<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Wolfgang</first-name><last-name>Hohlbein</last-name><home-page>http://www.hohlbein.net/</home-page><id>4803</id></author><book-title>Der Thron der Libelle</book-title><annotation><p>In Karas seltsamer Drachenwelt herrscht nach langer Unruhe endlich Frieden. Bis pl�tzlich Schelfheim, die gro�e Stadt am Schlund, langsam, aber unaufh�rlich im Abgrund versinkt. Kara und ihre Drachenkrieger wollen das R�tsel l�sen. In den riesigen H�hlen unter der Stadt treffen sie auf sonderbare Fremde � und auf st�hlerne Libellen, die Feuer spucken.</p></annotation><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Der Drachenzyklus" number="2"/></title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>F19BF490-B878-47FC-887E-47B6906030BF</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info><publish-info><year>1991</year></publish-info><custom-info info-type="librusec-id">381492</custom-info></description><body><section><title><p>1</p></title><p>Kara sa� am Rande des Abgrundes, baumelte mit den F��en und dachte �ber die Ungerechtigkeit der Welt im allgemeinen und �ber das, was dieses Kr�tengesicht Hrhon unter <emphasis>Freundschaft</emphasis> verstand, im besonderen nach. Was die Ungerechtigkeit der Welt anging, so war die Antwort klar. Die Welt war prinzipiell ungerecht zu neunzehnj�hrigen M�dchen: Und die wenigen, die glaubten, <emphasis>gerecht</emphasis> behandelt zu werden, waren einfach zu dumm, um zu begreifen, was mit ihnen passierte.</p><p>Was Hrhon anging... nun, da lagen die Dinge etwas komplizierter.</p><p>Bis zum gestrigen Abend hatte sie den Waga f�r ihren einzigen Freund gehalten, den sie mit Ausnahme von Markor hatte. Aber dann hatte dieser schuppige, lispelnde, breitzahnige... Nein. Sie wollte nicht mehr daran denken. Sie wollte einfach nur noch w�tend sein, w�tend auf Angella, auf diese verdammte Drachenreiterbrut und vor allem auf Hrhon. Oh, sie ha�te ihn!</p><p>Das Ger�usch leiser Schritte lie� Kara herumfahren; eine Spur zu schnell, wenn man ihren unsicheren Platz bedachte. Unter ihr l�ste sich eine kleine Staub- und Kiesellawine, h�pfte �ber den Rand des Schlundes und st�rzte in die Tiefe.</p><p>Angella war drei Schritte hinter ihr stehengeblieben, denn jeder weitere Schritt auf den Abgrund zu bedeutete unweigerlich Gefahr. Nur Kara und ein paar andere wagten sich bis ganz an den Schlund vor. T�ckische Fallwinde, die oben wehten, konnten einen erfassen und umrei�en. Angella sah Kara nicht an. Der Blick der dunklen Augen hinter der goldenen Halbmaske folgte der wirbelnden Staubfahne und wanderte dann zu Karas Beinen, die �ber den Abgrund schwangen. Dann f�llten sich ihre Augen mit Sorge. Gut, dachte Kara. Sehr gut.</p><p>�Komm da weg.�</p><p>Kara r�hrte sich nicht. �Ist das ein Befehl�, fragte sie, �oder ein freundschaftlicher Rat?�</p><p>Hinter der goldenen Maske blitzten Angellas Augen ver�rgert auf. Ohne auf Karas Frage einzugehen, wiederholte sie noch einmal im gleichen, ruhigen Tonfall: �Komm da weg.�</p><p>Kara hielt ihrem Blick einen Moment trotzig stand, aber dann dachte sie, da� sie den Bogen besser nicht �berspannen sollte. Mit einer eleganten Bewegung sprang sie auf und t�nzelte einen Moment am Abgrund entlang, um zu zeigen, wie furchtlos und geschickt sie war. Aber Angellas Miene verd�sterte sich.</p><p>�Hast du dich wieder beruhigt?� begann sie ohne lange Vorrede.</p><p>Nein, Kara hatte sich nicht beruhigt. �Es war nicht gerecht�, brach es aus ihr hervor. �Es steht mir zu, dabeizusein! Und du kannst es nicht verbieten?�</p><p>Sie sprach schnell � zu schnell � und viel zu laut, dabei wollte sie doch ruhig und �berlegt wirken. �Ich war eine der besten des letzten Jahres. Und Markor fliegt schneller und h�her als jeder andere Drache! Ich bin allm�hlich alt genug, um selbst zu entscheiden, was ich mir zutrauen kann oder nicht?�</p><p>�Du beweist mir gerade, da� das nicht stimmt�, erwiderte Angella mit aller Seelenruhe.</p><p>F�r einen Moment verschleierte Zorn Karas Blick, aber dann erinnerte sie sich an Angellas erste und wichtigste Lektion: <emphasis>La�t euch nie � niemals! � aus der Reserve locken. Zorn kann t�dlich f�r den sein, der sich ihm hingibt.</emphasis></p><p>�Es war einfach nicht gerecht�, sagte sie noch einmal und �rgerte sich �ber ihren weinerlichen Tonfall. �Ich habe das gleiche Recht wie alle anderen. Und es gab keinen Grund, mich auszuschlie�en.�</p><p>�Es gab sogar <emphasis>mehrere</emphasis> Gr�nde�, antwortete Angella.</p><p>�Dann nenne mir nur einen einzigen?� verlangte Kara. Aufgebracht trat sie einen Schritt auf die alte Frau zu. �Du... du wei�t, wie sehr ich es mir gew�nscht habe! Es... es war alles f�r mich. Es war...�</p><p>�Der Grund, aus dem du die beste Sch�lerin warst, die ich jemals ausgebildet habe�, unterbrach sie Angella. �Ich wei� das. Denkst du denn, ich h�tte das Feuer in deinen Augen nie gesehen, du t�richtes Kind? Ich habe es gesehen. Ich habe es <emphasis>gesch�rt,</emphasis> Kara. <emphasis>Ich</emphasis> war es, die den Funken in dir entz�ndet hat.�</p><p>Karas Augen f�llten sich mit Tr�nen des Zorns. Sie wu�te, wie sinnlos es war, mit Angella streiten zu wollen. Angellas Wort war Gesetz, und au�erdem hatte sie recht, obgleich Kara es ganz gewi� nie zugegeben h�tte. Obwohl sie immer eine gewisse Distanz gewahrt hatte, war Angella mehr als eine <emphasis>Lehrerin</emphasis> f�r sie gewesen, seit man sie vor fast zehn Jahren vor den Mauern ihrer verbrannten Heimatstadt aufgelesen hatte. Und Kara ihrerseits war f�r Angella viel mehr als nur eine <emphasis>Sch�lerin.</emphasis></p><p>Sie hatten keine Geheimnisse voreinander. Sie belogen sich nicht einmal in den kleinsten Dingen des Alltags, wie es selbst M�tter und T�chter oder V�ter und S�hne zuweilen tun.</p><p>Angella hatte nie einen Hehl daraus gemacht, da� sie Kara f�r etwas Besonderes hielt und da� sie besondere Ziele f�r sie im Auge hatte. Und Kara auf der anderen Seite war sich dessen auch stets bewu�t gewesen und hatte nicht einmal zu verbergen versucht, wie sehr sie ihre Rolle geno�. Sicher, die anderen Sch�ler und Sch�lerinnen hatten sie manchmal deswegen geschnitten, und es hatte bittere Momente gegeben; Augenblicke, in denen sie sich gew�nscht hatte, wie die anderen zu sein. Aber wenn sie ganz ehrlich war, mu�te sie eingestehen, da� diese Momente eher selten gewesen waren. Die Vorteile, eine besondere Stellung einzunehmen, �berwogen gegen�ber einer b�sen Bemerkung oder einem neidvollen Blick bei weitem.</p><p>Um so mehr schmerzte sie das, was sie jetzt h�rte. Sie sp�rte, wie sich ihre Augen mit Tr�nen f�llten, und versuchte sich einzureden, da� es nur Tr�nen der Entt�uschung und des Zorns waren.</p><p>�Du hast nie vorgehabt, mich gehen zu lassen, nicht wahr?� fl�sterte sie.</p><p>�Nein�, antwortete Angella. �Niemals.� Sie hob die Hand, als Kara etwas sagen wollte, und fuhr fort: �Ich habe vom ersten Moment an gewu�t, da� du etwas Besonderes bist. Ich wu�te es schon in jener ersten Nacht, als ich dir Tallys Geschichte erz�hlte und den Blick deiner Augen sah. Ich wu�te, da� du so werden konntest wie sie. Und ich habe mich nicht get�uscht.�</p><p>�Tally <emphasis>w�re</emphasis> gegangen�, sagte Kara.</p><p>Angella nickte. �Wahrscheinlich. Und wahrscheinlich w�re sie wie alle anderen gestorben. Ich will dich nicht auch noch verlieren. Verdammt, ich kann es mir nicht <emphasis>leisten,</emphasis> dich zu verlieren!�</p><p>�Ist das der Grund, warum du es mir verbietest?� fragte Kara. �Vielleicht hast du gar keine Angst um mich, Angella. Vielleicht hast du nur Angst, mich zu verlieren! Aber ich bin nicht dein Eigentum, Angella. Und ich bin auch nicht dein Spielzeug!�</p><p>Die Worte taten ihr fast sofort wieder leid, denn sie sp�rte, wie weh sie Angella tun mu�ten. Aber sie war in diesem Augenblick auch zu stolz, sich zu entschuldigen, und so verlegte sie sich auf einen Ton trotzigen Bittens: �Ich kann es schaffen, Angella. Du wei�t, da� ich es kann. Ich bin die beste Sch�lerin, die du je ausgebildet hast, das hast du selbst gesagt! Und Markor ist der st�rkste Drache, der je geboren wurde!�</p><p>�Und genau das ist der Grund, aus dem ich dich nicht gehen lasse�, erwiderte Angella ruhig. �Es sind zu viele gute Reiter nicht von einem Flug �ber den Drachenfelsen hinaus zur�ckgekehrt.�</p><p>�Weil ihr nie die Besten hinausschickt!� begehrte Kara auf. �Glaubst du, ich wei� das nicht? Glaubst du, ich h�tte nicht mit den anderen gesprochen, oder ich w�re so blind gewesen, nicht zu <emphasis>sehen,</emphasis> da� du deine besten Sch�ler stets zur�ckgehalten hast?�</p><p>Angella wollte etwas entgegnen, doch diesmal lie� Kara <emphasis>sie</emphasis> nicht zu Wort kommen. �Wie glaubst du, eine Aufgabe l�sen zu k�nnen, wenn du die besten deiner Leute daran hinderst, sich daran zu versuchen!�</p><p>�Vielleicht sollten wir die Aufgabe gar nicht l�sen. Niemand wei�, was jenseits des Drachenfelsens ist, und ich denke nicht daran, Jahr f�r Jahr das Leben tapferer M�nner und Frauen fortzuwerfen, nur um es herauszufinden. Ihr werdet hier gebraucht. Jeder einzelne von euch.�</p><p>�Gebraucht? Wozu? Der letzte �berfall liegt acht Jahre zur�ck! �</p><p>�Und der n�chste findet vielleicht morgen statt�, f�gte Angella hinzu. �Doch genug. Ich bin nicht hierhergekommen, um unseren Streit von gestern abend fortzusetzen.� Sie machte eine befehlende Geste und ergriff dann ihren schweren Samtumhang. �Ich werde nicht ewig leben, Kara. Irgendwann einmal wirst <emphasis>du</emphasis> diesen Mantel tragen, und dann wird dein Wort Gesetz sein, so wie es jetzt das meine ist. Dann kannst du tun und lassen, was immer du willst. Doch bis es so weit ist, befehle ich in diesem Lager, und du wirst mir gehorchen. So einfach ist das.�</p><p>Kara begriff, da� sie nicht mehr mit ihrer m�tterlichen Freundin sprach, die Frau, die ihr jetzt gegen�berstand, war Herrscherin, �lteste und K�nigin der Drachenreiter, und sie w�rde keinerlei Widerspruch mehr dulden. Also schwieg Kara und unterdr�ckte die unfreundliche Erwiderung, die ihr in den Sinn gekommen war. Ihr Gesicht war unbewegt und starr wie ein Stein. Dem�tig senkte sie das Haupt.</p><p>�Um den Grund meines Kommens zu nennen�, fuhr Angella im gleichen, fast kalten Ton fort. �Ich verlasse die Festung bereits morgen. In Schelfheim haben sich Dinge ergeben, die es n�tig machen, meine ohnehin geplante Reise vorzuverlegen. Ich werde also nicht an der Abschiedsfeier teilnehmen k�nnen. Ich bin hier, um dich zu fragen, ob du mich begleiten willst.� Sie gab Kara keine Gelegenheit zu antworten. ��berlege dir gut, was du sagst. Nat�rlich wirst du ablehnen, denn du bist zornig und verbittert. Deswegen werde ich ein Nein jetzt ebensowenig akzeptieren wie ein Ja. Wir brechen morgen fr�h bei Sonnenaufgang auf. Wenn du mitkommen willst, erwarte ich dich dann.�</p><p>In Kara wallte schon wieder Zorn auf. Angella schien sie so leicht zu durchschauen, als w�re sie aus Glas. Schelfheim... Der Gedanke war verlockend, denn obwohl die riesige Stadt am Rande der Welt nicht einmal besonders weit entfernt lag zumindest f�r jemanden, der Entfernungen mit den Fl�gelschl�gen eines Drachen ma� �, war sie noch niemals dort gewesen, denn die Drachenreiter mieden die gro�en St�dte.</p><p>Schlie�lich sch�ttelte Kara den Kopf. �Markor ist noch nicht so weit�, sagte sie und wu�te, da� es eine Ausrede war. �Wir werden nicht mit den Drachen reisen�, entgegnete Angella. �Ich will Schelfheim einen Besuch abstatten � nicht eine Panik ausl�sen.�</p><p>Kara wiederholte ihr Kopfsch�tteln. �Das w�rde Wochen dauern. Ich... will ihn nicht so lange allein lassen.�</p><p>�Unsinn!� sagte Angella. �Er ist ein zweihundert Jahre alter Drachenbulle. An dem einzigen, was ihn im Moment an einem weiblichen Wesen interessiert, h�ttest du sicherlich nicht viel Freude. Au�erdem fehlen dir einige k�rperliche Voraussetzungen daf�r.�</p><p>Kara starrte Angella verbl�fft an � und sp�rte zu ihrer eigenen �berraschung, wie ihr die Schamr�te ins Gesicht scho�. �Zum Beispiel ein Paar f�nfzig Meter messende Fl�gel�, fuhr Angella lachend fort. �Oder woran hast du jetzt gedacht?�</p><p>Und pl�tzlich und gegen ihren Willen mu�te auch Kara lachen. Nat�rlich w�rde sie Angella am n�chsten Morgen nach Schelfheim begleiten.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Schelfheim zu beschreiben war eine mehr als schwierige Aufgabe. Wie soll man eine Stadt beschreiben, die ihr Aussehen alle zehn Jahre so gr�ndlich ver�nderte, da� selbst ihre Bewohner nach l�ngerer Abwesenheit Schwierigkeiten hatten, sich wieder zurechtzufinden? Abgesehen davon, da� ein gro�er Teil der Stadt in fast regelm��igen Abst�nden niederbrannte, versank der Rest allm�hlich im Boden, so da� es mit einer Ausnahme nicht ein Geb�ude in Schelfheim gab, dessen H�he nennenswert mehr als zehn Meter betrug. In regelm��igen Abst�nden r�umten die Bewohner der Stadt die unteren Stockwerke ihrer H�user und f�gten oben ein neues an, was zu dem reichlich absurden Effekt f�hrte, da� mehr als neun Zehntel der Stadt mittlerweile unter der Erde lagen.</p><p>Die Stadt war gro�, unvorstellbar gro�. Kara hatte Bilder von Schelfheim gesehen und viel von der gr��ten und erstaunlichsten Stadt der Welt geh�rt. Aber weder Bilder noch Worte hatten sie auch nur im entferntesten auf das vorbereiten k�nnen, was Schelfheim wirklich war: ein Moloch.</p><p>Das Meer aus Stein breitete sich unter ihr aus, soweit ihr Blick reichte. Angella hatte ihr erz�hlt, da� an die zwei Millionen Menschen... nun ja: <emphasis>Gesch�pfe</emphasis> in dieser Stadt lebten, und sie hatte diese Zahl hingenommen, ohne sie wirklich zu verstehen.</p><p>Jetzt begann sie zumindest zu <emphasis>ahnen,</emphasis> was sie bedeutete. �Beeindruckend, nicht?� fragte Angella.</p><p>Sie hatten einen Steinwurf vor der Br�cke haltgemacht, um sich und ihren Pferden eine letzte Rast vor dem Ritt hinunter in die Stadt zu g�nnen und um den beeindruckenden Anblick der Stadt zu genie�en. Beeindruckend? Nun ja � die Stadt <emphasis>machte</emphasis> Eindruck auf Kara. Sie war nur nicht sicher, ob es die Art Eindruck war, die Angella beabsichtigt hatte.</p><p>Sie zuckte mit den Schultern und f�hrte ihr Pferd n�her zu Angella. Die Verst�ndigung gestaltete sich in diesem unwegsamen Gel�nde recht schwierig. An den steil aufragenden Klippen brach sich ein heulender Sturmwind, dessen Get�se niemals nachlie�. Dar�ber hinaus aber suchte Kara auch Angellas N�he, weil sie sich angesichts dieser ungeheuerlichen Stadt dort unten klein und verloren und unsagbar hilflos vorkam. Ihre H�nde zitterten, und sie ergriff die Z�gel fester als n�tig, um es zu verbergen.</p><p>Angella wartete einige Augenblicke lang vergeblich auf eine Antwort, dann warf sie Kara einen raschen, am�sierten Blick zu, zuckte mit den Schultern und ritt weiter. Hinter ihr und Kara setzte sich auch der Rest des Trupps wieder in Bewegung. Hrhon nicht mitgerechnet, der breitbeinig auf einem f�r einen Waga viel zu kleinen Pferd hockte, z�hlten sie zweiundzwanzig, und elf von ihnen waren ausgebildete Drachenk�mpfer in voller R�stung. Zu Karas Bedauern hatte Angella ihnen befohlen, ihre Waffen zu verbergen und sich in weite Umh�nge zu h�llen, die nicht nur f�r die Jahreszeit viel zu warm waren, sondern sie auch wie eine bunt zusammengew�rfelte Wandertruppe aussehen lie�en. Kara hatte sich diesem Befehl nur widerwillig gef�gt. Sie war stolz auf das, was sie war, und sie sah nicht ein, da� sie ihre Identit�t verbergen sollte. Sie ritten ein St�ck auf die Br�cke hinaus, ehe sie auf die erste Barriere stie�en: eine mannshohe Wand aus eisenverst�rkten Bohlen, die auf wuchtigen Rollen gelagert war, so da� man sie zur Seite schieben mu�te, wenn man passieren wollte. Eine kleine T�r �ffnete sich in der Barriere, und ein fettleibiger, in schmuddelige Lumpen gekleideter Mann trat zu ihnen heraus. Sein Gesicht war schmutzig, und er wirkte unausgeschlafen. In der rechten Hand trug er einen Packen kleiner gelber Bl�tter und einen Kohlestift. Gelangweilt betrachtete er die Gruppe und schien dann Angella als F�hrerin auszumachen, denn er schlurfte mit h�ngenden Schultern auf sie zu.</p><p>�Wie viele?� fragte er.</p><p>�Wie viele � was?� gab Angella zur�ck.</p><p>�Wie viele ihr seid.� Der Schmuddelige seufzte tief und gequ�lt, hob den Kopf � und blinzelte �berrascht, als er in Angellas Gesicht sah. Angella hatte, kurz bevor sie die Br�cke erreichten, die goldene Halbmaske wieder aufgesetzt, so da� er von ihrem Gesicht nur die unversehrte linke H�lfte ihres Mundes erkennen konnte. �He!� sagte er. �Was ist das?�</p><p>Angella zuckte kaum merklich zusammen. Sie wurde zunehmend empfindlicher, was Anspielungen auf ihr zerst�rtes Gesicht anging, je �lter sie wurde. Kara hatte selbst gesehen, wie sie wegen einer harmlosen Bemerkung einem Mann den Arm gebrochen hatte.</p><p>�Wie du siehst, trage ich eine Maske � genau wie du�, entgegnete sie unfreundlich. �Nur kann ich meine mit einem Handgriff abnehmen, w�hrend du deine herunterwaschen m��test.�</p><p>Die Augen in dem schmutzigen Gesicht des Mannes blitzten auf, aber bevor er antworten und sich damit vielleicht um Kopf und Kragen reden konnte, richtete sich Kara wie zuf�llig ein wenig im Sattel auf, so da� ihr Mantel ein St�ck zur Seite glitt. Der Zorn in den Augen des Mannes verwandelte sich in Schrecken, als er den Schwertgriff in ihrem G�rtel bemerkte. Hastig senkte er den Blick.</p><p>�Also gut�, knurrte er. �Wie viele?�</p><p>�Dreiundzwanzig�, antwortete Angella.</p><p>Der Schmuddelige begann mit flinken Bewegungen der linken Hand eine Anzahl der gelben Zettel abzuz�hlen, w�hrend sein Blick �ber die berittenen Gestalten vor sich wanderte. Pl�tzlich stockte er.</p><p>�Heda!� sagte er. �Den kann ich nicht mitz�hlen!� Er deutete auf Hrhon.</p><p>�So?� antwortete Angella. �Was ist daran so schwierig?�</p><p>Der Mann bemerkte Angellas sp�ttischen Ton nicht einmal. �Das ist ein Waga!�</p><p>Angella drehte sich im Sattel herum und musterte Hrhon einen Moment lang. Dann sagte sie mit �bertrieben gespielter �berraschung: �Tats�chlich! Man erlebt doch immer wieder �berraschungen, nicht wahr? Vielen Dank, da� du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Aber trotzdem wirst du ihn mitz�hlen.�</p><p>Allm�hlich schien dem Kerl zu d�mmern, da� Angella ihn verspottete, denn in seinen Augen blitzte es abermals zornig auf. �Er ist zu schwer�, sagte er w�tend. �Der Kerl wiegt mindestens soviel wie drei M�nner. Ich mu� ihn dreifach berechnen.�</p><p>Angella seufzte. Aber der Wutanfall, auf den Kara wartete, blieb noch immer aus. �Seit wann berechnet ihr die Geb�hren nach <emphasis>Gewicht?�</emphasis> fragte sie nur.</p><p>�Seit einer ganzen Weile�, antwortete der Mann. �Jedenfalls bei solchen wie <emphasis>dem da!�</emphasis></p><p><emphasis>�Dem da?�</emphasis> Angella seufzte tief. �Es hat sich wirklich eine Menge ge�ndert, seit ich das letzte Mal in Schelfheim war.� Sie machte eine befehlende Handbewegung, als der Schmuddelige antworten wollte. �Schreib auf, so viele du willst. In gewisser Hinsicht hast du ja recht � er wiegt wirklich soviel wie drei normale M�nner.�</p><p>�Kraft hat er sogar f�r vier�, sagte Kara. Der Schmuddelige erbleichte.</p><p>�Mindestens�, best�tigte Angella.</p><p>Der Schmuddelige wurde noch eine Spur blasser. �Vielleicht�, sagte er nerv�s, �kann ich es ja verrechnen. Ich sehe, ihr habt ein Kind, dabei.� Er deutete mit einer fahrigen Bewegung auf Kara und erntete einen giftigen Blick daf�r. �Ich meine, das k�nnte das zus�tzliche Gewicht ausgleichen, nicht wahr?�</p><p>�Gib schon die Zettel her�, erwiderte Angella ungeduldig. �Unsere Zeit ist knapp.�</p><p>Der Torw�chter begann seine Zettel abzuz�hlen, aber er war so nerv�s, da� er sich mehrmals verz�hlte und dreimal von vorn beginnen mu�te. Angella ri� ihm die gelben Zettel aus der Hand und stopfte sie achtlos unter ihren Umhang. Mit einer sehr hastigen Bewegung fuhr der Mann herum und verschwand hinter seiner Barriere.</p><p>Kara blickte ihm kopfsch�ttelnd nach. �Was war das f�r ein Kerl?� fragte sie verbl�fft.</p><p>�Ein Idiot�, antwortete Angella gelassen.</p><p>�Ich meine, was... was wollte er?�</p><p>�Die Benutzung der Br�cke ist nicht kostenlos. Man mu� Geb�hren entrichten, um in die Stadt zu kommen.� Sie betonte den n�chsten Satz, als hielte sie das Ganze hier f�r einen schlechten Scherz. �Schelfheim ist eine arme Stadt, mu�t du wissen.�</p><p>�Geb�hren? Warum benutzen wir die Br�cke dann?� Kara deutete auf die Klippe hinter sich. �Ich habe mindestens ein Dutzend Stellen gesehen, an denen man bequem hinunterklettern kann.�</p><p>�Ja�, best�tigte Angella trocken. �Nur m��ten wir dabei unser Gep�ck auf den Schultern tragen � und die Pferde auf den R�cken. Hrhon k�nnte es schaffen, denke ich. Und du auch.� Sie ma� Kara mit einem am�sierten Blick. �Au�erdem... wirst du bald herausfinden, da� Bequemlichkeit manchmal mehr wert ist als ein wenig Geld.�</p><p>Das Klirren einer schweren Kette erscholl, bevor Kara noch etwas antworten konnte. Pl�tzlich teilte sich die Palisade vor ihnen, und die linke Seite rollte ein St�ck zur�ck, allerdings nur so weit, da� sie hintereinander durch die L�cke reiten konnten. Karas �rger �ber diese Bosheit des Br�ckenw�rters flammte kurz auf und erlosch dann schlagartig, als sie hinter Angella durch die L�cke ritt und sah, was vor ihnen lag.</p><p>Der Anblick war schlicht phantastisch.</p><p>Kara hatte die Br�cke bisher nur von weitem gesehen, und da war sie ihr wie eine zwar gro�e, aber durchaus gew�hnliche Br�cke vorgekommen. Jetzt aber erkannte sie, da� es sich um alles andere, doch nicht um eine gew�hnliche Br�cke handelte. Die Br�cke war gewaltig; es mu�te auch mehr als einen Zugang geben, denn der Weg, der sich vor ihnen ausbreitete, war mehr als hundert Schritt breit. Rechts und links des aus schweren Bohlen zusammengef�gten Weges erhoben sich zwei-, manchmal dreist�ckige Geb�ude aus Holz und Metall. Die meisten Fenster waren leer und dunkel, aber Kara entdeckte, da� einige dieser H�user <emphasis>bewohnt</emphasis> waren! Aus Kaminen kr�uselte sich graubrauner Rauch, und hier und da gewahrte sie flackernden Feuerschein. Gestalten bewegten sich zwischen den H�usern und auf der Br�cke, und ein gro�er, vierr�driger Karren rollte vorbei, gezogen von zwei gedrungenen, sechsbeinigen Hornk�pfen. Kara straffte sich. Sie wu�te, da� diese Gesch�pfe so harmlos � und intelligent � wie ein St�ck Holz waren, aber sie hatte die instinktive Furcht vor den chitingepanzerten Kolossen niemals ganz �berwunden.</p><p>Kara ri� sich vom Anblick des Karrens los und trieb ihr Pferd an, um wieder zu Angella aufzuschlie�en. Ihr Blick versuchte das jenseitige Ende der Br�cke zu finden, aber es gelang ihr nicht.</p><p>�Bei allen gefl�gelten Drachen�, murmelte sie, �wie lang ist dieses Ding?�</p><p>�Oh, das wei� niemand so ganz genau�, antwortete Angella. �Sie bauen st�ndig weiter an der Br�cke. Ich denke, sie wird schon einen gro�en Teil der Stadt �berspannen, und sie w�chst fast so schnell wie Schelfheim selbst.� Sie machte eine Handbewegung �ber die Stadt hinweg. �Fr�her einmal war es wirklich nur eine Br�cke, die vom Kontinent hinunter auf den Schelf f�hrte, damit...� Sie l�chelte fl�chtig. �...die Leute hier eben <emphasis>nicht</emphasis> ihre Pferde auf dem R�cken das Kliff hinuntertragen mu�ten. Aber mittlerweile ist sie zu einer Stra�e �ber der ganzen Stadt geworden. Es gibt Zug�nge in fast jedes Viertel; was ganz praktisch ist in einer Stadt, in der die Stra�en schneller im Boden versinken, als man sie bauen kann. Die Bewohner nennen sie den Hochweg. Allerdings�, f�gte sie auf eine Art hinzu, aus der Kara neben Erstaunen auch noch eine leise Spur von Sorge herauszuh�ren glaubte, �ich bin selbst ein wenig �berrascht, <emphasis>wie</emphasis> schnell die Br�cke in den wenigen Jahren gewachsen ist, die ich nicht hier war.�</p><p>Karas Blick glitt mit nicht nachlassendem Staunen �ber die riesige Br�ckenkonstruktion. Wie fast alle gr��eren Ansiedlungen � einschlie�lich Angellas Drachenfeste � war die Stadt auf dem der eigentlichen Welt vorgelagerten Kontinentalschelf errichtet worden; vor zweihunderttausend Jahren, als die �berlebenden der letzten gro�en Katastrophe aus den Tr�mmern ihrer Zivilisation herauskrochen und nach einem Ort Ausschau hielten, an dem sie leben konnten. Die schmalen G�rtel zwischen den verbrannten Kontinenten und den gewaltigen Becken der verdampften Ozeane waren die einzigen Teile der Welt gewesen, auf denen Leben �berhaupt noch m�glich war. Mittlerweile bewohnten Menschen wieder gro�e Teile der Kontinente; es hatte auch Versuche gegeben, Siedlungen in den Bereichen des Schlundes zu errichten, die nicht von G�a beansprucht wurden. Schelfheim aber war geblieben wie die meisten St�dte, weil Schelfheim eben Schelfheim war und nicht Bergheim oder W�stentor oder Dschungelburg und weil es mit seinen zweihunderttausend Jahren die �lteste und auch die gr��te Stadt war. Nur waren die Gr�nder der meisten anderen St�dte nicht so dumm gewesen, ihre H�user auf einem drei Meilen hohen Sandhaufen zu errichten, der langsam unter ihnen zerrann.</p><p>Verbl�fft wandte Kara sich an Angella. �Wieso versinkt die Br�cke nicht im Boden?� fragte sie. �Wie die H�user! Sie ist viel schwerer! �</p><p>�Aber das tut sie�, antwortete Angella. �Unentwegt.�</p><p>Kara blickte sie an und wartete darauf, da� Angella weitersprach und ihre Worte erkl�rte. Aber Angella schwieg nur und ritt langsam auf der gigantischen Br�cke weiter.</p><p>Das Treiben auf der Br�cke wurde gesch�ftiger, je weiter sie vorankamen. Kara entdeckte die Wege, die in die einzelnen Stadtviertel f�hrten: gro�e, k�hn geschwungene B�gen, �ber die sich ein Strom von Menschen und Fahrzeugen w�lzte. Bald wurde der Verkehr so heftig wie auf einer belebten Stra�e am Markttag.</p><p>Einmal noch mu�ten sie innehalten, als sie an eine Schranke gerieten. Ein bewaffneter � und wesentlich sauberer � W�chter trat zu Angella und verlangte die gelben Zettel, die ihr der schmutzige Kerl oben am Kliff gegeben hatte.</p><p>Der Torw�chter war nicht allein. Ein St�ck abseits stand ein zweiter Bewaffneter, der Angella und ihre Begleiter mit undeutbarem Gesichtsausdruck musterte. Und ein St�ck hinter ihm... ... waren sechs oder acht Hornk�pfe postiert, genau lie� sich das nicht erkennen, weil sie sich im Schatten eines Geb�udes aufhielten. Sie waren bewaffnet, bis auf zwei, die das offenbar nicht n�tig hatten, denn was ihnen die Natur an Panzern, Scheren und Stacheln mitgegeben hatte, reichte, um eine kleine Armee auszur�sten. Die gr��ere der beiden K�fergestalten sah aus, als w�re sie in der Lage, Hrhon in St�cke zu rei�en, ohne dabei mehr als die H�lfte ihrer Klauen und Scheren benutzen zu m�ssen.</p><p>Der W�chter hatte schlie�lich die Zettel durchgez�hlt.</p><p>Angella h�ndigte ihm die geforderte Summe aus, �ber deren H�he Kara ziemlich staunte, und dann durften sie passieren. Als sie durch die Sperre ritten, fiel Kara auf, da� nicht alle, die die Br�cke verlie�en, bezahlen mu�ten. Vermutlich hatten die Einwohner Schelfheims keinen Wegezoll zu entrichten.</p><p>Und dann � endlich � waren sie in Schelfheim angekommen, und der L�rm und die Hektik der Stadt schlugen wie eine Woge �ber ihnen zusammen.</p><p>Kara kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Obwohl keines der Geb�ude h�her als zehn Meter war, wirkte alles hier irgendwie <emphasis>riesig,</emphasis> auf eine fast gewaltt�tige und zugleich faszinierende Art m�chtig. Schelfheim war laut und schmutzig, die Luft roch schlecht, und auf den Stra�en war es so eng, da� sie nur zu oft gar nicht mehr von der Stelle kamen. Aber all das registrierte Kara kaum, war sie doch ganz gebannt vom faszinierenden Anblick dieser Stadt. Und sie begriff pl�tzlich, warum Angella so nachhaltig darauf bestanden hatte, da� sie sie begleitete. Es gab einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Sie hatte die letzten zehn Jahre in der Sicherheit des Drachenhortes verbracht; das war die Theorie. Diese laute, hektische, stinkende, entsetzlich <emphasis>sch�ne</emphasis> Stadt, das war die Wirklichkeit. Angella hatte es ihr zigmal erkl�rt, aber verstanden hatte Kara das, was ihre Lehrerin damit meinte, nicht. Erst jetzt begriff sie.</p><p>�Wohin wollen wir?� fragte Kara. Sie mu�te schreien, um sich �berhaupt verst�ndlich zu machen.</p><p>Angella verhielt ihr Pferd und sah sich unschl�ssig um. Sie hob die Schultern. �Ich bin nicht ganz sicher�, gestand sie schlie�lich. �Als ich das letzte Mal hier war, sah es anders aus. Wir besuchen einen guten alten Freund�, f�gte sie mit einem L�cheln hinzu. �Er wird dir gefallen.�</p><p>�Wenn du den Weg wiederfindest.�</p><p>�Wenn ich den Weg wiederfinde.�</p><p>Sie lachten beide, und pl�tzlich l�ste sich das Gedr�nge vor ihnen so weit auf, da� sie weiterreiten konnten. Sie verlie�en den Hauptweg und ritten �ber weniger belebte Nebenstra�en. Kara vermutete, da� es ein Umweg war, aber sie kamen wenigstens wieder voran.</p><p>Der Himmel �ber der Stadt begann bereits seine Farbe zu verlieren, als sie endlich ihr Ziel erreichten: ein weitl�ufiges, aber in sehr einfachem Stil gehaltenes Geb�ude, an das sich ein gro�er, von zahlreichen Stallungen ges�umter Hinterhof anschlo�. Durch ein festungs�hnliches Tor ritten sie in den Hof hinein und �bergaben die Z�gel ihrer Pferde einigen Hornk�pfen, die diensteifrig herbeigeeilt kamen.</p><p>Kara streckte sich. Sie hatten vier Tage fast pausenlos im Sattel gesessen. Ein Pferd zu reiten war wesentlich anstrengender als der Ritt auf einem Drachen. Mittlerweile glaubte Kara, jeden Muskel in ihrem K�rper sp�ren zu k�nnen.</p><p>Am schlimmsten aber hatte es Hrhon erwischt. Er stieg nicht vom R�cken seines Tieres, er lie� sich einfach hinunterfallen und blieb einen Moment reglos liegen. Zwei oder drei M�nner warfen ihm mitleidige Blicke zu, aber keiner r�hrte auch nur eine Hand, um ihm zu helfen. Es w�re allerdings auch ein sinnloses Unterfangen gewesen, einem vierhundert Pfund schweren Waga auf die F��e helfen zu wollen.</p><p>Trotzdem streckte Kara nach einem Augenblick des Z�gerns hilfreich die Hand aus. Hrhon nahm sie und lie� sich von ihr in die H�he helfen.</p><p>�Wie geht es dir?� fragte Kara, als Hrhon schwankend vor ihr stand. Wagas boten an sich keinen sehr eleganten Anblick, aber nach einem F�nftageritt wirkten sie einfach erb�rmlich. �Ghut�, antwortete Hrhon. Er sah sie betreten an. Es waren die ersten Worte, die sie seit f�nf Tagen miteinander wechselten. Kara hatte sich damit abgefunden, da� sie an Angellas Befehl nichts �ndern konnte, aber in Hrhon hatte sie einen S�ndenbock gefunden. Da� er nicht ihre, sondern Angellas Partei ergriffen hatte, nahm sie ihm mehr als �bel.</p><p>�Das war... ein anstrengender Ritt, nicht wahr?� sagte sie, nur um etwas zu sagen. Es fiel ihr schwer, die richtigen Worte zu finden; Entschuldigungen waren ihr stets schwer �ber die Lippen gegangen, und Hrhon tat nichts, ihr die Situation zu erleichtern. Er nickte lediglich, was bei einem Wesen, das keinen Hals hatte, recht komisch aussah.</p><p>In diesem Moment aber �ffnete sich hinter ihr eine T�r, und als sie sich umdrehte, sah sie Angella mit einem Freudenschrei einen grauhaarigen Mann umarmen, ein Verhalten, das f�r ihre stets so beherrschte Lehrerin h�chst ungew�hnlich war.</p><p>�Jan!� rief Angella. �Da� es dich noch gibt! Und du hast dich �berhaupt nicht ver�ndert! Du bist noch immer genauso h��lich wie das letzte Mal!� Sie dr�ckte den gewi� nicht schw�chlichen Mann so ungest�m an sich, da� ihm die Luft wegblieb und er alle M�he hatte, sich aus ihrer Umarmung zu befreien. �Ja?� Kara wandte den Kopf, und in diesem Moment st�rmte Hrhon mit hochgerissenen Armen an ihr vorbei. Angella machte einen hastigen Schritt zur Seite, und auch Jan versuchte zur�ckzuweichen, aber er war nicht schnell genug: Der Waga prallte gegen ihn und schob den Mann unter lautem Gejohle und Get�se zur�ck ins Haus. Einen Moment sp�ter erschienen Hrhon und Jan wieder unter der T�r: beide grinsten wie die Honigkuchenpferde.</p><p>�Angella!� begann Jan schwer atmend. �Ich freue mich, da� du gekommen bist. Und du hast Hrhon und so viele Freunde mitgebracht. Wie ich sehe, macht sich deine Drachenbrut hervorragend!� Seine Augen dr�ckten ehrliche Freude aus, w�hrend sein Blick �ber Angellas Begleiter glitt. Zuletzt musterte Jan das M�dchen Kara, das seinen freundlichen Blick erwiderte. �Kara?� fragte er. �Du hast dich ver�ndert, Kind.�</p><p><emphasis>Wenn er jetzt sagt, du bist ja eine junge Frau geworden,</emphasis> dachte Kara, <emphasis>dann springe ich ihm an die Kehle!</emphasis></p><p>�Du bist ja eine richtige junge Frau geworden?� sagte Jan. Kara l�chelte. �Kennen wir uns?�</p><p>�Ich war ein paarmal bei euch im Drachenhort�, antwortete Jan. �Aber daran erinnerst du dich nicht mehr. Du warst noch ein kleines Kind damals.� Er lachte, doch Kara tat ihm nicht den Gefallen, in dieses Lachen einzustimmen! Nein, sie erinnerte sich nicht. Nat�rlich wu�te sie, wer Jan war � schlie�lich hatte Angella oft genug von ihm erz�hlt, aber das war ein ganz anderer Jan gewesen. Der Jan, der vor ihr stand, war ein alter Mann, ein <emphasis>uralter</emphasis> Mann. Sein Gesicht war schmal und so ausgemergelt, als st�nde er kurz vor dem Hungertod. Graue Schatten lagen auf seinen Wangen, und sein Haar war d�nn und str�hnig.</p><p>Hastig antwortete Kara: �Ich f�rchte, ich erinnere mich tats�chlich nicht.�</p><p>Er l�chelte auf eine Art, die ihr klarmachte, da� er in ihrem Blick gelesen hatte wie in einem offenen Buch.</p><p>�Aber nun kommt schon herein�, erkl�rte er. �Die Reise mu� sehr anstrengend gewesen sein.�</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Wie anstrengend ihr Ritt tats�chlich gewesen war, sp�rte Kara, als sie nach dem Essen zusammen mit Angella, Jan und einigen anderen ihres Trupps in Jans gem�tlicher Wohnk�che sa�. Da die K�che nicht f�r alle Platz bot, waren etliche der Drachenk�mpfer drau�en bei den Pferden geblieben. Kara h�tte es vorgezogen, zusammen mit ihnen zu essen, aber Angella hatte darauf bestanden, da� das M�dchen sie begleitete. W�hrend Angella und Jan freudig Erinnerungen austauschten, machte Kara ein finsteres Gesicht und antwortete nur mit knappen, unfreundlichen Worten. Doch weder Angella noch Jan schienen ihre schlechte Laune bemerken zu wollen. Sie wurden im Gegenteil immer ausgelassener.</p><p>Nach dem Mahl wurde Kara von M�digkeit �berw�ltigt. So sehr sie auch dagegen ank�mpfte, immer wieder fielen ihr die Augen zu. Schlie�lich fragte Jan, ob einer der Diener sie auf ihr Zimmer f�hren solle. Kara lehnte ab. Sie war in Schelfheim, und die Zeit war zu kostbar, um sie mit Schlaf zu vergeuden. Aber Jan widersprach ihr: �Du wirst nicht viel von dieser Stadt sehen, wenn dir vor M�digkeit die Augen zufallen. Und du vers�umst nichts. Ihr werdet lange hierbleiben.� Fragend sah er Angella an. �Eine Woche?�</p><p>�Ich hoffe�, antwortete Angella. �Wenn wir so rasch fertig werden.� Und obwohl sie nicht mehr sagte, schlich sich ein Gef�hl der Sorge zwischen sie. Unbehagliches Schweigen breitete sich in Jans K�che aus; niemand schien mehr zu wissen, was er sagen sollte...</p><p>Schlie�lich r�usperte sich Jan �bertrieben und stand auf. �Ich denke, es wird Zeit�, sagte er. �Es ist bereits dunkel, und der morgige Tag wird f�r die meisten von euch genauso anstrengend wie die vergangenen Tage. Also ruht euch aus, so gut ihr k�nnt.� Er klatschte in die H�nde, und zwei schlanke Hornk�pfe erschienen aus der angrenzenden Kammer und begannen den Tisch abzur�umen, w�hrend sich die Drachenkrieger einer nach dem anderen entfernten. Nur Kara blieb sitzen.</p><p>�Worauf wartest du?� fragte Angella ungehalten. �Du kannst gehen.�</p><p>�Ich bin noch nicht m�de�, antwortete Kara. Das war eine sehr d�rftige L�ge, aber ihre Neugier war nun einmal geweckt. Denn verbl�fft war ihr eingefallen, da� sie sich im Verlauf der gesamten letzten f�nf Tage nicht einmal gefragt hatte, <emphasis>warum</emphasis> Angella eigentlich nach Schelfheim reisen mu�te.</p><p>�Du bist schlicht und einfach neugierig�, antwortete Angella gepre�t.</p><p>�Und wenn es so w�re?�</p><p>�H�tte ich vielleicht keine Lust, deine Neugier zu befriedigen�, erwiderte Angella mit einem Blick, der Kara begreifen lie�, da� einzig Jans Anwesenheit sie davon abhielt, einen unfreundlicheren Ton anzuschlagen. Aber lange w�rde sie ihre Wut nicht zur�ckhalten. Kara zog es vor, doch aufzustehen. �Geht es mich nichts an, weshalb wir wirklich hier sind?� fragte sie.</p><p>�Nein�, antwortete Angella. �Jedenfalls im Moment noch nicht. Wenn es an der Zeit ist, werde ich dir schon alles erz�hlen.� Sie machte eine befehlende Geste in Hrhons Richtung. �Bitte, sei so nett, Kara auf ihr Zimmer zu begleiten�, sagte sie. Hrhon erhob sich so schnell, da� der Stuhl, auf dem er gesessen hatte, unter ihm zusammenbrach. Jan l�chelte am�siert, w�hrend Angellas Zorn noch wuchs. Kara verlie� das Zimmer so hastig, da� Hrhon M�he hatte, mit ihr Schritt zu halten. �Wharhum bhisst dhu so feindhsheligh zu ihhr?� fragte der Waga, w�hrend er sie zu dem Zimmer begleitete, das Jan ihr zugewiesen hatte. Kara registrierte ohne sonderliche �berraschung, da� Hrhon den Weg zu kennen schien. Sie antwortete erst, als sie das Zimmer erreicht hatten und die T�r hinter ihnen zugefallen war.</p><p>�Bin ich das?� fragte sie herausfordernd.</p><p>�Das bissst dhu�, antwortete Hrhon. �Dhu hassst ihr seer wheh ghethan. Wharum?� Kara wu�te es selbst nicht. Es war, als w�re ihr Zorn niemals wirklich erloschen, sondern h�tte die ganze Zeit auf eine Gelegenheit gewartet, aus ihr hervorzubrechen. �Vielleicht bin ich es leid, wie ein Kind behandelt zu werden, Hrhon�, fuhr sie den Waga an. �Und leid, belogen zu werden!�</p><p>�Ssshieh haht dhich nhicht bhelhogen�, sagte Hrhon ernst. �Nhiemhalsss.�</p><p>�O doch, das hat sie!� behauptete Kara aufgebracht. �Vielleicht wei� sie es nicht einmal selbst, aber sie hat es getan. Und nicht nur einmal, Hrhon! Zehn Jahre meines Lebens hat sie mich belogen.�</p><p>�Ahbher dhasss issst dhoch nhicht whahr�, zischelte Hrhon. �Es ist wahr!� widersprach Kara heftig. �Ich bin vor zehn Jahren zu euch gekommen, Hrhon, um mich zu einer Drachenk�mpferin ausbilden zu lassen! Ich bin eine Kriegerin, Hrhon, und zwar die verdammt beste, die ihr jemals hattet! Du wei�t das?�</p><p>�Jha�, sagte Hrhon ruhig.</p><p>�Aber warum l��t sie mich dann nicht k�mpfen?� fragte Kara. �Wozu hat sie mir beigebracht, einen Drachen zu reiten, wenn ich ihn nicht fliegen darf?�</p><p>�Wheil dhu zhu wherthvholl bissth�, antwortete Hrhon.</p><p>Kara starrte ihn einen Moment lang fassungslos an, und dann lachte sie schrill. �Jetzt bist du auch noch �bergeschnappt, wie? Du willst mir erz�hlen, da� ihr mich nicht in den Kampf ziehen la�t, weil...�</p><p>�Ein Ssswert khann ssspr�de wherden, wenn mhan dhie Khlinghe zhu sssehr sssh�rft�, unterbrach Hrhon sie, und im gleichen Moment erklang hinter ihr ein leises Lachen. Kara fuhr herum. Jan hatte lautlos die T�r ge�ffnet und war hereingekommen.</p><p>�Besser h�tte ich es auch nicht ausdr�cken k�nnen�, sagte er. �So?� Kara funkelte ihn an. Wieso hatte sie nicht geh�rt, da� er das Zimmer betreten hatte? Niemand konnte sich so leise bewegen, da� ein Drachenkrieger ihn nicht h�rte! Niemand. Jan lachte abermals, setzte sich l�ssig auf die Bettkante und sah Kara auffordernd an. Nat�rlich r�hrte sie sich nicht. �Hrhon meint, da� ein Schwert, das zu scharf ist, nicht mehr f�r einen groben, gemeinen Kampf taugt. Selbst wenn die Klinge nicht zerbricht, w�rde sie Scharten bekommen, und dazu ist sie viel zu kostbar. Grobe Waffen hat Angella genug. Aber nur eine einzige Waffe, die scharf genug w�re...�</p><p>�Ein Haar zu spalten?� schlug Kara vor.</p><p>Jan entging die feine Anspielung keineswegs. Er antwortete zwar nicht darauf, l�chelte aber am�siert. �Angella hat mir erz�hlt, was passiert ist�, sagte er. �Glaub mir, ich verstehe dich. Auch ich war einmal jung. Ich wei� genau, was du jetzt empfindest. Aber du mu�t auch Angella verstehen. Du bist zu wertvoll f�r sie. Sie hat zu viel f�r dich getan, um das alles jetzt aus einer Laune heraus aufs Spiel zu setzen.�</p><p>�F�r mich getan?� fuhr Kara auf, aber Jan lie� sie nicht zu Wort kommen.</p><p>�Sie ist alt, Kara. Sie wird nicht mehr lange leben, und sie wei� das.�</p><p>Kara erschrak. �Was soll das hei�en?� fragte sie. �Ist Angella etwa krank?�</p><p>Jan hob beruhigend die Hand. �Ich sehe, da� du dich doch noch, st�rker um sie sorgst, als du zugeben willst. Aber sie ist nicht krank. Nur alt, Kara. Sie wird nicht morgen sterben und auch nicht n�chstes Jahr. Doch sie ist auch nicht unsterblich. Wenn sie geht, dann braucht sie eine w�rdige Nachfolgerin.�</p><p>�Mich?� fragte Kara sp�ttisch.</p><p>Eine Spur sch�rfer entgegnete Jan: �Dich. Und jetzt verschwende bitte nicht deine und meine Zeit. Du bist vom ersten Tag an zu nichts anderem ausgebildet worden, als Angellas Nachfolgerin zu werden.�</p><p>�Und wer sagt dir, da� ich es auch will?� fragte Kara trotzig. �Du hast die Vorteile, die dir aus dieser Rolle erwuchsen, immer gern angenommen, nicht wahr?�</p><p>�Da habe ich noch nicht gewu�t, wie hoch der Preis sein w�rde, den ich daf�r vielleicht bezahlen mu߫, antwortete Kara.</p><p>�H�bsch gesagt�, sagte Jan und zog eine Grimasse. �Glaub mir � du wirst noch mehr K�mpfe bestehen m�ssen, als dir lieb ist. Vielleicht nicht auf dem R�cken eines Drachen. Vielleicht nicht einmal mit dem Schwert, aber du wirst k�mpfen. Und viel eher, als du jetzt schon ahnst.�</p><p>�H�bsch gesagt�, versetzte Kara und versuchte m�glichst boshaft zu klingen, was ihr allerdings nicht ganz gelang. �Hat Angella dich geschickt, damit du mir das alles erz�hlst?�</p><p>�Nein�, antwortete Jan und stand auf. �Ich bin sogar <emphasis>gegen</emphasis> ihren Willen hier. Sie sch�umt vor Zorn. Ginge es nach ihr, so h�tte sie dich noch heute abend zum Drachenhort zur�ckgeschickt.�</p><p>Er ging zur T�r, �ffnete sie und sagte wie zu sich selbst: �Und wer wei�, vielleicht w�re es sogar das beste.�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Die Reise hatte ihren Tribut gefordert, und so erwachte Kara erst Stunden nach Sonnenaufgang, ein wenig ver�rgert �ber die verlorene Zeit und dann beinahe so w�tend wie am vergangenen Abend, denn sie mu�te feststellen, da� au�er Hrhon alle schon gegangen waren. Der Waga behauptete stur, nicht zu wissen, wohin sie gegangen waren, aber Kara wu�te, da� er log. Zu ihrer �berraschung jedoch erhob er keinerlei Einw�nde, als Kara sich anzog und verk�ndete, sich in der Stadt umsehen zu wollen.</p><p>Falls Schelfheim �berhaupt jemals schlafen ging, so war es zumindest lange vor ihr wieder erwacht. Als sie an Hrhons Seite durch den Torbogen auf die eigentliche Stra�e hinaustrat, da schlugen der L�rm und die Hektik der Stadt mit der gleichen Wucht �ber ihr zusammen wie am vergangenen Abend. F�r eine, geschlagene Minute blieb sie stehen und sah sich mit wachsender Hilflosigkeit um. Dann wandte sie sich an Hrhon.</p><p>�Du wei�t wirklich nicht, wohin sie gegangen sind?� fragte sie. �Ich meine � denk lieber noch einmal nach. Angella wird nicht besonders erfreut sein, wenn ich mich verlaufe oder gar in eine Gegend gerate, in der mir etwas zusto�en k�nnte.�</p><p>Hrhons gr�ngeschupptes Schildkr�tengesicht blieb unbewegt wie immer, aber Kara konnte ahnen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Denn ihre Worte entbehrten nicht einer gewissen Logik. Schelfheim <emphasis>war</emphasis> gef�hrlich, selbst f�r eine Drachenk�mpferin in Begleitung eines Waga.</p><p>�Isss ghlauhbe, sssie wollthen zhum Hohchwhegh�, sagte Hrhon z�gernd.</p><p>�So�, sagte Kara sp�ttisch. �Glaubst du? Na, dann versuch doch mal, dich zu erinnern, wohin genau � und bring mich hin.� Sie straffte sich f�r den Fall, da� Hrhon auf den Gedanken kommen k�nnte, ihr Spielchen auf seine ganz pers�nliche Art und Weise zu beenden und sie gewaltsam ins Haus zur�ckzuschleifen. Es gab nicht vieles, in dem sie Hrhon �berlegen war � aber laufen konnte sie eindeutig schneller als er.</p><p>Hrhon schien ihre Gedanken zu erraten. Seine dunklen Schildkr�tenaugen glitten �ber Karas K�rper und irrten dann �ber das Durcheinander auf der Stra�e. �Ihch dhenkhe, dhorth enthlhangh�, sagte er mit einer Geste in eine � wie es schien x-beliebige Richtung. �Khomm. Abher ssshei vhohrssisstigh. Uhnd bhleib immer in meiner Nh�he.�</p><p>�Sicher�, murmelte Kara. �Das Kronjuwel k�nnte ja einen Kratzer abbekommen.� Vorsichtshalber sagte sie das aber so leise, da� Hrhon die Worte nicht verstand.</p><p>Sie gingen los. Hrhon bahnte mit seinen ausladenden Schultern eine Gasse f�r sie durch das Treiben auf der Stra�e. Ohne Hrhons F�hrung <emphasis>h�tte</emphasis> Kara sich innerhalb kurzer Zeit hoffnungslos verlaufen.</p><p>Zum Gl�ck ragte der Hochweg so weit �ber die D�cher Schelfheims empor, da� er von jedem Punkt der Stadt aus zu sehen war. Erneut sp�rte Kara eine gewisse Ehrfurcht beim Anblick dieser gigantischen Konstruktion. Die Br�cke wirkte wie ein riesiger, k�nstlicher Wurm, der sich in zahllosen Kehren und Schleifen �ber die gesamte Stadt wand. Erneut fragte sie sich, wie um alles in der Welt der Untergrund Schelfheims das ungeheuerliche <emphasis>Gewicht</emphasis> des Hochweges trug; ein Boden, in den selbst zweist�ckige Geb�ude versanken.</p><p>Neugierig blickte sie sich um. Auch abseits der gro�en Hauptstra�en herrschte ein Gedr�nge, das auf einen Menschen wie Kara, die in der stillen Abgeschiedenheit des Drachenhortes aufgewachsen war, geradezu l�hmend wirkte. Sie hatte niemals mehr als ein paar hundert Menschen auf einmal gesehen; ungef�hr so viele bev�lkerten diese eine Stra�e.</p><p>Allerdings waren nicht alle Gesch�pfe, die sich hier herumtrieben, Menschen. Geschuppte, gefiederte, felltragende, hornund chitingepanzerte Gestalten mit zwei, vier oder sechs Armen gingen umher, einige auch <emphasis>ohne</emphasis> Arme, daf�r aber mit d�nnen, schl�ngelnden Tentakeln oder m�chtigen Bei�zangen. Kara sah Hornk�pfe, Katzer und Echsenm�nner aus Nihn, federtragende, stachelige, schreiend bunte oder auch Gesch�pfe, deren Farbe sich stets an ihre Umgebung anpa�te, so da� sie nicht mehr als Flecken reiner Bewegung waren. Nein, Hrhon und sie fielen hier h�chstens auf, weil sie zu <emphasis>normal</emphasis> aussahen. Im Vergleich zu manchen der Gesch�pfe, die ihnen begegneten, wirkte Hrhon geradezu menschlich.</p><p>Kara hatte all diese Gesch�pfe schon hundertmal gesehen, kannte ihre Namen und Herkunft, wu�te um ihre Gewohnheiten und wovor sie sich in acht nehmen mu�te, aber sie hatte sie nur auf den gro�en Schirmen in Angellas Unterrichtsraum gesehen. Hier stand sie ihnen gegen�ber. Sie konnte sie anfassen. Sie h�ren. Sie riechen. Es war einfach ein berauschendes Erlebnis.</p><p>Und es war gef�hrlich, aber das kam Kara gerade recht. Ihre schlechte Laune war keineswegs vergangen; ein kleiner Kampf w�re jetzt genau das richtige. Sie brauchte jemanden, an dem sie ihren Zorn auslassen konnte.</p><p>Zun�chst jedoch stie�en sie lediglich auf eine Stra�ensperre, eine jener fahrbaren mannshohen Palisaden, welche die Stra�en vor ihnen auf ganzer Breite blockierten. Hier waren keine Hornk�pfe postiert, wohl aber vier M�nner in den schreiend gelben Umh�ngen der Stadtgarde, die mi�trauisch jeden, der das Tor passierte, be�ugten. Und sie lie�en auch nicht <emphasis>jeden</emphasis> hindurchgehen. Kara fiel auf, da� etliche abgewiesen wurden. Fast gem�chlich n�herten sie sich dem Tor. Kara registrierte nebenher, da� neben den Schwertern auch die plumpen Griffe von Drachenwaffen aus den G�rteln der M�nner prangten. Der Anblick gab ihr einen leisen Stich. <emphasis>Laser!</emphasis> Wie alle Drachenk�mpfer verachtete sie jegliche Technik; selbst die, die sie notwendigerweise selbst benutzten.</p><p>Als sie das Tor passieren wollte, vertrat ihr einer der Gardisten den Weg. Er war nicht sehr viel �lter als sie, aber sein Gesicht trug bereits jenen hochm�tigen Zug, den man bei Angeh�rigen seiner Klasse nur allzu oft antraf. Kara beschlo� spontan, ihn nicht zu m�gen � wie sollte sie schlie�lich mit jemandem Streit anfangen, der ihr sympathisch gewesen w�re? �Nicht so schnell�, sagte er und hob die Hand. �Wo ist dein gr�ner Ausweis?�</p><p>Kara zog die Augenbrauen zusammen. <emphasis>Kind?</emphasis> �Was f�r ein gr�ner Ausweis?� fragte sie.</p><p>Ein zweiter, etwas �lterer Soldat gesellte sich zu ihnen, und der J�ngere antwortete in einem Ton �berheblicher G�nnerhaftigkeit: �Der Ausweis, der beweist, da� du in diesem Viertel lebst, M�dchen. Aber da du danach fragst, nehme ich an, da� du nicht hier lebst und somit auch keinen Ausweis hast.� Er lachte unversch�mt. Er hatte perfekte, beinahe strahlend wei�e Z�hne, und Kara fragte sich einen Moment lang ernsthaft, ob es sich lohnte, sie ihm einzuschlagen.</p><p>�Nein�, antwortete sie so beherrscht, wie sie konnte. �Ich habe keinen Ausweis. Ich wohne auch nicht hier. Ich gehe einfach nur spazieren.� Sie wollte den Soldaten aus dem Weg schieben und weitergehen, aber der Mann hielt sie sanft, aber sehr nachdr�cklich am Arm zur�ck.</p><p>�So einfach ist das nicht�, erkl�rte er und grinste noch eine Spur unversch�mter. �Wenn du keinen Ausweis hast, dann brauchst du einen Passierschein.�</p><p>�Einen Passierschein?� Kara senkte den Blick und starrte einen Moment lang die Hand mit den sorgsam geschnittenen Fingern�geln an, die ihren Arm hielt. Nach einer Weile tat ihr Blick seine Wirkung: die Hand zog sich vorsichtig zur�ck. �Und wenn ich keinen Passierschein habe?� fragte Kara l�chelnd.</p><p>�Dann kann ich dich nicht durchlassen, Kleines�, antwortete der Posten. Er deutete auf Hrhon. �Und das da sowieso nicht.�</p><p><emphasis>�Das da?�</emphasis></p><p><emphasis>�Andere</emphasis> haben hier keinen Zutritt�, sagte der Gardist. Er machte sich nicht einmal die M�he, Bedauern zu heucheln. �Es tut mir leid, aber so sind nun mal die Vorschriften. Ich habe sie nicht gemacht.�</p><p>�Ich auch nicht�, antwortete Kara und trat einen halben Schritt zur�ck. Sie tat so, als blicke sie den Posten vor sich an, behielt aber in Wahrheit auch die drei anderen im Auge. Der Mann neben ihrem Gegen�ber sah abwechselnd sie und Hrhon an und schien angestrengt �ber etwas nachzudenken, und auch die beiden anderen starrten zu ihnen hin�ber, wirkten aber noch nicht sehr alarmiert. Vier von ihnen gegen Hrhon und sie. Kara h�tte sich einen w�rdigeren Gegner gew�nscht.</p><p>�Nachdem du also dein Spr�chlein aufgesagt hast, kannst du uns ja durchlassen. Wir haben unsere Zeit n�mlich nicht gestohlen, wei�t du?�</p><p>Sie machte einen Schritt. Der Soldat trat ihr abermals in den Weg. �Du kannst nicht...�</p><p>�Nat�rlich kann ich�, sagte Kara und versetzte ihm einen Sto�, der ihn taumeln und zu Boden st�rzen lie�. Unverz�glich versuchte sich der andere auf sie zu st�rzen, aber Kara empfing ihn mit einem Tritt, der ihn nach Luft schnappen und zu Boden gehen lie�. Das M�dchen sah aus den Augenwinkeln, wie pl�tzlich Bewegung in die beiden anderen Gardisten kam, aber sie wu�te, da� Hrhon ihr den R�cken freihalten w�rde.</p><p>Blitzschnell setzte sie den beiden M�nnern nach, sah, wie der eine nach seiner Waffe griff, und schlug sie ihm mit einem Tritt aus der Hand. Dann lie� sie sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf ein Knie fallen und holte zu einem Hieb aus.</p><p>Doch Hrhon mu�te bei seiner Aufgabe, ihren R�cken zu decken, irgendeinen Fehler gemacht haben, denn einer der beideri anderen M�nner sprang sie von hinten an, ri� sie von den F��en und klammerte sich an sie, w�hrend sie �ber den Boden rollten. Kara schlug einen Moment erschrocken um sich; der Bursche war st�rker, als sie geglaubt hatte. Beinahe m�helos drehte er sie auf den R�cken und dr�ckte ihr linkes Handgelenk mit dem Knie auf den Boden. Gleichzeitig st�rzte auch der zweite herbei und packte ihre Beine.</p><p>Vermutlich h�tten die beiden sie �berw�ltigt, h�tten sie nicht den Fehler begangen, sie zu untersch�tzen. Ganz offensichtlich hielten sie Kara immer noch f�r ein Kind.</p><p>Da� sie aber keineswegs ein zartbesaitetes M�dchen war, bekam der eine zu sp�ren, als Hrhons freie Hand pl�tzlich mit der Wucht eines Hammerschlages gegen seine Schl�fe knallte. Seine Augen tr�bten sich, w�hrend er steif wie ein Stock von ihr herunterkippte.</p><p>Kara dr�ckte den R�cken durch, lie� sich blitzschnell wieder zur�ckfallen und bekam ein Bein frei. Ihr Fu� krachte einen Wimpernschlag sp�ter zwischen die Oberschenkel des Mannes. Er kreischte und w�lzte sich st�hnend �ber den Boden.</p><p>Kara sprang auf die F��e. Ihr Blick suchte Hrhon. �Du verdammtes Fischgericht!� br�llte sie. �Hilf mir gef�lligst.�</p><p>Aber der Waga dachte gar nicht daran. Er lehnte mit vor der Brust verschr�nkten Armen an der Palisade und grinste �ber sein schuppiges Gesicht. Der Anblick machte Kara so w�tend, da� sie f�r einen Moment unachtsam war. Sie bemerkte die Faust, die auf ihr Gesicht zuraste, viel zu sp�t.</p><p>Der Schlag schleuderte sie neben Hrhon gegen die Barrikade und lie� bunte Sterne vor ihren Augen tanzen. Einen Moment lang blieb sie benommen stehen, sah durch die flirrenden Lichter vor sich einen verzerrten Umri� auf sich zuspringen und spannte sich instinktiv. Trotzdem trieb ihr der Hieb die Luft aus den Lungen. Sie schlug zur�ck, sp�rte selbst, da� sie nicht richtig traf, und machte einen Schritt zur Seite. Der Soldat versuchte ihr ein Bein zu stellen, aber damit hatte Kara gerechnet: sie hob ihren Fu� und lie� ihn auf das Schienbein des Mannes krachen.</p><p>Dann h�rte sie Knochen brechen.</p><p>Der Gardist st�rzte mit einem schrillen Kreischen zu Boden, und Kara wandte sich dem letzten verbliebenen Gegner zu. Der Mann hatte seinen Laser gezogen, aber er z�gerte, die Waffe einzusetzen. Voller Schrecken starrte er auf Karas Brust. Bei ihrem Sturz war ihr Mantel auseinandergeklafft, so da� der Soldat die schwarze Drachenk�mpfer-Uniform sehen konnte, die sie trug. Offensichtlich begriff er, wem er gegen�berstand. Blitzschnell sprang Kara vor, entrang dem Mann die Laserpistole � und schlug ihm den Kolben seiner eigenen Waffe zwischen die Z�hne. Die Zahl der Bodentruppen wuchs auf vier. Kara schleuderte den Laser angewidert davon, bedachte das wimmernde H�ufchen Elend vor sich mit einem zornigen Blick und hob den Fu�, damit der Bursche wenigstens einen Grund hatte, zu kreischen, als w�re er aufgespie�t worden.</p><p>�Lhasss dhasss!� sagte Hrhon.</p><p>Kara funkelte ihn an. Ihr Fu� schwebte dicht �ber dem Gesicht des Soldaten. �Warum?� fragte sie. �Er hat noch ein paar Z�hne.�</p><p>Der Waga ignorierte ihre Erwiderung. �Whir sssollthen mhachhen, dhasss whir wheghkommen�, sagte er.</p><p>Auf der Stra�e hatte sich ein regelrechter Menschenauflauf gebildet. Dutzende, wenn nicht Hunderte von Gestalten bildeten einen dichten Halbkreis um Hrhon, Kara und die vier <emphasis>Gardisten</emphasis>, die sich st�hnend am Boden kr�mmten. Auf den Gesichtern der Zuschauer lag ein Ausdruck von Erregung, und das, was Kara in den meisten Augen las, war pure Blutgier. <emphasis>Es fehlt eigentlich nur doch,</emphasis> dachte sie schaudernd, <emphasis>da� sie applaudieren.</emphasis></p><p>Sie nickte Hrhon zu. �Du hast recht�, sagte sie. �Komm.�</p><p>Sie gingen durch das Tor und schritten schneller als bisher aus. �Verdammt noch mal, wieso hast du mir nicht geholfen?� knurrte sie. Sie hob die Hand zum Gesicht und f�hlte, da� ihr rechtes Auge bereits anzuschwellen begann.</p><p>�Isss whollthe dhir nhisst dhen Sssphasss vherdherbhen�, lispelte Hrhon. �Ahbher ghansss nhebhenbhei � dhu wharsst nisst,bheshondhersss ghuth.�</p><p>Kara verzichtete auf eine Antwort.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>W�re Kara in einer anderen Verfassung gewesen, dann h�tte sie sich in der halben Stunde, die sie brauchten, um den Hochweg zu erreichen, eingestanden, da� die Warnung des Gardisten m�glicherweise ernster gemeint gewesen war, als sie glaubte. Niemand griff sie an, niemand machte Anstalten, sie aufzuhalten oder auch nur zu bel�stigen � aber sie konnte die Gefahr, die sich �ber ihnen zusammenbraute, regelrecht f�hlen.</p><p>Vielleicht war sie auch nur nerv�s. Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte, mu�te sie sich eingestehen, da� sie sich nicht nur dumm, sondern auch leichtsinnig verhalten hatte. Immerhin waren sie zu viert gewesen und allesamt keine Schw�chlinge. Es h�tte schiefgehen k�nnen. Andererseits war Hrhon die ganze Zeit �ber in ihrer N�he gewesen, so da� sie keinen Moment lang <emphasis>wirklich</emphasis> in Gefahr gewesen war.</p><p>Die Gegend hinter der Barriere verwirrte Kara immer mehr. Dieses Schelfheim hatte nicht sehr viel mit der Stadt auf der anderen Seite der Barriere gemein. Auch hier waren die Stra�en recht belebt, aber die H�user waren weitaus prachtvoller und sauberer. Es gab Fenster mit Scheiben aus farbigem Glas, und vor manchen H�usern schmale, gepflasterte Stege, so da� man nicht auf die Fahrbahn hinaustreten mu�te, die auch hier schmutzig und voller Unrat war.</p><p>Und es gab keine einzigen nichtmenschlichen Gesch�pfe.</p><p>Kara entdeckte wei�e, schwarze, rote, gelbe, hell- und dunkelh�utige M�nner, Frauen und Kinder, aber es waren allesamt <emphasis>Menschen.</emphasis> Sie begann allm�hlich zu begreifen, was der Mann am Tor gemeint hatte, als er sagte, �das da� h�tte hier keinen Zutritt. Sie sah einige Hornk�pfe, aber es waren Arbeitstiere, allenfalls Bedienstete in niedrigen Positionen, die mit M�he und Not genug Intelligenz f�r einen einfachen Botengang zusammenkratzen konnten.</p><p>�Das ist... seltsam�, murmelte sie.</p><p>�Whasss?� fragte Hrhon.</p><p>�Dieses Viertel hier�, antwortete Kara. �Wei�t du, warum sie dich nicht passieren lassen wollten? Weil es hier niemanden wie dich gibt, Hrhon. Nur Menschen.�</p><p>Hrhon erwiderte nichts, aber nat�rlich mu�te er es ebenso bemerkt haben wie sie, denn jeder, der ihnen entgegenkam, warf ihnen einen zornigen Blick zu. Au�erdem folgten ihnen seit einer Weile ein paar finster dreinblickende Gestalten, die ihnen allm�hlich gef�hrlich nahe kamen. Karas Irritation wuchs mit jedem Schritt. Sie hatte oft mit Angella �ber diese Stadt und ihre Vielfalt von Rassen und V�lkern gesprochen. <emphasis>Dieses</emphasis> Viertel aber hatte Angella nie erw�hnt. Sie fragte sich, warum.</p><p>�Wei�t du genau, wo wir Angella finden?� fragte sie.</p><p>Hrhon sah sie wortlos an, wandte dann im Gehen den Kopf und ma� ihre Verfolger mit einem d�steren Blick, ehe er einsilbig antwortete: �Wharhum? Hahssst dhu Ahnghssst?�</p><p>�Sollte ich denn?� fragte Kara.</p><p>�Jah�, sagte Hrhon.</p><p>Kara blickte ihn einen Moment best�rzt an. Dann lachte sie, aber ihr Lachen klang aufgesetzt. Nerv�s schaute sie sich wieder um. Die Menge war angewachsen, und auf den meisten Gesichtern spiegelten sich pure Mordlust und wilder Zorn. Jedesmal, wenn Hrhon stehenblieb, wich der Mob ein St�ck zur�ck � um aber sofort wieder n�her zu r�cken. Kara begriff ganz pl�tzlich, da� die Feindseligkeit, die sie sp�rte, nicht einmal so sehr <emphasis>ihr</emphasis> galt, sondern Hrhon. Vielleicht hatte Angella den Waga nicht nur zur�ckgelassen, damit er das Kinderm�dchen f�r sie spielte...</p><p>Hrhon hielt mit einem Male wieder an und deutete auf einen der gewaltigen Pfeiler, welche die Hochstra�e trugen. �Dhort�, sagte er. �Isss ghlaubhe, sssie whollthe dhorthihn.�</p><p>Kara ma� die titanische S�ule mit einem langen, aufmerksamen Blick. Aus der N�he betrachtet wirkte sie l�ngst nicht mehr so glatt und fugenlos. Ihr Durchmesser schwankte zwischen zehn und zwanzig Meter, und manchmal schien sie sich gef�hrlich zu verj�ngen. Kara gewahrte sogar eine Stelle, an der eine Verstrebung aus Holz und Metallteilen angebracht worden war. Fragend blickte sie Hrhon an. Der Waga deutete auf ein fensterloses Geb�ude auf der anderen Seite der Stra�e. Das Dach fehlte, daf�r erhob sich der Hochweg-Pfeiler aus seinem Inneren.</p><p>Als sie dazu ansetzten, die Stra�e zu �berqueren, �ffnete sich in dem Geb�ude eine T�r, und ein Drachenk�mpfer trat heraus, den sie auf den zweiten Blick als Cord erkannte, einen der �lteren Reiter, die Angellas besonderes Vertrauen genossen. Sie hob die Hand und winkte ihm zu, und Cord erwiderte die Geste und erstarrte mitten in der Bewegung, als er Hrhon erblickte. Seine Augen weiteten sich vor Schrecken.</p><p>�Hrhon!� keuchte er. Dann: �Kara! Bist du verr�ckt geworden, einen Waga hierher...�</p><p>Der Rest seiner Worte ging in einem Tumult unter, der pl�tzlich hinter ihnen losbrach. Kara drehte sich schnell genug herum, um zu sehen, wie die Menschenmenge hinter ihnen erschrocken auseinanderwich, um einem Dutzend berittener Gardesoldaten Platz zu machen, das in scharfem Tempo herangesprengt kam. Zu ihrem Schrecken erkannte Kara unter ihnen auch einen der M�nner, die sie am Tor niedergeschlagen hatte. Der Mann hob die Hand, gestikulierte wild in ihre und Hrhons Richtung und schrie: �Das sind sie! Packt das M�dchen!�</p><p>�O verdammt!� sagte Kara. �Das sieht nach �rger aus.</p><p>Hrhon, la� mich nicht wieder im Stich!�</p><p>Der Reitertrupp teilte sich in eine gro�e und eine kleine Abteilung, um Hrhon und sie getrennt anzugreifen, und der Waga ri� die Arme in die H�he und st�rmte den Soldaten br�llend entgegen. Mit einem gewaltigen Krachen prallte er gegen ein Pferd und ri� es zu Boden, und noch in der gleichen Bewegung schmetterte er einen zweiten Reiter aus dem Sattel. Dann waren die anderen �ber ihm, und auch Kara sah sich von vier Reitern umzingelt und hatte pl�tzlich alle H�nde voll zu tun, sich ihrer Haut zu wehren.</p><p>Sie wich einem Fu�tritt aus, packte ihrerseits den Fu� des Soldaten und versuchte ihn zu verdrehen, um den Mann aus dem Sattel zu rei�en, aber in diesem Moment traf sie ein weiterer Tritt zwischen die Schulterbl�tter. Sie stolperte, prallte ungeschickt gegen das Pferd vor sich und st�hnte vor Schmerz, als ein weiterer Tritt ihr Schl�sselbein wie eine Gitarrensaite vibrieren lie�.</p><p>Halb blind vor Schmerz taumelte sie zur�ck und verschaffte sich mit einem w�tenden Schlag in die Runde f�r einen Augenblick Luft.</p><p>Die Dinge sahen nicht gut f�r sie aus. Die M�nner hatten offensichtlich aus ihrem Fehler am Tor gelernt, denn sie taten ihr nicht den Gefallen, abzusitzen und sie einzeln anzugreifen, sondern umkreisten sie auf ihren Pferden und attackierten sie stets zu zweit oder auch dritt. Von Hrhon war �berhaupt nichts mehr zu sehen. Sein Gebr�ll verriet Kara zwar, da� er noch am Leben war, aber er war unter einem ganzen Wust von K�rpern und gelben M�nteln verschwunden.</p><p>Instinktiv glitt ihre Hand zum Schwert, aber sie z�gerte, es zu ziehen. Auch die Gardisten hatten ihre Waffen bisher steckenlassen. Das war � noch � kein Kampf auf Leben und Tod.</p><p>Wieder griffen sie zwei der Reiter zugleich an. Kara brachte das Kunstst�ck fertig, ihren Fu�tritten auszuweichen, und rannte prompt in einen dritten Hieb hinein, den sie nicht hatte kommen sehen. Sie taumelte, fiel auf die Knie und k�mpfte verzweifelt gegen die Bewu�tlosigkeit.</p><p>Und pl�tzlich tauchte eine Gestalt in blitzendem Silber und mattem Schwarz neben ihr auf, packte blitzschnell einen der Reiter und zerrte ihn ohne sichtbare Anstrengung aus dem Sattel. Ein zweiter Reiter wollte seinem Kameraden zu Hilfe eilen, aber Cord stie� auch ihn vom R�cken seines Tieres und zerrte Kara auf die F��e. Sein Griff schmerzte sie beinahe mehr als die Fu�tritte, die sie abbekommen hatte.</p><p>�Danke�, murmelte sie benommen.</p><p>�Bedank dich sp�ter�, sagte Cord gepre�t. �Falls wir hier lebend herauskommen. Schnell!� Er machte eine drohende Bewegung, die ausreichte, die verbliebenen Reiter zur�ckzuscheuchen, packte Kara am Arm und zerrte sie mit sich, dorthin, wo Hrhon noch immer verbissen mit der �bermacht der Soldaten k�mpfte.</p><p>Es gelang ihnen, den Kreis zu durchbrechen und dem Waga so viel Spielraum zu verschaffen, da� er sich zweier besonders hartn�ckiger Gegner entledigen konnte. Vielleicht w�ren sie sogar davongekommen, denn ihr unerwartet heftiger Widerstand hatte die Soldaten vollkommen �berrascht, wenn nicht in diesem Moment Verst�rkung eingetroffen w�re. Die Menge, die ihnen in respektvollem Abstand gefolgt war, schrie wie ein Mann auf und st�rzte sich auf sie, Cord und den Waga.</p><p>Aus dem Spiel wurde t�dlicher Ernst. Kara sah Messer und Schwerter aufblitzen, und in der Hand eines b�rtigen Mannes entdeckte sie etwas, das sie voller Entsetzen als Laserwaffe identifizierte. Hastig zog sie ihr Schwert, wich an Hrhons Seite zur�ck und empfing den ersten Angreifer mit einem Hieb der flachen Klingenseite, der ihn bewu�tlos zusammenbrechen lie�. Sofort nahm ein halbes Dutzend anderer seinen Platz ein. Es war ein Kampf ohne Aussicht auf einen Sieg. Hrhons Arme wirbelten wie Dreschflegel, zertr�mmerten Nasen, Kinnladen und Rippen, aber schlie�lich st�rzte sich fast ein Dutzend M�nner gleichzeitig auf ihn und ri� ihn zu Boden. Auch Cord st�rzte, und Kara h�tte sich keinen Wimpernschlag l�nger auf den Beinen gehalten, w�re in diesem Moment nicht die T�r hinter ihnen ein zweites Mal aufgeflogen, um ein Dutzend Drachenk�mpfer auszuspeien.</p><p>Das blo�e Auftauchen der gef�rchteten schwarz-silbernen Uniformen l�hmte den Mob f�r einen winzigen Moment, den die K�mpfer nutzten, um die Stra�e zu �berqueren und sich ins Get�mmel zu st�rzen.</p><p>Eine blutige Schlacht begann. Von �berall her str�mten M�nner herbei, um sich den K�mpfenden anzuschlie�en und wild um sich zu schlagen. Kara sah mehr als einen Mann, der sich einfach auf die erstbeste Gestalt st�rzte und auf sie eindrosch. Offenbar gab es auch in den vornehmeren Vierteln Schelfheims Raufbolde, denen der blo�e Anblick eines Gesichtes Grund genug war, es einzuschlagen. Der Stra�enkampf nahm den Charakter einer au�er Kontrolle geratenen Wirtshausschl�gerei an.</p><p>Allm�hlich begann Kara die Sache ein gewisses Vergn�gen zu bereiten. Sie steckte nicht nur ihr Schwert, sondern auch eine Menge Schl�ge ein, aber sie teilte weit kr�ftiger aus.</p><p>Pl�tzlich h�rte sie einen hohen, summenden Laut, den sie im allerersten Moment nicht richtig einsch�tzen konnte, der aber �u�erst b�sartig klang und rasch n�her kam. Ein Schatten fiel �ber die Stra�e, und als sie aufsah, erblickte sie eine Anzahl riesiger, gefl�gelter Hornk�pfe, die dicht �ber den K�pfen der Menge schwebten. Ihre Fl�gel bewegten sich so schnell, da� sie zu flirrenden Schatten wurden. In den S�tteln hinter den flachen Sch�deln sa�en Gestalten in schreiend gelben M�nteln. <emphasis>�Aufh�ren!�</emphasis> dr�hnte eine Stimme in den Tumult. <emphasis>�Sofort aufh�ren! Ihr habt genau eine Minute Zeit, die Stra�e zu r�umen, dann er�ffnen wir das Feuer!�</emphasis></p><p>Und wer immer diese Worte sprach, er schien jedenfalls �ber ein sonderbares Zeitgef�hl zu verf�gen, denn es vergingen keine zwei Augenblicke, ehe die ersten Blitze vom Himmel zuckten und in die Menge fuhren.</p><p>Kara war eine der ersten, die getroffen wurde � was ganz gewi� kein Zufall war.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>�Was hattest du eigentlich vor � einen Krieg anzufangen? Wenn ja, dann ist es dir fast gelungen!� Angellas Stimme war leise, aber so schneidend wie eine Glasscherbe.</p><p>Kara hatte die schlimmsten Kopfschmerzen ihres Lebens. Tr�nen liefen aus ihren Augen, und selbst wenn sie h�tte antworten wollen, h�tte sie es gar nicht gekonnt. Wenn sie auch nur versucht h�tte, den Mund aufzumachen, dann h�tte sie vermutlich vor Schmerz geschrien.</p><p>Angella erwartete auch gar keine Antwort, denn sie fuhr unvermittelt fort: �Ich sollte dich auf der Stelle zur�ckschicken und dich zu den M�gden in die K�che stecken, damit du ein Jahr lang Gem�se putzen und die Fu�b�den schrubben kannst. Was um alles in der Welt hast du dir dabei gedacht?�</p><p>Kara blickte sie aus tr�nenerf�llten Augen an. �Es... es tut mir leid�, brachte sie m�hsam hervor. �Ich war... ich war einfach schlechter Laune. Ich wu�te nicht, was ich tat.�</p><p><emphasis>�Schlechter Laune?�</emphasis> Trotz der Maske konnte Kara den Ausdruck absoluter Fassungslosigkeit auf Angellas Gesicht sehen. <emphasis>�Schlechter Laune?�</emphasis> wiederholte Angella ungl�ubig. Sie beugte sich vor. �Und deshalb schl�gst du vier Mann der Stadtgarde grundlos zusammen und entfesselst einen kleinen B�rgerkrieg? Bist du v�llig �bergeschnappt?!� Sie begann zu zittern, beugte sich so weit vor, da� sie fast von der Stuhlkante gefallen w�re, und richtete sich hastig wieder auf.</p><p>�Wir werden sehr bald dar�ber reden�, sagte sie mit m�hsam beherrschter Stimme. �Das verspreche ich dir.� Sie machte eine wedelnde Handbewegung, und Kara atmete bereits auf, denn sie nahm an, da� das unangenehme Gespr�ch zumindest f�r den Moment beendet war. Aber da mischte sich der Mann im gelben Mantel der Stadtgarde ein, der bisher schweigend und mit vor der Brust verschr�nkten Armen an der T�r gelehnt hatte. �Verzeih, Angella�, sagte er kalt, �aber ich f�rchte, so einfach ist die Sache nicht.�</p><p>Angella sah mit einem Ruck auf. �So?� sagte sie lauernd. Der Mann stie� sich von der T�r ab und richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf. Er war sehr gro�, wirkte aber nicht sehr kr�ftig. �Nein�, best�tigte er kopfsch�ttelnd, hob die linke Hand und begann an den Fingern abzuz�hlen: �Ein Dutzend meiner M�nner wurden verletzt, einige davon so schwer, da� sie wochenlang das Krankenlager h�ten m�ssen. Von den verwundeten B�rgern gar nicht zu reden. Wir haben mehrere Pferde, einen Flieger und Ausr�stung von bisher noch nicht einmal abzusch�tzendem Wert verloren.�</p><p><emphasis>Ein Flieger?</emphasis> dachte Kara. Offensichtlich war der Kampf noch weitergegangen, nachdem sie weggetreten war. Es sah so aus, als h�tte sie das Beste verpa�t.</p><p>�Davon, da� ungef�hr drei Dutzend Verordnungen �bertreten wurden, rede ich erst gar nicht�, sagte der Soldat noch.</p><p>Angella seufzte. �Das sehe ich ein�, sagte sie. �Und was erwartet Ihr jetzt von mir, Elder?� Sie deutete auf Kara. �Reicht es, wenn ich sie �ffentlich auspeitschen lasse, oder soll ich sie gleich auf der Stelle erschie�en?�</p><p>Elder machte eine zornige Handbewegung. �Es gab einen Aufstand, Angella! Der Mob hat die Barrikade gest�rmt, deren Besatzung deine Sch�lerin niedergeschlagen hat. Wir brauchten fast eine Stunde, um die Ordnung wiederherzustellen. Und ich f�rchte, einige dieser... Viecher schleichen noch in der Stadt herum!�</p><p>Angella seufzte erneut. Sie stand auf. Kara sah, da� ihr Umhang v�llig verdreckt und an einer Seite eingerissen war. �Sagt mir eins, Elder�, begann sie in fast freundlichem Tonfall. �Seid Ihr vielleicht nur so w�tend, weil es einem M�dchen von neunzehn Jahren gelungen ist, vier Eurer prachtvollen Paradesoldaten aus den Stiefeln zu sto�en?�</p><p>�Wohl eher diesem... Tier, das sie bei sich hat�, sagte Elder grimmig.</p><p>Angella warf einen fragenden Blick auf Kara. Das M�dchen sch�ttelte vorsichtig den Kopf. �Hrhon hat nichts damit zu tun�, gestand sie niedergeschlagen. �Ich war es allein.�</p><p>Sie konnte sich t�uschen � aber f�r einen kurzen Moment hatte sie das sichere Gef�hl, da� Angella hinter ihrer Maske alle M�he hatte, ein L�cheln zu unterdr�cken. Elder sch�rzte zornig die Lippen.</p><p>�Und wenn schon! Sie hat die Sperre durchbrochen. Sie hat einen <emphasis>Waga</emphasis> in diesen Teil der Stadt gebracht!�</p><p>�Was nat�rlich ein todesw�rdiges Verbrechen ist�, erkl�rte Angella mit kaum noch verhohlenem Spott.</p><p>�Dieses Viertel ist nur Menschen vorbehalten�, beharrte Elder stur. �So sind nun einmal die Vorschriften.�</p><p>�Sicher�, seufzte Angella und f�gte hinzu: �Mit Verlaub, Elder � ziemlich schwachsinnige Vorschriften.�</p><p>Elder zuckte mit den Schultern. �Ich habe sie nicht gemacht. Aber ich bestehe darauf, da� etwas geschieht! Das M�dchen und der Waga m�ssen die Stadt verlassen!�</p><p>�Das M�dchen und der Waga�, erwiderte Angella ruhig, �werden die Stadt verlassen, sobald die anderen und ich gehen. Wir sind zusammen gekommen, und wir gehen auch zusammen.�</p><p>Elder funkelte sie an. �Ich kann auch anders, Angella�, sagte er leise und in einem Ton, der eine unverhohlene Drohung enthielt, Angella aber nicht im mindesten beeindruckte. �Wollt Ihr mich wirklich zwingen, das M�dchen zu verhaften und bis zum Tag Eurer Abreise in Ketten zu legen?�</p><p>�Dann w�rden wir unverz�glich abreisen, Elder�, versetzte Angella kalt. �Falls Ihr es vergessen haben solltest � wir sind hier, weil Euer Stadtrat uns <emphasis>gerufen</emphasis> hat. Ihr k�nnt dieses M�dchen nicht verhaften. Es untersteht meiner Gewalt, nicht Eurer. Ich verspreche Euch, da� sie bestraft wird, aber auf meine Art und von mir.�</p><p>�Wie Ihr wollt, Angella�, antwortete Elder. Sein Gesicht war wie Stein, aber seine Augen brannten vor Zorn. �Doch ich werde dieses... <emphasis>Kind</emphasis> im Auge behalten, das verspreche <emphasis>ich</emphasis> Euch.�</p><p>�Tut das, Elder�, sagte Angella unbeeindruckt. �Wenn Ihr uns nun bitte entschuldigen wolltet...�</p><p>Elder starrte sie noch einen Herzschlag lang so herausfordernd an, da� Angella schon f�rchtete, es k�nne nun doch zu einem offenen Streit zwischen ihnen kommen, aber dann fuhr er auf dem Absatz herum, st�rmte aus dem Zimmer und knallte die T�r hinter sich zu. Der Schlag hallte schmerzhaft in Karas Sch�del wider. Erneut schossen ihr die Tr�nen in die Augen. Sie st�hnte und fuhr sich mit dem Handr�cken �ber das Gesicht. Angella blickte einen Moment wortlos auf sie herab. �Tut es weh?� fragte sie dann. Kara nickte, und Angella sagte: �Gut. Sehr gut.� Sie nahm ihre Maske ab, legte sie vor sich auf den Tisch und setzte sich wieder. Ihr Gesicht sah alt aus und schrecklich m�de.</p><p>�Es tut mir wirklich leid�, begann Kara leise. �Ich... ich wei� nicht, was in mich gefahren ist.� Sie sah Angella an und wartete vergebens auf eine Antwort. �Wie geht es Hrhon!� fragte sie schlie�lich.</p><p>�Nett, da� du wenigstens nach ihm fragst�, sagte Angella �rgerlich. �Er hat ein paar Schrammen abgekriegt, aber es geht ihm gut. Was allerdings ganz und gar nicht dein Verdienst ist.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Er h�tte get�tet werden k�nnen, ist dir das eigentlich klar?�</p><p>�Ich wu�te nicht, da� Waga diesen Teil der Stadt nicht betreten d�rfen�, verteidigte sich Kara, aber Angella nahm ihre Worte gar nicht zur Kenntnis.</p><p>�Ihr h�ttet beide get�tet werden k�nnen! Und warum? Nur weil du �rgerlich auf mich warst und nicht die H�lfte von dem verstanden hast, was ich dir erz�hlt habe.� Ihre Erregung wuchs, und pl�tzlich schrie sie Kara an. �Warum zum Teufel glaubst du, bilden wir euch zu den gef�hrlichsten Kriegern dieser Welt aus? Damit ihr herumlaufen und aus purer Langeweile Leute zusammenschlagen k�nnt?�</p><p>Kara war klug genug, darauf nicht zu antworten, sondern nur hastig die Augen zu senken; und wie sie gehofft hatte, verrauchte Angellas Zorn fast ebenso schnell wieder, wie er aufgeflammt war.</p><p>Angella seufzte tief und fuhr sich ersch�pft mit beiden H�nden �ber das Gesicht. �Es war meine Schuld�, sagte sie. �Ich h�tte dich nicht allein in Jans Haus zur�cklassen d�rfen. Vielleicht h�tte ich dich erst gar nicht mit hierher bringen d�rfen.�</p><p>Sie nahm die H�nde herunter. �Irgend etwas mu� geschehen.�</p><p>�Es wird bestimmt nicht wieder vorkommen�, versprach Kara.</p><p>Angella l�chelte traurig. �Das glaube ich dir sogar. Aber das allein reicht nicht. Du hast Elder geh�rt. Er ist ein einflu�reicher Mann. Ich mu� mir irgend etwas einfallen lassen, um ihn zu beruhigen. Er kann uns Schwierigkeiten machen, wenn er will, und ich f�rchte, er...�</p><p>Drau�en auf dem Flur waren polternde Schritte zu h�ren, und dann wurde die T�r aufgerissen, und Jan st�rmte herein. Sein Atem ging so schnell und schwer, da� er M�he hatte, �berhaupt zu sprechen.</p><p>�Der Stollen!� stie� er hervor. �Er ist eingest�rzt! Loban und zwei der anderen sind versch�ttet worden!�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Am n�chsten Morgen waren Karas Kopfschmerzen immer noch nicht gewichen. Kara kam sich sch�big vor. Der Umstand, da� die Katastrophe vom gestrigen Tag Angellas Zorn auf sie hatte unwichtig werden lassen, gab ihr irgendwie das Gef�hl, mitschuldig am Tod der drei M�nner zu sein. Das war zwar Unsinn, aber seit wann fragten Gef�hle nach Logik?</p><p>Die Leichen der drei M�nner waren noch nicht geborgen worden, aber es gab keine Aussicht mehr, sie lebend zu bergen. Sie waren in eineinhalb Meilen Tiefe versch�ttet.</p><p>Angella war den vergangenen Tag fortgewesen, und als sie und Jan sp�t am Abend zur�ckkehrten, waren sie so ersch�pft, da� Kara nicht mehr mit ihr hatte reden k�nnen. Am n�chsten Morgen lie� sie Kara jedoch schon eine Stunde vor Sonnenaufgang wecken und in die Wohnk�che bringen.</p><p>Es war noch dunkel. Eine einzelne Kerze brannte und verbreitete weitaus mehr Schatten als Licht im Raum; und in der Luft hing der Geruch von w�rzigem Tee und frischem Brot. Angella sah so m�de und ersch�pft aus, als h�tte sie in dieser Nacht �berhaupt nicht geschlafen.</p><p>�Setz dich�, sagte sie und machte eine matte Handbewegung. Kara gehorchte. Schweigend sa� sie da und wartete, da� Angella etwas sagte, aber ihre Lehrmeisterin starrte sie nur an; mit einem Blick, der in weite Ferne gerichtet war, nur nicht auf Karas Gesicht. Schlie�lich brach Kara das Schweigen.</p><p>�Hat man... sie gefunden?� fragte sie leise.</p><p>Es dauerte eine Weile, bis Angella �berhaupt auf die Worte reagierte. Sie blinzelte und schien M�he zu haben, den Sinn von Karas Frage zu verstehen. �Nein�, entgegnete sie schlie�lich. �Wir haben... die Suche abgebrochen. Es war zu gef�hrlich.� Sie brach wieder ab, als die T�r aufging und einer von Jans Hornk�pfen hereinkam, um ein weiteres Geschirr f�r Kara aufzutragen. Kara versp�rte ein rasches, eisiges Fr�steln, als sich das vierarmige, schlanke Gesch�pf neben ihr vorbeugte, um den Tisch zu decken. Seine Bewegungen waren ruckhaft und so abgehackt wie die einer Maschine. Alles, was Kara h�rte, war ein wisperndes Rascheln, ganz wie leiser Wind in trockenem Laub. Sie schwiegen, bis der Diener das Zimmer wieder verlassen hatte, und obgleich der Anblick der Speisen schlagartig Karas Hunger weckte, z�gerte sie einen Moment, danach zu greifen; einfach nur, weil es ein <emphasis>Hornkopf</emphasis> gewesen war, der sie aufgetragen hatte. �I߫, sagte Angella. Kara fuhr leicht zusammen. Sie erschrak dar�ber, da� Angella wieder einmal ihre Gedanken erraten hatte. Rasch griff sie zu und begann zu essen.</p><p>�Wir suchen sp�ter weiter�, kn�pfte Angella nach einer Weile das unterbrochene Gespr�ch an. �Du wirst uns begleiten.�</p><p>Kara sah sie fragend an.</p><p>�Nimm es als eine Belohnung daf�r, da� du mir gestern das Leben gerettet hast. H�tte man mich nicht gerufen, um die Wogen zu gl�tten, dann l�ge <emphasis>ich</emphasis> jetzt dort unten im Schacht.�</p><p>Sie trank einen Schluck Tee. �Au�erdem habe ich diesem Trottel Elder mein Wort gegeben, dich nicht mehr aus dem Auge zu lassen, solange wir in der Stadt sind.�</p><p>�Es wird nicht wieder vorkommen�, sagte Kara leise.</p><p>Angella l�chelte pl�tzlich, allerdings nur sehr fl�chtig. �Ich glaube dir�, sagte sie. �Aber ich habe Elder mein Wort gegeben. Und er hat recht, wei�t du? Es war meine Schuld.� Sie schnitt Kara das Wort ab, ehe das M�dchen auch nur ein Wort sagen konnte. �Ich war zornig auf dich. Ich wollte dich bestrafen, und <emphasis>deshalb</emphasis> nahm ich dich gestern nicht mit. Wenn es also jemanden gibt, dem man etwas vorwerfen kann, dann bin ich es. Abgesehen davon�, f�gte sie nach einer ganz kurzen Pause hinzu, �da� es bodenloser Leichtsinn von dir war, dich mit vier bewaffneten M�nnern gleichzeitig anzulegen.�</p><p>�Es waren nur vier�, sagte Kara. Es sollte ein Scherz sein, um die Stimmung aufzulockern, aber Kara sp�rte, schon w�hrend sie die Worte aussprach, da� ihre Worte nicht sonderlich klug gewesen waren. Der einzige Grund, aus dem Angella nicht sofort wieder auffuhr, war ihre M�digkeit.</p><p>So sagte sie einfach nur: �Red keinen Unsinn. Sie waren zu viert, und du allein, oder? Du h�ttest get�tet oder schwer verletzt werden k�nnen.�</p><p>Kara hatte w�hrend ihrer Ausbildung gelernt, mit mehreren Gegnern gleichzeitig fertig zu werden. Doch Angella schien schon wieder zu ahnen, welche Entgegnung Kara auf der Zunge lag. �Du glaubst, du w��test, was ein Kampf bedeutet? Du wei�t es nicht. Du hast gelernt, dich zu wehren. Du hast Hunderte von Zweik�mpfen bestanden, aber keiner davon war <emphasis>wirklich</emphasis> ernst gemeint, Kindchen.�</p><p>Was diese Sache anging, war Kara entschieden anderer Meinung. Sie hatte mehr als genug Blessuren in den Zweik�mpfen davongetragen. Einen Moment lang fragte sie sich, ob es nicht weniger die Sorge um sie gewesen war, die Angella so zornig machte, sondern viel mehr um den immensen <emphasis>Wert,</emphasis> den sie darstellte. Ein Werkzeug, das sorgsam geschmiedet und zehn Jahre lang immer wieder geschliffen und poliert worden war. Fast gleichzeitig begriff sie, wie ungerecht dieser Gedanke war. �Bitte, fang nicht schon wieder an�, sagte Jan leise. Die Worte galten Angella, obwohl er sie dabei nicht ansah. Seine Stimme klang sehr m�de. �Wir haben im Moment wirklich genug andere Sorgen.� Und <emphasis>Sorge</emphasis> war es tats�chlich, was sein Blick ausdr�ckte. Jan schien seit dem gestrigen Abend um zehn Jahre gealtert zu sein. Kara fragte sich, <emphasis>was</emphasis> ihn bedr�ckte. Es war sicher nicht nur der Tod der drei Drachenk�mpfer; obwohl ihn mit dem Hort eine alte Freundschaft verband, waren die drei M�nner doch Fremde f�r ihn gewesen.</p><p>�Du hast recht�, sagte Angella. �La� uns gehen. Es sind noch beinahe zwei Stunden Weg.�</p><p>Sie stand auf, und auch Jan und Kara erhoben sich. Kara war ein wenig verwirrt. Zwei Stunden? Am vergangenen Morgen hatten Hrhon und sie nicht einmal <emphasis>eine</emphasis> Stunde gebraucht, um das Pfeiler-Haus zu erreichen. Aber sie verkniff sich eine Frage und folgte Angella und Jan wortlos in den Hof hinaus. Die frische Luft tat ihr gut und d�mpfte den h�mmernden Schmerz in ihrem Kopf.</p><p>Sie waren die letzten, die das Haus verlie�en. S�mtliche Drachenk�mpfer � selbst die, die bei dem Kampf am vergangenen Tag verwundet worden waren � erwarteten sie neben den bereits gesattelten Pferden. Sie brachen ohne eine weitere Verz�gerung auf. Sie ritten sehr schnell und erreichten den Hochweg in weniger als einer halben Stunde. Ohne aufgehalten zu werden, betraten sie den f�r Menschen vorbehaltenen Teil der Stadt; die h�lzerne Palisade schwang einfach vor ihnen auf. Offenbar hatte man sie bereits erwartet.</p><p>Ein Dutzend Hornk�pfe eilte ihnen vor dem fensterlosen Haus entgegen, um ihre Pferde in Empfang zu nehmen; und unmittelbar vor dem Eingang entdeckte Kara eine Gruppe M�nner in gelben Umh�ngen.</p><p>Elder befand sich bei ihnen.</p><p>Sein Gesicht verd�sterte sich bei Karas Anblick, aber er beherrschte sich. Er schenkte Angella nur einen eisigen Blick, dann winkte er Jan zu sich heran und begann leise mit ihm zu reden.</p><p>�Sag lieber nichts�, bemerkte Angella leise, w�hrend sie an den beiden vorbei zur T�r gingen. Kara beherzigte ihren Rat, hielt aber f�r einen Moment inne und warf einen Blick �ber die Stra�e zur�ck. Doch nichts Ungew�hnliches tat sich. Die Sonne war noch nicht v�llig aufgegangen, und im grauen Zwielicht der D�mmerung konnte sie keine Spuren der Schlacht mehr entdecken, die hier gestern getobt hatte.</p><p>Sie betraten das Haus, und was Kara in seinem Inneren sah, lie� sie f�r den Moment ihre h�mmernden Kopfschmerzen vergessen.</p><p>Das Haus war kein Haus, sondern tats�chlich nur eine zehn Meter hohe Mauer, die rings um den St�tzpfeiler des Hochweges errichtet worden war. Zwischen der S�ule und der Wand lagen gut f�nf Meter, die fast zur G�nze von einem Gewirr aus Leitern, Balken, Streben und Ger�stbrettern beansprucht wurden. Dutzende von M�nnern bewegten sich im kalten gr�nen Schein einer Unzahl �berall befestigter Leuchtst�be auf diesem Ger�st hin und her und waren mit den verschiedensten Aufgaben besch�ftigt. Kaum eine davon ergab in Karas Augen irgendeinen Sinn.</p><p>Staunend sah sie sich um, w�hrend Angellas Blick eindeutig suchend �ber das Durcheinander glitt. Schlie�lich hob sie beide H�nde und winkte eine der Gestalten auf dem Ger�st zu sich heran. Der Mann erwiderte Angellas Winken und begann mit geschickten Bewegungen eine Leiter herunterzuklettern.</p><p>�Donay!� begr��te Angella den jungen Mann, als er herankam. Er war schlank und nicht ganz so gro� wie Elder, machte aber einen wesentlich kr�ftigeren Eindruck, obgleich sein Gesicht von dunklen Schatten gekennzeichnet war und seine H�nde ein wenig zitterten. �Du bist schon wieder hier � oder immer noch?�</p><p>�Immer noch�, gestand Donay nach kurzem Z�gern. �Ich konnte nicht schlafen, und da dachte ich, ich k�nnte...�</p><p>�... wieder einmal die Nacht durcharbeiten�, unterbrach ihn Angella tadelnd. �Wann hast du das letzte Mal geschlafen?�</p><p>Donay l�chelte m�de. �Oh, ich glaube, es mu� ein Jahr her sein. Vielleicht auch zwei.�</p><p>�Du tust uns und deiner Stadt keinen Gefallen, wenn du dich umbringst�, sagte Angella streng, und bevor Donay etwas erwidern konnte, erkl�rte sie das Thema mit einer Handbewegung f�r beendet und deutete auf Kara. �Das ist Kara. Ich habe dir von ihr erz�hlt. Kara � das ist Donay, unser Ingenieur.�</p><p>Ingenieur? Wozu um alles in der Welt brauchte Angella einen Ingenieur?</p><p>�Eigentlich bin ich Bio-Konstrukteur�, berichtigte Donay, als h�tte er Karas Gedanken erraten. �Aber das ist ein zu langes Wort. Und die Abk�rzung Biko klingt albern, finde ich.� Er lachte, wartete einen Moment lang vergeblich darauf, da� Kara sich �ber sein lahmes Wortspiel am�siert zeigte, und wurde dann wieder ernst. �Du bist also Kara. Ich habe schon viel von dir geh�rt.�</p><p>Kara suchte aufmerksam in seinem Gesicht nach etwas, das diese Worte zu einer Anz�glichkeit machte, aber sie fand nichts. Vielleicht wollte er einfach nur h�flich sein. Trotzdem blieb ihre Stimme spr�de. �So?�</p><p>�Du bist Angellas Lieblingssch�lerin. Sie redet unentwegt von dir.�</p><p>�Habt ihr etwas Neues herausgefunden?� mischte sich Angella ein.</p><p>Donay nickte. �Ja�, sagte er. �Aber ich f�rchte, es wird dir nicht besonders gefallen. Komm mit. Ich zeige es dir.� Er fuhr herum und begann fast hastig, die Leiter wieder hinaufzusteigen, und Angella und Kara folgten ihm.</p><p>Sie betraten das oberste Ger�stbrett, das so dicht unter dem h�lzernen Dach des Geb�udes lag, da� Kara es mit ausgestreckten Armen h�tte ber�hren k�nnen. Das M�dchen bewegte sich sehr vorsichtig. Das Brett federte unangenehm unter ihren Schritten, und es gab kein Gel�nder, an dem man sich h�tte festhalten k�nnen. Au�erdem war ein halbes Dutzend M�nner auf die unterschiedlichste Weise mit dem Pfeiler besch�ftigt. Manche kratzten daran herum, andere betrachteten seine Oberfl�che durch Vergr��erungslinsen, die sie mit ledernen Riemen vor den Augen befestigt hatten. Ein sonderbarer, nicht unangenehmer Geruch stieg Kara in die Nase. Sie kannte ihn, konnte ihn aber im Moment nicht einordnen.</p><p>Donay blieb vor einer Stelle des Pfeilers stehen, der sonderbare graue Flecke aufwies. Der Ingenieur wartete, bis er sicher war sowohl Angellas als auch Karas ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, dann zog er ein Messer mit einer kurzen, aber sehr dicken Klinge aus dem G�rtel und stie� es in den Pfeiler. Es drang fast m�helos bis zum Heft ein, was Kara einigerma�en verwunderte: Sie dachte an das unvorstellbare Gewicht, das auf diesem St�tzpfeiler ruhte.</p><p>Donay drehte das Messer ein paarmal herum, bis er eine �ffnung geschaffen hatte, in die er seine Hand hineinschieben konnte. Grauer Staub rieselte hervor. Er steckte das Messer wieder ein und griff mit der Hand in das Loch. Kara bemerkte aus den Augenwinkeln, wie sich ein ungl�ubiger Schrecken auf Angellas Gesicht ausbreitete, w�hrend sich Donays rechter Arm tiefer und tiefer in die S�ule grub. Als sein Arm bis zur Schulter im Pfeiler verschwunden war, zog er ihn mit einem Ruck wieder zur�ck. Sein Arm war mit grauem Staub bedeckt, aber seine Finger waren feucht, und in der Hand hielt er eine schmierige, faulig aussehende Masse, in der sich etwas zu bewegen schien. Kara verzog angeekelt das Gesicht, w�hrend Angella erschreckt auf Donays Hand hinabstarrte.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� es so schlimm ist�, fl�sterte sie. �Es ist sogar noch schlimmer.� Donay wischte sich die H�nde an der Hose sauber und machte eine Kopfbewegung auf den Pfeiler. �Der ganze Fleck war gestern noch nicht da.�</p><p>�Aber dann...�</p><p>�Er verfault von innen heraus�, sagte Donay leise. �So schnell, als w�rde er aufgefressen.�</p><p>Angella schwieg entsetzt, w�hrend Kara endlich zu begreifen begann. �Ist das... ein <emphasis>Baum?�</emphasis> fragte sie fassungslos. �Du... du willst sagen, die ganze Br�cke... der ganze Hochweg ist ein einziger Baum?!�</p><p>Einen Moment blickte Donay sie nur verwirrt an, erst dann schien ihm klar zu werden, da� Kara bisher gar nicht gewu�t hatte, was sie da sah. Er sagte: �So etwas �hnliches. Ich erkl�re es dir sp�ter, aber im Moment k�nnen wir gern bei diesem Wort bleiben.�</p><p>�Wie lange noch?� fl�sterte Angella. �Wieviel Zeit bleibt uns noch, bevor er... zusammenbricht?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete Donay. �Auf jeden Fall sehr viel weniger, als ich bisher geglaubt habe. Vielleicht ein Jahr, vielleicht auch zwei. Aber es k�nnen genausogut auch nur noch ein paar Tage sein.� Er seufzte. �Ich wei� nicht, wie es unten aussieht.�</p><p>�Schlimmer�, murmelte Angella.</p><p>Donays Gesicht verd�sterte sich. �Diese Narren�, sagte er heftig. �Diese himmelschreienden Idioten! Ich habe sie gewarnt, ihn nicht so schnell wachsen zu lassen. Aber sie konnten ja nicht h�ren. Mehr, schneller und gr��er, das war alles, woran sie denken konnten! Aber jetzt kriegen sie die Quittung! W�re es nicht so furchtbar, dann w�rde ich mich richtig auf ihre dummen Gesichter freuen, wenn ihnen der halbe Himmel auf den Kopf f�llt!�</p><p>�Es ist noch nicht bewiesen, da� es daran liegt�, sagte Angella mit schleppender Stimme. Man h�rte deutlich, wie schwer es ihr fiel, ihr Entsetzen niederzuringen. �Es kann alle m�glichen Ursachen haben. Eine Krankheit, eine Vergiftung, das Alter...�</p><p>�Ja�, knurrte Donay. �Oder unten im Schlund sitzt eine gro�e Maus und nagt an den Wurzeln.�</p><p>�Hast du mit dem Erinnerer gesprochen?� fragte Angella, die zu Karas Verbl�ffung Donays h�chst unfreundliche Antwort nicht einmal zur Kenntnis genommen zu haben schien.</p><p>�Ich habe ihn die halbe Nacht mit allen Informationen gef�ttert, die ich hatte�, erwiderte Donay. �Und die anderen auch. Ich wei� noch nicht, zu welchem Ergebnis er gekommen ist.�</p><p>Er trat an den Rand des Ger�stes, beugte sich gef�hrlich weit vor und schrie mit vollem Stimmaufwand: <emphasis>�Jemand soll Irata bringen! Wir kommen herunter!�</emphasis></p><p>Der Abstieg gestaltete sich wesentlich schwieriger als der Weg hinauf. Die Leiter zitterte unter ihrem Gewicht, und jetzt, da Kara wu�te, da� die Unersch�tterlichkeit des riesigen Stammes eben <emphasis>Schein</emphasis> war, glaubte sie noch ein anderes, m�chtigeres Vibrieren zu sp�ren, das selbst die Luft rings um sie herum zum Erzittern brachte.</p><p>Die T�r flog auf, und Jan st�rmte herein, kaum, da� Kara den Fu� der Treppe erreicht hatte. Sein Gesicht flammte vor Zorn. <emphasis>�Dieser Idiot!�</emphasis> br�llte er. �Dieser verdammte, sture Hornochse!�</p><p>�Elder?� fragten Angella und Donay wie aus einem Mund.</p><p>Jan nickte, w�hrend er heftig auf die T�r hinter sich gestikulierte. �Er will uns nicht erlauben, Gr�ber einzusetzen.�</p><p>�Aber wir brauchen Tage, um die versch�tteten G�nge mit der Hand zu r�umen!� sagte Donay erschrocken.</p><p>�Erkl�r das Elder!� fauchte Jan. �Er wei� es genausogut wie du, aber er meint, es w�re sowieso sinnlos, weil eure M�nner keine Chance mehr h�tten, noch am Leben zu sein! Und er behauptet, das Verbot, <emphasis>andere</emphasis> in dieses Viertel hineinzulassen, erstreckte sich ja auch auf Gr�ber. Er mu� erst seinen vorgesetzten Offizier fragen. Und den kann er erst am Mittag erreichen?�</p><p>�Und was ist <emphasis>das da?�</emphasis> fragte Kara mit einer Geste auf einen Hornkopf, der beladen mit einem Korb voller Werkzeuge an ihnen vor�berwankte.</p><p>Jan zuckte w�tend mit den Schultern. �Das habe ich ihn auch gefragt. Er behauptet, sie h�tten eine Sondergenehmigung, und wir k�nnten ja versuchen, eine f�r unsere Gr�ber zu bekommen! Ich h�tte nicht �bel Lust, ihm seine verdammten Genehmigungen und Vorschriften in den Hals zu stopfen!�</p><p>�La� es gut sein�, sagte Angella. Sie legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. �Wahrscheinlich hat er recht. Sie sind wahrscheinlich l�ngst tot.�</p><p>�Ja. Und wenn nicht, dann sterben sie eben, w�hrend wir <emphasis>Formulare</emphasis> ausf�llen�, knurrte Jan.</p><p>�Es ist meine Schuld�, sagte Kara leise. �Das ist seine Rache f�r das, was gestern geschehen ist.� Weder Angella noch Jan taten ihr den Gefallen, ihr zu widersprechen, und so f�gte sie nach einem Augenblick hinzu: �Ich gehe und versuche, mit ihm zu reden.�</p><p>�Den Weg kannst du dir sparen�, sagte eine Stimme hinter ihr, und als sie sich herumdrehte, blickte sie in Elders Gesicht. �Du beleidigst mich, Kara. Glaubst du wirklich, ich w�rde das Leben eines Menschen riskieren, nur um mich bei dir zu r�chen?�</p><p>Er sah sie einen Moment fast traurig an, dann wandte er sich an Jan, und ein fast sp�ttisches Glitzern erschien in seinen Augen. �Das gilt im �brigen auch f�r Euch, Jan. Ich halte mich an meine Befehle, weil ich es mu�. Mi�achte ich sie, nur um Euch einen Gefallen zu tun, so w�rde man mich sehr schnell abkommandieren, und Ihr h�ttet es vielleicht mit einem Mann zu tun, der sehr viel weniger Verst�ndnis f�r Eure Probleme aufbringt.�</p><p>Jan starrte ihn zornig an und schwieg, aber Donay ergriff erregt das Wort: �Ihr wi�t nicht, worum es hier geht?� sagte er. �Selbst wenn Ihr recht habt und diese M�nner schon tot sind, so brauchen wir die Gr�ber dringend. Wir m�ssen nach unten, so schnell wie m�glich!� Er deutete zum Pfeiler hinauf. �Es ist viel schlimmer, als wir bisher angenommen haben.�</p><p>Elder blickte einen Moment in die H�he und schien nachzudenken. Er seufzte. �Ich werde tun, was in meiner Macht steht�, sagte er. �Das verspreche ich. Aber ich habe meine Befehle. Ich lege sie ohnehin schon so gro�z�gig aus, wie ich nur kann.� Er deutete auf eine Gestalt, die, begleitet von einem Hornkopf, hinter Jan aufgetaucht war. �Schon <emphasis>seine</emphasis> Anwesenheit hier verst��t im Grunde gegen die Vorschriften.�</p><p>Kara registrierte die Gestalt erst jetzt. Das mu�te Irata sein. Der leere Blick und der idiotische Gesichtsausdruck identifizierte ihn eindeutig als Erinnerer. Kara hatte bisher nur eine einzige dieser lebenden Denkmaschinen gesehen, aber nat�rlich eine Menge �ber sie geh�rt: schwachsinnige Idioten, die so bl�d waren, da� man sie f�ttern und ihnen die H�nde binden mu�te, damit sie sich nicht selbst die Augen auskratzten, aber sie waren mit einem Gehirn ausgestattet, das nicht die winzigste Kleinigkeit verga� und binnen Momenten Beziehungen zwischen den erhaltenen Informationen herstellen konnte, f�r die ein normaler Mensch Monate, wenn nicht Jahre gebraucht h�tte.</p><p>�... Euch ja keine Schwierigkeiten machen�, drang Elders Stimme in Karas Gedanken. Es war nicht das, <emphasis>was</emphasis> er sagte, sondern die Art, <emphasis>wie</emphasis> er es tat, die sie aufhorchen lie�. Sie ri� ihren Blick von Irata los und konzentrierte sich wieder auf Elder, der abwechselnd Angella und Jan ansah und dann mit einer fast resignierenden Geste auf den Erinnerer wies. �Ich verrate Euch kein Geheimnis, wenn ich Euch sage, da� es eine Menge Leute in der Stadt gibt, die dagegen waren, Euch �berhaupt zu rufen. Nach dem, was gestern geschehen ist, w�rde vielleicht schon <emphasis>sein</emphasis> Anblick reichen, ihnen Anla� zu geben, um Euch vollends aus der Stadt zu weisen, Angella. Und Euch gleich mit, Jan.�</p><p>Angella und Jan antworteten nicht, aber Kara las auf ihren Gesichtern, da� es ihnen ebenso erging wie ihr selbst: fast zu ihrer eigenen �berraschung glaubten sie Elder pl�tzlich, da� er es ehrlich meinte.</p><p>Nach einer Weile sagte Donay: �Es geht nicht darum, ob uns Eure Regeln gefallen, Elder. Die Sicherheit der ganzen Stadt steht auf dem Spiel. Besonders die der Leute, die so wenig begeistert von Angellas Anwesenheit sind.�</p><p>�Wie meinst du das?� fragte Elder. Es gelang ihm nicht ganz, seinen Schrecken zu verbergen.</p><p>�Sie haben einen h�bschen Teil der Stadt f�r sich reserviert�, antwortete Donay. �Die besten Gegenden in der N�he des Hochweges. Und der Hochweg k�nnte zusammenbrechen.�</p><p>Elder starrte ihn einen Wimpernschlag lang fassungslos an, dann versuchte er, sich in ein Lachen zu retten. Es klang ein bi�chen zu schrill, um zu �berzeugen. �Das ist eine glatte �bertreibung�, sagte er.</p><p>�Keineswegs�, versicherte ihm Jan. Er wies auf das Ger�st. �Geht hinauf und seht es Euch selbst an.�</p><p>Elder taxierte ihn einen endlosen Augenblick lang, dann fuhr er pl�tzlich herum, packte Irata bei den Schultern, sch�ttelte ihn wild und schrie ihn an: �Ist das wahr? Rede, du Idiot! Ist das so?�</p><p>Donay ber�hrte ihn fast sanft an der Schulter. �La� ihn los, Elder. So geht das nicht!�</p><p>Tats�chlich lie� der Soldat den Erinnerer los. Donay schob Irata wieder auf Armesl�nge von sich, und Kara fiel auf, da� er sogar dessen Blick starr fixierte, als auch er mit einer ganz bestimmten, fast ausdruckslosen Stimme sprach. �Frage, Irata:</p><p>Besteht aufgrund der gesammelten Informationen Gefahr f�r den Hochweg?�</p><p>Irata begann zu sabbern. Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Kara sah, welche Anstrengung das Sprechen ihm bereitete.</p><p>Seine Stimme war kaum verst�ndlich: �Die Informationen reichen nicht aus, um eine Aussage �ber den gesamten Hochweg zu treffen.�</p><p>Elders Gesicht verd�sterte sich, und Donay machte eine hastige Bewegung, wandte sich wieder an den Erinnerer und setzte erneut an: �Frage, Irata: Vorausgesetzt, die Sch�den w�ren �berall vergleichbar schlimm wie an diesem Trieb. Best�nde dann Gefahr f�r die Stra�e?�</p><p>�Antwort�, gurgelte Irata. �Die Stabilit�t des betroffenen Triebes ist grundlegend ersch�ttert. Eine Projektion der angegebenen Daten auf das gesamte System ergibt dessen irreparable Destabilisierung.�</p><p>�Aha�, sagte Elder. �Und was bedeutet das � verst�ndlich ausgedr�ckt?�</p><p>Jan l�chelte fl�chtig, und Angella sagte sehr ernst: �Wenn es wirklich �berall so schlimm ist wie hier, dann wird Eure famose Br�cke zusammenbrechen.�</p><p>�Und zwar bald�, f�gte Donay hinzu.</p><p>Elder wurde bla�. �Ihr �bertreibt�, sagte er nerv�s. �Ich meine... es gibt ein halbes Dutzend anderer, die die Triebe untersuchen. Keiner hat auch nur etwas �hnliches herausgefunden.�</p><p>�Ihr meint, keiner hat Euch etwas <emphasis>gesagt�,</emphasis> korrigierte ihn Angella ruhig.</p><p>�Warum sollten sie auch?� f�gte Jan hinzu.</p><p>�Wie meint Ihr das?� fragte Elder scharf.</p><p>Jan machte eine verzeihungsheischende Handbewegung.</p><p>�Ohne Euch zu nahe treten zu wollen, Elder � aber Ihr seid nur ein einfacher Soldat. Und seit wann teilt man einfachen Soldaten irgend etwas von Wichtigkeit mit?�</p><p>�Es kann gut sein, da� es nicht �berall so schlimm ist�, sagte Angella hastig, wobei sie Jan einen mahnenden Blick zuwarf. �Um so wichtiger ist es, da� wir wieder nach unten kommen, um uns die Sch�den unter der Erde anzusehen. Wir m�ssen die versch�tteten G�nge m�glichst schnell r�umen. Deshalb brauchen wir die Gr�ber, nicht nur, um nach Angellas M�nnern zu suchen.�</p><p>Elder bewegte sich unbehaglich auf der Stelle. Sein Blick glitt �ber den gewaltigen Stamm, tastete dann �ber die Bohlen, die den Boden des Raumes bildeten, und kehrte nach einem letzten Schwenk �ber Iratas Gesicht zu Angella zur�ck. �Ich kann nicht Himmel und H�lle in Bewegung setzen, nur weil dieser Schwachsinnige behauptet, es best�nde vielleicht Gefahr. Was, wenn er nicht die Wahrheit sagt?�</p><p>�Habt Ihr jemals geh�rt, da� sich ein Erinnerer get�uscht h�tte, Elder? Oder gar gelogen?�</p><p>Damit war die Sache entschieden. Elder mochte sich f�r besonders gelassen und hart halten, aber er war im Grunde ebenso leicht zu durchschauen wie alle anderen Menschen. Kara las die Antwort in seinen Augen, ehe er sie aussprach. �Ich werde... die Angelegenheit meinen Vorgesetzten vortragen. Ich verspreche Euch nichts, aber ich tue, was ich kann.�</p><p>Er ma� den Stamm mit einem letzten, durchdringenden Blick und f�gte leise hinzu: �Und wenn Ihr die Wahrheit gesagt habt, dann werde ich vielleicht noch ein wenig mehr tun.�</p><p>Er verabschiedete sich mit einem knappen Nicken und ging. Stille trat ein und legte sich wie eine gro�e Luftblase �ber sie. Dann r�usperte sich Kara und wandte sich an Donay: �Ist das wahr, was der Erinnerer behauptet?�</p><p>�Sie k�nnen nicht l�gen�, antwortete Donay.</p><p>�Die Antworten, die man erh�lt, sind manchmal von den Fragen abh�ngig, nicht wahr? Ich meine � sind wir deswegen hier? Weil der Hochweg in Gefahr ist?� So erschreckend dieser Gedanke an sich war, es erschien Kara mehr als nur unwahrscheinlich, da� dies der Grund ihrer Anwesenheit war. Die gigantische, lebende Br�ckenkonstruktion war vielleicht eines der gr��ten Wunder dieser Welt, im Grunde aber nichts, was Angella und ihre Drachenkriegerinnen etwas anging. Au�erdem � wer rief schon einen Soldaten, wenn er einen G�rtner brauchte?</p><p>�Es war ein Vorwand�, gestand Angella. �Wenn auch vielleicht einer, der sich im nachhinein betrachtet als die Wahrheit herausstellen k�nnte. Aber es ist nicht der einzige Grund.�</p><p> �Und was <emphasis>ist</emphasis> der wirkliche Grund?� fragte Kara.</p><p>Angella sah sie einen Moment durchdringend an und tauschte dann einen raschen Blick mit Jan. Jan nickte. �Gut�, sagte Angella. �Ich werde dir alles erkl�ren. Ich h�tte es ohnehin schon l�ngst tun sollen. Begleite uns nach unten. Der Weg ist lang genug, da� wir Zeit zum Reden haben.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Kara war bereits aufgefallen, da� der Boden des Pfeilerhauses nicht aus festem Erdreich bestand, sondern aus eisenharten Bohlen, die so pr�zise verlegt waren, da� man nicht einmal eine Messerklinge dazwischenschieben konnte. Angella f�hrte sie zu einer Klappe im Boden, und als sie hindurchstiegen, erkannte Kara, da� das Haus gar kein Haus war: im gr�nen Licht tat sich unter ihnen ein Schacht auf, aus dem das emporwuchs, was Donay so besch�nigend als <emphasis>Trieb</emphasis> bezeichnet hatte.</p><p>�ber eine kurze, bedrohlich schwankende Leiter, die an der h�lzernen Decke �ber ihnen befestigt war, erreichten sie einen gemauerten Sims, der sich an der Innenwand des Schachtes entlangzog. Dieser Schacht war nichts anderes als der untere Teil des Pfeiler-Hauses, das in Wahrheit nichts anderes als ein riesiger, vollkommen leerer Turm war, eine steinerne H�lse f�r den Stamm, der den allergr��ten Teil seines Inneren ausf�llte. Als Kara sich behutsam vorbeugte, erblickte sie eine gemauerte Treppe, die sich wie ein versteinerter Riesentribolit an der Wand entlang in die Tiefe schraubte. Kein Gel�nder bot Halt. Zwischen Kara und dem Stamm verlief ein recht breiter Spalt, dessen blo�er Anblick sie schwindeln lie�. Wie tief der Schacht war, vermochte sie nicht zu sagen. Auf dem Sims glommen Hunderte von Leuchtst�ben, weiter unten hatte man einfach Kulturen bla�blau leuchtender Bakterien an den W�nden emporwuchern lassen. Ihr Licht war hell, aber unscharf. Es war, als blicke sie in einen endlos tiefen Schacht voll leuchtendem Wasser.</p><p>�Genug gestaunt?� fragte Angella nach einigen Sekunden. Kara richtete sich z�gernd wieder auf. Aus der Tiefe drang ein leicht moderiger, warmer Lufthauch zu ihnen empor. �Wie tief... ist dieser Schacht?� fragte sie z�gernd.</p><p>�Eine Meile, anderthalb...� Angella zuckte mit den Schultern. �Niemand wei� das so genau. Weiter unten ist der Schacht eingest�rzt, aber ich denke, er reicht bis auf den Grund der Stadt hinab. Der Trieb selbst reicht, wie Donay vermutet, anderthalb Meilen bis in den Schlund hinunter.�</p><p>Kara blickte abermals in den blauleuchtenden Abgrund hinab. Anderthalb Meilen �ber diese Treppe hinunter? Der blo�e Gedanke lie� es ihr kalt �ber den R�cken laufen.</p><p>�Anderthalb Meilen?� fragte sie z�gernd.</p><p>�Nicht einmal eine halbe�, sagte Jan, der hinter ihr und Angella die Leiter hinabgestiegen war. �Wie gesagt, der Schacht ist weiter unten eingest�rzt. Aber wir werden nicht laufen m�ssen.� Er legte den Kopf in den Nacken, bildete mit den H�nden einen Trichter vor dem Mund und schrie in die Tiefe hinab:</p><p>�Wir brauchen Transporter! Drei St�ck!�</p><p>W�hrend sie auf die Ankunft der Transporter warteten, zog Jan drei Rufer aus der Rocktasche und befestigte sie auf Angellas, Karas und seiner eigenen Schulter. �Besser ist besser�, sagte er. �Nach dem, was passiert ist, ist es mir einfach lieber, wenn man wei�, wo wir sind.�</p><p>Kara versuchte, sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen, als sich der Stahl des Rufers durch ihre Haut bohrte. Angella hatte weniger Ambitionen, die Heldin zu spielen. Sie fluchte ungehemmt.</p><p>�Also?� fragte Kara.</p><p>Angella rieb sich �ber den Hals und betrachtete mi�mutig einen winzigen Blutstropfen, der auf ihrem Zeigefinger glitzerte. �Also was?�</p><p>�Du wolltest mir etwas erkl�ren�, sagte Kara. �Den Grund, weswegen wir hier sind.�</p><p>�Das ist nicht so einfach zu erkl�ren�, antwortete Angella ausweichend und zerrieb den Blutstropfen zwischen Daumen und Zeigefinger. �Es ist eigentlich nichts Konkretes, wei�t du? Es ist...�</p><p>�Schelfheim geht vor die Hunde�, fiel ihr Jan ins Wort. Seine Stimme klang bitter, aber auch sehr zornig. �Du hast diese Stadt doch gesehen, oder? Sie ist nicht mehr das, was sie einmal war.�</p><p>�Wie war sie denn?� fragte Kara.</p><p>�Sie war...� Jan brach ab, starrte einen Moment zornig ins Leere und fa�te sich dann. �Angella hat recht, f�rchte ich�, seufzte er. �Es ist nicht so einfach zu erkl�ren. Es ist nichts Konkretes, wei�t du? Mit Ausnahme von dem da...� Er deutete auf den Stamm. �Schelfheim war schon immer ein Hexenkessel. Ein einziges gro�es Irrenhaus, das dich schneller umbringen kann, als du in der Lage bist, deinen Namen zu buchstabieren. Aber es ist nicht mehr, was es war. Es ist... schlimmer geworden. Dinge tun sich. Schlimme Dinge.�</p><p>�Wie zum Beispiel, da� die H�lfte der Stadt nur noch f�r Menschen reserviert ist�, sagte Kara.</p><p>�Ja�, best�tigte Jan. �Ich sehe, du beginnst zu verstehen. Es ist schwer zu erkl�ren. Da ist nichts, worauf man den Finger legen und sagen k�nnte: <emphasis>Sieh her!</emphasis> Aber diese Stadt ver�ndert sich auf eine schlimme Art, Kara. Schau dir...� Er suchte nach Worten. �Schau dir Elder an! Ich wei�, da� du ihn nicht magst, aber er ist ein ehrlicher Mann. Vielleicht kein gro�er Geist, wie die meisten Soldaten, aber ein aufrechter Mann, der seine Pflicht tut. Fr�her waren es M�nner wie er, die Schelfheim regierten. Oder es wenigstens versucht haben, denn man kann eine solche Stadt nicht wirklich regieren. Du kannst nur versuchen, das Chaos nicht zu sehr �berhandnehmen zu lassen.�</p><p>�Diesen Eindruck hatte ich eigentlich nicht�, sagte Kara. �Eben!� Jan zog eine Grimasse. �Sie sind nat�rlich noch lange nicht damit fertig, aber sie haben angefangen, Ordnung in der Stadt zu schaffen. Die M�nner, die Schelfheim heute regieren, legen eine Menge Wert auf Vorschriften und Disziplin.�</p><p>�Was ist so schlimm daran?� fragte Kara. Auch sie war in einer Welt aufgewachsen, in der Disziplin und Gehorsam die obersten Werte waren.</p><p>�Nichts�, antwortete Jan. �Schlimm ist der Weg, auf dem sie es zu erreichen versuchen. Sie sind sehr viel geschickter als damals Jandhi und ihre Schwestern. Aber sie sind fast noch schlimmer. Sie werden diese Stadt zerst�ren. Und vielleicht die ganze Welt.�</p><p>�ber ihren K�pfen erscholl ein raschelndes Schaben und Schleifen, und ein struppiger Schatten erschien in der Klappe, durch die sie selbst heruntergekommen waren. Die Transporter. Kara sah hastig weg.</p><p>�Vielleicht �bertreibt Jan ein wenig�, sagte Angella bes�nftigend. �Aber in einem hat er recht. Irgend etwas geht vor. Nicht nur in Schelfheim, sondern �berall. Aber hier ist es am deutlichsten zu sehen. Es ist, als...� Sie machte eine unschl�ssige Geste. �Als breite sich ein neuer Geist in der Welt aus. Nicht nur, da� sich M�nner wie Elders Vorgesetzte pl�tzlich f�r besser als <emphasis>andere</emphasis> halten.�</p><p>Kara verzichtete darauf zu antworten, denn auch sie hielt Menschen wie sich, Jan, Cord und sogar Elder f�r etwas Besseres. Tatsache war nun einmal, da� der Mensch die erste denkende Spezies war, die diesen Planeten bev�lkerte. Alle anderen � die Waga, die Katzer, die Vogelmenschen und Tiefen, die Echsenm�nner und Kentauren und die anderen, manchmal �u�erst bizarren Kreaturen waren erst viel sp�ter aufgetaucht; von anderen Welten gekommen oder als Folge der unvorstellbaren Katastrophen �berhaupt erst entstanden, die diese Welt f�r Jahrtausende beinahe unbewohnbar gemacht hatten.</p><p>�Was geht uns das an?� fragte sie, und als sie Jans �rgerliches Stirnrunzeln sah, f�gte sie hastig hinzu: �Ich meine � wenn die Zeit sich �ndert, was haben wir damit zu tun?�</p><p>�Nichts, wenn sie sich �ndert, weil es nun einmal so ist�, antwortete Jan ernst. �Aber ich bin nicht sicher, ob sie sich wirklich von selbst �ndert.�</p><p>�Du meinst...�</p><p>�Ich meine�, unterbrach sie Angella mit leicht erhobener Stimme, �da� wir geschworen haben, diese Welt zu besch�tzen, Kara. Und nicht nur mit dem Schwert in der Hand. Es gibt Feinde, die mit anderen Waffen k�mpfen.�</p><p>Ein unf�rmiger Schatten erschien hinter Angella, und obwohl ihr der Anblick ein leises Ekelgef�hl bescherte, war sie fast froh �ber die Ankunft des dritten Transporters.</p><p>�Verge�t nicht, die F�den zu kappen, sobald wir unten sind�, rief Jan hinauf, w�hrend er sich als erster von dem Transporter ergreifen lie�. �Wir wollen doch nicht, da� unser Freund Elder der Schlag trifft beim Anblick eines nicht genehmigten Transportergewebes.�</p><p>Sein Lachen klang ein wenig gek�nstelt. Wahrscheinlich, �berlegte Kara, erging es ihm nicht anders als den meisten Menschen. Von den acht d�nnen, aber ungemein kr�ftigen Beinen gepackt und festgehalten zu werden, war mehr als unangenehm. L�ngst nicht alle Menschen ertrugen die Ber�hrung eines Transporters.</p><p>Auch Karas �belkeit steigerte sich zu einem elektrisierenden Gef�hl k�rperlichen Abscheus, als sich die drei vorderen Beinpaare des Transporters um ihre Brust schlossen und sich der haarige Hinterleib gegen ihren R�cken pre�te. Ein scharfer Geruch �berlagerte den Moderodem des Schachtes, als ein fingerdicker Strang aus nahezu unzerrei�barer Seide aus den Dr�sen am Hinterleib des Tieres scho� und sofort am Fels festklebte, und einen Moment sp�ter f�hlte sich Kara in die H�he gehoben, und dann begann der Beinahe-Sturz in die Tiefe. Die Transporter bewegten sich so rasch, wie Spinndr�sen die Seide produzieren konnten. Der Stamm zur Linken und die gemauerte Wand des Schachtes zur Rechten rasten nur so an ihnen vorbei. Kara dachte fl�chtig daran, was ihr alles passieren w�rde, wenn sie mit der steinernen Wand auf der einen oder dem steinharten Holz auf der anderen Seite kollidierte. Doch nat�rlich w�rde das nicht geschehen. Die Transporter waren verl��lich und pr�zise arbeitende Z�chtungen, die so gut wie nie einen Fehler begingen.</p><p>Trotzdem kam ihr die rasende Fahrt in die Tiefe endlos vor. Die Luft wurde schlechter, aber die Helligkeit nahm eher noch zu, denn die Leuchtbakterien hatten sich hier unten unkontrolliert zu vermehren begonnen. Kara betrachtete die leuchtenden Flecken voller Sorge. Sie verstand nicht sehr viel von Biochemie, wu�te aber, da� die winzigen, lichtspendenden Organismen �u�erst aggressiv waren. Ihr blauer Schein war nicht umsonst zu haben.</p><p>Ganz allm�hlich begann sich ihre Umgebung zu ver�ndern. Die gemauerte Schachtwand neben ihnen wies immer schwerere Besch�digungen auf: gro�e, ausgezackte L�cher, hinter denen Erdreich, Felstr�mmer oder auch nur Schw�rze zu sehen war, und einmal rasten sie auf ein Gewirr aus zerborstenen Balken zu, das wie eine t�dliche Gabel mit verbogenen Zinken aus der Wand ragte. Aber die Transporter passierten die Stelle so schnell und geschickt, da� Kara nicht einmal genug Zeit fand zu erschrecken, ehe das Balkengewirr auch schon wieder in der blauen Dunkelheit �ber ihnen verschwand.</p><p>Endlich setzten die Transporter sie auf einem vorstehenden Sims ab, der ihr aber alles andere als einen festen Halt bot. Unter Karas Gewicht l�sten sich kleinere Felsbrocken. Sie aber atmete h�rbar auf, als sich der Griff der d�nnen, vielgelenkigen Beine von ihrer Brust l�ste. Schaudernd legte sie den Kopf in den Nacken und sah zu, wie die drei Transporter mit phantastischer Geschicklichkeit an ihren eigenen F�den in die H�he kletterten. Nach wenigen Augenblicken waren sie in der Dunkelheit verschwunden.</p><p>�Eine widerw�rtige Art zu reisen�, sagte Jan. �Aber recht praktisch.�</p><p>�Vor allem verschafft sie uns den n�tigen Vorsprung, den wir brauchen, falls Elder eher zur�ckkommt, als er versprochen hat. Er wird Stunden brauchen, um zu Fu� hier herunterzukommen.�</p><p>Sie lachten, dann gab Angella ein Zeichen, weiterzugehen, und sie setzten den Abstieg fort. Trotz allem lag noch ein gutes St�ck Weg vor ihnen, das sie �ber Schutthalden, Tr�mmer und halbvermoderte Balken f�hrte. Es war beinahe taghell, denn die Leuchtbakterien hatten hier unten buchst�blich jeden Winkel erobert. Nach einer Weile klebten sie an ihren Schuhen, und auch ihre H�nde waren voller Staub, der blau leuchtete. Schlie�lich erreichten sie den Boden des Schachtes. Die Mauern waren zusammengebrochen und bildeten eine un�berwindliche Barriere �berall um sie herum. Kara fr�stelte leicht, aber das lag nicht nur am Anblick der ineinandergest�rzten Felsmassen und zerborstenen Balken. Ganz pl�tzlich wurde ihr klar, da� sie nicht nur einfach eine Meile tief in die Eingeweide der Stadt vorgedrungen waren, sondern zugleich auch so etwas wie eine Reise durch die Zeit unternommen hatten. Die zerbrochenen, unter ihrem eigenen Gewicht zu Staub zermahlenen Mauern vor ihnen geh�rten zu den �ltesten Teilen der Stadt. Die zerbrochenen Balken waren vor <emphasis>zweihunderttausend Jahren</emphasis> geschlagen und verarbeitet worden, von Menschen, von denen nicht einmal mehr Staub geblieben war. F�r einen Moment hatte sie das Gef�hl, nicht mehr richtig atmen zu k�nnen. Wenn Zeit wirklich nichts weiter als ein abstrakter Begriff war, wie Angella immer behauptete, dann war es der einzige abstrakte Begriff, der ein <emphasis>Gewicht</emphasis> hatte.</p><p>Angella deutete nach links, und Kara erkannte den Eingang zu einem niedrigen, offensichtlich erst vor kurzer Zeit erbauten Tunnel.</p><p>Die Bakterien hatten die Steine noch nicht vollst�ndig �berwuchert. Hintereinander drangen sie in den Stollen ein. Er war dunkel und so niedrig, da� sie nur geb�ckt gehen konnten. Sehr weit vor ihnen befand sich ein m�nzgro�er Fleck gr�nlicher Helligkeit, aber der Gang selbst war von absoluter Schw�rze erf�llt. Ein unheimlicher Anblick waren Jans blauleuchtende Schuhsohlen und H�nde, die sich vor Kara in der Dunkelheit bewegten. Nach einer Weile sp�rte sie, wie der Gang gr��er wurde. Behutsam richtete sie sich im Gehen auf; sie stie� nicht mit dem Kopf gegen die Decke, wie sie f�rchtete. Der Boden unter ihren F��en war nicht mehr so holprig. Wahrscheinlich befanden sie sich mittlerweile in einem der alten Kellergew�lbe Schelfheims. Immerhin war die Stadt anderthalb Meilen tief in den Boden gesunken.</p><p>Pl�tzlich glaubte sie ein Ger�usch zu h�ren und blieb stehen. Angella prallte gegen sie und h�tte sie fast von den F��en gerissen.</p><p>�Was ist los?� fragte sie ver�rgert. Sie kannte Kara allerdings gut genug, um zu wissen, da� sie nicht aus einer puren Laune heraus einfach stehenblieb.</p><p>�Ich bin nicht sicher�, antwortete Kara. Das Echo ihrer eigenen Stimme verriet ihr, da� sie sich nicht mehr in einem Stollen, sondern in einem <emphasis>sehr gro�en</emphasis> Raum befanden. �Ich dachte, ich h�tte etwas geh�rt.�</p><p>�Unsinn!� sagte Angella, aber Jan berichtigte sie. �Nat�rlich hat sie etwas geh�rt. Diese Keller sind nicht leer.�</p><p>�Wer... lebt denn hier?� fragte Kara z�gernd.</p><p>�Es gibt alle m�glichen Untiere hier unten. Aber die meisten sind ungef�hrlich. Sie haben genug damit zu tun, sich gegenseitig aufzufressen.�</p><p>�H�r mit dem Unsinn auf�, sagte Angella streng und ging weiter. Kara folgte dem Ger�usch ihrer Schritte im Dunkel, aber sie ertappte sich mehrmals dabei, im Gehen den Kopf zu wenden und die Schw�rze hinter sich mit Blicken zu durchbohren. Sie h�rte nichts mehr, aber sie hatte immer noch das Gef�hl, angestarrt zu werden. Und sie war nicht sicher, ob es wirklich ein <emphasis>Tier</emphasis> war, das sie belauerte...</p><p>Ver�rgert auf sich selbst verscheuchte sie den Gedanken. Wieso war sie nur so nerv�s? Was war denn schon dabei, durch ein zweihunderttausend Jahre altes Kellergew�lbe zu marschieren, das unter zehn Millionen Tonnen Erdreich und Gestein lag und jeden Moment zusammenbrechen konnte?</p><p>Ihr Zeitgef�hl k�ndigte ihr angesichts der stygischen Schw�rze und ihrer eigenen Furcht den Dienst auf, so da� sie nicht sagen konnte, wie lange es dauerte, bis der Lichtfleck vor ihnen allm�hlich gr��er wurde. Sie h�rte Grab- und Klopfger�usche und die Stimmen zahlreicher M�nner.</p><p>Schlie�lich betraten sie eine gro�e, von Hunderten gr�ner Leuchtst�be erhellte H�hle, die sich auf den zweiten Blick als das Innere eines versunkenen Hauses entpuppte. In den W�nden befanden sich Fenster von ungew�hnlicher Form und Gr��e, die ebenso wie die offenstehende T�r auf eine Welt aus Erdreich und Sand hinausf�hrte. Das hintere Drittel der Decke war zusammengebrochen. Die M�nner, die sie sah, arbeiteten an einem halbrunden Tunnel, den sie schon etliche Meter tief in den Schuttberg vorgetrieben hatten. Kara blieb verbl�fft stehen, als sie zwischen den vordersten M�nnern die schwarzgl�nzenden R�ckenschilde von gleich drei Gr�bern gewahrte. Die gewaltigen, zu perfekten Grabinstrumenten umgeformten Unterkiefer der riesigen K�fergesch�pfe fra�en sich mit fast maschinenhafter Gleichm��igkeit in die Erde, wobei sie ohne Unterschied Sand, Felsen, Holz und �berhaupt alles zerkleinerten, worauf sie stie�en.</p><p>Angella weidete sich einen Moment lang an Karas verbl�fftem Gesichtsausdruck. �Was Elder nicht wei�, macht Elder nicht hei�, nicht wahr?� sagte sie augenzwinkernd.</p><p>�Aber wie habt ihr sie hierherbekommen, ohne da� er es gemerkt hat?� fragte Kara.</p><p>�Seine M�nner k�nnen vielleicht alle Stra�en kontrollieren�, antwortete Jan an Angellas Stelle, �aber unm�glich alle unterirdischen Verbindungen. Das hier unten ist eine Stadt unter der Stadt. Manchmal frage ich mich, ob das <emphasis>hier</emphasis> nicht das eigentliche Schelfheim ist, und nicht das, was wir daf�r halten.�</p><p>�Auf jeden Fall w�re Elder mi�trauisch geworden, wenn wir nicht nach den Gr�bern gefragt h�tten�, f�gte Angella hinzu. �Er ist nicht dumm.� Sie erkl�rte das Thema mit einer Handbewegung f�r beendet und wandte sich an einen der arbeitenden M�nner. Kara trat einen Schritt zur�ck und sah sich unschl�ssig um. Es gab nichts f�r sie zu tun. Sie war sicher, da� Angella sie nicht zum Graben mit hinuntergenommen hatte. Was sie zu der Frage brachte, weshalb sie �berhaupt hier war. Sicher nicht nur, damit Angella sie immer in ihrer N�he wu�te und sie nicht aus purem �bermut wieder die halbe Stadtgarde verdrosch. Aber weshalb dann?</p><p>Ihre Augen hatten sich inzwischen an das gr�ne Licht gew�hnt, so da� sie mehr von ihrer Umgebung erkennen konnte. Bedachte man sein Alter, so befand sich der Raum in erstaunlich gutem Zustand. Seine Bewohner hatten sich nicht einmal die M�he gemacht, ihn v�llig leerzur�umen, als der Tag gekommen war, ihn aufzugeben und in das neue, dar�ber errichtete Stockwerk umzuziehen. Das eine oder andere hatten sie einfach stehengelassen, vielleicht aus Gedankenlosigkeit, vielleicht, weil sie es ebenso wie ihr Heim neu und gr��er gebaut hatten. Ein Stuhl, eine Truhe ohne Deckel und Inhalt, ein Tisch, von dessen Platte ein St�ck abgebrochen war. Es waren allt�gliche Dinge, die allerdings schon vor zwei oder drei Ewigkeiten zu Stein geworden waren. Und alles war sehr... seltsam.</p><p>An der Wand gleich neben der T�r, durch die sie hereingekommen waren, hing ein Bild. Kara ging hin und war im ersten Augenblick entt�uscht, denn die Farben waren nat�rlich l�ngst verbla�t und verschwunden. Aber dann sah sie, da� der Staub die Umrisse auf der versteinerten Leinwand nachgebildet hatte, nicht so, da� sie das Bild wirklich <emphasis>erkennen</emphasis> konnte, aber doch so, da� sie zu <emphasis>ahnen</emphasis> glaubte, was es einmal gewesen war. Und was immer es war, es machte ihr angst und lie� sie schaudern. �Unheimlich, nicht wahr?�</p><p>Kara fuhr herum und erkannte Cord, der lautlos hinter sie getreten war. Er war ersch�pft und verdreckt; wahrscheinlich war er schon seit Stunden hier.</p><p>�Was?� fragte Kara.</p><p>Cord deutete auf das Bild. �Dieses Bild. Es ist irgendwie... seltsam.�</p><p>Kara schwieg, und Cord fuhr mit einem fl�chtigen L�cheln fort: �Es hat auf uns alle dieselbe Wirkung. Wenn du es einen Moment lang betrachtest, macht es dich nerv�s. Aber je l�nger du hinsiehst, desto mehr Angst bekommst du. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich wissen will, wie es einmal ausgesehen hat.� Er wechselte �bergangslos das Thema und grinste Kara breit an. �Das blaue Auge steht dir �brigens ausgezeichnet.�</p><p>Kara schenkte ihm einen b�sen Blick und machte eine weite Geste, die den ganzen Raum umfa�te. �Sie m�ssen... sehr seltsam gewesen sein�, sagte sie. �Ganz anders als wir. Ob sie wohl Menschen waren?�</p><p>�Wer will das sagen?� antwortete Cord achselzuckend. �Und wen interessiert es? Ich glaube nicht, da� wir das jemals herausfinden werden.�</p><p>�Ist das die Stelle, an der sie versch�ttet wurden?� fragte sie. Cord blickte dahin, wo Jan, die Gr�ber und die anderen arbeiteten. Er nickte. �Es geschah ganz pl�tzlich. Es gab keine Warnung, kein Beben, nichts. Der Stollen ist einfach zusammengebrochen.�</p><p>�Vielleicht waren die Streben nicht fest genug?� fragte Kara, eigentlich nur, um �berhaupt etwas zu sagen.</p><p>�Nein�, erwiderte Cord heftig. �Ich selbst habe die Arbeiten �berwacht. Die St�tzpfeiler h�tten das zehnfache Gewicht getragen.�</p><p>Kara begriff, da� sie einen wunden Punkt ber�hrt hatte. Cord war ein sehr umsichtiger Mann; sie war sicher, da� er keinen Fehler bei seiner Arbeit gemacht hatte. Aber sie war auch ebenso sicher, da� er sich fragte, ob es nicht <emphasis>doch</emphasis> seine Schuld war. Daher kam auch seine Besessenheit, die drei toten Drachenkrieger zu finden. Er w�rde sich f�r den Rest seines Lebens Vorw�rfe machen, wenn er nicht den eindeutigen Beweis erbrachte, da� ihn keine Schuld traf.</p><p>�Was sucht ihr �berhaupt hier?� fragte Kara. �Ich kann mich t�uschen, aber ich glaube, wir sind ein ganzes St�ck vom Pfeiler entfernt.�</p><p>�Frag Angella�, antwortete Cord ausweichend. �Es war <emphasis>ihr</emphasis> Befehl, hier zu graben.�</p><p>Kara sp�rte, da� Cord genau wu�te, was sie hier unten suchten, aber er wollte � oder durfte � es ihr nicht sagen. Vielleicht war Cords Rat sogar kl�ger, als er selbst ahnen mochte � sie <emphasis>w�rde</emphasis> zu Angella gehen und sie fragen, und diesmal w�rde sie <emphasis>Antworten</emphasis> verlangen.</p><p>Sie versuchte, sich durch das Gedr�nge im vorderen Teil des Tunnels zu Angella vorzuarbeiten, kam aber kaum von der Stelle, weil sich die Drachenk�mpfer und Arbeiter in dem Bem�hen, sich gegenseitig zu helfen, eigentlich nur nach Kr�ften behinderten. Pl�tzlich h�rte sie einen Schrei. Der Gr�ber auf der rechten Seite h�rte auf, sich in den Erdboden hineinzuw�hlen, und f�r Augenblicke entstand ein heilloses Durcheinander.</p><p>�Liss!� schrie Angella. �Das ist Liss! Grabt sie aus! Aber seid vorsichtig! �</p><p>R�cksichtslos schob sich Kara vor und kniete neben Angella nieder. Schulter, Arm und die zerschmetterte Hand einer Drachenk�mpferin ragten leblos aus den Tr�mmern. Die Insignien ihres �rmels wiesen die Tote als Liss aus.</p><p>Kara, Angella und Cord gingen so behutsam vor, als h�tten sie ein verletztes Kind vor sich, w�hrend sie Liss� K�rper mit blo�en H�nden weiter ausgruben. Ein Gr�ber kam klickend und rasselnd herbei und wollte helfen, aber Angella scheuchte ihn davon. Den Hornkopf Liss� Leichnam auch nur ber�hren zu lassen, w�re einem Sakrileg gleichgekommen. So zerrten und gruben sie mit blo�en H�nden weiter. Karas H�nde waren schon nach Augenblicken rot von ihrem eigenen Blut. Sie registrierte den Schmerz nicht einmal.</p><p>Es dauerte lange, die tote Drachenk�mpferin auszugraben, denn die lockeren Steinmassen rutschten immer wieder nach, aber schlie�lich konnten sie den leblosen K�rper der Drachenk�mpferin herausziehen. Instinktiv hielt Kara den Atem an, als sie den Leichnam herumdrehten und ihr Blick in Liss� Gesicht fiel, aber das Antlitz der Drachenk�mpferin war nicht entstellt, es lag auf ihrem Gesicht ein fast friedlicher Ausdruck. Sie sah eher wie eine Schlafende denn wie eine Tote aus. Allerdings zog sich eine d�nne, blutige Wunde von ihrer linken H�fte bis zur rechten Schulter.</p><p>Kara starrte die t�dliche Verletzung an und versuchte verzweifelt, das Gef�hl nackten Entsetzens niederzuringen, das sich in ihr breitmachte. Liss war tot, aber es waren nicht die herunterst�rzenden Erdmassen gewesen, die sie umgebracht hatten. Sie war auch nicht erstickt. Was sie umgebracht hatte, war ein Schu� aus einer Laserwaffe gewesen.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Was wollt Ihr damit sagen?� Ein erstarrtes L�cheln lag auf Gendiks Z�gen, das so falsch und schmierig wirkte wie der betont freundliche Klang seiner Stimme, Kara hatte spontan beschlossen, ihn nicht zu m�gen.</p><p>Auch Angella brachte ihm offenbar nicht die gr��ten Sympathien entgegen, Ihre Stimme klang so glatt und hart wie das Glas. �Ich will �berhaupt nichts <emphasis>sagen,</emphasis> Exzellenz�, antwortete sie k�hl. �Aber drei meiner Leute sind mit einem Laser oder einer �hnlichen Waffe erschossen worden. Und der St�tzbalken eines Tunnels wurde offensichtlich mit der gleichen Waffe zerschnitten, um den Tunnel zum Einsturz zu bringen. Und das in einer Stadt, in der Schu�waffen bei Todesstrafe verboten sind. Au�er f�r die Angeh�rigen Ihrer pers�nlichen Garde.�</p><p>�Schelfheim ist eine gro�e Stadt�, antwortete Gendik mit einem ausdruckslosen L�cheln.</p><p>�Z�hlt der Tod von drei Menschen in einer gro�en Stadt weniger als in einer kleinen?� fragte Angella.</p><p>Gendik zeigte sich unbeeindruckt. �Ich will damit sagen, verehrte Angella, da� Schelfheim eine wirklich <emphasis>gro�e Stadt</emphasis> ist. Die Stadtgarde umfa�t allein drei�igtausend Mann. Und jedes Jahr werden hundert oder hundertf�nfzig davon get�tet. Zwanzig oder drei�ig von ihnen verschwinden einfach. Und mit ihnen ihre Waffen. In zehn Jahren macht das allein zwei- oder dreihundert; von den Diebst�hlen, �berfallen und Waffen, die auf dem schwarzen Markt angeboten werden, ganz zu schweigen. <emphasis>Und...�</emphasis> Er hob die Stimme in jener einge�bten, fast immer wirkungsvollen Art, zu der nur Politiker f�hig sind. �Eure Krieger genie�en einen gewissen Ruf.� Gendik deutete mit einer gepflegten, aber sehr kr�ftigen Hand auf Kara. �Gestern erst hat dieses M�dchen, das aussieht wie ein Kind, das keiner Fliege etwas zuleide tun kann, vier meiner M�nner niedergeschlagen und einen halben Krieg begonnen.�</p><p>�Ich bitte Sie, Exzellenz, das ist doch...�</p><p>�Es ist wichtig, Angella�, unterbrach sie Gendik. �Denn es beweist, da� ich recht habe. Man f�rchtet Euch, Angella. Ihr genie�t den Ruf, unbesiegbar zu sein. St�rke kann sich auch gegen den Starken selbst richten. Es wundert mich nicht, da� die M�rder Eurer Br�der und Schwester sich einer solchen Waffe bedienten. W�rdet Ihr einen Drachenk�mpfer mit dem <emphasis>Schwert</emphasis> in der Hand angreifen � vorausgesetzt, Ihr geh�rt nicht selbst zu ihnen?�</p><p>�Kaum�, gestand Angella. �Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, Gendik, <emphasis>da�</emphasis> man sie get�tet hat. Ihr habt es selbst gesagt. Wir genie�en einen gewissen Ruf. Niemand t�tet einen Drachenk�mpfer ohne einen sehr triftigen Grund.�</p><p>�Irgend jemand hat es getan�, widersprach Gendik ruhig. �Und ich f�rchte, wir werden nie herausfinden, wer. Vielleicht waren sie einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Alles m�gliche Gesindel treibt sich dort unten herum. Vielleicht haben sie Schmuggler bei ihrer Arbeit gest�rt. Sie nutzen die Katakomben gern, um unseren Patrouillen zu entgegen.�</p><p>�Und dazu steigen sie eine halbe Meile tief in die Erde hinab?�</p><p>Angella schnaubte. �Macht Euch nicht l�cherlich, Gendik.�</p><p>Schelfheims Gouverneur blickte sie verwirrt an. Er wirkte nicht einmal erz�rnt, sondern nur verwirrt; vollkommen �berrascht, da� es jemand wagte, in diesem Ton mit ihm zu reden. �Jemand hat die drei ermordet, Exzellenz�, fuhr Angella fort. �Es war kein ungl�cklicher Zufall. Sie wurden <emphasis>ermordet,</emphasis> weil sie etwas sahen, was sie nicht sehen durften. Und ich werde herausfinden, wer es war � und warum.� Sie trank einen Schluck. Das Glas klirrte leise, als es gegen den Rand ihrer Maske stie�. Gendik stand auf und begann unruhig im Zimmer auf und ab zu gehen. Es war ein sehr gro�es helles Zimmer mit verglasten Fenstern, das sich im obersten Stockwerk des h�chsten Bauwerkes der Stadt befand: dem Gouverneurspalast. Der runde Turm ragte weit �ber den D�chern der Stadt empor, mit dem Ergebnis, da� er mehr als doppelt so schnell in den Boden einsank wie die �brigen Geb�ude � woraus wiederum folgte, da� Gendik nicht alle zehn, sondern alle <emphasis>vier</emphasis> Jahre in ein neu aufgesetztes Stockwerk umziehen mu�te.</p><p>�Was mich zu der Frage zur�ckbringt, weshalb ich Euch zu mir gebeten habe, edle Angella�, sagte er nach einer Weile, wobei er im Zimmer innehielt, sich aber nicht wieder setzte. <emphasis>�Ihr</emphasis> habt <emphasis>mich</emphasis> gerufen?� Angella runzelte die Stirn. �Ich dachte, <emphasis>ich</emphasis> w�re es gewesen, die <emphasis>Euch</emphasis> sprechen wollte.�</p><p>�Euer Bote erreichte mich im gleichen Moment, in dem ich den meinen losschicken wollte�, erwiderte Gendik unger�hrt. �Meine Frage ist ganz einfach: Was suchten Eure Leute dort unten, als sie get�tet wurden?�</p><p>�Einen neuen Zugang zum Trieb�, antwortete Angella. �Der Schacht ist auf halbem Wege eingest�rzt.�</p><p>�Wenn das die Wahrheit ist�, sagte Gendik in einem Ton, der bewies, da� er ganz genau wu�te, da� es nicht die Wahrheit war, �dann sind sie ein geh�riges St�ck vom richtigen Weg abgekommen.�</p><p>Angella zuckte gelassen die Schultern. �Das mag sein. Wir bewegen uns normalerweise eine Meile <emphasis>�ber</emphasis> der Erde; nicht darunter.�</p><p>Gendik seufzte, spielte das Spiel aber noch immer mit. �Und was glaubtet Ihr dort unten zu finden?�</p><p>�Vielleicht etwas, das wir am liebsten gar nicht finden wollten. Ihr habt mit Donay gesprochen.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Gendik. �Aber das beantwortet nicht meine Frage, Angella. Seit wann k�mmern sich die Drachenk�mpfer um solche Dinge? Wenn der Hochweg wirklich in Gefahr ist � was interessiert Euch daran?�</p><p>�Im Grunde nichts�, gestand Angella freim�tig. Sie leerte ihr Glas und stellte es auf den Tisch zur�ck.</p><p>�Auf der anderen Seite aber interessiert uns eben alles, was ungew�hnlich ist.�</p><p>�Es gibt Stimmen, die meinen, da� Ihr und Eure K�mpfer in den letzten Jahren etwas zu neugierig geworden seid�, erwiderte Gendik.</p><p>Kara musterte ihn �berrascht von der Seite. T�uschte sie sich � oder h�rte sie wirklich eine versteckte Drohung in seiner Stimme? Angella schwieg.</p><p>�Es gibt diese Stimmen auch in dieser Stadt�, fuhr Gendik fort. �Manche behaupten, da� Ihr vergessen habt, wer Ihr wirklich seid.�</p><p>�So?� erwiderte Angella kalt. �Und wer sind wir?�</p><p>�Krieger�, antwortete Gendik ruhig. �Tapfere Krieger, die unseren Respekt und unsere Dankbarkeit verdienen, denn zweifellos w�re diese Welt nicht, was sie ist, ohne Euch und Euren Schutz.�</p><p>�Aber Ihr meint auch, wir sollten es dabei bewenden lassen�, sagte Angella. �Ihr meint, wir sollten uns auf unsere Drachen schwingen und die Grenzen des Landes bewachen und nach Feinden Ausschau halten, nicht wahr?�</p><p>�Was <emphasis>ich</emphasis> meine, tut nichts zur Sache�, antwortete Gendik. �Aber vielleicht tun wir genau das�, fuhr Angella fort, ohne seine Antwort �berhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Sie schnippte mit den Fingern. �Ihr habt recht, Gendik � es interessiert mich �berhaupt nicht, ob diese Br�cke stehenbleibt oder umf�llt. Aber ungew�hnliche Dinge interessieren mich. Und es geschehen ungew�hnliche Dinge im ganzen Land. Ich bin sicher, Ihr wi�t, wovon ich rede. In mehreren St�dten sind die Lebensmittelvorr�te f�r den Winter ohne ersichtlichen Grund verdorben. In der westlichen Provinz ist fast die gesamte Ernte von einem Sch�dling vertilgt worden, von dem niemand zuvor geh�rt hat. Im Osten w�tet eine Krankheit, gegen die unsere besten Heiler machtlos sind. Es kommt �berall im Land zu immer schlimmeren Mutationen, und in manchen St�dten werden pl�tzlich keine Kinder mehr geboren. Die Aufz�hlung lie�e sich beliebig lang fortsetzen, aber ich glaube, Ihr wi�t auch so, worauf ich hinaus will.�</p><p>Kara sah Angella �berrascht und erschrocken zugleich an. Wieso wu�te sie nichts von all diesen Dingen?</p><p>�Und worauf wollt Ihr hinaus?� fragte Gendik.</p><p>�Auf die Frage, ob wir vielleicht nicht schon l�ngst angegriffen werden�, antwortete Angella.</p><p>Gendik lachte. �Jetzt seid Ihr es, die sich l�cherlich macht�, sagte er. �Angegriffen? Von ein paar Sch�dlingen und einer Krankheit?�</p><p>�Nein�, antwortete Angella �rgerlich. �Aber vielleicht von jemandem, der uns diese Plagen <emphasis>geschickt</emphasis> hat, Gendik! Wenn ich dieses Land erobern m��te, so w�rde ich es ganz genau so machen. In diesem Winter werden viele verhungern. Im n�chsten vielleicht noch mehr, wenn wir nicht mit den Problemen fertig werden. Zwei oder drei solcher Jahre, und wir sind praktisch wehrlos. Vielleicht ist das ihre Art, uns sturmreif zu schie�en.�</p><p>�Ein interessanter Gedanke�, sagte Gendik. �Aber ein wenig weit hergeholt, findet Ihr nicht auch? Der letzte Angriff auf eine Stadt liegt f�nfundzwanzig Jahre zur�ck.�</p><p>�Zehn�, verbesserte ihn Kara.</p><p>�Sie mu� es wissen. Sie war die einzige �berlebende�, f�gte Angella mit einem Blick auf Kara hinzu.</p><p>Gendik wirkte ein wenig irritiert, fing sich aber rasch wieder. �Gut. Aber auch zehn Jahre sind eine sehr lange Zeit. Ich glaube nicht, da� sie heute noch eine Gefahr darstellen. Die einzigen Drachen, die es heute noch gibt, sind die, die Ihr und Eure Krieger reitet.�</p><p>�Woher wollt Ihr das wissen?� fuhr Angella auf. �Wir haben Jandhi und ihre Feuerdrachen besiegt, aber wir haben niemals herausgefunden, woher sie wirklich kamen! Vielleicht haben sie ja nie aufgeh�rt, uns anzugreifen, und wir haben es nur nicht gemerkt! �</p><p>�Und Ihr wollt diesen Krieg nun in Schelfheim beenden?�</p><p>�Vielleicht wollen wir ihn hier anfangen, Gendik!� erwiderte Angella heftig. �Begreift Ihr wirklich nicht, da� Ihr hier vor allen anderen in Gefahr seid?�</p><p>�Wir? Aber warum denn?�</p><p>�Eine solch gro�e Stadt ist allemal ein lohnendes Ziel�, erkl�rte Angella. �Zerst�rt Ihr sie, habt Ihr praktisch das halbe Land vernichtet.�</p><p>Gendik lachte. �Niemand kann Schelfheim zerst�ren�, sagte er. �Es ist einfach zu gro�. Und selbst wenn, w�rden wir es wieder aufbauen. Wir haben diese Stadt schon tausendmal wieder aufgebaut, habt Ihr das vergessen?�</p><p>�Nein�, seufzte Angella. �Aber ich f�rchte, es hat keinen Zweck, wenn wir weiterreden. Ich habe auf Eure Hilfe gehofft, aber...�</p><p>�Ich habe Euch bereits geholfen, Angella�, unterbrach sie Gendik. �Auch wenn Ihr es vermutlich nicht einmal bemerkt habt. Die meisten hier waren dagegen, Euch und Eure K�mpfer in die Stadt zu lassen. Es hat mich meinen ganzen Einflu� gekostet, Euch �berhaupt den Einla� zu erlauben � und dann zu verhindern, da� Ihr kurzerhand aus der Stadt geworfen wurdet, nach dem, was dieses M�dchen getan hat. Die Leute f�rchten Euch, Angella. Es tut mir leid, aber so stehen die Dinge nun einmal.�</p><p>�Dann kann ich... nicht weiter mit Eurer Unterst�tzung rechnen?� fragte Angella z�gernd.</p><p>�Mehr kann ich nicht f�r Euch tun, ja�, antwortete Gendik. �Es darf nichts mehr geschehen, keine Versteckspiele mehr, keine Abenteuer und Husarenst�cke.� Er klatschte in die H�nde, und fast im gleichen Moment betrat Elder den Raum. Gendik deutete auf ihn.</p><p>�Ihr kennt ja Hauptmann Elder. Er wird Euch von jetzt an auf Schritt und Tritt begleiten. Falls Ihr irgendwelche W�nsche habt, so wendet Euch nur an ihn. Ich werde daf�r sorgen, da� er weitreichende Vollmachten erh�lt.�</p><p>�Elder?� Angella sch�ttelte zornig den Kopf. �Als Aufpasser, meint Ihr?�</p><p>�Ich denke, das Wort <emphasis>Begleiter</emphasis> macht es Euch leichter. Bitte, glaubt mir, da� ich Euch helfen will, Angella. Aber mir sind die H�nde gebunden.�</p><p>�Dann betet, da� das noch lange Zeit so bleibt�, sagte Angella zornig. �Denn es k�nnte gut sein, da� bald jemand kommt, der sie Euch abrei�t!�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Sie verlie�en den Gouverneurspalast so rasch, da� Hrhon, der sie begleitet hatte, aber in der Halle hatte warten m�ssen, beinahe nicht mit ihnen Schritt halten konnte. Angella zitterte, ihre H�nde hatten sich zu F�usten geballt. Kara konnte regelrecht sp�ren, wie es hinter der goldenen Halbmaske brodelte. Ihre Lehrmeisterin hatte sich nicht einmal mehr die Zeit genommen, sich formell von Gendik zu verabschieden, sondern war zornig aufgesprungen und aus dem Zimmer gest�rmt. Dabei war Kara mittlerweile fast sicher, da� Gendik die Wahrheit gesagt hatte: Er konnte ihnen nicht helfen, selbst wenn er gewollt h�tte.</p><p>Aber das machte ihn in Karas Augen auch nicht sympathischer.</p><p>Endlich beruhigte sich Angella so weit, da� sie ein wenig langsamer ging und ihre H�nde zu zittern aufh�rten. Kara warf einen Blick �ber die Schulter, ehe sie zu ihr aufschlo�. Hrhon watschelte in einiger Entfernung hinter ihnen her und hatte noch immer M�he, nicht den Anschlu� zu verlieren, w�hrend Elder dem Waga mit einigem Abstand folgte und gar nicht erst versuchte, aufzuschlie�en.</p><p>Es fiel Kara schwer, die richtigen Worte zu finden. �Ist es wahr, was Gendik gesagt hat? Da�... da� die Menschen uns f�rchten?�</p><p>Angella zuckte mit den Schultern. �Ich wei� es nicht. Vielleicht f�rchten sie uns, aber das ist normal.�</p><p>�Normal!� �chzte Kara. �Aber wir sind ihre Freunde!�</p><p>�Falsch!� antwortete Angella mit einem bitteren, durch und durch humorlosen Lachen. �Wir sind ihre Besch�tzer, nicht ihre Freunde. Der starke Arm, den sie rufen, wenn sie in Gefahr sind. Gendik hat recht: Ohne uns w�rden noch immer Jandhis Drachen �ber dieses Land herrschen. <emphasis>Wir</emphasis> haben diese Welt in weniger als einem Menschenalter zu dem gemacht, was sie ist. Und trotzdem f�rchten sie uns. Oder vielleicht gerade deshalb.�</p><p>�Aber wieso?�</p><p>�Weil ihnen unsere St�rke ihre eigene Schw�che vor Augen f�hrt�, antwortete Angella. �Au�erdem verhalten die Menschen sich immer so: Sie rufen verzweifelt nach Kriegern, wenn sie sie brauchen. Aber wenn die Gefahr vor�ber ist, beginnen sie sich zu fragen, ob sie den m�chtigen Verb�ndeten wirklich noch brauchen. Zuerst kommt das Mi�trauen, dann die Furcht, und schlie�lich folgen Verachtung und Ha�.� Sie gab einen bitter klingenden Laut von sich. �Vielleicht h�tten wir ein paar von Jandhis Drachen entkommen lassen sollen, damit die Menschen von Zeit zu Zeit daran erinnert werden, wozu es uns gibt.�</p><p>�Dann ist... alles wahr, was du Gendik erz�hlt hast?� fragte Kara z�gernd.</p><p>�Nein�, schnappte Angella w�tend. �Ich habe mir alles nur ausgedacht!�</p><p>�Du hast... mir nie etwas davon erz�hlt�, sagte Kara.</p><p>Angella seufzte. �Ja. Vielleicht war das ein Fehler. Auch ich bin nicht vollkommen.�</p><p>Ein solches Eingest�ndnis h�rte man selten aus Angellas Mund. Aber Kara kam nicht dazu, eine entsprechende Bemerkung zu machen, denn Angella blieb pl�tzlich stehen. Unsicher sah sie sich um.</p><p>�Was ist los?� fragte Kara. Ihre Hand sank unwillk�rlich auf den Schwertgriff herab.</p><p>Angella deutete mit einer Kopfbewegung auf eine Gruppe von f�nf oder sechs M�nnern, die zwanzig Schritte vor ihnen standen und sie anstarrten. Dann entdeckte Kara einen zweiten Trupp, nicht sehr weit entfernt, und als sie sich herumdrehte, tauchte hinter Elder, der ihnen in zwanzig Schritt Abstand gefolgt war, eine Gruppe von sieben oder acht Gestalten auf. Elder registrierte Karas Blick und wandte sich besorgt um. Einen Moment lang verhielt er mitten in der Bewegung, dann beeilte er sich mit weit ausgreifenden Schritten, zu Angella und Kara aufzuschlie�en, wobei er an Hrhon vorbeist�rmte.</p><p>�Das sieht nicht gut aus�, sagte er.</p><p>Angella nickte. �Ein Hinterhalt!� Auch ihre Hand bewegte sich zum G�rtel, aber sie fand nichts. Angella trug selten eine Waffe; und schon gar nicht, wenn sie zu einer Audienz beim Herrn von Schelfheim ging.</p><p>Aber wahrscheinlich brauchte sie auch keine Waffe. Sie waren vier gegen f�nfzehn, aber dieses Verh�ltnis war nicht so schlecht, wie es aussah. Hrhon allein wog sechs oder acht von ihnen auf, und Elder war kein Schw�chling. Sie...</p><p>Aus dem Schatten einer Toreinfahrt l�ste sich eine weitere F�nfergruppe. Karas Blick glitt aufmerksam �ber die Gesichter vor ihr. Es waren grobschl�chtige, schmutzige Gesichter mit wilden Augen. Die meisten Kerle hielten gleich mehrere Waffen in den H�nden. Schwerter, Keulen, Messer, Sicheln und kurze Speere, manche hatten auch nur eine Latte, die mit rostigen N�geln verziert war.</p><p>�Nett�, murmelte Kara. Mit dem Daumen der rechten Hand l�ste sie die Verriegelung ihres Schwertes, �Was wollen die Typen?�</p><p>�Ssschl�ghe, vhermhuthe isss�, zischelte Hrhon.</p><p>Elder warf ihm und Kara gleichzeitig einen warnenden Blick zu. �Seid still�, sagte er hastig. �Das ist ernst.� Er fuhr sich nerv�s mit der Zungenspitze �ber die Lippen. �Tut nichts, habt ihr verstanden? �berla�t mir das Reden.�</p><p>Was das Reden anging, so hatte Kara nichts dagegen. Aber sie schlo� vorsichtshalber die Hand um den Schwertgriff. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie sich auch Hrhon spannte.</p><p>Elder straffte die Schultern und trat den Burschen entgegen, die sich mittlerweile auf der Stra�e vor ihnen aufgebaut hatten. Kara mu�te sich nicht herumdrehen, um zu wissen, da� es hinter ihnen genauso aussah.</p><p>�Was wollt ihr?� fragte Elder mit fester Stimme, die nichts von seiner Nervosit�t verriet.</p><p>�Gebt den Weg frei!�</p><p>Nat�rlich r�hrte sich niemand. Elders Hand senkte sich auf den Schwertgriff; aber es war eine Geste, die eher demonstrativ als drohend wirkte. Sie tat allerdings keine Wirkung. Kara sah, da� sein Daumen wiederholt einen der kleinen Zierkn�pfe auf seinem G�rtel dr�ckte. Was sollte das?</p><p>�Ich bin Hauptmann Elder von der Stadtwache!� versuchte es Elder noch einmal. �Ich befehle euch, den Weg freizugeben!�</p><p>Wieder reagierte niemand.</p><p>Elder wartete einen Moment vergebens darauf, da� irgend etwas geschah, w�hrend sein Finger weiterhin hektisch auf seinem G�rtel herumdr�ckte. Dann trat er einen Schritt zur�ck und zog seine Laserwaffe. �Das ist die letzte Warnung! Gebt den Weg frei!�</p><p>Die Reaktion auf seine Worte fiel anders aus, als er erhofft hatte: Die Menge vor ihnen r�ckte geschlossen einen Schritt vor, dann l�ste sich eine einzelne Gestalt aus dem Mob und deutete auf Hrhon.</p><p>�Wir wollen ihn haben, Hauptmann. Wir haben keinen Streit mit Euch. Geht. Wir wollen nur dieses Vieh. Und die beiden Hexen.�</p><p>Elder war einen Augenblick ehrlich verbl�fft. Dann machte sich Zorn auf seinen Z�gen breit. Mit einem Ruck hob er den Laser und zielte auf das Gesicht des Burschen vor sich. �Bist du v�llig von Sinnen, Kerl?� br�llte er. �Was glaubst du, wo wir hier sind? Und wen du vor dir hast? Gib den Weg frei, oder ich schie�e dich �ber den Haufen! Ich spa�e nicht!�</p><p>Der Bursche seufzte, sch�ttelte fast bedauernd den Kopf und machte einen weiteren Schritt auf Elder zu, und Elder dr�ckte ab.</p><p>Nichts geschah. Elder starrte das mattsilberne St�ck Metall in seiner Hand fassungslos an und dr�ckte noch einmal ab und noch einmal. Der Bursche vor ihm gab ihm ausreichend Zeit, seiner Verbl�ffung Herr zu werden. Dann st�rzten sie sich wie auf ein geheimes Kommando auf sie.</p><p>Zwei warfen sich auf Elder, vier auf Hrhon und jeweils zwei Burschen auf Angella und Kara, w�hrend der Rest damit besch�ftigt war, sich auf der engen Stra�e gegenseitig zu behindern.</p><p>Da� die Angreifer die beiden Frauen untersch�tzten, war ein Fehler, den zumindest zwei von ihnen sofort bitter bereuten. Kara ri� ihr Schwert aus der Scheide und empfing den ersten mit einem Sto� des Schwertknaufs, der ihn die H�lfte seiner Z�hne kostete und ihn mit einem gurgelnden Schrei zur�cktaumeln lie�. In der gleichen Bewegung wirbelte die Waffe herum, verwandelte sich in einen schimmernden Kreis aus Stahl und befreite den zweiten Burschen von seinem Schwert. Dann sprang Kara nach vorn, fegte einem dritten Angreifer die Beine unter dem Leib weg und versuchte, die Kehle des Mannes zu treffen, als er stolperte.</p><p>Ihr Hieb ging ins Leere. Sie strauchelte, vom Schwung ihrer eigenen Bewegung mitgerissen, und versuchte, mit einem raschen Schritt das Gleichgewicht wiederzufinden. Sie w�re wahrscheinlich trotzdem gest�rzt, w�re nicht einer der Angreifer so dumm gewesen, nach ihrem Schwert zu greifen, um ihr die Waffe aus der Hand zu rei�en.</p><p>Sein Fehler kostete ihn zwei oder drei Finger, und der pl�tzliche Ruck half Kara, ihre Balance wiederzuerlangen. Mit einem Tritt schleuderte sie den Mann vollends zu Boden, schmetterte einem anderen die flache Seite der Klinge ins Gesicht und hatte sich f�r einen Moment Luft verschafft.</p><p>Es sah nicht gut aus.</p><p>Schon nach kurzer Zeit �hnelte die Stra�e einem Schlachtfeld. Ein halbes Dutzend M�nner lag verwundet oder sterbend am Boden, aber die �bermacht war einfach erdr�ckend.</p><p>Angella hatte ihre beiden Gegner niedergeschlagen und stand mit gespreizten Beinen und leicht vorgebeugtem Oberk�rper da, die H�nde pendelten locker neben ihren H�ften. Elder hatte endlich eingesehen, da� sein Laser nicht funktionierte, er hatte sein Schwert gezogen und stocherte damit in der Luft herum, um die M�nner vor sich auf Distanz zu halten. Seine freie Hand dr�ckte noch immer wie wild auf dem Knopf an seinem G�rtel herum.</p><p>Hrhon wehrte sich nach Kr�ften, aber Kara verstand pl�tzlich, was Gendik vorhin gemeint hatte: Als einzigen Gegner schienen die Angreifer <emphasis>ihn</emphasis> richtig eingesch�tzt zu haben. An jedem seiner Arme hingen gleich drei Burschen und versuchten, ihn zu Boden zu zerren, zwei weitere stie�en mit ihren Schwertern nach ihm. Hrhons wild austretende Beine hielten sie noch auf Distanz. Aber fr�her oder sp�ter w�rde einer von ihnen einfach Gl�ck haben und seine Klinge durch einen Spalt in seinem Panzer sto�en.</p><p>Die n�chste Attacke trugen die Angreifer sowohl entschlossener als auch kl�ger vor. Gleich zwei Burschen mit langen Schwertern und ein dritter mit einer mit rostigen N�geln gespickten Holzlatte drangen auf Kara ein. Mit einer blitzschnellen Hieb- und Stichkombination trieb sie die beiden ersten wieder auf Distanz zur�ck, traf sie aber nicht. Daf�r mu�te sie selbst einen Treffer des Kn�ppels in Kauf nehmen. Die N�gel vermochten ihre Jacke nicht zu durchdringen, aber die pure Wucht des Schlages lie� sie aufst�hnen. Mit einem Konterschlag kappte sie die Latte um die H�lfte, traf aber auch den Mann wieder nicht. Und die beiden anderen griffen erneut an.</p><p>Kara sprang zur Seite, sp�rte instinktiv die Gefahr hinter sich und lie� sich mit einer halben Drehung auf das linke Knie fallen. Ein halber Meter Stahl zischte so dicht �ber ihren Kopf hinweg, da� sie den Luftzug sp�ren konnte, aber fast im gleichen Augenblick traf ihr Schwert auch das Schienbein des Mannes, der sie angegriffen hatte. Er brach mit einem gellenden Schrei zusammen. Kara warf sich zur Seite, als der Mann sie unter sich zu begraben drohte, kam mit einer Rolle wieder auf die F��e und ri� gleichzeitig die Waffe an sich, die der Mann fallengelassen hatte.</p><p><emphasis>�Angella!�</emphasis></p><p>Angella stie� einen Mann von sich, der mit einer dreizinkigen Harke nach ihrem Gesicht zu sto�en versuchte, ri� den Arm hoch und griff nach dem Schwert, das Kara schleuderte. Sie fing es auf, mu�te aber im gleichen Augenblick einen Schwerthieb gegen den anderen Arm hinnehmen. Der schwarzsilberne Stoff ihrer Jacke f�rbte sich rot.</p><p>Der Angreifer fand nicht viel Zeit, sich an seinem Erfolg zu freuen. Angella t�tete ihn fast im gleichen Moment, und Kara wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihren eigenen Gegnern zu. Die Burschen begannen allm�hlich, eine gewisse Taktik zu entwickeln, die Kara nicht besonders gefiel. Immer zwei von ihnen griffen absolut gleichzeitig an, w�hrend der dritte ein wenig sp�ter nachsetzte, so da� Kara gew�rtig sein mu�te, jedesmal zumindest <emphasis>einen</emphasis> Treffer hinzunehmen. Noch sch�tzte sie das z�he Drachenleder ihrer Jacke, aber es gab praktisch keinen Muskel in ihrem K�rper, der nicht schmerzte. Fr�her oder sp�ter w�rde sie wirklich getroffen werden. Angella war bereits verwundet.</p><p>Als die beiden M�nner das n�chste Mal heranst�rmten, schlug Kara nicht nach ihren Schwertern, sondern sprang in die H�he, drehte sich um ihre eigene Achse und trat mit aller Gewalt zu. Ihr Fu� zerschmetterte den Unterkiefer des Mannes; gleichzeitig kam Kara wieder auf die F��e und f�hrte einen schnellen Stich, der den zweiten Angreifer niederstreckte. Der dritte zog sich hastig zur�ck. Wieder hatte Kara sich eine Atempause verschafft.</p><p>Die Situation wurde immer brenzliger.</p><p>Obwohl Kara und die anderen etliche Gegner ausgeschaltet hatten, wuchs die Zahl der Angreifer noch. Die M�nner hatten Verst�rkung bekommen, denn der Hinterhalt war sorgf�ltig geplant gewesen. Lange w�rden sie sich nicht mehr halten k�nnen. Mit einem raschen Blick �berzeugte sie sich davon, da� Angella allein zurechtkam, und sprang dann an Elders Seite. Der Hauptmann blutete aus einem Dutzend kleinerer Wunden. Er wankte. Sein Atem ging schnell und sto�weise. Er schlug heftig mit dem Schwert um sich, ohne allerdings zu treffen, und seine andere Hand dr�ckte noch immer an seinem G�rtel herum. �Offizier in Not!� keuchte er. �Verdammt noch mal, ich brauche Hilfe!� War er verr�ckt geworden?</p><p>Kara schaffte ihm zwei seiner Gegner vom Hals und mu�te sich dann mit einem hastigen Sprung selbst in Sicherheit bringen, denn Elder drosch blindlings auf alles ein, was sich bewegte. Kara schleuderte einen dritten Mann mit einem Tritt zu Boden und zerrte Elder dann mit sich ein St�ck auf Hrhon zu. Der Waga br�llte aus Leibeskr�ften und hatte bereits drei oder vier M�nner einfach niedergetrampelt, aber auch sein Schuppenpanzer war �ber und �ber mit Blut bedeckt.</p><p>Kara beschlo�, das Risiko einzugehen und Elder einen Moment alleinzulassen; sie eilte zu Hrhon und stie� einem der Burschen, die den Arm des Waga hielten, das Schwert in den R�cken. Der andere drehte sich mit einem zornigen Knurren zu ihr herum, beging aber den t�dlichen Fehler, Hrhons Hand loszulassen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter packten Kara und der Waga Elder einfach bei den Schultern und zerrten ihn zu Angella hin�ber. R�cken an R�cken hatten sie eine bessere Chance, die Angreifer auf Distanz zu halten. Drei oder vier von ihnen fielen, ehe sie wu�ten, wie ihnen geschah. Aber die verbliebene �bermacht war immer noch erdr�ckend. Kara k�mpfte. Je mehr sie erschlugen, desto mehr schienen sie zu werden.</p><p>Keuchend sah sie sich um. Die Stra�e glich einem Schlachthaus. Zahlreiche M�nner lagen tot oder schwer verwundet auf dem Boden, und �berall war Blut. Elder bearbeitete noch immer seinen G�rtel und schrie: �Offizier in Not! Wir brauchen Hilfe!�</p><p>�Verdammt noch mal, halt endlich das Maul!� schrie Kara. Gleichzeitig erwehrte sie sich eines weiteren Angriffs und sah sich erneut wild um. Sie brauchten einen Fluchtweg.</p><p>Der Angriff der Gegner verlor jedoch an Schwung. Noch immer zuckten Schwerter und Kn�ppel nach ihnen, aber die Angreifer beschr�nkten sich jetzt darauf, sie in Atem zu halten. Keiner kam ihnen nahe genug, da� sie ihn treffen konnten. Nat�rlich bemerkten auch Angella und Elder diesen Umstand. �Was ist los?� murmelte Angella. �Das gef�llt mir nicht.�</p><p>�Vielleicht haben sie genug�, keuchte Elder.</p><p>�Da stimmt etwas nicht�, entgegnete Angella schweratmend. Sie hatte recht.</p><p>Als w�re ihre Bemerkung ein Stichwort gewesen, zogen sich die Angreifer pl�tzlich ein gutes St�ck zur�ck und gaben eine Gasse frei.</p><p>Vor Kara und den anderen stand der gr��te Hornkopf, den sie je gesehen hatte.</p><p>Es war eine Termite, f�nf oder mehr Meter lang und mit einem Sch�del, der allein so breit wie Hrhons ganzer K�rper war. Ihre schnappenden Zangen waren l�nger als Karas Arme. Kara erstarrte f�r einen Moment. Sie hatte von solchen Giganten geh�rt, seltene Mutanten, die in den gro�en Strahlenw�sten des Westens lebten, aber noch niemals einen <emphasis>gesehen;</emphasis> geschweige denn gegen ein solches Monstrum gek�mpft.</p><p>�Gro�er Gott!� fl�sterte Elder. �Wie um alles in der Welt haben sie diese Bestie in die Stadt bekommen, ohne da� wir es merkten?! �</p><p>�Du hast vielleicht Sorgen, Elder�, murmelte Angella.</p><p>�Warum fragst du sie nicht?�</p><p>Kara h�rte kaum hin. Ihr war etwas aufgefallen, von dem sie nicht einmal wu�te, ob es etwas bedeutete. Einer der M�nner, derselbe, der am Anfang mit Elder gesprochen hatte � hatte sich jetzt zu der Termite herumgedreht und starrte sie an. Seine linke Hand lag auf einem kleinen K�stchen an seinem G�rtel. Es sah aus, als... als <emphasis>spr�che</emphasis> er mit dem Hornkopf, dachte Kara verst�rt. Sie verscheuchte den Gedanken.</p><p>�Passst auf ssseinhe Sssanghen aufh�, sagte Hrhon. �Whenn whir ihn ahllhe sssuhssammhen anghreifhen, habhen whir einhe Ssshansshe.�</p><p>�Was!� rief Elder verwirrt.</p><p>Angella winkte ab. �Verge�t es. Wir m�ssen versuchen, seine Beine zu erwischen. Wenn wir drei oder vier davon kappen, ist er harmlos.�</p><p>So weit die Theorie. Die Praxis sah allerdings anders aus, denn Hrhon stie� pl�tzlich ein markersch�tterndes Gebr�ll aus, rannte die vor ihm stehenden M�nner einfach �ber den Haufen und st�rzte sich mit erhobenen Armen auf den Hornkopf. Es dr�hnte, als schl�ge ein Riesenhammer auf einen noch gr��eren Ambo�, als seine F�uste auf den Sch�del der Termite krachten. Der Hieb h�tte ausgereicht, einen ausgewachsenen Bullen auf der Stelle zu t�ten.</p><p>Das Rieseninsekt schien den Schlag nicht einmal zu sp�ren. Seine f�rchterlichen Mandibeln schnappten zusammen, und aus Hrhons Kampfgebr�ll wurde ein erschreckendes Kreischen. Blitzartig zog er Beine und Kopf in seinen Panzer zur�ck, wodurch er sich vollends in eine zu gro� geratene Schildkr�te verwandelte. Der Hornkopf bewegte zornig den Sch�del hin und her. Kara h�rte, wie der Panzer des Waga zu knirschen begann.</p><p>�Wir m�ssen ihm helfen!� schrie Angella. �Los!�</p><p>Nebeneinander st�rmten sie los, aber sie erreichten den Hornkopf nicht, denn in diesem Moment griffen die Banditen wieder an. Und obwohl sie Hrhons Ausfall schw�chte, trieben sie die M�nner im allerersten Moment noch zur�ck.</p><p>Allerdings nicht f�r sehr lange.</p><p>Sie hatten zu nachdr�cklich bewiesen, wie gut sie in der Lage waren, sich ihrer Haut zu wehren, so da� niemand mehr versuchte, sie wirklich zu treffen. Die M�nner beschr�nkten sich lediglich darauf, die beiden Drachenk�mpferinnen und den Gardehauptmann aufzuhalten; im �brigen bauten sie darauf, da� ihr sechsbeiniger Verb�ndeter den Hauptteil der Arbeit f�r sie �bernahm.</p><p>Kara brachte inmitten eines w�sten Hagels von Schl�gen das Kunstst�ck fertig, einen Blick zu Hrhon und dem Hornkopf hin�berzuwerfen, und was sie sah, lie� sie zusammenzucken. Der Hornkopf hielt Hrhon noch immer mit den Zangen gepackt und sch�ttelte ihn wild. Er hockte wie eine riesige, mi�gestaltete Spinne auf der Stra�e, mit weit gespreizten Beinen und zitterndem Hinterleib. Offenbar legte er alle Kraft in seine Kiefer, um den Panzer des Waga zu zerbrechen. Kara wu�te, wie hart die Schale des Waga war. Aber die Kr�fte dieses gigantischen Insektenmonstrums mu�ten einfach unvorstellbar sein. Karas Blick suchte den Mann, den sie vorhin bei der Termite gesehen hatte. In ein paar Augenblicken w�rde der Hornkopf Hrhon get�tet haben, und dann w�rde er sich zweifellos mit Angella, Elder und ihr befassen. Auf seine ganz pers�nliche Art. Kara verschaffte sich mit einem w�tenden Schwerthieb Luft und sprang mit einem Salto �ber den Kopf eines verbl�fften Banditen hinweg. Dann fuhr sie herum und sah sich drei weiteren Gegnern gegen�ber � und dem Mann, den sie gesucht hatte.</p><p>Zwei Dinge machten ihren Verdacht zur Gewi�heit: Der Schmutz auf dem Gesicht war nicht echt, sondern vor nicht allzu langer Zeit k�nstlich aufgetragen worden. Au�erdem waren seine Augen auff�llig. Es waren die Augen eines Kriegers, die sie mit einem einzigen Blick taxierten. Wer immer dieser Mann sein mochte � er geh�rte ganz bestimmt nicht zu dieser Bande von Halsabschneidern hinter ihr, die sie wahrscheinlich nur angriffen, weil man ihnen Geld daf�r gab.</p><p>Kara machte eine Bewegung aus dem Handgelenk und schlug einen Mann nieder, fast ohne es zu bemerken. �Wie ist es?� fragte sie schweratmend.</p><p>�Nur du und ich?�</p><p>Im allerersten Moment schien ihr Gegen�ber ehrlich verbl�fft zu sein � aber dann reagierte er genauso, wie Kara gehofft hatte: In seinen Augen flammte es sp�ttisch auf. Mit einer Handbewegung scheuchte er die anderen M�nner zur�ck und hob gleichzeitig seine Waffe. Kara sah, da� das Schwert in gewisser Weise seinem Gesicht �hnelte. Der Schmutz und Rost darauf waren sorgsam aufgetragen worden. Darunter verbarg sich eine Klinge, die ihrer ebenb�rtig war.</p><p>�Du wei�t nicht, was du tust, Kindchen�, sagte er. �Aber bitte. Ganz wie du willst.�</p><p>Er griff an, und schon seine allerersten Bewegungen verrieten Kara, da� auch er ein ebenb�rtiger Gegner war.</p><p>Ein ganzer Hagel von Hieben und Stichen lie� sie zur�cktaumeln. Er h�tte sie mit dem zweiten oder dritten Hieb erledigen k�nnen, h�tte er es gewollt. Aber er wollte es nicht. Statt dessen gefiel er sich darin, Katz und Maus mit ihr zu spielen und ihr zwei schmerzhafte, blutende Schnitte auf beiden Handr�cken zuzuf�gen.</p><p>Kara sprang mit einem Keuchen zur�ck und betrachtete verbl�fft ihre H�nde. Sie hatte nicht einmal <emphasis>gesp�rt,</emphasis> da� er sie getroffen hatte.</p><p>Der Bursche grinste und wechselte spielerisch das Schwert von der rechten in die linke Hand. �Nun, Kleines�, feixte er. ��berrascht? Dabei habe ich noch gar nicht richtig angefangen.� Er machte einen Ausfall, dem Kara mit M�he und Not entging, und lachte blasiert. <emphasis>Einen</emphasis> schwachen Punkt hatte er also doch, dachte Kara. Dummerweise nutzte ihr diese Erkenntnis im Moment nicht viel.</p><p>Ein Schatten flog �ber sie hinweg, als der Hornkopf Hrhon mit einer einzigen Bewegung �ber die Stra�e und gegen die Wand eines Hauses schleuderte. Die Wand brach krachend zusammen, und Hrhon blieb inmitten eines Hagels aus niederst�rzenden Tr�mmern und Staub liegen. Er regte sich nicht mehr.</p><p>Kara duckte sich unter einem weiteren Hieb, tat so, als wolle sie nach links ausweichen, und machte dann einen blitzschnellen Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Ihr Gegner fiel nicht darauf herein, sondern konterte mit einem Schlag, der ihre Deckung fast m�helos durchbrach und sie von der H�fte bis zur Achsel aufgeschlitzt h�tte, h�tte sie nicht die Jacke aus Drachenleder gesch�tzt. Aber auch so prallte sie mit einem Schmerzensschrei zur�ck, glitt in einer Blutlache aus und fiel auf den R�cken. Sofort war der Fremde �ber ihr und setzte ihr die Schwertspitze an die Kehle.</p><p>�Du warst nicht schlecht, Kleines�, sagte er fr�hlich. �F�r ein dummes Kind.�</p><p>�Bitte nicht�, st�hnte Kara. Sie versuchte vergeblich, den Kopf zur�ckzubiegen, um der rasiermesserscharfen Klinge auszuweichen. Blut lief warm und klebrig �ber ihren Hals. Als sie den Kopf zur Seite drehte, sah sie, wie sich der Hornkopf mit staksigen, m�hsam aussehenden Schritten in Bewegung setzte, um Hrhon nachzusetzen.</p><p>Die Klinge ritzte ihre Kehle. �Bitte nicht?� fl�sterte sie noch einmal. �Ich gebe auf.�</p><p>Der Mann z�gerte. Er war nicht �berzeugt, aber verunsichert. �Wie?� fragte er.</p><p>H�tte Kara genickt, h�tte sie sich wahrscheinlich die Kehle aufgerissen. So wiederholte sie gepre�t: �Ich gebe auf. Wirklich.�</p><p>�Kein Trick?� vergewisserte sich der Mann mi�trauisch.</p><p>�Bestimmt nicht�, kr�chzte Kara. �Ich will nicht... sterben.�</p><p>Der Mann z�gerte noch einen Moment, dann trat er ein St�ck zur�ck und machte eine auffordernde Bewegung mit der freien Hand. �Steh auf. Und keine falsche Bewegung.�</p><p>Kara betete zu allen ihr bekannten G�ttern (die, die sie nicht kannte, schlo� sie vorsichtshalber gleich mit in ihr Sto�gebet ein), da� jede ihrer Bewegungen richtig war; sie l�ste mit �bertriebener Gestik die Hand vom Schwert und stand auf. Die Klingenspitze an ihrem Hals folgte ihr getreulich. Der Druck lie� keinen Deut nach.</p><p>�Vielleicht lasse ich dich wirklich am Leben�, sagte der Bursche. �Du siehst eigentlich ganz h�bsch aus.�</p><p>�Das w�re nett�, antwortete Kara, l�chelte und lie� sich in die Schwertklinge hineinfallen, womit der Mann �berhaupt nicht gerechnet hatte.</p><p>Im allerletzten Moment drehte sie Kopf und Oberk�rper zur Seite. Das Schwert schnitt fingertief in ihren Hals, ohne jedoch eine lebenswichtige Ader zu treffen, glitt unter ihre Jacke und durchbohrte ihre Schulter unter dem Schl�sselbein. Kara schrie vor Schmerz, als die Klinge in ihrem R�cken wieder austrat, aber gleichzeitig packte sie den Arm des Angreifers und brach ihm mit einem einzigen Hieb das Handgelenk.</p><p>Der Kerl br�llte. Kara rammte ihm das Knie zwischen die Beine, versetzte ihm einen Hieb mit dem Ellbogen zwischen die Schulterbl�tter und ri� das Knie zum zweiten Mal in die H�he, so da� es in seinem Gesicht landete.</p><p>Sie und ihr Gegner brachen fast gleichzeitig zusammen. Kara sank auf die Knie, k�mpfte einen Moment mit aller Macht dagegen an, das Bewu�tsein zu verlieren, und hob die Hand zu dem Schwert, das noch immer in ihrer Schulter steckte. Ihr war �bel, und sie hatte entsetzliche Angst, aber sie mu�te es tun, solange sie �berhaupt noch die Kraft dazu hatte.</p><p>Der Schmerz, mit dem die Klinge ihre Schulter durchbohrt hatte, war grauenhaft gewesen.</p><p>Der Schmerz, mit dem sie es wieder herauszog, war unvorstellbar.</p><p>Sie mu�te wohl doch f�r einen Moment das Bewu�tsein verloren haben, denn das n�chste, woran sie sich erinnerte, war, auf dem Gesicht in einer rasch gr��er werden Lache ihres eigenen Blutes zu liegen. Es konnten nur ganz wenige Augenblicke vergangen sein, denn der Hornkopf hatte Hrhon noch nicht erreicht, und rings um sie herum tobte der Kampf mit unverminderter Heftigkeit weiter. Kaum eine Handspanne vor sich gewahrte sie das Gesicht des Mannes, der sie niedergeschlagen hatte. Seine Augen waren tr�be vor Schmerz, aber er war bei Bewu�tsein und erkannte sie.</p><p>�Das war... nicht besonders fair von dir�, murmelte er. Blut lief aus seinem Mund und seiner zerschlagenen Nase.</p><p>�Wer hat je behauptet, da� ich <emphasis>fair</emphasis> bin, du Idiot?� gab Kara ebenso leise zur�ck. Dann nahm sie ihre letzte Kraft zusammen und schlug ihm den Ellbogen gegen die Schl�fe. Und bevor sie das Bewu�tsein verlor, l�ste sie das kleine K�stchen von seinem G�rtel und zerschmetterte es.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Von Angella erfuhr sie sp�ter, da� der Hornkopf im gleichen Moment, in dem sie das Steuerger�t zerschlug, schlagartig das Interesse an Hrhon verloren und zu toben begonnen hatte. Das Ungeheuer hatte sich wahllos auf Freund oder Feind gest�rzt. Nur sehr wenige von den Banditen, die an dem Hinterhalt beteiligt gewesen waren, hatten sein W�ten �berlebt. Anschlie�end war der Hornkopf weitergezogen und hatte drei komplette Stra�enz�ge in Schutt und Asche gelegt, ehe es der Stadtgarde gelungen war, ihn zu t�ten.</p><p>Drei Tage sp�ter nach dieser Schlacht wurde Kara von Angella aus dem Heilschlaf erweckt. Zweiundsiebzig Stunden totentiefer Schlaf und Angellas Magie hatten die tiefe Wunde in ihrer Schulter fast und das halbe Dutzend kleinerer Verletzungen, das sie davongetragen hatte, vollkommen verheilen lassen. Ihr K�rper hatte den Blutverlust verkraftet, und sie f�hlte sich frisch und ausgeruht, als h�tte sie monatelang geschlafen. Trotzdem h�tte Angella sie drei weitere Tage schlafen lassen, h�tte nicht f�r diesen Abend Gendik seinen Besuch angek�ndigt.</p><p>Angella hatte darauf bestanden, da� Kara die Zeit bis dahin noch in ihrem Zimmer und im Bett verbrachte. Der magische Heilschlaf wirkte manchmal Wunder, aber er barg auch Gefahren, denn er mobilisierte die geheimen Kraftreserven des K�rpers, so da� sich derjenige, der daraus erwachte, nur zu oft f�hlte, als k�nne er die sprichw�rtlichen B�ume ausrei�en und manchmal zu sp�t begriff, da� dieses Gef�hl trog. So mancher hatte seine Kr�fte �bersch�tzt und prompt einen R�ckfall erlitten, der t�dlich enden konnte.</p><p>Bei Kara bestand diese Gefahr allerdings nicht � ganz einfach, weil sie keinen Moment allein gelassen wurde. Nachdem Weller zu ihr gekommen war, um sich in allen Einzelheiten die Geschichte ihres Kampfes erz�hlen zu lassen, wechselten sich Hrhon, Angella und Elder darin ab, Kara die Zeit zu vertreiben und ihr den Rest der Geschichte zu erz�hlen, den sie nicht mehr aus eigenem Erleben kannte. Viel war allerdings nicht mehr passiert. Nachdem der Angriffswille der Banditen einmal gebrochen war, war es Angella und dem Waga ein leichtes gewesen, sie in die Flucht zu schlagen.</p><p>Als es d�mmerte, kam Elder zum zweiten Mal zu ihr und erkl�rte, da� Gendik und ein zweiter, hochrangiger W�rdentr�ger der Stadt auf dem Weg seien und in wenigen Augenblick eintreffen mu�ten. Kara ging zum Fenster und warf einen Blick auf den Hof hinaus. Es war noch niemand zu sehen.</p><p>�Also gut�, seufzte Angella. �Dann la�t uns hinuntergehen und alles f�r den Empfang unserer hohen G�ste vorbereiten.�</p><p>Kara sah sie aufmerksam an. T�uschte sie sich, oder h�rte sie eine ganz sanfte Spur von Spott in ihrer Stimme? Nein � sie t�uschte sich nicht. Das Glitzern in Angellas Augen, bevor sie ihre Maske aufsetzte und damit wieder zur gesichtslosen F�hrerin der Drachenk�mpfer wurde, verriet es ihr.</p><p>Auch Kara wandte sich zur T�r. Gedankenverloren rieb sie sich �ber den Arm, den sie in einer Schlinge vor dem K�rper trug. Die Schulter schmerzte nur noch ein wenig, aber sie f�hlte sich noch immer taub an.</p><p>�Kara?�</p><p>Sie blieb stehen, w�hrend Elder das Zimmer verlie�, und sah Angella fragend an.</p><p>�Nur eines�, begann Angella. �Und ich bitte dich, mir ausnahmsweise einmal zuzuh�ren.�</p><p> �Ja?�</p><p>�Ganz gleich, was ich oder Gendik oder irgendein anderer nachher sagen oder tun � du wirst schweigen und nur antworten, wenn du gefragt wirst, ist das klar?�</p><p>Kara nickte. �Wenn du es w�nschst�, sagte sie.</p><p>�Nein, ich w�nsche es nicht. Ich <emphasis>befehle</emphasis> es dir.�</p><p>Kara sp�rte, wie sich ein L�cheln der Verwirrung auf ihre Z�ge stehlen wollte, doch im letzten Moment unterdr�ckte sie es. Mit v�llig ausdruckslosem Gesicht antwortete sie: �Wie Ihr befehlt, Herrin.�</p><p>Angella wollte an ihr vor�bergehen, aber da hielt Kara sie zur�ck. �Gestattet Ihr mir eine Frage, Herrin?�</p><p>Angella machte eine �rgerliche Handbewegung. �H�r mit dem Unsinn auf, ja? Was willst du wissen?�</p><p>�Wieso soll ich �berhaupt dabeisein, wenn ich doch nichts sagen darf?�</p><p>�Eine gute Frage�, antwortete Angella. �Ginge es nach mir, dann w�rst du es auch nicht, sondern w�rdest jetzt noch in deinem Bett liegen und schlafen. Aber es geht nicht nach mir. Gendik bestand ausdr�cklich darauf, dich zu sehen.�</p><p> �Mich?�</p><p>�Alle, die bei dem �berfall dabei waren, lautete sein genauer Befehl�, antwortete Angella. �Du wirst ihm alle seine Fragen wahrheitsgem�� beantworten, aber nicht mehr. Nicht, was du geglaubt hast oder gedacht oder bef�rchtest. Verstehst du?�</p><p>�Nein�, sagte Kara wahrheitsgem��. �Aber ich werde tun, was du befiehlst.�</p><p>�Es ist wichtig, Kind. Ich kann es dir jetzt nicht erkl�ren, aber von diesem Gespr�ch kann viel abh�ngen, glaub mir. F�r uns alle.�</p><p>�Es gibt eine Menge, was du mir jetzt nicht erkl�ren kannst oder willst. Nicht wahr?� Kara sp�rte, da� ihre Worte Angella verletzten. Aber sie war auch in diesem Augenblick zu stolz, um sich zu entschuldigen. Und zu zornig. Mit einem Ruck drehte sie sich herum und lief mit raschen Schritten die Treppe hinab. Die zum Hof f�hrende T�r stand offen. Ein k�hler Lufthauch drang herein und das gr�ne Licht Dutzender von Leuchtst�ben. Im ersten Moment dachte sie, Weller h�tte sie entz�nden lassen, aber als sie sich der T�r n�herte, erkannte sie, da� sich auf dem Hof einiges getan hatte: Auf dem ummauerten Viereck befanden sich gute zwei Dutzend Reiter in den gelben Umh�ngen der Stadtgarde. Weitere Berittene schirmten das Tor und die Stra�e ab, und dann als Angella neben sie trat und ebenfalls stehenblieb, h�rte Kara ein durchdringendes Summen und sah die klobigen Hornk�pfe, die die beiden Reiter um Hauptesl�nge �berragten, obwohl sie zu Fu� neben ihnen einherstaksten. Kara konnte nicht erkennen, welcher Gattung sie angeh�rten, aber sie bestanden fast nur aus Panzerplatten, Stacheln, Scheren, und Klingen. Dar�ber hinaus schleppten sie genug Waffen mit sich herum, um eine kleine Armee auszur�sten. Oder niederzumachen.</p><p>�Wenn es um seine eigene Sicherheit geht, scheint sich Gendiks Abneigung gegen Nichtmenschen in Grenzen zu halten�, sagte sie stirnrunzelnd.</p><p>Angella lachte sp�ttisch. �Vielleicht hat er Angst vor �berf�llen?�</p><p>Die beiden Reiter sa�en ab, wodurch sie neben den Hornk�pfen vollends zu Zwergen zusammenzuschrumpfen schienen, und n�herten sich dem Haus. Kara unterdr�ckte ein Schaudern. Sie hatte Hornk�pfe noch nie besonders gemocht, und seit dem Erlebnis vor drei Tagen hatte sie eine regelrechte Abneigung gegen sie. Zu ihrer Erleichterung betraten die beiden Giganten das Haus nicht, nachdem Weller seine G�ste begr��t und mit den zeremoniellen Worten � die ihm offenbar schwer von den Lippen gingen � hereinbat.</p><p>Kara musterte besonders den zweiten Besucher aufmerksam, w�hrend sie Angella und den anderen in respektvollem Abstand in Wellers Wohnk�che folgte. Er war �lter als der Gouverneur, ein gutes St�ck kleiner, aber sehr viel drahtiger. Sein Haar war grau und fiel bis auf die Schulter herab, und sein Gesicht war hart, wirkte aber trotzdem nicht unsympathisch. Er trug einen Mantel von blutroter Farbe, der wie Elders geschnitten war. Auf seinen Schultern gl�nzten goldene Insignien, deren Bedeutung Kara nicht kannte.</p><p>Weller bat seine G�ste, Platz zu nehmen, und bot ihnen zu trinken an, was sie jedoch ablehnten.</p><p>Gendiks Blick glitt �ber die Gesichter der Anwesenden, nachdem er sich gesetzt hatte. Au�er ihm selbst und seinem Begleiter hielten sich nur Weller, Angella, Elder und Hrhon in der K�che auf. Lediglich zwei von Wellers Hornk�pfen standen bereit, um die W�nsche der G�ste zu erf�llen. Gendik scheuchte die beiden Insektenkreaturen mit einer fast angewiderten Geste hinaus und wartete, bis sie das Zimmer verlassen hatten. Dann wandte er sich wieder an Kara und l�chelte. �Du bist die junge Drachenk�mpferin, die man Kara nennt, nicht wahr?�</p><p>Kara dachte an Angellas Warnung und nickte nur.</p><p>�Es freut mich, da� du wieder wohlauf bist�, fuhr Gendik stirnrunzelnd fort. �Man erz�hlte mir, du w�rst bei dem Kampf schwer verletzt worden.�</p><p>Kara fing einen raschen, warnenden Blick Angellas auf. Sie l�chelte fl�chtig und machte eine wegwerfende Geste. �Es war halb so schlimm�, sagte sie. �Eine kleine Fleischwunde, mehr nicht.�</p><p>In den Augen des Mannes neben Gendik blitzte es sp�ttisch auf. �Eine kleine Fleischwunde? Deine Schulter wurde durchbohrt, M�dchen! Was nennst du eine schwere Verletzung?</p><p>Wenn man dir den Arm abhackt?� Er lachte. �Es scheint zu stimmen, was man sich �ber die heilende Magie der Drachenk�mpfer erz�hlt. Als <emphasis>ich</emphasis> vor Jahren einmal einen Pfeil in die Schulter bekam, lag ich drei Wochen auf dem Krankenbett und konnte den Arm monatelang nur unter Schmerzen bewegen.�</p><p>�Vielleicht hattet Ihr die falschen Heiler�, sagte Angella. �Vielleicht�, antwortete der Grauhaarige. �Aber bei uns nennt man sie �rzte.� Er konzentrierte seine Aufmerksamkeit wieder auf Kara. �Hauptmann Elder berichtete mir, da� du es warst, die den Kampf entschieden hat?�</p><p>Hinter Karas Stirn begann es heftig zu arbeiten. Das war kein blo�er Austausch von Belanglosigkeiten, sondern ein Gespr�ch, das mit einer ganz bestimmten Absicht gef�hrt wurde. Sie wog jedes Wort sorgsam ab, ehe sie antwortete. �Wenn das stimmt, dann war es ein Zufall. Ich geriet an ihren Anf�hrer und erschlug ihn.�</p><p>�Erschlagen hast du ihn nicht�, sagte der Grauhaarige. �Wir fanden das Steuerger�t, mit dem er den Hornkopf lenkte, und...� Er unterdr�ckte mit M�he ein Lachen. �... ein paar seiner Z�hne. Aber keinen Toten.�</p><p>Kara konnte einen �berraschten Blick in Angellas Richtung nicht unterdr�cken. Weder sie noch Hrhon oder Elder hatten ihr bisher gesagt, da� der Fremde entkommen war. Und sie war ziemlich sicher, da� das kein Zufall war.</p><p>�Es ist schade, da� er entkommen ist�, fuhr der Grauhaarige fort. �Ich h�tte mich gern mit ihm unterhalten. Das Steuerger�t, das er bei sich hatte, war ein kleines Wunderwerk. Wir k�nnten so etwas nicht bauen. Unsere Techniker verstehen nicht einmal, wie es funktioniert. Zu bedauerlich, da� du es zerst�rt hast.�</p><p><emphasis>Vorsicht!</emphasis> dachte Kara. Z�gernd antwortete sie: �Ich hatte keine andere Wahl.�</p><p>�Ja. Auch das hat man mir erz�hlt.� Der Grauhaarige l�chelte noch immer, aber etwas an diesem L�cheln gefiel Kara nicht. Ganz pl�tzlich begriff sie, da� die Ausstrahlung des starken, aber g�tigen alten Mannes, die ihn umgab, nicht echt war, sondern eine sorgsam gepflegte Maske, hinter der sich etwas <emphasis>v�llig</emphasis> anderes verbarg. �Ist dir sonst noch irgend etwas an ihm aufgefallen, Kind?�</p><p>Kara z�gerte, um ihn glauben zu lassen, sie denke �ber seine Frage nach. Dann sch�ttelte sie den Kopf. �Nein. Er war nur ein ausgezeichneter Schwertk�mpfer.� Sie begriff nicht ganz, was an dieser Antwort verf�nglich war, aber Angella warf ihr einen mahnenden Blick zu und mischte sich ein.</p><p>�Womit wir beim Thema w�ren, geehrter Rusman. Da Ihr als oberster Befehlshaber der Stadtgarde pers�nlich gekommen seid, nehme ich an, Ihr habt herausgefunden, wer f�r den heimt�ckischen �berfall verantwortlich ist.�</p><p>Man sah Rusman an, da� er lieber noch weiter mit Kara geredet h�tte, statt Angella zu antworten. Er sch�ttelte den Kopf. �Ich f�rchte, ich mu� Euch entt�uschen, Angella�, sagte er. �Meine besten M�nner haben drei Tage lang buchst�blich jeden Stein in dieser Stadt herumgedreht. Ohne Erfolg.�</p><p>�Das meint Ihr nicht ernst�, erwiderte Angella ohne jeden Respekt vor den Kommandanten. �Ihr wollt mir erz�hlen, Ihr h�ttet nichts herausgefunden?�</p><p>�Ich will es Euch nicht <emphasis>erz�hlen�,</emphasis> verbesserte sie Rusman. �Es ist die Wahrheit. Aber wir haben nat�rlich eine Menge herausgefunden, nur f�rchte ich, nicht genau das, was Ihr h�ren wollt, Angella.�</p><p>�Ach?� machte Angella herausfordernd. �Und was w�re das?�</p><p>�Da� es sich genauso verh�lt, wie ich schon vor drei Tagen vermutet habe�, antwortete Gendik an Rusmans Stelle. �Die M�nner, die Euch �berfallen haben, waren ganz gew�hnliche Stra�enr�uber. Gesindel, dem Ihr durch einen ungl�cklichen Zufall in die H�nde gefallen seid. Ein paar von den Toten sind uns wohlbekannt. M�rder und Diebe, um die es nicht schade ist. Von der gro�en Verschw�rung, der Ihr auf die Spur gekommen zu sein glaubt, haben wir nichts gefunden.�</p><p>�M�rder und Diebe?� wiederholte Angella ungl�ubig. �Eine ziemlich gro�e M�rderbande, nicht wahr?�</p><p>�Schelfheim ist eine gro�e Stadt�, antwortete Gendik. �Und Ihr wart in einer �blen Gegend. Seht Ihr � es hat seine Gr�nde, da� wir manche Viertel nur f�r Menschen freigeben.�</p><p>�Die allermeisten von ihnen <emphasis>waren</emphasis> Menschen�, wandte Kara ein.</p><p>�Und sie waren ziemlich gut ausger�stet f�r eine M�rderbande�, f�gte Angella hinzu. Erstaunlicherweise verzichtete sie darauf, Kara mit einem neuerlichen Blick wieder zum Schweigen zu bringen, sondern wies statt dessen beinahe anklagend auf Elder. �Sie hatten einen D�mpfer, Gendik!�</p><p>�Nein, das hatten sie ganz bestimmt nicht�, sagte Rusman. �Ich habe Hauptmann Elders Waffe untersuchen lassen. Sie war defekt, ein Materialfehler, mehr nicht.�</p><p>Elder wirkte verbl�fft, fast erschrocken. Er nickte zwar, als Rusman ihn auffordernd ansah, aber es wirkte nicht sehr �berzeugend.</p><p>Angella hob sp�ttisch die Brauen. �Und sein Sender? Wieso funktionierte der nicht?�</p><p>�Ein weiterer Defekt�, sagte Rusman achselzuckend. �So etwas kommt vor.�</p><p>�Im gleichen Moment?�</p><p>�Ein Zufall.� Rusman gab sich nicht einmal die M�he, �berzeugend zu l�gen.</p><p>�Dann war es sicher auch ein Zufall, da� auch mein Rufer nicht funktionierte, wie?� fragte sie herausfordernd. �Ich habe hinterher mit Weller gesprochen. Sein Tier hat nichts empfangen. Etwas hat die Gedankenwellen des Tieres blockiert.�</p><p>�Ihr tragt einen Rufer?� fragte Rusman. �Ihr wi�t, da� diese Tiere in Schelfheim verboten sind.�</p><p>Angella lachte b�se. �Dann legt mich doch in Ketten�, erwiderte sie.</p><p>Rusman blieb ernst. �Zwingt mich nicht dazu, es wirklich zu tun, Angella�, sagte er. �Es k�nnte sein, da� mir keine andere Wahl bleibt. Und sei es zu Eurem eigenen Schutz.�</p><p>�Wie r�hrend�, sagte Angella. �Das habe ich noch nie geh�rt.�</p><p>�Aber ich meine es ernst�, antwortete Rusman. �Seht Ihr, Angella � in einem habt Ihr recht. Es gibt sehr wohl noch eine andere Erkl�rung f�r den �berfall auf Euch. Aber sie wird Euch noch viel weniger gefallen als die erste.�</p><p>�So?� Angella bewegte sich nerv�s.</p><p>�Die Menschen hier f�rchten Euch�, sagte Rusman. �Und daher hassen sie Euch. Ihr und Eure Begleiter seid nicht willkommen in Schelfheim.�</p><p>�Bei niemandem, nehme ich an�, sagte Angella. �Nicht einmal bei Euch.�</p><p>�Nein�, sagte Rusman mit �berraschender Offenheit.</p><p>�Gerade bei mir nicht, denn ich bin f�r die Sicherheit dieser Stadt verantwortlich. Wir sind jedoch zivilisiert genug, nicht gleich ein Schwert zu nehmen und jeden, den wir nicht m�gen, zu erschlagen. Wie Ihr leider erfahren mu�tet, gilt das nicht f�r alle Einwohner dieser Stadt.�</p><p>�Der Mann, gegen den ich gek�mpft habe, war nicht aus Schelfheim�, sagte Kara.</p><p>Sie h�tte sich am liebsten im gleichen Moment auf die Zunge gebissen, aber da war es schon zu sp�t. Alle starrten sie an. Angella wirkte ziemlich w�tend.</p><p>�Wie meinst du das?� fragte Rusman mi�trauisch.</p><p>�Es war... nur so ein Gef�hl.� Kara druckste einen Moment herum. �Etwas an ihm war fremd. Ich kann es nicht genauer beschreiben.�</p><p>�Unsinn!� sagte Gendik, aber Rusman brachte ihn mit einer Geste zum Schweigen.</p><p>�Sprich weiter, M�dchen�, sagte er. �Wie meinst du das?�</p><p>�Was sie meint�, dr�ngte sich Angella in das Gespr�ch, �ist, da� dieser Mann ganz bestimmt kein dahergelaufener Halsabschneider war. Kara ist eine Drachenk�mpferin, Rusman. Vielleicht die beste, die ich je ausgebildet habe. Und dieser Fremde hat sie <emphasis>besiegt?�</emphasis></p><p>Kara fuhr zusammen, und Angella warf ihr einen um Verzeihung bittenden Blick zu, bevor sie fortfuhr: �Vor ein paar Tagen hat sie vier Eurer Soldaten niedergeschlagen, Rusman, ohne sich sonderlich dabei anzustrengen. Und dieser <emphasis>Halsabschneider,</emphasis> wie Ihr ihn nennt, h�tte sie um ein Haar get�tet.�</p><p>�Ich dachte, sie h�tte den Kampf gewonnen�, antwortete Rusrhan.</p><p>�Das hat sie. Aber nur durch einen ziemlich schmutzigen Trick, �ber den ich noch mit ihr reden werde. Er war <emphasis>besser</emphasis> als Sie.�</p><p>�Und das verletzt Euren Stolz, nicht wahr?� Gendik schnaubte. Angella wollte auffahren, aber er lie� sie nicht zu Wort kommen. �Das f�hrt zu uns, Angella. Unsere Entscheidung ist ohnehin gefallen. Rusman und ich sind hergekommen, um sie Euch pers�nlich mitzuteilen.�</p><p>�Was f�r eine Entscheidung?� fragte Angella eine Spur zu hastig.</p><p>�Die Entscheidung, da� wir Euch bitten m�chten, die Stadt zu verlassen�, antwortete Rusman.</p><p>Angella starrte ihn an. Sie sagte nichts.</p><p>�Ich k�nnte es Euch befehlen�, sagte Rusman, �und ich werde es, wenn Ihr mich dazu zwingt. Aber es w�re mir lieber, wenn Ihr es nicht t�tet. Schelfheim hat sich ver�ndert, Angella. Es ist nicht mehr die Stadt, �ber die Ihr einst als Anf�hrerin einer R�uberbande herrschtet. Und es ist auch nicht mehr die Stadt, die sich der Gewalt von Jandhis Drachenschwestern gebeugt hat. Ihr k�nnt hier nicht mehr leben.� Er wies mit einer Geste, die frei von jeder Anklage war, auf Kara und Hrhon. �In nur drei Tagen, die Ihr hier wart, habt Ihr zweimal fast einen B�rgerkrieg entfesselt. Was wird als n�chstes passieren? So hart es klingen mag, aber wir k�nnen uns G�ste wie Euch nicht leisten. Bitte geht.�</p><p>�Und wann?� fragte Angella.</p><p>�Am liebsten sofort. Aber ich will nicht unh�flich sein. Morgen bei Sonnenaufgang ist fr�h genug. Ich lasse die Posten am Hochweg informieren, damit Ihr passieren k�nnt.�</p><p>�Wie gro�z�gig�, spottete Angella. �Und Ihr ladet uns sicherlich noch zu einem �ppigen Fr�hst�ck in Eurem Palast ein wenn wir darauf bestehen, nicht wahr?�</p><p>�Eure Verbitterung ist verst�ndlich�, sagte Rusman. �Aber sie hilft uns nicht weiter.�</p><p>�Und... und der Hochweg?� fragte Angella. Sie war sichtlich aus der Fassung gebracht. Kara erinnerte sich nicht, sie jemals so hilflos gesehen zu haben. �Der Stamm? Ist es Euch v�llig gleichg�ltig, was mit dem Stamm geschieht? Er ist krank. Er wird zusammenbrechen! �</p><p>�Kaum�, erwiderte Gendik.</p><p>Angella funkelte ihn w�tend an. �Ihr wart nie dort unten!� sagte sie aufgebracht. �Ihr habt ihn nicht gesehen. Aber ich habe ihn gesehen, und glaubt mir, was ich gesehen habe, das hat mich mit Entsetzen erf�llt! Er stirbt! Er ist fast schon tot.�</p><p>�Dieser eine vielleicht. Aber der Stamm hat Hunderte von Trieben.�</p><p>�Und wenn sie alle krank sind? Donay sagt...�</p><p>Gendik unterbrach sie mit einer Handbewegung. �Donay ist ein zorniger junger Mann. Glaubt mir, wir sind uns des Problems durchaus bewu�t und arbeiten daran. Und wir haben gute Spezialisten f�r solch eine Aufgabe.�</p><p>Angella seufzte tief und schwieg, und Rusman sagte fast sanft: �Ich verstehe Eure Gef�hle, Angella. Und bitte, glaubt mir � k�nnte ich so handeln, wie ich wollte, w�rde ich Euch bestimmt nicht bitten zu gehen. Aber ich kann nicht anders. Ich bin f�r Ruhe und Sicherheit in dieser Stadt verantwortlich.�</p><p>�Ich glaube Euch�, murmelte Angella. Sie lachte bitter. �Ich glaube Euch. Und vielleicht ist das gerade das Schlimme.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Der Abschied der beiden hochrangigen Besucher verlief beinahe �berhastet. Beide waren sichtlich froh, gehen zu k�nnen. Weller und Elder begleiteten sie auf den Hof hinaus, w�hrend Angella, Hrhon und Kara allein in der K�che zur�ckblieben. Es wurde sehr still. Angella hatte sich auf einen Stuhl am Tisch sinken lassen und das Gesicht zwischen den H�nden verborgen, und Kara f�hlte sich immer unbehaglicher. Schlie�lich hielt sie die Stille nicht mehr aus.</p><p>�Es... es tut mir leid�, sagte sie. �Bitte, entschuldige.�</p><p>Im ersten Moment reagierte Angella gar nicht. Dann nahm sie ganz langsam die H�nde herunter und sah Kara an. �Entschuldigen! Was?�</p><p>�Da� ich mehr gesagt habe, als ich durfte�, antwortete Kara. �Ich habe mich hinrei�en lassen.�</p><p>Angella winkte ab. �Das ist schon in Ordnung�, sagte sie. �Es war ein dummer Befehl, und dummen Befehlen sollte man nie gehorchen. Wenn �berhaupt, dann war es mein Fehler.� Sie seufzte. �Ich hielt es f�r einen klugen Gedanken, vorsichtig zu sein. Diplomatisch. Pah! Man mu� diesen Narren die Wahrheit ins Gesicht schleudern. Mit Kn�ppeln sollte man sie ihnen in die Sch�del pr�geln! Aber das w�rde wahrscheinlich auch nichts nutzen. Sie wollen sie ja gar nicht h�ren. Und vielleicht haben sie ja recht.� Sie seufzte abermals und schwieg f�r eine ganze Weile.</p><p>Z�gernd hob Kara die Hand und ber�hrte ihre Lehrerin an der Schulter, und pl�tzlich streckte auch Angella den Arm aus und ber�hrte Karas Finger. Es war ein seltsames Gef�hl. Sie h�tte sich nie auch nur tr�umen lassen, da� eines Tages <emphasis>sie</emphasis> es sein k�nnte, die Angella Trost spendete. Aber es war so. Vielleicht war Angella nicht so stark, wie sie immer geglaubt hatte. �Vielleicht haben sie recht�, sagte Angella noch einmal. Sie l�ste ihren Griff von Karas Hand, straffte die Schultern und nahm die Maske ab. Das Gesicht, das darunter zum Vorschein kam, sah sehr alt aus und sehr m�de. �Vielleicht bin ich es ja, die sich irrt. Vielleicht gibt es keinen Feind, und ich bilde mir das alles nur ein.�</p><p>�Bestimmt nicht�, sagte Kara.</p><p>Angellas H�nde begannen nerv�s mit der goldenen Halbmaske zu spielen. �Vielleicht doch�, sagte sie. �Wei�t du, Kara, es gibt viel, was ich dir nicht erz�hlt habe. Du wei�t vielleicht von allen lebenden Menschen am meisten �ber mich, aber du wei�t nicht alles von mir.� Sie deutete auf die verbrannte Seite ihres Gesichtes. �Ich habe dir erz�hlt, da� es Jandhis Drachen waren, die mir dies angetan haben. Aber was ich dir niemals erz�hlt habe, ist, da� ich nie wirklich dar�ber hinweggekommen bin, Kara. Nie.�</p><p>Kara sah sie verwirrt an. Sie begriff nicht ganz, was Angella meinte.</p><p>�Ich war nicht viel �lter als du, als es passierte�, fuhr Angella fort. Ein bitterer, harter Klang schwang pl�tzlich in ihrer Stimme. �Ich war wild und jung und stark und wollte die Welt erobern, und dann war es ganz pl�tzlich vorbei. Sie haben meine Familie get�tet und mich selbst in... in ein Wesen verwandelt, bei dessen Anblick es jedem schaudert. Sie haben mein Leben zerst�rt, Kara, in einem einzigen Augenblick! Ich habe sie daf�r geha�t. Ich habe mich selbst geha�t f�r das, was ich geworden war, aber noch mehr habe ich sie geha�t. Ich wollte sterben, aber noch sehr viel mehr wollte ich herrschen. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll � deshalb habe ich Tally und Hrhon damals geholfen. Nicht, weil sie meine Freunde waren. Weil sie die Feinde meiner Feinde waren, Kara. Dieses n�rrische, hitzk�pfige Kind und ihr schildkr�tengesichtiger Freund waren mir so gleichg�ltig wie der Schmutz unter meinen Fingern�geln.�</p><p>Kara warf einen Blick auf den Waga, der neben der T�r sa� und zuh�rte. Hrhon reagierte aber nicht auf Angellas Worte. Eigentlich glaubte Kara auch nicht, da� sie die Wahrheit sagte. Angella hatte ihr Tallys und ihre Geschichte erz�hlt, in jener furchtbaren, nicht endenwollenden Nacht, in der sie sie vor den Ruinen ihrer brennenden Heimatstadt aufgelesen hatte. Vielleicht war es ganz am Anfang so gewesen � aber das war nicht alles. Tally hatte ihr Leben geopfert, um Jandhi und ihre Drachen t�dlich zu treffen, aber was danach kam, der f�nfundzwanzigj�hrige, zerm�rbende Kampf gegen die Versprengten, das z�he, aufreibende Ringen, aus dem Sieg einen dauerhaften Zustand des Friedens und der Sicherheit zu machen, war der schwerere Teil der Arbeit gewesen. Und <emphasis>den</emphasis> hatten Angella und Hrhon ganz allein bew�ltigt. Sie allein hatten die neuen Drachenk�mpfer aufgebaut.</p><p>�Aber du hast sie besiegt�, sagte Kara leise.</p><p>�Vielleicht�, murmelte Angella. �Und vielleicht h�tte ich es besser nicht getan.�</p><p>Kara verstand nicht.</p><p>�Vielleicht haben wir sie damals wirklich geschlagen, Kara, vernichtend und endg�ltig. Ich habe es niemals geglaubt, aber heute beginne ich mich zu fragen, warum das so war. Sag es mir, Kara. Wieso suche ich seit f�nfundzwanzig Jahren nach einem Feind, den es vielleicht schon nicht mehr gibt!�</p><p>�Weil man immer auf der Hut sein mu߫, antwortete Kara. �Weil der Feind niemals schl�ft und immer auf einen Moment der Unaufmerksamkeit wartet, um...�</p><p>Angella unterbrach sie. �Das ist es, was ich euch erz�hlt habe. Ich habe es dir und den anderen zwanzig Jahre lang eingeh�mmert, so lange, bis ich es selbst glaubte. Aber ich wei� einfach nicht mehr, ob es die Wahrheit ist. Vielleicht... brauchte ich einfach einen Feind. Vielleicht brauchte ich all die Jahre �ber einfach etwas, das ich hassen konnte.�</p><p>Sie schlo� mit einem tiefen Seufzen. Kara ahnte, wie schwer Angella dieses Eingest�ndnis gefallen war, ob es nun stimmte oder nicht. Angellas Worte ersch�tterten sie zutiefst. Sie betrachtete Angellas Gesicht, und in gewisser Weise war es, als sehe sie es zum ersten Mal.</p><p>Die eine H�lfte von Angellas Antlitz war einfach das einer alten Frau; die andere H�lfte ihres Gesichtes, wo sie der Feueratem des Drachen getroffen hatte, war eine Maske aus braunschwarzem Narbengewebe, in dem einzig das Auge wie durch ein Wunder unversehrt geblieben war. F�r Kara hatte dieser Anblick niemals etwas Absto�endes gehabt. Sie versuchte zu begreifen, was Angella ihr gerade gesagt hatte, aber der blo�e Versuch lie� sie schon erschaudern. Ein Leben, das nur von Ha� bestimmt war. Was bedeutete es, wenn sie recht hatte und es jenen geheimnisvollen Feind, auf den sie warteten, schon l�ngst nicht mehr gab?</p><p>Sie dachte den Gedanken nicht zu Ende. Denn wenn sie wirklich einem Phantom aufgesessen waren, bedeutete es, da� alles, was Angella jemals getan, alles, was sie aufgebaut und erschaffen hatte, der Drachenhort, die Armee der Drachenk�mpfer, ihr aller Leben, umsonst gewesen war. Nein, das durfte nicht sein!</p><p>Leise fragte Kara: �Und was willst du jetzt tun?�</p><p>Angella hob m�de die Schultern. �Was kann ich schon tun!� fragte sie. �Du hast Gendik geh�rt. Wir werden die Stadt verlassen � und hoffen, da� ich mich geirrt habe.�</p><p>Da� in diesem Moment die T�r aufging und Weller und Elder hereinkamen, erschien Kara wie ein Geschenk des Himmels, denn Angella gab sich bei ihrem Anblick einen sichtbaren Ruck und setzte ihre Maske wieder auf. Kara bemerkte, da� Elder erschrocken zusammenfuhr, als er Angellas Gesicht f�r einen Moment sah, wie es wirklich war. Wahrscheinlich hatte er ihre goldene Halbmaske f�r ein Schmuckst�ck gehalten; f�r eine harmlose Marotte.</p><p>�Nun, Hauptmann?� begr��te ihn Angella. �Habt Ihr Euren... <emphasis>Herrn</emphasis> zur T�r begleitet?�</p><p>Elder zuckte unter ihren Worten zusammen, als h�tte sie ihn geohrfeigt. �Es tut mir leid�, sagte er. �Es... war nicht meine Entscheidung, das m��t Ihr mir glauben. Im Gegenteil. Ich...�</p><p>Er brach ab. Mit einem hilfesuchenden Blick wandte er sich an Kara, aber sie reagierte nicht. Was h�tte sie auch sagen sollen? �Ich glaube eher, da� Ihr recht habt und Rusman und Gendik sich irren.�</p><p>Angella blickte ihn nur schweigend durch die Schlitze ihrer Maske hindurch an, aber Kara sagte in scharfem Ton: �Wenn das so ist, Elder, warum habt Ihr dann vorhin geschwiegen?�</p><p>�Mir waren die H�nde gebunden�, verteidigte sich Elder. �Was h�tte ich tun sollen? Rusman der L�ge bezichtigen? Oder etwa Gendik?�</p><p>�Der L�ge? Wie meint Ihr das? � Angellas Interesse war erwacht. Elder druckste einen Moment herum. �Vielleicht ist es auch nur ein Irrtum�, sagte er ausweichend. �Jemand kann einfach einen Fehler gemacht haben. Aber mein Laser...� Er z�gerte noch einmal, dann stie� er mit sichtlicher Anstrengung hervor:</p><p>�Er war v�llig in Ordnung. Ich habe ihn aufgehoben, nachdem der Hornkopf fort war, und noch drei oder vier Sch�sse abgegeben. Ihr habt es nicht gemerkt, weil Ihr mit dem Waga und mit Kara besch�ftigt wart. Aber er funktionierte tadellos.�</p><p>�Genauso wie Euer Sender, vermute ich.� Angella sch�rzte ver�chtlich die Lippen. �Ihr solltet Euch �berlegen, ob Ihr f�r die richtigen Leute k�mpft, Elder. Das Leben ihrer Untergebenen scheint Euren Herren nicht viel wert zu sein.�</p><p>Elder sah immer ungl�cklicher aus. �Bitte, Angella�, sagte er. �Zwingt mich nicht, eine Entscheidung zu treffen, die ich nicht f�llen will. Ich bin nur ein einfacher Soldat, der nichts von Politik versteht. Ich wei� nicht, was hier vorgeht. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich es wirklich wissen will.�</p><p>�Ein bequemer Standpunkt�, erkl�rte Kara sp�ttisch.</p><p>Angella brachte sie mit einem Blick zum Schweigen, ehe sie sich wieder an Elder wandte. �Ihr wollt mir damit also sagen, da� Rusman gelogen hat.�</p><p><emphasis>�Jemand</emphasis> hat gelogen�, antwortete Elder betont. �Es mu� nicht Rusman gewesen sein. Er ist ein ehrlicher Mann.� Nerv�s fuhr er sich mit der Zunge �ber die Lippen. Er wich Angellas Blick aus. �Aber sie <emphasis>haben</emphasis> einen D�mpfer. Ich bin ganz sicher.�</p><p>�Was ist das?� fragte Kara, �ein D�mpfer?�</p><p>�Ein technisches Ger�t�, antwortete Angella an Elders Stelle. �Es stammt noch aus der alten Welt. Ich selbst habe noch nie einen gesehen, aber davon geh�rt. D�mpfer sind sehr selten. Angeblich sollen sie jede andere technische Apparatur in einem gewissen Umkreis lahmlegen.�</p><p>�Und das Steuerger�t, das der Fremde trug?�</p><p>Angella zuckte mit den Schultern. �Vielleicht <emphasis>war</emphasis> es der D�mpfer.� Sie lachte rauh. �Sollte es so sein, dann verstehe ich, da� Rusmans Techniker so entt�uscht waren, da� du es zerschlagen hast.�</p><p>Sie stand auf. �Es ist sp�t geworden. La�t uns schlafen gehen. Die Nacht ist kurz, und wir haben eine anstrengende Reise vor uns.�</p><p>Elder blickte sie v�llig verwirrt an, aber nach einem Moment schien er zu begreifen, da� Angella jetzt einfach nicht mehr reden wollte. Er verabschiedete sich mit dem Versprechen, am n�chsten Morgen noch vor Sonnenaufgang wiederzukommen; nach einer Weile verlie�en auch Weller und Hrhon das Zimmer.</p><p>Kara hielt Angella mit einer Handbewegung zur�ck, als auch sie gehen wollte. Es gab noch eine Frage, die sie bewegte. �Was du vorhin gesagt hast, Angella�, sagte sie. �War der Fremde wirklich besser als ich?�</p><p>�Es w�rde deinen Stolz verletzen, wenn es so w�re, nicht wahr?� erwiderte Angella. Sie sch�ttelte den Kopf, als Kara widersprechen wollte. �Wenn du ganz ehrlich zu dir bist, dann kannst du dir diese Frage allein beantworten, Kara. Und wenn nicht... nun, <emphasis>ich</emphasis> werde sie dir beantworten, wenn <emphasis>du</emphasis> mir zuvor eine andere beantwortest.�</p><p>�Und welche?� Kara hatte das Gef�hl, da� es besser gewesen w�re, das Thema nicht anzusprechen.</p><p>�Als er dich am Boden hatte, da hast du um dein Leben gefleht�, sagte Angella. �War das wirklich nur eine List? Oder meintest du deine Worte ernst?�</p><p>Kara senkte betroffen den Blick. Sie wu�te es nicht. Die Verlockung, sich auf eine List herauszureden, war gro� � aber sie war nicht sicher, ob es wirklich die Wahrheit gewesen w�re. �Ich verlange nicht, da� du mir antwortest�, sagte Angella sanft. �Aber vielleicht solltest du dar�ber nachdenken, da� es Fragen gibt, die man besser nicht stellt.�</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Obwohl sie drei Tage und N�chte ununterbrochen geschlafen hatte, sank sie wenige Augenblicke sp�ter in einen tiefen Schlummer, aus dem sie erst nach Sonnenaufgang erwachte. <emphasis>Traumlos</emphasis> war ihr Schlaf nur in den ersten Stunden gewesen, danach verwandelte er sich in ein wirres Durcheinander von Bildern und Farben. Sie glaubte, Schreie zu h�ren und ein Zittern und Beben zu sp�ren, als w�re die ganze Welt aus den Fugen geraten, aber sie sah nur dann und wann ein verzerrtes Gesicht, ohne es zu erkennen.</p><p>Dann wachte sie auf. Verwirrt hob sie die Lider und starrte die wei�get�nchte Decke �ber sich an. Sie f�hlte sich benommen. In ihrem Mund klebte ein schlechter Geschmack, und in ihren Ohren dr�hnte ein Rauschen � und die Schreie waren immer noch da.</p><p>Alarmiert schwang Kara die Beine aus dem Bett und richtete sich auf. Ein scharfer Schmerz zuckte durch ihre Schulter. Sie verzog das Gesicht, massierte sich fl�chtig den Oberarm und griff nach der Schlinge, die am Bettpfosten hing. Erst als sie sie �bergestreift und den Arm hineingelegt hatte, stand sie auf und trat ans Fenster.</p><p>Nichts.</p><p>Wellers Hof lag verlassen da, aber das Gef�hl, da� irgend etwas passiert war, verdichtete sich fast zur Gewi�heit. Sie eilte zum Bett zur�ck, schl�pfte in ihre Kleider und verlie� das Zimmer.</p><p>Im Haus herrschte helle Aufregung. Sie h�rte hastige Schritte und laute Stimmen. Was war geschehen? Sie hielt die erste Gestalt an, die an ihr vor�berkam, aber sie geriet an einen Hornkopf, der sie nur bl�de anglotzte. Kara versetzte ihm einen Sto� und eilte weiter.</p><p>In der K�che war niemand, und auch die �brigen Zimmer waren leer, aber auf dem Hof traf sie Hrhon, der gerade ebenso ungeschickt wie erfolglos versuchte, auf ein Pferd zu steigen. Das Tier wehrte sich heftig. Wahrscheinlich gefiel es ihm nicht, von einem Reiter bestiegen zu werden, der fast soviel wog wie es selbst.</p><p>�Hrhon!� rief Kara. �H�r auf, das arme Tier zu qu�len, und sag mir lieber, was hier los ist. Was soll die Aufregung?�</p><p>Hrhon hielt in seinen fruchtlosen Bem�hungen inne, auf das Pferd zu klettern, und wandte sich zu ihr um. �Der Hhohchwhehghl� keuchte er aufgeregt. �Er ihsssth uhmghefhallhen!�</p><p>Kara stand da wie vom Donner ger�hrt. �Wie bitte?� keuchte sie.</p><p>�Er ihsssth uhmghefhallhen!� wiederholte Hrhon. �Eihnfhahch shoh! Bhuuuhm!�</p><p>Einen Wimpernschlag lang stand Kara reglos da und starrte den Waga an, dann sprang sie mit einem Satz die zwei Stufen zum Hof hinunter, stie� Hrhon einfach beiseite und sprang selbst in den Sattel des Pferdes. �Worauf wartest du?� schrie sie. �Such dir ein anderes Pferd, das dich tr�gt, und dann komm! Wo sind �berhaupt Angella und die anderen?�</p><p>�Bheim Fffheilher�, antwortete Hrhon. Er sah sich wild nach einem anderen Reittier um.</p><p>Was f�r eine dumme Frage, dachte Kara. Wo sollten sie sonst sein? Sie versp�rte einen fl�chtigen �rger, da� Angella es nicht einmal f�r n�tig gehalten hatte, sie zu wecken. Aber wahrscheinlich waren sie alle einfach zu aufgeregt gewesen. Hrhon rannte zum Tor, und Kara war ihm kaum gefolgt, als sie auch schon einsah, wie wenig ihr das Pferd nutzte: auf den Stra�en herrschte ein solches Gedr�nge und Chaos, da� sie mit dem Tier schon nach Augenblicken hoffnungslos steckenblieb. Sie stieg aus dem Sattel und lie� das Pferd einfach stehen. Hrhon versuchte, mit seinen m�chtigen K�rperkr�ften einen Weg f�r sich und Kara zu bahnen, doch obwohl er alles andere als zimperlich dabei vorging, kamen sie kaum von der Stelle. Jeder einzelne Einwohner Schelfheims schien auf den Beinen zu sein. Die Luft hallte wider von Schreien und Pfiffen, und der Boden schien unter dem Gewicht Tausender h�mmernder F��e zu zittern. Mehrmals f�rchtete Kara, von Hrhon getrennt zu werden, und einmal verlor sie den breiten R�ckenschild des Waga tats�chlich aus den Augen, fand ihn aber wieder, ehe sie in Panik geraten konnte.</p><p>Irgendwie schafften sie es, die Barriere zu erreichen, an der sie vor drei Tagen schon einmal fast gescheitert waren. Diesmal wurde das Hindernis von gleich einem Dutzend Soldaten und dreimal so vielen Hornk�pfen bewacht.</p><p>Was allerdings auch bitter n�tig war.</p><p>Hunderte, wenn nicht Tausende von Gestalten dr�ngten gegen die h�lzerne Wand, und der L�rm war so unbeschreiblich, da� sie sich nicht einmal mehr schreiend verst�ndigen konnten. Kara signalisierte Hrhon mit Gesten, sich irgendwie einen Weg zu bahnen. Am Ende einer Gasse aus geprellten Rippen, ausgekugelten Armen und blutigen Nasen und Zehen erreichten sie das Tor � und Karas Herz machte einen erschrockenen Satz, als sie �ber einem der papageiengelben M�ntel ein Gesicht erblickte, das sie nur zu gut kannte. Vor gut drei Tagen hatte sie dieses Gesicht mit ihrem rechten Fu� ein wenig unsanft traktiert. Der Soldat schien sich ebensogut an sie zu erinnern, denn sein noch immer geschwollenes Gesicht verd�sterte sich. Aber dann hob er zu Karas �berraschung die Hand und gab ein Zeichen, sie und Hrhon durch das Tor zu lassen.</p><p>�Verdammt!� murmelte Kara. �Ich habe keine Zeit, mich jetzt mit diesen Idioten herumzuschlagen!� Finster blickte sie dem Gardesoldaten entgegen, der mit wehendem Mantel auf sie zugeeilt kam. Sie spannte sich. Sie hatte nicht vor, sich lange von diesen Operettensoldaten aufhalten zu lassen.</p><p>Aber der Mann begann pl�tzlich aufgeregt hinter sich zu gestikulieren, wo Kara zwei aufgez�umte Pferde erblickte. �Los doch!� br�llte er. �Macht, da� ihr weiterkommt, ehe hier der Teufel ausbricht. Diese verdammte Bande wartet doch nur auf einen Vorwand, die Sperre zu st�rmen!�</p><p>Kara war ziemlich �berrascht, aber sie verschwendete keine Zeit mit �berfl�ssigen Fragen, sondern stieg in den Sattel und wartete ungeduldig, bis auch Hrhon ungeschickt auf den R�cken des Pferdes geklettert war. Wahrscheinlich hatte Angella Befehl gegeben, sie und den Waga durchzulassen. Sie sprangen los. Ganze Trupps von Soldaten und Hornk�pfen kamen ihnen entgegen, manche voller frischer Kraft, andere verdreckt und ersch�pft. Sie passierten einen von zwei Pferden gezogenen Wagen, auf dem ein halbes Dutzend Verletzter auf blutigen Laken lag. Dann entdeckten sie die ersten wirklichen Spuren der Katastrophe: Vor ihnen g�hnte ein gewaltiges Loch in der Stra�e. Vier oder f�nf H�user waren in die Tiefe gest�rzt.</p><p>Kara blickte schaudernd in das dunkle Loch hinab. Unheimliche Ger�usche drangen aus der Tiefe: ein best�ndiges Rasseln und Schleifen, das gelegentliche Poltern eines Steins, das Rieseln von Sand und Kies. Dann legte Kara den Kopf in den Nacken und sah auf. Hrhon hatte �bertrieben: Der Hochweg war nicht- <emphasis>umgefallen.</emphasis> Er erhob sich noch immer �ber den D�chern Schelfheims, und er wirkte nicht einmal schwer besch�digt. Zwei oder drei seiner Beine waren abgebrochen und zu Boden gest�rzt. Kara ersp�hte dar�ber hinaus mehr oder weniger gro�e Risse in der Br�cke; h�bsch anzusehende Flecke, durch die das Licht der Morgensonne schien. Wenn man genauer hinsah, erkannte man, da� ein vielleicht zwei Meilen langes Teilst�ck der zyklopischen Konstruktion in sich verbogen und verzogen war; ein Wunder, da� es noch hielt.</p><p>Trotzdem war das Ungl�ck entsetzlich genug; ein t�dlicher Regen aus Stein und Holz, der v�llig warnungslos aus dem Himmel fiel. Kara dachte an die H�user und Verschl�ge, die sie oben auf der Br�cke gesehen hatte, und sie fragte sich, auf welcher Seite es wohl mehr Tote gegeben hatte � hier unten oder dort oben.</p><p>�Ich sch�tze, die Grundst�cke unter der Br�cke werden in Zukunft nicht mehr ganz so hei� begehrt sein wie bisher�, sagte sie. �Komm � beeilen wir uns. Angella wird bestimmt nicht auf uns warten.� Sie wollte auf jeden Fall dabeisein, wenn Angella in die Tiefe herabstieg, um sich die Sch�den am Trieb aus der N�he anzusehen.</p><p>Hrhon schaute sie auf eine sonderbare Weise von der Seite her an, aber Kara achtete nicht darauf, sondern trieb ihr Pferd an. Rings um den riesigen Krater herrschte eine hektische Aktivit�t. Seile und Leitern wurden in die Tiefe gelassen, und M�nner und Hornk�pfe stiegen auf der Suche nach �berlebenden hinab. Kara sah gleich Dutzende von Gr�bern, und auf einem h�lzernen Wagen wurden etliche Transporter herangebracht. Die Spuren der Zerst�rung nahmen zu, je weiter sie in die Stadt eindrangen. Nicht alle H�user hatte es so schlimm getroffen, da� sie gleich in den Boden hineingestampft worden waren, aber viele lagen in Tr�mmern. D�cher waren durchschlagen und W�nde zu gewaltigen Schutthalden aufget�rmt. �berall wirbelte Staub. Glasscherben, Schutt und zertr�mmerte M�bel bedeckten die Stra�e.</p><p>Karas Unbehagen wuchs, je n�her sie dem Pfeilerhaus kam. Aber einen Pfeiler gab es hier nicht mehr.</p><p>Im ersten Augenblick glaubte sie, es l�ge am Staub, da� sie nirgends den Pfeiler ausmachen konnte, aber schlie�lich ri� ein kr�ftiger Windsto� die Staubwolken �ber ihr auf, und sie konnte sicher sein: Der Pfeiler war nicht mehr da, nur noch ein gr��eres Tr�mmerst�ck ragte aus dem Boden.</p><p>Der Stamm war verschwunden.</p><p>Kara bi� sich auf die Lippen. Offensichtlich war der ganze Trieb zusammengebrochen. Sie war fast sicher, da� Rusman oder dieser Narr Gendik allerh�chstens zwei Tage brauchen w�rden, um zwischen dieser Tatsache und der, da� sie in seiner unmittelbaren N�he gearbeitet hatten, eine Beziehung herzustellen. Es w�rde sie nicht einmal wundern, wenn es am Ende so aussah, als w�re es <emphasis>ihre</emphasis> Schuld! Gleichzeitig begann sich eine Sorge um Donay in ihr breitzumachen. Bedachte sie die Gewohnheit des jungen Bio-Konstrukteurs, praktisch Tag und Nacht zu arbeiten, dann standen die Chancen nicht schlecht, da� er <emphasis>hier gewesen</emphasis> war, als das Ungl�ck passierte. Kara war pl�tzlich froh, bald aus dieser verr�ckten Stadt herauszukommen.</p><p>Fassungslos blickte sie das riesige, g�hnende Loch an, wo das Pfeilerhaus gestanden hatte. Der Pfeiler war nicht zusammengest�rzt. Er war einfach <emphasis>nicht mehr da!</emphasis> �O mein Gott!� fl�sterte Kara. �Was... was ist hier passiert?�</p><p>Hrhon hielt neben ihr an und deutete zur anderen Seite des Platzes. Hunderte von Gestalten bewegten sich hektisch am Rand des Loches. Zu ihrer Erleichterung erkannte Kara Elder unter den gelb bem�ntelten Gestalten. Sie wu�te nicht, warum, aber sie war pl�tzlich froh, ihn zu sehen.</p><p>Dann erblickte sie Donay. Der Junge war v�llig verdreckt, aber offensichtlich unverletzt. Durch einen Berg aus Tr�mmern und Staub stolperte er auf sie und Hrhon zu.</p><p>�Donay!� Kara sprang aus dem Sattel und eilte ihm entgegen. �Was ist passiert? Um Gottes willen, was ist hier geschehen?�</p><p>Donays Lippen bewegten sich, aber im ersten Moment brachte er nur ein unverst�ndliches Schluchzen heraus. Tr�nen liefen aus seinen Augen und zeichneten dunkle Spuren in den Staub auf seinem Gesicht.</p><p>Kara ergriff ihn bei den Schultern und sch�ttelte ihn grob. �Donay! Was ist passiert?� Ihr scharfer Ton brachte ihn ein wenig zur Besinnung.</p><p>�Tot�, stammelte Donay. �Sie... sie sind alle tot!�</p><p>Kara widerstand der Versuchung, ihn noch heftiger zu sch�tteln. Mit erzwungener Ruhe fragte sie noch einmal: �Was ist passiert, Donay? Bitte, beruhige dich und erz�hl es mir.�</p><p>�Er ist... zusammengebrochen�, stammelte Donay. �Einfach so. Gerade war er noch da, und einen Augenblick sp�ter... nicht mehr. Er war... er war einfach weg. Es hat ihn einfach in die Tiefe gerissen. Wie... wie eine Fliege, der man ein Bein abrei�t. Einfach so.�</p><p>Er begann wieder zu stammeln, und Kara sah ein, wie sinnlos es war, weiter mit ihm reden zu wollen. Unschl�ssig blickte sie zu dem gewaltigen Loch hin�ber. <emphasis>Wie einer Fliege ein Bein...</emphasis></p><p>Sie erschauerte. Der Pfeilerrest sah tats�chlich wie abgerissen aus, und dieser Schacht in der Erde...</p><p>Eine Bewegung lie� sie aufblicken. Elder eilte auf sie zu. Sein Gesicht war ebenso schmutzig wie Donays, aber offensichtlich hatte der Schrecken ihm nicht die Sinne getr�bt. �Kara!� rief Elder schweratmend. �Gott sei Dank, da� du kommst. Angella...�</p><p>�Ich wei�t nicht, wo sie ist�, unterbrach ihn Kara ungeduldig. �Sie ist vor mir losgeritten. Was ist hier passiert? Donay behauptet, der Stamm w�re einfach nach unten gezerrt worden!�</p><p>�Das stimmt�, antwortete Elder. �Ich war in der N�he, als es passiert ist. Es gab ein Krachen, als st�rzte die ganze Stadt zusammen, und dann... verschwand der Pfeiler einfach.�</p><p>Kara ging an ihm vorbei, n�herte sich vorsichtig dem Rand des Loches und kniete nieder. Mit klopfendem Herzen beugte sie sich vor. Die Schw�rze unter ihr war mit blo�em Auge nicht zu durchdringen. Mit dem Stamm waren auch die Leuchtst�be und lichtspendenden Bakterienkulturen verschwunden.</p><p>Schaudernd griff sie nach einem Stein und lie� ihn in die Tiefe fallen. Er verschwand. Sie wartete einige Momente, aber sie h�rte keinen Aufprall. �Was f�r ein schrecklicher Abgrund�, fl�sterte sie. �Als ob man geradewegs in die H�lle blickte.� Sie stand auf und wich vom Rand des gewaltigen Loches zur�ck. �Ich mu� Angella finden. Vielleicht wei� sie, was hier passiert ist.�</p><p>Elder hielt sie an der Schulter fest, und pl�tzlich erschrak sie, erschrak bis auf den Grund ihrer Seele, denn sie wu�te, da� etwas Furchtbares geschehen war. Dann sagte Elder. �Das habe ich dir die ganze Zeit �ber erkl�ren wollen, Kara. Angella ist heute nacht noch einmal hierhergekommen, um ein letztes Mal hinunterzugehen und nach dem Fortgang der Arbeiten zu sehen.�</p><p>Kara starrte ihn an. Sie hatte das beklemmende Gef�hl, als setze ihr Herz aus. <emphasis>�Was?</emphasis>�<emphasis/> fl�sterte sie.</p><p>Elder deutete auf den Abgrund zwei Schritte hinter ihr. �Es ist die Wahrheit. Sie ist dort unten, Kara.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Der Strahl des starken Handscheinwerfers, von dem Elder behauptet hatte, er reiche eine halbe Meile weit, verlor sich unter ihr in der Tiefe, ohne irgend etwas anderes als wirbelnden Staub zu zeigen. Dann und wann glitt das bleiche, kalte Licht �ber Stufen, die im Nichts endeten, tastete �ber T�ren, die in das gigantische Labyrinth des unterirdischen Schelfheim hineinf�hrten, oder verlor sich in v�lliger Dunkelheit, wenn es durch einen der gewaltigen Hohlr�ume glitt, die es unter der Stadt gab. Manche von ihnen mu�ten gro� genug sein, um allein eine kleine Stadt aufzunehmen. Niemand hatte bisher von der Existenz dieser ungeheuerlichen H�hlen gewu�t, denn sie lagen tiefer in den steinernen Eingeweiden Schelfheims, tiefer als je ein Mensch vorgedrungen war.</p><p>Aber Kara war im Moment einzig daran interessiert, an das Ende des Lochs zu geraten. Wenn die Angaben stimmten, die Elder ihr regelm��ig �ber Funk durchgab, dann befanden sie sich mittlerweile zwei Meilen unter dem Stra�enpflaster. Zwei Meilen... aber unter ihr g�hnte nur Leere! Vielleicht f�hrte dieses Loch tats�chlich geradewegs in die H�lle. Was sie allerdings nicht daran hindern w�rde, es bis zu seinem Ende zu erkunden, und wenn sie bis zur anderen Seite der Welt an diesem Seil hinabgleiten mu�te! Sie w�rde Angella finden, ganz egal, wo und wann.</p><p>Zuerst an den seidenen F�den dreier Transporter, dann �ber den Gang, den sie bereits kannte, waren sie selbst, Hrhon und Elder zu jenem unheimlichen Saal eine halbe Meile unter der Stadt geeilt. Beinahe allerdings w�ren sie abgest�rzt, denn fast die gesamte gewaltige Halle war in den ungeheuerlichen Schlund geglitten. Und von Angella, Weller und den vier M�nnern, die in ihrer Begleitung gewesen waren, fehlte jede Spur. Trotzdem war Kara �berzeugt, da� Angella noch lebte.</p><p>Sie hatte sogar einen Beweis daf�r; oder zumindest doch etwas, von dem sie <emphasis>behaupten konnte,</emphasis> da� es ein Beweis war:</p><p>Der winzige Rufer an ihrem Hals, der auf die gleiche gedankliche Frequenz eingestellt war wie der Angellas und Wellers, regte sich von Zeit zu Zeit. Wenn schon nicht Angella, so war zumindest ihr Rufer noch am Leben.</p><p>Nat�rlich hatte Elder versucht, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Worauf Kara sich aber nicht eingelassen hatte; sie hatte sich lediglich bereit erkl�rt, seine Hilfe anzunehmen. Ob das fingerdicke Drahtseil, an dem sie hing, tats�chlich sicherer war als der Spinnenfaden eines Transporters, wu�te sie nicht. Aber der Scheinwerfer erwies sich als recht n�tzlich. Kara war im Moment in einer Verfassung, in der sie jede Hilfe gebrauchen konnte; selbst die verp�nte Technik.</p><p>Sie hatte eine unvorsichtige Bewegung gemacht und begann sich prompt am Ende des Kabels um ihre Achse zu drehen. Sehr behutsam versuchte sie, die Drehung abzufangen, und nach einer Weile gelang es ihr. Erleichtert atmete sie auf. Es war nicht nur das unangenehme Gef�hl, sich wie ein lebender Kreisel hilflos herumzudrehen. Elder hatte sie gewarnt: am Ende eines zwei oder drei Meilen langen Kabels konnte jede unvorsichtige Bewegung sie mit Wucht gegen die Schachtwand schleudern. In ihrem Ohr knackte es, und Kara fuhr erschrocken zusammen, noch ehe Elders Stimme aus dem Funkger�t drang. Sie w�rde sich nie daran gew�hnen, diese Dinger zu tragen. �Alles in Ordnung, Kara?�</p><p>Sie hob vorsichtig den Kopf und blickte in die undurchdringliche Schw�rze �ber sich. Das Tageslicht war schon vor Stunden zu einem m�nzgro�en Fleck �ber ihnen zusammengeschrumpft und danach erloschen. Obwohl Elder kaum f�nf Meter �ber ihr schwebte, konnte sie ihn nur als Schemen erkennen. Er konnte sie offenbar deutlicher ausmachen. �Sicher�, antwortete sie. Es �rgerte sie, da� Elder Zeuge ihres kleinen Patzers geworden war.</p><p>�Gut�, sagte Elder. �Aber sei vorsichtig, ja?�</p><p>Kara runzelte die Stirn und ersparte sich eine Antwort. Statt dessen konzentrierte sie sich lieber auf das, was unter ihr lag. <emphasis>Wie tief war dieses verdammte Loch?</emphasis> Sie w�nschte sich, eine Sucher-Fledermaus dabei zu haben, die sie vorausschicken konnte. Aber wahrscheinlich gab es so etwas in ganz Schelfheim nicht.</p><p>Vorsichtig hob sie die Hand und ber�hrte eine Taste des winzigen K�stchens, das vor ihrem Kinn befestigt war. In ihrem Ohr erscholl ein Knacken, als schnippe jemand mit dem Zeigefinger gegen ihr Trommelfell.</p><p> �Hrhon?�</p><p>�Jha?� fragte die Stimme des Waga in ihrem Ohr. Sie klang gepre�t � als unterdr�cke Hrhon mit letzter Kraft seine Angst. �Alles in Ordnung?�</p><p>�Nhein�, antwortete Hrhon. �Nhihsss ihssst ihn Ohrdhnunhngh. Ihsss whill ehndhlhisss whidher fhessthen Bodhen uhnther dhen Fh�ssshen!�</p><p>�Dann bei� doch dein Seil durch und flieg schon mal voraus�, mischte sich Elders Stimme in das Gespr�ch. Ernst f�gte er hinzu: �Haltet Funkdisziplin!�</p><p>�Gern�, antwortete Kara. �Wenn du mir erz�hlst, was das ist.�</p><p>Elder seufzte. �Jemand k�nnte mith�ren.�</p><p>Das zumindest war bei einem Rufer nicht m�glich, dachte Kara. Sie mu�te an den Fremden denken, der sie um ein Haar get�tet h�tte. Wenn das kleine K�stchen an seinem G�rtel, das sie zerschlagen hatte, wirklich ein D�mpfer gewesen war, dann verf�gten diese M�nner vielleicht noch �ber ganz andere Sch�tze aus der Trickkiste der Alten Welt. Sie mu�ten aufpassen.</p><p>Gute zehn Minuten glitten sie weiter durch die Dunkelheit, dann sagte Elder pl�tzlich: �Da unten ist etwas.�</p><p>Kara pre�te angestrengt die Augen zusammen, aber sie sah nichts. Der Scheinwerferstrahl verlor sich noch immer in sechsoder siebenhundert Metern unter ihr in einer Schw�rze, die fast stofflich zu sein schien. �Da ist nichts�, sagte sie.</p><p>�Mein Trigger zeigt etwas an�, beharrte Elder. Mochten die G�tter wissen, was nun wieder ein <emphasis>Trigger</emphasis> war. �Da bewegt sich etwas. Aber das...� Er erschrak h�rbar. �Das ist unm�glich!� keuchte er.</p><p>�Wieso?�</p><p>�Anderthalb Meilen!� st�hnte Elder.</p><p>�Und?� fragte Kara. �Es ist ein tiefes Loch.�</p><p>�Das w�re eine Meile unter dem Schlund!� sagte Elder. �Wir sind fast auf dem Meeresgrund, aber dieses Loch reicht noch viel tiefer.�</p><p>�Oh�, brachte Kara nur hervor.</p><p>�Da unten ist etwas�, fuhr Elder nach einer Weile fort. �Ich kann es nicht genau erkennen. Zehn, vielleicht auch f�nfzehn...�</p><p> �F�nfzehn <emphasis>was?�</emphasis></p><p>�Blips.�</p><p>�Aha�, sagte Kara.</p><p>�Du schaltest besser den Scheinwerfer aus. Sie k�nnten das Licht sehen, lange bevor wir <emphasis>sie</emphasis> sehen�, sagte Elder. Kara gehorchte.</p><p>Der Scheinwerferstrahl, so d�nn und bla� er gewesen war, hatte immerhin noch einen letzten Schutz vor dieser f�rchterlichen Schw�rze geboten. Jetzt glitt sie v�llig orientierungslos durch die Dunkelheit. Sie kam sich hilflos und furchtbar verloren vor. F�r Augenblicke mu�te Kara mit aller Macht gegen die Panik ank�mpfen, die nun sie zu �berw�ltigen drohte. Es war nicht die Abwesenheit von Licht, es <emphasis>war</emphasis> ein unsichtbares Ding, das sie packen und zerrei�en w�rde, unweigerlich, und... Sie zwang sich mit aller Kraft, den Gedanken zu vertreiben und die Panik zur�ckzudr�ngen.</p><p>F�r beinahe eine halbe Stunde glitten sie schweigend immer weiter in die Tiefe. Sie wagten es nicht einmal, die Funkger�te zu benutzten.</p><p>Sie mu�ten sich noch zwei- oder dreihundert Meter �ber dem Boden befinden, wenn Karas Einsch�tzung richtig war, als sie pl�tzlich einen fl�chtigen Eindruck von Bewegung unter sich erhaschte � und einen Moment darauf einen gr�nen, unglaublich d�nnen Faden aus Licht sah, der wie ein leuchtender Finger zu ihnen hinauftastete. Geblendet schlo� sie die Augen und h�rte einen gellenden Schrei �ber sich. Erschrocken blickte sie hoch.</p><p>Der Lichtfaden hatte eine der Gestalten �ber ihr getroffen. Sie konnte nicht erkennen, wer es war, denn der Mann brannte lichterloh. Kreischend warf er sich hin und her, dann ri� sein Seil, und er st�rzte wie eine lebende Fackel an ihnen vorbei in die Tiefe. Seine Schreie h�rten pl�tzlich wie abgeschnitten auf, aber der lodernde Flammenschein war noch sekundenlang zu sehen, ehe er erlosch.</p><p>Das gr�ne Licht flammte zum zweiten Mal auf und traf mit t�dlicher Pr�zision sein Ziel, und in die gellenden Schreie des Mannes �ber ihr mischte sich Elders �berschnappende Stimme. <emphasis>�Um Gottes willen! In Deckung!�</emphasis></p><p>In Deckung? dachte Kara, die selbst einer Panik nahe war. Wie sollten sie in Deckung gehen? War Elder v�llig �bergeschnappt?</p><p>Die Schreie des ungl�cklichen Mannes �ber ihr verstummten, aber sein Seil ri� nicht ab. Im flackernden Feuerschein des lichterloh brennenden K�rpers sah Kara, wie Elder mit raschen, ruckhaften Bewegungen am Seil zu zerren begann, so da� er sich wild im Kreise drehte. Sie begriff rechtzeitig genug, warum er das tat, und machte es ihm nach, denn der n�chste Schu� war auf <emphasis>sie</emphasis> gezielt. Der gr�ne Lichtblitz verfehlte sie so knapp, da� sie das elektrische Knistern der Luft h�ren konnte. Immer heftiger warf sie sich hin und her. Ein zweiter Lichtblitz tastete nach ihr und verfehlte sie erneut, dann sah sie die Wand des Schachtes auf sich zurasen und konnte noch die Knie an den K�rper ziehen, um dem Aufprall wenigstens die �rgste Wucht zu nehmen. Trotzdem hatte sie das Gef�hl, ihr w�rden die Beine zerschmettert werden. Sie schrie vor Schmerz, hielt sich aber instinktiv irgendwo fest und brachte es sogar fertig, nicht wieder von der Wand zur�ckgeschleudert zu werden. Etwas schnitt ihr tief in ihre H�nde. Sie sp�rte ihr eigenes Blut warm und klebrig �ber ihre Finger rinnen, bi� die Z�hne zusammen und klammerte sich nur noch fester an ihren Halt, und in diesem Moment zischte der gr�ne Lichtfaden ein drittes Mal aus der Tiefe und kappte ihr Seil kaum einen Meter �ber ihrem Kopf.</p><p>Kara rutschte schlagartig ein St�ck weit nach unten und keuchte ein zweites Mal vor Schmerz, als das rotgl�hende Ende des durchtrennten Drahtseils wie eine Peitsche auf ihren R�cken schlug. Aber sie lie� nicht los. Und wenn sie es tat, war sie verloren.</p><p>Wahrscheinlich w�re sie auch so abgest�rzt, h�tte nicht pl�tzlich eine Hand nach ihrem Arm gegriffen und sie mit einem einzigen, kr�ftigen Ruck nach oben gezerrt. Fels schrammte �ber ihre H�ftknochen, dann wurde sie in einen niedrigen, muffig riechenden Korridor hineingezerrt und sank keuchend zu Boden. Mit letzter Kraft drehte sie den Kopf und blickte in den Schacht hinaus. Der Tote am Ende des Seiles brannte noch immer, und der Feuerschein tauchte die Szene in ein unheimliches, flackerndes Licht.</p><p>Nachdem Elder und sie sich aus der Schu�linie gebracht hatten, konzentrierte sich das gr�ne Feuer auf Hrhon. Der Waga zappelte br�llend am Ende seiner drei Meilen langen Sicherheitsleine und versuchte gleichfalls, Elders Man�ver nachzuahmen, wozu er sich allerdings nicht geschickt genug anstellte. Immerhin erschwerte es dem unsichtbaren Sch�tzen in der Tiefe sein Gesch�ft. Zwei-, dreimal stach der gr�ne Blitz vergebens nach ihm. Dann �nderte der Sch�tze seine Taktik und kappte schlicht und einfach Hrhons Seil. Mit einem gellenden Schrei st�rzte der Waga in die Tiefe.</p><p>Kara schlo� entsetzt die Augen, Aber sie gestattete sich nicht, den Schmerz an sich herankommen zu lassen, sondern richtete sich sofort wieder auf und starrte Elders Umri� in der Dunkelheit vor sich an.</p><p>�Was ist das?� fl�sterte sie.</p><p><emphasis>�Wer</emphasis> ist das, Elder?!�</p><p>Elder zuckte mit den Schultern, kroch auf H�nden und Knien zur�ck zum Ende des gemauerten Tunnels, in dem sie Zuflucht gefunden hatte, und steckte behutsam den Kopf ins Freie. Allerdings nur, um ihn hastig wieder zur�ckzuziehen, denn beinahe augenblicklich zuckte wieder das gr�ne Feuer aus der Tiefe empor und schlug Funken in die Felswand.</p><p>�Ich wei� es nicht�, murmelte er. �Aber wer immer sie sind, sie k�nnen im Dunkeln sehen.� Kara wagte es nicht, gleichfalls einen Blick in die Tiefe zu riskieren. �Sie haben Hrhon umgebracht! Und Farin!�</p><p>�Und einen meiner M�nner�, versetzte Elder �rgerlich. �Aber was soll ich jetzt tun? Mich aus purer Sympathie erschie�en lassen?�</p><p>Kara deutete anklagend auf den Laser in seinem G�rtel. �Du hast eine Waffe! Warum wehren wir uns nicht?�</p><p>�Weil <emphasis>ich</emphasis> nicht im Dunkeln sehen kann!� erwiderte Elder gereizt. Dann seufzte er. Mit einer m�den Bewegung zog er den Laser aus dem G�rtel und drehte ihn in den H�nden.</p><p>�Ich wei� nicht einmal, ob das Ding so weit schie�t�, gestand er. �Au�erdem w�re es Selbstmord, auch nur eine Sekunde �ber den Felsrand zu blicken. Ich f�rchte, wir sitzen hier fest.�</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte Kara alarmiert.</p><p>Elder l�chelte humorlos und machte eine Geste auf die Wand hinter Kara. �Sieh dich doch mal um!�</p><p>Kara zog erschrocken die Luft zwischen den Z�hnen ein. Sie hatte angenommen, da� sie sich in einem jener endlosen Tunnel befanden, die es unter der Stadt gab. Aber der Stollen, den sie erwischt hatten, endete nach ein paar Schritten vor riesigen Felsbl�cken.</p><p>�Und was tun wir jetzt?� fragte Kara mutlos.</p><p>Elder zuckte nur mit den Schultern. �Warten�, sagte er. �Fr�her oder sp�ter werden sie merken, da� irgend etwas nicht stimmt, und nachsehen kommen.�</p><p>�Und wann wird das sein?�</p><p>Elder grinste. �Ich sch�tze, in sechs oder sieben Stunden.�</p><p>�Sechs oder sieben Stunden?!� Kara �chzte. �In diesem Loch?�</p><p>�Keine Sorge.� Elder hob beruhigend die Hand. �So lange werden wir nicht hier aushalten m�ssen.� Er machte eine Kopfbewegung zum Ausgang. �Ich denke, unsere Freunde werden sehr viel fr�her hier auftauchen und nachschauen, ob wir noch am Leben sind.�</p><p>�Deine sonderbare Art von Humor geht mir ein wenig auf die Nerven, Elder�, sage Kara.</p><p>Sie erntete ein weiteres, noch breiteres Grinsen und schluckte ihren �rger wie eine bittere Fl�ssigkeit hinunter. Elder hatte vermutlich recht � die M�nner, die auf sie geschossen hatten, mu�ten wissen, da� sie noch am Leben waren. Und sie <emphasis>w�rden</emphasis> etwas dagegen unternehmen.</p><p>�Was ist damit?� Sie deutete auf Elders Funkger�t. �Warum benutzt du dieses Wunderding nicht und rufst Hilfe?�</p><p>�Durch drei Meilen Erdreich und Fels hindurch?� Elder sch�ttelte den Kopf. �Keine Chance.�</p><p>�Da siehst du, wie weit du mit deiner famosen <emphasis>Technik</emphasis> kommst�, erwiderte Kara ver�rgert. Sie gab sich M�he, das Wort m�glichst abf�llig auszusprechen. �Wenn man sie einmal wirklich braucht, funktioniert sie nicht!�</p><p>Elder hielt es nicht einmal f�r n�tig, darauf zu antworten. Eine ganze Weile sa�en sie schweigend im Dunkeln nebeneinander. Kara versuchte, sich �ber ihre eigenen Gef�hle klarzuwerden. Sie hatte keine Angst vor dem, was kommen w�rde. Ganz im Gegenteil war ihr der Gedanke, vielleicht wenigstens im Kampf zu sterben, sehr viel weniger unangenehm als die Vorstellung, von einem gr�nen Lichtblitz aus der Dunkelheit getroffen und in eine lebende Fackel verwandelt zu werden. Doch sie versp�rte <emphasis>Zorn.</emphasis> Einen unb�ndigen, brodelnden Zorn, so heftig, da� sie ihn beinahe wie einen k�rperlichen Schmerz empfand.</p><p>�Verdammt, ich will nicht hier herumsitzen und warten, bis ich abgeschlachtet werde!� sagte Kara aufgebracht. �Wir m�ssen etwas � �</p><p>�Still!� Elder brachte sie mit einer hastigen Handbewegung zum Verstummen und richtete sich auf. Ein gebannter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht.</p><p>�Was ist?� fragte Kara. Auch sie lauschte, h�rte aber nichts. �Ich wei� nicht�, antwortete Elder. �Jemand... kommt.�</p><p>Kara lauschte wieder, ohne irgend etwas wahrzunehmen. Sie beschlo�, sich einfach darauf zu verlassen, da� Elder �ber ein besseres Geh�r verf�gte als sie. Was hatte sie auch zu verlieren, au�er ihrem Leben?</p><p>Nach einigen Augenblicken h�rte sie dann aber ein sonderbares Kratzen und Schaben, als krieche etwas an der Wand unter ihnen empor. Vor Karas innerem Augen entstand das Bild einer riesigen st�hlernen Spinne, die langsam aber unaufhaltsam an der Wand heraufkrabbelte...</p><p>�Der Scheinwerfer�, fl�sterte Elder. �Schalt ihn ein, sobald sie auftauchen. Vielleicht blendet sie das Licht.�</p><p>�Bestimmt nicht�, murmelte Kara. Trotzdem l�ste sie den klobigen Handscheinwerfer von den d�nnen Lederriemen, mit denen er vor ihrer Brust befestigt war, und richtete ihn wie eine Waffe auf den Tunnelausgang. Ihr Finger strich nerv�s �ber den Schalter, aber sie widerstand der Versuchung, ihn jetzt schon zu dr�cken.</p><p>Das Kratzen und Schaben kam n�her, dann erschien ein buckeliger Schatten vor dem Tunnel. Kara schaltete den Scheinwerfer ein.</p><p>Im allerersten Moment, als sich das glei�ende Licht schmerzhaft reflektierte, erkannte sie kaum etwas. Vor ihnen ragte ein gro�es, kantiges Etwas hervor, dessen metallen schimmernde Oberfl�che das Licht des Scheinwerfers so heftig zur�ckwarf, da� es Kara fast die Tr�nen in die Augen trieb.</p><p>Das Ding reichte ihnen wahrscheinlich nur bis zu den Knien, hatte aber einen Durchmesser von gut eineinhalb Meter und tats�chlich ein gutes Dutzend Beine, von denen die meisten in gebogenen Widerhaken endeten, mit denen es sich an der Wand festgeklammert hatte. Es �hnelte eher einer Krabbe als einer Spinne, es hatte lange, rasiermesserscharfe Scheren und glotzende Augen aus rotem Kristall, in denen sich das Licht des Scheinwerfers widerspiegelte, als gl�hten sie in einem unheimlichen, inneren Feuer. Zwischen den beiden faustgro�en Glotzaugen ragte ein kurzes Rohr heraus, das den Durchmesser von Karas kleinem Finger hatte.</p><p>�Pa� auf!� schrie Elder mit �berschnappender Stimme, und im gleichen Moment ert�nte ein ratterndes Dr�hnen; eine orangerote, unterbrochene Stichflamme zuckte aus dem Rohr der Metallkrabbe, und der Scheinwerfer vor ihrer Brust zersprang mit einem lauten <emphasis>Plink!</emphasis></p><p>Kara kr�mmte sich vor Schmerz und fiel auf den R�cken, w�hrend rings um sie herum ein Kreischen und Dr�hnen los brach: eine Reihe f�rchterlicher, bet�ubender harter Schl�ge traf ihr rechtes Bein, die rechte Seite ihres K�rpers und den Arm, welche der Krabbe zugewandt waren. Gleichzeitig begann Elders K�rper wild zu zucken, wie eine Marionette, deren F�den sich verheddert hatten, und von einer unsichtbaren Hand wurde er gegen die Wand und zu Boden geschleudert. Dann h�rte das Dr�hnen auf; so pl�tzlich wie es begonnen hatte. Kara lag auf dem R�cken, hilflos und gel�hmt vor Schmerz, aber mit offenen Augen. Die Krabbe hockte vor ihr und starrte sie aus ihren faustgro�en Kristallfacetten an. Aus dem kurzen Rohr in ihrem Sch�del kr�uselte sich grauer Rauch. Kara erkannte, was sie getroffen hatte. Rings um sie herum bedeckte eine Unzahl kleiner, deformierter Kugeln den Boden;</p><p>Geschosse, die nicht t�dlich wirkten. Aus irgendeinem Grund wollten die Unbekannten Elder und sie lebend in die Hand bekommen, wenn m�glich allerdings bewu�tlos.</p><p>Zumindest in Elders Fall hatte es geklappt. Er lag reglos neben ihr, aber wenigstens atmete er noch.</p><p>Und sie?</p><p>Die Schl�ge waren so hart gewesen, da� ihre Muskeln verkrampft und paralysiert waren. Sie hatte kaum Schmerzen und konnte sich nicht bewegen. Der Gedanke an Widerstand, der ihr immer noch durch den Kopf schwirrte, war v�llig sinnlos geworden.</p><p>Die Krabbe kroch auf rasselnden Beinen n�her. Ihre gl�sernen Augen starrten Kara an. Eine ihrer riesigen Scheren bewegte sich, tastete erstaunlich behutsam �ber Karas Gesicht und verharrte einen Moment au�erhalb ihres Gesichtsfeldes. Dann sp�rte Kara einen heftigen, aber rasch abklingenden Schmerz. Und als sie die Schere wieder hob, hielt sie �berreste eines winzigen Insekts: Karas Rufer.</p><p>Die Krabbe kroch zur�ck, drehte sich auf der Stelle und untersuchte auch Elder sehr sorgf�ltig, und dann kroch sie fast beh�big zum Schacht zur�ck. Sechs ihrer zw�lf Beine krallten sich weit gespreizt in den Fels, w�hrend sie sich so weit vorbeugte, da� das vordere Drittel ihres flachen Metallk�rpers �ber den Abgrund hing. Dann erstarrte sie.</p><p>Kara wu�te nur zu gut, was geschah. Auf ihre stumme Art und Weise trat die Krabbe mit denen in Verbindung, die sie geschickt hatten, und in wenigen Augenblicken w�rden sie selbst kommen. Und das Schicksal, das Kara erwartete, war schlimmer als der Tod, davon war das M�dchen �berzeugt. Sie mu�te etwas tun. Unbedingt!</p><p>Doch die Krabbe mu�te eine teuflische Waffe eingesetzt haben. Karas Muskeln waren so hart und gef�hllos wie Holz. Panik drohte sie zu �berw�ltigen. Der Verzweiflung nahe versuchte sie sich in Erinnerung zu rufen, was Angella ihr beigebracht hatte. Der Schock, der die rechte H�lfte ihres K�rpers paralysiert hatte, schien sich auch auf ihr Denken auszuwirken. Versuch nicht, dagegen anzuk�mpfen! Stell dich dem Schmerz, nimm ihn an wie einen Freund und verwandele ihn in etwas, das dir hilft � Zorn, Wut, Trauer, ja, auch Angst! Verwandele ihn! Richte ihn gegen sich selbst! <emphasis>Benutze ihn!</emphasis></p><p>Sie versuchte es. In ihrem linken Arm war wieder ein wenig mehr Leben, aber noch immer nicht genug, um auch nur die Hand zu heben. Kara z�hlte: f�nf, zehn, drei�ig... wieviel Zeit hatte sie noch? Egal, sie k�mpfte weiter, zwang das Leben zuerst in ihre linke K�rperh�lfte und dann St�ck f�r St�ck in die rechte zur�ck und jubilierte, als ein krampfhaftes Zucken durch ihre gel�hmten Muskeln lief; nicht heftig genug, um die Aufmerksamkeit der Krabbe zu erwecken, aber allemal ausreichend, ihr die Tr�nen in die Augen zu treiben.</p><p>Durch dunkle Schleier hindurch betrachtete Kara die Krabbe. Sie war ein St�ck weiter gekrabbelt und hing fast zur H�lfte �ber dem Abgrund. Kara beschlo�, ihre zur�ckgewonnenen Kr�fte auszuprobieren, wappnete sich gegen den erwarteten Schmerz und trat mit aller Gewalt zu. Ihr Fu� traf die Krabbe, katapultierte sie einen halben Meter weit ins Nichts hinaus, wo sie den Bruchteil einer Sekunde schwerelos h�ngenzubleiben schien, ehe sie mit einer fast anmutig erscheinenden Bewegung nach vorn kippte und in der Tiefe verschwand.</p><p>Kara bi� die Z�hne zusammen, richtete sich mit einem St�hnen auf und begann ihre gel�hmte Arm- und Beinmuskulatur zu massieren, so gut sie es mit einer Hand vermochte. Sie hatte keine Ahnung, wieviel Zeit ihr blieb � aber viel war es bestimmt nicht. Selbst wenn ihre Feinde die artistischen Kunstst�cke der Krabbe beobachtet hatten und ihren Absturz f�r einen Unfall hielten, w�rden sie sehr schnell heraufkommen und nach dem Rechten sehen. Oder eine zweite Krabbe schicken, deren Maschinengewehr vielleicht <emphasis>nicht</emphasis> mit Hartgummigeschossen geladen war.</p><p>Dieses Risiko mu�te sie eingehen.</p><p>Sie massierte wie besessen ihren Arm und das rechte Bein. Den Gedanken, Elder irgendwie aufzuwecken, gab sie schon nach dem ersten Blick in sein schlaffes Gesicht auf. Sie w�rde allein zurechtkommen m�ssen.</p><p>Es war noch keine Minute vergangen, als sie ein hohes, unangenehmes Summen h�rte. Ein bleicher, gelbgef�rbter Lichtstrahl tastete �ber die Tunnel�ffnung. Kara erstarrte. Ihre Gedanken �berschlugen sich, dann tat sie instinktiv das einzig Richtige: Sie sank zu Boden und spielte die Bewu�tlose. Das Summen wurde lauter, und dann kehrte das gelbe Licht zur�ck und richtete sich auf ihr Gesicht und ihre halb geschlossenen Augen. Sie wagte es nicht zu blinzeln, deshalb ertrug sie den Schmerz, den ihr die grellen Lichtpfeile zuf�gten, die ihre Netzhaut trafen. Nach einem Augenblick l�ste sich der Lichtstrahl von ihrem Gesicht und wandte sich Elder zu.</p><p>Kara konnte zwei hoch aufgerichtete Schatten drau�en vor dem Tunnel erkennen. Es waren zwei M�nner, die in einteilige, fremdartig anmutende Kleider geh�llt waren. Ihre Gesichter verbargen sich hinter gebogenen Scheiben aus rauchfarbenem dunklen Glas, das alles bis auf die Mund- und Kinnpartie bedeckte, und auf den K�pfen trugen sie buckelige Helme, aus denen jeweils zwei kurze Antennen ragten. Der eine f�hrte ein schweres Gewehr mit sich, dessen Lauf aus Glas zu bestehen schien, der zweite hielt den Scheinwerfer, mit dem er in den Gang hineinleuchtete. Aus ihren G�rteln ragten die Kolben schwerer Laserpistolen. Und sie schienen einen halben Meter vor dem Tunnelende einfach in der leeren Luft zu stehen!</p><p>Der Scheinwerferstrahl kehrte noch einmal zu ihr zur�ck und wandte sich dann erneut Elder zu. Offensichtlich hielten die beiden ihn f�r den gef�hrlicheren Gegner.</p><p>Ein Irrtum, den zu berichtigen Kara ihnen keine Zeit mehr lie�.</p><p>Sie sprang den Burschen mit der Lampe an, als er das Bein hob und mit einem �bertriebenen gro�en Schritt in den Tunnel hineinspringen wollte. Ihre Bewegung kam v�llig �berraschend: sie packte ihn, zerrte ihn mit einem harten Ruck zu sich herunter und versetzte ihm einen Schlag mit der flachen Hand auf die Kehle. Noch w�hrend er keuchend neben ihr zusammenbrach, wirbelte sie herum und ergriff den zweiten Mann. Mit einem harten Ruck dr�ckte sie ihn gegen die Felswand neben dem Tunneleingang. Glas splitterte. Sie h�rte einen gurgelnden Schrei, lie� los und sah, wie der Fremde zur�cktaumelte und beide H�nde vor das Gesicht schlug. Blut und Glassplitter rieselten zwischen seinen Fingern hervor. Er stolperte zur�ck, trat pl�tzlich ins Leere und st�rzte, ohne da� ihm ein Schrei �ber die Lippen kam.</p><p>Ein Ger�usch hinter ihr warnte sie. Sie fuhr herum, ri� die Arme hoch und vollf�hrte eine instiktive Ausweichbewegung zur Seite. Trotzdem w�re ihre Reaktion zu sp�t gekommen, h�tte der Mann sie angesprungen, um sie in die Tiefe zu sto�en. Statt dessen versuchte er, seine Waffe zu ziehen.</p><p>Kara trat sie ihm aus der Hand, kaum da� er sie aus dem Halter gezogen hatte, ri� ihn mit der linken Hand zu sich heran und rammte ihm das Knie in die Rippen.</p><p>Der Fremde mu�te eine Panzerung unter seiner Montur tragen, denn ein stechender Schmerz scho� durch ihr ohnehin maltr�tiertes Bein. Die Wucht des Sto�es lie� den Burschen gegen die Wand torkeln, aber er schleuderte ihn weder zu Boden noch nahm er ihm den Atem.</p><p>Er blieb einen Moment lang reglos stehen und betrachtete sie verbl�fft durch das get�nte Glas vor seinem Gesicht. Als er sich dann wieder bewegte, tat er es auf eine Art, die Kara verriet, da� er in einer Kampftechnik ausgebildet war. Voller Unbehagen dachte sie an die beinahe t�dliche �berraschung, die sie vor drei Tagen in Schelfheim erlebt hatte. Unwillk�rlich glitt ihre Hand zum Schwert. Aber sie zog die Waffe nicht. Der Stollen war einfach zu eng, die Klinge h�tte sie nur behindert. Der andere schien ihr Z�gern bemerkt zu haben, denn er st�rzte pl�tzlich vor, um sie einfach �ber den Haufen zu rennen. Kara wich ihm im letzten Moment aus und streckte das Bein vor, um ihn ins Stolpern zu bringen, aber der Mann sprang mit einer fast eleganten Bewegung dar�ber hinweg und versetzte ihr aus dem Sprung heraus einen Tritt, der ihr das Gef�hl gab, ihr Wadenbein w�re gebrochen.</p><p>Kara schrie auf, taumelte zur Seite und nutzte die Zeit, die der Mann brauchte, sich an der gegen�berliegenden Wand abzusto�en und herumzuwirbeln, um sich eine neue Taktik zu �berlegen. Sie zitterte am ganzen Leib. Jeder Muskel ihres K�rpers tat ihr weh, und ihre Bewegungen waren l�ngst nicht mehr so geschmeidig und kraftvoll wie gewohnt. Sie konnte sich auf keinen langen Kampf mit diesem Burschen einlassen; nicht in ihrem Zustand.</p><p>Als er das n�chste Mal heranst�rmte, machte sie erst gar nicht den Versuch, ihm auszuweichen, sondern empfing ihn mit einer blitzschnellen Kombination aus drei fast gleichzeitig erfolgenden Hieben und St��en, die er alle drei beinahe m�helos abwehrte. Dann erwischte ihn ein Schlag am Knie, den er nicht kommen gesehen hatte. Er schrie. Kara packte seinen vorgestreckten Arm und zerrte gleichzeitig mit aller Kraft das Schwert aus der Scheide. Dann krachte der st�hlerne Knauf auf die Brust des Mannes. Ob Panzer oder nicht � diesmal weiteten sich seine Augen vor Schmerz. Keuchend stie� er die Luft aus. Kara zerrte ihn erneut zu sich heran und lie� seinen K�rper �ber ihre pl�tzlich eingeknickte H�fte abrollen. Der Bursche verlor den Boden unter den F��en und prallte mit f�rchterlicher Wucht auf den Fels.</p><p>Kara taumelte. Alles drehte sich um sie. Noch Momente, dann w�rde ihr schwarz vor Augen werden. Doch noch hatte sie ihre Arbeit nicht erledigt. Als der Mann es schaffte, sich vor dem Tunnelausgang wieder aufzurichten, sprang sie ihn an. Ihre vorgestreckten F��e stie�en gegen seine Brust und lie�en ihn mit wild rudernden Armen nach hinten torkeln.</p><p>Und hinter ihm war nichts als Leere.</p><p>Kara hatte nicht mehr die Kraft, ihren Sturz aufzufangen. Mit schmerzhafter Wucht prallte sie auf den harten Fels, zerschrammte sich H�nde und Gesicht und k�mpfte verzweifelt gegen die schwarze Bewu�tlosigkeit, die in ihr emporkroch. In ihren Ohren gellte der Todesschrei des Mannes, der durch die d�stere Tiefe glitt.</p><p>�Und das war f�r Hrhon�, murmelte sie, bevor ihr endg�ltig die Sinne schwanden.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Zwei Stunden sp�ter hatte sich auch Elder soweit erholt, da� sie ihr Versteck verlassen konnten. Wie eine erste, fl�chtige Untersuchung Karas zeigte, war auch er nicht ernsthaft verletzt. Trotzdem hatte es ihn viel schlimmer erwischt als sie. Sein ganzer K�rper war zerschrammt und zerschlagen, und Kara war nicht sicher, ob er nicht auch ein paar gebrochene Rippen davongetragen hatte. �Was ist �berhaupt passiert?� murmelte Elder benommen, w�hrend er unter Karas massierenden H�nden allm�hlich in die Wirklichkeit zur�ckfand.</p><p>�Das �bliche�, antwortete Kara mit einem schiefen Grinsen, das ganz und gar nicht das widerspiegelte, was sie wirklich empfand. �Du hast dich diskret zur�ckgezogen und mich die ganze Arbeit machen lassen.�</p><p>�Die Krabbe?�</p><p>Kara sch�ttelte den Kopf. �Das war das kleinste Problem.�</p><p>Dann erz�hlte sie ihm mit knappen Worten, was geschehen war. Elder h�rte ihr stirnrunzelnd zu. Erst als sie zu Ende gekommen war, sagte er: �Du h�ttest sie nicht beide t�ten d�rfen.�</p><p>�Oh, entschuldige bitte�, grollte Kara. �Aber ich bin in der Eile leider nicht dazu gekommen, dar�ber nachzudenken. Es wird nicht wieder vorkommen. Das n�chste Mal lasse ich mich umbringen.�</p><p>�Ich meine es ernst�, sagte Elder unbeeindruckt. �Die beiden h�tten uns wertvolle Informationen liefern k�nnen.�</p><p>�Sie sahen nicht so aus, als w�ren sie zum Reden gekommen�, antwortete Kara gereizt. Verdammt, war das etwa Elders Art, sich bei ihr daf�r zu bedanken, da� sie ihm das Leben gerettet hatte?</p><p>�Ich h�tte sie schon � au!� Elder fuhr zusammen und schob ihre Hand zur Seite, die wohl etwas zu heftig seinen Hals massiert hatte. �Was hast du vor? Willst du mich umbringen?� Er richtete sich auf, verzog schmerzhaft das Gesicht und sammelte einen Moment Kraft, ehe er auf H�nden und Knien zum Tunnelende kroch. Vorsichtig lie� er sich auf den Bauch sinken und schob Kopf und Schultern ins Freie. Er blieb eine ganze Weile so liegen, dann sagte er: �Wenigstens brauchen wir uns keine Gedanken mehr zu machen, wie wir nach unten kommen.�</p><p>Kara kroch auf H�nden und Knien neben ihn und blickte in die Tiefe.</p><p>Einen halben Meter unter ihnen schwebte eine kreisrunde Scheibe aus halbdurchsichtigem Glas oder Kristall. Ein sanftes, bl�uliches Gl�hen ging von ihr aus, und erst jetzt fiel Kara auf, da� das helle Summen, das die Ankunft der beiden M�nner begleitet hatte, noch immer zu h�ren war. �Was, zum Teufeln ist das?� murmelte sie.</p><p>Elder zuckte mit den Schultern � und dann tat er etwas, was Kara vor Schrecken die Luft anhalten lie�. Behutsam richtete er sich wieder in eine kniende Position auf, drehte sich herum und angelte mit dem Fu� nach der Scheibe, die schwerelos im Nichts hing.</p><p>�Elder! � keuchte Kara erschrocken. �Du kannst doch nicht � �</p><p>Sehr vorsichtig, aber ohne innezuhalten, setzte er erst den einen, dann den anderen Fu� auf die Scheibe. Einen Moment blieb er in einer grotesk vorgebeugten Haltung, beide H�nde auf dem Tunnelrand, stehen und richtete sich dann auf. Wie ein Hochseilartist auf dem Draht breitete er die Arme aus, um die Balance zu halten, was allerdings gar nicht n�tig war. Die Scheibe schwankte wie ein kleines Schiff auf der Wasseroberfl�che, aber sie kippte weder unter Elders Gewicht zur Seite, noch st�rzte sie wie ein Stein in die Tiefe.</p><p>�Was... was ist das?� fl�sterte Kara.</p><p>�Keine Ahnung�, entgegnete Elder. �Aber es funktioniert, wie du siehst.� Er machte eine ungeduldige Bewegung mit der Hand. �Worauf wartest du?�</p><p>Kara betrachtete die schwebende Glasscheibe mi�trauisch. �Bist du sicher, da� sie unser beider Gewicht tr�gt?� fragte sie z�gernd. Sie machte keine Anstalten, zu ihm zu kommen.</p><p>�Nein�, antwortete Elder grinsend. �Aber sie hat die beiden anderen getragen, oder? Und was soll schon passieren? Immerhin <emphasis>wollen</emphasis> wir ja nach unten, oder nicht?�</p><p>Kara funkelte ihn an. �Habe ich dir schon gesagt, was ich von deinem Humor halte?�</p><p>Elders Grinsen wurde so breit, da� Kara schon f�rchtete, er w�rde im n�chsten Moment seine Ohren verschlucken. �He, he�, sagte er. �Was ist los mit dir? Ich dachte, du geh�rst zu diesen harten Frauen, die diese riesigen schuppigen Drachen reiten und sich zehn Meilen �ber dem Boden erst so richtig wohlf�hlen, Du hast doch wohl keine Angst?�</p><p>Kara starrte ihn einen Moment fast ha�erf�llt an, aber die Herausforderung zog. Sie kletterte zu ihm hinaus; sogar ein wenig zu schnell, denn sie geriet prompt ins Stolpern, so da� Elder hastig zugriff und sie festhielt.</p><p>Kara ri� sich zornig los � allerdings erst, nachdem sie wieder Halt gefunden hatte. �Wei�t du �berhaupt, wie man das Ding steuert?� fragte sie.</p><p>�Nein�, gestand Elder. �Aber so schwer kann es nicht sein.�</p><p>Er deutete auf eine Reihe sternf�rmig in die Scheibe eingebettete Schalter. Sie waren sehr gro�, offensichtlich sollten sie mit den F��en bedient werden.</p><p>Ehe Kara ihn daran hindern konnte, probierte er den ersten Schalter aus. Die Scheibe glitt mit einem Ruck ein St�ck weit in die H�he und kam wieder zur Ruhe, als Elder den Fu� zur�ckzog. �Siehst du�, erkl�rte er fr�hlich. �So schwer ist das doch gar nicht.�</p><p>Kara l�chelte verkrampft und schwieg.</p><p>Elder brauchte schwei�treibende sechs oder acht Versuche, bis er die Steuerung der Flugscheibe so weit begriffen hatte, da� sie ihren Weg in die Tiefe fortsetzen konnten. Ehe sie es taten, kletterte Kara noch einmal in den Tunnel zur�ck und holte den Scheinwerfer, den der Fremde fallengelassen hatte. Sie bedauerte zutiefst, da� die Waffe des anderen mit ihm selbst in der Tiefe verschwunden war. Aber man konnte eben nicht alles haben.</p><p>Nur vom unheimlichen bl�ulichen Licht der Kristallscheibe begleitet, sanken sie tiefer in den Leib der Erde hinab. Der Schacht schien kein Ende zu nehmen. Elder hatte zwar behauptet, da� es nur noch eineinhalb Meilen bis zu seinem Grund waren, aber Kara hatte das Gef�hl, da� sie stundenlang durch die fast vollkommene Schw�rze glitten. Das wenige, das sie im schwachen Licht der Scheibe erkennen konnte, verriet ihr, da� sie sich l�ngst nicht mehr durch die gemauerten Eingeweide Schelfheims bewegten. Rings um sie herum war jetzt der gewachsene Fels der Erdkruste. Unvermittelt traf sie die Erkenntnis, da� sie sich wahrscheinlich schon tief unter dem Boden des Schlundes befanden, jener zweiten, um ein vierfaches gr��eren Welt, �ber die sich die von Menschen bewohnten Kontinente wie unvorstellbar gro�e Tafelberge erhoben. Pl�tzlich begann sie zu frieren. Der Gedanke an die Felsmassen, die sich �ber ihr t�rmten, lie� sie erschauern.</p><p>Dann fiel ihr auf, da� auch Elder fr�stelnd die Schultern zusammenzog. �Es ist kalt�, sagte er. �Und es wird immer k�lter. Das ist seltsam.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Weil es w�rmer werden m��te, je tiefer wir in die Erde eindringen�, antwortete Elder.</p><p>Und es wurde nicht nur k�lter. W�hrend sie in gleichm��igem Tempo weiter in die Tiefe glitten, nahm auch der anfangs nur leichte Modergeruch der Luft zu.</p><p>Dann entdeckten sie das Licht unter ihnen.</p><p>Es war nur ein blasser, hellgrauer Schimmer, den sie auf der Erde wahrscheinlich nicht einmal in der Nacht wahrgenommen h�tten, aber ihre an stundenlange Dunkelheit gew�hnten Augen machten ihn aus, bevor sie sich seinem Ursprung auch nur vage gen�hert hatten.</p><p>Karas Herz begann hart und schnell zu schlagen, w�hrend die Scheibe mit nervenaufreibender Langsamkeit weiter in die Tiefe sank. Sie konnte erkennen, da� der Schacht sich immens verbreitert hatte: Aus dem knapp f�nfzehn Meter durchmessenden Stollen war ein gewaltiges Rund von hundert oder mehr Metern geworden, dessen W�nde nur noch zum Teil aus Fels bestanden. �berall entdeckten sie Reste des Triebes, der dieses Loch in der Erde noch vor Tagesfrist ausgef�llt hatte. Sie mu�te pl�tzlich wieder an Donays Worte denken: <emphasis>Als h�tte ihn jemand gepackt und in die Tiefe gezogen.</emphasis></p><p>Und dann kamen sie aus dem Schacht heraus und schwebten buchst�blich im Nichts.</p><p>Fassungslos sahen sich Kara und Elder um.</p><p>�ber ihnen war nicht mehr der Schacht, sondern die Decke einer ungeheuerlichen H�hle, in deren Mitte ein rundes Loch g�hnte. Ihr Blick verlor sich in unm�glich zu sch�tzender Entfernung und grauem Dunst, und unter ihnen...</p><p>�Ein Meer!� fl�sterte Kara fast ehrf�rchtig �Das ist... ein Meer, Elder!�</p><p>Sie hatte niemals ein Meer gesehen, so wenig wie irgendein Bewohner dieser Welt, der in den letzten zweihundert Jahrtausenden geboren worden war, aber das, was da unter ihnen glitzerte, ein Puzzle aus Milliarden und Milliarden winziger Wellen, <emphasis>mu�te</emphasis> ein Meer sein.</p><p>In gleichm��igem Tempo glitten sie tiefer, aber pl�tzlich konnte Kara die Fahrt gar nicht mehr langsam genug vonstatten gehen, so faszinierend war der Anblick. Ein unterirdisches Meer, so gro�, da� es vermutlich mehr Wasser enthielt als Fl�sse und Seen der Welt zusammen! Welch unvorstellbarer Schatz, in einer Welt, die fast ausschlie�lich aus W�ste bestand.</p><p>Die Wasseroberfl�che lag ungef�hr vierhundert Meter unter der H�hlendecke, und als sie sich ihr n�herten, sah Kara, da� sie sich nahe am Ufer des unterirdischen Ozeans befanden. Das Meer bildete hier eine halbkreisf�rmige, vielleicht eine Meile durchmessende Bucht, die zur offenen Seite hin von Felsen begrenzt wurde. Unmittelbar unter ihnen war fester Boden, und als sie noch tiefer kamen, erkannte Kara eine Anzahl gro�er, unregelm��ig geformter K�rper, die im Wasser trieben.</p><p>Schlie�lich begriff sie, da� es sich um titanische Zweige des verschwundenen Triebes handelte.</p><p>Aufmerksam sah sie sich weiter um. Jetzt, da sie den ersten Sturm von Gef�hlen �berwunden hatte, entdeckte sie rasch mehr und mehr der gigantischen Wurzelstr�nge, die die lebende Br�cke �ber Schelfheim f�nf Meilen weit in die Erde bis in dieses riesige Wasserreservoir hinabgesandt hatte. Aber etwas war mehr als seltsam: Die meisten Wurzeln reichten nicht bis auf die Wasseroberfl�che herab, sondern endeten hundert oder f�nfzig Meter dar�ber in einem Gewirr schlaff herabh�ngender, wei�er Str�nge; wie nasses totes Haar, das die Farbe von verwesendem Fleisch angenommen hatte.</p><p>Endlich ber�hrte die Kristallscheibe den Boden � besser gesagt, hielt sie zitternd einen knappen Dreiviertelmeter dar�ber an, so da� sie das letzte St�ck mit einem Sprung �berwinden mu�ten.</p><p>Ihre Stiefel verursachten ein unheimliches, lang nachhallendes Ger�usch in der riesigen H�hle, und erneut konnte sich Kara eines Schauderns nicht erwehren. Es war eine unheimliche, <emphasis>unwirkliche</emphasis> Welt, in der sie sich befanden: Die Felsen waren schwarz und so glatt wie Glas, aber hier und da von dicken, verkrusteten Panzern aus abgestorbenen Muscheln und anderen Meerestieren bedeckt. Die H�hlendecke befand sich jetzt so weit �ber ihnen, da� sie wie ein versteinerter Himmel wirkte. Vom Wasser stieg ein eigenartiger, salziger Geruch auf, und das Holz, das darauf trieb, entpuppte sich als riesige Tr�mmerst�cke, die manchmal gr��er als ein Haus waren. Zwischen den Tr�mmern trieb der zerschmetterte K�rper eines der M�nner auf den Wellen, gegen die sie oben im Tunnel gek�mpft hatten. Den Ursprung des grauen Lichtes konnte Kara nicht entdecken.</p><p>Elder deutete nach rechts, vom Ufer fort, und da entdeckte Kara das Lager der beiden M�nner. Sehr vorsichtig n�herten sie sich. Zwischen zwei hohen Felsbuckeln erhob sich ein sonderbar geformtes Zelt, dessen W�nde zu Karas Verbl�ffung v�llig durchsichtig waren. Es hatte nicht die gew�hnliche, an ein Dach erinnernde Form, sondern glich einer abgeflachten Halbkugel; halbrund war auch der Eingang. Geb�ckt folgte sie Elder. Das erste, was ihr auffiel, war die W�rme. Die unangenehme Feuchtigkeit der H�hle blieb hinter ihnen zur�ck, und ein behaglicher Hauch wehte ihnen in die Gesichter. Kara gewahrte allerlei v�llig unverst�ndliche Ger�tschaften und Apparaturen, die sie jedoch nur mit einem fast angewiderten Blick streifte, w�hrend Elder sich sofort mit Begeisterung daraufst�rzte. Wenigstens auf dem Boden entdeckte sie Dinge, die sie kannte: eine unordentlich zusammengekn�llte Decke, eine lederne Tasche mit einem h�bsch geformten Messingverschlu�, ein paar Schuhe von geradezu absurder Gr��e, zwei Schlafs�cke... <emphasis>Zwei.</emphasis> Das bedeutete, da� die beiden, die sie get�tet hatte, tats�chlich allein gewesen waren und sie zumindest nicht unmittelbar mit einer b�sen �berraschung rechnen mu�ten. W�hrend Elder sich mit der Begeisterung eines Kindes, das eine ganze Kiste voll neuer Spielzeuge entdeckt hatte, auf die technische Einrichtung st�rzte, unterzog Kara die Habe der beiden M�nner einer eingehenderen Untersuchung. Sie fand ein Buch mit unverst�ndlichen Schriftzeichen und ebenso unverst�ndlichen, aber interessanten Bildern, das sie fl�chtig durchbl�tterte und dann zur�cklegte. Die Schlafs�cke bestanden aus einem h�chst bemerkenswerten Material, das sich glatt wie Seide anf�hlte, aber beinahe unzerrei�bar war, und die Tasche enthielt jenen n�tzlichen Kleinkram, den man mitnimmt, wenn man sich auf eine l�ngere, aber nicht ganz lange Reise begibt: ein wenig Essen, ein Bild, das eine Frau und zwei Kinder vor einem sehr sonderbaren Hintergrund zeigte (die H�user waren zu gro� und der Himmel hatte die falsche Farbe), ein halbleeres P�ckchen mit wei�en St�bchen, das mit aromatisch riechenden Kr�meln gef�llt war, weitere B�cher, ein verknittertes Hemd ohne �rmel, ein Paar Socken, die genauso unm�glich gro� waren wie die Schuhe und zum Himmel stanken...</p><p>Fein s�uberlich legte Kara alles wieder in die Tasche zur�ck, nahm aber das Bild noch einmal zur Hand und betrachtete es erneut. Die H�user im Hintergrund kamen Kara sehr seltsam vor (h�tte sie nicht gewu�t, da� es unm�glich war, dann h�tte sie schw�ren k�nnen, da� sie aus Stahl waren), und der Himmel war blau, nicht t�rkis. Die drei Personen auf dem Bild allerdings wirkten recht normal � eine junge, weder besonders h�bsche noch besonders unattraktive Frau und zwei ausgesprochen h��liche Kinder. Wahrscheinlich die Familie des Mannes, dem die Tasche geh�rte.</p><p>Ein heftiges Gef�hl von Verwirrung �berfiel Kara. Sie dachte an die ausdruckslosen, glasbedeckten Gesichter der beiden, und zum allerersten Mal kam ihr zu Bewu�tsein, da� sie neben Feinden und Angreifern auch Menschen waren; M�nner, die lachten, liebten, Familien und Freunde hatten... war es das, was Angella gemeint hatte, als sie sagte, Kara h�tte im Grunde noch nie <emphasis>wirklich</emphasis> gek�mpft? Sie hatte nicht einfach nur zwei Gegner ausgeschaltet wie bei den �bungsk�mpfen im Hort, sondern zwei Leben ausgel�scht.</p><p>Ehe diese Vorstellung ihr Denken v�llig vergiften konnte, schob sie das Bild hastig wieder in die Tasche zur�ck und wandte sich Elder zu. Er hockte mit leuchtenden Augen �ber einem flachen K�stchen von der Gr��e einer Schreibtafel, das er in der Mitte auseinandergeklappt hatte. Die obere H�lfte bestand aus einer mattblauen Glasscheibe, w�hrend sich auf der unteren eine Unzahl kleiner rechteckiger Tasten befand, die mit den gleichen unverst�ndlichen Buchstaben beschriftet waren, die sie auch in dem Buch gesehen hatte. Zusammengeklappt mu�te das K�stchen bequem in die Tasche passen.</p><p>�Was ist das?� fragte Kara.</p><p>Elder zuckte mit den Achseln. �Ich habe nicht die geringste Ahnung�, gestand er. �Aber es ist faszinierend.�</p><p>Kara seufzte. �Du und deine Technik. Meinst du nicht, wir haben im Moment Wichtigeres zu tun?�</p><p>Elder sah sie einen Moment ernst an, dann klappte er das K�stchen zu und richtete sich auf. Ein fl�chtiger Ausdruck von Schmerz huschte �ber sein Gesicht. Er konnte sich immer noch nicht richtig bewegen. �Vielleicht �bertreibe ich es manchmal�, sagte er. �Aber nicht so schlimm wie ihr. Ihr verachtet alles, was mit Technik zu tun hat. Aber man mu� eine Sache nicht lieben, um etwas davon zu verstehen. Und wie willst du deine Feinde wirksam bek�mpfen, wenn du nichts �ber sie wei�t?�</p><p>Kara sah ein, da� ein Streit sie jetzt �berhaupt nicht weiterbrachte, und vielleicht hatte Elder sogar recht. �Hast du irgend etwas entdeckt, was uns weiterhilft?�</p><p>�Nein.� Elder zuckte abermals die Achseln. �Wenn ich eine Woche Zeit h�tte, oder wenigstens ein paar Stunden... ich werde nicht schlau aus dem Ger�t.� Er deutete auf ein klobiges Etwas, das auf einem dreibeinigen Tisch stand und zahlreiche farbige Lichter und Skalen aufwies. �Es scheint eine Art Funkger�t zu sein.�</p><p>�Das hei�t, die beiden waren nicht allein?� Kara erschrak. Dann begriff sie pl�tzlich, wie naiv diese Frage gewesen war. �Nat�rlich nicht�, antwortete Elder. �Ich m�chte nur wissen, was sie hier unten suchen.�</p><p>�Vielleicht Wasser?� Der Gedanke kam ihr im selben Moment, in dem sie ihn aussprach.</p><p>�Ja, sicher�, sagte Elder sp�ttisch. �Sie werden irgendwo einen ganz gro�en Eimer versteckt haben, mit dem sie es absch�pfen, wie?� Er lachte, sch�ttelte den Kopf und verlie� das Zelt. Kara folgte ihm.</p><p>Nach der W�rme im Inneren kam ihr die Luft drau�en doppelt so kalt und feucht vor. Ihr Blick glitt �ber das Ufer. Das Wasser war hier sehr seicht. Treibgut war angesp�lt worden. Dazwischen trieb ein schwarzblaues B�ndel.</p><p>Elder deutete auf die Leiche. �Sieh nach, ob seine Waffe noch funktioniert. Wenn wir auf mehr von ihnen sto�en, bist du nur mit deinem Schwert nicht sonderlich gut ausger�stet.�</p><p>Der Gedanke, eine Leiche abzutasten und zu bestehlen, gefiel Kara �berhaupt nicht. Aber wenn sie auf eine ganze Armee dieser Typen stie�en... Sie watete in das eiskalte Wasser und drehte mit heftigem Widerwillen den Leichnam herum. Es <emphasis>war</emphasis> der Mann mit dem gl�sernen Gewehr. Aber wie sie erwartet hatte, hatte der Sturz aus eineinhalb Meilen nicht nur seinen K�rper und sein Gesicht, sondern auch den zerbrechlichen Lauf der Waffe zertr�mmert. Entt�uscht lie� sie ihn los, griff dann noch einmal zu und suchte nach der Laserpistole an seinem G�rtel, fand sie aber nicht. Die Schicksalsg�tter schienen nicht ganz auf ihrer Seite zu stehen.</p><p>�Kara!� Elders Stimme klang alarmiert. Sie drehte sich um und watete zum Ufer zur�ck, froh, aus dem eisigen Wasser herauszukommen. Die K�lte machte bereits ihre Beine taub. �Was ist?�</p><p>Elder war am Ufer auf- und abgegangen und untersuchte die Felsen, als h�tte er noch nie einen Stein gesehen. Jetzt beugte er sich vor und hob etwas auf, das Kara auf den ersten Blick f�r ein B�schel Haare hielt.</p><p>�Tang�, sagte er. �Und weiter oben habe ich Muschelschalen gefunden. Und tote Fische. Und sieh mal dort oben, an der Wand � erkennst du die Linien im Fels?�</p><p>Kara tat ihm den Gefallen und legte den Kopf in den Nacken. Sie sah nichts, aber sie nickte trotzdem.</p><p>�Das sind Wassermarkierungen�, sagte Elder aufgeregt. �Verstehst du, was das bedeutet?�</p><p>�Ja�, sagte Kara und sch�ttelte den Kopf.</p><p>Elder nahm ihre Antwort nicht einmal zur Kenntnis. �Du hattest recht, Kara. Diese H�hle mu� fr�her v�llig unter Wasser gestanden haben. Und es kann noch nicht lange her sein. Ein paar Monate, allerh�chstens ein Jahr! Der Wasserspiegel sinkt, verstehst du?� Pl�tzlich wurde seine Stimme zu einem zitternden Kr�chzen. �Verstehst du jetzt, warum der Hochweg stirbt?�</p><p>�Ich glaube... schon�, murmelte Kara. Ihr Blick suchte die titanischen Wurzelstr�nge, die wie S�ulen, die den Himmel trugen, von der Decke hingen. Vielleicht war es kein Irrtum gewesen, als sie geglaubt hatte, sie s�hen wie totes Haar aus. �Du meinst, sie sind � �</p><p>�Verdurstet, ja�, f�hrte Elder den Satz zu Ende. �Sieh doch selbst! Die Wurzeln m�ssen bis tief ins Wasser hineingereicht haben. Und als der Wasserspiegel gesunken ist, da... da sind sie abgestorben.�</p><p>Kara blickte die traurig herabh�ngenden Riesenwurzeln mit neuem Schrecken an. Wenn Elder recht hatte, dann war das Schrecklichste nicht einmal das, was er ausgesprochen hatte, sondern vielmehr das, was er <emphasis>nicht</emphasis> gesagt hatte. Nur die allerwenigsten Riesenwurzeln reichten �berhaupt noch bis aufs Wasser herab. Und wenn der Wasserspiegel weiter sank, dann w�rde dieses riesige Pflanzenwesen, das die meisten Bewohner Schelfheims f�r nichts anderes als eine Br�cke hielten, binnen weniger Wochen oder vielleicht auch nur Tage verdursten und absterben.</p><p>�Glaubst du, da�... da� <emphasis>sie</emphasis> etwas damit zu tun haben?� fl�sterte sie.</p><p>Elder schwieg eine ganze Weile. �Ich wei� es nicht�, sagte er dann. �Aber auf jeden Fall wissen sie etwas dar�ber. Und allein daf�r, da� sie dieses Wissen geheimgehalten haben, werden sie bezahlen, das verspreche ich dir.�</p><p>�Dazu m�ssen wir sie aber zuerst einmal finden�, gab Kara zu bedenken.</p><p>Elder wies mit einem zornigen Schnauben auf das Zelt und die kristallene Flugscheibe. �Fr�her oder sp�ter werden sie schon hier auftauchen, um nachzusehen, was aus ihren beiden Freunden geworden ist.�</p><p>�Ja. Drei�ig Mann hoch und bis an die Z�hne bewaffnet�, knurrte Kara. �Nein � wir m�ssen vorher etwas unternehmen.� Sie sah sich suchend um, blickte einen Moment zu dem durch die gro�e Entfernung winzig erscheinenden Loch in der H�hlendecke hinauf und sah dann wieder zum Zelt zur�ck. �Vielleicht k�nnen wir mit diesem Ding da etwas anfangen.�</p><p>Kara wies auf die Kristallscheibe.</p><p>�F�nf Meilen weit senkrecht nach oben?� Elder sch�ttelte fast erschrocken den Kopf. �Das traue ich dem Ding nicht zu. Und selbst wenn, es w�rde Stunden dauern, und Tage, bis wir zur�ck sind. Dann sind die Burschen l�ngst auf und davon. Willst du das Risiko eingehen?�</p><p><emphasis>Und Angellas M�rder entkommen lassen? Nein!</emphasis> �Dann suchen wir sie! Dieses Ding da fliegt auch �ber dem Wasser?�</p><p>�Suchen? Wo denn?� Elder lachte humorlos und machte eine weit ausholende Geste. �Wir wissen ja nicht einmal, wie gro� diese verdammte H�hle ist. Es k�nnen Hunderte von Meilen sein! Wie lange willst du denn suchen?�</p><p>�Hast du eine bessere Idee?�</p><p>�Ich... bin nicht sicher�, gestand Elder. �Aber das Funkger�t scheint ganz �hnlich zu funktionieren wie unsere Ger�te. Es ist sehr leistungsstark, glaube ich. Wenn ich damit klarkomme und die Antenne auf den Schacht ausrichte...�</p><p>�Dann versuch es!� sagt Kara ungeduldig. �Worauf wartest du?�</p><p>�Immer mit der Ruhe�, sagte Elder. �Ich sagte, es <emphasis>�hnelt</emphasis> unseren Ger�ten. Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob ich es schaffe.�</p><p>�Warum probierst du es nicht einfach aus?�</p><p>�Damit unsere schie�w�tigen Freunde beim ersten Pieps hier sind?� Elder machte ein finsteres Gesicht. �Ich habe genau einen Versuch. Und ich �bernehme keine Garantie, wen ich damit hierherbringe.�</p><p>�Haben wir denn eine Wahl?� fragte Kara.</p><p>Elder nickte und verschwand wortlos wieder in dem durchsichtigen Kugelzelt. Kara dachte einen Moment dar�ber nach, ihm zu folgen, schon um der K�lte und Feuchtigkeit zu entgehen, aber dann zog sie es doch vor, drau�en zu bleiben. Es gab eine Menge, wor�ber sie nachdenken mu�te.</p><p>�ber Elder zum Beispiel. Sie beobachtete ihn eine Weile, wie er �ber dem fremdartigen Funkger�t sa� und versuchte, es in Gang zu bringen. Pl�tzlich wurde Kara klar, was sie von ihm verlangte. Im Grunde verstand er so wenig von der Technik der Alten Welt wie sie oder irgendein anderer. Niemand <emphasis>verstand</emphasis> wirklich etwas davon. Sie waren wenig mehr als Lumpensammler, die in den Tr�mmern einer vor zweihundert Jahrtausenden untergegangenen Welt herumstocherten und dann und wann etwas fanden. Elders Funkger�t, seine Waffen, der Scheinwerfer, das Ger�t, das er als <emphasis>Trigger</emphasis> bezeichnet hatte � n�tzliche Dinge, von denen es, wie manche meinten, viel zu wenige gab und die nur den Privilegierten oder dem Milit�r vorbehalten waren.</p><p>Aber wozu auch? Sie hatten w�hrend der vergangenen zweihunderttausend Jahre bewiesen, da� es andere Arten zu leben gab. Sie hatten ihre Hornk�pfe, die die schweren Arbeiten erledigten; M�nner und Frauen mit magischen Heilkr�ften und Dinge wie die riesige, lebende Br�cke Schelfheims. Und Menschen wie Elder und Angella, um diese Welt zu bewachen. Sie hatten sich eine Welt erschaffen, die v�llig auf den Kr�ften der Natur basierte und keinerlei Technik mehr brauchte. Das, was aus der Alten Zeit noch �brig war, w�rde auch noch verschwinden, in tausend oder auch vielleicht erst in weiteren zweihunderttausend Jahren � das spielte keine Rolle. Ihre Kultur, so primitiv sie einem Bewohner der Alten Welt auch vielleicht vorgekommen w�re, hatte l�nger �berdauert als jede andere zuvor. Und sie w�rde auch weiterexistieren, wenn das letzte von Elders geliebten technischen Spielzeugen schon l�ngst zu Staub zerfallen war.</p><p>Falls nicht jemand kam und etwas dagegen unternahm.</p><p>Ihr Blick suchte den toten Mann im Wasser, und wieder versp�rte sie ein kurzes, eisiges Fr�steln, das nichts mit der K�lte in der H�hle zu tun hatte. Der Gedanke erschien ihr in den ersten Momenten schlichtweg absurd � wie sollten diese M�nner, ganz gleich, mit welchem technischen Erbe der Alten Welt sie ausgestattet waren, eine ganze Welt in Gefahr bringen? Und was war bisher schon passiert? Selbst, wenn das Br�cken-Tier starb, ja, selbst wenn ganz Schelfheim unterging � das w�rde die Welt nicht in ihren Grundfesten ersch�ttern.</p><p>Und doch.</p><p>Die Gefahr, nach der Angella Zeit ihres Lebens gesucht und deren Handlanger Kara gesehen hatte, war Wirklichkeit.</p><p>Ein weiterer, dunkler K�rper im Wasser fiel ihr auf. Im ersten Moment hielt sie ihn f�r den Leichnam des zweiten Kriegers und ging n�her, dann �</p><p>Der Schock war nicht so gro� wie oben in der H�hle, wo die Salve der Bet�ubungsgeschosse sie getroffen hatte, aber er l�hmte nicht nur ihren K�rper, sondern auch ihre Gedanken und lie� die Zeit gefrieren. Sekunden, vielleicht auch einige Minuten stand sie reglos, gel�hmt, mit ganz langsam, schwer und schmerzhaft schlagendem Herzen am Ufer des unterirdischen Sees und starrte den zerfetzten rotbraunen Umhang an, der auf dem Wasser trieb, der sich vom Ufer entfernte, n�her kam, sich vom Ufer entfernte, n�her kam, ein unabl�ssiges Hin und Her, als z�gere das Meer noch, sein grausiges Geschenk vollends herauszugeben.</p><p>Irgendwann erwachte sie aus ihrer Erstarrung und begann ins eisige Wasser hineinzuwaten. Es war an dieser Stelle viel tiefer und reichte ihr bis zur Brust; die Luft vor ihrem Gesicht wurde zu grauem Dampf, und von den Knien kroch ein Woge der Gef�hllosigkeit durch ihren Leib. Doch sie sp�rte nichts von alledem. Ihre H�nde, obgleich sie vor K�lte mittlerweile weh taten, zitterten nicht einmal, als sie die Arme ausstreckte und den reglosen K�rper vollends zu sich heranzog.</p><p>Es war Angella. Sie hatte ihre Maske verloren, und auf ihren Z�gen lag ein Ausdruck, der Kara verriet, da� ihr Tod schmerzlos gewesen war. Wahrscheinlich hatte sie schon lange, bevor ihr Sturz zu Ende gewesen war, das Bewu�tsein verloren. Vielleicht hatte sie auch der Sturz get�tet, nicht der Aufprall. Kara hatte gen�gend Zeit auf dem R�cken eines Drachen verbracht, um sich in solchen Dingen auszukennen, wenigstens theoretisch. Sie wu�te, da� ein st�rzender K�rper schon nach zweihundertf�nfzig Metern seine gr��tm�gliche Geschwindigkeit erreichte und da� das Schicksal oft gn�dig genug war, den St�rzenden bald das Bewu�tsein verlieren zu lassen. Was f�r eine grausame Ironie! Konnte es einen w�rdigeren Tod f�r einen Drachenreiter geben als den letzten, schwerelosen Fall aus dem Himme1?</p><p>Ihre Finger strichen �ber Angellas erstarrtes Gesicht. Ihr Verstand sagte ihr, da� es die K�lte des Wassers war, die sie f�hlte, aber es war zugleich auch eine andere K�lte, der Beginn einer eisigen, t�dlichen Entschlossenheit, die sich in diesem Moment in Kara auszubreiten begann. Keine Tr�nen liefen �ber ihr Gesicht. Die N�sse auf ihren Wangen stammte nur von dem salzigen Wasser, durch das sie watete. Sie f�hlte keinen Schmerz, keinen Zorn, keine Verbitterung, nur eine kalte, sachliche Entschlossenheit, die M�nner zu finden, die f�r Angellas Tod verantwortlich waren, und sie daf�r zur Rechenschaft zu ziehen. Langsam zog sie die Tote zum Ufer hinauf, bettete ihren Oberk�rper in ihrem Scho� und blieb lange Zeit so sitzen, mit ausdruckslosem Gesicht, reglos bis auf die rechte Hand, die immer wieder Angellas Stirn streichelte wie die eines fiebernden Kindes.</p><p>Sie wu�te nicht, wieviel Zeit vergangen war, als Elder mit weit ausgreifenden Schritten aus dem Zelt st�rmte und rief:</p><p>�Ich habe es geschafft! Sie kommen, Kara. In zwei oder drei Stunden sind � �</p><p>Er brach mitten im Satz ab, als er sah, da� Kara nicht allein war. Schrecken, Zorn und Entsetzen spiegelten sich in rascher Folge auf seinem Gesicht, aber er sagte nichts mehr, sondern blickte Kara nur noch einen Moment lang voll echtem Mitgef�hl an, ehe er sich neben ihr in die Hocke sinken lie�. Z�gernd streckte er die Hand aus, um Angella zu ber�hren. Kara schlug seinen Arm zur Seite.</p><p>�R�hr sie nicht an!�</p><p>Elder l�chelte. Es war ein sehr trauriges L�cheln, und erneut sah Kara in seinen Augen, da� dieses Mitleid nicht gespielt war. Aber es war ein Mitgef�hl, das ihr galt. Er empfand Trauer, weil <emphasis>ihr</emphasis> weh getan worden war, nicht um Angellas willen, und das machte sie zornig.</p><p>�R�hr sie nicht an!� sagte sie noch einmal. �Niemand darf sie anr�hren, verstehst du? Niemand!�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Sie bestatteten Angella und den toten Fremden ein gutes St�ck vom Ufer entfernt. Da der Boden aus Fels bestand und sie keinerlei Werkzeuge hatten, bedeckten sie die Toten mit flachen Steinen und Schlamm, den Kara mit blo�en H�nden vom Meeresgrund dicht am Ufer kratzte. Keiner von ihnen sprach auch nur ein Wort. Kara hatte immer geglaubt, da� es wichtig und auch gut w�re, in einem solchen Moment irgend etwas zu sagen, aber die Wahrheit war, da� alle Worte in diesem Moment leer und hohl klingen mu�ten.</p><p>�Sie war eine alte Frau.� Mehr hatte Elder nicht gesagt. Und es war nur eine reine Feststellung gewesen, eine Tatsache, die nichts �nderte, es aber vielleicht ein wenig leichter machte. Angella war alt gewesen, und sie hatte ein Leben gehabt, das reicher und erf�llter gewesen war als das der meisten anderen. Es bereitete Kara keine Schwierigkeiten, die beiden Gr�ber so dicht nebeneinander anzulegen, als geh�rten sie zusammen. Obwohl es gut m�glich war, da� dieser Mann Angellas Tod verschuldet hatte, empfand sie nichts f�r ihn als Gleichg�ltigkeit. Vielleicht war es ja wirklich so, wie man sagte: da� der Tod alle Unterschiede verwischt.</p><p>Danach wartete sie.</p><p>Minuten reihten sich zu einer halben Stunde, dann zu einer ganzen.</p><p>Die M�nner, auf die Elder wartete, kamen nicht. Doch auch sonst kam niemand. Entweder hatte Elder durch einen Zufall genau die Frequenz getroffen, auf der die Funkger�te der Stadtgarde arbeiteten � oder die anderen machten sich nicht die M�he, den Funkverkehr zu �berwachen. So abwegig war diese Vorstellung auch gar nicht � wer kam schon auf die Idee, f�nf Meilen unter der Erde nach geheimen Nachrichten Ausschau zu halten?</p><p>Im gleichen Ma�e, in dem sich Karas unmittelbarer Schmerz legte, kehrten ihre Gedanken zu den vor ihnen liegenden Problemen zur�ck. Je l�nger sie sich in dieser gigantischen unterirdischen H�hle aufhielten, desto weniger glaubte Kara, da� die Fremden wirklich etwas mit dem Verschwinden des Wassers zu tun hatten. Das Licht, das ihnen nach der langen Dunkelheit hell vorkam, war in Wahrheit so bla�, da� sie wahrscheinlich nur zwei oder drei Meilen weit sehen konnten. Aber selbst wenn die H�hle gar nicht viel gr��er war, so mu�te die in ihr enthaltene Wassermenge ungeheuerlich sein. Selbst die fortschrittlichste Technik, die sie sich vorstellen konnte, mu�te vor der Aufgabe kapitulieren, diese unvorstellbaren Wassermengen irgendwie zu transportieren.</p><p>Nein, sie glaubte nicht, da� sie irgend etwas <emphasis>getan</emphasis> hatten. Aber sie hatten davon gewu�t und wahrscheinlich auf eine r�tselhafte Weise davon, profitiert. Und das reichte, um sie sofort und endg�ltig zu Karas Feinden zu erkl�ren.</p><p>Mehrmals glaubte sie ein Ger�usch zu h�ren und sah auf, aber sie mu�te sich wohl get�uscht haben. Und als sie dann <emphasis>wirklich</emphasis> etwas h�rten, da kam der Laut nicht aus dem Schacht �ber ihren K�pfen, sondern drang vom Wasser her�ber.</p><p>Elder und sie h�rten es nahezu im selben Moment; und sie reagierten auch gleichzeitig und ohne da� es irgendeiner Absprache zwischen ihnen bedurft h�tte. Sie liefen los und duckten sich hinter einen Felsen, der ihnen zum offenen Wasser hin Deckung bot.</p><p>Sie warteten mit angehaltenem Atem, aber das Ger�usch wiederholte sich nicht. Alles, was sie h�rten, war das monotone Klatschen der Wellen gegen den Fels. Doch war Kara v�llig sicher, nicht nur Opfer eines Streiches geworden zu sein, den ihr die �berreizten Nerven gespielt hatten. Etwas hielt sich dort drau�en auf, das aus Unvorsichtigkeit oder aus einem anderen Grund ein sonderbares Ger�usch ausgesto�en hatte.</p><p>Kara hatte sich nicht get�uscht. Es verging eine Weile, aber dann h�rten sie beide das Ger�usch noch einmal, ein Laut, als bewege sich ein riesenhafter Fisch mit majest�tischer Langsamkeit durch das Wasser, das Klatschen der Wellen, die sich an st�hlernen Flanken brachen. Und pl�tzlich flammte ein grellwei�er Lichtbalken auf und trieb ihnen die Tr�nen in die an das graue Zwielicht gew�hnten Augen.</p><p>Der Scheinwerferstrahl griff aus einer Entfernung von zwei oder vielleicht auch drei Meilen auf den Strand und verwandelte eine Nacht, die vielleicht seit Anbeginn der Zeiten gedauert hatte, j�h in den Tag. Das Licht ri� jede noch so winzige Einzelheit aus dem Dunkel und war so intensiv, da� Kara sich einbildete, das Wasser unter seiner Ber�hrung zischen zu h�ren. Zuerst sehr schnell, dann ein zweites Mal sehr langsam glitt der Strahl �ber den Strand, verharrte einen Moment auf dem durchsichtigen Zelt, wobei er winzige wei�e Sterne in seinen transparenten W�nden auflodern lie�. Dann richtete er sich f�r einen Moment auf die schwebende Kristallscheibe und kehrte wieder zum Zelt zur�ck. Kara war pl�tzlich sehr froh, der Verlockung widerstanden zu haben, in der W�rme und Trockenheit dort auf das Eintreffen von Elders M�nnern zu warten. Als sie aus eng zusammengekniffenen Augen zum Zelt hin�bersah, bemerkte sie ein winziges Licht, das rot auf dem Funkger�t zu flackern begonnen hatte.</p><p>�Ihre Leute�, sagte Elder, der auch das Licht gesehen hatte. �Sie rufen sie.�</p><p>�Und wenn sie nicht antworten � �</p><p>�-dann werden sie herkommen und nachsehen�, f�hrte Elder den Satz zu Ende.</p><p>Kara dachte besorgt an die beiden Gr�ber, die nicht sehr weit vom Zelt entfernt lagen. Wenn der Scheinwerferstrahl sie erfa�te, dann w�rden sie nicht nur argw�hnen, da� hier irgend etwas nicht stimmte, sondern es pl�tzlich wissen.</p><p>Unvermittelt erlosch der grelle Lichtbalken wieder, aber noch bevor die Dunkelheit wie eine Woge �ber ihnen zusammenschlagen konnte, h�rten sie ein pfeifendes Zischen, und weit auf dem Meer stieg ein grellgelber Stern in die H�he, der einen funkenspr�henden Schweif hinter sich herzog. Ein flackerndes Licht, das beinahe die Farbe der Sonne hatte, verwandelte den Strand in ein sinnverwirrendes Durcheinander aus hellen reflektierenden Fl�chen und tintenschwarzen Schatten.</p><p>Kara blinzelte verwirrt zum steinernen Firmament hinauf. Es war nicht die erste Leuchtkugel, die sie sah, wohl aber die erste, die am Ende ihrer Bahn anhielt und flackernd weiterbrannte, wie von unsichtbaren Seilen gehalten.</p><p>Elder deutete pl�tzlich aufgeregt �ber das Meer, und als Karas Blick seiner Bewegung folgte, sah sie etwas, das sie noch sehr viel mehr verbl�ffte als die von unsichtbaren Kr�ften gehaltene Leuchtkugel.</p><p>Ob es wirklich ein Schiff war, konnte Kara ebensowenig sagen wie sie es wagte, seine Gr��e zu sch�tzen. Aber das Gebilde war riesig; es mu�te aus Metall oder sehr schwerem Holz bestehen, denn die Wellen, die gegen seine Flanken klatschten, vermochten es nicht um einen Deut zu ersch�ttern. Und aus seiner Mitte erhob sich ein runder, an der Vorderseite abgeflachter Turm, an dessen Spitze der ausgeschaltete Scheinwerfer nachgl�hte wie ein riesiges, langsam verl�schendes Auge.</p><p>�Was ist das?� fl�sterte Kara. Elder fuhr erschrocken zusammen und legte den Zeigefinger auf die Lippen, als bef�rchte er, schon die leisesten Worte k�nnten auf dem Meer geh�rt werden. �Ich wei� es nicht. Aber es sieht gef�hrlich aus�, pre�te er hervor. Nerv�s hob Kara den Blick und sah zum Schacht empor. �Wo bleiben deine Leute?�</p><p>�Ich kann nur hoffen, da� sie nicht ausgerechnet jetzt auftauchen�, sagte Elder d�ster. Kara sah ihn verst�ndnislos an, und Elder f�gte mit einer Kopfbewegung auf das Gebilde im Wasser hinzu: �Was immer es ist � ich bin sicher, da� es bis an die Z�hne bewaffnet ist. Sie w�rden sie abschie�en wie junge Spatzen!�</p><p>Kara schauderte bei der Vorstellung. Elder hatte recht. Wenn sie an die unheimliche Pr�zision dachte, mit der das gr�ne Licht Hrhon und die beiden M�nner erfa�t hatte, dann konnten sie nur hoffen, da� die angeforderte Verst�rkung noch eine Weile auf sich warten lie�.</p><p>Sehr langsam n�herte sich der eiserne Fisch dem Ufer. Kara und Elder beobachteten ihn aus der sicheren Deckung ihres Felsens heraus, wagten es aber nicht, ihr Versteck zu verlassen, obgleich das riesige Scheinwerferauge nicht noch einmal aufleuchtete. Aber die Besatzung mu�te entweder Verdacht gesch�pft haben, oder sie waren von Natur aus sehr mi�trauisch. Das Fahrzeug �nderte mehrmals seinen Kurs, aber es hielt schlie�lich nicht vor den Riffen an, wie Kara erwartet hatte, um M�nner auf Booten oder den kleinen Flugscheiben an Land zu schicken. Statt dessen glitt es einige Minuten lang vor der nat�rlichen Sperre hin und her, und fuhr dann durch eine Spalte in den Felsen, die Kara bisher nicht einmal gesehen hatte. Einen Moment lang erfreute sie sich an der Vorstellung, da� der riesige Eisenfisch im n�chsten Augenblick einfach auf den felsigen Meeresgrund auflaufen und festsitzen w�rde.</p><p>Aber der Eisenfisch tat ihr nicht den Gefallen, sich selbst den Bauch aufzuschlitzen, statt dessen stiegen pl�tzlich rings um seinen metallenen Leib Luftblasen empor. Das Wasser brodelte, schien zu kochen und verwandelte sich in wei�en Schaum, und dann erhob sich das Schiff, bis es nur noch auf dem Wasser zu fahren schien!</p><p>Kara sah aus den Augenwinkeln, wie Elder erstaunt zusammenfuhr. Gebannt beobachteten sie, wie das bizarre Gebilde unaufh�rlich herankam. Sein Leib mu�te fast so lang wie ein Drachen sein, und es bot mit Sicherheit Platz f�r hundert oder mehr M�nner. Wasser perlte in breiten Str�men von dem mit schwarzen Stahlplatten gepanzerten Rumpf, an dem auch �berall kleinere Lichter brannten. Zischend und auf einer gewaltigen Bugwelle aus kochendem Wasser reitend, n�herte sich der Gigant dem Ufer. Ein abgestorbener, riesiger Wurzelstrang war ihm im Weg, aber er machte sich nicht die M�he, ihm auszuweichen, sondern zermalmte das Holz mit seinem stumpfen Bug.</p><p>Es war dieser Augenblick, der Kara schlagartig wieder zu Bewu�tsein brachte, in welcher Gefahr Elder und sie schwebten. Zwei Schwerter und eine altersschwache Laserpistole waren ein bi�chen wenig...</p><p>�Hast du eine gute Idee?� fragte sie.</p><p>Elder nickte. �Wie w�re es damit: Kennst du zuf�llig ein paar n�tzliche Zauberspr�che?�</p><p>Kara ersparte sich eine Antwort. Ihre Gedanken �berschlugen sich. Das Schiff bewegte sich noch immer �u�erst langsam, aber auch so blieben ihnen allerh�chstens noch zehn Minuten. Wenn ihnen bis dahin nichts eingefallen war, konnten sie sich genausogut auch gegenseitig umbringen. Nach dem, was sie den beiden Posten angetan hatten, w�rden die M�nner auf diesem Schiff kurzen Proze� mit Elder und ihr machen.</p><p>Wenn sie Gl�ck hatten.</p><p>Ihr Blick fiel auf eines der riesigen Holzst�cke, das nahe dem Ufer im Wasser d�mpelte. Rasch sah sie noch einmal zum Boot hin�ber und verl�ngerte seinen Kurs in Gedanken. Es konnte klappen. Mit ein wenig Gl�ck konnte es klappen.</p><p>�Kannst du schwimmen?� fragte sie.</p><p>Elder sah sie irritiert an, und Kara machte eine Kopfbewegung zum Tr�mmerst�ck. Es dauerte einen Moment, aber dann begriff er, was sie vorhatte. �Ja.�</p><p>�Das trifft sich gut�, sagte Kara. �Ich n�mlich nicht.�</p><p>Elder ri� erstaunt die Augen auf, sagte aber nichts. Nachdem er sich seines gelben Umhanges entledigt hatte, krochen sie auf dem Bauch liegend und jede noch so winzige Deckung ausnutzend zum Ufer und glitten ins Wasser. Kara wu�te, da� sie dennoch leicht zu entdecken sein mu�ten, wenn sich irgend jemand die M�he machte, den Strand ein wenig aufmerksamer im Auge zu halten. Nach wenigen Augenblicken erreichten sie unbehelligt das Wasser und glitten durch die eisige K�lte auf den zyklopischen h�lzernen Findling zu.</p><p>Kara hatte nicht gelogen, als sie behauptete, nicht schwimmen zu k�nnen. Aber mit Elders Hilfe war es nicht einmal sehr schwer, durch das Wasser zu tauchen und nur ab und zu den Kopf zu heben, um zu atmen.</p><p>Schwieriger war es schon, in das riesige Holzst�ck hineinzuklettern, denn das Holz war so morsch, da� es unter jeder Ber�hrung einfach abbrach. Nur mit �u�erster Anstrengung gelang es Elder und ihr, sich auf den schwankenden Boden hinaufzuziehen. Geduckt, unsicher und sehr vorsichtig bewegten sie sich weiter. Sie mu�ten aufpassen, wo sie hintraten, denn nur zu oft gab der morsche Boden unter ihnen nach. Einmal brach Elder bis an die H�ften ins Wasser ein, ehe Kara ihn festhalten und wieder in die H�he ziehen konnte.</p><p>Ein Blick �ber den Rand ihres schwimmenden Verstecks hinweg zeigte ihr, da� der Riesenfisch noch n�her gekommen war, seine Fahrt aber verlangsamt hatte. Au�erdem hatte sich ihre h�lzerne Scholle in Bewegung gesetzt und trieb langsam vom Ufer fort.</p><p>Sie beratschlagten einen Moment lang, dann machte Elder einen Vorschlag, der Kara den puren Angstschwei� auf die Stirn trieb, obwohl er sie nicht einmal �berraschte. Genaugenommen hatte sie die Idee schon selbst gehabt, es aber nicht gewagt, sie laut auszusprechen.</p><p>Mit Elders Hilfe brach sie ein l�ngeres St�ck aus der Rinde, lie� es ins Wasser gleiten und legte sich flach darauf. Elder war dicht neben ihr, als sie sich von ihrem schwimmenden Versteck trennten und mit gleichm��igen Hand- und Fu�bewegungen einen Kurs auf den Eisenfisch einzuschlagen versuchten � was sich als recht schwierig gestaltete, denn rings um das riesige Schiff kochte und brodelte das Wasser heftiger als je zuvor. Drei�ig oder vierzig Meter vom Ufer entfernt und fast auf gleicher H�he mit Elder und ihr kam das Schiff schlie�lich zur Ruhe. Der wei�e Schaum versiegte, und Kara h�rte ein dumpfes Knirschen, als der st�hlerne Rumpf den Meeresboden ber�hrte. Endlich lag es vollkommen still. Kara h�rte eine Reihe dumpf polternder Schl�ge, die tief aus seinem Rumpf herausdrangen.</p><p>Sie sah sich nach Elder um. Sein Kopf h�pfte wie ein Korken drei oder vier Meter neben ihr auf den Wellen, und obwohl das Wasser so kalt war, da� Kara fast erwartete, kleine Eiskl�mpchen auftauchen zu sehen, brachte er die Unversch�mtheit auf, sie anzugrinsen. Kara selbst hatte das Gef�hl, im n�chsten Moment nicht nur erfrieren, sondern vor Angst sterben zu m�ssen. Das Brett, auf dem sie lag, trug sie zuverl�ssig, und wahrscheinlich war das Wasser an dieser Stelle nicht einmal tief genug, um zu ertrinken. Aber all ihre Instinkte schrien ihr zu, da� der sichere Tod nur noch die St�rke eines verfaulten Brettes von ihr entfernt war. Sie mu�te mit aller Macht die Panik niederk�mpfen, die sie zu �berw�ltigen drohte. Es war absurd sie hatte in den letzten zehn Jahren gelernt, einen Drachen zwei Meilen �ber der Erde durch die Luft zu steuern, sie wagte auf Markors R�cken Flugman�ver, die selbst erfahrenen Drachenreitern den Angstschwei� auf die Stirn trieben, aber dieses seichte Wasser trieb sie vor Angst fast in den Wahnsinn. Zu ihrem Entsetzen wandte sich Elder pl�tzlich dem offenen Meer zu und gab mit einem Zeichen zu verstehen, ihm zu folgen. Kara war viel zu starr vor Angst, um auch nur zu protestieren, und so paddelte sie ungeschickt hinter ihm her, zuerst ein gutes St�ck von dem gewaltigen Boot fort, dann in einem weiten Bogen wieder zu ihm zur�ck, so da� sie sich ihm von der dem Ufer abgewandten Seite n�herten.</p><p>Auf dem Eisenfisch hatte sich mittlerweile eine Klappe ge�ffnet, und ein gutes Dutzend M�nner waren ins Freie getreten. Sie trugen die gleiche Art blauschwarzer Uniform wie jene beiden, die Kara und Elder oben getroffen hatten, und sie verbargen ihre Gesichter ebenso hinter bizarren Masken aus get�ntem Glas. Voller Unbehagen registrierte Kara, da� ein gro�er Teil von ihnen mit den gl�sernen Gewehren ausger�stet war.</p><p>Zum Gl�ck konzentrierte sich ihre Aufmerksamkeit v�llig auf das vor ihnen liegende Ufer. Keiner warf auch nur einen Blick auf das Meer hinaus. Allerdings h�tten sie Kara und Elder kaum entdeckt. Auf der fast schwarzen Wasseroberfl�che waren sie so gut wie unsichtbar. Langsam trieben sie n�her. Das Schiff spie immer noch M�nner aus, und aus einer zweiten, gr��eren Luke wurde eine Anzahl der runden Flugscheiben entladen. Kara vermutete, da� ihre Zahl begrenzt war, denn sie brachten jeweils zwei der glasbehelmten Krieger ans Ufer und flogen dann leer zur�ck, um weitere zu holen.</p><p>Als sie sich dem Schiff n�herten, geriet das Deck au�er Sicht. Kara h�rte noch immer das hohe Singen der Kristallscheiben. Sie hoffte, da� alle M�nner vom Deck des Schiffes verschwunden waren, wenn sie es erreichten. Gleichzeitig fragte sie sich zum ersten Mal, was sie dort eigentlich <emphasis>wollten.</emphasis></p><p>Auf ihre Frage hin zuckte Elder mit den Schultern. �W�re doch nett, wenn wir es erobern k�nnten, oder?�</p><p>�Wir beide?� Kara blickte schaudernd an der gewaltigen Flanke des st�hlernen Fisches hoch, die wie ein Berg aus Eisen vor ihnen aufragte. Einen winzigen Moment lang peinigte sie die Vorstellung, da� das Schiff sich pl�tzlich bewegen und sie unter seinem gewaltigen Leib zerquetschen k�nnte. Eine gr��liche Vorstellung. Sie sch�ttelte sie ab. �Du bist verr�ckt!�</p><p>�Wahrscheinlich. Aber es w�re wirklich phantastisch, dieses Ding in die H�nde zu bekommen. Und sei es nur, um zu erfahren, wer diese Kerle eigentlich sind.�</p><p>Und schlimmstenfalls, dachte Kara, konnten sie sich immer noch verstecken und warten, bis der Gigant wieder abfuhr. <emphasis>Falls</emphasis> er irgendwann einmal wieder abfuhr und falls sie bis dahin nicht erfroren waren. Ihre Glieder waren schon gef�hrlich blau angelaufen. Kara sah ein, da� sie auf das Boot klettern mu�ten, ob sie wollten oder nicht. Wenn Flucht unm�glich war, was au�er Angriff blieb ihnen dann schon noch?</p><p>An den Seiten des Schiffes waren in regelm��igen Abst�nden eiserne Leitersprossen angebracht worden, aber Karas Finger waren so steifgefroren, da� sie drei Versuche brauchte, ehe sie sich auch nur auf die erste der drei Dutzend Sprossen emporziehen konnte. Der Schmerz trieb ihr die Tr�nen in die Augen. Mit zusammengebissenen Z�hnen kletterte sie weiter, hielt aber immer wieder inne, um neue Kraft zu sch�pfen. Das Leben kehrte schmerzhaft in ihre Finger und Zehen zur�ck, aber ihre Muskeln waren immer noch so verkrampft, da� sie nicht einmal sicher war, ob sie ihr Schwert w�rde halten k�nnen.</p><p>Sie hielt ein letztes Mal inne, als das Deck eine Handbreit �ber ihr lag, und warf einen Blick unter sich. Elder folgte ihr in dichtem Abstand. Er sah ersch�pft und m�de aus wie sie. Sein Gesicht war grau, und er zitterte am ganzen Leib und hatte sichtliche M�he, sich �berhaupt noch auf der Leiter zu halten. Und sie wollten dieses Monstrum von Schiff erobern? Sie mu�ten v�llig verr�ckt sein!</p><p>Vorsichtig kletterte Kara weiter und warf einen Blick �ber das Deck. Es war verlassen, wie sie gehofft hatte. Nur ein einzelner Posten war zur�ckgeblieben. Er stand breitbeinig nur wenige Schritte von Kara entfernt, blickte zum Ufer und wandte ihr den R�cken zu.</p><p>Kara lie� sich wieder ein St�ck zur�cksinken und sah zu Elder hinab. �Ein W�chter�, fl�sterte sie.</p><p>�Aha�, sagte Elder m�de.</p><p>�Du oder ich?�</p><p>�Alter vor Sch�nheit�, murmelte Elder. �Ich schenke ihn Dir.�</p><p>�Danke�, knurrte Kara � obwohl sie gleichzeitig einsah, sa� ihre Frage ziemlich �berfl�ssig gewesen war. Sie war nun einmal die erste auf der Leiter. Vorsichtig zog sie sich weiter empor, bis sie zuerst das rechte, dann das linke Knie auf das Deck schieben konnte. Langsam richtete sie sich ganz auf und beobachtete den Posten mit angehaltenem Atem. Nichts. Er hatte sie nicht bemerkt. Seine Konzentration galt voll und ganz dem, was sich am Ufer abspielte.</p><p>Bis zu dem Moment, in dem Kara den ersten Schritt machte. Das Wasser in ihren Stiefeln verursachte ein deutlich h�rbares, quietschendes Ger�usch, und der Posten fuhr erschrocken herum. Sein Unterkiefer klappte herunter, als er das dunkelhaarige, bis auf die Haut durchn��te M�dchen hinter sich erblickte.</p><p>Kara machte einen Satz, ri� den Fu� hoch und versetzte ihm einen �berraschend kr�ftigen Tritt unter das Kinn. Der Kopf des Mannes flog mit einem harten Ruck in den Nacken. Sie konnte h�ren, wie sein Genick brach. Kara war mit einem Satz bei ihm und fing ihn auf, bevor er auf das Deck schlagen konnte. Er war ziemlich schwer. Ihre verkrampften Muskeln versagten ihr den Gehorsam, so da� sie ihn wahrscheinlich fallengelassen h�tte, w�re nicht in diesem Moment Elder neben ihr aufgetaucht. Gemeinsam schleiften sie den Toten �ber das Deck und warfen ihn kurzerhand �ber Bord � nachdem Kara die Laserpistole aus seinem G�rtel gezogen hatte.</p><p>Elder sah sie �berrascht an.</p><p>�Man kann nie wissen�, sagte Kara, w�hrend sie die Waffe unter ihrem Mantel verschwinden lie�.</p><p>Sie warf einen raschen Blick zum Ufer hin�ber. Die Krieger hatten sich auf dem felsigen Strand verteilt und suchten pedantisch jeden Fu�breit Boden ab. Niemand hatte bemerkt, was geschehen war.</p><p>Instinktiv wollte Kara zu der Luke eilen, durch die die M�nner das Schiff verlassen hatten, aber Elder sch�ttelte hastig den Kopf und deutete auf die andere Luke, aus der die Flugscheiben herausgekommen waren. Wahrscheinlich hat er recht, dachte Kara. Es war sicherer, durch eine Ladeluke einzudringen, statt durch eine T�r, hinter der es vermutlich von Soldaten wimmelte.</p><p>Kara bewegte unter Schmerzen die Finger, um das Leben in ihre abgestorbenen Glieder zur�ckzuzwingen. Es tat entsetzlich weh; es w�rde vermutlich Tage dauern, bis ihre Muskeln die gewohnte Geschmeidigkeit zur�ckerlangt hatten, aber sie konnte sich wenigstens bewegen. Geduckt n�herten sie sich der Ladeluke. Elder warf einen aufmerksamen Blick in die Tiefe und gab ihr dann mit einem Nicken zu verstehen, da� alles in Ordnung war. Nacheinander kletterten sie in die Tiefe.</p><p>Das pulsierende Licht der Leuchtkugel, die sonderbarerweise noch immer brannte, blieb �ber ihnen zur�ck, aber daf�r umgab sie ein kalter, blauer Schein, in dem alle Farben falsch und alle Bewegungen abgehackt wirkten. Ein dumpfes Dr�hnen und Rauschen drang an ihr Ohr, und ein warmer Lufthauch schlug ihnen in die Gesichter.</p><p>Aufmerksam blickte Kara sich um. Sie befanden sich in einem niedrigen, mit Schr�nken und Regalen vollgestopften Raum. Der Boden bestand aus geriffeltem, vielfach durchbrochenen Metall. In einem gro�en Gestell aus st�hlernen Tr�gern hingen drei der kristallenen Flugscheiben, und das Gestell selbst bot noch Platz f�r sieben weitere der bizarren Flugger�te. An jedem Ende des langgestreckten Raumes gab es eine halbrunde T�r aus Metall, die �u�erst massiv aussah.</p><p>Sie gingen in Richtung Bug. Elder brauchte nur einen Moment, um den simplen �ffnungsmechanismus der T�r zu durchschauen, der nur aus einem massiven eisernen Speichenrad bestand. Die T�r war nicht verriegelt; nachdem Elder keuchend das Rad zweimal gedreht hatte, schwang sie beinahe lautlos nach innen und gab den Blick auf einen schmalen, vom gleichen bl�ulichen Licht erf�llten Gang frei. Zahlreiche T�ren zweigten davon ab. Alles hier unten war aus Metall. Kara h�rte eine Reihe verwirrender Laute, die sie nicht einordnen konnte. Niemand war zu sehen. Vielleicht war wirklich die gesamte Besatzung dieses sonderbaren Eisenschiffes von Bord gegangen. Aber Kara glaubte nicht daran, da� sie soviel Gl�ck hatten. �Und jetzt?� fragte sie.</p><p>Elder �berlegte einen Moment. Sein Blick tastete aufmerksam �ber die gleichf�rmigen, grauen T�ren. Kara hatte das Gef�hl, da� er nach etwas suchte. �Es mu� eine Art... zentralen Raum geben�, sagte er schlie�lich. �Wie die Br�cke auf einem Schiff, verstehst du?�</p><p>�Nein�, sagte Kara. �Wieso?�</p><p>�Wenn wir irgendwo Schaden genug anrichten k�nnen, um dieses Ding lahmzulegen, dann dort.�</p><p>�Wieso zerst�ren wir nicht einfach die Maschinen, die es antreiben?� fragte Kara.</p><p>�Hast du eine Vorstellung, wie gro� sie wahrscheinlich sind?�</p><p>Elder sch�ttelte entschieden den Kopf. �Komm, ehe sie merken, da� der Posten nicht mehr da ist.�</p><p>Er zog die schwere T�r ohne sp�rbare Anstrengung weiter auf und begann geduckt den Gang vor Kara entlangzuhuschen. Kara rechnete jeden Augenblick damit, da� eine der T�ren auffliegen und irgend jemand sie angreifen w�rde, aber sie erreichten unbehelligt das jenseitige Ende des Ganges. Hinter der T�r lag ein runder Schacht, in dem eine schmale Metalleiter nach oben und unten f�hrte. Die Luft war feucht. Stimmen und eine Vielzahl anderer, verwirrender Laute drangen aus der Tiefe zu ihnen.</p><p>�Dort oben geht es wahrscheinlich zum Turm�, fl�sterte Elder.</p><p>Kara deutete nach unten. �Und dort zu deinem zentralen Raum�, sagte Kara. �Worauf warten wir. Eine bessere Chance bekommen wir nicht.�</p><p>�Reinkommen ist nicht das Problem�, sagte Elder. �Ich m�chte ganz gern auch wieder lebendig rauskommen�. Er sah sich suchend um. Rasch kletterte er �ber die Leiter in die H�he. Sie gelangten in einen runden Raum, der sich tats�chlich im Turm des Schiffes zu befinden schien, denn �ber ihren K�pfen lag eine runde, offenstehende Luke, �ber der das flackernde Licht der Leuchtkugel zu sehen war. Ein Schatten bewegte sich �ber ihnen. Kara erschrak. Wenn sie einen Posten auf dem Turm zur�ckgelassen hatten, dann konnte ihnen das Verschwinden des zweiten W�chters nicht mehr sehr lange verborgen bleiben.</p><p>Es gab drei T�ren. Elder probierte sie rasch nacheinander aus, schl�pfte durch die dritte hindurch. Kara h�rte ein klatschendes Ger�usch, dann einen Aufprall. Hastig folgte sie Elder, die rechte Hand auf dem Schwertgriff. Aber er brauchte keine Hilfe. Er stand gebeugt �ber einer reglosen Gestalt am Boden, die eine schwarzblaue Uniform und einen Helm mit einem Glasvisier trug. Der winzige Raum war mit verwirrenden Apparaturen und Ger�tschaften vollgestopft.</p><p>Elder zog dem Mann den Helm vom Kopf und streifte ihn sich selbst �ber. Sein Gesicht verschwand hinter get�ntem Glas, worauf eine unheimliche Ver�nderung mit ihm vonstatten ging. Er schien pl�tzlich zu einem von <emphasis>ihnen</emphasis> zu werden. Kara starrte ihn an.</p><p>�Was hast du?� fragte Elder.</p><p>�Nichts�, antwortete Kara hastig. Verr�ckt! F�r einen winzigen Augenblick war sie davon �berzeugt gewesen, da� er einer von ihnen <emphasis>war.</emphasis> �Es ist nichts�, sagte sie noch einmal. �Ich war erschrocken. Du siehst unheimlich aus mit dem Ding. Was soll das?�</p><p>�Tarnung�, erkl�rte Elder. �Schade, da� wir nicht auch einen f�r dich haben. Es w�re � <emphasis>he!�</emphasis></p><p>�Was ist?� fragte Kara alarmiert.</p><p>�Das ist... faszinierend!� sagte Elder. �In dem Glas sind pl�tzlich Bilder. Und Buchstaben und Zahlen. Sieht man sie von au�en?�</p><p>Kara sch�ttelte den Kopf. �Was bedeuten sie?�</p><p>�Ich habe nicht die geringste Ahnung�, erwiderte Elder. �Aber es ist einfach unglaublich. Ich werde das Ding auf jeden Fall mitnehmen.�</p><p>Kara verdrehte die Augen und seufzte. In diesem Moment regte sich der Mann zu Elders F��en st�hnend. Elder versetzte ihm einen Faustschlag unter das Kinn, der ihn sofort wieder erschlaffen lie�.</p><p>�Er lebt noch�, sagte Kara vorwurfsvoll.</p><p>�Man kann einen Gegner auch ausschalten, ohne ihn gleich umzubringen�, sagte Elder. �Dar�ber solltest du vielleicht einmal nachdenken.�</p><p>�Habe ich�, antwortete Kara. �Das Problem ist, da� er irgendwann wieder aufsteht�.</p><p>�Und wenn du ihn umbringst, kommt ein anderer an seiner Stelle. Oder auch zehn. Oder hundert.�</p><p>�Du wei�t eine Menge �ber diese Burschen�, sagte Kara.</p><p>�Woher willst du wissen, da� es nicht nur ein paar sind?�</p><p>Elder schnaubte. �Sieh dich doch um! Glaubst du, sie h�tten dieses Ding auf dem M�ll gefunden oder aus ein paar alten Ersatzteilen zusammengeschraubt? Begreife doch! Angella hatte recht. Das hier ist keine Bande von Halsabschneidern und Lumpen. Das hier ist eine Invasion!�</p><p>Kara fror pl�tzlich wieder. Elders Er�ffnung h�tte sie eigentlich nicht �berraschen d�rfen, und doch ersch�tterten sie seine Worte bis ins Innerste. Er hatte recht. Der Alptraum, auf den Angella sie und alle anderen ihr Leben lang vorbereitet hatte, war zur Wirklichkeit geworden. Sie fragte sich, ob es wirklich Zufall war, da� Angella das erste Opfer dieser Invasion geworden war oder nur eine besondere Ironie des Schicksals.</p><p>�Du wolltest... irgend etwas besch�digen, damit sie nicht weg k�nnen�, sagte sie stockend.</p><p>Elder sah sich einen Moment lang suchend um, dann hob er die Schultern. �Ich denke, ich k�mmere mich erst einmal um den Burschen auf dem Turm�, sagte er. �Ich habe gern den R�cken frei. Warte hier!� Ehe Kara ihn zur�ckhalten konnte, schl�pfte er aus der T�r und war verschwunden.</p><p>Er blieb nicht sehr lange fort. Nach kaum einer Minute h�rte Kara eine Reihe ged�mpfter, metallisch klingender Laute; kurz darauf kam Elder zur�ck.</p><p>�Was hast du getan?�</p><p>�Daf�r gesorgt, da� sie so schnell hier nicht wegkommen�, antwortete Elder. �Wenigstens hoffe ich das.�</p><p>Kara blickte fragend.</p><p>�Das hier scheint eine Art Schiff zu sein, das unter Wasser fahren kann�, erkl�rte Elder. �Ich bin gespannt, wie sie das anstellen, ohne das Turmluk zu schlie�en.�</p><p>Sie verlie�en die Kammer, kletterten wieder in die Tiefe und passierten unbehelligt den Ausgang, durch den sie hergekommen waren. Der Boden des n�chsten Ganges lag noch vier oder f�nf Meter unter ihnen, als das Licht pl�tzlich von blau zu rot wechselte und zu pulsieren begann. Gleichzeitig zerri� ein heulender, an- und abschwellender Ton die Luft.</p><p>�Verfluchter Mist!� schimpfte Elder. �Sie m�ssen den Posten gefunden haben!� Er �berwand das letzte St�ck der Leiter mit einem gewagten Satz, drehte sich in der gleichen Bewegung, in der er die Kraft des Sprunges abfederte, einmal um seine Achse und gab Kara dann mit einer Geste zu verstehen, da� sie ihm folgen sollte. Dann flog pl�tzlich eine T�r in Elders R�cken auf, und einer der Blauuniformierten st�rmte heraus. Elder schlug ihn nieder und fing ihn auf, ehe er zu Boden st�rzen konnte. Mit vereinten Kr�ften schleiften sie den Mann in den Raum zur�ck, aus dem er gekommen war.</p><p>Elder lie� ihn zu Boden sinken, band ihm die H�nde auf dem R�cken zusammen und versuchte, ihm den Helm abzunehmen. Kara sah sich um, w�hrend Elder mit dem ledernen Kinnriemen des Helmes k�mpfte. Sie befanden sich in einer kleinen, offensichtlich f�r vier M�nner gedachten Kabine: an beiden W�nden rechts und links der T�r standen vier Betten, jeweils zwei �bereinander, der restliche verbliebene Raum wurde fast v�llig von vier Spinden und einem an der Wand verschraubten Tisch eingenommen. An den Spindt�ren hingen bunte Bilder.</p><p>�Hier!� Elder hatte den Helm endlich dem Mann vom Kopf gezogen und hielt ihn Kara hin. Sie setzte ihn auf, und die Welt war pl�tzlich um eine Nuance dunkler, doch sie sah keine Bilder wie Elder zuvor.</p><p>Ihre Nerven waren bis zum Zerrei�en angespannt, als sie die Kabine hinter Elder wieder verlie�. Sie n�herten sich den Stimmen und Ger�uschen, die aus einem Raum am Ende des langen Korridors drangen. Obwohl im Schiff noch immer die Alarmsirenen widerhallten, begegnete ihnen niemand mehr. Entweder befand sich der Gro�teil der Besatzung tats�chlich nicht an Bord, oder alle M�nner hatten bereits Gefechtsposition bezogen, als der Alarm losging.</p><p>Zwei Schritte vor der T�r bedeutete Elder Kara mit Handzeichen, vorsichtiger zu sein. Sie pre�ten sich rechts und links des Durchganges gegen die Wand, lauschten einen Moment, dann schob sich Kara weiter und lugte vorsichtig durch die T�r in den dahinterliegenden Raum.</p><p>Im ersten Moment erkannte sie nichts au�er einem verwirrenden Durcheinander. Der Raum wirkte winzig, weil s�mtliche W�nde, ja sogar die Decke und der Boden mit Instrumenten, Skalen, Bildschirmen und anderen technischen Ger�ten versehen war. Ein knappes Dutzend M�nner stand oder sa� an diesen Apparaturen, und genau gegen�ber der T�r prangte ein gewaltiger, dreidimensionaler Monitor, ganz �hnlich den Ger�ten, die Kara im Drachenfels gesehen hatte; nur viel gr��er und mit einem viel sch�rferen Bild.</p><p>Als ihr Blick das Bild auf dem Monitor erfa�te, wurde ihr klar, wie sie unbehelligt so weit hatten vordringen k�nnen. Der Alarm galt nicht ihnen. Der Monitor zeigte den Abschnitt des Strandes, auf dem die M�nner mit ihren kleinen Flugscheiben niedergegangen waren. Immer wieder zuckten gr�ne und rote Lichtblitze zum oder vom Himmel, M�nner hetzten wild durcheinander, schossen oder wurden selbst von gro�en, �ber den Himmel fegenden Schatten unter Feuer genommen. Elders Leute waren gekommen. Und offensichtlich lie�en sie sich doch nicht ganz so leicht vom Himmel schie�en, wie Elder bef�rchtet hatte.</p><p>Ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf einen Mann, der mit dem R�cken zur T�r stand und mit lauter Stimme in ein Mikrofon sprach. �Diver vier an Diver eins und drei. Wir haben hier Schwierigkeiten. Ich glaube, wir kommen allein zurecht, aber es ist wahrscheinlich besser, wenn ihr erst einmal auf Distanz bleibt.�</p><p><emphasis>Diver vier?</emphasis> Bedeutete das, da� es noch <emphasis>drei weitere</emphasis> von diesen Ungeheuern aus Eisen gab? Elder hatte recht gehabt � es <emphasis>war</emphasis> eine Invasion.</p><p>Elder machte eine Geste, und Kara reagierte so schnell und pr�zise, als w�ren sie ein seit langer Zeit perfekt aufeinander eingespieltes Team: mit einer fast gleichzeitigen Bewegung drehten sich beide durch die T�r und blieben rechts und links des Einganges stehen. Kara zog ihr Schwert und setzte die Spitze der meterlangen Klinge an die Halsschlagader eines Mannes, der unweit der T�r vor einem Pult sa� und auf der Stelle erstarrte. Elder zog mit einer ebenso schnellen Bewegung seine Pistole und zielte auf den Mann am Bildschirm.</p><p>Von allen hier im Zentralraum reagierte er als allererster, obwohl er wahrscheinlich der Kommandant dieses Bootes war. Jedes Wort in dem halbrunden Raum verstummte. Eine Sekunde lang schienen selbst die leise summenden Apparaturen den Atem anzuhalten, dann fuhr der Mann vor dem Bildschirm blitzschnell herum, versuchte seine Waffe zu ziehen � und fiel mit einem Schmerzlaut auf die Knie, als Elder ihm den Lauf seiner Waffe hart ins Gesicht schlug.</p><p>�Noch so eine Dummheit�, sagte Elder, �und ich erschie�e dich. Und das gilt f�r jeden hier!�</p><p>St�hnend richtete sich der Mann wieder auf, den Elder niedergeschlagen hatte. Aus einer Wunde �ber seiner Stirn lief Blut und malte eine gezackte rote Linie auf seine Wange. Sein Gesicht war verzerrt, aber nicht vor Schmerz oder Furcht was Kara in seinen Augen las, war grenzenloses Entsetzen �ber ihr pl�tzliches Auftauchen, Offensichtlich �berstieg die Vorstellung, da� es zwei Fremden gelungen sein sollte, unbemerkt in sein Allerheiligstes vorzudringen, einfach sein Fassungsverm�gen. �Was wollt ihr?� stammelte er. �Wer seid ihr? Was wollt ihr hier!�</p><p>�Dein Schiff�, antwortete Elder. �Was sonst?�</p><p>Der Ausdruck von Fassungslosigkeit auf dem Gesicht des Kapit�ns wich purem, unverf�lschtem Entsetzen. �Ihr wollt... <emphasis>was?�</emphasis> kr�chzte er. �Ihr m��t... ihr m��t vollkommen verr�ckt sein!�</p><p>�Stimmt�, sagte Kara. �Du solltest das bedenken, bevor du irgend etwas tust.�</p><p>�Ihr habt keine Chance�, versuchte der Kapit�n eine neue Taktik einzuschlagen. �Ihr kommt hier niemals lebend raus!�</p><p>�M�glich�, sagte Elder, schwenkte den Lauf seiner Laserpistole und gab einen einzelnen Schu� ab. Der d�nne Lichtblitz fuhr in das Pult hinter dem Kapit�n und verursachte eine funkenspr�hende Explosion. Flammen z�gelten aus dem Pult, und zwei oder drei M�nner wollten instinktiv aufspringen, um den Brand zu bek�mpfen, erstarrten aber mitten in der Bewegung, als Elder drohend mit seiner Waffe gestikulierte.</p><p>�Ich kann weitermachen�, sagte er, �und hier alles kurz- und kleinschie�en. Oder du legst das Schiff freiwillig auf Grund.�</p><p>�Warum sollte ich so etwas tun?� fragte der Kapit�n. �Au�erdem liegt es bereits auf Grund, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest.�</p><p>�Du wei�t ganz gut, was ich meine�, sagte Elder unwillig. �Und der Unterschied ist ganz einfach der, da� wir dein Schiff sowieso bekommen � aber es liegt an dir, ob du und deine Leute dann noch am Leben sind oder nicht. Also?�</p><p>Der Kapit�n wollte antworten, aber er kam nicht dazu.</p><p>Etwas traf mit unvorstellbarer Wucht den Schiffsrumpf und lie� ihn dr�hnen wie eine hundert Meter lange, gu�eiserne Glocke, und mit Ausnahme Karas, die sich instinktiv am T�rrahmen festklammerte, fegte die Ersch�tterung jedermann im Kommandoraum von den F��en. Auch Elder. In fast jeder anderen Situation w�re die Besatzung in diesem Moment �ber die beiden Eindringlinge hergefallen, aber die M�nner schienen von der pl�tzlichen Ersch�tterung ebenso �berrascht wie Kara und Elder zu sein, und als sie sich von dieser �berraschung erholt hatten, war Elder bereits wieder auf den Beinen und schwenkte drohend seine Waffe.</p><p>�Also?� fragte er. �Wie es aussieht, bleibt dir nicht mehr allzu viel Zeit, dich zu entscheiden.� Wie um dem z�gerlichen Kapit�n ein wenig auf die Spr�nge zu helfen, hob er demonstrativ seine Waffe und zielte auf ein weiteres Pult.</p><p>�Nicht�, sagte der Kapit�n hastig. �Ich tue, was du verlangst. Wenn du auf die falsche Stelle schie�t, fliegen wir hier alle in die Luft!�</p><p>�Gut zu wissen�, grinste Elder.</p><p>Kara warf gelegentlich einen Blick �ber die Schulter in den Gang zur�ck. Bisher schien niemand au�erhalb dieses Raumes ihr Eindringen bemerkt zu haben. Trotzdem machte sie sich nichts vor.</p><p>Sie standen zu zweit f�nf Gegnern gegen�ber, und jeder von ihnen war ein ausgebildeter Soldat. Sie durften ihr Gl�ck nicht �berstrapazieren.</p><p>�Beeil dich�, sagte sie an Elder gewandt.</p><p>Elder fuchtelte mit seiner Waffe, als der Kapit�n noch immer z�gerte. �Du hast sie geh�rt.�</p><p>Kara versuchte, einen Blick auf den Monitor zu erhaschen, w�hrend der Kapit�n an seine Kontrollen trat und in rascher Folge Schalter umzulegen begann. Aber sie konnte nicht viel erkennen. Die Soldaten auf dem Strand k�mpften gegen einen Gegner, der sie von zwei Seiten angriff: aus der Deckung der Felsen heraus und vom Ende des Tunnels. Sie konnte nicht sehen, um wen es sich dabei handelte.</p><p>Der Kommandant legte einen Hebel nach dem anderen um, und allm�hlich begann sich etwas in der Ger�uschkulisse des Schiffes zu �ndern. Kara konnte nicht sagen was � aber irgend etwas tat sich.</p><p>Ein unsichtbar angebrachter Lautsprecher knackte, dann sagte eine Stimme aus dem Irgendwo: �Steeler hier, Maschinenraum. Das ist doch nicht Ihr Ernst, Commander. Bitte begr�nden Sie diesen Befehl!�</p><p>Der Kapit�n sah Elder stirnrunzelnd an. Elder �berlegte einen Moment, dann nickte er widerstrebend. �Sagen Sie etwas�, sagte er, �bevor er Verdacht sch�pft. Keine Tricks!�</p><p>Commander ber�hrte eine Taste. �Steeler? Sie haben richtig verstanden. Schalten Sie die Reaktoren ab.�</p><p>�Aber ich brauche eine Woche, um sie wieder hochzufahren�, erwiderte Steeler noch immer ungl�ubig.</p><p>�Das war ein Befehl, Steeler�, erkl�rte Commander mit fester Stimme. �Schalten Sie die Generatoren ab.�</p><p>�Ich denke ja nicht daran�, antwortete Steeler. �Ich komme rauf. Das will ich aus Ihrem eigenen Mund h�ren!� Ein scharfes Knacken verk�ndete das Ende der Sprechverbindung.</p><p>�Verdammt!� Elder bi� sich zornig auf die Unterlippe. �Das war doch ein Trick, oder?�</p><p>�Du hast Steeler geh�rt�, antwortete Commander gelassen. �Ich kann nichts tun. Er hat seinen eigenen Kopf, wenn es um seine Maschinen geht.� Er sah erst Elder, dann Kara durchdringend an. �Gebt auf, ihr habt keine Chance. Selbst wenn ihr Steeler auch noch kidnappt � ihr k�nnt nicht die ganze Besatzung gefangennehmen.�</p><p>�Er hat recht, Elder�, sagte Kara. �La� uns von hier verschwinden, so lange wir es noch k�nnen!�</p><p>Elder �berlegte fieberhaft. Kara konnte sich vorstellen, was in ihm vorging. Die Vorstellung, dieses phantastische Fahrzeug in seine Hand zu bekommen, mu�te eine ungeheure Verlockung f�r ihn darstellen. Aber ihre Chancen standen wirklich erb�rmlich schlecht � vorsichtig formuliert.</p><p>�Das M�dchen hat recht�, sagte Commander. Er streckte vorsichtig die Hand aus. �Gib mir die Waffe. Ich verspreche dir, da� wir euch am Leben lassen.�</p><p>�So habe ich das nicht gemeint�, sagte Kara, und Elder nickte bekr�ftigend, hob seine Waffe und lie� den grellen Laserstrahl in einer weit ausholenden Bewegung durch den Raum kreisen. Flammen und Funken stoben auf. Bildschirme explodierten in grellwei�en Stichflammen und �bersch�tteten den Raum mit gl�henden, scharfkantigen Glassplittern und Feuer. M�nner warfen sich mit entsetzten Spr�ngen in Deckung, und in das noch immer anhaltende Heulen der Alarmsirenen mischte sich ein zweiter, schriller Ton.</p><p>Elders Laserstrahl hinterlie� eine Spur der Zerst�rung. Trotzdem glaubte Kara nicht, da� sie dieses gewaltige Schiff ernsthaft in Gefahr bringen konnten. Doch jeder Schaden, den sie dem Feind zuf�gten, konnte ihnen nutzen.</p><p>�Das reicht�, sagte sie und winkte Elder. �Los jetzt � raus hier!�</p><p>�Sofort!� Elder hatte einen Monitor ersp�ht, den er noch nicht zerst�rt hatte, und jagte einen gezielten Schu� hinein. Dann war er mit einem Satz auf dem Gang drau�en, zog die schwere Eisent�r mit einem Ruck zu und verschwei�te das Schlo� mit einem Schu� aus seiner Laserpistole.</p><p>Als sie sich umwandten, um zur Leiter zu laufen, erschien der Kopf eines grauhaarigen Mannes �ber dem Schachtrand. Sein Gesicht war rot vor Zorn; und seine hektischen Bewegungen verrieten den Grad seiner Erregung. Steeler.</p><p>Elder gab im Laufen einen Schu� auf ihn ab. Er verfehlte ihn. Neben Steelers Gesicht spr�hten wei�gl�hende Funken auf und trieben ihn hastig in den Schacht zur�ck. Kara war sehr sicher, da� Elder absichtlich vorbeigeschossen hatte.</p><p>Sie erreichten die Leiter, die zum Turm hinauff�hrte, aber Elder winkte hastig ab, als Kara nach den Metallsprossen greifen wollte. Er gab zwei, drei ungezielte Sch�sse in die n�chstuntere Etage ab, wohin Steeler verschwunden war, sprang mit einem Satz �ber den Schacht hinweg und sah sich wild um. Auf dem Gang vor ihnen �ffnete sich eine T�r. Elder scho�, und sie wurde hastig wieder zugeschlagen.</p><p>Wie von Furien gehetzt rannten sie den Weg zur�ck, den sie gekommen waren. Sonderbarerweise wurden sie nicht angegriffen, ja, nicht einmal aufgehalten, bis sie den Laderaum erreicht hatten, durch den sie auch hereingekommen waren. Wahrscheinlich waren wirklich alle Soldaten von Bord gegangen, so da� sie es nur mit ein paar verschreckten Matrosen und Technikern zu tun hatten.</p><p>Elder warf die T�r hinter sich zu, verschwei�te auch sie mit einem gezielten Laserschu� und begann dann an einer der kristallenen Flugscheiben herumzuzerren, die noch in ihren Tragegestellen lag. Es dauerte einen Moment, bis Kara begriff, was er �berhaupt vorhatte, aber dann half sie ihm. Mit vereinten Kr�ften wuchteten sie die Scheibe zu Boden. Elder begann mit fliegenden Fingern nach irgend etwas zu suchen, womit er sie einschalten konnte, w�hrend Kara einen besorgten Blick nach oben warf. Die Lichtkugel brannte noch immer, und vom Strand her zuckte ein wahres Gewitter verschiedenfarbiger Lichtblitze her�ber. Sie h�rte Schreie und dumpfe Explosionen. �Verdammt!� fluchte Elder. �Irgendwie mu� dieses Schei�ding doch angehen!� Er schlug w�tend mit der Faust auf das halb durchsichtige Kristall und sah zu Kara auf. Mit der anderen Hand deutete er auf die Metallschr�nke und �kisten, die sich im r�ckw�rtigen Teil des Lagerraums befanden. �Sieh zu, ob du irgend etwas findest, was uns nutzt. Ich sch�tze, wir bekommen gleich Besuch!�</p><p>Kara gehorchte. Elders Verhalten gab ihr immer mehr R�tsel auf � sie hatte gewu�t, da� er sich eine Zeitlang mit dem technischen Erbe der Alten Welt besch�ftigt hatte. Aber er verstand ihrer Meinung nach beinahe ein wenig <emphasis>zuviel</emphasis> von der Funktion all dieser fremdartigen Maschinen und Apparaturen. Einen Moment lang hatte sie sogar geglaubt, da� er zu <emphasis>ihnen</emphasis> geh�rte; irgendwie. Aber wieso wu�te er dann nicht einmal, wie man eine Flugscheibe einschaltete?</p><p>Sie verscheuchte den Gedanken und machte sich daran, die Schr�nke und Kisten zu durchsuchen. Die meisten waren verschlossen, und in den anderen fand sie buchst�blich Tausende verschiedener Dinge, von denen ihr nicht ein einziges etwas sagte. Schlie�lich w�hlte sie eine Anzahl von Gegenst�nden aus, die ihr noch die gr��te �hnlichkeit mit irgendeiner Art von Waffe zu haben schien, und trug sie zu Elder zur�ck. Elder warf das meiste einfach achtlos zu Boden und behielt nur ein schwarzes, klobiges K�stchen, auf dessen Oberseite sich zwei kleine rote Tasten befanden. Gleichzeitig ber�hrte er eine Stelle am Rand der Flugscheibe, und das Kara schon bekannte Singen und Pfeifen hob an. Die Scheibe glitt in die H�he.</p><p>�Gibt es noch� mehr von diesen Dingern?� Elder deutete mit dem Kinn auf das K�stchen in seiner Hand.</p><p>Kara nickte. �Eine ganze Kiste. Zehn oder zw�lf, mindestens. Soll ich sie holen?�</p><p>Elders Finger ber�hrten in einem raschen, verwirrenden Rhythmus die beiden Tasten, und auf der gerade noch ebenm��igen Oberfl�che des K�stchens begannen gr�ne Leuchtbuchstaben zu flackern. �Nein�, sagte er. �Bring das zur�ck und leg es zu den anderen.�</p><p>�Du verstehst eine Menge von solchen Sachen, wie?� fragte Kara mi�trauisch. �Wie kommt das?�</p><p>Elder z�gerte. �Ich erkl�re es dir�, sagte er schlie�lich, �sobald wir hier raus sind. Aber jetzt bring das Ding zur�ck und komm. Wir haben noch genau f�nf Minuten.�</p><p>Kara trug das K�stchen zu der Kiste zur�ck, dann kletterte sie neben Elder auf die schwankende Flugscheibe hinauf, und sie stiegen langsam in die H�he.</p><p>Als sie �ber den Rand der Ladeluke glitten, durchschnitt ein gr�ner Lichtstrahl die Luft und traf Elder in die Brust. Lautlos glitt er nach hinten, st�rzte auf das Deck zur�ck und schlug schwer auf dem st�hlernen Boden auf.</p><p>Durch die j�he Gewichtsver�nderung geriet die Scheibe f�r einen Moment ins Trudeln � und das rettete Kara das Leben. Ein zweiter Lichtblitz stach nach ihr und h�tte sie unweigerlich getroffen, w�re sie nicht mitsamt ihres Fluggef�hrts zur Seite gekippt. Sie torkelte, fiel auf die Knie herab und k�mpfte einen Moment lang verzweifelt darum, nicht zu st�rzen. Gleichzeitig versuchte sie zu erkennen, wer auf sie scho�.</p><p>Drei Mann waren auf dem Turm erschienen. Ein weiterer tauchte in der kleinen Luke davor auf; auch er legte sofort auf sie an.</p><p>Kara hantierte verzweifelt an den Kontrollen der Scheibe. Als Elder das Ger�t bedient hatte, hatte es so leicht ausgesehen, aber ihre eigenen Versuche f�hrten nur dazu, da� die Scheibe immer wildere Spr�nge ausf�hrte und es ihr immer schwerer fiel, sich auf ihrer Oberfl�che zu halten. Allerdings gab sie so auch ein sehr schwer zu treffendes Ziel ab. Die M�nner schossen noch immer auf sie, aber sie konnten lediglich darauf hoffen, einen Zufallstreffer anzubringen. Im Zickzack glitt die Scheibe �ber das Deck des Bootes, n�herte sich gef�hrlich dem Turm und raste dann fast im rechten Winkel auf das Wasser hinaus und auf den Strand zu. Kara verwandte eine halbe Sekunde darauf, sich den Kampf am Ufer anzuschauen. Das Zucken der gr�nen und wei�en Lichtblitze hielt immer noch an, aber die Uniformierten schienen die Oberhand zu gewinnen: In der Luft �ber ihnen kreisten nur noch zwei oder drei gewaltige K�fergestalten; eine sehr viel gr��ere Anzahl lag verkohlt am Strand oder im seichten Wasser. Elders M�nner hatten gegen einen derart �berlegen bewaffneten und r�cksichtslosen Gegner keine Chance gehabt!</p><p>Allm�hlich brachte Kara die Flugscheibe in ihre Gewalt: Sie kauerte sich so eng auf ihr zusammen, wie sie konnte, denn sie rechnete damit, da� die M�nner auf dem Schiff ihr Feuer verst�rken w�rden, nun, da sie ein sicheres Ziel bot.</p><p>Das Gegenteil aber war der Fall.</p><p>Die gr�nen Blitze h�rten pl�tzlich auf, nach ihr zu z�ngeln, und als Kara irritiert zum Schiff zur�cksah, begriff sie auch den Grund: Aus der Ladeluke stiegen die beiden verbliebenen Flugscheiben empor. Die M�nner hatten nicht sehr lange gebraucht, um die von Elder zugeschwei�te T�r zu �berwinden. Die beiden Scheiben kamen rasend schnell n�her.</p><p>Fluchend h�mmerte Kara auf den Kontrollen der Scheibe herum, erreichte aber nur, da� sie wieder zu trudeln begann. Verzweifelt blickte sie zum Strand hin�ber und versuchte die Zeit abzusch�tzen, die sie noch brauchte, um ihn zu erreichen. Sie w�rde es nicht schaffen, denn ihre Verfolger hatten noch an Tempo gewonnen. Entschlossen richtete sie sich auf der �ber der Wasseroberfl�che dahinrasenden Scheibe auf, suchte mit gespreizten Beinen festen Halt und zog ihr Schwert.</p><p>Einer der beiden M�nner hob sein Gewehr und dr�ckte ab. Kara wappnete sich gegen den entsetzlichen Schmerz, der alles ausl�schen mu�te. Aber der Schmerz kam nicht. Der gr�ne Lichtblitz traf die Scheibe, auf der sie stand, und lie� sie in Millionen winziger Splitter zerbersten. Eine halbe Sekunde lang flog Kara noch fast waagerecht �ber das Wasser, dann prallte sie auf und versank.</p><p>Der Aufschlag hatte ihr fast das Bewu�tsein geraubt. Drei, vier Meter tauchte sie unter, pre�te instinktiv die Lippen zusammen und machte instinktiv hilflose Schwimmbewegungen. Sie versuchte, den entsetzlichen Druck auf ihrer Brust zu ignorieren und �ffnete die Augen. �berrascht stellt sie fest, da� es nicht dunkel um sie herum war � auch hier herrschte der gleiche, unheimliche graue Schimmer wie in der H�hle; die Wasseroberfl�che �ber ihr spiegelte das gelbe Licht der Leuchtkugel wider, so da� sie einige Meter weit sehen konnte. In der n�chsten Sekunde w�nschte sie sich, sie h�tte ihre Augen besser nicht ge�ffnet.</p><p>Ein riesiger Schatten, mit Z�hnen und Klauen und einem gewaltigen, schwarzbraun geschuppten Leib, bewegte sich rasend schnell auf sie zu! Wer, zum Teufel, hatte gesagt, da� dieses unterirdische Meer kein Leben beherbergte?</p><p>Voller Panik paddelte sie und trat Wasser, so schnell sie konnte. Prustend durchstie� sie die Wasseroberfl�che und fiel zur�ck, noch ehe sie Zeit f�r einen Atemzug fand. Doch sie tauchte nicht weit unter, denn etwas schrammte so rauh wie Sandpapier an ihren Beinen entlang und katapultierte sie regelrecht aus dem Wasser. Im gleichen Moment griff eine starke Hand nach ihr, krallte sich in ihre Schulter und hielt sie fest. Kara schrie gellend auf, vor ihrem inneren Auge entstand noch einmal das Bild des gewaltigen Ungeheuers, das sie gesehen hatte: riesig, geschuppt und mit entsetzlichen Krallen, die sie mit einem einzigen Hieb in St�cke rei�en mu�ten.</p><p>Erst dann wurde ihr klar, da� man <emphasis>Luft</emphasis> brauchte, um schreien zu k�nnen. Abrupt �ffnete sie die Augen und blickte in das Gesicht eines der beiden M�nner, die sie verfolgt hatten. Ihr Oberk�rper lag auf der Kristallscheibe, die kaum eine Handbreit �ber dem Wasser schwebte. Mit einer kraftlosen Bewegung versuchte sie, die Hand beiseite zu schieben, die sie hielt, und erntete eine schallende Ohrfeige.</p><p>�La� das!� sagte der Mann streng. �Oder du kannst zum Schiff zur�ckschwimmen.�</p><p>Eine schemenhafte Bewegung glitt durch das Wasser. Ein riesiger, plumper Umri� zog in einem gro�en, aber sehr schnellen Bogen um die Flugscheibe herum und kam wieder n�her.</p><p>Der Mann auf der zweiten Scheibe bemerkte die Bewegung im gleichen Moment wie sie. Mi�trauisch runzelte er die Stirn und richtete seine Waffe auf das Wasser. �Da ist irgend etwas�, sagte er. �Irgend so ein verdammtes Vieh, das � �</p><p>Der Schatten machte einen regelrechten Satz; ein ungeheurer Schlag traf die Kristallscheibe und zerschmetterte sie, und das riesige Wesen griff nach dem Mann und zog ihn mit einem Ruck in die Tiefe.</p><p>Der Mann, der sie gepackt hatte, schrie entsetzt auf und lie� ihre Schultern los. Kara rutschte auf der glatten Oberfl�che der Scheibe zur�ck, versuchte sich verzweifelt irgendwo festzuklammern und ergriff zuf�llig den Kn�chel des Mannes. Er schrie abermals auf und begann mit wild rudernden Armen um sein Gleichgewicht zu k�mpfen, wodurch die ganze Scheibe gef�hrlich ins Schwanken geriet.</p><p>Kara strampelte wie besessen mit den Beinen und warf einen Blick zu der Stelle zur�ck, an der die zweite Flugscheibe verschwunden war. Das Wasser schien zu kochen. Blasen und wei�er Schaum tanzten auf seiner Oberfl�che, und pl�tzlich f�rbte sich der Schaum rot.</p><p>Der Bursche �ber ihr trat nach ihrer Hand. Kara keuchte vor Schmerz, lie� aber nicht los. Sie war verloren, wenn sie es tat. Selbst wenn das Ungeheuer sie nicht zerri�, w�rde sie ertrinken! Mit zusammengebissenen Z�hnen klammerte sie sich fest. Der Mann trat noch einmal nach ihr, fuhr dann pl�tzlich herum, fiel auf die Knie herab und richtete seine Waffe auf den zyklopischen Schatten hinter Kara, aber das Wasser fing den Laserblitz auf und machte ihn zu einer grell leuchtenden, aber harmlosen Woge aus Licht, die sich rasend schnell nach allen Seiten ausbreitete.</p><p>Zu einem zweiten Schu� kam er nicht mehr.</p><p>Kara konnte <emphasis>f�hlen,</emphasis> wie das Ungeheuer heranraste. Irgend etwas traf die Scheibe mit unvorstellbarer Wucht und zertr�mmerte sie. Der Soldat st�rzte ins Wasser und lie� seine Waffe fallen, und Kara tauchte unmittelbar neben ihm unter und klammerte sich instinktiv an ihm fest. Der Soldat begann mit den F��en zu strampeln. Sein Gesicht verzerrte sich. Er mu�te entweder v�llig in Panik geraten sein, oder er glaubte, da� Kara ihn angriff, denn er begann mit beiden F�usten auf sie einzuschlagen. Halb bewu�tlos vor Schmerz und Atemnot klammerte sie sich weiter an ihn. Sie stiegen wieder in die H�he. Der Wasserspiegel befand sich nur noch eine Arml�nge �ber ihnen, aber Kara wu�te, da� sie es nicht schaffen w�rden.</p><p>Einen Wimpernschlag bevor sie die Wasseroberfl�che erreichten, legte sich eine riesige, vierfingrige Pranke von hinten um das Gesicht des Soldaten und dr�ckte zu. Er b�umte sich auf, und pl�tzlich f�rbte sich das Wasser rings um sie herum rot. Karas H�nde glitten kraftlos von der Brust des Mannes herunter. <emphasis>Was f�r ein Tod,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Was f�r ein l�cherlicher, grauenhafter Tod.</emphasis> Dann gab sie den Kampf auf und verlor das Bewu�tsein.</p><p>Einen Moment, bevor sie den Mund �ffnen und ihre Lungen mit Wasser f�llen konnte, packten sie Hrhons starke H�nde und stie�en ihren Kopf durch die Oberfl�che des Meeres.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Der Waga hockte neben ihr, als sie Stunden sp�ter am Strand erwachte. Ihr Kopf schmerzte entsetzlich, und jeder Atemzug tat ihr weh. Hrhons Gesicht verschwamm immer wieder vor ihren Augen, und sie roch, da� sie in einer Lache ihres eigenen Erbrochenen lag. Ekel ergriff sie, und f�r einen Moment w�nschte sie sich fast, wieder das Bewu�tsein zu verlieren. �Bist du noch am Leben � oder bin ich tot?� fragte sie. Hrhon antwortete nicht, sondern sah sie nur nachdenklich an, und Kara setzte sich behutsam auf, pre�te die Handfl�chen gegen die schmerzenden Schl�fen und wartete, bis das Dr�hnen in ihrem Kopf langsam verebbte.</p><p>�Ich habe es nicht geschafft, wie?� fragte sie. �Gro�er Gott, Hrhon, ich kann dir sagen: Ertrinken ist ein scheu�licher Tod.�</p><p>Sie sah sich demonstrativ um.</p><p>Hrhon stie� einen Laut aus, den man mit einigem guten Willen als ein Lachen deuten konnte. �Ssso ssshnehll bhin isss nhihsssth uhmssshubhringenhehn�, sagte er. �Ssshohn ghahr nhihssst vhon diehsssen Fflachghesssissssthehrnh.�</p><p>Kara blinzelte. Hrhons Sprachfehler schien sich nach seinem Sturz verschlimmert zu haben. �Was ist passiert?� fragte sie. �Versteh mich nicht falsch, Hrhon � aber wieso lebst du noch?�</p><p>Hrhon lachte wieder, aber dann begann er mit langsamen und dennoch beinahe unverst�ndlichen Worten zu erz�hlen. Wie Kara aus seinem Gezischel und Gelispel heraush�rte, war er abgest�rzt und w�hrend seines Sturzes ohnm�chtig geworden. Wahrscheinlich hatten ihm die ererbten Instinkte seiner Vorfahren das Leben gerettet, denn er hatte wohl reflexartig Kopf und Glieder in seinen Panzer zur�ckgezogen und die Luft angehalten, bis er irgendwann aus seiner Bewu�tlosigkeit erwachte, hilflos auf dem Wasser treibend und Meilen vom Ufer entfernt.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� du schwimmen kannst�, sagte Kara.</p><p>Die zwei Meter gro�e Schildkr�te ersparte sich eine Antwort auf diese Bemerkung und fuhr in ihrem Bericht fort. Hrhon w�re wahrscheinlich trotzdem gestorben, denn der Ozean, in dem er sich wiederfand, war endlos, und er hatte keine M�glichkeit, sich irgendwie zu orientieren, w�re nicht pl�tzlich der riesige Eisenfisch aufgetaucht. Das Monstrum war schnell gewesen, aber Hrhon war ein schneller Schwimmer, und so hatte er zusammen mit dem Schiff die Bucht und das rettende Ufer erreicht. Er hatte Kara und Elder sogar gesehen, w�hrend sie das Schiff enterten, war aber zu weit entfernt gewesen, um irgend etwas zu unternehmen.</p><p>�Angella ist tot�, sagte Kara pl�tzlich, nachdem Hrhon seine Geschichte zu Ende gezischt hatte und sie eine Weile schwiegen. �Ich wheisss�, sagte Hrhon. �Uhnd Jan auhchh. Ssseine Lheiche threihbt dhrausssehn im Mheerhr.�</p><p>�Sie werden bezahlen�, versprach Kara. Dann: �Wo sind sie �berhaupt?�</p><p>Hrhon wies mit einer Handbewegung auf das Meer hinaus.</p><p>Erst jetzt bemerkte Kara, da� das Unterwasserboot noch da lag; nur sein Turm und der buckelige R�cken ragten aus dem Wasser. Etwas schien nicht zu stimmen. Winzige Gestalten bewegten sich hektisch �ber den Rumpf des Schiffes, und irgendwo dort, wo sich die Ladeluke befinden mu�te, kr�uselte sich schwarzer, fettiger Rauch. Am Turm flammte manchmal ein blauer, stechend heller Funke auf. Der Anblick erf�llte Kara mit einem Gef�hl der Befriedigung. Elder hatte es zwar nicht geschafft, das Schiff v�llig zu zerst�ren, aber offenbar hatte er der Besatzung eine Menge Schwierigkeiten gemacht.</p><p>�Die anderen?� fragte sie.</p><p>Hrhon deutete auf die Felsen, hinter denen sie lagen. �Ein paar sssind noch da. Einighe sssihnd thot.�</p><p>�Aber unsere Leute haben verloren�, murmelte Kara bitter. �Nicht wahr?�</p><p>�Shieh hatthen kheinhe Ssshanssse�, best�tigte Hrhon.</p><p>�Ssshieh habhen fhursstbhare Whaffen. Ahlthe Whaffen.�</p><p><emphasis>Einige sind noch da...</emphasis> Karas erster Impuls war, einfach aufzuspringen und sich auf sie zu st�rzen, um ihnen die Rechnung f�r Angellas, Elders und Jans Tod und den all der anderen zu pr�sentieren. Aber gleichzeitig wu�te sie auch, wie dumm dieser Einfall war. Angella und die anderen wurden nicht mehr lebendig, wenn sie sich auch noch umbringen lie�. Au�erdem hatte sie noch nicht einmal eine Waffe. Niedergeschlagen blickte sie auf die leere Schwertscheide an ihrem G�rtel herab. Als h�tte er ihre Gedanken gelesen, griff Hrhon pl�tzlich zwischen die Felsen neben sich und reichte Kara � ihr Schwert. Offensichtlich war er bis auf den Meeresgrund hinabgetaucht, um es zu holen, �Ihsss dhachthe mhir, dhasss dhu dhassss ghebhrauchhen khanssst�, sagte er. �Ahber mhach kheinhe Dhuhmmheihthen dhamhit.�</p><p>Kara nahm die Waffe entgegen und wog sie in der Hand. Sie begriff, wie entkr�ftet sie war. Trotzdem tat es gut, die Klinge wieder an ihrer Seite zu sp�ren. Das Schwert war ein Geschenk Angellas. Sie h�tte es sehr bedauert, es endg�ltig zu verlieren. Pl�tzlich sp�rte sie, welch ein eisig kalter Hauch vom Wasser her�berwehte. Trotzdem richtete sie sich auf H�nde und Knie auf und kroch das kurze St�ck zum Ufer hinab, um sich den Schmutz vom Gesicht und aus dem Haar zu waschen. Hinterher hatte sie das Gef�hl, schmutziger zu sein als zuvor, aber wenigstens stank sie nicht mehr so schlimm, da� ihr fast selbst davon �bel wurde.</p><p>Hrhon sah ihr schweigend, wenn auch mit un�bersehbarer Mi�billigung zu. Er half ihr, sich abzutrocknen. Kara zitterte am ganzen Leib. Sie brauchte ein Feuer, irgend etwas, um sich zu w�rmen, wenn sie sich nicht eine t�dliche Unterk�hlung zuziehen oder gleich erfrieren wollte.</p><p>�Wo sind sie?� fragte sie mit klappernden Z�hnen.</p><p>Hrhon deutete abermals auf die Felsen. �Sssiehmhlisss ghenhau hinthehr dhir.�</p><p>Soviel zu dem Gedanken an ein Feuer. Kara trat auf der Stelle, um sich durch die Bewegung ein wenig W�rme zu verschaffen. Nach einigen Augenblicken wandte sie sich um, bewegte sich vorsichtig auf die Felsen zu und suchte nach einer L�cke, um hindurchzusp�hen. Es war gar nicht so einfach, denn Hrhon hatte die Stelle, an der er sie an Land gebracht hatte, sorgf�ltig ausgew�hlt.</p><p>Als es ihr schlie�lich gelang, einen Blick �ber den Rand ihrer improvisierten Deckung zu werfen, bot sich ihr ein Bild, wie sie es sich schlimmer kaum h�tte vorstellen k�nnen.</p><p>Der Strand glich einem Schlachtfeld. Die Fremden hatten ihre eigenen Toten und Verwundeten weggeschafft, aber die reglosen K�rper, die zerschmettert oder verbrannt auf den Felsen lagen, waren beinahe nicht zu z�hlen. Zwei, wenn nicht drei Dutzend verendeter Flieger lagen zwischen den Felsen oder im Wasser; die Chitinpanzer einiger der riesigen K�ferkreaturen brannten noch immer oder gl�hten wie trockene Holzkohle. Kara schauderte, dann ri� sie sich von dem furchtbaren Anblick los. Wie Hrhon gesagt hatte, befanden sich nur noch eine Handvoll der Blauuniformierten an Land. Sie liefen mit gesenkten H�uptern zwischen den Toten umher. Manchmal b�ckten sie sich, um etwas aufzuheben, das sie in durchsichtige S�cke warfen, die sie an den Seiten trugen. Kara mu�te ihnen eine ganze Weile zusehen, ehe ihr klar wurde, was diese M�nner dort taten: Sie beseitigten ihre Spuren. Zwei von ihnen lasen sogar die Splitter einer zerborstenen Flugscheibe auf, andere suchten nach zerbrochenen Waffen, ja, sogar nach Uniformresten. Die Fremden schienen panisch darauf bedacht zu sein, jedes Anzeichen ihrer Anwesenheit zu verwischen. Nat�rlich konnten sie die stummen Zeugen des Gemetzels nicht beseitigen: die toten Soldaten der Stadtgarde, die abgeschossenen Flieger und die schwarzen Brandspuren ihrer Waffen auf den Felsen. Aber sie konnten verhindern, da� irgend jemand herausfand, <emphasis>wer</emphasis> f�r dieses Massaker verantwortlich war. Die Zeit verstrich mit qu�lender Langsamkeit. Eine Stunde oder vielleicht zwei vergingen, bis die M�nner ihre schreckliche S�uberungsaktion beendeten und einer nach dem anderen zum Schiff zur�ckkehrten.</p><p>Nur einer schritt noch am Strand entlang, offenbar mit der allerletzten Inspektion besch�ftigt.</p><p>Kara warf Hrhon einen auffordernden Blick zu. Sie hatte nicht vor, den Burschen so einfach davonkommen zu lassen. Lautlos und sorgsam darauf bedacht, die Felsen als Deckung zwischen sich und dem Meer zu halten, n�herte sie sich dem Punkt, an dem sie den Fremden vermutete. Pl�tzlich h�rte sie Schritte und gab Hrhon ein Zeichen, stehenzubleiben. Die Schritte kamen n�her, brachen ab, und dann h�rte sie ein knackendes Ger�usch und die Stimme des Fremden: �Okay, hier scheint alles in Ordnung zu sein... ja, ich glaube schon... wie? Unsinn. Die brauchen Stunden, bis sie hier sind... macht ruhig weiter. Ich komme in ein paar Minuten nach.�</p><p>Kara wartete, bis ein neuerliches Knacken verriet, da� das Funkger�t abgeschaltet war, dann trat sie aus ihrer Deckung hervor und sagte: �Das glaube ich nicht.�</p><p>Der Mann reagierte schneller als sie erwartet hatte. Er erstarrte weder vor Schrecken, noch versuchte er seine Waffe zu ziehen oder irgendeine andere Dummheit zu begehen. Er drehte sich ganz ruhig herum und sah Kara fast gelassen an. Obwohl sich auch vor seinem Gesicht eine der rauchfarbenen Glasscheiben befand, erkannte Kara ihn sofort.</p><p>�Du schon wieder?� sagte er.</p><p>�Die Welt ist klein�, antwortete Kara. �Hast du einen neuen Schneider?� Sie machte eine Kopfbewegung auf die fremdartig geschnittene Kleidung. �Das Zeug steht dir gut. Aber ich finde trotzdem, da� die Lumpen, die du oben getragen hast, irgendwie besser zu dir pa�ten.�</p><p>Der Fremde hob das Visier seines Helms in die H�he. Der Blick seiner dunklen Augen war ernst und aufmerksam, aber ohne die geringste Spur von Furcht. �Es freut mich, da� du mich wiedererkennst�, sagte er.</p><p>Kara sch�rzte geringsch�tzig die Lippen. �Ich merke mir jedes Gesicht, in das ich schon einmal hineingetreten habe.�</p><p>F�r einen Moment blitzte es zornig in den Augen des Mannes auf. �Was willst du?� fragte er. �Wieso bist du zur�ckgekommen? Du irrst dich, wenn du glaubst, ich w�re ein edler Ritter, der dich aus purem Gro�mut laufenl��t.� Seine Hand tastete nach dem kleinen Funkger�t, das an seinem G�rtel war.</p><p>�Damit rechne ich keine Sekunde�, sagte Kara. ��brigens wenn du die Finger noch weiter bewegst, schneide ich sie dir ab.�</p><p>Der Bursche starrte sie verbl�fft an � aber er zog gehorsam die Hand zur�ck. �Was willst du?� fragte er noch einmal. �Mit dir abrechnen�, antwortete Kara. �Deine Leute haben Angella umgebracht.�</p><p>�Ich wei� nicht, wer diese Angella ist�, antwortete der andere achselzuckend. �Und selbst wenn � es ist Krieg. Und einen Krieg ohne Opfer gibt es nicht.�</p><p>Roter Zorn verdunkelte Karas Blick. Ihre Hand zuckte zum Schwert, aber sie f�hrte die Bewegung nicht zu Ende. Sie begriff, da� der Fremde sie provozieren wollte.</p><p>�Krieg?� fragte sie m�hsam beherrscht. �Ich w��te nicht, da� wir Krieg mit euch haben.�</p><p>�Aber wir mit euch. Du willst also mit mir � � er lachte � � abrechnen? Du allein?�</p><p>Hrhon trat hinter seinem Felsen hervor, und Kara sagte ruhig. �Und er.�</p><p>Das Gesicht unter dem Visierhelm erbleichte. �Also so ist das�, murmelte er.</p><p>�Ghenhau�, zischte Hrhon. Seine Stimme bebte vor Ha�.</p><p>�Nein�, sagte Kara. �So ist das nicht. Nur du und ich. Hrhon � du h�ltst dich raus, egal, was passiert.�</p><p>Sie schlug den nassen Mantel zur�ck, so da� er den Griff ihres Schwertes sehen konnte. Einen Moment lang musterte er Kara sehr aufmerksam. Dann nickte er.</p><p>�Du meinst das ernst, wie?�</p><p>�Nur du und ich.�</p><p>�Ich habe nicht einmal eine Waffe.�</p><p>Sie machte eine zornige Handbewegung auf die toten Gardesoldaten. �Hier liegen genug herum. Bedien dich.�</p><p>Nach einem letzten, nerv�sen Blick auf den Waga ging der Fremde zu einem der Leichname, zog dessen Schwert aus dem G�rtel und machte ein paar spielerische Hiebe. Kara runzelte besorgt die Stirn, als sie sah, wie leicht er mit der zentnerschweren Waffe hantierte.</p><p>�Bist du sicher, da� du den Kampf wirklich willst, Kindchen?� fragte der Mann, w�hrend er weiter mit dem Schwert L�cher in die Luft hieb und versuchte, sich an das Gewicht der Klinge zu gew�hnen. Er hielt es nicht einmal f�r n�tig, sie dabei anzusehen. �Wir hatten schon einmal das Vergn�gen, nicht? Ich warne dich. Ich bin kein Gentleman.�</p><p>Kara hatte keine Ahnung, was ein Gentleman war. Es interessierte sie auch nicht. �Ich wei߫, sagte sie ruhig. �Aber du hast eines vergessen: Ich habe eine Menge schmutziger Tricks auf Lager.�</p><p>F�r eine halbe Sekunde erstarrte er. Dann fuhr er herum. Seine Augen weiteten sich. �Verdammtes Mutantengesochs�, murmelte er. Kara l�chelte. �Ziemlich schmutzig sogar�, sagte sie. Dann hob sie die Laserpistole, zielte auf sein Gesicht und erscho� ihn.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Es war nicht der erste Fehler, den sie beging, und es w�rde auch ganz gewi� nicht der letzte sein � aber den Mann zu t�ten war ihr bis dahin schwerster Fehler gewesen. Es gab buchst�blich Tausende von Fragen, die sie ihm h�tten stellen k�nnen, und es h�tte vielleicht eine Menge ge�ndert, h�tte er auch nur jede zehnte beantwortet. So aber war es gleichg�ltig, denn Kara kehrte nach ihrem Abenteuer in und unter Schelfheim mit letzter Kraft in den Drachenhort zur�ck und sank in ein tiefes, gef�hrliches Fieber. Ihr K�rper war ersch�pft, weil Kara ihn �ber alle Ma�en beansprucht hatte. Sie hatte zuviel gesehen, zuviel ertragen, was man eigentlich nicht sehen und ertragen konnte. Den Umstand, da� sie �berhaupt am Leben blieb, verdankte sie der Tatsache, da� der Hort seine besten Magier und all seine Macht aufbot, um Heiler aus allen Teilen des Landes kommen zu lassen, die sich um sie k�mmerten. Kara wu�te nichts von diesem panischen Kampf um ihr Leben � vermutlich h�tte sie es emp�rt abgelehnt, anders als irgendein anderer Bewohner des Hortes behandelt zu werden. Zum Gl�ck fragte sie niemand, und so verlie� sie nach zwei Wochen zum ersten Mal wieder ihr Zimmer und ging in die riesigen H�hlen unter dem Hort, wo die Drachen lebten.</p><p>Obgleich sich die Drachen so schnell und so geschickt wie Fische im Wasser in der Luft zu bewegen vermochten, hatten sie das Erbe ihrer h�hlenbewohnenden Vorfahren niemals ganz vergessen. Wenn sie nicht auf ihren riesigen Schwingen die Wolken teilten, dann fand man sie zumeist in finsteren Schluchten, deren Grund das Licht der Sonne nie erreichte, oder aber in solch feuchtkalten H�hlen, in denen niemals wirklich Tag herrschte.</p><p>Alles, was Kara �ber Drachen wu�te, hatte ihr Angella beigebracht. �berhaupt stammte all ihr Wissen von Angella. So gedachte Kara auch ihrer toten Lehrerin, als sie die scheinbar endlose, in den gewachsenen Fels geschlagene Treppe hinunterging, die zum Grund der H�hle f�hrte. Die Drachen, so hatte Angella erkl�rt, waren Hybriden, Wesen, die es eigentlich gar nicht geben durfte, denn sie waren im Bauplan der Natur nicht vorgesehen. Niemand wu�te genau, wer sie geschaffen hatte, und es gab sogar berechtigte Zweifel, ob die Geburt dieser neuen Spezies in dieser Form wirklich beabsichtigt gewesen war. Zweifelsfrei aber waren die Drachen k�nstlich geschaffen worden. Die Drachen waren nicht einfach eine der zahllosen Mutationen, welche die m�rderische Strahlung des Jahrtausende zur�ckliegenden Atomkrieges hervorgebracht hatte. Sie waren eine Kreuzung zwischen zwei oder drei verschiedenen Spezies, die nicht einmal derselben Familie angeh�rt hatten; wenn man ganz genau hinsah, dann erkannte man noch heute zwei von ihnen, vor allem bei ganz jungen Drachen, die gerade geboren worden waren: Fledermaus und eine vor etlichen Jahrhunderten ausgestorbene Echsenart, die in alten Aufzeichnungen als Gila-Monster bezeichnet wurde. Die dritte oder vielleicht sogar vierte Komponente war weniger leicht zu bestimmen und stammte vielleicht gar nicht von dieser Welt. Auch diese M�glichkeit war in Betracht gezogen worden: da� die Drachen von einem anderen Planeten kamen. Es war kein Geheimnis, da� es Besucher von anderen Sternen gegeben hatte, fr�her, als es die Alte Welt noch gab. Doch wer auch immer diese Drachen geschaffen hatte, mu�te �ber unvorstellbares Wissen und eine noch unvorstellbarere Macht verf�gt haben. Selbst M�nner wie Donay, die Gesch�pfe wie die lebende Br�cke Schelfheims, wie die Erinnerer und Hornk�pfe f�r fast jeden Zweck zu z�chten imstande waren, vermochten nichts ann�hernd Vergleichbares zu schaffen.</p><p>Kara hatte den Grund der H�hle erreicht und n�herte sich Markors Lieblingsplatz, einem gezackten Felsen von der Gr��e eines Schiffes. Sie lauschte auf jedes noch so winzige Ger�usch und achtete auf jede noch so kleine Bewegung, w�hrend sie sich in respektvollem Abstand zwischen den schlafenden Tieren hindurchbewegte. Diese Vorsicht war lebenswichtig. Kein Drache h�tte ihr bewu�t etwas zuleide getan, aber die Tiere waren so ungeheuer gro�, da� sie einen Menschen mit einer beil�ufigen Bewegung zerschmettern konnten, ohne es auch nur zu merken.</p><p>Markor d�ste � wie gew�hnlich, wenn er sie nicht zu den Wolken hinauftrug oder auf Brautschau war. Aber er �ffnete tr�ge ein Auge und sah sie an, als er ihre N�he sp�rte. Der strenge Geruch verriet ihr, da� er vor kurzem eines der Weibchen begattet hatte. Sie brauchten neue Drachen, wenn es zum Krieg kam. Fast im gleichen Moment begriff sie, wie dumm dieser Gedanke war. Ein Drachenweibchen trug drei Jahre, und es dauerte weitere f�nf, bis das Junge soweit war, da� sie es zureiten konnten. Nein � wenn es zu einem Krieg mit den M�nnern mit den gl�sernen Gesichtern kam, dann mu�ten die Kr�fte ausreichen, die sie besa�en.</p><p>Sie verscheuchte den Gedanken an den Krieg und die unheimlichen Fremden und winkte Markor zu, um ihn nach der langen Abwesenheit zu begr��en. Der Drache reagierte mit einem Grollen, das so tief war, da� Karas Zwerchfell zu vibrieren begann. Sie redete sich ein, so etwas wie Wiedersehensfreude aus seinem Knurren herauszuh�ren. Aber sicher war sie sich nicht. Sie wu�te nicht einmal, ob er ihre lange Abwesenheit �berhaupt bemerkt hatte. Drachenzeit war keine Menschenzeit, vielleicht hatte Markor l�nger geschlafen, als sie fort gewesen war.</p><p>W�hrend sie den riesigen, geschuppten Echsenleib vor sich betrachtete und der Blick der dunklen Drachenaugen auf ihr ruhte, begann sie sich zu fragen, ob sie wirklich beide dasselbe sahen. F�r sie war Markor ihr Besch�tzer, ihr Spielzeug, ihr Gef�hrte, ihre Waffe und irgendwie auch ihr unbezwingbar starker Bruder, den sich jedes Kind insgeheim w�nscht; und er war ihr Freund.</p><p>Aber was war sie f�r ihn?</p><p>Sie wu�te es nicht. Niemand wu�te ganz genau, warum diese gr��ten jemals existierenden Lebewesen sich von Menschen beherrschen lie�en, Kreaturen, die im Vergleich zu ihnen so winzig waren, da� sie nicht einmal als Beute in Frage kamen. Die Erkl�rungen reichten von der Theorie, da� es ein geheimes telepathisches Band zwischen diesen Tieren und ihrer Bezugsperson gab, �ber die Vorstellung, es f�nde schon vor der Geburt eines Drachenk�mpfers eine Art Seelenwanderung statt, die ihn untrennbar mit einem dieser Giganten verkn�pfte, bis hin zu der k�hnen Behauptung, Drachen verf�gten �ber eine verborgene, herausragende Intelligenz und machten sich einfach einen Spa� daraus, mit den zerbrechlichen dummen Menschen zu spielen und sie in dem Glauben zu lassen, <emphasis>sie</emphasis> w�ren die wirklichen Herren.</p><p>Wahrscheinlich waren all diese Erkl�rungen genauso falsch wie die zahllosen anderen, die es gab. Niemand wu�te wirklich, was in den K�pfen der Drachen vorging; und Kara glaubte auch, da� es R�tsel gab, die besser ungel�st blieben. Doch trotz aller Gew�hnung an den Menschen war den Drachen ein gewisser Grad von Unberechenbarkeit geblieben. Manche waren auf eine einzelne Person fixiert, wie Markor auf sie, anderen war es gleichg�ltig, wer sie ritt. Es hatte F�lle gegeben, in denen sich ein Drache bewu�t und freiwillig in den Tod gest�rzt hatte, nachdem sein Reiter gestorben war. Und Drachen, die ihre Reiter pl�tzlich und scheinbar ohne irgendeinen Grund get�tet hatten.</p><p>Seltsam � noch vor drei Wochen h�tten Kara diese Gedanken nicht beunruhigt. Bei ihrem letzten Besuch war der Drache nichts als ein gutm�tiger Freund f�r sie gewesen. Doch Kara hatte sich ver�ndert; in jenen furchtbaren Stunden tief unter der Stadt hatte eine Entwicklung mit ihr stattgefunden. Sie war sich noch nicht ganz sicher, ob ihr diese neue Kara gefiel, aber was �nderte das schon? Sie w�rde mit ihr leben m�ssen, ob sie wollte oder nicht.</p><p>Sie trat vollends auf Markor zu und legte die Hand auf sein Bein. Die geschuppte Panzerhaut des Drachen war rauh und kalt und so hart wie Stahl, und sie konnte sp�ren, wie langsam sein Herz schlug � drei Schl�ge in der Minute, ganz egal, ob er schlief oder mit aller Gewalt die Fl�gel schwang.</p><p>Markor reagierte auf die Ber�hrung, wie er es gewohnt war:</p><p>Er hob den Fu� und winkelte gleichzeitig das Bein an, was f�r ihn eine sehr unbequeme Haltung bedeuten mu�te, es Kara aber erm�glichte, ohne gro�e Anstrengung auf seinem R�cken zu klettern.</p><p>Kara widerstand der Versuchung, ihm das Zeichen zum Start zu geben, obwohl sie im Moment nichts lieber getan h�tte, als sich auf seinem R�cken in den Himmel �ber dem Drachenhort zu schwingen. Sie versp�rte ein k�rperliches Bed�rfnis danach, endlich wieder den unendlich weiten Raum des Himmels zu f�hlen, in <emphasis>ihm</emphasis> zu sein, statt ihn nur durch das Fenster ihres Zimmers zu sehen. Aber sie durfte nichts �berst�rzen. Sie war noch lange nicht im Vollbesitz ihrer Kr�fte, und sie wu�te, da� sie jede �berm��ige Anstrengung bitter bereuen w�rde. So belie� sie es dabei, f�r eine gute halbe Stunde auf Markors R�cken sitzen zu bleiben und nur in Gedanken zu fliegen. Erst als sie wieder vom R�cken des gro�en Drachen herunterstieg, sah sie die Gestalt, die im Schatten einiger Felsen stand und sie beobachtete.</p><p>�Cord!� sagte sie z�gernd.</p><p>Der alte Drachenk�mpfer trat zwischen den Felsen hervor. Er sah Kara auf eine sonderbare Art und Weise an.</p><p>�Wie lange stehst du schon da?� fragte sie ohne einen Vorwurf in ihrer Stimme.</p><p>�Eine ganze Weile�, antwortete Cord. Er z�gerte, dann gestand er, �Seit du auf seinen R�cken gestiegen bist.�</p><p>�Aber warum hast du mich nicht gerufen?� fragte Kara verwundert.</p><p>�Ich wollte dich nicht st�ren. Du hast... so gl�cklich ausgesehen.�</p><p>Die Worte machten Kara verlegen, was sie ein wenig �rgerte. �Was willst du?� fragte sie. Die Worte klangen unfreundlicher, als sie gemeint waren, aber es war nicht n�tig, sich bei Cord zu entschuldigen; sie las in seinem Blick, da� er sie verstand. �Der Bote aus Schelfheim ist angekommen�, sagte er. �Ich dachte mir, da� du dabei sein m�chtest, wenn wir mit ihm reden.�</p><p>Kara erinnerte sich, da� Cord vor einigen Tagen erw�hnt hatte, da� sie einen Mann aus Schelfheim erwarteten. �Was f�r Neuigkeiten bringt er?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete Cord achselzuckend. �Ich habe ihn und die anderen gebeten zu warten, bis du eingetroffen bist.�</p><p>�Das ist nett von dir�, sagte Kara � eigentlich nur, um �berhaupt zu antworten, aber Cord sagte ernst: �Soll ich unsere zuk�nftige Herrin von wichtigen Dingen einfach ausschlie�en?�</p><p>Kara, die sich bereits umgedreht hatte und sich zum Ausgang der H�hle gewandt hatte, blieb abrupt stehen. Irritiert sah sie Cord an und suchte nach irgendeiner Spur von Spott in seinem Gesicht. �Nein�, antwortete sie mit einem nerv�sen L�cheln. �Aber das hat doch noch ein wenig Zeit, nicht wahr?�</p><p>Cord machte eine Bewegung, als wollte er mit den Schultern zucken, �berlegte es sich aber im letzten Moment anders. �Du bist Angellas Nachfolgerin�, sagte er. �Du hast das doch immer gewu�t, oder?�</p><p>�Nat�rlich.� Eine unerkl�rliche Unruhe ergriff von Kara Besitz. �Aber... ich meine... irgendwann einmal. In ein paar Jahren, wenn Angella � �</p><p>�Angella ist tot�, unterbrach sie Cord. �Es gibt niemanden, der ihren Platz einnehmen k�nnte.�</p><p>�Unsinn!� erwiderte Kara heftig. �Mir fallen auf Anhieb ein Dutzend ein, die besser dazu geeignet w�ren als ich. Du an allererster Stelle.�</p><p>�Ich?� Cord lachte, als h�tte sie einen Scherz zum besten gegeben. �Ganz bestimmt nicht.� Er hob die Hand, als sie widersprechen wollte. �Aber du hast recht � die Entscheidung hat noch ein wenig Zeit. Auf jeden Fall m�ssen wir sie nicht hier und in diesem Augenblick f�llen. Komm � unser Gast wartet.�</p><p>Kara hatte pl�tzlich das Gef�hl, da� die Entscheidung in Wahrheit l�ngst gefallen war. Aber sie sagte nichts mehr, sondern folgte ihm mit raschen Schritten zur Treppe.</p><p>Bevor sie die H�hle verlie�en, sah sie noch einmal zu Markor zur�ck. Der Drache war wieder eingeschlafen und bot einen fast grotesken Anblick: ein riesiges, geschupptes Echsenmonster, das irgendwie einer �berdimensionalen Fledermaus glich. Die Erinnerung an die gl�cklichen Augenblicke aber, die sie auf Markors R�cken verbracht hatte, erf�llten Kara pl�tzlich mit Trauer. Vielleicht war diese halbe Stunde, die Cord schweigend im Schatten gestanden hatte, ein Geschenk an sie gewesen, eine allerletzte halbe Stunde, in der sie noch einfach sie selbst sein durfte. Sie drehte sich mit einem Ruck herum und begann rasch die Treppe hinaufzusteigen. Die Wirklichkeit wartete.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Karoll war ihr auf den ersten Blick zuwider. Nein, das stimmte nicht ganz � auf den allerersten Blick erschreckte er sie, denn als Kara hinter Cord den kleinen Versammlungsraum im Hauptturm des Hortes betrat, da stand er mit dem R�cken zur T�r und sah aus dem Fenster auf das weite, steinige Land herab, so da� sie ihn nur von hinten erblickte. Und was sie sah, war eine sehr hochgewachsene, fast schon ein wenig zu schlanke Gestalt, einen kurzgeschnittenen dunklen Haarschopf und eine �bertrieben l�ssige Haltung.</p><p>Einen Moment glaubte sie, es k�nnte Elder sein.</p><p>Dann drehte er sich herum, und die Illusion zerplatzte wie eine schillernde Seifenblase. Der Mann war nicht Elder. Er war �lter, und sein L�cheln war � wenn schon nicht verlogen � so doch eine Spur zu �berheblich, um wirklich echt zu wirken. �ber seinem linken Auge entdeckte Kara eine winzige, halbmondf�rmige Narbe. Er hatte schmale, gepflegte H�nde und perfekt geformte Z�hne. Es gab nichts an ihm, was Kara wirklich abstie�. Doch er hatte mit der Erinnerung an Elder auch Karas Schmerz geweckt.</p><p>Karoll verbeugte sich tief, als Kara eintrat. Offensichtlich hatte man ihm gesagt, wer sie war. Trotzdem stellte Cord sie umst�ndlich einander vor, und Karoll verschwendete ein paar Momente darauf, ihr die besten W�nsche seiner Herren auszurichten und ihr wortreich zu versichern, wie sehr man in Schelfheim den Tod Angellas bedauere und wie erleichtert man sei, wenigstens sie, Kara, wieder bei Kr�ften zu wissen.</p><p>Ehe er noch mehr Unsinn reden konnte, unterbrach Kara ihn mit einer Geste und deutete auf die Tafel. Au�er ihr und Cord hielten sich noch Tera, Borss und Storm im Raum auf, die wie Cord zu den alten, erfahrenen Drachenk�mpfern z�hlten.</p><p>Daneben war auch noch die Magierin Aires anwesend, die nicht nur Angellas engste Vertraute, sondern auch ihre Freundin gewesen war.</p><p>�Ich bitte Euch, Karoll�, sagte Kara. �Nehmt doch Platz. F�hlt Euch wie unter Freunden. Wir halten hier nicht viel von Konventionen.�</p><p><emphasis>Von H�flichkeit offenbar auch nicht,</emphasis> schien Karolls Blick zu sagen. Doch �u�erte er nichts, sondern l�chelte nur fl�chtig und lie� sich auf einen der freien St�hle sinken. Kara fing einen warnenden Blick von Cord auf. Es gelang dem Drachenk�mpfer nicht ganz, das am�sierte Flackern aus seinen Augen zu verbannen, aber Kara verstand, was er meinte: <emphasis>Er hat es verdient, aber �bertreib es nicht.</emphasis></p><p>Auch Kara setzte sich und klatschte in die H�nde. Diener traten ein und brachten Wein und Schalen mit Obst und Leckereien.</p><p>�Greift nur zu, Karoll�, sagte Kara und trank selbst einen gewaltigen Schluck des s��en, schweren Weines. �Ihr m��t hungrig und durstig sein. War die Reise sehr anstrengend? Ihr seht... etwas m�de aus, wenn Ihr mir die Bemerkung gestattet.�</p><p>Das war eine glatte L�ge, Karoll sah aus, als w�re er gerade aus einem langen, sehr erholsamen Schlaf aufgewacht. Kara fragte sich, warum man ausgerechnet diesen Mann geschickt hatte, wo es doch um so wichtige Dinge ging. Karoll war ein Politiker. Ein Beamter, kein Krieger.</p><p>Er war auch diplomatisch genug, auf Karas Gepl�nkel einzugehen. Er trank einen Schluck Wein und nickte. �Das war die Reise, in der Tat. Der Weg in den Drachenhort ist weit � und nicht unbedingt leicht, wenn man nicht fliegen kann.�</p><p>Der leise, aber un�berh�rbare Vorwurf in seinen Worten �rgerte Kara, obwohl sie sich selbst sagte, da� sie ihn verdient hatte. �Ich wei߫, antwortete sie. �Ich bin ihn auch schon mehrmals geritten.�</p><p>Karolls Mund verzog sich. Tera und Cord blickten sie warnend an, w�hrend die Magierin sichtlich M�he hatte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie der kleine Schlagabtausch am�sierte.</p><p>�Ihr w�rdet Euch selbst � und �brigens auch uns � eine Menge M�hen ersparen, wenn Ihr Euch endlich �berwinden k�nntet, Funkger�te zu benutzen�, sagte Karoll.</p><p>�Leider besitzen wir so etwas nicht�, antwortete Kara.</p><p>�Ich wei�.� Karoll seufzte. �Aber die Regierung Schelfheims w�re gl�cklich, dem Drachenhort eine entsprechende Anlage zur Verf�gung zu stellen. Kostenlos, versteht sich.�</p><p>�Das ist sehr freundlich�, sagte Kara, eine Spur k�hler als bisher. �Aber wir halten hier nichts von Eurer Technik � Verzeihung�. Sie verbesserte sich, obwohl der Versprecher keiner gewesen war. �Von Technik �berhaupt.�</p><p>�So?� sagte Karoll.</p><p>�Funkger�te m�gen ganz praktisch sein�, r�umte Kara ein, �aber sie haben keine Gesichter. Und ich sehe denen, die mit mir reden, gerne in die Augen.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� Karoll gekommen ist, um mit uns �ber die N�tzlichkeit von Funkger�ten zu diskutieren�, mischte sich Cord ein. �Ihr bringt Neuigkeiten, nehme ich an. Gute?�</p><p>�Ich f�rchte nein�, antwortete Karoll. �Wir haben eine Expedition in die H�hlen hinuntergeschickt, die Hauptmann Elder entdeckt hat. Es ist noch zu fr�h, um etwas Genaues zu sagen � aber ich f�rchte, der Wasserspiegel f�llt noch immer.�</p><p>�Was ist mit den Fremden?� fragte Kara. �Habt Ihr sie gefunden?�</p><p>�Ich f�rchte nein�, sagte Karoll mit einem seltsamen, an Kara gewandten Blick. �Wir haben mehrere Gruppen losgeschickt zwei davon mit Fl��en weit hinein in die H�hle. Bisher konnten wir nicht die geringste Spur Eurer Fremden entdecken.�</p><p>Die Formulierung fiel Kara erst auf, als sie Cords Stirnrunzeln bemerkte. <emphasis>�Meine Fremden?�</emphasis> sagte sie. �Wie meint Ihr das, Karoll? Glaubt Ihr, ich l�ge � oder h�tte mir das alles nur eingebildet?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete Karoll hastig. �Verzeiht, wenn ich mich mi�verst�ndlich ausgedr�ckt hatte. Es ist nur so, da� wir nicht die kleinste Spur gefunden haben. Weder von ihnen noch von ihrem Fahrzeug.�</p><p>�Was denn f�r Spuren?� fragte Kara �rgerlich. �Vielleicht Fu�abdr�cke im Wasser?�</p><p>Diesmal kostete es Karoll schon weitaus mehr M�he, seine Fassung zu wahren. Und Kara gab ihm nicht die Zeit, sich eine diplomatische, nichtssagende Antwort einfallen zu lassen, sondern fuhr fort: �Ich habe Euch erz�hlt, wie sorgf�ltig sie alle Beweise f�r ihre Anwesenheit vernichtet haben, oder? Was braucht Ihr noch?�</p><p>�Sind Eure toten Kameraden nicht Beweis genug, da� Kara die Wahrheit spricht?� fragte Tera. �Ich habe geh�rt, es waren sehr viele.�</p><p>�Einhundertsechsundzwanzig�, sagte Karoll. �Hauptmann Elder und sein Begleiter mitgez�hlt.� Den Drachenk�mpfer, den sie zusammen mit den Gardesoldaten vom Seil geschossen hatten, erw�hnte er gar nicht.</p><p>�Aber, da� es sie gibt, das gebt Ihr zu, ja?� fragte Kara b�se. �Ich meine � Ihr glaubt nicht, da� ich mir das Massaker an Euren Leuten nur eingebildet habe?�</p><p>Karoll schien unter ihrem Blick zusammenzuzucken. In Wirklichkeit, das sp�rte Kara, beeindruckten ihn ihre Worte �berhaupt nicht. Er druckste einen Moment herum. �Verzeiht, Kara. Ich wei� nicht genau, wie � �</p><p>�Redet ganz offen, Karoll�, sagte Cord. �Verge�t einfach f�r einen Moment, wer Kara ist und wer wir sind.�</p><p>Karoll seufzte. �Wie Ihr wollt. Wir haben nichts von alledem gefunden, was Kara angeblich gesehen hat. Dort unten liegen hundertzwanzig tote Soldaten, das ist wahr. Aber es gibt keine Spur von geheimnisvollen Maschinen. Keine Spur von M�nnern mit unbekannten Waffen � oder einem Schiff, das unter Wasser zu fahren imstande ist.�</p><p>�Das waren Elders Worte, nicht meine�, sagte Kara und kehrte sofort wieder zum Thema zur�ck. �Wer glaubt Ihr wohl, hat Eure Soldaten get�tet? Ich vielleicht?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete Karoll. �Niemand behauptet, da� Ihr l�gt, Kara, oder Euch diese Geschichte nur ausgedacht habt. Dort unten ist etwas Furchtbares passiert. Und bisher wei� niemand genau, was.�</p><p>�Aber ich � �</p><p><emphasis>�Ihr�,</emphasis> unterbrach sie Karoll ruhig, aber mit gro�en Nachdruck, �wart mehr tot als lebendig, als man Euch fand. Ihr wart schwerverletzt, hattet hohes Fieber.� Er atmete h�rbar ein. �Verzeiht. Aber Ihr wolltet, da� ich offen rede.�</p><p>�Glaubt Ihr denn wirklich, da� es ein Zufall ist?� fragte Storm.  �Was?�</p><p>Der Drachenk�mpfer deutete auf Kara. �Lassen wir einmal beiseite, ob Kara die Wahrheit sagt oder einer Fieberphantasie erlegen ist. Aber die H�hle, von der sie berichtet hat, gibt es. Ebenso das unterirdische Meer unter der Stadt, dessen Wasserspiegel immer mehr sinkt. Und jemand <emphasis>hat</emphasis> Eure Leute get�tet.�</p><p>Karoll seufzte, sch�ttelte den Kopf und faltete nachdenklich die H�nde. �Ich verstehe Euch ja�, sagte er. �Bitte glaubt nicht, da� wir es uns leichtgemacht h�tten. Falls Ihr es vergessen habt � die Existenz ganz Schelfheims k�nnte gef�hrdet sein, wenn Karas Geschichte der Wahrheit entspr�che. Unsere M�nner haben in den vergangenen zwei Wochen buchst�blich jeden Stein dort unten umgedreht, aber gefunden haben sie bisher nichts. Was erwartet Ihr jetzt von uns?�</p><p>�Und die toten Soldaten?� fragte Kara gereizt.</p><p>�Jeder kann sie get�tet haben�, antwortete Karoll. �Es gibt Schmugglerbanden, die in den Kellern der Stadt leben. Manche von ihnen sind sehr gro� und sehr gut bewaffnet. Es kann... alles m�gliche passiert sein. Leider hat keiner der M�nner �berlebt, um Eure Aussage zu best�tigen.�</p><p>�Ihr braucht einen Zeugen?� fragte Kara. �Den k�nnt Ihr haben. Hrhon war dabei.�</p><p>�Der Waga, ich wei�.� Die Art, auf die Karoll das Wort <emphasis>Waga</emphasis> aussprach, brachte Kara fast zur Wei�glut. �Aber ich f�rchte, das reicht nicht.�</p><p>�Glaubt Ihr, da� er l�gt?� fragte Kara scharf.</p><p>Karoll blieb ganz ruhig. �Es kommt nicht darauf an, was ich glaube�, sagte er. �Ich bin nur ein Bote, Kara. Was z�hlt ist, was man in Schelfheim glaubt. Und dort ist man nicht bereit, Vorbereitungen f�r einen Krieg zu treffen, nur aufgrund einer Geschichte, die ein � �</p><p>�Ein hysterisches Kind erz�hlt?� schlug Kara vor.</p><p>� � ein Waga und eine schwerverletzte junge Frau berichten, die mehr tot als lebendig aus einem f�nf Meilen tiefen Abgrund geborgen wurden�, schlo� Karoll unbeeindruckt. �Es tut mir leid.�</p><p>�Ja�, knurrte Kara. �Das sagtet Ihr bereits.�</p><p>Cord r�usperte sich �bertrieben. Diesmal war es Kara, die <emphasis>ihm</emphasis> einen �rgerlichen Blick zuwarf. �Lassen wir diese Sache einen Moment auf sich beruhen, Karoll�, sagte er. �Was habt Ihr �ber das Meer herausgefunden?�</p><p>�Da� es sehr gro� ist�, sagte Karoll. �Ich meine � es ist gigantisch. Wir haben M�nner losgeschickt, um es zu erkunden. Sie haben nach einem Tag kehrtgemacht, ohne sein Ufer auch nur gesehen zu haben.� Er verneigte sich leicht in Karas Richtung. �Die Stadt wird Euch ewig dankbar sein f�r diese Entdeckung.�</p><p>�Ihr kommt vom Thema ab, Karoll�, sagte Kara eisig.</p><p>Das L�cheln auf dem Gesicht ihres Gegen�bers blieb unver�ndert ausdruckslos. �Nein, das komme ich nicht. Ihr d�rft mir glauben, da� wir Eure Geschichte sehr ernst genommen haben � und noch nehmen. F�nfhundert unserer besten Soldaten sind st�ndig am Ufer des unterirdischen Meeres postiert, und sie sind mit allem ausger�stet, was wir haben.�</p><p>�Ja�, sagte Kara abf�llig. �Mit Eurer <emphasis>Technik,</emphasis> nicht?�</p><p>�Ich verstehe nicht, was Ihr gegen sie habt�, sagte Karoll. �Sie erleichtert das Leben ungemein.�</p><p>�Elders Leben hat sie nicht retten k�nnen�, antwortete Kara spitz. �Und wenn ich es recht �berlege, dann habe ich Eure Technik bisher nur in dem Moment erlebt, wo es darum ging, Leben auszul�schen.�</p><p>Karells Miene verd�sterte sich, aber offenkundig war er ein guter Diplomat und hatte sich in der Gewalt. �Ihr m�gt mir verzeihen, Kara, wenn ich diese Diskussion nicht weiterf�hren m�chte. Die Technikfeindlichkeit des Hortes ist bekannt, und � �</p><p>�Mit Recht�, unterbrach ihn Kara erregt. Es fiel ihr immer schwerer, noch den Schein von H�flichkeit zu bewahren. �Sie bringt nichts als Ungl�ck. Und sie nutzt keinem.�</p><p>�Aber waren es nicht die Drachenk�mpfer, die f�r uns das Recht erk�mpft haben, sie zu benutzen?� fragte Karoll sanft. �Ihr sagt es, Karoll � das Recht. Ihr macht eine Pflicht daraus. Ihr verachtet doch alle, die sich weigern, Eure... Spielzeuge zu benutzen.�</p><p>�Das Verm�chtnis der Alten Welt, das Ihr als Spielzeug bezeichnet�, antwortete Karoll betont, �bringt viel Nutzen. Es war eine phantastische Zivilisation. Ihre Macht mu� unvorstellbar gewesen sein.�</p><p>�Ja�, kommentierte Storm freundlich. �Deswegen ist sie auch untergegangen und hat die ganze Welt in Brand gesteckt.�</p><p>�Wir werden die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen�, entgegnete Karoll f�rmlich und wie auswendiggelernt. �Das glaube ich sogar�, f�gte Kara boshaft hinzu. �Ich bin sicher, Ihr werdet eigene machen.�</p><p>�Was meint Ihr damit?�</p><p>�Ihr seid doch nichts anderes als Lumpensammler�, sagte Kara. �Ihr w�hlt in den Ruinen der Alten Welt und freut Euch wie Kinder, wenn Ihr wieder etwas findet � das ihr zumeist nicht einmal versteht. Was geschieht, wenn Ihr eines Tages nichts mehr findet?�</p><p>�Ich bitte Euch, Kara�, erwiderte Karoll ruhig. �Wir haben noch nicht einmal angefangen zu suchen. Wir wissen nicht, was auf den Kontinenten jenseits des Schlundes liegt.�</p><p>�Vielleicht andere M�nner wie Ihr�, sagte Kara. �M�nner, die gr�ndlicher gesucht und mehr gefunden haben?�</p><p>�Und ganz abgesehen davon�, fuhr Karoll fort, ohne Karas Entgegnung zu beachten, �beginnen wir bereits, ihre Technik zu verstehen. Gebt uns noch hundert Jahre, und wir werden unsere eigenen Maschinen bauen.�</p><p>�Ihr habt keine hundert Jahre mehr�, sagte Kara ernst. �Nicht einmal mehr zehn, Karoll. Sie werden Euch diese Zeit nicht lassen.�</p><p> �Sie?�</p><p>�Die M�nner, die ich mir eingebildet habe. Die Soldaten in dem Unterwasserschiff, das es gar nicht gibt. Die Gespenster, die Eure Leute niedergemetzelt haben.�</p><p>Karoll seufzte. �Selbst, wenn es sie g�be, Kara�, sagte er. �Was sollten sie uns tun? Was nutzt ein einzelnes dieser Schiffe gegen � �</p><p>�Vier�, unterbrach ihn Kara. �Es gibt mindestens vier.�</p><p>�Von mir aus vierzig�, antwortete Karoll gereizt. �Schelfheim ist eine gewaltige Stadt. Selbst <emphasis>vierhundert</emphasis> dieser Schiffe k�nnten uns nicht ernsthaft schaden.�</p><p>Die Borniertheit, die aus diesen Worten sprach, machte Kara f�r einen Moment fassungslos. �Aber sie tun es doch bereits!� sagte sie. �Sie <emphasis>haben</emphasis> es schon getan, Karoll! Habt Ihr denn vergessen, was mit dem Hochweg geschehen ist � und noch geschieht?�</p><p>��berhaupt nicht�, antwortete Karoll. �Aber glaubt Ihr denn, sie w�rden uns das Wasser stehlen, um uns zu bek�mpfen? Was sollten sie denn �berhaupt mit dem Wasser anstellen wollen? Es ist salziges Wasser, das man nicht trinken kann und in dem nichts lebt. Und wo sollten sie es hinschaffen?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, sagte Kara erregt. �Und es interessiert mich auch nicht. Aber sie sind da! Und sie sind schon mitten unter uns! Ich habe den Mann, den ich am Strand traf, vorher in der Stadt gesehen!�</p><p>Karolls sp�ttischer Blick verriet, was er von ihren Worten hielt. Kara sah ein, wie sinnlos es war, weiterzureden. �Wie auch immer�, fuhr Karoll nach einer Weile mit ver�nderter Stimme fort, �ich habe Euch folgendes auszurichten: Die Stadt Schelfheim dankt Euch f�r Eure Hilfe und das Angebot, ihr beizustehen. Aber im Moment besteht dazu keine Notwendigkeit. Der Probleme, die es wirklich gibt, werden wir aus eigener Kraft Herr.�</p><p>Kara stand mit einem Ruck auf. �Im Klartext hei�t das, wir sollen uns zum Teufel scheren, wie!�</p><p>Karoll l�chelte ein L�cheln, das es ihr schwermachte, es ihm nicht aus dem Gesicht zu pr�geln. �Ich bitte Euch, Kara. Die ganze Welt ist dem Drachenhort zu Dank verpflichtet f�r das, was er f�r uns getan hat. Ohne Euch w�rde Jandhis Feuerdrachen noch heute daf�r sorgen, da� wir leben wie die Tiere. Aber jetzt � �</p><p>� � haben wir unsere Schuldigkeit getan und k�nnen gehen, nicht wahr?� fiel ihm Kara ins Wort. �Mein Gott, Karoll � seid Ihr nur dumm, oder wollt Ihr nicht verstehen? Es ist gerade zehn Jahre her, da� wir sie das letzte Mal geschlagen haben. Was sind zehn Jahre f�r ein Volk, das jahrtausendelang �ber uns geherrscht hat, ohne da� wir es auch nur wu�ten?�</p><p>Mit einer w�tenden Bewegung trat sie vom Tisch zur�ck und wollte den Raum verlassen, blieb aber unter der T�r noch einmal stehen. �Ihr habt es zwar nicht verdient, Karoll, aber richtet Euren Herren folgendes aus: Der Drachenhort steht zu seinem Wort. Wenn Ihr unsere Hilfe braucht, sind wir bereit, loszuschlagen.�</p><p>�Loszuschlagen?� wiederholte Karoll. �Aber gegen wen denn, Kara?�</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Am Abend kam Cord noch einmal zu ihr. Kara war nicht nur aus dem Versammlungszimmer, sondern aus dem ganzen Hort geflohen und war stundenlang auf der Plattform des h�chsten Turmes geblieben, bis K�lte und M�digkeit sie zur�ck ins Innere getrieben hatten. Der Turm war eigentlich gar kein Turm, sondern ein bizarr, wie eine Nadel geformter Felsen, in den man m�hsam Treppenstufen und eine Plattform gemei�elt hatte. Die Plattform lag so hoch, da� der Blick an einem klaren Tag gute hundertf�nfzig Meilen weit �ber das Land reichte; und in der anderen Richtung eine nicht einmal mehr zu sch�tzende Strecke �ber die Leere des <emphasis>Schlundes.</emphasis> Kara kam gern und oft hier herauf, obwohl es ein sehr unwirtlicher Ort war. Der Wind, der an den Flanken der Berge und dem Turm entlangstrich, wehte selbst im Hochsommer eine kalte Brise her�ber. Die vorherrschende Farbe war das stumpfe, lichtschluckende Schwarz der Lava, aus der der Turm und fast der gesamte Hort herausgeschlagen worden waren.</p><p>Doch Kara liebte diesen �den abweisenden Ort, denn hier oben hatte ihr Angella � eingeh�llt in w�rmende Pelze und Felle � die Geschichte der Drachenk�mpfer erz�hlt und ihr das Land gezeigt, �ber das sie nicht herrschten, das zu besch�tzen sie aber geschworen hatten. Es war ein altes Land, ein uraltes Land, dessen Geschichte so weit zur�ckreichte, da� niemand mehr wu�te, wann und wo sie begonnen hatte. Was freilich kein Zufall war � mehr als einhunderttausend Jahre lang hatten Jandhis Feuerdrachen daf�r gesorgt, da� die technische und kulturelle Entwicklung dieses Landes auf einem niedrigen Niveau blieb.</p><p>Erst Angella und Tally brachen den Terror der T�chter der Drachen. Angella, die Kara wie eine Tochter aufgezogen hatte, und Tally, die Kara niemals gesehen hatte, denn sie war lange vor ihrer Geburt schon gestorben. Doch so alt dieses Land war, so jung war die Geschichte derer, die es besch�tzten; keine f�nfundzwanzig Jahre, seit Angella zusammen mit Hrhon und einer Bandvoll Getreuer diese Felsenburg erobert und zu ihrem eigenen Hauptquartier gemacht hatten. Keine <emphasis>zehn</emphasis> Jahre, seit sie den letzten Angriff feindlicher Drachen abgeschlagen hatten. Glaubte dieser Narr Karoll wirklich, alles w�re <emphasis>vorbei?</emphasis> L�cherlich. Ein Feind, der hunderttausend Jahre lang �ber ein Land geherrscht hatte, war nicht besiegt, nur weil man zehn Jahre lang nichts von ihm geh�rt hatte!</p><p>Cord erwartete sie in ihrem Zimmer, als sie kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit blauen Lippen und steifgefrorenen Fingern zur�ckkehrte. Er lag auf ihrem Bett, hatte die H�nde hinter dem Kopf verschr�nkt und das rechte Knie angezogen; eine Geste, die nur l�ssig wirkte, wie Kara wu�te. Seit einem b�sen Absturz vor f�nf oder sechs Jahren bereitete ihm das Bein manchmal Schmerzen. Er sprach nie dar�ber, aber jedermann im Hort wu�te es. Er d�ste vor sich hin, als Kara das Zimmer betrat, �ffnete aber tr�ge die Augen und schenkte ihr ein m�des L�cheln. Wahrscheinlich wartete er schon seit Stunden auf sie.</p><p>�Wie lange bist du schon hier?� fragte sie.</p><p>Cord zuckte mit den Schultern, ohne die H�nde hinter dem Kopf hervorzunehmen. �Ich wei� nicht. Eine Stunde. Zwei.�</p><p>�Ich war auf dem Turm�, begann Kara, und Cord unterbrach sie: �Ich wei�. Ich wollte dich nicht st�ren.�</p><p>Kara, die damit begonnen hatte, ihre vor K�lte klammen Finger �ber dem Kaminfeuer aneinanderzureiben, hielt mitten in der Bewegung inne und sah stirnrunzelnd zu ihm auf. �Verbringst du deine Zeit jetzt nur noch damit, mir dabei zuzusehen, wie ich... gl�cklich aussehe?�</p><p>Cord �berging die Frage. �chzend setzte er sich auf. �Du warst nicht besonders freundlich zu unserem Gast.�</p><p>�Hat er es anders verdient?� Kara war unaufmerksam und verbrannte sich an den z�ngelnden Flammen die Finger. Mit einem Fluch richtete sie sich auf und stie� sich prompt am Kaminsims den Kopf. Cord lachte.</p><p>�Im Moment jedenfalls siehst du nicht besonders gl�cklich aus.�</p><p>Kara funkelte ihn an, rieb sich mit ihrer verbrannten Hand den schmerzenden Hinterkopf und setzte sich auf einen Stuhl. �Du versuchst nicht zuf�llig, mir irgend etwas beizubringen auf m�glichst schonende Art?�</p><p>Cord machte ein ertapptes Gesicht. �Das hat noch ein paar Tage Zeit�, sagte er.</p><p>�Was?�</p><p>�Wir haben drei Wochen gewartet, da k�nnen wir auch noch ein paar Tage l�nger warten�, antwortete Cord unbestimmt. �Womit?� fragte Kara voller Ungeduld. Als Cord noch immer nicht antwortete, f�gte sie hinzu: �Wenn man bedenkt, wieviel Zeit es noch hat, finde ich es schon erstaunlich, da� du schon seit Tagen um mich herumschleichst wie die Katze um den hei�en Brei.�</p><p>Cord druckste noch einen Moment herum, aber schlie�lich r�ckte er doch mit der Sprache heraus: �Es geht um die Frage, was mit dir geschieht, Kara.�</p><p>�Mit mir?�</p><p>�Angella ist tot�, antwortete Cord. �Wir sind ohne F�hrer.�</p><p>�Vergi� es�, sagte Kara impulsiv. �Ich bin zu jung.�</p><p>�Humbug�, antwortete Cord. �Tally war auch nicht viel �lter, als sie die Drachent�chter schlug.�</p><p>�Ich bin nicht Tally�, sagte Kara. Sie versuchte, soviel Ernst wie m�glich in ihre Worte zu legen, ohne theatralisch zu klingen. �Ich... kann es nicht.�</p><p>�Du <emphasis>willst</emphasis> nicht�, stellte Cord fest.</p><p>�Und? Macht das einen Unterschied? Ich w�re keine gute F�hrerin des Hortes. Es gibt so viel, das ich noch nicht verstehe � �</p><p>�Wir alle werden dir helfen.�</p><p>� � und sie nehmen mich nicht ernst�, fuhr Kara fort. �Du hast diesen Karoll erlebt!�</p><p>�M�nner wie er sind unwichtig�, antwortete Cord und machte eine wegwerfende Geste. �Der Drachenhort braucht einen neuen F�hrer. Angella hat nie einen Zweifel daran gelassen, da� du eines Tages ihre Nachfolge antreten sollst. Wir sind es ihr schuldig, diesen Wunsch zu respektieren.�</p><p>�Und aus diesem Grund wollt ihr <emphasis>mich</emphasis> zu eurer Herrin machen? Nur weil ihr glaubt, es Angella <emphasis>schuldig</emphasis> zu sein?�</p><p>�Nein, auch ich w��te keinen besseren. Du mu�t noch eine Menge lernen, und vor allem mu�t du lernen, dein Temperament zu z�geln und dich nach gewissen Konventionen zu richten. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Du bist die Richtige.�</p><p>�Bin ich das?� fragte Kara. Pl�tzlich l�chelte sie. �Wenn du mit aller Gewalt darauf bestehst, mir die Krone aufzusetzen, dann nehme ich sie an. Und ich werde dir gleich meinen ersten Befehl erteilen: Bis die neue Herrin des Drachenhortes dazu bereit ist, wirst <emphasis>du</emphasis> kommissarisch die F�hrung der Drachenreiter �bernehmen.�</p><p>Cord l�chelte fl�chtig. �Abgelehnt.�</p><p>�Aber du � �</p><p>�Wir haben Wichtigeres zu tun�, unterbrach sie Cord. �Denk dar�ber nach. Wir werden deine Entscheidung akzeptieren, wie immer sie auch ausf�llt. Aber nicht, wenn du sie leichtfertig triffst oder aus einer Laune heraus. Bedenke, was auf dem Spiel steht.�</p><p>�Vielleicht nichts�, murmelte Kara. �Wei�t du, manchmal frage ich mich, ob M�nner wie Karoll oder Gendik nicht recht haben. Vielleicht ist unsere Zeit vorbei, Cord. Vielleicht war alles nur ein Zufall, so unwahrscheinlich es scheint.�</p><p>�Und die M�nner, die du unter der Stadt gesehen hast?�</p><p>�Also glaubst du mir wenigstens�, sagte Kara.</p><p>Cord runzelte die Stirn. �Willst du mich beleidigen?�</p><p>�Karoll hat vielleicht recht, wei�t du?� fuhr Kara fort. �Wir wissen bis heute nicht, was in den L�ndern jenseits des <emphasis>Schlundes</emphasis> liegt. Vielleicht kommen sie von dort. Wir selbst schicken regelm��ig junge Drachenk�mpfer auf die Reise �ber den Drachenfels hinaus, um diese L�nder zu erforschen.�</p><p>�Ja�, grollte Cord. �Und keiner ist bisher zur�ckgekehrt.�</p><p>�Das kann tausend Gr�nde haben�, sagte Kara. �Vielleicht kommen diese M�nner von dort. Vielleicht sind sie nur neugierig.�</p><p>�Warum zeigen sie sich uns dann nicht offen?�</p><p>�Woher soll ich das wissen? Vielleicht haben sie Angst vor uns, was wei� ich?� Nat�rlich redete sie Unsinn; das wu�te sie so gut wie Cord. Die Fremden hatten den ersten Schu� in diesem Krieg abgegeben. Sie hatten Liss und die beiden anderen im Stollen get�tet, und es war einer von ihnen gewesen, der die Banditen angef�hrt hatte, die sie �berfallen hatten. �Ich sage ja nur, da� wir noch nicht endg�ltig wissen, ob wir uns wirklich im Krieg befinden�, schlo� sie lahm.</p><p>�Dann sollten wir vielleicht damit anfangen, genau <emphasis>das</emphasis> herauszufinden�, sagte Cord.</p><p>Aber genau das war ja ihr Problem, begriff er das denn nicht? Angella hatte ihr viel erz�hlt, aber noch sehr viel mehr hatte sie ihr <emphasis>nicht</emphasis> erz�hlt.</p><p>�Bleibt es dabei, da� du mir helfen wirst?� fragte sie. Cord nickte.</p><p>�Gut�, sagte Kara. �Dann beruf eine Versammlung f�r heute abend ein. Ich will alles wissen.�</p></section><section><title><p>21</p></title><p>�Libellen?� Kara blickte abwechselnd Cord, Storm und die Magierin an, dann fragte sie noch einmal: �Sagtest du tats�chlich: <emphasis>Libellen?�</emphasis></p><p>Cord nickte. Er sah verst�rt aus, beinahe ein wenig ungl�cklich, fand Kara. In einer hilflosen Geste breitete er die H�nde aus. �Das haben die Bauern jedenfalls gesagt: Zwanzig Meter gro�e Libellen, die etwas auf ihre Felder gespr�ht haben. Kurze Zeit darauf begann die Ernte an den Halmen zu verfaulen.�</p><p>�Zwanzig Meter, so�, murmelte Kara. �Nicht f�nfzig oder zweihundert?�</p><p>�Es sind einfache Bauern�, wandte Storm ein. �Sie waren zu Tode erschrocken, und solche Menschen neigen erfahrungsgem�� zu �bertreibungen. Aber selbst wenn man die H�lfte wegstreicht, bleibt es erstaunlich genug.�</p><p>�Es gibt auch keine <emphasis>zehn</emphasis> Meter gro�en Libellen�, sagte Kara. �Du meinst, wir kennen keine�, verbesserte sie Cord. �Denk an die Termite, die euch in Schelfheim angegriffen hat.�</p><p>Kara machte eine �rgerliche Geste. �Das war etwas anderes. Ein Mutant. Sie sind selten, und sie leben nicht lange. Und vor allem greifen sie nicht die Felder harmloser Bauern an und sorgen daf�r, da� ihre Ernte verdirbt.� Sie �berlegte einen kurzen Moment. �Vielleicht haben sie einen Fehler gemacht. Ich meine, vielleicht haben sie die Ernte durch eigene Schuld verdorben und sich diese verr�ckte Geschichte nur ausgedacht?�</p><p>�Wozu?� fragte Storm. �Sie sind selbst�ndige Bauern, keine Lehnsm�nner oder Arbeiter. Niemand ersetzt ihnen ihren Schaden. Und sie haben keine Strafe zu bef�rchten, sieht man von einem langen und hungrigen Winter ab. Nein � sie <emphasis>haben</emphasis> etwas gesehen. Wir m�ssen nur herausfinden, was es wirklich war.�</p><p>Kara �berlegte. Ihr Kopf schwirrte von den zahllosen Berichten, die sie geh�rt hatte und von denen die l�cherliche Geschichte der zwanzig Meter gro�en Libellen nur der letzte gewesen war. Nein � Angella hatte ihr wirklich nicht alles gesagt. Es war schlimmer, viel viel schlimmer, als sie bef�rchtet hatte, und es war sehr viel mehr passiert, als Angella in jenem kurzen Gespr�ch mit Gendik erz�hlt hatte. Aber nichts davon ergab Sinn. Kara hatte das Gef�hl, vor den Teilen eines gewaltigen Puzzles zu sitzen.</p><p>Sie warf einen fast hilfesuchenden Blick in die Runde. Die Versammlung, die sie verlangt hatte, war nicht mehr am selben Abend anberaumt worden, sondern erst drei Tage sp�ter. Kara begann sich zu fragen, ob diese Versammlung wirklich eine gute Idee gewesen war. Was sie erfahren hatte, war entschieden mehr gewesen, als sie im Grunde wissen wollte. Es gab keinesfalls nur ein paar b�se Ahnungen auf kommendes Unheil, nein � das Land brannte bereits; �berall und lichterloh.</p><p>Die letzten drei Tage waren auch die vielleicht schwierigsten in Karas Leben gewesen. Neben der Entscheidung, ob und wie sie Angellas Erbe antreten sollte, hatte es buchst�blich tausend Dinge gegeben, die sie zu regeln hatte. Gleich mit ihrer ersten Entscheidung hatte sie gegen die Konventionen versto�en, an die sich zu halten Cord sie ermahnt hatte. Sie hatte sich geweigert, ihr kleines Zimmer im Trakt der Sch�lerinnen und Sch�ler aufzugeben, und statt dessen Angellas weitl�ufiges, aus gleich vier R�umen bestehendes Quartier zu beziehen.</p><p>Doch ihre Gedanken kehrten in die Wirklichkeit zur�ck, als ihr klar wurde, da� nicht nur Cord, sondern auch Storm und Aires sie ansahen und offensichtlich darauf warteten, da� sie etwas sagte. Sie r�usperte sich, versuchte es mit einem L�cheln, auf das weder die beiden Drachenk�mpfer noch die Magierin reagierten, und wurde �bergangslos wieder ernst. �Das klingt alles ziemlich schlimm�, sagte sie. �Ich frage mich, ob es wirklich so schlimm ist. Oder ob wir Gespenster sehen.� Sie hob die Hand, als Aires etwas sagen wollte, und deutete auffordernd auf Cord.</p><p>�Bitte, fasse noch einmal die wichtigen Punkte zusammen. Und zeige sie uns auf der Karte.�</p><p>Cord erhob sich und trat an die zweifarbige Karte, die fast die gesamte Wand neben der T�r bedeckte. Obwohl sie so gro� war, war sie doch in einem Ma�stab gehalten, der selbst Schelfheim kaum gr��er als Fliegendreck erscheinen lie�. Die Karte zeigte die ganze bekannte Welt � n�mlich den grob dreieckig geformten, mit einem unregelm��igen, hakenf�rmigen Ausl�ufer am unteren Ende versehenen Kontinent, der Karas Welt darstellte. Das ihn umgebende, in Beige gehaltene Terrain t�uschte:</p><p>Das Land war weder zur G�nze unbekannt, noch war es harmlos. Der <emphasis>Schlund,</emphasis> wie der Grund der ausgetrockneten Ozeane genannt wurde, war G�as Reich. Bisher war jeder Versuch, ihn zu durchqueren, gescheitert. Sie wu�ten, da� der von ihnen bewohnte Kontinent nicht der einzige auf dieser Welt war; vielleicht nicht einmal der gr��te. Dort dr�ben � wo immer dieses Dr�ben lag � konnte buchst�blich alles sein; von strahlenverseuchten, toten W�sten bis hin zu einer technischen Hochkultur, die Schiffe baute, die unter Wasser zu fahren imstande waren. Vor zehn Jahren hatten sie den Angriff eines Feindes abgewehrt, der aus dem gro�en Nichts jenseits des <emphasis>Schlundes</emphasis> kam. Manche behaupteten, da� sie ihn bei dieser Gelegenheit vernichtend geschlagen h�tten, aber Kara war sich dessen nicht sicher, doch sie glaubte, bald eine Antwort auf <emphasis>diese</emphasis> Frage zu finden. <emphasis>�Schelfheim�,</emphasis> sagte Cord und legte die Hand auf einen mittelgro�en Punkt auf der Karte. �Was dort passiert ist, mu� ich nicht wiederholen.� Seine Hand wanderte ein St�ck nach rechts. �In dieser Stadt werden im n�chsten Fr�hjahr keine Kinder geboren werden, denn seit drei Monaten werden die Frauen dort nicht mehr schwanger. Niemand wei�, warum das so ist.�</p><p>Er legte eine dramatische Pause ein, ehe er die gespreizten Finger seiner Hand weiterwandern lie�. �Hier liegt das Gebiet, in dem die Bauern die Libellen gesehen haben wollen�, fuhr er fort. �Tatsache ist, da� die gesamte Ernte binnen weniger Tage verdorben ist. Das gleiche ist �brigens auch hier und hier und hier...� Seine Hand fuhr mit einer wischenden Bewegung �ber die Karte, wobei sie ein Ger�usch verursachte, das Kara einen eisigen Schauer �ber den R�cken jagte. �... passiert. Nur, da� uns von dort keine Meldungen �ber riesige Libellen oder andere Ungeheuer erreichten. Was hier geschehen ist, das wei� niemand.� Der n�chste Punkt auf der Karte lag schon recht nahe am Drachenhort. Kara fragte sich, ob es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen all diesen Geschehnissen gab und ob sich das Ungl�ck vielleicht auf den Hort zubewegte, aber sie unterbrach Cord nicht, sondern hob sich die entsprechende Frage f�r sp�ter auf.</p><p>�Es gab einen ungew�hnlich heftigen Sturm, und einige behaupten, da� der Regen, den er mitbrachte, blau gewesen sei. Am n�chsten Morgen waren jeder Mann und jede Frau �ber drei�ig tot.�</p><p> Kara erschrak. <emphasis>Davon</emphasis> hatte Cord bisher noch nichts gesagt. �Wurden auch andere betroffen?� warf Aires ein.</p><p>Cord sch�ttelte den Kopf. �Ausschlie�lich Menschen�, sagte er. Seine Hand wanderte weiter, ber�hrte fl�chtig den Drachenhort und glitt nach Westen. Kara atmete innerlich auf. �Hier geschah etwas h�chst Seltsames: ein See, der seit Jahrtausenden ausgetrocknet war, f�llte sich in wenigen Tagen wieder mit Wasser.�</p><p>�Aber jeder, der davon trank, wurde krank oder starb�, sagte Kara.</p><p>Cord sah sie �berrascht an. �Woher wei�t du das?�</p><p>�Es war nur eine Vermutung�, gestand Kara.</p><p>�Sie trifft die Sache auch nicht ganz�, sagte Cord. �Nicht alle sind gestorben, denn nicht alle haben von dem Wasser getrunken. Die davon gekostet und es �berlebt haben, sagen, es h�tte... tot geschmeckt.�</p><p>�Tot?�</p><p>Cord nickte. �Ich habe eine Probe davon angefordert, damit Demares sie untersuchen kann. Aber es hei�t, es schmeckt wie Wasser, das ein paar hundert Jahre in einem Fa� gestanden hat. Das allein ist noch nicht das Schlimme. Niemand zwingt die Menschen dort schlie�lich, davon zu trinken. Aber der See beginnt auch alle Quellen in der Umgebung zu vergiften. Wenn sich keine L�sung findet, werden die Bauern dort ihr Land aufgeben und wegziehen m�ssen.� Er atmete h�rbar ein, dann kehrte seine Hand zur�ck und ber�hrte einen Punkt am entgegengesetzten Ende der Karte.</p><p>�Und schlie�lich hier�, erkl�rte er in einem Ton, der klarmachte, da� er sich das Wichtigste bis zum Schlu� aufgehoben hatte. �Dort regnet es.�</p><p>�Und?� fragte Kara.</p><p>�Seit vier Monaten�, fuhr Cord fort. �Ohne da� es bisher auch nur eine einzige Minute aufgeh�rt h�tte. Das Land ist ein einziger Morast. An vielen Stellen ist die Erdkrume schon bis auf den nackten Fels weggesp�lt worden.�</p><p>Kara betrachtete die Karte voller Besorgnis. Cord hatte nur die schlechtesten Neuigkeiten erw�hnt, die den Drachenhort in den letzten Monaten erreicht hatten. Und f�r einen unwissenden Betrachter w�re die Besorgnis auf seinem und den Gesichtern der anderen nicht einmal verst�ndlich gewesen; schlie�lich war es nur ein schmaler Streifen an der K�ste entlang, den das Ungl�ck betroffen hatte. Aber die Welt bestand im Grunde nur aus diesem schmalen Streifen an der K�ste; selbst nach all der Zeit pr�sentierte sich das Landesinnere als eine monotone, radioaktiv verseuchte W�ste und als ein unbewohnbares, verseuchtes Gebirge.</p><p>Pl�tzlich hatte Kara das Gef�hl, da� Cords Gesten ein ganz bestimmtes Bild ergaben. Aber bevor sie den Gedanken aussprechen konnte, kam ihr Aires zuvor.</p><p>�Wi�t ihr, woran mich das erinnert?� Die Magierin beantwortete ihre eigene Frage nicht sofort, sondern stand auf und trat an die Karte heran, als m�sse man nur gut genug hinsehen, um die Antwort in winzigen Buchstaben darauf zu erkennen. Schlie�lich tat Kara ihr den Gefallen und fragte: �Woran?�</p><p>�Vorausgesetzt, hinter all diesen Dingen steckt wirklich jemand�, antwortete die Magierin, ohne den Blick von der Karte zu nehmen, �dann habe ich das Gef�hl, er wei� selbst noch nicht so recht, was er da tut.�</p><p>�Wie bitte?� fragte Storm verbl�fft.</p><p>Die Magierin nickte so heftig, da� ihr schulterlanges, silberfarbenes Haar flog. �Ich glaube, sie probieren einfach nur herum. Sie spielen mit uns. Anscheinend wissen sie selbst noch nicht so genau, wie sie uns am besten bek�mpfen k�nnen, und probieren einfach verschiedene Wege aus. Nebenbei...� Sie drehte sich nun doch herum, um Storm und die anderen anzusehen. �... der Winter wird in diesem Jahr viel fr�her kommen. Und er wird sehr hart und lang werden.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Storm erschrocken. Es war eine dumme Frage, die nur seinen Schrecken verdeutlichte, und Aires antwortete auch nicht darauf. Wenn es einen Menschen gab, der die geheimen Zeichen der Natur zu erkennen und zu deuten wu�te, dann war es die Magierin.</p><p>�Du glaubst also auch, da� irgend jemand dahintersteckt�, sagte Kara. Ihr fiel selbst auf, da� ihre Stimme beinahe erleichtert klang, und sie sch�mte sich ein wenig.</p><p>Aires nickte. �F�r meinen Geschmack sind das zu viele Zuf�lle�, sagte sie.</p><p>�Dann sollten wir etwas dagegen unternehmen�, bemerkte Storm. �Wir m�ssen unsere Leute an jeden dieser Orte schicken. Wir m�ssen mit jedem reden, der irgend etwas gesehen hat. Irgendwo mu� sich ein Hinweis finden.�</p><p>�Gut �berlegt�, sagte Aires. �Aber sehr viel n�tzlicher w�re es, dabeisein zu k�nnen, wenn wieder etwas Ungew�hnliches geschieht.�</p><p>�Sicher. Fragt sich nur, wie. Kannst du jetzt zuf�llig in die Zukunft blicken?�</p><p>�Gottlob nicht�, erwiderte Aires l�chelnd. Sie wurde sofort wieder ernst. �Mir liegen Berichte von Reisenden vor, die in den <emphasis>Schlund</emphasis> vorgesto�en sind. Ich wei� nicht was, aber... irgend etwas geschieht dort. Die Tiere sind unruhig geworden. Manchmal ist der ganze Dschungel in Aufruhr, dann wieder herrscht f�r Tage unnat�rliches Schweigen.� Sie zuckte mit den Schultern. �Nat�rlich kann das alles eine ganz gew�hnliche Ursache haben. Niemand von uns <emphasis>wei�</emphasis> wirklich etwas �ber den Schlund. Trotzdem habe ich mich entschlossen, mich selbst davon zu �berzeugen, was dort vor sich geht.�</p><p>F�r Augenblicke trat Stille ein. Aller Aufmerksamkeit richtete sich auf Aires. Dann sagte Cord: �H�ltst du das f�r eine gute Idee?�</p><p>�Nein�, gestand Aires l�chelnd. �Leider aber trotzdem f�r die beste, die ich im Moment habe.�</p><p>Cord blieb sehr ernst. �Der <emphasis>Schlund</emphasis> ist gef�hrlich, Aires. Nur zwei von drei Reisenden, die sich hineinwagen, kehren zur�ck.�</p><p>�Vielen Dank f�r die Warnung�, sagte Aires sp�ttisch. �Ich w�re nie von selbst darauf gekommen, wei�t du?�</p><p>�Ich glaube, Cord meint, da� wir es uns nicht leisten k�nnen, dich zu verlieren�, sagte Kara. �Du bist das Gehirn des Drachenhortes. Wenn dir etwas zust��t, ist es um uns schlecht bestellt.�</p><p>Aires nickte. �Ich werde auf mich aufpassen�, sagte sie. �Ich bin vielleicht alt, aber nicht lebensm�de.�</p><p>�Verbiete es ihr�, sagte Cord. �Das ist viel zu gef�hrlich. Du mu�t es ihr verbieten, Kara!�</p><p>�Das k�nnte ich�, sagte Kara. Sie sah die Magierin durchdringend an, aber Aires� L�cheln blieb so r�tselhaft wie bisher. �Aber ich werde es nicht tun.�</p><p>�Und warum nicht?� fragte Storm. Auch er schien nicht sehr begeistert von der Vorstellung zu sein, da� sich Aires einer solchen Gefahr aussetzte.</p><p>�Weil sie recht hat�, antwortete Kara. Sie sp�rte es. Sie <emphasis>wu�te</emphasis> einfach, da� es nur einen einzigen Ort gab, von dem die Angreifer kommen konnten: aus den unbekannten L�ndern jenseits des <emphasis>Schlundes.</emphasis> �Und weil ich sie begleiten werde�, f�gte sie hinzu.</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Vor einem Augenblick hatte unter Markors Schwingen noch das zerkl�ftete Bergland der K�ste gelegen. Einen gewaltigen Fl�gelschlag sp�ter breiteten sich Wolken unter ihnen aus; ein flockiges Meer aus Zuckerwatte, durch dessen L�cken es gr�n und braun schimmerte, so wie es �ber der zweiten Wolkendecke, die ebenso weit �ber ihnen lag wie die andere unter ihnen, t�rkis und blau funkelte. Sie glitten zwischen zwei Himmeln dahin.</p><p>Allein dieser Anblick konnte einen unvorbereiteten Menschen in den Wahnsinn treiben, dachte Kara. Ein einziger Schritt, um von der Welt unter den Wolken in die �ber den Wolken zu wechseln... verr�ckt.</p><p>Aber schlie�lich war die ganze Welt irgendwie verr�ckt � im buchst�blichen Sinne des Wortes. Der <emphasis>Schlund</emphasis> unter ihnen war nichts anderes als der Boden des gewaltigen Ozeanes, der einst vier F�nftel der Planetenoberfl�che bedeckt hatte. Das Wasser war zusammen mit neunundneunzig Prozent der bewohnbaren Kontinentaloberfl�chen verschwunden � genauso wie das Volk, das f�r dieses Verschwinden verantwortlich war � aber das hie� nicht, da� der <emphasis>Schlund</emphasis> ohne Leben war. Ganz im Gegenteil � wo fr�her nichts als gewaltige Wassermassen gewesen waren, da tummelten sich nun die meisten Lebewesen dieses Planeten. Der Name <emphasis>Schlund</emphasis> stimmte in jeder Beziehung. Wenig, was in die Welt jenseits dieser zweiten Wolkendecke eintauchte, kam je wieder heraus.</p><p>Markor bewegte sich elegant, um sich in einem weit geschwungenen Bogen an die Spitze der gewaltigen Zw�lferformation zu setzen. Kara klammerte sich instinktiv fester an das polierte Sattelhorn, als eine m�chtige Wellenbewegung durch den riesigen Drachenk�rper lief. Sie blinzelte, wischte sich mit dem Handr�cken die Tr�nen aus den Augen und setzte nach einem letzten, kurzen Z�gern die Schutzbrille auf. Wie die meisten jungen Drachenk�mpfer war auch Kara meist zu stolz, die durchsichtige Schutzbrille zu tragen, sondern lie� sich lieber vom eisigen Fahrtwind die Tr�nen in die Augen treiben. Aber sie spielte nun kein Spiel mehr. Zum ersten Mal befand sich Kara in einem echten Einsatz. Wenn auch die Wahrscheinlichkeit, auf den Feind zu treffen, gering war, so drangen sie doch in ein Land ein, das allein schon gef�hrlicher war als die meisten vorstellbaren Gegner.</p><p>Ihr Rufer meldete sich. Obwohl seit Jahren ge�bt, brauchte Kara doch einige Momente, bis sie die an- und abschwellenden Schmerzimpulse zu einer Nachricht ordnen konnte. Manchmal, dachte sie, w�hrend die direkt in ihr Nervensystem gespeisten Morsezeichen des Rufers ihr schon wieder Tr�nen in die Augen trieben, verstand sie M�nner wie Karoll. Funkgespr�che waren vielleicht umst�ndlicher und nicht so sicher, aber sie taten nicht so weh.</p><p>Es war Aires. <emphasis>Ein paar Grad mehr nach links, Kara,</emphasis> signalisierte sie. <emphasis>Direkt auf den Drachenfels zu.</emphasis></p><p><emphasis>Aber das ist ein Umweg,</emphasis> morste Kara zur�ck.</p><p><emphasis>Ich wei�. Aber es ist sicherer.</emphasis></p><p>Kara ersparte sich eine Antwort darauf; einerseits, weil es sinnlos war, sich mit Aires zu streiten, andererseits, um den anderen zehn Drachenk�mpfern unn�tiges Unbehagen zu ersparen. Der gr��te Nachteil der Rufer bestand darin, da� man nicht gezielt mit einem einzigen Tier reden konnte. Jede Nachricht, die in das halbtelepathische Kommunikationssystem der winzigen Insekten eingespeist wurde, wurde von allen Rufern innerhalb ihrer Reichweite aufgenommen, was gezielte oder auch l�ngere Anweisungen zu einer ebenso komplizierten wie auch schmerzhaften Angelegenheit machte. So belie� sie es dabei, Markors Kurs um einige Grade nach Westen zu korrigieren. Der Rest der Formation vollzog den Richtungswechsel getreulich nach. Gleichzeitig verloren sie weiter an H�he. Karas Herz begann hart und schnell zu schlagen, als der Drache in die Wolkendecke eindrang. Im allerersten Augenblick zerrissen Markors peitschende Schwingen das wattige Grau einfach, dann umgab sie f�r endlose Minuten nichts als feuchter, grauer Dunst, der sie so sehr einh�llte, da� selbst die Gestalten der anderen Drachen zu verschwommenen Schatten in unbestimmter Entfernung wurden. Dann hatten sie die Wolken durchquert, und unter ihnen lag G�as Reich.</p><p>Eine wilde Erregung ergriff von Kara Besitz, als sie auf das endlose, wogende Meer aus Braun und Schwarz und allen nur vorstellbaren Gr�nschattierungen hinunterblickte. An einem klaren Tag konnte man den Dschungel selbst vom Hort aus sehen, wenn auch nur als verwaschenes Muster ineinanderlaufender Farben. Doch zum ersten Mal w�rde Kara landen, den Dschungel erforschen und vielleicht auf den unbekannten Feind sto�en.</p><p>Ihre Gruppe war nicht die einzige, die aus dem Drachenhort aufgebrochen war, um nach Spuren der gesichtslosen Angreifer zu suchen, aber unbestritten die wehrhafteste. Die elf Drachen, die hinter Markor flogen, waren zweifellos die kr�ftigsten und erfahrensten Tiere, die der Hort aufzubieten hatte. Und auch ihre Reiter geh�rten unbestritten zu den besten des Drachenhortes.</p><p>F�r einen Moment jedoch dachte Kara nicht an K�mpfe und Gefahren. Sie geno� es einfach, sich von Markors gewaltigen Schwingen durch die Luft tragen zu lassen, w�hrend das wogende Bl�ttermeer unter ihr dahinglitt. Manchmal glaubte sie eine Bewegung unter sich wahrzunehmen, aber sie war immer viel zu schnell vor�ber, um sicher sein zu k�nnen. Sie f�hlte sich frei und beinahe schwerelos. Die hohe Geschwindigkeit, der heftige Wind und der gewaltige Drachenk�rper unter ihr erf�llten sie mit einem Gef�hl der Macht, das wie eine berauschende Droge war. Sie lachte, laut und lang anhaltend, ohne es selbst zu merken.</p><p><emphasis>Geh nicht so tief hinunter,</emphasis> warnte Aires sie. <emphasis>Dieser Dschungel hat ein paar ziemlich unangenehme Bewohner.</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei�,</emphasis> antwortete Kara. <emphasis>Aber ich passe schon auf.</emphasis></p><p>Aires schwieg darauf, und Kara ergab sich weiter dem berauschenden Gef�hl, unverwundbar und schnell wie ein Pfeil �ber den Dschungel dahinzurasen.</p><p>Dann pl�tzlich teilte sich das dichte gr�ne Bl�tterdach unter Markor, und ein gewaltiger, peitschender Tentakel griff hervor. Ein riesiges, stacheliges Ding, geschuppt und dicker als ein Mann und mit zahllosen schnappenden M�ulern, das sich in einer einzigen, unvorstellbar schnellen Bewegung um Markors Hals wickelte und ihn in die Tiefe zu zerren versuchte. In einer noch schnelleren Bewegung griffen die Vordertatzen des Drachen zu und zerfetzten den Strang. Gr�ngef�rbtes, z�hes Pflanzenblut spritzte in einer Font�ne an Kara vorbei, und der zerfetzte Stumpf des Tentakels zog sich mit einer hastigen Bewegung wieder in den Dschungel zur�ck. Einen Wimpernschlag, bevor sich das Bl�tterdach wieder schlo�, erhaschte Kara einen Blick auf ein riesiges, buntes Etwas, das wie eine �berdimensionale Spinne inmitten eines komplizierten Netzes aus Str�ngen und Wurzeln hing, abgrundtief h��lich und faszinierend sch�n zugleich. Sie konnte nicht erkennen, ob es eine Pflanze oder ein Tier gewesen war. <emphasis>Verstehst du jetzt, was ich meine?</emphasis></p><p>Kara verzichtete auf eine Antwort, die Aires ohnehin nicht erwartete. Au�erdem war sie auch viel zu sehr damit besch�ftigt, das Gef�hl der �belkeit zu unterdr�cken, das aus ihrem Magen emporstieg, als sie sah, wie Markor das abgerissene Ende des Tentakels aufzufressen begann.</p><p>Eine Stunde lang flogen sie weiter nach Norden, ohne da� sich etwas Ungew�hnlicheres tat als das Auffliegen eines gigantischen Vogelschwarms, dessen einzelne Tiere kaum gr��er als Bienen waren, der aber nach Millionen z�hlte. Wenn es in diesem Dschungel gr��ere fliegende R�uber gab, was Kara vermutete, dann schreckte sie wohl der Anblick der zw�lf riesenhaften Drachen ab.</p><p>Zwei weitere Stunden vergingen, dann begannen die Fl�gelschl�ge der Drachen allm�hlich an Kraft und Eleganz zu verlieren. Die ungeheure Gr��e der Tiere f�hrte dazu, da� sie nicht unbegrenzt leistungsf�hig waren. Wer verf�gte schon �ber unendliche Kr�fte, wenn er das Gewicht eines Schlachtschiffes mit sich herumschleppen mu�te? Andererseits legten die Drachen in den vier oder f�nf Stunden, die sie in der Luft bleiben konnten, Entfernungen von tausend und mehr Meilen zur�ck. Somit war der Drachenfels, das erste Etappenziel ihrer Expedition ins Nichts, ohne gr��ere Gefahr zu erreichen.</p><p>Kara versp�rte eine neue, heftige Erregung, als die schwarze Felsnadel endlich aus dem Dunst der Ferne vor ihnen auftauchte. Durch die gro�e Entfernung wirkte der Fels beinahe zerbrechlich. Die winzigen Punkte in seiner Flanke waren in Wahrheit gewaltige H�hlen, gro� genug, einen Drachen hineinfliegen zu lassen. Der kaum erkennbare, gezackte Kranz auf seiner Krone stellte die Mauern einer zyklopischen Festung dar, gegen die selbst der Drachenhort zu einem Nichts zusammenschrumpfte. Und sein Inneres...</p><p>In Karas Erregung mischte sich eine Spur jenes absurden Gef�hls von Entt�uschung, das in Erf�llung gehende Tr�ume manchmal begleitet. Seit zehn Jahren tr�umte sie, hierherzukommen. Sie kannte diesen Ort aus Angellas und Cords Erz�hlungen so gut, als h�tte sie Monate dort verbracht. Aber pl�tzlich war sie gar nicht mehr sicher, ob sie ihn wirklich sehen wollte, denn es war der Ort, der nicht nur mit Geschichten von Abenteuern verbunden war, sondern auch mit furchtbaren Schreckensberichten, war er doch hunderttausend Jahre lang der Quell des Terrors gewesen.</p><p>Eine Bewegung neben der Spitze des Felsens weckte Karas Aufmerksamkeit. Obwohl sie wu�te, wie gro� der Fels war, fuhr sie doch �berrascht zusammen, als ihr klar wurde, da� die beiden winzigen Punkte neben der Felsnadel Drachen waren, gr��er als ihre eigenen Tiere.</p><p><emphasis>Aires?</emphasis></p><p><emphasis>Ich sehe sie.</emphasis></p><p><emphasis>Glaubst du, da� es wilde Drachen sind?</emphasis> Der Name Drachenfels kam nicht von ungef�hr. Nach dem Ende von Jandhis Drachent�chtern waren die wilden Drachen in ihren angestammten Hort zur�ckgekehrt. Zwar wu�te Kara, da� wilde Drachen niemals Menschen angriffen, aber es war schon vorgekommen, da� sie gez�hmte Drachen attackierten, was unweigerlich zum Tod seines Reiters f�hren mu�te.</p><p><emphasis>Das sind Tess und Silvy,</emphasis> drang Aires� Botschaft in ihre Gedanken. <emphasis>Alles in Ordnung. Zieht die Krallen wieder ein.</emphasis></p><p>Kara atmete insgeheim auf; zumal einige der Tiere � Markor eingeschlossen � tats�chlich deutliche Spuren von Nervosit�t zeigten. Die Feindschaft zwischen zahmen und wilden Drachen war allgemein bekannt. Kara fragte sich, woher sie kam. Ha�ten die wilden Drachen ihre gez�hmten Br�der, weil sie sich von Menschen reiten und befehlen lie�en? Oder verachteten sie sie sogar? Oder gab es vielleicht <emphasis>zwei</emphasis> Arten von Drachen � solche, die sich z�hmen lie�en, und solche, die immer wild blieben? Die beiden winzigen Punkte wuchsen zu den vertrauten Umrissen gefl�gelter Drachen heran. Und Augenblicke sp�ter konnte Kara die beiden Gestalten hinter den m�chtigen Sch�deln erkennen. Es waren tats�chlich Tess und Silvy, zwei junge Drachenk�mpferinnen, die das letzte Jahr ihrer Ausbildung zusammen mit Kara absolviert hatten. Fl�chtig bewunderte Kara Aires� Augen. Selbst jetzt erkannte sie Tess nur an ihrem auff�lligen, strohblonden Haar.</p><p>Silvy hob die Hand zum Gru�, und Kara und einige der anderen erwiderten die Geste. Augenblicke sp�ter stie� Markor ein markersch�tterndes Begr��ungsgebr�ll aus. Kara erwartete schon, da� die dreizehn �brigen Tiere in das Gebr�ll einstimmen w�rden, aber die Drachen waren ersch�pft und wollten nur in eine warme, trockene H�hle.</p><p>Auch Kara sp�rte die Strapazen des Fluges. Auf dem letzten St�ck des Weges schenkte sie der Landschaft unter sich kaum noch Beachtung, obwohl sie sich v�llig ver�ndert hatte: Statt des gr�n wuchernden Dschungels umgab den Drachenfels steiniger, unfruchtbarer Boden, auf dem nichts lebte. Nicht einmal G�a, die unvorstellbare Lebensform des <emphasis>Schlundes,</emphasis> hatte hier Fu� gefa�t.</p><p>Markors Schwingen peitschten ein letztes Mal die Luft, um H�he zu gewinnen, dann glitt der Drache mit weit ausgebreiteten Fl�geln wie eine �bergro�e Schwalbe in eine der H�hlen in der Flanke des Drachenfels. Dunkelheit schlug wie eine Woge �ber Kara zusammen, als Markor pfeilschnell durch die H�hlen�ffnung scho�.</p><p>Kara fiel mehr aus dem Sattel, als sie abstieg. Sie war es gewohnt, Stunde um Stunde auf dem R�cken des Drachen zu verbringen, aber die Tiere waren mit �u�erster Kraft geflogen und hatten dabei nicht viel R�cksicht auf ihre Reiter nehmen k�nnen. Die Schl�ge der gewaltigen R�ckenmuskeln hatten Kara und die anderen durchgesch�ttelt wie ein stundenlanger Ritt �ber Steine und Ger�ll.</p><p>Tess landete ihr Drachenweibchen dicht neben Markor. Der Drache knurrte unwillig, und Kara zog instinktiv den Kopf zwischen die Schultern, als der Sturmwind der Drachenschwingen sie von den F��en zu rei�en drohte. W�hrend die �brigen Mitglieder ihrer Formation rings um sie herum niedergingen, blickte sie �rgerlich zu Tess auf, die mit geradezu unversch�mter Leichtigkeit vom R�cken ihres Tieres kletterte und auf sie zueilte. Wie ein Schatten folgte ihr Silvy.</p><p>�Kara�, rief Tess erfreut. �Wie sch�n, da� du doch noch gekommen bist. Aber wieso seid ihr so viele? Ist irgend etwas geschehen?�</p><p>Kara war im ersten Moment verwirrt. Dann erinnerte sie sich daran, da� Tess und das halbe Dutzend anderer den Drachenhort ja verlassen hatten, w�hrend sie und Angella nach Schelfheim gereist waren.</p><p>�Ist irgend etwas... passiert?� Tess hielt im Schritt inne und sah Kara erschrocken an, als sie den Ausdruck auf ihrem Gesicht gewahrte. �Wieso ist Angella nicht mitgekommen?�</p><p>�Angella ist tot�, antwortete Kara leise. �Und du hast recht � es <emphasis>ist</emphasis> etwas passiert. Aber das erz�hle ich euch sp�ter.�</p><p>�Tot!� wiederholte Tess fassungslos. �Angella ist... tot. Aber wieso denn? Ich meine... was ist passiert?�</p><p>�Sp�ter�, sagte Kara noch einmal. �Ihr werdet alles erfahren, aber jetzt habe <emphasis>ich</emphasis> erst einmal ein paar Fragen. Was ist mit den anderen? Sind alle noch hier, oder sind sie schon aufgebrochen?�</p><p>�Wir sind alle noch da�, antwortete Tess verwirrt. �Zen und Maran sind auf einem �bungsflug, aber sie wollten vor Sonnenuntergang wieder hier sein. Die anderen � �</p><p>�Gut�, unterbrach sie Kara. �Dann tu mir bitte einen Gefallen und ruf sie alle zu einer Versammlung zusammen. In einer halben Stunde.�</p><p>�Aber was ist denn nur � �</p><p>�Tu einfach, was ich sage�, unterbrach sie Kara. �Jetzt gleich.�</p><p>Etwas in Tess� Blick �nderte sich. Zu dem Schrecken und der Verwirrung, mit dem sie das von Kara Geh�rte erf�llt hatte, gesellte sich eine neue Verwirrung, die irgend etwas in Karas Stimme oder Blick galt. Begann es schon? dachte Kara erschrocken. Merkte man es ihr schon an? War sie vielleicht schon nicht mehr die Freundin, sondern vielmehr die Herrin f�r dieses M�dchen?</p><p>Tess wandte sich wortlos um und ging.</p><p>Als Kara sich herumdrehte, stand sie Aires gegen�ber.</p><p>�Du lernst schnell�, sagte die Magierin. Es war Kara nicht m�glich zu sagen, ob diese Worte Lob oder Tadel enthielten. �Ich... wollte nur keine Zeit verlieren�, sagte sie. Es klang wie eine Entschuldigung. Nein � es <emphasis>war</emphasis> eine Entschuldigung. Aires seufzte. �Allerdings ist deine Eile �bertrieben. Ruf die Versammlung ein, wenn Maran und Zen zur�ck sind. Oder hast du Lust, alles zweimal zu erz�hlen?�</p><p>�Dann verlieren wir unter Umst�nden einen ganzen Tag.�</p><p>�Das tun wir ohnehin�, erkl�rte Aires. �Ich habe nicht vor, heute noch weiterzureiten. Und selbst wenn ich es wollte � die Drachen brauchen ebenso dringend eine Pause wie wir.� Sie machte eine Kopfbewegung �ber die Schulter zur�ck. Kara widerstand der Versuchung, in dieselbe Richtung zu blicken. Sie wu�te, wie ersch�pft die Tiere waren. Aires hatte nat�rlich recht, einen halben Tag und eine ganze Nacht zu verlieren, gefiel Kara nicht.</p><p>�Zeit, die man nutzt, um zu Kr�ften zu kommen und sich vorzubereiten, ist keine verlorene Zeit, Kara�, belehrte sie Aires, w�hrend sie nebeneinander die H�hle verlie�en und die Treppe hinaufgingen, um zu den Bereichen der Festung zu gelangen, den die Drachenk�mpfer f�r sich beanspruchten. Es war nur ein winziger Teil des steinernen Labyrinths, das der Drachenfels in Wirklichkeit war, aber sie brauchten nicht viel. Die Besatzung der Burg �berstieg niemals zehn K�pfe. Selbst mit Kara und ihren Begleitern waren sie so wenige, da� die Gefahr, sich in den endlosen Tunnels und G�ngen zu verirren, nicht von der Hand zu weisen war.</p><p>Kara sah sich mit einer Mischung aus Neugier und Unbehagen um, w�hrend sie Aires durch einen langen Korridor folgte, der vor einer weiteren, steil in die H�he f�hrenden Treppe endete. F�r einen Moment glaubte Kara, sie h�rte noch einmal Angellas Stimme, die ihr mit eindringlichen Worten erz�hlte, was hier vor f�nfundzwanzig Jahren geschehen war, als f�llten die lautlosen Worte den Berg um sie herum mit Ger�uschen und Bewegung, einem Echo des d�steren, insektoiden Lebens, das einst �ber die schwarze Festung am Rande der Welt geherrscht hatte.</p><p>Kara verscheuchte den Gedanken, aber ihre Empfindungen hatten sich offenbar auf ihrem Gesicht widergespiegelt, denn Aires l�chelte pl�tzlich und sagte: �Es ist unheimlich, nicht?�</p><p>�Woher... � Kara suchte einen Moment hilflos nach Worten. �Ich meine, wie... wie kommst du darauf?�</p><p>�Weil es jedem so geht, der zum ersten Mal hier ist�, antwortete Aires. �Manche halten es nicht aus. Aber die meisten gew�hnen sich rasch daran.�</p><p>�Aber was... was ist das?� murmelte Kara verst�rt.</p><p>�Das wei� niemand wirklich�, antwortete Aires. Sie zuckte mit den Schultern. Kara sah sie scharf von der Seite her an, und erst jetzt fiel ihr auf, da� auch Aires sich nicht besonders wohl f�hlte.</p><p>�Ich glaube, es ist einfach dieser Ort�, fuhr sie nach einer Weile fort. Sie nickte bekr�ftigend, obwohl Kara gar nicht widersprochen hatte. �Wei�t du, wir nehmen immer wie selbstverst�ndlich an, da� nur Menschen und Tiere sich erinnern k�nnen. Aber wer sagt uns, da� das stimmt? Vielleicht haben auch Pl�tze ein Ged�chtnis oder H�user und Steine. Sie haben unendlich lange �ber diesen Ort geherrscht. Vielleicht ist es die Erinnerung an sie, die wir sp�ren. Oder G�as N�he�, f�gte sie �berraschend hinzu. Sie nickte, als sie Karas Verbl�ffung bemerkte. �Wu�test du nicht, da� wir ihr hier ganz nahe sind?�</p><p>Kara sch�ttelte wortlos den Kopf, und Aires machte eine Bewegung auf den steinernen Boden, �ber den sie schritten. �Sie hat die H�hle der Ameisenk�nigin nie wieder freigegeben�, sagte sie. �Aus Gr�nden, die nur Angella wu�te, erlaubte sie uns und den Drachen, in der Spitze des Berges zu leben. Aber alles, was unterhalb der gro�en H�hle liegt, geh�rt ihr. Du hast davon nichts gewu�t?�</p><p>�Nein�, sagte Kara. �Angella hat mir nie etwas davon erz�hlt.� Nach einer Pause f�gte sie leise hinzu: �Sie hat mir �berhaupt eine Menge nicht erz�hlt.�</p><p>Kara rechnete mit energischem Widerspruch, aber Aires sah sie nur stumm an und nickte. �Ich wei�. Ich habe mehrmals versucht, mit ihr dar�ber zu reden, aber es war sinnlos. Sie glaubte, noch ein wenig Zeit zu haben. Sie sagte, sie wollte dich nicht mit all diesen Dingen belasten, solange es nicht sein mu�. Ich habe sie gewarnt, aber sie wollte nicht h�ren. Sie war wohl schon ein bi�chen wunderlich.� Die Magierin lachte hell auf, als sie den strafenden Blick registrierte, mit dem Kara diese Bemerkung quittierte. �Ich darf das sagen. Ich war ihre beste Freundin.�</p><p>�Ich wei�. Du... du verkraftest ihren Tod ganz gut, nicht wahr?�</p><p>Aires schaute sie auf eine sonderbare Weise an, fast als suche sie nach einem Vorwurf in diesen Worten. Dann zuckte sie mit den Schultern. �Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Angella h�tte jedenfalls nicht gewollt, da� ich mir das Haar rasiere und mich kasteie, um sie zu betrauern. Trauer ist eine leise, sehr heimliche Angelegenheit, wei�t du? Man mu� sie nicht vor sich hertragen, damit sie echt wird.�</p><p>�Verzeihung�, murmelte Kara. �So... so habe ich das nicht gemeint.�</p><p>�Ich wei�.� Aires l�chelte milde. �Aber ich habe schon lange auf eine Gelegenheit gewartet, dir das zu sagen.�</p><p>Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her, dann nur um �berhaupt etwas zu sagen � bat Kara: �Erz�hl mir mehr von G�a, Aires.�</p><p>�Was k�nnte ich erz�hlen, was du noch nicht wei�t?� fragte die Magierin.</p><p>�Ich werde es dir sagen, nachdem du es mir erz�hlt hast.�</p><p>Aires blickte sie einen Atemzug lang verbl�fft an, aber dann lachte sie. �Du lernst wirklich schnell, mein Kompliment. Du bist schon beinahe so spitzfindig, wie Angella es war.� Sie machte eine kleine Pause. �Es gibt nicht viel, was ich dir �ber G�a erz�hlen k�nnte, weil ich selbst nicht viel �ber sie wei�. Niemand wei� viel �ber sie. Und das, was wir wissen, sind nur Vermutungen, die richtig sein k�nnen, aber auch falsch. Interessiert es dich, was ich vermute?�</p><p>Kara nickte.</p><p>�Soviel wir wissen�, begann Aires, �bedeckte G�a den Boden des gesamten <emphasis>Schlundes.</emphasis> Wenn das stimmt, dann ist sie das gr��te lebende Wesen, das es jemals auf dieser Welt gegeben hat. Ich wei� nicht, ob sie Pflanze oder Tier ist. Manche glauben, sie w�re eine Art riesiges, denkendes Pilzgeflecht, das diesen ganzen Planeten umspannt, aber ich pers�nlich glaube, da� sie etwas ganz anderes ist, eine eigene Lebensform, die nichts mit anderen zu tun hat � au�er vielleicht, da� sie r�cksichtslos alles absorbiert, worauf sie st��t.�</p><p>�Aber es hei�t, von G�a verschlungen zu werden, bedeute nicht den Tod, sondern das ewige Leben.�</p><p>�Ich wei�.� Aires seufzte. Ihr Gesicht verdunkelte sich. �Wenn man es als ewiges Leben betrachtet, von einem gigantischen Protoplasmaklumpen aufgesogen und zu einem Teil eines riesigen �berbewu�tseins zu werden. <emphasis>Meine</emphasis> Vorstellungen vom Paradies sehen anders aus. Hast du von dieser neuen Torheit geh�rt, die in den �stlichen L�ndern um sich greift?�</p><p>Kara verneinte. �Irgendeine verr�ckte Sekte�, berichtete Aires. �Sie glauben, da� Gott in G�a einen K�rper gefunden hat, und sehen ihr h�chstes Gl�ck darin, zu einem Teil G�as zu werden.�</p><p>Kara ri� erstaunt die Augen auf, und Aires nickte bekr�ftigend. �Sie haben irgendwie einen Weg in den <emphasis>Schlund</emphasis> gefunden, und nun pilgern sie einmal im Jahr wie die Lemminge hinunter, um sich G�a zu opfern. Zumindest diejenigen, die nicht auf dem Weg durch den Dschungel von Raubtieren gefressen werden oder sich zu Tode st�rzen.�</p><p>�Hat denn nie jemand versucht, mit ihr zu reden?� fragte Kara.</p><p>�Mit G�a?� Aires zog verbl�fft die Augenbrauen in die H�he. �Manche behaupten, sie h�tten es getan, aber ich glaube, da� sie entweder l�gen oder einfach verr�ckt sind. Man kann mit einem solchen Gesch�pf nicht reden. Es gibt keine gemeinsame Basis.�</p><p>�Das klingt ja fast, als h�ttest du Angst vor ihr?�</p><p>�Das habe ich�, gab Aires unumwunden zu.</p><p>�Aber warum? Sie ist unsere Verb�ndete! Sie hat Jandhis Reiterinnen und die Ameisenk�nigin vernichtet, und sie erlaubt uns, in diesem Berg zu leben und sogar St�dte im <emphasis>Schlund</emphasis> zu bauen.�</p><p>�Sie hat Tally und Angella benutzt, um die K�nigin zu vernichten�, verbesserte sie Aires. �Sie waren seit Urzeiten Feinde. <emphasis>Unser,</emphasis> Krieg mit ihnen hat G�a niemals interessiert, Kara. Sie hat unsere Feinde vernichtet, aber nur aus dem einen Grund, weil sie auch ihre Feinde waren. Und sie gestattet uns, an Orten zu leben, die f�r sie nicht n�tzlich oder nicht zu erreichen sind.�</p><p>Die Magierin runzelte die Stirn. �Was passiert, wenn sie es nur tut, um uns zu studieren? Was, wenn sie eines Tages lernt, den <emphasis>Schlund</emphasis> zu verlassen und auch unsere Welt beansprucht?�</p><p>Kara erschrak bei Aires� Worten. �Das... das ist eine entsetzliche Vorstellung�, sagte sie z�gernd. �Du hast niemals dar�ber geredet.�</p><p>�Weil es nur Unruhe stiften w�rde�, entgegnete Aires. �Seit dem Krieg gegen Jandhi gilt G�a als unsere Verb�ndete. Die gro�e Urmutter Erde, in deren Scho� wir alle sicher und geborgen sind, nicht wahr? Vielleicht fri�t sie uns eines Tages mit Haut und Haaren auf.�</p><p>�Das meinst du nicht ernst!� sagte Kara erschrocken.</p><p>Aires z�gerte einen Moment. Sie verzog das Gesicht. Dann zwang sie sich zu einem L�cheln. �Nein�, sagte sie. �Eigentlich nicht. Ich glaube nicht, da� man G�as Beweggr�nde mit menschlicher Logik nachvollziehen kann. Aber ich glaube auch nicht, da� sie unser Freund ist. Wir sind ihr bestenfalls gleichg�ltig.�</p><p>Sie hatten das Ende der langen Treppe erreicht, und Kara war pl�tzlich froh, als Aires ihr eines der kleinen, fensterlosen Zimmer zuwies und ihr riet, bis zum Abend noch einige Stunden zu schlafen.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>Das Bett, das beinahe die gesamte Einrichtung der Kammer darstellte, war hart und unbequem, und die Luft war schlecht. Trotzdem schlief Kara bereits nach wenigen Augenblicken ein. Sie erwachte nach Stunden erquickt und ohne jede Erinnerung an einen Alptraum.</p><p>Auf dem Weg in den Versammlungsraum traf sie auf Tess, Silvy sowie die beiden Drachenreiter Zen und Maran. Die vier hatten auf sie gewartet; offensichtlich aber waren sie schon �ber das Wichtigste informiert worden. Was also wollten sie von ihr? Kara beschlich ein ungutes Gef�hl.</p><p>Maran kam ihr mit einem breiten L�cheln entgegen und schlo� sie in die Arme. Er war ein junger Mann mit dunklem Haar, der eine Handbreit gr��er war als Kara. Auf seinen Wangen zeigte sich der erste zaghafte Bartwuchs, und er kultivierte sorgsam eine �bertrieben galante, extrovertierte Art des Auftretens, die eigentlich gar nicht seinem Charakter entsprach. Wahrscheinlich wollte er Storm damit nachahmen, den er wie die meisten jungen M�nner im Hort bewunderte.</p><p>�Kara!� begr��te er sie. �Tess hat uns erz�hlt, da� du gekommen bist. Warum hast du Hrhon nicht mitgebrachtl�</p><p>Kara l�ste sich mit sanfter Gewalt aus seinem Griff und trat einen Schritt zur�ck. �Du wei�t genau, da� sich Hrhon lieber Arme und Beine ausrei�en lassen w�rde, ehe er auf den R�cken eines Drachen steigt�, sagte sie.</p><p>Maran lachte, aber sein Lachen klang gezwungen. Er hatte etwas auf dem Herzen. �Was ist mit euch?� fragte Kara. �Los, raus mit der Sprache.�</p><p>�Was... meinst du?� fragte Maran z�gernd.</p><p>�Ihr vier habt mir doch hier nicht aufgelauert, um mir guten Tag zu sagen. Ihr wollt irgend etwas von mir, nicht wahr? Also macht es nicht so spannend und r�ckt schon raus mit der Sprache.�</p><p>Marans Miene verd�sterte sich. �Zen und ich sind gerade zur�ckgekommen. Wir haben mit Aires gesprochen. Sie hat uns erz�hlt, was passiert ist, und sie...�</p><p>�Ja?�</p><p>�Sie hat uns befohlen, zum Hort zur�ckzukehren.�</p><p>Kara war f�r einen Moment �berrascht, nicht einmal so sehr �ber Aires� Befehl, sondern eher �ber den Umstand, da� sie ihn erteilt hatte, ohne vorher mit ihr dar�ber zu reden.</p><p>Trotzdem zuckte sie nur mit den Schultern und fragte: �Und? Was soll ich nun tun?�</p><p>�Wir wollen nicht nach Hause fliegen, w�hrend ihr gegen den Feind zieht�, sagte Maran ernst. �Wir haben ein Recht...�</p><p>�... euch umbringen zu lassen?� fiel ihm Kara ins Wort. �Wir sind Krieger, genau wie du und die anderen�, sagte Tess. �Ein paar von denen, die ihr mitgebracht habt, sind auch nicht �lter als wir. Wieso schickt Aires uns zur�ck und bringt sie mit hierher?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete Kara � was nicht ganz der Wahrheit entsprach. Sie glaubte, die Antwort zumindest zu ahnen. �Aber es ist auch nicht meine Entscheidung. Ich werde mit Aires reden und sie fragen. Aber wenn sie euch befiehlt zur�ckzufliegen, so nehme ich an, da� sie ihre Gr�nde daf�r hat.�</p><p>�Sie fragen?� sagte Maran. �Wer ist Angellas Nachfolgerin du oder sie?� Der junge Drachenk�mpfer wu�te im gleichen Moment, als er die Worte aussprach, da� er einen Fehler begangen hatte.</p><p>Aber Kara fuhr nicht auf, sondern blickte Maran nur einen Moment lang betroffen an, ehe sie sich mit einem Ruck umwandte und weiterging, ohne noch ein einziges Wort zu sagen. Auch die anderen schwiegen, aber Kara konnte ihre Blicke wie die Ber�hrung brennender H�nde im R�cken f�hlen. Pl�tzlich war ihr zum Heulen zumute. Sie versp�rte eine Mischung aus Schmerz, Wut und Entt�uschung, die ihre H�nde zum Zittern brachte. Ihr besonderes Verh�ltnis zu Angella hatte es mit sich gebracht, da� sie niemals wirklich zu der Gemeinschaft der anderen geh�rt hatte. Dieses kurze Gespr�ch hatte ihr wieder einmal vor Augen gef�hrt, wie tief die Kluft war, die zwischen ihr und den anderen klaffte.</p><p>Kara wu�te im Grunde sehr wohl, warum Aires die vier jungen K�mpfer so schnell wie m�glich zum Hort zur�ckschicken wollte. Es war der gleiche Grund, aus dem Angella ihnen erlaubt und Kara verboten hatte, hierherzukommen. Sie waren einfach nicht gut genug. Die regelm��igen Expeditionen �ber die Grenze hinaus, die der Drachenfels bildete, waren vielleicht nicht �berfl�ssig, aber im Grunde nicht viel mehr als eine Mutprobe gewesen, die kein gro�es Risiko beinhaltete.</p><p>Kara zwang sich zur Ruhe, als sie die gro�e Versammlungshalle unter dem Gipfel des Berges erreichte. Der riesige, asymmetrisch geformte Raum war einst die Kommandozentrale der gef�rchteten Drachent�chter gewesen, das elektronische Gehirn, von dem aus sie ihr Terrorregime aufrechterhalten hatte. W�nde und Decke waren mit Bildschirmen, Computern und tausend anderen unverst�ndlichen Ger�ten bedeckt, die allesamt abgeschaltet waren, aber noch immer funktionierten, wie Kara sehr wohl wu�te. Die gesamte der T�r gegen�berliegende Wand wurde von einem einzigen, gewaltigen Bildschirm eingenommen, der ebenfalls blind und grau war. Wie jedes technische Ger�t war er vor f�nfundzwanzig Jahren das letztemal benutzt worden.</p><p>Aires warf ihr einen mi�billigenden Blick zu, denn mit Ausnahme der vier jungen Drachenreiter, die dicht hinter ihr den Raum betraten, war Kara die letzte. Alle anderen hatten bereits um den gewaltigen Tisch in der Mitte des Raumes Platz genommen. Kara schenkte der Magierin ein rasches, verzeihungheischendes L�cheln, steuerte den freien Platz am Kopfende der Tafel an und setzte sich. Sie wartete, bis auch Maran und die drei anderen Platz genommen hatten, dann gab sie Aires ein Zeichen zu beginnen.</p><p>Die Magierin erhob sich, r�usperte sich umst�ndlich und warf einen langen Blick in die Runde. Dann begann sie ohne weitere Umschweife zu erz�hlen, warum sie gekommen waren. �Ihr seht also�, sagte sie schlie�lich, �da� unser Besuch kein gew�hnliches Unternehmen ist. Morgen in aller Fr�he werden Kara, ich selbst und die H�lfte der Drachen zu der Siedlung zweihundert Meilen �stlich von hier fliegen, um dort mit einigen Leuten zu sprechen. Dar�ber hinaus aber interessieren mich alle au�ergew�hnlichen Dinge, die hier in den letzten Wochen oder Monaten vorgefallen sind. Verhalten sich die Tiere irgendwie ungew�hnlich... hat sich irgend etwas im Dschungel ver�ndert? Gab es ungew�hnliche Wetterverh�ltnisse... alles eben.�</p><p>�Verzeiht, Aires�, sagte Petar, einer der zehn M�nner, die die st�ndige Besatzung des Drachenfelsens bildeten. �Aber wie k�nnen wir diese Fragen beantworten? Ich meine... da wir kaum wissen, was hier <emphasis>normal</emphasis> ist, wie sollten uns irgendwelche Ver�nderungen auffallen?�</p><p>Aires seufzte. �Ich bin mir des Problems durchaus bewu�t, Petar�, sagte sie. �Dennoch bitte ich euch dar�ber nachzudenken. Der Mann, mit dem ich vor zwei Wochen sprach, berichtete zum Beispiel, da� die Zahl der Raubtiere in der N�he der Siedlung seit Monaten zunimmt.�</p><p>�Vielleicht sind sie auf den Geschmack gekommen?� witzelte Zen.</p><p>Kara warf ihm einen �rgerlichen Blick zu, und Zen verteidigte sich, allerdings in Aires� Richtung gewandt: �Wir reden �ber einen Feind, der wahrscheinlich von jenseits des <emphasis>Schlundes</emphasis> kommt und offenbar �ber die Technik der Alten Welt verf�gt. Was sollte das Verhalten irgendwelcher Tiere damit zu tun haben?�</p><p>�Wir reden �ber einen Feind, �ber den wir so gut wie gar nichts wissen�, verbesserte Aires ihn sanft. �Und so lange man <emphasis>nichts</emphasis> �ber einen Feind wei�, tut man gut daran, ihm <emphasis>alles</emphasis> zuzutrauen.�</p><p>�Sehen Cord und Storm die Sache auch so?� fragte Maran herausfordernd. �Wenn ja, dann frage ich mich, warum sie beide nicht hier sind.�</p><p>�Storm ist zur�ckgeblieben, um den Drachenhort zu leiten, solange Kara und ich fort sind�, antwortete Aires.</p><p>�Und Cord jagt Libellen�, f�gte Kara am�siert hinzu.</p><p>Aires blickte sie strafend an. Einige der anderen lachten, die �brigen runzelten entweder die Stirn oder sahen einfach nur verwirrt aus. Nur Maran fuhr sichtlich zusammen und wiederholte: �Libellen?�</p><p>�Zwanzig Meter gro�e Libellen�, best�tigte Kara l�chelnd. �Warum fragst du? Hast du welche gesehen?�</p><p>�Ja�, sagte Maran.</p><p>Es wurde sehr still. Pl�tzlich starrten alle den jungen Drachenk�mpfer an.</p><p>�Erz�hle�, sagte Aires. Ihre Stimme klang sehr ernst.</p><p>Maran war anzusehen, da� es ihm nicht behagte, von allem so angestarrt zu werden. �Es... es war gestern nachmittag�, berichtete er. �Sie waren sicher keine zwanzig Meter gro�, aber sie waren <emphasis>gro�.</emphasis> Ich bin nicht einmal sicher, ob es wirklich Libellen waren. Zen hat sie auch gesehen.� Er warf dem anderen Drachenk�mpfer einen flehenden Blick zu. Zen nickte.</p><p>Kara sah die beiden scharf an. Einen Moment lang �berlegte sie, ob Maran diese Geschichte vielleicht nur erfand, um nicht zur�ckgeschickt zu werden, sie verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Maran war vielleicht ein Angeber, aber er war nicht dumm.</p><p>�Wie sahen sie aus?� fragte Aires. �Wie viele waren es?�</p><p>�Drei oder vier�, sagte Maran. �Sie waren sehr weit entfernt und... fast sofort wieder verschwunden. Wir haben auch nicht besonders auf sie geachtet. Wir hielten sie f�r Tiere. Es gibt alle m�glichen Ungeheuer in dieser Gegend.�</p><p>�Und wo genau waren sie?�</p><p>�Nicht weit von der Siedlung entfernt�, antwortete Maran. �Zen und ich haben noch �berlegt, ob wir hinfliegen und die Leute warnen sollten.�</p><p>�Habt ihr es getan?�</p><p>Maran verneinte.</p><p>�Das ist schade�, sagte Aires. �Es w�re interessant zu erfahren gewesen, ob man sie dort auch gesehen hat.�</p><p>�Das k�nnen wir morgen nachholen�, sagte Kara. Sie blickte Maran an, �berlegte einen Moment, dann deutete sie auf ihn und Zen. �Ihr beide solltet uns begleiten, um uns den genauen Ort zu zeigen, an dem ihr die Libellen gesehen habt.�</p><p>Aires� Blick machte deutlich, da� sie sehr wohl wu�te, warum Kara diesen Vorschlag in Wahrheit unterbreitete. Aber sie wirkte eher am�siert als ver�rgert. �Wie Ihr befehlt, Kara�, sagte sie sp�ttisch. �Obwohl...�</p><p>Die T�r wurde mit solcher Kraft aufgesto�en, da� sie mit einem lauten Knall gegen die Wand flog, und eine v�llig atemlose Gestalt im matten Silberschwarz der Drachenk�mpfer stolperte herein.</p><p>�Die Drachen�, stie� sie hervor. �Sie verlassen den Berg! Sie fliehen! �</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis> Aires fuhr herum. Einige der anderen sprangen erschrocken von ihren St�hlen.</p><p>Kara st�rmte zur T�r und hastete an dem v�llig fassungslosen Drachenk�mpfer vorbei. Hinter ihr entstand ein Tumult, als auch einige andere ihr folgen wollten. Aires rief ihr in befehlendem Tonfall nach, zur�ckzukommen, aber sie konnte diesem Befehl nat�rlich nicht gehorchen. Die Drachen! Markor! Markor war in Gefahr!</p><p>Sie erreichte die Treppe und lief die ausgetretenen Stufen so schnell hinunter, da� sie mehrmals ausglitt und sich mit ausgestreckten Armen an der Wand abfangen mu�te, um nicht zu st�rzen.</p><p>Dann st�rmte sie atemlos den langen Korridor entlang, und noch ehe sie an die Treppe gelangte, h�rte sie das Br�llen eines Drachen, so laut und zornig und voller Angst, wie sie es noch nie zuvor vernommen hatte. Das Ger�usch lie� sie ihre Schritte noch mehr beschleunigen. Sie rannte nicht mehr � sie <emphasis>flog</emphasis> die Treppe regelrecht nach unten.</p><p>Bis sie die drei letzten Stufen erreicht hatte. Dann prallte sie so entsetzt zur�ck, da� sie beinahe das Gleichgewicht verloren h�tte.</p><p>Kara wu�te nicht, was es war, aber es sah entsetzlich aus. Im schwachen Licht der gewaltigen H�hle hatte sie das Gef�hl, der gesamte Boden w�re zu einer widerw�rtigen Art Leben erwacht. Etwas Wei�es schl�ngelte sich kniehoch auf dem Boden; wie Nester wei�er, ekelerregender W�rmer, die Strudel und Wellen und mannslange Str�nge bildeten.</p><p>Das Drachengebr�ll erscholl erneut, so nahe und laut, da� Kara schmerzhaft das Gesicht verzog. Sie sah auf � und unterdr�ckte nur noch mit M�he einen Entsetzensschrei.</p><p>Nicht alle Drachen hatten die H�hle verlassen. Zwei Tiere waren zur�ckgeblieben � aber nicht freiwillig. Sie steckten in der gleichen, furchtbaren Masse, die den Boden bedeckte, und obwohl Kara wu�te, �ber welch unvorstellbare K�rperkr�fte die gigantischen Tiere verf�gten, gelang es ihnen nicht, sich zu befreien. Eines der Tiere war auf die Seite gefallen und lie� nur noch ein leises, fast wie ein St�hnen klingendes Grollen h�ren. Das andere stand auf die Hinterl�ufe aufgerichtet da, schlug wie besessen mit den Fl�geln und schrie, da� Karas Ohren dr�hnten. Seine rasiermesserscharfen Krallen zerfetzten die Luft, und seine schnappenden Kiefer bissen nach einem Gegner, der ihm offensichtlich furchtbare Schmerzen zuf�gte, ohne da� es ihn auch nur sehen konnte.</p><p>�G�a�, fl�sterte eine Stimme hinter ihr. �Mein Gott � das ist G�a.� Kara wandte den Blick und sah, da� es Aires war, die diese Worte hervorgesto�en hatte. Sie und die anderen hatten das Ende der Treppe erreicht, ohne da� Kara es bemerkt hatte.</p><p>�G�a?� Voller Entsetzen wandte sich Kara wieder um und sah dem Todeskampf des Drachen zu. Die wei�liche, widerw�rtige Masse h�llte den Drachen immer mehr ein. Ein zischelndes Prasseln erklang, ein Laut, als liefen Milliarden von Ameisen �ber eine riesige Glasscheibe. Die Bewegungen des Tieres wurden bereits langsamer, es br�llte noch immer, aber seine Schreie klangen nur noch gequ�lt.</p><p>Pl�tzlich gellte hinter Kara ein anderer, spitzer Schrei auf. Sie sah, wie einer der jungen Drachenk�mpfer nach vorn zu st�rzen versuchte. �Aldar!� schrie er mit �berschnappender Stimme. �Das ist Aldar! So helft ihm doch!�</p><p>�Haltet ihn fest!� befahl Aires. �Du kannst ihm nicht mehr helfen.�</p><p>Drei, vier M�nner packten den Tobenden, aber selbst sie mu�ten ihre gesamte Kraft aufbieten, um ihn zu b�ndigen. Kara blickte wieder zu dem Drachen hin�ber.</p><p>Aires hatte recht � es ging zu Ende. Der Drache stand noch immer hoch aufgerichtet da, aber er bewegte sich kaum noch. Das Geflecht aus wei�en F�den hatte seine Fl�gel erreicht und begann sich so schnell und lautlos darauf auszubreiten wie ein Tintenfleck auf einem Bogen L�schpapier. Der K�rper des Drachen schien von innen heraus seinen Halt zu verlieren. Der Schweif, der Hinterleib und die m�chtigen L�ufe flossen langsam in die wimmelnde Masse hinein, die den Boden bedeckte; eine bizarre Riesenskulptur aus Wachs, die in der Sonne schmolz.</p><p>Der Anblick war so entsetzlich, da� Kara nicht einmal merkte, in welcher Gefahr sie sich selbst befand, bis eine Hand ihre Schulter ergriff und sie mit einem harten Ruck zur�ckzerrte. �Pa� auf! �</p><p>Kara prallte zur�ck. Ihr Herz machte einen schmerzhaften Sprung, als sie sah, da� die pulsierende Masse die Treppenstufen heraufzuwachsen begann, w�hrend sie dem Todeskampf des Drachen zusah. D�nne, zuckende wei�e F�den krochen �ber die Kante und griffen wie gierige D�monenfinger nach ihren F��en. Mit einem schnellen Schritt wich Kara zwei, drei Stufen zur�ck.</p><p>Der Mann neben ihr hatte weniger Gl�ck. Er bewegte sich ebenso hastig wie sie, stolperte aber und glitt aus. Kara griff hastig zu, aber sie verfehlte die wild rudernden Arme des Mannes. Er st�rzte, prallte schwer auf den steinernen Stufen auf und verschwand bis zu den Knien in der zuckenden Masse.</p><p>Sein Schrei klang beinahe schon unmenschlich.</p><p><emphasis>�Kara! Nein!�</emphasis></p><p>Kara ignorierte Aires� Schrei, st�rzte vor und ergriff die H�nde des Kriegers. Der Mann tobte, b�umte sich auf und zerrte mit aller Kraft, aber G�as Griff lockerte sich um keine Handbreit.</p><p>�Kara! Um Gottes willen � <emphasis>la� los!�</emphasis> schrie Aires.</p><p>Der Krieger warf sich herum. Sein Griff wurde so fest, da� Kara vor Schmerz aufst�hnte. Dann ging eine entsetzliche Ver�nderung mit ihm vor. Seine Glieder verformten sich, bl�hten sich auf, sein Gesicht wurde zu einer verquollenen Grimasse, dann platzten seine Augen, seine Haut; wei�e, feuchte F�den brachen aus dem Inneren seines K�rpers und h�llten ihn ein wie ein lebendiges Spinnennetz. Einen Wimpernschlag, bevor das zuckende Pilzgeflecht Karas Finger ber�hrte, zog sie die Hand zur�ck, und fast im selben Moment zuckte ein bleistiftd�nner, roter Lichtstrahl an Kara vorbei und durchbohrte den Sterbenden. Seine Schreie brachen abrupt ab.</p><p>Kara wich rasch zwei weitere Treppenstufen in die H�he, ehe sie sich entsetzt herumdrehte.</p><p>Aires steckte die Laserpistole ein. �Das war das einzige, was ich noch f�r ihn tun konnte�, sagte sie. �Obwohl ich kaum glaube, da� es ihm noch genutzt hat.� Sie machte eine herrische Geste, als Kara antworten wollte. �Weg hier. Es kommt n�her.�</p><p>Die Stufe, auf der Kara gestanden hatte, war bereits unter einer wimmelnden wei�en Schicht verschwunden, und die ganze gewaltige Masse stieg weiter an, wie ein Kessel voller brodelnder wei�er Lava, der kurz vor der Explosion stand.</p><p>�Weg hier!� sagte Aires noch einmal. �Bevor es uns alle erwischt! �</p><p>R�ckw�rts gehend wichen sie die Treppe hinauf, w�hrend G�a ihnen folgte, langsam, aber mit der unaufhaltsamen Beharrlichkeit einer Naturgewalt. Stufe um Stufe verschwand unter der brodelnden wei�en Masse, wie eine Invasion Milliarden und Abermilliarden wei�er Faulw�rmer, die aus dem Inneren der Erde emporquollen.</p><p>Von der Treppe wichen sie im Laufschritt zur�ck in den Gang. Vor der n�chsten Treppe lie� Aires anhalten und begann mit ruhiger Stimme Befehle zu erteilen. �Verschlie�t alle T�ren! Versucht sie irgendwie zu verbarrikadieren! Es darf nicht der kleinste Spalt offenbleiben. Wir treffen uns im gro�en Saal.�</p><p>�Glaubst du, da� das hilft?� fragte Kara, w�hrend sie neben Aires die n�chste Treppe hinaufhetzte.</p><p>�Nein�, antwortete Aires. �Aber vielleicht h�lt es sie wenigstens auf.�</p><p>�Aber wieso greift sie uns an?� fragte Kara. �Was ist denn nur passiert?�</p><p>�Woher soll ich das wissen?� Aires lachte humorlos. �Vielleicht hat sie geh�rt, was ich vorhin �ber sie gesagt habe?� Sie warf einen Blick �ber die Schulter zur�ck, als f�rchte sie, G�as t�dliche Arme bereits am Ende der Treppe auftauchen zu sehen. Sie erreichten den Versammlungsraum. Aires warf die T�r hinter sich zu, lie� aber einen Mann zur�ck, um nach eventuellen Nachz�glern Ausschau zu halten.</p><p>�Und jetzt?� fragte Kara atemlos. �Was, zum Teufel, tun wir jetzt?�</p><p>�Woher soll ich das wissen, verdammt noch mal? Bin ich der F�hrer des Hortes oder du?� Die Magierin bi� ich auf die Unterlippe. �Entschuldige. Das wollte ich nicht sagen.�</p><p>Kara winkte ab. �Wir sitzen ganz sch�n in der Klemme, wie?�</p><p>�So k�nnte man es ausdr�cken.� Aires� Gesicht verd�sterte sich weiter. �Wenn wir sie nicht aufhalten k�nnen, sind wir verloren. Und dieser verdammte Berg hat mehr L�cher als ein alter K�se!�</p><p>�Wir m�ssen raus hier�, sagte Kara.</p><p>�Eine phantastische Idee�, sagte Aires sp�ttisch. �Du mu�t mir nur noch verraten, wie unsere Abreise aussehen soll. Die Drachen sind weg. Wir sitzen hier fest!� Sie schnaubte. �Wenn ich nur w��te, was �berhaupt los ist. F�nfundzwanzig Jahre Ruhe � und dann <emphasis>das!�</emphasis> Sie sah sich in dem weitl�ufigen, hohen Raum um. Es gab einige T�ren, aber Kara wu�te, da� sie alle keinen Ausweg darstellten. Nur eine T�r f�hrte zu einer schmalen Treppe, �ber die man auf die kleine Plattform der Festung gelangte.</p><p>�Und wenn wir auf die Plattform fl�chten?� fragte Kara. �Vielleicht k�nnen wir die Drachen rufen?�</p><p>Aires dachte einen Moment ernsthaft �ber diesen Vorschlag nach, dann sch�ttelte sie den Kopf. �Zu gef�hrlich�, sagte sie knapp. �Die Plattform ist zu klein, als da� die Drachen dort sicher landen k�nnten. Au�erdem sind sie wahrscheinlich l�ngst fort.� Sie wiederholte ihr entschiedenes Kopfsch�tteln. �Nein. Wir m�ssen sehen, da� wir uns hier irgendwie halten.�</p><p>Kara hatte pl�tzlich das Gef�hl, angestarrt zu werden. Sie wandte sich um und erblickte Maran und Zen, die zusammen mit Silvy und Tess nur ein paar Schritte entfernt standen. Sie waren bleich vor Schrecken. F�r einen Moment fragte Kara sich, ob man es ihr ansah, da� sie einfach hilflos vor der Magierin stand und verzweifelt darauf wartete, da� ihr jemand sagte, was zu tun war. Erblickte sie Spott in Marans Augen? Im gleichen Moment versp�rte sie Zorn auf sich selbst. Was f�r ein t�richter Gedanke!</p><p>Nach und nach kehrten die anderen zur�ck. Aires wandte sich an den letzten Mann, der hereinkam. �Wie sieht es aus?�</p><p>�Es ist zwecklos�, antwortete der Krieger. �Das Zeug ist wie Wasser. Es dringt durch den kleinsten Spalt. An manchen Stellen sogar durch den Fels.�</p><p>�Dann m�ssen wir versuchen, uns hier irgendwie zu verbarrikadieren.� Die Magierin warf einen Blick in die Runde. �Sind alle hier?�</p><p>�Demec fehlt�, sagte Maran.</p><p>Der an der T�r postierte Krieger sch�ttelte m�de den Kopf. �Er kommt nicht mehr. Sie hat ihn erwischt.�</p><p>�Zwei.� Aires schlo� f�r einen Moment die Augen. �Und es hat noch nicht einmal richtig angefangen.� Sie trat einen Schritt zur�ck, musterte die T�r und gab Kara dann ein Zeichen, beiseite zu treten. Es war eine sehr massive T�r aus dicken Eisenplatten. Doch Aires schien sie nicht massiv genug zu sein. Sie zog ihre Laserpistole aus dem G�rtel, stellte den Strahl auf die feinste B�ndelung ein und verschwei�te die T�r sorgf�ltig mit dem Rahmen.</p><p>Kara hustete, als ihr die bei�enden D�mpfe in die Nase stiegen. Heftig wedelte sie mit der Hand vor dem Gesicht herum, machte aber keine Anstalten, zur�ckzuweichen wie die anderen.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� du so eine Waffe hast�, sagte sie hustend.</p><p>Aires steckte den Laser wieder ein. �Manchmal sind sie ganz praktisch�, sage sie, w�hrend sie mi�trauisch ihr Werk be�ugte. �Ich hoffe, das h�lt sie f�r eine Weile auf. Verdammt!� Ihr Blick blieb an den verrosteten Gittern der Klimaanlage h�ngen. �Was ist los?� fragte Kara alarmiert.</p><p>�Die Bel�ftung.� Aires deutete auf die unter der Decke befindlichen L�ftungsgitter. �Sie wird �ber die Luftsch�chte kommen. Versucht sie irgendwie zu verstopfen!�</p><p>Die Krieger bauten aus dem Tisch und einigen St�hlen eine Pyramide, �ber die sie hinaufkletterten und die L�ftungsschlitze so gut es ging verstopften. Kara bezweifelte, da� ihre Bem�hungen Erfolg hatten.</p><p>Doch G�a hatte schon einen anderen Weg in den Versammlungsraum gefunden.</p><p>Eines der jungen M�dchen schrie pl�tzlich auf und deutete auf eine Stelle unweit der T�r, und als Kara hinsah, fuhr auch sie erschrocken zusammen. D�nne wei�e F�den krochen aus einem der Computerpulte hervor. Sie quollen unter den Bildschirmen heraus, drangen aus undichten Schwei�n�hten und durch leere Fassungen. Pl�tzlich begriff Kara, was geschehen war: G�a benutzte die Kabel- und Leitungssch�chte, die die Computeranlage mit anderen Ger�ten im Berg verbanden, um in den hermetisch abgeschlossenen Raum einzudringen.</p><p>�Gro�er Gott�, fl�sterte Kara. �Und jetzt?�</p><p>Aires �berlegte nur eine Sekunde, dann deutete sie mit einer Kopfbewegung auf die T�r, hinter der die Treppe zur Plattform lag. �Versuchen wir es mit deiner Idee.�</p><p>�Und wenn die Drachen wirklich nicht mehr da sind?� fragte Kara. �Dann leben wir wenigstens ein paar Augenblicke l�nger�, antwortete Aires, w�hrend sie bereits herumfuhr und auf die Treppe lief.</p><p>Aires wartete ungeduldig, bis auch der letzte an ihr vor�bergelaufen war, dann verschwei�te sie auch diese T�r sorgf�ltig mit ihrer Drachenwaffe. Vielleicht w�rde es helfen, dachte Kara. Es gab in dem kahlen Treppenschacht weder eine Klimaanlage noch irgendwelche Ger�tschaften, �ber deren Versorgungsleitungen G�a herankriechen konnte. Doch G�a war kein Feind, gegen den man k�mpfen oder vor dem man davonlaufen konnte. Sie konnten ebenso gut gleich aufgeben und ihr Ende erwarten.</p><p>Trotz dieser Gedanken st�rmte Kara hinter Aires die Treppe hinauf. Eiskalter Wind und Dunkelheit schlugen ihnen entgegen, als sie die Plattform erreichten. Sie war noch kleiner, als Kara sie nach Aires� Worten erwartet hatte. Selbst die vierundzwanzig Drachenkrieger fanden kaum Platz auf dem gemauerten Geviert. Unm�glich, da� auch nur einer der Drachen hier niedergehen konnte. Unter ihnen, vielleicht hundert Meter tiefer, erstreckte sich ein ganzes Gewirr von T�rmen und Innenh�fen, jeder einzelne davon gro� genug, um mehreren Drachen Platz zur Landung zu bieten. Einen Moment lang erwog sie ernsthaft die M�glichkeit, an der Au�enseite des Turmes hinabzuklettern; dann erhaschte sie eine wei�liche Bewegung in der Festung, es war, als w�re das schwarze Lavagestein selbst unter ihnen zum Leben erwacht. Kara verschwendete keinen weiteren Gedanken an diesen Fluchtweg.</p><p>Statt dessen richtete sie ihren Blick in den Himmel. Da es bereits d�mmerte, mu�te sie eine Weile suchen, bis sie die Drachen fand; ein Schwarm nachtschwarzer, dreieckiger Schatten, die in einiger Entfernung um den Drachenfels kreisten. Einer von ihnen war Markor. Aber wie sollte sie ihn erreichen? Er war viel zu weit entfernt, als da� Rufen einen Sinn gehabt h�tte. Trotzdem schrie sie ein paarmal Markors Namen. Aires lie� sie eine Weile gew�hren, dann legte sie beinahe sanft die Hand auf ihre Schulter und sch�ttelte den Kopf. �La� es gut sein�, sagte sie. �Die Drachen sind viel zu weit weg. Au�erdem w�rden sie sowieso nicht kommen. Sie f�rchten G�a hundertmal mehr als wir.�</p><p>Kara wollte antworten, aber in diesem Moment gewahrte sie eine Bewegung am Himmel. Einer der Schatten war aus dem Schwarm ausgebrochen, als ob...</p><p><emphasis>Es war keine Einbildung!</emphasis> Es war... �Markor!� schrie Kara noch einmal. �Das ist Markor! Er kommt uns holen!�</p><p>Tats�chlich n�herte sich der Schatten dem Turm so zielstrebig, da� es kein Zufall sein konnte. Kara vermochte nicht zu erkennen, ob es Markor war oder nicht; gegen den Nachthimmel betrachtet sah ein Drache aus wie der andere. Aber es mu�te einfach Markor sein!</p><p>Der Drache kam rasend schnell n�her und begann um den Turm zu kreisen, dicht genug, da� der heulende Sturmwind sie die K�pfe einziehen lie�. Br�llend strich der Drache �ber den Turm hinweg, kam in einer engen Schleife wieder zur�ck und wiederholte sein Man�ver. Schlie�lich versuchte er sogar, mit wild schlagenden Fl�geln in der Luft �ber der Turmplattform stillzustehen; was ihm aber mi�lang. Er taumelte und w�re beinahe abgest�rzt.</p><p>�Was tut er da?� schrie Aires �ber das Heulen des Sturmes hinweg.</p><p>�Er versucht zu landen!� schrie Kara zur�ck. �Versteh doch � er versucht uns zu retten!�</p><p>Aires warf einen gehetzten Blick zur Treppe zur�ck, aber noch war dort alles ruhig. �Vielleicht hast du recht�, murmelte die Magierin. �Wir m�ssen ihm helfen. Aber wie?�</p><p>Kara blickte verzweifelt zu Markor empor. Der Drache hatte seinen Sturz abgefangen und kam wieder n�her. Die Rettung war so nahe! Nicht einmal einen Steinwurf, wenig mehr als ein kurzer Sprung, und...</p><p>Karas Blick blieb auf der steinernen Br�stung h�ngen. Es war kein Plan, nicht einmal eine Idee, sondern nur kompletter Wahnsinn. Aber was hatte sie schon zu verlieren? Wenn sie starb, starb sie ein paar Minuten bevor der Tod sie ohnehin ereilte.</p><p>Mit einem Satz sprang sie auf die Brustwehr hinauf, hob die H�nde in die H�he und fixierte den n�herkommenden Drachen. Markor flog so langsam, wie er nur konnte. Wenn es ihr gelang, mit einem Sprung seine ausgestreckten Krallen zu erreichen, hatte sie eine Chance. Aber wenn sie daneben griff oder einen Wimpernschlag zu fr�h oder zu sp�t absprang...</p><p>Sie sp�rte, da� sie den Absprung falsch berechnet hatte, noch w�hrend sie sich abstie�. Sie war zu sp�t, hatte zuviel Kraft in den Sprung gelegt, und Markor flog pl�tzlich in einem v�llig anderen Winkel an, als sie berechnet hatte. Seine riesigen, weit ge�ffneten Klauen trafen sie mit der Wucht von Hammerschl�gen und schleuderten sie im Sprung zu Boden. Da� sie sich beim Sturz nicht schwer verletzte, lag einzig an dem Umstand, da� sie zwischen die anderen fiel und drei oder vier von ihnen mit zu Boden ri�.</p><p>In die Schreie der Krieger mischte sich das Knirschen von zerbrechendem Stein. Einen Augenblick sp�ter begann der ganze Turm unter ihnen zu zittern. Ein riesiger Schatten hockte wie ein �berdimensionaler Rabe auf der Brustwehr und schlug mit den Fl�geln, um das Gleichgewicht zu halten, w�hrend der meterdicke Fels unter seinem Gewicht zu zerbr�ckeln begann. Kara plagte sich auf die F��e; sie war mit einem Satz an der Mauer und begann, an Markors Vorderlauf emporzuklettern. Der Drache schlug immer hektischer mit den Schwingen, um sein Gleichgewicht zu halten, Kara ri� und zerrte an seinen Gliedern, um irgendwie auf seinen R�cken zu gelangen. H�tte ihr nicht die Todesangst zus�tzliche Kr�fte verliehen, h�tte sie es wahrscheinlich nicht geschafft.</p><p>Aber auch so war sie mit ihren Kr�ften v�llig am Ende, als sie endlich den Sattel erreichte und sich am Zaumzeug festklammerte. W�hrend unter ihr vier oder f�nf weitere Gestalten am Leib des Drachen emporzuklettern begannen, bedankte sich Kara im stillen bei allen G�ttern daf�r, da� sie bisher keine Zeit gefunden hatte, Markor das Geschirr abzunehmen.</p><p>Der Drache k�mpfte immer verzweifelter um sein Gleichgewicht; und schlie�lich verlor er diesen Kampf. Karas Herz machte einen erschrockenen Sprung, als Markor mit lautem Gebr�ll nach hinten kippte. Der Drache taumelte, begann zu st�rzen und brachte es irgendwie fertig, seinen Sturz nicht nur im letzten Moment abzufangen, sondern auch keinen seiner Passagiere abzuwerfen. Mit weit ausgebreiteten Schwingen scho� er vom Berg fort, mehr gleitend als fliegend. Auf diese Weise kam er zwar den Wipfeln des Dschungels gef�hrlich nahe, erm�glichte es dem halben Dutzend Krieger aber, sich vollends auf seinen R�cken emporzuziehen. Erst im allerletzten Moment, als Kara schon f�rchtete, ihr Flug w�rde in einer splitternden Bruchlandung im Dach des Dschungels enden, bewegte Markor mit einem kraftvollen Schlag die Fl�gel und gewann wieder an H�he. Dann zog er eine enge Schleife �ber dem Dschungel und nahm erneut Kurs auf den Drachenfels.</p><p>Kara fragte sich schaudernd, was sie tun sollte. Ganz davon abgesehen, da� Markor mit sechs Reitern auf dem R�cken sein Kunstst�ck kaum w�rde wiederholen k�nnen, vermochte nicht einmal der riesige Drache das Gewicht von fast drei�ig Menschen zu tragen.</p><p>Ein gewaltiger Schatten glitt �ber sie hinweg, und dann spielte sich vor Karas ungl�ubig aufgerissenen Augen ein Schauspiel ab, das beinahe noch unglaublicher war als Markors phantastische Rettungsaktion: ein zweiter Drache glitt heran, kreiste zweimal um den Turm und wiederholte das Man�ver, das Markor ihm vorgemacht hatte! Auch er konnte sich nicht lange in der Schwebe halten; aber die Zeit reichte, drei weiteren Kriegern die Flucht vom Drachenfels zu erm�glichen. Und nach ihm folgte ein weiterer Drache. Dann noch einer. Kara zweifelte fast an ihrem Verstand, obwohl sie genau sah, was vorging. Hatte sie sich wirklich jemals im Ernst gefragt, ob Drachen mehr als dressierte Tiere waren?</p><p>Nicht alle Drachen schafften es. Eines der Tiere flog zu schnell und im falschen Winkel an, so da� es mit voller Wucht gegen die Mauerbr�stung prallte und in einem Hagel aus Tr�mmern in die Tiefe st�rzte, wobei es drei oder vier der Gestalten mit sich ri�, die bereitgestanden hatten, sich an seine L�ufe zu klammern.</p><p>Den letzten Drachen schlie�lich, auf den schon ein halbes Dutzend M�nner und Frauen geklettert waren, holte sich G�a. Kara war zu weit entfernt, um Einzelheiten auszumachen. Sie hatte den Eindruck einer raschen, zupackenden Bewegung, als schnappe der ganze Turm wie ein riesenhaftes Maul nach dem Drachen und ihren Kameraden, und pl�tzlich verwandelte sich das halbe Dutzend Gestalten in eine Versammlung kreischender, zappelnder Marionetten, die am Ende unsichtbarer F�den einen irrsinnigen Veitstanz auff�hrten. Im gleichen Augenblick begann auch der Drache zu toben. Wie von Sinnen schlug er mit den Fl�geln, br�llte und b�umte sich auf, da� der gesamte Berg zu beben schien. Aber es gelang ihm nicht, sich loszurei�en.</p><p>Markor schrie voller Zorn auf, warf sich mit einer ruckhaften Bewegung in der Luft herum und jagte immer schneller werdend auf den Turm zu. Hinter Kara erscholl ein Chor erschrockener Schreie, und Kara selbst, die wu�te, was kommen w�rde, klammerte sich mit aller Gewalt an den Sattel und pre�te die Augen zu, so fest sie nur konnte.</p><p>Trotzdem hatte sie das Gef�hl, geblendet zu werden, und st�hnte vor Schmerz, als Markor den sterbenden Drachen, die Krieger und G�as wimmelnde Arme und H�nde aus allern�chster N�he mit einer Lohe wei�gl�hender, h�llisch hei�er Flammen �berzog.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>Sie waren noch dreiundzwanzig Reiter und siebzehn Drachen, und sie verloren ein weiteres Tier und drei ihrer Kameraden, als sie versuchten, vier oder f�nf Meilen entfernt in den Wipfeln des Dschungels zu landen. Das so massiv erscheinende Bl�tterdach gab unter dem Gewicht des Tieres nach, und als der Drache mit einer erschrockenen Bewegung wieder in die H�he zu gelangen versuchte, schnellte ein zerborstener Ast wie ein Speer in die H�he und schlitzte seine linke Schwinge auf voller L�nge auf. Kara schlo� entsetzt die Augen, als das Tier samt seiner Reiter durch die Baumkronen brach und in der Tiefe verschwand.</p><p>Durch das Schicksal seines Bruders gewarnt, setzte Markor sehr viel vorsichtiger auf dem Bl�tterdach auf. Auch er sank ein St�ck in das gr�ne Dickicht ein, aber nach einem kurzen Moment des Schreckens begriff Kara, da� es sein Gewicht halten w�rde. M�de und zitternd vor Ersch�pfung lie� sie sich von Markors R�cken gleiten und sank auf weiches, leicht klebriges Moos. Sie k�mpfte gegen den Impuls an, einfach die Augen zu schlie�en und einzuschlafen, doch pl�tzlich sp�rte sie das schmerzhafte Ziehen des Rufers in ihren Nacken- und Schultermuskeln.</p><p><emphasis>Kara?</emphasis></p><p>Sie f�hlte sich viel zu m�de, um zu antworten. Aber sie wu�te, da� der Qu�lgeist nicht aufh�ren w�rde. <emphasis>Ja. Ich lebe noch.</emphasis></p><p><emphasis>Wie viele sind bei dir?</emphasis></p><p>Kara zwang sich, den Kopf zu heben und die verschwommenen Schatten in ihrer N�he zu z�hlen. <emphasis>F�nf.</emphasis> Nach einer Sekunde verbesserte sie sich. <emphasis>Nein. Sechs.</emphasis></p><p><emphasis>Gut,</emphasis> signalisierte Aires. <emphasis>Dann schick sie weg. Wir haben mehr Drachen als Reiter.</emphasis></p><p><emphasis>Aber...</emphasis></p><p><emphasis>Die anderen Tiere kommen zur�ck. Sie sind vor G�a geflohen, nicht vor uns. Sieh selbst.</emphasis></p><p>Kara war viel zu m�de, um auch nur den Kopf zu heben.</p><p>Aber sie registrierte auch so die riesigen, dreieckigen Schatten, die sich ihnen aus der Richtung, in der der Drachenfels lag, n�herten. Wahrscheinlich waren die Tiere ebenso ver�ngstigt und hilflos wie ihre Reiter und suchten die N�he der anderen Drachen.</p><p>Da alle die Botschaft des Rufers mitgeh�rt hatten, brauchte Kara Aires� Befehl nicht zu wiederholen. Die Drachenk�mpfer entfernten sich auf der Suche nach ihrem eigenen oder irgendeinem anderen Tier, auf dessen R�cken sie sich zur�ckziehen konnten.</p><p>Lange Zeit sa� Kara einfach nur da und versuchte zu begreifen, was sie mitangesehen hatte. Es gelang ihr nicht. Wenn G�a tats�chlich mit einem Male beschlossen hatte, zu ihrem Feind zu werden, dann war das... unvorstellbar; eine Gefahr, gegen die jeder denkbare andere Feind zu einem Nichts wurde.</p><p>Nach einer Weile sah sie auf. Ihr Blick begegnete dem Markors, und was sie in den riesigen, schwarzen Augen des Drachen las, lie� sie abermals schaudern. Mitgef�hl stand in seinen Augen und eine Intelligenz, die weder menschlich noch animalisch zu nennen war.</p><p>Pl�tzlich tropfte etwas auf ihre Hand. Und als Kara den Arm hob, sah sie, da� es Blut war. Erst dann bemerkte sie die Blutstropfen, die Markors Lefzen bedeckten.</p><p>Es geh�rte nicht viel Phantasie dazu, sich auszumalen, was passiert war. Wie alle ausgewachsenen Drachen war auch Markor in der Lage, Feuer zu speien, und das Drachenfeuer war die m�chtigste und gef�hrlichste Waffe des Hortes. Doch durfte diese Waffe nicht leichtfertig eingesetzt werden. Der gleiche biochemische Proze�, der die Drachen bef�higte, zu lebenden Flammenwerfern zu werden, entzog ihren K�rpern auch Kr�fte und bereitete ihnen erhebliche Schmerzen, weshalb sie diese letzte Waffe nur dann einsetzten, wenn es wirklich keine andere M�glichkeit mehr gab. Offensichtlich war Markor so rasend vor Zorn gewesen, da� er sich in seinem Ha� auf G�a selbst verletzt hatte.</p><p>Kara stand auf, ging auf den Drachen zu und schmiegte sich an seine Flanke. Markor grollte leise. �Ich wei�, du hast Schmerzen�, murmelte sie. �Ich wollte, ich k�nnte dir helfen.�</p><p>Markor bewegte den Kopf, um sie anzusehen, und noch mehr Blut fiel wie roter Regen herab. Karas Augen f�llten sich mit Tr�nen.</p><p>�Wenn dir etwas passiert, Markor�, sagte sie mit zitternder Stimme, �dann vernichte ich sie. Das schw�re ich dir.�</p><p>�Mit solchen Versprechungen w�re ich vorsichtig�, sagte Aires aus dem Dunkel heraus. Kara hatte ihr Kommen nicht bemerkt, war aber trotzdem nicht �berrascht; es war, als h�tte sie die N�he der Magierin gesp�rt. Sie fuhr sich mit dem Handr�cken �ber das Gesicht, um die Tr�nen abzuwischen, und drehte sich herum. Aires war nicht mehr als ein Schatten in der Nacht. Mit einem langen besorgten Blick musterte die Magierin erst sie und dann den Drachen. �Er verliert viel Blut, aber er wird es �berleben�, sagte Aires dann knapp.</p><p>Kara nickte stumm, wich ein St�ck von dem Drachen zur�ck und schmiegte sich sofort wieder an seine Flanke, als Markor unruhig zu knurren begann. Es war kein Zufall. Der Drache wollte sie offenbar in seiner N�he haben.</p><p>Auch Aires war Markors ungew�hnliche Reaktion nicht entgangen. Sie zog �berrascht die Augenbrauen zusammen, sagte aber nichts. �Wie geht es dir?� fragte sie schlie�lich. Kara zuckte die Achseln. �Ich bin nicht verletzt, wenn du das meinst.�</p><p>�Nein�, antwortete Aires. Die Sch�rfe in ihrer Stimme �berraschte Kara. �Das meine ich nicht.� Sie schwieg einen Moment. Als sie weitersprach, klang sie wieder so ruhig wie gewohnt. �Bist du in der Lage, ein vern�nftiges Gespr�ch zu f�hren?�</p><p>Kara war verwirrt. Sie wollte schon ver�rgert auffahren, denn sie konnte sich nicht erinnern, Aires einen Grund f�r diese Frage geliefert zu haben, aber dann nickte sie nur. Sie begriff, da� Aires den langen, gef�hrlichen Weg �ber die Baumwipfel auf sich genommen hatte, weil es etwas zu besprechen gab, das nicht f�r andere Ohren bestimmt war. �Was ist nur geschehen?� fragte sie. �Wieso greift G�a uns an?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete Aires ruhig. �Und im Moment interessiert es mich offen gesagt auch nicht sehr. Wir m�ssen etwas tun, Kara � und zwar sehr schnell. <emphasis>Du</emphasis> mu�t etwas tun.�</p><p>Kara sah sie fragend an.</p><p>�Ich m�chte, da� du zum Hort zur�ckkehrst�, sagte Aires. �Was?�</p><p>�Ich m�chte, da� du zur�ckfliegst und Maran und die anderen jungen Reiter mitnimmst�, best�tigte Aires. �Und zwar gleich. Nicht morgen fr�h, sondern sobald sich die Tiere ein wenig erholt haben.�</p><p>�Aber warum denn?� fragte Kara verst�rt. Sie f�hlte sich hilflos. Aires� Worte st�rzten sie in eine tiefe Verwirrung, denn sie gaben ihr das Gef�hl, f�r irgend etwas bestraft zu werden. Und sie wu�te nicht einmal wof�r. �Ich meine... es ist Nacht. Die Tiere sind ersch�pft, und... warum warten wir nicht wenigstens, bis es hell wird?�</p><p>�Weil es zu gef�hrlich w�re�, sagte Aires bestimmt. �Bildest du dir im Ernst ein, wir w�ren hier sicher? Dieser Dschungel ist voll von Gesch�pfen, die selbst einem Drachen gef�hrlich werden k�nnen. Die jungen Narren �berleben hier keinen halben Tag. Bring sie zur�ck!�</p><p>�Und du?�</p><p>�Ich werde nachkommen�, antwortete Aires.</p><p>�Nachdem du <emphasis>was</emphasis> getan hast?� erkundigte sich Kara.</p><p>�Zum einen werde ich zu der Siedlung im Norden fliegen und die Menschen dort warnen, falls es noch nicht zu sp�t ist. Wenn G�a uns angegriffen hat, dann gibt es keinen Grund, aus dem sie nicht auch sie angreifen sollte.�</p><p>�Wenn sie es tat, dann ist es l�ngst geschehen. Das wei�t du so gut wie ich.�</p><p>Aires schwieg.</p><p>�Ich wei�, warum du zur�ckbleiben willst�, fuhr Kara fort. �Du willst herausfinden, was passiert ist, nicht wahr? Und du wei�t, wie gef�hrlich das ist, und hast Angst, da� ich es dir verbieten k�nnte.�</p><p>�Verbieten?� Aires versuchte sp�ttisch zu klingen, aber es gelang ihr nicht. �Du kannst mir nichts verbieten, Kindchen.�</p><p>�Oh, ich denke doch, da� ich das kann�, erwiderte Kara ruhig. �Cord und Storm und du, ihr habt doch keine Gelegenheit ausgelassen, mir und allen anderen zu versichern, da� ich die einzig m�gliche Nachfolgerin Angellas bin, oder etwa nicht? Da� ich den Hort f�hren und Befehle erteilen und vor allem Verantwortung tragen mu�. War es nicht so?�</p><p>Ihre Worte waren ungerecht, aber das war ihr im Moment v�llig gleichg�ltig. Als Aires keine Anstalten machte, irgend etwas zu antworten, fuhr sie in dem gleichen, herausfordernden Ton fort: �Gut, dann erteile ich dir jetzt einen <emphasis>Befehl,</emphasis> Aires. Ich lasse nicht zu, da� du dich einem solchen Risiko aussetzt. Du hast recht � wir m�ssen diese Menschen warnen, und wir m�ssen herausfinden, warum G�a uns so pl�tzlich angreift. Aber wir werden es gemeinsam tun.�</p><p>Aires� Augen glitzerten wie kaltes Glas. �Leg es nicht auf eine Kraftprobe an, Kleines�, sagte sie mit fremder eisiger Stimme. �Versuche es nicht. Du k�nntest verlieren, wei�t du?�</p><p>�So?� fragte Kara ruhig. F�r Momente fochten ihre Blicke ein stummes Duell; ein Duell, das Kara ganz eindeutig verlor. Ohne ein weiteres Wort aktivierte Kara ihren Rufer.</p><p><emphasis>Kara hier,</emphasis> meldete sie sich und sah, wie Aires zusammenzuckte. <emphasis>Wir rasten eine Stunde, damit die Tiere sich erholen k�nnen. Danach fliegen wir weiter. Wir m�ssen die Stadt im Norden warnen. Und herausfinden, was, zum Teufel, hier �berhaupt vorgeht.</emphasis></p><p>Aires� Gesicht verlor jede Farbe. Ver�rgert machte sie einen Schritt auf Kara zu, und Kara w�re nicht einmal erstaunt gewesen, h�tte sie die Hand gehoben, um sie zu schlagen. <emphasis>Noch etwas,</emphasis> f�gte sie hinzu. <emphasis>Wer verletzt ist oder aus irgendeinem anderen Grund zum Hort zur�ckkehren m�chte, kann das tun.</emphasis></p><p><emphasis>Ich werde es niemandem zum Vorwurf machen.</emphasis></p><p>Aires starrte sie an. Kara war nicht sicher, ob das, was sie in ihren Augen sah, nicht abgrundtiefer Ha� war. �Du verdammte N�rrin�, sagte sie leise. �Du bringst die H�lfte von ihnen um, ist dir das eigentlich klar?�</p><p>�Und wenn ich es nicht tue, bringe ich dich um�, erwiderte Kara. �Ist dir das lieber?�</p><p>�Ein Leben gegen zwanzig?�</p><p>�Ein einziges Leben ist ebenso viel wert wie Hunderte�, antwortete Kara. Sie hob zornig die Hand. �Was soll das? Soll <emphasis>ich</emphasis> dir jetzt erz�hlen, was Angella und du mir mein Leben lang eingepaukt haben?�</p><p>�Offensichtlich waren wir keine guten Lehrer�, sagte Aires. �Denn du hast nichts verstanden.� Sie pre�te die Lippen zusammen und starrte an Kara vorbei ins Leere. �Ich k�nnte dich trotzdem zur�ckschicken, Kara. Mit einem einzigen Wort.�</p><p>�Warum tust du es dann nicht?�</p><p>�Ganz bestimmt nicht um deinetwillen�, fauchte Aires. �Ich werde gehorchen � um das Wohl des Hortes zu wahren. Wir brauchen keinen F�hrer, von dem jedermann wei�, da� er nur von meinen Gnaden herrscht. Aber wir werden dar�ber reden, sobald wir zur�ck sind. Und ich schw�re dir, Kara, du wirst dich f�r jedes Leben rechtfertigen m�ssen, das auf diesem Flug verlorengeht.�</p><p>�Auch f�r jedes, das ich rette?� gab Kara trotzig zur�ck. Aires� Augen funkelten.</p><p>Aber sie sagte nichts mehr, sondern wandte sich wortlos um und ging zu ihrem Drachen zur�ck.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>Der kurze, aber heftige Streit mit der Magierin besch�ftigte Kara die ganze Nacht. Sie war zornig und verunsichert, denn sie war keineswegs davon �berzeugt, da� sie wirklich richtig gehandelt hatte. Nachdem ihre erste Erregung abgeklungen war, hatte sie sich sehr schnell eingestanden, da� Aires sie vermutlich mit wenigen Worten h�tte �berreden k�nnen, in den Hort zur�ckzukehren. F�r gew�hnlich w�re sie auch so vorgegangen, aber statt dessen hatte sie es auf diese sinnlose Machtprobe ankommen lassen.</p><p>Es mu�te lange nach Mitternacht sein, als sie sich der Stadt n�herten. Die knapp zweihundert Seelen z�hlende Ansiedlung, die hier inmitten des <emphasis>Schlundes</emphasis> entstanden war, lag nicht weniger als zweihundert Meter �ber dem Boden, erbaut auf den �sten der gewaltigen B�ume, die aus G�as alles verschlingendem Sumpf hervorwuchsen.</p><p>In die Baumwipfel war eine gewaltige Schneise geschlagen worden, ein riesiger Krater, dessen W�nde aus lebendem Gr�n bestanden, so da� das Sonnenlicht hereinfallen konnte, zugleich aber die gr��eren Raubtiere daran gehindert wurden, sich der Stadt unentdeckt zu n�hern. Der Boden dieses k�nstlichen Kraters gestaltete sich als ein Gewirr unterschiedlich hoher und verschachtelter Ebenen. Hier und da waren die L�cken zwischen den einzelnen �sten durch stabile Br�cken- und Holzkonstruktionen geschlossen worden, aber �berall, wo es nur m�glich war, hatten die Erbauer der Stadt die von der Natur vorgegebenen Bedingungen genutzt. Die meisten H�user waren gar keine H�user, sondern gewaltige �ste, die nur ausgeh�hlt worden waren.</p><p>Eine der gr��ten Gefahren des <emphasis>Schlund-Waldes</emphasis> war die Nacht. Diese gewaltige, aus vielen unterschiedlichen Ebenen bestehende Welt war fast zur G�nze in immerw�hrende Dunkelheit getaucht, denn die Wipfelregion des Dschungels war so dicht, da� das Sonnenlicht selbst an einem wolkenlosen Tag nur wenige Dutzend Meter tief hineindrang, ehe es zu einem gr�ngrauen Schimmer verbla�te und schlie�lich ganz erlosch. Daher hatten sich die meisten Gesch�pfe dem Leben in ewigem Zwielicht angepa�t und f�rchteten den Tag, denn Licht bedeutete f�r die meisten Bewohner dieser Welt nicht Leben, sondern Tod, und also war die wirksamste Verteidigung, die die Stadt besa�, Licht.</p><p>Aber unter ihnen herrschte fast vollkommene Finsternis. Kara lie� drei, vier weitere Kreise �ber der Waldstadt ziehen, ehe sie ganz langsam tiefer ging. Ihre Unruhe wuchs mit jedem Augenblick. Der glei�ende Ring aus Leuchtbakterien, der rings um die Stadt herum die Nacht zum Tage machte, war ebenso verschwunden wie die Unzahl von Leuchtst�ben, die die Stra�en und Br�cken s�umen sollten. Sie sah nur ein einziges, bla�gelbes Licht, das in einem der kleineren H�user brannte. Der Rest der Stadt lag wie tot unter ihr.</p><p><emphasis>Wie</emphasis> tot?</p><p>Nein. Sie <emphasis>war</emphasis> tot, dachte Kara ersch�ttert. Dort unten lebte nichts mehr, doch nicht nur die Stadt, auch der Dschungel ringsum war vollkommen still.</p><p><emphasis>Maran! Tess!</emphasis> befahl sie. <emphasis>Ihr folgt mir. Die anderen halten Abstand. Kommt dem Dschungel nicht zu nahe!</emphasis></p><p>Zwei der gefl�gelten Schatten brachen aus der Formation aus und n�herten sich ihr. Nach einigem Z�gern f�gte Kara hinzu:</p><p><emphasis>Aires? W�rdest du uns begleiten?</emphasis></p><p>Sie erhielt keine Antwort, aber einen Moment sp�ter tauchte ein dritter Drache in den Krater hinab und gesellte sich zu den beiden Tieren, die Markor folgten.</p><p>Unendlich behutsam glitt Kara tiefer. Das Gef�hl, sich in einem gewaltigen Grab zu befinden, wurde immer bedr�ngender, je n�her sie der Stadt kamen. Kara war pl�tzlich sehr sicher, da� dort unten niemand mehr lebte. Aber sie sp�rte auch, da� es nicht G�a war, die diese Stadt ausgel�scht hatte. Kara lie� Markor f�nfmal �ber die gro�e freie Fl�che im Zentrum der Stadt hinweggleiten, die eigens als Landeplatz f�r die gefl�gelten Boten des Hortes erbaut worden war, ehe sie endlich niederging. Ihr Blick suchte sehr aufmerksam den Boden ab, bevor sie vom R�cken des Drachen herunterglitt. Markor bewegte sich mit einem ungeschickt anmutenden Schritt zur Seite, um Platz f�r die drei anderen Tiere zu machen, und Kara sah sich mit klopfendem Herzen um.</p><p>Alles war still. Selbst der Wind schien sich gelegt zu haben. Die Geb�ude, die schon aus der Luft einen sehr verwirrenden Eindruck gemacht hatten, weigerten sich hier am Grund vollends, sich zu irgendeiner Ordnung zusammenzufinden. Die Finsternis schn�rte Kara beinahe die Kehle zu. Maran trat neben sie und dann auch Tess und als letzte Aires. Die Magierin wich Karas Blick aus, aber sie tat es wie zuf�llig und ohne da� die beiden anderen etwas von ihren wahren Beweggr�nden bemerken konnten.</p><p>Schweigend sahen sie sich um. Dunkelheit und Stille waren so bedr�ckend, da� sie alle vier sich sehr behutsam und so leise bewegten, als f�rchteten sie, durch ein zu lautes Ger�usch irgendeine Bedrohung aufzuwecken, die irgendwo unmittelbar in den Schatten dieser Totenstadt lauerte.</p><p>Den ersten Beweis, da� etwas nicht stimmte, fanden sie nach wenigen Schritten. Wie �berall gab es auch am Rande dieses Platzes eine Unzahl von Leuchtst�ben, die f�r gew�hnlich wie ein in hellem Blau leuchtender Zaun die Nacht erleuchteten. Doch sie waren erloschen und dienten als ein nutzloses Hindernis in der Dunkelheit. Kara n�herte sich diesem Zaun, ging vorsichtig in die Hocke und streckte die Hand aus.</p><p>�Fa� sie nicht an!�</p><p>Kara zog erschrocken den Arm wieder zur�ck und blickte Aires an.</p><p>�Fa�t �berhaupt nichts an�, sagte die Magierin ernst. �Ber�hrt so wenig wie m�glich, solange wir nicht wissen, was hier passiert ist.� Sie lie� sich neben Kara auf die Knie sinken � und tat genau das, was sie Kara verboten hatte: Sie l�ste einen der St�be behutsam aus seiner Verankerung und drehte ihn in den H�nden. Erst dann sah Kara, da� sie d�nne, fleischfarbene Handschuhe trug, die fast bis zu den Ellbogen hinaufreichten.</p><p>Aires untersuchte den Stab sorgf�ltig, dann zog sie einen schmalen Dolch aus dem G�rtel und stie� ihn in das Holz. Mit einem kr�ftigen Ruck spaltete sie den Stab und wischte die Spitze ihres Messers sorgsam am Boden ab, ehe sie es wieder einsteckte; zuletzt nahm sie die beiden H�lften des Leuchtstabes in beide H�nde.</p><p>Kara und die beiden anderen konnten nicht viel erkennen: das Innere des Stabes bestand aus m�rbem, von zahllosen Rissen durchzogenem Holz; nichts Ungew�hnliches f�r Leuchtst�be, die von den in ihnen wohnenden Bakterien aufgefressen wurden, um die n�tige Energie f�r die Erzeugung des blauen Lichts zu gewinnen. Aber wo die leuchtenden Schimmelflecken sein sollten, gewahrte Kara nichts als nur eine schmierige, graue Masse. Ein schwacher, aber sehr unangenehmer Geruch drang in die Nase.</p><p>�Tot�, murmelte Aires. �Sie sind tot. Etwas... hat sie umgebracht.�</p><p>Sie sah zu Maran auf. �Ihr wart gestern erst hier?�</p><p>�Nicht direkt�, r�umte Maran ein. �Wir waren vielleicht zwanzig Meilen entfernt. Die St�be haben aber noch geleuchtet.�</p><p>�Bist du sicher? Ihr wart tags�ber hier?�</p><p>�Man sieht sie auch bei Tage�, antwortete Tess an Marans Stelle. �Nachts leuchten sie an die hundert Meilen weit. Ich habe mich schon die ganze Zeit �ber gewundert, wo das Licht geblieben ist.�</p><p>Aires seufzte tief und legte den zerbrochenen Stab aus der Hand. �Das hei�t, sie sind innerhalb eines einzigen Tages gestorben�, murmelte sie. �Alle.�</p><p>�Aber das ist v�llig unm�glich!� sagte Kara.</p><p>Aires l�chelte bitter, stand auf und wandte sich dem n�chstliegenden Haus zu. Mit klopfendem Herzen folgten ihr Kara und die anderen. Kurz bevor sie die T�r erreichten, zog Aires einen kleinen Leuchtstab aus der Jacke und entfernte die Seidenumh�llung. Es dauerte eine Weile, bis der Sauerstoff das Holz weit genug durchtr�nkt hatte, um den biochemischen Verbrennungsproze� im Inneren der Bakterien in Gang zu setzen, dann breitete sich rings um Aires� Arm eine flackernde Kugel aus bla�gr�nem Licht aus.</p><p>Kara st�hnte innerlich auf, als sie durch die T�r traten. Sie hatte geahnt, was sie finden w�rde: Alle Bewohner des Hauses waren tot. Es waren zwei junge M�nner und eine sehr junge und eine sehr alte Frau. Sie lagen nebeneinander auf dem Boden, als h�tten sie in den letzten Sekunden die N�he des anderen gesucht, wie sterbende Tiere, die sich aneinanderdr�ngten. Und es war kein leichter Tod gewesen, der sie ereilt hatte. Ihre Gesichter waren verzerrt und blau angelaufen. Einer der jungen M�nner hatte die H�nde um die Kehle gekrampft, als w�re er erstickt; auf dem Gesicht des anderen bildete eingetrocknetes Blut, das aus Mund, Nase, Ohren und Augen gelaufen war, ein bizarres Muster.</p><p>Sie blieben nur einige Augenblicke, dann ging Aires wieder hinaus, und nicht nur Kara war froh, als das Licht erlosch und sich die Dunkelheit wieder gn�dig �ber die furchtbare Szene senkte.</p><p>Sie betraten noch vier oder f�nf weitere H�user, in denen sich ihnen �berall derselbe, furchtbare Anblick bot: Menschen, die in Gruppen oder einzeln zu Boden gest�rzt waren, als h�tte sie der Tod mit der Schnelligkeit eines Blitzes getroffen. Auch auf den Stra�en lagen Leichen. Allerdings nicht sehr viele. So �berraschend der Tod �ber die Bewohner der Stadt gekommen war, schien er doch den meisten Zeit genug gelassen zu haben, sich in ihre H�user zur�ckzuziehen.</p><p>�G�a?� fragte Maran, nachdem sie einige weitere Leichname untersucht hatten.</p><p>�Nein�, antwortete Aires ernst. Sie blickte auf den Leichnam hinunter, den sie sich zuletzt angeschaut hatte; ein Mann von vielleicht f�nfzig Jahren, der auf den Stufen seines Hauses zusammengebrochen war. �Nach allem, was ich hier sehe, w�rde ich auf Gift tippen oder auf ein rasch wirkendes Gas.�</p><p>Sie richtete sich auf, drehte sich herum und blickte zu dem einzigen Licht hin�ber, das in der Stadt brannte. Sie hatten sich ihm so weit gen�hert, da� Kara erkennen konnte, da� es aus einem schmalen Fenster aus einem der ausgeh�hlten St�mme drang. Das Licht flackerte heftig und war von gelber Farbe. Ein sehr au�ergew�hnliches Ph�nomen. Neben dem sie umgebenden Wald mit all seinen gefr��igen Bewohnern war Feuer der nat�rliche Erzfeind dieser Stadt, die fast v�llig aus Holz erbaut worden war. Es wunderte Kara fast ein bi�chen, da� es hier �berhaupt eine �llampe gab, konnte doch ein einziger Funke zu einer Katastrophe f�hren.</p><p>Sie n�herten sich dem Haus. Aires zog die H�lle wieder �ber ihren Leuchtstab und erstickte das gr�ne kalte Feuer; sie erhob auch keine Einw�nde, als Kara als erste durch die niedrige T�r trat. Ganz schwach h�rten sie Ger�usche aus dem Inneren des Hauses.</p><p>Trotzdem kam ihre Reaktion beinahe zu sp�t.</p><p>Kara sah das Messer von unten auf ihr Gesicht rasen, wich der Klinge im letzten Moment mit einer halben Drehung des Oberk�rpers aus und fegte die Hand beiseite, die sie hielt. Gleichzeitig schlug sie mit aller Gewalt zur�ck.</p><p>Sie erkannte ihren Irrtum einen Augenblick sp�ter. Es gelang ihr nicht mehr, den Schlag vollends zur�ckzuhalten, aber immerhin konnte sie ihm seine t�dliche Wucht nehmen, so da� er das Gesicht des Jungen nicht zerschmetterte, sondern ihn nur von den F��en ri� und gegen die Wand prallen lie�.</p><p>Es war ein dunkelhaariger Junge von allerh�chstens zw�lf Jahren. Au�er ihm hielten sich zwei oder drei Dutzend weiterer Kinder in dem gro�en Raum auf, die meisten wesentlich j�nger als er. Wie auf ein Kommando begannen die S�uglinge loszubr�llen.</p><p>�Ach, du lieber Himmel�, murmelte Tess, die hinter Kara hereingekommen war. Kara war pl�tzlich froh, da� <emphasis>sie</emphasis> die erste gewesen war, denn Tess hatte das Schwert gezogen. W�re sie an Karas Stelle gewesen, dann w�re der Junge jetzt vielleicht tot. �Das hat uns gerade noch gefehlt!�</p><p>Aires warf Tess einen zornigen Blick zu, und auch Kara runzelte �rgerlich die Stirn, obwohl sie Tess im stillen recht geben mu�te. Wortlos wandte sie sich um und ging zu dem Knaben hin�ber, den sie niedergeschlagen hatte. Er hatte das Bewu�tsein nicht verloren, sondern lag mit an den Leib gezogenen Knien auf der Seite und wimmerte leise. Sein Gesicht begann bereits anzuschwellen.</p><p>�Was ist hier geschehen?� fragte Aires laut, aber keines der Kinder antwortete ihr. Die Magierin seufzte, deutete auf eines der �lteren M�dchen und wiederholte die Frage.</p><p>�Sie sind alle tot�, antwortete das M�dchen. �Sie... sie haben sie umgebracht. Sie sind alle tot.�</p><p>�Wer hat sie get�tet, Kind?� frage Aires sanft.</p><p>Die Augen des M�dchens f�llten sich mit Tr�nen. Es begann zu weinen, erz�hlte aber unter heftigem Schluchzen und Keuchen weiter. �Sie sind am Abend gekommen. Direkt... direkt aus der Sonne heraus. Man konnte sie gar nicht sehen.�</p><p>�Wer?� fragte Aires.</p><p>�Es ging ganz schnell�, fuhr das M�dchen schluchzend fort. �Sie waren pl�tzlich da und... und haben grauen Rauch gespuckt. Und dann sind alle krank geworden und gestorben. Sie haben so furchtbar geschrien. Ich... ich wollte helfen, aber ich konnte nichts tun. Meine Eltern und... und mein �lterer Bruder. Sie sind einfach gestorben.�</p><p>�Wer hat sie umgebracht?� fragte Aires ungeduldig. Sie trat auf das M�dchen zu, ergriff es an beiden Schultern und sch�ttelte es. �Versuch dich zu beruhigen, Kind! Es ist wichtig!� Sie sch�ttelte das M�dchen immer heftiger, erreichte damit aber nur, da� es noch st�rker zu weinen begann.</p><p>Kara trat neben sie und l�ste mit sanfter Gewalt ihre H�nde von den Schultern des M�dchens. Aires runzelte leicht ver�rgert die Stirn, war aber auch ein wenig erleichtert, w�hrend Kara sich ein bi�chen verwirrt f�hlte. Sie hatte angenommen, da� die Magierin mehr von Kindern verstand.</p><p>�H�r mir zu, Kleines�, sagte sie, w�hrend sie sich vor dem Kind in die Hocke sinken lie�. �Ich verstehe, da� du Angst hast, und da� du... da� du dich... ganz schrecklich f�hlen mu�t. Aber versuche dich trotzdem zu beruhigen, ja? Wir m�ssen wissen, was hier passiert ist. Du kannst uns vertrauen. Wir sind hier, um euch zu helfen. Niemand wird euch etwas tun, das verspreche ich. Aber du mu�t daf�r auch etwas f�r uns tun. Du mu�t uns sagen, wer deine Eltern und all diese Leute get�tet hat.�</p><p>�Die Libellen.�</p><p>Es war nicht das M�dchen, das antwortete, sondern ein Knabe von vielleicht sieben Jahren. Sein Gesicht war bleich, und seine Augen waren dunkel vor Angst. Aber seine Stimme klang fest und bestimmt. �Es waren die Libellen.�</p><p>Kara und die drei anderen wandten sich dem Jungen zu. Kara schwieg, weil sie annahm, da� Aires den Jungen weiter befragen wollte, aber die Magierin winkte ab. �Libellen?� wiederholte Kara.</p><p>�Vier St�ck�, antwortete der Junge. �Sie waren sehr gro�. Und laut.�</p><p>�Laut!� vergewisserte sich Aires.</p><p>Der Junge nickte. Sein Blick blieb starr auf Kara gerichtet. �Sie haben gebrummt�, sagte er. �Alle sind hinausgelaufen, um sie anzusehen. Und dann kam der graue Staub, und alle wurden krank und sind gestorben. Bis auf uns hier.�</p><p>�Blauer Regen�, murmelte Kara.</p><p>Aires sah sie fragend an.</p><p>�Erinnere dich daran, was Cord uns erz�hlt hat�, sagte Kara. �Blauer Regen � und am n�chsten Morgen war jeder der Erwachsenen tot.� Sie wandte sich wieder dem Jungen zu. �Und du bist sicher, da� es die Libellen waren?�</p><p>�Es waren die Libellen�, beharrte der Junge. �Sie waren gro�. Nicht so gro� wie eure Drachen, aber gro� und laut.�</p><p>�Wann war das?� mischte sich Maran ein.</p><p>�Gestern�, antwortete der Junge. �Eine Stunde, bevor die Sonne untergegangen ist.�</p><p>�Eine Stunde?� Maran trat n�her und sah den Jungen durchdringend an. �Bist du ganz sicher? Nicht eine halbe oder zwei?�</p><p>�Eine Stunde�, beharrte der Junge.</p><p>�Was ist daran so wichtig?� fragte Kara.</p><p>�Weil es dieselben waren, die wir gesehen haben�, antwortete Maran. Sein Gesicht verh�rtete sich. �Ihr versteht nicht, wie? Wir haben sie gesehen, eine Stunde vor Sonnenuntergang. Hier!�</p><p>�Ihr h�ttet nichts tun k�nnen�, sagte Kara. Ihre Worte klangen selbst f�r sie leer und bedeutungslos.</p><p>�Wir haben sie gesehen�, wiederholte Maran. �Wir h�tten es verhindern k�nnen, begreift ihr nicht? Wenn Zen und ich nur einen Moment weitergeflogen w�ren, dann... dann h�tten wir es vielleicht verhindern k�nnen! All diese Menschen w�ren vielleicht noch am Leben.�</p><p>�Oder ihr beiden w�rt genauso tot wie sie�, unterbrach ihn Aires. �Denk lieber dar�ber nach, Maran, was wir mit diesen Kindern machen. Wir m�ssen sie hier wegbringen.�</p><p>�Das ist das kleinste Problem�, sagte Kara. �Wir haben genug Platz auf den Drachen, um sie alle mitzunehmen.� Sie schenkte Aires das herzlichste L�cheln, das sie zustandebrachte. �Wie gut, da� du dich entschieden hast, doch nicht allein hierherzugehen.�</p><p>In Aires� Augen blitzte es �rgerlich auf, aber sie enthielt sich jeden Kommentars.</p><p>�Erz�hl mir von den Libellen�, sagte Kara, wieder an den Jungen gewandt. �Wie haben sie ausgesehen? Was haben sie getan?�</p><p>�Sie waren gro߫, wiederholte der Junge stur. �Und sie hatten Fl�gel. Und gro�e leuchtende Augen. Sie waren sehr hoch. Sie sind �ber der Stadt gekreist, und ihre Fl�gel haben sich gedreht. Ganz schnell.�</p><p>�Gedreht?� Tess runzelte die Stirn. �Der Junge redet wirres Zeug�, sagte sie.</p><p>�Vielleicht�, sagte Kara. �Vielleicht auch nicht. Und steck endlich das Schwert ein. Du brauchst es hier nicht.�</p><p>Tess blickte einen Moment lang stirnrunzelnd auf die Waffe, die sie noch immer in der rechten Hand hielt, dann steckte sie sie mit einer beinahe hastigen Bewegung weg. �Also?� fragte sie. �Was tun wir?�</p><p>�Zuerst k�mmern wir uns um die Kinder hier�, entschied Kara. Sie sah sich einen Moment lang um. �Ich denke, da� f�nf oder sechs Drachen ausreichen m��ten, sie zur�ckzubringen. Die kleineren Kinder k�nnten ein Problem darstellen. Vielleicht m�ssen wir eine Art Traggestell bauen, um...� <emphasis>Kara? Aires?</emphasis></p><p>Die vier Drachenk�mpfer fuhren im gleichen Moment erschrocken zusammen. <emphasis>Ja?</emphasis> signalisierte Kara.</p><p><emphasis>Silvy,</emphasis> antwortete das schmerzhafte Zucken in ihrem Nacken. <emphasis>Irgend etwas kommt auf uns zu. Ich kann nicht erkennen, was es ist. Aber die Drachen werden unruhig.</emphasis></p><p><emphasis>Zieht euch zur�ck,</emphasis> befahl Aires, noch ehe Kara Gelegenheit fand zu antworten. <emphasis>Schnell. Ehe sie euch bemerken.</emphasis></p><p>�Zwei Dutzend Drachen, die sie nicht bemerken sollen?� sagte Maran in zweifelndem Tonfall.</p><p>�Es ist Nacht�, antwortete Aires. �Wenn sie �ber dem Wald kreisen...� Sie zuckte mit den Schultern, dann schlo� sie die Augen, um sich wieder auf ihren Rufer zu konzentrieren. <emphasis>Haltet uns auf dem laufenden. Aber ihr tut nichts, solange wir nicht angegriffen werden oder euch rufen. Verstanden?</emphasis></p><p><emphasis/><emphasis>Verstanden.</emphasis></p><p>Aires �ffnete wieder die Augen. Sie sah sehr m�de aus und sehr alt. Aber nur f�r einen ganz kurzen Moment. Dann kehrte ihre gewohnte Tatkraft wieder zur�ck. �In Ordnung�, sagte sie. �Die Lampe aus. Und seid so still wie m�glich, Kinder.�</p><p>Tats�chlich verstummten die meisten der Kinder innerhalb weniger Augenblicke. Aber keines machte auch nur Anstalten, die �llampe zu l�schen. Kara verstand das sehr gut. Selbst ihr war nicht wohl bei der Vorstellung, in v�lliger Dunkelheit dazusitzen und darauf zu warten, da� irgend etwas Furchtbares geschah.</p><p>Aires� Gedanken schienen in die gleiche Richtung zu gehen, denn sie zog pl�tzlich den Leuchtstab aus der Jacke und entfernte die H�lle. �Keine Angst�, sagte sie, w�hrend sie das leuchtende Holz in die H�he hielt. �Es wird nicht v�llig dunkel. Hier � seht ihr?�</p><p>Ihre Worte wirkten Wunder. Bis auf die ganz kleinen Kinder und S�uglinge beruhigten sich alle endg�ltig. Niemand begann mehr zu weinen, als Aires Tess ein Zeichen gab, die �llampe zu l�schen. Der Raum wurde pl�tzlich nur noch vom unheimlichen gr�nen Schein des Leuchtstabes erhellt, doch so bla� dieses Licht auch sein mochte, Kara war sich schmerzhaft des Umstandes bewu�t, da� es drau�en sehr deutlich zu sehen war. �Tess � sieh zu, da� du irgend etwas findest, um die Fenster zu verh�ngen. Maran � du h�ltst an der T�r Wache!�</p><p>Die beiden gehorchten wortlos, und Kara tauschte einen raschen, besorgten Blick mit Aires, ehe sie sich wieder an die Kinder wandte. �H�rt zu�, sagte sie. �Es ist wichtig, da� ihr jetzt ganz still seid. Euer und unser Leben kann davon abh�ngen. Habt ihr das verstanden?�</p><p>Die meisten Kinder starrten sie einfach nur an, aber einige nickten auch zaghaft. �Gut�, fuhr Kara fort. �Und versucht bitte, auch die kleinen Kinder irgendwie zu beruhigen.� Sie z�gerte einen Moment. �Ich wei�, da� ihr Angst habt. Wir haben auch Angst. Das macht nichts. Wenn wir alle zusammenhalten, dann kann uns gar nichts passieren.�</p><p><emphasis>Kara. Sie kommen n�her.</emphasis></p><p>�Wer kommt n�her?� fragte Kara. Ganz unwillk�rlich stellte sie die Frage laut und wiederholte sie dann auf der telepathischen Frequenz des Rufers.</p><p><emphasis>Ob du es glaubst oder nicht � aber es sind Marans Libellen.</emphasis></p><p><emphasis>Es gibt sie wirklich.</emphasis></p><p><emphasis>Haben sie euch gesehen?</emphasis></p><p><emphasis>Bis jetzt nicht. Aber die Drachen werden unruhig. Ich wei� nicht, wie lange wir sie noch halten k�nnen.</emphasis></p><p><emphasis>Versucht es,</emphasis> erwiderte Kara nerv�s. <emphasis>Sie d�rfen euch auf keinen Fall sehen. Wie viele sind es?</emphasis></p><p><emphasis>Drei. Nein � vier.</emphasis></p><p><emphasis>Und was tun wir, wenn sie wieder ihren grauen Staub abladen?</emphasis></p><p>Kara war im ersten Moment verwirrt. Dann begegnete sie Marans Blick und begriff, da� er es gewesen war, der die Botschaft geschickt hatte. Im allerersten Moment verstand sie nicht, warum er seine Frage nicht offen ausgesprochen hatte. Dann begriff sie, da� er nicht wollte, da� die Kinder seine Frage h�rten. Sie schenkte ihm einen dankbaren Blick und sch�ttelte gleichzeitig den Kopf.</p><p><emphasis>Was f�r ein grauer Staub?</emphasis> erkundigte sich Silvy.</p><p><emphasis>Das erkl�re ich dir sp�ter. Ruhe jetzt.</emphasis> Mit einem Blick auf Maran: <emphasis>Das glaube ich nicht. Wahrscheinlich wollen sie einfach nachsehen, ob hier noch jemand lebt.</emphasis></p><p><emphasis>Sie kommen,</emphasis> signalisierte Silvy. <emphasis>Seid vorsichtig!</emphasis></p><p>Tess hatte in der Zwischenzeit einige Decken und Kleidungsst�cke aufgetrieben, mit deren Hilfe sie die unregelm��igen Fenster�ffnungen verstopfte. Einige der gr��eren Kinder halfen ihr dabei, so da� nur wenige Augenblicke vergingen, bis kein Lichtschimmer mehr ins Freie drang. Trotzdem war Kara nicht davon �berzeugt, da� sie wirklich unentdeckt bleiben w�rden. Mit klopfendem Herzen trat sie neben Maran an die T�r. Die Stadt lag wie eine bizarre Riesenskulptur aus Schatten und Schw�rze vor ihnen, und im allerersten Moment h�rte sie nichts au�er dem Rauschen des Blutes in ihren eigenen Ohren. Dann begriff sie ihren Irrtum.</p><p>Das Rauschen wurde lauter, steigerte sich zu einem von einem hohen, pfeifenden Laut begleiteten Grollen, und dann erschienen sie am Nachthimmel �ber der Stadt. Im bleichen Sternenlicht sahen sie tats�chlich wie Libellen aus � vier schlanke Schatten mit riesigen schimmernden K�pfen, auf deren polierter Oberfl�che sich das Sternenlicht brach. Keines von ihnen hatte leuchtende Augen, wie der Junge behauptet hatte, und sie sah auch keine Fl�gel. Kara sch�tzte ihre Gr��e auf gute zehn bis zw�lf Meter.</p><p>�Was ist das?� murmelte Maran verwirrt.</p><p>Kara zuckte mit den Schultern und machte ein hastiges Zeichen, still zu sein.</p><p>Die Libellen kamen n�her und kreisten �ber der Stadt. Zwei von ihnen verloren dabei ganz allm�hlich an Tiefe, w�hrend die beiden anderen �ber die Baumwipfel dahinglitten.</p><p><emphasis>Silvy? Seht ihr sie?</emphasis></p><p><emphasis>Klar und deutlich. Was ist das? Sind das Tiere?</emphasis></p><p><emphasis>Kaum,</emphasis> antwortete Kara. <emphasis>Aber was immer es ist � ich will nicht, da� sie entkommen. Ihr la�t sie rein, aber nicht mehr raus, klar?</emphasis></p><p><emphasis>Worauf du dich verlassen kannst!</emphasis></p><p>Kara blickte aufmerksam zu den beiden Libellen auf, die sich allm�hlich der Stadt n�herten. Mittlerweile konnte sie die sonderbaren Fl�gel erkennen: �ber den klobigen K�pfen der Monstren schwirrte etwas in der Luft, das durch seine rasende Bewegung wie eine schimmernde Scheibe aus Glas aussah. Das Rauschen und Pfeifen wurde lauter, und Kara sp�rte den tosenden Windzug, den die Libellen verursachten.</p><p>Marans Hand glitt zum Schwert, aber Kara machte eine rasche, beruhigende Geste. �Warte�, fl�sterte sie. �Ich glaube, sie wollen landen. Wir schnappen sie uns, sobald sie am Boden sind.� Sie sah �ber die Schulter zu Tess und Aires zur�ck. �Ihr bleibt hier bei den Kindern. Maran!�</p><p>Lautlos wie Schatten verlie�en sie das Haus und n�herten sich geduckt dem gro�en Platz in der Mitte der Stadt, auf dem sie ...</p><p><emphasis>Die Drachen!</emphasis></p><p>Der Gedanke durchzuckte Kara im gleichen Moment, in dem einer der vier Drachen ein gewaltiges, zorniges Br�llen ausstie� und sich mit einem kraftvollen Satz auf einen der bizarren Libellenv�gel warf.</p><p>Aber so schnell seine Bewegung war � das unglaubliche Vogelwesen war schneller. Kara beobachtete fassungslos, wie die Libelle mit einer schier unm�glichen Bewegung in der Luft zur Seite kippte, sich unter den zupackenden Klauen des Drachen hindurchschraubte und dann wieder in die H�he scho�. Aus dem Brausen und Pfeifen, das seinen Flug begleitete, wurde ein schrilles Heulen. Fast in der gleichen Sekunde kippte auch die zweite Libelle zur Seite, drehte einen Kreis und scho� mit einem w�tenden Kreischen auf den Drachen zu. Ein d�nner, durchbrochener Faden aus gr�nen Lichtperlen brach aus ihrem klobigen Sch�del und explodierte in der Flanke des Drachen. Flammen spr�hten auf. Aus den Wutschreien des Drachen Kara betete, da� es nicht Markor war � wurde ein kreischendes Schmerzgebr�ll.</p><p>Pl�tzlich begann der Boden unter ihnen zu zittern, und ein zweiter, dritter und vierter Schatten sprangen in die H�he und st�rzten sich auf die Libellen. Wie durch ein Wunder gelang es ihnen zwar, den Tieren auszuweichen, aber aus ihrem bislang eleganten Flug wurde ein hektisches Hin- und Herspringen. Das gr�ne Feuer zuckte ein zweites Mal auf, verfehlte aber sein Ziel. <emphasis>Silvy!</emphasis> befahl Kara. <emphasis>Schnappt sie euch!</emphasis> Gleichzeitig rannte sie los und schrie aus Leibeskr�ften Markors Namen. �ber dem immer schriller werdenden Heulen der Libellen konnte er ihre Stimme unm�glich vernehmen. Aber wie am Drachenfels h�rte er sie dennoch und reagierte. Als Kara den Landeplatz erreichte, prallte er mit einer Ersch�tterung, die die ganze Stadt erheben lie�, auf den Boden. Kara kletterte auf seinen R�cken, und der Drache wartete nicht ab, bis sie sich richtig gesetzt hatte, sondern schwang sich sofort wieder in die Luft. Kara klammerte sich hastig am Sattel fest und hielt nach den Libellen Ausschau. Pl�tzlich sahen sie sich vier bizarr geformten Schatten gegen�ber. Wieder schnitt das gr�ne Licht durch die Luft. Diesmal traf der Strahl Markors Fl�gel und durchbohrte ihn, richtete aber nicht mehr Schaden an als ein faustgro�es, rauchendes Loch, das der Drache wahrscheinlich nicht einmal sp�rte. Daf�r warf sich Markor mit einem zornigen Knurren herum, schwang sich mit einer einzigen kraftvollen Bewegung auf die gleiche H�he wie die Libelle hinauf und schlug mit den Fl�geln zu.</p><p>Kara sah ganz genau, was geschah.</p><p>Markors Schwinge war dreimal so gro� wie sein Gegner, und er h�tte die Libelle zerschmettern m�ssen wie eine Fliegenklatsche ihr Opfer. Aber obwohl die Libelle nicht mehr die geringste Chance hatte, dem Schlag auszuweichen, traf sie die Schwinge nicht. Etwas Unsichtbares schien pl�tzlich zwischen ihr und der Drachenschwinge zu sein. Die Libelle taumelte, wurde zur Seite gedr�ckt und begann zu trudeln, fing ihren Sturz aber im letzten Moment wieder ab.</p><p>Karas Verbl�ffung h�tte sie fast das Leben gekostet.</p><p>Eine zweite Libelle jagte kreischend heran, und pl�tzlich <emphasis>hatte</emphasis> sie Augen: ein Paar gro�er, grausam hell leuchtender Scheinwerfer, die sich auf Kara richteten und sie blendeten. Gr�nes Feuer schnitt eine Narbe in die Nacht und hinterlie� eine rauchende Spur in den Panzerplatten auf Markors Hals; eine Handbreit von Karas linken Bein entfernt.</p><p>Der Drache br�llte vor Schmerz und begann zu taumeln.</p><p>Kara duckte sich tief �ber seinen Hals, w�hrend die Libelle heulend �ber sie hinwegscho�. Der Doppelstrahl ihrer Scheinwerfer erfa�te f�r eine Sekunde eine zweite Libelle, und zum ersten Mal sah Kara die unglaublichen Gebilde, so wie sie wirklich aussahen.</p><p>Es waren keine Tiere.</p><p> Es waren <emphasis>Maschinen.</emphasis></p><p>Ihr K�rper bestand im Grunde nur aus einer vielfach durchbrochenen Gitterkonstruktion. Der aufgedunsene Kopf war nichts als eine Kugel aus Glas, in der zwei sitzende Gestalten zu sehen waren. �ber dieser Kugel drehte sich ein flimmernder Kreis, dessen Luftwirbel die bizarre Konstruktion in der Luft hielt.</p><p>Kara sah einen weiteren Strahl giftgr�nen Lichts auflodern, und diesmal traf der Blitz mit t�dlicher Pr�zision den Sch�del eines der Drachen. Das Tier br�llte vor Schmerz, kippte pl�tzlich zur Seite und begann mit hilflos schlagenden Fl�geln abzust�rzen. Einen Augenblick sp�ter schlug es mit unvorstellbarer Wucht in der Stadt auf und durchbrach deren Boden. Zusammen mit einem halben Dutzend zerschmetterter H�user verschwand es in der Tiefe.</p><p><emphasis>Silvy!</emphasis> rief Kara verzweifelt. <emphasis>Wo bleibt ihr?</emphasis></p><p>Wie zur Antwort erscholl �ber ihr ein w�tendes Br�llen, und als sie den Kopf hob, sah sie die Umrisse von fast zwei Dutzend Drachen �ber der Stadt auftauchen. Die Tiere st�rzten sich in den Kampf.</p><p>Und trotzdem war es nicht sicher, da� sie ihn gewinnen w�rden.</p><p>Der Himmel �ber der Stadt war so voller Drachen, da� sich die riesigen Tiere gegenseitig behinderten und mehr als einmal miteinander kollidierten. Trotz ihrer �berzahl gelang es ihnen einfach nicht, ihre Gegner zu fassen. Es war, als w�rden die Maschinen von einem unsichtbaren Zauber besch�tzt.</p><p>Daf�r w�tete das gr�ne Feuer um so furchtbarer unter den Tieren. Die Angreifer mu�ten kaum mehr zielen, um zu treffen, und immer mehr Drachen schrien gepeinigt auf, wenn in ihren Panzern rauchende L�cher entstanden. Schlie�lich sah Kara, wie das gr�ne Licht einen der Drachenreiter durchbohrte und ihn in eine lebende Fackel verwandelte, die brennend in die Tiefe st�rzte.</p><p><emphasis>Zur�ck!</emphasis> befahl Kara entsetzt. <emphasis>Zieht euch zur�ck. Wir m�ssen anders vorgehen!</emphasis></p><p>Kara mu�te ihren Befehl noch zweimal wiederholen, bis auch der letzte Reiter sein Tier zur�ckri� und wieder an H�he gewann. Sie sah �ber die Schulter zur�ck und war nicht sonderlich �berrascht, zu sehen, da� die Libellen die fl�chtenden Drachen verfolgten. Vermutlich h�tte sie nicht anders gehandelt, h�tte sie sich unverwundbar gef�hlt. Nun, dachte sie grimmig, sie w�rden sehen, was es mit ihrer Unverwundbarkeit auf sich hatte!</p><p><emphasis>Verteilt euch!</emphasis> befahl sie. <emphasis>Versucht, sie in verschiedene Richtungen zu locken!</emphasis></p><p>Die Drachen strebten in verschiedene Richtungen auseinander, wobei sie immer schneller wurden. Auch die Libellen erh�hten ihre Geschwindigkeit, aber zumindest in diesem Punkt waren ihnen die Tiere �berlegen: Es bereitete ihnen keinerlei M�he, ihren Vorsprung zu halten.</p><p>Kara versuchte, die Distanz zu sch�tzen, die mittlerweile zwischen den Libellen lag. Die Maschinen waren schnell, aber auch sie brauchten Zeit, um sich zu bewegen. Wenn ihr Plan funktionierte, dann w�rden sie diese Zeit nicht mehr haben. <emphasis>Jetzt!</emphasis> befahl Kara. <emphasis>Schnappt sie euch!</emphasis> Gleichzeitig ri� sie Markor herum und steuerte direkt auf die Libelle zu. Der Pilot der Maschine registrierte diesen Angriff, aber er ignorierte ihn im Vertrauen auf seine Unverwundbarkeit.</p><p><emphasis>Feuer!</emphasis></p><p>Die Nacht �ber dem Wald wich grellem, flackerndem, rotem Licht, als fast zwei Dutzend grelle Flammenstrahlen auf die Libellen herabregneten. Einige verpufften harmlos im Himmel, andere fuhren in das dichte Ge�st unter ihnen und setzten es in Brand, und Kara beobachtete voller Entsetzen, wie die Libellenmaschine vor ihr unter dem Einschlag von drei Feuerstrahlen taumelte � und sie �berstand! Das Feuer traf ihren Rumpf so wenig wie es die Klauen der Drachen getan hatten, sondern prallte dicht vor ihm gegen ein unsichtbares Hindernis, an dem es abperlte wie ein Wasserstrahl an einer Wand aus Glas! Auch die zweite und dritte Maschine torkelten, eingeh�llt in einen Mantel aus Flammen, der ihnen nichts anhaben konnte, lediglich zur Seite.</p><p>Die vierte Libelle hatte weniger Gl�ck. Die Feuerstrahlen von sechs Drachen vereinigten sich �ber ihrer Kanzel zu einem einzigen, grellwei�en Ball aus Glut � und die unsichtbare Wand brach! In einer Explosion, die an das Auflodern einer neuen Sonne �ber dem Wald erinnerte, explodierte die Maschine. Brennende Tr�mmerst�cke st�rzten in den Wald hinab und entfachten zahllose kleine Br�nde.</p><p>Kara blinzelte, fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die Augen und hielt nach den verbliebenen drei Libellen Ausschau. Vor ihren Augen tanzten bunte Kreise und Ringe. F�r Sekunden war sie fast blind. Wahrscheinlich w�re sie in diesem Augenblick eine leichte Beute f�r die Libellen gewesen. Aber die bizarren Maschinentiere kreisten ziellos auf der Stelle. Vielleicht, dachte Kara, war es das erste Mal, da� sie mitansehen mu�ten, wie einer von ihnen zerst�rt wurde. M�glicherweise war der Tod f�r jemanden, der sich unverwundbar w�hnte, eine ganz neue Erfahrung...</p><p>Sie begriff die Chance, die sich ihnen bot. <emphasis>Greift noch einmal an!</emphasis> signalisierte sie. <emphasis>Konzentriert euch auf den im Norden. Alle! Ignoriert die anderen!</emphasis></p><p>In die Formation der Drachen kam Bewegung, die nur auf den ersten Blick ziellos wirkte. Und als der Pilot der Libellenmaschine begriff, da� man ihn ins Visier genommen hatte, war es zu sp�t. Zwei Dutzend Drachen �bersch�tteten die Maschine mit einem H�llenfeuer, dem selbst ihr unheimlicher Schutz nicht gewachsen war. Die Explosion war so gewaltig, da� die Maschine regelrecht verdampfte.</p><p>Als Kara nach den beiden anderen Libellen Ausschau hielt, sah sie, wie die Maschinen mit heulenden Motoren in den Himmel hinaufjagten und sich zur Flucht wandten. Einige der Drachenreiter setzten sofort zur Verfolgung an, aber Kara rief sie zur�ck.</p><p><emphasis>La�t sie!</emphasis> befahl sie. <emphasis>Wir fliegen zur Stadt zur�ck. Kein Aber! Sie haben genug. Und wir haben gen�gend Verluste hinnehmen m�ssen.</emphasis> Sie versp�rte selbst einen heftigen Widerwillen bei dem Gedanken, die Maschinen nicht zu verfolgen, doch der Kampf war f�r die Drachen zu hart gewesen. Sie hatten es mit M�he und Not geschafft, <emphasis>zwei</emphasis> von vier Gegnern zu vernichten! Das war... unvorstellbar!</p><p>Zutiefst verunsichert und von Furcht erf�llt, lenkte sie Markor <emphasis>zur</emphasis> Stadt zur�ck und ging auf dem gro�en Platz in ihrer Mitte nieder. Mit m�den Bewegungen kletterte Kara von seinem R�cken hinunter und n�herte sich dem Haus, in dem Aires mit Tess und den Kindern auf sie wartete. Die Magierin war noch da. Tess nicht. Sie hatte Karas Befehl mi�achtet und war auf ihren Drachen gestiegen, um an dem Kampf teilzunehmen. Aires kam ihr entgegen, als sie sich dem Haus bis auf f�nf Schritte gen�hert hatte. Die Magierin war bleich, und ihre H�nde zitterten. Offensichtlich hatte sie den ungleichen Kampf vom Boden aus verfolgt.</p><p>�Was war das, Aires?� fragte Kara m�de.</p><p>Aires deutete ein Schulterzucken an. �Ich habe keine Ahnung�, gestand sie. �Ich habe solche Maschinen noch nie gesehen. Ihr habt eine vernichtet?�</p><p>�Zwei�, antwortete Kara. �Die beiden anderen sind entkommen. Ich habe befohlen, sie nicht zu verfolgen. Gro�er Gott, Aires, diese... <emphasis>Dinger</emphasis> widerstehen sogar dem Feuer der Drachen!�</p><p>�Ich habe es gesehen�, sagte Aires. �Es war sehr klug von dir, sie nicht verfolgen zu lassen.�</p><p>�Klug?� Kara lachte hart. �Klug? Ich bin mir nicht sicher, Aires. Vielleicht hatte ich einfach nur Angst.�</p><p>�Ist es etwa nicht klug, auf die Stimme seiner Angst zu h�ren?� fragte Aires.</p><p>Ihre Worte versetzten Kara in Zorn. �H�r mit deinen Spr�chen auf!� sagte sie hart. �Wir sind hier nicht in der Schule. Sie haben uns den Hintern versohlt, und zwar gr�ndlich, ist dir das klar? Zehn von ihnen statt vier � und <emphasis>wir</emphasis> w�ren jetzt tot. Wir haben nichts, womit wir sie aufhalten k�nnen, Aires, absolut nichts! Hundert oder auch nur f�nfzig von ihnen, und...�</p><p>�H�r auf!� sagte Aires. Sie l�chelte, um ihren Worten ein wenig von ihrer Sch�rfe zu nehmen, und fuhr ruhiger fort:</p><p>�Wenn sie hundert von diesen Maschinen h�tten, dann h�tten sie uns l�ngst angegriffen, glaubst du nicht auch?�</p><p>�Ich wei� nicht, was ich glaube�, sagte Kara matt. Pl�tzlich mu�te sie mit den Tr�nen k�mpfen. �Wir haben sie vertrieben, Aires, aber gewonnen haben <emphasis>sie.�</emphasis></p><p>�Ich wei߫, antwortete Aires leise. �Es tut weh, eine Schlacht zu verlieren. Aber noch ist nichts entschieden. Wir wissen ja nicht einmal, wer sie sind.�</p><p>Hastige Schritte erklangen hinter ihnen, und als Kara sich herumdrehte, erkannte sie Tess, die mit hochrotem Kopf auf sie zulief. Wenige Schritte hinter ihr st�rmten Maran, Zen und noch ein halbes Dutzend der anderen heran.</p><p>�Was soll das hei�en, wir d�rfen sie nicht verfolgen�, begann Tess �bergangslos und in einem Ton, der f�r sich genommen schon eine Beleidigung darstellte. �Wieso l��t du sie entkommen? Wir h�tten sie alle vernichten k�nnen!�</p><p>Kara antwortete in sehr ruhigem, nicht belehrenden Ton. �Weil wir es eben nicht gekonnt h�tten�, sage sie. �Sieh dich doch um. Wir haben einen Drachen und einen Krieger verloren. Die meisten anderen Tiere sind verletzt! Ein paar sind so ersch�pft, da� sie kaum noch fliegen k�nnen. Wie viele Leben ist dir die Vernichtung dieser zwei Maschinen wert?�</p><p>Tess wischte ihre Worte mit einer zornigen Handbewegung beiseite. �Was soll das?� schnappte sie. �Sind wir Krieger oder nicht? Seit wann verweigern wir einen Kampf, wenn dabei die Gefahr besteht, da� wir zu Schaden kommen?�</p><p>�Dann, wenn es sinnlos ist�, antwortete Aires an Karas Stelle. �Und jetzt sei still und k�mmere dich um dein Tier. Ich glaube, es ist verletzt.�</p><p>Tess sch�rzte trotzig die Lippen. Einen Moment lang war Kara fest davon �berzeugt, da� sie sich selbst der Magierin widersetzen w�rde. Aber dann wandte sie sich mit einem Ruck um und rannte zornig davon. Maran und die anderen folgten ihr.</p><p>Kara sah ihnen kopfsch�ttelnd nach. �Danke�, sagte sie, an Aires gewandt. �Ich wei� nicht, ob ich jetzt auch noch den Nerv gehabt h�tte, mich mit ihr zu streiten.�</p><p>�Kinder!� grollte Aires. �Ich habe Angella immer gesagt, da� es nicht reicht, sie in eine Uniform zu stecken und ihnen ein Schwert zu geben, um Krieger aus ihnen zu machen.�</p><p>Kara sah wenig Sinn darin, das Gespr�ch fortzusetzen; sie ging ohne ein weiteres Wort an Aires vorbei und betrat das Haus, in dem die Kinder warteten. Ein einziger Blick in die Gesichter der Jungen und M�dchen sagte ihr, da� auch sie den Kampf beobachtet hatten.</p><p>�Ihr habt sie verjagt.� Es war der Junge, den sie versehentlich niedergeschlagen hatte. Sein Gesicht war angeschwollen, und als Kara auf ihn zutrat und die Hand ausstreckte, zuckte er unwillk�rlich zur�ck. Sie konnte es ihm nicht ver�beln. �Ja�, sagte sie.</p><p>�Aber sie werden wiederkommen.�</p><p>�Vielleicht�, gestand Kara. �Aber ihr brauchte keine Angst zu haben. Selbst wenn sie zur�ckkommen, werden wir und ihr nicht mehr hier sein. Wir bringen euch weg, sobald sich unsere Drachen ein wenig erholt haben.�</p><p>Sie h�rte, wie Aires hinter ihr das Haus betrat, dann sagte die Magierin: �Wir sollten so schnell wie m�glich von hier verschwinden.�</p><p>�Und warum?�</p><p>�Sie waren gestern abend hier, kurz vor Sonnenuntergang�, sagte Aires, ohne ihre Frage direkt zu beantworten. �Ich kann mir vorstellen, da� sie die ganze Zeit �ber irgendwo ihre Kreise �ber den Wald gezogen haben.�</p><p>�Du meinst, es gibt irgendwo eine Basis.�</p><p>Aires nickte. �Wahrscheinlich nicht einmal sehr weit entfernt. Wenn wir Pech haben, sind sie in einer Stunde wieder hier.�</p><p>�Die Drachen sind ersch�pft�, sagte Kara. �Sie schaffen den Weg zur�ck zum Hort nicht, wenn wir ihnen keine Pause g�nnen.�</p><p>�Es reicht, wenn wir uns hundert Meilen weit zur�ckziehen. Oder auch nur f�nfzig. Ich bin sicher, wir finden einen Platz, an dem wir in Ruhe das Ende der Nacht abwarten k�nnen.�</p><p>Kara deutete ein Achselzucken an. �Meinetwegen.�</p><p>Das war nicht das, was Aires hatte h�ren wollen. Trotzdem sah sie Kara nur einen Moment lang vorwurfsvoll an, ehe sie sich zu einem L�cheln zwang und sich wieder an die Kinder wandte. �Wie ist es?� fragte sie. �H�ttet ihr Lust, auf einem richtigen Drachen zu reiten?�</p><p>Kara h�rte nicht weiter zu, sondern ging zur T�r zur�ck, lie� sich m�de gegen den Rahmen sinken und blickte in die Nacht hinaus. Dann ri� sie pl�tzlich ungl�ubig die Augen auf und blickte die vier Drachen an, die sich rasch aus der Mitte der Stadt erhoben und sich nach Norden wandten.</p><p>�Was...� <emphasis>Wer ist das? Antwortet. Kommt sofort zur�ck! Das ist ein Befehl!</emphasis></p><p>Aires war mit einem Sprung neben ihr an der T�r. Auch auf ihrem Gesicht erschien ein ungl�ubiger Ausdruck, aber er schlug unvermittelt in Zorn um. �Tess!� murmelte sie. �Ich wette, das sind Tess, Silvy und diese beiden anderen Narren!�</p><p><emphasis>Kommt auf der Stelle zur�ck! Oder ich sorge daf�r, da� ihr nie wieder auf einem Drachen reitet!</emphasis></p><p>�Spar dir die M�he�, sagte Kara laut. �Ich glaube, es ist ihnen ohnehin gleich. K�mmere dich darum, da� die Kinder in Sicherheit gebracht werden!�</p><p>Aires� Antwort darauf h�rte sie nicht mehr, denn noch ehe die Magierin �berhaupt begriff, was Karas Worte zu bedeuten hatten, war sie schon auf halbem Weg zur Mitte der Stadt. Und einen Augenblick sp�ter sa� sie auf Markors R�cken und jagte hinter den vier anderen Drachen her nach Norden.</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Sie brauchte eine knappe Viertelstunde, um Tess und die drei anderen einzuholen, denn obwohl Markor der gr��te und st�rkste Drache des Schwarmes war, war er verletzt und ziemlich ersch�pft. Au�erdem hatte Kara es nicht besonders eilig, sie einzuholen. Sie war einerseits zornig, weil die vier sich so offen �ber ihren Befehl hinweggesetzt hatten, aber andererseits war sie froh, �ber den Vorwand, selbst nach Norden fliegen zu k�nnen statt zur�ck zum Hort. Ihr Befehl, den Angriff abzubrechen, war von der Vernunft diktiert gewesen, nicht von ihrem Gef�hl.</p><p>So enthielt sie sich auch jeden Kommentars, als Markor schlie�lich zu den anderen aufschlo�. Sie glitten dicht �ber den Baumwipfeln dahin, um den dunklen Hintergrund des Waldes als Deckung auszunutzen, und da die Drachen sehr langsam flogen, bewegten sich ihre Schwingen nahezu lautlos.</p><p>Tess hob den Arm und winkte ihr zu, aber Kara widerstand dem Impuls, zur�ckzuwinken. Wie die Dinge auch immer aussahen � die vier hatten gegen einen direkten Befehl versto�en, und das war ein schweres Vergehen, �ber das sie sp�ter reden w�rden.</p><p>Sie flogen eine gute Stunde nach Norden, ohne die beiden Libellenmaschinen zu Gesicht zu bekommen. Kara glaubte mittlerweile nicht mehr, da� sie sie wirklich einholen konnten. Die Drachen waren m�de, w�hrend die Libellen keine Ersch�pfung kannten. Sie waren Maschinen, die entweder funktionierten oder nicht. Au�erdem wu�te Kara ja noch nicht einmal, ob sie sich �berhaupt auf dem richtigen Weg befanden. Vielleicht waren die Maschinen nur ein kurzes St�ck nach Norden geflogen und dann auf einen anderen Kurs eingeschwenkt. Schlie�lich gab Kara das Zeichen, nach einem Landeplatz Ausschau zu halten, und dieses Mal gehorchten die vier Drachenreiter. Vorsichtig suchten sie einen halbwegs sicheren Platz und gingen nieder. Alle bis auf Maran stiegen aus den S�tteln. Kara war ein wenig entt�uscht. Sie hatte sich mit Marans Aufs�ssigkeit im Grunde abgefunden, aber da� er auch noch feige war, h�tte sie nicht gedacht.</p><p>Tess, Silvy und Zen balancierten �ber den unsicheren Boden heran. Silvy wich ihrem Blick aus und wirkte schlichtweg ver�ngstigt. Kara war niemals so deutlich wie jetzt aufgefallen, da� sie nur so etwas wie Tess� Anh�ngsel war. Zen versuchte so gelassen und ruhig auszusehen, als w�re gar nichts Au�ergew�hnliches passiert, w�hrend Tess Karas Blick trotzig erwiderte und schon wieder kampflustig die Lippen gesch�rzt hatte. Kara sah sie schweigend an, wartete und �berlie� es ganz bewu�t ihr, das Gespr�ch zu er�ffnen.</p><p>�Also!� sagte Tess nach einer Weile.</p><p>�Also � was?�</p><p>Zornig ballte Tess die F�uste, da� es fast aussah, als wolle sie auf Kara losgehen. Aber die herausfordernde Haltung sollte lediglich ihre Unsicherheit �berspielen. �Nun fang schon an, damit wir es hinter uns haben. Du bist doch sicher gekommen, um uns Vorhaltungen zu machen.�</p><p>�Wenn du wirklich glaubst, ich fliege euch eine Stunde lang nach, um euch <emphasis>Vorhaltungen</emphasis> zu machen, dann tust du mir leid�, antwortete Kara. �Nicht, da� das nicht passieren w�rde. Wir werden uns �ber eure Auffassung des Wortes Gehorsam unterhalten, aber nicht jetzt. Das hat Zeit, bis wir zur�ck sind.�</p><p>�Ich wei߫, murmelte Tess. �Wir haben Aires geh�rt.�</p><p>�So schlimm wird es schon nicht werden�, sagte Kara seufzend. �Ich werde sehen, was ich f�r euch tun kann.� Sie wechselte mit einer Handbewegung das Thema. �Die Drachen brauchen dringend eine Pause. Wir werden eine Stunde rasten und dann weiterfliegen.� <emphasis>Ach ja, und Maran,</emphasis> f�gte sie lautlos hinzu, <emphasis>wenn es dir auf dem R�cken deines Tieres schon so ausnehmend gut gef�llt, dann kannst du gleich dableiben und die erste Wache �bernehmen, w�hrend wir versuchen, ein wenig zu schlafen!</emphasis></p><p>Maran f�gte sich ihrem Befehl widerspruchslos, und Kara kuschelte sich an Markor, kaum da� Tess und die beiden anderen gegangen waren, und fand zu ihrer eigenen �berraschung sofort Schlaf. Aber entweder war Maran ebenfalls eingeschlummert, oder sie hatte seinen Weckruf nicht geh�rt; als sie erwachte, stand die Sonne schon zwei Fingerbreit am Horizont. Kara lief ein wenig auf und ab, um ihre Muskeln wieder geschmeidig zu machen, und betrachtete w�hrenddessen besorgt den Drachen. Seine Verletzungen waren schwerer, als sie bef�rchtet hatte. Das Loch in seiner Schwinge war harmlos, aber die Wunde an seinem Hals sah schlimm aus, sie war gute drei Meter lang und so tief, da� das rohe Fleisch hervorbrach. Der Anblick ersch�tterte Kara. Die Panzerplatten eines Drachen waren h�rter als Stahl; nicht einmal Aires� Laserwaffe vermochte ihnen ernsthaften Schaden zuzuf�gen. Die Waffen der Fremden mu�ten ihren grenzenlos �berlegen sein. Kara fragte sich ernsthaft, ob irgend etwas von dem, was sie tun konnten, �berhaupt noch einen Sinn hatte.</p><p>Sie verscheuchte den Gedanken. Sie w�rden einfach weitermachen und sehen, was geschah.</p><p><emphasis>Tess, Maran, Zen � seid ihr wach?</emphasis></p><p>Sie bekam keine Antwort; wahrscheinlich schliefen die drei noch. Kara war eher am�siert als ver�rgert. Sie alle hatten w�hrend der letzten vierundzwanzig Stunden praktisch keine Minute Ruhe gefunden.</p><p><emphasis>Wacht auf!</emphasis></p><p>Nichts.</p><p>Sie hob die Hand �ber die Augen und blinzelte gegen das rote Licht der aufgehenden Sonne. Die vier Drachen hockten ein St�ck weit entfernt wie schlafende Riesenkr�hen auf den �sten. Von ihren Reitern war keine Spur zu entdecken. In das Gef�hl der Beunruhigung, das Kara empfand, mischte sich ein deutliches Empfinden von Gefahr. Hinter ihr hob Markor tr�ge den Kopf und blinzelte, als h�tte er ihre Beunruhigung gef�hlt. Sie ging weiter, blieb wieder stehen, machte wieder einige Schritte und stockte abermals. Sie erkannte jetzt Tess, die mit an den Leib gezogenen Knien an ihrem Drachen lag und schlief. Kara rief abermals ihren Namen, Tess bewegte sich zwar leicht, reagierte aber ansonsten nicht. Hinter ihr lie� Markor ein drohendes Grollen h�ren. Aber es h�tte seiner Warnung nicht einmal mehr bedurft, um Kara erneut innehalten zu lassen.</p><p>Vor ihr... war etwas.</p><p>Sie konnte nicht genau erkennen, was es war; eine Ver�nderung in den Bl�ttern vor ihr, in den Ger�uschen und vor allem dem <emphasis>Gef�hl</emphasis> des Waldes. Sie lie� sich in die Hocke sinken und betrachtete das Blattwerk vor sich. Etwas mit den Bl�ttern stimmte nicht, aber sie konnte nicht sagen, was es genau war. Sehr viel vorsichtiger ging sie weiter. Der Boden unter ihren F��en federte, und manchmal klafften gro�e L�cher in der gr�nen Decke. W�hrend sie weiterlief, wurde ihr bewu�t, wie m�de sie immer noch war. Die wenigen Stunden Schlaf hatten l�ngst nicht ausgereicht, sie wieder v�llig zu Kr�ften kommen zu lassen. Ihre Glieder f�hlten sich wie Blei an, und es fiel ihr immer schwerer, sich darauf zu konzentrieren, wohin sie ihre F��e setzte. Aber es war eine angenehme M�digkeit, so wohltuend, da� es ihr schwerfiel, ihrer warmen Verlockung zu widerstehen.</p><p>Beinahe w�re sie in eines der klaffenden L�cher im Bl�tterdach gest�rzt. Sie bemerkte im allerletzten Moment, da� dort, wohin sie ihren Fu� setzen wollte, nichts mehr war, und prallte zur�ck.</p><p>Der Schrecken jagte eine zus�tzliche Dosis Adrenalin in ihren Blutkreislauf. Ihr Herz begann zu jagen, und f�r einen Moment war sie so wach und klar, als h�tte sie eine Woche geschlafen. Was geschah mit ihr? Diese pl�tzliche M�digkeit war nicht normal, und sie � kam zur�ck. Kara konnte regelrecht sp�ren, wie sich eine Woge angenehmer Mattigkeit in ihrem K�rper ausbreitete. Ihr Denken begann unscharf zu werden und zerfaserte... Sie stolperte und fing den Sturz im letzten Moment instinktiv ab, aber sie sp�rte es kaum mehr. Langsam hob sie die Hand, versuchte, sich die M�digkeit aus den Augen zu wischen, aber selbst daf�r fehlte ihr die Kraft. Ihre H�nde fielen schwer wie Blei hinunter, glitten �ber ihre Wangen und ber�hrten den winzigen chitingepanzerten K�rper des Rufers, der direkt an ihr Nervensystem angeschlossen war. Das Insekt bewegte sich unruhig, schien zu pulsieren, als Kara griff mit einer letzten Willensanstrengung zu und ri� das Tier aus ihrem Fleisch.</p><p>Ein entsetzlicher Schmerz zuckte wie ein Stromschlag durch ihren K�rper. Sie schrie auf, fiel auf die Knie und f�hlte, wie warmes Blut an ihrem Hals herablief. Der Schmerz war so schlimm, da� er ihr die Tr�nen in die Augen trieb und sie st�hnend die Z�hne zusammenbi�. Aber im gleichen Ma�, in dem er verebbte, kehrte auch ihr klares Denken zur�ck. Es war, als w�rde ein Schleier von ihren Augen gezogen, der ihren Blick getr�bt hatte. Pl�tzlich sah sie die Abermilliarden haard�nner, wei�er F�den, die die Bl�tter ringsum bedeckten.</p><p>Sie, die Drachen und die vier Reiter.</p><p>Kara rannte mit einem Schrei los. Ihr Schrecken steigerte sich zu purem Entsetzen, als sie das d�nne, glitzernde Netz erblickte, das Tess von Kopf bis Fu� einh�llte, noch nicht so dicht wie ein Kokon, aber dicht genug, da� ihr Gesicht kaum noch zu erkennen war. Hastig kniete sie neben der jungen Kriegerin nieder, streckte die H�nde aus und zerri� das Gewebe, das ihr Gesicht bedeckte. Die Ber�hrung schmerzte, als h�tte sie eine Brennessel angefa�t. Tess st�hnte, wachte aber nicht auf. Kara zerrte mit der linken Hand weiter an dem Netz, das Tess� K�rper einh�llte, w�hrend sie mit der anderen heftig an ihrer Schulter zu r�tteln begann und ihren Namen schrie. Tess�</p><p>Kopf rollte haltlos von einer Seite auf die andere, und sie st�hnte, wachte aber noch immer nicht auf. Karas Blick suchte den Rufer. Sie erschrak. Das Tier war heftig angeschwollen und pulsierte wie ein kleines, wie rasend schlagendes Herz. Entschlossen griff sie zu, nahm das Tier zwischen Daumen und Zeigefinger und ri� es heraus. Tess zuckte zusammen und �ffnete die Augen. Einen Moment lang blickte sie Kara nur verst�rt an, dann sah sie an sich herab, begriff, was mit ihr geschah, und b�umte sich so heftig auf, da� Kara sie mit aller Kraft festhalten mu�te.</p><p>�Beruhige dich�, sagte Kara beschw�rend. �Es ist vorbei! Es ist alles in Ordnungl�</p><p>�Was...�</p><p>�Jetzt nicht�, unterbrach sie Kara. �Wir m�ssen den anderen helfen. Es sind die Rufer. Ich wei� nicht wie, aber irgendwie haben sie euch bet�ubt. Schnell! �</p><p>So schnell sie konnten, eilten sie zu Silvy, Maran und Zen, die sich in demselben erschreckenden Zustand befanden wie Tess zuvor. Doch sie erwachten ebenso rasch, nachdem sie die Rufer entfernt hatten. Das klebrige Gewebe von ihren K�rpern herunterzubekommen, erwies sich als nicht schwierige, aber langwierige und schmerzhafte Prozedur. Kara hielt einen der d�nnen F�den an spitzen Fingern vor das Gesicht und betrachtete ihn eingehender. Er war nur scheinbar glatt. Sah man genauer hin, erkannte man Hunderte kleiner Widerhaken, mit denen sie sich in der Haut ihrer Opfer festkrallten.</p><p>�Was, um Gottes willen, ist das?� murmelte Maran verst�rt, w�hrend er sich mit der Hand �ber den Hals rieb und stirnrunzelnd das Blut betrachtete, das an seinen Fingerspitzen klebte. �G�a?�</p><p>Kara sch�ttelte den Kopf. �Ich glaube nicht�, sagte sie. �Wahrscheinlich irgendein Bewohner dieser reizenden Gegend. Seht ihr?� Sie deutete nach links. Nicht weit entfernt entdeckte sie eine Anzahl gro�er, formloser Kokons, die im Bl�tterdickicht versunken waren. Einige waren kaum so gro� wie B�lle, andere geradezu riesig. �Es schlie�t seine Beute ein und l�st sie dann wahrscheinlich auf�, murmelte sie. �Wie eine fleischfressende Pflanze.�</p><p>Tess schauderte. �Es h�tte uns bei lebendigem Leibe verdaut, wenn du uns nicht gerettet h�ttest.�</p><p>�Aber wieso die Rufer?� fragte Zen.</p><p>�Ein Zufall�, vermutete Kara. �Wahrscheinlich haben sie die beruhigenden Impulse dieses... <emphasis>Dinges</emphasis> so weit verst�rkt, da� ihr keine Chance hattet. Sie sind direkt an unser Nervensystem angeschlossen. Man sp�rt es trotzdem noch.�</p><p>Tess und Maran sahen sie verst�ndnislos an, und Kara machte eine weit ausholende Geste. �Euch f�llt wirklich nichts auf?�</p><p>�Nein�, sagte Tess.</p><p>�Eben�, antwortete Kara. �Ich finde es schon seltsam, da� ich nicht einmal Angst habe � nachdem wir alle um ein Haar ums Leben gekommen w�ren.�</p><p><emphasis>�Fast alle�,</emphasis> sagte Zen betont.</p><p>Kara zuckte mit den Schultern. �Ich hatte eben das Gl�ck, nicht unmittelbar neben ihrem Nest zu landen.� Sie deutete auf die Drachen. �K�mmert euch um sie. Und dann la�t uns sehen, da� wir weiterkommen.�</p><p>Wie sich herausstellte, waren die Drachen nicht der einschl�fernden Verlockung des unheimlichen Pflanzenwesens erlegen. Das unheimliche Gewebe hatte w�hrend der Nacht auch sie einzuspinnen versucht, es hatte aber ihren stahlharten Panzerplatten nicht den mindesten Schaden zuf�gen k�nnen. Vielleicht, dachte Kara in einem Anflug von Galgenhumor, hatten sie mit der Wahl dieses Platzes sogar Gl�ck gehabt. Gott allein mochte wissen, welchen Monstern sie <emphasis>sonst</emphasis> in die H�nde gefallen w�ren.</p><p>�Wir haben ein Problem�, sagte Zen nach einer Weile.</p><p>Kara sah ihn fragend an. �So?�</p><p>�Ohne die Rufer k�nnen wir uns nicht verst�ndigen.� Er deutete in den Himmel hinauf: �Wir sollten vorher besprechen, in welche Richtung wir weiterfliegen.�</p><p>�Du hast recht�, sagte Kara nach einigem Nachdenken. �Wer wei�, wann wir das n�chste Mal einen sicheren Landeplatz finden. Ruf die drei anderen.�</p><p>W�hrend Zen sich entfernte, um Maran und die beiden M�dchen zu holen, sah sich Kara mit einem neuen Gef�hl von Unsicherheit um. Die unmittelbare Bedrohung durch das Pflanzenwesen hatte sie f�r einen Augenblick fast die andere gr��ere Gefahr vergessen lassen, in der sie schwebten. Sie befand sich vermutlich schon in dem Teil des <emphasis>Schlundes,</emphasis> von dem nicht sehr viel mehr bekannt war, als da� es ihn eben gab. Wie es schien, breiteten sich G�as Sumpfw�lder endlos weit aus; auf jeden Fall sehr viel weiter, als ein Drache zu fliegen imstande war. Zen kam mit den beiden anderen herbei, und sie einigten sich darauf, in einer engen Formation weiter nach Norden zu fliegen. Kara sch�rfte ihnen noch einmal ein, auf gar keinen Fall auf eigene Faust zu handeln, sollten sie die Libellen wieder einholen oder auf andere Gegner sto�en.</p><p>Wenige Augenblicke sp�ter sa� Kara wieder auf Markors R�cken, und der Flug in die unbekannten Tiefen des <emphasis>Schlundes</emphasis> ging weiter.</p><p>Eine Stunde. Eine zweite, der eine Rast von der gleichen L�nge folgte, und dann wieder eine Stunde Flug. Die Sonne stieg h�her, und bald begann es selbst auf den R�cken der Drachen unangenehm warm zu werden. Die Landschaft unter ihnen �nderte sich nicht: gr�ne H�gel, zwischen denen gelegentlich gewaltige L�cher klafften.</p><p>Sie hatten eine zweite Rast eingelegt und glitten in drei�ig oder vierzig Metern H�he am Rand einer der gewaltigen Lichtungen entlang, als der Drache, der links von Kara flog, pl�tzlich eine scharfe Wendung machte und sich fast im rechten Winkel von Kara entfernte.</p><p>Kara fluchte ungehemmt, Tess! Wer sonst?</p><p>Sie sparte sich die M�he, den Namen der jungen Kriegerin zu rufen, sondern zwang Markor mit einer abrupten Bewegung herum und flog hinter ihr her. Gleichzeitig signalisierte sie den drei anderen zu bleiben, wo sie waren und ihr und Tess den R�cken freizuhalten.</p><p>Tess schraubte ihren Drachen in einer immer enger werdenden, flachen Spirale in die Tiefe. Kara beobachtete das Flugman�ver nicht ohne Sorge. Drachen waren eher einfache Segler als Kunstflieger. Wenn das Tier mit den B�umen kollidierte oder Tess es in eine zu enge Kurve zwang, dann w�rde es der Drache zwar �berstehen; seine Reiterin aber <emphasis>nicht.</emphasis> Kara hatte diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da vollf�hrte Tess ein noch gewagteres Man�ver � ihr Drache scho� pl�tzlich mit vorgestreckten Krallen auf einen Ast zu und versuchte, darauf Halt zu finden. Der Anblick erinnerte an einen Falken, der auf seine Beute hinabstie�; nur da� der Drache kein Falke war, sondern ein Gigant von achtzig oder auch hundert Tonnen K�rpergewicht. Der Ast splitterte unter dem Aufprall und st�rzte mit einem gewaltigen Krachen und Poltern in die Tiefe. Kara beobachtete mit angehaltenem Atem, wie der Drache taumelte und Tess sich im allerletzten Moment mit verzweifelter Kraft auf seinem R�cken festklammerte.</p><p>Sie lenkte Markor an das heftig mit den Fl�geln schlagende Tier heran und versuchte, gestikulierend Tess� Aufmerksamkeit zu erwecken. �Bist du wahnsinnig geworden?� schrie sie. �Was hast du vor? Dich umzubringen?�</p><p>Es war zweifelhaft, ob Tess die Worte �berhaupt verstand, aber sie winkte jedenfalls zur�ck. Dann bemerkte Kara, da� Tess auf etwas im Wald deutete: Unter ihnen, vielleicht vierzig oder f�nfzig Meter tief, lag eine der Libellenmaschinen. Sie hing aufgespie�t wie ein �bergro�er Schmetterling an einem der vorstehenden �ste des Riesenbaumes.</p><p>Kara lie� Markor wieder h�hersteigen, signalisierte Tess, ihr zu folgen, und hielt nach einem Landeplatz Ausschau. Tess�</p><p>Idee, den Drachen m�glichst nahe bei dem Wrack niedergehen zu lassen, w�re nicht einmal so dumm gewesen, h�tte es einen ausreichend stabilen Ast gegeben, um den Drachen landen zu lassen. Leider aber gab es keinerlei Landem�glichkeit.</p><p>Resignierend steuerte sie Markor von der Lichtung fort und hielt nach einem Ast Ausschau, der das Gewicht des Tieres, zu tragen imstande war. Die �ste, die sie fand, lagen ein gutes St�ck von der Lichtung entfernt. Trotzdem � es ging nicht anderes. Kara w�re auch <emphasis>zwanzig</emphasis> Meilen zu Fu� durch den Dschungel marschiert, um sich eine der Libellen aus der N�he anzusehen. Dicht hintereinander landeten sie in einer Baumkrone, und stiegen ab.</p><p>�Was hattest du vor?� empfing Kara Tess ver�rgert. �Eine besondere Art Selbstmord?�</p><p>�Hast du sie nicht gesehen?� fragte Tess verbl�fft.</p><p>�Doch�, erwiderte Kara. Sie mu�te an sich halten, um Tess nicht vor Zorn anzuschreien. �Aber du h�ttest etwas <emphasis>sagen</emphasis> k�nnen.� Sie winkte ab. �Vergi� es. Ich will mir dieses Ding ansehen.� Sie deutete auf Zen. �Du kommst mit. Maran, Silvy ihr steigt abwechselnd auf und haltet uns den R�cken frei.�</p><p>Ihr knapper, befehlender Ton verfehlte seine Wirkung nicht. Keiner der anderen widersprach, obwohl sie Maran ansah, wie entt�uscht er war. Im Grunde h�tte sie auch viel lieber ihn als Tess mitgenommen. Aber schlie�lich hatte Tess das Wrack entdeckt.</p><p>Vorsichtig machten sie sich auf den Weg zur Lichtung. Die Baumkronen waren hier nicht ann�hernd so dicht wie in den Gebieten, �ber die sie bisher geflogen waren, so da� sie langsamer als erwartet vorankamen und mehr als einmal Umwege oder halsbrecherische Klettereien in Kauf nehmen mu�ten, um sich ihrem Ziel zu n�hern. Sie drangen immer weiter in den Wald ein, denn die obersten �ste waren nicht stark genug, um ihr Gewicht zu tragen. Als sie die Lichtung erreichten, erhob sich das gigantische Bl�tterdach gut zwanzig Meter �ber ihnen. Kara gab den beiden anderen ein Zeichen zur�ckzubleiben, lie� sich auf H�nde und Knie herab und kroch die letzten Meter bis zum Ende des mannsdicken Astes. Er endete an einem zersplitterten Stumpf, aus dem Harz gequollen und zu einer dicken braunen Kruste erstarrt war. Dahinter lag nichts als Leere, die sich in dunkler Tiefe verlor. Ein fauliger Geruch stieg empor. Kara schauderte. Der fl�chtige Gedanke, den sie vorhin gehabt hatte, war richtig gewesen. Diese Lichtung war nicht auf nat�rlichem Wege entstanden. Irgend etwas war vom Himmel gest�rzt und hatte ein gewaltiges Loch in das Bl�tterdach gerissen.</p><p>Mit gr��ter Konzentration �berzeugte sie sich davon, da� sie mit H�nden und F��en sicheren Halt hatte, dann beugte sie sich vor und hielt nach der Libelle Ausschau. Sonderbar: Jetzt, wo sie praktisch festen Boden unter den F��en hatte, ergriff sie ein heftiges Schwindelgef�hl. Sie schlo� f�r einen kurzen Moment die Augen, wartete, bis der Schwindel sich legte, und zwang sich dann, direkt in den Abgrund zu blicken.</p><p>Die Libelle lag kaum drei�ig Meter tiefer. Kara erwog f�r einen Moment, einfach in die Tiefe zu klettern, was sie gekonnt h�tte � es gab genug �ste, um sich festzuhalten. Aber irgend etwas warnte sie, nicht hinabzusteigen.</p><p>Sie kroch ein St�ck r�ckw�rts, richtete sich vorsichtig wieder auf und ging zu Tess und Zen zur�ck. �Wir sind fast da�, sagte sie. �Aber das letzte St�ck wird schwierig.�</p><p>�Hast du jemanden gesehen?� fragte Zen. �Der Pilot k�nnte noch am Leben sein.�</p><p>Kara war keine Bewegung aufgefallen. Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein. Seid aber vorsichtig.�</p><p>F�r die letzten f�nfzig Meter brauchten sie fast genauso lange wie f�r die knappe Meile hierher. Sie stie�en entweder auf ein Gewirr aus �sten, Zweigen und Dornenranken, das so gut wie undurchdringlich war, oder L�cher, die sie nur mit lebensgef�hrlichen Spr�ngen �berwinden konnten. Die abgest�rzte Libelle war schon zu sehen, als sie beinahe zum Aufgeben gezwungen worden w�ren: Vor ihnen lagen noch vier oder f�nf Meter, aber der Stamm des Riesenbaumes war an dieser Stelle so glatt, als h�tte sich jemand die M�he gemacht, ihn sorgf�ltig zu polieren. Sie �berwanden den Abgrund nur, indem sie all ihren Mut zusammennahmen und einfach sprangen.</p><p>Dann sa�en sie ersch�pft neben dem Wrack der Libelle und mu�ten erst einmal wieder zu Kr�ften kommen. Kara blinzelte m�de zu der gewaltigen Flugmaschine auf. Sie mu�te in die Sonne blicken, weshalb sie die Libelle nur als schwarzen Schattenri� erkannte, aber der Anblick war auch so unheimlich genug. Aus der N�he betrachtet kam ihr die Maschine viel gr��er vor als in der vergangenen Nacht. Es war kein Zufall, da� sowohl Maran und Zen als auch die Kinder von Libellen gesprochen hatten. Es <emphasis>war</emphasis> eine Libelle. Der schwarze Umri� vor ihr glich so sehr dem eines ins Riesenhafte vergr��erten Insekts, da� Kara f�r einen Moment fast damit rechnete, es w�rde seine Fl�gel entfalten und davonfliegen. Statt dieser Fl�gel befanden sich �ber dem runden Kopf drei lange Bl�tter aus einem recht elastischen Metall. Einer davon war abgebrochen. Als Kara schlie�lich aufstand und n�her an das Wrack herantrat, wich die �hnlichkeit mit einer Libelle ein wenig. Wie sie schon gestern abend erkannt hatte, bestand der eigentliche K�rper der Libelle nur aus einer offenen Gitterkonstruktion, vor der sich eine Glaskugel befand. In der gl�sernen Kapsel waren zwei sonderbar geformte Sessel und eine verwirrende Anordnung fremdartiger Apparate zu sehen, die offenbar dazu dienten, das Gef�hrt zu steuern.</p><p>Allerdings w�rde <emphasis>diese</emphasis> Libelle nirgendwo mehr hinfliegen, dachte Kara. Sie konnte sich jetzt ungef�hr vorstellen, was passiert war. Dem Winkel nach zu schlie�en, in dem sich das Gef�hrt in der Astgabel verkeilt hatte, mu�te der Pilot es in einem flachen Kurs nach unten gesteuert haben. Vielleicht hatte er versucht, in dem Wald zu landen. Sie hatte am Abend zuvor beobachtet, da� diese bizarren Maschinen durchaus in der Lage waren, sehr langsam zu fliegen; ja, f�r eine kurze Zeit sogar in der Luft zu <emphasis>stehen.</emphasis></p><p>�Wer immer dieses Ding geflogen hat, war ein richtiger K�nstler�, sagte Tess sp�ttisch. �Er hat es h�bsch an den Baum genagelt.�</p><p>Kara nickte. �Um ein Haar h�ttest du das gleiche Kunstst�ck vollbracht.�</p><p>Tess� Augen blitzten auf, aber sie antwortete nicht darauf. Statt dessen wandte sie sich wieder der Libelle zu und fragte:</p><p>�Wei� einer von euch, was, zum Teufel, das ist?�</p><p>Kara wollte antworten, aber Zen kam ihr zuvor. �Ich bin nicht sicher�, murmelte er. �Aber ich glaube, ich habe so etwas schon einmal in einem von Angellas B�chern gesehen.� Er sah Kara fragend an, aber sie zuckte nur mit den Schultern. �Ein Heliotopter... eine Maschine der Alten Welt.�</p><p>�Niemals�, sagte Tess impulsiv. Sie deutete auf die Tr�gerkonstruktion des Rumpfes. �Das Metall der Alten Welt rostet nicht.�</p><p>�Falsch�, korrigierte sie Zen. �Es rostet sehr wohl. Nur das, was heute noch �brig ist, rostet nicht. Der Rest hat sich l�ngst in Staub aufgel�st.�</p><p>W�hrend Tess und Zen sich zu streiten begannen, trat Kara n�her an die zerst�rte Maschine heran. So naiv Tess� Antwort auf den ersten Blick klang, sie war nicht ganz aus der Luft gegriffen. Kara hatte noch nie ein rostiges Artefakt aus der Alten Welt gesehen. Was zweihunderttausend Jahre �berdauerte, das �berdauerte auch ein paar Tage oder Wochen im Dschungel.</p><p>Diese Maschine hier nicht.</p><p>Sie geh�rte nicht zu den beiden, die sie am vergangenen Abend in die Flucht geschlagen hatten, sondern mu�te schon eine ganze Weile hier liegen, ein paar Monate vielleicht. Die ledernen Bez�ge der beiden Sessel waren voller schimmeliger Flecken und alle Metallteile v�llig verrostet.</p><p>Aber wenn diese Maschine <emphasis>nicht</emphasis> aus der Alten Welt stammte, dachte Kara erschrocken, woher kam sie dann? Die Vorstellung, da� es auf dieser Welt jemanden gab, der in der Lage war, <emphasis>so etwas</emphasis> zu bauen, versetzte sie in Schrecken. Sie warf einen Blick �ber die Schulter zur�ck und sah, da� Tess und Zen noch immer stritten, griff aber nicht ein, sondern versuchte, die Pilotenkanzel des Libellenflugzeuges zu �ffnen. Sie fand keinerlei T�r oder irgendeinen �ffnungsmechanismus. Vielleicht, �berlegte sie, wurde die ganze Kuppel nach oben geklappt. Was dagegen sprach, war, da� die Leiche des Mannes verschwunden war, der ungef�hr zehn Liter Blut auf dem durchbohrten Sessel hinterlassen hatte.</p><p>�Interessant, nicht?� Zen trat pl�tzlich neben sie und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Kanzel.</p><p>�Was?� Zen beugte sich vor und wies auf eine Anzahl wuchtiger Scharniere, die an der Kuppel befestigt waren. �Man mu� das ganze Ding hochklappen, um einzusteigen. Aber das geht nicht mehr.� Seine flache Hand klatschte auf den Ast, der die Kanzel durchbohrt hatte. �Wie zugenagelt.�</p><p>�Und?� fragte Kara. Worauf wollte er hinaus!</p><p>�Wo ist der Pilot geblieben?� Zen deutete auf den Sitz. �Der Kerl hat geblutet wie ein abgestochenes Schwein. Ich glaube nicht, da� er noch aus eigener Kraft davongelaufen ist.�</p><p>�Vielleicht haben ihn seine Leute abgeholt?�</p><p>�Und sich danach die M�he gemacht, die Kuppel wieder zu schlie�en?� Zen lachte. �Bestimmt nicht. Irgendwas stimmt hier nicht, Kara.�</p><p>�Was f�r eine tiefsch�rfende Erkenntnis�, sp�ttelte Tess. Zen sah sie schon wieder kampflustig an, und Kara trat mit einem raschen Schritt zwischen sie.</p><p>�H�rt endlich mit dem Unsinn auf�, sagte sie streng. �Daf�r haben wir wirklich keine Zeit. La�t uns das Ding untersuchen und dann von hier verschwinden. Dieser Ort gef�llt mir nicht.�</p><p>Zumindest in <emphasis>diesem</emphasis> Punkt schienen sie ausnahmsweise alle einer Meinung zu sein.</p><p>Trotzdem nahmen sie sich Zeit, das Wrack sehr gr�ndlich in Augenschein zu nehmen. Und wenn Kara noch einen Beweis gebraucht h�tte, da� die st�hlernen Libellen und die M�nner in den blauschwarzen Uniformen, auf die sie in der H�hle tief unter Schelfheim gesto�en waren, zusammengeh�rten, dann fand sie ihn jetzt. Es war die Waffe der Libelle; ein zerborstener, gl�serner Lauf, der wie ein Stachel unter der Kanzel hervorragte. Obwohl er besch�digt war, gab es doch keinen Zweifel: �hnliche, nur kleinere Gewehre hatten die M�nner getragen, die aus dem Tauchboot gekommen waren.</p><p>Kara versuchte trotz des Widerwillens, mit dem sie der Anblick der Flugmaschine erf�llte, sich so viele Einzelheiten wie m�glich einzupr�gen, denn sie war sicher, da� Aires und die anderen viele Fragen stellen w�rden, sobald sie zur�ck waren und von ihrem Fund erz�hlten. Irgendwann hatte sie genug gesehen und erinnerte die beiden anderen daran, da� sie noch eine Stunde ebenso anstrengender wie gef�hrlicher Kletterrei vor sich hatten. Tess wirkte ebenso erleichtert wie sie, aus der N�he des unheimlichen Wracks zu kommen, aber Zen sch�ttelte fast erschrocken den Kopf.</p><p>�Gib mir noch zehn Minuten�, bat er. �Ich denke, ich kann die Kanzel �ffnen und einen Blick hineinwerfen.�</p><p>Kara sah ins Innere der verglasten Pilotenkugel. �Glaubst du, du siehst mehr, wenn du die Glaskugel hochgeklappt hast?� Sie schlug mit den Kn�cheln gegen die Kugel. Obwohl durchsichtig wie feinstes Kristall, f�hlte sich das Material h�rter als Stahl an. �Vielleicht�, sagte Zen. �Was machen schon zehn Minuten! Vielleicht finden wir ja etwas, was uns weiterhilft?�</p><p>Tess verdrehte die Augen, aber Kara gab Zen mit einem Kopfnicken zu verstehen, da� sie einverstanden war. Er hatte recht � was machten schon zehn Minuten? Vielleicht war es vern�nftiger, jetzt noch ein wenig Zeit zu investieren, als sich die n�chsten Tage immer wieder zu fragen, ob sie vielleicht nicht doch einen wichtigen Hinweis �bersehen hatten.</p><p>�In Ordnung�, sagte sie, w�hrend sich Zen bereits wieder umwandte und an der Kanzel zu hantieren begann. �Aber ich werde versuchen, Silvy und Maran ein Zeichen zu geben, ehe sie anfangen, sich Sorgen zu machen. Wir sind schon eine ganze Weile weg.�</p><p>Es war eine Ausrede. Ob sich die beiden anderen Sorgen machten oder nicht, war Kara ziemlich gleichg�ltig. Aber sie f�hlte sich noch immer unwohl in der N�he dieser bizarren Maschine. Die linke Hand auf dem Rumpf, balancierte sie vorsichtig so weit �ber die Astgabel nach au�en, bis sie wieder den Himmel sehen konnte. �ber ihr kreiste ein m�chtiger, dreieckiger Schatten. Sie konnte gegen das grelle Gegenlicht nicht erkennen, ob es Silvy oder Maran war, aber allein der Anblick wirkte beruhigend, gleichwohl wu�te Kara, da� ihnen der Drache nicht im mindesten helfen konnte, wenn sie hier in Gefahr gerieten oder angegriffen wurden. Sie hob die freie Hand und winkte, und nach einigen Augenblicken hob die winzige Gestalt auf dem R�cken des Drachen ebenfalls den Arm und winkte zur�ck.</p><p>Kara blieb noch einige Augenblicke reglos stehen und geno� das Sonnenlicht, das warm auf ihr Gesicht fiel. Es war ein angenehmes Gef�hl, das sie f�r Sekunden alles andere vergessen lie�. Nur der faulige Geruch war mehr als st�rend, der aus der Tiefe zu ihr emporstieg. Widerwillig �ffnete sie die Augen und blickte mit einem verbl�fften Stirnrunzeln in die Tiefe. Es war Mittag. Die Sonne stand im Zenit, und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis die Sonne weiterwanderte und die Schatten den Grund des klaffenden Risses im Wald wieder verschlangen � aber in dieser Minute, vielleicht sogar der einzigen des Jahres, in der es �berhaupt m�glich war, brachen sich die Sonnenstrahlen glitzernd auf einer gewaltigen <emphasis>Wasserfl�che,</emphasis> die dort war, wo der Waldboden sein sollte. Es war nicht einfach nur ein Bach oder ein T�mpel; Kara sah ganz deutlich die Wipfel kleinerer B�ume, die schon fast v�llig im Wasser verschwunden waren, blattlos und tot wie die skelettierten H�nde von Ertrunkenen. Hier und da trieb etwas auf dem Wasser, zu weit entfernt, um es genau zu erkennen, aber zu gro�, um einfach ein St�ck Baumrinde oder ein ausgerissener Busch zu sein. Vielleicht waren es die Kadaver von Tieren, die in diesem Wasser den Tod gefunden hatten.</p><p>Kara sah verwirrt auf, als sich die Schatten wieder �ber den Grund der Lichtung schoben. Erst jetzt bemerkte sie, da� sie nicht allein war: Fast lautlos war Tess neben sie getreten. Und auf ihrem Gesicht lag die gleiche, ungl�ubige Verbl�ffung, die auch Kara erf�llte.</p><p>Tess las die unausgesprochene Frage in ihrem Blick. �Nein, du bist nicht verr�ckt. Es sei denn, wir sind es beide. Und beide auf die gleiche Weise.�</p><p>�Aber das ist unm�glich�, murmelte Kara.</p><p>�Stimmt�, sagte Tess.</p><p>�Dort unten kann kein Wasser sein.�</p><p>�Nein, das kann es nicht�, pflichtete ihr Tess bei.</p><p>�Ich meine, Angella hat uns immer wieder erz�hlt, da� dort Sumpf ist!�</p><p>�Das hat sie�, best�tigte Tess.</p><p>�G�a k�nnte im Wasser nicht leben.�</p><p>�Nein, bestimmt nicht�, versicherte Tess.</p><p>�Und au�erdem... wachsen B�ume nicht aus dem Meer!�</p><p>�Niemals!� stimmte Tess zu.</p><p>�Also kann es dieses Wasser gar nicht geben.�</p><p>�Ganz sicher nicht�, sagte Tess.</p><p>Kara blickte sie eine Weile durchdringend an. �Aber es ist da�, murmelte sie schlie�lich und blickte noch einmal in die Tiefe. Aber schon hatte sich Finsternis �ber diese sonderbare Wasserfl�che gelegt.</p><p>�Dieser Wald stirbt�, murmelte Tess pl�tzlich. �Und jetzt wird auch klar, wieso wir so leicht hierhergekommen sind.�</p><p>�Leicht?� Kara �chzte. Ihr schwindelte noch, wenn sie an die halsbrecherischen Kletterpartien dachte, die hinter ihnen lagen. �Ich fand es alles andere als leicht.�</p><p>�Nach allem, was uns Angella �ber diesen Wald erz�hlt hat, d�rften wir gar nicht mehr leben�, beharrte Tess.</p><p>Kara verstand, was sie meinte � und sie gestand sich widerwillig ein, da� Tess recht hatte. So unheimlich dieser Teil des Waldes auch war, gab es doch kaum tierisches Leben. Ein paar Insekten, einige wenige V�gel, die schimpfend davongeflogen waren... Von all den gefr��igen, t�dlichen, heimt�ckischen Monstern, von denen es in G�as Reich nur so wimmeln sollte, hatten sie auf dem Weg hierher nicht eines gesehen.</p><p>�Vielleicht sind sie alle ertrunken�, murmelte Tess mit einem schiefen L�cheln. Ihre Worte hatten scherzhaft klingen sollen, aber sie sch�rten Karas Beunruhigung nur noch. Sie waren beide zu sehr im Einklang mit der Natur aufgewachsen, um nicht sofort und zweifelsfrei zu wissen, was hier geschehen war:</p><p>Wenn es dort unten wirklich pl�tzlich ein Meer gab, dann war das �kologische Gleichgewicht des Waldes vielleicht schon jetzt unwiderruflich zerst�rt.</p><p>Ein lautstarkes Klirren lie� sie beide zum Wrack der Libelle herumfahren. Im ersten Moment war die Ursache des L�rms nicht auszumachen, aber dann erkannte Kara, da� Zens F��e aus einer schmalen �ffnung des Libellenkopfes herausragten. Erschrocken liefen sie los, um Zen zu Hilfe zu eilen, doch noch bevor sie ihn erreichten, begann Zen sich r�ckw�rts ins Freie zu schieben. Tess wollte ihm helfen, aber Kara hielt sie zur�ck. Sie wu�ten nicht, wie es hinter der Klappe aussah, Durch die sich Zen gezw�ngt hatte. Es war m�glich, da� sie ihn verletzten, wenn sie versuchten, ihm zu helfen.</p><p>Es dauerte noch eine geraume Weile, bis sich Zen keuchend und verschwitzt aus der �ffnung herausgearbeitet hatte. Er zitterte vor Anstrengung � aber das hinderte ihn nicht daran, �ber das ganze Gesicht zu grinsen.</p><p>�Was ist los mit dir?� fragte Tess stirnrunzelnd. �Hast du die Notration des Piloten gefunden?�</p><p>�Nein�, antwortete Zen atemlos. �Etwas viel Besseres.� Er beugte sich vor. Sein rechter Arm verschwand noch einmal bis zur Schulter in der Klappe. Als er die Hand wieder herauszog, hielt sie ein buntes, total zerknittertes St�ck Papier, das an einer Ecke angesengt war.</p><p>�Was ist das?� fragte Kara.</p><p>�Das�, antwortete Zen triumphierend, w�hrend er das Blatt auseinanderfaltete, �ist eine Karte, Kara. Eine Karte des <emphasis>Schlundes.�</emphasis> Seine Augen leuchteten vor Stolz auf, als er Karas Verbl�ffung registrierte. Dann stie� sein Zeigefinger so heftig auf das Papier herab, da� er fast ein Loch hineingesto�en h�tte. �Und ich fresse Markors rechten Fl�gel�, fuhr er fort, �wenn das hier nicht der genaue Standort ihres Hauptquartiers ist.�</p></section><section><title><p>27</p></title><p>Als sich der Abend �ber den Schlund senkte, befanden sie sich �ber dreihundert Meilen weiter im Norden; und anders als am vorangegangenen Abend hatten sie einen Platz f�r die Nacht gefunden, an dem sie keine Angst haben mu�ten, unversehens in den Boden einzubrechen oder mit fremden Tieren unliebsame Bekanntschaften zu machen.</p><p>Mit Hilfe der Karte, die Zen im Wrack des Heliotopters gefunden hatte, hatten sie einen der steilen Lavafelsen ausfindig gemacht, die sich hier und da aus den Wipfeln des Waldes emporreckten; nicht ann�hernd so hoch wie der Drachenfels, aber hoch und vor allem unwegsam genug, um Sicherheit vor uneingeladenen G�sten zu bieten. Nahe des Gipfels entdeckten sie eine niedrige, aber sehr tiefe H�hle, wo sie die Nacht verbringen konnten. Sie waren allerdings nicht allein; als Kara einen vorsichtigen Blick in die H�hle warf, stellte sie fest, da� es bereits einen Mieter gab. Er war ziemlich gro�, hatte zu viele Beine und entschieden zu gro�e Z�hne, aber Markor erledigte das Problem mit einem br�llenden Feuerstrahl. Was von dem Monstrum �brigblieb, eignete sich vorz�glich, ein Feuer f�r die Nacht zu entz�nden.</p><p>Im Schein der �belriechenden Flammen studierten sie die Karte zum ersten Mal genauer. Kara war noch nicht �berzeugt davon, da� Zen mit seiner Behauptung, das Hauptquartier der Fremden gefunden zu haben, wirklich recht hatte � obwohl einiges daf�r sprach. Sie hatten dieses Thema am Mittag allerdings nicht diskutiert, sondern es vorgezogen, so schnell wie m�glich von der sonderbar toten Lichtung zu verschwinden. Der See auf ihrem Boden war nicht der einzige Grund, aus dem es dort so wenig Leben gab. Auf dem R�ckweg hatten sie mehrere eigent�mliche Pflanzen entdeckt, und sie alle kannten die Zeichen einer strahlenverseuchten Region zu gut, um noch l�nger zu verweilen.</p><p>Der gr��te Teil der kontinentalen Landmasse war noch immer so verstrahlt, da� er g�nzlich unbewohnbar war. Nur der <emphasis>Schlund</emphasis> war vom Allerschlimmsten verschont geblieben, weil er fr�her der Grund des Meeres gewesen war. Welchen Sinn sollte es schon gemacht haben, eine Atombombe ins Wasser zu werfen? Kara verdr�ngte diese Frage und strich die Landkarte sorgsam auf dem Boden glatt. Die Karte war viel gr��er, als es im ersten Moment den Anschein gehabt hatte. Sie bestand aus einem d�nnen, aber rei�festen Material; v�llig auseinandergefaltet, ma� sie gute achtzig Zentimeter im Quadrat. Ihr oberer Rand war verkohlt; vermutlich war ein St�ck von nicht mehr zu sch�tzender Gr��e beim Absturz verbrannt. �Wo genau sind wir?� fragte Maran, w�hrend er sich �ber ihre Schulter beugte.</p><p>Nun, da die Karte in voller Gr��e ausgebreitet war, brauchte Kara einige Sekunden, bis sie ihren derzeitigen Standpunkt wiederfand. Sie deutete auf den winzig kleinen Felsen. Maran blickte den Punkt, auf den sie gedeutet hatte, eine geraume Weile wortlos an. Es fiel Kara nicht sehr schwer, seine Gedanken zu erraten. Sie waren tiefer in den <emphasis>Schlund</emphasis> vorgedrungen als je ein Mensch vor ihnen, und in das aufregende Gef�hl, ein phantastisches Abenteuer zu erleben, mischten sich Sorge und Angst vor den Libellenflugzeugen und ihren mysteri�sen Erbauern. Au�erdem ergab sich ein viel profaneres Problem: Sie hatten seit gestern abend weder etwas gegessen noch getrunken.</p><p>�Schade, da� man auf der Karte nicht mehr Einzelheiten erkennt�, sagte Maran. Stirnrunzelnd blickte er Zen an. �Was bringt dich zu der �berzeugung, da� das...� Er wies auf einen Punkt, der fast am Ende der Karte lag. �... ihr Hauptquartier ist?�</p><p>Zen verdrehte die Augen, seufzte tief und warf Maran einen vorwurfsvollen Blick zu, weil die Antwort auf diese Frage f�r ihn viel zu offensichtlich war. �Es ist ein strategisch idealer Punkt�, erkl�rte er. �Au�erdem erkennt man, da� die Karte an dieser Stelle ganz besonders oft gefaltet worden ist. Und sie ist schmutzig.�</p><p>�Aha�, sagte Tess. �Was uns beweist, da� wir es mit einer Bande von Schmutzfinken zu tun haben.�</p><p>Zen schien ihre Worte nicht besonders am�sant zu finden. �Was uns beweist�, sagte er in belehrendem Tonfall, �da� die Besitzer dieser Karte ganz besonders oft auf diese Stelle gedeutet haben.�</p><p>Pl�tzlich vernahm Kara vom H�hleneingang ein machtvolles Rauschen. Einer der Drachen war zur�ckgekommen. Die Tiere flogen abwechselnd aus, um irgendwo im Dschungel zu jagen. Kara fragte sich, was sie in diesem beinahe leblosen Wald finden mochten, aber fast im selben Moment drang ein lautes Schlingen und Schmatzen an ihr Ohr; gefolgt von einem R�lpser, der die ganze H�hle zum Zittern zu bringen schien. Kara l�chelte, w�hrend Silvy fast schmerzhaft das Gesicht verzog. �Drache m��te man sein�, sagte sie. �Ich sterbe gleich vor Hunger.�</p><p>�Frag sie doch mal, ob sie dir etwas abgeben�, sagte Kara. Die Worte waren eigentlich als Scherz gemeint, aber Silvy sah sie nur eine Sekunde kopfsch�ttelnd an, dann stand sie auf, zog ihr Messer aus dem G�rtel und verlie� die H�hle. Kara sah ihr kopfsch�ttelnd nach. Silvy mu�te wirklich <emphasis>sehr</emphasis> hungrig sein. Sie wandte sich wieder der Karte zu. Je l�nger sie sie betrachtete, desto verwirrender kam sie ihr vor. An ihrem Rand befand sich eine Anzahl einfacher, aber unverst�ndlicher Symbole. Eigentlich ohne besonderen Grund streckte Kara die Hand aus und ber�hrte eines davon.</p><p>Am Rand der Karte leuchtete pl�tzlich ein Rechteck aus orangeroten Linien auf.</p><p>Kara zog erschrocken die Hand zur�ck, und Zen und Tess blickten verbl�fft auf die Karte hinab. Maran beugte sich stirnrunzelnd vor. �Was war <emphasis>das?�</emphasis> fragte er.</p><p>Kara z�gerte, dann streckte sie abermals die Hand aus und ber�hrte das Symbol ein zweites Mal. Das Rechteck erlosch. Und leuchtete wieder auf, als sie das Symbol zum dritten Mal ber�hrte. Dann probierte sie auch die anderen Symbole aus, aber nichts geschah.</p><p>�Irgendeine Bedeutung mu� es doch haben!� murmelte Zen. Er sah Kara fragend an, erntete ein hilfloses Achselzucken als Antwort � und ber�hrte das Rechteck mit dem Zeigefinger. Es begann zu zittern. Zen zog die Finger erschrocken wieder zur�ck.</p><p>Aber Kara beugte sich neugierig vor. Sie hatte etwas entdeckt: Wenn man genau hinsah, erkannte man, da� sich das Rechteck um wenige Millimeter verschoben hatte. Z�gernd streckte sie die Hand aus und ber�hrte es auf die gleiche Weise wie Zen zuvor. Aber sie zog die Finger nicht wieder zur�ck, sondern lie� sie langsam �ber das Papier gleiten. Das Rechteck folgte der Bewegung.</p><p>Zen sperrte Mund und Augen auf, w�hrend Kara das Rechteck langsam weiter �ber die Karte verschob, bis es �ber der Region angekommen war, in der sie sich befanden. Sie zog die Hand zur�ck und rechnete fast damit, da� das Gittersegment einfach an seinen angestammten Platz zur�ckkehren w�rde, aber es blieb, wo es war.</p><p>�Beeindruckend�, sagte Tess. �Und jetzt?�</p><p>Kara zuckte mit den Schultern. Sie hatte erwartet, da� irgend etwas geschah, aber nichts war passiert.</p><p>Zen fuhr sich nerv�s mit der Zungenspitze �ber die Lippen, streckte einen zitternden Finger aus und ber�hrte das zweite Symbol auf dem Rand der Karte. Die orangeroten Linien leuchteten auf � und pl�tzlich begann das Rechteck zu wachsen, bis es fast die gesamte Karte bedeckte.</p><p>Und mit ihm wuchs sein Inhalt. Statt einer recht kleinen Darstellung des gesamten <emphasis>Schlundes</emphasis> blickten sie pl�tzlich auf eine in gro�em Ma�stab gehaltene, farbige und <emphasis>dreidimensionale</emphasis> Darstellung des Berges herab, in dessen Innerem sie sich befanden. Und als w�re dies allein noch nicht erstaunlich genug, <emphasis>bewegte</emphasis> sich das Bild! Sie konnte sehen, wie der Wind mit den Bl�ttern spielte. Die Schatten gro�er V�gel glitten �ber die Wipfel dahin, ohne da� die Tiere selbst zu erkennen gewesen w�ren, und durch eine L�cke in den B�umen konnte sie Wasser am Grunde des Waldes glitzern sehen. Bald bemerkte man aber, da� sich immer dieselbe Bewegung abspielte, eine Sequenz von nicht ganz zehn Sekunden, die sich ununterbrochen wiederholte. �Das ist... unglaublich!� fl�sterte Zen.</p><p>Kara sah fl�chtig auf, als Silvy zur�ckkehrte. Sie brachte nichts von der Beute des Drachen mit, war aber ziemlich bleich geworden.</p><p>�Schaut euch das an�, murmelte Tess. �Man... man kann sogar die einzelnen Bl�tter erkennen.�</p><p>Das war zwar �bertrieben � aber auch Kara hatte nie zuvor eine Karte (Karte?) von solcher Detailgenauigkeit gesehen. �ber zehn Minuten sa�en sie �ber die Karte gebeugt da und staunten �ber dieses Wunderwerk aus einer alten, l�ngst untergegangenen Welt, dann machten sie sich daran, die Funktion der Karte genauer zu ergr�nden. Kara und Zen experimentierten eine Weile herum, bis sie herausfanden, wie der zu vergr��ernde Ausschnitt genau festgelegt oder auch aufgeteilt werden konnte, so da� man zwei, vier oder auch acht unterschiedliche Bereiche der Karte gleichzeitig betrachten konnte. Die Karte war ein kleines Wunderwerk, das allein ihre Expedition in den <emphasis>Schlund</emphasis> gelohnt hatte.</p><p>�So�, sagte Maran in fast fr�hlichem Ton und wandte sich an Zen. �Dann wollen wir uns dein <emphasis>Hauptquartier</emphasis> ein wenig genauer ansehen.� Mit �bertriebenen Bewegungen verschob er das orangerote Rechteck dorthin, wo Zen die Zentrale der Fremden vermutete, dann ber�hrte er das Symbol auf dem Kartenrand, und...</p><p>Wahrscheinlich vergingen weitere f�nf Minuten, in denen sie v�llig reg- und wortlos dasa�en und die Karte anstarrten, gel�hmt von einer Mischung aus Entsetzen und Erstaunen. Endlich war es Maran, der das Schweigen brach. �So ist das also�, murmelte er. �Jetzt verstehe ich, da� nie jemand zur�ckgekommen ist.� Seine Stimme bebte vor Zorn. Er war leichenbla�.</p><p>�Ein... ein zweiter Drachenfels�, fl�sterte Kara. �Gro�er Gott. Er ist... er ist mindestens doppelt so gro� wie der andere!�</p><p>Niemand antwortete ihr. Das Schweigen dauerte an und wurde bedr�ckender und schwerer, je l�nger es w�hrte. Kara hatte das Gef�hl, da� ihr gleich schwindelig wurde. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Ein zweiter Drachenfels! Und sie hatten geglaubt, Jandhis Hauptquartier aufgesp�rt und zerst�rt zu haben! Was f�r ein grausamer Witz des Schicksals � zehn Jahre lang hatten sie immer und immer wieder junge Reiter in den <emphasis>Schlund</emphasis> geschickt, ohne zu ahnen, da� der wirkliche Feind noch immer da war, genauso stark, wenn nicht st�rker als zuvor.</p><p>�Was tun wir?� fragte Tess schlie�lich. Der Klang ihrer Stimme lie� Kara aufblicken. Tess war bla� und zitterte, aber sie war auf eine ganz andere Art erschreckt als Kara.</p><p>�Wir fliegen zur�ck�, antwortete Kara. �Morgen fr�h, sobald die Sonne aufgeht.�</p><p>Zen, Silvy und Maran atmeten erleichtert auf, w�hrend Tess Kara fast ha�erf�llt anstarrte. �Zur�ck? Wieso willst du...�</p><p>�Wir kehren zum Hort zur�ck�, unterbrach sie Kara in sch�rferem Tonfall. �Sofort.�</p><p>�Jetzt, wo wir so weit gekommen sind?� schnappte Tess.</p><p>�Willst du warten, bis es zu sp�t ist?� fragte Kara. �Was glaubst du, warum keiner der anderen zur�ckgekehrt ist?� Sie legte demonstrativ die Hand auf die Karte. �Diese Karte ist vielleicht das Wertvollste, was je im <emphasis>Schlund</emphasis> gefunden wurde! Wir m�ssen sie zur�ckbringen!�</p><p>Tess schwieg, aber ihr Blick sprach B�nde.</p><p>�Ich wei�, was du denkst�, sagte Kara ruhig, aber bestimmt. �Vergi� es. Einmal seid ihr damit durchgekommen, aber ein zweites Mal werde ich keinen Alleingang zulassen.�</p><p>Tess� Augen blitzten auf, aber sie schwieg. Kara sah sie einen Moment lang an, dann wandte sie sich an Maran. �Du bist mir daf�r verantwortlich, da� sie keinen Unsinn macht, ist das klar? Wenn ich morgen fr�h aufwache und sie weg ist, dann werde ich dir h�chstpers�nlich den Kopf daf�r abrei�en.�</p><p>Maran l�chelte �ber ihre Formulierung, aber Kara blieb sehr ernst, und nach einigen Sekunden erlosch Marans L�cheln und machte einem nerv�sen, fast infantilen Grinsen Platz. Kara war nicht sicher, ob ihre Reaktion richtig gewesen war. Sie kannte Tess gut genug, um zu wissen, da� sie mit ihren Worten wahrscheinlich eher Tess� Trotz sch�ren als ihre Einsicht f�rdern w�rde. Verdammt, warum war es nur so schwer, Entscheidungen zu treffen?</p><p>Sie beugte sich wieder �ber die Karte und musterte den gewaltigen Felsen. Er war gr��er als der Drachenfelsen und wurde vom gleichen Gewirr von Mauern, T�rmen, Innenh�fen und zinnenges�umten Terrassen gekr�nt.</p><p>�Das ist... unvorstellbar�, murmelte Zen. Er streckte die Hand aus, als wolle er den Berg ber�hren; ein Impuls, den Kara sehr gut verstand. Die dreidimensionale Abbildung war so naturgetreu, da� auch Kara glaubte, nur die Hand ausstrecken zu m�ssen, um den glatten Fels zu f�hlen. �Er mu� gro� genug f�r Hunderte von Drachen sein!�</p><p>�Nein, das glaube ich nicht�, sagte Silvy.</p><p>�Ach? Und warum nicht?�</p><p>�Weil wir sie schon vor zehn Jahren geschlagen haben�, antwortete Silvy heftig. �Wenn sie tausend Drachen h�tten, h�tten sie uns l�ngst �berrannt.�</p><p>�La�t uns hinfliegen und nachsehen�, sagte Tess. �Wir finden es nicht heraus, wenn wir hier sitzen und herumraten.�</p><p> �Wir <emphasis>werden</emphasis> nachsehen�, versprach Kara. �Aber nicht allein.� Sie machte eine entschiedene Handbewegung, und Tess schluckte die Antwort herunter, die ihr auf der Zunge gelegen hatte.</p><p>�Ich verspreche dir, da� du dabeisein wirst�, sagte Kara, �Ihr alle werdet dabeisein, wenn ihr das wollt. Doch zuerst m�ssen wir diese Karte zur�ckbringen. Aires und Cord m�ssen sie sehen.�</p><p>Sie blickte Tess aufmerksam an. Sie war sich nicht sicher aber sie <emphasis>glaubte</emphasis> zumindest, da� sich das zornige Funkeln in ihren Augen ein wenig gelegt hatte. �In Ordnung�, sagte sie. �La�t uns sehen, welche �berraschungen diese Karte noch f�r uns bereit hat.�</p><p>Zwei Dinge versetzten sie noch in Erstaunen.</p><p>Zum einen war der Fundort der Karte nicht auf ihr eingetragen. Sie fanden eine ganze Reihe der gro�en, kraterf�rmigen Lichtungen, die das monotone Gr�n des Bl�tterdachs durchbrachen, aber an der Stelle, an der die abgest�rzte Libelle gelegen hatte, fand sich etwas anderes, was kaum zu beschreiben war, irgend etwas Formloses befand sich unter den Baumwipfeln, etwas, das sich im Zehnsekundentakt der Karte bewegte, aber es war nicht zu erkennen, was es genau war.</p><p>Die zweite erstaunliche Entdeckung machten sie, als sie sich die Randbezirke der Karte ansahen. Ein Ausschnitt Schelfheims war zu erkennen, so detailliert, da� selbst einzelne H�user auftauchten und Kara sich nicht einmal mehr gewundert h�tte, w�ren pl�tzlich Menschen und Hornk�pfe aus den H�usern getreten und h�tten ihr zugewinkt. Auch die dahinterliegende K�stenregion � leider nicht der Drachenhort � lie� sich auf der Karte ausmachen.</p><p>Kara starrte eine der K�stenst�dte so fassungslos an, da� es schlie�lich auch den anderen auffiel. �Was hast du?� fragte Zen.</p><p>�Diese Stadt�, murmelte Kara benommen.</p><p>Zen blickte das Rechteck am Rande der Steilk�ste einige Augenblicke lang verwirrt an, aber offenbar fiel ihm nichts Au�ergew�hnliches daran auf. �Und?�</p><p>�Es ist meine Heimatstadt�, antwortete Kara.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>Kara nickte. �Ich bin dort aufgewachsen�, sagte sie. �Versteht ihr nicht? Diese Stadt war die letzte, die von Jandhis Feuerdrachen zerst�rt wurde. Sie existiert nicht mehr.�</p><p>�Aber das war vor zehn Jahren�, sagte Silvy. �Das bedeutet, da�...�</p><p>�Da� dieses Wrack seit mindestens zehn Jahren im Dschungel liegt�, f�hrte Kara den Satz zu Ende. �Und die Karte ebenso alt ist.�</p><p>�Wahrscheinlich sogar �lter�, sagte Zen d�ster. �Dieses Wrack sah aus, als l�ge es seit einem Jahrhundert dort.� Er atmete tief und h�rbar ein. �Ist euch klar, was das bedeutet?�</p><p>Er sah sich fragend um. Als er keine Antwort bekam, fuhr er fort: �Es hei�t nichts anderes, als da� sie seit mindestens zehn Jahren hier sind und uns beobachten.� Keiner der anderen antwortete darauf.</p><p>Aber als Kara am n�chsten Morgen aufwachte, war Tess verschwunden. Sie bekam allerdings keine Gelegenheit, sich Maran vorzukn�pfen, wie sie ihm angedroht hatte. Maran und sein Drache waren ebenfalls fort. Und die Karte hatten sie auch mitgenommen.</p></section><section><title><p>28</p></title><p>Obwohl sie ihren Drachen das letzte abverlangten, sahen sie bis zum sp�ten Nachmittag keine Spur von Maran oder Tess. Sie waren mit dem ersten Licht der Sonne losgeflogen, viel zu hastig, um sich im schwachen Licht des Morgens zu orientieren. Was allerdings verst�ndlich war � Kara kochte innerlich vor Wut. Da� die beiden ihren eindeutigen Befehl so offen mi�achtet hatten, war schlimm genug. Aber da� sie die Karte mitgenommen hatten, war unverzeihlich und mehr als t�richt. Begriffen sie denn nicht, da� sie nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, sondern vielleicht das Schicksal der ganzen <emphasis>Welt?</emphasis></p><p>Was von Kara Besitz ergriffen hatte, war kein gew�hnlicher Zorn mehr, der nach einer Weile verrauchte. Zum ersten Mal im Leben sp�rte sie so etwas wie <emphasis>Mordlust.</emphasis> In gewisser Hinsicht war es ganz gut, da� sie Maran und Tess nicht einholten. Kara war nicht sicher, was geschehen w�re, h�tte sie die beiden in die Finger bekommen.</p><p>Vielleicht war auch ihr unb�ndiger Zorn der Grund, warum ihr die Ver�nderung nicht sofort auffiel, die mit ihrer Umgebung vonstatten ging.</p><p>Am Anfang waren es nur Kleinigkeiten � ein brauner Fleck im Wipfelwald hier, ein blattloser Baum da, das umgest�rzte Gerippe eines Riesenbaumes, manchmal ein Schimmern von Silber, das vom Grund des Waldes heraufdrang. Aber die Anzeichen wurden deutlicher, je weiter sie nach Norden kamen.</p><p>Der Wald starb.</p><p>Immer �fter flogen sie �ber sterbende B�ume dahin, und immer �fter sahen sie das Schimmern einer gewaltigen Wasserfl�che, die sich am Grund des Waldes erstreckte; dort, wo eigentlich G�as lebensspendender Sumpf sein sollte. Manchmal glitten sie �ber tote Baumgiganten dahin, die wie Pf�hle eines irrsinnigen Riesenzaunes aus einer endlosen Wasserfl�che emporragten, dann wieder tauchten gr�ne, lebende Inseln unter ihnen auf, die dem m�rderischen W�rgegriff des Wassers bisher getrotzt hatten. Aber wie lange noch?</p><p>Zwei Stunden vor Sonnenuntergang waren die Drachen mit ihrer Kraft am Ende. Aber sie hatten Gl�ck, da� sie auf Anhieb einen Landeplatz fanden: einen Felsen, der drei�ig Meter aus dem Wasser ragte. Kara lie� ihren Drachen zwei vorsichtige Runden �ber dem Berg drehen. Der Fels wirkte leblos, aber sie dachte an den Bewohner der H�hle, in der sie die Nacht verbracht hatten, und so lie� sie Markor und die beiden anderen Drachen einen Schwall Feuer �ber den Lavafelsen speien, ehe sie endg�ltig landeten.</p><p>Markor w�re fast gest�rzt, als er auf dem Berg aufsetzte. Seine ungeschickte Landung zeigte Kara deutlicher als alles andere, wie ersch�pft die Tiere waren, und dieser Gedanke wiederum lie� ihre Sorge um Maran und Tess zu neuer Glut aufflammen. Die Drachen der beiden mu�ten ebenso ersch�pft sein wie ihre Tiere. Wenn sie den Berg fanden und wenn es dort auch nur noch einen einzigen Verteidiger gab, dann hatten die beiden keine Chance.</p><p>Umst�ndlich, mit steifen, schmerzenden Gliedern, kletterte Kara von Markors R�cken und entfernte sich ein paar Schritte von dem Drachen. Der Boden unter ihren F��en war noch hei�. Grauer Rauch drang aus Felsspalten und Rissen im Fels, und der scharfe Geruch von hei�em Stein lag in der Luft. Schaudernd sah sich Kara um. Sie glaubte nicht, da� Markors Feuer mehr Schaden angerichtet hatte, als ein paar Algen und Schimmelpilze zu verbrennen. Der Felsblock war so tot, wie er nur sein konnte � genauso leblos wie die Umgebung, in der er lag.</p><p>Karas Blick tastete �ber die silbergraue Wasserw�ste, aus der sich der Felsbuckel erhob. Aus der Luft war der Anblick schlimm gewesen; aus der N�he war er entsetzlich. Der Wald hatte sich gelichtet. Viele B�ume waren einfach verschwunden. Hier und da ragte noch ein fauliger Stumpf aus dem Wasser, an manchen Stellen waren gro�e Schatten unter der Oberfl�che sichtbar, und nicht weit von Kara entfernt hatte ein einzelner Baum seine gr�ne Krone behalten. Als sie aber genauer hinsah, erkannte sie, da� es nicht das Gr�n von Blattwerk war, sondern unz�hlige Parasitenpflanzen, die sich auf den kahl gewordenen �sten niedergelassen hatten. Doch auch die Parasiten w�rden nicht mehr lange leben; zwischen dem Gr�n gewahrte Kara h��liche braune Flecke, die wie Rost aussahen.</p><p>�Entsetzlich, nicht wahr?�</p><p>Kara widerstand der Versuchung, sich herumzudrehen, als sie Zens Stimme h�rte. Statt dessen nickte sie nur und blickte weiter nach Norden. Es sah beinahe so aus, als erstrecke sich das Meer bis ans Ende der Welt. Kara verstand einfach nicht, woher die unvorstellbaren Mengen von Wasser kamen. Jeder Versuch, seine Menge zu sch�tzen, mu�te kl�glich scheitern, zumal f�r Menschen, die auf einer Welt aufgewachsen waren, auf der jeder kleine See ein Wunder bedeutete.</p><p>�Es ist absurd�, murmelte Zen hinter ihr. Er wartete einen Moment, und als sie immer noch keine Anstalten machte, irgendwie auf seine Worte zu reagieren, trat er mit einem Schritt neben sie und blickte sie von der Seite her an. �W�re es nicht so entsetzlich, dann w�rde ich lachen, wei�t du? Ich habe immer gedacht, ohne Wasser g�be es kein Leben. Das hat man uns doch beigebracht, oder? Da� das Wasser der Ursprung allen Lebens ist.�</p><p>Kara sah ihn an und schwieg. Zen wollte keine Antworten. Er wollte nur reden.</p><p>�Aber das Wasser t�tet das Leben�, fuhr er fort. �Dieser Wald ist mehr als hunderttausend Jahre alt. Und jetzt stirbt er innerhalb weniger Jahrzehnte!�</p><p><emphasis>Falsch,</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Innerhalb weniger Jahre.</emphasis> Auf der Karte war dieser Teil des Dschungels noch als lebend und unversehrt eingezeichnet gewesen. Von einem See � geschweige denn von einem Meer! � hatte sie keine Spur entdecken k�nnen.</p><p>�Vielleicht ist das der Grund, aus dem sie gekommen sind�, murmelte Zen.</p><p>�Die Fremden!�</p><p>Zen nickte. �Ja. Vielleicht... ich meine, vielleicht wurde ihre Heimat zerst�rt. Ich habe dar�ber nachgedacht, wei�t du? Es kann kein Zufall sein, da� sie gerade jetzt aufgetaucht sind. Vielleicht leben sie in einem Teil des <emphasis>Schlundes,</emphasis> der untergegangen ist, und suchen neuen Lebensraum.�</p><p>Kara dachte einen Moment �ber diese Idee nach. Plausibel aber aus irgendeinem Grund vermochte der Gedanke sie nicht zu �berzeugen. Andererseits hatte sie keinen wirklichen Anla�, Zen zu widersprechen, da sie so gut wie nichts �ber die Welt jenseits des Drachenfelsen wu�ten.</p><p>�Die H�hle, von der du erz�hlt hast�, fuhr Zen nach einer Weile fort. Kara blinzelte irritiert, bis ihr klar wurde, da� Zen �bergangslos das Thema gewechselt hatte.</p><p>�Glaubst du, da� es <emphasis>das hier</emphasis> ist?�</p><p>Sie blinzelte abermals, ein wenig �berrascht �ber die Frage. Sie hatte geglaubt, als einzige auf diese verr�ckte Idee gekommen zu sein. Schlie�lich sch�ttelte sie den Kopf. �Nein. Ich habe selbst schon mit dem Gedanken gespielt, aber das ist unm�glich. Die H�hle ist gro�, aber nicht <emphasis>so</emphasis> gro� � �</p><p>�Woher willst du das wissen?� unterbrach sie Zen. �Du hast selbst gesagt, da� du nicht wei�t, wie gro� das unterirdische Meer ist.�</p><p><emphasis>�So</emphasis> gro� jedenfalls nicht�, beharrte Kara. �Au�erdem liegt ihr Wasserspiegel fast eine Meile unter dem <emphasis>Schlund.</emphasis> Und Wasser flie�t in den allerwenigsten F�llen nach oben � glaube ich.�</p><p>Sie l�chelte, aber Zen blieb ernst.</p><p>�Der Wasserspiegel f�llt�, beharrte er. �Und hier erscheint pl�tzlich ein Meer, das es vorher nicht gegeben hat.�</p><p>�Ich k�nnte mir ein Dutzend Erkl�rungen einfallen lassen, die einleuchtender und logischer sind.� Kara war selbst ein wenig �berrascht, als ihr die Sch�rfe in ihrer Stimme auffiel. Erst jetzt sp�rte sie, wie sehr Zens Worte sie erschreckt hatten. �Vielleicht hat es irgendwo ein Erdbeben gegeben, das den Lauf einiger Fl�sse ver�ndert hat. Oder ein Damm ist gebrochen.�</p><p>Sie sp�rte, wie unbefriedigend diese Erkl�rung war. Zen machte sich nicht einmal die M�he, darauf zu antworten.</p><p>Mit einem resignierenden Seufzen ging er an ihr vorbei und schritt vorsichtig �ber den Felsen, bis er das Wasser erreicht hatte. Er beugte sich vor und blieb reglos und sehr aufmerksam stehen, um auf eine Stelle unweit des Ufers zu blicken. Als Kara in die gleiche Richtung sah, erkannte sie, da� etwas im Wasser schwamm. Sie konnte nicht genau erkennen, was es war, aber es war gro� und dunkel und bewegte sich leicht auf den Felsen zu. Zen beugte sich vor und streckte die Hand aus.</p><p>�Fa� es nicht an!� sagte Kara erschrocken.</p><p>Zen erstarrte mitten in der Bewegung, und Kara warf einen raschen Blick in den Himmel hinauf, ehe sie losrannte. Silvys Drache kreiste noch immer �ber der Insel. Aus irgendeinem Grund wagte sie es nicht, zu landen. Aber vielleicht hatte sie etwas entdeckt, das sie weiter aus der Luft beobachten wollte.</p><p>Sie blieb neben Zen stehen und legte ihm die Hand auf die Schulter, obwohl er den Arm l�ngst wieder zur�ckgezogen hatte. �R�hr nichts an�, sagte sie noch einmal. Gleichzeitig beugte sie sich weiter vor, um erkennen zu k�nnen, was vor ihnen im Wasser schwamm. Es war ein mehr als mannsgro�es B�schel aus fauligem Wurzelwerk oder Tang, das wie nasses Haar im Wasser wehte.</p><p>Zen streifte mit sanfter Gewalt ihre Hand ab, watete ein paar Schritte ins Wasser hinein und zog sein Schwert. Ohne zu z�gern, streckte er den Arm aus und angelte einen Wurzelstrang aus dem Meer; verwesende wei�e F�den, die traurig und leblos von seinem Schwert herabhingen.</p><p>�G�a�, fl�sterte Kara ersch�ttert. Zen sagte nichts, aber sein Gesichtsausdruck sprach B�nde. Sein Fund hatte sie schlagartig der letzten M�glichkeit beraubt, sich selbst etwas vorzul�gen. Dieses Meer war nicht immer hier gewesen. Der Boden, aus dem sich der Felsen erhob, hatte vor nicht einmal langer Zeit zu G�as Reich geh�rt. Das Wasser hatte sie erstickt wie den Wald, den sie und von dem sie sich ern�hrte.</p><p>Zen schleuderte das tote Geflecht angewidert von sich und schwenkte sein Schwert ein paarmal heftig durch das Wasser, um die Klinge zu reinigen. Tot oder nicht, G�a war vermutlich das gef�hrlichste Gesch�pf, das jemals auf diesem Planeten existiert hatte. Zen watete ans Ufer zur�ck, dann legte er pl�tzlich den Kopf in den Nacken und sah zu Silvy hinauf, die noch immer �ber der Insel kreiste. �Warum landet sie nicht?�</p><p>Silvy flog zu weit oben, um ihr etwas zurufen zu k�nnen, deshalb signalisierte Kara eine entsprechende Frage. Sie war ziemlich sicher, da� Silvy ihre weit ausholenden Gesten gesehen hatte. Aber die erhoffte Reaktion blieb aus. Ganz im Gegenteil schlug Silvys Drache pl�tzlich heftiger mit den Fl�geln und schraubte sich in engen Spiralen wieder h�her in den Himmel hinauf.</p><p>�Was, zum Teufel...� murmelte Zen und brach erschrocken mitten im Satz ab, als Silvys Drache pl�tzlich nach Norden schwenkte und �ber den abgestorbenen Wipfeln des Waldes verschwand.</p><p><emphasis>O nein,</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Nicht sie auch noch! Waren denn jetzt hier alle verr�ckt geworden?</emphasis></p><p>Aber dann tauchte Silvys Drache aus der anderen Richtung �ber dem Wald auf. Sie war nicht mehr allein. Hinter ihr glitt der Schatten eines zweiten Drachen �ber den Himmel, und f�r wenige Augenblicke bildete sich Kara fast ein, auch ein drittes Tier zu erkennen. Aber das war nur ein Trugbild, etwas, das sie lediglich sehen <emphasis>wollte.</emphasis></p><p>In aller Deutlichkeit allerdings bemerkte sie, da� mit diesem Drachen etwas nicht stimmte: So hoch sie auch flogen, konnte sie doch erkennen, da� das Tier entweder verletzt oder zu Tode ersch�pft sein mu�te: Seine Fl�gelschl�ge waren langsam und schwerf�llig, er hatte M�he, mit Silvys Drachen mitzuhalten, obwohl der fast gem�chlich vor ihm dahinglitt. Immer wieder taumelte er oder drohte abzust�rzen, und Kara war pl�tzlich nicht einmal mehr sicher, da� er das kurze St�ck bis zur Insel noch schaffen w�rde. Sie konnte jetzt den Reiter erkennen, der zusammengesunken �ber dem Hals des Drachen lag, konnte aber nicht ausmachen, ob es sich dabei um Maran oder Tess handelte.</p><p>Sie liefen ein St�ck vom Ufer zur�ck und begannen Silvy zuzuwinken. Silvy lenkte ihr Tier in einer eleganten Schleife auf die Insel zu, und der zweite Drache versuchte, das Man�ver nachzuvollziehen, hatte aber nicht mehr die n�tige Kraft. Er taumelte, und seine Schwinge ber�hrte die Baumkronen. Ein gewaltiges Splittern und Krachen erscholl; der zweite Drache schrie vor Schmerz und Angst und sackte einen entsetzlichen Moment lang wie ein Stein in die Tiefe, ehe es ihm mit einer verzweifelten Anstrengung gelang, seinen Sturz abzufangen. Wie durch ein Wunder wurde der Reiter auf seinem R�cken bei diesem Man�ver nicht abgeworfen.</p><p>�Wir m�ssen ihm helfen!� schrie Zen.</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Aber wie?</emphasis> Ihr Blick suchte die beiden anderen Tiere. Die Drachen waren unruhig und bewegten die Fl�gel, als sp�rten sie wie Kara, in welcher Gefahr ihr Gef�hrte schwebte. <emphasis>�Er st�rzt!�</emphasis></p><p>Zens Stimme �berschlug sich, und Karas Herz macht einen erschrockenen Sprung, als sie sah, da� der Drache tats�chlich steil in die Tiefe scho�. Fast auf sie und Zen zu! Einen schrecklichen Moment lang war sie fest davon �berzeugt, da� er sie treffen und zermalmen w�rde, dann warf sich das Tier im buchst�blich allerletzten Moment herum, breitete noch einmal die Fl�gel aus und glitt um Haaresbreite �ber ihnen hinweg. Sie wurden beide von den F��en gerissen und st�rzten. Kara schlug sich H�nde und Knie auf den harten Felsen blutig, w�hrend der Drache ein St�ck von der Insel entfernt auf dem Wasser aufprallte.</p><p>Kara fegte mit einem gewaltigen Satz an Zen vorbei, stie� sich ab und landete im Wasser, noch ehe sie auf ihre innere Stimme h�ren konnte, die ihr verzweifelt zuzuschreien versuchte, da� sie nicht schwimmen konnte. Rasend schnell scho� sie durch das sch�umende Wasser, sah eine Gestalt vor sich in der Gischt auftauchen und griff instinktiv zu. Ihre Finger bekamen nasses Leder zu fassen. Kara klammerte sich mit verzweifelter Kraft am Fl�gel des tobenden Drachen fest und brachte sogar irgendwie das Kunstst�ck fertig, sich weiter hinaufzuziehen. Es war v�llig absurd, aber w�hrend sie sich keuchend und mit letzter Kraft St�ck f�r St�ck weiter auf die peitschende Riesenschwinge hinaufarbeitete, war ihr einziger Gedanke, da� sie Cord oder Storm unbedingt darum bitten mu�te, ihr das Schwimmen beizubringen, sobald sie zur�ck im Hort war.</p><p>Wahrscheinlich h�tte sie es nicht geschafft, h�tte der Drache nicht zu toben aufgeh�rt. Seine Bewegungen wurden schw�cher, und schlie�lich lag die gewaltige Schwinge still wie das Segel eines untergegangenen Schiffes auf dem Wasser.</p><p>Kara g�nnte sich eine einzige, kostbare Sekunde, um wieder zu Atem und Kr�ften zu kommen, dann stemmte sie sich auf H�nde und Knie und kroch los. Der Drache r�hrte sich nicht mehr, aber der Fl�gel gab unter ihrem Gewicht immer wieder nach. Sie wu�te, da� der Drache tot war, lange bevor sie seinen K�rper erreichte und sich auf seinen schuppigen R�cken hinaufzog. Es war nicht der Sturz gewesen, der ihn umgebracht hatte. Seine Flanken und sein Hals waren �bers�t mit tiefen, blutenden Wunden. Wie es schien, hatten Tess und Maran wirklich den zweiten Drachenfels gefunden.</p><p>Sie versuchte, den Schmerz zu verdr�ngen, mit dem sie der Tod des Drachen erf�llte, und eilte auf die reglose Gestalt in seinem Nacken zu. Es war Maran, und Kara erkannte, weshalb er bei dem verzweifelten Flugman�ver des Tieres nicht abgeworfen worden war: Er hatte sich im Sattel festgebunden. Aber er regte sich nicht, und er reagierte auch nicht, als Kara seinen Namen rief.</p><p>Voller Panik kniete sie neben ihm nieder, zerrte den Dolch aus dem G�rtel und zerschnitt die Lederriemen, die Maran hielten. Mit einer schrecklich schlaffen Bewegung sackte Maran zur Seite und w�re ins Wasser gefallen, h�tte Kara nicht rasch zugegriffen und ihn aufgefangen. Seine Haut war eiskalt, und f�r einen furchtbaren Moment war sie ganz sicher, da� auch er tot war.</p><p>Sie konnte ihn kaum noch halten. Ihre Finger glitten auf dem nassen Leder seiner Jacke ab. Wo, zum Teufel, blieb Zen? Sie sah zum Ufer zur�ck. Zen war bis auf die H�ften ins Wasser gewatet, unternahm aber keinen Versuch n�her zu kommen. Nat�rlich � er konnte auch nicht schwimmen. Die wenigsten Drachenkrieger konnten schwimmen.</p><p>Kara versuchte, die H�nde in Marans Jacke zu krallen, aber immer wieder entglitt sie ihm. Verzweifelt und ohne wirklich dar�ber nachzudenken, packte sie schlie�lich sein schulterlanges, dichtes Haar. Ob sie ihn auf diese Weise wirklich gehalten h�tte, erfuhr sie nie � ihr Griff bereitete ihm auf jeden Fall genug Schmerzen, um ihn aus der Bewu�tlosigkeit zu rei�en. St�hnend �ffnete er die Augen, tastete blindlings um sich und fand am schuppigen Hals des toten Drachen Halt.</p><p>�Verdammt, hilf mir!� st�hnte Kara. Die Anstrengung �berstieg fast ihre Kr�fte. �Willst du ertrinken?�</p><p>Maran kam langsam zu sich; er schien zu begreifen und griff kr�ftig zu. Endlich schwand der entsetzliche Druck von ihren Schultermuskeln. Sie atmete erleichtert auf, lie� aber erst ganz los, als sie sicher war, da� sich Maran aus eigener Kraft halten konnte.</p><p>Fast eine Minute lang lagen sie beide keuchend und v�llig ersch�pft nebeneinander, dann hob Kara m�hsam den Kopf und sah Maran an. Er hatte sich weiter in die H�he gezogen und war �ber dem Sattel zusammengebrochen. Kara erschrak erneut, als sie seinen R�cken sah. Nicht nur sein Drache war von dem entsetzlichen gr�nen Licht der Libellen getroffen worden.</p><p>�Beweg dich nicht!� sagte sie erschrocken. Sie plagte sich auf und sp�rte, wie ihr schwindelig wurde. Trotzdem fuhr sie fort:</p><p>�Ich bringe dich... an Land. Irgendwie.�</p><p>Irgendwie schaffte sie es, wenngleich sie einen Grad der Ersch�pfung erreicht hatte, der sie nicht einmal mehr sp�ren lie�, da� Silvy und Zen ihnen auf dem letzten St�ck entgegenwateten und sie beide an Land zogen.</p><p>Sie verlor nicht das Bewu�tsein, aber sie d�mmerte lange am Rande einer Ohnmacht dahin. Die Sonne war bereits hinter den B�umen verschwunden, als sie sich so weit erholt hatte, da� sie sich aufsetzen und zu Silvy und Zen hin�berkriechen konnte, die sich noch immer um Maran bem�hten. Seine Augen waren geschlossen, aber dann hob er die Lider, als sp�re er ihre N�he, kaum da� sie neben ihm ankam. Sein Blick war getr�bt, und doch glaubte sie, da� er sie erkannte.</p><p>Maran zitterte am ganzen Leib, und auch Kara fror entsetzlich. Die Nacht w�rde noch k�lter werden. Kara hoffte, da� Maran �berlebte. Leider wies die Felseninsel keine H�hle auf. �Wie geht es ihm? �</p><p>Zen zuckte mit den Schultern, und Silvy machte ein besorgtes Gesicht. �Ich wei� es nicht�, sagte sie. �Die Verbrennungen auf seinem R�cken sind nicht sehr tief, aber sehr gro�. Ich habe nichts, um die Wunde zu versorgen. M�glich, da� sie sich entz�ndet.�</p><p>Kara beugte sich vor, ber�hrte fl�chtig Marans Stirn und l�chelte, als er den Kopf zu drehen versuchte, um sie anzusehen. �Wie f�hlst du dich?� fragte sie.</p><p>�Es ist sinnlos�, sagte Zen. �Er versteht dich nicht. Ich habe es ein paarmal versucht.� Er z�gerte sichtlich, dann griff er unter seine Jacke und zog etwas hervor. �Das hatte er bei sich.�</p><p>Kara ri� �berrascht die Augen auf, als sie sah, da� es die Karte war; v�llig durchweicht und zerknittert, aber ansonsten unbesch�digt.</p><p>�Er?� murmelte sie. �Aber das bedeutet, da�...�</p><p>�Da� <emphasis>er</emphasis> wahrscheinlich die Idee hatte, auf eigene Faust loszuziehen und den Helden zu spielen�, fiel ihr Zen ins Wort. �Nicht Tess.� Beinahe ha�erf�llt sah er auf Maran herab. �Ich schw�re dir: Wenn sie tot ist, dann bringe ich ihn eigenh�ndig um!�</p><p>Kara lag eine scharfe Antwort auf der Zunge, aber sie sprach sie nicht aus. Zen liebte Tess, das war ein offenes Geheimnis, aber er war auch als sehr besonnen bekannt.</p><p>Statt Zen zurechtzuweisen, machte sie nur eine bes�nftigende Handbewegung. �Vielleicht versuchen wir erst einmal, am Leben zu bleiben, ehe wir Pl�ne schmieden, wer wen umbringt�, sagte sie. �Wir m�ssen mit ihm reden.�</p><p>�Wozu?� grollte Zen.</p><p>�Vielleicht, damit uns nicht dasselbe passiert wie ihm�, antwortete Silvy an Karas Stelle. �Du scheinst n�mlich recht gehabt zu haben. Es sieht so aus, als w�ren wir ganz in der N�he ihres Hauptquartiers.�</p><p>Zen pre�te die Lippen zusammen und starrte sie wortlos an. �Wir m�ssen ihn irgendwie w�rmen�, sagte Kara. �Er erfriert sonst.� Sie �berlegte einen Moment, dann deutete sie auf die Drachen. �Bringen wir ihn dorthin. Wenigstens sind wir da aus dem Wind heraus.�</p><p>Vorsichtig, um ihm nicht noch mehr Schmerzen zuzuf�gen, trugen sie Maran in den Windschatten der gewaltigen Tiere. Und Karas Einfall erwies sich als doppelt n�tzlich: Markor mu�te sp�ren, wie es um sie stand, denn er breitete pl�tzlich eine seiner Schwingen aus, so da� sie sich wie das Dach eines lebenden Zeltes �ber ihnen spannte.</p><p>Eine Stunde nach Sonnenuntergang begann Maran zu fiebern, und als sich Kara seinen R�cken besah, stellte sie fest, da� genau das eingetreten war, was Silvy bef�rchtet hatte: Die Verbrennung hatte sie entz�ndet. Das salzige Wasser hatte alles nur noch schlimmer gemacht, was Kara auch nicht im geringsten �berraschte. Die Wunden auf ihren H�nden und Knien brannten wie Feuer. Das Wasser war nicht einfach nur salzig, es stank und war faulig.</p><p>�Er stirbt, Kara�, sagte Silvy, nachdem sie eine Weile besorgt in sein Gesicht geblickt hatte. �Tu irgend etwas, Kara. Hilf ihm!�</p><p>Kara hatte diese Bitte bef�rchtet. Sie selbst hatte im Laufe der letzten Stunde mehr als ein Dutzend Mal daran gedacht, das bi�chen Wissen um die geheime Heilmagie der Drachenkrieger anzuwenden, um ihm zu helfen, war aber jedes Mal davor zur�ckgeschreckt. Angella hatte ihr so wenig erz�hlt.</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich es kann�, sagte sie ausweichend. �Vielleicht bringe ich ihn damit um.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� du noch viel Schaden anrichten kannst�, erwiderte Silvy. �Er stirbt, wenn wir nichts tun.�</p><p>Kara z�gerte noch lange; Minuten, in denen sich Marans Zustand so rasch verschlechterte, da� Silvy sie stumm und vorwurfsvoll anblickte.</p><p>�Also gut�, sagte sie schlie�lich. �Helft mir!�</p><p>Gemeinsam entkleideten sie Maran und betteten ihn so auf den Boden, da� seinem R�cken �berm��ige Schmerzen erspart blieben. Dann begannen Karas H�nde und Fingerspitzen behutsam �ber seinen K�rper zu gleiten. Sie ber�hrten Nervenknoten, fuhren die Bahnen entlang, die die geheimen Str�me seines K�rpers entlangliefen, massierten, streichelten, kneteten, dr�ckten. Nach einer Weile f�hlte sie, wie sich ihre Fingerspitzen auf Marans Haut zu erw�rmen begannen. Es war mehr als die W�rme, die die Ber�hrung berursachte. Kara glaubte ein Prickeln und Kribbeln zu versp�ren, als fl�ssen geheimnisvolle Kr�fte von ihrem K�rper in den seinen und umgekehrt. Ganz allm�hlich beruhigte sich Marans rasender Pulsschlag, und Kara begann Hoffnung zu sch�pfen, da� ihr Tun ihm vielleicht wirklich half.</p><p>Aires hatte ihr einmal erkl�rt, da� diese Art der Massage auf eine uralte Technik zur�ckging, die sogar noch �lter als die Alte Welt sein sollte und auf dem Prinzip beruhte, sowohl die Selbstheilungskr�fte des menschlichen K�rpers als auch seine geheimen Kraftreserven zu mobilisieren. Sie wu�te, da� das stimmte; schlie�lich hatte sie es vor nicht einmal langer Zeit am eigenen Leib gesp�rt.</p><p>Nach einer Stunde war sie so ersch�pft, da� sie selbst �ber Marans K�rper zusammengebrochen w�re, h�tte sie nicht aufgeh�rt. Aber sein Atem ging pl�tzlich sehr viel ruhiger, und er hatte aufgeh�rt zu phantasieren und sich so heftig hin und her zu werfen, da� Zen ihn festhalten mu�te. Er war nicht mehr bewu�tlos, sondern schlief; einen sehr, sehr tiefen Schlaf. Kara war so ersch�pft, da� sie kaum noch Zeit fand, ein paar Schritte weit zu kriechen und sich an Markors Flanke zu kuscheln, ehe ihr die Augen zufielen und auch sie in den Schlaf sank.</p></section><section><title><p>29</p></title><p>Eine Stunde vor Sonnenaufgang schrak sie auf, aus dem Schlaf gerissen durch ein grelles Licht und durch ein gewaltiges Get�se, das noch in ihren Ohren dr�hnte.</p><p>Mit einem Ruck setzte sie sich auf und sah sich um. Ihr war kalt, denn der Drache hatte sich aufgerichtet, so da� der schneidende Nachtwind sie ungesch�tzt traf. �ber ihr war wieder der Sternenhimmel, nicht mehr Markors besch�tzende Schwinge. Maran lag schlafend neben ihr, aber sie sah die Schatten der beiden anderen, die sich ebenfalls aufgerichtet hatten und gebannt nach Norden sahen.</p><p>Ein grellwei�er Blitz von unertr�glicher Helligkeit zerri� die Nacht. Kara schrie auf und schlug die H�nde vor die Augen, aber das Licht drang durch ihre geschlossenen Augen und hinterlie� ein hartes Abbild des toten Waldes auf ihren Netzh�uten.</p><p>F�r eine geraume Weile war das alles, was sie sah, selbst als sie die H�nde wieder herunternahm und vorsichtig die Augen �ffnete. Ein ungeheures Krachen und Dr�hnen drang an ihr Ohr, und im selben Moment b�umten sich die drei Drachen auf und stimmten ein Gebr�ll an, das beinahe noch schlimmer war. Wenige Augenblicke sp�ter sp�rte Kara, wie der Boden unter ihnen zu zittern begann; und noch einmal Augenblicke sp�ter traf ein warmer Lufthauch ihr Gesicht. Kara blinzelte st�hnend. Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen, aber sie konnte noch nichts sehen au�er dem in ihre Netzhaut gebrannten Bild des Waldes. Und pl�tzlich war sie sicher, da� dieses Bild ihr vermutlich das Augenlicht gerettet hatte. H�tte der Wald nicht den allergr��ten Teil der entsetzlichen Lichtflut aufgehalten, w�re sie jetzt blind. Aber auch so vergingen noch Minuten, bis sie ihre Umgebung wenigstens wieder schemenhaft erkennen konnte. Ihr erster Blick galt Silvy und Zen. Beide hockten zusammengekr�mmt da. Silvy blinzelte ununterbrochen. Tr�nen liefen �ber ihr Gesicht. Zen pre�te noch immer st�hnend die Hand vor die Augen.</p><p>Voller Angst wandte Kara sich wieder nach Norden um.</p><p>Der Wald loderte rot im Widerschein zahlloser Br�nde, die in seinen Wipfeln tobten. Dahinter erhob sich ein schwarzes Ungeheuer, so hoch wie der Himmel: eine ungeheuerliche, brodelnde Wolke von der Form eines Pilzes, in der es noch immer rot und orange aufleuchtete. Kara glaubte, auch einige d�nne, gr�ne Blitze zu erkennen, die zwischen Boden und Himmel hin und her zuckten. Vor ihren Augen tanzten noch immer bunte Farbkleckse und Schlieren.</p><p>Kara hatte noch nie zuvor solch ein H�llenspektakel gesehen, aber der Anblick ber�hrte irgend etwas tief in ihrem Inneren, eine Erinnerung, die sie nie zuvor bewu�t gehabt hatte, die aber immer dagewesen war, vielleicht ein Teil eines kollektiven Ged�chtnisses, das sie mit jedem anderen denkenden Wesen dieses Planeten teilte. Sie war gel�hmt vor Entsetzen, unf�hig, sich zu bewegen, zu denken oder auch nur den Blick von dieser furchtbaren Feuersbrunst zu l�sen. Dieses schwarze br�llende Monstrum war der gestaltgewordene Teufel, der aus dieser Welt das gemacht hatte, was sie war. Es war DER FEIND, den man nicht bek�mpfen und vor dem man nicht davonlaufen konnte. Es war ein Feind, der durch sein blo�es Dasein t�tete.</p><p>Auch Silvy und Zen hockten wie gel�hmt da, mit offenen M�ndern, starren Augen und schreckensbleichen Gesichtern. Endlos lange starrten sie den schwarzen H�llenpilz an, der immer noch wuchs und wuchs, als wolle er den gesamten Himmel verschlingen.</p><p>Schlie�lich sank Silvy mit einem Wimmern zu Boden und verbarg das Gesicht zwischen den H�nden.</p><p>Ihre Bewegung brach den Bann. Es gelang Kara endlich, ihren Blick von der f�rchterlichen Erscheinung loszurei�en, und auch Zen drehte sich mit einem ersch�pften Seufzer zur Seite. �Gro�er Gott!� fl�sterte er. �Was... was war das?�</p><p>Keiner von ihnen wu�te es, und zugleich sp�rten sie alle genau dieses Wissen tief in sich, nicht die Antwort auf Zens Frage, sondern das Wissen, da� dieses... <emphasis>Etwas</emphasis> der Inbegriff aller Schrecken war, ein entsetzliches, durch und durch B�SES Wesen.</p><p>Wieder verging eine lange, lange Zeit, in der keiner von ihnen sprach oder sich auch nur nennenswert bewegte. Dann begann Maran pl�tzlich zu st�hnen und sich unruhig hin und her zu werfen. Er �ffnete die Augen, versuchte den Kopf zu heben und sank keuchend wieder zur�ck.</p><p>�Bleib liegen�, sagte Kara. Es fiel ihr schwer, �berhaupt zu sprechen. Angellas Stimme, die noch immer irgendwo in ihr war, versuchte ihr zu erkl�ren, da� Maran jetzt jede nur erdenkliche Hilfe von ihr brauchte, aber sie brachte einfach nicht die n�tige Kraft auf, ihm irgendwie beizustehen. Sie legte die Hand auf seine Stirn, aber es war eine leere Geste ohne jede Bedeutung.</p><p>Maran schob ihren Arm zur Seite und stemmte sich m�hsam auf. Er wollte etwas sagen, aber in diesem Moment fiel sein Blick auf den Rauchpilz am Horizont. Seine Augen weiteten sich. �Was... was ist <emphasis>das?�</emphasis> kr�chzte er.</p><p>�Irgend etwas ist explodiert�, antwortete Kara ausweichend. Ihre Lippen waren spr�de und schmerzten, als sie sprach. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>Maran antwortete, ohne den Blick von der grauenerregenden Erscheinung am Himmel zu nehmen. �Ich habe h�llische Schmerzen.�</p><p>�Gut�, sagte Zen. �Ich hoffe, es wird noch schlimmer. Wo ist Tess? Was hast du mit ihr gemacht?�</p><p>�Tess?� Maran schien im ersten Moment nicht einmal zu verstehen, wovon er sprach. Dann legte sich eine tiefe Trauer auf sein Gesicht. �Ich wei� nicht�, sagte er. �Aber ich f�rchte, sie ist tot.�</p><p>�Du...� Zen sprang auf und machte einen drohenden Schritt auf Maran zu. Sein Gesicht war verzerrt.</p><p><emphasis>�Zen!�</emphasis></p><p>Kara hob bes�nftigend die Hand, aber ihre Stimme war scharf wie eine Messerklinge, so da� Zen tats�chlich innehielt. Kara sah ihn fast beschw�rend an, w�hrend ihre freie Hand zum Schwertgriff wanderte. Zens H�nde zuckten, und f�r einen Moment gl�hte in seinen Augen pure Mordlust, die nicht nur Maran, sondern auch ihr galt. Pl�tzlich begriff Kara, wie gef�hrlich die Situation war. Es war nicht nur Zens Sorge um Tess, sie alle hatten ins Herz der H�lle geblickt und ein Entsetzen kennengelernt, das mit Worten nicht einmal zu beschreiben war.</p><p>�Bitte, Zen�, sagte sie ein wenig sanfter. �Beruhige dich. La� ihn erz�hlen.� Sie wandte sich an Maran. �Wenn du dich in der Lage dazu f�hlst.�</p><p>�Erz�hlen?� Maran machte eine verwirrende Geste. �Ja, ich... ich versuche es. Aber ich... ich erinnere mich kaum.�</p><p>�Das w�rde ich an deiner Stelle auch nicht�, bemerkte Zen voller Ha�.</p><p>�Jetzt halte endlich den Mund!� fuhr ihn Kara an. <emphasis>�Setz dich hin!�</emphasis></p><p>Zen starrte abwechselnd sie und Maran an. In seinem Gesicht arbeitete es. F�r einen Moment war Kara nicht sicher, da� er ihr gehorchen w�rde. Aber dann lie� er sich mit einer trotzigen Bewegung zu Boden sinken und starrte Maran nur ha�erf�llt an. Kara machte eine auffordernde Geste. �Was ist passiert?�</p><p>�Ich... wei� nicht einmal, wie... wie ich zur�ckgekommen bin�, murmelte Maran. �Wie komme ich hierher? Wasser. Da war Wasser, Hast du mich... herausgeholt?�</p><p>�Ja. Aber was ist vorher geschehen, Maran? Ihr wart dort, nicht wahr?� Sie deutete auf den Horizont im Norden, vermied es aber, in diese Richtung zu sehen.</p><p>Maran schluchzte. �Ja. Ich...�</p><p>�Wie hast du Tess dazu gebracht, dich zu begleiten?� unterbrach ihn Zen aufgebracht.</p><p>Kara warf ihm einen warnenden Blick zu � aber sie sagte nichts. Maran setzte sich mit einem Ruck ganz auf und funkelte Zen an.</p><p>�Ich?� schnappte er. �Bist du verr�ckt? <emphasis>Sie</emphasis> ist einfach auf ihren Drachen gestiegen und davongeflogen! Ich habe versucht, sie zur�ckzuhalten, aber es ist mir nicht gelungen.�</p><p>�O ja!� h�hnte Zen. �Das glaube ich dir! Deswegen hattest du ja auch die Karte in der Tasche, nicht wahr?� Er zog die Karte unter der Jacke hervor und schleuderte sie vor Maran auf den Boden. Maran blickte sie verst�rt an, und Kara beugte sich rasch vor und nahm die Karte an sich.</p><p>�Rei� dich zusammen, Zen�, sagte sie mit schneidender Stimme. �Erz�hle weiter, Maran. In allen Einzelheiten. Und � <emphasis>bitte �</emphasis> die Wahrheit.�</p><p>�Ich habe nichts zu verbergen!� antwortete Maran in einem Ton, der in Karas Ohren eine Spur zu heftig klang. �Du hattest mir befohlen, auf Tess aufzupassen�, fuhr er fort, �und genau das habe ich getan. Ich gebe zu, ich bin eingeschlafen, aber ich wurde wach, als ich sie in der H�hle hantieren h�rte. Ich sah, da� sie die Karte an sich genommen hatte, und ging ihr nach, um sie zur Rede zu stellen.�</p><p>�Warum hast du mich nicht geweckt?�</p><p>�Warum sollte ich? Ich konnte ja nicht ahnen, da� sie pl�tzlich verr�ckt spielt!�</p><p>�Verr�ckt spielt?�</p><p>Maran z�gerte einen Augenblick. �Sie hat mich niedergeschlagen�, gestand er. �Ohne Warnung. Ich mu� wohl einen Moment das Bewu�tsein verloren haben. Als ich wieder zu mir kam, war sie schon auf ihrem Drachen.�</p><p>�Und warum hast du uns da nicht geweckt?� fragte Kara mi�trauisch. Etwas an Marans Geschichte gefiel ihr nicht. �Dazu war keine Zeit�, verteidigte sich Maran. �Es war dunkel! Was h�tte ich tun sollen? Auf euch warten? Bis dahin w�re sie l�ngst in der Nacht verschwunden gewesen! Ich bin zu meinem Drachen gelaufen und habe die Verfolgung aufgenommen.�</p><p>�Du h�ttest schreien k�nnen � <emphasis>w�hrend</emphasis> du zu deinem Drachen rennst.�</p><p>�Ich gebe zu, das war ein Fehler�, sagte Maran � in einem Ton, der klarmachte, da� er eigentlich <emphasis>gar nichts</emphasis> zugab. �Ich war w�tend. Und ich dachte, ich h�tte eine gute Chance, sie einzuholen und zur�ckzubringen, bevor...�</p><p>�Bevor was?� fragte Zen, als Maran nicht weitersprach.</p><p>�Bevor ihr �berhaupt etwas merkt�, antwortete Maran heftig. �Verdammt, glaubst du, ich war stolz darauf, da� sie mich �bert�lpelt hat? Ich war w�tend. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Na und? Willst du mich daf�r erschlagen oder aufh�ngen lassen?�</p><p>�Du hast sie also nicht eingeholt�, sagte Kara rasch, ehe Zen antworten konnte.</p><p>Maran schnaubte. �Eingeholt? Sie hat Katz und Maus mit mir gespielt! Erst als die Sonne aufging, erreichte ich sie. Sie hatte auf mich gewartet.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Woher soll ich das wissen?� schnappte Maran. �Vielleicht wollte sie nicht allein weiterfliegen. Vielleicht hatte sie auch Angst, da� ich nicht zu euch zur�ckfinde und ums Leben komme. Wir haben uns gestritten. Ich habe ihr die Karte fortgenommen und verlangt, da� wir zur�ckfliegen. Aber sie hat sich geweigert. Und schlie�lich hat sie mich �berzeugt, da� wir genausogut auch weiterfliegen konnten. Es war nicht mehr allzu weit.� Seine Stimme nahm wieder jenen verteidigenden Tonfall an, der es Kara so schwermachte, ihm zu glauben. �Ich hatte nicht vor, den Felsen anzugreifen. Ich wollte nur einen Blick darauf werfen und dann zur�ckfliegen. Und Tess hat mir versprochen, nichts ohne mein Einverst�ndnis zu unternehmen.�</p><p>�Ich glaube dir nicht�, sagte Zen.</p><p>Kara stimmte ihm im stillen zu, gebot ihm aber mit einer unwilligen Geste, still zu sein.</p><p>�Nach zwei Stunden konnten wir den Felsen sehen�, fuhr Maran fort. �Er sieht wirklich genauso aus wie auf der Karte. Aber er ist sehr viel gr��er, als ich dachte. Er mu� Platz f�r tausend Drachen bieten, falls es dort noch welche gibt.�</p><p>�Falls?� fragte Kara. �Wart ihr denn nicht da?�</p><p>�Nicht nahe genug, um Einzelheiten zu erkennen�, antwortete Maran d�ster. �Ich sch�tze, wir waren noch f�nfzig oder sechzig Meilen entfernt, als sie uns angriffen.�</p><p>�Libellen?�</p><p>Maran nickte. �Ein ganzer Schwarm�, sagte er. �Zwanzig oder drei�ig Maschinen. Wir konnten eine vernichten, aber dann mu�ten wir fliehen. Tess und ich wurden getrennt. Ich wei� nicht, was mit ihr passiert ist.�</p><p>�Du hast dich nicht einmal �berzeugt, was ihr passiert ist?� fragte Zen aufgebracht.</p><p>�Ich hatte zu tun, wei�t du?� fauchte Maran. �Ich hatte ein Dutzend von diesen... Dingern am Hals und war damit besch�ftigt, am Leben zu bleiben � wenn du gestattest.�</p><p>�H�rt auf!� sagte Silvy erschrocken. �Still!�</p><p>Alle drei sahen sie �berrascht an. Silvy hatte sich wieder aufgesetzt und den Kopf in den Nacken gelegt. �H�rt ihr nichts?� fl�sterte sie.</p><p>Im ersten Moment h�rte Kara tats�chlich nichts � aber dann vernahm sie ein fernes, dunkles Grollen, das sie bis ins Mark erschreckte, ohne da� sie auch nur wu�te, was es war. Sie sah auf...</p><p>... und sprang mit einem Schreckensschrei in die H�he.</p><p>Die Br�nde im Norden erloschen einer nach dem anderen, und im gleichen Augenblick wu�te Kara, was sich ihnen n�herte. �Weg hier!� schrie sie. �Auf die Drachen! <emphasis>Schnell!�</emphasis></p><p>Sie ri� Maran in die H�he und zerrte ihn mit sich, w�hrend die beiden anderen zu ihren Drachen hetzten. Markor bewegte sich unruhig, und Marans Gewicht erschwerte es ihr noch mehr, auf den R�cken des Drachen zu klettern. Sie mu�te Markor keine Befehle mehr erteilen; der Drache breitete die Schwingen aus und stie� sich mit einem gewaltigen Satz in die H�he, kaum da� Kara im Sattel sa�.</p><p>Keine zwanzig Sekunden sp�ter erbebte die Insel unter dem Anprall einer gewaltigen Flutwelle. Gischt spritzte so hoch in die Luft, da� selbst Kara auf Markors R�cken noch einige Spritzer abbekam. Kara h�rte ein krachendes Splittern, als einige der Baumriesen am Waldrand umst�rzten. Die Insel verschwand im brodelnden Meer.</p><p>�Das war knapp�, keuchte Maran. �Eine Minute sp�ter, und...�</p><p>Kara nickte wortlos. Sie starrte gebannt in die Tiefe. Das Wasser war einfach �ber die Insel hinweggesp�lt.</p><p>�Was war das?� fl�sterte Maran. �Du hast behauptet, etwas w�re <emphasis>explodiert?�</emphasis></p><p>�Es war wohl eine ziemlich gro�e Explosion�, murmelte Kara. Ihre Stimme klang flach, und sie sp�rte, wie das Entsetzen ihr ganzes Denken l�hmte. Was w�rde noch passieren? Eine Weile kreisten sie �ber der Lichtung, bis Kara glaubte, da� sie das Schlimmste hinter sich hatten, und das Zeichen zur Landung gab. Nat�rlich war an Schlaf in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Also konnten sie auch ebensogut Pl�ne f�r ihr weiteres Vorgehen schmieden.</p><p>�Jetzt, wo wir die Karte wiederhaben, k�nnen wir ja zur�ckfliegen�, sagte Silvy.</p><p>Kara deutete ein Achselzucken an, und Maran und Zen reagierten gar nicht. Aber Kara ahnte, was in ihnen vorging. Zen w�rde nicht von hier fortgehen, solange er nicht genau wu�te, was mit Tess geschehen war, und Maran mu�te irgendwelche anderen Gr�nde haben, die Kara immer noch nicht verstand. Sie wu�te nicht warum, aber sie glaubte ihm die Geschichte nicht v�llig, die er ihnen erz�hlt hatte.</p><p>Und sie selbst?</p><p>Ohne ihr Zutun wanderte ihr Blick wieder nach Norden. Jetzt, wo die Br�nde erloschen waren, sah sie den Pilz aus Rauch und Qualm nur noch als gewaltigen Schatten, dessen Umrisse den Sternenhimmel verdunkelten. Sie hatte noch immer entsetzliche Angst davor, aber pl�tzlich wu�te sie, da� auch sie nicht hier weggehen konnte, ohne zu wissen, was dort geschehen war. Sie mu�te es sehen, gleichg�ltig, wie entsetzlich es war.</p><p>�Wir warten, bis es hell wird�, bestimmte sie. �Dann fliegen Zen und ich hin�ber.�</p><p>�Bist du wahnsinnig?� keuchte Silvy. �Willst du, da� sie euch umbringen wie Tess?�</p><p>�Wir wissen nicht, ob sie tot ist�, antwortete Kara. �Wenn du an ihrer Stelle w�rst, w�rde ich dich auch nicht zur�cklassen und ich w�rde dasselbe von euch erwarten. Au�erdem glaube ich nicht, da� dort noch irgend jemand lebt, der uns gef�hrlich werden k�nnte.� Sie wu�te, da� sie sich damit selbst widersprach, aber keiner der anderen schien es zu bemerken.</p><p>�Es bleibt dabei�, sagte sie noch einmal. �Du bleibst zusammen mit Maran hier. Ihr wartet bis zum n�chsten Morgen.� Sie z�gerte einen Moment, dann nahm sie die Karte und gab sie Silvy. �Wenn ihr angegriffen werdet oder wir nach Ablauf eines Tages nicht zur�ck sind, dann bringst du die Karte zu Aires.�</p><p>Silvy drehte die Karte unschl�ssig in den Fingern. Sie sah Maran an, stellte aber keine Fragen mehr. Sie wu�ten alle, da� Marans momentanes Wohlbefinden t�uschte. Der Zusammenbruch w�rde kommen, vielleicht schon morgen.</p><p>�Sollen wir nicht besser zwei Tage warten?�</p><p>�Vierundzwanzig Stunden�, beharrte Kara. �Wenn wir bis zum n�chsten Sonnenaufgang nicht zur�ck sind, dann kommen wir vermutlich nicht wieder.�</p></section><section><title><p>30</p></title><p>Es war, wie Maran behauptet hatte: Als die Sonne aufging, sahen sie den Schatten des zweiten Drachenfelsens am Horizont. Da sie die Entfernung nicht kannten, war es unm�glich, seine Gr��e zu sch�tzen; aber er mu�te gewaltig sein. Unter ihnen begann sich das Land auf furchtbare Weise zu ver�ndern. Die Flutwelle, der sie mit knapper Not entkommen waren, hatte wie ein Orkan im Wald gew�tet. Gewaltige Schneisen g�hnten zwischen den B�umen. Sie �berflogen Gebiete, in denen nur noch zersplitterte St�mpfe aus dem Wasser ragten. Und wo die Springflut nicht zugeschlagen hatte, da hatten gewaltige Br�nde den Wald verw�stet. Eine unbestimmte Trauer ergriff von Kara Besitz, w�hrend sie in zwei Meilen H�he �ber den verbrannten Wald dahinglitten. Was immer auch geschah und was immer sie auch taten; die Wunden, die dieses Land davongetragen hatte, w�rden niemals wieder heilen.</p><p>Bevor sie den Drachenfelsen erreichten, wollten sie noch einmal eine Rast einlegen. Es dauerte allerdings eine ganze Weile, bis sie einen geeigneten Landeplatz fanden, denn die B�ume lichteten sich mehr und mehr. Sie flogen im Grunde nicht mehr �ber einen Wald, der unter Wasser stand, sondern �ber ein Meer, aus dem hier und da ein Baum ragte. Sie rasteten eine halbe Stunde, dann flogen sie weiter.</p><p>Allm�hlich traten die Einzelheiten des zweiten Drachenfelsens st�rker hervor. Anders als sein kleinerer Bruder im Westen glich er einer gewaltigen, sehr schlanken Pyramide. S�mtliche Grate und Kanten wirkten wie abgeschliffen.</p><p>Sie �berschritten die Grenze, <emphasis>die</emphasis> Maran ihnen genannt hatte, ohne angegriffen zu werden. Keine Libellenmaschinen tauchten auf, kein gr�nes Licht stach nach ihnen. Sie sahen nicht die geringste Bewegung, nicht das kleinste Zeichen von Leben. Der Berg ragte aus der Oberfl�che eines leblosen Ozeans empor. Kara signalisierte Zen, ihr zu folgen, und lenkte Markor fast bis auf die Wasseroberfl�che herab. Sie ahnte, da� es eine vergebliche Vorsichtsma�nahme war � die M�nner in den eisernen Libellen waren nicht auf ihre Augen angewiesen, um zu sehen. Ihr Herz begann vor Aufregung hart und schwer zu schlagen, w�hrend sie die zyklopische Felsnadel zweimal in respektvoller Entfernung umkreisten. Kara hatte sich geirrt:</p><p>Der Berg war nicht glatt <emphasis>geschliffen,</emphasis> sondern geschmolzen. Hier und da gl�hte die Lava noch in einem tiefen, drohenden Rot. Grauer Rauch kr�uselte sich aus gewaltigen Rissen und Spalten, die in seinen Flanken klafften.</p><p>In kleiner werdenden Spiralen stiegen sie wieder h�her. Karas Blick suchte die schwarze Felswand ab, die rechts von ihr emporwuchs, aber sie entdeckte keine Spur von Leben. Die Maschinen, die Tess und Maran angegriffen hatten, waren nicht mehr da � oder Opfer des h�llischen Feuerblitzes geworden, den sie in der Nacht gesehen hatten.</p><p>Karas Verdacht, da� dieser Berg im Zentrum der ungeheuerlichen Explosion gelegen hatte, wurde zur Gewi�heit, als sie den Gipfel erreichten. Der gr��te Teil der Verteidigungs- und Festungsanlagen, die seinen Gipfel gekr�nt hatten, war v�llig zerst�rt. Mauern und T�rme waren zermalmt oder zu Staub zerfallen, gro�e Geb�ude wie von einer riesigen Hand zusammengedr�ckt worden, der Fels war zu riesigen, unf�rmigen Steinsbrocken zusammengeschmolzen, �ber denen die Luft noch immer vor Hitze flimmerte.</p><p>Von Westen nach Osten hin nahm die Schwere der Zerst�rung ab. Offensichtlich hatte der Hauch des t�dlichen Feuers die westliche Flanke des Berges getroffen, so da� es an seiner gegen�berliegenden Seite noch Teile der Festung gab, die nur leicht oder auch gar nicht besch�digt waren. Da und dort entdeckten sie die �berreste von Libellenmaschinen, und einmal glaubte Kara auch eine Bewegung zu erkennen, aber als sie genauer hinsah, war es nur ein toter Schatten.</p><p>Pl�tzlich ri� Zen seinen Drachen so abrupt zur Seite, da� Kara im allerersten Moment glaubte, er w�re von irgend etwas getroffen worden. Aber im gleichen Augenblick sah sie, da� er heftig gestikulierte, und reagierte ganz instinktiv. In einer engen Kurve jagte sie Markor hinter Zens Drachen her und versuchte, in Blickkontakt mit ihm zu treten.</p><p>Sie waren zu weit voneinander entfernt, um zu sprechen, und Zen war so aufgeregt, da� Kara seine Zeichen nicht genau verstand. Aber sie begriff, da� er auf dem Turm �ber ihnen etwas entdeckt hatte. V�llig ohne Leben schien dieser verbrannte Berg wohl doch nicht zu sein. Kara bedeutete ihm, zur�ckzubleiben und ihr den R�cken freizuhalten, dann steuerte sie Markor in einer langgezogenen Spirale auf den Turm zu. Sie flog ihn sehr niedrig an, darauf gefa�t, angegriffen zu werden. Sie war sich sehr schmerzhaft bewu�t, welch leichtes Ziel sie jedem Heckensch�tzen bieten mu�te. �rgerlich auf sich selbst verscheuchte sie den Gedanken. Es hatte wenig Sinn, sich selbst verr�ckt zu machen. Trotzdem waren ihre H�nde na� vor Schwei�, als sie sich dem zinnenges�umten Innenhof n�herte, vor dem Zen so pl�tzlich beigedreht hatte.</p><p>Es gab keine Heckensch�tzen. Aber auf dem Hof standen drei der riesigen Libellenmaschinen. Der Anblick h�tte Kara nicht �berraschen d�rfen, aber sie war dennoch so erstaunt, da� sie �ber den Hof hinwegflog, ohne etwas anderes zu tun, als die plumpen Kolosse aus braungr�n geflecktem Stahl anzustarren, die unter ihr auf dem Hof hockten, ihre K�pfe einander zugedreht, als w�ren es wirklich gro�e, eiserne Tiere, die hierhergekommen waren, um miteinander zu reden. Sie �hnelten den Maschinen kaum, die sie im Wald getroffen und gegen die sie gek�mpft hatten. Trotzdem erkannte Kara auf den ersten Blick, da� sie der gleichen Technologie entstammten.</p><p>Kara kreiste dreimal �ber dem Turm, ohne irgendein Anzeichen der Besatzung zu entdecken. Allerdings wurde ihr sehr schnell klar, da� sie hier irgendwo sein mu�ten. Welche Katastrophe auch immer diesen Berg getroffen hatte: Die Heliotopter waren <emphasis>danach</emphasis> gelandet. Und da die Maschinen weitaus gr��er waren als die, die sie bisher kennengelernt hatten, standen auch ihre Chancen recht gut, auf <emphasis>mehr</emphasis> als sechs M�nner zu sto�en...</p><p>Ihre Gedanken drehten sich wild im Kreis, w�hrend sie zu Zen zur�ckflog und ihm mit knappen Gesten ihren Plan signalisierte. Sie wu�te eigentlich nicht, was sie <emphasis>tun</emphasis> sollte. Sie hatten nur einen einzigen Vorteil auf ihrer Seite: das �berraschungsmoment.</p><p>Sie lie� Markor ein wenig langsamer fliegen, w�hrend Zen seinen Drachen vor sie setzte und hoch und schnell auf den Turm zusteuerte. Markor knurrte, als sp�re er Karas Erregung. Sie war immer noch nicht sicher, ob sie richtig handelten. Aber es war zu sp�t f�r Zweifel. Der Turm raste auf sie zu, und dann waren sie �ber ihn hinweggeglitten und steuerten die Libellen an. Einen Wimpernschlag bevor sie heran waren, glaubte Kara, eine Bewegung unter einer der T�ren wahrzunehmen, die ins Innere des Turmes hineinf�hrten, doch ihr blieb keine Zeit mehr, sich zu �berzeugen, ob sie es sich nur eingebildet hatte. Zens Drache breitete einen Vorhang aus orangeroten Flammen �ber dem Hof aus, und wenig sp�ter stie� Markors Feueratem in diese Glut hinein und verwandelte den Turm in einen flammenspeienden Vulkan.</p><p>Die drei Libellen explodierten. W�hrend Zen und sie ihre Drachen in verschiedene Richtungen abdrehten, um nicht von ihrer eigenen Glut erfa�t zu werden, glommen inmitten des Feuervorhanges drei grellwei�e B�lle auf. In respektvollem Abstand umkreisten sie den Turm, ehe sie es wagten, sich wieder zu n�hern. Schwarzer Rauch hing �ber der Festung, aber das Feuer war bald erloschen, als die Maschinen ausgebrannt waren. Trotzdem war der Stein noch zu hei�, um zu landen. Zweimal flog Markor an, und zweimal zog er sich mit einem zornigen Knurren wieder zur�ck, als seine Krallen die gl�hende Lava ber�hrten. Erst nachdem sie noch einmal zehn endlose Minuten gewartet hatten, gelang es dem Drachen, auf einem Teil der zerst�rten Zinnenkrone Halt zu finden, so da� Kara absteigen konnte.</p><p>Sie rannte auf die T�r zu, hinter der sie eine Bewegung zu sehen geglaubt hatte. Der Stein war noch immer so hei�, da� es ihr selbst durch die dicken Stiefelsohlen hindurch Schmerzen bereitete. Mit gro�en, beinahe grotesk aussehenden Spr�ngen erreichte sie die T�r, st�rmte hindurch und stolperte �ber etwas, das im Schatten dahinterlag. Sie versuchte vergebens, ihren Sturz abzufangen. Sie fiel gegen die Wand, prallte zur�ck und st�rzte auf die H�nde und Knie. Selbst hier war der Boden so hei�, da� sie schmerzhaft die Luft einsog und hastig wieder in die H�he sprang.</p><p>Mit klopfendem Herzen sah sie sich um. Sie war allein. Vor ihr verlor sich der Gang nach einem knappen Dutzend Schritten in v�lliger Finsternis, und hinter ihr, nur einen Schritt vom Eingang entfernt, lag ein geschw�rztes Etwas, das einmal ein Mensch gewesen sein mochte. Sie hatte sich also nicht get�uscht; etwas hatte sich hier bewegt.</p><p>Sie warf einen Blick auf den Hof und stellte fest, da� Zen noch immer nach einem Landeplatz suchte, dann ging sie neben dem Toten in die Hocke und zwang ihren Ekel soweit zur�ck, da� sie ihn untersuchen konnte. Es war nicht mehr festzustellen, ob das Kleidungsst�ck, das der Tote trug, eine jener verha�ten blauschwarzen Uniformen gewesen war. Mit ihrem Schwert drehte Kara die verkohlte Leiche herum. Gesicht und Brust des Toten waren ebenso verbrannt wie sein R�cken, aber seine verkrampften Finger hielten etwas, das Kara sofort wiedererkannte, obwohl es ru�geschw�rzt war und sich das Metall in der Glut des Drachenfeuers ein wenig verzogen hatten: Es war eine der Waffen, die das entsetzliche gr�ne Licht verschossen.</p><p>Angewidert l�ste sie die Waffe aus den H�nden des Toten, wischte mit ihrem Umhang die schwarze, schmierige Schicht herunter, die Schaft und Lauf bedeckte, und drehte sie unschl�ssig in den H�nden. Der gl�serne Lauf schimmerte so glatt und b�sartig, wie sie ihn in Erinnerung hatte, und als sie mit dem Daumen �ber den Schaft fuhr, sah sie ein winziges, mattgr�nes Licht.</p><p>Kara erschauerte, als w�re ihr kalt. Alles in ihr str�ubte sich dagegen, dieses Ding auch nur zu ber�hren. Sie hatte das Gef�hl, das, was sie eigentlich verteidigte, zu verraten, wenn sie diese Waffe benutzte.</p><p>Aber weder Aires noch Angella hatten je Bedenken gehabt, Dinge der Alten Welt einzusetzen, wenn es ihren Zwecken diente. Und aus Angellas Erz�hlungen wu�te sie, da� auch Tallys Drachenwaffen nichts anderes als Laserpistolen gewesen waren.</p><p>Kara z�gerte noch einen ganz kurzen Moment, dann hob sie das Gewehr und ber�hrte das, was sie f�r den Abzug hielt. Ein b�sartiges Licht glomm im Lauf der Waffe auf, dann spannte sich pl�tzlich ein haard�nner, singender Lichtfaden von giftgr�ner Farbe zwischen Karas H�nden und der gegen�berliegenden Wand und erlosch wieder, als sie erschrocken den Finger zur�ckzog. Wo er den Stein ber�hrt hatte, blieb eine rauchende Linie aus bla�roter Glut zur�ck.</p><p>Kara entschied sich, endg�ltig die Waffe zu behalten, bis die Gefahr vor�ber war.</p><p>Sie h�rte hastige Schritte, drehte sich herum und erblickte Zen, der durch den Eingang gest�rmt kam. Er hatte das Schwert gezogen und sah sehr erschrocken aus. �Kara, was...�</p><p>Der Schrecken auf seinen Z�gen wandelte sich in �berraschung, als er das Gewehr in Karas H�nden entdeckte. Dann fiel sein Blick auf den Toten. Er verzog angewidert das Gesicht, wirkte aber zugleich erleichtert.</p><p>�Ich habe das gr�ne Licht gesehen und dachte, du w�rst in einen Hinterhalt geraten�, sagte er.</p><p>�Bin ich nicht�, antwortete Kara knapp. �Aber das ist kein Grund, leichtsinnig zu werden. Ich sch�tze, da� seine Kameraden noch in der N�he sind. Komm weiter.�</p><p>Hintereinander bewegten sie sich tiefer in den Berg hinein. Die Dunkelheit war nicht so vollkommen, wie Kara im ersten Moment angenommen hatte: Vom Ende des Ganges her drang ein schwacher, r�tlicher Lichtschimmer zu ihnen, der ausreichte, ihre Umgebung zumindest schemenhaft zu erkennen.</p><p>Sie n�herten sich der Quelle des roten Lichts, aber der Stein, �ber den sie liefen, war noch immer so hei�, da� ihnen jeder Schritt Schmerzen bereitete. Und auch die W�nde strahlten eine sengende Hitze aus. Die Luft schmeckte nach verbranntem Fels, und manchmal knackte der Stein, und ein paarmal glaubte sie, ein tiefes, mahlendes Ger�usch zu h�ren, als st�hne der ganze Berg vor Schmerzen. Es war, als bewegten sie sich in einen gewaltigen Backofen hinein.</p><p>Vor ihnen lag eine halbrunde T�r aus Metall, die sich in der Hitze verzogen hatte, und dahinter, vom d�steren Rot der Notbeleuchtung in eine moderne Version der H�lle verwandelt, erstreckte sich der riesige Versammlungsraum des Drachenfelsen.</p><p>Er war v�llig zerst�rt.</p><p>Die Monitore, die die W�nde in schier endlosen Reihen bedeckten, waren geborsten und wirkten wie schwarze Augenh�hlen, aus denen Nervenenden aus ausgegl�htem Draht ragten. Die meisten Computerpulte mu�ten explodiert oder ausgebrannt sein, und alles, was aus dem glatten harten Material bestanden hatte, das Aires �Kunststoff� nannte, war in der Hitze zerlaufen wie Wachs. Die abgeh�ngte Decke war verschwunden, so da� man das Gewirr der Kabel und Versorgungsleitungen sehen konnte, das sich dahinter verbarg. Es gab ungef�hr ein Dutzend Tote, die auf dem Boden oder auch �ber den Pulten zusammengebrochen waren. Ihre verzerrten Gesichter bewiesen Kara, da� sie nicht leicht gestorben waren. Die Luft hier drinnen mu�te <emphasis>gekocht</emphasis> haben, dachte sie schaudernd.</p><p>Kara bewegte sich unschl�ssig durch den riesigen Raum. Sie wagte es nicht, irgend etwas zu ber�hren � nur Zen nahm auch eines der gl�sernen Gewehre an sich. Vorsichtig n�herten sie sich der T�r am anderen Ende des Raumes. Wenn der Grundri� dieser Festung dem kleineren Drachenfelsen im S�den glich, dann mu�te sich dahinter ein Gang befinden, der in die Mannschaftsquartiere und Versorgungsr�ume des Berges f�hrte. Aber Kara glaubte nicht, da� es so einfach war. Schlie�lich hatten Jandhis Urahnen diesen Berg nicht gebaut, sondern sich die von der Natur vorgegebenen Bedingungen nur zunutze gemacht. Trotzdem fanden sie sich am Anfang erstaunlich gut zurecht. Auch wenn sie in manchen R�umen Dinge sahen, deren Zweck sie nicht einmal zu erraten imstande waren. Kara begriff hingegen sehr bald, was hier vor ein paar Stunden geschehen war. Es war auch nicht besonders schwer. Manche Teile des Labyrinths waren noch immer so hei�, da� es unm�glich war, sie zu betreten. Was immer sie in der vergangenen Nacht beobachtet hatten � es hatte diesen Berg getroffen und zu einem Grab f�r alle die gemacht, die sich hinter seinen f�nfzig Meter dicken Mauern sicher gef�hlt hatten. Nicht einmal die unvorstellbare Explosion, die sie beobachtet hatten, hatte den Berg zerst�ren k�nnen.</p><p>�Ob es... eine Waffe der Alten Welt war?� fragte Zen z�gernd. Seine Stimme klang belegt, und als Kara sich zu ihm herumdrehte, sah sie, da� er totenbleich war und zitterte. Aber wahrscheinlich sah sie nicht besser aus.</p><p>Sie zuckte nur mit den Schultern und sagte: �Wir wissen ja nicht einmal, ob es �berhaupt eine Waffe war. Vielleicht... war es ein Unfall.�</p><p>Sie glaubte selbst nicht, was sie sagte. Zen hatte es nicht ausgesprochen, aber sie wu�ten beide, was er wirklich gemeint hatte. Es war nicht <emphasis>irgendeine</emphasis> Waffe. Er sprach von der Bombe, die diese Welt in einer einzigen Nacht in einen Vorhof der H�lle verwandelt hatte. Aber Kara weigerte sich, es zu glauben. Es konnte nicht sein, weil es nicht sein durfte. Von allen Hinterlassenschaften der Alten Welt hatten sie die Nuklearwaffen niemals anger�hrt. Die Angst vor dem, was geschehen war, war zu tief in den Genen der Handvoll �berlebender verwurzelt gewesen, die sich aus den radioaktiven Tr�mmern des letzten der zehn Kriege herausgruben. Es durfte nicht sein.</p><p>�Ich glaube es nicht�, sagte sie wie etwas, das sie sich nur oft genug einzureden brauchte, um es Wahrheit werden zu lassen. �Komm weiter. Vielleicht...� Sie fuhr sich nerv�s �ber das Gesicht, �... finden wir heraus, was hier passiert ist.�</p><p>Tiefer und tiefer drangen sie in die steinernen Eingeweide des Berges ein. Der Anblick ihrer toten Feinde erf�llte Kara schon lange nicht mehr mit Zufriedenheit. Sie fanden nichts mehr heraus, aber daf�r wurde Kara mit jedem Schritt, den sie tat, mit jeder T�r, die sie �ffnete, klarer, wie falsch das Gef�hl der Sicherheit gewesen war, in dem sie sich alle in den letzten zehn Jahren gew�hnt hatten. Hatten sie sich wirklich eingebildet, Jandhis Drachent�chter besiegt zu haben? L�cherlich. Das vermeintliche Hauptquartier ihrer Feinde, das sie zerst�rt hatten, war nichts als ein kleiner Au�enposten gewesen. Jandhis Drachent�chter hatten nur mit ihnen <emphasis>gespielt.</emphasis></p><p>Gegen diese Theorie sprach allerdings eine Tatsache: da� Zen und sie hier am Leben und all diese M�nner und Frauen tot waren.</p><p>Kara vermutete, da� sie etwa ein Viertel des Berges erkundet hatten, als sie zum ersten Mal das Ger�usch h�rte. Eigentlich <emphasis>sp�rten</emphasis> sie das Ger�usch eher, ein ganz sachtes, aber ungeheuer <emphasis>m�chtiges</emphasis> Vibrieren und Zittern, das den Boden, die W�nde und sogar die Luft schwingen lie�.</p><p>Zen und sie sahen sich nur an. Pl�tzlich hatten beide das Gef�hl, da� dieses Zittern die Lebens�u�erungen von etwas Ungeheuerlichem sein mu�ten, etwas, das unsichtbar und t�dlich irgendwo lauerte und sie verschlingen w�rde, sobald sie auch nur ein verr�terisches Ger�usch machten.</p><p>Unendlich vorsichtig gingen sie weiter. Die Halle, durch die sie sich bewegten, war riesig und vollkommen leer. Das gewaltige Einflugloch an ihrem jenseitigen Ende bewies Kara, da� es sich um eine Drachenh�hle handelte. Mit einem Gef�hl eisigen Entsetzens fragte sie sich, ob sie auch hier auf eine ebenso gigantische wie intelligente Ameisenk�nigin treffen w�rden wie die, von der ihr Angella erz�hlt hatte.</p><p>Das Vibrieren und Pochen wurde st�rker, je tiefer sie kamen, und nach einer Weile gesellte sich auch ein wirklich h�rbares Ger�usch dazu: ein dumpfes Dr�hnen und H�mmern, das Kara an nichts so sehr erinnerte wie an das Schlagen eines riesigen, schwarzen Herzens. Ihre Angst explodierte f�rmlich.</p><p>Pl�tzlich hob Zen die Hand und machte ein Zeichen, still zu sein. Kara h�rte ein Summen, das rasch n�her kam und pl�tzlich abbrach, dann ein ganz leises, metallisches Gleiten. Pl�tzlich, von einem Moment auf den anderen, erlosch ihre Angst. Pl�tzlich war sie nur noch das, wozu Angella und Cord sie zehn Jahre lang erzogen hatten: eine Kriegerin. Bevor Zen seine Handbewegung zu Ende gef�hrt hatte, huschte Kara in eine Nische des Ganges, in dem sie sich befanden, und verschmolz mit dem Schatten. Auch Zen glitt in die n�chste Deckung, die er fand.</p><p>Das schleifende Ger�usch wurde lauter, und in der Wand Kara gegen�ber erschien ein schmaler Spalt, der sich rasch zu den H�lften einer auseinandergleitenden Aufzugt�r weitete. Kara war verbl�fft. Sie hatte Aufz�ge im Drachenfels gesehen, aber keiner davon hatte noch funktioniert. Dieser Aufzug jedoch funktionierte ausgezeichnet.</p><p>Ein hochgewachsener, sehr breitschultriger Mann trat hervor. Er hatte dunkles Haar und ein kr�ftiges, von tausend winzigen Narben entstelltes Gesicht � und er trug eine der verha�ten blauschwarzen Uniformen. Den passenden Helm hatte er l�ssig unter den linken Arm geklemmt, in der anderen Hand schwenkte er ein Gewehr mit gl�sernem Lauf.</p><p>Kara wartete, bis er aus dem Lift gekommen war, dann trat sie aus ihrer Deckung hervor, richtete die Waffe auf ihn und sagte freundlich: �Hallo.�</p><p>Der Fremde erstarrte. Ein Ausdruck vollkommener Fassungslosigkeit erschien in seinen Augen und noch etwas, das Kara nur zu gut kannte.</p><p>�Tu es nicht�, sagte sie.</p><p>Aber er tat es doch. Pl�tzlich bewegte er sich so schnell, da� Kara seinen Bewegungen kaum noch folgen konnte: In einem einzigen, gleitenden Satz lie� er seinen Helm fallen, kippte zur Seite und ri� gleichzeitig sein Gewehr in die H�he.</p><p>Aus einer Nische im Gang hinter ihm stach eine Lanze aus gr�nem Licht hervor und durchbohrte sein Herz. Er war tot, noch ehe sein K�rper den Boden ber�hrte.</p><p>�Das war knapp�, sagte Zen, w�hrend er vollends aus seinem Versteck heraustrat und sich dem Toten n�herte. Vorsichtig stie� er ihn mit dem Fu� an und blickte in seine gebrochenen Augen, ehe er seine Waffe senkte. �Der Bursche war verdammt schnell.�</p><p>�Ja�, murmelte Kara. �Du h�ttest ihn nicht erschie�en sollen.�</p><p>Zen starrte sie an, als zweifele er an ihrem Verstand. �H�tte ich vielleicht abwarten sollen, bis er dich erschie�t?�</p><p>�Nein. Ich... h�tte ihm nur gern ein paar Fragen gestellt.�</p><p>Sie machte eine entschuldigende Geste. �Au�erdem ist mindestens noch einer hier, mit dem wir uns unterhalten k�nnen.� Sie deutete mit einer Kopfbewegung auf den Aufzug. �Was meinst du? Riskieren wir es?�</p><p>Zen w�rdigte sie nicht einmal einer Antwort, sondern trat an den Lift und musterte die Wand daneben. Es gab nur einen einzigen, sehr gro�en Schalter, den er nach kurzem Z�gern bet�tigte. Die Aufzugt�ren glitten auseinander und gaben den Blick auf eine kleine, rechteckige Kabine frei.</p><p>Kara ging mit einem raschen Schritt an Zen vorbei und betrat als erste die Kabine. Sie war nerv�s, gab sich aber alle M�he, sich nichts davon anmerken zu lassen. Sie wartete kaum ab, bis Zen die Kabine betreten hatte, ehe sie die Hand ausstreckte und den untersten der zahlreichen Kn�pfe ber�hrte, die es an der Wand neben der T�r gab. Zen sah sie fragend an, aber sie ignorierte seinen Blick. Sie hatte das sichere Gef�hl, da� sie die Antwort auf die allermeisten Fragen ganz unten in den Kellern des Berges finden w�rden.</p><p>Die Kabine setzte sich mit demselben Summen in Bewegung, das sie bei ihrer Ankunft gewarnt hatte. Die winzigen, mit fremdartigen Symbolen beschrifteten Kn�pfe neben der T�r leuchteten der Reihe nach auf und erloschen, um die Etage anzuzeigen, auf der sie sich befanden. Kara staunte nicht schlecht, als sie die Tasten z�hlte: Der Berg mu�te fast zur G�nze ausgeh�hlt sein, denn er hatte weit �ber hundert Etagen. Es war mehr als eine Festung, begriff sie pl�tzlich. Es war eine unterirdische Stadt, in der vielleicht ebenso viele Menschen Platz fanden wie in Schelfheim.</p><p>Das pochende Vibrieren wurde lauter und lauter, je weiter sie sich in die Tiefe bewegten. Kara hatte allm�hlich das Gef�hl, da� ihr ganzer K�rper im Rhythmus dieses h�mmernden Taktes vibrierte. Die Kabine zitterte, glitt aber summend und gehorsam in die Tiefe. Schlie�lich leuchtete das unterste der kleinen L�mpchen auf. Die Kabine hielt an, und die T�r begann sich zu �ffnen. Kara hob ihre Waffe und legte den Finger auf den Ausl�ser. Diesmal w�rde sie <emphasis>erst</emphasis> schie�en und <emphasis>dann</emphasis> nachsehen, was sie getroffen hatte.</p><p>Aber der Gang hinter der T�r war leer. Gelbes Licht schlug ihnen entgegen, und der Boden vibrierte nicht mehr unter ihren F��en, er <emphasis>zitterte.</emphasis></p><p>Einen Moment lang blieben sie stehen und sahen sich um, dann deutete Kara nach rechts. Sie war nicht ganz sicher, aber das Ger�usch schien von dort zu kommen. Der Stollen war sehr lang. Sie kamen an einer ganzen Reihe geschlossener T�ren vorbei, die sie allesamt unbeachtet lie�en, und gelangten schlie�lich in einen runden Raum, der mit technischen Ger�ten nur so vollgestopft war. Hier unten war nichts zerst�rt. Die meisten Ger�te waren sogar eingeschaltet und erf�llten den Raum mit wisperndem, blinkendem Leben.</p><p>Kara h�rte Stimmen und legte warnend den Zeigefinger �ber die Lippen. Zen deutete ein Nicken an. Lautlos huschten sie durch die Kammer und pre�ten sich rechts und links der T�r, hinter der die Stimmen zu h�ren waren, gegen die Wand.</p><p>Kara lauschte. Sie identifizierte die Stimmen zweier M�nner, die sich lautstark unterhielten. Offenbar f�hlten sie sich sehr sicher. Kara konnte nicht verstehen, wor�ber sie sprachen, denn sie redeten in einer ihr unverst�ndlichen Sprache. Aber sie h�rte ein Lachen. Und dann Schritte, die sich der T�r n�herten. Mit angehaltenem Atem pre�te sie sich noch enger gegen die Wand. Die Schritte kamen n�her, dann wurde die T�r ge�ffnet und zwei M�nner traten dicht hintereinander hindurch.</p><p>Sie bemerkten Kara und Zen sofort. Beide Drachenkrieger standen im toten Winkel und verursachten nicht das mindeste Ger�usch, aber die Fremden schienen �ber die empfindlichen Instinkte von Raubtieren zu verf�gen � und deren blitzartige Reflexe.</p><p>Kara fand kaum noch Zeit zu begreifen, da� sie die Gef�hrlichkeit ihrer Gegner zum zweiten Mal untersch�tzt hatte, da wirbelten die beiden M�nner in einer fast synchronen Bewegung herum und st�rzten sich auf Zen und sie. Es gelang Zen, seine Waffe abzufeuern, aber der Lichtblitz fuhr harmlos in die Decke und richtete nicht mehr Schaden an, als ein paar Kabel zu durchtrennen und einen Funkenschauer hervorzurufen.</p><p>Kara fand nicht einmal Zeit, ihre Waffe hochzurei�en. Eine Hand packte ihren Arm und dr�ckte ihn mit st�hlernem Griff herunter, eine andere packte ihr Gesicht und pre�te ihren Kopf mit furchtbarer Gewalt gegen die Wand.</p><p>Kara b�umte sich auf, lie� das nutzlose Gewehr fallen und versuchte, dem Angreifer das Knie in den Unterleib zu rammen, aber er schien die Bewegung vorausgeahnt zu haben, denn er drehte sich blitzschnell zur Seite, so da� sie nur seinen Oberschenkel traf.</p><p>Sie hatte mit aller Kraft zugesto�en. Ihr Gegner jedoch zuckte nicht einmal zusammen. Daf�r pre�te er sie mit seinem ganzen K�rper gegen die Wand. Ihr Kopf wurde mit grausamer Kraft gegen den Stein gedr�ckt. Kara hatte das Gef�hl, als ob ihr Sch�del platzte. Und sie bekam kaum noch Luft. Sein Handballen schob <emphasis>ihr</emphasis> Kinn zur�ck, und seine ausgestreckten Zeigeund Mittelfinger versuchten ihre Nasenfl�gel zusammenzudr�cken.</p><p>Kara schlug verzweifelt um sich.</p><p>Doch ihre Kr�fte lie�en allm�hlich nach. Seine Finger hatten ihr Ziel erreicht, so da� sie nun wirklich keine Luft mehr bekam, und der Schmerz in ihrem Hinterkopf trieb sie fast in den Wahnsinn. Einen Moment lang spielte sie mit dem Gedanken, den gleichen Trick noch einmal zu versuchen, der ihr schon einmal zum Sieg verholfen hatte, und sich zum Schein zu ergeben oder die Bewu�tlose zu spielen, verwarf ihn aber sofort wieder. Der Mann war nicht einfach nur <emphasis>stark.</emphasis> Er war ein Krieger wie sie, er w�rde nicht auf solche M�tzchen hereinfallen. Ihre Sinne begannen zu schwinden. Das Gesicht vor ihr verschwamm, und pl�tzlich war ein dumpfes, dr�hnendes Rauschen in ihren Ohren. Ihre Knie wurden weich. Sie konnte sp�ren, wie die Kraft aus ihr herauszuflie�en begann, als h�tten sich in ihrem Inneren unsichtbare Schleusentore ge�ffnet. Ihre freie Hand sank kraftlos an seiner Brust herunter, ber�hrte seinen G�rtel � und die Pistole, die in seinem Halfter steckte. Karas Finger handelten vollkommen mechanisch. Sie tastete �ber den kalten Stahl der Waffe, fanden den Abzug und dr�ckten ab.</p><p>Ein peitschender Laut erklang, gefolgt von einem h��lichen Zischen und dem Gestank von brennendem Leder und verschmortem Fleisch. Eine Welle furchtbarer Hitze peinigte Kara, dann verschwand die Hand, die sie zu ersticken drohte, von ihrem Gesicht, und ein schriller Schmerzensschrei gellte in Karas Ohren.</p><p>Sie sah Feuerschein, stie� den Mann von sich und versetzte ihm einen Tritt, der ihn vollends zu Boden taumeln lie�. Sein rechtes Bein brannte. Er kr�mmte sich, schlug verzweifelt mit beiden H�nden nach den Flammen, die aus seiner Hose z�ngelten, und schrie wie von Sinnen.</p><p>Kara war mit einem Satz bei ihm, zerrte ihren Umhang von den Schultern und erstickte die Flammen. Zum Dank packte der Bursche in ihre Haare und versuchte, ihr den Kopf in den Nacken zu rei�en. Kara gab dem Druck nach, rollte sich r�ckw�rts �ber die Schulter ab und versetzte ihm einen Handkantenschlag gegen den Hals. Und dann verlor der Kerl endlich das Bewu�tsein.</p><p>Kara sprang hastig auf und fuhr herum. Auch Zen rang noch mit seinem Gegner � und er steckte ziemlich in Schwierigkeiten. Er hatte sich in eine Ecke zur�ckgezogen und versuchte verzweifelt, sein Gesicht und seinen Leib vor den schlimmsten Hieben zu sch�tzen. Kara sprang den Burschen von hinten an. Sie wollte ihn niederrei�en, aber wieder war es, als h�tte er ihre Bewegung vorausgeahnt; er machte blitzschnell einen halben Schritt zur Seite, so da� Kara ins Stolpern geriet. Aber ihr Angriff hatte Zen die n�tige Luft verschafft, die er brauchte. Sein Gesicht war blut�berstr�mt, aber das hinderte ihn nicht daran, den Mann nun seinerseits zu attackieren. Doch selbst zu zweit h�tten sie es beinahe nicht geschafft. In einer perfekt aufeinander abgestimmten Folge von Bewegungen deckten sie den Krieger mit einem Hagel von Hieben und Tritten ein, die jeden anderen Gegner binnen Sekunden zu Boden geschleudert h�tten. Aber der Bursche schien pl�tzlich acht Arme und Beine zu haben. Es gelang ihnen kaum, einen Treffer anzubringen; daf�r wurden Zen und sie um so �fter von seinen blitzartigen Gegenattacken getroffen. Und seine Hiebe waren so hart, da� es nur eine Frage der Zeit war, bis er einen von ihnen ernsthaft verwundet oder get�tet h�tte.</p><p>Schlie�lich brachte Zen mehr durch Zufall einen Schlag an, der den Soldaten ein St�ck zur�cktaumeln lie�. Einen Atemzug lang war er benommen, und Kara nutzte die Chance, mit einem Tritt gegen die Brust seine Deckung zu durchbrechen. Zen setzte sofort nach, nahm einen Hieb mit der flachen Hand gegen den Hals in Kauf und rammte den rechten Ellbogen in die Rippen seines Gegen�bers, dann versetzte ihm Kara einen Handkantenschlag, der ihm eigentlich das Nasenbein h�tte brechen m�ssen. Die Schl�ge zeigten Wirkung. Der Mann taumelte, und das leise, aber sehr hochm�tige L�cheln, das bisher auf seinen Z�gen gelegen hatte, machte einem Ausdruck von �berraschung und Schrecken Platz.</p><p>Kara bewegte sich mit einem Ausfallschritt an ihm vorbei und versuchte, mit einem Ellbogensto� seinen K�rper zu treffen; aber obwohl er angeschlagen war, gelang es ihm nicht nur, dem Sto� auszuweichen, sondern auch gleichzeitig ihren Ellbogen abzufangen und sie mit der gleichen Bewegung aus dem Gleichgewicht zu hebeln. Sie st�rzte und sah, wie sich auch Zen unter einem Fu�tritt in den Leib kr�mmte und auf die Knie fiel. H�tte er sie in diesem Moment angegriffen, w�re das ganze Spiel zu Ende gewesen. Aber statt die Gelegenheit zu nutzen, setzte er mit einem Sprung �ber Kara hinweg und raste zur T�r. Zen warf sich zur Seite und griff mit weit ausgestreckten Armen nach seinem Gewehr, und Kara begriff ganz pl�tzlich, in welcher Gefahr er sich befand. Hinter ihr fiel die T�r ins Schlo�, und Zen w�lzte sich mit einem knurrenden Laut auf den R�cken und dr�ckte ab. Der gr�ne Lichtblitz verfehlte Kara um eine knappe Handbreite, brannte ein Loch in das Metall der T�r und erwischte wohl auch den Mann, denn Kara h�rte einen erstickten Schrei, dem ein dumpfer Aufprall folgte.</p><p>Sie war als erste auf den F��en. Sie �ffnete die T�r mit einem Tritt und sprang kampfbereit hindurch. Der Mann lag mit ausgebreiteten Armen drei Meter hinter der T�r. Er war tot. Kara machte einen Schritt zur Seite, als Zen hinter ihr auf den Gang herausgest�rmt kam. Er hob sein Gewehr und legte auf den Toten an. Kara dr�ckte den Lauf der Waffe herunter. �La� das�, sagte sie. �Wir haben schon zuviel Aufhebens gemacht. Wenn sie uns bis jetzt nicht geh�rt haben, m�ssen sie taub sein.�</p><p>Zen blickte den Toten mit einer Mischung aus brodelndem Zorn und tiefster Verst�rtheit an. Nur ganz langsam senkte er das Gewehr, dann hob er die Hand und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. Sein Gesicht begann bereits anzuschwellen. Er sah aus, als h�tte er mit einem Drachen gek�mpft.</p><p>�Gro�er Gott?� murmelte er ersch�pft. �Was sind das f�r Typen, Kara?�</p><p>�Ich... wei� es nicht�, antwortete Kara z�gernd. �Ich... ich habe schon einmal mit einem dieser M�nner gek�mpft � in Schelfheim. Er war genauso z�h. Ich... ich dachte, es w�re einer ihrer besten Krieger. Ihr Anf�hrer vielleicht. Aber sie scheinen alle so gut zu sein.�</p><p>Sie war auf eine Art und Weise verst�rt, die sie beinahe v�llig l�hmte. Pl�tzlich verstand sie, wieso Elders M�nner so chancenlos gegen die Krieger aus dem Unterwasserboot gewesen waren. Sie machte sich nichts vor: Dieser eine Krieger allein h�tte sie beide t�ten k�nnen, h�tte er nicht den Fehler begangen, sein Heil in der Flucht zu suchen. Die Vorstellung, gegen eine ganze Armee dieser M�nner k�mpfen zu m�ssen, erf�llte sie mit Entsetzen.</p><p>Sie gingen zur�ck zu dem Verwundeten in der Kammer. Der Mann war bei Bewu�tsein, reagierte aber nicht, als Kara neben ihm niederkniete. Seine Augen waren tr�b. Er atmete schwer, und ein rasselndes Ger�usch begleitete jedes Luftholen. Als Kara den Mantel anhob, den sie �ber sein verbranntes Bein gebreitet hatte, begriff sie auch, warum.</p><p>Weder sie noch Zen brachten es fertig, den Wehrlosen zu t�ten, und so bedienten sie sich des G�rtels des Toten, um ihn zu fesseln � eine �berfl�ssige Vorsichtsma�nahme, denn Kara war sicher, da� der Mann die n�chste halbe Stunde nicht �berleben w�rde. Doch nach allem, was sie mit diesen unheimlichen Fremden bisher erlebt hatten, war sie einfach auf <emphasis>alles</emphasis> gefa�t.</p><p>Sie opferten zwei oder drei Minuten, um wieder zu Kr�ften zu kommen, dann setzten sie die Erkundung fort. Kara gab sich nicht der Illusion hin, da� sie nunmehr alle Gegner �berwunden h�tten. Die Libellen waren gro� genug gewesen, um zehn Mann aufzunehmen. Sie gingen besser davon aus, da� sie es auch mit dieser Anzahl von Gegnern zu tun hatten. Und ihr einziger wirklicher Vorteil war die winzige Hoffnung, da� ihr Eindringen noch immer nicht entdeckt worden war. Der kurze Kampf hatte Kara sehr deutlich vor Augen gef�hrt, wie l�cherlich gering ihre Chancen waren.</p><p>Um so vorsichtiger bewegten sie sich weiter. Der Gang endete vor einer T�r. Zen �ffnete sie, w�hrend Kara ihm mit der Waffe im Anschlag Deckung gab.</p><p>Das Dr�hnen wurde noch lauter. Ein Schwall feuchtkalter Luft schlug ihnen entgegen.</p><p>Hinter der T�r erwartete sie eine in steilen Spiralen in die Tiefe f�hrende Treppe, und auch sie war so neu wie alles, worauf sie bisher in dieser untersten Etage des Berges gesto�en waren. Jemand hatte sie aus der granitharten Lava wie mit einem Messer herausgeschnitten. Kara wechselte das Gewehr wieder gegen ihr Schwert aus, w�hrend sie vor Zen in die Tiefe herabstieg. In dem engen Treppenschacht war das Schwert zweifellos die bessere Waffe � und au�erdem f�hlte sie sich damit sonderbarerweise sicherer als mit dem gl�sernen Gewehr. Der L�rm nahm nicht weiter zu, schien aber irgendwie intensiver zu werden, und die Luft war jetzt so feucht, da� sich auf den W�nden kleine Wassertr�pfchen bildeten. Kara war nicht sehr erstaunt dar�ber. Wenn ihre Sch�tzung richtig war, dann mu�ten sie sich jetzt unter dem neu entstandenen Ozean befinden. Was, dachte sie schaudernd, wenn der Berg vielleicht nicht ganz so massiv war, wie es von au�en den Anschein gehabt hatte?</p><p>Die Treppe endete nach genau sechshundertachtzehn Stufen im Inneren einer riesigen H�hle, deren Decke sich vielleicht sechzig Meter �ber ihren K�pfen erhob. Die W�nde waren so glatt, da� sie unm�glich auf nat�rlichem Wege entstanden sein konnten, und Kara sch�tzte ihren Durchmesser auf gute zwei oder drei Meilen. Sie mu�ten sich unter dem Meeresboden befinden.</p><p>Der Boden der H�hle, der so glattpoliert war, da� sich ihre und Zens Gestalt verzerrt wie auf schwarzem Glas darauf spiegelten, bestand nur aus einem zehn Meter breiten Sims, der einen kreisrunden See umgab, in dem das Wasser sprudelte und brodelte. Eine zwanzig Meter hohe Glocke aus Gischt erhob sich �ber dem See, und darunter glitzerten die nassen, silbernen Umrisse gewaltiger Maschinen.</p><p>Und ganz pl�tzlich begriff sie <emphasis>alles.</emphasis></p><p>Das Pochen und Dr�hnen machte hier unten jede Verst�ndigung unm�glich, ein Laut, der den Boden vibrieren und das Wasser kochen lie�, der jede Faser ihres K�rpers zum Erzittern brachte und ihre Z�hne schmerzen lie�. Es <emphasis>war</emphasis> das Schlagen eines Herzens, eines gro�en, st�hlernen, durch und durch <emphasis>b�sen</emphasis> Herzens, das tief in den steinernen Eingeweiden den Takt zum Untergang der Welt schlug.</p><p>Kara stand da wie gel�hmt. Sie f�hlte nicht einmal Schrecken, denn das Entsetzen, das die Erkenntnis um die Bedeutung dieser zyklopischen silbernen Maschinenkolosse begleitete, war einfach zu gewaltig. Die M�glichkeit des menschlichen Geistes, Entsetzen und Grauen zu empfinden, mochte gewaltig sein, aber sie war nicht grenzenlos. Die B�sartigkeit jedoch, die hinter diesen Maschinen steckte, kannte keine Grenzen.</p><p>Die Welt begann sich um Kara zu drehen. Das dumpfe Dr�hnen und H�mmern der Maschinen zwang allm�hlich selbst ihren Herzschlag in seinen Takt, l�schte jeden anderen Gedanken, jede Empfindung aus. Das Universum schien rings um sie herum zu verblassen, wurde zu einem Meer von Schw�rze, in dessen Zentrum nur noch die silbernen Kolosse Bestand hatten.</p><p>�Warum tun sie das, Zen?� fl�sterte sie. <emphasis>�Warum tun sie uns das an?!�</emphasis></p><p>Den letzten Satz hatte sie geschrien, aber Zen h�tte vermutlich nicht einmal dann geantwortet, wenn er ihre Worte verstanden h�tte. Er stand so starr und gel�hmt wie sie da, und das Entsetzen in seinen Z�gen machte aus seinem Gesicht eine Maske des Grauens.</p><p>So fremdartig und monstr�s die Maschinen waren, an ihrer Funktion bestand kein Zweifel.</p><p>Es waren Pumpen. Gigantische Pumpen, in deren schimmernden Rohren Milliarden und Abermilliarden Liter Wasser an die Oberfl�che der Welt �ber ihren K�pfen pulsierten, die Menge eines Sees an einem Tag, ein Meer in einem Monat, ein Ozean in einem Jahr. Der kreisf�rmige See, aus dem sie sich erhoben, war die Quelle, ein Meilen durchmessender und ebenso tiefer Schacht, der zu einem unvorstellbaren Wasserreservoir tief im Leib der Erde f�hren mu�te. Die alten Legenden waren wahr, dachte Kara matt. Das Meer, das einst den <emphasis>Schlund</emphasis> bis zum Kontinentalschelf hinauf gef�llt hatte, gab es noch. Die H�llennacht des Zehnten Krieges hatte es nicht verdampft, wie man sie gelehrt hatte, sondern den Boden der Meere selbst aufgerissen, bis das Wasser in tiefer gelegene, unvorstellbar gro�e H�hlensysteme abgeflossen war.</p><p> Und <emphasis>sie</emphasis> pumpten es wieder zur�ck.</p><p>Im ersten Moment erschien Kara der Gedanke einfach l�cherlich. Keine Pumpe konnte ein Becken von der Gr��e des <emphasis>Schlundes</emphasis> f�llen, auch wenn sie eine Million Jahre arbeitete. Und gleichzeitig sp�rte Kara, da� sie es schaffen w�rden, irgendwie. Sie waren ihre Feinde. Sie waren vielleicht durch und durch <emphasis>b�se,</emphasis> aber sie waren nicht dumm. Selbst f�r sie mu�te es eine ungeheure Aufgabe gewesen sein, diese gewaltigen Maschinen hierherzuschaffen und aufzustellen. Sie h�tten es nicht getan, wenn es sinnlos w�re.</p><p>Kara wu�te nicht, wie lange sie so dastanden und die silbernen Monster anstarrten, deren mechanisches Dr�hnen die Todesmelodie ihrer Welt sang, bis Zen schlie�lich m�de seine Waffe hob, auf die Maschinen anlegte und abdr�ckte. Der gr�ne Lichtstrahl traf die spiegelnde Flanke des Kolosses und prallte davon ab wie Wasser von einer Mauer. Kara empfand nicht einmal Entt�uschung. Sie hatte gewu�t, da� diese Kolosse unzerst�rbar waren. Sie legte die Hand auf Zens Arm und sch�ttelte den Kopf. Eine Sekunde lang stand er einfach nur reglos da, jeder Muskel in seinem K�rper bis zum Zerrei�en angespannt. Dann schien alle Kraft aus ihm zu weichen. Er taumelte und war kaum noch in der Lage, das Gewehr zu halten. Mit m�den, schleppenden Bewegungen wandte er sich um und folgte Kara zur�ck zum Eingang.</p><p>Es dauerte fast eine halbe Stunde, die sechshundert Stufen wieder hinaufzugehen, und kostete sie das letzte bi�chen Kraft. Doch es war nicht nur die k�rperliche Anstrengung, die Kara ersch�pft gegen die Wand neben dem Treppenschacht sinken lie�. Sie hatten einen Blick in die H�lle getan, und sie w�rden beide nie wieder dieselben sein, die sie vorher gewesen waren. �Was... tun wir jetzt, Kara?� fl�sterte Zen. Seine Stimme war nur ein Hauch, und als Kara den Kopf hob und in sein Gesicht blickte, sah sie, da� das Entsetzen in seinen Z�gen um keinen Deut schw�cher geworden war. �Was sollen wir tun?�</p><p>Kara antwortete nicht, weil sie keine Antwort wu�te.</p><p>�Wir... wir m�ssen sie... zerst�ren!� stammelte er. �Wir m�ssen sie anhalten, Kara. Sie zerst�ren, irgendwie.�</p><p>�Ich glaube kaum, da� wir das k�nnen�, antwortete Kara leise. �Und ich glaube nicht einmal, da� es noch etwas nutzen w�rde.�</p><p>�Damit hast du sogar ausnahmsweise einmal recht�, sagte eine Stimme hinter ihr.</p><p>Kara fuhr herum, hob instinktiv das Gewehr � und ri� erstaunt die Augen auf, als sie den Mann erkannte, der wie aus dem Nichts hinter Zen und ihr aufgetaucht war. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie auch Zen seine Waffe hob, und machte eine hastige Geste. Zen erstarrte.</p><p>�Au�erdem�, fuhr der dunkelhaarige Mann in der blauschwarzen Uniform fort, �w�rdet ihr beiden Spezialisten es garantiert irgendwie hinkriegen, da� alles nur noch schlimmer wird.� Er seufzte, kam einen Schritt n�her und sah abwechselnd Kara und Zen an. Die dunkelblaue, einteilige Uniform stand ihm ausgezeichnet. Er sah irgendwie... imposanter aus als in dem papageiengelben Mantel der Stadtgarde. In der rechten Hand trug er eines der kleinen wei�en St�bchen, wie sie Kara in dem Kuppelzelt unterhalb Schelfheims gefunden hatte. Zu ihrem Erstaunen gl�hte sein Ende dunkelrot, und Karas Verwirrung wuchs noch mehr, als er das St�bchen an die Lippen hob und daran sog, so da� sein Ende noch heller aufgl�hte.</p><p>�Ich h�tte mir eigentlich denken k�nnen, da� du es bist�, fuhr er fort, w�hrend er den Rauch durch die Nase wieder ausblies, wie ein junger Drache das Feuerspeien �bte. �Ihr habt vier meiner M�nner erledigt. Und die drei Maschinen, die ihr im Hof abgefackelt habt, geh�rten mir. Einen solchen Unsinn kannst auch nur du verzapfen.� Er blies eine weitere Qualmwolke von sich, warf das brennende St�bchen zu Boden und zertrat es mit dem Absatz. Dann kam er mit einem breiten L�cheln auf sie zu. �Hallo, Kara. Es ist sch�n, dich wiederzusehen.�</p><p>�Und ich�, antwortete Kara leise, �h�tte mir eigentlich gleich denken sollen, da� du zu ihnen geh�rst.�</p><p>Elders Augen blitzten freudig auf, aber dann ri� Kara ihr Gewehr hoch und schmetterte ihm den gl�sernen Lauf mit solcher Wucht gegen die linke Schl�fe, da� er zerbrach.</p></section><section><title><p>31</p></title><p>Als Elder vier oder f�nf Stunden sp�ter wieder zu sich kam, fand er sich geknebelt und gefesselt einen Meter hinter Karas Sattel auf Markors R�cken. Am sp�ten Nachmittag des darauffolgenden Tages erreichten sie wieder den Drachenhort. Ohne die Karte h�tten sie es wahrscheinlich nicht geschafft. Nachdem Kara und Zen zur Insel zur�ckgekehrt waren und den beiden anderen ihre Geschichte erz�hlt hatten, nutzten sie die Zwangspause, zu der sie die Ersch�pfung der Drachen zwang, um die Karte in aller Ruhe und Ausf�hrlichkeit zu studieren, Sie stellten sehr bald fest, da� sie auf dem Hinweg mehrere �berfl�ssige Schleifen geflogen waren. Kara erf�llte diese Erkenntnis jedoch eher mit Freude als �rger, denn das bedeutete, da� sie auf dem Heimweg beinahe nur die halbe Entfernung zur�cklegen mu�ten.</p><p>Ihre Entdeckung � und ihr Gefangener � waren zu wertvoll, als da� sie auch nur das allermindeste Risiko eingehen durften, und so widerstand Kara der Versuchung, das letzte aus den Drachen herauszuholen, um so schnell wie nur irgend m�glich nach Hause zur�ckzukehren. Die flogen nie l�nger als zwei Stunden, ehe sie eine Pause einlegten. Das einzige, was Kara mi�achtete, war das strenge Nachtflugverbot, das sowohl Angella als auch Cord f�r Fl�ge �ber den <emphasis>Schlund</emphasis> ausgesprochen hatten. Nach ihrem Erlebnis in der ersten Nacht fand es Kara wesentlich sicherer, wenn sie sich bei Dunkelheit in der Luft befanden als in den Baumwipfeln.</p><p>Trotzdem sahen sie den Drachenhort erst im letzten Licht des darauffolgenden Tages wieder.</p><p>Der Anblick schien den Tieren noch einmal neue Kraft zu geben. W�hrend der letzten beiden Flugperioden waren sie deutlich langsamer geworden, aber jetzt schlugen sie noch einmal kr�ftiger mit den Fl�geln, ohne da� es eines entsprechenden Befehls bedurft h�tte.</p><p>Ihre Ann�herung blieb nicht unbemerkt. Sie waren noch acht oder zehn Meilen vom Rand des <emphasis>Schlundes</emphasis> entfernt, als sich ein ganzer Schwarm winziger schwarzer Kr�hen von den T�rmen des Drachenhortes l�ste und ihnen entgegenflog. Aus den Kr�hen wurden zwanzig, dann drei�ig oder vierzig gewaltige Drachen, die auf halbem Weg zu ihnen stie�en und ihnen Geleit gaben. Markor und die beiden anderen Tiere stie�en ein mattes Begr��ungsgebr�ll aus, das von den anderen Tieren mit lauten Trompetenst��en beantwortet wurde.</p><p>In die Erleichterung, endlich nach Hause zu kommen, mischte sich Schrecken, als Kara die Silhouette der Burg gegen das rote Licht des Sonnenuntergangs betrachtete. Die Spitze des Hauptturms und ein Teil der Mauer waren eingest�rzt und bildeten eine gewaltige Schutthalde auf dem Innenhof. Was war w�hrend ihrer Abwesenheit geschehen? So gewaltig ihr der gro�e Innenhof der Burg auch immer vorgekommen war, war er doch beinahe zu klein, um dem gewaltigen Drachenschwarm Platz zu bieten, der darauf zu landen versuchte. Kara, Zen und Silvy landeten ihre Drachen unweit des Hauptgeb�udes. Silvys Tier war so ersch�pft, da� es hart aufschlug und Silvy aus dem Sattel geworfen wurde. Kopf�ber purzelte sie in die ausgebreitete Schwinge des Drachen auf den Hof hinab, sprang aber sofort wieder auf die F��e und machte mit Gesten klar, da� sie unverletzt sei. Kara hatte alle H�nde voll damit zu tun, sich selbst im Sattel zu halten, denn Markors Landung war zwar eleganter, aber kaum weniger hart. Trotzdem kam es ihr fast wie ein Wunder vor, da� der Drache nicht einfach wie ein Stein vom Himmel gefallen war. Markor hatte w�hrend der ganzen Zeit <emphasis>zwei</emphasis> Reiter getragen. Der Drache breitete die Fl�gel aus, damit Kara absteigen konnte, aber sie blieb noch einige Sekunden mit geschlossenen Augen im Sattel sitzen und geno� das Gef�hl, es geschafft zu haben. Erst dann kletterte sie steifbeinig vom R�cken des Drachen herab.</p><p>Gestalten eilten ihr entgegen, die zu erkennen sie sich nicht die M�he machte, und dann wurde sie mit Hunderten von Fragen bombardiert. Sie beantwortete nicht eine von ihnen, sondern hielt aus m�den, rotger�nderten Augen nach Aires Ausschau. W�hrend des ganzen Fluges zur�ck hatte sie sich mit zunehmender Sorge gefragt, wie sich das Schicksal der anderen entwickelt hatte, die aus dem Drachenfels entkommen waren. Sie sah weder Aires noch einen der anderen, doch daf�r sprangen zwei junge Krieger vor ihr pl�tzlich zur Seite, und ein riesiges, gelbgr�n gemustertes Etwas raste wie eine lebende Lawine auf sie zu. Kara ahnte, was kam, und fand gerade noch Gelegenheit zu einem letzten, tiefen Atemzug, dann prallte Hrhon mit ungebremster Wucht gegen sie, schlo� sie in die Arme und wirbelte sie herum wie ein �berm�tiges Kind einen kleinen Hund.</p><p>�Khahral� br�llte er. �Dhu lhebhst!�</p><p>�Ja� antwortete Kara. Mehr bekam sie nicht heraus, denn der Waga dr�ckte sie in seiner Wiedersehensfreude so fest an sich, da� ihre Rippen nachzugeben drohten. �Dhu lhebhst�, schrie er immer und immer wieder. �Dhehnhenh Gh�ttherrn sssei Dhankh, dhu lhebhssstl� Ein paarmal wirbelte er sie im Kreis herum, bis ihm aufzufallen schien, da� ihr Gesicht allm�hlich blau anzulaufen begann. Mit einem erschrockenen Ruck setzte er sie ab und lie� sie los, griff aber sofort wieder zu, als sie zu wanken begann.</p><p>�Dhu lhebhssstl� sagte er noch einmal.</p><p>Kara holte erst einmal tief Luft, ehe sie keuchend, aber gl�cklich antwortete: �Ja. Aber nicht mehr lange, wenn du mich noch einmal so begr��t.�</p><p>�Who ssseihd ihr ghewhesssen?� fragte der Waga aufgeregt. �Whasss ihssst phasssierth? Who sssindh dhie andherhen?�</p><p>�Ich beantworte dir alle Fragen, aber jetzt brauche ich erst einmal f�nf Minuten Verschnaufpause, einverstanden?�</p><p>�Ich w�rde sagen: du brauchst ungef�hr zw�lf Stunden Schlaf, so wie du aussiehst.�</p><p>Kara drehte sich herum � und fiel Cord, der sich ihr unbemerkt von der Seite her gen�hert hatte, mit einem erleichterten Seufzen um den Hals. Die impulsive Bewegung �berraschte sie selbst am meisten, und sie l�ste sich auch nach ein paar Augenblicken wieder und sah ihn verlegen an. �Entschuldige�, sagte sie. �Ich wei� gar nicht, was ich...�</p><p>Cord winkte ab. Er l�chelte und rief mit erhobener, lauter Stimme: �Ihr habt es geh�rt. Kara braucht erst einmal ein wenig Ruhe. Ihr werdet alles erfahren.�</p><p>Kara nickte dankbar, und Cord erwiderte die Bewegung mit einem g�tigen Blick. Besorgt fragte sie sich, ob die anderen sich wohl ebenfalls an die Absprache hielten, die sie bei ihrer letzten Rast getroffen hatten: n�mlich zuerst einmal noch nichts von dem zu verraten, was sie entdeckt hatten, sondern sich mit Aires, Cord und Storm zu beraten. Aber dann sah sie, da� auch die drei anderen bereits von einem �lteren Krieger in Empfang genommen worden waren.</p><p>�Wo ist Aires?� fragte sie. �Und was ist mit dem Turm geschehen?�</p><p>�Ein Erdbeben�, antwortete Cord ungeduldig. �Und Aires und alle anderen sind wohlauf und schon seit Tagen zur�ck.�</p><p>�Ein Erdbeben?� wiederholte Kara ungl�ubig. �Hier?�</p><p>�Unwichtig�, antwortete Cord. Pl�tzlich stahl sich eine Spur von Ungeduld in seine Stimme. �Es ist niemand ernstlich zu Schaden gekommen. Wir reden sp�ter dar�ber. Im Moment habe ich nur zwei Fragen: Wo ist Tess? Und wer ist das da?� Er deutete auf Markor, und Kara sah erst jetzt, da� zwei junge Krieger auf den R�cken des Drachen geklettert waren, um Elder loszubinden.</p><p>�Ich wei� nicht, wo Tess ist�, sagte sie. �Ich f�rchte, sie ist tot. Und das da ist Elder.�</p><p>�Elder?� Cords Augenbrauen hoben sich erstaunt.</p><p>�Das ist... eine lange Geschichte�, antwortete Kara ausweichend.</p><p>Cord verstand. Mit einer raschen Bewegung drehte er sich herum und ging zu den beiden M�nnern, die Elder vom R�cken des Drachen herunterhoben. �Bringt ihn in eine Zelle�, sagte er. �Und bewacht ihn gut. Niemand spricht mit ihm, ehe Aires und ich ihn verh�rt haben. Ach ja�, f�gte er noch hinzu, �und steckt den Kerl in einen Bottich mit hei�em Wasser.� Ein paar M�nner lachten, aber Kara fiel auch auf, wie still es pl�tzlich geworden war. Die Menge, die Cord und sie umgab, war mittlerweile auf gut f�nfzig Personen angewachsen, aber in den meisten Gesichtern hatte sich in die Freude, sie und die anderen wiederzusehen, eine vage Furcht gemischt. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, �berhaupt nichts zu sagen. Ihr Schweigen w�rde in den n�chsten Stunden Anla� zu den wildesten Spekulationen geben. Cord nahm sie am Arm und f�hrte sie ins Haus, w�hrend Hrhon daf�r sorgte, da� sie auch wirklich allein blieben und ihnen niemand in der Hoffnung, vielleicht ein Wort oder eine Andeutung aufzuschnappen, hinterher schlich. Der Waga war unter den Drachenk�mpfern nicht unbedingt f�r sein sanftm�tiges Wesen bekannt...</p><p>Kara war so m�de, da� sie Cord beinahe gebeten h�tte, sie in ihr Quartier zu bringen, damit sie wenigstens einen Moment ausruhen konnte. Aber sie wu�te auch, da� es nicht bei einem Moment bleiben w�rde. Was sie zu erz�hlen hatte, war zu wichtig, um zu warten. Und allein die Tatsache, wieder in der Sicherheit des Hortes zu sein, verwandelte ihre Ersch�pfung in eine wohlige M�digkeit.</p><p>Aires erwartete sie in Angellas ehemaligem Privatgemach, das zugleich als Versammlungs- und Konferenzraum bei nicht ganz offiziellen Anl�ssen diente, was Kara als ganz selbstverst�ndlich hinnahm. Aires war nicht nur Angellas Freundin gewesen, sondern auch ihre rechte Hand und damit gewisserma�en ihre Stellvertreterin.</p><p>Mit dem k�hlen Empfang, den Aires ihr bereitete, hatte Kara nicht gerechnet. Sie hatte nicht erwartet, da� die Magierin ihr um den Hals fiel, wohl aber eine gewisse Erleichterung. Statt dessen sah Aires sie nur einen Moment absch�tzend an wobei sie keinen Hehl daraus machte, da� ihr das, was sie sah, nicht besonders gefiel �, und dann funkelte es pl�tzlich zornig in ihren Augen. �Kara! Was um alles in der Welt hast du dir dabei gedacht, mich mit zwei Dutzend kreischender B�lger dort drau�en zur�ckzulassen?�</p><p>Kara war v�llig verbl�fft. Meinte Aires diese Worte ernst? War sie verr�ckt geworden? Oder war das nur ihre Art, ihrer Erleichterung Ausdruck zu verleihen, sie und die anderen lebendig wiederzusehen? Sie suchte vergebens nach der Andeutung eines L�chelns in Aires� Augen.</p><p>�Setz dich�, sagte Cord. Er stand hinter Kara, aber sie konnte den �rgerlichen Blick, den er der Magierin zuwarf, regelrecht sp�ren. So nahe sich Aires und Angella gestanden hatten, so wenig Freunde waren Cord und die Magierin. Eigentlich hatte es au�er Angella niemanden hier gegeben, der Aires wirklich mochte.</p><p>Kara streifte Angellas breites Bett mit einem sehnsuchtsvollen Blick, steuerte aber gehorsam einen der St�hle an und lie� sich darauf niedersinken. Auch Cord und Aires nahmen Platz. Hrhon blieb vorsichtshalber stehen.</p><p>�Was ist geschehen?� fragte Aires in einem Ton, der nur wenig freundlicher klang. �Ihr wart f�nf, als ihr losgeflogen seid. Aber gerade habe ich nur noch drei Drachen gez�hlt.�</p><p>Kara war zu m�de, um sich �ber Aires� herausfordernden Ton aufzuregen. Mit leisen Worten berichtete sie, was geschehen war. Aires h�rte schweigend zu, aber ihr Ausdruck wurde dabei nicht unbedingt freundlicher.</p><p>�Also, du hast einen Krieger und zwei Drachen verloren�, sagte sie, als Kara zu Ende erz�hlt hatte. �Keine schlechte Bilanz f�r deinen ersten Alleinflug.�</p><p>Kara fielen vor M�digkeit die Augen zu. �Gib mir irgend etwas, um wach zu bleiben�, murmelte sie. �Oder bringt mich in mein Zimmer. So hat unser Gespr�ch keinen Sinn.�</p><p>Aires sah sie einen Moment lang k�hl an, dann stand sie auf, hantierte einige Augenblicke lang l�rmend an einem Regal herum und kehrte schlie�lich mit einem Trinkbecher aus Zinn zur�ck, den sie Kara reichte.</p><p>�Trink das. Es wirkt eine halbe Stunde, aber danach wirst du so tief schlafen, da� du nicht einmal aufwachen w�rdest, wenn ich dein Bett in Brand steckte.�</p><p>Kara kostete vorsichtig an dem Getr�nk, verzog das Gesicht und leerte den Becher dann in einem Zug. Der Trank schmeckte scheu�lich, aber er wirkte sofort. Schon nach wenigen Sekunden sp�rte sie, wie sich eine Woge kribbelnder W�rme in ihrem Magen ausbreitete, die rasch von ihrem ganzen K�rper Besitz ergriff. Eigentlich war sie noch immer m�de, zugleich aber auch so frisch, als h�tte sie tagelang geschlafen.</p><p>Sie wartete noch einige Minuten � und eigentlich nur, um Aires zu �rgern, die genau wu�te, wie schnell die Droge wirkte �, ehe sie mit ihrem Bericht begann. Aires lie� sie reden, bis sie von dem grellen Licht erz�hlte, das sie geweckt hatte.</p><p>�Ein Blitz, sagst du? Wie genau sah er aus?�</p><p>Kara schwieg, und nach zwei Sekunden fuhr Aires fort: �Eine Kugel aus wei�em Feuer, die auf den Boden fiel und zu einem riesigen Flammenpilz wurde?� Sie klang sehr erschrocken. �Ich wei� es nicht�, gestand Kara. �Ich bin davon aufgewacht, aber... aber ich war ein paar Minuten lang fast blind. Es k�nnte so gewesen sein.�</p><p>�Aber sicher bist du nicht?�</p><p>�Nein.�</p><p>Sie war nicht sicher, ob Aires besorgt oder erleichtert war, aber was immer es war � sie war sehr erregt.</p><p>Kara fuhr in ihrem Bericht fort, doch schon bald wurde sie wieder von Aires unterbrochen. �Ein zweiter Drachenfels? Bist du sicher?�</p><p><emphasis>Was f�r eine dumme Frage.</emphasis> �Ja�, antwortete sie, nur noch m�hsam beherrscht. �Aber sehr viel gr��er. Die Drachent�chter hatten mehr als einen St�tzpunkt.�</p><p>Und so ging es weiter. Aires � und bald auch Cord � unterbrachen sie immer �fter und stellten immer ungl�ubigere Fragen. Dabei war es keineswegs so, da� sie ihr nicht glaubten, vielmehr schien es selbst Aires so zu ergehen wie ihr und Zen, als sie am Ufer des Sees gestanden und versucht hatten, alle nur m�glichen Gr�nde daf�r zu finden, da� das, was sie zu sehen glaubten, einfach nicht existieren <emphasis>konnte.</emphasis></p><p>�Das ist einfach l�cherlich�, sagte Aires, als Kara alles erz�hlt hatte. �Pumpen, um das Meer wieder aufzuf�llen! Wie gro� sollen die Pumpen denn sein? So gro� wie diese Burg hier?�</p><p>�Ungef�hr�, antwortete Kara ernst. �Vielleicht nicht ganz so breit, aber h�her.�</p><p>Aires starrte sie konsterniert an, aber sie sagte nichts mehr. �Die ganze Geschichte kommt mir immer unglaubhafter vor�, sagte Cord. �Wenn sie wirklich �ber eine solche Macht verf�gen, warum sollten sie dann...�</p><p>�Du kannst Zen fragen�, unterbrach ihn Kara. �Er war dabei.�</p><p>Cord wirkte ein wenig betroffen, als begriffe er erst jetzt, was er gesagt hatte. Mit einer entschuldigenden Geste fuhr er fort: �Ich glaube dir jedes Wort. Es ist nur so, da� es alles keinen Sinn ergibt. Du warst damals nicht dabei, Kara. Aber ich wei� noch, wie verzweifelt sich Jandhis Drachent�chter gewehrt haben. Sie haben sich nicht aus taktischen Gr�nden zur�ckgezogen, glaube mir. Wir haben sie in den <emphasis>Schlund</emphasis> zur�ckgetrieben. Sie haben sich erbittert gewehrt. Viele tapfere M�nner und Frauen sind damals gestorben. Wenn sie wirklich �ber diese Hilfsmittel verf�gen, dann h�tten sie uns in einer Woche schlagen k�nnen.�</p><p>�Vielleicht haben sie ihre Taktik einfach ge�ndert�, vermutete Kara. �Diese Maschinen sahen neu aus.�</p><p>�Hast du Drachen gesehen?� fragte Aires.</p><p>Kara sah sie verwirrt an und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Vielleicht ist alles ganz anders�, fuhr die Magierin fort. �Ich meine: Wir gehen ganz selbstverst�ndlich davon aus, da� es derselbe Feind ist, gegen den wir vor zehn Jahren gek�mpft haben. Vielleicht ist das gar nicht so.�</p><p>�Elder k�nnte diese Frage beantworten�, sagte Kara.</p><p>�Dann bringt ihn her.�</p><p>�Das geht jetzt nicht.� Cord l�chelte fl�chtig und machte eine abwehrende Handbewegung. �Heute h�tte das sowieso wenig Sinn. Wir sind alle zu Tode ersch�pft. Verschieben wir es auf morgen fr�h.� Er warf Aires einen bezeichnenden Blick zu. �Ich denke, wir haben f�r heute noch genug zu tun.�</p><p>Aires schwieg, aber sie tat es auf eine ganz bestimmte Art, die Kara klarmachte, da� sie nicht die einzige war, die mit schlechten Neuigkeiten aufzuwarten hatte.</p><p>�Was gibt es Neues in Schelfheim?� fragte Kara aufs Geratewohl.</p><p>�Nicht viel�, antwortete Cord viel zu hastig. �Offiziell erfahren wir nichts. Anscheinend sind die neuen F�hrer der Stadt der Meinung, ganz gut ohne uns zurechtzukommen.�</p><p>�Aber ihr habt eure Quellen, um zu erfahren, was wirklich vorgeht�, vermutete Kara.</p><p>Cord l�chelte fl�chtig. �Sie haben eine bewaffnete Expedition in die H�hle unter der Stadt geschickt. Mehr als f�nfhundert Mann, ausger�stet mit allem, was sie hatten.�</p><p>�Und?� fragte Kara.</p><p>�Bis heute ist keiner von ihnen zur�ckgekehrt�, sagte Aires. �Aber das mu� nichts bedeuten. Wenn diese H�hlen wirklich so gro� sind, k�nnen sie jahrelang dort unten herumirren, ohne mehr als Steine und Wasser zu finden. Au�erdem ist noch lange nicht gesagt, da�...�</p><p>Den Rest des Satzes h�rte Kara nicht mehr. Aires� Trank verlor seine Wirkung, und die Drachenkriegerin schlief von einem Moment auf den anderen ein.</p></section><section><title><p>32</p></title><p>Das Sonnenlicht auf ihrem Gesicht weckte sie sp�t am n�chsten Morgen. Sie lie� sich Zeit damit, v�llig aus dem Schlaf in die Wirklichkeit hin�berzugleiten. Vorerst geno� sie nur das Gef�hl, wirklich zu Hause zu sein und in einem richtigen Bett zu liegen, statt auf steinigem Boden oder in einem harten Sattel. Als sie die Augen �ffnete, sah sie Aires, die auf einem Stuhl neben ihrem Bett sa�. Ihr Kopf und die Schultern waren nach vorn gesunken, die H�nde im Scho� gefaltet; sie schien die ganze Nacht an Karas Lager verbracht zu haben.</p><p>Behutsam richtete Kara sich auf. Sie stellte fest, da� sie in Angellas Bett lag. Sie gab sich M�he, so wenig Ger�usche wie m�glich zu machen, aber Aires wachte trotzdem auf. Sie blinzelte, sah Kara eine Sekunde lang fast verst�rt an, und war dann von einem Herzschlag auf den anderen hellwach. Kara hatte diese F�higkeit, die auch Angella zu eigen gewesen war, stets mit Bewunderung erf�llt. Sie selbst brauchte mindestens eine halbe Stunde, um richtig wach zu werden.</p><p>Sie nickte Aires zu. �Hast du die ganze Nacht hier gesessen?� fragte sie.</p><p>Aires nickte. �Du warst in keiner guten Verfassung. Und ich bin die einzige Heilerin.� Ihr Blick verd�sterte sich. �Was du deinem K�rper zugemutet hast, ist unverantwortlich. Wenn ich es k�nnte, w�rde ich dich daf�r zur Verantwortung ziehen.�</p><p>�Ich dachte immer, er geh�rt mir�, sagte Kara, w�hrend sie die Decke beiseite schlug und sich nach ihren Kleidern b�ckte. �Nein, das tut er nicht�, antwortete Aires scharf. �Er geh�rt dem Hort. Wir haben ihn zu dem gemacht, was er ist. Du geh�rst l�ngst nicht mehr dir selbst. Du geh�rst dir seit dem Moment nicht mehr, in dem Angella dich aufgelesen und hierher gebracht hat. Du warst ein kleines Balg, als sie dich gefunden hat, und das w�rst du auch geblieben, wenn du �berhaupt �berlebt h�ttest. Alles was du bist, bist du durch uns, Kara. Es wird Zeit, da� du das endlich begreifst!�</p><p>Die scheinbar v�llig grundlose Heftigkeit ihres Ausbruchs �berraschte Kara. Als Aires das Zimmer verlassen wollte, rief Kara sie zur�ck. �Ich glaube, wir sollten uns unterhalten�, sagte sie.</p><p>Aires ma� sie mit einem ver�chtlichen Blick. �Das w�re nicht sehr anst�ndig von mir. Du bist im Moment kein sehr guter Gegner.�</p><p>�F�r dich wird es reichen�, antwortete Kara spitz; ein billiger Triumph, der ihr im gleichen Moment schon wieder leid tat. �Also?�</p><p>�Seit Angellas Tod stimmt etwas nicht mit dir�, antwortete Kara. �Was ist los? Hast du das Gef�hl, mich erziehen zu m�ssen? Oder ist das irgendeine t�richte Probe?�</p><p>�Wenn es so w�re, w�rst du durchgefallen�, sagte Aires kalt. �Warum bist du so feindselig, Aires? Wir waren niemals Freunde, aber seit... seit Angella nicht mehr da ist, bek�mpfst du mich regelrecht. Warum?�</p><p>Sie hatte eine abf�llige Bemerkung erwartet, oder eine ausweichende Antwort. Aber zu ihrer �berraschung sah Aires sie einige Sekunden lang sehr ernst an und antwortete dann: �Weil du mir alles weggenommen hast, Kara.�</p><p>�Weil ich...� Kara rang einen Moment vergeblich nach Worten. �Du meinst den Hort?� fl�sterte sie dann. �Du meinst die Macht �ber die Drachenk�mpfer? Du meinst...�</p><p>�Ich meine <emphasis>alles�,</emphasis> unterbrach sie Aires leise, aber sehr verbittert. �Du glaubst, Angella h�tte das alles hier allein geschaffen? Du meinst, sie allein h�tte den Hort gegr�ndet, die Drachenk�mpfer ausgebildet und den Krieg gegen Jandhi gewonnen? Das hat sie nicht. <emphasis>Ich</emphasis> war es. Sie ist zu mir gekommen, wenn sie ratlos war und Hilfe brauchte. Ich habe ihr gesagt, was sie zu tun hatte!�</p><p>�Und jetzt mu�t du zusehen, wie ich es dir wegnehme, nicht wahr?� fragte Kara. �Ist es das? Du kannst alles haben. Ich schenke dir den Hort, die Drachen, die Macht... alles. Ich will es nicht.�</p><p>�Wie sich die Zeiten doch �ndern�, sagte Aires abf�llig. �Noch vor drei Tagen hast du mich zu einer Kraftprobe herausgefordert, und jetzt willst du mir den Hort schenken? Vielleicht will ich nichts geschenkt haben?�</p><p>�Das ist es auch nicht�, erwiderte Kara. Sie wu�te, da� sie bereits verloren hatte, noch ehe der Kampf begonnen hatte. Es gab keine gemeinsame Basis zwischen ihnen. �Du hast recht, Aires. Angellas Platz geb�hrt hundertmal mehr dir als mir. Ich will ihn nicht.�</p><p>�Aber du hast ihn�, versetzte Aires. �Und du wirst ihn ausf�llen, ob es dir pa�t oder nicht. Glaubst du, ich will Herrscherin von deinen Gnaden sein? Wie lange? Bis es dir nicht mehr pa�t? Oder bis irgendein anderer Kindskopf einen Aufstand anzettelt?�</p><p>�Niemand w�rde es wagen, sich zu widersetzen, wenn ich dich offiziell zu meiner Nachfolgerin erkl�re und zur�cktrete�, sagte Kara.</p><p>�Sie w�rden mich nicht akzeptieren�, antwortete Aires.</p><p>�Nicht wirklich.�</p><p>Ein Gef�hl tiefen, ehrlich empfundenen Mitleids ergriff Kara. Sie verstand jetzt, da� die Feindschaft, die sie gesp�rt hatte, gar nicht ihrer Person galt. Aires h�tte niemanden als Angellas Nachfolgerin akzeptiert. Sie hatte ihr Leben in dem Bewu�tsein verbracht, da� all die Macht und der Ruhm, der Einflu� und die Beliebtheit, deren sich Angella erfreute, im Grunde ihr geb�hrten. Und zugleich in dem sicheren Wissen, da� sie all das niemals bekommen w�rde. Wieviel Verbitterung und Zorn mu�ten sich in all diesen Jahren in ihr angesammelt haben? Sie wollte Aires um ihre Freundschaft bitten, aber sie wu�te, da� das verlogen gewesen w�re; bestenfalls leere Worte, die sie beide in Verlegenheit brachten, und so sagte sie nur: �Es tut mir leid, Aires. Ich... wu�te das alles nicht.�</p><p>�Ich wei߫, antwortete Aires. �Niemand wei� es. Aber ich glaube, es w�rde auch niemanden interessieren. Und es w�rde nichts �ndern.�</p><p>Kara verstand den wirklichen Sinn dieser Worte. �Alles kann so bleiben, wie es war�, fuhr sie fort. �Ich wei�, da� wir niemals wirkliche Freunde werden k�nnen, Aires. Aber ich biete dir das an, was dir Angella gegeben hat. Den Platz an meiner Seite. Sei meine Beraterin, meine Lehrerin, wenn du glaubst, da� ich noch eine brauche.� Sie fragte sich ernsthaft, ob es das gleiche Gespr�ch vielleicht schon einmal gegeben hatte, zwischen Angella und Aires. Vielleicht waren die beiden gar nicht die Freundinnen gewesen, als die alle Welt sie gesehen hatte. �Und wenn ich ablehne?� fragte Aires.</p><p>�Dann mu� ich dich bitten zu gehen�, antwortete Kara. Es fiel ihr schwer, die Worte auszusprechen, aber sie wu�te, da� sie keine andere Wahl hatte. Ob Aires ging oder blieb, es war der einzige Weg, wie sie in ihren Augen bestehen konnte. �Du wirst den Drachenhort verlassen.�</p><p>�Nachdem das alles hier vorbei ist�, vermutete Aires.</p><p>�Nein, sofort�, sagte Kara. �Ich verlange die Entscheidung nicht jetzt von dir, aber bald. Sehr bald. Und wie immer sie ausf�llt, ich werde sie akzeptieren. Du wirst bleiben und meine Beraterin sein, oder du wirst den Drachenhort unverz�glich verlassen und deiner Wege gehen.�</p><p>�Ihr braucht mich�, sagte Aires. Sie wirkte verst�rt.</p><p>�Und das sogar dringender, als du selbst ahnst�, best�tigte Kara. �Die Gefahr, der wir uns gegen�bersehen, ist unvorstellbar. Ich brauche jede Unterst�tzung, die ich nur bekommen kann. Aber gerade deshalb kann ich niemanden in meiner N�he dulden, dessen ich mir nicht sicher bin. Ich meine damit nicht, da� ich deine Loyalit�t in irgendeiner Form anzweifle, Aires. Aber ich kann und will mir eine Szene wie vor drei Tagen nicht noch einmal leisten.� Sie machte eine Geste auf den Hof hinaus. �Du hast nicht gesehen, mit wem wir es zu tun haben, Aires. Du wei�t vielleicht hundertmal mehr �ber sie als ich, aber du hast sie nicht <emphasis>gesehen.</emphasis> All unsere Krieger werden vielleicht sterben, Aires. Die meisten davon sind meine Freunde, ich werde sie vielleicht in den sicheren Tod schicken m�ssen. Wie kann ich das, mit jemandem neben mir, der mich unentwegt an mir zweifeln l��t?�</p><p>�Und wenn er recht hat?�</p><p>�Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich falsch mache�, beharrte Kara. �Ich brauche jemanden, der mir erkl�rt, wie ich es <emphasis>richtig</emphasis> machen soll. Wenn du das willst willkommen. Wenn nicht � geh.�</p><p>Aires starrte sie an. Ihre Augen brannten, und die schmalen H�nde waren zu F�usten geballt. Sie zitterte. �Vielleicht habe ich mich doch in dir get�uscht�, sagte sie gepre�t. Aber sie machte keinen Versuch, diese Worte zu erkl�ren, sondern fuhr auf dem Absatz herum, st�rmte aus dem Zimmer und warf die T�r hinter sich zu.</p><p>Kara sah ihr voller Trauer hinterher. W�re dies eine erdachte Geschichte gewesen, dachte sie, so w�re dies wohl der Moment, in dem sich die alte Frau und das M�dchen in die Arme fielen und sich der Tatsache versicherten, da� alles nur eine Verkettung von schrecklichen Mi�verst�ndnissen und Irrt�mern gewesen war. Aber das hier war die Wirklichkeit, und da liefen die Dinge leider nicht immer so glatt. Kara glaubte nicht, da� Aires ihr Angebot annahm. Sie w�rde in Zukunft ohne die Magierin auskommen m�ssen.</p></section><section><title><p>33</p></title><p>Was vor einer Woche noch die Spitze des Hauptturmes gewesen war, hatte sich in eine gewaltige Schutt- und Tr�mmerhalde verwandelt, die sowohl den Zugang als auch die untere Reihe der schmalen Fenster blockierte. Zerborstene Balken und scharfkantige Glas- und Metallsplitter ragten aus dem Tr�mmerberg. Die Erdst��e waren zudem heftig genug gewesen, den Turm nicht nur seiner beiden oberen Stockwerke zu berauben, sondern den stehengebliebenen Rest auch der L�nge nach zu spalten. Ein Netz haarfeiner Risse durchzog den Innenhof.</p><p>�Und es ist wirklich niemand get�tet worden?� fragte Kara zweifelnd.</p><p>�Niemand�, best�tigte Cord. �Wir hatten gro�es Gl�ck.</p><p>Aber das Beben kam nicht ganz ohne Vorwarnung. Wir hatten Zeit, die Leute aus dem Turm zu bringen.�</p><p>Kara sah ihn fragend an.</p><p>�Es gab einige leichte Erdst��e, die gro�e Beben ank�ndigten�, erkl�rte Cord. �Dieser Turm hat mir schon lange Sorgen bereitet. Er mu� schon einmal besch�digt worden sein; lange, bevor wir diese Burg in Besitz nahmen.�</p><p>�Aber ein Erdbeben? Hier?� sagte Kara zweifelnd. �So etwas gab es doch noch nie!�</p><p>�Nicht seit wir hier sind�, sagte Cord. �Doch zwanzig Jahre sind keine lange Zeit. Nicht f�r diese Berge.�</p><p>Nicht einmal f�r diese Festung, dachte Kara. Nat�rlich kannte sie die Geschichte dieser Festung wie alle hier � beziehungsweise kannte sie sie eben nicht. Die Burg war uralt. Sie waren nicht die ersten, die sie erobert und zu ihrem neuen Hauptquartier gemacht hatten. Vor ihnen hatten das Jandhis Drachent�chter getan, und vor ihnen viele, viele andere, von denen niemand mehr wu�te. Die Burg war so alt, da� von ihren urspr�nglichen Erbauern nicht einmal Legenden zur�ckgeblieben waren.</p><p>Was nichts daran �nderte, da� es in all der Zeit nicht die Spur eines Erdbebens gegeben hatte. Der Turm, dessen Tr�mmer sich zu Karas F��en ausbreiteten, war f�nfzigtausend Jahre alt, und das <emphasis>war</emphasis> eine lange Zeit.</p><p>�Du glaubst doch nicht wirklich, da� es ein Zufall ist, oder?� fragte sie.</p><p>Cord schwieg.</p><p>�Erdbeben. Seen mit vergiftetem Wasser, die aus dem Nichts erscheinen; ein Meer, das nach zweimal hunderttausend Jahren zur�ckkehrt; Regen, der nicht aufh�rt zu fallen... das sind keine Zuf�lle, Cord.�</p><p>�Ich wei�, worauf du hinaus willst�, antwortete Cord. �Vielleicht hast du recht. Aber sei vorsichtig. Man darf nie anfangen, zuviel in die Dinge hineinzugeheimnissen. Einen Gegner zu �bersch�tzen kann ebenso verh�ngnisvoll sein wie ihn zu untersch�tzen.�</p><p>�Lehrbuch f�r junge Krieger, Seite elf�, sagte Kara sp�ttisch. �Seite zw�lf, erster Abschnitt, um genau zu sein.� Auch Cord l�chelte, aber sein Blick blieb ernst. �Aber wei�t du, warum man Dinge in Lehrb�cher schreibt, Kara! Weil sie wahr sind.�</p><p>Er sah zum Himmel, um die Zeit am Stand der Sonne abzulesen. �Ich glaube, wir sollten Aires und die anderen nicht zu lange warten lassen.�</p><p>Vor allem die anderen, dachte Kara. Nicht Zen, Silvy und Maran, sondern den Rest des Drachenhortes.</p><p>Ihre Vermutung vom gestrigen Abend hatte sich als richtig erwiesen: Niemand hier wu�te bis jetzt, was sie drau�en im <emphasis>Schlund</emphasis> gefunden hatten. Silvy, Zen und Maran waren in ihre Quartiere gebracht worden und standen gewisserma�en unter Hausarrest, und Cord h�tte am liebsten auch Kara das Verlassen des Zimmers verboten, aber das hatte er dann doch nicht gewagt, allerdings hatte er daf�r gesorgt, da� ihr niemand begegnete. Es hatte eine Weile gedauert, bis Kara das halbe Dutzend M�nner aufgefallen war, das sie und Cord diskret abschirmte. Sie l�chelte. Als Cord sie fragend ansah, meinte sie:</p><p>�Ich dachte gerade daran, da� ich nie richtig verstanden habe, was Angella damit meinte, als sie sich einmal dar�ber beklagte, da� sie eine Gefangene dessen sei, was sie ist. Ich glaube, jetzt wei� ich es.�</p><p>Cord zog es vor so zu tun, als verst�nde er nicht, und Kara wandte sich seufzend um und ging zum Haupthaus zur�ck. Sie war gleichzeitig erleichtert wie ver�rgert dar�ber, da� ihr Ausflug so kurz gewesen war. Sie hatte es genossen, endlich wieder zu Hause zu sein und das Gef�hl der Sicherheit zu sp�ren, mit dem sie die vertraute Umgebung erf�llte. Aber der Anblick des Turms hatte ihr auch deutlich vor Augen gef�hrt, wie tr�gerisch dieses Gef�hl der Sicherheit war.</p><p>Cord und sie waren die letzten, die den Versammlungsraum betraten, und Aires� Blick nach zu schlie�en, betrug ihre Versp�tung mehr als ein paar Augenblicke. Zen, Silvy und Maran sa�en neben ihr an der gro�en Tafel, auf der sie die erbeutete Karte ausgebreitet hatten. Au�er ihnen waren noch Storm, Borss, Tera und nat�rlich Hrhon anwesend. Der harte Kern, dachte Kara sp�ttisch. Seltsam � sie f�hlte sich pl�tzlich wie eine Fremde.</p><p>Sie verscheuchte den Gedanken, ignorierte Aires� strafenden Blick und nahm auf dem Stuhl am Kopfende der Tafel Platz. Bisher hatte Angella hier gesessen. Sie verjagte auch diesen Gedanken. �Warum ist Elder nicht hier?� er�ffnete sie das Gespr�ch.</p><p>Anstatt zu antworten, wandte sich Aires an Cord, der sich als einziger noch nicht gesetzt hatte, sondern seinen Platz ansteuerte. �W�rdest du ihn holen. Und... beeil dich nicht zu sehr.�</p><p>Kara blickte fragend, und Aires machte eine Kopfbewegung in Marans Richtung. Kara fiel der d�stere Ausdruck auf den Z�gen des jungen Drachenk�mpfers auf. Offensichtlich hatte Aires <emphasis>nicht</emphasis> auf sie gewartet, ehe sie mit dem Gespr�ch begann. �Wir sollten vorher entscheiden, was mit ihm zu geschehen hat.�</p><p>�Zu geschehen? Ich... verstehe nicht ganz, f�rchte ich.�</p><p>Aires machte eine zornige Geste. �Er hat seinen Drachen verloren. Findest du nicht, da� wir dar�ber reden sollten?�</p><p>Kara seufzte leise. Nat�rlich hatte Aires recht � die Drachen waren der wertvollste Besitz des Hortes. Eines der Tiere durch Fahrl�ssigkeit oder gar Leichtsinn zu verlieren, war das schlimmste nur vorstellbare Verbrechen, dessen sich ein Drachenk�mpfer schuldig machen konnte; schlimmer als Mord und unverzeihlicher als Verrat. Und auch sie zweifelte noch immer am Wahrheitsgehalt der Geschichte, die Maran ihnen erz�hlt hatte. Aber jetzt war einfach nicht der Moment, <emphasis>dar�ber</emphasis> zu reden.</p><p>�Maran hat uns bereits alles erkl�rt�, sagte Kara. �Er hat vielleicht unbedacht gehandelt, aber das ist auch alles, was man ihm vorwerfen kann. Der Verlust seines Drachen ist schlimm, aber nicht mehr zu �ndern. Es war nicht seine Schuld.�</p><p>Selbst Maran sah sie �berrascht an, w�hrend es in Zens Augen fast ebenso zornig aufblitzte wie in Aires.</p><p>�Und das ist alles?� fragte Aires. �Damit ist die Sache erledigt, meinst du?� Sie funkelte Maran an, dann wandte sie sich wieder an Kara. �Warum eigentlich nicht? Ich schlage vor, wir geben ihm einen neuen Drachen. Es dauert ja nur ungef�hr f�nfzig Jahre, ein solches Tier auszubilden!�</p><p>�Wir werden �ber das, was er getan hat, reden�, sagte Kara bes�nftigend. �Was er getan hat, war so dumm, da� er daf�r eine Strafe verdient hat. Aber vergi� nicht, Aires, da� der Verlust seines Drachen allein schon Strafe genug ist.� Eine innere Stimme fl�sterte ihr zu, da� sie schon wieder einen schweren Fehler begangen hatte, und ein einziger Blick in die Runde best�tigte diese Vermutung. Trotzdem hielt sie Aires� bohrendem Blick gelassen stand. Was hatte Angella einmal zu ihr gesagt? <emphasis>Besser, du machst einen Fehler, als du tust gar nichts.</emphasis></p><p>Sie wechselte abrupt das Thema, indem sie die Zeit bis zu Cords R�ckkehr nutzte, Storm und den beiden anderen Kriegern, die gestern abend nicht dabeigewesen waren, noch einmal mit knappen Worten zu schildern, was sie unter dem zweiten Drachenfels im <emphasis>Schlund</emphasis> gefunden hatte. Nat�rlich hatte Aires ihnen bereits alles erz�hlt. Trotzdem h�rten sie gebannt zu, und auch auf dem Gesicht der Magierin erschien der gleiche, besorgte Ausdruck wie am vergangenen Abend, w�hrend sie Karas Geschichte zum zweitenmal lauschte.</p><p>Kara hatte den letzten Satz ausgesprochen, als die T�r aufging und Cord und Elder hereinkamen. Sie registrierte mit einer Mischung aus Schrecken und Ver�rgerung, da� Cord es nicht einmal f�r n�tig befunden hatte, Elder zu fesseln. Sie lie� sich nichts anmerken, nahm sich aber vor, mit ihm dar�ber zu reden, da� man seine Feinde niemals untersch�tzen sollte. Cord war einer der erfahrensten Krieger des Hortes, aber nur Kara wu�te, wie gef�hrlich Elder war.</p><p>Hrhon l�ste sich pl�tzlich von seinem Platz neben der T�r und trat hinter den Stuhl, auf den Cord Elder bugsierte. Cord nahm ebenfalls Platz, jedoch nicht, ohne dem Waga einen sonderbaren Blick zuzuwerfen. Wie kompliziert Menschen doch waren, dachte Kara, und wieviele Probleme ihnen wohl allen erspart geblieben w�ren, <emphasis>weil</emphasis> sie es waren.</p><p>F�r eine Weile trat ein unbehagliches Schweigen ein. Sie alle starrten Elder an, und Elder starrte zur�ck. Das Gef�hl in seinen Augen, als er Kara ansah, erschreckte sie ein wenig. Es war kein Ha�, aber ein tiefer Zorn. Kara konnte ihn beinahe verstehen. Sein Gesicht war noch immer angeschwollen, und die Kopfschmerzen, die er in den letzten zwei Tagen gehabt hatte, w�rde er wahrscheinlich in f�nfzig Jahren noch nicht vergessen haben.</p><p>Schlie�lich war es auch Elder, der das Schweigen brach. �Darf ich jetzt reden?� fragte er herausfordernd.</p><p>�Dazu bist du hier�, antwortete Kara. Es fiel ihr erstaunlich leicht, Ruhe zu bewahren.</p><p>�Ich frage ja nur�, sagte Elder sarkastisch. �Gestern abend hat man mir einen Knebel verpa�t, als ich auch nur nach einem Schluck Wasser verlangt habe.�</p><p>�Wie bedauerlich�, erwiderte Kara kalt. �Vielleicht h�tte man dir statt dessen lieber die Zunge herausschneiden sollen. Oder sie wenigstens spalten. Das h�tte zu dir gepa�t.�</p><p>Aires warf ihr einen warnenden Blick zu, �berging ihre Bemerkung aber ansonsten. �Ich nehme an, du wei�t, was wir von dir wollen, Elder.�</p><p>�So? Wei� ich das?�</p><p>�Wenn nicht, bist du d�mmer, als ich annahm. Und das w�re nicht gut. Ich verachte Dummheit. Ich sch�tze sie nicht einmal bei meinem Gegner, obwohl sie da manchmal ganz n�tzlich ist. Aber ich nehme nicht an, da� du dumm bist.�</p><p>�Nein�, antwortete Elder. �Und ich bin auch nicht euer Feind.�</p><p>�Was bist du dann?� schnappte Kara.</p><p>Elder starrte sie schon wieder voller Zorn an. �Ich dachte, da� <emphasis>du</emphasis> das eigentlich am besten wissen m��test. Verdammt, ich bin euer Verb�ndeter, ob es dir pa�t oder nicht.�</p><p>�Verb�ndeter?� Kara zog die Augenbrauen hoch. �Du hast eine sonderbare Art, das zu zeigen.�</p><p>�Ach?� machte Elder spitz.</p><p>�Unsere Verb�ndeten�, sagte Storm an Karas Stelle, �bel�gen uns f�r gew�hnlich nicht. Sie spielen uns auch nicht vor, jemand anderes zu sein als der, der sie wirklich sind.�</p><p>Elder schnaubte. �Du wei�t ja nicht einmal, wovon du sprichst�, sagte er.</p><p>�Dann erkl�r es uns�, sagte Kara. Sie sp�rte, da� sie nun doch allm�hlich die Beherrschung verlor. �Versuch doch einmal etwas Neues, Elder: Sag einfach die Wahrheit. Erz�hl uns zum Beispiel, warum ihr G�a t�tet. Warum ihr den <emphasis>Schlund</emphasis> vernichten wollt � und uns offensichtlich auch!�</p><p>�Wir?� wiederholte Elder in einem Tonfall, der Fassungslosigkeit ausdr�cken sollte. �Bist du von Sinnen, du dummes Kind?�</p><p>Cord versetzte ihm einen Sto�, der ihn zusammenfahren und schmerzhaft das Gesicht verziehen lie�. �Das <emphasis>dumme Kind,</emphasis> mit dem du sprichst, ist unsere Herrscherin�, sagte er. ��berleg dir also, was du sagst.�</p><p>Kara machte eine Geste. �La� es gut sein, Cord.� An Elder gewandt, der sie verwirrt ansah, sagte sie: �Es ist die Wahrheit. Du bist nicht mehr ganz auf dem laufenden.�</p><p>�Meinen Gl�ckwunsch�, sagte Elder b�se. �Du hast schnell Karriere gemacht. Von einem kleinen M�dchen zur Herrscherin des Drachenhorts.�</p><p>�So wie du�, versetzte Kara. �Von einem kleinen Hauptmann zu einem Mann, der sich noch Minuten von einem sehr unangenehmen Tod entfernt befindet.�</p><p>�Genug!� sagte Aires scharf. �Wenn ihr euch streiten wollt, k�nnt ihr das gern sp�ter tun, aber jetzt haben wir Wichtigeres zu besprechen.�</p><p>Kara bi� sich zornig auf die Unterlippe, sagte aber nichts. Sie hatte sich den R�ffel verdient.</p><p>�Was hast du damit gemeint: Du bist unser Verb�ndeter?� fuhr Aires fort. �Die Kleider, in denen man dich hergebracht hat, waren die unserer Feinde. Und der Ort, an dem man dich aufgegriffen hat, geh�rte ihnen.�</p><p>�Was f�r ein sch�ner Satz�, sagte Elder abf�llig. �Du solltest ihn aufschreiben.�</p><p>�DU...�</p><p>Elder hob hastig die Hand. Hrhon, der die Bewegung wohl falsch deutete, trat noch einen Schritt vor. �Schon gut, schon gut�, sagte Elder hastig. �Du hast ja recht. Aber diese M�nner dort drau�en sind ebenso <emphasis>meine</emphasis> Feinde wie eure.� Er deutete anklagend auf Kara. �H�tte eure <emphasis>Herrscherin</emphasis> da nicht meine Maschinen in die Luft gejagt, meine M�nner erschossen und mich niedergeschlagen, ohne uns auch nur zu Wort kommen zu lassen, dann h�tte ich alles erkl�ren k�nnen und vielleicht das Schlimmste verhindert. Was jetzt passiert, das habt ihr euch selbst zuzuschreiben.�</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte Kara. �Die M�nner, die diese Anlage errichtet haben...�</p><p>�... sind genauso scharf auf meinen Hals, wie du es warst�, fiel ihr Elder ins Wort. �Zum Teufel noch mal, was glaubst du eigentlich, <emphasis>wer</emphasis> diesen Berg angegriffen hat! Das waren wir! Ich h�tte noch eine Stunde gebraucht, um ihren Pararaumsender umzuprogrammieren und meine Leute zu verst�ndigen, wenn du nicht gekommen und wie ein tollw�tiger Hund �ber uns hergefallen w�rst.�</p><p>Kara starrte ihn an. Sie sah den Ausdruck auf Aires� Gesicht und auch auf denen der anderen, und sie begriff, da� Elder sich vermutlich gerade um Kopf und Kragen geredet hatte, ohne es �berhaupt zu wissen.</p><p>�Du hast diesen Berg angegriffen?� fragte Aires. In ihrer Stimme war ein Zittern, dessen wahre Bedeutung Elder wahrscheinlich nicht einmal ahnte, denn er nickte nur trotzig. �Die... die Explosion, von der Kara berichtet hat, das... das war dein Werk?�</p><p>Elder schnaubte. �Ich wollte, es w�re so�, sagte er. �Wenn du es genau wissen willst, es war der Fusionsreaktor meines Schiffes.�</p><p>�Was?� fragte Tera.</p><p>Elder setzte zu einer Antwort an, seufzte aber dann blo� und winkte ab. �Es h�tte wenig Sinn, es erkl�ren zu wollen�, sagte er. �Sagen wir: die Maschine, die mein Schiff angetrieben hat.�</p><p>�Von was f�r einem <emphasis>Schiff</emphasis> sprichst du?� fragte Storm. Er deutete auf Kara. �Sie hat nichts von einem Schiff erz�hlt. Seid ihr �ber das Meer gekommen, von einem der unbekannten Kontinente im Norden?�</p><p>Elder verdrehte die Augen und machte ein Gesicht, als wollte er jeden Moment vor Lachen einfach herausplatzen, schien sich aber im letzten Moment selbst zu sagen, da� er den Bogen besser nicht �berspannte. �Nein�, antwortete er erzwungen ruhig. �Ich komme nicht von einem der anderen Kontinente. Ich komme von...� � er z�gerte einen Moment � �... von einer anderen Welt.�</p><p>Die Reaktion auf diese Worte schien anders auszufallen, als er erwartet hatte, denn er legte eine Pause ein, in der er sich mit wachsender Verwirrung umsah. Einzig Aires und Kara schienen wirklich zu verstehen, was Elder meinte.</p><p>�Und?� fragte Storm schlie�lich.</p><p>Elder fuhr sich nerv�s mit der Zungenspitze �ber die Lippen. �Ich f�rchte, ich habe mich nicht richtig ausgedr�ckt. Wir benutzen das Wort Welt in einem anderen Sinn als ihr. Ihr meint mit anderen Welten die Kontinente, die ihr jenseits des <emphasis>Schlundes</emphasis> vermutet, nicht wahr?�</p><p>Storm nickte. Er wirkte pl�tzlich sehr aufmerksam.</p><p>�Wir nicht�, fuhr Elder vorsichtig fort. �Wir meinen damit andere Planeten. Planeten, die so gro� sind wie eure Welt.�</p><p>�Wie bitte?� �chzte Cord.</p><p>�Eure Welt ist nicht die einzige im Universum�, antwortete Elder in einem Tonfall, als versuche er einem Kind die ersten Buchstaben des Alphabets beizubringen. �Es gibt Milliarden Sonnen in der Galaxis, und viele von ihnen haben Begleiter wie diese Welt.�</p><p>�Das reicht�, sagte Aires zornig. �Wir bauen vielleicht keine Maschinen wie ihr, aber das bedeutet nicht, da� wir d�mlich sind.� Sie beugte sich vor, und es gelang ihr kaum, ihre Erregung zu unterdr�cken. �Du behauptest also, du k�mst von einer dieser anderen Welten?�</p><p>Elder nickte. �Ebenso wie die M�nner, gegen die ihr k�mpft.�</p><p>�Das ist l�cherlich!� sagte Storm. �Ich glaube ihm kein Wort. Er l�gt, um uns von der Wahrheit abzulenken.�</p><p>�Warum sollte ich das tun?� erwiderte Elder ruhig. �Warum sollte ich mir wohl eine <emphasis>so</emphasis> unwahrscheinliche Geschichte ausdenken?�</p><p>�Vielleicht genau, um diese Frage zu stellen!� schnappte Storm. Kara bedeutete ihm mit einer Geste, still zu sein. M�hsam beherrscht wandte sie sich an Elder. Sie glaubte ihm. Storm hatte nicht gesehen, was <emphasis>sie</emphasis> gesehen hatte. �Vorausgesetzt, du sagst die Wahrheit, Elder�, sagte sie. �Lassen wir einmal deine Geschichte von anderen Welten und Schiffen, die zwischen ihnen verkehren, beiseite...� Das sagte sie nur, um Storm zu beruhigen, der schon wieder auffahren wollte. �... dann beantworte mir nur eine Frage: Warum bek�mpfen wir uns?�</p><p>�Bek�mpfen?� Elder lachte herzhaft. �Gro�er Gott, sie bek�mpfen euch gar nicht. Wenn sie sich dazu entschlie�en w�rden, dann w�ret ihr nach sp�testens drei Tagen alle tot.�</p><p>�Und wie nennst du das, was sie uns bisher angetan haben?�</p><p>�In ihrer Bilanz taucht der Posten wahrscheinlich unter <emphasis>Diverses</emphasis> auf�, antwortete Elder, ohne da� einer von ihnen verstand, was er damit meinte. �Du meinst, sie bek�mpfen euch? Du solltest einmal die Bewohner des �stlichen Kontinents fragen. <emphasis>Denen</emphasis> haben sie wirklich �bel mitgespielt, wei�t du?�</p><p>�Wer sind sie?� fragte Aires erregt. �Und was wollen sie wenn nicht uns bek�mpfen, wie du behauptest? Warum sind sie hier? Und warum bist <emphasis>du</emphasis> hier?�</p><p>�Vielleicht f�hren sie Krieg gegeneinander?� sagte Kara zornig. �Und haben sich unsere Welt ausgesucht, um ihn auszutragen.�</p><p>�Wir f�hren schon seit Jahrtausenden keine Kriege mehr�, sagte Elder. �Kriege sind barbarisch.�</p><p>�Und wie nennst du das, was hier geschieht?�</p><p>�Ein Gesch�ft�, antwortete Elder ruhig.</p><p>Kara war fassungslos. Weder sie noch die anderen begriffen, wovon ihr Gefangener �berhaupt sprach.</p><p>Elder seufzte tief, sch�ttelte ein paarmal den Kopf und drehte sich auf seinem Stuhl zu Aires herum. �Vielleicht ist es das beste, wenn ich euch die ganze Geschichte erz�hle. Glaubst du, da� das m�glich ist, ohne da� mir eure <emphasis>Herrin</emphasis> oder dieser Hitzkopf dort dr�ben die Kehle herausrei�en?�</p><p>�Versuch es einfach�, sagte Kara, ehe Aires antworten konnte.</p><p>Elder runzelte die Stirn und murmelte eine Antwort, die sie besser nicht verstand, begann dann aber mit ruhiger Stimme an Aires gewandt zu erz�hlen. �Ich glaube, da� alles mit einem Irrtum angefangen hat. Die Sonde, die diesen Planeten katalogisieren sollte, war entweder defekt, oder jemand hat Mist gebaut, als er die Daten ausgewertet hat.�</p><p>�Bitte, Elder�, sagte Aires. �Versuche so zu erz�hlen, da� auch wir Barbaren begreifen, was du meinst.�</p><p>Elder l�chelte. �Ich habe euch erz�hlt, da� es Tausende von bewohnbaren Welten in der Galaxis gibt. Die allerwenigsten sind den Menschen freundlich gesonnen. Nur eine von tausend Welten ist so beschaffen, da� wir ohne Schwierigkeiten darauf leben k�nnen. Und wir brauchen Platz. Unsere Rasse w�chst, und sie w�chst schnell.�</p><p>�Soll das hei�en, sie... sie sind hierhergekommen, weil sie unsere Welt wollen? Diesen ganzen Planeten?� kr�chzte Storm. �Ich f�rchte, ja�, antwortete Elder. �Du mu�t das verstehen. Es gibt nicht viele Welten, auf denen Menschen leben k�nnen. Aus diesem Grund haben wir schon vor langer Zeit begonnen, die etwas weniger gastlichen Welten unseren Bed�rfnissen anzupassen.�</p><p>�Wie bitte?� Aires ri� erstaunt die Augen auf.</p><p>�Das Projekt nennt sich <emphasis>Terraforming,</emphasis> und die Idee ist so alt wie der Plan, zu den Sternen zu fliegen�, antwortete Elder. �Es ist nicht so unm�glich, wie es sich im Moment vielleicht anh�rt. Meistens braucht man nicht mehr dazu als einen kleinen Ansto�, der das �kologische System einer Welt in die richtige Richtung lenkt. Manchmal ist auch ein wenig mehr n�tig. Aber im Grunde ist es nichts anderes als das, was auch ihr tut, wenn ihr neues Land kolonisiert. Ihr pa�t es euren Bed�rfnissen an. Dasselbe tun auch wir � nur in etwas gr��erem Ma�stab.�</p><p>�Wir stehlen niemandem seine Welt�, sagte Storm mit zornbebender Stimme.</p><p>�Wir auch nicht�, erwiderte Elder. Pl�tzlich war er wieder sehr ernst. �Ich sagte bereits � was hier geschehen ist, war ein... ein ungl�cklicher Zufall. Wir schicken Sonden los, unbemannte Maschinen, die manchmal Jahrhunderte unterwegs sind und neue Planeten suchen, die sich zur Kolonisation oder dem Terraforming eignen. Aber wir haben sehr strenge Gesetze. Kein Planet, der bereits eine eigene Spezies intelligenten Lebens hervorgebracht hat, darf ver�ndert werden. Wir zeigen uns ihnen nicht einmal, ehe sie nicht von sich aus den ersten Schritt tun. St��t eine unserer Sonden auf eine bewohnte Welt, so parken wir ein Robotraumschiff in ihrer N�he, das sie beobachtet. Mehr nicht. Wir zeigen uns nicht, wir mischen uns nicht ein.�</p><p>�Das haben wir deutlich zu sp�ren bekommen�, bemerkte Kara sp�ttisch.</p><p>Elder wirkte verletzt. �Eure Welt ist nicht wie die anderen�, sagte er. �Es gibt hier nicht nur ein, sondern gleich vier oder f�nf Dutzend verschiedener intelligenter Gattungen. Eure �kologie ist der reine Irrsinn! Ich habe so etwas noch nie gesehen, und glaube mir � ich bin auf vielen Welten gewesen. Au�erdem bestehen achtzig Prozent der Landmasse aus verstrahlten W�sten, in denen absolut nichts lebt. Vielleicht ist die Sonde in einem dieser Gebiete niedergegangen, oder die Daten wurden falsch interpretiert. Vielleicht ist sie irgendwo auf ihrem Flug besch�digt worden. Jedenfalls wurde euer Planet als unbewohnt, aber formbar eingestuft. Ein Fehler, mehr nicht.�</p><p>�Ein Fehler, mehr nicht?� wiederholte Kara ungl�ubig. <emphasis>�Mehr nicht?�</emphasis></p><p>Aires hob beruhigend die Hand. �Nehmen wir an, es war so, Elder�, sagte sie rasch. �Warum wurde dieser Fehler nicht korrigiert, nachdem ihr hergekommen wart und gesehen habt, wie unsere Welt <emphasis>wirklich</emphasis> aussieht?�</p><p>�Das ist genau die Frage, die ich einigen Herren in der Vorstandsetage von PACK gern stellen w�rde�, antwortete Elder grimmig.</p><p> �PACK?�</p><p>�Die Firma, die eure Welt gekauft hat�, erkl�rte Elder. �Gekauft?� Aires beugte sich vor. Ihre Augen glitzerten. �Sagtest du gekauft?�</p><p>�Ja�, best�tigte Elder. �Es gibt eine Reihe gro�er Firmen, die neuentdeckte Welten kaufen und umformen. Es dauert lange und verschlingt Unsummen, aber wenn das Terraforming gelingt, ist der Gewinn enorm.�</p><p>�Aber wie kann man etwas verkaufen, das einem nicht geh�rt?� fragte Cord. �Ich kann mich nicht erinnern, diese Welt verkauft zu haben.� Er sah Aires an. �Du vielleicht?�</p><p>�Die Kaufoptionen werden von unserer Regierung vergeben�, sagte Elder ruhig. �Sie sind nicht billig � und ich sagte bereits mehrfach: Was hier geschehen ist, war ein Fehler.�</p><p>�Ja, das sagtest du�, best�tigte Kara. �Aber du sagtest noch nicht, weshalb er bisher nicht korrigiert wurde.�</p><p>�Vielleicht sind sie ja gerade dabei, es zu tun�, grollte Storm. �Wenn ihr alles Leben auf dieser Welt ausl�scht, dann stimmen die Voraussetzungen wieder, nicht wahr?�</p><p>Elder ignorierte sowohl seinen bohrenden Blick als auch den bei�enden Spott in seinen Worten. �Was hier geschehen ist, ist ein Verbrechen�, sagte er ruhig. �Ich kann mir ungef�hr denken, was passiert ist. PACK geh�rt zu den gr��ten Firmen der Galaxis, die Planeten bauen. Sie sind nicht so gro� geworden, weil sie zimperlich sind. Sie haben viel Geld f�r diesen Planeten bezahlt und noch sehr viel mehr, um die n�tige Ausr�stung hierher zu schaffen. Die Besatzung der Landungsschiffe mu� der Schlag getroffen haben, als sie hier ankamen und sahen, da� dieser Planet bewohnt ist.� Er lachte humorlos und schwieg einen Moment.</p><p>�Aber sie sind trotzdem geblieben�, sagte Aires.</p><p>Elder nickte. �Irgend jemand ist wohl zu der Auffassung gekommen, den Aktion�ren von PACK den Verlust nicht zumuten zu k�nnen, den ein Scheitern des Unternehmens bedeutet.�</p><p>Kara hatte keine Ahnung, was ein Aktion�r war � aber sie begriff sehr gut, was Elder meinte. �Du willst damit sagen, sie... sie zerst�ren unsere Welt aus... aus Profitgier?� fl�sterte sie stockend.</p><p>�Gesch�ft ist Gesch�ft, Kindchen�, sagte Elder. �Das war schon immer so, und es wird auch immer so bleiben. Wenn genug Geld auf dem Spiel steht, dann vergi�t man sein Gewissen schon einmal.� Er zuckte mit den Schultern. �Ich habe die Regeln nicht gemacht.�</p><p>Kara begann am ganzen Leib zu zittern. Sie wu�te nicht, was sie mehr ersch�tterte: die Monstrosit�t dessen, was sie h�rte, oder die lakonische Art, mit der Elder diese Ungeheuerlichkeit erz�hlt hatte. Sie konnte nicht einmal schreien, um ihrem Entsetzen Luft zu machen.</p><p>�Wie lange sind sie schon hier?� fragte Aires leise.</p><p>�Etwas l�nger als f�nfzig Jahre�, antwortete Elder.</p><p>�F�nfzig Jahre? Und du willst mir erz�hlen, da� niemand etwas gemerkt hat in all dieser Zeit? Du sagst, euer Reich besteht aus Tausenden von Welten. Dann mu� euer Volk nach Billionen z�hlen! Und in all dieser Zeit soll niemand...�</p><p>�Das Universum dort drau�en besteht zum allergr��ten Teil aus nichts anderem als Leere�, unterbrach sie Elder. �Es ist nicht so, da� man nur ein paar Schritte zu gehen braucht, um �ber die n�chste bewohnte Welt zu stolpern. Und es ist nicht ungew�hnlich, da� eine Firma den Planeten, an dem sie gerade arbeitet, streng abschirmt. Jede Firma hat ihre speziellen Methoden des Terraforming, die sie streng geheimh�lt.�</p><p>�Ja�, fl�sterte Storm. �Eine dieser Methoden lernen wir gerade kennen.�</p><p>�Davon abgesehen�, fuhr Elder bitter fort, �w�rden sich neunundneunzig Prozent dieser Trillionen anderer dort drau�en einen Dreck um euer Schicksal k�mmern.�</p><p>Er sprach nicht weiter, und die anderen verfielen in br�tendes Schweigen, so da� sich f�r Minuten eine unangenehme Stille zwischen ihnen ausbreitete.</p><p>�Gheh�hrthen Jhandhi uhnd ihrhe Dhrachhen auch zhu euhch?� fragte Hrhon endlich.</p><p>Elder verdrehte den Kopf, um dem Waga ins Gesicht zu blicken. �Jandhil Nein. Ich habe euch von den Bewohnern des �stlichen Kontinents erz�hlt. Das waren sie. Es gibt sie nicht mehr. PACK hat sie ausgel�scht.�</p><p>�Wann?� fragte Kara. Ihr Herz begann zu rasen, Elder wich ihrem Blick aus. �Vor ungef�hr zehn Jahren�, sagte er dann.</p><p>�Vor zehn Jahren?� Storm richtete sich stocksteif auf, und auch Cord sah pl�tzlich so aus, als h�tte er ein Gespenst gesehen.</p><p>�Ja�, best�tigte Elder. �Es tut mir leid, wenn ich euch diese Illusion auch noch nehmen mu� � aber ihr habt Jandhis Volk nicht besiegt. Das war PACK. Im �brigen solltet ihr ihnen daf�r sogar dankbar sein.�</p><p>�Wieso?� fragte Kara.</p><p>�Weil ihr keine Chance gehabt h�ttet. Auf dem �stlichen Kontinent haben sich die Dinge etwas anders entwickelt als hier bei euch. Dort ist eine Insektenzivilisation entstanden. Die, gegen die ihr gek�mpft habt, waren nur ein kleiner Vorposten. Selbst PACKs Sturmtruppen haben sich zwanzig Jahre lang die Z�hne an ihnen ausgebissen.�</p><p>Pl�tzlich ha�te ihn Kara, allein f�r die Art, wie er �ber die Vernichtung eines ganzen Volkes sprach. Sie fragte sich, ob er wirklich ein Mensch war.</p><p>�Es w�re gut, wenn ihr begreifen w�rdet, da� es l�ngst nicht mehr nur um Geld geht�, fuhr Elder mit fast beschw�render Stimme fort. �Sie sind zu weit gegangen. Wenn bekannt wird, was hier geschieht, dann bedeutet dies das Ende f�r PACK. Sie k�mpfen nicht mehr um Profite, sondern ums nackte �berleben.�</p><p>�Aber es... es ist doch nur eine Firma�, murmelte Aires. �Nur ein Gesch�ft.�</p><p>�Es ist eine sehr gro�e Firma�, sagte Elder sanft. �Sie ist Zehntausende von Jahren alt. Und unvorstellbar gro� und m�chtig. Vielleicht stellst du dir etwas anderes unter diesem Wort vor, aber was ist ein Staat im Grunde, wenn nicht eine gro�e funktionierende Firma? Es sind Gebilde wie PACK und die anderen, die unser Reich ausmachen. Irgendwie leben sie, wei�t du? Und sie wehren sich wie ein lebendes Wesen, wenn es um ihre Existenz geht.�</p><p>�Das hei�t, sie haben gar keine andere Wahl mehr, als uns alle umzubringen�, sagte Aires.</p><p>�Ich f�rchte�, best�tigte Elder. �Wenn es mir nicht gelingt, sie aufzuhalten, seid ihr alle verloren.�</p><p>�Du?� Zum ersten Mal glomm so etwas wie Hoffnung in Aires� Augen auf. �Welche Rolle spielst du in diesem Spiel? Wo liegt dein <emphasis>Profit,</emphasis> Elder?�</p><p>Er z�gerte. Dann l�chelte er fl�chtig und schenkte Aires ein anerkennendes Nicken. �Ich glaube, es hat wenig Sinn, dir etwas vormachen zu wollen�, sagte er. �Ich werde dir die Wahrheit sagen � auch wenn ich nicht sicher bin, ob es richtig ist.�</p><p>Er warf einen nerv�sen Blick in Karas Richtung und einen zweiten auf Storm, ehe er fortfuhr: �PACK ist nicht die einzige Firma, die sich mit der Erschlie�ung neuer Welten besch�ftigt. Es gibt andere Firmen, die dasselbe tun. Ich geh�re zu einer von ihnen.�</p><p>�Du bist...�</p><p>�Von der Konkurrenz, wenn du so willst�, best�tigte Elder. �Ja.�</p><p>Aires� Augen wurden schmal. �Wenn das die Wahrheit ist, Elder, dann war es wirklich nicht sehr klug, sie zu erz�hlen. Du... du sagst, du geh�rst zu den gleichen Ungeheuern, die uns unsere Welt stehlen wollen, und glaubst, wir w�rden dir auch noch helfen? Was versprichst du uns, wenn wir es tun? Einen angenehmen Tod? Einen Grabstein, so gro� wie diese Welt?�</p><p>Elder blieb ganz ruhig, obwohl die Spannung im Raum immer heftiger wurde und sich bald entladen mu�te. �Ich kann mich nicht erinnern, euch um irgendeine Hilfe gebeten zu haben�, sagte er. �Aber ich bitte dich, denke in Ruhe �ber das nach, was ich dir erz�hlt habe. PACK ist erledigt, wenn herauskommt, was sie hier treiben. Aber das bedeutet auch gleichzeitig, da� �berall bekannt wird, da� diese Welt bewohnt ist. Ich gebe es zu � das Hauptinteresse der Leute, die mich hierher geschickt haben, liegt darin, PACK zu ruinieren. Aber sag selbst: Was kann euch besseres passieren? Meine Auftraggeber w�rden alles tun, um den entstandenen Schaden wiedergutzumachen. Ihr w�rdet mehr als entsch�digt f�r das, was man euch angetan hat. Wir w�rden diesen Planeten in ein Paradies verwandeln. Es sind keine leeren Versprechungen, Aires. Wir k�nnen euch eure Welt so umgestalten, wie ihr es wollt.�</p><p>�Warum solltet ihr das tun?� fragte Storm ver�chtlich. �So etwas ist teuer. Und wir k�nnen nicht viel bezahlen.� Seine Stimme troff vor Hohn.</p><p>�Das kann ich dir sagen�, erkl�rte Elder ruhig. �Weil es ein Gesch�ft ist, von dem wir beide profitieren. Ihr bekommt eine Welt, auf der nicht jeder Tag ein neuer Kampf ums nackte �berleben ist. Und f�r uns bedeutet eine so gro�m�tige Hilfe einen Imagegewinn, der mit Geld gar nicht aufzuwiegen ist. Wir k�nnen beide nur gewinnen, Storm. Die Zeche daf�r zahlt PACK. Aber ich glaube nicht, da� euch das allzu leid tut.�</p><p>�Genug�, fl�sterte Kara. �H�r... auf. H�r sofort auf, Elder.� Ihre Stimme bebte. Sie zitterte am ganzen Leib. In ihrem Inneren tobte ein Sturm von Gef�hlen, der sie fast um den Verstand brachte. �Ich kann es nicht mehr h�ren. Ich... ich lasse nicht zu, da� du um unsere Leben schacherst wie ein Kr�mer um ein Fa� Wein.�</p><p>Aires hob bes�nftigend die Hand. �Beruhige dich, Kara. Ich verstehe dich, aber Elders Vorschlag klingt vern�nftig genug, um zumindest dar�ber nachzudenken. Was nicht bedeutet�, f�gte sie an Elder gewandt und mit ver�nderter Stimme hinzu, �da� wir ihn annehmen oder dir alles glauben.�</p><p>�Das habe ich auch nicht erwartet�, sagte Elder. �Nicht sofort.� Er warf Kara einen dunklen Blick zu. �Ich bin ja schon froh, da� ihr mir nicht gleich den Kopf abgeschlagen habt.�</p><p>�Gesetzt den Fall, wir glauben dir�, sagte Aires. �Was m��ten wir tun?�</p><p>�Nichts�, antwortete Elder. �Ihr k�nnt nichts tun, glaubt mir. Es ist eine Sache zwischen ihnen und mir. Ich kann sie aufhalten, aber das kann ich nur allein. Wenn ihr euch einmischt, werdet ihr zermalmt wie Jandhis Volk.�</p><p>�Was k�nntest du allein tun, was wir nicht k�nnen?� fragte Tera.</p><p>�Etwas sehr Einfaches und zugleich das einzige, was �berhaupt einen Sinn ergibt�, antwortete Elder. Er warf Kara einen beinahe entschuldigenden Blick zu. �Das, was ich zu tun im Begriff stand, ehe sie mich niedergeschlagen und weggeschleppt hat. Hilfe herbeirufen. Ich habe die Basis im <emphasis>Schlund</emphasis> angegriffen, weil ich an ihren Pararaumsender heranwollte. Der Versuch hat mich mein Schiff gekostet, aber es ist gut m�glich, da� sie mich f�r tot halten. Ich habe daher eine gute Chance, es ein zweites Mal zu versuchen. Gelingt es mir, an einen Sender heranzukommen und einen Hilferuf abzusetzen, dann wimmelt es hier in drei Monaten von Truppen, das schw�re ich euch.�</p><p>�Was ist ein Pararaumsender?� fragte Aires.</p><p>�Etwas wie die Funkger�te, die sie in Schelfheim benutzen�, antwortete Elder. �Nur sehr viel leistungsf�higer. Ich kann damit andere Welten erreichen. Aber es gibt nur zwei St�ck davon auf diesem Planeten. Der eine befindet sich in der Pumpstation, doch ich f�rchte, da� sie ihn jetzt etwas besser bewachen werden.�</p><p>�Und der andere?�</p><p>�In ihrem Schiff�, antwortete Elder. �Leider wei� ich nicht, wo er steht.�</p><p>�Und wenn wir einen eigenen Sender bauen?� schlug Kara vor.</p><p>Elder starrte sie einen Moment lang aus weit aufgerissenen Augen an � und begann schallend zu lachen.</p><p>�Was ist daran so komisch?� grollte Kara. �Habe ich was Falsches gesagt?�</p><p>Elder beruhigte sich erst nach einer Weile. �Das hast du�, sagte er schlie�lich. �Dr�cken wir es vorsichtig aus: Es ist v�llig unm�glich. Ich mu� dieses Schiff finden und versuchen, irgendwie hineinzukommen. Ihr k�nnt dabei gar nichts tun.�</p><p>�Wir werden sehen�, sagte Aires. �Vorerst danke ich dir f�r deine Kooperation, Elder. Ich m�chte mich f�r das entschuldigen, was dir geschehen ist. Kara hat einen Fehler gemacht; aber ich hoffe, da� du verstehst, warum. So wie die Dinge liegen, h�tte ich vermutlich auch nicht anders gehandelt.�</p><p>Kara war nicht sicher, ob das zornige Funkeln in Elders Augen ihr oder dem Vorwurf in Aires� Worten galt. Er schwieg. �Du hast sicher Verst�ndnis, da� wir ein wenig Zeit brauchen, um uns zu beraten�, fuhr Aires fort. Sie wandte sich mit einem auffordernden Blick an Hrhon. �Geleite Elder in sein Quartier, Hrhon. Und sorge daf�r, da� er mit allem Respekt behandelt wird, der einem Gast zukommt.�</p></section><section><title><p>34</p></title><p>Die Beratung dauerte bis nach Sonnenuntergang. Kara schwirrte der Kopf, als sich Aires und Cord schlie�lich als letzte erhoben und gingen; nicht ohne die Drohung, am n�chsten Morgen in aller Fr�he wiederzukommen, um die Beratung fortzusetzen.</p><p>Sie versuchte, Aires� Blick festzuhalten, damit sie blieb, aber Aires wich ihr aus und hatte es pl�tzlich sehr eilig zu gehen. Kara h�tte gern noch einen Moment mit ihr gesprochen. Nicht �ber das, was Elder ihnen erz�hlt hatte, aber sie hatte w�hrend des ganzen Tages immer wieder an Maran gedacht, und irgendwann einmal hatte sie sich eingestanden, da� ihre Entscheidung �ber das Schicksal des jungen Drachenkriegers eigentlich mehr von einem kindischen Trotz Aires� gegen�ber diktiert gewesen war. Aires jedoch ging, ohne ihr Gelegenheit zu einer Aussprache zu geben, und Kara blieb in einem Zustand tiefer Verwirrung und Furcht zur�ck. Unruhig lief sie in ihrem Zimmer auf und ab. Der Tag war �beraus anstrengend gewesen, und sie war schon wieder m�de, trotz der fast zw�lf Stunden, die sie in der vergangenen Nacht geschlafen hatte. Trotzdem wu�te sie, da� an Schlaf in den n�chsten Stunden nicht zu denken war. Elder hatte irgend etwas gesagt, was ihr keine Ruhe lie�. Sie rang noch eine geschlagene halbe Stunde mit sich selbst, dann verlie� sie ihr Zimmer, um noch einmal zu Elder zu gehen.</p><p>Als sie auf den Gang hinaustrat, l�ste sich ein unf�rmiger Schatten aus einer Nische neben der T�r. �Hrhon?� sagte sie erstaunt. �Du? Wie lange stehst du schon hier?�</p><p>Sie bekam keine Antwort, aber sie wu�te auch so, da� der Waga die ganze Zeit vor der T�r gestanden hatte. �Warum bist du nicht hereingekommen?�</p><p>�Dhu bhissst... dhie nheuhe Herrsssherhin�, antwortete Hrhon z�gernd.</p><p>�Deswegen bin ich doch noch immer dieselbe, die ich vorher war�, sagte Kara. Aber stimmte das wirklich? Im selben Moment wurde ihr klar, da� sie diesen einen Satz in sch�rferem Ton gesprochen hatte, als es zwischen Hrhon und ihr �blich war. Sehr viel sanfter f�gte sie hinzu: �Wir sind doch noch immer Freunde, oder?�</p><p>�Sssisssher�, zischelte Hrhon. �Ahbher nhiehmahnd dharf Angellahsss Sssimmher be...� Er brach ab und verbesserte sich. �Isss mheinhe, dhasss Sssimmher dher Herrsssherhin bhethrethen, ohne aufghefhordher�t sssu ssseinh.�</p><p>Kara l�chelte fl�chtig. �Du schon�, sagte sie. �Ich sehe nicht ein, da� sich irgend etwas zwischen uns �ndern sollte, nur weil ich umgezogen bin.�</p><p>�Esss wh�re nhissst ghut fh�r dhie Dhissssssiplhihn�, sagte Hrhon. �Rhegheln sssinhd fh�r allhe da.�</p><p>Kara seufzte. �Na gut, du dickk�pfige Schildkr�te. Hiermit ernenne ich dich offiziell zu meinem Leibw�chter. Du wirst mich auf Schritt und Tritt begleiten, wohin ich auch gehe. Es sei denn, du h�ttest das Gef�hl, da� ich allein sein m�chte. Einverstanden?�</p><p>Hrhon nickte. Ein breites Grinsen erschien auf seinem geschuppten Gesicht, und Kara f�gte schadenfroh hinzu:</p><p>�Nat�rlich wirst du mich auf meinen Reisen begleiten m�ssen. Du solltest dir also in den n�chsten Tagen schon einmal einen eigenen Drachen aussuchen und reiten �ben.�</p><p>Sie wu�te zwar, da� es unm�glich war � aber sie h�tte in diesem Moment jeden Eid geschworen, da� Hrhon unter seinem Schuppenpanzer bla� wurde. �Wende dich an Cord�, bemerkte sie noch. �Er wird dir ein passendes Tier heraussuchen und dich einweisen. Und jetzt komm mit. Ich m�chte noch einmal mit Elder reden.�</p><p>�Elder?� Hrhon wandte sich gehorsam um und ging neben ihr her. �Ahirhesss whirdh dhasss nhissst ghernhe sssehen.�</p><p>�Das kann schon sein�, antwortete Kara achselzuckend.</p><p>�Aber wei�t du: Ich bin die Herrscherin hier, nicht Aires.�</p><p>Sie gingen in den Seitenfl�gel des Geb�udes, in dem Elders Quartier lag. Auf dem Weg dorthin begegnete ihnen niemand, was an sich schon sonderbar war. Karas M�digkeit gab ihr zwar das Gef�hl, es w�re irgendwann nach Mitternacht, aber die Sonne war erst vor einer halben Stunde untergegangen, und eigentlich sollte dieses Haus noch vor Stimmen und Gel�chter widerhallen, denn die Drachenk�mpfer waren ein lebenslustiges V�lkchen, das gern und oft lachte und keine Gelegenheit zu einem Fest ungenutzt verstreichen lie�. Wahrscheinlich galt Cords Befehl, sie und die anderen abzuschirmen, noch immer.</p><p>Erst vor der T�r von Elders Zimmer traf Kara wieder auf einen Menschen; den Posten, den Cord davor abgestellt hatte. Kara schickte ihn mit einer Kopfbewegung fort; der Mann z�gerte einen Moment, ehe er gehorchte. In der Tat, dachte sie. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> mit Cord reden m�ssen.</p><p>Elder lag angezogen auf dem Bett und schlief, als sie die Kammer betrat, wachte aber durch das Ger�usch der T�r auf. Er konnte nicht tief geschlafen haben, denn sein Blick spr�hte sofort vor Feindseligkeit, kaum da� er sie ansah. Mit einer gewandten Bewegung setzte er sich auf, schwang die Beine von der Liege.</p><p>�Hallo�, sagte Kara. Seltsam � sie war hergekommen, um mit ihm zu reden, und jetzt wu�te sie nicht, was sie sagen sollte. Elder hob den Kopf, sah sie an und schwieg, und zum ersten Mal seit sie sich wiedergesehen hatten, fiel ihr wieder auf, wie gut er aussah. In Ermangelung eines anderen Kleidungsst�ckes hatte ihm Cord die schlichte schwarze Lederkombination eines Rekruten gegeben.</p><p>��berlegst du gerade, ob du mich k�pfen oder lieber bei lebendigem Leib h�uten l��t�?� fragte Elder.</p><p>Seine Worte taten ihr weh, was Elder sehr genau wu�te.</p><p>Offensichtlich bereitete es ihm gro�es Vergn�gen.</p><p>�Ich... ich wollte nur nach dir sehen�, sagte Kara verlegen. �Wirst du gut behandelt? Fehlt dir irgend etwas?�</p><p>�Deine Sorge r�hrt mich zu Tr�nen�, erwiderte Elder sp�ttisch. �K�mmert ihr euch um alle eure Gefangenen so r�hrend?�</p><p>�Du bist unser Gast, Elder, nicht unser Gefangener.�</p><p>Elder lachte hart. �Euer Gast? Dann habt ihr eine h�chst sonderbare Art, mit G�sten umzugehen. Ich habe noch nie ein G�stezimmer gesehen, bei dem sich der Riegel au�en an der T�r befindet. Und ein W�chter davorsteht.�</p><p>�Der Posten steht zu deinem Schutz dort�, antwortete Kara. �Den Riegel lasse ich noch heute abend entfernen. Du kannst dich frei bewegen. Ich w�rde dich nur bitten, dein Zimmer vorerst nicht zu verlassen und mit niemandem zu reden.�</p><p>�Ist das eine von diesen Bitten, die man nicht abschlagen kann, ohne Gefahr zu laufen, da� einem etwas anderes abgeschlagen wird?� fragte Elder.</p><p>�Es ist eine Bitte, Elder, nicht mehr. Du bist frei. Du kannst tun und lassen, was du willst. Und du kannst gehen, wohin du willst. Ein Wort, und ich lasse dich nach Schelfheim zur�ckbringen � oder an jeden anderen Ort, den du mir nennst. Aber ich...� Sie stockte. Es fiel ihr schwer, weiterzusprechen. �Ja?� sagte Elder.</p><p>�Ich w�rde mich freuen, wenn du noch eine Weile bleiben w�rdest�, sagte Kara, ohne ihn anzusehen.</p><p>�Wozu? Willst du mich zur Feier der n�chsten Jahreswende �ffentlich verbrennen lassen?�</p><p>Kara fuhr unter seinen Worten zusammen. �Es tut mir leid, Elder�, sagte sie. �Ich entschuldige mich. Wenn du es willst, offiziell und in aller Form. Ich habe einen Fehler gemacht, aber was sollte ich tun? So wie die Dinge liegen, dachte ich, da�... da� du zu ihnen geh�rst. Es tut mir leid, da� ich dich geschlagen habe.�</p><p>�Darum geht es gar nicht�, sagte Elder. Kara sah ihn �berrascht an, und pl�tzlich l�chelte er. �Du hast eine Menge Schaden angerichtet, aber das konntest du nicht wissen. Es war auch meine Schuld. Ich h�tte euch ins Vertrauen ziehen sollen, statt den einsamen Helden zu spielen. Das ist es aber nicht.�</p><p>�Was dann?� fragte Kara. �Warum ha�t du mich so?�</p><p>�Bl�dsinn!� sagte Elder aufgebracht. �Du �bersch�tzt dich, Kind. Ich bin nur w�tend auf dich.�</p><p>�Weil ich dich niedergeschlagen habe?� Karas Blick tastete schuldbewu�t �ber sein immer noch angeschwollenes Gesicht. �Ich bin w�tend dar�ber, was du <emphasis>danach</emphasis> getan hast�, antwortete Elder. �Du hast mich behandelt wie... wie ein St�ck Dreck. Du hast mir nicht die kleinste Chance gegeben, mich zu verteidigen oder auch nur ein Wort zu erkl�ren. Du hast mich zwei Tage lang gefesselt. Ich habe mich beschmutzt, Kara. Ich habe mich vor mir selbst geekelt, und es war mir peinlich. Deshalb bin ich zornig.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Kara. �Wirklich.�</p><p>Elder antwortete nicht. Pl�tzlich aber l�chelte er, rutschte ein St�ck auf der Bettkante zur Seite und machte eine einladende Geste. Ohne zu z�gern, nahm Kara neben ihm Platz, hielt aber einen Meter Abstand zu ihm.</p><p>�Ich glaube, wir haben uns alle wie die Idioten benommen�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Wei�t du, ich habe dar�ber nachgedacht, euch um Hilfe zu bitten. Aber ich dachte, ich w�rde es allein schaffen.�</p><p>�Vielleicht h�ttest du das auch, wenn ich nicht dazwischengekommen w�re�, sagte Kara.</p><p>�Nicht vielleicht � bestimmt�, verbesserte sie Elder. Als sie schuldbewu�t zusammenfuhr, sch�ttelte er den Kopf. �Es ist trotzdem meine Schuld. Schlie�lich kenne ich dich. Ich h�tte mir denken m�ssen, da� du nicht einfach die H�nde in den Scho� legst und abwartest, was passiert. Sp�testens nach dem, was du auf dem Unterseeboot getan hast. Wie bist du herausgekommen?�</p><p>�Mit Gl�ck�, antwortete Kara, �und Hrhons Hilfe. Aber wie bist <emphasis>du</emphasis> herausgekommen? Ich habe die Explosion gesehen!�</p><p>�Ich hatte ebenfalls Gl�ck�, antwortete Elder ausweichend. �Ich war noch bei Bewu�tsein. Ich konnte mich in Deckung schleppen, ehe die Bombe hochging.�</p><p>Kara sah ihn verwirrt an. Sie versuchte, sich das Bild des Unterwasserbootes noch einmal vor Augen zu f�hren. Da war nichts gewesen, wohinter er sich in Deckung h�tte bringen k�nnen. Aber Elder sprach schnell weiter, so da� sie ihm ihre ganze Aufmerksamkeit widmen mu�te. �Trotzdem hat es mich ziemlich schlimm erwischt. Sie haben mich f�r tot gehalten und �ber Bord geworfen. Gl�cklicherweise war ich nicht ganz so tot, wie sie dachten. Ich schleppte mich zum Ufer.� Er r�ckte n�her an sie heran, so da� sein Gesicht nur noch ein St�ck von ihrem entfernt war, als sie den Kopf hob und ihn ansah. �Was danach war, wei� ich nicht mehr. Ich war f�r ein paar Tage bewu�tlos.�</p><p>�Bewu�tlos? Sie h�tten dich finden m�ssen. Ich meine, die M�nner der Stadtgarde haben jeden Meter abgesucht,�</p><p>Elder zuckte die Schultern. �Ich glaube, ich bin ein gutes St�ck abgetrieben worden. Als ich aufwachte, war ich jedenfalls allein. Ich hatte das Schlimmste wohl hinter mir. Jedenfalls habe ich es irgendwie geschafft, wieder nach oben zu kommen und mit meinen Leuten Kontakt aufzunehmen.�</p><p>Seine Geschichte hatte L�cher, die so gro� waren, da� man einen Drachen h�tte hindurchschieben k�nnen. Aber Kara widersprach ihm nicht. Sie war v�llig durcheinander. Seine N�he erf�llte sie mit einer Verwirrung, die es ihr schwermachte, einen klaren Gedanken zu fassen. �Deine Leute�, sagte sie, aber Elder unterbrach sie sofort mit einem Kopfsch�tteln � und legte ihr in der gleichen Bewegung den Arm um die Schulter. Kara fuhr unter der Ber�hrung zusammen, aber sie gestand sich auch gleichzeitig ein, da� Elders N�he ihr gefiel.</p><p>�Meine Leute sind tot�, sagte er. �Die vier, die die Explosion meines Schiffes �berlebt haben, hast du erledigt.�</p><p>Seine Worte erf�llten Kara f�r einen ganz kurzen Moment mit Schaudern. Die K�lte, mit der er �ber den Tod seiner Gef�hrten sprach, stie� sie beinahe ab. Aber das wohlige Gef�hl seiner N�he vertrieb diesen Gedanken rasch. Elders Ber�hrung erf�llte sie mit einem Kribbeln, das ihr nicht ganz fremd war � das sie aber in diesem Augenblick bestimmt nicht erwartet hatte.</p><p>Sie schob seinen Arm beiseite, aber er schien genau zu sp�ren, warum sie es tat, denn er wirkte kein bi�chen verletzt, sondern griff statt dessen nach ihrer Hand. Kara wollte auch sie zur�ckziehen, aber er hielt sie einfach fest.</p><p>�Wie lange seid ihr schon hier?� fragte sie.</p><p>Er �berlegte einen Moment. �Sechs... nein, beinahe sieben Jahre.�</p><p>�Das ist eine lange Zeit�, sagte Kara.</p><p>�Ja und nein�, antwortete Elder. �Wir rechnen in anderen Zeitr�umen als ihr.� Seine Hand l�ste sich von der ihren und legte sich wieder um ihre Schulter, und diesmal wehrte sie sich nicht, als er sie sanft zu sich heranzog. Au�erdem schien sich ihre eigene, linke Hand pl�tzlich selbst�ndig zu machen, denn sie glitt ohne Karas Zutun seinen Hals hinauf.</p><p>Das schien einer der Momente zu sein, in denen Hrhon das Gef�hl hatte, sie besser allein zu lassen, denn sie h�rte, wie er sich bewegte, und einen Moment sp�ter fiel die T�r ins Schlo�. �Aber warum habt ihr in all dieser Zeit nicht...�</p><p>Er verschlo� ihre Lippen mit einem Ku�, gegen den sie sich nur einen Wimpernschlag lang wehrte.</p><p>Und auch ihre rechte Hand machte sich pl�tzlich selbst�ndig und tat Dinge, die sie selbst ein wenig �berraschten. �Und wenn jemand hereinkommt?� fragte Elder, als sie sich atemlos wieder voneinander l�sten und Kara begann, ihre Bluse zu �ffnen. �An Hrhon vorbei?� Sie lachte. �Nichts, was kleiner ist als ein Drachen, kommt an ihm vorbei. Er ist mein Leibw�chter.�</p><p>�Hoffen wir, da� er seinen Job nicht zu ernst nimmt�, sagte Elder mit einem schr�gen Blick zur T�r.</p><p>F�r die n�chste Stunde war das das letzte, was sie sprachen. Elder war nicht der erste Mann, den sie hatte, aber es <emphasis>war</emphasis> wie das erste Mal. Er war zugleich z�rtlich wie stark, erfahren und scheu wie ein Junge, der noch nicht ganz zum Mann geworden war. Hinterher lagen sie lange eng aneinandergeschmiegt auf dem viel zu schmalen Bett, und Kara k�mpfte gegen die M�digkeit an, die schon wieder nach ihr greifen wollte. Es w�re sch�n, einfach so an seiner Seite einzuschlafen, dachte sie, seine W�rme zu sp�ren und das Gef�hl, sicher und besch�tzt zu sein. Aber sie durfte sich nicht dem Schlaf hingeben. Unvorstellbar, wenn Cord oder gar Aires sie so �berraschten.</p><p>Sie zwang sich, die Augen offenzuhalten, und stemmte sich auf die Ellbogen hoch, als er die Beine von der Liege schwang und sich nach seinen Kleidern b�ckte, die auf denen Karas lagen, ineinanderverschlungen wie sie selbst noch vor Augenblicken. Ohne die geringste Scheu betrachtete sie seinen K�rper. Angezogen sah er sehr, sehr schlank aus, fast schon schm�chtig, aber unter seiner Haut verbargen sich stahlharte Muskeln. Er hatte die Statur eines Raubtieres, das sich schnell wie der Wind zu bewegen imstande war. Und Kara hatte ja auch bei fr�heren Gelegenheiten schon erlebt, wie stark er war.</p><p>Er schien ihren Blick zu sp�ren, denn er wandte pl�tzlich den Kopf und sah sie an. �Woran denkst du?� fragte er.</p><p>�Vielleicht frage ich mich, was <emphasis>du</emphasis> denkst?� antwortete Kara. �Willst du wissen, ob es sch�n war?� Elder lachte. �Diese Frage stellt eigentlich der Mann. Aber ich kann dich beruhigen. Es war sch�n.�</p><p>�Nur sch�n?� Kara setzte sich vollends auf. �Mehr nicht?�</p><p>Er schwieg einen Moment. Als er antwortete, klang seine Stimme ein wenig traurig. �Was willst du h�ren � da� ich dich liebe? Ich mag dich, Kara. Aber Liebe?� Er suchte einen Moment nach Worten. �Ich habe dir gesagt, woher ich komme, Kara. Wir sind dort sehr vorsichtig mit diesem Wort, wei�t du? �</p><p>�Warum?� fragte Kara. �Kann man niemanden mehr lieben, wenn man zwischen den Sternen fliegt?�</p><p>Elder l�chelte bitter. �Vielleicht ist das der Preis, den wir bezahlen m�ssen�, murmelte er. Dann fragte er ganz unvermittelt: �Wie alt bist du, Kara!�</p><p>�Achtzehn�, antwortete sie verwirrt. �Warum?�</p><p>�Und f�r wie alt w�rdest du mich halten?�</p><p>Sie betrachtete ihn noch einmal. Zuerst fiel ihr auf, wie schwer es war, sein Alter zu sch�tzen � er h�tte zwanzig, aber auch vierzig Jahre alt sein k�nnen. Oder hundert? Durch seine Frage vorgewarnt, sagte sie z�gernd: �Drei�ig?�</p><p>Elder lachte. �Ich bin mehr als zweihundert Jahre alt, Kara.�</p><p>Erschrocken setzte sie sich stocksteif auf. <emphasis>�Zweihundert?!�</emphasis></p><p>�Ich sagte dir, da� wir in anderen Dimensionen rechnen als ihr�, antwortete Elder. �Unsere Welt ist gr��er als eure, und wenn sich die Welt ausdehnt, in der du lebst, dann dehnt sich auch die Zeit. Wir rechnen in Jahrhunderten, wie ihr in Jahrzehnten.�</p><p>�Soll das hei�en, ihr seid... unsterblich?� fragte Kara ungl�ubig.</p><p>�Nein�, antwortete Elder. �Aber wir leben so lange, da� es der Sache schon ziemlich nahe kommt. Sehr wenige von uns sterben an Altersschw�che, fr�her oder sp�ter erwischt es jeden � ein Unfall, oder du fliegst mit deinem Schiff zu weit hinaus und kommst nicht zur�ck... Auch Selbstmord ist eine recht h�ufige Todesursache. Ein langes Leben ist etwas Wundervolles, aber ich glaube, viele werden es eines Tages �berdr�ssig. Wenn du alles getan hast, was �berhaupt getan werden kann, dann ist der Tod irgendwann vielleicht die letzte wirkliche Herausforderung.� Er schwieg einen Moment, aber dann blickte er in ihr Gesicht und sah, mit welchem Schrecken sie seine Worte erf�llten. �Keine Sorge. Ich denke noch lange nicht daran, mich umzubringen. Nicht, solange es noch M�dchen wie dich gibt.�</p><p>�Obwohl ich dir nichts bedeute?�</p><p>�Aber wer sagt denn das? Ich sagte nur, da� wir sehr vorsichtig mit Worten wie �Liebe� und �f�r immer� sind�, antwortete er ernst. Dann l�chelte er wieder. �Du warst keine Jungfrau mehr�, sagte er. �Hast du viele M�nner vor mir... gekannt?�</p><p>�Geht dich das etwas an?� fragte Kara.</p><p>�Nein. Aber hast du sie alle unsterblich geliebt?�</p><p>Sie wollte w�tend werden, aber es gelang ihr nicht. �Nein�, gestand sie nach einer Weile. �Sie waren ganz nett, aber...�</p><p>�Siehst du?� Elder beugte sich zur Seite und k��te sie fl�chtig. �Und ich finde dich eine ganze Menge mehr als <emphasis>ganz nett.</emphasis> Das ist doch schon ein Fortschritt, oder?�</p><p>�Zweihundert Jahre.� Kara seufzte und sch�ttelte ein paarmal den Kopf. �Kein Wunder.�</p><p> �Was?�</p><p>�Da� du so... anders warst als die anderen. Du hattest eine Menge Zeit zum �ben.�</p><p>�Das hatte ich�, best�tigte Elder und k��te sie noch einmal und sehr, sehr viel l�nger.</p></section><section><title><p>35</p></title><p>Irgendwann war Kara doch eingeschlafen, und sie erwachte durch ein heftiges Wortgefecht, das in ihren Schlaf drang. Die eine Stimme geh�rte Hrhon, die andere erkannte sie nicht auf Anhieb. Sie �ffnete die Augen, und im gleichen Moment wu�te sie, da� es Aires war. Mit einem Ruck setzte sie sich auf und stie� dabei Elder fast von der Liege. Aires! Ausgerechnet Aires! Elder erwachte so �bergangslos wie gestern abend und sah sie erschrocken an. �Was ist los?�</p><p>�Aires�, antwortete Kara knapp, w�hrend sie �ber ihn hinwegzusteigen versuchte und schon in der gleichen Bewegung nach ihren Kleidern griff. Sie sah hastig zum Fenster. Es war noch dunkel und die Nacht noch lange nicht vor�ber. Was zum Teufel wollte Aires?</p><p>�Sagtest du nicht, niemand kommt an Hrhon vorbei?� fragte Elder, der sich ebenfalls anzuziehen begann.</p><p>�Das gilt nicht f�r Aires�, antwortete Kara.</p><p>Fast im gleichen Augenblick wurde die T�r aufgesto�en, und die Magierin st�rmte herein. Sie blieb verbl�fft stehen, als sie Kara und Elder auf der Bettkante erblickte. Dann erschien eine steile Falte zwischen ihren Augen. �Oh�, sagte sie. �Das ging ja ziemlich schnell.�</p><p>�Eigentlich nicht�, antwortete Kara. �Du bist zu fr�h gekommen. Es fing gerade erst an, interessant zu werden.� Ihr Tonfall war dumm und t�richt, aber da sie diesen Ton nun einmal angeschlagen hatte, fuhr sie sogar noch grober fort: �Was willst du?�</p><p>�Ich habe dich gesucht�, antwortete Aires. �Der Posten, der eigentlich drau�en vor der T�r stehen sollte, sagte mir, da� du ihn fortgeschickt hast. Sakara hat nach mir verlangt. Sie hat Nachricht aus Schelfheim. Irgend etwas geht dort vor. Etwas Schlimmes, f�rchte ich.�</p><p>�Schelfheim?� Kara sprang mit einem Satz auf die F��e. Sie nahm sich nicht einmal Zeit, sich vollkommen anzuziehen, sondern folgte Aires barfu� und ohne ihren Mantel, als sich die Magierin herumdrehte und aus dem Zimmer st�rmte. Auch Elder schlo� sich ihnen an. Sehr schnell gingen sie den Gang wieder zur�ck und die Treppe hinauf zu der Turmkammer, in der sich die Gem�cher der Seherin befanden.</p><p>Die T�r zu Sakaras Zimmer stand weit offen. Mehr als ein Dutzend Kerzen und zwei schmiedeeiserne Pfannen voller gl�hender Kohlen tauchten den Raum in ein warmes Licht, sorgten zugleich aber auch daf�r, da� die Luft recht stickig war. Wie viele Bewohner des Hortes mochte Sakara den kalten gr�nen Schein der Leuchtst�be nicht.</p><p>Die Seherin war nicht allein. Cord und Storm waren bei ihr, au�erdem ein sehr junges, dunkelhaariges M�dchen, das Kara zum ersten Mal sah. Vielleicht eine neue Sch�lerin, die Sakara zu Diensten war. In ihren Augen erschien eine Mischung aus Ehrfurcht und Staunen, als sie hintereinander Aires, Kara und den Waga durch die T�r st�rmen sah.</p><p>�Was ist los?� fragte Aires knapp.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Cord besorgt. �Sie hat nach dir verlangt. Ich habe nur ein paarmal das Wort Schelfheim verstanden.�</p><p>Aires eilte um den Tisch herum und beugte sich besorgt �ber Sakara, und auch Kara blickte die Seherin aufmerksam an. Sakaras Gesicht hatte jenen matten Ausdruck angenommen, der ihr sagte, da� sie schon fast in Trance versunken war, um Kontakt mit ihrer Partnerin in Schelfheim aufzunehmen. Ihre Augen standen weit offen. Sie blinzelte nicht einmal.</p><p>Aires ber�hrte sie sanft an der Schulter und fl�sterte ihren Namen. Sakara reagierte nicht, aber Aires schien einen Moment mit geschlossenen Augen in sie hineinzulauschen. �Sie kommt nicht durch�, murmelte sie. �Irgend etwas... stimmt nicht. Angst. Ich sp�re Angst. Und gro�en Schmerz.�</p><p>�Bei ihr?� fragte Kara.</p><p>�Nein. Auf der anderen Seite. Wir m�ssen ihr helfen.� Sie hob die Hand und deutete auf das M�dchen, das neben dem Tisch stand und abwechselnd sie und Sakara aus schreckgeweiteten Augen ansah. �Du. Geh hinaus. Und schlie� die T�r hinter dir.�</p><p>Das M�dchen entfernte sich, und Aires streckte fordernd die Hand aus. Nach kurzem Z�gern legte Kara ihre Hand in die <emphasis>der</emphasis> Magierin. Aires� Griff war so fest, da� es weh tat, aber Kara wagte es nicht, die Hand zur�ckzuziehen. Sie unterdr�ckte tapfer jeden Schmerzlaut, w�hrend Aires die andere Hand ausstreckte, sie auf Sakaras Schulter legte und die Augen schlo�.</p><p>Kara wartete darauf, da� irgend etwas geschah, aber sie wurde entt�uscht. Sie f�hlte nichts au�er dem pochenden Schmerz, den ihr Aires� harter H�ndedruck zuf�gte. Und trotzdem <emphasis>tat</emphasis> die Magierin etwas. Auf eine geheimnisvolle Weise schien sie Kara Kraft zu entziehen und sie mit ihrer eigenen zu verbinden, um sie der Seherin zu spenden.</p><p>Minuten vergingen, dann begannen Sakaras Lippen pl�tzlich zu zittern. Ihre Augenlider flatterten, fielen zu, und ein Ausdruck unheimlicher Qualen vertrieb die Schlaffheit ihrer Z�ge. Unartikulierte Laute drangen �ber ihre Lippen.</p><p>Kara schaute Elder an. Er wirkte verwirrt, aber sie sah auch eine Angst in seinen Augen, die sie im ersten Moment nicht verstand, bis sie sich daran erinnerte, mit welch instinktiver Furcht und Abneigung umgekehrt <emphasis>sie</emphasis> der Anblick seiner Welt erf�llt hatte. Er �ffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Kara signalisierte ihm mit einem erschrockenen Blick, still zu sein. Elder verstand und schwieg.</p><p>Aus Sakaras gestammelten Lauten wurde ein St�hnen. Sie begann zu wimmern, zitterte immer st�rker und sank langsam nach vorn. �Feuer�, murmelte sie. �Ich sehe... Feuer. So viele Flammen.�</p><p>�Schelfheim?� fragte Aires. �Ist es Schelfheim, das brennt?�</p><p>�Flammen�, keuchte Sakara. �Die Hitze und der Rauch. Die ganze Stadt... sie brennt.� Sie hustete gequ�lt, als sp�re sie tats�chlich den bei�enden Qualm, der ihre Partnerin in der K�stenstadt qu�lte. Kara wu�te, da� Seher <emphasis>mehr</emphasis> austauschten als Bilder.</p><p>�Was siehst du, Sakara?� fragte Aires. �Was geschieht in Schelfheim? Werden sie angegriffen?�</p><p>�Flammen�, sagte Sakara noch einmal. ��berall ist Feuer, auch am Himmel. Es sind so viele. Sie brennen alles nieder... Die... die Garde versucht sie aufzuhalten, aber sie k�nnen nichts dagegen tun. Die... die Flieger fallen wie Motten vom Himmel. Gr�nes Feuer.�</p><p>�Das sind sie�, murmelte Elder.</p><p>Aires� Kopf hob sich mit einem Ruck. Zornig starrte sie Elder an, sagte aber nichts, sondern wandte sich wieder an Sakara. �Wer sind sie?� fragte sie mit leiser, aber fast beschw�render Stimme. �Kannst du sie erkennen? Sind es Maschinen, die wie gro�e Libellen aussehen?�</p><p>�Hunderte�, murmelte Sakara. Sie zitterte so heftig, da� es Aires schwerfiel, die Hand weiter auf ihrer Schulter ruhen zu lassen. �Es m�ssen Hunderte sein. Sie t�ten jeden, den sie sehen. Die Stadt brennt. Soviel Feuer. Es kommt n�her. Die Hitze... ich... kann nicht...�</p><p>Aires zog ihre Hand zur�ck, ergriff Sakara eine halbe Sekunde sp�ter mit nunmehr beiden H�nden an den Schultern und sch�ttelte sie so heftig, da� ihr Kopf hin- und herrollte. �Sakara!� rief sie beschw�rend. �Wach auf! Du mu�t abbrechen, verstehst du? Sie wird sterben � und du mit ihr!�</p><p>Die Seherin versuchte st�hnend, Aires� H�nde zur Seite zu schieben, wachte aber nicht auf. Ihre Lippen formten weiter sinnlose, stammelnde Laute.</p><p>Aires ohrfeigte sie.</p><p>Sakara hob mit einem Ruck die Lider. Ihr Blick war immer noch verschleiert, aber er kl�rte sich rasch. Sie h�rte auf zu stammeln. Daf�r erschien ein Ausdruck tiefer Verwirrung auf ihren Z�gen. Wie immer erinnerte sie selbst sich nicht an das, was sie gesagt hatte. �Alles in Ordnung?� fragte Aires besorgt. �Was... ist geschehen?� murmelte Sakara. Verst�rt hob sie die Hand an die linke Wange. Sie erinnerte sich auch nicht an die Ohrfeige, die Aires ihr verpa�t hatte. �Du hast mich geschlagen! Warum?�</p><p>�Ich hatte keine Wahl�, antwortete Aires. �Ich f�rchte, deine Partnerin in Schelfheim ist tot. Oder zumindest in gro�er Gefahr.�</p><p>�In Gefahr?� Sakara sch�ttelte hilflos den Kopf. �Ja, da... war etwas. Etwas geschieht in Schelfheim.�</p><p>�Sie greifen die Stadt an�, sagte Aires grimmig. Ihre Augen blitzten vor Zorn, als sie sich zu Elder umdrehte. �Behauptest du immer noch, da� sie uns nicht bek�mpfen, Elder?�</p><p>�Ich f�rchte, das ist nur die Quittung f�r die beiden Maschinen, die ihr �ber dem <emphasis>Schlund</emphasis> abgeschossen habt�, antwortete Elder.</p><p>�Was?� fragte Storm ungl�ubig.</p><p>�So sind sie nun einmal�, sagte Elder. �Das ist genau ihre Art zu sagen: <emphasis>La�t uns in Ruhe!�</emphasis></p><p>�Du willst mir erz�hlen, da� sie eine ganze Stadt niederbrennen, weil wir <emphasis>zwei</emphasis> von ihnen get�tet haben?� vergewisserte sich Kara.</p><p>�Ja�, antwortete Elder. �Ich gebe zu, eine recht harte Methode � aber sie wirkt.�</p><p>�Dann werden sie sich das n�chste Mal eine gr��ere Stadt aussuchen m�ssen�, sagte Kara, �denn wir werden noch viel mehr von ihnen t�ten.� Sie fuhr herum und wandte sich an Storm. �Gib Alarm! La� die drei�ig st�rksten und schnellsten Drachen satteln! Wir fliegen nach Schelfheim!�</p><p>Storm verschwand so rasch, da� klar wurde, da� er nur auf diesen Befehl gewartet hatte, und Elder stie� einen erschrockenen Ruf aus. �Bist du verr�ckt geworden? Sie werden euch umbringenl�</p><p>�Vielleicht�, antwortete Kara. �Aber vielleicht auch nicht. Wir haben sie schon einmal geschlagen!�</p><p>�Selbst wenn ihr es schafft, wird die H�lfte von euch dabei draufgehen�, br�llte Elder aufgebracht.</p><p>�Wof�r h�ltst du uns, Elder�, schnappte Kara. �Wir sind Krieger, und wir haben keine Angst, in einem Kampf zu fallen!�</p><p>�Ich beschw�re dich, Kara!� Elder versuchte, sie am Arm zur�ckzuhalten, aber Kara schlug seine Hand beiseite. �Selbst wenn es euch gelingt, sie zu besiegen, dann macht ihr damit alles nur noch schlimmer! Begreifst du denn nicht, da� das nur eine Warnung war? Sie h�tten ebensogut eine f�nfzig-Megatonnen-Bombe auf diese Stadt werfen k�nnen, und das n�chste Mal werden sie es vielleicht tun?�</p><p>�Dann sollen sie es!� erwiderte Kara zornig. �Aber vorher erledige ich noch so viele von ihnen, wie ich kann.� Sie lief zur T�r, blieb aber noch einmal stehen und wandte sich an den Waga. �Hrhon, du bleibst hier. Gib darauf acht, da� Elder wie ein k�niglicher Gast behandelt wird. Und da� er noch hier ist, wenn ich zur�ckkomme!�</p></section><section><title><p>36</p></title><p>In einem Punkt stimmte Elders Behauptung wahrscheinlich, was die Sinnlosigkeit ihres Fluges anging. Kara glaubte selbst nicht, da� sie fr�h genug kamen, um die Angreifer zu stellen. Der Weg vom Drachenhort nach Schelfheim zu Pferde betrug f�nf Tage; vier, wenn man sich beeilte, und drei, wenn man das Risiko einging, die Tiere zu Schanden zu reiten. Mit den Drachen jedoch konnten sie es in ein paar Stunden schaffen, und sie hatten Gl�ck: Ein starker R�ckenwind wehte und erleichterte den Drachen das Fliegen.</p><p>Sie waren nicht drei�ig, als sie den Hort verlassen hatten, sondern nahezu siebzig. Fast ein Drittel der Krieger hatte Storms Befehl ignoriert und sich ihnen angeschlossen, als sie h�rten, was geschah. Und Kara hatte weder Zeit noch Lust, sich auf langwierige Diskussionen einzulassen. Und au�erdem hatte sie das sichere Gef�hl, da� sie jeden einzelnen der vierzig Reiter, die sich ihnen gegen ihren Willen angeschlossen hatten, gut gebrauchen konnten, wenn die Libellen noch nicht verschwunden waren.</p><p>Da keine Zeit mehr geblieben war, alle Reiter mit Rufern auszur�sten, hatte Kara sie vorher informiert und hoffte im �brigen darauf, da� ihre Taktik richtig war. Ihre Befehle waren so knapp wie klar gewesen: Keine Experimente. Greift sie zu f�nft oder sechst an und verbrennt sie mit dem Feuer eurer Drachen! Wir brauchen keinen einzigen toten Helden!</p><p>Die Sonne ging auf, als sie sich der K�ste n�herten. Auf den letzten Meilen gab Kara das vereinbarte Zeichen, und die Formation aus siebzig riesigen schwarzen Drachenv�geln verlor an H�he und glitt das letzte St�ck so dicht �ber dem Boden dahin, da� ihre peitschenden Schwingen die Baumwipfel streiften. Sie ahnte, da� ihre Gegner �ber mehr Sinne als nur ihre Augen und Ohren verf�gten, aber zusammen mit dem grellen Licht der Sonne mochte ihnen dieser Tiefflug vielleicht einen winzigen Vorteil verschaffen.</p><p>Die Feinde waren noch da.</p><p>�ber Schelfheim lag eine Glocke aus roter Glut, die ihnen schon meilenweit entgegenleuchtete, und noch ehe sie nahe genug heran waren, um die Stadt und die zahllosen Feuer zu erblicken, sah Kara das Funkeln in der Luft. Es waren nicht Hunderte, aber doch <emphasis>fast</emphasis> hundert, sch�tzte sie. Langgestreckte, filigrane Gebilde mit schwimmenden Kugelk�pfen, �ber denen die Luft silbern zerschnitten wurde, die B�uche blutrot vom Widerschein der Br�nde, die unter ihnen tobten. Sie hatten den Beschu� zum gr��ten Teil eingestellt. Nur dann und wann blitzte noch ein haard�nner gr�ner Lichtfaden auf, dem meistens ein rot loderndes Echo aus der Tiefe antwortete. Die meisten Libellen kreisten eine halbe Meile �ber der Stadt, einige jedoch standen auch still in der Luft.</p><p>Die Drachenkrieger wurden entdeckt, ehe Markor als erster �ber die Kontinentalklippe glitt und sich pl�tzlich wieder eine halbe Meile in der Luft befand. Das ruhelose Kreisen der Libellenmaschinen geriet f�r einen Moment durcheinander. Dann drehten sie eine nach der anderen ab und jagten nach Norden, in den <emphasis>Schlund</emphasis> hinaus.</p><p>Kara fluchte lauthals, als ihr klar wurde, da� auch die Piloten der Maschinen sehr eindeutige Befehle zu haben schienen. Offensichtlich hatten die M�nner aus ihrem ersten Zusammensto� mit den Drachen gelernt. Sie dachten nicht daran, sich zum Kampf zu stellen.</p><p>Ein wenig verwirrte sie dieses Verhalten: das Kr�fteverh�ltnis stand bestenfalls eins zu eins � und das bedeutete nichts anderes, als da� sie ein Dutzend von ihnen erwischte, ehe die anderen sie in aller Ruhe vom R�cken ihrer Drachen hinuntergeschossen h�tten.</p><p>Ihre Formation teilte sich. Der gr��ere Teil des Schwarmes folgte den fl�chtenden Libellen. Nicht um sich doch noch dem Kampf zu stellen, sondern lediglich, um sie zehn oder f�nfzehn Meilen weit in den Dschungel hinauszujagen; weit genug, damit sie nicht pl�tzlich kehrtmachen und einen �berraschenden Angriff fliegen konnten. Die anderen etwa zw�lf Drachen folgten Kara zum Stadtzentrum.</p><p>Ein Gef�hl ungl�ubigen Entsetzens machte sich in ihr breit, als sie nach unten sah.</p><p>Die Stadt brannte lichterloh. Kaum ein Stra�enzug, aus dem nicht Flammen oder schwarzer Rauch in den Himmel stieg; kaum ein Viertel, in dem nicht mindestens ein kompletter H�userblock in Flammen stand; kaum eine Stra�e, die nicht mit Toten, Verwundeten und mit gl�henden Kratern �bers�t war. Die Angreifer mu�ten sich �ber die gesamte Fl�che der Stadt verteilt und jeden Widerstand erbarmungslos zusammengeschossen haben.</p><p>Ein schimmernder Umri� erhob sich aus dem Stadtzentrum, gefolgt von einem zweiten und dritten, die sich nach Norden wandten, kaum da� sie �ber die D�cher hinaus waren. Kara versuchte, Markor zu gr��erer Schnelligkeit anzutreiben, aber der Drache gab ohnehin schon alles, was er konnte. Die Maschinen stiegen rasend schnell in die H�he und verschwanden, ehe sie ihnen nahe genug kamen, um einen gezielten Feuersto� anbringen zu k�nnen.</p><p>Sie verzichtete darauf, sie zu verfolgen, sondern lie� Markor noch tiefer sinken. Nach ein paar Sekunden bemerkte sie, da� ihre Vermutung richtig gewesen war: eine weitere Libelle erhob sich aus dem brennenden H�usermeer im Herzen der Stadt, und auch am Boden sah sie ein gl�sernes Schimmern und Blitzen. Kara wagte es nicht, Markors Feuer einzusetzen, denn sie waren den H�usern zu nahe. Einer der Reiter neben ihr kannte die Bedenken nicht. Kara schlo� geblendet die Augen, als ein grell lodernder Feuerstrahl neben ihr die Luft zerschnitt und die Libelle traf.</p><p>Es war so, wie sie bef�rchtet hatte: Der Helikopter taumelte, aber die Flammen prallten wirkungslos von einer unsichtbaren Wand ab, die ihn umgab, und glitten in die Tiefe. An zwei oder drei Stellen loderten neue Br�nde auf.</p><p>Kara gestikulierte heftig, das Feuer einzustellen, und brachte Markor in einer engen Spirale nach unten. Sie entdeckte f�nf, sechs weitere Libellen am Rande eines gewaltigen Kraters, der im Boden der Stadt g�hnte. Der Anblick kam ihr bekannt vor, aber sie hatte keine Zeit, dar�ber nachzudenken. Eine weitere Libelle startete, w�hrend Markor sich in die Tiefe schraubte, dann schlug der Drache wie ein lebendes Gescho� zwischen den �brigen Maschinen auf. Seine peitschenden Schwingen zermalmten zwei der Libellen. Kara triumphierte innerlich. Der unsichtbare Schild der Maschinen funktionierte offenbar nur, wenn sie sich in der Luft befanden. Am Boden waren sie verwundbar.</p><p>Das M�dchen glitt von Markors R�cken, zog das Schwert und rannte auf eine Libelle zu, deren Rotoren sich in diesem Moment pfeifend zu drehen begannen. Eine Sekunde sp�ter stie� ein ungeheuerlicher Schatten vom Himmel. Meterlange Krallen schnappten zu, zerfetzten die Rotoren und den gl�sernen Kopf der Maschine mitsamt der beiden M�nner, die sich darin befanden.</p><p>Kara warf sich zur Seite, als ein gr�ner Blitz nach ihr stach. Sie rollte �ber die Schulter ab, lief im Zickzack auf die beiden �briggebliebenen Maschinen zu und sah, wie die gl�sernen Pilotenkanzeln nach oben klappten, um den M�nnern darunter die Flucht zu erm�glichen. Eine der Maschinen wurde von einem herabsto�enden Drachen in St�cke gerissen, ehe die M�nner in den blauen Uniformen herauskamen. Die beiden anderen schafften es.</p><p>Aber sie lebten trotzdem nicht mehr sehr lange.</p><p>Ein riesiger Schatten stie� vom Himmel herab. Kara begann fast verzweifelt zu gestikulieren, aber es war zu sp�t. Die Kiefer des Drachen schlossen sich mit einem furchtbaren Laut und bissen einen Fl�chtenden in zwei H�lften, und fast im gleichen Moment traf die Schwinge des Drachen den letzten �berlebenden und schleuderte seinen zerschmetterten K�rper f�nfzig Meter weit. Mit einem triumphierenden Br�llen schraubte sich der Drache wieder in die Luft. Aus dem Haus hinter Kara zuckte ein d�nner, giftgr�ner Blitz, traf den Mann auf seinem R�cken und verwandelte ihn in eine lebende Fackel, die schreiend zu Boden st�rzte.</p><p>Kara fuhr herum und begann in wilden Spr�ngen auf das brennende Geb�ude zuzuhetzen. Ihr Blick suchte verzweifelt nach dem Sch�tzen, aber sie konnte ihn nirgends entdecken. Daf�r hatte er sie um so besser im Visier. Ein gr�ner Blitz zuckte in ihre Richtung und verwandelte den Boden neben ihr in rotgl�hende Lava. Kara bewegte sich nach links, rechts, machte unberechenbare S�tze und Spr�nge und n�herte sich dem Haus weiter. Sie wu�te jetzt, woher die Sch�sse kamen: aus einem Fenster im oberen Stockwerk der Ruine. Und der Mann scho� sich allm�hlich ein; obwohl sie wie verr�ckt hinund hersprang, kamen die gr�nen Blitze immer n�her. Wahrscheinlich h�tte sie auch einer der n�chsten Sch�sse getroffen, w�re nicht in diesem Moment wieder ein Drache vom Himmel herabgesto�en. Seine Krallen trafen das Haus und zermalmten einen Teil des Mauerwerks zu Staub. Das gr�ne Feuer brach ab. <emphasis>�Nein!�,</emphasis> schrie Kara so laut sie konnte. <emphasis>�Ich brauche ihn lebend!�</emphasis></p><p>Sie wu�te nicht einmal, ob der Reiter ihre Worte �berhaupt h�rte. Aber in der gleichen Sekunde erreichte sie das Haus und st�rmte durch die T�r, und wenn schon nicht, um ihrem Befehl zu gehorchen, so doch wenigstens, um sie nicht in Gefahr zu bringen, brach der Drache seinen Angriff ab.</p><p>Das Haus war voll schwarzen Qualms, der sie zum Husten brachte. Vereinzelt loderten Flammen auf, und als sie sich behutsam auf die Treppe zutastete, die ins obere Stockwerk hinauff�hrte, stolperte sie �ber die Leiche eines sechsarmigen Hornkopfes. Sie fiel auf H�nde und Knie, stemmte sich fluchend und m�hsam nach Atem ringend wieder auf und blieb am Fu� der Treppe stehen. Aus tr�nenden Augen sah sie nach oben. Auch dort loderte rotes Licht. Sie h�rte das Prasseln der Flammen und das Poltern von Steinen.</p><p>Kara ergriff ihr Schwert fester und bewegte sich vorsichtig und mit rasendem Herzen die Treppe hinauf. Sie hatte keine Ahnung, ob der Mann noch lebte, aber wenn, dann war er... Er lebte noch. Und obwohl er so schwer verletzt war, da� Kara sich fragte, wie er �berhaupt noch auf den Beinen stehen konnte, war er noch immer ein �beraus gef�hrlicher Gegner. Sein Gewehr war zerbrochen, aber der zersplitterte gl�serne Lauf bildete eine fast ebenso t�dliche Waffe wie Karas Schwert. Er bewegte sich so schnell, da� Kara ihm nur mit M�he ausweichen konnte, als er sie unversehens ansprang.</p><p>Sie glitt auf der Treppe aus, fing sich ungeschickt an der Wand ab und rutschte vier, f�nf Stufen weit in die Tiefe. Das zerbrochene Gewehr ri� eine fingerdicke Spur in die Mauer �ber ihr. Knurrend fuhr der Mann herum und setzte ihr nach. Kara versuchte erst gar nicht, auf die F��e zu kommen, sondern stie� ungeschickt mit dem Schwert nach ihm. Die Klinge ri� eine blutige Wunde in seinen Oberschenkel. Er prallte zur�ck, aber der neuerliche Schmerz schien ihn nur noch w�tender zu machen. Sein Gesicht war das eines Wahnsinnigen.</p><p>�Gib endlich auf!� sagte Kara schweratmend, w�hrend sie gleichzeitig versuchte, in eine g�nstigere Position zu gelangen. Der Mann r�hrte sich nicht, aber Kara bezweifelte, da� er so freundlich sein w�rde, ihr das Aufstehen zu gestatten. �Du hast keine Chance mehr! Deine Kameraden haben dich im Stich gelassen! Selbst wenn du mich besiegst, kommst du hier nicht mehr lebend heraus!�</p><p>Sie erfuhr nie, ob er ihre Worte �berhaupt geh�rt hatte, denn er sprang sie im gleichen Moment an, in dem sie versuchte, auf den Treppenstufen aufzustehen. Kara sah ihn mit weit ausgestreckten Armen auf sich zufliegen und hob sch�tzend die H�nde vor das Gesicht. Ein dumpfer Schlag schmetterte ihr das Schwert aus der Hand, sie st�rzte, kr�mmte sich zusammen und sp�rte, wie der Mann �ber sie hinweggeschleudert wurde. Sie konnte h�ren, wie sein Genick brach, als er unter ihr auf der Treppe aufschlug.</p><p>Mit einem ersch�pften Laut sank Kara vollends in sich zusammen und blieb einige Augenblicke lang liegen. Schw�che �bermannte sie wie eine l�hmende Woge, und f�r Sekunden mu�te sie mit aller Macht darum k�mpfen, wach zu bleiben. Sie w�rde sterben, wenn sie das Bewu�tsein verlor. Das Haus brannte, und wenn nicht das Feuer, so w�rde der Rauch sie umbringen. M�hsam stemmte sie sich wieder in die H�he.</p><p>Sie war nicht mehr allein, als sie sich herumdrehte. Eine Gestalt in schwarzem Leder und Silber kniete neben dem Toten. Als sie den Kopf hoch und Kara anblickte, erkannte sie, da� es Zen war.</p><p>�Kara!� sagte er erschrocken. �Bist du in Ordnung?�</p><p>Sie nickte m�de, fuhr sich mit dem Unterarm �ber das Gesicht und b�ckte sich nach ihrer Waffe. �Ist er tot?� fragte sie, w�hrend sie das Schwert wieder in ihren G�rtel schob. �So tot, wie man nur tot sein kann�, antwortete Zen. �Das war ganze Arbeit.�</p><p>�Verdammter Mist�, sagte Kara. �Ich wollte ihn lebend!�</p><p>Ein Gef�hl heftiger �belkeit breitete sich in ihrem Magen aus, als sie an Zen vorbeiging und den Toten ansah. Er hatte sich nicht nur das Genick gebrochen. Sein Kopf war so ungl�cklich auf der steinernen Treppe aufgeschlagen, da� er regelrecht auseinandergeplatzt war. Sie sah rasch weg.</p><p>�Er h�tte uns sowieso nichts verraten�, sagte Zen. �Ich glaube nicht, da� sie...� Er sog scharf die Luft ein. �Kara! Sieh dir das an!�</p><p>Doch Kara blickte starr in die entgegengesetzte Richtung. �Ich wei�, wie ein Gehirn aussieht�, sagte sie, w�hrend sie mit einem Brechreiz k�mpfte. �Ich habe schon mal eines gesehen.�</p><p>�So eines bestimmt noch nicht�, antwortete Zen leise.</p><p>Kara wandte sich alarmiert zu ihm um. Ihr Magen rebellierte, und ihr Mund f�llte sich schneller mit bitterem Speichel, als sie ihn herunterschlucken konnte. Doch was sie sah, lie� sie schlagartig ihre �belkeit vergessen.</p><p>Sie hatte tats�chlich noch nie zuvor so ein Gehirn gesehen. <emphasis>Wenn</emphasis> es �berhaupt ein Gehirn war. Sie entdeckte sehr viel Blut, zerrissene Gewebe und glitzernde Fl�ssigkeit, aber sie sah auch Metall und ein winziges, bla�blau leuchtendes Etwas und blutverschmiertes... Glas?</p><p>�Gro�er Gott � was ist das?� fl�sterte sie.</p><p>Zen streckte z�gernd die Hand aus, wagte aber nicht, das Ding zu ber�hren.</p><p>Es ist tats�chlich Glas, dachte Kara fassungslos. Sie bemerkte winzige Dr�hte und Spulen, die kleiner als ein Stecknadelkopf waren, aber dar�ber spannte sich eine durchsichtige Kapsel, deren Oberfl�chenstruktur der eines menschlichen Gehirns entsprach.</p><p>Zen starrte sie an. Sein Gesicht war grau vor Entsetzen. Er sagte nichts.</p><p>�Wir... m�ssen das... Aires zeigen�, fl�sterte Kara stockend. Es fiel ihr schwer zu reden. Nahm der Schrecken denn gar kein Ende mehr?</p><p>�Aber ich... kann es nicht. Glaubst du, da� du...�</p><p>Zens Haut f�rbte sich von Grau zu Gr�n. Er schluckte ein paarmal krampfhaft, aber er nickte und zog den Dolch aus dem G�rtel. Und Kara fuhr herum und st�rzte aus dem Haus, um sich zu �bergeben.</p><p>Der Sonnenaufgang begann hier unten eine Stunde sp�ter, weil die Kontinentalklippe, die Schelfheim �berragte, den Horizont verdeckte. So erlebte Kara die D�mmerung an diesem Morgen zweimal, und im ersten Licht des neuen Tages erkannte sie auch, wo sie war und wieso ihr dieser Ort so vertraut vorkam: Der gewaltige Krater, an dessen Rand die Libellen niedergegangen waren, war derselbe, in den Kara und Elder damals hinabgestiegen und das erste Mal auf die M�nner in den blauen Uniformen gesto�en waren. Sie fragte sich, was sie hier gemacht hatten, wo ihnen doch der um vieles sicherere Weg �ber das unterirdische Meer zur Verf�gung stand. Selbst wenn Schelfheims Machthaber dort unten eine Truppe stationiert hatten � hier oben hatten sie es mit der <emphasis>gesamten Stadtgarde</emphasis> zu tun gehabt. Aber vielleicht, dachte Kara, hatten sie ganz genau das gewollt.</p><p>W�hrend sie im Haus gewesen war, hatten sich f�nf oder sechs Drachen auf den H�usern ringsum niedergelassen. Ihre Reiter waren abgestiegen und durchsuchten die umliegenden H�user nach versprengten Blauuniformierten. Der Rest ihrer kleinen Streitmacht kreiste weiter �ber ihnen. Kara machte sich jedoch keine Hoffnungen. Irgendwie war sie sicher, da� dieser Mann der letzte gewesen war, der sich hier aufgehalten hatte. Wenn man von dem Knistern der Flammen und einem gelegentlichen Grollen der Drachen absah, war es fast unheimlich still. Kara hatte erwartet, da� die Bewohner der umliegenden H�user sich nun, da die Angreifer vertrieben waren, wieder aus ihren Verstecken hervorwagen w�rden, aber niemand zeigte sich. Entweder sie waren alle tot, dachte Kara erschrocken, oder die Drachen erschreckten sie ebenso wie die Libellen. Die Stille wurde noch bedr�ckender, als die Sonne ganz aufging und die Schatten vollends vertrieb. Dann und wann h�rte sie das Poltern eines Steins; der Wind, der sich best�ndig drehte, trug manchmal ein St�hnen oder unverst�ndliche Stimmen herbei, aber niemand kam, um in den Ruinen nach �berlebenden oder Verletzten zu suchen oder die Br�nde zu l�schen. Kara hatte pl�tzlich das Gef�hl, da� sie zu sp�t gekommen waren und eine tote Stadt aus dem Griff der Blauuniformierten befreit hatten. Sie h�tte zumindest ein paar Neugierige erwartet, die irgendwann aus den Ruinen rings um den Krater hervorkrochen.</p><p>Von einer pl�tzlichen, b�sen Vorahnung erf�llt, wandte sich Kara um und ging zu einem halb zusammengest�rzten, aber nicht in Brand stehenden Geb�ude hin�ber. Sie mu�te durch ein Fenster hineinklettern, denn das abgebrochene Rotorblatt einer Libellenmaschine versperrte die T�r. Es war wie ein Speer ins Holz gefahren und nagelte sie so fest ans Mauerwerk, da� alles R�tteln und Zerren nichts nutzte.</p><p>Der Raum, in den sie gelangte, war fast unversehrt.</p><p>Seine Bewohner nicht.</p><p>Kara fand auf Anhieb drei Tote. Die Menschen waren nicht erschossen worden oder verbrannt, sondern Opfer einer Waffe geworden, die sie offensichtlich alle im gleichen Augenblick niedergestreckt hatte. Sie drehte einen der reglosen K�rper herum und stellte fest, da� er sich vollkommen falsch bewegte; wie ein Sack voller nasser Erde. Als h�tte er keine Knochen mehr oder als w�ren sie allesamt in winzige St�ckchen zerbrochen. Dann stellte Kara fest, da� nichts, was aus Glas, Steingut oder Porzellan bestanden hatte, heil geblieben war. Unter ihren Sohlen knirschte ein Teppich aus feingemahlenen Splittern. Sie untersuchte ein zweites und drittes Haus und machte �berall die gleiche Entdeckung. Hier und da hatte es gebrannt, und einige der Toten, die sie sah, zeigten Spuren des furchtbaren gr�nen Lichts oder waren von herabst�rzenden Tr�mmerst�cken erschlagen worden, aber allm�hlich f�gte sich das Bild zusammen: Die Angreifer mochten sich �berall in der Stadt einen Spa� daraus gemacht haben, ein Scheibenschie�en auf H�user oder auch Menschen zu veranstalten, doch zuvor hatten sie mit einem einzigen gezielten Schlag daf�r gesorgt, da� sie in aller Ruhe tun konnten, weshalb auch immer sie hergekommen waren.</p><p>Als Kara das letzte Haus auf dieser Seite des Kraters verlie�, bemerkte sie eine Bewegung: Einer der Drachen wandte knurrend den Sch�del und �ugte mi�trauisch auf eine Prozession winzig kleiner Gestalten herab, die neben ihm die Stra�e entlangkam. Kara erkannte die glitzernden Panzer von Hornk�pfen, dahinter das schreiende Gelb der Garde. Die beiden riesigen Kampfinsekten an der Spitze der Gruppe kamen ihr vage bekannt vor, und im gleichen Moment begriff sie, wer die M�nner in ihrer Begleitung waren. Sie seufzte lautlos, drehte sich aber herum und ging ihnen in raschem Tempo entgegen.</p><p>Trotzdem war sie nicht die erste, die die Gruppe erreichte. Zwei Drachenk�mpfer kamen ihr zuvor. Der eine beruhigte mit Gesten und Worten den Drachen, der noch immer nerv�s knurrte � die Abneigung zwischen Hornk�pfen und Drachen war so alt wie diese beiden V�lker selbst �, der andere versuchte offensichtlich, mit den M�nnern in den gelben M�nteln zu reden, hatte aber wenig Erfolg dabei: Die beiden Hornk�pfe lie�en ihn nicht in Ruhe gew�hren.</p><p>�Was ist hier los?� fragte Kara scharf, als sie die Gruppe erreicht hatte.</p><p>Der Krieger fuhr �rgerlich herum und schluckte eine w�tende Entgegnung hinunter, als er Kara erkannte. �Ich versuche diesem Verr�ckten zu erkl�ren, da� er die beiden Viecher hier wegbringen soll, ehe die Drachen vollkommen durchdrehen�, sagte er. �Aber er h�rt nicht auf mich.�</p><p>Kara unterdr�ckte ein schadenfrohes L�cheln, als sie erkannte, da� der �Verr�ckte� niemand anders als Gendik war, das regierende Oberhaupt von Schelfheim. Auch er hatte die Worte des Kriegers geh�rt. Sein Gesicht verfinsterte sich. �Es w�re besser, wenn Ihr auf ihn h�rt, Gendik�, sagte sie mit einer Geste auf die beiden Hornk�pfe. �Sie machen unsere Tiere nerv�s. Schickt sie fort. Ich wei�, da� es sich um Eure pers�nliche Garde handelt, aber solange Ihr bei uns seid, garantieren meine Leute und ich f�r Eure Sicherheit.�</p><p>Zumindest die boshafte Spitze, die sich in diesen Worten verbarg, hatte Gendik verstanden, denn der Blick, mit dem er Kara von seinem Sattel aus ma�, zeigte mehr als nur eine leichte Ver�rgerung. �Kennen wir uns, Kind?� fragte er.</p><p>Kara wollte auffahren, aber dann begriff sie, da� Gendik sich wirklich nicht an sie erinnerte. �Wir haben uns einmal gesehen�, antwortete sie. �Aber das spielt jetzt keine Rolle. Ich bitte Euch � schickt sie fort.�</p><p>Gendik z�gerte noch einen Moment, aber dann machte er eine knappe, befehlende Geste, und die beiden riesigen Kampfinsekten wandten sich um und stolzierten mit eckigen Bewegungen davon. Kara atmete auf. Auch sie hatte die N�he der Hornk�pfe mit einem fast k�rperlichen Unbehagen erf�llt. Sie wu�te nat�rlich, da� ihre Furcht v�llig unbegr�ndet war. Die Hornk�pfe waren spezielle Z�chtungen, und der Begriff <emphasis>Loyalit�t</emphasis> geh�rte zu einem unausl�schlichen Teil ihrer Erbinformationen. Aber das �nderte rein gar nichts daran, da� sie ihr angst machten.</p><p>Gendik schwang sich mit einem h�rbaren �chzen aus dem Sattel, und Kara sah erst jetzt, da� er verletzt war. Sein linker Arm hing in einer Schlinge, auf der sich ein dunkler Blutfleck gebildet hatte. Sein gelber Mantel war mit h��lichen Brandspuren �bers�t. Mit kleinen, m�hsamen Schritten trat er ihr entgegen und musterte sie mit einem langen Blick von Kopf bis Fu�. �Jetzt erinnere ich mich�, sagte er. �Du warst mit eurer Anf�hrerin bei uns, nicht wahr? Wie hie� sie doch gleich?�</p><p>�Angella�, sagte Kara gepre�t.</p><p>�Angella, richtig. Ist sie mitgekommen?�</p><p>�Sie ist tot�, antwortete Kara.</p><p>�Tot? Das tut mir leid. Aber jetzt bring mich bitte zu eurem Kommandanten. Ich habe mit ihm zu reden.�</p><p>�Er steht vor Euch, Gendik�, antwortete Kara. Sie hatte M�he, noch h�flich zu bleiben.</p><p>�Du?� Gendik suchte einen Moment verwirrt nach Worten, dann hellte sich sein Gesicht auf. �Ich verstehe. Er ist bei den anderen, die diese Hunde verfolgen, nicht wahr? Dann werde ich mich wohl bis zu seiner R�ckkehr gedulden m�ssen.�</p><p>�Ich f�rchte, Ihr habt mich mi�verstanden, Gendik�, sagte Kara. �Angella war die Herrin der Drachenk�mpfer. Ich bin ihre Nachfolgerin.�</p><p>Diesmal war Gendik mehr als �berrascht. Der neuerliche Blick, mit dem er Kara ma�, war beinahe schon beleidigend. Aber er �berwand seine Verwirrung sehr schnell. �Nun, wie dem auch sei�, sagte er. �Das vereinfacht die Sache sogar. Ich bin gekommen, um dir und den anderen tapferen Kriegern f�r eure Hilfe zu danken. Ihr seid im letzten Moment aufgetaucht.�</p><p>Lag da ein Vorwurf in seiner Stimme? Kara sah ihn scharf an, sie unterstellte zu seinen Gunsten, da� sie sich t�uschte. �Wir sind gekommen, so schnell wir konnten�, sagte sie. �Aber ich f�rchte, trotzdem nicht schnell genug. Was haben sie gewollt? Was habt Ihr getan, um diesen Angriff zu provozieren?�</p><p>�Nichts�, antwortete Gendik. �Wir wissen ja nicht einmal, wer sie sind.�</p><p>Kara sah ihn auf eine ganz bestimmte Art und Weise an, und Gendik fuhr in einem Tonfall fort, f�r den Kara ihm am liebsten die Z�hne eingeschlagen h�tte. �Gut. Ich wei�, was du jetzt sagen willst, Kindchen...�</p><p>�Kara�, unterbrach sie ihn. �Mein Name ist Kara.�</p><p>�Kara, meinetwegen. Du wirst mir jetzt erz�hlen, da� ihr uns gewarnt habt und es allein meine Schuld ist, weil ich nicht auf dich und die alte Frau geh�rt habe. Vielleicht hast du recht, vielleicht auch nicht. Das spielt im Moment keine Rolle. Wir k�nnen sp�ter Schuld zuweisen und Verantwortung verteilen. Vielleicht finden wir auch ein paar K�pfe, die wir abschlagen k�nnen.� Er l�chelte �berheblich. �M�glicherweise ist sogar mein eigener dabei, wer wei�.�</p><p>�M�glicherweise�, sagte Kara. Sie kochte innerlich vor Zorn. �Was hier wessen Schuld ist und warum, ist im Moment unwichtig�, fuhr Gendik k�hl fort. �Bedeutsam ist, was wir tun m�ssen, um den Schaden so gering wie m�glich zu halten und zu verhindern, da� es noch einmal geschieht. Glaubst du, da� deine Krieger sie schlagen k�nnen?�</p><p>Gendik schien nicht einmal bemerkt zu haben, da� es so etwas wie einen Kampf gar nicht gegeben hatte. Kara sch�ttelte den Kopf. �Das ist nicht die Frage, Gendik. Seht Euch hier um, und Ihr wi�t, was meine Drachen mit diesen... Dingern anstellen k�nnen. Die Frage ist, <emphasis>warum</emphasis> sie Eure Stadt �berhaupt angegriffen haben.� Sie deutete mit einer weit ausholenden Geste auf die zerst�rten H�user rings um den Krater, dann auf das gewaltige Loch im Herzen Schelfheims selbst: �Sie haben hier irgend etwas gesucht. K�nnt Ihr Euch vorstellen, was?�</p><p>�Nein�, antwortete Gendik. �Rusman hat einige seiner M�nner in dieses Loch hinabgeschickt, nachdem du und der Waga zur�ckgekommen seid. Aber sie haben nichts gefunden.�</p><p>�Vielleicht sollten wir Rusman selbst...�</p><p>�Er ist tot�, unterbrach sie Gendik. �Sie haben fast meine gesamte Garde ausgel�scht.� Zum allerersten Mal glaubte Kara, so etwas wie ein echtes Gef�hl in Gendiks Gesicht zu erkennen: einen Schrecken, der die ganze Zeit �ber in ihm gewesen war und den er jetzt nicht mehr zu unterdr�cken versuchte.</p><p>�Das tut mir leid�, sagte sie. �Ich wu�te nicht, da� Eure Verluste so gro� waren.�</p><p>�Gro�?� Gendik sch�rzte die Lippen. �Ich f�rchte, es ist kaum ein kampff�higer Mann �briggeblieben. Dieser Narr Rusman hat sie alle umgebracht. W�re er nicht selbst in der Schlacht gefallen, w�rde ich ihn hinrichten lassen.�</p><p>�Er ist tot, und...�</p><p>�Das macht aus einem Dummkopf noch keinen Helden, Kara�, unterbrach Gendik sie. �Es ist kein Zeichen von Tapferkeit, seine Truppen gegen einen Feind anrennen zu lassen, der vollkommen unverwundbar ist.�</p><p>Es dauerte einen Moment, bis Kara begriff, was Gendik �berhaupt meinte. Ungl�ubig starrte sie ihn an. �Ihr wollt damit sagen, da� Eure Leute nicht eine einzige dieser Maschinen zerst�rt haben?� fragte sie ungl�ubig.</p><p>�Nicht eine�, best�tigte Gendik. �Sie haben unsere Krieger abgeschossen wie Spatzen, obwohl wir ihnen hundert zu eins �berlegen waren. Wenn ihr nicht gekommen w�ret, dann g�be es diese Stadt jetzt vielleicht nicht mehr.� Er sch�ttelte ein paarmal den Kopf, und Kara konnte regelrecht sehen, wie der Zorn in seinen Augen erlosch und wieder diesem dumpfen Schrecken Platz machte. �Wer sind diese M�nner, Kara? Was wei�t du �ber sie?�</p><p>�Nichts�, log Kara. �Jedenfalls nicht viel.� Sie starrte einen Moment ins Leere und fragte sich vergeblich, warum sie das gesagt hatte. War es wirklich so, da� sie einfach keinem Menschen mehr traute? Oder hatte sie nur Angst davor, die Wahrheit auszusprechen und Gendik zu erkl�ren, da� das, was er f�r einen Sieg hielt, nichts als ein taktisches Man�ver ihrer Gegner war? �Ich schlage vor, da� wir uns zu einem sp�teren Zeitpunkt dar�ber unterhalten�, fuhr sie in unver�ndertem Tonfall fort. �Die Stadt brennt. Es mu� sehr viele Verwundete geben. Wenn ich und meine Leute Euch irgendwie helfen k�nnen...�</p><p>Sie wu�te selbst, wie k�mmerlich dieses Angebot war. Sie waren kaum siebzig M�nner und Frauen in einer Stadt, die an hundert Stellen brannte und in der es m�glicherweise hunderttausend Verwundete gab. Gendiks L�cheln machte ihr klar, da� seine �berlegungen wohl in dieselbe Richtung gingen. �Das wird kaum n�tig sein�, sagte er. �Ihr habt uns schon zur Gen�ge geholfen. Wi�t ihr schon, wo ihr eure Tiere unterbringen werdet?�</p><p>Seine Frage �berraschte Kara. Der Gedanke, <emphasis>hierzubleiben,</emphasis> war ihr bisher nicht einmal gekommen. Mit einem Schulterzucken deutete sie in die Runde. �Dieser Platz ist so gut wie jeder andere. Hier lebt ohnehin niemand mehr, und...�</p><p>�Ich f�rchte, das wir nicht gehen�, unterbrach sie Gendik sanft, aber nachdr�cklich.</p><p>�Wieso?�</p><p>�Deine Krieger unterzubringen ist kein Problem. Aber die Drachen k�nnen nicht hierbleiben. Du hast es selbst gesagt: Sie hassen die Hornk�pfe. Doch Schelfheim ist voll von Hornk�pfen. Au�erdem w�rde ihre Anwesenheit die Leute hier ver�ngstigen.�</p><p>�Und ich dachte, sie w�rde sie beruhigen�, sagte Kara sp�ttisch.</p><p>�F�r den Moment vielleicht�, r�umte Gendik ein. �Aber sie haben Angst vor ihnen. Das letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, ist etwas, das die Angst der Leute noch sch�rt.� Er �berlegte einen Moment. �Es gibt eine Festung oben am Rand der Klippe�, sagte er dann. �Dort ist Platz genug f�r eure Tiere. Ich schlage vor, du bringst sie und deine Krieger dorthin und kehrst dann zur�ck. Ich werde inzwischen versuchen, meine Berater zusammenzurufen. Und das, was von unserer glorreichen Armee noch �brig ist. W�re es dir recht, wenn ich dir gegen die Mittagsstunde einen Wagen schicke, der dich abholt?�</p><p>�Ich f�rchte, das wird nicht m�glich sein, Gendik�, erwiderte Kara, so freundlich sie konnte. �Ich kann nicht bleiben. Sobald alle meine Krieger zur�ck sind, werden wir zum Hort zur�ckkehren. Nat�rlich lasse ich Euch eine ausreichende Zahl von Drachen und M�nnern hier, die f�r den Schutz Schelfheims garantieren.�</p><p>�Du willst fort?� fragte Gendik irritiert. �Aber wir...�</p><p>�M�ssen uns beraten, sicher�, unterbrach ihn Kara. �Aber gibt es einen besseren Ort daf�r als den Drachenhort? Wir erwarten Euch und Eure Berater in drei Tagen dort.� Sie gestattete sich den Luxus, sich einen Moment an seiner Verbl�ffung und dem allm�hlich aufkeimenden Zorn in seinem Blick zu weiden, als er begriff, da� dieser als Einladung getarnte Befehl einen dreit�gigen, m�rderischen Ritt f�r ihn bedeutete, dann wandte sie sich mit einer ruckhaften Bewegung zum Gehen, hielt aber noch einmal inne.</p><p>�Ich denke, es ist wirklich besser, wenn die Drachen genau hier bleiben, Gendik. Die Angreifer haben hier irgend etwas gesucht, und es w�rde mich nicht wundern, wenn sie zur�ckkommen. Bitte sorgt daf�r, da� f�r die Drachen ausreichend Futter bereitsteht. Sie werden leicht nerv�s, wenn sie hungrig sind. Und noch etwas: Kennt Ihr einen jungen Ingenieur namens Donay?�</p><p>�Nein�, antwortete Gendik. �Aber ich kann ihn suchen lassen. Falls er noch lebt.�</p><p>�Tut das�, sagte Kara. �Ich m�chte, da� er mich begleitet.�</p><p>Sie ging weiter und lie� Gendik einfach stehen.</p><p>Es dauerte noch zwei Stunden, bis die letzten Drachen aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> zur�ck waren. Sie hatten Karas Befehl befolgt und die Libellen beinahe zweihundert Meilen weit verfolgt, sie aber nicht angegriffen. Wenig sp�ter brachten zwei von Gendiks Soldaten einen total verst�rten, aber unverletzten Donay zu ihr. Bevor Kara zum Drachenhort aufbrach, suchte sie zehn der besten und erfahrensten Krieger samt ihrer Tiere aus, die in der Stadt zur�ckblieben. Sie sah keinen von ihnen lebend wieder.</p></section><section><title><p>37</p></title><p>�In seinem Kopf?�</p><p>Aires drehte das gl�serne Etwas, das sie aus dem Sch�del des Toten herausgeschnitten hatten, in den H�nden. Ihre Stimme war schrill gewesen vor Unglaube, und auf ihrem Gesicht spiegelte sich ein leichter Ekel. Ges�ubert und aus dem Rest des Gehirnes herausgel�st, wirkte das gl�serne Ding aus lebendigem Gewebe und blinkendem Metall noch unheimlicher.</p><p>Zen hob den Arm und legte die gespreizten Finger auf die Stelle, wo das Gebilde im Sch�del des Toten gesessen hatte. �Es hing fest. Ich mu�te es herausschneiden.�</p><p>�Das ist unglaublich�, murmelte Aires. Behutsam legte sie das unheimliche gl�serne Gebilde vor sich auf den Tisch, betrachtete es noch einen Moment eingehend und sch�ttelte den Kopf. �Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich habe nicht die mindeste Ahnung, was es sein kann.�</p><p>�Wir sollten Elder fragen�, schlug Kara vor. �Vielleicht wei� er, was es ist.�</p><p>Bei der Erw�hnung von Elders Namen blitzte es in Aires�</p><p>Augen auf. Aber dann nickte sie nur und wandte sich an Cord, der nahe der T�r stand. �Bitte geh und hol ihn her.�</p><p>Sie wartete, bis Cord das Zimmer verlassen hatte, dann drehte sie sich wieder zu Kara und Zen um, die nebeneinander auf der anderen Seite des Tisches sa�en. �Hatte nur dieser eine so etwas im Kopf oder die anderen auch?�</p><p>Kara und Zen sahen sich eine Sekunde lang betroffen an und schwiegen.</p><p>Aires seufzte. �Ich verstehe. Ihr habt nicht nachgesehen.�</p><p>�Nein�, gestand Kara kleinlaut. �Um... um ehrlich zu sein, ich bin gar nicht auf den Gedanken gekommen.�</p><p>Aires seufzte erneut, winkte dann aber ab. �Wahrscheinlich ist es nicht so wichtig�, sagte sie und schaute nacheinander die anderen an. Ihre Runde war betr�chtlich gewachsen, so da� sie sich in dem gro�en Versammlungsraum im Erdgescho� des Haupthauses zusammengefunden hatten. Kara gefiel das zwar nicht, aber sie sah ein, da� es keinen Sinn mehr hatte, irgend etwas geheimhalten zu wollen. Au�erdem hatte Aires sie vor vollendete Tatsachen gestellt, indem sie sie, Zen und Donay auf der Stelle hatte hierherbringen lassen, kaum da� sie gelandet waren und Zeit gefunden hatten, aus den S�tteln zu steigen. �Vielleicht ist es eine Art... Prothese?� murmelte Donay. Er war noch immer ein wenig bla�. Der ungewohnte Ritt auf dem R�cken des Drachen sa� ihm noch in den Knochen. Aires sah ihn zweifelnd an, und Donay fuhr in beinahe verlegenem Tonfall fort: �Ich meine... diese Menschen der Alten Welt sollen sogar k�nstliche Gliedma�en gehabt haben. M�glicherweise hatte er einen Unfall...�</p><p>Aires seufzte. �Eine Prothesel Also... ich kenne eine Menge Leute, denen ein St�ck des Gehirns zu fehlen scheint, aber das erscheint mir dann doch sehr unwahrscheinlich.�</p><p>Zaghaftes Gel�chter antwortete auf ihre Worte und verstummte sofort wieder, als Aires die Hand hob. �Genug. Wir warten auf Elder. Doch es gibt noch anderes zu besprechen. Donay � du bist der einzige hier, der dabei war. Erz�hle.�</p><p>Donay z�gerte. �Da... gibt es nicht viel zu erz�hlen�, sagte er schlie�lich. �Ich mu� gestehen, ich... habe die meiste Zeit in einem Keller verbracht. Ich hatte Angst.�</p><p>�Das ist verst�ndlich. Und war im �brigen auch sehr klug gehandelt. Aber du hast gesehen, wie es begonnen hat.�</p><p>�Ja�, sagte Donay. �Ich war auf dem Weg zur�ck zum Schacht.� Er sah fl�chtig Kara an. �Dem Krater, an dessen Rand sie gelandet sind.�</p><p> �Warum?�</p><p>�Ich fahre seit zwei Wochen jeden Tag hinunter�, antwortete Donay, �Sie haben eine Seilbahn eingerichtet.�</p><p>�Ich dachte, du bist Biologe�, sagte Zen. �Seit wann interessieren dich alte Steine?�</p><p>�Der Hochweg stirbt noch immer�, erwiderte Donay ernst. �Ich war einmal ganz unten. Der Wasserspiegel f�llt weiter nicht sehr schnell, aber er f�llt. Wenn wir keinen anderen Weg finden, die Wurzeln mit Wasser zu versorgen, ist die Br�cke in einem Jahr tot.�</p><p>Betretenes Schweigen breitete sich aus, und Kara fragte sich erneut, ob es wirklich klug von Aires gewesen war, allen die Wahrheit zu erz�hlen. Da� sie anfingen, sich zu wehren, war in Ordnung; aber der Gedanke an einen zu �berm�chtigen Gegner konnte auch l�hmen.</p><p>Aires r�usperte sich ein wenig zu laut, um Donays Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen. �Du wolltest vom Angriff auf Schelfheim erz�hlen.�</p><p>Donays Gesichtsausdruck nach zu schlie�en, stand ihm der Sinn ganz und gar nicht danach. Aber er zuckte gehorsam mit den Schultern und begann: �Sie kamen zwei oder drei Stunden nach Mitternacht und griffen sofort an. Ich... habe nur ein Heulen geh�rt, wie ein...� Er suchte nach Worten. �Ein Bienenschwarm�, sagte er schlie�lich. �Dann waren sie pl�tzlich da und er�ffneten das Feuer, �berall zugleich.�</p><p>�Ohne Vorwarnung?� vergewisserte sich Aires. �Ohne irgendwelche Forderungen zu stellen? Kein Ultimatum? Keine Aufforderung zur Kapitulation, nichts?�</p><p>�Nichts von alledem�, best�tigte Donay. �Ich war drau�en auf der Stra�e und habe alles genau gesehen. Sie m�ssen durch den <emphasis>Schlund</emphasis> geflogen sein, so tief, da� niemand sie gesehen hat. Sie tauchten pl�tzlich �ber der Klippe auf und schossen sofort. Es hat allein zehn Minuten gedauert, bis sich der erste Widerstand formiert hat.� Aires runzelte die Stirn. �Ja. Kara hat von Rusmans... Verteidigung erz�hlt.� Sie �berlegte einen Moment. �Du sagst, du warst in der N�he des Schachtes, als sie angriffen?� Sie deutete auf Kara. �Kara und die anderen berichten, da� dort niemand �berlebt hat.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Donay. �Es war entsetzlich. Ein Teil von ihnen scho� direkt auf mich zu. Ich wei� nicht, was sie getan haben, aber... aber ich konnte sehen, wie auf der anderen Seite der Stra�e pl�tzlich alle umfielen. Alles Glas zersprang, und ich h�rte einen entsetzlichen Ton, wie ich ihn nie zuvor im Leben vernommen hatte. Ein Heulen, das...�</p><p>�... dir das Gef�hl gab, die Augen wollten dir aus dem Kopf springen�, sagte eine Stimme von der T�r her. �Und deine Z�hne taten weh, nicht wahr?�</p><p>Nicht nur Donay blickte Elder verbl�fft an, der in Cords Begleitung unter der T�r erschienen war und offensichtlich schon eine ganze Weile zugeh�rt hatte. Mit gem�chlichen Schritten kam er n�her und fuhr in einem blasierten Tonfall fort, f�r den Kara ihn in diesem Augenblick ha�te. �Eine Schallwaffe. Du hast verdammtes Gl�ck gehabt, mein Freund. Zehn Meter weiter, und wir k�nnten mit deinen Knochen jetzt Sands�cke f�llen.�</p><p>�Schall?� fragte Aires. �Du meinst, sie benutzen... <emphasis>L�rm</emphasis> als Waffe?� Der Zweifel in ihren Worten war nicht zu �berh�ren. Elder nickte eifrig. �Ultrahohe Schallwellen�, best�tigte er. �Unh�rbar, aber t�dlich. Wenn sie intensiv genug sind, pulverisieren sie sogar Stahl. Ich habe euch gesagt, da� ihr es mit einer Macht zu tun habt, die euch grenzenlos �berlegen ist. Es w�re wirklich besser, ihr w�rdet euch zur�ckhalten und es mir �berlas...�</p><p>Er brach mitten im Wort ab, als er sah, was vor Aires auf der Tischplatte lag. Sein Gesicht wurde grau vor Schrecken. �Gro�er Gott!� fl�sterte er. �Seid ihr wahnsinnig, dieses Ding hierher...� Elder stockte abermals, sah pl�tzlich mit einem Ruck auf und blickte sich betroffen um.</p><p>�Ja?� fragte Aires alarmiert.</p><p>Elder blinzelte, fuhr sich nerv�s mit dem Handr�cken �ber den Mund und trat mit raschen Schritten neben die Magierin. Seine Hand zitterte, als er nach dem gl�sernen Gehirn vor ihr griff. Aires lie� es widerstandslos geschehen.</p><p>Elder nahm das unheimliche Fundst�ck hoch, drehte es in den H�nden � und atmete erleichtert auf.</p><p>�Was hast du, Elder?� fragte Aires. �Was ist daran so gef�hrlich?�</p><p>�Nichts�, antwortete Elder. Er l�chelte entspannt und warf das Glasgehirn achtlos auf den Tisch zur�ck. �Nichts. Ich habe mich geirrt. Tut mir leid, wenn ich euch erschreckt habe. Ich habe das Ding im ersten Moment f�r etwas anderes gehalten.�</p><p>�Wof�r?� fragten Aires und Kara wie aus einem Mund.</p><p>�F�r... etwas, das zu erkl�ren jetzt wirklich zu weit ginge�, sagte er ausweichend. �Es w�re auch nutzlos. Entschuldigt.� Er l�chelte, aber Aires� Gesichtsausdruck verd�sterte sich weiter. Elders Antwort stellte sie ganz und gar nicht zufrieden. �Nun, wenn du uns schon nicht verraten willst, was es <emphasis>nicht</emphasis> ist�, sagte sie gepre�t, �dann sag uns wenigstens, was es <emphasis>ist.</emphasis> Oder hast du Angst, wir w�ren auch zu dumm, um das zu verstehen?�</p><p>Elder l�chelte nerv�s und suchte sich einen freien Platz. �Es ist wirklich nichts�, sagte er. �Ein Ersatzteil. Nicht viel mehr als ein falsches Gebi�. Verge�t es.�</p><p>�Ein Ersatzteil?� Verwirrt blickte Aires zuerst Elder, dann Donay an. Der junge Bio-Konstrukteur l�chelte zufrieden, wirkte aber im Grunde nicht weniger verst�rt als sie. �Aber es war in seinem <emphasis>Gehirn!�</emphasis></p><p>�Nat�rlich war es in seinem Gehirn�, sagte Elder �In seinem rechten Knie h�tte es wenig Sinn, oder? Ich nehme an, der Bursche hat sich irgendwann einmal eine schwere Kopfverletzung zugezogen. M�glicherweise war er blind oder taub, bis man ihm das Ding da verpa�t hat.� Er verzog das Gesicht. �Es ist widerlich. Ihr solltet es in den <emphasis>Schlund</emphasis> hinabwerfen, wo es hingeh�rt.�</p><p>�Du willst sagen, ihr k�nnt sogar zerst�rte Gehirne reparieren?� murmelte Kara fassungslos.</p><p>�Leider nur zum Teil.� Elder ma� das schimmernde Glasgehirn vor Aires mit einem angewiderten Blick. Dann sah er Kara an. �Hinterkopf, linke Seite?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Ein Teil des motorischen Systems�, erkl�rte Elder. �So etwas k�nnen wir ersetzen. Wirklich wichtige Teile leider nicht.� Er seufzte. �Was aus diesem grauen Matsch da ein denkendes Individuum macht, wissen selbst wir nicht. Vielleicht ist das auch gut so.�</p><p>�Ja, vielleicht�, murmelte Aires. Sie wechselte abrupt das Thema. �Cord hat dich �ber alles informiert?�</p><p>�Sicher�, best�tigte Elder. �Ihr braucht euch nicht den Kopf �ber den Grund dieses Angriffes zu zerbrechen. Es war ein Vergeltungsakt, wie ich euch gesagt habe. Was Donay erz�hlt hat, pa�t hundertprozentig zu dem, was ich �ber PACKs Taktik wei�. Schnell zuschlagen und wieder verschwinden.�</p><p>�Nicht ganz�, sagte Kara. �Wir haben sie vertrieben, hast du das vergessen?�</p><p>�Mach dich nicht l�cherlich�, sagte Elder ruhig.</p><p>Kara wollte auffahren, aber Aires sorgte mit einer raschen Handbewegung f�r Ruhe. �Kara hat trotzdem recht�, sagte sie. �Sie m�ssen einen Grund gehabt haben, dieses eine Viertel auszul�schen und dort zu landen.�</p><p>�Vielleicht war der ganze Angriff nur ein Ablenkungsman�ver�, vermutete Cord.</p><p>�Ich w��te nicht, wozu�, sagte Elder. �Wo genau sind sie gelandet?�</p><p>Kara sagte es ihm. Zuckte Elder leicht zusammen, oder hatte sie es sich nur eingebildet?</p><p>�Kannst du dir vorstellen, was sie ausgerechnet dort gesucht haben?� fragte Aires. �Der Weg �ber das unterirdische Meer w�re bequemer und sicherer gewesen. Dein Vertrauen in ihre Superwaffen in allen Ehren, Elder � aber immerhin haben Karas Drachen f�nf von diesen Heliotoptern erwischt.�</p><p>�Wir nennen sie Helikopter�, verbesserte sie Elder. �Aber warum sagen wir nicht weiter Libellen?�</p><p>�Warum bleiben wir nicht beim <emphasis>Thema?�</emphasis> schlug Cord in leicht gereiztem Ton vor.</p><p>Elder schenkte ihm ein abf�lliges L�cheln. �Ich wei� nicht, was sie dort gesucht haben�, sagte er. �Aber ihr hattet dort schon einmal �rger mit ihnen, nicht wahr? Es war doch in der N�he dieses Schachtes, wo sie damals eure Leute erschossen haben, oder?�</p><p>�Ja. Du glaubst, dort unten w�re etwas, das f�r sie wichtig ist?�</p><p>�Oder etwas, was auf keinen Fall in unsere H�nde fallen darf�, f�gte Kara nachdenklich hinzu. Elder blickte sie an, aber das registrierte sie kaum. Wieder hatte sie das sichere Gef�hl, da� etwas hier nicht so war, wie es sein sollte. Und wieder wu�te sie nicht, was.</p><p>�Sicher�, sagte Elder sp�ttisch. �Irgendeine Superwaffe, die eure Vorfahren dort vergraben haben, wie?�</p><p>�Und wenn es so w�re?�</p><p>�Dann ist sie zusammen mit dem Trieb und einigen Kubikmeilen Gestein in die Tiefe gest�rzt, als der Schacht zusammenbrach�, sagte Elder. �Au�erdem... wei�t du, ich habe die Technologie dessen, was ihr die Alte Welt nennt, gr�ndlich untersucht; sie war nicht schlecht � aber sie hatte nichts, was PACK aufhalten k�nnte. Gott sei Dank.�</p><p>�Gott sei Dank? Wieso?�</p><p>�Weil das das Schlimmste w�re, was euch passieren kann�, sagte Elder ernst. �Verstehst du immer noch nicht, da� sie bisher nur mit euch gespielt haben? Sie haben irgendwo auf diesem Planeten ein Schlachtschiff versteckt, Kara! Wenn ihr ihnen <emphasis>wirklich</emphasis> weh tut, Kara, dann werden sie auf eine Weise zur�ckschlagen, die ihr euch nicht einmal vorstellen k�nnt. Seid ihr so versessen auf eine Neuauflage des Zehnten Krieges?�</p><p>Kara starrte ihn an. �Du bist sicher, da� du nicht von ihnen geschickt worden bist, um unsere Kampfmoral zu untergraben?� fragte sie.</p><p>Elder grinste.</p><p>�Selbst wenn du recht hast, Elder�, sagte Aires rasch, ehe Kara Gelegenheit zu einer weiteren zornigen Bemerkung fand. �Spielt das eine Rolle? Sie werden uns so oder so alle t�ten.�</p><p>�Vielleicht auch nicht�, sagte Elder. �Sie haben die Insektenzivilisation auf dem Ostkontinent ausgel�scht � aber eigentlich nur, weil sie ein bi�chen zu hartn�ckig gesucht haben.�</p><p>�Hatten sie etwas dagegen, ausgerottet zu werden?� fragte Cord h�hnisch.</p><p>Elder sah ihn an. �Insekten kennen keine Kompromisse�, sagte er. �Sie siegen oder gehen unter. Aber denk an den grauen Staub, von dem ihr erz�hlt habt. Er t�tet nur Erwachsene. Vielleicht wollen sie euer Volk nicht ausl�schen.�</p><p>�Und was sonst?�</p><p>Elder zuckte mit den Schultern. �Einen ganzen Planeten umzubauen ist eine gewaltige Aufgabe�, sagte er. �Arbeitskr�fte werden immer gebraucht.�</p><p>�Sklaven?� fragte Aires mit hochgezogenen Brauen.</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Zum Beispiel, weil sie l�stige Zeugen w�ren�, sagte Cord. �Kaum. Bis die ersten Kolonisten hier eintreffen, vergehen noch gute hundert oder auch zweihundert Jahre. Bis dahin haben sie l�ngst vergessen, wer sie einmal waren.�</p><p>�Man kann nicht einem ganzen Volk seine Vergangenheit stehlen�, sagte Kara.</p><p>�PACK kann�, erwiderte Elder. �Du verstehst noch immer nicht, mit wem ihr es hier zu tun habt. Vielleicht war es ein Fehler, PACK als Firma zu bezeichnen. Das ist es zwar, aber es ist auch eine Macht, die mit Planeten spielt wie... wie ihr mit Schachfiguren.�</p><p>�Danke�, sagte Kara s�uerlich. �Du machst einem wirklich Mut.�</p><p>Elder achtete nicht auf ihre Worte. �Ihr haltet euch f�r Krieger. F�r eine Art W�chter, deren Aufgabe es ist, diesen Kontinent oder besser noch die ganze Welt vor jeder Gefahr zu besch�tzen. Aber ihr seid dabei, Selbstmord zu begehen! Ihr bringt euch und jedes lebende Wesen auf dieser Welt um, wenn ihr so weitermacht! Ihr d�rft nicht gegen sie k�mpfen.�</p><p>�Und was verlangst du von uns?� erwiderte Kara scharf.</p><p>�Sollen wir abwarten, bis sie �berlegt haben, ob sie uns umbringen oder nur versklavenl�</p><p>�Kara!� sagte Aires scharf.</p><p>Kara ignorierte sie. �Gut, dann sterben wir eben alle!� fuhr sie fort. �Aber vorher werden wir ihnen weh tun, Elder. Ich verspreche dir, da� ihnen diese Welt sehr schwer im Magen liegen wird, selbst wenn es ihnen gelingt, sie zu verschlingen.�</p><p>�Aber das ist doch gar nicht n�tig�, sagte Elder sanft. �Ich kann euch helfen. Helft mir, ihr Schiff zu finden und dorthin zu gelangen. Alles andere erledigen meine Leute.�</p><p>�Darauf wette ich�, murmelte Cord. �Und die Rechnung bekommen wir sp�ter pr�sentiert, nicht wahr? Kara hat recht wenn wir schon sterben m�ssen, dann will ich ihnen vorher noch ein Andenken verpassen, an das sie noch in hundert Jahren denken.�</p><p>Elder seufzte. Sekundenlang blickte er den grauhaarigen Drachenk�mpfer beinahe traurig an. �Es tut mir leid, Cord�, sagte er dann sehr ruhig und in einem Ton, den Kara nicht zu deuten vermochte. �Ich wollte es dir nicht so deutlich sagen, um dich nicht zu verletzen. Aber du l��t mir keine Wahl: Eure famose Drachenarmee ist nichts! Ihr k�nnt sie nicht einmal �rgern, geschweige denn ihnen weh tun! Ich bin mit einem kleinen Boot hierher gekommen, Cord, ein Ding, das nicht einmal den Namen Schiff verdient. Und ich gebe dir mein Wort, da� dieses Boot allein in der Lage gewesen w�re, diese ganze Festung samt ihrer Krieger und Drachen zur H�lle zu schicken. PACK hat dieses Schiff vernichtet, Cord. Ohne sich besonders dabei anzustrengen.� Er stand mit einem Ruck auf. �Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Tut, was ihr wollt, ihr Narren? Aber la�t es mich fr�h genug wissen, damit ich mir ein m�glichst tiefes Loch graben kann, ehe sie anfangen, euch zu bombardieren!� Wutentbrannt st�rmte er aus dem Zimmer.</p><p>Kara sah ihm traurig nach. �Er verschweigt uns etwas�, sagte sie. �Oder er l�gt.� Sie wollte noch mehr sagen, aber Aires warf ihr einen strengen Blick zu.</p><p>�Es ist sp�t�, sagte die Magierin. �Ich denke, da� es das beste ist, wenn wir uns alle zur�ckziehen und versuchen, ein wenig Ruhe zu finden.�</p><p>Es war ganz und gar <emphasis>nicht</emphasis> sp�t, aber alle verstanden, was Aires meinte. Was als strategische Besprechung gedacht gewesen war, war zu etwas entgleist, das keiner von ihnen im Moment wollte. Der Saal begann sich zu leeren, aber Aires gab ihr, Donay und Cord mit Blicken zu verstehen, da� sie noch bleiben sollten.</p><p>�Er l�gt�, sagte Aires, als der Letzte die T�r hinter sich zugezogen hatte.</p><p>�Er ist ein wenig zu sehr darauf bedacht, uns von einem Angriff abzuhalten�, pflichtete ihr Cord bei. �Ich frage mich, warum?�</p><p>�Das meine ich nicht�, bemerkte Aires. Sie deutete auf das gl�serne Gehirn vor sich. �Dieses Ding hat ihn zu Tode erschreckt. Ich frage mich, was es wirklich ist.�</p><p>�Seine Erkl�rung klingt einleuchtend�, sagte Donay sch�chtern.</p><p>�Sicher�, sagte Aires. �Ich zweifle auch gar nicht daran, da� es wirklich etwas ist, das sie k�nstlich in den Kopf gepflanzt haben. Ich zweifle nur daran, da� es sich wirklich um eine <emphasis>Kr�cke</emphasis> handelt.�</p><p>�Mir gef�llt die ganze Geschichte nicht, die er erz�hlt hat�, grollte Cord. �Andere Planeten! Hunderte von Welten, die von ihnen besiedelt worden sind, wie?� Er macht eine zornige Geste. �Wenn das so ist, wieso ist er dann ein Mensch?�</p><p>Die anderen sahen ihn fragend an; Aires beinahe entsetzt. �Selbst hier bei uns gibt es mehr als ein Dutzend grundverschiedener V�lker. Wenn dieser Kerl wirklich von einer anderen Welt kommt, wieso sieht er dann nicht so aus? Wenn ihr mich fragt, dann ist diese ganze Geschichte von vorn bis hinten erlogen.Ich glaube, diese Burschen stammen von einem der anderen Kontinente, die wir noch nicht kennen. Wahrscheinlich haben sie ein paar alte Maschinen ausgegraben und versuchen jetzt, uns genug Angst einzujagen, damit wir gar nicht erst auf die Idee kommen, uns zu wehren.�</p><p>Kara dachte an den Blitz und den grauenhaften Rauchpilz, den sie gesehen hatte. �Wenn das so w�re, warum h�tten sie dann Jandhis Leute erledigen sollen?� fragte sie.</p><p>�Wer sagt, da� das die Wahrheit ist?� schnappte Cord. �Du hast ihn in diesem anderen Drachenfels gefunden, oder? Wer sagt dir, da� es nicht Jandhis Leute <emphasis>sind?�</emphasis></p><p>�Hat er recht?� fragte Aires, an Kara gewandt.</p><p>�Woher soll ich das wissen?� fragte Kara.</p><p>�Immerhin bist du ihm so nahe gewesen, wie es nur geht�, erwiderte Aires mit leiser Stimme.</p><p>Kara senkte den Blick.</p><p>�Du... hast mit ihm geschlafen?� fragte Donay.</p><p>�Wie bitte?� Kara war �ber diese Frage mehr als verbl�fft. �Ich will keinen detaillierten Bericht von dir�, antwortete er, ohne zu l�cheln oder so zu tun, als w�re ihm die Frage peinlich. �Aber Aires hat recht. Es gibt keine M�glichkeit, einen Menschen genauer kennenzulernen.�</p><p>Kara begann nerv�s mit den Fingerspitzen auf der Tischplatte zu trommeln. Wenn ihr Gesicht so aussah wie es sich anf�hlte, mu�te es hell genug gl�hen, um als Lampe zu dienen.</p><p>�Bitte, Kara�, sagte Aires. �Es ist viel zu wichtig, als da� wir R�cksicht auf dein Schamgef�hl nehmen k�nnen, auch wenn es dir noch so peinlich ist. Ist dir irgend etwas aufgefallen?�</p><p>Da gab es tats�chlich etwas. Etwas, das sie die ganze Zeit �ber gewu�t hatte; nur hatten sich die Ereignisse in den letzten Stunden derartig �berschlagen, da� sie dieser Sache keine Beachtung hatte schenken k�nnen.</p><p>�Sein K�rper ist... perfekt�, sagte sie.</p><p>�Ich finde, er ist viel zu d�nn�, sagte Cord.</p><p>�Das meine ich nicht. Er hat keinen Kratzer, versteht ihr? Er hat mir erz�hlt, da� er �ber zweihundert Jahre alt ist, aber er hat nicht eine einzige Narbe.�</p><p>�Zweihundert Jahre?� Donay ri� die Augen auf.</p><p>�Dasselbe hat er mir auch erz�hlt�, sagte Aires, �als ich heute nachmittag mit ihm sprach. Und?�</p><p>�Man m��te es ihm ansehen�, beharrte Kara. �Er ist ein Krieger, zumindest eine Art Abenteurer. Ein solches Leben hinterl��t Spuren?� Aires deutete auf das gl�serne Gehirn vor sich. �Wenn sie so etwas k�nnen, dann k�nnen sie auch ein paar Narben verschwinden lassen, denke ich.�</p><p>Kara sch�ttelte �berzeugt den Kopf. �Ihr habt die Explosion nicht gesehen�, sagte sie. �Das halbe Unterwasserboot ist in die Luft geflogen � und er war mitten drin. Er m��te zumindest ein paar Verbrennungen haben.�</p><p>�Vielleicht hast du nicht gr�ndlich nachgesehen�, sagte Cord anz�glich.</p><p>Kara fuhr auf. �Vielleicht habe ich...� Sie hielt verbl�fft inne und wu�te pl�tzlich, woher das Gef�hl gekommen war, da� sie die ganze Zeit etwas �bersehen hatte. Wieso war sie nur nicht gleich darauf gekommen?</p><p>�Was hast du?� fragte Aires alarmiert.</p><p>�Der Schacht�, sagte Kara leise. �Er hat davon gesprochen, da� Liss und die anderen dort erschossen worden sind.�</p><p>�Und?� fragte Cord. �Das stimmt auch.�</p><p>�Ja�, antwortete Kara. �Aber das konnte er nicht wissen. Die offizielle Version lautete, da� sie versch�ttet worden sind. Wir haben Gendik und Elder erz�hlt, da� man sie get�tet hat, aber nicht wie.� Sie legte eine winzige Pause ein und fuhr dann mit beinahe ausdrucksloser Stimme fort. �Da� sie von einem Laser get�tet wurden, das konnten nur Angella und ich und ein paar von uns wissen.�</p><p>�Und der, der sie erschossen hat�, f�gte Cord d�ster hinzu. Lange Zeit sa�en sie einfach da und schwiegen, dann stand Kara auf und ging zur T�r. Aires sah ihr mit unverhohlener Sorge nach. �Wohin gehst du?� fragte sie.</p><p>�Zu Elder�, knurrte Kara. �Ich mu� noch ein Experiment durchf�hren.�</p></section><section><title><p>38</p></title><p>Nat�rlich ging sie an diesem Abend nicht mehr zu Elder. H�tte sie es getan, dann ganz bestimmt nicht, um mit ihm zu schlafen, sondern um ein Experiment ganz anderer Art durchzuf�hren, zum Beispiel, wie tief sie einen Dolch in seinen R�cken sto�en konnte, bis die auf Widerstand traf. Daf�r kamen Donay und Aires an diesem Abend noch einmal zu ihr, und sie redeten bis tief in die Nacht hinein. Was am Ende dabei herauskam, das �berzeugte so recht keinen von ihnen, denn es war allenfalls die Idee einer Idee � aber besser als gar nichts.</p><p>Sie begann gleich am n�chsten Morgen damit, ihren Plan in die Tat umzusetzen, indem sie zweierlei Dinge tat: Sie beauftragte Silvy und zwei freiwillige Begleiter, mit ihren Drachen noch einmal in den <emphasis>Schlund</emphasis> hinauszufliegen, um eine Probe der Traumbestie zu holen, die ihnen in ihrer ersten Nacht im Dschungel fast zum Verh�ngnis geworden w�re. Und sie erschien mit einem Eimer voller eiskaltem Wasser in Elders Zimmer.</p><p>Ihre Schritte oder das Ger�usch der T�r mu�ten ihn geweckt haben, aber er tat ihr den Gefallen und spielte mit � zumindest bis sie den Eimer hob und ihn schwungvoll in seine Richtung entleerte. Im allerletzten Moment rollte er sich zur Seite, fiel vom Bett und sprang in dem Augenblick auf die F��e, in dem das Wasser sein Kopfkissen und die Decke durchn��te. �He!� sagte er emp�rt.</p><p>Kara lachte. �Ich wu�te, da� ein Eimer Wasser ein todsicheres Mittel ist, dich wachzubekommen. Badet ihr dort, wo du herkommst, nicht?�</p><p>�Nicht im Bett�, antwortete Elder. Er wirkte ein wenig verwirrt.</p><p>Kara lie� den Eimer sinken und l�chelte verlegen. �Ich...�</p><p>�Ja?� Er legte den Kopf schr�g und sah sie fragend an.</p><p>�Wegen gestern abend�, sagte Kara linkisch. �Ich meine, es... tut mir leid, wenn ich ein bi�chen... ach verdammt, ich bin nicht gut darin, mich zu entschuldigen.�</p><p>�Geschenkt�, sagte Elder. �Wir waren alle ein bi�chen nerv�s. Ich hoffe, ich habe Cord nicht zu hart vor den Kopf gesto�en. Ich wollte ihm nicht weh tun.�</p><p>�Cord ist ein Krieger�, sagte Kara. �Er ist daran gew�hnt, da� man ihm weh tut.�</p><p>�Das wollte ich nicht�, sagte Elder. �Aber ich hatte irgendwie das Gef�hl, keine andere Wahl mehr zu haben.�</p><p> �Um <emphasis>was</emphasis> zu verhindern?� fragte Kara. Pl�tzlich war sie ganz nahe daran, ihm die Wahrheit zu sagen. Sie kam sich vor wie eine Verr�terin, denn gleichg�ltig, was sie Aires und Cord und Donay gegen�ber behauptet hatte, zwischen Elder und ihr hatte es mehr gegeben als nur eine rein k�rperliche Anziehung. �Ich will ganz ehrlich zu dir sein, Elder�, begann sie. �Die anderen glauben dir deine Sorge um unser Wohl nicht ganz.�</p><p>�Die anderen? Und du?� Elder versuchte sie an sich zu ziehen, aber Kara wich zur�ck.</p><p>�Ich bin... nicht sicher�, sagte sie z�gernd. �Ich glaube nicht, da� ich noch ganz unvoreingenommen bin.�</p><p>�Aber wenigstens ehrlich.� Elder seufzte. �Und was wollen sie tun?�</p><p>Kara antwortete nicht gleich. Sie durfte Elder nicht untersch�tzen. Er war ein intelligenter Mann und ein guter Beobachter. �Ich glaube, du w�rdest es einen faulen Kompromi� nennen�, sagte sie. �Cord nennt es Vorsicht. Wir bereiten uns darauf vor, sie abzuwehren und gegebenenfalls selbst anzugreifen. Aber wir werden es nicht tun. Nicht, solange uns noch eine andere Wahl bleibt.�</p><p>�Angreifen? Aber wen denn? Und womit?�</p><p>�Wir sind nicht ganz so wehrlos, wie du glaubst�, sagte Kara. �Und wir z�hlen auf deine Hilfe.�</p><p>�Meine Hilfe?�</p><p>�Warum nicht. Es ist ein faires Gesch�ft, oder nicht? Wir werden dich unterst�tzen. Wir versuchen, dieses Schiff zu finden, und wir werden dir helfen, hineinzugelangen. Im Gegenzug erwarten wir nicht mehr, als da� du uns alles �ber ihre Bewaffnung erz�hlst und wie wir sie �berwinden oder uns zumindest vor ihnen sch�tzen k�nnen. Diese Schallwaffe macht Cord gro�e Angst. Und mir auch.�</p><p>�Haltet euch die Ohren zu�, riet ihr Elder. Er l�chelte, als er sah, da� sein Spott sie nur ver�rgerte. �Es tut mir leid, Kara aber das ist der einzige Rat, den ich euch geben kann. Ich bin Scout, kein Waffeningenieur. Davon abgesehen gibt es gegen die meisten dieser Waffen keine Gegenwehr. Nicht hier. Nicht mit euren Mitteln. Und ich bin nicht einmal sicher, ob ich es euch verraten w�rde � selbst wenn ich es k�nnte.�</p><p>Es war diese unerwartete Ehrlichkeit, die Kara schwankend machte. Wenn er sie wirklich belogen hatte, warum versuchte er dann nicht mit allen Mitteln, ihr Vertrauen zu gewinnen? Noch dazu mit einer L�ge, die so wenig zu �berpr�fen gewesen w�re?</p><p>�Du verlangst, da� wir das Schicksal unserer Welt in die H�nde eines einzigen Mannes legen?� fragte sie. �Du wei�t genau, da� wir das nicht k�nnen. Selbst wenn sie alle dir trauen w�rden � sie k�nnten es trotzdem nicht.�</p><p>Elder seufzte. �Ja�, sagte er. �Das sehe ich ein. Ein sch�nes Dilemma, nicht?� Er lachte. Kara verstand nicht, warum. �Ist das eure offizielle Antwort?�</p><p>�Ich f�rchte, ja�, sagte Kara. �Es ist die Entscheidung des Rates. Und ich kann und will sie nicht �ndern.�</p><p>�Das tut mir sehr leid�, sagte Elder. �Denn ihr werdet alle sterben. Ich wei� nicht, ob sie auch die Leute in Schelfheim und all den anderen St�dten t�ten werden, aber euch werden sie auf keinen Fall verschonen. Du hast gesehen, wie rachs�chtig sie sind.�</p><p>Kara machte eine Bewegung, als wolle sie zur T�r gehen, und blieb noch einmal stehen. �La� uns ein paar Schritte gehen�, bat sie. �Vielleicht kann ich dich wenigstens �berzeugen, noch eine Weile bei uns zu bleiben.�</p><p>�Ich f�rchte, das geht nicht�, antwortete Elder, trat aber gehorsam neben ihr auf den Gang hinaus und hob gr��end die Hand, als er Hrhon entdeckte, der neben der T�r Wache gestanden hatte.</p><p>�Warum nicht?� fragte Kara. �Solange du nicht wei�t, wo dieses Schiff ist, bist du hier bei uns besser aufgehoben als an jedem anderen Ort.�</p><p>�Das mag sein. Aber ich werde es auch nicht herausfinden, wenn ich hier herumsitze.�</p><p>�Was willst du tun? In den <emphasis>Schlund</emphasis> hinunterklettern und auf gut Gl�ck mit der Suche beginnen?�</p><p>�Ich habe schon noch die eine oder andere M�glichkeit�, antwortete Elder geheimnisvoll.</p><p>�Ja?� Kara versuchte vergeblich, sein r�tselhaftes L�cheln zu durchdringen, dann sagte sie mit �bertrieben gespieltem Groll:</p><p>�Ich verstehe. Es h�tte keinen Sinn, uns Barbaren etwas so Kompliziertes erkl�ren zu wollen.�</p><p>�Stimmt�, antwortete Elder fr�hlich. �Nur da� ich es etwas diplomatischer ausgedr�ckt h�tte. Allerdings halte ich euch nicht f�r Barbaren. Ich bin schon auf einer Menge anderer Planeten gewesen, und einige davon h�tten dich wirklich erstaunt. Aber ich habe niemals ein Volk wie eures getroffen.�</p><p>�So?�</p><p>Elder nickte �berzeugt. �Ihr seid das Erstaunlichste, was mir je untergekommen ist. Ich gebe zu, da� ich euch im ersten Moment wirklich f�r Barbaren hielt. Aber das stimmt nicht. Eure Kultur ist... faszinierend. Die Leute von PACK m�ssen noch d�mmer sein, als ich immer angenommen habe, da� sie das in all der Zeit nicht erkannt haben.�</p><p>Kara sah ihn fragend an, und Elder fuhr mit einer weit ausholenden Geste fort: �Sie k�nnten zehnmal mehr Geld als mit dem Verkauf dieses Planeten verdienen, wenn sie versuchen w�rden, mit euch ins Gesch�ft zu kommen.�</p><p>�Was?� fragte Kara verwirrt. �Du willst mich auf den Arm nehmen.�</p><p>�Ganz bestimmt nicht�, antwortete Elder. �Eure Kultur ist nicht halb so primitiv, wie es auf den ersten Blick scheint. In Wirklichkeit unterscheidet sie sich nicht so sehr von der Kultur der meisten Kolonien, die wir errichten. Was hier entstehen wird, wenn ihr...� Er brach betroffen ab. �Entschuldige.�</p><p>�Sprich weiter�, sagte Kara.</p><p>�Ich meine, falls es uns nicht gelingt, sie aufzuhalten, dann wird hier f�r die n�chsten f�nfhundert oder auch tausend Jahre eine Kolonie entstehen, die unter weit schlechteren Bedingungen lebt als ihr.�</p><p>�Bei all eurer Technik?�</p><p>�Unsere hei�geliebte Technik hat ein paar kleine Nachteile�, antwortete er. �Einer ist, da� sie <emphasis>teuer</emphasis> ist. Maschinen m�ssen gewartet und repariert werden. Man braucht Spezialisten und vor allem Rohstoffe. Was tut ihr, wenn ihr einen Stollen graben wollt?�</p><p>�Wir haben einen Gr�ber�, antwortete Kara. �Was denn sonst?�</p><p>�Du meinst einen dieser riesigen K�fer. Wesen, die Steine und Sand fressen?� Er beantwortete seine eigene Frage mit einem Kopfnicken. �Das ist es, was ich meine, Kara. Ihr habt gelernt, die Natur dazu zu bringen, all die Dinge zu tun, f�r die wir Maschinen brauchen.�</p><p>�Wir mu�ten es�, sagte Kara. �Nach dem Zehnten Krieg war nichts mehr da, woraus man Maschinen h�tte bauen k�nnen.�</p><p>�Und sp�ter waren da Jandhis Drachent�chter, die jeden umbrachten, der auch nur ein Wasserrad gebaut hat, ich wei߫, f�gte Elder hinzu. �Ihr mu�tet lernen, euch lebende Maschinen zu bauen. Wei�t du, da� wir genau das seit Zehntausenden von Jahren versuchen? Und da� es uns bisher nicht gelungen ist?�</p><p>�Das kann ich nicht glauben�, erwiderte Kara impulsiv. F�r sie war es v�llig selbstverst�ndlich, da� man ein Gesch�pf in Auftrag gab, je nachdem, welche Arbeit man zu erledigen hatte.</p><p>�Nat�rlich verstehen wir uns auf Genmanipulation�, antwortete Elder. �Aber das ist ein aufwendiger Proze�, der oft Jahrzehnte in Anspruch nimmt und nicht immer funktioniert.� Er sch�ttelte den Kopf. �Nimm diesen Donay als Beispiel. Einmal habe ich mich bei ihm aus Spa� beschwert, da� meine Kleider immer so unordentlich gestopft w�rden. Drei Tage sp�ter brachte er mir eine Spinne, die die L�cher in meinem Umhang so sauber zuwob, da� man nicht einmal mehr sah, da� er �berhaupt besch�digt worden war. Leider prinzipiell in der falschen Farbe�, f�gte er s�uerlich hinzu. �Nach einer Woche sah ich aus wie ein Clown.�</p><p>�Ich wette, das hat er mit Absicht getan�, sagte Kara.</p><p>�Sicher�, best�tigte Elder. �Verstehst du? Das ist es, was ich meine. Er hat dieses Tier gemacht � in drei Tagen! Und es ist ihm so leichtgefallen, da� er sogar noch einen seiner Scherze eingebaut hat. Unsere Labors w�rden f�r so etwas Monate brauchen, wenn nicht Jahre! Und Donay ist nicht der einzige, der so etwas kann! Eure Begabung ist einmalig in der Galaxis. Vielleicht im ganzen Universum! Allein deshalb mu� diese Welt gerettet werden.�</p><p>Sie hatten den Hof erreicht; pl�tzlich �ffnete sich auf der anderen Seite des Platzes eine T�r, und Donay trat ins Freie. Kara wu�te, da� er Aires gebeten hatte, ihm in einem der leerstehenden Geb�ude ein kleines Labor einzurichten. Elder hob den Arm und winkte, und als Donay sich daraufhin auf sie zubewegte, sah Kara, da� er vermutlich die ganze Nacht gearbeitet hatte. Er bewegte sich schleppend und mit h�ngenden Schultern, und unter seinen Augen lagen dunkle Ringe.</p><p>�Donay!� sagte Elder aufger�umt. �Wir reden gerade �ber dich.�</p><p>�So?� Donay warf Kara einen verstohlenen Blick zu. Au�er Cord und Aires war er der einzige, der in ihren Plan eingeweiht war. Und Hrhon, nat�rlich. Sie antwortete mit einem angedeuteten Kopfsch�tteln. Nein, noch nicht. �Ich hoffe doch, nur Gutes.�</p><p>�Du siehst nicht aus, als k�nntest du noch ein paar schlechte Nachrichten gebrauchen�, sagte Elder. �Woran arbeitest du?�</p><p>Donay druckste einen Moment herum, bis Kara sagte: �Erz�hl es ihm. Ich habe ihm gesagt, wie wir uns entschieden haben.�</p><p>�Ich versuche, ein paar �berraschungen f�r deine Freunde zu entwickeln, Elder�, sagte er.</p><p>�Habt ihr deshalb heute morgen die Drachen in den <emphasis>Schlund</emphasis> geschickt?� fragte Elder.</p><p>Donays �berraschung war so wenig geschauspielert wie die Karas. �Wie... kommst du darauf?� fragte Kara unsicher. �Es ist ein Routineflug. Eine Patrouille, mehr nicht.�</p><p> �In den <emphasis>Schlund,</emphasis> den ihr ansonsten f�rchtet wie sonst nichts auf der Welt.� Elder sah sie strafend an. �Du entt�uschst mich, Kara. H�ltst du mich f�r so dumm? Ihr hofft, dort etwas zu finden, was Donay zu einer Waffe umbauen kann.�</p><p>�Du hast mir vor einer Minute best�tigt, wie gut er ist.�</p><p>�Dazu aber ist er nicht gut genug�, antwortete Elder. Seine Augen wurden schmal. �Erinnerst du dich an den Krater, in dem ihr das Helikopterwrack gefunden habt?�</p><p> �Warum?�</p><p>�Du solltest gelegentlich einmal einen Blick auf die Karte werfen�, riet ihr Elder. �Dann w�rdest du feststellen, da� dort nicht immer ein Krater war. Dort lebte etwas, was <emphasis>wirklich</emphasis> unangenehm war. Etwas, das selbst Donay Alptr�ume bescheren w�rde. Ich wei� nicht genau, was es war � aber es hat sie nicht lange aufgehalten.�</p><p>�Vielen Dank f�r den Tip�, sagte Donay fr�hlich. �Ich werde jemanden hinschicken. Vielleicht findet sich noch ein Rest, mit dem ich etwas anfangen kann.�</p><p>Elder seufzte, aber er hatte auch M�he, ein Lachen zu unterdr�cken. �Ihr seid wirklich unverbesserlich.�</p><p>Kara hob die Hand und massierte sich den Nacken, und das war das Zeichen, auf das Cord hinter seinem Fenster auf der anderen Seite des Hofes gewartet hatte. Eine T�r flog auf, und der grauhaarige Krieger trat auf den Hof hinaus; er stolperte hinter den beiden riesigen Hunden her, die er an zwei kurzen Ketten hielt. Die Tiere begannen immer w�tender an ihren Ketten zu zerren und kl�fften, was das Zeug hielt.</p><p>�Gehen wir besser ins Haus�, schlug Kara vor. Sie runzelte in gespieltem �rger die Stirn. �Dieser Narr Cord! Angella hat ihm mindestens zehnmal verboten, mit seinen Tieren in den Hof zu kommen. Irgendwann einmal wird ein Ungl�ck geschehen.�</p><p>Sie gingen zur�ck und die Treppe hinauf. Cord zerrte heftig an den Ketten, und einer der beiden Hunde beruhigte sich tats�chlich. Der andere geb�rdete sich daf�r immer wilder. �Was sind das f�r Tiere?� fragte Elder.</p><p>Kara betete, da� er ihrem Gesicht nichts von der Erleichterung ansah, die sie sp�rte. Sie hatte gehofft, da� Elder noch nie einen Suchhund gesehen hatte. Ihr ganzer Plan stand und fiel mit dieser Annahme. �Kampfhunde�, sagte sie. �Cord ist ganz vernarrt in diese Bestien.�</p><p>�Sie sehen gef�hrlich aus�, bemerkte Elder nerv�s.</p><p>�Das sind sie auch�, best�tigte Kara. �Ich sch�tze, wenn sie so richtig in Fahrt sind, k�nnten sie selbst einem Waga gef�hrlich werden.� Hrhon schenkte ihr einen beleidigten Blick, und Kara beeilte sich, ihre Worte ein wenig abzuschw�chen. �Jedenfalls w�rden sie ihm einige Schwierigkeiten machen.�</p><p>�Die scheint dein Freund da auch zu haben�, sagte Elder und deutete auf Cord, dem es sichtlich M�he bereitete, das tobende Tier im Zaum zu halten.</p><p>�Du hast recht�, sagte Kara besorgt. �La� uns ins Haus gehen. Cord wird schon mit ihnen fertig. Sie beruhigen sich, sobald sie dich und Donay nicht mehr sehen. Sie sind auf Fremde abgerichtet�, f�gte sie mit einem fast verlegenen L�cheln hinzu. Im gleichen Moment erscholl hinter ihnen ein Schrei, und als Kara herumfuhr, sah sie, wie Cord st�rzte und eine der Ketten loslie�. Mit einem schrillen Heulen raste der Hund los � direkt auf sie zu!</p><p>�Ins Haus!� schrie Kara. �Schnell!�</p><p>Ihre Aufforderung w�re gar nicht mehr n�tig gewesen, denn Elder und auch Donay hatten sich bereits herumgedreht und versuchten, beide gleichzeitig durch die T�r zu st�rmen. Zu Karas heimlicher Freude stellte sich zumindest Donay dabei so ungeschickt an, da� sie sich gegenseitig behinderten. Kara folgte ihnen dichtauf, wobei sie einen raschen Blick �ber die Schulter zur�ckwarf. Was sie sah, spornte sie zu noch gr��erer Eile an: Der Hund raste mit gewaltigen S�tzen auf sie zu, und der Anblick erf�llte f�r einen Moment selbst sie mit Schrecken. Cord hatte ihr versichert, da� das Tier sie nicht angreifen w�rde. Aber der Anblick der langen, gebleckten Rei�z�hne und der gewaltigen Muskeln unter der glatten Haut lie�en ihr Herz einen erschrockenen Sprung machen. Sie warf sich durch die T�r, prallte gegen Elder und klammerte sich instinktiv an ihm fest. Hinter ihr kam Hrhon herein, drehte sich unter der T�r herum und hob die F�uste vor die Brust.</p><p>�Hrhon!� schrie Kara. �Die T�r!�</p><p>Falls Hrhon ihre Worte �berhaupt h�rte, dann war es zu sp�t, um darauf zu reagieren. Der Hund heulte schrill auf, stie� sich am Fu� der Treppe ab und flog wie ein lebendes Gescho� auf den Waga zu.</p><p>Er hatte nur ein Viertel von Hrhons Gewicht, aber die Kraft, die in seinem Sprung lag, war ungeheuerlich. Der Waga taumelte und ruderte hilflos mit den Armen, ehe er mit einem �berraschten Keuchen nach hinten fiel. Der Hund blieb nur einen Wimpernschlag benommen liegen, ehe er wieder hochsprang � und sich mit gefletschten Z�hnen auf Kara warf! Kara erstarrte vor Schrecken. Sie hatte vorgehabt, Elder irgendwie zwischen sich und den Hund zu bringen, aber sie begriff pl�tzlich, da� sie dazu viel zu langsam war. Die gewaltigen F�nge �ffneten sich...</p><p>... und pl�tzlich f�hlte sich Kara gepackt und zur Seite gerissen. Sie fiel auf die Knie, und im gleichen Augenblick h�rte sie ein schreckliches, schnappendes Ger�usch, gefolgt von Elders keuchendem Schmerzensschrei.</p><p>Hrhon und sie kamen fast im gleichen Moment wieder auf die F��e und eilten zu ihm. Elder lag auf dem R�cken, hatte den linken Arm sch�rzend vor Gesicht und Kehle gerissen und schlug mit der anderen Faust immer wieder auf den Hund ein, der sich in seinen rechten Oberschenkel verbissen hatte. Seine F�nge waren m�helos durch das Leder der Hose gedrungen. Blut lief an Elders Bein herab und hatte die Schnauze des Hundes rot gef�rbt. Elder schrie vor Schmerzen.</p><p>Nicht einmal zu zweit gelang es ihnen auf Anhieb, das Tier von Elder wegzuzerren. Kara schlo� die H�nde um die Kette des Hundes und zog mit aller Kraft daran, w�hrend Hrhons gewaltige Pranken den Brustkorb des Tieres umspannten und es von seinem Opfer wegzurei�en versuchte. <emphasis>�Hrhon!�</emphasis> schrie Kara. <emphasis>�Tu etwas!�</emphasis></p><p>Hrhon versuchte, die Kiefer des Hundes auseinanderzuzwingen und mu�te zu seiner Verbl�ffung feststellen, da� nicht einmal seine gewaltigen K�rperkr�fte das vermochten. Elder br�llte mittlerweile wie am Spie� � und Kara registrierte voller Schrecken, da� seine Bewegungen merklich an Kraft verloren hatten. Die Blutlache, in der er lag, war gr��er geworden. Verdammt, sie wollten ihn nicht umbringen!</p><p>Auch Hrhon mu�te erkannt haben, da� aus dem Spiel unvermittelt t�dlicher Ernst zu werden drohte, denn er lie� von seinen fruchtlosen Bem�hungen ab, die Kiefer des Hundes zu �ffnen, ballte die Faust und versetzte dem Tier einen Hieb zwischen die Ohren, der den Hund wie einen gef�llten Baum zur Seite kippen lie�. Und auch Elder verlor in dem Moment das Bewu�tsein.</p><p>Kara beugte sich hastig �ber ihn und �berzeugte sich davon, da� er noch lebte, dann wandte sie sich Hrhon zu und half ihm, die Kiefer des bewu�tlosen Hundes behutsam zu �ffnen. Selbst jetzt fiel es ihnen schwer, was Kara einigerma�en verwunderte. Sie hatte nie geh�rt, da� sich Suchhunde derart in ihre Opfer verbei�en. Hatte das Tier etwas in Elder gesehen, was es so rasend gemacht hatte?</p><p>Irgend jemand trat neben sie, und dann vernahm sie Cords Stimme. �Lebt er noch?�</p><p>Kara sah mit einem Ruck auf. Ihre Augen spr�hten vor Zorn, der nicht gespielt war. �Wen meinst du?� schnappte sie. �Elder oder deinen verdammten K�ter?� Sie fing einen warnenden Blick Donays auf; gleichzeitig sp�rte sie, wie sich der K�rper neben ihr zu bewegen begann. Elder wachte auf.</p><p>�Wenn du Elder meinst�, fuhr sie erregt und mit nur noch m�hsam beherrschter Stimme fort, �dann lautet die Antwort ja. Aber das ist ganz bestimmt nicht dein Verdienst!�</p><p>�Kara, es tut mir leid...�</p><p>�Wie oft hat Angella dir verboten, diese verdammten Viecher mit in die Festung zu bringen�? � Kara stand auf und warf einen raschen Blick in Elders Gesicht. Seine Augen waren tr�b vor Schw�che und Qual. Die Wunde in seinem Bein blutete noch immer, obwohl Donay mittlerweile einen Streifen aus seinem Mantel gerissen hatte und versuchte, damit die Blutung zu stillen. �Dieses Monster h�tte ihn um ein Haar umgebracht! Ich verlange, da� du es t�test! Und den anderen Hund auch!�</p><p>Cord starrte sie v�llig entgeistert an, und erst da wurde Kara klar, wie bitter ernst ihr diese Worte waren. Obwohl es ihre Idee gewesen war, ha�te sie den Hund in diesem Augenblick so sehr, da� sie sich beherrschen mu�te, um nicht ihr Messer zu ziehen und ihm auf der Stelle die Kehle durchzuschneiden. �Aber...� versuchte Cord zu entgegnen.</p><p>�Bring ihn weg!� unterbrach ihn Kara schreiend. �Und geh mir aus den Augen! Bevor ich mich vergesse, Cord!�</p><p>Der Krieger starrte sie noch einen Atemzug lang zutiefst verwirrt an, dann b�ckte er sich, hob den reglosen Hund �chzend auf die Arme und wankte mit seiner Last aus dem Haus.</p><p>Kara beugte sich wieder zu Elder hinab. Sein Gesicht war grau, und er st�hnte leise. Aber ein rascher Blick zeigte Kara, da� es Donay mittlerweile gelungen war, die Blutung zu stoppen. In diesem Moment eilten Aires und zwei weitere Krieger die Treppe herab, angelockt durch Elders Schreie � und die Tatsache, da� Aires gewu�t hatte, was passieren w�rde. Trotzdem zuckte sie erschrocken zusammen, als sie die gewaltige Blutlache erblickte. �Was ist passiert?�</p><p>�Einer von Cords Hunden hat durchgedreht!� antwortete Kara zornig. �Das Mistvieh hat ihm fast das Bein abgerissen! Hilf ihm!� Kara machte sich schwere Vorw�rfe. Sie hatte ihm nicht <emphasis>solche</emphasis> Schmerzen zuf�gen wollen! Sie wandte sich an Elder, der die Augen aufschlug. �Alles in Ordnung?�</p><p>Elder bi� die Z�hne zusammen. �Das ist die mit Abstand d�mlichste Frage, die ich seit zehn Jahren geh�rt habe.�</p><p>�Ja, es <emphasis>ist</emphasis> alles in Ordnung�, sagte Aires stirnrunzelnd. Sie gab den beiden M�nnern, die in ihrer Begleitung gekommen waren, einen Wink. �Bringt ihn in mein Zimmer. Aber seid vorsichtig.� Die M�nner gingen wirklich so behutsam zu Werk, wie sie konnten. Trotzdem keuchte Elder vor Schmerz, als sie ihn hochhoben. Kara begleitete sie nur bis zur Treppe, dann verlie� sie das Haus, um Cord nachzueilen. Sie mu�te sich davon �berzeugen, da� der Hund noch am Leben war.</p><p>Und da� man den Drachen gesattelt hatte, der ihn und Cord nach Schelfheim bringen sollte.</p></section><section><title><p>39</p></title><p>Elders Verletzung mu�te wohl doch schwerer sein, als Kara angenommen hatte, denn als sie nach einer guten halben Stunde wieder in Aires� Turmkammer hinaufging, sa� die Magierin noch immer an seinem Lager und hantierte an seinem Bein herum. Vor der nur angelehnten T�r zu ihrem Schlafgemach stand ein Posten, der offensichtlich Befehl hatte, niemanden einzulassen, denn er verwehrte selbst ihr den Zutritt. In Aires� Zimmer endete ihre Macht als F�hrerin des Hortes. Vermutlich h�tte sie sich trotzdem Eintritt verschaffen k�nnen, aber sie verzichtete darauf und geduldete sich, bis sich Aires nach einer weiteren Viertelstunde erhob und das Zimmer verlie�. Karas Sorge um Elder war gr��er, als sie zugeben wollte. �Wie geht es ihm?� fragte sie.</p><p>Aires zuckte mit den Schultern und lie� sich auf einen Stuhl sinken. Sie wirkte ersch�pft. �Er wird es �berstehen. In zwei oder drei Tagen kann er vielleicht schon wieder laufen. Die Wunde war sehr tief � aber keine Angst: Es sind keine edlen K�rperteile verletzt.�</p><p>Kara beschlo�, den letzten Satz zu �berh�ren. �Kann ich zu ihm?�</p><p>�Er schl�ft�, sagte Aires mit einem Kopfsch�tteln. �Ich habe ihm etwas gegeben, damit er die Schmerzen nicht mehr sp�rt.�</p><p>Stirnrunzelnd sah sie Kara an. �Was war mit dem Hund los?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung�, gestand Kara. �Ich habe so etwas noch nie erlebt. Und Cord auch nicht.�</p><p>�Ehr mheihnt, dher Huhnd h�tthe ehthwhasss Frhemdhesss ghewittherth, dhasss ihn rahsendh gehmachth haht�, sagte Hrhon.</p><p>�Nun ja � er <emphasis>ist</emphasis> fremd, nicht wahr?� Aires seufzte wie nach einer furchtbar gro�en Anstrengung. �Das Tier ist unverletzt.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob sich Hunde �ber Kopfschmerzen beklagen�, sagte Kara mit einem Seitenblick auf Hrhon. �Wenn ja, w�re ich an Hrhons Stelle nicht mehr hier, wenn der Hund zur�ckkommt. In vier oder f�nf Stunden d�rfte er in der Stadt sein. Keine Sorge � wenn Elder dort unten gewesen ist, dann findet er seine Spur.�</p><p>Aires fuhr erschrocken zusammen und warf einen Blick auf die geschlossene T�r, hinter der Elder schlief, fast als h�tte sie Angst, da� er Karas Worte im Schlaf h�ren konnte. �Hoffen wir, da� nicht alles umsonst war.�</p><p>�Wir sollten hoffen, <emphasis>da�</emphasis> es das war�, sagte eine Stimme vom anderen Ende des Raumes her. Kara drehte den Kopf und bemerkte, da� Donay auf einem Stuhl neben der T�r sa�. �Du hast zwar recht�, sagte sie, �aber manchmal geht einem das ganz sch�n auf die Nerven, wei�t du das?� Sie wandte sich an Aires. �Du solltest lieber ihm ein Schlafmittel verpassen. Er sieht aus, als w�rde er jeden Moment aus den Latschen kippen.�</p><p>Aires l�chelte m�de, und Donay sagte: �Aber dann w�rdest du nicht erfahren, welche Neuigkeiten ich �ber deinen Freund dort drinnen habe, Kara.�</p><p>Sein Ton lie� Kara aufhorchen. �Neuigkeiten?�</p><p>Donay nickte heftig. �Ich will dir ja nicht zu nahe treten, Kara � aber ich habe deinen Freund bei mindestens einer L�ge er tappt.�</p><p>�So?� fragte Kara lauernd. �Und welche w�re das?�</p><p>�Es geht um diese Pumpstation�, antwortete Donay. �Was er dir dar�ber erz�hlt hat, ist v�lliger Unsinn.�</p><p>�Ich war selbst da�, antwortete Kara.</p><p>�Kein Mensch bezweifelt, da� es sie gibt und da� sie Wasser in den <emphasis>Schlund</emphasis> pumpt. Aber wei�t du, ich kann ganz gut rechnen. Wenn der <emphasis>Schlund</emphasis> auch nur ann�hernd so gro� ist, wie wir annehmen, dann m��ten diese Pumpen ungef�hr zwanzigtausend Jahre lang arbeiten, um ihn aufzuf�llen. Ganz davon abgesehen, da� die Sonne das Wasser schneller verdunsten lassen w�rde, als sie es hochpumpen k�nnten. Es ist eine ganz einfache Gleichung � die Wasseroberfl�che im Verh�lt...�</p><p>�Ich war da�, unterbrach ihn Kara. �Ich habe das Meer gesehen, Donay. Es existiert.�</p><p>�Sicher�, sagte Donay. �Aber ganz bestimmt nicht, weil es diese Pumpen gibt.�</p><p>�Was beweist das!� fragte Kara aggressiver, als sie eigentlich wollte. �Vielleicht hat er sich get�uscht. Er wei� m�glicherweise auch nicht alles.�</p><p>�Oder zieht es vor, nicht alles zu erz�hlen, was er wei߫, sagte Donay. �Wie w�re es damit: Es gibt nicht nur diese eine Pumpstation. Hundert solcher Anlagen k�nnten es in hundertf�nfzig oder zweihundert Jahren schaffen.�</p><p>�Aber warum sollte er uns das verschweigen?� fragte Kara. Sie f�hlte sich hilflos.</p><p>�Vielleicht, damit wir uns auf diese eine Sache konzentrieren und erst gar nicht auf die Idee kommen, nach den anderen zu suchen�, sagte Aires.</p><p>Kara wollte widersprechen � aber dann gestand sie sich ein, wie zwecklos das w�re. Ob Donays Rechnung nun richtig war oder einen Fehler enthielt � in einem hatte er recht: Die Idee, die ausgetrockneten Meeresbecken einer ganzen Welt mit nur einer Pumpe wieder aufzuf�llen, war l�cherlich.</p><p>�Also?� fragte sie. �Was schlagt ihr vor?�</p><p>�Ich schlage �berhaupt nichts vor�, sagte Aires. �Du hast hier das Sagen.�</p><p>Kara f�hlte sich viel zu m�de, um in der angemessenen Sch�rfe zu antworten. Sie sah Aires nur so lange vorwurfsvoll an, bis die Magierin betreten den Blick senkte; es passierte zum ersten Mal, da� sie ein Blickduell verlor. �Dann warten wir ab, was Cord herausfindet�, sagte sie. �Im Moment kann Elder uns sowieso nicht davonlaufen und also auch keinen Schaden anrichten.�</p><p>�Wir k�nnten versuchen, ihm etwas zu geben, was ihn zwingt, die Wahrheit zu sagen�, schlug Donay vor. An Aires gewandt f�gte er hinzu: �Du k�nntest es ihm unter die Medizin mischen, die er sowieso nehmen mu�.�</p><p>�Hast du eine solche Droge?� fragte Kara.</p><p>Aires nickte. �Ja. Aber das ist nicht so einfach. Wenn man einen starken Willen hat, kann man sich durchaus dagegen wehren, so da� wir immer noch nicht sicher sein k�nnen, ob er wirklich die Wahrheit sagt. Und wenn ich die Dosis zu hoch ansetze...� Sie zuckte mit den Schultern. �Er ist kein Mensch. Er sieht aus wie einer, aber ich wei� nicht, wie sein K�rper auf Drogen reagiert. Es k�nnte ihn umbringen. Oder ihn in einen stammelnden Idioten verwandeln. Oder gar keine Wirkung haben.�</p><p>Sie z�gerte noch einmal. �Und selbst wenn die Droge wirkt � er w��te hinterher, was mit ihm geschehen ist. Und wenn er uns nicht belogen hat und wirklich auf unserer Seite steht, dann haben wir sein Vertrauen damit endg�ltig verspielt.�</p><p>�Habt ihr das mit dem, was ihr gerade getan habt, nicht sowieso?�</p><p>�Niemand in Schelfheim wei�, da� es die Suchhunde gibt�, antwortete Aires. �Er hat dort gelebt, nicht hier. Auch der Drachenhort hat so seine Geheimnisse.�</p><p>Donay l�chelte fl�chtig und wurde sofort wieder ernst. �Also wollte ihr abwarten und gar nichts tun.�</p><p>�Ich f�rchte, allzulange werden wir keine Gelegenheit dazu haben�, sagte Kara. �Was immer die Libellen in Schelfheim gewollt haben � sie haben es nicht gefunden. Sie werden wiederkommen oder sich etwas anderes einfallen lassen.�</p><p>Donay erbleichte. �Du meinst, ein neuer Angriff?�</p><p>Kara dachte einen Moment ernsthaft �ber diese M�glichkeit nach und sch�ttelte dann den Kopf. �Nein. Das glaube ich nicht. Ich habe immerhin zehn Drachen in der Stadt gelassen.�</p><p>�Zehn deiner Drachen gegen f�nfzig oder hundert von ihnen?� sagte Donay zweifelnd.</p><p>Kara zuckte mit den Schultern. �Sie werden es nicht wagen�, sagte sie �berzeugt. �Frag mich nicht, warum es so ist, Donay. Ich habe mehrmals selbst gegen sie gek�mpft � sie k�mpfen, als h�tten sie keine Angst vor dem Tod. Aber sobald sie auch nur einen Drachen sehen, ergreifen sie die Flucht.�</p><p>�Das ist richtig�, best�tigte Aires. �In jener Nacht im <emphasis>Schlund</emphasis> gaben sie sofort auf, als es Karas Leuten gelang, den ersten zu zerst�ren. Die beiden, die entkommen sind, h�tten Tess und die drei anderen t�ten k�nnen.� Sie sah Kara an und erntete ein ernstes Kopfnicken. �Aber sie haben nicht einmal versucht, sich zum Kampf zu stellen.�</p><p>�Aus irgendeinem Grund f�rchten sie die Drachen mehr als den Tod�, sagte Kara.</p><p>Donay machte pl�tzlich ein sehr nachdenkliches Gesicht. �Interessant�, sagte er. �Nur die Drachen?�</p><p>�Es scheint so�, best�tigte Kara. �Der Mann, mit dem ich in Schelfheim k�mpfte, zog es vor zu sterben, statt sich zu ergeben. Sie haben keine Angst vor dem Tod.�</p><p>�Das ist wirklich interessant�, sagte Donay. �Zumal du selbst mir erz�hlt hast, da� sie gewisserma�en ewig leben.�</p><p>�Wieso! �</p><p>�Ich kann mich t�uschen�, antwortete Donay, �aber ich h�tte gedacht, da� ein Unsterblicher noch sehr viel mehr Angst vor dem Tod hat als du oder ich. Wir haben f�nfzig oder sechzig Jahre zu verlieren � sie vielleicht f�nf- oder sechshundert. Oder auch tausend. Irgendwie erscheint mir das unlogisch.�</p><p>�Mir auch�, gestand Kara in einem verbl�fften Ton, als frage sie sich, warum, zum Teufel, sie nicht schon l�ngst von sich aus auf diesen Widerspruch gesto�en war.</p><p>Kara setzte zu einer Antwort an, aber in diesem Moment klopfte es an der T�r, dann betrat ein Krieger unaufgefordert den Raum. Sein Blick huschte �ber die Anwesenden und blieb auf Karas Gesicht h�ngen. �Ka... Herrin?�</p><p> �Ja?�</p><p>�Ihr solltet... vielleicht auf den Turm hinaufkommen�, sagte der Mann stockend. �Wir beobachten etwas Ungew�hnliches.�</p><p>Kara stand auf, und auch Aires und Donay erhoben sich hastig. �Was?�</p><p>�Ich bin nicht sicher�, antwortete der Krieger. �Es k�nnten Silvy und die anderen sein, die zur�ckkommen.�</p><p>�Jetzt schon? Aber es ist viel zu fr�h.�</p><p>�Sie fliegen sehr langsam�, sagte der Krieger. �Und etwas... scheint bei ihnen zu sein.�</p><p>Kara ersparte sich die Frage, was er mit diesem �Etwas� gemeint hatte. Eilig trat sie an ihm vorbei und lief die Treppe zur Aussichtsplattform hinauf. Sie entdeckte die n�herkommenden Drachen erst, nachdem sie einige Augenblicke lang angestrengt nach ihnen gesucht hat.</p><p>Sie waren noch sehr weit entfernt, Meilen �ber dem <emphasis>Schlund,</emphasis> und sie erkannte sie mehr an der charakteristischen wiegenden Bewegung als an ihrem Aussehen. Sie flogen tats�chlich sehr langsam. Von <emphasis>irgend etwas,</emphasis> das bei ihnen war, konnte Kara nichts entdecken.</p><p>Sie wollte den Mann, der sie herbeigeholt hatte, gerade fragen, was er gemeint hatte, als sie das Blitzen sah.</p><p>Es war nur ein fl�chtiges Schimmern. Ein verirrter Sonnenstrahl, der sich auf Metall oder Glas brach und sofort wieder erlosch. Aber Kara fuhr zusammen, als h�tte sie gl�hendes Eisen ber�hrt. Hinter ihr sog Aires die Luft ein.</p><p>Das Aufblitzen wiederholte sich, nicht in regelm��igen Abst�nden, aber oft genug, um ihnen zu zeigen, da� es nichts anderes sein konnte als... irgend etwas, das zwischen den Drachen flog. Etwas aus Metall oder Glas.</p><p>�Denkst du dasselbe wie ich?� fragte Aires im Fl�sterton. �Ja�, murmelte Kara ebenso leise. �Aber es...� Sie brach ab und wandte sich an den Mann, der sie heraufgebracht hatte. �Jemand soll Markor satteln. Und ein Dutzend weiterer Drachen!�</p><p>Aires sagte: �Das ist keine gute Idee. Es w�re besser, wenn du nicht fliegst.�</p><p>�Wieso?� fragte Kara aufgebracht. �Das da drau�en...�</p><p>�Ist vielleicht eine Falle�, fiel ihr Aires leise und ernst ins Wort. �Was tust du, wenn noch f�nfzig von ihnen auftauchen, sobald ihr �ber dem <emphasis>Schlund</emphasis> seid?�</p><p>�Ich habe keine Angst�</p><p>�Das ist ja gerade das Schlimme�, sagte Aires. �Du bist keine x-beliebige Kriegerin mehr, Kara. Du bist die Herrscherin �ber den Drachenhort. Fang endlich an, dich so zu benehmen.�</p><p>Widerstrebend gestand sich Kara ein, da� sie recht hatte. Sie durfte sich nicht unn�tig in Gefahr begeben, weil sie die einzige war, die Elders Vertrauen geno�. �Kann es vielleicht sein, da� mir meine Beraterin pl�tzlich doch zur Verf�gung steht?� fragte sie.</p><p>Aires blieb ernst. �Das habe ich immer�, sagte sie. �Wir kl�ren diese andere Sache, sobald das hier vorbei ist.�</p><p>�D�rfte man erfahren, wor�ber ihr beide �berhaupt redet?� mischte sich Donay ein.</p><p>�Eine reine Frauensache�, antwortete Kara ausweichend. �Es w�rde dich nicht interessieren.� Sie wandte sich wieder um und blickte nach Norden. Die Drachen waren n�her gekommen, allerdings nicht sehr viel. Trotzdem glaubte sie jetzt einen vierten, verschwommenen Umri� zwischen ihnen zu erkennen. Es erschien ihr selbst unglaublich � aber es war eine Libelle! �Vielleicht ein Parlament�r�, murmelte Aires.</p><p>Kara lachte. �Warum sollten sie wohl mit uns reden?�</p><p>�Um uns dasselbe zu sagen wie Elder � oder das Gegenteil. Vielleicht sind sie nicht so stark, wie er uns glauben machen wollte?�</p><p>Vielleicht, vielleicht, vielleicht... Kara antwortete nicht. Aires riet einfach herum, sie war genauso verwirrt und fassungslos wie sie alle.</p><p>Da sie seit dem Angriff auf Schelfheim immer eine Staffel von Drachen und Reitern in Alarmbereitschaft hatten, vergingen nicht einmal f�nf Minuten, bis sich ein Dutzend der riesigen Drachenv�gel in die Luft schwangen und nach Norden glitten. Die Schnelligkeit, mit der sie sich den vier anderen Drachen und der Libelle n�herten, bewies Kara, <emphasis>wie</emphasis> langsam die anderen flogen. Als sie nahe genug waren, da� Kara die Libelle deutlich erkennen konnte, beobachtete Kara, wie die Maschine torkelte oder manchmal zur Seite kippte. Die Maschine war besch�digt, sie zog einen Schweif aus grauem Rauch hinter sich her. Ein h��licher Brandfleck verunzierte die durchsichtige Pilotenkanzel, hinter der verschwommene Umrisse zweier Passagiere erkennbar waren.</p><p>Kara eilte in den Hof hinunter, als die Libelle und der Drachenschwarm die Klippe erreichten. F�r einen Moment konnte sie das bizarre Gef�hrt nicht mehr sehen, aber sie h�rte sein schrilles, unheimliches Heulen, und auch dieses Ger�usch klang anders, als Kara es in Erinnerung hatte: schrill und eigent�mlich blechern.</p><p>Dann tauchte die Libelle �ber den Zinnen der Burg auf. Sie war nur noch ein Wrack, bei dessen Anblick sich Kara verbl�fft fragte, wieso es �berhaupt noch flog: Der schlanke, gerippte Rumpf war ausgegl�ht, als w�re er von einem Dutzend Laserstrahlen getroffen worden und der Kopf hatte sich in ein wahres Spinnennetz von Spr�ngen und Rissen verwandelt, mit einem immer schriller werdenden Heulen n�herte sich die Maschine dem Boden.</p><p>Kara sah die Katastrophe kommen, aber sie konnte nichts tun.</p><p>Bei den Libellen, die sie in Schelfheim gesehen hatte, waren ihr drei wuchtige R�der aufgefallen, die an einem Gest�nge unter Rumpf und Heck angebracht waren und offensichtlich vor der Landung ausgefahren werden konnten. Der Pilot dieses Helikopters machte nicht einmal den Versuch, das Fahrwerk auszuklappen. Au�erdem kam er viel zu schnell herunter. Die Maschine schlug mit f�rchterlicher Wucht auf dem Boden auf und kippte halb auf die Seite. Die wirbelnden Rotorbl�tter h�mmerten in den Fels und zerbrachen, die Splitter jagten wie t�dliche Messer durch die Luft. Die pure Wucht dieser Bewegung warf die Libelle auf die andere Seite, und die gl�serne Pilotenkanzel zerbarst endg�ltig. Das schrille Heulen des Motors erstarb, und der Rauch, der aus dem Heck der Maschine gequollen war, wurde schwarz. Flammen z�ngelten aus dem zerborstenen Heck der Maschine.</p><p>Kara rannte los, ehe das Wrack noch v�llig zur Ruhe gekommen war. Sie war die erste, die die brennende Libelle erreichte und die beiden Gestalten sah, die reglos in den gepolsterten Sitzen lagen.</p><p>Abrupt blieb sie stehen. Ihre Augen weiteten sich ungl�ubig. Tess! Das war... <emphasis>Tess!</emphasis></p><p>Ihre Verbl�ffung w�hrte nur einen Moment, dann sprang sie �ber die gl�henden Tr�mmerst�cke hinweg und stieg in die zerborstene Kanzel. Hastig beugte sie sich �ber Tess und ber�hrte sie an der Schulter. Sie f�hlte warmes, frisches Blut, und Tess st�hnte. Sie war bewu�tlos, aber sie lebte. Kara wollte sie aus dem Sitz heben, doch Tess war mit einem komplizierten System von Gurten an den Sitz gefesselt, dessen �ffnungsmechanismus sie eine Sekunde lang vergeblich studierte, ohne ihn zu durchschauen. Als sie das Messer aus dem G�rtel zog, um die Gurte kurzerhand durchzuschneiden, erschien eine riesige gepanzerte Gestalt neben ihr. Hrhon erfa�te die Situation mit einem Blick, er schob Kara zur Seite und packte mit seinen gewaltigen H�nden zu. Nicht einmal ihm gelang es, die d�nnen schwarzen Gurte zu zerrei�en � aber die Verankerungen, in denen sie sa�en, gaben knirschend nach. M�helos hob er Tess hoch und trug sie davon, w�hrend sich Kara hastig dem zweiten Passagier der Libelle zuwandte.</p><p>Es war ein dunkelhaariger Mann in einer blauschwarzen Uniform. Sein Gesicht � der Teil, der nicht hinter dem zersplitterten Glasvisier seines Helmes verborgen lag � war blut�berstr�mt. Der Mann war reglos �ber dem Steuerkn�ppel zusammengesunken. Schwarzer, �belriechender Rauch nahm Kara die Sicht und lie� sie husten, und sie f�hlte die Hitze eines Feuers auf dem Gesicht, das sich schnell ausbreitete. Sie hatte nicht mehr viel Zeit.</p><p>Andere Gestalten tauchten um sie herum auf und versuchten ihr zu helfen, aber der Mann war ebenso festgeschnallt wie Tess. Kara schnitt den Gurt mit dem Messer durch, was sich allerdings als gar nicht so einfach erwies. Das Material, das wie ein feingewobener schwarzer Stoff aussah, entpuppte sich als wesentlich st�rker als Leder. Kara s�belte eine ganze Weile daran herum, ehe es ihr gelang, es zu zerschneiden. Der K�rper des Piloten glitt zur Seite und h�tte Kara beinahe unter sich begraben, h�tten nicht andere, hilfreiche H�nde rasch zugegriffen und ihn aus der Steuerkanzel gezerrt.</p><p>Kara stolperte hustend aus dem brennenden Wrack fort, ohne es auch nur eine Sekunde lang aus den Augen zu lassen. Es stand fast v�llig in Flammen, und aus einem aufgeplatzten Tank an seiner Seite ergo� sich eine offenbar brennbare Fl�ssigkeit, denn die Flammen loderten heftig auf. Kara empfand ein fl�chtiges Bedauern beim Betrachten der brennenden Maschine. Sie wu�te, da� kaum mehr als ein Haufen ausgegl�hter Schrott davon �brigbleiben w�rde.</p><p>Sie verscheuchte den Gedanken und dr�ngte sich zu Tess durch, die man in sicherer Entfernung zu der brennenden Libelle zu Boden gelegt hatte. Gleich drei oder vier Krieger bem�hten sich um sie, und im gleichen Moment, in dem Kara die Gruppe erreichte, trat auch Aires hinzu. Mit groben Bewegungen scheuchte sie die zwar gutwilligen, aber wenig talentierten Helfer davon, kniete neben Tess nieder und untersuchte sie mit fliegenden Fingern. �Was ist mit ihr?� fragte Kara besorgt. �Warum l��t du mir nicht erst einmal Zeit nachzusehen, ehe du dumme Fragen stellst?� schnappte Aires.</p><p>Kara nahm ihr ihren Ausbruch nicht �bel; Aires war ebenso �berrascht und erschrocken wie sie alle. Zitternd vor Ungeduld, aber schweigend sah sie zu, wie Aires die junge Drachenk�mpferin untersuchte. Man mu�te allerdings nicht viel von der Heilkunst verstehen, um zu erkennen, da� Tess mehr tot als lebendig war. Die Splitter der zerborstenen Kanzel hatten ihr eine Reihe von Schnittwunden zugef�gt, die heftig bluteten, aber nicht sehr gef�hrlich waren. Aber ihr R�cken und ein Teil des linken Armes waren �bel verbrannt � und es war keine frische Wunde. Als Kara die Hand ausstreckte und ihre Stirn ber�hrte, f�hlte sie, da� Tess� Haupt regelrecht gl�hte. Aires gab zwei Kriegern neben sich einen Wink. �Bringt sie in mein Zimmer � nein, Angellas Kammer. Schnell! Aber seht euch vor!� Sie wartete nicht einmal ab, bis die beiden M�nner ihren Befehl ausf�hrten, sondern sprang auf die F��e und rannte Kara fast �ber den Haufen, als sie sich zu dem verwundeten Piloten der Libelle umwandte.</p><p>Auch er wurde von einem dichten Kreis von Neugierigen umlagert, durch den Aires sich fast gewaltsam einen Weg bahnen mu�te. F�r ihn jedoch kam jede Hilfe zu sp�t. Kara begegnete dem Blick seiner weit aufgerissenen, starren Augen und wu�te, da� er tot war, noch ehe Aires neben ihm niederkniete.</p><p>Trotzdem untersuchte die Magierin ihn ebenso gr�ndlich wie Tess. �Er ist noch warm�, murmelte sie. �F�hl seine Haut. Wahrscheinlich ist er erst durch den Absturz ums Leben gekommen.� Sie z�gerte einen Moment. �Aber das hat ihn nicht umgebracht. Sieh her!� Sie deutete auf einen dunklen Fleck auf seiner Uniform, der Kara bisher bei all dem Blut auf seinen Kleidern gar nicht aufgefallen war. In seiner Mitte glitzerte etwas Silbernes. Etwas dicker als ein gew�hnlicher Pfeil. �Vermutlich hat er sich mit letzter Kraft hierher geschleppt und das Ding gelandet�, sagte Aires.</p><p>Kara schwieg. Die Vorstellung, da� ein Uniformierter seinen letzten Atemzug vergeudete, um einen von ihnen nach Hause zu bringen, kam ihr absurd vor. Au�erdem � wer sagte ihnen denn, da� es wirklich so gewesen war? Vielleicht hatte Tess den Piloten gezwungen, sie hierher zu bringen.</p><p>Dagegen sprach, da� Tess unbewaffnet war; der Mann in der blauen Uniform jedoch eine Waffe trug.</p><p>�Bringt ihn weg!� befahl Aires. �Und bewacht ihn. Niemand darf ihn anr�hren, ehe ich ihn nicht genauer untersucht habe.�</p><p>Sie stand auf, fuhr sich m�de �ber das Gesicht und wandte sich wieder der brennenden Libelle zu. In den wenigen Augenblicken, die Kara und sie abgelenkt gewesen waren, hatten die Flammen die gesamte Maschine ergriffen. Einige M�nner hatten eine Kette gebildet und sch�tteten Eimer mit Wasser ins Feuer, aber es nutzte nichts.</p><p>�La�t es sein!� rief Kara laut. �Es hat keinen Sinn. Pa�t nur auf, da� das Feuer nicht um sich greift!� Sie z�gerte einen kurzen Moment, dann f�gte sie hinzu: �Vier Mann bleiben hier. Der Rest steigt wieder auf. Ich will keine b�sen �berraschungen erleben. Und gebt Alarm f�r die anderen. Es ist m�glich, da� wir angegriffen werden.� Sie trat zwei Stufen die Treppe hinauf und sah sich nach Silvy und den beiden anderen Reitern um, ohne sie zu entdecken.</p><p>Kara fand Silvy sowie die beiden anderen Krieger auf dem Gang vor ihrem Quartier, wo sie unruhig auf- und ablief und Hrhon beschimpfte, der mit vor der Brust verschr�nkten Armen vor der T�r stand und ihr den Zutritt verwehrte, vermutlich auf Aires� Befehl hin. Kara hatte nicht einmal bemerkt, da� Hrohn nicht mehr in ihrer N�he war.</p><p>�Ihr wartet hier�, sagte sie knapp, gab Hrhon einen Wink und trat an ihm vorbei ins Zimmer. Sie schlo� die T�r sofort wieder hinter sich. Trotzdem sah Aires sehr �rgerlich auf.</p><p>Kara trat mit raschen Schritten um das Bett herum. Dann pre�te sie erschrocken die Lippen zusammen, als sie Tess� reglos ausgestreckten K�rper auf dem Bett sah. Aires hatte sie ausgezogen und das Blut von ihrem Gesicht gewaschen. Tess lag auf der Seite, so da� Kara erkennen konnte, da� die Brandwunden auf ihrem R�cken und Arm viel gr��er waren, als sie geglaubt hatte, allerdings nicht sehr tief.</p><p>Ihr Blick wanderte weiter und blieb an Tess� linkem Bein h�ngen. Das Bein war geschient; sehr geschickt, aber auch recht primitiv: zwei fingerd�nne St�be aus silberfarbenem Metall waren mit fleischfarbenen B�ndern am Bein befestigt.</p><p>�Wie sieht es aus?� fl�sterte Kara.</p><p>�Sie hat sehr hohes Fieber. Aber ich denke, sie wird es �berleben. Allerdings ist das nicht mein Verdienst.�</p><p>�Wie meinst du das?� fragte Kara.</p><p>Aires deutete auf Tess� bleichen, fiebernden K�rper. �Wer immer das getan hat, mu� eine Art Zauberer gewesen sein.�</p><p>�Die Schiene...�</p><p>�Nicht das Bein�, fiel ihr Aires ins Wort. �Einen gebrochenen Knochen kann ich auch schienen. Aber sieh dir ihren R�cken an! Das Fleisch mu� bis auf den Knochen verbrannt gewesen sein.�</p><p>�Bist du sicher?� Kara beugte sich zweifelnd vor. �Es sieht normal aus.�</p><p>�Ich erkenne eine Brandwunde, wenn ich sie sehe�, antwortete Aires. Kara widersprach ihr nicht. Brandwunden waren die h�ufigsten Verletzungen im Hort. Schon so mancher Drachenk�mpfer war in die Flammen seines eigenen Tieres hineingeflogen. �Ich verwette meine linke Hand, da� das da so etwas wie k�nstliches Fleisch ist. Und ich g�be meine Rechte daf�r, wenn ich w��te, wie sie es gemacht haben.�</p><p>Durch das Fenster drang ein heller, dreifacher Glockenton, und Aires sah fragend auf. �Du hast Alarm gegeben?�</p><p>�Wo eine von diesen Libellen ist, sind meistens noch mehr�, antwortete Kara. Sie sah wieder auf Tess hinab und kn�pfte an ihr unterbrochenes Gespr�ch an. �Viel mehr als die Frage, <emphasis>wie</emphasis> sie es getan haben, interessiert mich eigentlich, <emphasis>warum.</emphasis> Ich... verstehe das nicht ganz.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Sie t�ten Tausende aus Rache. Und dann pflegen sie Tess m�hsam gesund.�</p><p>Sie wartete eine Weile vergeblich auf eine Antwort.</p><p>�Wann wird sie aufwachen?�</p><p>Aires hob die Schultern. �Das wei� ich nicht. Sicher nicht vor morgen. Ich werde ihr etwas geben, das...�</p><p>�Nein�, sagte Kara. �Das wirst du nicht.�</p><p>�Wie?� Aires sah sie erstaunt an. Sie schien selbst zu verbl�fft, um �rger zu empfinden.</p><p>�Du wirst ihr kein Schlafmittel geben�, wiederholte Kara. �Ich mu� mit ihr reden. So schnell wie m�glich.�</p><p>�Ich glaube, wie ich meine Patientin behandele, das geht dich gar nichts an�, entgegnete Aires ver�rgert.</p><p>�Und was ich f�r die Sicherheit des Hortes f�r das Richtige halte, das geht dich nichts an, Magierin�, antwortete Kara. Sie unterdr�ckte m�hsam den Zorn in ihrer Stimme. �Ich mu� mit ihr reden. <emphasis>Wir</emphasis> m�ssen mit ihr reden, Aires was ist, wenn sie ihnen alles verraten hat? Wenn sie alles �ber unsere Festung wissen, unsere St�rken � und vor allem unsere Schw�chen?�</p><p>Aires schwieg, und Kara fuhr in ver�ndertem, fast flehendem Ton fort. �Verdammt, glaubst du, ich h�tte keine Angst um sie? Sie war meine Freundin, ganz egal, was sie getan hat! Ich w�rde mein eigenes Leben riskieren, um ihres zu retten! Aber wir k�nnen nicht hier sitzen und darauf warten, da� sie aufwacht, w�hrend sie dort drau�en im <emphasis>Schlund</emphasis> vielleicht gerade zum entscheidenden Angriff auf uns r�sten.� Sie wandte sich zur T�r; absichtlich so rasch, da� Aires keine Gelegenheit fand zu antworten. �Bitte, weck sie auf�, sagte sie. �Ich will nicht, da� du ihr Leben in Gefahr bringst, aber tu, was in deiner Macht steht, damit ich mit ihr sprechen kann.�</p><p>Sie verlie� das Zimmer. Hrhon stand noch immer vor der T�r und verbarrikadierte sie allein mit seinen breiten Schultern, so da� sich Kara m�hsam an ihm vorbeiquetschen mu�te. Zu Silvy und den beiden anderen Kriegern hatte sich mittlerweile noch Zen gesellt.</p><p>Erregt trat er auf Kara zu. �Wie geht es ihr?� fragte er. �Kann ich zu ihr?�</p><p>�Nein�, antwortete Kara und hob die Hand, als Zen sich unverz�glich an ihr vorbeidr�ngen wollte. �Aires k�mmert sich um sie. Sie schl�ft.� Einen Moment lang suchte sie nach einem verr�terischen Zeichen in seinem Gesicht, ob er vielleicht ihr Gespr�ch mit Aires durch die T�r hindurch geh�rt hatte. Aber da war nichts. Gott, dachte sie, was hat Angella mir da hinterlassen, da� ich selbst meine Freunde bel�gen mu�?</p><p>Sie schob Zen mit sanfter Gewalt von der T�r fort und wandte sich dann mit einer knappen Geste an Silvy: �Erz�hle!�</p><p>�Wir waren unterwegs zu dem Ort, an dem wir am ersten Abend gelagert haben�, begann Silvy, �wir wollten gerade die erste Rast einlegen, als Kerr ein Blitzen am Horizont sah;�</p><p>�Die Libelle�, vermutete Kara. �Nur diese eine?�</p><p>�Ja�, best�tigte Silvy. �Wir bemerkten gleich, da� sie besch�digt war. Ich wollte sie trotzdem vernichten, aber Kerr meinte, es w�re eine gute Gelegenheit, eine von ihnen unbesch�digt in die H�nde zu bekommen.�</p><p>Kara dachte an den ausgegl�hten Schrotthaufen auf dem Hof und seufzte. �Ja�, sagte sie. �Es war eine gute Idee. Weiter.�</p><p>�Ich flog so dicht heran, wie ich konnte, w�hrend Kerr mir Deckung gab � f�r den Fall, da� sie uns doch noch angreifen sollte. Und dann habe ich Tess erkannt. Ich wollte es zuerst gar nicht glauben, bis sie die Hand gehoben hat, um mir zuzuwinken.�</p><p>�Was war mit dem Piloten?� fragte Kara. �War er bei Bewu�tsein?�</p><p>�Ja � aber er mu� schon verletzt gewesen sein. Er hatte gro�e M�he, die Libelle zu halten. Ein paarmal haben wir gedacht, sie w�rden abst�rzen.�</p><p>�Seid ihr sicher, da� euch niemand gefolgt ist?� fragte Kara. �Ich habe niemanden bemerkt�, antwortete Silvy. Die beiden anderen Drachenreiter sch�ttelten stumm den Kopf.</p><p>Die T�r hinter Hrhon ging auf, und Aires trat aus dem Zimmer. Da Hrhon ihr nicht schnell genug aus dem Weg ging, versetzte sie ihm einen r�den Sto�, den der vierhundert Pfund schwere Waga kaum sp�ren konnte. Aber er tat ihr den Gefallen, ein paar Schritte zur Seite zu stolpern � wobei er wie zuf�llig Zen mit sich zerrte, ehe der die Magierin mit Fragen best�rmen konnte.</p><p>�Und?� fragte Kara.</p><p>�Sie schl�ft�, antwortete Aires. �Sie wird in einer Stunde oder zwei zu sich kommen, denke ich. Das Fieber bereitet mir noch ein wenig Sorge, aber keine Angst; ich bekomme es in den Griff.� Sie seufzte. �Kommt. Sehen wir uns diesen Fremden an, solange sie schl�ft. Hrhon � du bleibst bei ihr und rufst uns, sobald sie aufgewacht ist. Und sorge daf�r�, sagte sie mit einem schr�gen Seitenblick auf Zen, �da� niemand sie st�rt.�</p></section><section><title><p>40</p></title><p>Zu behaupten, da� Elder tobte, w�re eine glatte Untertreibung gewesen. Kara h�tte sich auch nicht mehr gewundert, wenn er Schaum vor dem Mund gehabt h�tte, als er sich von Aires zu ihr herumdrehte, um einen Schwall von Vorw�rfen und Beschimpfungen auf sie loszulassen. Kara beging nicht den Fehler, ihn unterbrechen zu wollen oder sich irgendwie zu verteidigen. Sie wartete lediglich ab, bis er seine Tiraden unterbrach, um Luft zu holen. �Warum regst du dich eigentlich so auf?� fragte sie. �Was h�tte es schon ge�ndert, wenn du wach gewesen w�rst? H�ttest du die Libelle aufgefangen?�</p><p>�Nein!� sagte Elder w�tend. �Aber vielleicht w�re es mir gelungen, den Brand zu l�schen. Ich kenne mich n�mlich mit so etwas aus. O verdammt!� Er schlug sich mit der Faust in die ge�ffnete Linke. �Da haben wir vielleicht eine einmalige Chance, doch noch alles zum Guten zu wenden, und ich verschlafe sie, nur weil... weil dieses Kr�uterweib mir etwas eingefl��t hat, um mir ein paar Schmerzen zu ersparen.�</p><p>Aires � das <emphasis>Kr�uterweib �</emphasis> zog die Augenbrauen zusammen, aber sie sagte kein Wort. Wie Kara war sie wohl zu dem Schlu� gekommen, da� es das kl�gste war, einfach abzuwarten, bis Elder sich ausgetobt hatte.</p><p>�Was h�tte uns diese eine Maschine schon genutzt?� fragte Donay. �Da sie ohnehin besch�digt war? Sie haben Dutzende davon.�</p><p>Elder schenkte ihm einen b�sen Blick. �Die Maschinen �berhaupt nichts�, antwortete er giftig. �Aber vielleicht die Informationen, die in ihrem Bordcomputer gespeichert waren!�</p><p>�Bordcomputer?� Donay runzelte die Stirn. �Was soll das sein?�</p><p>�Etwas wie... wie dein Freund Irata.�</p><p>�So eine Art mechanischer Erinnerer�, vermutete Donay.</p><p>Elder nickte. �Ja. Nur da� er sehr viel besser ist. Er sabbert sich zum Beispiel beim Sprechen nicht voll.�</p><p>�Elder�, sagte Aires. �Ich verstehe ja, da� du zornig bist vielleicht sogar zu Recht. Aber gegenseitige Vorw�rfe helfen uns jetzt nicht weiter. La� uns lieber �berlegen, was geschehen sein kann. Es war keine von deinen Maschinen, die Tess zur�ckgebracht hat, sagst du?�</p><p>�Aber einer meiner M�nner�, best�tigte Elder.</p><p>�Hast du nicht gesagt, sie w�ren alle ums Leben gekommen?� fragte Kara.</p><p>�Das dachte ich auch�, knurrte Elder. �Und vielleicht h�tte ich euch diese Frage sogar beantworten k�nnen, h�tten mich nicht gewisse Umst�nde daran gehindert einzugreifen.� Er machte einen zornigen Schritt, der wohl etwas zu heftig ausfiel, denn er verzog sofort schmerzhaft das Gesicht. �Eines schw�re ich�, murmelte er. �Sollte ich jemals den Auftrag bekommen, eine Welt zu kolonisieren, wird es auf diesem Planeten ganz bestimmt <emphasis>keine</emphasis> Hunde geben.�</p><p>�Es w�rde schon reichen, wenn es keine tollw�tigen Hunde g�be�, sagte Kara trocken. �Hier bei uns ist das eine weit verbreitete Krankheit.� Sie sah Elder mit einem treuherzigen L�cheln an, als sein Gesicht an Farbe verlor. �Hat dir Aires nichts erz�hlt? Cord hat den Hund untersucht, und...�</p><p>�H�r mit dem Unsinn auf!� sagte Aires streng.</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet, und Hrhon kam herein. �Ssshie ihsst whahch�, sagte er.</p><p>�Tess?� Kara und Aires sprangen gleichzeitig von ihren St�hlen hoch, und auch Elder wandte sich zur T�r.</p><p>�Ssshie whill mhit dhir sssphrechen�, sagte Hrhon zu Kara. �Khohmm ssshnhelh!�</p><p>So schnell, da� Elder mit seinem verletzten Bein keine Chance hatte, mit ihnen Schritt zu halten, eilten sie in Angellas Zimmer. Vor der T�r stand ein Mann, den Hrhon dort postiert hatte, ehe er zu ihnen kam, aber irgendwie hatte es Zen trotzdem geschafft, hereinzukommen. Er sa� auf dem Bettrand und hielt Tess im Arm.</p><p>Aires zerrte ihn mit einer groben Bewegung weg. �Raus!�</p><p>Nat�rlich wollte Zen widersprechen, aber ein einziger, eisiger Blick in Aires� Augen lie� ihn sein Vorhaben auf der Stelle vergessen. Gehorsam drehte er sich herum und ging, blieb aber unter der T�r noch einmal stehen.</p><p>�Keine Sorge�, sagte Kara. �Du kannst sie nachher sehen.�</p><p>Sie drehte sich wieder zu Tess um, die von Aires mittlerweile wieder sanft auf das Bett zur�ckgeschoben und zugedeckt worden war. �Wie f�hlst du dich?� fragte sie l�chelnd.</p><p>�Schwach�, antwortete Tess. Ihre Stimme klang, als h�tte sie sehr lange Zeit nicht mehr gesprochen. �Ich habe... Durst.�</p><p>Aires stand auf und kam mit einem Becher Wasser zur�ck. Als sie ihn an Tess� Lippen setzte, humpelte Elder ins Zimmer. Sein Gesicht gl�nzte vor Schwei�. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf Tess. �Hat sie gesprochen?�</p><p>�Ja�, antwortete Kara. �Sie hat alle zweiundvierzig Strophen unserer Sch�pfungsgeschichte gesungen. Sie wollte gerade anfangen, sie in die Sprache der Waga zu �bersetzen, als du hereingeplatzt bist.�</p><p>Elder ignorierte ihre dumme Bemerkung und trat n�her an das Bett heran. �Was ist passiert?� fragte er. �Wo bist du gewesen?�</p><p>�Halte den Mund, Elder�, sagte Aires grob. Als sie sich jedoch wieder an Tess wandte, da erschien wie hingezaubert ein L�cheln auf ihrem Gesicht. �Glaubst du, da� du mit uns reden kannst, Kleines? Nur ein paar Fragen beantworten?�</p><p>Tess nickte. Sie fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen, die spr�de und aufgesprungen waren. Das Fieber zehrte sie aus. Aber ihr Blick war klar, als sie Kara ansah. �Es tut mir... leid�, sagte sie stockend. �Ich habe... ziemlichen Mist gebaut, nicht wahr!�</p><p>�Das hast du�, best�tigte Kara. �Aber das spielt jetzt keine Rolle. Erz�hl uns, was dir passiert ist. Wo bist du gewesen?�</p><p>�Der... Thron�, antwortete Tess stockend. �Ich wei� nicht... Sie nannten es den Thron.�</p><p>�Thron?� Elder wiederholte das Wort stirnrunzelnd, und Kara sah ihn fragend an. Eine Sekunde lang �berlegte er sichtlich angestrengt, dann zuckte er mit den Schultern.</p><p>�Immer sch�n der Reihe nach�, sagte Aires. �Maran hat erz�hlt, ihr seid angegriffen und getrennt worden.�</p><p>�Das stimmt. Es... war nicht seine Schuld. Er wollte mir helfen, aber es waren einfach zu viele. Er hat mich nicht im Stich gelassen.�</p><p>Die viel zu heftige Verteidigung Marans �berzeugte Kara davon, da� er Tess und ihr Tier doch im Stich gelassen hatte, eine Vermutung, die Kara die ganze Zeit gehabt hatte. �Du bist ihnen entkommen?� fragte sie.</p><p>Tess sch�ttelte den Kopf. �Mein Drache war getroffen�, sagte sie leise. �Und ich auch.�</p><p>�Das gr�ne Licht?�</p><p>�Ja. Ich war ganz sicher, da� ich sterben w�rde. Wir sind ins Meer gest�rzt, und dann... wei� ich nichts mehr. Als ich wach wurde, lag ich in einem Bett in einem kleinen Zimmer, das ganz aus Silber gemacht war. Die W�nde, der Boden... alles. �berall waren Ger�te, und sie hatten spitze Nadeln in meine Arme und meine Beine gestochen, an denen Schl�uche hingen.�</p><p>�Die Krankenstation auf dem Schiff�, bemerkte Elder verbl�fft. �Sie m�ssen sie zu ihrem Schiff gebracht haben!� Erregt beugte er sich vor. �Wei�t du, wo es ist? Hast du es gesehen?�</p><p>�Sp�ter�, sagte Tess. �Ich war lange in diesem Zimmer. Ein paarmal kam ein Mann und machte etwas mit meinem R�cken. Es hat sehr weh getan. Ich dachte, sie w�rden mich foltern, damit ich ihnen alles �ber uns verrate, aber er hat nicht eine einzige Frage gestellt. Ich glaube, er verstand nicht einmal unsere Sprache.�</p><p>�Er hat dir das Leben gerettet, Kind�, sagte Aires ernst. �Ihre Heilkunst mu� an Zauberei grenzen.�</p><p>�Das tut sie�, sagte Elder ohne die Spur eines L�chelns. Zu Tess gewandt fuhr er fort: �Der Mann, der dich hergebracht hat...�</p><p>�Er kam gestern abend in mein Zimmer geschlichen�, sagte Tess. �Er und noch ein anderer. Sie erz�hlten, da� auch sie Gefangene im Thron sind.�</p><p>�Wieso nennst du es immer <emphasis>Thron?�</emphasis> fragte Elder.</p><p>�Weil sie es so nannten�, antwortete Tess. �Sie sprachen unsere Sprache nicht besonders gut. Ich habe nicht alles verstanden, aber dieses eine Wort schon.�</p><p>�Der Thron...� Pl�tzlich hellte sich Elders Gesicht auf. �Eine Drohne! Sie haben von einer Drohne gesprochen, nicht wahr?�</p><p>Tess sah ihn verunsichert an. Sie schwieg.</p><p>�Was soll das sein?� fragte Donay.</p><p>�Ein Beiboot�, antwortete Elder. �Aber la� dich davon nicht t�uschen. Was PACK als Beiboot bezeichnet, das w�rden andere immer noch ein Schlachtschiff nennen.�</p><p>�Es war sehr gro߫, best�tigte Tess. �Als wir geflohen sind, habe ich es gesehen.�</p><p>�Wie gro�?� fragte Aires. �So gro� wie dieser Turm?�</p><p>Tess schwieg. Sie sah sehr erschrocken aus, �So gro� wie... wie die Festung?� fragte Donay stockend. �Gr��er�, murmelte Tess. �Viel gr��er. Es liegt im Meer, so da� man es nicht richtig erkennen kann. Aber es ist wie eine gigantische Stadt unter Wasser.�</p><p>�Was haben die beiden erz�hlt?� fragte Elder. �Sie wollten fliehen? Wohin?�</p><p>�Hierher�, sagte Tess. �Ich habe nicht alles verstanden, aber ich glaube, sie haben dich und ihre Kameraden f�r tot gehalten. Sie wollten zu den Drachenreitern, um hier auf die Ankunft der anderen zu warten. Ich sollte sie begleiten, damit die Drachen sie nicht f�r ihre Feinde halten und sie vernichten. Sie haben gro�e Angst vor den Drachen.�</p><p>�Wen meinst du mit den <emphasis>anderen?�</emphasis> hakte Elder nach.</p><p>�Sie sagten, sie erwarteten die Ankunft ihrer Freunde�, antwortete Tess. �Sie hatten wohl Angst, da� sie den Thron angreifen und wir alle dabei umkommen.�</p><p>�Bist. du sicher?� vergewisserte sich Elder erregt. �Sie f�rchteten einen Angriff auf die Drohne?�</p><p>�Sagtest du nicht, du h�ttest keine Gelegenheit mehr gehabt, einen Hilferuf zu senden?� fragte Aires mi�trauisch.</p><p>�Das habe ich auch nicht�, sagte Elder �rgerlich. �Wieso...�</p><p>Er sah einen Moment nachdenklich auf Tess herab. �Was genau haben sie gesagt? Denk nach, Kind.�</p><p>�Ich habe kaum etwas verstanden�, sagte Tess hilflos. �Sie haben meistens in einer fremden Sprache miteinander geredet.�</p><p>�Denk nach!� dr�ngte Elder. Pl�tzlich kam ihm sichtbar eine Idee. �Hast du das Wort <emphasis>Di-Es-Ar-Vi</emphasis> verstanden?�</p><p>Tess nickte, sichtlich verbl�fft. �Ja. Woher wei�t du das?�</p><p>Elder atmete auf. Von einer Sekunde auf die n�chste sah er nicht nur erleichtert, sondern sehr zufrieden aus. �Jetzt haben wir sie!� sagte er. �Ich habe es nicht zu hoffen gewagt, aber offensichtlich hat das Schiff im letzten Moment doch noch eine Sonde gestartet. Wir haben sie! In einer Woche ist der Spuk vorbei! DSRV bedeutet Deep Space Rescue Vessel�, erkl�rte er. �Ein Rettungsboot, das das Schiff vollautomatisch ausschleust, wenn der Bordcomputer zu dem Schlu� kommt, da� die Zerst�rung des Schiffes nicht mehr zu verhindern ist.�</p><p>�Einer deiner Leute ist entkommen?�</p><p>�Nicht unbedingt�, antwortete Elder. �Das DSRV fliegt auch unbemannt. In diesem Fall steuert der Computer automatisch das Ziel an, das man ihm vorher einprogrammiert hat.� Pl�tzlich grinste er.</p><p>�Und in diesem Fall war dieses Ziel die Hauptniederlassung der Company, f�r die ich arbeite. Das M�dchen hat recht � in sp�testens zehn Tagen sind meine Leute hier. Sie werden mit dieser Saubande aufr�umen, das verspreche ich euch!�</p><p>Er sah abwechselnd Kara und Aires an, und in das strahlende L�cheln auf seinen Z�gen mischte sich Verwirrung, als er bemerkte, da� sie beide noch genauso besorgt aussahen wie bisher. �Was ist los mit euch?� fragte er. �Versteht ihr denn nicht? Ihr braucht keine Angst mehr zu haben. Niemand wird euch jetzt noch etwas tun! Eure Welt wird weiter euch geh�ren!�</p><p>�Wie sch�n�, sagte Aires ruhig.</p><p>�Ich verstehe�, murmelte Elder. �Ihr traut mir immer noch nicht. Ihr habt Angst, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.�</p><p>�Ich wei� zwar nicht genau, was diese Worte bedeuten�, sagte Aires, �aber ich schlage vor, da� wir die Diskussion dar�ber auf sp�ter vertagen.� Sie deutete wieder auf Tess. �Weiter.�</p><p>�Wir flohen heute morgen�, sagte Tess. �Aber sie m�ssen verraten worden sein; oder sie hatten einfach Pech. Als wir in den Raum kamen, in dem die Libellen standen, wurden wir angegriffen. Einer der M�nner starb, der andere und ich konnten eine Libelle stehlen und entkamen.�</p><p>�Und sie haben euch nicht verfolgt?� fragte Elder zweifelnd. �Doch. Aber wir hatten einen guten Vorsprung. Nur zwei holten uns ein. Wir k�mpften und siegten. Eine Libelle st�rzte in den Dschungel, die andere zog sich zur�ck. Aber auch unsere Libelle war besch�digt, und am Schlu� haben sie ihn schwer verletzt.� Sie starrte einen Moment, von der Erinnerung an die schrecklichen Bilder geplagt, ins Leere.</p><p>�Sie haben eine Art unsichtbaren Schutzschild�, fuhr sie fort. �Deshalb konnten wir sie �ber der Stadt im <emphasis>Schlund</emphasis> kaum vernichten. Er ist nicht un�berwindlich, aber f�r eine Weile hat er sogar dem gr�nen Licht getrotzt.�</p><p>�Trotzdem haben sie den Piloten erwischt�, sagte Aires. �Ja. Es war...� Tess suchte nach Worten. �Etwas wie ein Pfeil. Aber er flog ganz langsam. Irgendwie... hat er sich durch den Schild gebohrt. Der Pfeil steuerte direkt auf den Libellenreiter zu, als w��te er, auf wen er gezielt war. Er hatte gro�e Angst. Er... er hat versucht, ihn mit der Hand zur Seite zu schlagen, aber der Pfeil hat seine Hand einfach durchbohrt und dann seine Brust getroffen.�</p><p>�Ein Sucher�, sagte Elder d�ster. �Sie werden auf einen bestimmten Menschen programmiert und folgen ihm bis in die H�lle, wenn es sein mu�. Es gibt keine Rettung vor ihnen.�</p><p>�Und wieso konnte er den Schild durchdringen, der sogar dem Feuer eines Drachen widersteht?�</p><p>Elder zuckte mit den Achseln, ein wenig zu schnell f�r Karas Geschmack. �Wie soll ich das wissen? Ich bin kein Waffentechniker.�</p><p>�Soll das hei�en, sie k�nnten ein paar Hundert von diesen Dingern einfach auf uns abschie�en, und wir k�nnten nichts dagegen tun?� fragte Donay erschrocken.</p><p>�Keine Sorge.� Elder machte eine beruhigende Geste. �Die Sucher m�ssen genau auf ihr Ziel geeicht werden. Bei den beiden Gefangenen hatten sie Zeit und Gelegenheit dazu. Das ist unsere Version von Bluthunden.� Er blickte vorwurfsvoll auf sein bandagiertes Bein herab. �Sie tut nicht ganz so weh.�</p><p>�Was ist mit ihm?� fragte Tess. �Lebt er?�</p><p>Es dauerte einen Moment, bis Kara begriff, da� sie von dem Piloten sprach, der sie hergebracht hatte. Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das tut mir leid�, sagte Tess ehrlich. �Er hat sich geopfert, um mich zu retten.�</p><p>�So?� fragte Aires mit hochgezogenen Brauen. �F�r mich h�rt es sich eher an, als h�tte er <emphasis>dein</emphasis> Leben aufs Spiel gesetzt, um <emphasis>seine</emphasis> Haut zu retten.�</p><p>�Glaubst du, da� du den Ort wiederfindest, an dem dieser... Thron liegt?� fragte Kara.</p><p>Tess sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Nein. Er liegt unter Wasser, irgendwo im Meer. Man sieht ihn nicht.�</p><p>�Es w�rde euch auch nicht viel nutzen�, sagte Elder. �Die Drohnen sind schwer bewaffnet. Sie w�rden eure Drachen vom Himmel pusten, ehe ihr auf zehn Meilen heran seid.�</p><p>Die Wahl seiner Worte gefiel Kara nicht. Und noch viel weniger gefiel ihr der h�rbare Stolz, der darin mitschwang. �Haltet euch da raus�, fuhr Elder fort. �Es ist nicht n�tig, da� ihr euer Leben aufs Spiel setzt. �berla�t das Leuten, die etwas davon verstehen. Das DSRV ist wahrscheinlich jetzt schon angekommen.�</p><p>�Wenn sie es nicht abgeschossen haben�, sagte Donay.</p><p>Elder lachte. �Das ist v�llig unm�glich. Die Dinger bestehen praktisch nur aus einem gro�en Triebwerk mit einem bi�chen Blech drumherum. Sie fliegen selbst einer Nova davon. Nichts im Universum kann sie aufhalten.�</p><p>Donay schwieg. Aber Kara las in seinen Augen, da� er jedes einzelne Wort, das er von Elder geh�rt hatte, mit gr��ter Aufmerksamkeit registrierte. Ob Elder wu�te, da� Donay nie etwas verga�? Tess wurde zunehmend matter, und Kara stand auf. �Ich denke, das reicht f�r heute�, sagte sie. �Aires � gib ihr etwas gegen das Fieber. Sie soll schlafen. Im Moment haben wir genug erfahren.�</p><p>�Jemand sollte bei ihr Wache halten�, bemerkte Aires.</p><p>Kara l�chelte. �Ich denke, ich wei� schon jemanden f�r diese Aufgabe�, sagte sie. �Elder, Donay � ich erwarte euch in meinem alten Zimmer dr�ben bei den Sch�lern. Ich werde inzwischen gehen und den Alarm aufheben. Es nutzt niemandem, wenn wir die Leute sinnlos am Schlafen hindern.�</p><p>Sie ging, um ihren Entschlu� in die Tat umzusetzen. Eine knappe halbe Stunde sp�ter kehrten die ruhelos kreisenden Drachen in ihre H�hlen unter der Festung zur�ck, und die meisten Krieger gingen wieder in ihre Quartiere.</p><p>Und zehn Minuten, bevor die Sonne am n�chsten Morgen aufging, griff ein Schwarm von ann�hernd f�nfzig Libellen den Drachenhort an.</p></section><section><title><p>41</p></title><p>Sp�ter, als Kara den Teil des �berfalls rekonstruierte, den sie schlicht und einfach verschlafen hatte, gestand sie sich ein, da� sie alle sowohl die Intelligenz als auch die technischen M�glichkeiten ihrer Gegner untersch�tzt hatten. Die Libellenreiter mu�ten unterhalb der Wolkendecke des <emphasis>Schlundes</emphasis> angeflogen sein, und sie mu�ten auch die M�glichkeit haben, das schrille Heulen ihrer Maschinen zu einem Wispern zu d�mpfen, das im Ger�usch des Windes unterging, denn der einzige �berlebende Posten, der auf der Klippe Wache gehalten hatte, schwor sp�ter Stein und Bein, da� sie lautlos wie Gespenster aus den Wolken hochgeschossen waren und so schnell, da� den M�nnern nicht einmal Zeit geblieben war, einen Warnruf auszusto�en, ehe sie von einem Gewitter gr�ner Lichtblitze niedergestreckt wurden. Eine zweite, unvorstellbar pr�zise Salve traf den Hort und l�schte jedes Leben hinter den dem <emphasis>Schlund</emphasis> zugewandten Zinnen aus; dann teilte sich der Schwarm, wobei ihre Maschinen wieder mit diesem schrillen, nervenzerfetzenden Heulen anhoben, Die meisten erreichten binnen weniger Augenblicke s�mtliche Ausflug�ffnungen der Drachenh�hlen und blieben reglos in der Luft stehen, um mit ihren gr�nen Blitzen auf jede Bewegung dahinter zu reagieren. Nicht einem einzigen Drachen gelang es, sich in die Luft zu erheben und in den Kampf einzugreifen. Das alles erfuhr Kara allerdings erst sp�ter. Donay, Aires und sie hatten noch bis tief in die Nacht miteinander geredet, und sie war erst lange nach Mitternacht in einen ersch�pften Schlaf gesunken. Sie erwachte weder vom Heulen der Libellenmotoren noch von den erschrockenen Rufen und Schreien, die pl�tzlich in der Festung widerhallten. Was sie weckte, war das Krachen einer ungeheuerlichen Explosion, die den westlichen Turm samt einem Teil des Hauptgeb�udes in Schutt und Asche legte und ein halbes Dutzend lodernder Br�nde in den Tr�mmern entfachte.</p><p>Die Ersch�tterung war so gewaltig, da� Kara aus ihrem Bett geschleudert wurde. Der Aufprall auf den harten Steinboden raubte ihr beinahe wieder das Bewu�tsein. Benommen plagte sie sich auf. Im allerersten Moment wu�te sie nicht, ob sie wach war oder einen Alptraum erlebte.</p><p>Sie <emphasis>war</emphasis> wach; aber es war eine Realit�t, die es spielend mit jedem Alptraum aufnehmen konnte. Der Boden zitterte. In der Wand neben ihrem Bett war ein gezackter Ri�. Die Luft war voller Staub und schmeckte nach Feuer, und durch das Fenster drang lodernder Flammenschein und das Flackern gr�ner Blitze herein; ein unvorstellbarer L�rm, Schreie, das Krachen von Explosionen, das Prasseln von Br�nden und ein schrilles, in den Ohren schmerzendes Heulen und Kreischen.</p><p><emphasis>Libellen!</emphasis> dachte Kara entsetzt. Das waren Libellen!</p><p>Sie verschwendete keine Zeit damit, zum Fenster zu st�rzen und sich von der Richtigkeit ihrer Vermutung zu �berzeugen, sondern nahm ihr Schwert vom Boden und band den G�rtel mit fliegenden Fingern um, w�hrend sie bereits aus dem Zimmer stolperte.</p><p>Die dicken Mauern sperrten den L�rm und den Feuerschein ein wenig aus, aber der Boden zitterte auch hier. Staub hing in der Luft, und auf dem Boden lagen Steinbrocken und Tr�mmer, die aus der Decke herausgebrochen waren. Gestalten mit wehenden M�nteln und gez�ckten Schwertern st�rmten ihr entgegen, und noch bevor sie das Ende der Treppe erreichte, ersch�tterte eine weitere, dr�hnende Explosion die Festung. Kara taumelte gegen eine Wand. Sie glaubte zu sp�ren, wie das gesamte Geb�ude sich neigte. Feuerschein drang durch die zerborstene T�r herein, als sie das Ende der Treppe erreichte. Hustend und mit tr�nenden Augen stolperte sie auf den Hof hinaus � und blieb vor Entsetzen gel�hmt einfach stehen. Was sie erblickte, war ein Inferno. Die Festung lag in Tr�mmern. �berall brannte es. Libellen kreisten mit heulenden Motoren �ber dem Hof und spien gr�ne Blitze aus, die immer wieder in Mauerwerk oder durch T�ren und Fenster h�mmerten. Kara sah mit eigenen Augen, was Donay ihr aus Schelfheim berichtet hatte: Die Maschinen spien ihre t�dlichen Blitze nicht nur gegen die Geb�ude, sondern machten auch Jagd auf einzelne Menschen. Gestalten rannten im Zickzack zwischen den immer dichter niederprasselnden Blitzen hin und her, aber sie wurden nur zu oft getroffen. Kara hatte ihr Schwert gezogen, aber pl�tzlich begriff sie, wie hilflos sie waren. Die Libellen kreisten �ber der Burg und schossen auf alles, was sich bewegte. Und sie konnten <emphasis>nichts</emphasis> tun. �berhaupt nichts! �Zur�ck!� schrie Kara so laut sie konnte. �Zieht euch zur�ck! Geht in Deckung!�</p><p>Ihre Worte gingen im Durcheinander der Schlacht unter, aber es gab ohnehin niemanden, der nicht versuchte, sich irgendwo zu verkriechen. Es war kein Kampf � die Libellen kreisten in sicherem Abstand �ber dem Burghof und schossen die Festung und ihre Bewohner methodisch zusammen. Nur ein einziges Mal zuckte ein d�nner gr�ner Lichtblitz aus einem Fenster, als einer der Drachenreiter das Feuer mit einer der in Schelfheim erbeuteten Waffen erwiderte. Der Strahl prallte wirkungslos vom unsichtbaren Schild der Libellen ab, und fast im gleichen Augenblick erwiderten fast ein halbes Dutzend Maschinen das Feuer. Das gesamte Geb�ude, aus dem der Schu� gefallen war, ging in Flammen auf.</p><p>Kara rannte los, um das brennende Haupthaus zu erreichen. Ihr schwarzer Umhang und das dunkle Haar schienen ihr Deckung zu geben, denn niemand scho� auf sie. Aber als sie den Hof zur H�lfte �berquert hatte, raste ein wei�gl�hender Ball auf sie zu und fegte heulend �ber sie hinweg. Eine Sekunde sp�ter explodierte das Haus, in dem Kara vor wenigen Minuten aufgewacht war, in einem grellen Feuerball.</p><p>Die Druckwelle fegte Kara von den F��en. Sie schlitterte �ber den Boden und ri� sch�tzend die Arme �ber den Kopf, als rings um sie herum Tr�mmer und Flammen niederregneten. Ein Felsbrocken traf ihr rechtes Bein und jagte ihr einen bet�ubenden Schmerz bis in den R�cken hinauf. Aus tr�nenden Augen blickte sie hinter sich. Der Turm mit den Quartieren der Sch�ler war verschwunden. Ein lodernder Tr�mmerhaufen hatte seinen Platz eingenommen. Kara fragte sich entsetzt, wie viele von ihren Freunden dort drinnen gewesen sein mochten.</p><p>Als sie sich in die H�he stemmte, �nderte sich die Angriffstaktik der Libellen. Ein Teil der Maschinen kreiste weiter �ber dem Hof und verschleuderte gr�nes Feuer, aber sechs oder acht Maschinen begannen langsam tiefer zu sinken. Als sie drei Meter �ber dem Hof angelangt waren, hielten sie mit wirbelnden Rotoren in der Luft an. Die Kanzeln �ffneten sich, und M�nner in blauen Uniformen mit glasverh�llten Gesichtern sprangen auf den Hof hinab. Sie hatten gelernt, dachte Kara zornig. Diesmal stellten sie ihre Maschinen nicht mehr auf dem Boden ab, wo sie verwundbar waren. Die M�nner verteilten sich, w�hrend die Maschinen heulend wieder an H�he gewannen, um einer zweiten Staffel Platz zu machen, die weitere Krieger hinabschickte.</p><p>Kara erwachte erst aus ihrer Erstarrung, als sie begriff, da� das Ziel der meisten Soldaten das brennende Haupthaus war. Aires und Elder waren dort! Sie rannte los, schlug einen Haken nach links und kletterte �ber einen rauchenden Tr�mmerhaufen hinweg, um das Hauptgeb�ude durch einen Nebeneingang zu betreten. Fettiger Rauch schlug ihr entgegen. Sie hustete, sah eine Bewegung in den brodelnden Schwaden vor sich und hob ihr Schwert. Im letzten Moment erkannte sie, da� es keiner der Angreifer war, sondern ein verwundeter Krieger, der ihr blut�berstr�mt entgegentaumelte.</p><p>Kara wankte weiter, sah eine weitere Gestalt vor sich und erkannte, da� es diesmal wirklich einer der Angreifer war. Sie stie� ihm das Schwert in die Brust und sprang zur�ck, als er zusammenbrach. Einer von drei�ig, dachte sie voller Ha�. Zu wenig. Viel zu wenig.</p><p>Vorsichtig tastete sie sich durch den immer dichter werdenden Qualm, bis sie die T�r zur gro�en Eingangshalle erreichte. Sie blieb stehen. Der Saal stand in Flammen. Drachenk�mpfer in schwarzem Leder, die reglos auf dem Boden lagen, dokumentierten den erbitterten Widerstand, den die Verteidiger geleistet haben. Kara versp�rte eine grimmige Befriedigung, als sie zwischen ihnen auch zwei Gestalten in schwarz-gestreiftem Dunkelblau erkannte. Zumindest bekamen sie nicht ganz umsonst, was immer sie hier wollten.</p><p>Eine Anzahl Blauuniformierter hielt sich in der Halle auf. Einer von ihnen gab in jener fremden Sprache, von der Tess geredet hatte, Befehle. Einige Soldaten rannten nach rechts und links, um die �brigen R�ume im Erdgescho� zu durchsuchen, aber der Gro�teil � einschlie�lich des Offiziers � wandte sich zur Treppe und lief hinauf. Also hatte sie richtig vermutet, dachte Kara grimmig. Es waren entweder Aires oder Elder, die sie haben wollten. Sie w�rde sehen, was sie dagegen tun konnte.</p><p>Der Weg durch die Halle war ihr verwehrt, denn drei M�nner waren zur�ckgeblieben, die mit schu�bereiten Waffen auf jede Bewegung lauerten.</p><p>Sie wich vorsichtig ein paar Schritte zur�ck, dann drehte sie sich herum und rannte auf die zweite Treppe zu, die nach oben f�hrte. Sie hoffte, da� sie noch begehbar war. Auf halbem Weg trat ihr eine massige, gr�ngelb gefleckte Gestalt entgegen. �Hrhon!� fauchte Kara. �Wo warst du?�</p><p>�Ihsss habhe eihnhen vohn ihnenh ehrwhisssht�, erwiderte der Waga.</p><p>�Gut�, sagte Kara. Sie deutete zur Decke. �Sie sind oben. Vermutlich wollen sie Elder oder Aires.�</p><p>�Ohdher dhisss�, zischelte Hrhon.</p><p>�Dann wollen wir sie nicht warten lassen, nicht wahr?� Kara packte ihr Schwert fester und eilte an Hrhon vorbei.</p><p>Auf ihrem Weg schlossen sich ihnen vier weitere Krieger an. Das Schwert des einen war blutig, wie Kara voller Zufriedenheit registrierte. Ganz so billig wie in Schelfheim w�rden die PACK-Truppen hier nicht davonkommen. Sie st�rmten an einem schmalen Fenster vorbei, und Kara sah, da� die Festung fast vollkommen in Flammen stand. �ber dem Hof kreisten noch immer Libellen, die dann und wann gr�ne Blitze auf den Hof spien.</p><p>�Verdammt, wo bleiben die Drachen?� fragte Kara.</p><p>�Ssshie khohmmhen nhissst�, antwortete Hrhon. �Ssshie whissssssehn ghenhau, who dhie Ausssflughh�hlhen ssshind, uhnd lhasssssshen kheinhen hinhausss.�</p><p>�Aber das ist doch unm�g...� begann Kara, sprach aber den Satz nicht zu Ende. Zwei der vier Ausflugs�ffnungen waren zwar so gut versteckt, da� eine zuf�llige Entdeckung ausgeschlossen schien, aber es gab eine Erkl�rung: Tess mu�te etwas verraten haben.</p><p>Sie erreichten das Stockwerk, auf dem Elders Zimmer lag, und stie�en fast sofort auf heftigen Widerstand. Zwei PACK-Soldaten stellten sich ihnen entgegen. Ein greller Lichtblitz t�tete den Mann neben Kara, dann schleuderte einer der anderen Krieger seinen Dolch und verletzte den Sch�tzen am Arm. Die beiden Soldaten zogen sich wild um sich schie�end zur�ck, trafen aber nichts mehr.</p><p>Karas Herz machte einen erschrockenen Sprung, als sie sah, da� die T�r zu Elders Zimmer zertr�mmert war. Ein Teil des Mobiliars brannte, der Rest war zerschlagen, und sie erwartete schon, Elders Leichnam zwischen den Tr�mmern zu finden, aber das Zimmer war leer.</p><p>Sie rannten weiter. Ein paarmal h�rten sie Kampfl�rm, sahen aber keinen Blauuniformierten mehr, bis sie Karas Zimmer erreichten. Auf dem Gang davor lag ein toter PACK-Soldat, umgeben von einem halben Dutzend regloser Drachenkrieger. Kara erkannte auch Zen unter ihnen, und aus ihrem brodelnden Zorn wurde pure Mordlust.</p><p>Ihr eigenes Zimmer war zerst�rt und verw�stet worden wie Elders. Die Angreifer hatten sich sogar die M�he gemacht, das Bett in Brand zu schie�en. Tess allerdings lebte noch. Sie hockte mit angezogenen Knien in einer Ecke unter dem Fenster und blutete aus einer frischen Platzwunde an der Stirn. Offenbar hatte man sie geschlagen, aber darauf verzichtet, sie umzubringen. Kara gab einem ihrer Begleiter einen Wink. �Bring sie weg. Ihr darf nichts geschehen. Ich habe sp�ter noch ein paar Fragen an sie.� Sie warf Tess einen drohenden Blick zu, den diese aber nicht zur Kenntnis nahm oder nicht verstand.</p><p>Sie liefen weiter. Die Luft wurde hei�er, und einmal erbebte der ganze Bau unter einer neuerlichen Explosion, die Kara und die anderen fast von den F��en ri�.</p><p>Kurz vor dem Aufgang zu Aires� Turmkammer wurden sie in ein heftiges Handgemenge mit PACK-Soldaten verwickelt. Sie �berraschten die M�nner so sehr, da� die nicht dazu kamen, ihre Glasgewehre einzusetzen. Doch die Blauuniformierten waren neben ihren Gewehren auch mit Schwertern bewaffnet, mit denen sie ausgezeichnet umzugehen verstanden, wie Kara ja schon am eigenen Leibe erfahren hatte. Wahrscheinlich lag es einzig an Hrhon, da� es ihnen schlie�lich doch gelang, das halbe Dutzend M�nner langsam vor sich herzutreiben, bis sie den Fu� der Treppe erreichten.</p><p>Dann wendete sich das Blatt schlagartig, denn am oberen Ende der Treppe tauchte ein Trupp von sicherlich acht oder zehn weiteren PACK-Soldaten auf, die sofort das Feuer er�ffneten. Gr�ne Blitze fuhren unter Karas Krieger und streckten drei von ihnen nieder, t�teten aber auch einen der Blauuniformierten. Dann f�hlte sich Kara von hinten gepackt und herumgewirbelt. Eine Sekunde sp�ter fuhr ein zischender Lichtblitz in Hrhons R�ckenpanzer. Der Waga kreischte so schrill auf, wie Kara es noch nie zuvor geh�rt hatte, kippte zur Seite und begrub sie unter sich.</p><p>Die Soldaten st�rmten an ihnen vor�ber. Kara beobachtete, da� sich auch der Offizier, den sie unten in der Halle gesehen hatte, bei ihnen befand � und erst jetzt erkannte sie ihn. Es war unm�glich � aber es war zweifelsfrei der Mann, dem sie schon zweimal gegen�bergestanden hatte: einmal in einer Gasse in Schelfheim, das zweite Mal an einem steinigen Strand f�nf Meilen unter der Erde. Und bei ihrer zweiten Begegnung hatte sie ihn ganz zweifelsfrei <emphasis>get�tet.</emphasis></p><p>Kara war hilflos unter Hrhons zentnerschwerem K�rper eingeklemmt, so da� sie absolut nichts tun konnte, als der Mann stehenblieb und auf sie hinabstarrte. Sekundenlang blickte er sie nur an, dann senkte er ganz langsam seine Waffe, richtete den Lauf auf Karas Gesicht � und schwenkte den Lauf urpl�tzlich zur Seite.</p><p>�Peng!� sagte er. �Siehst du? So einfach w�re das � wenn ich so unfair w�re wie du, Kindchen.� Er lachte, klemmte sich das Gewehr unter den linken Arm und schob mit der anderen Hand das halbierte Glasvisier seines Helmes hoch. Seine Augen glitzerten sp�ttisch.</p><p>�Aber wei�t du, ich bin nicht so unfair. Ich denke, ich lasse dich diesmal am Leben. Aber ich warne dich: Wenn du mich noch einmal umbringst, dann werde ich wirklich sauer.� Er lachte, klappte sein Helmvisier wieder hinunter und ging weiter. Die M�nner folgten ihm, wobei sie nicht nur ihre Verwundeten, sondern auch die Toten mitnahmen.</p><p>Kara versuchte mit aller Gewalt, sich unter Hrhons reglosem K�rper hervorzuarbeiten, aber es ging nicht. Hrhons vierhundert Pfund nagelten sie regelrecht an den Boden, so da� sie kaum noch Luft bekam. Der Waga lebte noch, aber sie wu�te nicht, wie schwer er verwundet war. Obwohl sie sich der Sinnlosigkeit ihrer Bem�hungen bewu�t war, versuchte sie weiter mit aller Kraft, die reglose Riesenschildkr�te von sich hinunterzuwuchten. Es gelang ihr erst, als Hrhon nach guten zehn Minuten grunzend wieder zu sich kam.</p><p>Der Waga war noch benommen. Kara brauchte ein wenig l�nger, um auf die F��e zu kommen. Sie f�hlte sich an, als w�re ihr ganzer K�rper eine einzige schmerzhafte Wunde. �Was ist mit dir?� fragte sie schweratmend. �Bist du verletzt?�</p><p>�Jha�, antwortete Hrhon m�hsam. �Esss thut sssher wheh. Ahbher isss wherdhe nhissst ssstherbhen.�</p><p>Kara wollte an ihm vorbeigehen, um sich die Verletzung in seinem R�ckenpanzer anzusehen, aber Hrhon drehte sich rasch herum. Sie versuchte es nicht noch einmal, sondern lie� ihren Blick betroffen durch den Gang schweifen. Hrhon hatte ihr zweifellos das Leben gerettet, als er sie hinter seinem eigenen K�rper in Deckung zerrte. Au�er ihm und ihr selbst lebte hier niemand mehr.</p><p>Pl�tzlich fuhr sie erschrocken zusammen. <emphasis>Aires!</emphasis></p><p>Immer drei Stufen auf einmal nehmend, rannte sie die Treppe zu Aires� Turmkammer hinauf. Sie stie� auf zwei verwundete und einen toten Krieger, aber sie beachtete sie nicht, sondern rannte nur noch schneller, bis sie Aires� Zimmer erreichte. Es war ziemlich verw�stet, aber Aires selbst lag mit blut�berstr�mtem Gesicht neben der T�r. Kara fiel mit einem Schrei auf die Knie und ergriff sie bei den Schultern.</p><p><emphasis>�Aires!�</emphasis></p><p>Die alte Magierin �ffnete die Augen, und Kara atmete unendlich erleichtert auf. Aires lebte. Die Angreifer hatten sie wie Tess nur niedergeschlagen.</p><p>�Was ist passiert?� fragte Aires. Sie schien kaum bei Bewu�tsein zu sein und nahm anscheinend gar nicht richtig wahr, was um sie herum geschah. Sie versuchte sich aufzusetzen, aber es gelang ihr nur mit Karas Hilfe.</p><p>�Lebe ich noch?� murmelte sie.</p><p>Kara tupfte ihr behutsam mit einem Zipfel ihres Umhanges das Blut aus dem Gesicht. Aires hatte eine �ble Platzwunde �ber dem linken Auge. Sie fuhr zusammen, als Kara sie ber�hrte. �Doch�, sagte sie gepre�t. �Ich mu� wohl noch leben, so weh wie das tut.�</p><p>�Du lebst noch�, sagte Kara. �Allerdings frage ich mich wieso.�</p><p>�Wie nett�, murmelte Aires.</p><p>�So meine ich das nicht�, sagte Kara. �Ich wundere mich nur � sie haben mindestens ein Dutzend M�nner verloren, um hier heraufzukommen. Wenn sie es nicht getan haben, um dich zu t�ten... weshalb dann?� Sie sah sich in dem vollkommen verw�steten Zimmer um. �Vielleicht haben sie etwas gesucht?�</p><p>Hrhon kam schweratmend hereingewankt. �Sssie sssihehn sssisssh ssshurh�ck�, stie� er hervor.</p><p>Kara war mit einem einzigen Satz am Fenster.</p><p>Der Burghof bot ein apokalyptisches Bild. Nicht ein einziges Geb�ude war unbesch�digt geblieben. Der Himmel �ber der Festung gl�hte rot im Widerschein der Flammen. Eine Handvoll Libellen kreiste noch immer �ber dem Hort, aber die meisten waren mittlerweile gelandet. Dutzende von M�nnern in blauen Uniformen rannten auf die offenstehenden Glaskanzeln zu. Viele von ihnen trugen andere, reglose K�rper mit sich. �Hrhon!� sagte sie. �Lauf hinunter. Sie sollen sie auf keinen Fall verfolgen, h�rst du? Ich will keinen einzigen Drachen in der Luft sehen. Und jemand soll nachsehen, ob Elders toter Kamerad noch da ist.� Sie begegnete Aires fragendem Blick und deutete auf den Hof hinunter. �Sie nehmen all ihre Toten mit.�</p><p>�Aber warum?� wunderte sich Aires. �chzend stemmte sie sich an der Kante des umgest�rzten Tisches in die H�he und trat zu ihr ans Fenster.</p><p>�Vielleicht, weil sie nicht tot sind�, murmelte Kara.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>Kara sah weiter auf den Hof hinab. Der Kampf war vorbei. Dann und wann zuckte noch ein gr�ner Blitz auf, wenn einer der PACK-Soldaten nerv�s wurde und auf einen Schatten feuerte, aber die meisten hatten ihre Maschinen wieder erreicht. Die ersten Libellen starteten bereits wieder.</p><p>�Ich wei�, da� es verr�ckt klingt�, sagte Kara. �Aber... erinnerst du dich, da� ich dir von dem Mann erz�hlt habe, der Angella und mir in dieser Gasse in Schelfheim aufgelauert hat!�</p><p>�Der, den du nachher unten am Strand erschossen hast!�</p><p>�Das dachte ich bis jetzt�, antwortete Kara. �Aber vor zehn Minuten habe ich ihn wiedergesehen, Aires. Es war der Offizier, der die Soldaten angef�hrt hat. Du m��test ihn eigentlich auch gesehen haben � er trug einen d�nnen Bart.�</p><p>Aires nickte. �Das war der Kerl, der mich niedergeschlagen hat.� Sie blinzelte. �Aber du mu�t dich t�uschen. Du kannst ihn nicht get�tet haben!�</p><p>�Doch, Aires.� Kara drehte sich langsam zu der alten Magierin um und sah ihr ins Gesicht, w�hrend im Hof unter ihr die letzten Libellen kreischend abhoben. �Verstehst du immer noch nicht, Aires! Wir k�mpfen gegen eine Armee von Unsterblichen!�</p></section><section><title><p>42</p></title><p>Selbst Stunden sp�ter war es ihnen nicht einmal gelungen, s�mtliche Br�nde zu l�schen. Kara hatte alle, die sich nicht um die Verletzten k�mmern mu�ten oder selbst verletzt waren, zum L�schen des Feuers eingesetzt, aber es war ein fast aussichtsloses Unterfangen. Was nicht den gr�nen Blitzen der Libellen zum Opfer gefallen war, w�rde bis zum Abend ein Raub der Flammen werden. Der Drachenhort hatte Jahrtausende �berdauert, hatte Kriege, Belagerungen und Naturkatastrophen �berstanden und ganze V�lker aus dem Nichts auftauchen und wieder dorthin verschwinden sehen, doch jetzt war er verloren.</p><p>Bis zur Mittagsstunde hatten sie einunddrei�ig Tote gez�hlt, und sie gruben immer noch Leichen aus den Tr�mmern. Kara sch�tzte, da� es bis zum Abend f�nfzig sein w�rden; wenn sie Gl�ck hatten. Und kaum einer der Lebenden war ohne mehr oder weniger schwere Blessuren davongekommen.</p><p>Da sie zu Recht argw�hnte, da� Aires so lange Verwundete versorgen w�rde, bis sie zusammenbrach, geleitete sie die Magierin selbst in ihre Turmkammer, die in einem der wenigen Teile des Geb�udes lag, das nicht v�llig zerst�rt worden war. Kara war im ersten Moment �berrascht, als sie die Kammer betrat und Tess auf einem Stuhl am Tisch vorfand; in eine Decke gewickelt und zitternd. Dann fiel ihr ein, da� sie selbst befohlen hatte, die junge Kriegerin hinaufzubringen. Trotzdem klang in ihrer Stimme keine Spur von Mitgef�hl. �Also?� fragte sie kalt. �Ich h�re.�</p><p>Tess sah sie aus fiebrigen Augen an. �Ich... verstehe nicht...�</p><p>�Nein?� schnappte Kara. �Dann geht es dir wie mir. Ich verstehe auch so einiges nicht. Zum Beispiel, woher sie so genau wissen konnten, wie sie uns am h�rtesten treffen k�nnen.� Sie trat beinahe drohend auf Tess zu. �Sie wu�ten alles �ber uns und die Festung, Tess! Wie unsere Verteidigung aussieht, wo unsere Wachen stehen und in welchen Geb�uden die Krieger schlafen! Selbst wie sie die Drachen ausschalten k�nnen!�</p><p>�Ich habe nichts gesagt, wenn du das meinst!� verteidigte sich Tess. �Sie haben mich nicht einmal verh�rt!�</p><p> �Sie...�</p><p>�Nat�rlich haben sie das�, sagte eine Stimme hinter Kara, und sie brach mitten im Satz ab und drehte sich zornig zu Elder herum, der auf einem unbequemen Hocker hinter der T�r sa�. Storm, der einen Verband um den linken Arm und einen zweiten �ber der Stirn trug, stand mit grimmigem Gesichtsausdruck neben ihm und stie� ihn grob auf den Stuhl zur�ck, als er sich erheben wollte. �Sie haben sie verh�rt�, sagte Elder noch einmal. �Sie haben jedes bi�chen Wissen aus ihrem Gehirn gesaugt, nur erinnert sie sich nicht mehr daran. Es ist nicht ihre Schuld.�</p><p>Kara funkelte ihn an. �Elder � wie sch�n, da� du uns auch wieder einmal die Ehre gibst. Wo bist du gewesen?�</p><p>Elder ignorierte die Frage und machte eine Kopfbewegung auf Tess. �Das arme Kind sitzt seit Stunden hier und hat hohes Fieber�, sagte er. �Aber sie kann nichts daf�r. Glaub mir auch du h�ttest ihnen jede Frage beantwortet, die sie dir gestellt h�tten.�</p><p>�Ich habe ihn in den Drachenh�hlen gefunden�, sagte Storm zornig. �Wo er in Sicherheit war, dieser verdammte Feigling!�</p><p>�Feigling?� Elder lachte kurz. �H�ltst du es f�r tapfer, hier oben zu bleiben und als Zielscheibe zu dienen?�</p><p>�Wenigstens sind wir nicht weggelaufen und haben unsere Kameraden im Stich gelassen!� entgegnete Kara.</p><p>�Ich habe euch oft genug gewarnt!� sagte Elder. �Ihr wolltet mir nicht glauben, wie? Habt ihr gedacht, ich l�ge, oder habt ihr euch wirklich f�r so unbesiegbar gehalten? Wei�t du eigentlich, da� ihr noch Gl�ck gehabt habt? Ihr k�nntet jetzt alle tot sein, wenn sie es ernst gemeint h�tten!�</p><p>�Wir sind verraten worden!� sagte Storm mit einem fast ha�erf�llten Blick auf Tess. �H�tten wir unsere Drachen in die Luft be...�</p><p>�H�tten! Wenn! W�re!� unterbrach ihn Elder. �So ist noch nie ein Krieg gewonnen worden, Storm. Der Trick ist, da� ihr nicht dazu gekommen seid!�</p><p>�Noch einmal wird uns das bestimmt nicht passieren�, grollte Storm. �Sicher nicht!� antwortete Elder. �Das n�chste Mal denken sie sich etwas anderes aus, um euch zu �berraschen. PACK hat noch nie einen Krieg verloren.�</p><p>�Sie k�mpfen nicht fair!� sagte Storm.</p><p>�Na und?� Elder deutete auf Kara. �Um einmal einen der Lieblingss�tze eurer Herrin zu zitieren: Wer hat je behauptet, da� ein Kampf immer fair sein mu�?�</p><p>�Das reicht!� sagte Kara, aber Elder unterbrach sie sofort wieder. �Nein, verdammt, das reicht nicht! Ist das, was heute passiert ist, denn immer noch nicht genug? Wie viele Helikopter habt ihr in Schelfheim zerst�rt? F�nf? Und jetzt sieh dir eure Festung an und deine toten Kameraden! Das ist die Quittung, die ihr daf�r bekommen habt! Und dabei haben sie es noch nicht einmal wirklich ernst gemeint. Sie sind nur einmal kurz gekommen und haben �Hallo� gesagt, glaub mir!�</p><p>�Ich w�rde es dir glauben, h�tten sie die Burg einfach nur in Brand geschossen�, erwiderte Kara. �Aber sie waren hier. Sie sind in dieses Zimmer und ein paar andere eingedrungen, und sie haben mindestens ein Dutzend M�nner dabei verloren. So etwas tut man nicht ohne Grund.� Sie sah Elder bei diesen Worten scharf an. Aires und sie waren �bereingekommen, niemandem von der unheimlichen Wiederkehr vermeintlich toter Krieger zu erz�hlen.</p><p>�Vielleicht haben sie den Piloten gesucht, der Tess hergebracht hat�, sagte Elder.</p><p>�Vielleicht auch dich.�</p><p>�Kaum�, antwortete Elder achselzuckend. �Wenn sie auch nur den Verdacht gehabt h�tten, da� ich noch lebe, dann st�nde hier jetzt kein Stein mehr auf dem anderen.�</p><p>Kara starrte ihn zornig an, aber zumindest in diesem einen Punkt glaubte sie ihm. Noch immer vor Zorn bebend drehte sie sich zu Hrhon herum. Der Waga war ihr trotz seiner schweren Verletzung bisher kaum von der Seite gewichen. �Hast du getan, was ich dir befohlen habe, und nach dem toten Krieger gesehen?� schnappte sie. �Ist er noch da?�</p><p>Hrhon nickte, aber sie glaubte ein Z�gern in dieser Bewegung zu erkennen.</p><p>�Jha�, sagte er. �Ssseihn Kh�rpher ssshon.�</p><p>�Was soll das hei�en � sein K�rper?� fauchte Kara. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Elder fast unmerklich zusammenfuhr. �Ist er noch da oder nicht?�</p><p>Hrhon druckste einen Moment herum. �Ssshi hahbhen ihn nhissst mhitghenhommhen. Abher ssshie hahbhen ihm dhen Khopfh abghessshnhitthen.�</p><p> �Den Kopf <emphasis>abgeschnitten?�</emphasis> Geschlagene zehn Sekunden starrte Kara den Waga fassungslos an � und dann fiel es ihr pl�tzlich wie Schuppen von den Augen.</p><p>Auch Aires verga� schlagartig ihre M�digkeit, sprang auf und eilte zu einer umgest�rzten Truhe neben ihrem Bett. Mit fliegenden Fingern durchw�hlte sie ihren Inhalt, dann richtete sie sich auf und sch�ttelte den Kopf. �Es ist nicht mehr da. Das war es, was sie gesucht haben.�</p><p>�Wovon redet ihr eigentlich?� fragte Elder. Er wirkte mit einemmal sehr nerv�s.</p><p>Kara starrte ihn an, und pl�tzlich gab sie Hrhon einen Wink. Der Waga packte Elder, ehe der �berhaupt richtig begriff, was mit ihm geschah, und drehte ihm die Arme auf den R�cken. Elder keuchte vor Schmerz, begann um sich zu treten und stellte seinen Widerstand hastig ein, als Hrhon seinen Griff verst�rkte. �Du wei�t ganz genau, wovon wir reden�, sagte Kara. Ihre Stimme zitterte vor kaum noch unterdr�cktem Zorn. �Wir reden von dem <emphasis>Ersatzteil,</emphasis> das der tote Mann in Schelfheim im Kopf hatte. Die <emphasis>Prothese,</emphasis> erinnerst du dich? Nicht viel mehr als eine Kr�cke, nicht wahr? Ich halte jede Wette, da� dein toter Kamerad auch eine solche <emphasis>Prothese</emphasis> im Sch�del getragen hat. Dummerweise war jemand so nachl�ssig, seinen Kopf zu verlegen, so da� wir nicht mehr nachsehen k�nnen.�</p><p>�Ich... verstehe nicht, was du... was du meinst�, stammelte Elder. In seinen Augen flackerte Angst.</p><p>�So?� fragte Kara. �Wirklich nicht? Ich bin sicher, da� wir wahrscheinlich in deinem Kopf auch so eine Kr�cke finden werden, wenn wir ihn aufschneiden, um nachzusehen.� Sie zog ihr Messer, als wollte sie ihre Worte augenblicklich in die Tat umsetzen, und aus der Angst in Elders Blick wurde Panik. �Was... was hast du vor?� stammelte er.</p><p>�Dir ein paar Fragen stellen�, antwortete Kara. �Auch wir haben so unsere Methoden, Antworten zu bekommen. Aber an <emphasis>unser</emphasis> Verh�r <emphasis>wirst</emphasis> du dich erinnern, das verspreche ich dir!�</p><p>Sie hob das Messer, steckte es dann pl�tzlich wieder weg und streckte fordernd die Hand in Aires Richtung aus. �Deinen Laser, Aires, Ich glaube, jetzt brauche ich ihn doch.�</p><p>�Kara, nein!� keuchte Elder. �Du wei�t nicht, was...�</p><p>Kara trat dicht an ihn heran, dr�ckte seinen Kopf zur Seite und setzte den Lauf der kleinen Laserpistole an die linke Seite seines Hinterkopfes. �Genau hier, nicht?� fragte sie. �Ich m�chte dir ungern unn�tige Schmerzen zuf�gen, indem ich danebenschie�e! �</p><p>�Kara, bitte!� st�hnte Elder. �La� es mich erkl�ren!�</p><p>�Was?� fragte Kara. �Da� du uns die ganze Zeit �ber belogen hast? Da� ihr gar keine Menschen seid? Da� ihr nur mit uns gespielt habt?� Sie zitterte. F�r Sekunden mu�te sie all ihre Selbstbeherrschung aufbieten, um nicht wirklich abzudr�cken. �Was bist du, Elder?� fragte sie. �Nur ein Haufen grauer Schlamm unter Glas, der nach Belieben in einen neuen K�rper schl�pft?�</p><p>�Nein�, st�hnte Elder. �Bitte, Kara � ich erkl�re es dir. H�r mir nur eine Minute zu, ich flehe dich an!�</p><p>Eine Hand legte sich beruhigend auf ihren Arm. �La� ihn reden�, sagte Aires.</p><p>Kara zitterte. Ihr war fast schlecht vor Zorn. Aber dann nahm sie ganz langsam die Waffe herunter und trat einen Schritt zur�ck. Sie widersetzte sich nicht, als Aires ihr den Laser aus der Hand nahm.</p><p>�Rede!� befahl sie.</p><p>Elder hob st�hnend den Kopf. �Diese d�mliche Schildkr�te kann mich jetzt loslassen�, sagte er.</p><p> Die <emphasis>Schildkr�te</emphasis> knurrte und machte eine kaum sichtbare Bewegung; Kara konnte h�ren, wie Elders Handgelenk brach. Elders Gesicht wurde grau.</p><p>�O Verzeihung�, sagte Kara kalt. �Hrhon ist manchmal auch zu ungeschickt. Du solltest das bei deinen Antworten bedenken, sonst rei�t er dir ganz aus Versehen noch einen Arm aus. Allerdings nehme ich nicht an, da� dir das allzuviel ausmacht. Vermutlich wirst du ihn dir einfach nachwachsen lassen.�</p><p>Elder st�hnte vor Schmerz. Sein Gesicht war schwei�bedeckt. �Es tut mir leid�, sagte er. �Es war meine Schuld. Ich... h�tte es euch sagen sollen, ich wei�.�</p><p>�Dann tu es doch jetzt�, schlug Kara vor. �Wir sind geduldige Zuh�rer.�</p><p>�Ich habe dich nicht belogen�, sagte Elder. �Es stimmt, was ich dir �ber unser Volk erz�hlt habe. Wir werden sehr alt. Aber wir sind nicht unverwundbar. Deshalb sch�tzen wir unser Gehirn. Verdammt, ich habe die Wahrheit gesagt! Es ist eine Art Ersatzteil! Wie ein Helm, wenn du willst � nur da� wir ihn in unseren K�pfen tragen statt dar�ber!�</p><p>�Ich glaube dir nicht�, sagte Kara. �Der Mann, den ich heute morgen sah, ist derselbe, den ich schon zweimal get�tet habe. Get�tet, Elder � nicht verletzt!�</p><p>�So leicht ist es nicht, einen Menschen umzubringen�, antwortete Elder. �Organe sind austauschbar. Selbst ein ganzer K�rper.�</p><p>�Soll das hei�en, ihr... k�nnt euch neue K�rper besorgen, wenn die alten zerst�rt werden?� fragte Aires fassungslos. Elder nickte. �Ja. Die Technik ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Du brauchst nur eine einzige Zelle, um einen vollkommen neuen K�rper daraus zu clonen. Eine perfekte Kopie des alten.�</p><p>�Dann... dann seid ihr wirklich unsterblich�, hauchte Kara. �Ihr werdet einfach wiedergeboren, wenn der alte K�rper verbraucht ist!�</p><p>�Ganz so einfach ist es leider nicht�, antwortete Elder. �Ich kann mich hundertmal kopieren lassen, aber es w�ren nur... leere H�llen. Fleisch, das atmet und blutet, aber nicht mehr. Es ist uns nie gelungen, <emphasis>Leben</emphasis> zu erschaffen. Wir k�nnen auch das Gehirn nachz�chten, und es funktioniert so gut oder schlecht wie das, nach dessen Vorbild es erschaffen wurde.�</p><p>Aires starrte ihn immer ungl�ubiger an. Dann gab sie Hrhon einen Wink. �La� ihn los.�</p><p>Der Waga gehorchte. Elder stolperte einen Schritt von ihm fort, kr�mmte sich und pre�te st�hnend die gebrochene Hand gegen den Leib.</p><p>�Dann ist das, was Kara gefunden hat...�</p><p>�... das, was wir nicht kopieren k�nnen�, f�hrte Elder den Satz st�hnend zu Ende. �Organisch schon, aber das hat keinen Sinn. Es sind die Erinnerungen, das, was Charakter und das Wesen eines Menschen ausmacht. Der Sitz des Bewu�tseins, wenn du so willst.�</p><p>�Das hei�t, wenn euer K�rper get�tet wird, nehmt ihr einfach dieses... <emphasis>Ding</emphasis> aus seinem Kopf und pflanzt es in einen neuen�, murmelte Kara. Sie empfand ein nicht mit Worten zu beschreibendes Entsetzen.</p><p>�Ganz so einfach ist es nicht�, antwortete Elder. �Aber im Prinzip hast du recht. Die Kapsel enth�lt eine winzige �berlebenseinrichtung. Und einen Sender, der automatisch ein Notsignal ausstrahlt, wenn sie aktiviert wird.�</p><p>�Deshalb sind sie so furchtlose K�mpfer�, sagte Storm d�ster. �Sie sterben ja nicht wirklich. Jedenfalls nicht f�r lange.�</p><p>�Ja�, f�gte Aires hinzu. �Und das ist auch der Grund, aus dem sie unsere Drachen f�rchten, nicht wahr?� Sie sah Elder auffordernd an, aber er schwieg, und so fuhr sie nach ein paar Augenblicken fort. �Ich nehme an, diese Kapseln sind aus einem sehr widerstandsf�higen Material gefertigt. Aber sie sind nicht unzerst�rbar. Das Feuer eines Drachen kann sie vernichten. Und dann sind sie <emphasis>wirklich</emphasis> tot. Ist es nicht so?�</p><p>Elder nickte widerstrebend. Er sagte aber nichts, und nach einem Moment wich er auch Aires� Blick aus.</p><p>�Warum hast du uns nichts davon erz�hlt?� fragte Kara. �Du hast gewu�t, was ich aus Schelfheim mitgebracht habe. Du hast es gesehen, als es vor Aires auf dem Tisch lag! Du hast es in der Hand gehabt! Warum hast du geschwiegen? Du mu�t gewu�t haben, da� sie kommen w�rden. Das alles hier ist deine Schuld, Elder, ist dir das klar?�</p><p>�Ich wei߫, fl�sterte Elder. �Es... es tut mir aufrichtig leid, glaub mir. Ich habe einen Fehler gemacht.�</p><p>�Es tut dir leid?� Kara hob zornig die Hand und lie� sie wieder sinken. �Dort drau�en liegen drei�ig Tote, Elder! Wei�t du �berhaupt, was dieses Wort bedeutet � ich meine <emphasis>wirklich</emphasis> bedeutet? Sie sind tot, Elder! Niemand wird kommen und ihre Gehirne in neue K�rper stopfen! Sie sind tot, und sie werden es bleiben! �</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Elder zum wiederholten Mal. �Was soll ich tun, au�er meinen Fehler einzugestehen? W�rde es euch zufriedenstellen, wenn ich Selbstmord beginge?�</p><p>Kara wollte auffahren � aber in diesem Moment fiel ihr etwas ein, woran sie bisher nicht einmal gedacht hatten. �O mein Gott�, fl�sterte sie entsetzt. �Wi�t ihr, was das noch bedeutet?� Aires und Storm sahen sie erschrocken an, und Kara fuhr mit bebender Stimme fort. �Es bedeutet, da� sie auch Schelfheim noch einmal angreifen werden!�</p></section><section><title><p>43</p></title><p>Sie erreichten die Stadt im Morgengrauen des n�chsten Tages, denn trotz allem hatte keiner von ihnen noch die Energie aufgebracht, sofort aufzubrechen. Sie w�ren ohnehin zu sp�t gekommen, denn wie Kara gleich nach ihrer Ankunft erfuhr, hatte der Angriff auf Schelfheim nahezu in der gleichen Minute stattgefunden, als auch der Hort �berfallen worden war.</p><p>Keiner der Drachen samt ihrer Reiter waren noch am Leben. Zwei der riesigen Tiere waren in die Stadt gest�rzt und hatten den Verheerungen des vorangegangenen Angriffs neue hinzugef�gt, doch die meisten Tiere waren drau�en �ber dem <emphasis>Schlund</emphasis> abgest�rzt. Sie hatten nicht einmal die Chance gehabt, ihre Gegner in einen Nahkampf zu verwickeln.</p><p>Vielleicht hat Elder recht, dachte Kara matt, w�hrend sie schweigend und mit unbewegtem Gesicht Cords Bericht lauschte. Vielleicht waren ihre Gegner einfach <emphasis>besser</emphasis> als sie. �Ich konnte nichts tun�, beendete Cord seinen Bericht. �Ich war mit dem Hund unten in den Katakomben. Als ich den L�rm h�rte, bin ich sofort zur�ckgelaufen, aber es war zu sp�t. Sie hatten meinen Drachen erschossen.�</p><p>�Sei froh, da� du unten warst�, sagte Donay. �Sonst w�rst du jetzt auch tot.� Er hatte Kara und das gute Dutzend Drachenflieger begleitet, da er in der Stadt noch einige Dinge holen wollte � unter anderem auch Irata, das menschliche Gegenst�ck zu Elders <emphasis>Computer.</emphasis> Und eine ellenlange Liste von Dingen, die mitzubringen ihm Elder aufgetragen hatte. Donay war bla� geworden, als er sie �berflog, hatte sie aber kommentarlos eingesteckt.</p><p>�Ja, vermutlich hast du recht�, sagte Cord d�ster. �Aber ich w�nschte mir fast, es w�re so.�</p><p>�Unsinn!� Kara widersprach heftig. �Ich brauche lebende Krieger, keine toten! Hast du eine Spur gefunden?�</p><p>�Von Elder?� Cord nickte. �Er war dort unten. Ganz in der N�he der Stelle, an der Liss und die beiden anderen ermordet wurden. Der Hund hat seine Spur eindeutig wiedererkannt.�</p><p>�Da� er dort unten war, mu� nicht unbedingt bedeuten, da� er die drei auch umgebracht hat�, sagte Donay. Kara registrierte den besorgten Blick, den er ihr aus den Augenwinkeln zuwarf. �Was hast du entdeckt?�</p><p>�Ein paar alte Keller voller Staub und Spinnen�, antwortete Cord. Z�gernd f�gte er hinzu: �Und noch etwas, aus dem nicht schlau werde.� Er sah Donay an. �Vielleicht solltest du es dir bei Gelegenheit noch einmal ansehen.�</p><p>�Nicht bei Gelegenheit�, sagte Kara. �Sofort. Wir gehen noch heute hinunter. Was ist es?�</p><p>�Wahrscheinlich nichts von Bedeutung�, antwortete Cord. �Eine Inschrift an einer Wand. Ich kann es nicht besser ausdr�cken, aber irgendwie jagte sie mir Angst ein. Der Hund wurde auch unruhig. Ich konnte ihn kaum noch b�ndigen.�</p><p>�Eine Inschrift?� Donay beugte sich interessiert vor. �Ein Bild, meinst du?�</p><p>�Nein. Eine Art... Buchstaben. Ich konnte sie nicht lesen.�</p><p>�Hunde k�nnen auch nicht lesen�, sagte Donay.</p><p>�Ich wei߫, antwortete Cord in leicht beleidigtem Ton.</p><p>�Trotzdem war er wie von Sinnen. Er hat sogar nach mir geschnappt.�</p><p>�Gut�, sagte Kara. �Sehen wir uns diese sonderbare Inschrift an.�</p><p>�Jetzt gleich?� fragte Cord.</p><p>�Was spricht dagegen?�</p><p>�Gendik will dich sehen�, antwortete Cord. �Karoll und er warten bereits drau�en auf dich.�</p><p>�Er ist noch hier?� fragte Kara �berrascht. Gleichzeitig war sie fast erleichtert. Der Anblick des brennenden Drachenhortes war nicht unbedingt das, was sie Gendik zur Begr��ung hatte bieten wollen.</p><p>�Er war noch gar nicht weg�, best�tigte Cord. Er stand auf. �Ich kann ihn abwimmeln, wenn du das m�chtest.�</p><p>Kara lieb�ugelte eine Sekunde lang tats�chlich mit dem Gedanken. Aber dann sch�ttelte sie mit einem Seufzer den Kopf. �Nein, schick ihn nur her. Bringen wir es hinter uns.�</p><p>Cord ging, und Donay blickte ihm nachdenklich hinterher. �Was, zum Teufel, hat er damit gemeint?�</p><p>�Wir werden es sehen�, sagte Kara. Sie hatte keine Lust, jetzt dar�ber nachzudenken. Im Grunde wollte sie �ber gar nichts nachdenken. Sie wollte nicht einmal <emphasis>hier sein.</emphasis> F�r einen Moment w�nschte sie sich, wieder das Kind zu sein, das in einem anderen, besch�tzenden Drachenhort aufwuchs.</p><p>Karoll und der Herrscher von Schelfheim mu�ten wohl unmittelbar vor der T�r gewartet haben, denn sie erschienen bereits nach wenigen Augenblicken. Karolls Gesicht war so ausdruckslos, wie Kara es kannte; das Gesicht eines Politikers und Diplomaten, in dessen Wortschatz der Begriff �Gef�hl� einfach fehlte. Aber auf dem Antlitz Gendiks entdeckte sie weder Niedergeschlagenheit noch Schrecken. Seine Augen blitzten vor Zorn, und es dauerte eine Weile, bis Kara begriff, da� dieser Zorn weder den namenlosen Angreifern noch dem grausamen Schicksal galt, das seine Stadt getroffen hatte, sondern einzig und allein ihr.</p><p>Er polterte auch sofort los. �Du kommst sp�t! Der �berfall fand gestern morgen statt! Wieso kommt ihr erst jetzt, und wieso habt ihr nur so wenige Krieger bei euch? Die, die du hiergelassen hast...�</p><p>�... sind tot�, unterbrach ihn Kara. �Stellt Euch vor, Gendik, das ist meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen.�</p><p>Gendik erbleichte, weil er solch eine harte, schneidende Replik noch nicht erlebt hatte. Im gleichen beleidigenden Ton fuhr sie fort: �Ich mu� gestehen, da� ich ein wenig �berrascht bin, Euch hier zu sehen, Gendik. Ich dachte, ich h�tte Euch und Eure Berater zu einem Gespr�ch in den Drachenhort eingeladen.�</p><p>�Ich kann hier nicht weg�, antwortete Gendik verst�rt. �Wie stellst du dir das vor? Die Stadt ist von einer Katastrophe unvorstellbaren Ausma�es getroffen worden. Soll ich sie im Stich lassen, nur um einen Becher Wein mit dir und deinen Freunden zu trinken?�</p><p><emphasis>Wie recht du hast,</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Und die wirkliche Katastrophe kommt erst noch, mein Freund.</emphasis></p><p>Karoll versuchte zu schlichten. �Ich bitte euch�, sagte er in die Runde. �Wir sind alle erregt und nerv�s. Gegenseitige Vorw�rfe helfen da niemandem weiter. Gendik konnte nicht einfach f�r eine Woche verschwinden, nach allem, was hier geschehen ist, Kara. Und du hattest sicher gute Gr�nde, erst jetzt hier zu erscheinen und mit weniger Kriegern, als wir erwarteten.�</p><p>�Ja�, sagte Kara d�ster. �Die hatte ich.�</p><p>Gendik warf seinem Berater einen zornigen Blick zu, ging aber nicht weiter auf seine Worte ein, sondern setzte im gleichen, herausfordernden Tonfall wieder an: �Wann kommen die anderen Krieger? Und was gedenkt ihr zu tun, um einen dritten �berfall zu verhindern?�</p><p>��berhaupt nichts�, antwortete Kara ruhig.</p><p>Karoll starrte sie aus aufgerissenen Augen an.</p><p>�Wir werden nichts tun, weil wir nichts tun k�nnen, Gendik. Du hast gesehen, wozu sie f�hig sind. Was erwartest du von mir? Da� ich meine Leute gegen einen �berm�chtigen Feind in die Schlacht schicke? Ich habe dir zehn meiner besten Krieger hiergelassen, und sie haben sie abgeschossen wie lahme Tauben. Ich denke nicht daran, meine Freunde zu opfern.�</p><p>�Das hei�t, du l��t uns im Stich?� murmelte Gendik fassungslos. �Du wirfst uns ihnen zum Fra� vor?�</p><p>�Zehn Jahre, Gendik�, begann Kara. �Zehn Jahre lang habt ihr alle keine Gelegenheit ausgelassen, uns zu zeigen, wie sehr ihr uns verachtet. Ihr habt unseren Schutz angenommen, aber unsere N�he wolltet ihr nicht. Und ihr wollt sie noch immer nicht. Ihr verachtet uns, und ihr gebt euch nicht einmal die M�he, es zu verheimlichen. Ihr haltet uns f�r Barbaren, f�r Wilde, die in ihrer Burg weit weg in den Bergen gut genug aufgehoben sind! Aber jetzt, wo eure kostbaren Leben in Gefahr sind, da schreit ihr pl�tzlich nach uns. Mit einem Mal sind die Barbaren wieder gut, nicht wahr?�</p><p>Sowohl Gendik als auch Karoll sahen sie v�llig verst�ndnislos an. Selbst Kara war ein wenig �berrascht �ber die Heftigkeit ihres Ausbruchs, aber sie f�hlte sich sehr erleichtert. Sie hatte es einfach einmal sagen m�ssen.</p><p>�Wir haben einen Vertrag, Kara�, sagte Karoll beinahe sanft. �Schelfheim zahlt Abgaben an euch. Nicht viel und auch nicht immer so p�nktlich, aber wir erf�llen unseren Teil. Und der Hort...�</p><p>�Der Hort�, unterbrach ihn Kara leise, �existiert nicht mehr.�</p><p>Die beiden M�nner starrten sie an, und auch in Donays Augen erschien ein besorgter Ausdruck. Sie waren eigentlich �bereingekommen, nichts von ihrer Niederlage zu erz�hlen oder sie zumindest herunterzuspielen. Aber Kara hatte pl�tzlich das Gef�hl, da� die Zeit f�r L�gen endg�ltig vor�ber war. �Wie... bitte!� hauchte Gendik schlie�lich.</p><p>�Sie haben uns ebenfalls angegriffen�, antwortete Kara leise, ohne ihn oder Karoll anzusehen. �Der Drachenhort ist zerst�rt. Sie haben ihn niedergebrannt, Gendik. Ich wei� nicht, ob wir ihn �berhaupt jemals wieder aufbauen k�nnen. Sehr viele unserer Krieger sind tot. Die, die ich mitgebracht habe, sind beinahe alle, die �berhaupt noch in der Lage waren, einen Drachen zu besteigen. Und ich werde sie ganz gewi� nicht als Zielscheibe f�r diese Ungeheuer hierlassen.�</p><p>�Ihr... gebt einfach auf?� sagte Gendik verst�rt. �Ihr wollt nicht einmal gegen sie k�mpfen? Ihr wollt uns einfach im Stich lassen?�</p><p>Hatte er denn gar nichts verstanden? Kara blickte ihn an und versuchte vergeblich, weiterhin so etwas wie Zorn oder wenigstens Verachtung zu empfinden. Es gelang ihr nicht. Ihr Vorrat an Gef�hlen war ersch�pft. Sie f�hlte sich nur noch leer. Und es war auch Donay, der Gendik antwortete, nicht Kara. �Nat�rlich nicht�, sagte er mit einem fast flehenden Blick in Karas Richtung. �Aber wir haben es mit einem Gegner zu tun, der mit den uns bekannten Mitteln und Waffen nicht zu schlagen ist. Wir m�ssen eine neue Taktik ausarbeiten. In diesem Zusammenhang...� Er griff unter seine Jacke und zog den zusammengefalteten Zettel hervor, den er von Elder bekommen hatte. �Da w�ren noch ein paar Dinge, die ich euch zusammenzustellen bitte.�</p><p>�Eine neue Taktik?� �chzte Gendik. �Worin besteht sie?</p><p>Darin, sich feige zu verkriechen und darauf zu warten, da� sie die Lust verlieren, uns zusammenzuschie�en?�</p><p>�Sie besteht auf jeden Fall nicht darin, mit offenen Augen in den sicheren Tod zu rennen�, antwortete Kara m�de. ��berdies habe ich sicheren Grund zu der Annahme, da� sie euch nicht noch einmal angreifen werden.�</p><p>�Wie beruhigend�, sagte Gendik. �Und wenn du dich t�uschst, dann sind wir die ersten, die das merken, wie?�</p><p>Sein Hohn prallte von Kara ab. Er war ebensowenig echt wie sein �berheblicher Blick. Der Gendik, der Kara gegen�bersa�, hatte kaum noch etwas mit dem Mann gemein, der vor wenigen Minuten durch die T�r hereingekommen war. Gendik war bis ins Mark ersch�ttert. Schelfheim hatte sich all die Jahre hindurch sicher gef�hlt, besch�tzt von der st�rksten Macht, die es auf dieser Welt gab. Und mit einem Mal mu�ten sie erkennen, wie wenig dieser Schutz wert war.</p><p>�Es ist keineswegs so, da� wir aufgeben�, fuhr Kara fort. �Aber Donay hat v�llig recht. Die Libellen sind keine Gegner, die wir mit Waffengewalt in die Knie zwingen k�nnen. Wir m�ssen uns einen anderen Weg ausdenken. Das bedeutet nicht, da� wir kapitulieren.�</p><p>�Dann... dann verb�nden wir uns mit ihnen�, sagte Gendik nerv�s. �Wir m�ssen herausfinden, was sie von uns wollen und warum sie hier sind. Vielleicht gibt es einen Weg, sich mit ihnen zu arrangieren.�</p><p>Kara l�chelte bitter. Sie hatte diesen Vorschlag von einem Mann wie Gendik erwartet. �Ich f�rchte, das einzige, was sie von uns wollen, ist auch das einzige, was wir ihnen nicht geben k�nnen�, sagte sie.</p><p>Karoll hatte mittlerweile den Zettel gelesen und sah stirnrunzelnd auf. �Das kann ich euch nicht geben�, sagte er. �Diese Dinge werden in Schelfheim ben�tigt. Ganz davon abgesehen, da� ich einen Monat br�uchte, um sie zusammenzustellen.�</p><p>Kara ma� ihn mit einem langen Blick. �Ich kann mich nicht erinnern, da� Donay Euch um diese Dinge <emphasis>gebeten</emphasis> hat, Karoll�, sagte sie k�hl. �Es war ein <emphasis>Befehl,</emphasis> und Ihr werdet ihm gehorchen. Und Ihr habt Zeit bis morgen fr�h, das Gew�nschte zusammenzustellen.� Sie stand auf. �Es sei denn, Ihr legt Wert darauf, da� ich meine Krieger ausschicke, um sie zu suchen.�</p><p>So schnell, da� Gendik keine Chance mehr hatte, eine Antwort zu finden, verlie� sie das Zimmer und das Haus. Ein warmer Wind schlug ihr entgegen. Ohne im Schritt innezuhalten, eilte sie auf den gewaltigen Krater zu, b�ckte sich unter der dreifachen Absperrung hindurch und blieb erst stehen, als jeder weitere Schritt nicht nur Lebensgefahr, sondern <emphasis>Selbstmord</emphasis> bedeutet h�tte. Das Loch war merklich gr��er geworden. Als sie das erste Mal zusammen mit Elder und Hrhon hier hinabgestiegen war, da hatte es gerade den Durchmesser des Br�ckenpfeilers gehabt. Jetzt hatte es mehr als die H�lfte des Platzes verschlungen; und das leise, aber best�ndige Rieseln und Rascheln verriet ihr, da� es sich noch immer ausdehnte. Vielleicht, dachte sie, wird es �berhaupt nie aufh�ren zu wachsen, sondern Schelfheim eines Tages wie ein steinerner Strudel verschlingen.</p><p>�Warum warst du so grob zu ihnen?� fragte Donay hinter ihr. Sie hatte nicht gemerkt, da� er ihr gefolgt war, und sie drehte sich auch nicht zu ihm herum.</p><p>�Wieso? Hattest du solches Mitleid mit Gendik?�</p><p>�Nein�, antwortete Donay. �Er hat es verdient, aber der Zeitpunkt war nicht sehr klug gew�hlt.� Mit ver�nderter Stimme f�gte er hinzu: �Geh da weg. Es macht mich nerv�s, dich da stehen zu sehen.�</p><p>Wie um seine Worte zu bekr�ftigen, l�ste sich ein kleiner runder Stein unmittelbar neben Karas rechtem Fu�, rollte ein St�ck und fiel dann ins Loch. Kara verfolgte seinen Flug, bis er von der Schw�rze des Schachtes aufgesogen wurde. Sie r�hrte sich nicht. �Wieso? Wir wollen doch sowieso nach unten, oder?�</p><p>�Aber nicht so�, antwortete Donay. �Jedenfalls hatte ich das nicht vor. Du, vielleicht?� Das Schweigen, mit dem sie auf seine nur rhetorisch gemeinte Frage antwortete, schien ihn zu alarmieren, denn pl�tzlich verga� er seine eigene Warnung, trat neben sie und legte die Hand auf ihre Schulter. Sie wankte, machte einen hastigen Schritt vom Rand des Kraters fort und hielt sich instinktiv an Donay fest. Unter ihrer beider F��en l�sten sich immer mehr Steine und rollten abw�rts, und ganz pl�tzlich sp�rte sie den Sog der Tiefe. Die Gefahr abzust�rzen bestand nicht wirklich, aber sie hatten es doch pl�tzlich sehr eilig, einige Schritte zwischen sich und den Abgrund zu bringen.</p><p>Was f�r ein absurdes Ende w�re das doch f�r diese Geschichte gewesen, dachte Kara.</p><p>Donay lie� fast verlegen ihre Schultern los, trat einen Schritt vor und wu�te pl�tzlich nicht mehr, was er mit seinen H�nden anfangen sollte.</p><p>�La� uns gehen�, sagte Kara, als sie seine Verlegenheit sp�rte. �Cord wartet sicher schon auf uns.�</p></section><section><title><p>44</p></title><p>Vier Stunden sp�ter war Kara nicht mehr ganz sicher, ob es nicht wirklich einfacher gewesen w�re, den direkten Weg in die Tiefe zu w�hlen. Sie hatten nicht sofort aufbrechen k�nnen, obwohl alles in Kara danach dr�ngte, ihren Ausflug in Schelfheims Unterwelt m�glichst rasch hinter sich zu bringen, damit sie zum Drachenhort und den anderen zur�ckkehren konnten. Aber zugleich hatte sie auch Angst vor dem gehabt, was sie finden mochten. Denn ob es nun ein Beweis f�r Elders Schuld oder im Gegenteil f�r seine Ehrlichkeit war, es w�rde die Dinge so oder so komplizieren.</p><p>Stand Elder auf ihrer Seite, wie er behauptete, und sprach die Wahrheit, dann k�mpften sie einen Kampf ohne jede Aussicht auf einen Sieg. Log er und war ein Verr�ter, der in Wirklichkeit mit den M�nnern in den blauen Uniformen zusammenarbeitete, dann standen ihre Chancen noch viel schlechter, denn dann wu�ten ihre Feinde mittlerweile alles �ber den Drachenhort und seine Bewohner.</p><p>Sie war auf dem besten Weg gewesen, tats�chlich tr�bsinnig zu werden, als Donay und Cord schlie�lich kamen und ihr mitteilten, da� sie bereit seien. Cord hatte allerdings den Sp�rhund nicht bei sich, womit sie fest gerechnet hatte, und irgendein Teufel hatte Donay geritten, seinen brabbelnden Erinnerer mitnehmen zu wollen; eine Kreatur, die bei aller Intelligenz, die Kara ihr zubilligte, kaum in der Lage war, aus eigenem Entschlu� mehr als drei Schritte zu tun. Au�erdem hatte Cord nur abgewunken, als sie sich herumdrehen und zu dem an einer fast mannsgro�en Seilwinde h�ngenden Aufzugkorb gehen wollte, den Gendiks M�nner in den letzten Tagen installiert hatten. Die feindlichen Truppen hatten ihn nicht zerst�rt, so da� er noch immer einen relativ sicheren und bequemen Weg bot, in die tieferen Gefilde der Stadt vorzusto�en.</p><p>Aber obwohl es ihr nicht behagte, folgte Kara Cord widerspruchslos zu einem halb heruntergebrannten Haus, das einen guten Block weit entfernt lag. Vorbei an Tr�mmern und verkohlten Balken, die man nur notd�rftig zur Seite ger�umt hatte, erreichten sie eine ausgetretene Treppe, �ber die sie in das hinunterstiegen, was vor zehn oder zw�lf Jahren einmal der Wohnraum dieses Hauses gewesen war, jetzt aber als Keller diente. Cord versah sich mit einem ganzen Arm voller kleiner Leuchtst�be, entfernte von dreien sorgsam die lichtundurchl�ssige H�lle und geduldete sich einen Moment, bis die Bakterien im Inneren des Holzschwammes begannen, ihr kaltes gr�nes Licht zu produzieren. Zwei dieser St�be reichte er Kara und Donay, den Rest schob er unter seinen G�rtel und in sein Hemd. W�hrend der ersten halben Stunde ihres Abstiegs versp�rte Kara trotz allem wieder die gleiche Neugier und beinahe Ehrfurcht, die sie beim ersten Mal hier unten empfunden hatte, brachte sie doch jede Stufe, auf die sie ihren Fu� setzte, gewisserma�en ein Jahr in die Vergangenheit zur�ck. Die unterirdischen R�ume und S�le waren in erstaunlich gutem Zustand, bedachte sie, wie alt sie waren und wie tief sie sich schon nach kurzer Zeit unter der Erdoberfl�che befanden: Nach dem zehnten Gescho� nicht nur f�nfundzwanzig Meter, sondern gleichsam auch ein Jahrhundert weit in der Vergangenheit. Es gab kaum Staub oder Spuren von Verfall, und selbst hier unten trafen sie noch auf die Zeugnisse menschlicher Anwesenheit, die nicht �lter als wenige Tage oder Wochen sein konnten: ein achtlos weggeworfener Wurstzipfel, ein St�ck schimmelndes Brot, eine Flasche mit Wasser, deren Inhalt schal, aber noch nicht faulig roch, und zu Karas Erstaunen einen Schuh. Sie fragte sich, wie man einen Schuh vergessen konnte, ohne es zu merken. Einmal h�rten sie Ger�usche, und Kara war sehr sicher, am Rand der gr�nen Helligkeit, die ihnen vorauseilte, eine Bewegung zu sehen; ein Schatten in der Dunkelheit, das Glitzern eines dunklen Augenpaares, das sie mi�trauisch ansah. Voller Unbehagen dachte sie daran, was Cord oder Angella ihr bei ihrem allerersten Besuch hier unten erz�hlt hatten, da� n�mlich diese Unterwelt das bevorzugte Jagdrevier der Schmuggler und Diebe, der Halsabschneider und Banditen sei. Eigentlich das wahre Schelfheim.</p><p>Aber je weiter sie in die Erde vordrangen, desto stiller wurde es rings um sie herum. Sie mu�ten sich noch immer in der N�he des Schachtes aufhalten, denn dann und wann glaubte Kara einen k�hlen Luftzug auf dem Gesicht zu sp�ren, der nach Salz roch. Erneut fragte sie sich, warum Cord diesen m�hseligen Weg �ber die Treppen gew�hlt hatte.</p><p>�Weil dies der Weg ist, den auch Elder genommen hat�, antwortete Cord auf ihre Frage. Und Kara schalt sich in Gedanken, da� sie nicht selbst auf diese einfache Erkl�rung gekommen war. Der verschwommene Schatten, der in der bla�gr�nen Helligkeit neben ihr war, zuckte mit den Schultern. �Ich f�rchte, er hat eine Menge Umwege gemacht. Aber der Hund ist hier entlanggelaufen. Und ich bin nicht sicher, ob ich den Weg wiederfinde, wenn ich versuche, eine Abk�rzung zu nehmen.�</p><p>Der blo�e Gedanke, sich hier unten zu verirren, versetzte Kara beinahe in Panik. So etwas war schon h�ufiger vorgekommen, und selbst im oberirdischen Schelfheim sollen sich schon Menschen hoffnungslos verlaufen haben.</p><p>Der Weg hinunter war l�nger, als Kara bef�rchtet hatte. Sie wu�te, da� die Leuchtst�be eine Lebensdauer von gut drei Stunden hatten, und eigentlich h�tte sie allein die gro�e Zahl, die Cord mitgenommen hatte, warnen m�ssen. Trotzdem war sie erstaunt, als Donays Stab an Leuchtkraft verlor und dann erlosch und zu Staub zerfiel. Cord blieb stehen, reichte Donay einen neuen Stab und tauschte vorsichtshalber auch seinen und Karas aus, ehe sie ihren Weg fortsetzten.</p><p>Nach einer Weile wurde der Weg wirklich m�hsam. Kara hatte schon nach einer halben Stunde aufgeh�rt, die Stufen zu z�hlen. Sie hatte auch bisher ganz bewu�t jeden Gedanken daran verdr�ngt, da� sie all die Tausende und Abertausende von Stufen wieder hinaufsteigen mu�ten. Die Vorstellung einer drei oder vier Meilen hohen Treppe war im Moment mehr, als sie verkraften konnte. Eines war ihr jedoch klar: Sie waren l�ngst an jener Ebene vorbei, auf der sie damals die Leichen der drei Drachenk�mpfer gefunden hatten. Sie unterbrach ihr kr�ftesparendes Schweigen zum erstenmal, um Cord auf diesen scheinbaren Widerspruch anzusprechen.</p><p>�Ich wei߫, sagte er. Er machte eine vage Geste in die Schw�rze hinein. �Es gibt eine Spur, die dort hinf�hrt. Sie endet im Nichts. Dieser Teil der Katakomben ist mit abgest�rzt.�</p><p>�Niemand hat bisher bewiesen, da� Elder die drei get�tet hat�, sagte Donay.</p><p>�Wer soll es sonst gewesen sein? Keiner wu�te, da� sie erschossen wurden. Keiner au�er denen, die sie gefunden haben. Und wir haben es niemandem erz�hlt�, erwiderte Cord. �Ich habe nicht gesagt, da� er sie nicht <emphasis>gesehen</emphasis> hat�, sagte Donay ruhig. �Ich bin sogar sicher, da� er uns eine Menge verschweigt.�</p><p>�Wieso verteidigst du ihn dann?� fragte Cord.</p><p>�Das tue ich ja gar nicht�, antwortete Donay. �Ich mag diesen Kerl nicht. Ich m�chte nur nicht, da� wir alles ihm anh�ngen, weil es so bequem ist, und dabei vielleicht etwas Wichtiges �bersehen.�</p><p>Cord murmelte eine �bellaunige Antwort, und dann schwiegen sie wieder, weil der Weg immer mehr Kraft und Aufmerksamkeit von ihnen verlangte. Sie mu�ten sich nahe der tiefsten Ebenen Schelfheims befinden, die noch zug�nglich waren. Die Treppen und G�nge, durch die sie kamen, waren zum gr��ten Teil halb oder ganz zusammengebrochen, so da� sie bald mehr kletterten als wirklich gingen. Der Staub, den sie bei jedem Schritt aufwirbelten, brachte sie zum Husten. Manchmal tasteten sie sich blind und mit klopfenden Herzen �ber eine Treppe, deren Stufen unter dem Schmutz von Jahrzehntausenden nicht mehr zu sehen waren, und ein paarmal glaubte Kara fest, da� sie sich verirrt hatten und es nicht mehr weiterging, wenn sie an Stellen kamen, wo Decken und W�nde zusammengebrochen waren oder der Weg vor einer massiven Mauer zu enden schien. Aber Cord fand jedesmal einen Durchschlupf, irgendeinen Spalt, durch den sie sich hindurchquetschen konnten. Ohne den Hund, dachte Kara, der Cord hier heruntergef�hrt hatte, h�tten sie wahrscheinlich in einer Million Jahre nicht die Chance gehabt, Elders kleines Geheimnis aufzudecken.</p><p>Sie waren alle vier v�llig ersch�pft und so verdreckt, da� ihre Gesichter kaum mehr zu erkennen waren, als sie endlich die unterste Ebene der Stadt erreichten. Cord war noch einmal stehengeblieben und hatte einen weiteren Leuchtstab f�r sich und zwei zus�tzliche f�r Donay und sie selbst entz�ndet, so da� das Licht ein wenig heller wurde, aber im Grunde unterschied Kara ihn, Donay und den Erinnerer � der sich als einzig angenehme Entt�uschung dieses Ausfluges erwiesen hatte, denn er hatte ihnen nicht die mindesten Schwierigkeiten bereitet � nur noch an ihren Schattengestalten.</p><p>Sie befanden sich in einem langgestreckten, rechteckigen Raum, der sich auf den ersten Blick in nichts von dem unterschied, was sie auf dem Weg hierher gesehen hatte. Der Gang war zum Teil versch�ttet, und die Kruste, die die Zeit auf den W�nden und dem Boden zur�ckgelassen hatte, verlieh allen Konturen etwas sonderbar Weiches und Flie�endes, als h�tte jemand diesen Raum mit fl�ssigem Wachs ausgegossen. Dann erkannte Kara ihren Irrtum. Verbl�fft lie� sie sich in die Hocke hinabsinken, legte einen der Leuchtst�be aus der Hand und streckte beinahe furchtsam die Finger aus. Cord sah ihr verwirrt und Donay eindeutig alarmiert zu, w�hrend der Erinnerer nur idiotisch grinste.</p><p>Karas Fingerspitzen tauchten in die Staubschicht ein und trafen auf einen sehr harten Widerstand, der aber nicht aus Stein war.</p><p>�Was hast du?� fragte Donay. Er trat neben sie und streckte wie sie die Hand aus. Aber er ber�hrte den Boden nicht, sondern sah sehr aufmerksam zu, wie Kara die Staubschicht beiseite wischte, vorsichtig, um die grauen Flocken nicht aufzuwirbeln und wieder husten zu m�ssen.</p><p>�Metall!� fl�sterte er. �Das ist Metall!�</p><p>Cord trat schweigend hinter ihn und beugte sich vor. Er sah verwirrt aus.</p><p>�Geschmolzenes Metall�, fuhr Donay in fast ehrf�rchtigem Ton fort. Er legte den Kopf in den Nacken und sah Cord gleicherma�en fragend wie fassungslos an. �Das ist Stahl!� fl�sterte er. �Dieser ganze Raum besteht aus geschmolzenem Stahl.�</p><p>Cord sagte auch jetzt noch nichts, lie� sich aber mit einer beinahe aggressiven Bewegung auf ein Knie herabsinken und �berzeugte sich davon, da� Donay die Wahrheit sprach. �Das ist mir gar nicht aufgefallen, als ich gestern hier war�, sagte er. Donay wollte antworten, aber Kara hinderte ihn daran, indem sie rasch aufstand und eine Geste auf die linke Seite des Raumes machte, wo das gr�ne Licht die sonderbar deformierten Konturen einer T�r enth�llte. �Kommt weiter�, sagte sie. �Ich habe keine Lust, l�nger als unbedingt n�tig hier unten zu bleiben.�</p><p>Geb�ckt trat sie durch die T�r, machte einen Schritt zur Seite und blieb stehen. �Ist dies der Raum, von dem du gesprochen hast?� fragte sie, w�hrend sie die beiden Leuchtst�be �ber den Kopf hob. Das gr�ne Licht vermochte die Kammer nicht ganz zu erhellen, aber sie sah, da� sie viel kleiner war als der Gang drau�en � und nicht rechteckig, sondern rund. In einer Stadt wie Schelfheim, in der jeder gerade so baute, wie es ihm in den Sinn kam, war das an sich nichts Au�ergew�hnliches. Trotzdem beunruhigte sie irgend etwas. Cord trat dicht gefolgt von Donay und dem Erinnerer hinter ihr durch die T�r, nickte wortlos und legte seine beiden Leuchtst�be auf den Boden. Rasch hintereinander lie� er vier weitere der lichtspendenden H�lzer aufflammen und verteilte sie in einem Halbkreis vor der T�r, so da� sie nunmehr beinahe jede Einzelheit der kleinen Kammer sehen konnten. Kara sah, da� ihre Frage �berfl�ssig gewesen war � in der Staubschicht am Boden waren die Spuren zu sehen, die Cord, der Suchhund, und vor ihnen Elder hinterlassen hatten.</p><p>Die Kammer bestand nicht aus Metall, aber auch nicht aus gew�hnlichem Stein. Von einem Gef�hl beunruhigt, dessen Ursache sie nicht ergr�nden konnte, trat Kara n�her an die Wand neben der T�r heran und hob den Leuchtstab dicht vor das Gesicht. In dem fast schattenlosen gr�nen Licht erkannte sie eine Oberfl�che, die so rauh wie Sandpapier war, aber v�llig fugenlos. Nirgends war ein Spalt zu erkennen, keine noch so kleine Unterbrechung � dieser Raum mu�te direkt aus einem einzigen, gewaltigen Steinblock herausgemei�elt worden sein. Die W�nde waren kahl und nackt bis auf die sinnlosen Muster, die das Alter darauf hinterlassen hatte. Es gab keine Fenster, keine Nischen, keine weitere T�r � nichts bis auf den Eingang und eine mannshohe Tafel, die unweit der T�r in die Wand eingelassen war.</p><p>Im gleichen Moment, in dem Karas Blick auf die Tafel fiel, begriff sie, was Cord gemeint hatte.</p><p>Sie wu�te nicht, ob es eine Schrift war, ein Bild oder eine Mischung aus beidem, aber das spielte auch keine Rolle. Cord hatte behauptet, da� ihn der Anblick <emphasis>irgendwie</emphasis> beunruhigte. Kara erf�llte er mit einer Angst, die beinahe an Panik grenzte. Sie konnte es nicht erkl�ren. Die fremdartigen Zeichen- und Linien ergaben keinen Sinn, es waren keine Buchstaben irgendeiner ihr bekannten Sprache, sondern allenfalls Symbole, Zeichen, die nur dem einen Zweck zu dienen schienen, den Betrachter in Schrecken und Furcht zu versetzen.</p><p>Und nicht nur Kara �berw�ltigte die Angst. Als sie erschrocken den Blick von der Tafel l�ste, sah sie, da� auch Donay f�r einen Moment wie gel�hmt dastand. Seine H�nde zitterten ganz leicht.</p><p>Sie sah Cord an und glaubte, da� auch er nerv�ser geworden war. Aber von Angst oder gar dem Gef�hl von Panik war bei ihm nichts zu sp�ren. Die Tafel beunruhigte ihn lediglich. Mit einem raschen Schritt trat Kara zwischen Donay und die Inschrift, um ihn aus dem Bann der b�sen Symbole zu l�sen. Aber er tat etwas, womit sie nicht gerechnet hatte: Mit einer beinahe hastigen Bewegung hob er die Arme und schob sie aus dem Weg. Als er sie ber�hrte, sp�rte sie, <emphasis>wie</emphasis> heftig seine H�nde zitterten. Sein Herz schlug so hart, da� sie seinen Puls bis in seine Fingerspitzen f�hlen konnte.</p><p>�Donay!� sagte sie. �Sieh nicht hin! Du...�</p><p>�La� mich!� unterbrach sie Donay. Seine Stimme war so leise, da� Kara sie kaum verstand. �Ich bin in Ordnung.�</p><p>�Ja, ganz bestimmt�, knurrte Kara. Sie trat ihm abermals in den Weg, und diesmal lie� sie sich nicht einfach beiseite schieben, sondern ergriff <emphasis>seine</emphasis> Schultern und sch�ttelte ihn heftig. Donay blinzelte. Sein Blick l�ste sich von der furchtbaren Inschrift, tastete f�r einen Moment hilflos �ber Karas Gesicht und kehrte dann zu der Tafel hinter ihr zur�ck. �Das ist... unglaublich�, murmelte er.</p><p> �Das ist <emphasis>gr��lich!�</emphasis> sagte Kara. �Sieh nicht hin, Donay.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Das ist es�, sagte er. �Und ich glaube, ganz genau das soll es sein.�</p><p>�Wie bitte?� Kara runzelte die Stirn.</p><p>�Schau es dir an!� Donay hob erregt die Hand und deutete auf die mannshohe Tafel hinter ihr. �Wer immer das gemacht hat, mu�...� Er verriet Kara nie, wof�r er den Sch�pfer dieser gedankenverdrehenden Symbole hielt, aber sein Blick sprach B�nde.</p><p>�Wir sollten gehen�, sagte Kara.</p><p>�Gehen?� Donays Augen l�sten sich widerwillig von der Wand, um Kara auf eine Art zu mustern, als zweifle er an ihrem Verstand. �Wir sind extra hierher gekommen, um uns <emphasis>das da</emphasis> anzusehen.�</p><p>�Ja�, antwortete Kara ungeduldig. �Und nun haben wir es gesehen und k�nnen wieder gehen.�</p><p>�Verstehst du denn nicht?� Donay starrte wieder die Inschrift an und schob sie zum zweiten Mal aus dem Weg, um n�her an die Wand zu treten. �Sieh es dir an, Kara. Begreifst du nicht, was das ist!�</p><p>�Nein�, antwortete Kara. �Und ich glaube, ich will es nicht begreifen.�</p><p>�Es ist nicht so schlimm, wie es im ersten Moment aussieht�, fuhr Donay erregt fort. �Bitte, versuch es, Kara. Es ist nur im ersten Moment schlimm.�</p><p>Kara z�gerte. Sie versp�rte kein gro�es Bed�rfnis, sich das schreckenerregende Bild an der Wand noch einmal anzusehen. Dann begegnete ihr Blick dem Cords, und was sie auf seinem Gesicht las, war eine tiefe, fassungslose Verwunderung. Schlie�lich �berwand Kara ihren Widerwillen und drehte sich mit einem Ruck herum.</p><p>Im allerersten Moment war es so schlimm, wie sie bef�rchtet hatte. Die Zeichen schienen sie anzuspringen und ihre Seele zu vergewaltigen. Dann wurde es noch schlimmer � sie hatte einfach nur noch Angst, ohne zu wissen wovor. Doch pl�tzlich geschah genau das, was Donay behauptet hatte: Ihre Furcht erlosch beinahe ebenso rasch, wie sie gekommen war. Sie verging nicht ganz, sondern rumorte lediglich als bohrendes Unwohlsein weiter in ihr. Es kostete Kara noch immer sp�rbare �berwindung, neben Donay zu treten und sich die mannshohe Tafel genauer anzusehen.</p><p>Ihre Hoffnung, einen Sinn in den uralten Runen zu entdecken, erf�llte sich nicht. Es blieben fremdartige, d�stere Zeichen, von denen sie jetzt zwar annahm, da� es Symbole einer untergegangenen Schrift waren, die ihr aber rein gar nichts sagten. Es waren Buchstaben von unterschiedlicher Gr��e und Forin, die so tief in die Oberfl�che der Platte hineingemei�elt oder gebrannt worden waren, da� nicht einmal zweihundert Jahrtausende sie v�llig hatten ausl�schen k�nnen. Hier und da sah die Schrift ein wenig verwischt aus. Im unteren Teil der Platte hatte jemand offensichtlich versucht, die Schrift auszul�schen: Das Metall war dort zerkratzt und von Schrammen �bers�t, und die Runen mit feuchtem Lehm oder Erdreich gef�llt, um die Schrift auf diese Weise unkenntlich zu machen, was allerdings erfolglos geblieben war.</p><p>�Wei�t du, was das ist?� fragte Donay. In seiner Stimme lag keine Furcht mehr, sondern nur noch fasziniertes Erstaunen. �Etwas, das mir nicht gef�llt�, antwortete Kara, nachdem sie ihm einen raschen, pr�fenden Blick zugeworfen hatte.</p><p>�Eine Warnung�, sagte Donay leise.</p><p>�Eine Warnung?� Kara warf wieder einen Blick auf die Platte. �Wie kommst du darauf?�</p><p>�Sieh es dir doch an!� Donay deutete erregt mit der Hand. �Ich habe keine Ahnung, was diese Zeichen sagen � falls sie �berhaupt irgend etwas sagen. Wer immer sie geschaffen hat, hat es nur aus dem Grund getan, zu warnen.�</p><p>�Ja�, grollte Kara. �Um harmlose H�hlenforscher zu erschrecken.� Die Worte klangen selbst in ihren eigenen Ohren schal. Ihr Versuch, dem Unheimlichen seinen Schrecken zu nehmen, indem sie es ins L�cherliche zog, scheiterte kl�glich.</p><p>�Ja�, sagte Donay ernst. �Verstehst du denn nicht?� Pl�tzlich drehte er sich zu ihr herum und begann erregt zu gestikulieren. �Hier hat sich jemand sehr gro�e M�he gemacht, um etwas zu schaffen, das durch seinen blo�en Anblick schon erschreckend wirkt.� Er deutete aufgeregt auf Cord. �Erinnere dich, was er erz�hlt hat! Selbst den Hund hat es nerv�s gemacht.�</p><p>�Mich macht es auch nerv�s�, sagte Cord.</p><p>Kara sah ihn an und fragte sich, ob er vielleicht in Wahrheit ebenso erschrocken und entsetzt gewesen war wie sie und Donay und vielleicht einfach nur mit seiner Furcht besser fertig wurde.</p><p>�Aber welchen Sinn sollte so etwas haben?� fragte sie verst�rt. �Selbst wenn es m�glich w�re.�</p><p> �Es <emphasis>ist</emphasis> m�glich�, korrigierte sie Donay. �Sieh hin, und du hast den Beweis.�</p><p>�Und welchen Sinn!�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Um uns vor irgend etwas zu warnen. Um <emphasis>jeden</emphasis> zu warnen, der hier herunter kommt.�</p><p>�Ach ja?� machte Kara nerv�s. �Und wovor?�</p><p>Donay antwortete nicht gleich, sondern musterte wieder die Platte. Ihre seitlichen R�nder waren fast fugenlos mit der Wand verbunden, aber ihre obere Kante bildete einen sichtbaren Absatz.</p><p>�Vielleicht vor etwas, was dahinter liegt�, murmelte Donay. �Auf diese Idee bin ich auch schon gekommen�, sagte Cord. Nach ihrer eigenen Furcht und der �berschwenglichen Begeisterung Donays empfand sie Cords N�chternheit als wohltuend. �Worauf?� fragte Donay.</p><p>Cord deutete auf die Platte. �Da� es eine sehr massive T�r ist.� Er ballte die Hand zur Faust und schlug gegen den Stein neben der Platte. Kara hatte pl�tzlich die absurde Vorstellung, da� die Zeichen aus ihrer Jahrhunderttausend w�hrenden Ruhe erwachen und sich auf die Hand st�rzen mu�ten, die es gewagt hatte, sie zu schlagen.</p><p>�H�rst du? Das klingt nicht sehr hohl.�</p><p>�Was bedeutet das schon�, sagte Donay mit einer wegwerfenden Handbewegung.</p><p>�Das bedeutet, da� es f�r uns gleich sein kann, ob es nun nur eine Platte oder eine T�r ist�, antwortete Cord ruhig. �Wir haben nichts dabei, um sie aufzubrechen.�</p><p>Donay sch�ttelte �rgerlich den Kopf, trat dichter an die Wand heran und tastete mit spitzen Fingern �ber die verschlungenen, unangenehmen Linien der Runenschrift. �Du bist ein Krieger, Cord�, sagte er sp�ttisch. �Vielleicht ist es ja f�r dich der einfachste Weg, eine T�r kurzerhand einzuschlagen, die dir im Weg ist. Aber es gibt noch andere M�glichkeiten.� Er winkte den Erinnerer heran. �Frage�, sagte er mit dieser �bertrieben modulierten Stimme, mit der er stets mit Irata zu sprechen pflegte. �Erkennst du in diesen Symbolen eine dir bekannte Schrift oder Zeichensprache wieder?�</p><p>Iratas tr�be Augen richteten sich zum ersten Mal bewu�t auf die Platte, und so etwas wie Leben blitzte in ihnen auf. Kara verstand sehr gut, warum so viele Menschen instinktiv Angst vor den Erinnerern hatten und fast alle Abscheu vor ihnen empfanden. Vielleicht war nicht alles gut, was M�nner wie Donay mit der Natur anstellten.</p><p>�Antwort�, blubberte der Erinnerer. �Nein.�</p><p>Donay wirkte keineswegs entt�uscht. Er �berlegte nur einen Moment, dann stellte er die n�chste Frage. �Frage: Erkennst du eine mathematische oder sonstwie geartete Regelm��igkeit in diesen Zeichen!�</p><p>Diesmal dauerte es l�nger, bis Irata seine Antwort hervorw�rgte. �Antwort: Ja.�</p><p>Donay frohlockte, und der Erinnerer fuhr nach einem keuchenden Atemzug fort: �Aber die Informationen reichen nicht f�r eine w�rtliche oder auch sinngem��e �bersetzung aus.�</p><p>Donay seufzte entt�uscht. �Wenn du lange genug mit ihm herumgespielt hast, dann k�nnen wir vielleicht endlich gehen�, sagte Kara ungeduldig. Sie machte eine Kopfbewegung zur Decke. �Wir haben noch ungef�hr vierundachtzigtausend Stufen vor uns, falls du das vergessen haben solltest.�</p><p>Cord wollte etwas sagen, aber Donay lie� ihn gar nicht zu Wort kommen, sondern wedelte ungeduldig mit der Hand.</p><p>�Noch einen Versuch�, bat er.</p><p>Ihre innere Stimme riet ihr, nein zu sagen. Aber gleichzeitig begriff sie, da� es wahrscheinlich sehr viel schneller ging, wenn sie Donay diesen letzten Versuch gestattete. Wortlos nickte sie. Donay machte einen gro�en Schritt von der Schrifttafel fort. �Befehl�, sagte er. �Untersuche die Symbole nach einem mathematisch oder sonstwie gearteten Hinweis auf einen eventuell vorhandenen �ffnungsmechanismus.�</p><p>�Umst�ndlicher ging es wohl nicht mehr, wie?� knurrte Cord.</p><p>Donay brachte ihn mit einem �rgerlichen Blick zum Verstummen, und auch Kara sah ihn mahnend an.</p><p>Der Erinnerer trat zwei Schritte vor. Der Funke in seinen kleinen, tr�ben Idiotenaugen schien pl�tzlich heller zu brennen, w�hrend sein Blick rasch und ohne zu blinzeln �ber die Zeichen huschte. Das Gesicht des Erinnerers erschlaffte immer mehr, im gleichen Ma�e, in dem die Konzentration in seinem Blick zunahm. Sein Unterkiefer klappte herunter, die Zunge glitt haltlos �ber seine Z�hne, und ein dicker Speichelfaden rann aus seinem Mundwinkel und lief an seinem Kinn hinab. Ein ekelerregender Geruch breitete sich aus.</p><p>�Das ist widerlich�, sagte Kara.</p><p>�Widerlich�, korrigierte sie Donay in �berheblichem, belehrendem Tonfall, �sind Gehirne unter Glasglocken, die man in k�nstliche K�rper stopft.�</p><p>Kara starrte ihn �rgerlich an. Sie wu�te, da� Donay das nur gesagt hatte, um sie zu verletzen. Was ihr aber nicht klar gewesen war, war die Tatsache, wie sehr es <emphasis>ihn</emphasis> verletzte, wenn man Irata angriff. Offensichtlich war der Erinnerer f�r Donay mehr als ein lebendiges Werkzeug. �Er braucht all seine Kraft zum Nachdenken, wie?� fragte sie ironisch.</p><p>�Ganz genau so ist es�, sagte Donay betont.</p><p>Mit einem verlegenen L�cheln drehte Kara sich herum, lie� ihn und seinen sabbernden Erinnererfreund stehen und ging zu Cord hin�ber, der sich zur T�r zur�ckgezogen hatte und im Schein seines Leuchtstabes auf den Gang hinausblickte.</p><p>�Ich m�chte wissen, was er hier unten gesucht hat�, murmelte Cord, ohne sie anzusehen.</p><p> �Wer?�</p><p>�Elder�, antwortete der Krieger. �Es mu� etwas ziemlich Wichtiges gewesen sein, wenn er sich die M�he gemacht hat, hier herunterzukommen.�</p><p>Kara pflichtete ihm mit einem stummen Kopfnicken bei. Sie hatten ann�hernd vier Stunden gebraucht, um hier herunterzukommen � und sie hatten sich beinahe die ganze Zeit <emphasis>treppab</emphasis> bewegt. Den gr��ten Teil des Weges hinauf w�rden sie zwar mit dem gerade installierten Aufzug hinter sich bringen, aber <emphasis>Elder</emphasis> hatte das nicht gekonnt, weil es diesen Aufzug noch nicht gegeben hatte. Eine Treppe, die drei oder vier <emphasis>Meilen</emphasis> hoch war... Nein. Ihre Phantasie reichte nicht aus, sich das auszumalen. Es mu�te die H�lle sein.</p><p>�Was ist das hier?� murmelte Cord.</p><p>�Die Alte Welt, Cord.�</p><p>Kara hatte nicht einmal bemerkt, da� sich Donay von der Seite des Erinnerers gel�st hatte und zu ihnen getreten war. Cord l�ste seinen Blick von dem unheimlichen Schatten auf der anderen Seite der T�r und ma� Donay mit einem ver�chtlichen Blick. �Wohl kaum�, sagte er.</p><p>�Ich nehme an, wir sind auf der alleruntersten Ebene�, sagte Donay. �Oder zumindest auf <emphasis>einer</emphasis> der untersten. Unter uns ist nur noch Fels � und Karas Meer.�</p><p>�Und?� fragte Kara leicht gereizt. Wieso bezeichnete er es als <emphasis>ihr</emphasis> Meer!</p><p>Donay deutete mit einer �bertriebenen Geste in den Gang hinaus. �Wie alt ist diese Stadt? Zweihunderttausend Jahre? Oder noch �lter? Damals hat niemand Korridore aus Stahl gebaut. Und das hier...� Er trat zur�ck und machte mit der gleichen Hand eine theatralische Bewegung in die Runde. �... habe ich auch noch nie gesehen. Ich verwette meine rechte Hand, da� dieser Gang und dieser Raum hier und alles, was sich hinter jener T�r verbirgt, zur Alten Welt geh�ren.�</p><p>Kara �berlegte einen Moment. Donays Worte entbehrten nicht einer gewissen Logik � zumal sie vielleicht erkl�ren w�rden, warum Elder �berhaupt hier heruntergekommen war.</p><p>Zugleich str�ubte sich etwas in ihr, sie zu glauben. Die Alte Welt war etwas, von dem man sprach und von dem man manchmal noch �berreste fand. Doch was von ihr geblieben war, hatte bisher nur Schrecken und Ungl�ck gebracht.</p><p>Aber sp�rte sie nicht noch immer das bohrende Unwohlsein, das deutliche Gef�hl, sich an einem Ort zu befinden, an dem sie besser nicht w�re?</p><p>�Ich bin sicher, da� diese Ebene der Stadt das erste, urspr�ngliche Schelfheim ist�, fuhr Donay fort. Auf seinem Gesicht erschien schon wieder jener fiebrige Glanz der Begeisterung, den Kara schon beim Anblick der T�r bemerkt hatte. �Wenn wir gen�gend Zeit h�tten und eine vern�nftige Ausr�stung, um uns hier unten umzusehen, dann k�nnten wir...�</p><p>�Das haben wir aber nicht�, unterbrach ihn Kara grob. �Und au�erdem ist es Unsinn.�</p><p>�Sieh dich doch um!� widersprach Donay. �Du kennst die Geschichte Schelfheims so gut wie jeder andere. Die �berlebenden des Zehnten Krieges sind hierher gekommen, weil dies der einzige Ort auf diesem ganzen Planeten war, an dem sie noch leben konnten. Du wei�t, wie sie waren. Kaum mehr als Tiere. Glaubst du, sie h�tten H�user aus Stahl gebaut!�</p><p>Kara blickte ihn fast w�tend an, dann erkannte sie den Fehler in seinen Worten. �Das m�ssen sie wohl�, sagte sie. �Das alles hier lag damals n�mlich zweihundert Meter unter dem Meeresspiegel. Anscheinend kennst <emphasis>du</emphasis> die Geschichte deiner Heimatstadt nicht so gut wie ich. Zumindest scheinst du vergessen zu haben, woher ihr Name stammt.�</p><p>Aber Donay war keineswegs so irritiert, wie sie angenommen hatte. Er zuckte nur mit den Schultern. �Und! Wer sagt dir, da� all das hier nicht unter Wasser gelegen hat!�</p><p>�Jetzt dreht er v�llig durch�, sagte Cord. �Eine Stadt auf dem Meeresgrund, wie? Wahrscheinlich sind sie auf Fischen geritten und haben Wasser geatmet!�</p><p>�Und warum nicht?� gab Donay ernst zur�ck. �Sie sind immerhin zu den Sternen geflogen, Cord.�</p><p>�Das sind Legenden!� sagte Cord wegwerfend. �Nichts als Ammenm�rchen.�</p><p>�Sicher�, meinte Donay h�hnisch. �So wie die Legenden von den verschwundenen Meeren, die noch da sind. Und die, die jetzt irgendwo dort drau�en im <emphasis>Schlund</emphasis> hocken und einen Plan ausbr�ten, wie sie uns alle umbringen k�nnen.�</p><p>�Genug!� sagte Kara. Donay holte zu einer zornigen Entgegnung Luft, aber sie schnitt ihm mit einer herrischen Handbewegung das Wort ab und fuhr in ungeduldig-aggressivem Tonfall fort: �Wie lange braucht der Erinnerer noch?�</p><p>�Nicht mehr lange�, antwortete Donay hastig.</p><p>�Das hoffe ich�, sagte Cord. �W�hrend dein schwachsinniger Freund da dr�ben sich vollsabbert, z�nden sie vielleicht �ber unseren K�pfen den Rest der Welt an.�</p><p>�Ja�, antwortete Donay mit zornbebender Stimme. �Und wir finden vielleicht hinter dieser T�r etwas, das sie daran hindert, genau das zu tun.�</p><p>�Ich gebe dir noch f�nf Minuten�, sagte sie in ganz bewu�t sachlichem Ton. �Danach kehren wir zur Oberfl�che zur�ck, und ich werde Elder fragen, was diese Zeichen bedeuten. Falls sie etwas bedeuten.�</p><p>Der Ton, in dem sie gesprochen hatte, schien Donay klarzumachen, wie sinnlos jede weitere Diskussion war, denn er sah sie nur einen Moment vorwurfsvoll an, dann drehte er sich herum und ging zu Irata zur�ck.</p><p>Kara wartete, bis er au�er H�rweite war. �Das war nicht sehr geschickt von dir�, sagte sie leise. �Er h�ngt an Irata.�</p><p>�Ja, wie eine Mutter�, sagte Cord �bellaunig. �Immerhin scheint er ihn sogar zu wickeln und trockenzulegen.�</p><p>Wortlos sah Kara weiter zu, wie der Erinnerer die Tafel anstarrte, w�hrend Donay dabeistand und vergeblich zu verheimlichen suchte, da� auch er immer nerv�ser wurde.</p><p>Kara hatte keine M�glichkeit, das genaue Verstreichen der Zeit festzustellen, aber sie sch�tzte, da� die f�nf Minuten, die sie Donay zugebilligt hatte, allm�hlich vor�ber sein mu�ten. Und sie wollte ihn endg�ltig zum Aufbruch auffordern, als Irata pl�tzlich aus seiner Starre erwachte und einen Schritt tat. Cord und sie waren gleichzeitig an der Seite des Erinnerers, aber es h�tte Donays drohenden Blickes gar nicht bedurft, da� sie ihn nicht unterbrachen. Gegen ihren Willen fasziniert sah Kara zu, wie Iratas Finger, die f�r gew�hnlich kaum in der Lage waren, eine Schale Suppe zu l�ffeln, so geschickt und schnell wie die H�nde eines K�nstlers �ber die verschlungenen Symbole glitten, hier etwas ertasteten, dort dr�ckten � und dann h�rten sie alle ein dumpfes, metallenes Schnappen wie das Einrasten eines gewaltigen Riegels.</p><p>�Was war das?� fragte Cord alarmiert.</p><p>Jeder Spott in seiner Stimme war verschwunden. Pl�tzlich hatte auch er Angst.</p><p>�Er hat es geschafft!� sagte Donay stolz. �Es <emphasis>ist</emphasis> eine T�r.�</p><p>�Sie bewegt sich nicht�, sagte Cord ruhig.</p><p>Donay schenkte ihm einen beinahe feindseligen Blick, dann hob auch er die H�nde und legte die gespreizten Finger auf die Platte. Kara sah, wie sich seine Muskeln spannten, als er mit aller Kraft dr�ckte und schob. Ebensogut h�tte er allerdings auch versuchen k�nnen, die Wand daneben mit blo�en H�nden niederzurei�en.</p><p>�Helft mir!� sagte er gepre�t. �Sie mu� irgendwie aufgehen.�</p><p>Er r�ttelte, schob und zerrte, aber aus den in die Platte hineinge�tzten Linien l�ste sich nicht einmal ein Staubkorn. Schlie�lich trat er keuchend und mit schwei�gl�nzendem Gesicht zur�ck und ma� Kara und Cord mit einem d�steren Blick. �Es ginge wahrscheinlich leichter, wenn ihr mir helfen w�rdet�, sagte er.</p><p>�Ich... bin nicht sicher, da� ich wirklich wissen will, was dahinter liegt�, sagte Kara z�gernd.</p><p>�Elder w�rde es interessieren�, antwortete Donay. �Willst du abwarten, bis <emphasis>er</emphasis> hier herunterkommt und nachsieht?�</p><p>Nein, das wollte sie ganz gewi� nicht. Aber sie wollte auch nicht hinter diese T�r schauen. Sie w�nschte sich, niemals hierhergekommen zu sein. Etwas Furchtbares w�rde geschehen, wenn sie sie �ffneten. Vielleicht war dies die Alte Welt, wie Donay behauptete, und vielleicht hatten sie hinter dieser T�r all die Schrecken eingesperrt, die zum Untergang ihrer Welt gef�hrt hatten.</p><p>Donays Augen funkelten, als er begriff, da� weder sie noch Cord ihm helfen w�rden. �Was soll dieser Unsinn�?� fragte er aufgebracht. �Was seid ihr? Kinder, die sich vor einem Springteufel f�rchten?� Er schlug w�tend mit der Faust gegen die Platte � und w�re beinahe mit wirbelnden Armen in den dahinterliegenden Raum gest�rzt, als die T�r mit einem Knirschen, wie sie nur Jahrtausende alte Scharniere hervorzubringen vermochten, aufschwang. Im letzten Moment fand er am T�rrahmen Halt und sprang mit einem Keuchen und schreckensbleich zur�ck.</p><p>Auch Kara erstarrte vor Entsetzen. Die Dunkelheit auf der anderen Seite der T�r schien sie zu �berrollen wie eine Flutwelle.</p><p>Nichts geschah. Zehn Sekunden, zwanzig, drei�ig, schlie�lich eine Minute lang standen sie alle drei wie gel�hmt da und starrten die Schw�rze jenseits der T�r an, und nichts kam heraus, um sie zu verschlingen. Alles, was sie f�hlte, war ein leichter Luftzug � dem wenige Augenblicke sp�ter ein fauliger Geruch folgte, der einen heftigen Brechreiz in Kara ausl�ste. Es gelang ihr, die �belkeit zu unterdr�cken. Trotzdem kostete es sie enorme �berwindung, neben Donay zu treten und den Leuchtstab zu heben, so da� sein gr�nes Schimmern in den dahinterliegenden Raum fiel.</p><p>Was sie sah, das entt�uschte und erleichterte sie zugleich. Das Licht ihrer leuchtenden St�be erhellte eine Dunkelheit, die Jahrtausende gew�hrt haben mu�te. Der Raum hinter dieser T�r mu�te gewaltig sein. Aber das Licht verlor sich schon nach wenigen Schritten, ohne ihnen mehr zu zeigen als staubige gr�ne Leere und zwei oder drei Schritte eines Fu�bodens, der aus geriffeltem Metall bestand.</p><p>Cord griff unter sein Hemd und zog einen weiteren Leuchtstab hervor. Kara bemerkte nicht ohne eine gewisse Sorge, da� sein Vorrat bereits bedenklich zusammengeschrumpft war. Wenn sie weiter so verschwenderisch mit ihrem Licht umgingen, dann w�rden sie den R�ckweg im Dunkeln zur�cklegen m�ssen, dachte sie. Aber sie sprach ihre Besorgnis nicht aus, sondern sah schweigend zu, wie Cord die H�lle von dem Leuchtstab entfernte und ihn dann im hohen Bogen in den Raum hinter der T�r warf. Ihre Blicke folgten gebannt dem Weg, den die flackernde, gr�ne Leuchtkugel beschrieb, ehe sie irgendwo ein gutes St�ck entfernt auf den Boden prallte und liegenblieb. Sie hatten nichts anderes feststellen k�nnen, als da� der Raum sehr gro� und offensichtlich vollkommen leer war. Widerwillig gestand sie sich ein, da� sie den Raum wohl oder �bel betreten mu�ten, wollten sie mehr �ber ihn herausfinden. Ihre Hand mit dem Leuchtstab hoch �ber dem Kopf erhoben und mit angehaltenem Atem, machte Kara ein paar Schritte vor. Die Luft roch noch immer zum Erbrechen, und ihre Hoffnung, da� sie sich daran gew�hnen w�rde, erf�llte sich nicht. Der Raum war eine einzige Entt�uschung. Mit Ausnahme des Umstandes, da� der Fu�boden aus Metall bestand, auf dem ihre Schritte unheimliche, lang widerhallende Echos hervorriefen, bot er keine Besonderheit. Sie n�herten sich vorsichtig dem Leuchtstab, dessen gr�nes Licht wie ein Signalfeuer zwanzig Meter vor ihnen brannte, blieben ganz instinktiv einen Herzschlag lang im Schein dieses Lichtes stehen und erreichten nach weiteren zwanzig oder auch drei�ig Schritten die gegen�berliegende Wand des Raumes. Kara registrierte, da� sie aus dem gleichen, sonderbar rauhen grauen Stein bestand wie die andere Kammer.</p><p>Es gab eine zweite T�r, die mit einer simplen Klinke versehen war, die Donay zu Karas Ver�rgerung kurzerhand herunterdr�ckte. Sein Versuch, die T�r einfach zu �ffnen, scheiterte jedoch. �rgerlich lehnte er sich mit der Schulter dagegen und dr�ckte mit dem ganzen Gewicht seines K�rpers. Die T�r bewegte sich mit einem furchtbaren Quietschen lediglich ein winziges St�ck nach innen. Erst als sich Cord zu Donay gesellte und ihm half, gelang es ihnen, sie so weit aufzuschieben, da� sie sich hindurchquetschen konnten.</p><p>Die Luft wurde noch schlechter, als sie den dahinterliegenden Raum betraten. Kara fiel erst jetzt die K�lte auf und der feuchte, klebrige Hauch, der sich auf ihr Gesicht, ihre H�nde und ihre Kleider gelegt hatte. Zu der ohnehin w�rgenden �belkeit in ihrem Magen gesellte sich ein heftiges Ekelgef�hl. Mit gesenktem Blick und krampfhaft schluckend trat sie neben Cord und stie� pl�tzlich gegen etwas Hartes. Im selben Augenblick ergriff Donay ihre linke Schulter und hielt sie zur�ck. Als Kara erschrocken aufblicke, verstand sie, warum er es getan hatte. Auch der Boden dieses Raumes bestand aus jenem geriffelten, schmutzverkrusteten Metall, aber es war hier nur ein knapp eineinhalb Meter breiter Steg, der von einem h�fthohen Gel�nder begrenzt wurde. Darunter, in vier oder f�nf Metern Tiefe, schwappte eine �lige, schw�rzliche Fl�ssigkeit, die das Licht ihrer Leuchtst�be nur schwach zur�ckwarf. Es dauerte einen Moment, bis Kara klarwurde, da� diese Br�he der Quell jenes furchtbaren Geruches war, der ihr allm�hlich das Gef�hl gab, ersticken zu m�ssen.</p><p>�Was ist das?� fragte sie angewidert.</p><p>Sie bekam keine Antwort, aber Donay schwenkte seinen Stab, um den Metallsteg zu erhellen. Der Steg setzte sich entlang der Wand fort, aber es gab in wenigen Schritten Entfernung eine schmale Unterbrechung im Gel�nder, hinter der eine Metalleiter in die Tiefe f�hrte. Wie weit sie reichte, konnte man nicht erkennen, denn sie verschwand nach zwei oder drei Dutzend Sprossen in dem schwarzen See unter ihnen. Karas Magen drehte sich schon bei der blo�en Vorstellung herum, da� irgend jemand in diesen Schlamm hinuntergestiegen sein sollte. Vorsichtig gingen sie weiter. Der Raum mu�te gewaltig sein, denn es dauerte allein mehrere Minuten, bis Kara �berhaupt auffiel, da� die Wand zu ihrer linken nicht gerade war, sondern leicht gekr�mmt. Sie folgten dieser Kr�mmung ein St�ck. In regelm��igen Abst�nden stie�en sie auf Leitern, die in die Tiefe hinabf�hrten, und zwei- oder dreimal auf die geschlossenen Doppelt�ren von Aufz�gen. Dann fanden sie eine T�r, die offenstand.</p><p>Donay blieb stehen. Kara konnte nicht einmal sein Gesicht erkennen, aber sie erriet seine Gedanken so pr�zise, als h�tte er sie ausgesprochen. �Vergi� es lieber ganz schnell�, sagte sie. �Er funktioniert sowieso nicht mehr. Und selbst wenn...� Sie machte eine Kopfbewegung �ber das Gel�nder hinweg in die Tiefe. �Willst du wirklich dort hinunterfahren?�</p><p>Donays Blick folgte ihrer Geste. Ohne ein Wort ging er weiter.</p><p>Kara z�hlte ihre Schritte, um zumindest eine ungef�hre Vorstellung von der Gr��e dieses Raumes zu haben, und in ihre Furcht mischte sich beinahe Ehrfurcht, als sie nach einer geraumen Weile zur�cksah und erkannte, da� die T�r, durch die sie diese Halle betreten hatten, mittlerweile fast genau auf der gegen�berliegenden Seite lag. Wenn sie sich nicht verz�hlt hatte, dann mu�te dieser unterirdische Saal einen Durchmesser von mindestens dreihundert Metern haben.</p><p>�Wozu mag die Halle einmal gedient haben?� murmelte Cord.</p><p>�Ich vermute, es war der Eingang�, sagte Donay. �Vielleicht haben sie irgend etwas durch diesen Raum herein- oder auch hinausgebracht.� Er hob den Arm so weit �ber den Kopf, wie er konnte, und Karas Blick folgte automatisch seiner Bewegung. Der gr�ne Schimmer des Leuchtstabes erreichte die Decke kaum, denn sie befand sich gute sechs Meter �ber ihren K�pfen. Aber sie <emphasis>glaubte</emphasis> zu erkennen, da� sie wie der Steg unter ihren F��en nicht aus Stein, sondern aus Metall gemacht war. Die Zeit war aber nicht einmal an dem fast unzerst�rbaren Material der Alten Welt spurlos vor�bergegangen: Geschmolzenes Eisen hatte sich zu erstarrten Tropfen und langen, konisch geformten Nadeln arrangiert, die wie die bizarren Skulpturen eines wahnsinnigen K�nstlers von der Decke hingen. Doch man konnte trotzdem noch sehen, da� die gewaltige Platte �ber ihren K�pfen aus mehreren Teilen bestanden hatte. Vielleicht war Donays Vermutung gar nicht so abwegig gewesen, und all diese Korridore und R�ume hatten einmal auf dem Grunde des Meeres gelegen. Kara hatte das unheimliche Schiff, auf das sie nicht weit von hier gesto�en war, keineswegs vergessen. Und welchen Sinn machte ein Schiff, das unter Wasser fuhr � wenn nicht den, eine Stadt zu erreichen, die unter Wasser lag. Donay senkte den Arm wieder, trat an das Gel�nder heran und beugte sich vor. Auch �ber sein Gesicht huschte ein deutlicher Ausdruck von Ekel. Kara konnte beobachten, wie er immer heftiger und schneller schluckte, als sich Speichel in seinem Mund ansammelte. Trotzdem blieb er sekundenlang reglos stehen und blickte in die Tiefe. �Wasser...� murmelte er. �Das mu� einmal Wasser gewesen sein.� Entt�uschung machte sich auf seinem Gesicht breit. �Es ist alles vollgelaufen.�</p><p>Kara verstand seine Entt�uschung. Es war nicht schwer zu erraten, was Donay sich hinter der T�r mit dieser schrecklichen Warnung erhofft hatte. Auch sie hatte f�r einen Augenblick geglaubt, noch einmal Elders sp�ttische Stimme zu h�ren: ... <emphasis>irgendeine Superwaffe, die eure Vorfahren euch hinterlassen haben?</emphasis> Die Vorstellung war zu verlockend gewesen, um sich ihr nicht wenigstens f�r einige Augenblicke hinzugeben.</p><p>�Vielleicht gibt es irgendwo doch noch etwas�, sagte Donay. �Ich meine... Wenn ich eine Stadt auf dem Meeresgrund erbauen w�rde, dann w�ren die T�ren wasserdicht. Vielleicht haben einige standgehalten.�</p><p>�M�glich�, sagte Cord. �Warum tauchst du nicht hinunter und siehst nach?�</p><p>Donay blickte ihn ver�rgert an, aber er antwortete nicht. Nat�rlich hatte Cord auch recht, dachte Kara. Selbst wenn Donays Vermutung zutraf, nutzte ihnen das nichts. Wahrscheinlich war es schon gef�hrlich, sich �berhaupt hier aufzuhalten. Dieses Wasser zu ber�hren oder gar hineinzutauchen, w�rde sie umbringen.</p><p>Trotzdem bedeutete sie ihm mit einem raschen Blick, still zu sein, und gab Donay zu verstehen, da� er weitergehen sollte. Sie hatten den Raum zu mehr als zwei Dritteln umkreist, als sie eine weitere, offenstehende Aufzugkabine fanden. In einer Ecke lag etwas, das bewies, da� sich hier ein Mensch befunden hatte, als sich ihre T�ren zum letzten Mal �ffneten: Fetzen einer br�unlichen, undefinierbaren Substanz, eine rostverkrustete G�rtelschnalle aus Metall, die zu Staub zerfiel, als ihre Schritte den Boden ersch�tterten, ein verbogenes Brillengestell, dessen Glas zersprungen war, und ein paar erstaunlich gro�e Sohlen ohne die dazugeh�rigen Schuhe. Alles andere hatte die Zeit wieder zu Staub werden lassen, aus dem es einst gemacht worden war. Aber neben diesem bizarren Grab standen zwei Koffer aus dem gleichen geriffelten Metall, aus dem auch der Steg und die Hallendecke gefertigt waren!</p><p>�Nicht anfassen�, sagte Donay erschrocken, als Kara automatisch die Hand ausstrecken und danach greifen wollte. Sie zog gehorsam den Arm zur�ck, sah ihn aber verbl�fft an. Donay ging an ihr vorbei, lie� sich neben den Koffern in die Hocke sinken und streckte nun seinerseits die Rechte aus. Er tat es unendlich behutsam, und sein Finger zuckte zur�ck, als h�tte er gl�hendes Eisen ber�hrt, kaum da� er einen der Koffer fl�chtig angefa�t hatte. Kara verstand, was er da tat. Er hatte Angst, das Metall k�nnte unter seiner Ber�hrung zerfallen wie die G�rtelschnalle zuvor. Als nichts geschah, griff er noch einmal und etwas entschlossener zu. Ein Teil der fingernageldicken Staubkruste, die eine geschlossene Schicht auf dem Koffer bildete, fiel mit einem Knistern wie von trockenem Pergament herab, und darunter kam silberfarbenes, fast unversehrt wirkendes Metall zum Vorschein.</p><p>Mutiger geworden schlo� Donay die Hand um den Griff des Koffers und zog daran. In der n�chsten Sekunde hielt er ihn verbl�fft in der Hand, w�hrend der Koffer auf dem Boden stehenblieb. Der Griff hatte dem Ansturm der Zeit standgehalten, seine Scharniere, die aus einem anderen Material gefertigt waren, nicht.</p><p>Donay lie� den Koffergriff fallen, beugte sich vor und versuchte, die ganze Metallkiste vom Boden hochzuheben. Er mu�te einiges an Kraft aufwenden, aber nach einigen Augenblicken gelang es ihm, den Koffer hochzuhieven, ohne da� er zerbrach oder unter seinen H�nden zu Staub zerfiel. Donays Gesichtsausdruck und der verkrampften Haltung nach zu schlie�en, mu�te er sehr schwer sein. Trotzdem klemmte Donay ihn sich unter den linken Arm und versuchte mit der anderen Hand, den zweiten Koffer zu ergreifen. Nat�rlich funktionierte es nicht.</p><p>Cord sah ihm einige Sekunden zu, dann b�ckte er sich wortlos und hob den zweiten Koffer auf.</p><p>�Sei vorsichtig!� sagte Donay erschrocken. �Behandle ihn wie ein rohes Ei!�</p><p>�Was glaubst du, was sie enthalten?� fragte Kara.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete Donay. �Ich werde sie �ffnen. Aber nicht hier.� Sie verlie�en die Liftkabine und machten sich auf den Weg. Aber als sie sich der T�r wieder bis auf zwanzig Schritte gen�hert hatten, begann der Boden unter ihren F��en zu zittern. Kara blieb erschrocken stehen. Der metallene Steg schwankte und bebte. Auf dem schwarzen Wasserspiegel, f�nf Meter unter ihnen, entstand ein bizarres Wellenmuster aus tr�ge ineinander laufenden Kreisen und Ringen, und sie glaubte, ein ganz fernes, dumpfes Mahlen und Knirschen zu h�ren.</p><p>�Was ist das?� fragte Cord erschrocken.</p><p>Kara sah sich aus weit aufgerissenen Augen um. Ihre ohnehin �berreizte Phantasie spielte ihr Dinge vor, namenlose, grauenhafte Dinge, die sie aus einem Jahrhunderttausende w�hrenden Schlaf gerissen hatten, denn nat�rlich waren die beiden Koffer keine Koffer, sondern Siegel einer geheimnisvollen Magie gewesen, die den Eingang zu einem Verlie� voller unvorstellbarer Ungeheuer verschlossen, und jetzt w�rden sie den Preis f�r diesen Frevel zahlen m�ssen. Aber die Bilder verbla�ten so schnell, wie sie gekommen waren, und dann begriff sie auch, was es <emphasis>wirklich</emphasis> war.</p><p>�Ein Erdbeben�, fl�sterte sie. Wie um ihr recht zu geben, erzitterte der Steg zum zweiten Mal.</p><p>Sie gingen schneller weiter. Nicht, da� sie rannten, aber sie bewegten sich doch so rasch, wie es Donay und Cord mit ihrer Last m�glich war, und nicht nur Kara atmete h�rbar auf, als sie den Saal hinter sich lie�en. Der Boden unter ihren F��en zitterte weiter. Es <emphasis>war</emphasis> ein Beben. Sie befanden sich nicht in seinem Zentrum, nicht einmal wirklich in seiner N�he, aber sowohl Kara als auch die beiden anderen dachten daran, was ein eben solches Erdbeben dem Drachenhort angetan hatte, ehe eine andere, b�sartigere Macht �ber ihnen hereingebrochen war. Ohne auch nur noch einen Blick zur�ckzuwerfen, durchquerten sie den leeren Raum und betraten die kleine runde Kammer, in der Irata auf sie wartete.</p><p>Donay hielt an, setzte seine Last auf den Boden und blieb ersch�pft stehen. Auch Cord verlagerte das Gewicht der Metallkiste, die er trug, ein paarmal ungeschickt auf den Armen und atmete tief durch. Kara wu�te zwar, da� es ein unter Umst�nden gef�hrlicher Trugschlu� sein mochte � doch selbst sie f�hlte sich hier sicherer. Dabei gab es hier unten wahrscheinlich keinen Ort, an dem sie sicher waren. Ein Erdbeben in einer Stadt wie Schelfheim... Nein, sie konnte und wollte sich nicht vorstellen, was das bedeutete.</p><p>Sie gew�hrte sich und den beiden anderen eine Minute, um wieder zu Atem zu kommen, dann machte sie ein Zeichen weiterzugehen. Aber Donay sch�ttelte den Kopf. �Noch nicht�, sagte er. �Bitte, warte noch ein paar Augenblicke.�</p><p>�Wie lange?� fragte Kara gereizt. �Bis uns die ganze Stadt auf den Kopf f�llt?�</p><p>Donay atmete tief ein und aus und versuchte, sich den Schmutz aus dem Gesicht zu wischen. �Nur eine Minute�, sagte er. �Oder zwei. Bitte.� Er wartete Karas Antwort nicht ab, sondern winkte Irata herbei. �Befehl!� sagte er mit einer Stimme, die h�rbar schwankte. �Merke dir die Symbole auf der Tafel. Ich brauche sp�ter eine genaue Reproduktion.�</p><p>�Wozu soll das gut sein?� fauchte Cord.</p><p>Donay zuckte mit den Schultern. �Vielleicht gelingt es uns, es zu �bersetzen.� sagte er. Dann schwieg er einen Moment, bevor er grimmig hinzuf�gte: �Schlimmstenfalls reicht es wahrscheinlich wenigstens aus, um eurem Freund Elder einen geh�rigen Schrecken einzujagen.�</p><p>�Wie lange braucht er?� fragte Kara nerv�s.</p><p>�Nicht lange�, antwortete Donay. �Er vergi�t nie etwas, das er einmal gesehen hat.�</p><p>�Du auch nicht, denke ich.�</p><p>�Das stimmt�, erwiderte Donay. �Aber sicher ist sicher.�</p><p>Der Erinnerer l�ste seinen Blick von der T�r mit der unangenehmen Inschrift und gurgelte ein Wort, das Kara nicht verstand, auf das Donay aber mit einem zufriedenen Nicken reagierte. �chzend nahm er seine Last wieder auf. Wenige Augenblicke sp�ter verlie�en sie die runde Kammer und begannen den langen, kr�ftezehrenden Aufstieg hinauf nach Schelfheim.</p></section><section><title><p>45</p></title><p>Als sie Stunden sp�ter verdreckt und bis zum Umfallen ersch�pft aus dem Korb stiegen, den ein Dutzend keuchender, verschwitzter Gardesoldaten mit Hilfe einer quietschenden Seilwinde nach oben kurbelten, da wartete die n�chste Katastrophe bereits auf sie. Es war nicht das Erdbeben, das kaum heftig genug gewesen war, ein paar Teller und Kr�ge von ihren Regalen herunterzust�rzen und zerbrechen zu lassen, und es waren auch nicht die Libellen, die zur�ckgekommen waren, aber in der Stadt herrschte ein hektisches Durcheinander, und die Luft war voller Drachen. Kara h�rte ein entferntes, zorniges Br�llen, und sie sah orangeroten flackernden Feuerschein hinter den flachen D�chern im Norden.</p><p>Noch ehe der Korb vollends zum Stillstand gekommen war, sprang sie mit einem ungeduldigen Satz hinaus und griff sich den erstbesten Soldaten, den sie erreichen konnte. �Was ist passiert? Werdet ihr angegriffen?�</p><p>Der Mann versuchte, ihre Hand abzustreifen. Karas Griff war so fest, da� er kaum Luft bekam. �Ja... nein, ich... ich wei� nicht�, stammelte er.</p><p>�Libellen?� mischte sich Cord ein.</p><p>�Nein. Sie erz�hlen etwas von... von irgendwelchen Ungeheuern, die aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> gekommen sein sollen�, antwortete der Soldat.</p><p>�Ungeheuer?� Donay, der taumelnd unter seiner Last aus dem Aufzugkorb kam, zog die Augenbrauen hoch. �Was ist das f�r ein Unsinn.�</p><p>�Ich wei� es doch nicht!� beteuerte der Gardist. �Ich war die ganze Zeit hier. Ich habe nur geh�rt, was sie sich zugerufen haben, und � �</p><p>Ein m�chtiges Rauschen und Brausen in der Luft unterbrach ihn und lie� Kara aufblicken. Sie zog unwillk�rlich den Kopf zwischen die Schultern, aber lief im gleichen Moment auch schon los. Als Markors Krallen sich knirschend in die Ruinen eines Hauses auf der gegen�berliegenden Seite des Platzes gruben, hatte sie den Krater bereits umkreist.</p><p>Ein zweiter Schatten verdunkelte die Sonne. Kara sah auf und beantwortete das Winken des Drachenreiters mit einer hastigen Geste, dann hatte sie Markor erreicht und kletterte hastig in den Sattel in seinem Nacken. Der Drache wartete nicht einmal, bis sie sich festgebunden hatte, sondern stie� sich mit einem gewaltigen Satz ab und segelte dicht �ber den D�chern der Stadt nach Norden.</p><p>Kara entdeckte den Feuerschein. Einige der H�user am n�rdlichen Stadtrand standen in Flammen, und je weiter sie sich dem <emphasis>Schlund</emphasis> n�herten, desto gr��er wurde die Anzahl der Menschen, die ihnen entgegeneilten, manche mit Taschen, S�cken oder anderen Gep�ckst�cken beladen. Trotzdem dauerte es noch einige Augenblicke, bis Kara begriff, da� diese Menschen vor irgend etwas <emphasis>flohen.</emphasis> Etwas, das aus dem Norden kam und von dort aus in die Stadt eingedrungen war. Was hatte der Mann gesagt? <emphasis>Ungeheuer aus dem Schlund?</emphasis></p><p>Wieder loderte das grellorange Feuer eines Drachen vor ihr auf. Kara sah, wie der Flammenstrahl einen H�userblock eine halbe Meile vor dem <emphasis>Schlund</emphasis> traf und in Brand setzte � aber sie konnte beim besten Willen nicht erkennen, worauf der Drache gezielt hatte.</p><p>Sie lie� Markor langsamer fliegen und ging weiter hinunter. Die gleichm��ig schlagenden Schwingen des Drachen ber�hrten jetzt beinahe die H�user. Hier und da schien der Anblick des Drachen den Menschen neuen Mut zu geben, denn sie blieben stehen und winkten ihr zu, manche machten gar kehrt und rannten ein St�ck im Schatten des riesigen Tieres in die Richtung zur�ck, aus der sie gekommen waren, aber bei den meisten schien Markors Auftauchen die Angst nur noch zu verst�rken. Kara beugte sich weit im Sattel vor und hielt nach dem Grund der Massenflucht Ausschau.</p><p>Sie brauchte nicht lange zu suchen.</p><p>Sie war noch mehr als eine Meile vom Rande der Stadt und damit dem <emphasis>Schlund</emphasis> entfernt, als sie ein gewaltiges, h��liches Etwas erblickte, das auf zu vielen mi�gestalteten, kurzen Beinen hinter der Menschenmenge herlief. Im allerersten Moment kam ihr die Gestalt so grotesk vor, da� sie ein Lachen unterdr�cken mu�te und sich verbl�fft fragte, wieso all diese Menschen dort unten vor ihr davonliefen. Aber dann sah sie die schnappenden Kiefer und die blind herumtastenden, mit Stacheln versehenen Greifarme der Kreatur und machte sich klar, da� der Anblick allerh�chstens von der sicheren H�he des Drachenr�ckens aus komisch wirkte.</p><p>Kara zog Markor herum, steuerte in einer eleganten Schleife auf das Monster zu und verbrannte es mit einem kurzen, gezielten Feuersto�. Gleichzeitig wurde ihr allerdings bewu�t, wie nutzlos dieses Unterfangen war. W�hrend des kurzen Rundfluges hatte sie gesehen, da� die Stra�en unter ihr von allen m�glichen und unm�glichen Monstern nur so wimmelten. Eine halbe Meile vor dem <emphasis>Schlund</emphasis> hatte sich eine mindestens f�nf Meter gro�e Spinnenkreatur eingenistet und bereits damit begonnen, in aller Seelenruhe ein gewaltiges Netz zwischen den H�usern zu spinnen. Sie w�rde nicht allzu weit damit kommen, denn gleichzeitig hatte etwas, das wie der Urgro�vater s�mtlicher K�fer auf diesem Planeten aussah, damit begonnen, eines der H�user aufzufressen, an denen sie ihre F�den befestigt hatte. Neben diesen beiden Kolossen gab es Dutzende von anderen, kleineren Gestalten, die allesamt aus einem Alptraum entsprungen zu sein schienen. Viele von ihnen waren so gro� wie ein Mensch.</p><p>Kara widerstand der Versuchung, dem Spuk zumindest in dieser Stra�e mit einem weiteren Feuerstrahl Markors ein Ende zu bereiten. Die Flammen waren die m�chtigste Waffe der Drachen, aber eben aus diesem Grund mu�ten sie vorsichtig damit umgehen. Es fiel einem Drachen nicht leicht, Feuer zu speien. Es bereitete ihm sowohl Schmerzen als auch gro�e M�he, und Kara hatte von F�llen geh�rt, in denen Drachenreiter ihre Tiere umgebracht hatten, indem sie sie zwangen, zu oft und zu lange Feuer zu speien.</p><p>Sie lenkte Markor wieder nach Norden und lie� ihn gleichzeitig ein wenig H�he gewinnen, als die Klippe des Kontinentalschelfs unter ihr davonglitt und sich der Drache pl�tzlich inmitten der t�ckischen Windb�en befand, die seit zweihundert Jahrtausenden an Schelfheims Fundamenten r�ttelten. Geschickt nutzte sie diese B�en aus, um den riesigen Drachen fast ohne einen einzigen Fl�gelschlag ein St�ck weiter in die H�he und zugleich von der Klippe forttreiben zu lassen, und begann dann in enger werdenden Spiralen wieder in die Tiefe zu sinken. Das schier endlose H�usermeer Schelfheims breitete sich f�r einen Moment wie ein bizarres Spielbrett der G�tter unter ihr aus, schien dann in die H�he zu steigen und wurde zur Zinnenkrone der ungeheuerlichen Wehrmauer, die das Leben auf dem Land gegen das auf dem Meeresgrund errichtet hatte.</p><p>Die ann�hernd drei Meilen hohe, lotrechte Klippe des Kontinentalschelfs <emphasis>war</emphasis> eine Bastion, und sie wurde im Moment von einer Armee berannt, deren blo�er Anblick Kara einen Schauer des Entsetzens �ber den R�cken laufen lie�. Ungeachtet der heulenden Windb�en, die immer wieder einzelne, manchmal aber auch Dutzende oder Hunderte der Angreifer von der Wand pfl�ckte, bewegte sich eine unvorstellbare Masse von meist ebenso unvorstellbaren Kreaturen an der Wand empor. Manche von ihnen waren so gro�, da� sie vermutlich selbst einem Drachen gef�hrlich werden konnten, andere wieder so winzig, da� sie aus der Entfernung gar nicht zu sehen waren, daf�r aber nach Millionen oder auch Milliarden z�hlten. Kara begriff voller j�hem Schrecken, da� das, was sie oben in der Stadt gesehen hatte, nur die Vorhut dieser unvorstellbaren Invasion gewesen war � einige wenige Sp�her, denen ein Heer folgte, das die Stadt dort oben auf der Klippe und ihre Bewohner einfach �berrennen w�rde, gleichg�ltig, was sie taten, und gleichg�ltig, ob sie ein Dutzend Drachen zu ihrer Unterst�tzung hatten oder nicht.</p><p>Links von ihr loderte orangerotes Feuer auf. Sie wandte den Kopf, korrigierte gleichzeitig Markors Kurs, damit er der Klippe und seinen entsetzlichen Bewohnern nicht zu nahe kam, und erblickte eine Gruppe von drei Drachen, die sich der Wand n�herten und wieder davonglitten, wobei sie versuchten, eine Schneise aus Feuer zu legen, die der krabbelnden Monsterarmee den Weg verwehrte. Die Idee war gut, dachte Kara, aber leider undurchf�hrbar. Sie h�tten nicht zw�lf, sondern zweihundert Drachen gebraucht, um die Stadt auf diesem Wege zu sch�tzen.</p><p>Sie signalisierte den drei Drachenreitern, in ihrem sinnlosen Tun innezuhalten und wieder h�herzusteigen, lenkte Markor selbst in die entgegengesetzte Richtung. Sie hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was die Bewohner des <emphasis>Schlund</emphasis>dschungels bewogen haben mochte, alle im gleichen Moment ihren Wohnort zu wechseln. Aber sie konnte sich nicht mit einer Ahnung zufriedengeben, wenn das Leben von Millionen Menschen gef�hrdet war.</p><p>Markors Flug wurde unruhiger, je mehr sie sich dem Dschungel n�herten. Die Anpassung und der schneidende Wind trieben Kara die Tr�nen in die Augen, so da� sie im ersten Moment kaum mehr als ein verschwommenes Muster aus Farben und Bewegung unter sich wahrnehmen konnte. Halb blind tastete sie nach rechts, fand die Schutzbrille, die an Markors Sattel befestigt war, und setzte sie auf, nachdem sie sich mit dem Handr�cken die Tr�nen aus den Augen gewischt hatte. Sie konnte jetzt wieder klar sehen, aber der Dschungel unter ihr blieb ein Gewusel aus brauner glitzernder Bewegung, das mehr an die Oberfl�che eines Ozeans aus verschmutztem Teer als an den gewohnten Anblick der Baumwipfel erinnerte. Wo das alles �berwuchernde Gr�n des Bl�ttermeeres gewesen war, da tobte jetzt eine unvorstellbare Masse der gleichen Kreaturen, die auch die Klippe und die Stadt attackierten. Es war, als h�tte der <emphasis>Schlund</emphasis> jedes bi�chen Leben, das in der Lage war, sich von der Stelle zu bewegen, aufgeboten, um hier eine apokalyptische Generalprobe des Weltunterganges abzuhalten.</p><p>Das brodelnde Meer einander aus purer Todesangst umbringender Gesch�pfte erstreckte sich unter ihr wie eine braunschwarze Flutwelle, die gegen den Fu� der Klippe gebrandet war und sich nach Osten und Westen in der Entfernung verlor. Was im Norden war, das verbarg sich unter der niemals wirklich aufrei�enden Wolkendecke des <emphasis>Schlundes.</emphasis> Und Kara wollte auch gar nicht wissen, wie es dort aussah. Vielleicht, weil sie schon wu�te, was sie erwarten w�rde.</p><p>Trotzdem lenkte sie Markor nach einem kurzen Z�gern nach Norden und hielt instinktiv den Atem an, als der Drache in die grauen Wolkenschicht eintauchte. F�r zwei, drei Sekunden umgab sie nichts als Feuchtigkeit und K�lte, dann waren die Wolken pl�tzlich �ber ihr, und sie sah, da� sich die Armee der Ungeheuer auch in dieser Richtung noch sicherlich f�nf oder sechs Meilen weit erstreckte.</p><p>Dahinter war der Dschungel verschwunden. Und mit ihm die Masse der fl�chtenden Tiere. Aus dem unsterblichen Gr�n des Waldes war eine �dnis aus blattlosen B�umen geworden; die von einer d�nnen wei�en Schicht wie von einem Eispanzer eingeh�llt wurden. Es sah aus, als w�re der Wald dort im Griff einer Eiszeit erstarrt, die binnen eines Atemzuges gekommen war.</p><p>Aber Kara wu�te, da� das, was sie sah, alles andere als die <emphasis>Abwesenheit</emphasis> von Leben bedeutete. Die wei�e Schicht war nicht starr, wie es von weitem den Anschein gehabt hatte, sondern bewegte sich auf eine Weise, mit der das Auge nicht fertig zu werden vermochte. Es war ein Wogen und Gleiten, das die ganze Welt der belebten und unbewohnten Dinge erfa�t zu haben schien, als w�re jedes winzige Teilchen der Sch�pfung in diese zuckende, <emphasis>fressende</emphasis> Bewegung geraten � ein mehrere Meilen tiefer, gerader Streifen, der sich langsam, aber vollkommen unaufhaltsam nach S�den schob, wobei er alles ausl�schte, was er ber�hrte. Zur�ck blieb das Skelett des Waldes, der seit Jahrtausenden hier unten gewachsen war.</p><p>Es war G�a.</p><p>Im Anblick dieser unvorstellbaren Vernichtung � die im Grunde doch nur eine <emphasis>Verwandlung</emphasis> bedeutete � fragte sich Kara, wieso es nicht schon l�ngst geschehen war. Die riesige, auf eine f�r Menschen vollkommen unverst�ndliche Art <emphasis>denkende</emphasis> Kreatur aus den S�mpfen des Schlundes floh vor den heranr�ckenden Wassermassen eines Meeres, das sein Reich zur�ckforderte.</p><p>Kara wu�te, da� es eine Flucht in den Tod war. Der Angriff des wimmelnden wei�en Pilzgeflechtes, der die Bewohner des <emphasis>Schlundes</emphasis> zu ihrer Massenflucht veranla�t hatte, war nur ein letztes Aufb�umen. G�as Reich waren die lichtlosen, hei�en S�mpfe unter dem Dschungel. W�re sie f�hig gewesen, in anderen Lebensr�umen zu existieren und sie zu erobern, dann h�tte sie es l�ngst getan, denn obgleich sie und diese winzigen verwundbaren Wesen, die die Welt �ber dem <emphasis>Schlund</emphasis> bewohnten, einmal f�r kurze Zeit Verb�ndete gegen einen gemeinsamen Feind gewesen waren, waren ihr doch Begriffe wie Mitleid und R�cksicht v�llig fremd. Die Katastrophe, deren Zeugin Kara wurde, war nichts als ihr letzter verzweifelter Versuch, ihre eigene sterbende Welt zu verlassen, wobei sie einer anderen samt ihren Bewohnern den Untergang brachte. Die gesamte Tier- und Pflanzenwelt des Dschungels befand sich auf der Flucht vor der unaufhaltsam n�herr�ckenden, alles verschlingenden Masse aus d�nnen, beweglichen Pilzf�den, deren Gesamtheit G�a war. Und die einzige Richtung, in die sie fliehen konnten, war nach S�den.</p><p>Kara hatte genug gesehen und kehrte um. Gebannt von dem apokalyptischen Bild unter ihr hatte sie gar nicht gemerkt, da� sie beinahe eine halbe Stunde tief in den <emphasis>Schlund</emphasis> vorgedrungen war, und sie erschrak, als sie die Kontinentalklippe in gr��erer, viel gr��er als erwarteter Entfernung vor sich im Westen aufragen sah. Gleichzeitig beruhigte sie der Anblick ein wenig. Auf diese Weise blieben ihnen noch einige Stunden, sich so etwas wie eine Verteidigung zu �berlegen.</p><p>Noch etwas anderes bemerkte sie erst jetzt � nicht nur die Baumwipfel, sondern auch die Luft war von wirbelndem Leben erf�llt. Riesige Schw�rme mikroskopisch kleiner Insekten glitten wie die Schatten von Wolken �ber den Wald dahin, gro�e und kleine V�gel versuchten sich verzweifelt in der Luft zu halten, und nicht weit entfernt entdeckte Kara etwas, das wie ein gewaltiges, fliegendes Spinnennetz aussah. Sie lenkte Markor n�her und drehte hastig wieder ab, als sie dem dicht genug gekommen war, um zu erkennen, da� es Hunderte von Metern messendes Gewebe war, in das sich Millionen faustgro�er, haariger B�lle gekrallt hatten. Kurze Zeit darauf �nderte Kara zum zweiten Mal den Kurs, als sie auf etwas zutrieben, das wie eine riesige, halb durchsichtige, schwebende Qualle aussah und ein B�schel dunkelgrauer F�den hinter sich herzog. Wo diese F�den die Baumwipfel ber�hrten, stieg grauer Rauch auf. Eine Spur verkohlter, sterbender Tiere und Pflanzen markierte den Weg der Qualle.</p><p>Die meisten dieser Gesch�pfe schienen nicht in der Lage zu sein, sich weit �ber die Baumwipfel zu erheben, aber einige Kreaturen vermochten es doch, und denen wollte Kara selbst auf dem R�cken des gewaltigen Drachen lieber aus dem Weg gehen. Sie warf einen letzten Blick zur�ck, um sich zu orientieren, dann lie� sie Markor wieder h�her steigen, um das letzte St�ck des Weges �ber der Wolkendecke zur�ckzulegen.</p><p>Kurz bevor sie in den grauen Dunst eindrang, sah sie das Aufblitzen von Licht, das sich auf einer spiegelnden Oberfl�che brach. Sofort lie� sie den Drachen wieder tiefer sinken, machte abermals kehrt und flog wieder nach Norden. Ihr Blick tastete aufmerksam �ber die abgestorbenen Baumwipfel und die wei�e Linie des Todes, die G�as Vorr�cken markierte. Ganz weit entfernt am Horizont gewahrte sie eine silberblaue Linie, von der sie annahm, da� es das Wasser des neu entstandenen Ozeans war. Aber sie war sicher, da� sie nicht die Ursache des Lichtblitzes gewesen war, den sie erblickt hatte. Sie hatte einen �hnlichen Reflex vor nicht sehr langer Zeit schon einmal gesehen vom h�chsten Turm des Hortes aus, als Tess in der gestohlenen Libelle zur�ckkam und sich ein Sonnenstrahl auf ihrer Kanzel gebrochen hatte.</p><p>Einen Moment sp�ter entdeckte sie das Blitzen ein ganzes St�ck weiter westlich, und dann gesellte sich ein zweiter, dritter und vierter Funke hinzu. Pl�tzlich begriff Kara, da� die Wolkendecke f�r einen Moment aufgerissen sein mu�te, so da� sich das Licht der Sonne auf den Libellenmaschinen spiegelte. Wenig sp�ter schlo� sich die L�cke in den Wolken wieder, und die Kette aus funkelnden Diamantsplittern verschwand so spurlos, wie sie aufgetaucht war.</p><p>Es waren Libellen. Sie schwebten irgendwo dort drau�en �ber dem sterbenden Wald, und Kara mu�te nicht einmal lange �berlegen, um zu wissen, was sie dort taten. Hastig lie� sie den Drachen wieder in die Wolkendecke tauchen und atmete erst auf, als die Wolken wie ein Teppich aus Zuckerwatte unter ihr lagen.</p><p>�ber Schelfheim hing der schwarze Rauch zahlloser Br�nde, als sie die Stadt wieder erreichte. Es befanden sich nur noch sehr wenige Drachen in der Luft, aber der pl�tzliche Schrecken, mit dem diese Beobachtung Kara erf�llte, w�hrte nur einen Augenblick; dann entdeckte sie Silhouetten der Tiere auf der eigentlichen Kontinentalklippe, die Schelfheims westliche Grenze bildete. Alles in allem war sie eine gute Stunde fortgewesen. Die Tiere mu�ten entweder v�llig ersch�pft sein, oder ihre Reiter hatten die Sinnlosigkeit ihres Tuns eingesehen. Obwohl auch Markor deutliche Anzeichen von Erm�dung zeigte, kreiste sie noch einmal �ber der Stadt. Was sie erblickte, das erschreckte und beruhigte sie zugleich. Die panische Massenflucht hielt noch immer an, aber der Angriff der Monsterarmee war wenn schon nicht aufgehalten, so doch deutlich verlangsamt worden. Ein gut f�nfhundert Meter breiter Streifen der Stadt stand in Flammen. Die Verteidiger hatten das einzige getan, was sie �berhaupt tun konnten � sie hatten eine Mauer aus Feuer zwischen sich und dem <emphasis>Schlund</emphasis> errichtet, die von den Drachen aus sicherer H�he heraus �berwacht wurde. Manchmal stie� eines der Tiere herab und entfachte die Flammen neu, wenn sie zu erl�schen drohten. Von �berall her str�mten M�nner und Hornk�pfe herbei und warfen Holz ins Feuer, und von der anderen Seite her ergo� sich ein unabl�ssiger Strom glitzernder, schuppiger und horngepanzerter K�rper in die Flammen; die Armee, die Schelfheim �berrannte. Die Furcht vor dem, was sie verfolgte, mu�te gr��er sein als die Angst vor dem Feuer.</p><p>Aber Kara wu�te auch, da� diese Verteidigung nicht lange halten w�rde. Es war unm�glich, einen Brand <emphasis>dieser Ausdehnung</emphasis> lange Zeit unter Kontrolle zu halten. Irgendwann w�rde er auf den Rest der Stadt �bergreifen.</p><p>Sie vertrieb den Gedanken und lenkte Markor endg�ltig nach S�den. Wenige Augenblicke sp�ter landete sie unweit der Stelle, an der sie Schelfheim das erste Mal betreten hatte, und stieg vom R�cken des Drachen herab. Sofort war sie von einem Dutzend M�nner umringt � unter ihnen auch Cord und Donay, wie sie mit einem deutlichen Gef�hl von Erleichterung registrierte �, die sie mit Fragen best�rmten. Sie hob die Arme und bat mit befehlender Stimme um Ruhe. Ersch�pft sah sie sich um und blickte in Gesichter, die von Schwei� und Staub bedeckt waren und deutlicher als alle Worte verrieten, was die M�nner in der letzten Stunde getan hatten. Und sie alle wu�ten, wie sinnlos ihr Tun gewesen war. Wenn kein Wunder geschah, dann war Schelfheim verloren. Und offensichtlich erwarteten sie dieses Wunder von ihr.</p><p>Ehe Kara zu einer Erkl�rung ansetzen konnte, vernahm sie eine wohlbekannte Stimme hinter sich und erkannte Gendik und seinen Berater, die, begleitet von einem guten Dutzend Krieger, auf sie zueilten. Jede Spur von Hochmut war aus Gendiks Z�gen verschwunden; Kara las nichts als Verzweiflung und Schrecken in seinen Augen. Seltsam, dachte sie, er stand jetzt so vor ihr, wie sie ihn hatte haben wollen � ein gebrochener, verzweifelter Mann, der nur noch Hilfe wollte. Aber der Anblick erf�llte sie nicht mit Triumph. Vielleicht hatte sie ihm auch vorher unrecht getan. Sie hatte ihn f�r �berheblich und kalt gehalten, aber vielleicht war das die einzige M�glichkeit gewesen, einen Moloch wie diese Stadt zu verwalten.</p><p>�Was... geschieht dort drau�en?� brachte Gendik heraus und blickte sie entgeistert an.</p><p>�G�a�, antwortete Kara. �Es ist G�a, Gendik. Sie...� Sie z�gerte. Aus irgendeinem Grund scheute sie sich pl�tzlich davor, Gendik die Wahrheit zu sagen. �Sie verschlingt den Wald. Ich wei� nicht warum, aber ich habe es gesehen. Sie greift alles an, was sich ihr in den Weg stellt.�</p><p>Sie h�rte, wie einige der Krieger hinter ihr erschrocken die Luft einsogen, aber Gendiks Gesichtsausdruck �nderte sich nicht. Erst nach einigen Sekunden wurde ihr klar, da� er gar nicht verstanden hatte, was ihre Worte bedeuteten.</p><p><emphasis>Aber das ist doch unm�glich!</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Er mu� doch von G�a wissen!</emphasis></p><p>Dann fragte Gendik mit verwirrter Stimme: �G�a? Du... ich verstehe. Du redest von diesem... Wesen, das in den S�mpfen dort unten leben soll.�</p><p>Kara starrte ihn an, hin- und hergerissen zwischen dem Bed�rfnis, in ein hysterisches Gel�chter auszubrechen oder ihm ins Gesicht zu schlagen, bis er endlich aufwachte und begriff, was in der Welt dort drau�en vor sich ging. Doch dann begriff sie den fundamentalen Irrtum, dem sie bisher erlegen war. Gendik <emphasis>konnte</emphasis> gar nicht begreifen, was sie meinte, so wenig wie sie umgekehrt wirklich �ber seine Beweggr�nde und Entscheidungen urteilen konnte. Sie lebten in zwei verschiedenen Welten. Schelfheim und der Drachenhort hatten ein B�ndnis, das den einen untrennbar mit dem anderen verband, aber im Grunde hatten sie so wenig miteinander zu tun wie ihre Welt und die Elders und der M�nner, die er bek�mpfte. Gendiks simple Frage nach G�a machte ihr in einer Sekunde klar, was Angella ihr in zehn Jahren nicht hatte begreiflich machen k�nnen.</p><p>Gendik war nicht dumm. Nat�rlich wu�te er, was G�a war. Aber es spielte keine Rolle f�r ihn. Die gr��te denkende Kreatur dieser Welt � vielleicht aller Welten im ganzen Kosmos � war f�r ihn so unwichtig wie irgendein Insekt, das er unter seinem Schuh zertreten mochte, ohne es �berhaupt zu bemerken. Einen Moment lang fragte sie sich ernsthaft, ob M�nner wie er und diese ganze verdammte Stadt es �berhaupt wert waren, gerettet zu werden. Sie verfolgte diesen Gedanken nicht zu Ende � vielleicht weil sie Angst vor der Antwort hatte. �Ja�, sagte sie nur. �Sie wird den gesamten Dschungel verschlingen, f�rchte ich.�</p><p>�Und all diese Ungeheuer � �</p><p>� � sind auf der Flucht vor ihr�, f�hrte Kara den Satz zu Ende. Sie sah Gendik fest in die Augen, w�hrend sie eine Kopfbewegung auf die Stadt hinab machte. �Das ist nur die Vorhut, Gendik. Ich wei� nicht, wie schnell sich G�a bewegt, aber ich f�rchte, wenn sie den Fu� der Klippe erreicht, dann werden noch viel mehr von diesen... Ungeheuern die Wand hinaufkommen. Ihr werdet Schelfheim nicht halten k�nnen.�</p><p>Gendik erbleichte. �Was meinst du damit?�</p><p>�Ich meine, da� ihr die Stadt evakuieren m��t�, sagte Kara. �Und zwar sofort. Es sei denn, ihr wollt zusehen, wie die H�lfte ihrer Bewohner von diesen Monstern aufgefressen wird.�</p><p>�Du bist von Sinnen, Kind!� keuchte Gendik. �Du wei�t nicht, was du da redest! Schelfheim hat <emphasis>zwei Millionen</emphasis> Einwohner, und es gibt nur diesen und zwei oder drei andere Wege aus der Stadt.� Er deutete erregt auf den Hochweg, der nur wenige Schritte von ihnen entfernt lag. Erst jetzt fiel Kara auf, da� bisher <emphasis>niemand</emphasis> die Stadt verlassen hatte. Der Hochweg war verwaist, die gro�en Tore in der beweglichen Barrikade waren verschlossen und mit einem massigen Riegel gesichert. Pl�tzlich begriff sie, da� Gendik den Zugang zur Stadt absichtlich geschlossen hatte.</p><p>�Verzeiht, Kara, aber ich f�rchte, Gendik hat recht�, mischte sich Karoll ein.</p><p>Sie fuhr auf. �Ihr wollt doch nur � �</p><p>�Es steht gar nicht zur Debatte, was wir oder andere wollen�, fiel ihr Karoll ins Wort. �Es ist unm�glich, eine Stadt wie Schelfheim binnen weniger Stunden zu evakuieren. Wir br�uchten sechs Wochen, um die Bev�lkerung aus der Stadt zu schaffen. Und selbst wenn wir es k�nnten � wo sollten wir all diese Menschen unterbringen? Wie sollten wir sie ern�hren?� Er sch�ttelte traurig den Kopf. �Es ist leider so � wir m�ssen uns verteidigen. Ich bitte Euch � helft uns.� Seine Stimme wurde leise. �Ich poche nicht auf irgendwelche Vertr�ge oder Absprachen, Kara. Ich appelliere auch nicht an Euer Gewissen oder das Versprechen auf Schutz, das uns Angella gegeben hat. Ich bitte Euch nur, uns zu helfen.�</p><p>Unter normalen Umst�nden h�tte Kara jetzt nichts als Verachtung f�r den Mann empfunden. Aber sie wu�te auch, warum sich Karoll so erniedrigte. Er h�tte alles gegeben, was n�tig war, um seine Stadt zu retten.</p><p>�Aber das k�nnen wir nicht, Karoll�, sagte sie so ruhig sie konnte. Sie deutete auf die Drachen. �Die Tiere sind ersch�pft. Und selbst wenn ich alle Drachen hierherbr�chte, die noch im Hort sind, w�rde es nichts nutzen.�</p><p>�Aber ihr habt �ber zweihundert Drachen!� protestierte Gendik.</p><p>�Es w�re nicht einmal genug, wenn es <emphasis>zweitausend</emphasis> w�ren�, sagte Kara. �Ihr habt nicht gesehen, was ich gesehen habe. Schelfheim ist verloren.�</p><p>�Dann z�nden wir die Stadt an!� sagte Gendik mit verzweifelter Stimme. Er gestikulierte wild nach Norden, wo sich noch immer ein lodernder Flammenvorhang �ber der Klippe erhob. �Wir legen eine Feuerschneise und verbrennen sie.�</p><p>�Euch wird sehr schnell das Brennmaterial ausgehen�, sagte Donay. Es war das erste Mal, da� er das Wort ergriff, seit Kara zur�ckgekommen war.</p><p>�Dann brennen wir die ganze Stadt nieder!� sagte Gendik in der Tonlage eines verzweifelten Kindes, das sich zum ersten Mal mit der Unbarmherzigkeit des Schicksals konfrontiert sieht. �Wir bauen sie sowieso alle zehn Jahre neu. Es spielt keine Rolle, ob wir es einmal mehr oder weniger tun!�</p><p>�Es w�rde nichts nutzen�, sagte Donay an Karas Stelle.</p><p>�Eure Feuerschneise wird nicht lange halten. Schelfheim ist keine normale Stadt, Gendik. Sie ist ein Schwamm, auf dessen Oberfl�che zuf�llig ein paar Menschen leben. Sie werden durch die Keller kommen und die Stollen und G�nge unter unseren F��en. Es w�rde Euch gar nichts nutzen, die Stadt anzuz�nden.�</p><p>�Er hat recht, Gendik�, sagte Kara beinahe sanft. Dann fa�te sie einen Entschlu�. �Wir k�nnen nur eines tun. Ich werde die restlichen Drachen herrufen, und wir werden versuchen, diese Ungeheuer so lange wie m�glich aufzuhalten. Vielleicht bringt es Euch nur ein paar Stunden, vielleicht einen halben Tag. Aber ihr werdet wenigstens einige Eurer Untertanen retten k�nnen.�</p><p>Sie wandte sich an Cord. �Du und Donay � sucht euch die kr�ftigsten Drachen heraus und fliegt zum Hort zur�ck.�</p><p>�Und wenn er... ebenfalls angegriffen wird?� fragte Cord z�gernd.</p><p>Kara wu�te, da� dem nicht so war. Sie hatte den wahren Grund f�r die Invasion der Ungeheuer gesehen. �Dann gebt den Hort auf. Sie sollen alle Verwunde...� Sie brach mitten im Wort ab, als sie sah, da� Cord ihr gar nicht mehr zuh�rte. Sein Blick war pl�tzlich auf einen Punkt hinter ihr gerichtet, und auf seinem Gesicht erschien ein Ausdruck, der eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Furcht war.</p><p>Und als Kara sich herumdrehte, verstand sie ihn.</p><p>�ber dem n�rdlichen Rand der Stadt waren zwei Libellen aufgetaucht. Sie flogen langsam, fast gem�chlich, und unter ihren R�mpfen blitzten in regelm��igen Abst�nden verschiedenfarbige Lichter auf: rot, gr�n, rot, gr�n, rot...</p><p><emphasis>Gro�er Gott!</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Ich habe die hierhergef�hrt!</emphasis> Sie mu�ten sie gesehen haben, als sie drau�en �ber dem sterbenden Dschungel flog, und waren ihr gefolgt. Statt der Rettung hatte sie den Tod nach Schelfheim gebracht!</p><p>Aber die Libellen waren nicht gekommen, um der Stadt den Todessto� zu versetzen, denn dann w�ren sie nicht nur zu zweit gekommen und h�tten sich nicht jede erdenkliche M�he gegeben, <emphasis>gesehen</emphasis> zu werden.</p><p>Einige Krieger wollten zu ihren Tieren rennen, aber Kara hielt sie zur�ck. �Wartet�, sagte sie. �Sie... wollen nicht... k�mpfen.� Ihr Blick irrte nerv�s zu den drei Drachen hinauf, die �ber dem brennenden Stadtviertel kreisten. Zwei von ihnen hatten ihren Kurs ge�ndert und versuchten, neben den Libellenmaschinen herzufliegen. Die Helikopter bewegten sich jedoch so langsam, da� die Tiere wahrscheinlich abgest�rzt w�ren, h�tten ihre Reiter versucht, ihre Geschwindigkeit den Maschinen anzupassen. So umkreisten sie die beiden viel kleineren Flugmaschinen st�ndig wie zwei Falken, die zum Angriff auf ein Taubenp�rchen ansetzten. Kara signalisierte den Drachenk�mpfern nicht einzugreifen, aber die beiden Krieger schienen auch so begriffen zu haben, da� es sich diesmal nicht um einen Angriff handelte.</p><p>Aber was war� es dann?</p><p>Die Maschinen flogen sehr langsam in �stliche Richtung an der Flammenwand entlang.</p><p>�Was tun die da?� fragte Cord. �Es sieht aus, als... suchten sie etwas.�</p><p>Kara begriff, was der Sinn dieser Demonstration war, noch bevor die beiden Libellen endg�ltig in der Luft still standen. Vor der lodernden Feuerwand wurden sie zu schwarzen Schemen, deren Konturen sich in den Tr�nen aufzul�sen schienen, die das grelle Licht in Karas Augen trieb. Trotzdem erkannte sie einen dritten, viel gr��eren Schatten, der im Inneren der Feuerwand heranwuchs � und sie pl�tzlich durchbrach.</p><p>Es war nicht das erste Ungeheuer, das die Feuerbarriere �berwand, aber wahrscheinlich bisher das gr��te � ein riesiges, gepanzertes Insektenwesen mit einem zweifach unterteilten K�rper, der l�nger war als ein Haus, und mannsdicken, behaarten Beinen, unter deren stampfenden Schritten das Stra�enpflaster zu Staub zerfiel. Das Feuer hatte eines seiner gewaltigen Facettenaugen geblendet, hier und da schwelte sein Panzer oder war von h��lichen Brandflecken bedeckt. Aber die Flammen hatten es nicht aufhalten k�nnen.</p><p>Die beiden Libellen hatten sich dem Ungeheuer bis auf drei�ig oder vierzig Meter gen�hert. Der Kopf des Ungeheuers pendelte hin und her, als es versuchte, mit seinem einzigen verbliebenen Auge die beiden Angreifer zugleich zu beobachten.</p><p>�Was zum Teufel � ?� begann Gendik, und im gleichen Moment blitzte es grell unter den K�pfen der beiden Libellen auf. Eine Perlenkette aus Tausenden winziger giftgr�ner Funken spannte sich f�r eine Sekunde zwischen den Libellen und der Dinosaurier-Ameise. Dann explodierte das Ungeheuer in einem grellen Blitz aus Flammen.</p><p>�Sie helfen uns?� murmelte Gendik. �Mein Gott, seht euch... seht euch das an � <emphasis>sie helfen uns!�</emphasis></p><p>Kara warf ihm einen nachdenklichen Blick zu, schwieg aber ansonsten. Es machte im Grunde keinen Unterschied, ob die Verteidiger Schelfheims es nun mit einem Ungeheuer mehr oder weniger zu tun hatten. Und Gendik hatte nicht gesehen, was <emphasis>sie</emphasis> gesehen hatte auf der anderen Seite der Feuerbarriere. Aber der Sinn dieser Demonstration war so klar gewesen, da� sich jedes weitere Wort er�brigte.</p><p>Die beiden Libellen gewannen wieder an H�he � und Kara war nicht �berrascht, als sie nach einigen Augenblicken erkannte, da� sie direkt auf sie und die anderen zuhielten. �Cord, Donay�, fl�sterte sie, ohne die beiden bizarren Gebilde aus den Augen zu lassen. �Verschwindet! Tut, was ich gesagt habe!�</p><p>�Aber � �</p><p>�Auf der Stelle! Zur�ck zum Hort. Wenn hier... irgend etwas passiert, dann hat Aires das Kommando.�</p><p>Die beiden entfernten sich gehorsam, und noch bevor die Libellen herangekommen waren, h�rte Kara ein m�chtiges Rauschen; ein gewaltiger Schatten legte sich �ber sie und die anderen, als die beiden Drachen abhoben und sich nach Osten wandten.</p><p>Die M�nner wichen zu einem Halbkreis vor der Klippe zur�ck, w�hrend die beiden Libellen aufsetzten und der Sturmwind der Rotoren in ihre Gesichter schlug. Auch Kara schlo� die Augen und drehte das Gesicht weg, widerstand aber der Versuchung, wie die anderen zwei, drei Schritte zur�ckzuweichen, obwohl ihr die kreischenden Sturmb�en den Atem nahmen. Erst als das infernalische Heulen ebenso wie der k�nstliche Orkan zu verebben begannen, wagte sie es, den Kopf wieder zu drehen und die beiden Maschinen anzublicken.</p><p>Selbst jetzt, als sie wu�te, da� sie nichts weiter als Maschinen waren, hatte ihr Anblick nichts von seiner unheimlichen Wirkung verloren. Die riesigen Rotoren mit ihren scharfgeschliffenen Kanten drehten sich wie t�dliche Messer, und die L�ufe der gl�sernen Waffen glichen den t�dlichen Stacheln wirklicher Riesenlibellen.</p><p>Hinter ihnen begannen sich einige der Drachen unruhig zu bewegen. Kara war nicht sicher, ob es Zufall war, oder ob die Tiere tats�chlich die Fremdartigkeit dieser Maschinen sp�rten. Sie verl�ngerte die Linie, die die Zwillingsl�ufe der beiden Gesch�tze bildeten, in Gedanken, und war nicht �berrascht festzustellen, da� die Waffen auf die beiden am n�chsten stehenden Drachen deuteten. Eine Sekunde lang fragte sie sich, ob diese beiden Maschinen allein wohl in der Lage waren, mit ihnen und ihren gefl�gelten Reittieren fertig zu werden. Noch vor zehn Minuten h�tte sie diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet. Aber dann dachte sie daran, mit welcher spielerischen Leichtigkeit die Libellen das Rieseninsekt vernichtet hatten. Entweder waren diese beiden Maschinen sehr viel besser bewaffnet als die, mit denen sie es bisher zu tun gehabt hatten, oder sie hatten die wahre Macht der Libellen bisher noch nicht zu sp�ren bekommen.</p><p>Die Rotoren der Maschinen kamen endg�ltig zur Ruhe, und im gleichen Moment verstummte auch das schrille Ger�usch der Triebwerke. Kara �berlegte, ob sie auf die beiden Libellen zugehen sollte, aber die Entscheidung wurde ihr abgenommen:</p><p>Lautlos klappten die durchsichtigen Kugelk�pfe der Maschinen nach oben, und zwei M�nner stiegen ins Freie. Sie trugen eine dunkelblaue, einteilige Uniform, die mit Schwarz abgesetzt war, und mattsilberne Helme, deren get�nte Glasvisiere ihre Gesichter zur H�lfte verbargen. Sie kletterten ohne jedes Z�gern heraus. Offensichtlich f�hlten sie sich sehr sicher � und warum auch nicht? dachte Kara bitter. Sie waren zwar nicht unverwundbar, aber im Besitz von K�rpern, die sie nach Belieben austauschen und erneuern konnten. Pl�tzlich wurde ihr bewu�t, da� sie einen einzigen, winzigen Trumpf in diesem ungleichen Spiel besa�. Das Wissen um die einzig verwundbare Stelle dieser unheimlichen Angreifer von den Sternen.</p><p>Und sie war sehr froh, da� au�er ihr, Donay und Cord � die sich schon zehn Meilen entfernt auf dem R�ckflug zum Drachenhort befanden � niemand hier um das Geheimnis der Blaugekleideten wu�te.</p><p>Ihr fiel auf, da� die beiden M�nner unbewaffnet waren. Die Halfter an ihren breiten Instrumenteng�rteln waren leer; eine Geste, die ziemlich bedeutungslos war � es h�tte ihnen auch nicht viel genutzt, bewaffnet hierher zu kommen.</p><p>Sie �berwand endlich ihre Erstarrung und wollte etwas sagen, aber wieder kamen ihr die Fremden zuvor. �Du bist Kara?� fragte der eine Mann sie und l�ste den Blick seiner hinter get�ntem Glas verborgenen Augen von ihrem Gesicht, noch ehe sie antworten konnte. �Wer von euch ist Gendik? Ist er hier?�</p><p>Kara war sehr sicher, da� er Gendik ebenso zweifelsfrei erkannt hatte wie sie selbst. Sie glaubte, das Vorgehen der Fremden allm�hlich zu durchschauen. Nichts von dem, was sie taten, war Zufall. Ihre Art, sich zu bewegen, die Fragen, die sie stellten, selbst die Ausdr�cke auf ihren Gesichtern. Und sie w�rde sich diese Erkenntnis zunutze machen. Es war immer gut, ein wenig untersch�tzt zu werden. Sie w�rde nicht den Fehler begehen und die Idiotin spielen, aber sich ein wenig d�mmer anstellen, als sie war.</p><p>�Ich bin Gendik�, antwortete Gendik und trat mit zwei schnellen Schritten neben Kara. Sie wandte den Kopf und konnte sehen, wie sich Angst und eine kaum unterdr�ckte Hoffnung auf seinem Gesicht einen stummen Zweikampf lieferten. Er versuchte, gelassen und so unbeeindruckt auszusehen, wie Kara ihn fast immer erlebt hatte, aber es gelang ihm nicht. Seine H�nde zitterten zu sehr.</p><p>�Ich bin Gendik�, wiederholte Gendik. �Wer seid ihr? Ihr habt uns geholfen. Wieso � �</p><p>�Unser Kommandant w�nscht Euch zu sprechen�, unterbrach ihn der Fremde in einem Ton, der so beil�ufig war, als rede er �ber das Gebell eines Stra�enk�ters hinweg. Er deutete auf die noch immer offenstehenden Kanzeln der beiden Libellenmaschinen. Gendik z�gerte.</p><p>�Wir garantieren f�r freies Geleit�, fuhr der Fremde fort. Mit der anderen Hand deutete er zuerst auf seinen Kameraden, dann auf sich. �Wir beide werden im Austausch f�r dich und das M�dchen hierbleiben.�</p><p>Gendik war offensichtlich noch immer nicht �berzeugt; vielleicht hatte er auch einfach nur Angst vor der fremdartigen, bizarren Maschine. Auch Karas Herz begann etwas schneller zu schlagen. Obwohl sie ganz genau wu�te, wie dumm dieser Gedanke war, erinnerte sie der Anblick der aufgeklappten, durchsichtigen Halbkugeln an aufgerissene M�uler, die nur darauf warteten, da� sie so dumm waren, auch noch von selbst hineinzumarschieren. Und trotzdem war sie es, die nach einigen Augenblicken als erste ihr Z�gern �berwand und mit langsamen, aber festen Schritten auf die beiden st�hlernen Kolosse zuzugehen begann.</p><p>Umst�ndlich nahm sie auf dem Sitz neben dem Piloten Platz; sie versuchte, sich daran zu erinnern, auf welche Weise Tess darauf festgeschnallt gewesen war, erhob aber keinen Einspruch, als der Pilot mit einem Arm �ber sie griff, die Gurte aus einer Vertiefung in der Wand �ber ihrem Kopf hervorzog und in ein kleines Schlo� neben dem Sitz einrasten lie�. Sie versuchte, desinteressiert zu wirken, merkte sich aber das Funktionsprinzip des Mechanismus sehr genau.</p><p>Sie sah, wie Gendik endlich ihrem Beispiel folgte und die zweite Maschine ansteuerte, und sie sah gleichzeitig, wie unter den Kriegern eine merkliche Unruhe entstand. Rasch hob sie die Hand und signalisierte ihnen in der Zeichensprache der Drachenk�mpfer, da� alles in Ordnung sei und sie nichts unternehmen sollten. Tats�chlich machte keiner der M�nner einen Versuch, sie aufzuhalten oder gar die beiden Fremden anzugreifen. Kara hoffte, da� nichts geschah, bis sie zur�ck war � falls sie zur�ckkam. Eine kleine Unbedachtsamkeit, ein Fehler oder eine nachl�ssige Bemerkung, und die Drachenflieger w�rden diese beiden M�nner t�ten.</p><p>Nach ein paar Augenblicken, die ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen waren, hatte auch Gendik in der zweiten Maschine Platz genommen, und ebenso lautlos, wie sie sich ge�ffnet hatten, begannen sich die durchsichtigen Kugeln der Kanzeln wieder zu senken. Sie rasteten mit einem kaum h�rbaren Klicken ein, und im selben Augenblick legte der Mann neben ihr eine Hand auf den Steuerkn�ppel der Maschine und bet�tigte mit der anderen rasch hintereinander ein paar Schalter. Die Triebwerke erwachten mit einem hellen, winselnden Ger�usch zum Leben, und �ber Karas Kopf begann sich der dreifl�gelige Rotor zu drehen, zuerst langsam, dann immer schneller, bis er zu einem wirbelnden Kreis aus Schatten und Lichtreflexen wurde. Das Ger�usch der Triebwerke wurde lauter, doch nicht ann�hernd so laut, wie es sich drau�en angeh�rt hatte. Und obwohl Kara zu den sehr wenigen Bewohnern ihrer Welt geh�rte, f�r die das Fliegen nicht nur nichts Ungewohntes darstellten, mu�te sie sich doch erschrocken mit beiden H�nden an ihren Sitz klammern, als die Libelle mit einem sanften Zittern abhob. Der Mann neben ihr wandte kurz den Kopf, und sie glaubte die Andeutung eines sp�ttischen L�chelns �ber sein Gesicht huschen zu sehen. Sie zog ver�rgert die H�nde zur�ck und unterdr�ckte im letzten Moment den Impuls, die Arme nun vor der Brust zu verschr�nken. In einer Haltung, die Gelassenheit ausdr�cken sollte, sa� sie dann da und blickte mit einer Mischung aus Furcht und Faszination durch die Kuppel nach unten. Das braunschwarze Schachbrettmuster Schelfheims raste nur so unter ihnen dahin, eine Sekunde sp�ter blitzte eine d�nne, orangerote Linie unter ihnen auf, dann lag der <emphasis>Schlund</emphasis> unter ihnen. Die Maschine wurde schneller und schneller, sank pl�tzlich tiefer und raste dann unterhalb der Wolkendecke des <emphasis>Schlundes</emphasis> dahin.</p><p>Es war eine v�llig andere Art des Fliegens als die, die Kara bisher kannte. Pl�tzlich l�ste der Pilot eine Hand von seinem Steuer und bet�tigte ein paar Schalter vor sich. Das Heulen der Motoren wurde leiser, und eine Sekunde sp�ter bemerkte sie voller j�hem Schrecken, da� die Rotoren �ber ihr aufgeh�rt hatten, sich zu drehen. Die Libelle zitterte, begann f�r einige schreckliche Sekunden zu trudeln und an Tempo zu verlieren und beschleunigte dann mit einem Ruck, der Kara wie ein Faustschlag in den Sitz pre�te und ihr die Luft nahm. Die Landschaft unter ihr wurde zu einem dahinrasenden Kaleidoskop, und selbst die Wolken �ber ihnen sprangen ihr entgegen wie in einem Alptraum, in dem sie das Verstreichen der Zeit hundertmal in den Himmel ri�. Es hatte nichts mit dem majest�tischen Dahingleiten auf dem R�cken eines Drachen zu tun; es war schlicht und einfach wider die Natur.</p><p>Der Mann neben ihr l�chelte pl�tzlich. �Keine Angst, Kleines�, sagte er. �Uns kann nichts passieren.� Er wandte den Kopf.</p><p>�Wir fliegen ein bi�chen schneller als eure mutierten Flederm�use, nicht wahr?�</p><p>�Es ist wirklich sehr schnell�, erwiderte Kara gepre�t. �K�nnen wir noch schneller fliegen?�</p><p>Zuerst wollte er antworten, dann jedoch zuckte er mit den Schultern und sagte nur: �Vielleicht�, ehe er sich wieder den Kontrollen seines Flugapparates zuwandte.</p><p>Karas Entt�uschung hielt sich in Grenzen. Was immer sie dort, wo sie hinflogen, auch erwarten mochte, sie glaubte nicht, da� es noch eine gro�e Rolle spielte, ob sie diesem Mann ein paar Informationen mehr oder weniger entlocken konnte.</p><p>Etwas in der Welt unter ihr �nderte sich. Das matte Grau des abgestorbenen Waldes wurde pl�tzlich zum Schimmern eines gewaltigen, blaugrauen Spiegels. Sie rasten �ber das neu entstandene Meer hinweg.</p><p>Da sie nicht einmal zu sch�tzen wagte, wie schnell sich die Libellenmaschine bewegte, konnte sie auch nicht sagen, welche Entfernung sie zur�ckgelegt hatten, als der Pilot ihre Geschwindigkeit endlich wieder drosselte. Aber wie weit es auch war es war auf jeden Fall <emphasis>zu</emphasis> weit, als da� sie diesen Ort mit ihren Drachen erreichen konnten.</p><p>Die Maschine wurde immer langsamer und verlor gleichzeitig an H�he. Karas Blick tastete aufmerksam �ber die endlose W�ste aus Wasser. Sie sah nirgends eine Insel, einen Felsen oder auch nur ein Schiff, das ihr Ziel h�tte sein k�nnen. Trotzdem wurde die Libelle weiter langsamer, sank auf hundert, dann auf f�nfzig und endlich auf weniger als zehn Meter auf die Meeresoberfl�che herab und verhielt schlie�lich auf der Stelle. Kara gewahrte einen Lichtreflex in der spiegelnden Kanzel vor sich und blickte zur Seite, wo die zweite Libelle schwebte, die Gendik transportierte.</p><p>Eine Welle kr�uselte pl�tzlich das Wasser unter ihnen, dann eine zweite, dritte und vierte, die zu einer kreisf�rmigen Woge verschmolzen, Zuerst langsam, dann immer schneller werdend, entstand aus dem Nichts ein rasender Strudel unter den beiden Maschinen. Kara sah mit angehaltenem Atem zu, wie der Strudel wuchs, bis er zu einem gewaltigen Trichter geworden war, der hundert oder mehr Meter tief ins Meer hinabreichte: ein Schacht von kreisrundem Durchmesser, dessen W�nde aus kochendem, von einem unsichtbaren Zauber gehaltenem Wasser bestanden. Und an seinem Grund war nicht der Fels des Meeresbodens, sondern das nasse Metall eines gewaltigen, buckeligen Gebildes, das dort lag. So riesig der Strudel auch war, enth�llte er doch nur den winzigen Teil eines st�hlernen Ungeheuers, das wie ein ertrunkenes Fabeltier in der Tiefe lauerte. Die Libellen begannen langsam hinunterzugehen, erreichten die Meeresh�he und glitten weiter hinab, aber Kara verschwendete keinen einzigen Blick auf die zischenden W�nde des Strudels, dessen Anblick sie vor zehn Sekunden noch an ihrem Verstand hatte zweifeln lassen. Wie gebannt sah sie das ungeheuerliche Etwas an, das auf dem Grund des neu entstandenen Ozeans lag, und zum allerersten Mal glaubte sie, Elders Warnung wirklich zu verstehen. Sie hatten nicht im Ansatz begriffen, was er ihnen wirklich hatte sagen wollen. Es war nicht nur so, da� sie gegen einen hoffnungslos �berlegenen Feind k�mpften. Sie hatten nicht einmal gewu�t, <emphasis>wogegen</emphasis> sie k�mpften. Dieses... Ding war gewaltig, ein Berg aus Stahl, neben dem selbst der Drachenhort zu einem Nichts verbla�te. Rote, gr�ne und gelbe Lichter waren willk�rlich �ber seine Oberfl�che verteilt, und als sie tiefer sanken, erschien in einem der gewaltigen Buckel eine schmale Linie aus Licht, die rasch breiter wurde zweifellos die Schleuse, durch die die Libellen einfliegen w�rden. F�r Kara war es das Maul eines unbeschreiblichen D�mons, der von den Sternen gekommen war, um ihre Welt zu verschlingen.</p><p>Die beiden Libellen glitten nebeneinander auf diese �ffnung zu. Im ersten Moment war Kara beinahe blind, als sie hindurchflogen, denn der dahinterliegende Raum war von glei�ender Helligkeit erf�llt. Aber ihre Augen gew�hnten sich an dieses unnat�rliche, wei�e Licht, noch bevor die Libelle unweit des Eingangs aufsetzte und der Pilot die Motoren abschaltete, so da� sie ihre Umgebung zumindest in Schemen wahrnehmen konnte. Sie befanden sich in einem gigantischen Saal. Rechts und links von ihnen standen s�uberlich aufgereiht Libellen. Zehn, f�nfzehn, zwanzig... Insgesamt z�hlte Kara achtundvierzig Libellenmaschinen, die allein in diesem einzigen Buckel Platz gefunden hatten. Und sie war sicher, mehrere dieser h��lichen Ausw�chse auf der Oberfl�che des fremden Raumschiffes gesehen zu haben. Wie viele von diesen Mordmaschinen besa�en sie?</p><p>Die Kanzel �ffnete sich, und Kara hatte sich nicht gut genug in der Gewalt, um nicht von sich aus nach dem Sicherheitsgurt zu greifen und das Schlo� aufschnappen zu lassen, was ihr einen erstaunten Blick ihres Piloten einbrachte. Rasch kletterte sie aus der Maschine, sah sich eine Sekunde suchend um und eilte dann auf die zweite Libelle zu, aus deren Kanzel Gendik herauskletterte. Er gab sich jetzt keine M�he mehr, das Zittern seiner H�nde zu unterdr�cken, und als er sich aufrichtete, wankte er.</p><p>�Was... was ist hier los?� fl�sterte Gendik. Seine Augen waren so gro�, als wollten sie aus den H�hlen hervorquellen, und seine Stimme war flach und d�nn wie die eines alten Mannes, der kaum noch Kraft zum Sprechen hatte.</p><p>Aber erging es ihr viel anders? Ihr scheinbares Verstehen der Dinge ringsum, ihre Neugier, ja selbst der Zorn, den der Anblick der schlafenden Libellen erweckte, waren sie wirklich etwas anderes als hastig errichtete Schutzschilde, um sich nicht eingestehen zu m�ssen, da� auch sie halb verr�ckt vor Angst war? Eine der ersten Lektionen, die sie als junge Drachenkriegerin gelernt hatte, besagte, da� man nur einmal sterben konnte. Es spielte keine Rolle, ob man gegen einen nur leicht oder hoffnungslos �berlegenen Gegner antrat. Das Entsetzen, das eine �berlegene Waffe, ein gef�hrliches Raubtier oder ein einfach zahlenm��ig �berlegener Gegner ausl�ste, war sch�dlich. Ihr wurde bewu�t, da� seit Gendiks Frage eine gute Minute verstrichen war und da� sie ihm nicht nur nicht geantwortet, sondern die ganze Zeit aus geweiteten Augen um sich geblickt hatte. Sie bemerkte eine Bewegung und sah, da� sich im hinteren Ende der Halle eine kleinere T�r ge�ffnet hatte und drei blauuniformierte M�nner herausgetreten waren, die nun mit schnellen, aber nicht hastigen Schritten auf sie zukamen. �Das, Gendik�, sagte sie so ruhig sie konnte, �ist der Thron der Libellen.�</p></section><section><title><p>46</p></title><p>Sie verlie�en die Libellenhalle mit einem Aufzug aus silberfarbenem Metall, und als sie etliche Stockwerke tiefer aus der Kabine traten, da wu�te Karas Verstand zwar noch, da� sie sich im Inneren eines Schiffes befanden, das zwischen den Sternen flog, aber ihre Augen und all ihre anderen Sinne behaupteten, sie w�re in einem Palast. Ein mit mattsilbernem Metall ausgekleideter Korridor nahm sie auf, der so breit und lang war, da� sich manche der M�nner und Frauen, die sie sah, auf kleinen rollenden Karren fortbewegten. Das Licht war nicht mehr wei� und grell, sondern so mild wie Sonnenlicht an einem warmen Fr�hlingstag, und als sie den Kopf hob, konnte sie keinerlei Lampe erkennen. Die Helligkeit strahlte von �berallher zugleich, als leuchte die Luft. Sie passierten drei Kreuzungen des gewaltigen Ganges, der das Schiff auf ganzer L�nge durchziehen mu�te, und mehrere T�ren, die offenstanden. Da ihre Begleiter nichts dagegen zu haben schienen, warf Kara einen neugierigen Blick in die dahinterliegenden R�ume. Was sie sah, verbl�ffte sie nur noch mehr. Sie hatte mit von Maschinen und geheimnisvoll blinkenden, klickenden und summenden Ger�ten vollgestopften kleinen Zellen gerechnet, aber sie entdeckte zumeist gro�e, behaglich eingerichtete R�ume mit fremdartigem, aber nicht unbequem erscheinendem Mobiliar � und einige Fenster.</p><p>Schlie�lich erreichten sie das Ende des Ganges, und als sie durch eine T�r traten, fand Kara schlagartig in die Wirklichkeit zur�ck und begriff wieder, wo sie war: an Bord eines Kriegsschiffes. Auch hier herrschte dieses milde Fr�hsommerlicht, aber sie sah keine Fenster mehr und h�rte kein Lachen. Die M�nner, die sich in diesem Teil des Thrones bewegten, trugen blauschwarze Uniformen und Helme mit Visieren aus Glas, und sie bewegten sich wie t�chtige, gut ausgebildete Soldaten. Einige blieben stehen und warfen ihr und Gendik Blicke nach;</p><p>Blicke, in denen Kara vergeblich nach so etwas wie Feindschaft oder auch nur Verachtung suchte. Sie entdeckte nur eine gewisse Neugier.</p><p>Ihre Begleiter blieben stehen. Einer von ihnen trat auf Kara zu und streckte fordernd die Hand nach ihrem Schwert aus. Kara legte die Rechte auf den Griff der Waffe und sch�ttelte wortlos den Kopf. Sie wu�te, wie dumm sie im Grunde handelte. Und sie war nicht wenig erstaunt, als der Soldat nicht einmal den Versuch machte, ihr das Schwert mit Gewalt zu nehmen, sondern nur mit den Schultern zuckte und ein Wort in seiner unverst�ndlichen Sprache zu seinen Kameraden sagte; das die mit einem Lachen quittierten. �Was soll das?� fl�sterte Gendik neben ihr. �Willst du unbedingt einen Streit provozieren?�</p><p>�Ich glaube�, murmelte Kara verwirrt, �das k�nnte ich gar nicht. Selbst wenn ich es wollte.�</p><p>�Es gibt nicht viele Menschen, denen ich das zutraue � aber du geh�rst dazu.� Kara hatte die Stimme erkannt, bevor sie sich herumdrehte. Vor ihr stand der Offizier, den sie auf der Treppe zu Aires� Zimmer gesehen hatte. Ihr alter Freund vom Strand und aus der Gasse in Schelfheim. Zwei oder drei Sekunden lang hielt er ihrem Blick wortlos stand, und Kara gestand sich verbl�fft ein, da� das L�cheln in seinen Augen echt war, dann hob er die Hand und machte eine fl�chtige Geste zu den drei M�nnern, die sie hierherbegleitet hatten. �Ihr k�nnt gehen�, sagte er. �Ich rede allein mit unseren Besuchern.�</p><p>Er bediente sich ihrer Sprache, begriff Kara, damit sie ihn verstand. War das nun Zuvorkommen oder nur ein weiteres Zeichen von �berheblichkeit?</p><p>Ohne auf ihre oder Gendiks Reaktion zu warten, wandte er sich herum und steuerte auf eine T�r zu. Er betrat den Raum, ohne sich auch nur noch einmal zu ihnen umzudrehen, als w�re es v�llig selbstverst�ndlich, da� sie ihm folgten. Ganz pl�tzlich wu�te Kara, wieso ihre Gastgeber sie so sorglos behandelten. Die Tatsache, da� man sich nicht einmal die M�he machte, sie nach verborgenen Waffen zu durchsuchen, hatte sie im ersten Moment verwirrt. Aber was nach Leichtsinn aussah, war in Wirklichkeit das Wissen um eine unersch�tterliche Sicherheit.</p><p>Der B�rtige durchquerte das Zimmer und lie� sich in einen Stuhl fallen, der hinter einem gewaltigen Tisch stand. Der Tisch war leer und bestand nur aus einer fast zehn Zentimeter dicken Glasscheibe, die auf drei geradezu l�cherlich d�nnen Beinen ruhte. Zwei weitere St�hle standen auf der anderen Seite. Sie sahen recht bizarr aus, erwiesen sich aber als �berraschend bequem, als Kara und Gendik sich nach kurzem Z�gern gleichfalls setzten.</p><p>F�r Momente senkte sich eine unbehagliche Stille �ber den Raum. Gendik ma� sein Gegen�ber voller Unsicherheit und Furcht, Kara voller Unsicherheit und Groll, w�hrend der B�rtige sie beide abwechselnd und mehrmals mit einem Blick musterte, den Kara nicht zu deuten vermochte. Sie stellte nur mit immer gr��er werdender Verwirrung fest, da� sie keinerlei Feindschaft darin entdeckte.</p><p>�Es freut mich, da� Ihr meine Einladung angenommen habt, Gendik�, sagte der Fremde schlie�lich. Zu Kara gewandt und mit einem fl�chtigen L�cheln f�gte er hinzu: �Und du auch, Kara. Schlie�lich hast du mich schon mehr als einmal umgebracht.�</p><p>Gendik sah pl�tzlich sehr verwirrt aus, aber der Fremde fuhr wieder an ihn gewandt fort: �Wir haben eine Menge zu bereden, denke ich. Eine Erfrischung?�</p><p>Kara wollte impulsiv ablehnen, aber Gendik nickte schon, und sie begriff, da� sich diese beiden M�nner auf eine gewisse Weise sehr �hnelten. Sie beide verhielten sich so formell, wie man es von Politikern oder Diplomaten erwarten konnte. Der B�rtige ber�hrte mit Zeige- und Mittelfinger die Tischplatte vor sich, und in dem Glas, das eine Sekunde zuvor noch klar und v�llig leer gewesen war, glomm ein warmes, gr�nes Licht auf. Unmittelbar darauf �ffnete sich eine schmale Klappe in der Wand hinter ihm, und ein dreir�driger Karren rollte heraus. Der Fremde nahm eine Flasche mit einer br�unlichen Fl�ssigkeit und drei Gl�ser von seiner Oberfl�che, stellte alles auf den Tisch, und der Wagen entfernte sich klirrend und scheppernd wieder. Umst�ndlich go� der Mann die drei Gl�ser voll und schob zwei �ber den Tisch. Gendik griff nach dem seinen, aber Kara r�hrte sich nicht, was ihr einen fast am�sierten Blick des B�rtigen eintrug.</p><p>�Wer seid Ihr?� begann Gendik, nachdem er vorsichtig einen Schluck von seinem Getr�nk gekostet hatte. �Wo sind wir hier? Was ist das f�r ein Ort, und wieso habt Ihr uns hergebracht?�</p><p>�Mein Name ist Thorn�, antwortete der B�rtige. �Ich bin der Kommandant dieser Drohne und zugleich der befehlshabende Offizier des ganzen Unternehmens.�</p><p>�Drohne?� Gendik runzelte die Stirn und warf einen raschen Blick in Karas Richtung. �Sie nannte es... Thron.�</p><p>Thorn l�chelte fl�chtig. �Nun, irgendwie ist das nicht einmal falsch. Wir k�nnen dabei bleiben, wenn es Euch lieber ist. Aber jetzt sollten wir �ber wichtigere Dinge reden, Gendik.� Er streckte abermals die Hand aus und ber�hrte die gl�serne Platte, und diesmal vollzog sich eine geradezu unheimliche Ver�nderung. Das kristallklare Glas f�llte sich mit einem farbigen, <emphasis>sich bewegenden</emphasis> Bild der Klippe, hinter der Schelfheim lag. Es war von einem Punkt zwanzig oder drei�ig Meilen tief im <emphasis>Schlund</emphasis> heraus aufgenommen, so da� man den gr��ten Teil der lodernden Feuerbarriere erkennen konnte, mit der die Stadt den Ansturm der Monster abwehrte. Aber Kara sah auch voller dumpfem Schrecken, da� die Flammen hier und da bereits erloschen waren. In der gl�henden Verteidigungslinie klafften gro�e L�cher, durch die sich ein breiter Strom alptraumhafter Kreaturen ergo�. �Wie zum Beispiel �ber Schelfheim�, sagte Thorn, nachdem er ihr und vor allem Gendik ausreichend Zeit gelassen hatte, das Bild zu betrachten.</p><p>Es gelang Gendik nicht, seinen Blick von der Glasscheibe zu l�sen. �Ihr... Ihr wi�t... da�...� stammelte er. Dann brach er ab und sah mit einem Ruck auf. Er starrte Thorn an. �Wer seid Ihr?� keuchte er. �Ein Zauberer?�</p><p>Thorn sch�ttelte den Kopf. �Ganz bestimmt nicht. Wenn ich auch �ber gewisse... Hilfsmittel verf�ge, die Euch wie Zauberei vorkommen w�rden. Auf jeden Fall aber bin ich ein Mann, der Euch helfen kann. Euch und Eurer Stadt, Gendik.� Er z�gerte einen ganz genau berechneten Moment, ehe er auf Kara deutete, sie dabei aber nicht ansah, sondern an Gendik gewandt fortfuhr: �Ich nehme an, Kara hat Euch schon in groben Z�gen von uns erz�hlt.�</p><p>�Nein�, antwortete Gendik mit einem neuerlichen Blick in Karas Richtung.</p><p>�Das erleichtert die Sache�, sagte Thorn. �Denn was immer sie Euch erz�hlt h�tte, es w�re falsch gewesen. Ich wei�, da� Ihr uns f�r Eure Feinde haltet, aber das sind wir nicht.�</p><p>�Wie kommst du nur auf die Idee, ich k�nnte einen solchen Unsinn erz�hlen?� sagte Kara. Ihre Stimme troff vor Hohn. �Du und unser Feind? Ich bin ganz sicher, da� du den Hort nur aus Versehen niedergebrannt und drei�ig von meinen Kriegern dabei umgebracht hast. Und der Angriff auf Schelfheim war sicherlich ebenfalls nur ein kleiner Patzer, nicht wahr?�</p><p>Thorn seufzte. �Manchmal mu� man Dinge tun, die man eigentlich nicht tun will�, sagte er. �Ich dachte, die Herrin der Drachenreiter w��te das.�</p><p>�Oh, Ihr tut das alles gegen Euren Willen?� fragte Kara sp�ttisch. �Dann zeigt mir den, der Euch dazu zwingt. Ich werde zu ihm gehen und ihm erkl�ren, da� er einen Fehler begeht. Ich bin sicher, er sieht das ein.�</p><p>�Das reicht�, sagte Gendik scharf. �Wir haben keine Zeit f�r deine dummen Spiele, Kara!� Erregt deutete er auf das Bild der Stadt, das noch immer den Tisch f�llte. �Ihr und Eure M�nner, Ihr k�nnt uns helfen?�</p><p>�Zuerst sind noch einige Fragen zu kl�ren�, sagte Thorn ausweichend, aber dann nickte er. �Wenn wir uns einig werden, Gendik, kann ich Euch versprechen, da� es durchaus in meiner Macht liegt, Eure Stadt vor dem Ansturm dieser Ungeheuer zu sch�tzen.�</p><p>�Nachdem er sie zuerst auf Euch gehetzt hat�, sagte Kara. Gendik fuhr wieder herum. Wut flammte in seinen Augen auf � aber nur im allerersten Moment. Erst dann schien er wirklich zu begreifen, was sie gesagt hatte. Verwirrt und v�llig fassungslos wandte er sich wieder an den Mann an der anderen Seite des Tisches. �Ist das wahr? Wie meint sie das?�</p><p>Kara registrierte zufrieden, da� es ihr offensichtlich gelungen war, Thorn ein wenig aus dem Konzept zu bringen. �Man kann es so sehen�, sagte er. �Und ich verstehe sogar, da� Kara dies glaubt.�</p><p>�Glaubt?� Kara mu�te an sich halten, um nicht zu schreien.  �Ich habe <emphasis>gesehen,</emphasis> was deine M�nner tun! Sie sind es, die mit ihren Maschinen diese Monster gegen die Stadt hetzen! Es ist ein bi�chen billig, Hilfe gegen eine Gefahr anzubieten, die man selbst heraufbeschworen hat, findest du nicht?�</p><p>Thorn seufzte erneut, es klang beinahe traurig. �Ich begreife deinen Zorn, Kara�, sagte er. �W�re ich an deiner Stelle, erginge es mir nicht anders. Aber glaube mir � das haben wir nicht gewollt.�</p><p>�Du wirst lachen, Thorn�, sagte Kara. �Aber ich glaube dir nicht.�</p><p>�Ich... ich verstehe nicht ganz�, begann Gendik, wurde aber sofort wieder von Kara unterbrochen, die heftig gestikulierend abwechselnd auf Thorn und das Bild in der Tischplatte deutete. �Aber ich, Gendik. Diese M�nner sind mit ihrem Schiff hierher gekommen, weil sie nichts anderes als unsere ganze Welt haben wollen.� Anklagend wies sie auf Thorn. �Ich bin sicher, er wird dir gleich vorschlagen, deine Stadt zu besch�tzen, wenn du sie ihm hinterher �bergibst.�</p><p>�Ich h�tte es weniger drastisch ausgedr�ckt, aber etwas in dieser Art schwebte mir vor�, sagte Thorn in einem Ton, f�r den Kara ihm den Hals h�tte herumdrehen k�nnen.</p><p>�Du bist wirklich zu edel�, sagte Kara. �Du kommst mir vor wie ein Mann, der ein Haus anz�ndet und hinterher mit einem Eimer Wasser kommt, um ihn dem Besitzer zu verkaufen.�</p><p>�Ich sagte bereits � was geschehen ist, tut mir leid�, antwortete Thorn eine Spur sch�rfer. �Es war niemals meine Absicht, Schelfheim zu vernichten. Wenn ich das wollte, h�tte ich es leichter haben k�nnen.�</p><p>�Aber vielleicht nicht so dramatisch�, murmelte Kara w�tend.</p><p>Thorn wollte antworten, sch�ttelte aber dann nur den Kopf und sog h�rbar die Luft zwischen den Z�hnen ein. In ver�ndertem, ruhigeren Tonfall und an Gendik gewandt fuhr er fort. �Ich sehe ein, da� es noch eine Menge Dinge gibt, �ber die wir reden m�ssen. Mi�verst�ndnisse m�ssen ausger�umt, Fragen beantwortet werden. Aber Ihr selbst habt das gerade sehr treffend formuliert, Gendik. Jetzt ist nicht der Moment dazu. In jeder Minute, die wir hier sitzen und reden, sterben in Eurer Stadt Menschen. Mein Angebot lautet: Wir werden Schelfheim besch�tzen. Ich garantiere Euch, da� dieser Spuk vorbei ist, zehn Minuten, nachdem ich es befehle.�</p><p>Gendik starrte auf das Bild der untergehenden Stadt. Auf seinem Gesicht arbeitete es, und Kara fragte sich, ob sie ihm vielleicht Unrecht getan hatte, denn es dauerte recht lange, bis er mit ganz leiser Stimme fragte: �Und was verlangt ihr daf�r?�</p><p>�Im Grunde nicht mehr, als da� ihr aufh�rt, uns zu bek�mpfen. Freien Zugang zur Stadt und zu den Katakomben. Und vielleicht einen St�tzpunkt f�r meine M�nner und ihre Maschinen.�</p><p>�Und unbedingten Gehorsam, nicht zu vergessen�, f�gte Kara b�se hinzu. �Nicht wahr, Thorn?� Sie starrte Gendik an. �Er l�gt! Er will eure Stadt � und das ist erst der Anfang.�</p><p>�Ist das wahr?� fragte Gendik.</p><p>�Es ist wahr!� antwortete Kara an Thorns Stelle. Thorn machte keine Anstalten, sie zu unterbrechen, sondern sah sie nur beinahe vorwurfsvoll an. �Wenn ihr seine Hilfe annehmt�, fuhr Kara erregt fort, �dann hat sich nichts ge�ndert, seit wir Jandhi und ihre Drachent�chter vertrieben haben, Gendik. Dann werden es wieder Fremde sein, die �ber uns herrschen.�</p><p>�Selbst wenn es so w�re�, murmelte Gendik, �w�re die Alternative nur der Tod.� Er wirkte unglaublich verloren und hilflos, und f�r Sekunden tat er Kara nur leid. Ein Mann, der alles verloren hatte, wof�r er je gelebt und gek�mpft hatte, und der gerade erfahren hatte, da� ihm keine andere Wahl mehr blieb, als sein Volk zu verraten, wollte er es retten.</p><p>Thorn l�chelte. �Ich sehe, Ihr habt den Ernst der Lage erkannt, Gendik. Aber bevor Ihr eine Entscheidung trefft, la�t mich noch eines sagen.� Er deutete auf Kara. �Ich verstehe ihren Zorn. Ich verstehe, warum sie sagt, was sie sagt. Aber sie irrt sich. Wir haben kein Interesse daran, �ber irgend jemanden zu herrschen.�</p><p>�Warum seid ihr dann hier?� fragte Kara. �Warum seid ihr gekommen? Warum greift ihr uns an? Warum... t�tet ihr uns?�</p><p>�Aber das tun wir nicht�, widersprach Thorn. �Ich sagte bereits, da� es ein schrecklicher Unfall war, den wir bedauern, der aber einmal geschehen ist.�</p><p>�Ein Unfall?� Kara schrie nun wirklich. �All diese... diese Bestien greifen Schelfheim doch nur an, weil ihr sie dazu zwingt! Es sind deine Maschinen, die G�a t�ten, nicht wahr?�</p><p>Sie las in seinen Augen, da� er im ersten Moment nicht einmal verstand, wovon sie sprach. Dann runzelte er die Stirn. �G�a...? Oh, du meinst dieses Schmarotzerwesen, das im Dschungel lebt. Ja, ich habe Befehl gegeben, es zu vernichten, weil es uns eine Menge Schwierigkeiten bereitet hat.�</p><p>�Einfach so?� fragte Kara. Ihr Zorn verrauchte und machte einem Gef�hl tiefen, fast l�hmenden Entsetzens Platz. �Du... du t�test das gr��te denkende Lebewesen einer Welt und...�</p><p>Ihre Stimme versagte.</p><p>�Es ist nicht mehr als ein Tier�, sagte Thorn. �Noch dazu ein �u�erst gef�hrliches Tier. Ich wei�, da� du mir auch das nicht glauben wirst, Kara, aber �ber kurz oder lang w�re es auch euch gef�hrlich geworden. Wir haben sein Verhalten und seine F�higkeiten lange analysiert. Es w�chst unaufh�rlich. Vielleicht h�tte es noch tausend Jahre gedauert, vielleicht auch zehntausend � aber irgendwann einmal wird es alles hier unten verschlungen haben. Und das wird ihm dann nicht reichen.�</p><p>�Das ist nicht wahr!� sagte Kara w�tend. �Und selbst wenn � ihr habt nicht das Recht, G�a umzubringen.�</p><p>�Wir haben jedes Recht, das wir uns nehmen�, sagte Thorn ruhig.</p><p>Kara ignorierte diese Worte, um nicht v�llig die Beherrschung zu verlieren. �G�a ist... mehr als ein Tier�, sagte sie. �Sie ist...�</p><p>�Gro߫, unterbrach sie Thorn. �Nicht wahr?�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Aber das �ndert nichts�, sagte Thorn. �Ich wei�, es ist ein sehr erstaunliches Wesen. Aber es ist nur <emphasis>ein</emphasis> Wesen, Kara. H�ltst du sein Leben f�r wertvoller als das all dieser Menschen, die in Gendiks Stadt leben? Mi�t man auf eurer Welt den Wert eines Lebens nach seiner Gr��e?�</p><p>Kara suchte vergeblich nach einer Antwort. Sie ahnte, da� sie einen sinnlosen Kampf k�mpfte. Sie kam sich hilflos und entsetzlich verloren vor. Und vielleicht hatte der Mann sogar recht.</p><p>Thorn sah sie einen Moment lang durchdringend an, dann l�schte er mit einer raschen Handbewegung das Bild in dem Tisch und wandte sich in seinem Stuhl wieder zu Gendik um. �Habt Ihr �ber meinen Vorschlag nachgedacht?�</p><p>�Wer seid Ihr?� murmelte Gendik. Er machte eine hilflose Geste mit beiden H�nden. �Eure M�nner. Eure... Maschinen. Dieses... dieses unglaubliche... Ding hier. Sagt Kara die Wahrheit? Seid Ihr hergekommen, um uns unsere Welt zu stehlen?�</p><p>�Nein�, antwortete Thorn. �Wir werden euch nichts wegnehmen. �berlegt selbst: Ihr � und vor allem dieses j�hzornige kleine M�dchen mit seinen Drachenfreunden � habt uns bereits gro�en Schaden zugef�gt. Mehrere meiner M�nner sind tot, und eine ganze Anzahl �beraus kostbarer Maschinen wurden zerst�rt. Ich bin denen, die mich geschickt haben, Rechenschaft schuldig. Sie w�rden nicht verstehen, warum ich so viel gebe, um so wenig zu bekommen. Eure Welt ist gro�, viel gr��er, als ihr wahrscheinlich ahnt. Und der Teil davon, den ihr bewohnt, ist winzig. Wir nehmen nur, was ihr nicht braucht.�</p><p>�Also doch�, sagte Gendik ganz leise. �Ihr seid, was sie gesagt hat. Nichts als Diebe.�</p><p>�Es tut mir leid, wenn Ihr das so seht�, sagte Thorn betr�bt. �Ich hatte gehofft, da� wir uns einigen k�nnten.�</p><p>�Einigen?� begehrte Kara auf. �Mit M�rdern?�</p><p>Thorn blickte sie wortlos, aber jetzt voller Zorn an, und Kara begann erregt mit beiden H�nden zu gestikulieren, w�hrend sie sich vorbeugte und abwechselnd ihn und Gendik anstarrte. �Ihr seid nicht unsere Feinde? Ihr wollt nichts, was euch nicht geh�rt? Du l�gst, Thorn. Ihr habt Hunderte von Menschen get�tet, vielleicht Tausende! Waren es nicht deine Maschinen, die den grauen Staub auf die Stadt im <emphasis>Schlund</emphasis> geworfen haben? Sind es nicht deine Maschinen gewesen, die unsere Ernten verdorben, die daf�r gesorgt haben, da� unsere Frauen keine Kinder mehr bekommen, die Quellen versiegen und giftige Seen entstehen lassen? Streite es nicht ab!� sagte sie mit einer herrischen Geste, als Thorn sie unterbrechen wollte. �Ich kenne die Wahrheit. Ich wei�, wer ihr seid und woher ihr kommt. Elder hat mir die Wahrheit erz�hlt!�</p><p>�Elder?� Thorn sah sie fragend an, dann nickte er. �Nennt er sich jetzt so? Lebt er noch?�</p><p>�Das sollte ich dich fragen�, antwortete Kara. �Au�erdem spielt es keine Rolle. Ihr seid alle gleich. Ihr l�gt, und ihr t�tet.�</p><p>Thorn seufzte tief. �Wenn dieser Dummkopf dir wirklich soviel erz�hlt hat�, sagte er. �Dann hat er dir vielleicht auch erz�hlt, da� wir Kaufleute sind. Keine M�rder.�</p><p>�Und was ist das, was ihr mit G�a tut?�</p><p>Thorn explodierte endg�ltig. �Da� wir die Insektenkultur auf dem �stlichen Kontinent ausgel�scht haben, hat keinen von euch gest�rt�, sagte er. �W�ren wir nicht gewesen, h�tten sie euch wirklich �bel mitgespielt, glaub mir.�</p><p>�Wie edel�, h�hnte Kara.</p><p>Thorn beruhigte sich wieder. �Ich gebe zu, da� Fehler gemacht worden sind�, sagte er. Er l�chelte, fl�chtig und irgendwie traurig. �Ich k�nnte jetzt sagen, da� das war, bevor ich hierherkam und das Kommando �bernahm. Es w�re sogar die Wahrheit, aber ihr w�rdet es mir nicht glauben, und daf�r h�tte ich sogar Verst�ndnis. Nimm einfach an, unsere Befehle h�tten sich ge�ndert.�</p><p>�Und wenn sie sich wieder �ndern?� warf Gendik ein.</p><p>�Das werden sie nicht�, versicherte Thorn. �Ich sagte: Es wurden Fehler gemacht. Als wir hier ankamen, da hatten wir eine Menge mit diesen Ungeheuern auf dem anderen Kontinent zu tun. Ich werde euch vielleicht bei Gelegenheit einmal einige Aufnahmen von ihnen zeigen. Wir haben euch, offen gesagt, untersch�tzt. Wir hielten euch f�r irgendwelche Wilde, die in den Ruinen einer untergegangenen Welt herumkriechen und sich gegenseitig auffressen. Der Mann, der vor mir hier war, war ein Narr. Er wurde abgel�st, und ich verspreche euch, da� er f�r seine Fehler zur Verantwortung gezogen werden wird.�</p><p>�Und das ist alles?� Kara war den Tr�nen nahe. Aber es waren Tr�nen der Wut. �Du meinst, du sagst: Entschuldigung, es war nicht so gemeint, und dann ist alles in Ordnung?�</p><p>Thorn lachte. �Du hast eine richtig herzerfrischende Art, die Dinge m�glichst kompliziert auszudr�cken�, sagte er. �Ja, in der Tat � etwas in dieser Art schwebte mir vor.�</p><p>�Aber ihr stehlt uns unsere Welt!� sagte Kara. �Ihr kommt hierher und... ihr habt G�a vernichtet. Ihr habt den <emphasis>Schlund</emphasis> vernichtet. Ihr... kommt hierher und...�</p><p>�Wir haben nichts vernichtet�, unterbrach sie Thorn. Der Ton seiner Stimme glich dem eines Lehrers, der mit einem nicht ganz einsichtigen, aber talentierten Sch�ler sprach. �Das, was du den <emphasis>Schlund</emphasis> nennst, war fr�her einmal Meer. Wir stellen nur den Urzustand der Dinge wieder her. Ich hatte gehofft, es nicht sagen zu m�ssen, aber... es war dein Volk, das diesen Planeten zerst�rt hat. Schau dich um. Du kennst deine Welt besser als ich. Du wei�t, da� neunzig Prozent der Landmasse noch heute verstrahlte W�sten sind, in denen nie wieder etwas leben wird. Sieh dir das Leben auf dieser Welt an. Du bist ein Mensch, Kara. Ebenso wie er...� Er deutete auf Gendik.</p><p>�... und viele deiner Freunde. Aber die meisten sind...� Er suchte nach Worten. �Monster, Mutanten, halb Mensch, halb Tier. Kr�ppel. Bestien. Wir sind hier, um aus diesem Planeten wieder eine Welt zu machen, auf der Menschen leben k�nnen. Leben, ohne Angst haben zu m�ssen, da� ihre Kinder mit zwei K�pfen oder sechs Beinen geboren werden. Wenn es das ist, was du mir vorwerfen willst, dann hast du recht.�</p><p>�Aber ihr habt nicht das Recht dazu!� sagte Kara. �Es ist unsere Welt, und sie gef�llt uns so, wie sie ist.�</p><p>�Recht?� Thorn lachte ganz leise. �Von welchem Recht sprichst du? Gut � es stimmt: Wir kommen von einer Welt, die weiter entfernt ist, als du dir vorstellen kannst. Aber w�re es ein Unterschied, k�men wir von einem anderen Kontinent? W�rdest du dasselbe dem Herrscher eines Volkes vorwerfen, das aus einem der L�nder im Norden kommt, t�te es das gleiche wie wir? Beantworte mir diese Frage ganz ehrlich, Kara � und wenn schon nicht mir, dann dir selbst.�</p><p>Das Eis, auf dem sie sich bewegte, wurde d�nner und bekam Spr�nge. Ihre innere Stimme fl�sterte ihr zu, da� sie am besten gar nichts mehr sagte. Sie wu�te, da� er log, aber es fiel ihr immer schwerer, sich gegen das schleichende Gift seiner Worte zu wehren. Thorn geh�rte zu den Menschen, die mit Worten so perfekt wie mit einer t�dlichen Klinge umzugehen wu�ten. Wenn sie noch eine Stunde mit ihm sprach, dann w�rde er sie davon �berzeugt haben, da� alles, was er und seine M�nner taten, nur zu ihrem Besten war.</p><p>Thorn wartete vergebens auf eine Antwort und drehte sich schlie�lich wieder zu Gendik herum. Er fuhr in einem beinahe bedauernden Tonfall fort. �Die Entscheidung liegt bei Euch, Gendik. Kara ist eine Kriegerin. Sie ist von Kindesbeinen an dazu erzogen worden, wie eine Kriegerin zu denken und zu handeln. Aber Ihr seid ein Mann, dem das Wohl seiner Untertanen �ber alles geht. Bedenkt, was ich gesagt habe. Und bedenkt, was wir Euch bieten: Weder Ihr noch Eure Kinder werdet es noch erleben, aber ich verspreche Euch, da� diese Welt ein Paradies werden wird.�</p><p>�F�r sein Volk�, sagte Kara. �Sie werden kommen und sich ausbreiten. Sie... sie werden diese Welt in Besitz nehmen. Unsere Welt, Gendik.� Sie schlug erregt mit der flachen Hand auf den Tisch. �Warum, glaubt Ihr, Gendik, tut er das? Weil sie diese Welt haben wollen! Weil sie sie brauchen. F�r sich! F�r ihre Kinder und Enkel. Nicht f�r unsere Nachkommen.�</p><p>Thorn verdrehte die Augen. �Vielleicht geht es ja in deinen Kopf nicht hinein, Kara�, sagte er gereizt. �Aber wei�t du, es ist auf unseren Welten durchaus m�glich, da� verschiedene V�lker friedlich nebeneinander leben, ohne sich bei jeder Gelegenheit die Kehlen durchzuschneiden.�</p><p>�Und wie lange?� fragte Gendik. �Bis ihnen der Raum, den Ihr f�r sie schafft, zu klein wird? Hundert Jahre? Zweihundert?�</p><p>�O nein�, antwortete Thorn. �Seht Ihr, wir sind seit beinahe hundert Jahren hier, ohne da� Ihr unsere Anwesenheit auch nur bemerkt h�ttet. Eine ganze Welt umzubauen ist eine gro�e Aufgabe. Es wird vielleicht noch einmal tausend Jahre dauern, ehe die ersten Siedler hier eintreffen. Weder Euer Volk noch Eure Stadt sind in Gefahr. Im Gegenteil, wenn Ihr mit uns zusammenarbeitet, werden wir viel f�r Euch tun.�</p><p>�Ich nehme an, aus lauter Menschenfreundlichkeit�, sagte Kara mit �tzendem Spott.</p><p>�Unter anderem�, antwortete Thorn unger�hrt. �Aber auch, weil es einfach der <emphasis>billigere</emphasis> Weg ist. Einen Krieg zu f�hren kostet Geld. Verb�ndete zu haben bringt im allgemeinen leichter Gewinn.�</p><p>�Ja�, fl�sterte Kara. �Und irgendwann einmal haben wir dann unseren Dienst getan, nicht wahr? Und selbst wenn du die Wahrheit sagst, was geschieht dann? Eure Siedler werden kommen und aus dieser Welt einen Platz nach ihrem Geschmack machen. Wir sind wenige. Wir herrschen nur auf einem winzigen Teil dieser Welt. Glaubst du wirklich, sie werden ihn uns lassen?�</p><p>�Wir k�nnen einen Vertrag schlie�en�, schlug Thorn vor. �Damit wir in einem Reservat leben wie Tiere in einem Gehegel� Kara sch�ttelte w�tend den Kopf. �Nein, Thorn. Diese Welt mag gro� sein, gro� genug f�r uns und hundert andere V�lker, aber nicht gro� genug f�r dein und mein Volk.�</p><p>Thorn sah sehr ernst an. �Du wei�t, was du damit gesagt hast?� fragte er.</p><p>�Da� wir k�mpfen werden!� erwiderte Kara w�tend. �Vernichtet uns, Thorn, wenn ihr es k�nnt. Aber tut es gr�ndlich, denn wenn nur einer von uns �brigbleibt, wird er euch alle t�ten.�</p><p>Thorn blickte sie weiter auf diese durchdringende Art und Weise an � und pl�tzlich begann er schallend und laut zu lachen. �O mein Kind�, sagte er. �Wenn ich nicht w��te, da� es so etwas auf dieser Welt gar nicht gibt, dann w�rde ich behaupten, du h�ttest zu viele schlechte Filme gesehen.� Er wurde �bergangslos wieder ernst. �Was glaubst du, warum du hier bist?� schnappte er. �Weil ich euch nicht vernichten will. Ich wei� nicht, was dieser Narr Elder dir �ber uns erz�hlt hat, aber wir sind weder Diebe noch Massenm�rder.�</p><p>�Und wie bezeichnest du das, was in Schelfheim geschieht?� fragte Kara.</p><p>Thorn schwieg. Geschlagene zehn Sekunden lang blickte er Kara an, dann streckte er wieder die Hand nach dem Tisch aus und ber�hrte die Platte. Aber anstelle des Bildes der brennenden Stadt erschien das �berlebensgro�e Abbild eines Mannes in blauer Uniform. �Starten Sie Ihre Einheiten, Commander�, sagte Thorn, wobei er sich wieder Karas Sprache bediente, damit sie und Gendik seinen Befehl verstanden. �Sie gehen wie besprochen vor. Achten Sie darauf, da� die Verluste unter der Zivilbev�lkerung so gering wie m�glich sind.�</p><p>Das Bild erlosch, noch bevor der Mann darauf antworten konnte, und Thorn wandte sich an Gendik. �In einer halben Stunde ist der Spuk vorbei. Darauf habt Ihr mein Wort, Gendik. Und jetzt verlange ich eine Entscheidung von Euch.� Er atmete tief und h�rbar ein und warf Kara einen ganz kurzen, aber vor Wut brodelnden Blick zu. �Ihr k�nnt auf sie h�ren oder auf die Stimme Eurer Vernunft, Gendik, aber ich verlange jetzt eine Entscheidung. Ich verspreche Euch keine Wunder, alles wird f�r Euch bleiben wie es war. Ihr k�nnt uns als Partner sehen oder als das, was wir sind � Kaufleute, die ihren Gesch�ften nachgehen wollen und vielleicht sogar mit Euch Handel treiben. Denn auch Ihr habt Dinge, die wir nicht haben. Oder aber versucht, uns weiter zu bek�mpfen, und opfert weiter Eure besten M�nner und Frauen, indem Ihr Drachen gegen Laserkanonen rennen la�t.�</p><p>Er schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, wie es Kara zuvor getan hatte. �Aber ich verlange eine Entscheidung. Auf der Stelle.�</p><p>Gendik starrte aus aufgerissenen Augen und ohne zu blinzeln ins Leere. Dann drehte er langsam, wie ein uralter Mann den Kopf und sah Kara an, und sie las seine Antwort in seinen Augen, noch ehe er sie aussprach. �Es tut mir leid, Kara�, sagte er. �Ich bin einverstanden.�</p></section><section><title><p>47</p></title><p>Da sie von einer von Thorns Libellenmaschinen zum Drachenhort zur�ckgeflogen wurde, erreichte sie ihn kaum eine Stunde nach Donay und Cord und somit noch rechtzeitig, um die beiden daran zu hindern, ihren Befehl auszuf�hren und die Krieger nach Schelfheim zu bringen. Ihre Ankunft l�ste beinahe eine Panik aus, aber erst sp�ter wurde ihr klar, wie knapp sie und ihr Begleiter mit dem Leben davongekommen waren. Nat�rlich war ihre Ann�herung nicht unbemerkt geblieben. Ein halbes Dutzend Drachen kam ihnen entgegen und eskortierte die Libelle die letzten f�nf oder sechs Meilen, und im allerersten Moment sah das, was sie taten, nicht nur nach einem Angriff aus � es <emphasis>war</emphasis> ein Angriff. Das halbe Dutzend Tiere verteilte sich �ber und vor der Libelle. Der Mann neben ihr wurde sichtlich nerv�s. Er hatte die roten und gr�nen Signallichter seiner Maschine eingeschaltet, und Kara hatte ihm den Morsecode f�r das Wort �Frieden� erkl�rt, den die Scheinwerfer den Drachen ununterbrochen entgegenblinkten. Kara hoffte, da� die Krieger das Wort verstanden. Wenn nicht... Nun, sie hatte mehr als einmal gesehen, da� das Feuer von f�nf oder sechs Drachen den unsichtbaren Schild der Libellen zu �berwinden imstande war. Pl�tzlich brachen die Drachen ihren Angriff ab und nahmen eine andere Formation ein. Kara atmete ebenso erleichtert auf wie der Pilot, aber auch sie konnte sich einer gewissen Nervosit�t noch immer nicht erwehren, als der Schwarm gigantischer Drachenv�gel auf die winzige Maschine herunterstie� und sich rings um sie herum in der Luft verteilte. Sie hob die Hand und winkte den Reitern zu, aber sie wu�te selbst, wie schwierig es war, hinter der spiegelnden Halbkugel mehr als Schemen zu erkennen. Die Drachen begleiteten sie drohend bis zum Hort. Der Anblick versetzte Kara einen tiefen, schmerzhaften Stich. Sie hatte die Festung auch gestern gesehen, als sie und die anderen nach Schelfheim aufbrachen, aber obwohl da noch Rauch in der Luft gewesen war, obwohl manche Feuer noch schwelten und sich aus den zusammengebrochenen H�usern und T�rmen noch immer Staub kr�uselte, wirkte der Anblick jetzt beinahe noch schlimmer. Die letzten Br�nde waren gel�scht, der Rauch hatte sich verzogen, und hier und da gewahrte sie aus der H�he winzig erscheinende Gestalten, die bereits damit begonnen hatten, die Tr�mmer beiseite zu r�umen. Doch Kara wu�te, da� es sinnlos war. Ihr wurde unbarmherzig klar, da� sie diese Festung nie wieder w�rde aufbauen k�nnen. Thorns Angriff hatte sie in ihren Grundfesten ersch�ttert; die Festung war nicht mehr als ein Kartenhaus aus Stein, das der n�chste heftige Windzug umwerfen w�rde.</p><p>Flankiert von den Drachen, die tief und drohend �ber dem Hof zu kreisen begannen, setzte die Libelle unweit des Haupthauses zur Landung an. Ein Dutzend M�nner lief auf sie zu, die K�pfe gesenkt und die Gesichter aus dem peitschenden Wind der Rotorbl�tter gedreht, der sie mit Staub bewarf und ihre Kleider bauschte, aber mit gez�ckten Schwertern. Besorgt sah Kara auf. Die Drachen kreisten so tief und langsam �ber der Festung, und auch auf den Wehrg�ngen erschienen immer mehr und mehr Krieger. Sie l�ste ihren Sicherheitsgurt und stand auf, als sich die Kanzel zu �ffnen begann, wandte sich aber noch einmal an den Piloten, ehe sie die Maschine verlie�. �Starte noch nicht�, sagte sie.</p><p>Der Mann sah sie fragend an, und Kara f�gte mit einer Geste auf die Drachen am Himmel hinzu: �La� mich erst mit ihnen reden. Ehe sie etwas tun, das dir nicht gefallen w�rde.�</p><p>Mit einer raschen Bewegung schwang sie sich aus der Maschine, entfernte sich geduckt einige Schritte weit und richtete sich dann wieder auf. Der heulende Wind der Rotoren blies ihr das Haar ins Gesicht und ri� ihr die Worte von den Lippen. Aber die Krieger registrierten ihre beruhigenden Gesten und blieben stehen.</p><p>Kara wies auf die Drachen. �Sie sollen sich zur�ckziehen!� schrie sie. �Der Pilot hat Freies Geleit!�</p><p>Sie bezweifelte, da� auch nur einer der M�nner ihre Worte verstand. Das Heulen der Maschine hinter ihr wurde lauter, als der Pilot die Kanzel wieder schlo� und seine Motoren schneller laufen lie�, um wieder abzuheben. Kara warf einen raschen Blick �ber die Schulter zu ihm zur�ck, dann entfernte sie sich noch einmal einige Schritte von der Libelle und signalisierte den Reitern �ber dem Hof ihren Befehl in der Zeichensprache. Sie mu�ten ihn verstehen, aber f�r Momente war sie nicht sicher, ob sie ihn auch befolgten. Die Drachen kreisten weiter �ber der Festung, und Kara konnte die Gereiztheit der Tiere beobachten. Vielleicht war dies der Moment, in dem ihre ohnehin nicht besonders gefestigte Autorit�t endg�ltig versagte, dachte sie. Aber pl�tzlich scho� der erste Drache mit einem gewaltigen Fl�gelschlag in die H�he. Eines nach dem anderen glitten die Tiere davon und begannen, �ber dem <emphasis>Schlund</emphasis> zu kreisen.</p><p>Kara atmete erst auf, als sich die Libelle heulend und bebend wieder in die Luft erhob und den schimmernden Kopf nach Norden drehte. Kara sah ihr nach, bis sie zu einem silbernen Funkeln am Himmel geworden war.</p><p>Das erste, was sie gewahrte, als sie sich herumdrehte, war Hrohns breites Schildkr�tengesicht, und so schwer es auch f�r gew�hnlich war, irgendeine Regung auf den Z�gen des Waga zu erkennen, konnte sie jedoch eine unendlich tiefe Erleichterung ausmachen. Sie l�chelte Hrhon fl�chtig zu, strich sich mit der Linken das Haar aus dem Gesicht und machte mit der anderen Hand eine abwehrende Geste, als ein Dutzend Fragen gleichzeitig auf sie niederprasselten.</p><p>�Sp�ter!� sagte sie laut. �Ihr werdet alles erfahren � aber jetzt mu� ich zuerst mit Aires sprechen.� Sie gab Hrhon ein Zeichen, ihr den Weg freizumachen.</p><p>Als sie die Treppe zum Haupthaus hinaufging, kam ihr Cord entgegen. Kara hatte erwartet, auch Donay in seiner Begleitung anzutreffen, aber statt dessen erkannte sie Elder. �Das... das war eine PACK-Maschine!� sagte er in einer Mischung aus Zorn und Fassungslosigkeit. �Wieso l��t du sie gehen? Wir h�tten unersetzliche Informationen von dem Pi...�</p><p>�Weil ich ihm Freies Geleit zugesagt habe�, unterbrach ihn Kara grob. �Und hier bei uns ist es �blich, sein Wort zu halten.�</p><p>Sie ging an ihm und Cord vorbei und steuerte die Treppe im Hintergrund der ausgebrannten Halle an.</p><p>�Wieso bist du �berhaupt hier? Ich hatte angenommen, da� du dich in einem tiefen Loch versteckst und wartest, bis sie wieder fort sind.�</p><p>Elder versuchte, sie mit Blicken aufzuspie�en, aber Kara schenkte ihm ein zuckers��es L�cheln und bedeutete ihm, vorauszugehen. Elder z�gerte, humpelte dann aber hastig los, als Hrhon Anstalten machte, Karas Befehl handgreiflich Nachdruck zu verleihen.</p><p>�Wo ist Donay?� fragte sie, w�hrend sie alle vier die Treppe hinaufgingen.</p><p>Cord wollte antworten, aber Elder kam ihm zuvor. �In seinem Labor. Er war ganz aus dem H�uschen und konnte gar nicht schnell genug damit anfangen, den M�ll zu untersuchen, den ihr gefunden habt.� Er bedachte Kara mit einem langen, vorwurfsvollen Blick. �Du hast mich belogen, Kara. Dieser Hund hat sich nicht losgerissen. Es war auch kein Bluthund.�</p><p>Sie sah Cord an. �Du hast es ihm gesagt?�</p><p>�Das war nicht n�tig�, grollte Elder. �Ich bin nicht so d�mlich wie er.� Er machte eine Kopfbewegung auf Cord. �Ich kann durchaus zwei und zwei zusammenz�hlen. Dieser Hund hat meine Spur aufgenommen. Aber mu�te er mich dazu ins Bein bei�en?�</p><p>�Sie brauchen Blut, um �ltere Spuren zu finden�, sagte Kara ruhig. �H�tte ich gewu�t, was wir finden, Elder, dann h�tte ich daf�r gesorgt, da� er ein St�ck h�her zubei�t.�</p><p>�Du h�ttest mich fragen k�nnen�, sagte Elder.</p><p>�Ja. Und ich wette, du h�ttest auch geantwortet�, sagte sie. �Ich bin nur nicht sicher, was.� Sie blieb stehen, wandte sich ganz zu ihm um und sah ihn durchdringend an. �Hast du Liss und die beiden anderen get�tet? Sag die Wahrheit, Elder. Es spielt sowieso keine Rolle mehr.�</p><p>�Warum fragst du dann?�</p><p>�Weil ich es wissen will�, antwortete Kara. �Ich will einfach wissen, ob ich mit dem M�rder meiner Freunde geschlafen habe oder nicht.�</p><p>�Nein�, sagte Elder ernst. �Ich habe sie nicht get�tet. Aber ich habe gesehen, wie sie es getan haben. Ich konnte es nicht verhindern.�</p><p>�Warum?� fragte Kara leise.</p><p>Elder zuckte mit den Schultern. �Du wei�t, wie wenig ihnen ein Menschenleben gilt. Vielleicht hatten sie Angst, da� sie dort unten irgend etwas finden, was ihr gegen sie verwenden k�nntet. Immerhin besa�en eure Vorfahren Nuklearwaffen.�</p><p>�Selbst wenn es sie dort unten g�be, w�rden wir sie niemals einsetzen�, sagte Kara ernst.</p><p>�Ich wei߫, antwortete Elder im gleichen, fast feierlichen Tonfall. �Aber sie wissen das nicht. F�r PACK ist der Einsatz von Atomwaffen nur eine Frage der Taktik.�</p><p>�Und du?� fragte Kara. �Was hast du dort unten gesucht?�</p><p>�Dasselbe wie ihr. Allerdings war ich nicht halb so erfolgreich. Wie um alles in der Welt habt ihr diese T�r aufbekommen?�</p><p>�Woher wei�t du, da� es eine T�r war?� fragte Kara. Sie hielt Elder genau im Auge, aber wenn ihn ihre Frage �berraschen sollte, so lie� er sich von dieser �berraschung nichts anmerken. �Donay hat es mir erz�hlt�, sagte er.</p><p>Kara seufzte. �Ich finde, er redet zuviel.�</p><p>Sie gingen weiter, und Kara legte f�r den Rest des Weges absichtlich ein so scharfes Tempo vor, da� Elder, der durch sein verletztes Bein immer noch behindert war, all seine Energie aufbieten mu�te, um mit ihnen Schritt zu halten.</p><p>Aires stand am Fenster ihrer Turmkammer und sah auf den Hof hinab, als sie eintraten. Sie wirkte sehr alt und auf eine Weise m�de, die nichts mit k�rperlicher Ersch�pfung zu tun hatte. Sie konnte nicht �berh�rt haben, da� Kara und die anderen das Zimmer betreten hatten, aber es verging noch fast eine Minute, ehe sie sich endlich vom Fenster abwandte und sie ansah. Der Blick, mit dem sie Kara ma�, war vorwurfsvoll. Aires wu�te, was geschehen war, und sie hie� es nicht gut. Sie w�re nicht mit Thorns M�nnern gegangen, sondern h�tte sie und ihre Maschinen vernichtet, ganz gleich, was danach geschah. Und sie hatte recht damit, dachte Kara. Man konnte nicht mit dem Teufel verhandeln, auch wenn er eine blaue Uniform trug und in einem Raumschiff von den Sternen kam.</p><p>Schlie�lich deutete Aires mit einer m�den Geste auf den Tisch und lie� sich als erste auf einen der St�hle sinken. �Du warst also bei ihnen�, begann sie. �Du hast mit ihnen verhandelt.�</p><p>Kara z�gerte. �Nein�, sagte sie schlie�lich. �Nicht verhandelt, Aires. Ich habe mir angeh�rt, was Thorn zu sagen � �</p><p>�Thorn?� unterbrach sie Elder.</p><p>Kara sah ihn an. �Ihr Anf�hrer. Du kennst ihn?�</p><p>�Ich habe von ihm geh�rt�, sagte Elder ausweichend.</p><p>�Er von dir anscheinend auch.�</p><p>Elder �berging ihre Worte geflissentlich. �Er ist ein gef�hrlicher Mann�, sagte er. �Was immer er dir vorgeschlagen hat, du solltest dir f�nfmal �berlegen, ob du es akzeptierst.�</p><p>Kara lachte bitter. �Ich brauchte mir nichts zu �berlegen, weil er mir keinerlei Vorschl�ge gemacht hat�, sagte sie. �Er hat mit Gendik verhandelt � genauer gesagt, er hat Gendik seine Bedingungen <emphasis>diktiert.�</emphasis> Sie erz�hlte mit knappen Worten, was sie an Bord der Drohne gesehen und <emphasis>geh�rt</emphasis> hatte. Obwohl sie sich M�he gab, m�glichst sachlich zu bleiben, konnte sie nicht verhindern, da� ihre Stimme am Schlu� vor Zorn bebte, und auch der Ausdruck auf Cords und Elders Gesichtern wurde immer d�sterer. Nur Aires h�rte scheinbar v�llig unber�hrt zu, und sie schwieg noch eine ganze Weile, nachdem Kara ihren Bericht beendet hatte. �Also hat er uns an sie verkauft�, murmelte die Magierin schlie�lich.</p><p>�Ich f�rchte�, sagte Kara. �Aber er hatte keine andere Wahl. Die Existenz seiner Stadt stand auf dem Spiel.�</p><p>Voller pl�tzlichem Zorn sah Aires sie an. �Und du glaubst, er w�rde sie retten, indem er sie diesem Fremden schenkt? Wer ist dieser Gendik, da� er glaubt, �ber das Schicksal unserer ganzen Welt entscheiden zu k�nnen?�</p><p>�Schelfheim ist nicht die einzige Stadt auf der Welt�, mischte sich Cord ein; er wurde aber sofort von Aires unterbrochen. �Aber die gr��te!� sagte sie scharf. �Und die m�chtigste. Die anderen L�nder und Grafschaften werden sich dem anschlie�en, was Schelfheim tut. Das war schon immer so, und das wird auch diesmal so sein!�</p><p>�Die anderen St�dte vielleicht�, sagte Cord. �Aber wir nicht! Gendik hat keine Befehlsgewalt �ber den Hort!�</p><p>Aires lachte hart. �Wovon sprichst du, Cord?� Sie machte eine abgehackte Geste zum Fenster. �Von dieser verbrannten Ruine dort drau�en? Von den kaum zweihundert Kriegern, die noch in der Lage sind, auf ihren eigenen F��en zu stehen � und die erlebt haben, wie hilflos sie gegen diese M�nner sind? Wir sind geschlagen, Cord, sieh das endlich ein! Sie haben uns den Todessto� versetzt, noch ehe der Kampf �berhaupt begonnen hat!�</p><p>Kara war ein wenig verwirrt. Diese Worte pa�ten so wenig zu der Aires, die sie kannte, da� sie sich unwillk�rlich fragte, was w�hrend der wenigen Stunden ihrer Abwesenheit vorgefallen sein mochte.</p><p>�Es w�re ohnehin sinnlos, gegen sie k�mpfen zu wollen�, sagte Elder nach einer Weile. �Du hast ihr Schiff gesehen, Kara. Nach deiner Beschreibung vermute ich, da� es sich um einen Helikoptertr�ger der Zerst�rer-Klasse handelt. Wenn ja, dann hat er allein an die vierhundert Maschinen an Bord. Zwei von ihnen gegen jeden eurer Drachen.�</p><p>�Auf jeden Fall ist es kein <emphasis>kleines Boot,</emphasis> wie du behauptet hast�, sagte Kara scharf. �Das Ding war so gro� wie die Stadt, in der ich geboren wurde.�</p><p>�Trotzdem ist es ein Beiboot�, antwortet Elder. Er winkte ab, als Kara etwas sagen wollte. �Aber das spielt keine Rolle. In einem hatte Thorn jedenfalls recht, und ich bin froh, da� du das endlich einsiehst. Es w�re Selbstmord, gegen sie k�mpfen zu wollen. Wir werden das in die Hand nehmen. In sp�testens neun Tagen sind die Schiffe meiner Company hier, und dann schaffen wir euch diesen Thorn vom Hals.�</p><p>�Und du glaubst, es macht einen Unterschied, ob wir von seinen oder deinen Leuten beherrscht werden?� fragte Aires bitter. Elder sah einen Moment lang betroffen aus. �Ich dachte, ihr h�ttet verstanden, was ich euch gesagt habe�, sagte er. �Uns liegt nichts daran, euch eure Welt wegzunehmen. Dieser Planet stellt einen enormen Wert dar, aber PACK in die Knie zu zwingen, bedeutet f�r uns ungleich mehr.�</p><p>�Im Moment, ja�, sagte Kara. �Vielleicht auch noch in hundert Jahren oder auch in f�nfhundert.� Sie hatte nicht vergessen, was Elder selbst �ber das Verst�ndnis von Zeit gesagt hatte, das seinem Volk zu eigen war. �Aber was wird in tausend Jahren sein? Oder in zweitausend? Irgendwann wird eure Dankbarkeit abnehmen, Elder. Oder jemand in deiner <emphasis>Company</emphasis> wird eine spitze Feder nehmen und ausrechnen, was eure <emphasis>Hilfsaktion</emphasis> gekostet hat und uns die Rechnung pr�sentieren.�</p><p>�Allm�hlich frage ich mich, ob sie nicht vielleicht recht haben�, murmelte Aires.</p><p>Kara sah sie verwirrt an. �Wer?�</p><p>�Elder�, murmelte Aires tonlos. �Gendik, Thorn... alle. Wer sind wir, Kara?�</p><p>�Ich... verstehe nicht, was du meinst�, sagte Kara. �Wir sind Krieger. Die H�ter dieser Welt.�</p><p>�Wir sind nichts�, antwortete Aires bitter. �Wir sind zweihundert Narren, die glauben, sich gegen das Schicksal stellen zu k�nnen. Die H�ter der Welt? L�cherlich! Das, was wir die <emphasis>Welt</emphasis> nennen, ist nichts als ein winziger Streifen halbwegs fruchtbarer Erde, die rein zuf�llig <emphasis>nicht</emphasis> verbrannt wurde. F�nfundneunzig Prozent dieses Planeten bestehen aus radioaktiven W�sten, in denen nie wieder etwas leben wird.� Sie deutete auf Elder. �Sie k�nnten aus dieser H�lle wieder bewohnbares Land machen.�</p><p>Elder nickte stumm. Er sah sehr �berrascht aus.</p><p>�Ich frage mich, ob wir das Recht haben, �nein� zu sagen�, murmelte Aires.</p><p>�Wie bitte?� �chzte Kara fassungslos.</p><p>�Haben wir es?� fragte Aires. �Haben wir das Recht, dieser ganzen Welt eine bessere Zukunft zu verweigern, nur weil wir weiter so leben wollen, wie wir es immer getan haben? Diese Welt k�nnte wieder werden, was sie einmal war: ein Paradies.�</p><p>�Das nicht mehr uns geh�ren w�rde�, sagte Kara erregt.</p><p>�Ziehst du eine H�lle, die dir geh�rt, einem Paradies vor, in dem man dich nur leben l��t?�</p><p>�Wenn ich nicht wei�, wie lange man mich darin leben l��t, ja!� antwortete Kara. Sie machte eine zornige Handbewegung. �Was ist los mit dir, Aires? Seit wann geh�rst du zu denen, die aufgeben? Mein Gott, vor einer Woche wu�test du noch nicht einmal, was dieses Wort <emphasis>bedeutet�</emphasis></p><p>�Vor einer Woche wu�te ich so manches noch nicht�, fl�sterte Aires. Sie seufzte schwer. �Ich bin m�de. Bitte, la�t mich jetzt allein. Wir werden sp�ter weiterreden.�</p><p>Kara blickte sie fassungslos �ber den Tisch hinweg an. Ihre Gedanken drehten sich wild im Kreis, aber sie vermochte nicht zu erahnen, was pl�tzlich in Aires gefahren war. <emphasis>Was war w�hrend ihrer Abwesenheit hier geschehen?</emphasis></p><p>Gendik und Elder standen auf und gingen, und nach einigen Augenblicken erhob sich auch Kara. Aber sie begleitete die beiden nur bis zur T�r, dann blieb sie wieder stehen und drehte sich zu Aires zur�ck. Die alte Magierin sa� niedergeschlagen da; ihre Finger zogen noch immer die Holzmaserung der Tischplatte nach, ohne da� sie die Bewegung selbst zu registrieren schien.</p><p>�Geht schon mal vor�, sagte sie leise. �Ich komme nach, sobald ich kann. Ich mu� herausfinden, was mit ihr los ist.�</p><p>Sie wartete, bis Cord die T�r hinter sich zugezogen hatte, dann ging sie zum Tisch zur�ck. �Also?� fragte sie. �Was ist los! Wir sind allein. Du kannst ganz offen reden. Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?�</p><p>Eine oder zwei Sekunden lang sa� Aires noch reglos da, aber dann hob sie den Kopf, und als Kara in ihr Gesicht blickte, war darin keine Spur mehr von Resignation oder Niedergeschlagenheit, aber daf�r ein solcher Zorn, da� Kara erschrak.</p><p>�War ich so schlecht?� fragte sie. �Ich hielt mich f�r eine ganz passable Schauspielerin.�</p><p>Jetzt verstand Kara �berhaupt nichts mehr. �W... wie?� stotterte sie, �Du... du meinst, du hast uns das alles nur... nur vorgespielt?�</p><p>�Nicht dir�, antwortete Aires. Sie stand auf. Auch ihren Bewegungen war keine M�digkeit oder Ersch�pfung anzumerken. Mit raschen Schritten ging sie zur T�r, �ffnete sie und warf einen Blick auf den Gang hinaus, ehe sie sie wieder ins Schlo� dr�ckte. �Elder.�</p><p>�Elder? Aber � �</p><p>Aires klatschte in die H�nde, und die zweite T�r am anderen Ende des Zimmers �ffnete sich, und Donay trat heraus.</p><p>�Donay!� sagte Kara �berrascht. �Was tust du denn hier? Wieso hast du dich versteckt, und...� Sie brach verwirrt ab, tauschte einen Blick mit Aires.</p><p>�Elder?� murmelte Kara verwirrt. �Was ist mit ihm? Was hat er getan?�</p><p>�Getan?� Donay zuckte mit den Schultern. �Nichts. Ich habe die Koffer ge�ffnet, die wir gefunden haben. Der Inhalt war eine ziemliche Entt�uschung. Der eine enthielt nur eine Handvoll Staub und Rost, und in dem anderen war nur Plunder. Die schmutzigen Sachen, von denen du gesprochen hast. Nichts, was von irgendeinem Wert gewesen w�re � bis auf eines.� Er griff unter seine Jacke und zog einen kaum fingernagelgro�en Gegenstand hervor, den er Kara reichte.</p><p>Neugierig drehte sie ihn in den Fingern. Es schien sich um eine Art Brosche oder Anstecknadel zu handeln, die die Form eines f�nfzackigen, wei�en Sternes hatte, in dessen Zentrum sich zwei ineinandergeschlungene �C�s von blutroter Farbe befanden. Kara betrachtete sie nachdenklich, fuhr mit den Fingerspitzen �ber die glatte Oberfl�che und dr�ckte die kleine Feder des Nadelmechanismus hinunter. Sie bewegte sich fast ohne Widerstand. Es war schwer vorstellbar, da� diese Brosche seit Jahrtausenden in einem Koffer gelegen haben sollte. �War <emphasis>das</emphasis> in dem Koffer?� fragte sie zweifelnd.</p><p>�Nein�, antwortete Donay. �Aber das hier war an eine verrottete Jacke geheftet, die zu Staub zerfiel, als ich sie herausnehmen wollte.� Er reichte Kara eine zweite Brosche, die der ersten vermutlich einmal bis aufs Haar geglichen hatte. Jetzt war die Emaillierung zum gr��ten Teil abgeplatzt, der Rest gesprungen und zu einem schmuddeligen Grau verbla�t. Ihre Feder bewegte sich nicht mehr, sondern zerbrach, als Kara versehentlich zu fest darauf dr�ckte. <emphasis>�Das da�,</emphasis> fuhr Donay mit einer Geste auf die erste, neuere Brosche in ihrer linken Hand fort, �war an der Jacke deines Freundes Elder, als du ihn hergebracht hast.�</p></section><section><title><p>48</p></title><p>W�hrend der n�chsten f�nf Tage geschah weiter nichts, als da� sich Karas Mi�trauen Elder gegen�ber in einem Ma�e steigerte, das es ihr beinahe k�rperlich schwermachte, seine N�he zu ertragen. Aires hielt die Maskerade Elder gegen�ber mit bewundernswerter Geduld aufrecht. Unter den Drachenreitern begann sich allm�hlich ein gewisser Unmut auszubreiten, denn die Nachricht, da� die Magierin mit dem Gedanken spielte, den Kampf aufzugeben und die ganze Welt an die Invasoren von den Sternen zu verschenken, sprach sich in Windeseile herum. Donay verkroch sich die ganze Zeit �ber in seinem Labor und kam nur heraus, um zu essen, weil Kara eigens einen Mann abstellte, der darauf zu achten hatte, da� er regelm��ige Mahlzeiten zu sich nahm. Trotzdem sah er mit jedem Tag, der verging, immer blasser aus, so da� Kara kurz vor Sonnenuntergang des f�nften Tages zu ihm ging, um ihm ins Gewissen zu reden. Donay war auf seinem Gebiet sicher so etwas wie ein Genie � aber was nutzte ihnen ein krankes oder gar totes Genie?</p><p>Sie mu�te dreimal klopfen, ehe der Riegel zur�ckgeschoben wurde und Donay durch einen schmalen Spalt zwischen T�r und Rahmen hinaussp�hte. Sie wu�te, da� er sein Refugium eifers�chtig bewachte und niemanden hineinlie�, der nicht irgend etwas brachte oder abholte. Sie w�re nicht einmal erstaunt gewesen, h�tte er auch ihr den Eintritt verwehrt; allerdings hatte sie Hrhon den Befehl gegeben, die T�r n�tigenfalls einzuschlagen, sollte Donay nicht nach der dritten Aufforderung von sich aus aufmachen.</p><p>Doch Donay zeigte sich sogar �u�erst erfreut, sie zu sehen, und stolperte fast �ber seine eigenen F��e, weil er es so eilig hatte, zur�ckzutreten und ihr die T�r aufzuhalten. Sie gab Hrhon ein Zeichen, drau�en zu warten, trat an Donay vorbei und sah sich in dem grauen Zwielicht hier drinnen um.</p><p>Der Anblick von Donays �Labor� erf�llte sie mit einer Mischung aus Heiterkeit und Verwirrung. Sie war zum ersten Mal hier, und sie hatte irgend etwas Au�ergew�hnliches erwartet, etwas, das den hehren Geist der Wissenschaft widerspiegelte: verwirrende Versuchsanordnungen, komplizierte Ger�tschaften und gl�serne Kolben und Rohre, in denen geheimnisvolle Fl�ssigkeiten und D�mpfe zirkulierten.</p><p>Was sie wirklich erblickte, war ein einziges Durcheinander. Auf Tischen, B�nken, St�hlen und sogar auf dem Boden stapelten sich alle m�glichen und unm�glichen Dinge � Kisten, Kartons, P�ckchen, Beutel, Gl�ser, T�pfe, Tiegel, B�cher, Pergamente, Flaschen. Es gab nur einen einzigen Flecken in diesem Raum, an dem wenigstens der Anschein von Ordnung herrschte: ein Regal neben dem Fenster, in dem in gl�sernen Beh�ltern die Tier- und Pflanzenproben aufbewahrt wurden, die die Krieger Donay noch immer aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> brachten, allesamt mit kleinen, wei�en Zetteln versehen, auf denen in Donays kleiner Handschrift ihre genaue Art, Fundort und Herkunft notiert waren. Kara hoffte, da� sich wenigstens <emphasis>dieses</emphasis> Unternehmen lohnte, denn Donay trieb die Drachenreiter mit seiner uners�ttlichen Gier nach allen nur denkbaren Monstern aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> allm�hlich in den Wahnsinn.</p><p>�Kara!� begr��te sie Donay aufger�umt. �Wie sch�n, da� du mich besuchst. Ich dachte schon, du k�mst �berhaupt niemals hierher.�</p><p>Kara war nicht sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, herzukommen. Sie drehte sich hilflos einmal im Kreis und sah dann Donay an. Sein Gesicht war bla�; tiefe, im matten Licht fast schwarz aussehende Ringe lagen unter seinen Augen. �Hast du etwas... herausgefunden?� fragte sie unsicher. �Eine Menge�, antwortete Donay. �Aber nicht sehr viel davon hilft uns weiter, f�rchte ich.� Er seufzte, ging zu dem Regal mit seinen Proben und winkte Kara heftig, ihm zu folgen. Sie folgte ihm mit einem sp�rbaren Z�gern. Sie hatte sich Donays �Sch�tze� schon aus sicherer Entfernung betrachtet, aber das allermeiste davon erweckte weniger ihr Interesse als viel mehr ihren Ekel. Einiges in diesen Gl�sern <emphasis>bewegte</emphasis> sich. Donay deutete auf ein schlankes, mit einem metallenen Deckel verschlossenes Gef��, das etwas enthielt, das man auf den ersten Blick f�r wei�e Spinnengewebe h�tte halten k�nnen, auch weil sich eine faustgro�e Spinne in dem Glas befand. Aber wenn man genau hinsah, erkannte man, da� sie dieses Netz nicht gesponnen hatte, sondern von Donay eingewoben worden war. Das so harmlos aussehende, seidige Gewebe hatte die obersten Hautschichten ihres K�rpers bereits halb aufgel�st. Kara versp�rte ein heftiges Ekeln. Pl�tzlich hatte sie einen bitteren Klo� im Hals. Sie versuchte, ihn herunterzuschlucken und bedauerte das fast sofort wieder, denn sie hatte den Eindruck, da� er acht Beine und einen pelzigen, runden K�rper hatte.</p><p>Donay bemerkte ihr Z�gern. �Du brauchst keine Angst zu haben�, sagte er. �Das ist das Gesch�pf, das euch im <emphasis>Schlund</emphasis> beinahe get�tet h�tte. Aber das hier ist nur eine kleine Probe. Nicht genug, um gef�hrlich zu sein. Aber trotzdem... hier, f�hl selbst.�</p><p>Er legte die flache Hand auf das Glas und bedeutete Kara, es ihm nachzumachen. Kara kostete es eine ungeheure �berwindung, die Hand dicht �ber dem halb verdauten Kadaver der Spinne auf das Glas zu legen.</p><p>�F�hlst du es?� fragte Donay.</p><p>Kara ri� sich zusammen und lauschte ihm zuliebe in sich hinein � und nach einer Weile... sp�rte sie wirklich etwas. Ein Gef�hl von Ruhe und Entspannung �berkam sie, wie sie es schon lange nicht mehr empfunden hatte, und...</p><p>Beinahe erschrocken zog sie die Hand wieder zur�ck.</p><p>�Aha�, sagte Donay zufrieden. �Du f�hlst es auch. W�rdest du einen Rufer tragen, w�re das Gef�hl noch viel st�rker.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Kara. Fast ohne ihr Zutun wich sie einen Schritt von Donays Regal zur�ck. Die blo�e N�he dieses... <emphasis>Dings</emphasis> machte sie nerv�s. �Ich wu�te es sogar fr�her als du. Dieses kleine Monster h�tte mich um ein Haar gefr�hst�ckt.�</p><p>�Aber ich habe herausgefunden, wie sie es macht�, sagte Donay selbstzufrieden.</p><p>�So?� Kara versuchte vergebens, mehr als ein gelindes Interesse aufzubringen. Der <emphasis>Schlund</emphasis> war voll von Monstern und Ungeheuern, die hundertmal t�dlicher waren als dieses lebende Gespinst. �Und was ist daran so wichtig?�</p><p>�Vielleicht nichts�, sagte Donay, �aber vielleicht auch alles. Dieses Ding ver�ndert die Gedanken seiner Opfer wie eine bewu�tseinsver�ndernde Droge. Verstehst du?�</p><p>�Ja�, sagte Kara und sch�ttelte den Kopf.</p><p>Donay l�chelte. �La� es mich anders ausdr�cken: Es ist eine Art Raubtier, aber es greift nicht die K�rper seiner Opfer an, sondern ihre Gedanken.�</p><p>Kara blickte ihn an � und ganz allm�hlich begann sie zu begreifen. �Du meinst...�</p><p>�Ich meine�, sagte Donay, �da� ich mir seit Tagen vergeblich den Kopf dar�ber zerbreche, wie ich einen Gegner bek�mpfen soll, der im Grunde nur aus einem Gehirn besteht. Die Antwort ist ganz einfach: Indem ich genau dieses Gehirn angreife. Und ich glaube, ich bin dazu in der Lage.�</p><p>Kara deutete auf das Glas. �Damit?�</p><p>�Nicht direkt�, gestand Donay. �Aber ich denke, ich kann es ver�ndern.�</p><p>�Wie?� fragte Kara. Pl�tzlich war sie doch sehr interessiert. �Ich bin mir noch nicht sicher�, antwortete Donay ausweichend. �Ich tue so etwas nicht gern...�</p><p>�Was?� fragte Kara. �Lebewesen ver�ndern? Dinge erschaffen?�</p><p>�Etwas erschaffen, das t�tet�, antwortete Donay mit gro�em Ernst. �Ich konstruiere Lebewesen, die... die helfen sollen. Die Dinge <emphasis>tun,</emphasis> Kara. Die helfen, erschaffen. Nichts, was zerst�rt.�</p><p>�Ich verstehe, was du meinst�, sagte Kara. Als Donay �ber das sprach, was er �ber das t�dliche Gewebe herausgefunden hatte, hatten seine Augen vor Begeisterung geleuchtet � aber sie hatte auch den Schmerz gesehen, der tief unter dieser Begeisterung lag. �Ich wollte, es g�be einen anderen Weg, Donay. Aber ich f�rchte, es gibt keinen.� Sie schwieg einen Moment und f�hlte sich fast verlegen, weil diese Worte ihr nur wie ein billiger Trost vorkamen. �Vielleicht kommt es ja gar nicht zu einem Kampf. Vielleicht h�lt Elder ja Wort. Aber wenn nicht, dann w�re es besser, wenn wir wenigstens etwas h�tten, um ihnen weh zu tun.�</p><p>�Das haben wir�, sagte Donay. �Es gibt zwei oder drei ganz besonders b�sartige Spezies aus dem <emphasis>Schlund,</emphasis> die ich mir ausgeguckt habe. Wenn es mir gelingt, sie mit unserem kleinen Freund da dr�ben zu kreuzen, dann kann ich ihnen mehr als nur Kopfschmerzen bereiten.�</p><p>�Du meinst, du k�nntest sie t�ten?�</p><p>�Oder sie wahnsinnig machen�, erkl�rte Donay. �Ich wei� nicht, was schlimmer f�r einen Unsterblichen ist, aber es wird ihnen so oder so nicht gefallen.� Pl�tzlich drehte er sich um und begann in dem Durcheinander auf einem seiner Tische herumzukramen. Kara sah ihm einen Moment lang zu, gab es aber dann auf, in seinem Tun irgendeinen Sinn erkennen zu wollen. Zum wahrscheinlich hundertsten Mal, seit sie Donay kennengelernt hatte, fragte sie sich, wie Donay jemals zu auch nur einem sinnvollen Ergebnis kommen konnte bei dem Chaos, das er verbreitete. Sie h�rte ein Ger�usch und registrierte erst jetzt, da� Donay und sie nicht die einzigen Personen im Raum waren. Donays Erinnerer sa� auf einem Stuhl unter dem Fenster und bl�tterte in einem Buch, wobei sein Blick auf jeder Seite noch nicht einmal eine Sekunde lang verharrte. Dann fiel ihr auch der gewaltige Berg von B�chern und Pergamenten auf, der sich neben Iratas Stuhl stapelte.</p><p>�Was tut er da?� fragte Kara. �Er... er kann doch unm�glich in diesem Tempo <emphasis>lesen.�</emphasis></p><p>Donay sah nur fl�chtig von seiner Sucherei auf, als er antwortete: �Das k�nnte er, aber das ist im Moment nicht n�tig. In den meisten dieser B�cher steht ohnehin nur haarstr�ubender Unsinn. Es lohnt sich nicht, ihm das Ged�chtnis damit zuzukleistern.�</p><p>�Aber was tut er dann?�</p><p>�Dasselbe wie ich�, antwortete Donay in leicht gereiztem Tonfall. �Er sucht.�</p><p>Kara ging ein paar Schritte auf Irata zu. Der Erinnerer hatte das Buch zu Ende gebl�ttert, legte es auf den wachsenden Stapel neben sich und nahm einen weiteren Band zur Hand.</p><p>�Und wonach sucht er?�</p><p>�Das wei� ich selbst nicht so genau�, gestand Donay. �Nach einem Hinweis, einem Wort, selbst ein einzelner Buchstabe w�rde mich schon gl�cklich machen.�</p><p>Kara sah ihn fragend an.</p><p>�Ich versuche noch immer, die Inschrift auf dieser T�r zu �bersetzen�, sagte Donay. �Aber dazu braucht Irata wenigstens einen winzigen Anhaltspunkt. Diese Schrift �hnelt nichts, was ich je gesehen h�tte; weder die Buchstaben noch ihre Kombination untereinander. Deshalb lasse ich Irata Angellas Bibliothek sichten. Wenn es irgendwo einen Hinweis gibt, dann dort.�</p><p>�Die gesamte Bibliothek?� fragte Kara ungl�ubig. �Aber das sind Tausende von B�nden!�</p><p>�Ja�, antwortete Donay unger�hrt. �Und manche davon sind sehr alt � jedenfalls behauptet Aires, da� ein paar noch aus der Alten Welt stammen sollen. Es wird eine Weile dauern, bis er sie alle gesichtet hat.�</p><p>�Eine Weile? Du meinst ein paar Jahre!�</p><p>�Allerh�chstens einige Wochen�, korrigierte sie Donay.</p><p>�Falls er sie wirklich alle durchsehen mu�. Die Chancen, da� er auf der n�chsten Seite auf den entscheidenden Hinweis st��t, sind genauso hoch wie die, da� er bis zur allerletzten suchen mu�.�</p><p>�Und wenn er nichts findet?� fragte Kara.</p><p>�Ich f�rchte, dann k�nnen wir bis zum Ende unserer Tage an dieser verfluchten Inschrift herumraten�, sagte Donay. �Du kannst nicht eine v�llig fremde Sprache entschl�sseln, wenn du gar nichts �ber sie wei�t.�</p><p>�Wir k�nnten Elder fragen�, schlug Kara vor.</p><p>�Er w�rde uns sicher freudig antworten�, sagte Donay sp�ttisch. �Nein.� Er sch�ttelte entschieden den Kopf. �Au�erdem glaube ich nicht einmal, da� er uns helfen k�nnte, selbst wenn er es wollte. Wenn er diese Schrift entziffern k�nnte, dann h�tte er die T�r ge�ffnet.� Er hatte endlich gefunden, wonach er die ganze Zeit �ber gesucht hatte, und kam damit um den Tisch herum. Obwohl Kara den Gegenstand bisher nur einmal gesehen hatte, erkannte sie ihn sofort. Es war der gefl�gelte Metallpfeil, den sie aus der Brust des toten Libellenpiloten gezogen hatten.</p><p>�Ich habe lange �ber dieses Ding nachgedacht�, begann Donay. �Elder hat uns lang und breit erkl�rt, wie dieses Ding programmiert wird, wie unbarmherzig es einen Menschen sucht und wie unm�glich es ist, ihm zu entkommen. Nur eines hat er uns nicht erz�hlt.�</p><p>�Und was?� fragte Kara, als Donay nicht von sich aus weitersprach.</p><p>�Wie es ihm gelungen ist, den Schild der Libelle zu durchbrechen�, sagte Donay.</p><p>Kara verstand im ersten Moment gar nicht, worauf er hinauswollte. Sie hatte bisher angenommen, da� ein Volk, das in der Lage war, einen unsichtbaren Schutzschild zu erschaffen, auch in der Lage sein mu�te, ihn wieder zu �berwinden. Donay nahm ihr den kleinen gefl�gelten Stahlpfeil wieder aus der Hand und drehte ihn wie ein Spielzeug. �Ich glaube, ich wei� es jetzt�, sagte er.</p><p>�Und wie? Bitte, mache es nicht zu spannend�, sagte Kara, als Donay sichtbar tief Atem sch�pfte, um zu einem seiner gef�rchteten Vortr�ge anzusetzen. �Ich habe nicht zu viel Zeit.�</p><p>Donay zuckte aber mit den Schultern. �Ich habe in den letzten Tagen mehrmals mit Tess gesprochen�, begann er, �und auch mit den anderen Kriegern, die schon gegen die Libellen gek�mpft haben. Dabei ist mir eines aufgefallen: Kein Gescho� scheint diesen unsichtbaren Schild durchdringen zu k�nnen.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Kara. �Markor hat mit dem Fl�gel nach ihnen geschlagen. Seine Schwingen w�rden eine Burgmauer zertr�mmern, aber die Libelle haben sie nicht einmal getroffen.�</p><p>Donay nickte wissend. �Ich habe keine Ahnung, wie dieser Schild funktioniert�, sagte er, �aber nach alldem, was ich geh�rt habe, scheint er jeden sich schnell bewegenden Gegenstand aufzuhalten.� Er hob den Pfeil demonstrativ in die H�he und bewegte ihn vor Karas Gesicht von links nach rechts. �Aber dieses Ding hier war ziemlich <emphasis>langsam.�</emphasis></p><p>Kara sah ihn fragend an, und Donay unterstrich seine Worte mit einem bekr�ftigenden Nicken. �Ich habe mit Tess gesprochen. Sie sagt, er h�tte sich so langsam bewegt wie eine fallende Feder. Vielleicht ist das der Grund, aus dem er den Schild durchbrochen hat.�</p><p>�Selbst wenn es so w�re�, sagte Kara nach kurzem �berlegen. �Was w�rde uns das nutzen?� Sie deutete auf den Pfeil in Donays Hand. �Wir k�nnen so etwas nicht bauen. Und wir k�nnen auch unsere Drachen nicht langsamer machen, als sie sind.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Donay betr�bt. �Trotzdem... es ist eine Spur.�</p><p>�Dann verfolge sie weiter�, antwortete Kara. �Aber nicht heute.� Sie deutete mit einer Kopfbewegung zum Fenster. Das Licht �ber dem Hof f�rbte sich grau. �Ich bin eigentlich nur gekommen, um dich mitzunehmen.�</p><p>�Mitnehmen?� Donay wirkte ein bi�chen aufgeschreckt.</p><p>�Wohin?�</p><p>�Auf jeden Fall hier heraus�, antwortete Kara in bestimmendem Ton. �Und in irgendein Bett, in dem du zw�lf Stunden durchschlafen kannst.�</p><p>�Aber das geht nicht�, protestierte Donay. �Ich habe noch viel � �</p><p>�Unsinn!� unterbrach ihn Kara. �Du bringst dich um. Eigentlich w�re mir das egal, denn du bist alt genug, um selbst zu wissen, was du deinem K�rper antun kannst, aber im Moment brauchen wir dich. Und weder du noch wir haben etwas davon, wenn du im entscheidenden Moment zusammenbrichst, oder auch nur einen Fehler begehst, weil du �berm�det bist.�</p><p>�So schlimm ist es nicht�, widersprach Donay, aber Kara blieb hart.</p><p>�Ich wollte dir einen freundschaftlichen Rat erteilen, Donay�, sagte sie. �Aber ich kann es dir auch als Herrin des Drachenhortes befehlen, wenn es sein mu�.� Sie machte eine Kopfbewegung zur T�r. �Hrhon steht drau�en und wartet auf mein Zeichen. Du hast die Wahl, freiwillig mitzukommen, oder dich von ihm hinaustragen zu lassen.�</p><p>Donay blickte sie vorwurfsvoll an, aber der Ausdruck in ihren Augen schien ihm klarzumachen, da� sie zu keinem Kompromi� bereit war. Trotzdem versuchte er es noch einmal mit einer anderen Taktik. �Ich kann Irata nicht allein lassen�, sagte er. �Wenn er irgend etwas findet oder braucht � �</p><p>� � lasse ich dich sofort wecken, das verspreche ich dir�, unterbrach ihn Kara. �Au�erdem kann ich mir vorstellen, da� ihm eine kleine Pause auch ganz guttut.�</p><p>�Er braucht vier Stunden Schlaf am Tag�, antwortete Donay. �Und ich achte sorgsam darauf, da� er sie bekommt.�</p><p>�Dann achte ich jetzt darauf, da� auch du bekommst, was du brauchst�, sagte Kara bestimmt. Mit einer entschlossenen Bewegung nahm sie ihm den Pfeil aus der Hand, legte ihn auf den Tisch und streckte den Arm wieder nach seiner Schulter aus, um ihn n�tigenfalls mit sanfter Gewalt mit sich zu ziehen.</p><p>Donay wich ihrer Ber�hrung aus, aber er hatte wohl eingesehen, da� jeder weitere Widerspruch sinnlos war, denn nach einigen weiteren Augenblicken wandte er sich mit finsterem Gesichtsausdruck zur T�r und schob den Riegel zur�ck.</p><p>Kara trat dicht hinter ihm auf den Hof hinaus. Ihre Augen hatten sich an das schattige D�mmerlicht in dem Labor gew�hnt, so da� selbst der rote Schein des Sonnenuntergangs sie im ersten Augenblick blinzeln lie�. Deshalb bemerkte sie im ersten Moment auch gar nicht, da� au�er Hrhon noch eine zweite Gestalt vor der T�r auf sie gewartet hatte. Als sie Elder erkannte, war es zu sp�t, sich eine Ausflucht einfallen zu lassen, um nicht mit ihm reden zu m�ssen. Sie bef�rchtete ohnehin, da� ihm ihr ver�ndertes Verhalten in den letzten Tagen aufgefallen war. Sie war ihm aus dem Weg gegangen, wo immer sie konnte, und die wenigen Male, wo sie nicht umhingekommen war, mit ihm zu reden, da hatte sie es knapp und beinahe unfreundlich getan.</p><p>Donay drehte sich noch einmal herum, zog die T�r hinter sich zu und kramte ein gewaltiges Vorh�ngeschlo� hervor, das er mit umst�ndlichen Bewegungen anbrachte. Den Schl�ssel reichte er Kara, die sich im ersten Moment fragte, was sie damit sollte, ehe ihr ihr eigenes Versprechen, sich um Irata zu k�mmern, wieder einfiel. Sie steckte ihn ein, streifte Elder im Herumdrehen mit einem fl�chtigen Blick und gab dann dem Waga einen Wink. �K�mmere dich um ihn. Ich... komme sofort nach.� Sie wartete, bis der Waga Donay am Arm ergriffen und mit sanfter Gewalt weggef�hrt hatte, ehe sie sich mit einer ruckartigen Bewegung an Elder wandte. �Also?�</p><p>Elder reagierte nicht sofort. Er sah sie nur stumm an, und der unausgesprochene Vorwurf in seinem Blick traf Kara, was sie selbst �berraschte. �Eigentlich sollte <emphasis>ich</emphasis> diese Frage stellen�, sagte Elder schlie�lich.</p><p>�Ich verstehe nicht ganz, was du meinst�, antwortete Kara. Sie drehte sich mit einem Ruck herum und begann �ber den Hof auf das Haupthaus zuzugehen. Elder folgte ihr.</p><p>�Du gehst mir aus dem Weg�, sagte Elder. �Schon seit ein paar Tagen.�</p><p>�So?� fragte Kara. �Meinst du?�</p><p> �Ich <emphasis>meine</emphasis> gar nichts�, antwortete Elder betont. �Ich bin weder blind noch taub � und es w�re nett, wenn du nicht zu allem �berflu� auch noch so tust, als w�re ich d�mlich.�</p><p>�Aber das tue ich doch gar nicht�, sagte Kara. Sie hatten das Haus erreicht und gingen die Treppe hinauf, und irgendwie brachte sie es fertig, da� Elder immer eine Stufe hinter ihr blieb. �Ich hatte in den letzten Tagen viel zu tun, Elder. Ich bin ersch�pft, und ich bin genauso nerv�s wie jeder andere hier, das ist alles.�</p><p>�Verkauf mich nicht f�r dumm!� sagte Elder zornig. �Du behandelst mich wie... wie einen Auss�tzigen, seit du auf diesem verfluchten Schiff warst! Was hat dir dieser Thorn �ber mich erz�hlt?�</p><p>�Nichts�, sagte Kara. �Jedenfalls nichts, was ich nicht schon vorher ge...�</p><p>Sie kam nicht weiter. Elder packte sie pl�tzlich, wirbelte sie herum und stie� sie so grob gegen die Wand, da� ihr die Luft wegblieb. Kara versuchte ganz instinktiv, sich loszurei�en und nach ihm zu schlagen, aber er fing ihre Hand mit einer fast spielerischen Bewegung auf und hielt sie fest; gleichzeitig blockierte er ihr hochgerissenes Knie mit dem Bein und pre�te sie mit seiner ganzen Kraft gegen die Wand, so da� sie v�llig wehrlos war. �Jetzt reicht�s mir endg�ltig!� schrie er. �Wof�r h�ltst du dich eigentlich, du dummes kleines M�dchen?�</p><p>�La� mich los!� verlangte Kara.</p><p>Elder verst�rkte seinen Griff. �Nicht, bevor du mir nicht gesagt hast, was los ist!� schrie er. �Was, zum Teufel, habe ich getan? Du behandelst mich wie... wie einen Auss�tzigen!�</p><p>Kara sah aus den Augenwinkeln, wie zwei der j�ngeren Krieger um die Biegung des Ganges kamen und mitten im Schritt stehenblieben, als sie Elder und sie erblickten. Aber dann st�rmten sie beide los und zogen gleichzeitig ihre Waffen. �Nicht!� sagte Kara hastig. �Bleibt stehen! Und steckt die Waffen weg!�</p><p>Elder sah erschrocken auf. Aber er war nicht erschrocken genug, seinen Griff auch nur um einen Deut zu lockern. Die beiden Krieger z�gerten, Karas Befehl zu befolgen. Sie blieben zwar stehen, senkten ihre Schwerter aber nicht.</p><p>�Ihr sollt verschwinden!� sagte Kara noch einmal. �Das hier ist eine reine Privatangelegenheit, die euch nichts angeht.�</p><p>Nicht halb so schnell, wie Kara es sich gew�nscht h�tte, schoben sie ihre Schwerter in die ledernen H�llen an ihren G�rteln zur�ck und entfernten sich. Kara wartete, bis sie wieder hinter der Biegung verschwunden waren, dann drehte sie bewu�t langsam den Kopf und sah Elder kalt und drohend an. �Und du solltest mich jetzt besser loslassen � ehe Hrhon auftaucht und dich in St�cke rei�t. Ich bin nicht sicher, ob ich ihn ebenfalls zur�ckhalten k�nnte.�</p><p>�Ich wei߫, knurrte Elder. �Ich versuche seit f�nf Tagen, dich einmal ohne diese gr��enwahnsinnige Eidechse zu erwischen.�</p><p>�Jetzt ist es dir ja endlich gelungen�, antwortete Kara. �Und was hast du jetzt vor? Mich verpr�geln?�</p><p>�Vielleicht sollte ich das tun�, murmelte Elder. Er lie� ihre Handgelenke pl�tzlich los und trat einen Schritt zur�ck. �K�nnen wir jetzt miteinander reden?� fragte er.</p><p>Kara starrte ihn eine Sekunde lang zornig an, dann blickte sie in die Richtung, in der die beiden Krieger verschwunden waren. �Noch ein oder zwei solcher Zwischenf�lle, und ich brauche mir um meinen guten Ruf keine Sorgen mehr zu machen�, sagte sie, w�hrend sie ihre brennenden Handgelenke massierte. �Kara...� sagte Elder. Seine Stimme klang beinahe gequ�lt. �Was?� schnappte Kara. Es gelang ihr nicht mehr wirklich, Zorn auf Elder zu empfinden. �Was willst du? Soll ich mich bei dir entschuldigen � weil du mich die ganze Zeit �ber belogen hast?�</p><p>�Ich habe dich...?� Elder war ehrlich verwirrt. �Aber wieso denn? Ich meine... was habe ich denn � �</p><p>�Du wu�test, was wir dort unten finden werden!� unterbrach ihn Kara. �Du wu�test, wer Liss und die beiden anderen get�tet hat � und warum. Du wu�test, da� sie dort unten waren da� sie dort unten auf uns <emphasis>warten</emphasis> w�rden. Angella k�nnte noch leben, wenn du uns gewarnt h�ttest!� Die letzten Worte hatte sie f�rmlich herausgeschrien.</p><p>�Aber wie konnte ich das?� murmelte Elder. �Ich kannte euch doch kaum. Ihr wart... Fremde f�r mich. Nichts anderes als Krieger, die � �</p><p>� � du nach Gutd�nken opfern konntest?� unterbrach ihn Kara schneidend. �Wie Bauern auf einem Schachbrett!�</p><p>�Die f�r mich nicht mehr bedeuteten als Thorns Krieger heute f�r dich�, sagte Elder unger�hrt. �Wie viele von ihnen hast du get�tet? Meinst du nicht, auch sie h�tten Freunde und Familien?� Er schnitt ihr mit einer zornigen Bewegung das Wort ab, noch ehe sie ihn �berhaupt unterbrechen konnte. �Verdammt, ich habe Fehler gemacht. So wie du, wie Aires und Angella und auch Thorn.�</p><p>�Und sein Vorg�nger�, sagte Kara.</p><p>Elder sah sie mit einem Ausdruck an, der Erschrecken sein konnte, aber auch ehrliche Verwirrung.</p><p>�Sag mir die Wahrheit, Elder�, sagte sie. �Warst du dieser Mann? Bek�mpfst du Thorn, weil du glaubst, er s��e auf einem Platz, der eigentlich dir geh�rt?� <emphasis>Das</emphasis> war etwas, das ihr im selben Moment erst in den Sinn gekommen war, in dem sie es aussprach. Ein paar Augenblicke starrte Elder sie einfach nur an und pl�tzlich begann er zu lachen, trat mit einer raschen Bewegung auf sie zu und schlo� sie mit einer ebenso raschen Bewegung in die Arme. Kara versteifte sich unter seiner Ber�hrung, aber sie versuchte nicht mehr, sich zu wehren.</p><p>�Und das hast du wirklich geglaubt?� fragte er. �Wer hat dir diesen Unsinn erz�hlt? Thorn?�</p><p>�Nein�, antwortete Kara.</p><p>�Das h�tte mich auch gewundert�, sagte Elder. �Er l�gt zwar gern und oft, aber eigentlich sehr viel geschickter.�</p><p>Kara befreite sich aus seiner Umarmung und schob ihn mit sanfter, aber doch entschlossener Gewalt auf Armesl�nge von sich � ohne ihn allerdings loszulassen. �Das ist keine Antwort auf meine Frage. Warst du es?�</p><p>�Und ich werde sie dir auch nicht beantworten�, sagte Elder ernst. �Weil du das n�mlich ganz gut allein kannst, wei�t du? �berleg selbst: Was war ich, als wir uns kennenlernten? Ein Soldat, der seit f�nf Jahren in Schelfheims Stadtgarde diente. �berzeuge dich selbst davon, wenn du mir nicht glaubst. Au�erdem � woher sollte ich die Hilfe bekommen, auf die ich warte, wenn ich nichts als ein gefeuerter Angestellter der gleichen Firma w�re, die ich zu bek�mpfen vorgebe?�</p><p>�Das kann eine weitere L�ge sein!�</p><p>�Dann w�re es allerdings keine sehr kluge L�ge, denn in sp�testens vier oder f�nf Tagen w�rde ich dir erkl�ren m�ssen, wieso die Schiffe und Krieger nicht kommen, die ich euch versprochen habe.�</p><p>�Und wenn!� sagte Kara mit gespieltem Trotz. �Das �ndert nichts daran, da� du mich belogen hast. Ich... ich habe gedacht, du vertraust mir. Aber du gibst immer nur gerade soviel von der Wahrheit preis, wie du unbedingt mu�t, nicht wahr?�</p><p>�Ich habe dir erkl�rt, warum�, antwortete Elder. �Vielleicht ist es eine schlechte Angewohnheit. Vielleicht liegt es an der Art von Leben, die ich seit mehr als einem Jahrhundert f�hre. Wenn man zu lange gelernt hat, allem und jedem zu mi�trauen, dann verlernt man vielleicht irgendwann einmal, was Vertrauen �berhaupt noch bedeutet, verstehst du?�</p><p>�Nein�, antwortete Kara. �Das verstehe ich nicht. Ich habe lieber Menschen um mich, denen ich vertrauen kann.�</p><p>�Ich auch�, sagte Elder ernst. �Aber ich habe zu viele getroffen, die mein Vertrauen ausgenutzt haben, und zu wenige, die es nicht taten. Ich wei�, da� das falsch ist, aber ich kann nun einmal nicht aus meiner Haut. Niemand kann das.� Er l�chelte traurig. �Vielleicht ist das der Preis, den man f�r ein so langes Leben zahlen mu�.�</p><p>�Wenn das wirklich so ist, dann ist der Preis zu hoch�, antwortete Kara. Elders Worte �berzeugten sie nicht. Zum einen waren sie ihr einfach zu glatt, selbst wenn er die Wahrheit sprechen sollte. Und zum anderen hatte sie eines schon fr�h begriffen, da� man auch Offenheit und das Eingestehen von Fehlern zu seinem Vorteil nutzen konnte und da� Elder ein wahrer Meister in dieser Kunst war. Nicht zum ersten Mal gestand sie sich ein, da� Elder ihr in jeder Beziehung �berlegen war. Sie fragte sich, ob er nicht vielleicht selbst jetzt nur mit ihr spielte und in Wahrheit l�ngst wu�te, da� ihr Verhalten nur zu ihrem Plan geh�rte, sein Vertrauen v�llig zu gewinnen. Doch wie sollte sie das Vertrauen eines Mannes gewinnen, der ihr vor einer Minute selbst gesagt hatte, da� er absolut <emphasis>niemandem</emphasis> traute? �Du hast mich belogen, Elder�, fuhr sie mit leiser, bebender Stimme fort. Sie brauchte den Schmerz in ihren Worten nicht einmal zu heucheln.</p><p>�Und das tut weh, ich wei�.� Elder streckte wieder die H�nde nach ihr aus, f�hrte die Bewegung aber nicht zu Ende, sondern l�chelte dieses traurige, so echt wirkende L�cheln. �Aber wei�t du... seit diese Geschichte angefangen hat, hat eigentlich jeder ununterbrochen gelogen.� Eine winzige Pause, dann: �Als du in dieser Nacht bei mir warst, Kara, war das... auch gelogen?�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>�Glaubst du, da� es wieder so werden k�nnte!� Er bemerkte ihren erstaunten Blick und beeilte sich, seine Worte zu erkl�ren:</p><p>�Ich meine nicht unbedingt, da� wir miteinander schlafen m�ssen. Es w�rde mir schon reichen, wenn wir einfach nur Freunde w�ren.�</p><p>Freunde... Es war Kara unm�glich, darauf zu antworten.</p><p>Das war so ein gro�es Wort. Sie hatte � Hrhon ausgenommen � niemals einen wirklichen Freund gehabt. Sie h�tte Elder erkl�ren k�nnen, da� sie mit diesem Begriff mindestens so vorsichtig umging wie er mit dem Wort Liebe. Aber sie glaubte nicht, da� er es verstehen w�rde, und so zuckte sie lediglich mit den Schultern und sagte, ohne ihm dabei in die Augen zu sehen: �Vielleicht.�</p><p>�Vielleicht ist schon mehr, als ich vor einer halben Stunde noch zu hoffen gewagt h�tte�, sagte Elder. F�r diese Worte allein ha�te Kara ihn beinahe. War seine Kr�merseele schon so abgestumpft, da� er im Ernst glaubte, mit ihr um ihr Vertrauen schachern zu k�nnen? �Wie weit bist du mit den Dingen gekommen, die wir dir aus Schelfheim mitgebracht haben?�</p><p>Elder hatte ihr erz�hlt, da� er versuchen w�rde, einen primitiven Sender zu bauen, um mit dem Raumschiff, dessen Ankunft sie erwarteten, Verbindung aufzunehmen.</p><p>�Nicht so weit, wie ich gehofft habe�, gestand er. �Gendik hat auch l�ngst nicht alles gebracht, was ich aufgeschrieben habe. Aber ich denke, ich werde noch rechtzeitig fertig. Die Energieversorgung ist ein Problem. Ich werde wohl eine der erbeuteten Waffen auseinandernehmen m�ssen, um an die Batterie zu kommen.�</p><p>�Ich k�nnte jemanden nach Schelfheim schicken, um dir alles bringen zu lassen, was du brauchst�, sagte Kara. �Gendik wird es nicht wagen, sich mir offen zu widersetzen.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Elder. �Jetzt, wo er neue Verb�ndete hat?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, drehte sich herum und begann ihren Weg fortzusetzen. �Nicht einmal jetzt�, sagte sie. �Ich kenne M�nner wie ihn, glaube mir. Er geh�rt zu denen, die immer gern mehrere Feuer im Eisen haben. Er wird es nicht wegen ein paar Kleinigkeiten auf eine Machtprobe ankommen lassen.�</p><p>�Was ich habe, reicht aus�, sagte Elder. �Au�erdem k�nnte Thorn davon Wind bekommen. Ein einziger Blick auf meinen Einkaufszettel, und er w�re zehn Minuten sp�ter hier, um dich zu fragen, was du mit den Einzelteilen f�r einen Ultrakurzwellensender willst. Und ich sch�tze nicht, da� er allein kommt.�</p><p>�Wird er das nicht fr�her oder sp�ter ohnehin tun?� fragte Kara. Sie bogen in den Gang ein, auf dem Angellas ehemaliges Zimmer lag. Gegen Karas eindeutigen Befehl hatte Aires ihre Abwesenheit genutzt, alle Verwundeten in anderen R�umen unterzubringen,- so da� sie ihr Quartier wieder beziehen konnte. �Ich meine � selbst wenn deine Leute ihn besiegen, wird er den Hort nicht aus purer Rache doch vernichten? Ich �berlege, ob wir ihn nicht besser evakuieren, ehe dein Schiff eintrifft.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob Thorn etwas nur aus Rachelust tut�, antwortete Elder. �PACK setzt niemanden auf einen solchen Platz, der es zul��t, da� seine Handlungen von Gef�hlen beeinflu�t werden. Aber selbst wenn ich mich t�uschen sollte, brauchst du keine Angst zu haben � er wird viel zu besch�ftigt sein, um auch nur an euch zu denken.�</p><p>Kara fr�stelte. Elders Worte hatten sie beruhigen sollen, aber sie bewirkten das Gegenteil. Sie hatte die Drohne <emphasis>gesehen.</emphasis> Die Vorstellung, da� zwei solche Kolosse gegeneinander k�mpfen w�rden, lie� sie innerlich vor Angst erstarren. Welche unvorstellbaren Gewalten wollte Elder da heraufbeschw�ren?</p><p>Er schien ihre Gedanken zu erraten, denn er sch�ttelte den Kopf und l�chelte beruhigend. �Keine Sorge. Niemandem hier wird etwas geschehen.�</p><p>Kara lachte, aber es klang nicht besonders am�siert. �Du glaubst, sie geben einfach auf?�</p><p>�Ganz bestimmt nicht�, antwortete Elder, �obwohl es das kl�gste w�re. Aber die Entscheidung wird nicht hier fallen, sondern dort oben, wo ihr Schiff kreist. Wenn es meinen Leuten gelingt, es zu zerst�ren oder zur Aufgabe zu zwingen, hat Thorn keine andere Wahl mehr als zu kapitulieren.�</p><p>�Und wenn er es nicht tut?�</p><p>�Er wird es�, antwortete Elder �berzeugt.</p><p>Sie betraten Karas Zimmer. Hrhon war noch nicht zur�ck, so da� Elder ihr ohne zu z�gern folgte. Kara fuhr ganz leicht zusammen, als Elder die T�r hinter sich schlo�. Dann fiel ihr Blick auf den Tisch, und was sie dort sah, das lie� sie hoffen, da� Elder entweder mit pl�tzlicher Blindheit geschlagen war oder wenigstens nicht ganz so aufmerksam wie gewohnt. Doch noch bevor sie zum Tisch gehen und versuchen konnte, m�glichst unauff�llig die kleine f�nfzackige Brosche verschwinden zu lassen, die sie am vergangenen Abend darauf vergessen hatte, humpelte Elder an ihr vorbei und nahm sie. �berrascht sah er Kara an. �Woher hast du das?�</p><p>�Das geh�rt dir�, antwortete Kara und dankte im stillen dem Himmel daf�r, da� Donay das �ltere Gegenst�ck dieser Brosche mitgenommen hatte, um sie einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. �Es war an deiner Jacke, als du hierher kamst. Cord wollte deine Sachen verbrennen lassen, aber ich habe sie entdeckt und abgenommen.�</p><p>Elder sah zuerst die Brosche, dann sie an. �Hast du sonst was retten k�nnen?�</p><p>Kara sch�ttelte den Kopf. �Es ist h�bsch. Was ist es � ein Schmuckst�ck?�</p><p>�Das Emblem meiner Firma�, antwortete Elder. Er hielt die Brosche zwischen Daumen und Zeigefinger in die H�he. �Die Form steht f�r die Sterne, die wir f�r die Menschen erobern�, sagte er. �Und die beiden Buchstaben sind der Name: <emphasis>Central Company.</emphasis> Siehst du?� Kara nickte. Ein bitteres Gef�hl machte sich in ihr breit. Trotzdem zwang sie ein L�cheln auf ihre Z�ge, als sie ihn fragte: �Kann ich es behalten?�</p><p>�Behalten?� Elder wirkte im ersten Moment einfach nur verwirrt.</p><p>�Oder ist es sehr wertvoll?�</p><p>�Wertvoll! Nein. Bestimmt nicht.� Elder l�chelte und lie� die Brosche in ihre ausgestreckte Hand fallen. �Es mu� ein paar Millionen von den Dingern geben. Jeder Mitarbeiter der Company besitzt eines. Was willst du damit?�</p><p>�Mir gef�llt es�, antwortete Kara. �Es ist auf dieser Welt das einzige.�</p><p>�Ich glaube beinahe, ich habe mich doch in dir get�uscht�, sagte Elder lachend. �Unter all der Drachenhaut und dem Stahl scheinst du doch eine ganz normale Frau zu sein.� Er lachte abermals, aber dann wurde er pl�tzlich wieder ernst und sch�ttelte den Kopf, als Kara die Brosche anstecken wollte.</p><p>�Tu das lieber nicht�, sagte er. �Jedenfalls nicht, bis wir Thorn und seine Bande von eurer Welt vertrieben haben.�</p><p>Kara sah ihn einen Moment lang betroffen an, aber dann steckte sie die Brosche in die Tasche, statt sie an ihrer Bluse zu befestigen. Elder kam um den Tisch herum auf sie zu und versuchte wieder nach ihr zu greifen, und wieder entzog sie sich seiner Ber�hrung.</p><p>�Was ist los mit dir?� fragte er stirnrunzelnd.</p><p>�Nichts�, antwortete Kara. �Du... sagtest doch selbst, da� wir nur Freunde sein m��ten � wenigstens vorerst.�</p><p>�Ich hatte auch nicht vor, dir sofort die Kleider vom Leib zu rei�en und dich zu Boden zu zerren�, fauchte Elder. �Was ist los mit dir, Kara! Ich sp�re doch, da� dich noch irgend etwas qu�lt. Ich habe es die ganze Zeit �ber gesp�rt.�</p><p>�Es ist nichts�, antwortete Kara. �Jedenfalls nichts, was dich betrifft.�</p><p>Elder sagte nichts mehr, aber er starrte sie so durchdringend an, da� allein sein Blick sie dazu zwang, weiterzureden. �Es war... alles zuviel, Elder. Ich wei� manchmal einfach nicht mehr, was ich denken soll. Was richtig ist und was falsch.�</p><p>�Aires�, vermutete er und best�rkte Kara damit in ihrer Vorsicht, ihn als den sehr pr�zisen Beobachter und Zuh�rer zu behandeln, f�r den sie ihn hielt.</p><p>�Ja. Wir... hatten Streit. In den letzten Tagen haben wir uns praktisch ununterbrochen gestritten, wenn wir allein waren. Aber ich beginne mich zu fragen, ob sie nicht recht mit dem hat, was sie �ber diese Welt gesagt hat, unserer Verantwortung und unseren Pflichten ihr gegen�ber.�</p><p>�Das hat sie�, antwortete Elder. �Genauso wie du.�</p><p>�Aber wie k�nnen wir beide recht haben?�</p><p>�Weil eure Standpunkte gar nicht so verschieden sind, wie es auf den ersten Blick aussieht�, sagte Elder sanft. �Und ich bin sicher, ihr werdet das fr�her oder sp�ter selbst erkennen.�</p><p>�Erkl�re es mir�, verlangte Kara.</p><p>�Nein. Soll ich vielleicht noch dein Leben f�r dich leben?� antwortete Elder mit sanftem Spott. �Es gibt ein paar Dinge, die man besser selbst herausfindet und auf seine eigene Weise. Ist dir eigentlich klar, da� sie dich sehr liebt?�</p><p>�Aires?� Kara ri� ungl�ubig die Augen auf. �Sie ha�t mich!�</p><p>�Das ist es, was du glaubst. Und wahrscheinlich glaubt sie selbst es auch. Aber es stimmt nicht.� F�r die Zeit, die ihre Blicke brauchten, um ineinander zu verharren, blieb er noch reglos stehen, dann seufzte er pl�tzlich tief und wandte sich mit einem Kopfsch�tteln ab.</p><p>�Vielleicht sollte ich dich jetzt besser alleinlassen�, sagte er. �Du brauchst Zeit, um �ber dich selbst nachzudenken. Und wenn wir uns das n�chste Mal sehen � versprichst du mir, da� ich dir dann n�her als zehn Meter kommen darf, ohne da� Hrhon mir auch noch die andere Hand bricht?�</p></section><section><title><p>49</p></title><p>Sie kam auch in dieser Nacht nicht dazu, ihrem K�rper die Stunden Schlaf zur�ckzugeben, die sie ihm in den letzten Wochen vorenthalten hatte. Hrhon hatte vor ihrer T�r Posten bezogen und versprochen, niemanden hereinzulassen, ganz gleich, wie dringend es war, aber Kara erwachte zwei Stunden vor Sonnenaufgang durch einen Laut, der sie selbst in den Tiefen ihres Schlafes aufschreckte und schlagartig erwachen lie�: dem Ger�usch eines Drachenschwarmes, der sich der Festung n�herte.</p><p>Mit einem Satz war sie aus dem Bett und am Fenster. Drau�en herrschte fast vollkommene Dunkelheit, in der die wenigen brennenden Feuer verloren und kalt wirkten. Der Himmel hatte sich bew�lkt und hing so niedrig �ber den Ruinen des Hortes, da� man fast meinte, ihn anfassen zu k�nnen. Sie h�rte noch immer das gewaltige dunkle Fl�gelschlagen, das sie geweckt hatte, aber es vergingen einige Augenblicke, bis sie die Drachen sah: drei, f�nf, acht � schlie�lich ein Dutzend dreieckiger schwarzer Schatten, die von Westen nach Osten �ber die Festung zogen und zwischen den scharfkantigen Felsen zur Landung ansetzten. Offenbar versuchten die Reiter, ihre ersch�pften Tiere unmittelbar zu den H�hlen zu bringen, um ihnen die Anstrengung eines neuerlichen Starts zu ersparen.</p><p>Das waren... die Krieger aus Schelfheim! dachte Kara verbl�fft. Das Dutzend Drachen, das sie zum Schutz der Stadt zur�ckgelassen hatte!</p><p>Eine Sekunde lang blickte sie das Dutzend riesiger Schatten noch an, das beinahe lautlos �ber die Zinnen der Burg dahinzog, dann fuhr sie herum, lief zum Bett zur�ck und schl�pfte rasch in ihre Kleider, ehe sie das Zimmer verlie�. Sie war nicht die einzige, die die R�ckkehr der Drachen bemerkt hatte. Eine ganze Anzahl von Kriegern schlo� sich ihr an, als sie das Haus verlie� und sich auf den Weg zu den Drachenh�hlen machte, unter ihnen auch Cord und Elder, dessen blasses Gesicht verriet, da� auch er abrupt aus dem tiefsten Schlaf gerissen worden war.</p><p>Da der direkte Zugang zu den H�hlen bei Thorns Angriff versch�ttet worden war, mu�ten sie einen zeitraubenden Umweg in Kauf nehmen, so da� ihnen die ersten der zur�ckgekehrten Drachenreiter bereits entgegenkamen, als sie die Treppe erreichten. Die M�nner wirkten ersch�pft und zitterten vor K�lte, trotz der dicken Kleider und M�ntel, in die sie sich geh�llt hatten. Die N�chte waren zu dieser Jahreszeit ohnehin nicht mehr warm; auf den R�cken der Drachen aber mu�te es eisig sein.</p><p>Kara wandte sich ohne die Formalit�t einer Begr��ung an den ersten Krieger, der ihr auf der Treppe entgegenkam. �Wo ist Ian?� frage sie. Ian war ein �lterer Krieger, nicht ganz so alt wie Cord, aber erfahren genug, da� sie ihm ohne zu z�gern das Kommando �ber das Geschwader �bergeben hatte. Au�erdem war er einer der ganz wenigen Menschen, die Markor au�er Kara selbst auf seinem R�cken duldete, und sie hatte ihn gebeten, den Drachen zu reiten, der in Schelfheim zur�ckgeblieben war.</p><p>Noch ehe der Mann antworten konnte, erblickte sie Ians verschwitztes Gesicht hinter ihm auf der Treppe. Im Fellbesatz seiner Jacke hatte sich glitzerndes Eis gebildet, und er trug ein flaches, metallenes K�stchen in der Rechten. Als er Kara erblickte, stahl sich ein Ausdruck von Sorge auf seine Z�ge.</p><p>�Ian! Was ist geschehen? Wieso kommt ihr mitten in der Nacht zur�ck?� Zum ersten Mal kam ihr die Idee, da� die M�nner vielleicht angegriffen worden waren. Hastig lie� sie ihren Blick noch einmal �ber die pelzvermummten Wesen gleiten, die vor K�lte dampften, entdeckte aber nichts, was auf einen Kampf hingewiesen h�tte.</p><p>�Sie haben uns rausgeworfen�, sagte Ian.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Es gab einen Zwischenfall�, fuhr Ian fort. �Aber es war nicht unsere Schuld. Trotzdem kam dieser Karoll eine Stunde sp�ter und forderte uns auf zu verschwinden.� Er reichte Kara das schmale K�stchen. �Hier � das soll ich dir geben.�</p><p>Kara griff danach und h�tte es beinahe fallengelassen, denn es war unerwartet schwer. Einen Moment lang betrachtete sie es unschl�ssig, reichte es dann an Cord weiter und wandte sich wieder an Ian. �Das wirst du uns genauer erkl�ren m�ssen�, sagte sie. �Aber nicht hier. Deine M�nner sollen sich ausruhen. Wir gehen zu Aires und besprechen, was genau passiert ist.� Sie wollte sich umdrehen, wandte sich aber dann noch einmal an Ian: �Wie geht es Markor?�</p><p>�Gut�, antwortete Ian in einem Ton m�hsam unterdr�ckter Wut, den Kara nicht verstand.</p><p>�Was ist los mit ihm?� fragte sie noch einmal.</p><p>�Nichts�, beharrte Ian. �Au�er, da� er der Grund f�r die ganze Aufregung war.�</p><p>�Wieso?� Kara machte eine abwehrende Geste, als Ian antworten wollte. �Komm � gehen wir zur�ck, bevor du alles zweimal erz�hlen mu�t.�</p><p>Sie �berquerten den Hof in umgekehrter Richtung, wobei sich die M�nner auf die wenigen noch bewohnbaren Geb�ude verteilten, jeder von einer ganzen Meute Neugieriger belagert, die ihn mit Fragen best�rmten. Wahrscheinlich, dachte Kara sp�ttisch, w�rde sie die letzte in dieser Burg sein, die erfuhr, was sich in Schelfheim zugetragen hatte. Es fiel ihr schwer, ihre Neugier noch zu bez�hmen, bis sie Aires� Turmkammer erreichten; um so mehr als die Magierin noch schlief und sie sich einige Minuten gedulden mu�ten. Kara nutzte die Zeit, sich eingehender mit Karolls �Geschenk� zu besch�ftigen � ohne da� sie indes hinterher sehr viel kl�ger gewesen w�re. Es war ein flacher Kasten aus Metall, an dessen Schmalseite sich ein Tragegriff befand.</p><p>Elder sah ihr eine Weile wortlos dabei zu, wie sie den Kasten betrachtete, dann trat er ebenso wortlos neben sie und ber�hrte ihn an einer bestimmten Stelle, und das K�stchen klappte lautlos auseinander wie ein zusammengefaltetes Blatt Papier. In seinem Inneren kam eine mattgraue Glasscheibe und eine Anzahl winziger, mit fremdartigen Zeichen beschrifteter Tasten zum Vorschein. Das Ger�t �hnelte dem Apparat, den sie in der H�hle unter der Stadt gefunden hatten, nur da� es kleiner war. �Ein Kommunikator�, sagte Elder. �Man benutzt sie, um �ber gro�e Entfernungen miteinander zu reden.�</p><p>�Wie ein Funkger�tl� vermutete Cord.</p><p>�Ja�, best�tigte Elder. �Nur komfortabler. Man kann seinen Gespr�chspartner sehen.� Sein Gesicht verd�sterte sich. �Euer Freund Gendik scheint keine Zeit zu verlieren. Das Ding da kommt von Thorn.�</p><p>Die Neuigkeit �berraschte Kara �berhaupt nicht. Sie hatte gewu�t, da� es so kommen w�rde.</p><p>�Hier schaltet man es ein�, sagte Elder mit einer Geste auf eine besonders auff�llig gehaltene Taste unmittelbar unter dem gl�sernen Rechteck. �Aber das w�rde ich nicht tun�, f�gte er hinzu, als Kara die Hand nach der Taste ausstrecken wollte. �Jedenfalls nicht, solange ich noch im Zimmer bin. So deutlich, wie wir sie sehen, sehen sie auch uns.� Pl�tzlich l�chelte er. �Wei�t du was? Das Ding hat mir noch gefehlt. Ich h�tte es gern, sobald ihr es nicht mehr braucht.�</p><p>�Warten wir ab, weshalb Karoll es uns geschickt hat�, sagte Cord � ehe Kara ihrem allerersten Impuls nachgeben und Elder dieses St�ck verha�ter Technik in die Hand dr�cken konnte. �Dieser Thorn scheint ein gro�z�giger Mann zu sein�, sagte Cord. �Wenn er solche Dinge verschenkt.�</p><p>�Gro�z�gig!� Elder lachte. �Nun ja � wenn du es gro�z�gig nennst, ein paar Helikopterladungen voll technischem Firlefanz gegen eine ganze Welt einzutauschen...�</p><p>Aires kam, und sie verga�en f�r einen Moment den Kommunikator und h�rten Ian zu, der ihnen berichtete, was in den letzten f�nf Tagen in Schelfheim geschehen war. Das meiste wu�ten sie allerdings bereits, denn Sakara hatte schon nach einem Tag einen neuen Partner in der Stadt gefunden, der zwar noch einen langen Weg vor sich hatte, um ein vollwertiger Seher zu werden, aber doch zumindest auf gezielte Fragen antworten konnte. So wu�te Kara, da� Thorn Wort gehalten und den Angriff der Ungeheuer aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> zur�ckgeschlagen hatte. Neu war ihnen allen, da� er dazu nicht wie versprochen eine Stunde, sondern fast die ganze Nacht gebraucht und mindestens ein halbes Dutzend Maschinen verloren hatte.</p><p>�Bist du sicher?� fragte Elder.</p><p>�V�llig�, antwortete Ian. �Ich habe nicht gesehen, was es war, aber etwas hat sie gepackt und in die Tiefe gezerrt. Eine ist in die Stadt gest�rzt und explodiert, die anderen in den <emphasis>Schlund.�</emphasis></p><p><emphasis>Interessant,</emphasis> dachte Kara. Sie mu�te an ihr letztes Gespr�ch mit Donay denken. <emphasis>Ihn</emphasis> w�rde bestimmt brennend interessieren, was Ian und die anderen beobachtet hatten. Elder wirkte eher unangenehm �berrascht als interessiert. Vielleicht, dachte Kara, w�re es ihm gar nicht so recht, wenn sie wirklich die Schwachpunkte der Libellenmaschinen entdeckten. Sie nahm sich vor, Donay in sp�testens einer Stunde zu wecken und zu den zur�ckgekehrten Kriegern zu bringen, damit er mit ihnen sprach.</p><p>Wie lan weiter berichtete, hatte es bis in den n�chsten Tag hinein gedauert, ehe die letzten Feuer gel�scht worden waren. Fast ein Drittel der Stadt war niedergebrannt, von den angreifenden Ungeheuern aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> oder auch von Thorns Maschinen zerst�rt worden, die sich zum Schlu� nicht mehr anders zu helfen gewu�t hatten, als mit ihren Schallwaffen einen f�nfzig Meter breiten Korridor der Zerst�rung quer durch die Stadt zu ziehen, wobei sie r�cksichtslos auf Freund und Feind schossen. Allein bei dieser Aktion, so sch�tzte Ian, seien Hunderte von Schelfheimern ums Leben gekommen.</p><p>�Und du konntest sie nicht daran hindern?� fragte Cord scharf.</p><p>Ian sch�ttelte den Kopf, wobei er gleichzeitig betroffen wie zornig aussah. �Ich habe es versucht�, sagte er. �Beinahe h�tten sie angefangen, auf <emphasis>uns</emphasis> zu schie�en.�</p><p>�Wahrscheinlich haben sie ohnehin nur auf einen Vorwand gewartet�, f�gte Elder hinzu.</p><p>F�r einen Moment kehrte wieder betroffenes Schweigen ein, bis Aires dem Drachenreiter mit einem Handzeichen zu verstehen gab, da� er weitererz�hlen sollte. Einer der ersten Befehle Gendiks nach der Schlacht war gewesen, s�mtliche Zug�nge zu den unterirdischen Teilen der Stadt zu versiegeln. Trotzdem kam es immer wieder zu �berf�llen der Monster, die sich dort zur�ckgezogen hatten. Nat�rlich hatten auch Ian und seine Kameraden versucht, sich an den Aufr�umungsarbeiten zu beteiligen, sie waren aber von Karoll in Gendiks Auftrag daran gehindert worden; vorgeblich aus dem Grund, da� sie schon mehr als genug f�r die Stadt getan und sich einige Tage der Ruhe verdient hatten. Aber keiner der Anwesenden zweifelte daran, den wirklichen Grund daf�r zu kennen: Gendik wollte die ungeliebten Drachen samt ihren Reiter so schnell wie m�glich wieder loswerden, kaum da� sie ihre Aufgabe erf�llt hatten. Thorns M�nner waren noch am gleichen Tag gekommen und hatten zwei, vielleicht drei Basen in der Stadt aufgeschlagen. Sie hatten sogar versucht, den Schelfheimern zu helfen. �Und was ist gestern abend passiert?� fragte Aires, nachdem Ian eine ganze Weile und sehr ausf�hrlich erz�hlt hatte, was sich in Schelfheim getan hatte.</p><p>�Nicht gestern abend�, antwortete er mit einem Kopfsch�tteln. �Es begann schon am Tag nach der Schlacht. Hat Sakaras neuer Partner euch nichts berichtet?�</p><p>�Das konnte er nicht�, antwortete Kara. �Er ist noch nicht so weit. Wir sind froh, da� er uns erz�hlen konnte, da� die Schlacht vor�ber war.�</p><p>�Und gewonnen�, f�gte Aires hinzu.</p><p>Seinem Gesichtsausdruck nach zu schlie�en, stimmte Ian zumindest dem letzten Wort nicht unbedingt zu. �Sie haben uns dieses alte Kastell an der Klippe zugewiesen�, berichtete er. �Angeblich, damit die Drachen die Bev�lkerung der Stadt nicht zu sehr in Unruhe versetzten. Aber ich bin sicher, in Wirklichkeit wollten sie uns m�glichst weit abschieben.�</p><p>�Was ihnen offensichtlich auch gelungen ist�, sagte Cord d�ster.</p><p>�Ja�, gestand Ian. �Ich habe versucht, zu Fu� in die Stadt zu gehen, aber sie haben mich nicht gelassen.�</p><p>�Was soll das hei�en � nicht gelassen?� fragte Aires.</p><p>�Die Br�cke war verschlossen�, antwortete Ian. �Und die W�chter behaupteten, niemanden hereinlassen zu d�rfen auch uns nicht.�</p><p>�Und das hast du dir gefallen lassen?� fragte Kara.</p><p>�Was h�tte ich tun sollen?� gab Ian zur�ck. �Mir gewaltsam Zutritt verschaffen? Sie haben zwei oder drei Stationen in der Stadt errichtet�, fuhr er fort. �Ich konnte nicht nahe genug heran, um Einzelheiten zu erkennen, aber immerhin konnte ich sehen, da� sie offensichtlich streng abgeschirmt sind. Auf der anderen Seite helfen sie den Leuten, wo sie nur k�nnen. Ich werde nicht schlau aus ihrem Verhalten.�</p><p>�Ich schon�, sagte Elder.</p><p>Aires sah ihn fragend an, und er antwortete mit den gleichen Worten, die auch Thorn vor f�nf Tagen an Bord der Drohne benutzt hatte: �Es ist billiger, sich einen Gegner zum Verb�ndeten zu machen, als ihn zu besiegen. Meistens jedenfalls.�</p><p>�Du sagtest, Markor w�re schuld daran, da� sie euch aus der Stadt geworfen haben?� fragte Kara.</p><p>Ian aber sch�ttelte den Kopf. �Sie haben es provoziert�, antwortete er. �Du wei�t, wie die Drachen auf Hornk�pfe reagieren.�</p><p>�Sie haben einen Hornkopf in ihre N�he gelassen?� fragte Cord in einem Ton v�lliger Verbl�ffung.</p><p>�Einen?� Ian lachte. �Dieser wahnsinnige Gendik hat ein ganzes Bataillon Termitenkrieger keine f�nfzig Meter von der Festung entfernt stationiert. Ich habe dagegen protestiert, aber er lie� mir ausrichten, da� es zu unserem eigenen Schutz geschehe.�</p><p>�Schutz? Vor wem?� fragte Kara.</p><p><emphasis>�Das</emphasis> hat er nicht gesagt�, antwortete Ian mit einem schiefen Grinsen. �Auf jeden Fall kam es, wie es kommen mu�te: Die Drachen witterten die Hornk�pfe und wurden immer unruhiger. Eine Weile gelang es uns, sie im Zaum zu halten, aber du wei�t, wie Markor ist.�</p><p>Kara seufzte. Und ob sie das wu�te! Selbst sie hatte sich fr�hzeitig angew�hnt, einen gro�en Bogen um den Drachen zu schlagen, wenn er schlechter Laune war.</p><p>�Gestern abend ri� er sich los und griff die Quartiere der Hornk�pfe an. Wir haben versucht, ihn zu beruhigen, aber es war unm�glich. Von Karolls <emphasis>Schutztruppe</emphasis> ist nicht viel �briggeblieben.�</p><p>Kara sah, wie schwer es Aires fiel, ein schadenfrohes L�cheln zu unterdr�cken, und auch in Cords Augen glitzerte es verr�terisch. Aber die beiden wu�ten so gut wie sie, wie teuer dieses fl�chtige Gef�hl von Schadenfreude bezahlt worden war.</p><p>�Nach kaum einer Stunde kamen Karoll und ein Dutzend seiner gelben Lackaffen zu uns�, fuhr Ian fort, �und baten uns zu gehen. Die Bev�lkerung w�rde nerv�s, und wenn sich der Zwischenfall in der Stadt herumspr�che, dann k�nnte er nicht mehr f�r unsere Sicherheit garantieren, und au�erdem h�tten wir mehr als genug f�r Schelfheim getan und uns eine Ruhepause verdient...� Er zog eine Grimasse. �Er hat noch mehr gesagt und mit sch�nen, wohlklingenden Worten � aber es lief darauf hinaus, da� er uns einen Tritt verpa�te. Also sind wir zur�ckgekommen.� Er deutete mit einer Kopfbewegung auf den Kommunikator, der aufgeklappt vor Kara auf dem Tisch lag. �Das da sollte ich dir pers�nlich �bergeben. Er sagte, es enthielte eine Botschaft f�r dich.�</p><p>�Eine Botschaft?� Kara sah verwirrt auf das fremdartige Ger�t herab. Sie hatte bisher ganz selbstverst�ndlich angenommen, da� Karoll ihr dieses Ger�t hatte �bergeben lassen, um selbst mit ihr zu reden.</p><p>�Man kann eine Nachricht darauf sprechen�, sagte Elder. Er stand auf. �Trotzdem ist es besser, wenn ich aus dem Zimmer gehen, sobald du dieses Ding einschaltest. Ich traue Thorn nicht.� Er schob seinen Stuhl zur�ck, ging zur T�r und blieb noch einmal stehen. �Ruft mich, sobald ihr das Ding wieder ausgeschaltet habt.�</p><p>Kara war ein wenig verbl�fft, da� er so schnell und widerspruchslos ging, aber er verlie� das Zimmer, ehe sie ihn zur�ckhalten konnte, und so streckte sie nach einem letzten kurzen Z�gern die Hand nach der Taste aus, die Elder ihr gezeigt hatte, und dr�ckte sie. Auf der grauen Glasfl�che in der oberen H�lfte des Ger�tes bildete sich ein wei�es Flimmern, aus dem sich nach einigen Sekunden farbig und dreidimensional Gendiks Gesicht heraussch�lte; Cord und Aires, die auf der anderen Seite des Tisches sa�en, standen auf und traten hinter sie, w�hrend sich Ian nur neugierig auf seinem Stuhl vorbeugte, um ebenfalls einen Blick auf den Bildschirm werfen zu k�nnen. �Kara!� begann Gendik mit seinem gewohnten �ligen L�cheln. �Ich hoffe, da� die M�nner, die dir diese Botschaft �berbringen, wohlbehalten im Drachenhort angelangt sind.�</p><p>Die Illusion war so perfekt, da� Kara automatisch dazu ansetzte, zu antworten, aber Gendiks Abbild auf dem Schirm sprach bereits weiter, ehe sie Gelegenheit dazu fand. �Ich bedauere es, auf diesem Wege in Kontakt mit dir treten zu m�ssen, vor allem, da ich wei�, wie wenig du von technischen Ger�tschaften aller Art h�ltst. Aber du wirst verstehen, da� ich die Stadt im Moment unm�glich verlassen kann. Deshalb mu� ich diesen Weg w�hlen, um dir und auch deinen Kriegern unseren Dank zu �berbringen. Ohne eure tapfere Hilfe g�be es Schelfheim jetzt vielleicht nicht mehr. Wir alle stehen daf�r tief in der Schuld des Drachenhortes.�</p><p>�Gut, da� er es einsieht�, murmelte Cord. �Ich h�tte Lust, hinzufliegen und ihm eine Rechnung zu pr�sentieren.�</p><p>Aires machte eine unwillige Handbewegung.</p><p> �Still!�</p><p>�Sicher hat dir Ian inzwischen erz�hlt, was hier geschehen ist�, fuhr Gendik fort. �Ich m�chte nicht, da� du einen falschen Schlu� aus den Ereignissen ziehst, deshalb versichere ich dir noch einmal, da� unsere Bitte an deine Krieger, Schelfheim zu verlassen, nichts mit Undankbarkeit zu tun hat oder gar der Tatsache, da� wir nun neue, m�chtige Besch�tzer gefunden haben.�</p><p>�Besch�tzer?� Kara zog die linke Augenbraue hoch. �Als er das letzte Mal in meiner Gegenwart mit Thorn gesprochen hat, waren es noch Verb�ndete.� �Die Geschehnisse der letzten Tage�, fuhr Gendik fort, �haben gezeigt, wie gef�hrlich der Feind ist, gegen den sich Schelfheim verteidigen mu�. Selbst deine Drachen h�tten den Angriff nicht abschlagen k�nnen; du warst selbst mit an Bord des Schiffes der Fremden, Kara. Ich mu� dir nicht erkl�ren, da� ein Kampf gegen sie sinnlos w�re. In Abstimmung mit den anderen Mitgliedern des Rates habe ich also entschieden, Thorns Freundschaftsangebot anzunehmen und es seinen M�nnern zu erlauben, sich in Schelfheim und seiner Umgebung aufzuhalten. Im Gegenzug dazu hat mir Thorn versichert, jeden Angriff und jede Handlung, die uns und unserer Stadt zum Nachteil gereichen k�nnte, einzustellen. Und ich glaube, da� dieses Angebot ehrlich gemeint war. Wir werden deshalb in den n�chsten Tagen einen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit den Fremden von den Sternen unterzeichnen. Es tut mir leid, da� kein Vertreter des Drachenhortes dabeisein kann, aber ich wei�, was du und deine Br�der den Fremden gegen�ber empfindet. Ich kann diese Gef�hle verstehen, auch wenn ich sie f�r falsch halte.�</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte Cord verbl�fft. �Kein Vertreter des Drachenhortes?�</p><p>�Deshalb halte ich es f�r besser, wenn die Drachen und ihre Reiter Schelfheims N�he f�r eine Weile meiden�, fuhr Gendik fort. Kara mu�te sich pl�tzlich beherrschen, um nicht die Faust zu ballen und in den Schirm zu schlagen. �Sobald sich die Situation entspannt hat und die schlimmsten Folgen der Katastrophe �berwunden sind, werde ich Karoll zu euch schicken, damit er euch eingehend informiert. Bis dahin bitte ich dich einfach, mir zu glauben, da� sich an der alten Freundschaft zwischen Schelfheim und dem Drachenhort nichts ge�ndert hat.� Er legte eine kurze Pause ein, in der sich der Blick seiner elektronisch simulierten Augen auf dem Schirm so tief in den Karas zu bohren schien, da� es ihr immer schwerer fiel zu glauben, da� dies nur eine Aufzeichnung sein sollte. Schlie�lich fuhr er fort. �Mir ist zu Ohren gekommen, da� auch der Drachenhort angegriffen und schwer getroffen worden ist. Aus diesem Grund habe ich eine Karawane mit Hilfsg�tern und Medikamenten zusammenstellen lassen, die euch binnen einer Woche erreichen wird.�</p><p>Die Aufzeichnung erlosch in einem wei�en Flimmern, ohne da� Gendik es f�r n�tig gehalten hatte, noch ein Wort des Abschieds hinzuzuf�gen.</p><p>Kara starrte den Schirm fast eine Minute lang fassungslos an. �Ich glaube das nicht�, fl�sterte sie. �Das... das mu� ein schlechter Scherz sein. Oder ein Trick Thorns, um Unfrieden zwischen uns zu s�en. Gendik kann nicht so dumm sein, im Ernst zu glauben, da� wir <emphasis>das</emphasis> schlucken.�</p><p>�Das ist er auch nicht�, sagte Elders Stimme von der T�r her, Kara wandte sich im Stuhl um und sah, da� er das Zimmer wieder betreten hatte. Offensichtlich hatte er drau�en gelauscht und nur abgewartet, bis die Aufzeichnung beendet und das Ger�t wieder abgeschaltet war. Mit seinen n�chsten Worten best�tigte er diesen Verdacht. �Ihr m��t mir nichts erkl�ren ich habe alles geh�rt. Du hast recht, Kara � er ist nicht so dumm, euch diese Kr�te hinzuwerfen und sich einzureden, ihr w�rdet sie herunterschlucken. Ich nehme an, Thorn hat ihm dieses Gespr�ch Wort f�r Wort diktiert und ihm keine andere Wahl gelassen.�</p><p>�Dann ist er ein Narr�, sagte Cord. �Glaubt er wirklich, wir w�rden es hinnehmen, da� ein Vertrag, der seit f�nfundzwanzig Jahren Bestand hat, so einfach gebrochen wird?�</p><p>�Ja�, sagte Elder ruhig. �Das glaubt er. Und er hat recht damit. Was wollt ihr tun?� Er machte eine bes�nftigende Geste, als Cord auffahren wollte. �Sicher, ihr werdet ein paar Tage schnauben und toben und ein bi�chen Porzellan zerschlagen aber irgendwann werdet ihr einsehen, da� ihr gar keine andere Wahl habt, als euch f�r den Fu�tritt zu bedanken, mit dem sie euch f�nfundzwanzig Jahre Treue entlohnt haben.�</p><p>�Ich h�tte gro�e Lust, ihm das Gegenteil zu beweisen�, grollte Cord. �Vielleicht findet er seine Entscheidung nicht mehr ganz so gut, wenn wir ein zweites Drittel seiner Stadt in Rauch und Asche verwandeln.�</p><p>�Aber genau darauf wartet Thorn doch nur�, sagte Elder. �Begreifst du nicht? Auch er ist kein Dummkopf. Er wei� genau, da� der Drachenhort und seine Bewohner immer eine Gefahrenquelle bleiben werden. Er wartet nur auf eine Gelegenheit, euch auszul�schen.�</p><p>�Die hat er gehabt�, sagte Aires.</p><p>�Und verpa�t�, best�tigte Elder. �Mit seinem Friedensengelbot Gendik gegen�ber hat er sich selbst jedes Vorwandes beraubt, euch ein zweites Mal anzugreifen und diesmal endg�ltig zu erledigen. Aber wenn Gendik ihn offiziell um Hilfe bittet, weil er sich von euch bedroht f�hlt, sieht die Sachlage ganz anders aus.�</p><p>�Das ist mir alles zu kompliziert�, maulte Cord. �Ich halte nichts von diesen Intrigenspielen.�</p><p>�Aber das ist genau PACKs Art, einen Krieg zu f�hren�, versetzte Elder. �Und bisher haben sie damit meistens Erfolg gehabt.�</p><p>�Meistens bedeutet nicht immer�, sagte Kara.</p><p>Elder sah sie an, und in seinem Blick lag eine tiefe Sorge. �Das wird er auch diesmal nicht�, versprach er. �Aber du solltest jetzt nichts �bereilen. Warte einfach drei oder vier Tage ab und freu dich auf das Gesicht, das Gendik machen wird, wenn seine neuen Freunde pl�tzlich nicht mehr da sind.�</p><p>�Wei�t du, Elder�, sagte Kara leise, �es kommt selten vor aber diesmal bin ich ganz Cords Meinung. Auch ich mag diese Intrigenspiele nicht.�</p><p>Elder antwortete nicht mehr darauf. Statt dessen trat er an den Tisch heran, streckte die Hand nach dem Kommunikator aus und warf Aires � nicht Kara � einen fragenden Blick zu. �Kann ich ihn haben?�</p><p>�Und wenn er versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen?� fragte Aires.</p><p>Elder lachte. �Dann wird er feststellen, da� es nicht mehr funktioniert, und annehmen, Kara h�tte es vor die Wand geworfen, sanftm�tig, wie sie nun einmal ist.�</p><p>Aires blieb ernst. Nach einigen Momenten nickte sie, und Elder klappte das Ger�t mit einer hastigen Bewegung wieder auf die H�lfte seiner Gr��e zusammen, klemmte es sich unter den Arm und wollte sich umwenden, blieb aber dann noch einmal stehen. �Da ist noch etwas�, sagte er. �Ich wollte es euch schon die ganze Zeit �ber fragen, bin aber irgendwie nie dazu gekommen.�</p><p>�Ja?� fragte Aires.</p><p>�Ich brauche einen geeigneten Landeplatz f�r das Schiff�, antwortete Elder. �Er mu� gro� sein, m�glichst unbewohnt und ein St�ck von der n�chsten menschlichen Ansiedlung entfernt.�</p><p>Er l�chelte fl�chtig. �Es k�nnte sein, da� es zu ein paar Sch�den kommt, wenn das Schiff landet. Nat�rlich mu� er aber nahe genug liegen, damit ich ihn innerhalb einer oder zwei Stunden erreichen kann. Wei�t du einen solchen Platz?�</p><p>�Ich werde dar�ber nachdenken�, antwortete Aires.</p><p>Elder entfernte sich mit einem dankbaren Nicken, und diesmal warteten sie nicht nur, bis er das Zimmer verlassen hatte;</p><p>Kara stand auf, ging zur T�r und warf einen sichernden Blick hinaus, ehe sie wieder zur�ckkam und sich an Ian wandte. �Du wirst m�de sein�, sagte sie, �aber ich f�rchte, ich mu� dich bitten, noch eine halbe Stunde durchzuhalten.�</p><p>�Wieso?� fragte Aires.</p><p>Kara deutete auf den Drachenreiter. �Donay arbeitet an einer M�glichkeit, den Schutzschild der Libellen zu �berwinden�, sagte sie. �Ich bin sicher, da� er sich brennend f�r das interessiert, was Ian ihm zu erz�hlen hat.�</p><p>�Kein Problem�, sagte Ian und stand auf. �Ich bin zwar m�de, aber viel zu w�tend, um jetzt zu schlafen. La� uns gehen.�</p><p>Aires machte keinen Versuch, ihn oder Kara zur�ckzuhalten, als sie das Zimmer verlie�en, aber Kara bemerkte sehr wohl den Blick, den sie ihnen nachwarf. Er war sehr ernst und sehr besorgt.</p><p>Und voller Angst.</p><p>Donay war mehr als <emphasis>interessiert</emphasis> an dem, was Ian ihm zu erz�hlen hatte. Als Kara ihn weckte und er nach einem raschen Blick in den Himmel feststellte, wie lange er geschlafen hatte, schenkte er ihr einen langen, vorwurfsvollen Blick, enthielt sich aber jeden Kommentars, sondern h�rte mit wachsender Erregung zu, was Ian von der Schlacht um Schelfheim erz�hlte. �Abgest�rzt, sagst du?� unterbrach er ihn schlie�lich. �Wie?�</p><p>�Wie?� wiederholte Ian verst�ndnislos. �Sie sind vom Himmel gefallen und explodiert. Zumindest die eine, die �ber der Stadt abgest�rzt ist.�</p><p>�Das meine ich nicht�, sagte Donay unwillig. �Was ist passiert? Genau? Wurden sie von irgend etwas getroffen? Sind sie einfach heruntergefallen oder kamen sie ins Trudeln, oder sind vielleicht die Triebwerke ausgefallen?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, verteidigte sich Ian. �Sie haben uns nicht einmal in ihre N�he gelassen! Meine M�nner und ich haben in der Stadt Jagd auf die Ungeheuer gemacht, die die Feuerbarriere durchbrochen hatten, w�hrend sie die Klippe angriffen. Wir hatten genug damit � �</p><p>�Donay hat es nicht so gemeint�, fiel ihm Kara ins Wort. Sie machte eine beruhigende Geste.</p><p>�Doch, ich habe es so gemeint!� polterte Donay los. Kara sah �berrascht auf. Sie hatte Donay noch nie so zornig erlebt. �Begreifst du denn nicht, wie wichtig das ist? Wenn es dort drau�en im <emphasis>Schlund</emphasis> irgend etwas gibt, gegen das sie nicht einmal ihr Schild sch�tzt, dann m�ssen wir wissen, was es ist.�</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Ian. �Ich konnte nichts tun. Ich war schon froh, da� sie nicht auch uns angegriffen haben. H�tte ich geahnt, wie wichtig es ist...�</p><p>�Soldaten�, knurrte Donay. �Im Grunde seid ihr alle gleich. Keiner von euch blickt weiter als �ber die Spitze seines eigenen Schwertes hinweg!�</p><p>�Das reicht!� sagte Kara scharf, als Ian nun seinerseits auffahren wallte. �Was geschehen ist, ist geschehen. Wir k�nnen nichts mehr daran �ndern.�</p><p>�O doch!� widersprach Donay.</p><p>�Wir k�nnen und wir werden.� Er stand auf und sah Ian herausfordernd an. �Was man nicht im Kopf hat, das hat man eben im Hintern. Ich hoffe, du hast gutes Sitzfleisch, Drachenreiter.�</p><p>�Wieso?� fragte Kara und Ian wie aus einem Mund.</p><p>�Weil er mich nach Schelfheim zur�ckfliegen wird, und zwar auf der Stelle�, antwortete Donay mit einer gleichzeitig anklagenden und fordernden Geste auf Ian.</p><p>�Was, zum Teufel, versprichst du dir davon?� fragte Kara. �Ich mu� mir das Wrack dieser Libelle ansehen�, sagte Donay. �Vielleicht finde ich noch etwas.�</p><p>�Das ist unm�glich�, widersprach Ian. �Wir k�men nicht einmal in seine N�he. Davon abgesehen, da� sie es wahrscheinlich l�ngst weggeschafft haben, w�rden sie uns abfangen, ehe wir uns Schelfheim auch nur n�hern.�</p><p>�Das ist noch etwas, was du nicht wei�t�, sagte Kara hastig, als sich schon wieder Zorn auf Donays Z�gen breitzumachen begann. �Gendik hat mir eine Botschaft zukommen lassen. Er hat es etwas vornehmer ausgedr�ckt, aber im Klartext lautet sie: Haut ab und kommt nie wieder!�</p><p>�Ist das wahr?� fragte Donay verst�rt. �Ich f�rchte�, sagte Ian. �Du siehst also, wir k�nnen nicht zur�ck nach Schelfheim.�</p><p>Aber Donay wirkte keineswegs entt�uscht. �Dann m�ssen wir uns eben die anderen ansehen�, sagte er.</p><p>�Welche anderen?�</p><p>�Die, die in den <emphasis>Schlund</emphasis> gest�rzt sind�, antwortete Donay. �Du hast selbst gesagt, die meisten w�ren �ber die Klippe gest�rzt.�</p><p>�Was glaubst du denn, was davon �brig ist?� fragte Ian fassungslos. �Nachdem sie drei Meilen tief gefallen sind! Au�erdem wirst du sie in dem Dschungel dort unten niemals finden.�</p><p>�Das werden wir sehen�, antwortete Donay knapp. �K�nnen wir gleich aufbrechen?�</p><p>�Niemand hat gesagt, da� wir das �berhaupt tun�, sagte Kara ruhig. �Ich werde mit Aires und Cord dar�ber reden. Aber falls wir aufbrechen, dann erst am sp�ten Nachmittag. Die Tiere brauchen eine Pause � und ihre Reiter auch. Nicht jeder ist in der Lage, so ungestraft Raubbau mit seiner Gesundheit zu treiben wie du.�</p><p>�Aber dann verlieren wir einen ganzen Tag!� jammerte Donay.</p><p>�Wir werden sehr viel mehr verlieren als ein paar Stunden, wenn wir uns der Stadt bei Tageslicht n�hern und sie uns sehen�, sagte Ian.</p><p>Donay schnaubte zornig. �Und du denkst, sie w�ren auf <emphasis>Tageslicht</emphasis> angewiesen, um uns zu sehen?�</p><p>�Sie vielleicht nicht�, antwortete Ian. �Aber zwei Millionen neugieriger Augenpaare, deren idiotische Besitzer sich fast dabei �berschlagen, ihren neuen Freunden zu beweisen, was f�r hervorragende Verb�ndete sie sind.�</p><p>�Ist es tats�chlich so schlimm?� fragte Donay betroffen. �Ich wei� es nicht�, gestand Ian. �Aber die Stimmung in der Stadt ist ziemlich gereizt, was uns Drachenk�mpfer angeht.�</p><p>�Ich werde mit Aires reden�, versprach Kara, w�hrend sie sich erhob und zur T�r umwandte.</p><p>�Mit Aires?� Donay sah sie auf eine sonderbare Weise an. �Manchmal, Kara, frage ich mich, wer eigentlich �ber diese Festung herrscht.�</p><p>�Da bist du nicht der einzige, Donay�, antwortete Kara so leise, da� eigentlich nur sie selbst die Worte verstand.</p></section><section><title><p>50</p></title><p>Wenn es so etwas wie eine H�lle gab, dachte Kara, dann mu�te sie so aussehen wie dieser Ort. Es kam selten vor, da� ihr ein Ort Angst machte, aber hier f�rchtete sie sich � und nicht nur sie; allen anderen erging es �hnlich, obwohl niemand von ihnen auch nur ein einziges Wort gesagt hatte, seit sie von den R�cken der Drachen gestiegen waren und in einer kleinen, zugigen H�hle am Fu�e der Klippe Schutz gesucht hatten. Die H�hle geh�rte wahrscheinlich zu dem unterirdischen Labyrinth, das fast unter ganz Schelfheim lag. Kara rieb schaudernd mit den Handfl�chen �ber die Arme, aber sie konnte die K�lte, die in ihren K�rper gekrochen war, nicht vertreiben. Auch das fast bis unter die H�hlendecke lodernde Feuer, das sie entz�ndet hatten, brachte keine W�rme. Weil es keine K�lte war, was sie sp�rte, sondern Angst; Angst vor dem, was sich hinter dem Vorhang aus Schw�rze verbarg, den die Nacht �ber dem H�hlenausgang ausgebreitet hatte. Sie waren vor einer halben Stunde gekommen, und sie hatten kaum mehr als schwarze Umrisse gesehen, w�hrend die Drachen nerv�s �ber dem Boden kreisten und nach einem Landeplatz suchten. Was man nicht sah, war immer schlimmer als das, was man sah, denn es lie� der Phantasie Raum, sich Schrecken auszumalen, die alles, was die Natur hervorbrachte, �bertrafen.</p><p>Kara sch�tzte, da� die Schicht aus Tier- und Pflanzenkadavern, die den <emphasis>Schlund</emphasis> vor dem H�hleneingang bedeckte, an die f�nfzig Meter stark sein mu�te. Sie waren alle tot, von den Schallwaffen Thorns vernichtet. Voller Schaudern dachte Kara an das widerw�rtige Ger�usch, das ihre Schritte auf dem Boden aus Tierleichen verursacht hatten. Es war nicht die Gefahr, die von all diesen Wesen ausgegangen w�re, w�ren sie noch am Leben gewesen, die Kara zu schaffen machte. Es war ihr Tod. Das Gef�hl, da� sich ihr jemand n�herte, ri� sie aus ihren d�steren �berlegungen in eine Wirklichkeit zur�ck, die kaum weniger d�ster und bedrohlich war. Sie hatten das Feuer entz�ndet und damit Licht und W�rme hierhergebracht, aber beides geh�rte nicht hierher. Dieser Gang hatte niemals Tageslicht gesehen.</p><p>Donay kam zu ihr. Er sah so bla� und elend aus, wie Kara sich f�hlte. Es war nicht das erste Mal, da� er auf einem Drachen flog, aber er schien zu jenen Menschen zu geh�ren, die sich nie wirklich daran gew�hnten. Kara hatte ihn fast von Markors R�cken herunterheben m�ssen, so �bel war ihm gewesen. Er begegnete ihrem Blick und versuchte zu l�cheln, w�hrend er sich mit untergeschlagenen Beinen neben ihr niederlie�. Zu Karas �berraschung gelang es ihm sogar. Aber es wirkte nicht sehr �berzeugend.</p><p>�Wie lange noch?� fragte er. Es waren die ersten Worte, die einer von ihnen sprach, seit sie die H�hle betreten hatten, und f�r eine halbe Sekunde mu�te sich Kara gegen die absurde Furcht wehren, da� dieser Frevel auf der Stelle geahndet werden w�rde, indem irgendein unvorstellbares Wesen aus der Tiefe des Stollens auftauchte und �ber sie herfiel; oder die Decke �ber ihren K�pfen zusammenst�rzte. Was f�r ein Unsinn...</p><p>�Bis es hell wird?� Sie warf einen Blick nach drau�en, und obwohl sie aus diesem Winkel heraus den Himmel �berhaupt nicht erkennen konnte, antwortete sie nach kurzem �berlegen:</p><p>�Zehn Minuten. Vielleicht eine Viertelstunde. Warum fragst Du?�</p><p>�Ich f�hle mich hier drinnen nicht sehr wohl, wei�t du?�</p><p>�Glaubst du, da� du dich drau�en wohler f�hlen wirst?� fragte Kara.</p><p>�Nein�, antwortete Donay. �Aber sicherer.�</p><p>Kara sah ihn verst�ndnislos an. �Ist dir nichts aufgefallen?� fragte Donay.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, ohne sich auch nur die M�he zu machen, einen Blick in die Runde zu werfen.</p><p>�Dann sieh dir mal die W�nde an und die Decke�, fuhr Donay fort. Er hob die Hand und deutete in eine bestimmte Richtung, in die Karas Blick der Geste folgte. �Siehst du die Risse? Da und da und dort oben, den gro�en direkt �ber dem Eingang! Sie sind neu.� Ein paar Sekunden lang weidete er sich an Karas sichtbarem Erschrecken. Dann lachte er. �Kennst du das Gef�hl, in einer H�hle zu sein und sich zu fragen, warum, zum Teufel, sie nach all den Millionen Jahren <emphasis>nicht</emphasis> ausgerechnet jetzt zusammenbrechen sollte?�</p><p>Kara nickte wortlos. Wer kannte dieses Gef�hl nicht?</p><p>�Nun, hier kann dir das durchaus passieren�, sagte Donay trocken.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Die Struktur dieses Felsens ist grundlegend ersch�ttert�, best�tigte Donay. �Ich bin kein Geologe, und ich wei� nicht, wie weit die Sch�den in die Tiefe reichen, aber ich sch�tze, in ein paar Jahren kann sich Schelfheim von ein paar Stra�enz�gen verabschieden, die zu dicht an der Klippe liegen.�</p><p>�Aber sie haben doch nur � �</p><p>� � stundenlang auf diese Wand geschossen�, unterbrach sie Donay. �Erinnerst du dich, was Elder �ber die Schallwaffen erz�hlt hat? Sie zerst�ren sogar Stahl. Und diese Wand hier besteht nun einmal leider nicht aus Stahl.�</p><p>Kara seufzte. Sie mu�te an das zur�ckdenken, was sie selbst vor nicht einmal langer Zeit �ber das Zeitalter der schlechten Nachrichten gedacht hatte. Manchmal machte es einen nicht sehr gl�cklich, recht zu haben. Ob es nun das Jahrhundert der Hiobsbotschaften war oder nicht, das Schicksal hatte zumindest in den n�chsten f�nfzehn Minuten ein Einsehen mit ihnen und lie� ihnen nicht ganz Schelfheim auf die K�pfe fallen. Eine Stunde sp�ter als in der drei Meilen h�her gelegenen Stadt ging die Sonne hier unten auf, und der erste blutrote Schein des Morgens lie� das Bild, das sich vor Kara und den anderen ausbreitete, noch unheimlicher erscheinen.</p><p>Der Dschungel war verschwunden. Thorns Maschinen hatten die Baumriesen so gr�ndlich zerst�rt, wie sie auch alles Leben auf ihren �sten und der Klippe ausgel�scht hatten. Nur hier und da ragte ein zerborstener Stumpf aus dem Meer von Insektenkadavern.</p><p>Kara machte einen vorsichtigen Schritt aus der H�hle heraus und blieb wieder stehen. Ihr Mut sank, als sie ihren Blick �ber die endlose Ebene aus braunen, schwarzen, grauen und dunkelroten Hornschalen schweifen lie�. Wie um alles in der Welt sollten sie <emphasis>hier</emphasis> das Wrack einer Maschine finden! Vom R�cken ihrer Drachen herab w�re es vielleicht m�glich gewesen, aber sie hatten die Tiere weggeschickt, und sie w�rden auch erst nach Anbruch der Dunkelheit wiederkommen. Da� jemand in der drei Meilen h�her liegenden Stadt das halbe Dutzend schwarz gekleideter Gestalten entdeckte, war so gut wie ausgeschlossen. Bei den Drachen verhielt es sich umgekehrt: es war so gut wie undenkbar, da� sie �bersehen wurden, wenn sie sich bei Tageslicht zeigten.</p><p>Hinter ihr trat Donay aus der H�hle, sah sich rasch um und wandte sich dann an Ian, der ihm dichtauf folgte. �Also � wo sind sie abgest�rzt?�</p><p>Ian reagierte beinahe w�tend. �Woher, zum Teufel, soll ich das wissen?� schnappte er. �Wir waren irgendwo dort oben und hatten genug damit zu tun, am Leben zu bleiben.� Dann f�gte er ruhiger hinzu: �La�t uns mehr im Westen suchen. Ich glaube, dort hatten sie die gr��ten Verluste.�</p><p>Sie entfernten sich ein gutes St�ck von der Klippe, ehe sie sich nach links wandten, denn aus der zerborstenen Felswand l�sten sich noch immer kleine und gro�e Tr�mmerst�cke.</p><p>Karas Blick glitt die Steilwand empor, w�hrend sie dicht hinter Ian �ber den unsicheren Untergrund balancierte. Gewaltige Risse durchzogen die Wand wie ein Muster ineinanderlaufender, erstarrter Blitze. <emphasis>Donay hat recht,</emphasis> dachte Kara schaudernd. <emphasis>Sie wird bald zusammenst�rzen.</emphasis></p><p>Sie suchten eine Stunde, dann eine zweite, und als die dritte anbrach, fanden sie das erste Wrack. Es war halb in der Masse aus Hornschalen und Bruchst�cken versunken. Als sie damit begannen, es zu untersuchen, l�sten sich Stahl und Kunststoff unter ihren H�nden in Staub auf. Das Wrack wies so viele Besch�digungen auf, da� es unm�glich war, zu sagen, welche davon zu seinem Absturz gef�hrt hatte. Denn nach ihrem Absturz war die Libelle in den Vernichtungskegel der Schallwaffen geraten.</p><p>�Ich sch�tze, das war�s�, sagte Ian �bellaunig, als sie nach einer halben Stunde entt�uscht aufgaben. Zornig versetzte er dem Heck der Libelle einen Tritt. �Wahrscheinlich sehen die anderen genauso aus.� Er sah Kara nachdenklich an. �Vielleicht haben sie sich aus Versehen ja gegenseitig abgeschossen. Wundern w�rde es mich nicht, bei dem Durcheinander, das in dieser Nacht geherrscht hat.�</p><p>�Dann w�re sie beim Aufprall in tausend St�cke zerbrochen�, widersprach Donay. Er sch�ttelte heftig den Kopf. �Wir m�ssen weitersuchen.�</p><p>�Wozu?� fragte Ian. �Wir verschwenden nur unsere Zeit.�</p><p>�Und? Vor heute abend k�nnen wir sowieso nicht weg. Die Drachen kommen erst nach Einbruch der Dunkelheit zur�ck.�</p><p>Ehe sich die Nervosit�t, die von ihnen allen Besitz ergriffen hatte in einem Streit entladen konnte, sorgte Kara mit einer Handbewegung f�r Ruhe. Sie suchten weiter, und nach erstaunlich kurzer Zeit fanden sie ein zweites Wrack, das sich allerdings in keinem besseren Zustand befand als das erste.</p><p>�Ich hatte recht�, knurrte Ian. �Sie haben sich irgendwie gegenseitig abgeschossen. Es gibt hier nichts, was diesen Schutzschild �berwinden kann.�</p><p>�Und die Maschine, die Kara drau�en im <emphasis>Schlund</emphasis> gefunden hat?� fragte Donay. �Meinst du, die h�tte sich ganz versehentlich selbst abgeschossen?�</p><p>�Unf�lle kommen vor�, antwortete Ian. �Vielleicht hat der Motor ausgesetzt, oder der Pilot war krank, und...�</p><p>Kara starrte Donay an. Sie h�rte gar nicht mehr hin, was Ian sagte. Die Maschine im <emphasis>Schlund...</emphasis> Da war etwas, was sie die ganze Zeit �ber gewu�t, aber aus ihrem bewu�ten Denken verdr�ngt oder ihm einfach keine Bedeutung zugemessen hatte. Sie versuchte, das Bild der zertr�mmerten Maschine wieder vor ihrem inneren Auge entstehen zu lassen... und dann wu�te sie es.</p><p>�Der Pilot�, murmelte sie.</p><p>Donay und Ian sahen sie beide auf die gleiche Weise fragend an.</p><p>�Der Pilot ist nicht mehr da�, sagte Kara. Sie deutete auf das Wrack der Libelle, dann zur�ck in die Richtung, in der sie das andere Wrack gefunden hatten.</p><p>�Ich wei߫, antwortete Donay. �Die Kanzeln waren aufgebrochen. Sie haben sie geholt.�</p><p>�Aber die Kanzel des Wracks, das wir im Wald drau�en gefunden haben, war <emphasis>nicht</emphasis> aufgebrochen�, sagte Kara. �Im Gegenteil � ein Ast hatte sich hindurchgebohrt, so da� man sie gar nicht mehr �ffnen konnte.�</p><p>�Wie unangenehm�, sagte Donay in fast gelangweiltem Ton. �Na und?�</p><p>�Aber der Pilot war trotzdem verschwunden�, antwortete Kara.</p><p>�Auf dem Sitz klebte jede Menge eingetrocknetes Blut, und wir fanden ein paar Fetzen seiner Kleidung � aber keinen menschlichen K�rper.�</p><p>Der gelangweilte Ausdruck auf Donays Gesicht machte gespanntem Interesse Platz. �Bist du sicher? Keine Knochen, nichts?�</p><p>�Nichts�, best�tigte Kara. �Ist dir klar, was das hei�t?�</p><p>�Da� es das, woran ich arbeite, wahrscheinlich l�ngst gibt�, murmelte Donay. �Etwas, was ihre K�rper angreift, ohne sich von diesem unsichtbaren Schild aufhalten zu lassen.� Pl�tzlich war er sehr erregt. �Kommt weiter! Wenn es ein solches Gesch�pf wirklich gibt und wir es finden, dann... dann haben wir eine Waffe gegen sie!�</p><p>Niemand antwortete, aber Kara sp�rte, wie ansteckend Donays pl�tzlicher Optimismus wirkte. Das war auch der Grund, aus dem sie sich h�tete, die Frage zu stellen, die ihr auf der Zunge lag: Was um alles in der Welt sie mit dieser Waffe <emphasis>wollten.</emphasis> Es nutzte ihnen nichts, zehn oder auch hundert dieser st�hlernen Libellen vom Himmel zu holen; nicht, solange die Drohne existierte, die ganz allein in der Lage war, diesen Planeten einzu�schern.</p><p>Sie setzten ihre Suche fort. Gegen Mittag legten sie eine Rast ein, ohne ein Feuer anzuz�nden. Sie waren vor dem heulenden Wind durch die ausgeh�hlte Schale eines riesigen K�fergesch�pfes gesch�tzt, hinter die sie sich verkrochen. Sie hatten Vorr�te mitgebracht: Brot und gesalzenes Fleisch und ein wenig Wasser, aber niemand hatte Hunger; nicht in <emphasis>dieser</emphasis> Umgebung. Sie sprachen sehr wenig. Der allumfassende Tod ringsum legte sich wie ein bet�ubender Schleier auf ihre Seelen. <emphasis>Vielleicht,</emphasis> dachte Kara, <emphasis>wird es gar nicht mehr lange dauern, bis die ganze Welt so aussieht wie ein einziges, gewaltiges Leichenhaus, �ber das sie herfallen wie die Aasgeier, um sich die besten St�cke herauszupicken.</emphasis> Sie versuchte, den Gedanken zu verscheuchen, aber ganz gelang es ihr nicht � und wie auch? Wenn man auf einem Berg aus Kadavern sa�, der so gro� war wie ein kleines Herzogtum, dann war es schwer, an irgend etwas anderes zu denken als an den Tod.</p><p>Nach einer Stunde setzten sie ihre Suche fort, obwohl sich Kara schmerzhaft dar�ber im klaren war, wie klein ihre Chance war, noch eine dritte Libelle zu finden.</p><p>Sie fanden sie auch nicht.</p><p>Thorns M�nner f�hrten sie hin.</p><p>Sie waren eine weitere Stunde unterwegs, als Ian pl�tzlich stehenblieb, sie erschrocken am Arm ergriff und mit der anderen Hand nach oben deutete. Karas Blick folgte der Geste. Sie erkannte zwei winzige, dunkle Punkte, die sich von der Klippe gel�st hatten und mit schnellen, irgendwie ruckhaften Bewegungen tiefer sanken, wie gro�e, ein wenig zu plump geratene Bienen. �Flieger!� sagte Donay �berrascht. �Das sind Flieger! Was, zum Teufel, suchen die hier?�</p><p>�Uns�, antwortete Kara. �Versteckt euch! Schnell!� Sie sah sich suchend um, entdeckte einen mannsgro�en zerbrochenen Chitinschild und kroch hastig darunter. W�hrend auch Ian, Donay und die drei anderen sich ein Versteck suchten, rutschte Kara unter ihrem Schild in eine Position, die es ihr erlaubte, wenigstens einen Ausschnitt des Himmels �ber sich zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden.</p><p>Die beiden Flieger verloren rasch an H�he und kamen dabei n�her, in taumelnden, ungeschickten Spiralen, die aber trotzdem so zielsicher waren, da� es unm�glich ein Zufall sein konnte. Als die riesigen K�fergestalten n�her kamen, sah sie, da� auf dem R�cken jedes Tieres zwei Reiter sa�en. Drei von ihnen trugen die gelben Umh�nge der Stadtgarde, der vierte das verha�te Blauschwarz der PACK-Soldaten. Kara versp�rte in ihrem Versteck eine Welle hei�er Wut in sich aufsteigen. Gendik schien sich mit seinen neuen Freunden tats�chlich bereits pr�chtig zu verstehen. Dann sah sie etwas, was ihren Zorn schlagartig in �berraschung und dann Fassungslosigkeit verwandelte. Die beiden Flieger landeten, einer davon nicht einmal f�nf Meter von ihrem Versteck entfernt, und die Reiter kletterten umst�ndlich von den R�ckenschilden der riesigen, sechsbeinigen K�fer herunter. Einen von ihnen kannte Kara.</p><p>Es war Karoll.</p><p>�Was, zum Teufel � � murmelte Kara, brach ab und bi� sich erschrocken auf die Unterlippe, als ihr klar wurde, da� die M�nner dort drau�en sie h�ren konnten.</p><p>Karoll entfernte sich ein paar Schritte weit von seinem gepanzerten Reittier, wobei er sich weiter Karas Versteck n�herte. Seine Bewegungen waren ungelenk und steif. Offenbar war er diese Art des Reisens so wenig gewohnt wie Donay den Flug auf einem Drachen. Kara lauschte gebannt, w�hrend sich Karoll an den Mann in der PACK-Uniform wandte.</p><p>�Wo sind deine <emphasis>Eindringlinge?</emphasis> Ich sehe hier weit und breit niemanden.�</p><p>�Der Trigger hat ganz deutlich sechs Objekte angezeigt�, antwortete der Mann. Er warf einen Blick auf etwas, das er in der ge�ffneten Rechten verborgen hielt, so da� Kara es nicht erkennen konnte. Aber das Wort, das er benutzt hatte, hatte sie schon einmal von Elder geh�rt, als sie zusammen das erste Mal in die gro�e H�hle unterhalb der Stadt hinabgestiegen waren. �Das bezweifle ich nicht�, antwortete Karoll. �Er wird <emphasis>irgend etwas</emphasis> angezeigt haben. Auf jeden Fall keine Menschen. Hier ist niemand. Und auch nichts, was f�r irgend jemanden von Interesse sein k�nnte. Aber bitte...� Er wandte sich an die beiden Gardesoldaten, die ihn und den PACK-Mann begleiteten. �Seht euch ein wenig um, damit er beruhigt ist.�</p><p>Der Mann in der blauen Uniform blieb ernst. �Die Felswand wurde schwer besch�digt. Es ist m�glich, da� sie von hier aus einen Weg zur Bunkerstation finden.�</p><p>Karoll lachte. �Du �bersch�tzt dieses Mutantengesindel�, sagte er abf�llig.</p><p><emphasis>Mutantengesindel?</emphasis> Kara wurde hellh�rig.</p><p>�Selbst wenn sie den Bunker finden, nutzt ihnen das herzlich wenig. Sie k�men niemals hinein. Ganz davon abgesehen, da� er wahrscheinlich nur noch ein paar vermoderte Knochen enth�lt. Das Ding ist zweihundertvierzehntausend Jahre alt!�</p><p>�Der Notsender arbeitet immer noch�, antwortete der Soldat. �Himmel, dann sprengt ihn endlich in die Luft!� schnappte Karoll. �Das darf doch alles nicht wahr sein! Wir k�nnen einen ganzen Planeten in St�cke zerlegen und wieder neu zusammensetzen, aber so einen l�cherlichen Bunker finden wir nicht?!�</p><p>Kara hatte genug geh�rt. Mit einem zornigen Ruck stie� sie die K�ferschale von sich und sprang auf die F��e. �Vielleicht k�nnen wir euch dabei helfen?� fragte sie.</p><p>Karoll fuhr herum und erstarrte vor Entsetzen. Der Mann in der blauen Uniform reagierte schneller, aber nicht schnell genug. Kara war mit einem Satz bei ihm und lie� ihm keine Chance. Noch bevor er seine Waffe aus dem Halfter gezogen hatte, schmetterte ihm Kara den Ellbogen gegen die Kehle und t�tete ihn auf der Stelle.</p><p>Karoll wurde bleich. �Kara! Du � � Sein Blick tastete �ber den reglosen K�rper des PACK-Soldaten. �Du hast ihn umgebracht! � murmelte er.</p><p>�Das ist nur vor�bergehend�, antwortete Kara kalt. �Aber ich denke, damit erz�hle ich dir nichts Neues.�</p><p>Karoll starrte sie an und schwieg. Nachdem Kara ihr Versteck aufgegeben hatte, waren auch die anderen aufgestanden. Ian und Donay kamen n�her, w�hrend sich die drei Krieger mit gez�ckten Schwertern um die Gardesoldaten k�mmerten. Kara warf einen besorgten Blick in ihre Richtung, aber die beiden Gardisten schienen zu wissen, wie ihre Chancen standen, mit drei Drachenreitern fertig zu werden. Sie versuchten nicht, ihre Waffen zu ziehen, sondern gaben auf.</p><p>�Es sieht so aus, als h�tte das <emphasis>Mutantengesindel</emphasis> diesmal die besseren Karten, nicht wahr?� fuhr Kara mit zornbebender Stimme fort.</p><p>�Ich... ich verstehe gar nicht, was du meinst�, antwortete Karell stockend.</p><p>Kara ohrfeigte ihn. Sie schlug sehr fest zu, so da� Karolls Unterlippe aufplatzte und ein d�nner Blutfaden aus seinem Mundwinkel �ber das Kinn herablief. �Reiz mich nicht, Karoll�, sagte sie gepre�t. �Oder ich nehme mein Messer und sehe nach, was sich in deinem Kopf befindet.�</p><p>Ein Ausdruck fassungsloser Verbl�ffung, aber auch ungl�ubigen Schreckens erschien auf Karolls Gesicht.</p><p>�Wir kennen euer kleines Geheimnis�, sagte Kara b�se. �Wir wissen sogar noch eine ganze Menge mehr, Karoll. Schade, da� wir uns nicht besser vertragen � sonst k�nnte ich dir n�mlich den Weg zu diesem Bunker zeigen, den ihr so verzweifelt sucht. Wir haben ihn n�mlich gefunden. Und wir haben sogar die T�r aufbekommen � obwohl wir nur dummes Mutantengesindel sind.�</p><p>�Kara! � sagte Donay warnend.</p><p>�Keine Sorge�, antwortete Kara. �Ich verrate ihm nicht zu viel. Er wird keine Gelegenheit mehr haben, zu Thorn zu rennen und mit seinem neuen Wissen zu prahlen.�</p><p>Sie zog ihr Messer, und Karoll wurde noch bleicher.</p><p>�Und?� fragte Kara, w�hrend sie scheinbar versonnen die rasiermesserscharf geschliffene Klinge betrachtete. �Mu� ich nachsehen, was du hast, wo bei uns <emphasis>Mutanten</emphasis> ein Gehirn sitzt? Es t�te mir allerdings leid, wenn ich mich irre und du hinterher ein bi�chen l�nger tot bist. Vielleicht sogar f�r immer.� Sie trat n�her an Karoll heran und lie� die Messerklinge dicht vor seinem Gesicht pendeln. Karoll bog den Kopf zur�ck und fuhr sich nerv�s mit der Zunge �ber die Lippen. �H�r auf!� sagte er gepre�t. �Es ist nicht n�tig, da� du die Wilde spielst. Du hast recht � ich geh�re zu ihnen.�</p><p>�Und diese beiden?� Kara machte eine Kopfbewegung auf die beiden Gardesoldaten, die mit erhobenen Armen dastanden und dem Gespr�ch mit offenkundiger, wachsender Verwirrung zuh�rten.</p><p>�Sie wissen nichts�, sagte Karoll. �Es sind ganz normale Soldaten, die nur Befehle ausf�hren. La�t sie gehen.�</p><p>�Wie edel!� sp�ttelte Kara. �Aber das geht leider nicht, selbst wenn du die Wahrheit sagen solltest. Ich verspreche dir jedoch, da� ihnen nichts geschehen wird.� Sie gab den Kriegern, die die M�nner bewachten, einen Wink. �Fesselt sie. Wir nehmen sie mit.�</p><p>Mittlerweile hatte sich Donay nach dem toten PACK-Soldaten geb�ckt und ihm den Trigger aus der Hand genommen.</p><p>Behutsam drehte er das fremdartig aussehende Ger�t in den H�nden und studierte die Kn�pfe und den winzigen Bildschirm. �Was tust du da?� fragte Kara unwillig.</p><p>�Wir haben solche Dinger auch in der Stadt�, antwortete Donay. �Sie sehen zwar anders aus, aber das Prinzip ist das gleiche. Man kann Bewegungen damit orten, aber auch noch mehr...� Er dr�ckte eine Taste auf dem Trigger, runzelte entt�uscht die Stirn und versuchte eine andere.</p><p>�Volltreffer!� sagte er. �Das dritte Wrack liegt...� Er drehte sich langsam auf der Stelle, wobei er den winzigen Bildschirm nicht eine Sekunde aus dem Auge lie�. �Da!� sagte er schlie�lich und deutete direkt nach Norden. �Ungef�hr anderthalb Meilen entfernt.�</p><p>�Dann gehen wir�, sagte Kara.</p><p>Obwohl der Weg nicht ganz anderthalb Meilen betrug, brauchten sie zwei Stunden, ehe sie das Wrack fanden, denn sie kamen auf dem Leichenberg nur m�hselig voran. Sie hatten die beiden Flieger zur�cklassen wollen, doch langsam und beharrlich folgten sie den beiden Gardesoldaten wie gro�e, hornk�pfige Hunde.</p><p>Das Wrack unterschied sich von den beiden anderen, die sie zuvor gefunden hatten. Es lag auf der Seite und war nahezu in zwei Teile zerbrochen, aber die Kunststoffkanzel war nicht zerschlagen, sondern stand weit offen � und etwas bewegte sich darin.</p><p>�Warte!� Donay legte ihr die Hand auf den Unterarm und hob mit der anderen den erbeuteten Trigger. Kara warf einen Blick auf den winzigen Bildschirm, konnte aber nichts erkennen.</p><p>�Das sieht nicht besonders gut aus�, sagte Donay. �Wir sollten vorsichtig sein.�</p><p>Kara bedeutete Ian, zusammen mit Karoll zur�ckzubleiben, und zog ihr Schwert, w�hrend sie an Donays Seite weiterging. Doch das Innere der Pilotenkanzel war keine Gefahr, der sie mit dem Schwert begegnen konnte. Der allergr��te Teil des klebrigen wei�en Gespinstes war tot und zu einer �belriechenden Masse zerfallen, die sich auf dem Boden der Pilotenkanzel zu �lig schimmernden, stinkenden Pf�tzen sammelte. Aber hier und da bewegte sich doch noch etwas in der abgestorbenen Masse; kleine, haarige B�lle, an denen d�nne und ebenso haarige Beine zuckten.</p><p>Kara sp�rte, wie sich jedes einzelne Haar auf ihrem Kopf str�ubte, als sie begriff, was sie da vor sich hatte. Sie blieb stehen.</p><p>�Ich... wei�, was das ist�, sagte sie. Donay sah sie �berrascht an. �Jedenfalls habe ich es schon einmal gesehen.� Sie erz�hlte Donay von den fliegenden Riesennetzen, die sie �ber dem sterbenden <emphasis>Schlund</emphasis> gesehen hatte.</p><p>Dony h�rte ihr wortlos und sehr aufmerksam zu, dann richtete er seine Konzentration f�r eine Weile auf die zerschmetterte Libelle. �Du k�nntest recht haben�, murmelte er. �Es scheint sich um eine Art... Seide zu handeln. �berall tote Spinnen, siehst du?� Er versetzte einem der faustgro�en Tiere einen Tritt, das nicht ganz so tot war, wie er behauptet hatte, und sich gerade dazu anschickte, in sein Hosenbein zu kriechen, dann �berlegte er es sich anders, b�ckte sich und hob es auf. Die Spinne begann mit den Beinen zu strampeln und stie� einen d�nnen Strahl wei�er Seide aus, der sich wie eine Peitschenschnur um Donays Handgelenk wickelte. Kara wurde �bel.</p><p>�Au!� sagte Donay, der allerdings eher am�siert klang. �Nun sieh dir diesen kleinen Racker an! Er wehrt sich ganz sch�n!�</p><p>Kara hatte das Gef�hl, da� sich eine unsichtbare eisige Hand um ihren Hinterkopf schlo� und langsam zuzudr�cken begann. Donay hielt das Spinnentier fest in der rechten Hand, w�hrend er mit der anderen emsig in seinem Beutel herumzukramen begann und etwas herauszunehmen versuchte. Es gelang ihm nicht.</p><p>Er seufzte entt�uscht, drehte sich zu Kara herum und streckte ihr die Hand mit der zappelnden Spinne entgegen. �Kannst du sie einen Moment halten! Ich will nur � �</p><p>�Nein!� schrie Kara und wich ein paar Schritte zur�ck.</p><p>Donay sah sie verwirrt an. �Was hast du?� fragte er. �Sie ist nicht giftig.�</p><p>�Bist du... sicher?� fragte Kara etwas verlegen.</p><p>�V�llig�, antwortete Donay, der offenbar gar nicht begriff, was Kara <emphasis>wirklich</emphasis> hatte. �Es mu� das Netz gewesen sein, das die Libellen heruntergeholt hat. Siehst du?� Er deutete mit der zappelnden Spinne auf das Wrack. �Es hat sich um die Rotoren gewickelt, die Turbinen verstopft und jede andere �ffnung verkleistert.� Er hatte endlich gefunden, wonach er gesucht hatte; ein bauchiges Glas mit einem Schraubverschlu� aus Metall. �Ich frage mich nur, wie es durch den Schild gekommen ist�, murmelte er, w�hrend er die Spinne hineinfallen lie� und sich nach einer zweiten umsah.</p><p>�Ich brauche noch ein paar Tiere�, sagte er. �Hilfst du mir?�</p><p>�Ganz bestimmt nicht�, sagte Kara.</p><p>Donay sah sie verst�ndnislos an, schraubte den Deckel auf sein Glas und begann auf H�nden und Knien durch das Wrack zu kriechen, wobei er alberne zirpende Laute ausstie�, als locke er eine Katze oder einen jungen Hund. Kara beschlo�, bei n�chster Gelegenheit ihre Meinung, da� Donay vielleicht ein wenig seltsam, ansonsten aber ganz harmlos sei, einer gr�ndlichen �berpr�fung zu unterziehen. Wortlos drehte sie sich herum und ging zu Ian und Karoll zur�ck.</p><p>�Was tut er da?� fragte Karoll stirnrunzelnd.</p><p>�Nichts�, antwortete Kara kalt. �Wir Mutantengesindel rasten manchmal aus, wei�t du? Aber keine Angst � Donay ist harmlos. Er i�t nur gern Spinnen. Soll ich ihn bitten, dir auch eine zu braten!� Sie drehte sich zu Ian um und deutete auf die beiden Flieger. �Kannst du so ein Tier fliegen?�</p><p>�Ja�, antwortete Ian. �Aber sie sind langsam, und sie erm�den schnell. Den Weg bis zum Drachenhort schaffen sie nie.�</p><p>�Das m�ssen sie auch nicht�, sagte Kara. �Silvy wartet mit den Drachen hundert Meilen westlich von hier. Schaff Karoll dorthin. Sie sollen ihn zum Drachenhort bringen. Er darf unter keinen Umst�nden zur�ck nach Schelfheim kommen. Wenn er zu fliehen versucht, t�te ihn. Und du� � sie winkte einen der drei Drachenreiter herbei � �nimmst den zweiten Flieger und sorgst daf�r, da� Donay sicher im Hort ankommt.�</p><p>�Und du?� fragte Ian.</p><p>�Mach dir um mich keine Sorgen.� Kara machte eine wegwerfende Handbewegung. �Wir bleiben hier, bis die Sonne untergeht. Danach werden uns die Drachen abholen, wie wir es geplant haben.�</p><p>Ian antwortete nicht mehr, aber sein Blick machte klar, da� er nicht sehr davon �berzeugt war, da� ihr Plan tats�chlich noch aufgehen w�rde.</p><p>Und wenn Kara ehrlich zu sich selbst war, dann glaubte sie das auch nicht.</p></section><section><title><p>51</p></title><p>Sie hatten verabredet, in der gleichen H�hle auf die R�ckkehr der Drachen zu warten, in der sie auch die letzte Stunde der Nacht zugebracht hatten. Da sie diesmal nichts suchten und nicht in einem wirren Zickzack �ber das Kadaverfeld gingen, brauchten sie kaum zwei Stunden, um den R�ckweg zu bew�ltigen � aber allein das erschien Kara hinterher wie ein kleines Wunder. Sie machte sich nichts vor. Karoll war kein Irgendwer, der so einfach verschwinden konnte, ohne da� es jemandem auffiel. Schon bald w�rde es hier von Fliegern und vielleicht sogar Libellen wimmeln, die nach den Verschwundenen suchten.</p><p>Als sie in die H�hle zur�ckgingen, erwartete sie die n�chste unangenehme �berraschung. Jemand hatte ihr Feuer gel�scht und die Brandstelle so zertrampelt, da� Kara die Idee, das Feuer zu entfachen, sofort fallenlie�.</p><p>Sie blieben dicht beim H�hleneingang, aber die Helligkeit, die durch die �ffnung hereinfiel, vermochte die gestaltlose Furcht, die in der Schw�rze dahinter lauerte, nicht zu vertreiben. Einen Moment lang spielte Kara mit dem Gedanken, auf <emphasis>diesem</emphasis> Weg nach oben zur�ckzukehren, verwarf ihn aber gleich wieder. Zweifellos f�hrte der Gang in das Labyrinth aus Katakomben und Treppen unter der Stadt, aber sie hatten kein Licht und waren ersch�pft und m�de. Au�erdem wu�te niemand, ob sich nun eine ganze Armee oder nur einige wenige Ungeheuer in Schelfheims Unterwelt gefl�chtet hatten. Und so ganz nebenbei hatte Kara auch keine besondere Lust, eine <emphasis>drei Meilen</emphasis> lange Treppe hinaufzusteigen...</p><p>Seufzend wandte sie sich wieder dem H�hleneingang zu und entdeckte fast im gleichen Augenblick das, was sie bef�rchtet hatte: �ber der Klippe war ein halbes Dutzend der riesigen K�fer aufgetaucht sowie zwei Libellen.</p><p>Das gefiel ihr nicht. Vier oder auch vierzig Flieger h�tten ihr wenig Kopfzerbrechen bereitet; auf diesem gigantischen Insektenfriedhof konnte eine ganze Armee von Schelfheims Soldaten nach ihnen suchen, bis sie schwarz wurden. Sie war allerdings ziemlich sicher, da� die PACK-Leute in den Libellen technische M�glichkeiten zur Verf�gung hatten, sie auch in der H�hle aufzusp�ren.</p><p>W�hrend die K�fer ziemlich ziellos zu kreisen begannen, sank eine der Libellen dort nieder, wo sie den toten PACK-Soldaten zur�ckgelassen hatten. Die andere drehte sich schwerf�llig einmal im Kreis � und begann dann langsam, aber sehr zielsicher, auf ihr Versteck zuzufliegen!</p><p>�Mist!� fluchte Kara. Ihre beiden Begleiter sahen sie fragend an, und Kara deutete mit einer abgehackten Geste nach drau�en. �Sie haben uns entdeckt. Oder wenigstens die H�hle. Wir k�nnen nicht hierbleiben.�</p><p>Sie �berlegte einen Moment, versuchte die Zeit abzusch�tzen, die die Libellen brauchen w�rden, um herzukommen allerh�chstens zwei Minuten, vermutete sie, und wandte sich dann an die beiden gefesselten Soldaten.</p><p>�Wir haben genau drei M�glichkeiten�, sagte sie und deutete mit einer Kopfbewegung in das Dunkel des Ganges. �Wir k�nnen <emphasis>gemeinsam</emphasis> dort hinein gehen. Ich glaube, ihr wi�t so gut wie wir, was das bedeutet. Ich kann euch beiden die Kehlen durchschneiden und versuchen, zusammen mit meinen M�nnern allein durchzukommen. Das w�rde uns eine Menge Unannehmlichkeiten ersparen und uns ein sch�nes St�ck schneller machen.� Obwohl im Moment nichts f�r sie so kostbar war wie Zeit, lie� sie f�nf Sekunden verstreichen. �Oder ich k�nnte euch vertrauen und am Leben lassen. Ihr k�nntet den M�nnern, die gleich hier erscheinen werden, erz�hlen, da� wir euch gefesselt und einfach hier zur�ckgelassen haben, w�hrend wir mit unseren Drachen weggeflogen sind � so tief, da� man uns von der Stadt aus nicht sehen konnte.� Sie lie� weitere f�nf Sekunden verstreichen, in denen die Libellen so nahe kamen, da� sie jetzt bereits das schrille Heulen der Rotoren h�ren konnte. �Ich pers�nlich w�rde die dritte M�glichkeit vorziehen. Die Frage ist nur: <emphasis>Kann</emphasis> ich euch vertrauen?� Sie suchte in den Gesichtern der beiden M�nner nach irgendeinem Zeichen von Verrat oder L�ge, aber sie fand nichts.</p><p>�Ich werde nichts sagen�, sagte der eine schlie�lich. Der andere schwieg.</p><p>Kara sah zum Eingang. Die Libellen waren nicht mehr zu sehen, aber das Heulen ihrer Rotoren war noch lauter geworden. Offensichtlich suchten sie bereits nach einem geeigneten Landeplatz. Sie wandte sich an den zweiten Soldaten, w�hrend sie die Hand auf den Griff des Schwertes sinken lie�.</p><p>�Ich habe nicht mehr viel Zeit�, sagte sie. �Du hast noch f�nf Sekunden, um dich zu entscheiden.�</p><p>�Ich verrate euch nicht�, versprach der Gardist. �Falls sie mich nicht dazu zwingen. Sie k�nnen so etwas.�</p><p>�Ich wei߫, antwortete Kara. �Ich verlange zehn Minuten von euch, mehr nicht. Bis dahin sind wir weit genug weg, da� uns niemand mehr einholt. Nicht dort drinnen.� Mit einem Ruck drehte sie sich herum und warf den beiden Drachenk�mpfern einen auffordernden Blick zu.</p><p>�Du l��t sie am Leben?� fragte einer der beiden.</p><p>�Ich habe ihr Wort�, erinnerte Kara. �Sie werden es halten also kommt.�</p><p>Die Zeit reichte nicht mehr aus, um sich mit den beiden Kriegern dar�ber zu streiten, ob es nun gef�hrlich war, ihre Gefangenen am Leben zu lassen oder nicht. Das Heulen der Libellenmotoren nahm ab, als eine der Maschinen offensichtlich landete und der Pilot die Triebwerke abschaltete; ihnen blieben jetzt nur noch ein paar Augenblicke, bis der erste PACK-Krieger auftauchen w�rde.</p><p>Kara versuchte vergeblich, sich das Bild der H�hle ins Ged�chtnis zur�ckzurufen, so wie sie es heute morgen im Schein des Feuers gesehen hatte. Sie glaubte zumindest, da� der Weg auf eine Strecke von drei�ig oder vierzig Metern geradeaus in den Berg f�hrte und der Boden keine weiteren b�sen �berraschungen enthielt als einige heruntergefallene Steine. Sie st�rmten ein St�ck weit, das sich in der absoluten Dunkelheit nicht sch�tzen lie�, in den Gang hinein, wobei Kara immer wieder rasche Blicke �ber die Schulter zur�ckwarf. Die Schritte der beiden anderen waren neben ihr, und sie war sich schmerzhaft der Tatsache bewu�t, wie laut und �berdeutlich sie in der unheimlichen Stille zu h�ren sein mu�ten. Sie reagierten genauso rasch und richtig wie sie: Kaum erschien der Schatten des ersten PACK-Soldaten unter dem H�hleneingang, da erstarrten sie zur Reglosigkeit. Auch Kara sank in eine geduckte Position herab und drehte sich vollends zum Eingang um. Sie konnte die ged�mpften Atemz�ge von einem der beiden Krieger neben sich h�ren.</p><p>Die Libellenflieger waren nur als Umrisse zu erkennen. Der wuchtige Helm mit dem gl�sernen Visier verlieh als Schatten ihren K�pfen etwas Insektenhaftes und Bedrohliches. Einer der beiden blieb reglos unter dem H�hleneingang stehen, der andere sah sich rasch um und eilte dann auf die beiden gefesselten Soldaten zu. Sie waren schon zu weit entfernt, als da� Kara h�ren konnte, was sie sagten, aber ihre wilden, abgehackten Gesten bewiesen ihr, da� die Gardisten offensichtlich wirklich bei der abgesprochenen Geschichte blieben. Sie deuteten nach drau�en, nicht tiefer in den Gang hinein. Kara versp�rte ein fl�chtiges, aber tiefes Gef�hl von Erleichterung. V�llig �berzeugt von der Aufrichtigkeit der beiden M�nner war sie nicht gewesen.</p><p>Die beiden hatten jedoch ihre Geschichte noch nicht einmal zu Ende erz�hlt, da hob der zweite PACK-Soldat die Hand an den Kopf, tat irgend etwas an seinem Helm � und dann ging alles so schnell, da� selbst Karas warnender Schrei viel zu sp�t kam. Die Gestalt in der blauen Uniform bewegte sich unvorstellbar rasch. Ihre H�nde, die gerade noch leer gewesen waren, hielten pl�tzlich einen l�nglichen, plumpen Schatten, und im gleichen Moment schnitt ein giftgr�ner Lichtblitz durch die Dunkelheit und traf mit t�dlicher Pr�zision sein Ziel.</p><p>Es war pures Gl�ck, da� es nicht Kara traf. Der Mann neben ihr verwandelte sich in eine lodernde Fackel, die hilflos nach hinten kippte und vermutlich schon tot war, ehe Kara sich zur Seite warf und mit einer Flugrolle wieder auf die F��e kam. Im flackernden Licht des brennenden K�rpers erkannte sie, da� der Gang sich nicht auf zwanzig, sondern auf mindestens hundert Meter vor ihr erstreckte. Aber es gab einen mehr als meterbreiten, bis an die Decke reichenden Spalt nur wenige Schritte vor ihr, der die Wand in zwei Teile zerrissen hatte. Es war m�glich, da� dahinter nichts als zwei oder drei Meter Raum war, aber sie hatte keine Wahl. Der Soldat scho� sich allm�hlich auf sie ein. Ein, zwei gr�ne Blitze verfehlten sie so knapp, da� sie die verbrannte Luft riechen konnte; neben ihr stoben Funken und winzige Spritzer geschmolzenen Gesteins aus der Wand. Im Zickzack rannte sie weiter, warf sich mit einem verzweifelten Satz in den Spalt hinein und schrie vor Schmerz auf, als ein weiterer Schu� sie nur um Haaresbreite verfehlte und gl�hendes Gestein L�cher in ihre Jacke brannte. Aber sie hetzte weiter. Vor ihr war nichts als Schw�rze � und die hastigen Schritte des zweiten Drachenkriegers, der sich in diesen Spalt gerettet hatte, ohne da� sie es bisher �berhaupt bemerkt h�tte. Dann brachen sie pl�tzlich ab, sie h�rte einen Fluch und kurz darauf das Ger�usch eines K�rpers, der zu Boden st�rzte und in einer Lawine aus Steinen und Ger�ll weiterschlitterte. Trotzdem rannte sie weiter. Wenn sie stehenblieb, war alles zu Ende. Der Fremde w�rde sie verfolgen, und in diesem engen Spalt mu�te er gar nicht zielen, um sie zu treffen.</p><p>Zwei, drei Schritte weit f�hlte sie noch festen Boden unter den F��en, dann hatte sie pl�tzlich das entsetzliche Gef�hl, ins Leere zu treten. Sie st�rzte, prallte dann auf einer schr�g in die Tiefe f�hrenden B�schung aus Stein und Ger�ll auf und versuchte vergeblich, sich irgendwo festzuklammern. Wie der Mann vor ihr schlitterte sie hilflos in die Tiefe, �berschlug sich dabei mehrmals und belie� es schlie�lich dabei, die H�nde sch�tzend vor das Gesicht zu rei�en, um nicht von den scharfkantigen Felsen verletzt zu werden.</p><p>Schlie�lich prallte sie in der Dunkelheit gegen den Drachenk�mpfer, der vor Schmerzen aufst�hnte und mit einer Hand, die feucht von Blut war, nach ihr tastete.</p><p>�Ich bin es!� sagte Kara erschrocken. �Kara!�</p><p>Der Griff des Drachenkriegers lockerte sich f�r einen Augenblick, dann packte er ihre Schulter. Sie sp�rte, wie stark seine Hand zitterte. Und es klebte sehr viel Blut darauf. Er mu�te sich schwer bei seinem Sturz verletzt haben.</p><p>Behutsam streckte auch sie die H�nde aus und tastete nach seinem Gesicht. Es war so zerschlagen und zerschunden wie ihr eigenes und warm vor Blut. Sie f�hlte eine schmale, sichelf�rmige Narbe unter seinem rechten Auge, und daran erkannte sie ihn. Es war Tyrell, ein Krieger, der nur zwei oder drei Jahre �lter war als sie. Sie war nie besonders gut mit ihm ausgekommen, wu�te aber, da� er tapfer und klug war.</p><p>�Bist du schwer verletzt?� fragte sie.</p><p>�Ich glaube, ja�, st�hnte Tyrell. �Aber das spielt jetzt keine Rolle. Wir m�ssen... ein Versteck finden. Er kann... im Dunkeln sehen.�</p><p>Kara schrak so heftig zusammen, da� er es f�hlen mu�te. Sie h�tte sich ohrfeigen k�nnen, da� nicht sie, sondern er darauf gekommen war. V�llig sinnlos, aber einem pl�tzlichen Reflex folgend, hob sie den Kopf und blickte dorthin, wo Tyrell und sie hergekommen waren. Nat�rlich sah sie nichts au�er Schw�rze, aber er hatte recht � in ein paar Momenten w�rde ihr Verfolger dort oben auftauchen und sie wahrscheinlich so deutlich vor sich sehen, als s��en sie im hellen Sonnenlicht. Sie l�ste behutsam Tyrells Hand von ihrer Schulter, griff mit der Rechten nach seinen Fingern und hielt sie fest, w�hrend sie vorsichtig mit dem ausgestreckten linken Arm um sich tastete. Nichts. �Kannst du gehen?� fragte sie.</p><p>�Ja�, murmelte Tyrell. Sie h�rte und sp�rte, wie er aufstand. Steine rollten weiter den Abhang hinab. Offensichtlich waren sie noch lange nicht auf dem Grund dieser lichtlosen H�hle angekommen. �Das ist besser als nichts�, murmelte sie. Auch sie selbst konnte sich nur mit zusammengebissenen Z�hnen fortbewegen; ein pochender Schmerz scho� durch ihr rechtes Bein, wenn sie versuchte, es zu belasten. Und Tyrells Gewicht zerrte wie eine Zentnerlast an ihrem rechten Arm. Trotzdem qu�lte sie sich Schritt f�r Schritt weiter � und nach einem Dutzend dieser qualvollen Schritte stie�en ihre Finger auf harten glatten Widerstand. Sie war noch immer vollst�ndig blind, aber sie ertastete einen gut anderthalb Meter hohen Felsbuckel. Kara nahm all ihren Mut zusammen, stieg vorsichtig hinauf und lie� sich auf der anderen Seite wieder hinabsinken. Ihre Phantasie gaukelte ihr Bilder von bodenlosen Sch�chten und Ungeheuern mit rasiermesserscharfen Z�hnen vor, die auf der anderen Seite auf sie lauerten, aber wie so oft �bertraf die Phantasie die Wirklichkeit. Sie fand nichts au�er rissigem Felsboden, zog Tyrell hastig zu sich herab und lie� sich in die Hocke sinken. Sie lauschte mit angehaltenem Atem und rasendem Herzen in die Dunkelheit hinein. Im ersten Moment h�rte sie nichts, aber dann begannen ihre �berreizten Sinne doch Ger�usche auszumachen. Ein Knacken und Rumoren im Fels, das Kullern von Steinen, die noch immer in die Tiefe st�rzten, das weit entfernte, monotone Tropfen von Wasser, ein Huschen und Gleiten, Schaben und Knirschen... Es war, als w�ren sie unversehens in einen Jahrmarkt steinerner Ungeheuer geraten, nicht in eine H�hle, die noch nie von einem lebenden Wesen betreten worden war. Dann vernahm sie unter all diesen Lauten ein anderes, alarmierendes Ger�usch: die vorsichtigen, tastenden Schritte eines Menschen, der sich den Ger�llhang herabarbeitete und dabei versuchte, die Balance zu halten, um nicht wie sie und Tyrell kopf�ber den Rest des Weges zur�ckzulegen. Sie fragte sich, ob er sie gesehen hatte oder ob sie in ihrem Versteck sicher waren.</p><p>Es gab nur einen einzigen Weg, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Mit ein paar beruhigenden Ber�hrungen versuchte sie, Tyrell zu verstehen zu geben, da� er hierbleiben sollte, lie� seine Hand los und kroch ein gutes St�ck in der Dunkelheit nach rechts, um sie nicht beide in Gefahr zu bringen. Dann richtete sie sich unendlich behutsam hinter ihrer Deckung auf und starrte in die Dunkelheit hinein. Ihre Augen waren so weit aufgerissen, da� es weh tat, aber sie sah ihn. Nicht ihn selbst, denn er war nicht so dumm gewesen, eine Lampe einzuschalten, sondern die winzigen gr�nen, roten und blauen L�mpchen, die an den Instrumenten in seinem G�rtel brannten, und das pulsierende b�se Licht, das im Lauf seiner Waffe darauf wartete, ein neues Opfer zu finden. Im allerersten Moment war sie �ber diesen Leichtsinn sogar ein wenig erstaunt, aber dann begriff sie, da� diese Lichter so schwach waren, da� man sie selbst in einer normalen Nacht nicht h�tte sehen k�nnen.</p><p>Rasch lie� sie sich wieder hinter ihre Deckung zur�cksinken und �berlegte, was zu tun war. Ihn direkt anzugreifen, w�re Selbstmord gewesen. Zweifellos konnte er in der Dunkelheit so gut sehen wie sie und Tyrell am hellen Tage, und er hatte bewiesen, wie wenig Skrupel er hatte, von seiner Waffe Gebrauch zu machen. Sie konnten aber auch nicht hierbleiben. Fr�her oder sp�ter w�rde er sie in ihrem Versteck entdecken.</p><p>Vorsichtig richtete sie sich auf und warf einen weiteren Blick auf den Angreifer. Er war n�her gekommen, hatte sich aber ein St�ck nach links entfernt. Das konnte allerdings auch ein Trick sein. Sie tastete um sich, fand einen glatten Stein von der Gr��e ihrer Faust und versuchte, die Distanz zwischen sich und den scheinbar im Nichts schwebenden, bunten Lichtpunkten abzusch�tzen. Sie warf den Stein mit aller Kraft und lie� sich gleichzeitig zur Seite fallen. Nat�rlich traf sie nicht, sie h�rte, wie ihr Gescho� irgendwo harmlos gegen einen anderen Stein prallte und damit eine weitere, polternde Ger�llawine ausl�ste, aber die Reaktion lie� nur eine Sekunde auf sich warten. Sie konnte h�ren, wie er mit einer viel zu hastigen Bewegung herumfuhr, und im gleichen Augenblick stach ein grellgr�ner Blitz durch die Dunkelheit und explodierte irgendwo f�nfzig oder sechzig Meter hinter ihr an einer Felswand. Er ging einen halben Meter �ber den Rand ihrer Deckung hinweg, war aber trotzdem zu genau gezielt, um Zufall zu sein. Er hatte sie gesehen. Nun, das hatte sie auch beabsichtigt.</p><p>Kara h�rte hastige, trappelnde Schritte und versuchte, sich auf nichts anderes als darauf zu konzentrieren. Die Schw�rze verzerrte die Ger�usche, doch sie hatte nur diesen einen, einzigen Versuch. Sie sch�tzte, da� er noch f�nf Meter entfernt war, dann vier, drei, zwei... Etwas im Rhythmus seiner Schritte �nderte sich, als er abbremste, weil er das Hindernis vor sich erkannte.</p><p>Kara sprang mit einem Schrei in die H�he, ri� das Schwert aus dem G�rtel und f�hrte es in einem weit geschwungenen, kraftvollen Halbkreis durch die Dunkelheit vor sich.</p><p>Die Leere war nicht ganz so leer, wie es den Anschein hatte. Etwas traf ihr Schwert und schlug es ihr fast aus der Hand, sie h�rte einen keuchenden, �berraschten Laut � und dann prallte ein schwerer K�rper gegen sie, ri� sie von den F��en und begrub sie unter sich.</p><p>Kara reagierte ganz instinktiv. Blitzschnell ri� sie die Knie an den K�rper und rammte sie dem Angreifer mit aller Kraft in den Leib, gleichzeitig bekam sie eine Hand frei und tastete �ber sein Gesicht. Sie f�hlte Metall und glattes Glas, und dann Blut. Sehr viel Blut, das aus seiner durchschnittenen Kehle quoll. Erleichtert und entsetzt zugleich stie� sie den Toten von sich, richtete sich auf und starrte im Dunkeln in die Richtung, in der sie den Eingang der H�hle vermutete. Nichts. Keine weiteren bunten Lichter, kein verr�terisches Ger�usch. Der zweite Mann war ihnen nicht gefolgt � oder er bewegte sich sehr viel vorsichtiger als sein Kamerad.</p><p>�Kara?� drang Tyrells Stimme schwach durch die Dunkelheit zu ihr. Der Tonfall erschreckte Kara. Tyrell mu�te sehr viel schwerer verwundet sein, als er zugegeben hatte.</p><p>�Es ist alles in Ordnung�, sagte sie rasch. �Warte einen Moment.�</p><p>Sie beugte sich �ber den Toten, l�ste das Gewehr aus seinen H�nden und legte es behutsam neben sich. Dann wanderten ihre tastenden H�nde an seinem K�rper hinauf, glitten �ber die Schultern und legten sich schlie�lich um den Helm. Es kostete sie einige M�he, ihn abzuziehen, aber es war so, wie sie vermutet hatte: Sie hatte ihn kaum aufgesetzt, da konnte sie sehen. Allerdings auf eine Art und Weise, wie sie niemals zuvor gesehen hatte. Die Welt um sie herum war gr�n. Kein Schwarz, kein Wei�, nur dieses unheimliche, unangenehme Gr�n in allen nur vorstellbaren Schattierungen. Auch ihre eigene Hand und selbst das Blut darauf leuchteten gr�n, als Kara sie vor das Gesicht hob und pr�fend die Finger bewegte. Es war unheimlich; wie ein Bild, dessen Maler nur eine einzige Farbe besessen hatte � und der die Dinge ein ganz kleines bi�chen anders sah, als sie wirklich waren. Kara konnte es nicht in Worte fassen. Alle Umrisse und Konturen schienen zu stimmen, und doch... Es war wie ein Blick in eine durch und durch <emphasis>fremde</emphasis> Welt, in der sie nicht sein sollte.</p><p>Sie verscheuchte den Gedanken, warf einen raschen, besorgten Blick zu Tyrell hin�ber, der mit an den Leib gezogenen Knien gegen den Felsen gelehnt dasa�, und wandte sich dann wieder dem toten Soldaten zu. Sein Anblick rief ein leises Schaudern in Kara hervor. F�r einen Moment war die Verlockung fast �berm�chtig, die Waffe des PACK-Soldaten zu nehmen und auf das Ding in seinem Kopf zu richten, ehe sie abdr�ckte. Der Gedanke, da� dieser Mann tot vor ihr lag und doch nicht tot war, erf�llte sie mit rasendem Zorn, ohne da� sie im allerersten Moment selbst wu�te warum. Sie untersuchte den Toten und nahm schlie�lich seinen Instrumenteng�rtel an sich. Er enthielt eine Menge kompliziert aussehender Dinge, von denen sie nicht eines begriff, aber schlie�lich hatte ihnen der Zufall schon mehr als einmal geholfen.</p><p>Nach kurzem Z�gern hob sie auch die Waffe auf, h�ngte sie sich �ber die Schulter und ging zu Tyrell zur�ck.</p><p>Der Drachenflieger st�hnte leise, und sein Gesicht, seine H�nde und seine Kleider waren �ber und �ber voll gr�n leuchtendem Blut. Es irritierte Kara ein wenig, da� er sie nicht ansah, obwohl sie kaum anderthalb Schritte vor ihm stand; erst dann fiel ihr wieder ein, da� sie zwar ihn, umgekehrt er aber nicht sie sehen konnte.</p><p>�Was ist mit dir?� fragte sie.</p><p>�Ich wei� nicht...� murmelte Tyrell schwach. �Ich mu� mir irgend etwas... gebrochen haben. Ich kann... kaum noch atmen.�</p><p>�Aber wir k�nnen nicht hierbleiben�, sagte Kara ernst.</p><p>�Ich wei߫, murmelte Tyrell mit schmerzverzerrtem Gesicht. �Es wird schon irgendwie... gehen.� Er versuchte, sich in die H�he zu stemmen. Zu Karas �berraschung gelang es ihm sogar, aber er stand taumelnd da, mit verzerrten Z�gen, und sein Atem wurde von einem schrecklichen, rasselnden Ger�usch begleitet.</p><p>�Ich glaube nicht, da� das viel Sinn hat�, sagte Kara leise. �Du solltest hierbleiben. Fr�her oder sp�ter werden sie kommen, um ihren Kameraden zu suchen. Ich glaube nicht, da� sie dir etwas antun, wenn du dich ergibst.�</p><p>�Unsinn�, antwortete Tyrell. �Sie werden mich umbringen. Und selbst wenn nicht...� Er wankte, und Kara streckte schon die H�nde aus, um ihn aufzufangen, aber dann fand er im letzten Moment sein Gleichgewicht wieder. �Ich wei� zuviel. Ich w�rde... euch alle in Gefahr bringen.�</p><p>Kara wu�te, da� es Tyrell vermutlich umbrachte, wenn sie ihn zwang, sie weiter zu begleiten � aber wenn er in die H�nde der PACK-Leute fiel, dann bedeutete das vielleicht ihrer aller Todesurteil. Thorn w�rde nicht begeistert von der Neuigkeit sein, da� sie Karoll gefangengenommen hatten.</p><p>�Versuchen wir es�, sagte sie schweren Herzens. Sie deutete nach links. �Dort entlang.� Tyrell sah irritiert in die Richtung, aus der ihre Stimme kam. �Ich habe seinen Helm�, erkl�rte Kara. �Ich kann jetzt auch im Dunkeln sehen.�</p><p>�Gut�, murmelte Tyrell gepre�t. Er versuchte zu l�cheln. �Aber tu mir einen Gefallen, ja? Verrat mir nicht, wie ich aussehe.�</p><p>Kara lachte leise, dann griff sie nach Tyrells Arm, legte ihn behutsam um ihre Schulter und ging los, nachdem sie einen letzten sichernden Blick zum Eingang der H�hle hinauf geworfen hatte. Als sie sah, wie weit Tyrell und sie die Ger�llhalde hinuntergest�rzt waren, sp�rte sie ein eisiges Schaudern. Da� sie sich nicht beide t�dlich verletzt hatten, glich einem Wunder. Die H�hle geh�rte nicht zum unterirdischen Schelfheim, aber an ihrem jenseitigen Ende gab es einen Durchgang, dessen Form Kara ein wenig zu regelm��ig schien, um nat�rlichen Ursprungs zu sein. Und sie hatte recht. Der Ausgang stellte sich als Ende eines gemauerten, halbrunden Tunnels heraus, der f�nfundzwanzig Schritte weit geradeaus f�hrte und sich dann verzweigte. Auf gut Gl�ck nahm Kara den rechten Abzweig. In weiteren zwanzig oder drei�ig Schritten Entfernung gewahrte sie die ersten Stufen einer uralten Treppe, die in steilen Windungen in die H�he f�hrte.</p><p>Tyrell keuchte vor Schmerz, als sie die erste Stufe erklommen hatten, und fuhr so heftig zusammen, da� sie ihn beinahe losgelassen h�tte. St�hnend sank er gegen die Wand und pre�te die linke Hand gegen die Brust. �Das hat keinen Sinn�, murmelte er. �Das schaffe ich nie.�</p><p>�Unsinn!� widersprach Kara, obwohl sie nur zu gut wu�te, wie recht er hatte. �Du wirst doch nicht vor einer kleinen Treppe kapitulieren, oder?�</p><p>�Nein�, antwortete Tyrell m�hsam. �Aber das ist keine <emphasis>kleine</emphasis> Treppe. Es m�ssen Tausende von Stufen sein. La� mich hier. Ich werde irgendwie versuchen, allein durchzukommen.�</p><p>�Das ist Unsinn�, entgegnete Kara.</p><p>�Kann schon sein�, st�hnte Tyrell. �Aber schlimmstenfalls habe ich immer noch das da.� Er schlug mit der Hand auf das Messer an seinem G�rtel.</p><p>�Soweit ist es noch nicht�, sagte Kara bestimmt. �Komm wir suchen einen anderen Weg.� Welchen anderen Weg? fragte Tyrells Blick. Aber er sprach diese Frage nicht aus, sondern humpelte gehorsam und auf ihre Schulter gest�tzt neben ihr her.</p><p>Jeder Schritt schien ihr ein wenig schwerer zu fallen als der vorhergehende, mit jedem Schritt wurde ihr die Ausweglosigkeit ihrer Situation ein wenig mehr bewu�t. Selbst wenn beide gesund und ausgeruht gewesen w�ren, w�re ihre Chance, lebendig zur Oberfl�che zu kommen, erb�rmlich gering gewesen. Sie hatte auch mit dem Gedanken gespielt, sich einfach irgendwo hier in der N�he zu verbergen und nach einigen Stunden zu dem Ausgang zur�ckzukehren, den sie kannte, aber den Plan wieder verworfen. �berall traf sie auf neu entstandene Risse und Spr�nge in den W�nden und der Decke, hier und da blockierten Ger�llhalden ihren Weg, und manchmal mu�ten sie vorsichtig um bodenlose L�cher herumbalancieren, die dort g�hnten, wo vor ein paar Tagen noch massiver Fels gewesen war. Sie waren auch keineswegs die einzigen, die einen Ausweg aus diesem Labyrinth suchten. Fast auf Schritt und Tritt trafen sie auf alle nur vorstellbaren Kreaturen, die sich vor G�as Amoklauf hierher gefl�chtet hatten. Die meisten waren klein und harmlos, und ein gro�er Teil schien blind und vollkommen hilflos durch die ewige Schw�rze hier unten zu irren. Einige wenige versuchten sie zu attackieren, lie�en sich aber durch ein H�ndeklatschen, einen Schrei oder n�tigenfalls einen beherzten Fu�tritt sofort verscheuchen. Trotzdem... fr�her oder sp�ter w�rden sie auf irgend etwas treffen, das sowohl im Dunkeln sehen konnte als auch wehrhaft genug war, es mit ihnen aufzunehmen.</p><p>Sie waren eine halbe Stunde marschiert, als Kara die erste Pause einlegte. Sie konnte einfach nicht mehr. Jeder Schritt gab ihr das Gef�hl, sich durch einen unsichtbaren, z�hen Sumpf zu qu�len. Behutsam lie� sie Tyrell auf einen steinernen Vorsprung sinken, �berzeugte sich davon, da� er sicher dasa� und hockte sich dann selbst hin. Sie nahm den Helm ab, dessen Gewicht sie ebenfalls sp�rte, setzte ihn aber hastig wieder auf, als die Dunkelheit wie eine erstickende Woge �ber ihr zusammenschlug, �Geht es besser?� wandte sie sich an Tyrell, eigentlich um einfach �berhaupt etwas zu sagen.</p><p>Sie sah, da� er den Kopf sch�ttelte, aber er antwortete: �Ja. Die Schmerzen lassen nach. Ich sch�tze, ich schaffe es.�</p><p>Aber sein Gesichtsausdruck und die verkrampfte Haltung, in der er dasa�, verrieten, da� er sich etwas vormachte. Sie wollte eine Bemerkung machen, als sie ein Ger�usch hinter sich h�rte. Erschrocken fuhr sie herum und nahm gleichzeitig die erbeutete Waffe von der Schulter. Ihr Blick bohrte sich in die gr�ne D�mmerung, die alles verschlang, was weiter als vierzig oder f�nfzig Schritte entfernt war. Etwas bewegte sich darin.</p><p>�Was ist?� fragte Tyrell.</p><p>�Nichts�, murmelte sie. �Still!�</p><p>Sie hob die Waffe ein wenig h�her und lie� ihre Finger unsicher �ber den gl�sernen Schaft gleiten. Sie sp�rte mehrere kleine Kn�pfe und begriff zum ersten Mal und voller Schrecken, da� sie nicht einmal wu�te, wie diese Waffe funktionierte.</p><p>Die Bewegung wiederholte sich. Langsam, und sich auf einer Unzahl von Beinen voranschiebend, die so d�nn und zahlreich waren, da� sie wie wehendes Haar im Wind wirkten, kam ein riesiges Etwas auf sie zugekrochen. Es war so gro�, da� es den Gang fast v�llig ausf�llte, und �hnelte einer ins Absurde vergr��erten K�chenschabe. Der gepanzerte, vielfach untergliederte Leib schrammte mit einem Ger�usch, das ihr einen eisigen Schauer �ber den R�cken laufen lie�, an den W�nden entlang, und aus dem kleinen Kopf glotzten sie ein paar gr�n leuchtender, starrer Insektenaugen an. Mit einer Unzahl scharfer Z�hne war das Maul der Kreatur versehen. Auch die beiden Zangen, die sie wie die Mandibeln einer Ameise davor trug, reichten aus, eine Beute wie Kara und Tyrell in handliche St�cke zu zerrei�en. Und offensichtlich konnte die Kreatur ebensogut im Dunkeln sehen wie Kara, denn sie bewegte sich sehr zielsicher auf sie zu.</p><p>�Was ist das?� fragte Tyrell alarmiert.</p><p>�Besuch�, antwortete Kara leise. �Warte � ich werde ihn geb�hrend begr��en.�</p><p>Sie erhob sich auf ein Knie, st�tzte den Ellbogen auf das andere und visierte das Monster �ber den Lauf der gl�sernen Waffe hinweg an. Dann dr�ckte sie auf alle Kn�pfe gleichzeitig, die ihre Finger fanden.</p><p>Das Ergebnis war kein gr�ner Lichtblitz, sondern eine unterbrochene Perlenschnur winziger, giftiggr�ner Lichtpunkte, die auf das Ungeheuer zurasten, faustgro�e L�cher in seinen Panzer brannten, seine Augen verdampfen lie�en, eine seiner Zangen abs�gten und seine wirbelnden Beine in Brand setzten. Eine der Lichtperlen schlug in sein offenes Maul und lie� einen Schwall aus kochendem Blut und Fleisch hervorsprudeln.</p><p>Kara hatte aber die Waffe vor Schrecken um eine Winzigkeit hochgerissen, und eine Salve schlug in die Decke �ber dem sterbenden Monster. Die Wirkung auf den uralten, zerm�rbten Stein war beinahe noch schrecklicher. Ein dumpfer Schlag lie� den gesamten Gang erzittern. Einige Tonnen Stein und Erdreich prasselten auf das sterbende Ungeheuer herab, und pl�tzlich spaltete ein Ri� wie ein gezackter schwarzer Blitz die Decke �ber ihnen. Tr�mmer, Staub und Felsbrocken f�llten die Luft wie t�dlicher Regen, und Kara sah entsetzt, wie auch der Boden aufri�. Ein handbreiter Spalt raste auf sie und Tyrell zu und knickte im buchst�blich allerletzten Moment im rechten Winkel ab, um die Wand zu ihrer Linken zu zertr�mmern. Und das Zittern des Bodens und der W�nde hielt an.</p><p><emphasis>�Weg hier!�</emphasis> schrie sie. Mit einem Satz war sie auf den F��en, packte Tyrells Arm und zerrte ihn einfach mit sich, w�hrend sie mit weit ausgreifenden Schritten davonlief. Sie kamen nicht schnell genug voran. Hinter ihnen brach der Stollen immer mehr zusammen. Kara warf einen Blick �ber die Schulter zur�ck und sah, da� der Vorsprung, auf dem Tyrell gesessen hatte, bereits unter niederst�rzenden Felsen verschwunden war, die Decke senkte sich immer noch weiter und weiter, als versuche das Chaos, seine Opfer noch einzuholen, die ihm zu entkommen drohten.</p><p>Tyrell stolperte. Kara versuchte, ihn wieder hochzurei�en, aber ihre Kraft reichte nicht. Mit einem Schmerzensschrei fiel er zu Boden, lie� ihre Hand los und hob sch�tzend die Arme �ber den Kopf. Kara fluchte, fuhr herum und ri� ihn grob wieder auf die F��e. Ein kopfgro�er Stein st�rzte von der Decke, streifte ihren Helm und prallte mit einem bet�ubenden Schlag gegen ihre Schulter. Sie wankte, hielt Tyrell aber eisern fest und brachte irgendwie sogar die Kraft auf, ihn mit sich zu zerren. Das Zittern des Bodens lie� jetzt doch allm�hlich nach. Aber sie waren noch lange nicht in Sicherheit. Immer noch st�rzten Steine von der Decke. Kara bekam kaum noch Luft. Sie hustete, prallte gegen die Wand und torkelte weiter, wobei sie Tyrell einfach mit sich zerrte. Erst als sie ganz sicher war, da� sie aus dem gef�hrlichen Tr�mmerhagel heraus waren, wagte sie es, stehenzubleiben und ihn loszulassen. Er brach auf der Stelle zusammen, und Kara hatte diesmal nicht mehr die Kraft, ihn aufzufangen. Mit einem ersch�pften Keuchen lie� sie sich neben ihn sinken, nahm nun doch den Helm ab und wischte sich mit dem Unterarm den Schwei� von der Stirn, ehe sie ihn wieder aufsetzte und besorgt auf Tyrell herabsah.</p><p>�Was... ist passiert?� murmelte Tyrell.</p><p>�Nichts�, antwortete Kara. �Es war mein Fehler.� Sie schauderte, als sie sich vor Augen zu f�hren versuchte, wie die Sache m�glicherweise ausgegangen w�re, w�re das Monster nicht drei�ig, sondern vielleicht nur <emphasis>drei</emphasis> Meter vor ihr aufgetaucht. Es war tats�chlich ihr Fehler. Sie h�tte sich mit dieser Waffe vertraut machen sollen, ehe sie sie benutzte.</p><p>Tyrell blickte zu ihr auf, als k�nne er sie sehen, und Kara erblickte etwas in seinen Augen, was ihr nicht gefiel.</p><p>�Es wird nicht noch einmal passieren�, versprach sie. �Ich werde ein bi�chen mit diesem Ding �ben, sobald wir einen geeigneten Platz finden.�</p><p>�Aber bitte nicht hier�, sagte Tyrell gepre�t. �Sonst f�llt uns nachher noch der halbe Berg auf den Kopf.�</p><p>Kara lachte fl�chtig, dann half sie ihm auf die F��e, und sie schleppten sich weiter. Je tiefer sie in das Labyrinth eindrangen, desto schlimmer wurden die Besch�digungen, auf die sie stie�en. Es dauerte eine ganze Weile, bis Kara den Fehler in ihren Gedanken bemerkte: Die Sch�den nahmen nicht zu, weil sie tiefer in den Berg vordrangen, denn sie bewegten sich im Kreis. Kara behielt diese Beobachtung vorsichtshalber f�r sich. Aber sie trug nicht unbedingt dazu bei, ihren Optimismus zu steigern.</p><p>Sie wurden ein zweites Mal angegriffen, als sie eine gro�e, scheinbar vollkommen leere Halle durchquerten; diesmal von einer ganzen Armee winziger, heuschrecken�hnlicher Scheusale, die gleich zu Dutzenden �ber sie herfielen. Ihre winzigen Bei�werkzeuge waren nicht kr�ftig genug, das z�he Drachenleder ihrer Kleidung zu durchdringen, aber sie sprangen an ihnen empor und zwickten sie heftig in H�nde und Gesichter. W�re Kara allein gewesen, h�tte sie den bei�w�tigen Zwergen mit Leichtigkeit davonlaufen k�nnen, aber sie mu�te nicht nur sich, sondern auch noch Tyrell verteidigen, der vollkommen blind war. Als sie schlie�lich gen�gend der kleinen Widerlinge in den Boden gestampft hatte, um die Angriffslust der �berlebenden zu d�mpfen, bluteten sie nicht nur beide aus zwei oder drei Dutzend winziger Bi�wunden, sondern waren auch so ersch�pft, da� sie einfach nicht mehr weiterkonnten.</p><p><emphasis>Sinnlos,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Das ist vollkommen sinnlos.</emphasis></p><p>Und als h�tte er ihre Gedanken gelesen, sagte Tyrell in diesem Moment neben ihr: �Das ist v�llig sinnlos, Kara. La� mich zur�ck. Allein hast du vielleicht eine Chance. Wenn du dich weiter mit mir abschleppst, gehen wir beide drauf!�</p><p><emphasis>Damit hast du wahrscheinlich sogar recht,</emphasis> dachte Kara. Laut sagte sie: �Unsinn. Was erwartest du jetzt von mir? Da� ich dich erschie�e? Oder ziehst du es vor, dich selbst umzubringen?� Sie lachte, wobei sie sich alle M�he gab, ihrer Stimme einen m�glichst verletzenden, h�hnischen Klang zu verleihen. �Was willst du? Den edlen Ritter spielen, der sein eigenes Leben opfert, um das der holden Maid zu retten? Vergi� es. Hier unten ist kein Publikum f�r einen solchen Auftritt.�</p><p>�Aber � �</p><p>�Kein Wort mehr!� sagte Kara scharf. �Wir schaffen es entweder beide oder gar nicht. Komm weiter.�</p><p>Sie schleppten sich weiter; eine halbe Stunde, eine ganze. Kara war jetzt sicher, da� sie sich im Kreis bewegten. Ihre einzige Hoffnung war mittlerweile, da� sie durch einen reinen Zufall den Ausgang wiederfanden, durch den sie diesen Irrgarten betreten hatten.</p><p>Pl�tzlich wurde das Licht schw�cher. Zu Anfang bemerkte Kara es kaum. In der unheimlichen, gr�nen Welt, durch die sie sich bewegte, war es ohnehin schwer, Entfernungen zu sch�tzen und die Dinge so zu erkennen, wie sie waren. Aber bald fiel ihr doch auf, da� irgend etwas nicht stimmte: Hatte sie bisher drei�ig oder vierzig Meter weit sehen k�nnen, so reichte ihr Blick jetzt nur noch knapp halb so weit. Und auch alles, was innerhalb dieses Bereiches lag, erschien ihr sonderbar bla� und konturlos. Und als sie nach einer Weile den Kopf wandte und in Tyrells Gesicht blickte, das sich kaum drei�ig Zentimeter neben dem ihren befand, da blieb ihr keine andere Wahl mehr, als sich die Wahrheit einzugestehen: ihr k�nstliches Sehverm�gen lie� rapide nach.</p><p>Kara war sowohl der Verzweiflung als auch einer Panik nahe. Ohne Sicht waren sie verloren. Sie blieb stehen, tastete im Dunkeln nach einem sicheren Platz und lie� Tyrells Arm los. �Was ist?� fragte er erschrocken.</p><p>�Nichts�, antwortete Kara matt. �Ich bin blind, das ist alles.�</p><p>�Oh�, sagte Tyrell. In der v�lligen Schw�rze wirkte seine Stimme noch niedergeschlagener als zuvor, und die Stille danach tat beinahe weh. Lange Zeit schwiegen sie beide, dann sagte Tyrell ganz leise. �Dann ist es aus.�</p><p>Sie redeten nicht mehr. Sie hatten es <emphasis>versucht,</emphasis> aber sie hatten sich so ungeschickt dabei angestellt, wie es nur ging, und es hatte sich ganz bestimmt <emphasis>nicht</emphasis> gelohnt. Und auch die anderen w�rden ihre Aufgaben nicht zu Ende f�hren, weil es ein Kampf war, der nicht gewonnen werden <emphasis>konnte.</emphasis> Sie waren dem Feind, den sie sich ausgesucht hatten, nicht gewachsen.</p><p>Kara fragte sich, ob sie das �berhaupt jemals gewesen waren. Die Drachenreiter hatten niemals einen Krieg wirklich <emphasis>gewonnen.</emphasis> Sie hatten es geglaubt, aber das war nicht wahr gewesen. Den Sieg, den sie auf ihrem Konto verbucht hatten, hatten die M�nner f�r sie erzwungen, die ihre eigentlichen Feinde waren. Sie hatten ein paar R�uberbanden in die Flucht geschlagen, ein, zwei aufs�ssige Barone zur R�son gebracht. Jetzt, wo sie zum ersten Mal wirklich gefordert wurden, mu�ten sie einsehen, da� sie so hilflos waren wie Kinder, die mit blo�en H�nden eine Springflut aufzuhalten versuchten.</p><p>Ein leises Ger�usch drang in ihre Gedanken. Kara richtete sich erschrocken auf und stellte fest, da� auch der letzte bleiche Geisterschimmer vor ihren Augen erloschen war, w�hrend sie dagesessen und sich selbst leid getan hatte. Wider besseren Wissens versuchte sie, die absolute Dunkelheit mit Blicken zu durchdringen. Sie sah nichts, aber das Ger�usch wiederholte sich. <emphasis>Ist es jetzt soweit?</emphasis> dachte sie. Kroch da irgend etwas in der Schw�rze auf sie zu? Instinktiv tasteten ihre Finger nach der Waffe, die sie quer �ber den Knien liegen hatte, aber dann zog sie die Hand wieder zur�ck. Welche �berraschung die Nacht auch immer noch f�r sie bereit hatte, ein solches Ende war mit Sicherheit noch immer gn�diger, als hier unten zu verdursten oder an Schw�che zu sterben.</p><p>Das Ger�usch ert�nte zum dritten Mal, und erst jetzt begriff Kara, da� es <emphasis>im Inneren ihres Helmes</emphasis> erklang. Was, zum Teufel, �?</p><p> �Kara!�</p><p>Die Stimme erscholl direkt in ihrem Helm. Sie war leise, von einem Rauschen begleitet, das es sehr schwermachte, sie zu verstehen � und trotzdem hatte sie das Gef�hl, sie irgendwoher zu kennen.</p><p>�Kara! Ich wei�, da� du mich h�ren kannst. Wenn du noch am Leben sein solltest, dann d�rftest du jetzt blind wie ein Maulwurf sein. Diese Restlichtverst�rker sind eine praktische Erfindung, aber sie verbrauchen eine Menge Energie.�</p><p><emphasis>Thorn!</emphasis> dachte sie �berrascht. Das war... Thorn! Sie richtete sich kerzengerade auf, und Tyrell schien die Bewegung zu sp�ren oder zu h�ren, denn er stellte eine Frage, auf die Kara nur mit einer unwilligen Geste reagierte.</p><p>�Falls du noch lebst�, fuhr Thorns Geisterstimme in ihrem Helm fort, �was ich ehrlich hoffe, und falls du dich noch bewegen kannst, dann antworte mir. Ich wei�, da� du den Instrumenteng�rtel mitgenommen hast. �ber deiner rechten H�fte befindet sich eine auffallend gro�e, viereckige Taste. Wenn du sie dr�ckst, k�nnen wir miteinander reden � und ich kann deine genaue Position feststellen und jemanden schicken, der dich und deinen Freund abholt. Bitte, antworte!�</p><p>Karas Fingerspitzen glitten �ber den Schalter, den Thorn ihr beschrieben hatte. Sie z�gerte, ihn zu dr�cken. Sie f�hlte sich so... hilflos. Was sollte sie nur tun? Warum war niemand da, der ihr sagte, was richtig und was falsch war?</p><p>�Bist du verletzt?� fragte Thorn. Als sie auch darauf nicht antwortete, fuhr er mit ver�nderter, sehr ruhiger Stimme fort. �Gut, mein letzter Versuch. Ich wei�, da� du mich f�r deinen Feind h�ltst. Ich wei�, da� du Angst vor mir hast. Beides ist falsch. Wir haben Fehler gemacht, so wie ihr Fehler gemacht habt. Aber es ist noch nicht zu sp�t, sie zu korrigieren, oder wenigstens daf�r zu sorgen, da� nicht noch mehr gemacht werden. Wenn du nicht antwortest, dann wirst du sterben, v�llig sinnlos.�</p><p><emphasis>Ich wei�,</emphasis> dachte Kara. <emphasis>Aber vielleicht lohnt es sich schon, wenn ich dadurch nicht in deine Gewalt gerate.</emphasis></p><p>�Vielleicht werden au�er dir noch sehr viele deiner Freunde sterben, Kara. Ich wei�, da� Elder noch lebt, und ich wei�, da� er bei euch ist und vermutlich versucht, euch zu einem Angriff auf uns zu �berreden. Ich nehme es dir nicht �bel, wenn du das versuchst. Aber ich k�nnte dir noch ein paar interessante Dinge �ber deinen Freund verraten. M�chtest du nicht wissen, wer er wirklich ist und was er hier sucht, bevor er all deine Freunde in einen Kampf ziehen l��t?�</p><p><emphasis>H�r auf,</emphasis> dachte Kara verzweifelt. Ich will dir nicht glauben, aber ich mu� es. H�r! Doch! Auf!</p><p>�Ich unterbreche jetzt die Verbindung�, sagte Thorn. �Vielleicht rede ich ja mit einer Toten. Falls nicht, gebe ich dir eine letzte Gelegenheit, dein Schweigen aufzugeben und am Leben zu bleiben. Ich gebe dir mein Wort, da� dein Begleiter und du nicht als Gefangene behandelt werden, sondern als G�ste!�</p><p>Das Rauschen und Knistern in ihrem Helm erstarb, und Kara sa� noch f�r endlose Sekunden schweigend da und starrte in die Dunkelheit.</p><p>�Was... was war los?� fragte Tyrell. �Hast du... irgend etwas geh�rt!�</p><p>�Nichts�, murmelte Kara. �Es ist nichts, Tyrell. Alles in Ordnung.� Dann dr�ckte sie den Schalter auf ihrem G�rtel so fest, da� das Material h�rbar knirschte.</p><p>�Thorn?� sagte sie laut. �Wir sind hier. Ihr k�nnt uns holen.�</p></section><section><title><p>52</p></title><p>Zaubertechnik von den Sternen hin oder her � Thorns M�nner brauchten ann�hernd zwei Stunden, bis sie sie erreichten. Und es war keine Schar hehrer Lichtgestalten, die wie die rettenden Engel in der lichtlosen H�lle von Schelfheims Unterwelt erschienen, sondern ein zerschlagener, verdreckter Haufen, der fast ebenso ersch�pft und am Ende seiner Kr�fte war wie Kara und ihr Begleiter. Einige von ihnen waren verletzt und bluteten aus kleineren Wunden. Irgendwie hatte sie sich ihre tapferen Retter anders vorgestellt.</p><p>Zumindest brachten sie das mit, was Kara in den vergangenen Stunden am meisten vermi�t hatte: Licht. Die M�nner trugen die Helme mit den Glasvisieren, wie auch Kara einen besa�, f�hrten aber gleichzeitig auch gro�e Scheinwerfer mit sich, die enge Bahnen glei�ender Helligkeit aus der Schw�rze rissen. Kara hob geblendet die H�nde vor das Gesicht, als das Licht wie mit Messern in ihre an stundenlange Dunkelheit gew�hnten Augen schnitt. Zwei M�nner hatten ihre Waffen auf sie angelegt, w�hrend ein dritter in respektvollem Abstand um sie herumging und das erbeutete Gewehr an sich nahm.</p><p>Anschlie�end nahmen sie ihr den Instrumenteng�rtel und den ohnehin nutzlosen Helm ab. Beinahe sanft, aber auch sehr nachdr�cklich wurde sie auf die F��e gezogen. Zwei schmale, mit einer fast l�cherlich d�nnen Kette verbundene Metallringe wurden um ihre Handgelenke gelegt, und auch Tyrell wurde auf die gleiche Weise gebunden, obwohl er kaum noch die Kraft hatte, auf seinen eigenen F��en zu stehen.</p><p>Kara lie� das alles klaglos mit sich geschehen. Sie waren zu siebt oder acht, aber das war nicht der Grund. Sie hatte gelernt, niemals einem Kampf aus dem Wege zu gehen, auch wenn er aussichtslos schien.</p><p>Aber wie konnte man einen Kampf k�mpfen, wenn man nicht einmal mehr den Unterschied zwischen Freund und Feind zu erkennen imstande war?</p><p>Der R�ckweg war ein Alptraum. Die M�nner gaben ihr etwas, das ihre Kr�fte wieder auffrischte, und sie k�mmerten sich auch um Tyrell, so da� er zumindest wieder aus eigener Kraft laufen konnte. Kara begann schon nach den ersten zweioder dreihundert Metern zu begreifen, da� Tyrell und sie nur durch eine Verkettung geradezu unglaublicher Zuf�lle �berhaupt noch am Leben waren. Vielleicht war es das Licht, das die Ungeheuer aus dem Schlund anlockte, vielleicht auch der L�rm, den die Gruppe machte � aber sie wurden fast ununterbrochen angegriffen. Thorns Soldaten machten oft und reichlich von ihren Waffen Gebrauch, wobei sie sich allerdings weitaus geschickter anstellten als Kara.</p><p>Ihr Ziel war tats�chlich der Schacht, der zur Oberfl�che hinauff�hrte. Thorns M�nner hatten allerdings ein paar Verbesserungen vorgenommen: Die Plattform an ihrem Gewirr von Ketten, Stahlseilen und gedrehten Tauen aus Transportergewebe war noch vorhanden, aber daneben schwebte auch eine Anzahl der runden Kristallscheiben, wie Kara sie von ihrem ersten Ausflug in die Tiefe her kannte. Sie bezweifelte im ersten Moment, da� Tyrell in seinem Zustand einen Transport auf diesen Gef�hrten �berstehen w�rde, dann aber sah sie, da� es auch gr��ere Exemplare gab, auf denen durchaus f�nf oder sechs M�nner Platz fanden. Sie wurden zu einer dieser Scheiben gef�hrt, doch als Kara sie betreten wollte, hob einer ihrer Begleiter abwehrend die Hand und deutete gleichzeitig auf einen Punkt hinter ihr. Sie drehte sich herum und sah sich Thorn gegen�ber, was sie nicht im mindesten �berraschte.</p><p>Und neben ihm stand Karoll.</p><p>�Hallo, Kara�, sagte er, nachdem er ihr einige Sekunden lang Zeit gegeben hatte, ihren Schrecken zu �berwinden. �Wie sch�n, da� wir uns so schnell wiedersehen.�</p><p>�Du?� murmelte sie verst�rt. Pl�tzlich war ihre Lethargie wie weggeblasen. Ihre Gedanken �berschlugen sich. �Aber wie kommst du... ich meine, was ist mit...� Sie bi� sich auf die Unterlippe, aber die Worte waren heraus und lie�en sich nicht mehr zur�cknehmen.</p><p>�Mit deinen Freunden?� Karoll l�chelte. �Keine Sorge. Ihnen ist nichts geschehen. Die M�nner, die mich befreit haben, hatten leider nur die Wahl, mich mitzunehmen oder diesen jungen fanatischen Gen-Bastler. Du siehst, wie sie sich entschieden haben. Obwohl es eigentlich schade ist, ich h�tte zu gern gewu�t, was er sich jetzt wieder ausgedacht hat. Dieser junge Mann hat manchmal sehr interessante Ideen. Es w�rde mich nicht wundern, wenn er wirklich eine M�glichkeit gefunden h�tte, die Schutzschirme unserer Kampfhelikopter zu neutralisieren.�</p><p>�Ich verspreche dir, du wirst der erste sein, der es merkt�, sagte Kara.</p><p>Karoll lachte. �Siehst du?� sagte er, an Thorn gewandt. �Ihr fehlt nichts. Sie ist noch immer ganz die alte.�</p><p>Auch Thorn lachte, wurde aber sofort wieder ernst. Mit einem raschen Schritt trat er an Kara vorbei und ma� Tyrell mit einem langen, sehr aufmerksamen Blick. �Dieser Mann ist schwer krank�, sagte er. �Er mu� sofort versorgt werden.� Er sah Kara fragend an. �Ich kann das hier in Schelfheim erledigen lassen. Aber es w�re besser, ihn auf mein Schiff zu bringen. Dort stehen uns bessere M�glichkeiten zur Verf�gung, ihm zu helfen.�</p><p>�So wie Tess!�</p><p>Thorn verstand sofort, was sie meinte. �Sie w�re tot, ohne unsere Hilfe�, sagte er. �Und wenn du das Verh�r meinst, dem wir sie unterzogen haben � ich gebe dir mein Wort, da� das nicht noch einmal geschieht. Wir haben alles erfahren, was wir wissen wollten.� Er l�chelte fl�chtig. �Und ehe du mich jetzt einen L�gner nennst, bedenke bitte, da� ich im Moment durchaus in der Lage bin, mir Gro�z�gigkeit leisten zu k�nnen.�</p><p>Kara �berlegte nicht sehr lange. �Helft ihm�, sagte sie. �So gut ihr k�nnt.�</p><p>�Ich nehme an, er wei� ohnehin nichts von Bedeutung�, sagte Karoll.</p><p>Thorn warf ihm einen raschen, �rgerlichen Blick zu, sagte aber nichts darauf, sondern winkte einen seiner M�nner heran. Er deutete auf Tyrell. �Bringt diesen Mann zur Drohne�, sagte er. �Die �rzte sollen sich um ihn k�mmern. Kein Verh�r. Und�</p><p>- er deutete auf Kara � �nehmt ihr die Handschellen ab. Ich habe ihr Wort, da� sie nichts Un�berlegtes tut. Das habe ich doch, oder?�</p><p>Kara nickte. Die Fesseln wurden entfernt, und Thorn deutete auf eine der anderen Flugscheiben. Aber irgendwie tat er es in der Art einer Frage, so da� sie sich nicht r�hrte, sondern ihn nur abwartend ansah. Er l�chelte, als h�tte er nichts anderes erwartet.</p><p>�Es steht dir frei zu gehen�, sagte er.</p><p>Kara war v�llig verwirrt. �Du l��t mich... gehen?� fragte sie ungl�ubig. �Kein Trick? Keine Bedingungen?�</p><p>�Keine Bedingungen�, best�tigte Thorn. �Und kein Trick. Abgesehen davon, da� ich nicht glaube, da� du noch sehr weit kommst, so entkr�ftet wie du bist.� Er lachte. �Du hast das Leben zweier meiner M�nner verschont. Daf�r schulde ich dir etwas. Allerdings w�rde ich es begr��en, wenn du noch eine Weile bleiben und uns ein paar Fragen beantworten w�rdest.�</p><p>Er deutete auf Karoll. �Du hast ihn neugierig gemacht.� Kara starrte Karoll an. �Ich h�tte dir doch die Kehle durchschneiden sollen�, sagte sie.</p><p>�Oder nicht soviel reden�, antwortete Karoll unger�hrt. Kara schluckte ihren Zorn herunter, auch wenn es ihr schwerfiel. �Da hast du sogar recht�, sagte sie. �Aber mehr, als ich dir schon verraten habe, wei� ich gar nicht. Die R�ume hinter dieser T�r waren leer. Das meiste steht ohnehin unter Wasser.�</p><p>�Damit werden wir fertig�, sagte Karoll. �Glaube mir.�</p><p>Sie glaubte ihm. �Ich w�rde den Weg nicht einmal wiederfinden�, sagte sie m�de.</p><p>Thorn sah sie durchdringend, aber nicht einmal wirklich mi�trauisch an. �Du bist nicht mehr in der Verfassung zu l�gen. Au�erdem beginnst du dich allm�hlich zu fragen, ob du nicht vielleicht wirklich auf der falschen Seite stehst, nicht wahr?�</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> dachte Kara. F�r einen Moment ha�te sie ihn beinahe. <emphasis>Ich habe dein Gift geschluckt, und es beginnt zu wirken. Und ich kann mich nicht einmal dagegen wehren, obwohl ich es wei�!</emphasis></p><p>�Du kannst uns trotzdem helfen�, fuhr Thorn nach einer Weile fort. �Ich nehme an, ihr hattet einen Suchhund?�</p><p>�Wenn du sowieso schon alles wei�t, wozu brauchst du mich dann noch?� fragte Kara schnippisch.</p><p>�Weil ich eben <emphasis>nicht</emphasis> alles wei߫, antwortete Thorn. �Verstehe mich nicht falsch, Kara � ich will dich zu nichts zwingen. Wir finden diesen Bunker, ob mit oder ohne deine Hilfe. Aber mit deiner Hilfe ginge es sehr viel schneller. Und du w�rdest einer Menge meiner M�nner das Leben retten. Dort unten ist die H�lle los, seit diese Ungeheuer �ber die Stadt hereingebrochen sind.� Er hob die Hand, als Kara etwas sagen wollte. �Ich wei�, da� das meine Schuld ist. Aber es ist nun einmal passiert.�</p><p>�Warum benutzt ihr nicht eines eurer technischen Spielzeuge?� fragte Kara mit einer m�den Geste auf die schwebenden Kristallscheiben hinter sich.</p><p>�Das tun wir�, antwortete Thorn. �Aber du hast diese H�hlen gesehen. Sie sind ein Labyrinth, in dem selbst unsere Ortungsger�te verr�ckt spielen.�</p><p>�Ich wei� den Weg nicht mehr!� sagte Kara. �Wie du selbst gesagt hast � wir hatten einen Suchhund, und � �</p><p>�So etwas haben wir auch�, unterbrach sie Thorn. �Alles, was ich brauche, ist dein Einverst�ndnis, der Ort, an dem ihr eure Suche begonnen habt � und ein paar Tropfen deines Blutes.� Er l�chelte. �Keine Angst � es tut nicht weh.�</p><p>Kara war hin- und hergerissen zwischen Neugier und der Furcht, einen nicht wiedergutzumachenden Fehler zu begehen. �Was ist dort unten?� fragte sie leise. �Was gibt es dort, was so wertvoll ist, da� drei von uns sterben mu�ten, damit sie es nicht entdecken?�</p><p>�Drei von � � Thorn wandte mit einem Ruck den Kopf und starrte Karoll an. Karoll sah weg, w�hrend Kara beide M�nner aufmerksam im Auge behielt.</p><p>�Das tut mir leid�, fuhr Thorn nach einigen Sekunden fort. �Was dort unten ist? Nun, unter anderem ein Sender, der seit �ber zweihundert Jahren Zeter und Mordio in die Galaxis hinausschreit. Er ist nicht besonders leistungsstark, aber � �</p><p>� � aber jemand k�nnte ihn zuf�llig h�ren und vorbeikommen, um nachzuschauen, was hier los ist�, fiel ihm Kara ins Wort.</p><p>�Ja. So ungef�hr.�</p><p>�Und das w�re �u�erst unangenehm f�r euch, nicht wahr?</p><p>Warum wohl sollte ich euch helfen, Schwierigkeiten zu vermeiden?�</p><p>�Weil es in erster Linie <emphasis>eure</emphasis> Schwierigkeiten w�ren�, sagte Thorn ruhig. �Wir sind l�ngst nicht das Schlimmste, was euch h�tte passieren k�nnen. Ich wei� nicht, was Elder dir erz�hlt hat, aber die Galaxis ist ein Dschungel, gegen den euer <emphasis>Schlund</emphasis> der reinste Erholungspark war. Es k�nnte sein, da� jemand kommt, der uns davonjagt � und euch gleich mit. Au�erdem gibt es dort unten noch zwei, drei Dinge, die dich brennend interessieren d�rften.�</p><p>Wie machte er es nur, da� sie ihm immer wieder glaubte, wider besseren Wissens, sogar <emphasis>gegen</emphasis> ihren erkl�rten Willen?</p><p>�Wie gesagt�, fuhr Thorn fort, �es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir ihn auch ohne deine Hilfe aufsp�ren. In einer Woche sp�testens haben wir ihn so oder so gefunden.� <emphasis>In einer Woche, sp�testens,</emphasis> dachte Kara, <emphasis>gibt es dich nicht mehr.</emphasis> Laut und gereizt sagte sie: �In Ordnung. Wo ist dieser verdammte Suchhund?�</p><p>�Aber, aber!� Thorn l�chelte und zog ein kleines, mit einer haard�nnen Nadel versehenes Glasr�hrchen aus der Tasche. �Das sind nun wirklich barbarische Methoden. W�rdest du vielleicht deinen �rmel hochrollen?�</p></section><section><title><p>53</p></title><p>Zwei Tage sp�ter � einen Tag und eine Nacht, ehe Elders Freunde eintreffen sollten � brachte sie eine Libelle zum Drachenhort zur�ck. Kara erlebte eine gewaltige �berraschung, als sie sich zur Seite beugte. Tief unter ihr liefen zwei oder drei Dutzend Gestalten zusammen, um sie zu begr��en, und in einem Winkel neben dem Tor, in dem vor Thorns Angriff ein h�lzerner Pferdeverschlag gewesen war, stand eine Libelle. Sie war nicht etwa nur dort gelandet, um jemanden abzuholen oder zu bringen, sondern war dort f�r l�ngere Zeit abgestellt worden. Die Rotorbl�tter waren zum Heck hin zusammengefaltet, und die Kanzel stand offen. Als sie tiefer sanken, sah Kara, da� man die Waffe unter dem Bug entfernt hatte. Die Maschine landete und hob wieder ab, kaum da� Kara ausgestiegen und geduckt einige Schritte davongelaufen war. Sie wurde von einigen Kriegern in Empfang genommen und wieder mit Fragen best�rmt, von denen sie keine einzige beantwortete, aber es war l�ngst nicht mehr so schlimm wie beim ersten Mal, als sie auf diese Weise hierher zur�ckgekommen war. Die meisten M�nner schienen eher herausgekommen zu sein, um die Libelle zu beobachten, nicht um sie zu begr��en. Sie hielt nach Hrhon Ausschau, konnte ihn aber nirgends entdecken, was sie ein wenig beunruhigte.</p><p>Als sie auf das Haus zuging, sah sie eine Gestalt, deren Anblick sie verbl�fft mitten im Schritt innehalten lie�. Es war Elder. Er stand mit vor der Brust verschr�nkten Armen auf der Treppe und sah ihr wenig freundlich entgegen. �Hallo, Kara�, begr��te er sie mit einer Stimme, die so kalt war wie der Blick seiner Augen. �Sch�n, da� du uns auch einmal wieder die Ehre gibst.� Er machte eine Kopfbewegung nach oben. �Ist das ein Zufall, da� du jetzt das zweite Mal so ankommst, oder wird es langsam zu einer schlechten Angewohnheit!�</p><p>Kara war lediglich ein wenig verwirrt �ber seinen Ton. Seltsam � sie hatte gedacht, da� es schlimmer sein w�rde, aber sie sp�rte... nichts.</p><p>Sie deutete auf die Libelle neben dem Tor. �Ich scheine nicht die einzige zu sein, die Spa� an diesen Dingern gefunden hat.�</p><p>�Sie geh�rt mir�, antwortete Elder. �Ein Geschenk deines Freundes Thorn. Gro�z�gig, nicht wahr? Ich lade dich zu einem Rundflug ein, wenn du willst.�</p><p>�Thorn? Er war hier?�</p><p>�Vorgestern�, best�tigte Elder. �Gleich, nachdem er mit dir gesprochen hat. Was hast du ihm noch verraten � au�er mich, meine ich?�</p><p>Kara �berging die Spitze. �Nichts�, sagte sie ruhig. �Jedenfalls nichts, was er nicht schon vorher wu�te. Keine Angst, dein kleines Geheimnis ist sicher. Wo sind Aires und Cord?�</p><p>�Sie warten im Haus auf dich. Ich bin nur das Empfangskomitee. Dein Kommen wurde uns angek�ndigt, wei�t du?�</p><p>�Gut�, sagte Kara. �Dann la� uns zu ihnen gehen.� Sie sp�rte, da� seine Ruhe nur vorget�uscht war, als sie an ihm vor�berging, deshalb beschleunigte sie ihre Schritte ein wenig, damit er nicht nach ihr greifen oder sie auf eine andere Weise zur�ckhalten konnte.</p><p>Da sich die Dinge so schnell und fast �berst�rzt entwickelt hatten, erwartete sie auch im Innern gro�e Ver�nderungen anzutreffen, aber alles war genauso, wie sie es zur�ckgelassen hatte. Selbst die Tr�mmer, �ber die sie hinwegsteigen mu�ten, lagen noch unver�ndert an Ort und Stelle. Elder winkte allerdings wortlos ab, als sie die Treppe zu Aires� Turmkammer in Angriff nehmen wollte, und deutete in den Gang, auf dem ihr eigenes Gemach lag.</p><p>Ihr Zimmer aber war nicht mehr ihr Zimmer. Ihr Bett, der Tisch und die St�hle standen noch an Ort und Stelle, aber alle anderen M�bel waren herausgeschafft worden. Kara fehlten die Worte, den Anblick zu beschreiben. Die W�nde waren mit Karten, Zeichnungen und Diagrammen �bers�t. Neben der T�r hing die Karte, die sie im <emphasis>Schlund</emphasis> gefunden hatten. Sie war eingeschaltet; der vergr��erte Ausschnitt zeigte einen Teil des Dschungels, etwa f�nfzig Meilen in n�rdlicher Richtung vom Drachenhort entfernt. Auf dem Bett, dem Tisch, den Fensterb�nken, den freien St�hlen und selbst auf dem Fu�boden- stapelten sich Papiere, B�cher, Folianten und Karten. Das Zimmer sah aus wie eine Mischung aus Bibliothek, Generalstabsraum und Rumpelkammer.</p><p>Als sie eintrat, erhob sich Aires von ihrem Platz, eilte ihr entgegen und schlo� sie mit unerwarteter Herzlichkeit in die Arme. Auch Hrhon kam auf sie zu, verzichtete aber zu Karas Erleichterung auf irgendwelche handgreiflichen Bekundungen seiner Wiedersehensfreude. Au�er Aires und dem Waga waren noch Cord, Storm und Donay anwesend, und au�erdem jemand, mit dem sie �berhaupt nicht gerechnet hatte: Maran. Alle sahen ehrlich erfreut aus, aber auch besorgt.</p><p>Nachdem Aires das �bliche Begr��ungszeremoniell abgehalten hatte, r�umte Cord einen Stuhl f�r sie, und Kara erz�hlte, was geschehen war, seit sie sich von Donay und Ian getrennt hatte. Sie blieb streng bei der Wahrheit. Nur zwei Dinge verschwieg sie: Thorns Bitte, ihr den Weg zur Bunkerstation unter der Stadt zu zeigen, und ihren Entschlu�, es zu tun.</p><p>�Du hast Tyrell mit ihm gehen lassen?� fragte Elder in einem Ton w�tenden Entsetzens. Als Kara nickte, f�gte er w�tend hinzu: �Dann wei� er jetzt alles, was er wissen wollte!�</p><p>�Er hat mir sein Wort gegeben, Tyrells Gedanken nicht zu lesen�, sagte Kara, �und ich glaube ihm. Und selbst wenn er gelogen hat � er kann nichts von Tyrell erfahren, was ihm nicht schon Tess verraten hat. Von dir wu�te er schon vorher.�</p><p>Elders Blick machte ihr klar, da� er ihr nicht glaubte. �Ich wei� nicht, woher, aber er wu�te, da� du noch am Leben bist.�</p><p>Sie sah ihn eine Sekunde lang nachdenklich an. �Ich habe eine viel gr��ere Angst, Elder. Bist du ganz sicher, da� sie dieses Rettungsboot, das dein Schiff abgesetzt hat, nicht doch abgefangen haben?�</p><p>�V�llig�, antwortete Elder hastig. �Ein DSRV, das einmal auf dem Weg ist, kann von nichts und niemandem aufgehalten werden. Die Dinger sind einfach zu schnell. Und zu klein.�</p><p>�Klein? Ich denke, es sind Rettungsboote?�</p><p>�Sie transportieren... keine vollst�ndigen K�rper�, antwortete Elder ausweichend.</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Warum fragst du?� wollte Elder wissen.</p><p>�Er f�hlte sich so sicher�, antwortete sie. �Als w��te er alles und h�tte alles fest in der Hand. Es w�re doch unangenehm, wenn wir morgen auf deine Freunde warten und sie k�men nicht.�</p><p>�Sie werden kommen�, versicherte Elder. �Das Schiff wird sp�testens gegen Mitternacht aus dem Pararaum kommen.�</p><p>�Dann ist es ja gut�, sagte Kara. <emphasis>Mitternacht.</emphasis> Thorn hatte versprochen, Tyrell noch vor Sonnenuntergang nach Schelfheim bringen zu lassen.</p><p>�Wo bist du so lange gewesen?� fragte Elder. �Wenn du nicht seine Gefangene warst?�</p><p>�Ich habe mit Thorn verhandelt�, antwortete Kara.</p><p> �Verhandelt?�</p><p>�Ich bin die Herrscherin vom Drachenhort�, sagte Kara mit einer ausholenden Geste. �Schon vergessen?�</p><p>Elder zog eine Grimasse und schwieg.</p><p>�Es gab eine Menge zu besprechen�, fuhr Kara fort. �Und wir sind l�ngst nicht fertig geworden. Ich denke, ich habe ihm einige Zugest�ndnisse abgerungen, die ihm gar nicht recht waren.�</p><p>�Aber... wozu denn, um alles in der Welt?� wunderte sich Elder.</p><p>�Vielleicht, damit er sich nicht fragt, wieso ich ihm zu leicht und in zu vielen Punkten entgegenkomme�, sagte Kara. �Und <emphasis>vielleicht auch,</emphasis> um einige von diesen Bedingungen sp�ter <emphasis>deinen</emphasis> Leuten vorzulegen.� Sie machte eine abwehrende Handbewegung. �Thorn war hier? Was wollte er?�</p><p>�Eine kleine Personality-Show abziehen�, knurrte Elder. �Im Grunde dasselbe, was er auch von dir wollte�, sagte Storm. Er machte seinem Namen heute keine Ehre. Er wirkte als einziger sehr ruhig, fast gel�st. �Er ist gekommen, um uns Frieden anzubieten. Unter der einzigen Bedingung, da� wir aufh�ren, uns in seine Angelegenheiten zu mischen. Und uns aus dem <emphasis>Schlund</emphasis> fernhalten.�</p><p>�Damit wir nicht sehen, was sie dort treiben�, grollte Donay.  �Ich <emphasis>habe</emphasis> es gesehen�, sagte Kara, aber Donay widersprach ihr mit einer unerwarteten Heftigkeit.</p><p>�Nein, das hast du nicht�, schnappte er. �Du hast gesehen, was sie mit einem <emphasis>kleinen Teil</emphasis> des <emphasis>Schlundes</emphasis> gemacht haben. Aber du hast nicht gesehen, was sie wirklich tun!� Seine Augen flammten vor Zorn.</p><p>�Und was tun sie deiner Meinung nach?�</p><p>�Sie t�ten euch�, sagte Elder an Donays Stelle.</p><p> �Wie?�</p><p>�Sie bringen uns um, Kara�, sagte Aires leise. �Frag Donay, wenn du Elder nicht glaubst. Er wird es dir best�tigen.�</p><p>Kara war verwirrt und erschrocken. Hatte sie sich doch get�uscht?</p><p>�Es stimmt�, sagte Donay. �Sie bringen uns mit ihrem verdammten Meer um.�</p><p>�Hast du Angst, da� wir ertrinken?� fragte Kara. Ihr Spott hatte keinen Bi�.</p><p>�Nein.� Donay blieb ernst. �Aber ersticken. Und nicht nur wir, Kara. Sie t�ten den Wald, verstehst du?�</p><p>�Nein�, antwortete Kara knapp.</p><p>�Bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis ich es kapiert habe�, gestand Donay. �Offen gestanden hat mich Elder darauf aufmerksam gemacht, obwohl es so klar war, da� ich im Grunde eine Tracht Pr�gel verdiene, weil ich es nicht sofort gesehen habe.�</p><p>�Mach es nicht so spannend�, sagte Kara.</p><p>�Hast du dich noch nie gefragt, woher die Luft kommt, die wir atmen? Unsere Welt ist eine einzige gro�e W�ste. Trotzdem haben wir frischen Sauerstoff, soviel wir nur wollen. Es ist der <emphasis>Schlund,</emphasis> der ihn produziert, Kara! Der riesige Wald, der vier F�nftel unserer Welt bedeckt. Jeder Baum, jedes einzelne Blatt ist eine kleine Sauerstoffabrik! Und sie sind gerade dabei, ihn zu vernichten.�</p><p>Kara atmete sichtbar auf. �Ich wei߫, sagte sie. �Thorn hat es mir erkl�rt. Das Meer wird diese Aufgabe �bernehmen.�</p><p>�Sicher�, sagte Elder b�se. �Fragt sich nur, wann. Dieses Wasser, das sie aus der Tiefe herauspumpen, und das andere, das sie auf chemischem Wege gewinnen oder aus dem Weltraum holen, ist <emphasis>steril.</emphasis> Sie werden es aktivieren, und es liegt genug Zeug herum, das verfaulen wird � aber es k�nnte gut sein, da� die Luft auf eurem h�bschen Planeten trotzdem f�r ein oder zwei Jahrzehnte ziemlich d�nn wird.�</p><p>�Soweit wird es nicht kommen�, sagte Kara. Sie stand auf und sah ihn durchdringend an. �Nicht wahr?�</p><p>�Nein�, antwortete er. �Das verspreche ich.�</p><p>�Wohin willst du?� fragte Aires, als sie sich zur T�r wandte. �Wir haben noch viel zu be...�</p><p>�Ich bin m�de�, unterbrach sie Kara. �Mir schwirrt der Kopf. Ich m�chte einfach... ein paar Augenblicke allein sein und nachdenken.�</p><p>�Das verstehe ich�, sagte die Magierin. �Aber uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Reicht dir eine Stunde?�</p><p>�Zwei�, sagte Kara laut. Aber ihre Finger signalisierten in der Zeichensprache: <emphasis>Eine. Hier. Ohne ihn.</emphasis> Sie hatte sich absichtlich so herumgedreht, da� Elder ihre H�nde nicht sehen konnte, und wenn die anderen ihre lautlose Botschaft �berhaupt registrierten, so beherrschten sie sich meisterhaft. In Aires� Augen las sie, da� sie die Botschaft verstanden hatte.</p><p>Gefolgt von Hrhon verlie� sie ihr Zimmer und �berquerte den Hof, um in die Drachenh�hle hinunterzugehen. Sie hatte Markor seit drei Tagen nicht mehr gesehen und hatte das unbestimmte Gef�hl, da� sie ihn bald f�r lange, lange Zeit nicht mehr sehen w�rde. In ihrer Welt, die in den letzten Tagen und Wochen immer schneller in St�cke zu brechen begonnen hatte, waren diese H�hlen mit ihren riesigen, gefl�gelten Bewohnern alles, was noch Bestand zu haben schien. Sie waren noch heute so wie sie schon vor einer Million Jahre gewesen waren, und sie w�rden auch in einer weiteren Million Jahre noch so sein, unver�ndert, unver�nderbar, gleichg�ltig, was sich Menschen oben auf der Oberfl�che des Planeten auch gegenseitig antaten. Seltsam � niemals zuvor war ihr so deutlich aufgefallen, da� die Drachen au�er dem Gef�hl von St�rke und Schutz auch eine ungeheure Ruhe ausstrahlten; jene Art von majest�tischer Gelassenheit, wie sie nur sehr gro�e und sehr alte Tiere zu vermitteln vermochten. Sie erreichte Markor, und als er wie so oft ihre N�he sp�rte und tr�ge den Kopf wandte, da glaubte sie f�r einen Moment eine Klugheit und G�te in seinen Augen zu erblicken, wie sie sie noch nie zuvor darin gesehen hatte. Aber der Moment verging zu schnell.</p><p><emphasis>Es w�re m�glich,</emphasis> dachte sie. Was er damals im <emphasis>Schlund</emphasis> gezeigt hatte, als er die anderen Drachen bei ihrer verwegenen Rettungsaktion vom Gipfel des Drachenfelsens anf�hrte, das war schon eine erstaunliche Intelligenzleistung. Auf der anderen Seite beherrschte jedes Zirkuspferd mehr Kunstst�cke. Und Markor war zwar nicht dressiert, aber er war alt, und er war zweifellos sehr klug. Trotzdem... es w�re m�glich.</p><p><emphasis>�Was</emphasis> w�re m�glich?� fragte Elders Stimme hinter ihr. Kara hatte nicht bemerkt, da� er ihr gefolgt war. Sie sah sich nach dem Waga um und bemerkte, da� er gute f�nfzig Schritte hinter ihr stehengeblieben war. Nat�rlich. Er hatte Angst vor Markor. Ein fl�chtiges L�cheln stahl sich auf Karas Gesicht. Es gab ein Geheimnis zwischen ihnen, das nur sie und Hrhon kannten. Angella und Tally hatten es gewu�t, aber die waren beide tot. Das Geheimnis war, da� der Waga im Grunde seines Herzens ein Feigling war.</p><p>�Was k�nnte m�glich sein?� fragte Elder noch einmal, als sie nicht sofort antwortete.</p><p>Kara winkte ab. �Nichts. Ein dummer Gedanke.� Sie l�chelte. �Ich habe f�r einen Moment gedacht, was f�r ein k�stlicher Witz des Schicksals es doch w�re, wenn wir am Ende herausfinden w�rden, da� gar nicht wir, sondern die Drachen die wahren Herrscher dieser Welt sind. Wir denken, <emphasis>wir</emphasis> w�rden <emphasis>sie</emphasis> benutzen, aber wer sagt uns denn, da� es nicht genau umgekehrt ist?�</p><p>�Du hast recht�, sagte Elder. �Es war ein dummer Gedanke.�</p><p>�Sicher�, stimmte ihm Kara zu. �Aber was wissen wir schon wirklich �ber unsere Vergangenheit? Wir reden unentwegt von der Alten Welt, und wir tun so, als w�ren ihre Bewohner G�tter gewesen. Und in Wahrheit wissen wir nicht einmal, wie sie ausgesehen haben.�</p><p>F�r einen ganz kleinen Moment glaubte sie, etwas wie Mi�trauen in seinen Augen aufblitzen zu sehen. �Auf jeden Fall waren sie keine hundertf�nfzig Meter gro� und hatten Fl�gel�, sagte er. Er rang sich zu einem L�cheln durch. �wei�t du was? Wenn das alles hier vorbei ist, dann werden wir gemeinsam eure Vergangenheit erforschen.�</p><p>Kara antwortete nicht, sondern sah ihn nur ernst an, dann wandte sie sich um und blickte zu Hrhon hin�ber.</p><p>�Was hast du?� fragte Elder. �Ich sp�re doch, da� etwas mit dir nicht stimmt.�</p><p>�Deine Begr��ung war ein wenig frostig�, sagte Kara. �Findest du nicht?�</p><p>�Ja�, gestand Elder. �Du hast recht. Es tut mir leid, und ich entschuldige mich daf�r. Aber was hast du erwartet? Du verschwindest, ohne mir auch nur zu sagen, wohin und weshalb, und am Tag danach taucht dieser Thorn hier auf und scheint so ziemlich alles �ber mich zu wissen, was es nur zu wissen gibt.�</p><p>�Und da hast du nat�rlich angenommen, ich h�tte dich verraten.�</p><p>�Ich habe angenommen, er h�tte alles von dir erfahren�, antwortete Elder. �Thorn ist nicht auf Verrat angewiesen, um herauszubekommen, was er will.�</p><p>�Aber er hat es nicht�, sagte Kara. �Ich kann dich beruhigen. Ich war nicht einmal in der N�he eines Ger�tes, das mehr als zwei Kn�pfe hat. Sie haben meine Verletzungen versorgt und mir zu essen gegeben, das war alles. Er ist ein gro�z�giger Mann, der seine Versprechen h�lt.�</p><p>Elder runzelte die Stirn und begann langsam wieder auf den Ausgang zuzugehen. Kara folgte ihm.</p><p>�Das klingt nicht nach dem Thorn, von dem ich geh�rt habe�, sagte er.</p><p>�Er sagte, er w�re durchaus in der Position, sich Gro�mut leisten zu k�nnen.�</p><p>Elder lachte. �Das klingt schon eher nach ihm. Wei�t du, warum er mir den Helikopter hiergelassen hat? Damit ich zu ihm kommen kann, wenn ich es mir doch noch anders �berlege. Aber ich kann ihn gut gebrauchen. Ich werde damit zu dem Ort fliegen, an dem unser Schiff landet.�</p><p>�Das wirst du nicht�, antwortete Kara. �Ich bringe dich hin. Oder glaubst du, ich lasse mir die Gelegenheit entgehen, ein richtiges Sternenschiff zu sehen?�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>�Donay hat einen passenden Landeplatz gefunden?�</p><p>�Eine Stelle im Dschungel, nicht weit von hier�, best�tigte Elder. �Die Zerst�rungen werden sich dort in Grenzen halten.�</p><p>�Zerst�rungen?� Kara blieb stehen.</p><p>�Das Landungsboot ist gro߫, sagte Elder. �Nicht ann�hernd so gro� wie Thorns Drohne, aber viel zu gro�, um hier landen zu k�nnen. Selbst wenn es mit ausgeschalteten Schutzschilden landet, d�rften ein paar �ste geknickt werden.�</p><p>Sie gingen weiter, wobei Kara sorgsam darauf achtete, da� sie immer einen gewissen Abstand zu Hrhon hielten. Was Elder ebenso auffiel wie die sonderbaren Blicke, die Kara dem Waga immer wieder zuwarf. �Was ist mit ihm?� fragte er schlie�lich. �Mit Hrhon? Nichts.� Kara sch�ttelte den Kopf. Leiser sprach sie weiter. �Ich frage mich, wie lange es ihn noch geben wird. Und andere wie ihn.�</p><p>�Was... meinst du damit?� fragte Elder alarmiert?</p><p>�Ich meine damit�, antwortete Kara betont, �da� mir wieder eingefallen ist, wie alles angefangen hat, Elder. Wie wir uns kennengelernt haben, damals in Schelfheim. Sei ganz ehrlich: die Idee, die Stadt nur noch f�r Menschen zu reservieren und nach und nach alle anderen Wesen hinauszudr�ngen, von wem stammt sie? Wirklich von Gendik? Oder von Karoll und dir?�</p><p>�Karoll wu�te so wenig, wer ich wirklich bin, wie ich wu�te, wer er wirklich ist�, antwortete Elder.</p><p>�Das ist keine Antwort auf meine Frage.� Sie mu�te sich �berwinden, um weiterzureden. �Ich habe lange mit Thorn gesprochen, Elder. Nicht nur �ber uns. Auch �ber euch. �ber eure Art, dort drau�en auf all diesen Welten zu leben und sie zu beherrschen. Es ist eure Art, nicht wahr? Ihr duldet keine anderen V�lker neben euch.�</p><p>�Wir achten streng darauf, da� unsere Gattung rein bleibt�, best�tigte Elder. �Aber das mu�t du verstehen. Es gibt Hunderte von denkenden Spezies in der Galaxis. Die Natur hat Vorsorge getroffen, da� sich die V�lker nicht ohne weiteres vermischen, aber manchmal geht es eben doch, vor allem, wenn man ein wenig nachhilft. Du glaubst ja gar nicht, zu was f�r Torheiten die Menschen in der Lage sind, wenn man sie gew�hren l��t. Wir m�ssen es tun, um zu �berleben. T�ten wir es nicht, dann g�be es unsere Spezies in f�nfzig- oder hunderttausend Jahren nicht mehr. Euch wird nichts geschehen�, f�gte er nach einer Weile hinzu. �Menschliches Leben ist uns heilig, glaube mir. Wenn du der Unsterblichkeit so nahe bist wie wir, dann gibt es kein kostbareres Gut mehr als das Leben.�</p><p>�Und deshalb rottet ihr jedes Volk aus, das nicht <emphasis>rein</emphasis> ist, wie?�</p><p>�Unsinn! � widersprach Elder.</p><p>�Wir rotten niemanden aus. Wir helfen ihnen nur nicht, sich st�rker zu vermehren.�</p><p>�Oder ihr helft ihnen, sich etwas weniger stark zu vermehren, nicht wahr? O nein, ihr bringt niemanden um! Ihr sorgt nur daf�r, da� sie von selbst verschwinden. So wie die Menschen in dieser Stadt im Westen, in der pl�tzlich keine Kinder mehr geboren werden. Mord ist das sicher nicht! Wie nennt ihr es? Euthanasie?�</p><p>�Bitte, Kara!� Elder klang gequ�lt. �Ich wei�, es klingt brutal und grausam, aber die Natur <emphasis>ist</emphasis> nun einmal grausam. Wir m�ssen so handeln, um als Volk zu �berleben.�</p><p>�Sicher�, murmelte Kara. �Und was ist mit uns? Werdet ihr uns auch helfen, ganz langsam und schmerzlos <emphasis>einzuschlafen?�</emphasis></p><p>�Bei euch ist das etwas anderes�, widersprach Elder. �Ihr seid uns so �hnlich, da� allerh�chstens ein Biologe den Unterschied feststellen k�nnte.�</p><p>�Was f�r ein Zufall�, sagte Kara.</p><p>�Nicht unbedingt�, erwiderte Elder. �Es gibt eine Theorie, nach der alles Leben im Universum auf den gleichen Ursprung zur�ckgeht. Es gibt sehr viele Welten mit humanoiden Ureinwohnern. Ohne den Atomkrieg, in dem sich eure Vorfahren gegenseitig vernichtet haben, g�be es wahrscheinlich auch auf diesem Planeten nur Menschen.�</p><p>Er log nicht sehr �berzeugend.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter kehrte sie zu Aires und den anderen zur�ck. Sie hatte sich unter dem Vorwand, m�de zu sein von Elder verabschiedet und Hrhon eingesch�rft, ihr ihn f�r eine Stunde vom Hals zu halten.</p><p>Mit Ausnahme Marans sa�en alle noch auf ihren Pl�tzen.</p><p>Ihre Zeit war zu kostbar. �Was wollte Maran hier?� begann Kara �bergangslos.</p><p>Aires und Donay tauschten einen raschen Blick, der Kara nicht entging. �Nichts�, antwortete Aires. �Er hat mich gebeten, ihm wieder einen Drachen zu geben.� Donay sah weg. Die beiden verheimlichten ihr etwas.</p><p>�Wirst du es tun?�</p><p>�Ich denke, ja�, antwortete Aires. �Er hat einen Fehler gemacht, aber er ist ein guter Mann. Und nach Thorns Angriff haben wir weitaus mehr Tiere als Reiter.�</p><p>Kara stimmte ihr in Gedanken zu und erkl�rte das Thema f�r beendet. Sie wandte sich an Donay. �Konntest du mit den Tieren, die du aus dem Wrack geholt hast, etwas anfangen?�</p><p>Donay sah sie verwirrt an. �Ja. Aber... ich brauche noch Zeit. Einen Monat, zwei...�</p><p>�Die hast du nicht�, sagte Kara. �Kannst du etwas improvisieren, mit dem wir die Libellen angreifen k�nnen? Bis heute abend?�</p><p>�Heute abend?�</p><p>�Sp�testens morgen fr�h�, best�tigte Kara. Sie wandte sich an Cord. �Und von dir brauche ich deine zehn besten M�nner. Freiwillige. Sage ihnen, da� ihre Chancen, den Einsatz zu �berleben, gleich Null sind.�</p><p>Aires, die die ganze Zeit �ber noch nichts gesagt hatte, hob ihre Hand. Kara drehte den Kopf in ihre Richtung. �Ja?�</p><p>�Nicht, da� ich deine Autorit�t oder die Weisheit deiner Entscheidungen anzweifeln m�chte�, sagte sie mit sanftem Spott. �Aber w�rdest du uns vielleicht verraten, was du �berhaupt vorhast?�</p><p>�Gern�, antwortete Kara. �Das, was wir schon vom ersten Moment an h�tten tun sollen. Wir werden anfangen, uns zu wehren. Und zwar so, da� es ihnen <emphasis>wirklich</emphasis> weh tut.�</p><p>�Nichts dagegen�, sagte Storm. �Aber woher kommt dieser pl�tzliche Stimmungswechse1?�</p><p>Kara sah ihn wortlos an, dann griff sie unter die Jacke und f�rderte ein zusammengelegtes Blatt Papier zutage. Sie faltete es auseinander, sch�ttelte aber den Kopf, als Aires danach greifen wollte, und legte es mit der beschriebenen Seite nach unten auf den Tisch.</p><p>�Ich sagte euch, ich habe mit Thorn gesprochen�, sagte sie. �Er hat mir eine Menge interessanter Dinge erz�hlt. Aber ich habe nicht nur mit ihm geredet. Wir haben ein Abkommen getroffen. Einen Vertrag.�</p><p>�Ein Vertrag?� sagte Aires �berrascht. Mit einer Kopfbewegung deutete sie auf das Blatt. �Ist das der Vertrag?�</p><p>Kara sch�ttelte den Kopf. Ohne Aires� bohrende Blicke zu beachten, wandte sie sich an Donay. �Ich nehme an, dein Erinnerer hat die Inschrift auf dieser T�r noch nicht entschl�sselt?�</p><p>�Nein�, sagte Donay. �Es ist wie verhext. Es gibt in keinem unserer B�cher etwas, das dieser Schrift �hnlich sieht.�</p><p>�Das h�tte mich auch gewundert�, sagte Kara. �Es ist eine Schrift, die auf dieser Welt nicht verwendet wurde. Und sie ist auch nicht f�r uns bestimmt.� Sie schob Donay das Blatt �ber den Tisch hinweg zu. �Hier ist die �bersetzung. Lies sie laut vor.�</p><p>Donay griff z�gernd nach dem Blatt, drehte es herum und warf einen �berraschten Blick auf die kleinen, gleichm��igen Buchstaben in Karas Handschrift. Dann begann er mit leiser, vor Erregung und vor Entsetzen zitternder Stimme zu lesen.</p></section><section><title><p>54</p></title><p>Der Krieg der G�tter begann eine Stunde nach Mitternacht und dauerte bis zum Sonnenaufgang. Und obwohl er den Tod �ber Tausende von Menschen brachte und vielleicht sogar den Untergang dieser Welt einl�utete, war es der mit Abstand phantastischste � und sch�nste! � Anblick, den sie jemals im Leben gesehen hatte.</p><p>Es begann mit einem Hauch von Violett und Orange, der sich �ber die westliche H�lfte des Nachthimmels ausbreitete wie leuchtender Bl�tenstaub, den eine Armee von Elfen �ber den Himmel gestreut hatte, und es folgte eine wahre Orgie von Farben, die alles Vorstellbare �bertrafen; Farben und Lichter, wie sie noch keines Menschen Auge auf dieser Welt erblickt hatte. Und es wurde heller und heller, je weiter die Nacht fortschritt. Es war, als h�tte der Himmel Feuer gefangen, ein kaltes, tausendfarbenes Feuer, das die Welt in ein Kaleidoskop niemals gesehener Schatten und Bewegungen verwandelte.</p><p>Sie waren auf den Turm hinaufgestiegen, um das Schauspiel zu bewundern. Wer hier auf den Mauern keinen Platz mehr gefunden hatte, der stand unten auf dem Hof und hatte das Gesicht dem Himmel zugewandt.</p><p>�Was ist das?� fl�sterte Kara, die neben Elder stand. In ihrer Stimme klang Ehrfurcht durch.</p><p>�Sie k�mpfen�, sagte Elder. �Ihr Schiff und unser Schiff.�</p><p>�Sie... k�mpfen?�</p><p>Elder nickte. �Was du siehst, ist die Energie, die von den Schutzschilden reflektiert wird.�</p><p>Kara schauderte innerlich. Wie konnte etwas so Entsetzliches nur so <emphasis>sch�n</emphasis> sein? �Aber es ist so... so gro߫, murmelte sie. �Die Schiffe sind sehr gro߫, best�tigte Elder. �Aber keine Angst. Das PACK-Schiff ist mehr als eine Million Meilen entfernt. Niemandem hier wird etwas geschehen.�</p><p>�Und wenn sie... gewinnen?� fragte Kara. Sie sah Elder an. �Ich meine, wenn sie euer Schiff vernichten? Werden sie uns dann nicht alle t�ten?�</p><p>�Keine Angst�, sagte Elder lachend. �Ich bin sicher, da� der Angriff sie v�llig �berrascht hat. Der Bordcomputer hat die Schutzschilde hochgefahren und ein automatisches Defensivprogramm eingeleitet, aber das wird ihnen nicht mehr viel nutzen. Sie h�tten eine Woche gebraucht, um die Besatzung aus den Tiefschlafkammern zu holen und das Schiff wirklich gefechtsklar zu machen. Nein.� Er sch�ttelte entschieden den Kopf. �In ein paar Stunden ist der ganze Spuk vorbei.�</p><p>�Hoffen wir, da� hier nicht auch alles vorbei ist�, sagte Aires. �Wenn dein Freund Thorn nicht zuf�llig blind ist, dann wei� er so gut wie du, was das da oben zu bedeuten hat. Er k�nnte auf gewisse Rachegedanken kommen.� Sie wandte sich um und warf einen nerv�sen Blick in den Hof hinab. �Das geht alles nicht schnell genug.� Hinter den Klippen im Osten erhob sich ein weiterer Schwarm gewaltiger Schatten und glitt in die Nacht �ber dem <emphasis>Schlund</emphasis> hinaus.</p><p>Elder runzelte die Stirn. �Du hetzt deine Leute v�llig umsonst herum, Aires. Thorn w�rde es nicht wagen, den Hort anzugreifen, nur um sich zu r�chen. Er wei�, da� er dann ebenfalls sterben w�rde. Und alle seine M�nner mit ihm. Au�erdem <emphasis>wollte</emphasis> er es tun, so bliebe von hier bis Schelfheim kein Stein mehr auf dem anderen. Ihre Flucht w�re sinnlos.�</p><p>Aires sch�ttelte den Kopf. �Es bleibt dabei: Der Hort wird evakuiert.�</p><p>Elder seufzte. Dann jedoch machte er eine einladende Geste zu Aires und Kara, ihm zu folgen, und drehte sich herum. �Vielleicht habt ihr nicht einmal so unrecht�, sagte er. �Ich werde zur Sicherheit mit ihm sprechen. Verzweifelte Menschen tun manchmal verzweifelte Dinge. Und ich an seiner Stelle w�re verzweifelt, wenn man mir gerade einen ganzen Planeten weggenommen h�tte. Kommt mit.�</p><p>Sie verlie�en den Turm und das Geb�ude und gingen zu der Libelle, die neben dem Tor abgestellt war. Elder setzte sich in den Sessel des Piloten, beugte sich vor und ber�hrte ein paar Tasten auf dem Instrumentenpult. Einige Sekunden vergingen, dann leuchtete inmitten des Instrumentenwirrwarrs ein handgro�er, rechteckiger Bildschirm auf. Thorns Gesicht erschien farbig und tief auf dem winzigen Monitor.</p><p>Offensichtlich konnte er Elder ebenso deutlich sehen, denn sein Gesicht verfinsterte sich vor Zorn. Allerdings wirkte er �berhaupt nicht �berrascht. Er hatte wohl mit Elders Anruf gerechnet.</p><p>�Elder. Ich habe mich schon gefragt, wann du dich meldest.�</p><p>�Oh, bitte, entschuldige�, sagte Elder sp�ttisch. �Ich wollte dich nicht warten lassen. Aber ich hoffe, dir ist nicht allzu langweilig geworden. Immerhin habe ich mir alle M�he gegeben, dir ein wenig Unterhaltung zu bieten. Gef�llt dir das Feuerwerk?�</p><p>Thorns Augen wurden schmal. �Was willst du, Elder? Dich �ber mich lustig machen? Du hast gewonnen. Was willst du mehr?�</p><p>�Im Moment reicht mir dieses Eingest�ndnis schon�, antwortete Elder. �Ich hoffe, du meinst auch, was du sagst. Ich halte dich f�r einen klugen Mann, Thorn. Solltest du aber im Moment rein zuf�llig die Finger auf irgendwelchen Kn�pfen haben, dann ziehe sie lieber schnell wieder zur�ck. Ehe du am Ende noch etwas �bereilst.�</p><p>�Du bringst mich in Verwirrung�, sagte Thorn. �Was h�tte ich schon zu verlieren?�</p><p>�Dein Leben�, antwortete Elder. �Und das all deiner M�nner. Die Hybrid-Laser meines Schiffes sind auf deine Drohne gerichtet.�</p><p>�Welche �berraschung�, sagte Thorn. �Und was soll ich jetzt tun? Auf H�nden und Knien zu dir und deinen Mutantenfreunden gekrochen kommen?�</p><p>�Es reicht, wenn du gar nichts tust�, antwortete Elder. �Sobald diese unangenehme Sache im Orbit erledigt ist, kommen wir zu euch. Ich garantiere jedem deiner M�nner, den ich bei Sonnenaufgang an Bord der Drohne antreffe, freies Geleit.�</p><p>�Wie �beraus gro�m�tig�, knurrte Thorn. Man sah ihm an, wie schwer es ihm fiel, die Ruhe zu bewahren. �Aber ich sch�tze, die Alternative dazu, dein Angebot anzunehmen, w�re ziemlich unerfreulich.�</p><p>��beraus unerfreulich�, best�tigte Elder.</p><p>Thorn starrte ihn an, dann erschien pl�tzlich ein neuer Ausdruck auf seinem Gesicht. Er legte den Kopf schr�g. �Steht da Kara hinter dir?�</p><p>Elder nickte und trat wortlos ein St�ck zur Seite.</p><p>Thorns Augen verengten sich vor Ha�. �Kara, ich nehme an, du hast das alles gewu�t, w�hrend du zwei Tage lang wie ein Marktweib mit mir gefeilscht hast?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, antwortete Kara.</p><p>�Mein Kompliment�, sagte Thorn. �Bisher ist es noch niemandem gelungen, mich so hereinzulegen.�</p><p>�Vielleicht warst du doch nicht in der Lage, dir soviel Gro�mut leisten zu k�nnen, wie du dachtest�, sagte Kara. �Das n�chste Mal solltest du vorsichtiger sein.�</p><p>�Das n�chste Mal?� Thorn lachte bitter. �Es wird kein n�chstes Mal geben, Kara. Einem Mann, der nicht nur sein Schiff, sondern einen ganzen Planeten verliert, gibt man bei uns keine zweite Chance.� Er l�chelte gequ�lt und blickte Elder an. �Kannst du dir vorstellen, da� es in deiner Company noch einen Job f�r einen arbeitslosen Expeditionsleiter gibt?�</p><p>Elder lachte leise. �Wir reden dar�ber�, sagte er. �Bei Sonnenaufgang.� Er lachte noch einmal, schaltete ab und schwang sich mit einer kraftvollen Bewegung aus der Kanzel des Helikopters heraus. Noch immer lachend, wandte er sich an Aires. �Ich hoffe, du bist jetzt zufrieden�, sagte er. �Er wird euch nicht angreifen. Du kannst deinen Leuten die M�he sparen.�</p><p>Aires schien immer noch nicht restlos �berzeugt <emphasis>zu</emphasis> sein, aber dann drehte sie sich doch mit einem Ruck zu Hrhon um, der ihnen gefolgt war, und machte eine knappe Handbewegung. �Geh hinunter�, sagte sie. �Die Drachen, die noch nicht abgeflogen sind, sollen hierbleiben.�</p><p>Der Waga watschelte davon, und auch Elder wandte sich zum Gehen, hielt aber inne, als er sah, da� Kara sich nicht von der Stelle r�hrte, sondern mit leerem Blick den erloschenen Bildschirm anstarrte. �Was hast du?� fragte er.</p><p>Kara blickte ihn m�de an. Und so leer wie ihr Blick war auch ihre Stimme, als sie schlie�lich antwortete. �Ich �berlege nur, wie verr�ckt das Schicksal doch manchmal ist, Elder. Ich habe geschworen, dieses Land und seine Menschen zu sch�tzen, und sei es unter Einsatz meines Lebens. Und jetzt ist der einzige Weg, dieses Versprechen einzuhalten, mit einem Mann zusammenzuarbeiten, von dem ich immer noch nicht sicher bin, ob er mein Freund ist oder nicht.�</p><p>Ein Hauch von Trauer erschien in Elders Augen und lie� sie noch dunkler erscheinen. �Es tut mir leid, wenn du das so siehst�, sagte er. �Aber ich kann dich beinahe verstehen.�</p><p>�Ja�, sagte Kara. Dann richtete sie sich mit einer heftigen Bewegung auf und zwang ein L�cheln auf ihre Z�ge. �Es wird Zeit�, sagte sie. �Wenn wir bis Sonnenaufgang am Landeplatz deines Schiffes sein wollen, sollten wir allm�hlich aufbrechen.�</p></section><section><title><p>55</p></title><p>Es war, als w�re ein St�ck aus dem Himmel gebrochen, das sich nun langsam der Erde entgegensenkte. Elder hatte ihr das Schiff als gro� beschrieben, aber nicht <emphasis>so</emphasis> gro�, und Kara hatte es sich bizarr und fremdartig vorgestellt, aber nicht <emphasis>so</emphasis> bizarr und <emphasis>so</emphasis> fremdartig. Karas <emphasis>Sprache</emphasis> reichte nicht mehr aus, dieses f�rchterliche, entsetzliche, sch�ne Etwas zu beschreiben, das sich heulend und tobend von den Sternen auf die Welt herabsenkte. Zuerst war es nichts als ein Schatten vor dem Grau der D�mmerung gewesen, auf dem bunte Lichter glommen und flackerten, ein Ding ohne fest erkennbare Umrisse, aber von unvorstellbarer Gr��e, und dann war es gewachsen und gewachsen, und es wuchs immer noch weiter, obwohl es den Boden noch l�ngst nicht erreicht hatte. Die Sonne war aufgegangen, aber �ber dem flachen See, den Donay als Landeplatz ausgesucht hatte, war die Nacht nach wenigen Augenblicken zur�ckgekehrt. Der meilenlange Schatten des landenden Ungeheuers verdunkelte die Sonne.</p><p>�Nun?� fragte Elder. �Habe ich zuviel versprochen?� Er mu�te schreien, um den L�rm des niedergehenden Berges aus Stahl und Glas zu �bert�nen, aber seine Augen strahlten vor Stolz.</p><p>Kara ersparte sich eine Antwort, aber Donay br�llte: �Es ist phantastisch! �</p><p>Elder nickte mehrmals, dann raffte er mit der Linken die Aufschl�ge seiner Jacke zusammen, zog den Kopf zwischen die Schultern und drehte sich wieder zu dem landenden Schiff um. Es hatte mittlerweile fast die H�he der Baumwipfel erreicht. Die Lichtung reichte kaum aus, es aufzunehmen, und sie war beinahe eine Meile lang!</p><p>Als das Schiff die Baumwipfel passierte, h�rte Kara ein entferntes Knistern und Prasseln, das immer lauter und lauter wurde und sich binnen Sekunden zu einem ungeheuerlichen Bersten und Splittern steigerte. Elder hatte sie darauf vorbereitet, aber sie hatte es sich nicht <emphasis>so</emphasis> schlimm vorgestellt. Der Wald schrie unter dem Schmerz, der ihm zugef�gt wurde, aber das Heulen des Schiffes �bert�nte selbst die Stimme der gepeinigten Natur mit Leichtigkeit.</p><p>Kara sp�rte, wie der Baum unter ihnen zu zittern begann. Die Libelle, die sicher auf einer gewaltigen Astgabel niedergegangen war, schwankte, und Hrhon griff hastig nach einem Ast und klammerte sich daran fest.</p><p>Kara w�re sehr viel wohler gewesen, h�tte sie festen Boden unter den F��en gehabt. Aber in den dunklen Tiefen des Waldes, in die sich der Bauch des Schiffes jetzt weiter und weiter hinabsenkte, herrschte immer noch G�a.</p><p>Eine Wand aus Stahl begann vor ihnen nach unten zu gleiten. Fenster und torgro�e, hell erleuchtete �ffnungen zogen an ihnen vorbei, buckelige Gebilde aus rostfarbenem Metall und bizarre Gew�chse aus buntem Glas. Es war eine ganze Welt aus Metall und Licht, die sich vor ihnen in den <emphasis>Schlund</emphasis> hinabsenkte. Dampf zischte zu ihnen empor, als der Bauch des st�hlernen Wals in den flachen See eintauchte, der den Grund der Lichtung bedeckte, und Kara fuhr wie unter einem heftigen Schmerz zusammen. Sie wu�te, da� G�a in diesem Moment starb. Elder hatte es nicht gesagt, aber er wu�te zu gut um die Gef�hrlichkeit dieses ungeheuerlichen Lebewesens, um es in der N�he seines Schiffes zu dulden. Und sie konnte es <emphasis>sp�ren,</emphasis> wie einen lautlosen Todesschrei, der in ihren Gedanken widerhallte. Eine Bewegung �ber ihnen lie� sie aufblicken. F�r einen winzigen Moment glaubte sie einen riesigen Schatten zu erkennen, der sich zwischen den Bl�ttern bewegte, aber der Schatten verschwand, ehe sie ihn genauer erkennen konnte.</p><p>Elder sah sie fragend an.</p><p>�Nichts�, sagte Kara. �Ich dachte, ich h�tte etwas gesehen. Aber ich habe mich get�uscht.�</p><p>�Keine Angst�, sagte Elder beinahe fr�hlich. �Es gibt auf dieser Welt nichts, was diesem Schiff gef�hrlich werden kann.�</p><p>Kara zog es vor, nicht darauf zu antworten, sondern beugte sich behutsam vor und sah auf das Schiff hinab, das unter ihnen lag. Im ersten Moment konnte sie kaum etwas erkennen;</p><p>Dampf, Staub und Millionen von abgerissenen Bl�ttern h�llten den st�hlernen Kolo� ein. Zum ersten Mal erblickte sie Elders Sternenschiff � das <emphasis>Beiboot! �</emphasis> in seiner ganzen Gr��e. �Phantastisch, nicht?� fragte Elder noch einmal. Er sah zu Donay auf. �Die Lichtung pa�t, als w�re sie daf�r gemacht worden. Eine gute Wahl. Mein Kompliment.�</p><p>�Ihsss fhindhe esss h�ssslihihsss�, sagte Hrhon. �Nhihssst fhahntahssstisss. Ehsss mhacht mhir Ahnghssst.�</p><p>Elder grinste. Seine Euphorie schien durch nichts zu ersch�ttern zu sein. �Das soll es auch, Fischgesicht�, sagte er fr�hlich. �Es ist ein Kriegsschiff. Waffen m�ssen nicht sch�n sein.� Er lachte, griff in die Tasche und zog ein rechteckiges Ger�t hervor, das so aussah, als w�re es aus verschiedenen, nicht ganz zueinander passenden Einzelteilen zusammengebastelt worden, aber es funktionierte immerhin.</p><p>�Commander Elder an XANADU 01�, sagte er. �K�nnt ihr uns sehen?�</p><p>Aus dem Ger�t drang ein halblautes Knistern, dann eine verzerrte Stimme. �Klar und deutlich, Commander. Was ist das f�r ein... Ding da, neben Ihnen?�</p><p>Elder warf einen fl�chtigen Blick auf Hrhon, dann antwortete er. �Ein Eingeborener. Er wird mit an Bord kommen. Ich brauche eine � nein�, verbesserte er sich nach einem neuerlichen Blick auf den Waga, � � besser zwei Transportmaschinen.�</p><p>�Sofort, Commander.�</p><p>Elder schaltete das Ger�t ab, schenkte Hrhon einen entschuldigenden Blick und wandte sich dann an Kara. �Wir haben es geschafft, Kara�, sagte er. �Noch ein paar Minuten, und ich kann dir endlich auch einmal etwas von <emphasis>meiner</emphasis> Welt zeigen. Nicht nur ihre Waffen.�</p><p>Kara nickte wortlos. Wieder sah sie in den Himmel hinauf. Er war wieder leer, ein ganz normaler Morgenhimmel mit einem letzten roten Hauch der D�mmerung. Mittlerweile hatte das Farbgewitter am Himmel nachgelassen. Die Regenbogenblitze waren nicht mehr so h�ufig aufgeflammt und schlie�lich ganz erloschen � aber <emphasis>wirklich</emphasis> aufgeh�rt hatte es mit einem ungeheuer grellen, wei�en Flackern hinter dem n�rdlichen Horizont. Sie alle hatten gewu�t, was es bedeutete. Nur Elder hatte so getan, als h�tte er es nicht bemerkt.</p><p>�Hast du Angst?� fragte Elder pl�tzlich.</p><p>�Ja�, sagte Kara und zuckte mit den Schultern. �Ich glaube schon, aber nicht so wie � �</p><p>�Ich verstehe schon, was du meinst.� Er l�chelte, dann ma� er Donay, Cord und vor allem Hrhon mit einem langen Blick und wandte sich schlie�lich wieder dem gelandeten Schiff zu. Kara h�tte gern noch mehr Begleiter mitgenommen, aber Elder hatte sich strikt geweigert. Schon diese drei waren eigentlich mehr, als ihm recht war.</p><p>Karas Blick l�ste sich vom Rumpf des Schiffes und glitt �ber den Waldrand. Er lag wie ausgestorben da. Nichts r�hrte sich. Das metallene Ungeheuer von den Sternen hatte alles tierische Leben in weitem Umkreis vertrieben.</p><p>�Sie kommen!� sagte Elder.</p><p>In der Flanke des Schiffes hatte sich eine Luke ge�ffnet, die auf den ersten Blick winzig aussah, aber dann erschienen zwei Libellen, und sie erkannte, wie gro� sie wirklich war. Die Maschinen schwangen sich in einem gewagten Flugman�ver in die H�he und n�herten sich dann der Astgabel, auf der Elder und die anderen warteten. Sie waren gr��er als Thorns Libellen und wirkten zugleich plumper, aber auch aggressiver. Kara hatte solche Maschinen schon gesehen. F�r ein paar Sekunden, auf dem zweiten Drachenfels, bevor Markor sie verbrannt hatte.</p><p>Donay und Cord bestiegen die erste Maschine, w�hrend Hrhon allein im Passagierraum der zweiten Platz nahm. Kara wollte ihm folgen, aber Elder winkte ab und bedeutete ihr, neben ihm im Cockpit der erbeuteten PACK-Libelle Platz zu nehmen. Nat�rlich w�rde er ein so wertvolles Beutest�ck nicht einfach zur�cklassen.</p><p>�Endlich!� seufzte Elder, w�hrend er die Kanzel schlo� und den Motor startete. �Ich dachte schon, es ginge nie zu Ende.�</p><p>Er warf Kara einen ungeduldigen Blick zu, denn sie setzte sich sehr umst�ndlich hin und brauchte eine ganze Weile, um in eine auch nur halbwegs bequeme Position zu rutschen. Sie trug etwas unter ihrem Mantel, von dem sie auf keinen Fall wollte, da� Elder es bemerkte. Schlie�lich gab sie auf und blieb, sich am Boden der Libelle abst�tzend, sitzen. Unbequem, aber f�r die wenigen Augenblicke w�rde es gehen. Elders Stirnrunzeln vertiefte sich.</p><p>�Worauf freust du dich am meisten?� fragte sie rasch, ehe Elder seine Verwirrung in Worte kleiden konnte.</p><p>Elder lachte. �Du wirst es nicht glauben�, sagte er. �Auf zwei Dinge: eine Zigarette und eine richtige Toilette mit Wassersp�lung.�</p><p>Kara blickte verwirrt. Elder lachte wieder, dann lie� er den Helikopter mit einem Ruck zur Seite springen. Kara wurde in den Sitz geworfen und hielt vor Schreck den Atem an, als sie sp�rte, wie eines der kleinen Gl�ser gegen ihren Oberschenkel gepre�t wurde.</p><p>Die Libelle flog eine enge Schleife und st�rzte dann auf das Schiff herab. Der Spalt in seiner Flanke wurde gr��er und war pl�tzlich ein gewaltiges Tor, das in eine ebenso gewaltige Halle f�hrte. Sie war nicht ganz so gro� wie die Halle in Thorns Drohne, bot aber immer noch Platz f�r zwanzig der riesigen Flugmaschinen � und f�r ein Empfangskomitee, das aus mindestens zw�lf oder f�nfzehn M�nnern bestand, wie Kara voller Schrecken erkannte. Die beiden anderen Maschinen waren bereits gelandet. Donay, Cord und Hrhon stiegen gerade aus. �Beantworte mir bitte noch eine Frage�, sagte sie, w�hrend Elder die Libelle vorsichtig durch das riesige Tor steuerte. Es war gro� genug, f�nf dieser Maschinen gleichzeitig passieren zu lassen, aber Elder hatte M�he, mit den Kontrollen der fremden Maschine klarzukommen. Er reagierte auch nicht sofort, sondern setzte die Libelle vorsichtig auf den Boden auf und schaltete das Triebwerk ab, ehe er sich zu ihr umwandte.</p><p> �Ja?�</p><p>�Ihr habt Thorns Drohne zerst�rt, nicht wahr? Der Blitz eben...�</p><p>�Du hast ihn bemerkt.�</p><p>�Ich bin nicht blind. Warum habt ihr das getan?�</p><p>�Es mu�te sein, Kara�, sagte Elder leise. �Sie w�ren immer eine Gefahr gewesen.�</p><p>�Aber er hatte dein Wort!� rief Kara.</p><p>�Und es ist mir nicht leichtgefallen, es zu brechen, glaube mir�, erwiderte Elder. �Aber ich hatte keine Wahl. Thorn h�tte nie aufgegeben. Ein einziger PACK-Agent auf dieser Welt h�tte einen hundertj�hrigen Guerillakrieg bedeutet.�</p><p>�Das hei�t, du hast viertausend Menschen get�tet? Mit einer kleinen Handbewegung?�</p><p>�Wie viele von euch haben sie get�tet!� gab Elder zur�ck. �Und wie viele <emphasis>h�tten</emphasis> sie get�tet, h�tten wir sie nicht aufgehalten?� Er zwang sich zu einem L�cheln. �Vergi� es, Kara. Es war ein Alptraum, aber er ist vorbei.�</p><p>Mit einem Knopfdruck lie� er die Kanzel aufgleiten und stieg aus. Kara folgte ihm. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie sich zwei M�nner aus der Gruppe l�sten, die zu ihrer Begr��ung gekommen war, und ihnen entgegenkamen. Ihre linke Hand glitt unter ihren Mantel, schmiegte sich um eines der kleinen Gl�ser, w�hrend sie mit der anderen nach Elders hilfreich ausgestrecktem Arm griff. Ihr Blick suchte das Tor, das noch immer weit offenstand, und den dahinterliegenden Waldrand. Dann sagte sie ganz ruhig:</p><p>�Nein, Elder. Das ist es nicht. Noch nicht.�</p><p>Auf Elders Gesicht machte sich Schrecken breit, aber wenn er wirklich begriff, was Karas Worte zu bedeuten hatten, dann war es zu sp�t. Kara glaubte pl�tzlich, da� die Zeit sich mit zehnfacher Langsamkeit bewegte und sie selbst wie in einen unsichtbaren, z�hen Sirup geraten war, der alles, was sie tat, zu einer grotesk langsamen Pantomime machte. Aber nat�rlich trog ihr Eindruck. Alles geschah fast gleichzeitig und so schnell, da� Elders M�nner nicht die Spur einer Chance hatten.</p><p><emphasis>Jetzt!</emphasis> signalisierte sie. Damit Elder ihn nicht sah, trug sie den <emphasis>Rufer</emphasis> an einer ungewohnten Stelle unter der linken Achsel, wo er schmerzte, aber so sicher und zuverl�ssig funktionierte wie an dem gewohnten Platz in ihrer Halsbeuge.</p><p>Gleichzeitig griff sie nach Elders Hand, aber nicht, um sich daran festzuhalten, sondern um ihn mit einem harten Ruck aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihm ihr Knie entgegenzurammen. Gleichzeitig zerrte sie das Glas unter ihrem Mantel hervor.</p><p>Elder fiel zu Boden und kr�mmte sich st�hnend, w�hrend das Glas in einem glitzernden Bogen auf die M�nner zuflog und inmitten der Gruppe auseinanderplatzte. Feine Glassplitter und wei�er Staub bildeten eine Wolke, die den Gro�teil der Gruppe einh�llte. Ebenfalls gleichzeitig rangen Donay und Cord den Mann nieder, der sie hergebracht hatte. Hrhon schaltete den Piloten seiner Libelle mit einem harten Fausthieb aus, der ihn wahrscheinlich umbrachte. Seit Kara den Angriffsbefehl gegeben hatte, war noch keine Sekunde vergangen.</p><p>Sie lie� sich zu Elder hinabsinken und bet�ubte ihn mit einem blitzschnellen Hieb gegen die Schl�fe vollends. Dann sprang sie wieder auf, zog gleichzeitig ihr Schwert und warf sich auf die beiden M�nner, die ihnen entgegengekommen waren. Den ersten streckte sie mit einem wuchtigen Hieb des Schwertgriffes zu Boden, aber der zweite beging den Fehler, seine Waffe zu ziehen; und zu seinem eigenen Pech war er sehr schnell. Kara hatte keine andere Wahl, als ihm das Schwert in die Brust zu sto�en. Die zweite Sekunde war vor�ber.</p><p>Sie fuhr herum, drehte sich einmal im Kreis. Die Zeit in der Halle schien noch immer stehengeblieben zu sein. Die M�nner, zwischen denen der Glasbeh�lter explodiert war, standen noch immer wie gel�hmt da. Verdammt, Donay hatte versprochen, da� das Zeug <emphasis>sofort</emphasis> wirkte!</p><p>Kara blickte zum Waldrand zur�ck. Nichts. Was war passiert? <emphasis>Wo blieben sie alle?</emphasis></p><p>Die dritte Sekunde ging zu Ende. Pl�tzlich zerri� ein schrilles, an- und abschwellendes Heulen und Wimmern die Luft. Alarm. Elders M�nner reagierten verdammt schnell. Vielleicht zu schnell. Als die M�nner in der Halle endlich aus ihrer Erstarrung erwachten, erwachte auf der anderen Seite des Tores der Waldrand zum Leben. Eine Armee ungeheuerlicher, geschuppter K�rper tauchte zwischen dem Ge�st der Wipfel auf. Mannsdicke �ste zerbrachen unter den Hieben riesiger Schwingen und f�rchterlicher Klauen. Ein Orkan aus glitzerndem Horn und schwarzen Schwingen schien den Wipfelwald rings um das Schiff von innen heraus zu zerrei�en, als die Drachen hervorbrachen, die sich im dichten Bl�ttergewirr verborgen hatten. Ein erster, zyklopischer Schatten l�ste sich vom Waldrand und glitt mit wild schlagenden Fl�geln auf das Schiff zu. Pl�tzlich begann sich das Tor zu schlie�en!</p><p>Kara fuhr mit einem Fluch herum. Wenn sie das Tor verschlossen, war alles verloren!</p><p>Aus dem hinteren Teil der Halle n�herten sich weitere M�nner in schwarzen und blauen Uniformen, die ihre Waffen gez�ckt hatten, und auch Cord und Donay waren in ein wildes Handgemenge mit neu aufgetauchten Gegnern verwickelt. Am entgegengesetzten Ende der Halle hatte sich ein massiv aussehendes Stahltor ge�ffnet, um weitere zwei, vielleicht auch drei Dutzend Bewaffneter durchzulassen. Kara bemerkte eine Bewegung aus den Augenwinkeln, wirbelte herum und ri� gleichzeitig ihr Schwert in die H�he, um den Angreifer abzuwehren.</p><p>Aber sie f�hrte den t�dlichen Hieb nicht zu Ende.</p><p>Es war tats�chlich einer von Elders M�nnern, und er hatte auch seine Waffe gezogen � aber er schien sie gar nicht zu sehen. Seine Augen waren weit aufgerissen, das Gesicht war eine verzerrte Grimasse, und aus beiden Mundwinkeln lief blutiger Speichel, was ihm das Aussehen einer jener unheimlichen Marionetten verlieh, die den Mund �ffnen und schlie�en konnten, um menschliche Sprache zu imitieren. Und er bewegte sich auch wie eine solche Fadenpuppe. Mit wild schlenkernden Armen, das eine Bein hinter sich herziehend, torkelte er an Kara vor�ber. Gr��liche, blubbernde Laute drangen aus seiner Brust. Als er den Mund �ffnete, sah Kara den Grund f�r das Blut in seinem Speichel: Er hatte sich die Zungenspitze abgebissen. Auf seinen Schultern, dem Hemd und in seinem Haar glitzerte feiner Staub wie winzige Eiskristalle.</p><p>Kara begriff erst jetzt die Gefahr, in der sie sich befand. Eine Umarmung dieses Mannes, ja, selbst eine fl�chtige Ber�hrung war so t�dlich wie ein Treffer aus einem Lasergewehr. Mit einer hastigen Bewegung sprang sie zur�ck. Der sterbende Mann torkelte an ihr vor�ber und st�rzte mit weit ausgebreiteten Armen zu Boden, und fast in der gleichen Sekunde stach ein hellblauer Lichtblitz durch die Luft und explodierte in der Libellenmaschine. Flammen und umherfliegende Metalltr�mmer trieben Kara weiter zur�ck.</p><p>Sie hustete, zog einen zweiten ihrer kostbaren Glasbeh�lter unter dem Mantel hervor, verzichtete aber darauf, ihn zu werfen, als sie begriff, da� die heranst�rmenden Soldaten viel zu weit entfernt waren. Ein zweiter Lichtstrahl tastete wie ein suchender, d�rrer Finger nach ihr, und wieder warf sich Kara mit einer verzweifelten Bewegung herum und entging dem sicheren Tod nur um Haaresbreite. Verzweifelt suchte ihr Blick das Tor. Es hatte sich bereits fast zur H�lfte geschlossen � aber der Drache hatte auch weit mehr als die H�lfte der Entfernung zwischen ihm und dem Waldrand zur�ckgelegt. Sie konnte die Umrisse zahlreicher winziger Gestalten auf seinem R�cken ausmachen. Hinter ihm waren ein zweiter und ein dritter Drache aus dem Wald hervorgebrochen.</p><p>Ein bla�blauer Strahl brannte eine Spur aus schmelzendem Metall in den Boden neben ihr, und Kara warf sich mit einer hastigen Bewegung herum. Sie strauchelte. Sie versuchte den Sturz abzufangen, aber es gelang ihr nicht, und ihr Herz schien einen Schlag zu �berspringen, als sie wuchtig auf den Boden prallte und h�rte, wie das Glas unter ihrem Mantel klirrte. Aber das Wunder geschah: Sie rollte sich mit einer kraftvollen Bewegung herum und kam wieder auf die F��e, und die t�dlichen Staubbomben unter ihrem Mantel zerbrachen nicht. Sie h�rte einen gellenden Schrei hinter sich. Ehe sie herumfuhr, sah sie, wie Cord zur�cktaumelte. Sein linker Arm brannte. Hilflos und noch immer vor Schmerz schreiend prallte er gegen den Rumpf der Libellenmaschine, st�rzte und begann sich auf dem Boden zu w�lzen, w�hrend Donay versuchte, die Flammen mit seinem Mantel zu ersticken. Ihr Blick suchte Hrhon, fand ihn aber nicht.</p><p>Und pl�tzlich h�rte das Feuer auf. Die Angreifer blieben stehen, alle im gleichen Augenblick, aber es dauerte einen Moment, bis Kara begriff, da� der entsetzte Ausdruck auf ihren Gesichtern nicht ihr galt, sondern etwas <emphasis>hinter</emphasis> ihr. Verbl�fft drehte sie sich herum � und erstarrte ebenfalls vor Schrecken, obwohl sie gewu�t hatte, was sie sehen w�rde.</p><p>Der Drache war herangekommen. Die gewaltigen Torh�lften hatten sich wie die Kiefer eines riesigen st�hlernen Tieres fast zu zwei Dritteln geschlossen; sie wu�te, da� der Drache es nicht schaffen w�rde, es nicht schaffen konnte � und trotzdem schaffte er es. Im allerletzten Moment legte das riesige fliegende Ungeheuer die Schwingen an den Leib wie ein angreifender Falke, der auf eine Beute im Wasser herabst��t, lie� ein markersch�tterndes Br�llen h�ren und stob durch das Tor. Seine linke Schwinge prallte gegen die Stahl�ffnung. Er taumelte, versuchte in dem viel zu engen Raum die Fl�gel zu entfalten und b�umte sich auf. Voller Entsetzen beobachtete Kara, wie die Gestalten der Drachenkrieger von seinem R�cken geschleudert wurden. Zwei, drei von ihnen verschwanden mit gellenden Schreien in der Tiefe drau�en, und weitere zwei oder drei wurden von den panisch schlagenden Fl�geln und Krallen des Riesentieres zermalmt. Aber der Rest � immer noch mehr als ein Dutzend rettete sich auf den sicheren Boden der Halle und brachte sich hastig vor dem tobenden Ungeheuer in Sicherheit. Der Drache br�llte weiter, und im Inneren des Helikopterhangars hallte seine Stimme hundertfach verzerrt und laut wider. Verzweifelt versuchte er vergeblich, die Fl�gel zu spreizen und mit den Krallen irgendwo Halt zu finden. Langsam, aber unbarmherzig, rutschte er zur�ck. Seine Krallen rissen handtiefe Furchen in den polierten Stahl des Hallenbodens, doch nicht einmal die unvorstellbare Kraft dieses Wesens reichte, das Gewicht seines eigenen K�rpers zu halten, das ihn in die Tiefe zerrte. Mit einem Kreischen, das Kara wie ein Messerstich bis ins Mark fuhr, st�rzte er aus der �ffnung und verschwand mit hilflos schlagenden Fl�geln in der Tiefe.</p><p>Die �berlebenden Drachenkrieger begannen sich in der Halle zu verteilen und hastig nach Deckung zu suchen, als Elders M�nner endlich ihren Schrecken �berwanden und sie unter Feuer nahmen. Zwei von ihnen wurden getroffen und st�rzten brennend und reglos zu Boden, aber dann erwiderten sie das Feuer � nicht mit Pfeil und Bogen, womit Elders Krieger gerechnet haben mochten, sondern mit gr�nen Lichtblitzen. aus gl�sernen Waffen, die sie pl�tzlich unter ihren schwarzen M�nteln hervorzogen.</p><p>Schon ihre erste Salve kostete sechs oder acht Company-Soldaten das Leben. Die Schnelligkeit aber, mit der die Besatzung dieses Schiffes auf den Angriff reagiert hatte, machte Kara klar, da� Elder ihnen niemals ganz vertraut und die M�glichkeit eines �berfalles einkalkuliert hatte. Aber sie hatten mit einem Angriff kaum oder nur schlecht bewaffneter Barbaren gerechnet, nicht mit einer Macht, die ihrer ebenb�rtig und vielleicht sogar �berlegen war. Wer von den Company-Soldaten den ersten Feuerschlag der vermeintlichen Drachenkrieger �berlebte, der ergriff auf der Stelle die Flucht. Die Krieger in den schwarzen M�nteln schossen auf sie, aber nicht unbedingt um sie zu t�ten. Kara registrierte erleichtert, da� sie ihren Befehl befolgten � sie waren nicht hier, um ein Gemetzel unter Elders M�nnern anzurichten, sondern um diesen Hangar zu besetzen und zu halten.</p><p>Hastig sah sie zum Tor zur�ck. Die beiden riesigen Torh�lften schlossen sich weiter, aber ihre Bewegung war nicht mehr so gleichm��ig und lautlos wie zuvor. Der Anprall des Drachen mu�te den Mechanismus besch�digt haben.</p><p><emphasis>�Das Tor!�</emphasis> schrie sie. <emphasis>�Sie d�rfen es nicht schlie�en!�</emphasis></p><p>Die M�nner reagierten sofort. Die gr�nen Blitze aus ihren Waffen konzentrierten sich pl�tzlich auf einen der beiden Torfl�gel. Kara sah, wie das Metall rot und orange und schlie�lich wei� zu gl�hen begann und sich dann in zischende Lava verwandelte. Das Tor bewegte sich rumpelnd und zitternd noch ein kleines St�ck weiter, und pl�tzlich erscholl ein schrilles, fast gequ�lt klingendes Wimmern und dann ein dumpfer Knall. Die riesigen Stahlplatten waren mit dem Rahmen verschwei�t und w�rden sich nie wieder bewegen.</p><p>Doch die �ffnung in der Flanke des Schiffes war noch immer gro� genug, eine von Elders Libellenmaschinen passieren zu lassen, sie reichte allerdings nicht mehr f�r einen Drachen aus. Kara sah, wie der zweite Riesenschatten, der seinem zu Tode gest�rzten Bruder gefolgt war, dicht vor dem Schiff kehrtmachte und sich in die H�he schwang. Ein dritter und vierter Schatten folgten, und pl�tzlich loderte orangerotes Feuer drau�en auf. Kara schlo� geblendet die Augen und hob ganz instinktiv die H�nde vor das Gesicht, aber es war nur ein kurzer Flammenblitz, der die Tor�ffnung verfehlte.</p><p>Sie verstand jedoch, was die M�nner drau�en ihr sagen wollten, �Zur�ck! � schrie sie, so laut sie konnte. �Sie brennen das Tor auf!�</p><p>Mit ein paar schnellen Schritten war sie bei Elder, steckte ihr Schwert ein und versuchte, ihn fortzuschleifen. In diesem Moment erwachte er aus seiner Bewu�tlosigkeit, und so schnell und �bergangslos wie Kara es von ihm gewohnt war. In seinen Augen war kein Schrecken, keine Verwirrung, sondern nur ein brodelnder, durch nichts zu bes�nftigender Zorn. Sie sah seinen Hieb kommen und fing ihn ab, und doch war die Kraft, die in diesem Schlag steckte, so gewaltig, da� sie von den F��en gerissen und zu Boden geschleudert wurde.</p><p>Mit der Schnelligkeit eines Phantoms war er �ber ihr. Es gelang Kara, einen nach ihrer Kehle gezielten Tritt abzublocken, aber dann packte er sie bei den Schultern, ri� sie in die H�he und hob die andere Hand zu einem Hieb, der sie t�ten w�rde. Eine dreifingrige, geschuppte Pranke legte sich von hinten um Elders Gesicht, schob seinen Kopf in den Nacken und dr�ckte mit �bermenschlicher Kraft zu.</p><p><emphasis>�Nein!�</emphasis> schrie Kara. <emphasis>�T�te ihn nicht!�</emphasis></p><p>Sie sah, wie schwer es Hrhon fiel, ihrem Befehl zu gehorchen. Eine Sekunde lang stand der Waga einfach da, reglos, jeden Muskel in seinem gewaltigen K�rper so angespannt, da� er zitterte. Kara sp�rte, was in ihm vorging. Er hatte den Mann gepackt, der den Tod von den Sternen auf seine Welt gebracht hatte. Er <emphasis>wollte</emphasis> ihn t�ten. Es gab nichts mehr in seinem Leben, was wichtiger war. Und Kara verstand ihn nur zu gut. Auch in ihr schrie alles danach, Hrhon mit einem Nicken zu verstehen zu geben, es zu tun, oder ihre eigene Waffe zu ziehen und ihn zu vernichten. Und sie h�tte es getan, h�tte nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel gestanden. Aber sie durften es nicht. Elder und die M�nner in diesem Schiff waren zwar Schuld an dem, was dieser Welt und ihren Bewohner widerfuhr, aber sie waren auch ihre einzige, verzweifelte Hoffnung auf ein �berleben, eine vielleicht bessere Zukunft.</p><p>�La� ihn los�, sagte sie. �Bitte.� Hrhon starrte sie aus seinen unergr�ndlichen Schildkr�tenaugen an, und dann nahm er ganz langsam die Hand von Elders Gesicht. Alle Kraft schien aus seinem K�rper zu weichen. Elder schnappte keuchend nach Luft und fiel auf die Knie. Sein Gesicht war blut�berstr�mt, und sein Atem h�rte sich an, als w�re sein Kehlkopf zerquetscht. Er wollte etwas sagen, brachte aber nur ein w�rgendes St�hnen hervor, und als er diesmal den Kopf hob und Kara ansah, da waren seine Augen vor Schmerz und Entsetzen geweitet.</p><p>Mit einem raschen Blick sah sich Kara in der Halle um. Die Krieger waren aus der unmittelbaren N�he des Tores verschwunden, und auch die Mitglieder von Elders Begr��ungskomitee hatten sich instinktiv in Sicherheit gebracht, als der Drache gegen das Tor geprallt war. Einige nur standen oder hockten mit leeren Gesichtern da, starrten aus weit aufgerissenen, erloschenen Augen ins Nichts oder kicherten irr. Nicht weit von Kara entfernt kroch ein Mann auf H�nden und Knien �ber den Boden und versuchte, mit blo�en H�nden den Stahl aufzurei�en, und auf der anderen Seite der Libelle gewahrte sie einen Mann, der dabei war, sich mit den Fingern�geln die eigene Haut vom Gesicht zu kratzen.</p><p>Donay hatte Cord in einer Nische in drei�ig oder vierzig Metern Entfernung vom Tor gezerrt und signalisierte ihr mit Gesten, da� alles in Ordnung war.</p><p>�Halt ihn fest�, sagte Kara, an Hrhon gewandt. �Aber pa� auf. Er ist beinahe so stark wie du.�</p><p>Der Waga packte Elder von hinten bei den Schultern, und Elder st�hnte vor Schmerz. Aber Kara wu�te auch, da� Hrhons Griff einem normalen Menschen jeden Knochen zermalmt h�tte. Nat�rlich war Elder kein normaler Mensch. Kara war nicht einmal mehr sicher, ob er �berhaupt ein Mensch war. Und sie fragte sich vergeblich, wieso keiner von ihnen es gemerkt hatte. Wieso war nie jemandem aufgefallen, wie schnell seine Wunden heilten, nicht einmal, nachdem Hrhon ihm den Arm gebrochen hatte und er die Hand schon am n�chsten Tag wie durch Zauberei wieder bewegen konnte.</p><p>�Warum?� fl�sterte Elder. Seine Stimme klang flach. �Von mir aus bringt mich um�, murmelte er. �Aber sagt mir vorher, warum.�</p><p>�Das werde ich dir sagen, Elder�, antwortete Kara. �Und wir werden dich auch nicht t�ten. Wir brauchen dich n�mlich noch.�</p><p>�So?� Der herablassende Spott in Elders Stimme blitzte nur schwach auf. �Und wozu?�</p><p>�Um dein Schiff zu erobern�, antwortete Kara ernst.</p><p>Elder starrte sie an, und der Ausdruck in seinen Augen machte ihr klar, da� er in diesem Moment an ihrem Verstand zweifelte. �Mein... Schiff?� kr�chzte er. �Du bist verr�ckt! Du mu�t v�llig den Verstand verloren � �</p><p>Er sprach nicht weiter. Seine Augen wurden gro�, und Kara hatte niemals zuvor im Leben einen Ausdruck so vollkommener, unvorstellbarer Fassungslosigkeit auf dem Gesicht eines Menschen gesehen. Langsam wandte sie den Kopf und sah den Mann an, der neben ihr aufgetaucht war. Die schwarze und silberne Montur der Drachenkrieger lie�en ihn noch gr��er und d�sterer erscheinen. Und der Ausdruck in seinen Augen verwirrte selbst Kara. Er sah Elder auf eine Weise an, die sie nicht zu deuten imstande war, aber die ihr Angst machte.</p><p>�Warum sprichst du nicht weiter?� fragte Thorn ruhig.</p><p>�Du?� murmelte Elder ungl�ubig.</p><p>�Das Leben ist doch voller �berraschungen, nicht wahr?� fragte Thorn. �Bitte, entschuldige, wenn ich unangemeldet komme. Aber ich hatte dich heute nacht um einen neuen Job gebeten, wei�t du noch? Und da du mir nicht geantwortet hast...� Er zuckte mit den Schultern und l�chelte fl�chtig. �Ich bin wirklich sehr verlegen darum, mu�t du wissen.�</p><p>�Bitte, h�r damit auf�, sagte Kara m�de. Sie deutete mit einer Kopfbewegung auf das Tor zur�ck. �Wir m�ssen weg hier.�</p><p>Thorn folgte ihrem Blick. Dann nickte er. Mit einem Ruck streifte er den schwarzen Mantel der Drachenreiter vollends ab und warf ihn zu Boden, dann fuhr er herum und lief zu dem knappen Dutzend seiner M�nner zur�ck, das ihm geblieben war. Elder starrte ihm nach. Dann, wie ein Mann, der aus einem entsetzlichen Alptraum erwachte und M�he hatte, in die Wirklichkeit zur�ckzufinden, hob er ganz langsam den Kopf und sah Kara wieder an. �Warum?� fl�sterte er. �Warum... habt ihr das getan? Ich stehe auf eurer Seite! Ich... bin nicht euer Feind. Thorn ist es, der eure Welt zerst�rt hat. Wir sind hier, um euch zu helfen!�</p><p>�Ich wei߫, sagte Kara leise. �Ich wei� alles, Elder. Und ich meine damit � <emphasis>alles!�</emphasis></p><p>Elder erschrak nicht. Er sah einfach weiter verwirrt aus, aber Kara sagte jetzt nichts mehr, denn sie begriff, da� dies wahrlich nicht der Augenblick war, um zu reden. Mit einer befehlenden Geste signalisierte sie Hrhon, seinen Gefangenen fortzuschaffen, dann lief sie selbst mit weit ausgreifenden Schritten zu der Nische hin�ber, in die sich Donay und Cord gefl�chtet hatten. Cord war bei Bewu�tsein, aber seine Augen gl�nzten fiebrig, und als Kara seinen verbrannten Arm sah, wu�te sie, da� sie auf seine Hilfe in diesem Kampf nicht mehr z�hlen konnte. Sie tauschte einen raschen, fragenden Blick mit Donay, den er mit einem angedeuteten Achselzucken beantwortete. Auch er war nicht sicher, da� Cord das Ende dieser Schlacht noch erleben w�rde.</p><p>Sie sah zum Tor zur�ck. Wieviel Zeit war vergangen? Eine Minute? Auf jeden Fall war es <emphasis>zuviel.</emphasis> Ihr Sieg war bisher im Grunde nichts als Gl�ck und der Vorteil der �berraschung gewesen. Da� sie die Wachmannschaft zur�ckgeschlagen hatten, bedeutete gar nichts. Selbst wenn Elder die Wahrheit gesagt hatte und dieses Schiff nicht ann�hernd so gro� wie Thorns Drohne war, mu�te es Hunderte von M�nnern an Bord haben. Und sie hatten zwar diesen Raum erobert, waren aber auch gleichzeitig darin gefangen.</p><p>Wieder n�herte sich ein riesenhafter Schatten dem Tor, und Kara schlo� im allerletzten Moment die Augen und wandte das Gesicht ab. Trotzdem unterdr�ckte sie nur mit M�he ein schmerzhaftes St�hnen, als der Feuerstrahl des Drachen gegen das Tor prallte und eine Woge ebenso unertr�glicher Hitze. wie glei�ender Helligkeit durch den Hangar raste. Die Handvoll Schwachsinniger, die sich noch inmitten der Halle aufgehalten hatten, wurde auf der Stelle get�tet. �berall brachen Br�nde aus, und die Libelle, mit der sie selbst gekommen war, fing mit einem dumpfen Schlag Feuer. Das Tor gl�hte in einem dunklen, drohenden Rot, und die Luft war pl�tzlich so hei� und stickig, da� sie kaum noch zu atmen war.</p><p>Viermal mu�ten die Drachen ihr H�llenfeuer gegen das Schiff schleudern, ehe die gewaltige Stahlplatte schlie�lich nachgab und von ihrem eigenen Gewicht in die Tiefe gezerrt aus ihrer Halterung herausbrach.</p><p>Minutenlang war die Luft im Hangar so hei�, da� Kara bei jedem Atemzug am liebsten vor Schmerz geschrien h�tte. Ihre Kleider und ihr Haar schwelten. Die Haut auf ihrem Gesicht und ihren H�nden r�tete sich, und wohin sie auch blickte, loderten Flammen. Erst viel sp�ter einmal sollte sie begreifen, da� es Elders Schiff gewesen war, das sie davor bewahrte, in der Glut ihrer eigenen Drachen zu sterben, denn �berall unter der Hallendecke und in den W�nden traten sofort automatische L�schmechanismen in Kraft, die die Flammen zwar nicht ganz zu ersticken vermochten, die Temperatur aber binnen weniger Augenblicke so weit senkten, da� sie wieder atmen konnten. Alles verschwamm vor ihren Augen, als sie sich aufrichtete und dorthin blickte, wo vor wenigen Momenten noch das Tor gewesen war. Jetzt g�hnte an der Stelle ein gewaltiges Loch mit ausgezackten, rotgl�henden R�ndern. Kara sah alles, was dahinterlag, nur wie in einer Spiegelung in wildbewegtem Wasser. Aber sie <emphasis>wollte</emphasis> auch gar nicht wirklich sehen, was dort drau�en vor sich ging, denn hinter der Wand aus hitzeflimmernder Luft starben ihre Br�der und Schwestern, ihre Freunde und auch die Drachen, und sie starben schnell und auf eine Art, die Kara selbst ihrem schlimmsten Feind nicht gew�nscht h�tte.</p><p>Die Luft �ber der Lichtung war so voller Drachen, als w�re ein gro�er Vogelschwarm aus den Wipfeln des Waldes emporgestiegen und h�tte die Orientierung verloren. Sie hatte nicht mehr in Erfahrung bringen k�nnen, wie vielen Reitern es gelungen war, ihre Drachen in den Wipfeln rings um die Lichtung zu verstecken, ehe Elder und sie selbst den Drachenhort verlassen hatten. Aber der Himmel war schwarz von Drachen; f�nfzig, hundert, vielleicht zweihundert der gigantischen, gefl�gelten Wesen, die wie ein Schwarm w�tend angreifender gro�er Raben um den st�hlernen Kolo� kreisten. Immer wieder sah sie das orangerote und wei�e Flackern von Feuer, wenn die Drachen eine neue Schwachstelle am Rumpf des Sternenschiffes ausmachten und versuchten, sich ihren Weg hineinzubrennen, aber sie sah auch nur zu oft das gr�ne und blaue Glei�en der Energieblitze, mit denen sich der Kolo� von den Sternen wehrte. Und die meisten dieser Blitze trafen mit t�dlicher Sicherheit ihr Ziel. Sie sah Drachen, die von Lanzen aus Licht durchbohrt wurden und wie ein Stein in die Tiefe st�rzten, andere Tiere, die pl�tzlich Feuer fingen und wie lebende Brandgeschosse in die Baumwipfel herunterkrachten, soweit sie nicht mehr die Kraft fanden, sich noch sterbend gegen den Rumpf des Schiffes zu schleudern, um ihn zu ersch�ttern, Drachen, deren Fl�gel von einem bla�blauen Hauch aus Licht gestreift wurden. Aber auch das Schiff erzitterte immer heftiger unter den Einschl�gen der Feuerstrahlen, mit denen die Drachen den st�hlernen Riesenwal attackierten. Sollte es jemals eine Erinnerung an diesen Tag geben, dachte Kara, sollten sie jemals ein Lied dar�ber schreiben oder eine Geschichte erz�hlen, dann w�rde es dieses Bild sein, das die Zeiten �berdauerte, denn es enthielt alles, was den Grund dieses Krieges ausmachte, alles, worum es darin ging und jemals gegangen war, seit Menschen begonnen hatten, nach den Sternen zu greifen. Es war ein Kampf Natur gegen Technik, Laserstrahlen gegen Drachenfeuer. Und Kara war immer noch nicht sicher, welche Seite ihn gewinnen w�rde. Durch Rauch und Flammen sah sie Thorn auf sich zukommen, w�hrend die meisten seiner Begleiter zum anderen Ende der Halle liefen und schon auf halber Strecke damit begannen, das massive st�hlerne Tor mit ihren Lichtwaffen unter Feuer zu nehmen. Da blickte Kara wieder nach drau�en. Der Kampf hatte eine neue Nuance bekommen. Zwischen den Drachen waren kleinere, sich hektisch bewegende Umrisse aufgetaucht, die die Tiere und ihre Reiter wie w�tende Hornissen attackierten. Kara begriff allerdings sofort den furchtbaren Fehler, den der Kommandant des Schiffes damit begangen hatte, seine Helikopter in den Kampf zu werfen. Sie sah, wie einige der Maschinen mitten in der Luft gegen den unsichtbaren Schutzschild prallten und wie andere von einem Dutzend Drachen zugleich angegriffen und in lodernde Flammenb�lle verwandelt wurden. Keiner dieser Piloten w�rde den Selbstmordbefehl �berleben, den ihnen der Befehlshaber dieses Schiffes erteilt hatte. Daf�r zweifelte sie keine Sekunde daran, da� die Drachenreiter ihrerseits die Chance nutzen und ihre Tiere in den ge�ffneten Hangar lenken w�rden, aus dem die Libellen gekommen waren.</p><p>Thorn hatte ihr Versteck erreicht und warf einen raschen, eher interessierten als mitf�hlenden Blick auf Cords Arm, ehe er sich mit einer ungeduldigen Geste an sie wandte. �Wo bleiben deine Leute?�</p><p>Wieder sah Kara zum Tor. Das Metall hatte aufgeh�rt, in dunklem Rot zu gl�hen, aber die Luft flimmerte immer noch vor Hitze. �Es geht nicht so schnell�, sagte sie. �Die Hitze ist noch zu gro�. Wir m�ssen ihnen noch einige Augenblicke Zeit geben.�</p><p>�Aber die haben wir nicht�, sagte Thorn sehr ernst. �Falls es dir nicht klar ist, in dem Ding dort oben � � Er wies mit dem ausgestreckten Zeigefinger zum Himmel � � befinden sich mindestens f�nf oder sechs dieser Schiffe. Sie werden in sp�testens einer Stunde hier sein. Wenn wir bis dahin die Zentrale nicht genommen haben, ist es aus.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Kara. Vielleicht war in diesem Moment nicht nur ein weiteres Schiff zu ihnen unterwegs, sondern ein Raketengescho�, dessen Atomsprengkopf dieser Geschichte ein f�r allemal ein Ende machen w�rde.</p><p>Sie wandte sich an Donay. �Du bleibst hier und k�mmerst dich um Cord�, sagte sie. �Wenn irgend etwas schiefgeht, dann bringst du dich in Sicherheit.�</p><p>�Aber � � begann Donay.</p><p>�Das ist ein <emphasis>Befehl,</emphasis> Donay�, unterbrach ihn Kara sofort. �Keine freundschaftliche Bitte. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann nimm alle, die �berleben, und f�hre sie irgendwohin, wo sie euch nicht finden. Verbergt euch � und versucht es irgendwann noch einmal.�</p><p>Bevor Donay Gelegenheit zu einer Antwort fand, schlug sie ihren Mantel zur�ck, zog ihr Schwert und warf Thorn einen auffordernden Blick zu. �Gehen wir.�</p><p>Die M�nner hatten das Tor aufgeschwei�t, und wie Kara geahnt hatte, stie�en sie sofort auf heftigen Widerstand. Eine gro�e Anzahl von Company-Soldaten hatte sich auf dem dahinterliegenden Gang verschanzt und nahm alles unter Feuer, was auch nur die Nase ins Freie streckte. Zwei von Thorns Soldaten wurden getroffen und brachen tot zusammen, ehe Kara Thorn die Sinnlosigkeit dieses Angriffes klarmachen konnte und er seine Soldaten zur�ckrief.</p><p>Wieder blickte sie zum Tor, aufmerksam geworden durch eine Bewegung, die sie aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte. Ein Drache n�herte sich dem Schiff, korrigierte seinen Kurs im letzten Moment und schwebte dann mit reglos ausgebreiteten Schwingen das letzte St�ck auf das Tor zu.</p><p>Er erreichte es nie.</p><p>Kara schlo� entsetzt die Augen, als sie sah, wie ein bla�blauer Lichtstrahl Kopf und Hals des Drachen samt des Reiters ber�hrte und in Flammen aufgehen lie�. Vom Schwung seiner eigenen Bewegung vorw�rtsgetragen, segelte der Drache noch ein St�ck weiter, und f�r eine unendlich kurze Zeitspanne sah es fast so aus, als w�rde er das Tor trotzdem noch erreichen. Weniger als zehn Meter vom Rumpf des Schiffes entfernt kippte der Drache pl�tzlich zur Seite und sch�ttelte seine Reiter ab. Als sie die Augen wieder �ffnete, blickte sie in Thorns Gesicht. Seine Miene war kalt wie Stein. Von einer Art kalter, fast emotionsloser Wut gepackt, richtete sie sich auf, griff unter ihren Mantel und zog eines der mit wei�em Staub gef�llten Gl�ser hervor. In Thorns Augen erschien zum ersten Mal etwas wie Schrecken, aber er versuchte nicht, sie aufzuhalten, sondern bedeutete seinen Soldaten im Gegenteil mit Gesten, ihr Deckung zu geben, als sie sich geduckt dem aufgebrochenen Tor n�herte.</p><p>Wieder einmal hatte sie einfach Gl�ck. Vier- oder f�nfmal verfehlte sie ein Schu� nur um Haaresbreite, und zwei weitere Krieger bezahlten mit dem Leben daf�r, die Angreifer mit einem wahren Gewitter von gr�nen Lichtblitzen in Deckung zur�ckzutreiben, bevor Kara nahe genug heran war, ihr Glas zu schleudern. Sie warf es mit aller Kraft, lie� sich aus der gleichen Bewegung zur Seite fallen, kam mit einer Rolle wieder auf die F��e. Das Klirren von zerberstendem Glas drang an ihr Ohr, und auch jetzt vergingen Sekunden, bis das Feuer aus dem Gang allm�hlich nachlie�. Nur ein einzelnes Gewehr scho� gleichm��ig und so monoton wie eine Maschine weiter, aber die blauen Blitze waren nicht mehr gezielt, sondern schlugen alle an der gleichen Stelle irgendwo in der Wand ein, und als Kara sich vorsichtig hinter ihrer Deckung erhob und auf den Gang hinauslugte, da sah sie, da� der Mann, der das Gewehr hielt, sich aufgerichtet hatte und breitbeinig dastand; er l�chelte wie ein schwachsinniges Kind. Thorn hob seine Waffe und erscho� den Mann.</p><p>Das Gef�hl eisigen, beinahe l�hmenden Entsetzens breitete sich in Kara aus, als sie den Gang �berblickte. Die Wirkung ihrer Staubbombe war l�ngst nicht gro� genug gewesen, s�mtliche M�nner dort drau�en zu erfassen, aber die, die davongekommen waren, schienen in hellem Entsetzen die Flucht ergriffen zu haben, als ihnen das Schicksal ihrer Kameraden klar wurde. Kara sah achtlos weggeworfene Waffen und Helme, liegengelassene Funkger�t und andere Dinge, die auf eine panische Flucht hindeuteten.</p><p>Ein zweiter Drache n�herte sich dem Schiff und steuerte auf die aufgebrochene Luke zu. Und diesmal schaffte er es. Knapp und mit einem fast �ngstlichen Grunzen, aber so pr�zise wie ein von einem Meistersch�tzen abgeschossener Pfeil glitt das riesige Tier in den Hangar und ber�hrte den Boden. Auf seinem R�cken befanden sich gute zwei Dutzend M�nner, die rasch �ber die noch immer ausgebreiteten Schwingen nach unten kletterten und zu ihnen eilten.</p><p>Kara sah, wie der Reiter des Tieres versuchte, seinen Drachen auf dem engen Raum herumzudrehen, um den Hangar wieder zu verlassen. Sie gestikulierte ihm, zu bleiben, rannte rasch zu ihm hin�ber und bildete mit den H�nden einen Trichter vor dem Mund. �Was ist los?� schrie sie. Sie verzichtete absichtlich darauf, den Rufer zu benutzen. �Was ist mit den Konvertern? Wieso zerst�rt ihr sie nicht?�</p><p>Kara hatte sie gesehen, als das Schiff landete: zwei riesige, bl�ulich schimmernde Halbkugeln aus Kristall, die �ber dem Heck des Schiffes angebracht waren und seine st�rkste Waffe, zugleich aber auch seine gr��te Schw�che darstellten. Thorn hatte versucht, es ihr zu erkl�ren. Nat�rlich hatte sie es nicht wirklich verstanden, aber immerhin hatte sie begriffen, da� diese zerbrechlichen Gebilde aus Glas und Kristall so etwas wie das schlagende Herz dieses Schiffes waren. Zerst�rten sie es, dann fiel der gr��te Teil seiner Energieversorgung aus. �Wir versuchen es!� schrie der Drachenreiter zur�ck. �Aber wir kommen nicht heran! Wir haben schon viele Tiere verloren!�</p><p>Die Worte trafen Kara wie ein Hieb. F�r eine Sekunde wollte sie einfach aufgeben. Ihre Waffe aus der Hand legen, zu Elder gehen und ihn bitten, mit ihr und Thorn zu machen, was er wollte, solange er nur die anderen am Leben lie�.</p><p>Aber sie wu�te auch gleichzeitig wie absurd und naiv dieser Wunsch war. Er w�rde es nicht tun. Dies war kein Kampf, in dem es ein Unentschieden oder eine ehrenvolle Niederlage geben konnte.</p><p>�Versucht es weiter�, sagte sie. Sie sprach sehr leise, so leise, da� der Mann auf dem R�cken des Drachen ihre Worte unm�glich verstehen konnte. Aber er schien sie zu erraten, denn er nickte, wartete, bis Kara sich in sichere Entfernung zur�ckgezogen hatte, und fuhr dann fort, sein Tier in der engen, mit Tr�mmern und Leichen �bers�ten Halle herumzudrehen. Schlie�lich gelang es ihm. Mit einem kraftvollen Ruck stie� sich der Drache am Rand des Hangartores ab und schwang sich wieder in die H�he. Und vermutlich in den Tod, dachte Kara bitter. Hrhon hatte Elder herbeigebracht, als sie zu Thorn und seinen M�nnern zur�ckkehrte. Elders Gesicht war eine unbewegliche Maske, in der sich Zorn und Verbitterung mit einem Ausdruck von v�lligem Nichtverstehen mischten. Ein entsetzlicher Gedanke machte sich in Kara breit. Was w�rde geschehen, wenn sie sich geirrt hatte? Wenn Elder die Wahrheit gesprochen hatte und Thorn log? Wenn alles nur ein fein eingef�deltes Intrigenspiel war, das dem einzigen Zweck gedient hatte, sie tun zu lassen, was sie jetzt tat?</p><p>Der Gedanke war zu entsetzlich, um ihn weiter zu verfolgen. Wieder erzitterte das Schiff unter einem dumpfen Schlag, und diesmal folgte ihm eine grollende Explosion. Die Ersch�tterung schien Elder aus seiner Erstarrung zu wecken, denn das Leben kehrte in sein Gesicht zur�ck. Er sah Thorn an, schien etwas sagen zu wollen, tat es dann aber nicht, sondern drehte den Kopf, um Kara anzublicken.</p><p>Der Vorwurf in seinen Augen schmerzte sie tief.</p><p>Thorn hob seine Waffe und stie� Elder den Lauf grob in den Leib. Elders Lippen zuckten, aber er gab keinen Schmerzlaut von sich. Nur ganz fl�chtig sah er Thorn an, dann blickte er wieder in den Gang hinaus. Es mu�ten zwanzig, wenn nicht drei�ig seiner Leute sein, die dort sa�en oder hockten, auf den Knien herumkrochen, sich schaukelten, einfach auf der Stelle standen und andere, sinnlose und manchmal schreckliche Dinge taten. Und wenn er wirklich begriffen hatte, was mit ihnen geschehen war, dann schien er sich zumindest f�r den Moment noch zu weigern, es zu glauben.</p><p>�Du wirst uns jetzt den Weg in die Zentrale dieses Schiffes zeigen�, sagte Thorn. �Und m�glichst einen, auf dem wir nicht in einen Hinterhalt laufen.�</p><p>Elder w�rdigte ihn nicht einmal eines Blickes. Thorn wollte seine Aufforderung wiederholen, und Kara sah, wie sich seine H�nde fester um das Gewehr schlossen. Sie winkte rasch ab und zog mit der gleichen Bewegung Elders Aufmerksamkeit auf sich.</p><p>�Wir wollen nicht, da� deine Leute sinnlos sterben�, sagte sie. �Gib ihnen den Befehl, aufzugeben, und du hast mein Wort, da� keinem auch nur ein Haar gekr�mmt wird.�</p><p>�Wie gro�z�gig�, sagte Elder ver�chtlich. �Aber du glaubst doch nicht wirklich, da� ich das tue.�</p><p>Thorn hob sein Gewehr, und Elder bedachte nun ihn mit einem bleichen, ver�chtlichen Blick. �Was wirst du tun?� fragte er. �Mich umbringen? Bitte.�</p><p>�Du wei�t, da� er es k�nnte�, sagte Kara. �Ich meine, <emphasis>wirklich</emphasis> k�nnte.�</p><p>�Dann tut es!� stie� Elder hervor. �Tut, was ihr wollt � aber ich werde euch ganz bestimmt nicht mein Schiff ausliefern. Auch nicht, wenn es mein Leben kostet.�</p><p>�Ich habe nichts anderes von dir erwartet�, sagte Kara ruhig. Sie gab Hrhon einen heimlichen Wink, Elder fester zu halten. �Aber wei�t du... Wir werden dich nicht umbringen. Siehst du das da?� Sie deutete mit einer Kopfbewegung in den Gang hinaus. �M�chtest du ihr Schicksal teilen?�</p><p>Elder sagte auch jetzt nichts, aber Kara bemerkte, da� er insgeheim die Muskeln spannte, um die Festigkeit von Hrhons Griff zu testen. Das Ergebnis, zu dem er kam, machte ihm wohl endg�ltig klar, wie aussichtslos seine Lage war. Nerv�s und fahrig fuhr er sich mit der Zungenspitze �ber die Lippen. Sein Blick tastete immer unsicherer �ber die Ansammlung wimmernder, zusammengesunkener Gestalten drau�en im Gang.</p><p>�Komm mit!� befahl Kara. Hrhon sorgte daf�r, da� Elder ihr folgte, w�hrend sie sich vorsichtig einer der wimmernden Gestalten n�herte. Der Mann hatte nur sehr wenig des glitzernden wei�en Staubes abbekommen. Trotzdem war sie sehr vorsichtig, als sie ihn mit der einen Hand an der Schulter ber�hrte und herumdrehte und die andere in sein Haar grub, um seinen Kopf zur�ckzuzwingen, damit Elder in sein Gesicht sehen konnte. �Siehst du das?� fragte sie hart. �Sieh genau hin, Elder! Du warst doch so wild auf Donays Erfindungen, nicht? Das hier hat er extra f�r euch gemacht! Gef�llt es dir?�</p><p>Elder war einer Panik nahe. Mit aller Kraft b�umte er sich in Hrhons Griff auf, aber der Waga zwang ihn unbarmherzig tiefer, bis sich sein Gesicht dem des Wahnsinnigen bis auf eine Handbreit gen�hert hatte. �Was... was habt ihr mit ihm getan?� stammelte er.</p><p>�Ihn nicht get�tet�, sagte Kara kalt. �Wei�t du, Elder, du hast mir vielleicht ein bi�chen zuviel �ber euch erz�hlt. Ich wei�, da� du keine Angst vor dem Tod hast. F�r dich ist es nur ein Spiel, nicht wahr? F�r euch alle ist es nichts als ein gro�es spannendes Spiel. Ich wei�, da� wir euch nicht t�ten k�nnen. Aber das haben wir auch gar nicht vor.�</p><p>�Was... was habt ihr... getan?� kr�chzte Elder.</p><p>�Die Spielregeln ge�ndert�, antwortete Kara. Sie raffte ein wenig des hoffentlich wirkungslos gewordenen Staubes von der Schulter des Mannes auf und blies es Elder ins Gesicht. Er kreischte und warf sich zur�ck, aber sofort packte Hrhon sein Haar und hielt ihn fest.</p><p>�Eines von Donays neuen Spielzeugen�, sagte Kara. �Diese kleinen Lieblinge hier greifen nicht eure K�rper an. Sie zerst�ren den Geist.� Sie lie� einige Sekunden verstreichen, damit ihre Worte angemessen wirken konnten. �Wie w�rde dir das gefallen,Elder? Was w�rdest du davon halten, <emphasis>so</emphasis> zu leben? Und ich schw�re dir, da� ich daf�r sorgen werde, da� du lange lebst. Sehr lange.�</p><p>Elder starrte das Gesicht des Wahnsinnigen vor sich an. Seine Lippen zitterten, und seine Augen schienen aus den H�hlen quellen zu wollen, aber er brachte keinen Laut mehr heraus. Und f�r einige Sekunden tat er Kara beinahe leid. Sie glaubte nicht, da� sie in der Lage war, nachzuvollziehen, was er in diesem Moment empfand, was es f�r einen Mann wie ihn, der ein zwei Jahrhunderte langes Leben gef�hrt hatte, bedeuten mu�te, doch pl�tzlich verwundbar zu sein.</p><p>�Bitte�, stammelte er. �Tut das nicht.�</p><p>�Ein Wort von dir gen�gt�, sagte Kara. Sie streckte die Hand aus, l�ste das kleine Funkger�t von Elders G�rtel und hielt es vor sein Gesicht. �Sag deinen Leuten, da� sie den Widerstand aufgeben sollen.� Sie schlug mit der anderen Hand ihren Mantel zur�ck, so da� Elder die beiden verbliebenen Gl�ser mit wei�em Staub sehen konnte, die sie darunter verborgen gehabt hatte. �Oder ich schw�re dir, da� ich diese beiden Gl�ser in das Ventilationssystem dieses Schiffes sch�tten werde. Ich wei�, wie man das macht. Thorn hat es mir verraten.�</p><p>�Das... das kannst du nicht tun�, stammelte Elder. �Du... du kannst nicht... du kannst nicht zweitausend Menschen umbringen.�</p><p>�Nein?� fragte Kara ruhig. �Kann ich nicht?� Sie lachte leise. �Seltsam, noch vor zwei Stunden habe ich das gleiche von dir gedacht.Ich habe mich get�uscht.�</p><p>�Sie... sie w�rden mir nicht gehorchen�, sagte Elder mit zitternder Stimme. �Ich... ich bin nicht der Kommandant dieses Schiffes.�</p><p>�Versuche es!� verlangte Kara.</p><p>Sekundenlang starrte er sie nur an, suchte verzweifelt nach einem Z�gern, irgendeinem Hinweis in ihrem Blick, da� sie nur bluffte, aber er fand nichts. Schlie�lich nickte er. �Also gut�, sagte er. �Dr�cke die gro�e Taste auf der rechten Seite.�</p><p>Kara tat, was er gesagt hatte, und aus dem kleinen Ger�t erklang wieder das Knistern und Rauschen. �Hier spricht Commander Elder�, sagte Elder mit stockender, belegter Stimme. �Stellt den Widerstand ein! Ich wiederhole: Stellt sofort jeden Widerstand ein!�</p><p>Sekundenlang antwortete nur statisches Rauschen und Knistern auf seine Worte, dann h�rte Kara eine leise, verzerrte Stimme, der man trotzdem das Erstaunen anmerkte. �Bitte, wiederholen Sie das, Commander!�</p><p>�Ich habe gesagt, ihr sollt aufh�ren!� br�llte Elder. �Das ist ein Befehl!�</p><p>Diesmal dauerte es beinahe zehn Sekunden, ehe er eine Antwort bekam. �Es tut mir leid, Commander, aber ich glaube, diesen Befehl k�nnen wir nicht befolgen.�</p><p>�Was soll das hei�en!?� schrie Elder. �Ich habe gesagt � �</p><p>�Negativ�, unterbrach ihn die Stimme aus dem Ger�t. �Ich gehe davon aus, da� Sie diesen Befehl unter Zwang geben.�</p><p>�Das ist nicht wahr!� schrie Elder. �Sie werden sich daf�r verantworten m�ssen!�</p><p>�Das werde ich, Commander�, antwortete die Stimme aus dem Ger�t, �sollte ich mich t�uschen.�</p><p>Obwohl Kara den Schalter weiter dr�ckte, brach das Knistern und Rauschen ebenso pl�tzlich ab wie die Stimme. Sie lie� den kleinen Sender sinken. Sie war nicht entt�uscht. Keiner von ihnen hatte damit gerechnet, da� die Verteidiger dieses Schiffes aufgeben w�rden, nur weil Elder es ihnen befahl. �Ich habe es versucht�, sagte Elder.</p><p>Kara kam f�r gute drei oder vier Minuten nicht dazu, zu antworten, denn ein weiterer Drache landete hinter ihnen in der Halle, und erneut kletterten zwei Dutzend von Thorns Soldaten vom R�cken des Tieres. Einer davon kam mit weit ausgreifenden Schritten herbeigeeilt und wechselte einige halblaute Worte mit Thorn. Er nickte, schickte den Mann wieder fort und wandte sich dann an Kara.</p><p>�Sie sind jetzt an f�nf Stellen eingebrochen�, sagte er. �Mit ein bi�chen Gl�ck schaffen wir es.�</p><p>�Mit ein bi�chen Gl�ck sind wir in einer halben Stunde alle tot, du Wahnsinniger!� sagte Elder. �Was glaubt ihr, damit erreichen zu k�nnen! Bildet ihr euch ein, die anderen w�rden zusehen? Sie sprengen uns alle in die Luft, ehe sie zulassen, da� dieses Schiff in eure H�nde f�llt!�</p><p>�O nein�, sagte Kara. �Das werden sie ganz bestimmt nicht tun, Elder.� Sie stand auf, beantwortete seinen verwirrten Blick mit einem L�cheln und wollte etwas sagen, als eine ungeheure Explosion das Sternenschiff ersch�tterte. Der Schlag war so gewaltig, da� sie alle von den F��en gefegt wurden und einfach �bereinanderst�rzten. Das Heulen der Alarmsirenen, das bisher eine monotone, an den Nerven zerrende Begleitmusik zu der Schlacht dargestellt hatte, erlosch mit einem qu�kenden Mi�ton, und f�r zwei oder drei Sekunden ging das Licht aus. Als es flackernd wieder zum Leben erwachte, war es nicht mehr wei�, sondern rot.</p><p>Kara richtete sich benommen auf. Das Schiff bebte immer noch unter ihnen, als wolle es auseinanderbrechen, und ein dumpfes, nicht enden wollendes Grollen und Dr�hnen lief durch seinen Rumpf. Der ersten, gro�en Explosion folgte eine Kette kleinerer Detonationen, die sich vom Heck her rasch zum Bug des Schiffes bewegten und doch dabei immer heftiger zu werden schienen. Lodernder Feuerschein drang durch das aufgesprengte Tor herein, und als Kara in seine Richtung blickte, sah sie, da� die Druckwelle die Drachen wie einen Fliegenschwarm durcheinandergewirbelt hatte. Ein Teil des Waldrandes war in Flammen aufgegangen, und au�erhalb ihres Sichtbereiches blitzte es immer wieder grell und wei� auf, und jedesmal antwortete aus dem Leib des Schiffes ein schwerf�lliges, drohendes Grollen und Zittern darauf.</p><p>Aber das t�dliche Feuer der Gesch�tze war erloschen.</p><p>M�hsam plagte sie sich auf und wandte sich wieder zu Elder und Thorn um. Elder hatte nat�rlich versucht, den Moment zur Flucht zu nutzen, aber Hrhon hatte ihn im letzten Moment am Kragen gepackt und grob zur�ckgezerrt.</p><p>�Sie haben es geschafft�, murmelte Thorn ungl�ubig. Er sch�ttelte ein paarmal den Kopf und sah Kara an. �Deine Leute haben es wirklich geschafft, den Konverter zu zerst�ren. Ehrlich gesagt � ich habe es nicht geglaubt.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte Kara ganz leise. �Es gibt auch <emphasis>zwei</emphasis> davon.�</p><p>�Das spielt keine Rolle.� Thorn machte eine wegwerfende Handbewegung. �Mit nur einem Konverter k�nnen sie den Schutzschild nicht aufrechterhalten. Er braucht zuviel Energie.�</p><p>�Dann la� uns keine Zeit mehr verlieren�, sagte Kara und deutete in den Gang hinein. �Deine Leute wissen, worum es geht?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, antwortete Thorn in einem Ton, der klarmachte, f�r wie �berfl�ssig er diese Frage hielt.</p><p>Als sie tiefer in das Schiff einzudringen begannen, schwebte ein weiterer Drache hinter ihnen durch das Tor hinein. Nach der Zerst�rung des Energiekonverters reichte die Leistung des verbleibenden Ger�tes lediglich aus, die lebensnotwendigen Funktionen des Schiffes aufrechtzuerhalten. Doch schlimmer noch als der Ausfall ihrer wirkungsvollsten Waffe schien die Company-Soldaten die Erkenntnis zu treffen, da� sie verwundbar waren. Kara verstand nichts von der Architektur eines Sternenschiffes, aber eines wurde ihr sehr bald klar: Keiner von denen, die es entworfen und gebaut hatten, hatte damit gerechnet, es gegen einen Angreifer verteidigen zu m�ssen, dem es gelingen w�rde, seine gepanzerte Haut zu durchbrechen. Die Verteidiger leisteten z�hen Widerstand, aber die Zahl von Thorns M�nnern wuchs mit jeder Minute.</p><p>Trotzdem konnte es nat�rlich nicht gutgehen. Kara und Thorn wu�ten es, und auch Elder schien es zu wissen, denn in die Furcht und den Schrecken auf seinem Gesicht mischte sich eine immer gr��er werdende Verwirrung, w�hrend sie sich langsam zur Zentrale vorarbeiteten.</p><p>Der Widerstand der Company-Soldaten wurde immer erbitterter. Sie kamen immer langsamer voran. Obwohl der Angriff der Drachen auf das Schiff l�ngst vor�ber war, hielt das dumpfe Dr�hnen und Krachen der Explosionen weiter an.</p><p>Manchmal hallte das Schiff wie eine gewaltige Glocke unter den krachenden Explosionen wider, ein paarmal flackerte das Licht, und einmal konnte Kara sp�ren, wie das ganze, riesige Sternenschiff unter ihren F��en erbebte, als wolle es auseinanderbrechen. Trotzdem erreichten sie die Zentrale. Wahrscheinlich h�tten sie keine Chance gehabt, trotz ihrer �bermacht und des Vorteils, den ihnen die �berraschung verschaffte. Was am Ende die Entscheidung herbeif�hrte, das war Donays Staub.</p><p>Sie hatten viel zu wenig davon, um wirklich das Ventilationssystem des ganzen Schiffes damit verseuchen zu k�nnen, wie sie Elder angedroht hatte. Die Zeit hatte f�r Donay einfach nicht ausgereicht, mehr als ein oder zwei Dutzend der t�dlichen Wurfgeschosse herzustellen. Aber das wu�ten die Verteidiger nicht � und selbst wenn, h�tte es wahrscheinlich nicht viel ge�ndert. Elder war nicht der einzige, den ihre neue Waffe in Panik versetzte. Wann immer sie eines der gl�sernen Wurfgeschosse auf ihre Gegner schleuderten, ergriffen die, die davongekommen waren, auf der Stelle die Flucht. Sie hatten gehofft, die Company-Soldaten mit Donays Erfindung beeindrucken zu k�nnen, aber das <emphasis>wirkliche</emphasis> Ergebnis �bertraf selbst Karas k�nste Erwartungen. W�hrend der letzten Minuten trieben sie die M�nner einfach nur noch vor sich her.</p><p>Die wahre Gr��e dieses Schiffes kam Kara erst zu Bewu�tsein, als sie in die Zentrale hineinst�rmten. Sie war eine Kuppel, deren h�chster Punkt drei�ig Meter �ber dem Boden lag und deren verschiedene, ineinandergeschobene Ebenen sich �ber mehr Raum ausdehnten, als die gro�e Halle im Drachenfels beansprucht hatte. Die gesamte, gegen�berliegende Wand wurde von einem leicht gekr�mmten Bildschirm beansprucht, �ber den sie wie durch ein �bergro�es Fenster nach drau�en sehen konnte. Es gab dar�ber hinaus Hunderte von kleineren Schirmen, Hunderte von summenden, mit bunten Lichtern flackernden Computern und geheimnisvollen Ger�tschaften, und Dutzende von Pulten, an denen wohl f�r gew�hnlich die Besatzung des Schiffes sa� und dieses riesige st�hlerne Tier durch die Weiten des Sternenmeeres lenkte.</p><p>Im Moment hielt sich allerdings niemand mehr hier auf.</p><p>Daf�r hatten sich ungef�hr drei oder auch vier Dutzend M�nner hinter den Instrumentenpulten verschanzt, die Kara und ihr Begleiter sofort unter Feuer nahmen, kaum da� sie die Zentrale betreten hatten. Drei von Thorns Soldaten fielen auf der Stelle, die anderen versuchten, sich hastig in Deckung zur�ckzuziehen. Zwei weitere PACK-Krieger wurden getroffen, ehe es ihnen gelang.</p><p>Auch Kara warf sich blitzschnell zur Seite, als ein ganzes B�ndel wei�er und bla�blauer Lichtfinger nach ihr stach. Wie durch ein Wunder wurde sie nicht getroffen, schrie aber trotzdem auf, als einer der Blitze sie nur so knapp verfehlte, da� er ihr Haar ansengte. Hastig drehte sie sich zu Hrhon herum, sah, da� der Waga Elder als lebenden Schutzschild vor sich herschob und somit als einziger von den Verteidigern bisher nicht unter Feuer genommen war. Kara gestikulierte ihm, zu ihr zu kommen. W�hrend der Waga und Elder auf sie zust�rmten, versuchte sie Thorn in dem allgemeinen Durcheinander irgendwo zu entdecken. Im ersten Moment gelang es ihr nicht. Die Handvoll M�nner, die ihm geblieben waren, hatten das Feuer erwidert, und obwohl sie nur sehr wenige Sch�sse abgegeben hatten, war die Wirkung verheerend: Bildschirme und Computer explodierten flammenspeiend, und �berall zuckten Kurzschl�sse auf. Grauer, �tzender Rauch begann die Luft zu verpesten, und das Flackern der Feuer vermischte sich mit dem roten Schein der Notbeleuchtung und machte es beinahe unm�glich, noch irgend etwas zu sehen.</p><p>Endlich entdeckte sie Thorn, nicht einmal sehr weit von sich entfernt. Sie hatten die Zentrale zwar erreicht, waren aber auf einem kleinen St�ck dicht hinter der T�r festgenagelt.</p><p>Thorn hockte geduckt hinter einem halb in Flammen aufgegangenen Pult kaum zehn Meter neben ihr und sah immer wieder auf das kleine Ger�t an seinem linken Arm, von dem er die Zeit ablas.</p><p><emphasis>Wie lange noch?</emphasis> fragte ihr Blick.</p><p>Thorn sch�ttelte den Kopf und gab gleichzeitig einen ungezielten Schu� �ber den Rand seiner Deckung ab, der eine neue Eruption von Flammen und Rauch zur Folge hatte. Ihre Zeit lief ab.</p><p>Auch Kara feuerte, duckte sich hastig wieder und versuchte, �ber den Rufer Kontakt mit Aires aufzunehmen.</p><p><emphasis>Aires? Kara hier. Wie weit seid ihr?</emphasis></p><p>Keine Antwort.</p><p>Kara fluchte lautlos, z�hlte in Gedanken bis f�nf und rief noch einmal nach der Magierin. <emphasis>Aires!</emphasis></p><p><emphasis>Storm hier!</emphasis> antwortete ein schmerzhaftes Pulsieren in ihrem Nervensystem. <emphasis>Wir haben bis jetzt vier. Halt � ich glaube, f�nf. Ja.</emphasis></p><p><emphasis>Nur f�nf?</emphasis></p><p><emphasis>Thorns M�nner kennen sich mit diesem Schiff weniger gut aus, als er uns versprochen hat. Aber wir finden noch mehr.</emphasis></p><p>Nur f�nf. Das war zu wenig, dachte Kara bitter. Viel zu wenig. Sie tauschte einen neuen, fast erschrockenen Blick mit Thorn. Wieder sch�ttelte er stumm den Kopf, dann schlug er mit der flachen Hand auf den Zeitmesser an seinem Arm.</p><p><emphasis>Zieht euch zur�ck,</emphasis> befahl sie schweren Herzens.</p><p><emphasis>Aber �</emphasis></p><p><emphasis>Das ist ein Befehl, Storm!</emphasis> unterbrach ihn Kara. Es war ihr gleich, da� alle anderen ihre Worte mith�rten. <emphasis>Verschwindet! In ein paar Minuten sind zwei oder drei weitere von diesen Ungeheuern hier. Was glaubst du, was sie mit euch machen werden?</emphasis></p><p><emphasis>Wir k�nnen noch mehr finden! Die Zeit reicht!</emphasis></p><p>Kara ballte �rgerlich die Hand zur Faust. <emphasis>Aires! Bring diesen Narren dazu, da� er gehorcht!</emphasis></p><p><emphasis>Aires ist tot.</emphasis> Der Rhythmus der feurigen Morseimpulse in ihrem R�ckgrat verriet ihr, da� es ein anderer Rufer war, der ihr diese Botschaft �bermittelte.</p><p><emphasis>Tot? Aber wie �</emphasis></p><p><emphasis>Sie war es, die den Konverter zerst�rt hat, Kara. Sie hat sich mit ihrem Drachen direkt hineingest�rzt. Sie und Maran.</emphasis></p><p>Kara registrierte eine Bewegung neben sich und sah, wie Hrhon und Elder auf sie zugelaufen kamen. Zwei, drei Lichtblitze stachen nach ihnen, verfehlten sie aber weit. Offensichtlich versuchten Elders Soldaten, den Waga zu treffen. Sie rutschte vorsichtshalber ein St�ck zur Seite, um nicht von Hrhons vierhundert Pfund erdr�ckt zu werden.</p><p><emphasis>Zieht euch zur�ck,</emphasis> befahl sie noch einmal. <emphasis>An alle. Kara hier! Brecht den Angriff ab. Flieht! Verteilt euch im Dschungel.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn ihr die Drachen unter die Baumwipfel bringt, k�nnen sie euch mit ihren W�rmesuchern nicht entdecken!</emphasis></p><p>Elder starrte sie durchdringend an, als sie die �bertragung beendet hatte und den Kopf hob. Offensichtlich hatte er an dem tr�ben Blick ihrer Augen bemerkt, was sie tat. Was er nicht bemerkt hatte, war die Angst, die Kara in diesen Augenblicken ausgestanden hatte. Donay hatte ihnen nicht versprechen k�nnen, da� der mutierte Parasit nicht noch immer in der Lage war, die telepathischen Impulse der Rufer zu orten und sich daranzuh�ngen. Und sie hatten sehr gro�z�gig von dem wei�en Staub Gebrauch gemacht, den er aus der von Silvy aus dem Schlund mitgebrachten Probe entwickelt hatte. Nun, dachte Kara erleichtert � diese Frage hatte sie gerade beantwortet. �Verabschiedest du dich gerade von deinen Freunden?� fragte Elder ruhig. �Dir ist doch wohl klar, da� keiner von euch diesen Irrsinn �berleben wird, oder?�</p><p>Er mu�te schreien, denn der L�rm in der Zentrale hatte eine unbeschreibliche Intensit�t erreicht. Kara schlo� geblendet die Augen, als eines der Pulte, hinter denen Thorns M�nner Deckung gesucht hatten, in einer grellen Stichflamme explodierte. Statt auf seine Frage zu antworten, griff Kara unter ihren Mantel und zog eines der beiden letzten Gl�ser hervor, die ihr verblieben waren. Ohne zu zielen schleuderte sie es in die Zentrale hinein. Wie ein funkelnder Stern segelte es in hohem Bogen durch die Luft, neigte sich auf dem h�chsten Punkt seiner Bahn wieder � und explodierte, als es ein bla�blauer Lichtstrahl traf.</p><p>Kara warf sich entsetzt flach auf den Boden, und auch Elder schrie etwas, das sich wie <emphasis>Verdammte Idioten!</emphasis> anh�rte, und lie� sich mit vor das Gesicht gerissenen Armen zur Seite fallen, w�hrend sich der glitzernde Staub in der Zentrale ausbreitete. Die Wirkung war verheerend. W�re das Glas auf dem Boden aufgeprallt, h�tte es einen Bereich von f�nf, allerh�chstens sieben oder acht Metern im Umkreis verseucht. So aber breitete sich der glitzernde wei�e Dunst fast �ber ein Drittel des Zentraldomes aus; ein d�nner, kaum sichtbarer Nebel, der Schlimmeres als den Tod brachte.</p><p>Elders Soldaten versuchten voller Panik, sich in Sicherheit zu bringen. Obwohl Thorn und seine drei �berlebenden M�nner weiter auf sie schossen, sprangen sie hinter ihren Verstecken hoch und rannten schreiend davon.</p><p>Die wenigsten schafften es.</p><p>Wen die gr�nen Lichtblitze verfehlten, den holte der Staub ein.</p><p>Die entsetzlichen Bilder, die Kara auf dem Weg hier herauf gesehen hatte, wiederholten sich. M�nner st�rzten wie vom Blitz getroffen zu Boden oder blieben einfach stehen, begannen zu kreischen, zu lachen und andere sinnlose Dinge zu tun. Einer hob seine Waffe und feuerte schreiend auf seine eigenen Kameraden, ehe Thorn ihn niederstreckte, ein anderer st�rzte sich mit einem irrsinnigen Lachen und ausgebreiteten Armen in die Flammen eines brennenden Schrankes. Er lachte noch immer, w�hrend er bei lebendigem Leib verbrannte.</p><p>Kara wandte sich schaudernd ab. W�hrend sie das letzte Glas unter dem Mantel hervorzog, streifte ihr Blick den Bildschirm. Er war so eingestellt, da� er tats�chlich wie ein Fenster nach drau�en wirkte. Das Schiff hatte viel von seiner fremdartigen Sch�nheit verloren. Eine der beiden gewaltigen Kristallkuppeln an seinem Heck war zersplittert; hundert Meter hohe Flammen und schwarzer Rauch quollen hervor, und das Licht der zweiten war nicht mehr gleichm��ig und sanft, sondern pulsierte in einem stechenden, unangenehmen Orange, wie ein leuchtendes Herz, das aus dem Takt geraten war und zu zerbrechen drohte. Die st�hlernen Flanken des Riesen hatten h��liche Brandwunden bekommen, und Kara entdeckte allein auf den ersten Blick ein halbes Dutzend gewaltsam geschaffener �ffnungen, aus denen ebenfalls Rauch und Flammen quollen.</p><p>Und Drachen.</p><p>Zuerst war es nur einer, ein verschwommener, zuckender Schemen, der wie ein Gespenst aus dem Rauch auftauchte und davonflog, dann kam ein zweiter hinzu, ein dritter � und pl�tzlich, schneller, als sie gekommen waren, verlie�en die Drachen den geschlagenen Riesen von den Sternen wieder und schwangen sich in die Luft �ber dem Wald empor.</p><p>Wie weit w�rden sie kommen? Kara sch�tzte, da� ihnen noch zehn Minuten blieben, ehe Elders andere Schiffe heran waren.</p><p>Sie wog das kleine Glasgef�� nachdenklich eine Sekunde in der Hand, ehe sie sich wieder an Elder wandte. �Das ist deine allerletzte Chance, Elder�, sagte sie. �Befiehl ihnen, die Waffen niederzulegen, und ich verzichte darauf, dieses Glas zu �ffnen. Wenn nicht...� Sie bewegte den Schraubverschlu� eine halbe Drehung weit.</p><p>Elder fuhr erschrocken zusammen. Trotzdem sch�ttelte er den Kopf. �Das wagst du nicht�, behauptete er. �Du w�rdest genauso den Verstand verlieren wie ich.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Kara ruhig. Sie zuckte die Schultern. �Na und? Ich w�re ein paar Minuten lang verr�ckt. Deine Leute w�rden mich ohnehin t�ten. Bei dir aber ist es etwas anderes. Wieviel Zeit bleibt dir noch, wenn dir niemand den Gefallen tut, dein Gehirn in St�cke zu schlagen? Zweihundert Jahre? F�nfhundert! Eine verdammt lange Zeit, um als sabberndes Wrack weiterzuleben.�</p><p>�Du bluffst�, behauptete Elder.</p><p>Sekundenlang bohrte sich Karas Blick in seine dunklen, ha�erf�llten Augen, dann sah sie noch einmal auf den gewaltigen Monitor. Die Drachen verlie�en noch immer das Schiff. Ihre Bewegungen waren sehr viel ruckhafter und nicht halb so kraftvoll wie gewohnt. Vermutlich waren es die verwundeten und sterbenden Tiere, die bis zuletzt zur�ckgeblieben waren,. um den anderen einige wenige Sekunden Vorsprung zu verschaffen. Kara drehte sich wieder zu Elder um, und wieder fochten ihre Blicke ein lautloses, stummes Duell. Dann streckte <emphasis>er</emphasis> ganz langsam die Hand aus, z�gerte, bewegte sie weiter und z�gerte noch einmal. Als er begriff, da� sie sich nicht wehren w�rde, f�hrte er die Bewegung zu Ende und nahm ihr behutsam das Glas aus der Hand. Er warf einen irritierten Blick �ber die Schulter zu Hrhon zur�ck. Auch der Waga machte keine Anstalten, ihn wieder zu packen, oder auch nur daran zu hindern, Kara die t�dliche Waffe aus der Hand zu nehmen.</p><p>�Waffenstillstand?� fragte sie.</p><p>Elder war nur verwirrt. <emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Ich gebe auf�, sagte Kara. Drei, vier Augenblicke lang weidete sie sich einfach an dem v�llig verst�ndnislosen Ausdruck auf seinem Gesicht, dann beugte sie sich nach rechts, um an seiner und Hrhons Gestalt vorbei zu Thorn hin�berzusehen. Der PACK-Agent blickte sie an, und Kara gab ihm das vereinbarte Zeichen. Thorn warf seine Waffe in hohem Bogen �ber den Rand seiner Deckung, z�gerte noch einen Herzschlag lang und richtete sich dann mit hoch erhobenen Armen hinter seinem Pult auf. Angst spiegelte sich auf seinem Gesicht. Aber niemand scho� auf ihn oder auf die beiden anderen PACKKrieger, die nach einem Augenblick dem Beispiel ihres Kommandanten folgten. Nach allem, was bisher geschehen war, mu�te ihre pl�tzliche Aufgabe die Zentralbesatzung mehr verbl�ffen als alles andere.</p><p>�Was... was soll das jetzt wieder?� stammelte Elder. �Ist das ein neuer Trick?�</p><p>�Kein Trick�, antwortete Kara. Ganz langsam erhob auch sie sich. Aber sie lie� ihre Waffe nicht fallen, sondern hielt den Lauf des erbeuteten Gewehres unverr�ckbar auf das gl�serne Gef�� in Elders H�nden gerichtet. �Wir geben auf � unter einer Bedingung.�</p><p>Elders Augen wurden schmal vor Mi�trauen. �Und welcher?�</p><p>�Du l��t sie gehen.� Kara machte eine Kopfbewegung auf den Bildschirm. Sie sah nicht hin, aber sie wu�te, da� l�ngst nicht alle Drachen das Schiff verlassen hatten. Sie hoffte nur, da� die Tiere, auf die es ankam, nicht mehr im Schiff waren, wenn Elders Verst�rkung eintraf. Wann? In zwei Minuten? Drei?</p><p>�Ich... begreife nicht, was � �</p><p>�Dein Wort!� unterbrach ihn Kara. �Du l��t meine und Thorns Krieger das Schiff verlassen, und du wirst leben. Oder wir sterben beide.�</p><p>�Du wei�t, da� ich das nicht kann�, sagte Elder leise. �Man wird diesen Angriff nicht einfach hinnehmen, als w�re nichts geschehen. Sie werden sie f�r den Rest ihres Lebens jagen.�</p><p>�Einige werden entkommen�, sagte Kara. �Vielleicht nur eine Handvoll. Aber ihr werdet nicht alle kriegen.�</p><p>Wieder vergingen Sekunden, kostbare, unendlich wertvolle Sekunden, die sie f�r Storm und die anderen unwiederbringlich gewonnen hatte, ganz gleich, wie sich Elder entschied.</p><p>Und pl�tzlich nickte er. �Also gut�, sagte er leise. Dann wandte er sich lauter an die anderen Anwesenden in der Zentrale. �Ihr habt es geh�rt. Sie ziehen sich zur�ck. La�t sie gehen.�</p><p>Der Kampf war vor�ber, und Kara konnte sp�ren, da� die Anspannung wie eine k�rperliche Last von ihr abfiel.</p><p>�berall in der Zentrale richteten sich M�nner hinter ihren Deckungen auf, senkten ihre Waffen oder starrten sie, Thorn und Hrhon einfach fassungslos an. Es wurde nicht still � der wei�e Staub hatte erst zwanzig M�nner ergriffen, die weiter schrien, kicherten oder auf andere Weise L�rm machten. Ganz am Rande begriff Kara, da� sie es vielleicht sogar geschafft h�tten. Alles in allem waren nicht einmal mehr zehn kampff�hige Verteidiger �briggeblieben.</p><p>Aber das spielte keine Rolle mehr.</p><p>�Ich habe dein Wort�, sagte sie ganz leise.</p><p>Elder l�chelte traurig. Aber dann drehte er sich mit einem Ruck herum, gab einem seiner M�nner einen Wink, auf Kara und Hrhon achtzugeben, und trat an eines der wenigen noch nicht in Brand geschossenen Pulte. Er dr�ckte eine Taste. Als er sprach, hallte seine Stimme aus einem Lautsprecher verst�rkt in der Zentrale wider und vermutlich auch im gleichen Augenblick im gesamten Schiff. �Hier spricht Commander Elder. Die Angreifer ziehen sich zur�ck. Der Kampf ist vorbei. Verfolgt sie nicht. Ich wiederhole: Die Gegner werden <emphasis>nicht</emphasis> verfolgt. Ich �bernehme die volle Verantwortung f�r diesen Befehl.�</p><p>Er wandte sich wieder zu Kara um, sah sie an. �Zufrieden?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum, Kara!� murmelte er. Er wollte weitersprechen, fand aber keine Worte und machte nur eine weit ausholende Geste, die die verw�stete Zentrale, die Toten und Verwundeten einschlo� und fragte noch einmal: �Warum?�</p><p>�Nimm an, wir h�tten es versucht und verloren�, sagte Kara. Sie wollte es nicht, aber ihr Blick blieb an einem der gekr�mmten Bildschirme h�ngen, und pl�tzlich f�llten sich ihre Augen mit Tr�nen. Es war einfach zu viel <emphasis>geschehen,</emphasis> als da� der Schmerz Gewalt �ber ihr Denken h�tte erlangen k�nnen, aber nun war der Kampf vorbei, und dieser letzte Schutz war ihr genommen. �Nicht alle Kriege werden gewonnen, Elder. Vielleicht habe ich gerade einen verloren.�</p><p>�Das ist nicht der Grund�, sagte Elder ruhig. �Fast alle deine Krieger sind tot, Kara. Die meisten eurer Drachen. Warum? Selbst wenn...� Er machte eine hilflose Geste und setzte mit einiger �berwindung noch einmal an. �Selbst wenn ihr dieses Schiff erobert h�ttet, w�re es ein sinnloser Sieg gewesen.�</p><p>�Ich wei߫, fl�sterte Kara. �Deine M�nner dort oben h�tten es ebenso zerst�rt, wie sie Thorns Schiff zerst�rt haben, nicht wahr? Ob mit oder ohne dich an Bord.�</p><p>Elder sah zu Thorn hin�ber, als erblicke er ihn zum ersten Mal. Aber er sagte nichts, sondern nickte nur.</p><p>�Du willst wissen, warum?� Kara lachte bitter und griff unter ihren Mantel. Ein halbes Dutzend Gewehre richtete sich gleichzeitig auf sie, aber Elder winkte hastig ab.</p><p>Es war auch keine Waffe, die Kara hervorzog, sondern ein zusammengefaltetes Blatt Papier, das gleiche Blatt, das sie Donay vor weniger als vierundzwanzig Stunden gereicht hatte. Elder wollte danach greifen, aber sie zog die Hand im letzten Augenblick wieder zur�ck.</p><p>�Weil ich die Wahrheit erfahren habe, Elder�, sagte sie. �Ich habe vor der gleichen T�r gestanden wie du, Elder, aber es ist uns gelungen, die Inschrift zu �bersetzen. Ich wei�, was sie bedeutet. Du auch?�</p><p>Er sch�ttelte stumm den Kopf. Aber der Schrecken in seinen Augen bewies ihr, da� er log.</p><p>�Du hast uns belogen, Elder�, murmelte Kara. �Du hast <emphasis>mich</emphasis> belogen. Jedes Wort, das du gesprochen hast, war L�ge. Die Geschichte unserer Welt! Die Alte Welt, die sich selbst in die Luft gesprengt hat. Der <emphasis>tragische Irrtum,</emphasis> der zur Kolonisation unseres Planeten f�hrte! Wie konnte ich dir jemals glauben.�</p><p>�Ich... verstehe nicht ganz...� murmelte Elder.</p><p>�Du verstehst nicht?� Kara schrie ihn an. <emphasis>�Dann lies!�</emphasis></p><p>Sie wollte ihm das Blatt ins Gesicht schleudern, aber sie hatte einfach nicht mehr die Kraft dazu. Ihre Finger zitterten pl�tzlich so heftig, da� ihr das Papier entglitt und Elder sich b�cken mu�te, um es aufzuheben.</p><p>Sie beobachtete ihn genau, w�hrend er den Text las � einmal, zweimal, schlie�lich dreimal, und der Ausdruck auf seinem Gesicht war nicht Schrecken, auch nicht �berraschung. �Das... das habe ich nicht gewu�t�, sagte er schlie�lich. �Du l�gst�, antwortete Kara.</p><p>�Das ist nicht gesagt.�</p><p>Kara war ziemlich verwirrt, da� es ausgerechnet Thorn war, der Elder zu Hilfe kam, aber sie widersprach nicht, sondern sah ihn nur fragend an.</p><p><emphasis>�Jemand</emphasis> hat es gewu�t�, fuhr Thorn fort. �Aber wahrscheinlich nicht er. Ich habe es auch erst erfahren, nachdem du uns den Weg zu diesem Bunker gezeigt hast. W�re ich an seiner Stelle gewesen, dann h�tten sie mir vermutlich auch nicht die ganze Wahrheit gesagt.� Mit einem ver�chtlichen Blick in Elders Richtung f�gte er hinzu: �Aber er mu� es zumindest geahnt haben.�</p><p>�Ein kleiner Fehler!� fuhr Kara mit zitternder Stimme fort. Selbst zum Schreien fehlte ihr pl�tzlich die Kraft. �Der einzige <emphasis>Fehler</emphasis> war vermutlich, da� es uns noch gibt! Es war nicht geplant, da� jemand �berlebt, nicht? Oder war es ein anderer Fehler! War der Irrtum der, da� PACK den Zuschlag f�r die Eroberung dieser Welt bekam, und nicht deine Firma � ?�</p><p>Elder schwieg. Wieder richtete sich sein Blick auf das Papier, das die �bersetzung der schrecklichen Worte enthielt, die Kara auf jener T�r drei Meilen unter Schelfheim gelesen hatte. �Die Alte Welt...� fl�sterte Kara mit gebrochener Stimme. �Unsere Vorfahren haben sich nicht gegenseitig vernichtet, Elder. Ihr wart es! Eure Schiffe! Die Raumschiffe der gleichen Company, die diesen Planeten erschlossen und zu einer Welt gemacht haben, auf der Menschen leben k�nnen! Wie langt habt ihr ihnen gegeben? Hundert Jahre? Tausend?�</p><p>�Bitte, Kara!� sagte Elder, aber sie unterbrach ihn sofort wieder.</p><p>�H�ttet ihr es hier auch wieder getan? Ist das euer Erfolgsgeheimnis? Ihr erschlie�t einen Planeten und verkauft ihn an den, der am meisten daf�r zahlt. Aber euer Reich ist gro�, nicht wahr? Das hast du mir ja selbst gesagt. So gro�, da� meine Phantasie nicht ausreicht, es mir vorzustellen. So gro�, da� dann und wann einmal eine Kolonie einfach vergessen wird oder sorgt ihr daf�r, da� man sie vergi�t?�</p><p>�Kara, bitte, h�r auf�, sagte Elder. �Du verstehst � �</p><p>�Ich verstehe genug�, unterbrach ihn Kara. �Wir sind euch so �hnlich, da� h�chstens ein Biologe den Unterschied bemerken w�rde, wie? Die Alte Welt war eine Kolonie eures Sternenreiches! Unsere Vorfahren und deine sind identisch.� Sie griff in die Tasche, zog die Brosche hervor, die sie in dem Koffer gefunden hatte, und schleuderte sie ihm vor die F��e. �Eure eigenen Leute, Elder! Ihr habt sogar eure eigenen Leute umgebracht! Der Zehnte Krieg! Es <emphasis>gab</emphasis> keinen Zehnten Krieg, Elder. Es gab nur einen einzigen, und das war kein Krieg, den unsere Vorfahren gegeneinander gek�mpft haben! Es war ein �berfall aus dem Weltraum! Es waren eure Schiffe, die die Atombomben geworfen haben! Ja, du hast recht, wenn du sagst, da� unsere Welt eine H�lle ist. Das ist sie seit zweihunderttausend Jahren! <emphasis>Aber ihr habt sie dazu gemacht!�</emphasis></p><p>�Das stimmt nicht, Kara�, sagte Elder leise. �Ja, ich gebe zu, ich habe gewu�t, da� dieser Planet eine ehemalige Kolonie der Company ist und da� es ein Atomschlag aus dem Weltall war, der ihn verw�stet hat. Aber was h�tte es genutzt, wenn ich dir <emphasis>das</emphasis> erz�hlt h�tte? Glaubst du wirklich, da� wir unsere eigenen Leute umbringen?�</p><p> �Ich <emphasis>wei�</emphasis> es, Elder�, antwortete Kara ha�erf�llt. �Es ist nicht nur diese T�r. Thorns M�nner haben die R�ume dahinter freigelegt. Geh hinunter und sieh es dir an! Sieh dir die Bilder an, die sie f�r die Ewigkeit dort unten aufbewahrt haben! Es waren eure Raumschiffe, die die Bomben geworfen haben! �</p><p>�Sie sagt die Wahrheit�, sagte Thorn leise. �Ich war dort. Die Beweise existieren.�</p><p>�Das wu�te ich nicht�, murmelte Elder. �Bitte, glaubt mir, da� ich das nicht gewu�t habe.�</p><p>�Aber irgend jemand hat es gewu�t�, sagte Kara. �Die, die dich geschickt haben, Elder, wissen es. Sie <emphasis>haben</emphasis> es getan, und sie tun es vermutlich noch immer. Wie oft, meinst du, haben sie diesen Planeten schon verkauft? Zweimal? Zehnmal?�</p><p>Elder schwieg. Kara sp�rte, da� der Ausdruck von Ersch�tterung auf seinem Gesicht nicht gespielt war.</p><p>�Wenn... wenn das stimmt, Kara�, sagte er, �dann verspreche ich dir, da� sie daf�r bezahlen werden. Ich werde daf�r sorgen, da� es alle erfahren. Sie � �</p><p>�Nein�, unterbrach ihn Thorn. �Das wirst du nicht, und du wei�t das auch. Glaubst du wirklich, sie lassen dich am Leben � mit <emphasis>diesem</emphasis> Wissen! Sie werden dich so wenig am Leben lassen, wie du <emphasis>uns</emphasis> verschonen wolltest. Die Company ist erledigt, wenn diese Wahrheit ans Licht kommt.�</p><p>�Ich werde � �</p><p>�Du wirst gar nichts�, unterbrach ihn Thorn erneut. �Kara sagt die Wahrheit. Sie haben diesen Planeten vor zweihunderttausend Jahren angegriffen. Wahrscheinlich haben sie es schon ein Dutzend Mal getan, und wahrscheinlich tun sie es noch immer.� Er lachte bitter. �Du wei�t doch, wie selten Planeten sind, die das Potential haben, zu einer bewohnbaren Welt umgeformt zu werden. Die Company rechnet in gro�en Ma�st�ben, nicht wahr? Und zweihunderttausend Jahre sind selbst f�r uns lang genug, um eine Kolonie zu vergessen. Vermutlich tut PACK dasselbe, und die anderen Firmen auch.�</p><p>�Hast du dich... deshalb auf ihre Seite geschlagen?� fragte Elder z�gernd.</p><p>�Ja�, antwortete Thorn. �Der zweite Grund war, da� dieses M�dchen mir klargemacht hat, da� es meine einzige Chance ist, mit dem Leben davonzukommen. Dir ist doch wohl klar, da� sie diesen Planeten in eine Sonne verwandeln werden, wenn sie auch nur <emphasis>vermuten,</emphasis> da� hier irgend jemand die Wahrheit wei�. Und ich rede nicht nur von der Central-Company. Ich sch�tze, es h�tte wenig Sinn gehabt, wenn ich mit meinem Wissen zu <emphasis>meinen</emphasis> Leuten gegangen w�re. Es ist mir ziemlich egal, ob die Company oder PACK die Bomber schickt.�</p><p>�O mein Gott�, fl�sterte Elder. Er starrte Thorn an, dann Kara. Seine Hand schlo� sich zur Faust und zerkn�llte das Blatt, ohne da� er es auch nur registrierte.</p><p>�Aber das wird nicht geschehen�, sagte Kara leise.</p><p>Verwirrt blickte Elder auf. Kara deutete auf den Monitor. �Es wird Zeit, da� du mit deinen Freunden sprichst, Elder�, sagte sie. �Die Kommandanten der anderen Schiffe. Sie k�nnten einen Fehler begehen und uns angreifen.�</p><p>�Und was soll ich ihnen sagen?� murmelte Elder. �Wenn es wirklich so ist, wie ihr sagt, dann hat keiner von uns noch eine Chance, lebend von dieser Welt wegzukommen.�</p><p>�Ich wei߫, antwortete Kara. �Aber was mich angeht, so macht das nichts. Und ihr...� Sie seufzte, dann raffte sie sich zu einem L�cheln auf. �Hast du vergessen, was du selbst gesagt hast, Elder! Du hast versprochen, da� ihr unsere Welt in ein Paradies verwandeln werdet. Ich k�nnte verlangen, da� ihr das tut. Ich bin sicher, deine und auch seine Firma� � sie deutete auf Thorn � �w�rden sich gegenseitig darin �berbieten, aus diesem Planeten tats�chlich ein Paradies zu machen. Du wirst mit deinen Leuten reden, und wenn du es getan hast, dann werden sie an unserer Welt ihr Meisterst�ck vollbringen, wenn wir es wollen. Aber wir verzichten darauf. La�t uns einfach nur in Ruhe, das ist alles, was wir wollen.�</p><p>�Sie werden die Sonne in eine Nova verwandeln. Oder ein Schwarzes Loch auf diese Welt st�rzen lassen.�</p><p>Kara l�chelte. �Das werden sie nicht, Elder�, sagte sie �berzeugt. �Es w�re ihr eigenes Ende.�</p><p>Elder sah sie fragend an.</p><p>�Du hast mich gefragt, warum wir dieses Schiff angegriffen haben�, sagte Kara. �Ich will es dir sagen. Du selbst hast mir die L�sung verraten, Elder. Erinnerst du dich, als du von der Rettungskapsel gesprochen hast, die dein Boot aussetzte, ehe es zerst�rt wurde. Das... wie hie� es noch gleich? DSRV?�</p><p>Elder nickte. �Sicher.�</p><p>�Sie sind wirklich so schnell, da� niemand sie aufhalten kann, nicht wahr!� fragte Kara.</p><p>Elder nickte wieder.</p><p>�Wir haben f�nf davon erbeutet�, sagte Kara. Sie deutete auf Thorn. �Er hat uns gezeigt, wie man sie umprogrammiert. Und seine M�nner sind in diesem Moment dabei, sie zu starten.�</p><p>�Wie bitte?� murmelte Elder.</p><p>�Aber wozu � ?�</p><p>Mit einer m�den Geste deutete Kara auf das zerknitterte Blatt in Elders Hand. �Sie enthalten Kopien davon, Elder, und von allem anderen, was wir in dem Bunker unter der Stadt gefunden haben. Die Wahrheit, Elder. Das Ende f�r deine Firma � und vermutlich f�r alle anderen Terraforming-Unternehmen, die es in eurem Reich gibt.�</p><p>Elder schien nur ganz allm�hlich �berhaupt zu begreifen, was Kara meinte. �Du... du willst sie... erpressen?�</p><p>�Wenn du es so nennen willst.� Kara machte eine wegwerfende Geste. �Geh an dein Funkger�t, Elder. Sag ihnen folgendes: Diese f�nf Schiffe sind von uns so programmiert worden, da� sie irgendwo in der Galaxis warten. Ihr k�nnt euch die M�he sparen, uns verh�ren zu wollen. Keiner von uns hier wei�, wo sie sind oder wie man sie zur�ckruft. Solange ihr uns in Ruhe la�t, werden diese Sonden niemals ankommen. Aber wenn wir sie aktivieren, werden sie die f�nf gr��ten Planeten eures Reiches anfliegen und die Wahrheit in die Galaxis hinausschreien. So laut, da� jeder sie h�rt.�</p><p>�Wenn ich ihnen das sage, dann sind wir alle tot, ehe ich das Funkger�t ausschalte�, sagte Elder.</p><p>�Das glaube ich kaum�, sagte Thorn. �Kara und ihre Leute w�ren vielleicht nicht in der Lage gewesen, so etwas zu tun aber meine Techniker waren es. Wei�t du, was eine Totmannschaltung ist?�</p><p>Elder bi� sich auf die Unterlippe und schwieg.</p><p>�Wir haben eine gebastelt�, sagte Thorn. �Ich gebe zu, reichlich improvisiert � aber sie funktioniert. Sollte dieser Welt oder ihren Bewohnern irgend etwas zusto�en, dann sind die Company und PACK und alle anderen erledigt.�</p><p>�Ihr blufft!� behauptete Elder. Aber er wirkte nicht v�llig �berzeugt. �Du... du w�rst f�r den Rest deines Lebens auf dieser Welt gefangen, ist dir das klar? Selbst wenn sie auf diese Erpressung eingehen, lassen sie keinen von uns jemals wieder hier weg!�</p><p>�Es ist ein h�bscher Planet�, sagte Thorn l�chelnd. �Ein bi�chen wild, aber ich denke, ich werde mich daran gew�hnen.�</p><p>Lange, endlos lange stand Elder einfach da und starrte abwechselnd ihn und Kara und das Blatt in seiner Hand an. Dann drehte er sich mit m�den Bewegungen und h�ngenden Schultern herum und ging zum Schaltpult des Kommandanten hin�ber, um mit den anfliegenden Company-Schiffen Kontakt aufzunehmen.</p><p>Und pl�tzlich wu�te Kara, da� sie gewonnen hatten.</p><p>Es war gleich, ob sie f�nf oder f�nfzig oder nur eine der Rettungssonden erbeutet hatten. Elder glaubte ihr, und seine Auftraggeber w�rden ihm glauben, denn sie hatten gar keine andere Wahl. Schon die blo�e M�glichkeit, da� Karas Drohung der Wahrheit entsprach, w�rde sie f�r alle Zeiten davon abhalten, diesen Planeten noch einmal anzugreifen.</p><p>Einen Moment lang �berlegte sie, ob sie Elder nicht zur�ckrufen und ihm mitteilen sollte, da� sie den Preis erh�hen w�rde. In einem Punkt hatte er die Wahrheit gesagt: Sie <emphasis>k�nnten</emphasis> diese Welt in ein Paradies verwandeln. Und sie w�rden es tun, wenn Kara es verlangte. Ein Wort von ihr gen�gte, und dieser Planet, diese <emphasis>H�lle,</emphasis> wie sie selbst ihn oft genug genannt hatte, w�rde der wundervollste Platz im ganzen Universum werden.</p><p>Aber dann sah sie Hrhon an, und pl�tzlich wu�te sie auch, da� in einem solchen Paradies kein Platz mehr f�r Wesen wie ihn sein w�rde. Sie konnte das Paradies haben, aber es w�re <emphasis>Elders</emphasis> Paradies, nicht ihres. Und so schwieg sie, denn eigentlich gefiel ihr diese Welt so, wie sie war.</p><p>Einfach, weil es <emphasis>ihre</emphasis> Welt war.</p><subtitle>ENDE...?</subtitle></section></body><binary id="cover" 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