere, entspannte Weise um, die er bei niemandem sonst zeigte. Da er selbst bisher nur ein einziges Mal verliebt gewesen war und dieses M�dchen nach wie vor liebte, f�hlte Jordan sich nicht qualifiziert, zu diesem Thema Ratschl�ge zu erteilen; allerdings erinnerte er sich daran, wie Simon ihn leicht sarkastisch gewarnt hatte, dass Clary �einen richtigen, festen Freund, den Inbegriff eines festen Freundes� besitze. Jordan konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob sich hinter diesem Sarkasmus vielleicht Eifersucht verborgen hatte, aber er war sich auch nicht sicher, ob man seine erste gro�e Liebe jemals vergessen konnte � insbesondere dann, wenn man dieses M�dchen tagt�glich vor der Nase hatte.</p><p>In dem Moment schnippte Isabelle ungeduldig mit den Fingern. �He, du! H�rst du mir �berhaupt zu?� Sie neigte den Kopf leicht zu Seite, blies sich eine dunkle Haarstr�hne aus dem Gesicht und warf Jordan einen scharfen Blick zu. �Was l�uft da eigentlich zwischen dir und Maia?�</p><p>�Nichts.� Dieses einzelne Wort sprach B�nde. �Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich irgendwann mal nicht mehr hassen wird.�</p><p>�M�glicherweise nie�, erwiderte Isabelle. �Schlie�lich hat sie gute Gr�nde daf�r.�</p><p>�Vielen Dank!�</p><p>�Ich halte nichts von Besch�nigungen�, erkl�rte Izzy und schob die Tequila-Flasche von sich fort. Dann heftete sie ihre dunklen, funkelnden Augen auf Jordan und meinte mit gesenkter, verf�hrerischer Stimme: �Komm mal her, Werwolf.�</p><p>Jordan musste schlucken; seine Kehle war pl�tzlich ganz trocken. Er erinnerte sich daran, wie er Isabelle drau�en vor dem <emphasis>Ironworks</emphasis> in ihrem langen roten Kleid gesehen und gedacht hatte: <emphasis>Das ist das M�dchen, mit dem Simon Maia hintergangen hat?</emphasis> Keine der beiden geh�rte zu der Sorte von M�dchen, die den Eindruck erweckte, dass man sie ungestraft betr�gen konnte.</p><p>Und keine der beiden geh�rte zu der Sorte von M�dchen, denen man etwas abschlug. Vorsichtig ging Jordan um die Theke herum auf Isabelle zu. Er war nur noch wenige Schritte von ihr entfernt, als sie pl�tzlich den Arm ausstreckte, ihn am Handgelenk packte und zu sich heranzog. Ihre H�nde glitten �ber seine Unterarme, dann �ber seine ausgepr�gten Oberarmmuskeln und seine kr�ftigen Schultern. Sein Puls schnellte sprunghaft in die H�he und er konnte die W�rme wahrnehmen, die ihr K�rper ausstrahlte, und ihren Geruch, eine Mischung aus ihrem Parf�m und s��lichem Tequila.</p><p>�Du bist echt umwerfend�, sagte Isabelle, w�hrend ihre H�nde nach vorn wanderten und sich flach auf seine Brust legten. �Und das wei�t du auch, stimmt�s?�</p><p>Jordan fragte sich, ob sie wohl durch das T-Shirt hindurch sp�ren konnte, wie schnell sein Herz schlug. Nat�rlich wusste er, welche Blicke viele M�dchen, und manchmal auch Jungs, ihm auf der Stra�e zuwarfen � schlie�lich sah er sich selbst jeden Tag im Spiegel, aber er hatte nie viel darum gegeben. Denn sein Interesse galt schon seit so langer Zeit ausschlie�lich Maia, dass es nie eine Rolle gespielt hatte; f�r ihn hatte immer nur gez�hlt, ob <emphasis>sie</emphasis> ihn noch attraktiv fand, falls sie sich jemals wiedersehen w�rden. Und er war auch schon oft angemacht worden, aber nur selten von M�dchen, die so sch�n waren wie Isabelle, und noch nie von jemandem, der so unverbl�mt war. Einen Moment lang fragte Jordan sich, ob sie ihn wohl k�ssen w�rde. Seit seinem f�nfzehnten Lebensjahr hatte er au�er Maia niemanden mehr gek�sst. Aber Isabelle schaute zu ihm hoch, mit gro�en dunklen Augen und leicht ge�ffneten Lippen� Lippen so rot wie Erdbeeren. Ob sie wohl auch nach Erdbeeren schmeckten, wenn er sie k�sste?</p><p>�Aber es ist mir v�llig egal�, sagte die junge Schattenj�gerin.</p><p>�Isabelle, ich glaub nicht, dass� Warte mal, <emphasis>was</emphasis> hast du gerade gesagt?�</p><p>�Dabei sollte es mir nicht egal sein�, fuhr Isabelle fort. �Ich meine, nat�rlich ist da Maia, deshalb w�rde ich dir ohnehin nicht einfach so die Kleider vom Leib rei�en. Aber das Entscheidende ist: Ich will es auch gar nicht. Obwohl ich normalerweise immer wollen w�rde.�</p><p>�Ah�, atmete Jordan auf. Er versp�rte Erleichterung, aber auch einen winzigen Anflug von Entt�uschung. �Na, das ist doch gut, oder?�</p><p>�Ich muss st�ndig an ihn denken�, murrte Isabelle. �Das ist schrecklich. So was ist mir noch nie passiert.�</p><p>�Du meinst Simon?�</p><p>�Dieser kleine, schm�chtige irdische Mistkerl�, stie� sie hervor und nahm die H�nde von Jordans Brust. �Nur, dass er das gar nicht mehr ist� schm�chtig, meine ich� und auch kein Irdischer mehr. Und ich bin gern mit ihm zusammen. Er bringt mich zum Lachen. Und ich mag die Art und Weise, wie er l�chelt. Du wei�t schon: Zuerst zuckt ein Mundwinkel hoch, dann der andere� Na ja, dir ist das sicher schon aufgefallen, schlie�lich lebst du mit ihm unter einem Dach.�</p><p>�Nein, eigentlich nicht�, erwiderte Jordan.</p><p>�Und er fehlt mir� ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist�, gestand Isabelle. �Ich dachte� ich wei� auch nicht genau, aber seit jener Nacht mit dieser Sache mit Lilith� danach hatte sich unser Verh�ltnis ver�ndert. Doch jetzt h�ngt er st�ndig bei Clary herum. Und ich darf ihr deswegen nicht mal b�se sein.�</p><p>�Du hast deinen Bruder verloren.�</p><p>Verwundert schaute Isabelle zu ihm hoch. �Was meinst du?�</p><p>�Na ja, Simon rei�t sich ein Bein aus, um Clary aufzumuntern, weil sie Jace verloren hat�, erl�uterte Jordan. �Aber Jace ist dein Bruder. Sollte Simon sich nicht auch ein Bein ausrei�en, um dich aufzumuntern? Vielleicht bist du ja gar nicht sauer auf Clary, sondern auf Simon.�</p><p>Isabelle musterte Jordan schweigend. Schlie�lich sagte sie: �Aber wir sind doch gar nicht zusammen. Er ist nicht mein fester Freund. Ich <emphasis>mag</emphasis> ihn einfach nur.� Dann runzelte sie die Stirn. �So ein Mist. Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade gesagt habe. Ich muss betrunkener sein, als ich dachte.�</p><p>�Das hab ich schon aus deinen vorherigen Bemerkungen geschlossen.� Jordan schenkte ihr ein L�cheln.</p><p>Isabelle erwiderte sein L�cheln zwar nicht, senkte aber die Lider und betrachtete ihn durch ihre dichten Wimpern. �Du bist gar nicht so �bel�, bemerkte sie. �Wenn du willst, kann ich Maia ein paar Nettigkeiten �ber dich erz�hlen.�</p><p>�Nein, danke�, erwiderte Jordan, der sich nicht sicher war, was genau Izzy unter Nettigkeiten verstand, und es lieber nicht herausfinden wollte. �Aber es ist vollkommen normal, wenn man in schwierigen Zeiten mit dem Menschen zusammen sein m�chte, den man�� Fast h�tte er �liebt� gesagt, doch dann wurde ihm bewusst, dass Isabelle dieses Wort nicht benutzt hatte, und schwenkte rasch um: �� an dem einem was liegt. Allerdings glaub ich nicht, dass Simon wei�, was du f�r ihn empfindest.�</p><p>Isabelle riss die Augen auf und klimperte mit den Wimpern. �Spricht er denn manchmal von mir?�</p><p>�Er denkt, dass du wirklich stark bist�, erkl�rte Jordan. �Und dass du ihn �berhaupt nicht brauchst. Ich glaube, er f�hlt sich� irgendwie �berfl�ssig in deinem Leben. Nach dem Motto: <emphasis>Was kann ich ihr schon geben, wenn sie bereits perfekt ist? Warum sollte sie einen Typen wie mich �berhaupt wollen?�</emphasis> Jordan hielt inne. Eigentlich hatte er nicht so viel erz�hlen wollen, und au�erdem war er sich nicht sicher, ob seine Worte nicht weniger auf Simon als vielmehr auf ihn und Maia gem�nzt waren.</p><p>�Dann meinst du also, ich soll ihm sagen, was ich f�hle?�, fragte Isabelle mit d�nner Stimme.</p><p>�Ja. Definitiv. Sag ihm, was du f�r ihn empfindest.�</p><p>�Okay.� Isabelle schnappte sich die Tequila-Flasche und nahm einen kr�ftigen Schluck. �Dann marschier ich jetzt sofort zu Clarys Haus und sag�s ihm.�</p><p>Ein leises Gef�hl der Unruhe regte sich in Jordans Brust. �Das kannst du nicht machen. Es ist fast drei Uhr nachts��</p><p>�Wenn ich bis morgen warte, verlier ich den Mut�, verk�ndete Isabelle in jenem vern�nftigen Ton, den nur sehr Betrunkene anschlugen, und trank einen weiteren Schluck aus der Flasche. �Ich werd einfach da r�bermarschieren und dann werd ich ans Fenster klopfen und ihm sagen, was ich f�r ihn empfinde.�</p><p>�Wei�t du denn �berhaupt, welches Fenster Clarys ist?�</p><p>Isabelle kniff die Augen leicht zusammen. �Hm, nein.�</p><p>Pl�tzlich zeichnete sich vor Jordans innerem Auge die schreckliche Vorstellung ab, wie eine betrunkene Isabelle Jocelyn und Luke aus dem Schlaf riss. �Dann lass es lieber, Isabelle.� Er beugte sich vor, um ihr den Tequila abzunehmen.</p><p>Doch Isabelle wandte sich mit der Flasche ruckartig von ihm ab. �Ich glaub, ich �ndere gerade meine Meinung �ber dich�, stie� sie in leicht drohendem Ton hervor, der noch viel Furcht einfl��ender gewesen w�re, wenn sie Jordan dabei h�tte ansehen k�nnen, ohne zu schielen. �Ich glaub, ich mag dich eigentlich gar nicht mehr.� Dann stand sie auf, starrte mit einem �berraschten Ausdruck in den Augen auf ihre F��e � und kippte nach hinten.</p><p>Nur dank seiner blitzschnellen Reflexe gelang es Jordan, sie aufzufangen, bevor sie auf dem Boden aufschlug.</p></section><section><title><p>7</p><p>Durch der Nymphen Macht</p></title><p>Clary trank bereits ihre dritte Tasse Kaffee, als Simon endlich die T�r zu Taki�s aufdr�ckte und das Restaurant betrat. Er trug eine Jeans, eine rote Sweatshirtjacke � warum sollte er sich mit Wollm�nteln herumschlagen, wenn er die K�lte doch nicht mehr sp�rte? � und schwere Lederstiefel. Als er sich zwischen den Tischen hindurchschl�ngelte, drehten sich viele K�pfe nach ihm um. Simon hatte sich zu einem echten Hingucker entwickelt, seit Isabelle sich um seinen Kleidungsstil k�mmerte, �berlegte Clary, w�hrend er auf sie zukam.</p><p>Schneeflocken hingen in seinen braunen Haaren, aber w�hrend Alecs Wangen von der K�lte ger�tet waren, wirkte Simons Gesicht unver�ndert bleich. Er rutschte auf die Sitzbank auf der gegen�berliegenden Tischseite und musterte Clary ruhig aus seinen funkelnden dunklen Augen. �Ihr habt mich gerufen?�, fragte er und lie� seine Stimme so tief wie Graf Dracula klingen.</p><p>�Genau genommen hab ich eine SMS geschickt�, erwiderte Clary, schob ihm die Speisekarte zu, aufgeklappt auf der Seite mit Vampirgerichten. Sie hatte schon zuvor einen Blick darauf geworfen, aber der Gedanke an Blutwurst und Blutshakes lie� sie schaudern. �Hoffentlich hab ich dich nicht geweckt�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Nein, nein�, winkte Simon ab. �Du glaubst nicht, wo ich gerade herkomme�� Er verstummte, als er ihren Gesichtsausdruck bemerkte. �Hey.� Unvermittelt waren seine Finger unter ihrem Kinn und hoben Clarys Kopf an. Das L�cheln war aus seinen Augen verschwunden; stattdessen lag nun tiefe Sorge darin. �Was ist passiert? Irgendwelche Nachrichten von Jace?�</p><p>�Wisst ihr schon, was ihr wollt?�, fragte in dem Moment eine Stimme: Kaelie, die blau�ugige Feenkellnerin, die Clary die Glocke der K�nigin �berbracht hatte. Sie musterte die junge Schattenj�gerin lange und grinste dann � ein �berhebliches Grinsen, bei dem Clary innerlich die Z�hne zusammenbei�en musste.</p><p>Clary bestellte ein St�ck Apfelkuchen und Simon orderte einen hei�en Kakao mit einem Schuss Blut. Nachdem Kaelie die Speisekarten an sich genommen hatte und abgedampft war, wandte Simon sich sofort wieder seiner Freundin zu, woraufhin Clary tief Luft holte und ihm alles �ber die Ereignisse der Nacht berichtete: Jace� Auftauchen in ihrem Zimmer, seine Worte, die Auseinandersetzung im Wohnzimmer und Lukes Verwundung. Au�erdem erz�hlte sie ihm, was Magnus �ber Dimensionsfalten und andere Welten gesagt hatte� und dass es keine M�glichkeit gab, jemanden zu orten, der sich in einer dieser Dimensionsfalten versteckt hielt. Und auch keinen Weg, demjenigen eine Nachricht zu �bermitteln.</p><p>W�hrend Clary kein Detail auslie� � nur kurz unterbrochen von Kaelie, die die Bestellung brachte �, wurden Simons Augen immer dunkler. Als sie geendet hatte, lie� er den Kopf in die H�nde sinken.</p><p>�Simon?� Clary ber�hrte ihn vorsichtig an der Schulter. Essen und Getr�nke standen unangetastet auf dem Tisch. �Was hast du? Machst du dir Sorgen wegen Luke�?�</p><p>�Das ist alles meine Schuld.� Simon hob den Kopf und schaute Clary an; seine Augen waren allerdings trocken. Vampirtr�nen sind mit Blut vermischt, dachte Clary � das hatte sie irgendwo mal gelesen. �Wenn ich Sebastian nicht gebissen h�tte��</p><p>�Das hast du doch f�r mich getan. Und mich damit vor dem sicheren Tod bewahrt�, sagte Clary sanft. �Du hast mir das Leben gerettet.�</p><p>�Und du hast meines sechs oder sieben Mal gerettet. Da erschien es nur fair�� Simons Stimme brach und Clary erinnerte sich daran, wie er auf der Dachterrasse auf den Knien gekauert und Sebastians schwarzes Blut erbrochen hatte.</p><p>�Es bringt nichts, sich mit Selbstvorw�rfen zu zerfleischen�, warf Clary ein. �Ich hab dich auch nicht nur hierher bestellt, um dir zu erz�hlen, was passiert ist. Ich meine, das h�tte ich letztendlich nat�rlich gemacht, aber nicht vor morgen fr�h. Ich h�tte damit gewartet, wenn nicht��</p><p>M�de warf Simon ihr einen argw�hnischen Blick zu und nippte an seinem Becher. �Wenn nicht <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Ich habe einen Plan.�</p><p>Simon st�hnte. �So was hatte ich schon bef�rchtet.�</p><p>�So schrecklich sind meine Pl�ne nun auch nicht.�</p><p>�Nein, Isabelles Pl�ne sind schrecklich. <emphasis>Deine</emphasis> dagegen��, Simon zeigte mit dem Finger auf Clary, �� deine Pl�ne sind glatter Selbstmord. Bestenfalls.�</p><p>Clary lehnte sich zur�ck und verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Willst du meinen Plan nun h�ren oder nicht? Du musst ihn auf jeden Fall geheim halten.�</p><p>�Ich w�rde mir eher die Augen ausstechen, als eines deiner Geheimnisse preiszugeben�, sagte Simon und schaute gleich darauf besorgt. �Warte mal � h�ltst du es f�r wahrscheinlich, dass das tats�chlich erforderlich sein k�nnte?�</p><p>�Keine Ahnung�, murmelte Clary und st�tzte das Gesicht in die H�nde.</p><p>�Schie� los.� Simon klang resigniert.</p><p>Clary seufzte und griff in ihre Tasche. Dann holte sie einen kleinen Samtbeutel hervor und st�lpte ihn �ber dem Tisch um. Zwei goldene Ringe fielen heraus und landeten mit einem leisen Klirren auf der Tischplatte.</p><p>Verwirrt starrte Simon auf die Ringe. �Willst du heiraten?�</p><p>�Nat�rlich nicht, du Bl�dmann.� Clary beugte sich vor und senkte die Stimme: �Simon, das hier sind <emphasis>die Ringe</emphasis>. Die Ringe, die die Elbenk�nigin in ihren Besitz bringen will.�</p><p>�Ich dachte� Hattest du nicht gesagt, du h�ttest die Ringe nicht�� Simon verstummte und schaute Clary an.</p><p>�Da hab ich gelogen. Ich hab die Ringe aus der Vitrine genommen. Aber nachdem ich Jace in der Bibliothek beobachtet hatte, wollte ich sie der K�nigin nicht mehr �bergeben. Irgendwie hatte ich das Gef�hl, dass wir die Ringe noch mal brauchen k�nnten. Au�erdem war mir klar geworden, dass die K�nigin uns garantiert keine n�tzlichen Informationen liefern w�rde. Daher erschienen mir die Ringe wichtiger als ein weiteres Schw�tzchen mit der Elbenk�nigin.�</p><p>Hektisch schnappte Simon sich die Ringe, um sie vor Kaelie zu verbergen, die gerade an ihrem Tisch vorbeiging. �Clary, du kannst nicht einfach irgendwelche Dinge an dich nehmen, die die K�nigin haben will, und sie dann f�r dich behalten! Es ist echt gef�hrlich, sie sich zur Feindin zu machen�, warnte er leise.</p><p>Clary warf ihm einen flehentlichen Blick zu. �K�nnen wir wenigstens ausprobieren, ob sie �berhaupt funktionieren?�</p><p>Simon seufzte und reichte ihr einen der Ringe, der sich sehr leicht anf�hlte und so glatt und geschmeidig wie reines Gold. Einen Moment lang f�rchtete Clary, dass der Ring zu gro� sein k�nnte, doch als sie ihn �ber ihren rechten Zeigefinger schob, schien er sich wie von selbst an ihren Finger anzupassen, bis er perfekt sa�. Ein kurzer Blick zu Simon, der auf seine eigene rechte Hand starrte, verriet Clary, dass er dasselbe f�hlte.</p><p>�Okay, dann mal los�, forderte Simon Clary auf. �Sag was. Du wei�t schon, mithilfe deiner Gedanken.�</p><p>Clary wandte sich ihm zu und kam sich ziemlich absurd vor, so als sollte sie in einem B�hnenst�ck auftreten, dessen Text sie nicht gelernt hatte. <emphasis>Simon?</emphasis></p><p>Simon blinzelte. �Ich glaub� Kannst du das noch mal wiederholen?�</p><p>Dieses Mal gab Clary sich M�he und versuchte, sich ganz auf Simon zu konzentrieren � auf seine typisch simonhafte Art, auf seine Gedankenwelt, auf das Gef�hl, das der Klang seiner Stimme ausl�ste, auf seine N�he, sein Fl�stern, seine Geheimnisse und auf die Art und Weise, wie er sie zum Lachen brachte. <emphasis>Also,</emphasis> dachte Clary im Plauderton, <emphasis>jetzt, da ich in deinen Verstand eingedrungen bin: M�chtest du vielleicht ein paar mentale Nacktbilder von Jace sehen?</emphasis></p><p>Simon zuckte zusammen. �Das hab ich geh�rt! Und nein, danke.�</p><p>Begeisterung durchflutete Clary: Die Ringe funktionierten <emphasis>tats�chlich</emphasis>. �Denk mal was zur�ck�, forderte sie.</p><p>Seine Reaktion erfolgte in weniger als einer Sekunde. Clary konnte Simon so deutlich h�ren wie Bruder Zachariah � eine tonlose Stimme in ihren Gedanken. <emphasis>Du hast Jace nackt gesehen?</emphasis></p><p><emphasis>Na ja, nicht vollst�ndig nackt, aber</emphasis>�</p><p>�Das gen�gt�, stie� Simon hervor, und obwohl seine Stimme zwischen Belustigung und Sorge schwankte, funkelten seine Augen. �Sie funktionieren. Heilige Schei�e, die Ringe funktionieren tats�chlich.�</p><p>Clary beugte sich vor. �Dann kann ich dir also meinen Plan verraten?�</p><p>Vorsichtig ber�hrte Simon den Ring an seinem Finger, sp�rte das feine Filigranmuster mit den zarten Blattadern. <emphasis>Klar.</emphasis></p><p>Sofort begann Clary zu erz�hlen � aber sie hatte noch l�ngst nicht das Ende ihrer Erl�uterungen erreicht, als Simon in lauten Protest ausbrach: �Nein. Auf keinen Fall!�</p><p>�Simon�, sagte Clary betont ruhig, �das ist ein perfekter Plan.�</p><p>�Meinst du den Plan, bei dem du Jace und Sebastian in irgendeine unbekannte Dimensionsfalte folgst und wir beide diese Ringe zur Kommunikation benutzen, damit diejenigen von uns, die in dieser Dimension zur�ckbleiben, euch dort orten k�nnen? Meinst du diesen Plan?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Nein�, widersprach Simon. �Nein, dieser Plan ist nicht perfekt.�</p><p>Clary lehnte sich zur�ck. �Du kannst nicht einfach �Nein� sagen.�</p><p>�Dieser Plan betrifft auch mich! Und ob ich Nein sagen kann! <emphasis>Nein.�</emphasis></p><p>�Simon��</p><p>Doch Simon klopfte auf die Bank neben sich, als w�rde dort jemand sitzen. �Darf ich dir meinen guten, alten Freund Nein vorstellen?�</p><p>�Vielleicht k�nnen wir ja einen Kompromiss schlie�en�, schlug Clary vor und a� ein St�ck von ihrem Apfelkuchen.</p><p>�Nein.�</p><p>�SIMON.�</p><p>��Nein� ist ein Zauberwort�, meinte Simon. �Das funktioniert folgenderma�en: Du sagst, �Simon, ich habe einen irrsinnigen, selbstm�rderischen Plan. W�rdest du mir dabei helfen?� Und ich sage dann, �Oh nein, kommt nicht infrage.��</p><p>�Ich mach�s trotzdem�, verk�ndete Clary.</p><p>Wortlos starrte Simon sie �ber den Tisch hinweg an. <emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Ich werde diesen Plan durchziehen, ob du mir nun hilfst oder nicht�, erwiderte Clary. �Selbst wenn ich die Ringe nicht nutzen kann, werde ich Jace folgen, in welche Dimensionsfalte auch immer, und dann versuchen, euch von dort aus zu benachrichtigen� ich kann mich ja heimlich fortschleichen und die n�chste Telefonzelle suchen oder so. Falls das m�glich ist. Ich werde diesen Plan durchf�hren, Simon. Allerdings hab ich eine wesentlich bessere �berlebenschance, wenn <emphasis>du</emphasis> mir hilfst. Und f�r dich ist damit nicht die geringste Gefahr verbunden.�</p><p>�Es interessiert mich nicht, ob das f�r mich gef�hrlich werden k�nnte�, zischte Simon und beugte sich �ber den Tisch. �Mich interessiert, was mit dir passiert! Verdammt, Clary, ich bin praktisch unzerst�rbar. Lass mich gehen und du bleibst hier.�</p><p>�Ja, klar. Jace w�rde das auch kein bisschen merkw�rdig finden�, schnaubte Clary. �Du kannst ihm ja sagen, du seist schon immer heimlich in ihn verliebt gewesen und k�nntest es nicht ertragen, noch l�nger von ihm getrennt zu sein.�</p><p>�Ich k�nnte ihm sagen, dass ich �ber die ganze Geschichte nachgedacht habe und seiner und Sebastians Weltanschauung voll und ganz zustimme und deshalb beschlossen habe, mich ihnen anzuschlie�en.�</p><p>�Du wei�t doch noch nicht mal, welche Weltanschauung sie vertreten.�</p><p>�Da ist was dran. Wahrscheinlich h�tte ich mehr Gl�ck, wenn ich ihm erz�hle, ich sei in ihn verliebt. Jace glaubt schlie�lich ohnehin, dass alle in ihn verliebt sind.�</p><p>�Was in meinem Fall auch einfach stimmt�, sagte Clary.</p><p>Schweigend musterte Simon sie �ber den Tisch hinweg und meinte dann nach einer langen Pause: �Dir ist es wirklich ernst damit. Du willst das durchziehen. Auch ohne mich � ohne jedes Sicherheitsnetz.�</p><p>�Es gibt nichts, was ich f�r Jace nicht tun w�rde.�</p><p>Simon lehnte den Kopf gegen die hohe R�ckenlehne der Sitzbank. Das Kainsmal schimmerte silbern auf seiner Stirn. �Sag so was nicht�, erwiderte er.</p><p>�W�rdest du f�r diejenigen, die du liebst, nicht auch alles tun?�</p><p>�F�r dich w�rde ich fast alles tun�, sagte Simon leise. �Ich w�rde f�r dich sterben. Das wei�t du genau. Aber w�rde ich jemand anderen� einen unschuldigen Menschen t�ten? Oder sogar mit dem Leben unz�hliger Unschuldiger spielen? Mit der ganzen Welt? Ist das wirklich Liebe, wenn man jemandem sagt: Vor die Wahl gestellt zwischen dir und jedem anderen Leben auf dem Planeten, w�rde ich mich f�r dich entscheiden? Ist das� ich wei� auch nicht� ist das �berhaupt noch eine moralisch vertretbare Art von Liebe?�</p><p>�Liebe ist weder moralisch noch unmoralisch � Liebe ist einfach Liebe�, erwiderte Clary.</p><p>�Ich wei߫, r�umte Simon ein. �Aber die Taten, die wir im Namen der Liebe begehen� die sind moralisch oder unmoralisch. Und normalerweise w�rde das auch keine Rolle spielen, denn normalerweise w�rde Jace � ganz gleich wie sehr er mir auf die Nerven geht � von dir nichts verlangen, das gegen deine Natur ginge. Weder f�r ihn noch f�r irgendjemand anderen. Aber im Moment ist er nicht er selbst, oder? Und ich bin mir einfach nicht sicher, Clary. Ich bin mir nicht sicher, was er noch alles von dir verlangen wird.�</p><p>Clary st�tzte sich mit den Ellbogen auf den Tisch auf; pl�tzlich f�hlte sie sich sehr m�de. �M�glicherweise ist er im Moment nicht er selbst. Aber er ist derjenige, der dem richtigen Jace am n�chsten kommt. Und ohne ihn f�hrt kein Weg zum richtigen Jace zur�ck.� Clary hob den Kopf und schaute Simon eindringlich an. �Oder willst du mir vielleicht sagen, dass es ohnehin hoffnungslos ist?�</p><p>Simon schwieg lange und Clary konnte sehen, dass seine angeborene Ehrlichkeit mit dem Bed�rfnis rang, seine beste Freundin zu besch�tzen. Endlich meinte er: �So was w�rde ich nie sagen. Schlie�lich bin ich noch immer j�dischen Glaubens, auch wenn ich ein Vampir bin. Tief in meinem Herzen glaube ich, auch wenn ich die Worte nicht mehr aussprechen kann. G�� Er stockte und musste schlucken. �Er hat einen Bund mit uns geschlossen � genau wie die Nephilim glauben, dass Raziel einen Bund mit ihnen geschlossen hat. Und wir glauben an sein Versprechen. Und deswegen darf man niemals die Hoffnung, die <emphasis>Hatikva,</emphasis> aufgeben, denn wenn du die Hoffnung am Leben erh�ltst, wird sie dich am Leben erhalten.� Simon wirkte ein wenig besch�mt. �Das hat jedenfalls mein Rabbi immer gesagt.�</p><p>Behutsam griff Clary �ber den Tisch und legte ihre Hand auf Simons. Er sprach nur selten mit ihr oder anderen �ber seine Religion, aber sie wusste, dass er seinen Glauben nicht verloren hatte. �Hei�t das, du machst mit?�, fragte sie.</p><p>Simon st�hnte. �Ich denke, das hei�t, du hast meinen Geist gebrochen und mich willenlos gemacht.�</p><p>�Fantastisch.�</p><p>�Dir ist schon klar, dass du mich damit in die Position desjenigen dr�ngst, der allen anderen die frohe Kunde �berbringen darf � deiner Mutter, Luke, Alec, Izzy, Magnus��</p><p>�Ich h�tte wohl nicht behaupten sollen, dass f�r dich keine Gefahr damit verbunden ist�, r�umte Clary kleinlaut ein.</p><p>�Stimmt�, best�tigte Simon. �Wenn deine Mutter irgendwann an meinem Fu�kn�chel nagt wie eine w�tende B�renmutter, die von ihrem Jungen getrennt wurde, dann denk dran, dass ich das alles nur f�r dich getan habe.�</p><p>Jordan war kaum wieder eingeschlafen, als es erneut an der Haust�r h�mmerte. Er rollte sich auf die Seite und st�hnte. Der Wecker an seinem Bett zeigte 04.00 Uhr in blinkenden gelben Ziffern.</p><p>Weiteres H�mmern. Widerwillig schwang Jordan sich auf die Beine, streifte die Jeans �ber und taumelte in den Flur. Verschlafen riss er die Wohnungst�r auf. �Was ist denn jetzt schon wieder��, stie� er hervor, doch die Worte erstarben ihm auf den Lippen.</p><p>Maia stand vor ihm im Treppenhaus. Sie trug Jeans und eine karamellbraune Lederjacke und hatte die Haare mit bronzefarbenen St�bchen hochgesteckt. Eine einzelne Locke hatte sich aus dem Knoten befreit und baumelte gegen ihre Schl�fe.</p><p>Jordan juckte es in den Fingern, die Locke wieder hinter Maias Ohr zu schieben. Doch stattdessen versteckte er die H�nde in den Hosentaschen.</p><p>�Nettes Hemd�, bemerkte Maia trocken, warf einen vielsagenden Blick auf Jordans nackte Brust und r�ckte den Rucksack auf ihrer Schulter zurecht.</p><p>Jordans Herz machte einen Satz. Hatte sie vor, die Stadt zu verlassen? Wollte sie aus New York weggehen, um von ihm fortzukommen?</p><p>�H�r zu, Jordan��, setzte Maia an.</p><p>�Was�n los? Wer is�n da?� Die Stimme, die im n�chsten Moment hinter Jordan ert�nte, klang rau und so zerknittert wie das Bett, dem sie vermutlich gerade entstiegen war.</p><p>Jordan sah, wie Maia der Mund offen stehen blieb. Als er ihrem Blick �ber seine Schulter folgte, stand dort Isabelle, nur mit einem von Simons T-Shirts bekleidet, und rieb sich die Augen.</p><p>Maia klappte vernehmlich den Mund zu. �Ich bin�s�, erwiderte sie nicht besonders freundlich. �Bist du� besuchst du Simon?�</p><p>�Was? Nein, Simon ist gar nicht da.�</p><p><emphasis>Halt die Klappe, Isabelle,</emphasis> dachte Jordan panisch.</p><p>�Er ist�� Die junge Schattenj�gerin machte eine vage Handbewegung. �Ausgegangen.�</p><p>Maias Wangen nahmen eine dunkelrote T�nung an. �Hier stinkt�s ja wie in einer Bar.�</p><p>�Das ist Jordans billiger Tequila�, erl�uterte Isabelle absch�tzig. �Das kommt davon��</p><p>�Und ist das auch sein T-Shirt?�, fragte Maia.</p><p>Isabelle schaute an sich herab und dann wieder zu Maia. Erst jetzt schien ihr zu d�mmern, was das andere M�dchen dachte, und sie sprudelte hektisch hervor: �Oh. Nein. Maia��</p><p>�Also zuerst hat Simon mich mit dir betrogen und nun du und Jordan��</p><p>�Simon hat auch <emphasis>mich</emphasis> mit <emphasis>dir</emphasis> betrogen�, entgegnete Isabelle. �Aber zwischen mir und Jordan� da l�uft nichts. Ich bin hergekommen, um mit Simon zu reden, aber er war nicht da. Deshalb hab ich beschlossen, mich in seinem Zimmer aufs Ohr zu hauen. Und genau das werde ich jetzt auch wieder tun.�</p><p>�Nein, warte�, sagte Maia scharf. �Vergiss Simon und Jordan. Ich hab Neuigkeiten und das geht auch dich an.�</p><p>Isabelle hatte bereits die Hand an Simons Zimmert�r, erstarrte aber mitten in der Bewegung. Ihr verschlafenes Gesicht erbleichte. �Jace�, sagte sie leise. �Bist du deshalb da?�</p><p>Maia nickte.</p><p>Isabelle sank gegen die T�r. �Ist er�?� Ihre Stimme brach. Dann setzte sie erneut an. �Hat man ihn gefunden�?�</p><p>�Er ist von sich aus zur�ckgekommen. Wegen Clary�, sagte Maia und schwieg einen Moment. �Und er hatte Sebastian dabei. Es kam zum Streit, bei dem Luke verletzt wurde. Er schwebt in Lebensgefahr.�</p><p>Ein leises, trockenes R�cheln drang aus Isabelles Kehle. �Jace? Jace hat Luke verletzt?�</p><p>Doch Maia wich ihrem Blick aus. �Ich hab keine Ahnung, was genau passiert ist. Ich wei� nur, dass Jace und Sebastian Clary holen wollten, dass es zu einem Kampf gekommen ist und dass Luke schwer verletzt wurde.�</p><p>�Clary�?�</p><p>�Der geht�s gut. Sie ist bei Magnus, zusammen mit ihrer Mutter.� Maia wandte sich an Jordan: �Magnus hat mich gebeten, dich aufzusuchen. Er konnte dich wohl trotz mehrfacher Versuche telefonisch nicht erreichen. Magnus m�chte, dass du ihm einen Kontakt zu den <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> herstellst.�</p><p>�Einen Kontakt zu den <emphasis>Praetor</emphasis>�� Jordan sch�ttelte den Kopf. �Man kann die nicht einfach anrufen: <emphasis>0800-WERWOLF�Service-Hotline.</emphasis> So funktioniert das nicht.�</p><p>Maia verschr�nkte die Arme. �Und wie erreichst du sie dann?�</p><p>�Ich habe einen Mentor. Er setzt sich mit mir in Verbindung, wenn er es f�r n�tig h�lt. In Notf�llen kann ich ihn auch anrufen��</p><p>�Das hier <emphasis>ist</emphasis> ein Notfall.� Maia schob die Daumen durch die G�rtelschlaufen ihrer Jeans. �Luke k�nnte sterben und Magnus meinte, die <emphasis>Praetor</emphasis> h�tten vielleicht Informationen, die ihn retten k�nnten.� Mit gro�en dunklen Augen schaute sie Jordan an.</p><p><emphasis>Eigentlich sollte ich es ihr sagen,</emphasis> �berlegte Jordan. Dass die <emphasis>Praetor</emphasis> sich nicht gern in die Angelegenheiten des Rats hineinziehen lie�en; dass sie es vorzogen, f�r sich zu bleiben und sich um ihre eigentliche Aufgabe zu k�mmern � die Unterst�tzung neuer Schattenweltler. Und dass er nicht garantieren konnte, dass sie einwilligen w�rden, Luke zu helfen. Sehr wahrscheinlich w�rden sie dieses Ansinnen schlicht ablehnen.</p><p>Doch Maia hatte <emphasis>ihn</emphasis> um Hilfe gebeten. Dies war ein Gefallen, den er ihr erweisen konnte und der vielleicht einen Schritt auf dem langen Weg der Wiedergutmachung bedeuten konnte � Wiedergutmachung f�r das, was er ihr angetan hatte.</p><p>�Okay�, willigte er ein. �Dann sollten wir am besten zum Hauptquartier der <emphasis>Praetor</emphasis> fahren und dort pers�nlich vorstellig werden. Die Zentrale befindet sich in North Fork, dem n�rdlichen Ausl�ufer von Long Island. Ziemlich weit drau�en. Wir k�nnen meinen Transporter nehmen.�</p><p>�Prima.� Maia schob ihren Rucksack h�her. �Ich hab mir schon gedacht, dass wir vielleicht woandershin m�ssen; deshalb hab ich gleich meine Klamotten mitgebracht.�</p><p>�Maia�, setzte Isabelle stockend an. Sie hatte so lange nichts gesagt, dass Jordan ihre Anwesenheit fast vergessen hatte. Er drehte sich zu ihr um und sah, dass sie an der Wand neben Simons T�r lehnte, die Arme um sich geschlungen, als w�re ihr furchtbar kalt. �Ist mit ihm alles in Ordnung?�, fragte sie.</p><p>�Mit Luke?� Maia zuckte zusammen. �Nein, er��</p><p>�Jace.� Isabelles Stimme war kaum noch ein Fl�stern. �Ist mit Jace alles okay? Hat man ihn verletzt oder verhaftet oder��</p><p>�Ihm geht�s gut�, erwiderte Maia tonlos. �Er ist wieder verschwunden. Zusammen mit Sebastian.�</p><p>�Und was ist mit Simon?� Isabelles Blick huschte zu Jordan. �Du hast gesagt, er w�re bei Clary��</p><p>Maia sch�ttelte den Kopf. �Nein, da war er nicht.� Ihre Hand umklammerte den Rucksackgurt �ber ihrer Schulter. �Aber eines wissen wir jetzt � und das wird dir bestimmt nicht gefallen: Jace und Sebastian sind irgendwie miteinander verbunden. Verletzt oder t�tet man Jace, dann verletzt beziehungsweise t�tet man auch Sebastian. Und umgekehrt. Das sagt zumindest Magnus.�</p><p>�Wei� der Rat davon?�, hakte Isabelle sofort nach. �Das hat man dem Rat doch nicht mitgeteilt, oder?�</p><p>Erneut sch�ttelte Maia den Kopf. �Noch nicht.�</p><p>�Aber er wird es herausfinden�, sagte Isabelle. �Das ganze Rudel wei� Bescheid. Und irgendjemand wird plaudern. Und dann geht die Hetzjagd los. Man wird Jace umbringen, nur um Sebastian zu t�ten. Der Rat wird ihn auf jeden Fall t�ten wollen.� Pl�tzlich hob sie die H�nde und fuhr sich durch die dichten schwarzen Haare. �Ich will zu meinem Bruder�, stie� sie hervor. �Ich will zu Alec.�</p><p>�Na, das trifft sich gut�, sagte Maia. �Denn Magnus hat nach seinem Anruf noch eine SMS hinterhergeschickt: Er hat geahnt, dass du hier bist, und hat eine Nachricht f�r dich. Er will, dass du zu ihm in seine Wohnung in Brooklyn kommst, und zwar sofort.�</p><p>In den Stra�en herrschte eine solche Eisesk�lte, dass weder die <emphasis>Thermis</emphasis>-Rune, die Isabelle rasch aufgetragen hatte, noch der d�nne Parka aus Simons Kleiderschrank verhindern konnten, dass sie am ganzen Leib zitterte. Sie stemmte die vordere Glast�r auf, huschte in den Eingangsbereich und dr�ckte auf Magnus� Klingel.</p><p>Kurz darauf bet�tigte jemand den T�r�ffner und die Haust�r sprang auf. Langsam stieg Isabelle die Treppe hinauf und lie� dabei ihre Hand �ber das splittrige Holzgel�nder streifen. Ein Teil von ihr w�re am liebsten die Stufen hinaufgerannt, da sie wusste, dass Alec dort oben war und ihre Gef�hle verstehen w�rde. Ein anderer Teil von ihr � der Teil, der die Probleme ihrer Eltern jahrelang vor ihren Br�dern geheim gehalten hatte � h�tte sich am liebsten in eine Ecke verkrochen, um mit seinem Kummer allein zu sein. Und der Teil von ihr, der es hasste, auf andere Leute zu vertrauen � weil sie einen ja sowieso im Stich lie�en, oder etwa nicht? �, und der stolz verk�nden konnte, dass Isabelle Lightwood niemand anderen brauchte, dieser Teil erinnerte sie nun daran, dass sie hierhergekommen war, weil man sie gerufen hatte. <emphasis>Die anderen</emphasis> brauchten <emphasis>sie</emphasis>.</p><p>Isabelle machte es nichts aus, gebraucht zu werden. Im Gegenteil: Sie mochte es. Das war auch der Grund, warum sie eine Weile gebraucht hatte, um mit Jace klarzukommen, als er aus dem Portal aus Idris gestiegen war: ein d�nner Zehnj�hriger mit gehetzten, blassgoldenen Augen. W�hrend Alec von Jace sofort hellauf begeistert gewesen war, hatte Isabelle ihm seine Selbstbeherrschung anfangs ziemlich �bel genommen. Denn als ihre Mutter erz�hlt hatte, dass Jace� Vater vor den Augen des Jungen umgebracht worden war, hatte Isabelle sich vorgestellt, er w�rde mit Tr�nen in den Augen zu ihr kommen, auf der Suche nach Trost und vielleicht sogar ein paar n�tzlichen Ratschl�gen. Doch Jace schien niemanden zu brauchen. Selbst als Zehnj�hriger hatte er bereits �ber einen scharfen Verstand und eine ebenso scharfe Zunge verf�gt. Genau genommen war er ihr sehr �hnlich, hatte Isabelle damals zu ihrer Best�rzung festgestellt.</p><p>Letztendlich hatte die D�monenjagd sie jedoch zusammengeschwei�t � ihre gemeinsame Liebe f�r scharfe Waffen, schimmernde Seraphklingen, den lustvollen Schmerz beim Auftragen der Runenmale und das schnelle, jeden anderen Gedanken ausschaltende Handeln im Kampf. Und als Alec mit Jace allein losziehen und seine Schwester nicht auf die Jagd mitnehmen wollte, hatte Jace f�r sie Partei ergriffen: �Wir brauchen sie. Sie ist die beste K�mpferin weit und breit. Abgesehen von mir nat�rlich.�</p><p>Und allein f�r diese Worte hatte Isabelle ihn geliebt.</p><p>Inzwischen stand sie vor Magnus� Wohnungst�r. Licht fiel durch einen Spalt unter dem T�rblatt ins Treppenhaus und Isabelle konnte ged�mpfte Stimmen h�ren. Entschlossen dr�ckte sie die T�r auf, lie� sich von der Woge der W�rme umh�llen, die ihr entgegenstr�mte, und trat dankbar ein.</p><p>Die W�rme stammte von einem knisternden Feuer im Kamin � obwohl das Geb�ude gar keine Schornsteine besa� und die Flammen im typisch blaugr�nlichen Ton eines Hexenfeuers leuchteten. Magnus und Alec, der eine schwarze Jogginghose und ein wei�es T-Shirt mit ausgefranstem Kragen trug, sa�en auf einem der Sofas in der N�he der Feuerstelle. Als Isabelle den Wohnraum betrat, sprang Alec auf und lief barfu� auf sie zu, um sie in die Arme zu nehmen.</p><p>Einen Moment lang stand Isabelle einfach nur da, umschlungen von den Armen ihres Bruders, und h�rte seinen ruhigen Herzschlag, w�hrend seine H�nde ihr ein wenig verlegen zuerst den R�cken und dann die Haare t�tschelten. �Izzy�, sagte er, �es wird alles wieder gut.�</p><p>Aufgebracht schob Isabelle ihn von sich und wischte sich die Augen. Gott � nichts war schlimmer als weinen. �Wie kannst du so was sagen?�, fauchte sie. �Wie soll auch nur irgendwas wieder gut werden � nach dem, was heute passiert ist?�</p><p>�Izzy.� Alec nahm eine von Isabelles Haarstr�hnen und zupfte sanft daran. Die Geste erinnerte Isabelle daran, wie er ihr fr�her immer an den Z�pfen gezogen hatte, deutlich unsanfter als nun. �Bitte verlier jetzt nicht die Nerven. Wir brauchen dich�, sagte er und f�gte dann mit gesenkter Stimme hinzu: �Du riechst nach Tequila � wei�t du das?�</p><p>Isabelle schaute zu Magnus, der sie beide aus unergr�ndlichen Katzenaugen vom Sofa aus beobachtete. �Wo ist Clary?�, fragte sie. �Und ihre Mutter? Ich dachte, sie w�ren hier.�</p><p>�Sie schlafen�, erkl�rte Alec. �Wir dachten, sie k�nnten etwas Ruhe vertragen.�</p><p>�Und ich etwa nicht?�</p><p>�Hast du mit ansehen m�ssen, wie dein Verlobter beziehungsweise Stiefvater vor deinen Augen niedergestochen wurde?�, konterte Magnus. Unter seinem Morgenmantel aus schwarzer Seide trug er nun einen gestreiften Pyjama. �Isabelle Lightwood�, begann er, setzte sich auf und verschr�nkte die H�nde locker im Scho�. �Wie Alec bereits sagte, wir brauchen dich.�</p><p>Isabelle richtete sich auf und nahm die Schultern zur�ck. �Wof�r braucht ihr mich?�</p><p>�Du sollst die Eisernen Schwestern aufsuchen�, erl�uterte Alec. �Wir ben�tigen eine Waffe, die Jace und Sebastian trennt, damit sie unabh�ngig voneinander verletzt werden k�nnen� Na ja, du wei�t schon, was ich meine. Damit Sebastian get�tet werden kann, ohne Jace zu schaden. Es ist n�mlich nur noch eine Frage der Zeit, wann der Rat erf�hrt, dass Jace nicht Sebastians Geisel ist� sondern mit ihm zusammenarbeitet��</p><p>�Aber das ist doch nicht Jace�, protestierte Isabelle.</p><p>�Mag sein, dass es sich nicht um den richtigen Jace handelt, aber wenn er stirbt, dann stirbt auch euer Jace mit ihm�, sagte Magnus.</p><p>�Wie du wei�t, reden die Eisernen Schwestern nur mit Frauen�, fuhr Alec fort. �Und Jocelyn kann sie nicht allein aufsuchen, weil sie keine Schattenj�gerin mehr ist.�</p><p>�Was ist mit Clary?�</p><p>�Sie hat gerade erst ihre Schattenj�gerausbildung begonnen und wei� nicht, welche Fragen zu stellen sind oder wie sie die Schwestern richtig anreden muss. Aber du und Jocelyn, ihr wisst Bescheid. Und Jocelyn meinte, sie sei schon mal dort gewesen und k�nne dir den Weg zeigen, sobald wir euch an den Wall aus Schutzzaubern rund um die Adamant-Zitadelle teleportiert haben. Ihr w�rdet dann morgen fr�h gemeinsam dorthin reisen.�</p><p>Isabelle dachte einen Moment dar�ber nach. Die Vorstellung, endlich eine Aufgabe zu bekommen und eine aktive, wichtige Rolle zu �bernehmen, erf�llte sie mit Erleichterung. Ihr w�re es zwar lieber gewesen, man h�tte ihr einen Auftrag erteilt, der das T�ten von D�monen und das Amputieren von Sebastians Beinen beinhaltet h�tte, aber der Besuch bei den Eisernen Schwestern war besser als gar nichts. Die Legenden, die sich um die Adamant-Zitadelle rankten, verliehen dem Hauptsitz der Schwesternschaft die Aura eines verbotenen, weit entfernten Ortes, und die Schwestern lie�en sich noch viel seltener in der �ffentlichkeit blicken als die Br�der der Stille. Isabelle hatte bisher noch keine dieser Frauen zu Gesicht bekommen. �Wann brechen wir auf?�, fragte sie.</p><p>Alec l�chelte zum ersten Mal seit ihrer Ankunft und streckte die Hand aus, um ihr durch die Haare zu wuscheln. �So kenn ich meine Isabelle.�</p><p>�Lass das.� Isabelle tauchte unter dem Arm ihres Bruders hindurch; dabei sah sie, wie Magnus sie beide vom Sofa aus angrinste.</p><p>Eine Sekunde sp�ter stemmte er sich hoch und fuhr sich mit der Hand durch die ohnehin schon strubbligen schwarzen Haare. �Ich hab drei G�stezimmer�, verk�ndete er. �In einem schl�ft Clary, im zweiten ihre Mutter. Ich begleite dich zum dritten.�</p><p>Die Zimmer lagen an einem schmalen, fensterlosen Flur, der vom Wohnraum abging. Zwei der drei T�ren waren geschlossen. Magnus winkte Isabelle durch die dritte T�r in einen Raum, dessen W�nde knallrosa gestrichen waren. Von den silbernen Gardinenstangen hingen schwarze Vorh�nge, die von Handschellen zusammengehalten wurden. Und der Bettbezug war mit einem Muster aus dunkelroten Herzchen bedruckt.</p><p>Isabelle schaute sich um. Sie war unruhig und nerv�s und kein bisschen m�de. �Nette Handschellen. Ich versteh schon, warum du Jocelyn nicht hier untergebracht hast.�</p><p>�Ich brauchte auf die Schnelle eine Halterung f�r die Vorh�nge�, erwiderte Magnus achselzuckend. �Hast du irgendetwas dabei, in dem du schlafen kannst?�</p><p>Isabelle nickte nur; sie wollte nicht zugeben, dass sie Simons T-Shirt aus seiner Wohnung mitgebracht hatte. Vampire besa�en zwar keinen Eigengeruch, aber in dem Gewebe hing noch schwach der Duft von Simons Waschpulver. �Irgendwie ist das komisch�, bemerkte sie. �Du verlangst, dass ich sofort hier auftauche, nur um mich dann ins Bett zu schicken und mir mitzuteilen, dass wir erst morgen fr�h aufbrechen.�</p><p>Magnus lehnte sich an die Wand neben der T�r, verschr�nkte die Arme vor der Brust und musterte Isabelle aus zusammengekniffenen Katzenaugen. Einen Moment erinnerte er sie an Church � nur dass er sie wahrscheinlich nicht so schnell kratzen w�rde. �Ich liebe deinen Bruder�, sagte Magnus unvermittelt. �Das wei�t du, oder?�</p><p>�Falls du mein Einverst�ndnis m�chtest, um ihn zu heiraten � nur zu�, erwiderte Isabelle. �Au�erdem ist der Herbst eine hervorragende Jahreszeit f�r eine Hochzeit. Du k�nntest einen orangefarbenen Smoking tragen.�</p><p>�Aber er ist nicht gl�cklich�, fuhr Magnus fort, als h�tte Isabelle �berhaupt nichts gesagt.</p><p>�Nat�rlich ist er nicht gl�cklich�, fauchte die junge Schattenj�gerin. �Jace��</p><p><emphasis>�Jace�,</emphasis> sagte Magnus und ballte die herabh�ngenden H�nde zu F�usten.</p><p>Verwundert starrte Isabelle ihn an. Denn sie hatte immer angenommen, dass er nichts gegen Jace h�tte, ihn sogar m�gen w�rde, nachdem die Frage bez�glich Alecs Pr�ferenzen in Sachen Liebe einmal gekl�rt war. Sie holte tief Luft und meinte dann: �Ich dachte, du und Jace� ihr seid Freunde.�</p><p>�Darum geht es gar nicht�, erwiderte Magnus. �Aber es gibt nun mal bestimmte Menschen � Menschen, die das Universum offenbar f�r ein besonderes Schicksal auserw�hlt hat. F�r besondere Gunstbezeugungen und besondere Qualen. Gott wei�, wir alle f�hlen uns zu dem hingezogen, was sch�n und gebrochen ist; das habe ich auch schon erlebt. Aber manche Menschen sind so kaputt, dass sie nicht repariert werden k�nnen � oder falls doch, dann nur mit derartig viel Liebe und Aufopferung, dass es den anderen zerst�rt.�</p><p>Langsam sch�ttelte Isabelle den Kopf. �Ich verstehe nicht, wovon du redest. Jace ist unser Bruder, aber f�r Alec� Jace ist auch Alecs <emphasis>Parabatai.�</emphasis></p><p>�Ich wei�, was es mit diesen Br�dern im Kampf auf sich hat�, erkl�rte Magnus. �Ich habe einmal zwei <emphasis>Parabatai</emphasis> gekannt, die einander so nahe standen, dass sie fast wie ein und dieselbe Person wirkten. Wei�t du, was passiert, wenn einer der beiden stirbt� was mit demjenigen geschieht, der �brig bleibt?�</p><p>�H�r auf!� Isabelle presste die H�nde auf die Ohren, lie� sie dann aber langsam sinken. �Wie kannst du es wagen, Magnus Bane?�, stie� sie hervor. �Wie kannst du es wagen, diese ganze Sache noch schlimmer zu machen, als sie bereits ist?!�</p><p>�Isabelle.� Magnus� H�nde hatten sich wieder entspannt und er schaute ein wenig betreten, als h�tte sein Gef�hlsausbruch ihn selbst �berrascht. �Es tut mir leid. Manchmal vergesse ich einfach� dass du trotz all deiner Selbstbeherrschung und St�rke die gleiche Empfindsamkeit und Verwundbarkeit besitzt wie Alec.�</p><p>�Alec ist nicht schwach�, widersprach Isabelle.</p><p>�Das habe ich auch nicht behauptet�, erwiderte Magnus. �In Treue zu seiner Liebe zu stehen, dazu geh�rt St�rke. Aber die Sache ist die: Ich habe dich <emphasis>seinetwegen</emphasis> hierherkommen lassen. Weil es nun mal bestimmte Dinge gibt, die ich nicht f�r ihn tun kann, die ich ihm nicht geben kann.� Einen Moment lang wirkte Magnus selbst irgendwie verwundbar. �Du kennst Jace genauso lange, wie Alec ihn kennt. Du verstehst seine Gef�hle auf eine Weise, wie ich es in diesem Fall nicht kann. Und au�erdem liebt er dich.�</p><p>�Nat�rlich liebt er mich. Ich bin seine Schwester.�</p><p>�Blutsverwandtschaft bedeutet nicht automatisch Liebe�, entgegnete Magnus bitter. �Frag nur mal Clary.�</p><p>Clary flog durch das Portal wie eine Kugel durch einen Gewehrlauf und schoss pfeilschnell am anderen Ende heraus. Wild mit den Armen rudernd, traf sie mit den F��en hart auf dem Boden auf und brachte zun�chst eine perfekte Landung zustande. Doch dieser Moment war nur von kurzer Dauer. Denn noch schwindlig von der Portalreise verlor sie das Gleichgewicht und fiel der L�nge nach auf den R�cken, wobei der Rucksack ihren Sturz abfederte. Sie seufzte resigniert � eines Tages <emphasis>mussten</emphasis> sich die vielen Trainingsstunden doch endlich mal bemerkbar machen! Dann rappelte sie sich auf und klopfte sich den Staub von der Jeans.</p><p>Sie befand sich direkt vor Lukes Haus. Aus dem Augenwinkel sah sie den glitzernden Fluss und die City, die am anderen Ufer wie ein Wald aus Lichtern aufragte. Lukes Haus lag unver�ndert da, so wie sie es vor wenigen Stunden verlassen hatte: dunkel und verriegelt. Clary musste schlucken und ging ein paar Schritte �ber den Schotterweg in Richtung Eingang.</p><p>Vorsichtig ber�hrte sie den Ring an ihrer rechten Hand. <emphasis>Simon?</emphasis></p><p>Die Antwort kam sofort. <emphasis>Ja?</emphasis></p><p><emphasis>Wo bist du?</emphasis></p><p><emphasis>Auf dem Weg zur U-Bahn. Hast du dich nach Hause teleportiert?</emphasis></p><p><emphasis>Zu Lukes Haus. Wenn Jace wirklich � wie ich glaube � kommt, um mich zu holen, dann wird er hier auftauchen.</emphasis></p><p>Einen Moment herrschte Stille, dann meinte Simon: <emphasis>Okay, du wei�t ja, wie du mich erreichen kannst, falls du mich brauchst.</emphasis></p><p><emphasis>Ja, wei� ich.</emphasis> Clary holte tief Luft. <emphasis>Simon?</emphasis></p><p><emphasis>Ja?</emphasis></p><p><emphasis>Ich hab dich lieb.</emphasis></p><p>Erneute Stille, dann: <emphasis>Ich dich auch.</emphasis></p><p>Und das war alles. Kein Signal wie nach dem Auflegen des Telefonh�rers. Clary sp�rte lediglich, dass ihre Verbindung beendet wurde, als w�rde in ihrem Gehirn ein Kabel durchtrennt. Und sie fragte sich, ob Alec das wohl gemeint hatte, als er vom Zerrei�en eines <emphasis>Parabatai</emphasis>-Bundes gesprochen hatte.</p><p>Langsam ging sie das letzte St�ck auf Lukes Haus zu und stieg die Stufen hinauf. Dies war ihr Zuhause. Wenn Jace wirklich vorhatte, sie zu holen, dann w�rde er hier zuerst nach ihr suchen. Clary lie� sich auf die oberste Stufe sinken, zog den Rucksack auf ihren Scho� und wartete.</p><p>Simon stand vor dem K�hlschrank in seiner Wohnung und trank einen letzten Schluck kaltes Blut, w�hrend die Erinnerung an Clarys lautlose Stimme und das telepathische Gespr�ch langsam verblasste. Er war gerade erst nach Hause gekommen: Die Wohnung lag im Dunkeln, der K�hlschrank brummte laut und der Wohnraum roch seltsam nach� Tequila? Vielleicht hatte Jordan sich ja einen genehmigt; seine Zimmert�r war zumindest geschlossen. Allerdings konnte Simon ihm keinen Vorwurf machen, dass er schlief � schlie�lich war es nach vier Uhr morgens.</p><p>Er stellte die Flasche in den K�hlschrank zur�ck und ging in sein Zimmer. Dies war seit einer Woche das erste Mal, dass er wieder zu Hause schlief. Inzwischen hatte er sich daran gew�hnt, mit jemandem das Bett zu teilen und einen warmen K�rper neben sich zu sp�ren, gegen den er sich nachts anlehnen konnte. Es gefiel ihm, wie Clary sich im Schlaf an ihn schmiegte, zusammengekuschelt und den Kopf auf ihre Hand gelegt. Und ehrlich gesagt gefiel es ihm auch, dass sie nicht schlafen konnte, solange er nicht bei ihr war. Dadurch hatte er das Gef�hl, unentbehrlich zu sein und gebraucht zu werden � auch wenn die Tatsache, dass es Clarys Mutter offenbar nicht k�mmerte, ob er im Bett ihrer Tochter schlief oder nicht, deutlich dokumentierte, dass Jocelyn ihn anscheinend f�r eine ebenso gro�e sexuelle Gefahr hielt wie einen Goldfisch.</p><p>Nat�rlich hatten Clary und er schon oft das Bett geteilt, vor allem im Alter zwischen f�nf und zw�lf Jahren. Wahrscheinlich trug das auch zu Jocelyns Gelassenheit bei, sinnierte er und dr�ckte die T�r zu seinem Zimmer auf. Die meisten dieser N�chte hatten sie mit so leidenschaftlichen Aktivit�ten verbracht wie etwa einem Wettstreit, wer am l�ngsten daf�r brauchte, ein Erdnussbuttert�rtchen zu verputzen. Oder sie hatten einen tragbaren DVD-Player mit ins Bett geschmuggelt und�</p><p>Er blinzelte verbl�fft. Sein Zimmer sah zwar aus wie immer: kahle W�nde, Stapelregale aus Kunststoff zum Aufbewahren seiner Kleidung, seine Gitarre, die an einem Haken an der Wand hing, und eine Matratze auf dem Fu�boden. Aber auf dem Bett lag ein Blatt Papier, ein wei�es Quadrat vor dem dunklen Hintergrund des durchgescheuerten schwarzen Bettbezugs. Und Simon kannte die rasch hingekritzelte Handschrift � sie stammte von Isabelle.</p><p>Er nahm den Zettel und las:</p><p><emphasis>Simon, ich hab versucht, dich anzurufen, aber dein Handy scheint ausgeschaltet zu sein. Ich wei� nicht, wo du im Moment steckst. Und ich wei� auch nicht, ob Clary dir bereits erz�hlt hat, was heute Nacht passiert ist. Aber ich muss jetzt r�ber zu Magnus� Wohnung und h�tte dich wirklich gerne bei mir.</emphasis></p><p><emphasis>Obwohl ich sonst keine Angst kenne, hab ich gerade gro�e Angst um Jace. Ich f�rchte um das Leben meines Bruders. Ich hab dich noch nie um einen Gefallen gebeten, Simon, aber ich bitte dich jetzt darum: bitte komm.</emphasis></p><p><emphasis>Isabelle.</emphasis></p><p>Simon lie� den Brief aus der Hand fallen. Und er war bereits aus der Wohnung und auf dem Weg zur unteren Haust�r, bevor das Papier auch nur den Boden ber�hrte.</p><p>Als Simon Magnus� Wohnung betrat, empfing ihn Stille. Nur im Kamin knisterte ein Feuer. Magnus sa� auf einem der schwer gepolsterten Sofas, die F��e auf den Couchtisch gelegt, w�hrend Alec fest schlief; sein Kopf ruhte in Magnus� Scho�. Der Hexenmeister starrte nachdenklich in die Flammen, als schaute er in die Vergangenheit, und zwirbelte dabei geistesabwesend eine von Alecs schwarzen Haarstr�hnen. Bei diesem Anblick musste Simon an das denken, was Magnus ihm einmal zum Thema Unsterblichkeit gesagt hatte � <emphasis>Eines Tages werden wir zwei die Einzigen sein, die noch �brig sind.</emphasis> Der Gedanke lie� ihn schaudern.</p><p>In dem Moment blickte Magnus auf. �Isabelle hat dich hergerufen, ich wei߫, sagte er mit gesenkter Stimme, als wolle er Alec nicht wecken. �Sie wartet im G�stezimmer auf dich: durch den Flur und die erste T�r links.�</p><p>Simon nickte Magnus noch kurz zu und eilte dann in die angegebene Richtung. Er versp�rte eine ungewohnte Nervosit�t, als w�rde er sich auf ein erstes Date vorbereiten. Soweit er sich erinnern konnte, hatte Isabelle ihn noch nie um seine Hilfe oder seine Anwesenheit gebeten oder ihm durch irgendetwas zu verstehen gegeben, dass sie ihn brauchte.</p><p>Z�gernd dr�ckte er die T�r zum ersten Raum auf der linken Seite auf und trat ein. Im Zimmer herrschte vollst�ndige Dunkelheit und ohne sein Vampirsehverm�gen h�tte Simon gar nichts gesehen. Doch nun erkannte er die Umrisse eines Kleiderschranks, mit Kleidungsst�cken �bers�te Sessel und ein Bett mit zerw�hlter Bettdecke. Isabelle lag auf der Seite und schlief; ihre schwarzen Haare waren wie ein F�cher �ber das Kopfkissen ausgebreitet.</p><p>Simon hielt inne und betrachtete das M�dchen mit gro�en Augen. Er hatte Isabelle noch nie schlafend gesehen. Sie wirkte j�nger als sonst: Ihre Gesichtsz�ge waren entspannt, ihre langen Wimpern streiften ihre hohen Wangenknochen und ihr Mund war leicht ge�ffnet. Sie hatte die F��e angezogen und trug nur ein T-Shirt � eines von seinen T-Shirts: ein abgetragenes blaues Ding mit dem Aufdruck DER LOCHNESS-ABENTEUERCLUB: AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN, AUF DER FLUCHT VOR TATSACHEN.</p><p>Behutsam schloss Simon die T�r hinter sich; seine Entt�uschung war gr��er als erwartet. Ihm war gar nicht der Gedanke gekommen, dass Isabelle schon schlafen k�nnte. Er hatte mit ihr reden, ihre Stimme h�ren wollen. Leise zog er seine Schuhe aus und legte sich neben sie. Auf jeden Fall beanspruchte sie mehr Platz im Bett als Clary. Isabelle war hochgewachsen, fast so gro� wie er, aber als er ihr seine Hand auf die Schulter legte, f�hlten sich ihre Knochen zart und zerbrechlich an. Vorsichtig fuhr er mit den Fingern �ber ihren Arm. �Izzy?�, fragte er. �Isabelle?�</p><p>Sie murmelte und vergrub ihr Gesicht im Kissen. Simon beugte sich vor � sie roch nach Alkohol und Rosenparf�m. Na, das kl�rte dann ja so manches. Er hatte vorgehabt, sie in die Arme zu nehmen und sanft zu k�ssen, aber �Simon Lewis, Sch�nder bewusstloser Frauen� war nicht gerade die Grabinschrift, mit der er sich f�r die Nachwelt verewigt sehen wollte.</p><p>Also legte er sich auf den R�cken und starrte an die Decke. Risse im Putz, dazu einige Wasserflecken. Magnus sollte dringend jemanden kommen lassen, der das ausbesserte, �berlegte er.</p><p>In dem Moment r�hrte Isabelle sich, als h�tte sie seine Anwesenheit gesp�rt; sie drehte sich ihm zu und dr�ckte ihre weiche Wange gegen seine Schulter. �Simon?�, fragte sie schlaftrunken.</p><p>�Ja.� Behutsam ber�hrte er ihr Gesicht.</p><p>�Du bist tats�chlich gekommen�, murmelte Isabelle, legte ihren Arm �ber seine Brust und kuschelte sich an seine Schulter. �Ich h�tte nicht gedacht, dass du wirklich kommst.�</p><p>Sanft zeichneten seine Finger ein Muster auf ihren Arm. �Das ist doch selbstverst�ndlich.�</p><p>Ihre n�chsten Worte klangen ged�mpft, als sie gegen seinen Hals murmelte: �Tut mir leid, dass ich schlafe.�</p><p>Simon l�chelte still in der Dunkelheit. �Ist schon okay. Selbst wenn du mich nur herbestellt h�ttest, um dich zu halten, w�hrend du schl�fst� selbst dann noch h�tte ich es getan.�</p><p>Isabelle versteifte sich kurz neben ihm, entspannte sich aber wieder. �Simon?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Kannst du mir eine Geschichte erz�hlen?�</p><p>Verwundert blinzelte Simon in die Dunkelheit. �Was f�r eine Geschichte?�</p><p>�Irgendwas, wo die Guten gewinnen und die B�sen sterben. Und anschlie�end auch tot bleiben.�</p><p>�Also so was wie ein M�rchen?�, fragte Simon und zermarterte sich das Hirn. Er kannte nur die Disney-Versionen der meisten M�rchen und als Erstes schoss ihm ein Bild von Arielle mit ihrem Muschel-Bikinitop durch den Kopf. Als Achtj�hriger war er in die Meerjungfrau total verknallt gewesen� aber das schien jetzt nicht der geeignete Moment, um das zu erw�hnen.</p><p>�Nein.� Isabelles Antwort klang nur noch wie ein Wispern. �Wir haben das Thema M�rchen regelm��ig im Unterricht. Ein Gro�teil der darin beschriebenen Magie existiert tats�chlich� aber, egal. Ich m�chte lieber irgendwas h�ren, das ich noch nicht kenne.�</p><p>�Okay. Da wei� ich was.� Simon strich Isabelle �bers Haar und f�hlte, wie ihre Wimpern seinen Hals streiften, als sie die Augen schloss. �Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis��</p><p>Clary wusste nicht, wie lange sie schon auf den Stufen vor Lukes Haus gesessen hatte, als endlich der Morgen anbrach und die aufgehende Sonne den Himmel dunkelrosa f�rbte, w�hrend der Fluss wie ein stahlblaues Band vor ihr zu leuchten begann. Sie zitterte heftig, zitterte bereits so lange, dass sich ihr ganzer K�rper wie ein zusammengezogener Eisklumpen anf�hlte. Die beiden W�rme-Runen, die sie aufgetragen hatte, waren vollkommen nutzlos gewesen; Clary hatte das Gef�hl, dass ihr Zittern vor allem psychologische Gr�nde hatte.</p><p>W�rde er kommen? Wenn er tief in sich drin noch immer der richtige Jace war � und daran glaubte sie fest �, dann w�rde er herkommen. Als er ihr zugeraunt hatte, dass er sie holen w�rde, da hatte sie gewusst, dass er damit so bald wie m�glich meinte. Jace war nicht besonders geduldig. Und er spielte keine Spielchen.</p><p>Aber ihnen blieb nicht endlos viel Zeit: Die Sonne w�rde immer h�her steigen, der neue Tag anbrechen und ihre Mutter w�rde sie wieder auf Schritt und Tritt beobachten. Und sie w�rde die Suche nach Jace aufgeben m�ssen � mindestens f�r einen weiteren Tag, wenn nicht sogar l�nger.</p><p>Clary schloss die Augen gegen die blendende Helligkeit des Sonnenaufgangs, lehnte sich zur�ck und st�tzte die Ellbogen auf den Treppenabsatz. Einen Moment lang erlaubte sie sich zu tr�umen � von einer Welt, in der alles beim Alten war, in der sich nichts ver�ndert hatte, in der sie Jace am Nachmittag zum Training oder am Abend zum Essen treffen w�rde und er sie in seinen Armen halten und sie zum Lachen bringen w�rde, so wie er es immer getan hatte.</p><p>Warme Sonnenstrahlen tasteten sanft �ber ihr Gesicht. Widerstrebend schlug Clary die Lider auf.</p><p>Und da war er. Geschmeidig stieg er die Stufen zu ihr hinauf, ger�uschlos wie eine Katze, lautlos wie immer. Er trug ein dunkelblaues Sweatshirt, das sein helles Haar wie Sonnenlicht strahlen lie�. Clary setzte sich auf; ihr Herz klopfte wie wild. Der helle Sonnenschein schien Jace� Konturen in Licht zu malen. Der Anblick erinnerte Clary an jenen Abend in Idris, als das Feuerwerk den Himmel erhellt hatte und die Funken auf die Erde hinabgingen � wie Engel, die aus dem Himmel herabfielen.</p><p>Er blieb vor ihr stehen und streckte ihr die H�nde entgegen; Clary ergriff sie und lie� sich von ihm auf die Beine ziehen. Seine blassgoldenen Augen streiften suchend �ber ihr Gesicht. �Ich war mir nicht sicher, ob du da sein w�rdest�, sagte er.</p><p>�Seit wann bist du dir meiner nicht mehr sicher?�</p><p>�Du warst vorhin ziemlich w�tend.� Er ber�hrte ihr Gesicht, umfasste ihre Wange mit der Hand. Eine breite Narbe erstreckte sich quer �ber seine Handfl�che; Clary konnte den rauen Wulst auf ihrer Haut f�hlen.</p><p>�Und wenn ich nicht hier gewesen w�re, was h�ttest du dann getan?�, fragte sie.</p><p>Er zog sie an sich. Auch er zitterte und der Wind zerzauste seine blonden, schimmernden Haare. �Wie geht es Luke?�</p><p>Die Erw�hnung von Lukes Namen jagte einen weiteren Schauer durch Clarys K�rper. Jace, der annahm, dass sie fror, zog sie noch fester an sich. �Er wird wohl durchkommen�, erwiderte sie zur�ckhaltend. <emphasis>Das ist alles deine Schuld. Deine Schuld!</emphasis></p><p>�Ich hab nicht gewollt, dass er verletzt wird.� Jace hatte die Arme um sie geschlungen und seine Finger fuhren langsam �ber ihre Wirbels�ule. �Glaubst du mir das?�</p><p>�Jace��, setzte Clary an. �Warum bist du hier?�</p><p>�Um dich erneut zu bitten: Komm mit mir.�</p><p>Clary schloss die Augen. �Und du willst mir nicht verraten, wohin?�</p><p>�Vertrauen�, sagte er leise. �Du musst Vertrauen haben. Aber du musst auch wissen: Wenn du mich begleitest, gibt es kein Zur�ck. Jedenfalls nicht f�r sehr lange Zeit.�</p><p>Unwillk�rlich musste Clary an jenen Abend denken, als sie das Java Jones verlassen hatte und er drau�en vor dem Caf� auf sie gewartet hatte. In diesem Moment hatte sich ihr Leben auf eine Weise ver�ndert, die sich nicht mehr umkehren lie�.</p><p>�Ein Zur�ck hat es ohnehin nie gegeben. Nicht mit dir�, erkl�rte sie und �ffnete die Augen. �Lass uns aufbrechen.�</p><p>Er l�chelte, so strahlend wie die Sonne, die erneut hinter den Wolken hervorbrach, und sie sp�rte, wie sich sein K�rper entspannte. �Bist du sicher?�</p><p>�Absolut.�</p><p>Im n�chsten Moment beugte er sich vor und k�sste sie. Clary streckte die Arme aus, um sich an ihm festzuhalten, und schmeckte gleichzeitig etwas Bitteres auf seinen Lippen. Dann senkte sich die Dunkelheit herab wie ein Theatervorhang am Ende eines Aktes.</p></section></section><section><title><p>II</p><p>Gewisse dunkle Dinge</p></title><epigraph><p>Te amo como se aman ciertas cosas oscuras</p><p>(Ich liebe dich, wie man gewisse dunkle Dinge liebt)</p><text-author>Pablo Neruda, �Soneto XVII�</text-author></epigraph><section><title><p>8</p><p>Ignis aurum probat</p></title><p>Maia war zwar noch nie auf Long Island gewesen, aber in ihrer Vorstellung hatte sie sich immer einen Ort ausgemalt, der gro�e �hnlichkeit mit New Jersey besa� � �berwiegend kleinst�dtische Vorortstra�en, wo all die Leute, die in New York oder Philadelphia arbeiteten, tats�chlich wohnten.</p><p>Sie hatte ihren Rucksack in den Laderaum von Jordans Transporter geworfen � ein sehr ungewohnter Anblick. Als sie noch zusammen waren, hatte er einen zerbeulten roten Toyota gefahren, dessen Innenraum immer mit zerdr�ckten Kaffeebechern und zerknitterten Fastfood-T�ten �bers�t war und in dem der Aschenbecher vor Zigarettenstummeln �berquoll, die bis zum Filter hinuntergeraucht waren. Dagegen wirkte die Fahrerkabine dieses Transporters vergleichsweise sauber � abgesehen von einem Papierstapel auf dem Beifahrersitz, den Jordan kommentarlos beiseiter�umte, als Maia in den Wagen kletterte.</p><p>W�hrend der Fahrt durch Manhattan zum Long Island Expressway sprachen sie kaum miteinander und irgendwann d�ste Maia ein, die Wange an die k�hle Fensterscheibe gelehnt. Sie erwachte erst wieder, als sie �ber eine Bodenwelle auf der Stra�e holperten und sie leicht nach vorn geworfen wurde. Sie blinzelte und rieb sich die Augen.</p><p>��tschuldigung�, sagte Jordan zerknirscht. �Ich wollte dich eigentlich schlafen lassen, bis wir da sind.�</p><p>Maia setzte sich auf und schaute sich um. Der Himmel klarte am Horizont bereits auf. Sie fuhren �ber eine zweispurige Asphaltstra�e, die auf beiden Seiten von Feldern ges�umt war. In der Ferne ragte hin und wieder eine Farm oder ein Silo auf, dazwischen standen H�user mit Holzverschalung und umlaufenden Lattenz�unen. �Das ist echt h�bsch hier�, stellte Maia �berrascht fest.</p><p>�Ja�, best�tigte Jordan, wechselte den Gang und r�usperte sich. �Aber da du jetzt sowieso wach bist� Ehe wir zum <emphasis>Praetor House</emphasis> kommen, kann ich dir vorher noch was anderes zeigen?�</p><p>Maia z�gerte nur einen Moment und nickte dann.</p><p>Inzwischen rumpelte der Transporter �ber einen einspurigen, matschigen Schotterweg mit B�umen auf beiden Seiten, von denen die meisten ihr Laub bereits verloren hatten. Maia kurbelte die Scheibe hinunter, um die Luft zu schnuppern: B�ume, Salzwasser, verrottende Bl�tter, kleine Tiere im hohen Gras. Sie holte erneut tief Luft, als der Wagen von der Stra�e abbog und auf einem kleinen runden Wendeplatz anhielt. Vor ihnen lag der Strand � heller Sand, der sich bis zum dunkelstahlblauen Wasser erstreckte, dar�ber ein fast fliederfarbener Himmel. Maia warf Jordan einen Blick zu.</p><p>Gedankenverloren starrte er geradeaus. �Ich bin fr�her oft hierhergekommen� w�hrend meiner Ausbildung im <emphasis>Praetor House�,</emphasis> sagte er. �Manchmal nur, um aufs Meer zu schauen und meine Gedanken zu ordnen. Die Sonnenaufg�nge hier� Jeder ist anders, aber sie sind alle wundersch�n.�</p><p>�Jordan.�</p><p>Er schaute sie nicht an, blickte stattdessen weiter aufs Meer. �Ja?�</p><p>�Es tut mir leid� es tut mir leid, dass ich einfach so abgehauen bin, in der Werft.�</p><p>�Ist schon okay.� Jordan lie� langsam die Luft aus seinen Lungen entweichen.</p><p>Doch Maia konnte an der Haltung seiner Schultern und der Art und Weise, wie seine Hand den Schalthebel umklammerte, erkennen, dass es nicht okay war. Und sie bem�hte sich, nicht auf die angespannten Muskeln zu starren, die die W�lbung seines Bizeps noch deutlicher hervortreten lie�en.</p><p>�F�r dich war das ziemlich viel auf einmal, das kapier ich schon. Ich wollte nur��</p><p>�Wir sollten es langsam angehen lassen. An unserer Freundschaft arbeiten.�</p><p>�An einer Freundschaft bin ich nicht interessiert�, erwiderte Jordan.</p><p>Maia konnte ihr Erstaunen nicht verbergen. �Nicht?�</p><p>Jordan nahm die Hand vom Schalthebel und umfasste das Lenkrad. Warme Luft str�mte aus den Heizungsschlitzen in den Wagen und mischte sich mit der k�hleren Luft, die durch Maias ge�ffnetes Seitenfenster hereinwehte. �Wir sollten das nicht gerade jetzt besprechen.�</p><p>�Ich m�chte das aber jetzt besprechen�, entgegnete Maia. �Und zwar jetzt sofort. Ich will mir keine Gedanken �ber uns beide machen m�ssen, w�hrend wir im <emphasis>Praetor House</emphasis> sind.�</p><p>Unbehaglich rutschte Jordan in seinem Sitz hin und her und biss sich auf die Lippe. Seine zerzausten braunen Haare waren ihm in die Stirn gefallen. �Maia��</p><p>�Wenn du an einer Freundschaft nicht interessiert bist, was sind wir dann f�reinander? Sind wir wieder Feinde?�</p><p>Langsam drehte er den Kopf, seine Wange gegen die Lehne des Fahrersitzes gedr�ckt. Diese Augen� genau wie Maia sie in Erinnerung hatte: Nussbraun mit gr�nen, blauen und goldenen Sprenkeln. �Ich bin deshalb nicht an einer Freundschaft interessiert, weil ich dich noch immer liebe, Maia�, erkl�rte Jordan. �Wei�t du eigentlich, dass ich seit unserer Trennung kein M�dchen mehr angefasst, noch nicht einmal mehr gek�sst habe?�</p><p>�Isabelle��</p><p>�Isabelle wollte sich nur betrinken und �ber Simon reden.� Jordan nahm die H�nde vom Lenkrad, streckte sie halb in Maias Richtung, lie� sie dann aber in seinen Scho� sinken, mit einem resignierten Ausdruck auf dem Gesicht. �Ich habe immer nur dich geliebt. Der Gedanke an dich hat mich durch das harte Trainingsprogramm gebracht. Die Vorstellung, dass ich eines Tages vielleicht in der Lage w�re, dir gegen�ber alles wiedergutzumachen. Und das werde ich auch, auf jede erdenkliche Weise� mit einer Ausnahme.�</p><p>�Du willst nicht mit mir befreundet sein.�</p><p>�Ich will nicht <emphasis>nur</emphasis> mit dir befreundet sein. Ich liebe dich, Maia. Ich habe dich schon immer geliebt und werde dich immer lieben. Aber einfach nur mit dir befreundet zu sein� das w�rde mich umbringen.�</p><p>Maia schaute hinaus auf den Ozean. Die Sonne tauchte gerade �ber der Wasseroberfl�che auf und die Strahlen lie�en das Meer lila, golden und blau aufleuchten. �Hier ist es wirklich wundersch�n.�</p><p>�Das ist auch der Grund, warum ich regelm��ig hergekommen bin. Ich konnte oft nicht schlafen und hab mir dann hier den Sonnenaufgang angesehen.� Seine Stimme klang leise.</p><p>�Und kannst du jetzt schlafen?�, fragte Maia und wandte sich ihm wieder zu.</p><p>Jordan schloss die Augen. �Maia� wenn deine Antwort Nein lautet und du nichts au�er Freundschaft willst� dann sag es einfach. Rei� das Pflaster mit einem Ruck ab, okay?�</p><p>Maia betrachtete ihn: Er wirkte gefasst, als wappnete er sich f�r einen Tiefschlag. Seine Wimpern warfen Schatten auf seine Wangenknochen und an seiner Kehle leuchteten blasse Narben auf der dunklen Haut � �berbleibsel von Wunden, die sie ihm zugef�gt hatte. Ruhig �ffnete sie den Sicherheitsgurt und rutschte �ber die Sitzbank auf ihn zu. Sie h�rte, wie Jordan �berrascht keuchte, doch er r�hrte sich nicht von der Stelle, als sie sich vorbeugte und ihn auf die Wange k�sste. Maia holte tief Luft und atmete seinen Duft ein: dieselbe Seife, dasselbe Shampoo, aber kein Zigarettenqualm mehr, der in der Kleidung hing. Derselbe Junge. Sie hauchte ihm kleine K�sse auf die Wange, bis hinunter zum Mundwinkel, und dann r�ckte sie noch n�her an ihn heran und dr�ckte ihre Lippen sanft auf seinen Mund.</p><p>Jordans Lippen �ffneten sich unter Maias Ber�hrung und er st�hnte tief in der Kehle. Werw�lfe gingen normalerweise nicht besonders z�rtlich miteinander um, doch Jordans H�nde lagen leicht auf Maias H�ften, als er sie anhob und auf seinen Scho� setzte. Dann schlang er die Arme um sie, w�hrend ihr Kuss intensiver wurde.</p><p>Das Gef�hl seines K�rpers, die W�rme seiner Arme, die sie durch seine Cordjacke sp�ren konnte, sein schneller Herzschlag, der Geschmack seines Mundes, das Aufeinandertreffen von Lippen, Z�hnen und Zunge � all das raubte Maia fast den Atem. Sie schob die H�nde in seinen Nacken und schmiegte sich an ihn, w�hrend ihre Finger mit seinen Haaren spielten, so seidenweich und dicht, wie sie sie in Erinnerung hatte.</p><p>Als sie sich schlie�lich voneinander l�sten, hatten Jordans Augen einen glasigen Glanz. �Darauf habe ich seit Jahren gewartet�, sagte er.</p><p>Behutsam fuhr Maia ihm mit dem Finger �ber das Schl�sselbein. Sie konnte sp�ren, wie ihr eigenes Herz raste. Ein paar Minuten lang waren sie nicht zwei Werw�lfe auf geheimer Mission gewesen, sondern einfach nur zwei Teenager, die in einem Wagen am Strand knutschten. �Hast du dir den Kuss so ungef�hr vorgestellt?�</p><p>�Es war viel besser.� Ein L�cheln umspielte Jordans Mundwinkel. �Bedeutet das�?�</p><p>�Na ja�, erwiderte Maia. �So was z�hlt nicht unbedingt zu den Dingen, die man mit Freunden macht, oder?�</p><p>�Ach nein? Ich f�rchte, das werd ich Simon sagen m�ssen. Er d�rfte schwer entt�uscht sein.�</p><p>�Jordan!� Maia knuffte ihn leicht gegen die Schulter, l�chelte dabei aber� genau wie er: Ein ungew�hnlich breites, �bergl�ckliches Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Sie beugte sich vor, dr�ckte ihr Gesicht in seine Halsbeuge und atmete seinen Geruch ein, zusammen mit der frischen Morgenluft.</p><p><emphasis>Ihr Kampf f�hrte sie mitten �ber den zugefrorenen See, w�hrend die Eisstadt in der Ferne wie eine Fackel leuchtete. Ein Engel mit goldenen Schwingen und ein Engel mit Schwingen, die wie schwarze Flammen gl�hten. Clary stand auf der Eisfl�che, w�hrend um sie herum Blut und Federn vom Himmel fielen. Die goldenen Federn brannten wie Feuer auf ihrer Haut, doch die schwarzen Federn waren kalt wie Eis.</emphasis></p><p>Ruckartig schreckte Clary aus dem Schlaf hoch; ihr Herz schlug wie wild und ihre Beine und Arme hatten sich in der Bettdecke verheddert. Sie setzte sich auf und schob die Decke bis zur Taille hinunter. Sie befand sich in einem Raum mit wei� verputzten W�nden, aber ohne Fenster � eine Pendelleuchte aus schwarzem Glas an der Decke bildete die einzige Lichtquelle. Das Bett, in dem sie sa�, war aus schwarzem Holz und sie trug noch dieselbe Kleidung wie in der Nacht zuvor. Rasch glitt sie aus dem Bett, stellte die nackten Fu�sohlen auf einen kalten Steinboden und schaute sich nach ihrem Rucksack um.</p><p>Sie entdeckte ihn fast sofort: Er thronte auf einem schwarzen Ledersessel. Als sie ihn �ffnete und mit der Hand darin herumtastete, erkannte sie ver�rgert, aber kein bisschen �berrascht, dass jemand den Rucksack bereits durchsucht hatte. Ihre transparente Plastikbox mit den Malutensilien und ihrer Stele war verschwunden. Man hatte ihr nur ihre Haarb�rste sowie eine Jeans und Wechselw�sche gelassen. Wenigstens steckte der goldene Ring noch immer auf ihrem Finger.</p><p>Clary ber�hrte ihn leicht und dachte intensiv an Simon. <emphasis>Ich bin drin.</emphasis></p><p>Keine Antwort.</p><p><emphasis>Simon?</emphasis></p><p>Noch immer keine Reaktion. Ein mulmiges Gef�hl beschlich Clary, das sie jedoch tapfer hinunterschluckte. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befand, wie sp�t es war oder wie lange sie ohnm�chtig gewesen war. M�glicherweise schlief Simon ja. Sie durfte jetzt nicht in Panik geraten und gleich annehmen, dass der Ring nicht funktionierte. Von nun an hie� es, auf Autopilot zu schalten: Sie musste herausfinden, wo sie war, und dabei m�glichst viele Informationen sammeln. Schlie�lich konnte sie sp�ter noch einmal versuchen, Simon zu erreichen.</p><p>Clary holte tief Luft und konzentrierte sich auf ihre unmittelbare Umgebung. Zwei T�ren f�hrten aus dem Zimmer. Sie �ffnete die erste und entdeckte dahinter ein kleines Bad mit viel Glas und Chrom und einer frei stehenden Kupferbadewanne. Auch hier gab es keine Fenster. Clary duschte schnell, trocknete sich anschlie�end mit einem flauschigen wei�en Handtuch ab und schl�pfte in saubere Jeans und ein Sweatshirt. Dann lief sie zum Schlafzimmer zur�ck, schnappte sich ihre Schuhe und dr�ckte die zweite T�r auf.</p><p>Bingo. Hier befand sich also der Rest � des Hauses? Der Wohnung? Vor ihr lag ein gro�er Raum, der fast zur H�lfte von einem langen Glastisch eingenommen wurde. Auch hier hingen schwarze Pendelleuchten von der Decke und warfen tanzende Lichter und Schatten an die W�nde. Alles war sehr modern gehalten � angefangen von den schwarzen Lederst�hlen bis hin zu dem gro�en Kamin mit der eleganten Chromumrandung, in dem ein knisterndes Feuer brannte. Also musste noch irgendjemand anderes hier sein� oder konnte zumindest noch nicht lange weg sein, �berlegte Clary.</p><p>Au�erdem befanden sich in dem Raum noch ein gro�er Fernseher, mehrere niedrige Ledersofas und ein gl�nzender schwarzer Sofatisch, auf dem Videospiele und diverse Fernbedienungen herumlagen. Eine gl�serne Wendeltreppe f�hrte in ein oberes Stockwerk. Clary schaute sich kurz um und stieg dann die Stufen hinauf. Das Glas war so makellos, dass sie den Eindruck hatte, eine unsichtbare Himmelsleiter hinaufzusteigen.</p><p>Das obere Geschoss war im Gro�en und Ganzen wie das Erdgeschoss gehalten � wei�e W�nde, schwarzer Steinboden und ein langer Flur, von dem mehrere R�ume abgingen. Die erste T�r f�hrte in ein gro�es Schlafzimmer. Ein riesiges Bett aus Palisanderholz mit hauchd�nnen wei�en Vorh�ngen nahm einen Gro�teil der Fl�che ein. Aber an einer Wand befanden sich mehrere Fenster mit dunkelblau get�nten Scheiben. Clary durchquerte das Zimmer und schaute hinaus.</p><p>Einen Moment lang fragte sie sich, ob sie wohl wieder in Alicante war. Denn sie blickte �ber einen Kanal auf ein anderes Geb�ude, dessen Fenster mit gr�nen L�den verschlossen waren. Der Himmel wirkte grau, das Wasser schimmerte in einem dunklen Gr�nblau und rechts von ihr f�hrte eine Br�cke �ber den Kanal. Zwei Leute standen auf der Br�cke; einer der beiden hielt sich einen Fotoapparat vors Gesicht und knipste eifrig. Also nicht Alicante. Dann vielleicht Amsterdam? Oder Venedig? Fieberhaft suchte Clary das Fenster nach einem Griff ab, doch es schien sich nicht �ffnen zu lassen. Sie trommelte heftig gegen die Scheibe und rief laut, aber die beiden Touristen bemerkten sie nicht und schlenderten kurz darauf weiter.</p><p>Clary wandte sich wieder dem Schlafzimmer zu, ging zu einem der Schr�nke und riss die T�ren auf. Ihr Herz machte einen Satz. Der Schrank war bis zum Rand mit Kleidungsst�cken gef�llt � f�r eine Frau. Hinrei�ende Kleider aus Spitze und Seide und mit Perlen und Stoffblumen. In den Schubladen stapelten sich Spitzenhemdchen und Unterw�sche, Tr�gertops aus Baumwolle und Seide, sorgf�ltig zusammengelegte Nylonstr�mpfe. Clary entdeckte au�erdem jede Menge R�cke, aber keine einzige Jeans oder Stoffhose. Auch Schuhe standen ordentlich aufgereiht in den F�chern. Einen Moment lang starrte sie verwundert auf die Sachen und fragte sich, ob wohl noch ein anderes M�dchen hier lebte oder ob Sebastian seit Neuestem lieber Frauenkleidung trug. Doch an s�mtlichen Kleidungsst�cken hingen noch die Preisschilder und alle hatten Clarys Gr��e. Aber damit nicht genug, d�mmerte es Clary langsam � die Kleidung zeichnete sich auch durch exakt die Schnitte und Farben aus, die ihr besonders gut standen: Blau-, Gr�n- und Gelbt�ne und f�r eine zierliche Figur geschnitten. Schlie�lich nahm Clary eines der etwas schlichteren Oberteile aus dem Schrank, eine dunkelgr�ne, kurz�rmlige Bluse mit Seidenr�schen an der Knopfleiste. Rasch zog sie ihr Sweatshirt aus, streifte die Bluse �ber und betrachtete sich im Spiegel in der Schrankt�r.</p><p>Sie passte perfekt� sie schmiegte sich um ihre Taille und machte dadurch das Beste aus ihrer zierlichen Figur. Au�erdem betonte das Gr�n ihre Augen. Mit einem Ruck riss Clary das Preisschild ab, weil sie nicht sehen wollte, wie viel die Bluse gekostet hatte, und eilte aus dem Zimmer, wobei ihr ein Schauer �ber den R�cken lief.</p><p>Beim n�chsten Raum handelte es sich eindeutig um Jace� Reich � das erkannte Clary im selben Augenblick, in dem sie es betrat. Denn das Zimmer roch nach ihm, nach seinem Eau de Toilette, seiner Seife und dem Duft seiner Haut. Au�erdem war es so aufger�umt wie sein Zimmer im Institut: Das schwarz gebeizte Bett mit dem wei�en Bettzeug tadellos gemacht, alle B�cher ordentlich gestapelt und nach italienischen, franz�sischen und lateinischen Titeln sortiert. Der Silberdolch der Herondales mit dem Vogelmuster auf dem Heft steckte in der verputzten Wand. Als Clary n�her trat, konnte sie erkennen, dass er ein Foto aufgespie�t hatte. Ein Foto von Jace und ihr, das Izzy aufgenommen hatte. Clary erinnerte sich noch genau an den Moment: ein klarer Tag Anfang Oktober, Jace hockte auf den Stufen vor dem Institut, ein Buch auf dem Scho�. Sie selbst sa� eine Stufe �ber ihm, eine Hand auf seiner Schulter und leicht vorgebeugt, um einen Blick auf seine Lekt�re zu werfen. Seine Hand lag geistesabwesend auf ihrer und er l�chelte. Da sie an jenem Tag sein Gesicht nicht hatte sehen k�nnen, war ihr gar nicht bewusst gewesen, wie umwerfend er damals gel�chelt hatte� Der Gedanke daran schn�rte ihr die Kehle zu. Sie beeilte sich, das Zimmer zu verlassen, und musste ein paarmal tief Luft holen.</p><p><emphasis>So geht das nicht,</emphasis> ermahnte sie sich streng. Nicht jeder Anblick des jetzigen Jace durfte sich wie ein Schlag in die Magengrube anf�hlen. Sie musste so tun, als w�rde es keine Rolle spielen � als w�rde sie �berhaupt keinen Unterschied bemerken.</p><p>Entschlossen betrat sie den n�chsten Raum, ein weiteres Schlafzimmer und etwa so gro� wie das von Jace, doch im Gegensatz dazu herrschte hier ein schreckliches Chaos: Das Bett mit den schwarzen Seidenlaken und der Bettdecke war total zerw�hlt, der Schreibtisch aus Glas und Edelstahl mit B�chern und Dokumenten �bers�t. Auf dem Boden und jeder anderen freien Fl�che lagen Kleidungsst�cke herum: Jeans und Jacken und T-Shirts und Teile einer Kampfmontur. Clarys Blick fiel auf etwas, das auf dem Nachttisch thronte und silbern gl�nzte. Langsam trat sie n�her und starrte ungl�ubig darauf.</p><p>Es handelte sich um das kleine K�stchen ihrer Mutter. Das K�stchen mit den Initialen J. C. � dasselbe K�stchen, das Jocelyn einmal im Jahr hervorgeholt und �ber dessen Inhalt sie lautlos geweint hatte. Clary kannte den Inhalt des K�stchens nur zu gut � eine Haarlocke, so fein und wei� wie die Samen einer Pusteblume; Stofffetzen von einem Kinderhemdchen; ein Babyschuh, der so klein war, dass er m�helos auf Clarys Handfl�che gepasst h�tte. Erinnerungsst�cke an ihren Bruder � eine Art Collage des Kindes, das ihre Mutter sich gew�nscht hatte, von dem sie getr�umt hatte, bis Valentin diesen Traum vernichtet und seinen eigenen Sohn in ein Monster verwandelt hatte.</p><p><emphasis>J. C.</emphasis></p><p><emphasis>Jonathan Christopher.</emphasis></p><p>Clarys Magen zog sich krampfhaft zusammen. Hastig machte sie kehrt und prallte gegen eine Wand aus Muskeln. Dann schlang sich ein Paar Arme fest um sie und Clary sah, dass sie schlank, aber muskul�s waren, mit hellen H�rchen auf leicht gebr�unter Haut. Einen Augenblick dachte sie, Jace w�rde sie halten, und ihre Anspannung lie� nach.</p><p>�Was hast du in meinem Zimmer gemacht?�, raunte Sebastian ihr ins Ohr.</p><p>Isabelle war darauf trainiert, jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit aufzuwachen. Selbst ein leichter Kater konnte nicht verhindern, dass ihr innerer Wecker sie auch jetzt aus dem Schlaf riss. Langsam setzte sie sich auf und betrachtete blinzelnd Simon, der neben ihr lag.</p><p>Noch nie zuvor hatte sie mit jemand anderem gemeinsam die ganze Nacht in einem Bett verbracht � es sei denn, man z�hlte die N�chte mit, in denen sie als Vierj�hrige Angst vor einem Gewitter gehabt und sich im Bett ihrer Eltern verkrochen hatte. Sie konnte nicht anders, als Simon anzustarren, als w�re er irgendeine exotische Tierart. Er lag auf dem R�cken, mit leicht ge�ffnetem Mund, seine Haare waren ihm in die Augen gefallen. Gew�hnliche braune Haare, gew�hnliche braune Augen. Das T-Shirt war leicht hochgerutscht. Simon besa� nicht so ausgepr�gte Muskeln wie ein Schattenj�ger. Sein Bauch war zwar glatt und flach, aber alles andere als ein Waschbrettbauch. Und sein Gesicht besa� immer noch weiche, kindliche Z�ge. Was also faszinierte sie so an ihm? Nat�rlich war er ausgesprochen niedlich, aber vor ihm hatte sie sich nur mit umwerfenden Elbenrittern und sexy Schattenj�gern verabredet�</p><p>�Isabelle�, sagte Simon in dem Moment und ohne die Augen zu �ffnen. �H�r auf, mich anzustarren.�</p><p>Gereizt seufzte Isabelle und schwang sich aus dem Bett. Dann w�hlte sie in ihrer Tasche nach ihrer Kampfmontur, holte sie hervor und machte sich auf die Suche nach dem Bad.</p><p>Das Badezimmer lag etwa auf der H�lfte des Flurs und als Isabelle fast davorstand, flog die T�r auf und Alec tauchte aus einer Dampfwolke auf. Er hatte sich ein Handtuch um die H�ften geschlungen, ein weiteres um die Schultern gelegt und rubbelte sich gerade die feuchten schwarzen Haare trocken.</p><p>Eigentlich durfte sie nicht �berrascht sein, ihn zu sehen, �berlegte Isabelle. Genau wie sie selbst war auch er darauf trainiert, in aller Herrgottsfr�he aufzustehen. �Du riechst nach Sandelholz�, sagte sie statt einer Begr��ung. Sie hasste den Geruch von Sandelholz und bevorzugte s��e D�fte � Vanille, Zimt, Gardenie.</p><p>Sp�ttisch musterte Alec seine Schwester. �Wir m�gen Sandelholz.�</p><p>Isabelle verzog das Gesicht. �Entweder ist das jetzt ein Fall von <emphasis>Pluralis Majestatis</emphasis> oder du und Magnus verwandelt euch in eines dieser Paare, die sich f�r eine einzige Person halten. �Wir m�gen Sandelholz.� � �Wir lieben Sinfoniekonzerte.� � �Wir hoffen, dir gef�llt unser Weihnachtsgeschenk� � was meines Erachtens nur eine billige Ausrede ist, um sich vor dem Kauf von zwei Geschenken zu dr�cken.�</p><p>Alec blinzelte sie unter feuchten Wimpern an. �Eines Tages wirst auch du es verstehen��</p><p>�Wenn du mir jetzt sagst, dass ich es verstehen werde, wenn ich verliebt bin, dann ersticke ich dich mit deinem Handtuch.�</p><p>�Und wenn du mich weiterhin daran hinderst, in mein Zimmer zu gehen und mich anzuziehen, werd� ich Magnus beauftragen, einen Trupp Kobolde herbeizuzaubern, der dir die langen Haare verfilzt.�</p><p>�Ach, geh mir aus dem Weg.� Isabelle trat spielerisch nach Alecs Fu�kn�chel, bis er sich in aller Ruhe beiseitebequemte und den Flur entlangschlenderte. Irgendwie hatte sie das Gef�hl, wenn sie sich nach ihm umdrehte, w�rde er ihr die Zunge herausstrecken. Deshalb verzichtete sie darauf. Stattdessen schloss sie sich im Bad ein, stieg in die Dusche und drehte den Wasserhahn voll auf. Dann warf sie einen Blick auf die Duschprodukte auf der Ablage und stie� einen sehr undamenhaften Fluch aus.</p><p>Sandelholzshampoo, Sandelholzpflegesp�lung, Sandelholzseife. <emphasis>Igitt.</emphasis></p><p>Als sie schlie�lich wieder aus dem Bad kam, mit hochgesteckten Haaren und vollst�ndig in ihre Kampfmontur gekleidet, stellte sie fest, dass Alec, Magnus und Jocelyn bereits im Wohnraum auf sie warteten. Auf dem Tisch standen Donuts, die sie dankend ablehnte, und Kaffee, den sie dankend annahm. Gro�z�gig goss sie sich Milch in den Becher, lehnte sich auf ihrem Stuhl zur�ck und schaute zu Jocelyn, die zu ihrer �berraschung ebenfalls Schattenj�gerkleidung trug.</p><p>Eigentlich seltsam, �berlegte Isabelle � st�ndig erz�hlten ihr die Leute, wie �hnlich sie ihrer Mutter sei, obwohl sie das selbst �berhaupt nicht sehen konnte. Und nun fragte sie sich, ob sie Maryse wohl auf die gleiche Weise �hnelte wie Clary ihrer Mutter: Sie hatten dieselbe Haarfarbe, aber auch dieselben Gesichtsz�ge, dieselbe Kopfhaltung, denselben entschlossenen Zug ums Kinn. Und sie erweckten beide den Eindruck, dass diese Person zwar wie eine Porzellanpuppe aussehen mochte, aber darunter aus hartem Stahl geschmiedet war. Allerdings w�nschte Isabelle, sie h�tte genau wie Clary, die die gr�nen Augen von ihrer Mutter mitbekommen hatte, die blauen Augen ihrer Eltern Maryse und Robert geerbt. Blau war so viel interessanter als Schwarz.</p><p>�Genau wie im Fall der Stillen Stadt gibt es auch nur eine einzige Adamant-Zitadelle, aber viele unterschiedliche Zug�nge zur Festung der Eisernen Schwestern�, erkl�rte Magnus. �Der n�chste Eingang befindet sich in der alten Augustinerabtei auf Staten Island. Alec und ich werden uns mit euch auf den Grymes Hill teleportieren und dann dort auf euch warten, denn wir k�nnen euch nicht den ganzen Weg begleiten.�</p><p>�Ich wei߫, best�tigte Isabelle. �Weil ihr n�mlich <emphasis>Jungs</emphasis> seid. Iiih b��h!�</p><p>�Du solltest das ernst nehmen, Isabelle�, warnte Alec und zeigte mit dem Finger auf sie. �Die Eisernen Schwestern lassen sich nicht mit den Br�dern der Stille vergleichen. Sie sind wesentlich weniger umg�nglich und m�gen es �berhaupt nicht, gest�rt zu werden.�</p><p>�Ich verspreche, ich werde mich tadellos benehmen�, erkl�rte Isabelle und stellte den leeren Kaffeebecher auf den Tisch. �Okay, dann mal los.�</p><p>Magnus musterte sie einen Moment misstrauisch, zuckte dann aber die Achseln. Seine Haare waren mit Gel zu einer Million spitzer Stacheln gestylt und seine Augen schwarz umrandet, wodurch sie noch katzenartiger wirkten als sonst. Er schob sich an Isabelle vorbei zur Wand und murmelte dabei lateinische Worte. Kurz darauf erschienen die vertrauten Umrisse eines Portals: Der geheimnisvolle, mit schimmernden Symbolen versehene T�rbogen nahm Gestalt an und es kam ein kalter, scharfer Wind auf, der Isabelle die Haare aus dem Gesicht wehte.</p><p>Jocelyn trat als Erste vor und passierte das Portal. Es schien, als w�rde sie in eine glitzernde Wasserwoge eintauchen: Ein silberner Dunstschleier umh�llte sie und schw�chte die Farbe ihrer leuchtend roten Haare ab, w�hrend sie hindurchschritt.</p><p>Als N�chste folgte Isabelle. Sie war an das magenumdrehende Achterbahngef�hl gew�hnt, das mit jeder Nutzung eines Portals verbunden war. Ein tonloses Dr�hnen rauschte in ihren Ohren und presste ihr die Luft aus den Lungen. Sie schloss die Augen und �ffnete sie erst wieder, als der Wirbelwind sie freigab und sie in hartem Gestr�pp landete. Rasch rappelte sie sich auf, klopfte sich vertrocknetes Gras von den Knien und sah dann, dass Jocelyn sie anschaute. Clarys Mutter �ffnete den Mund, als wollte sie etwas sagen, schloss ihn jedoch wieder, als Alec neben Isabelle ins Geb�sch fiel und kurz darauf Magnus, w�hrend sich das schimmernde, schwach sichtbare Portal hinter ihm schloss.</p><p>Selbst der Transport durch das Portal hatte Magnus� Haaren nichts anhaben k�nnen. Stolz zupfte er an einer der stachligen Spitzen. �Sieh dir das mal an�, wandte er sich an Isabelle.</p><p>�Magie?�</p><p>�Haargel. 3,99 Dollar bei <emphasis>Ricky�s.�</emphasis></p><p>Isabelle rollte nur mit den Augen und machte sich dann mit der neuen Umgebung vertraut. Sie befanden sich auf einer H�gelkuppe, die mit d�rrem Gestr�pp und vertrocknetem Gras �berwuchert war. Weiter unten standen herbstdunkle B�ume und in der Ferne konnte Isabelle die Konturen der Verrazano-Narrows Bridge unter einem wolkenlosen Himmel erkennen, die Staten Island mit Brooklyn verband. Als sie sich umdrehte, entdeckte sie die alte Klosteranlage, die sich direkt hinter ihnen aus dem trockenen Laub erhob: ein gro�es Ziegelsteingeb�ude, dessen Fenster fast alle zertr�mmert oder mit Brettern vernagelt waren. Hier und dort leuchtete ein buntes Graffiti. Truthahngeier, aufgescheucht von der Ankunft der vier, umkreisten den zum Teil eingest�rzten Glockenturm.</p><p>Verwundert kniff Isabelle die Augen zu Schlitzen und fragte sich, ob das Geb�ude wohl mit einem Zauberglanz getarnt war. Falls ja, musste es sich um einen sehr m�chtigen Schutz handeln, denn sie konnte nichts au�er der verfallenen Klosteranlage erkennen, sosehr sie sich auch anstrengte.</p><p>�Das Bauwerk ist nicht mit einem Zauberglanz versehen � es ist genau so, wie du es vor dir siehst�, sagte Jocelyn in dem Moment direkt neben Isabelle und stapfte auf die Abtei zu, wobei ihre schweren Stiefel das verdorrte Gras niederdr�ckten.</p><p>Magnus z�gerte kurz, zuckte dann die Achseln und ging ihr nach, dicht gefolgt von Isabelle und Alec. Falls es einmal einen Weg gegeben hatte, war er inzwischen vollst�ndig mit dichtem dunklem, bedrohlich wirkendem Gestr�pp zugewuchert. Als sie sich dem Eingang n�herten, bemerkte Isabelle, dass das Gras an manchen Stellen niedergebrannt und mit Pentagrammen und Runenkreisen bespr�ht war.</p><p>�Das Werk von Irdischen�, sagte Magnus und hielt einen Zweig f�r Isabelle beiseite. �Sie treiben ihre kleinen Spielchen mit der Magie, ohne wirklich zu verstehen, was sie da tun. H�ufig f�hlen sie sich von kraftvollen Orten � Zentren der Macht � wie diesem hier magisch angezogen, ohne sagen zu k�nnen, wieso. Und dann lungern sie eine Weile herum, betrinken sich und bespr�hen die Mauern mit ihren Zeichen, als k�nnte man der Magie einen menschlichen Stempel aufdr�cken�� Inzwischen hatten sie eine mit Brettern zugenagelte T�r in der Au�enmauer der Abtei erreicht. �Da w�ren wir.�</p><p>Angestrengt starrte Isabelle auf die T�r. Auch dieses Mal konnte sie auf den ersten Blick keinen Zauberglanz erkennen, doch als sie sich konzentrierte, kam ein schwacher Schimmer zum Vorschein � wie Sonnenstrahlen, die von einer Wasserfl�che reflektiert wurden.</p><p>Jocelyn und Magnus tauschten einen Blick, dann wandte Jocelyn sich an Isabelle: �Bist du bereit?�</p><p>Als Isabelle nickte, ging Clarys Mutter kurzerhand voraus und verschwand durch die Bretter der T�r.</p><p>Erwartungsvoll schaute Magnus Isabelle an, w�hrend Alec sich zu ihr vorbeugte und seine Schwester leicht an der Schulter ber�hrte. �Keine Sorge�, meinte er. �Es wird schon gut gehen, Izzy.�</p><p>Entschlossen hob Isabelle das Kinn. �Ich wei߫, erwiderte sie und folgte dann Jocelyn.</p><p>Erschrocken hielt Clary die Luft an, doch bevor sie etwas erwidern konnte, h�rte sie Schritte auf der Treppe und Jace tauchte am anderen Ende des Flurs auf.</p><p>Sofort lie� Sebastian sie los, wirbelte sie herum und fuhr ihr mit einem wolfsartigen L�cheln durch die Haare. �Sch�n, dich wiederzusehen, Schwesterherz.�</p><p>Clary war sprachlos � im Gegensatz zu Jace. Er trug Jeans, ein wei�es T-Shirt und dar�ber eine schwarze Lederjacke, aber keine Schuhe. Lautlos kam er auf sie zu. �Hast du Clary gerade umarmt?�, fragte er und schaute Sebastian verwundert an.</p><p>Sebastian zuckte die Achseln. �Sie ist meine Schwester. Ich freu mich, sie wiederzusehen.�</p><p>�Aber du bist nicht gerade der Typ, der andere umarmt�, stellte Jace fest.</p><p>�Ich hatte keine Zeit, ein Willkommensgeschenk zu kaufen.�</p><p>�Es ist alles in Ordnung�, pflichtete Clary ihrem Bruder mit einer abwiegelnden Handbewegung bei. �Ich bin gestolpert. Und er hat mich aufgefangen� damit ich nicht hinfalle.�</p><p>Falls es Sebastian �berraschte, dass sie ihn verteidigte, lie� er es sich nicht anmerken. Mit ausdrucksloser Miene sah er zu, wie Clary auf Jace zuging, der sie zur Begr��ung auf die Wange k�sste, seine Finger k�hl auf ihrer Haut. �Was hast du hier oben gemacht?�, fragte er.</p><p>�Ich hab dich gesucht�, erkl�rte Clary achselzuckend. �Ich bin aufgewacht und konnte dich nirgends finden. Und da dachte ich, du w�rdest vielleicht noch schlafen.�</p><p>�Wie ich sehe, hast du den Kleiderschrank entdeckt.� Sebastian deutete auf Clarys gr�ne Bluse. �Gefallen dir die Sachen?�</p><p>Jace warf ihm einen scharfen Blick zu. �Wir waren kurz drau�en, um was f�rs Mittagessen einzukaufen�, erkl�rte er Clary. �Nichts Besonderes. Nur ein bisschen Brot und K�se. Hast du Hunger?�</p><p>Wenige Minuten sp�ter fand sich Clary an dem gro�en Glastisch wieder. Anhand der aufgetischten Lebensmittel � Brot, verschiedene italienische K�sesorten, Salami, Prosciutto, Trauben, Feigenkonfit�re und mehrere Flaschen Rotwein � schloss sie, dass sie mit ihrer zweiten Vermutung richtig gelegen hatte: Sie befanden sich in Venedig. Jace sa� ihr gegen�ber und Sebastian am Kopf des Tischs. Der Anblick erinnerte Clary auf unheimliche Weise an jenen Abend in Renwicks Ruine, als sie Valentin kennengelernt hatte und dieser sich zwischen Jace und sie ans Kopfende des gro�en Tischs gesetzt, ihnen Wein angeboten und dann er�ffnet hatte, sie seien Bruder und Schwester.</p><p>Verstohlen warf sie ihrem leiblichen Bruder einen Blick zu und musste dabei an den Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Mutter denken, als sie ihn gesehen hatte. Valentin. Aber Sebastian war nicht das exakte Ebenbild ihres gemeinsamen Vaters. Clary hatte Bilder von Valentin gesehen, als er so alt war wie sie jetzt. Die harten Kanten ihres Vaters wirkten in Sebastians Gesicht durch die feinen Z�ge ihrer Mutter abgemildert; au�erdem war er zwar gro�, aber nicht so breitschultrig, sondern anmutiger, raubtierartiger. Er besa� Jocelyns hohe Wangenknochen und fein geschwungene Lippen sowie Valentins dunkle Augen und wei�blonde Haare.</p><p>Im n�chsten Moment schaute Sebastian auf, als h�tte er ihren Blick gesp�rt. �Wein?�, fragte er und hob die Flasche.</p><p>Clary nickte, obwohl sie den Geschmack von Wein eigentlich noch nie gemocht hatte und seit dem Abend in Renwicks Ruine regelrecht hasste. Sie r�usperte sich, w�hrend Sebastian ihr Glas f�llte, und meinte: �Also� diese Wohnung hier� ist das deine?�</p><p>�Sie hat unserem Vater geh�rt�, erkl�rte Sebastian und stellte die Flasche ab. �Und sie bewegt sich� von einer Welt in die andere� zwischen unserer und anderen hin und her. Valentin hat sie sowohl als R�ckzugsort wie auch als Transportmittel genutzt. Er hat mich ein paarmal mit hierhergenommen und mir gezeigt, wie man hinein- und hinauskommt und wie man damit reist.�</p><p>�Die Wohnung hat keine Eingangst�r.�</p><p>�Doch � wenn man wei�, wo sie ist�, entgegnete Sebastian. �Dad hatte sich ein paar nette Tricks einfallen lassen.�</p><p>Clary warf Jace einen Blick zu, doch der sch�ttelte nur den Kopf: �Mir hat er diese Wohnung nie gezeigt. Ich wusste nicht einmal, dass sie �berhaupt existierte.�</p><p>�Das Ganze erinnert mich an ein� typisches Junggesellendomizil�, sagte Clary. �Ich h�tte nicht gedacht, dass Valentin��</p><p>�Einen Flachbildfernseher besitzt?�, erg�nzte Jace grinsend. �Das Ger�t empf�ngt zwar keine TV-Sender, aber man kann damit DVDs abspielen. Und w�hrend wir in unserem Landhaus nur einen alten Eisschrank hatten, der mit Elbenlicht betrieben wurde, hat Valentin hier eine ultramoderne K�hl-Gefrier-Kombination einbauen lassen.�</p><p>�Die war f�r Jocelyn�, warf Sebastian ein.</p><p>Verwundert schaute Clary auf. �Ach ja?�</p><p>�All diese modernen Sachen. Die Ger�te. Und die Klamotten. Zum Beispiel die Bluse, die du tr�gst. Sie waren f�r unsere Mutter gedacht. F�r den Fall, dass sie sich entschlie�en w�rde zur�ckzukehren.� Sebastian schaute sie aus seinen dunklen Augen an.</p><p>Pl�tzlich wurde Clary leicht �bel. <emphasis>Das hier ist mein Bruder und wir reden �ber unsere Eltern,</emphasis> dachte sie mit einem Anfall von Schwindelgef�hl. Das Ganze war einfach zu viel und ging zu schnell, um es in so kurzer Zeit verarbeiten zu k�nnen. Bisher hatte sie keine Gelegenheit gehabt, sich Sebastian als ihren lebenden, atmenden Bruder vorzustellen. Als sie herausgefunden hatte, wer er wirklich war, da war er bereits tot gewesen.</p><p>�Tut mir leid, wenn das f�r dich irgendwie merkw�rdig ist�, meinte Jace entschuldigend und zeigte auf die Bluse. �Wenn du willst, k�nnen wir dir andere Sachen kaufen.�</p><p>Vorsichtig ber�hrte Clary den �rmel. Der feine Stoff f�hlte sich seidig, teuer an. Tja, das erkl�rte dann ja wohl, wieso die Kleidungsst�cke in ihrer Gr��e waren und in Farben, die ihr besonders gut standen. Weil sie genau wie ihre Mutter aussah. Clary holte tief Luft. �Ist schon okay�, erwiderte sie. �Aber� was macht ihr eigentlich die ganze Zeit? Einfach nur mit dieser Wohnung herumreisen und��</p><p>�Die Welt sehen?�, erg�nzte Jace leichthin. �Es gibt Schlimmeres.�</p><p>�Aber das k�nnt ihr doch nicht bis in alle Ewigkeit machen.�</p><p>Sebastian, der bisher kaum etwas gegessen, aber bereits zwei Gl�ser Wein getrunken hatte, nippte an seinem dritten Glas. Seine Augen funkelten. �Warum nicht?�</p><p>�Na ja, weil� weil der Rat euch beide sucht und ihr nicht f�r immer und ewig davonlaufen und euch irgendwo verstecken k�nnt�� Clary verstummte, als sie den Blick auffing, den die beiden Jungen miteinander tauschten � einen Blick, den zwei Vertraute wechselten, die ein gemeinsames Geheimnis hatten. Ein Blick, den Jace vor langer Zeit das letzte Mal mit jemand anderem in ihrer Gegenwart getauscht hatte.</p><p>�Ist das eine Frage oder eine Feststellung?�, erkundigte sich Sebastian leise und gedehnt.</p><p>�Sie hat ein Recht darauf, unsere Pl�ne zu erfahren�, warf Jace ein. �Sie ist mit hierhergekommen, in dem Wissen, dass sie nicht zur�ckkann.�</p><p>�Das ist nur ein Vertrauensvorschuss�, erwiderte Sebastian und fuhr mit dem Finger �ber den Rand des Weinglases � eine Geste, die Clary auch bei Valentin beobachtet hatte. �Sie vertraut dir. Weil sie dich liebt. Nur deshalb ist sie hier. Oder etwa nicht?�</p><p>�Und was, wenn es so w�re?�, konterte Clary. Vermutlich konnte sie versuchen, irgendeinen anderen Grund zu erfinden, aber Sebastians dunkle Augen musterten sie scharf und sie bezweifelte, dass er ihr glauben w�rde. �Ich vertraue Jace.�</p><p>�Aber mir nicht�, sagte Sebastian.</p><p>Clary w�hlte ihre n�chsten Worte mit �u�erster Vorsicht: �Wenn Jace dir vertraut, dann will auch ich dir vertrauen. Au�erdem bist du mein Bruder. Das z�hlt schlie�lich auch.� Die L�ge hinterlie� einen bitteren Geschmack in ihrem Mund. �Aber ich kenne dich eben kaum.�</p><p>�Dann sollten wir vielleicht ein wenig Zeit miteinander verbringen, damit du mich besser kennenlernst�, meinte Sebastian. �Und dann weihen wir dich in unsere Pl�ne ein.�</p><p><emphasis>Dann weihen </emphasis>wir<emphasis> dich ein. In </emphasis>unsere<emphasis> Pl�ne.</emphasis> In Sebastians Vorstellung gab es nur ihn und Jace � aber nicht Jace und Clary.</p><p>�Mir gef�llt es nicht, sie im Unklaren zu lassen�, protestierte Jace.</p><p>�Wir verraten es ihr in einer Woche. Welchen Unterschied macht schon eine Woche?�</p><p>Jace warf ihm einen Blick zu. �Vor zwei Wochen warst du noch tot.�</p><p>�Na ja, ich habe ja auch nicht zwei Wochen vorgeschlagen�, r�umte Sebastian ein. �Das w�re schlie�lich total irrsinnig.�</p><p>Ein zufriedenes L�cheln umspielte Jace� Mundwinkel und er schaute Clary fragend an.</p><p>�Ich bin bereit zu warten, bis ihr mir vertraut�, verk�ndete sie. Sie wusste, das war die richtige Antwort, auch wenn sie sie hasste. �Ganz gleich, wie lange das dauern wird.�</p><p>�Eine Woche�, sagte Jace.</p><p>�Eine Woche�, best�tigte Sebastian. �Und ich will, dass sie hier in der Wohnung bleibt. Kein Kontakt zu niemandem. Keine Ausfl�ge auf eigene Faust.�</p><p>Jace lehnte sich zur�ck. �Was ist, wenn ich dabei bin?�</p><p>Sebastian warf ihm unter seinen langen Wimpern einen absch�tzenden Blick zu. Er �berlegte, wie viel er Jace erlauben durfte, staunte Clary. Wie lang er die Leine lassen sollte, an der er seinen �Bruder� f�hrte. �Okay�, sagte er schlie�lich herablassend, �solange du bei ihr bist.�</p><p>Stumm schaute Clary auf ihr Weinglas. Sie h�rte, wie Jace eine Antwort murmelte, konnte ihn dabei aber nicht ansehen. Die Vorstellung, dass jemand anderes Jace eine Erlaubnis erteilte � Jace, der immer nur getan hatte, was er wollte �, diese Vorstellung bereitete ihr �belkeit. Am liebsten w�re sie aufgesprungen und h�tte Sebastian die Weinflasche �ber den Sch�del gezogen, doch sie wusste, dass das nicht ging. <emphasis>Verletzt man den einen, wird der andere bluten.</emphasis></p><p>�Wie schmeckt der Wein?�, fragte Sebastian mit einem sp�ttischen Unterton in der Stimme.</p><p>Clary leerte das Glas in einem Zug und verschluckte sich fast an dem bitteren Geschmack. �Hervorragend.�</p><p>Isabelle fand sich in einer fremdartigen Landschaft wieder � eine ausgedehnte dunkelgr�ne Ebene unter einem tief h�ngenden grauschwarzen Wolkenhimmel. Die junge Schattenj�gerin zog ihre Kapuze hoch und schaute sich fasziniert um. Nie zuvor hatte Isabelle einen derart weiten Himmel gesehen. Dasselbe galt f�r die gewaltige offene Landschaft vor ihr, die wie ein Smaragd moosgr�n schimmerte. Als sie einen Schritt machte, erkannte sie, dass es sich tats�chlich um Moos handelte: Es wuchs neben und auf den schwarzen Felsbrocken, die �ber die anthrazitfarbene Erde verteilt waren.</p><p>�Das ist eine Vulkanebene�, erkl�rte Jocelyn. Sie stand neben Isabelle und der Wind l�ste mehrere rotgoldene Str�hnen aus ihrem sorgf�ltig festgesteckten Haarknoten. In diesem Moment sah sie Clary so �hnlich, dass es Isabelle schon fast unheimlich war. �Das waren fr�her mal Lavafelder. Vermutlich zeichnet sich die gesamte Region durch vulkanische Aktivit�t aus. Bei der Arbeit mit <emphasis>Adamant</emphasis> ben�tigen die Schwestern f�r ihre Schmieden unvorstellbar hohe Temperaturen.�</p><p>�Man sollte meinen, dass es hier dann etwas w�rmer w�re�, murmelte Isabelle.</p><p>Jocelyn warf ihr einen am�sierten Blick zu, setzte sich in Bewegung und schlug scheinbar willk�rlich eine Richtung ein. �Manchmal bist du deiner Mutter unglaublich �hnlich, das �berrascht mich immer wieder, Isabelle�, bemerkte sie.</p><p>�Ich betrachte das als ein Kompliment�, erwiderte Isabelle mit leicht zusammengekniffenen Augen � niemand beleidigte ihre Familie!</p><p>�Das war auch nicht als Beleidigung gedacht.�</p><p>W�hrend Isabelle Clarys Mutter folgte, hielt sie den Blick auf den Horizont gerichtet, wo sich der dunkle Himmel mit dem smaragdgr�nen Boden traf. �Wie gut hast du meine Eltern gekannt?�, fragte sie.</p><p>Verwundert warf Jocelyn ihr einen Blick zu. �Ziemlich gut, als wir alle noch in Idris lebten. Aber ich habe sie jahrelang nicht gesehen. Bis jetzt.�</p><p>�Wart ihr schon befreundet, als sie geheiratet haben?�</p><p>Der Weg, den Jocelyn eingeschlagen hatte, f�hrte einen steilen Hang hinauf, daher kam ihre Antwort ein wenig atemlos: �Ja.�</p><p>�Waren sie� ineinander verliebt?�</p><p>Abrupt blieb Jocelyn stehen und drehte sich dann zu dem M�dchen um. �Isabelle, worum geht�s hier eigentlich wirklich?�</p><p>�Um Liebe?�, schlug Isabelle vor, nachdem sie einen Moment �berlegt hatte.</p><p>�Keine Ahnung, wie du auf die Idee kommst, dass ausgerechnet <emphasis>ich</emphasis> eine Expertin auf diesem Gebiet bin.�</p><p>�Na ja, du hast es immerhin geschafft, dass Luke sein ganzes Leben lang auf dich gewartet hat, bis du schlie�lich einer Heirat zugestimmt hast. Das ist beeindruckend. Ich w�nschte, ich bes��e auch eine solche Macht �ber M�nner.�</p><p>�Die hast du. Und das ist nichts, was man sich w�nschen sollte�, sagte Jocelyn und steckte die gel�sten Haarstr�hnen zur�ck in den Knoten.</p><p>Der Anblick lie� Isabelle leicht zusammenzucken. Denn trotz Jocelyns �hnlichkeit mit Clary erinnerten sie deren schlanke, elegante H�nde mit den geschmeidigen, langen Fingern an Sebastians H�nde. Vor ihrem inneren Auge sah Isabelle wieder, wie sie eine dieser H�nde abgetrennt hatte, in einem Tal in Idris � ihre Peitsche war durch Haut und Knochen gegangen wie ein Messer durch weiche Butter.</p><p>�Deine Eltern sind nicht perfekt, Isabelle, weil niemand perfekt ist. Sie sind komplexe Pers�nlichkeiten. Und sie haben gerade ein Kind verloren. Falls dieses Gespr�ch also darum geht, dass dein Vater vorerst in Idris bleibt��</p><p>�Mein Vater hat meine Mutter betrogen�, platzte Isabelle heraus und h�tte sich im n�chsten Moment am liebsten daf�r geohrfeigt. Sie hatte dieses Geheimnis jahrelang gewahrt und es erschien ihr wie ein Verrat, es jetzt Jocelyn zu erz�hlen.</p><p>Doch Jocelyns Gesicht nahm einen weicheren Ausdruck an und ihre Augen waren voller Mitgef�hl. �Ich wei�.�</p><p>Best�rzt holte Isabelle scharf Luft. �Wissen alle davon?�</p><p>Jocelyn sch�ttelte den Kopf. �Nein. Nur ein paar wenige. Ich� war in einer privilegierten Position, daher wei� ich davon. Mehr kann ich dir nicht sagen.�</p><p>�Wer war es?�, fragte Isabelle fordernd. �Mit wem hat er meine Mutter betrogen?�</p><p>�Niemand, den du kennst, Isabelle��</p><p>�Du wei�t doch gar nicht, wen ich kenne und wen nicht!�, entgegnete Isabelle gereizt. �Und h�r endlich auf, meinen Namen auf diese Weise zu sagen� so als w�re ich ein kleines Kind.�</p><p>�Es steht mir nicht zu, es dir zu erz�hlen�, erwiderte Jocelyn tonlos und setzte sich wieder in Bewegung.</p><p>Isabelle kraxelte ihr hastig hinterher, obwohl der Weg nun noch steiler anstieg � eine gr�ne Wand vor einem st�rmischen Himmel. �Ich habe ein Recht darauf, es zu erfahren. Schlie�lich geht es um meine Eltern. Und wenn du es mir nicht verr�tst, dann werde ich�� Sie verstummte abrupt und schnappte nach Luft.</p><p>Sie hatten die Kuppe des H�gels erreicht � vor ihnen erhob sich urpl�tzlich eine Festung aus dem Boden wie eine rasch erbl�hende Bl�te. Die Anlage war vollst�ndig aus silberwei�em <emphasis>Adamant</emphasis> errichtet, auf dem sich der verhangene Himmel spiegelte. Hohe T�rme mit Spitzen aus Elektrum ragten bis in die Wolken hinauf und die ganze Burg war von einer massiven, ebenfalls aus <emphasis>Adamant</emphasis> gefertigten Mauer umgeben, in der sich nur ein einziges Tor befand: zwei gewaltige, in die Erde gerammte Klingen, die einander kreuzten und wie eine gigantischen Schere aussahen.</p><p>�Die Adamant-Zitadelle�, sagte Jocelyn.</p><p>�Danke. Darauf war ich selbst auch schon gekommen�, fauchte Isabelle.</p><p>Jocelyn schnaubte � ein Ger�usch, das Isabelle nur zu gut von ihren eigenen Eltern kannte und das garantiert �Teenager� in der Elternsprache bedeutete. Dann machte Jocelyn sich daran, den H�gel hinabzusteigen.</p><p>Von der ganzen Kletterei genervt, setzte Isabelle sich vor Clarys Mutter und marschierte los. Sie war gr��er als Jocelyn und hatte l�ngere Beine und sah nicht ein, warum sie auf sie warten sollte, wenn diese weiterhin darauf bestand, sie wie ein kleines Kind zu behandeln. W�tend stapfte die junge Schattenj�gerin den Hang hinunter, zerquetschte dabei das Moos unter ihren schweren Stiefeln, bis sie das scherenartige Tor erreichte, hindurchging�</p><p>Und erstarrte. Sie stand auf einer schmalen Felsnase. Vor ihr �ffnete sich eine tiefe Schlucht, an deren Grund ein Fluss aus rotgoldener Lava brodelte und die Festung vollst�ndig umschloss. Auf der anderen Seite der Schlucht � f�r einen Sprung viel zu weit entfernt, selbst f�r Schattenj�ger � befand sich der einzig erkennbare Zugang zur Festung: eine geschlossene Zugbr�cke.</p><p>�Manche Dinge sind nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheinen�, bemerkte Jocelyn hinter ihr.</p><p>Erschrocken zuckte Isabelle zusammen, dann funkelte sie Clarys Mutter an. �Das ist echt nicht der geeignete Ort, um sich an andere heranzuschleichen.�</p><p>Doch Jocelyn verschr�nkte nur die Arme vor der Brust und hob eine Augenbraue. �Hodge hat dir doch sicher beigebracht, wie man sich der Adamant-Zitadelle richtig n�hert�, sagte sie. �Schlie�lich steht sie allen Schattenj�gerinnen offen, die gute Beziehungen zum Rat unterhalten.�</p><p>�Selbstverst�ndlich hat er das�, erwiderte Isabelle hochm�tig, zermarterte sich insgeheim aber das Hirn, bis sie sich wieder erinnerte. <emphasis>Nur diejenigen, in deren Adern das Blut der Nephilim flie�t</emphasis>� Sie griff sich in die Haare und zog eines der metallenen Essst�bchen heraus. Als sie dessen Boden drehte, klickte es und ein schmaler Dolch mit einer Tapferkeitsrune auf der Klinge kam zum Vorschein.</p><p>Entschlossen hob Isabelle die H�nde �ber die Schlucht. <emphasis>�Ignis aurum probat�,</emphasis> intonierte sie und schnitt sich mit dem Dolch die linke Handfl�che auf. Ein kurzer, brennender Schmerz schoss durch ihren Arm; dann quoll Blut aus der Wunde, ein rubinroter Strom, der in die tiefe Schlucht tropfte.</p><p>Pl�tzlich blitzte ein blaues Licht auf, gefolgt von einem lauten Quietschen: Die Zugbr�cke senkte sich langsam herab.</p><p>Mit einem L�cheln wischte Isabelle die Klinge an ihrer Kampfmontur ab. Eine weitere Drehbewegung verwandelte den Dolch in ein d�nnes Metallst�bchen zur�ck, das sie sich wieder ins Haar steckte.</p><p>�Wei�t du auch, was das bedeutet?�, fragte Jocelyn, die Augen auf die herabgleitende Br�cke geheftet.</p><p>�Was?�</p><p>�Das, was du gerade gesagt hast. Das Motto der Eisernen Schwestern.�</p><p>Die Zugbr�cke hatte sich fast vollst�ndig gesenkt. �Es bedeutet �Gold pr�ft man im Feuer�.�</p><p>�Richtig�, best�tigte Jocelyn. �Aber dabei geht es nicht nur ums Schmieden oder Metallbearbeitung. Diese Worte bedeuten auch, dass Widrigkeiten die Charakterst�rke eines Menschen pr�fen. In schwierigen Zeiten, in Zeiten der Not und Dunkelheit zeigt sich, wer ein leuchtendes Vorbild sein kann.�</p><p>�Ach, wirklich?�, meinte Izzy. �Dann will ich dir mal was sagen: Ich hab die schwierigen, dunklen Zeiten gr�ndlich satt. Vielleicht will ich ja gar nicht leuchten.�</p><p>Mit einem lauten Dr�hnen krachte die Zugbr�cke vor ihren F��en auf den Felsvorsprung. �Wenn du auch nur ein bisschen von deiner Mutter hast�, erwiderte Jocelyn, �bleibt dir gar nichts anderes �brig.�</p></section><section><title><p>9</p><p>Die Eisernen Schwestern</p></title><p>Alec hob den Elbenlichtstein hoch �ber seinen Kopf, sodass die leuchtend hellen Strahlen zwischen seinen Fingern hindurchschienen und mal diesen und mal jenen Bereich der ehemaligen U-Bahn-Station City Hall ausleuchteten. Als eine Maus quiekend �ber den staubigen Bahnsteig huschte, zuckte er erschrocken zusammen. Er war zwar ein Schattenj�ger und hatte sich schon an einigen dunklen Orten herumgetrieben, aber diese stille, verlassene Haltestelle hatte etwas an sich, das ihn fr�steln lie�.</p><p>Vielleicht sp�rte Alec aber auch nur den kalten Hauch seiner Treulosigkeit � denn er hatte im selben Moment, in dem Magnus aufgebrochen war, ebenfalls seinen Wachposten auf Staten Island verlassen und die n�chste F�hre genommen. Er hatte nicht lange dar�ber nachgedacht, sondern einfach gehandelt, ganz automatisch. Wenn er sich beeilte, war er bestimmt wieder da, bevor Isabelle und Jocelyn von den Eisernen Schwestern zur�ckkehrten und ehe irgendjemand seine Abwesenheit bemerken konnte.</p><p>�Camille!�, rief Alec laut. �Camille Belcourt!� In der Ferne h�rte er ein helles Lachen, das von den W�nden der Haltestelle widerhallte. Und dann stand sie urpl�tzlich am oberen Ende der Treppe, eine Silhouette im grellen Schein des Elbenlichts. �Alexander Lightwood�, sagte sie. �Komm doch herauf.� Dann verschwand sie.</p><p>Alec folgte den tanzenden Lichtstrahlen seines Elbensteins die Stufen hinauf und fand Camille dort wieder, wo sie ihn auch bei seinem ersten Besuch empfangen hatte � in der Vorhalle der U-Bahn-Station. Sie hatte sich in ein langes, tailliertes Samtkleid aus einer l�ngst vergangenen Epoche geh�llt und trug die wei�blonden Haare hochgesteckt, w�hrend ihre Lippen dunkelrot schimmerten. Alec ging davon aus, dass sie wohl sehr sch�n sein musste, obwohl er nicht gerade ein Kenner auf dem Gebiet weiblicher Reize war. Au�erdem trug die Tatsache, dass er sie hasste, auch nicht unbedingt positiv zu seinem Urteilsverm�gen bei. �Was soll diese Kost�mierung?�, fragte er fordernd.</p><p>Camille l�chelte. Ihre Haut war glatt und makellos wei�, ohne dunkle Linien � offensichtlich hatte sie erst vor Kurzem Blut getrunken. �Ein Maskenball in der Innenstadt. Ich habe hervorragend gespeist. Aber warum bist du hier, Alexander? D�rstet es dich nach einem guten Gespr�ch?�</p><p>Wenn er Jace w�re, �berlegte Alec, dann h�tte er jetzt eine passende Antwort parat, irgendein cleveres Wortspiel oder eine geschickt verklausulierte Beleidigung. Aber er war nun mal nicht Jace. Alec biss sich auf die Lippe und erwiderte lediglich: �Du hast mir gesagt, ich solle zur�ckkommen, wenn ich an deinem Angebot interessiert w�re.�</p><p>Lasziv fuhr die Vampirdame mit der Hand �ber den R�cken des Diwans, dem einzigen M�belst�ck im Raum. �Und nun bist du zu dem Schluss gekommen, dass es dich interessiert.�</p><p>Alec nickte.</p><p>Camille lachte leise in sich hinein. �Aber du verstehst schon, was du da verlangst?�</p><p>Alecs Herz raste und er fragte sich, ob sie es h�ren konnte. �Du hast gesagt, du k�nntest Magnus sterblich machen. Damit er so ist wie ich.�</p><p>�Ja, das habe ich gesagt�, best�tigte Camille, deren volle Lippen sich dann aber zu einem d�nnen Strich zusammenpressten. �Allerdings muss ich gestehen, dass ich gewisse Zweifel an deinem Interesse gehegt habe. Schlie�lich bist du recht �berst�rzt aufgebrochen.�</p><p>�Lass die Spielchen�, sagte Alec. �So sehr interessiert mich dein Angebot nun auch wieder nicht.�</p><p>�Das ist eine L�ge�, erwiderte Camille beil�ufig. �Denn sonst w�rst du wohl kaum hier.� Langsam bewegte sie sich um den Diwan herum auf Alec zu und studierte sein Gesicht. �Aus der N�he siehst du Will gar nicht so �hnlich, wie ich zun�chst angenommen hatte�, verk�ndete sie. �Du hast zwar dieselbe Haarfarbe und denselben hellen Teint, aber eine andere Gesichtsform� dein Kinn erscheint mir etwas weicher, weniger ausgepr�gt��</p><p>�Halt den Mund�, fauchte Alec. Okay, das war jetzt zwar nicht so geistreich wie Jace, aber besser als gar nichts. �Ich will nichts mehr von Will h�ren.�</p><p>�Wie du w�nschst.� Camille r�kelte sich verf�hrerisch wie eine Katze. �Vor vielen, vielen Jahren, als Magnus und ich noch ein Liebespaar waren, lagen wir gemeinsam im Bett� nach einer recht leidenschaftlichen Nacht.� Sie sah, wie Alec zusammenzuckte, und l�chelte. �Und du wei�t ja, wie sich das beim Bettgefl�ster so ergibt: Man offenbart sich gegenseitig seine Schw�chen, seine Geheimnisse. Magnus berichtete mir, es existiere da eine Beschw�rungsformel, die einem Hexenwesen seine Unsterblichkeit rauben k�nnte.�</p><p>�Und warum finde ich dann nicht einfach heraus, um welche Formel es sich dabei handelt, und wende sie selbst an?�, konterte Alec mit gehobener, br�chiger Stimme. �Wozu brauch ich dich dann noch?�</p><p>�Erstens brauchst du mich, weil du ein Schattenj�ger bist und keine Ahnung hast, wie man eine Beschw�rungsformel anwendet�, entgegnete Camille ruhig. �Und zweitens: Wenn du Magnus die Unsterblichkeit nimmst, wei� er sofort, dass du es gewesen bist. Vollziehe ich jedoch das Ritual, dann wird er annehmen, ich h�tte aus Rache gehandelt. Aus reiner Boshaftigkeit. Und mich k�mmert es nicht, was Magnus denkt. Aber dich schon.�</p><p>Alec musterte sie mit festem Blick. �Das w�rdest du f�r mich tun, als eine Art Gef�lligkeit?�</p><p>Camille lachte � ihr typisches, glockenhelles Lachen. �Selbstverst�ndlich nicht�, beschied sie ihm. �Du erweist erst mir eine Gef�lligkeit und ich dann dir. Auf diese Weise werden solche Angelegenheiten geregelt.�</p><p>Alecs Finger schlossen sich so fest um den Elbenlichtstein, dass die Kanten tief in seine Hand schnitten. �Und was erwartest du von mir?�</p><p>�Ach, nur eine Kleinigkeit�, s�uselte Camille. �Ich m�chte lediglich, dass du Raphael Santiago t�test.�</p><p>Die Br�cke, die �ber die tiefe Schlucht um die Adamant-Zitadelle f�hrte, war mit Klingen gespickt, welche in unregelm��igen Abst�nden mit der Spitze nach oben aus dem Boden ragten. Daher lie� sich die Br�cke nur mit �u�erster Vorsicht �berqueren. Isabelle bereitete diese Aufgabe kaum Probleme, aber sie war �berrascht, wie leicht und geschickt sich auch Jocelyn ihren Weg suchte. Sie war immerhin seit f�nfzehn Jahren nicht mehr als Schattenj�gerin aktiv gewesen.</p><p>Als Isabelle schlie�lich das andere Ende der Br�cke erreichte, war ihre <emphasis>Dexteritas</emphasis>-Rune fast vollst�ndig in ihrer Haut verschwunden. Nur noch ein blasser Fleck zeugte von dem Runenmal, das zus�tzliche Geschicklichkeit verlieh. Jocelyn befand sich nur einen Schritt hinter ihr, und so nervig Isabelle Clarys Mutter auch finden mochte, in diesem Moment war sie einfach nur froh, als Jocelyn ihre Hand hob und der Elbenlichtstein helle Strahlen zwischen ihren Fingern hindurchsandte und den Bereich vor ihnen beleuchtete.</p><p>Die Mauern bestanden aus silberwei�em <emphasis>Adamant</emphasis> und schienen von innen heraus ein schwaches Licht auszustrahlen. Auch der Boden war aus D�monenstein gefertigt und zeigte in der Mitte einen schwarzen Kreis. Im Inneren dieses Kreises leuchtete das Symbol der Eisernen Schwestern � ein Herz, durchbohrt von einer Klinge.</p><p>Wispernde Stimmen veranlassten Isabelle, sich vom Anblick dieses Herzens loszurei�en und aufzuschauen. In einer der glatten wei�en Mauern war ein Schatten aufgetaucht, der n�her kam und zunehmend klarer wurde. Pl�tzlich schien ein Abschnitt der Wand nach hinten zu gleiten und eine Frau trat hervor.</p><p>Die Frau trug ein langes, weites und wei� schimmerndes Gewand, das an den Handgelenken und unter der Brust mit silberwei�en Schn�ren � D�monendraht � zusammengebunden war. Ihr Gesicht zeigte keine einzige Falte und wirkte dennoch uralt, sodass sich ihr Alter unm�glich sch�tzen lie�. Ihre langen schwarzen Haare hatte sie zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr �ber den R�cken fiel. Die obere Gesichtsh�lfte war mit einer kunstvoll verschn�rkelten T�towierung versehen, die an eine Halbmaske erinnerte und ihre Augen umrandete � Augen von der Farbe orangegelber Flammen.</p><p>�Wer w�nscht die Eisernen Schwestern zu sprechen?�, fragte sie. �Nennt eure Namen.�</p><p>Isabelle schaute zu Jocelyn, die ihr jedoch mit einer Geste zu verstehen gab, sie solle als Erste reden. Also r�usperte sich die junge Schattenj�gerin kurz und setzte dann an: �Ich bin Isabelle Lightwood und das hier ist Jocelyn Fr� Fairchild. Wir sind hierhergekommen, um eure Hilfe zu erbitten.�</p><p>�Jocelyn <emphasis>Morgenstern�,</emphasis> berichtigte die Frau. �Geborene Fairchild � so leicht kannst du Valentins Spuren nicht aus deiner Vergangenheit entfernen. Hattest du der Nephilimgemeinschaft nicht den R�cken gekehrt?�</p><p>�Das ist richtig�, best�tigte Jocelyn. �Ich bin versto�en. Aber Isabelle ist eine Tochter der Nephilim. Ihre Mutter��</p><p>�� leitet das New Yorker Institut�, erg�nzte die Frau. �Wir m�gen hier zwar sehr abgeschieden leben, haben aber durchaus unsere Informationsquellen. Mein Name ist Schwester Cleophas und ich bin eine Sch�pferin. Ich forme den <emphasis>Adamant,</emphasis> den die anderen Schwestern bearbeiten. An die Peitsche, die du so geschickt um dein Handgelenk gewickelt hast, kann ich mich noch gut erinnern.� Sie zeigte auf Isabelle. �Das Gleiche gilt f�r die Kugel an deiner Kehle��</p><p>�Wenn ihr Schwestern so vieles wisst�, hob Jocelyn an, w�hrend Isabelle verstohlen nach dem Rubinanh�nger an ihrem Hals tastete, �wisst ihr dann auch, warum wir hier sind? Weshalb wir euch aufsuchen?�</p><p>Schwester Cleophas senkte die Lider und l�chelte langsam. �Im Gegensatz zu unseren stummen Br�dern k�nnen wir keine Gedanken lesen. Deswegen vertrauen wir Schwestern auf ein Netzwerk aus Informationen, von denen die meisten sehr zuverl�ssig sind. Ich nehme an, euer Besuch h�ngt mit dieser Geschichte zusammen, in die Jace Lightwood � dessen Schwester immerhin hier vor mir steht � und dein Sohn Jonathan Morgenstern verwickelt sind?�</p><p>�Wir befinden uns in einer schwierigen Situation�, erkl�rte Jocelyn. �Jonathan Morgenstern schmiedet ein Komplott gegen die Nephilim, genau wie einst sein Vater. Der Rat hat einen Hinrichtungsbefehl gegen ihn erlassen. Dagegen wird Jace � Jonathan Lightwood � von seiner Familie, die sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, und auch von meiner Tochter sehr geliebt. Das Problem ist nun, dass Jace und Jonathan aneinander gebunden sind, und zwar durch sehr alte Blutmagie.�</p><p>�Blutmagie? Welche Art von Blutmagie?�</p><p>Jocelyn holte Magnus� Aufzeichnungen aus ihrer Jackentasche und reichte sie der Eisernen Schwester. Diese nahm sie entgegen und studierte die Zettel intensiv mit ihren feurig gl�henden Augen. Dabei stellte Isabelle �berrascht fest, dass Cleophas sehr lange Finger besa� � keine eleganten, sondern grotesk lange Glieder, so als h�tte man sie mit Gewalt gedehnt. Ihre H�nde erinnerten an Albinospinnen und ihre Fingern�gel waren pfeilspitz und mit Elektrum verst�rkt.</p><p>Schlie�lich sch�ttelte Cleophas den Kopf. �Wir Schwestern besch�ftigen uns nur selten mit Blutmagie.� Das Feuer in ihren Augen schien kurz aufzuflackern und dann wieder zu verblassen und eine Sekunde sp�ter tauchte ein weiterer Schatten hinter der milchglasartigen Oberfl�che der <emphasis>Adamant</emphasis>-Wand auf.</p><p>Dieses Mal schaute Isabelle genau zu, wie eine zweite Schwester die Mauer passierte: Es schien, als w�rde jemand aus einer dichten wei�en Dunstwolke hervortreten.</p><p>�Schwester Dolores�, sagte Cleophas und reichte ihr Magnus� Aufzeichnungen.</p><p>Dolores� Erscheinungsbild �hnelte dem ihrer Mitschwester: dieselbe hochgewachsene, hagere Gestalt, dasselbe wei�e Kleid, dieselben langen Haare. Diese waren allerdings fast vollst�ndig ergraut und zu zwei Z�pfen geflochten, die von Golddraht zusammengehalten wurden. Trotz der grauen Haare wirkte ihr Gesicht jedoch faltenfrei und ihre feuerfarbenen Augen strahlten hell.</p><p>�Ergibt das f�r dich irgendeinen Sinn?�, fragte Cleophas.</p><p>Dolores warf einen fl�chtigen Blick auf die Aufzeichnungen. �Eine Verbr�derungsformel�, sagte sie. �Unserer eigenen <emphasis>Parabatai</emphasis>-Zeremonie nicht un�hnlich, allerdings handelt es sich hier um einen D�monenpakt.�</p><p>�Und was genau ist daran d�monisch?�, fragte Isabelle fordernd. �Wenn die <emphasis>Parabatai</emphasis>-Formel harmlos ist��</p><p>�Ist sie das denn?�, bemerkte Cleophas sp�ttisch, doch ein scharfer Blick von ihrer Mitschwester lie� sie verstummen.</p><p>�Das <emphasis>Parabatai</emphasis>-Ritual bindet zwei Individuen, l�sst ihnen aber ihren freien Willen�, erkl�rte Dolores. �Diese Formel hier bindet ebenfalls zwei Personen, wobei die eine der anderen jedoch untergeordnet ist. Das, was die Prim�rperson der beiden glaubt, wird auch die Sekund�rperson glauben; das, was der Erste will, wird auch der Zweite wollen. Das Ritual nimmt dem untergeordneten Partner den freien Willen und genau deswegen ist das Ganze ein D�monenpakt. Denn unsere Willensfreiheit ist das, was uns zu Gesch�pfen des Himmels macht.�</p><p>�Dieser Pakt scheint auch zu bedeuten: Wenn einer von beiden verwundet wird, blutet der andere ebenfalls�, sagte Jocelyn. �M�ssen wir also davon ausgehen, dass das auch f�r den Tod gilt?�</p><p>�Ja. Keiner der beiden wird den Tod des anderen �berleben. Auch dies ist nicht Bestandteil unseres <emphasis>Parabatai</emphasis>-Rituals, weil es zu grausam w�re.�</p><p>�Unsere Frage an die Schwesternschaft lautet nun: Gibt es irgendeine Waffe oder k�nntet ihr m�glicherweise eine schmieden, die den einen der beiden verletzen kann, ohne dem anderen Schaden zuzuf�gen? Oder eine Waffe, die sie vielleicht trennen k�nnte?�, fragte Jocelyn.</p><p>Erneut schaute Dolores auf Magnus� Aufzeichnungen und reichte sie dann Jocelyn zur�ck. Genau wie die H�nde ihrer Mitschwester waren auch ihre Finger lang und d�nn und wei� wie Seide. �Keine Waffe, die wir geschmiedet haben oder jemals schmieden k�nnten, ist dazu f�hig.�</p><p>Isabelles H�nde ballten sich zu F�usten, bis sich die N�gel in ihre Handfl�chen gruben. �Soll das hei�en, es gibt nichts, was uns helfen k�nnte?�</p><p>�Nichts in <emphasis>dieser</emphasis> Welt�, sagte Dolores. �Eine im Himmel oder in der H�lle geschmiedete Klinge w�re m�glicherweise dazu in der Lage. Zum Beispiel das Flammenschwert des Erzengels Michael, mit dem Josua in der Schlacht um Jericho gek�mpft hat, denn es ist von Himmlischem Feuer erf�llt. Und dann gibt es da noch Klingen, die in der Finsternis des H�llenschlunds geschmiedet wurden � auch sie k�nnten euch vielleicht helfen. Allerdings w�sste ich nicht, wie man diese in seinen Besitz bringen sollte.�</p><p>�Und wenn wir es w�ssten, w�rde das Gesetz uns untersagen, es euch zu verraten�, f�gte Cleophas schroff hinzu. �Au�erdem ist euch doch sicher bewusst, dass wir den Rat �ber euren Besuch in Kenntnis setzen m�ssen��</p><p>�Was ist mit Josuas Schwert?�, unterbrach Isabelle die Eiserne Schwester. �Kommt ihr da irgendwie dran? Oder wir vielleicht?�</p><p>�Nur ein Engel kann euch dieses Schwert �berreichen�, erwiderte Dolores. �Und wer einen Engel herbeiruft, wird von Himmlischem Feuer vernichtet.�</p><p>�Aber Raziel��, setzte Isabelle an.</p><p>Cleophas presste die Lippen zu einem d�nnen Strich zusammen. �Raziel hat uns die Engelsinsignien hinterlassen, damit wir ihn in der Stunde der h�chsten Not anrufen k�nnen. Aber diese einzige Chance wurde vertan, als Valentin ihn heraufbeschwor. Wir werden ihn nie wieder veranlassen k�nnen, uns beizustehen. Es war ein Verbrechen, die Insignien auf diese Weise zu nutzen. Und es gibt nur einen einzigen Grund, warum Clarissa Morgenstern vor einer Strafe verschont bleibt: Nicht sie, sondern ihr Vater hat Raziel herbeigerufen.�</p><p>�Mein Mann hat auch noch einen anderen Engel heraufbeschworen�, sagte Jocelyn leise. �Den Engel Ithuriel. Er hat ihn viele Jahre gefangen gehalten.�</p><p>Beide Schwestern z�gerten einen Moment, dann erwiderte Dolores: �Einen Engel einzuschlie�en, ist das k�lteste aller Verbrechen. Der Rat w�rde dem niemals zustimmen. Und selbst wenn es euch gelingen w�rde, einen Engel herbeizurufen, so k�nntet ihr ihn niemals zwingen, eure Befehle auszuf�hren. Daf�r existiert keine Beschw�rungsformel. Ihr k�nnt keinen Engel dazu bringen, euch das Schwert des Erzengels zu �berreichen; m�glicherweise kann man einem Engel etwas mit Gewalt nehmen, doch es gibt kein gr��eres Verbrechen. Und es w�re besser, euer Jonathan stirbt, als dass ein Engel so entehrt wird.�</p><p>Als Isabelle, deren Wut von Minute zu Minute gestiegen war, dies h�rte, explodierte sie f�rmlich: �Genau das ist das Problem mit euch � mit euch allen! Was auch immer man mit euch anstellt, um euch von Schattenj�gern zu Eisernen Schwestern oder Stillen Br�dern zu machen, das Ganze raubt euch s�mtliche Gef�hle. Wir m�gen zwar Engelsblut in uns haben, aber wir besitzen auch eine menschliche Seite. Ihr versteht einfach nicht, was Liebe ist oder was Menschen aus Liebe oder f�r ihre Familie tun��</p><p>Die Flamme in Dolores� orangegelben Augen flackerte hell auf. �Ich hatte einst eine Familie�, entgegnete sie. �Einen Mann und Kinder. Alle wurden von D�monen ermordet. Ich habe alles verloren. Aber ich besa� schon immer handwerkliches Geschick, die Begabung, Dinge mit meinen H�nden zu gestalten, also schloss ich mich den Eisernen Schwestern an. Den inneren Frieden, den ich hier empfinde, h�tte ich sonst nirgendwo gefunden. Aus diesem Grund w�hlte ich den Namen Dolores, �die Schmerzensreiche�. Also unterstell uns nicht, wir w�ssten nichts �ber Qualen oder menschliche Gef�hle.�</p><p>�Ihr wisst �berhaupt nichts�, fauchte Isabelle. �Ihr seid so hart und kalt wie D�monenstein. Kein Wunder, dass ihr euch damit umgebt.�</p><p><emphasis>�Ignis aurum probat</emphasis> �<emphasis/>Gold pr�ft man im Feuer, Isabelle Lightwood�, entgegnete Cleophas.</p><p>�Ach, haltet doch den Mund!�, knurrte Isabelle. �Ihr habt uns echt geholfen, alle beide!� Damit machte sie auf dem Absatz kehrt und marschierte zur�ck, wobei sie den Klingen, die die Br�cke in eine Todesfalle verwandelten, kaum Beachtung schenkte � ihr jahrelanges Training erm�glichte es ihr, mit traumwandlerischer Sicherheit zur�ck auf die andere Seite zu gelangen. W�tend stapfte sie weiter, und erst als sie das Tor passiert hatte, brach sie zusammen. Unter dem weiten grauen Himmel und zwischen Moos und Vulkangestein fiel sie auf die Knie und begann, stumm zu schluchzen, allerdings ohne jede Tr�ne.</p><p>Eine gef�hlte Ewigkeit sp�ter h�rte sie leise Schritte. Dann kniete Jocelyn sich neben sie und nahm sie in die Arme � und seltsamerweise machte es Isabelle nichts aus. Obwohl sie Jocelyn nie besonders gemocht hatte, strahlte diese Umarmung etwas derart allumfassend M�tterliches aus, dass Isabelle sich an sie lehnte, fast gegen ihren eigenen Willen.</p><p>�M�chtest du wissen, was die Schwestern noch gesagt haben, nachdem du weg warst?�, fragte Jocelyn, als sich Isabelle etwas beruhigt hatte.</p><p>�Garantiert irgendwas in der Art, dass ich eine Schande f�r alle Schattenj�ger bin, und so weiter und so fort��</p><p>�Cleophas sagte w�rtlich: Du w�rdest eine hervorragende Eiserne Schwester abgeben und falls du dich jemals daf�r interessieren solltest, br�uchtest du ihnen nur Bescheid zu geben.� Jocelyn strich Isabelle sanft �ber das Haar.</p><p>Trotz allem brachte Isabelle ein ersticktes Lachen zustande. Dann schaute sie Jocelyn an. �Verrat es mir�, sagte sie.</p><p>Jocelyns Hand hielt in der Bewegung inne. �Was soll ich dir verraten?�</p><p>�Wer es war. Mit wem mein Vater eine Aff�re hatte. Du verstehst das nicht: Jedes Mal, wenn ich eine Frau im Alter meiner Mutter sehe, frage ich mich, ob sie vielleicht diejenige war. Lukes Schwester. Die Konsulin. Du��</p><p>Jocelyn seufzte. �Annamarie Highsmith. Sie starb w�hrend Valentins Angriff auf Alicante. Ich bezweifle, dass du sie je kennengelernt hast.�</p><p>Isabelle �ffnete den Mund, schloss ihn dann aber wieder. Schlie�lich meinte sie: �Ich hatte noch nicht mal ihren Namen geh�rt.�</p><p>�Gut.� Vorsichtig schob Jocelyn eine von Isabelles Haarstr�hnen wieder hinter ihr Ohr. �Und f�hlst du dich nun besser, jetzt, da du es wei�t?�</p><p>�Klar�, schwindelte Isabelle und starrte zu Boden. �Ich f�hl mich viel besser.�</p><p>Nach dem Mittagessen hatte Clary behauptet, sie sei m�de, und sich in das Zimmer im Erdgeschoss zur�ckgezogen. Hinter sorgf�ltig verschlossener T�r hatte sie erneut versucht, Simon zu erreichen, obwohl ihr durchaus bewusst war, dass er aufgrund des Zeitunterschieds � er in New York und sie in Venedig � sehr wahrscheinlich gerade schlief. Zumindest hoffte Clary inst�ndig, dass er schlief: Diese Erkl�rung war wesentlich angenehmer als der Gedanke, dass die Ringe vielleicht nicht funktionierten.</p><p>Clary war gerade mal eine halbe Stunde in ihrem Zimmer, als es an der T�r klopfte. Sie rief �herein�, lehnte sich zur�ck und st�tzte sich dabei so auf ihre H�nde, dass der Ring an ihrem Finger nicht zu sehen war.</p><p>Die T�r schwang langsam auf. Jace stand im Rahmen und schaute herein. Clary erinnerte sich an eine schw�le Nacht im Hochsommer, ein Klopfen an ihrer T�r. <emphasis>Jace. Frisch geduscht, in Jeans und grauem T-Shirt, seine noch feuchten Locken umgaben sein Gesicht wie ein goldener Heiligenschein. Die Verletzungen und blauen Flecken waren bereits zu einem hellen Grau verblasst und er hielt beide H�nde hinter dem R�cken versteckt.</emphasis></p><p>�Hi�, sagte er nun. Diesmal waren seine H�nde deutlich zu sehen und er trug ein bequemes Sweatshirt, dessen Bronzeton die Farbe seiner Augen besonders gut zur Geltung brachte. Kein einziger Bluterguss verunstaltete sein Gesicht und auch die tiefen Schatten unter seinen Augen, an deren Anblick Clary sich fast schon gew�hnt hatte, waren verschwunden.</p><p><emphasis>Ist er etwa gl�cklich in diesem Zustand? Wirklich gl�cklich? Und wenn ja, wovor versuchst du ihn dann zu bewahren?</emphasis> Entschlossen schob Clary die Stimme in ihrem Kopf beiseite und zwang sich zu einem L�cheln. �Was gibt�s?�</p><p>Jace grinste � ein freches Grinsen, das daf�r sorgte, dass das Blut in Clarys Adern ein klein wenig schneller pulsierte. �Lust auf eine Verabredung?�</p><p>Da sie auf diese Frage �berhaupt nicht vorbereitet war, konnte Clary nur stottern: �Eine was?�</p><p>�Eine Verabredung�, wiederholte Jace. �Oft auch �eine Vereinbarung, an die man sich halten muss�, aber in diesem Fall �ein Angebot f�r einen Abend voll gl�hend hei�er Leidenschaft und Romantik mit meiner Wenigkeit�.�</p><p>�Wirklich?� Clary war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. �Gl�hend hei�?�</p><p>�Hey, wir reden hier von mir�, erwiderte Jace. �Mein Anblick bei einer Partie Scrabble reicht in der Regel schon aus, um die meisten Frauen in Ohnmacht fallen zu lassen. Und jetzt stell dir nur mal vor, wie das erst wird, wenn ich mir tats�chlich M�he gebe.�</p><p>Z�gernd setzte Clary sich auf und schaute an sich herab. Jeans, gr�nes Seidentop. Sie musste unwillk�rlich an die Kosmetikartikel in diesem schreinartigen Schlafzimmer denken und w�nschte, sie h�tte etwas Lipgloss dabei.</p><p>Doch Jace streckte ihr seine Hand entgegen und meinte: �Du siehst klasse aus. Lass uns gehen.�</p><p>Clary nahm seine Hand und lie� sich von ihm auf die Beine ziehen. �Ich wei� nicht so recht��</p><p>�Ach, komm schon.� In seiner Stimme schwang jener sp�ttische, verf�hrerische Ton mit, an den sie sich noch gut erinnerte: An jenem Abend hatten sie sich zum ersten Mal etwas besser kennengelernt� damals, als Jace sie zum Gew�chshaus im Dachgeschoss des New Yorker Instituts gef�hrt hatte, um ihr die Mitternachtsblume zu zeigen. �Wir sind in Italien. In Venedig. Eine der sch�nsten St�dte der Welt. Es w�r doch eine Schande, sie nicht wenigstens ein bisschen zu erkunden, oder?�, fuhr er fort und zog Clary mit einem kleinen Ruck an sich, sodass sie gegen seine Brust fiel. Der Stoff seines Sweatshirts f�hlte sich weich an und er roch vertraut. Clarys Herz machte einen Satz. �Aber wir k�nnten nat�rlich auch hierbleiben�, f�gte er ein wenig atemlos hinzu.</p><p>�Damit ich in Ohnmacht fallen kann, w�hrend du mit einem dreifachen Wortwert haushoch punktest?�, spottete Clary und l�ste sich von ihm. �Und erspar mir deine Witze zum Thema �Punkten�.�</p><p>�Verdammt, Weib, du kannst meine Gedanken lesen�, grinste Jace. �Gibt es denn kein einziges schmutziges Wortspiel, das du nicht vorhersiehst?�</p><p>�Das ist meine besondere magische Begabung: Ich kann es dir ansehen, wenn du an etwas Schmutziges denkst.�</p><p>�Also in f�nfundneunzig Prozent aller F�lle.�</p><p>Clary lehnte den Kopf in den Nacken und schaute zu ihm hoch. �F�nfundneunzig Prozent? Und woran denkst du w�hrend der restlichen f�nf Prozent?�</p><p>�Ach, an das �bliche � du wei�t schon: D�monen, die ich t�ten k�nnte, Runen, die ich noch lernen muss, Leute, die mich vor Kurzem genervt haben, Leute, die mich vor l�ngerer Zeit genervt haben, Enten.�</p><p>�Enten?�</p><p>Doch Jace fegte Clarys Frage beiseite, nahm sie an den Schultern und schob sie sanft aus dem Zimmer, bis sie beide auf die K�chenwand schauten. Dann meinte er: �Okay. Und jetzt sieh mal genau hin.�</p><p>Einen Moment sp�ter schienen die W�nde des Raums zu verschwinden � Clary hatte keine Ahnung, wie das funktionierte � und sie traten auf eine Kopfsteingasse hinaus. �berrascht schnappte sie nach Luft, drehte sich um und sah nur das durchgehende Mauerwerk eines alten Natursteingeb�udes, dessen Fenster hoch �ber ihnen lagen. Sie standen an einem Kanal, der von mehreren Reihen �hnlicher H�user ges�umt war. Als Clary den Kopf reckte und nach links schaute, konnte sie in der Ferne erkennen, dass sich der Kanal zu einer breiteren Wasserstra�e �ffnete, die von imposanten Geb�uden flankiert war. Und �ber all dem lag der Geruch von Wasser und feuchtem Stein.</p><p>�Cool, oder?�, sagte Jace stolz.</p><p>Clary wandte sich ihm wieder zu und schaute ihn an. �Enten?�, fragte sie erneut.</p><p>Ein L�cheln umspielte seine Mundwinkel. �Ich hasse Enten. Keine Ahnung, wieso. Hab sie einfach schon immer gehasst.�</p><p>Es war noch fr�h am Morgen, als Maia und Jordan am <emphasis>Praetor House,</emphasis> dem Hauptsitz der <emphasis>Praetor Lupus,</emphasis> eintrafen. Jordans Transporter rumpelte �ber die lange, helle Auffahrt, die sich zwischen gepflegten Rasenfl�chen hindurchwand und zu einem imposanten Geb�ude f�hrte, das sich wie der Bug eines Ozeanriesen in der Ferne erhob. Dahinter konnte Maia eine Reihe von B�umen erkennen und dahinter wiederum die blauen Fluten des Sound.</p><p>�Hast du etwa hier deine Ausbildung absolviert?�, fragte sie. �Dieser Ort ist einfach himmlisch.�</p><p>�Lass dich nicht t�uschen�, erwiderte Jordan l�chelnd. �Das hier ist ein Trainingslager, mit der Betonung auf �Training�.�</p><p>Maia warf ihm einen verstohlenen Blick zu. Jordan l�chelte noch immer. Im Grunde hatte er die ganze Zeit, seit sie ihn im Morgengrauen auf dem Parkplatz am Strand gek�sst hatte, ein breites Grinsen im Gesicht. Ein Teil von ihr f�hlte sich, als h�tte sie eine unsichtbare Macht in ihre Vergangenheit zur�ckgeworfen � in eine Zeit, in der sie Jordan mehr als alles andere geliebt hatte. Aber ein anderer Teil von ihr f�hlte sich vollkommen orientierungslos, als w�re sie in einer unbekannten Landschaft aufgewacht� weit weg von ihrer vertrauten Umgebung, von ihrem gewohnten Alltag und der Geborgenheit ihres Rudels.</p><p>Das Ganze war sehr merkw�rdig, �berlegte sie. Nicht schlecht, einfach nur� merkw�rdig.</p><p>Jordan brachte den Wagen in der kreisrunden Auffahrt vor dem Haus zum Stehen. Wie Maia nun aus der N�he erkennen konnte, bestanden dessen Au�enmauern aus beigem Sandstein � dieselbe gelbbraune Farbe wie das Fell eines Wolfs. Am oberen Ende einer wuchtigen Steintreppe thronte eine schwarze Doppelfl�gelt�r. Eine gro�e Sonnenuhr in der Mitte der Auffahrt verriet Maia, das es inzwischen sieben Uhr morgens war; am Rand der Uhr erkannte sie die eingravierten Worte: Z�HL DIE HEITREN STUNDEN NUR. Sie �ffnete die Wagent�r und sprang aus der Fahrerkabine, als auch schon die Fl�gel der Haust�r aufschwangen und eine laute Stimme rief: <emphasis>�Praetor</emphasis> Kyle!�</p><p>Maia und Jordan schauten gleichzeitig hoch. Ein Mann mittleren Alters in einem anthrazitgrauen Anzug stieg die Treppe hinunter; graue Str�hnen durchzogen sein blondes Haar. Jordans Miene gl�ttete sich und es wurde unm�glich, sie zu deuten. <emphasis>�Praetor</emphasis> Scott�, begr��te er den Mann. �Darf ich vorstellen: Das ist Maia Roberts, Mitglied des Garroway-Rudels. Maia, dies ist <emphasis>Praetor</emphasis> Scott. Er leitet die <emphasis>Praetor Lupus,</emphasis> k�nnte man sagen.�</p><p>�Die Scotts stehen dieser Institution seit dem 19. Jahrhundert vor�, erkl�rte der Mann und warf Maia einen kurzen Blick zu, die daraufhin als Zeichen des Respekts den Kopf leicht neigte. �Jordan, ich muss gestehen, dass wir so schnell nicht mit deiner R�ckkehr gerechnet hatten. Die Situation mit dem Vampir in Manhattan, diesem Tageslichtler��</p><p>�Ist unter Kontrolle�, warf Jordan hastig ein. �Aber deswegen sind wir nicht hier. Es geht um etwas ganz anderes.�</p><p><emphasis>Praetor</emphasis> Scott hob fragend die buschigen Augenbrauen. �Jetzt hast du meine Neugier geweckt.�</p><p>�Es handelt sich um eine ziemlich dringende Angelegenheit�, sagte Maia. �Luke Garroway, der Anf�hrer unseres Rudels��</p><p>Doch Scott warf Maia einen Blick zu, der sie augenblicklich verstummen lie�. Er mochte zwar keinem Rudel angeh�ren, aber er war ein Alphatier � das ging aus seinem gesamten Verhalten hervor. �Die <emphasis>Praetor</emphasis> bestimmen selbst, welche Angelegenheiten sie als dringend erachten�, teilte er Maia k�hl mit und musterte sie aus graugr�nen Augen. An seiner Kehle, unter dem Kragen seines Hemds, glitzerte der Bronzeanh�nger der <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> mit dem Abdruck einer Wolfstatze. �Und wir sind auch kein Hotel, das ungeladenen G�sten offen steht. Jordan hat dich auf gut Gl�ck hierhergebracht, und das wei� er auch. W�re er nicht einer unserer vielversprechendsten Absolventen, w�rde ich euch wahrscheinlich beide wieder fortschicken.�</p><p>Jordan schob die Daumen in die G�rtelschlaufen seiner Jeans und schaute betreten zu Boden.</p><p>Doch einen Augenblick sp�ter legte <emphasis>Praetor</emphasis> Scott ihm eine Hand auf die Schulter. �Aber du bist nun mal einer unserer vielversprechendsten Absolventen�, sagte er. �Und du wirkst ersch�pft. Ich kann dir ansehen, dass du die ganze Nacht auf den Beinen gewesen bist. Kommt, wir besprechen das Ganze in meinem B�ro.�</p><p>Scotts B�ro lag am Ende eines langen verwinkelten Flurs, der mit eleganten dunklen Holzvert�felungen versehen war. Durch das Geb�ude hallten fr�hliche Stimmen und ein Schild mit der Aufschrift �HAUSORDNUNG� hing an der Wand neben dem Treppenhaus.</p><cite><subtitle>HAUSORDNUNG</subtitle><p>� Kein Gestaltwandeln in den Fluren.</p><p>� Kein Heulen.</p><p>� Kein Silber.</p><p>� Das Tragen von Kleidung ist vorgeschrieben. ZU JEDER TAGES- UND NACHTZEIT.</p><p>� Keine K�mpfe. Keine Bei�ereien.</p><p>� Alle Lebensmittel m�ssen namentlich gekennzeichnet sein, ehe sie in den Gemeinschaftsk�hlschrank gestellt werden.</p></cite><p>Der Duft von frisch zubereitetem Fr�hst�ck wehte durch die G�nge und lie� Maias Magen knurren.</p><p><emphasis>Praetor</emphasis> Scott l�chelte. �Ich lass uns einen Teller mit ein paar H�ppchen kommen, falls ihr Hunger habt�, bemerkte er am�siert.</p><p>�Danke�, murmelte Maia.</p><p>Inzwischen hatten sie das Ende des Flurs erreicht und Scott �ffnete eine T�r mit der Aufschrift �B�RO�. Doch im n�chsten Augenblick runzelte er die Stirn. �Rufus�, sagte er. �Was machst du denn hier?�</p><p>Maia sp�hte an Scott vorbei. Das B�ro war ein gro�er Raum, in dem ein liebenswertes Durcheinander herrschte. Ein rechteckiges Panoramafenster ging auf eine weitl�ufige Rasenfl�che hinaus, auf der sich mehrere Gruppen haupts�chlich junger Leute in schwarzen Trainingssachen tummelten und offensichtlich Fr�hsport betrieben. Die W�nde des B�ros waren von Regalen ges�umt, in denen etliche B�cher zum Thema �Lykanthropie� standen. Die meisten waren in Latein verfasst, aber Maia erkannte das Wort <emphasis>lupus</emphasis>.</p><p>Scotts Schreibtisch bestand aus einer schweren Marmorplatte, die auf den Statuen zweier knurrender W�lfe ruhte. Davor standen zwei St�hle. Und auf einem dieser St�hle sa� ein gro�er Mann � ein Werwolf � leicht nach vorn gebeugt und mit verschr�nkten H�nden.</p><p><emphasis>�Praetor�,</emphasis> setzte er mit tiefer, heiserer Stimme an. �Ich hatte gehofft, mit Ihnen �ber diesen Vorfall in Boston reden zu k�nnen.�</p><p>�Du meinst den Vorfall, bei dem du deinem dir anvertrauten Sch�tzling das Bein gebrochen hast?�, erwiderte Scott trocken. �Dar�ber werden wir selbstverst�ndlich noch reden, Rufus, aber nicht jetzt. Im Moment erfordert eine dringendere Angelegenheit meine Aufmerksamkeit.�</p><p>�Aber, <emphasis>Praetor</emphasis>��</p><p>�Das w�re dann alles, Rufus�, entgegnete Scott im dominanten Tonfall eines Alphawolfs, dessen Befehlen nicht widersprochen werden durfte. �Denk daran: Dies ist ein Ort zur Resozialisierung. Und dazu geh�rt auch, dass man lernt, Autorit�ten zu respektieren.�</p><p>Rufus gab ein unterdr�cktes Knurren von sich und erhob sich von seinem Stuhl. Erst in diesem Moment wurde Maia bewusst, wie gro� der Werwolf mit dem glatt rasierten Sch�del tats�chlich war: Er ragte turmhoch �ber ihr und sogar �ber Jordan auf und sein schwarzes T-Shirt spannte �ber einer gewaltigen Brust und massiven Oberarmmuskeln. Auf seiner Wange prangten mehrere tiefe, von Krallen verursachte Narben wie Furchen in einem Ackerboden. Finster musterte er Maia, dann marschierte er an den dreien vorbei und hinaus in den Flur.</p><p>�Offensichtlich sind manche von uns leichter zu resozialisieren als andere�, murmelte Jordan in Richtung der wieder geschlossenen T�r.</p><p>Als sich Rufus� schwere Schritte entfernten, warf Scott sich in den B�rostuhl hinter seinem Schreibtisch und dr�ckte einen Knopf auf einer erstaunlich modern wirkenden Gegensprechanlage. Nachdem er mit knappen Worten Fr�hst�ck bestellt hatte, lehnte er sich zur�ck und verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf. �Ich bin ganz Ohr�, sagte er.</p><p>W�hrend Jordan die Ereignisse der vergangenen Tage zusammenfasste, hatte Maia M�he, sich auf seinen Bericht zu konzentrieren. Ihr Blick streifte immer wieder durch den Raum und sie fragte sich, wie es wohl gewesen w�re, hier in diesem eleganten Haus mit festen Regeln und Vorschriften aufzuwachsen statt in der relativ uneingeschr�nkten Freiheit des Rudels.</p><p>Nach einer Weile klopfte es an der T�r und ein vollst�ndig in Schwarz gekleideter Werwolf � das schien die vorgeschriebene Kleidung der <emphasis>Praetor</emphasis> zu sein � betrat das B�ro mit einem Zinntablett in den H�nden. Leicht entt�uscht betrachtete Maia das Fr�hst�ck: Roastbeef, K�se und Proteindrinks. Es stimmte zwar, dass Werw�lfe eine eiwei�reichere Kost ben�tigten als normale Leute, aber Roastbeef zum Fr�hst�ck?</p><p>�Du musst wissen, dass raffinierter Zucker sch�dlich f�r Werw�lfe ist�, wandte <emphasis>Praetor</emphasis> Scott sich an Maia, als diese mit spitzen Fingern ihren Proteindrink nahm und vorsichtig daran nippte. �Wenn man eine Weile darauf verzichtet, wird sich auch das Verlangen danach legen. Hat dein Rudelanf�hrer dir das denn nicht erkl�rt?�</p><p>Maia versuchte, sich Luke � der zum Fr�hst�ck gern Pfannkuchen in lustigen Formen zubereitete � dabei vorzustellen, wie er ihr einen Vortrag �ber Zucker hielt. Doch es gelang ihr nicht. Allerdings war dies auch nicht der richtige Moment, das zu erw�hnen. �Nat�rlich hat er mir das gesagt�, schwindelte sie. �Aber in stressigen Zeiten falle ich schon mal in alte Gewohnheiten zur�ck.�</p><p>�Ich verstehe deine Sorge um deinen Leitwolf�, erkl�rte Scott, an dessen Handgelenk eine goldene Rolex glitzerte. �Normalerweise verfolgen wir eine strikte Politik der Nichteinmischung in Angelegenheiten, die nicht in direktem Zusammenhang mit Schattenwesen-Frischlingen stehen. Und dabei r�umen wir Werw�lfen keine Priorit�t gegen�ber anderen Schattenweltlern ein, auch wenn ausschlie�lich Lykanthropen den <emphasis>Praetor</emphasis> beitreten d�rfen.�</p><p>�Aber genau deshalb brauchen wir Ihre Hilfe�, warf Jordan ein. �Rudel sind von Natur aus st�ndig unterwegs, nie lange sesshaft. Sie haben nicht die M�glichkeit, gesammeltes Wissen in Bibliotheken zu archivieren. Ich will damit nicht sagen, dass sie nicht auch �ber besondere Kenntnisse verf�gen, aber diese werden in der Regel m�ndlich �berliefert und jedes Rudel wei� unterschiedliche Dinge. Wir k�nnten zwar von Rudel zu Rudel ziehen und vielleicht sogar auf eines sto�en, das wei�, wie Luke geheilt werden kann, doch dazu fehlt uns einfach die Zeit. Das hier��, erkl�rte er und zeigte auf die B�cherregale an den W�nden, �ist die einzige Dokumentensammlung der Werw�lfe, die dem Archiv der Stillen Br�der oder dem Spirallabyrinth der Hexenwesen nahekommt.�</p><p>Doch Scott schien von Jordans Worten nicht �berzeugt. Daraufhin stellte Maia ihren Proteinshake ab und f�gte hinzu: �Luke ist ja nicht einfach nur der Anf�hrer unseres Rudels � er ist auch der Repr�sentant der Werw�lfe in der Kongregation. Wenn Sie uns dabei helfen w�rden, ihn zu heilen, k�nnten Sie darauf vertrauen, dass die <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> in der Kongregation immer eine Stimme h�tten, die im Sinne der Wolfsgarde abstimmt.�</p><p>Scotts Augen funkelten. �Interessant�, bemerkte er. �Nun gut. Ich werde einen Blick in die B�cher unserer Bibliothek werfen, was vermutlich ein paar Stunden dauern wird. Jordan, ich schlage vor, dass du dich etwas hinlegst und ausruhst, ehe du nach Manhattan zur�ckf�hrst. Wir wollen doch nicht, dass du dich mit deinem Wagen um den n�chsten Baum wickelst.�</p><p>�Ich k�nnte fahren��, bot Maia an.</p><p>�Du siehst mindestens so ersch�pft aus wie er. Jordan, du wei�t ja, dass dir hier im <emphasis>Praetor House</emphasis> immer ein Bett zur Verf�gung steht, auch wenn du deine Ausbildung bereits abgeschlossen hast. Und da Nick durch einen Spezialauftrag au�er Haus ist, kann Maia sein Bett benutzen. Warum ruht ihr euch nicht eine Weile aus und ich lasse euch rufen, wenn ich mit der Recherche fertig bin?�, schlug er vor, wirbelte mit seinem B�rostuhl herum und widmete sich den B�chern in den Regalen.</p><p>Mit einer Geste gab Jordan Maia zu verstehen, dass dies ihr Stichwort zum Aufbruch war. Sie erhob sich, wischte sich ein paar Kr�mel von ihrer Jeans und war schon fast bei der T�r, als <emphasis>Praetor </emphasis>Scott sie erneut ansprach.</p><p>�Ach ja, noch etwas, Maia Roberts��, setzte er an und in seiner Stimme schwang ein warnender Unterton mit. �Ich hoffe doch sehr, dass dir eines bewusst ist: Wenn du im Namen anderer Leute Versprechungen machst, dann ist es <emphasis>deine</emphasis> Aufgabe, dass diese auch eingehalten werden.�</p><p>Als Simon aufwachte, f�hlte er sich noch immer total ersch�pft und blinzelte m�de in die Dunkelheit. Die dichten schwarzen Vorh�nge vor den Fenstern lie�en nur wenig Licht in den Raum dringen, doch seine innere Uhr verriet ihm, dass es inzwischen Vormittag sein musste � eine Vermutung, die durch die Tatsache best�tigt wurde, dass Isabelle verschwunden war. Die Bettdecke lag zur�ckgeschlagen am Fu�ende und das Laken auf ihrer Seite des Betts war zerw�hlt.</p><p>Schon Vormittag, und er hatte seit Clarys Aufbruch keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt. Simon zog seine rechte Hand hervor und betrachtete den goldenen Ring an seinem Finger. In das feine Metall waren entweder Muster oder aber Worte in einer Schrift eingraviert, die er nicht kannte.</p><p>Er biss die Z�hne zusammen, setzte sich auf und ber�hrte den Ring. <emphasis>Clary?</emphasis></p><p>Ihre Antwort kam sofort und deutlich und Simon w�re vor Erleichterung fast aus dem Bett gefallen. <emphasis>Simon. Gott sei Dank.</emphasis></p><p><emphasis>Kannst du reden?</emphasis></p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Eine gewisse Anspannung schien in ihrer Stimme mitzuschwingen, die Simon eher sp�ren als h�ren konnte. <emphasis>Ich bin zwar froh, dass du dich meldest, aber gerade ist es etwas schwierig. Ich bin nicht allein.</emphasis></p><p><emphasis>Aber es geht dir gut?</emphasis></p><p><emphasis>Mit mir ist alles in Ordnung. Bisher ist noch nichts Nennenswertes passiert. Ich versuche, Informationen zu sammeln. Sobald ich mehr wei�, melde ich mich. Versprochen.</emphasis></p><p><emphasis>Okay. Pass gut auf dich auf.</emphasis></p><p><emphasis>Du auch.</emphasis></p><p>Und dann war die Verbindung beendet. Simon schob die Beine �ber den Rand der Matratze und bem�hte sich, seine vom Schlaf zerzausten Haare wenigstens ein bisschen zu gl�tten. Dann sah er nach, ob sonst schon jemand wach war.</p><p>Offensichtlich waren alle lange vor ihm aufgestanden: Alec, Magnus, Jocelyn und Isabelle sa�en am gro�en Tisch in Magnus� Wohnzimmer, jeder einen Becher Kaffee vor sich. Im Gegensatz zu Alec und Magnus, die beide in Jeans auf ihren St�hlen hockten, trugen Jocelyn und Isabelle ihre Schattenj�germontur und Isabelle hatte ihre Peitsche um den rechten Arm gewickelt. Als Simon eintrat, schaute sie auf, l�chelte jedoch nicht. Auch ihre Schultern wirkten angespannt und ihre Lippen waren zu einem d�nnen Strich zusammengepresst.</p><p>�Es hat schon seinen Grund, warum das Ritual der Engelsinsignien so kompliziert war.� Magnus lie� die Zuckerdose herbeischweben und schaufelte sich einen L�ffel in den Kaffee. �Engel handeln auf Gehei� Gottes, aber nicht auf das der Menschen � nicht einmal, wenn es sich dabei um Schattenj�ger handelt. Wagt man es, einen Engel herbeizurufen, muss man damit rechnen, von seinem himmlischen Zorn vernichtet zu werden. Der eigentliche Zweck des Insignien-Rituals bestand nicht darin, Raziel heraufzubeschw�ren � das Ritual diente vorrangig dazu, denjenigen, der ihn herbeirief, vor dem Zorn des Erzengels zu sch�tzen, sobald dieser erschien.�</p><p>�Valentin��, setzte Alec an.</p><p>�Ja, Valentin hat neben Raziel auch noch einen rangniederen Engel heraufbeschworen. Aber der hat nicht ein einziges Mal zu ihm gesprochen, oder? Und ihm �berhaupt nicht geholfen, auch wenn Valentin ihm Blut abgezapft hat. Bei all dem muss Valentin unglaublich m�chtige Beschw�rungsformeln eingesetzt haben, nur um den Engel zu binden. So wie ich das verstehe, hat Valentin die Lebensenergie des Engels mit dem Landsitz der Waylands verkn�pft, weshalb das Haus mit dem Tod des Engels in sich zusammenst�rzte.� Mit einem blau lackierten Fingernagel tippte er gegen den Kaffeebecher. �Damit hat er sich selbst verdammt. Ob man nun an Himmel und H�lle glaubt oder nicht, er hat sich selbst der Verdammnis preisgegeben. Denn als er Raziel heraufbeschwor, hat dieser ihn niedergestreckt, nicht zuletzt als Vergeltung f�r das, was Valentin seinem Engelsbruder angetan hatte.�</p><p>�Warum reden wir �ber das Rufen von Engeln?�, fragte Simon und setzte sich ans Kopfende des langen Tischs.</p><p>�Isabelle und Jocelyn waren bei den Eisernen Schwestern und haben nach einer Waffe gefragt, die gegen Sebastian eingesetzt werden kann, ohne gleichzeitig Jace Schaden zuzuf�gen�, erkl�rte Alec.</p><p>�Und, gibt es so eine Waffe?�</p><p>�Nicht in dieser Welt�, sagte Isabelle. �Eine Himmelswaffe k�nnte vielleicht etwas bewirken oder eine Klinge mit d�monischen Kr�ften� entstanden aus einem D�monenpakt. Wir haben gerade die erste Alternative diskutiert.�</p><p>�Die darin besteht, einen Engel herbeizurufen, damit er euch seine Waffe gibt?�</p><p>�Das w�re nicht das erste Mal�, hielt Magnus dagegen. �Raziel gab Jonathan Shadowhunter das Engelsschwert. In den alten �berlieferungen erschien Josua in der Nacht vor der Schlacht um Jericho ein Engel und gab ihm ein Schwert.�</p><p>�Und ich dachte, Engel w�rden sich nur f�r Frieden interessieren und nicht f�r Waffen�, meinte Simon.</p><p>Magnus schnaubte. �Engel sind nicht einfach nur Botschafter. Sie sind auch Krieger. Von Michael hei�t es, er habe ganze Heerscharen gef�hrt. Und sie bringen nicht sehr viel Geduld auf� Engel, meine ich. Insbesondere nicht f�r die Schicksalsschl�ge der Menschen. Jeder, der versucht h�tte, Raziel ohne den Schutz der Engelsinsignien heraufzubeschw�ren, w�re vermutlich auf der Stelle niedergestreckt worden. Dagegen lassen sich D�monen wesentlich leichter heraufbeschw�ren � sie sind einfach viel zahlreicher und noch dazu in der Regel recht schwach. Andererseits hilft uns ein schwacher D�mon aber auch nur in begrenztem Ma�e weiter��</p><p>�Wir k�nnen keinen D�mon heraufbeschw�ren�, protestierte Jocelyn best�rzt. �Der Rat��</p><p>�Ich dachte, du h�ttest schon vor Jahren aufgeh�rt, dich daf�r zu interessieren, was der Rat von dir denkt�, warf Magnus ein.</p><p>�Es geht doch gar nicht um mich�, sagte Jocelyn. �Sondern um euch. Um Luke. Meine Tochter. Wenn die Ratsmitglieder davon erfahren��</p><p>�Aber sie werden es ja nicht erfahren, oder?� Alecs sonst so sanfte Stimme klang ungew�hnlich hart. �Es sei denn, du erz�hlst es ihnen.�</p><p>Jocelyn blickte von Isabelles ausdruckslosem Gesicht zu Magnus� fragenden Augen und dann zu Alec, der sie entschlossen anschaute. �Zieht ihr das wirklich in Erw�gung? Einen D�mon heraufzubeschw�ren?�, hakte sie nach.</p><p>�Nun ja, nicht einfach irgendeinen D�mon�, meinte Magnus. �Sondern Azazel.�</p><p>�Azazel?� Jocelyns Miene verfinsterte sich und ihr Blick wanderte �ber die Gesichter der anderen, als suche sie Unterst�tzung.</p><p>Doch Izzy und Alec schauten schweigend in ihre Becher und Simon zuckte nur die Achseln. �Ich wei� nicht, wer dieser Azazel ist�, erkl�rte er. �War das nicht der Kater bei den Schl�mpfen?� Er blickte suchend in die Runde, aber Isabelle schaute nur auf und rollte mit den Augen. <emphasis>Clary?,</emphasis> dachte Simon.</p><p>Ihre Antwort kam sofort, wobei Sorge in ihrer Stimme mitschwang. <emphasis>Was ist los? Was ist passiert? Hat meine Mom schon herausgefunden, dass ich weg bin?</emphasis></p><p><emphasis>Noch nicht,</emphasis> erwiderte Simon in Gedanken. <emphasis>Ist Azazel der Kater bei den Schl�mpfen?</emphasis></p><p>Einen Moment lang herrschte Funkstille, dann erkl�rte Clary: <emphasis>Das ist Azra�l, Simon. Und ab jetzt bitte keine Fragen mehr zu den Schl�mpfen.</emphasis> Und dann war sie auch schon wieder weg.</p><p>Simon schaute von seiner Hand auf und sah, dass Magnus ihn zweifelnd musterte. �Azazel ist kein Kater Sylvester�, erl�uterte er, �sondern ein D�monenf�rst. Erster Bannertr�ger der H�llenarmeen und Waffenschmied. Einst war er ein Engel � bis er die Menschheit die Fertigung von Waffen lehrte, ein Wissen, das bis dahin nur den Engeln vorbehalten war. Dies verursachte dann auch seinen Fall und heute ist er ein D�mon. �Die ganze Erde ist verdorben durch die Wirkungen Azazels Lehre. Ihm also schreibe das ganze Verbrechen zu.��</p><p>Verwundert starrte Alec Magnus an. �Woher wei�t du das alles?�</p><p>�Er ist ein Freund von mir�, sagte Magnus. Und als er die Mienen der anderen sah, f�gte er seufzend hinzu: �Okay, also nicht direkt. Aber so steht es im Buch Henoch.�</p><p>�Das Ganze scheint ziemlich gef�hrlich zu sein�, bemerkte Alec stirnrunzelnd. �Es klingt danach, als ob er sogar noch m�chtiger w�re als ein D�monenf�rst. Fast wie Lilith.�</p><p>�Gl�cklicherweise ist er bereits gebunden�, erkl�rte Magnus. �Wenn man ihn heraufbeschw�rt, wird sein Geist erscheinen, aber sein K�rper bleibt an die zerkl�fteten Felsen der W�ste Dudael gebunden.�</p><p>�Die zerkl�fteten Felsen von� ach, egal�, sagte Isabelle und steckte ihre langen, dunklen Haare zu einem Knoten hoch. �Er ist der D�mon der Waffen. Na prima. Ich finde, wir sollten es ausprobieren.�</p><p>�Ich kann nicht glauben, dass ihr das auch nur in Erw�gung zieht�, warf Jocelyn ein. �Ich habe bei Valentin hautnah miterlebt, wohin es f�hren kann, wenn man nur �ber Halbwissen zu D�monen verf�gt. Clary�� Sie verstummte, als sp�rte sie Simons Blick auf sich, und wandte sich dann ihm zu: �Simon, wei�t du, ob Clary schon wach ist? Wir haben sie schlafen lassen, aber inzwischen ist es fast elf.�</p><p>Simon z�gerte. �Ich wei� es nicht.� Genau genommen war das ja nicht gelogen, beruhigte er sich selbst. Wo auch immer Clary sich befinden mochte: Theoretisch <emphasis>war</emphasis> es m�glich, dass sie gerade schlief. Auch wenn er vor zwei Minuten noch mit ihr gesprochen hatte.</p><p>Verwundert schaute Jocelyn ihn an. �Aber hast du denn nicht bei ihr im Zimmer geschlafen?�</p><p>�Nein, ich� ich war�� Simon verstummte, da ihm klar wurde, dass er sich selbst gerade eine Grube gegraben hatte. Magnus besa� drei G�stezimmer. In einem hatte Jocelyn �bernachtet, im zweiten Clary. Was offensichtlich bedeutete, dass er im dritten Zimmer geschlafen hatte, zusammen mit�</p><p>�Isabelle?�, warf Alec mit hoch erhobenen Augenbrauen ein. �Du hast in Isabelles Zimmer geschlafen?�</p><p>Doch Isabelle winkte nur absch�tzig ab. �Kein Grund zur Sorge, Bruderherz. Es ist nichts passiert. Andererseits��, f�gte sie hinzu, als sie sah, wie Alecs Schultern sich entspannten, �andererseits war ich nat�rlich total betrunken und v�llig weggetreten. Im Grunde h�tte er also alles mit mir machen k�nnen, ohne dass ich auch nur aufgewacht w�re.�</p><p>�Also ich muss doch sehr bitten�, protestierte Simon. �Ich hab nichts weiter getan, als dir die gesamte Handlung von <emphasis>Krieg der Sterne</emphasis> zu erz�hlen.�</p><p>�Ich glaub nicht, dass ich mich <emphasis>daran</emphasis> erinnern kann�, erwiderte Isabelle und nahm sich einen Keks vom Teller in der Tischmitte.</p><p>�Ach, nein? Und wer war dann Luke Skywalkers Sandkastenfreund?�</p><p>�Biggs Darklighter�, antwortete Isabelle wie aus der Pistole geschossen und schlug dann mit der flachen Hand auf den Tisch. �Das ist so gemein!� Trotzdem grinste sie breit, w�hrend sie an ihrem Keks knabberte.</p><p>�Ah�, meinte Magnus. �Junge Nerd-Liebe. Eine wundervolle Sache, doch gleichzeitig auch Ziel f�r Spott � und Quelle der Erheiterung f�r diejenigen unter uns, die ein wenig kultivierter sind.�</p><p>�Okay, das reicht.� Jocelyn stand auf. �Ich werde jetzt Clary holen. Wenn ihr vorhabt, einen D�mon heraufzubeschw�ren, will ich nicht dabei sein � genauso wenig will ich, dass meine Tochter dabei ist.� Entschlossen marschierte sie in Richtung des schmalen Flurs.</p><p>Blitzschnell versperrte Simon ihr den Weg. �Das kannst du nicht machen�, protestierte er.</p><p>Jocelyn musterte ihn mit fester Miene. �Ich wei�, was du jetzt sagen willst, Simon� dass dies hier der sicherste Ort f�r uns sei. Aber wenn ein D�mon heraufbeschworen werden soll, will ich nicht��</p><p>�Darum geht�s gar nicht�, unterbrach Simon sie und holte tief Luft � was ihm aber auch nicht half, weil sein Blut keinen Sauerstoff mehr aufnehmen konnte. Ihm war etwas mulmig zumute. �Du kannst Clary nicht wecken, weil� weil sie gar nicht hier ist.�</p></section><section><title><p>10</p><p>Die Wilde Jagd</p></title><p>Jordans ehemaliges Zimmer im <emphasis>Praetor House</emphasis> sah genauso aus wie jedes andere Studentenzimmer: An den beiden Seitenw�nden standen zwei flache Metallrahmenbetten, durch ein Fenster voneinander getrennt, das auf die gr�nen Rasenfl�chen drei Stockwerke tiefer hinausging. Jordans Zimmerh�lfte war relativ kahl. Es schien, als h�tte er die meisten Fotos und B�cher nach Manhattan mitgenommen; allerdings hingen noch ein paar mit Rei�zwecken befestigte Schnappsch�sse vom Meer und vom Strand an der Wand, direkt neben einem angelehnten Surfbrett. Maias Herz machte einen Satz, als sie das Foto von Jordan und ihr im goldenen Rahmen auf dem Nachttisch entdeckte. Es war in Ocean City aufgenommen worden, im Hintergrund sah man den Strand und den langen Holzpier.</p><p>Jordan warf einen kurzen Blick auf das Bild, schaute dann zu Maia und err�tete. Er hievte seine Tasche aufs Bett und zog seine Jacke aus, Maia den R�cken zugekehrt.</p><p>�Wann kommt denn dein Zimmergenosse wieder zur�ck?�, fragte die junge Werw�lfin in die unbehagliche Stille hinein. Sie war sich nicht sicher, warum sie beide pl�tzlich so verlegen reagierten. In Jordans Wagen waren sie alles andere als sch�chtern gewesen, doch hier, in seinem ehemaligen Zimmer, schienen sich die Jahre, in denen sie nicht miteinander gesprochen hatten, wie ein Keil zwischen sie zu schieben.</p><p>�Das kann niemand so genau sagen. Nick ist mit einem Spezialauftrag betraut. Und die sind sehr gef�hrlich. M�glicherweise kommt er �berhaupt nicht mehr zur�ck.� Jordan klang resigniert, w�hrend er seine Jacke �ber die R�ckenlehne eines Stuhls legte. �Warum ruhst du dich nicht ein paar Minuten aus? Ich spring kurz unter die Dusche�, f�gte er hinzu und marschierte dann in Richtung Bad.</p><p>Mit Erleichterung registrierte Maia, dass das Zimmer ein eigenes Bad hatte � im Moment war sie nicht in der Stimmung f�r einen dieser Gemeinschaftswaschr�ume am Ende des Ganges. �Jordan��, setzte sie an, doch er hatte die Badezimmert�r bereits hinter sich geschlossen. Maia konnte h�ren, wie das Wasser aufgedreht wurde. Seufzend kickte sie ihre Schuhe von den F��en und legte sich auf Nicks Bett, dessen dunkelblaue Wolldecke ein bisschen nach Tannenzapfen roch. Maia schaute an die Zimmerdecke hoch und sah, dass sie mit Fotos �bers�t war. Von jeder Aufnahme l�chelte sie derselbe blonde, etwa siebzehn Jahre alte Junge an � Nick, vermutete Maia. Er wirkte gl�cklich. Ob Jordan ebenfalls gl�cklich gewesen war, hier im <emphasis>Praetor House?</emphasis></p><p>Sie streckte den Arm aus und drehte das Foto auf Jordans Nachttisch zu sich. Die Aufnahme war vor Jahren entstanden, als Jordan noch ziemlich schm�chtig gewesen war, mit gro�en hellbraunen Augen, die sein ganzes Gesicht beherrschten. Sie hielten sich in den Armen und wirkten sonnendurchgl�ht und gl�cklich. Die Sommersonne hatte ihre Haut sichtbar gebr�unt und Maias Haare hatten helle Str�hnchen bekommen. Jordan hatte ihr den Kopf zugewandt, als wollte er ihr etwas zufl�stern oder sie k�ssen. Maia konnte sich nicht daran erinnern. Nicht mehr.</p><p>Ihre Gedanken wanderten zu dem Jungen, auf dessen Bett sie sich nun ausruhte, der Junge, der vielleicht nicht mehr zur�ckkehrte. Unwillk�rlich musste sie an Luke denken, der im Sterben lag, und an Alaric und Gretel und Justine und Theo und all die anderen Rudelmitglieder, die im Kampf gegen Valentin ihr Leben verloren hatten. Dann dachte sie an Max und Jace, zwei Opfer in den Reihen der Lightwoods. Wenn sie ehrlich war, glaubte sie nicht mehr daran, dass der richtige Jace jemals zu ihnen zur�ckkehren w�rde. Schlie�lich wanderten ihre Gedanken seltsamerweise zu Daniel � dem Bruder, um den sie nie getrauert hatte. Zu ihrer �berraschung sp�rte sie, wie ihr Tr�nen brennend in die Augen stiegen.</p><p>Ruckartig setzte Maia sich auf. Sie hatte das Gef�hl, als w�rde sich die ganze Welt auf den Kopf stellen und sie m�sste sich verzweifelt festklammern, um nicht in einen pechschwarzen Abgrund zu st�rzen. Maia konnte sp�ren, wie die Schatten immer n�her kamen. Nun, da Jace verloren und Sebastian irgendwo da drau�en war, konnte die Zukunft nur noch finsterer werden. Und es w�rde noch mehr Verletzte und noch mehr Tote geben. Sie musste sich eingestehen, dass die wenigen Minuten in der Morgend�mmerung, in denen sie und Jordan sich gek�sst hatten, die Momente gewesen waren, in denen sie sich seit Wochen zum ersten Mal wieder lebendig gef�hlt hatte.</p><p>Wie in Trance stand sie auf, durchquerte den Raum und �ffnete die Badezimmert�r. Die Duschkabine befand sich in einer Ecke und durch die Milchglasscheiben konnte sie Jordans Silhouette erkennen. Maia bezweifelte, dass er �ber den prasselnden Wasserstrahl hinweg h�ren konnte, wie sie ihr Sweatshirt auszog und dann aus ihrer Jeans und ihrer Unterw�sche schl�pfte. Sie holte tief Luft, ging leise zur Duschkabine, schob die T�r auf und trat in die Dusche. Hei�er Dampf schlug ihr entgegen.</p><p>Jordan wirbelte herum und strich sich die nassen Haare aus den Augen. Sein Gesicht war ger�tet und lie� seine Augen gl�nzen, als h�tte das Wasser sie poliert. Vielleicht lag es aber nicht nur am hei�en Wasser, dass ihm das Blut in den Kopf stieg, als er sie ansah � von Kopf bis Fu�. Maia erwiderte seinen Blick ruhig und kein bisschen verlegen und beobachtete dann, wie der <emphasis>Praetor-Lupus</emphasis>-Anh�nger in seiner feuchten Halskehle schimmerte und der Schaum �ber Jordans Schultern und Brust glitt, w�hrend er sie anstarrte und gegen das Wasser in seinen Augen anblinzelte. Er war wundersch�n, aber das hatte sie schlie�lich schon immer gewusst.</p><p>�Maia?�, fragte er stockend. �Ist alles okay�?�</p><p>�Sch.� Maia dr�ckte ihren Zeigefinger an seine Lippen und zog mit der anderen Hand die T�r der Duschkabine hinter sich zu. Dann trat sie n�her an Jordan heran, schlang beide Arme um ihn, damit das hei�e Wasser die Dunkelheit von ihnen beiden absp�len konnte. �Nicht reden. K�ss mich.�</p><p>Und das tat er.</p><p>�Was, beim Erzengel, soll das hei�en � Clary ist nicht hier?�, fragte Jocelyn fordernd. Ihr Gesicht war kreidebleich. �Woher willst du das wissen, wenn du selbst gerade erst aufgewacht bist? Wo ist sie hingegangen?�</p><p>Simon schluckte. Jocelyn war f�r ihn immer so etwas wie eine zweite Mutter gewesen und ihren ausgepr�gten Besch�tzerinstinkt gegen�ber ihrer Tochter war er schon lange gewohnt. Bisher hatte sie ihn stets f�r einen Verb�ndeten in dieser Angelegenheit gehalten, als jemanden, der sich zwischen Clary und die Gefahren dieser Welt stellen w�rde. Doch nun sah sie ihn an, als w�re er ihr Feind. �Clary hat mir letzte Nacht eine SMS geschickt��, fing Simon an, verstummte aber, als Magnus ihn heranwinkte.</p><p>�Du kannst dich genauso gut auch wieder hinsetzen�, sagte er. Isabelle und Alec starrten Simon mit gro�en Augen an, wohingegen der Hexenmeister nicht besonders �berrascht zu sein schien. �Erz�hl uns, was hier los ist, und zwar von Anfang an. Irgendwie hab ich das Gef�hl, dass das eine Weile dauern k�nnte.�</p><p>Simons Bericht nahm tats�chlich einige Zeit in Anspruch, war aber nicht ann�hernd so lang, wie er im Stillen gehofft hatte. Als er fertig war, die Augen fest auf Magnus� zerkratzten Tisch geheftet, hob er den Kopf und bemerkte, dass Jocelyn ihn mit einem Blick musterte, der so kalt war wie Polarwasser.</p><p>�Du hast meine Tochter gehen lassen� mit Jace� an irgendeinen unauffindbaren und nicht aufzusp�renden Ort, wo keiner von uns sie erreichen kann?�</p><p>Betreten schaute Simon auf seine H�nde. �Ich kann sie erreichen�, widersprach er und hielt seine rechte Hand mit dem goldenen Ring hoch. �Das hab ich doch eben gesagt. Ich hab nach dem Aufwachen mit ihr Kontakt gehabt. Sie meinte, es ginge ihr gut.�</p><p>�Du h�ttest sie gar nicht erst gehen lassen d�rfen!�</p><p>�Ich hatte keine Wahl � sie w�re so oder so gegangen. Und da dachte ich, es sei besser, wenn sie dann wenigstens eine Art Rettungsleine hat � wenn ich sie schon nicht aufhalten kann.�</p><p>�Fairerweise muss man sagen, dass wohl niemand sie h�tte stoppen k�nnen. Clary macht, was sie will�, meinte Magnus und wandte sich an Jocelyn. �Du kannst sie nicht wie in einem K�fig halten.�</p><p>�Ich habe dir vertraut�, fauchte Jocelyn den Hexenmeister an. �Wie ist sie hier rausgekommen?�</p><p>�Sie hat ein Portal erschaffen.�</p><p>�Aber du hast doch gesagt, deine Wohnung w�re durch Schutzschilde gesichert��</p><p>�Um Gefahren fernzuhalten, nicht, um meine G�ste einzusperren. Jocelyn, deine Tochter ist nicht dumm und sie tut, was sie f�r richtig h�lt. Du kannst sie nicht aufhalten. Niemand kann das. Da �hnelt sie sehr ihrer Mutter.�</p><p>Einen Moment lang starrte Jocelyn Magnus mit halb offen stehendem Mund an � und Simon begriff, dass Magnus Clarys Mutter nat�rlich schon seit deren Jugend gekannt haben musste, als sie Valentin und seinen Kreis verraten hatte und w�hrend des Aufstands fast umgekommen war. �Clary ist noch ein Kind�, entgegnete sie aufgebracht und fragte Simon: �Du hast also mit ihr gesprochen? Mithilfe dieser� dieser Ringe? Nachdem sie die Wohnung verlassen hat?�</p><p>�Zuletzt vor ein paar Minuten�, best�tigte Simon. �Sie meinte, es ginge ihr gut. Und es sei alles in Ordnung.�</p><p>Statt beruhigt zu sein, wirkte Jocelyn nur noch w�tender. �Nat�rlich hat sie das <emphasis>gesagt!</emphasis> Ich kann einfach nicht fassen, dass du ihr das erlaubt hast, Simon. Du h�ttest sie daran hindern m�ssen��</p><p>�Ja, wie denn? H�tte ich sie vielleicht fesseln sollen� mit Handschellen an den Restauranttisch ketten?�, rief Simon ungl�ubig.</p><p>�Wenn es nicht anders gegangen w�re. Du bist st�rker als sie. Ich bin schwer entt�uscht��</p><p>Da stand Isabelle auf. �Okay, das reicht jetzt�, funkelte sie Jocelyn an. �Es ist total unfair, Simon wegen etwas runterzumachen, das Clary ganz allein beschlossen hat. Und selbst wenn Simon sie f�r dich festgehalten h�tte � was dann? H�ttest du sie f�r immer und ewig einsperren wollen? Irgendwann h�ttest du sie ja doch mal freilassen m�ssen, und was dann? Dann w�rde sie nicht mal mehr Simon vertrauen, denn dir vertraut sie ja ohnehin nicht mehr, weil du ihr die Erinnerungen gestohlen hast. Und wenn ich mich richtig entsinne, hast du das deshalb getan, weil du sie <emphasis>sch�tzen</emphasis> wolltest. Aber wenn du sie nicht st�ndig derart �berm��ig besch�tzt h�ttest, dann w�sste sie jetzt vielleicht besser, was gef�hrlich ist und was nicht. Und sie w�re etwas weniger geheimnistuerisch � und nicht so leichtsinnig!�</p><p>Alle Anwesenden starrten Isabelle an und Simon musste daran denken, was Clary ihm einmal gesagt hatte: Izzy mochte zwar nur selten Reden schwingen, aber wenn sie einmal eine hielt, dann sorgte sie daf�r, dass sie auch Gewicht hatte.</p><p>Jocelyn war kreidebleich. �Ich werde jetzt zur alten Polizeiwache zu Luke fahren�, sagte sie. �Simon, ich erwarte alle vierundzwanzig Stunden einen Bericht von dir, dass es meiner Tochter gut geht. Wenn ich nicht jeden Abend von dir h�re, werde ich mich an den Rat wenden.� Damit marschierte sie aus der Wohnung und knallte die T�r so fest hinter sich zu, dass sich ein langer Riss im Putz der Mauer bildete.</p><p>Isabelle setzte sich wieder an den Tisch, dieses Mal direkt neben Simon. Er sagte nichts, sondern streckte ihr nur stumm seine Hand entgegen. Izzy dr�ckte sie schweigend und verschr�nkte ihre Finger mit Simons.</p><p>�Also�, sagte Magnus schlie�lich und beendete damit die betretene Stille, �wer hilft mir, Azazel heraufzubeschw�ren? Denn wir brauchen dazu eine Unmenge an Kerzen.�</p><p>Jace und Clary verbrachten den Tag in Venedig: Sie schlenderten durch die labyrinthartigen winzigen Gassen entlang der Kan�le, deren Gew�sser in allen Farben von Dunkelgr�n bis Tr�bblau schimmerten. Sie schl�ngelten sich zwischen den Touristen auf dem Markusplatz hindurch, spazierten �ber die Seufzerbr�cke und tranken im ber�hmten Caf� Florian aus kleinen Tassen kr�ftigen Espresso. Die verwirrend verschlungenen Stra�en erinnerten Clary ein wenig an Alicante, obwohl der Hauptstadt von Idris Venedigs Flair des eleganten Verfalls fehlte. Es gab weder breite Stra�en noch Autos, nur gewundene kleine Gassen und Br�cken, die �ber Kan�le mit malachitgr�nem Wasser f�hrten. Als der Himmel den tiefblauen Ton der sp�therbstlichen Abendd�mmerung annahm, gingen �berall einladende Lichter und Lampen an � in winzigen Boutiquen, in Bars und Restaurants, die wie aus dem Nichts aufzutauchen schienen und genauso schnell wieder in den Schatten verschwanden, w�hrend Clary und Jace daran vorbeischlenderten und die Lichter und das Lachen der G�ste hinter sich lie�en.</p><p>Als Jace Clary fragte, ob sie hungrig sei, nickte sie entschieden. Inzwischen hatte sie einen Anflug von schlechtem Gewissen, weil sie noch keine Informationen aus Jace herausbekommen hatte und sich ehrlich gesagt ganz gut am�sierte. W�hrend sie eine Br�cke zum Stadtteil Dorsoduro �berquerten, einem der ruhigeren, weniger touristischen Viertel, nahm sich Clary vor, an diesem Abend irgendetwas aus Jace herauszuquetschen � irgendetwas, das es wert war, es an Simon weiterzugeben.</p><p>Jace hielt Clarys Hand, als sie eine weitere Br�cke �berquerten und die Stra�e auf einen weiten Platz an einen gro�en, fast flussbreiten Kanal f�hrte. Rechts von ihnen erhob sich die Basilika einer Barockkirche, w�hrend am gegen�berliegenden Kanalufer weitere Lichter entz�ndet wurden und bunte Farben auf das Wasser warfen, die glitzerten und schillerten. Clary juckte es in den Fingern und sie w�nschte, sie h�tte ihre Malutensilien dabei, um das verblassende Licht des Abendhimmels und die dunklen Fluten, in denen sich die eckigen Konturen der Bauwerke reflektierten, festhalten zu k�nnen. Die gesamte Szenerie war in stahlblaues Licht getaucht. Irgendwo l�uteten Kirchenglocken.</p><p>Clary verst�rkte ihren Griff um Jace� Hand. Sie f�hlte sich so weit weg von ihrem bisherigen Leben, auf eine Weise entr�ckt, wie sie es selbst von Idris nicht kannte. Venedig teilte mit Alicante zwar die Atmosph�re eines Ortes ohne Zeit, losgel�st von der Vergangenheit, als w�re man in ein Gem�lde gestiegen oder zwischen die Seiten eines Buches gekrochen. Aber bei der italienischen Lagunensiedlung handelte es sich auch um eine reale Stadt, deren Existenz Clary aus der Schule kannte und die sie schon immer hatte besuchen wollen. Clary warf Jace, der gerade �ber den Kanal schaute, einen Seitenblick zu. Das stahlblaue Licht umh�llte auch ihn und lie� seine Augen dunkler erscheinen, genau wie die Schatten unter seinen Wangenknochen und die Konturen seines Mundes.</p><p>Als er ihren Blick bemerkte, wandte er sich ihr zu und l�chelte. Er f�hrte sie um die Kirche herum und �ber ein paar bemooste Stufen zu einem Pfad entlang des Kanals. Das ganze Viertel roch nach feuchtem Stein, Wasser, Moder und vielen, vielen Jahrhunderten. W�hrend sich der Himmel verdunkelte, durchbrach pl�tzlich, nur wenige Schritte von Clary entfernt, etwas die Wasseroberfl�che. Sie h�rte ein Platschen und schaute gerade noch rechtzeitig zum Kanal, um eine gr�nhaarige Frau aus den Fluten aufsteigen zu sehen. Die Frau l�chelte sie an. Sie hatte ein wundersch�nes Gesicht, aber haifischartige Z�hne und die gelben Augen eines Fischs. Perlenketten wanden sich durch ihre Haare. Eine Sekunde sp�ter versank sie wieder im Wasser, ohne dessen Oberfl�che auch nur zu kr�useln.</p><p>�Eine Nixe�, sagte Jace. �Hier in Venedig gibt es mehrere alte Familien, die schon seit Ewigkeiten in den Kan�len leben. Das ist ein wenig merkw�rdig. Denn eigentlich sind sie weiter drau�en viel besser dran, wo sie sich im sauberen Meerwasser von Fischen ern�hren k�nnten statt wie hier von Abfall.� Er schaute gen Westen, wo die Sonne bereits untergegangen war. �Die gesamte Stadt versinkt im Meer�, erz�hlte er. �In hundert Jahren wird ganz Venedig unter Wasser liegen. Stell dir das mal vor: Man geht tauchen und kann die Spitze des Markusdoms ber�hren.� Er zeigte quer �ber den breiten Kanal.</p><p>Beim Gedanken daran, dass all diese Sch�nheit dann verloren war, �berkam Clary ein Gef�hl der Trauer. �Kann man denn gar nichts dagegen tun?�</p><p>�Du willst eine ganze Stadt anheben? Oder das Meer zur�ckhalten? Nein, dagegen l�sst sich nicht viel tun�, erwiderte Jace. Inzwischen hatten sie eine Treppe erreicht, die wieder nach oben f�hrte. Eine Brise kam �bers Wasser und wehte ihm die goldblonden Haare aus Stirn und Nacken. �Alle Dinge folgen dem Gesetz der Entropie. Das gesamte Universum strebt auseinander, die Sterne bewegen sich voneinander fort und Gott allein wei�, was durch die Risse zwischen ihnen hindurchdringt.� Er schwieg einen Moment und f�gte dann hinzu: �Okay, das klang jetzt wahrscheinlich ein wenig verr�ckt.�</p><p>�Vielleicht lag es am Wein, den wir zum Mittagessen hatten.�</p><p>�Keine Sorge, ich vertrag schon das ein oder andere Glas.�</p><p>Sie bogen um eine Ecke und vor ihnen entfaltete sich pl�tzlich eine glitzernde M�rchenlandschaft. Clary blinzelte, bis sich ihre Augen an das helle Licht gew�hnt hatten. Ein kleines Restaurant hatte zus�tzlich zu den Tischen im Inneren des Geb�udes auch zahlreiche Tische auf den Gehweg gestellt. Dazwischen ragten mit Lichterketten versehene Terrassenheizstrahler auf, wie ein Wald magischer B�ume. Jace l�ste sich kurz von Clary, um ihnen einen Tisch zu organisieren, und bald darauf sa�en sie am Rand des Kanals und lauschten dem Pl�tschern des Wassers, das gegen die Uferbefestigung schwappte, und dem gluckernden Ger�usch mehrerer kleiner Boote, die sich im Gezeitenstrom auf und ab bewegten.</p><p>Ein Gef�hl der M�digkeit �berkam Clary in Wogen, wie das Schwappen des Meeres an den Seiten des Kanals. Sie sagte Jace, was sie essen wollte, und �berlie� es ihm, auf Italienisch zu bestellen. Als der Kellner wieder gegangen war, st�tzte sie erleichtert die Ellbogen auf den Tisch und lie� den Kopf auf die H�nde sinken. �Ich glaub, ich habe einen Jetlag�, erkl�rte sie. �Dimensions�bergreifenden Jetlag.�</p><p>�Dir ist schon klar, dass die Zeit eine Dimension <emphasis>ist�,</emphasis> meinte Jace.</p><p>�Pedant.� Clary schnippte einen Brotkrumen aus dem K�rbchen auf dem Tisch in Jace� Richtung.</p><p>Jace grinste. �Ich hab letztens versucht, alle sieben Tods�nden zusammenzukriegen�, erz�hlte er. �Habgier, Neid, V�llerei, Ironie, Pedanterie��</p><p>�Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ironie keine Tods�nde ist.�</p><p>�Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sehr wohl eine ist.�</p><p>�Wollust�, sagte Clary. �Wollust ist eine Tods�nde.�</p><p>�Und Spanking.�</p><p>�Ich denke, das geh�rt zu Wollust.�</p><p>�Und ich denke, es sollte eine eigene Kategorie erhalten�, meinte Jace. �Habgier, Neid, V�llerei, Ironie, Pedanterie, Wollust und Spanking.� Die wei�en Gl�hl�mpchen der Lichterketten spiegelten sich in seinen Augen.</p><p>Er sah wundersch�n aus, sch�ner als je zuvor, �berlegte Clary. Sch�ner und dementsprechend distanzierter � unerreichbar. Sie erinnerte sich an seine Worte �ber die sinkende Stadt und den Raum zwischen den Sternen und dann fielen ihr zwei Zeilen aus einem Song von Leonard Cohen ein, den Simons Band mehr schlecht als recht gecovert hatte: <emphasis>�There is a crack in everything/That�s how the light gets in.� </emphasis>Auch in Jace� Gelassenheit musste es einen Riss geben � einen Weg, mit dessen Hilfe sie zum richtigen Jace vordringen konnte, der ihrer �berzeugung nach noch immer irgendwo in diesem K�rper steckte.</p><p>Jace musterte sie aus bernsteinfarbenen Augen. Er streckte den Arm aus, um ihre Hand zu ber�hren. Erst nach einem kurzen Moment erkannte Clary, dass seine Finger ihren Goldring streiften. �Was ist das f�r ein Ring?�, fragte er. �Ich wusste gar nicht, dass du einen Elbenring besitzt.�</p><p>Obwohl seine Bemerkung beil�ufig klang, setzte Clarys Herz einen Schlag aus. Sie war nicht sehr ge�bt darin, Jace direkt ins Gesicht zu l�gen. �Er hat Isabelle geh�rt�, erwiderte sie achselzuckend. �Sie hat das ganze Zeug entr�mpelt, das ihr Ex, dieser Elbenritter Meliorn, ihr geschenkt hatte. Und ich fand den Ring ganz h�bsch und deshalb meinte Izzy, dass ich ihn haben k�nne.�</p><p>�Was ist mit dem Morgenstern-Ring?�</p><p>Hier konnte sie ruhig bei der Wahrheit bleiben, �berlegte Clary. �Ich hab ihn Magnus gegeben, um dich zu orten.�</p><p>�Magnus.� Jace sprach den Namen aus, als w�re der Hexenmeister ein Fremder. Dann holte er Luft und fragte: �Hast du immer noch das Gef�hl, dass mit mir mitzukommen, die richtige Entscheidung war?�</p><p>�Ich bin froh, bei dir zu sein. Und au�erdem� na ja, ich wollte schon immer mal nach Italien. Ich bin bisher kaum verreist, bin nicht ein einziges Mal im Ausland gewesen��</p><p>�Du warst in Alicante�, erinnerte Jace sie.</p><p>�Okay, mal abgesehen von magischen L�ndern, die sonst niemand sehen kann, bin ich noch nicht wirklich viel herumgekommen. Simon und ich haben immer geplant, nach dem Highschool-Abschluss als Rucksacktouristen durch Europa zu reisen�� Clary verstummte. �Das klingt jetzt ziemlich albern.�</p><p>�Nein, �berhaupt nicht.� Jace beugte sich �ber den Tisch und schob Clary eine Locke hinters Ohr. �Bleib bei mir. Wir k�nnen die ganze Welt bereisen.�</p><p>�Ich <emphasis>bin</emphasis> bei dir. Ich hab nicht vor wegzugehen.�</p><p>�Gibt es irgendeinen Ort, den du unbedingt sehen m�chtest? Paris? Budapest? Den Schiefen Turm von Pisa?�</p><p><emphasis>Nur wenn der Sebastian auf den Kopf f�llt,</emphasis> dachte Clary. �K�nnen wir nach Idris?�, fragte sie stattdessen. �Ich meine, die Wohnung kann doch dahin reisen, oder?�</p><p>�Nein, sie kann die Schutzschilde nicht passieren.� Jace� Hand streifte sanft �ber Clarys Wange. �Ich hab dich wirklich vermisst�, murmelte er.</p><p>�Du hattest also keine romantischen Dates mit Sebastian, solange wir voneinander getrennt waren?�</p><p>�Ich hab alles versucht�, grinste Jace, �aber ganz gleich wie sehr ich ihn auch abgef�llt habe, er hat sich einfach nicht rumkriegen lassen.�</p><p>Clary griff nach ihrem Weinglas. Allm�hlich gew�hnte sie sich an den Geschmack. Sie konnte sp�ren, wie der Wein durch ihre Kehle rann, warm durch ihre Adern floss und dem Abend eine traumhafte Stimmung verlieh. Sie befand sich in Italien, zusammen mit ihrem wundersch�nen Freund, an einem wundersch�nen Abend, mit hervorragendem Essen, das einem auf der Zunge zerging. Eigentlich war dies einer jener Momente, an die man sich noch sein Leben lang erinnern w�rde. Trotzdem hatte Clary das Gef�hl, als w�rde sie nur den Zipfel dieses Gl�cks zu fassen bekommen � denn jedes Mal, wenn sie Jace ansah, schien es ihren Fingern zu entgleiten. Wie konnte es sein, dass er Jace war und gleichzeitig auch wieder nicht? Wie konnte man mit gebrochenem Herzen gl�cklich sein?</p><p>Sie lagen dicht gedr�ngt unter Jordans Decke in dem schmalen Bett, das nur f�r eine Person gedacht war. Maia schmiegte ihren Kopf in seine Armbeuge, w�hrend warme Sonnenstrahlen ihr auf Gesicht und Schultern fielen.</p><p>Jordan hatte sich auf einen Arm gest�tzt und leicht �ber sie gebeugt; mit der anderen Hand fuhr er ihr durch die Haare, zupfte sanft an ihren Locken und lie� sie durch die Finger gleiten. �Deine Haare haben mir gefehlt�, sagte er und gab Maia einen Kuss auf die Stirn.</p><p>Ein Kichern bildete sich tief in Maias Kehle � jene Art von Kichern, die das ausgelassene Gef�hl der Verliebtheit begleitete. �Nur meine Haare?�, lachte sie.</p><p>�Nein.� Jordan grinste und seine gr�nbraunen Augen unter den zerzausten Haaren leuchteten. �Deine Augen ebenfalls.� Er k�sste Maias Lider, eines nach dem anderen. �Deine Lippen.� Er k�sste auch ihren Mund, worauf Maia ihre Finger durch die Halskette mit dem <emphasis>Praetor-Lupus</emphasis>-Anh�nger auf seiner nackten Brust schob. �Einfach alles an dir.�</p><p>Nachdenklich wickelte Maia die Kette um ihre Finger. �Jordan� es tut mir leid� dass ich dich angeschnauzt habe� wegen dem Geld und wegen Stanford. Es war einfach nur so viel auf einmal.�</p><p>Jordans Augen verdunkelten sich und er senkte den Kopf. �Ich wei� doch, dass du f�r dich selbst sorgen kannst. Ich wollte nur� ich wollte einfach nur etwas f�r dich tun.�</p><p>�Ich wei߫, fl�sterte Maia. �Ich wei�, du machst dir Sorgen, ob ich dich �berhaupt brauche, aber ich will nicht mit dir zusammen sein, weil ich dich brauche. Ich will mit dir zusammen sein, weil ich dich liebe.�</p><p>Erneut leuchteten seine Augen auf � voller Zweifel, voller Hoffnung. �Du� ich meine, h�ltst du es f�r m�glich, dass du so etwas wieder f�r mich empfinden k�nntest?�</p><p>�Ich habe nie aufgeh�rt, dich zu lieben, Jordan�, fl�sterte Maia. Im n�chsten Moment zog Jordan sie so fest an sich und k�sste sie so leidenschaftlich, dass es fast wehtat. Maia dr�ngte sich an ihn und wahrscheinlich h�tte der Kuss wieder dort geendet, wo er in der Dusche geendet hatte, wenn nicht jemand pl�tzlich laut an der T�r geklopft h�tte.</p><p><emphasis>�Praetor</emphasis> Kyle!�, rief eine Stimme. �Aufwachen! <emphasis>Praetor</emphasis> Scott w�nscht dich unten in seinem B�ro zu sprechen.�</p><p>Jordan, der Maia noch immer fest im Arm hielt, fluchte unterdr�ckt. Lachend fuhr Maia ihm mit der Hand �ber den Nacken und schlang ihre Finger in seine Haare. �Meinst du, <emphasis>Praetor</emphasis> Scott kann noch einen Moment warten?�, wisperte sie.</p><p>�Ich f�rchte, er hat einen Schl�ssel f�r dieses Zimmer und wird ihn auch benutzen, wenn ihm danach zumute ist.�</p><p>�Ist schon okay�, murmelte Maia und streifte Jordans Ohr mit den Lippen. �Wir haben jede Menge Zeit, oder? Alle Zeit der Welt.�</p><p>Der Gro�e Vorsitzende Miau Tse-tung lag vor Simon auf dem Tisch, in tiefen Schlaf versunken und alle vier Beine in die Luft gestreckt. Das war zumindest schon mal ein Anfang, dachte Simon. Denn seit seiner Verwandlung zum Vampir schienen viele Tiere ihn nicht mehr zu m�gen. Sie gingen ihm m�glichst aus dem Weg und fauchten oder bellten, wenn er ihnen zu nahe kam. F�r Simon, der Tiere immer geliebt hatte, war das ziemlich bitter. Aber als Haustier eines Hexenmeisters lernte man wahrscheinlich, seltsame Wesen um sich herum zu akzeptieren, vermutete Simon.</p><p>Wie sich herausstellte, hatte Magnus in Bezug auf die Kerzen nicht �bertrieben. Simon machte gerade eine kurze Pause und trank einen Schluck Kaffee; erstaunlicherweise blieb er in seinem Magen und das Koffein d�mpfte seinen Hunger. Den ganzen Nachmittag hatten sie Magnus dabei geholfen, das richtige Umfeld f�r Azazels Beschw�rung zu schaffen: In den umliegenden Lebensmittelgesch�ften und Kiosken hatten sie s�mtliche Best�nde an Teelichtern und Opferkerzen aufgekauft und diese dann in Magnus� Wohnzimmer in einem sorgf�ltig arrangierten Kreis aufgestellt. Anschlie�end hatten Isabelle und Alec die Holzdielen jenseits des Kreises mit einer Mischung aus Salz und getrockneter Tollkirsche bestreut � streng nach Anweisungen des Hexenmeisters, der dazu aus <emphasis>Verbotene Riten: Das Handbuch eines Schwarzk�nstlers aus dem F�nfzehnten Jahrhundert </emphasis>vorlas.</p><p>�Was hast du mit meinem Kater angestellt?�, wandte Magnus sich in forderndem Ton an Simon, als er mit einer Kanne frischem Kaffee ins Wohnzimmer kam; mehrere Becher schwebten um seinen Kopf herum, wie ein Modell der Planeten, die die Sonne umkreisen. �Du hast sein Blut getrunken, stimmt�s? Dabei hast du doch gesagt, du h�ttest keinen Hunger!�</p><p>Simon war emp�rt: �Erstens: Nein, ich habe nicht von seinem Blut getrunken! Dem Kater geht�s gut!� Er pikste Miau Tse-tung in den Bauch, woraufhin der Kater g�hnte. �Und zweitens: Du hast mich gefragt, ob ich Hunger habe, als du gerade Pizza bestellt hast. Ich habe Nein gesagt, weil ich keine Pizza vertrage. Ich war einfach nur h�flich.�</p><p>�Aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, dich an meinem Kater zu vergreifen.�</p><p>�Deinem Kater geht es bestens!�, wiederholte Simon aufgebracht und streckte die H�nde nach dem Stubentiger aus, der daraufhin entr�stet aufsprang und �ber den Tisch stolzierte. �Noch Fragen?�</p><p>�Okay, okay�� Magnus warf sich auf den Stuhl am Kopfende des Tischs. Die Becher landeten mit einem lauten Klirren auf der Tischplatte, als Alec und Izzy gerade fertig wurden und sich aufrichteten. Magnus klatschte in die H�nde. �Alle mal herkommen! Es wird Zeit f�r eine Besprechung. Ich werde euch jetzt beibringen, wie man einen D�mon heraufbeschw�rt.�</p><p><emphasis>Praetor</emphasis> Scott erwartete sie bereits in seinem B�ro. Vor ihm auf dem Schreibtisch stand ein kleines Bronzek�stchen.</p><p>Maia und Jordan nahmen ihm gegen�ber Platz und Maia fragte sich, ob man ihrem Gesicht wohl ansehen konnte, was sie und Jordan kurz zuvor getan hatten. Andererseits schien sich der <emphasis>Praetor</emphasis> nicht sonderlich f�r sie zu interessieren.</p><p>Mit beiden H�nden schob er das K�stchen in Jordans Richtung. �Darin ist eine Salbe zum Auftragen auf Garroways Wunde�, erkl�rte er. �Sie sollte das Gift aus seinem Blut ziehen und daf�r sorgen, dass sich das D�monenmetall aus dem K�rper herausarbeitet. In ein paar Tagen m�sste er wieder auf den Beinen sein.�</p><p>Maias Herz machte einen Satz: Endlich einmal gute Neuigkeiten. Sie schnappte sich das K�stchen, bevor Jordan danach greifen konnte, und �ffnete es. Das Gef�� war bis zum Rand mit einer dunklen, w�chsernen Salbe gef�llt, die intensiv nach Kr�utern duftete, wie zersto�ene Lorbeerbl�tter.</p><p>�Ich��, setzte <emphasis>Praetor</emphasis> Scott an und schaute rasch zu Jordan.</p><p>�Maia sollte das K�stchen an sich nehmen�, best�tigte Jordan. �Sie steht Garroway sehr nahe und au�erdem geh�rt sie seinem Rudel an. Die anderen Mitglieder vertrauen ihr.�</p><p>�Willst du damit sagen, dass sie den <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> nicht vertrauen?�</p><p>�Die H�lfte der Rudelmitglieder h�lt die <emphasis>Praetor</emphasis> f�r ein M�rchen�, erkl�rte Maia und f�gte noch rasch ein �Sir� hinzu.</p><p><emphasis>Praetor</emphasis> Scott wirkte ver�rgert, doch ehe er irgendetwas entgegnen konnte, klingelte sein Telefon. Nach kurzem Z�gern nahm er den H�rer ab. �Scott�, meldete er sich und erwiderte nach einem Moment, �Ja� ja, in Ordnung.� Als er wieder auflegte, umspielte ein nicht ganz so freundliches L�cheln seine Lippen. �<emphasis>Praetor</emphasis> Kyle, ich bin froh, dass du ausgerechnet heute vorbeigekommen bist�, verk�ndete er. �Warte bitte noch einen Moment. Diese Angelegenheit betrifft auch dich.�</p><p>Maia wunderte sich �ber seine Ank�ndigung, aber noch viel mehr wunderte sie sich einen Moment sp�ter, als eine Ecke des B�ros zu schimmern begann und sich dort ein Schatten abzeichnete und langsam Form annahm. Es war, als w�rden sie beim Entwickeln eines Negativfilms zusehen. Bald konnte Maia die Gestalt eines Jungen mit kurzem, glattem dunkelbraunem Haar ausmachen. Eine goldene Kette gl�nzte an seiner braunen Kehle. Er wirkte schm�chtig und zart wie ein Chorknabe, aber irgendetwas in seinen Augen lie� ihn deutlich �lter erscheinen. Die Figur war leicht transparent. <emphasis>Eine Projektion!</emphasis>, schoss es Maia durch den Kopf. Sie hatte schon oft davon geh�rt, aber noch nie eine aus n�chster N�he erlebt.</p><p>�Raphael�, sagte Maia, als sie den Jungen erkannte.</p><p>�berrascht warf <emphasis>Praetor</emphasis> Scott ihr einen Blick zu. �Du kennst den Anf�hrer des New Yorker Vampirclans?�</p><p>�Wir sind uns schon einmal begegnet� im Brocelind-Wald�, antwortete Raphael und musterte Maia desinteressiert. �Sie ist mit dem Tageslichtler befreundet, mit Simon.�</p><p>�Dein Schutzbefohlener�, wandte Scott sich an Jordan, als h�tte dieser das vergessen.</p><p>Jordan runzelte die Stirn. �Ist ihm irgendetwas zugesto�en?�, fragte er. �Ist mit Simon alles in Ordnung?�</p><p>�Hier geht�s nicht um den Tageslichtler�, schnaubte Raphael. �Ich bin wegen dieser abtr�nnigen Vampirin hier, Maureen Brown.�</p><p>�Maureen?�, stie� Maia hervor. �Aber sie ist doch erst� dreizehn?�</p><p>�Ein b�sartiger Vampir ist und bleibt ein b�sartiger Vampir�, entgegnete Raphael. �Und Maureen hat eine beachtliche Schneise durch TriBeCa und die Lower East Side geschlagen. Zahlreiche Verletze und mindestens sechs Tote. Bisher ist es uns gelungen, das Ganze zu vertuschen, aber��</p><p>�Maureen ist Nicks Schutzbefohlene�, bemerkte <emphasis>Praetor</emphasis> Scott stirnrunzelnd. �Aber er hat sie bisher nicht finden k�nnen, nicht die geringste Spur. M�glicherweise m�ssen wir jemanden mit mehr Erfahrung aussenden.�</p><p>�Ich rate Ihnen dringend dazu�, forderte Raphael. �Wenn die Schattenj�ger im Moment nicht mit ihrem eigenen� Notfall besch�ftigt w�ren, h�tten sie sich garantiert l�ngst eingeschaltet. Und nach der Geschichte mit Camille ist eine Einmischung der Nephilim das Letzte, was unser Clan gebrauchen kann.�</p><p>�Verstehe ich das richtig, dass Camille ebenfalls noch immer untergetaucht ist?�, fragte Jordan. �Simon hat uns alles erz�hlt, was in der Nacht passiert ist, als Jace verschwand. Und Maureen scheint das zu tun, was Camille ihr befiehlt.�</p><p>�Camille ist kein Schattenwesen-Frischling und interessiert uns daher nicht�, verk�ndete Scott.</p><p>�Ich wei�, aber� wenn man sie findet, dann findet man m�glicherweise auch Maureen. Das ist alles, was ich damit sagen wollte�, erkl�rte Jordan.</p><p>�Wenn sie bei Camille w�re, w�rde sie nicht in diesem Tempo morden�, warf Raphael ein. �Camille w�rde sie daran hindern. Sie mag zwar blutr�nstig sein, aber sie kennt auch das Gesetz � und die Division! Sie w�rde daf�r sorgen, dass Maureen mit ihren Aktivit�ten au�erhalb deren Sichtweite bleibt. Nein, Maureens Verhalten tr�gt alle Kennzeichen eines Vampirs, der b�sartig geworden ist.�</p><p>�Dann hast du wohl recht�, sagte Jordan und lehnte sich zur�ck. �Nick sollte tats�chlich Verst�rkung bekommen oder��</p><p>�� Oder es k�nnte ihm etwas zusto�en? Vielleicht w�rde dir das ja helfen, dich in Zukunft besser auf deine Aufgaben zu konzentrieren. Auf deinen eigenen Schutzbefohlenen�, meinte <emphasis>Praetor</emphasis> Scott.</p><p>Jordan starrte ihn einen Moment sprachlos an. �Simon ist nicht f�r Maureens Verwandlung verantwortlich�, protestierte er. �Das hab ich doch schon erkl�rt��</p><p>Doch Scott wischte Jordans Einwand mit einer Handbewegung beiseite. �Ja, das wei� ich. Sonst h�tten wir dich l�ngst von diesem Auftrag abgezogen, Kyle. Aber dein Sch�tzling hat sie nun einmal gebissen, noch dazu unter deiner Aufsicht. Und ihre Beziehung zum Tageslichtler � so weit hergeholt sie auch sein mag � ist der Grund daf�r, dass sie letztendlich verwandelt wurde.�</p><p>�Der Tageslichtler ist gef�hrlich�, t�nte Raphael mit glitzernden Augen. �Das hab ich schon immer gesagt.�</p><p>�Nein, er ist nicht gef�hrlich!�, protestierte Maia energisch. �Simon hat ein gutes Herz.� Aus dem Augenwinkel sah sie, dass Jordan ihr einen kurzen Seitenblick zuwarf, aber der Moment war so schnell vor�ber, dass sie sich fragte, ob sie sich das nur eingebildet hatte.</p><p>�Blablabla�, erwiderte Raphael absch�tzig. �Ihr Werw�lfe scheint euch nicht auf die aktuelle Angelegenheit konzentrieren zu k�nnen. Ich habe Ihnen vertraut, <emphasis>Praetor,</emphasis> denn Schattenwesen-Frischlinge sind Ihr Aufgabengebiet. Aber wenn Maureen weiterhin wie eine Wilde durch New York zieht, wirft das ein schlechtes Licht auf meinen Clan. Wenn ihr sie nicht bald findet, werde ich jeden verf�gbaren Vampir herbeirufen. Denn letztendlich��, schloss er und grinste, wodurch seine spitzen Fangz�hne zum Vorschein kamen, �letztendlich ist es unsere Aufgabe, sie zu t�ten.�</p><p>Nach dem Abendessen schlenderten Clary und Jace zur Wohnung zur�ck. Nebel zog durch die menschenleeren Gassen und das Wasser in den Kan�len glitzerte wie Glas. Als sie um eine Ecke bogen, standen sie pl�tzlich an einem stillen Kanal, der auf beiden Seiten von alten H�usern flankiert wurde. Die Fensterl�den waren bereits geschlossen. Boote schaukelten sanft auf den Fluten, jedes ein schwarzer Halbmond auf der Wasseroberfl�che.</p><p>Jace lachte leise und l�ste seine Hand aus Clarys. Im Schein der Stra�enlaterne leuchteten seine Augen golden. Er ging zum Rand des Kanals und kniete sich hin.</p><p>Im n�chsten Moment sah Clary, wie eine Stele wei�silbern aufblitzte, und dann l�ste sich eines der Boote aus seiner Vert�uung und trieb langsam vom Ufer weg.</p><p>Rasch steckte Jace die Stele zur�ck in seinen G�rtel, machte einen Satz und landete leichtf��ig auf der Holzbank im Bug des Boots. Dann streckte er Clary die Hand entgegen. �Komm.�</p><p>Zweifelnd schaute Clary von Jace zum Boot und sch�ttelte den Kopf. Es war kaum gr��er als ein Kanu und schwarz gestrichen; allerdings wirkte die Farbe feucht und das Holz war an mehreren Stellen gesplittert. Das Boot erschien ihr so klein und zerbrechlich wie ein Spielzeug. Vor ihrem inneren Auge sah Clary bereits, wie sie es zum Kentern brachte und sie beide im eisgr�nen Kanal landeten. �Ich kann nicht. Wenn ich reinspringe, kippt es bestimmt um.�</p><p>Ungeduldig sch�ttelte Jace den Kopf. �Du schaffst das schon�, sagte er. �Schlie�lich hab ich dich trainiert.� Und wie zum Beweis trat er einen Schritt zur�ck, auf den schmalen Bootsrand direkt neben der Ruderdolle, und schaute zu Clary hin�ber, den Mund zu einem am�sierten Grinsen verzogen.</p><p>Nach allen physikalischen Gesetzen h�tte das Boot eigentlich seitlich kentern m�ssen, �berlegte Clary. Doch Jace balancierte leicht und mit geradem R�cken auf dem Dollbord, als w�rde er aus nichts als Rauch bestehen. Hinter ihm erhob sich eine Kulisse aus Wasser und Stein, Kanal und Br�cken; weit und breit war kein einziges modernes Geb�ude in Sicht. Mit seinen leuchtenden Haaren und seiner stolzen Haltung sah er aus wie ein Adeliger aus der Renaissance.</p><p>Erneut streckte er ihr einladend die Hand entgegen. �Erinnere dich: Du bist so leicht, wie du dich f�hlst.�</p><p>Und Clary erinnerte sich� erinnerte sich an die vielen Trainingsstunden, in denen sie gelernt hatte, richtig zu fallen, zu balancieren und nach einem Sprung so aufzukommen, wie Jace es vorgemacht hatte: als w�re man eine Ascheflocke, die sanft zu Boden schwebt. Clary holte tief Luft und sprang. Das gr�ne Wasser floss unter ihr hindurch und sie landete im Bug des Boots, schwankte einen Moment, fing sich dann aber schnell.</p><p>Erleichtert atmete sie auf und h�rte, wie Jace lachte, w�hrend er vom Dollbord in die Bootsmitte h�pfte. Das Boot leckte leicht und das eingedrungene Wasser glitzerte auf dem Boden. Da er einen Kopf gr��er war als Clary, die nun auf dem Holzsitz im Bug balancierte, befanden sie sich ungef�hr auf Augenh�he.</p><p>Jace legte seine H�nde um ihre Taille. �So�, meinte er. �Wohin soll�s denn gehen?�</p><p>Clary schaute sich um. Inzwischen war das Boot weit von der Anlegestelle abgetrieben. �Stehlen wir dieses Boot etwa?�</p><p>��Stehlen� ist so ein h�ssliches Wort�, sinnierte Jace.</p><p>�Als was willst du es denn sonst bezeichnen?�</p><p>M�helos hob Jace sie hoch und wirbelte sie herum, ehe er sie wieder absetzte. �Als einen Extrem-Schaufensterbummel�, erkl�rte er und zog sie fester an sich.</p><p>Clary versteifte sich, dann verloren ihre F��e den Halt und Jace und sie landeten in der gew�lbten Bootsmitte, die glatt und feucht war und nach Kanalwasser und nassem Holz roch. Im n�chsten Moment fand sie sich auf Jace wieder; ihre Knie rechts und links seiner H�ften. Wasser durchtr�nkte sein Sweatshirt, doch es schien ihn nicht zu k�mmern.</p><p>Er verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf, wodurch der Saum seines Shirts hochrutschte. �Du hast mich mit der Kraft deiner Leidenschaft buchst�blich umgehauen�, bemerkte er. �Gut gemacht, Fray.�</p><p>�Du bist nur deshalb hingefallen, weil du es wolltest. Ich kenne dich�, erwiderte Clary. Der Mond leuchtete wie ein Scheinwerfer auf sie herab � als w�ren sie die einzigen Menschen unter dem Himmel. �Du rutschst niemals aus.�</p><p>Behutsam ber�hrte Jace Clarys Gesicht. �Ich mag vielleicht nicht ausrutschen, aber auch ich habe meine Schw�chen.�</p><p>Clarys Herz raste und sie musste schlucken, ehe sie bem�ht locker antwortete: �Das ist wahrscheinlich der schlimmste Spruch, den du je gebracht hast.�</p><p>�Wer sagt, dass das ein Spruch war?�</p><p>Das Boot schaukelte und Clary st�tzte sich mit den H�nden auf Jace� Brust ab. Ihre H�ften pressten sich an seine und sie sah, wie seine Augen sich weiteten und die Farbe ver�nderten � von frech funkelndem Gold zu einem dunklen Ton, w�hrend die Pupillen die Iris in sich aufzunehmen schienen. Und darin konnte Clary sich selbst und den Nachthimmel erkennen.</p><p>Jace stemmte sich auf einen Ellbogen und schob Clary eine Hand in den Nacken. Sie sp�rte, wie er sich ihr entgegenhob, wie sein Mund ihre Lippen streifte, doch sie wich zur�ck, entzog sich dem Kuss. Dabei sehnte sie sich nach ihm, sehnte sich so sehr, dass sie sich unglaublich leer f�hlte, als h�tte das Verlangen ein Loch in ihr Inneres gebrannt. Ihr Verstand sagte ihr: <emphasis>Dies hier ist nicht Jace, jedenfalls nicht ihr Jace</emphasis>. Doch ihr K�rper erinnerte sich noch gut an ihn: an seine Muskeln und das Gef�hl seiner W�rme und an den Duft seiner Haut und Haare. Und ihr K�rper wollte ihn unbedingt zur�ckhaben.</p><p>Clary gestattete ihren Lippen ein L�cheln an Jace� Mund, als w�rde sie ihn nur necken. Dann rollte sie sich auf die Seite und schmiegte sich auf dem feuchten Bootsboden an ihn. Jace protestierte nicht; stattdessen schlang er den Arm um sie und lag ruhig da, w�hrend sich das Boot unter ihnen in den sanften Wellen wiegte. Gern h�tte Clary ihren Kopf auf seine Schulter gelegt, doch sie verzichtete darauf.</p><p>�Wir treiben immer weiter�, stellte sie fest.</p><p>�Ich wei�. Aber es gibt da was, das ich dir zeigen wollte�� Jace schaute zum Himmel. Der Mond lag hinter einem gro�en wei�en Wolkenschwaden, der an ein Segel erinnerte. Jace� Brust hob und senkte sich regelm��ig, seine Finger spielten mit Clarys Haaren.</p><p>Clary lag reglos neben ihm und wartete und beobachtete, wie die Sterne langsam �ber den Himmel zogen wie eine astronomische Uhr. Und sie fragte sich, worauf sie wohl warteten, bis sie schlie�lich etwas h�rte: Ein tiefes, langes Rauschen, wie Wasser, das durch einen gebrochenen Deich dringt. Der Himmel verfinsterte sich und begann zu wirbeln, als pl�tzlich mehrere Gestalten �ber das Firmament st�rmten. Durch die Wolken und die gro�e Entfernung konnte Clary nicht viel erkennen. Es schienen M�nner mit langen Haaren wie Zirruswolken zu sein, die auf Pferden ritten, deren Hufe wie frisches Blut gl�nzten. Der Klang eines Jagdhorns schallte durch die Nacht. Die Sterne bebten und der Nachthimmel zog sich zusammen, bis die M�nner hinter dem Mond verschwanden.</p><p>Langsam lie� Clary die angehaltene Luft aus den Lungen weichen. �Was war denn das?�</p><p>�Die Wilde Jagd�, erkl�rte Jace. Seine Stimme klang gedankenverloren und tr�umerisch. �Odins Jagd. Das Wilde Heer. Es gibt viele Namen daf�r. Dabei handelt es sich um Elben, die die weltliche Gerichtsbarkeit verachten. Sie preschen in ewiger Jagd �ber den Himmel. Jedes Jahr ist es einem Sterblichen gestattet, sich ihnen w�hrend einer einzigen Nacht anzuschlie�en � doch wer sich an der Jagd beteiligt, f�r den gibt es kein Zur�ck mehr.�</p><p>�Warum sollte irgendjemand so etwas wollen?�</p><p>Jace drehte sich und lag pl�tzlich auf Clary, dr�ckte sie auf den Boden des Boots. Clary nahm die feuchten Planken kaum wahr. Sie sp�rte nur die Hitze, die in Wogen von Jace� K�rper abstrahlte. Seine Augen funkelten und er st�tzte sich so auf, dass Clary nicht zerquetscht wurde, aber jeden Teil seines K�rpers sp�ren konnte � die W�lbung seiner H�ftknochen, die Nieten seiner Jeans, die reliefartigen W�lbungen seiner Narben. �Die Vorstellung hat etwas sehr Verlockendes� sich einfach fallen zu lassen�, raunte er. �Findest du nicht?�</p><p>Clary �ffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch Jace k�sste sie bereits. Sie hatte schon so viele K�sse mit ihm getauscht � sanfte, weiche K�sschen, harte, verzweifelte K�sse, ein kurzes Streifen der Lippen zum Abschied und K�sse, die gar kein Ende nehmen wollten. Auch dieser Kuss unterschied sich nicht von den vorherigen. So wie die Erinnerung an einen Bewohner eines Hauses auch lange nach dessen Fortgehen noch in den R�umen verweilen kann � als eine Art psychischer Abdruck �, so erinnerte sich Clarys K�rper an Jace. Erinnerte sich an seinen Geschmack, an die leichte Neigung seines Munds auf ihren Lippen, an das Gef�hl seiner Narben unter ihren Fingerkuppen und die Konturen seines K�rpers unter ihren H�nden. Clary zweifelte nicht l�nger und streckte die Arme aus, um ihn fester an sich zu ziehen.</p><p>Jace drehte sich auf die Seite und zog sie mit sich, w�hrend das Boot unter ihnen schaukelte. Sie konnte das Gluckern des Wassers h�ren, als seine H�nde �ber ihren K�rper bis zur Taille glitten und seine Finger die empfindsame Haut ihres unteren R�ckens streichelten.</p><p>Clarys H�nde schoben sich in seine Haare und sie schloss die Augen, eingeh�llt in Nebelschwaden und die Ger�usche und Ger�che des Wassers. Die Zeit schien stillzustehen und es gab nichts au�er Jace� Mund auf ihren Lippen, dem sanften Schaukeln des Boots und dem Gef�hl seiner H�nde auf ihrer Haut. Irgendwann � es lie� sich unm�glich sch�tzen, ob Stunden oder nur Minuten vergangen waren � h�rte sie den Schall einer lauten Stimme: eine w�tende, italienische Stimme, die die Stille der Nacht zerriss.</p><p>Jace l�ste sich von Clary mit einem tr�gen, bedauernden Ausdruck in den Augen. �Ich glaube, wir sollten besser verschwinden.�</p><p>Benommen schaute Clary ihn an. �Warum?�</p><p>�Weil das der Typ ist, dessen Boot wir gestohlen haben.� Jace setzte sich auf und zog sein Sweatshirt herunter. �Und er wird jeden Moment die Polizei rufen.�</p></section><section><title><p>11</p><p>Ihm also schreibe das ganze Verbrechen zu</p></title><p>W�hrend der Beschw�rung durfte kein Strom eingeschaltet sein, erkl�rte Magnus. Deshalb wurde die Wohnung nur vom Schein der unz�hligen Teelichter und Opferkerzen erhellt. Die Kerzen standen in einem Kreis in der Raummitte und brannten unterschiedlich hoch und hell, doch alle besa�en eine �hnlich bl�ulich wei�e Flamme.</p><p>Im Inneren des Kreises hatte Magnus ein Pentagramm gezeichnet und mit einem Ebereschenzweig das Muster der einander �berlappenden Dreiecke in den Holzboden gebrannt. In den Fl�chen zwischen den Linien des Pentagramms leuchteten Symbole, die Simon noch nie gesehen hatte � weder Buchstaben noch Runen � und die trotz der W�rme der Kerzen f�r eine frostige bedrohliche Aura sorgten.</p><p>Inzwischen war es drau�en bereits dunkel geworden, jene Art von Dunkelheit, die mit den fr�hen Sonnenunterg�ngen des nahenden Winters einherging. Isabelle, Alec, Simon und schlie�lich auch Magnus nahmen jenseits der Kreislinie jeweils eine Position ein, die einer der vier Himmelsrichtungen entsprach. Magnus las w�hrenddessen in einer Art Singsang aus dem Handbuch <emphasis>Verbotene Riten</emphasis> vor und seine Stimme hob und senkte sich wie im Gebet. Doch die lateinischen Worte, die er sprach, klangen wie die verdrehte, d�stere Version einer Anrufung Gottes.</p><p>Die Flammen loderten auf und die in den Boden geritzten Symbole begannen, schwarz zu schwelen. Miau Tse-tung, der das Ganze aus einer Ecke des Wohnzimmers beobachtet hatte, fauchte ver�ngstigt und floh in die Schatten. Die bl�ulich wei�en Flammen flackerten immer h�her, bis Simon Magnus auf der anderen Seite des Pentagramms kaum noch erkennen konnte. Im Raum wurde es nun immer w�rmer, w�hrend der Hexenmeister die Formeln immer schneller psalmodierte, die feuchte Hitze seine schwarzen Haare kr�uselte und sich Schwei�perlen auf seinen Wangenknochen bildeten. <emphasis>�Quod tumeraris: per Jehovam, Gehennam, et consecratam aquam quam nunc spargo, signumque crucis quod nunc facio, et per vota nostra, ipse nunc surgat nobis dicatus Azazel!�</emphasis></p><p>Pl�tzlich schoss aus der Mitte des Pentagramms eine Stichflamme empor. Eine dicke schwarze Rauchs�ule stieg auf, verteilte sich langsam durch den Raum und verursachte bei allen Anwesenden, bis auf Simon, einen unangenehmen Hustenanfall. Dann begann der Rauch, wie ein Mahlstrom zu wirbeln und sich allm�hlich zu der Gestalt eines Mannes zu verdichten.</p><p>Simon blinzelte verwundert. Er wusste zwar nicht, was er erwartet hatte, doch mit diesem Anblick hatte er nicht gerechnet: In der Mitte des Pentagramms stand ein hochgewachsener, breitschultriger Mann mit kastanienbraunen Haaren, der weder jung noch alt zu sein schien � sein altersloses Gesicht wirkte unmenschlich und kalt. Er trug einen eleganten schwarzen Anzug und gl�nzende schwarze Schuhe. Dunkelrote Striemen um seine Handgelenke zeugten von einer Art Fesselung � aus Seil oder Metall �, die im Laufe vieler Jahre deutliche Spuren auf seiner Haut hinterlassen hatte. In seinen Augen loderten rote Flammen.</p><p>�Wer wagt es, Azazel heraufzubeschw�ren?�, fragte er fordernd; seine Stimme klang wie das Schleifen von Metall auf Metall.</p><p>�Ich!�, erwiderte Magnus und klappte das Buch in seinen H�nden resolut zu. �Magnus Bane.�</p><p>Langsam wandte Azazel den Kopf, der sich unnat�rlich auf seinem Hals zu drehen schien wie bei einer Schlange. �Hexenmeister�, knurrte er, �ich wei�, wer du bist.�</p><p>Sp�ttisch hob Magnus eine Augenbraue. �Tats�chlich?�</p><p>�Beschw�rer. B�ndiger. Vernichter des D�mons Marbas. Sohn des��</p><p>�Danke, das reicht!�, warf Magnus hastig ein. �Es gibt nicht den geringsten Grund, hier ins Detail zu gehen.�</p><p>�Doch, doch, den gibt es durchaus�, widersprach Azazel in vern�nftigem, fast schon am�siertem Ton. �Wenn du infernalische Unterst�tzung suchst, warum hast du dann nicht deinen Vater heraufbeschworen?�</p><p>Alec starrte Magnus mit offenem Mund an und Simon empfand Mitleid mit dem jungen Schattenj�ger. Keiner von ihnen hatte wohl vermutet, dass der Hexenmeister selbst wusste, wer sein Vater war � abgesehen von dem Umstand, dass es sich um einen D�mon handelte, der Magnus� Mutter vorgegaukelt hatte, er sei ihr Ehemann. Ganz offensichtlich wusste Alec dar�ber auch nicht mehr als die anderen � wor�ber er wahrscheinlich nicht allzu gl�cklich war, �berlegte Simon.</p><p>�Mein Vater und ich stehen nicht auf besonders gutem Fu� miteinander�, erkl�rte Magnus. �Mir w�re es lieber, ihn nicht zu involvieren.�</p><p>Azazel hob die H�nde. �Wie du w�nschst, Gebieter. Du bindest mich innerhalb des Siegels. Was verlangst du von mir?�</p><p>Obwohl Magnus schwieg, lie� sich an Azazels Miene ablesen, dass der Hexenmeister auf telepathischem Wege mit ihm kommunizierte. Die Flammen in den Augen des D�mons loderten und tanzten wie bei Kindern, die begierig einer Geschichte lauschten.</p><p>�Ganz sch�n clever, diese Lilith�, bemerkte der D�mon schlie�lich. �Ziemlich raffiniert von ihr, den Jungen von den Toten wiederzuerwecken und sein �berleben zu sichern, indem sie ihn mit jemandem verbindet, dessen Tod ihr nicht riskieren wollt. Sie war schon immer sehr gut darin, menschliche Gef�hle zu manipulieren, viel besser als die meisten von uns. Vermutlich weil sie selbst einst fast menschlich war.�</p><p>�Und?�, fragte Magnus ungeduldig. �Gibt es eine M�glichkeit, den Bund zwischen den beiden zu zertrennen?�</p><p>Azazel sch�ttelte den Kopf. �Nicht, ohne dabei beide zu t�ten.�</p><p>�Und was ist mit einer M�glichkeit, Sebastian zu treffen, ohne Jace dabei Schaden zuzuf�gen?�, hakte Isabelle eifrig nach, worauf sie sich von Magnus einen Blick einfing, der sie verstummen lie�.</p><p>�Nicht mit einer Waffe, die ich schmieden oder beschaffen k�nnte�, erkl�rte Azazel. �Ich kann nur Waffen herstellen, die d�monische Kr�fte besitzen. Allerdings k�nnte wahrscheinlich ein Blitz aus der Hand eines Engels das B�se in Valentins Sohn versengen und damit den Bund zwischen den beiden aufheben oder das Wesen dieses Bundes insgesamt weniger boshaft werden lassen. Wenn ich einen Vorschlag machen d�rfte��</p><p>�Nur zu�, sagte Magnus und kniff die katzenartigen Augen zu Schlitzen.</p><p>�Ich w�sste da eine einfache L�sung, wie man die beiden voneinander trennen k�nnte. Euer Junge bliebe dabei am Leben und die Gefahr, die von dem anderen ausgeht, wird neutralisiert. Ich w�rde daf�r auch nur eine Kleinigkeit als Gegenleistung fordern.�</p><p>�Du bist <emphasis>mein</emphasis> Diener�, konterte Magnus. �Wenn du dieses Pentagramm jemals wieder verlassen willst, tust du, was ich dir sage � ohne irgendwelche Gegenleistungen zu verlangen.�</p><p>Der D�mon fauchte w�tend und Flammen stiegen von seinen Lippen auf. �Wenn ich nicht hier gebunden bin, dann bin ich dort gebunden. F�r mich macht das keinen gro�en Unterschied.�</p><p>��Hier ist H�lle, ich bin nicht aus ihr��, sagte Magnus in einem Tonfall, als w�rde er aus einem alten Werk zitieren.</p><p>Azazel schenkte ihm ein gef�hlloses L�cheln. �Du magst zwar nicht so stolz wie der alte Doktor Faustus sein, Hexenmeister, aber du bist ungeduldig. Ich bin mir sicher, meine Bereitschaft, in diesem Pentagramm zu verharren, h�lt l�nger an als deine Lust, dar�ber wachen zu m�ssen, dass ich es nicht verlasse.�</p><p>�Ach, ich wei� nicht�, widersprach Magnus. �Mein Einrichtungsstil war schon immer etwas unkonventionell und deine Anwesenheit hier verleiht dem Interieur das gewisse Etwas.�</p><p>�Magnus!�, warf Alec ein, sichtlich nicht begeistert von der Idee, dass ein unsterblicher D�mon in der Wohnung seines Freundes Quartier beziehen k�nnte.</p><p>�Eifers�chtig, kleiner Schattenj�ger?�, wandte Azazel sich grinsend an Alec. �Keine Sorge: Dein Hexenmeister ist nicht mein Typ und au�erdem hab ich nicht die geringste Lust, den Unmut seines��</p><p>�Das reicht�, schnitt Magnus ihm das Wort ab. �Sag uns, welche �Kleinigkeit� du dir als Gegenleistung f�r deinen Plan vorstellst.�</p><p>Azazel verschr�nkte die H�nde � er hatte raue, blutrote Arbeiterh�nde mit schwarzen Fingern�geln. �Eine gl�ckliche Erinnerung. Von jedem von euch. Etwas, das mich erheitert, w�hrend ich wie Prometheus an seinen Fels gebunden bin.�</p><p>�Eine Erinnerung?�, wiederholte Isabelle verwundert. �Das hei�t, sie w�rde dann aus unserem Gehirn verschwinden? Wir w�ren nicht mehr in der Lage, sie uns ins Ged�chtnis zu rufen?�</p><p>Sp�ttisch musterte Azazel sie durch die Flammen hindurch. �Was bist du, meine Kleine? Eine Nephilim? Genau, ich w�rde deine Erinnerung nehmen und sie zu meiner machen. Du w�rdest nicht l�nger wissen, dass du jene Erinnerung �berhaupt hattest. Allerdings stelle ich eine Bedingung: Verzichte bitte darauf, mir eine deiner Erinnerungen an die D�monen zu geben, die du im Mondenschein niedergemetzelt hast. An derartigen Dingen kann ich mich nicht erfreuen. Nein, ich m�chte, dass diese Erinnerung� pers�nlich ist.� Er grinste und seine Z�hne schimmerten wie ein eisernes Fallgatter.</p><p>�Ich bin alt�, sinnierte Magnus, �ich habe viele Erinnerungen und w�rde eine davon hergeben, wenn es sein muss. Aber ich kann nicht f�r euch sprechen. Niemand sollte sich gezwungen f�hlen, so etwas aufgeben zu m�ssen.�</p><p>�Ich mach�s�, sagte Isabelle sofort. �F�r Jace.�</p><p>�Ich auch, nat�rlich�, pflichtete Alec ihr bei und wandte sich erwartungsvoll an Simon.</p><p>Dieser musste pl�tzlich an Jace denken� wie er sich in dem kalten Lagerraum auf Valentins Jacht die Pulsader aufgeschnitten und ihm sein Blut gegeben hatte. Wie er sein Leben f�r Simon aufs Spiel gesetzt hatte. M�glicherweise hatte Jace das haupts�chlich Clarys wegen getan, aber Simon stand trotzdem in seiner Schuld. �Ich bin dabei�, verk�ndete er.</p><p>�Gut�, sagte Magnus. �Dann versucht, euch jetzt alle eine gl�ckliche Erinnerung ins Ged�chtnis zu rufen. Ein wirklich sch�nes Erlebnis. Etwas, das euch beim Gedanken daran Freude bereitet�, f�gte er hinzu und warf dem selbstgef�lligen D�mon im Inneren des Pentagramms einen s�uerlichen Blick zu.</p><p>�Ich bin so weit�, meinte Isabelle. Sie stand mit geschlossenen Augen und kerzengeradem R�cken da, als wappnete sie sich gegen einen heftigen Schmerz.</p><p>Magnus ging zu ihr, legte seine Finger an ihre Stirn und murmelte leise vor sich hin.</p><p>Angespannt beobachtete Alec seinen Freund und schloss dann ebenfalls die Augen. Auch Simon folgte hastig seinem Beispiel und versuchte, sich eine gl�ckliche Erinnerung ins Ged�chtnis zu rufen. Vielleicht irgendeinen sch�nen Moment mit Clary? Doch viele seiner Erinnerungen waren nun durch die Sorge um sie getr�bt. Vielleicht ein Erlebnis aus ihrer gemeinsamen Kindheit? Unerwartet dr�ngte sich ein anderes Bild in den Vordergrund: ein hei�er Sommertag auf Coney Island, Simon auf den Schultern seines Vaters, w�hrend Rebecca mit einer Handvoll Luftballons in der kleinen Faust hinter ihnen herlief; der Blick hinauf zum Himmel, auf der Suche nach wiedererkennbaren Formen und Gestalten in den Wolkenformationen; das fr�hliche Lachen seiner Mutter. <emphasis>Nein,</emphasis> dachte Simon, <emphasis>nicht diese Erinnerung. Die will ich nicht verlieren</emphasis>� Doch im selben Moment sp�rte er eine k�hle Ber�hrung auf seiner Stirn. Er schlug die Augen auf und sah, wie Magnus die Hand sinken lie�. Simon blinzelte ihn an; sein Gehirn schien leer gefegt. �Aber ich habe doch an gar nichts gedacht�, protestierte er.</p><p>Magnus musterte ihn aus traurigen Katzenaugen. �Doch, das hast du�, erkl�rte er.</p><p>Benommen schaute Simon sich um; ihm war ein wenig schwindlig. Die anderen sahen ebenfalls so aus, als w�rden sie aus einem seltsamen Traum erwachen. Simon fing Isabelles Blick auf, bemerkte das Flattern ihrer dunklen Wimpern und fragte sich, woran sie wohl gedacht hatte, welche gl�ckliche Erinnerung sie aufgegeben hatte.</p><p>Ein tiefes Grollen aus dem Pentagramm lenkte Simons Aufmerksamkeit von Izzy auf Azazel, der so nah wie m�glich an den Rand des F�nfsterns getreten war und aus dessen Kehle ein hungriges Knurren aufstieg.</p><p>Magnus wandte sich mit angewidertem Gesichtsausdruck dem D�mon zu; seine Hand war zur Faust geballt und zwischen seinen Fingern schimmerte etwas Helles hindurch, als hielte er einen Elbenlichtstein. Dann drehte er sich leicht zur Seite und schleuderte es blitzschnell in die Mitte des Pentagramms.</p><p>Simons Vampirsehverm�gen erfasste das Objekt dennoch: Es handelte sich um eine Lichtkugel, die sich im Flug zu einem Kreis ausdehnte, der etliche Bilder enthielt. Simon sah das Fragment eines azurblauen Ozeans, den Saum eines Satinkleids, das sich nach au�en bauschte, w�hrend die Tr�gerin um die eigene Achse wirbelte, eine Momentaufnahme von Magnus� Gesicht, einen jungen Mann mit blauen Augen�</p><p>Azazel breitete die Arme aus und der Kreis mit den Bildern verschwand in seinem K�rper wie aufgewirbelter M�ll im Triebwerk eines D�senflugzeugs. Der D�mon keuchte; seine Augen, die bis dahin wie rote Flammen geflackert hatten, strahlten nun wie ein Freudenfeuer und seine Stimme knackte und knisterte: �Ahhhh. K�stlich.�</p><p>�Nun zu deinem Teil unserer Abmachung�, erwiderte Magnus scharf.</p><p>Azazel leckte sich die Lippen. �Die L�sung zu eurem Problem sieht folgenderma�en aus: Ihr entlasst mich in die Welt und ich hole mir Valentins Sohn und bringe ihn lebend in die H�lle. Auf diese Weise wird er nicht sterben und damit auch nicht Jace. Valentins Sohn w�rde diese Welt verlassen und die Verbindung zwischen den beiden langsam vergl�hen. So kann euer Freund eines Tages g�nzlich frei sein.�</p><p>�Und was passiert, nachdem wir dich in die Welt entlassen haben?�, fragte Magnus gedehnt. �Du kehrst anschlie�end zur�ck und l�sst dich erneut binden?�</p><p>Der D�mon lachte. �Nat�rlich nicht, du t�richter Hexenmeister. Der Preis f�r meine Gef�lligkeit ist meine Freiheit.�</p><p>�Freiheit?�, wiederholte Alec ungl�ubig. �Ein F�rst der Finsternis auf freiem Fu�? Wir haben dir bereits unsere Erinnerungen gegeben��</p><p>�Die Erinnerungen waren nur der Preis f�r meinen Plan�, erwiderte Azazel. �Meine Freiheit ist der Lohn f�r dessen Umsetzung.�</p><p>�Das ist Betrug und das wei�t du ganz genau�, schnaubte Magnus. �Du verlangst das Unm�gliche.�</p><p>�Genau wie ihr�, entgegnete Azazel. �Nach den herrschenden Gesetzen ist euer Freund f�r immer verloren. �Wenn jemand dem HERRN ein Gel�bde tut oder einen Eid schw�rt, dass er seine Seele verbindet, der soll sein Wort nicht aufheben.� Und gem�� Liliths Beschw�rungsformel sind die Seelen der beiden miteinander verbunden� und beide haben dem zugestimmt.�</p><p>�Jace h�tte niemals zugestimmt��, setzte Alec an.</p><p>�Er hat die Worte gesprochen�, erwiderte Azazel. �Ob nun aus freien St�cken oder unter Zwang � das spielt keine Rolle. Ihr verlangt von mir, einen Bund zu trennen, den nur der Himmel trennen kann. Aber der Himmel wird euch nicht helfen; das wisst ihr so gut wie ich. Aus diesem Grund beschw�ren die Menschen schlie�lich D�monen und nicht Engel, oder etwa nicht? Dies ist der Preis, den ihr f�r mein Einschreiten zahlt. Wenn ihr ihn nicht zahlen wollt, m�sst ihr lernen, den Verlust zu akzeptieren.�</p><p>Magnus� angespanntes Gesicht war bleich. �Wir werden uns zur�ckziehen und dar�ber beraten, ob dein Angebot annehmbar ist. In der Zwischenzeit verbanne ich dich.� Er wedelte mit der Hand, woraufhin Azazel verschwand und den Geruch von verkohltem Holz im Raum hinterlie�.</p><p>Die vier starrten einander fassungslos an. �Azazel verlangt etwas, das unm�glich ist, das ist euch doch klar, oder?�, fragte Alec schlie�lich.</p><p>�Theoretisch ist alles m�glich�, erkl�rte Magnus und schaute gedankenverloren vor sich hin, als blickte er in einen Abgrund. �Aber die Vorstellung, einen D�monenf�rsten in die Welt zu entlassen� und nicht einfach irgendeinen D�monenf�rsten, sondern einen F�rsten der Finsternis, der an zweiter Stelle steht, direkt hinter Luzifer pers�nlich. Die Zerst�rung, die er anrichten k�nnte��</p><p>�W�re es nicht denkbar, dass Sebastian eine ebenso gro�e Schneise der Verw�stung schl�gt?�, warf Isabelle ein.</p><p>�Wie Magnus schon gesagt hat: Alles ist m�glich�, sagte Simon bitter.</p><p>�In den Augen des Rats gibt es kaum ein gr��eres Verbrechen�, erkl�rte Magnus. �Der- oder diejenigen, die Azazel auf die Welt loslassen, w�ren im Handumdrehen gesuchte Verbrecher.�</p><p>�Aber wenn dadurch Sebastian vernichtet w�rde��, setzte Isabelle an.</p><p>�Wir haben keinerlei Beweise daf�r, dass Sebastian irgendetwas ausheckt�, hielt Magnus dagegen. �Soweit wir wissen, k�nnte er genauso gut auch nur nach Idris ziehen und sich dort in einem h�bschen H�uschen auf dem Land niederlassen wollen.�</p><p>�Zusammen mit Clary und Jace?�, fragte Alec ungl�ubig.</p><p>Magnus zuckte die Achseln. �Wer wei�, was er von ihnen will? Vielleicht ist er ja einfach nur einsam.�</p><p>�Nein � er hat Jace nicht von dieser Dachterrasse gekidnappt, weil er dringend einen �Bruder� braucht�, entgegnete Isabelle. �Sebastian plant irgendetwas, da bin ich mir sicher.�</p><p>Fragend schauten die drei zu Simon. �Clary versucht gerade herauszufinden, was er vorhat. Aber dazu braucht sie etwas Zeit. Und kommt mir jetzt nicht mit �Wir haben aber keine Zeit��, f�gte Simon hinzu. �Das wei� Clary selbst.�</p><p>Nachdenklich fuhr Alec sich durch die dunklen Haare. �Okay, aber wir haben gerade einen ganzen Tag vergeudet. Einen Tag, den wir �berhaupt nicht hatten. Ab jetzt keine weiteren bl�den Ideen mehr.� Seine Stimme klang ungew�hnlich scharf.</p><p>�Alec�, sagte Magnus und legte ihm seine Hand auf die Schulter. Alec stand reglos da und starrte w�tend zu Boden. �Alles okay mit dir?�, fragte er.</p><p>Doch Alec schaute ihn nur k�hl an. �Wer warst du gleich noch mal?�</p><p>Best�rzt schnappte Magnus nach Luft und wirkte zum ersten Mal wirklich beunruhigt. Der Moment war nur kurz, doch Simon hatte es mitbekommen. �Alexander�, setzte Magnus erneut an.</p><p>�War wohl etwas zu fr�h, um schon Witze �ber diese gl�cklichen Erinnerungen zu machen�, meinte Alec.</p><p>�Ach wirklich?�, schnaubte Magnus mit erhobener Stimme. Doch bevor er noch irgendetwas sagen konnte, schwang die T�r auf und Maia und Jordan betraten das Wohnzimmer. Ihre Wangen waren von der K�lte ger�tet und Maia trug Jordans Lederjacke, wie Simon mit leichter Verbl�ffung feststellte.</p><p>�Wir kommen gerade von der alten Polizeiwache�, rief Maia aufgeregt. �Luke ist zwar noch nicht aus dem Koma erwacht, aber allem Anschein nach wird er wieder auf die Beine kommen�� Sie verstummte und warf einen Blick auf das noch schwelende Pentagramm, die schwarzen Rauchwolken und die versengten Stellen auf dem Fu�boden. �Okay, und <emphasis>was</emphasis> habt ihr hier inzwischen getrieben?�</p><p>Dank eines Zauberglanzes und Jace� F�higkeit, sich einh�ndig auf eine alte Gew�lbebr�cke zu schwingen, gelang es Clary und ihm, der italienischen Polizei zu entkommen. Nachdem sie eine Weile gerannt waren, lie�en sie sich lachend und prustend gegen eine Hauswand sinken, Seite an Seite, mit verschr�nkten H�nden. Einen kurzen Augenblick lang war Clary einfach nur gl�cklich. Sie musste den Kopf an Jace� Schulter dr�cken und sich in scharfem Ton ermahnen, dass dieser Junge nicht der richtige Jace war, bevor ihr Lachen schlie�lich verstummte.</p><p>Jace schien ihr pl�tzliches Schweigen als Zeichen von M�digkeit zu deuten. Er hielt Clary locker an der Hand, w�hrend sie sich auf den R�ckweg machten � zu dem schmalen Kanal mit einer Br�cke an beiden Enden. Zwischen den beiden Br�cken erkannte Clary das kahle, unauff�llige Stadthaus wieder, das sie Stunden zuvor verlassen hatten, und sie sp�rte, wie ihr ein Schauer �ber den R�cken lief.</p><p>�Ist dir kalt?�, fragte Jace, zog sie an sich und k�sste sie. Er war so viel gr��er als Clary, dass er sich daf�r entweder b�cken oder sie hochheben musste � was er in diesem Fall tat. Clary unterdr�ckte ein Keuchen, als er sie um sich herumwirbelte und einfach durch die Hausmauer <emphasis>hindurchschwang</emphasis>. Erst dann setzte er sie ab, trat die T�r, die wie aus dem Nichts hinter ihnen erschienen war, mit Schwung zu und wollte gerade seine Jacke abstreifen, als ein ged�mpftes Lachen aus der Dunkelheit erklang.</p><p>Sofort l�ste sich Clary von Jace, w�hrend der Raum in helles Licht getaucht wurde.</p><p>Sebastian l�mmelte auf dem Sofa, die F��e auf dem Couchtisch. Sein blondes Haar war zerzaust und seine Augen gl�nzten dunkel. Er war nicht allein. Zwei M�dchen sa�en links und rechts von ihm: eine sp�rlich bekleidete Blondine in einem glitzernden Minirock und einem tief ausgeschnittenen paillettenbesetzten Top, die eine Hand auf Sebastians Brust gelegt hatte, und ein etwas j�ngeres, sanfter wirkendes M�dchen mit kurzen schwarzen Haaren, einem roten Stirnband und einem schwarzen Spitzenkleid.</p><p>Clary sp�rte, wie ihre innere Anspannung beim Anblick der Dunkelhaarigen wuchs. <emphasis>Eine Vampirin,</emphasis> schoss es ihr durch den Kopf. Sie konnte nicht sagen, woher sie das wusste, aber es gab �berhaupt keinen Zweifel. Vielleicht hatte sie es am w�chsernen wei�en Glanz der Haut oder den leeren Augen erkannt. Oder vielleicht lernte sie auch einfach nur, solche Dinge zu sp�ren � so wie alle Nephilim die Anwesenheit von Schattenwesen instinktiv erfassten.</p><p>Und die Dunkelhaarige wusste, dass Clary Bescheid wusste, denn sie grinste und zeigte ihre kleinen spitzen Z�hne. Dann beugte sie sich vor und fuhr mit den Fangz�hnen �ber Sebastians Schl�sselbein. Dessen Lider senkten sich daraufhin flatternd, blonde Wimpern �ber dunklen Augen. Er ignorierte Jace und warf Clary einen lasziven Blick zu.</p><p>�Und, hast du dein kleines Date genossen?�, fragte er sie tr�ge.</p><p>Clary w�nschte, sie h�tte darauf eine unfreundliche Antwort geben k�nnen; stattdessen nickte sie nur stumm.</p><p>�Na dann, willst du dich nicht zu uns setzen?�, fragte Sebastian und deutete auf sich und die beiden M�dchen. �Auf ein Glas Wein?�</p><p>Die Dunkelhaarige lachte und wandte sich auf Italienisch und in fragendem Ton an Sebastian.</p><p><emphasis>�No�,</emphasis> erkl�rte Sebastian. <emphasis>�Lei � mia sorella.�</emphasis></p><p>Das M�dchen richtete sich wieder auf und musterte Clary entt�uscht. Clary sp�rte, wie ihr Mund trocken wurde. Und dann f�hlte sie pl�tzlich Jace� Hand � seine rauen schwieligen Fingerspitzen an ihrer Handfl�che. �Nein, ich denke, wir gehen besser nach oben. Bis morgen fr�h dann�, sagte er.</p><p>Sebastian hob die Hand und winkte zum Abschied mit den Fingern, wobei sein Morgenstern-Ring im Licht der Deckenlampe wie ein Leuchtfeuer funkelte. <emphasis>�Ci vediamo.�</emphasis></p><p>Jace f�hrte Clary aus dem Raum und die Glastreppe hinauf. Erst als sie den oberen Flur erreichten, hatte Clary das Gef�hl, wieder frei atmen zu k�nnen. Der ver�nderte Jace war eine Sache, aber Sebastian war etwas v�llig anderes � eine Aura immanenter Bedrohung ging st�ndig von ihm aus wie Rauch von einem Feuer.</p><p>�Was hat er gesagt?�, fragte Clary. �Ich meine das auf Italienisch.�</p><p>�Er hat gesagt, �Nein, sie ist meine Schwester��, erl�uterte Jace, �bersetzte aber nicht, was das M�dchen Sebastian gefragt hatte.</p><p>�Macht er das oft?�, erkundigte Clary sich. Inzwischen standen sie vor Jace� Zimmer. �Irgendwelche M�dchen mit nach Hause bringen?�</p><p>Sanft ber�hrte Jace Clarys Gesicht. �Sebastian tut, was er will, und ich stelle keine Fragen�, sagte er. �Von mir aus k�nnte er ein baumhohes rosa Kaninchen im Bikini mit nach Hause bringen � es geht mich nichts an. Aber falls du wissen willst, ob ich irgendwelche M�dchen mit hierhergebracht habe, dann lautet die Antwort: nein. Ich will niemanden au�er dir.�</p><p>Das hatte Clary zwar gar nicht gefragt, aber sie nickte trotzdem, als w�re sie erleichtert. �Ich mag nicht mehr nach unten gehen�, sagte sie.</p><p>�Du kannst heute Nacht bei mir schlafen.� Jace� goldene Augen funkelten in der Dunkelheit. �Oder im gro�en Schlafzimmer. Du wei�t, ich w�rde dich niemals��</p><p>�Ich will bei dir sein�, unterbrach Clary ihn mit einer Bestimmtheit, die sie selbst �berraschte. Vielleicht war aber auch die Vorstellung, allein in dem Raum zu �bernachten, in dem Valentin einst geschlafen und den er wieder mit ihrer Mutter zu beziehen gehofft hatte, einfach zu viel f�r Clary. Oder es lag daran, dass sie einfach nur m�de war und bisher nur eine einzige Nacht mit Jace im selben Bett verbracht hatte. Sie hatten Seite an Seite geschlafen und einander nur leicht an der Hand ber�hrt, als l�ge ein gez�cktes Schwert zwischen ihnen.</p><p>�Gib mir eine Sekunde, um mein Zimmer aufzur�umen. Da drin herrscht das totale Chaos.�</p><p>�Ja klar! Als ich das letzte Mal in deinem Zimmer war, hab ich doch tats�chlich ein Staubfl�ckchen auf der Fensterbank gesehen. Darum solltest du dich dringend k�mmern.�</p><p>Jace nahm eine von Clarys Str�hnen und lie� die Locke durch seine Finger gleiten. �Ich will ja nicht unbedingt gegen meine eigenen Interessen handeln, aber brauchst du irgendwas zum Schlafen? Einen Pyjama oder��</p><p>Clary dachte an den reich gef�llten Kleiderschrank in Valentins Schlafzimmer � irgendwann w�rde sie sich an die Vorstellung gew�hnen m�ssen, also konnte sie genauso gut auch gleich damit anfangen. �Ich hol mir schnell ein Nachthemd.�</p><p>Als sie wenige Augenblicke vor der ge�ffneten Schublade stand und auf den Inhalt starrte, ging ihr auf, dass die Schlafsachen, die M�nner f�r eine geliebte Frau besorgten, nicht unbedingt zu der Sorte von Nachtw�sche z�hlte, die sie sich selbst ausgesucht h�tte. Normalerweise schlief Clary in Tr�gerhemd und Pyjamashorts, aber s�mtliche Kleidungsst�cke in der Schublade bestanden entweder aus Seide oder Spitze oder einem Hauch von nichts � oder einer Kombination aus allen dreien. Letztendlich entschied sie sich f�r ein Nachthemd aus hellgr�ner Seide, das eine Handbreit �ber ihrem Knie endete. Clarys Gedanken wanderten zu der Blondine mit den rot lackierten Fingern�geln, dem M�dchen, das Sebastians Brust gekrault hatte. Ihre eigenen Fingern�gel waren abgeknabbert und ihre Zehenn�gel hatten, wenn �berhaupt, bisher nur transparenten Nagellack zu sehen bekommen. Clary fragte sich, wie es sich wohl anf�hlte, wenn sie mehr wie Isabelle w�re: sich der eigenen femininen Macht so bewusst, dass man diese wie eine Waffe einsetzen konnte, statt verwirrt darauf zu starren wie jemand, der bei einer Einweihungsparty ein Geschenk erh�lt, aber nicht wei�, wo er es hinstellen soll.</p><p>Rasch ber�hrte Clary den goldenen Ring an ihrem Finger, damit er ihr Gl�ck brachte, und ging dann in Jace� Zimmer. Der junge Schattenj�ger sa� auf dem Bett, nur mit einer schwarzen Pyjamahose bekleidet, und las im gelblichen Schein der Nachttischlampe ein Buch. Clary stand einen Moment da und betrachtete ihn. Sie konnte das feine Spiel der Muskeln unter seiner Haut erkennen, als er die Seiten umbl�tterte � und sie konnte Liliths Mal sehen, direkt �ber seinem Herzen. Dieses Symbol besa� keinerlei �hnlichkeit mit dem schwarzen Gitterwerk seiner �brigen Runenmale: Es schimmerte silbrig-rot, wie mit Blut gemischtes Quecksilber. Und es wirkte vollkommen falsch.</p><p>Als die T�r mit einem leisen Klicken hinter Clary ins Schloss glitt, schaute Jace auf und Clary konnte zusehen, wie sich seine Miene ver�nderte. Sie selbst mochte zwar kein allzu gro�er Fan von diesem Nachthemd sein, aber das konnte man von Jace nicht behaupten. Der Ausdruck auf seinem Gesicht jagte ihr ein elektrisierendes Prickeln �ber die Haut.</p><p>�Ist dir kalt?�, fragte Jace und schlug die Bettdecke zur Seite. Clary krabbelte ins Bett, w�hrend er sein Buch achtlos auf den Nachttisch warf und ihr dann unter die Bettdecke folgte, bis sie nebeneinanderlagen, die Gesichter einander zugewandt. Im Boot auf dem Kanal hatten sie scheinbar stundenlang dagelegen und sich gek�sst, doch das hier war etwas v�llig anderes. Denn das K�ssen hatte im Grunde in aller �ffentlichkeit stattgefunden, unter freiem Himmel und f�r die ganze Stadt sichtbar. Aber das hier ging wesentlich weiter: Jetzt lagen sie beide unter einer Decke, w�hrend ihr Atem und die W�rme ihrer K�rper miteinander verschmolzen. Hier gab es niemanden, der sie h�tte beobachten k�nnen, niemanden, der sie h�tte aufhalten k�nnen � und auch keinen Grund zum Aufh�ren. Als Jace die Hand ausstreckte und seine Finger an ihre Wange legte, hatte Clary das Gef�hl, als m�sste das Rauschen des Bluts in ihren Ohren sie taub werden lassen.</p><p>Sie lagen so dicht beieinander, dass Clary das Muster aus hell- und dunkelgoldenen Flecken in seinen Augen erkennen konnte, das wie ein Mosaikopal aussah. Obwohl ihr die ganze Zeit kalt gewesen war, hatte sie nun das Gef�hl, als w�rde sie gleichzeitig gl�hen und sich aufl�sen, mit ihm verschmelzen � und dabei ber�hrten sie einander kaum. Ihr Blick wanderte zu den Stellen seines K�rpers, an denen er besonders verwundbar war: seine Schl�fen, seine Augen, der Pulsschlag an seiner Kehle. Genau dort wollte sie ihn k�ssen, seinen Herzschlag an ihren Lippen sp�ren.</p><p>Jace� narben�berzogene rechte Hand glitt �ber ihre Wange und dann �ber ihre Schulter und Seite, in einer einzigen sanften Ber�hrung bis hinunter zu ihrer H�fte. Clary verstand nun, warum M�nner diese Art W�sche so sehr mochten: Die Seide erzeugte keinerlei Reibung � es war, als w�rde man mit der Hand �ber eine Glasfl�che streifen. �Sag mir, was du m�chtest�, raunte er im Fl�sterton, der den heiseren Klang seiner Stimme jedoch nicht ganz kaschieren konnte.</p><p>�Ich m�chte einfach nur, dass du mich im Arm h�ltst. W�hrend ich schlafe. Im Moment m�chte ich nichts anderes�, murmelte Clary.</p><p>Seine Finger, die z�rtliche Kreise auf ihrer H�fte gemalt hatten, hielten inne. �Das ist alles?�</p><p>Nein, das war keineswegs alles, was sie wollte. In Wahrheit wollte sie ihn k�ssen, bis sie jedes Gef�hl f�r Raum und Zeit verlor � bis sie verga�, wer sie war und warum sie hier war, genau wie in dem Boot. Sie wollte ihn wie eine Droge benutzen.</p><p>Aber das war im Augenblick keine gute Idee.</p><p>Jace beobachtete sie, ruhelos wie immer, und Clary musste an ihre erste Begegnung denken: Damals hatte sie gedacht, dass sein Erscheinungsbild sie an das eines L�wen erinnerte � wundersch�n und extrem gef�hrlich. <emphasis>Das hier ist ein Test,</emphasis> schoss es ihr durch den Kopf, <emphasis>und m�glicherweise ein ziemlich gef�hrlicher.</emphasis> �Ja, das ist alles�, best�tigte sie.</p><p>Seine Brust hob und senkte sich sto�weise; Liliths Mal schien unter seiner Haut zu pulsieren und seine Hand schloss sich fest um Clarys H�fte. Sie konnte ihre eigene Atmung h�ren, so flach wie ein Strand bei Ebbe. Dann zog Jace sie an sich und rollte sie auf die Seite, bis sie wie zwei L�ffel aneinandergeschmiegt dalagen, ihr R�cken an seiner Brust. Clary unterdr�ckte ein Keuchen: Seine Haut war gl�hend hei�, fast als h�tte er Fieber. Aber seine Arme, die sie umfingen, f�hlten sich vertraut an. Die beiden kuschelten sich aneinander, so wie sie es schon oft getan hatten: ihr Kopf unter seinem Kinn, ihre Wirbels�ule an seinem muskul�sen Bauch, ihre Beine an seine Schenkel gedr�ckt.</p><p>�Na gut�, raunte Jace und sein warmer Atem in ihrem Nacken bereitete Clary am ganzen K�rper eine wohlige G�nsehaut. �Dann schlafen wir jetzt.�</p><p>Und dabei blieb es dann auch. Langsam entspannte sich Clarys K�rper und auch ihr Herzschlag beruhigte sich allm�hlich wieder. Jace� Arme um sie herum f�hlten sich genauso an wie immer. Behaglich. Clary schmiegte ihre Finger um seine H�nde, schloss die Augen und stellte sich vor, dass ihr Bett sich von diesem seltsamen Gef�ngnis l�ste und durch den Weltraum schwebte oder auf der Meeresoberfl�che trieb � nur sie beide und niemand sonst.</p><p>Auf diese Weise schlief sie ein. Es war die beste Nacht und der tiefste Schlaf seit Wochen.</p><p>Simon sa� auf der Kante von Magnus� G�stebett und starrte auf die Reisetasche auf seinem Scho�.</p><p>Aus dem Wohnzimmer drangen Stimmen zu ihm. Magnus berichtete Maia und Jordan von den Ereignissen der vergangenen Nacht, wobei Isabelle gelegentlich ein Detail hinzuf�gte. Irgendwann schlug Jordan vor, etwas beim Chinesen zu bestellen, damit sie in der Zwischenzeit nicht verhungerten. Maia lachte und erkl�rte, solange sie nicht bei �Jade Wolf� ordern w�rden, h�tte sie nichts einzuwenden.</p><p><emphasis>Verhungern,</emphasis> �berlegte Simon. Sein Hunger hatte sich schon vor einer Weile bemerkbar gemacht und zog an seinen Adern. Es war nicht mit dem Hunger zu vergleichen, den er als Mensch versp�rt hatte. Simon f�hlte sich wie ausgeh�hlt � eine bodenlose Leere tief in seinem Inneren. Wenn man ihm einen Schlag versetzen w�rde, dann w�rde er wie eine Glocke hallen, dachte er.</p><p>�Simon.� Die T�r war aufgegangen und Isabelle betrat das G�stezimmer. Ihre langen schwarzen Haare reichten ihr fast bis zur Taille. �Alles in Ordnung?�, fragte sie.</p><p>�Mir geht�s gut.�</p><p>Isabelle sah die Reisetasche auf seinem Scho� und ihre Schultern versteiften sich. �Haust du ab?�</p><p>�Na ja, ich hatte nicht vor, ewig hierzubleiben�, erkl�rte Simon. �Ich meine, letzte Nacht war� was anderes. Du hattest mich ja hergebeten��</p><p>�Richtig�, best�tigte Izzy mit ungew�hnlich heiterer Stimme. �Du kannst zusammen mit Jordan zur�ckfahren. Ganz nebenbei: Hast du das mit ihm und Maia bemerkt?�</p><p>�Was soll ich bemerkt haben?�</p><p>Isabelle senkte die Stimme: �Zwischen den beiden hat es gefunkt� w�hrend ihres Ausflugs ist definitiv was passiert. Die machen total auf P�rchen.�</p><p>�Tja, das ist sch�n.�</p><p>�Bist du eifers�chtig?�</p><p>�Eifers�chtig?�, wiederholte Simon verwirrt.</p><p>�Na ja, Maia und du�� Isabelle wedelte mit der Hand und warf ihm unter halb gesenkten Lidern einen Blick zu. �Ihr beide wart doch��</p><p>�Ach so. Nein. Nein, �berhaupt nicht. Ich freu mich f�r Jordan. Das wird ihn sehr gl�cklich machen�, f�gte Simon hinzu und meinte es auch so.</p><p>�Gut�, murmelte Isabelle und Simon stellte fest, dass ihre Wangen ger�tet waren, allerdings bestimmt nicht von der K�lte. �W�rdest du heute Nacht hierbleiben, Simon?�</p><p>�Bei dir?�</p><p>Isabelle nickte, schaute ihn aber dabei nicht an. �Alec f�hrt gleich zum Institut, um sich ein paar Klamotten zu holen. Er hat mich gefragt, ob ich mitkommen will, aber ich� ich m�chte viel lieber hier bei dir bleiben.� Sie hob das Kinn und sah Simon nun direkt an. �Ich m�chte nicht allein schlafen. Wenn ich hierbleibe, bleibst du dann auch?�</p><p>Simon sp�rte, wie schwer ihr diese Frage fiel. �Klar�, sagte er so l�ssig wie m�glich und versuchte gleichzeitig, jeden Gedanken an seinen Hunger zu verdr�ngen. Als er das letzte Mal sein nagendes Hungergef�hl ignoriert hatte, hatte es damit geendet, dass Jordan ihn von der halb bewusstlosen Maureen wegzerren musste. Aber damals hatte er mehrere Tage lang nicht gegessen. Diese Situation hier war etwas anderes. Inzwischen kannte er seine Grenzen � da war er sich absolut sicher. �Nat�rlich�, sagte er erneut. �Das w�re klasse.�</p><p>Camille warf Alec von ihrem Diwan aus einen sp�ttischen Blick zu. �Und was denkt Magnus, wo du gerade steckst?�</p><p>Alec, der aus einer Holzbohle und zwei Betonsteinen eine Art Sitzbank improvisiert hatte, streckte die langen Beine aus und schaute auf seine Stiefel. �Er glaubt, ich w�r im Institut, um mir ein paar Sachen zu holen. Eigentlich wollte ich ja nach Spanish Harlem, aber stattdessen bin ich hierhergekommen.�</p><p>Die Vampirdame kniff die Augen zu Schlitzen. �Und wieso?�</p><p>�Weil ich es einfach nicht kann. Ich kann Raphael nicht umbringen.�</p><p>Entnervt riss Camille die H�nde in die H�he. �Und warum nicht, wenn ich fragen darf? Verbindet dich vielleicht irgendeine pers�nliche Beziehung mit ihm?�</p><p>�Ich kenne ihn kaum�, erwiderte Alec. �Wenn ich ihn t�te, versto�e ich damit bewusst gegen den B�ndnisvertrag. Nicht, dass ich nicht schon zuvor gegen das Gesetz versto�en h�tte, aber es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Gesetzesversto� f�r einen guten Zweck oder aus egoistischen Gr�nden.�</p><p>�Oh, g�tiger Gott.� Camille hatte sich vom Diwan erhoben und begann, unruhig auf und ab zu gehen. �Erspar mir Nephilim mit einem Gewissen.�</p><p>�Es tut mir leid.�</p><p>Camilles Augen verengten sich erneut zu Schlitzen. �Leid? Ich werd dir zeigen��, fauchte sie, verstummte dann aber und fuhr nach einem Moment in einem etwas ruhigeren Ton fort: �Alexander, was soll denn nun aus dir und Magnus werden? Wenn du dich weiterhin so verh�ltst wie bisher, wirst du ihn verlieren.�</p><p>Alec beobachtete die Vampirin, die mit katzenhafter Geschmeidigkeit durch den Raum schritt, auf ihrem Gesicht der Ausdruck interessierter Anteilnahme. �Wo wurde Magnus geboren?�, stie� er hervor.</p><p>Camille lachte. �Du wei�t nicht einmal seinen Geburtsort? Du meine G�te! Batavia, wenn du es unbedingt wissen willst.� Sie schnaubte, als sie Alecs verst�ndnislosen Blick sah. �In Indonesien. Nat�rlich war das damals noch Niederl�ndisch-Indien. Magnus� Mutter war eine Einheimische, soweit ich wei�, sein Vater irgendein langweiliger Kolonialbeamter. Nun ja, nat�rlich nicht sein <emphasis>leiblicher</emphasis> Vater.� Ein L�cheln umspielte ihre Lippen.</p><p>�Und wer ist sein leiblicher Vater?�</p><p>�Magnus� Vater? Ein D�mon nat�rlich.�</p><p>�Ja, aber welcher D�mon?�</p><p>�Welche Rolle spielt das denn schon, Alexander?�</p><p>�Ich hab den Eindruck��, fuhr Alec hartn�ckig fort, �dass es sich um einen ziemlich m�chtigen, hochrangigen D�mon handelt. Aber Magnus will nicht �ber ihn reden.�</p><p>Seufzend lie� Camille sich wieder auf den Diwan fallen. �Selbstverst�ndlich will er das nicht. Man muss sich in einer Beziehung immer etwas Geheimnisvolles bewahren, Alec Lightwood. Ein Buch, das man noch nicht gelesen hat, ist stets aufregender als eines, dessen Inhalt man auswendig kennt.�</p><p>�Du meinst, ich erz�hle ihm zu viel?� Alec st�rzte sich begierig auf jeden winzigen Brocken Information, den Camille ihm hinwarf. Irgendwo tief im Inneren dieser sch�nen, kalten H�lle steckte eine Person, die eine einzigartige Erfahrung mit ihm teilte � Magnus zu lieben und von ihm geliebt zu werden. Die Vampirin musste doch irgendetwas wissen, irgendeinen Hinweis, irgendein Geheimnis, das ihn daran hindern w�rde, das Ganze total zu vermasseln.</p><p>�Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Andererseits wandelst du ja erst seit so kurzer Zeit auf Erden, dass ich mir nicht vorstellen kann, was es da viel zu erz�hlen gibt. Gewiss sind dir l�ngst die Anekdoten ausgegangen�, bemerkte Camille spitz.</p><p>�Na ja, wenn ich das richtig sehe, hat deine Taktik, ihm gar nichts zu erz�hlen, auch nicht gerade gro�artig funktioniert.�</p><p>�Ich war aber auch nicht derart versessen darauf, ihn zu halten, wie du es offenbar bist.�</p><p>�Aber mal angenommen��, setzte Alec an � wider besseres Wissen, aber unf�hig, den Mund zu halten, �nur mal angenommen, du <emphasis>h�ttest</emphasis> Magnus halten wollen, was h�ttest du dann anders gemacht?�</p><p>Camille seufzte theatralisch. �Du bist noch zu jung, um das zu verstehen, aber du musst wissen, dass jeder von uns bestimmte Dinge vor anderen geheim h�lt. Wir verstecken sie vor unseren Liebsten, weil wir uns von unserer besten Seite pr�sentieren wollen. Aber wenn es sich um die wahre Liebe handelt, erwarten wir von unserem Geliebten, dass er es einfach versteht, ohne erst danach fragen zu m�ssen. In so einer Partnerschaft � einer Beziehung, die �ber Jahrhunderte andauert � gibt es eine unausgesprochene Verbundenheit.�</p><p>�A-aber�, stammelte Alec, �ich h�tte gedacht, Magnus w�rde wollen, dass ich mich ihm �ffne. Es ist mir schon schwergefallen, mich gegen�ber Leuten zu �ffnen, die ich mein Leben lang kenne � Isabelle oder Jace��</p><p>Camille schnaubte. �Das ist ein weiterer Punkt�, teilte sie ihm von oben herab mit. �Sobald du deine wahre Liebe gefunden hast, brauchst du keine anderen Menschen mehr in deinem Leben. Kein Wunder, dass Magnus den Eindruck hat, sich dir gegen�ber nicht �ffnen zu k�nnen, wenn du auf diese anderen Leute angewiesen bist. Wahre Liebe sollte jeden Wunsch und jedes Bed�rfnis des jeweils anderen erf�llen k�nnen� H�rst du mir auch zu, Alexander? Meine Ratschl�ge sind wertvoll und ein Privileg��</p><p><emphasis>Das erste Licht der Morgend�mmerung erhellte den Raum. Clary setzte sich auf und schaute nach Jace, der noch schlief. Er lag auf der Seite und seine blonden Haare schimmerten in der Farbe von fahlem Messing. Seine Hand hatte er unter die Wange geschoben, wie ein kleines Kind. Die sternf�rmige Narbe an seiner Schulter leuchtete silbrig und lenkte Clarys Blick auf das Muster aus alten Runenmalen, das Arme, R�cken und die Seiten seines K�rpers �berzog. Sie fragte sich, ob andere Leute diese Narben wohl genauso sch�n fanden wie sie oder ob ihr die Male nur deshalb so gefielen, weil sie ihn liebte und sie ein Teil von ihm waren. Jedes Runenmal erz�hlte eine Geschichte seiner Vergangenheit und manche hatten ihm sogar das Leben gerettet.</emphasis></p><p><emphasis>Jace murmelte im Schlaf und drehte sich auf den R�cken. Seine Hand mit der schwarz schimmernden Voyance-Rune lag quer auf seinem Bauch. Dar�ber befand sich die einzige Rune, die Clary nicht sch�n fand: Liliths Mal, das Symbol, das Jace mit Sebastian verband.</emphasis></p><p><emphasis>Es schien zu pulsieren, genau wie Isabelles rubinroter Anh�nger, wie ein zweites Herz.</emphasis></p><p><emphasis>Lautlos wie eine Katze schlich Clary sich ans Kopfende des Betts, hockte sich auf ihre Knie, streckte einen Arm aus und zog den Herondale-Dolch aus der Wand. Das Foto von Jace und ihr flatterte herab und drehte sich in der Luft, ehe es mit dem Gesicht nach unten auf dem Fu�boden landete.</emphasis></p><p><emphasis>Clary schluckte und schaute wieder auf Jace. Selbst jetzt wirkte er so lebendig, als w�rde er von innen gl�hen� als w�rde ein inneres Feuer ihn leuchten lassen. Das Runenmal auf seiner Brust pulsierte in einem gleichm��igen Rhythmus.</emphasis></p><p><emphasis>Sie hob den Dolch.</emphasis></p><p>Mit einem Ruck erwachte Clary aus dem Schlaf; ihr Herz raste. Der Raum um sie herum drehte sich wie ein Karussell. Es war noch immer dunkel, Jace� Arm lag um ihre Schulter und sein warmer Atem streifte ihren Nacken. Sie konnte seinen Puls an ihrer Wirbels�ule sp�ren. Clary schloss die Augen und schluckte den bitteren Geschmack im Mund hinunter.</p><p>Es war ein Traum gewesen� nur ein Traum.</p><p>Aber jetzt bestand nicht mehr die geringste Chance, wieder einzuschlafen. Vorsichtig setzte Clary sich auf, schob Jace� Arm behutsam zur Seite, kletterte aus dem Bett und zuckte zusammen, als ihre F��e die Fliesen ber�hrten. Der Fu�boden war eiskalt. Im Halbdunkel fand sie die T�rklinke, dr�ckte die T�r auf� und erstarrte.</p><p>Kronleuchter erhellten den fensterlosen Flur. Mehrere Lachen einer z�hen dunklen Fl�ssigkeit verunstalteten den Steinboden. Auf einer der wei� gestrichenen W�nde leuchtete ein blutiger Handabdruck und etliche Blutspritzer lenkten von dort Clarys Blick zur Glastreppe, wo ein langer, schmieriger Fleck d�ster schimmerte.</p><p>Clary schaute zu Sebastians Zimmer. Alles schien ruhig � die T�r war geschlossen und unter dem T�rschlitz fiel kein Licht hindurch. Pl�tzlich musste Clary an das blonde M�dchen in dem paillettenbesetzen Top denken und musterte den blutverschmierten Handabdruck erneut. Das Ganze war wie eine Botschaft � eine hoch erhobene Hand, die �Stopp!� rief.</p><p>Im n�chsten Moment schwang Sebastians T�r auf und ihr Bruder trat hinaus in den Flur. Er trug ein Thermo-Shirt �ber einer schwarzen Jeans und sein silberwei�es Haar wirkte zerzaust. Er g�hnte verschlafen, doch als er Clary erblickte, stutzte er und starrte sie aufrichtig verwundert an. �Was machst du denn hier?�</p><p>Clary zuckte zusammen und atmete tief ein. Die Luft schmeckte metallisch. �Was ich hier mache? Was treibst <emphasis>du</emphasis> denn gerade?�</p><p>�Ich wollte nach unten, um ein paar Handt�cher zu holen und diese Sauerei hier wegzumachen�, antwortete Sebastian sachlich. �Vampire und ihre kleinen Spielchen��</p><p>�F�r mich sieht das nicht nach einem Spiel aus�, entgegnete Clary. �Dieses M�dchen � diese irdische Blondine, die unten neben dir gesessen hat �, was habt ihr mit ihr gemacht?�</p><p>�Als sie die Fangz�hne gesehen hat, bekam sie es mit der Angst zu tun. Das kann schon mal passieren.� Beim Anblick von Clarys Miene brach er in Gel�chter aus. �Aber sie hat sich wieder beruhigt� und wollte sogar noch mehr. Im Moment liegt sie in meinem Bett und schl�ft. Sieh ruhig nach, falls du dich vergewissern willst, ob sie noch lebt.�</p><p>�Nein� das ist nicht n�tig.� Clary senkte den Blick und w�nschte, sie h�tte sich noch irgendetwas �ber dieses d�nne Nachthemd gezogen. Irgendwie f�hlte sie sich nackt. �Was ist mit dir?�, fragte sie.</p><p>�Du willst wissen, ob es mir gut geht?� So hatte es Clary nicht gemeint, aber Sebastian wirkte erfreut und sie lie� ihn in dem Glauben. Er zog den Kragen seines Shirts beiseite, sodass Clary zwei kreisrunde Bisswunden direkt �ber seinem Schl�sselbein sehen konnte. �Ich k�nnte allerdings eine <emphasis>Iratze</emphasis> vertragen.�</p><p>Clary schwieg.</p><p>�Komm mit nach unten�, sagte er und forderte sie mit einer Handbewegung auf, ihm zu folgen. Dann stapfte er barfu� an ihr vorbei in Richtung der gl�sernen Treppe. Nach kurzem Z�gern ging Clary ihm nach. Auf dem Weg ins Erdgeschoss schaltete Sebastian das Licht an, sodass die K�che vollst�ndig beleuchtet war, als sie die letzte Stufe erreichten. �Wein?�, fragte er und �ffnete die K�hlschrankt�r.</p><p>Clary lie� sich auf einem der Hocker an der K�chentheke nieder und strich ihr Nachthemd glatt. �Nein, nur Wasser.� Dann sah sie zu, wie er zwei Gl�ser Mineralwasser einschenkte � eines f�r sie und eines f�r sich selbst. Seine geschmeidigen, flie�enden Bewegungen hatte er wohl von Jocelyn, doch die Kontrolle �ber seinen K�rper musste Valentin ihm eingeimpft haben. Das Ganze erinnerte Clary daran, wie Jace sich bewegte: wie ein durchtrainierter T�nzer.</p><p>Sebastian schob ihr das Wasser �ber die Theke zu, w�hrend er selbst das Glas schon zum Mund f�hrte. Er st�rzte das Wasser in einem Zug hinunter und knallte das leere Glas auf die K�chentheke. �Wahrscheinlich wei�t du das l�ngst, aber solche Spielchen mit Vampiren machen echt durstig.�</p><p>�Wieso sollte ich das wissen?� Clarys Tonfall war deutlich sch�rfer als beabsichtigt.</p><p>Sebastian zuckte die Achseln. �Ich bin davon ausgegangen, du h�ttest irgendwelche Bei�spielchen mit diesem Tageslichtler getrieben.�</p><p>�Simon und ich haben nie irgendwelche Bei�spielchen gespielt�, erwiderte Clary eisig. �Ich kann �berhaupt nicht verstehen, warum sich jemand freiwillig als Blutspender f�r Vampire zur Verf�gung stellt. Ich dachte, du w�rdest alle Schattenwesen hassen und verachten?�</p><p>�Nein�, sagte Sebastian. �Verwechsel mich nicht mit Valentin.�</p><p>�Ja, klar�, murmelte Clary. �Das war ein echt schwerer Fehler.�</p><p>�Es ist nicht meine Schuld, dass ich so aussehe wie er und du so wie sie.� Beim Gedanken an Jocelyn verzog er angewidert den Mund.</p><p>Clary funkelte ihn b�se an.</p><p>�Da, jetzt machst du es schon wieder. St�ndig siehst du mich so an.�</p><p>�Wie denn?�</p><p>�Als ob ich zum Spa� Tierheime niederbrenne und meine Zigaretten an Waisenkindern ausdr�cke.� Sebastian goss sich ein weiteres Glas Wasser ein. Als er dabei den Kopf wegdrehte, sah Clary, dass die Bisswunden an seiner Kehle bereits verheilten.</p><p>�Du hast ein kleines Kind get�tet�, entgegnete sie scharf, obwohl sie wusste, dass sie eigentlich den Mund halten und weiterhin so tun sollte, als w�rde sie Sebastian nicht f�r ein Monster halten. Aber der Gedanke an Max brachte sie in Rage. Vor ihrem inneren Auge war er noch so lebendig wie an jenem Abend im Institut, als er auf dem roten Sofa in der Eingangshalle geschlafen hatte, mit leicht verrutschter Brille und das Buch, in dem er gelesen hatte, neben sich auf dem Boden. �Das werd ich dir nie verzeihen, niemals.�</p><p>Sebastian zog scharf die Luft ein. �Ach so ist das�, sagte er. �Dann bekennst du also jetzt schon Farbe, Schwesterherz?�</p><p>�Was hast du denn gedacht?� Clarys Stimme klang selbst in ihren eigenen Ohren d�nn und ersch�pft, trotzdem zuckte Sebastian zusammen, als h�tte sie ihn angefaucht.</p><p>�W�rdest du mir glauben, wenn ich dir versichere, dass es ein Unfall war?�, fragte er und stellte das Glas auf die Theke. �Es war nicht meine Absicht, ihn zu t�ten. Ich wollte nur, dass er das Bewusstsein verliert, damit er nichts verraten kann��</p><p>Doch Clary brachte ihn mit einem eisigen Blick zum Schweigen. Sie wusste, dass sie den Hass in ihren Augen nicht verbergen konnte � sosehr sie es auch versuchte, es war unm�glich.</p><p>�Ich meine es wirklich ernst. Ich wollte ihn nur bewusstlos schlagen, wie Isabelle. Aber ich hab meine eigene Kraft untersch�tzt.�</p><p>�Und was ist mit Sebastian Verlac? Dem richtigen Sebastian Verlac? Den hast du umgebracht, oder etwa nicht?�</p><p>Sebastian blickte auf seine H�nde, als w�ren sie ihm vollkommen fremd: Eine Silberkette mit einem flachen Metallschild, wie bei einem Namenskettchen, wand sich um sein rechtes Handgelenk und kaschierte die Wunde an der Stelle, an der Isabelle ihm die Hand abgetrennt hatte. �Er h�tte sich eben nicht wehren d�rfen��, sagte er.</p><p>Angewidert machte Clary Anstalten, von ihrem Hocker zu rutschen, doch Sebastian packte sie am Handgelenk und zog sie zu sich. Seine Haut war gl�hend hei� und Clary erinnerte sich wieder an jenen Moment in Idris, als ihre Haut nach Sebastians Ber�hrung wie Feuer gebrannt hatte.</p><p>�Jonathan Morgenstern hat Max get�tet. Aber was w�re, wenn ich nicht mehr diese Person bin? Ist dir nicht aufgefallen, dass ich noch nicht mal mehr diesen Namen benutze?�, fragte er.</p><p>�Lass mich los!�</p><p>�Du glaubst doch, dass Jace sich ver�ndert hat�, sagte Sebastian leise. �Du bist davon �berzeugt, dass er nicht mehr derselbe ist� dass mein Blut ihn ver�ndert hat. Oder etwa nicht?�</p><p>Clary nickte stumm.</p><p>�Warum kannst du dann nicht glauben, dass das umgekehrt auch m�glich ist? Vielleicht hat sein Blut ja auch mich ver�ndert. Vielleicht bin ich nicht mehr der, der ich fr�her war.�</p><p>�Du hast Luke niedergestochen�, konterte Clary. �Jemanden, an dem mir sehr viel liegt. Jemanden, den ich liebe��</p><p>�Er h�tte mich sonst mit seiner Schrotflinte abgeknallt�, erwiderte Sebastian. �Du liebst ihn, aber ich kenne ihn kaum. Ich habe mein Leben verteidigt� und das von Jace. Verstehst du das denn nicht?�</p><p>�Wahrscheinlich w�rdest du mir alles erz�hlen, wenn du damit mein Vertrauen gewinnen k�nntest.�</p><p>�W�rde es die Person, die ich einst war, interessieren, ob du mir vertraust?�</p><p>�Wenn dir das irgendwie n�tzlich w�re �.�</p><p>�Vielleicht will ich ja nur eine Schwester.�</p><p>Bei diesen Worten schaute Clary unwillk�rlich auf und starrte ihn ungl�ubig an. �Du wei�t doch gar nicht, was eine Familie ist. Oder was du mit einer Schwester machen solltest, wenn du eine h�ttest.�</p><p>�Aber ich habe eine�, sagte er leise. Blutflecken schimmerten am Kragen seines Thermo-Shirts, an der Stelle, wo seine Haut den Stoff ber�hrte. �Ich gebe dir eine Chance. Du sollst sehen, dass das, was Jace und ich vorhaben, das Richtige ist. Kannst du mir ebenfalls eine Chance geben?�</p><p>Clary dachte an den Sebastian, den sie in Idris kennengelernt hatte: Sie hatte ihn heiter erlebt und freundlich, distanziert, ironisch, leidenschaftlich und zornig. Aber noch nie flehend.</p><p>�Jace vertraut dir�, fuhr er fort. �Aber ich nicht. Er ist davon �berzeugt, du liebst ihn genug, um alles aufzugeben, was dir je wichtig gewesen ist, nur um bei ihm zu sein. Ganz gleich, was auch passiert.�</p><p>Unwillk�rlich presste Clary die Kiefer zusammen. �Woher willst du wissen, dass das nicht stimmt?�, brachte sie schlie�lich hervor.</p><p>Sebastian lachte. �Ich wei� es, weil du <emphasis>meine</emphasis> Schwester bist.�</p><p>�Wir haben nicht das Geringste gemein�, fauchte Clary, und als sie sah, wie sich langsam ein L�cheln auf seinem Gesicht ausbreitete, verkniff sie sich den Rest ihrer Worte. Doch es war bereits zu sp�t.</p><p>�Das ist genau das, was ich auch gesagt h�tte�, bemerkte er. �Ach, komm schon, Clary. Jetzt bist du schon mal hier und du kannst nicht zur�ck. Du hast dich Jace auf Gedeih und Verderb angeschlossen. Dann kannst du den Rest auch mitmachen. Nimm teil an dem, was passiert. Dann kannst du dir ein eigenes Urteil bilden� auch �ber mich.�</p><p>Clary vermied jeglichen Blickkontakt, nickte dann aber kaum merklich.</p><p>Sebastian hob eine Hand und strich Clary die Haare aus den Augen. Dabei spiegelte sich das Licht der K�chenbeleuchtung auf seinem Armband.</p><p>Jetzt erst sah Clary, dass mehrere Buchstaben in das Silber ge�tzt waren: <emphasis>Acheronta movebo</emphasis>. Mutig legte sie ihre Finger auf sein Handgelenk. �Was bedeutet das?�</p><p>Sebastian warf einen Blick auf ihre Hand, die das Silber an seinem Handgelenk ber�hrte. �Es bedeutet �So soll es immer den Tyrannen ergehen!�. Ich trage es, um mich immer an den Rat zu erinnern. Angeblich haben die R�mer diese Worte gerufen, die Caesar ermordeten, bevor er zu einem Diktator werden konnte.�</p><p>�Verr�ter�, sagte Clary und lie� ihre Hand sinken.</p><p>Sebastians dunkle Augen blitzten kurz auf. �Nein � Freiheitsk�mpfer. Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben, Schwesterherz.�</p><p>�Und du planst, diesen Teil hier zu schreiben?�</p><p>Er grinste sie an und seine Augen funkelten. �Darauf kannst du wetten.�</p></section><section><title><p>12</p><p>Der Urstoff des Himmels</p></title><p>Als Alec in Magnus� Wohnung zur�ckkehrte, waren s�mtliche Lichter ausgeschaltet � nur das Wohnzimmer wurde von einem bl�ulich wei�en Schein erhellt. Es dauerte einen Moment, bis der junge Schattenj�ger begriff, dass das Licht vom Pentagramm stammte.</p><p>Noch an der T�r zog er leise seine Schuhe aus und schlich in Magnus� Schlafzimmer. Der Raum lag dunkel vor ihm; lediglich �ber dem Fenster hing eine bunte Lichterkette. Magnus lag auf dem R�cken und schlief, die Decke bis zur Taille hochgezogen, eine Hand flach auf dem nabellosen Bauch.</p><p>Alec zog sich rasch bis auf die Boxershorts aus und kletterte vorsichtig ins Bett, in der Hoffnung, seinen Freund nicht zu wecken. Er hatte jedoch nicht mit Miau Tse-tung gerechnet, der sich unter die Decke gekuschelt hatte. Alecs Ellbogen landete auf dem Schwanz des Katers, woraufhin dieser laut miauend aus dem Bett schoss und Magnus sich blinzelnd aufsetzte.</p><p>�Was ist los?�, fragte er.</p><p>�Nichts�, sagte Alec und verfluchte innerlich alle Katzen.</p><p>�Was hast du denn so lange gemacht?� Magnus rollte sich auf die Seite und ber�hrte Alecs nackte Schulter. �Du bist ja ganz kalt und du riechst nach Nachtluft.�</p><p>�Ich bin noch ein bisschen spazieren gegangen�, erkl�rte Alec. Zum Gl�ck war der Raum so dunkel, dass Magnus sein Gesicht nicht richtig sehen konnte: Er wusste, dass er ein grauenhafter L�gner war.</p><p>�Wo warst du denn spazieren?�</p><p><emphasis>Man muss sich in einer Beziehung immer etwas Geheimnisvolles bewahren, Alec Lightwood.</emphasis></p><p>�Hier und dort�, erwiderte Alec leichthin. �Wo genau, bleibt mein Geheimnis.�</p><p>�Bleibt dein Geheimnis?�</p><p>Alec nickte.</p><p>Resigniert lie� Magnus sich in seine Kissen fallen. �Aha, na dann�, murmelte er und schloss die Augen. �Hast du mir wenigstens was mitgebracht?�</p><p>Alec beugte sich vor und k�sste Magnus auf den Mund. �Nur das hier�, sagte er leise und wollte sich wieder zur�ckziehen.</p><p>Doch Magnus, auf dessen Gesicht sich ein feines L�cheln ausbreitete, hatte ihn bereits an den Armen gepackt. �Wenn du mich schon so unsanft aus dem Schlaf rei�t, dann soll es sich wenigstens lohnen�, grinste er und zog Alec auf sich.</p><p>Da sie bereits eine Nacht gemeinsam in einem Bett verbracht hatten, w�re Simon nicht auf die Idee gekommen, dass die zweite Nacht mit Isabelle so kompliziert werden w�rde. Andererseits war Isabelle dieses Mal n�chtern und hellwach und erwartete ganz offensichtlich etwas von ihm. Das Problem war nur: Er war sich nicht sicher, was.</p><p>Er hatte ihr eines seiner Hemden zum Schlafen gegeben und schaute h�flich weg, w�hrend sie unter die Bettdecke kroch und dicht an die Wand r�ckte, damit er gen�gend Platz hatte.</p><p>Simon zog lediglich Schuhe und Socken aus und krabbelte dann einfach in Jeans und T-Shirt zu Isabelle. Einen Augenblick lang lagen sie nebeneinander, dann drehte Isabelle sich zu ihm und platzierte unbeholfen einen Arm �ber seine H�fte. Im n�chsten Moment stie�en ihre Knie gegeneinander und einer von Isabelles Zehenn�geln kratzte ihm �ber den Kn�chel, woraufhin Simon sich vorbeugte und ihre K�pfe gegeneinanderkrachten.</p><p>�Aua!�, rief Isabelle entr�stet. �Solltest du das nicht besser k�nnen?�</p><p>Simon musterte sie verwundert. �Wieso?�</p><p>�Na ja, all die N�chte, die du in Clarys Bett verbracht hast, eng umschlungen in eurer platonischen Umarmung�, sagte Isabelle und dr�ckte ihr Gesicht an seine Schulter, sodass ihre Stimme ged�mpft klang. �Da hab ich mir gedacht��</p><p>�Wir haben nur geschlafen�, erkl�rte Simon. Er wollte ihr nicht erz�hlen, dass Clary sich perfekt an seinen K�rper schmiegte, dass das Ganze so nat�rlich war wie Atmen, dass der Duft ihrer Haare ihn an seine Kindheit erinnerte und an sonnige, unkomplizierte und unbeschwerte Tage. Er hatte so eine Ahnung, dass ihm das jetzt nicht weiterhelfen w�rde.</p><p>�Ich wei�. Aber ich <emphasis>schlafe</emphasis> niemals einfach nur. Mit niemandem�, erwiderte Isabelle gereizt. �In der Regel bleib ich nicht mal die ganze Nacht.�</p><p>�Aber du hast doch gesagt, dass du bleiben willst��</p><p>�Ach, Klappe!�, entgegnete Isabelle und k�sste Simon, was es aber auch nicht besser machte.</p><p>Nat�rlich hatte Simon die junge Schattenj�gerin schon gek�sst und er liebte ihre weichen Lippen und ihre langen dunklen Haare. Doch als sie sich an ihn presste, wurden ihm auch die W�rme ihres K�rpers, ihre langen, nackten Beine, der schnelle Rhythmus ihres Herzschlags bewusst � und er sp�rte seine Fangz�hne, die mit einem Ruck hervorschnellten. Hastig zog er sich von Isabelle zur�ck.</p><p>�Was ist denn <emphasis>jetzt</emphasis> schon wieder? Willst du mich nicht k�ssen?�</p><p>�Doch, schon�, versuchte Simon zu erwidern, doch seine Fangz�hne waren im Weg.</p><p>Isabelles Augen weiteten sich. �Oh, du hast Hunger�, stellte sie fest. �Wann hast du denn das letzte Mal Blut getrunken?�</p><p>�Gestern�, brachte Simon mit einiger M�he hervor.</p><p>Langsam lie� Isabelle sich in das Kissen sinken. Ihre Augen waren unfassbar gro� und gl�nzten schwarz. �Dann solltest du jetzt etwas trinken�, sagte sie. �Du wei�t ja, was passiert, wenn du das nicht tust.�</p><p>�Ich hab aber kein Blut dabei. Ich m�sste zur�ck in Jordans Wohnung�, erl�uterte Simon. Seine Fangz�hne hatten sich bereits leicht zur�ckgezogen.</p><p>Isabelle packte seinen Arm und hielt ihn fest. �Du brauchst kein kaltes Tierblut zu trinken. <emphasis>Ich</emphasis> bin doch hier.�</p><p>Der Schock, den ihre Worte ausl�sten, zuckte wie ein Stromschlag durch Simons K�rper und lie� seine Nervenenden sirren. �Das ist nicht dein Ernst!�</p><p>�Doch, klar.� Isabelle machte sich daran, das Hemd aufzukn�pfen, und entbl��te ihre Kehle und das Schl�sselbein mit dem feinen Adergeflecht unter ihrer blassen Haut. Im n�chsten Moment stand ihr Hemd weit offen.</p><p>Obwohl ihr blauer BH mehr Haut bedeckte als so manches Bikinitop, sp�rte Simon, wie sein Mund ganz trocken wurde. Ihr rubinroter Anh�nger leuchtete warnend an ihrem Hals. <emphasis>Isabelle</emphasis>.</p><p>Als w�rde sie seine Gedanken lesen, nahm Isabelle ihre Haare beiseite und drapierte sie �ber eine Schulter, sodass ihre Kehle an einer Seite frei lag. �Willst du denn nicht�?�</p><p>Simon packte ihre Handgelenke. �Isabelle, nicht�, sagte er eindringlich. �Ich kann mich nicht beherrschen� ich hab das nicht unter Kontrolle. Ich k�nnte dich verletzen, dich t�ten.�</p><p>�Aber das wirst du nicht. Du kannst dich sehr wohl beherrschen. Schlie�lich hast du das bei Jace auch gekonnt.�</p><p>�Auf Jace steh ich aber nicht.�</p><p>�Nicht mal ein kleines bisschen?�, fragte Isabelle neckend. �Weil das n�mlich irgendwie scharf w�re. Also gut, dann eben nicht. Aber so oder so: Du hast ihn gebissen, als du v�llig ausgehungert warst und im Sterben lagst� und dich trotzdem beherrscht.�</p><p>�Bei Maureen hab ich mich nicht beherrschen k�nnen � Jordan musste mich von ihr runterzerren.�</p><p>�Aber letztendlich h�ttest du dich rechtzeitig unter Kontrolle gebracht.� Isabelle legte Simon einen Finger auf die Lippen und fuhr dann mit dem Nagel sanft �ber seine Kehle und �ber seine Brust, bis zu der Stelle, wo einmal sein Herz geschlagen hatte. �Ich vertraue dir.�</p><p>�Vielleicht solltest du das aber nicht.�</p><p>�Ich bin eine Schattenj�gerin. Ich kann mich wehren, falls es sein muss.�</p><p>�Jace hat sich nicht gewehrt.�</p><p>�Jace spielt gern mit dem Gedanken an den Tod�, schnaubte Isabelle. �Ich nicht.� Dann schob sie sich auf seinen Scho�, schlang die Beine um seine H�ften � sie war erstaunlich gelenkig � und rutschte n�her, bis ihre Lippen Simons Mund streiften.</p><p>Er sehnte sich danach, sie zu k�ssen, sehnte sich so sehr danach, dass sein ganzer K�rper schmerzte. Zaghaft �ffnete er den Mund, suchte ihre Zunge und f�hlte im n�chsten Augenblick einen stechenden Schmerz. Seine Zunge war �ber die rasiermesserscharfe Kante seiner Fangz�hne gefahren. Simon schmeckte sein eigenes Blut, zog sich abrupt zur�ck und wandte das Gesicht ab. �Ich <emphasis>kann</emphasis> nicht, Isabelle.� Er schloss die Augen und sp�rte Isabelle in seinem Scho�, warm und weich, verlockend, qu�lend. Seine Fangz�hne schmerzten; sein ganzer K�rper f�hlte sich an, als w�rden sich stachlige Dr�hte durch seine Adern winden. �Ich will nicht, dass du mich so siehst�, st�hnte er.</p><p>�Simon.� Behutsam ber�hrte Isabelle seine Wange und drehte sein Gesicht zu sich. �Aber das bist nun mal du��</p><p>Seine Fangz�hne glitten langsam wieder zur�ck, schmerzten aber immer noch. Simon legte die H�nde vors Gesicht und murmelte zwischen seinen Fingern hindurch: �Das kannst du unm�glich wollen. <emphasis>Mich</emphasis> kannst du unm�glich wollen. Meine eigene Mutter hat mich rausgeworfen. Ich habe Maureen gebissen, obwohl sie noch ein Kind ist. Ich meine, sieh mich doch mal an � sieh dir an, was ich bin, wo ich lebe, was ich mache. Ich bin ein Niemand.�</p><p>Isabelle strich ihm sachte �bers Haar.</p><p>Vorsichtig sp�hte Simon zwischen seinen Fingern hindurch. Aus dieser N�he konnte er erkennen, dass ihre Augen gar nicht schwarz, sondern dunkelbraun waren, mit goldenen Sprenkeln. Er war sich sicher, dass er Mitleid darin sehen konnte. Simon wusste nicht, welche Antwort er von ihr erwartete. Isabelle, die Jungs nur benutzte und dann wegwarf. Isabelle, die wundersch�n und stark und perfekt war und nichts und niemanden brauchte � schon gar keinen Vampir, der noch nicht mal zum Vampir taugte. Er konnte ihren Atem sp�ren. Sie duftete s��lich, nach Blut, Sterblichkeit, Gardenien.</p><p>�Du bist kein Niemand�, erwiderte sie. �Simon. Bitte. Bitte lass mich dich ansehen.�</p><p>Widerstrebend senkte Simon die H�nde. Er konnte Isabelle nun noch deutlicher erkennen. Sie sah im Mondlicht sanft und wundersch�n aus, ihre Haut cremig wei�, ihre Haare wie ein schwarzer Wasserfall.</p><p>Sie hob eine Hand. �Sieh dir die mal an�, sagte sie und ber�hrte die wei�en Narben der verheilten Runenmale, die ihre silbrig helle Haut wie Schneeflocken bedeckten � an ihrer Kehle, ihren Armen, auf den Rundungen ihrer Br�ste. �H�sslich, oder nicht?�</p><p>�Nichts an dir ist h�sslich, Izzy�, erwiderte Simon, aufrichtig best�rzt.</p><p>�M�dchen sollten nicht mit Narben �bers�t sein�, fuhr Isabelle sachlich fort. �Aber dich st�ren sie nicht.�</p><p>�Die Narben sind ein Teil von dir� Selbstverst�ndlich st�ren sie mich nicht.�</p><p>Bed�chtig ber�hrte Isabelle seine Lippen mit einem Finger. �Deine Fangz�hne sind ein Teil von dir� ein Teil des Vampirs, der du nun mal bist. Ich hab dich letzte Nacht nicht gebeten vorbeizukommen, weil mir sonst niemand eingefallen w�re. Ich m�chte mit <emphasis>dir</emphasis> zusammen sein, Simon. Das jagt mir zwar eine Heidenangst ein, aber ich m�chte es trotzdem�, sagte sie mit schimmernden Augen.</p><p>Einen kurzen Moment fragte Simon sich, ob es sich dabei wohl um Tr�nen handelte, doch dann beugte er sich vor und k�sste sie. Und dieses Mal war der Kuss nicht so unbeholfen. Dieses Mal schmiegte sie sich an ihn und pl�tzlich lag Simon unter Isabelle. Ihre langen schwarzen Haare fielen nach vorn und umgaben sie beide wie ein Vorhang. Leise fl�sterte Isabelle ihm etwas zu, w�hrend er mit den H�nden �ber ihren R�cken strich und die Narben unter seinen Fingerspitzen sp�rte. Gern h�tte er ihr gesagt, dass sie f�r ihn wie K�rperschmuck waren � Zeugnisse ihrer Tapferkeit, die sie nur noch sch�ner machten. Aber dann h�tte er ihren Kuss unterbrechen m�ssen und das wollte er auf keinen Fall.</p><p>Isabelle st�hnte leise auf und wand sich in seinen Armen; ihre Finger fuhren durch Simons Haar, w�hrend sie sich zusammen auf die Seite drehten, bis sie schlie�lich unter ihm lag und er ihre warmen, weichen Rundungen erkundete, sie schmeckte und ihren Geruch wahrnahm � der Duft ihrer Haut, Salz, Parf�m und� Blut. Erneut erstarrte Simon�</p><p>Was Isabelle nicht entging. Behutsam nahm sie ihn an den Schultern; ihre Augen funkelten in der Dunkelheit. �Tu es�, wisperte sie.</p><p>Simon konnte ihren schnellen, pulsierenden Herzschlag an seiner Brust sp�ren.</p><p>�Ich will es�, forderte sie ihn leise auf.</p><p>Er schloss die Augen, presste seine Stirn gegen ihre und versuchte, sich etwas zu beruhigen. Seine Fangz�hne waren wieder herausgefahren und dr�ckten hart und schmerzhaft gegen seine Unterlippe. �Nein.�</p><p>Isabelle schlang ihre langen, perfekten Beine um ihn, verschr�nkte ihre Fu�gelenke hinter Simons Taille und hielt ihn auf diese Weise fest. �Ich m�chte, dass du es tust.� Ihre Br�ste pressten sich gegen seinen Brustkorb, als sie sich ihm entgegenhob und ihm ihre Kehle darbot.</p><p>Der Duft ihres Blutes erf�llte den Raum, bet�rte all seine Sinne. �Hast du keine Angst?�, fl�sterte er.</p><p>�Doch, schon. Aber ich m�chte es trotzdem.�</p><p>�Isabelle � ich kann nicht�� Dann biss er sie. Seine rasiermesserscharfen Z�hne glitten durch ihre Haut und in die Ader an ihrer Kehle wie ein Messer durch die Schale eines Apfels. Das Blut explodierte in seinem Mund. Nie zuvor hatte er etwas Derartiges erlebt. In jener Nacht mit Jace war er kaum noch am Leben gewesen; bei Maureen hatten ihn seine Schuldgef�hle fast erdr�ckt, noch w�hrend er von ihr trank. Und er hatte bei beiden nicht das Gef�hl gehabt, dass es ihnen <emphasis>gefallen</emphasis> hatte.</p><p>Doch Isabelle keuchte, riss die Augen auf und hob sich ihm mit dem ganzen K�rper entgegen. Sie schnurrte wie eine Katze, streichelte seine Haare, seinen R�cken � kleine, dr�ngende Bewegungen ihrer H�nde, die ihn aufforderten: <emphasis>H�r nicht auf. H�r jetzt nicht auf!</emphasis></p><p>W�rme str�mte aus ihren Adern in seinen Magen und entfachte ein Feuer in seinem K�rper. Er konnte den kr�ftigen, best�ndigen Rhythmus ihrer W�rme sp�ren, die pulsierend durch ihre Adern jagte. In diesem Augenblick hatte er das Gef�hl, als w�rde er wieder leben, und sein Herz machte einen Satz vor freudiger Erregung�</p><p>Im n�chsten Moment zog er sich zur�ck. Simon wusste zwar nicht, wie es ihm gelang, aber er l�ste sich von Isabelle und rollte sich auf den R�cken, w�hrend sich seine Finger in die Matratze gruben. Obwohl seine Fangz�hne langsam zur�ckglitten, bebte er weiterhin am ganzen K�rper. Der Raum um ihn herum begann zu schimmern und zu schillern, wie jedes Mal in den ersten Sekunden nach dem Genuss von warmem, menschlichem Blut. �Izzy��, wisperte er. Er f�rchtete sich davor, sie anzusehen, f�rchtete, dass sie ihn nun, da seine Z�hne nicht l�nger in ihrer Kehle vergaben waren, voller Abscheu oder Entsetzen anstarren w�rde.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Du hast mich nicht aufgehalten�, sagte Simon mit einer Mischung aus Vorwurf und Hoffnung in der Stimme.</p><p>�Ich wollte nicht.�</p><p>Simon betrachtete Isabelle. Sie lag auf dem R�cken; ihre Brust hob und senkte sich rasch, als w�re sie gerannt. An ihrer Kehle prangten zwei deutliche Bisswunden, von denen d�nne, blutige Rinnsale bis zu ihrem Schl�sselbein hinabliefen. Einem Instinkt folgend, der offenbar tief in seinem Inneren geschlummert hatte, beugte er sich vor und leckte das Blut von ihrer Kehle und schmeckte Salz, schmeckte Isabelle.</p><p>Sie erbebte und ihre Finger zitterten in seinen Haaren. <emphasis>�Simon</emphasis>��</p><p>Sofort zog er sich zur�ck.</p><p>Isabelle schaute ihn aus gro�en dunklen, ernsten Augen an; ihre Wangen waren ger�tet. �Ich��</p><p>�Ja?� Einen verr�ckten Moment glaubte er, sie wollte �Ich liebe dich� sagen.</p><p>Stattdessen sch�ttelte Isabelle den Kopf, g�hnte und schob einen Finger durch die G�rtelschlaufe seiner Jeans. Ihre Fingerkuppen spielten mit der nackten Haut an seiner Taille.</p><p>Irgendwo hatte Simon mal gelesen, G�hnen sei ein Zeichen f�r Blutverlust, und Panik erfasste ihn. �Ist alles okay mit dir? Hab ich zu viel getrunken? F�hlst du dich ersch�pft? Bist du��</p><p>Sofort rutschte Isabelle n�her an ihn heran. �Mir geht�s gut. Du hast dich rechtzeitig unter Kontrolle gebracht. Au�erdem bin ich eine Nephilim. Wir ersetzen verlorenes Blut in einem Drittel der Zeit, die herk�mmliche Menschen ben�tigen.�</p><p>�Hat�� Simon brachte es kaum �ber sich, sie zu fragen. �Hat es dir gefallen?�</p><p>�Ja.� Ihre Stimm klang heiser. �Ja, es hat mir gefallen.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>Isabelle kicherte. �Hast du das denn nicht gemerkt?�</p><p>�Ich dachte, du w�rdest vielleicht nur so tun und mir was vormachen.�</p><p>Tr�ge st�tzte sie sich auf einen Ellbogen und schaute ihn aus ihren funkelnden dunklen Augen an.</p><p><emphasis>Wie k�nnen Augen nur so dunkel sein und gleichzeitig so funkeln?, </emphasis>fragte Simon sich.</p><p>�Ich t�usche nichts vor, Simon�, erkl�rte sie. �Ich l�ge nicht und ich tue auch nicht so als ob.�</p><p>�Du bist eine Herzensbrecherin, Isabelle Lightwood�, sagte Simon so leichthin wie m�glich, w�hrend ihr Blut noch immer wie fl�ssiges Feuer durch ihn hindurchrauschte. �Jace hat mal zu Clary gesagt, du w�rdest mir das Herz herausrei�en und mit hochhackigen Stiefeln darauf herumtrampeln.�</p><p>�Das war damals. Aber du hast dich ver�ndert.� Isabelle musterte ihn. �Inzwischen hast du keine Angst mehr vor mir.�</p><p>Sanft ber�hrte er ihr Gesicht. �Und du hast vor gar nichts Angst.�</p><p>�Ach, ich wei� nicht recht.� Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht. �Vielleicht wirst du <emphasis>mir</emphasis> ja das Herz brechen.� Bevor Simon etwas erwidern konnte, k�sste sie ihn, und er fragte sich, ob sie ihr eigenes Blut schmecken konnte. �Und jetzt halt die Klappe. Ich will schlafen�, sagte sie, kuschelte sich an ihn und schloss die Augen.</p><p>Irgendwie passten sie jetzt hervorragend zusammen. Nichts f�hlte sich mehr seltsam an, nichts dr�ckte mehr oder stie� unbequem gegeneinander. Allerdings erinnerte es Simon nicht an sonnige Kindheitstage. Das hier f�hlte sich fremd an und hei� und aufregend und m�chtig und� anders. Simon lag noch eine ganze Weile wach, schaute zur Decke und streichelte geistesabwesend �ber Isabelles seidige schwarze Haare. Er hatte das Gef�hl, als h�tte ein Tornado ihn erfasst und ihn an einem weit entfernten Ort wieder ausgespuckt, wo alles fremd war. Schlie�lich drehte er den Kopf zur Seite und k�sste Izzy federleicht auf die Stirn, woraufhin sie sich ein wenig bewegte und irgendetwas murmelte, die Augen aber nicht �ffnete.</p><p>Als Clary am n�chsten Morgen erwachte, schlief Jace noch fest. Er hatte sich auf die Seite gedreht und einen Arm ausgestreckt, sodass er ihre Schulter gerade noch ber�hrte. Sanft k�sste Clary ihn auf die Wange und kletterte aus dem Bett. Sie wollte eigentlich ins Bad, um zu duschen, doch die Neugier war gr��er. Leise ging sie zur Zimmert�r, �ffnete sie lautlos und sp�hte hinaus.</p><p>Das Blut auf dem Boden war verschwunden, die wei�e Wand wieder makellos. Der gesamte Flur wirkte so sauber, dass Clary sich fragte, ob sie das Ganze wohl getr�umt hatte � das Blut, das Gespr�ch mit Sebastian in der K�che, einfach alles. Z�gernd trat sie einen Schritt vor und legte ihre Finger auf die Stelle an der Wand, wo der blutige Handabdruck gewesen war�</p><p>�Guten Morgen.�</p><p>Clary wirbelte herum. Vor ihr stand ihr Bruder. Er war ger�uschlos aus seinem Zimmer gekommen, stand nun in der Mitte des Flurs und musterte sie mit einem schiefen L�cheln. Offenbar hatte er gerade geduscht; seine feuchten Haare schimmerten silberhell, fast metallisch.</p><p>�Hast du vor, nur noch das zu tragen?�, fragte er und be�ugte ihr Nachthemd.</p><p>�Nein, ich hab nur�� Clary wollte ihm nicht erz�hlen, dass sie nur nachgesehen hatte, ob der Flur noch blutverschmiert war.</p><p>Sebastian betrachtete sie schweigend, am�siert, aber auch �berlegen.</p><p>Hastig trat Clary den R�ckzug an. �Ich geh mich besser umziehen.� Sebastian rief ihr etwas hinterher, aber sie konnte auf seine Kommentare jetzt verzichten und st�rmte zur�ck in Jace� Zimmer und schloss die T�r hinter sich. Einen Moment sp�ter h�rte sie Stimmen im Flur � Sebastian und eine weibliche Stimme, die in melodisch klingendem Italienisch sprach. <emphasis>Das M�dchen von gestern Abend,</emphasis> schoss es Clary durch den Kopf. Die Blondine, von der Sebastian behauptet hatte, sie w�rde in seinem Zimmer schlafen. Erst in diesem Augenblick wurde Clary bewusst, wie sehr sie davon �berzeugt gewesen war, dass er log.</p><p>Aber er hatte die Wahrheit gesagt. <emphasis>Ich gebe dir eine Chance,</emphasis> hatte er gesagt. <emphasis>Kannst du mir ebenfalls eine Chance geben?</emphasis></p><p>Konnte sie das? Schlie�lich ging es hier um Sebastian. Fieberhaft dachte Clary dar�ber nach, w�hrend sie duschte und sich anzog. Die Kleidung in dem gro�en Schrank hatte Valentin speziell f�r Jocelyn ausgesucht und sie unterschied sich so grundlegend von Clarys Stil, dass ihr die Wahl schwerfiel. Letztendlich entschied sie sich f�r eine Jeans � dem Preisschild nach zu urteilen eine teure Designer-Marke � und eine Seidenbluse mit Tupfen und einer Schleife am Kragen, deren Retro-Look ihr gefiel. Dann warf sie ihre eigene Samtjacke �ber und kehrte in Jace� Zimmer zur�ck. Er war verschwunden und Clary brauchte nicht lange zu raten, wohin: Aus dem Erdgeschoss drang das Klappern von Geschirr, das Ger�usch lachender Stimmen und der Duft von frisch zubereitetem Fr�hst�ck zu ihr herauf.</p><p>Eilig sprang Clary die Treppe hinunter, wobei sie immer zwei Stufen auf einmal nahm, blieb dann aber auf der untersten Stufe abrupt stehen und sp�hte in die K�che. Sebastian lehnte mit verschr�nkten Armen am K�hlschrank, w�hrend Jace etwas in einer Pfanne zubereitete. Es duftete nach Zwiebeln und Eiern. Er war barfu�, seine Haare waren zerzaust und sein Hemd hatte er nur nachl�ssig zugekn�pft. Jace� Anblick versetzte Clary einen Stich ins Herz: Nie zuvor hatte sie ihn so gesehen, am fr�hen Morgen, noch umgeben von der warmen Aura des Schlafs, und sie empfand abgrundtiefe Trauer bei dem Gedanken, dass all diese �ersten Male� mit einem Jace geschahen, der nicht wirklich ihr Jace war.</p><p>Auch wenn er gl�cklich wirkte, keine dunklen Ringe mehr unter den Augen hatte und lachte, als er die Eier in der Pfanne wendete und ein fertiges Omelette auf einen Teller gleiten lie߅</p><p>Einen Moment sp�ter raunte Sebastian ihm etwas zu, woraufhin Jace sich umdrehte und Clary l�chelnd ansah. �R�hreier oder Spiegeleier?�, fragte er.</p><p>�R�hreier. Ich wusste gar nicht, dass du so was kannst.� Clary stieg die letzte Stufe hinunter und ging zur K�chentheke. Durch die Fenster fiel Sonnenlicht herein � Clary konnte nur sch�tzen, dass es sp�ter Vormittag sein musste, da sie bisher keine einzige Uhr im Haus gefunden hatte � und die K�che gl�nzte vor Glas und Chrom.</p><p>�Wer kann denn keine Eier braten?�, fragte Jace sich laut.</p><p>Sofort hob Clary die Hand � genau wie Sebastian. Erschrocken zuckte sie zusammen und nahm den Arm hastig wieder herunter, doch Sebastian hatte es gesehen und grinste. St�ndig trug er dieses Grinsen im Gesicht, �rgerte Clary sich im Stillen und sie w�nschte, sie k�nnte es ihm von der Visage wischen. Stattdessen wandte sie den Blick ab und machte sich daran, aus den Lebensmitteln auf dem Tisch ihr Fr�hst�ck zusammenzustellen: Brot, Butter, Marmelade und Schinken. Dazu Orangensaft und Tee. Die Jungs lie�en es sich gut gehen, �berlegte sie. Andererseits: Wenn sie sich an Simon orientierte, hatten Teenagerjungs eigentlich immer Hunger. Nachdenklich warf Clary einen Blick aus dem Fenster � und stutzte. Die Aussicht zeigte nicht l�nger den Kanal, sondern einen weit entfernten H�gel, auf dem eine Burg thronte.</p><p>�Wo sind wir denn jetzt?�, fragte sie.</p><p>�Prag�, erkl�rte Sebastian. �Jace und ich haben hier was zu erledigen.� Dann schaute auch er aus dem Fenster und f�gte hinzu: �Wir sollten bald aufbrechen.�</p><p>Clary schenkte ihm ein zuckers��es L�cheln. �Kann ich mitkommen?�</p><p>Doch Sebastian sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>�Warum nicht?� Clary verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Ist das vielleicht irgendein M�nnerding, an dem ich nicht teilnehmen darf? Lasst ihr euch denselben Haarschnitt verpassen?�</p><p>Jace reichte ihr einen Teller mit R�hreiern, schaute aber in Sebastians Richtung. �Vielleicht k�nnte sie ja doch mitkommen�, sagte er. �Das, was wir zu erledigen haben� ist schlie�lich nicht gef�hrlich.�</p><p>Sebastians Augen waren wie der Wald in Robert Frosts Gedicht: dunkel und tief. Und sie gaben nichts preis. �Alles kann sich in eine Gefahr verwandeln.�</p><p>�Okay, es ist deine Entscheidung�, erwiderte Jace achselzuckend, nahm sich eine Erdbeere, schob sie in den Mund und leckte sich den Fruchtsaft von den Fingern.</p><p>An diesem Gespr�ch zeigte sich der himmelweite Unterschied zwischen diesem Jace und ihrem, dachte Clary. Ihr Jace zeichnete sich durch eine entschlossene und alles umfassende Wissbegierde aus: Er h�tte niemals einfach nur die Achseln gezuckt und sich einem fremden Plan angeschlossen. Ihr Jace war wie der Ozean, der unabl�ssig gegen eine Felsk�ste brandete, dieser Jace dagegen war wie� ein ruhiger Fluss, der in der Sonne glitzerte.</p><p><emphasis>Vielleicht, weil er gl�cklich ist?</emphasis></p><p>Clarys Hand umklammerte die Gabel, bis ihre Fingerkn�chel wei� hervortraten. Sie hasste diese kleine, nagende Stimme in ihrem Kopf. Genau wie die K�nigin des Lichten Volkes s�te die Stimme Zweifel, wo eigentlich kein Platz f�r Zweifel war, und stellte Fragen, auf die es keine Antwort gab.</p><p>�Ich hol mal meine Klamotten�, sagte Jace, stopfte sich eine weitere Erdbeere in den Mund und sprang die Treppe hinauf.</p><p>Nachdenklich schaute Clary ihm nach: Die transparenten Glasstufen schienen in diesem Licht unsichtbar zu sein, wodurch der Eindruck entstand, als w�rde er nach oben fliegen statt laufen.</p><p>�Du isst deine Eier ja gar nicht.� Sebastian war um die K�chentheke herumgekommen � <emphasis>immer noch v�llig ger�uschlos, verdammt!,</emphasis> fluchte Clary innerlich � und musterte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Ein schwacher Akzent f�rbte seine Worte, eine Mischung aus der Sprachmelodie der Bewohner von Idris und einem eher britischen Akzent. Clary fragte sich, ob er das bisher besser versteckt hatte oder ob es ihr einfach nur nicht aufgefallen war.</p><p>�Ehrlich gesagt, mag ich keine Eier�, gestand sie.</p><p>�Aber das wolltest du Jace nicht sagen, weil er so gl�cklich war, f�r dich Fr�hst�ck machen zu k�nnen.�</p><p>Da dies den Nagel auf den Kopf traf, schwieg Clary.</p><p>�Ist doch komisch, oder nicht?�, setzte Sebastian an. �Die L�gen, die die �guten� Menschen erz�hlen. Wahrscheinlich wird er dir f�r den Rest deines Lebens morgens Eier servieren und du w�rgst sie dann hinunter, weil du ihm nicht sagen kannst, dass du keine Eier magst.�</p><p>Unwillk�rlich musste Clary an die Elbenk�nigin denken. �Die Liebe macht die Liebenden zu L�gnern?�</p><p>�Genau. Schnelle Auffassungsgabe, das muss ich sagen.� Sebastian machte einen Schritt auf sie zu.</p><p>Clary zuckte innerlich zusammen: Er benutzte dasselbe <emphasis>Eau de Toilette</emphasis> wie Jace � sie erkannte den zitronig-pfeffrigen Geruch, aber an Sebastian roch es anders. Irgendwie falsch.</p><p>�Das haben wir beide gemein�, verk�ndete Sebastian und begann, sein Hemd aufzukn�pfen.</p><p>Hastig stand Clary auf. �Was machst du da?�</p><p>�Nur die Ruhe, Schwesterherz.� Er lie� den letzten Knopf aufspringen, sodass sein Hemd weit offen stand, und l�chelte tr�ge. �Du bist doch das M�dchen mit den magischen Runen, oder etwa nicht?�</p><p>Clary nickte langsam.</p><p>�Ich brauche eine Kraft-Rune�, sagte er. �Und wenn du die Beste auf diesem Gebiet bist, dann will ich, dass du sie mir auftr�gst. Du w�rdest deinem gro�en Bruder doch diesen Gefallen nicht abschlagen, oder?� Seine dunklen Augen musterten sie. �Au�erdem willst du doch, dass ich dir eine Chance gebe.�</p><p>�Und du willst, dass ich <emphasis>dir</emphasis> eine Chance gebe�, erwiderte Clary. �Also schlag ich dir einen Deal vor: Ich versehe dich mit einer Kraft-Rune, wenn du mich mitkommen l�sst� zu dieser Sache, die ihr erledigen m�sst.�</p><p>Sebastian streifte das Hemd ab und warf es auf die K�chentheke. �Abgemacht.�</p><p>�Ich hab keine Stele.� Clary versuchte, ihn nicht anzuschauen, doch es fiel ihr schwer: Sebastian schien ihren pers�nlichen Raum bewusst zu verletzen. Sein K�rper �hnelte dem von Jace � hart, ohne auch nur ein Gramm Fett, mit Muskeln, die sich deutlich unter der Haut abzeichneten. Genau wie Jace war er mit Narben �bers�t, doch seine Haut war so hell, dass sich die wei�en �berbleibsel ehemaliger Runenmale bei ihm weniger stark abhoben als von Jace� leicht gebr�unter Haut. Bei ihrem Bruder wirkten die Narben wie Zeichnungen mit einem Silberstift auf wei�em Papier.</p><p>Sebastian zog eine Stele aus seinem G�rtel und reichte sie Clary. �Nimm meine.�</p><p>�Okay�, sagte sie. �Dann dreh dich um.�</p><p>Als er ihrer Aufforderung folgte, musste Clary ein Keuchen unterdr�cken: Sein nackter R�cken war von tiefen Narben �berzogen, die parallel verliefen � viel zu gleichm��ig, als dass sie von einem Unfall oder einem Kampf stammen konnten.</p><p>Peitschenhiebe.</p><p>�Wer hat dir das angetan?�, fragte sie.</p><p>�Na, was glaubst du denn? Unser Vater�, erwiderte Sebastian. �Er hat eine Peitsche aus D�monenmetall benutzt, damit keine <emphasis>Iratze</emphasis> der Welt sie heilen konnte. Die Narben sind eine Art Erinnerung.�</p><p>�Eine Erinnerung an was?�</p><p>�An die Gefahren des Gehorsams.� Vorsichtig ber�hrte Clary eine der Narben � sie f�hlte sich hei� an, als w�re sie erst vor Kurzem entstanden, und rau, w�hrend die umliegende Haut glatt war. �Meinst du nicht �Gefahren des Ungehorsams�?�</p><p>�Ich meine genau das, was ich gesagt habe.�</p><p>�Tun die Narben weh?�</p><p>�Permanent.� Ungeduldig warf Sebastian einen Blick �ber die Schulter. �Worauf wartest du noch?�</p><p>�Nichts. Schon gut.� Clary platzierte die Spitze der Stele auf Sebastians Schulterblatt und versuchte, ihre Hand ruhig zu halten, w�hrend ihre Gedanken sich �berschlugen: Wie leicht konnte sie ihm nun eine Rune auftragen, die ihm schaden w�rde, ihn krank machen und ihm den Verstand verdrehen � aber was w�rde dann mit Jace passieren? Clary sch�ttelte sich die Haare aus dem Gesicht und zeichnete die <emphasis>Fortis</emphasis>-Rune am �bergang vom Schulterblatt zum R�cken, genau dort, wo seine Fl�gel ansetzen w�rden, wenn er ein Engel w�re.</p><p>Als sie fertig war, drehte Sebastian sich um, nahm ihr die Stele ab und streifte sein Hemd wieder �ber. Clary erwartete kein Dankesch�n � und bekam auch keines. Nachdem Sebastian das Hemd zugekn�pft hatte, rollte er die Schultern und grinste. �Du <emphasis>bist</emphasis> gut�, sagte er � mehr aber auch nicht.</p><p>Einen Augenblick sp�ter h�rten sie Schritte auf der Treppe und Jace kehrte ins Erdgeschoss zur�ck, wobei er sich eine Wildlederjacke �berzog. Au�erdem hatte er seinen Waffeng�rtel angelegt und trug dunkle Halbfingerhandschuhe.</p><p>Clary zwang sich zu einem warmen L�cheln. �Sebastian hat gesagt, dass ich doch mitkommen darf.�</p><p>Verwundert hob Jace die Augenbrauen und meinte dann: �Also gleiche Haarschnitte f�r uns alle?�</p><p>�Das will ich nicht hoffen�, entgegnete Sebastian. �Ich seh mit Locken einfach schaurig aus.�</p><p>Kurz schaute Clary an sich herunter. �Muss ich mich umziehen� meine Kampfmontur anlegen?�</p><p>�Nein, nicht n�tig. Bei dieser Art von Besorgung rechnen wir eigentlich nicht mit einem Kampf. Aber es ist nie verkehrt, gut vorbereitet zu sein. Ich hol dir schnell was aus der Waffenkammer�, erkl�rte Sebastian und verschwand ins Obergeschoss.</p><p>Clary verfluchte sich innerlich, weil sie bei ihrem ersten Erkundungsgang die Waffenkammer nicht entdeckt hatte. Dort gab es bestimmt den ein oder anderen Hinweis darauf, was die beiden planten�</p><p>Im n�chsten Moment ber�hrte Jace ihre Wange. Clary zuckte erschrocken zusammen � sie hatte seine Anwesenheit fast vergessen. �Bist du dir auch sicher, dass du wirklich mitwillst?�, fragte er.</p><p>�Nat�rlich. Ich krieg hier in der Wohnung sonst noch �nen Lagerkoller. Au�erdem hast du mir beigebracht, wie man k�mpft, also sollte ich das Gelernte auch mal anwenden.�</p><p>Jace� Lippen verzogen sich zu einem diabolischen Grinsen; dann streifte er Clarys Haare nach hinten und murmelte ihr etwas dar�ber ins Ohr, was sie sonst noch von ihm gelernt hatte und anwenden sollte. Er richtete sich erst wieder auf, als Sebastian zur�ckkehrte, der eine Jacke �bergestreift hatte und einen Waffengurt in der Hand hielt. Ein Dolch steckte darin und eine Seraphklinge. Blitzschnell zog er Clary zu sich heran, wickelte den Gurt zweimal um ihre Taille und dr�ckte ihn auf ihre H�ften hinunter. Clary war zu �berrascht, um sich dagegen zu wehren, und Sebastian war schon fertig, bevor sie die Gelegenheit hatte, ihn wegzusto�en. Dann wandte er sich ab und ging zur Wand, wo die Umrisse einer T�r auftauchten � schimmernd wie ein Durchgang in einem Traum.</p><p>Eine Sekunde sp�ter traten sie hinaus ins Freie.</p><p>Ein sanftes Klopfen an der T�r der Bibliothek riss Maryse aus ihren Gedanken und sie schaute auf. Durch die Fensterscheiben sah sie einen stark bew�lkten dunklen Himmel und die Tischleuchten mit den gr�nen Lampenschirmen warfen kleine Lichtinseln im ganzen Raum. Die Institutsleiterin konnte nicht sagen, wie lange sie schon an ihrem Schreibtisch gesessen hatte, aber die Tischfl�che vor ihr war mit leeren Kaffeebechern f�rmlich �bers�t.</p><p>Maryse erhob sich und rief: �Herein.�</p><p>Die T�r wurde mit einem leisen Klicken ge�ffnet, doch ansonsten herrschte v�llige Stille � kein Rascheln, keine Schritte. Einen Moment sp�ter schwebte eine Gestalt in einer pergamentfarbenen Robe in den kreisrunden Bibliotheksraum, das Gesicht tief in den Schatten der hochgeschlagenen Kapuze verborgen. <emphasis>Du hast dich an uns gewandt, Maryse Lightwood?</emphasis></p><p>M�de rollte Maryse mit den Schultern; sie f�hlte sich verkrampft und ersch�pft und alt. �Bruder Zachariah. Ich hatte eigentlich erwartet, dass� Ach, nichts f�r ungut. Es spielt keine Rolle.�</p><p><emphasis>Du hattest Bruder Enoch erwartet? Nat�rlich ist er mir �bergeordnet, aber ich dachte, dein Anruf hinge m�glicherweise mit dem Verschwinden deines Adoptivsohns zusammen. Und ich habe ein besonderes Interesse an seinem Wohlergehen</emphasis>.</p><p>Neugierig musterte Maryse Bruder Zachariah: Die meisten Br�der der Stille �u�erten ihre Meinung nicht und sprachen auch nicht von ihren Gef�hlen, falls sie denn �berhaupt welche hatten. Rasch strich sie sich die Haare glatt und trat hinter ihrem Schreibtisch hervor. �Also gut. Ich m�chte dir etwas zeigen.�</p><p>In all den Jahren hatte sie sich nie wirklich an die Stillen Br�der gew�hnt, an ihre ger�uschlose Fortbewegungsweise, bei der ihre F��e den Boden scheinbar nicht ber�hrten. Auch jetzt schien Zachariah neben ihr zu schweben, als sie ihn durch die Bibliothek zu einer Weltkarte f�hrte, die an der nach Norden gehenden Rundwand des Raums angebracht war. Die Karte zeigte Idris im Herzen Europas und seine Schutzschilde waren als golden schimmernde Grenzen eingezeichnet.</p><p>Auf einem Regal unter der Karte befanden sich zwei Objekte: eine Glasscherbe mit getrocknetem Blut und eine abgenutzte Ledermanschette, auf der eine Engelskraft-Rune prangte.</p><p>�Das hier sind��</p><p><emphasis>Jace Herondales Armband und Jonathan Morgensterns Blut. Gehe ich recht in der Annahme, dass die Versuche, die beiden zu orten, nicht erfolglos geblieben sind?</emphasis></p><p>�Na ja, man kann es nicht direkt als �orten� bezeichnen.� Maryse straffte die Schultern. �Als ich noch dem Kreis angeh�rt habe, bediente Valentin sich einer bestimmten Methode, um uns �berall ausfindig machen zu k�nnen. Bis auf wenige gesch�tzte Orte wusste er jederzeit, wo wir uns befanden. Ich hab mir gedacht, dass er dieselbe Methode vielleicht auch bei Jace angewandt hat, als er noch klein war. Valentin schien nie Schwierigkeiten zu haben, ihn zu finden.�</p><p><emphasis>Von welcher Methode sprichst du?</emphasis></p><p>�Ein Runenmal, allerdings keines aus dem Grauen Buch. Wir alle besa�en dieses Mal. Ich hatte es schon ganz vergessen, denn schlie�lich kann man es nicht mehr loswerden.�</p><p><emphasis>Falls Jace dieses Mal tr�gt, w�rde er dann nicht davon wissen und entsprechende Gegenma�nahmen ergreifen?</emphasis></p><p>Maryse sch�ttelte den Kopf. �Das Mal k�nnte winzig sein, beispielsweise eine wei�e, fast unsichtbare Rune unter den Haaren, so wie bei mir. Jace w�sste nicht einmal von ihrer Existenz, denn Valentin h�tte es ihm bestimmt nicht auf die Nase gebunden.�</p><p>Bruder Zachariah trat einen Schritt vor und betrachtete die Wandkarte. <emphasis>Was ist bei deinem Experiment herausgekommen?</emphasis></p><p>�Jace tr�gt tats�chlich dieses Runenmal�, best�tigte Maryse, klang dabei aber weder erfreut noch stolz. �Ich habe ihn auf der Karte gesehen. Sobald er irgendwo auftaucht, leuchtet auf der Weltkarte ein Lichtfunke auf, und zwar genau an seinem Standort; gleichzeitig blitzt seine Ledermanschette auf. Daher wei� ich, dass es sich um <emphasis>ihn</emphasis> handelt und nicht um Jonathan Morgenstern. Jonathan ist nicht ein einziges Mal aufgetaucht.�</p><p><emphasis>Und wo befindet er sich? Wo ist Jace?</emphasis></p><p>�Ich habe ihn an verschiedenen Orten gesehen, immer nur ein paar Sekunden: in London, Rom und Shanghai. Vor Kurzem flackerte sein Licht in Venedig auf, verschwand dann aber wieder.�</p><p><emphasis>Wie kann er denn so schnell von Stadt zu Stadt reisen?</emphasis></p><p>�Mithilfe eines Portals?� Maryse zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht. Ich wei� nur eines: Jedes Mal, wenn die Karte aufblitzt, hei�t das, dass er noch lebt� zumindest in diesem Moment. Dann habe ich das Gef�hl, dass ich wieder Luft bekomme, frei atmen kann, wenigstens f�r eine kleine Weile�, erkl�rte sie und schloss dann resolut den Mund, damit ihr das, was sie dachte, nicht auch noch �ber die Lippen kam: Dass Alec und Isabelle ihr sehr fehlten, aber dass sie es nicht �bers Herz brachte, sie zum Institut zur�ckzurufen, wo die Division zumindest von Alec erwartete, dass er seine Verantwortung als vollj�hriger Nephilim �bernahm und sich an der Jagd nach seinem eigenen Bruder beteiligte. Dass sie immer noch oft an Max dachte und dass es ihr jedes Mal den Atem raubte und sie sich schmerzhaft ans Herz fassen musste, aus Angst, vor Kummer zu sterben. Und dass sie Jace nicht auch noch verlieren wollte.</p><p><emphasis>Das verstehe ich.</emphasis> Bruder Zachariah verschr�nkte die H�nde. Sie wirkten jung, nicht knorrig oder krumm, und die Finger waren lang und schlank. Maryse fragte sich oft, auf welche Weise die Stillen Br�der alterten und wie lange sie wohl lebten, doch solche Informationen behielt die Bruderschaft streng f�r sich. <emphasis>Es gibt kaum etwas M�chtigeres als die Liebe zur Familie. Allerdings wei� ich nicht, warum du dich entschlossen hast, mir dies hier zu zeigen.</emphasis></p><p>Maryse holte zitternd Luft. �Ich wei�, ich sollte diese Gegenst�nde dem Rat zeigen�, setzte sie an. �Aber die Ratsmitglieder wissen inzwischen von der Verbindung zwischen Jace und Jonathan. Und sie machen auf beide Jagd. Sobald sie Jace finden, werden sie ihn t�ten. Doch wenn ich all dies hier f�r mich behalte, kann man das zweifellos als Hochverrat bezeichnen.� Maryse lie� den Kopf h�ngen. �Ich habe beschlossen, es euch, den Stillen Br�dern, mitzuteilen. Denn dann ist es eure Entscheidung, ob ihr die Gegenst�nde dem Rat vorlegt. Ich� ich k�nnte es nicht ertragen, diese Entscheidung selbst treffen zu m�ssen.�</p><p>Zachariah schwieg einen Moment. Dann erklang seine Stimme sanft in Maryse� Kopf: <emphasis>Diese Karte sagt dir, dass dein Sohn noch lebt. Wenn du sie dem Rat �bergeben w�rdest, h�tte das meines Erachtens kaum Vorteile: Es w�rde den Ratsmitgliedern lediglich verraten, dass Jace sehr schnell von Ort zu Ort reist und sich unm�glich orten l�sst. Aber das wissen sie bereits. Behalte die Karte. Im Moment werde ich kein Wort dar�ber verlieren.</emphasis></p><p>Erstaunt schaute Maryse den Bruder der Stille an. �Aber� du bist doch ein Diener des Rats��</p><p><emphasis>Ich war einst ein Schattenj�ger, genau wie du. Ich habe gelebt, genau wie du. Und genau wie du hatte auch ich Menschen um mich, die ich so sehr liebte, dass mir ihr Wohlergehen wichtiger war als alles andere</emphasis> �<emphasis> wichtiger als jeder Eid, wichtiger als jede Verpflichtung.</emphasis></p><p>�Hast du�� Maryse z�gerte. �Hast du Kinder gehabt?�</p><p><emphasis>Nein. Keine Kinder.</emphasis></p><p>�Es tut mir leid.�</p><p><emphasis>Das muss es nicht. Versuch, dich nicht von der Angst um Jace auffressen zu lassen. Er ist ein Herondale und die Herondales waren schon immer �berlebensk�nstler</emphasis>�</p><p>In dem Moment zerbrach irgendetwas tief in Maryse. �Er ist kein Herondale! Jace ist ein Lightwood! Jace Lightwood. Er ist mein Sohn.�</p><p>Erneut breitete sich Stille aus. Dann sagte Bruder Zachariah: <emphasis>Ich hatte nichts anderes andeuten wollen.</emphasis> Er l�ste seine verschr�nkten H�nde und trat einen Schritt zur�ck. <emphasis>�ber eine Sache solltest du dir allerdings im Klaren sein: Falls Jace l�nger als nur ein paar Sekunden an einem Ort auftaucht, wirst du den Rat informieren m�ssen. Du solltest dich darauf vorbereiten.</emphasis></p><p>�Ich glaube nicht, dass ich das kann�, murmelte Maryse. �Der Rat wird J�ger auf ihn hetzen. Ihm eine Falle stellen. Aber er ist doch noch so jung� nur ein Junge.�</p><p><emphasis>Er war nie einfach nur ein Junge,</emphasis> erwiderte Zachariah und wandte sich zum Gehen. Maryse schaute ihm nicht nach. Sie hatte sich wieder zur Wand gedreht und starrte auf die Karte.</p><p><emphasis>Simon?</emphasis></p><p>Erleichterung breitete sich in ihm aus � Clarys Stimme, zaghaft, aber vertraut, hallte durch seinen Kopf. Simon blickte zur Seite. Isabelle schlief noch. An den Vorhangkanten drang helles Mittagslicht in den Raum.</p><p><emphasis>Bist du wach?</emphasis></p><p>Simon drehte sich auf den R�cken und schaute an die Decke. <emphasis>Nat�rlich bin ich wach.</emphasis></p><p><emphasis>Na ja, ich war mir nicht ganz sicher. Schlie�lich bist du sechs, sieben Stunden hinter meiner Zeit. Hier ist es inzwischen dunkel.</emphasis></p><p><emphasis>Italien?</emphasis></p><p><emphasis>Im Moment sind wir in Prag. Die Stadt ist richtig nett. Mit einem breiten Fluss und vielen Geb�uden mit hohen Turmspitzen. Erinnert mich ein bisschen an Idris. Allerdings ist es hier ziemlich kalt. K�lter als zu Hause.</emphasis></p><p><emphasis>Okay, genug vom Wetterbericht. Ist mit dir alles in Ordnung? Wo sind Sebastian und Jace?</emphasis></p><p><emphasis>Hier bei mir. Ich bin allerdings ein paar Schritte weitergeschlendert</emphasis>�<emphasis> angeblich, um mir die Aussicht von der Br�cke anzusehen und in einen Dialog mit der historischen Architektur zu treten.</emphasis></p><p><emphasis>Dann bin ich also jetzt die historische Architektur?</emphasis></p><p>Clary lachte; zumindest sp�rte Simon etwas wie Lachen in seinem Kopf � ein leises, nerv�ses Lachen. <emphasis>Ich hab nicht viel Zeit. Obwohl sie keinen Verdacht zu sch�pfen scheinen. Jace</emphasis>�<emphasis> Jace jedenfalls nicht. Sebastian ist schwieriger einzusch�tzen. Ich glaube nicht, dass er mir vertraut. Gestern hab ich sein Zimmer durchsucht, aber nichts gefunden</emphasis>�<emphasis> ich meine nichts, was auf ihre Pl�ne hindeuten w�rde. Und letzte Nacht</emphasis>�</p><p><emphasis>Letzte Nacht?</emphasis></p><p><emphasis>Ach, nichts.</emphasis></p><p>Irgendwie war es seltsam, dass Clary in seinem Kopf sprach und er trotzdem sp�ren konnte, dass sie ihm irgendetwas verschwieg, �berlegte Simon.</p><p><emphasis>Sebastian bewahrt in seinem Zimmer das K�stchen auf, das meiner Mutter geh�rt hat. Mit den ganzen Babysachen drin. Aber ich versteh nicht, wieso.</emphasis></p><p><emphasis>Verschwende blo� keine Zeit mit dem Versuch, Sebastian verstehen zu wollen,</emphasis> riet Simon ihr. <emphasis>Das ist er gar nicht wert. Finde lieber raus, was die beiden vorhaben.</emphasis></p><p><emphasis>Das versuch ich ja.</emphasis> Clary klang gereizt. <emphasis>Bist du noch bei Magnus?</emphasis></p><p><emphasis>Ja. Wir sind inzwischen zu Phase zwei unseres Plans �bergegangen.</emphasis></p><p><emphasis>Ah, ja? Was war denn Phase eins?</emphasis></p><p><emphasis>Phase eins bestand darin, um den Tisch herumzusitzen, Pizza zu bestellen und zu streiten.</emphasis></p><p><emphasis>Und was ist Phase zwei? Um den Tisch herumsitzen, Kaffee trinken und streiten?</emphasis></p><p><emphasis>Nicht ganz.</emphasis> Simon z�gerte einen Moment. <emphasis>Wir haben den D�mon Azazel heraufbeschworen.</emphasis></p><p><emphasis>Azazel?</emphasis> Clarys mentale Stimme bekam einen schrillen Ton; Simon h�tte sich fast die Ohren zugehalten. <emphasis>Also deswegen hast du mir diese bl�de Schlumpf-Frage gestellt. Sag mir, dass das blo� ein Scherz ist.</emphasis></p><p><emphasis>Nein, leider, kein Scherz. Ist eine ziemlich lange Geschichte.</emphasis> Simon erz�hlte Clary die Ereignisse der vergangenen Stunden in Kurzform, w�hrend er gleichzeitig Isabelle betrachtete, die ruhig ein- und ausatmete. <emphasis>Wir dachten, der D�mon k�nnte uns dabei helfen, eine Waffe zu finden, mit der wir Sebastian t�ten k�nnen, ohne Jace dabei zu verletzen.</emphasis></p><p><emphasis>Na gut, aber war das die einzige Alternative? Einen D�mon heraufbeschw�ren?</emphasis> Clary klang nicht sehr �berzeugt. <emphasis>Noch dazu ist Azazel nicht irgendein D�mon. Eigentlich bin ich hier doch beim Team �Die B�sen� und ihr da dr�ben seid das Team �Die Guten�</emphasis> �<emphasis> vergiss das nicht.</emphasis></p><p><emphasis>So einfach ist das nicht, Clary, und das wei�t du auch.</emphasis></p><p>Es schien, als konnte er ihr Seufzen sp�ren � ein leichter Luftzug, der �ber seine Haut strich und ihm die Nackenhaare aufstellte. <emphasis>Ich wei�.</emphasis></p><p>St�dte und Fl�sse, dachte Clary, w�hrend sie den Ring an ihrer rechten Hand loslie� und sich wieder der Karlsbr�cke und damit auch Jace und Sebastian zuwandte. Die beiden standen auf der anderen Seite der alten Steinbr�cke und zeigten auf irgendetwas, das Clary nicht sehen konnte. Das Wasser der Moldau schimmerte fast metallisch und umstr�mte ger�uschlos die uralten Br�ckenpfeiler. Auch der Himmel war metallisch grau, durchsetzt von schwarzen Wolken.</p><p>Der Wind riss an Clarys Haaren und an ihrer Jacke, als sie sich zu Sebastian und Jace gesellte. Dann schlenderten sie gemeinsam weiter, wobei die Jungen sich leise miteinander unterhielten. Vermutlich h�tte Clary sich an dem Gespr�ch beteiligen k�nnen, aber die ruhige Anmut der Stadt mit den hohen T�rmen, die in der Ferne im Dunst verschwanden, weckte in ihr den Wunsch nach Stille und der M�glichkeit, sich allein umzuschauen und die Eindr�cke auf sich wirken zu lassen.</p><p>Die Br�cke f�hrte zu einer gewundenen Kopfsteingasse mit zahlreichen Touristengesch�ften, die blutroten Granatschmuck, goldenen Bernstein aus Polen, schwere b�hmische Glaswaren und Holzspielzeug verkauften. Selbst zu dieser fr�hen Stunde standen bereits Kundenwerber vor den Nachtclubs und hielten den Passanten Freikarten und Coupons entgegen, welche Erm��igungen auf die Getr�nke im Club versprachen. Ungeduldig wedelte Sebastian die M�nner beiseite und fuhr sie ver�rgert auf Tschechisch an. Das Geschiebe in den Gassen lie� erst ein wenig nach, als sich die Stra�e zu einem mittelalterlichen Platz hin �ffnete. Trotz des kalten Wetters dr�ngten sich hier die Touristen rund um die kleinen Buden, die W�rstchen und Gl�hwein anboten. Die drei waren an einem der St�nde stehen geblieben und hatten sich etwas zu essen bestellt. Gerade a�en sie um einen wackligen Stehtisch gedr�ngt, als die riesige astronomische Uhr in der Mitte des Platzes pl�tzlich die Stunde schlug. Ein rasselndes R�derwerk setzte ein und dann traten oberhalb des Zifferblattes eine Reihe Holzfiguren aus zwei T�ren � die zw�lf Apostel, wie Sebastian erkl�rte, w�hrend die Figuren sich im Kreis drehten.</p><p>�Es gibt da eine Legende�, f�gte er hinzu, st�tzte sich mit den Ellbogen auf den Tisch und umfasste den Becher Gl�hwein mit beiden H�nden. �Angeblich hat der K�nig dem Uhrmacher nach Fertigstellung der Uhr beide Augen ausstechen lassen, damit er nie wieder etwas derartig Sch�nes herstellen konnte.�</p><p>Clary schauderte und r�ckte etwas n�her an Jace heran, der seit dem Verlassen der Br�cke ziemlich schweigsam war, als hinge er seinen Gedanken nach. Viele Leute � haupts�chlich M�dchen � drehten sich beim Vorbeigehen nach ihm um, da seine hellen Haare sich deutlich von den ged�mpften Winterfarben des Altst�dter Markts abhoben. �Das ist grausam�, bemerkte Clary.</p><p>Sebastian fuhr mit dem Finger �ber den Rand seines Bechers und leckte sich den Gl�hwein von der Fingerkuppe. �Die Vergangenheit ist ein anderes Land.�</p><p>�Fremdes Land�, berichtigte Jace ihn.</p><p>Sebastian sah ihn tr�ge an. �Was?�</p><p>��Die Vergangenheit ist ein fremdes Land; dort gelten andere Regeln��, sagte Jace. �So lautet das vollst�ndige Zitat.�</p><p>Doch Sebastian zuckte nur die Achseln und schob den Becher von sich. Auf dem Becher war ein Euro Pfand, aber Clary nahm an, dass Sebastian keine Lust hatte, sich f�r einen solch geringen Betrag wie ein ordentlicher B�rger zu benehmen. �Okay, lasst uns gehen�, kommandierte er stattdessen.</p><p>Obwohl Clary ihren Gl�hwein noch nicht ausgetrunken hatte, stellte sie den Becher ab und folgte Sebastian, der sie vom Platz wegf�hrte, hinein in ein Labyrinth aus engen, gewundenen Stra�en. Jace hatte Sebastian berichtigt, �berlegte Clary. Nat�rlich war es dabei um nichts Bedeutendes gegangen, aber es hatte doch gehei�en, Liliths Blutmagie w�rde ihn auf eine Weise an ihren Bruder binden, die keinerlei Widerspruch zulie�, oder? Konnte es sich dabei um ein � wenn auch kleines � Anzeichen daf�r handeln, dass die Wirkung der Beschw�rungsformel allm�hlich nachlie�?</p><p>Es war nicht klug, darauf zu hoffen, das wusste Clary genau. Doch manchmal war Hoffnung das Einzige, was einem noch blieb.</p><p>Die Stra�en wurden immer enger und d�sterer. Die Wolken hatten die Abendsonne vollkommen verdeckt. Hier und dort brannten altmodische Gaslaternen, die ein wenig Licht in die neblige Dunkelheit warfen. Immer noch liefen sie �ber Kopfsteinpflaster, eine Gasse war so schmal, dass die drei im G�nsemarsch hintereinander gehen mussten. Nur der Anblick anderer Passanten, die gelegentlich aus dem Nebel auftauchten und gleich wieder darin verschwanden, sorgte daf�r, dass Clary sich nicht ganz so vorkam, als w�re sie in eine andere Zeit versetzt worden und h�tte eine Art Fantasiestadt aus ihren eigenen Tr�umen betreten.</p><p>Endlich erreichten sie einen steinernen Torbogen, der zu einem kleinen Platz f�hrte. Die meisten Gesch�fte hatten bereits geschlossen; nur in einem Laden direkt gegen�ber brannte noch ein Licht. �ber dem Eingang hing ein Schild, auf dem in goldenen Buchstaben �Antikvari�t� stand. Im Schaufenster stapelten sich alte Flaschen mit unterschiedlichem Inhalt, deren sich abl�sende Etiketten in Latein beschriftet waren. Clary schaute �berrascht, als Sebastian darauf zusteuerte. Was wollten sie denn mit alten Flaschen?</p><p>Doch als sie den Laden erst betreten hatten, er�brigte sich die Frage. Der Verkaufsraum war nur sp�rlich beleuchtet, roch nach Mottenkugeln und war bis zur Decke vollgestopft. In jeder noch so kleinen Nische stapelte sich Nippes � und Dinge, die man nicht als Tr�del bezeichnen konnte: Wundersch�ne Himmelskarten lagen neben Salz- und Pfefferstreuern, deren Design den Figuren der Astronomischen Rathausuhr nachempfunden war. Auf den Regalen dr�ngten sich antike Tabak- und Zigarrendosen, in Glas gefasste Briefmarken, alte Fotoapparate ostdeutscher und russischer Bauart sowie eine atemberaubende dunkelsmaragdgr�ne Kristallglasschale neben einem Haufen stockfleckiger, alter Kalender. Von einer Befestigungsstange an der Wand hing eine alte tschechische Flagge herab.</p><p>Sebastian bewegte sich zwischen den Stapeln hindurch zu einer Ladentheke im hinteren Bereich des Raums und Clary erkannte, dass es sich bei der Gestalt, die sie f�r eine Schaufensterpuppe gehalten hatte, in Wahrheit um einen alten Mann handelte, dessen Gesicht so runzlig und faltig war wie ein altes Laken. Mit verschr�nkten Armen lehnte er an der Theke, hinter deren Glasfront antiker Schmuck und funkelnde Glasperlen, kleine Geldb�rsen mit aufw�ndigen Schnallen und Reihen von Manschettenkn�pfen pr�sentiert wurden.</p><p>Als Sebastian den Mann auf Tschechisch ansprach, nickte der, deutete dann kurz angebunden mit dem Kopf auf Clary und Jace und warf ihnen einen misstrauischen Blick zu.</p><p>Dabei sah Clary, dass er dunkelrote Pupillen hatte. Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen und konzentrierte sich, um die Lagen von Zauberglanz, die den Mann kaschierten, der Reihe nach zu entfernen � was nicht einfach war, denn sie schienen wie Fliegenf�ngerpapier an ihm zu haften. Schlie�lich gelang es ihr, wenigstens so viel freizulegen, dass sie einen kurzen Blick auf die Gestalt werfen konnte, die tats�chlich vor ihnen stand � ein gro�es, menschenartiges Wesen mit grauer Haut und rubinroten Augen, einer Mund�ffnung mit spitzen, in alle Richtungen zeigenden Z�hnen und langen, schlangen�hnlichen Armen, an deren Enden keine richtigen H�nde waren, sondern l�ngliche Gliedma�en mit aalartigen K�pfen � schmal, b�sartig und mit scharfen Z�hnen besetzt.</p><p>�Ein Vetis-D�mon�, raunte Jace Clary ins Ohr. �Sie sind Drachen sehr �hnlich und horten alles, was glitzert und funkelt: Ob Ramsch oder Edelsteine � f�r sie macht das keinen Unterschied.�</p><p>Sebastian schaute �ber seine Schulter zu Jace und Clary. �Das sind meine Geschwister�, erkl�rte er nach einem Moment. �Beide sind absolut vertrauensw�rdig, Mirek.�</p><p>Clary sp�rte, wie ein leichter Schauer durch ihren K�rper jagte. Die Vorstellung, sich als Jace� Schwester auszugeben, behagte ihr nicht, auch wenn es nur f�r einen D�mon war.</p><p>�Das gef�llt mir nicht�, murrte der Vetis-D�mon. �Du hast gesagt, wir w�rden nur mit dir Gesch�fte treiben, Morgenstern. Auch wenn ich wei�, dass Valentin eine Tochter hatte�� � er deutete mit dem Kopf auf Clary � �� wei� ich aber auch, dass Valentin nur einen einzigen Sohn hatte.�</p><p>�Er ist adoptiert�, erwiderte Sebastian leichthin und wedelte mit der Hand in Jace� Richtung.</p><p>�Adoptiert?�</p><p>�Na ja, die Definition der modernen Familie ver�ndert sich heutzutage ja in rasantem Tempo�, warf Jace ein.</p><p>Doch der D�mon wirkte nicht sehr �berzeugt. �Das gef�llt mir nicht�, knurrte er erneut.</p><p>�Aber dir gef�llt doch bestimmt das hier�, entgegnete Sebastian, zog einen Beutel aus der Tasche und st�lpte den Inhalt auf die Ladentheke, woraufhin ein Haufen Bronzem�nzen herausfiel und klirrend �ber das Glas rollte. �Taler von den Augen Verstorbener. Einhundert St�ck. Also, hast du das, was wir vereinbart haben, inzwischen besorgt?�</p><p>Eine der mit Z�hnen besetzten H�nde tastete sich �ber die Theke vorw�rts und biss vorsichtig in eine M�nze. Die Augen des D�mons huschten gierig �ber den Stapel. �Das ist ja alles sch�n und gut, reicht aber nicht als Bezahlung f�r das, was du suchst.� Er machte eine wogende Bewegung mit einem seiner Arme und dar�ber erschien etwas, das Clary an einen glitzernden Bergkristall erinnerte, allerdings von noch gr��erer Leuchtkraft und Sch�nheit. Schlagartig erkannte sie, dass es sich dabei um das silberhelle Material handelte, aus dem die Seraphklingen bestanden. �Reiner <emphasis>Adamant�, </emphasis>fuhr Mirek fort. �Der Urstoff des Himmels. Unbezahlbar.�</p><p>Wut zuckte �ber Sebastians Gesicht wie ein flackernder Blitz und einen Sekundenbruchteil konnte Clary den b�sartigen Jungen dahinter sehen � der Junge, der lachend zugeschaut hatte, als Hodge im Sterben lag. Im n�chsten Moment war der zornige Ausdruck jedoch wieder verschwunden und Sebastian erwiderte: �Aber wir hatten doch den Preis abgemacht.�</p><p>�Wir hatten auch abgemacht, dass du allein kommen w�rdest�, erwiderte Mirek. Seine roten Augen huschten wieder zu Clary und Jace, der sich zwar nicht von der Stelle ger�hrt, aber die gespannte, beherrschte Haltung einer lauernden Raubkatze angenommen hatte. �Ich mach dir einen Vorschlag, was du mir sonst noch als Bezahlung geben kannst�, sagte der D�mon hinterlistig. �Eine Locke vom h�bschen Haar deiner Schwester.�</p><p>�Von mir aus�, meinte Clary und trat einen Schritt vor. �Wenn du unbedingt eine meiner Locken haben willst��</p><p>�Nein!� Pfeilschnell schoss Jace vor, um sich ihr in den Weg zu stellen. �Dieser D�mon ist ein Schwarzmagier, Clary. Du hast keine Ahnung, was er mit einer Locke oder mit ein paar Tropfen von deinem Blut alles anstellen kann.�</p><p>�Mirek�, sagte Sebastian langsam, ohne Clary dabei anzusehen.</p><p>In dem Augenblick fragte Clary sich: Falls Sebastian wirklich eine ihrer Locken gegen den <emphasis>Adamant</emphasis> eintauschen wollte, wer w�rde ihn daran hindern? Jace hatte zwar protestiert, aber er war auch an das gebunden, was Sebastian von ihm verlangte. Wenn es hart auf hart kam, was w�re st�rker? Der durch die Beschw�rungsformel auferlegte Zwang oder Jace� Gef�hle f�r sie?</p><p>�Auf keinen Fall�, fuhr Sebastian fort.</p><p>Der D�mon blinzelte tr�ge mit seinen echsenartigen Lidern. �Auf keinen Fall?�</p><p>�Du wirst meiner Schwester kein einziges Haar kr�mmen�, erkl�rte Sebastian. �Und du wirst auch unsere �bereinkunft nicht brechen. Niemand betr�gt Valentin Morgensterns Sohn. Du nimmst jetzt die ausgemachte Bezahlung oder��</p><p>�Oder was?�, knurrte Mirek. �Oder sonst wird es mir leidtun? Du bist nicht Valentin, Kleiner. Valentin � das war ein Mann, der wusste, wie man Loyalit�t weckt��</p><p>�Nein, ich bin nicht Valentin�, best�tigte Sebastian und zog eine Seraphklinge aus seinem G�rtel. �Und ich habe nicht vor, mit D�monen Gesch�fte zu machen, so wie Valentin es getan hat. Wenn du mir gegen�ber nicht loyal sein willst, dann werde ich dich eben lehren, mich zu f�rchten. Du solltest wissen, dass ich m�chtiger bin, als mein Vater es je gewesen ist � und wenn du mich nicht fair behandeln willst, dann werde ich dir das Leben nehmen� und anschlie�end das, weshalb ich hier bin.� Er hob die Klinge und wisperte: �Dumah.� Und die Waffe blitzte auf und leuchtete wie eine Feuers�ule.</p><p>Der D�mon zuckte zur�ck und fauchte einige Worte in einer gurgelnden Sprache. Jace hielt bereits einen Dolch in der Hand und rief Clary etwas zu, doch er war nicht schnell genug. Irgendetwas traf sie hart an der Schulter, sie fiel nach vorn und landete mit allen vieren auf dem schmutzigen Boden. Blitzschnell drehte sie sich auf den R�cken, schaute hoch�</p><p>Und stie� einen gellenden Schrei aus. �ber ihr ragte eine gewaltige Schlange auf. Zumindest besa� die Kreatur den massigen, schuppigen Rumpf und den spreizbaren Nackenschild einer Kobra, dazu aber ein Dutzend insektenartige, mehrgliedrige Beine, die mit spitzen Klauen bewehrt waren. Hektisch tastete Clary nach ihrem Waffengurt, als sich der D�mon auch schon aufb�umte und den Kopf herabstie�, w�hrend gelbes Gift von seinen Fangz�hnen tropfte.</p><p>Nach dem �Gespr�ch� mit Clary war Simon wieder eingeschlafen. Als er nun erneut aufwachte, war das Licht eingeschaltet und Isabelle kniete auf der Bettkante. Sie trug ihre Jeans und ein zerrissenes T-Shirt, das sie sich von Alec geborgt haben musste: Es hatte L�cher an den �rmeln und die Naht am unteren Saum hatte sich aufgel�st. Die junge Schattenj�gerin hatte den Kragen beiseitegezogen und zeichnete mit ihrer Stele ein Runenmal auf ihr Dekollet�.</p><p>Simon richtete sich leicht auf und st�tzte sich auf die Ellbogen. �Was machst du da?�</p><p>�Ich trag eine <emphasis>Iratze</emphasis> auf�, erkl�rte Isabelle. �Gegen das hier.� Sie schob ihre Haare nach hinten und Simon konnte die beiden kreisrunden Bisswunden erkennen. Als Isabelle die Rune vollendet hatte, begannen die Wunden zu heilen und hinterlie�en nur zwei schwach schimmernde wei�e Flecken auf ihrer Haut.</p><p>�Ist� ist alles in Ordnung mit dir?� Simons Stimme war nur ein Kr�chzen. Angestrengt versuchte er, sich die anderen Fragen zu verkneifen, die ihm noch auf der Zunge lagen. <emphasis>Hab ich dir wehgetan? H�ltst du mich jetzt f�r ein Monster? Ist es jetzt endg�ltig aus zwischen uns?</emphasis></p><p>�Mir geht�s prima. Ich hab zwar viel l�nger geschlafen als sonst, aber ich glaub, das ist gar nicht mal so schlecht.� Als Isabelle Simons Miene sah, steckte sie die Stele in ihren G�rtel, krabbelte mit raubtierartiger Anmut zu Simon und platzierte sich so �ber ihn, dass ihr Haar wie ein Vorhang um sie beide herum fiel. Sie waren einander nun so nahe, dass sich ihre Nasenspitzen ber�hrten. Isabelle schaute Simon unverwandt an. �Warum bist du nur so paranoid?�, fragte sie.</p><p>Simon sp�rte ihren Atem auf seinem Gesicht, so sanft wie ein Wispern. Am liebsten h�tte er sie zu sich herabgezogen und gek�sst � nicht gebissen, einfach nur gek�sst �, doch genau in dem Moment klingelte es an der Wohnungst�r.</p><p>Eine Sekunde sp�ter h�mmerte jemand so fest gegen die Zimmert�r, dass die Scharniere bebten. �Simon! Isabelle!� Magnus� Stimme drang aus dem Flur zu ihnen. �Es ist mir egal, ob ihr noch schlaft oder irgendwelche unaussprechlichen Dinge miteinander treibt. Springt in eure Klamotten und kommt ins Wohnzimmer. Jetzt sofort!�</p><p>Simon warf Isabelle, die genauso verwirrt schaute wie er, einen Blick zu. �Was ist los?�</p><p>�Kommt einfach ins Wohnzimmer�, rief Magnus und entfernte sich dann mit lauten Schritten.</p><p>Zu Simons Entt�uschung rollte Isabelle sich von ihm herunter und seufzte. �Was glaubst du, was jetzt schon wieder passiert ist?�</p><p>�Keine Ahnung�, erwiderte Simon. �Vielleicht eine Eilsitzung des Teams �Die Guten�.� Er hatte den Ausdruck lustig gefunden, als Clary ihn benutzt hatte.</p><p>Doch Isabelle sch�ttelte nur den Kopf und seufzte erneut. �Ich bin mir nicht sicher, ob es heutzutage �berhaupt noch so was wie ein Team �Die Guten� gibt�, verk�ndete sie.</p></section><section><title><p>13</p><p>Der Knochenkronleuchter</p></title><p>Als der Schlangenkopf auf Clary hinabschoss, jagte ein grelles Licht an ihr vorbei, das sie beinahe geblendet h�tte: ein Seraphschwert, dessen schimmernde Klinge das Haupt des D�mons mit einem Schlag vom Rumpf abtrennte. Der Kopf schrumpfte zusammen und verspr�hte dabei Gift und Wundsekret. Obwohl Clary sich rasch zur Seite rollte, konnte sie nicht verhindern, dass etwas von der giftigen Substanz auf sie herabregnete. Einen Sekundenbruchteil sp�ter l�ste sich der D�mon in Luft auf, noch bevor seine beiden H�lften auf dem Boden auftrafen. Clary unterdr�ckte einen Schmerzensschrei und versuchte, sich aufzurappeln, als auf einmal eine ausgestreckte Hand in ihrem Sichtfeld auftauchte � ein Angebot, ihr aufzuhelfen. <emphasis>Jace,</emphasis> dachte sie sofort, doch als sie aufschaute, erkannte sie, dass ihr Bruder sich �ber sie beugte.</p><p>�Komm schon�, forderte Sebastian sie auf, die Hand noch immer ausgestreckt. �Das war nicht der einzige D�mon, hier sind noch mehr.�</p><p>Clary nahm seine Hand und lie� sich von ihm auf die Beine ziehen. Auch Sebastian war mit D�monenblut beschmiert � eine gr�nschwarze Substanz, die bei Kontakt aufflammte und Brandl�cher in seine Kleidung gefressen hatte. W�hrend Clary ihn anstarrte, erhob sich hinter ihm pl�tzlich ein weiteres dieser schlangenk�pfigen Wesen � ein Elapid-D�mon, wie ihr schlagartig einfiel, als sie sich an die Abbildung in einem Buch erinnerte. Der D�mon spreizte den Nackenschild wie eine Kobra. Ohne lange nachzudenken, packte Clary Sebastian an der Schulter und stie� ihn kr�ftig aus dem Weg; er taumelte ein paar Schritte, w�hrend der Schlangenkopf herabfuhr und Clary ihm auf der H�lfte der Strecke entgegenkam, den Dolch, den sie aus ihrem G�rtel gerissen hatte, fest in der Hand.</p><p>W�hrend sie dem D�mon die Waffe in den Hals rammte, drehte sie sich gleichzeitig zur Seite, um seinen Fangz�hnen auszuweichen. Sein b�sartiges Zischen verwandelte sich in ein Gurgeln, als die Klinge tief in das Gewebe eindrang und Clary den Dolch nach unten zog und den D�mon aufschlitzte, als wollte sie einen Fisch ausweiden. Brennendes D�monenblut schoss in einem hei�en Schwall �ber ihre Hand. Clary schrie auf, hielt den Dolch aber weiterhin fest, w�hrend der Elapid aus der Welt verschwand.</p><p>Sofort wirbelte sie herum. Sebastian k�mpfte gerade mit einem weiteren Elapid an der Ladent�r und Jace wehrte den Angriff von zwei D�monen in der N�he eines Regals mit antikem Porzellan ab. Keramikscherben lagen �ber den ganzen Boden verstreut. Clary holte aus und warf den Dolch, so wie Jace es ihr beigebracht hatte. Die Waffe flog durch die Luft und bohrte sich in die Flanke eines der beiden Elapid-D�monen, der daraufhin aufkreischte und von Jace fortgeschleudert wurde. Jace drehte sich blitzschnell um, sah Clary und zwinkerte ihr kurz zu, ehe er dem verbliebenen D�mon den Kopf abtrennte. Der K�rper des Elapid fiel in sich zusammen und verschwand dann, w�hrend Jace, �ber und �ber mit schwarzem Blut bespritzt, grinsend zuschaute.</p><p>Im n�chsten Moment sp�rte Clary ein prickelndes, elektrisierendes Hochgef�hl in sich aufwallen. Jace und auch Isabelle hatten ihr schon vom Kampfesrausch erz�hlt, aber bis jetzt hatte sie dieses Gef�hl nie selbst erlebt. Doch nun wusste sie, wovon die beiden gesprochen hatten: Sie f�hlte sich allm�chtig, ihre Adern vibrierten und von ihrer Wirbels�ule breitete sich ein Gef�hl der Kraft aus, das ihren ganzen K�rper erfasste. Um sie herum schien sich alles nur noch in Zeitlupe abzuspielen. Clary sah, wie der verletzte Elapid-D�mon sich aufrappelte und dann auf seinen mehrgliedrigen Insektenbeinen mit gefletschten Fangz�hnen auf sie zust�rmte. Leichtf��ig trat Clary einen Schritt zur�ck, riss die antike Fahne aus der Wandhalterung und rammte dem D�mon das spitze Ende in den weit aufgesperrten Rachen. Die Stange bohrte sich von innen durch die Sch�deldecke der Kreatur und einen Moment sp�ter verschwand der D�mon, zusammen mit der Flagge.</p><p>Clary lachte laut auf.</p><p>Sebastian, der gerade einen weiteren D�mon erledigt hatte, wirbelte bei ihrem Gel�chter herum und starrte in Clarys Richtung. Doch dann weiteten sich seine Augen und er br�llte: �Clary! Halt ihn auf!�</p><p>Clary drehte sich pfeilschnell um und entdeckte Mirek, der am Schloss einer T�r im hinteren Bereich des Ladens herumfummelte. Clary st�rmte los, z�ckte gleichzeitig die Seraphklinge aus ihrem G�rtel und rief: <emphasis>�Nakir!�</emphasis> Dann sprang sie mit einem Satz auf die Ladentheke und warf sich auf den D�mon, w�hrend ihre Waffe grell aufblitzte. Einen Sekundenbruchteil sp�ter landete sie auf dem Vetis-D�mon und riss ihn zu Boden. Einer seiner aalartigen Arme schnappte nach ihr, doch Clary trennte ihn mit einer raschen Bewegung vom Rest des K�rpers ab. Schwarzes Blut spritzte in alle Richtungen.</p><p>Der D�mon sah sie aus roten, angsterf�llten Augen an. �Warte�, keuchte er pfeifend. �Ich kann dir alles geben, was du dir nur w�nschst��</p><p>�Ich habe alles, was ich mir w�nsche�, wisperte Clary und stie� die Seraphklinge herab. Die Waffe bohrte sich in die Brust des D�mons und Mirek verschwand mit einem dumpfen Aufschrei, woraufhin Clary mit den Knien auf den Teppichboden aufschlug.</p><p>Im n�chsten Moment tauchten zwei K�pfe �ber der Ladentheke auf und starrten auf sie hinab � ein goldblonder Schopf und ein silberblonder. Jace und Sebastian. Jace schaute sie mit gro�en Augen an, w�hrend Sebastian bleich geworden war. �Beim Erzengel, Clary�, keuchte er. �Der <emphasis>Adamant</emphasis>��</p><p>�Oh, du meinst dieses Zeug, das du unbedingt haben wolltest? Hier ist es.� Der <emphasis>Adamant</emphasis> war ein St�ck unter die Theke gerollt; Clary angelte ihn hervor und hielt ihn hoch � ein Brocken leuchtender, silberheller Materie, mit blutigen Fingerabdr�cken von ihren H�nden.</p><p>Sebastian stie� vor Erleichterung einen Fluch aus und schnappte sich den <emphasis>Adamant,</emphasis> w�hrend Jace in einer einzigen, flie�enden Bewegung �ber die Theke sprang und direkt neben Clary landete. Er kniete sich auf den Boden, zog sie an sich und fuhr ihr mit den H�nden �ber Arme und Schultern, w�hrend er sie besorgt anblickte.</p><p>Clary nahm seine Handgelenke und hielt sie fest. �Mir geht�s gut�, beruhigte sie ihn. Ihr Herz raste und ihr Blut pumpte noch immer unter Hochdruck durch ihre Adern. Jace �ffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Clary beugte sich vor und umfasste sein Gesicht mit beiden H�nden, sodass sich ihre N�gel leicht in seine Wangen gruben. �Ich f�hl mich toll.� Aufmerksam betrachtete sie Jace, der vollkommen zerzaust und verschwitzt und blut�berstr�mt war, und versp�rte den brennenden Wunsch, ihn zu k�ssen. Sie wollte�</p><p>�Das reicht, ihr beiden�, sagte Sebastian in dem Moment.</p><p>Clary l�ste sich von Jace und schaute zu ihrem Bruder.</p><p>Er blickte grinsend auf sie beide herab und lie� den <emphasis>Adamant</emphasis> tr�ge in einer Hand hin und her rollen. �Morgen setzen wir ihn ein�, verk�ndete er und deutete mit dem Kopf auf den hellen Gesteinsbrocken. �Aber heute Abend� nachdem wir uns ein wenig frisch gemacht haben� heute Abend werden wir feiern.�</p><p>Simon tappte � dicht gefolgt von Isabelle � barfu� ins Wohnzimmer, wo die beiden ein �berraschender Anblick erwartete: Der Kreis und das Pentagramm in der Raummitte leuchteten wie Quecksilber. Aus dem Zentrum stieg Rauch auf, eine hohe schwarzrote S�ule mit einer wei�en Spitze. Der ganze Raum roch verbrannt. Magnus und Alec standen au�erhalb des Kreises, genau wie Jordan und Maia, die, den Jacken und M�tzen nach zu urteilen, gerade erst angekommen waren.</p><p>�Was ist los?�, fragte Isabelle und reckte g�hnend ihre langen Glieder. �Warum schaut ihr denn alle den Pentagramm-Sender?�</p><p>�Warte �nen Moment, dann wirst du schon sehen�, verk�ndete Alec grimmig.</p><p>Isabelle zuckte die Achseln und stellte sich zu den anderen an den Rand des Kreises. W�hrend sie alle auf den Rauch starrten, begann die S�ule, um ihre eigene Achse zu rotieren, schneller und immer schneller. Sie wurde zu einem Mini-Tornado, der durch das Zentrum des Pentagramms wirbelte und dabei Brandflecken hinterlie�, die sich zu Worten zusammenf�gten:</p><p>HABT IHR EINE ENTSCHEIDUNG GETROFFEN?</p><p>�Wow�, meinte Simon. �Geht das schon den ganzen Vormittag so?�</p><p>Genervt hob Magnus die H�nde. Er trug eine enge Lederhose und ein T-Shirt mit einem stilisierten, metallisch schillernden Blitz auf der Brust. �Und die ganze Nacht!�, antwortete er.</p><p>�Wird wieder und wieder dieselbe Frage gestellt?�</p><p>�Nein, ganz unterschiedliche Dinge. Manchmal auch Fl�che. Azazel scheint sich pr�chtig zu am�sieren.�</p><p>�Kann er uns h�ren?�, fragte Jordan, neigte den Kopf leicht zur Seite und rief: �He, du da, D�mon!�</p><p>Die brennenden Buchstaben bildeten zwei neue Worte: HALLO, WERWOLF.</p><p>Jordan trat einen Schritt zur�ck und warf Magnus einen Blick zu. �Ist das� normal?�</p><p>Magnus wirkte sehr ungl�cklich. �Das ist definitiv nicht normal. Ich hab zwar noch nie einen so m�chtigen D�mon wie Azazel heraufbeschworen, aber trotzdem� Inzwischen bin ich s�mtliche einschl�gigen Werke durchgegangen, habe aber nirgends auch nur einen Hinweis gefunden, dass so was schon mal passiert w�re. Das Ganze ger�t au�er Kontrolle.�</p><p>�Azazel muss zur�ckgeschickt werden�, sagte Alec. �F�r immer.� Langsam sch�ttelte er den Kopf. �Vielleicht hatte Jocelyn ja doch recht. Das Heraufbeschw�ren von D�monen hat noch nie etwas Positives bewirkt.�</p><p>�Entschuldige mal: Ich bin mir ziemlich sicher, dass <emphasis>ich</emphasis> das Ergebnis einer D�monenbeschw�rung bin�, bemerkte Magnus spitz. �Alec, ich habe das schon Hunderte von Malen durchexerziert. Ich wei� nicht, warum es dieses Mal anders sein sollte.�</p><p>�Azazel kann doch nicht entkommen, oder?�, fragte Isabelle. �Aus dem Pentagramm, meine ich.�</p><p>�Nein�, sagte Magnus, �aber eigentlich sollte er auch nicht in der Lage sein, irgendetwas von den anderen Dingen zu tun, die er hier treibt.�</p><p>Neugierig beugte Jordan sich vor, die H�nde auf die Knie gest�tzt. �Und, wie ist es so in der H�lle, Alter?�, rief er. �Hei� oder kalt? Ich hab schon von beidem geh�rt.�</p><p>Es kam keine Antwort.</p><p>�Na klasse, Jordan�, schnaubte Maia. �Ich glaub, jetzt hast du ihn ver�rgert.�</p><p>Jordan stupste mit dem Finger gegen den Rand des Pentagramms. �Kann er in die Zukunft sehen? Also, D�mon, wird unsere Band ganz gro� rauskommen?�</p><p>�Azazel ist ein H�llend�mon, keine wahrsagende Billardkugel, Jordan�, entgegnete Magnus gereizt. �Komm dem Rand des Pentagramms nicht zu nah. Wenn man einen D�mon heraufbeschw�rt und in einem Pentagramm bindet, kann er sein Gef�ngnis nicht verlassen und keinen Schaden anrichten. Aber sobald man das Pentagramm betritt, begibt man sich in den Machtbereich des D�mons��</p><p>In dem Augenblick begann die Rauchs�ule, sich zu verdichten. Magnus schaute ruckartig hoch und Alec sprang zur�ck. Die wirbelnden Rauchschwaden bildeten Azazels Umrisse, zuerst seinen Anzug � ein eleganter Nadelstreifenanzug mit einem feinen grausilbernen Muster. Dann schien er die einzelnen Konturen der Reihe nach auszuf�llen, bis ganz zuletzt seine flammenden Augen aufflackerten. Mit sichtlichem Vergn�gen schaute er in die Runde. �Wie ich sehe, sind alle versammelt�, sagte er. �Und, habt ihr eine Entscheidung getroffen?�</p><p>�Ja, haben wir�, erkl�rte Magnus. �Ich denke nicht, dass wir deine Dienste noch l�nger ben�tigen. Trotzdem vielen Dank.�</p><p>Einen Moment lang herrschte Stille.</p><p>�Du kannst jetzt gehen.� Magnus hob die Hand und winkte zum Abschied mit den Fingern. �Danke und auf Wiedersehen.�</p><p>�Das denke ich nicht�, erwiderte Azazel freundlich, z�ckte ein Taschentuch und polierte seine Fingern�gel. �Ich glaube, ich bleibe noch ein Weilchen. Mir gef�llt es hier.�</p><p>Magnus seufzte und raunte Alec etwas zu, woraufhin der junge Schattenj�ger zum Tisch ging und mit einem Buch zur�ckkehrte, das er dem Hexenmeister �berreichte. Magnus schlug das Buch auf und begann zu psalmodieren: <emphasis>�B�ser Geist, weiche hinfort! Kehre zur�ck in dein Reich aus Rauch und Feuer und Asche und</emphasis>�<emphasis>�</emphasis></p><p>�Das funktioniert bei mir nicht�, unterbrach ihn der D�mon gelangweilt. �Von mir aus kannst du es gern weiter versuchen. Aber ich werde danach immer noch hier sein.�</p><p>Magnus musterte ihn mit w�tend funkelnden Augen. �Du kannst uns nicht zu einer Vereinbarung mit dir zwingen.�</p><p>�Aber ich kann es versuchen. Es ist ja nicht so, als ob ich irgendetwas Besseres zu tun h�tte��, entgegnete Azazel, verstummte aber pl�tzlich, als eine kleine, vertraute Gestalt durch den Raum flitzte: Miau Tse-tung, scheinbar einer Maus dicht auf den Fersen.</p><p>W�hrend alle Anwesenden �berrascht und entsetzt zusahen, zischte der kleine Kater �ber den Rand des Pentagramms � und Simon, der eher einem Instinkt als seinem Verstand folgte, sprang ihm hinterher und schnappte sich das Tier.</p><p>�Simon!�</p><p>Er brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass der Aufschrei von Isabelle stammte, die reflexartig reagiert hatte. Langsam wandte er sich ihr zu. Sie hatte eine Hand vor den Mund geschlagen und schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Auch die anderen starrten ihn sprachlos an. Izzy war vor Entsetzen kreidebleich im Gesicht und selbst Magnus schien ein wenig beunruhigt.</p><p><emphasis>Wenn man einen D�mon heraufbeschw�rt und in einem Pentagramm bindet, kann er sein Gef�ngnis nicht verlassen und keinen Schaden anrichten. Aber sobald man das Pentagramm betritt, begibt man sich in den Machtbereich des D�mons.</emphasis></p><p>Simon sp�rte, wie ihm jemand auf die Schulter tippte. W�hrend er sich umdrehte, setzte er Miau Tse-tung ab, woraufhin der kleine Kater aus dem Pentagramm hinausschoss und quer durch den Raum flitzte, um sich unter einem Sofa zu verstecken. Langsam schaute Simon hoch. Azazels wuchtiges Gesicht ragte drohend �ber ihm auf. Aus dieser N�he konnte Simon die Furchen in der Haut des D�mons erkennen, wie Risse in einem Marmorblock, und die Flammen in Azazels bodenlosen Augen. Als der D�mon zu grinsen begann, sah Simon, dass jeder seiner Z�hne mit einer Nadelspitze aus Eisen bewehrt war.</p><p>H�hnisch atmete Azazel aus. Eine Wolke aus hei�em Schwefel h�llte Simon vollst�ndig ein und er h�rte die anderen nur noch wie aus gro�er Ferne � Magnus, dessen Stimme sich psalmodierend hob und senkte, und Isabelle, die irgendetwas schrie, als sich die H�nde des D�mons um seine Arme legten. Azazel hob Simon in die H�he, bis seine F��e in der Luft baumelten � und schleuderte ihn dann von sich.</p><p>Zumindest versuchte er das. Aber seine H�nde glitten von Simon ab, sodass dieser zu Boden fiel, w�hrend Azazel nach hinten st�rzte und auf eine unsichtbare Wand zu treffen schien. Im n�chsten Moment ert�nte ein Dr�hnen wie von berstendem Gestein und Azazel fiel auf die Knie. Eine Sekunde sp�ter rappelte er sich st�hnend wieder auf, stie� ein lautes Gebr�ll aus und marschierte mit gefletschten Z�hnen auf Simon zu � dem jetzt erst bewusst wurde, was da gerade geschehen war, und daraufhin mit zitternder Hand seine Haare aus der Stirn schob.</p><p>Abrupt hielt Azazel inne. Seine H�nde mit den nagelspitzen Krallen kr�mmten sich nach innen. �Wanderer�, stie� er hervor, �bist du es wirklich?�</p><p>Wie erstarrt stand Simon da. Magnus psalmodierte noch immer leise im Hintergrund, doch alle anderen schwiegen fassungslos. Simon traute sich nicht, seinen Freunden ins Gesicht zu schauen. Clary und Jace hatten die Wirkung des Mals, seine vernichtende Kraft, bereits mit eigenen Augen gesehen, �berlegte er. Aber von den anderen hatte es noch keiner miterlebt � kein Wunder, dass sie sprachlos waren.</p><p>�Nein�, knurrte Azazel und kniff die flammenden Augen zu Schlitzen. �Nein, du bist zu jung und die Welt zu alt. Aber wer w�rde es wagen, einen Vampir mit dem Zeichen des Himmels zu versehen? Und warum?�</p><p>Simon lie� seine Hand sinken. �Fass mich noch mal an, dann wirst du es herausfinden�, sagte er.</p><p>Der D�mon brachte ein grollendes Ger�usch hervor � eine Mischung aus Gel�chter und Abscheu. �Ich verzichte�, erkl�rte er. �Wenn du dich darin versucht hast, den Willen des Himmels zu beugen, dann ist mir nicht einmal meine eigene Freiheit es wert, mein Schicksal mit deinem zu verkn�pfen.� Langsam schaute er sich im Raum um. �Ihr seid alle Narren. Viel Gl�ck, ihr Menschenkinder � ihr werdet es dringend brauchen.� Und damit verschwand er in einer Stichflamme und lie� nur eine schwarze Rauchwolke und bei�enden Schwefelgestank zur�ck.</p><p>�Halt still�, sagte Jace, z�ckte den Herondale-Dolch und schlitzte Clarys Bluse vorsichtig vom Kragen bis zum Saum auf. Dann nahm er die beiden Stoffh�lften und schob sie behutsam von ihren Schultern, sodass sie nur mit Jeans und Tr�gertop auf dem Rand des Waschbeckens sa�. Ihre Hose und ihre Jacke hatten den Gro�teil des Gifts und D�monensekrets abbekommen, aber die empfindliche Seidenbluse war trotzdem ruiniert. Jace lie� die Stoffreste ins Waschbecken fallen, wo sie zischend im Wasser versanken. Dann nahm er seine Stele und trug die Umrisse einer Heilrune auf Clarys Schulter auf.</p><p>Clary schloss die Augen und sp�rte, wie die <emphasis>Iratze</emphasis> auf ihrer Haut brannte. Erleichtert bemerkte sie, wie der Schmerz nachlie� und sich ein Gef�hl der Entspannung �ber ihre Arme und ihren R�cken ausbreitete. Die Heilrune besa� eine �hnliche Wirkung wie Schmerzmittel � allerdings ohne die damit verbundene Benommenheit.</p><p>�Besser?�, fragte Jace.</p><p>Nickend �ffnete Clary die Augen. �Viel besser.� Die <emphasis>Iratze</emphasis> konnte zwar gegen Verbrennungen durch D�monengift nicht viel ausrichten, aber diese verheilten auf Schattenj�gerhaut ohnehin recht schnell. Genau genommen schmerzten die verbrannten Stellen kaum, und Clary, durch deren Adern immer noch das Adrenalin des Kampfesrauschs jagte, nahm sie fast gar nicht wahr. �Jetzt du?�, fragte sie.</p><p>Jace grinste und hielt ihr die Stele entgegen. Sie befanden sich im Hinterzimmer des Tr�delladens. Sebastian war nach vorne gegangen, um abzuschlie�en und die Lichter auszuschalten, damit sie keine unerw�nschten irdischen Besucher anlockten. Er war ganz versessen darauf, endlich �zu feiern�, sich aber noch nicht schl�ssig gewesen, ob sie zuerst zur Wohnung zur�ckkehren und sich umziehen oder direkt zum Nachtclub im Prager Stadtteil Mal� Strana aufbrechen sollten.</p><p>Zwar verurteilte die leise Stimme in Clary allein die Vorstellung, in dieser Situation �berhaupt etwas zu feiern, aber sie wurde vom lauten Rauschen ihres eigenen Blutes �bert�nt. Es war doch erstaunlich, dass ausgerechnet der Kampf an Sebastians Seite den Schalter tief in ihrem Inneren umgelegt hatte, der offenbar ihre Schattenj�gerinstinkte aktivierte, �berlegte Clary. Am liebsten w�re sie jetzt katzengleich auf hohe Geb�ude gesprungen, h�tte hundert Salti hintereinander vollf�hrt und sich von Jace beibringen lassen, wie man Seraphklingen scherenartig durch die Luft sausen lie�. Stattdessen nahm sie die Stele entgegen und forderte ihn auf: �Dann zieh mal dein Hemd aus.�</p><p>Rasch zog er es �ber den Kopf und warf es beiseite � und Clary versuchte, nicht darauf zu reagieren. Jace hatte zwar eine lange feuerrote Schnittwunde an der Seite und Brandblasen vom D�monenblut auf dem Schl�sselbein und der rechten Schulter, aber er war trotzdem der sch�nste Mann, den Clary je gesehen hatte: blassgoldene Haut, breite Schultern, eine schmale Taille und H�ften und jene feine Linie goldener H�rchen, die von seinem Nabel bis zum Bund seiner Jeans verlief. M�hsam wandte sie den Blick ab, platzierte die Stele auf seiner Schulter und trug ihm seine wahrscheinlich millionste Heilrune auf.</p><p>�Okay?�, fragte sie, als sie ihre Aufgabe beendet hatte.</p><p>�Mmm-hmm.� Jace beugte sich vor und Clary konnte seinen Geruch wahrnehmen � Blut und Holzkohle, Schwei� und der Duft der billigen Seife, die sie am Rand des Waschbeckens gefunden hatten. �Das hat mir gefallen�, sagte Jace. �Dir nicht auch? Gemeinsam Seite an Seite zu k�mpfen?�</p><p>�Es war� ziemlich aufregend.�</p><p>Jace stand bereits zwischen ihren Beinen; er r�ckte nun noch n�her und hakte seine Finger in den Bund von Clarys Jeans.</p><p>Zitternd griffen ihre H�nde nach seinen Schultern und dabei sah sie den goldenen Ring an ihrem Finger aufblitzen. Der Anblick ern�chterte Clary ein wenig. <emphasis>Lass dich nicht ablenken,</emphasis> ermahnte sie sich. <emphasis>Verlier dich nicht in diesen Gef�hlen. Das hier ist nicht Jace</emphasis>�<emphasis> ist nicht Jace</emphasis>�<emphasis> ist nicht Jace</emphasis>�</p><p>Seine Lippen streiften �ber ihren Mund. �Ich finde, das war unglaublich. <emphasis>Du</emphasis> warst unglaublich.�</p><p>�Jace�, wisperte Clary� und dann h�mmerte jemand gegen die T�r. �berrascht lie� Jace von Clary ab, wodurch sie nach hinten rutschte und dabei gegen den Hebel des Wasserhahns stie�. Der �ffnete sich sofort und bespritzte sie beide mit kaltem Wasser. �berrascht quietschte Clary auf und versuchte verzweifelt, das Wasser abzustellen; Jace dagegen lachte nur schallend, drehte sich auf dem Absatz um und riss die T�r auf.</p><p>Nat�rlich stand Sebastian davor. Er sah erstaunlich sauber aus, f�r das, was sie gerade durchgemacht hatten. Die blutverschmierte Lederjacke hatte er gegen einen alten Armeemantel getauscht, der ihm zusammen mit seinem T-Shirt einen gewissen Secondhand-Schick verlieh. Er hielt etwas Schwarzes, Schimmerndes in den H�nden. Verwundert hob er eine Augenbraue. �Gibt es einen Grund, warum du meine Schwester gerade ins Waschbecken geworfen hast?�, fragte er.</p><p>�Meine Ausstrahlung hat sie f�rmlich umgehauen�, erwiderte Jace, b�ckte sich nach seinem Hemd und streifte es wieder �ber. Genau wie bei Sebastian hatte seine Jacke den gr��ten Schaden verhindert, allerdings hatte eine D�monenklaue einen langen Riss in das Hemd gerissen.</p><p>�Ich hab dir was zum Anziehen besorgt�, sagte Sebastian und reichte Clary das schwarze, schimmernde Teil, das er in der Hand hielt.</p><p>Clary hatte sich inzwischen aus dem Waschbecken gehievt und stand nun wieder mit beiden F��en auf dem Boden, wobei das Wasser von ihr herab auf die Fliesen tropfte.</p><p>�Ist ein Original. Und m�sste ungef�hr deine Gr��e haben�, erg�nzte Sebastian.</p><p>Verbl�fft gab Clary Jace die Stele zur�ck und nahm das Kleidungsst�ck entgegen. Es handelte sich um ein Kleid � ein Unterkleid, genau genommen � aus gl�nzend schwarzem Stoff und mit Spitze besetztem Saum. Die perlenbestickten Tr�ger lie�en sich verstellen und das Gewebe war so elastisch, dass Sebastian vermutlich recht hatte � sehr wahrscheinlich w�rde es ihr passen. Die Vorstellung, ein Kleid zu tragen, das Sebastian ausgesucht hatte, gefiel Clary zwar nicht, aber andererseits konnte sie wohl kaum in triefnasser Jeans und einem zerrissenen Tr�gertop in einen Club gehen. �Danke�, sagte sie schlie�lich und f�gte hinzu: �Okay, aber jetzt raus mit euch beiden, w�hrend ich mich umziehe.�</p><p>Sebastian und Jace verlie�en den Raum und zogen die T�r hinter sich zu. Clary konnte ihre Stimmen h�ren, und obwohl sie keine einzelnen Worte verstand, erkannte sie an ihrem Klang, dass die beiden miteinander scherzten. Auf eine freundliche, vertraute Weise. Irgendwie war das seltsam, dachte sie, w�hrend sie aus der Jeans und dem Tr�gertop schl�pfte und das Kleid �berzog: Jace, der sich sonst kaum jemandem gegen�ber �ffnete, lachte und alberte mit Sebastian herum.</p><p>Clary drehte sich zum Spiegel und betrachtete sich. Das Schwarz nahm ihrer Haut jegliche Farbe, wodurch ihre Augen gr��er und dunkler, ihre Haare noch r�ter und ihre Gliedma�en l�nger, schlanker und heller wirkten. Die Stiefel, die sie unter der Jeans getragen hatte, verliehen ihrem Outfit eine taffe Note. Sie war sich nicht sicher, ob man sie wirklich als h�bsch bezeichnen w�rde, aber sie sah definitiv wie jemand aus, mit dem man keine Spielchen treiben sollte. Einen Moment fragte sie sich, ob Isabelle ihr Outfit gefallen w�rde.</p><p>Schlie�lich �ffnete sie die T�r und trat hinaus in den sp�rlich beleuchteten, hinteren Bereich des Ladens, wo sich der Tr�del stapelte, der vorne nicht mehr in die Regale passte. Ein Samtvorhang trennte diesen Abschnitt vom eigentlichen Verkaufsbereich. Jace und Sebastian unterhielten sich auf der anderen Seite des Vorhangs, allerdings konnte Clary sie noch immer nicht richtig verstehen. Langsam zog sie den Vorhang zur Seite und trat einen Schritt vor.</p><p>Die Lichter waren ausgeschaltet, obwohl Sebastian offenbar die Metallrolll�den vor dem Schaufenster heruntergelassen hatte und das Ladeninnere auf diese Weise vor den Blicken zuf�lliger Passanten gesch�tzt war. Ihr Bruder inspizierte gerade den Krimskrams in den Regalen, nahm einen Gegenstand nach dem anderen heraus, unterzog ihn einer eingehenden Pr�fung und stellte ihn wieder zur�ck.</p><p>Jace bemerkte Clary als Erster. Sie sah, wie seine Augen aufleuchteten, und erinnerte sich wieder an jenen Abend im Institut, wo er sie zum ersten Mal zurechtgemacht gesehen hatte. Damals trug sie etwas von Isabelles Sachen, weil sie zu Magnus� Party wollten. Und genau wie damals wanderte sein Blick auch jetzt von ihren Stiefeln langsam �ber ihre Beine, dann �ber ihre H�ften, Taille und Brust bis hinauf zu ihrem Gesicht. Ein tr�ges L�cheln umspielte seine Mundwinkel.</p><p>�Ich k�nnte ja darauf hinweisen, dass das kein Kleid, sondern eher Unterw�sche ist�, meinte er, �aber das w�re wohl kaum in meinem Interesse.�</p><p>�Muss ich dich daran erinnern, dass du von meiner Schwester redest?�, fragte Sebastian.</p><p>�Die meisten Br�der w�ren h�chst erfreut, wenn ein vollendeter Gentleman wie meine Wenigkeit ihre Schwester durch die Stadt eskortieren w�rde�, erkl�rte Jace, nahm sich eine Armeejacke aus einem der Regale und streifte sie �ber.</p><p>�Eskortieren?�, wiederholte Clary. �Als N�chstes erz�hlst du mir wohl, du w�rst ein Schurke und Lebemann.�</p><p>�Und dann hei�t es: ein Duell im Morgengrauen�, meinte Sebastian und marschierte in Richtung des Samtvorhangs. �Bin gleich wieder zur�ck. Ich muss mir mal das Blut aus den Haaren waschen.�</p><p>�Ganz sch�n pingelig�, rief Jace ihm grinsend nach, schnappte sich dann Clary und zog sie an sich. �Erinnerst du dich noch an den Abend, an dem wir zu Magnus� Party gegangen sind?�, raunte er mit gesenkter Stimme. �Du bist damals mit Isabelle in die Eingangshalle gekommen und Simon hat fast der Schlag getroffen.�</p><p>�Seltsam � ich habe gerade an genau dasselbe gedacht.� Clary legte den Kopf in den Nacken und schaute ihn an. �Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass du irgendetwas �ber mein Outfit gesagt h�ttest.�</p><p>Jace� Finger schoben sich unter die Tr�ger ihres Kleides und seine Fingerkuppen ber�hrten ihre Haut. �Ich dachte, du w�rdest mich nicht besonders m�gen. Eine detaillierte Beschreibung der Dinge, die ich in dem Moment gern mit dir angestellt h�tte � noch dazu vor Publikum �, w�re bestimmt nicht dazu geeignet gewesen, deine Meinung �ber mich zu �ndern.�</p><p>�Du hast gedacht, ich w�rde dich nicht m�gen?�, fragte Clary ungl�ubig. �Jace, wann hat dich ein M�dchen jemals nicht gemocht?�</p><p>Jace zuckte die Achseln. �Zweifellos wimmelt es in den Irrenanstalten der Welt nur so von ungl�ckseligen Frauen, denen es verwehrt blieb, meinem Charme zu erliegen.�</p><p>Clary lag eine Frage auf der Zunge � eine Frage, die sie Jace schon immer hatte stellen wollen, sich aber nie getraut hatte. Denn welche Rolle spielte es schon, was er vor ihr so alles getrieben hatte?</p><p>Es schien, als w�rde Jace in ihrem Gesicht lesen k�nnen, denn seine goldenen Augen nahmen einen weichen Ausdruck an. �Es hat mich nie interessiert, was irgendwelche M�dchen von mir hielten�, erkl�rte er. �Jedenfalls nicht, bevor ich dich kennengelernt habe.�</p><p><emphasis>Bevor ich dich kennengelernt habe.</emphasis> Clary musste sich r�uspern und ihre Stimme zitterte leicht, als sie ansetzte: �Jace, ich hab mich gefragt��</p><p>�Euer verbales Vorspiel ist langweilig und nervig�, sagte Sebastian und tauchte mit feuchten, zerzausten Haaren wieder hinter dem Vorhang auf. �Okay, k�nnen wir endlich los?�</p><p>Err�tend trat Clary einen Schritt von Jace zur�ck, wohingegen dieser vollkommen unger�hrt wirkte. �Wir haben doch auf <emphasis>dich</emphasis> gewartet.�</p><p>�Sieht so aus, als h�ttet ihr einen Weg gefunden, euch die schrecklich lange Wartezeit auf angenehme Weise zu vertreiben. So, jetzt kommt endlich. Ich verspreche euch, ihr werdet diesen Club lieben.�</p><p>�Meine Kaution werd ich im Leben nicht wiedersehen�, murmelte Magnus missgelaunt. Er hockte auf dem Tisch, umgeben von Pizzaschachteln und Kaffeebechern, und sah zu, wie der Rest des Teams �Die Guten� sich nach Kr�ften bem�hte, die Spuren der Verw�stung zu beseitigen, die Azazels Anwesenheit hinterlassen hatte: die Brandl�cher in den W�nden, das schwarze Schwefelzeug, das von den Leitungen an der Decke tropfte, die Asche und andere, grobk�rnige Partikel, die sich in den Boden gefressen hatten. Auf dem Scho� des Hexenmeisters lag Miau Tse-tung und schnurrte zufrieden. Magnus war von den Reinigungsarbeiten befreit, weil er seine Wohnung zur Verf�gung gestellt hatte und diese nun ziemlich ruiniert war. Auch Simon brauchte sich nicht an der Putzaktion zu beteiligen, weil nach dem Vorfall mit dem Pentagramm niemand so recht etwas mit ihm anzufangen wusste. Er hatte versucht, mit Isabelle zu reden, doch sie hatte ihm nur stumm mit dem Wischmopp gedroht.</p><p>�Ich hab eine Idee�, sagte Simon nun. Er sa� neben Magnus, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt. �Allerdings wird sie dir nicht gefallen.�</p><p>�Irgendwas sagt mir, dass du damit recht haben k�nntest, Sherwin.�</p><p>�Simon. Ich hei�e Simon.�</p><p>�Wenn du meinst.� Magnus winkte absch�tzig mit der Hand. �Was f�r eine Idee?�</p><p>�Ich trag doch das Kainsmal�, erkl�rte Simon. �Und das bedeutet, dass mich nichts t�ten kann, richtig?�</p><p>�Du k�nntest dich selbst umbringen�, warf Magnus wenig hilfreich ein. �Soweit ich wei�, k�nnen unbelebte Dinge dich versehentlich t�ten. Ich w�rde dir also davon abraten, auf einem glitschigen Steg �ber einer Grube mit scharfen Messern Lambada zu lernen.�</p><p>�Mist, das ruiniert meinen Plan f�r n�chsten Samstag.�</p><p>�Aber ansonsten kann dich nichts t�ten�, fuhr Magnus fort. Er wandte den Blick ab, um Alec zu beobachten, der mit einem Staubwedel zu k�mpfen schien. �Warum fragst du?�</p><p>�Dieser Vorfall in dem Pentagramm, mit Azazel, hat mich ins Gr�beln gebracht�, erl�uterte Simon. �Du hast gesagt, das Beschw�ren von Engeln sei gef�hrlicher als das von D�monen, weil die Engel denjenigen, der sie herbeigerufen hat, m�glicherweise zerschmettern oder mit Himmlischem Feuer verbrennen. Aber wenn ich das versuchen w�rde�� Er verstummte einen Moment und fuhr dann fort: �Na ja, mir w�rde doch nichts passieren, oder?�</p><p>Diese Worte lenkten Magnus� Aufmerksamkeit sofort zu Simon zur�ck. �Du? Du willst einen Engel herbeirufen?�</p><p>�Du k�nntest mir doch zeigen, wie das geht�, meinte Simon. �Ich wei�, ich bin kein Hexenmeister, aber Valentin hat es auch hinbekommen. Und wenn er das geschafft hat, warum sollte ich es dann nicht schaffen? Ich meine, es gibt sogar Menschen, die Magie betreiben.�</p><p>�Ich kann dir nicht versprechen, dass du dabei mit heiler Haut davonkommen w�rdest�, erwiderte Magnus; allerdings lie� der interessierte Unterton in seiner Stimme seine Warnung weniger glaubhaft wirken. �Das Kainsmal bietet den Himmlischen Schutz, aber sch�tzt es dich auch vor den M�chten des Himmels? Ich wei� es nicht.�</p><p>�Das hab ich auch nicht erwartet. Aber du stimmst mir doch zu, dass ich derjenige von uns bin, der wahrscheinlich die besten �berlebenschancen h�tte, oder?�</p><p>Magnus schaute hin�ber zu Maia, die Jordan gerade mit schmutzigem Putzwasser bespritzte und fr�hlich lachte, als dieser aufquietschte und sich wegdrehte. Prustend schob sie sich die lockigen Haare nach hinten und hinterlie� dabei einen dunklen Schmutzfleck auf ihrer Stirn. Sie sah so jung aus. �Ja�, r�umte Magnus widerstrebend ein. �Das trifft wahrscheinlich zu.�</p><p>�Wer ist dein Vater?�, fragte Simon unvermittelt.</p><p>Magnus� Blick wanderte wieder zu Alec. Seine goldgr�nen Augen waren so unergr�ndlich wie die des Katers auf seinem Scho�. �Das geh�rt nicht unbedingt zu meinen liebsten Gespr�chsthemen, Smedley.�</p><p>�Simon�, korrigierte Simon ihn. �Wenn ich schon f�r euch alle mein Leben riskiere, dann k�nntest du dir wenigstens meinen Namen merken.�</p><p>�F�r mich setzt du dein Leben nicht aufs Spiel�, entgegnete Magnus. �Wenn Alec nicht w�re, dann w�re ich l�ngst��</p><p>�Dann w�rst du l�ngst <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Ich hatte einen Traum�, setzte Magnus mit gedankenverlorenem Blick an. �Ich sah eine Stadt voller Blut, mit T�rmen aus Gebeinen und Blutstr�men, die wie Wasser durch die Stra�en flossen. Vielleicht gelingt es dir ja, Jace zu retten, Tageslichtler, aber du kannst nicht die ganze Welt retten. Die Finsternis kommt immer n�her. �Das Land, das schwarz ist wie die Finsternis, das Land des Todesschattens, wo keine Ordnung herrscht, wo das Licht wie tiefe Finsternis ist!� Wenn Alec nicht w�re, w�re ich schon l�ngst weg.�</p><p>�Wohin w�rdest du gehen?�</p><p>�Ich w�rde mich irgendwo verstecken und warten, bis der ganze Spuk vor�ber ist. Ich bin kein Held.� Magnus nahm Miau Tse-tung von seinem Scho� und lie� ihn auf den Boden fallen.</p><p>�Du liebst Alec so sehr, dass du hierbleibst�, bemerkte Simon. �Das ist irgendwie heldenhaft, finde ich.�</p><p>�Und du hast Clary so sehr geliebt, um dein ganzes Leben f�r sie zu ruinieren�, entgegnete Magnus mit einer Bitterkeit, die untypisch f�r ihn war. �Sieh dir nur an, was dir das gebracht hat.� Dann hob er die Stimme und rief: �Okay, alle mal herh�ren: Kommt mal her. Sheldon hat eine Idee.�</p><p>�Wer ist Sheldon?�, fragte Isabelle.</p><p>Die Stra�en von Prag lagen kalt und dunkel vor ihnen. Obwohl Clary ihre von D�monengift durchl�cherte Jacke fest um die Schultern wickelte, ging ihr die eisige K�lte durch Mark und Bein. Und d�mpfte den letzten Rest des Adrenalinschubs in ihren Adern. Um sich weiterhin bei Laune zu halten, kaufte Clary einen Gl�hwein und schlang die Finger um den hei�en Becher, w�hrend sie zu dritt durch ein verwirrendes Labyrinth aus schmalen, d�steren Gassen liefen. Diese wurden immer enger und dunkler, trugen l�ngst keine Stra�enschilder oder Namen mehr und waren menschenleer. Der einzige Orientierungspunkt war der Mond, der gelegentlich durch die dichte Wolkendecke schimmerte. Endlich erreichten sie eine flache Steintreppe, die sie zu einem winzigen Platz f�hrte. Eine Seite wurde von einem flackernden Neonlicht erhellt, auf dem LUSTR Z KOST� stand. Unter der Leuchtreklame befand sich eine T�r � ein Loch in der Wand, das an eine Zahnl�cke erinnerte.</p><p>�Was hei�t �Lustr z kost�?�, fragte Clary.</p><p>�Es bedeutet �Der Knochenkronleuchter�. Das ist der Name des Nachtclubs�, erl�uterte Sebastian und schlenderte zur T�r. Seine hellen Haare reflektierten die wechselnden Neonfarben der Leuchtreklame: Feuerrot, Eisblau, Metallicgold. �Was ist? Kommt ihr endlich?�</p><p>Als Clary den Club betrat, schlug ihr eine Wand aus L�rm und Lichtern entgegen. Der Raum war riesig und sah aus, als h�tte er fr�her einmal als Kirche gedient; in den Mauern konnte Clary sogar noch die hohen Buntglasfenster erkennen. Zuckende, farbige Spotlights huschten �ber die dicht gedr�ngte Menge und beleuchteten immer wieder einzelne Gesichter der Tanzenden in Knallrosa, Neongr�n und Leuchtendviolett. An einer Wand befand sich eine DJ-Kabine und aus den Lautsprecherboxen dr�hnte Trance. Die Musik wummerte durch Clarys K�rper, drang in ihr Blut, vibrierte in ihren Knochen. Die Luft war erf�llt von der Hitze der wogenden K�rper und dem Geruch von Schwei�, Zigarettenqualm und Bier.</p><p>Clary wollte sich gerade umdrehen und Jace fragen, ob er tanzen wolle, als sie eine Hand in ihrem R�cken sp�rte � Sebastian. Sofort verspannte sich ihr gesamter K�rper, doch sie zwang sich, nicht wegzuzucken.</p><p>�Geh weiter�, raunte er ihr ins Ohr. �Ich hab nicht vor, hier oben beim gemeinen Volk zu bleiben.�</p><p>Seine Hand dr�ckte wie eine Eisenfaust gegen Clarys Wirbels�ule. Z�hneknirschend lie� sie sich von Sebastian durch die dicht gedr�ngten Tanzenden dirigieren. Die Menge schien sich zu teilen, um sie durchzulassen. Der ein oder andere Clubbesucher schaute erst genervt auf, warf dann einen Blick auf Sebastian und zog sich hastig zur�ck. Die Hitze wurde immer unertr�glicher und Clary schnappte fast nach Luft, als sie schlie�lich die andere Seite des Raums erreichten. Dort erwartete sie ein Durchgang, den Clary zuvor nicht bemerkt hatte. Abgewetzte Steinstufen f�hrten spindelf�rmig nach unten und verschwanden in der Dunkelheit.</p><p>Fragend schaute Clary sich zu Sebastian um, der in diesem Moment die Hand von ihrem R�cken nahm. Um ihn herum blitzte ein helles Licht auf.</p><p>Jace hatte seinen Elbenstein hervorgeholt und grinste Clary an, sein Gesicht war eine Mischung aus kantigen Fl�chen und Schatten. ��Der Abstieg ist leicht��, bemerkte er.</p><p>Clary schauderte. Sie kannte das vollst�ndige Zitat: <emphasis>Der Abstieg zur H�lle ist leicht. </emphasis>�Kommt schon�, dr�ngte Sebastian, zeigte mit dem Kopf auf den Durchgang und sprang die Treppe hinunter, leichtf��ig und mit sicherem Schritt; die abgetretenen, rutschigen Stufen schienen ihn nicht zu beunruhigen.</p><p>Dagegen folgte Clary ihm deutlich langsamer. Mit jedem Meter wurde es k�hler und das Dr�hnen der wummernden Musik lie� allm�hlich nach. Sie konnte ihren Atem h�ren und sah ihren Schatten, der verzerrt und d�rr gegen die Wand geworfen wurde.</p><p>Noch bevor sie die letzten Stufen erreichten, h�rte Clary neue Musik � mit einem noch h�rteren Rhythmus als im Club �ber ihnen: Sie schoss ihr in die Ohren und ins Blut und bereitete ihr Schwindelgef�hle. Clary war beinahe schlecht, als sie endlich unten ankamen und ein gewaltiges Gew�lbe betraten, das ihr den Atem verschlug.</p><p>Der gesamte Raum war in Stein gehauen: die Mauern uneben und h�ckrig, der Boden unter Clarys F��en glatt und abgenutzt. Am anderen Ende des Gew�lbekellers erhob sich eine riesige Engelsstatue, deren Haupt in den Schatten der hohen Decke verschwand; von ihren Schwingen hingen Ketten mit schweren Granat-Schmucksteinen herab, die wie Blutstropfen aussahen. Der Raum wurde von kleinen knallbunten Lichtexplosionen erhellt, wie rote Kugelblitze, die nicht mit den k�nstlichen Spotlights im Erdgeschoss zu vergleichen waren � diese hier spr�hten wie Feuerwerk. Und jedes Mal, wenn eine der runden Kugeln platzte, rieselten flirrende Glitterteilchen auf die tanzende Menge herab. Gewaltige Springbrunnen spuckten sch�umende Wasserfont�nen in runde Marmorbecken, auf deren Wasseroberfl�che schwarze Rosenbl�tter trieben. Und von der Decke hing an einer langen goldenen Kette ein gewaltiger Kronleuchter, der direkt �ber den K�pfen der tanzenden Menge baumelte � ein Kronleuchter, der vollst�ndig aus Knochen gefertigt war.</p><p>Der L�ster wirkte kunstvoll und schaurig zugleich: Sein Korpus bestand aus miteinander verbundenen Wirbels�ulen; Oberschenkelknochen und Schienbeine hingen als Dekorationen von den Armen des Leuchters, an deren Ende jeweils ein menschlicher Sch�del mit einer dicken Stumpenkerze sa�. Schwarzes Wachs tropfte wie D�monenblut auf die Menge herab, doch niemand schien das zu k�mmern. Selbstvergessen drehten und wirbelten die Tanzenden um sich selbst � und keiner von ihnen war menschlich.</p><p>�Werw�lfe und Vampire�, beantwortete Sebastian Clarys unausgesprochene Frage. �In Prag sind sie Verb�ndete. Dies ist der Ort, an dem sie� sich entspannen.� Eine hei�e Brise fegte wie ein W�stenwind durch den Raum, hob Sebastians silberblonde Haare an und wehte sie ihm �bers Gesicht, sodass der Ausdruck in seinen Augen nicht zu erkennen war.</p><p>Clary sch�lte sich aus ihrer Jacke und dr�ckte sie gegen ihre Brust, fast wie einen Schild. Mit gro�en Augen schaute sie sich um. Sie konnte die Un-Menschlichkeit der anderen Besucher sp�ren � die Vampire mit ihrer Bl�sse, ihrer Geschmeidigkeit und gelangweilten Eleganz und die Werw�lfe, die animalische Kraft und Schnelligkeit ausstrahlten. Die meisten waren ziemlich jung, tanzten eng und schl�ngelten sich umeinander. �Aber� macht es ihnen denn nichts aus, dass wir hier sind? Nephilim?�</p><p>�Sie kennen mich�, erkl�rte Sebastian. �Und sie wissen auch, dass ihr zu mir geh�rt�, f�gte er hinzu und nahm Clary die Jacke aus der Hand. �Ich werd die mal f�r dich aufh�ngen.�</p><p>�Sebastian��, setzte Clary an, doch er war bereits in der Menge untergetaucht. Rasch schaute Clary zu Jace, der neben ihr stand. Er hatte die Daumen in die G�rtelschlaufen seiner Jeans gehakt und sah sich mit beil�ufigem Interesse um. �Vampirgarderobe?�, fragte sie.</p><p>�Warum nicht?�, erwiderte Jace l�chelnd. �Dir ist sicher aufgefallen, dass er mir nicht angeboten hat, auch meine Jacke an der Garderobe abzugeben. Es gibt keine Kavaliere mehr auf dieser Welt, ich sag�s dir�� Als er Clarys verwirrten Ausdruck sah, legte er den Kopf leicht zur Seite. �Ach, vergiss es einfach. Wahrscheinlich wartet hier ohnehin jemand auf ihn, mit dem er sich unterhalten will.�</p><p>�Dann sind wir also nicht nur zum Vergn�gen hier?�</p><p>�Sebastian macht nichts nur zum Vergn�gen.� Jace nahm Clarys H�nde und zog sie an sich. �Aber ich schon.�</p><p>Simons Plan stie� nicht gerade auf Begeisterung, was ihn aber nicht besonders �berraschte. Die anderen protestierten vehement, versuchten, ihm die Idee auszureden, und wandten sich skeptisch an Magnus, ob das Ganze �berhaupt sicher sei. Ruhig st�tzte Simon die Ellbogen auf die Knie und wartete ab.</p><p>Schlie�lich sp�rte er, wie ihn jemand vorsichtig am Arm ber�hrte. Er drehte sich um und entdeckte zu seiner Verwunderung Isabelle, die ihm bedeutete, ihr zu folgen.</p><p>W�hrend die Diskussion am Tisch heftig weiterging, verzogen sie sich in den Schatten eines der Deckenpfeiler. Da Isabelle urspr�nglich am lautesten widersprochen hatte, rechnete Simon damit, dass sie ihn nun anschreien w�rde. Doch stattdessen musterte sie ihn lediglich mit verkniffenem Mund.</p><p>�Okay�, sagte er schlie�lich, weil er ihr Schweigen hasste, �ich sch�tze, im Moment bist du etwas sauer auf mich.�</p><p>�Ach wirklich? Am liebsten w�rde ich dir in den Hintern treten, Vampir, aber ich will mir meine teuren neuen Stiefel nicht ruinieren.�</p><p>�Isabelle��</p><p>�Ich bin nicht deine feste Freundin.�</p><p>�Richtig�, best�tigte Simon, sp�rte dabei aber einen Hauch von Entt�uschung. �Das wei� ich.�</p><p>�Und die viele Zeit, die du mit Clary verbracht hast, hab ich dir nie �bel genommen. Im Gegenteil: Ich hab dir das sogar vorgeschlagen, weil ich wei�, wie viel sie dir bedeutet. Und umgekehrt. Aber das hier� das ist ein unkalkulierbares, irrsinniges Risiko, das du da eingehen willst. Bist du dir wirklich ganz sicher?�</p><p>Simon schaute sich um � er warf einen Blick auf Magnus� chaotische Wohnung und die kleine Gruppe am Tisch, die �ber sein Schicksal diskutierte. �Hier geht�s nicht nur um Clary�, sagte er.</p><p>�Na, hoffentlich doch nicht um deine Mutter, oder?�, hakte Isabelle nach. �Weil sie dich als Monster bezeichnet hat. Du musst niemandem etwas beweisen, Simon. Das ist ihr Problem, nicht deines.�</p><p>�Darum geht es nicht. Jace hat mir das Leben gerettet. Ich bin ihm was schuldig.�</p><p>�berrascht starrte Isabelle ihn an. �Du tust das doch nicht nur, um deine Schuld bei Jace zu begleichen, oder? Denn ich denke, dass wir alle inzwischen ziemlich quitt sein d�rften.�</p><p>�Nein� jedenfalls nicht nur�, r�umte Simon ein. �H�r zu: Wir alle wissen, worum es geht. Sebastian darf da drau�en nicht frei rumlaufen. Das ist viel zu gef�hrlich. Insofern hat der Rat recht. Aber wenn er stirbt, stirbt auch Jace. Und wenn Jace stirbt, dann wird Clary��</p><p>�� es �berleben�, erwiderte Isabelle in hartem Ton. �Sie ist stark und wird es �berleben.�</p><p>�Aber sie wird leiden. M�glicherweise f�r den Rest ihres Lebens. Ich will nicht, dass sie so leiden muss. Und ich will auch nicht, dass du derartig leiden musst.�</p><p>Genervt verschr�nkte Isabelle die Arme. �Nat�rlich nicht. Aber meinst du nicht, dass es sie genauso treffen w�rde, wenn dir was passiert, Simon?�</p><p>Simon biss sich auf die Lippe. Dar�ber hatte er noch gar nicht nachgedacht. Jedenfalls nicht auf diese Weise. �Was ist mit dir?�</p><p>�Was soll mit mir sein?�</p><p>�W�rde es <emphasis>dich</emphasis> treffen, wenn mir was zustie�e?�</p><p>Isabelle schaute ihn unverwandt an, mit kerzengeradem R�cken und erhobenem Kinn. Doch ihre Augen glitzerten. �Ja.�</p><p>�Aber du m�chtest auch, dass ich Jace helfe.�</p><p>�Ja. Das m�chte ich auch.�</p><p>�Dann musst du mich das durchziehen lassen�, erkl�rte Simon. �Dabei geht es mir nicht nur um Jace oder dich oder Clary � obwohl ihr alle eine wichtige Rolle spielt. Ich tue das, weil ich davon �berzeugt bin, dass finstere Zeiten kommen. Ich glaube Magnus, wenn er das sagt. Ich denke, Raphael f�rchtet sich wirklich vor einem Krieg. Und ich glaube, dass wir nur einen Bruchteil von Sebastians Plan sehen. Ich halte es f�r keinen Zufall, dass er Jace mitgenommen hat und dass die beiden jetzt miteinander verbunden sind. Sebastian wei�, dass wir Jace brauchen, um einen Krieg zu gewinnen. Er wei�, welche Bedeutung Jace hat.�</p><p>Isabelle konnte ihm nicht widersprechen, sagte aber: �Du bist genauso mutig wie Jace.�</p><p>�Vielleicht�, r�umte Simon ein. �Aber ich bin kein Nephilim. Vieles von dem, was Jace kann, kriege ich nicht hin. Au�erdem bedeute ich nicht ann�hernd so vielen Leuten etwas.�</p><p>�Besondere Schicksale und besondere Qualen�, wisperte Isabelle. �Simon � mir bedeutest du sehr viel.�</p><p>Simon streckte die Hand aus und legte sie sanft auf ihre Wange. �Du bist eine Kriegerin, Izzy. Das ist deine Aufgabe. Das ist deine Berufung. Aber wenn du gegen Sebastian nicht k�mpfen kannst, weil du auch Jace verletzen w�rdest, dann kannst du diesen Krieg nicht gewinnen. Und wenn du Jace t�ten m�sstest, um diesen Krieg zu gewinnen, w�rde das auch einen Teil deiner Seele t�ten. Ich will nicht, dass das passiert � nicht, solange ich noch etwas daran �ndern kann.�</p><p>Isabelle musste schlucken. �Das ist einfach nicht fair�, murmelte sie. �Es ist nicht fair, dass du das tun musst��</p><p>�Es ist meine Entscheidung� eine Entscheidung, die ich selbst treffen kann. Jace hat diese Wahl nicht. Wenn er stirbt, dann stirbt er f�r eine Sache, mit der er eigentlich �berhaupt nichts zu tun hat.�</p><p>Langsam lie� Isabelle die Luft aus ihren Lungen entweichen. Sie l�ste die verschr�nkten Arme und nahm Simon am Ellbogen. �Also gut. Dann mal los�, sagte sie und f�hrte ihn zur�ck zu den anderen. Als Isabelle sich r�usperte, hielten Magnus, Maia und Jordan abrupt in ihrem Streit inne und starrten die beiden an, als h�tten sie ihre Abwesenheit erst jetzt bemerkt.</p><p>�Das reicht�, sagte Isabelle. �Simon hat seine Entscheidung getroffen und er ist auch der Einzige, der dar�ber zu bestimmen hat. Er wird Raziel herbeirufen. Und wir werden ihm dabei auf jede erdenkliche Art und Weise helfen.�</p><p>Sie tanzten. Clary versuchte, sich ganz dem Rhythmus der Musik hinzugeben, dem Rauschen des Bluts in ihren Adern� so wie sie es fr�her mit Simon im Pandemonium immer getan hatte. Nat�rlich war Simon ein grauenhafter T�nzer gewesen � ganz im Gegensatz zu Jace. Was eigentlich nur logisch war: Bei all dem Training und der perfekten K�rperbeherrschung im Kampf gab es vermutlich nicht viele Dinge, die Jace nicht mit seinem K�rper anstellen konnte. Als er den Kopf in den Nacken warf, sah sie, dass seine Haare schwei�feucht an den Schl�fen klebten und die W�lbung seines Halses im Schein des Knochenkronleuchters schimmerte.</p><p>Au�erdem sah Clary, welche Blicke die anderen T�nzer Jace zuwarfen � eine Mischung aus Anerkennung, Wunschdenken und Jagdlust. Im n�chsten Moment erwachte in ihr eine ungekannte und unkontrollierbare Besitzgier. Sie dr�ngte sich n�her an Jace heran und schl�ngelte ihren K�rper an seinem hinauf, wie sie es bei anderen M�dchen auf der Tanzfl�che gesehen, sich selbst aber nie getraut hatte. Sie f�rchtete n�mlich immer, sich dabei mit den Haaren in der G�rtelschnalle des Jungen zu verfangen. Doch jetzt sah die Situation v�llig anders aus: Ihr intensives Training zahlte sich nicht nur im Kampf aus, sondern auch in jeder anderen Alltagssituation. Sie f�hlte sich auf eine ungeahnte Weise so geschmeidig und gelenkig wie nie zuvor und presste ihren K�rper gegen Jace.</p><p>Er hatte die Augen geschlossen und �ffnete sie genau in dem Moment, als eine farbige Lichtexplosion die Dunkelheit �ber ihren K�pfen erhellte. Metallisch gl�nzende Tropfen rieselten auf sie herab, verfingen sich in seinen Haaren und schimmerten wie Quecksilber auf seiner Haut. Vorsichtig nahm er einen Tropfen von seinem Schl�sselbein und zeigte Clary die silbern schillernde Fl�ssigkeit, w�hrend ein L�cheln seine Lippen umspielte. �Erinnerst du dich noch an unseren ersten gemeinsamen Besuch bei Taki�s? Und an das, was ich dir �ber Elbengerichte erz�hlt habe?�</p><p>�Ich wei� noch, dass du gesagt hast: �Du isst eine Elbenpflaume und im n�chsten Moment rennst du nackt und mit einem Geweih auf dem Kopf die Madison Avenue entlang��, erwiderte Clary und blinzelte gegen die silbernen Tr�pfchen auf ihren Wimpern an.</p><p>�Bis heute ist nicht zweifelsfrei bewiesen, dass wirklich <emphasis>ich</emphasis> derjenige war, dem das passiert ist.� Nur Jace konnte sich beim Tanzen unterhalten, ohne dabei merkw�rdig zu wirken. �Na ja, und dieses Zeug hier��, f�gte er hinzu, w�hrend er die silbrige Substanz wegschnippte, die seine Haare und seine Haut metallisch �berzog, �� hat dieselbe Wirkung. Es macht dich��</p><p>�High?�</p><p>Jace betrachtete Clary aus dunklen Augen. �Es kann echt Spa� machen.� Ein weiteres dieser schwebenden Kugeldinger zerplatzte �ber ihren K�pfen; die freigesetzten Tropfen schimmerten silberblau, wie Wasser. Jace leckte einen Spritzer von seiner Hand und betrachtete Clary eindringlich.</p><p><emphasis>High.</emphasis> Clary hatte noch nie Drogen genommen; sie trank ja noch nicht mal Alkohol � mit Ausnahme der Flasche Kahl�a vielleicht, die Simon und sie mit dreizehn aus der Hausbar seiner Mutter geschmuggelt hatten. Nachdem sie die Flasche geleert hatten, war ihnen furchtbar �bel gewesen und Simon hatte sich sogar in eine Hecke �bergeben. Danach hatte sie sich geschworen, nie wieder Alkohol anzur�hren, trotzdem konnte sich Clary noch gut an das anf�ngliche Gef�hl erinnern: Ihr war herrlich schwindlig gewesen, sie hatte st�ndig kichern m�ssen und sich grundlos gl�cklich gef�hlt.</p><p>Als Jace seine Hand herabsinken lie�, schimmerten seine Lippen silbern. Seine Augen ruhten noch immer auf Clary, dunkelgoldene Pupillen hinter langen blonden Wimpern.</p><p><emphasis>Grundlos gl�cklich.</emphasis></p><p>Clary dachte daran, wie sie sich beide in der Zeit nach der Gro�en Schlacht gef�hlt hatten, bevor Lilith von Jace Besitz ergriff. Damals war er der Jace gewesen, der auf dem Foto in seinem Zimmer zu sehen war: so gl�cklich. Sie beide waren gl�cklich gewesen. Daran hatte Clary keine Sekunde gezweifelt. Sie hatte auch nicht dieses Gef�hl von winzigen Messerstichen unter ihrer Haut gekannt, das langsam jegliche N�he zwischen ihnen zerst�rte.</p><p>Sie schmiegte sich an Jace, reckte sich und k�sste ihn langsam und bewusst auf die Lippen. Ein s��saures Aroma explodierte in ihrem Mund, wie eine Mischung aus Wein und Bonbons. Mehr von der silber glitzernden Fl�ssigkeit rieselte auf sie herab und Clary l�ste sich von Jace, um sich gen�sslich die Lippen zu lecken.</p><p>Jace� Atem ging sto�weise und er streckte die H�nde nach ihr aus.</p><p>Doch Clary tanzte lachend davon. Pl�tzlich f�hlte sie sich wild und frei und unglaublich leicht. Sie wusste, dass da etwas furchtbar Wichtiges war, etwas, das sie unbedingt erledigen musste, aber sie konnte sich nicht erinnern, worum es ging oder wieso sie sich �berhaupt daf�r interessiert hatte. Die Gesichter der anderen Tanzenden wirkten nicht l�nger verschlagen und Furcht einfl��end, sondern auf geheimnisvolle Weise sch�n. Sie befand sich in einem gewaltigen, hallenden Gew�lbe und die Schatten um sie herum strahlten in Farben, die bunter und intensiver leuchteten als jeder Sonnenuntergang. Die Engelsstatue, die �ber ihr aufragte, wirkte g�tig � tausendmal freundlicher als Raziel und sein kaltes wei�es Licht � und aus ihrem Mund ert�nte ein lieblicher, hoher Gesang, rein, klar und perfekt.</p><p>Clary wirbelte um die eigene Achse, schneller und schneller, und lie� dabei alle Sorgen und jede Erinnerung hinter sich, bis sie in ein Paar Arme tanzte, die sich von hinten um sie schlangen. Langsam schaute Clary an sich herab und sah zwei narben�bers�te H�nde an ihrer Taille, schlanke, anmutige Finger, die Voyance-Rune. Jace. Sie schmiegte sich an ihn, schloss die Augen und lie� den Kopf gegen seine Schulter sinken. Sie konnte seinen Pulsschlag an ihrer Wirbels�ule sp�ren.</p><p><emphasis>Kein Herz auf dieser Welt schlug so wie Jace�.</emphasis></p><p>Ruckartig �ffnete Clary die Augen. Sie fuhr herum, die H�nde ausgestreckt, um ihn fortzusto�en. �Sebastian�, wisperte sie.</p><p>Grinsend schaute ihr Bruder auf sie herab, silbern und schwarz wie der Morgenstern-Ring. �Clarissa�, sagte er. �Ich m�chte dir etwas zeigen.�</p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Doch das Wort kam und verschwand sofort wieder, l�ste sich auf wie Zucker in hei�er Fl�ssigkeit. Clary konnte sich nicht mehr erinnern, warum sie Nein sagen sollte. Schlie�lich war er ihr Bruder � sie sollte ihn lieben! Und au�erdem hatte er sie an diesen wundervollen Ort gebracht. M�glicherweise hatte er irgendwann schlimme Dinge getan, aber das lag lange zur�ck und sie konnte sich auch �berhaupt nicht mehr daran erinnern. �Ich kann die Engel singen h�ren�, hauchte sie stattdessen.</p><p>Sebastian lachte leise. �Wie ich sehe, hast du also schon herausgefunden, dass dieses silberne Zeug nicht einfach nur Glitter ist.� Vorsichtig streichelte er mit seinem Zeigefinger �ber Clarys Wangenknochen; als er ihn wieder wegnahm, leuchtete seine Fingerspitze silbern, als h�tte er eine gef�rbte Tr�ne aufgefangen. �Komm mit, Engelsm�dchen.� Sebastian streckte ihr seine Hand entgegen.</p><p>�Aber was ist mit Jace?�, wandte Clary ein. �Ich hab ihn in der Menge verloren��</p><p>�Der wird uns schon finden.� Sebastians Hand schloss sich um Clarys Finger, �berraschend warm und beruhigend.</p><p>Sie lie� sich von ihm zu einem der Brunnen in der Mitte des Gew�lbes ziehen und auf die breite Marmoreinfassung heben.</p><p>Dann setzte er sich neben sie, ihre Hand noch immer fest umschlossen. �Schau ins Wasser�, forderte er sie auf. �Und verrat mir, was du siehst.�</p><p>Clary beugte sich �ber den Brunnenrand und schaute auf die glatte dunkle Wasseroberfl�che. Sie konnte ihr eigenes Spiegelbild darin erkennen � ihre Augen waren gro� und wild, ihre Wimperntusche verschmiert, ihre Haare zerzaust. Dann lehnte auch Sebastian sich �ber den Rand und Clary sah, wie sein Gesicht neben ihrem auftauchte. Die silberne Reflexion seiner Haare auf dem Wasser erinnerte sie an den Schein des Mondes auf dem Fluss. Gerade als sie die Hand ausstreckte, um das helle Leuchten zu ber�hren, verzerrten sich ihre Spiegelbilder zur Unkenntlichkeit.</p><p>�Was hast du gesehen?�, fragte Sebastian mit einem dr�ngenden Unterton in der Stimme.</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf; Sebastian war wirklich albern. �Ich habe dich und mich gesehen�, erwiderte sie leicht tadelnd. �Was denn sonst?�</p><p>Sebastian nahm ihr Kinn und drehte Clarys Gesicht zu sich herum. Seine Augen waren schwarz, nachtschwarz; nur ein d�nner silberner Ring trennte die Pupille von der Iris. �Erkennst du das denn nicht? Wir beide sind gleich, du und ich.�</p><p>�Gleich?� Verwundert blinzelte Clary ihn an. Irgendetwas stimmte an seinen Worten nicht, sie klangen schrecklich falsch, aber sie h�tte nicht sagen k�nnen, was genau sie st�rte. �Nein��</p><p>�Du bist meine Schwester�, bekr�ftigte er. �In unseren Adern flie�t dasselbe Blut.�</p><p>�Aber du hast D�monenblut in dir�, sagte Clary. �Liliths Blut.� Aus irgendeinem Grund fand sie die Vorstellung pl�tzlich unheimlich lustig und fing an zu kichern. �Du bist dunkel � d�ster und dunkel. Und Jace und ich sind hell.�</p><p>�Du tr�gst ein dunkles Herz in deiner Brust, Valentinstochter�, widersprach Sebastian. �Du willst es nur nicht wahrhaben. Aber wenn du Jace willst, solltest du diese Tatsache besser akzeptieren. Denn er geh�rt nun zu mir.�</p><p>�Und� und zu wem geh�rst du?�</p><p>Sebastian �ffnete die Lippen, doch er schwieg.</p><p>Zum ersten Mal wusste er anscheinend nicht, was er darauf antworten sollte, �berlegte Clary und war �berrascht. Denn seine Worte hatten ihr nicht viel bedeutet � sie hatte einfach aus Neugier gefragt. Bevor sie jedoch etwas hinzuf�gen konnte, ert�nte eine Stimme.</p><p>�Was ist los?�, fragte Jace und schaute von Clary zu Sebastian und wieder zur�ck. Sein Gesicht wirkte unergr�ndlich. Weitere Schichten der schimmernden Substanz lagen auf seiner Haut und silberne Tropfen hafteten an seinen goldenen Haaren. �Clary?� Er klang ver�rgert.</p><p>Clary l�ste sich von Sebastian und sprang auf. �Tut mir leid�, stie� sie atemlos hervor. �Ich hab dich in der Menge irgendwie verloren.�</p><p>�Ist mir aufgefallen�, best�tigte Jace. �In der einen Sekunde hab ich mit dir getanzt und in der n�chsten warst du verschwunden und ein sehr hartn�ckiges Werwolfwesen hat versucht, meine Jeans aufzukn�pfen.�</p><p>Sebastian grinste. �Weiblich oder m�nnlich?�</p><p>�Keine Ahnung, aber so oder so h�tte eine Rasur nicht geschadet.� Jace nahm Clarys Hand und umschloss ihr Gelenk behutsam mit den Fingern. �M�chtest du nach Hause? Oder lieber noch weitertanzen?�</p><p>�Weitertanzen. Ist das okay?�</p><p>�Nur zu.� Sebastian lehnte sich zur�ck und st�tzte die H�nde hinter ihm auf den Brunnenrand. Ein rasiermesserscharfes L�cheln breitete sich auf seinem Gesicht aus. �Ich schau gern zu.�</p><p>Pl�tzlich tauchte vor Clarys innerem Auge ein Bild auf: der Abdruck einer blutigen Hand. Doch die Erinnerung verschwand so schnell, wie sie gekommen war, und Clary runzelte die Stirn. Die Nacht war zu sch�n, um sich mit h�sslichen Gedanken zu besch�ftigen. Sie warf ihrem Bruder noch einen kurzen Blick zu und lie� sich dann von Jace am Rand der Tanzfl�che entlangf�hren, wo das Gedr�nge nicht ganz so gro� war. W�hrenddessen zerplatzte eine weitere farbige Lichtkugel �ber ihnen, die silbernen Glitter verspr�hte. Clary legte den Kopf in den Nacken und fing die salzig s��en Tropfen mit der Zunge auf.</p><p>Als sie die Mitte des Gew�lbekellers erreichten, blieb Jace direkt unter dem Knochenkronleuchter stehen und wirbelte Clary zu sich herum. Sie schlang die Arme um ihn und f�hlte, wie die silbrige Fl�ssigkeit �ber ihre Wangen lief, wie Tr�nen. Durch das d�nne Gewebe von Jace� T-Shirt konnte sie die W�rme seiner Haut sp�ren. Ihre H�nde glitten unter den Saum seines Oberteils, sodass sie ihm mit den N�geln leicht �ber die Rippen fahren konnte. Seine Wimpern waren mit silbernen Tropfen �bers�t, als er den Blick senkte, Clary anschaute und ihr etwas ins Ohr raunte. Langsam wanderten seine H�nde �ber ihre Schultern und dann ihre Arme hinab. Inzwischen hatten sie auch aufgeh�rt zu tanzen. Die hypnotische Musik und die anderen Clubbesucher nahm Clary kaum noch wahr. Ein Paar tanzte lachend an ihnen vorbei und machte irgendeine sp�ttische Bemerkung auf Tschechisch. Clary verstand zwar nicht, was die beiden sagten, vermutete aber so etwas wie: Leute, nehmt euch gef�lligst ein Zimmer!</p><p>Jace schnaubte ungeduldig und dr�ngte dann erneut durch die Menge. Clary zog er hinter sich her, zu einem der schummrigen Alkoven am Rand der Tanzfl�che.</p><p>Dutzende dieser kreisrunden Nischen s�umten die W�nde, jede einzelne mit einer steinernen Sitzbank versehen und einem dichten Samtvorhang, der zugezogen werden konnte, um wenigstens ein Minimum an Privatsph�re zu bieten. Jace riss den Vorhang zu und sofort prallten Clary und er aufeinander wie eine Meereswoge gegen eine Felsklippe. Ihre M�nder trafen sich und verschmolzen miteinander; Jace hob Clary hoch, sodass sie eng an ihn gepresst war, w�hrend sich seine Finger in das rutschige Gewebe ihres Kleids gruben.</p><p>Clary f�hlte warme seidige Haut, H�nde, die suchten und fanden, Stoff, der unter dem Druck nachgab. Ihre H�nde unter Jace� T-Shirt, ihre Fingern�gel, die �ber seinen R�cken kratzten, das Gef�hl animalischer Freude, als er aufst�hnte. Jace biss auf ihre Unterlippe und Clary schmeckte das Blut in ihrem Mund, salzig und hei�. Es schien, als wollten sie sich gegenseitig zerrei�en, sich ineinander verschlingen und gemeinsam den Schlag ihrer Herzen sp�ren, auch wenn es sie beide umbringen w�rde, dachte Clary.</p><p>Im Alkoven war es dunkel � so dunkel, dass Jace nur als Silhouette aus Schatten und Gold zu erkennen war. Sein K�rper presste Clary gegen die Wand. Seine H�nde glitten �ber ihre H�ften, fanden den Saum ihres Kleides und schoben es �ber ihre Oberschenkel.</p><p>�Was tust du da?�, wisperte Clary. �Jace?�</p><p>Er schaute sie an. Das eigenartige Licht im Club verwandelte seine Augen in ein Kaleidoskop aus Farben und Formen. Er l�chelte diabolisch. �Du kannst mir sagen, wann ich aufh�ren soll. Jederzeit�, raunte er. �Aber ich bin mir sicher, dass du das gar nicht willst.�</p><p>Sebastian zog den staubigen Samtvorhang beiseite, der den Alkoven vom Rest des Gew�lbes abtrennte, und l�chelte.</p><p>An der Wand des kleinen kreisrunden Nebenraums war eine Steinbank angebracht, auf der ein Mann sa�, die Ellbogen auf den Marmortisch gest�tzt. Sein langes blauschwarzes Haar war im Nacken zusammengebunden und auf einem seiner Wangenknochen prangte eine Narbe oder ein Mal in Form eines Blattes, direkt unterhalb seiner grasgr�nen Augen. Er trug einen wei�en Anzug, aus dessen Brusttasche ein Einstecktuch mit gr�ner Blattstickerei herausragte.</p><p>�Jonathan Morgenstern�, sagte Meliorn.</p><p>Sebastian verbesserte ihn nicht. Die Feenwesen legten n�mlich gro�en Wert auf Namen und w�rden ihn daher niemals anders ansprechen als sein Vater. �Ich war mir nicht sicher, ob du zum vereinbarten Zeitpunkt auch erscheinen w�rdest, Meliorn.�</p><p>�Darf ich dich daran erinnern, dass das Lichte Volk nicht l�gt�, erwiderte der Elbenritter. Dann erhob er sich kurz und zog den Vorhang hinter Sebastian zu, sodass die dr�hnende Musik aus dem Hauptraum ein wenig ged�mpft wurde. �Nimm Platz. Ein Glas Wein?�</p><p>Sebastian setzte sich neben ihm auf die Bank. �Nein, danke.� Genau wie der silberne Elbentrank w�rde auch Wein ihm nur das Gehirn vernebeln. Au�erdem vertrugen die Feenwesen ohnehin mehr Alkohol. �Ich muss gestehen, ich war ziemlich �berrascht, als ich die Nachricht erhielt, dass du dich hier mit mir treffen wolltest.�</p><p>�Du solltest eigentlich besser als jeder andere wissen, dass meine K�nigin ein besonderes Interesse an dir hegt. Sie ist �ber jeden deiner Schritte informiert.� Meliorn nahm einen Schluck Wein. �Heute Nacht ist es hier in Prag zu einem Zwischenfall mit D�monen gekommen. Die K�nigin war sehr besorgt.�</p><p>Sebastian spreizte die Arme. �Wie du siehst, bin ich unverletzt.�</p><p>�Ein derartiger Zwischenfall wird zweifellos die Aufmerksamkeit der Nephilim erregen. Und wenn ich mich nicht irre, ziehen einige von ihnen bereits umher.�</p><p>�Was ziehen sie umher?�, fragte Sebastian unschuldig.</p><p>Meliorn nahm einen weiteren Schluck Wein und funkelte ihn w�tend an.</p><p>�Ach, ja, richtig. Ich vergesse immer wieder, auf welch am�sante Weise ihr Feenwesen redet. Du willst mir also sagen, dass da drau�en in der Menge einige Schattenj�ger sind, die nach mir Ausschau halten. Das wei� ich. Ich habe sie l�ngst bemerkt. Die K�nigin kann keine allzu hohe Meinung von mir haben, wenn sie glaubt, dass ich mit einer Handvoll Nephilim nicht allein zurechtkomme.� Sebastian zog einen Dolch aus dem G�rtel und wirbelte ihn in der Hand, sodass sich das schwache Licht des Alkovens in der Klinge spiegelte.</p><p>�Ich werde ihr deine Worte ausrichten�, murmelte Meliorn. �Ich muss gestehen, dass es mir vollkommen schleierhaft ist, was sie an dir findet. Ich habe einen gr�ndlichen Blick auf dich geworfen und bin nicht sehr �berzeugt, aber ich verf�ge nat�rlich auch nicht �ber den Geschmack meiner K�nigin.�</p><p>�Gewogen und f�r zu leicht befunden?� Belustigt beugte Sebastian sich vor. �Dann will ich dir das mal erkl�ren, Elbenritter: Ich bin jung. Ich bin gut aussehend. Und ich bin bereit, die ganze Welt niederzubrennen, um das zu bekommen, was ich will.� Mit seinem Dolch zeichnete er einen Riss in der Marmorplatte des Tischs nach. �Und genau wie ich ist auch deine K�nigin nicht auf schnelle Erfolge aus, sondern gewillt zu warten, wenn es dem Zweck dient. Im Moment m�chte ich nur eines wissen: Wenn das Ende der Nephilim naht, wird der Lichte Hof dann an meiner Seite stehen oder sich gegen mich stellen?�</p><p>Die Miene des Elbenritters war vollkommen ausdruckslos. �Meine K�nigin sagt, sie st�nde an deiner Seite.�</p><p>Sebastians Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen. �Das sind wirklich hervorragende Neuigkeiten.�</p><p>Meliorn schnaubte ver�chtlich. �Ich hatte immer angenommen, dass die Menschheit sich einmal selbst ausrotten w�rde�, bemerkte er. �Ein ganzes Jahrtausend lang habe ich stets prophezeit, dass ihr euch euer eigenes Grab schaufelt. Aber ich h�tte nicht gedacht, dass das Ende auf diese Weise kommen w�rde.�</p><p>Sebastian wirbelte den glitzernden Dolch in den Fingern. �Niemand sieht je sein Ende kommen.�</p><p>�Jace�, wisperte Clary. �Jace, jemand k�nnte hereinkommen und uns sehen.�</p><p>Doch seine H�nde h�rten nicht auf. �Es wird aber niemand hereinkommen.� Sein Mund platzierte einen Pfad hei�er K�sse auf ihren Hals und wischte damit all ihre Gedanken und Zweifel beiseite.</p><p>Clary fiel es schwer, an der Realit�t festzuhalten � mit seinen H�nden auf ihrem K�rper� und ihrem durcheinandergewirbelten Verstand� und ihren Fingern, die Jace� T-Shirt so fest umklammerten, dass sie f�rchtete, der Stoff w�rde jeden Moment rei�en.</p><p>Die Steinmauer dr�ckte kalt in ihren R�cken, w�hrend Jace ihre Schulter k�sste und den Tr�ger ihres Kleides nach unten schob. Clary war hei� und kalt zugleich und sie zitterte am ganzen K�rper. Die Welt hatte sich in Fragmente aufgel�st wie die bunten Bruchst�cke im Inneren eines Kaleidoskops. Sie war dabei, unter seinen H�nden zu zerflie�en�</p><p>�Jace�� Clary klammerte sich an sein T-Shirt. Irgendwie f�hlte es sich feucht und klebrig an. Verwundert schaute Clary auf ihre H�nde und verstand im ersten Moment nicht, was sie sah: eine silbrige Substanz, vermischt mit einer roten Fl�ssigkeit.</p><p>Blut.</p><p>Ruckartig blickte sie hoch. Von der Decke �ber ihnen hing � wie eine gruslige <emphasis>pi�ata</emphasis> � ein menschlicher K�rper, an den Fu�gelenken mit Seilen festgebunden. Blut tropfte aus der aufgeschlitzten Kehle.</p><p>Clary wollte schreien, doch sie brachte keinen Ton heraus. Entsetzt stie� sie Jace von sich, der benommen r�ckw�rtstaumelte; Blut klebte in seinen Haaren, auf seinem T-Shirt und auf ihrer nackten Haut. Hastig schob Clary die Tr�ger ihres Kleides wieder hoch, schwankte zum Vorhang und riss ihn beiseite.</p><p>Die Engelsstatue sah nicht mehr so aus, wie Clary sie in Erinnerung hatte: Die schwarzen Schwingen hatten sich in Fledermausfl�gel verwandelt, das anmutige, g�tige Gesicht war zu einer h�hnischen Fratze verzogen. Von der gesamten Gew�lbedecke hingen an verdrehten Seilen die Leichen von M�nnern, Frauen und Kindern � mit aufgeschlitzten Kehlen, aus denen das Blut wie Regen herabtropfte. Die Springbrunnen spuckten pulsierendes Blut und auf der Oberfl�che der roten Fl�ssigkeit schwammen keine Bl�tenbl�tter, sondern abgetrennte H�nde. Auch die sich windenden T�nzer waren blutgetr�nkt.</p><p>W�hrend Clary sich fassungslos umsah, kam ein Paar an ihr vorbei: ein gro� gewachsener bleicher Mann mit einer Frau, die mit zerfetzter Kehle schlaff in seinen Armen lag. Sie war eindeutig tot. Der Mann fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen und beugte sich erneut �ber ihren Hals; doch zuvor warf er Clary noch einen Blick zu und grinste. Sein Gesicht war verschmiert von Blut und silbriger Fl�ssigkeit. Clary sp�rte Jace� Hand an ihrem Arm; er versuchte, sie in den Alkoven zur�ckzuziehen, doch sie riss sich los. Stumm starrte sie auf die Wasserbecken an einer der W�nde. Sie hatte angenommen, dass leuchtend bunte Fische darin schwimmen w�rden. Doch die Fl�ssigkeit war tr�be und schlammig und Wasserleichen trieben darin; ihre Haare schwebten um sie herum wie die Nesself�den fluoreszierender Quallen. Unwillk�rlich musste Clary an Sebastian denken und daran, wie er in dem Glassarg geschwebt hatte. Ein Schrei bildete sich tief in ihrer Kehle, doch sie unterdr�ckte ihn, als pl�tzlich Stille und Dunkelheit sie �bermannten.</p></section><section><title><p>14</p><p>Schutt und Asche</p></title><p>Langsam erwachte Clary aus ihrer Ohnmacht � begleitet von demselben Schwindelgef�hl, das sie vom ersten Morgen im Institut kannte, als sie v�llig orientierungslos zu sich gekommen war. Ihr ganzer K�rper schmerzte und ihr Kopf f�hlte sich an, als h�tte ihn jemand mit einer Hantel traktiert. Sie lag auf der Seite, ihre Wange auf rauem Untergrund, und irgendetwas Schweres dr�ckte auf ihre Schulter. Als sie an sich hinunterschaute, entdeckte sie eine schlanke Hand, die sch�tzend auf ihr Brustbein gepresst war. Clary erkannte die Runenmale, die verblassten wei�en Narben und sogar das blaue Muster der Adern auf seinem Unterarm. Das beklemmende Gef�hl in ihrer Brust lie� nach, sie schl�pfte vorsichtig unter Jace� Arm hervor und setzte sich auf.</p><p>Sie befanden sich in seinem Zimmer. Clary erkannte das an der peniblen Ordnung und dem sorgf�ltig gemachten Bett mit dem fest eingesteckten Laken, das sogar jetzt noch fast unber�hrt aussah. Jace schlief, halb gegen das Kopfbrett gelehnt und in denselben Kleidern, die er auch am Abend zuvor getragen hatte, einschlie�lich seiner Schuhe. Offenbar war er eingenickt, w�hrend er Clary im Arm gehalten hatte. Aber daran erinnern konnte sie sich nicht. Seine Haare waren noch immer mit der seltsamen silbrigen Substanz aus dem Nachtclub �bers�t.</p><p>Jace bewegte sich, als sp�rte er, dass Clary sich aus seiner Umarmung gel�st hatte. Dann schlang er den nun freien Arm um seinen eigenen K�rper. Er schien nicht verletzt oder verwundet zu sein, lediglich ersch�pft, stellte Clary fest und betrachtete seine langen dunkelgoldenen Wimpern, die sich in die leichte Vertiefung unterhalb seiner Augen schmiegten. W�hrend er so friedlich schlief, wirkte er irgendwie verwundbar � wie ein kleiner Junge. Er h�tte <emphasis>ihr</emphasis> Jace sein k�nnen.</p><p>Doch das war er nicht. Pl�tzlich erinnerte Clary sich wieder an den Nachtclub, an seine H�nde auf ihrem K�rper, an die Leichen und das Blut. Ihr Magen revoltierte und sie schlug sich rasch eine Hand vor den Mund, um den Brechreiz zu unterdr�cken. Schon bei dem Gedanken daran wurde ihr schlecht, aber sie sp�rte noch etwas anderes � ein unangenehmes Prickeln, das nagende Gef�hl, dass irgendetwas fehlte.</p><p>Irgendetwas Wichtiges.</p><p>�Clary.�</p><p>Sie drehte sich um.</p><p>Jace hatte die Augen halb ge�ffnet und schaute sie unter seinen langen Wimpern an; das Gold seiner Pupillen wirkte matt vor Ersch�pfung. �Warum bist du wach?�, fragte er. �Es ist noch viel zu fr�h.�</p><p>Clarys H�nde nestelten an der Bettdecke herum. �Gestern Nacht��, setzte sie mit zittriger Stimme an. �Die Leichen� das ganze Blut��</p><p>�Die <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Das ist zumindest das, was ich gesehen habe.�</p><p>�So was hab ich nicht gesehen.� Jace sch�ttelte den Kopf. �Feendrogen�, murmelte er. �Du hast doch gewusst��</p><p>�Aber es war alles so real.�</p><p>�Tut mir leid.� Er hatte M�he, die Augen offenzuhalten. �Ich wollte nur ein bisschen Spa� haben. Das Zeug sollte dich eigentlich gl�cklich machen. Dich sch�ne Dinge sehen lassen. Ich dachte, wir k�nnten zusammen ein bisschen Spa� haben.�</p><p>�Ich hab jedenfalls �berall Blut gesehen�, erz�hlte Clary. �Und tote Menschen, die in Wasserbecken trieben��</p><p>Erneut sch�ttelte Jace den Kopf und seine Wimpern flatterten leicht. �Nichts davon war echt��</p><p>�Nicht einmal das, was zwischen dir und mir passiert ist�?� Clary verstummte. Jace� Augen waren fest geschlossen und seine Brust hob und senkte sich ruhig. Er war wieder eingeschlafen.</p><p>Leise rutschte Clary vom Bett und ging ins Bad. Dort stand sie eine ganze Weile vor dem Spiegel und musterte sich, w�hrend sich ein dumpfes Gef�hl in ihren Gliedern ausbreitete. Sie war von Kopf bis Fu� von der silbrigen Substanz �bers�t. Der Anblick erinnerte sie daran, wie ihr einmal ein Silberstift im Rucksack ausgelaufen war und den kompletten Inhalt ruiniert hatte. Einer ihrer BH-Tr�ger war gerissen � vermutlich, als Jace in der Nacht zuvor daran herumgezerrt hatte. Ihre Wimperntusche war v�llig verschmiert und dieses Silberzeug klebte �berall auf ihrer Haut und in ihren Haaren.</p><p>Langsam sch�lte Clary sich aus dem Kleid und ihrer Unterw�sche, wobei sie immer wieder gegen den Brechreiz ank�mpfen musste. Dann warf sie ihre Kleidung in den Abfalleimer und stieg in das hei�e Wasser.</p><p>Wieder und wieder wusch sie sich die Haare, um endlich das getrocknete Silberzeug loszuwerden. Doch die Substanz klebte wie �lfarbe und lie� sich kaum auswaschen. Auch der Geruch haftete weiterhin an Haut und Haaren. Er erinnerte Clary an fauliges Blumenwasser in einer Vase, dumpf und s��lich und verdorben. So viel Shampoo sie auch benutzte, es schien nichts zu helfen.</p><p>Als sie schlie�lich das Gef�hl hatte, einigerma�en sauber zu sein, trocknete sie sich ab und ging ins Schlafzimmer, um sich anzuziehen. Erleichtert schl�pfte sie wieder in ihre Jeans und streifte ein bequemes Baumwoll-Sweatshirt �ber. Doch als sie gerade ihren zweiten Stiefel anzog, kehrte die nagende Unruhe zur�ck � das Gef�hl, dass irgendetwas fehlte. Clary erstarrte.</p><p>Ihr Ring. Der goldene Ring, der ihr erlaubte, mit Simon zu kommunizieren.</p><p>Er war verschwunden.</p><p>Fieberhaft suchte Clary nach dem Schmuckst�ck und w�hlte sogar im Abfalleimer � vielleicht hatte sich der Ring ja in ihrem Kleid verfangen. Danach suchte sie jeden Zentimeter von Jace� Zimmer ab, w�hrend er friedlich weiterschlief. Auf den Knien durchk�mmte sie den Teppich, die Bettw�sche und die Schubladen des Nachttischs.</p><p>Schlie�lich lie� sie sich auf ihre Fersen sinken; ihr Herz schlug wie wild, w�hrend sich ein mulmiges Gef�hl in ihrem Magen ausbreitete.</p><p>Der Ring war verschwunden. Verloren, irgendwo, irgendwie. Clary versuchte, sich daran zu erinnern, wo sie ihn zuletzt gesehen hatte. Sie wusste noch genau, dass er an ihrer Hand aufgeblitzt hatte, als sie mit dem Dolch gegen den Elapid-D�mon gek�mpft hatte. War er ihr danach m�glicherweise in dem Tr�delladen vom Finger gerutscht? Oder im Nachtclub?</p><p>W�tend grub Clary die Fingern�gel in ihre Oberschenkel, bis der Schmerz sie aufkeuchen lie�. <emphasis>Konzentrier dich,</emphasis> ermahnte sie sich. <emphasis>Konzentrier dich.</emphasis></p><p>Vielleicht war ihr der Ring ja irgendwo in der Wohnung abhandengekommen. Bestimmt hatte Jace sie in der Nacht nach oben getragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Ring irgendwo auf der Treppe lag, war zwar gering, aber sie durfte keine M�glichkeit au�er Acht lassen.</p><p>Clary rappelte sich auf, schl�pfte so leise wie m�glich in den Flur und ging ein paar Schritte auf Sebastians Zimmer zu, z�gerte dann jedoch. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum der Ring in seinem Zimmer sein sollte. Und wenn sie ihn aufweckte, w�rde ihr das auch nicht weiterhelfen, im Gegenteil! Also machte sie auf dem Absatz kehrt und stieg die Treppe hinunter. Dabei bewegte sie sich vorsichtig von Stufe zu Stufe, um das Ger�usch ihrer Schuhe zu d�mpfen.</p><p>Ihre Gedanken �berschlugen sich. Was sollte sie tun, wenn sie Simon jetzt nicht mehr erreichen konnte? Sie musste ihm unbedingt von dem Antiquit�tengesch�ft und dem <emphasis>Adamant</emphasis> erz�hlen. Wenn sie ihn doch nur fr�her kontaktiert h�tte! Am liebsten h�tte Clary mit der Faust gegen die Wand geschlagen, doch sie zwang sich, Ruhe zu bewahren und die verbliebenen M�glichkeiten durchzugehen. Sebastian und Jace vertrauten ihr allm�hlich; wenn es ihr gelang, sich in einer belebten Stra�e kurz davonzuschleichen, k�nnte sie Simon von einer Telefonzelle aus anrufen. Oder sie k�nnte schnell in ein Internet-Caf� springen und ihm eine E-Mail schicken. Schlie�lich kannte sie sich mit den modernen Telekommunikationsmitteln der Irdischen wesentlich besser aus als Jace und Sebastian. Der Verlust des Rings bedeutete jedenfalls nicht, dass jetzt alles aus war.</p><p>Sie w�rde <emphasis>nicht</emphasis> aufgeben!</p><p>Ihre Gedanken kreisten so konzentriert um das, was sie als N�chstes tun musste, dass sie Sebastian im ersten Moment gar nicht bemerkte. Gl�cklicherweise hatte er ihr den R�cken zugekehrt. Er stand im Wohnzimmer und schaute auf eine Wand.</p><p>Einen Augenblick blieb Clary wie erstarrt auf der untersten Treppenstufe stehen, dann flitzte sie los und dr�ckte sich an die halbhohe Theke, die die K�che vom Wohnbereich trennte. Es bestand nicht der geringste Grund zur Panik, ermahnte sie sich. Schlie�lich wohnte sie hier. Falls Sebastian sie entdeckte, konnte sie behaupten, sie sei nach unten gekommen, um sich ein Glas Wasser zu holen.</p><p>Aber die Versuchung, ihn unbemerkt zu beobachten, war einfach zu gro�. Vorsichtig drehte Clary sich zur Seite und sp�hte um die K�chentheke herum.</p><p>Sebastian stand noch immer mit dem R�cken zu ihr. Nach der R�ckkehr aus dem Nachtclub hatte er sich offenbar umgezogen. Der alte Armeemantel war verschwunden. Stattdessen trug er Jeans und ein Hemd, das leicht hochgerutscht war und den Blick auf den Waffeng�rtel freigab, den er sich um die H�ften geschnallt hatte. Als Sebastian den rechten Arm hob, konnte Clary die Stele in seiner Hand sehen� und irgendetwas an der Art und Weise, wie er sie hielt, mit einer tiefen Nachdenklichkeit, erinnerte sie daran, wie ihre Mutter immer den Malpinsel gehalten hatte.</p><p>Best�rzt schloss Clary die Augen. Als sie an Sebastian etwas wiedererkannte, das Assoziationen an ihre Mutter oder sie selbst weckte, f�hlte sie einen Ruck durch ihr Herz gehen � wie ein St�ck Stoff, das an einem Haken h�ngen blieb und zerriss. Das erinnerte sie daran, dass es ganz egal war, wie viel Gift durch seinen K�rper zirkulierte � das Blut in seinen Adern war dasselbe, das auch durch ihre Adern floss. Clary �ffnete die Augen, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie sich vor Sebastian eine T�r in der Mauer bildete. Er schnappte sich einen Schal von einem Haken an der Wand und ging hinaus in die Dunkelheit.</p><p>Clary musste sich im Bruchteil einer Sekunde entscheiden: Sollte sie bleiben und die Wohnung nach dem Ring durchsuchen? Oder sollte sie Sebastian folgen und herausfinden, wohin er ging? Ihre F��e waren schneller als ihre Gedanken. Blitzschnell l�ste sie sich von der Theke und st�rmte durch die dunkle Mauer�ffnung, kurz bevor sich die T�r hinter ihr wieder schloss.</p><p>Der Raum, in dem Luke lag, wurde nur vom Schein der Stra�enlaterne erhellt, der durch die halb geschlossenen Jalousien fiel. Jocelyn wusste, dass sie um eine Lampe h�tte bitten k�nnen, doch sie sa� lieber im Dunkeln. Denn die Dunkelheit kaschierte das Ausma� von Lukes Verletzungen, die Totenbl�sse auf seinem Gesicht und die tiefen Schatten unter seinen Augen.</p><p>Genau genommen, besa� er im d�mmrigen Licht gro�e �hnlichkeit mit dem Jungen, den sie noch aus der Zeit in Idris kannte, bevor Valentin seinen Kreis gegr�ndet hatte. Jocelyn erinnerte sich daran, wie er auf dem Schulhof ausgesehen hatte: d�rr, braune Haare, blaue Augen und nerv�se H�nde. Luke war Valentins bester Freund gewesen und aus diesem Grund hatte ihm kaum jemand Beachtung geschenkt. Sie selbst �brigens auch nicht, �berlegte Jocelyn, denn sonst h�tte sie nicht so blind sein und v�llig �bersehen k�nnen, was er f�r sie empfand.</p><p>Unwillk�rlich kehrten ihre Gedanken zum Tag ihrer Hochzeit mit Valentin zur�ck; die Sonne hatte hell durch das Glasdach �ber der Halle des Abkommens gestrahlt. Damals war sie achtzehn gewesen und Valentin neunzehn. Sie wusste noch genau, wie ungl�cklich ihre Eltern dar�ber gewesen waren, dass sie so fr�h heiraten wollte. Doch ihre Missbilligung hatte sie nicht interessiert � ihre Eltern verstanden sie einfach nicht. Jocelyn war sich so sicher gewesen, dass es f�r sie in ihrem ganzen Leben niemand anderen geben w�rde als Valentin.</p><p>Luke war sein Trauzeuge gewesen. Sie erinnerte sich noch genau an dessen Gesicht, als sie zum Altar schritt � sie hatte ihm einen kurzen Blick zugeworfen, ehe sie ihre Aufmerksamkeit Valentin zuwandte. Und sie wusste auch noch, dass sie damals gedacht hatte, Luke ginge es wohl nicht gut, denn er sah aus, als h�tte er Schmerzen. Und sp�ter, als Valentin und sie mit Luke und den anderen G�sten auf den Platz des Erzengels hinausgetreten waren � die meisten Mitglieder des Kreises waren zur Hochzeit geladen gewesen, von den Frischverm�hlten Maryse und Robert Lightwood bis hin zum kaum f�nfzehnj�hrigen Jeremy Pontmercy �, hatte irgendjemand den uralten Witz gerissen, wenn der Br�utigam nicht aufgetaucht w�re, h�tte die Braut den Trauzeugen heiraten m�ssen. Luke hatte einen eleganten Anzug mit golddurchwirkten Gl�cks-Runen getragen, der ihm hervorragend stand. Aber w�hrend alle anderen am�siert lachten, war er kreidebleich geworden. <emphasis>Er muss die Vorstellung, mich zu heiraten, wirklich hassen,</emphasis> hatte sie damals gedacht und ihn lachend an der Schulter ber�hrt.</p><p>�Sieh mich doch nicht so an�, hatte sie ihn geneckt. �Ich wei� ja, dass wir uns schon seit Ewigkeiten kennen, aber ich verspreche dir, du wirst mich niemals heiraten m�ssen!�</p><p>Und dann war Amatis zu ihnen gekommen, einen lachenden Stephen im Schlepptau, und Jocelyn hatte den Vorfall mit Luke wieder vergessen � die Art und Weise, wie er sie angeschaut hatte, und den merkw�rdigen Blick, den Valentin ihm dabei zugeworfen hatte.</p><p>Jocelyn lie� ihren Blick hin�ber zu Luke schweifen � und zuckte in ihrem Sessel zusammen. Er hatte die Augen ge�ffnet, zum ersten Mal seit Tagen, und sah sie an. �Luke�, stie� sie atemlos hervor.</p><p>Er betrachtete sie verwirrt. �Wie lange� hab ich denn geschlafen?�</p><p>Am liebsten h�tte Jocelyn sich in seine Arme geworfen, doch der dicke Verband um seine Brust hielt sie davon ab. Stattdessen nahm sie seine Hand, dr�ckte sie an ihre Wange und verschr�nkte ihre Finger mit seinen. Dann schloss sie die Augen und sp�rte, wie eine Tr�ne unter ihren Wimpern hervordrang. �Etwa drei Tage�, hauchte sie.</p><p>�Jocelyn�, setzte Luke an und klang nun ernsthaft beunruhigt, �warum sind wir auf der Wache? Wo ist Clary? Ich kann mich wirklich nicht erinnern��</p><p>Langsam lie� Jocelyn ihre verschr�nkten H�nde sinken und erz�hlte ihm in einem m�glichst ruhigen Ton von den Ereignissen der vergangenen Tage: von Sebastian und Jace, vom D�monenmetall, das in seinen Knochen gedrungen war, und von der Hilfe der <emphasis>Praetor Lupus</emphasis>.</p><p>�Clary�, sagte Luke wie aus der Pistole geschossen, als Jocelyn ihren Bericht beendet hatte. �Wir m�ssen ihr nach.� Er entzog ihr seine Hand und versuchte m�hsam, sich aufzusetzen. Selbst im d�mmrigen Licht konnte Jocelyn erkennen, wie sein Gesicht dabei vor Schmerz noch bleicher wurde.</p><p>�Das geht nicht, Luke. Bitte leg dich wieder hin. Meinst du, ich s��e noch hier, wenn es irgendeine M�glichkeit g�be, ihr zu folgen?�</p><p>Entschlossen schwang Luke die Beine �ber die Bettkante, um sich aufzusetzen; doch schon im n�chsten Moment schnappte er nach Luft und st�tzte sich mit seinen H�nden ab. Er sah schrecklich aus. �Aber die Gefahr, in der sie schwebt��</p><p>�Glaubst du, dar�ber h�tte ich nicht nachgedacht?� Jocelyn legte ihm die H�nde auf die Schultern und dr�ckte ihn sanft zur�ck in die Kissen. �Simon meldet sich jeden Abend bei mir. Clary geht es gut. Wirklich. Und du bist nicht in der Verfassung, auch nur irgendetwas zu unternehmen. Wenn du dich selbst umbringst, hilft ihr das auch nicht. Bitte vertrau mir, Luke.�</p><p>�Jocelyn, ich kann hier nicht einfach tatenlos herumliegen.�</p><p>�Doch, das kannst du�, erwiderte sie bestimmt. �Und das wirst du auch � und wenn ich mich auf dich setzen muss. Was zum Teufel ist mit dir los, Lucian? Hast du den Verstand verloren? Ich mache mir schreckliche Sorgen um Clary, aber ich mache mir auch schreckliche Sorgen um dich! Bitte, tu das nicht� tu mir das nicht an. Wenn dir irgendetwas zusto�en w�rde��</p><p>�berrascht schaute Luke sie an. Inzwischen zeichnete sich ein roter Fleck auf seinem wei�en Verband ab, seine Bewegungen hatten die Wunde wieder aufgerissen. �Ich��</p><p>�Was?�</p><p>�Ich bin es nicht gewohnt, dass du mich liebst�, erkl�rte er ungew�hnlich kleinlaut, was Jocelyn von Luke �berhaupt nicht kannte.</p><p>Verwundert starrte sie ihn einen Moment an, ehe sie erwiderte: �Luke. Leg dich wieder hin. Bitte.�</p><p>Doch statt sich hinzulegen, lehnte er sich in einer Art Kompromiss gegen die Kissen und holte kurzatmig Luft.</p><p>Jocelyn hastete zum Nachttisch, schenkte ein Glas Wasser ein und dr�ckte es ihm in die Hand. �Trink das�, sagte sie. �Bitte.�</p><p>Luke nahm das Glas und seine blauen Augen folgten ihr, w�hrend sie sich wieder in den Sessel neben dem Bett setzte. In den letzten Tagen hatte sie so viele Stunden darin verbracht, dass es sie wunderte, nicht mit der Polsterung verwachsen zu sein.</p><p>�Wei�t du, woran ich eben denken musste?�, fragte sie. �Kurz bevor du aufgewacht bist?�</p><p>Vorsichtig trank Luke einen Schluck Wasser. �Du hast ausgesehen, als ob du in Gedanken sehr weit weg gewesen w�rst.�</p><p>�Ich hab mich an den Tag erinnert, an dem ich Valentin geheiratet habe.�</p><p>Luke lie� das Glas sinken. �Der schlimmste Tag meines Lebens.�</p><p>�Schlimmer als der Tag, an dem du gebissen wurdest?�, hakte Jocelyn nach, zog ihre Beine hoch und setzte sich darauf.</p><p>�Schlimmer.�</p><p>�Das habe ich nicht gewusst�, sagte sie. �Ich ahnte doch nicht, was du f�r mich empfindest. Aber ich w�nschte, ich h�tte es gewusst. Dann w�re jetzt alles anders.�</p><p>Ungl�ubig sah Luke sie an. �Wieso?�</p><p>�Dann h�tte ich Valentin nicht geheiratet�, sagte Jocelyn. �Ich h�tte ihn nicht geheiratet, wenn ich es gewusst h�tte.�</p><p>�Doch, das h�ttest du��</p><p>�Nein, das h�tte ich nicht�, unterbrach sie ihn scharf. �Ich war zu dumm, um zu begreifen, was du empfindest; aber ich war auch zu dumm, um mir �ber meine eigenen Gef�hle im Klaren zu sein. Ich habe dich immer geliebt. Auch wenn es mir damals nicht bewusst war.� Jocelyn beugte sich vor und k�sste ihn behutsam, um ihm nicht wehzutun; dann legte sie ihre Wange gegen Lukes. �Versprich mir, dass du dich nicht in Gefahr bringen wirst. Versprich es mir�, bat sie und sp�rte, wie er seine Hand auf ihre Haare legte.</p><p>�Ich verspreche es.�</p><p>Halbwegs erleichtert lehnte sie sich zur�ck. �Ich w�nschte, ich k�nnte die Zeit zur�ckdrehen. Und alles in Ordnung bringen. Den richtigen Mann heiraten.�</p><p>�Aber dann h�tten wir Clary jetzt nicht�, erinnerte Luke sie.</p><p>Jocelyn liebte die Art und Weise, wie er �wir� sagte � so beil�ufig, als g�be es keinen Zweifel, dass Clary seine Tochter war. �Wenn du doch nur schon da gewesen w�rst, als sie noch klein war��, seufzte Jocelyn. �Ich hab einfach das Gef�hl, dass ich alles falsch gemacht habe. All die Jahre war ich so versessen darauf, sie zu besch�tzen, dass ich es wahrscheinlich �bertrieben habe. Clary st�rzt sich kopf�ber in jede Gefahr, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken. Als wir beide aufgewachsen sind, haben wir hautnah miterlebt, wie unsere Freunde im Kampf ums Leben kamen. So etwas hat Clary nie erfahren m�ssen und ich w�rde ihr das auch nicht w�nschen. Aber manchmal mach ich mir Sorgen, dass sie glaubt, gar nicht sterben zu k�nnen.�</p><p>�Jocelyn.� Lukes Stimme klang sanft. �Du hast Clary zu einem guten Menschen erzogen. Zu einer Person mit Werten, zu jemandem, der an das Gute und das B�se glaubt und danach strebt, selbst Gutes zu tun � genau wie du. Man kann ein Kind nicht dazu erziehen, an etwas anderes zu glauben als das, an das man selbst glaubt. Ich bin mir sicher, dass Clary ganz genau wei�, dass sie sterben kann. Und ich bin au�erdem sicher, dass sie � genau wie du � davon �berzeugt ist, dass es Dinge gibt, f�r die es sich zu sterben lohnt.�</p><p>Clary folgte Sebastian durch ein Labyrinth enger Gassen, wobei sie sich immer dicht im Schatten der Geb�ude hielt. Sie befanden sich nicht mehr in Prag � so viel stand fest. Die Stra�en waren dunkel, die Morgend�mmerung tauchte den Himmel in ein mattes Blau und die Schilder �ber den Gesch�ften und Ladenfronten, an denen sie vorbeikamen, waren alle auf Franz�sisch � genau wie die Stra�enschilder: Rue Jacob, Rue de Seine, Rue de l�Abbaye.</p><p>W�hrend sie durch die Stadt schlich, strichen die Menschen wie Gespenster an ihr vorbei. Gelegentlich rumpelte ein Wagen durch die Gassen oder ein Laster setzte quietschend r�ckw�rts in eine Einfahrt, um das angrenzende Gesch�ft mit frischen Waren zu beliefern. Die Luft roch nach Flusswasser und Abfall. Clary hatte bereits eine ziemlich klare Vorstellung, in welcher Stadt sie sich befanden, das wurde best�tigt, als sie um eine Ecke bogen und durch eine Gasse zu einer breiten Allee gelangten, an der ein Wegweiser aus dem d�mmrigen Morgendunst auftauchte. Pfeile zeigten in verschiedene Richtungen: <emphasis>Bastille,</emphasis><emphasis>Notre Dame</emphasis> und <emphasis>Quartier Latin</emphasis>.</p><p><emphasis>Paris,</emphasis> dachte Clary sofort und schl�pfte hinter einen parkenden Wagen, als Sebastian die Stra�e �berquerte. <emphasis>Wir sind in Paris.</emphasis></p><p>Eigentlich war das Ganze eine Ironie des Schicksals: Sie hatte sich immer gew�nscht, nach Paris zu reisen und die Stadt mit jemandem zu erkunden, der sich dort auskannte. Sie hatte durch die Stra�en laufen, die Seine sehen und die Bauwerke malen wollen. Aber so hatte sie sich das nicht vorgestellt. Sie h�tte nicht gedacht, dass sie einmal Sebastian verfolgen w�rde, �ber den <emphasis>Boulevard Saint Germain,</emphasis> vorbei an einem leuchtend gelben Postamt, durch eine Allee, deren Bars inzwischen geschlossen hatten und in deren Rinnstein haufenweise leere Bierflaschen und Zigarettenstummel herumlagen.</p><p>Irgendwann marschierte Sebastian durch eine schmale, von Wohnh�usern ges�umte Stra�e und blieb vor einem der Geb�ude stehen. Auch Clary hielt abrupt inne und dr�ckte sich flach an eine H�userwand. Sie beobachtete, wie Sebastian einen Zugangscode in ein K�stchen neben der Eingangst�r tippte. Dabei pr�gte sie sich die Bewegungen seiner Finger genau ein. Dann ert�nte ein Klicken, die T�r sprang auf und Sebastian schl�pfte hindurch. Als die T�r wieder ins Schloss fiel, sprintete Clary los, tippte denselben Code ein � X235 � und wartete auf das leise, brummende Ger�usch, das bedeutete, dass die T�r nicht l�nger verriegelt war. Als das Summen schlie�lich ert�nte, war Clary sich nicht sicher, ob sie erleichtert oder �berrascht sein sollte. Das Ganze war zu einfach.</p><p>Einen Augenblick sp�ter stand sie in einem rechteckigen Innenhof, der an allen Seiten von ganz gew�hnlichen Geb�uden flankiert wurde. Durch mehrere offene T�ren konnte Clary drei Treppenh�user erkennen. Sebastian hatte sich allerdings in Luft aufgel�st.</p><p>Dann war das Ganze also doch nicht <emphasis>so</emphasis> einfach.</p><p>Vorsichtig setzte Clary einen Fu� in den Innenhof; ihr war klar, dass sie damit den Schutz des H�userschattens verlie� und hinaus ins Freie trat, wo man sie sehen konnte. Noch dazu klarte der Morgenhimmel �ber ihr mit jeder Minute weiter auf. Bei dem Gedanken daran, ohne Deckung zu sein, stellten sich ihr die Nackenhaare auf. Daher tauchte sie hastig in den Schatten des ersten Treppenhauses.</p><p>Die Stiege war schmucklos: Abgewetzte Holzstufen f�hrten nach oben und unten. Gegen�ber dem Eingang hing ein billiger Spiegel, in dem Clary ihr eigenes, blasses Gesicht sehen konnte. Und ein penetranter Geruch von fauligem Abfall hing in der Luft. Clary fragte sich einen Moment, ob sie sich wohl in der N�he der M�lltonnen befand, ehe ihr �berm�deter Verstand endlich schaltete und sie erkannte, dass der Gestank von der Anwesenheit von D�monen zeugte.</p><p>Ihre ersch�pften Muskeln begannen zu zittern, aber sie ballte die H�nde zu F�usten. Schlagartig wurde ihr bewusst, dass sie keine einzige Waffe bei sich trug. Doch dann holte sie ein paarmal tief Luft und stieg die Treppe hinunter.</p><p>Der Gestank nahm von Stufe zu Stufe zu, w�hrend die Sicht immer schlechter wurde. Clary w�nschte, sie h�tte ihre Stele dabei, um sich mit einer Nachtsicht-Rune auszustatten. Aber das lie� sich jetzt wohl nicht mehr �ndern. Vorsichtig folgte sie der Treppe, die spiralf�rmig nach unten f�hrte. Als sie pl�tzlich in irgendeine klebrige Lache trat, war sie fast dankbar f�r den Mangel an Licht. Sie klammerte sich an das Gel�nder und versuchte, durch den Mund zu atmen. Die Dunkelheit wurde immer undurchdringlicher, bis Clary sich nur noch blind die Stufen hinabtastete; dabei schlug ihr Herz so laut, dass sie schon f�rchtete, man w�rde sie h�ren. Die Stra�en von Paris, die normale Welt � all das schien Lichtjahre entfernt zu sein. Hier unten gab es nur noch die Dunkelheit und sie selbst� und die Treppe, die immer weiter in die Tiefe f�hrte.</p><p>Endlich tauchte in der Ferne ein Licht auf, ein winziger Punkt, wie die Spitze eines aufflammenden Streichholzes. Clary dr�ngte sich enger an das Gel�nder und schlich geduckt weiter, w�hrend das Licht heller wurde. Inzwischen konnte sie wieder ihre Hand erkennen und die Konturen der Treppe unter ihr. Es fehlten nur noch ein paar Stufen bis zum Ende. Schlie�lich erreichte sie den Boden und schaute sich rasch um.</p><p>Jede �hnlichkeit mit einem herk�mmlichen Mietshaus war verschwunden. Irgendwann w�hrend des Abstiegs musste sich die Holztreppe in Steinstufen verwandelt haben. Clary stand nun in einem kleinen gemauerten Raum. Eine Fackel an einer der W�nde flackerte in einem unheimlichen gr�nlichen Licht; der Fu�boden bestand aus glatt geschliffenem Felsgestein, in das seltsame Symbole gemei�elt waren. Vorsichtig ging Clary um die Zeichen herum, w�hrend sie den Raum durchquerte, um zum einzigen anderen Ausgang zu gelangen: einem steinernen Torbogen, in dessen Scheitelpunkt ein menschlicher Sch�del zwischen zwei gewaltigen gekreuzten �xten prangte.</p><p>Durch den Bogen drangen ged�mpfte Stimmen. Sie waren zwar zu weit entfernt, um einzelne Worte auszumachen, aber es handelte sich eindeutig um Stimmen. <emphasis>Hier entlang, </emphasis>schienen sie zu sagen. <emphasis>Folge uns</emphasis>.</p><p>Schweigend starrte Clary zum Totensch�del hinauf; seine leeren Augenh�hlen schienen sp�ttisch auf sie herabzublicken. Clary fragte sich, wo sie war � lag �ber ihr immer noch Paris oder hatte sie eine v�llig andere Welt betreten, so wie beim Besuch der Stadt der Stille? Ihre Gedanken kehrten zu Jace zur�ck, den sie schlafend zur�ckgelassen hatte� in einem scheinbar anderen Leben.</p><p>Sie tat das alles f�r ihn, ermahnte sie sich � um ihn zur�ckzugewinnen. Entschlossen trat sie durch den Torbogen in den dahinterliegenden Gang und presste sich instinktiv an die Wand. Auf diese Weise schlich sie ger�uschlos weiter, den Stimmen entgegen, die lauter und lauter wurden. Im Gang war es d�mmrig, aber nicht vollkommen dunkel. Alle paar Meter brannte eine weitere dieser gr�nlichen Fackeln, die einen verkohlten Geruch verbreiteten.</p><p>Pl�tzlich �ffnete sich ein Durchgang in der Wand links von Clary und die Stimmen schwollen an.</p><p>�� <emphasis>nicht wie sein Vater�,</emphasis> kr�chzte eine Stimme, so rau wie Schleifpapier. <emphasis>�Valentin h�tte sich �berhaupt nicht mit uns abgegeben. Er h�tte uns alle zu Sklaven gemacht. Aber der hier</emphasis>�<emphasis> der wird uns diese Welt �bergeben.�</emphasis></p><p>Mit �u�erster Vorsicht sp�hte Clary um die Ecke des Durchgangs.</p><p>Der dahinterliegende Raum war kahl, mit glatten Steinw�nden und ohne jegliches Mobiliar. Eine Gruppe von D�monen stand in der Raummitte � echsenartige Wesen mit ledriger gr�nbrauner Haut, aber sechs tentakel�hnlichen Beinen, die ein trockenes, raschelndes Ger�usch auf dem Boden erzeugten. Schwarze Facettenaugen ragten aus den knollendicken K�pfen hervor.</p><p>Clary musste schlucken. Der Anblick erinnerte sie an den Ravener � den ersten D�mon, den sie in ihrem Leben zu sehen bekommen hatte. Irgendetwas an der grotesken Mischung aus Echse, Insekt und Au�erirdischem drehte ihr den Magen um. Sie dr�ckte sich noch enger an die Wand und lauschte angespannt.</p><p><emphasis>�Das hei�t, sofern man ihm trauen kann.�</emphasis> Es lie� sich schwer sagen, welcher der D�monen gerade sprach. Ihre Beine waren in st�ndiger Bewegung und hoben und senkten ihre bauchigen R�mpfe. Sie schienen keine Lippen, sondern B�schel kleinerer Tentakeln zu besitzen, die beim Reden vibrierten.</p><p><emphasis>�Die Gro�e Mutter hat ihm vertraut. Er ist ihr Kind.�</emphasis></p><p>Sebastian. Nat�rlich sprachen sie von Sebastian.</p><p><emphasis>�Aber er ist auch ein Nephilim. Und die sind unsere gr��ten Feinde.�</emphasis></p><p><emphasis>�Sie sind auch seine Feinde. Schlie�lich tr�gt er Liliths Blut in sich.�</emphasis></p><p><emphasis>�Aber derjenige, den er als seinen Gef�hrten bezeichnet, tr�gt das Blut unserer Feinde in sich. Er geh�rt zu den Engeln.�</emphasis> Das letzte Wort wurde mit so viel Hass ausgesto�en, dass Clary es fast wie einen Schlag ins Gesicht empfand.</p><p><emphasis>�Liliths Kind hat uns versichert, dass er ihn vollst�ndig in der Hand habe, und er scheint in der Tat sehr gehorsam zu sein.�</emphasis></p><p>Einer der D�monen stie� ein trockenes, eigent�mlich knackendes Lachen aus. �Ihr jungen Dinger macht euch viel zu viel Sorgen. Die Nephilim haben uns diese Welt zu lange vorenthalten. Sie ist voll von Sch�tzen. Wir werden sie aussaugen und in Schutt und Asche zur�cklassen. Und was den kleinen Engelsknaben betrifft: Er wird als Letzter seiner Art sterben. Wir werden ihn auf einem Scheiterhaufen verbrennen, bis er zu goldenen Gebeinen vergl�ht.�</p><p>Ohnm�chtige Wut kochte in Clary hoch und sie schnappte nach Luft � ein winziges Ger�usch, aber dennoch ein Ger�usch. Der D�mon, der ihr am n�chsten stand, hob ruckartig den Kopf. Einen Moment erstarrte Clary, wie gefangen im funkelnden Blick seiner spiegelnden schwarzen Augen.</p><p>Dann wirbelte sie herum und lief los. St�rmte in Richtung Torbogen und Treppenhaus zur�ck, um hinauf in die Dunkelheit zu fliehen. Hinter ihr wurde es laut, das w�tende Kreischen der Kreaturen und eine Sekunde sp�ter das Rutschen und Rascheln ihrer Beine, als sie die Verfolgung aufnahmen. Hektisch warf Clary einen einzigen Blick �ber die Schulter und erkannte, dass sie es nicht schaffen w�rde. Trotz ihres Vorsprungs waren die D�monen ihr bereits dicht auf den Fersen.</p><p>Clary konnte ihren eigenen keuchenden Atem h�ren. Dann erreichte sie endlich den Torbogen, wirbelte herum und sprang hoch, um sich mit beiden H�nden daran festzuhalten. Sie schwang sich mit aller Kraft vorw�rts und traf den ersten D�mon mit ihren Stiefeln, der daraufhin schrill kreischend zur�cktaumelte. W�hrend Clary sich mit einer Hand am Torbogen festhielt, griff sie mit der anderen nach dem Stiel einer der beiden �xte und riss daran.</p><p>Doch der bewegte sich keinen Millimeter.</p><p>Clary schloss die Augen, umfasste den Stiel noch fester und zog mit aller Kraft daran.</p><p>Mit einem knirschenden Ger�usch l�ste sich die Axt schlie�lich aus dem Mauerwerk und ein Hagel aus Gestein und M�rtel folgte. Einen Moment lang verlor Clary das Gleichgewicht und landete in der Hocke auf dem Boden, die Axt vor sich ausgestreckt. Die Waffe musste ziemlich schwer sein, doch sie sp�rte das Gewicht kaum. Denn in diesem Moment geschah genau dasselbe, was auch im Tr�delladen passiert war: Die Zeit schien wieder langsamer zu vergehen und ihre Wahrnehmung war deutlich erh�ht. Sie konnte jeden Lufthauch auf ihrer Haut sp�ren und jede Unebenheit unter ihren F��en. Entschlossen wappnete sie sich, als der erste der D�monen durch den Torbogen krabbelte, sich wie eine Tarantel aufb�umte und mit den Beinen durch die Luft peitschte. Unterhalb der Tentakel in seinem Gesicht befanden sich zwei lange Fangz�hne, von denen Gift tropfte.</p><p>Die Axt in Clarys Hand schien sich wie von selbst zu bewegen und bohrte sich tief in den Brustkorb der Kreatur. Unwillk�rlich musste Clary daran denken, dass Jace ihr geraten hatte, nicht auf das Herz zu zielen, sondern zu versuchen, dem D�mon den Sch�del abzutrennen. Denn nicht alle dieser Kreaturen besa�en ein Herz. Doch in diesem Fall hatte Clary Gl�ck. Offenbar hatte sie das Herz oder ein anderes wichtiges Organ getroffen: Der D�mon schrie gellend auf und schlug um sich, Blut quoll aus der Wunde und dann l�ste er sich so pl�tzlich in Luft auf, dass Clary einen Schritt zur�ck machte, die schleimige Waffe in der erhobenen Hand. Das Blut der Kreatur schimmerte schwarz und stank gr�sslich, wie Teer.</p><p>Als der n�chste D�mon zum Angriff �berging, duckte Clary sich blitzschnell, schwang die Axt und durchtrennte mehrere seiner Beine. Mit einem schrillen Heulen kippte er zur Seite, wie ein zerbrochener Stuhl, w�hrend bereits die n�chste Kreatur �ber seinen Rumpf krabbelte, um sich auf Clary zu st�rzen. Erneut holte Clary aus und ihre Axt bohrte sich in das Gesicht des Wesens. Hei�es Wundsekret spr�hte in alle Richtungen, doch Clary wich geschickt aus und dr�ckte sich gegen die Wand des Treppenhauses. Wenn es einem der D�monen gelang, hinter ihr die Stufen zu erklimmen, war sie verloren, schoss es ihr durch den Kopf.</p><p>Rasend vor Wut attackierte sie der D�mon mit dem gespaltenen Gesicht erneut. Clary schwang die Axt und durchtrennte eines seiner Beine, aber eine der anderen Tentakeln wickelte sich um ihr rechtes Handgelenk. Ein schneidender Schmerz jagte durch ihren Arm. Sie schrie auf und versuchte, ihre Hand loszurei�en, doch der Griff des D�mons war zu fest. Clary hatte das Gef�hl, als w�rden sich Tausende gl�hender Nadeln in ihre Haut bohren. Schreiend vor Schmerz holte sie mit dem linken Arm aus und rammte ihm die Faust ins Gesicht, genau in die Wunde, die ihre Axt zuvor geschlagen hatte. Der D�mon stie� ein Zischen aus und lockerte einen Augenblick lang seinen Griff um ihr Handgelenk. Mit einem Ruck riss Clary ihre Hand los, als er sich auch schon �ber ihr aufb�umte�</p><p>� und eine schimmernde Klinge wie aus dem Nichts auf ihn herabfuhr und ihm den Sch�del spaltete. Sprachlos sah Clary zu, wie sich der D�mon in Luft aufl�ste � und dann entdeckte sie ihren Bruder, ein leuchtendes Seraphschwert in der Hand, w�hrend sich dunkles D�monensekret auf seinem Hemd verteilte. Hinter ihm lag nur noch der zuckende Rumpf einer einzigen Kreatur, aus deren Beinst�mpfen schwarzes Blut pulsierte, wie �l aus einem zertr�mmerten Wagen; alle anderen D�monen waren beseitigt.</p><p><emphasis>Sebastian</emphasis>. Verwundert starrte Clary ihn an. Hatte er ihr gerade das Leben gerettet?</p><p>�Geh weg, lass mich in Ruhe, Sebastian�, fauchte sie.</p><p>Doch er schien sie nicht zu h�ren. �Dein Arm.�</p><p>Rasch warf Clary einen Blick auf ihre rechte Hand, die vor Schmerz pochte. Ein breites Band kreisf�rmiger Wunden wand sich um ihr Gelenk, dort, wo sich die Saugn�pfe des D�mons an ihre Haut geheftet hatten. Die Wunden verf�rbten sich bereits und schillerten blauschwarz.</p><p>Clary schaute zu ihrem Bruder hoch. Seine wei�en Haare strahlten wie ein Heiligenschein in der Dunkelheit. Vielleicht lag das aber auch daran, dass sie nicht mehr richtig sehen konnte. Auch um die gr�nlich brennende Fackel und die leuchtende Seraphklinge in Sebastians Hand bildeten sich bereits verschwommene Lichtkreise. Er redete mit ihr, aber seine Worte klangen undeutlich, als spr�che er unter Wasser.</p><p>�� t�dliches Gift�, sagte er in diesem Moment. �Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht, Clarissa?� Seine Stimme kam und ging und Clary hatte M�he, sich darauf zu konzentrieren. �� sechs Dahak-D�monen mit einer Zieraxt zu bek�mpfen��</p><p>�Gift�, wiederholte Clary und einen Augenblick war Sebastians Gesicht wieder deutlich zu erkennen: verkniffene Falten um einen angespannten Mund, Best�rzung in den Augen. �Dann hast du mir wohl doch nicht das Leben gerettet, oder?�, murmelte sie noch, ehe ihre Hand unkontrolliert zu zucken begann und die Axt aus ihren Fingern glitt. Clary sp�rte, wie sich ihr Sweatshirt am rauen Putz verfing, w�hrend sie langsam an der Wand herunterrutschte. Sie wollte sich hinlegen, einfach nur noch auf den Boden legen und schlafen, doch Sebastian hinderte sie daran. Er fing sie auf und hob sie hoch, wobei er ihren unverletzten Arm um seinen Hals legte. Am liebsten h�tte Clary sich von ihm befreit und ihn fortgedr�ckt, doch ihr fehlte die Kraft dazu. Dann nahm sie einen brennenden Schmerz auf der Innenseite ihres Ellbogens wahr � die Spitze einer Stele. Ein taubes Gef�hl breitete sich �ber ihre Adern im ganzen K�rper aus. Und das Letzte, was sie sah, bevor ihr die Augen zufielen, war der Totensch�del auf dem Torbogen. Clary h�tte schw�ren k�nnen, dass seine leeren Augenh�hlen sie sp�ttisch auslachten.</p></section><section><title><p>15</p><p>Magdalena</p></title><p>�belkeit und Schmerzen wechselten sich in immer k�rzeren Abst�nden ab. Clary konnte nur noch verschwommene Farben um sich herum wahrnehmen. Sie wusste, dass ihr Bruder sie trug; jeder seiner Schritte dr�hnte in ihrem Kopf wie ein Schlag mit einem Eispickel. Und sie wusste auch, dass sie sich an ihn klammerte und seine kr�ftigen Arme sie beruhigten. Es erschien ihr bizarr, dass irgendetwas an Sebastian beruhigend sein konnte und er sich scheinbar M�he gab, sie beim Gehen nicht allzu sehr durchzusch�tteln. Wie aus gro�er Ferne nahm sie wahr, dass sie rasselnd nach Luft schnappte und ihr Bruder ihren Namen rief.</p><p>Danach wurde alles still. Einen Moment dachte Clary, jetzt sei alles vorbei: Sie war gestorben� im Kampf gegen D�monen, so wie die meisten Schattenj�ger. Dann sp�rte sie ein weiteres Brennen auf der Innenseite ihres Arms und ein Schwall fl�ssiges Eis schien durch ihre Adern zu schie�en. Sie kniff die Augen fest zusammen, um gegen den Schmerz anzuk�mpfen. Doch Sebastians K�ltebehandlung oder was auch immer er getan hatte, wirkte wie eiskaltes Wasser, das ihr mit Schwung ins Gesicht gesch�ttet wurde. Die Welt h�rte allm�hlich auf, sich wie wild zu drehen, und �belkeit und Schmerzen ebbten langsam ab, bis sie im Strom ihres Blutes nur noch dahinpl�tscherten. Endlich bekam Clary wieder Luft.</p><p>Keuchend schlug sie die Augen auf.</p><p>Blauer Himmel.</p><p>Sie lag auf dem R�cken und starrte hinauf in einen endlosen blauen Himmel, nur durchsetzt von wattewei�en W�lkchen � wie das gemalte Firmament an der Decke der Krankenstation im Institut. Vorsichtig streckte sie ihre schmerzenden Arme aus. Ihr rechtes Handgelenk zeigte noch die Saugwunden des D�mons, allerdings waren sie bereits zu einem zarten Rosa verblasst. Auf ihrem linken Unterarm schimmerten die verschwommenen Konturen einer <emphasis>Iratze</emphasis> und in ihrer Ellbogenbeuge erkannte sie eine <emphasis>Mendelin</emphasis>-Rune, die nicht nur vor�bergehend unsichtbar machen konnte, sondern auch Schmerzen linderte.</p><p>Clary atmete tief ein. Herbstluft, angereichert mit dem Geruch von Laub. Sie konnte die Baumkronen sehen, nahm das Rauschen des Verkehrs wahr und�</p><p>Sebastian.</p><p>Im n�chsten Moment h�rte sie ein leises Lachen. Clary erkannte, dass sie nicht auf dem Boden lag, sondern im Scho� ihres Bruders ruhte � Sebastian, der sich warm anf�hlte, ruhig und gleichm��ig atmete und ihren Kopf hielt. Der Rest ihres K�rpers lag lang ausgestreckt auf einer taunassen Holzbank. Ruckartig setzte sie sich auf.</p><p>Sebastian lachte erneut; er sa� am Rand der Sitzbank, gegen die kunstvoll geschmiedete Seitenlehne gest�tzt und einen Arm auf der R�ckenlehne der Bank. Auf seinem Scho� � dort, wo Clary gerade noch gelegen hatte � befand sich sein zusammengefalteter Schal. Sebastian hatte sein wei�es Hemd aufgekn�pft, um die D�monenflecken darauf zu verbergen; darunter trug er ein schlichtes graues T-Shirt. Das silberne Armband glitzerte an seinem Handgelenk. Seine schwarzen Augen musterten Clary belustigt, als sie hastig von ihm fortrutschte. �Ein Gl�ck, dass du so zierlich bist�, bemerkte er. �Wenn du viel gr��er w�rst, h�tte es ziemlich anstrengend werden k�nnen, dich durch die Gegend zu schleppen.�</p><p>Clary bem�hte sich um eine ruhige Stimme: �Wo sind wir?�</p><p>�Im <emphasis>Jardin du Luxembourg�,</emphasis> erkl�rte Sebastian. �Eine der Pariser Parkanlagen � wirklich sch�n hier. Ich musste dich ja irgendwohin bringen, wo du dich ausruhen konntest. Dich mitten auf der Stra�e liegen zu lassen, schien mir keine gute Idee zu sein.�</p><p>�Ja, daf�r gibt�s ein Wort� wenn man jemanden mitten auf der Stra�e liegen und sterben l�sst: Fahrerflucht mit fahrl�ssiger T�tung.�</p><p>�Das sind vier Worte und soweit ich wei�, ist es nur dann tats�chlich Fahrerflucht, wenn man den Betreffenden pers�nlich �berfahren hat.� Sebastian rieb sich die H�nde, als wollte er sie w�rmen. �Aber davon mal abgesehen: Warum sollte ich dich mitten auf der Stra�e sterben lassen, nachdem ich mir so viel M�he gemacht habe, dir das Leben zu retten?�</p><p>Clary musste schlucken und warf einen Blick auf ihren Arm. Die Wunden waren inzwischen noch weiter verblasst. Wenn man nicht genau wusste, wo der D�monententakel sie erwischt hatte, w�rde man die Stellen wahrscheinlich �berhaupt nicht mehr erkennen. �Und warum hast du das getan?�</p><p>�Warum hab ich <emphasis>was</emphasis> getan?�</p><p>�Mir das Leben gerettet.�</p><p>�Du bist meine Schwester.�</p><p>Erneut musste Clary schlucken. In der Morgend�mmerung hatte Sebastians Gesicht etwas mehr Farbe bekommen. Verblassende Brandwunden schimmerten an seinem Hals, dort, wo das D�monensekret ihn getroffen hatte. �Du hast dich doch bisher nicht daf�r interessiert, dass ich deine Schwester bin�, sagte sie leise.</p><p>�Ach nein?� Seine schwarzen Augen musterten sie von Kopf bis Fu�.</p><p>Pl�tzlich erinnerte Clary sich wieder daran, wie Jace sie nach dem Angriff des Ravener in ihrem Elternhaus gefunden hatte. Der D�mon hatte sie mit seinem t�dlichen Giftstachel erwischt und Jace hatte sie geheilt � genau wie Sebastian � und sie auf dieselbe Weise an einen sicheren Ort getragen. Vielleicht �hnelten Jace und Sebastian einander ja doch mehr, als sie wahrhaben wollte � und zwar schon seit Langem, noch bevor Liliths Beschw�rungsformel die beiden miteinander verbunden hatte.</p><p>�Unser Vater ist tot�, sagte Sebastian. �Andere Verwandte gibt es nicht. Du und ich, wir sind die letzten. Die letzten der Familie Morgenstern. Du bist meine letzte Chance, jemanden zu finden, in dessen Adern dasselbe Blut flie�t wie in meinen.�</p><p>�Du hast gewusst, dass ich dir gefolgt bin�, stellte Clary fest.</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Und du hast mich nicht daran gehindert.�</p><p>�Ich wollte sehen, wie weit du gehen w�rdest. Und ich muss gestehen, ich hatte nicht damit gerechnet, dass du mir die Treppe hinunter folgen w�rdest. Du bist mutiger, als ich dachte.� Er nahm den Schal, der noch immer auf seinem Scho� lag, und wickelte ihn sich um den Hals. Der Park f�llte sich allm�hlich mit Besuchern: Touristen mit Stadtpl�nen in den H�nden, Eltern mit kleinen Kindern im Schlepptau, alte M�nner, die sich auf den anderen B�nken niederlie�en und eine Pfeife rauchten. �Aber diesen Kampf h�ttest du niemals gewinnen k�nnen�, f�gte Sebastian hinzu.</p><p>�Vielleicht ja doch.�</p><p>Er grinste, ein kurzes schiefes Grinsen. �Vielleicht.�</p><p>Clary streifte mit ihren Stiefeln durch das taufeuchte Gras unter der Bank. Sie w�rde sich bei Sebastian nicht bedanken. F�r gar nichts. �Warum gibst du dich mit D�monen ab?�, fragte sie stattdessen fordernd. �Ich hab geh�rt, wie sie �ber dich geredet haben. Ich wei�, was du vorhast��</p><p>�Nein, das wei�t du nicht.� Sebastians Grinsen war schlagartig verschwunden und in seinem typischen, �berheblichen Ton fuhr er fort: �Erstens waren das nicht die D�monen, mit denen ich Kontakt hatte, sondern lediglich ihre Wachen. Deshalb befanden sie sich in einem anderen Raum und deswegen war ich auch nicht dort. Dahak-D�monen sind nicht besonders clever, daf�r aber b�sartig und z�h, also gut zur Verteidigung geeignet. Und aus diesem Grund wussten sie nicht, was wirklich Sache ist. Sie haben einfach nur irgendwelchen Tratsch wiederholt, den sie von ihren Gebietern aufgeschnappt haben. D�monenf�rsten. Mit <emphasis>denen</emphasis> hatte ich ein Treffen.�</p><p>�Und mit diesem Wissen soll ich mich jetzt besser f�hlen?�</p><p>Sebastian beugte sich in Clarys Richtung. �Mir geht es nicht darum, dass du dich besser f�hlst. Ich versuche lediglich, dir die Wahrheit mitzuteilen.�</p><p>�Die Wahrheit? Kein Wunder, dass es so aussieht, als h�ttest du eine allergische Reaktion�, bemerkte Clary, auch wenn das nicht ganz stimmte. Denn Sebastian wirkte aufreizend ruhig, obwohl seine angespannte Kiefermuskulatur und sein pulsierender Herzschlag an der Schl�fe verrieten, dass er nicht ganz so gelassen war, wie er vorgab. �Die Dahak haben gesagt, du w�rdest diese Welt den D�monen �bergeben�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Und, klingt das etwa nach mir? W�rde ich so etwas tun?�</p><p>Clary warf ihm nur einen k�hlen Blick zu.</p><p>�Hattest du nicht gesagt, du wolltest mir eine Chance geben?�, bemerkte Sebastian. �Ich bin nicht mehr der Junge, der ich noch in Alicante war.� Er schaute sie ruhig an. �Au�erdem bin ich nicht der Einzige aus deinem Bekanntenkreis, der an Valentin geglaubt hat. Er war mein Vater. Unser Vater. Und es ist nicht leicht, die Dinge infrage zu stellen, mit denen man aufgewachsen ist.�</p><p>M�rrisch verschr�nkte Clary die Arme vor der Brust; die Luft war klar, aber kalt, mit einer winterlich frostigen Note. �Kann sein.�</p><p>�Valentin hat sich geirrt�, fuhr Sebastian fort. �Er war so davon besessen, welch gro�es Unrecht der Rat ihm angeblich angetan hatte, dass er an nichts anderes mehr denken konnte, als den Ratsmitgliedern zu beweisen, dass <emphasis>er</emphasis> recht hatte. Er wollte, dass der Engel erschien und ihnen mitteilte, dass er, Valentin, Jonathan Shadowhunters rechtm��iger Nachfolger sei� dass er ihr Anf�hrer sei und dass sein Weg der richtige w�re.�</p><p>�Tja, aber dann ist es doch etwas anders gekommen.�</p><p>�Ich wei�, was passiert ist. Lilith hat mir davon erz�hlt�, erwiderte Sebastian leichthin, als w�ren Gespr�che mit der Mutter aller Hexenwesen vollkommen normal. �Bild dir ja nicht ein, Raziel h�tte aus tiefem Mitgef�hl gehandelt, Clary. Engel sind kalt wie Eis. Raziel war zornig, weil Valentin den Auftrag aller Nephilim vergessen hatte.�</p><p>�Und der w�re?�</p><p>�D�monen zu t�ten. Das ist unsere Aufgabe. Du hast doch bestimmt davon geh�rt, dass in den letzten Jahren immer mehr D�monen in diese Welt eingedrungen sind, oder? Und dass wir keine Ahnung haben, wie wir sie daran hindern sollen?�</p><p>Vage erinnerte Clary sich an etwas, das Jace ihr einmal gesagt hatte� vor einer gef�hlten Ewigkeit, als sie zum ersten Mal gemeinsam zur Stadt der Stille gefahren waren. <emphasis>Wir k�nnten sie vielleicht aufhalten und verhindern, dass sie hierherkommen, aber bisher ist es niemandem gelungen herauszufinden, wie das gehen soll. Inzwischen kommen immer mehr. Fr�her gab es nur kleine Invasionen von D�monen, mit denen man leicht fertig werden konnte. Aber allein seit dem Jahr meiner Geburt sind mehr D�monen durch die Schranken gedrungen als in allen Jahren davor zusammengenommen. Der Rat muss st�ndig Schattenj�ger entsenden und sehr oft kehren sie nicht zur�ck.</emphasis></p><p>�Uns steht ein grausamer Krieg gegen die D�monen bevor und der Rat ist kein bisschen darauf vorbereitet�, verk�ndete Sebastian. �In dieser Hinsicht hatte mein Vater absolut recht. Die Ratsmitglieder sind zu festgefahren in ihren Vorstellungen, um warnende Stimmen zu h�ren und sich selbst noch ver�ndern zu k�nnen. Ich w�nsche mir zwar nicht die Vernichtung aller Schattenweltler, so wie Valentin es gefordert hat, aber manchmal f�rchte ich, dass die Verblendung des Rats noch einmal den Untergang dieser Welt bedeuten wird � der Welt, die die Nephilim besch�tzen sollen.�</p><p>�Willst du mir ernsthaft weismachen, es w�rde dich interessieren, ob diese Welt zerst�rt wird?�</p><p>�Na ja, schlie�lich lebe ich hier�, gab Sebastian deutlich sanfter zu bedenken, als Clary gedacht h�tte. �Und manchmal erfordern extreme Situationen nun einmal extreme Ma�nahmen. Um den Feind zu vernichten, kann es notwendig sein, ihn besser zu verstehen und sogar mit ihm zu verhandeln. Wenn ich diese D�monenf�rsten dazu bringen kann, mir zu vertrauen, dann kann ich sie auch hierherlocken, wo sie vernichtet werden k�nnen� sie und ihre Anh�nger. Dann w�rde sich das Blatt wenden. Von da an werden alle D�monen wissen, dass diese Welt keine so leichte Beute ist, wie sie sich das vorstellen.�</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf. �Und das alles willst du allein durchziehen? Nur du und Jace? Versteh mich nicht falsch: Du kannst zwar ziemlich einsch�chternd sein, aber nicht einmal ihr beide gemeinsam h�ttet eine Chance��</p><p>Sebastian stand auf. �Du kannst dir wirklich nicht vorstellen, dass ich die Sache vollst�ndig durchdacht haben k�nnte, stimmt�s?� Er schaute auf Clary hinab; der Herbstwind wehte ihm die wei�blonden Haare ins Gesicht. �Dann komm mal mit. Ich m�chte dir etwas zeigen.�</p><p>Clary z�gerte. �Jace��</p><p>�Schl�ft noch. Vertrau mir, ich wei� es einfach.� Sebastian streckte seine Hand aus. �Komm mit mir, Clary. Wenn ich dich schon nicht davon �berzeugen kann, dass ich einen Plan habe, kann ich es dir ja vielleicht beweisen.�</p><p>Unschl�ssig starrte Clary ihn einen Moment an, w�hrend ihr zahlreiche Bilder wie buntes Konfetti durch den Kopf wirbelten: der Tr�delladen in Prag; ihr Goldring, der sich scheinbar in nichts aufgel�st hatte; Jace, der sie in dem Alkoven des Nachtclubs an sich gepresst hatte; die Wasserbecken mit den darin treibenden Leichen; Sebastian mit einer leuchtenden Seraphklinge in der Hand.</p><p><emphasis>Vielleicht kann ich es dir ja beweisen</emphasis>.</p><p>Entschlossen nahm sie seine Hand und lie� sich von ihm auf die Beine ziehen.</p><p>Nach kurzer Diskussion kamen Magnus und die anderen zu dem Beschluss, dass man einen abgeschiedenen Ort ben�tigte, um Raziel herbeizurufen. �Schlie�lich k�nnen wir keinen zwanzig Meter gro�en Engel mitten im Central Park erscheinen lassen�, bemerkte Magnus trocken. �Das w�rde m�glicherweise Aufmerksamkeit erregen � selbst in New York.�</p><p>�Raziel ist zwanzig Meter gro�?�, fragte Isabelle; sie lungerte in einem Sessel, den sie sich an den Tisch gezogen hatte. Dunkle Ringe unter ihren Augen zeugten davon, wie ersch�pft sie war � genau wie Alec, Magnus und Simon.</p><p>Sie alle sa�en seit Stunden zusammen und hatten etliche von Magnus� uralten B�chern gew�lzt, deren Seiten so d�nn waren wie Luftpostpapier. Sowohl Isabelle als auch Alec beherrschten Griechisch und Latein und Alec besa� ein recht umfassendes Wissen �ber D�monensprachen, aber dennoch blieben viele Werke �brig, die nur Magnus verstand. Maia und Jordan, denen bewusst geworden war, dass sie an anderer Stelle mehr gebraucht wurden, waren zur alten Polizeiwache zur�ckgekehrt, um sich nach Lukes Gesundheitszustand zu erkundigen. Simon hatte ebenfalls versucht, sich auf andere Weise n�tzlich zu machen: Er hatte f�r Geb�ck und Kaffee gesorgt, auf Magnus� Anweisung Symbole aus den B�chern abgezeichnet, zus�tzliche Stifte und Papier geholt und sogar Miau Tse-tung gef�ttert, der ihm seine M�he dadurch dankte, dass er ein Haarkn�uel hochw�rgte und auf Magnus� K�chenboden ausspuckte.</p><p>�Genau genommen, ist er nur neunzehn Meter gro�, aber er �bertreibt gern�, erwiderte Magnus. Die M�digkeit trug nicht gerade zur Verbesserung seiner Laune bei. Seine Haare waren verfilzt und standen steil nach oben und an seinen H�nden klebte Glitter, seit er sich ausgiebig die Augen gerieben hatte. �Raziel ist ein Engel, Isabelle. Hast du denn gar nichts im Unterricht gelernt?�</p><p>Ver�rgert schnalzte Isabelle mit der Zunge. �Valentin hat einen Engel in seinem Keller herbeibeschworen. Daher w�sste ich nicht, wof�r du den ganzen Platz brauchst��</p><p>�Ich brauche den Platz, weil Valentin einfach VIEL COOLER war als ich�, fauchte Magnus und lie� seinen Stift fallen. �H�r zu, ich��</p><p>�Br�ll meine Schwester nicht an�, unterbrach Alec ihn ruhig, aber bestimmt. Verwundert warf Magnus ihm einen Blick zu, doch Alec fuhr fort: �Isabelle, die Gr��e der Engel hier auf Erden h�ngt von ihrer himmlischen Macht ab. Der Engel, den Valentin herbeibeschworen hat, war rangniederer als Raziel. Und wenn man einen Engel von noch h�herem Rang rufen wollte, wie beispielsweise Michael oder Gabriel��</p><p>�Ich w�re gar nicht in der Lage, eine Beschw�rungsformel zu kreieren, die sie binden k�nnte, nicht einmal f�r einen kurzen Moment�, r�umte Magnus in ged�mpftem Ton ein. �Wir haben Raziel unter anderem deswegen ausgesucht, weil wir hoffen, dass er als Sch�pfer der Schattenj�ger ein besonderes Mitgef�hl � oder �berhaupt Mitgef�hl � mit eurer Situation empfindet. Au�erdem besitzt er ungef�hr den richtigen Rang. Ein Engel mit geringerer Machtbefugnis k�nnte uns vielleicht gar nicht helfen, w�hrend ein deutlich m�chtigerer Engel� na ja, wenn da irgendetwas schiefginge��</p><p>�Dann w�re ich m�glicherweise nicht der Einzige, der dabei sein Leben verliert�, erg�nzte Simon.</p><p>Magnus zog eine betretene Miene und Alec blickte starr auf die Papiere und B�cher, die �ber den Tisch verstreut lagen. Dagegen schob Isabelle ihre Hand �ber Simons Finger. �Ich kann kaum glauben, dass wir hier sitzen und tats�chlich dar�ber reden, einen Engel herbeizurufen�, sagte sie. �Mein ganzes Leben lang haben wir Eide auf den Namen des Engels geschworen. Und wir wissen, dass unsere Kraft direkt von den Engeln stammt. Aber der Gedanke, tats�chlich einen zu Gesicht zu bekommen� ich kann�s mir einfach nicht vorstellen. Jedes Mal, wenn ich versuche, dar�ber nachzudenken, setzt mein Verstand aus� das Ganze ist einfach unvorstellbar.�</p><p>Stille breitete sich am Tisch aus. Magnus� Augen funkelten so dunkel, dass Simon sich fragte, ob er je einen Engel gesehen hatte. Einen Moment �berlegte er, ob er ihn fragen sollte. Doch dann wurde ihm die Entscheidung abgenommen, als pl�tzlich sein Mobiltelefon brummte.</p><p>�Entschuldigt mich �ne Sekunde�, murmelte er und erhob sich. Er klappte das Handy auf, lehnte sich gegen einen der St�tzpfeiler und warf einen Blick auf das Display: eine SMS von Maia.</p><p>GUTE NACHRICHTEN: LUKE IST AUFGEWACHT UND ANSPRECHBAR. SIEHT SO AUS, ALS W�RE ER �BER DEN BERG.</p><p>Enorme Erleichterung erfasste Simon. Endlich einmal positive Nachrichten! Er klappte das Telefon zu und ber�hrte den Ring an seiner Hand. <emphasis>Clary?</emphasis></p><p>Keine Antwort.</p><p>Simon schluckte nerv�s und versuchte, sich zu beruhigen. Wahrscheinlich schlief Clary noch. Als er aufschaute, sah er, dass die drei ihn gespannt anblickten.</p><p>�Wer war das?�, fragte Isabelle.</p><p>�Maia. Sie schreibt, Luke ist wach und ansprechbar. Und dass er wohl �berleben wird.� W�hrend die anderen ihrer Erleichterung Luft machten und durcheinanderredeten, starrte Simon weiterhin auf den Ring an seiner Hand. �Das bringt mich auf eine Idee�, murmelte er.</p><p>Im gleichen Moment war Isabelle aufgesprungen und auf ihn zugekommen, aber bei diesen Worten hielt sie inne und musterte ihn besorgt. Simon konnte es ihr nicht ver�beln � in letzter Zeit waren seine Ideen schlichtweg selbstm�rderisch gewesen. �Was f�r eine Idee?�, erkundigte sie sich.</p><p>�Was genau brauchen wir, um Raziel herbeizurufen? Wie viel Platz ungef�hr?�, fragte Simon.</p><p>Magnus beugte sich �ber eines der B�cher. �Einen Umkreis von mindestens einer Meile. Wasser w�re gut. Wie beim Lyn-See��</p><p>�Lukes alte Farm im Norden�, sagte Simon. �Etwa ein oder zwei Stunden von der Stadt entfernt. Wahrscheinlich hat er sie bereits winterfest gemacht, aber ich wei�, wie man hinkommt. Und da gibt es auch einen See. Zwar nicht so gro� wie der Lyn-See, aber immerhin��</p><p>Entschlossen klappte Magnus das Buch zu, das er in den H�nden hielt. �Keine schlechte Idee, Seamus.�</p><p>�Ein oder zwei Stunden entfernt?�, hakte Isabelle nach und warf einen Blick auf die Uhr. �Wenn wir jetzt aufbrechen, k�nnten wir��</p><p>�Oh, nein!�, unterbrach Magnus sie resolut und schob das Buch von sich weg. �Deine grenzenlose Begeisterung ist wirklich sehr beeindruckend, Isabelle, aber ich bin viel zu ersch�pft, um jetzt eine derartige Beschw�rungsformel zu sprechen. Und glaub mir: Dabei darf ich absolut kein Risiko eingehen. Da stimmt ihr mir vermutlich alle zu.�</p><p>�Also wann dann?�, fragte Alec.</p><p>�Wir brauchen erst einmal ein paar Stunden Schlaf�, erkl�rte Magnus. �Ich schlage vor, wir brechen am fr�hen Nachmittag auf. Sherlock � entschuldige, <emphasis>Simon</emphasis> � ruf Jordan an und frag ihn, ob du seinen Transporter leihen kannst. Und jetzt��, verk�ndete er und schob die Papiere beiseite, �werde ich mich aufs Ohr hauen. Isabelle, Simon, ihr seid herzlich eingeladen, noch mal das G�stezimmer zu benutzen, wenn ihr wollt.�</p><p>�Getrennte Zimmer w�ren besser�, murmelte Alec.</p><p>Isabelle warf Simon mit ihren dunklen Augen einen fragenden Blick zu, doch er tastete bereits nach dem Handy in seiner Jackentasche. �Okay�, sagte er. �Ich bin dann gegen zw�lf wieder hier, aber in der Zwischenzeit muss ich noch was Wichtiges erledigen.�</p><p>Paris bei Tage war eine Stadt aus engen, geschwungenen Gassen und breiten Alleen, mit goldbraun schimmernden Geb�uden und schieferfarbenen D�chern und einem glitzernden Fluss, der die Metropole wie eine Narbe zerschnitt. Nach seiner Behauptung, er k�nne Clary beweisen, dass er einen Plan habe, redete Sebastian kaum mehr. Gerade gingen sie durch eine Stra�e, die von Kunstgalerien und Antiquariaten ges�umt war, und dann erreichten sie endlich den <emphasis>Quai des Grands Augustins,</emphasis> am Rande der Seine.</p><p>Ein kalter Wind wehte vom Fluss herauf und Clary fr�stelte. Sebastian nahm seinen Schal ab und reichte ihn ihr. In dem schwarz-wei� gesprenkelten Tweed-Gewebe hing noch die W�rme seiner Haut. �Zieh ihn an�, forderte er Clary auf. �Dir ist doch kalt. Also sei vern�nftig.�</p><p>Clary wickelte sich den Schal um den Hals. �Danke�, sagte sie automatisch und zuckte dann zusammen. Jetzt war es passiert: Sie hatte Sebastian gedankt. Irgendwie rechnete sie damit, dass gleich ein Blitz aus den Wolken zucken und sie t�dlich treffen w�rde. Doch nichts dergleichen geschah.</p><p>Sebastian warf ihr einen verwunderten Blick zu. �Alles in Ordnung? Du siehst aus, als m�sstest du niesen.�</p><p>�Mir geht�s gut�, winkte Clary ab. Der Schal roch nach zitronigem <emphasis>Eau de Toilette</emphasis> und nach jungem Mann. Wonach h�tte das Tweed-Gewebe auch sonst riechen sollen? Sie war sich nicht sicher, was sie erwartet hatte.</p><p>Gemeinsam setzten sie sich wieder in Bewegung, wobei Sebastian sein Tempo dem von Clary anpasste und langsam neben ihr herging. Diesmal erz�hlte er ihr, dass die Pariser Stadtbezirke nummeriert waren und sie gerade vom sechsten ins f�nfte Arrondissement wechselten, das unter anderem das <emphasis>Quartier Latin</emphasis> umfasste. Und dass es sich bei der Br�cke, die die Seine in der Ferne �berspannte, um die <emphasis>Pont Saint-Michel</emphasis> handelte. W�hrend sie weitergingen, bemerkte Clary, dass ihnen unglaublich viele junge Leute entgegengeschlendert kamen. M�dchen in ihrem Alter oder �lter, unfassbar stylisch in eng anliegenden Hosen und himmelhohen Pumps, die langen Haare im Wind wehend. Nicht wenige warfen Sebastian im Vorbeigehen bewundernde Blicke zu, doch das schien er nicht zu bemerken.</p><p>Jace h�tte es registriert, �berlegte Clary. Sebastian war wirklich auffallend mit seinen wei�blonden Haaren und den schwarzen Augen. Schon bei ihrer ersten Begegnung hatte sie ihn als attraktiv eingesch�tzt � nur damals hatte er die Haare schwarz get�nt, was ihm eigentlich nicht stand. Mit seiner nat�rlichen hellen Haarfarbe sah er besser aus, da seine Haut dadurch ein wenig Farbe bekam und der Blick auf seine leicht ger�teten Wangenknochen und seine elegante Gesichtsform gelenkt wurde. Au�erdem besa� ihr Bruder au�ergew�hnlich lange Wimpern, eine Nuance dunkler als seine Haare und an den Spitzen leicht nach oben geschwungen, genau wie Jocelyn � das war so unfair. Warum hatte nicht <emphasis>sie</emphasis> die langen, geschwungenen Wimpern in der Familie geerbt? Und weshalb hatte Sebastian nicht eine einzige Sommersprosse abbekommen?</p><p>�Also�, sagte Clary abrupt und unterbrach ihn mitten im Satz, �was sind wir?�</p><p>Sebastian warf ihr einen verwunderten Seitenblick zu. �Was meinst du mit: �Was sind wir?��</p><p>�Du hast gesagt, wir beide w�ren die letzten der Familie Morgenstern. Und Morgenstern ist ein deutscher Name�, erkl�rte Clary. �Also was sind wir? Sind wir deutscher Herkunft? Was ist passiert? Warum gibt es niemanden mehr au�er uns?�</p><p>�Du wei�t echt nichts �ber Valentins Familie?�, fragte Sebastian ungl�ubig. Er war an der Kaimauer stehen geblieben, die entlang der Seine verlief. �Hat deine Mutter dir denn gar nichts erz�hlt?�</p><p>�Erstens: Sie ist auch deine Mutter. Und zweitens: Nein, sie hat mir nichts erz�hlt. Valentin geh�rt nicht gerade zu ihren Lieblingsthemen.�</p><p>�Schattenj�gernamen sind aus mehreren Worten zusammengesetzt�, erl�uterte Sebastian, w�hrend er auf die Kaimauer kletterte. Dann streckte er Clary eine Hand entgegen und nach kurzem Z�gern lie� sie sich von ihm auf die Mauer hinaufhelfen. Die Seine floss graugr�n unter ihnen, w�hrend flache Ausflugsboote in gem�chlichem Tempo vorbeizogen. �Fair-child, Light-wood, White-law. Morgen-stern. Das ist zwar ein deutscher Name, aber urspr�nglich kam unsere Familie aus der Schweiz.�</p><p>�Kam?�</p><p>�Valentin war ein Einzelkind�, sagte Sebastian. �Sein Vater � unser Gro�vater � wurde von Schattenweltlern get�tet und unser Gro�onkel starb im Kampf. Er war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Das hier��, erkl�rte er und ber�hrte Clarys Haare, �stammt von der Linie der Fairchilds. In ihren Adern flie�t angels�chsisches Blut. Dagegen besitze ich gr��ere �hnlichkeit mit der Schweizer Seite der Familie. Genau wie Valentin.�</p><p>�Wei�t du irgendetwas �ber unsere Gro�eltern?�, fragte Clary fasziniert � sie konnte einfach nicht anders.</p><p>Sebastian lie� seine Hand sinken und sprang von der Kaimauer. Erneut reichte er Clary die Hand und sie nahm sie ein weiteres Mal � um sich abzust�tzen, w�hrend sie hinunterh�pfte. Dabei prallte sie gegen Sebastians Brust, die sich hart und warm unter seinem T-Shirt anf�hlte. Ein vorbeischlenderndes M�dchen warf Clary einen belustigten und zugleich neidischen Blick zu, woraufhin Clary hastig einen Schritt zur�cktrat. Am liebsten h�tte sie dem M�dchen nachgerufen, dass Sebastian ihr Bruder war und dass sie ihn im �brigen hasste. Doch sie schwieg.</p><p>��ber unsere Gro�eltern m�tterlicherseits wei� ich nichts�, sagte er. �Woher denn auch?� Er schenkte Clary ein schiefes L�cheln. �Komm. Ich m�chte dir einen meiner Lieblingsorte in Paris zeigen.�</p><p>Clary z�gerte. �Ich dachte, du wolltest mir beweisen, dass du einen Plan hast.�</p><p>�Alles zu seiner Zeit.� Sebastian setzte sich in Bewegung.</p><p>Nach kurzem Z�gern folgte Clary ihm. <emphasis>Finde heraus, was er vorhat, und bis dahin mach gute Miene zum b�sen Spiel,</emphasis> ermahnte sie sich.</p><p>�Valentin war seinem Vater sehr �hnlich�, fuhr Sebastian fort. �Er glaubte an Kraft und St�rke. �Wir sind Gottes auserw�hlte Krieger.� Davon war er felsenfest �berzeugt. Schmerz macht einen nur st�rker. Verlust macht nur noch m�chtiger. Als er starb��</p><p>�Valentin hatte sich ver�ndert�, warf Clary ein. �Das hat Luke mir erz�hlt.�</p><p>�Er hat seinen Vater geliebt und ihn gleichzeitig gehasst. Das hast du vielleicht auch schon bei Jace beobachtet. Valentin hat uns auf dieselbe Weise erzogen wie sein Vater ihn. Man greift immer auf das zur�ck, was man kennt.�</p><p>�Aber <emphasis>Jace</emphasis> hat Valentin mehr als nur das K�mpfen beigebracht. Er hat ihn Fremdsprachen gelehrt und ihm Klavierunterricht gegeben��, �berlegte Clary.</p><p>�Das war Jocelyns Einfluss.� Sebastian stie� ihren Namen hervor, als w�re ihm allein schon der Klang zuwider. �Sie dachte, Valentin m�sse in der Lage sein, auch �ber Literatur, Kunst und Musik reden zu k�nnen � nicht nur �ber das T�ten von D�monen. Und das hat er an Jace weitergegeben.�</p><p>Links von ihnen tauchte ein blaues schmiedeeisernes Tor auf. Sebastian tauchte unter dem Torbogen hindurch und bedeutete Clary, ihm zu folgen. Sie brauchte sich zwar nicht zu b�cken, als sie das Tor passierte, stapfte aber nur widerstrebend hinter ihm her. �Und was ist mit dir?�, fragte sie, die H�nde in den Taschen vergraben.</p><p>Sebastian hob die Arme. Er hatte unverkennbar Jocelyns H�nde � lange, geschickte Finger, wie geschaffen zum Halten eines Pinsels oder Stiftes. �Ich habe gelernt, die Instrumente des Kriegs zu spielen�, sagte er, �und mit Blut zu malen. Ich bin nicht wie Jace.�</p><p>Sie befanden sich nun in einer schmalen Gasse zwischen zwei H�userreihen, die aus dem gleichen goldbraunen Stein errichtet waren wie viele andere Geb�ude in Paris. Ihre Kupferd�cher funkelten gr�nlich im Sonnenschein. Weit und breit war kein Fahrzeug zu sehen. Links von Clary baumelte ein Holzschild mit der Aufschrift �Caf� an einer Hauswand � der einzige Hinweis darauf, dass es irgendwelche Gesch�fte oder Betriebe in der gewundenen Stra�e gab.</p><p>�Mir gef�llt es hier, weil man fast das Gef�hl hat, sich in einem vergangenen Jahrhundert zu befinden�, erkl�rte Sebastian, der Clarys Blick gefolgt war. �Kein Autol�rm, keine Neonreklamen. Hier ist es einfach nur� friedlich.�</p><p>Verwundert starrte Clary ihn an. <emphasis>Er l�gt,</emphasis> schoss es ihr durch den Kopf. <emphasis>Der Sebastian, den ich kenne, denkt so etwas nicht. Der Sebastian, der versucht hat, Alicante niederzubrennen, interessiert sich nicht f�r Frieden.</emphasis> Dann dachte sie dar�ber nach, wo er aufgewachsen war. Sie hatte den Ort zwar nie selbst gesehen, aber Jace hatte ihn ihr beschrieben: ein kleines Haus � im Grunde eher eine H�tte � in einem Tal au�erhalb von Alicante. Dort musste es nachts ziemlich still gewesen sein und der Himmel voller Sterne. Aber vermisste Sebastian das alles wirklich? Konnte er das �berhaupt? War dies die Art von Gef�hl, zu der jemand f�hig war, der nicht einmal zu hundert Prozent als Mensch bezeichnet werden konnte?</p><p><emphasis>Macht dir das eigentlich nichts aus?,</emphasis> h�tte Clary ihn am liebsten gefragt. <emphasis>Dass du dich in derselben Stadt aufh�ltst, in der der richtige Sebastian Verlac aufgewachsen ist und gelebt hat</emphasis> �<emphasis> bis du ihm das Leben genommen hast? Dass du durch dieselben Stra�en l�ufst, seinen Namen tr�gst und wei�t, dass irgendwo eine Tante um ihn trauert? Und was soll das �berhaupt hei�en: Er h�tte sich eben nicht wehren d�rfen?</emphasis></p><p>Sebastian musterte sie nachdenklich aus seinen schwarzen Augen. Er hatte durchaus Sinn f�r Humor, das wusste Clary genau � ein bei�ender Humor, der sie manchmal an Jace� Sarkasmus erinnerte. Aber er l�chelte nicht dabei.</p><p>�Komm schon�, riss er Clary in diesem Moment aus ihren Gedanken. �Hier gibt es die beste hei�e Schokolade von ganz Paris.�</p><p>Clary war sich nicht ganz sicher, wie sie das beurteilen sollte. Sie besuchte die franz�sische Hauptstadt schlie�lich zum ersten Mal. Doch nachdem sie einen Platz gefunden hatten, musste Clary einr�umen, dass die hei�e Schokolade wirklich hervorragend schmeckte. Sie wurde in einer blauen Keramikkanne direkt an ihrem kleinen Tisch mit den altmodischen Holzst�hlen zubereitet: aus frischer Sahne, Schokolade und Zucker. Dieses Rezept ergab einen Kakao, der so dickfl�ssig war, dass der L�ffel aufrecht darin stehen konnte. Dazu bestellten sie Croissants, die sie in das hei�e Getr�nk tauchten.</p><p>�Wenn du noch ein Croissant m�chtest, brauchst du es nur zu sagen�, meinte Sebastian und lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck. Die beiden waren die mit Abstand j�ngsten G�ste in dem Caf�, registrierte Clary. �So wie du �ber dieses arme Croissant herf�llst.�</p><p>�Ich hab eben Hunger�, erwiderte Clary achselzuckend. �H�r zu, wenn du mit mir reden willst, dann schie� los. �berzeug mich.�</p><p>Sebastian beugte sich vor und st�tzte die Ellbogen auf den Tisch. Dabei musste Clary unwillk�rlich an die Nacht zuvor denken, als sie ihm in die Augen gesehen und den d�nnen Silberring um seine Iris bemerkt hatte. �Ich habe dar�ber nachgedacht, was du letzte Nacht gesagt hast�, setzte er an.</p><p>�Letzte Nacht hab ich halluziniert. Ich wei� nicht mehr, was ich gesagt habe.�</p><p>�Du hast mich gefragt, zu wem ich geh�re�, erkl�rte Sebastian.</p><p>Bei diesen Worten zuckte Clary zusammen, die Tasse unschl�ssig in der Hand. �Wirklich?�</p><p>�Ja.� Eingehend studierte er ihr Gesicht. �Und ich habe darauf keine Antwort.�</p><p>Vorsichtig stellte Clary die hei�e Schokolade ab; sie f�hlte sich pl�tzlich extrem unwohl. �Du musst ja auch nicht unbedingt zu jemandem geh�ren�, sagte sie. �Das ist doch nur eine Redensart.�</p><p>�Okay, dann m�chte ich dich etwas fragen�, erwiderte Sebastian. �Denkst du, dass du mir verzeihen kannst? Ich meine, glaubst du, dass f�r jemanden wie mich Vergebung �berhaupt m�glich ist?�</p><p>�Keine Ahnung.� Clary klammerte sich an die Tischkante. �Ich� ich kenne mich mit Vergebung nicht so aus, also mit dem religi�sen Konzept der Vergebung; ich wei� nur �ber die herk�mmliche Vers�hnung Bescheid, wenn Leute jemandem verzeihen.� Sie stockte und holte tief Luft; ihr war bewusst, dass sie unzusammenh�ngendes Zeug plapperte. Vermutlich lag das an Sebastians unverwandtem Blick, als erwartete er von ihr Antworten auf Fragen, die niemand anderes beantworten konnte. �Ich wei�, dass man etwas daf�r tun muss, um sich Vergebung zu verdienen. Sich selbst ver�ndern. Gestehen, Reue empfinden � und Bu�e tun�, fuhr Clary fort.</p><p>�Bu�e tun�, wiederholte Sebastian.</p><p>�Um das, was man getan hat, wiedergutzumachen.� Betreten blickte Clary in ihre hei�e Schokolade. F�r die Dinge, die Sebastian getan hatte, gab es keine Wiedergutmachung � jedenfalls keine, die auch nur ansatzweise Sinn ergab.</p><p><emphasis>�Ave atque vale�,</emphasis> sagte Sebastian und schaute auf seine Tasse.</p><p>Clary erkannte den traditionellen Abschiedsgru� der Nephilim, den sie bei Begr�bnissen oder im Schlachtenget�mmel sprachen. �Warum sagst du das jetzt? Ich bin doch nicht tot.�</p><p>�Wusstest du, dass diese Worte aus einem Gedicht stammen?�, bemerkte er. �Ein Gedicht von Catull. <emphasis>�Frater, ave atque vale.�</emphasis> �Sei gegr��t und leb wohl, mein Bruder.� Catull redet von Asche, von Begr�bnisriten und seiner Trauer um den toten Bruder. Ich hab dieses Gedicht schon als kleiner Junge auswendig gelernt, es aber nie richtig nachempfinden k�nnen � weder seinen Kummer noch seinen Verlust. Auch nicht, wie es wohl w�re, wenn man stirbt, aber niemand da ist, der um einen trauert.� Unvermittelt schaute er auf und blickte Clary an. �Was glaubst du, wie es wohl gewesen w�re, wenn Valentin dich zusammen mit mir aufgezogen h�tte? H�ttest du mich dann geliebt?�</p><p>Clary war froh, dass sie die Tasse bereits abgestellt hatte, sonst w�re sie ihr jetzt bestimmt aus der Hand gefallen. Sebastian musterte sie eindringlich � ohne jede Verlegenheit, die mit einer solch bizarren Frage �blicherweise verbunden war. Er studierte ihr Gesicht, als w�re sie eine seltsame, fremde Lebensform. �Na ja�, setzte Clary bed�chtig an. �Du bist mein Bruder. Ich h�tte dich geliebt. Ich h�tte wohl� gar nicht anders gekonnt.�</p><p>Sebastian schaute sie weiterhin unverwandt an.</p><p>Einen Moment lang �berlegte Clary, ob sie ihm eine Gegenfrage stellen sollte: Dachte er vielleicht, dass er sie dann ebenfalls geliebt h�tte, als seine Schwester? Doch irgendetwas sagte ihr, dass er keine Ahnung hatte, was das bedeutete. �Valentin hat mich aber nun mal nicht gro�gezogen�, erwiderte sie stattdessen. �Genau genommen, hab ich ihn get�tet.� Sie war sich nicht sicher, warum sie das gesagt hatte. Vielleicht wollte sie ja nur herausfinden, ob es m�glich war, Sebastian aus der Fassung zu bringen. Schlie�lich hatte Jace ihr einmal erz�hlt, dass Valentin m�glicherweise der einzige Mensch war, der Sebastian jemals etwas bedeutet hatte.</p><p>Doch Sebastian verzog keine Miene. �In Wahrheit hat der Erzengel ihn get�tet. Auch wenn du der Grund daf�r warst�, entgegnete er. Seine Finger zeichneten ein Muster auf der abgenutzten Tischplatte nach. �Als ich dich in Idris kennenlernte, hatte ich gro�e Hoffnungen � ich dachte, du w�rst genau wie ich. Aber als ich festgestellt habe, dass du kein bisschen so warst wie ich, da hab ich dich gehasst. Und dann, als ich von den Toten wiedererweckt war und Jace mir erz�hlte, was du getan hast, ist mir klar geworden, dass ich mich geirrt hatte: Du bist sehr wohl genau wie ich.�</p><p>�Das hast du vergangene Nacht schon gesagt�, widersprach Clary, �aber ich bin nicht��</p><p>�Du hast unseren Vater get�tet�, unterbrach Sebastian sie sanft. �Und es ist dir vollkommen egal. Du hast keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, stimmt�s? Valentin hat Jace in dessen Kindheit blau und gr�n gepr�gelt und trotzdem vermisst Jace ihn noch immer. Er hat um ihn getrauert, obwohl sie nicht blutsverwandt sind. Aber Valentin war dein leiblicher Vater und du hast ihn get�tet und nicht eine einzige schlaflose Nacht deswegen gehabt.�</p><p>Mit offenem Mund starrte Clary ihn an. Das war unfair. So unfair. Valentin war nie ein Vater f�r sie gewesen� er hatte sie nicht geliebt� er war ein Monster gewesen, das sterben musste. Sie hatte ihn get�tet, weil ihr keine andere Wahl geblieben war. Unwillk�rlich tauchte vor ihrem inneren Auge Valentins Bild auf: wie er Jace die Klinge in die Brust gerammt und ihn in den Armen gehalten hatte, als Jace starb. Valentin hatte �ber den Sohn geweint, den er eigenh�ndig umgebracht hatte. Doch sie selbst hatte keine einzige Tr�ne �ber ihren Vater vergossen. Hatte noch nicht einmal dar�ber nachgedacht.</p><p>�Ich habe recht, oder?�, bemerkte Sebastian. �Sag mir, dass ich mich irre. Sag mir, dass du nicht genauso bist wie ich.�</p><p>Clary blickte auf ihren kalt gewordenen Kakao. Sie hatte das Gef�hl, als w�rde sich in ihrem Kopf ein Strudel bilden und all ihre Gedanken und Worte mit sich in die Tiefe rei�en. �Ich dachte, du w�rst der Meinung gewesen, <emphasis>Jace</emphasis> sei wie du�, brachte sie schlie�lich mit erstickter Stimme hervor. �Ich dachte, das sei der Grund, warum du ihn bei dir haben wolltest.�</p><p>�Ich brauche Jace�, erkl�rte Sebastian. �Doch tief in seinem Herzen ist er nicht wie ich � im Gegensatz zu dir.� Sebastian stand auf; offenbar hatte er irgendwann die Rechnung beglichen, aber Clary hatte es nicht mitbekommen. �Komm mit�, forderte Sebastian sie auf und streckte ihr seine Hand entgegen.</p><p>Schweigend erhob Clary sich, ohne seine Hand auch nur zu ber�hren, und wickelte sich mechanisch seinen Schal um den Hals; der Kakao rumorte wie brennende S�ure in ihrem Magen. Sie folgte Sebastian aus dem Caf� hinaus in die Gasse, wo er einen Moment stehen blieb und zum strahlend blauen Himmel hinaufschaute. �Ich bin nicht wie Valentin�, sagte Clary. �Unsere Mutter��</p><p><emphasis>�Deine</emphasis> Mutter�, berichtigte er sie, �hat mich gehasst. Hasst mich noch immer. Du hast es selbst gesehen: Sie hat versucht, mich zu t�ten. Du willst mir also sagen, dass du nach deiner Mutter kommst? Prima. Jocelyn Fairchild ist skrupellos. Ist es schon immer gewesen. Sie hat so getan, als w�rde sie unseren Vater lieben, und zwar monatelang, wenn nicht sogar jahrelang, damit sie gen�gend Informationen sammeln konnte, um ihn dann zu hintergehen. Sie hat den Aufstand verraten und zugesehen, wie alle Freunde ihres Ehemannes brutal niedergemetzelt wurden. Und sie hat dir deine Erinnerungen geraubt. Hast du ihr das etwa schon verziehen? Und als sie aus Idris geflohen ist, glaubst du ernsthaft, sie h�tte jemals vorgehabt, mich mitzunehmen? Sie muss enorm erleichtert gewesen sein bei der Vorstellung, dass ich tot sei��</p><p>�Das stimmt nicht!�, fauchte Clary. �Sie hatte ein K�stchen, in dem sie deine Babysachen aufbewahrt hat. Und sie hat es regelm��ig hervorgeholt und jedes Mal f�rchterlich geweint. Jedes Jahr an deinem Geburtstag. Dasselbe K�stchen, das du �brigens in deinem Zimmer stehen hast.�</p><p>Seine d�nnen, eleganten Lippen zuckten. Dann wandte er sich abrupt ab und marschierte los.</p><p>�Sebastian!�, rief Clary ihm nach. �Sebastian, warte.� Sie konnte nicht sagen, warum sie wollte, dass er zur�ckkehrte. Zugegeben, sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befand und wie sie wieder zur Wohnung zur�ckfinden sollte, doch das war nicht der einzige Grund. Sie wollte sich verteidigen, ihm beweisen, dass sie nicht so war, wie er behauptete. Sie hob die Stimme und rief: <emphasis>�Jonathan Christopher Morgenstern!�</emphasis></p><p>Er hielt inne, warf einen Blick �ber die Schulter und drehte sich langsam zu ihr um.</p><p>Clary ging auf ihn zu, w�hrend er sie beobachtete, den Kopf leicht zur Seite geneigt, die schwarzen Augen zu Schlitzen zusammengekniffen. �Ich wette, <emphasis>du</emphasis> wei�t <emphasis>meinen</emphasis> zweiten Vornamen nicht�, sagte Clary.</p><p>�Adele.�</p><p>In der Art und Weise, wie er ihren Namen aussprach, lag eine solche Vertrautheit, dass sich Clary dabei unwohl f�hlte.</p><p>�Clarissa Adele.�</p><p>Als sie ihn erreicht hatte, fragte sie: �Warum Adele? Ich hab nie herausgefunden, warum.�</p><p>�Keine Ahnung�, erwiderte Sebastian achselzuckend. �Ich wei� nur, dass Valentin diese Namen nie gew�hlt h�tte. Er h�tte dich lieber Seraphina genannt, nach seiner Mutter. Unserer Gro�mutter.� Sebastian drehte sich um und setzte sich erneut in Bewegung. Dieses Mal hielt Clary mit ihm Schritt. �Nachdem unser Gro�vater umgebracht worden war, ist sie gestorben � Herzinfarkt. Vor Kummer gestorben, das hat Valentin immer gesagt.�</p><p>Clary musste an Amatis denken, die �ber den Verlust ihrer ersten gro�en Liebe � Stephen � nie hinweggekommen war; an Stephens Vater, der vor Gram gestorben war; an die Inquisitorin, die ihr ganzes Leben dem Wunsch nach Vergeltung gewidmet hatte. An Jace� Mutter, die sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte, nachdem ihr Mann gestorben war. �Bevor ich die Nephilim kennengelernt habe, h�tte ich steif und fest behauptet, dass niemand vor Kummer sterben k�nne.�</p><p>Sebastian lachte trocken. �Die Beziehungen, die wir eingehen, unterscheiden sich von denen der Irdischen�, sagte er. �Zumindest in den meisten F�llen. Schlie�lich sind nicht alle gleich. Aber die Bande, die zwischen uns entstehen, sind in der Regel leidenschaftlich und unzerbrechlich. Aus diesem Grund vertragen wir uns auch nicht so gut mit denjenigen, die nicht zu unserer Art geh�ren: Schattenwesen, Irdische��</p><p>�Meine Mutter hat vor, einen Schattenweltler zu heiraten�, warf Clary getroffen ein. Sie befanden sich fast am Ende der Gasse und standen vor einem breiten Steinhaus mit blauen Fensterl�den.</p><p>�Aber er war fr�her einmal ein Nephilim�, erwiderte Sebastian. �Und sieh dir mal unseren Vater an: Deine Mutter hat ihn hintergangen und verlassen. Trotzdem hat er den Rest seines Lebens versucht, sie wiederzufinden und sie davon zu �berzeugen, zu ihm zur�ckzukehren. Dieser riesige Schrank voller Klamotten�� Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Aber Valentin hat Jace erz�hlt, dass Liebe eine Schw�che sei. Dass sie den Betreffenden zerst�ren w�rde�, hielt Clary ihm entgegen.</p><p>�W�rdest du das etwa nicht glauben, wenn du dein halbes Leben einer Frau nachgejagt w�rst, weil du sie einfach nicht vergessen konntest � auch wenn sie dich abgrundtief hasst? Wenn du jeden Tag daran erinnert worden w�rst, dass der Mensch, den du am meisten geliebt hast, dir ein Messer in den R�cken gerammt und es noch einmal gen�sslich umgedreht hat?� Sebastian beugte sich einen Moment vor und war Clary auf einmal so nahe, dass sein Atem ihre Haare tanzen lie�. �Vielleicht besitzt du ja mehr �hnlichkeit mit deiner Mutter als mit unserem Vater. Aber was spielt das schon f�r eine Rolle? Tief in dir drin bist du skrupellos und eiskalt, Clarissa. Und versuch nicht, mir was anderes zu erz�hlen.� Dann drehte er sich auf dem Absatz um und stieg die Stufen zu dem Haus mit den blauen Fensterl�den hinauf. An der Wand neben dem Eingang schimmerte eine Reihe von T�rklingeln, jede mit einem handgeschriebenen Namensschild versehen. Sebastian dr�ckte auf den Knopf neben dem Namen �Magdalena� und wartete.</p><p>Nach einer Weile meldete sich eine kr�chzende Stimme durch die Sprechanlage: <emphasis>�Qui est l�?�</emphasis></p><p><emphasis>�C�est le fils et la fille de Valentin�</emphasis>, sagte Sebastian. <emphasis>�Nous avons rendez-vous?�</emphasis></p><p>Einen Moment lang herrschte Stille, dann brummte der T�r�ffner. Sebastian hielt die T�r auf, um Clary vorgehen zu lassen. Die Stufen der Holztreppe waren abgewetzt und glatt wie die Planken eines Schiffs. Schweigend stiegen sie hinauf, bis sie das oberste Stockwerk erreichten, wo eine Wohnungst�r einen Spalt offen stand. Sebastian trat als Erster ein und Clary folgte ihm.</p><p>Sie befanden sich in einem gro�en luftigen Raum mit wei�en W�nden, hellen Vorh�ngen und gl�nzendem Parkettboden. Durch eines der Fenster konnte Clary hinunter auf eine Stra�e mit Restaurants und Boutiquen schauen. Zwar fuhren Autos vorbei, doch das Ger�usch der Motoren drang nicht bis in die Wohnung. Wei�e M�bel und Polstersofas mit bunten Zierkissen bildeten eine Sitzecke, w�hrend eine andere Ecke des Raums als Atelier zu dienen schien: Tageslicht fiel durch ein Dachfenster auf einen gro�en Holztisch. Dahinter standen mehrere, mit T�chern verh�ngte Staffeleien. Ein Kittel, mit bunten Farbspritzern �bers�t, hing an einem Haken an der Wand.</p><p>Neben dem Tisch erwartete sie eine Frau. Auf den ersten Blick sch�tzte Clary, dass sie ungef�hr im selben Alter wie Jocelyn war � aber mehrere Faktoren verschleierten die tats�chliche Anzahl ihrer Lebensjahre. Sie trug einen unf�rmigen schwarzen Kittel, der ihre Figur verh�llte. Nur ihre wei�en H�nde sowie Gesicht und Hals waren darunter zu sehen. Auf beiden Wangen prangte jeweils eine dicke schwarze Rune, die sich vom Auge bis zum Mundwinkel erstreckte. Clary hatte solche Runenmale noch nie gesehen, konnte ihre Bedeutung aber erahnen: Macht, Geschick, Kunstfertigkeit. Die Frau besa� dichtes kastanienbraunes Haar, das ihr bis zur Taille ging. Ihre Augen leuchteten in einem matten orangefarbenen Ton, der Clary an eine erl�schende Flamme erinnerte. Und die H�nde hielt sie locker verschr�nkt vor ihrem Scho�.</p><p>Mit nerv�ser, melodischer Stimme bemerkte sie: <emphasis>�Tu dois �tre Jonathan Morgenstern. Et elle, c�est ta s�ur? Je pensais que</emphasis>�<emphasis>�</emphasis></p><p>�Ja, ich bin Jonathan Morgenstern�, best�tigte Sebastian. �Und das hier ist tats�chlich meine Schwester. Clarissa. Bitte sprich Englisch; sie versteht kein Franz�sisch.�</p><p>Die Frau r�usperte sich. �Mein Englisch ist ein wenig eingerostet. Es ist Jahre her, seit ich es zuletzt gesprochen habe.�</p><p>�Mir erscheint es immer noch gut genug. Clarissa, das hier ist Schwester Magdalena. Eine der Eisernen Schwestern.�</p><p>Clary war so verwundert, dass sie stotterte: �A-aber� aber ich dachte, die Eisernen Schwestern w�rden ihre Festung niemals verlassen��</p><p>�Das tun sie auch nicht�, erkl�rte Sebastian. �Es sei denn, ihre nicht ganz so ehrenhafte Beteiligung am Aufstand wird bekannt. Was glaubst du, wer den Kreis mit Waffen versorgt hat?� Er schenkte Magdalena ein freudloses L�cheln. �Die Eisernen Schwestern sind Sch�pferinnen, keine Kriegerinnen. Aber Magdalena ist aus der Festung geflohen, ehe ihre Beteiligung am Aufstand aufgedeckt werden konnte.�</p><p>�F�nfzehn Jahre lang hatte ich keinen einzigen Nephilim zu Gesicht bekommen � bis dein Bruder mich kontaktiert hat�, f�gte Magdalena hinzu. Es lie� sich nur schwer sagen, wen sie beim Reden anschaute; ihre ausdruckslosen Augen zuckten hin und her, obwohl sie eindeutig nicht blind war. �Und, stimmt es wirklich? Hast du das� Material?�</p><p>Sebastian griff in den Beutel, der an seinem Waffengurt hing, und holte einen Gesteinsbrocken hervor, der im ersten Moment an Quarz erinnerte. Vorsichtig legte er ihn auf den gro�en Tisch und ein Sonnenstrahl, der durch das Dachfenster fiel, lie� den Brocken scheinbar von innen aufleuchten.</p><p>Einen Moment lang stockte Clary der Atem: der <emphasis>Adamant</emphasis> aus dem Tr�delladen in Prag.</p><p>Auch Magdalena sog scharf die Luft ein.</p><p>�Reiner <emphasis>Adamant�,</emphasis> verk�ndete Sebastian. �Bisher von keiner Rune ber�hrt.�</p><p>Die Eiserne Schwester trat an den Tisch und legte ihre Finger um den Gesteinsbrocken. Ihre mit zahlreichen Runenmalen �bers�ten H�nde zitterten. <emphasis>�Adamant pur�,</emphasis> wisperte sie. �Es ist viele Jahre her, seit ich das heilige Material zum letzten Mal ber�hrt habe.�</p><p>�Es geh�rt dir � du kannst damit arbeiten�, sagte Sebastian. �Wenn du fertig bist, werde ich dich mit weiterem <emphasis>Adamant</emphasis> bezahlen. Das hei�t, sofern du erschaffen kannst, worum ich dich gebeten habe.�</p><p>Magdalena richtete sich auf. �Bin ich etwa keine Eiserne Schwester? Habe ich etwa keine Gel�bde abgelegt? Haben meine H�nde etwa nicht jahrelang den Urstoff des Himmels geformt? Ich kann dir durchaus liefern, was ich dir zugesagt habe, Valentins Sohn. Daran solltest du nicht zweifeln.�</p><p>�Freut mich zu h�ren.� Ein Hauch von Belustigung schwang in Sebastians Stimme mit. �Dann werd ich also heute Abend wieder vorbeikommen. Du wei�t ja, wie du mich erreichen kannst, falls du mich brauchst.�</p><p>Magdalena nickte geistesabwesend: Sie hatte ihre gesamte Aufmerksamkeit wieder auf die durchsichtige Substanz gerichtet und streichelte den <emphasis>Adamant</emphasis> mit den Fingern. �Ja, ja. Ihr k�nnt jetzt gehen.�</p><p>Sebastian nickte und trat einen Schritt zur�ck. Doch Clary z�gerte. Sie h�tte die Frau am liebsten an den Schultern gepackt und sie gefragt, womit Sebastian sie beauftragt hatte und warum sie gegen den B�ndnisvertrag versto�en und mit Valentin zusammengearbeitet hatte.</p><p>Magdalena schien ihr Z�gern zu sp�ren, hob den Kopf und l�chelte matt. �Ihr zwei��, setzte sie an.</p><p>Einen Moment lang dachte Clary, die Eiserne Schwester w�rde nun etwas sagen wie: Sie k�nne gar nicht verstehen, warum Sebastian und Clary �berhaupt zusammen bei ihr aufgetaucht waren; sie habe doch geh�rt, dass sie einander hassen w�rden. Und dass Jocelyns Tochter eine Schattenj�gerin sei, w�hrend Valentins Sohn ein Verbrecher war.</p><p>Doch Magdalena sch�ttelte nur den Kopf. <emphasis>�Mon Dieu�, </emphasis>stie� sie hervor, �ihr zwei seid euren Eltern wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten.�</p></section><section><title><p>16</p><p>Br�der und Schwestern</p></title><p>Als Clary und Sebastian in die Wohnung zur�ckkehrten, lag der Wohnraum verlassen vor ihnen, aber in der Sp�le t�rmte sich benutztes Geschirr, das vorher nicht dort gestanden hatte.</p><p>�Hattest du nicht gesagt, Jace w�rde schlafen?�, wandte Clary sich in leicht vorwurfsvollem Ton an ihren Bruder.</p><p>Sebastian zuckte die Achseln. �Als ich das gesagt habe, <emphasis>hat</emphasis> er auch noch fest geschlafen.� In seiner Stimme schwang zwar ein Hauch von Spott mit, aber keine direkte Feindseligkeit.</p><p>Sie hatten die Strecke von Magdalenas Atelier bis in die Wohnung schweigend zur�ckgelegt, doch es war nicht jenes unbehagliche Schweigen gewesen, das vorher zwischen ihnen geherrscht hatte. Clary hatte ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und war erst ruckartig aus ihren Gedanken aufgeschreckt, als ihr bewusst wurde, dass sie mit Sebastian durch die Stra�en von Paris wandelte.</p><p>�Ich glaube, ich wei�, wo er steckt�, f�gte er hinzu.</p><p>�In seinem Zimmer?� Clary marschierte in Richtung der Glastreppe.</p><p>�Nein.� Sebastian machte einen Schritt an ihr vorbei und bedeutete Clary, ihm zu folgen: �Komm mit. Ich zeig�s dir.� Mit langen Schritten st�rmte er die Stufen hinauf, durch den Flur und in das gro�e Schlafzimmer.</p><p>Verwundert schaute Clary zu, wie er gegen die Seitenwand des Kleiderschranks klopfte. Das Schrankelement schwang zur�ck und dahinter kam eine Holzstiege zum Vorschein. Sebastian warf Clary einen triumphierenden Blick zu. �Das ist doch nicht dein Ernst� Eine Geheimtreppe?�, fragte sie erstaunt.</p><p>�Erz�hl mir nicht, das ist das Merkw�rdigste, was du heute gesehen hast.� Sebastian nahm zwei Stufen auf einmal, w�hrend Clary ihm v�llig ersch�pft folgte.</p><p>Die Treppe wand sich nach oben und �ffnete sich zu einem gro�en Raum mit gl�nzendem Parkettboden und hohen Mauern. Alle erdenklichen Arten von Waffen hingen an den W�nden, genau wie in der Waffenkammer des Instituts � <emphasis>Kindjals</emphasis> und <emphasis>Chakrams,</emphasis> Streitkolben, Schwerter und Dolche, Armbr�ste und Schlagringe, Wurfsterne, �xte und Samurai-Schwerter. Und genau wie im Fechtsaal des Instituts waren Trainingsmarkierungen auf den Boden aufgezeichnet.</p><p>In der Mitte des Raums stand Jace, barfu� und mit dem R�cken zur T�r. Er trug nur eine schwarze Trainingshose und hielt in jeder Hand ein Messer.</p><p>Vor Clarys innerem Auge tauchte pl�tzlich ein Bild auf: Sebastians nackter R�cken, mit den unverkennbaren Narben von Peitschenhieben. Dagegen war Jace� R�cken unversehrt: goldbraune, glatte Haut �ber kr�ftigen Muskeln, lediglich mit den typischen Schattenj�ger-Runenmalen versehen � und den Kratzern, die Clarys Fingern�gel in der Nacht zuvor darauf hinterlassen hatten. Sie sp�rte, wie sie err�tete, aber ihre Gedanken kreisten weiterhin um die Frage: Warum hatte Valentin den einen Jungen ausgepeitscht, den anderen jedoch nicht? �Jace�, begann sie.</p><p>Er wirbelte herum. Offenbar hatte er geduscht. Das Silberzeug war verschwunden und seine goldenen Haare schimmerten so dunkel wie Bronze. Schwei� glitzerte auf seiner Haut. Mit verschlossener Miene musterte er Clary und Sebastian. �Wo seid ihr gewesen?�</p><p>Sebastian ging zu einer der W�nde, studierte die dort h�ngenden Waffen und strich mit blo�en Fingern �ber die Klingen. �Ich dachte, Clary w�rde mal gern Paris sehen.�</p><p>�Ihr h�ttet mir eine Nachricht hinterlassen k�nnen�, bemerkte Jace. �Es ist ja nicht so, als w�ren wir hier so sicher wie in Abrahams Scho�, Jonathan. Mir w�re es lieber, wenn ich mir keine Sorgen um Clary machen m�sste��</p><p>�Ich bin ihm gefolgt�, warf Clary ein.</p><p>Jace drehte sich um und schaute sie an � und einen Moment lang erinnerte sich Clary an den Jungen, der sie in Idris angebr�llt hatte, weil sie seine sorgf�ltigen Pl�ne zur Wahrung ihrer Sicherheit durcheinandergebracht hatte. Doch dieser Jace hier war anders. Seine H�nde bebten nicht vor unterdr�ckter Wut und der Puls an seiner Kehle schlug sichtbar ruhig und regelm��ig. �Du hast <emphasis>was</emphasis> getan?�</p><p>�Ich bin Sebastian gefolgt�, wiederholte Clary. �Ich war wach und wollte sehen, wohin er geht.� Sie schob die H�nde in die Taschen ihrer Jeans und hob trotzig das Kinn.</p><p>Seine Augen musterten sie eingehend, von ihren windzerzausten Haaren bis hin zu ihren Stiefeln. Clary sp�rte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Schwei�perlen schimmerten auf Jace� Schl�sselbeinen und seiner kr�ftigen Bauchmuskulatur. Der Bund seiner Trainingshose war nach au�en umgeschlagen, sodass der v-f�rmige Ansatz seiner H�ftknochen zum Vorschein kam.</p><p>Pl�tzlich erinnerte Clary sich wieder an das Gef�hl seiner Arme, fest an ihn gepresst, so fest, dass sie jedes Detail seiner Knochen und Muskeln an ihrem K�rper hatte sp�ren k�nnen� Im n�chsten Moment erfasste sie ein derart �berw�ltigendes Gef�hl der Verlegenheit, dass ihr fast schwindlig wurde. Und was das Ganze noch schlimmer machte: Jace schien kein bisschen peinlich ber�hrt zu sein � als h�tte die vergangene Nacht deutlich weniger Eindruck auf ihn gemacht als auf sie. Er wirkte lediglich� ver�rgert. Ver�rgert und verschwitzt und <emphasis>hei�</emphasis>.</p><p>�Ja, ja, schon in Ordnung�, erwiderte Jace, �aber wenn du das n�chste Mal beschlie�t, dich aus unserer mit Schutzzaubern versehenen Wohnung zu schleichen � noch dazu durch eine T�r, die eigentlich nicht existieren sollte �, dann hinterlass mir eine Nachricht.�</p><p>Verwundert zog Clary die Augenbrauen hoch. �Meinst du das jetzt ernst?�</p><p>Jace warf eines der Messer in die Luft und fing es geschickt wieder auf. �Vielleicht.�</p><p>�Ich bin mit Clary bei Magdalena gewesen�, mischte Sebastian sich ein. Er hatte sich einen Wurfstern geschnappt und betrachtete ihn. �Wir haben ihr den <emphasis>Adamant</emphasis> gebracht.�</p><p>Inzwischen hatte Jace das andere Messer in die Luft geworfen, doch dieses Mal griff er daneben. Die Spitze der Klinge bohrte sich knirschend in den Holzboden. �Tats�chlich?�</p><p>�Ja�, best�tigte Sebastian. �Und ich habe Clary in unseren Plan eingeweiht. Ich habe ihr erz�hlt, dass wir vorhaben, D�monenf�rsten hierherzulocken, um sie vernichten zu k�nnen.�</p><p>�Allerdings hast du mir nicht erkl�rt, wie ihr das anstellen wollt�, wandte Clary ein.</p><p>�Ich dachte, Jace sollte dabei sein�, entgegnete Sebastian. Sein Handgelenk zuckte pl�tzlich nach vorn und der Wurfstern flog auf Jace zu, der das Geschoss jedoch mit einer blitzschnellen Bewegung seines Messers abblockte. Der Metallstern fiel klirrend zu Boden. Sebastian pfiff anerkennend. �Gute Reflexe�, bemerkte er.</p><p>Aufgebracht wirbelte Clary zu ihrem Bruder herum: �Du h�ttest ihn verletzen k�nnen��</p><p>�Alles, was ihn trifft, trifft auch mich�, erwiderte Sebastian. �Ich wollte dir nur zeigen, wie sehr ich ihm vertraue. Und nun m�chte ich, dass du <emphasis>uns</emphasis> vertraust.� Seine schwarzen Augen schienen sie zu durchbohren. <emphasis>�Adamant�,</emphasis> setzte er an, �die Substanz, die ich heute der Eisernen Schwester gebracht habe� Wei�t du, was alles daraus hergestellt wird?�</p><p>�Nat�rlich: Seraphklingen. Die D�monent�rme in Alicante. Stelen��</p><p>�Und der Kelch der Engel.�</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf. �Der Engelskelch besteht aus Gold. Ich hab es selbst gesehen.�</p><p>�Er besteht aus <emphasis>Adamant</emphasis> mit einem Gold�berzug. Auch das Heft des Engelsschwertes ist aus derselben Substanz geschmiedet. Es hei�t, dies sei das Material, aus dem die Himmelspal�ste erbaut sind. Und es ist nicht leicht zu beschaffen. Nur die Eisernen Schwestern k�nnen diesen Urstoff bearbeiten und nur sie haben normalerweise Zugang dazu.�</p><p>�Und warum hast du dann Magdalena diesen <emphasis>Adamant</emphasis>-Brocken gegeben?�</p><p>�Damit sie daraus einen zweiten Engelskelch fertigen kann�, erkl�rte Jace.</p><p>�Einen zweiten Engelskelch?� Ungl�ubig schaute Clary von Jace zu Sebastian. �Aber so einfach geht das nicht. Ihr k�nnt nicht einfach einen weiteren Engelskelch schmieden lassen. Wenn das m�glich w�re, h�tte der Rat doch nicht so panisch auf den Verlust des richtigen Engelskelches reagiert. Und Valentin h�tte ihn nicht so dringend ben�tigt��</p><p>�Es ist blo� ein Kelch�, sagte Jace. �Ganz gleich, wer ihn schmiedet, es bleibt ein herk�mmlicher Kelch, bis der Erzengel freiwillig sein Blut hineingibt. Erst das macht ihn zum Kelch der Engel.�</p><p>�Und ihr glaubt, ihr k�nntet Raziel dazu bringen, freiwillig sein Blut in euren zweiten Kelch zu geben?� Clary konnte die Sch�rfe und Skepsis in ihrer Stimme nicht unterdr�cken. �Na, dann viel Gl�ck.�</p><p>�Das ist doch nur ein Trick, Clary�, erkl�rte Sebastian. �Du wei�t doch, dass alle Dinge mit bestimmten Kr�ften verbunden sind � entweder seraphischen oder d�monischen. Die D�monen glauben, dass wir das d�monische Gegenst�ck zu Raziel anstreben: Ein sehr m�chtiger D�mon, der sein Blut mit unserem mischt und eine neue Rasse von Nephilim erschafft � Schattenj�ger, die nicht an das Gesetz oder das B�ndnis oder die Vorschriften des Rats gebunden sind.�</p><p>�Du hast ihnen erz�hlt, du willst� umgedrehte Schattenj�ger erschaffen?�</p><p>�Etwas in der Art.� Sebastian lachte und fuhr sich mit den H�nden durch die wei�blonden Haare. �Jace, hilf mir mal und erkl�r es ihr.�</p><p>�Valentin war ein Fanatiker�, setzte Jace an. �Er hatte in vielerlei Hinsicht unrecht. Es war falsch von ihm, das T�ten von Nephilim in Erw�gung zu ziehen. Und er hat sich auch im Hinblick auf die Schattenweltler geirrt. Aber was den Rat und die Kongregation betrifft, lag er vollkommen richtig. Jeder Inquisitor, den wir bisher hatten, war korrupt. Die Gesetze, die uns vom Erzengel �bergeben wurden, sind willk�rlich und unsinnig und die daraus resultierenden Strafen noch schlimmer. �Das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz.� Wie oft hast du das schon geh�rt? Wie oft haben wir den Kopf einziehen und den Rat und seine Gesetze umgehen m�ssen, selbst wenn wir nur versucht haben, den Rat zu retten? Wer hat mich ins Gef�ngnis geworfen? Die Inquisitorin. Wer hat Simon ins Gef�ngnis geworfen? Der Rat. Und wer h�tte ihn dort bei lebendigem Leibe verbrennen lassen?�</p><p>Clarys Herz begann zu rasen. Jace� Stimme, die einerseits vertraut war und andererseits diese Dinge sagte, ging ihr durch Mark und Bein. Er hatte recht und unrecht zugleich � genau wie Valentin damals. Aber sie wollte Jace irgendwie glauben, ganz im Gegenteil zu Valentin. �Okay�, sagte sie. �Ich begreife, dass der Rat korrupt ist. Aber ich w�sste nicht, warum man deswegen irgendwelche Vereinbarungen mit D�monen treffen muss.�</p><p>�Unser Auftrag ist die Vernichtung von D�monen�, erl�uterte Sebastian. �Aber der Rat hat seine ganze Energie auf andere Aufgaben konzentriert. Die Schutzschilde sind inzwischen so schwach, dass immer mehr D�monen hindurchdringen. Doch der Rat ignoriert diese Tatsache einfach. Jace und ich haben hoch oben im Norden, auf der Wrangelinsel, ein Portal ge�ffnet, durch das wir D�monen anlocken werden � und zwar mit diesem zweiten Engelskelch. Aber wenn sie unseren Versprechungen glauben und ihr Blut in den Kelch geben, werden sie vernichtet. Ich habe entsprechende Vereinbarungen mit mehreren D�monenf�rsten getroffen. Sobald Jace und ich sie get�tet haben, wird der Rat erkennen, dass wir beide sehr einflussreich sind und man unsere Macht besser nicht untersch�tzen sollte. Dann werden die Ratsmitglieder uns zuh�ren <emphasis>m�ssen.�</emphasis></p><p>Sprachlos starrte Clary ihn an. �Das T�ten von D�monenf�rsten ist nicht so einfach�, brachte sie schlie�lich hervor.</p><p>�Erst heute Morgen hab ich einen von ihnen get�tet�, erwiderte Sebastian. �Was �brigens auch der Grund daf�r ist, dass keiner von uns beiden Schwierigkeiten bekommt, weil wir diese Gruppe von D�monen-Leibwachen niedergemetzelt haben. Ich habe n�mlich ihren Gebieter umgebracht.�</p><p>Clary schaute von Jace zu Sebastian und wieder zur�ck. Jace� Augen wirkten ruhig und interessiert; dagegen durchbohrte Sebastian sie mit seinem Blick geradezu � als w�rde er versuchen, in ihren Kopf hineinzusehen. �Okay�, sagte Clary gedehnt. �Das muss ich erst mal verarbeiten. Au�erdem gef�llt es mir nicht, dass ihr euch beide dieser Gefahr aussetzen wollt. Aber ich bin froh, dass ihr mir vertraut und davon erz�hlt habt.�</p><p>�Ich hab�s doch gleich gesagt�, bemerkte Jace. �Ich hab dir gesagt, dass sie es verstehen w�rde.�</p><p>�Und ich hab nie das Gegenteil behauptet�, entgegnete Sebastian, ohne dabei den Blick von Clarys Gesicht abzuwenden.</p><p>Clary musste schlucken. �Ich hab letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen�, stammelte sie. �Ich brauch ein bisschen Ruhe.�</p><p>�Wirklich schade�, sagte Sebastian. �Ich wollte dich gerade fragen, ob du nicht Lust hast, den Eiffelturm zu besichtigen.� Seine Augen schimmerten dunkel und unergr�ndlich.</p><p>Clary hatte keine Ahnung, ob er scherzte oder es ernst meinte. Doch bevor sie irgendetwas erwidern konnte, nahm Jace ihre Hand.</p><p>�Ich komm mit�, verk�ndete er. �Ich hab letzte Nacht auch nicht besonders gut geschlafen.� Er nickte Sebastian zu. �Bis sp�ter dann.�</p><p>Sebastian schwieg. Als die beiden fast schon die Holzstiege erreicht hatten, rief er: �Clary.�</p><p>Clary drehte sich um und l�ste dabei ihre Finger aus Jace� Griff. �Ja?�</p><p>�Mein Schal.� Sebastian streckte seine Hand danach aus.</p><p>�Ach ja, richtig.� Sie ging ein paar Schritte zur�ck und fummelte nerv�s an dem zugeknoteten Stoff herum.</p><p>Nachdem Sebastian sie einen Moment beobachtet hatte, stie� er ein ungeduldiges Schnauben aus und kam mit gro�en Schritten auf sie zu.</p><p>Clary erstarrte, als er seine H�nde an ihre Kehle legte, den Knoten mit zwei, drei geschickten Handbewegungen l�ste und den Schal von ihrem Hals wickelte. Einen Moment lang hatte sie das Gef�hl, dass er das Ganze unn�tig hinausz�gerte und seine Finger �ber ihren Hals streichen lie߅</p><p>Sofort kamen wieder Bilder hoch von dem Tag, an dem er sie auf dem H�gel oberhalb der Ruinen des niedergebrannten Fairchild-Herrenhauses gek�sst hatte. Und wie sie pl�tzlich von einer eisigen Taubheit erfasst wurde und das Gef�hl gehabt hatte, in einen finsteren, g�hnenden Abgrund zu st�rzen. Hastig wich sie zur�ck und der Schal l�ste sich von ihrem Hals. �Danke f�rs Leihen�, sagte sie mechanisch, st�rmte zur�ck zu Jace und folgte ihm die Holzstufen hinunter, die aus dem getarnten Waffensaal f�hrten. Sie schaute sich nicht um und bemerkte deshalb auch nicht, wie ihr Bruder ihr nachblickte, den Schal in den H�nden und einen merkw�rdigen Ausdruck in den Augen.</p><p>Simon stand inmitten feuchter Laubhaufen und schaute den Weg entlang; erneut �berkam ihn der menschliche Drang, tief Luft zu holen, um sich zu wappnen. Er befand sich im Central Park, in der N�he des Shakespeare Garden. Die B�ume hatten ihre herbstliche Farbenpracht nun verloren; das Gold, Gr�n und Rot der verbliebenen Bl�tter hatte sich in Braun und Schwarz verwandelt. Aber die meisten �ste waren ohnehin schon kahl.</p><p>Ein weiteres Mal ber�hrte Simon den Ring an seinem Finger. <emphasis>Clary?</emphasis></p><p>Und ein weiteres Mal erhielt er keine Antwort. Sein ganzer K�rper stand unter Spannung wie ein �berdehntes Drahtseil. Seit dem letzten Kontakt mit Clary war einfach zu viel Zeit verstrichen. Wieder und wieder versuchte Simon, sich einzureden, dass sie m�glicherweise nur schlief, aber es gelang ihm nicht, sich selbst zu beruhigen und den schrecklichen Knoten in seinem Magen zu l�sen.</p><p>Der Ring bildete seine einzige Verbindung zu Clary, doch im Moment f�hlte er sich nur wie ein St�ck wertloses Metall an.</p><p>Simon lie� die H�nde sinken, setzte sich wieder in Bewegung und ging den Pfad entlang, vorbei an den Statuen und Parkb�nken mit Inschriften aus Shakespeares Theaterst�cken. Der Weg machte eine weite Rechtskurve und pl�tzlich konnte Simon sie sehen. Sie hockte auf einer Bank, das Gesicht in die andere Richtung gedreht; ihre dunklen Haare waren zu einem Zopf geflochten. Vollkommen reglos sa� sie da, wartend. Auf ihn wartend.</p><p>Entschlossen straffte Simon die Schultern und ging auf sie zu, obwohl sich seine Beine bei jedem Schritt schwerer anf�hlten � als w�ren sie mit Blei gef�llt.</p><p>Sie h�rte ihn, als er n�her kam, und drehte sich um. Ihr blasses Gesicht wurde noch bleicher, w�hrend er sich neben ihr niederlie�. �Simon�, stie� sie leise hervor. �Ich war mir nicht sicher, ob du wirklich kommen w�rdest.�</p><p>�Hi, Rebecca�, sagte er.</p><p>Rebecca streckte ihre Hand aus und Simon ergriff sie � Gott sei Dank war er so schlau gewesen, Handschuhe anzuziehen, damit seine Schwester die eisige K�lte seiner Haut nicht sofort sp�ren konnte. Seit ihrem letzten Treffen waren gerade einmal vier Monate vergangen, doch sie wirkte auf ihn bereits wie die Fotografie eines Menschen, den er einmal vor langer Zeit gekannt hatte. Andererseits erschien ihm alles an ihr noch sehr vertraut: die dunklen Haare; die braunen Augen, genau wie seine eigenen; die Sommersprossen auf ihrer Nase. Sie trug Jeans, einen leuchtend gelben Parka und einen gr�nen Schal mit dicken gelben Bl�ten. Clary hatte Beckys Stil immer als �Hippie-Schick� bezeichnet � die H�lfte ihrer Kleidungsst�cke stammte aus Secondhand-L�den, die andere H�lfte hatte sie selbst gen�ht.</p><p>Als Simon ihre Hand dr�ckte, schossen ihr Tr�nen in die Augen.</p><p>�Si�, sagte sie leise seinen Spitznamen, schlang dann die Arme um ihn und dr�ckte ihn fest. Simon wehrte sich nicht und t�tschelte ihr unbeholfen die Schultern und den R�cken. Nach einem Moment l�ste sie sich von ihm, wischte sich die Augen und runzelte die Stirn. �Gott, ist dein Gesicht kalt�, murmelte sie. �Du solltest dir eine M�tze und einen Schal anziehen.� Sie musterte ihn vorwurfsvoll. �Wo hast du die ganze Zeit gesteckt?�</p><p>�Das hab ich dir doch erkl�rt�, erwiderte Simon. �Ich war f�r ein paar Tage bei einem Freund.�</p><p>Rebecca lachte schnaubend. �Ach, Simon, erz�hl mir doch nichts. Was zum Teufel ist hier los?�</p><p>�Becks��</p><p>�Ich hab zu Hause angerufen, wegen Thanksgiving�, sagte Rebecca und starrte auf die B�ume. �Ich wollte wissen, welchen Zug ich nehmen soll und so weiter. Und wei�t du, was Mom gesagt hat? Sie meinte, ich br�uchte gar nicht zu kommen, denn dieses Jahr w�rde Thanksgiving ausfallen. Also hab ich versucht, <emphasis>dich</emphasis> zu erreichen. Aber du bist nicht ans Telefon gegangen. Daraufhin hab ich Mom erneut angerufen, um herauszufinden, wo du steckst. Sie hat aufgelegt. Hat einfach den H�rer aufgelegt. Also bin ich nach Hause gefahren. Und dann habe ich dieses ganze religi�se Zeugs an der Haust�r gesehen. Als ich Mom zur Rede gestellt hab, hat sie behauptet, du w�rst tot. <emphasis>Tot</emphasis>. Mein eigener Bruder. Sie sagte, du w�rst tot und ein Monster h�tte deinen Platz eingenommen.�</p><p>�Was hast du dann getan?�</p><p>�Ich hab mich aus dem Staub gemacht, und zwar so schnell wie m�glich�, erz�hlte Rebecca. Simon wusste, dass sie versuchte, stark und unerschrocken zu klingen, aber in ihrer Stimme schwang eine nerv�se, �ngstliche Note mit. �Ich hab angenommen, dass Mom jetzt endg�ltig durchgedreht war.�</p><p>�Oh�, murmelte Simon. Seine Schwester und seine Mutter hatten schon immer ein angespanntes Verh�ltnis gehabt. Rebecca bezeichnete ihre Mutter gern als �durchgeknallt� und nannte sie �die verr�ckte Alte�. Aber nun hatte Simon zum ersten Mal das Gef�hl, dass sie es auch wirklich so meinte.</p><p>�Das kannst du laut sagen: <emphasis>Oh�,</emphasis> fauchte Rebecca. �Ich hatte totale Panik und hab dir alle paar Minuten eine SMS geschickt. Und endlich krieg ich eine nichtssagende Antwort von dir: Du w�rst bei einem Freund! Und jetzt willst du dich hier mit mir treffen. Was l�uft hier, Simon? Und wie lange geht das schon so?�</p><p>�Wie lange geht <emphasis>was</emphasis> schon so?�</p><p>�Was glaubst du denn wohl?! Nat�rlich die Tatsache, dass Mom total durchgeknallt ist.� Rebeccas kleine Finger zerrten an ihrem Schal. �Wir m�ssen irgendwas unternehmen. Mit jemandem reden. Mit einem Arzt. Sie mit Tabletten oder sonst wie behandeln lassen. Ich wei� nicht, was ich tun soll. Jedenfalls nicht ohne dich. Du bist mein Bruder.�</p><p>�Ich kann nicht�, sagte Simon. �Ich meine, ich kann dir nicht helfen.�</p><p>Rebecca seufzte und ihre Stimme bekam einen sanfteren Ton: �Ich wei�, dass das alles furchtbar nervig ist und du noch auf die Highschool gehst, aber wir m�ssen diese Entscheidungen gemeinsam treffen, Simon.�</p><p>�Ich meine, ich kann dir nicht dabei helfen, Mom Tabletten zu besorgen. Oder sie zu einem Arzt zu bringen�, erkl�rte Simon. �Denn sie hat recht: Ich <emphasis>bin</emphasis> ein Monster.�</p><p>Einen Moment lang starrte Rebecca ihn mit offenem Mund an. �Hat sie dich einer Gehirnw�sche unterzogen?�</p><p>�Nein��</p><p>Ihre Stimme begann zu zittern. �Anfangs� anfangs hab ich gedacht, sie h�tte dir vielleicht was angetan � so wie sie �ber dich geredet hat. Aber dann dachte ich: Nein, das w�rde sie niemals tun. Unter keinen Umst�nden. Aber wenn sie� wenn sie dir auch nur ein Haar gekr�mmt hat, Simon, dann� so wahr mir Gott helfe��</p><p>Simon konnte es nicht l�nger ertragen. Langsam zog er einen Handschuh aus und streckte seiner Schwester seine Finger entgegen � seiner Schwester, die am Strand seine Hand gehalten hatte, als er noch zu klein gewesen war, um allein ins Meer zu watscheln. Seine Schwester, die ihm nach so manchem Fu�balltraining das Blut abgewischt hatte und nach dem Tod ihres Vaters die Tr�nen� und als ihre Mutter wie ein Zombie im Schlafzimmer gelegen und reglos an die Decke gestarrt hatte. Seine Schwester, die ihm immer vorgelesen hatte, als er noch so klein war, dass er Strampelanz�ge trug und abends in sein Bettchen kletterte, das die Form eines Rennwagens hatte. <emphasis>Ich bin der Lorax: Ich sprech f�r die B�ume, denn die k�nnen�s ja nicht!</emphasis> Seine Schwester, die einmal versehentlich seine ganzen Sachen zu hei� gewaschen hatte, sodass sie auf Puppengr��e geschrumpft waren � damals, als sie versucht hatte, mehr im Haushalt zu helfen. Die ihm jedes Mal, wenn seine Mutter keine Zeit hatte, ein Lunchpaket zubereitet hatte. <emphasis>Rebecca,</emphasis> dachte er. Das letzte Band, das noch zerschnitten werden musste.</p><p>�Nimm meine Hand�, forderte er sie auf.</p><p>Rebecca griff danach und zuckte zusammen. �Du bist ja eiskalt. Bist du krank?�</p><p>�K�nnte man so sagen.� Simon schaute seine Schwester an und versuchte, ihr dabei wortlos mitzuteilen, dass mit ihm etwas nicht stimmte, und zwar etwas Grundlegendes. Doch sie sah ihn nur mit ihren vertrauensvollen braunen Augen an. Einen Moment lang musste Simon sich zusammenrei�en, um nicht ungeduldig zu werden. Schlie�lich war es nicht ihre Schuld. Sie konnte es ja nicht wissen. �F�hl mal meinen Puls�, sagte er.</p><p>�Ich wei� nicht, wie das geht, Simon. Ich studier Kunstgeschichte, nicht Medizin.�</p><p>Simon nahm ihre Hand und legte ihre Finger auf sein Handgelenk. �Dr�ck hier drauf. Und, sp�rst du irgendetwas?�</p><p>Rebecca schwieg einen Moment und konzentrierte sich, wobei ihr ein paar Ponystr�hnen in die Stirn fielen. �Nein. Sollte ich denn was sp�ren?�</p><p>�Becky�� Frustriert zog Simon seine Hand zur�ck und seufzte. Ihm blieb wohl keine andere Wahl � es gab nur noch diese eine M�glichkeit. �Sieh mich an�, sagte er, und als seine Schwester ihn anschaute, lie� er seine Fangz�hne hervorschnellen.</p><p>Rebecca schrie auf.</p><p>Sie schrie auf und fiel von der Parkbank auf den harten Lehmboden. Mehrere Passanten warfen ihnen neugierige Blicke zu, aber sie befanden sich nun mal in New York � hier blieb niemand stehen und glotzte, hier ging jeder einfach weiter.</p><p>Simon f�hlte sich elend. Er hatte zwar seiner Schwester alles erz�hlen wollen, doch ihre Reaktion traf ihn h�rter als gedacht � so wie sie da auf dem Boden kauerte, mit kreidebleichem Gesicht, auf dem sich die Sommersprossen nun deutlich abzeichneten, eine Hand vor den Mund gepresst. Genau wie seine Mutter. Zu Clary hatte er einmal gesagt, dass es kein schlimmeres Gef�hl g�be, als den Menschen, die man liebt, nicht trauen zu k�nnen. Doch damit hatte er sich geirrt. Von den Menschen, die man liebte, gef�rchtet zu werden � das war noch viel schlimmer. �Rebecca�, sagte er leise und mit brechender Stimme. �Becky��</p><p>Seine Schwester sch�ttelte den Kopf, die Hand noch immer vor dem Mund. Sie hockte auf dem schmutzigen Boden, ihr bunter Schal hing im Laub. Unter anderen Umst�nden w�re das Ganze vielleicht sogar komisch gewesen�</p><p>Simon rutschte von der Parkbank und kniete sich neben sie. Seine Fangz�hne waren wieder zur�ckgeglitten, doch Rebecca starrte ihn weiterhin an, als k�nnte sie sie noch sehen. Vorsichtig streckte Simon eine Hand aus und ber�hrte seine Schwester an der Schulter. �Becks�, setzte er erneut an, �ich w�rde dich niemals verletzen. Und das Gleiche gilt f�r Mom. Ich wollte dich nur noch ein letztes Mal sehen, um dir zu sagen, dass ich verschwinden werde und du mich nie wiederzusehen brauchst. Ich werde euch beide in Ruhe lassen. Ihr k�nnt gemeinsam Thanksgiving feiern, ich werde nicht zu Hause auftauchen. Und ich werde auch nicht versuchen, mit euch in Kontakt zu bleiben. Ich��</p><p>�Simon.� Rebecca zog ihn am Arm zu sich heran, wie einen Fisch an einer Angelschnur. Simon fiel ihr halb entgegen und Rebecca schlang die Arme um ihn. Dann umarmte sie ihren Bruder so fest wie zuletzt am Tag der Beerdigung ihres Vaters. Damals hatte Simon auf jene untr�stliche Weise geweint, als ob der Schmerz nie wieder enden w�rde. �Ich will nicht, dass ich dich nie wiedersehe�, stie� Rebecca hervor.</p><p>�Oh�, murmelte Simon und lie� sich auf den Lehmboden sinken, v�llig �berrascht, sodass in seinem Kopf einen Moment lang g�hnende Leere herrschte. Rebecca schlang erneut die Arme um ihn und Simon lehnte sich an sie, obwohl sie zierlicher war als er. Sie hatte ihn schon gest�tzt, als sie noch Kinder waren, und konnte es jetzt auch noch. �Ich dachte, du wolltest bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben�, sagte er leise.</p><p>�Wieso denn nicht?�, fragte Rebecca.</p><p>�Ich bin ein Vampir�, erkl�rte Simon. Irgendwie war es merkw�rdig, diese Worte laut ausgesprochen zu h�ren.</p><p>�Das hei�t also, es gibt Vampire?�</p><p>�Und Werw�lfe. Und andere, noch viel merkw�rdigere� Dinge. Das Ganze ist einfach passiert. Ich meine, ich bin angegriffen worden � ich hab mir das nicht ausgesucht. Doch das spielt sowieso keine Rolle mehr. Denn das hier bin jetzt ich.�</p><p>�Musst du�� Rebecca z�gerte und Simon sp�rte, dass jetzt die entscheidende Frage kam, die wirklich wichtige Frage. �Musst du andere Leute bei�en?�</p><p>Simon dachte an Isabelle, schob das Bild vor seinem inneren Auge aber rasch beiseite. <emphasis>Au�erdem habe ich ein dreizehnj�hriges M�dchen gebissen. Und einen Kerl. Es ist nicht so schrecklich, wie es klingt.</emphasis> Nein. Manche Dinge gingen seine Schwester einfach nichts an. �Ich trinke in Flaschen abgef�lltes Blut. Tierblut. Aber ich verletze keine Menschen.�</p><p>�Okay.� Rebecca holte tief Luft. �Okay.�</p><p>�Wirklich? Ist es wirklich okay?�</p><p>�Du bist schlie�lich mein Bruder�, sagte Rebecca und rieb ihm unbeholfen �ber den R�cken.</p><p>Simon sp�rte etwas Feuchtes auf seiner Hand und schaute hinab. Seine Schwester weinte; eine ihrer Tr�nen war auf seine Finger getropft. Dann folgte eine weitere und Simon schloss die Finger darum. Er zitterte am ganzen K�rper, aber nicht vor K�lte.</p><p>Trotzdem zog Rebecca ihren Schal aus und wickelte ihn um sie beide. �Wir werden schon eine L�sung finden�, sagte sie. �Du bist mein kleiner Bruder, du Bl�dmann. Ich hab dich lieb � ganz gleich, was auch passiert.�</p><p>Und dann sa�en sie zusammen da, Schulter an Schulter, und starrten in die Schatten zwischen den B�umen.</p><p>In Jace� Zimmer war es hell; durch die ge�ffneten Fenster fiel das strahlende Licht der Mittagssonne herein. Sobald Clary den Raum betreten hatte, verriegelte Jace die T�r hinter ihnen. Clary h�rte ein lautes Klirren, als er die Messer auf seinen Nachttisch warf. Sie wollte sich gerade umdrehen und ihn fragen, ob alles in Ordnung sei, da umfasste er ihre Taille und zog sie an sich.</p><p>Ihre Stiefel machten Clary zwar etwas gr��er als sonst, aber trotzdem musste Jace sich noch zu ihr hinunterbeugen, um sie zu k�ssen. Mit den H�nden an ihren H�ften hob er sie hoch und presste sie an sich � eine Sekunde sp�ter sp�rte sie seine Lippen auf ihrem Mund und verga� alles um sich herum. Jace schmeckte nach Salz und Feuer. Clary versuchte, alles andere auszuschalten und sich nur auf ihre Empfindungen zu konzentrieren: der vertraute Geruch seiner verschwitzten Haut, die klamme K�hle seiner feuchten Haare an ihrer Wange, die Konturen seiner Schultern und seines R�ckens unter ihren H�nden, die Art und Weise, wie ihr K�rper sich perfekt an seinen schmiegte.</p><p>Jace zog ihr das Sweatshirt �ber den Kopf und warf es beiseite. Darunter trug sie nur ein kurz�rmliges Shirt, weshalb sie die W�rme seiner Haut unvermittelt sp�ren konnte. Sein Mund �ffnete ihre Lippen und Clary f�hlte, wie ihre Knie nachgaben, als sich seine Hand �ber den obersten Knopf an ihrer Jeans schob.</p><p>Es kostete sie all ihre Kraft und Selbstbeherrschung, um sein Handgelenk zu umfassen und es festzuhalten. �Jace�, wisperte sie. �Bitte nicht.�</p><p>Er hob den Kopf und l�ste sich leicht von ihr, sodass Clary sein Gesicht sehen konnte. Jace� Augen wirkten leicht glasig; sein Herz wummerte an ihrer Brust. �Warum nicht?�, fragte er.</p><p>Gequ�lt kniff Clary die Augen zusammen. �Vergangene Nacht� wenn wir nicht� wenn ich nicht ohnm�chtig geworden w�re, dann wei� ich nicht, was passiert w�re. Und das in einem Raum voller Leute. Glaubst du ernsthaft, ich m�chte mein erstes Mal mit dir � oder irgendein Mal mit dir � vor einem Haufen Wildfremder erleben?�</p><p>�Das war doch nicht unsere Schuld�, wandte Jace ein und fuhr ihr sanft mit den Fingern durch die Haare. Seine narbenbedeckte Handfl�che streifte leicht �ber ihre Wange. �Dieses Silberzeugs� das waren Feendrogen, das hatte ich dir doch erkl�rt. Wir waren high. Aber jetzt bin ich n�chtern und du ebenfalls und��</p><p>�Und Sebastian ist hier. Au�erdem bin ich total erledigt und�� <emphasis>Und jetzt weiterzumachen, w�re eine ganz furchtbare Idee, die wir beide bereuen w�rden.</emphasis> �Und mir ist nicht danach�, log Clary.</p><p>�Dir ist nicht danach?�, wiederholte er ungl�ubig.</p><p>�Tut mir leid, wenn dir das noch keine gesagt hat, Jace, aber ich habe keine Lust.� Clary warf einen vieldeutigen Blick auf seine Hand, die noch immer auf ihrem Jeansbund ruhte. �Und jetzt ist mir noch viel weniger danach.�</p><p>Einen Moment lang zog Jace die Augenbrauen hoch, doch statt einer Antwort lie� er Clary einfach nur los.</p><p>�Jace��</p><p>�Ich geh ins Bad und nehm �ne kalte Dusche�, sagte er und trat einen Schritt zur�ck. Seine Miene war ausdruckslos, unergr�ndlich.</p><p>Als die Badezimmert�r krachend hinter ihm ins Schloss gefallen war, ging Clary zu seinem sorgf�ltig gemachten Bett, auf dem keinerlei Spuren des silbernen Flitters zu finden waren. Sie setzte sich und lie� den Kopf in die H�nde sinken. Es war nicht die erste Meinungsverschiedenheit, die sie und Jace gehabt hatten; Clary hatte immer angenommen, dass sie sich genauso oft stritten wie andere Paare, ohne einander dabei mit Worten wirklich verletzen zu wollen. Sie waren auch noch nie wirklich b�se auf den anderen gewesen. Doch irgendetwas an der Eisesk�lte in den Augen dieses Jace traf sie zutiefst. Er schien so distanziert und unerreichbar, dass Clary nur mit gr��ter M�he die nagende Frage in ihrem Hinterkopf verdr�ngen konnte: <emphasis>Steckt in diesem K�rper noch irgendein Teil vom richtigen Jace? Ist noch irgendetwas von ihm �brig, das sich zu retten lohnt?</emphasis></p><poem><stanza><v>Dies sind die Gesetze der Dschungel,</v><v>so alt und so klar wie das Licht;</v><v>der Wolf, der sie h�lt, wird gedeihen,</v><v>und sterben der Wolf, der sie bricht.</v><v>Lianengleich schlingt das Gesetz sich,</v><v>voran und zur�ck, auf und ab;</v><v>die St�rke des Packs ist der Wolf,</v><v>und die des Wolfs ist das Pack.</v></stanza></poem><p>Jordan starrte blind auf das Gedicht an der Wand seines Schlafzimmers. Es handelte sich um einen alten Druck, den er in einem Antiquariat gefunden hatte; die Worte waren mit einer kunstvollen Umrandung aus Bl�ttern versehen. Das Gedicht stammte von Rudyard Kipling und beschrieb die Regeln, nach denen die Werw�lfe lebten, das Gesetz, das all ihre Handlungen bestimmte � es beschrieb sie sogar so genau, dass Jordan sich fragte, ob Kipling nicht ebenfalls ein Schattenweltler gewesen war oder zumindest das Abkommen gekannt hatte. Jordan hatte sich irgendwie verpflichtet gef�hlt, den Druck zu kaufen und an die Wand zu h�ngen, obwohl er sich f�r Poesie normalerweise nicht sonderlich begeistern konnte.</p><p>W�hrend der vergangenen Stunde war er unabl�ssig in seiner Wohnung auf und ab gelaufen. Dabei hatte er in regelm��igen Abst�nden sein Handy hervorgeholt, um zu �berpr�fen, ob Maia eine SMS geschickt hatte. Beim K�hlschrank hatte er immer wieder kurze Stopps eingelegt, die T�r ge�ffnet und nachgesehen, ob vielleicht auf magische Weise irgendetwas halbwegs Essbares darin aufgetaucht war. Nat�rlich nicht. Aber Jordan wollte auch nicht zum Supermarkt laufen und einkaufen � aus Sorge, dass Maia ausgerechnet dann, wenn er nicht da war, bei ihm vor der Wohnungst�r erscheinen w�rde. Zwischendurch hatte er noch schnell geduscht, die K�che aufger�umt, seine DVDs nach Farben sortiert und kurz den Fernseher ein- und sofort wieder ausgeschaltet.</p><p>Er war unruhig � so unruhig wie manchmal in Vollmondn�chten, kurz vor seiner Verwandlung, wenn er den Sog der Gezeiten in seinem Blut sp�rte. Doch der Mond befand sich gerade im letzten Viertel. Au�erdem machte Jordan nicht der Gedanke an eine Verwandlung so nerv�s, sondern Maia, weil sie nicht bei ihm war � nachdem sie fast zwei Tage ununterbrochen zusammen waren und er nie mehr als ein paar Schritte von ihr entfernt gewesen war.</p><p>Sie war ohne ihn zur alten Polizeiwache gefahren. Auch wenn Luke sich allm�hlich erholte, wollte sie das Rudel nicht durch die Anwesenheit eines Nichtmitglieds beunruhigen, hatte sie ihm erkl�rt. Zudem musste sie ja nur Lukes Genehmigung einholen, damit Simon und Magnus seine Farm nutzen konnten, und anschlie�end dort anrufen, um auf der Farm zeltende Rudelmitglieder zu warnen und zu bitten, das Gel�nde zu verlassen. Nat�rlich hatte sie recht, das wusste Jordan genau. Es gab wirklich keinen Grund, sie zu begleiten; doch sobald sie aufgebrochen war, hatte ihn eine gro�e innere Unruhe erfasst. War sie gegangen, weil sie seine Gegenwart nicht l�nger ertragen konnte? Hatte sie es sich anders �berlegt und beschlossen, dass ihr fr�heres Urteil �ber ihn doch der Wahrheit entsprach? Und was lief da eigentlich zwischen ihnen beiden � waren sie jetzt fest zusammen oder nicht? <emphasis>Das h�ttest du sie vielleicht mal fragen sollen, bevor ihr miteinander geschlafen habt, du Schlaumeier,</emphasis> tadelte er sich, als er ein weiteres Mal vor der offenen K�hlschrankt�r stand. Der Inhalt hatte sich nicht ver�ndert: Flaschen mit Blut, eine halb aufgetaute Packung Rinderhack und ein verschrumpelter Apfel.</p><p>Pl�tzlich h�rte er, wie sich der Schl�ssel in der Wohnungst�r drehte. Hektisch zuckte er vom K�hlschrank zur�ck, wirbelte herum und schaute an sich herab. Er war barfu�, nur mit Jeans und einem alten T-Shirt bekleidet. Warum hatte er sich w�hrend Maias Abwesenheit nicht rasiert, etwas <emphasis>Eau de Toilette</emphasis> benutzt oder sonst was unternommen? Rasch fuhr er sich mit den H�nden durch die wirren Haare, als Maia auch schon den Wohnraum betrat und Jordans Ersatzschl�ssel auf dem Beistelltisch ablegte. Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich umgezogen: Sie trug nun Jeans und ein hellrosa Sweatshirt. Ihre Wangen wirkten rosig von der K�lte, w�hrend ihre Lippen rot schimmerten und ihre Augen strahlten.</p><p>Jordan versp�rte ein solches Verlangen danach, sie zu k�ssen, dass es fast wehtat. Stattdessen schluckte er kr�ftig und fragte: �Und, wie ist es gelaufen?�</p><p>�Gut. Magnus kann die Farm nutzen. Ich hab ihm schon eine SMS geschickt.� Maia schlenderte zu Jordan an die K�chentheke und st�tzte die Ellbogen darauf ab. �Au�erdem hab ich Luke noch erz�hlt, was Raphael �ber Maureen gesagt hat. Ich hoffe, das war okay.�</p><p>Jordan schaute sie verwirrt an. �Warum musste er denn davon erfahren?�</p><p>Die Frage schien Maia einen D�mpfer zu versetzen. �Oh Gott. Sag mir jetzt nicht, dass ich das f�r mich h�tte behalten sollen.�</p><p>�Nein� ich hab mich nur gewundert��</p><p>�Na ja, wenn sich wirklich eine b�sartige Vampirin in Lower Manhattan herumtreibt, sollte das Rudel davon erfahren. Schlie�lich ist es unser Territorium. Au�erdem wollte ich Lukes Ratschlag einholen� ob wir Simon dar�ber informieren sollten oder lieber nicht.�</p><p>�Was ist denn mit meinem Ratschlag?�, fragte Jordan in gespielt gekr�nktem Ton, den ein kleiner Teil tief in seinem Inneren ernst meinte. Er und Maia hatten zuvor kurz dar�ber gesprochen, ob Jordan seinem Sch�tzling mitteilen sollte, dass Maureen wie wild um sich mordete, oder ob diese Information nur eine zus�tzliche Last auf Simons Schultern darstellte. Jordan war zu dem Schluss gekommen, es ihm nicht zu erz�hlen � Simon hatte schon genug um die Ohren und konnte sowieso nicht viel daran �ndern, oder? Doch Maia war sich nicht sicher gewesen.</p><p>Die junge Werw�lfin setzte sich nun auf die K�chentheke und drehte sich zu Jordan. Auf diese Weise war sie etwas gr��er als er und schaute aus ihren braunen Augen auf ihn hinab. �Ich wollte einfach den Rat eines Erwachsenen.�</p><p>Jordan schnappte sich Maias locker baumelnde Beine und fuhr mit den H�nden an den Seitenn�hten ihrer Jeans hoch. �Ich bin achtzehn � wie erwachsen soll ich denn noch werden?�</p><p>L�chelnd legte Maia die H�nde auf seine Schultern und bog sie leicht nach hinten, als wollte sie seine Muskeln testen. �Na ja, du bist definitiv <emphasis>ge</emphasis>wachsen��</p><p>Im n�chsten Moment zog Jordan sie von der Theke, fasste sie fest um die Taille und k�sste sie. Flammen loderten in seinen Adern auf, als Maia seinen Kuss erwiderte und sich an seinen K�rper schmiegte. Er fuhr ihr mit seinen H�nden durch die Haare und schubste die Strickm�tze zur Seite, sodass ihre Locken zum Vorschein kamen. Dann k�sste er sie auf den Hals, w�hrend Maia ihm das T-Shirt �ber den Kopf zog, es auf die K�chentheke warf und schnurrend wie eine Katze ihre H�nde �ber seinen K�rper gleiten lie�: Schultern, R�cken, Arme. Jordan f�hlte sich v�llig berauscht von Maias K�ssen und war fast schwerelos vor Gl�ck. Also hatte sie ihn doch noch nicht abgehakt�</p><p>�Jordy�, murmelte sie. �Warte.�</p><p>Da Maia ihn so gut wie nie bei diesem Spitznamen nannte � au�er die Situation war wirklich ernst �, beschleunigte sich Jordans ohnehin schon rasender Puls zus�tzlich. �Was hast du denn?�, fragte er leise.</p><p>�Wei�t du: Jedes Mal, wenn wir uns sehen, fallen wir �bereinander her� Ich wei� ja, ich hab damit angefangen, und ich mach dir auch �berhaupt keine Vorw�rfe, aber vielleicht sollten wir uns einmal unterhalten, miteinander reden��</p><p>Einen Moment lang starrte Jordan Maia an, ihre gro�en dunklen Augen, der pulsierende Herzschlag an ihrer Kehle, die leicht ger�teten Wangen. Dann schluckte er und sagte mit bem�ht ruhiger Stimme: �Okay. Wor�ber m�chtest du gern reden?�</p><p>Maia schaute ihn nur an und sch�ttelte den Kopf. ��ber nichts.� Eine Sekunde sp�ter verschr�nkte sie die H�nde hinter seinem Kopf, zog ihn fest an sich, k�sste ihn leidenschaftlich und schmiegte sich an seinen K�rper. ��ber gar nichts.�</p><p>Clary konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, als Jace endlich aus dem Bad kam und sich die nassen Haare trocken rieb. Sie sa� noch immer auf seinem Bett und schaute zu ihm hoch, w�hrend er ein blaues T-Shirt �ber seine glatte goldbraune Haut mit den feinen wei�en Narben streifte. Als er auf sie zukam und sich neben sie setzte, wandte sie rasch den Blick ab.</p><p>�Tut mir leid�, sagte er. Ein intensiver Duft nach Seife stieg von ihm auf.</p><p>�berrascht sah sie ihn an. Sie hatte sich gefragt, ob er in seinem jetzigen Zustand �berhaupt zu einer Entschuldigung f�hig war. Seine Miene wirkte ernst, ein klein wenig neugierig, aber nicht unaufrichtig. �Wow�, stie� Clary hervor. �Diese kalte Dusche muss echt grausam gewesen sein.�</p><p>Ein feines L�cheln zeichnete sich um seine Mundwinkel ab, doch dann schaute er wieder ernster und hob behutsam Clarys Kinn. �Ich h�tte dich nicht so bedr�ngen d�rfen. Es ist nur so� noch vor wenigen Wochen h�tte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, dich auch nur im Arm zu halten.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Vorsichtig umfasste er ihr Gesicht mit beiden H�nden und drehte es in seine Richtung; seine langen Finger ruhten k�hl an Clarys Wangen. Alles an ihm erschien ihr so unfassbar vertraut � die mattgoldene Iris seiner Augen, die Narbe auf seiner Wange, die geschwungene Unterlippe und die winzige Ecke, die einem seiner oberen Schneidez�hne fehlte und dazu beitrug, dass er nicht so nervig perfekt war. Trotzdem hatte Clary das Gef�hl, vor einem Haus zu stehen, in dem sie als Kind gelebt hatte: Obwohl die Fassade noch dieselbe war wie fr�her, wusste sie, dass nun eine andere Familie darin wohnte.</p><p>�Aber es war mir immer egal�, fuhr Jace fort. �Ich wollte dich trotzdem, und zwar immer nur dich. Du warst das Einzige, das mir wichtig war. Du und nichts anderes.�</p><p>Clary musste schlucken. Ihr Magen zuckte nerv�s, nicht nur wegen der �blichen Schmetterlinge, die in Jace� Gegenwart immer in ihrem Bauch flatterten. Dieses Mal versp�rte sie ein regelrechtes Unbehagen. �Aber Jace, das stimmt doch nicht. Deine Familie ist dir doch auch wichtig. Und� ich hab immer gedacht, du w�rst stolz darauf, ein Nephilim zu sein. Einer, der von den Engeln abstammt.�</p><p>�Stolz?�, wiederholte er skeptisch. �Wenn du halb Engel, halb Mensch bist, bedeutet das nur, dass du dir deiner eigenen Schw�chen st�ndig bewusst bist. Du bist kein Engel. Der Himmel liebt dich nicht. Raziel interessiert sich nicht f�r uns. Wir k�nnen noch nicht einmal zu ihm beten. Wir beten zu niemandem. Wir bitten um nichts.</p><p>Wei�t du noch, wie ich davon �berzeugt war, dass in meinen Adern D�monenblut flie�en w�rde? Ich hab das damals gedacht, weil das meine Gef�hle f�r dich erkl�rt h�tte. Und irgendwie war diese Vorstellung eine Erleichterung. Ich bin nie ein Engel gewesen, nicht einmal ann�hernd. Obwohl��, f�gte er hinzu, �� vielleicht ein gefallener Engel.�</p><p>�Gefallene Engel sind D�monen.�</p><p>�Ich will kein Nephilim sein�, sagte Jace. �Ich m�chte etwas anderes sein. Zwar st�rker, schneller, besser als Menschen. Aber auch anders. Nicht den Gesetzen eines Engels unterworfen, dem wir vollkommen egal sind. Frei.� Er fuhr sich mit der Hand durch die lockigen Haare. �Ich bin gl�cklich hier, Clary. Kommt es darauf nicht letztendlich an?�</p><p>�Ich dachte, wir w�ren zusammen gl�cklich gewesen�, warf Clary ein.</p><p>�Mit dir bin ich immer gl�cklich gewesen�, best�tigte er. �Aber ich hatte nie das Gef�hl, dass ich es auch verdienen w�rde.�</p><p>�Und jetzt schon?�</p><p>�Jetzt ist dieses Gef�hl verschwunden�, erkl�rte er. �Ich wei� nur, dass ich dich liebe. Und zum ersten Mal reicht das v�llig aus.�</p><p>Clary schloss die Augen. Einen Moment sp�ter k�sste Jace sie erneut, dieses Mal jedoch sehr sanft. Sein Mund zeichnete die Konturen ihrer Lippen nach und Clary sp�rte, wie sie unter seinen H�nden zu zerflie�en drohte, wie sein Atem schneller ging und ihr Herzschlag sich beschleunigte. Seine Finger strichen behutsam durch ihr Haar, �ber ihren R�cken bis hinunter zur Taille. Seine Ber�hrungen waren beruhigend und das Pulsieren seines Herzschlags an ihrer Brust erschien ihr wie vertraute Musik � und falls die T�ne nicht ganz stimmten, so konnte sie das zumindest nicht feststellen. In ihren Adern floss das gleiche Blut, dachte sie, genau wie es die Elbenk�nigin gesagt hatte: Ihr Herz begann zu rasen, sobald sein Puls sich beschleunigte � und es hatte sogar fast ausgesetzt, als seines nicht l�nger schlug. Wenn sie die Zeit noch einmal zur�ckdrehen k�nnte, w�rde sie alles wieder genauso machen.</p><p>Dieses Mal zog Jace sich zur�ck und fuhr ihr sanft mit den Fingern �ber die Wange und die Lippen. �Ich m�chte das, was du willst�, erkl�rte er. �Was immer du willst, wann immer du willst.�</p><p>Clary sp�rte, wie ihr ein Schauer �ber den R�cken lief. Diese Worte klangen zwar schlicht, aber in seiner Stimme schwang eine gef�hrliche, verf�hrerische Einladung mit: <emphasis>Was immer du willst, wann immer du willst.</emphasis> Seine Hand verharrte behutsam an ihrer Taille. Clary musste sich jetzt zusammenrei�en. Sie w�rde sich nicht mehr lange zur�ckhalten k�nnen�</p><p>�Lies mir was vor�, sagte sie unvermittelt.</p><p>Verwundert schaute er zu ihr hinunter. �Wie bitte?�</p><p>Doch Clary blickte an ihm vorbei, zu den B�chern auf seinem Nachttisch. �Das Ganze ist ziemlich viel auf einmal und ich muss das alles erst mal verdauen: Sebastians Worte� das, was letzte Nacht passiert ist� einfach alles. Eigentlich m�sste ich dringend schlafen, aber ich bin viel zu aufgedreht. Als ich noch klein war und nicht schlafen konnte, hat meine Mutter mir immer was vorgelesen, bis ich eingeschlummert bin.�</p><p>�Erinnere ich dich jetzt an deine Mutter? Ich muss mir unbedingt ein m�nnlicheres <emphasis>Eau de Toilette</emphasis> zulegen.�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht � aber� aber das w�rde mir jetzt gefallen.�</p><p>Jace rutschte ein St�ck hoch, lehnte sich gegen die Kissen und griff nach dem B�cherstapel an seinem Bett. �Irgendwelche besonderen W�nsche?�, fragte er und schnappte sich mit einer schwungvollen Bewegung das oberste Buch � ein alter W�lzer mit Ledereinband und in goldenen Lettern gepr�gtem Titel. <emphasis>Eine Geschichte aus zwei St�dten. </emphasis>�Dickens passt eigentlich immer��</p><p>�Das hab ich schon mal gelesen. In der Schule�, erinnerte Clary sich, rutschte neben Jace und lie� sich ebenfalls in die Kissen sinken. �Aber ich kann mich an kaum was erinnern, deshalb h�tte ich nichts dagegen, es noch mal zu h�ren.�</p><p>�Hervorragend. Man hat mir versichert, ich bes��e eine angenehme, melodische Vorlesestimme.� Jace schlug die erste Seite auf, auf der der Titel in einer kunstvollen Schrift abgedruckt war. Daneben stand eine lange Widmung, und obwohl die Tinte inzwischen verblasst und kaum noch zu lesen war, konnte Clary die Unterschrift entziffern: <emphasis>Endlich wage ich zu hoffen</emphasis> �<emphasis> William Herondale</emphasis>.</p><p>�Einer deiner Vorfahren?�, fragte Clary und tippte mit dem Finger vorsichtig auf die Seite.</p><p>�Ja. Eigentlich merkw�rdig, dass es in Valentins Bibliothek stand. Mein Vater muss es ihm gegeben haben�, sinnierte Jace, schlug dann wahllos eine Seite auf und begann zu lesen: <emphasis>�Nach einer kleinen Weile enth�llte er sein Gesicht und fuhr mit festerer Stimme fort: �Scheuen Sie sich nicht, mich anzuh�ren, und schrecken Sie nicht zur�ck vor meinen Worten. Ich gleiche einem Menschen, der jung gestorben ist. Mein ganzes Leben kann als gewesen betrachtet werden.�</emphasis></p><p><emphasis>�Nein, Mr Carton. Ich bin �berzeugt, dass der beste Teil davon noch vorhanden ist. Gewiss, Sie k�nnen Ihrer selbst noch viel, viel w�rdiger werden.��</emphasis></p><p>�Ach, jetzt erinnere ich mich wieder�, bemerkte Clary. �Irgend so ein Dreiecksverh�ltnis. Und sie entscheidet sich f�r den Langweiler.�</p><p>Jace lachte leise. �Du h�ltst ihn vielleicht f�r langweilig, aber wer wei� schon, was viktorianische Damen unter ihren dicken Unterr�cken in Stimmung brachte?�</p><p>��brigens stimmt das.�</p><p>�Was? Das mit den Unterr�cken?�</p><p>�Nein. Dass du eine angenehme Vorlesestimme hast.� Clary dr�ckte ihr Gesicht an seine Schulter. In Momenten wie diesem war der Schmerz am gr��ten, viel gr��er, als wenn er sie k�sste. Denn in diesem Moment h�tte er ihr Jace sein k�nnen � solange sie nur fest genug die Augen schloss.</p><p>�Eine angenehme Stimme� und nat�rlich Muskeln aus Stahl�, erwiderte Jace und bl�tterte die Seite um. �Was will man mehr?�</p><p/></section><section><title><p>17</p><p>Der Abschiedsgru�</p></title><poem><stanza><v>Einst wandelte am Flusse ich</v><v>Der Tag neigte dem Ende sich</v><v>Da h�rt� ich eine h�bsche Maid:</v><v>�Oh weh, �s gibt niemand, der mich freit.�</v><v>Ein Spielmann lauschte ihrem Leid</v><v>Und eilte flugs an ihre Seit��</v></stanza></poem><p>�M�ssen wir uns diese weinerlichen Songs wirklich die ganze Zeit anh�ren?�, fragte Isabelle und klopfte mit ihrem Stiefel gegen das Armaturenbrett von Jordans Transporter.</p><p>�Zuf�lligerweise gefallen mir diese weinerlichen Songs, meine Liebe, und da ich fahre, bestimme auch <emphasis>ich</emphasis> �ber die Musik�, erwiderte Magnus hochm�tig. Er sa� tats�chlich hinter dem Steuer � und zu Simons �berraschung konnte er wirklich Auto fahren. Andererseits war das auch nicht allzu verwunderlich: Schlie�lich lebte Magnus schon seit Jahrhunderten auf dieser Welt und d�rfte daher genug Zeit f�r ein paar Fahrstunden gehabt haben. Das lie� allerdings immer noch die Frage offen, welches Geburtsdatum er auf seinem F�hrerschein angegeben hatte, �berlegte Simon.</p><p>Isabelle rollte mit den Augen, wahrscheinlich, weil sie in der engen Fahrerkabine nicht viel mehr als das tun konnte, schlie�lich sa�en sie zu viert auf die Sitzbank gequetscht. Dabei war Simon fest davon ausgegangen, dass nur er und Magnus zur Farm hinausfahren w�rden. Doch dann hatte Alec darauf bestanden, sie zu begleiten � was Magnus �berhaupt nicht recht war, weil er das ganze Unternehmen f�r �zu gef�hrlich� hielt. Und in dem Moment, als Magnus den Motor anlie�, war Isabelle die Treppe im Hausflur hinuntergest�rmt und hatte sich v�llig au�er Atem ebenfalls in den Transporter gezw�ngt, zwischen Simon und ihren Bruder. �Ich komme mit�, hatte sie keuchend verk�ndet.</p><p>Und damit war f�r sie die Angelegenheit gekl�rt gewesen � niemand hatte sie umstimmen oder von ihrem Entschluss abbringen k�nnen. Dabei hatte sie Simon kein einziges Mal angesehen und auch nicht erkl�rt, warum sie unbedingt mitwollte. Isabelle war einfach nur stur im Transporter sitzen geblieben. Sie trug eine Jeans und eine violette Wildlederjacke, die sie aus einem von Magnus� Schr�nken gezogen haben musste; au�erdem hatte sie ihren Waffeng�rtel um die schmalen H�ften geschlungen. Sie quetschte sich so eng neben Simon, dass der auf der anderen Seite gegen die Beifahrert�r gepresst wurde und eine ihrer Haarstr�hnen ihn die ganze Zeit �ber im Gesicht kitzelte.</p><p>�Wer ist das �berhaupt?�, fragte Alec und schaute stirnrunzelnd auf den CD-Player, aus dem Musik ert�nte, obwohl keine CD eingelegt war. Magnus hatte nur kurz mit einem bl�ulich gl�henden Finger auf die Anlage getippt und schon hatte das Ger�t angefangen zu dudeln. �Irgendeine alternative Feenband?�</p><p>Magnus antwortete nicht, stattdessen stieg die Lautst�rke des Songs an.</p><poem><stanza><v>Zum Spiegel lief sie aufgeregt</v><v>Das schwarze Haar war gut gelegt</v><v>Und ihr Gewand gar wundersch�n.</v><v>Landauf, landab zog sie umher</v><v>Und traf so manchen Grandseigneur</v><v>Doch letztlich ward das Herz ihr schwer,</v><v>Denn eines war bald abzusehn:</v><v>Dass M�nner nur auf M�nner stehn.</v></stanza></poem><p>Isabelle schnaubte. ��Dass M�nner nur auf M�nner stehn�� Das stimmt zumindest f�r alle in diesem Wagen. Nat�rlich mit Ausnahme von dir, Simon.�</p><p>�Ach � das ist dir also aufgefallen?�, bemerkte Simon.</p><p>�Ich bezeichne mich lieber als bisexuellen Freigeist�, erg�nzte Magnus.</p><p>�Bitte benutze diese Worte nie in Gegenwart meiner Eltern�, warf Alec ein. �Vor allem nicht meinem Vater gegen�ber.�</p><p>�Ich dachte, deine Eltern h�tten mit deinem Coming-out kein Problem�, wunderte sich Simon. Dabei strich er sich das weiche dunkle Haar aus der Stirn und beugte sich vor, an Isabelle vorbei, um Alec anzusehen, der � wie so oft � finster dreinblickte. Abgesehen von irgendwelchen beil�ufigen Gespr�chen hatte Simon nie viel mit ihm zu tun gehabt: Alec lie� niemanden so leicht an sich heran. Aber Simon musste zugeben, dass seine eigenen Probleme mit seiner Mutter ihn neugierig auf Alecs Antwort machten.</p><p>�Meine Mutter scheint es akzeptiert zu haben�, sagte Alec. �Aber mein Vater� bei ihm sieht das anders aus. Einmal hat er mich sogar gefragt, was mich meiner Meinung nach schwul gemacht hat.�</p><p>Simon sp�rte, wie Isabelle sich neben ihm versteifte. �Was dich schwul <emphasis>gemacht </emphasis>hat?�, wiederholte sie ungl�ubig. �Alec, davon hast du mir nie erz�hlt.�</p><p>�Hoffentlich hast du ihm geantwortet, dass du von einer schwulen Spinne gebissen wurdest�, meinte Simon.</p><p>Magnus prustete vor Lachen, w�hrend Isabelle verwirrt dreinschaute.</p><p>�Ich habe Magnus� Comic-Stapel durchgebl�ttert�, sagte Alec, �also wei� ich ausnahmsweise mal, worauf du anspielst.� Ein leichtes L�cheln umspielte seine Mundwinkel. �Und damit h�tte ich dann die proportionale Homosexualit�t einer Spinne?�</p><p>�Nur wenn es sich um eine superschwule Spinne gehandelt hat�, erwiderte Magnus und stie� einen unterdr�ckten Schrei aus, als Alec ihn auf den Oberarm boxte. �Aua � okay, okay, ist ja schon gut.�</p><p>�Wie auch immer�, meinte Isabelle, ganz offensichtlich ver�rgert dar�ber, dass sie den Witz nicht begriff. �Dad wird wahrscheinlich sowieso nicht mehr aus Idris zur�ckkommen.�</p><p>Alec seufzte. �Tut mir leid, wenn ich deine Vorstellung von einer gl�cklichen Familie zerst�rt habe. Ich wei�, du h�ttest gern, dass Dad mit meiner Homosexualit�t kein Problem hat, aber das ist nun mal nicht der Fall.�</p><p>�Aber wenn du mir nicht erz�hlst, dass andere schlecht �ber dich reden oder Dinge tun, die dich verletzen � wie soll ich dir da helfen?� Simon sp�rte, wie Isabelle vor Entr�stung f�rmlich bebte. �Wie kann ich��</p><p>�Izzy�, unterbrach Alec sie ersch�pft. �Es geht hier nicht um einen einzigen, besonders negativen Vorfall, sondern um viele, beinahe unsichtbare Kleinigkeiten. Als Magnus und ich herumgereist sind, habe ich �fters zu Hause angerufen. Nicht ein einziges Mal hat Dad sich erkundigt, wie es Magnus geht. Wenn ich bei Ratssitzungen aufstehe, um etwas zu sagen, h�rt mir niemand zu. Ich wei� nie, ob das daran liegt, dass ich noch relativ jung bin, oder an etwas anderem. Einmal hab ich mitbekommen, wie Mom sich mit einer Freundin �ber deren Enkelkinder unterhielt, doch als ich den Raum betrat, brach das Gespr�ch sofort ab. Und Irina Cartwright meinte zu mir, es sei eine Schande, dass niemand meine blauen Augen erben w�rde.� Er zuckte die Achseln und schaute zu Magnus hin�ber, der eine Hand vom Steuer nahm und sie kurz auf Alecs H�nde legte. �Das alles ist nicht mit einem Messerstich zu vergleichen, vor dem du mich besch�tzen k�nntest � es sind eher eine Million kleiner Nadelstiche� Tag f�r Tag.�</p><p>�Alec�, setzte Isabelle an. Doch bevor sie irgendetwas hinzuf�gen konnte, tauchte vor ihnen ein h�lzernes Schild in Form eines Pfeils auf, mit der Aufschrift THREE ARROWS FARM.</p><p>Simon erinnerte sich daran, wie Luke damals, auf dem Boden der Farm kniend, die Blockbuchstaben in schwarzer Farbe auf das Holz aufgetragen hatte. Clary hatte dann den unteren Rand des Schilds mit einem Blumenmuster versehen, das inzwischen fast verblichen war. �Fahr hier links�, forderte er Magnus auf und streckte dabei so ruckartig den Arm aus, dass er die beiden anderen beinahe getroffen h�tte. �Wir sind da.�</p><p>Erst nach mehreren Kapiteln aus Dickens� Roman hatte Clary ihrer Ersch�pfung nachgegeben und war an Jace� Schulter eingeschlafen. Im Halbschlaf erinnerte sie sich daran, wie er sie die Treppe hinuntergetragen und in das Schlafzimmer gelegt hatte, in dem sie am ersten Tag aufgewacht war. Als er beim Hinausgehen die T�r hinter sich schloss, versank der Raum in tiefer Dunkelheit. Und w�hrend er auf dem Flur noch nach Sebastian rief, war sie beim Klang seiner Stimme schon eingeschlafen.</p><p>Erneut tr�umte Clary von dem zugefrorenen See, von Simon, der ihren Namen rief, und von einer Stadt �hnlich wie Alicante, deren D�monent�rme jedoch aus menschlichen Gebeinen waren und durch deren Kan�le Str�me von Blut flossen. Als sie im dunklen Raum aufwachte, war ihr Bettlaken zerkn�llt und ihr Haar total zerzaust. Zun�chst glaubte Clary, die Stimmen drau�en vor der T�r w�ren Teil ihres Traums, doch als sie lauter wurden, hob sie lauschend den Kopf, obwohl sie immer noch schlaftrunken und halb in ihren Tr�umen verfangen war.</p><p>�Na, kleiner Bruder?�, drang Sebastians Stimme unter ihrer Zimmert�r hindurch. �Hast du es erledigt?�</p><p>Eine ganze Weile kam keine Antwort. Dann erklang Jace� Stimme seltsam flach und tonlos: �Ja, ich hab�s erledigt.�</p><p>Sebastian sog h�rbar die Luft ein. �Und die alte Dame� hat getan, was wir wollten? Den Kelch angefertigt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Zeig ihn mir.�</p><p>Ein Rascheln, dann wieder Stille. Schlie�lich sagte Jace: �Hier nimm ihn, wenn du ihn willst.�</p><p>�Nein.� Aus Sebastians Tonfall sprach eine merkw�rdige Zur�ckhaltung. �Behalte ihn erst mal. Schlie�lich hast du ihn ja auch hergeschafft, oder?�</p><p>�Aber es war dein Plan.� Irgendetwas in Jace� Stimme lie� Clary sich vorbeugen und ihr Ohr gegen die Wand pressen, um kein Wort zu verpassen. �Und ich habe ihn ausgef�hrt, so wie du es gewollt hast. Und jetzt, wenn du nichts dagegen hast��</p><p>�Ich hab aber etwas dagegen.� Ein erneutes Rascheln. Clary stellte sich vor, wie Sebastian aufgestanden war und jetzt auf den nur wenige Zentimeter kleineren Jace hinabschaute. �Irgendetwas stimmt nicht mit dir. Ich sp�re das, aber das wei�t du ja.�</p><p>�Ich bin einfach nur m�de. Au�erdem war ziemlich viel Blut im Spiel. Jetzt will ich mich einfach nur duschen und dann schlafen. Und�� Jace� Stimme erstarb.</p><p>�Und du willst meine Schwester sehen.�</p><p>�Ja, ich m�chte sie jetzt gern sehen.�</p><p>�Sie schl�ft. Schon seit Stunden.�</p><p>�Brauche ich dazu etwa deine Erlaubnis?� In Jace� Stimme schwang ein scharfer Unterton mit, der Clary daran erinnerte, wie Jace einmal mit Valentin gesprochen hatte. In diesem Tonfall hatte er schon sehr lange nicht mehr mit jemandem geredet.</p><p>�Nein.� Sebastian klang �berrascht, fast schon �berrumpelt. �Wenn du unbedingt in ihr Zimmer platzen und sehns�chtig ihr schlafendes Gesicht anstarren willst, nur zu. Ich werde nie verstehen, warum��</p><p>�Richtig�, best�tigte Jace. �Das wirst du nie verstehen.�</p><p>Erneut wurde es still. Clary konnte f�rmlich sehen, wie Sebastian mit einem fragenden Ausdruck im Gesicht Jace hinterherstarrte. Erst nach einem Moment begriff sie, dass Jace auf ihr Zimmer zusteuern musste. Rasch warf sie sich flach auf das Bett und schloss die Augen, als sich auch schon die T�r �ffnete. Ein gelblich wei�er Lichtschein fiel ins Zimmer, der sie einen Moment lang blendete. Sie versuchte, so �berzeugend wie m�glich aufzuwachen, und drehte sich auf die Seite, eine Hand vor den Augen. �Was ist denn�?�</p><p>Die T�r schloss sich und im Raum war es wieder dunkel. Clary konnte Jace nur als Schatten erkennen, der sich langsam auf ihr Bett zu bewegte. Als er �ber ihr stand, musste sie an eine andere Nacht denken, in der er zu ihr gekommen war, als sie schlief. <emphasis>Jace stand am Kopfende des Bettes, noch immer in seiner wei�en Trauerkleidung, und in der Art und Weise, wie er zu ihr hinunterschaute, lag nichts Leichtes oder Sarkastisches oder Distanziertes. �Ich bin die ganze Nacht ziellos umhergewandert</emphasis> �<emphasis> ich konnte nicht schlafen. Und dann hab ich festgestellt, dass meine F��e mich immer wieder hierhergebracht haben. Zu dir.�</emphasis></p><p>Jetzt war er nur eine Silhouette � eine Silhouette mit hellen Haaren, die im schwachen Licht, das unter dem T�rschlitz hindurchfiel, leicht schimmerten. �Clary�, wisperte er.</p><p>Im n�chsten Moment ert�nte ein dumpfes Ger�usch und Clary begriff, dass er neben ihrem Bett auf die Knie gefallen sein musste. Reglos blieb sie liegen, aber ihr K�rper versteifte sich.</p><p>Fl�sternd drang Jace� Stimme durch die Dunkelheit: �Clary, ich bin�s. <emphasis>Jace!�</emphasis></p><p>Ruckartig schlug Clary die Lider auf und ihre Blicke trafen sich im Dunkeln. Mit gro�en Augen starrte sie Jace an, der vor ihr kniete und ungef�hr auf einer H�he mit ihr war. Er trug einen langen dunklen Wollmantel, der bis zum Kragen zugekn�pft war. Schwarze Runenmale � f�r Unh�rbarkeit, Beweglichkeit und Genauigkeit � wanden sich wie eine Art Kette um seinen Hals. Clary hatte das Gef�hl, durch seine gro�en goldenen Augen hindurchsehen zu k�nnen. Dahinter entdeckte sie <emphasis>Jace</emphasis> � ihren Jace. Der Jace, der sie in seinen Armen getragen hatte, als der Stachel des Ravener-D�mons sie getroffen und vergiftet hatte; der Jace, der schweigend zugesehen hatte, wie sie Simon vor der aufgehenden Sonne �ber dem East River zu sch�tzen versucht hatte; der Jace, der ihr von dem kleinen Jungen und seinem Falken erz�hlt hatte, dem der Vater das Genick gebrochen hatte. Der Jace, den sie liebte.</p><p>Clarys Herz schien einen Moment auszusetzen; sie konnte nicht einmal nach Luft schnappen.</p><p>Ein dr�ngender, gequ�lter Ausdruck stand in Jace� Augen. �Bitte�, murmelte er. �Bitte, du musst mir glauben.�</p><p>Und Clary glaubte ihm. Sie besa�en das gleiche Blut, liebten auf dieselbe Art und Weise: Dies hier war ihr Jace, so sicher wie ihre H�nde ihre eigenen H�nde waren und ihr Herz ihr eigenes Herz. Aber� �Wie ist das m�glich?� Clary versuchte, sich aufzusetzen.</p><p>Doch Jace dr�ckte sie rasch in die Kissen zur�ck. �Pst, Clary, nicht jetzt. Wir k�nnen jetzt nicht reden. Ich muss wieder zur�ck.�</p><p>Fieberhaft griff Clary nach seinem �rmel und sp�rte, wie Jace zusammenzuckte. �Bitte verlass mich nicht.�</p><p>F�r den Bruchteil einer Sekunde lie� er den Kopf h�ngen, doch dann schaute er sie an und der Ausdruck in seinen Augen lie� Clary verstummen. �Warte ein paar Sekunden, nachdem ich gegangen bin�, wisperte er. �Dann schleich dich nach oben in mein Zimmer. Sebastian darf uns nicht zusammen sehen. Nicht heute Nacht.� Angestrengt rappelte er sich auf; seine Augen flehten sie an. �Er darf dich auf keinen Fall h�ren.�</p><p>Clary richtete sich auf. �Deine Stele� lass mir deine Stele hier.�</p><p>Zweifel flackerte in seinen Augen auf, doch Clary erwiderte ruhig seinen Blick und streckte die Hand aus. Nach kurzem Z�gern griff Jace in die Tasche, holte den matt schimmernden Stab hervor und dr�ckte ihn ihr in die Hand. Dabei streiften sich f�r einen kurzen Augenblick ihre Finger und Clary erbebte � eine kurze Ber�hrung von diesem Jace war �berw�ltigender als all die K�sse und Umarmungen in dem Nachtclub von letzter Nacht zusammen. Und sie wusste, dass er es auch sp�rte, denn er zog seine Hand hastig weg und ging r�ckw�rts zur T�r. Clary konnte seinen flachen, unruhigen Atem h�ren. Dann fummelte er eine Sekunde am T�rknauf herum und sein Blick blieb bis zum letzten Moment auf ihr Gesicht geheftet, bis die T�r mit einem lauten <emphasis>Klick</emphasis> ins Schloss fiel.</p><p>Sprachlos sa� Clary in der Dunkelheit. Sie hatte das Gef�hl, als h�tte sich das Blut in ihren Adern verdichtet, sodass ihr Herz doppelt so hart arbeiten musste, um nicht auszusetzen. <emphasis>Jace. Mein Jace.</emphasis></p><p>Ihre Hand schloss sich um die Stele und irgendetwas daran � vielleicht die K�hle des harten Materials � schien ihr dabei zu helfen, ihre Gedanken zu sammeln und sich zu konzentrieren. Clary schaute an sich herab: Sie trug ein Top und Pyjamashorts und hatte eine G�nsehaut auf den Armen, allerdings nicht vor K�lte. Entschlossen setzte sie die Spitze der Stele auf ihre Armbeuge, zog sie langsam �ber ihre Haut und beobachtete, wie sich eine gewundene Unh�rbarkeitsrune auf ihrer hellen Haut abzeichnete.</p><p>Dann �ffnete sie die Zimmert�r einen Spalt. Sebastian war verschwunden; wahrscheinlich hatte er sich schlafen gelegt. Leise Musik drang aus dem Wohnzimmer � irgendetwas Klassisches, die Art von Klavierspiel, die Jace gefiel. Clary fragte sich, ob Sebastian Musik mochte. Oder sonst irgendeine Art von Kunst � das erschien ihr n�mlich als ein zutiefst <emphasis>menschlicher</emphasis> Wesenszug, was nicht wirklich zu ihrem Bruder passte.</p><p>Obwohl sie sich Sorgen machte, wo Sebastian wohl stecken mochte, trugen ihre F��e sie durch den Gang zur K�che � und anschlie�end vollkommen ger�uschlos durch den Wohnraum und die Glastreppe hinauf. Ein paar Sekunden sp�ter huschte sie durch den oberen Flur zu Jace� Zimmer, schl�pfte leise hinein und schloss die T�r hinter sich ab.</p><p>Durch die weit ge�ffneten Fenster konnte sie dunkle D�cher und die helle Sichel des Mondes sehen: eine perfekte Nacht im Herzen von Paris. Ein Elbenstein lag auf dem Nachttisch neben dem Bett und verstr�mte ein ged�mpftes Licht, sodass Clary Jace erkennen konnte, der zwischen den beiden gro�en Fenstern stand.</p><p>Er hatte den langen Mantel abgestreift, der jetzt als zerknitterter schwarzer Haufen zu seinen F��en lag. Clary begriff sofort, warum er ihn nicht direkt bei seiner R�ckkehr ausgezogen, sondern ihn bis zum Kragen zugekn�pft gelassen hatte. Denn darunter trug er nur Jeans und ein graues Hemd � beides blutgetr�nkt. Das Hemd hing in Fetzen von seiner Schulter, als h�tte es jemand mit einer scharfen Klinge aufgeschlitzt. Der linke �rmel war hochgekrempelt und ein wei�er Verband, dessen R�nder sich bereits dunkel verf�rbt hatten, war um seinen Unterarm gewickelt. Jace hatte die Schuhe ausgezogen und stand barfu� auf dem Steinboden, der um ihn herum mit Blut besprenkelt war wie mit scharlachroten Tr�nen.</p><p>Clary legte die Stele auf den Nachttisch und sagte leise: �Jace.� Pl�tzlich erschien es ihr absurd, dass so viel Abstand zwischen ihnen lag, dass sie so weit von Jace entfernt stand, dass sie einander nicht ber�hrten.</p><p>Doch als sie einen Schritt auf ihn zugehen wollte, hob Jace die Hand. �Nicht�, stie� er mit br�chiger Stimme hervor. Dann tasteten sich seine Finger zu den Kn�pfen an seinem Hemd und �ffneten sie langsam, einen nach dem anderen. Schlie�lich lie� er das blutgetr�nkte Kleidungsst�ck von den Schultern rutschen und zu Boden fallen.</p><p>Fassungslos starrte Clary ihn an: Liliths Rune prangte weiterhin auf seiner Brust, direkt �ber dem Herzen, aber sie schimmerte nicht l�nger silber-rot. Stattdessen hatte es den Anschein, als h�tte ihm jemand einen gl�henden Sch�rhaken �ber die Haut gezogen und sie versengt. Unwillk�rlich griff sich Clary an die eigene Brust und spreizte die Finger �ber ihrem eigenen Herzen. Sie konnte sp�ren, wie es schlug � schnell und kr�ftig. �Oh�, brachte sie hervor.</p><p>�Ja, <emphasis>oh�,</emphasis> best�tigte Jace tonlos. �Aber es wird nicht lange anhalten, Clary. Ich meine, dass ich im Moment ich selbst bin. Nur so lange, bis die Wunde wieder verheilt ist.�</p><p>�Ich� ich hab mich gefragt��, setzte Clary stammelnd an. �Als du geschlafen hast, da hab ich mich gefragt, ob ich die Rune nicht einfach zerschneiden sollte � so wie im Kampf gegen Lilith. Aber ich hatte Angst, Sebastian w�rde es vielleicht ebenfalls sp�ren.�</p><p>�Er h�tte es auf jeden Fall gemerkt.� Jace� goldene Augen wirkten so ausdruckslos wie seine Stimme. �Aber das hier hat er nicht gesp�rt, weil der Schnitt mit einem <emphasis>Pugio</emphasis> ausgef�hrt wurde � einem in Engelsblut geh�rteten Dolch. Eine �u�erst seltene Waffe; jedenfalls hatte ich zuvor noch keinen einzigen dieser Dolche zu Gesicht bekommen.� Jace fuhr sich mit den H�nden durch die Haare. �Die Klinge ist hei� aufgelodert und zu Asche vergl�ht, nachdem sie mich ber�hrt hatte, aber wenigstens hat sie auf diese Weise Liliths Runenmal besch�digt.�</p><p>�Du hast gegen jemanden gek�mpft. Gegen einen D�mon? Warum hat Sebastian dich nicht begleitet��</p><p>�Clary.� Jace� Stimme war nur noch ein Fl�stern. �Diese Wunde� wird zwar nicht so schnell verheilen wie eine normale Verletzung� aber auch nicht ewig offen bleiben. Und sobald sie sich geschlossen hat, bin ich wieder <emphasis>er.�</emphasis></p><p>�Wie viel Zeit haben wir? Bis du wieder in den anderen Jace zur�ckverwandelt wirst?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich wei� es wirklich nicht. Aber ich m�chte� ich will unbedingt bei dir sein, in diesem Zustand, als ich selbst, und zwar so lange wie m�glich.� Steif streckte er ihr eine Hand entgegen, als w�re er sich nicht sicher, wie sie seine Worte aufnehmen w�rde. �Meinst du, du k�nntest��</p><p>Doch Clary war bereits losgest�rmt und schlang ihm die Arme um den Hals. Jace fing sie auf und wirbelte sie herum, w�hrend er gleichzeitig das Gesicht in ihre Halsbeuge dr�ckte. Clary atmete seinen Geruch ein wie frische Luft: Er roch nach Blut, Schwei�, Asche und Runenmalen. �Du bist es wirklich�, wisperte sie. �Du bist es wirklich.�</p><p>Jace lehnte sich leicht zur�ck, um sie betrachten zu k�nnen, und fuhr ihr mit der Hand sanft �ber die Wange. Genau das hatte ihr am meisten gefehlt � seine Sanftheit. Das war einer der Gr�nde gewesen, warum sie sich �berhaupt in ihn verliebt hatte: Sie wusste, dass dieser gezeichnete, sarkastische Junge mit allem, das er liebte, sanft umging.</p><p>�Ich hab dich vermisst�, stie� sie hervor. �Du hast mir so sehr gefehlt.�</p><p>Einen Moment lang schloss Jace die Augen, als w�rden ihn die Worte schmerzen. Behutsam legte Clary ihm eine Hand an die Wange und er dr�ckte sein Gesicht dagegen, wobei seine Haare ihre Fingerkn�chel kitzelten. Und da wurde Clary bewusst, dass auch sein Gesicht feucht war.</p><p><emphasis>Der Junge weinte nie wieder.</emphasis></p><p>�Es ist nicht deine Schuld�, versicherte sie ihm und k�sste seine Wange mit der gleichen Z�rtlichkeit, die er ihr entgegengebracht hatte. Clary schmeckte Salz� Blut und Tr�nen. Jace hatte noch immer kein Wort gesagt, aber sie konnte sein Herz wie wild an ihrer Brust schlagen h�ren. Er hatte die Arme fest um sie geschlungen, als wollte er sie nie wieder loslassen. Behutsam k�sste Clary seine Wangenknochen, sein Kinn� und dr�ckte ihre Lippen schlie�lich leicht auf seinen Mund.</p><p>Dieser Kuss hatte nichts von der verzweifelten Erregung im Nachtclub; dieser Kuss sollte Trost spenden und all die Dinge sagen, f�r die im Moment keine Zeit blieb. Jace erwiderte Clarys Kuss zun�chst nur z�gernd, doch dann dr�ngender; seine Hand schob sich in ihre Haare und wickelte Str�hnen um seine Finger. Ihre K�sse wurden intensiver und schlie�lich leidenschaftlicher, so wie jedes Mal� wie ein Waldbrand, der mit einem einzigen Streichholz begann und sich dann zu einer lodernden Feuersbrunst entwickelte.</p><p>Clary wusste zwar, wie stark Jace war, schnappte aber dennoch nach Luft, als er sie schwungvoll zum Bett trug und sanft zwischen die vielen Kissen gleiten lie�. Dann schob er sich �ber sie � in einer einzigen, flie�enden Bewegung, die Clary daran erinnerte, wof�r die vielen Runenmale auf seinem K�rper waren. Kraft. Anmut. Leichtigkeit. Sie sog seinen Atem ein, w�hrend sie sich k�ssten, jeder Kuss l�nger, forschender. Gleichzeitig lie� sie ihre H�nde �ber seine Schultern gleiten, �ber seine Armmuskeln, �ber seinen R�cken. Seine nackte Haut f�hlte sich unter ihren Fingerkuppen wie gl�hende Seide an.</p><p>Als Jace� H�nde den Saum ihres Tops fanden, streckte sich Clary ihm entgegen, damit er auch das letzte, trennende St�ck Stoff zwischen ihnen beseitigte. Sobald er das Top beiseitegeworfen hatte, zog sie ihn wieder zu sich heran. Ihre K�sse wurden nun intensiver, leidenschaftlicher, als versuchten sie, miteinander zu verschmelzen. Clary h�tte nicht gedacht, dass sie sich noch n�her kommen konnten, aber irgendwie schienen sie sich mit jedem Kuss enger umeinanderzuwinden, jeder Kuss noch verlangender und noch inniger�</p><p>Eine Weile glitten ihre H�nde fieberhaft �ber den jeweils anderen K�rper, bewegten sich dann allm�hlich langsamer, tastender und weniger hastig. Clary grub Jace die N�gel in die Schultern, als er erst ihre Kehle k�sste, ihr Schl�sselbein und dann das sternf�rmige Mal auf ihrer Schulter. Sie strich mit ihren Fingerkn�cheln �ber seine Narbe und k�sste Liliths Mal, das noch immer geteilt war. Sie sp�rte, wie er erbebte, wie er sie wollte� Clary wusste, dass sie ebenfalls kurz vor einem Punkt stand, an dem es kein Zur�ck mehr gab � aber es war ihr egal. Sie wusste, was es bedeutete, ihn zu verlieren. Sie kannte die d�steren, leeren Tage, die folgen w�rden. Und sie wusste auch: Wenn sie ihn erneut verlieren w�rde, dann sollte wenigstens diese eine Nacht unvergesslich bleiben. Um sich daran festzuklammern. Um sich daran zu erinnern, dass sie ihm ein einziges Mal so nahe gewesen war, wie man einem anderen Menschen nur sein konnte. Sie verschr�nkte ihre F��e hinter seinem R�cken und Jace st�hnte auf, ein leiser, tiefer, hilfloser Laut an ihren Lippen. Seine H�nde gruben sich in ihre H�ften.</p><p>�Clary.� Ruckartig zog Jace sich zur�ck. Er zitterte am ganzen K�rper. �Ich kann nicht� Wenn wir jetzt nicht aufh�ren, gibt es kein Zur�ck mehr.�</p><p>�M�chtest du es denn nicht?� Verwundert schaute Clary zu ihm hoch. Sein Gesicht war ger�tet, sein Haar zerzaust. Es war an den Stellen einen Hauch dunkler, wo ihm die Str�hnen verschwitzt an Stirn und Schl�fen klebten. Clary sp�rte, wie sein Herz in seiner Brust h�mmerte.</p><p>�Doch schon, es ist nur so: Ich hab noch nie��</p><p>�Du hast noch nie�?�, stie� sie �berrascht hervor. �Du hast es noch nie getan?�</p><p>Jace holte tief Luft. �Doch, hab ich.� Seine Augen streiften �ber ihr Gesicht, als w�rde er nach Anzeichen von Kritik, Missbilligung oder sogar Abscheu suchen.</p><p>Ruhig erwiderte Clary seinen Blick; sie hatte ohnehin nichts anderes erwartet.</p><p>�Aber noch nie� noch nie mit jemandem, der mir wirklich etwas bedeutet hat.� Federleicht ber�hrte er ihre Wange. �Ich wei� ja nicht einmal, wie��</p><p>Clary lachte leise. �Ich denke, das hast du gerade bewiesen.�</p><p>�So hab ich das nicht gemeint.� Jace nahm Clarys Hand und dr�ckte sie an sein Gesicht. �Ich will dich�, sagte er, �und zwar mehr als alles andere in meinem Leben. Aber ich�� Er schluckte. �Beim Erzengel! Daf�r werd ich mich sp�ter in den Hintern treten.�</p><p>�Sag jetzt nicht, dass du nur versuchst, <emphasis>mich</emphasis> zu besch�tzen�, erwiderte Clary energisch. �Denn ich��</p><p>�Darum geht es nicht�, erkl�rte Jace. �Ich bin� eifers�chtig.�</p><p><emphasis>�Eifers�chtig?</emphasis> Aber auf wen denn?�</p><p>�Auf mich.� Er verzog das Gesicht. �Ich hasse die Vorstellung, dass <emphasis>er</emphasis> mit dir zusammen ist. <emphasis>Er</emphasis>. Dieser andere Teil von mir. Der Teil, der von Sebastian beherrscht wird.�</p><p>Clary sp�rte, wie ihr Gesicht zu gl�hen begann. �Aber in dem Club� letzte Nacht��</p><p>Jace lie� den Kopf auf ihre Schulter sinken. Ein wenig verwundert strich Clary ihm �ber den R�cken und f�hlte dabei die Kratzer, die ihre Fingern�gel auf seiner Haut hinterlassen hatten. Durch die Erinnerung an diesen Moment im Alkoven des Nachtclubs err�tete sie noch st�rker � vor allem deswegen, weil er die Spuren mit einer Heilrune h�tte beseitigen k�nnen, es aber nicht getan hatte. �Ich erinnere mich an jede einzelne Sekunde von letzter Nacht�, murmelte er. �Und es treibt mich in den Wahnsinn, weil ich es gewesen bin, aber irgendwie dann doch wieder nicht. Wenn wir zusammen sind, m�chte ich, dass du wirklich <emphasis>du</emphasis> bist. Und ich wirklich<emphasis> ich.�</emphasis></p><p>�Aber sind wir das nicht im Moment?�</p><p>�Ja, schon.� Jace hob den Kopf und k�sste sie auf den Mund. �Aber f�r wie lange? Ich k�nnte mich jeden Moment in <emphasis>ihn</emphasis> zur�ckverwandeln. Das k�nnte ich dir nicht antun� uns nicht antun.� Bitterkeit schwang in seiner Stimme mit. �Ich wei� nicht einmal, wie du das �berhaupt ertr�gst� in der Gegenwart dieses� Wesens zu sein, das nicht ich bin��</p><p>�Selbst wenn du dich in f�nf Minuten zur�ckverwandeln w�rdest, w�re es das trotzdem wert gewesen� Dass ich hier mit <emphasis>dir</emphasis> zusammen sein kann. Dass ich dich auf jener Dachterrasse nicht endg�ltig verloren habe. Denn das hier bist du� Und selbst in dieser anderen Version von dir steckt irgendwie dein wahres Ich. Es ist fast so, als w�rde ich dich durch eine verschwommene Fensterscheibe sehen, aber die Person auf der anderen Seite des Glases bist nicht du. Und endlich wei� ich das auch mit Sicherheit.�</p><p>�Wie meinst du das?� Jace� H�nde umfassten Clarys Schultern fester. �Was meinst du mit: Endlich wei�t du das mit Sicherheit?�</p><p>Clary holte tief Luft. �Jace, als wir nach all dem Hin und Her schlie�lich zusammen waren� in diesem ersten Monat bist du richtig gl�cklich gewesen. Und alles, was wir gemeinsam unternommen haben, hat Spa� gemacht, war lustig und einfach sch�n. Aber dann kam es mir so vor, als ob du das alles langsam aufgeben w�rdest, die ganzen gl�cklichen Momente. Du wolltest nicht mehr bei mir sein, mich nicht einmal mehr ansehen��</p><p>�Ich hatte Angst, ich k�nnte dir was antun. Ich hab gedacht, ich w�rde den Verstand verlieren.�</p><p>�Du hast nicht mehr gel�chelt oder gelacht oder gescherzt. Und ich mache dir auch �berhaupt keine Vorw�rfe deswegen. Schlie�lich hatte Lilith sich in deine Gedanken hineingeschlichen und dich kontrolliert. Dich ver�ndert. Und auch wenn ich wei�, dass das jetzt ziemlich bl�d klingt, aber eines darfst du nicht vergessen: Ich hatte vorher noch nie einen festen Freund. Also hab ich angenommen, dein Verhalten w�re vielleicht ganz normal� dass du einfach das Interesse an mir verlieren w�rdest.�</p><p>�Clary, ich konnte doch nicht��</p><p>�Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen � ich erz�hle dir das einfach nur. In den Phasen, in denen du� unter fremdem Einfluss stehst, scheinst du gl�cklich zu sein. Ich war eigentlich hergekommen, weil ich dich retten wollte.� Clary senkte die Stimme. �Aber ich hab mich allm�hlich gefragt, wovor ich dich retten wollte. Und warum ich dich in ein Leben zur�ckholen sollte, in dem du anscheinend furchtbar ungl�cklich warst.�</p><p>�Ungl�cklich?� Jace sch�ttelte den Kopf. �Ich hatte Gl�ck, unglaubliches Gl�ck; aber das habe ich damals nicht kapiert.� Ihre Blicke trafen sich. �Ich liebe dich�, erkl�rte Jace. �Du machst mich gl�cklicher, als ich es jemals f�r m�glich gehalten h�tte. Und jetzt, da ich wei�, wie es sich anf�hlt, jemand anderes zu sein � sich selbst zu verlieren �, jetzt will ich mein Leben zur�ckhaben. Meine Familie. Dich. Einfach alles.� Seine Augen schimmerten dunkel. �Ich will das alles zur�ckhaben.� Im n�chsten Moment presste er seinen Mund auf Clarys Lippen, �ffnete sie, hei� und begierig. Seine H�nde packten ihre Taille und krallten sich dann in das Bettlaken links und rechts von Clarys H�ften. Keuchend fuhr er zur�ck. �Wir d�rfen nicht��</p><p>�Dann h�r auf, mich zu k�ssen!�, japste Clary. �Warte mal�� Sie tauchte unter Jace hindurch und schnappte sich ihr Top. �Ich bin gleich wieder da.� Rasch schob sie sich an ihm vorbei und huschte ins Bad. Nachdem sie die T�r geschlossen und das Licht eingeschaltet hatte, starrte sie sich einen Moment im Spiegel an: Ihre Augen wirkten riesig, ihre Haare waren zerw�hlt und ihre Lippen geschwollen vom K�ssen. Clary err�tete, streifte ihr Oberteil �ber, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und steckte die Haare schnell zu einem Knoten hoch. Als sie sich davon �berzeugt hatte, dass sie nicht l�nger wie die gesch�ndete Jungfrau auf dem Einband eines Groschenromans aussah, nahm sie sich ein Handtuch � wirklich total unromantisch � und machte es feucht. Dann kehrte sie ins Zimmer zur�ck.</p><p>Jace sa� auf der Bettkante, in Jeans und einem sauberen und offen stehenden Hemd. Mondlicht fiel auf seine wirren Haare. Er sah aus wie eine Engelsstatue. Nur mit dem Unterschied, dass Engel in der Regel nicht blut�berstr�mt waren.</p><p>Clary stellte sich direkt vor ihn. �Okay�, sagte sie, �zieh dein Hemd aus.�</p><p>Verwundert hob Jace eine Augenbraue.</p><p>�Keine Sorge, ich werd schon nicht �ber dich herfallen�, stie� Clary ungeduldig hervor. �Ich kann den Anblick deines nackten Oberk�rpers durchaus verkraften, ohne gleich in Ohnmacht zu fallen.�</p><p>�Bist du sicher?�, hakte Jace nach, streifte aber das Hemd von den Schultern. �Dieser Anblick hat schon bei vielen Frauen zu ernsthaften Verletzungen gef�hrt � weil sie r�cksichtslos aufeinander rumgetrampelt sind, nur um mir m�glichst nahe zu sein.�</p><p>�Ja, ja, ist schon gut. Ich seh hier aber sonst niemanden au�er mir. Und ich will dir nur das Blut abwischen.�</p><p>Gehorsam lehnte Jace sich zur�ck. Dunkles Blut hatte seinen Brustkorb und seinen Bauch mit krustigen Striemen versehen. Doch als Clary vorsichtig mit den Fingern dar�berfuhr, erkannte sie, dass es sich um flache Schnittwunden handelte, die bereits verheilten, dank der <emphasis>Iratze</emphasis>, die Jace sich selbst aufgetragen hatte.</p><p>Er wandte ihr das Gesicht zu und schloss die Augen, w�hrend Clary seine Haut mit dem feuchten Handtuch behutsam sauber wischte, bis sich das wei�e Baumwollgewebe rosa verf�rbte. Vorsichtig rieb sie die getrockneten Blutflecken an Jace� Hals weg, tauchte das Handtuch kurz in das Glas Wasser auf seinem Nachttisch und widmete sich dann seinem Oberk�rper.</p><p>Jace hatte den Kopf in den Nacken gelegt und beobachtete Clary dabei, wie sie das Handtuch �ber seine muskul�sen Schultern gleiten lie�, �ber die glatten Konturen seiner Arme und schlie�lich �ber seine breite Brust mit den wei�en Narben und den schwarzen permanenten Runenmalen. �Clary�, setzte er leise an. Seine Stimme klang ernst.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich werde mich an das hier nicht erinnern�, sagte er. �Wenn ich mich zur�ckverwandelt habe� wieder unter Sebastians Kontrolle stehe, werde ich mich nicht daran erinnern k�nnen, dass ich kurzfristig wieder ich selbst gewesen bin. Ich werde mich nicht daran erinnern, dass ich mit dir hier zusammen gewesen bin oder mit dir gesprochen habe. Trotzdem, erz�hl mir bitte� Ist mit meiner Familie alles in Ordnung? Geht es ihnen gut? Wissen sie�?�</p><p>�Was mit dir passiert ist? Teilweise. Und nein, es geht ihnen nicht gut.�</p><p>Jace schloss die Augen.</p><p>�Nat�rlich k�nnte ich dir etwas vorl�gen�, fuhr Clary fort. �Aber ich finde, du solltest es erfahren. Deine Familie liebt dich wahnsinnig und will dich unbedingt zur�ckhaben.�</p><p>�Aber nicht so�, murmelte er.</p><p>Vorsichtig ber�hrte Clary Jace� Schulter. �Willst du mir erz�hlen, was passiert ist? Woher du diese Verletzungen hast?�</p><p>Jace holte tief Luft. Die Narbe auf seiner Brust zeichnete sich deutlich und dunkel von seiner Haut ab. �Ich habe jemanden get�tet.�</p><p>Seine Worte trafen Clary wie der R�cksto� einer abgefeuerten Waffe. Das blutige Handtuch fiel ihr aus der Hand, und als sie sich b�ckte und es aufhob, starrte Jace nur stumm auf sie hinab. Im Licht des Monds wirkten seine Gesichtsz�ge elegant, kantig und traurig. �Wen?�, fragte Clary leise.</p><p>�Du kennst sie�, sagte Jace und jedes Wort schien wie ein Gewicht auf seinen Schultern zu lasten. �Die Frau, bei der du zusammen mit Sebastian warst. Die Eiserne Schwester. Magdalena.� Dann drehte er sich von Clary weg und tastete hinter sich nach einem Gegenstand, der zwischen den zerw�hlten Laken seines Betts versteckt war. Die Muskeln unter seiner Haut bewegten sich, als er das schimmernde Objekt zu fassen bekam und sich wieder Clary zuwandte.</p><p>Jace hielt einen durchsichtigen Kelch in den H�nden � eine genaue Kopie des Engelskelchs, nur mit dem Unterschied, dass er nicht mit Gold �berzogen war, sondern ausschlie�lich aus silberwei�em <emphasis>Adamant</emphasis> bestand.</p><p>�Sebastian hat mich� hat <emphasis>ihn</emphasis> heute losgeschickt, um das hier abzuholen�, erkl�rte Jace. �Und er hat mir au�erdem den Befehl erteilt, sie umzubringen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte etwas rein Gesch�ftliches erwartet � keine Gewalt. Sie dachte, wir st�nden auf derselben Seite. Ich hab mir den Kelch geben lassen und dann hab ich meinen Dolch gez�ckt und�� Jace holte gequ�lt Luft, als w�rde die Erinnerung ihm Schmerzen bereiten. �Ich habe auf sie eingestochen. Eigentlich wollte ich sie direkt ins Herz treffen, aber sie hat sich abgewandt, da hab ich es um ein paar Zentimeter verfehlt. Daraufhin ist sie nach hinten getaumelt, hat nach ihrem Arbeitstisch getastet, auf dem noch Adamantpulver lag, und es mir ins Gesicht geworfen. Ich nahm an, sie wollte mich damit blenden, und hab blitzschnell den Kopf zur Seite gedreht. Als ich wieder zu ihr schaute, hielt sie einen <emphasis>Pugio</emphasis> in der Hand. Irgendwie hab ich instinktiv gewusst, worum es sich dabei handelte � das Licht der Waffe hat mir fast die Augen versengt. Mit letzter Kraft hat Magdalena mir den Dolch �ber den Oberk�rper gezogen� es war ein stechender Schmerz in der Brust� und dann vergl�hte die Klinge.� Jace schaute an sich herab und stie� ein freudloses Lachen aus. �Das Verr�ckte daran ist: Wenn ich meine Kampfmontur getragen h�tte, w�re all das �berhaupt nicht passiert. Aber ich hatte sie nicht angelegt, weil ich dachte, es w�re nicht n�tig. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass die Eiserne Schwester mich verletzen k�nnte. Aber der <emphasis>Pugio</emphasis> verbrannte das Runenmal � Liliths Mal � und pl�tzlich war ich wieder ich selbst. Ich stand �ber diese tote Frau gebeugt, einen blutigen Dolch in der einen Hand und diesen Kelch in der anderen.�</p><p>�Ich versteh das nicht. Warum hat Sebastian dir befohlen, sie zu t�ten? Sie war ja bereit, dir � beziehungsweise Sebastian � den Kelch auszuh�ndigen. Das hat sie doch gesagt��</p><p>Kurzatmig holte Jace Luft. �Erinnerst du dich noch daran, was Sebastian �ber diese astronomische Uhr auf dem Prager Marktplatz erz�hlt hat?�</p><p>�Ja, der Legende nach hat der K�nig dem Uhrmacher nach Fertigstellung der Uhr beide Augen ausstechen lassen, damit er nie wieder etwas derartig Sch�nes herstellen konnte�, sagte Clary. �Aber ich begreif nicht, was das damit zu tun hat��</p><p>�Sebastian wollte Magdalenas Tod, damit sie nie wieder etwas Vergleichbares anfertigen konnte�, erl�uterte Jace. �Und damit sie nichts ausplaudern konnte.�</p><p><emphasis>�Was</emphasis> ausplaudern?� Clary nahm Jace� Kinn und drehte sein Gesicht so, dass er ihr in die Augen schaute. �Jace, was hat Sebastian wirklich vor? Diese Geschichte, die er in der Waffenkammer erz�hlt hat� dass er D�monen herbeilocken wolle, um sie zu vernichten��</p><p>�Sebastian will tats�chlich D�monen heraufbeschw�ren�, best�tigte Jace grimmig. �Vor allem <emphasis>einen</emphasis> D�mon: Lilith.�</p><p>�Aber Lilith ist tot. Simon hat sie get�tet.�</p><p>�D�monenf�rsten sterben nicht. Jedenfalls nicht richtig. Sie besiedeln den Raum zwischen den Welten, die Gro�e Leere. Simon hat lediglich Liliths Macht zerschlagen und sie in ihren Einzelteilen ins Nichts zur�ckgeschickt, aus dem sie gekommen ist. Aber dort f�gt sie sich langsam wieder zusammen und wird wiederauferstehen. Normalerweise w�rde dieser Vorgang Jahrhunderte dauern, aber nicht, wenn Sebastian ihr hilft.�</p><p>Ein eisiges Gef�hl breitete sich in Clarys Magengrube aus. �Ihr <emphasis>wie</emphasis> hilft?�</p><p>�Indem er sie in diese Welt zur�ckruft. Er will Liliths und sein eigenes Blut in dem Kelch mischen und damit eine Armee Dunkler Nephilim erschaffen. Sebastian will ein zweiter Jonathan Shadowhunter werden � aber auf Seiten der D�monen, nicht auf Seiten der Engel.�</p><p>�Eine Armee Dunkler Nephilim? Ihr zwei seid zwar nicht zu untersch�tzen, aber eine Armee stellt ihr noch lange nicht dar.�</p><p>�Ich wei� von etwa vierzig Nephilim, die entweder Valentin treu ergeben waren oder das derzeitige Vorgehen des Rats verabscheuen und sich gern anh�ren wollen, was Sebastian ihnen zu sagen hat. Er steht schon eine ganze Weile in engem Kontakt mit ihnen. Wenn Sebastian Lilith heraufbeschw�rt, werden sie zur Stelle sein.� Jace holte tief Luft. �Und danach? Mit Liliths Macht im R�cken? Wer wei�, wer sich ihm noch alles anschlie�en wird� Sebastian will einen Krieg. Er ist davon �berzeugt, dass er ihn gewinnen wird, und ich bin mir nicht sicher, ob er damit nicht recht hat. Denn mit jedem Dunklen Nephilim, den er erschafft, w�chst seine Macht. Wenn man dazu noch die Treue-Eide nimmt, die die D�monen ihm gegen�ber geschworen haben, dann wei� ich nicht, ob der Rat �berhaupt in der Lage ist, sich ihm zu widersetzen.�</p><p>Mutlos lie� Clary die Hand sinken. �Sebastian hat sich kein bisschen ge�ndert. Dein Blut hat keinerlei Ver�nderung bei ihm bewirkt. Er ist genau so, wie er schon immer gewesen ist.� Rasch schaute sie wieder zu Jace hoch. �Aber du� du hast mich ebenfalls belogen.�</p><p><emphasis>�Er</emphasis> hat dich belogen.�</p><p>Clarys Gedanken �berschlugen sich. �Ich wei�. Ich wei�, der andere Jace� das bist nicht du��</p><p><emphasis>�Er</emphasis> glaubt, es w�re zu deinem Besten und du w�rdest dadurch letztendlich gl�cklicher werden. Aber er hat dich tats�chlich belogen. Ich w�rde das niemals tun.�</p><p><emphasis>�Der Pugio�,</emphasis> setzte Clary nachdenklich an. �Wenn diese Waffe dich verletzen kann, ohne dass Sebastian es bemerkt, k�nnte der Dolch dann auch ihn t�ten, ohne dir Schaden zuzuf�gen?�</p><p>Jace sch�ttelte den Kopf. �Ich glaube nicht. Wenn ich einen <emphasis>Pugio</emphasis> h�tte, w�rde ich es vielleicht ausprobieren, aber ich glaube nicht, dass das funktionieren w�rde. Nein, unsere Lebensenergien sind miteinander verkn�pft. Eine Verletzung ist eine Sache, aber wenn er stirbt�� Jace� Stimme bekam einen harten Ton. �Du kennst den einfachsten Weg, um das alles hier ganz schnell zu beenden, oder? Du musst mir nur einen Dolch ins Herz rammen. Ich hab mich sowieso schon gefragt, warum du das nicht l�ngst getan hast, w�hrend ich geschlafen hab.�</p><p>�W�rst du denn dazu in der Lage? Ich meine, wenn es dabei um mich ginge?� Clarys Stimme zitterte. �Ich hab immer geglaubt, dass es einen Weg gibt, das alles hier zum Guten zu wenden. Und davon bin ich auch jetzt noch �berzeugt. Gib mir deine Stele und ich erschaffe uns ein Portal.�</p><p>�Du kannst hier drinnen kein Portal erschaffen. Das geht nicht. Diese Wohnung hat nur einen einzigen Ein- beziehungsweise Ausgang, und zwar unten an der Wand, neben der K�che. Das ist auch der einzige Ort, von dem aus man diese Wohnung fortbewegen kann.�</p><p>�Kannst du uns nicht in die Stadt der Stille transportieren? Wenn wir erst dort sind, k�nnen die Stillen Br�der nach einer M�glichkeit suchen, dich von Sebastian zu trennen. Und wir berichten dem Rat von seinem Plan, damit entsprechende Vorkehrungen getroffen werden��</p><p>�Nat�rlich k�nnte ich uns zu einem der Zug�nge zur Stillen Stadt transportieren�, erkl�rte Jace. �Und das werde ich auch tun. Aber �ber eine Sache musst du dir im Klaren sein, Clary: Wenn ich den Ratsmitgliedern alles erz�hlt habe, was ich wei�, werden sie mich t�ten.�</p><p>�Dich t�ten? Nein, das w�rden sie nicht tun��</p><p>�Clary�, setzte Jace in sanftem Ton an. �Als guter Schattenj�ger bin ich dazu verpflichtet, freiwillig zu sterben, um Sebastian an seinem Vorhaben zu hindern. Ja, als guter Schattenj�ger w�rde ich das tun.�</p><p>�Aber das Ganze ist doch nicht deine Schuld�, protestierte Clary mit erhobener Stimme und zwang sich dann hastig zu einem ged�mpften Ton, damit Sebastian sie im Erdgeschoss nicht h�ren konnte. �F�r das, was man dir angetan hat, kannst du doch �berhaupt nichts. Du bist ja auch nur ein Opfer in dieser ganzen Geschichte. Das bist nicht <emphasis>du, </emphasis>Jace � das ist jemand anderes, der dein Gesicht tr�gt. Man darf dich daf�r doch nicht bestrafen��</p><p>�Hier geht es nicht um Bestrafung. Es geht darum, eine praktische L�sung zu finden: T�te mich und Sebastian wird sterben. Das Ganze ist nichts anderes als eine Schlacht, in der ich mich f�r die anderen Nephilim aufopfere. Es ist so einfach zu sagen, ich hab mir das Ganze nicht ausgesucht, es ist einfach geschehen. Aber der Jace, der ich im Moment bin � n�mlich ich selbst �, wird schneller wieder verschwunden sein, als uns lieb ist, Clary. Und� ich wei�, dass das jetzt keinen Sinn ergibt, aber ich kann mich an alles erinnern� an alles, was passiert ist: Unser Spaziergang durch Venedig, jene Nacht in dem Prager Club und die Stunden, die ich danach mit dir zusammen in diesem Bett geschlafen habe. Verstehst du denn nicht? Das ist genau das, was ich mir immer gew�nscht habe: Ich wollte auf diese Weise mit dir leben, auf diese Weise an deiner Seite sein. Aber wie soll ich damit umgehen, dass mir das Schlimmste, was mir je widerfahren ist, genau das gibt, was ich immer wollte? Vielleicht kann Jace Lightwood ja erkennen, was daran falsch und verdreht ist, aber Jace Wayland, Valentins Sohn� liebt dieses Leben.� Er schaute sie mit gro�en goldenen Augen an. Clary f�hlte sich an Raziel erinnert, an seinen Blick, der alle Weisheit und alles Leid dieser Welt zu umfassen schien. �Und das ist der Grund, warum ich jetzt gehen muss�, erkl�rte Jace. �Bevor die Wunde verheilt ist und ich wieder <emphasis>er</emphasis> bin.�</p><p>�Gehen? Wohin?�</p><p>�Zur Stadt der Stille. Ich muss mich den Stillen Br�dern ausliefern� und diesen Kelch ebenfalls.�</p></section></section><section><title><p>III</p><p>Alles wandelt sich</p></title><epigraph><p>Alles wandelte sich ganz und gar: Eine Sch�nheit kam schrecklich zur Welt.</p><text-author>William Butler Yeats, �Ostern 1916�</text-author></epigraph><section><title><p>18</p><p>Raziel</p></title><p>�Clary?�</p><p>Simon sa� auf der hinteren Verandatreppe und blickte von Lukes Farmhaus �ber den Pfad, der durch den Obstgarten hinunter zum See f�hrte. Isabelle und Magnus standen dort und der Hexenmeister schaute erst zum Wasser und dann hin�ber zu den flachen Bergen, die die Gegend s�umten. Er machte sich Notizen in einem kleinen Buch, wobei sein Stift immer wieder blaugr�n aufgl�hte. Alec stand ein wenig abseits und blickte hinauf zu den B�umen auf den Kuppen der H�gelkette, die die Farm von der Stra�e trennte. Er machte den Eindruck, als h�tte er sich so weit wie m�glich von Magnus entfernt, ohne sich dabei v�llig au�er H�rweite zu befinden. Zugegeben, Simon verstand nur wenig von diesen Dingen, dennoch hatte er das Gef�hl, dass sich trotz der Scherze w�hrend der Autofahrt zwischen Magnus und Alec eine sp�rbare Distanz aufgebaut hatte � ein innerer Abstand, den er nicht genau benennen konnte, von dem er aber definitiv wusste, dass er da war.</p><p>Simon hatte die H�nde ineinandergelegt und seine Finger drehten unabl�ssig den d�nnen Goldreif an seinem rechten Ringfinger.</p><p><emphasis>Clary, bitte.</emphasis></p><p>Seit Maia ihm erz�hlt hatte, dass es Luke langsam wieder besser ging, hatte er fast st�ndlich versucht, sie zu erreichen � jedoch vergeblich. Er hatte keine Antwort erhalten.</p><p><emphasis>Clary, ich bin jetzt am alten Farmhaus</emphasis>�<emphasis> und erinnere mich an die sch�nen Zeiten, die wir hier gemeinsam verbracht haben.</emphasis></p><p>Es war ein au�ergew�hnlich warmer Herbsttag und eine milde Brise rauschte durch die letzten verbliebenen Bl�tter an den �sten der B�ume. Simon hatte sehr lange �berlegt, welche Kleidung man bei der Begegnung mit einem Engel wohl tragen sollte � ein Anzug erschien ihm �bertrieben, auch wenn er noch einen besa�, den er sich speziell f�r Jocelyns und Lukes Polterabend zugelegt hatte. Letztendlich hatte er sich jedoch f�r Jeans und T-Shirt entschieden und sp�rte nun die noch warme Sonne auf seinen nackten Armen. Er verband viele gl�ckliche, sonnendurchflutete Erinnerungen mit diesem Ort: Fast jeden Sommer war er zusammen mit Clary und Jocelyn hierhergekommen, um gemeinsam die Ferien auf der Farm zu verbringen. Sie hatten oft im See gebadet. Und Simons Haut hatte eine goldbraune T�nung angenommen, wohingegen Clary sich mit ihrem hellen Teint andauernd einen Sonnenbrand eingefangen hatte. Noch dazu waren auf ihren Armen und Schultern im Nu eine Million weiterer Sommersprossen entstanden. Im Obstgarten hatten sie immer �Apfel-Baseball� gespielt � ein matschiges, feuchtfr�hliches Vergn�gen � und abends dann Scrabble und Poker, wobei Luke jedes Mal gewonnen hatte.</p><p><emphasis>Clary, ich steh kurz davor, etwas zu tun, das ziemlich dumm und gef�hrlich und m�glicherweise selbstm�rderisch sein wird. Ist es wirklich so schlimm, dass ich vorher noch ein letztes Mal mit dir reden m�chte? Ich tue das hier, um dir zu helfen, und dabei wei� ich nicht einmal, ob du �berhaupt noch lebst. Aber wenn du tot w�rst, w�sste ich das, oder? Das w�rde ich doch sp�ren.</emphasis></p><p>�Okay, es wird Zeit�, sagte Magnus, der am Fu� der Treppe aufgetaucht war. Er warf einen kurzen Blick auf den Ring an Simons Hand, verkniff sich aber jeden Kommentar.</p><p>Simon stand auf, klopfte sich die Jeans ab und ging dann voraus. Der Weg wand sich durch den Obstgarten und bald darauf leuchtete der See vor ihnen auf, funkelnd und kalt. Als sie n�her kamen, konnte Simon den alten Holzsteg sehen, der in das Wasser hineinragte: Hier hatten Clary und er immer ihre Kajaks festgemacht, bis eines Tages ein gro�er Teil des Stegs weggebrochen und davongetrieben war. Simon glaubte, das tr�ge Summen der Bienen und die dr�ckende W�rme des Sommers noch immer wahrnehmen zu k�nnen� Am Ufer angekommen, drehte er sich noch einmal um und schaute hinauf zur wei� gestrichenen Farm, zu den gr�nen Fensterl�den und der �berdachten Terrasse mit den wei�en verwitterten Korbm�beln.</p><p>�Du bist hier wirklich gern gewesen, stimmt�s?�, bemerkte Isabelle. Ihre schwarzen Haare flatterten wie eine Fahne in der kr�ftigen Brise, die vom See herauf wehte.</p><p>�Woran erkennst du das?�</p><p>�An deinem Gesichtsausdruck�, erkl�rte Isabelle. �Du hast ausgesehen, als h�ttest du dich an etwas Sch�nes erinnert.�</p><p>�Stimmt�, best�tigte Simon und wollte gerade die Brille auf der Nase hochschieben. Aber im n�chsten Moment fiel ihm ein, dass er gar keine Brille mehr trug, weshalb er seine Hand langsam wieder sinken lie�. �Ich war gl�cklich hier.�</p><p>Isabelle blickte hinunter zum See. Sie trug kleine goldene Kreolen, in denen sich eine Str�hne verfangen hatte. Am liebsten h�tte Simon die Hand ausgestreckt, um ihre Haare zu befreien und ihre Wange mit seinen Fingern zu ber�hren. �Bist du das jetzt nicht mehr?�, fragte sie.</p><p>Simon zuckte die Achseln. Er beobachtete Magnus, der eine Art lange, biegsame Rute in der Hand hielt und damit etwas in den feuchten Sand am Seeufer zeichnete. Der Hexenmeister hatte ein Zauberbuch aufgeschlagen und psalmodierte leise vor sich hin. Alec sah ebenfalls in Magnus� Richtung, allerdings mit der Miene eines Menschen, der einen Wildfremden beobachtet.</p><p>�Hast du Angst?�, fragte Isabelle und kam einen Schritt auf ihn zu. Simon konnte die W�rme ihrer Haut an seinem Arm sp�ren.</p><p>�Keine Ahnung. Angst zeigt sich vor allem k�rperlich: das Herz beginnt zu pochen, man schwitzt und der Puls rast. Aber all das sp�r ich nicht mehr.�</p><p>�Echt schade�, murmelte Isabelle und blickte wieder hinaus aufs Wasser. �Schwitzende Kerle sind irgendwie scharf.�</p><p>Simon schenkte ihr ein mattes L�cheln � was ihm schwerer fiel als erwartet. Vielleicht hatte er ja doch Angst. �Jetzt reicht�s mir aber mit deinen frechen Antworten, Fr�ulein.�</p><p>Isabelles Mundwinkel kr�uselten sich, als wollte sie grinsen, doch dann seufzte sie: �Wei�t du, was ich mir fr�her nie h�tte tr�umen lassen? Dass ich mir mal einen Jungen w�nsche, der mich zum Lachen bringt.�</p><p>Simon wandte sich ihr zu und griff nach ihrer Hand; es war ihm egal, dass ihr Bruder sie beobachtete. �Izzy��</p><p>�Okay�, rief Magnus in diesem Moment. �Ich w�r dann so weit. Simon, komm hier r�ber.�</p><p>Sofort drehten beide sich wieder zum See. Magnus stand inmitten eines Kreises, der ein schwaches wei�es Licht ausstrahlte. Genau genommen handelte es sich um zwei Kreise � ein kleinerer befand sich in einem gr��eren �, zwischen die der Hexenmeister Dutzende von Symbolen gezeichnet hatte. Diese gl�hten ebenfalls in einem blauwei�en Licht, wie eine Reflexion des Sees.</p><p>Simon h�rte, wie Isabelle leise die Luft einsog. Ohne sie noch einmal anzuschauen, setzte er sich in Bewegung � sonst h�tte das die Sache nur noch schwieriger gemacht. Er lief �ber den Sand, machte einen gro�en Schritt �ber die Symbole am Rand und stellte sich neben Magnus in den Kreis. Der Blick aus der Mitte des Kreises erinnerte Simon an eine Wasserwand: Die Welt dahinter wirkte verschwommen und undeutlich.</p><p>�Hier.� Magnus dr�ckte Simon das Buch in die Hand. Das d�nne Papier war mit krakeligen Runen �bers�t, aber der Hexenmeister hatte �ber die eigentliche Beschw�rungsformel eine lautmalerische Aussprachhilfe geklebt. �Sprich das einfach nach�, murmelte er. �Das m�sste funktionieren.�</p><p>Simon klemmte sich das Zauberbuch unters Kinn, zog den Goldring, der ihn mit Clary verband, vom Finger und reichte ihn Magnus. �Falls es nicht funktioniert�, sagte er und fragte sich, woher er die Ruhe und Gelassenheit nahm, �dann sollte jemand den Ring aufbewahren � er ist unsere einzige Verbindung zu Clary und zu den Informationen, die sie gesammelt hat.�</p><p>Magnus nickte und schob sich den d�nnen Reif �ber den Finger. �Bist du so weit, Simon?�</p><p>�Hey, du hast dir ja tats�chlich meinen Namen gemerkt�, spottete Simon.</p><p>Doch Magnus warf ihm nur einen unergr�ndlichen Blick zu und trat aus dem Kreis hinaus. Sofort wirkte auch er verschwommen und unscharf. Alec stellte sich neben den Hexenmeister, w�hrend sich Isabelle auf der gegen�berliegenden Seite positionierte. Sie umklammerte ihre Ellbogen und Simon konnte selbst durch die wabernde Luft erkennen, wie besorgt sie aussah.</p><p>Simon r�usperte sich und meinte dann: �Ich sch�tze, ihr solltet jetzt besser gehen.�</p><p>Doch die drei r�hrten sich nicht von der Stelle; sie schienen darauf zu warten, dass er noch irgendetwas sagte.</p><p>�Danke, dass ihr mich hierher begleitet habt�, brachte er schlie�lich hervor und zermarterte sich das Hirn, auf der Suche nach ein paar bedeutungsvollen Worten; zumindest schienen die anderen das zu erwarten. Aber er geh�rte nun mal nicht zu den Leuten, die gro�artige Abschiedsreden schwangen oder theatralische Trennungsszenen liebten. Simon seufzte und wandte sich als Erstes an Alec: ��h, Alec. Dich hab ich immer mehr gemocht als Jace.� Simons Blick wanderte zu dem Hexenmeister. �Magnus, ich w�nschte, ich h�tte den Mut, solche Hosen zu tragen wie du.�</p><p>Und schlie�lich Izzy. Er konnte sehen, wie sie ihn durch den Dunst betrachtete; ihre Augen waren schwarz wie Obsidian.</p><p>�Isabelle�, setzte Simon an und schaute ihr ins Gesicht. Er sah den fragenden Ausdruck in ihren Augen, doch in Gegenwart von Alec und Magnus schien es nichts zu geben, was er h�tte sagen k�nnen, nichts, das seine Gef�hle auch nur ann�hernd umschrieben h�tte. Schlie�lich neigte er den Kopf. �Dann also bis bald.�</p><p>Er hatte den Eindruck, dass die drei etwas erwiderten, aber der wabernde Dunstschleier verzerrte ihre Worte. Stumm schaute er ihnen nach, als sie sich umdrehten und durch den Obstgarten hinauf zum Farmhaus liefen. Bald erkannte er nur noch drei Flecken und schlie�lich waren sie �berhaupt nicht mehr zu sehen.</p><p>Simon konnte nicht fassen, dass er vor seinem Tod nicht noch ein letztes Mal mit Clary reden w�rde � ihm wollten nicht einmal ihre letzten Worte einfallen. Und dennoch: Wenn er die Augen schloss, konnte er ihr Lachen h�ren, das vom Obstgarten her�berwehte; er konnte sich daran erinnern, wie vertraut sie miteinander waren, bevor sie �lter wurden und sich alles ver�ndert hatte. Wenn er hier sterben w�rde, w�re das vielleicht sogar ganz angemessen. Denn schlie�lich verbanden ihn einige seiner sch�nsten Erinnerungen mit diesem Ort. Falls der Engel ihn in Flammen aufgehen lie�, konnte sich seine Asche �ber dem Obstgarten und auf dem See verteilen. Irgendetwas an dieser Vorstellung erf�llte ihn mit einem Gef�hl tiefen Friedens.</p><p>Seine Gedanken wanderten zu Isabelle, danach zu seiner Familie � seine Mutter, sein Vater und Becky. Und zum Schluss dachte er an Clary. <emphasis>Wo auch immer du jetzt sein magst, du bist meine beste Freundin</emphasis> �<emphasis> und wirst es immer sein.</emphasis></p><p>Dann hob er das Zauberbuch und begann zu psalmodieren.</p><p>�Nein!�, schrie Clary und lie� das feuchte Handtuch fallen. �Jace, das darfst du nicht. Die Ratsmitglieder werden dich t�ten.�</p><p>Jace griff nach dem sauberen Hemd, streifte es �ber und kn�pfte es zu, ohne Clary dabei anzusehen. �Sie werden zuerst versuchen, mich von Sebastian zu trennen�, erwiderte er, obwohl er nicht allzu �berzeugt klang. �Erst wenn das nicht funktioniert� werden sie mich t�ten.�</p><p>�Das ist keine L�sung�, wandte Clary ein und versuchte, Jace festzuhalten.</p><p>Doch er drehte ihr den R�cken zu und zog seine Stiefel an. Als er sich ihr wieder zuwandte, lag ein grimmiger Ausdruck auf seinem Gesicht. �Mir bleibt keine andere Wahl, Clary. Ich muss das Richtige tun.�</p><p>�Das ist vollkommener Wahnsinn. Hier bist du in Sicherheit. Du kannst doch nicht einfach dein Leben wegwerfen��</p><p>�Mich selbst zu retten, w�re Hochverrat. F�r den Feind w�re ich die perfekte Waffe.�</p><p>�Wen interessiert�s, ob das Hochverrat ist? Oder gegen das Gesetz verst��t?�, fragte Clary fordernd. <emphasis>�Du</emphasis> bist mir wichtiger. Uns f�llt schon noch was ein��</p><p>�<emphasis>Es wird uns nichts einfallen.�</emphasis> Jace nahm die Stele vom Nachttisch und steckte sie ein; dann griff er sich den <emphasis>Adamant</emphasis>-Kelch. �Weil ich n�mlich nicht mehr lange ich selbst sein werde. Ich liebe dich, Clary.� Er hob ihr Gesicht an und gab ihr einen innigen Kuss. �Bitte tu das f�r mich�, fl�sterte er.</p><p>�Auf keinen Fall�, entgegnete Clary. �Ich werde dir nicht dabei helfen, dich selbst umzubringen.�</p><p>Doch Jace marschierte bereits mit langen Schritten zur T�r. Dabei zog er Clary mit sich und gemeinsam stolperten sie durch den Flur.</p><p>�Das ist vollkommen verr�ckt�, zischte Clary im Fl�sterton. �Dich selbst dieser Gefahr auszusetzen��</p><p>Jace schnaubte aufgebracht. �Als ob du was anderes tun w�rdest.�</p><p>�Stimmt � und das macht dich jedes Mal rasend�, erwiderte sie wispernd, w�hrend sie ihm die Treppe hinunter folgte. �Erinnerst du dich noch an das, was du mir in Alicante gesagt hast�?�</p><p>Inzwischen hatten sie die K�che erreicht. Jace stellte den Kelch auf die Theke und tastete nach seiner Stele. �Ich hatte nicht das Recht, so etwas zu sagen�, r�umte er ein. �Clary, das ist nun einmal der Sinn unseres Daseins. Wir sind Schattenj�ger. Das hier ist unsere Aufgabe. Wir m�ssen gewisse Risiken eingehen und damit meine ich nicht nur die, die mit einem Kampf verbunden sind.�</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf und umklammerte Jace� Handgelenke. �Das lasse ich nicht zu.�</p><p>Ein gequ�lter Ausdruck huschte �ber sein Gesicht. �Clarissa��</p><p>Clary holte tief Luft � sie konnte kaum glauben, was sie gleich tun w�rde, aber vor ihrem inneren Auge sah sie die Leichenhalle der Stillen Stadt und die Leichname von Schattenj�gern, lang ausgestreckt auf den Marmortischen. Die Vorstellung, dass Jace dazugeh�ren w�rde, konnte sie einfach nicht ertragen. Alles, was sie getan hatte � �berhaupt hierherzukommen und all die Dinge zu erdulden �, diente nur einem einzigen Zweck: Jace� Leben zu retten. Und sie hatte das alles nicht nur f�r sich selbst getan: Ihre Gedanken wanderten zu Alec und Isabelle, die ihr geholfen hatten, und zu Maryse, die Jace liebte. Im n�chsten Moment hob Clary die Stimme und rief laut: <emphasis>�Jonathan! Jonathan Christopher Morgenstern!�</emphasis></p><p>Jace starrte sie aus gro�en Augen ungl�ubig an. �Clary��, setzte er an, aber es war bereits zu sp�t.</p><p>Clary hatte seine Handgelenke losgelassen und trat einen Schritt zur�ck. Sebastian w�rde jeden Moment hier sein � sie hatte nicht einmal mehr Zeit, Jace zu erkl�ren, dass sie ihren Bruder nicht deshalb gerufen hatte, weil sie ihm pl�tzlich vertraute, sondern weil er das einzige Mittel war, mit dem sie Jace zum Bleiben zwingen konnte.</p><p>Einen Sekundenbruchteil sp�ter schnellte jemand durch den Raum und Sebastian war zur Stelle. Er hatte sich nicht die M�he gemacht, die Treppe zu nehmen, sondern war stattdessen �ber die Br�stung gesprungen und zwischen Clary und Jace gelandet. Seine Haare waren vom Schlaf zerzaust und er trug ein dunkles T-Shirt und eine schwarze Hose. Einen kurzen Moment fragte Clary sich, ob er wohl in seinen Alltags-Klamotten schlief. Sebastian schaute von Clary zu Jace und wieder zur�ck, w�hrend seine schwarzen Augen die Situation erfassten. ��rger im Paradies?�, fragte er. Irgendetwas glitzerte in seiner Hand. Ein Messer?</p><p>Clarys Stimme zitterte, als sie erwiderte: �Sein Runenmal ist besch�digt. Dieses hier.� Sie legte eine Hand auf ihr eigenes Herz. �Er will fliehen, sich dem Rat stellen��</p><p>Blitzschnell schoss Sebastians Hand vor; er schubste den Kelch auf der K�chentheke au�er Reichweite. Jace, der vor Schock noch immer kreidebleich war, stand nur da und r�hrte sich nicht von der Stelle, als Sebastian n�her trat, ihn am Kragen packte und sein Hemd aufriss. Die Kn�pfe sprangen auf und gaben den Blick auf sein Schl�sselbein frei. Mit einer raschen Bewegung ritzte Sebastian eine Heilrune tief in die Haut. Jace biss sich auf die Lippe und starrte Sebastian hasserf�llt an, als dieser ihn freigab und einen Schritt zur�cktrat, die Stele noch immer in der Hand. �Also wirklich, Jace!�, spottete Sebastian. �Das haut mich echt um! Hast du wirklich gedacht, du k�nntest mit so was davonkommen?�</p><p>Jace� H�nde ballten sich zu F�usten, w�hrend die kohlschwarze <emphasis>Iratze</emphasis> langsam in seine Haut sickerte. M�hsam stie� er hervor: �Wenn du das n�chste Mal m�chtest� dass dich was umhaut� dann helf ich dir gern. Vielleicht mit einem Ziegelstein.�</p><p>Missbilligend schnalzte Sebastian mit der Zunge. �Du wirst mir sp�ter daf�r danken. Selbst <emphasis>du</emphasis> musst doch zugeben, dass deine Todessehnsucht ein wenig �bertrieben ist.�</p><p>Clary erwartete, dass Jace ihn erneut anfauchen w�rde. Doch das tat er nicht. Stattdessen lie� er seinen Blick langsam �ber Sebastians Gesicht gleiten. In diesem Moment gab es nur ihn und Sebastian im Raum. �Ich werde mich zwar an das hier nicht mehr erinnern�, verk�ndete er mit klarer, eisiger Stimme, �aber du wirst dich daran erinnern. Deswegen lass dir eines gesagt sein: Dieser Kerl, der so tut, als sei er dein Freund�� Er trat einen Schritt vor und verk�rzte damit den Abstand zwischen Sebastian und ihm. �Dieser Kerl, der so tut, als w�rde er dich m�gen� dieser Kerl existiert nicht. Er ist nicht real. Das hier ist real. Das hier ist mein wahres Ich. Und ich hasse dich. Ich werde dich immer hassen. Und weder in dieser noch in irgendeiner anderen Welt gibt es eine Magie oder eine Beschw�rungsformel, die jemals etwas daran �ndern wird.�</p><p>Einen Moment lang schien Sebastian das Grinsen auf dem Gesicht zu erstarren. Jace dagegen l�ste unger�hrt seinen Blick von Sebastian und schaute Clary an: �Ich will, dass du die Wahrheit erf�hrst. Ich hab dir nicht alles gesagt.�</p><p>�Die Wahrheit ist gef�hrlich�, warf Sebastian ein, der die Stele wie ein Messer in der Hand hielt. �Sei vorsichtig mit dem, was du sagst.�</p><p>Jace zuckte zusammen. Seine Brust hob und senkte sich sto�weise; es war ihm anzusehen, dass das Verheilen der Rune auf seiner Brust h�llisch wehtun musste. �Der Plan, Lilith heraufzubeschw�ren und einen neuen Kelch anzufertigen, um eine dunkle Armee zu erschaffen� dieser Plan stammt nicht von Sebastian. Er stammt von<emphasis> mir.�</emphasis></p><p>Clary erstarrte. �Was?�</p><p>�Sebastian wusste zwar, was er wollte, aber ich war derjenige, der herausgefunden hat, wie sich das erreichen l�sst. Dieser zweite Engelskelch � <emphasis>ich</emphasis> hab ihn auf diese Idee gebracht.� Jace kr�mmte sich vor Schmerzen; Clary konnte sich ausmalen, was unter dem Gewebe seines Hemds gerade geschah: Seine Haut, die sich wieder schloss, Liliths Rune, die verheilte und in neuem Glanz erstrahlte. �Oder sollte ich lieber sagen, <emphasis>er</emphasis> war es� dieses Wesen, das aussieht wie ich, aber nicht ich selbst bin? <emphasis>Er</emphasis> w�rde die ganze Welt niederbrennen, wenn Sebastian es von ihm verlangt, und lachend zusehen, wie sie untergeht. Und dieses Wesen rettest du, Clary. Dieses Wesen. Verstehst du es denn nicht? Ich w�re lieber tot�� Jace verstummte abrupt und kr�mmte sich; seine Schultermuskulatur verkrampfte sich, w�hrend er vom Schmerz �berrollt wurde.</p><p>Clary erinnerte sich daran, wie sie ihn in der Stadt der Stille in den Armen gehalten hatte, als die Stillen Br�der sein Gehirn durchforstet hatten, auf der Suche nach Antworten�</p><p>Pl�tzlich schaute Jace auf, ein verwirrter Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Seine Augen suchten nicht sie, sondern Sebastian. Clarys Herz f�hlte sich mit einem Mal schwer an, obwohl sie wusste, dass es ihre eigene Schuld war.</p><p>�Was ist los?�, fragte Jace.</p><p>Sebastian grinste ihn an. �Willkommen daheim.�</p><p>Jace blinzelte einen Moment verwundert und wirkte pl�tzlich in sich gekehrt � wie jedes Mal, wenn Clary etwas zur Sprache gebracht hatte, das er nicht verarbeiten konnte: Max� Ermordung, die Schlacht in Alicante, der Kummer, den er seiner Familie bereitete. �Ist es schon so weit?�, fragte er.</p><p>Mit einer theatralischen Geste warf Sebastian einen Blick auf seine Uhr. �Beinahe. Warum gehst du nicht schon vor und wir kommen nach? Du k�nntest die ersten Vorbereitungen treffen.�</p><p>Rasch schaute Jace sich um. �Der Kelch � wo ist er?�</p><p>Sebastian nahm den Kelch von der K�chentheke. �Hier steht er doch. Sind wir heute ein wenig geistesabwesend?�</p><p>Ein L�cheln umspielte Jace� Mund und er schnappte sich den Kelch, entspannt und gut gelaunt. Nichts erinnerte an den jungen Mann, der sich wenige Momente zuvor vor Sebastian aufgebaut und ihm mitgeteilt hatte, dass er ihn hassen w�rde. �Okay, ich treff dich dann dort�, sagte er, drehte sich anschlie�end zu Clary um, die noch immer wie erstarrt war, und k�sste sie auf die Wange. �Dich nat�rlich auch.�</p><p>Als er sich von ihr l�ste und ihr zum Abschied zuwinkte, erkannte Clary aufrichtige Zuneigung in seinen Augen � doch das spielte keine Rolle. Dies hier war nicht <emphasis>ihr</emphasis> Jace, ganz eindeutig nicht. Sie schaute ihm benommen nach, w�hrend er sich vor die Wand stellte und seine Stele z�ckte. Im n�chsten Moment �ffnete sich eine T�r in der Wand und Clary konnte einen kurzen Blick auf den Himmel und eine felsige Landschaft werfen. Dann schloss sich die T�r hinter ihm und er war verschwunden.</p><p>Clary grub die Fingern�gel in die Handfl�chen.</p><p><emphasis>Dieses Wesen, das aussieht wie ich, aber nicht ich selbst bin? </emphasis>Er<emphasis> w�rde die ganze Welt niederbrennen, wenn Sebastian es von ihm verlangt, und lachend zusehen, wie sie untergeht. Und dieses Wesen rettest du, Clary. Dieses Wesen. Verstehst du es denn nicht? Ich w�re lieber tot</emphasis>�</p><p>Ein Klo� brannte in ihrer Kehle und sie zwang sich m�hsam, die Tr�nen hinunterzuschlucken, als ihr Bruder sie auch schon mit leuchtenden schwarzen Augen betrachtete. �Du hast mich gerufen�, sagte er.</p><p>�Jace wollte sich dem Rat stellen�, wisperte Clary, wobei sie nicht wusste, wem gegen�ber sie sich eigentlich verteidigte. Sie hatte getan, was getan werden musste, mit der einzigen Waffe, die ihr zur Verf�gung stand � auch wenn sie diese abgrundtief verabscheute. �Der Rat h�tte ihn get�tet.�</p><p>�Du hast tats�chlich <emphasis>mich</emphasis> gerufen�, wiederholte Sebastian und trat einen Schritt auf sie zu. Langsam nahm er eine von Clarys Haarstr�hnen, die ihr ins Gesicht gefallen war, und schob sie ihr hinters Ohr. �Dann hat er dich also eingeweiht? Dir den ganzen Plan erz�hlt?�</p><p>Clary musste sich beherrschen, um nicht vor Abscheu zur�ckzuzucken. �Nein, nicht den ganzen Plan. Ich wei� zum Beispiel nicht, was heute Abend passieren soll. Was hat Jace mit �Ist es schon so weit?� gemeint?�</p><p>Sebastian beugte sich vor und k�sste Clary auf die Stirn; sie sp�rte, wie der Kuss ihr die Haut versengte, wie ein Brandmal. �Das wirst du bald erfahren�, erkl�rte er. �Denn du hast es dir wirklich verdient, dabei zu sein, Clarissa. Heute Nacht wirst du alles beobachten k�nnen, von deinem Platz an meiner Seite. Auf dem Gel�nde der Siebten Weihest�tte. Valentins Kinder, beide vereint� endlich.�</p><p>Simon hielt den Blick auf das Papier geheftet und psalmodierte die Laute, die Magnus f�r ihn niedergeschrieben hatte. Die Worte besa�en einen Rhythmus, der wie Musik klang, leicht, pr�gnant und lieblich. Das Ganze erinnerte ihn daran, wie er bei seiner Bar Mizwa den Abschnitt aus den Prophetenb�chern vorgelesen hatte. Allerdings wusste er damals, was die Worte zu bedeuten hatten � ganz im Gegensatz zu diesen Lauten.</p><p>W�hrend er weiter psalmodierte, sp�rte er, wie sich die Luft um ihn herum verdichtete und schwerer anf�hlte. Sie dr�ckte f�rmlich auf Schultern und Brust und wurde von Sekunde zu Sekunde w�rmer. W�re er noch ein Mensch gewesen, h�tte er die Hitze wahrscheinlich nicht ausgehalten. Zuerst f�hlte er nur, wie sie ihm auf der Haut brannte, seine Wimpern versengte und sein T-Shirt ankokelte. Trotzdem blickte Simon weiterhin auf das Buch vor ihm, bis ihm ein Blutstropfen von der Stirn perlte und auf das Papier tropfte.</p><p>Kurz darauf hatte er es geschafft; das letzte Wort der Inkantation � �Raziel� � war ausgesprochen und Simon hob den Kopf. Er konnte f�hlen, wie ihm das Blut mittlerweile als d�nnes Rinnsal �ber das Gesicht lief. Der Dunst um ihn herum hatte sich gelichtet und vor sich sah er die Fluten des Sees, blau und funkelnd und so klar wie Glas.</p><p>Und dann explodierte das Gew�sser.</p><p>Die Mitte des Sees nahm erst eine goldene und danach eine schwarze T�nung an. Das Wasser wich zur Seite zur�ck, str�mte in Richtung Ufer und schoss schlie�lich in einer Font�ne in die Luft. Simon starrte auf einen Ring aus Wasser �ber dem See, wie ein Kreis ununterbrochener Wasserf�lle, die schimmernd in die H�he sprudelten und sich dann nach unten ergossen � ein Anblick von bizarrer, seltsamer Sch�nheit. Wassertr�pfchen spr�hten auf ihn herab und k�hlten seine gl�hende Haut. Er legte den Kopf in den Nacken, als sich der Himmel verfinsterte: Das strahlende Blau wurde von einer pl�tzlich heranrollenden Dunkelheit verschlungen. Dann fiel die Font�ne in sich zusammen und aus ihrer silbernen Mitte erhob sich eine Gestalt aus strahlendem Gold.</p><p>Simon bekam einen trockenen Mund. Er hatte zwar schon zahllose Gem�lde von Engeln gesehen, seit seiner Kindheit an ihre Existenz geglaubt und Magnus� warnende Worte deutlich geh�rt. Dennoch hatte er das Gef�hl, von einem Speer durchbohrt zu werden, als sich zwei Schwingen vor ihm ausbreiteten. Sie schienen die gesamte Himmelsspanne zu umfassen. Beide Engelsfl�gel schimmerten wei�, golden und silbern und auf jeder einzelnen Feder prangte ein gro�es goldenes Auge. Und diese Augen musterten ihn ver�chtlich. Dann setzten sich die Schwingen in Bewegung, vertrieben die dunkelgrauen Wolken vor ihnen und falteten sich nach hinten� und ein Mann � besser gesagt die Gestalt eines �berdimensional gro�en Mannes � kam zum Vorschein und stieg aus dem See empor.</p><p>Simons Z�hne begannen zu klappern. Er konnte nicht genau sagen warum, aber Wogen der Macht � die Urgewalt des Universums � schienen von dem Engel auszugehen, bis er sich schlie�lich in seiner ganzen Pracht pr�sentierte. Ein bizarrer Gedanke schoss Simon durch den Kopf: Das Ganze sah aus, als h�tte sich jemand Jace geschnappt und ihn auf die Gr��e einer riesigen Reklametafel aufgeblasen. Nur mit dem Unterschied, dass der Engel nicht ganz wie Jace aussah: Er war �ber und �ber mit Gold bedeckt, von den Schwingen �ber seine Haut bis zu den Augen, wobei die Aug�pfel nicht wei�, sondern golden gl�nzten. Sein flie�endes Haar wirkte wie Ketten aus Silber und Gold. Der Anblick des Engels war atemberaubend und Furcht einfl��end zugleich. Zu viel von einer Sache kann jemanden zerst�ren, dachte Simon. Zu viel Dunkelheit mag t�dlich sein, aber zu viel Licht kann das Auge erblinden lassen.</p><p>Und dann ert�nte in Simons Kopf die Stimme des Engels, die wie das L�uten gro�er Glocken klang: <emphasis>Wer wagt es, mich herbeizurufen?</emphasis></p><p>Eine schwierige Frage, �berlegte Simon. Wenn er Jace gewesen w�re, h�tte er �einer der Nephilim� antworten k�nnen; h�tte er in Magnus� Haut gesteckt, h�tte er �einer von Liliths Kindern und Oberster Hexenmeister von Brooklyn� erwidern k�nnen. Clary und der Engel waren einander bereits begegnet, deshalb nahm Simon an, dass sie einfach nur ihre Freundschaft vertieft h�tten. Aber er war nun mal Simon, ohne jeden Beinamen oder irgendwelche heldenhaften Taten, die er in der Vergangenheit geleistet hatte. �Simon Lewis�, sagte er schlie�lich, legte das Zauberbuch beiseite und richtete sich auf. �Kind der Nacht und� Euer ergebener Diener.�</p><p><emphasis>Mein ergebener Diener?</emphasis> Eisige Missbilligung sprach aus Raziels Stimme. <emphasis>Du rufst mich herbei wie einen streunenden Hund und wagst es, dich als mein Diener zu bezeichnen? Du sollst aus dieser Welt verbannt werden, auf dass dein Schicksal anderen eine Warnung ist. Meinen eigenen Nephilim ist es untersagt, mich heraufzubeschw�ren. Warum sollten f�r dich andere Regeln gelten, Tageslichtler?</emphasis></p><p>Eigentlich sollte es ihn nicht �berraschen, dass der Engel wusste, wer er war, �berlegte Simon. Aber es war trotzdem verbl�ffend � genauso verbl�ffend wie die enorme Gr��e des Engels. Irgendwie hatte er angenommen, Raziel w�re menschlicher. �Ich��</p><p><emphasis>Glaubst du, ich m�sste Erbarmen mit dir haben, nur weil du das Blut eines meiner Nachfahren in dir tr�gst? In diesem Falle hast du dein Gl�ck versucht und verloren. Himmlisches Erbarmen wird denjenigen zuteil, die es verdienen. Und nicht denjenigen, die gegen unsere Gesetze versto�en.</emphasis> Der Engel hob eine Hand und zeigte mit dem Finger direkt auf Simon.</p><p>Simon wappnete sich. Dieses Mal versuchte er erst gar nicht, die Worte zu sprechen, sondern dachte sie lieber nur: <emphasis>H�re, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig</emphasis>�</p><p><emphasis>Was ist das f�r ein Mal?</emphasis> Raziel klang verwirrt. <emphasis>Dieses Mal auf deiner Stirn, Kind.</emphasis></p><p>�Es ist <emphasis>das</emphasis> Mal�, stammelte Simon. �Das allererste Runenmal. Das Kainsmal.�</p><p>Raziel lie� langsam den Arm sinken. <emphasis>Ich w�rde dich t�ten, doch das Mal hindert mich daran. Dieses Mal, das nur von himmlischer Hand zwischen deine Brauen h�tte gesetzt werden d�rfen. Doch ich wei�, dass dies nicht zutrifft. Wie ist das m�glich?</emphasis></p><p>Die offensichtliche Verwirrung des Engels schenkte Simon neuen Mut. �Eines Eurer Kinder, Eurer Nephilim��, setzte er an. �Eine Nephilim mit einer besonderen Gabe� Sie hat es dort aufgetragen, um mich zu sch�tzen.� Vorsichtig trat er n�her an den Rand des Kreises. �Raziel, ich bin hier, um Euch um einen Gefallen zu bitten, im Namen Eurer Nephilim. Sie befinden sich in gro�er Gefahr. Einer der ihren wurde� wurde von der Dunkelheit erfasst und bedroht nun alle anderen. Die Nephilim ben�tigen Eure Hilfe.�</p><p><emphasis>Ich mische mich grunds�tzlich nicht ein.</emphasis></p><p>�Aber das habt Ihr bereits getan�, widersprach Simon. �Als Jace starb, habt Ihr ihn von den Toten zur�ckgeholt. Nat�rlich waren wir alle wahnsinnig gl�cklich dar�ber, aber wenn Ihr Euch nicht eingeschaltet h�ttet, w�rde das alles nicht passieren. Deshalb seid Ihr im Grunde daf�r verantwortlich, das Ganze wieder in Ordnung zu bringen.�</p><p><emphasis>Ich bin zwar nicht in der Lage, dich zu t�ten,</emphasis> sinnierte Raziel, <emphasis>trotzdem w�sste ich nicht, warum ich dir geben soll, was du von mir verlangst.</emphasis></p><p>�Ich habe doch noch gar nicht gesagt, was ich verlange�, warf Simon ein.</p><p><emphasis>Du willst eine Waffe. Etwas, das Jonathan Morgenstern von Jonathan Herondale trennen kann. Du w�rdest damit den einen t�ten und den anderen am Leben erhalten. Nat�rlich w�re es am leichtesten, wenn man einfach beide t�tet. Euer Jonathan war bereits tot und vielleicht sehnt sich der Tod seit diesem Moment nach ihm und umgekehrt. Ist dir dieser Gedanke eigentlich schon einmal gekommen?</emphasis></p><p>�Nein�, r�umte Simon ein. �Verglichen mit Euch sind wir zwar nicht so bedeutend, aber wir t�ten unsere Freunde nicht. Wir versuchen, sie zu retten. Wenn der Himmel das nicht gewollt h�tte, dann h�tte er uns nicht die Gabe der Liebe schenken d�rfen.� Simon schob seine Haare aus der Stirn, sodass sein Mal deutlich zum Vorschein trat. �Ihr habt recht, Ihr braucht mir nicht zu helfen. Aber wenn Ihr das nicht tut, werde ich Euch wieder und wieder herbeirufen, jetzt, da ich wei�, dass Ihr mich nicht t�ten k�nnt. Ab sofort werde ich an Eurer himmlischen T�rklingel lehnen� auf immer und ewig.�</p><p>Bei diesen Worten schien Raziel � unglaublicherweise � leise in sich hineinzulachen. <emphasis>Du bist sehr hartn�ckig. Ein wahrhaftiger Krieger deines Volks, genau wie der, dessen Namen du tr�gst, Simon Makkab�us</emphasis>. <emphasis>Und so wie er alles f�r seinen Bruder Jonathan gegeben hat, so wirst auch du alles f�r deinen Jonathan geben. Oder bist du dazu nicht bereit?</emphasis></p><p>�Ich mache das nicht nur f�r ihn�, erkl�rte Simon leicht verwirrt. �Aber, okay, ich werde alles tun, was immer Ihr verlangt.�</p><p><emphasis>Wenn ich deinen Wunsch erf�lle, gelobst du dann, mich nicht mehr zu bel�stigen?</emphasis></p><p>�Ich denke nicht, dass das ein Problem sein d�rfte�, sagte Simon.</p><p><emphasis>Also gut,</emphasis> beschied der Engel. <emphasis>Ich werde dir verraten, was ich verlange. Ich verlange dieses blasphemische Mal auf deiner Stirn. Ich werde dir das Kainsmal nehmen, denn es war nie deine Aufgabe, es zu tragen.</emphasis></p><p>�Ich� aber wenn Ihr mir das Mal nehmt, dann k�nnt Ihr mich t�ten�, meinte Simon. �Das Kainsmal ist schlie�lich das Einzige, das zwischen mir und Eurem himmlischen Zorn steht, oder?�</p><p>Der Engel schwieg einen Moment, um dar�ber nachzudenken. <emphasis>Ich werde geloben, dir keinen Schaden zuzuf�gen. Ob du nun das Mal tr�gst oder nicht.</emphasis></p><p>Simon z�gerte.</p><p>In dem Augenblick verfinsterte sich die Miene des Engels. <emphasis>Das Gel�bde eines himmlischen Engels ist das Heiligste, das diese Welt kennt. Wagst du es wirklich, mir zu misstrauen, Tageslichtler?</emphasis></p><p>�Ich�� Simon zauderte einen qualvollen Moment lang. Vor seinem inneren Auge sah er Clary, die sich auf die Zehenspitzen gestellt hatte und ihm die Stele an die Stirn dr�ckte. Au�erdem erinnerte er sich daran, wie das Kainsmal zum ersten Mal seinen Dienst verrichtet hatte. Als die pure Energie mit t�dlicher Kraft durch ihn hindurchfuhr, hatte er sich wie ein Blitzableiter gef�hlt. Dieses Mal war ein Fluch, der ihm furchtbare Angst einjagte und andere vor ihm erzittern lie�. Er hasste es. Und dennoch� jetzt, da er es aufgeben sollte, dieses Zeichen, das ihn zu etwas Besonderem machte�</p><p>Simon musste schlucken. �Okay. Ja. Ich bin einverstanden.�</p><p>Der Engel l�chelte � ein Furcht einfl��endes L�cheln, als w�rde man direkt in die Sonne blicken. <emphasis>Dann gelobe ich, dir keinen Schaden zuzuf�gen, Simon Makkab�us.</emphasis></p><p>�Lewis�, sagte Simon. �Mein Nachname ist Lewis.�</p><p><emphasis>Aber du bist vom Blute und Glauben der Makkab�er. Es hei�t, die Makkab�er seien von Gottes Hand gezeichnet. Auf jeden Fall bist du ein himmlischer Krieger, Tageslichtler, ob es dir nun gef�llt oder nicht,</emphasis> erwiderte der Engel und setzte sich in Bewegung.</p><p>Simons Augen begannen zu tr�nen, denn Raziel schien den Himmel mit sich zu ziehen wie ein Tuch, in schwarzen, silbernen und wolkenwei�en Wirbeln. Die Luft um ihn herum erbebte. Pl�tzlich blitzte �ber ihm etwas auf, wie glei�endes Metall, dann bohrte sich ein Objekt klirrend neben Simon in den Boden.</p><p>Im feuchten Sand steckte ein Schwert, das nach nichts Besonderem aussah � einfach nur ein abgewetztes altes Eisenschwert mit einem schwarz angelaufenen Heft. Die Klinge war zerkl�ftet, als h�tte sich S�ure in die Kanten gefressen; lediglich die Spitze schien messerscharf zu sein. Die Waffe sah nach einem Fundst�ck bei einer arch�ologischen Grabung aus, das noch nicht sorgf�ltig gereinigt worden war.</p><p>Im n�chsten Moment wandte der Engel sich wieder an Simon:</p><cite><p>Es begab sich aber, als Josua bei Jericho war, dass er seine Augen erhob und sich umsah; und siehe, ein Mann stand ihm gegen�ber, der hatte ein blo�es Schwert in seiner Hand. Und Josua ging zu ihm und sprach zu ihm: Geh�rst du uns an oder unsern Feinden? Er sprach: Nein, sondern ich bin der F�rst �ber das Heer des Herrn; jetzt bin ich gekommen!</p></cite><p>Fragend warf Simon einen Blick auf den nicht besonders vielversprechenden Gegenstand auf dem Boden: �Und das soll dieses Schwert sein?�</p><p><emphasis>Dies ist das Flammenschwert des Erzengels Michael, F�rst �ber das Heer des Herrn. Es besitzt die Kraft des Himmlischen Feuers. Wenn ihr euren Feind damit trefft, wird es alles B�se in ihm ausbrennen. �berwiegt das B�se in ihm, weil er eher ein Gesch�pf der H�lle als des Himmels ist, so wird das Schwert ihm zugleich den Lebensatem nehmen. Auf jeden Fall wird es den Bund mit eurem Freund zertrennen. Und es kann nur jeweils einem von beiden Schaden zuf�gen.</emphasis></p><p>Simon b�ckte sich und hob das Schwert auf. Die Ber�hrung jagte einen elektrischen Schlag durch seinen Arm, bis hinauf in sein pulsloses Herz. Instinktiv hob er die Waffe und die Wolkendecke �ber ihm teilte sich. Ein Lichtstrahl fuhr vom Himmel in das matte Metall des Schwerts herab und lie� es sirren.</p><p>Der Engel musterte Simon mit k�hlem Blick. <emphasis>Der wahre Name dieses Schwertes kann von deiner k�mmerlichen, menschlichen Zunge nicht ausgesprochen werden. Du darfst es �Glorious� nennen.</emphasis></p><p>�Ich��, setzte Simon an. �Vielen Dank.�</p><p><emphasis>Danke mir nicht. Ich h�tte dich get�tet, Tageslichtler, aber dein Mal</emphasis> �<emphasis> und nun mein Gel�bde</emphasis> �<emphasis> verhindern das. Das Kainsmal h�tte nur von Gott aufgetragen werden d�rfen und das ist in deinem Falle nicht geschehen. Von nun an soll es von deiner Stirn genommen und sein Schutz dir entzogen sein. Und wenn du mich noch einmal herbeirufst, werde ich dir nicht helfen.</emphasis></p><p>Augenblicklich gewann der Lichtstrahl aus den Wolken an Leuchtkraft; er traf das Schwert wie eine Feuerpeitsche und umgab Simon mit einem K�fig aus grellem, hei�em Licht. Im n�chsten Moment begann das Schwert zu brennen. Simon schrie auf und sackte zusammen, w�hrend ein sengender Schmerz durch seinen Kopf schoss. Er hatte das Gef�hl, als w�rde jemand eine gl�hende Nadel in seine Stirn bohren. Hilflos schlug er die H�nde vors Gesicht, begrub den Kopf unter den Armen und lie� den Schmerz �ber sich hinwegrollen � die schlimmsten Qualen seit jener Nacht, in der er gestorben war.</p><p>Nach einer Weile verebbte der Schmerz. Simon drehte sich auf den R�cken und starrte in den Himmel, sein Sch�del brummte. Die dunklen Wolken zogen sich langsam zur�ck und lie�en einen breiten Streifen des blauen Himmels zum Vorschein kommen. Der Engel war verschwunden und der See brandete unter dem anschwellenden Licht, als w�rde sein Wasser kochen.</p><p>Simon setzte sich langsam auf und blinzelte schmerzhaft in die Sonne. Dann sah er, wie jemand �ber den Weg vom Haus hinunter zum See st�rmte.</p><p>Eine Gestalt mit langen schwarzen Haaren und einer violetten Jacke, die sich hinter ihr aufbauschte, als h�tte sie Fl�gel. Schlie�lich erreichte die Gestalt das Ende des Wegs und sprang mit langen Schritten �ber den seichten Uferbereich, wobei ihre Stiefel kleine Sandwolken aufwirbelten. Dann war sie bei ihm, warf sich f�rmlich auf ihn und schlang die Arme um ihn. �Simon�, wisperte sie.</p><p>Er konnte den kr�ftigen, gleichm��igen Schlag von Isabelles Herz an seiner Brust f�hlen.</p><p>�Ich hab gedacht, du w�rst tot�, stie� sie hervor. �Ich hab gesehen, wie du umgekippt bist und� und da dachte ich, du w�rst tot.�</p><p>Simon st�tzte sich auf die H�nde und lie� sich von Isabelle umarmen. Dabei kam er sich vor wie ein Schiff, das mit einem Loch in der Bordwand zur Seite hing. Er versuchte, sich nicht zu bewegen, weil er f�rchtete, sonst umzukippen. �Ich <emphasis>bin</emphasis> tot�, erwiderte er.</p><p>�Ich wei߫, fauchte Isabelle. �Ich meinte damit: noch toter als sonst.�</p><p>�Izzy.� Simon hob das Gesicht. Die junge Schattenj�gerin kniete �ber ihm, ihre Arme um seinen Hals geschlungen. Irgendwie sah es ziemlich unbequem aus. Deshalb lie� Simon sich nach hinten sinken, bis er mit dem R�cken auf dem kalten Sand auftraf. Isabelle lag nun auf ihm, sodass er in ihre schwarzen Augen schauen konnte, die den ganzen Himmel auszuf�llen schienen.</p><p>Verwundert ber�hrte Isabelle seine Stirn. �Dein Mal ist verschwunden.�</p><p>�Raziel hat es mir genommen. Im Tausch gegen das Schwert.� Simon deutete auf die Waffe. Am Farmhaus konnte er zwei dunkle Gestalten vor der Veranda erkennen, die zu ihnen hinunterschauten. Alec und Magnus. �Das ist das Schwert des Erzengels Michael und es tr�gt den Namen <emphasis>Glorious.�</emphasis></p><p>�Simon�� Isabelle k�sste ihn auf die Wange. �Du hast es geschafft. Du hast den Engel herbeigerufen. Und du hast das Schwert.�</p><p>Inzwischen kamen auch Magnus und Alec den Weg zum See hinunter. Ersch�pft schloss Simon die Augen.</p><p>Isabelle beugte sich �ber ihn und ihre Haare streichelten seine Wangen. �Versuch, nicht zu reden.� Sie duftete nach Tr�nen. �Du bist nicht mehr verflucht�, wisperte sie. �Du bist nicht l�nger verflucht.�</p><p>Simon verschr�nkte seine Finger mit Isabelles. Er hatte das Gef�hl, als w�rde er auf einem dunklen Fluss treiben, dessen Schatten ihn allm�hlich verschluckten. Nur Isabelles Hand verankerte ihn noch mit dem rettenden Ufer. �Ich wei�.�</p></section><section><title><p>19</p><p>Liebe und Blut</p></title><p>Sorgf�ltig und systematisch durchk�mmte Clary Jace� Zimmer. Sie trug noch immer ihr Tr�gerhemd, hatte sich aber eine Jeans angezogen; ihr Haar war zu einem zerzausten Knoten hochgesteckt und Staub klebte an ihren Fingern�geln. Sie hatte auf der Suche nach einer zweiten Stele unter Jace� Bett nachgesehen, in allen Schubladen und Kommoden, unter Kleiderschrank und Schreibtisch und in allen Taschen seiner Kleidung � doch vergebens.</p><p>Sebastian hatte sie erz�hlt, sie sei ersch�pft und m�sse sich unbedingt hinlegen; daraufhin hatte ihr Bruder nur stumm genickt und sie mit einer geistesabwesenden Handbewegung nach oben geschickt. W�hrend Clary jeden Winkel des Zimmers absuchte, tauchten vor ihrem inneren Auge immer wieder Bilder von Jace auf � wie er sie angesehen hatte, als f�hlte er sich hintergangen, als w�rde er sie nicht mehr kennen. Doch es hatte keinen Zweck, jetzt dar�ber nachzudenken. Nat�rlich konnte sie sich auf die Bettkante setzen, die H�nde vors Gesicht schlagen und hei�e Tr�nen vergie�en beim Gedanken an das, was sie getan hatte, doch damit w�re niemandem gedient. Sie war es Jace und sich selbst schuldig weiterzumachen. Weiterzusuchen. Wenn sie doch nur eine Stele finden k�nnte�</p><p>Clary hob gerade die Matratze an, um den Bereich zwischen der Auflage und dem Bettgestell zu �berpr�fen, als es pl�tzlich an der T�r klopfte. Resigniert lie� sie die Matratze fallen, zumal sie auch dort keine Stele hatte finden k�nnen. Dann ballte sie die H�nde zu F�usten, holte tief Luft, marschierte zur T�r und riss sie auf.</p><p>Sebastian stand im Rahmen. Zum ersten Mal trug er etwas anderes als seine �bliche schwarze und wei�e Kleidung � zwar noch immer seine schwarze Hose und Stiefel, aber dar�ber eine Uniformjacke aus scharlachrotem Leder, die mit kunstvoll verschlungenen, goldenen und silbernen Runen versehen war und von einer Reihe Metallschnallen zusammengehalten wurde. An beiden Handgelenken schimmerten silberne Armb�nder und an seinem Finger funkelte der Morgenstern-Ring.</p><p>Verwundert blinzelte Clary ihn an. �Rot?�</p><p>�F�r Zeremonien�, erwiderte Sebastian. �Farben haben f�r uns Nephilim eine andere Bedeutung als f�r Menschen�, fuhr er fort und sprach das letzte Wort voller Verachtung aus. �Du kennst doch den alten Schattenj�ger-Kinderreim, oder etwa nicht?</p><poem><stanza><v>Schwarz f�r die Jagd in tiefer Nacht</v><v>Wei� f�r Tod und Totenwacht</v><v>Gold f�r die Braut im Hochzeitskleid</v><v>Und Rot f�r Magie und Zauberzeit.</v></stanza></poem><p>�Schattenj�ger heiraten in Gold?�, fragte Clary. Im Grunde war ihr das egal, aber sie versuchte, Sebastian abzulenken, w�hrend sie sich so in den Spalt zwischen T�r und Rahmen schob, dass er nicht an ihr vorbeisehen und das Chaos bemerken konnte, in das sie Jace� normalerweise aufger�umtes Zimmer verwandelt hatte.</p><p>�Tut mir leid, wenn ich deine Tr�ume von einer Hochzeit in Wei� vernichtet habe�, grinste Sebastian. �Apropos, ich hab hier was zum Anziehen f�r dich�, f�gte er hinzu und brachte ein gefaltetes Kleidungsst�ck zum Vorschein, das er bis dahin hinter dem R�cken verborgen hatte.</p><p>Clary nahm es entgegen und faltete es auseinander: ein langes Kleid aus flie�endem, scharlachrotem Stoff, das einen seltsamen goldenen Glanz besa�, wie der Rand einer Flamme.</p><p>�Unsere Mutter hat dieses Kleid immer bei den Zeremonien des Kreises getragen, ehe sie unseren Vater hintergangen hat�, erkl�rte Sebastian. �Zieh es an. Ich m�chte, dass du es heute Nacht tr�gst.�</p><p>�Heute <emphasis>Nacht?�</emphasis></p><p>�Na ja, du kannst ja wohl schlecht in den Sachen, die du jetzt tr�gst, bei der Zeremonie auftauchen.� Sein Blick streifte �ber Clarys K�rper, von den nackten F��en �ber das verschwitzte Tr�gerhemd, das an ihrer Haut klebte, bis hin zu ihrer staubigen Jeans. �Es ist wichtig, wie du heute Nacht aussiehst� welchen Eindruck du auf unsere neuen Gefolgsleute machst. Also zieh es an.�</p><p>Clarys Gedanken �berschlugen sich f�rmlich. <emphasis>Die Zeremonie heute Nacht. Unsere neuen Gefolgsleute.</emphasis> �Wie viel Zeit hab ich� um mich umzuziehen?�, fragte sie.</p><p>�Eine Stunde, wenn �berhaupt. Wir sollten um Mitternacht an der Weihest�tte sein. Die anderen werden sich dort versammeln. Und es empfiehlt sich nicht, zu sp�t zu kommen.�</p><p><emphasis>Eine Stunde.</emphasis> Mit pochendem Herzen warf Clary das Kleid auf das Bett, wo es wie ein Kettenhemd schimmerte und gl�nzte. Als sie sich wieder umdrehte, stand Sebastian noch immer in der T�r, ein schiefes L�cheln im Gesicht. Es sah so aus, als beabsichtigte er, dort stehenzubleiben und zu warten, w�hrend Clary sich umzog. Resolut versuchte Clary, die T�r zu schlie�en.</p><p>Doch Sebastian packte sie am Handgelenk. �Heute Nacht wirst du mich mit Jonathan ansprechen. Jonathan Morgenstern. Dein Bruder.�</p><p>Clary jagte ein Schauer �ber den R�cken und sie senkte rasch den Blick, damit Sebastian den Hass darin nicht sehen konnte. �Von mir aus�, murmelte sie.</p><p>Als Sebastian gegangen war, schnappte Clary sich eine von Jace� Lederjacken, streifte sie �ber und fand Trost in der W�rme und Jace� vertrautem Geruch. Dann zog sie ihre Schuhe an, schlich sich hinaus in den Flur und w�nschte sich sehnlichst eine Stele, um sich erneut mit einer Unh�rbarkeitsrune versehen zu k�nnen. Aus dem Erdgeschoss drang das Ger�usch von flie�endem Wasser und Sebastians unmelodisches Pfeifen, doch ihre eigenen Schritte klangen in ihren Ohren noch immer wie Kanonensch�sse. Vorsichtig huschte sie weiter, immer dicht an der Wand entlang, bis sie Sebastians Zimmer erreichte und hineinschl�pfte.</p><p>Der Raum war dunkel � durch die Fenster fiel lediglich etwas Licht von den Stra�enlaternen � und unaufger�umt, genau wie bei Clarys erstem Erkundungsrundgang. Sie begann ihre Suche beim Schrank, der bis zum Rand mit teurer Kleidung vollgestopft war: Seidenhemden, Lederjacken, Armani-Anz�ge und Schuhe von Bruno Magli. Auf dem untersten Regalboden lag ein wei�es Hemd, zusammengekn�llt und blutverschmiert. Allerdings war das Blut so alt, dass es inzwischen nicht mehr rot, sondern br�unlich geworden war. Clary betrachtete es lange und schloss dann den Schrank.</p><p>Als N�chstes durchsuchte sie den Schreibtisch, jede einzelne Schublade, und st�berte in den Dokumenten, die darauf herumlagen. Eigentlich hatte sie gehofft, einen eindeutigen Hinweis zu finden, wie etwa eine linierte Notizblockseite mit der �berschrift �Mein teuflischer Plan�, doch vergebens. Stattdessen stie� sie auf Dutzende Zettel mit komplizierten numerischen und alchemistischen Berechnungen und sogar auf einen Briefbogen, der in Sebastians krakeliger Handschrift mit �Meine Sch�ne� begann. Einen Moment fragte Clary sich, wer um alles auf der Welt Sebastians Sch�ne sein mochte � in ihren Augen war er niemand, der gegen�ber irgendjemandem romantische Gef�hle entwickeln konnte. Dann wandte sie sich dem Nachttisch an seinem Bett zu.</p><p>Sie zog die Schublade auf. Darin stapelten sich haufenweise Zettel. Obenauf lag etwas Gl�nzendes� ein rundes Objekt aus Metall.</p><p>Ihr Elbenring.</p><p>Isabelle hatte einen Arm um Simon gelegt, w�hrend sie gemeinsam nach Brooklyn zur�ckfuhren. Er war ersch�pft, sein Sch�del brummte und sein ganzer K�rper schmerzte. Magnus hatte ihm zwar den Ring zur�ckgegeben, doch er hatte Clary noch immer nicht erreichen k�nnen. Aber das Schlimmste war der nagende Hunger. Obwohl es ihm gefiel, dass Isabelle dicht neben ihm sa� und ihre Hand feine Muster auf seinen Unterarm bis hinunter zum Handgelenk malte, lie� ihr Duft � Parf�m und Blut � seinen Magen hungrig knurren.</p><p>Drau�en wurde es allm�hlich dunkel; die sp�therbstliche Sonne stand bereits sehr tief und tauchte das Innere des Transporters in ein schummriges Licht. Alecs und Magnus� Stimmen drangen ged�mpft aus den Schatten neben ihm. Simon sp�rte, wie ihm die Lider zufielen, und sah vor seinem inneren Auge den Engel Raziel wie eine Explosion aus glei�endem Licht.</p><p><emphasis>Simon!</emphasis></p><p>Clarys Stimme explodierte f�rmlich in seinem Kopf und riss ihn aus seinem D�mmerzustand.</p><p><emphasis>Simon! H�rst du mich?</emphasis></p><p>Keuchend setzte Simon sich auf. <emphasis>Clary? Ich hab mir solche Sorgen gemacht</emphasis>�</p><p><emphasis>Sebastian hatte mir den Ring weggenommen. Simon, uns bleibt vielleicht nicht viel Zeit, aber ich muss dir unbedingt etwas sagen: Sebastian und Jace haben einen zweiten Engelskelch. Sie wollen Lilith heraufbeschw�ren und eine Armee Dunkler Nephilim erschaffen</emphasis> �<emphasis> Krieger mit denselben Kr�ften wie die Schattenj�ger, aber mit der D�monenwelt verb�ndet.</emphasis></p><p>�Das ist doch nicht dein Ernst!�, stie� Simon hervor und erkannte erst nach einem Moment, dass er das laut ausgesprochen hatte.</p><p>Isabelle setzte sich unruhig neben ihm auf und Magnus warf ihm einen neugierigen Blick zu. �Alles in Ordnung, Vampir?�</p><p>�Ich rede gerade mit Clary�, erkl�rte Simon, woraufhin ihn die drei mit gro�en, verwunderten Augen anschauten. �Sie will mir was sagen.� Simon hielt sich die H�nde �ber die Ohren, rutschte tiefer in den Sitz und versuchte, sich auf Clarys Worte zu konzentrieren. <emphasis>Wann werden sie diesen Plan umsetzen?</emphasis></p><p><emphasis>Heute Nacht. Schon bald. Ich wei� nicht, wo wir im Moment sind, aber hier ist es ungef�hr zehn Uhr abends.</emphasis></p><p><emphasis>Dann seid ihr etwa f�nf Stunden vor unserer Zeit. Befindet ihr euch in Europa?</emphasis></p><p><emphasis>Ich hab keine Ahnung. Sebastian hat irgendeinen Ort erw�hnt</emphasis>�<emphasis> die Siebte Weihest�tte. Ich wei� nicht, was das ist, aber ich habe ein paar von seinen Notizen gefunden und anscheinend handelt es sich um ein steinzeitliches Grabmal. Das Ganze sieht aus wie eine Art Portal, durch das man D�monen heraufbeschw�ren kann</emphasis>.</p><p><emphasis>Clary, davon hab ich noch nie geh�rt</emphasis>�</p><p><emphasis>Aber Magnus vielleicht oder die anderen. Bitte, Simon, rede so schnell wie m�glich mit ihnen: Sebastian plant, Lilith wiederzuerwecken. Er will einen Krieg, einen Krieg gegen die Nephilim. Und er hat etwa vierzig Schattenj�ger auf seine Seite gezogen. Sie werden ebenfalls an dieser Weihest�tte sein. Simon, Sebastian will die ganze Welt in Schutt und Asche legen. Wir m�ssen alles in unserer Macht Stehende tun, um ihn aufzuhalten.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn die Situation so gef�hrlich ist, musst du zusehen, dass du da wegkommst.</emphasis></p><p><emphasis>Das versuche ich ja.</emphasis> Clary klang ersch�pft. <emphasis>Aber es k�nnte bereits zu sp�t sein.</emphasis></p><p>Vage nahm Simon wahr, dass die anderen drei ihn besorgt anstarrten. Aber es war ihm egal. Clarys Stimme in seinem Kopf erschien ihm wie ein Seil, das sich �ber eine tiefe Schlucht erstreckte: Wenn er nur kr�ftig genug an seinem Seilende zog, gelang es ihm vielleicht, Clary in Sicherheit zu bringen oder zumindest vor einem Absturz zu bewahren.</p><p><emphasis>Clary, h�r mir gut zu: Ich kann jetzt nicht ins Detail gehen, daf�r ist die Geschichte zu lang, aber wir haben eine Waffe. Ein Schwert, das entweder bei Jace oder Sebastian angewendet werden kann, ohne den jeweils anderen zu verletzen. Und laut</emphasis>�<emphasis> laut der Person, die uns das Schwert gegeben hat, ist diese Waffe m�glicherweise in der Lage, die beiden voneinander zu trennen.</emphasis></p><p><emphasis>Voneinander zu trennen? Wie soll das funktionieren?</emphasis></p><p><emphasis>Uns wurde gesagt, das Schwert w�rde alles B�se in demjenigen ausbrennen, gegen den wir es verwenden. Wenn wir es also gegen Sebastian einsetzen, w�rde es meiner Vermutung nach die Verbindung zwischen ihm und Jace zerst�ren, denn dieser Bund ist b�se.</emphasis> Simon sp�rte, wie sein Kopf dr�hnte, und hoffte inst�ndig, zuversichtlicher zu klingen, als er sich f�hlte. <emphasis>Ich bin mir nicht ganz sicher. Auf jeden Fall ist dieses Schwert sehr m�chtig. Es hei�t �brigens �Glorious�.</emphasis></p><p><emphasis>Man k�nnte es gegen Sebastian einsetzen? Es w�rde die Verbindung zwischen den beiden zerst�ren, ohne sie zu t�ten?</emphasis></p><p><emphasis>Na ja, das ist zumindest der Plan. Nat�rlich besteht die Chance, dass das Schwert Sebastian vernichtet. Das h�ngt davon ab, ob das B�se in ihm �berwiegt und er �eher ein Gesch�pf der H�lle als des Himmels� ist. Ich glaube, so oder so �hnlich hat der Engel es formuliert</emphasis>�</p><p><emphasis>Der Engel?</emphasis> Clarys Best�rzung war f�rmlich zu sp�ren. <emphasis>Simon, was habt ihr</emphasis>�<emphasis>?</emphasis></p><p>Pl�tzlich brach ihre Stimme ab und Simon nahm eine F�lle heftiger Gef�hle wahr: �berraschung, Wut, Angst. Schmerz. Er schrie auf und setzte sich ruckartig auf. <emphasis>Clary?</emphasis></p><p>Doch in seinem Kopf herrschte nur l�hmende Stille.</p><p><emphasis>Clary!,</emphasis> rief er und wandte sich dann an die anderen: �Verdammt. Ich hab sie schon wieder verloren.�</p><p>�Was ist passiert?�, dr�ngte Isabelle. �Geht es ihr gut? Was l�uft da ab?�</p><p>�Ich f�rchte, wir haben viel weniger Zeit als gedacht�, erkl�rte Simon wesentlich ruhiger, als er tats�chlich war. �Magnus, halt an. Wir m�ssen reden. Sofort.�</p><p>�Also�, setzte Sebastian an und versperrte den T�rrahmen, w�hrend er auf Clary hinabblickte. �K�nnte man das jetzt als D�j�-vu bezeichnen, wenn ich dich frage, was du in meinem Zimmer machst, Schwesterherz?�</p><p>Clary musste schlucken; ihre Kehle war pl�tzlich wie ausgetrocknet. Wegen des hellen Lichts im Flur konnte Clary nur Sebastians Silhouette erkennen, nicht aber den Ausdruck auf seinem Gesicht. �Ich hab dich gesucht��, erwiderte sie auf gut Gl�ck.</p><p>�Du sitzt auf meinem Bett�, bemerkte er. �Hast du gedacht, ich liege darunter?�</p><p>�Ich��</p><p>Sebastian l�ste sich von der T�r und kam ins Zimmer, schlenderte regelrecht, als w�sste er etwas, das Clary nicht wusste. Etwas, das niemand anderes wusste. �Also, warum hast du nach mir gesucht? Und weshalb bist du noch nicht umgezogen?�</p><p>�Das Kleid� es� passt nicht�, log Clary.</p><p>�Selbstverst�ndlich passt es�, entgegnete Sebastian, setzte sich neben sie auf das Bett und schaute sie an. �Alle anderen Kleidungsst�cke passen dir doch. Also sollte dieses auch passen.�</p><p>�Aber das hier ist aus Chiffon und dieses Seidengewebe l�sst sich nicht dehnen.�</p><p>�Du bist so ein kleines, mageres Ding. Das Kleid m�sste eigentlich auch so sitzen.� Sebastian nahm Clarys rechtes Handgelenk, woraufhin sie hastig die Finger kr�mmte im verzweifelten Versuch, den Ring zu verbergen. �Meine Finger k�nnen dein Handgelenk locker umfassen.�</p><p>Seine Haut f�hlte sich hei� an und prickelte wie tausend Nadelstiche. Clary erinnerte sich wieder an jenen Moment in Idris, als ihr Handgelenk nach Sebastians Ber�hrung furchtbar gebrannt hatte. �Diese Siebte Weihest�tte��, setzte sie an, ohne Sebastian dabei anzuschauen, �� ist das der Ort, zu dem Jace aufgebrochen ist?�</p><p>�Ja, ich hab ihn vorausgeschickt. Er bereitet alles f�r unsere Ankunft vor. Wir treffen ihn dort.�</p><p>Clary sank der Mut. �Dann kommt er nicht hierher zur�ck?�</p><p>�Nein, jedenfalls nicht vor der Zeremonie.�</p><p>Aus dem Augenwinkel nahm Clary das matte L�cheln wahr, das Sebastians Mundwinkel umspielte.</p><p>�Und das ist auch gut so, denn er w�re furchtbar entt�uscht, wenn ich ihm hiervon erz�hlen w�rde�, fuhr Sebastian fort, schob seine Hand blitzschnell �ber Clarys und bog ihre Finger auseinander. Der Goldring strahlte ihnen entgegen wie ein Leuchtfeuer. �Hast du etwa geglaubt, ich w�rde einen von Elfenhand gefertigten Ring nicht erkennen? H�ltst du die K�nigin des Lichten Volkes tats�chlich f�r solch eine N�rrin, dass sie dich losschickt, um diese Ringe f�r sie zu holen, ohne gleichzeitig genau zu wissen, dass du sie f�r dich behalten wirst? Die K�nigin <emphasis>wollte,</emphasis> dass du diesen Ring hierherbringst, wo ich ihn dann finden w�rde.� Mit einem h�mischen Grinsen riss Sebastian Clary den goldenen Reif vom Finger.</p><p>�Du hast mit der K�nigin gesprochen?�, fragte Clary fordernd. �Wie?�</p><p>�Mithilfe dieses Rings�, s�uselte Sebastian.</p><p>Clary erinnerte sich wieder an das, was die Elbenk�nigin mit ihrer hohen, lieblichen Stimme gesagt hatte: <emphasis>Jonathan Morgenstern k�nnte ein m�chtiger Verb�ndeter werden. Das Lichte Volk ist sehr alt; wir treffen keine un�berlegten Entscheidungen, sondern warten erst einmal ab, in welche Richtung der Wind sich dreht.</emphasis></p><p>�Hast du ernsthaft gedacht, sie w�rde dir ein Objekt in die H�nde spielen, das dir die Kommunikation mit deinen kleinen Freunden erlaubt, ohne gleichzeitig daf�r zu sorgen, dass sie alles mith�ren kann? Seit dem Moment, in dem ich dir den Ring abgenommen habe, stehen wir in st�ndigem Kontakt. Es war dumm von dir, ihr zu vertrauen, Schwesterherz. Die K�nigin des Lichten Volkes zieht es vor, auf Seiten der Gewinner zu stehen. Und das wird unsere Seite sein, Clary. Unsere�, erkl�rte er mit tiefer, leiser Stimme. �Vergiss deine Schattenj�ger-Freunde. Dein Platz ist an unserer Seite. An meiner Seite. Dein Blut schreit nach Macht, genau wie meines. Ganz egal, was deine Mutter mit deinem Verstand angestellt hat: Tief in dir drin wei�t du genau, wer du bist.� Sebastian packte Clary erneut am Handgelenk und zog sie zu sich heran. �Jocelyn hat ausschlie�lich falsche Entscheidungen getroffen: Sie hat sich mit dem Rat gegen ihre Familie verb�ndet. Das hier ist deine Chance, ihre Fehler wiedergutzumachen.�</p><p>Clary versuchte, ihm ihr Handgelenk zu entziehen. �Lass mich los, Sebastian. Das ist mein Ernst.�</p><p>Seine Hand glitt zwar von ihrem Gelenk, aber nur, um Jace� Jacke hinaufzuwandern und Clary dann fest am Oberarm zu packen. �Du bist so ein winziges Ding. Wer h�tte gedacht, dass in dir trotzdem ein kleiner Vulkan steckt? Vor allem im Bett.�</p><p>Ruckartig sprang Clary auf und riss sich von ihm los. �Was hast du gerade gesagt?�, fauchte sie.</p><p>Auch Sebastian erhob sich, ein sp�ttisches Grinsen um die Lippen. Er war so viel gr��er als Clary, dass er sie um Hauptesl�nge �berragte. Dann beugte er sich zu ihr hinunter und stie� mit leiser, heiserer Stimme hervor: �Jede noch so kleine Verletzung, die Jace zugef�gt wird, sp�re auch ich. Auch die deiner Fingern�gel� Acht parallele Kratzer auf meinem R�cken, Schwesterherz. Oder stammen die etwa nicht von dir?�</p><p>In Clarys Kopf machte es �Plopp� wie bei einem verpufften Feuerwerk. Sie starrte in sein grinsendes Gesicht und musste an Jace denken und dann an Simon und ihr Gespr�ch wenige Minuten zuvor. Wenn die K�nigin wirklich alles mith�ren konnte, dann wusste sie vermutlich bereits von dem Schwert. Aber Sebastian nicht. Und er durfte unter keinen Umst�nden davon erfahren.</p><p>Blitzschnell riss sie ihm den Ring aus der Hand und warf ihn auf den Boden. Sie h�rte zwar noch, wie Sebastian aufbr�llte, aber sie hatte bereits mit dem Schuh auf den Ring getreten und f�hlte, wie er nachgab und unter ihrem Absatz zu Goldstaub zerbr�selte.</p><p>Ungl�ubig starrte er sie an, w�hrend Clary ihren Fu� wegnahm. �Du��, stie� er hervor.</p><p>Doch Clary wartete nicht l�nger: Sie holte mit ihrer rechten Hand aus und rammte ihm die Faust in den Magen.</p><p>Sebastian war gr��er, breiter und st�rker als sie, aber sie hatte das �berraschungsmoment auf ihrer Seite. R�chelnd kr�mmte er sich zusammen, w�hrend Clary sich die Stele aus seinem G�rtel schnappte. Und dann rannte sie los.</p><p>Magnus riss das Lenkrad so ruckartig herum, dass die Reifen quietschten. Isabelle schrie auf und Sekunden sp�ter holperten sie auch schon auf den Seitenstreifen und hielten im Schatten mehrerer fast kahler B�ume.</p><p>Dann flogen die T�ren auf und alle Insassen taumelten hinaus auf den Asphalt. Die Sonne war fast untergegangen, weshalb Magnus die Scheinwerfer des Transporters eingeschaltet hatte und sie nun in ein unheimliches Licht getaucht wurden.</p><p>�Okay, Vampir�, stie� Magnus hervor und sch�ttelte den Kopf derart heftig, dass Glitter in alle Richtungen flog. �Was zum Teufel ist hier los?�</p><p>Alec lehnte sich gegen den Wagen, w�hrend Simon rasch die Situation erkl�rte und das Gespr�ch mit Clary m�glichst genau wiederholte, bevor ihm wichtige Details wieder entfielen.</p><p>�Hat sie irgendetwas dar�ber gesagt, dass sie und Jace abhauen?�, fragte Isabelle, als Simon seinen Bericht beendet hatte; ihr Gesicht wirkte bleich im gelblichen Licht der Scheinwerfer.</p><p>�Nein�, sagte Simon. �Und� und ich glaube auch nicht, dass Jace abhauen will, Izzy. Er will genau dort sein, wo er gerade ist.�</p><p>Isabelle verschr�nkte die Arme und schaute auf ihre Stiefel. Die schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht.</p><p>�Was hat es eigentlich mit dieser Siebten Weihest�tte auf sich?�, hakte Alec nach. �Ich kenne zwar die Sieben Weltwunder, aber von den Sieben Weihest�tten hab ich noch nie geh�rt.�</p><p>�Diese Weihest�tten sind f�r Hexenwesen interessanter als f�r Nephilim�, erl�uterte Magnus. �Es handelt sich dabei um besondere Orte, an denen mehrere Kraftlinien � sogenannte Ley-Linien � zusammenkommen und eine Matrix bilden, eine Art Netz, in dem Zauber- und Beschw�rungsformeln verst�rkt werden. Die Siebte Weihest�tte ist eine steinerne Grabkammer in Irland: <emphasis>Poll na mBr�n</emphasis>. Der Name bedeutet �H�hle der Sorgen�. Das Grabmal liegt in einer sehr rauen, menschenleeren Gegend namens <emphasis>Burren</emphasis>. Ein geeigneter Ort zum Heraufbeschw�ren eines D�mons, insbesondere eines sehr m�chtigen.� Nachdenklich zupfte er an einer seiner abstehenden Haarspitzen. �Das ist schlecht. Richtig schlecht.�</p><p>�Meinst du, Sebastian ist dazu in der Lage, Dunkle Schattenj�ger zu erschaffen?�, fragte Simon.</p><p>�Alles ist mit bestimmten Kr�ften verbunden: Die Nephilim besitzen seraphische Kr�fte, aber w�rde man diese in d�monische verwandeln, dann w�ren sie noch genauso stark und m�chtig wie jetzt, w�rden sich aber der Ausrottung der Menschheit widmen statt deren Rettung.�</p><p>�Wir m�ssen unbedingt dorthin�, sagte Isabelle. �Wir m�ssen sie aufhalten.�</p><p>��Ihn� meinst du wohl�, warf Alec ein. �Wir m�ssen <emphasis>ihn</emphasis> aufhalten. Sebastian.�</p><p>�Jace ist jetzt sein Verb�ndeter. Das musst du endlich akzeptieren, Alec�, erkl�rte Magnus. Ein leichter Nieselregen hatte eingesetzt und die Tropfen schimmerten im Scheinwerferlicht wie Gold. �Irland ist f�nf Stunden vor unserer Zeit. Die Zeremonie soll um Mitternacht stattfinden. Wir haben hier jetzt f�nf Uhr nachmittags, das hei�t, uns bleiben eineinhalb � maximal zwei � Stunden, um sie aufzuhalten.�</p><p>�Dann sollten wir hier nicht l�nger herumstehen, sondern uns auf den Weg machen�, sagte Isabelle, mit einem Anflug von Panik in der Stimme. �Wenn wir sie stoppen wollen��</p><p>�Izzy, wir sind nur zu viert�, gab Alec zu bedenken. �Wir wissen ja noch nicht einmal, mit wie vielen Schattenj�gern wir es aufnehmen m�ssen��</p><p>Simon warf Magnus einen Blick zu, der die Diskussion zwischen Alec und Isabelle mit seltsam distanzierter Miene beobachtete, und fragte ihn dann: �Warum haben wir uns eigentlich nicht hierher teleportiert? Du hast schlie�lich halb Idris durch ein Portal zur Brocelind-Ebene geschickt.�</p><p>�Ich wollte dir die Chance geben, deine Meinung zu �ndern�, erkl�rte Magnus, ohne dabei den Blick von seinem Freund abzuwenden.</p><p>�Aber wir k�nnten uns von hier aus nach Irland teleportieren�, sagte Simon. �Ich meine, dazu w�rst du doch in der Lage, oder?�</p><p>�Ja, schon, aber wie Alec bereits sagte, wissen wir nicht, mit wie vielen wir es zu tun haben. Ich bin zwar ein ziemlich m�chtiger Hexenmeister, aber Jonathan Morgenstern ist kein gew�hnlicher Schattenj�ger und das Gleiche gilt f�r Jace. Und wenn es ihnen gelingt, Lilith heraufzubeschw�ren� Sie wird zwar deutlich geschw�cht sein, aber sie bleibt immer noch Lilith.�</p><p>�Aber sie ist doch tot�, warf Isabelle ein. �Simon hat sie get�tet.�</p><p>�D�monenf�rsten sterben nicht�, erwiderte Magnus. �Simon hat� sie zwischen den Welten zerstreut. Es wird sehr lange dauern, bis sie sich wieder zusammengesetzt hat, und sie wird viele Jahre lang ziemlich schwach sein. Es sei denn, Sebastian ruft sie erneut herbei�, f�gte er hinzu und fuhr sich mit der Hand durch die feuchten, spitzen Haare.</p><p>�Wir haben das Schwert�, sagte Isabelle. �Damit k�nnen wir Sebastian ausschalten. Und wir haben Magnus und Simon��</p><p>�Aber wir wissen nicht einmal, ob das Schwert tats�chlich funktioniert�, entgegnete Alec. �Und es nutzt uns nicht viel, wenn wir nicht an Sebastian herankommen. Au�erdem ist Simon nicht l�nger Mister Unzerst�rbar. Er kann genau wie wir anderen get�tet werden.�</p><p>Alle Augen richteten sich auf Simon. �Wir m�ssen es trotzdem versuchen�, sagte er. �Mag sein, dass wir die Anzahl der Gegner nicht kennen, aber wenn Magnus uns teleportiert, bleibt uns zwar nicht viel, aber dennoch gen�gend Zeit, um Verst�rkung zu holen.�</p><p>�Verst�rkung? Und woher soll die kommen?�, fragte Isabelle fordernd.</p><p>�Ich werd Maia und Jordan fragen�, erkl�rte Simon, w�hrend er in Gedanken rasch alle M�glichkeiten durchging. �Vielleicht kann Jordan ja die Unterst�tzung von den <emphasis>Praetor Lupus</emphasis> anfordern. Magnus, du teleportierst dich zur alten Polizeiwache und versuchst, m�glichst viele Rudelmitglieder zu mobilisieren. Isabelle und Alec��</p><p>�Du willst uns aufteilen?�, hakte Isabelle mit erhobener Stimme nach. �Warum schicken wir denn keine Flammenbotschaften oder�?�</p><p>�Weil niemand einer Flammenbotschaft mit einem derartigen Inhalt trauen w�rde�, erl�uterte Magnus. �Au�erdem ist diese Kommunikationsform den Nephilim vorbehalten. Willst du wirklich eine derart brisante Information dem Rat per Flammenbotschaft �bermitteln, statt das Institut pers�nlich aufzusuchen?�</p><p>�Also gut.� Isabelle marschierte zur Beifahrert�r, riss sie auf, stieg aber nicht ein, sondern holte <emphasis>Glorious</emphasis> hervor. Das Schwert schimmerte in der D�mmerung wie ein schwarzer Blitz und die in die Klinge gepr�gten Worte leuchteten im Scheinwerferlicht auf: <emphasis>Quis ut Deus?</emphasis></p><p>Isabelles schwarze Haare waren inzwischen vom Nieselregen feucht geworden und klebten an ihrem Hals. Die junge Schattenj�gerin sah unglaublich eindrucksvoll aus, w�hrend sie zu den anderen zur�ckkehrte. �Dann lassen wir den Wagen hier stehen, teilen uns auf und treffen uns in einer Stunde im Institut. Von dort aus brechen wir auf, egal wer uns dann begleitet.� Herausfordernd schaute sie in die Runde. �Simon, du nimmst das hier an dich�, kommandierte sie und hielt ihm <emphasis>Glorious</emphasis> mit dem Heft entgegen.</p><p>�Ich?�, rief Simon verbl�fft. �Aber ich� ich hab noch nie ein Schwert in der Hand gehabt� ich wei� gar nicht, wie man damit umgeht.�</p><p>�Du hast es herbeigerufen�, erwiderte Isabelle mit gl�nzenden dunklen Augen. �Der Engel hat es dir �bergeben, Simon, und du wirst auch derjenige sein, der es f�hrt.�</p><p>Clary rannte durch den Flur und flog f�rmlich die Stufen hinunter, um die Stelle an der K�chenwand zu erreichen, die laut Jace der einzige Ein- und Ausgang der Wohnung war.</p><p>Dabei gab sie sich keinerlei Illusionen hin, dass ihr die Flucht gelingen w�rde. Sie brauchte nur ein paar Sekunden, um das zu tun, was getan werden musste. Hinter sich h�rte sie Sebastians schwere Stiefel auf der Glastreppe und sie beschleunigte ihre Schritte, sodass sie fast gegen die Wand prallte. Hastig rammte sie die Spitze der Stele in das Mauerwerk und zeichnete fieberhaft: <emphasis>eine Rune so schlicht wie ein Kreuz und so frisch auf dieser Welt wie ein Neugeborenes</emphasis>�</p><p>Sebastian packte Clary an Jace� Jacke im R�cken und riss sie so heftig zur�ck, dass ihr die Stele aus der Hand flog. Keuchend schnappte sie nach Luft, als er sie hochhob und mit voller Wucht gegen die Wand schleuderte. Er warf einen kurzen Blick auf die Zeichnung und verzog sp�ttisch die Lippen. �Eine Entriegelungsrune?�, h�hnte er. Dann beugte er sich vor und zischte ihr ins Ohr: �Und du hast sie noch nicht einmal fertiggestellt. Nicht, dass es irgendeine Rolle spielen w�rde. Glaubst du ernsthaft, auf dieser Welt g�be es auch nur einen Ort, an dem ich dich nicht finden w�rde?�</p><p>Clary reagierte mit einem Schimpfwort, das ihr an ihrer alten Highschool einen Klassenverweis eingehandelt h�tte. Als Sebastian zu lachen begann, holte Clary aus und verpasste ihm eine derart schallende Ohrfeige, dass ihre eigenen Finger prickelten. �berrascht lockerte Sebastian seinen Griff und Clary riss sich los, machte einen Salto �ber den Tisch und st�rmte in Richtung ihres Zimmers, das zumindest ein T�rschloss hatte�</p><p>Doch im n�chsten Moment verstelle Sebastian ihr den Weg, packte sie am Jackenkragen und wirbelte sie herum. Clarys F��e verloren den Halt und sie w�re gest�rzt, wenn Sebastian sie nicht mit seinem K�rper an die Wand gepresst h�tte, seine Arme links und rechts von ihr, sodass sie wie in einem K�fig gefangen war.</p><p>Ein sardonisches Grinsen verzerrte seine Z�ge � der elegante Junge, der mit ihr an der Seine entlanggeschlendert war, hei�e Schokolade getrunken und von Zugeh�rigkeit gesprochen hatte, war verschwunden. Seine Augen waren absolut schwarz� bodenlos wie tiefe Brunnen. �Was ist los, Schwesterherz? Du wirkst betr�bt.�</p><p>Clary bekam kaum Luft und stie� m�hsam hervor: �Hab mir� beim Ohrfeigen� deiner nichtsnutzigen Visage� den Nagellack ruiniert� siehst du?� Sie zeigte ihm ihren Finger � den Mittelfinger.</p><p>�Ach, wie niedlich.� Sebastian schnaubte. �Wei�t du, woher ich gewusst habe, dass du uns verraten w�rdest? Dass du gar nicht anders konntest? Ich wusste es, weil du mir zu �hnlich bist.� Er presste ihren R�cken noch fester gegen die Wand.</p><p>Clary konnte sp�ren, wie sich seine Brust an ihrer hob und senkte. Sie befand sich auf Augenh�he mit seinem geraden, kantigen Schl�sselbein. Sein K�rper nagelte sie fest. �Ich bin dir kein bisschen �hnlich. Lass mich los��</p><p>�Du bist haargenau wie ich�, knurrte er ihr ins Ohr. �Du hast dich bei uns eingeschlichen. Hast Freundschaft vorget�uscht und Zuneigung.�</p><p>�Bei Jace brauchte ich keine Zuneigung vorzut�uschen.�</p><p>In dem Moment blitzte etwas in Sebastians Augen auf � eine d�stere Eifersucht, wobei Clary nicht einmal wusste, auf wen er eifers�chtig war. Dann brachte er seine Lippen an ihre Wange, so nah, dass sie deren Bewegungen f�hlen konnte, als er heiser erwiderte: �Du hast es uns ordentlich besorgt.� Seine Hand lag wie ein Schraubstock um Clarys linken Arm und bewegte sich nun langsam nach unten. �Hast es Jace vermutlich im w�rtlichen Sinne besorgt��</p><p>Clary zuckte zusammen � sie konnte einfach nichts dagegen tun � und sp�rte im n�chsten Moment, wie Sebastian scharf die Luft einzog.</p><p>�Also stimmt es: Du hast mit ihm geschlafen.� Er klang fast, als h�tte sie ihn betrogen.</p><p>�Das geht dich nichts an�, konterte Clary.</p><p>Doch Sebastian packte sie grob am Kinn und drehte ihren Kopf zu sich, damit sie ihn ansah. �Selbst die beste Nummer holt deinen Jace nicht wieder zur�ck. Trotzdem ein h�bsch herzloser Versuch.� Sein Mund verzog sich zu einem kalten L�cheln. �Du wei�t, dass er sich daran nicht erinnern wird, oder? Hat er dich wenigstens ordentlich rangenommen? Weil ich das n�mlich getan h�tte.�</p><p>Bei dieser Bemerkung schmeckte Clary, wie ihr bittere Gallenfl�ssigkeit in die Kehle stieg. �Du bist mein Bruder�, stie� sie hervor.</p><p>�Das ist in unserem Fall v�llig bedeutungslos. Wir sind keine Menschen. Deren Regeln gelten nicht f�r uns. Dumme Vorschriften dar�ber, wessen DNA mit wem vermischt werden darf. Und heuchlerisch, wenn man es genau betrachtet: Schlie�lich sind wir bereits Experimente. �brigens haben schon die Herrscher im alten �gypten sich mit ihren Geschwistern verm�hlt. Cleopatra hat ihren Bruder geheiratet. Das st�rkt die Blutlinie.�</p><p>Clary musterte ihn voller Verachtung. �Ich hab ja gewusst, dass du nicht mehr alle Tassen im Schrank hast. Aber mir war nicht klar, dass du total durchgeknallt bist.�</p><p>�Nein, meines Erachtens ist daran nichts verr�ckt. Zu wem geh�ren wir denn, wenn nicht zueinander?�</p><p>�Jace�, stie� Clary hervor. �Ich geh�re zu Jace.�</p><p>Sebastian schnaubte ver�chtlich. �Vor mir aus kannst du ihn haben.�</p><p>�Ich dachte, du w�rdest ihn brauchen?�</p><p>�Das tu ich auch. Aber nicht f�r das, wof�r du ihn brauchst.� Seine H�nde umfassten pl�tzlich Clarys Taille. �Wir k�nnen ihn teilen. Es ist mir egal, was du mit ihm treibst � solange du nur wei�t, dass du mir geh�rst.�</p><p>Clary hob die H�nde, um ihn wegzusto�en. �Ich geh�re dir nicht. Ich geh�re nur mir selbst.�</p><p>Doch der Ausdruck in seinen Augen lie� sie erstarren. �Ich denke, du wei�t genau, dass das nicht stimmt�, entgegnete er � und dann presste er seinen Mund hart auf ihre Lippen.</p><p>Einen Moment lang f�hlte Clary sich nach Idris zur�ckversetzt, als Sebastian sie auf dem H�gel oberhalb der Ruinen des niedergebrannten Fairchild-Herrenhauses gek�sst und sie den Eindruck gehabt hatte, in tiefe Dunkelheit zu fallen, in einen endlosen Tunnel. Damals hatte sie gedacht, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmen w�rde� dass sie niemanden au�er Jace k�ssen k�nnte� dass sie v�llig verkorkst war.</p><p>Doch inzwischen wusste sie es besser. Sebastians Mund bewegte sich �ber ihren Mund, hart und kalt wie eine Rasierklinge, und im n�chsten Augenblick stellte Clary sich auf die Zehenspitzen und biss ihm kr�ftig in die Lippe.</p><p>Sebastian schrie auf und drehte sich von ihr weg, eine Hand an seinem Mund. Clary schmeckte sein Blut, wie bitteres Kupfer; es tropfte ihm vom Kinn, w�hrend er sie ungl�ubig anstarrte. �Du��, setzte er an.</p><p>Aber Clary wirbelte herum und trat ihm mit voller Kraft in den Magen, der nach ihrem vorherigen Faustschlag hoffentlich noch empfindlich war. Als Sebastian sich zusammenkr�mmte, st�rmte sie an ihm vorbei, in Richtung Glastreppe. Doch bevor sie die Stufen erreichte, sp�rte sie, wie er sie erneut am Kragen packte, sie herumschleuderte wie einen Baseballschl�ger und dann mit voller Wucht gegen die Mauer schmetterte. Der Aufprall lie� Clary auf die Knie sinken und verzweifelt nach Luft schnappen.</p><p>W�tend marschierte Sebastian auf sie zu, ballte und dehnte die H�nde an seinen H�ften; seine Augen gl�nzten schwarz und Furcht einfl��end wie bei einem Hai.</p><p>Clary wusste, dass sie eigentlich Angst h�tte haben sollen, aber eine kalte, klare Wut hatte sie erfasst. Sie hatte das Gef�hl, alles in Zeitlupe wahrzunehmen, und sie erinnerte sich an den Kampf in dem Prager Tr�delladen und daran, wie sie in ihre eigene Welt eingetaucht war, in der all ihre Handlungen so pr�zise ineinandergegriffen hatten wie das R�derwerk einer Uhr. Als Sebastian sich zu ihr hinunterbeugte, dr�ckte Clary sich vom Boden ab, machte eine Scherenbewegung mit den Beinen und fegte ihm die F��e unter dem K�rper weg.</p><p>Sebastian st�rzte nach vorn, doch Clary rollte sich blitzschnell auf die Seite und sprang auf die Beine. Dieses Mal versuchte sie erst gar nicht fortzulaufen. Stattdessen schnappte sie sich die Porzellanvase vom Tisch und zog sie Sebastian �ber den Sch�del, als dieser sich gerade aufrappelte. Die Vase zersplitterte in tausend Scherben und verteilte Wasser und Bl�tter in alle Richtungen, w�hrend Sebastian r�ckw�rtstaumelte und sich ein dunkler Blutfleck in seinem silberhellen Haar ausbreitete.</p><p>Er stie� ein heiseres Knurren aus und warf sich mit einem Sprung auf sie. Clary hatte das Gef�hl, von einer Abrissbirne getroffen zu werden: Sie flog r�ckw�rts auf den Tisch, krachte durch die Glasplatte hindurch und fiel in einem Hagel aus Scherben auf den Boden. Als Sebastian auf ihr landete und ihren R�cken in die Glassplitter dr�ckte, schrie sie vor Schmerz auf. Mit wutverzerrten Lippen holte er aus und schlug ihr mit dem Handr�cken ins Gesicht. Blut und Tr�nen schossen ihr in die Augen und nahmen ihr die Sicht; sie w�rgte und hustete und dann riss sie das Knie hoch und rammte es ihm in den Magen. Aber es hatte den Anschein, als w�rde sie gegen eine Wand treten.</p><p>Sebastian packte ihre H�nde und dr�ckte sie mit eisernem Griff neben ihre H�ften. �Clary, Clary, Clary�, stie� er keuchend hervor. Wenigstens hatte sie ihn ganz sch�n au�er Puste gebracht. Blut rann in einem d�nnen Strom aus einer Wunde an seiner Schl�fe und f�rbte seine Haare scharlachrot. �Wirklich nicht schlecht. In Idris hattest du als K�mpferin nicht viel drauf�, h�hnte er.</p><p>�Lass mich los��</p><p>Doch er senkte den Kopf und seine Zunge schoss ruckartig hervor. Clary versuchte noch, das Gesicht wegzudrehen, aber er war schneller und leckte ihr grinsend das Blut von der Wange. Sein Grinsen lie� seine Lippe aufplatzen, sodass weiteres Blut von seinem Kinn tropfte. �Du hast mich gefragt, zu wem ich geh�re�, fl�sterte er heiser. �Ich geh�re zu dir. Dein Blut ist mein Blut, deine Knochen sind meine Knochen. Schon bei unserer allerersten Begegnung bin ich dir bekannt vorgekommen, stimmt�s? Genau wie du mir.�</p><p>Fassungslos starrte Clary ihn an. �Du hast v�llig den Verstand verloren.�</p><p>�Aber so steht es in der Bibel, im Hohelied Salomos: �Du hast mir das Herz genommen, meine Schwester, meine Braut, mit einem einzigen deiner Blicke, mit einem einzigen Kettchen von deinem Hals!�� Sebastians Finger strichen �ber Clarys Kehle und hakten sich in ihre Kette, die Kette, an der immer der Morgenstern-Ring gehangen hatte.</p><p>Einen Moment lang fragte Clary sich, ob er ihr die Luftr�hre zudr�cken w�rde.</p><p>�Ich schlafe, aber mein Herz wacht. Da ist die Stimme meines Freundes, der anklopft! <emphasis>Tue mir auf, meine Schwester, meine Freundin.� </emphasis>Sebastians Blut tropfte auf ihr Gesicht. Unter Aufbietung all ihrer Kr�fte machte Clary sich steif, als seine Hand von ihrer Kehle �ber ihre Schulter und Seite bis hinunter zur Taille wanderte. Dann schob er seine Finger in den Bund ihrer Jeans. Seine Haut gl�hte und Clary konnte f�hlen, dass er sie wollte.</p><p>�Du liebst mich nicht�, brachte sie mit d�nner Stimme hervor, da er ihr die Luft aus der Lunge presste. Sie erinnerte sich an die Worte ihrer Mutter: Jedes Gef�hl, das Sebastian zeigt, ist nur vorget�uscht. Pl�tzlich war Clary hellwach und dankte stumm ihrem Kampfesrausch daf�r, dass sie einen klaren Kopf behielt, obwohl Sebastians Ber�hrungen ihr �belkeit bereiteten.</p><p>�Und dir ist es doch v�llig egal, ob ich dein Bruder bin oder nicht�, entgegnete er. �Ich wei�, was du f�r Jace empfunden hast, selbst als du dachtest, er sei dein Bruder. Mir kannst du nichts vormachen.�</p><p>�Jace ist besser als du.�</p><p>�Niemand ist besser als ich.� Ein h�misches Grinsen, das nur aus wei�en Z�hnen und Blut zu bestehen schien, breitete sich auf seinem Gesicht aus. ��Ein verschlossener Garten ist meine Schwester, meine Braut; ein verschlossener Born, ein versiegelter Quell.� Aber das stimmt nicht mehr, hab ich recht? Daf�r hat Jace bereits gesorgt�, stie� Sebastian hervor und fummelte an ihrem Jeansknopf herum.</p><p>Clary nutzte die Gelegenheit, dass er einen Moment abgelenkt war, und griff nach einer gro�en, dreieckigen Glasscherbe, die neben ihr auf dem Boden lag. Dann rammte sie ihm die zerkl�ftete Spitze in die Schulter, wobei ihr das Glas tief in die Finger schnitt.</p><p>Sofort schrie Sebastian auf und wich zur�ck, aber offenbar mehr vor �berraschung als vor Schmerz, denn seine Kampfmontur sch�tzte ihn. Erneut holte Clary aus; dieses Mal jagte sie ihm die Scherbe in den Oberschenkel, und als er zur�ckfuhr, rammte sie ihm den Ellbogen gegen den Kehlkopf. Pfeifend fiel Sebastian auf die Seite, w�hrend Clary sich wegrollte, auf ihn warf und ihm die blutige Scherbe aus dem Bein riss. Blitzschnell hob sie den Arm, zielte auf die pulsierende Ader an seinem Hals� und hielt abrupt inne.</p><p>Sebastian lachte. Er lag unter ihr und lachte; sein Gel�chter vibrierte durch Clarys K�rper. Seine Haut war blutverschmiert � von Clarys Blut, das auf ihn herabtropfte, und seinem eigenem Blut, aus der Wunde an seinem Kopf, an der seine verfilzten silberwei�en Haare klebten. Er lie� die H�nde fallen und breitete die Arme wie Schwingen aus � ein aus dem Himmel gefallener, gebrochener Engel.</p><p>�T�te mich, Schwesterherz�, stie� er hervor. �T�te mich und du t�test auch Jace.�</p><p>W�tend lie� Clary die Scherbe herabsausen.</p></section><section><title><p>20</p><p>Eine T�r ins Dunkel</p></title><p>Clary schrie aus purer Frustration laut auf, als sich die Glasscherbe in den Holzboden bohrte, nur wenige Zentimeter von Sebastians Kehle entfernt. Sie sp�rte, wie er unter ihr lachte.</p><p>�Du schaffst es nicht�, grinste er. �Du schaffst es nicht, mich zu t�ten.�</p><p><emphasis>�Du</emphasis> kannst von mir aus zur H�lle fahren�, knurrte Clary. �Aber Jace kann ich nicht t�ten.�</p><p>�Das l�uft auf dasselbe hinaus�, erwiderte er und setzte sich derartig schnell auf, dass Clary es kaum wahrnahm. Dann schlug er ihr mit solcher Wucht ins Gesicht, dass sie �ber den mit Glassplittern �bers�ten Boden rutschte und gegen die Wand prallte. Keuchend schnappte sie nach Luft und spuckte Blut. Sie hielt sich ihren Arm vor den Kopf; vom Geruch und metallischen Geschmack ihres eigenen Blutes wurde ihr �bel. Einen Sekundenbruchteil sp�ter krallte sich Sebastians Faust in ihre Jacke und riss sie auf die Beine.</p><p>Clary wehrte sich nicht. Wozu auch? Warum sollte sie gegen jemanden k�mpfen, der gewillt war, sie umzubringen � und der genau wusste, dass sie selbst nicht dazu bereit war, <emphasis>ihn</emphasis> zu t�ten oder auch nur ernsthaft zu verletzen? Dieser Kampf war von vornherein verloren. Reglos stand sie da, w�hrend er sie begutachtete.</p><p>�K�nnte schlimmer sein�, bemerkte er. �Sieht so aus, als h�tte dich die Jacke vor ernsthaften Verletzungen gerettet.�</p><p><emphasis>Vor ernsthaften Verletzungen?,</emphasis> dachte Clary. Ihr K�rper f�hlte sich an, als h�tten ihn Tausende von d�nnen Messern aufgeschlitzt. W�tend funkelte sie Sebastian an, als er sie schlie�lich auf seine Arme hob. Das Ganze war fast wie in Paris, als er sie nach dem Angriff der Dahak-D�monen in den Park gebracht hatte. Allerdings hatte sie damals etwas v�llig anderes empfunden � vielleicht nicht gerade Dankbarkeit, aber zumindest Verwirrung. Doch jetzt war sie von abgrundtiefem Hass erf�llt. Sie machte sich so steif wie m�glich, w�hrend Sebastian sie mit schweren Schritten die Glastreppe hinauftrug. Au�erdem versuchte sie zu vergessen, dass er sie ber�hrte, dass sein Arm unter ihren Oberschenkeln lag und seine H�nde besitzergreifend an ihrem R�cken.</p><p><emphasis>Ich werde ihn umbringen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Ich werde einen Weg finden und dann bring ich ihn um.</emphasis></p><p>Sebastian marschierte in Jace� Zimmer und stellte Clary ruckartig auf die Beine. Sie taumelte einen Schritt zur�ck, doch er fing sie auf und zog ihr die Jacke aus. Darunter trug sie nur ihr Top � so blutbeschmiert und zerfetzt, als h�tte sie es mit einer K�sereibe traktiert.</p><p>Sebastian pfiff sp�ttisch. �Du siehst ziemlich mitgenommen aus, Schwesterherz�, bemerkte er. �Es w�re besser, wenn du ins Bad gehst und dir das Blut abw�schst.�</p><p>�Nein. Sollen mich doch alle so sehen! Dann wissen sie wenigstens gleich, wie du mich dazu gebracht hast, dich zu begleiten.�</p><p>Sofort zuckte Sebastians Hand vor, packte Clarys Kinn und drehte ihren Kopf zu ihm. Ihre Gesichter trennten nur wenige Zentimeter. Am liebsten h�tte Clary die Augen geschlossen, doch diese Genugtuung wollte sie ihm nicht g�nnen. Hasserf�llt erwiderte sie seinen Blick, sah die silbernen Ringe in seinen schwarzen Augen und das Blut an seiner Lippe, dort, wo sie ihn gebissen hatte. �Du geh�rst mir�, wiederholte Sebastian finster. �Und ich will, dass du an meiner Seite stehst � und wenn ich dich dazu zwingen muss!�</p><p>�Warum?�, wollte Clary wissen, w�hrend ohnm�chtige Wut in ihr aufstieg, so bitter wie der Geschmack ihres eigenen Bluts. �Was k�mmert es dich �berhaupt? Du kannst Jace zwar nicht t�ten, daf�r aber mich. Warum tust du es dann nicht einfach?�</p><p>Einen kurzen Moment schauten seine Augen geistesabwesend in die Ferne, als w�rde er etwas sehen, das Clary nicht wahrnehmen konnte. �Diese Welt wird bald von den Flammen der H�lle verschlungen werden�, erwiderte er. �Aber dich und Jace werde ich davor besch�tzen, sofern du tust, was ich dir sage � eine Gunst, die ich niemand anderem gew�hre. Begreifst du denn nicht, wie dumm es ist, mein Angebot abzulehnen?�</p><p>�Jonathan�, setzte Clary an, �begreifst <emphasis>du</emphasis> denn nicht, dass du mich unm�glich bitten kannst, an deiner Seite zu k�mpfen, wenn du <emphasis>die ganze Welt niederbrennen</emphasis> willst?�</p><p>Sein Blick heftete sich wieder auf ihr Gesicht. �Aber wieso?�, fragte er fast verzweifelt. �Warum ist dir diese Welt so wichtig? Du wei�t doch, dass es noch andere gibt.� Sebastians Gesicht war noch bleicher als sonst. �Sag mir, dass du mich liebst. Sag mir, dass du mich liebst und zusammen mit mir k�mpfen wirst.�</p><p>�Ich werde dich niemals lieben. Du lagst vollkommen falsch, als du behauptet hast, wir bes��en dasselbe Blut. Dein Blut ist Gift. Pures D�monengift�, entgegnete Clary und spie die beiden letzten Worte f�rmlich hervor.</p><p>Sebastian l�chelte nur, doch seine Augen funkelten d�ster. Pl�tzlich sp�rte Clary ein Brennen an ihrem Oberarm und zuckte zusammen, denn er trug ihr mit seiner Stele eine <emphasis>Iratze</emphasis> auf die Haut auf. In diesem Moment wallte ein gl�hender Hass in Clary auf, selbst als der Schmerz langsam verebbte. W�hrend er geschickt mit der Stele die Heilrune vollendete, klirrte sein Armband leise.</p><p>�Ich wusste, dass du gelogen hast�, sagte sie unvermittelt.</p><p>�Ich erz�hle so viele L�gen, wenn der Tag lang ist, Schwesterherz. Was meinst du denn genau?�</p><p>�Dein Armband�, entgegnete Clary. �Die Gravur <emphasis>Acheronta movebo</emphasis>� das hei�t nicht �So soll es immer den Tyrannen ergehen!� Denn das w�re <emphasis>Sic semper tyrannis</emphasis>. Das da auf deinem Armband ist von Vergil: <emphasis>Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo. �Wenn ich die G�tter nicht bewegen kann, so leg ich�s auf die Macht der H�lle an.��</emphasis></p><p>�Dein Latein ist besser, als ich dachte.�</p><p>�Ich lerne schnell.�</p><p>�Aber nicht schnell genug.� Sebastian lie� Clarys Kinn los. �Und jetzt geh ins Bad und mach dich frisch�, befahl er und schob sie in Richtung der T�r. Mit der anderen Hand schnappte er sich Jocelyns festliches Kleid vom Bett und dr�ckte es Clary in die Arme. �Es ist schon sp�t und allm�hlich verliere ich die Geduld. Wenn du nicht in zehn Minuten wieder hier drau�en bist, komm ich rein und helf dir. Und glaub mir: Das wird dir nicht gefallen.�</p><p>�Ich hab einen Mordshunger�, sagte Maia. �Ich f�hle mich, als h�tte ich seit Tagen nichts gegessen.� Sie �ffnete den K�hlschrank und schaute hinein. �Igitt.�</p><p>Jordan zog sie zur�ck, schlang die Arme um sie und dr�ckte ihr z�rtlich die Nase in den Nacken. �Wir k�nnten was bestellen: Pizza, Thail�ndisch, Mexikanisch, was immer du willst. Solange es nicht mehr als f�nfundzwanzig Dollar kostet.�</p><p>Lachend drehte Maia sich zu ihm um. Sie trug eines seiner T-Shirts, das selbst ihm zu gro� war und ihr fast bis zu den Knien reichte. Ihre Haare hatte sie zu einem wilden Knoten hochgesteckt. �Wow, hast du heute deine Spendierhosen an?�, grinste sie.</p><p>�F�r dich ist mir nichts zu teuer.� Jordan umfasste ihre Taille, hob sie hoch und setzte sie auf einen der Barhocker an der K�chentheke. �Du kannst einen Taco haben�, sagte er und k�sste sie.</p><p>Seine Lippen schmeckten s�� und leicht nach Pfefferminze, vermutlich von der Zahnpasta. Maia sp�rte wieder dieses elektrisierende Prickeln � wie immer, wenn Jordan sie ber�hrte �, das tief in ihrem Inneren begann und dann schlagartig durch ihren ganzen K�rper schoss. Sie lachte leise an seinem Mund und verschr�nkte die Arme in seinem Nacken. Doch pl�tzlich durchschnitt ein schriller Klingelton das angenehme Gef�hl, das sich in ihr ausbreitete�</p><p>Jordan l�ste sich von ihr und murmelte: �Mein Handy.� W�hrend er Maia festhielt, fummelte er mit der anderen Hand auf der K�chentheke herum, bis er das Telefon fand. Inzwischen hatte das Klingeln zwar aufgeh�rt, trotzdem warf er stirnrunzelnd einen Blick auf das Display: �Ein Anruf der <emphasis>Praetor.�</emphasis></p><p>Normalerweise rief die Wolfsgarde nicht an � oder zumindest nur dann, wenn es sich um eine �u�erst dringliche Angelegenheit handelte. Maia seufzte und setzte sich aufrecht. �Ruf sie zur�ck.�</p><p>�Okay.� Jordan, der das Handy schon halb zum Ohr gef�hrt hatte, nickte und sprach dann mit ged�mpfter Stimme ins Telefon. Maia rutschte vom Barhocker und schlenderte langsam zum K�hlschrank, an dem die Speisekarten der verschiedenen Lieferservices mit Magneten befestigt waren. Sie griff danach, bl�tterte sie durch, bis sie die Karte ihres Lieblings-Thail�nders fand, und drehte sich mit dem Zettel um.</p><p>Jordan stand in der Mitte des Wohnzimmers; er war kreidebleich und hatte das Handy in seiner Hand offenbar v�llig vergessen. Maia konnte eine blecherne, weit entfernte Stimme h�ren, die aus dem Ger�t drang und Jordans Namen rief.</p><p>Sofort lie� Maia die Speisekarte fallen und lief zu ihm. Sie nahm ihm das Telefon aus der Hand und legte es auf den Sofatisch, nachdem sie das Gespr�ch beendet hatte. �Jordan? Was ist passiert?�</p><p>�Mein Zimmergenosse� Nick� erinnerst du dich an ihn?�, stammelte er mit einem ungl�ubigen Ausdruck in den gr�nbraunen Augen. �Du hast ihn zwar nicht pers�nlich kennengelernt, aber��</p><p>�Ich hab die Fotos von ihm gesehen�, best�tigte Maia. �Ist ihm was passiert?�</p><p>�Er ist tot.�</p><p>�Aber� wie das denn?�</p><p>�Jemand hat ihm die Kehle aufgerissen und ihm dann s�mtliches Blut ausgesaugt. Man nimmt an, dass er seinen Sch�tzling aufgesp�rt hatte und sie ihn get�tet hat.�</p><p>�Maureen?�, fragte Maia geschockt. �Aber sie war doch noch ein kleines M�dchen.�</p><p>�Jetzt ist sie jedenfalls eine Vampirin.� Gequ�lt holte Jordan Luft. �Maia��</p><p>Die junge Werw�lfin starrte ihn an. Seine Augen waren glasig, seine Haare wild durcheinander. Pl�tzlich stieg Panik in ihr auf: K�ssen, kuscheln und sogar Sex waren eine Sache, aber jemanden zu tr�sten, der vor Kummer kaum Luft bekam, war etwas v�llig anderes. Es bedeutete, dass man eine Bindung einging, dass man sich sorgte, dass man den Schmerz des anderen lindern wollte� und Gott gleichzeitig daf�r dankte, dass das schlimme Geschehen � worum es sich dabei auch immer handeln mochte � nicht dem geliebten Menschen zugesto�en war.</p><p>�Jordan�, sagte Maia sanft, stellte sich auf die Zehenspitzen und schlang die Arme um ihn. �Es tut mir so leid.�</p><p>Jordans Herz schlug schnell an ihrer Brust. �Nick war doch erst siebzehn.�</p><p>�Er war ein <emphasis>Praetor,</emphasis> genau wie du�, gab Maia leise zu bedenken. �Er wusste, wie gef�hrlich dieser Auftrag ist. Du bist auch erst achtzehn.�</p><p>Schweigend dr�ckte Jordan sie fester an sich, erwiderte aber nichts.</p><p>�Jordan�, setzte Maia an. �Ich liebe dich. Ich liebe dich und es tut mir so unendlich leid.� Sie sp�rte, wie er erstarrte. Es war das erste Mal, dass sie diese Worte gesagt hatte � zumindest seit ihrer Verwandlung.</p><p>Jordan schien die Luft anzuhalten. Schlie�lich lie� er sie keuchend entweichen. �Maia�, kr�chzte er. Doch bevor er irgendetwas hinzuf�gen konnte, klingelte Maias Handy.</p><p>�Schon gut�, sagte sie. �Ich ignorier es einfach.�</p><p>Behutsam l�ste sich Jordan von ihr; auf seinem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus Trauer und Verwunderung. �Nein�, erwiderte er ruhig. �Nein, es k�nnte wichtig sein. Geh ran.�</p><p>Maia seufzte und ging zur K�chentheke. Ihr Telefon l�utete zwar nicht l�nger, aber auf dem Display blinkte eine SMS. Im n�chsten Augenblick drehte sich ihr der Magen um.</p><p>�Was ist los?�, fragte Jordan, als w�rde er ihre pl�tzliche Anspannung wahrnehmen.</p><p>�Ein Notfall.� Maia drehte sich mit dem Handy zu ihm um. �Ein Aufruf zum Kampf. Diese Nachricht ist an alle Rudelmitglieder rausgegangen. Sie stammt von Luke� und Magnus. Wir m�ssen sofort los.�</p><p>Clary sa� auf dem Badezimmerboden, den R�cken gegen die Wanne gelehnt und die Beine von sich gestreckt. Sie hatte sich das Blut abgewaschen, die verklebten Haare im Waschbecken ausgesp�lt und das Festgewand ihrer Mutter angezogen. Der Saum des Kleides hatte sich bis zu den Oberschenkeln hochgeschoben, sodass Clary die K�lte der Bodenfliesen unter ihren nackten Beinen sp�rte.</p><p>Langsam blickte sie auf ihre H�nde. <emphasis>Eigentlich m�ssten sie anders aussehen,</emphasis> dachte sie. Aber es waren immer noch dieselben d�nnen Finger mit kurzen N�geln � K�nstler konnten keine langen Fingern�gel gebrauchen � und etlichen Sommersprossen auf den Kn�cheln. Auch ihr Gesicht wirkte vollkommen unver�ndert. Alles an ihr erschien gleich, aber das stimmte nicht: Die vergangenen Tage hatten sie auf eine Weise ver�ndert, die sie nicht einmal selbst vollst�ndig erfassen konnte.</p><p>M�hsam stand sie auf und betrachtete sich im Spiegel. Ihre bleiche Haut bildete einen deutlichen Kontrast zu ihren feuerroten Haaren und dem scharlachroten Kleid. Auf beiden Schultern und an ihrer Kehle zeichneten sich Bluterg�sse ab.</p><p>�Bewunderst du dich im Spiegel?�</p><p>Clary hatte nicht geh�rt, wie Sebastian die Badezimmert�r ge�ffnet hatte. Mit seinem �blichen, unertr�glichen Grinsen lehnte er am T�rrahmen. Mittlerweile hatte er die vom Kampf zerfetzte Kleidung gegen eine Schattenj�germontur getauscht, die vollst�ndig in Scharlachrot gehalten war und wie frisches Blut leuchtete. Dazu hielt er l�ssig eine Armbrust in nur einer Hand, obwohl die Waffe ziemlich schwer sein musste. �Du siehst gut aus, Schwesterherz. Eine angemessene Begleitung f�r mich.�</p><p>Clary verbiss sich eine Antwort, schluckte die unausgesprochenen Worte mit dem Blut hinunter, das sie noch immer im Mund schmeckte, und ging auf ihn zu. Gerade als sie sich an ihm vorbei durch die T�r zw�ngen wollte, packte er ihren Arm.</p><p>Seine Hand streifte �ber ihre nackte Schulter. �Das gef�llt mir�, sagte er. �Du tr�gst hier keine Runenmale. Ich hasse es, wenn Frauen ihre Haut mit Narben verschandeln. Sie sollten sich dabei auf Arme und Beine beschr�nken.�</p><p>�Mir w�re es lieber, wenn du mich nicht anfassen w�rdest.�</p><p>Sebastian schnaubte ver�chtlich und schwang die Armbrust hoch, die mit einem Bolzen versehen und somit schussbereit war. �Geh vor�, kommandierte er. �Ich bin direkt hinter dir.�</p><p>Clary musste sich zusammenrei�en, um nicht zur�ckzuzucken. Stattdessen machte sie kehrt und ging in Richtung der Zimmert�r. Dabei glaubte sie, ein Brennen zwischen ihren Schulterbl�ttern zu sp�ren, an der Stelle, auf die der Bolzen wahrscheinlich gerichtet war.</p><p>Auf diese Weise bewegten sie sich durch den Flur, die Treppe hinunter und durch das Erdgeschoss. Als Sebastian Clarys Rune an der K�chenwand sah, knurrte er und griff an ihr vorbei. Eine Sekunde sp�ter erschien unter seiner Hand eine T�r, die aufschwang und den Blick auf eine rechteckige dunkle Fl�che freigab.</p><p>Die Armbrust stie� Clary hart in den R�cken. �Vorw�rts.�</p><p>Sie holte tief Luft und trat dann hinaus in die Schatten.</p><p>Alec h�mmerte mit der Hand auf den Knopf im Inneren des kleinen Aufzugs und lie� sich gegen die Wand sinken. �Wie viel Zeit haben wir noch?�</p><p>Isabelle warf einen Blick auf das leuchtende Display ihres Handys. �Etwa vierzig Minuten.�</p><p>W�hrend sich der Aufzug ruckelnd in Bewegung setzte, musterte Isabelle ihren Bruder verstohlen. Er sah ersch�pft aus, mit dunklen Ringen unter den Augen. Trotz seiner Gr��e und Kraft wirkte Alec mit seinen blauen Augen und den weichen schwarzen, fast schulterlangen Haaren deutlich zierlicher, als er tats�chlich war. �Mir geht�s gut�, beantwortete er ihre unausgesprochene Frage. �Du bist diejenige, die �rger bekommen wird, weil sie sich tagelang nicht zu Hause hat blicken lassen. Ich dagegen bin �ber achtzehn und kann tun, was ich will.�</p><p>�Ich hab Mom jeden Abend eine SMS geschickt und ihr gesagt, dass ich bei dir und Magnus bin�, erwiderte Isabelle, w�hrend der Aufzug quietschend zum Stehen kam. �Es ist ja nicht so, als ob sie nicht gewusst h�tte, wo ich war. Und da wir gerade von Magnus sprechen��</p><p>Gereizt griff Alec �ber sie hinweg und schob das Aufzuggitter auf. �Was ist mit ihm?�</p><p>�Ist bei euch beiden alles in Ordnung?�</p><p>Alec warf ihr einen ungl�ubigen Blick zu, w�hrend er aus dem Aufzug in den Eingangsbereich trat. �Hier geht bald alles in die Binsen und du willst wissen, wie es zwischen Magnus und mir l�uft?�</p><p>�Diese Redensart kam mir schon immer komisch vor�, meinte Isabelle nachdenklich, w�hrend sie ihrem Bruder durch den Flur folgte. Alec hatte wirklich lange Beine, und obwohl Isabelle ziemlich schnell war, musste sie sich anstrengen, um mit ihm mitzuhalten. �Wieso eigentlich Binsen? Was ist das �berhaupt?�</p><p>Alec, der lange genug Jace� Parabatai war, um genau zu wissen, wie man solche abweichenden Gespr�chsthemen ignorierte, erwiderte lediglich: �Zwischen Magnus und mir� ist alles okay, glaube ich.�</p><p>�Oh-oh�, meinte Isabelle. �Du <emphasis>glaubst?</emphasis> Ich wei�, was das bedeutet. Was ist passiert? Habt ihr euch gestritten?�</p><p>W�hrend sie weitereilten, streifte Alec unruhig mit den Fingern �ber die Wand � ein sicheres Zeichen daf�r, dass er sich unbehaglich f�hlte. �H�r auf, dich in mein Liebesleben einzumischen, Izzy. Was ist denn mit dir und Simon? Warum seid ihr noch kein Paar? Du magst ihn doch ganz offensichtlich.�</p><p>Isabelle stie� einen kleinen Schrei aus. �Ich bin nicht <emphasis>offensichtlich!�</emphasis></p><p>�Doch, das bist du�, erkl�rte Alec in einem Ton, als wunderte er sich selbst dar�ber � jetzt, wo er dar�ber nachdachte. �Du starrst ihn st�ndig mit diesem verliebtem Dackelblick an. Und dann erst die Art und Weise, wie du am See ausgeflippt bist��</p><p>�Ich dachte, Simon w�re tot!�</p><p>�Was, noch toter als sonst?�, fragte Alec herzlos. Doch als er den Ausdruck auf dem Gesicht seiner Schwester sah, meinte er achselzuckend: �H�r zu, wenn du ihn magst � wunderbar. Ich kapier nur nicht, warum ihr zwei nicht zusammen seid.�</p><p>�Weil er <emphasis>mich</emphasis> nicht mag.�</p><p>�Aber nat�rlich mag er dich. Alle Jungs m�gen dich.�</p><p>�Nimm�s mir nicht �bel, aber du bist nun mal voreingenommen.�</p><p>�Isabelle�, setzte Alec in freundlicherem Ton an � so wie es Isabelle von ihrem Bruder gewohnt war: eine Mischung aus Zuneigung und Herablassung. �Du wei�t, dass du umwerfend bist. Dir sind die Kerle doch schon immer nachgerannt � warum also sollte Simon anders sein?�</p><p>�Keine Ahnung�, erwiderte Isabelle. �Aber er ist nun mal anders. Ich sch�tze, jetzt liegt es an ihm. Er wei�, was ich f�r ihn empfinde. Aber ich hab nicht den Eindruck, dass er es unbedingt darauf anlegt, den n�chsten Schritt zu machen.�</p><p>�Fairerweise muss man ihm zugutehalten: Es ist ja nicht so, als ob er im Moment nichts anderes zu tun h�tte.�</p><p>�Ich wei�, aber� So war er schon immer. Clary��</p><p>�Meinst du, er ist noch immer in Clary verliebt?�</p><p>Nachdenklich biss Isabelle sich auf die Lippe. �Ich� nein, nicht direkt. Ich glaube, sie ist das Einzige, was ihm aus seiner Zeit als Mensch �brig geblieben ist. Er kann sie einfach nicht loslassen. Und solange er sie nicht loslassen kann, wei� ich nicht, ob da noch Platz f�r mich ist.�</p><p>Inzwischen hatten sie fast die Bibliothek erreicht. Alec warf seiner Schwester einen Seitenblick zu. �Aber wenn sie doch nur Freunde sind��</p><p>�Alec.� Isabelle hielt eine Hand hoch, um ihn zum Schweigen zu bringen. Laute Stimmen drangen aus der Bibliothek, eine davon schneidend und unverkennbar:</p><p>�Was soll das hei�en, sie ist verschwunden?�, fragte Maryse fordernd.</p><p>�Seit zwei Tagen hat sie niemand mehr gesehen�, erwiderte die andere weibliche Stimme in sanftem, fast entschuldigendem Ton. �Sie lebt allein, deshalb war man sich nicht sicher� Aber wir haben uns gedacht, wo du doch ihren Bruder kennst��</p><p>Ohne gro�e Umschweife dr�ckte Alec die T�r der Bibliothek auf. Isabelle dr�ngte sich hinter ihn und warf einen Blick auf ihre Mutter, die hinter dem wuchtigen Mahagonischreibtisch in der Mitte des Raums thronte. Vor dem Tisch standen zwei vertraute Gestalten, die sich �berrascht umschauten: Aline Penhallow in Schattenj�gerkluft und neben ihr Helen Blackthorn mit zerzausten Ringellocken und bleichem Gesicht unter den zahlreichen Sommersprossen. Auch sie trug die schwarze Kampfmontur, wodurch ihre Haut noch blasser wirkte.</p><p>�Isabelle�, stie� Maryse hervor und stand auf. �Alexander. Was ist passiert?�</p><p>Aline tastete nach Helens Hand. Silberne Ringe blitzten an den Fingern der beiden jungen Frauen auf: an Helens Finger der Penhallow-Ring mit der Gravur einer Gebirgslandschaft, und das kunstvoll verwobene Dornendesign des Blackthorn-Familienrings an Alines Hand.</p><p>Isabelle zog die Augenbrauen hoch: Der Tausch der Familienringe war eine ernsthafte Angelegenheit.</p><p>�Falls wir ungelegen kommen, k�nnen wir auch sp�ter��, setzte Aline an.</p><p>�Nein, bitte bleibt�, erkl�rte Izzy und trat an den Schreibtisch. �M�glicherweise brauchen wir euch.�</p><p>Maryse setzte sich wieder auf ihren B�rostuhl und lehnte sich zur�ck. �Sieh mal einer an�, sagte sie, �meine Kinder beehren mich mit ihrer Anwesenheit. Wo habt ihr beide gesteckt?�</p><p>�Das hab ich dir doch geschrieben�, erwiderte Isabelle. �Wir waren bei Magnus.�</p><p>�Warum?�, hakte Maryse fordernd nach. �Und diese Frage stelle ich nicht dir, Alexander, sondern meiner Tochter.�</p><p>�Weil die Ratsmitglieder die Suche nach Jace eingestellt haben � aber wir nicht�, erwiderte Isabelle.</p><p>�Magnus war bereit, uns zu helfen�, f�gte Alec hinzu. �Er hat sich die letzten N�chte um die Ohren geschlagen und zig Zauberb�cher durchgeforstet, um herauszufinden, wo Jace sein k�nnte. Mithilfe einer Beschw�rungsformel hat er sogar��</p><p>�Warte!� Maryse hob rasch eine Hand hoch, um ihn zum Schweigen zu bringen. �Nein, sag es mir nicht. Ich will es gar nicht wissen.�</p><p>Pl�tzlich begann das schwarze Telefon auf dem schweren Schreibtisch zu l�uten und alle Anwesenden starrten wie gebannt darauf � der Anruf konnte nur aus Idris kommen. Doch niemand r�hrte sich, bis das Klingeln wenige Sekunden sp�ter wieder aufh�rte.</p><p>�Und warum seid ihr jetzt hier?� Maryse widmete ihre Aufmerksamkeit wieder ihren Kindern und musterte sie stirnrunzelnd.</p><p>�Wir haben nach Jace gesucht��, setzte Isabelle erneut an.</p><p>�Das ist die Aufgabe des Rats�, fauchte Maryse. Sie sah ersch�pft aus: Die Haut unter ihren Augen wirkte d�nn und durchscheinend und die Falten an ihrem Mund verliehen ihren Lippen eine grimmige Note. Au�erdem war sie so mager, dass die Kn�chel ihrer Handgelenke sich deutlich unter der Haut abzeichneten. �Und nicht eure!�, f�gte sie hinzu.</p><p>Bei diesen Worten schlug Alec so fest mit der Hand auf den Tisch, dass die Schubladen klapperten. �H�rst du jetzt endlich mal zu?! Die Ratsmitglieder haben Jace nicht gefunden, aber wir schon. Und Sebastian gleich dazu. Wir wissen jetzt, was sie vorhaben, und uns bleibt�� Er warf einen Blick auf die Uhr an der Wand. �� kaum noch Zeit, sie aufzuhalten. Wirst du uns nun helfen oder nicht?�</p><p>Das schwarze Telefon l�utete erneut. Und ein weiteres Mal r�hrte Maryse keinen Finger, um das Gespr�ch anzunehmen. Stattdessen starrte sie Alec an, mit kreidebleichem Gesicht. �Ihr habt <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Wir haben Jace gefunden, Mom, oder zumindest wissen wir, wo er sich bald aufhalten wird. Und was er vorhat�, sprudelte Isabelle hervor. �Wir kennen jetzt Sebastians Plan � und er muss unbedingt daran gehindert werden. Und, ach ja, wir wissen �brigens auch, wie wir Sebastian t�ten k�nnen, ohne Jace zu verletzen��</p><p>�Halt.� Maryse sch�ttelte den Kopf. �Alexander, erkl�r du mir das Ganze. Knapp und pr�zise und ohne hysterische Anfl�ge. Danke.�</p><p>Mit wenigen Worten fasste Alec die Ereignisse zusammen. Dabei lie� er nach Isabelles Meinung zwar alle interessanten Details aus, aber am Ende seines Berichts starrten Aline und Helen ihn sprachlos an, w�hrend Maryse vollkommen reglos dasa� und ihn mit unbewegter Miene musterte.</p><p>�Warum habt ihr das alles getan?�, brachte sie schlie�lich mit tonloser Stimme hervor.</p><p>Alec schaute sie verwirrt an.</p><p>�F�r Jace�, warf Isabelle ein. �Um ihn zur�ckzuholen.�</p><p>�Euch ist doch wohl bewusst, dass ihr mich damit in eine heikle Lage gebracht habt? Ihr lasst mir keine andere Wahl, als den Rat zu informieren�, erwiderte Maryse, eine Hand bereits auf dem schwarzen Telefon. �W�rt ihr doch blo� nicht hierhergekommen.�</p><p>Isabelles Mund war pl�tzlich wie ausgetrocknet. �Bist du ernsthaft sauer auf uns, nur weil wir dir erz�hlt haben, was hier wirklich l�uft?�</p><p>�Wenn ich den Rat in Kenntnis setze, wird er alle verf�gbaren Kr�fte mobilisieren. Jia bleibt gar keine andere Wahl, als den Truppen den Auftrag zu erteilen, Jace auf der Stelle zu t�ten. Wisst ihr ungef�hr, wie viele Schattenj�ger Valentins Sohn um sich geschart hat?�</p><p>Alec sch�ttelte den Kopf. �Sch�tzungsweise um die vierzig.�</p><p>�Angenommen, wir tauchen dort mit der doppelten Anzahl an Nephilim auf. Dann d�rften wir recht zuversichtlich sein, dass wir seine Truppen schlagen, aber welche Chance h�tte Jace dabei? Die Wahrscheinlichkeit, dass er �berlebt, ist �u�erst gering. Unsere Nephilim w�rden ihn ebenfalls t�ten, um jedes Risiko auszuschlie�en.�</p><p>�Deshalb d�rfen wir die Ratsmitglieder erst gar nicht informieren�, warf Isabelle ein. �Wir gehen allein. Wir ziehen das ohne den Rat durch.�</p><p>Doch Maryse betrachtete sie nur kopfsch�ttelnd. �Aber das Gesetz schreibt vor, dass wir den Rat informieren <emphasis>m�ssen.�</emphasis></p><p>�Ich pfeif auf das Gesetz��, hob Isabelle w�tend an, verstummte dann aber, als sie sah, dass Aline sie mit gro�en Augen anschaute.</p><p>�Keine Sorge�, versicherte Aline jedoch. �Ich werde meiner Mutter nichts erz�hlen. Schlie�lich bin ich euch noch was schuldig. Vor allem dir, Isabelle�, f�gte sie hinzu und presste die Kiefer zusammen. Sofort erinnerte sich Isabelle wieder an den dunklen Ziegelsteinweg unter der Br�cke in Idris und daran, wie ihre Peitsche den D�mon getroffen hatte, der auf Aline hockte. �Au�erdem hat Sebastian meinen Cousin umgebracht. Den echten Sebastian Verlac. Ich hab also genug eigene Gr�nde, ihn zu hassen.�</p><p>�Und dennoch��, widersprach Maryse. �Wenn wir die Ratsmitglieder nicht informieren, versto�en wir gegen das Gesetz. Man k�nnte Sanktionen gegen uns verh�ngen oder sogar Schlimmeres.�</p><p>�Schlimmeres?�, hakte Alec nach. �Wovon reden wir hier? Dass sie uns ins Exil schicken?�</p><p>�Ich wei� es nicht, Alexander�, sagte seine Mutter. ��ber unsere Bestrafung w�rde Jia Penhallow entscheiden und derjenige, der die Wahl um die Stelle des Inquisitors gewinnt.�</p><p>�M�glicherweise w�re das dann ja Dad�, murmelte Izzy. �Vielleicht w�rde er uns mit einem blauen Auge davonkommen lassen.�</p><p>�Wenn wir den Rat in dieser Situation nicht informieren, dann besteht f�r deinen Vater keine Chance, zum Inquisitor ernannt zu werden. Nicht die geringste�, erwiderte Maryse.</p><p>Isabelle holte tief Luft. �W�rde man uns die Runenmale wegnehmen?�, fragte sie. �W�rden wir� das Institut verlieren?�</p><p>Maryse warf ihr einen langen Blick zu. �Wir k�nnten alles verlieren, Isabelle. <emphasis>Alles.�</emphasis></p><p>Clary blinzelte, w�hrend sich ihre Augen langsam an die Dunkelheit gew�hnten. Sie stand auf einer felsigen, windgepeitschten Ebene, die keinerlei Schutz gegen die heftigen Sturmb�en bot. Grasb�schel wuchsen zwischen den grauen Felsplatten. In der Ferne erhoben sich karge, mit Ger�ll bedeckte H�gel, die sich schwarz und eisengrau vor dem Nachthimmel abzeichneten. Einzelne Lichter schienen weit entfernt in der Dunkelheit auf und ab zu h�pfen. Clary erkannte den typisch wei�en Schein von Elbenlicht, als im selben Moment die T�r der Wohnung hinter Sebastian und ihr krachend ins Schloss fiel.</p><p>Keine Sekunde sp�ter ert�nte der ged�mpfte Knall einer kleinen Explosion. Clary wirbelte herum und sah, dass sich die T�r in Luft aufgel�st hatte � an ihrer Stelle kohlten nur noch ein paar Grasb�schel und etwas Gestr�pp vor sich hin.</p><p>Ungl�ubig starrte Sebastian auf die versengte Fl�che. �Was�?�</p><p>Clary lachte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht l�ste dunkle Schadenfreude in ihr aus. Nie zuvor hatte sie ihn derartig geschockt gesehen: Seine Maske war gefallen und in seiner Miene spiegelte sich nacktes Entsetzen.</p><p>Zornig riss er die Armbrust hoch, nur wenige Zentimeter von Clarys Brust entfernt. Wenn er die Waffe aus dieser N�he abfeuerte, w�rde sich der Bolzen direkt durch ihr Herz bohren und sie auf der Stelle t�ten. �Was hast du getan?�, stie� er hervor.</p><p>Dunkler Triumph leuchtete in Clarys Augen. �Diese Rune, die du f�r eine unfertige Entriegelungsrune gehalten hast� Das war keine Rune zum �ffnen von T�ren. Und auch nichts was du schon mal gesehen h�ttest. Das war eine von mir neu erschaffene Rune.�</p><p>�Und wozu dient sie?�</p><p>Clary erinnerte sich daran, wie sie die Spitze der Stele an die Wand gedr�ckt und die Konturen der Rune aufgetragen hatte. Sie hatte sie in jener Nacht erfunden, als Jace sich mit ihr in Lukes G�stezimmer getroffen hatte. �Die Rune diente dazu, die Wohnung zu zerst�ren, und zwar in dem Moment, in dem jemand die T�r �ffnete. Deine Wohnung ist weg. Du wirst sie nie wieder nutzen k�nnen. <emphasis>Niemand</emphasis> kann sie je wieder nutzen.�</p><p>�Weg?� Die Armbrust zitterte; Sebastians Lippen zuckten und seine Augen funkelten wild. �Du Mistst�ck. Du kleines��</p><p>�T�te mich doch�, erwiderte Clary. �Nur zu. Und dann kannst du ja mal versuchen, das Jace anschlie�end zu erkl�ren. Los, trau dich.�</p><p>Sebastian musterte sie finster, w�hrend seine Brust sich sto�weise hob und senkte und seine Finger auf dem Abzug zitterten. Nach einem langen Moment lie� er die Waffe sinken und presste ver�chtlich hervor: �Es gibt schlimmere Dinge als den Tod. Sobald du von dem Kelch getrunken hast, wirst du sie alle kennenlernen, Schwesterherz, das versprech ich dir. Und es wird dir gefallen.�</p><p>Als Clary ihn anspuckte, stie� er ihr die Armbrust fest und schmerzhaft gegen den Brustkorb. �Dreh dich um�, knurrte er.</p><p>Clary gehorchte und taumelte benommen und mit einer Mischung aus Angst und Triumph den steinigen Hang hinunter. Durch die d�nnen Sohlen ihrer Schuhe sp�rte sie jeden Kiesel und jeden Riss im Gestein. Als sie sich den Elbenlichtern n�herten, konnte Clary die vor ihnen liegende Szenerie erkennen.</p><p>Der Boden stieg allm�hlich zu einem niedrigen H�gel an, auf dessen Kuppe ein wuchtiges, nach Norden ausgerichtetes, steinzeitliches Grabmal aufragte. Der Anblick erinnerte Clary ein wenig an Stonehenge: Ein flacher Deckstein ruhte auf mehreren aufrecht stehenden Steinbl�cken, wodurch der Eindruck eines Tors entstand. Vor dem Grabmal erstreckte sich eine weitere flache Steinplatte wie eine B�hne. Und davor hatte sich eine Gruppe von etwa vierzig Nephilim im Halbkreis aufgestellt, alle in Rot gekleidet und alle mit einer Elbenlichtfackel in der Hand. Innerhalb des Halbkreises brannte ein blauwei�es Pentagramm, das sich deutlich vom dunklen Untergrund abhob.</p><p>Jace stand auf der flachen Steinplatte; er trug dieselbe scharlachrote Schattenj�germontur wie Sebastian. Nie zuvor hatten sie einander �hnlicher gesehen. Clary erkannte seine leuchtenden Haare schon aus der Ferne. Er lief unruhig auf und ab und Clary konnte bereits h�ren, was er sagte: �� dankbar f�r eure Loyalit�t, selbst w�hrend der vergangenen, schwierigen Jahre, und dankbar f�r das Vertrauen, das ihr in unseren Vater gesetzt habt und nun auch in seine S�hne. Und seine Tochter.�</p><p>Ein Raunen ging durch die Menge. Sebastian schob Clary durch die Dunkelheit weiter vorw�rts und dann stiegen sie hinter Jace auf die Steinplatte. Jace warf ihnen einen kurzen Blick zu, ehe er sich wieder den rot gekleideten Nephilim zuwandte. �Ihr seid die Auserkorenen, die gerettet werden�, sagte er l�chelnd. �Vor eintausend Jahren hat uns der Engel sein Blut gegeben, um uns zu etwas Au�ergew�hnlichem zu machen � zu wahren Kriegern. Aber das hat nicht gereicht. Inzwischen ist ein ganzes Jahrtausend vergangen und wir m�ssen uns noch immer in den Schatten verstecken. Wir besch�tzen irgendwelche unbedeutenden Irdischen vor M�chten, von denen sie nichts wissen. Und ein veraltetes Gesetz hindert uns daran, uns ihnen als ihre Retter zu offenbaren. Wir sterben zu Hunderten, ohne auch nur ein Wort der Dankbarkeit; ohne eine Tr�ne der Trauer und ohne jede M�glichkeit, uns an den Engel wenden zu k�nnen, der uns erschuf.� Langsam trat er an den Rand der Steinplatte, n�her an die noch immer im Halbkreis postierten Schattenj�ger. Sein Haar leuchtete wie blasse Flammen. �Ja, ich wage es, Folgendes laut auszusprechen: Der Engel, der uns erschuf, wird uns nicht helfen � wir sind auf uns allein gestellt. Und zwar in noch st�rkerem Ma�e als die Irdischen. Denn wie sagte einst einer ihrer bedeutendsten Gelehrten: Sie sind wie Kinder, die am Meeresrand mit Kieseln spielen, w�hrend der gro�e Ozean der Wahrheit in seiner Unermesslichkeit unerforscht vor ihnen liegt. Doch wir kennen die Wahrheit. Wir sind die Erl�ser dieser Erde und wir sollten auch �ber sie herrschen.�</p><p>Jace war ein guter Redner, dachte Clary mit stechendem Herzen, genau wie Valentin. Sie und Sebastian standen nun hinter ihm, die Gesichter der Ebene und der Menge zugewandt, deren Blicke sie deutlich sp�ren konnte.</p><p>�Ja genau � herrschen.� Jace l�chelte, ein gewinnendes, freundliches L�cheln, voller Charme, aber mit einem Hauch von H�rte. �Raziel ist grausam und interessiert sich nicht f�r unsere Probleme. Es wird Zeit, dass wir uns von ihm trennen und uns Lilith zuwenden � die Gro�e Mutter, die uns Macht ohne Bestrafung verleihen wird und F�hrung ohne Gesetze. Diese Macht ist unser Geburtsrecht. Es wird Zeit, dass wir es einfordern.�</p><p>L�chelnd schaute er zur Seite, als Sebastian vortrat. �Und nun werdet ihr den Rest von Jonathan erfahren, der diesen Traum schon seit vielen Jahren verfolgt�, erkl�rte Jace eloquent und zog sich zur�ck, w�hrend Sebastian m�helos seinen Platz einnahm. Dann trat Jace einen weiteren Schritt zur�ck, sodass er neben Clary stand. Seine Finger tasteten nach ihrer Hand.</p><p>�Gute Rede�, murmelte Clary. Sebastian hatte sich inzwischen an die Menge gerichtet, doch Clary ignorierte ihn und konzentrierte sich stattdessen auf Jace. �Sehr �berzeugend.�</p><p>�Findest du? Eigentlich wollte ich ja mit �Freunde, R�mer, Misset�ter�� anfangen, aber dann hab ich mir gedacht, dass sie den Humor darin wahrscheinlich nicht verstehen w�rden.�</p><p>�Du h�ltst sie f�r Misset�ter?�</p><p>�Der Rat k�me bestimmt zu diesem Urteil�, erwiderte Jace achselzuckend, wandte den Blick von Sebastian ab und schaute zu Clary. �Du siehst h�bsch aus�, sagte er, allerdings mit merkw�rdig tonloser Stimme. �Was ist passiert?�</p><p>Diese Frage �berrumpelte Clary. �Was meinst du?�</p><p>Jace �ffnete seine Jacke, unter der er ein wei�es Hemd trug. Das Gewebe hatte sich an den Seiten und den �rmeln rot verf�rbt. Clary bemerkte, dass er sich sorgf�ltig von der Menge wegdrehte, als er ihr das Blut zeigte. �Ich f�hle alles, was er f�hlt. Oder hast du das etwa vergessen? Ich musste mir heimlich eine <emphasis>Iratze</emphasis> auftragen, damit niemand was davon mitbekam. Es hat sich angef�hlt, als w�rde mir jemand mit einer Rasierklinge die Haut abziehen.�</p><p>Clary blickte ihn ruhig an. Es war sinnlos, ihn anzul�gen, oder? Denn f�r sie alle gab es kein Zur�ck mehr � im wahrsten Sinne des Wortes. �Sebastian und ich hatten eine kleine Auseinandersetzung.�</p><p>Eindringlich musterte Jace Clarys Gesicht. �Okay�, sagte er und lie� die Jacke wieder zufallen, �ich hoffe, ihr habt das Problem aus der Welt geschafft, worum es dabei auch immer ging.�</p><p>�Jace��, setzte Clary an, doch er hatte sich wieder auf Sebastian konzentriert. Sein Profil zeichnete sich im Mondlicht streng und klar vor dem dunklen Hintergrund ab, fast wie ein Scherenschnitt.</p><p>Vor ihnen hatte Sebastian inzwischen seine Armbrust abgestellt und hob nun theatralisch die Arme. �Steht ihr zu mir?�, rief er.</p><p>Ein Raunen ging durch die Menge und Clary versteifte sich. Einer der Nephilim, ein �lterer Mann, schlug seine Kapuze zur�ck und knurrte m�rrisch: �Dein Vater hat uns viele Versprechungen gemacht. Und keine einzige davon eingehalten. Warum sollten wir jetzt <emphasis>dir</emphasis> vertrauen?�</p><p>�Weil ich daf�r sorgen werde, dass meine Versprechen erf�llt werden. Und zwar noch heute Nacht�, erwiderte Sebastian und zog den nachgemachten Engelskelch unter seiner Jacke hervor. Das Gef�� schimmerte wei�lich im Mondschein.</p><p>Beim Anblick des Kelchs wurde die Menge lauter, sodass Jace leise murmelte: �Hoffentlich verl�uft alles glatt. Ich hab das Gef�hl, als h�tte ich letzte Nacht kein Auge zugekriegt.� Sein Gesicht, das im Schein der Elbenlichtfackeln schimmerte, richtete sich gespannt auf die Nephilim und das Pentagramm.</p><p>Clary konnte die Narbe auf seiner Wange erkennen, die Vertiefungen an den Schl�fen, den sanften Schwung seiner Lippen. <emphasis>Ich werde mich an das hier nicht erinnern,</emphasis> hatte er gesagt. <emphasis>Wenn ich mich zur�ckverwandelt habe</emphasis>�<emphasis> wieder unter Sebastians Kontrolle stehe, werde ich mich nicht daran erinnern k�nnen, dass ich kurzfristig wieder ich selbst gewesen bin.</emphasis> Und er hatte recht behalten: Jace hatte tats�chlich alles vergessen. Obwohl Clary darauf vorbereitet gewesen war und mit eigenen Augen gesehen hatte, wie ihm alles entfiel, versetzte ihr die Erkenntnis dennoch einen heftigen Stich ins Herz.</p><p>Sebastian stieg nun von der Steinplatte und trat an den Rand des Pentagramms, wo er zu psalmodieren begann: <emphasis>�Abyssum invoco. Lilith invoco. Mater mea, invoco.� </emphasis>Dann z�ckte er einen d�nnen Dolch, klemmte den Kelch in seine Armbeuge und schlitzte sich mit der Klinge die Handfl�che auf. Blut quoll aus der Wunde, das im Mondschein schwarz schimmerte. Er steckte den Dolch wieder in seinen G�rtel und hielt seine blutende Hand �ber den Kelch, w�hrend er weiterhin auf Lateinisch sang.</p><p>Clary hatte das Gef�hl: jetzt oder nie! �Jace�, wisperte sie. �Ich wei�, das hier ist nicht dein wahres Ich. Ich wei�, tief in dir drin steckt ein Teil von dir, der mit dem, was hier passiert, nicht einverstanden sein kann. Versuch, dich daran zu erinnern, wer du wirklich bist, Jace Lightwood.�</p><p>Ruckartig wandte Jace ihr den Kopf zu und musterte sie verwundert. �Wovon redest du?�</p><p>�Bitte versuch, dich zu erinnern, Jace. Ich liebe dich. Und du liebst mich��</p><p>�Nat�rlich liebe ich dich, Clary�, erkl�rte er angespannt. �Du hast gesagt, du w�rdest es verstehen. Das hier ist der entscheidende Moment. Der Moment, auf den wir so lange hingearbeitet haben.�</p><p>Vor ihnen warf Sebastian den Inhalt des Kelches mit Schwung in die Mitte des Pentagramms. <emphasis>�Hic est enim calix sanguinis mei.�</emphasis></p><p>�Nein, nicht <emphasis>wir�,</emphasis> fl�sterte Clary zur�ck. �Ich bin nicht Teil dieser Ereignisse. Und du auch nicht��</p><p>Jace zog scharf die Luft ein. F�r einen Augenblick dachte Clary, dass sie ihn vielleicht mit ihren Worten erreicht h�tte. Dass es ihr irgendwie gelungen w�re, durch seinen Panzer zu ihm durchzudringen. Doch dann folgte sie seinem Blick und sah, dass in der Mitte des Pentagramms eine wirbelnde Feuerkugel etwa von der Gr��e eines Baseballs erschienen war. Diese wuchs mit jeder Sekunde und ver�nderte ihre Gestalt, bis sich schlie�lich die Umrisse einer Frau herausbildeten, vollst�ndig aus Flammen geformt.</p><p>�Lilith�, setzte Sebastian mit lauter, theatralischer Stimme an. �So wie du mich zur�ckgerufen hast, rufe auch ich dich in die Welt zur�ck. So wie du mir neues Leben gespendet hast, spende auch ich dir neues Leben.�</p><p>Langsam nahmen die Flammen einen dunkleren Ton an. Und dann stand Lilith vor ihnen: etwa halb so gro� wie ein Mensch, splitternackt und mit langen schwarzen Haaren, die ihr �ber den R�cken fielen und bis zu den Fu�kn�cheln hinabreichten. Ihr K�rper war aschgrau und von schwarzen Rissen durchzogen wie erkaltende Lava. Sie heftete ihre Augen, in deren H�hlen schwarze Schlangen wimmelten, auf Sebastian. �Mein Kind�, hauchte sie.</p><p>Sebastian schien innerlich zu gl�hen wie ein Elbenlichtstein � leuchtend blasse Haut und helle Haare. Nur seine Kleindung wirkte im Mondlicht schwarz. �Mutter, ich habe dich heraufbeschworen, so wie du es von mir verlangt hast. Aber heute Nacht wirst du nicht nur einfach <emphasis>meine</emphasis> Mutter sein, sondern die Mutter einer vollkommen neuen Rasse.� Er deutete auf die Schattenj�ger, die reglos dastanden � vermutlich vor Schock. Es war eine Sache, auf das Erscheinen eines D�monenf�rsten zu warten, aber etwas v�llig anderes, einen solchen D�mon leibhaftig zu sehen. �Der Kelch�, sagte Sebastian laut und hielt Lilith das Gef�� entgegen, dessen heller Rand mit seinem Blut verschmiert war.</p><p>Lilith lachte in sich hinein; das Ger�usch klang wie das Knirschen schwerer Steine. Dann nahm sie den Kelch � und im n�chsten Moment schlug sie mit ihren Z�hnen eine klaffende Wunde in ihr aschgraues Handgelenk, so beil�ufig, als w�rde sie ein Insekt von einem Blatt heben. Langsam sickerte z�hfl�ssiges schwarzes Blut aus der Wunde hervor und klatschte in den Kelch, der unter ihrer Ber�hrung die Farbe zu �ndern schien � das helle, transparente Material hatte eine tr�be T�nung angenommen. �So wie der Engelskelch den Nephilim Talisman und Mittel zur Transformation zugleich gewesen ist, so soll dieser H�llenkelch euch dienen�, fauchte sie mit ihrer rauchigen Stimme. Dann kniete sie nieder und hielt Sebastian den Kelch entgegen. �Dies ist mein Blut � nehmet und trinket davon.�</p><p>Sebastian legte die H�nde um den Kelch und hob ihn hoch. Inzwischen hatte sich das Gef�� vollst�ndig in ein schimmerndes Schwarz verf�rbt.</p><p>�In dem Ma�e, in dem deine Armee w�chst, in dem Ma�e wird auch meine Kraft zur�ckkehren�, zischelte Lilith. �Bald werde ich stark genug sein, um leibhaftig zur�ckzukehren, und dann werden wir das Feuer der Macht teilen, mein Sohn.�</p><p>Langsam neigte Sebastian den Kopf. �Deinen Tod, o Mutter, verk�nden wir, und deine Auferstehung preisen wir.�</p><p>Lilith lachte und hob die Arme. Flammen z�ngelten �ber ihren K�rper und sie schwang sich in die L�fte und explodierte in einem Dutzend wirbelnder Lichtr�der, die wie die Glut eines verl�schenden Feuers verblassten. Als der letzte Funke verschwunden war, zerst�rte Sebastian mit dem Fu� den Rand des Pentagramms und hob dann den Kopf. Ein Furcht einfl��endes L�cheln lag auf seinen Z�gen.</p><p>�Cartwright�, befahl er. �Bring mir den Ersten.�</p><p>Die Menge teilte sich und ein Mann in einer Robe dr�ngte nach vorn, eine taumelnde Frau an seiner Seite. Sie war mit einer Kette an ihn gefesselt und ihre langen, verfilzten Haare verdeckten ihr Gesicht.</p><p>Clary versteifte sich. �Jace, was soll das? Was passiert hier?�</p><p>�Nichts, nichts�, erwiderte er geistesabwesend und schaute gebannt auf die Geschehnisse. �Es wird niemand verletzt. Nur verwandelt. Sieh einfach zu.�</p><p>Cartwright, an dessen Namen sich Clary vage aus ihrer Zeit in Idris erinnerte, dr�ckte der Gefangenen die Hand auf den Sch�del und zwang sie auf die Knie. Dann packte er sie an den Haaren und riss ihren Kopf nach hinten. Die Frau starrte Sebastian an, mit einer Mischung aus Angst und Trotz. Im Schein des Monds war ihr Gesicht nun deutlich zu sehen.</p><p>Best�rzt schnappte Clary nach Luft. <emphasis>�Amatis.�</emphasis></p></section><section><title><p>21</p><p>Die Macht der H�lle</p></title><p>Lukes Schwester schaute auf und heftete ihre blauen Augen, die denen ihres Bruders so sehr �hnelten, fest auf Clary. Amatis wirkte benommen, geschockt und verwirrt, als h�tte man ihr Drogen verabreicht. Sie versuchte, sich aufzurappeln, aber Cartwright stie� sie wieder auf den Boden, w�hrend Sebastian zu den beiden hin�berging, den Kelch in den H�nden.</p><p>Clary wollte zu Amatis st�rmen, doch Jace bekam sie am Arm zu fassen und zog sie zur�ck. W�tend versuchte Clary, nach ihm zu treten, aber er hatte bereits seine Arme um sie geschlungen und ihr eine Hand auf den Mund gepresst.</p><p>Sebastian redete leise und hypnotisch auf Amatis ein, woraufhin sie heftig den Kopf sch�ttelte. Doch Cartwright packte sie erneut an ihren langen Haaren und riss ihren Kopf zur�ck. Clary h�rte, wie Amatis aufschrie � ein d�nnes Heulen �ber dem Brausen des Windes.</p><p>Clary musste an jene Nacht denken, in der sie neben Jace gelegen und beobachtet hatte, wie sich sein Brustkorb ruhig hob und senkte. Wie sie �berlegt hatte, dass sie alles mit einem einzigen Messerstich beenden k�nnte. Damals hatte diese Idee kein Gesicht, keine Stimme, keinen konkreten Plan gehabt. Doch nun, da die Geschichte das Gesicht von Lukes Schwester bekommen hatte und Clary den Plan kannte, war es zu sp�t.</p><p>Sebastian hatte eine Hand in Amatis� Haare gekrallt und presste ihr den Kelch an die Lippen. Als er sie zum Trinken zwang, w�rgte und hustete sie und schwarze Fl�ssigkeit lief an ihrem Kinn herab. Dann riss Sebastian den Kelch zur�ck, dessen Inhalt bereits seine Wirkung zeigte: Amatis r�chelte grauenhaft, ihr ganzer K�rper fuhr in die H�he und versteifte sich. Ihre Augen traten aus den H�hlen und verf�rbten sich durchgehend schwarz, genau wie bei Sebastian. Sie schlug die H�nde vors Gesicht, stie� ein gequ�ltes Heulen aus � und dann sah Clary voller Entsetzen, wie die <emphasis>Voyance</emphasis>-Rune auf ihrer Hand erst verblasste und schlie�lich vollst�ndig verschwand.</p><p>Amatis lie� die H�nde herabsinken. Ihre Z�ge wirkten nun ruhig und sie richtete ihre Augen, die wieder blau waren, auf Sebastian.</p><p>�Mach sie los�, befahl Clarys Bruder dem Schattenj�ger, den Blick weiterhin auf Amatis fixiert. �Lass sie zu mir kommen.�</p><p>Cartwright l�ste die Kette, die Amatis an ihn fesselte, und trat zur�ck, eine seltsame Mischung aus Furcht und Faszination auf dem Gesicht.</p><p>Einen Augenblick lang verharrte Amatis reglos; ihre Arme hingen schlaff an ihrem K�rper herab. Dann stand sie auf, ging zu Sebastian und kniete vor ihm nieder, wobei ihre Haare durch den Staub streiften. �Gebieter�, sagte sie, �wie kann ich Euch dienen?�</p><p>�Erhebe dich�, befahl Sebastian.</p><p>Amatis richtete sich anmutig auf. Sie schien sich pl�tzlich ganz anders zu bewegen. Nat�rlich zeichneten sich alle Schattenj�ger durch geschickte, gewandte Bewegungen aus, doch Amatis� K�rperhaltung strahlte nun eine lautlose Agilit�t aus, was Clary einen kalten Schauer �ber den R�cken jagte. Amatis stand kerzengerade vor Sebastian und Clary erkannte, dass es sich bei ihrem Gewand, das sie f�r ein langes wei�es Kleid gehalten hatte, in Wahrheit um ein Nachthemd handelte � als h�tte man Amatis mitten in der Nacht aus ihrem Bett gezerrt. Was f�r ein Albtraum, nun hier aufzuwachen, inmitten maskierter Gestalten, an diesem finsteren, gottverlassenen Ort.</p><p>�Komm n�her�, befahl Sebastian und winkte sie mit einer Handbewegung heran.</p><p>Amatis trat noch einen Schritt vor. Sie war mindestens einen Kopf kleiner als Clarys Bruder und musste sich etwas recken, w�hrend er ihr etwas ins Ohr fl�sterte. Dann breitete sich ein kaltes L�cheln auf ihrem Gesicht aus.</p><p>Sebastian hob eine Hand. �W�rdest du gern gegen Cartwright k�mpfen?�</p><p>Cartwright � ein junger Mann mit hellem Haar und einem breiten, kantigen Gesicht � lie� die Kette fallen, die er noch immer festgehalten hatte, und seine Hand zuckte zu seinem Waffeng�rtel unter dem Umhang. �Aber ich��</p><p>�Eine kleine Demonstration ihrer Kr�fte w�re jetzt sicherlich angebracht�, bemerkte Sebastian. �Komm schon, Cartwright, sie ist doch nur eine Frau und �lter als du. Oder hast du etwa Angst?�</p><p>Cartwright wirkte best�rzt, z�ckte aber dennoch einen langen Dolch. �Jonathan��</p><p>In dem Moment blitzten Sebastians Augen auf. �Er geh�rt dir, Amatis!�</p><p>Ein feines L�cheln umspielte ihre Lippen. �Es ist mir ein Vergn�gen�, erwiderte sie und sprang. Mit verbl�ffender Geschwindigkeit hechtete sie hoch in die Luft, stie� den Fu� vor und trat dem verwirrten Schattenj�ger den Dolch aus der Hand. Verwundert beobachtete Clary, wie Amatis an Cartwrights K�rper hochschnellte und ihm das Knie in den Magen rammte. Als er r�ckw�rtstaumelte, verpasste sie ihm einen Kopfsto�, wirbelte um ihn herum, packte ihn am R�cken seiner Robe und riss ihn zu Boden. Mit einem gr�sslichen, knackenden Ger�usch landete er vor ihren F��en und st�hnte vor Schmerz.</p><p>�Das war daf�r, dass du mich mitten in der Nacht aus dem Bett gezerrt hast�, knurrte Amatis und wischte sich mit dem Handr�cken �ber die leicht blutende Lippe. Ein nerv�ses Lachen ging durch die Menge.</p><p>�Jetzt habt ihr es mit eigenen Augen gesehen�, rief Sebastian. �Selbst eine Nephilim ohne besondere F�higkeiten oder Kr�fte � nichts f�r ungut, Amatis � kann st�rker und geschickter werden als ihr mit seraphischen Kr�ften ausgestattetes Gegen�ber.� Theatralisch schlug er sich die rechte Faust in die linke Hand. �Macht. Echte Macht. Wer ist dazu bereit?�</p><p>Die Schattenj�ger z�gerten einen Moment, doch dann rappelte Cartwright sich auf, eine Hand sch�tzend auf seinen Magen gepresst. �Ich! Ich bin dazu bereit�, sagte er und warf Amatis einen giftigen Blick zu, die jedoch nur kalt l�chelte.</p><p>Sebastian hielt den H�llenkelch in die H�he. �Dann tritt vor.�</p><p>Cartwright ging auf Sebastian zu, w�hrend hinter ihm die anderen Schattenj�ger aus ihrer Erstarrung erwachten. Sie folgten Cartwright und stellten sich hinter ihm in einer lockeren Reihe auf. Amatis stand gelassen daneben, die H�nde vor dem K�rper verschr�nkt.</p><p>Clary starrte sie an und versuchte, die �ltere Frau dazu zu bewegen, in ihre Richtung zu schauen. Amatis war Lukes Schwester � wenn sich die Dinge wie geplant entwickelt h�tten, dann w�re sie inzwischen Clarys Stieftante.</p><p><emphasis>Amatis</emphasis>. Clary erinnerte sich an das schmale Kanalhaus in Idris und daran, wie freundlich Amatis zu ihr gewesen war und wie sehr sie Jace� Vater geliebt hatte. <emphasis>Bitte sieh mich an,</emphasis> dachte Clary. <emphasis>Bitte zeig mir, dass du noch immer du selbst bist.</emphasis></p><p>In dem Moment hob Amatis den Kopf, als h�tte sie Clarys stummes Flehen geh�rt, und blickte sie direkt an. Dann schenkte sie ihr ein L�cheln � allerdings kein freundliches oder aufmunterndes, sondern ein finsteres, kaltes und leicht belustigtes L�cheln. Das L�cheln eines Menschen, der zusah, wie jemand anderes ertrank, und nicht einen Finger zu dessen Rettung kr�mmte, dachte Clary. Das hier war nicht Amatis� L�cheln, denn das hier war nicht Amatis � Amatis existierte nicht mehr.</p><p>Inzwischen hatte Jace die Hand von Clarys Mund genommen, aber sie versp�rte nicht l�nger das Bed�rfnis zu schreien. Niemand w�rde ihr hier zu Hilfe kommen und die Person, die die Arme um sie geschlungen hatte und sie wie in einem Schraubstock festhielt, war nicht Jace. So wie Kleidungsst�cke selbst nach Jahren noch die Konturen ihres ehemaligen Besitzers beibehielten oder ein Kissen den Abdruck der Person, deren Kopf einst darauf gelegen hatte, genau so war auch dieser Jace. Er war eine leere H�lle, die sie mit ihren W�nschen, ihrer Liebe und ihren Tr�umen ausgestopft hatte.</p><p>Damit hatte sie dem echten Jace ein schreckliches Unrecht zugef�gt. In ihrem Bestreben, ihn zu retten, hatte sie fast vergessen, <emphasis>wen</emphasis> sie hier eigentlich rettete. Sie erinnerte sich wieder an seine Worte, als er f�r kurze Zeit er selbst gewesen war: <emphasis>Ich hasse die Vorstellung, dass er mit dir zusammen ist. </emphasis>Er.<emphasis> Dieser andere Teil von mir.</emphasis> Jace hatte gewusst, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelte � dass er ohne seine Seele nicht mehr er selbst war.</p><p>Er hatte versucht, sich dem Rat zu stellen, aber sie hatte ihn daran gehindert. Sie hatte nicht auf seinen eigenen Wunsch geh�rt, sondern diese Entscheidung f�r ihn getroffen � zwar in blinder Panik, aber sie hatte sie einfach an seiner Stelle gef�llt. Dabei war ihr nicht bewusst gewesen, dass <emphasis>ihr</emphasis> Jace lieber sterben w�rde, als so weiterzuleben, und dass sie ihm nicht das Leben gerettet, sondern ihn zu einem Dasein verdammt hatte, das er verabscheute.</p><p>Resigniert lie� Clary sich gegen Jace sinken, der ihre pl�tzlich ver�nderte K�rperhaltung als Zeichen daf�r wertete, dass sie sich ihm nicht l�nger widersetzte, und seinen Griff etwas lockerte. Mittlerweile stand der letzte der rot gekleideten Schattenj�ger vor Sebastian und streckte begierig die H�nde nach dem H�llenkelch aus.</p><p>�Clary��, setzte Jace an.</p><p>Doch Clary sollte nicht mehr herausfinden, was er hatte sagen wollen. Denn im n�chsten Augenblick ert�nte ein Schrei und der Schattenj�ger, der den Kelch entgegennehmen wollte, taumelte zur�ck, mit einem Pfeil im Hals. Ungl�ubig riss Clary den Kopf herum und entdeckte Alec, der in Kampfmontur und mit dem Bogen in der Hand auf dem Deckstein des Grabmals stand. Er grinste zufrieden und griff sich �ber die Schulter, um den n�chsten Pfeil aus dem K�cher zu ziehen.</p><p>Und dann tauchten hinter ihm die anderen auf: Ein Rudel W�lfe lief geduckt �ber die Ebene; ihr scheckiges Fell gl�nzte im Schein des Monds. Clary vermutete, dass sich auch Maia und Jordan unter ihnen befanden. Nach ihnen trat eine Reihe vertrauter Nephilim durch das Portal: Isabelle und Maryse Lightwood, Helen Blackthorn und Aline Penhallow sowie Jocelyn, deren rotes Haar selbst aus der Entfernung deutlich zu erkennen war. Neben ihnen tauchte Simon auf, hinter dessen Schulter das Heft eines silbern schimmernden Schwerts aufragte, und schlie�lich Magnus, dessen H�nde knisternde blaue Flammen verspr�hten.</p><p>Clarys Herz machte vor Erleichterung einen Satz. �Ich bin hier!�, rief sie ihnen zu. �Ich bin hier dr�ben!�</p><p>�Kannst du sie sehen?�, fragte Jocelyn unruhig. �Ist sie irgendwo in der Menge?�</p><p>Simon versuchte, sich auf das Gewimmel in der Dunkelheit vor ihm zu konzentrieren. Der deutliche Geruch von Blut stimulierte seine Vampirsinne so sehr, dass er sogar unterschiedliche Blutsorten erkennen konnte � Schattenj�gerblut, D�monenblut und die bittere Note von Sebastians Blut. �Ja, ich sehe sie�, best�tigte er. �Jace h�lt sie fest. Er zieht sie hinter die Linien der Schattenj�ger.�</p><p>�Wenn sie Jonathan so treu ergeben sind wie einst Valentin, dann werden sie mit ihren K�rpern einen Schutzwall um ihn herum bilden � und um Clary und Jace ebenfalls.� Eine kalte, m�tterliche Wut sprach aus Jocelyn und ihre gr�nen Augen funkelten zornig. �Wir werden ihre Reihen durchbrechen m�ssen, um zu ihnen zu gelangen.�</p><p>�Wir m�ssen zuallererst zu Sebastian vordringen�, erwiderte Isabelle. �Simon, wir werden dir eine Schneise freischlagen. Du schnappst dir Sebastian und rammst ihm <emphasis>Glorious</emphasis> in die Brust. Sobald er erst einmal gefallen ist��</p><p>�� werden die anderen sich wahrscheinlich in alle Winde zerstreuen�, erg�nzte Magnus. �Oder � je nachdem, wie eng sie mit Sebastian verbunden sind � an seiner Seite sterben. Das k�nnen wir zumindest hoffen.� Er hob den Kopf und schaute zum Deckstein. �Apropos hoffen: Habt ihr den Schuss gesehen, den Alec mit seinem Bogen abgefeuert hat? So kenne ich meinen Freund.� Der Hexenmeister strahlte und bewegte seine Fingerspitzen, woraufhin blaue Funken in alle Richtungen stoben und er von Kopf bis Fu� aufleuchtete.</p><p>Nur Magnus war in der Lage, sich eine paillettenbesetzte Kampfmontur zu besorgen, dachte Simon ergeben.</p><p>Isabelle wickelte sich die Peitsche vom Handgelenk und lie� sie wie eine goldene Flamme nach vorn schnellen. �Okay, Simon�, sagte sie. �Bist du bereit?�</p><p>Simon straffte die Schultern. Sie standen noch immer ein St�ck von den Reihen der gegnerischen Armee entfernt � er wusste nicht, wie er die anderen, schwer bewaffneten Nephilim in ihren roten Roben und Kampfmonturen sonst h�tte bezeichnen sollen. Als einige von ihnen verwirrte Rufe ausstie�en, konnte er sich ein L�cheln nicht verkneifen.</p><p>�Beim Erzengel, Simon, was gibt es da zu grinsen?�, fragte Izzy.</p><p>�Ihre Seraphklingen funktionieren nicht mehr�, erkl�rte Simon. �Sie versuchen herauszufinden, warum. Sebastian hat ihnen gerade zugebr�llt, sie sollen andere Waffen benutzen.�</p><p>Erneut ert�nte ein Aufschrei aus der Gruppe der Nephilim um Sebastian, als ein weiterer Pfeil in hohem Bogen vom Grabmal flog und sich in den R�cken eines st�mmigen, rot gekleideten Schattenj�gers bohrte, der daraufhin nach vorn kippte. Die Reihen der Schattenj�ger bewegten sich ruckartig zur Seite und dazwischen �ffnete sich ein Spalt. Simon erkannte seine Chance und st�rmte vorw�rts, dicht gefolgt von den anderen.</p><p>Das Ganze kam ihm wie der Versuch vor, bei Nacht in einen Ozean einzutauchen � in eine tiefschwarze See, in der es von Haien und Meeresungeheuern mit rasiermesserscharfen Z�hnen nur so wimmelte. Dies war zwar nicht Simons erster Kampf, aber w�hrend der Gro�en Schlacht hatte Clary ihn gerade erst mit dem Kainsmal versehen gehabt. Obwohl das Mal noch nicht seine volle Wirkung entfaltet hatte, waren viele D�monen schlagartig vor ihm zur�ckgewichen. Er h�tte nicht gedacht, dass er das Zeichen auf seiner Stirn einmal vermissen w�rde � doch nun, als er versuchte, sich durch die dichten Reihen der rot gekleideten Schattenj�ger zu k�mpfen, die mit ihren Waffen nach ihm schlugen, fehlte es ihm gewaltig.</p><p>Isabelle und Magnus flankierten ihn, sch�tzten ihn und sch�tzten <emphasis>Glorious</emphasis>. Izzys Peitsche knallte kr�ftig durch die Luft und Magnus� H�nde spr�hten rotes, gr�nes und blaues Feuer, das die getroffenen Dunklen Nephilim in Flammen aufgehen lie�. Andere Schattenj�ger br�llten auf, als Lukes W�lfe, die sich zwischen sie gestohlen hatten, ihnen an die Kehle sprangen.</p><p>Pl�tzlich flog ein Dolch mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf Simon zu und traf ihn an der Seite. Vor Schmerz schrie er auf, lief aber weiter, weil er wusste, dass die Wunde innerhalb weniger Sekunden verheilen w�rde. Simon dr�ngte vorw�rts � und erstarrte. Ein vertrautes Gesicht tauchte vor ihm auf: Lukes Schwester, Amatis. Als sich ihre Blicke trafen, sah er, dass sie ihn wiedererkannte. Doch was tat sie hier? War sie hergekommen, um an ihrer Seite zu k�mpfen? Aber�</p><p>Im n�chsten Augenblick st�rzte Amatis sich auf ihn, einen dunkel schimmernden Dolch in der Hand. Sie war zwar schnell � aber eigentlich h�tten seine Vampirreflexe Simon vor Schaden bewahrt, wenn er nicht so �berrascht gewesen w�re. Amatis war Lukes Schwester, er kannte sie doch�</p><p>Dieser Moment ungl�ubigen Z�gerns h�tte m�glicherweise Simons Ende bedeutet, wenn Magnus ihn nicht aus dem Weg gesto�en h�tte. Blaue Flammen spr�hten von seinen H�nden, doch Amatis war schneller als der Hexenmeister. Sie wich dem Feuer aus, tauchte unter Magnus� Arm hindurch und einen Sekundenbruchteil sp�ter blitzte die Klinge ihres Dolchs im Mondlicht auf. Magnus� Augen weiteten sich vor Entsetzen, als Amatis ihre mitternachtsschwarze Waffe herabsausen lie� und durch die Kampfmontur hindurch in seinen K�rper rammte. Dann riss sie die Hand mit dem Dolch zur�ck, die Klinge verschmiert mit spiegelndem Blut.</p><p>Isabelle schrie auf, als Magnus zusammenbrach und auf die Knie fiel. Simon versuchte, zu ihm zu gelangen, doch die Woge der K�mpfenden riss ihn fort. Hilflos br�llte er Magnus� Namen, als Amatis sich �ber den zu Boden gegangenen Hexenmeister beugte, den Dolch ein weiteres Mal anhob und auf sein Herz zielte.</p><p>�Lass mich los!�, schrie Clary und versuchte, sich zappelnd und tretend aus Jace� Griff zu winden. Sie konnte kaum etwas von dem erkennen, was sich vor der hin und her wogenden Menge der rot gekleideten Schattenj�ger abspielte, die Jace, Sebastian und sie vor ihrer Familie und ihren Freunden abschirmten. Die drei befanden sich ein paar Schritte hinter der Kampflinie; Jace hielt Clary fest, die wild strampelte, w�hrend Sebastian das Kampfgeschehen mit einer finsteren Wut in den Augen verfolgte. Seine Lippen bewegten sich unaufh�rlich, aber Clary wusste nicht, ob er fluchte, betete oder eine weitere Beschw�rungsformel murmelte. �Lass mich endlich los!�, br�llte Clary.</p><p>In diesem Moment wandte Sebastian sich ihr zu, mit einem Furcht einfl��enden Ausdruck auf dem Gesicht � eine Mischung aus Grinsen und Z�hnefletschen. �Bring sie zum Schweigen, Jace!�</p><p>Doch Jace, der Clary noch immer festhielt, erwiderte: �Wollen wir hier nur rumstehen und tatenlos zusehen, wie uns die anderen besch�tzen?� Er deutete mit dem Kinn auf die Reihen der roten Schattenj�ger.</p><p>�Ganz genau�, best�tigte Sebastian. �Denn wir, du und ich, sind zu wichtig. Uns darf nichts zusto�en.�</p><p>Jace sch�ttelte den Kopf. �Das gef�llt mir nicht. Auf der anderen Seite k�mpfen zu viele.� Er reckte den Hals, um �ber die Menge hinwegzuschauen. �Was ist mit Lilith? Kannst du sie nicht zur�ckrufen, damit sie uns hilft?�</p><p>�Was? Etwa hier?� Verachtung sprach aus Sebastians Stimme. �Nein. Au�erdem ist sie noch zu schwach, um uns beizustehen. Fr�her h�tte sie eine ganze Armee vernichten k�nnen, aber dieser Dreckskerl von Schattenweltler mit dem Kainsmal hat ihre Essenz in der Leere zwischen den Welten zerstreut. Es hat sie schon ihre ganze Kraft gekostet, hier zu erscheinen und uns ihr Blut zu geben.�</p><p>�Du Feigling�, fauchte Clary Sebastian an. �Du hast diese Nephilim in deine Sklaven verwandelt und r�hrst keinen Finger, um sie zu besch�tzen��</p><p>W�tend hob Sebastian die Hand, als wollte er sie ohrfeigen. Clary w�nschte sich, er w�rde sie schlagen, damit Jace es sehen konnte. Stattdessen lie� Sebastian die Hand sinken und verzog die Lippen zu einem h�mischen Grinsen. �Wenn Jace dich loslie�e, w�rdest <emphasis>du</emphasis> sicher k�mpfen, oder?�</p><p>�Selbstverst�ndlich w�rde ich das��</p><p>�Und auf wessen Seite?� Blitzschnell trat Sebastian auf Clary zu und hob den H�llenkelch. Clary konnte einen Blick hineinwerfen: Obwohl so viele Nephilim bereits davon getrunken hatten, war die Menge an Blut, die darin schwappte, unver�ndert. �Heb ihren Kopf an, Jace.�</p><p>�Nein!� Clary verdoppelte ihre Anstrengungen und versuchte verzweifelt, sich zu befreien. Jace� Finger schoben sich unter ihr Kinn, doch Clary glaubte, ein Z�gern in seiner Handbewegung zu sp�ren.</p><p>�Sebastian�, setzte er an. �Nicht��</p><p>�Tu es! Jetzt!�, befahl Sebastian. �F�r uns besteht kein Grund, noch l�nger hierzubleiben. <emphasis>Wir</emphasis> sind wichtig, nicht dieses Kanonenfutter. Wir haben bewiesen, dass der H�llenkelch funktioniert � das ist das Einzige, was z�hlt.� H�hnisch grinsend krallte er seine Hand in Clarys Kleid. �Aber wir k�nnen wesentlich leichter fliehen, wenn dieses Mistst�ck nicht die ganze Zeit schreit und strampelt und um sich tritt.�</p><p>�Wir k�nnen sie doch sp�ter aus dem Kelch trinken lassen��</p><p>�Nein�, knurrte Sebastian. �Und jetzt halt sie gef�lligst fest.� Damit hob er den Kelch, dr�ckte ihn Clary an den Mund und versuchte, ihre Lippen auseinanderzuzw�ngen.</p><p>Erbittert setzte Clary sich zur Wehr und biss die Z�hne zusammen.</p><p>�Trink!�, fl�sterte Sebastian bedrohlich und so leise, dass Clary bezweifelte, ob Jace ihn h�ren konnte. �Ich hab dir ja gesagt, dass du am Ende dieser Nacht alles tun w�rdest, was ich von dir verlange. Also trink!� Seine schwarzen Augen verfinsterten sich und er presste ihr den Kelch fester gegen die Lippen und schob ihre Unterlippe nach unten.</p><p>Clary schmeckte Blut, w�hrend sie gleichzeitig hinter sich griff, Jace an den Schultern packte und seinen K�rper dazu nutzte, Sebastian mit beiden Beinen einen Tritt zu verpassen: Sie sp�rte, wie erst der Saum und dann die Seitennaht ihres Kleides rissen, als sie ihre F��e mit Wucht in Sebastians Brustkorb rammte und er pfeifend zur�cktaumelte. W�hrenddessen riss Clary ruckartig den Kopf zur�ck und h�rte dann ein Knirschen, als ihr Sch�del gegen Jace� Gesicht schlug. Er schrie auf und lockerte seinen Griff lange genug, dass Clary sich losrei�en konnte. Sie wirbelte herum und st�rzte sich in das Kampfget�mmel, ohne sich noch einmal umzuschauen.</p><p>Maia hetzte �ber den felsigen Untergrund; Sternenlicht streifte mit k�hlen Fingern ihr Fell, w�hrend der Kampf ihre empfindliche Nase mit Ger�chen bombardierte: Blut, Schwei� und der Gestank brennender Gummireifen � das Zeichen Schwarzer Magie.</p><p>Ihr Rudel hatte sich �ber die gesamte Ebene verteilt und schlug mit todbringenden Z�hnen und Klauen breite L�cken in die Reihen des Feinds. Maia hielt sich dicht neben Jordan � aber nicht, weil sie seinen Schutz brauchte, sondern weil sie festgestellt hatte, dass sie Seite an Seite besser und effektiver k�mpfen konnten. Bisher hatte sie nur an einer einzigen Schlacht teilgenommen, auf der Brocelind-Ebene, und damals hatte um sie herum ein furchtbares Chaos aus D�monen und Schattenweltlern geherrscht. Hier in dieser kargen Gegend standen ihnen zwar weniger Feinde gegen�ber, aber die Dunklen Nephilim waren hervorragende Krieger und schwangen ihre Schwerter und Dolche mit Furcht einfl��ender Kraft und Geschicklichkeit. Maia hatte gesehen, wie ein schlanker Schattenj�ger einem angreifenden Werwolf mitten im Sprung den Kopf abgetrennt hatte, woraufhin ein menschlicher Rumpf auf den Boden gefallen war, blutig und bis zur Unkenntlichkeit verst�mmelt.</p><p>Als Maia gerade daran zur�ckdachte, tauchte vor ihnen ein rot gekleideter Schattenj�ger auf, mit einem zweischneidigen Schwert in den H�nden. Die Klinge glitzerte im Mondlicht feucht und schwarzr�tlich. Jordan knurrte, aber Maia attackierte den Mann als Erste. Er tauchte jedoch unter ihrem Angriff hinweg und versetzte ihr einen Hieb mit seinem Schwert. Maia sp�rte einen stechenden Schmerz an der Schulter und landete auf allen vieren. Als hinter ihr ein Klirren ert�nte, wusste sie, dass sie dem Dunklen Nephilim bei ihrem Angriff die Waffe aus der Hand getreten hatte. Mit einem zufriedenen Knurren wirbelte sie herum, nur um festzustellen, dass Jordan bereits zum Sprung ansetzte, um dem Mann an die Kehle zu gehen�</p><p>Doch der Krieger packte ihn einfach am Nackenfell, als w�rde er einen ungezogenen Welpen mitten aus der Luft greifen. �Du Schattenweltabschaum!�, fauchte er, und obwohl Maia eine derartiges Schimpfwort nicht zum ersten Mal h�rte, jagte ihr der eisige Hass in der Stimme des Mannes einen Schauer �ber den R�cken. �Dir sollte man das Fell abziehen! Ich sollte dich als Mantel tragen!�</p><p>W�tend schlug Maia dem Mann ihre Z�hne ins Bein. Bitter-metallisch schmeckendes Blut explodierte in ihrem Mund, w�hrend der Nephilim vor Schmerz aufschrie, r�ckw�rts taumelte, seinen Griff um Jordans Nacken lockerte und nach Maia trat. Die junge Werw�lfin verst�rkte ihren Biss und Jordan attackierte erneut. Und dieses Mal erstarben dem Schattenj�ger die w�sten Beschimpfungen j�h auf den Lippen, als ihm die Krallen des Werwolfs die Kehle aufrissen.</p><p>Amatis wollte ihren Dolch in Magnus� Herz sto�en � als ein Pfeil durch die Luft flog, sich in ihre Schulter bohrte und sie mit solcher Wucht zur Seite riss, dass sie sich um hundertundachtzig Grad drehte und mit dem Gesicht auf den felsigen Untergrund st�rzte. Sie kreischte laut, doch ihre Schreie gingen schon bald im Tosen der klirrenden Waffen unter.</p><p>Isabelle kniete sich neben Magnus, w�hrend Simon rasch aufschaute und Alec auf dem Deckstein sah, der mit dem Bogen in der Hand wie erstarrt dastand. Vermutlich war er zu weit entfernt, um Magnus deutlich zu erkennen. Isabelle hatte dem Hexenmeister beide H�nde auf den Brustkorb gepresst, um die Blutung zu stillen, aber Magnus � sonst st�ndig in Bewegung und voller Energie � lag vollkommen reglos da. Die junge Schattenj�gerin hob den Blick und sah, dass Simon sie und Magnus fassungslos anstarrte; und obwohl ihre H�nde bereits voller Blut waren, sch�ttelte sie heftig den Kopf und rief: �Lauf weiter! Such Sebastian!�</p><p>Simon gab sich einen Ruck, wirbelte herum und tauchte wieder in das Get�mmel ein. Die dichten Reihen der rot gekleideten Schattenj�ger hatten sich bereits gelichtet. Die W�lfe sprangen zwischen ihnen umher und trieben einzelne Nephilim von den anderen fort. Jocelyn befand sich in einem Schwertkampf mit einem knurrenden Mann, von dessen linkem Arm Blut tropfte � und Simon machte eine eigenartige Feststellung, w�hrend er weitertaumelte und sich durch die schmalen L�cken zwischen den K�mpfenden hindurchman�vrierte: Kein einziger der roten Nephilim trug ein Runenmal.</p><p>Als er aus dem Augenwinkel sah, wie einer der feindlichen Schattenj�ger Aline mit einem Streitkolben angriff, aber von Helen niedergestreckt wurde, erkannte Simon, dass diese Schattenj�ger au�erdem wesentlich schneller waren als alle anderen Nephilim, die er kannte, von Jace und Sebastian einmal abgesehen. Sie bewegten sich mit der Schnelligkeit von Vampiren, �berlegte er, als einer von ihnen einen Wolf mitten im Sprung erwischte und ihm den Unterleib aufschlitzte. Der tote Werwolf st�rzte zu Boden � als Leichnam eines st�mmigen Mannes mit lockigen hellen Haaren. Also weder Maia noch Jordan. Erleichterung durchstr�mte Simon, dicht gefolgt von Schuldgef�hlen. Er stolperte weiter, umgeben vom intensiven Blutgeruch, der die Luft erf�llte. Erneut musste er an sein Kainsmal denken: Wenn es noch auf seiner Stirn leuchten w�rde, k�nnte er alle feindlichen Schattenj�ger auf der Stelle vernichten�</p><p>Pl�tzlich tauchte einer der Dunklen Nephilim vor ihm auf und schwang ein einschneidiges Schwert. Simon duckte sich blitzschnell, doch das w�re eigentlich nicht mehr n�tig gewesen. Denn der Mann hatte kaum mit der Waffe ausgeholt, als ihn auch schon ein Pfeil in den Hals traf und er blutspuckend zu Boden ging. Ruckartig hob Simon den Kopf und sah Alec, der noch immer auf dem Grabmal stand. Sein Gesicht wirkte wie versteinert, aber er schoss seine Pfeile mit maschinenartiger Pr�zision: Seine Hand griff mechanisch �ber die Schulter, zog einen Pfeil aus dem K�cher, legte ihn auf den Bogen und lie� ihn durch die Luft sirren, woraufhin dieser sich unfehlbar in sein Ziel bohrte. Das schien Alec aber kaum wahrzunehmen, denn sobald er einen seiner Pfeile abgeschickt hatte, griff er bereits nach dem n�chsten. Simon h�rte, wie ein weiterer Pfeil an ihm vorbeizischte und sich in einen der roten Nephilim bohrte, w�hrend er selbst vorw�rtsst�rmte, um zu einem weniger umk�mpften Bereich des Schlachtfelds zu gelangen�</p><p>Im selben Moment erstarrte er. Dort dr�ben war sie: Clary. Eine winzige Gestalt, die sich mit blo�en H�nden einen Weg durch die Menge k�mpfte und dabei wie wild um sich schlug und trat. Sie trug ein zerrissenes rotes Gewand und ihre Haare waren vollkommen zerzaust. Als sie Simon entdeckte, huschte ein Ausdruck ungl�ubigen Erstaunens �ber ihre Z�ge und ihre Lippen formten seinen Namen.</p><p>Direkt hinter ihr war Jace mit blut�berstr�mtem Gesicht. Die Menge teilte sich, als er hindurchst�rmte, und lie� ihn passieren. Hinter ihm, in der entstandenen L�cke, konnte Simon einen rot und silbern schimmernden Schemen ausmachen � eine vertraute Gestalt, mit inzwischen wieder wei�blonden Haaren, dieselbe Farbe wie einst Valentins Haar.</p><p>Sebastian. Clarys Bruder, der sich noch immer hinter der letzten Verteidigungslinie der Dunklen Schattenj�ger versteckte. Dieser Anblick veranlasste Simon, �ber seine Schulter zu greifen und <emphasis>Glorious</emphasis> aus der Scheide zu ziehen. Eine Sekunde sp�ter trieb eine Woge im Gedr�nge ihm Clary entgegen. Ihre Augen wirkten vor lauter Adrenalin fast schwarz, aber ihre Freude bei seinem Anblick war ungetr�bt. Enorme Erleichterung durchstr�mte Simon und ihm wurde bewusst, dass er sich die ganze Zeit gefragt hatte, ob Clary wohl noch sie selbst war � oder aber verwandelt, so wie er es bei Amatis erlebt hatte.</p><p>�Gib mir das Schwert!�, br�llte Clary, deren Stimme fast vom ohrenbet�ubenden Klirren der Schwerter �bert�nt wurde. Sie streckte Simon ihre Hand entgegen � und in diesem Augenblick war sie nicht l�nger Clary, seine Freundin seit Kindergartenzeiten, sondern eine Schattenj�gerin, ein Racheengel, dem dieses Schwert zustand.</p><p>Blitzschnell hielt Simon ihr das Schwert entgegen, mit dem Heft voran.</p><p>Der Kampf wogte hin und her wie ein aufgew�hltes Meer, dachte Jocelyn und bahnte sich einen Weg durch das Get�mmel, wobei sie mit Lukes <emphasis>Kindjal</emphasis> auf alles einschlug, das auch nur irgendwie rot leuchtete. Die Gegner tauchten so schnell aus der Menge auf und wieder darin unter, dass sie kaum etwas anderes wahrnahm als ein Gef�hl konstanter Gefahr und den unbedingten Willen, nicht unterzugehen und am Leben zu bleiben.</p><p>Jocelyns Blick glitt fieberhaft �ber die wild aufeinanderprallenden K�mpfer, immer auf der Suche nach ihrer Tochter, nach rot leuchtenden Haaren � oder gegebenenfalls nach Jace. Denn wo er war, w�rde auch Clary sein. Mehrere Felsbrocken waren �ber die Ebene verstreut. Rasch erklomm Jocelyn die raue Kante eines dieser Bl�cke, um sich einen besseren �berblick �ber das Schlachtfeld zu verschaffen. Aber sie konnte nur dicht aneinandergedr�ngte K�rper, aufblitzende Waffen und die dunklen, tief geduckten Gestalten der Werw�lfe im Get�mmel ausmachen.</p><p>Resigniert wandte sie sich ab und kletterte wieder hinunter� nur um am Fu� des Felsbrockens jemanden vorzufinden, der bereits auf sie wartete. Abrupt hielt Jocelyn inne und starrte den Mann an.</p><p>Er trug eine scharlachrote Robe und auf seiner Wange prangte eine zerkl�ftete, blasse Narbe, ein Andenken an eine fr�here Schlacht. Sein Gesicht wirkte verkniffen und l�ngst nicht mehr jugendlich, doch es bestand kein Zweifel an seiner Identit�t.</p><p>�Jeremy�, sagte Jocelyn langsam, wobei ihre Stimme im Kampfget�mmel kaum zu h�ren war. �Jeremy Pontmercy.�</p><p>Der Mann, der einst das j�ngste Mitglied in Valentins Kreis gewesen war, schaute sie aus blutunterlaufenen Augen an. �Jocelyn Morgenstern. Bist du hier, um dich uns anzuschlie�en?�</p><p>�Mich euch anschlie�en? Nein, Jeremy��</p><p>�Du hast einst auch dem Kreis angeh�rt�, erwiderte er und kam n�her. Er hielt einen langen Dolch mit einer rasiermesserscharfen Klinge in der rechten Hand. �Du warst eine von uns. Nun folgen wir deinem Sohn.�</p><p>�Ich habe mich von euch abgewendet, als ihr meinem Mann gefolgt seid�, erkl�rte Jocelyn. �Wieso kommst du auf die Idee, dass ich mich euch jetzt anschlie�en w�rde, wenn mein Sohn euch anf�hrt?�</p><p>�Entweder bist du f�r uns oder gegen uns, Jocelyn.� Jeremys Gesicht verfinsterte sich. �Aber du kannst dich nicht gegen deinen eigenen Sohn stellen.�</p><p>�Jonathan ist das gr��te Verbrechen, das Valentin je begangen hat�, erwiderte Jocelyn leise. �Ich k�nnte niemals an seiner Seite stehen. Letztendlich habe ich auch nie an Valentins Seite gestanden. Also was verleitet dich zu der Annahme, mich jetzt vom Gegenteil �berzeugen zu k�nnen?�</p><p>Jeremy sch�ttelte den Kopf. �Du hast mich missverstanden. Ich meinte, dass du dich ihm nicht entgegenstellen <emphasis>kannst</emphasis>. Denn du hast keine Chance gegen uns. Auch der Rat hat keine Chance; seine Mitglieder sind nicht auf uns vorbereitet� auf das, was wir k�nnen und wozu wir bereit sind. Schon bald wird in jeder Stadt Blut durch die Stra�en flie�en. Die ganze Welt wird brennen. Alles, was du gekannt hast, wird zerst�rt werden. Wir werden aus den Tr�mmern eures Untergangs auferstehen wie ein Ph�nix aus der Asche. Das hier ist deine einzige Chance, denn ich bezweifle, dass dir dein Sohn noch eine weitere geben wird.�</p><p>�Jeremy�, setzte Jocelyn an, �du warst noch so jung, als Valentin dich rekrutiert hat. Du k�nntest dich lossagen, sogar in die Reihen des Rats zur�ckkehren. Man w�rde sich dir gegen�ber bestimmt nachsichtig zeigen��</p><p>�Ich kann nie mehr in die Reihen des Rats zur�ckkehren�, erwiderte Jeremy mit dunkler Genugtuung. �Verstehst du das denn nicht? Diejenigen von uns, die zu deinem Sohn stehen, sind keine Nephilim mehr.�</p><p><emphasis>Keine Nephilim mehr.</emphasis> Jocelyn hob zu einer Antwort an, doch bevor sie etwas sagen konnte, quoll Blut aus Jeremys Mund. Dann brach er zusammen. Hinter ihm stand Maryse, ein Breitschwert in der Hand.</p><p>Die beiden Frauen warfen sich �ber Jeremys toten K�rper einen kurzen Blick zu. Dann wandte Maryse sich um und kehrte in das Kampfget�mmel zur�ck.</p><p>In dem Moment, in dem Clarys Finger sich um das Heft schlossen, erstrahlte das Schwert in einem goldenen Licht. Flammen z�ngelten �ber die Klinge, lie�en mehrere darin eingravierte Worte aufblitzen � <emphasis>Quis ut Deus?</emphasis> � und erf�llten das Heft mit einem Leuchten, als w�re das Licht der Sonne darin gefangen. Beinahe h�tte Clary das Schwert fallen gelassen, in der Annahme, es sei in Flammen aufgegangen. Doch das Feuer schien innerhalb der Waffe zu lodern, denn das Metall f�hlte sich weiterhin k�hl in ihren H�nden an.</p><p>Danach spielte sich alles wie in Zeitlupe ab: Clary drehte sich um, das flammende Schwert fest in den H�nden. Fieberhaft suchte sie die Menge nach Sebastian ab. Sie konnte ihn nirgends entdecken, aber sie wusste, dass er sich hinter der dichten Reihe roter Nephilim befand, durch die sie sich hindurchgek�mpft hatte. Das Schwert vor sich ausgestreckt, bewegte sie sich auf die Nephilim zu. Doch jemand versperrte ihr den Weg.</p><p>Jace.</p><p>�Clary�, sagte er. Eigentlich h�tte sie ihn unm�glich h�ren k�nnen, da um sie herum ohrenbet�ubender L�rm herrschte: laute Schreie und das Knurren von W�lfen, das Klirren und Knirschen von Metall auf Metall. Aber die Wogen der k�mpfenden Gestalten hatten sich offenbar wie das Rote Meer geteilt und um Jace und sie herum eine freie Fl�che gelassen.</p><p>Das Schwert brannte in Clarys feuchten Fingern. �Jace. Geh mir aus dem Weg!�, stie� sie hervor und h�rte, wie Simon hinter ihr etwas rief.</p><p>Jace sch�ttelte den Kopf. Seine goldfarbenen Augen schauten sie ausdruckslos und unergr�ndlich zugleich an. Sein Gesicht war blutverschmiert � Clary hatte ihm mit dem Sch�del den Wangenknochen gebrochen, �ber dem die Haut bereits anschwoll und sich zu verf�rben begann. �Gib mir das Schwert, Clary�, befahl er.</p><p>�Nein.� Heftig sch�ttelte Clary den Kopf und wich einen Schritt zur�ck. <emphasis>Glorious</emphasis> beleuchtete den Bereich, in dem sie standen, beleuchtete das niedergetrampelte, blutgetr�nkte Gras um Clary herum und beleuchtete Jace, der sich auf sie zubewegte. �Jace. Ich kann dich von Sebastian trennen. Ich kann ihn t�ten, ohne dich dabei zu verletzen��</p><p>Sein Gesicht zuckte. Seine Augen leuchteten in derselben Farbe wie das Feuer des Schwerts. Oder reflektierten sie nur das Licht? Clary war sich nicht sicher.</p><p>Doch als sie ihn musterte, erkannte sie, dass es keine Rolle spielte. Denn sie sah Jace und dann auch wieder nicht: ihre Erinnerungen an ihn, den wundersch�nen Jungen, den sie vor Monaten kennengelernt hatte und der am Anfang r�cksichtslos gegen sich und andere gewesen war und erst im Laufe der Zeit gelernt hatte, f�rsorglich und vorsichtig zu sein. Clary erinnerte sich wieder an jene Nacht, die sie in Idris gemeinsam verbracht hatten, die H�nde �ber dem schmalen Bett verschr�nkt. Dann an den blut�berstr�mten Jungen, der sie in Paris mit gehetzten Augen angesehen und ihr gestanden hatte, dass er jemanden umgebracht hatte.</p><p>�Sebastian t�ten?�, herrschte der Jace, der nicht Jace war, sie nun an. �Hast du v�llig den Verstand verloren?�</p><p>Clarys Gedanken kehrten zu jenem Abend am Lyn-See zur�ck, als Valentin Jace das Schwert in die Brust gerammt und sie mit dem Gef�hl zur�ckgelassen hatte, dass mit Jace� Blut auch ihr Leben endete.</p><p>Sie hatte ihn dort sterben sehen, am Ufer dieses Sees in Idris. Und nachdem sie ihn zur�ckgeholt hatte, war er zu ihr gekrochen und hatte sie angeschaut, mit seinen Augen, die so brannten wie dieses Schwert � wie das wei� gl�hende Blut eines Engels.</p><p><emphasis>Ich war in der Dunkelheit,</emphasis> hatte er gesagt. <emphasis>Dort gab es nichts au�er Schatten und auch ich war ein Schatten</emphasis>�<emphasis> Doch dann h�rte ich deine Stimme.</emphasis></p><p>Aber seine Worte wurden von anderen �berlagert, von Worten, die Jace erst kurz zuvor ausgesprochen hatte: Im Wohnzimmer von Valentins Wohnung, wo er Sebastian gegen�bergestanden und Clary erkl�rt hatte, er w�re lieber tot als so weiterzuleben.</p><p>Auch jetzt konnte sie ihn h�ren: Er befahl ihr, das Schwert freiwillig herauszur�cken, andernfalls w�rde er es ihr einfach wegnehmen. Seine Stimme klang hart, ungeduldig � der Ton eines Menschen, der mit einem ungezogenen Kind spricht. In diesem Moment wusste Clary, dass nicht nur Jace nicht mehr er selbst war, sondern auch sie nicht mehr die Clary, die er liebte. Dieses M�dchen war nur eine Erinnerung, ein verschwommenes, verzerrtes Bild einer gef�gigen, folgsamen Person; einer Person, die nicht verstand, dass Liebe, die nicht freiwillig und ehrlich geschenkt wurde, in Wahrheit keine Liebe war.</p><p>�Gib mir das Schwert.� Er hatte die Hand ausgestreckt, das Kinn angehoben und befahl herrisch: �Gib mir endlich das Schwert, Clary!�</p><p>�Du willst das Schwert?� Clary hob <emphasis>Glorious</emphasis> an, so wie er es ihr beigebracht hatte, und balancierte es in den H�nden, obwohl es sich sehr schwer anf�hlte. Im n�chsten Augenblick begann die darin eingeschlossene Flamme aufzulodern, bis zur Spitze und dann dar�ber hinaus, als w�rde das Feuer bis zu den Sternen reichen.</p><p>Jace war nur eine Schwertl�nge von Clary entfernt; seine goldenen Augen funkelten ungl�ubig. Selbst jetzt schien er nicht glauben zu k�nnen, dass sie ihn ernsthaft verletzen w�rde.</p><p>Clary atmete tief ein. �Dann hol�s dir doch.�</p><p>Sie sah seine Augen aufblitzen wie damals am See � und dann rammte sie ihm das Schwert in die Brust, exakt wie Valentin es getan hatte. Clary verstand nun, dass es auf diese Weise getan werden musste. Denn genau so war er gestorben. Sie hatte ihn den Klauen des Todes entrissen, doch nun war dieser zur�ckgekehrt.</p><p><emphasis>Man kann den Tod nicht betr�gen. Letztendlich wird er sein Recht einfordern.</emphasis></p><p><emphasis>Glorious</emphasis> versank tief in Jace� Brust und Clary sp�rte, wie ihre blutigen H�nde �ber das Heft rutschten, als sich die Klinge zwischen die Rippen seines Brustkorbs bohrte und durch ihn hindurchfuhr, bis ihre Faust gegen seinen Rumpf stie� und sie erstarrte. Jace hatte sich nicht ger�hrt und Clary stand nun direkt vor ihm und umklammerte <emphasis>Glorious,</emphasis> w�hrend das Blut aus der Wunde in seiner Brust hervorzusickern begann.</p><p>Gleichzeitig ert�nte ein gellender Schrei � eine Mischung aus Wut und Schmerz und Angst, das Kreischen einer Person, die brutal auseinandergerissen wurde. <emphasis>Sebastian,</emphasis> dachte Clary sofort. Sebastian, der laut br�llte, als sein Bund mit Jace durchtrennt wurde.</p><p>Aber Jace� Jace gab keinen Mucks von sich. Trotz allem wirkte sein Gesicht ruhig und friedlich � wie das einer Statue. Er schaute auf Clary hinab und seine Augen funkelten, als f�llten sie sich mit Licht.</p><p>Dann ging er in Flammen auf.</p><p>Alec konnte sich nicht erinnern, wie er vom Deckstein des Grabmals heruntergeklettert war oder sich einen Weg zwischen den Gefallenen hindurch gesucht hatte, die �berall auf der felsigen Ebene verstreut lagen: Dunkle Schattenj�ger, tote und verwundete Werw�lfe. Seine Augen suchten nur nach einer einzigen Person. Er taumelte vorw�rts und w�re fast hingefallen. Als er wieder hochschaute, entdeckte er Isabelle, die neben Magnus auf dem steinigen Boden kniete.</p><p>Pl�tzlich hatte Alec das Gef�hl, keine Luft mehr zu bekommen. Nie zuvor hatte er Magnus so bleich und so reglos gesehen. Blut schimmerte auf seiner Ledermontur und auch auf den Felsen unter ihm. Aber das war unm�glich! Magnus lebte doch schon so lange. Er war immer da gewesen. Eine Konstante. Alec konnte sich keine Welt vorstellen, in der Magnus vor ihm starb.</p><p>�Alec.� Izzys Stimme drang ged�mpft zu ihm vor wie durch eine Wasserwand. �Alec, er atmet noch.�</p><p>Langsam lie� Alec die angehaltene Luft aus den Lungen entweichen, streckte seiner Schwester die Hand entgegen und stie� keuchend hervor: �Dolch. Gib mir deinen Dolch!�</p><p>Schweigend reichte Isabelle ihm die Waffe. Sie hatte im Erste-Hilfe-Kurs nicht so gut aufgepasst wie ihr Bruder, weil sie immer die Ansicht vertreten hatte, Heilrunen w�rden schon gen�gen. Jetzt schaute sie zu, wie Alec mit zusammengebissenen Z�hnen Magnus� Ledermontur und dann das darunterliegende Hemd aufschlitzte. M�glicherweise war die Kampfmontur das Einzige, was den Hexenmeister noch zusammenhielt.</p><p>Vorsichtig klappte er das aufgetrennte Leder beiseite, selbst �berrascht, dass seine H�nde nicht unkontrolliert zitterten. Blut hatte sich �ber den gesamten Oberk�rper verteilt und unter dem rechtem Rippenbogen entdeckte Alec eine breite Stichwunde; aber die gleichm��ige Atmung verriet ihm, dass Magnus� Lunge nicht punktiert war. Rasch riss Alec sich die Jacke vom K�rper, kn�llte sie zusammen und dr�ckte sie fest auf die noch immer blutende Wunde.</p><p>Magnus� Lider hoben sich flatternd. �Aua�, st�hnte er kl�glich. �Nicht auf mich st�tzen.�</p><p>�Dem Engel sei Dank. Du lebst�, stie� Alec erleichtert hervor. Er schob eine Hand unter Magnus� Kopf und streichelte ihm mit dem Daumen die blutige Wange. �Ich hab gedacht��, setzte er an und schaute kurz zu seiner Schwester hoch, ehe er irgendetwas sagte, das peinlich gewesen w�re. Doch Isabelle hatte sich bereits lautlos entfernt. �Ich hab gesehen, wie du getroffen wurdest�, fl�sterte Alec leise, beugte sich vor und k�sste Magnus leicht auf den Mund, um ihm keine zus�tzlichen Schmerzen zu bereiten. �Ich hab gedacht, du w�rst tot.�</p><p>Magnus grinste schief. �Was, von dem kleinen Kratzer?� Er warf einen Blick auf Alecs Jacke auf seinem Brustkorb, die sich inzwischen rot verf�rbt hatte. �Okay, okay, ein gro�er Kratzer. Wie von einer richtig gro�en Miezekatze.�</p><p>�Fantasierst du?�, fragte Alec besorgt.</p><p>�Nein.� Magnus runzelte die Stirn. �Amatis hat auf mein Herz gezielt, aber gl�cklicherweise keine lebenswichtigen Organe getroffen. Das Problem ist nur, dass mich der Blutverlust Energie kostet und meine Selbstheilungskr�fte.� Er holte tief Luft und begann dann zu husten. �Bitte gib mir deine Hand�, sagte er, als der Hustenanfall vor�ber war. Alec verschr�nkte seine Finger mit Magnus� und presste ihre Handfl�chen fest zusammen. �Erinnerst du dich noch an die Nacht auf Valentins Jacht, als ich w�hrend des Kampfes etwas von deiner Kraft ben�tigte?�</p><p>�Brauchst du auch jetzt Kraft?�, fragte Alec. �Denn du kannst sofort welche haben.�</p><p>�Ich brauche deine Kraft immer, Alec�, erwiderte Magnus und schloss die Augen, w�hrend ihre verschr�nkten H�nde zu leuchten begannen, als umfassten sie einen strahlenden Stern.</p><p>Ein wei� gl�hendes Licht explodierte im Heft des Engelsschwertes und setzte sich augenblicklich �ber die Klinge fort. Die Flamme schoss wie ein elektrischer Schlag durch Clarys Arm und riss sie von den F��en. Schmerz zuckte wie ein heller Blitz durch ihre Adern; Clary kr�mmte sich zusammen und schlang die Arme um sich, als k�nnte sie auf diese Weise verhindern, dass ihr K�rper in tausend St�cke gerissen wurde.</p><p>Jace fiel auf die Knie. <emphasis>Glorious</emphasis> durchbohrte ihn noch immer, ging aber nun in wei�goldenen Flammen auf. Das Feuer erf�llte seinen K�rper wie Tinte eine klare Glaskaraffe. Goldene Funken schossen durch seinen Leib und lie�en ihn transparent schimmern. Sein Haar leuchtete bronzefarben und seine harten Knochen traten wie gl�hender Zunder unter der Haut hervor. Das Schwert brannte lichterloh und l�ste sich wie schmelzendes Gold zu Tropfen auf. Jace hatte den Kopf in den Nacken geworfen und sein K�rper war gespannt wie ein Bogen, w�hrend der Feuersturm durch ihn hindurchraste.</p><p>Clary wollte �ber den steinigen Boden auf ihn zukriechen, aber die Hitze, die von ihm abstrahlte, war einfach zu gro�. Er griff sich mit beiden H�nden an die Brust und ein Strom goldenen Blutes rann durch seine Finger. Der Fels, auf dem er kniete, begann zu verkohlen, bekam dunkle Risse und zerfiel schlie�lich zu Asche. Dann explodierte der Rest des Schwertes wie ein Feuerwerk in einem gl�henden Funkenregen und Jace brach zusammen und kippte vorn�ber auf das Ger�ll.</p><p>Sofort versuchte Clary, sich aufzurappeln, doch ihre Beine versagten ihr den Dienst. Ihre Adern f�hlten sich noch immer an, als st�nden sie in Flammen, und Schmerz wanderte �ber ihre Haut, als w�rde jemand mit der wei� gl�henden Spitze eines Sch�rhakens dar�berfahren. M�hsam schleppte sie sich vorw�rts, bis ihre Fingern�gel blutig einrissen, ihr Festgewand endg�ltig in Fetzen hing und sie Jace endlich erreichte.</p><p>Er war auf die Seite gerollt; sein Kopf ruhte auf einem Arm, w�hrend der andere weit abgespreizt dalag. Clary sank neben ihm zusammen. Hitze strahlte von seinem K�rper ab wie von der Glut eines erl�schenden Feuers; doch das k�mmerte sie nicht. Sie konnte den Riss in seiner Kampfmontur erkennen, wo sich <emphasis>Glorious</emphasis> hindurchgebohrt hatte. Unter die Asche der versengten Steine hatte sich das Gold seiner Haare und sein Blut gemischt.</p><p>Langsam und mit schmerzenden Gliedern, die sich bei jeder Bewegung qualvoll bemerkbar machten � als w�re Clary mit jeder Sekunde, die Jace in Flammen stand, um ein Jahr gealtert � zog sie ihn zu sich heran, bis er mit dem R�cken auf dem blutgetr�nkten und schwarz verkohlten Boden lag. Dann betrachtete sie sein Gesicht, das nicht l�nger golden leuchtete, sondern vollkommen ausdruckslos war � und noch immer wundersch�n.</p><p>Vorsichtig legte Clary eine Hand auf seine Brust, wo sich das helle Rot seines Bluts vom dunkleren Rotton seiner Kampfmontur abhob. Sie hatte gesp�rt, wie sich die Klinge des Schwertes durch seine Rippen gebohrt hatte. Sie hatte gesehen, wie das Blut zwischen seinen Fingern hervorgequollen war � solche Mengen von Blut, dass es den Fels unter ihm schwarz verf�rbt und seine Haare verklebt hatte.</p><p>Und dennoch. <emphasis>Nicht wenn er eher ein Gesch�pf des Himmels ist als der H�lle.</emphasis></p><p>�Jace�, wisperte sie. Um sie herum herrschten Chaos und Panik: Die zersprengten Reste von Sebastians Truppe rannten in alle Richtungen und lie�en ihre Waffen fallen. Doch Clary ignorierte sie. �Jace.�</p><p>Er r�hrte sich nicht. Sein Gesicht blieb reglos, fast friedlich im Mondschein. Seine Wimpern warfen dunkle, spinnenartige Schatten auf seine Wangenknochen.</p><p>�Bitte�, brachte Clary hervor. Ihre Stimme f�hlte sich an, als w�rde sie ihr aus der Kehle geschabt, und jeder Atemzug brannte wie Feuer. �Bitte, sieh mich an.�</p><p>Clary schloss die Augen. Als sie sie wieder �ffnete, kauerte ihre Mutter neben ihr und ber�hrte sie vorsichtig an der Schulter.</p><p>Tr�nen str�mten �ber Jocelyns Gesicht. Aber das konnte doch nicht sein� Warum sollte ihre Mutter weinen?</p><p>�Clary�, fl�sterte Jocelyn. �Lass ihn gehen. Er ist tot.�</p><p>In der Ferne sah Clary, dass Alec neben Magnus kniete. �Nein�, erwiderte sie. �Das Schwert� es verbrennt alles B�se in ihm. Er� er k�nnte es �berleben.�</p><p>Jocelyn strich ihr �ber den R�cken, wickelte ihre Finger in Clarys zerzauste Locken. �Clary, nein��</p><p><emphasis>Jace,</emphasis> dachte Clary mit eiserner Entschlossenheit und krallte ihre H�nde um seinen Arm. <emphasis>Du bist st�rker</emphasis>. <emphasis>Wenn das hier wirklich dein wahres Ich ist, dann �ffnest du jetzt die Augen und siehst mich an.</emphasis></p><p>Pl�tzlich war Simon neben ihr und kniete sich auf die andere Seite von Jace� reglosem K�rper; sein Gesicht war mit Blut und Dreck verschmiert und er streckte ihr die H�nde entgegen. Ruckartig hob Clary den Kopf und funkelte ihn an � ihn und ihre Mutter. Dann entdeckte sie hinter ihnen Isabelle, die mit gro�en Augen und z�gernden Schritten n�her kam. Ihre Kampfmontur starrte vor Blut. Unf�hig, Izzy ins Gesicht zu schauen, wandte Clary den Blick ab und heftete ihn auf Jace� goldblonde Haare.</p><p>�Sebastian�, brachte Clary kr�chzend hervor. �Jemand sollte ihn verfolgen.� <emphasis>Und mich in Ruhe lassen.</emphasis></p><p>�Man sucht bereits nach ihm.� Jocelyn beugte sich vor und musterte sie mit besorgten Augen. �Clary, lass ihn gehen. Clary, S��e��</p><p>�Lass sie in Ruhe�, h�rte Clary Isabelles scharfe Stimme. Und sie h�rte auch, wie ihre Mutter protestierte, aber jedes Wort schien wie aus gro�er Entfernung zu ihr zu dringen, als w�rde sie ein Theaterst�ck von der letzten Sitzreihe aus verfolgen. Alles um sie herum war vollkommen unwichtig, f�r sie z�hlte nur eines: Jace. Jace, der in Flammen aufgegangen war. Tr�nen brannten in ihren Augen. �Jace, verdammt noch mal�, stie� sie mit heiserer Stimme hervor. �Du bist nicht tot!�</p><p>�Clary�, setzte Simon sanft an. �Die Chance war sehr gering��</p><p><emphasis>Lass ihn los</emphasis>. Das war die eigentliche Bitte hinter Simons Worten, doch sie konnte es nicht. Wollte es nicht.</p><p>�Jace�, wisperte sie. Sein Name war wie ein Mantra, genau wie er sie einst in Renwicks Ruine in den Armen gehalten und ihren Namen wieder und wieder gemurmelt hatte. �Jace Lightwood��</p><p>Pl�tzlich erstarrte sie. Da! Eine Bewegung, die so winzig war, dass sie eigentlich kaum als eine Bewegung bezeichnet werden konnte: das Flattern einer Wimper. Clary beugte sich vor, verlor dabei fast das Gleichgewicht und presste ihre Hand auf den zerrissenen scharlachroten Stoff seiner Jacke, als k�nnte sie die Wunde in seiner Brust heilen � die Wunde, die sie ihm selbst zugef�gt hatte. Stattdessen sp�rte sie etwas unter ihren Fingerspitzen, so wundervoll, dass sie es einen Moment lang selbst nicht begreifen konnte: den Rhythmus von Jace� Herzschlag.</p></section></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>Zun�chst sp�rte Jace nichts. Dann nahm er die Finsternis wahr � und in der Finsternis einen brennenden Schmerz. Es schien, als h�tte er Feuer geschluckt, das ihm die Luftr�hre zuschn�rte und seine Kehle versengte. Verzweifelt schnappte er nach Luft, nach einem k�hlen Atemzug, der das Feuer l�schen w�rde. Dann riss er ruckartig die Augen auf.</p><p>Um ihn herum war nur Dunkelheit und Schatten: ein d�mmriger Raum, der ihm irgendwie bekannt vorkam und dann auch wieder nicht, mit mehreren Bettenreihen und einem Fenster, durch das fahles, bl�uliches Licht fiel. Er selbst lag in einem der Betten, mit zur�ckgeschlagener Decke. Ein zerkn�lltes Laken hatte sich wie ein Seil um seine H�ften und Beine gewunden. Seine Brust schmerzte, als w�rde ein schweres Gewicht darauf lasten. Als er mit der Hand suchend daran herumtastete, stie� er auf einen dicken Verband, der fest um seinen nackten Oberk�rper gewickelt war. Erneut holte er keuchend Luft, einen weiteren k�hlen Atemzug.</p><p>�Jace.�</p><p>Die Stimme war ihm so vertraut wie seine eigene; dann ergriff jemand seine Hand und verschr�nkte die Finger mit seinen. Aus einem Reflex heraus, der auf Liebe und Vertrauen beruhte, erwiderte Jace den H�ndedruck.</p><p>�Alec�, brachte er hervor, beinahe geschockt vom Klang seiner eigenen Stimme. Sie hatte sich �berhaupt nicht ver�ndert. Dabei hatte er das Gef�hl, als w�re sie versengt, geschmolzen und neu erschaffen worden wie Gold in einem Schmelztiegel � doch neu erschaffen als was? War es m�glich, dass er wirklich wieder er selbst war? Schwerf�llig schaute er zu Alecs besorgten blauen Augen und dann wurde ihm klar, wo er sich befand: auf der Krankenstation des Instituts. Zu Hause. �Es tut mir leid��</p><p>Eine schlanke, schwielige Hand strich ihm �ber die Wange und eine zweite Stimme meldete sich zu Wort: �Nicht� es gibt nichts, wof�r du dich entschuldigen m�sstest.�</p><p>Langsam lie� Jace die Lider sinken. Das Gewicht lastete noch immer auf seiner Brust: eine Mischung aus Wundschmerz und Schuldgef�hlen. �Izzy.�</p><p>Die junge Schattenj�gerin hielt die Luft an. �Du bist es wirklich, oder?�</p><p>�Isabelle�, setzte Alec an, als wollte er sie warnen, Jace nicht aufzuregen.</p><p>Doch Jace griff nach ihrer Hand. Er schaute sie an und konnte Izzys dunkle Augen im d�mmrigen Licht schimmern sehen. Und er bemerkte die hoffnungsvolle Erwartung auf ihrem Gesicht. Dies war Isabelle, wie nur ihre Familie sie kannte: liebevoll und f�rsorglich.</p><p>�Ich bin es wirklich�, kr�chzte Jace und r�usperte sich. �Ich k�nnte es durchaus verstehen, wenn du mir nicht glauben w�rdest, aber ich schw�re beim Erzengel, Izzy, ich bin es wirklich.�</p><p>Alec schwieg, verst�rkte aber den Griff um Jace� Hand. �Du brauchst es nicht zu schw�ren�, sagte er schlie�lich und ber�hrte mit der anderen Hand die <emphasis>Parabatai</emphasis>-Rune in der N�he seines Schl�sselbeins. �Ich wei� es. Ich kann es sp�ren. Endlich hab ich nicht mehr das Gef�hl, als w�rde ein Teil von mir fehlen.�</p><p>�Ich habe es auch gesp�rt.� Jace holte gequ�lt Luft. �Irgendetwas fehlte. Ich habe es gef�hlt, sogar als ich mit Sebastian verbunden war; aber mir war nicht klar, <emphasis>was</emphasis> mir fehlte. Jetzt wei� ich es: Du hast mir gefehlt. Mein <emphasis>Parabatai.� </emphasis>Langsam drehte er den Kopf zu Izzy. �Und du auch. Meine Schwester. Und�� Pl�tzlich tauchte vor seinem inneren Auge ein grelles Licht auf, die Wunde auf seiner Brust begann zu pulsieren und dann sah er ihr Gesicht, hell erleuchtet von den Flammen des Schwerts. Ein seltsames Brennen schoss durch seine Adern, wie wei� gl�hendes Feuer. �Clary. Bitte sagt mir��</p><p>�Ihr geht�s gut�, versicherte Isabelle ihm hastig. Aber in ihrer Stimme schwang noch etwas anderes mit � �berraschung, Unbehagen.</p><p>�Schw�r es! Du erz�hlst mir das nicht nur, weil du mich nicht aufregen willst?!�</p><p><emphasis>�Sie</emphasis> hat dich niedergestochen�, erkl�rte Isabelle.</p><p>Jace brachte ein ersticktes Lachen hervor, das ihm schmerzhafte Stiche durch die Brust jagte. �Sie hat mich gerettet.�</p><p>�Ja, das hat sie�, pflichtete Alec ihm bei.</p><p>�Wann kann ich sie sehen?� Jace versuchte, nicht zu begierig zu klingen.</p><p>�Du bist es tats�chlich� bist wirklich wieder ganz der Alte�, bemerkte Isabelle am�siert.</p><p>�Die Stillen Br�der haben immer wieder nach dir gesehen. Um das hier zu versorgen�� Vorsichtig ber�hrte Alec den Verband auf Jace� Brust. �Und um festzustellen, ob du schon aus dem Koma erwacht bist. Wenn sie erfahren, dass du wieder bei Bewusstsein bist, werden sie vermutlich erst einmal mit dir reden wollen, ehe sie Clary zu dir lassen.�</p><p>�Wie lange bin ich denn bewusstlos gewesen?�</p><p>�Etwa zwei Tage�, erkl�rte Alec. �Seit wir sicher sein konnten, dass du nicht sterben w�rdest, und wir dich aus Irland zur�ckgeholt haben. Allem Anschein nach ist es nicht ganz einfach, eine Wunde vollst�ndig verheilen zu lassen, die vom Schwert eines Erzengels verursacht wurde.�</p><p>�Du willst mir also sagen, dass ich eine Narbe zur�ckbehalten werde?�</p><p>�Eine ziemlich gro�e, h�ssliche. Und zwar quer �ber die Brust�, best�tigte Isabelle.</p><p>�Ach, verdammt�, stie� Jace hervor. �Dabei hatte ich schon so fest mit dem Engagement als Herrenslip-Model gerechnet.� Trotz des ironischen Tons hatte er insgeheim jedoch das Gef�hl, dass es gut und richtig war, eine Narbe zur�ckzubehalten als ein Zeichen f�r das, was ihm widerfahren war � sowohl geistig als auch k�rperlich. Er hatte beinahe seine Seele verloren und die Narbe w�rde ihn immer an die Zerbrechlichkeit des freien Willens und den schweren Pfad des Guten erinnern.</p><p>Und an andere Dinge, die d�ster waren und vor ihnen lagen� und die er nicht zulassen konnte. Seine Kraft kehrte allm�hlich zur�ck; er sp�rte es deutlich und er w�rde sich mit aller Macht gegen Sebastian stellen. Bei diesem Gedanken f�hlte er sich pl�tzlich leichter ums Herz, als w�re ihm ein wenig von der Last auf seiner Brust genommen worden. Langsam drehte er den Kopf, bis er Alec in die Augen sehen konnte.</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, dass wir einmal auf gegnerischen Seiten k�mpfen w�rden�, erkl�rte er heiser. �Nie im Leben.�</p><p>�Und das wird auch nie wieder passieren�, erwiderte Alec entschlossen.</p><p>�Jace�, setzte Isabelle an. �Versuch jetzt bitte, ruhig zu bleiben, aber��</p><p><emphasis>Aber was?</emphasis> �Stimmt irgendwas nicht?�</p><p>�Na ja, du gl�hst ein wenig�, sagte Isabelle. �Ich meine, zwar nur ein klitzekleines bisschen, aber immerhin��</p><p>�Ich <emphasis>gl�he?�</emphasis></p><p>Alec hob Jace� Hand an. Im d�mmrigen Licht der Krankenstation konnte Jace einen schwachen Schimmer um seinen Unterarm erkennen, der seine Adern wie Stra�en auf einer Landkarte hervortreten lie�. �Wir nehmen an, dass es sich um eine Nachwirkung des Engelsschwertes handelt�, erl�uterte Alec. �Wahrscheinlich wird dieser Effekt bald nachlassen, aber die Br�der der Stille sind nat�rlich h�chst interessiert.�</p><p>Jace seufzte und lie� den Kopf in die Kissen sinken. Er war zu ersch�pft, um sich sonderlich um seinen neuen, �erleuchteten� Zustand zu k�mmern. �Hei�t das, dass ihr gehen m�sst, um die Br�der zu holen?�, fragte er.</p><p>�Sie haben uns gebeten, sie sofort zu rufen, wenn du aufwachst�, erz�hlte Alec. �Aber nicht, wenn du es nicht willst.�</p><p>�Ich f�hl mich total ersch�pft�, r�umte Jace ein. �Wenn ich noch ein paar Stunden schlafen k�nnte��</p><p>�Selbstverst�ndlich. Selbstverst�ndlich kannst du das.� Isabelle strich ihm die Haare aus der Stirn. Ihr Ton war bestimmt: wild entschlossen wie eine B�renmutter, die ihr Junges verteidigt.</p><p>Jace fielen bereits die Augen zu. �Aber ihr lasst mich nicht allein?�</p><p>�Nein�, sagte Alec. �Nein, wir werden dich niemals allein lassen. Das wei�t du doch.�</p><p>�Niemals�, best�tigte Isabelle, nahm Jace� andere Hand und dr�ckte sie fest. �Lightwood, auf immer vereint�, fl�sterte sie.</p><p>Jace sp�rte, dass sich seine Hand pl�tzlich feucht anf�hlte, und erkannte, dass Isabelle Tr�nen �bers Gesicht liefen� sie weinte seinetwegen, weil sie ihn liebte, selbst nach allem, was passiert war.</p><p>Beide liebten ihn � Alec und Isabelle.</p><p>Mit diesem Gedanken schlief er ein, Isabelle zu seiner Linken und Alec zu seiner Rechten, w�hrend in der Ferne die Morgensonne �ber dem Horizont aufstieg.</p><p>�Was soll das hei�en, ich kann ihn noch immer nicht besuchen?�, fragte Clary aufgebracht. Sie sa� auf dem Rand der Couch in Lukes Wohnzimmer und hatte die Telefonschnur so fest um ihre Finger gewickelt, dass die Kuppen sich bereits wei� verf�rbten.</p><p>�Es sind doch gerade erst drei Tage vergangen und davon hat er zwei im Koma gelegen�, erwiderte Isabelle.</p><p>Hinter ihr ert�nten Stimmen und Clary spitzte die Ohren. Sie glaubte, Maryses Stimme zu erkennen, aber redete sie mit Jace? Oder mit Alec?</p><p>�Die Br�der der Stille f�hren noch immer Untersuchungen durch und lassen keine Besucher zu ihm�, f�gte Isabelle hinzu.</p><p>�Die Stillen Br�der k�nnen mich mal kreuzweise.�</p><p>�Igitt! Nein danke! Ich hab ja nichts gegen Typen von der Sorte �stark, aber schweigsam�, doch das geht selbst mir zu weit��</p><p>�Isabelle!� Clary setzte sich auf und lehnte sich gegen die weichen Kissen. Es war ein strahlender Herbsttag und die Sonne schien hell durch das Wohnzimmerfenster, aber auch das konnte Clarys Stimmung nicht aufheitern. �Ich m�chte doch einfach nur wissen, ob es ihm gut geht� dass er keine bleibenden Sch�den zur�ckbeh�lt und nicht angeschwollen ist wie ein K�rbis��</p><p>�Selbstverst�ndlich ist er nicht angeschwollen wie ein K�rbis! Sei doch nicht albern.�</p><p>�Aber woher soll ich das denn wissen? Mir erz�hlt doch keiner was!�</p><p>�Es geht ihm gut�, erkl�rte Isabelle, doch ein seltsamer Unterton in ihrer Stimme verriet Clary, dass sie ihr etwas verschwieg. �Alec schl�ft nachts im Bett neben Jace und Mom und ich leisten ihm abwechselnd tags�ber Gesellschaft. Die Stillen Br�der haben ihn nicht gefoltert. Sie wollen einfach nur alles erfahren, was er wei�: �ber Sebastian, die Wohnung, einfach alles.�</p><p>�Aber ich kann nicht glauben, dass Jace mich nicht wenigstens anrufen w�rde, wenn er dazu in der Lage w�re. Es sei denn, er will mich gar nicht sehen.�</p><p>�Vielleicht will er das ja wirklich nicht�, sagte Isabelle. �Was m�glicherweise damit zusammenh�ngt, dass du ihn niedergestochen hast.�</p><p>�Isabelle��</p><p>�Das war nur ein Scherz. Aber beim Erzengel, Clary, kannst du nicht etwas geduldiger sein?�, seufzte Isabelle und f�gte dann hinzu: �Ach, schon gut. Ich hatte ganz vergessen, mit wem ich hier rede. H�r zu, auch wenn ich dir das jetzt eigentlich nicht erz�hlen sollte: Jace hat gesagt, dass er mit dir pers�nlich reden muss. Wenn du dich also einfach gedulden k�nntest��</p><p>�Genau das tu ich doch! Seit Tagen mach ich nichts anderes, als mich zu gedulden�, entgegnete Clary. Und das entsprach der Wahrheit: Die letzten beiden N�chte hatte sie in ihrem Zimmer in Lukes Haus stundenlang wach gelegen, auf Neuigkeiten �ber Jace� Zustand gewartet und die vergangene Woche in allen qualvollen Details wieder und wieder Revue passieren lassen: Die Wilde Jagd; der Tr�delladen in Prag; Brunnen voller Blut; Sebastians nachtschwarze Augen; Jace� K�rper an ihrem; Sebastian, der ihr den H�llenkelch an die Lippen presst und versucht, sie zum Trinken zu zwingen; der bittere Gestank von D�monensekret. <emphasis>Glorious, </emphasis>das Schwert des Erzengels, das Jace wie ein Flammenstrahl durchbohrt hatte; Jace� Herzschlag unter ihren Fingerspitzen. Er hatte die Augen nicht ge�ffnet, aber Clary hatte trotzdem laut gebr�llt, dass er noch lebte, dass sein Herz schlug, woraufhin Jace� Familie herbeigest�rmt war, inklusive Alec, der einen leichenblassen Magnus st�tzte. �Seit Tagen drehen sich meine Gedanken im Kreis und ich kann an nichts anderes denken. Das macht mich noch wahnsinnig.�</p><p>�Das versteh ich. Wei�t du was, Clary?�</p><p>�Was?�</p><p>Einen Moment herrschte Stille, dann meinte Isabelle: �Du brauchst meine Erlaubnis nicht, um herzukommen. Du brauchst von niemandem eine Erlaubnis, egal wof�r. Du bist Clary Fray. Du st�rmst in jede Situation mit dem Kopf voran, ohne zu wissen, wie es ausgeht, und dann �berstehst du das Ganze mit einer Mischung aus Mut und Wahnsinn.�</p><p>�Aber das tue ich nicht, wenn es um mein Privatleben geht, Izzy.�</p><p>�Hm, vielleicht solltest du das aber�, erwiderte Isabelle und legte dann einfach auf.</p><p>Clary starrte auf das Telefon in ihrer Hand und h�rte nur noch das leise Tuten in der Leitung. Schlie�lich seufzte sie, legte den H�rer auf die Gabel und marschierte in ihr Zimmer.</p><p>Simon hatte sich auf dem Bett ausgebreitet, die F��e auf dem Kopfkissen und das Kinn in die H�nde gest�tzt. Sein Laptop lag aufgeklappt am Fu�ende und zeigte ein Standbild aus <emphasis>Matrix</emphasis>. Als Clary ins Zimmer kam, schaute er hoch. �Irgendwas Neues?�</p><p>�Nicht direkt.� Clary ging zu ihrem Kleiderschrank. Sie hatte sich am Morgen bereits mit dem Hintergedanken angezogen, Jace m�glicherweise an diesem Tag zu sehen, und hatte zu ihrer Jeans einen hellblauen Pullover angezogen, den er besonders mochte. Jetzt holte sie ihre Cordjacke heraus und setzte sich neben Simon aufs Bett, um sich ihre Stiefel anzuziehen. �Isabelle will mir nichts sagen und die Stillen Br�der wollen keine Besucher zu Jace vorlassen, aber was soll�s? Mir doch egal! Ich fahr trotzdem zum Institut.�</p><p>Simon klappte den Laptop zu und rollte sich auf den R�cken. �So kenn ich meine tapfere kleine Stalkerin.�</p><p>�Klappe!�, erwiderte Clary. �Willst du mitkommen? Isabelle besuchen?�</p><p>�Ich treff mich heute mit Becky�, erkl�rte Simon. �In Jordans Wohnung.�</p><p>�Gut. Bestell ihr liebe Gr��e von mir.� Clary hatte die Stiefel zugeschn�rt, beugte sich vor und strich Simon die Haare aus der Stirn. �Ich hatte mich gerade an das Kainsmal gew�hnt. Jetzt muss ich mich erst mal mit diesem neuen Anblick anfreunden.�</p><p>Simons dunkle Augen musterten ihr Gesicht. �Ob mit oder ohne: Ich bin immer noch ich.�</p><p>�Erinnerst du dich an die Inschrift auf dem Schwert? In der Klinge des <emphasis>Glorious?�</emphasis></p><p><emphasis>�Quis ut Deus.�</emphasis></p><p>�Das ist Lateinisch�, sagte Clary. �Ich hab es nachgeschlagen und es bedeutet <emphasis>Wer ist wie Gott?</emphasis> Aber das ist eine Fangfrage. Denn die Antwort lautet: niemand. Niemand ist wie Gott. Verstehst du denn nicht, Simon?�</p><p>Verwundert schaute Simon sie an. �Was soll ich verstehen?�</p><p>�Du hast es gesagt. <emphasis>Deus</emphasis>. Gott.�</p><p>Simon �ffnete den Mund, schloss ihn dann wieder und stammelte nach einem Moment: �Ich��</p><p>�Ich wei�, dass Camille dir erz�hlt hat, sie k�nne den Namen Gottes deshalb aussprechen, weil sie nicht an Gott glaube. Aber ich vermute, es h�ngt eher damit zusammen, was man �ber sich selbst denkt. Wenn man glaubt, dass man verdammt ist, dann ist man das auch. Aber wenn nicht�� Vorsichtig ber�hrte Clary seine Hand.</p><p>Simon dr�ckte ihre Finger kurz und lie� sie dann los; auf seinem Gesicht spiegelte sich seine innere Zerrissenheit. �Ich brauch etwas Zeit, um dar�ber nachzudenken.�</p><p>�Alle Zeit der Welt. Aber ich bin f�r dich da, wenn du reden willst.�</p><p>�Das Gleiche gilt f�r dich. Was auch immer zwischen dir und Jace im Institut passieren mag� du wei�t, du kannst immer auf mich z�hlen.�</p><p>�Wie geht�s eigentlich Jordan?�</p><p>�Ziemlich gut�, meinte Simon. �Er und Maia sind jetzt offiziell zusammen. Im Moment sind sie in dieser anstrengenden Phase, die in mir den dringenden Wunsch weckt, ihnen m�glichst viel Zeit f�r sich allein zu geben.� Er r�mpfte die Nase. �Wenn Maia nicht da ist, macht Jordan sich Sorgen. Er sagt, dass er sich unsicher f�hlt, weil Maia schon mit einem Haufen von Kerlen Verabredungen hatte, w�hrend er die vergangenen drei Jahre eine Art Milit�rausbildung bei den <emphasis>Praetor</emphasis> absolviert hat und so tun musste, als sei er asexuell.�</p><p>�Ach, komm schon. Ich bezweifle, dass Maia das interessiert.�</p><p>�Du wei�t doch, wie wir M�nner sind: Wir haben ein zartes, empfindsames Ego.�</p><p>�Jace� Ego w�rde ich nicht gerade als zart bezeichnen.�</p><p>�Nein, Jace� Ego ist der Flugabwehrpanzer unter den m�nnlichen Egos�, r�umte Simon ein. Er lag auf dem R�cken, die rechte Hand auf dem Bauch. Der goldene Elbenring glitzerte an seinem Finger. Seit der Zerst�rung des Gegenst�cks schien er keine besonderen Kr�fte mehr zu besitzen, aber Simon trug ihn trotzdem.</p><p>Spontan beugte Clary sich zu ihm hinab und k�sste ihn auf die Stirn. �Du bist der beste Freund, den man sich nur w�nschen kann, wei�t du das eigentlich?�, sagte sie.</p><p>�Ja, das wei� ich, aber ich h�r es immer wieder gern.�</p><p>Clary lachte und stand auf. �Wenn du willst, k�nnen wir zusammen zur U-Bahn gehen. Es sei denn, du h�ngst lieber hier mit meinen Eltern ab statt in deiner coolen Junggesellenbude in der City.�</p><p>�Richtig. Zusammen mit meinem liebeskranken Mitbewohner und meiner Schwester.� Simon rutschte vom Bett herunter und folgte Clary aus dem Zimmer. �Warum teleportierst du dich nicht einfach zum Institut?�, fragte er.</p><p>�Keine Ahnung, aber es scheint mir irgendwie � eine Verschwendung zu sein�, erwiderte Clary achselzuckend. Dann durchquerte sie den Flur, klopfte kurz an Lukes Schlafzimmer und steckte den Kopf durch die T�r. �Luke?�</p><p>�Kommt rein.�</p><p>Clary und Simon traten ein und sahen, dass Luke aufrecht im Bett sa�. Der dicke Verband um seine Brust zeichnete sich deutlich unter seinem Holzf�llerhemd ab. Vor ihm auf der Bettdecke lag ein Stapel Zeitschriften.</p><p>Simon nahm eines der Hefte hoch. �<emphasis>Glitzernd wie eine Eisprinzessin: Die Winterbraut�,</emphasis> las er laut vor. �Ich wei� nicht, Mann, aber ich glaub nicht, dass dir ein Haarreif aus Schneeflocken stehen w�rde.�</p><p>Luke warf einen Blick auf die Zeitschriften und seufzte. �Jocelyn dachte, es w�rde uns guttun, die Hochzeit zu planen� wieder zur Normalit�t zur�ckzukehren und all das.� Dunkle Schatten lagen unter seinen blauen Augen. Jocelyn hatte ihm von Amatis� Verwandlung erz�hlt, als Luke noch im Krankenzimmer der alten Polizeiwache gelegen hatte. Obwohl Clary ihn bei seiner Heimkehr fest umarmt hatte, war er mit keinem Wort auf das Schicksal seiner Schwester eingegangen � und auch Clary hatte geschwiegen. �Wenn es nach mir ginge, w�rde ich mit Jocelyn nach Vegas durchbrennen und uns f�r f�nfzig Dollar von Elvis in einer auf Piratenwelt dekorierten Hochzeitskapelle trauen lassen.�</p><p>�Ich k�nnte die als Matrosendirne gekleidete Brautjungfer sein�, schlug Clary vor und schaute erwartungsvoll zu Simon. �Und du kannst��</p><p>�Oh, nein�, protestierte er. �Ich bin ein hipper Typ und viel zu cool f�r Mottohochzeiten.�</p><p>�Du spielst <emphasis>Dungeons &amp; Dragons</emphasis>. Du bist ein Computerfreak�, berichtigte Clary ihn herzlich.</p><p>�Computerfreaks sind in�, verk�ndete Simon. �Die Damen stehen darauf.�</p><p>In dem Moment r�usperte Luke sich. �Ich nehme an, dass ihr hereingekommen seid, um mir etwas mitzuteilen, oder?�</p><p>�Ich fahre jetzt zum Institut, um Jace zu besuchen�, erkl�rte Clary. �Soll ich dir auf dem R�ckweg irgendwas mitbringen?�</p><p>Luke sch�ttelte den Kopf. �Deine Mutter ist gerade einkaufen.� Er beugte sich zu Clary vor, um ihr durch die Haare zu fahren, und zuckte dann zusammen. Seine Wunde verheilte, aber es dauerte. �Viel Spa�.�</p><p>Clary dachte daran, was ihr im Institut m�glicherweise bevorstand � eine aufgebrachte Maryse, eine gelangweilte Isabelle, ein geistesabwesender Alec und ein Jace, der sie nicht sehen wollte � und seufzte: �Darauf kannst du wetten.�</p><p>Die Luft im U-Bahn-Tunnel roch eindeutig nach Winter � kaltes Metall, feuchte Erde und ein Anflug von Rauch. Alec, der �ber die Gleise lief, konnte seinen Atem als wei�e Wolken aufsteigen sehen. Entschlossen schob er eine Hand in die Tasche seiner blauen Cabanjacke, um sie warm zu halten. In der anderen hielt er seinen Elbenlichtstein, der den Tunnel beleuchtete: gr�ne und cremefarbene Fliesen, denen man ihr Alter ansah, und verworrene Elektrokabel, die wie Spinnweben von den W�nden hingen. Dieser U-Bahn-Schacht war schon seit vielen Jahren stillgelegt.</p><p>Alec hatte sich aus dem Bett geschlichen, bevor Magnus aufgewacht war � nicht zum ersten Mal. Magnus schlief viel, um sich von der Schlacht mit den Dunklen Nephilim zu erholen. Zwar hatte er seine Selbstheilungskr�fte reaktivieren k�nnen, doch er war noch nicht vollst�ndig genesen. Hexenwesen mochten unsterblich sein, aber sie waren nicht unverwundbar und �wenn die Klinge ein paar Zentimeter h�her getroffen h�tte, dann w�r�s das f�r mich gewesen�, hatte Magnus tr�bselig bemerkt, w�hrend er die Wunde inspizierte. �Denn dann h�tte sie mich mitten ins Herz getroffen.�</p><p>In der Schlacht hatte Alec ein paar Minuten lang geglaubt, dass Magnus tot sei � und das, nachdem er so viel Zeit damit vergeudet hatte, sich Sorgen dar�ber zu machen, dass er selbst altern und lange vor Magnus sterben w�rde. Welch bittere Ironie des Schicksals das gewesen w�re! Und eine gerechte Strafe daf�r, dass er Camilles Angebot ernsthaft in Erw�gung gezogen hatte, wenn auch nur f�r einen kurzen Moment.</p><p>Vor Alec tauchten nun Lichter auf: die Kronleuchter und Oberlichter der U-Bahn-Station <emphasis>City Hall</emphasis>. Er wollte seinen Elbenstein gerade wegstecken, als er hinter sich eine vertraute Stimme h�rte.</p><p>�Alec. Alexander Gideon Lightwood.�</p><p>Erschrocken machte Alecs Herz einen Satz. Langsam drehte er sich um. �Magnus?�</p><p>Der Hexenmeister trat in den Lichtkegel von Alecs Elbenstein. Seine Miene wirkte ungew�hnlich ernst, seine Augen waren �berschattet und seine stachligen Haare zerzaust. Er trug nur ein d�nnes Jackett �ber seinem T-Shirt und Alec fragte sich unwillk�rlich, ob er nicht fror.</p><p>�Magnus�, wiederholte Alec. �Ich dachte, du w�rst zu Hause und w�rdest schlafen.�</p><p>�Offensichtlich hast du das gedacht�, erwiderte Magnus.</p><p>Alec musste schlucken. Er hatte Magnus nie zornig erlebt, jedenfalls nicht richtig. Und auf keinen Fall so wie jetzt. Seine katzenartigen Augen wirkten distanziert und unergr�ndlich. �Bist du mir etwa gefolgt?�, fragte Alec.</p><p>�Das k�nnte man so sagen. Aber ich wusste, wohin du gehen w�rdest.� Steif holte Magnus einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche. Im d�mmrigen Licht konnte Alec lediglich erkennen, dass das Papier mit einer sorgf�ltigen, schwungvollen Handschrift bedeckt war. �Als sie mir gesagt hat, dass du hier sein w�rdest� und mir von der Vereinbarung erz�hlt hat, die sie mit dir getroffen hat� da hab ich ihr anfangs nicht geglaubt. Ich <emphasis>wollte</emphasis> ihr nicht glauben. Aber jetzt bist du hier.�</p><p>�Camille hat dir erz�hlt��</p><p>Magnus hob eine Hand, um Alec das Wort abzuschneiden. �H�r auf�, sagte er m�de. �Selbstverst�ndlich hat sie es mir erz�hlt. Ich hab dich doch gewarnt, dass sie eine Meisterin der Andeutungen und der Manipulation ist, aber du hast mir nicht zugeh�rt. Was glaubst du denn, wen sie lieber auf ihrer Seite h�tte: dich oder mich? Du bist achtzehn Jahre alt, Alexander � nicht gerade der m�chtigste Verb�ndete.�</p><p>�Ich hab ihr Angebot bereits abgelehnt�, erkl�rte Alec. �Hab ihr gesagt, dass ich Raphael nicht t�ten werde. Ich bin hierhergekommen und hab ihr mitgeteilt, dass der Deal geplatzt ist� dass ich es nicht tun w�rde��</p><p>�Du hast extra den weiten Weg auf dich genommen, hierher zu dieser verlassenen U-Bahn-Station, nur um ihr das zu sagen?� Magnus zog die Augenbrauen hoch. �Meinst du nicht, du h�ttest die gleiche Botschaft �bermitteln k�nnen, indem du einfach weggeblieben w�rst?�</p><p>�Ich� �h��</p><p>�Und selbst wenn du das alles � unn�tigerweise � getan und ihr mitgeteilt hast, dass der Deal geplatzt ist��, fuhr Magnus kalt und ruhig fort, �warum bist du dann <emphasis>jetzt</emphasis> hier? Ein Freundschaftsbesuch? Erkl�r es mir, Alexander � falls ich irgendetwas falsch verstanden haben sollte.�</p><p>Alec musste schlucken. Es gab doch bestimmt irgendeine M�glichkeit, das Ganze zu erkl�ren� Magnus zu erkl�ren, dass er hierhergekommen war, weil Camille die einzige Person war, mit der er �ber ihn reden konnte. Die einzige Person, die Magnus auf eine Weise kannte, wie er selbst ihn auch kannte: nicht als den Obersten Hexenmeister von Brooklyn, sondern als jemanden, der lieben und geliebt werden konnte, jemanden, der menschliche Schw�chen und Eigenheiten und Launen hatte, von denen Alec nicht wusste, wie er ohne Hilfe damit umgehen sollte. �Magnus��, setzte er an und trat einen Schritt auf seinen Freund zu.</p><p>Doch zum ersten Mal in ihrer Beziehung wich Magnus vor ihm zur�ck. Seine gesamte Haltung wirkte steif und abweisend und er musterte Alec wie einen Fremden� einen Fremden, den er nicht sonderlich mochte.</p><p>�Es tut mir so leid�, sagte Alec. Seine Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren heiser und zittrig. �Es war nie meine Absicht��</p><p>�Ich hatte selbst mit dem Gedanken gespielt�, sagte Magnus. �Das war einer der Gr�nde, warum ich das Wei�e Buch haben wollte: Unsterblichkeit kann eine Last sein, wenn man an all die Tage denkt, die noch vor einem liegen� wenn man bereits �berall gewesen ist und alles gesehen hat. Nur eines hatte ich noch nicht erlebt: mit jemandem alt zu werden � mit jemandem, den ich liebe. Ich habe angenommen, dass du vielleicht derjenige sein k�nntest. Aber das gibt dir noch l�ngst nicht das Recht, �ber die L�nge meines Lebens bestimmen zu wollen.�</p><p>�Ich wei�.� Alecs Herz raste. �Ich wei� und das hatte ich ja auch gar nicht vor��</p><p>�Ich werde den ganzen Tag unterwegs sein�, unterbrach Magnus ihn. �Also fahr in die Wohnung und hol deine Sachen. Den Schl�ssel kannst du auf den Esstisch legen.� Er musterte Alec eindringlich. �Es ist vorbei. Ich will dich nicht mehr wiedersehen, Alec. Dich oder einen deiner Freunde. Ich bin es leid, ihren Hexenmeister vom Dienst zu spielen.�</p><p>Alecs Finger hatten derartig zu zittern begonnen, dass ihm der Elbenstein aus der Hand rutschte. Das Licht verlosch und Alec fiel auf die Knie und tastete fieberhaft im Staub und Dreck nach dem Stein. Als nach einem Moment etwas aufleuchtete, rappelte er sich auf und entdeckte Magnus unmittelbar vor sich, den Elbenstein in der Hand, der in einem seltsamen Licht flackerte. �Eigentlich d�rfte er nicht leuchten�, bemerkte Alec automatisch. �Jedenfalls nicht bei jemandem, der kein Nephilim ist.�</p><p>Magnus hielt ihm den Stein entgegen, dessen Zentrum dunkelrot schimmerte wie ein gl�hendes Kohlenst�ck.</p><p>�Hat das etwas mit deinem Vater zu tun?�, fragte Alec.</p><p>Doch Magnus dr�ckte ihm nur schweigend den Elbenlichtstein in die Hand. Als sich ihre Finger ber�hrten, �nderte sich Magnus� Miene. �Du bist ja total durchgefroren.�</p><p>�Meinst du?�</p><p>�Alexander�� Magnus zog Alec an sich, wobei der Elbenstein wie wild flackerte und in raschem Tempo seine Farbe ver�nderte.</p><p>So etwas hatte Alec bei einem Elbenlicht noch nie erlebt. Er lehnte seinen Kopf an Magnus� Schulter und lie� sich von ihm in den Arm nehmen. Das Herz des Hexenmeisters besa� einen anderen Rhythmus als menschliche Herzen � es schlug langsamer, aber best�ndig. Manchmal dachte Alec, dass Magnus� Herz das einzig Best�ndige in seinem Leben war. �K�ss mich�, fl�sterte er.</p><p>Magnus legte Alec eine Hand an die Wange und fuhr ihm sanft, fast geistesabwesend mit dem Daumen �ber den Wangenknochen. Als er sich vorbeugte, um ihn zu k�ssen, verstr�mte er einen warmen Duft nach Sandelholz.</p><p>Alec umklammerte die �rmel von Magnus� Jackett und das Elbenlicht, das sich zwischen ihren K�rpern befand, flackerte rosa, blau und gr�n auf. Der Kuss war verhalten und traurig. Als Magnus sich schlie�lich zur�ckzog, stellte Alec fest, dass er den Elbenstein allein in der Hand hielt; Magnus� Hand war verschwunden und das Licht leuchtete wieder in einem sanften Wei�.</p><p>Leise murmelte Magnus: <emphasis>�Aku cinta kamu.�</emphasis></p><p>�Was hei�t das?�</p><p>Magnus befreite sich aus Alecs Griff. �Es bedeutet: <emphasis>Ich liebe dich</emphasis>. Nicht, dass das irgendetwas �ndern w�rde.�</p><p>�Aber wenn du mich liebst��</p><p>�Nat�rlich liebe ich dich. Mehr als ich jemals f�r m�glich gehalten h�tte. Aber wir sind trotzdem fertig miteinander�, erwiderte Magnus. �Denn es �ndert nichts an dem, was du getan hast.�</p><p>�Aber das war doch nur ein Irrtum�, fl�sterte Alec. �Ein Fehler��</p><p>Magnus lachte bitter. �Ein Fehler? Genauso gut k�nnte man die Jungfernfahrt der <emphasis>Titanic</emphasis> als kleinen Bootsunfall bezeichnen. Alec, du hast versucht, mein Leben zu verk�rzen.�</p><p>�Das war doch nur� Sie hatte es angeboten, aber ich hab dar�ber nachgedacht und konnte es einfach nicht tun� ich konnte dir das nicht antun.�</p><p>�Aber du hast erst dar�ber nachdenken m�ssen. Und du hast es mir gegen�ber mit keinem Wort erw�hnt.� Magnus sch�ttelte den Kopf. �Du hast mir nicht vertraut. Damals nicht und auch jetzt nicht.�</p><p>�Doch, das tue ich�, widersprach Alec. �Ich werde� ich werde es versuchen. Gib mir noch eine Chance��</p><p>�Nein�, sagte Magnus. �Und wenn ich dir einen Rat geben darf: Halte dich von Camille fern. Uns steht ein Krieg bevor, Alexander � und du willst doch nicht, dass man deine Loyalit�t infrage stellt, oder?� Damit drehte er sich um und schritt davon, die H�nde in den Hosentaschen � langsam und unaufhaltsam, als h�tte er Schmerzen, die nicht nur von seiner Stichwunde kamen.</p><p>Alec schaute ihm nach, bis er sich jenseits des Elbenlichtkegels befand und au�er Sichtweite war.</p><p>Im Sommer war es im Inneren des Instituts k�hl gewesen, aber jetzt, da der Winter eingesetzt hatte, erschienen Clary die R�ume warm. Das Kirchenschiff war von Kerzen erhellt und die Buntglasfenster leuchteten sanft.</p><p>Clary lie� die Eingangst�r hinter sich ins Schloss fallen und lief in Richtung des Aufzugs. Als sie etwa die H�lfte der Strecke zur�ckgelegt hatte, h�rte sie jemanden lachen.</p><p>Mit einem Ruck fuhr sie herum. Isabelle sa� auf einer der alten Kirchenb�nke, die langen Beine �ber die Lehne der Vorderreihe gelegt. Sie trug Stiefel, die eine Handbreit �ber dem Knie endeten, eine enge Jeans und einen roten Pullover, der eine ihrer Schultern frei lie�. Ihre Haut war �ber und �ber mit schwarzen Runenmalen bedeckt. Unwillk�rlich musste Clary an Sebastians Worte denken � <emphasis>ich hasse es, wenn Frauen ihre Haut mit Narben verschandeln</emphasis> � und schauderte innerlich.</p><p>�Hast du mich denn nicht rufen h�ren?�, fragte Izzy fordernd. �Du kannst manchmal erstaunlich eingleisig sein.�</p><p>Clary schlenderte zu Isabelle und lehnte sich gegen die Kirchenbank. �Ich hab dich nicht absichtlich �bersehen.�</p><p>Isabelle schwang die Beine von der Lehne und stand auf. Durch die hohen Abs�tze ihrer Stiefel �berragte sie Clary turmhoch. �Ja, das wei� ich. Deshalb hab ich ja auch �eingleisig� gesagt und nicht �unh�flich�.�</p><p>�Bist du hier, um mich wieder wegzuschicken?� Clary stellte zufrieden fest, dass ihre Stimme nicht zitterte. Nat�rlich wollte sie Jace sehen, mehr als alles andere auf der Welt. Aber nach allem, was sie im vergangenen Monat durchgemacht hatte, wusste sie: Das Wichtigste war die Tatsache, dass er lebte und dass er wieder er selbst war. Alles andere war nebens�chlich.</p><p>�Nein�, sagte Izzy und marschierte in Richtung des Aufzugs. Clary schloss sich ihr an. �Ich halte das Ganze f�r v�llig l�cherlich. Schlie�lich hast du ihm das Leben gerettet.�</p><p>Pl�tzlich sp�rte Clary ein unbehagliches Gef�hl im Magen und musste schlucken. �Du hast gesagt, es g�be da ein paar Dinge, die ich noch nicht w�sste.�</p><p>�Das stimmt.� Isabelle dr�ckte auf den Aufzugknopf. �Jace kann sie dir erkl�ren. Ich bin nur deshalb heruntergekommen, weil ich dachte, dass da noch ein paar andere Sachen sind, die du wissen solltest.�</p><p>Clary lauschte auf das vertraute Quietschen und Rattern des alten Aufzugs. �Zum Beispiel?�</p><p>�Mein Vater ist wieder da�, berichtete Isabelle, ohne Clary jedoch anzuschauen.</p><p>�Nur zu Besuch oder f�r immer?�</p><p>�F�r immer.� Isabelle klang ruhig, aber Clary erinnerte sich daran, wie betroffen Izzy reagiert hatte, als bekannt wurde, dass Robert Lightwood sich f�r den Posten des Inquisitors beworben hatte. Isabelle holte Luft und fuhr dann fort: �Aline und Helen haben uns davor bewahrt, richtigen �rger wegen dieser Geschichte in Irland zu bekommen. Als Magnus uns zu dir teleportiert hat, geschah das ohne das Wissen des Rats. Denn meine Mom war sich sicher, dass die Ratsmitglieder J�ger aussenden w�rden, um Jace zu t�ten. Sie hat es nicht fertiggebracht, den Rat zu informieren. Ich meine, hier geht�s immerhin um unsere Familie.�</p><p>Bevor Clary irgendetwas erwidern konnte, erschien der Aufzug ratternd und quietschend vor ihnen und sie folgte Isabelle in die Kabine. Dabei musste sie den seltsamen Drang unterdr�cken, Izzy dankbar zu umarmen: Clary bezweifelte, dass ihr diese Geste gefallen w�rde.</p><p>�Also hat Aline der Konsulin, die ja immerhin ihre Mutter ist, erz�hlt, dass einfach keine Zeit zum Informieren des Rats gewesen w�re und man sie mit dem strikten Befehl zur�ckgelassen h�tte, Jia sofort anzurufen. Dummerweise w�re nur irgendetwas mit den Leitungen nicht in Ordnung gewesen, sodass sie nicht telefonieren konnte. Im Grunde genommen hat sie das Blaue vom Himmel gelogen. Aber das ist unsere Story und an die halten wir uns jetzt. Ich nehme zwar nicht an, dass Jia ihr geglaubt hat, aber das spielt auch keine Rolle � es ist ja nicht so, als ob Jia Mom unbedingt bestrafen wollte. Sie brauchte einfach nur eine Geschichte, an die sie sich halten kann, um keine Sanktionen gegen uns verh�ngen zu m�ssen. Schlie�lich war die ganze Operation ja kein Desaster: Wir sind rein, haben Jace rausgeholt, die meisten der Dunklen Nephilim get�tet und Sebastian in die Flucht geschlagen.�</p><p>Mit einem lauten Quietschen kam der Aufzug abrupt zum Stehen.</p><p>�Sebastian in die Flucht geschlagen�, wiederholte Clary. �Das hei�t also, wir haben keine Ahnung, wo er steckt? Ich hab gedacht, dass er nach der Zerst�rung seiner Wohnung � dieser Dimensionsfalte � vielleicht doch geortet werden k�nnte.�</p><p>�Wir haben es versucht�, erkl�rte Isabelle. �Aber offenbar befindet er sich noch immer irgendwo jenseits unserer Ortungsm�glichkeiten. Nach Aussage der Stillen Br�der hat die Magie, die Lilith an ihm vollzogen hat� nun ja, Sebastian ist stark, Clary. Richtig stark. Wir m�ssen davon ausgehen, dass er irgendwo da drau�en ist, mit dem H�llenkelch, und seinen n�chsten Schritt plant.� Nachdenklich schob sie das Gitter zur Seite, dr�ckte die T�r auf und trat in den Eingangsbereich. �Glaubst du, er wird zur�ckkommen, um dich zu holen � oder Jace?�</p><p>Clary z�gerte. �Nicht sofort�, sagte sie schlie�lich. �F�r ihn sind Jace und ich die letzten Teile in seinem Puzzle. Sebastian wird erst alles andere vorbereiten wollen. Er wird eine Armee aufstellen, um f�r alles gewappnet zu sein. Wir beide sind wie� zwei Troph�en, die er f�r seinen Sieg bekommt. Und damit er nicht allein ist.�</p><p>�Er muss wirklich sehr einsam sein�, bemerkte Isabelle, doch in ihrer Stimme schwang kein Mitgef�hl mit � es handelte sich um eine reine Feststellung.</p><p>Unwillk�rlich musste Clary an Sebastian denken, an das Gesicht, das sie zu vergessen versucht hatte und das sie nachts in ihren Albtr�umen und auch tags�ber verfolgte. <emphasis>Du hast mich gefragt, zu wem ich geh�re.</emphasis> �Du machst dir ja gar keine Vorstellung, <emphasis>wie</emphasis> einsam.�</p><p>Inzwischen hatten die beiden M�dchen die Treppe zur Krankenstation erreicht. Isabelle hielt inne und legte eine Hand an ihren Hals. Clary konnte die Konturen ihres rubinroten Anh�ngers unter dem Material des Pullovers erkennen. �Clary��</p><p>Pl�tzlich �berkam Clary ein unbehagliches Gef�hl. Sie zupfte am Saum ihres eigenen Pullovers, um jeden Blickkontakt mit Isabelle zu vermeiden.</p><p>�Wie f�hlt sich das an?�, fragte Isabelle unvermittelt.</p><p>�Wie f�hlt sich <emphasis>was</emphasis> an?�</p><p>�Verliebt zu sein�, sagte Isabelle. �Woher wei� man, dass man verliebt ist? Und woher wei� man, ob jemand anderes in einen verliebt ist?�</p><p>��h��</p><p>�Zum Beispiel Simon�, fuhr Isabelle fort. �Woran hast du erkannt, dass er in dich verliebt war?�</p><p>�Na ja, er hat es mir gesagt.�</p><p>�Er hat es dir gesagt?�</p><p>Clary zuckte die Achseln.</p><p>�Und davor� da hattest du keine Ahnung?�</p><p>�Nein, ich hab echt nichts gemerkt�, erl�uterte Clary, w�hrend sie sich den Moment wieder in Erinnerung rief. �Izzy� wenn du etwas f�r Simon empfindest oder wenn du wissen willst, ob er etwas f�r dich empfindet� vielleicht solltest du es ihm dann einfach sagen.�</p><p>Verlegen zupfte Isabelle einen nicht existenten Fussel von ihrem �rmel. <emphasis>�Was</emphasis> soll ich ihm sagen?�</p><p>�Was du f�r ihn empfindest.�</p><p>Isabelle zog eine rebellische Miene. �Eigentlich sollte ich ihm das nicht erst <emphasis>sagen</emphasis> m�ssen.�</p><p>Clary sch�ttelte den Kopf. �Mein Gott � du und Alec, ihr seid euch so �hnlich��</p><p>Emp�rt riss Isabelle die Augen auf. �Das sind wir nicht! Wir sind total verschieden. Ich verabrede mich mit jedem, der mir gef�llt, w�hrend Alec vor Magnus noch mit niemandem ausgegangen ist. Alec ist eifers�chtig, dagegen bin ich��</p><p>�Jeder wird hin und wieder eifers�chtig�, erwiderte Clary fest. �Und ihr seid beide so stur. Aber hier geht es um die Liebe und nicht um die Schlacht bei den Thermopylen. Du brauchst nicht in jeder Situation so zu reagieren, als handelte es sich um ein letztes Gefecht. Und du musst auch nicht alles geheim halten.�</p><p>Genervt rollte Isabelle mit den Augen. �Seit wann bist du denn eine Expertin?�</p><p>�Ich bin keine Expertin�, erwiderte Clary. �Aber ich kenne Simon. Wenn du nicht mit ihm redest, wird er annehmen, dass du kein Interesse an ihm hast, und seinerseits aufgeben. Er braucht dich, Izzy, und du brauchst ihn. Aber er muss es von dir zuerst h�ren.�</p><p>Isabelle seufzte, drehte sich abrupt um und stieg die Treppe hinauf. Clary konnte h�ren, wie sie dabei unterdr�ckt schimpfte: �Das ist alles deine Schuld, wei�t du das eigentlich? Wenn du ihm nicht das Herz gebrochen h�ttest��</p><p>�Isabelle!�</p><p>�Na ja, ist doch wahr.�</p><p>�Mag sein � aber ich meine mich auch zu erinnern, dass du nach Simons Verwandlung in eine Ratte vorgeschlagen hast, ihn doch einfach in Rattengestalt zur�ckzulassen. Und zwar f�r immer.�</p><p>�Das hab ich nicht!�</p><p>�Hast du doch��, setzte Clary an, verstummte dann aber. Sie hatten das n�chste Geschoss erreicht, wo sich ein langer Flur in beide Richtungen erstreckte. Vor der doppelfl�geligen T�r der Krankenstation stand einer der Stillen Br�der in seiner pergamentfarbenen Robe, die H�nde gefaltet und das Haupt unter der Kapuze reglos zu Boden gesenkt.</p><p>Isabelle wedelte �bertrieben mit der Hand und zeigte auf ihn. �Da w�ren wir�, sagte sie. �Viel Gl�ck � du wirst es brauchen, um an ihm vorbeizukommen und Jace zu besuchen.� Damit marschierte sie davon, wobei ihre Stiefel laut �ber das Parkett klackerten.</p><p>Clary seufzte innerlich und tastete nach der Stele an ihrem G�rtel. Sie bezweifelte, dass sie den Bruder der Stille mit irgendeiner Zauberglanz-Rune hereinlegen konnte, aber wenn sie nah genug an ihn herankam, konnte sie ihm vielleicht eine Schlafrune auftragen�</p><p><emphasis>Clary Fray</emphasis>.</p><p>Die Stimme in ihrem Kopf wirkte belustigt und au�erdem vertraut. Obwohl sie keinen Klang besa�, erkannte Clary sie an der Form der Gedanken, so wie man jemanden an seinem Lachen oder seiner Atmung wiedererkannte.</p><p>�Bruder Zachariah.� Resigniert steckte Clary die Stele wieder ein und trat n�her. Sie w�nschte, Isabelle w�re bei ihr geblieben.</p><p><emphasis>Ich nehme an, du bist hergekommen, um Jonathan zu besuchen, </emphasis>sagte Bruder Zachariah und hob den Kopf. Sein Gesicht lag noch immer in den Schatten der Kapuze verborgen, aber Clary konnte einen kurzen Blick auf einen kantigen Wangenknochen werfen. <emphasis>Entgegen der Anordnungen der Bruderschaft.</emphasis></p><p>�Bitte nenn ihn Jace, sonst wird das alles zu verwirrend.�</p><p><emphasis>�Jonathan� ist ein hervorragender traditioneller Nephilimname, der erste der Schattenj�ger �berhaupt. Und die Herondales haben auf die Namen in der Familie immer Wert gelegt</emphasis>�</p><p>�Er hat seinen Namen aber nicht von einem Herondale erhalten�, erwiderte Clary nachdr�cklich. �Auch wenn er einen Dolch besitzt, der einst seinem Vater geh�rte und in dessen Klinge S. W. H. graviert ist.�</p><p><emphasis>Stephen William Herondale.</emphasis></p><p>Z�gernd trat Clary einen weiteren Schritt auf die T�r und Bruder Zachariah zu. �Du wei�t eine Menge �ber die Familie Herondale�, bemerkte sie. �Von allen Stillen Br�dern scheinst du der menschlichste zu sein. Die meisten Mitglieder der Bruderschaft zeigen keinerlei Emotionen. Wie Statuen. Aber du scheinst Gef�hle zu haben. Du erinnerst dich an dein Leben.�</p><p><emphasis>Auch als Stiller Bruder hat man ein Leben, Clary Fray. Aber wenn du damit gemeint hast, dass ich mich an mein Leben vor dem Beitritt zur Bruderschaft erinnere, dann hast du recht.</emphasis></p><p>Clary holte tief Luft. �Warst du jemals verliebt? Ich meine fr�her? Hat es jemals einen Menschen gegeben, f�r den du gestorben w�rst?�</p><p>Einen langen Moment herrschte Stille, dann erkl�rte Zachariah: <emphasis>Nicht nur einen, sondern zwei. Es gibt Erinnerungen, die auch die Zeit nicht ausl�scht, Clarissa. Frag nur mal deinen Freund Magnus Bane, falls du mir nicht glaubst. Auch eine Ewigkeit bewirkt nicht, dass man einen Verlust leichter vergisst; sie macht ihn nur ertr�glicher.</emphasis></p><p>�Aber ich hab keine Ewigkeit�, sagte Clary mit d�nner Stimme. �Bitte lass mich durch, damit ich zu Jace kann.�</p><p>Bruder Zachariah r�hrte sich nicht von der Stelle.</p><p>Clary konnte sein Gesicht noch immer nicht sehen, nur Schatten und Fl�chen unter seiner Kapuze. Und seine H�nde, die noch immer verschr�nkt waren. �Bitte�, sagte sie.</p><p>Alec schwang sich auf den Bahnsteig der U-Bahn-Station <emphasis>City Hall</emphasis> und marschierte in Richtung der Treppe. Er hatte den Gedanken an Magnus, der sich langsam von ihm entfernte, verdr�ngt und durch einen anderen ersetzt:</p><p>Er w�rde Camille Belcourt umbringen.</p><p>Entschlossen st�rmte er die Stufen hinauf und z�ckte dabei seine Seraphklinge. Fahles Winterlicht fiel vom City Hall Park durch die get�nten Oberlichter. Rasch steckte Alec seinen Elbenstein ein und packte mit beiden H�nden sein Schwert.</p><p><emphasis>�Amriel�,</emphasis> wisperte er, woraufhin die Waffe aufblitzte und ein zuckendes Licht durch den Raum schickte. Alec hob das Kinn und sondierte den Eingangsbereich der U-Bahn-Station. Das Sofa mit der hohen R�ckenlehne stand noch an seinem alten Platz, doch Camille war nicht zu sehen. Er hatte ihr eine Nachricht geschickt, dass er sie aufsuchen wolle, aber nachdem sie ihn derart hintergangen hatte, durfte es ihn eigentlich nicht wundern, dass sie ihn nicht freudig erwartete. Rasend vor Wut durchquerte er den Raum und trat kr�ftig gegen das Sofa, das daraufhin krachend umkippte und eine Staubwolke aufwirbelte; eines der Holzbeine war abgebrochen.</p><p>Pl�tzlich ert�nte aus einer der Ecken des Raums ein silberhelles Lachen.</p><p>Alec wirbelte herum, die lodernde Seraphklinge in der Hand. Die Schatten in den Ecken des Raumes waren tief und dunkel � selbst <emphasis>Amriels</emphasis> Licht konnte sie nicht durchdringen. �Camille?�, sagte Alec mit gef�hrlich ruhiger Stimme. �Camille Belcourt. Komm <emphasis>sofort</emphasis> aus deinem Versteck.�</p><p>Erneut ert�nte ein Kichern und eine Gestalt trat aus der Dunkelheit hervor. Allerdings nicht Camille.</p><p>Stattdessen schlenderte ein M�dchen auf ihn zu � vermutlich nicht viel �lter als zw�lf oder dreizehn. Sie war sehr d�nn, in einer zerschlissenen Jeans und einem rosafarbenen, kurz�rmligen T-Shirt mit einem glitzernden Einhorn darauf. Au�erdem trug sie einen langen knallrosa Schal, dessen Fransen blutgetr�nkt waren. Noch mehr Blut tropfte von ihrem Gesicht auf ihr T-Shirt. Sie musterte Alec aus gl�cklichen, strahlenden Augen. �Ich kenne dich�, hauchte sie.</p><p>Dabei sah Alec, wie ihre nadelspitzen Schneidez�hne aufblitzten. <emphasis>Eine Vampirin!</emphasis></p><p>�Alec Lightwood. Du bist einer von Simons Freunden. Ich hab dich bei einem Auftritt von seiner Band gesehen.�</p><p>Misstrauisch starrte Alec das M�dchen an. Hatte er sie schon mal gesehen? M�glicherweise� ein Gesicht im schummrigen Licht irgendeiner Bar, bei einer dieser Veranstaltungen, zu denen Isabelle ihn geschleift hatte. Er war sich nicht ganz sicher. Was allerdings nicht bedeutete, dass er nicht genau wusste, wen er da vor sich hatte. �Maureen�, sagte er gedehnt. �Du bist Simons Maureen.�</p><p>Das M�dchen wirkte erfreut. �Genau die bin ich: Simons Maureen.� Sie blickte auf ihre H�nde, die vollst�ndig mit Blut bedeckt waren, als h�tte sie sie in eine Lache getaucht.</p><p><emphasis>Kein menschliches Blut,</emphasis> schoss es Alec durch den Kopf, <emphasis>sondern das dunkle, rubinrote Blut von Vampiren.</emphasis></p><p>�Du suchst nach Camille�, zwitscherte Maureen mit ihrer Jungm�dchenstimme. �Aber sie ist nicht mehr hier. Oh, nein. Sie ist weg.�</p><p>�Weg?�, wiederholte Alec aufgebracht. �Was meinst du mit �sie ist weg�?�</p><p>Maureen kicherte. �Du wei�t doch, wie das Gesetz der Vampire funktioniert, oder? Derjenige, der den Anf�hrer eines Vampirclans t�tet, wird automatisch das neue Oberhaupt. Und Camille war das Oberhaupt des New Yorker Clans. Oh, ja, das war sie.�</p><p>�Also� hat irgendjemand sie get�tet?�</p><p>Maureen brach in ein gl�ckliches, glockenhelles Lachen aus. �Nicht einfach irgendjemand, Dummerchen�, zwitscherte sie. �Das war ich. <emphasis>Ich</emphasis> hab sie get�tet.�</p><p>Die gew�lbte Decke der Krankenstation war blau gestrichen und im Rokoko-Stil dekoriert: mit wei�en Wolken und Putten, von deren Handgelenken goldene Schleifen herabbaumelten. Lange Reihen von Metallbetten s�umten die W�nde und lie�en einen breiten Gang in der Mitte des Saals frei. Durch die beiden hohen Fenster fiel strahlendes Wintersonnenlicht, das den k�hlen Raum aber auch nicht zu w�rmen vermochte.</p><p>Jace sa� auf einem der Betten, den R�cken gegen einen Stapel Kissen gelehnt, die er sich offenbar von den anderen Betten geschnappt hatte. Er trug eine ausgefranste Jeans und ein graues T-Shirt. Ein Buch lag aufgeschlagen auf seinen Knien. Als Clary den Saal betrat, schaute er auf, schwieg aber, w�hrend sie sich z�gernd seinem Bett n�herte.</p><p>Clarys Herz begann, wie wild zu schlagen. Die Stille f�hlte sich unangenehm, fast bedr�ckend an. Jace lie� sie nicht aus den Augen, bis sie das Fu�ende seines Betts erreichte und dort stehen blieb, die H�nde um den Metallrahmen geklammert. Eingehend musterte sie sein Gesicht. Sie hatte so oft versucht, ihn zu malen und dieses unbeschreibliche, gewisse Etwas einzufangen, das f�r Jace so typisch war � aber ihre Finger waren nicht in der Lage gewesen, das auf dem Skizzenblock festzuhalten. Diese Seele, dieser Geist oder wie man es auch immer bezeichnen wollte� dieses Etwas, das unter Sebastians Einfluss vollkommen verschwunden gewesen war, sprach auch jetzt wieder aus Jace� Augen.</p><p>Clary klammerte sich noch fester an das Metallbett. �Jace��</p><p>Er schob sich eine goldblonde Haarstr�hne hinters Ohr. ��h� haben die Stillen Br�der dir gesagt, dass es in Ordnung ist hereinzukommen?�</p><p>�Nicht direkt.�</p><p>Ein am�siertes L�cheln umspielte seine Lippen. �Also hast du sie mit einer Holzlatte niedergeschlagen und dich einfach reingeschlichen? Der Rat sieht so was nicht gern, wirklich nicht.�</p><p>�Wow. Das w�rdest du mir glatt zutrauen, oder?� Clary trat n�her und setzte sich zu Jace aufs Bett � zum einen, damit sie sich ungef�hr auf Augenh�he befanden, und zum anderen, um zu verbergen, dass ihr die Knie schlotterten.</p><p>�Das hat mich die Erfahrung gelehrt�, erwiderte Jace und legte das Buch beiseite.</p><p>Clary empfand seine Worte wie einen Schlag ins Gesicht. �Ich wollte dir nicht wehtun�, sagte sie fast im Fl�sterton. �Es tut mir leid.�</p><p>Jace setzte sich auf und schwang die Beine �ber die Bettkante. Sie sa�en zwar nicht weit voneinander entfernt, aber trotzdem hielt er Abstand.</p><p>Das konnte Clary deutlich sp�ren � ebenso wie sie sp�rte, dass er irgendetwas vor ihr verbarg. Sie konnte es an seinen Augen erkennen und an seinem Z�gern. Am liebsten h�tte sie eine Hand nach ihm ausgestreckt, doch sie hielt sich zur�ck und bem�hte sich um einen ruhigen Ton: �Es war nie meine Absicht, dich zu verletzen. Und damit meine ich nicht nur diese verlassene Gegend in Irland. Ich meine damit vor allem den Moment, in dem du � also dein wahres Ich � mir erz�hlt hast, was du wirklich wolltest. Ich h�tte zuh�ren sollen, doch stattdessen habe ich nur daran gedacht, wie ich dich retten und von Sebastian trennen k�nnte. Ich hab nicht zugeh�rt, als du gesagt hast, du wolltest dich dem Rat stellen. Und deshalb w�ren wir beide fast so wie Sebastian geworden�</p><p>Und als ich dann <emphasis>Glorious</emphasis> gegen dich gerichtet habe� Alec und Isabelle haben dir doch sicher erz�hlt, dass das Schwert eigentlich f�r Sebastian bestimmt war. Aber ich konnte in dem Kampfget�mmel nicht zu ihm vordringen. Es ging einfach nicht. Und dann musste ich an das denken, was du gesagt hattest� dass du lieber tot w�rst, als unter Sebastians Einfluss weiterzuleben.� Clary stockte einen Moment. �Der <emphasis>echte</emphasis> Jace, meine ich. Aber ich konnte dich doch nicht fragen, ich musste es einfach versuchen. Und es war furchtbar, dich so zu verletzen� Der Gedanke, dass du dabei h�ttest sterben k�nnen und dass ich dich mit meinen eigenen H�nden umgebracht h�tte� Am liebsten w�re ich selbst gestorben; stattdessen habe ich dein Leben aufs Spiel gesetzt, weil ich davon �berzeugt war, dass du genau das auch gewollt h�ttest. Und nachdem ich dich schon einmal im Stich gelassen hatte, dachte ich, das sei ich dir schuldig. Aber wenn ich mich dabei geirrt habe�� Sie verstummte, doch Jace schwieg weiterhin, wodurch sich das mulmige Gef�hl in Clarys Magen nur noch verst�rkte.</p><p>�Wenn ich mich geirrt habe, dann tut es mir leid�, fuhr sie fort. �Es gibt nichts, womit ich es wiedergutmachen k�nnte. Aber ich wollte, dass du es wei�t� dass es mir wirklich leidtut.� Erneut verstummte Clary und dieses Mal dehnte sich die Stille zwischen ihnen weiter und weiter aus � wie ein Faden, der immer st�rker gestrafft wurde. �Jetzt darfst du ruhig etwas sagen�, platzte sie schlie�lich heraus. �Ehrlich gesagt w�re das echt toll.�</p><p>Jace musterte sie ungl�ubig. �Damit ich das richtig verstehe��, setzte er an. �Du bist hierhergekommen, um dich bei mir zu entschuldigen?�</p><p>Betroffen starrte Clary ihn an. �Nat�rlich.�</p><p>�Clary�, sagte er betont langsam, �du hast mir das Leben gerettet.�</p><p>�Ich hab dich niedergestochen. Mit einem riesigen Schwert. Du bist in Flammen aufgegangen.�</p><p>Jace� Lippen zuckten kaum merklich. �Okay�, r�umte er ein. �Dann unterscheiden sich unsere Probleme m�glicherweise von denen anderer Paare.� Er hob eine Hand, als wollte er ihr Gesicht ber�hren, lie� sie aber rasch wieder sinken. �Ich hab dich geh�rt�, meinte er sanft. �Als du mir gesagt hast, dass ich nicht tot sei. Und mich aufgefordert hast, die Augen zu �ffnen.�</p><p>Schweigend schauten sie einander an; der Moment dauerte wahrscheinlich nur Sekunden, doch er kam Clary wie eine Ewigkeit vor. Es tat so gut, Jace auf diese Weise zu sehen � wieder vollst�ndig er selbst. Dabei verga� sie fast ihre Sorge, dieses Gespr�ch k�nnte in den n�chsten Minuten eine schreckliche Wendung nehmen.</p><p>Endlich r�usperte Jace sich und fragte: �Was glaubst du eigentlich, warum ich mich in dich verliebt habe?�</p><p>Diese Bemerkung war das Letzte, womit Clary gerechnet h�tte. �Ich� das ist nicht fair, so was zu fragen.�</p><p>�Ich finde die Frage total fair�, entgegnete er. �Meinst du, ich w�rde dich nicht kennen, Clary? Das M�dchen, das in ein Hotel voller Vampire gestiefelt ist, um ihren besten Freund da rauszuholen? Das M�dchen, das ein Portal erschaffen und sich nach Idris teleportiert hat, weil sie die Vorstellung hasste, vom Geschehen ausgeschlossen zu werden?�</p><p>�Deswegen hast du mich doch angebr�llt��</p><p>�Ich hab mich selbst angebr�llt�, erwiderte Jace. �In vielerlei Hinsicht sind wir uns schrecklich �hnlich. Wir sind unbesonnen. Wir denken nicht nach, bevor wir handeln. Und wir tun alles f�r die Menschen, die wir lieben. Mir war nie bewusst, wie Furcht einfl��end das f�r diejenigen gewesen ist, die mich lieben � bis ich es dann bei dir erlebt habe. Und es hat mir eine Heidenangst eingejagt. Wie sollte ich dich besch�tzen, wenn du dich nicht besch�tzen l�sst?� Er beugte sich vor. �Das ist �brigens eine rein rhetorische Frage.�</p><p>�Prima, denn ich brauche keinen Schutz.�</p><p>�Ich wusste, dass du das sagen w�rdest. Aber die Sache ist die: Manchmal brauchst du Schutz. Und manchmal brauche ich Schutz. Wir sind dazu bestimmt, uns gegenseitig zu besch�tzen, aber nicht vor allem und jedem. Nicht vor der Wahrheit. Denn darum geht es letztendlich � jemanden zu lieben und ihn so zu akzeptieren, wie er ist.�</p><p>Clary blickte auf ihre H�nde. Sie sehnte sich so danach, sie auszustrecken und Jace zu ber�hren. Es kam ihr fast vor, als w�rde sie jemanden im Gef�ngnis besuchen, wo man sich deutlich und aus unmittelbarer N�he sehen konnte, aber durch eine bruchsichere Glasscheibe voneinander getrennt war.</p><p>�Ich habe mich in dich verliebt, weil du einer der tapfersten Menschen bist, denen ich je begegnet bin�, erkl�rte Jace. �Also wie sollte ich von dir verlangen, nicht l�nger tapfer zu sein, nur weil ich dich liebe?� Er fuhr sich mit den H�nden durch die Haare, bis sie wild in alle Richtungen standen und es Clary in den Fingern juckte, sie wieder glatt zu streichen. �Du hast nach mir gesucht und mich gerettet, als die meisten anderen l�ngst das Handtuch geworfen hatten. Selbst diejenigen, die noch nicht aufgegeben hatten, wussten nicht mehr weiter. Glaubst du wirklich, mir ist nicht klar, was du auf dich genommen hast?� Seine Augen nahmen einen dunkleren Ton an. �Wie kommst du blo� auf die Idee, ich k�nnte auch nur eine Sekunde w�tend auf dich sein?�</p><p>�Sch�n und gut, aber warum wolltest du mich dann nicht sehen?�</p><p>�Weil�� Jace holte tief Luft. �Okay, gute Frage. Aber es gibt da etwas, das du nicht wei�t. Das Schwert, das du benutzt hast� das Raziel Simon gegeben hat��</p><p><emphasis>�Glorious�,</emphasis> warf Clary ein. �Das Flammenschwert des Erzengels Michael. Es wurde zerst�rt.�</p><p>�Nicht <emphasis>zerst�rt</emphasis> � vom Himmlischen Feuer verzehrt. Und es ist dorthin zur�ckgekehrt, wo es herkam.� Jace l�chelte matt. �Andernfalls h�tte unser Engel echten Erkl�rungsnotstand gehabt, sobald Michael herausgefunden h�tte, dass sein Kumpel Raziel einem Haufen leichtsinniger Menschen sein Lieblingsschwert ausgeliehen hatte. Aber darum geht es gar nicht. Dieses Schwert� die Art und Weise, wie es gebrannt hat� das war kein herk�mmliches Feuer.�</p><p>�Das hab ich mir schon gedacht.� Clary w�nschte, Jace w�rde die Arme ausstrecken und sie an sich ziehen. Aber da er Wert auf den Abstand zwischen ihnen zu legen schien, r�hrte sie sich nicht von der Stelle. Dabei bereitete es ihr fast k�rperliche Schmerzen, ihm so nahe zu sein und ihn nicht ber�hren zu k�nnen.</p><p>�Ich w�nschte, du h�ttest nicht diesen Pullover angezogen�, murmelte Jace im n�chsten Moment.</p><p>�Wie bitte?� Clary schaute an sich herab. �Ich dachte, du magst ihn.�</p><p>�Tu ich auch�, erwiderte er, sch�ttelte dann den Kopf und meinte: �Ach, nicht so wichtig. Na jedenfalls, dieses Feuer� das war Himmlisches Feuer. Der brennende Dornbusch, Feuer und Schwefel, die Feuers�ule, die den Kindern Israel den Weg leuchtete � von diesem Feuer reden wir hier. �Denn ein Feuer ist angegangen durch meinen Zorn und wird brennen bis in die unterste H�lle und wird verzehren das Land mit seinem Gew�chs und wird anz�nden die Grundfesten der Berge.� Dieses Feuer hat alles weggebrannt, was Lilith mir angetan hatte.� Er griff nach dem Saum seines grauen Shirts und hob es hoch.</p><p>Clary hielt den Atem an, denn auf der glatten Haut seiner Brust, direkt �ber seinem Herzen, war Liliths Mal nicht l�nger zu sehen � nur noch eine wei�e Narbe an der Stelle, wo ihn das Engelsschwert durchbohrt hatte. Spontan streckte Clary die Hand aus, um ihn zu ber�hren.</p><p>Doch Jace wich zur�ck und sch�ttelte den Kopf. Entt�uschung zeichnete sich auf Clarys Gesicht ab, bevor sie ihre Gef�hle verbergen konnte. Gleichzeitig rollte Jace sein Shirt wieder hinunter und wandte sich ihr zu. �Clary� dieses Feuer� es ist noch immer in mir.�</p><p>Verst�ndnislos starrte sie ihn an. �Was meinst du damit?�</p><p>Jace holte tief Luft und streckte ihr die H�nde entgegen, die Handfl�chen nach unten. Sie sahen aus wie immer: schlank und vertraut, die <emphasis>Voyance</emphasis>-Rune auf seinem rechten Handr�cken �berlagert von einer Vielzahl wei�er Narben. Aber w�hrend sie beide darauf starrten, begannen Jace� H�nde leicht zu zittern, bis sie schlie�lich durchscheinend schimmerten. Genau wie <emphasis>Glorious�</emphasis> Klinge schien auch seine Haut sich in Glas zu verwandeln� in Glas, unter dem eine goldene Substanz gefangen war, die sich bewegte, ihre Farbe ver�nderte und brannte. Durch seine transparente Haut konnte Clary die Konturen seines Skeletts erkennen: goldene Knochen, zusammengehalten von flammenden Sehnen.</p><p>Im n�chsten Moment h�rte sie, wie Jace scharf die Luft einsog. Er schaute auf und ihre Blicke trafen sich. Seine Augen leuchteten golden. Sie hatten schon immer einen goldfarbenen Ton besessen, doch Clary h�tte schw�ren k�nnen, dass dieses Gold sich nun ebenfalls bewegte und brannte. Jace� Atmung ging sto�weise und auf seinen Wangen und Schl�sselbeinen glitzerten Schwei�perlen.</p><p>�Du hast recht�, sagte Clary. �Unsere Probleme unterscheiden sich tats�chlich von denen anderer Paare.�</p><p>Sprachlos starrte Jace sie an. Dann ballte er die H�nde langsam zu F�usten, woraufhin das Feuer verschwand und seine ganz normalen, vertrauten und unversehrten H�nde zur�cklie�. Schlie�lich brachte er ein ersticktes Lachen hervor: �Ist das alles, was dir dazu einf�llt?�</p><p>�Nein. Mir f�llt noch viel mehr dazu ein. Zum Beispiel: Was ist hier eigentlich los? Sind deine H�nde jetzt Waffen? Bist du jetzt <emphasis>Die menschliche Fackel?</emphasis> Was um alles in der Welt��</p><p>�Ich wei� nicht, was �Die menschliche Fackel� ist, aber� okay, h�r zu, die Stillen Br�der haben mir erkl�rt, dass ich jetzt das Himmlische Feuer in mir trage. In meinen Adern. In meiner Seele. Als ich aus dem Koma erwacht bin, hatte ich das Gef�hl, ich h�tte Feuer geschluckt. Alec und Isabelle haben anfangs gedacht, es handelte sich nur um eine vor�bergehende Nachwirkung des Schwerts. Doch als der Effekt nicht nachlie� und die beiden die Br�der der Stille holten, meinte Bruder Zachariah, er wisse nicht, wie lange die Wirkung andauern w�rde. Au�erdem hab ich ihm eine Verbrennung verpasst: Er ber�hrte meine Hand, als er mir das alles erkl�rte, und ich sp�rte pl�tzlich, wie eine Art Stromschlag durch mich hindurchzuckte.�</p><p>�Eine schlimme Verbrennung?�</p><p>�Nein, nur eine kleine Brandblase, aber trotzdem��</p><p>�Deswegen willst du mich nicht ber�hren�, erkannte Clary auf einmal. �Du hast Angst, du k�nntest mich verbrennen.�</p><p>Jace nickte. �Etwas Derartiges gab�s noch nie, Clary. Noch nie. Das Schwert hat mich zwar nicht umgebracht, aber es hat dieses� dieses t�dliche Etwas in meinem Inneren hinterlassen. Etwas, das so m�chtig ist, dass es vermutlich jeden herk�mmlichen Menschen t�ten w�rde und m�glicherweise auch jeden herk�mmlichen Schattenj�ger.� Er holte tief Luft. �Im Moment versuchen die Stillen Br�der herauszufinden, wie ich dieses Feuer vielleicht kontrollieren oder sogar loswerden kann. Aber wie du dir sicher vorstellen kannst, stehe ich nicht an oberster Stelle ihrer Priorit�tenliste.�</p><p>�Weil die Suche nach Sebastian Vorrang hat. Du hast bestimmt geh�rt, dass ich seine Wohnung zerst�rt habe. Ich wei� zwar, dass er sich auch auf andere Weise fortbewegt, aber��</p><p>�So kenn ich mein M�dchen. Aber Sebastian hat noch was in der Hinterhand� andere Verstecke. Leider hab ich keine Ahnung, wo die sein k�nnten. Er hat es mir nie verraten.� Jace beugte sich vor, so nah, dass Clary die schillernden Farben in seinen Augen sehen konnte. �Seit ich aus dem Koma aufgewacht bin, haben die Stillen Br�der mich praktisch keine Minute allein gelassen. Sie mussten die Zeremonie erneut an mir durchf�hren� du wei�t schon, das Ritual, das nach der Geburt jedes Schattenj�gerkindes vollzogen wird, um es vor D�monen zu sch�tzen. Und dann haben sie meinen Geist durchforstet, auf der Suche nach der kleinsten Information �ber Sebastian� nach Dingen, die ich m�glicherweise �ber ihn wei�, jedoch vergessen oder verdr�ngt hatte. Aber�� Frustriert sch�ttelte Jace den Kopf. �Aber da ist einfach nichts. Ich kannte seine Pl�ne bis zu der Zeremonie in Irland. Doch ich hab keine Ahnung, was er danach vorhat. Wo er als N�chstes zuschlagen wird. Der Rat wei� inzwischen, dass Sebastian mit D�monen zusammenarbeitet, deswegen wurden die Schutzschilde verst�rkt, vor allem rund um Idris. Aber ich hab das Gef�hl, dass uns diese ganze Geschichte m�glicherweise ein n�tzliches Detail geliefert hat � irgendein Geheimnis, das nur mir bekannt ist, an das wir jedoch nicht herankommen.�</p><p>�Aber selbst wenn du etwas w�sstest, Jace, dann w�rde Sebastian einfach seine Pl�ne �ndern�, warf Clary ein. �Er wei�, dass er dich verloren hat. Ihr beide wart fest miteinander verbunden. Und ich hab ihn aufschreien h�ren, als ich dich mit dem Schwert� durchbohrt hab.� Bei der Erinnerung daran schauderte Clary. �Dieser Schrei klang furchtbar verloren. Ich denke, auf eine seltsame Weise hat Sebastian wirklich etwas an dir gelegen. Und obwohl das alles einfach nur schrecklich war, haben wir beide etwas daraus gewinnen k�nnen, das irgendwann einmal vielleicht n�tzlich sein wird.�</p><p>�Und das w�re�?�</p><p>�Wir verstehen ihn. Ich meine, sofern irgendjemand Sebastian �berhaupt verstehen kann. Und das kann er auch nicht ungeschehen machen, indem er seine Pl�ne �ndert.�</p><p>Jace nickte langsam. �Wei�t du, bei wem ich noch das Gef�hl hatte, ich w�rde ihn inzwischen besser verstehen? Bei meinem Vater.�</p><p>�Valen� nein�, berichtigte Clary sich, als sie Jace� Miene sah. �Du meinst Stephen.�</p><p>�Ich habe mir seine Briefe noch mal angesehen und die anderen Dinge, die in dem K�stchen waren, das Amatis mir gegeben hat. Er hatte einen Brief f�r mich aufgesetzt, den ich nach seinem Tod lesen sollte. Darin fordert er mich auf, ein besserer Mann zu werden, als er es gewesen ist.�</p><p>�Das bist du jetzt schon�, sagte Clary. �W�hrend der kurzen Zeit in der Wohnung, als du wieder du selbst warst, da war es dir wichtig, das Richtige zu tun� wichtiger als dein eigenes Leben.�</p><p>�Ich wei߫, seufzte Jace und starrte auf seine narben�bers�ten Fingerkn�chel. �Das ist ja das Merkw�rdige: Ich <emphasis>wei�</emphasis> es. Ich hab immer so stark an mir gezweifelt, aber jetzt kenne ich den Unterschied. Zwischen Sebastian und mir. Zwischen Valentin und mir. Sogar den Unterschied zwischen den beiden: Valentin hat ernsthaft geglaubt, er w�rde das Richtige tun. Er hat D�monen gehasst. Aber Sebastian� Die Kreatur, die er f�r seine Mutter h�lt, ist eine D�monin. Sebastian w�rde fr�hlich eine Rasse Dunkler Nephilim anf�hren, die D�monen anbeten, w�hrend dieselben D�monen unschuldige Menschen in Scharen niedermetzeln. Valentin war zumindest der �berzeugung, dass es die Aufgabe der Schattenj�ger sei, die Menschheit zu besch�tzen; dagegen h�lt Sebastian sie f�r Ungeziefer. Er will auch niemanden besch�tzen. Ihn interessiert nur das, was er noch nicht hat � und nur so lange, wie er es noch nicht hat. Und er kennt nur eine einzige echte Emotion: Hass, wenn n�mlich jemand seine Pl�ne vereitelt.�</p><p>Clary dachte einen Moment nach. Sie hatte beobachtet, auf welche Weise Sebastian Jace und auch sie angesehen hatte; sie wusste, dass er sich tief in seinem Inneren einsam f�hlte, so einsam wie die schwarze unendliche Leere des Alls. Einsamkeit trieb ihn mindestens so sehr an wie die Gier nach Macht � Einsamkeit und das Bed�rfnis nach Liebe, ohne dabei zu begreifen, dass Liebe zu den Dingen z�hlte, die man sich verdienen musste. Clary seufzte, sagte aber nur: �Na, dann lass uns mit dem Vereiteln seiner Pl�ne anfangen.�</p><p>Ein mattes L�cheln huschte �ber Jace� Gesicht. �Du wei�t, dass ich dich gern bitten w�rde, dich aus der Sache rauszuhalten, oder? Uns steht ein brutaler Kampf bevor � brutaler, als der Rat es sich gerade vorstellt.�</p><p>�Aber du wirst mich nicht bitten�, erwiderte Clary. �Weil dich das n�mlich zu einem Dummkopf machen w�rde.�</p><p>�Weil wir dich zur Erschaffung von Runen ben�tigen?�</p><p>�Ja. Erstens deswegen und zweitens� Hast du dir selbst eigentlich nicht zugeh�rt? Das, was du eben gesagt hast� dar�ber, dass wir uns gegenseitig besch�tzen?�</p><p>�Dir sollte klar sein, dass ich diese Rede ge�bt habe. Vor dem Spiegel. Kurz bevor du hierhergekommen bist.�</p><p>�Und was wolltest du mir damit eigentlich sagen?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, r�umte Jace ein, �aber ich wei�, dass ich dabei eine verdammt gute Figur abgegeben habe.�</p><p>�Mein Gott � ich hatte ganz vergessen, wie nervig dein nicht-besessenes Ich sein kann�, murrte Clary. �Muss ich dich wirklich daran erinnern? Du selbst hast gesagt, du m�sstest akzeptieren, dass du mich nicht vor allem und jedem besch�tzen kannst. Es gibt nur eine einzige M�glichkeit, uns gegenseitig zu besch�tzen: wenn wir zusammen sind. Wenn wir uns den Dingen gemeinsam stellen. Wenn wir einander vertrauen.� Clary schaute Jace direkt in die Augen. �Ich h�tte dich nicht daran hindern d�rfen, dich dem Rat zu stellen. Ich sollte deine Entscheidungen respektieren. Genau wie du meine respektieren solltest. Denn wir werden sehr lange zusammen sein � und es gibt nur einen Weg, wie das Ganze funktionieren kann.�</p><p>Jace� Hand schob sich zentimeterweise �ber die Bettdecke in Clarys Richtung. �Als ich unter Sebastians Einfluss stand��, setzte er mit heiserer Stimme an. �Das kommt mir jetzt wie ein b�ser Traum vor. Diese gr�ssliche Wohnung� dieser Schrank voller Klamotten, die f�r deine Mutter bestimmt waren��</p><p>�Dann erinnerst du dich also�, bemerkte Clary leise.</p><p>Seine Fingerspitzen erreichten ihre Hand und Clary w�re beinahe zur�ckgezuckt. Beide hielten den Atem an, w�hrend Jace sie ber�hrte. Clary sa� reglos da und beobachtete, wie sich seine Schultern langsam entspannten und der besorgte Ausdruck aus seinem Gesicht verschwand.</p><p>�Ich erinnere mich an jede Einzelheit�, sagte er. �Das Boot in Venedig. Der Club in Prag. Die Nacht in Paris, als ich kurzfristig ich selbst war.�</p><p>Clary schoss das Blut in die Wangen und ihr Gesicht begann zu gl�hen.</p><p>�Wir beide haben etwas durchgemacht, das niemand au�er uns jemals richtig verstehen wird. Und das hat mich etwas erkennen lassen: Gemeinsam sind wir st�rker � immer und �berall.� Jace hob den Kopf. Er wirkte blass, aber in seinen Augen loderte das Feuer. �Ich werde Sebastian t�ten�, verk�ndete er. �Ich werde ihn f�r das t�ten, was er mir angetan hat und was er dir angetan hat und was er Max angetan hat. Ich werde ihn t�ten f�r alles, was er getan hat und noch tun wird. Der Rat will seinen Kopf und wird J�ger nach ihm aussenden. Aber ich will, dass er durch <emphasis>meine</emphasis> Hand stirbt.�</p><p>Bei diesen Worten streckte Clary ihren Arm aus und ber�hrte ihn an der Wange. Ein Zittern ging durch Jace� K�rper und er senkte leicht die Lider. Clary hatte erwartet, dass sich seine Haut warm anf�hlen w�rde, doch sie war k�hl. �Und was w�re, wenn ich diejenige bin, die ihn t�tet?�</p><p>�Mein Herz ist dein Herz�, erkl�rte Jace. �Meine H�nde sind deine H�nde.� Seine honigfarbenen Augen wanderten tr�ge wie fl�ssiger Honig �ber Clarys K�rper � er schaute sie auf eine Weise an, als w�rde er sie zum ersten Mal seit ihrem Betreten der Krankenstation richtig wahrnehmen: von den windzerzausten Haaren zu den Stiefeln und wieder zur�ck. Als sich ihre Blicke schlie�lich wieder trafen, war Clarys Mund wie ausged�rrt.</p><p>�Wei�t du noch, wie ich dir ganz am Anfang mal gesagt habe, ich w�re mir zu neunzig Prozent sicher gewesen, dass das Auftragen einer Rune auf deiner Haut dich nicht umbringen w�rde? Und wie du mir daraufhin eine Ohrfeige verpasst und gesagt hast, das sei f�r die restlichen zehn Prozent gewesen? Erinnerst du dich?�, fragte Jace.</p><p>Clary nickte.</p><p>�Bis dahin hatte ich immer angenommen, ein D�mon w�rde mich eines Tages t�ten. Ein abtr�nniger Schattenweltler. Oder eine Waffe in einer Schlacht. Aber damals ist mir klar geworden, dass ich genauso gut auch auf der Stelle sterben k�nnte, wenn ich dich nicht k�ssen d�rfte, und zwar bald.�</p><p>Langsam fuhr sich Clary mit der Zunge �ber die trockenen Lippen. �Na ja, das hast du dann ja auch getan. Mich gek�sst, meine ich.�</p><p>Jace hob die Hand und nahm eine von Clarys Locken. Er war ihr jetzt so nahe, dass sie die W�rme seines K�rpers sp�rte und den Geruch seiner Seife, seiner Haut und seiner Haare. �Aber nicht oft genug�, murmelte er und lie� ihre Locke durch die Finger gleiten. �Selbst wenn ich dich jeden Tag meines restlichen Lebens von morgens bis abends k�ssen w�rde, w�re das noch nicht oft genug�, raunte er und neigte den Kopf.</p><p>Clary hob ihm automatisch das Gesicht entgegen; sie konnte gar nichts dagegen machen. Ihre Gedanken kehrten zu jenem Moment in Paris zur�ck, als sie sich an ihm festgehalten hatte, als w�re es das letzte Mal� was ja auch beinahe der Fall gewesen w�re. Sie erinnerte sich daran, wie er geschmeckt, sich angef�hlt und geatmet hatte. Sie konnte ihn auch jetzt atmen h�ren. Seine Wimpern kitzelten an ihrer Wange. Ihre Lippen trennten nur Millimeter � und dann gar nichts mehr. Leicht streifte sein Mund �ber ihre Lippen. Dann wurde der Kuss intensiver; sie dr�ngten enger zueinander�</p><p>Im n�chsten Moment sp�rte Clary, wie zwischen ihnen ein Funke �bersprang � nicht schmerzhaft, eher wie leichte Reibungselektrizit�t. Hastig wich Jace zur�ck. Sein Gesicht war ger�tet. �Daran m�ssen wir wahrscheinlich noch arbeiten�, murmelte er.</p><p>Clary f�hlte sich zwar leicht schwindlig, aber sie stammelte: �Okay.�</p><p>Noch immer au�er Atem, starrte Jace einen Moment geradeaus. �Es gibt da etwas, das ich dir geben m�chte.�</p><p>�Das hab ich mir schon gedacht.�</p><p>Bei diesen Worten schaute er ruckartig auf und musste fast widerstrebend grinsen. �Nein, nicht <emphasis>das.�</emphasis> Er griff unter den Kragen seines T-Shirts, holte seine Kette mit dem Morgenstern-Ring hervor, zog sie sich �ber den Kopf und lie� sie in Clarys Hand gleiten. �Alec hat f�r mich den Ring von Magnus zur�ckgeholt. Wirst du ihn wieder tragen?�</p><p>Clary schloss die Hand um die Kette und den Ring, noch warm von seiner Haut. �Immer.�</p><p>Sein verschmitztes Grinsen verwandelte sich in ein sanftes L�cheln. Clary nahm ihren Mut zusammen und legte ihm den Kopf auf die Schulter. Sie sp�rte, wie er den Atem anhielt, sich aber nicht von der Stelle r�hrte. Einen Moment sa� er reglos da, dann lie� die Anspannung in seinem K�rper langsam nach und sie schmiegten sich aneinander � allerdings nicht hei� und leidenschaftlich, sondern sanft und z�rtlich.</p><p>Schlie�lich r�usperte Jace sich. �Das bedeutet, dass das, was wir fast getan h�tten� was wir in Paris beinahe getan h�tten��</p><p>�Den Eiffelturm besichtigen?�</p><p>L�chelnd schob er ihr eine Locke hinters Ohr. �Du l�sst mich aber auch keine Sekunde vom Haken, oder? Ach egal� schlie�lich ist das eines der Dinge, die ich an dir liebe. Na jedenfalls, diese andere Sache, die wir in Paris fast getan h�tten� die d�rfte vermutlich f�r eine Weile vom Tisch sein. Es sei denn, du willst dieses Baby-ein-Kuss-von-dir-und-ich-steh-in-Flammen w�rtlich nehmen.�</p><p>�Also keine K�sse?�</p><p>�Na ja, k�ssen geht vermutlich schon. Aber der Rest��</p><p>Clary dr�ckte ihre Wange leicht an Jace� Gesicht. �F�r mich ist das okay, wenn es f�r dich okay ist.�</p><p>�Nat�rlich ist das f�r mich <emphasis>nicht</emphasis> okay � ich bin ein Teenager. In meinen Augen ist das das Schlimmste, was passieren konnte� zumindest seit ich erfahren habe, wof�r man Magnus aus Peru verbannt hat�, brummte Jace, doch dann nahmen seine Augen einen sanften Ausdruck an. �Aber das �ndert nichts an dem, was wir f�reinander empfinden. Es kommt mir vor, als h�tte die ganze Zeit �ber ein St�ck meiner Seele gefehlt� und dieses St�ck bist du, Clary. Ich wei�, ich hab dir mal gesagt, dass ich nicht w�sste, ob es einen Gott gibt oder nicht, aber dass wir so oder so auf uns allein gestellt w�ren. Doch das stimmt nicht: Mit dir zusammen bin ich nie allein.�</p><p>Clary schloss die Augen, damit Jace ihre Tr�nen nicht sehen konnte� Tr�nen des Gl�cks, zum ersten Mal seit langer Zeit. Obwohl Jace seine H�nde ganz bewusst in seinem Scho� verschr�nkte, empfand Clary ein derart �berw�ltigendes Gef�hl der Erleichterung, dass alles andere pl�tzlich unwichtig war. Die Sorge, wo Sebastian stecken mochte, die Angst vor einer unbekannten Zukunft, all das trat in den Hintergrund. Denn nichts davon spielte eine Rolle. Sie waren zusammen und Jace war wieder er selbst � das war das Einzige, das z�hlte. Clary sp�rte, wie er den Kopf drehte und sie sanft auf den Scheitel k�sste.</p><p>�Ich w�nschte wirklich, du h�ttest diesen Pullover nicht angezogen�, murmelte er ihr ins Ohr.</p><p>�Na, das ist doch schon mal �ne prima �bung f�r dich�, erwiderte Clary und dr�ckte ihre Lippen kurz an seine Wange. �Ab morgen trag ich dann Netzstr�mpfe.� Und dann h�rte sie ihn leise lachen � warm und vertraut an ihrer Seite.</p><p>�Bruder Enoch�, sagte Maryse und erhob sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch. �Danke, dass ihr so schnell hergekommen seid.�</p><p><emphasis>Geht es um Jace?,</emphasis> fragte Bruder Zachariah, den Maryse ebenfalls in die Bibliothek gebeten hatte und in dessen Gedanken sie einen Hauch Besorgnis zu entdecken glaubte. Aber das bildete sie sich wahrscheinlich nur ein. <emphasis>Ich habe heute bereits mehrmals nach ihm gesehen. Sein Zustand ist unver�ndert,</emphasis> fuhr Zachariah fort.</p><p>Enoch trat n�her an Maryse heran. <emphasis>Und ich habe Nachforschungen im Archiv und in den alten Dokumenten zum Himmlischen Feuer angestellt. Dort finden sich tats�chlich Informationen dazu, wie man das Feuer m�glicherweise freisetzen kann, aber du musst Geduld haben. Es besteht kein Grund, uns herbeizurufen. Sollten wir irgendwelche Neuigkeiten haben, werden wir dich sofort in Kenntnis setzen.</emphasis></p><p>�Es hat nichts mit Jace zu tun�, erkl�rte Maryse. Sie trat um den Tisch herum, wobei ihre Abs�tze laut auf dem Parkett klackten. �In diesem Fall geht es um etwas v�llig anderes.� Sie warf einen vielsagenden Blick auf den Holzboden mit den Intarsien, die die Umrisse des Engels mit dem Schwert und dem Kelch zeigten: Auf einer Stelle, wo sich normalerweise kein Teppich befand, lag nun ein L�ufer � nicht flach ausgebreitet, sondern �ber ein unregelm��ig geformtes B�ndel drapiert. Maryse b�ckte sich, packte einen Zipfel des L�ufers und riss ihn zur Seite.</p><p>Die Br�der der Stille keuchten nicht laut auf � nat�rlich nicht, denn schlie�lich konnten sie keinen Laut von sich geben. Doch in Maryses Kopf ert�nte ein Echo ihrer Best�rzung und ihres Entsetzens. Bruder Enoch wich einen Schritt zur�ck, w�hrend Bruder Zachariah sich eine Hand vors Gesicht hielt, als k�nnte er seine blinden Augen dadurch vor dem Anblick auf dem Boden bewahren.</p><p>�Heute Morgen war das noch nicht hier�, sagte Maryse. �Aber als ich am Nachmittag wieder hergekommen bin, erwartete mich diese �berraschung.�</p><p>Im ersten Moment hatte sie gedacht, ein gro�er Vogel w�re irgendwie in die Bibliothek gelangt und darin gestorben, nachdem er sich beim Aufprall gegen eines der hohen Fenster den Nacken gebrochen hatte. Doch als sie n�her herangetreten war, hatte sie erkannt, worum es sich tats�chlich handelte. Den Stillen Br�dern gegen�ber erz�hlte sie jedoch weder von dem furchtbaren Schock, der ihr wie ein Pfeil durch die Eingeweide geschossen war, noch davon, wie sie zum Fenster getaumelt war und sich in die Blumenbeete erbrochen hatte, als ihr bewusst wurde, was sie da sah:</p><p>Ein paar wei�e Schwingen � allerdings nicht einheitlich wei�, sondern in vielen, miteinander verschmelzenden Farben: helles Silber, violette Streifen, dunkles Blau� jede Feder in Gold gefasst. Und dann, am Ansatz, blutige Reste von abgetrennten Knochen und Sehnen. Engelsschwingen, die einem Engel bei lebendigem Leibe abgeschnitten worden waren. Engelssekret, von der Farbe fl�ssigen Goldes, hatte sich auf dem Boden verteilt. Auf den Schwingen lag ein zusammengefalteter Zettel, an das New Yorker Institut adressiert.</p><p>Nachdem Maryse sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt hatte, war sie in die Bibliothek zur�ckgekehrt, hatte den Zettel an sich genommen und ihn gelesen. Die Nachricht war kurz, nur eine einzige Zeile, und mit einem Namen in einer seltsam vertrauten Schrift unterzeichnet. Denn darin erkannte sie Valentins Handschrift wieder: seine schwungvollen Buchstaben, sein kr�ftiger, sicherer Federstrich. Doch nicht Valentins Name stand unter dem Brief, sondern der seines Sohnes.</p><p><emphasis>Jonathan Christopher Morgenstern.</emphasis></p><p>Maryse hielt den Zettel Bruder Zachariah entgegen, der ihn nahm und auseinanderfaltete. Genau wie Maryse las er das einzige altgriechische Wort, das in einer kunstvollen Handschrift auf dem Papierbogen prangte:</p><p><emphasis>Erchomai</emphasis>, stand dort.</p><p><emphasis>Ich komme.</emphasis></p></section><section><title><p>Anmerkungen</p></title><p>Magnus� lateinische Beschw�rungsformel auf Seite 300, die Azazel herbeiruft und mit den Worten <emphasis>�Quod tumeraris: per Jehovam, Gehennam�</emphasis> beginnt, stammt aus Christopher Marlowes <emphasis>The Tragical History of Doctor Faustus.</emphasis></p><p>Die Idee zu dem T-Shirt <emphasis>clearly i have made some bad decisions</emphasis> stammt aus einem Comic meines Freundes Jeph Jacques (www.questionablecontent.net). Das T-Shirt ist unter www.topatoco.com erh�ltlich. Und <emphasis>Magical Love Gentleman</emphasis> stammt ebenfalls von ihm.</p><p/></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Wie immer m�chte ich meiner Familie danken � meinem Mann Josh, meiner Mutter und meinem Vater � sowie Jim Hill und Kate Connor; Melanie, Jonathan und Helen Lewis; Florence und Joyce. Mein weiterer Dank gilt denjenigen, die unerm�dlich gelesen und rezensiert haben: Holly Black, Sarah Rees Brennan, Delia Sherman, Gavin Grant, Kelly Link, Ellen Kushner und Sarah Smith. Mit besonderem Dank an Holly, Sarah, Maureen Johnson, Robin Wasserman, Cristi Jacques und Paolo Bacigalupi f�r die Hilfe bei der Ausarbeitung der Szenen. Maureen, Robin, Holly, Sarah, euch kann ich immer mein Leid klagen � ihr seid ein Traum. Ich danke Martange f�r die franz�sischen �bersetzungen, meinen indonesischen Fans f�r Magnus� Liebeserkl�rung an Alec, Wayne Miller f�r seine Unterst�tzung bei den lateinischen Zitaten sowie Aspasia Diafa und Rachel Kory f�r die Hilfe bei dem Zitat aus dem Altgriechischen. Mein immerw�hrender Dank gilt meinem Agenten Barry Goldblatt, meiner Lektorin Karen Wojtyla und ihrer Komplizin Emily Fabre; des Weiteren Cliff Nielson und Russell Gordon f�r die Gestaltung des wundervollen Buchumschlags sowie den Teams bei <emphasis>Simon &amp; Schuster</emphasis> und <emphasis>Walker Books</emphasis> � daf�r, dass sie dieses Buch �berhaupt erst erm�glicht haben.</p><p><emphasis>City of Lost Souls</emphasis> entstand in der franz�sischen Stadt Goult.</p></section><section><title><p>Quellenverzeichnis</p></title><p><emphasis>Kapitel 7</emphasis></p><p>�berschrift, S. 178: William Shakespeare: <emphasis>Der Sturm.</emphasis> In der �bersetzung von Christoph Martin Wieland.</p><p><emphasis>Teil zwei</emphasis></p><p><emphasis>Kapitel 9</emphasis></p><p>S. 269: <emphasis>Das Buch Henoch,</emphasis> 10,12. In der �bersetzung von Dr. A. G. Hoffmann, Croeker�sche Buchhandlung, 1833.</p><p><emphasis>Kapitel 11</emphasis></p><p>S. 299: <emphasis>Das Buch Henoch,</emphasis> 10,12. In der �bersetzung von Dr. A. G. Hoffmann, Croeker�sche Buchhandlung, 1833.</p><p>S. 300 + 303: Christopher Marlowe: <emphasis>The Tragical History of Doctor Faustus. </emphasis>�Mephistopheles� wurde durch �Azazel� ersetzt. In der �bersetzung von Wilhelm M�ller.</p><p>S. 307: 4. Mose (Numeri) 30,2. <emphasis>Luther-Bibel</emphasis> 1912, Deutsche Bibelgesellschaft.</p><p><emphasis>Kapitel 12:</emphasis></p><p>S. 346: Robert Frost: <emphasis>Abendrast am Wald bei Schnee.</emphasis> In der �bersetzung von Gerhard Tscheinig.</p><p>S. 350 + 361: L. P. Hartley: <emphasis>The Go-Between.</emphasis> In der �bersetzung von Maria Wolff.</p><p><emphasis>Kapitel 13:</emphasis></p><p>S. 389: Hiob 10,22. <emphasis>Schlachter-Bibel.</emphasis> In der �bersetzung von F. E. Schlachter, Genfer Bibelgesellschaft, 1951.</p><p>S. 391: Vergil, <emphasis>Aeneis VI,</emphasis> lat.-dtsch., hg. v. J. G�tte, Kempten 1965.</p><p><emphasis>Kapitel 16:</emphasis></p><p>S. 476: Dr. Seuss: <emphasis>Der Lorax.</emphasis> 2012. In der �bersetzung von Nadia Budde.</p><p>S. 482: Rudyard Kipling: <emphasis>Das neue Dschungelbuch.</emphasis> Tredition Verlag, Hamburg.</p><p>S. 491: Charles Dickens: <emphasis>Eine Geschichte von zwei St�dten.</emphasis> In der �bersetzung von Carl Kolb.</p><p><emphasis>Teil drei</emphasis></p><p><emphasis>S. 521: William Butler Yeats: Ostern 1916. In der �bersetzung von Joachim Utz.</emphasis></p><p><emphasis>Kapitel 18</emphasis></p><p>S. 542: Josua 5,13. <emphasis>Schlachter-Bibel.</emphasis> Siehe oben.</p><p><emphasis>Kapitel 19</emphasis></p><p>S. 569: Hohelied 4,9. <emphasis>Schlachter-Bibel.</emphasis> Siehe oben.</p><p>S. 569: Hohelied 5,2. <emphasis>Schlachter-Bibel.</emphasis> Siehe oben.</p><p>S. 570: Hohelied 4,12. <emphasis>Schlachter-Bibel.</emphasis> Siehe oben.</p><p><emphasis>Epilog</emphasis></p><p>S. 664: 5. Mose (Deuteronomium) 32,22. <emphasis>Luther-Bibel </emphasis>1912, Deutsche Bibelgesellschaft.</p></section></body><body name="notes"><section id="fn1"><p>�bers. Wolf Heinrich Graf von Baudissin.</p></section></body><binary id="cover" 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