<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Iwan</first-name><last-name>Jefremow</last-name></author><book-title>Das M�dchen aus dem All</book-title><annotation><p>Wir schreiben das Jahr 3000, und das Universum ist komplett erforscht. Die Menschheit hat die n�chste Entwicklungsstufe erklommen und zusammen mit den anderen zivilisierten V�lkern des Universums den �Gro�en Ring� gegr�ndet, eine Art intergalaktischen Staatenbund, der sich haupts�chlich der Weiterentwicklung von Wissenschaft und Kunst verschrieben hat. Als ein Forscherteam der Erde auf einem namenlosen Planeten notlanden muss und dort ein verlassenes Raumschiff entdeckt, das anscheinend von einer bisher unbekannten Zivilisation konstruiert wurde, steht die Menschheit vor einem R�tsel�</p></annotation><date>1958</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>ru</src-lang><translator><first-name>Heinz</first-name><last-name>Lorenz</last-name></translator><translator><first-name>Dieter</first-name><last-name>Pommerenke</last-name></translator><sequence name="&#x412;&#x435;&#x43B;&#x438;&#x43A;&#x43E;&#x435; &#x41A;&#x43E;&#x43B;&#x44C;&#x446;&#x43E;" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf</genre><author><first-name>&#x418;&#x432;&#x430;&#x43D;</first-name><middle-name>&#x410;&#x43D;&#x442;&#x43E;&#x43D;&#x43E;&#x432;&#x438;&#x447;</middle-name><last-name>&#x415;&#x444;&#x440;&#x435;&#x43C;&#x43E;&#x432;</last-name></author><book-title>&#x422;&#x443;&#x43C;&#x430;&#x43D;&#x43D;&#x43E;&#x441;&#x442;&#x44C; &#x410;&#x43D;&#x434;&#x440;&#x43E;&#x43C;&#x435;&#x434;&#x44B;</book-title><date>1958</date><lang>ru</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>Haereticus</nickname></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.5, ImageFB2, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2014-12-18">18.12.2014</date><src-url>http://libgen.org/foreignfiction/index.php?s=Jefremow%20I%20&amp;f_lang=0&amp;f_columns=2&amp;f_group=1</src-url><id>d4c53c75-eea8-4329-8eb0-649cb38c0093</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Das M�dchen aus dem All</book-name><publisher>Berlin: Buchclub 65</publisher><city>Berlin</city><year>1967</year></publish-info></description><body><section><title><p>Iwan Jefremow</p><p>Das M�dchen aus dem All</p></title><p><emphasis>Wissenschaftlich-phantastischer Roman</emphasis></p><p><emphasis>�bersetzt von Heinz Lorenz, Dieter Pommerenke</emphasis></p><empty-line/><p>&#x422;&#x443;&#x43C;&#x430;&#x43D;&#x43D;&#x43E;&#x441;&#x442;&#x44C; &#x410;&#x43D;&#x434;&#x440;&#x43E;&#x43C;&#x435;&#x434;&#x44B;</p><p>� &#x418;&#x437;&#x434;&#x430;&#x442;&#x435;&#x43B;&#x44C;&#x441;&#x442;&#x432;&#x43E; �&#x41C;&#x43E;&#x43B;&#x43E;&#x434;&#x430;&#x44F; &#x433;&#x432;&#x430;&#x440;&#x434;&#x438;&#x44F;�, &#x41C;&#x43E;&#x441;&#x43A;&#x432;&#x430; 1965.</p></section><section><title><p>Der Eisenstern</p></title><p>In dem von der Decke reflektierten matten Licht muteten die Instrumentenskalen wie eine Bildergalerie an. Die runden wirkten verschmitzt, die querovalen unversch�mt selbstzufrieden, und die quadratischen waren in sturer Gelassenheit erstarrt. Dieser Eindruck wurde noch verst�rkt durch das hinter dem Glas flimmernde orangerote, gr�ne, hell- und dunkelblaue Licht.</p><p>In der Mitte des gew�lbten Pults leuchtete purpurn ein gro�es Zifferblatt. Ein junges M�dchen stand in starrer Haltung dar�bergebeugt � den Sessel neben sich lie� sie unbeachtet � und n�herte ihren Kopf langsam der Glasscheibe. Der rote Widerschein machte das junge Gesicht �lter und h�rter, zog um die Lippen scharfe Schatten und zeichnete die kleine Stupsnase spitz. Die breiten, gerunzelten Brauen verliehen den Augen einen finsteren, besorgten Ausdruck.</p><p>Ein leises metallisches Klicken �bert�nte das eint�nige Summen der Me�ger�te. Erschrocken fuhr das M�dchen zusammen. Sie richtete sich auf, streckte den erm�deten K�rper und verschr�nkte die schlanken H�nde im Nacken. Hinter ihr schnappte eine T�r ins Schlo�, und der gro�e Schatten eines Mannes mit knappen exakten Bewegungen tauchte auf. Dann erstrahlte goldfarbenes Licht, in dem das volle tizianrote Haar des M�dchens Funken zu spr�hen schien. Auch ihre Augen strahlten und blickten voll Sorge und Liebe auf den Eintretenden.</p><p>�Konnten Sie wirklich nicht einschlafen? Hundert Stunden ohne Schlaf!�</p><p>�Sie meinen, ein schlechtes Beispiel?� fragte der Mann fr�hlich. In seiner Stimme schwangen hohe metallische T�ne, als niete er seine Worte zusammen.</p><p>�Alle anderen schlafen�, erwiderte das M�dchen zaghaft, �und� wissen von nichts�, f�gte sie fl�sternd hinzu.</p><p>�Sprechen Sie nur laut. Die andern schlafen, und wir zwei sind jetzt allein im Kosmos; bis zur Erde sind es f�nfzig Billionen Kilometer, �ber anderthalb Parsek!�</p><p>�Unser Anameson reicht nur noch f�r eine Beschleunigung!� Furcht und Begeisterung zugleich sprachen aus den Worten des M�dchens.</p><p>Mit zwei hastigen Schritten war Erg Noor, der Leiter der siebenunddrei�igsten Sternenexpedition, bei dem purpurnen Zifferblatt.</p><p>�Der f�nfte Kreis!�</p><p>�Ja, wir befinden uns bereits auf dem f�nften. Und� nicht das geringste!�</p><p>Das M�dchen warf einen vielsagenden Blick auf den Lautsprecher des automatischen Empf�ngers.</p><p>�Sehen Sie, ich darf gar nicht schlafen. Alle Varianten, alle M�glichkeiten m�ssen durchdacht werden. Bis zum Ende des f�nften Kreises m�ssen wir eine L�sung gefunden haben.�</p><p>�Bis dahin sind es aber noch einhundertundzehn Stunden.�</p><p>�Gut, wenn die Wirkung des Sporamins aufh�rt, werde ich im Sessel ein wenig schlafen. Vor vierundzwanzig Stunden habe ich es eingenommen.�</p><p>Das M�dchen dachte angestrengt nach und sagte schlie�lich: �Sollten wir nicht den Radius unseres Fluges verringern? Vielleicht ist mit ihrem Sender etwas nicht in Ordnung?�</p><p>�Unm�glich! Eine Verringerung des Radius ohne Verminderung der Geschwindigkeit bedeutet die sofortige Vernichtung des Sternschiffes! Die Geschwindigkeit herabsetzen und dann ohne Anameson anderthalb Parsek mit der Langsamkeit einer alten Mondrakete fliegen? Wir w�rden erst nach zweitausend Jahren unser Sonnensystem erreichen.�</p><p>�Ich verstehe! Aber k�nnten sie nicht��</p><p>�Nein. In unvordenklichen Zeiten konnten die Menschen Fahrl�ssigkeiten begehen oder sich und andere t�uschen. Aber heute nicht mehr!�</p><p>�Das meine ich nicht.� Kr�nkung sprach aus der schroffen Antwort des M�dchens. �Ich wollte sagen, da� die �Algrab� vielleicht vom Kurs abgewichen ist und uns ebenfalls sucht.�</p><p>�So stark konnte sie nicht abweichen. Sie mu� zur genau errechneten und festgelegten Zeit gestartet sein. Wenn das Unwahrscheinliche geschehen und ihre beiden Sender ausgefallen w�ren, h�tte sie unweigerlich den Kreis diametral gekreuzt, und wir h�tten sie �ber den planetarischen Empfang geh�rt. Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Da ist ja der Planet, bei dem wir uns treffen wollten!�</p><p>Erg Noor wies auf einen der Reflexbildschirme, die an allen vier Seiten der Steuerzentrale in Vertiefungen angebracht waren. In der pechschwarzen Dunkelheit glitzerten unz�hlige Sterne. �ber den vorderen linken Bildschirm huschte eine kleine graue Scheibe � der Planet am Rande des Systems B � 7336 � C + 87 � A, nur matt beleuchtet von seiner fernen Sonne.</p><p>�Unsere kosmischen Markierungszeichen, die wir vor vier Erdenjahren gesetzt haben, arbeiten immer noch pr�zise.� Erg Noor zeigte auf einen Lichtstreifen in einem der l�nglichen Bordfenster. �Die �Algrab� h�tte schon vor einem Vierteljahr hier sein m�ssen. Das bedeutet��, Erg Noor z�gerte, als k�nne er sich nicht entschlie�en, das Urteil auszusprechen, �da� die �Algrab� nicht mehr existiert!�</p><p>�Vielleicht ist sie nicht zerst�rt, sondern nur durch einen Meteorit besch�digt worden und ist nun au�erstande, die notwendige Geschwindigkeit zu erreichen�, entgegnete das M�dchen.</p><p>�Au�erstande, die notwendige Geschwindigkeit zu erreichen!� wiederholte Erg Noor. �Das ist genauso, als l�ge zwischen dem Schiff und dem Ziel ein jahrtausendelanger Weg. Sogar noch schlimmer, denn der Tod tritt nicht sofort ein, es vergehen Jahre der Hoffnungslosigkeit vor dem endg�ltigen Untergang. Doch vielleicht melden sie sich noch. Das erfahren wir dann in sechs Jahren, auf der Erde.�</p><p>Mit einer energischen Bewegung zog Erg Noor den Klappsessel unter dem Tisch der Elektronenrechenmaschine hervor. Es war das kleine Modell MNU-11. Bis jetzt war es nicht m�glich, das f�r allseitige Operationen verwendbare Elektronengehirn vom Typ ITU, seines Gewichts, Ausma�es und seiner Empfindlichkeit wegen, in den Sternschiffen einzubauen und ihm deren Steuerung restlos zu �bertragen. Am Steuerpult war immer noch ein diensthabender Navigator vonn�ten, da man den Kurs auf so weite Entfernungen nicht exakt festlegen konnte.</p><p>Die H�nde des Expeditionsleiters glitten unglaublich schnell �ber die Hebel und Kn�pfe. Das scharfgeschnittene, bleiche Gesicht blieb starr; diese hohe Stirn, trotzig �ber das Pult gebeugt, schien gleichsam die Naturkr�fte herauszufordern, die die kleine lebendige Welt bedrohten, weil sie in verbotene Tiefen des Raumes vorgedrungen war.</p><p>Nisa Krit, die junge Navigatorin, nahm zum erstenmal an einer Sternenexpedition teil. Stumm, mit verhaltenem Atem beobachtete sie den in sich versunkenen Erg Noor. Wie ruhig und doch energisch, wie klug war dieser Mann!</p><p>Seit f�nf Jahren liebte sie ihn, und es hatte keinen Sinn mehr, das vor ihm zu verbergen; Nisa wu�te, da� er es f�hlte. Jetzt, nach diesem Ungl�ck, durfte sie bei ihm sein. Drei Monate Dienst zu zweit waren es gewesen, w�hrend die restliche Besatzung des Sternschiffes in tiefem hypnotischem Schlaf lag. Noch dreizehn Tage, dann werden auch sie ein halbes Jahr lang schlafen, und inzwischen werden Piloten, Astronomen und Mechaniker in zwei Schichten den Dienst versehen. Die Biologen und Geologen, die nur am Ankunftsort zu arbeiten haben, k�nnen l�nger schlafen. Die Astronomen dagegen haben die schwierigste und anstrengendste Arbeit!</p><p>Erg Noor erhob sich, und Nisas Gedanken wurden unterbrochen.</p><p>�Ich gehe ins Sternkartenarchiv. Ihre Ruhepause beginnt in�� � er blickte auf die kosmische Uhr � �neun Stunden. Ich kann mich noch ausschlafen, bevor ich Sie abl�se.�</p><p>�Ich bin nicht m�de; ich werde hier sein, solange es n�tig ist. Wenn Sie sich nur ausruhen k�nnen!�</p><p>Erg Noor runzelte die Stirn und wollte widersprechen, doch von der Z�rtlichkeit der Stimme und dem Blick der goldbraunen Augen besiegt, l�chelte er und ging schweigend hinaus.</p><p>Nisa setzte sich in den Sessel, ihr Blick glitt gewohnheitsm��ig �ber alle Ger�te, und sie versank in tiefes Nachdenken.</p><p>Schwarz hoben sich �ber ihr die Reflexbildschirme ab, die das Blickfeld der Steuerzentrale wiedergaben. Das vielfarbige Licht der Sterne stach in die Augen wie Nadeln. Das Sternschiff �berholte den Planeten und kam durch dessen Schwerkraft am Rande des ver�nderlichen Gravitationsfeldes ins Schlingern. Die Sterne auf den Reflexbildschirmen vollf�hrten wilde Spr�nge, die Sternbilder wechselten mit atemberaubender Schnelligkeit.</p><p>Der Planet K-2-2N-88, weit entfernt von seiner Sonne, kalt und leblos, war als geeigneter Ort f�r das Treffen der beiden Sternschiffe vorgesehen, f�r eine Begegnung, die nicht stattgefunden hatte. Der f�nfte Kreis! Nisa stellte sich die �Tantra� vor, wie sie mit verminderter Geschwindigkeit auf dem riesengro�en Kreis mit einem Radius von Milliarden Kilometern dahinjagte und den wie eine Schildkr�te kriechenden Planeten unaufhaltsam �berholte. In einhundertundzehn Stunden w�rde das Sternschiff den f�nften Kreis passiert haben. Und was dann? Erg Noor bot seinen ganzen vortrefflichen Verstand auf, um den bestm�glichen Ausweg zu finden. Er, der Expeditionsleiter und Schiffskommandant, durfte sich nicht irren, sonst w�rde die �Tantra�, ein Sternschiff erster Kategorie, mit ihrer Besatzung von hervorragenden Wissenschaftlern niemals aus dem Weltraum zur�ckkehren! Und Erg Noor w�rde sich nicht irren.</p><p>Nisa empfand pl�tzlich �belkeit; das Sternschiff war um den Bruchteil eines Grades vom Kurs abgekommen. Kaum war der graue Nebel vor den Augen des M�dchens gewichen, wiederholte sich der Zustand � das Schiff kehrte auf seinen alten Kurs zur�ck. Die �u�erst empfindlichen Radarger�te hatten in der schwarzen Leere einen Meteorit ausgemacht � die gr��te Gefahr f�r Sternschiffe. Durch die Steuerung mit Hilfe der Elektronenmaschinen konnte die �Tantra� innerhalb einer millionstel Sekunde ausweichen und nach �berwindung der Gefahr ebensoschnell wieder den fr�heren Kurs einnehmen.</p><p>Was hatte nur solche Maschinen gehindert, die �Algrab� zu retten? fragte sich Nisa, nachdem die �belkeit vor�bergegangen war. Das Sternschiff ist bestimmt durch den Zusammenprall mit einem Meteorit vernichtet worden. Erg Noor hat gesagt, bisher sei trotz der hochempfindlichen Radarger�te jedes zehnte Sternschiff durch Meteorite vernichtet worden. Der Untergang der �Algrab� hatte sie alle in eine riskante Lage gebracht. Das M�dchen rief sich die Ereignisse vom Start an ins Ged�chtnis zur�ck.</p><p>Die siebenunddrei�igste Sternenexpedition war zu einem Planetensystem im Sternbild des Schlangentr�gers entsandt worden, dessen einziger besiedelter Planet, die Sirda, schon lange mit der Erde und anderen Welten �ber den Gro�en Ring Verbindung hatte. Pl�tzlich war die Verbindung abgebrochen, und seit �ber siebzig Jahren war von dort keine einzige Nachricht mehr gekommen. Die Erde, der der Sirda n�chstgelegene Planet des Rings, war verpflichtet, festzustellen, was geschehen war. Aus diesem Grunde hatte das Expeditionsschiff viele Apparate und einige hervorragende Wissenschaftler an Bord genommen, deren Nervensystem sich nach unz�hligen Versuchen als f�hig erwiesen hatte, die jahrelange Isolierung im Sternschiff zu �berstehen. Der Vorrat an Treibstoff f�r die Triebwerke war nicht sehr gro�; nicht da� das Anameson zu schwer war, aber es mu�te in riesigen Beh�ltern aufbewahrt werden. Der Vorrat sollte auf der Sirda erg�nzt werden. Falls mit dem Planeten etwas geschehen war, hatte das Sternschiff �Algrab� an der Flugbahn des Planeten K-2-2N-88 mit der �Tantra� zusammentreffen und neuen Treibstoff bringen sollen.</p><p>Mit ihrem feinen Geh�r fing Nisa den ver�nderten Summton des k�nstlichen Gravitationsfeldes auf. Die Skalenscheiben dreier Ger�te begannen zu flackern, und auf Steuerbord schaltete sich der Elektronenf�hler ein. Der erleuchtete Bildschirm zeigte einen kantigen schwarzen Klumpen. Wie ein Gescho� bewegte er sich geradewegs auf die �Tantra� zu, war jedoch noch weit entfernt � ein gigantisches St�ck Materie, wie man es h�chst selten im Kosmos antrifft. Nisa ging sofort daran, Umfang, Gewicht, Geschwindigkeit und Flugrichtung zu bestimmen. Erst als die Spule des automatischen Kontrollger�ts, das die Daten festhielt, klickte, �berlie� sich Nisa wieder ihren Erinnerungen.</p><p>Am deutlichsten entsann sie sich der matten blutroten Sonne, die im Sichtfeld der Bildschirme mit den letzten Monaten des vierten Reisejahres immer gr��er geworden war. Es war das vierte Jahr f�r die Besatzung der �Tantra�, die mit f�nf Sechstel der Lichtgeschwindigkeit dahinraste. Auf der Erde waren in dieser Zeit ann�hernd sieben Jahre vergangen.</p><p>Die Bildschirmfilter, die das menschliche Auge schonten, lie�en die Strahlen jedes Himmelsk�rpers so erscheinen, wie sie durch den Sauerstoff- und Stickstoffschutzmantel der dichten Erdatmosph�re zu sehen sind. Das unbeschreibliche fahlviolette Licht der hei�en Himmelsk�rper erschien bl�ulich oder wei�, die matt r�tlichen Sterne wirkten goldgelb wie unsere Sonne. Hier im Weltraum dagegen nahm ein purpurrot leuchtender Himmelsk�rper eine tiefrote F�rbung an. Der Planet Sirda befand sich bedeutend n�her an seiner Sonne als unsere Erde an der ihren. Je mehr sich das Schiff der Sirda n�herte, desto riesiger wurde die scharlachrote Scheibe ihrer Sonne, die intensive W�rmestrahlen aussandte.</p><p>Zwei Monate vor der Expedition zur Sirda hatte die �Tantra� versucht, mit der Au�enstation des Planeten Verbindung aufzunehmen. Es existierte nur eine einzige Station auf einem kleinen atmosph�refreien nat�rlichen Satelliten, der weniger weit von der Sirda entfernt war als der Mond von der Erde.</p><p>Das Sternschiff hatte seine Rufzeichen auch dann noch fortgesetzt, als es vom Planeten nur noch drei�ig Millionen Kilometer entfernt und auf eine Geschwindigkeit von dreitausend Kilometer pro Sekunde heruntergegangen war. Dienst hatte damals Nisa, doch die gesamte Mannschaft war wach und sa� erwartungsvoll in der Steuerzentrale vor den Bildschirmen.</p><p>Nisa sendete immer wieder und mit zunehmender Sendest�rke Rufzeichen und schickte F�cherstrahlen voraus.</p><p>Endlich erblickten sie den winzigen gl�nzenden Punkt der Au�enstation. Das Sternschiff ging allm�hlich auf die Bahn des Satelliten �ber, indem es sich ihm spiralf�rmig n�herte und seine Geschwindigkeit der des Satelliten anglich. Bald waren die �Tantra� und der Satellit wie durch ein unsichtbares Seil miteinander verbunden, und das Sternschiff hing �ber dem schnell dahinjagenden kleinen Himmelsk�rper. Die Elektronen-Stereoteleskope des Schiffes tasteten die Oberfl�che des Satelliten ab. Da bot sich pl�tzlich der Besatzung der �Tantra� ein unverge�liches Bild.</p><p>Ein riesiges flaches Glasgeb�ude erstrahlte im Widerschein der blutroten Sonne. Direkt unter dem Dach befand sich ein gro�er Raum in der Art eines Versammlungssaales oder Auditoriums. Dort verharrten reglos viele Gestalten, die zwar den Erdbewohnern nicht �hnlich, aber zweifellos denkende Wesen waren. Einer der Astronomen der Expedition, Pur Hiss, ein Neuling im Kosmos, der unmittelbar vor dem Start f�r einen erfahrenen Mitarbeiter hatte einspringen m�ssen, dr�ckte erregt auf den Abstimmknopf des Instruments. Die unter dem Glasdach verschwommen sichtbaren Wesen blieben unbeweglich. Pur Hiss verst�rkte die Vergr��erung. Ein Podest war zu erkennen, Ger�tepulte und ein langer Tisch, an dem eines der Wesen mit starr in die Ferne gerichtetem Blick vor den Versammelten sa�.</p><p>�Sie sind tot!� rief Erg Noor.</p><p>Das Sternschiff blieb weiterhin �ber dem Satelliten der Sirda, und vierzehn Augenpaare blickten unverwandt auf das gl�serne Grab. Wieviel Jahre schon mochten diese Toten hier sitzen? Vor siebzig Jahren war der Planet verstummt; rechnete man noch sechs Jahre hinzu, die die Funkstrahlen bis zur Erde gebraucht hatten, so war es ein dreiviertel Jahrhundert. Aller Augen richteten sich auf den Expeditionsleiter. Erg Noor blickte auf den gelblichen Dunstschleier der Planetenatmosph�re. Nur mit Anstrengung lie�en sich Gebirgsz�ge und Meere erkennen, doch nichts gab die Antwort, um derentwillen sie hierhergeflogen waren.</p><p>�Die Station ist ausgestorben und w�hrend der f�nfundsiebzig Jahre nicht wieder besetzt worden! H�chstwahrscheinlich hat sich eine Katastrophe auf dem Planeten ereignet. Wir m�ssen niedriger gehen, die Atmosph�re durchsto�en und m�glicherweise landen. Alle sind hier versammelt � ich erbitte die Meinung des Rates.�</p><p>Lediglich der Astronom Pur Hiss wollte Einw�nde machen. Emp�rt betrachtete Nisa seine raubvogel�hnliche Nase und die tiefsitzenden h��lichen Ohren.</p><p>�Wenn auf dem Planeten eine Katastrophe eingetreten ist, haben wir keinerlei Chance, Anameson zu erhalten. Ein Umfliegen des Planeten in geringer H�he und erst recht eine Landung w�rden unseren Treibstoffvorrat fast verbrauchen. Au�erdem wissen wir nicht, was geschehen ist. Wir k�nnen gewaltigen Strahlungen ausgesetzt sein, die uns zugrunde richten.�</p><p>Alle anderen Expeditionsmitglieder unterst�tzten dagegen den Vorschlag des Leiters.</p><p>�Keinerlei planetarische Strahlungen�, erl�uterte Erg Noor, �k�nnen ein Schiff mit kosmischem Schutz gef�hrden. Und sind wir nicht hierher gesandt worden, um zu kl�ren, was sich ereignet hat? Was wird die Erde dem Gro�en Ring antworten? Festzustellen, da� etwas geschehen ist, ist wenig, wir m�ssen eine Erkl�rung daf�r finden. Entschuldigen Sie meine sch�lerhaften �berlegungen!� In seiner metallischen Stimme klang Spott. �Wir k�nnen uns wohl kaum dieser Pflicht entziehen.�</p><p>�Die Temperatur in den oberen Schichten der Atmosph�re ist normal!� rief Nisa erfreut, nachdem sie die Messungen ausgef�hrt hatte.</p><p>L�chelnd begab sich Erg Noor an das Steuerpult und lie� das Schiff tiefer gehen, wobei er vorsichtig, Schleife um Schleife, den Spiralflug des Sternschiffes verlangsamte. Die Sirda war etwas kleiner als die Erde, daher war bei einem niedrigen Umfliegen keine gro�e Geschwindigkeit erforderlich. Die Astronomen und die Geologin verglichen die Karten von dem Planeten mit den Beobachtungen der optischen Ger�te der �Tantra�. Die Kontinente hatten ihre fr�heren Umrisse genau bewahrt, die Meere glitzerten ruhig in der roten Sonne. Auch die Gebirgsk�mme, von fr�heren Aufnahmen bekannt, hatten ihre Formen nicht ver�ndert � der Planet aber schwieg.</p><p>F�nfunddrei�ig Stunden lang verlie� keiner der Expeditionsteilnehmer seinen Beobachtungsposten, nur von Zeit zu Zeit l�sten sie einander an den Ger�ten ab. Die Zusammensetzung der Atmosph�re, die Ausstrahlung des roten Himmelsk�rpers � alles deckte sich mit den fr�heren Angaben �ber die Sirda. Erg Noor las im Handbuch der Sirda die Zahlenangaben �ber ihre Stratosph�re nach. Die Ionisierung war h�her als gew�hnlich. Erg Noor ahnte, was geschehen war.</p><p>Auf der sechsten Schleife der absteigenden Spirale des Sternschiffes wurden die Konturen gro�er St�dte sichtbar. Doch noch immer war kein einziges Signal in den Empfangsger�ten der �Tantra� zu h�ren.</p><p>Nisa war abgel�st worden, zum Essen gegangen und dann wahrscheinlich eingenickt. Ihr schien, als habe sie nur wenige Minuten geschlafen. Das Sternschiff �berflog die Nachtseite der Sirda nicht schneller als ein gew�hnliches Flugschiff die Erde. Da unten mu�ten St�dte, Fabriken und H�fen liegen. Doch kein einziges Licht blinkte in dieser Finsternis, wie sehr auch die starken Stereoteleskope danach suchten. Das alles �bert�nende Donnern, mit dem das Sternschiff die Atmosph�re durchstie�, mu�te kilometerweit zu h�ren sein. Eine Stunde verrann. Die Qual des Wartens wurde unertr�glich. Erg Noor schaltete die Warnsirene ein. Ein furchtbares Heulen durchdrang die schwarze Leere, und die Schiffsbesatzung hoffte, da� es, wie auch das Donnern der Atmosph�re, von den immer noch schweigenden Bewohnern der Sirda geh�rt werde.</p><p>Purpurrotes Licht verdr�ngte die unheilverk�ndende Finsternis: die �Tantra� hatte die Tagseite des Planeten erreicht. Doch unten blieb weiterhin alles schwarz. Die schnell vergr��erten Aufnahmen zeigten einen dichten Teppich von Blumen, die dem samtschwarzen Mohn auf der Erde �hnelten.</p><p>�ber Tausende Kilometer erstreckte sich das Dickicht des schwarzen Mohns. Wie die Rippen riesiger Skelette hoben sich von dem schwarzen Teppich die Stra�en der St�dte ab, wie rote Wunden muteten die rostigen Eisenkonstruktionen an. Nirgends ein Lebewesen oder ein Baum � nichts als schwarzer Mohn!</p><p>Die �Tantra� warf eine automatische Beobachtungsstation ab und gelangte wieder auf die Nachtseite. Sechs Stunden darauf meldete die automatische Station die Zusammensetzung der Luft, die Temperatur, den Druck und die sonstigen Verh�ltnisse unmittelbar �ber dem Boden. Alles war normal f�r den Planeten, mit Ausnahme der erh�hten Radioaktivit�t.</p><p>�Eine entsetzliche Trag�die!� fl�sterte Eon Tal, der Biologe der Expedition, w�hrend er die letzten Angaben der Station notierte. �Sie haben sich und ihren ganzen Planeten umgebracht.�</p><p>�Wirklich?� fragte Nisa betroffen. �Entsetzlich! Dabei ist die Ionisierung gar nicht so stark.�</p><p>�Seitdem sind viele Jahre vergangen�, antwortete der Biologe rauh. �Solch ein radioaktiver Zerfall ist gerade dadurch gef�hrlich, da� die Strahlung unmerklich zunimmt. Jahrhundertelang vergr��ern sich die Biodosen der Strahlen, bis pl�tzlich der qualitative Sprung erfolgt! Zerst�rung der Erbanlage, Aufh�ren der Reproduktion des Menschen, Strahlenepidemien� Das geschieht nicht zum erstenmal. Dem Ring sind �hnliche Katastrophen bekannt.�</p><p>�Zum Beispiel auf dem sogenannten Planeten der violetten Sonne�, lie� sich Erg Noors Stimme aus dem Hintergrund vernehmen.</p><p>�Das Tragische dabei ist, da� die merkw�rdige Sonne seine Bewohner ohnehin mit starker Energie versorgte�, bemerkte finster Pur Hiss. �Ihre Leuchtkraft betr�gt das Achtundsiebzigfache unserer Sonne, und sie geh�rt zur Spektralklasse A null.�</p><p>�Wo ist dieser Planet?� erkundigte sich Eon Tal. �Ist es etwa der, den der Rat besiedeln will?�</p><p>�Ja, der. Nach ihm ist die �Algrab� benannt worden.�</p><p>�Algrab oder auch Delta Corvi!� rief der Biologe. �Aber er ist doch ungeheuer weit entfernt!�</p><p>�Sechsundvierzig Parsek. Was macht das! Wir bauen ja Sternschiffe f�r immer gr��ere Entfernungen.�</p><p>Der Biologe nickte und brummte; man h�tte das Sternschiff lieber nicht nach einem ausgestorbenen Planeten benennen sollen.</p><p>�Aber der Stern ist doch nicht untergegangen, und auch der Planet nicht.�</p><p>�Kein Jahrhundert wird vergehen, und wir haben ihn wieder besiedelt�, antwortete Erg Noor �berzeugt.</p><p>Er entschlo� sich zu dem schwierigen Man�ver, die Flugbahn des Sternschiffes von den Breitengraden auf die Meridiane zu verlegen. Wie k�nnte man den Planeten verlassen, ohne festgestellt zu haben, ob alle umgekommen waren? Vielleicht hatten die �berlebenden das Sternschiff nicht zu Hilfe rufen k�nnen, weil die Energiestationen und die Ger�te versagt hatten?</p><p>Nicht das erstemal sah Nisa den Leiter w�hrend eines verantwortungsvollen Man�vers am Steuerpult stehen. Mit seinem markanten Gesicht, seinen knappen, exakten Bewegungen kam Erg Noor dem jungen M�dchen wie ein legend�rer Held vor.</p><p>Und wieder zog die �Tantra� ihre Bahn um die Sirda, diesmal von Pol zu Pol. Bisweilen tauchten weite Strecken kahlen Bodens auf, besonders in den mittleren Breiten. Durch den Nebel schimmerten rote Sandwellen, die der Wind �ber weite Fl�chen geweht hatte. Dann dehnte sich erneut die samtene Trauerdecke schwarzen Mohns aus � die einzige Pflanze, die der Radioaktivit�t widerstanden oder unter ihrem Einflu� eine lebensf�hige Mutation entwickelt hatte.</p><p>Eines war klar: Es w�rde aussichtlos, ja sogar gef�hrlich sein, auf dem Planeten Anameson zu suchen, von dem auf Empfehlung des Gro�en Rings f�r G�ste aus anderen Welten Vorr�te angelegt worden waren. (Die Sirda besa� noch keine Sternschiffe, sondern nur kleinere Raketen.) Die �Tantra� schraubte sich wieder langsam spiralf�rmig in die H�he. Nachdem das Sternschiff mit Hilfe der Ionentriebwerke, die bei Fl�gen von einem Planeten zum anderen sowie f�r Start und Landung eingesetzt wurden, seine Geschwindigkeit auf siebzehn Kilometer pro Sekunde erh�ht hatte, verlie� es den ausgestorbenen Planeten und nahm Kurs auf ein unbewohntes, nur unter einer Chiffre bekanntes System, wo kosmische Markierungszeichen gesetzt worden waren und wo die �Algrab� sie erwarten sollte. Dann wurden die Anamesontriebwerke eingeschaltet, die das Sternschiff innerhalb von zweiundf�nfzig Stunden auf seine normale Reisegeschwindigkeit von neunhundert Millionen Kilometern in der Stunde brachten. Bis sie den Treffpunkt erreichten, w�rde es noch f�nfzehn Monate dauern oder elf nach der abh�ngigen Zeitrechnung des Sternschiffes. Alle Besatzungsmitglieder, mit Ausnahme derjenigen, die Dienst hatten, konnten in Schlaf versenkt werden. Einen Monat nahmen jedoch noch die gemeinsame Diskussion, die Berechnungen und die Ausarbeitung des Berichts an den Rat in Anspruch. Aus dem Handbuch �ber die Sirda hatten sie von gewagten Versuchen mit spaltbarem Material erfahren. Sie hatten Ausf�hrungen hervorragender Wissenschaftler des toten Planeten gefunden, die rechtzeitig auf Anzeichen sch�dlicher Auswirkungen auf das Leben hingewiesen und die sofortige Einstellung aller Versuche gefordert hatten. Vor einhundertundachtzehn Jahren war eine kurze Warnung �ber den Gro�en Ring erfolgt, f�r vernunftbegabte Wesen deutlich genug, von der Regierung der Sirda aber offensichtlich nicht ernst genommen.</p><p>Somit war alles klar: Das Leben auf der Sirda war durch die sch�dliche Radioaktivit�t ausgel�scht worden � das Resultat unvorsichtiger Experimente mit den gef�hrlichen Verwendungsm�glichkeiten der Kernenergie.</p><p>Inzwischen hatte die Mannschaft des Sternschiffes zweimal jeweils drei Monate geschlafen und in der �brigen Zeit von sechs Monaten ein normales Leben gef�hrt.</p><p>Nun kreiste die �Tantra� bereits viele Tage um den grauen Planeten, und von Stunde zu Stunde wurde die Hoffnung auf ein Zusammentreffen mit der �Algrab� geringer.</p><p>Etwas F�rchterliches bahnte sich an.</p><p>Erg Noor blieb auf der Schwelle stehen und betrachtete die in Gedanken versunkene Nisa. Ihr Kopf mit dem dichten Haarschopf war zur Seite geneigt, die ein wenig schr�g stehenden Augen, h�ufig von verhaltenem Lachen zusammengekniffen, waren jetzt weit ge�ffnet und blickten besorgt, aber doch mutig in das Unbekannte. Das M�dchen ahnte nicht, welch gro�er innerer Halt ihre Liebe f�r ihn geworden war, f�r ihn, der trotz seiner langj�hrigen Erfahrungen m�de wurde, als Expeditionsleiter st�ndig die Verantwortung f�r die Menschen, das Schiff und den Erfolg der Expedition zu tragen. Auf der Erde gab es schon l�ngst nicht mehr eine so individuelle Verantwortlichkeit � dort entschied stets das Kollektiv, dem die Aufgabe �bertragen war. Und wenn etwas Au�ergew�hnliches geschah, konnte man sofort Rat einholen, auch wenn das Problem noch so schwierig war. Hier aber konnte man niemand konsultieren, und so hatten die Raumschiffkommandanten Sonderbefugnisse. Es w�re leichter, w�rde sich die Verantwortlichkeit nur �ber zwei, drei Jahre erstrecken statt �ber zehn bis f�nfzehn, die eine mittlere Sternenexpedition gew�hnlich zu dauern pflegte.</p><p>Erg Noor ging auf das Steuerpult zu. Nisa lief ihm entgegen.</p><p>�Ich habe alle erforderlichen Materialien und Karten zusammengestellt�, sagte er. �Das �brige ist Aufgabe der Maschine!�</p><p>Der Expeditionsleiter streckte sich im Sessel aus und nannte, langsam die Metallfolien umbl�tternd, die Ziffern der Koordinaten, die St�rken der Magnet-, Elektrizit�ts- und Gravitationsfelder, die Stromdichte der kosmischen Teilchen sowie die Geschwindigkeit und die Dichte der Meteorstr�me. Bla� vor Anspannung, dr�ckte Nisa auf die Kn�pfe und bet�tigte die Schalter der Rechenmaschine. Erg Noor erhielt eine Serie von Antworten und dachte stirnrunzelnd nach.</p><p>�Auf unserem Weg liegt ein starkes Gravitationsfeld � ein Gebiet mit einer Anh�ufung dunkler Materie im Skorpion, in der N�he der Sterne 6555-ZR und 11-PKU�, begann Noor. �Um einen Treibstoffverlust zu vermeiden, m�ssen wir dorthin, zur Schlange, ausweichen. Fr�her hat man die Gravitationsfelder als Beschleuniger ausgenutzt und ist ohne Antrieb an ihrem Rande entlanggeflogen��</p><p>�K�nnten wir das nicht auch?� fragte Nisa.</p><p>�Nein, daf�r sind unsere Sternschiffe zu schnell. Ein Tempo von f�nf Sechsteln der Lichtgeschwindigkeit oder zweihundertf�nfzigtausend Kilometern pro Sekunde w�rde im Gravitationsfeld der Erde das Gewicht unseres Schiffes auf das Zw�lftausendfache erh�hen, folglich die gesamte Expedition in Staub verwandeln. Nur im Weltraum, weitab von gro�en Materieanh�ufungen, k�nnen wir so fliegen. Sobald das Sternschiff in ein Gravitationsfeld gelangt, m�ssen wir die Geschwindigkeit um so mehr drosseln, je st�rker das Feld ist.�</p><p>�Ein Widerspruch also.� Nisa st�tzte das Kinn in die Hand. �Je st�rker das Gravitationsfeld ist, um so langsamer mu� man fliegen.�</p><p>�Das trifft nur f�r Geschwindigkeiten zu, die der Lichtgeschwindigkeit sehr nahekommen, wenn also das Sternschiff selbst eine Art Lichtstrahl wird und sich nur auf einer Geraden oder einer sogenannten Kurve gleicher Spannungen bewegen kann.�</p><p>�Wenn ich richtig verstanden habe, m�ssen Sie die �Tantra� mit einer solchen Geschwindigkeit direkt auf unser Sonnensystem zusteuern.�</p><p>�Darin liegt eben die Schwierigkeit. Genau auf einen bestimmten Stern zuzuhalten ist praktisch unm�glich, obgleich wir alle erdenklichen rechnerischen Korrekturen vornehmen. W�hrend des ganzen Fluges sind Berechnungen der zunehmenden Abweichungen erforderlich, und der Kurs des Schiffes mu� entsprechend ge�ndert werden. Eine vollautomatische Steuerung ist also nicht m�glich. Auch jetzt befinden wir uns in einer gef�hrlichen Situation. Ein Stoppen oder auch nur ein starkes Abbremsen bedeutet f�r uns den Tod, da wir nicht mehr genug Anameson haben, um die notwendige Geschwindigkeit wieder zu erreichen. Aber es besteht noch eine andere Gefahr! Sehen Sie, das Gebiet 344 + 2 U ist vollkommen unerforscht. Hier gibt es keine Sterne, nur das Gravitationsfeld ist bekannt, und hier verl�uft seine Grenze. Die Astronomen sollen entscheiden, wozu wir uns entschlie�en m�ssen; nach dem f�nften Kreis wecken wir alle. Bis dahin�� Der Expeditionsleiter g�hnte.</p><p>�Das Sporamin h�rt auf zu wirken. Sie k�nnen sich ausruhen�, schlug Nisa vor.</p><p>�Gut, ich werde es mir hier bequem machen, in diesem Sessel. Vielleicht geschieht ein Wunder, und wir empfangen doch noch eine Nachricht von der �Algrab�.�</p><p>In Erg Noors Stimme schwang etwas mit, was Nisas Herz schneller schlagen lie�. Sie hatte den Wunsch, diesen eigensinnigen Kopf an sich zu dr�cken und �ber das vorzeitig ergraute Haar zu streichen.</p><p>Nisa erhob sich, legte sorgf�ltig die Kursaufzeichnungen zusammen und l�schte das Licht bis auf die schwache gr�ne Beleuchtung �ber den Wandborden mit den Ger�ten und Uhren. Das Sternschiff flog v�llig ruhig im leeren Raum dahin. Das M�dchen nahm lautlos ihren Platz am �Gehirn� des Riesenschiffes ein. Leise wie immer summten die Ger�te, in einer bestimmten Melodie zusammenklingend; die geringste Ver�nderung wurde sogleich durch einen falschen Ton angezeigt. Alles war in Ordnung: Die leise Melodie schwebte in harmonischer Tonfolge durch den Raum, bisweilen von schwachen Schl�gen �hnlich denen eines fernen Gongs untermalt � das Hilfstriebwerk hatte sich eingeschaltet, das die �Tantra� auf Kurs hielt. Die starken Anamesontriebwerke schwiegen. Wie im Schlaf glitt das Sternschiff durch die Stille der Nacht, als drohe ihm und seiner Besatzung keine Gefahr. Gleich w�rden im Empf�nger die lang ersehnten Rufzeichen ert�nen, die beiden Sternschiffe w�rden ihre ungeheure Geschwindigkeit verringern, sich einander auf parallelen Kreisen n�hern und sich nach Angleichung ihrer Geschwindigkeit Bord an Bord legen. Ein ger�umiger r�hrenf�rmiger Korridor w�rde die beiden Raumschiffwelten verbinden, und die �Tantra� w�rde wieder gigantische Kr�fte entfalten k�nnen.</p><p>Nisa war im Grunde ihres Herzens ruhig; sie glaubte an Erg Noor. Die f�nf Jahre unterwegs waren weder lang noch bedr�ckend gewesen, besonders nachdem Nisa sich ihres Gef�hls immer sicherer geworden war. Au�erdem aber konnte man durch die interessanten Beobachtungen, durch Elektronenaufzeichnungen von B�chern, Musik und Filmen sein Wissen st�ndig erg�nzen. Nisas Gef�hrten waren Menschen mit au�erordentlichen Kenntnissen, und wenn die Nerven von den Eindr�cken oder der langen, angespannten Arbeit erm�deten� was tat es! In einem langen, durch hypnotische Schwingungen aufrechterhaltenen Schlaf versanken gro�e Zeitr�ume im Nichts und flogen wie ein Augenblick vor�ber. Neben dem Geliebten war Nisa gl�cklich. Doch bedr�ckte sie die schwierige Situation der anderen und besonders die seine. Wenn sie nur helfen k�nnte! Was ist jedoch ein so unwissendes M�dchen neben solchem Menschen! Aber vielleicht halfen ihm Z�rtlichkeit, ihr st�ndiger guter Wille, der Wunsch, ihm die m�hevolle Arbeit zu erleichtern.</p><p>Der Expeditionsleiter erwachte und hob den vom Schlaf schweren Kopf. Noch immer summten gleichm��ig die Ger�te, hin und wieder von den Schl�gen des Hilfstriebwerkes unterbrochen. Wie zuvor versah Nisa ihren Dienst an den Ger�ten, den R�cken leicht gekr�mmt, das junge Gesicht von M�digkeit �berschattet. Erg Noor warf einen Blick auf die kosmische Uhr und war mit einem Satz auf den Beinen.</p><p>�Vierzehn Stunden habe ich geschlafen! Und Sie haben mich nicht geweckt! Das ist�� Er stockte, als er ihr frohes L�cheln bemerkte. �Sie ruhen sich sofort aus!�</p><p>�Vielleicht kann ich hier schlafen� wie Sie�, sagte das M�dchen bittend. Nachdem Erg Noor zugestimmt hatte, ging sie essen, wusch sich und machte es sich im Sessel bequem. Heimlich beobachtete sie Erg Noor, als er, von einer Wellendusche erfrischt und vom Essen gest�rkt, seinen Platz an den Instrumenten einnahm. Nachdem er ihre Angaben �berpr�ft hatte, begann er mit schnellen Schritten auf und ab zu gehen.</p><p>�Warum schlafen Sie nicht?� fragte er streng.</p><p>Nisa sch�ttelte ihre kurzgeschnittenen roten Locken; die Frauen trugen bei au�erirdischen Expeditionen kein langes Haar.</p><p>�Ich denke nach�, begann sie z�gernd, �und empfinde Ehrfurcht vor der Macht und Gr��e des Menschen, der so weit in die unerme�lichen Tiefen des Raumes vorgedrungen ist! F�r Sie ist hier vieles selbstverst�ndlich, aber ich bin zum erstenmal im Kosmos. Wenn ich nur daran denke: An einer so grandiosen Reise zu neuen Welten darf ich teilnehmen!�</p><p>Erg Noor l�chelte und strich sich �ber die Stirn.</p><p>�Ich mu� Sie entt�uschen oder, besser gesagt, Ihnen die wirkliche Gr��e unserer Macht zeigen. Hier.� Er machte sich am Projektor zu schaffen, und an der hinteren Kabinenwand flammte die leuchtende Spirale der Milchstra�e auf.</p><p>Erg Noor zeigte auf den inmitten der finsteren Umgebung kaum erkennbaren ausgefransten �u�eren Zweig der Spirale, der aus sp�rlich verstreuten Sternen bestand, mattleuchtendem Staub gleich.</p><p>�Das ist das W�stengebiet der Galaxis, wo sich unser Sonnensystem und wir uns gegenw�rtig befinden. Eine an Licht und Leben arme Peripherie. Dieser Zweig der Milchstra�e erstreckt sich, wie Sie sehen, vom Schwan bis zum Schiff, ist weit von den zentralen Regionen entfernt und enth�lt au�erdem einen Dunkelnebel. Hier. Um an diesem Zweig entlangzufliegen, w�rde unsere �Tantra� ungef�hr vierzigtausend Erdenjahre ben�tigen. Den leeren Raum, der uns vom n�chsten System der Galaxis trennt, w�rden wir in viertausend Jahren �berqueren. Sie sehen, unsere Fl�ge in die unerme�lichen Tiefen des Raumes sind vorl�ufig noch ein Herumtreten auf einem winzigen Fleck, der einen Durchmesser von einem halben Hundert Lichtjahren hat! Wie wenig w��ten wir von der Welt, g�be es nicht den Gro�en Ring. Mitteilungen, Gedanken und Bilder, gesandt aus dem in einem kurzen Menschenleben nicht zu bezwingenden Raum, werden uns fr�her oder sp�ter erreichen, und immer fernere Welten werden sich uns erschlie�en. Unser Wissen bereichert sich immer mehr, und ununterbrochen geht diese Arbeit weiter.�</p><p>Nisa h�rte aufmerksam zu.</p><p>�Stellen Sie sich die ersten interstellaren Fl�ge vor. Kleine Schiffe, die weder �ber hohe Geschwindigkeiten noch �ber ausreichende Schutzvorrichtungen verf�gten. Ja, und unsere Ahnen lebten nur halb so lange wie wir, doch sie opferten ihr ganzes Leben solch einem Flug. Das ist wahre menschliche Gr��e!�</p><p>Nisa warf den Kopf zur�ck, wie immer, wenn sie jemand widersprach.</p><p>�Sp�ter, wenn man Mittel und Wege gefunden hat, den Raum auf andere Weise zu bezwingen, sagt man vielleicht von Ihnen allen � das waren Helden, die mit so unzul�nglichen Mitteln den Kosmos erobert haben!�</p><p>Der Expeditionsleiter schmunzelte und streckte dem M�dchen die Hand entgegen. �Und auch von Ihnen, Nisa!�</p><p>Sie err�tete.</p><p>�Es macht mich stolz, da� ich mit Ihnen zusammen hier sein kann. Alles w�rde ich hingeben, um immer wieder im Kosmos zu sein.�</p><p>�Ja, ich weiߓ, sagte Erg Noor nachdenklich. �Doch nicht alle sind dazu bereit.�</p><p>Mit weiblichem Feingef�hl erriet Nisa die Gedanken des Expeditionsleiters. In seiner Kaj�te hingen zwei Stereofotos von der sch�nen Weda Kong, Historikerin f�r die alte Welt. Auf dem einen blickte sie mit ihren tiefblauen Augen unter langen, geschwungenen Brauen auf den Betrachter. Mit strahlendem L�cheln hielt sie ihre sonnengebr�unten H�nde an das lange aschblonde Haar. Das andere Foto zeigte sie lachend auf einer bronzenen Schiffskanone � einem Denkmal des grauen Altertums.</p><p>Erg Noor nahm Nisa gegen�ber Platz.</p><p>�Wenn Sie w��ten, Nisa, wie roh das Schicksal der Sirda meinen Traum zerst�rt hat!� sagte er pl�tzlich dumpf und legte vorsichtig die Finger auf den Anlasser der Anamesontriebwerke, als wolle er den rasenden Flug des Sternschiffes auf das �u�erste beschleunigen.</p><p>�Wenn die Sirda nicht ausgestorben w�re und wir dort Treibstoff erhalten h�tten�, setzte er als Antwort auf ihre stumme Frage fort, �h�tte ich die Expedition unbesorgt weitergef�hrt. So war es mit dem Rat vereinbart. Die Sirda h�tte alles Erforderliche mitgeteilt, und die �Tantra� w�re weitergeflogen � mit denen, die sich bereit erkl�rt h�tten. Die �Algrab� w�re dann zur Sirda gerufen worden und h�tte die �brigen an Bord genommen.�</p><p>�Wer w�re denn schon auf der Sirda zur�ckgeblieben!� rief das M�dchen erregt. �Etwa Pur Hiss? Aber auch er ist doch ein gro�er Wissenschaftler! H�tte nicht auch ihn das Neue gereizt?�</p><p>�Und Sie, Nisa? W�ren Sie mitgekommen?�</p><p>�Ich? Selbstverst�ndlich!�</p><p>�Aber wohin?� fragte Erg Noor pl�tzlich hart und sah das M�dchen unverwandt an.</p><p>�Wohin Sie wollen, sogar�� Sie wies auf den schwarzen Abgrund zwischen zwei Zweigen der Milchstra�enspirale.</p><p>�Oh, nicht soweit! Sie wissen, Nisa, vor ungef�hr f�nfundachtzig Jahren startete die vierunddrei�igste Sternenexpedition, die sogenannte Stufenexpedition. Drei Sternschiffe flogen in Richtung des Sternbilds der Leier davon. Die zwei, die keine Forscher an Bord hatten, gaben nacheinander ihr Anameson an das dritte ab und kehrten zur�ck. �hnlich bezwangen Bergsteiger in fr�heren Zeiten die Gipfel der h�chsten Berge. Das dritte Schiff, die �Parus���</p><p>�� kehrte nicht zur�ck!� fl�sterte Nisa erregt.</p><p>�Ja, die �Parus� kam nicht zur�ck. Aber aus ihrem letzten Funkspruch ging hervor, da� sie ihr Ziel, das gro�e Planetensystem der blauen Wega, erreicht hatte. Wie viele Menschen erfreuen sich seit unz�hligen Generationen an diesem hellen Gestirn des n�rdlichen Sternhimmels! Der Abstand der Wega von der Erde betr�gt acht Parsek oder einunddrei�ig Lichtjahre, und f�r gew�hnlich entfernen sich die Menschen nicht so weit von unserer Sonne. Wie dem auch sei, die �Parus� erreichte ihr Ziel. Man wei� nicht, weshalb sie verschollen ist, ob ein Meteorit oder eine betr�chtliche Funktionsst�rung die Ursache war. Durchaus m�glich, da� sie jetzt noch durch den Raum jagt, da� die Wagemutigen, die wir f�r tot halten, noch am Leben sind.�</p><p>�Wie entsetzlich!�</p><p>�Das ist das Schicksal jedes Sternschiffes, das nicht mehr mit ann�hernder Lichtgeschwindigkeit fliegen kann. Sofort entsteht zwischen ihm und seinem Heimatplaneten eine Entfernung von Jahrtausenden.�</p><p>�Was hat die �Parus� denn �bermittelt?� erkundigte sich Nisa.</p><p>�Sehr wenig. Die Sendung wurde mehrmals unterbrochen und verstummte dann g�nzlich. Ich erinnere mich an den Wortlaut: �Hier Parus, hier Parus, fliege sechsundzwanzig Jahre von der Wega entfernt� gen�gend� werde warten� vier Planeten der Wega� nichts Herrlicheres� welch ein Gl�ck���</p><p>�Also riefen sie doch um Hilfe, wollten irgendwo warten?�</p><p>�Selbstverst�ndlich, denn sonst h�tte das Sternschiff keine so gewaltige Energiemenge f�r das Senden der Nachricht verbraucht. Mehr war von ihm nicht zu h�ren.�</p><p>�Sechsundzwanzig Erdenjahre R�ckflug. Blieben noch etwa f�nf Jahre bis zur Sonne. Die �Parus� befand sich demnach irgendwo in unserem Bereich oder noch n�her zur Erde.�</p><p>�Schwerlich� ausgenommen, sie erh�hte die normale Geschwindigkeit und bewegte sich nahe der Quantengrenze. Aber das ist sehr gef�hrlich!�</p><p>Erg Noor erl�uterte kurz die rechnerischen Grundlagen des vernichtenden Sprungs von einem Zustand der Materie in den anderen bei Ann�herung an die Lichtgeschwindigkeit, merkte aber, da� das M�dchen wenig aufmerksam zuh�rte.</p><p>�Ich habe alles verstanden, wirklich!� rief sie, als der Expeditionsleiter seine Erl�uterungen abbrach. �Mich hat nur der Gedanke an den Untergang des Sternschiffes immer wieder abgelenkt.�</p><p>�Im wesentlichen haben Sie die Sendung also begriffen�, antwortete Erg Noor finster. �Wunderbare Welten m�ssen sie entdeckt haben! Es ist mein geheimer Wunsch, den Flug der �Parus� zu wiederholen. Bei den Vervollkommnungen seither w�re das jetzt mit nur einem Schiff m�glich. Seit meiner Jugend tr�ume ich von der Wega � der blauen Sonne mit den herrlichen Planeten!�</p><p>�Solche Welten sehen��, fl�sterte Nisa mit stockendem Atem. �F�r die R�ckkehr braucht man aber sechzig Erdenjahre oder vierzig abh�ngige Jahre. Das ist ein halbes Leben!�</p><p>�Ja, gro�e Leistungen fordern gro�e Opfer. Doch f�r mich ist das nicht einmal ein Opfer. Mein Leben auf der Erde bestand bisher nur aus kurzen Unterbrechungen zwischen Sternenfl�gen. Ich bin sogar in einem Sternschiff geboren.�</p><p>�Wie war das m�glich?� fragte das M�dchen verbl�fft.</p><p>�Die f�nfunddrei�igste Sternenexpedition setzte sich aus vier Schiffen zusammen. Auf einem davon war meine Mutter Astronomin. Ich wurde auf halbem Wege zum Doppelstern MN 19026 + 7 AL geboren und verstie� damit zweimal gegen die Gesetze. Ich bin bei meinen Eltern im Sternschiff aufgewachsen und erzogen worden und nicht in der Schule. Aber daran lie� sich nichts �ndern. Als die Expedition zur Erde zur�ckkehrte, war ich achtzehn Jahre. Bei der Ableistung meiner Herkulestaten wurde ber�cksichtigt, da� ich ein Sternschiff steuern konnte, da� ich Astronavigator geworden war.�</p><p>�Trotzdem verstehe ich nicht��, begann Nisa.</p><p>�Wie sich meine Mutter dazu entschlie�en konnte? Werden Sie �lter � dann verstehen Sie es! Wie dem auch sei, man trug mich oft zu solch einem Steuerpult wie diesem hier, und ich starrte noch recht verst�ndnislos auf die Bildschirme und verfolgte die dar�ber hinweggleitenden Sterne. Wir flogen in Richtung Teta Lupi zu einem Doppelstern nahe dem Zentralgestirn: zwei Zwergsterne, blau und orangefarben, von einem Dunkelnebel verdeckt. Mein erster bewu�ter Eindruck war der Himmel �ber einem unbesiedelten Planeten, den ich durch die Glaskuppel einer provisorischen Station betrachtete. Auf den Planeten der Doppelsterne existiert wegen der unregelm��igen Umlaufbahnen gew�hnlich kein Leben. Die Expedition war gelandet und untersuchte sieben Monate lang den Planeten. Dort herrschte, soweit ich mich entsinne, ein unvorstellbarer Reichtum an Platin, Osmium und Iridium. Schwere Iridiumw�rfel waren mein Spielzeug. Und dieser Himmel! Schwarz, kalt funkelnde Sterne und zwei Sonnen von unbeschreiblicher Sch�nheit: die eine hellorange, die andere tiefblau. Bisweilen kreuzten sich ihre Strahlenb�ndel, dann war unser Planet in ein so warmes gr�nes Licht getaucht, da� ich vor Begeisterung kreischte und sang.� Erg Noor schwieg einen Augenblick und fuhr fort: �Genug, die Erinnerung ist mit mir durchgegangen. Dabei m��ten Sie l�ngst ruhen.�</p><p>�Sprechen Sie weiter, ich habe noch nie etwas so Interessantes geh�rt�, bat das M�dchen, doch Erg Noor lie� sich nicht erweichen. Er holte einen kleinen pulsierenden Hypnotisator, und Nisa schlief bald darauf ein, sei es unter dem gebieterischen Blick Erg Noors oder unter dem Einflu� des schlafspendenden Ger�ts. Erst kurz vor dem �bergang zum sechsten Kreis erwachte sie. Dem finsteren Gesicht des Expeditionsleiters entnahm Nisa, da� die �Algrab� immer noch nicht gefunden war.</p><p>�Sie sind gerade zur rechten Zeit aufgewacht�, meinte er, als Nisa vom Elektro- und Wellenbad zur�ckkam. �Schalten Sie die Musik und das Wecklicht ein. F�r alle!�</p><p>Nisa drehte schnell an einigen Kn�pfen, und in allen Kaj�ten des Sternschiffes, wo Expeditionsmitglieder schliefen, flackerte das Licht, ert�nte die eigent�mliche, allm�hlich st�rker werdende Musik tiefer vibrierender Akkorde. Das gehemmte Nervensystem erwachte behutsam und nahm seine normale Funktion wieder auf. F�nf Stunden sp�ter versammelten sich in der Steuerzentrale des Sternschiffes alle Expeditionsteilnehmer, durch Speise und Nervenanregungsmittel gest�rkt.</p><p>Die Nachricht vom Ausbleiben des Hilfsschiffes nahm jeder verschieden auf. Wie es Erg Noor erwartet hatte, war die Expedition der Lage gewachsen. Kein Wort der Verzweiflung, kein �ngstlicher Blick. Selbst Pur Hiss, der sich auf der Sirda ziemlich kleinm�tig gezeigt hatte, nahm die Mitteilung gelassen hin. Lediglich die junge Expeditions�rztin, Luma Laswi, erbla�te ein wenig und fuhr sich verstohlen mit der Zunge �ber die trockenen Lippen.</p><p>�Gedenken wir der Toten!� sagte Erg Noor und schaltete den Projektor ein. Auf dem Bildschirm erschienen Aufnahmen von der �Algrab�, die vor dem Abflug gemacht worden waren. Alle erhoben sich. Die Fotos der sieben �Algrab�-Kosmonauten, teils l�chelnd, teils ernst, l�sten auf dem Bildschirm einander ab. Erg Noor nannte jeden beim Namen, und die Weltraumfahrer sandten den Freunden den letzten Gru�. So war es Brauch bei den Astronauten. Wenn Sternschiffe gleichzeitig in den Weltraum flogen, hatten sie stets die Fotos s�mtlicher Expeditionsteilnehmer an Bord.</p><p>Verschwundene Sternschiffe konnten noch lange den kosmischen Raum durchfliegen, ihre Besatzungen konnten noch lange am Leben bleiben, doch das Schiff kehrte nie wieder zur�ck. Und es gab keine M�glichkeit, es zu suchen und ihm Hilfe zu bringen. Die Ger�te der Sternschiffe waren bereits so vollkommen, da� kleine Pannen nur sehr selten auftraten und leicht zu beheben waren. Eine schwere Havarie hatte sich noch nie im Kosmos beheben lassen. Mitunter gelang es den Sternschiffen, so wie der �Parus�, eine letzte Mitteilung zu senden. Viele dieser Mitteilungen erreichten jedoch nie ihr Ziel, es war au�erordentlich schwer, die Funkwellen genau zu richten. Die Sender des Gro�en Rings hatten im Laufe von Jahrtausenden die Richtungen exakt ermittelt und konnten sie au�erdem variieren, indem sie von Planet zu Planet sendeten. Die Sternschiffe hingegen befanden sich gew�hnlich in noch unerforschten Gebieten, wo die Funkrichtung nur erraten werden konnte.</p><p>Unter den Astronauten herrschte die Meinung, im Kosmos gebe es so etwas wie neutrale Felder oder Nullgebiete, in denen alle Ausstrahlungen und Sendungen untergingen wie ein Stein im Wasser. Die Astrophysiker hingegen hielten die Nullfelder bislang f�r eine Ausgeburt der Raumfahrerphantasie.</p><p>Nach dem Trauerritual und einer kurzen Beratung wendete Erg Noor die �Tantra� in Richtung Erde und schaltete die Anamesontriebwerke ein. Nach wenigen Stunden verstummten sie wieder. Das Sternschiff strebte dem heimatlichen Planeten zu, wobei es pro Tag einundzwanzig Milliarden Kilometer zur�cklegte. Bis zur Sonne waren es noch ungef�hr sechs Erdenjahre. In der Steuerzentrale und Laborbibliothek wurde eifrig an der Berechnung und Festlegung des neuen Kurses gearbeitet.</p><p>In den sechs Flugjahren durfte Anameson nur zur Korrektur des Kurses verbraucht werden. Mit anderen Worten: Das Sternschiff durfte w�hrend des ganzen Fluges an Geschwindigkeit nichts einb��en. Allen machte das unerforschte Gebiet 344 + 2 U Sorge, das zwischen der Sonne und dem Sternschiff lag und sich nicht umgehen lie�. L�ngs dieses Gebietes konnten jederzeit Meteoritenschw�rme auftreten. Au�erdem hatte das Schiff beim Wenden bereits die Geschwindigkeit drosseln m�ssen.</p><p>Nach zwei Monaten war der neue Kurs berechnet. Die �Tantra� war vollst�ndig intakt, die Geschwindigkeit hielt sich in den errechneten Grenzen. Jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit � vier abh�ngige Flugjahre lagen zwischen dem Sternschiff und der Heimat.</p><p>Erg Noor und Nisa, vom Dienst erm�det, wurden in langen Schlaf versenkt, ebenso zwei Astronomen, die Geologin, der Biologe, die �rztin und vier Ingenieure. Die n�chste Schicht trat ihren Dienst an: der erfahrene Navigator Pel Lin, der zum zweitenmal in einer Expedition flog, die Astronomin Ingrid Ditra und der Elektroneningenieur Keh Ber, der sich den beiden freiwillig anschlo�. Mit Pel Lins Erlaubnis suchte Ingrid h�ufig die neben der Steuerzentrale gelegene Bibliothek auf. Vom tragischen Schicksal der Sirda angeregt, schrieb sie gemeinsam mit ihrem langj�hrigen Freund Keh Ber die monumentale Sinfonie �Der Untergang des Planeten�. Wenn Pel Lin von dem Summen der Ger�te und dem konzentrierten Beobachten erm�det war, bat er Ingrid, sich an das Pult zu setzen. Er selbst machte sich mit Feuereifer an das Entziffern geheimnisvoller Signale eines Planeten, der zu den n�chstgelegenen Sternen im Sternbild des Centauris geh�rte und unter r�tselhaften Umst�nden von seinen Bewohnern verlassen worden war. Er war fest von dem Erfolg seines aussichtslosen Unterfangens �berzeugt.</p><p>Noch zweimal wechselten die Diensthabenden. Das Sternschiff hatte sich der Erde um fast zehn Billionen Kilometer gen�hert, und die Anamesontriebwerke waren insgesamt nur f�r wenige Stunden eingeschaltet worden.</p><p>Die Dienstperiode der Gruppe Pel Lins, die vierte, seit die �Tantra� den mit der �Algrab� vereinbarten Treffpunkt verlassen hatte, n�herte sich ihrem Ende.</p><p>Ingrid Ditra hatte ihre Berechnungen abgeschlossen und wandte sich zu Pel Lin um, der melancholisch die pausenlos zitternden roten Zeiger der Gravitations-Feldst�rkemesser beobachtete. Die �bliche Verlangsamung der psychischen Reaktionen, die selbst bei den kr�ftigsten Naturen nicht ausblieb, machte sich in der zweiten H�lfte der Dienstperiode bemerkbar. Monat um Monat und Jahr um Jahr flog das Sternschiff automatisch gesteuert nach einem vorgegebenen Kurs. Wenn nun pl�tzlich etwas Au�ergew�hnliches eintrat, dem das Entscheidungsverm�gen des Steuerungsautomaten nicht gewachsen war, f�hrte das gemeinhin zum Untergang des Schiffes. Auch das Eingreifen des Menschen n�tzte dann nichts mehr, denn das menschliche Gehirn ist nicht imstande, mit der notwendigen Schnelligkeit zu reagieren.</p><p>�Meinen Berechnungen nach sind wir schon l�ngst in dem unerforschten Gebiet 344 + 2 U. Der Chef wollte hier doch selber wieder Dienst tun�, sagte Ingrid zum Astronavigator.</p><p>Pel Lin warf einen Blick auf den Tagesz�hler.</p><p>�In zwei Tagen werden wir sowieso abgel�st. Und bisher zeichnet sich nichts Aufregendes ab. Ich denke, wir sollten bis zum Ende unserer Dienstzeit durchhalten!�</p><p>Ingrid nickte zustimmend. Aus den Heckr�umen kam Keh Ber und nahm seinen Platz vor dem Pult f�r die Gleichgewichtsmechanismen wieder ein. Pel Lin g�hnte und erhob sich.</p><p>�Ich schlafe noch ein paar Stunden�, sagte er zu Ingrid.</p><p>Widerspruchslos ging sie zum Steuerpult.</p><p>Ohne Kursabweichungen flog die �Tantra� durch ein absolutes Vakuum. Keinen einzigen Meteorit registrierten die hochempfindlichen Ger�te bis auf eine gro�e Entfernung. Der Kurs des Sternschiffes wich jetzt etwas von der Sonne ab � etwa anderthalb Flugjahre. Die Bildschirme f�r das vordere Sichtfeld waren schwarz, das Sternschiff schien mitten in das Dunkel hineinzufliegen. Nur von den Seitenteleskopen wurden nach wie vor die Lichtnadeln zahlloser Sterne auf den Bildschirmen widergespiegelt.</p><p>Eine merkw�rdige Unruhe hatte die Astronomin erfa�t. Sie wandte sich wieder ihren Ger�ten und Teleskopen zu, kontrollierte fortw�hrend ihre Angaben und kartierte das unbekannte Gebiet. Alles war ruhig, doch Ingrid starrte wie gebannt auf das unheimliche Dunkel vor dem Sternschiff. Keh Ber, der ihre Unruhe bemerkt hatte, lauschte und beobachtete lange Zeit die Instrumente.</p><p>�Ich kann nichts entdecken�, sagte er schlie�lich. �Was macht dich denn so nerv�s?�</p><p>�Ich wei� es selbst nicht. Mir will diese ungew�hnliche Dunkelheit vor uns nicht gefallen. Ich habe das Gef�hl, unser Schiff fliegt geradewegs in einen Dunkelnebel hinein.�</p><p>�Ein Dunkelnebel mu� hier sein�, best�tigte Keh Ber. �Aber wir streifen ihn nur am Rande. So ist es ja auch vorausberechnet. Die St�rke des Gravitationsfeldes w�chst gleichm��ig, aber schwach. Wenn wir dieses Gebiet durchfliegen, m�ssen wir uns wohl oder �bel einem Schwerkraftzentrum n�hern. Ist es nicht ganz gleich, ob es sich um ein dunkles oder ein leuchtendes handelt?�</p><p>�Du hast ganz recht�, erwiderte Ingrid wieder ruhiger.</p><p>�Du machst dir ganz unn�tz Sorgen. Wir fliegen sogar schneller als geplant auf dem vorgesehenen Kurs. Wenn nichts dazwischenkommt, erreichen wir den Triton sicher mit unserem wenigen Treibstoff.�</p><p>Ingrid f�hlte allein schon bei dem Gedanken an den Triton Freude aufsteigen. Wenn sie diesen Satelliten des Neptuns und die auf ihm errichtete Raumschiffstation � die �u�erste am Rande des Sonnensystems � erreicht hatten, w�re das gleichbedeutend mit Heimkehr.</p><p>�Ich hatte gedacht, wir beide k�nnten uns mit Musik besch�ftigen, aber nun hat sich Lin ja leider hingelegt. Wahrscheinlich wird er sechs, sieben Stunden schlafen. Ich werde mir inzwischen allein �ber die Instrumentierung im Finale des zweiten Satzes Gedanken machen � wei�t du, �ber die Stelle, wo es mit der integralen Einf�hrung der drohenden Gefahr einfach nicht klappen wollte.� Keh sang einige Takte.</p><p>�Di-i, di-i, da-ra-ra.� Die W�nde der Steuerzentrale schienen pl�tzlich zu antworten.</p><p>Ingrid zuckte zusammen und sah sich um, doch im n�chsten Augenblick wu�te sie, was geschehen war. Die St�rke des Gravitationsfeldes war angestiegen, und daraufhin hatte sich der Summton des Ger�tes f�r k�nstliche Schwerkraft ge�ndert.</p><p>�Ein komisches Zusammentreffen!� Sie lachte ein wenig verlegen.</p><p>�Die Gravitation hat zugenommen, wie es bei einem Dunkelnebel nicht anders zu erwarten ist. Jetzt kannst du ganz ruhig sein, la� Lin nur schlafen.�</p><p>Keh Ber ging in die hell erleuchtete Bibliothek. Dort setzte er sich an den elektronischen Violinfl�gel und vertiefte sich in seine Besch�ftigung. Sicherlich waren mehrere Stunden vergangen, als sich pl�tzlich die hermetisch schlie�ende T�r der Bibliothek �ffnete und Ingrid hereinst�rzte.</p><p>�Keh, rasch, weck Lin!�</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Die St�rke des Gravitationsfeldes steigt schneller als vorausberechnet.�</p><p>�Ist vor uns etwas zu sehen?�</p><p>�Immer noch alles dunkel.� Ingrid verschwand wieder.</p><p>Keh Ber weckte den Astronavigator. Der sprang auf und eilte in die Zentrale an die Instrumente.</p><p>�Nichts Bedrohliches. Doch woher kommt nur solch ein starkes Gravitationsfeld? F�r einen Dunkelnebel ist es zu m�chtig, und Sterne sind hier nicht.� Nach kurzem �berlegen dr�ckte Lin auf den Weckknopf f�r die Kaj�te des Expeditionsleiters, und kurz darauf weckte er auch Nisa Krit.</p><p>�Wenn alles normal verl�uft, l�sen sie uns eben ab�, erkl�rte er der aufgeregten Ingrid.</p><p>�Aber wenn etwas passiert? Erg Noor ist erst in f�nf Stunden wieder bei vollem Bewu�tsein. Was machen wir blo�!�</p><p>�Abwarten�, erwiderte gelassen der Astronavigator. �Was kann hier, fern von allen Sternensystemen, innerhalb von f�nf Stunden schon passieren!�</p><p>Die Tonlage der Instrumente wurde immer tiefer; allein schon daraus konnten die drei Raumfahrer auf eine Ver�nderung der Flugbedingungen schlie�en. Die Spannung wurde unertr�glich. Zwei Stunden kamen ihnen vor wie eine ganze Schicht. Pel Lin blieb �u�erlich gelassen, Keh Ber aber war bereits von Ingrids Erregung angesteckt. Immer wieder blickte er zur T�r in der Erwartung, Erg Noor mit raschem Schritt wie gew�hnlich eintreten zu sehen, obgleich er wu�te, da� man aus so einem langen Schlaf nur sehr langsam erwachte.</p><p>Ein lang anhaltendes Klingeln lie� alle zusammenfahren. Ingrid klammerte sich an Keh Ber.</p><p>�Die �Tantra� ist in Gefahr! Die St�rke des Gravitationsfeldes ist doppelt so hoch wie die errechnete.�</p><p>Pel Lin erbleichte. Etwas Unerwartetes hatte sich ereignet, das eine sofortige Entscheidung von ihm verlangte. Das Schicksal des Schiffes lag in seiner Hand. Die ansteigende Schwerkraft erforderte eine Geschwindigkeitsverringerung des Schiffes, denn die Schwere im Schiff nahm st�ndig zu, und offenbar befand sich genau auf dem Kurs eine gro�e Anh�ufung fester Materie. Dann aber w�rde kein Treibstoff mehr vorhanden sein, um erneut die Geschwindigkeit zu erh�hen. Pel Lin bi� die Z�hne zusammen und warf den Hebel der Ionen-Bremstriebwerke herum. Helle Schl�ge mischten sich in das Summen der Ger�te und �bert�nten das alarmierende Klingeln des Apparates, der das normale Verh�ltnis zwischen Schwerkraft und Geschwindigkeit errechnete. Das Klingeln verstummte, der Erfolg war an den Zeigern abzulesen � Geschwindigkeit und Gravitation waren einander angeglichen. Doch kaum hatte Pel Lin die Bremstriebwerke wieder ausgeschaltet, setzte erneut das Klingeln ein. Es bestand kein Zweifel, die �Tantra� raste auf ein riesiges Schwerkraftzentrum zu. Pel Lin wagte nicht, den Kurs zu �ndern � das erforderte viel Arbeit und h�chste Pr�zision. Mit Hilfe der Ionentriebwerke bremste er das Sternschiff erneut, obwohl die Kursabweichung bereits deutlich sichtbar war. Der Kurs f�hrte genau auf die unbekannte Materieanh�ufung zu.</p><p>�Das Gravitationsfeld ist sehr groߓ, sagte Ingrid leise. �Vielleicht��</p><p>�Wir m�ssen die Geschwindigkeit noch weiter drosseln, um zu wenden�, rief Pel Lin. �Aber wie sollen wir dann den Flug wieder beschleunigen?� Aus seinen Worten sprach verh�ngnisvolle Unsicherheit.</p><p>�Die �u�ere wirbelbildende Zone haben wir bereits durchsto�en�, sagte Ingrid. �Die Gravitation w�chst ununterbrochen und schnell an.�</p><p>In rascher Folge begannen die Triebwerke zu klopfen. Sie hatten sich automatisch eingeschaltet, als das Elektronengehirn zur Steuerung des Schiffes die Anh�ufung von Materie registrierte. Die �Tantra� kam ins Schaukeln. Wie sehr das Sternschiff auch den Flug verlangsamte, die Menschen in der Zentrale verloren fast das Bewu�tsein. Ingrid st�rzte zu Boden, Pel Lin, der im Sessel sa�, versuchte den bleischweren Kopf zu heben. Keh Ber empfand dumpfe, tierische Angst und kindliche Hilflosigkeit.</p><p>Das Klopfen der Triebwerke nahm zu und ging in ein Donnern �ber. Anstelle der halb bewu�tlosen Menschen f�hrte nun das Elektronengehirn den Kampf, auf seine Art m�chtig, doch begrenzt in seinen Aktionen, da es keine komplizierten Folgen voraussehen und keinen Ausweg aus schwierigen Situationen ersinnen konnte.</p><p>Das Schaukeln der �Tantra� lie� nach. Der Zeiger, der den Vorrat an Ionenladungen angab, glitt schnell nach unten. Pel Lin, wieder zu sich gekommen, begriff, da� sofortige au�ergew�hnliche Ma�nahmen n�tig waren, um das Schiff zu bremsen und danach den Kurs j�h zu �ndern.</p><p>Entschlossen bewegte er den Hebel f�r die Anamesontriebwerke. Die vier hohen Zylinder aus Bornitrid, durch einen speziellen Schlitz im Pult sichtbar, leuchteten auf. Im selben Augenblick z�ngelten blitzartig hellgr�ne Flammen in ihnen empor und wanden sich in vier dichten Spiralen. Gleich einem Schutzschild umgab ein starkes Magnetfeld die W�nde der Antriebsd�sen am Heck des Schiffes, die sonst unverz�glich zerst�rt worden w�ren.</p><p>Der Navigator dr�ckte den Hebel weiter herum: durch die gr�nen Wirbel wurde der Leitstrahl sichtbar � ein grauer Strom von K-Teilchen. Noch ein Hebeldruck, und den grauen Strahl durchfuhr ein glei�ender violetter Blitz � das Signal, da� das Anameson schnell ausstr�mte. Der Rumpf des Sternschiffes reagierte darauf mit einer kaum sp�rbaren, jedoch nur schwer zu ertragenden Hochfrequenzschwingung.</p><p>Erg Noor hatte die notwendige Nahrungsmenge zu sich genommen und lag nun im Halbschlaf unter der h�chst wohltuenden Elektromassage des Nervensystems. Langsam wich der Schleier des Vergessens, der immer noch Geist und K�rper umfangen hielt. Die Weckmelodie wurde heiterer und ihr Rhythmus schneller.</p><p>Pl�tzlich nahm er etwas Unangenehmes wahr, das die Freude am Erwachen aus dem neunzigt�gigen Schlaf st�rte.</p><p>Erg Noor wurde sich bewu�t, da� er Expeditionsleiter war. Verzweifelt bem�hte er sich, das normale Bewu�tsein zur�ckzuerlangen. Endlich begriff er, da� das Sternschiff gebremst wurde und die Anamesontriebwerke eingeschaltet waren; etwas Au�ergew�hnliches war passiert. Er versuchte sich aufzurichten. M�hsam gelang es ihm, sich bis zur T�r zu schleppen und sie zu �ffnen. Auf allen vieren kroch er zur Zentrale.</p><p>Die drei blickten sich erschrocken um und eilten zu Erg Noor. Au�erstande, sich zu erheben, stie� er, hervor: �Die vorderen Bildschirme� auf Infrarot� umschalten� die Triebwerke stoppen!�</p><p>Die Bornitridzylinder erloschen. Gleichzeitig h�rte der Rumpf auf zu vibrieren. Auf dem rechten vorderen Bildschirm war ein riesiger Stern von matter braunroter Farbe sichtbar. F�r einen Augenblick starrten alle wie gebannt auf die riesige Scheibe, die ein wenig abseits vom Bug des Schiffes aus der Finsternis auftauchte.</p><p>�Ich Dummkopf!� rief Pel Lin. �Ich war �berzeugt, wir befinden uns am Rande eines Dunkelnebels! Das aber ist��</p><p>�Ein Eisenstern!� stie� Ingrid Ditra hervor.</p><p>Erg Noor zog sich m�hsam am Sesselr�cken hoch. Sein f�r gew�hnlich blasses Gesicht hatte eine bl�uliche F�rbung angenommen, die Augen dagegen funkelten wie sonst.</p><p>�Ja, ein Eisenstern�, sagte er langsam. �Der Schrecken aller Astronauten!�</p><p>Niemand hatte ihn in diesen Regionen vermutet. Alle blickten voll Bangen und Hoffnung auf Erg Noor.</p><p>�Ein Dunkelnebel von solcher Schwerkraft w�rde in seinem Innern aus verh�ltnism��ig gro�en festen Teilchen bestehen, und dann existierte die �Tantra� l�ngst nicht mehr. In solch einem Schwarm w�re ein Zusammensto� unvermeidlich�, sagte Erg Noor leise, aber bestimmt.</p><p>�Aber die starken Spannungsver�nderungen des Feldes, die wirbelbildende Zone? Deutet das nicht alles auf einen Nebel?�</p><p>�Oder darauf, da� der Stern einen Planeten hat.�</p><p>Erg Noor nickte aufmunternd und dr�ckte selbst auf den Weckknopf.</p><p>�Die Beobachtungen schneller ansagen! Berechnen wir die Isograven!�</p><p>Wieder begann das Sternschiff zu schaukeln. Mit ungeheurer Geschwindigkeit sauste etwas Riesengro�es �ber den Bildschirm.</p><p>�Da ist die Antwort! Wir haben den Planeten �berholt. Schnell, schnell an die Arbeit!� Der Blick des Expeditionsleiters fiel auf die Treibstoffme�ger�te. Seine Finger krallten sich in die Sessellehne; er wollte etwas sagen, behielt es jedoch f�r sich.</p></section><section><title><p>Epsilon Tucanae</p></title><p>Auf dem Tisch ert�nte ein leises glashelles Klingeln, orangefarbene und blaue Funken spr�hten auf. �ber die durchsichtige Wand huschten bunte Lichtflecke. Der Leiter der Au�enstationen des Gro�en Rings, Dar Weter, betrachtete die Lichter der Spiralstra�e. In gigantischem Bogen wand sie sich in die H�he und spiegelte sich als mattgelber Streifen am Meeressaum wider. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, stellte Dar Weter den Hebel auf R. Er war in tiefes Nachdenken versunken.</p><p>Heute sollte im Leben dieses Mannes eine tiefgreifende Ver�nderung eintreten. Am Morgen war aus dem Wohng�rtel der s�dlichen Halbkugel Mwen Mass eingetroffen, der vom Rat f�r Astronautik bestimmt worden war, seine Stelle einzunehmen. Die letzte Sendung �ber den Gro�en Ring werden sie gemeinsam durchf�hren, und dann� Eben dieses �dann� war noch ungekl�rt.</p><p>Sechs Jahre hatte er eine Arbeit verrichtet, die h�chste Anspannung erforderte. Nur die bef�higtsten Menschen mit gro�artigem Ged�chtnis und enzyklop�dischem Wissen wurden dazu bestimmt. Immer h�ufiger jedoch wiederholten sich bei ihm Anf�lle von Gleichg�ltigkeit gegen�ber seiner Arbeit und dem Leben � eine der schwersten Krankheiten des Menschen. Die ber�hmte Nerven�rztin Ewda Nal hatte ihn untersucht. Die erprobte alte Heilmethode, Musik harmonischer, weicher Akkorde in dem von beruhigenden Strahlen erf�llten �Zimmer der blauen Tr�ume�, hatte nicht geholfen. Es blieb nichts weiter �brig, als durch k�rperliche Arbeit zu gesunden � dort, wo noch t�glich und st�ndlich Muskelkraft eingesetzt werden mu�te.</p><p>Seine Freundin, die Historikerin Weda Kong, hatte ihm gestern vorgeschlagen, bei ihr zu arbeiten. Bei den arch�ologischen Ausgrabungen konnte noch nicht alles von Maschinen bew�ltigt werden, im letzten Stadium mu�te mit der Hand gearbeitet werden. Weda hatte ihm eine lange Reise in uraltes Steppengebiet, hatte ihm die Sch�nheit unber�hrter Natur versprochen.</p><p>Wenn Weda Kong� �brigens kannte sie seine Gef�hle. Aber sie liebte Erg Noor, das Mitglied des Rates f�r Astronautik, den Leiter der siebenunddrei�igsten Sternenexpedition. Erg Noor hatte schon vom Planeten Sirda Nachricht geben sollen. Doch auch wenn keine Nachricht von ihm kommen w�rde, w�re jeder Versuch, Wedas Liebe zu erringen, zwecklos. Freundschaft war das H�chste, was ihn mit ihr verbinden konnte. Trotzdem w�rde er zu ihr fahren!</p><p>Dar Weter dr�ckte auf einen Knopf, und helles Licht durchflutete das Zimmer. Die eine Wand des Raumes hoch �ber Erde und Meer bildete ein Kristallfenster. Durch eine Hebelbewegung Dar Weters neigte sich diese Wand, und �ber dem Raum funkelte der Sternenhimmel; die Lichter der Stra�en, Geb�ude und Leuchtt�rme an der Meeresk�ste wurden durch den metallenen Fensterrahmen abgeschnitten.</p><p>Das Zifferblatt der galaktischen Uhr mit den drei konzentrischen Skalenringen fesselte Dar Weters Aufmerksamkeit. Die Informationen wurden �ber den Gro�en Ring jede hunderttausendstel galaktische Sekunde gesendet, das hei�t einmal in acht Tagen, f�nfundvierzigmal im Jahr nach irdischer Zeitrechnung. Eine Umdrehung der Galaxis um ihre Achse entsprach einem galaktischen Tag.</p><p>Die n�chste und f�r ihn letzte Sendung w�rde um neun Uhr nach der Zeit des tibetanischen Observatoriums, also hier, im Mittelmeerobservatorium des Rates, um zwei Uhr erfolgen. Bis dahin waren noch etwas �ber zwei Stunden Zeit.</p><p>Das Ger�t auf dem Tisch klingelte und blinkte erneut. Hinter der Wand erschien ein Assistent in heller, seidig gl�nzender Kleidung.</p><p>�Alles ist zu Sendung und Empfang bereit�, meldete er kurz und ohne jedes Zeichen von Ehrerbietung, sein Blick aber verriet Bewunderung f�r den Vorgesetzten.</p><p>Dar Weter schwieg, auch der Assistent sagte nichts, seine Haltung war ungezwungen und selbstbewu�t.</p><p>�Im kubischen Saal?� fragte schlie�lich Dar Weter, und nach zustimmender Antwort erkundigte er sich, wo Mwen Mass sei.</p><p>�Er ist bei der Erfrischungsapparatur und l��t sich nach der Reise behandeln. Mir scheint, er ist ziemlich aufgeregt.�</p><p>�Ich an seiner Stelle w�re auch aufgeregt�, sagte Dar Weter nachdenklich. �Vor sechs Jahren ging es mir genauso.�</p><p>Der Assistent hatte alle M�he, leidenschaftslos zu bleiben. Mit jugendlichem Feuer dr�ckte er seine Sympathie f�r seinen Chef aus; vielleicht dachte er daran, da� er selbst einmal die Freuden und Leiden einer bedeutenden Aufgabe und einer gro�en Verantwortung erleben w�rde. Der Leiter der Au�enstationen lie� sich seine Empfindungen nicht anmerken � in seinem Alter galt es nicht als schicklich, sie zu zeigen.</p><p>�Wenn Mwen Mass erscheint, f�hren Sie ihn bitte sofort zu mir.�</p><p>Der Assistent entfernte sich. Dar Weter ging zu der Ecke, wo die durchsichtige Wand vom Fu�boden bis zur Decke geschw�rzt war, und �ffnete zwei T�rfl�gel in der farbigen Wandt�felung. Licht flammte auf, es kam aus der Tiefe eines spiegel�hnlichen Bildschirms.</p><p>Der Leiter der Au�enstationen schaltete den Freundschaftsvektor ein � eine direkte Verbindung zwischen eng befreundeten Menschen, auf der sie sich in jedem Augenblick erreichen konnten. Der Freundschaftsvektor verband einige st�ndige Aufenthaltsorte: die Wohnung, den Arbeitsplatz und den Lieblingsaufenthalt in der Freizeit.</p><p>Auf dem Bildschirm erschienen die vertrauten Umrisse der hohen Wandregale mit den zahllosen Reihen der Kodebezeichnungen f�r Elektronenfilme, die die veraltete Form der Fotokopie ersetzten. Nachdem die Menschheit zu einem einheitlichen Alphabet �bergegangen war, dem linearen, wie es wegen des Fehlens komplizierter Zeichen genannt wurde, lie�en sich selbst alte B�cher noch einfacher filmen, sogar von automatischen Maschinen. Blaue, gr�ne, rote Streifen � die Zeichen der zentralen Filmotheken, wo die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aufbewahrt wurden, und zwar schon seit langem nur noch in einem Dutzend Exemplaren. Man w�hlte die entsprechenden Zeichen, und die Filmothek sendete automatisch den vollst�ndigen Text des Buchfilmes. Dar Weter sah Wedas Privatbibliothek vor sich. Ein leichtes Knacken, und das Bild verschwand. Ein anderes Zimmer leuchtete auf, es war ebenfalls leer. Beim n�chsten Knacken �bermittelte das Ger�t einen Saal mit schwach beleuchteten Tischen. Die Frau am vordersten Tisch hob den Kopf, und Dar Weter sah die weit auseinanderstehenden dichten Augenbrauen und das schmale Gesicht mit den gro�en blauen Augen. Das L�cheln des scharfgezeichneten Mundes und die wei�en Z�hne machten das Gesicht noch weicher und liebensw�rdiger.</p><p>�Weda, es sind nur noch zwei Stunden. Sie m�ssen sich umziehen; ich m�chte, da� Sie etwas fr�her ins Observatorium kommen.�</p><p>Die Frau auf dem Bildschirm hob die H�nde zu dem dichten aschblonden Haar.</p><p>�Ich gehorche, mein Lieber�, sagte sie l�chelnd, �ich gehe nach Hause.�</p><p>Die erzwungene Fr�hlichkeit in ihrer Stimme blieb Dar Weter nicht verborgen.</p><p>�Keine Aufregung, Weda. Jeder, der �ber den Gro�en Ring spricht, hielt irgendwann einmal seine erste Rede.�</p><p>�Sie k�nnen sich Ihre ermunternden Worte sparen.� Weda Kong warf eigensinnig den Kopf zur�ck. �Ich komme bald.�</p><p>Der Bildschirm erlosch. Dar Weter schlo� die T�rfl�gel und wandte sich dem Eingang zu, um seinen Nachfolger zu begr��en. Mit weit ausholenden Schritten trat Mwen Mass ein. Seine Gesichtsz�ge und die dunkelbraune Farbe seiner gl�nzenden Haut deuteten darauf hin, da� seine Vorfahren Neger gewesen waren. Ein wei�er Umhang hing in schwerem Faltenwurf von seinen Schultern herab. Mwen Mass sch�ttelte Dar Weter kr�ftig die H�nde. Beide Leiter der Au�enstationen, der bisherige und der k�nftige, waren sehr gro�. Weter, der russischer Abstammung war, wirkte breiter und st�mmiger als der schlanke Afrikaner.</p><p>�Mir ist, als m�sse heute etwas Wichtiges geschehen�, begann Mwen Mass mit jener vertrauensvollen Aufrichtigkeit, wie sie den Menschen der �ra des Gro�en Rings eigen ist. Dar Weter zuckte die Schultern.</p><p>�F�r uns alle drei wird sich etwas Wichtiges ereignen. Ich werde meine Arbeit abgeben, Sie werden sie �bernehmen, und Weda Kong wird zum erstenmal mit dem All sprechen.�</p><p>�Sie ist sehr h�bsch?� sagte Mwen Mass halb fragend.</p><p>�Sie werden ja sehen. �brigens handelt es sich bei der heutigen Sendung um nichts Besonderes. Weda h�lt f�r die Planeten KRS 664456 + BS 3252 einen Vortrag �ber unsere Geschichte.�</p><p>Verbl�ffend schnell stellte Mwen Mass eine Berechnung an.</p><p>�Sternbild des Einhorns, Stern Ross 614 � ein aus alten Zeiten bekanntes Planetensystem, aber es hat sich auf keine Weise bemerkbar gemacht. Ich liebe altert�mliche Bezeichnungen und Ausdr�cke�, erg�nzte er mit kaum merklicher Entschuldigung in der Stimme.</p><p>Der Rat versteht es, Menschen auszuw�hlen, dachte Dar Weter bei sich. Laut f�gte er hinzu: �Dann werden Sie sich mit Yuni Ant, dem Leiter der Elektronen-Ged�chtnismaschinen, gut verstehen. Er selbst nennt sich Leiter der Ged�chtnisr�hren, in Anlehnung an die ersten plumpen Elektronenr�hren aus Glas, die den damaligen Gl�hlampen glichen.�</p><p>Mwen Mass lachte so herzlich und ansteckend, da� Dar Weter noch mehr Sympathie f�r ihn empfand.</p><p>�Ged�chtnisr�hren! Unsere Ged�chtnisnetze sind kilometerlange Korridore aus Milliarden Zellenelementen! Doch was rede ich da �ber selbstverst�ndliche Dinge�, sagte er, pl�tzlich ernst geworden, �anstatt mich �ber das Notwendigste zu informieren. Wann hat sich Ross 614 zum erstenmal gemeldet?�</p><p>�Vor zweiundf�nfzig Jahren. Seit jener Zeit beherrschen seine Bewohner die Sprache des Gro�en Rings. Bis zu ihnen sind es insgesamt vier Parsek. Wedas Vortrag werden sie in dreizehn Jahren empfangen.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Nach dem Vortrag schalten wir auf Empfang um. Durch unsere alten Freunde werden wir Neuigkeiten �ber den Ring erfahren.�</p><p>��ber Schwan 61?�</p><p>�Nat�rlich. Manchmal auch �ber Schlangentr�ger 107, um in Ihrer geliebten alten Terminologie zu sprechen.�</p><p>Ein Mann trat ein, in der gleichen silbrig gl�nzenden Kleidung des Rates f�r Weltraumfahrt, die auch Dar Weters Assistent trug. Er war klein und lebhaft, hatte eine gebogene Nase und erregte sofort durch den scharfen, forschenden Blick seiner tiefschwarzen Augen Aufmerksamkeit. Der Eingetretene fuhr sich mit der Hand �ber den kahlen Kopf.</p><p>�Ich bin Yuni Ant�, sagte er, zu Mwen Mass gewandt, mit hoher, schriller Stimme.</p><p>Mwen Mass begr��te ihn achtungsvoll. Die Leiter der Ged�chtnismaschinen �bertrafen alle Menschen an Gelehrsamkeit. Sie entschieden, welche Informationen in den Ged�chtnismaschinen gespeichert und welche in das allgemeine Informationsnetz oder zu den Pal�sten der sch�pferischen Arbeit weitergeleitet werden sollten.</p><p>�Noch so ein Brevist!� brummte Yuni Ant, w�hrend er dem neuen Bekannten die Hand dr�ckte.</p><p>�Was bedeutet das?� erkundigte sich Mwen Mass.</p><p>�Meine Wortsch�pfung. Vom lateinischen brevis � kurz � abgeleitet. Damit bezeichne ich alle, die nicht lange leben: die Mitarbeiter in den Au�enstationen, die Piloten der interstellaren Flotte, die Techniker in den Fabriken f�r Raumschifftriebwerke und auch uns. Wir leben ja auch nicht l�nger als ein halbes Menschenalter. Was hilft�s! Daf�r ist es interessant. Wo ist Weda?�</p><p>�Sie wollte etwas fr�her kommen�, begann Dar Weter, doch seine Worte gingen in den alarmierenden musikalischen Akkorden unter, die einem hellen Klicken am Zifferblatt der galaktischen Uhr folgten.</p><p>�Das Signal f�r die ganze Erde�, erl�uterte Dar Weter, �Es gilt f�r alle Energiestationen, alle Betriebe, das Transportwesen und die Radiostationen. In einer halben Stunde mu� die gesamte Energieentnahme eingestellt werden. Die Energie wird in gro�en Kondensatoren gespeichert, deren Kapazit�t ausreicht, die gelenkte Strahlung mittels eines Sendekanals durch die Atmosph�re zu schicken. F�r die Sendung werden dreiundvierzig Prozent der Erdenergie verbraucht. F�r den Empfang nur acht�, erkl�rte Dar Weter.</p><p>�Genauso habe ich es mir vorgestellt�, sagte Mwen Mass und nickte zur Bekr�ftigung. Pl�tzlich spiegelte sich auf seinem Gesicht Begeisterung wider. Dar Weter sah sich um. Unbemerkt war Weda Kong eingetreten und stand an der durchsichtigen Leuchts�ule. F�r ihren Auftritt hatte sie ihr sch�nstes Kleid angelegt, das in seinem Stil den Gew�ndern glich, die Jahrtausende zuvor von den Frauen im Kreterreich getragen wurden. Der schwere, hoch aufgesteckte Knoten unterstrich noch die Sch�nheit des kr�ftigen schlanken Halses. Der weite, flie�ende Rock gab die gebr�unten Beine in roten Sandalen frei. Eine Kette aus gro�en, in Titan gefa�ten kirschroten Steinen � Phaanten von der Venus � leuchtete auf der zarten Haut im Ton der vor Erregung ger�teten Wangen.</p><p>Mwen Mass betrachtete die Historikerin mit unverhohlenem Entz�cken.</p><p>Weda sah Dar Weter unsicher an.</p><p>�Gut�, antwortete er auf die stumme Frage seiner sch�nen Freundin.</p><p>�Ich habe schon oft Vortr�ge gehalten, aber noch nie so�, sagte Weda.</p><p>�Der Rat folgt dem allgemeinen Brauch, Nachrichten f�r andere Planeten von sch�nen Frauen sprechen zu lassen. Das vermittelt eine Vorstellung vom Sch�nheitssinn der Bewohner unserer Welt�, sagte Dar Weter.</p><p>�Der Rat hat keine schlechte Wahl getroffen�, meinte Mwen Mass.</p><p>Weda musterte den Afrikaner eindringlich.</p><p>�Sie sind alleinstehend?� fragte sie leise.</p><p>Mwen Mass nickte best�tigend.</p><p>�Darum sind Sie auch so �berschwenglich.�� Sie wollten mich sprechen?� sagte sie zu Dar Weter.</p><p>Die beiden traten auf die breite Terrasse hinaus. Weda kehrte ihr Gesicht dem frischen Meereswind zu.</p><p>Dar Weter er�ffnete ihr, er habe sich entschlossen, zu den Ausgrabungen zu fahren; er erz�hlte ihr, wie schwer ihm die Wahl geworden sei zwischen der achtunddrei�igsten Sternenexpedition, den antarktischen Unterwasserbergwerken und der Arch�ologie.</p><p>�O nein, nur keine Sternenexpedition!� rief Weda. Dar Weter begriff sofort seine Taktlosigkeit. Vollkommen mit sich besch�ftigt, hatte er versehentlich an Wedas wunde Stelle ger�hrt.</p><p>Einige dynamische Akkorde, die bis auf den Balkon zu h�ren waren, halfen ihm aus der Verlegenheit.</p><p>�Es wird Zeit! In einer halben Stunde schalten wir uns in den Ring ein!� Dar Weter fa�te Weda Kong f�rsorglich unter.</p><p>In Begleitung der andern fuhren sie mit der Rolltreppe bis tief unter die Erde und betraten einen kubischen Raum, der direkt in den Fels gehauen war.</p><p>�berall waren Instrumente angebracht. Die matte dunkle T�felung der W�nde wirkte wie Samt. Golden, gr�n, hellblau und orangefarben leuchteten schwach die Skalen, Zeichen und Zahlen. Die smaragdgr�nen Zeigerspitzen vibrierten vor den schwarzen Halbkreisen, als bef�nden sich die breiten W�nde des Raumes in angespannter, bebender Erwartung.</p><p>Mehrere Sessel, ein gro�er Tisch aus Ebenholz vor einem riesigen perlmuttgl�nzenden halbsph�rischen Bildschirm in einem massiven Goldrahmen � das war alles, was im Zimmer stand.</p><p>Durch ein Zeichen rief Dar Weter seinen Nachfolger zu sich, w�hrend er den �brigen die hohen schwarzen Sessel zuwies. Mit verhaltenem Atem trat Mwen Mass n�her. Gleich wird sich von hier aus das Fenster der Erde in die unendlichen Weiten des Kosmos auftun, Gedanken und Wissen werden die Menschen mit ihren Br�dern auf anderen Welten verbinden. Jetzt stehen hier f�nf Vertreter der Menschheit. Ab morgen werden ihm, Mwen Mass, alle Einrichtungen dieser gro�artigen Station anvertraut sein. Ein leichter Schauer lief ihm �ber den R�cken. Erst jetzt begriff er restlos, welche Verantwortung er �bernommen hatte, als er der Entscheidung des Rats zustimmte. Beim Anblick Dar Weters, der ruhig die Schalthebel bediente, trat in seine Augen ein Ausdruck, �hnlich der Bewunderung des jungen Assistenten Dar Weters.</p><p>Lang anhaltend vibrierte ein Ton in der Luft, als h�tte man ein St�ck massives Kupfer zum Klingen gebracht. Dar Weter drehte sich rasch um und bet�tigte einen Schalter. Der Ton verstummte, und Weda Kong sah, wie die T�felung der rechten Wand in voller Zimmerh�he beleuchtet wurde. Sie schien zu zerflie�en und in grenzenloser Ferne zu verschwinden. Die verschwommenen Konturen eines pyramidenf�rmigen Berggipfels wurden sichtbar, den ein riesiger steinerner Ring kr�nte. Unterhalb dieser kolossalen Kappe festgef�gten Gesteins glitzerten Flecke unber�hrten Bergschnees.</p><p>Mwen Mass erkannte den zweith�chsten Berg Afrikas, den Kenia.</p><p>Wieder erf�llte der seltsame Ton den unterirdischen Raum und lie� die Anwesenden gespannt lauschen.</p><p>Dar Weter f�hrte Mwens Hand zu einem runden Knopf mit granatrotem Auge. Gehorsam drehte ihn Mwen Mass bis zum Anschlag. Jetzt wurde die gesamte von eintausendsiebenhundertsechzig riesigen Kraftwerken der Erde erzeugte Energie zum �quator umgeleitet, zu diesem Berg von f�nftausend Meter H�he. �ber seinem Gipfel zog sich ein vielfarbiges Leuchten zusammen, verdichtete sich zu einer Kugel und jagte pl�tzlich wie ein Speer senkrecht nach oben in den Himmel. Einer Windhose gleich, wuchs �ber dem steinernen Ring eine schlanke S�ule auf, an der sich grelleuchtende blaue Rauchspiralen in die H�he schl�ngelten.</p><p>Die gelenkte Strahlung durchstie� die Atmosph�re und bildete einen st�ndigen Kanal zu den Au�enstationen f�r Empfang und Sendung. Sechsunddrei�igtausend Kilometer �ber der Erde befand sich ein Tagessatellit � eine gro�e Station, die in �quatorh�he in vierundzwanzig Stunden einmal um den Planeten kreiste und dadurch stets �ber dem Kenia in Ostafrika stand. Ein anderer gro�er Satellit rotierte in siebenundf�nfzigtausend Kilometer H�he meridional um die Erde und stand mit dem tibetanischen Empfangs- und Sendeobservatorium in Verbindung. Dort waren die Voraussetzungen, einen Sendekanal zu bilden, am g�nstigsten, daf�r aber fehlte eine st�ndige Verbindung. Die beiden gro�en Satelliten waren au�erdem mit mehreren automatischen Au�enstationen gekoppelt, die um die ganze Erde herum verteilt waren.</p><p>Das Licht auf der rechten T�felung erlosch � der Kanal war an die Empfangsstation des Satelliten angeschlossen. Im gleichen Augenblick leuchtete der goldgerahmte Bildschirm auf. In seinem Zentrum erschien eine bizarr vergr��erte Figur, wurde deutlicher und l�chelte mit �bergro�em Mund. Das war Gur Gan, einer der Beobachter vom Tagessatelliten. Auf dem Bildschirm war er zu einem M�rchenriesen geworden. Er nickte freundlich, reckte seinen drei Meter langen Arm und schaltete das Satellitennetz ein. In alle Richtungen des Weltalls streckten die Empfangsger�te ihre hochempfindlichen Antennen. Der matte rote Stern im Sternbild des Einhorns, von dessen Planeten kurz zuvor ein Aufruf ergangen war, lie� sich am besten vom Satelliten 57 anpeilen. Gur Gan stellte die Verbindung zu ihm her. Der unsichtbare Kontakt der Erde mit dem Stern konnte nur eine dreiviertel Stunde aufrechterhalten werden. Keine Minute der kostbaren Zeit durfte deshalb ungenutzt vergehen.</p><p>Auf ein Zeichen von Dar Weter trat Weda Kong in den blauen Metallkreis vor dem Bildschirm. Von oben ergo� sich eine wahre Lichtflut und lie� die sonnengebr�unte Haut des M�dchens noch dunkler erscheinen. Ger�uschlos schalteten sich die Elektronenmaschinen ein, die Wedas Rede in die Sprache des Gro�en Rings �bersetzten. Nach dreizehn Jahren werden die Empf�nger des Planeten im Sternbild des Einhorns die ausgestrahlten Schwingungen in Form von allgemeinverst�ndlichen Zeichen auffangen. Elektronische �bersetzungsmaschinen werden � falls dort eine Lautsprache existiert � die Zeichen in diese Sprache �bersetzen.</p><p>Nur schade, dachte Dar Weter, da� die dort nicht die warme, wohlklingende Stimme einer Frau unserer Erde h�ren, nicht deren Ausdrucksf�higkeit vernehmen k�nnen.</p><p>Wer wei�, wie sich ihr Geh�r von dem unseren unterscheidet. Nur der Gesichtssinn, der sich der elektromagnetischen Schwingungen der Atmosph�re bedient, ist im gesamten Kosmos fast gleich, und die Planetenbewohner k�nnen die bezaubernde, vor Aufregung gl�hende Weda sehen. Dar Weter lauschte ihrem Vortrag, ohne den Blick von ihrem kleinen Ohr zu wenden, das von einer Haarstr�hne halb verdeckt war.</p><p>Knapp, aber verst�ndlich erz�hlte Weda Kong von den Entwicklungsetappen in der Menschheitsgeschichte. Von den lange zur�ckliegenden Epochen, von der Rivalit�t der V�lker untereinander und ihren wirtschaftlichen und ideologischen Auseinandersetzungen sprach sie nur sehr kurz. Diese Epochen erhielten die Sammelbezeichnung �PW: �ra der Partikularistischen Welt. Doch die Menschen der �ra des Gro�en Rings interessierte nicht eine Aufz�hlung der Vernichtungskriege, der schrecklichen Leiden oder der angeblich gro�en Herrscher, die die alten Geschichtsb�cher der Antike, des Mittelalters oder des Zeitalters des Kapitalismus gef�llt hatten. Weit wichtiger war die widerspruchsvolle Entwicklung der Produktivkr�fte, die Formierung der Ideen, der Kunst und der Wissenschaft, das geistige Ringen um den wahren Menschen, um die Menschheit. Das st�ndig wachsende Bed�rfnis, neue Vorstellungen zu schaffen von der Welt und den gesellschaftlichen Beziehungen, von den Pflichten und Rechten und dem Gl�ck des Menschen; ihnen entsprang schlie�lich auf dem gesamten Erdball die m�chtige kommunistische Gesellschaft.</p><p>In der letzten Epoche der �PW, im sogenannten Zeitalter der Spaltung, begriffen die Menschen endlich, da� ihr ganzes Elend von einer Gesellschaftsordnung ausging, die sich bereits in Urv�terzeiten spontan herausgebildet hatte. Sie erkannten, da� die St�rke und die Zukunft der Menschheit auf der Arbeit, den vereinten Anstrengungen der Millionen von Unterdr�ckung befreiter Menschen, auf der Wissenschaft und der Umgestaltung des Lebens auf wissenschaftlicher Grundlage beruhten. Die Grundgesetze der gesellschaftlichen Entwicklung wurden ihnen verst�ndlich, die dialektischen Widerspr�che im Geschichtsablauf sowie die Notwendigkeit der Erziehung zu strenger gesellschaftlicher Disziplin, die um so wichtiger wurde, je mehr die Bev�lkerung auf der Erde zunahm.</p><p>Im Zeitalter der Spaltung versch�rfte sich der Kampf zwischen den alten und neuen Ideen und f�hrte zur Bildung zweier Lager mit unterschiedlichen Wirtschaftssystemen: Das eine bestand aus den alten, kapitalistischen Staaten und das andere aus den jungen, sozialistischen. Die Entdeckung der Atomenergie und der Starrsinn der Verteidiger der alten Welt h�tten damals beinahe zu einer schrecklichen Katastrophe f�r die gesamte Menschheit gef�hrt.</p><p>Doch die neue Gesellschaftsordnung mu�te siegen, obgleich dieser Sieg durch das Zur�ckbleiben in der Erziehung des gesellschaftlichen Bewu�tseins hinausgez�gert wurde. Die Umgestaltung der Welt auf kommunistischer Grundlage ist undenkbar ohne eine grundlegende Ver�nderung der Wirtschaft, ohne die Beseitigung der Armut, des Hungers und der schweren k�rperlichen Arbeit. Die Ver�nderung der wirtschaftlichen Verh�ltnisse machte jedoch eine komplizierte Lenkung der Produktion und der Verteilung notwendig und war nur dadurch m�glich, da� jeder einzelne zu gesellschaftlichem Bewu�tsein erzogen wurde.</p><p>Die kommunistische Gesellschaftsordnung setzte sich nicht sofort bei allen V�lkern und in allen L�ndern durch. Ha� und Verleumdung zu beseitigen, die aus der chauvinistischen Propaganda w�hrend der ideologischen Auseinandersetzungen im Zeitalter der Spaltung resultierten, erforderte ungeheure Anstrengungen. Nicht wenig Fehler wurden auch bei der Entwicklung neuer menschlicher Beziehungen gemacht. Hier und da kam es zu Aufst�nden, angezettelt von unbelehrbaren Anh�ngern des Alten. In ihrer Begrenztheit sahen sie in der Wiederherstellung der alten Verh�ltnisse einen leichten Ausweg aus den Schwierigkeiten, vor denen die Menschheit stand.</p><p>Doch unvermeidlich und unaufhaltsam breitete sich die neue Lebensordnung �ber die ganze Erde aus, und schlie�lich wurde aus den verschiedenen V�lkern und Rassen eine eintr�chtige Familie.</p><p>So begann die �VW � die �ra der Vereinigten Welt �, unterteilt in das Zeitalter der Union der L�nder, der Verschiedenen Sprachen, des Kampfes um die Energie und der Gemeinsamen Sprache.</p><p>Die gesellschaftliche Entwicklung ging immer rascher voran, jede neue Epoche war k�rzer als die vorhergehende. Immer schneller wuchs die Macht des Menschen �ber die Natur.</p><p>In ihren utopischen Vorstellungen von einer sch�nen Zukunft tr�umten die Menschen fr�her, sie werden allm�hlich von jeglicher Arbeit befreit werden. Die Schriftsteller prophezeiten eine kurze Arbeitszeit � zwei, drei Stunden t�glich f�r das allgemeine Wohl. In dieser Zeit w�rden sich die Menschen mit allem Lebensnotwendigen versorgen, die �brige Zeit k�nnten sie sich dem s��en Nichtstun hingeben. Diese Vorstellungen entsprangen der Abneigung gegen erzwungene, schwere Arbeit.</p><p>Bald erkannte der Mensch, da� Arbeit Gl�ck bedeutet, ebenso wie der unaufh�rliche Kampf mit der Natur, die �berwindung von Schwierigkeiten und die L�sung immer neuer Aufgaben bei der Entwicklung von Wissenschaft und Wirtschaft. Arbeit nach besten Kr�ften, allerdings sch�pferisch und den angeborenen F�higkeiten und Neigungen entsprechend, mannigfaltig und von Zeit zu Zeit wechselnd � das ist es, was der Mensch braucht. Die Entwicklung der Kybernetik, die umfassende Bildung jedes einzelnen und die ausgezeichnete K�rpererziehung erm�glichten es, den Beruf zu wechseln, ohne gro�en Zeitaufwand einen anderen zu erlernen, die Arbeit immer wieder zu variieren und in ihr immer gr��ere Befriedigung zu finden. Die sich st�ndig entwickelnde Wissenschaft erfa�te das gesamte Leben, und viele Menschen wurden der sch�pferischen Freude bei der Entdeckung von Naturgeheimnissen teilhaftig. Bald erhielt die Kunst gro�en Anteil an der gesellschaftlichen Erziehung und der Gestaltung des Lebens. Dann brach die gro�artigste �ra in der gesamten Menschheitsgeschichte an, die �GA � die �ra der Gemeinsamen Arbeit mit ihren Zeitaltern der Vereinfachung der Dinge, der Umgestaltung, des Ersten �berflusses und des Kosmos.</p><p>Die Erfindung der Elektrizit�tsverdichtung, die zur Schaffung von Akkumulatoren gewaltiger Kapazit�t und von kompakten, aber leistungsf�higen Elektromotoren f�hrte, war die bedeutendste technische Revolution der Neuzeit. Schon vorher hatte man gelernt, hochkomplizierte Schwachstromnetze mit Hilfe von Halbleitern aufzubauen und kybernetische Maschinen zu schaffen. Die Technik wurde zu einer hohen, subtilen Kunst und gewann Macht �ber Kapazit�ten von kosmischem Ausma�.</p><p>Um die Bed�rfnisse eines jeden erf�llen zu k�nnen, mu�te das Leben des Menschen weitgehend vereinfacht werden. Der Mensch war nicht l�nger ein Sklave der Technik. Detaillierte Standards wurden ausgearbeitet. Dadurch konnten alle beliebigen Gegenst�nde und Maschinen aus verh�ltnism��ig wenigen Grundelementen hergestellt werden, �hnlich dem lebenden Organismus in seiner gro�en Vielfalt, der auch nur aus einer geringen Vielfalt von Zellen besteht, die Zelle aus Eiwei�en, die Eiwei�e aus Proteinen und so weiter. Allein schon dadurch, da� die unglaubliche Verschwendung von Lebensmitteln aufh�rte, schuf man Nahrung f�r Milliarden.</p><p>Alle gesellschaftlichen Kr�fte, die in fr�heren Zeiten f�r die Schaffung von Kriegsmaterial, den Unterhalt riesiger Armeen, f�r politische Propaganda und �u�erlichen Pomp vergeudet wurden, konzentrierte man jetzt auf die Verbesserung des Lebens und die Entwicklung der Wissenschaft.</p><p>Auf ein Zeichen von Weda Kong dr�ckte Dar Weter auf einen Knopf, und neben der Historikerin wurde ein gro�er Globus sichtbar.</p><p>�Wir begannen�, fuhr Weda fort, �mit einer v�lligen Neuaufteilung der Wohn- und Industriezonen unseres Planeten. Hier diese braunen Streifen l�ngs der drei�igsten Breitengrade auf der n�rdlichen und s�dlichen Halbkugel sind eine ununterbrochene Kette st�dtischer Siedlungen, die an den K�sten warmer Meere in einer milden Klimazone liegen. Die Menschheit spart dadurch die ungeheuren Energiemengen ein, die sonst im Winter f�r Heizung und Herstellung warmer Kleidung verbraucht wurden. Die Bev�lkerung konzentrierte sich vor allem an der Wiege der Menschheitskultur � am Mittelmeer. Der subtropische G�rtel verbreiterte sich um das Doppelte, nachdem die polaren Eisfelder abgeschmolzen wurden.</p><p>Im Norden des n�rdlichen Wohng�rtels erstreckt sich eine gigantische Zone von Wiesen und Steppen, wo unz�hlige Herden von Haustieren weiden.</p><p>Die einst trockenen, hei�en W�steng�rtel im S�den (auf der n�rdlichen Halbkugel) und im Norden (auf der s�dlichen) sind heute bl�hende G�rten. Hier befanden sich vorher Felder von Thermokraftwerken, die die Sonnenenergie sammelten.</p><p>Pflanzliche Nahrung und Nutzholz werden vor allem in der tropischen Zone angebaut, die bei weitem g�nstiger daf�r ist als die kalten Klimazonen. Stark zuckerhaltige Pflanzen werden �berhaupt nicht mehr angebaut, schon lange nicht mehr, seitdem die synthetische Gewinnung von Kohlenhydraten � von Zuckern � aus Sonnenlicht und Kohlens�ure eingef�hrt wurde. Da es uns noch nicht gelungen ist, vollwertige Eiwei�e f�r die Ern�hrung billig herzustellen, bauen wir auf dem Festland eiwei�reiche Kulturpflanzen und Pilze an und z�chten in den Ozeanen riesige Algenfelder. Ein einfaches Verfahren zur Produktion von synthetischen Speisefetten ist uns durch eine Information des Gro�en Rings zug�nglich gemacht worden. Alle Vitamine und Hormone gewinnen wir in beliebiger Menge aus Steinkohle. Die Landwirtschaft der neuen Welt braucht nicht mehr ausnahmslos alle Lebensmittel zu erzeugen, wie das in fr�heren Zeiten der Fall war. Zucker, Fett und Vitamine k�nnen wir praktisch unbegrenzt produzieren. Schon seit langem ist die Menschheit von der jahrtausendealten Furcht vor dem Hunger befreit.</p><p>Zu den gr��ten Freuden der Menschen z�hlt das Reisen. Heute umspannt unseren ganzen Planeten die Spiralstra�e, die alle Kontinente durch riesige Br�cken �ber die Meerengen miteinander verbindet.� Weda drehte den Globus und fuhr mit dem Finger den Silberfaden entlang. �Auf ihr fahren in ununterbrochener Folge Elektroz�ge. Hunderttausende von Menschen k�nnen rasch aus der Wohnzone in die Steppen-, Feld-, Wald- oder Gebirgszone gelangen, wo es keine St�dte im eigentlichen Sinn gibt, sondern lediglich provisorische Lager f�r die Meister der Viehzucht, des Ackerbaus, der Forstindustrie und des Bergbaus. Da alle Fabriken und Kraftwerke vollst�ndig automatisiert wurden, sind St�dte oder Siedlungen in ihrer N�he �berfl�ssig. Nur ein paar H�user f�r die wenigen Diensthabenden � Beobachter, Mechaniker und Monteure � wurden gebaut.</p><p>Die planvolle Gestaltung des Lebens war es schlie�lich, die der m�rderischen Jagd nach immer h�herer Geschwindigkeit, dem Bau immer schnellerer Transportmaschinen ein Ende setzte. Auf der Spiralstra�e fahren die Z�ge zweihundert Kilometer in der Stunde. Nur in Notf�llen werden schnelle Flugschiffe eingesetzt, die Tausende Kilometer in der Stunde zur�cklegen.</p><p>Vor einigen Jahrhunderten erfolgten auf unserem Planeten einschneidende Ver�nderungen. Bereits im Zeitalter der Spaltung wurde die Atomenergie entdeckt. Damals erlernten die Menschen, einen winzigen Bruchteil dieser Energie freizusetzen und in eine Explosion umzuwandeln, deren todbringende Eigenschaften sofort f�r milit�rische Zwecke Verwendung fanden. Man legte gro�e Vorr�te von diesen furchtbaren Bomben an, die sp�ter, nachdem sich der Kommunismus �berall durchgesetzt hatte, zur Energieerzeugung genutzt wurden. Die gef�hrlichen Folgen der Strahlung jedoch zwangen die Menschen, auf diese veraltete Form der Energiegewinnung zu verzichten. Bei der Erforschung der Physik ferner Welten entdeckten die Astronomen zwei neue Methoden der Gewinnung von Kernenergie � Q und F �, die weitaus ergiebiger waren und keine gef�hrlichen Zerfallsprodukte hinterlie�en.</p><p>Die beiden Verfahren werden auch heute noch bei uns verwandt, wenngleich wir f�r die Sternschifftriebwerke eine andere Art von Kernenergie benutzen, das Anameson, das bei der Erforschung der gro�en Sterne der Galaxis durch den Gro�en Ring bekannt geworden ist.</p><p>Alle Vorr�te von Kernbrennstoffen alter Art � der radioaktiven Isotope des Urans, Thoriums, Wasserstoffs, Kobalts und Lithiums � wurden vernichtet, nachdem man auf die L�sung gekommen war, ihre Zerfallsprodukte in den Raum au�erhalb der Erdatmosph�re zu schicken. Damals � es war das Zeitalter der Umgestaltung � wurden k�nstliche Sonnen geschaffen und �ber den Polargebieten �aufgeh�ngt�. Dadurch wurden die polaren Eisfelder betr�chtlich verkleinert, das Klima des ganzen Planeten ver�nderte sich. Der Wasserspiegel der Ozeane wurde um sieben Meter gehoben, in der Atmosph�renzirkulation wurden die Polarfronten und die Passatzone, die an der Grenze der Tropen die W�stengebiete ausged�rrt hatte, bedeutend eingeengt. Auch die Orkane, ja �berhaupt alle Unwetterkatastrophen wurden fast vollst�ndig liquidiert.</p><p>Die warmen Steppengebiete r�ckten bis zum sechzigsten Breitengrad vor, und die Wiesen und W�lder der gem��igten Zonen gingen sogar �ber den siebzigsten Breitengrad hinaus.</p><p>Das antarktische Festland, zur H�lfte vom Eis befreit, erwies sich als eine Fundgrube an Bodensch�tzen. Unber�hrt lagen dort die Reicht�mer der Berge, die auf allen anderen Kontinenten schon ausgebeutet und in den gro�en zerst�renden Kriegen mi�braucht worden waren. �ber die Antarktis gelang es auch, den Ring der Spiralstra�e zu schlie�en.</p><p>Noch vor diesen tiefgreifenden Klimaver�nderungen wurden riesige Kan�le gegraben und Gebirgsr�cken durchschnitten, um die Wasser- und Luftzirkulation des Planeten harmonisch zu gestalten. Mit Hilfe von ununterbrochen arbeitenden dielektrischen Pumpen gelang es sogar, die Hochgebirgsw�sten Asiens zu bew�ssern.</p><p>Die Nahrungsmittelerzeugung konnte um ein Vielfaches gesteigert werden, neue Gebiete wurden bewohnbar gemacht. Die warmen Binnenmeere dienten der Zucht eiwei�reicher Wasserpflanzen.</p><p>Mit unseren alten Planetenschiffen, so empfindlich und wenig sicher sie auch waren, konnten wir die n�chstgelegenen Planeten unseres Systems erreichen. Ein G�rtel k�nstlicher Satelliten, von denen aus sich die Menschen mit dem Kosmos vertraut machten, umgab die Erde. Da trat vor vierhundertacht Jahren ein wichtiges Ereignis ein, das eine neue �ra im Dasein der Menschheit einleitete: die �GR, die �ra des Gro�en Rings.</p><p>Seit langem arbeiteten die Menschen an dem Problem der Sendung von Bildern, Lauten und Energie �ber weite Entfernungen. Hunderttausende hochbegabte Wissenschaftler waren t�tig, zusammengeschlossen in einer besonderen K�rperschaft, der �Akademie f�r gelenkte Strahlung�, bis es ihnen gelang, Energie drahtlos, durch gelenkte Strahlung �ber gr��ere Entfernungen zu �bertragen. Auf einem Umweg entdeckten sie das Gesetz, da� der Energiestrom proportional dem Sinus des Winkels der Strahlendivergenz ist. Seitdem erhalten die parallelen Strahlungsb�ndel eine st�ndige Verbindung mit den k�nstlichen Satelliten aufrecht und �ber sie mit dem gesamten Kosmos. Bis dahin war die das Leben sch�tzende H�lle der ionisierten Atmosph�re ein Hindernis f�r Sendungen von und nach dem Weltraum gewesen. Schon vor langer Zeit, am Ende der �ra der Partikularistischen Welt, haben unsere Wissenschaftler Str�me m�chtiger Radiostrahlungen aus dem Kosmos auf der Erde ermittelt. Zugleich mit der Strahlung der Gestirne und Sternsysteme gelangten auch Signale aus dem Kosmos und Sendungen �ber den Gro�en Ring zu uns, allerdings durch die Atmosph�re verst�mmelt und halb ausgel�scht. Damals verstanden wir sie nicht, obwohl wir schon seit langem in der Lage waren, diese geheimnisvollen Signale aufzufangen. Wir hielten sie f�r die Ausstrahlung toter Materie.</p><p>Der Wissenschaftler Kham Amat hatte den Einfall, auf k�nstlichen Satelliten Versuche mit Bildempf�ngern durchzuf�hren, wobei er immer neue Kombinationen von Wellenbereichen auskl�gelte.</p><p>Es gelang ihm, eine Sendung vom Planetensystem eines Doppelsterns aufzufangen, der von alters her Schwan 61 genannt wird. Auf dem Bildschirm zeigte sich eine Gestalt � dem Menschen nicht �hnlich, doch zweifellos ein denkendes Wesen � und wies auf eine aus den Zeichen des Gro�en Rings gebildete Inschrift. Erst nach neunzig Jahren konnten wir die Inschrift entziffern. Heute schm�ckt sie das Denkmal Kham Amats: �Gru� euch Br�dern, die ihr in unsere Familie eingetreten seid. Durch Raum und Zeit getrennt, vereinen wir uns durch den Verstand im Ring der gro�en Kraft.�</p><p>Die Sprache der Zeichen, Bilder und Karten des Gro�en Rings wurde f�r uns erst auf einer bestimmten Entwicklungsstufe verst�ndlich. Zwei Jahrhunderte sp�ter konnten wir uns schon mittels �bersetzungsmaschinen mit den Planetensystemen der n�chsten Sterne unterhalten und zusammenh�ngende Bilder des vielf�ltigen Lebens der verschiedenen Welten empfangen und senden. Erst k�rzlich erhielten wir Antwort von den vierzehn Planeten aus dem gro�en Lebenszentrum des Deneb im Sternbild des Schwans, eines Riesensterns mit viertausendachthundertfacher Sonnenleuchtkraft, der sich einhundertzweiundzwanzig Parsek von uns entfernt befindet. Die Entwicklung des Denkens ging dort einen anderen Weg, erreichte aber unseren Stand.</p><p>Und von den alten Welten � den kugelf�rmigen Anh�ufungen in unserer Galaxis und dem riesigen bewohnten Gebiet um das galaktische Zentrum � kommen aus unerme�licher Ferne seltsame Bilder und Aufzeichnungen, f�r uns noch unverst�ndlich, da wir sie nicht entziffern k�nnen. Von Ged�chtnismaschinen aufgezeichnet, werden sie an die �Akademie der Grenzen des Wissens� weitergeleitet, an die Institution, die an den neuesten Problemen unserer Wissenschaft arbeitet. Wir versuchen die Ergebnisse des Denkens zu entziffern, das uns Millionen Jahre voraus ist.�</p><p>Weda Kong wandte sich vom Bildschirm ab, in den sie wie hypnotisiert gestarrt hatte, und warf Dar Weter einen fragenden Blick zu. Er l�chelte und nickte billigend. Weda hob stolz den Kopf, streckte die H�nde aus und wandte sich jenen Unbekannten zu, die sie in dreizehn Jahren h�ren und sehen w�rden: �Das ist unsere Geschichte, ein komplizierter und lang andauernder Aufstieg zu den H�hen des Wissens. Wir rufen euch. Vereinigt euch mit uns im Gro�en Ring, um die m�chtige Kraft des Verstandes in alle Winkel des Alls zu tragen und die tr�ge, tote Materie zu besiegen!�</p><p>Wedas Stimme klang feierlich. Sie hatte im Namen der gesamten Menschheit gesprochen, die bereits ihre Gedanken �ber die Grenzen der eigenen Galaxis hinaus anderen Sterneninseln des Weltalls vermitteln konnte.</p><p>Ein langgezogener eherner Ton � Dar Weter hatte den Sendestrom abgeschaltet. Der Bildschirm erlosch. Auf der durchsichtigen T�felung blieb die leuchtende S�ule des Tr�gerkanals.</p><p>M�de lie� sich Weda in einen der gro�en, tiefen Sessel sinken, ohne den Blick von Dar Weter zu wenden. Der bat Mwen Mass, am Steuerpult Platz zu nehmen, und beugte sich �ber dessen Schulter. Es war totenstill, nur hin und wieder knackten leise die Kurbelsperren. Pl�tzlich verschwand der goldgerahmte Bildschirm, und an seiner Stelle tat sich eine ungeheure Tiefe auf. Weda Kong, die dieses Wunder zum erstenmal sah, holte tief Luft. Dieses Schauspiel wirkte verbl�ffend, auch auf jemand, der die Methode der komplizierten Interferenz der Lichtwellen genau kannte, durch die diese Weite und Tiefe des Blickfeldes erreicht wurde.</p><p>Die dunkle Oberfl�che des fremden Planeten kam immer n�her, wuchs mit jedem Augenblick. Es handelte sich um das recht seltene System eines Doppelsterns, dessen beide Sonnen sich derart im Gleichgewicht befanden, da� ihr Planet eine regelm��ige Bahn um sie beschrieb und da� sich auf ihm Leben hatte entwickeln k�nnen. Sie waren kleiner als unsere Sonne, orangefarben und scharlachrot, und lie�en die Eismassen des zugefrorenen Meeres rot erscheinen. Am Rande flacher schwarzer Berge war ein langgestrecktes niedriges Geb�ude zu sehen, geheimnisvoll violett schimmernd. Der Sichtstrahl stie� auf eine Plattform auf dem Dach, drang gleichsam hindurch, und sie erblickten einen grauh�utigen Menschen mit runden Eulenaugen, die von silbrigem Flaum umgeben waren. Er war gro� von Wuchs, aber sehr schmal, seine H�nde und F��e waren lang und d�nn wie F�hler. Er stie� l�ppisch den Kopf nach vorn, offenbar eine fl�chtige Begr��ung, richtete seine ausdruckslosen Augen, die wie Objektive aussahen, auf den Bildschirm und �ffnete den lippenlosen Mund, der halb von einer nasen�hnlichen Hautwulst bedeckt war. Sofort ert�nte die melodische, sanfte Stimme der �bersetzungsmaschine:</p><p>�Saf Ftet, Leiter der Au�eninformation, Schwan einundsechzig. Heute senden wir f�r den gelben Stern STL 3388 + 04 SF. Wir senden f�r��</p><p>Dar Weter und Yuni Ant blickten sich an, und Mwen Mass dr�ckte impulsiv Dar Weters Hand. Das waren die galaktischen Rufzeichen der Erde, genauer gesagt des Planetensystems. Einst hatten es die Beobachter anderer Welten f�r einen einzigen gro�en Satelliten gehalten, der in neunundf�nfzig Erdenjahren um die Sonne rotiert. Einmal in diesem Zeitraum stehen Jupiter und Saturn gemeinsam in Opposition zur Sonne, die dadurch f�r die Astronomen der n�chsten Sterne merklich verdeckt wird. Den gleichen Irrtum begingen auch die Astronomen der Erde bei vielen Planetensystemen, deren Vorhandensein bereits vor langer Zeit entdeckt wurde.</p><p>Schneller als zu Beginn der Sendung �berpr�fte Yuni Ant die Einstellung der Ged�chtnismaschine und die Angaben der wachsamen Funktionskontrollger�te.</p><p>�Wir haben�, fuhr der Elektronen�bersetzer mit seiner leidenschaftslosen Stimme fort, �von dem Stern�� � es folgte eine Reihe Zahlen und Zeichen � �zuf�llig, au�erhalb der Sendezeit des Gro�en Rings, eine interessante Sendung aufgenommen. Die Bewohner des Sterns haben die Sprache des Rings noch nicht dechiffriert und vergeuden ihre Energie, indem sie senden, wenn Funkstille herrscht. Wir haben ihnen w�hrend ihrer Sendung geantwortet � das Ergebnis werden wir in etwa drei Zehntel Sekunden�� Die Stimme brach ab. Nach wie vor brannten die Signall�mpchen mit Ausnahme des magischen Auges.</p><p>�Diese Unterbrechungen im interstellaren Funkverkehr sind noch immer ungekl�rt, vielleicht h�ngen sie mit dem sagenhaften neutralen Feld der Astronauten zusammen, das sich zwischen uns und den Planeten schiebt�, erkl�rte Yuni Ant Weda.</p><p>�Drei Zehntel einer galaktischen Sekunde � das sind etwa sechshundert Jahre�, brummte Dar Weter. �Was n�tzt uns das?�</p><p>�Soweit ich verstanden habe, ist die Sendung vom Stern Epsilon Tucanae aufgefangen worden, einem Gestirn am s�dlichen Himmel�, sagte Mwen Mass, �das neunhundert Parsek von uns entfernt ist, also nahe der Grenze unserer st�ndigen Funkverbindung. Weiter als bis zum Deneb sind wir noch nicht vorgedrungen.�</p><p>�Aber empfangen wir nicht auch Sendungen aus dem Zentrum der Galaxis und von den Kugelsternhaufen?� erkundigte sich Weda Kong.</p><p>�Unregelm��ig, zuf�llig oder �ber die Ged�chtnismaschinen anderer Mitglieder des Rings, die quer durch die Galaxis eine Kette bilden�, erwiderte Mwen Mass.</p><p>�Mitteilungen, die vor Tausenden und Zehntausenden von Jahren gesendet wurden, gehen im Raum nicht verloren, sondern erreichen uns irgendwann einmal�, f�gte Yuni Ant hinzu.</p><p>�Aber das bedeutet doch, da� wir Leben und Wissen der Bewohner ferner Welten nur mit ungeheurer Versp�tung deuten k�nnen. F�r das Zentrum der Galaxis zum Beispiel erst nach zwanzigtausend Jahren.�</p><p>�Ja, ganz gleich, ob durch Vermittlung der Ged�chtnismaschinen nahe gelegener Welten oder direkten Empfang unserer Stationen � wir sehen die fernen Welten so, wie sie vor langer, langer Zeit waren. Wir lernen Menschen kennen, die l�ngst gestorben und vergessen sind.�</p><p>�K�nnen wir mit unserer gro�en Macht �ber die Natur tats�chlich nichts daran �ndern?� Weda gab sich nicht zufrieden. �K�nnte man denn die Verbindung nicht auf andere Weise als durch Wellen oder Photonenstrahlen herstellen?�</p><p>�Wie gut ich Sie verstehe, Weda!� rief Mwen Mass.</p><p>�In der �Akademie der Grenzen des Wissens� befa�t man sich mit Projekten zur �berwindung von Raum, Zeit und Schwerkraft, den Grundprinzipien des Kosmos�, schaltete sich Dar Weter ein, �aber man hat noch nicht einmal Versuche dazu durchgef�hrt und konnte�� Pl�tzlich leuchtete das magische Auge wieder auf, und Weda schwindelte es erneut angesichts der grenzenlosen Tiefe des Raumes, der sich auf dem Bildschirm auftat.</p><p>Aus der klaren Bildwiedergabe konnte man schlie�en, da� es sich um die Aufzeichnung einer Ged�chtnismaschine handelte und nicht um eine Direktsendung.</p><p>Zuerst war die Oberfl�che des Planeten zu erkennen, offensichtlich aus der Perspektive einer Au�enstation. Eine riesige bla�violette Sonne, gespenstisch in ihrer unvorstellbaren Leuchtkraft, �bergo� die bl�uliche Wolkendecke der Planetenatmosph�re mit intensivem Licht.</p><p>�Also doch � Epsilon Tucanae, ein hei�er Stern der Klasse B 9 mit achtundsiebzigfacher Sonnenleuchtkraft�, fl�sterte Mwen Mass.</p><p>Dar Weter und Yuni Ant nickten.</p><p>Die Szenerie wechselte. Das Blickfeld war kleiner geworden, man f�hlte sich gleichsam dicht �ber den Erdboden der unbekannten Welt versetzt.</p><p>Runde, wie aus Kupfer gegossene Bergkuppen ragten empor, unbekannte Gesteine oder Metalle von k�rniger Struktur leuchteten feuerrot unter dem hellen Licht der bla�violetten Sonne. Der Widerschein der Strahlen umrahmte die Konturen der Kupferberge, die auf den Wellen eines violetten Meeres breite rote Schatten warfen. Das Wasser schien schwerfl�ssig und spr�hte von innen heraus rote Funken. Weit entfernt vom Ufer erhob sich in stolzer Einsamkeit mitten im Meer eine riesige Statue, eine aus dunkelrotem Stein gehauene weibliche Gestalt; den Kopf zur�ckgebeugt, reckte sie wie in Ekstase die ausgebreiteten Arme dem flammenden Himmel entgegen. Sie h�tte durchaus eine Tochter der Erde sein k�nnen � die �hnlichkeit mit den Menschen und die erstaunliche Sch�nheit der Skulptur waren verbl�ffend. In ihr schien das verk�rpert, wovon die irdischen Bildhauer tr�umten: Jede Linie ihres Gesichts und ihres K�rpers atmete Kraft und Durchgeistigung. Der polierte rote Stein war von geheimnisvollem, lockendem Leben erf�llt.</p><p>Atemlos starrten die f�nf Erdenmenschen auf diese neue Welt. Nur der breiten Brust Mwen Mass� entrang sich ein tiefer Seufzer � beim Anblick der Statue empfand er eine unerkl�rliche freudige Erregung.</p><p>Am Ufer, der Statue gegen�ber, markierten gravierte silberne T�rme den Anfang einer breiten wei�en Treppe, die sich frei schwebend �ber einem Hain schlanker B�ume mit t�rkisfarbenem Laub erhob.</p><p>Die Fernsehkamera des neuen Planeten drang allm�hlich immer weiter vor.</p><p>F�r eine Sekunde leuchteten wei�e Mauern mit breiten Vorspr�ngen auf, ein Portal aus blauem Stein. Dann spiegelte der Bildschirm einen hohen hell erleuchteten Saal wider. Der Perlmuttglanz der W�nde, die ein strenges Ornament schm�ckte, lie� alles im Raum au�erordentlich klar hervortreten. Die Aufmerksamkeit der Erdenmenschen wurde von einer Gruppe von Gestalten gefesselt, die vor einem Smaragdpaneel stand.</p><p>Das flammende Rot ihrer Haut entsprach der Farbt�nung der Statue im Meer. Es war f�r die Erde nicht ungew�hnlich. Einige Indianerst�mme Zentralamerikas besa�en � wie historische Farbaufnahmen bewiesen � ebensolche Hautfarbe, wenn sie vielleicht auch ein wenig matter war.</p><p>Im Saal befanden sich zwei Frauen und zwei M�nner. Beide Paare waren verschieden gekleidet. Die einen trugen goldgl�nzende kurze Kombinationen, mit Schnallen versehen, die anderen hatten lange perlmuttfarbene Gew�nder an.</p><p>Das am Paneel stehende Paar f�hrte geschmeidige Bewegungen aus, wobei es die �ber die eine Seite gespannten Saiten ber�hrte. Das Paneel aus poliertem Smaragd wurde durchsichtig. Im Takt der gleitenden Bewegungen zogen auf dem durchsichtigen Kristall bildhafte Darstellungen vor�ber. Sie wechselten in rascher Folge, da� es auch f�r so ge�bte Betrachter wie Yuni Ant und Dar Weter schwer war, ihren Sinn restlos zu erfassen.</p><p>In der Aufeinanderfolge der Bilder schien die Geschichte des Planeten eingefangen. Gleich Phantomen zogen seltsame sch�ne Tier- und Pflanzenformen vor�ber. Viele Tiere und Pflanzen waren jenen sehr �hnlich, deren Fossilien in den Schichten der Erdrinde gefunden worden waren. Vor den Augen der Betrachter zog die Entwicklung des Lebens in den st�ndig sich vervollkommnenden Formen der organischen Materie vorbei. Der unendlich lange Entwicklungsweg schien noch l�nger, qu�lender und schwieriger gewesen zu sein als der der Erdenbewohner.</p><p>Immer neue Bilder tauchten auf: gro�e Lagerfeuer, Anh�ufungen von Felsbrocken auf einer Ebene, K�mpfe mit grimmigen Bestien, feierliche Bestattungszeremonien und religi�se Kulthandlungen. Dann wurde die ganze Wand von der Gestalt eines Mannes eingenommen, der in einen bunten Fellmantel geh�llt war. Mit der einen Hand hielt er einen Speer, die andere hatte er zu den Sternen emporgestreckt, einen seiner F��e hatte er auf den Nacken eines erlegten Ungeheuers mit langen Sto�z�hnen und einer borstigen R�ckenm�hne gesetzt. Im Hintergrund stand eine Reihe M�nner und Frauen, die sich paarweise bei den H�nden hielten und zu singen schienen.</p><p>Die Bilder verbla�ten, und die polierte Fl�che des gr�nen Steins wurde wieder sichtbar.</p><p>Danach traten die beiden in der goldgl�nzenden Kleidung zur Seite, und das zweite Paar nahm ihren Platz ein. Mit einer schnellen Bewegung warfen sie die Umh�nge ab, und auf dem perlmuttfarbenen Hintergrund der W�nde spiegelten sich die dunkelroten halbentbl��ten K�rper. Der Mann streckte der Frau beide H�nde entgegen; sie antwortete ihm mit einem so strahlenden L�cheln, da� die Erdenbewohner unwillk�rlich ebenfalls l�chelten. Die beiden begannen einen langsamen Tanz. Eigentlich war es kein Tanz, sondern eher ein rhythmisches Posieren. Die Tanzenden wollten offenbar die Vollkommenheit und Sch�nheit, die plastische Geschmeidigkeit ihrer K�rper zeigen. Bei der rhythmischen Folge der Bewegungen vermeinte man eine majest�tische und gleichzeitig melancholische Musik zu sp�ren.</p><p>Mwen Mass schien es, als h�re er eine Melodie: eine Kadenz glockenreiner hoher T�ne �ber dem gemessenen Rhythmus eines dr�hnenden Basses. Weda Kong pre�te Dar Weters Hand, doch er bemerkte es gar nicht. Mit angehaltenem Atem starrte Yuni Ant auf die Szene, und Schwei�tropfen traten ihm auf die Stirn.</p><p>Die Wesen des Tukans waren den Erdenmenschen so �hnlich, da� sich der Eindruck einer fremden Welt allm�hlich verlor. Ihre K�rper jedoch waren von so vollendeter Sch�nheit, wie sie auf der Erde nur selten existierte und oft nur in den Tr�umen und Sch�pfungen der K�nstler lebte.</p><p>Je schwieriger und l�nger die Evolution bis zum ersten denkenden Wesen ist, desto sch�ner, desto zweckentsprechender sind die h�chsten Formen des Lebens, dachte Dar Weter. Die Menschen haben l�ngst begriffen, was Sch�nheit ist � die intuitiv erfa�te Zweckm��igkeit der Struktur im Einklang mit einem bestimmten Ziel. Je vielseitiger die Bestimmung, desto sch�ner die Formen. Diese roth�utigen Wesen sind wahrscheinlich noch vielseitiger und geschickter als wir. Vielleicht hat sich in ihrer Zivilisation mehr der Mensch selbst, seine geistige und k�rperliche Kraft entwickelt und weniger dagegen die Technik. Unsere Kultur war lange Zeit vorwiegend auf Technik begr�ndet, erst die Herausbildung der kommunistischen Gesellschaft hat zur Vervollkommnung des Menschen gef�hrt und nicht nur seiner Maschinen, seiner H�user, seiner Nahrung und seines Zeitvertreibs.</p><p>Der Tanz wurde unterbrochen. Die junge roth�utige Frau trat in die Mitte des Saals, und die Fernsehkamera konzentrierte sich auf sie allein. Ihre ausgebreiteten Arme und das Gesicht waren der Saaldecke zugewandt.</p><p>Unwillk�rlich folgten die Augen der Erdenbewohner ihrem Blick. Entweder hatte der Saal �berhaupt keine Decke, oder aber der Sternenhimmel mit den klaren, gro�en Sternen war eine geschickte optische T�uschung; h�chstwahrscheinlich war es jedoch nur eine Darstellung. Die Anordnung der Gestirne rief keine Assoziationen hervor. Das junge M�dchen bewegte die Hand, und an ihrem linken Zeigefinger blitzte eine kleine blaue Kugel auf. Daraus scho� ein silbriger Strahl hervor, ein riesiger Zeigestab. Der runde leuchtende Punkt an der Spitze des Strahls verweilte bald auf dem einen, bald auf dem anderen Stern an der Decke. Gleichzeitig breitete sich auf der smaragdenen Wand ein langgestrecktes Panorama aus. Langsam wanderte die Spitze des Strahls, und ebenso langsam zogen die Bilder unbewohnter oder besiedelter Planeten vor�ber. In bedr�ckender Trostlosigkeit leuchteten steinerne oder sandige Weiten unter roten, blauen, violetten oder gelben Sonnen. Die Strahlen einer merkw�rdig bleigrauen Sonne hatten auf ihren Planeten kuppel- und spiralf�rmige Lebewesen erzeugt, die Medusen gleich in einer orangefarbenen Atmosph�re oder in einem Ozean schwammen. In der Welt einer roten Sonne wuchsen unvorstellbar hohe B�ume mit schl�pfrig schwarzer Rinde. Sie reckten wie in auswegloser Verzweiflung Myriaden krummer Zweige in die H�he. Andere Planeten waren dagegen v�llig von dunklem, tr�bem Wasser �berflutet. Auf der ruhigen Wasserfl�che schwammen riesige Inseln aus Tieren oder Pflanzen, die unz�hlige wollige F�hler regten.</p><p>�In ihrer N�he gibt es keine Planeten mit h�heren Lebensformen�, sagte pl�tzlich Yuni Ant, der unverwandt die Bilder des unbekannten Sternenhimmels verfolgt hatte.</p><p>�Doch�, widersprach Dar Weter, �nicht weit von ihnen liegt ein flaches Sternsystem, einer der letzten Ausl�ufer der Galaxis. Wir wissen aber, da� flache und sph�rische Systeme, neue und alte, einander nicht selten abl�sen. Zum Sternbild des Eridanus zu existiert ein System mit denkenden Lebewesen, das zum Ring geh�rt.�</p><p>�WWR-4955 + MD 3529 und so weiter�, warf Mwen Mass ein. �Weshalb wissen sie aber nichts davon?�</p><p>�Das System hat sich vor zweihundertf�nfundsiebzig Jahren dem Gro�en Ring angeschlossen, und dieser Bericht ist schon vor dieser Zeit gesendet worden�, antwortete Dar Weter. Das roth�utige M�dchen aus der fernen Welt streifte die kleine blaue Kugel vom Finger und wandte sich mit ausgebreiteten Armen den Zuschauern zu, als wollte sie jemand umarmen. Sie bog Kopf und Schultern leicht zur�ck. Die halbge�ffneten Lippen bewegten sich, formten unh�rbare Worte. So erstarrte sie, w�hrend sie ihren flammenden Appell an die Mitmenschen, die denkenden Wesen anderer Welten, in die eisige Finsternis des Kosmos hinausschleuderte.</p><p>Und wieder nahm ihre strahlende Sch�nheit die Menschen gefangen. Auf ihrem Antlitz lag nicht die gemei�elte bronzene Strenge der roth�utigen Erdenbewohner; das runde Gesicht mit der kleinen Nase, den gro�en, weit auseinanderstehenden blauen Augen und dem kleinen Mund erinnerte eher an die n�rdlichen V�lker der Erde. Auch das schwarze wellige Haar war nicht hart und str�hnig. Jede Linie des ebenm��igen Gesichts und K�rpers dr�ckte beschwingte Zuversicht aus.</p><p>�Sollten sie wirklich vom Gro�en Ring nichts wissen?� fl�sterte Weda Kong, v�llig gebannt von der Anmut ihrer sch�nen Schwester aus dem Kosmos.</p><p>�Jetzt wissen sie sicherlich davon�, gab Dar Weter zur�ck. �Denn das, was wir heute sehen, geschah vor dreihundert Jahren.�</p><p>�Achtundachtzig Parsek�, brummte Mwen Mass mit tiefer Stimme. �Achtundachtzig. Alle, die wir gesehen haben, sind l�ngst tot!�</p><p>Und wie zur Best�tigung seiner Worte verschwand das Bild aus der wunderbaren Welt, erlosch auch das magische Auge, das die Verbindung anzeigte. Die Sendung �ber den Gro�en Ring war beendet.</p><p>Eine Weile sa�en alle wie versteinert. Als erster fa�te sich Dar Weter. Verdrossen bi� er sich auf die Lippen und schaltete hastig die Ger�te aus. Bevor die S�ule der gelenkten Energie abgeschaltet wurde, ert�nte ein tiefes, ehernes Dr�hnen, das die Ingenieure der Kraftwerke aufforderte, den m�chtigen Strom wieder in seine altgewohnten Kan�le zur�ckzuleiten. Erst nachdem Dar Weter alle Operationen ausgef�hrt hatte, wandte er sich seinen Gef�hrten zu.</p><p>Mit hochgezogenen Brauen �berflog Yuni Ant die engbeschriebenen Bl�tter.</p><p>�Die Aufzeichnungen von der Sternkarte an der Saaldecke m�ssen sofort ins �Institut f�r den s�dlichen Sternenhimmel� geschickt werden!� erkl�rte er Dar Weters jungem Assistenten.</p><p>Der blickte Yuni verwundert an, als erwache er soeben aus einem ungew�hnlichen Traum.</p><p>Der strenge Gelehrte unterdr�ckte ein L�cheln � glich das Ganze nicht tats�chlich einem Traum von einer wundersch�nen Welt? Einem Traum, den jetzt, nach drei Jahrhunderten, Milliarden von Menschen auf der Erde und in den Stationen des Mondes, des Mars und der Venus deutlich sehen w�rden.</p><p>�Sie hatten recht, Mwen Mass�, sagte Dar Weter l�chelnd, �als Sie vor Beginn der Sendung erkl�rten, heute werde etwas Besonderes geschehen. Zum erstenmal in vierhundert Jahren, seit Bestehen des Gro�en Rings, empfingen wir aus dem Weltall das Bild eines Planeten, dessen Bewohner nicht nur dem Verstand, sondern auch der K�rperbildung nach unsere Br�der sind. Meine Freude �ber diese Entdeckung ist unbeschreiblich. Ihr Dienst hat gut angefangen. Fr�her h�tten die Menschen das als gutes Vorzeichen angesehen. Wie nennen es doch gleich unsere Psychologen? Ein Zusammentreffen von Umst�nden, das Zuversicht und Enthusiasmus f�r die k�nftige Arbeit st�rkt.�</p><p>Dar Weter merkte, da� ihn die ungew�hnlichen Eindr�cke redselig gemacht hatten. Geschw�tzigkeit galt in der �ra des Gro�en Rings als eine der besch�mendsten Schw�chen des Menschen. Er verstummte, ohne seinen Gedanken beendet zu haben.</p><p>�Ja, ja�, antwortete Mwen Mass zerstreut.</p><p>Yuni Ant sp�rte, da� Mwen Mass nicht ganz bei der Sache war, und stutzte. Weda ber�hrte Dar Weters Hand und deutete mit dem Kopf auf Mwen Maas.</p><p>Vielleicht ist er zu empfindsam, ging es Dar Weter durch den Sinn, und er musterte seinen Nachfolger eingehend.</p><p>Mwen Mass f�hlte, da� seine Gespr�chspartner ein wenig befremdet waren, er gab sich einen Ruck und war so aufmerksam wie zuvor.</p><p>Die Rolltreppe brachte sie nach oben. Mwen Mass und Dar Weter hatten noch zu tun.</p><p>Weda Kong dr�ckte Dar Weter noch einmal fest die Hand und fl�sterte, sie werde diese ereignisreiche Nacht niemals vergessen.</p><p>�Ich kam mir so unbedeutend vor!� sagte sie mit einem L�cheln, das ihre Worte L�gen strafte.</p><p>Dar Weter verstand, was sie meinte. Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich bin �berzeugt, Weda, h�tte die roth�utige Frau Sie gesehen, sie w�re stolz auf ihre Schwester. Unsere Erde ist gewi� nicht schlechter als ihre Welt!� Seine Zuneigung zu Weda spiegelte sich auf seinem Gesicht wider.</p><p>�Nun ja, in Ihren Augen, lieber Freund�, gab Weda zur�ck. �Aber fragen Sie Mwen Mass!� Scherzend legte sie die Hand vor die Augen und verschwand hinter einem Mauervorsprung.</p><p>Als Mwen Mass endlich allein war, graute der Morgen. D�mmerung erf�llte die k�hle, windstille Luft; Meer und Himmel waren von der gleichen kristallenen Durchsichtigkeit � silbrig get�nt das Meer, rosig der Himmel.</p><p>Lange stand Mwen Mass auf dem Balkon des Observatoriums und betrachtete versunken die Konturen der ihm unbekannten Geb�ude.</p><p>Ein wenig entfernt erhob sich auf einem flachen Plateau ein gigantischer Aluminiumbogen, durchzogen von neun parallelen Aluminiumstreifen, die durch cremefarbene und silberwei�e Plexiglasscheiben verbunden waren � das Geb�ude des Rates f�r Astronautik. Davor stand ein Denkmal, errichtet zu Ehren der Menschen, die als erste in den Kosmos vorgedrungen waren. Es stellte einen steilen Berggrat dar, gekr�nt von einem Sternschiff alten Typs � einer fischf�rmigen Rakete, deren spitzes Vorderteil in die H�he gerichtet war. Eine Kette von Metallfiguren war spiralf�rmig um den glatten Denkmalsockel gruppiert: Astronauten, Physiker, Astronomen, Biologen und Verfasser phantastischer Romane. Schon f�rbte die Morgenr�te den Rumpf des alten Sternschiffes und die schwungvollen Konturen der Geb�ude, doch Mwen Mass ging noch immer mit langen Schritten auf dem Balkon hin und her. Noch nie war er so erregt gewesen. Nach den allgemeinen Regeln der �ra des Gro�en Rings erzogen, war sein K�rper im harten Training gest�hlt worden; seine Herkulestaten hatte er erfolgreich absolviert. So nannte man in Erinnerung an die Sagen des antiken Hellas schwierige Aufgaben, die jeder junge Mensch am Ende seiner Schulzeit vollbringen mu�te. Wenn er sie bew�ltigte, war er zur h�chsten Bildungsstufe zugelassen.</p><p>Mwen Mass hatte die Wasserversorgung eines Bergwerks in Westtibet organisiert, einen Araukarienwald auf der Hochebene von Nachebt in S�damerika angepflanzt und die Haifische ausgerottet, die erneut vor den K�sten Australiens aufgetaucht waren. Die St�hlung f�r das Leben und seine hervorragenden Anlagen erm�glichten es ihm, viele Jahre lang beharrlich zu lernen und sich auf eine schwere und verantwortungsvolle Arbeit vorzubereiten. Und nun hatte gleich zu Beginn seiner neuen T�tigkeit die Begegnung mit einer der Erde �hnlichen Welt etwas Unerkl�rliches in ihm ausgel�st. Best�rzt wurde sich Mwen Mass pl�tzlich der Leere seines bisherigen Lebens bewu�t. Unertr�glich stark war das Verlangen nach einem neuen Zusammentreffen mit dem Planeten des Epsilon Tucanae. Das Bild des roth�utigen M�dchens, ihre ausgebreiteten Arme, ihr zarter halbge�ffneter Mund und ihre bezwingende Sch�nheit hatten sich f�r immer in sein Ged�chtnis eingepr�gt.</p><p>Da� er von dieser Wunderwelt durch die ungeheuerliche Entfernung von zweihundertundneunzig Lichtjahren getrennt war, konnte sein brennendes Verlangen nicht verringern.</p><p>In Mwen Mass war etwas herangereift, was sich nun verselbst�ndigt hatte und au�erhalb der Kontrolle des Willens und der k�hlen Vernunft war. Der Afrikaner hatte bisher fast ausschlie�lich seiner Arbeit gelebt, noch nie geliebt oder etwas empfunden, was der freudigen Erregung glich, die diese Begegnung �ber riesige Entfernungen von Raum und Zeit hinweg in ihm ausgel�st hatte.</p></section><section><title><p>Gefangene der Finsternis</p></title><p>Auf den orangeroten Skalen, die die vorhandenen Anamesonvorr�te anzeigten, standen die breiten schwarzen Zeiger auf Null. Bis jetzt war das Sternschiff noch nicht von seinem bisherigen Kurs abgewichen, da seine Geschwindigkeit noch gro� genug war. Unaufhaltsam n�herte es sich der f�r Menschenaugen unsichtbaren, unheimlichen Sonne.</p><p>Zitternd vor Anstrengung und Schw�che, nahm Erg Noor, von Pel Lin gest�tzt, an der Rechenmaschine Platz. Die planetarischen Triebwerke waren verstummt, der Steuerautomat hatte sie abgeschaltet.</p><p>�Ingrid, was ist ein Eisenstern?� fragte leise Keh Ber, der die ganze Zeit unbeweglich hinter der Astronomin gestanden hatte.</p><p>�Ein f�r uns unsichtbarer Stern der Spektralklasse T, schon erloschen, aber noch nicht endg�ltig erkaltet. Er sendet langwellige Lichtstrahlen aus, die im W�rmebereich des Spektrums liegen � infrarote Strahlen �, und ist nur durch den Elektroneninvertor sichtbar. Eine Eule k�nnte den Stern wahrnehmen, da sie infrarote Strahlen sieht.�</p><p>�Weshalb hei�t er aber Eisenstern?�</p><p>�Auf allen bisher erforschten Sternen ist Eisen in erheblich gr��erer Menge vorhanden als auf der Erde. Handelt es sich um einen gro�en Stern, sind Masse und Gravitationsfeld gewaltig. Ich f�rchte, wir sind auf solch einen Stern gesto�en.�</p><p>�Und was nun?�</p><p>�Ich wei� nicht. Du siehst selbst, wir haben keinen Treibstoff mehr. Dabei fliegen wir weiter geradewegs auf den Stern zu. Wir m�ssen die �Tantra� bis auf ein Tausendstel der Lichtgeschwindigkeit abbremsen, so da� ein gen�gend gro�er Abweichungswinkel erreicht werden kann. Wenn uns dabei auch noch der planetarische Treibstoff ausgeht, n�hert sich unser Schiff allm�hlich dem Stern, bis es abst�rzt.� Ingrid zuckte nerv�s mit dem Kopf, und Keh Ber streichelte beruhigend ihren von einer G�nsehaut bedeckten Arm.</p><p>Der Expeditionsleiter trat ans Steuerpult und konzentrierte sich auf die Instrumente. Alle warteten atemlos und schwiegen. Auch Nisa Krit, die eben erst erwacht war und instinktiv das Gef�hrliche der Situation begriffen hatte. Der Treibstoff reichte wahrscheinlich nur zum Abbremsen des Sternschiffs, je mehr es aber an Geschwindigkeit verlor, desto schwerer w�rde es ohne die Anamesontriebwerke der gewaltigen Anziehungskraft des Eisensterns entkommen. Wenn die �Tantra� nicht schon so nahe w�re und Pel Lin rechtzeitig begriffen h�tte� Doch was half jetzt noch ein Wenn und Aber!</p><p>Drei Stunden mochten vergangen sein, da hatte Erg Noor einen Entschlu� gefa�t. Das heftige Vibrieren der Ionentriebwerke lie� die �Tantra� erzittern. Vier Stunden lang verringerte das Sternschiff seine Geschwindigkeit. Kaum merklich bewegte Erg Noor die Hebel, und alle versp�rten sogleich ein schreckliches Unwohlsein. Der furchterregende braune Himmelsk�rper verschwand vom vorderen Bildschirm und tauchte auf dem Seitenbildschirm auf. Wie die Instrumente anzeigten, hielten noch immer die unsichtbaren Ketten der Gravitation das Schiff fest. Erg Noor ri� die Hebel zu sich heran � die Triebwerke standen still.</p><p>�Entkommen!� fl�sterte Pel Lin erleichtert. Der Leiter wandte sich langsam zu ihm und sagte: �Nein! Der Treibstoff reicht nur f�r Umkreisung und Landung.�</p><p>�Was jetzt?�</p><p>�Abwarten! Ich habe den Kurs ein wenig �ndern k�nnen. Aber wir kommen immer noch zu dicht heran. Wer wird den Sieg davontragen: die Schwerkraft des Sterns oder die Geschwindigkeit der �Tantra�? Wir haben jetzt das Tempo einer Mondrakete. Wenn es uns gelingt, von diesem Stern freizukommen, fliegen wir in Richtung der Sonne. Die Reisezeit wird dann allerdings betr�chtlich l�nger. In drei�ig Jahren werden wir ein Notsignal senden, und acht Jahre darauf wird Hilfe eintreffen��</p><p>�Achtunddrei�ig Jahre!� fl�sterte Keh Ber Ingrid kaum h�rbar zu. Sie zog ihn heftig am �rmel und wandte sich ab.</p><p>Erg Noor lehnte sich im Sessel zur�ck und lie� die H�nde sinken. Die Menschen schwiegen, nur die Ger�te summten leise. Ein disharmonischer, drohend anmutender Ton mischte sich in das Summen der Steuerungsapparate. Die Drohung des Eisensterns, seine Kraft, die das sich verlangsamende Schiff festhielt, waren beinahe k�rperlich zu sp�ren.</p><p>Nisa Krits Wangen brannten, und ihr Herz schlug schneller. Das Warten wurde unertr�glich.</p><p>Langsam verrannen die Stunden. Die Expeditionsmitglieder, aus dem Schlaf erwacht, fanden sich einer nach dem anderen in der Steuerzentrale ein, bis alle vierzehn versammelt waren.</p><p>Die �Tantra� flog jetzt mit weniger als der Entweichgeschwindigkeit, so da� sie vom Eisenstern nicht mehr wegkam. Niemand dachte an Essen und Schlafen. Alle harrten aus in der Zentrale, viele bange Stunden lang, in denen sich der Kurs der �Tantra� immer mehr kr�mmte, bis sie auf einer verh�ngnisvollen Ellipse dahinjagte. Damit war das Schicksal des Sternschiffs entschieden.</p><p>Ein pl�tzlich St�hnen lie� alle zusammenfahren. Der Astronom Pur Hiss sprang auf und fuchtelte mit den Armen. Er war nicht wiederzuerkennen, nichts hatte er mehr mit einem Menschen der �ra des Gro�en Rings gemein. Furcht, Todesangst und Rachgier verzerrten das Gesicht des Wissenschaftlers.</p><p>�Er, er ist schuld!� schrie Pur Hiss und zeigte auf Pel Lin. �Idiot, Holzkopf, hirnloser Wurm�� Der Astronom schluckte und suchte nach l�ngst vergessenen Fl�chen der Urahnen. Nisa, die neben ihm stand, wandte sich angewidert ab. Da erhob sich Erg Noor.</p><p>�Was beschimpfen Sie den Navigator! Die Zeiten sind vorbei, wo Fehler absichtlich gemacht wurden. Und in diesem Falle� � Noor drehte an den Schaltern der Rechenmaschine � �betr�gt, wie Sie sehen, die Wahrscheinlichkeit f�r einen Fehler drei�ig Prozent. Ber�cksichtigt man noch die Erm�dung, die stets am Schlu� einer Schicht eintritt, und die Ersch�tterungen durch das Schaukeln des Sternschiffs, so h�tten Sie, Pur Hiss, dessen bin ich sicher, den gleichen Fehler begangen!�</p><p>�Und Sie?� schrie der Astronom w�tend.</p><p>�Ich � keinesfalls. W�hrend der sechsunddrei�igsten Sternenexpedition habe ich etwas �hnliches erlebt. Doch ich trage in diesem Fall die gr��te Schuld: Ich wollte das Sternschiff in dem noch unerforschten Raum selbst steuern, dabei habe ich nicht alles vorher bedacht, sondern mich auf eine einfache Instruktion beschr�nkt.�</p><p>�Woher konnten Sie wissen, da� wir ohne Sie in diesen Bereich geraten!� rief Nisa.</p><p>�Ich h�tte es wissen m�ssen�, antwortete Erg Noor fest, �aber dar�ber werden wir noch auf der Erde sprechen.�</p><p>�Auf der Erde!� rief Pur Hiss, und selbst Pel Lin machte ein betretenes Gesicht. �Wie k�nnen Sie so reden, wo alles verloren ist und uns nichts als der Tod erwartet.�</p><p>�Nicht der Tod erwartet uns, sondern ein schwieriger Kampf�, antwortete Erg Noor fest und nahm in dem Sessel am Tisch Platz. �Setzen Sie sich! Wir haben Zeit, bis die �Tantra� anderthalb Uml�ufe gemacht hat.�</p><p>Alle gehorchten schweigend, und Nisa l�chelte dem Biologen trotz der Hoffnungslosigkeit des Augenblicks triumphierend zu.</p><p>�Zweifellos hat der Stern einen Planeten, vermutlich sogar zwei, nach der Kr�mmung seiner Isograven zu urteilen. Wie Sie sehen, m�ssen die Planeten recht gro� sein.� Der Expeditionsleiter entwarf rasch eine genaue Skizze. �Folglich sind sie auch von einer Atmosph�re umgeben. Vorl�ufig sind wir noch nicht gezwungen zu landen, da wir noch einen gro�en Vorrat an festem atomarem Sauerstoff haben.� Erg Noor verstummte, um sich zu sammeln. �Wir umkreisen den Planeten und werden zu seinem Satelliten. Wenn sich seine Atmosph�re als geeignet erweist und wir unsere Luft nahezu verbraucht haben, reicht unser planetarischer Treibstoff noch zur Landung aus�, fuhr er fort. �Im Laufe eines halben Jahres werden wir die Richtung berechnen, unsere Forschungsergebnisse von der Sirda durchgeben, ein Hilfsschiff herbeirufen und uns und unser Schiff retten.�</p><p>�Wenn die Rettung gelingt!� warf Pur Hiss ein.</p><p>�Ja, wenn!� best�tigte Erg Noor. �Aber es ist unser Ziel, und wir werden es unter allen Umst�nden zu erreichen suchen. Pur Hiss und Ingrid, Sie f�hren die Beobachtungen durch und berechnen die Ausma�e der Planeten. Keh Ber und Nisa, Sie errechnen aus der Masse der Planeten die Entweichgeschwindigkeit und daraus die Umlaufgeschwindigkeit und den optimalen Radianten f�r unsere Umlaufbahn.�</p><p>F�r alle F�lle trafen die Forscher auch Vorbereitungen zur Landung. Der Biologe, die Geologin und die �rztin bereiteten eine automatische Erkundungsstation zum Abwurf vor. Die Mechaniker �berpr�ften die Landeradarger�te und die Scheinwerfer und montierten einen kleinen Satelliten f�r die Nachrichten�bermittlung zur Erde.</p><p>Nach dem ausgestandenen Schrecken und der Hoffnungslosigkeit ging die Arbeit besonders schnell voran. Sie wurde nur dann unterbrochen; wenn das Sternschiff durch Gravitationswirbel ins Schaukeln geriet. Doch die �Tantra� flog so langsam, da� die Ersch�tterungen die Besatzung nicht mehr gef�hrdeten.</p><p>Pur Hiss und Ingrid best�tigten durch ihre Berechnungen das Vorhandensein zweier Planeten. Der �u�ere war ein riesiger kalter Planet, umgeben von einer m�chtigen, wahrscheinlich giftigen atmosph�rischen H�lle, die der Expedition den Tod bringen konnte. Solche furchtbaren Riesenplaneten gab es auch im Sonnensystem � Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.</p><p>Die �Tantra� n�herte sich unaufhaltsam dem Stern. Nach neunzehn Tagen hatten Pur Hiss und Ingrid die Ausma�e des zweiten Planeten bestimmt; er war gr��er als die Erde. Da sich der Planet sehr nahe seiner eisernen Sonne befand, umkreiste er sie mit rasender Geschwindigkeit; sein Jahr dauerte kaum l�nger als zwei bis drei Erdmonate. Der unsichtbare Stern T erw�rmte den Planeten mit seinen infraroten Strahlen wahrscheinlich stark genug, so da� bei Vorhandensein einer Atmosph�re dort Lebewesen existieren konnten. In diesem Fall w�rde eine Landung besonders gef�hrlich sein, denn das fremde Leben, das sich unter den Bedingungen anderer Planeten und in anderer Evolution, wenn auch in der f�r den ganzen Kosmos gemeinsamen Form von Eiwei�k�rpern, entwickelte, war f�r die Erdenbewohner au�erordentlich sch�dlich. Die Schutzstoffe, welche die Organismen auf der Erde in Millionen von Jahrhunderten herausgebildet hatten, waren gegen anders geartetes Leben wirkungslos. Den gleichen Gefahren waren Lebewesen anderer Planeten auf der Erde ausgesetzt.</p><p>Der Haupttrieb des tierischen Lebens � zu t�ten, um fressen zu k�nnen, und zu fressen, um t�ten zu k�nnen � hatte beim Zusammentreffen von Lebewesen verschiedener Welten besonders schreckliche Auswirkungen. Furchtbare Krankheiten und Epidemien traten bei den ersten Erforschungen bewohnbarer, aber unbesiedelter Planeten auf. Deshalb trafen auch die von denkenden Wesen besiedelten Welten verschiedene Vorkehrungen, bevor sie die direkte Sternschiffverbindung zu anderen Gestirnen aufnahmen. Auf die Erde, die weit entfernt ist von den zentralen bewohnten Zonen der Galaxis, waren bisher noch keine G�ste von anderen Sternsystemen, noch keine Vertreter anderer Zivilisationen gekommen. Der Rat f�r Astronautik war erst seit kurzem vorbereitet f�r die Aufnahme von Freunden nahe gelegener Sterne aus dem Sternbild des Schlangentr�gers, des Schwans, des Gro�en B�ren und des Paradiesvogels.</p><p>Erg Noor war �ber ein eventuelles Zusammentreffen mit Lebewesen besorgt und ordnete an, biologische Schutzmittel bereitzuhalten. In der Hoffnung, zur Wega zu gelangen, hatte er die Expedition damit ausreichend versorgt.</p><p>Endlich war der entscheidende Augenblick gekommen: Die �Tantra� hatte ihre Fluggeschwindigkeit der des Planeten angeglichen und umkreiste ihn. Die verschwommene graubraune Oberfl�che des Planeten, richtiger gesagt, seiner Atmosph�re, war nur im Elektroneninvertor sichtbar. Alle Expeditionsmitglieder hatten ihre Pl�tze an den Ger�ten eingenommen.</p><p>�Die Temperatur der oberen Schichten auf der beleuchteten Seite betr�gt dreihundertzwanzig Grad Kelvin!�</p><p>�Die Umdrehung um die Achse dauert ann�hernd zwanzig Tage!�</p><p>�Die Radarger�te best�tigen das Vorhandensein von Wasser und Festland.�</p><p>�Die M�chtigkeit der Atmosph�re betr�gt tausendsiebenhundert Kilometer.�</p><p>�Genaue Masse: das 43,2fache der Erdmasse.�</p><p>Die Angaben erfolgten schnell hintereinander. Erg Noor fa�te die Zahlen zusammen, er brauchte das Material f�r die Berechnung der Umlaufbahn. Der Planet war sehr gro�. Seine Schwerkraft w�rde das Schiff an den Boden heften. Die Menschen w�rden sich nur wie hilflose Kriechtiere bewegen k�nnen.</p><p>Dem Expeditionsleiter fielen schauerliche Erz�hlungen �ber Sternschiffe ein, die aus verschiedenen Gr�nden auf Riesenplaneten gelandet waren. Die damaligen Sternschiffe mit ihrer geringen Geschwindigkeit und ihrem schwachen Treibstoff waren meist verloren. Die Triebwerke heulten, und das Schiff erbebte wie im Krampf; es klebte an der Planetenoberfl�che, unf�hig, sich vom Boden abzuheben. Das Schiff blieb zwar unversehrt, doch den Menschen wurden die Knochen gebrochen. Unbeschreiblich war das Grauen, das aus dem abgerissenen St�hnen der letzten Meldungen und der Abschiedssendungen sprach.</p><p>Der Besatzung der �Tantra� drohte dieses Schicksal nicht, solange das Schiff den Planeten umkreiste. M��te es aber landen, dann w�rden nur sehr kr�ftige Menschen die Last ihres eigenen Gewichts auf dieser k�nftigen Zufluchtsst�tte schleppen k�nnen, einer Zufluchtsst�tte, an der sie vielleicht Jahrzehnte bleiben m��ten. W�rden sie unter diesen Bedingungen durchhalten? Unter der Last der erdr�ckenden Schwere, im ewigen Dunkel der infraroten Sonne, in der dichten Atmosph�re? Doch wie schlimm es auch sein mochte, noch bestand Hoffnung auf Rettung, und au�erdem blieb keine andere Wahl!</p><p>Die �Tantra� zog ihre Bahn dicht �ber der Atmosph�re. Die Mitarbeiter der Expedition durften die Gelegenheit nicht vers�umen, diesen v�llig unbekannten Planeten zu untersuchen, der sich verh�ltnism��ig nahe der Erde befand. Die beleuchtete, besser gesagt, erw�rmte Seite des Planeten unterschied sich von der Schattenseite nicht allein durch eine bedeutend h�here Temperatur, sondern auch durch gr��ere Elektrizit�t, die sogar die starken Radarger�te st�rte, so da� die Angaben v�llig verzerrt wurden. Erg Noor beschlo�, den Planeten zuerst mit Hilfe einer physikalischen Station zu erforschen. Bald kam das verbl�ffende Resultat. Der Automat meldete das Vorhandensein von freiem Sauerstoff in der Neon-Stickstoff-Atmosph�re, das Vorhandensein von Wasserdampf und eine Temperatur von zw�lf Grad W�rme. Diese Bedingungen �hnelten im allgemeinen denen der Erde. Lediglich der Druck der dichten Atmosph�re �berstieg den normalen Druck auf der Erde um das 1,4fache, und die Schwerkraft war um mehr als das Zweieinhalbfache gr��er als die irdische.</p><p>�Hier kann man leben!� meinte der Biologe mit einem fl�chtigen L�cheln, als er dem Expeditionsleiter die Meldungen der Station �bergab.</p><p>�Wenn wir auf einem so dunklen und schweren Planeten leben k�nnen, existieren dort bestimmt schon Lebewesen � kleine und gef�hrliche.�</p><p>Als das Sternschiff zur f�nfzehnten Umkreisung des Planeten ansetzte, wurde eine Abwurfstation mit einem leistungsf�higen Fernsehsender vorbereitet. Doch die zweite physikalische Station, die nach der Drehung des Planeten um hundertzwanzig Grad auf der Schattenseite abgeworfen worden war, gab kein einziges Signal.</p><p>�Sie ist im Ozean versunken!� konstatierte die Geologin �rgerlich.</p><p>�Dann m�ssen wir die Oberfl�che mit dem Hauptradarger�t abtasten, bevor wir eine Fernsehstation abwerfen. Wir haben nur zwei.�</p><p>Die Umrisse einer riesigen Ebene wurden registriert, die entweder in einen Ozean hineinragte oder zwei Ozeane fast am �quator des Planeten voneinander trennte. Das Sternschiff f�hrte den Radarstrahl in einer Zickzacklinie und erfa�te damit einen Streifen von zweihundert Kilometer Breite. Pl�tzlich flammte der Bildschirm des Radarger�tes f�r den Bruchteil einer Sekunde hell auf. Ein Pfeifen, das an den �berreizten Nerven zerrte, best�tigte, da� es keine Halluzination war.</p><p>�Metall!� rief die Geologin. ��ber Tage!�</p><p>Erg Noor sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Obwohl es nur ganz kurz aufleuchtete, konnte ich doch festumrissene Konturen erkennen. Das ist entweder ein riesiges Metallst�ck, ein Meteorit � oder��</p><p>�Ein Raumschiff?� sagten Nisa und der Biologe gleichzeitig.</p><p>�Hirngespinste!� schnitt Pur Hiss das Gespr�ch ab.</p><p>�Vielleicht ist es wirklich so�, entgegnete Erg Noor.</p><p>�Es ist sinnlos, sich zu ereifern�, sagte Pur Hiss. �Wir k�nnen es ohnehin nicht nachpr�fen, denn wir werden ja nicht landen.�</p><p>�Wir werden es in drei Stunden �berpr�fen, wenn wir wieder zu der gro�en Ebene kommen. Geben Sie Obacht, der Metallk�rper befindet sich auf einer Ebene, die auch ich als Landeplatz w�hlen w�rde. Wir werfen die Fernsehstation genau dort ab. Stellen Sie den Strahl des Radarger�ts auf sechs Sekunden Vorhalt!�</p><p>Der vom Expeditionsleiter vorgeschlagene Plan gelang, und nach dem Abwurf wiederholte die �Tantra� den dreist�ndigen Flug um den Planeten. Als sie sich der Ausgangsposition wieder n�herte, empfing sie die Sendungen der Fernsehstation. Gespannt blickten alle auf den Bildschirm. Wie das menschliche Auge nahm der Sehstrahl die Konturen der Gegenst�nde dort unten in dem bodenlosen Dunkel auf. In dem vom Strahl des Automaten beleuchteten Sektor traten die Umrisse niedriger Schluchten, H�gel und schwarze gewundene Bodenrisse hervor. Pl�tzlich huschte gespensterhaft ein fischf�rmiger K�rper vor�ber.</p><p>�Ein Sternschiff!� riefen mehrere zugleich.</p><p>Nisa blickte Pur Hiss triumphierend an. Der Bildschirm wurde dunkel � die �Tantra� entfernte sich wieder von der Fernsehstation. Eon Tal, der Biologe, fixierte bereits den Streifen der Elektronenaufnahmen. Mit vor Ungeduld zitternden Fingern legte er ihn in den Projektor. Die innere Wandung des Hemisph�renbildschirms gab die Aufnahmen vergr��ert wieder: die vertrauten spitz zulaufenden Konturen des Bugteils, das sich verbreiternde Heck, den hohen Kamm des Stabilisators. Wie unwahrscheinlich dieser Anblick, dieses pl�tzliche, �berraschende Treffen auf dem Planeten der Finsternis auch sein mochte � es war ein Sternschiff der Erde! Unversehrt stand es in normaler, horizontaler Landestellung, als habe es eben erst auf dem Planeten des Eisensterns aufgesetzt.</p><p>W�hrend die �Tantra� ihre schnellen Kreise zog, schickte sie Signale hinunter, die jedoch unbeantwortet blieben. Mehrere Stunden vergingen. In der Steuerzentrale hatten sich wieder alle vierzehn Expeditionsteilnehmer eingefunden. Erg Noor, noch mit seinen Gedanken besch�ftigt, erhob sich und sagte: �Ich schlage vor zu landen. Vielleicht brauchen unsere Br�der Hilfe; vielleicht ist ihr Schiff besch�digt und kann nicht zur Erde zur�ckkehren. Dann k�nnten wir von ihnen Anameson �bernehmen und dadurch sie und uns retten. Eine Rettungsrakete hinunterzuschicken hat keinen Sinn. Treibstoff k�nnte sie uns auch nicht beschaffen, w�rde aber so viel Energie verbrauchen, da� uns nicht mehr genug f�r ein Signal zur Erde bliebe.�</p><p>�Und wenn auch sie wegen Mangels an Anameson hier landen mu�ten?� gab Pel Lin zu bedenken.</p><p>�Dann m�ssen sie auf alle F�lle noch Ionenladungen haben, denn das Schiff ist normal gelandet. Die k�nnten wir f�r den Start verwenden. Wenn wir dann unsere Flugbahn wieder erreicht haben, k�nnen wir die Erde rufen und auf Hilfe warten. Acht Jahre w�rde das ganze Unternehmen dauern; Und wenn sogar noch Anameson vorhanden ist, sind wir aus allen Schwierigkeiten heraus.�</p><p>�Vielleicht besteht ihr planetarischer Treibstoff gar nicht aus Ionenladungen, sondern aus Photonen?� meinte einer der Ingenieure.</p><p>�Wir k�nnen ihn in den Haupttriebwerken verwenden, wenn wir die Schalenreflektoren aus den Hilfstriebwerken einbauen.�</p><p>�Ich sehe, Sie haben schon alles durchdacht�, kapitulierte der Ingenieur.</p><p>�Trotzdem bleibt bleibt die Landung auf dem schweren Planeten ein Risiko, und es kann sein, da� wir dort bleiben m�ssen�, brummte Pur Hiss. �Der Gedanke an diese finstere Welt ist furchtbar.�</p><p>�Ein Risiko bleibt es nat�rlich, aber unsere Situation l��t uns keinen anderen Ausweg, und schlimmer wird sie dadurch kaum. So �bel ist der Planet ja nun auch wieder nicht. Hauptsache, unser Schiff bleibt unversehrt!�</p><p>Erg Noor warf einen Blick auf die Skala des Geschwindigkeitsreglers und trat dann rasch ans Pult. Er blieb einen Augenblick vor den Hebeln und Schaltern stehen. Die Finger seiner gro�en H�nde zuckten, das Gesicht war wie aus Stein.</p><p>Nisa trat neben ihn, nahm seine rechte Hand und legte sie an ihre gl�hende Wange. Erg Noor nickte dankbar, strich dem M�dchen �ber das dichte Haar und richtete sich auf.</p><p>�Wir begeben uns in die unteren Schichten der Atmosph�re und bereiten die Landung vor!� sagte er laut, w�hrend er das Signal einschaltete.</p><p>Ein Heulen durchdrang das Schiff, die Menschen eilten zu ihren Pl�tzen und schnallten sich in den hydraulischen Sitzen fest.</p><p>Erg Noor lie� sich in die weichen Polster des Landungssessels sinken, der aus einer Luke vor dem Pult hervorgekommen war. Die Ionentriebwerke begannen zu dr�hnen, und das Sternschiff jagte den Felsen und Ozeanen des unbekannten Planeten entgegen. Die Radarger�te und infraroten Reflektoren tasteten sich durch das Dunkel, die roten L�mpchen auf dem H�henmesser zeigten eine H�he von f�nfzehntausend Metern an. �ber zehn Kilometer hohe Berge waren auf dem Planeten nicht zu erwarten. Ebenso wie auf der Erde bewirkten das Wasser und die W�rme der schwarzen Sonne die Einebnung der Oberfl�che.</p><p>Bei der ersten Umkreisung konnten auf dem gr��ten Teil des Planeten nur unbedeutende Erhebungen festgestellt werden, sie waren ein wenig h�her als auf dem Mars.</p><p>Offenbar waren die gebirgsbildenden Kr�fte im Innern des Planeten l�ngst zur Ruhe gekommen oder nur noch sporadisch t�tig.</p><p>Erg Noor stellte den Flugh�henregler auf zweitausend Meter und schaltete die starken Scheinwerfer ein. Tief unten erstreckte sich ein riesiger Ozean. Schwarze Wellen brandeten auf und st�rzten �ber unbekannten Tiefen wieder zusammen.</p><p>Der Biologe, vor Anstrengung schwitzend, bem�hte sich, das von den Wellen reflektierte Licht mit einem Ger�t einzufangen, das die geringsten Ver�nderungen des Reflexionsverm�gens, die Albedo, registrierte, um den Salzgehalt oder die Mineralisation dieses Meeres festzustellen.</p><p>Kurz darauf nahm das gl�nzende Schwarz des Wassers eine matte T�nung an � das Festland begann. Die Strahlen der Scheinwerfer pfl�gten eine schmale Bahn in die Finsternis. Unvermutet leuchteten Farbflecke auf: bald gelblicher Sand, bald graugr�nes Felsgestein.</p><p>Die �Tantra� raste �ber dem Kontinent dahin.</p><p>Endlich fand Erg Noor die Ebene wieder. Sie war so niedrig gelegen, da� man sie nicht als Hochplateau bezeichnen konnte. Fluten und St�rme des dunklen Meeres aber erreichten sie offensichtlich nicht, da sie ungef�hr hundert Meter �ber dem Festland lag.</p><p>Das vordere Backbord-Radarger�t gab einen Pfeifton von sich. Die �Tantra� bahnte sich mit den Scheinwerfern ihren Weg. Jetzt war das andere Sternschiff deutlich zu erkennen. Die Verkleidung seines Bugteiles aus kristallisch umgebildetem Anisotrop-Iridium funkelte im Schweinwerferlicht wie neu. Weder provisorische Unterk�nfte noch Lichter sah man in der N�he des Schiffes; dunkel und leblos stand es da, ohne auf das N�herkommen seines Zwillingsbruders zu reagieren. Die Scheinwerferstrahlen glitten weiter. Pl�tzlich wurden sie von der glitzernden blauen Fl�che einer hochkant stehenden riesigen Scheibe zur�ckgeworfen; sie stand etwas geneigt und war zu einem Teil in den schwarzen Boden gesunken. F�r einen Augenblick schien es den Beobachtern, als ragten hinter der Scheibe Felsen empor, doch wenige Meter weiter verdichtete sich die undurchdringliche Finsternis; dort fand sich wahrscheinlich eine Schlucht oder ein Abhang.</p><p>Die �Tantra� heulte ohrenbet�ubend auf. Erg Noor wollte m�glichst nah am Sternschiff landen. Deshalb warnte er mit diesem Signal die Menschen, die sich gegebenenfalls in der Todeszone, ungef�hr tausend Meter im Umkreis des Landeplatzes, befinden konnten. Sogar im Schiff war das laute Donnern der Ionentriebwerke zu h�ren. Die Bildschirme zeigten eine Wolke gl�hender Staubteilchen.</p><p>Der Bug des Schiffes hob sich in die H�he. Lautlos glitten die Sessel in den hydraulischen Scharnieren lotrecht nach hinten. Die gigantischen Landest�tzen sprangen aus dem Rumpf und fingen den ersten Aufprall auf den Boden der fremden Welt ab. Die Triebwerke verstummten. Einige St��e noch, ein leichtes Schwanken der Bugspitze, und die �Tantra� stand. Erg Noor mu�te den Arm heben, um die St�tzen abzuschalten � das Pult befand sich jetzt �ber ihm. Ruckartig kippte das Sternschiff nach vorn, bis es seine fr�here, horizontale Lage wieder eingenommen hatte. Das Landeman�ver war beendet. Wie immer rief es im menschlichen Organismus einen starken Schock hervor, so da� die Astronauten eine Weile in ihren Sesseln liegenbleiben mu�ten, um sich wieder zu erholen.</p><p>Die ungeheure Schwerkraft lastete auf jedem. Wie nach einer schweren Krankheit konnten sich die Menschen kaum erheben. Der unerm�dliche Biologie jedoch hatte bereits der Atmosph�re eine Probe entnommen. �Zum Atmen geeignet�, teilte er mit. �Gleich nehme ich die mikroskopische Untersuchung vor.�</p><p>�Nicht n�tig�, widersprach Erg Noor, w�hrend er die Gurte des Landesessels l�ste. �Ohne Skaphander d�rfen wir das Schiff nicht verlassen. Hier k�nnen gef�hrliche Sporen und Viren existieren.�</p><p>In der Luftschleuse am Ausgang lagen leichte biologische Skaphander und sogenannte Sprungskelette bereit � st�hlerne Gestelle mit einem Elektromotor, Sprungfedern und Sto�d�mpfern f�r die Fortbewegung bei allzu gro�er Schwerkraft. Diese Skelette wurden �ber die Skaphander gezogen.</p><p>Alle Expeditionsteilnehmer konnten es kaum erwarten, nach sechs Jahren Irrfahrt im kosmischen Raum wieder Boden unter den F��en zu f�hlen, wenn auch fremden. Keh Ber, Pur Hiss, Ingrid, die �rztin Luma und zwei Mechaniker jedoch mu�ten im Sternschiff bleiben, um den Dienst in der Funkstation, an den Scheinwerfern und Ger�ten zu versehen.</p><p>Den Helm in der Hand, stand Nisa abwartend da.</p><p>�Warum denn so unentschlossen. Nisa?� fragte Erg Noor, w�hrend er die Sprechfunkanlage in seinem Helm �berpr�fte. �Es geht zum anderen Sternschiff!�</p><p>�Ich��, druckste das M�dchen herum. �Ich glaube, es ist ausgestorben und steht schon lange hier. Noch eine Katastrophe, noch ein Opfer des gnadenlosen Kosmos � gewi�, das ist nicht zu vermeiden, aber mir wird immer schwer ums Herz. Besonders nach der Sirda und der �Algrab�.�</p><p>�Vielleicht rettet der Tod dieses Sternschiffes unser Leben�, warf Pur Hiss ein, w�hrend er ein Fernrohr mit kleiner Brennweite auf das andere Sternschiff richtete, das nach wie vor dunkel blieb.</p><p>Acht der Expeditionsteilnehmer versammelten sich in der Luftschleuse und warteten.</p><p>�Luft einschalten!� Erg Noor gab seinen Befehl an die im Schiff Verbliebenen, von denen sie bereits durch eine undurchdringliche Wand getrennt waren.</p><p>Erst nachdem der Druck in der Kaj�te zehn Atmosph�ren erreicht hatte, vermochten die hydraulischen Winden die fest angepre�te T�r zu �ffnen. Der �berdruck in dem Raum schleuderte die acht Forscher beinah hinaus, lie� aber auch nichts Sch�dliches aus der Au�enwelt eindringen. Hinter ihnen schlug die T�r heftig zu. Der Scheinwerferstrahl markierte einen hellen Weg, auf dem sich die Forscher mit ihren �federnden Beinen� bewegten, wobei sie kaum ihre schweren K�rper aufrecht halten konnten. Am Ende der Lichtbahn ragte das Riesenschiff auf. Die Ungeduld der Forscher war gro�, doch bei den ungelenken Spr�ngen auf dem unebenen, mit kleinen Steinchen bes�ten Boden wurden sie so durchger�ttelt, da� die anderthalb Kilometer kein Ende zu nehmen schienen.</p><p>Durch die dichte, mit Feuchtigkeit ges�ttigte Atmosph�re schimmerten die Sterne als blasse, verschwommene Flecke. Von der glitzernden Pracht des Kosmos vermittelte der Himmel des Planeten nur einen schwachen Eindruck. Das r�tlichtr�be Licht der Sterne f�hrte einen vergeblichen Kampf gegen die Finsternis auf der Planetenoberfl�che.</p><p>In der ringsum herrschenden Dunkelheit trat das Schiff �u�erst plastisch hervor. Die dicke Bor-Zirkonium-Lackschicht auf der Wandung war stellenweise stark abgeschrammt. Wahrscheinlich war das Sternschiff lange unterwegs gewesen.</p><p>Eon Tal stie� einen Ruf aus, der sich auf alle Helmtelefone �bertrug. Er wies mit der Hand auf eine offene T�r, die wie ein dunkle �ffnung g�hnte, und auf einen kleinen Lift. Neben dem Lift und unter dem Schiff wuchsen Pflanzen. Die dicken Stengel trugen schwarze parabolische Schalen, die Bl�ten oder auch Bl�tter sein konnten und deren R�nder wie Zahnr�der gezackt waren; sie waren ungef�hr einen Meter hoch. Das Pflanzendickicht und die offene T�r lie�en darauf schlie�en, da� Menschen seit langem diesen Weg nicht mehr benutzt hatten, da� die kleine irdische Welt ohne Schutz war.</p><p>Erg Noor, Eon Tal und Nisa Krit stiegen in den Lift, und der Expeditionsleiter bediente den Schalthebel. Mit leisem Knirschen schaltete sich der Mechanismus ein, und der Lift bef�rderte die drei Forscher in die weit offenstehende Luftschleuse. Dann folgten die anderen. Erg Noor bat die �Tantra�, den Scheinwerfer auszuschalten. Augenblicklich verlor sich die kleine Menschengruppe in der bodenlosen Finsternis. Die Welt der schwarzen Sonne nahm sie gefangen, als wolle sie das schwache F�nkchen irdischen Lebens ersticken, das auf dem riesigen dunklen Planeten aufgetaucht war.</p><p>Die Forscher schalteten die an den Helmen befestigten Scheinwerfer ein. Die T�r von der Luftschleuse zum Schiffsinneren war zu, jedoch nicht verschlossen und gab leicht nach. Die Expeditionsteilnehmer betraten den mittleren Korridor, wo sie sich leicht orientieren konnten, denn die Konstruktion dieses Sternschiffes unterschied sich kaum von der der �Tantra�.</p><p>�Das Schiff wurde vor einigen Jahrzehnten gebaut�, sagte Erg Noor zu Nisa.</p><p>Das M�dchen drehte sich zu ihm um. Durch die Silikollscheibe des Helms wirkte das nur matt beleuchtete Gesicht des Expeditionsleiters geheimnisvoll.</p><p>�Ein absurder Gedanke�, fuhr Erg Noor fort, �aber vielleicht ist dies��</p><p>�� die �Parus�!� vollendete Nisa so laut, da� sich alle nach ihr umsahen � sie hatte nicht daran gedacht, da� die Helmtelefone eingeschaltet waren.</p><p>Der Erkundungstrupp drang in den Hauptraum des Schiffes vor, in die Laborbibliothek � und von dort zur Steuerzentrale. Der Expeditionsleiter bewegte sich schwankend in seinem skelettartigen Panzer, stie� gegen die W�nde und erreichte schlie�lich den Hauptschalter. Die Schiffsbeleuchtung war eingeschaltet, doch sie war ohne Strom. In den dunklen R�umen leuchteten lediglich die phosphoreszierenden Zeiger und Zeichen. Erg Noor fand den Schalter f�r die Notbeleuchtung, und mattes Licht flammte auf. �ber die Helmtelefone erkundigte sich Pur Hiss nach dem Verlauf der Besichtigung. Die Geologin antwortete ihm, da Erg Noor wie gebannt an der Schwelle der Steuerzentrale stehengeblieben war. Nisa folgte seinem Blick und entdeckte oben zwischen den vorderen Bildschirmen in der Sprache der Erde und dem Code des Gro�en Rings das Wort �Parus�. Darunter standen die galaktischen Rufzeichen der Erde und die Koordinaten des Sonnensystems.</p><p>Somit war das vor achtzig Jahren spurlos verschwundene Sternschiff in dem bisher unbekannten System der schwarzen Sonne, das man lange Zeit nur f�r einen Dunkelnebel gehalten hatte, wiedergefunden worden.</p><p>Die Besichtigung des Sternschiffes ergab nichts �ber den Verbleib seiner Insassen. Sauerstoff war in den Beh�ltern noch vorhanden, und die Vorr�te an Wasser und Verpflegung h�tten noch f�r einige Jahre gereicht. Aber nirgends war eine Spur von der �Parus�-Besatzung zu finden.</p><p>In den Korridoren, in der Zentrale und der Bibliothek waren an mehreren Stellen seltsame dunkle Schleimspuren zu sehen. Auf dem Fu�boden der Bibliothek war ein Fleck. Es sah aus, als w�re hier eine vergossene Fl�ssigkeit eingetrocknet. Im Heckmaschinenraum hingen vor der aufgesto�enen T�r des hinteren Schotts abgerissene Leitungen herab, und die massiven St�nder der K�hlanlage aus phosporhaltiger Bronze waren stark verbogen. Da sonst alles unversehrt war, blieben diese Besch�digungen, die von einer gro�en Zerst�rungskraft zeugten, unverst�ndlich. Die Forscher fanden nichts, was das Verschwinden der Besatzung h�tte erkl�ren k�nnen.</p><p>Nebenbei entdeckten sie aber etwas sehr Wichtiges: Die Vorr�te an Anameson und Ionenladungen im Schiff waren gro� genug, um den Start der �Tantra� vom schweren Planeten und die Reise zur Erde durchzuf�hren.</p><p>Diese Neuigkeit gaben sie sofort an die �Tantra� weiter und nahmen so auch den anderen das Gef�hl des Verlorenseins, das die ganze Expedition nach dem Zusammentreffen mit dem Eisenstern befallen hatte. Die Nachricht zur Erde war nun nicht mehr notwendig. Daf�r mu�ten sie jetzt �berlegen, wie sie die Beh�lter mit Anameson umladen konnten. Das war schon an und f�r sich nicht leicht, aber hier, auf dem Planeten mit der fast dreifachen irdischen Schwerkraft, mu�ten die Ingenieure alle ihre Erfindungsgabe aufwenden. Doch die Menschen in der �ra des Gro�en Rings schrecken nicht vor schwierigen geistigen Aufgaben zur�ck, im Gegenteil, sie l�sten sie mit Freuden.</p><p>In der Zentrale entnahm der Biologe dem Magnotophon eine halbbesprochene Spule des Bordjournals. Erg Noor und die Geologin �ffneten den festverschlossenen Hauptsafe, in dem die Expeditionsergebnisse der �Parus� aufbewahrt wurden. Die Forscher nahmen die vielen Rollen Photon-Magnet-Film an sich, die B�nder des Journals, die astronomischen Beobachtungen und Berechnungen. Als Forscher brachten sie es nicht �bers Herz, diesen so wertvollen Fund auch nur f�r kurze Zeit liegenzulassen.</p><p>�berm�det trafen die Kundschafter wieder in der �Tantra� ein, wo sie von ihren Gef�hrten mit Ungeduld erwartet wurden. Hier, in der gewohnten Atmosph�re, an den bequemen Tischen, in dem hellen Licht, waren die grabes�hnliche Finsternis des Planeten und das tote verlassene Sternschiff nur noch ein Alptraum. Der Druck der Schwerkraft jedoch lastete auf jedem einzelnen und wich nicht. Bei der kleinsten Bewegung schmerzten die Gelenke. Ohne Training war es schwer, seinen K�rper dem Mechanismus des �Sprungskeletts� anzupassen, so da� man beim Laufen arg gesto�en und durchger�ttelt wurde. Selbst nach einem kurzen Marsch waren die Menschen wie zerschlagen. Die Geologin Bina Led hatte sich offensichtlich eine leichte Gehirnersch�tterung zugezogen, sie weigerte sich jedoch, in ihre Kaj�te zu gehen, bevor sie das letzte Band des Bordjournals abgeh�rt hatte. Nisa erwartete von diesen Aufzeichnungen, die seit achtzig Jahren in dem ausgestorbenen Schiff lagen, irgend etwas Aufregendes. Sie stellte sich heisere Hilferufe, qualvolle Schreie und tragische Abschiedsworte vor. Das M�dchen zuckte zusammen, als aus dem Apparat eine ruhige, wohlklingende Stimme ert�nte. Selbst Erg Noor, der �ber alles, was interstellare Fl�ge betraf, sehr gut informiert war, kannte niemand von der Besatzung der �Parus�. Ausnahmslos mit jungen Menschen besetzt, hatte dieses Sternschiff seinen �u�erst gewagten Flug zur Wega angetreten, ohne dem Rat f�r Astronautik den �blichen Film von den Expeditionsmitgliedern zur�ckzulassen.</p><p>Die unbekannte Stimme berichtete von den Ereignissen, die sich sieben Monate nach der letzten Informationssendung an die Erde abgespielt hatten. Bereits ein Vierteljahrhundert vorher war die �Parus� besch�digt worden, als sie einen G�rtel kosmischen Eises am Rande des Systems der Wega passierte. Das Leck im Heckteil konnte beseitigt und die Reise fortgesetzt werden. Gleichzeitig war aber auch der hochempfindliche Regler f�r das Magnetschutzfeld der Triebwerke besch�digt worden. Nach zwanzig Jahren verzweifelten Bem�hens mu�ten die Triebwerke abgeschaltet werden. Noch f�nf Jahre flog die �Parus� infolge ihres Beharrungsverm�gens weiter und kam immer mehr von dem urspr�nglich berechneten Kurs ab. Damals wurde die erste Nachricht gesendet. Das Sternschiff wollte noch eine zweite Nachricht senden, doch da geriet es in das Gravitationsfeld des Eisensterns. Es erging ihm wie der �Tantra�, nur da� es keinen Widerstand mehr leisten konnte. So landete die �Parus� wohlbehalten auf dem niedrigen Plateau. Drei Aufgaben waren f�r die Besatzung jetzt vorrangig: die Triebwerke mu�ten repariert, ein Signal zur Erde gesendet und der unbekannte Planet erforscht werden. Sie hatten noch nicht einmal die Startvorrichtung f�r die Senderakete montiert, als einige Besatzungsmitglieder auf v�llig unerkl�rliche Weise verschwanden. Auch jene, die auf Suche geschickt wurden, kamen nicht zur�ck. Man h�rte auf mit der Erforschung des Planeten. Zur Montage der Startvorrichtung verlie�en sie das Schiff nur gemeinsam. Wenn sie die Arbeit des �fteren unterbrechen mu�ten, da die gr��ere Schwerkraft an ihren Kr�ften zehrte, sa�en sie die ganze Zeit �ber in dem hermetisch abgeschlossenen Schiff. Da sie die Senderakete schnellstens abschie�en wollten, k�mmerten sie sich vorerst nicht um das fremde Sternschiff in der N�he ihres Schiffes, das offensichtlich seit langem hier stand.</p><p>Die Scheibe! scho� es Nisa durch den Kopf. Ihr Blick traf sich mit dem des Expeditionsleiters. Erg Noor erriet ihre Gedanken und nickte best�tigend.</p><p>Von den vierzehn Besatzungsmitgliedern der �Parus� waren noch acht am Leben.</p><p>Ungef�hr drei Tage war nichts im Bordjournal aufgezeichnet worden, dann setzte eine hohe Frauenstimme die Information fort.</p><p>�Heute, am Zw�lften des siebenten Monats im dreihundertdreiundzwanzigsten Jahr des Gro�en Rings, haben wir die Vorbereitungen f�r den Abschu� der Senderakete abgeschlossen! Morgen um diese Zeit� � Keh Ber sah automatisch auf die Uhrskala l�ngs des aufgespulten Bandes: f�nf Uhr nach der Zeit der �Parus�; wer wei�, welche Zeit es auf diesem Planeten war � �schicken wir die genau berechnete�� Die Stimme erstarb, war dann wieder zu h�ren, aber leiser und schw�cher, als h�tte sich die Sprecherin vom Aufnahmeger�t abgewandt: �Ich schalte ein! Noch�� Das Ger�t verstummte, doch das Band spulte sich weiter ab. Die Zuh�rer wechselten beunruhigte Blicke.</p><p>�Da ist etwas passiert!� begann Ingrid Ditra.</p><p>Abgerissene, m�hsam hervorgepre�te S�tze entrangen sich dem Ger�t: �Zwei konnten sich retten� Laik schaffte es nicht mehr� Der Lift� Sie konnten die Au�ent�r nicht schlie�en� Der Mechaniker Sah Kton ist zu den Triebwerken gekrochen� Wir wehren uns mit den planetarischen� Sie kennen weder Wut noch Furcht, sind das Nichts, das Nichts� �</p><p>Tonlos lief das Band eine geraume Zeit, dann fuhr die gleiche Stimme fort: �Kton scheint es nicht geschafft zu haben. Ich bin allein, habe aber einen Weg gefunden. Bevor ich beginne�� Die Stimme wurde fester, Willenskraft und �berzeugung sprachen aus ihr: �Br�der, solltet ihr hierherkommen, verla�t nie das Schiff! Ich warne euch!� Die Sprecherin seufzte und fuhr leise, wie zu sich selber fort: �Ich mu� erfahren, was mit Kton los ist. Wenn ich zur�ckkehre, werde ich alles ausf�hrlich erkl�ren.�</p><p>Ein Knacken � und das Band spulte sich noch etwa zwanzig Minuten lang bis zu Ende ab. Vergeblich warteten die Lauschenden. Die Unbekannte erkl�rte nichts mehr, wahrscheinlich war es ihr nicht mehr gelungen zur�ckzukehren.</p><p>Erg Noor schaltete das Ger�t ab und wandte sich an seine Gef�hrten.</p><p>�Unsere toten Schwestern und Br�der retten uns. Sp�rt ihr nicht noch jetzt ihre St�rke? Wir haben in dem Schiff Anameson gefunden. Wir sind vor einer t�dlichen Gefahr gewarnt worden, die hier auf uns lauert. Ich wei� noch nicht, was f�r eine es ist, wahrscheinlich aber sind es fremde Lebewesen. W�ren es kosmische Elementarkr�fte, h�tten sie nicht nur die Menschen get�tet, sondern auch das Schiff besch�digt. Nachdem wir eine so wertvolle Hilfe erhalten haben, w�re es besch�mend, vermochten wir uns nicht zu retten und unsere Entdeckungen und die der �Parus� nicht der Erde zu �berbringen. Die Heldentat der ums Leben Gekommenen, ihr f�nfzig Jahre w�hrender Kampf mit dem Kosmos d�rfen nicht umsonst gewesen sein!�</p><p>�Wie sollen wir den Treibstoff �bernehmen, ohne das Schiff zu verlassen?� fragte Keh Ber.</p><p>�Warum sollen wir das Schiff nicht verlassen? Wir m�ssen es sogar verlassen und drau�en arbeiten. Aber wir sind gewarnt und werden Ma�nahmen treffen.�</p><p>�Ich hab�s�, sagte der Biologe Eon Tal. �Wir errichten eine Absperrung um den Arbeitsplatz.�</p><p>�Und nicht nur dort, sondern auch auf dem Weg zwischen den Schiffen!� f�gte Pur Hiss hinzu.</p><p>�Nat�rlich. Und da wir nicht wissen, wer uns auflauert, werden wir uns durch Strahlungen und Strom doppelt sichern. Wir legen Leitungen und schaffen auf dem ganzen Weg einen Lichtkorridor. Hinter der �Parus� steht noch die Rakete, die nicht starten konnte; ihre Energie reicht f�r die Dauer der Arbeiten.�</p><p>Pl�tzlich schlug Bina Leds Kopf hart auf den Tisch. Die �rztin und der zweite Astronom schleppten sich zu der bewu�tlosen Geologin.</p><p>�Es ist nichts weiter�, erkl�rte Luma Laswi. ��beranstrengung und die Ersch�tterung. Helfen Sie mir, Bina aufs Bett zu legen.�</p><p>Diese einfache Arbeit h�tte viel Zeit gekostet, w�re nicht der Mechaniker Taron auf die Idee gekommen, einen automatischen Elektrokarren zu benutzen. Damit wurden alle acht Kundschafter zu ihren Betten transportiert; es war Zeit f�r sie, sich auszuruhen, sonst bestand die Gefahr einer Erkrankung infolge der �beranstrengung, denn der Organismus hatte sich den neuen Umweltbedingungen noch nicht angepa�t. Und gerade jetzt war jeder einzelne unentbehrlich.</p><p>Bald darauf begannen zwei aneinandergekoppelte automatische Fahrzeuge f�r Universaltransporte und Stra�enarbeiten den Weg zwischen den Sternschiffen zu ebnen. Zu beiden Seiten des abgesteckten Weges liefen starke Kabel. Neben beiden Sternschiffen wurden Beobachtungst�rme mit dicken Verschlu�glocken aus Silikobor errichtet. In den T�rmen sa�en Beobachter, die von Zeit zu Zeit B�ndel t�dlicher harter Strahlungen aus Pulsationskammern ausschickten. W�hrend der Arbeit leuchteten ununterbrochen die starken Scheinwerfer. Im Kiel der �Parus� wurde die Hauptluke ge�ffnet, die Schotten wurden auseinandergenommen, und vier Beh�lter mit Anameson sowie drei�ig Zylinder mit Ionenladungen wurden zum Ausladen vorbereitet. Ihr Verladen in die �Tantra� war bedeutend komplizierter, denn sie durfte nicht, wie die verlassene �Parus�, ge�ffnet werden, da sonst t�dliche Keime fremden Lebens eindringen konnten. Deshalb wurde erst alles sorgf�ltig vorbereitet. Als die Innenschotten ge�ffnet waren, holte man von der �Parus� Reserveballons mit fl�ssiger Luft. Vom �ffnen der Luke an bis zum Abschlu� des Verladens sollte st�ndig unter hohem Druck Pre�luft durch den Ladeschacht nach au�en gejagt werden. Au�erdem wurde an der Schiffswand eine Sperrstrahlung eingerichtet.</p><p>Allm�hlich gew�hnten sich die Menschen an die Arbeit in den �Sprungskeletten� und an die fast dreifache Schwerkraft; die unertr�glichen Gliederschmerzen lie�en allm�hlich nach.</p><p>Einige Erdentage waren vergangen. Noch hatten sich die geheimnisvollen Feinde der Menschen nicht gezeigt. Pl�tzlich begann die Au�entemperatur schlagartig zu sinken. Ein orkanartiger Wind kam auf, der von Stunde zu Stunde zunahm. Die schwarze Sonne ging unter. Durch die Drehung des Planeten gelangte das Festland, wo sich die Sternschiffe befanden, auf die �Nachtseite�. Dank den Luftstr�mungen, der W�rmeabgabe des Ozeans und der dichten Atmosph�re war die Abk�hlung nicht allzu stark. Dennoch setzte gegen Mitte der Planetennacht kr�ftiger Frost ein. Die Arbeiten wurden mit eingeschalteter Skaphanderheizung fortgesetzt. Der erste Beh�lter wurde aus der �Parus� geholt und zur �Tantra� transportiert, als ein neuer Orkan im �Osten� zu w�ten begann, bedeutend st�rker als der erste. Die Temperatur stieg rasch �ber Null, die dichten Luftstr�me f�hrten viel Feuchtigkeit heran. Blitze zuckten �ber den Himmel. Der Orkan wurde derart stark, da� das Sternschiff unter seinem Anprall erbebte. Alle Anstrengungen der Forscher konzentrierten sich auf die Befestigung des Beh�lters unter dem Kiel der �Tantra�. Das furchterweckende Heulen des Orkans wuchs an. �ber die Hochebene jagten gef�hrliche Wirbelwinde, die den Tornados der Erde glichen. Im Lichtkegel des Scheinwerfers scho� eine riesige Windhose aus Regen, Schnee und Staub empor. Unter ihrem Anprall rissen die Hochspannungsleitungen, und bl�uliche Funken zuckten auf.</p><p>Das gelbliche Scheinwerferlicht an der �Parus� erlosch, wie vom Wind ausgeblasen.</p><p>Erg Noor ordnete an, die Arbeit zu unterbrechen und ins Schiff zur�ckzugehen.</p><p>�Aber der Beobachter ist ja noch dort!� rief Bina Led und zeigte auf den schwachen Lichtschein im Silikoborturm.</p><p>�Ich wei�, Nisa ist noch da, ich werde gleich hingehen�, antwortete der Expeditionsleiter.</p><p>�Der Strom ist ausgeschaltet, und nun herrschen die Gesetze des �Nichts��, gab Bina zu bedenken.</p><p>�Wenn der Orkan unsere Kr�fte hemmt, wird er zweifellos auch auf die des �Nichts� einwirken. Ich bin �berzeugt, solange der Sturm anh�lt, besteht keinerlei Gefahr. Und ich bin hier so schwer, da� ich nicht weggeblasen werde, wenn ich auf dem Boden dorthin krieche. Schon lange wollte ich vom Turm aus diesen Wesen des �Nichts� auflauern!�</p><p>�Lassen Sie mich mitgehen!� bat der Biologe und h�pfte in seinem �Sprungskelett� zu dem Expeditionsleiter.</p><p>�Einverstanden. Aber weiter niemand.�</p><p>Die beiden M�nner krochen am Boden entlang, suchten Halt an Unebenheiten und Gesteinsritzen und waren bestrebt, dem Wirbelwind m�glichst wenig Angriffsfl�che zu bieten. Immer wieder versuchte sie der Orkan vom Boden hochzuheben und fortzutragen. Einmal gelang es ihm, aber Erg Noor bekam den davonrollenden Eon Tal noch zu fassen, warf sich auf ihn und klammerte sich mit seinen Krallenhandschuhen an einem gro�en Stein fest.</p><p>Nisa �ffnete die Turmluke, und die beiden zw�ngten sich nacheinander hindurch. Hier im Turm war es warm und ruhig; er stand fest und sicher, da er in Voraussicht eventueller St�rme gut verankert war. Das M�dchen freute sich, als sie ihre Gef�hrten sah. Sie sagte ehrlich, es sei f�r sie furchtbar gewesen, einen Tag allein im Sturm auf dem fremden Planeten zu verbringen.</p><p>Erg Noor meldete der �Tantra� die Ankunft, und der Scheinwerfer des Schiffes erlosch. Nun leuchtete in der tiefen Finsternis lediglich das schwache Licht im Innern des Turms. Der Boden erzitterte unter den Sturmb�en und den dar�ber hinwegrasenden Windhosen. Nisa sa� auf dem Drehstuhl, mit dem R�cken gegen einen Rheostat gelehnt. Der Expeditionsleiter und der Biologe setzten sich ihr zu F��en auf den ringf�rmigen Vorsprung des Turmfundaments. In ihren dicken Skaphandern nahmen sie fast den ganzen Raum ein.</p><p>�Am besten, wir schlafen jetzt�, erklang Erg Noors Stimme in den Helmtelefonen. �Bis zum Aufgang der schwarzen Sonne sind es noch reichlich zw�lf Stunden, erst dann wird der Orkan abflauen und die Temperatur ansteigen.�</p><p>Nisa und Eon Tal stimmten bereitwillig zu. Trotz des dreifachen Gewichts und der ungef�gen Skaphander schliefen die drei in dem sturmgesch�ttelten Turm. Von Zeit zu Zeit erwachte Nisa und gab an den Diensthabenden der �Tantra� die Durchsage �Alles wohlauf�. Der Orkan hatte inzwischen merklich nachgelassen, der Boden erzitterte nicht mehr. Jetzt konnte das �Nichts� oder vielmehr das �Etwas� erscheinen. Die Beobachter im Turm nahmen Wachhaltetabletten ein.</p><p>�Das fremde Sternschiff besch�ftigt mich ununterbrochen�, gestand Nisa. �Ich m�chte zu gern wissen, von wo und wie es hierhergeraten ist.�</p><p>�Ich auch�, antwortete Erg Noor. �Schon eine geraume Zeit werden �ber den Gro�en Ring Berichte von Eisensternen und ihren Fangplaneten gesendet. Auch in den dicht besiedelten Teilen unserer Galaxis, wo Sternschiffe h�ufig und seit langem fliegen, gibt es Planeten mit gestrandeten Sternschiffen. Viele Sternschiffe �lteren Typs sind an diesen Planeten klebengeblieben. Wir haben ersch�tternde Berichte dar�ber, die heute fast schon legend�r klingen, wie die Berichte von der m�hsamen Eroberung des Kosmos. Vielleicht existieren auf diesem Planeten auch noch Sternschiffe aus �lteren Zeiten, obwohl in so einer sp�rlich besiedelten Zone das Zusammentreffen von drei Schiffen eine ganz gro�e Seltenheit ist. In der Umgebung unserer Sonne war bisher kein Eisenstern bekannt. Wir haben den ersten entdeckt.�</p><p>�Wollen Sie auch das Tellerschiff untersuchen?� fragte der Biologe.</p><p>�Unbedingt! Welcher Wissenschaftler w�rde sich solch eine Gelegenheit entgehen lassen! Das w�re doch unverzeihlich! Tellerraumschiffe sind in den uns benachbarten besiedelten Gebieten unbekannt. Das hier ist sicher von weit her, vielleicht irrte es nach dem Tod der Besatzung oder nach einer starken Besch�digung mehrere Jahrtausende in der Galaxis umher. Vielleicht finden wir in dem Tellerschiff Materialien, mit deren Hilfe uns viele Sendungen des Gro�en Rings verst�ndlicher werden. Eine merkw�rdige Form hat das Schiff: eine scheibenf�rmige Spirale mit einer stark hervortretenden Erhebung auf der Oberfl�che. Sobald wir die �Parus� entladen haben, werden wir uns mit ihm befassen. Jetzt aber k�nnen wir niemand entbehren.�</p><p>�Die �Parus� hatten wir doch in wenigen Stunden untersucht.�</p><p>�Ich habe mir das Tellerschiff im Stereoteleskop angesehen. Nirgends konnte ich eine �ffnung entdecken. Es ist �u�erst schwierig, in ein kosmisches Schiff einzudringen, das zuverl�ssig gegen Kr�fte gesichert ist, die um ein Vielfaches st�rker sind als alle irdischen Naturgewalten. Versuchen Sie einmal, in die geschlossene �Tantra� zu gelangen. Das ist schwieriger, als eine Festung zu erobern. Und noch schwieriger ist es bei einem v�llig fremden Schiff, dessen Konstruktionsprinzipien man nicht kennt. Doch wir werden versuchen, das R�tsel zu l�sen.�</p><p>�Und wann sichten wir das Material, das wir in der �Parus� gefunden haben?� erkundigte sich Nisa. �Darunter m�ssen sich doch die hochinteressanten Beobachtungen von jenen Welten befinden, die in der Nachricht erw�hnt werden.�</p><p>Im Helmtelefon ert�nte das gutm�tige Lachen des Expeditionsleiters. �Mehr als jeder andere brenne ich vor Ungeduld, denn bereits als Kind habe ich von der Wega getr�umt. Aber zum Sichten haben wir auf dem R�ckflug noch reichlich Zeit. Jetzt hei�t es erst mal aus dieser Finsternis herauskommen. Die Forscher der �Parus� sind offensichtlich nirgends gelandet, sonst h�tten wir in den Kollektionskammern des Schiffes viele Gegenst�nde von jenen Planeten finden m�ssen. Erinnern Sie sich: Trotz intensiven Suchens haben wir nur Filme, Me�ergebnisse, Bildaufzeichnungen, Luftproben und Ballons mit Explosionsstaub gefunden��</p><p>Erg Noor verstummte und lauschte. Der Sturm war vor�ber. Doch pl�tzlich drang �ber die empfindlichen Mikrofone von au�en ein knirschendes Ger�usch herein.</p><p>Der Expeditionsleiter hob die Hand, und Nisa, die ihn ohne Worte verstand, schaltete die Beleuchtung aus. Das Dunkel in dem von infrarotem Licht erw�rmten Turm breitete sich aus wie eine z�he schwarze Fl�ssigkeit; es war, als stehe dieser Bau von Menschenhand auf dem Grund des Ozeans. Durch die durchsichtige Silikoborglocke nahmen die Menschen deutlich br�unliche Lichtpunkte wahr, die in regelm��igen Abst�nden f�r Sekunden dunkelrote oder � dunkelgr�ne Sternchen bildeten. Die Sternketten kr�mmten sich zu Ringen und Achten, krochen lautlos �ber die glatte, diamantharte Oberfl�che der Turmglocke. Die Forscher sp�rten ein seltsames, schneidendes Brennen in den Augen und einen starken Schmerz in den Hauptnervenstr�ngen des K�rpers.</p><p>�Nisa�, fl�sterte Erg Noor, �stellen Sie den Regler auf volle Leistung, und schalten Sie sofort das Licht ein.�</p><p>Der Turm erstrahlte in grellbl�ulichem, irdischem Licht. Die Menschen waren im ersten Augenblick so geblendet, da� sie fast nichts sahen. Nisa und Eon glaubten bemerkt zu haben, da� das Dunkel an der rechten Turmseite nicht sofort verschwunden, sondern f�r einen Augenblick als riesiger schwarzer Klumpen, mit F�hlern versehen, liegengeblieben war. Blitzartig hatte dieses Etwas die F�hler eingezogen und war zur�ckgeschnellt, zugleich mit dieser Bewegung war die Finsternis gewichen. Erg Noor hatte nichts gesehen, zweifelte jedoch nicht an den Wahrnehmungen seiner reaktionsschnelleren j�ngeren Gef�hrten.</p><p>�Vielleicht waren es Phantome?� mutma�te Nisa. �Schemenhafte dunkle Ballungen um irgendwelche Energieladungen, wie zum Beispiel unsere Kugelblitze, und �berhaupt keine Formen von Leben? Wenn hier alles schwarz ist, k�nnen auch die Blitze schwarz sein.�</p><p>�Ihre Vermutung ist zwar �u�erst poetisch�, widersprach Erg Noor, �aber kaum zutreffend. Erstens hat uns dieses Etwas offensichtlich angegriffen. Es oder seine Artgenossen haben die Besatzungsmitglieder der �Parus� auf dem Gewissen. Wenn es organisiert und stabil ist, wenn es sich in der jeweils erforderlichen Richtung bewegen, Energie aufnehmen und wieder abgeben kann, dann haben wir es bestimmt nicht mit einem Phantom zu tun, sondern eindeutig mit einem Gesch�pf aus lebender Materie, das uns verspeisen m�chte.�</p><p>Der Biologe pflichtete dem Expeditionsleiter bei: �Mir scheint, da� hier auf dem Planeten der Finsternis � wobei es ja nur f�r uns dunkel ist, weil unsere Augen die infraroten Strahlen nicht wahrnehmen � andere Strahlen, zum Beispiel gelbe und blaue, auf dieses Wesen eine starke Wirkung aus�ben. Es reagiert darauf so schnell, da� die Besatzungsmitglieder der �Parus� nichts bemerkten, als sie den Ort des �berfalls mit Scheinwerfern ableuchteten. Und als sie etwas bemerkten, da war es zu sp�t, und die Sterbenden konnten nichts mehr erz�hlen.�</p><p>�Wir werden sofort den Versuch wiederholen, wie unangenehm das N�herkommen dieses Wesens auch ist.�</p><p>Nisa schaltete das Licht aus, und wieder warteten die drei Beobachter auf das r�tselhafte Etwas aus der Welt der Finsternis.</p><p>�Womit mag es ausger�stet sein? Weshalb sp�rt man sein N�herkommen durch Glocke und Skaphander?� fragte sich laut der Biologe. �Ist das eine besondere Form von Energie?�</p><p>�Es gibt nur sehr wenige Formen von Energie, und hier handelt es sich zweifelsohne um elektromagnetische. Doch davon gibt es vielf�ltige Abwandlungen. Dieses Wesen verf�gt �ber eine Waffe, die auf unser Nervensystem einwirkt. Wie mu� es erst sein, wenn so ein F�hler einen ungesch�tzten K�rper ber�hrt!�</p><p>Erg Noor �berlief ein Schauer. Nisa Krit fing an zu zittern, als sie die Ketten br�unlicher Lichtpunkte bemerkte, die sich schnell von drei Seiten n�herten.</p><p>�Es ist nicht nur ein Wesen!� fl�sterte Eon. �Vielleicht sollten wir sie gar nicht erst bis an die Turmglocke heranlassen.�</p><p>�Sie haben recht. Jeder von uns wendet sich mit dem R�cken dem Licht zu und beobachtet ausschlie�lich seine Turmseite! Schalten Sie ein, Nisa!�</p><p>Diesmal konnte jeder der Forscher eine kleine Einzelheit ausmachen, aus denen sich ein Gesamteindruck von den Wesen ergab, die, flachen riesenhaften Medusen �hnlich, in geringer H�he �ber dem Boden schwebten. Ihre untere Seite war mit dichten Fransen bewachsen. Einige F�hler waren im Verh�ltnis zu den Ausma�en des Wesens kurz, nicht l�nger als zwei Meter. Aus den spitzen Winkeln des rhombischen K�rpers z�ngelten je zwei F�hler, die bedeutend l�nger waren. Am Ansatz der F�hler hatte der Biologe gro�e Blasen bemerkt, die von innen heraus matt leuchteten und aus denen sternenf�rmige Blitze zuckten.</p><p>�Beobachter, warum schalten Sie das Licht ein und aus?� erklang pl�tzlich in den Helmtelefonen Ingrids Stimme. �Brauchen Sie Hilfe? Der Sturm ist zu Ende, und wir nehmen die Arbeit wieder auf. Wir werden sofort zu Ihnen kommen��</p><p>�Unter keinen Umst�nden!� unterbrach sie der Leiter streng. �Wir befinden uns in gro�er Gefahr. Rufen Sie alle zusammen!�</p><p>Erg Noor berichtete von den schrecklichen Medusen. Nach einer Beratung beschlossen die Astronauten, auf einem Karren einen Teil des Ionentriebwerks herbeizuschaffen. Feuerstr�me von dreihundert Meter L�nge jagten �ber die steinige Ebene und fegten alles Sichtbare und Unsichtbare hinweg. Nach einer knappen halben Stunde zogen die Menschen in aller Ruhe neue Hochspannungskabel. Die Sperrzone war wiederhergestellt. Bis zum Anbruch der Planetennacht mu�te unbedingt das Anameson umgeladen werden. Das gelang unter unglaublichen Anstrengungen. Dann verschanzten sich die entkr�fteten Expeditionsteilnehmer hinter dem unbezwingbaren Panzer des Sternschiffes. Die Mikrofone trugen das Heulen und Krachen des Orkans herein. Doch dadurch f�hlten sich die Astronauten in ihrer kleinen, hell erleuchteten Welt um so geborgener.</p><p>Ingrid und Luma suchten einen Stereofilm aus, und schon rauschte das blaue Wasser des Indischen Ozeans zu F��en der in der Bibliothek Sitzenden.</p><p>Es war ein Film �ber die Poseidon-Spiele � friedliche Wettk�mpfe in allen Disziplinen des Wassersports. In der �ra des Gro�en Rings waren alle Menschen mit dem Wasser so verbunden, wie das in der Vergangenheit nur die am Meer lebende Bev�lkerung war. Springen, Schwimmen und Tauchen, Wasserski und Segeln. Tausende gutgebauter und braungebrannter junger K�rper. T�nender Gesang, Lachen und die festliche Musik der Siegerehrungen.</p><p>Nisa neigte sich zu Eon Tal, der neben ihr sa�. Er schien in Gedanken auf dem fernen ruhigen Heimatplaneten zu sein.</p><p>�Haben Sie an solchen Wettk�mpfen teilgenommen, Eon?�</p><p>Der Biologe sah sie einen Augenblick verst�ndnislos an.</p><p>�An diesen? Nein, kein einziges Mal. Entschuldigen Sie, ich war ganz in Gedanken und habe Sie nicht gleich verstanden.�</p><p>�Haben Sie denn nicht an unsere Erde gedacht?� Das M�dchen zeigte auf den Bildschirm. �Sie ist doch wieder einzigartig sch�n nach der Finsternis und dem Sturm, nach diesen elektrischen schwarzen Medusen, nicht wahr?�</p><p>�Ja nat�rlich. Und deswegen m�chte ich zu gern solch eine Meduse fangen. Ich habe mir gerade dar�ber den Kopf zerbrochen, wie man das am besten fertigbringt.�</p><p>Nisa Krit wandte sich von dem lachenden Biologen ab und sah in das l�chelnde Gesicht Erg Noors. �Haben Sie sich ebenfalls Gedanken dar�ber gemacht, wie man eines dieser schwarzen Ungeheuer fangen k�nnte?� fragte sie sp�ttisch.</p><p>�Das nicht, aber �ber die Untersuchung des Tellerschiffes.�</p><p>Das schalkhafte Blitzen in den Augen des Expeditionsleiters �rgerte Nisa ein wenig.</p><p>�Jetzt verstehe ich, warum die M�nner in fr�heren Zeiten Krieg f�hrten. Und ich habe immer gedacht, das sei nur eine Prahlerei des m�nnlichen Geschlechts gewesen, das sich stark f�hlte in einer unorganisierten Gesellschaft.�</p><p>�Ich kann Ihnen nicht ganz recht geben, obschon Sie ein wenig von unserer Psyche in der Vergangenheit erkannt haben. Aber mir geht es nun einmal so: Je sch�ner und liebenswerter ich meinen Planeten finde, desto mehr m�chte ich ihm dienen. Ich m�chte G�rten anlegen, Metalle, Energie und Nahrung gewinnen, komponieren; ich m�chte etwas leisten und hinterlassen, was ich mit meinen H�nden, mit meinem Kopf geschaffen habe. Ich kenne nur den Kosmos, beherrsche nur die Astronautik � damit allein kann ich der Menschheit dienen. Denn das Ziel ist schlie�lich nicht der Flug selbst, sondern neue Kenntnisse zu gewinnen, fremde Welten zu entdecken, die wir zu ebenso sch�nen Planeten wie unsere Erde machen. Und Sie, Nisa, was erstreben Sie? Warum reizt auch Sie das Geheimnis des Tellerschiffes? Ist es ausschlie�lich Neugier?�</p><p>In einer j�hen Aufwallung �berwand das M�dchen die bleierne M�digkeit und streckte ihre Arme Erg Noor entgegen. Er streichelte sie mit seinen gro�en H�nden. Nisas Wangen r�teten sich. Wie seinerzeit vor der gef�hrlichen Landung schmiegte sie ihre Wange in Erg Noors Hand und verzieh mit dieser Geste gleichzeitig dem Biologen seinen scheinbaren Verrat an der Erde. Um ihre �bereinstimmung mit beiden zu bekr�ftigen, erz�hlte sie ihnen ihre Idee. Man solle in einen leeren Wassertank mit ferngesteuertem Deckel ein Gef�� mit frischem Blut (keine medizinische Blutkonserve) als K�der hineinstellen. Das Blut m�sse eines der Expeditionsmitglieder spenden. Wenn das schwarze Etwas hineingekrochen und der Deckel zugeklappt sei, m�sse in den Tank durch vorher angebrachte H�hne irdisches Gas gepumpt werden, das nur schwer chemische Verbindungen eingeht, und der Deckelrand m�sse sicher abgedichtet werden.</p><p>Eon war von der Erfindungsgabe des M�dchens begeistert.</p><p>Erg Noor konstruierte einen menschen�hnlichen Roboter und stellte einen starken elektrohydraulischen Schneidbrenner her, mit dessen Hilfe er in das Innere des unbekannten Tellerschiffes einzudringen hoffte.</p><p>In der bereits zur Gewohnheit gewordenen Finsternis flauten die St�rme wieder ab, der Frost wurde von W�rme abgel�st � der neunt�gige �Tag� brach an. Das Umladen der Ionenladungen, einiger Vorr�te und wertvoller Instrumente nahm noch vier Erdentage in Anspruch. Erg Noor lie� noch verschiedene pers�nliche Dinge der umgekommenen Schiffsbesatzung in die �Tantra� bringen, um sie nach sorgf�ltiger Desinfektion den Angeh�rigen auf der Erde zu �bergeben. Da sich die Menschen in der �ra des Gro�en Rings nicht mit Gep�ck belasteten, bereitete die Umladung keine Schwierigkeiten.</p><p>Am f�nften Tage wurde der Hochspannungsstrom abgeschaltet, und der Biologe schlo� sich zusammen mit zwei Freiwilligen � Keh Ber und Ingrid � im Beobachtungsturm an der �Parus� ein. Die schwarzen Wesen tauchten alsbald wieder auf. Der Biologe sa� am Infrarotschirm, von dort konnte er die m�rderischen riesigen Medusen beobachten. Jetzt kroch eine von ihnen zum Fangbeh�lter. Sie zog die F�hler ein, rollte sich zu einem Klumpen zusammen und zw�ngte sich hinein. Pl�tzlich erschien eine zweite am Rand des Tanks. Die erste streckte die F�hler aus. Sternf�rmige Funken blitzten unwahrscheinlich schnell hintereinander auf, verwandelten sich in vibrierende dunkelrote Lichtstreifen, die auf dem Bildschirm f�r unsichtbare Strahlen als gr�ne Blitze aufzuckten. Die erste Meduse wich zur�ck, worauf sich die zweite augenblicklich zusammenrollte und auf den Boden des Tanks fallen lie�. Der Biologe griff zum Schalter, doch Keh Ber hielt ihn zur�ck. Auch das erste Ungeheuer hatte sich jetzt zusammengerollt und folgte dem zweiten in den Tank. Nun befanden sich zwei dieser furchtbaren Medusen im Tank. Wie hatten sie es nur fertiggebracht, ihren Umfang derart zu verringern! Ein Druck auf den Knopf � der Deckel klappte zu, und sofort klebten f�nf oder sechs der schwarzen Scheusale rund um den riesigen zirkoniumwandigen Beh�lter. Der Biologe bat die �Tantra�, den Lichtkorridor einzuschalten. Sofort verschwanden die schwarzen Gespenster, doch zwei von ihnen lagen unter dem schwarzen Deckel des Tanks.</p><p>Der Biologe ging zu dem Wassertank, ber�hrte den Deckel � und erhielt einen derart heftigen Schlag, da� er vor Schmerz aufschrie. Sein linker Arm hing gel�hmt herunter.</p><p>Der Mechaniker Taron zog einen Hochtemperatur-Schutzskaphander an. Nun erst gelang es, den Deckel abzudichten und in den Tank reinen Erdstickstoff zu pressen. Auch die H�hne wurden zugeschwei�t. Dann wurde um den Beh�lter ein St�ck von der Reserveverkleidung des Sternschiffes gelegt, und man brachte ihn in die Kollektionskammer. Der Sieg war teuer erk�mpft � die L�hmung im Arm des Biologen ging trotz aller Bem�hungen der �rztin nicht zur�ck. Eon Tal litt sehr, doch dachte er nicht daran, auf die Erkundung des Tellerschiffes zu verzichten.</p><p>Das Tellerschiff war von der �Parus� doch weiter entfernt, als es zuerst den Anschein gehabt hatte. In dem diffusen Scheinwerferlicht hatten sie auch die Ausma�e des Schiffes nicht richtig absch�tzen k�nnen. Erst beim N�herkommen zeigte sich, wie riesig das Raumschiff war. Mindestens vierhundertf�nfzig Meter betrug sein Durchmesser. Von der �Parus� mu�ten Kabel abmontiert werden, um den Schutzg�rtel bis zum Tellerschiff zu verl�ngern. Das geheimnisvolle Raumschiff ragte vor den Menschen wie eine lotrechte Wand auf. Pechschwarze Wolken verbargen seinen oberen Teil. Eine malachitfarbene Schicht bedeckt den Rumpf. Sie war stark rissig und etwa einen Meter dick. Durch die Risse blinkte stahlblaues Metall. Auf der der �Parus� zugewandten Seite des Tellers war eine spiralf�rmig gedrehte Welle von ungef�hr zwanzig Meter Durchmesser und zehn Meter H�he sichtbar. Die andere, leicht gew�lbte Seite, die in tiefem Dunkel lag, bildete gewisserma�en einen mit dem Teller verbundenen Kugelabschnitt von drei�ig Meter Dicke. Auch auf dieser Seite ragte eine hohe Spiralwelle aus dem Schiffsrumpf.</p><p>Der riesige Teller war tief in den Boden eingesunken. Am Fu�e der steil aufragenden Metallwandung erblickten die Menschen einen geschmolzenen Felsblock, der wie z�hfl�ssiges Pech auseinandergelaufen war.</p><p>Viele Stunden verbrachten die Forscher mit der Suche nach einem Eingang. Doch entweder war er unter der malachitfarbenen Oxidschicht verborgen oder so kunstvoll verschlossen, da� er von au�en nicht erkennbar war. Sie fanden nicht einmal �ffnungen f�r optische Ger�te oder Antriebsd�sen. Der Metallkolo� war wie aus einem Gu�. Erg Noor beschlo�, den Rumpf des Raumschiffes mit Hilfe des elektrohydraulischen Schneidbrenners zu �ffnen, der selbst die h�rtesten und widerstandsf�higsten Wandungen irdischer Sternschiffe durchstie�. Nach kurzer Beratung kamen die Forscher �berein, das Ende der Spiralwelle aufzuschwei�en. Man konnte annehmen, da� die Welle ein hohler Gang sei, durch den man in das Schiff gelangen k�nne, ohne Gefahr zu laufen, auf eine Reihe hintereinanderliegender Schotten zu sto�en.</p><p>Die gr�ndliche Untersuchung des Tellerschiffes mu�te einer Sonderexpedition vorbehalten bleiben. Bevor sie jedoch auf diesen gef�hrlichen Planeten entsandt werden konnte, galt es nachzuweisen, da� dieser Gast aus fernen Welten unversehrt Instrumente, Material und Gebrauchsgegenst�nde jener Wesen in sich barg, die das Raumschiff durch solche grenzenlosen Weiten gef�hrt hatten. Im Vergleich dazu waren die Reisen der irdischen Sternschiffe nur zaghafte kleine Ausfl�ge in den kosmischen Raum.</p><p>Auf der einen Seite reichte die Spiralwelle bis zum Boden. Dorthin schleppten die Forscher einen Scheinwerfer und Hochspannungsleitungen. Das von dem Tellerschiff reflektierte bl�uliche Licht zerflo� wie ein matter Nebel �ber der Ebene und lie� in der Ferne hohe dunkle Erhebungen erkennen, wahrscheinlich Felsen, zwischen denen bodenlose Finsternis herrschte.</p><p>Dumpf dr�hnend kroch der Gel�ndewagen heran und lud den Universalroboter des Sternschiffes ab. Unempfindlich gegen die dreifache Schwere, bewegte er sich rasch auf das Tellerschiff zu und machte vor der Metallwand halt. Er glich einem dicken Menschen mit kurzen Beinen, langem Rumpf und drohend vorw�rtsgestrecktem riesigem Kopf.</p><p>Von Erg Noor gesteuert, hob der Roboter mit seinen vier oberen Extremit�ten gehorsam den schweren Schneidbrenner und spreizte die Beine, bereit, das gef�hrliche Vorhaben auszuf�hren.</p><p>�Keh Ber und ich haben H�chstschutzskaphander an. Wir werden den Roboter steuern�, entschied der Expeditionsleiter. �Die anderen in den leichten biologischen Skaphandern gehen ein wenig zur�ck��</p><p>Erg Noor stockte. Etwas, was seine Energie l�hmte, dr�ngte sich in sein Bewu�tsein. Ihn erf�llte die stumpfe Ergebenheit eines kraftlos gewordenen Tieres. V�llig in Schwei� gebadet, schritt Erg Noor willenlos auf die schwarzen Felsen zu. Ein Schrei Nisas lie� ihn aufhorchen. Er blieb stehen, doch eine dunkle, unerkl�rliche Macht trieb ihn wieder vorw�rts.</p><p>Keh Ber und Eon Tal, die sich am Rande des Lichtkreises befanden, folgten langsam dem Expeditionsleiter. In den Nebelschwaden bei den dunklen Felsen entstand eine Bewegung, die �ber jedes menschliche Vorstellungsverm�gen hinausging und deshalb um so furchteinfl��ender wirkte. Das waren nicht die bereits bekannten Medusen. Aus dem aschgrauen Dunkel glitt ein schwarzes Kreuz mit breiten Schaufeln und einer konvexen Ellipse in der Mitte. An drei Enden des Kreuzes waren Linsen erkennbar, in denen sich das Schweinwerferlicht spiegelte. Der untere Teil des Kreuzes versank im Dunkel der Bodenvertiefungen.</p><p>Erg Noor, der schneller als die anderen ausschritt, st�rzte pl�tzlich etwa hundert Schritt vor dem gespenstischen Kreuz leblos zu Boden. Ehe jemand begreifen konnte, da� es um Leben oder Tod des Expeditionsleiters ging, war das schwarze Kreuz �ber die Hochspannungsleitung hinausgewachsen und neigte sich wie ein Pflanzenstengel nach vorn, Erg Noor entgegen.</p><p>Nisa, der die Wut Riesenkr�fte verlieh, st�rzte zu dem Roboter und bet�tigte die Bedienungshebel auf seinem R�cken. Langsam und scheinbar unsicher hob der Roboter den Schneidbrenner. In der Annahme, es verstehe den komplizierten Mechanismus nicht zu bedienen, rannte das M�dchen auf Erg Noor zu, um ihn mit ihrem K�rper zu decken. Aus den drei Enden des Kreuzes schossen schlangenf�rmige Blitze hervor. Mit ausgebreiteten Armen st�rzte das M�dchen auf Erg Noor nieder. Zum Gl�ck hatte der Roboter jedoch die trichterf�rmige �ffnung des Schneidbrenners bereits auf die Mitte des schwarzen Kreuzes gerichtet. Das Untier kr�mmte sich und verschwand in der undurchdringlichen Finsternis am Felsen, als w�re es r�cklings hingest�rzt. Erg Noor und seine beiden Gef�hrten kamen wieder zu sich. Sie hoben das M�dchen auf und trugen es zum Tellerschiff. Die �brigen, die sich inzwischen wieder gefa�t hatten, schleppten ein Ionentriebwerk herbei und improvisierten daraus eine Art Kanone. Mit einer bisher nie gekannten Wut richtete Erg Noor den vernichtenden Feuerstrahl auf die Felsen, wobei er besonders sorgf�ltig am Boden entlangstrich, bem�ht, nicht einen einzigen Quadratmeter auszulassen. Eon Tal kniete bei der unbeweglich liegenden Nisa. Leise rief er sie durchs Helmtelefon an und versuchte ihr Gesicht hinter der Silikollscheibe zu erkennen. Mit geschlossenen Augen lag das M�dchen da wie tot. Durch das Helmtelefon konnte der Biologe keine Atemz�ge wahrnehmen.</p><p>�Das Ungeheuer hat Nisa get�tet!� rief Eon Tal bitter, als Erg Noor n�her trat.</p><p>Die Augen des Expeditionsleiters waren durch den schmalen Sehschlitz des Schutzhelmes nicht zu erkennen.</p><p>�Bringen Sie sie sofort zu Luma Laswi in die �Tantra�, und tun auch Sie Ihr m�glichstes, die Art der Verletzung festzustellen!� Erg Noors Stimme klang seltsam fremd. �Wir �brigen bleiben hier und f�hren die Untersuchung zu Ende. Die Geologin wird Sie begleiten und unterwegs Proben s�mtlicher Gesteinsarten sammeln. Wir k�nnen uns nicht l�nger auf diesem Planeten aufhalten. Hier braucht man Schutzvorrichtungen, wie wir sie nicht haben. Wir setzen nur das Leben der Besatzung aufs Spiel. Nehmen Sie den dritten Wagen, und beeilen Sie sich bitte!�</p><p>Erg Noor drehte sich um und schritt auf das Tellerschiff zu. Alle zehn Minuten schaltete der Elektroingenieur den Feuerstrom ein und richtete ihn auf die Felsen. Der Roboter trug den Schneidbrenner zur Spiralwelle; eine ihrer Windungen lag in Brusth�he vor ihm.</p><p>Das laute Krachen war selbst durch die dicken Schutzskaphander zu h�ren. In der Malachitschicht entstanden Risse. St�cke der festen Masse flogen klirrend gegen den Metallk�rper des Roboters. Der Schneidstrahl l�ste eine Platte aus der Schicht und legte eine k�rnige, im Scheinwerferlicht glitzernde Fl�che von hellblauer Farbe frei. Nachdem ein Quadrat ausgeschnittenwar, gro� genug, einen Menschen im Skaphander durchzulassen, lie� Keh Ber den Roboter einen ersten Schnitt in das blaue Metall ziehen, der es aber nicht durchdrang. Der Roboter zog eine zweite Linie im rechten Winkel zur ersten und fuhr mit dem Schneidstrahl auf der Linie hin und her, wobei die Spannung st�ndig erh�ht wurde. Der Einschnitt im Metall war schon �ber einen Meter tief. Als der mechanische Gehilfe die dritte Linie des Quadrats zog, wichen die Schnittfl�chen pl�tzlich auseinander.</p><p>�Vorsicht! Alles zur�ck! Hinlegen!� schrie Erg Noor, schaltete den Roboter ab und sprang zur�ck. Das massive Metallst�ck klappte wie der Deckel einer Konservenb�chse auf, und aus der �ffnung schlug eine grelle regenbogenfarbige Stichflamme hervor, die an der Spiralwelle entlangscho�. Das rettete die Forscher. Das blaue Metall schmolz augenblicklich, und die �ffnung schlo� sich wieder. Von dem m�chtigen Roboter war nichts �briggeblieben als ein Klumpen zerschmolzenen Metalls, aus dem die kurzen Beine kl�glich herausragten. Erg Noor und Keh Ber waren lediglich dank der dicken Skaphander unversehrt geblieben. Der Ausbruch hatte sie von dem seltsamen Raumschiff weit weggeschleudert, die �brigen beiseite gefegt, die �Kanone� umgeworfen und die Hochspannungskabel zerrissen.</p><p>Von der Ersch�tterung wieder zu sich gekommen, begriffen alle, da� sie jetzt schutzlos waren. Zum Gl�ck befanden sie sich im Lichtstrahl des ganz gebliebenen Scheinwerfers. Niemand war zu Schaden gekommen, doch Erg Noor entschied, die Erforschung abzubrechen. Die Forscher lie�en Instrumente, Kabel und Scheinwerfer liegen, setzten sich auf den unbesch�digten Wagen und fuhren eilig zur �Tantra�.</p><p>Nur ein gl�ckliches Zusammentreffen verschiedener Umst�nde hatte die Menschen beim unvorsichtigen Aufschwei�en des fremden Raumschiffes gerettet. Ein zweiter Versuch h�tte sie wahrscheinlich ins Verderben gest�rzt. Was aber war mit Nisa? Erg Noor hoffte, der Skaphander werde die todbringende Kraft des schwarzen Kreuzes geschw�cht haben. Den Biologen hatte die Ber�hrung der Medusenfalle ja auch nicht get�tet. Aber konnten sie hier, ohne die medizinischen Einrichtungen der Erde, mit den Wirkungen der unbekannten Waffe fertig werden?</p><p>In der Luftschleuse der �Tantra� trat Keh Ber zu dem Expeditionsleiter und zeigte auf dessen linke Schulter. Erg Noor wendete sich zu den Spiegeln um, die in den Schleusen zur obligatorischen Selbstkontrolle bei der R�ckkehr angebracht waren. Der d�nne Zirkonium-Titan-Panzer des Skaphanders war an der Schulter aufgerissen. Daraus ragte ein St�ck blaues Metall hervor, das in das Isolationsfutter gedrungen war, jedoch die innere Skaphanderschicht nicht durchschlagen hatte. Mit M�he gelang es, den Splitter herauszuziehen. Auf Kosten einer gro�en Gefahr konnte so wenigstens eine Probe des r�tselhaften Metalls vom Tellerschiff mit zur Erde genommen werden. Endlich konnte Erg Noor, von seinem Skaphander befreit, das Schiffsinnere betreten oder besser gesagt � unter der lastenden Schwere des schrecklichen Planeten hineinwanken.</p><p>Die Besatzung erwartete ihn mit gro�er Ungeduld. Die Katastrophe an der Spiralwelle war mit Stereoteleskopen beobachtet worden, jeder Bericht �ber das Resultat der Untersuchungen er�brigte sich.</p></section><section><title><p>Der Strom der Zeit</p></title><p>Weda Kong und Dar Weter standen auf der kleinen runden Plattform des Flugschraubers, der langsam �ber der endlosen Steppe seine Bahn zog. Eine leichte Brise wiegte in breiten Wellen das dichte bl�hende Gras. In der Ferne weidete eine schwarzwei� gescheckte Rinderherde, Nachkommen einer Kreuzung aus Yak, Hausrind und B�ffel.</p><p>Niedrige H�gel und langgestreckte T�ler, von stillen Fl�ssen durchzogen. Weite und Ruhe atmete dieser stabile Teil der Erdrinde, der einst Westsibirische Tiefebene genannt wurde.</p><p>Gedankenverloren betrachtete Dar Weter dieses Land, welches ehemals unendliche trostlose S�mpfe und sp�rliches, verk�mmertes Geh�lz bedeckt hatten. Im Geiste sah er wieder das Gem�lde eines alten Meisters vor sich; schon als Kind hatte es ihn stark beeindruckt.</p><p>An der Windung eines m�chtigen Stromes stand eine uralte, verwitterte Kirche einsam inmitten der ausgedehnten Felder und Wiesen. Das schmale Kreuz auf der Kuppel schimmerte schwarz unter den niedrigen zusammengeballten Wolken. Auf dem kleinen Friedhof hinter der Kirche standen einige Weiden und Birken und neigten ihre windzerzausten Wipfel. Ihre Zweige ber�hrten fast die zusammengefallenen, halbvermoderten Grabkreuze inmitten des frischen, saftigen Grases. Hinter dem Strom t�rmten sich grauviolette Wolkenberge, greifbar nahe in ihrer Kompaktheit. Der breite Strom gl�nzte in dem Lichtschein wie kalter Stahl. Und dieser kalte Hauch lag �ber allem. Die Feuchtigkeit des Herbstregens, wie man ihn in den rauhen n�rdlichen Breiten kennt, hatte die Landschaft eingeh�llt. Die bl�ulichen, grauen und gr�nen Farbt�ne des Gem�ldes sprachen von der unerme�lichen Weite dieses kargen Landstriches, wo der Mensch sein Leben fristete, wo er K�lte und Hunger zu sp�ren bekam und Einsamkeit, wie sie f�r l�ngst vergangene Zeiten menschlicher Torheit so typisch war.</p><p>Wie ein Fenster mit dem Blick in eine ferne Vergangenheit war Dar Weter dieses Gem�lde im Museum vorgekommen. Restauriert und von einer unsichtbaren Lichtquelle beleuchtet, hing es hinter einem durchsichtigen Schutzpanzer.</p><p>Dar Weter sah sich nach Weda um. Die junge Frau hatte sich auf das Gel�nder der Plattform gest�tzt. Den Kopf geneigt, verfolgte sie das Wiegen des hohen Grases im Wind und hing ihren Gedanken nach. Hin und wieder trafen hei�e Luftwirbel die beiden auf der Plattform des Flugschraubers, zausten Wedas Haar und Kleid und bliesen Dar Weter �berm�tig ins Gesicht. Aber der automatische Kompensator arbeitete blitzschnell, und die fliegende Plattform erzitterte nur kurz oder schwankte kaum merklich.</p><p>Dar Weter beugte sich �ber den Kursschreiber. Der Kartenstreifen, auf dem der zur�ckgelegte Weg aufgezeichnet wurde, bewegte sich rasch. Anscheinend waren sie zu weit nach Norden geraten. Sie hatten l�ngst den sechzigsten Breitengrad �berquert, waren �ber die M�ndung des Irtysch in den Ob hinweggeflogen und n�herten sich nun dem Plateau, das in fr�heren Zeiten Mittelsibirisches Bergland genannt wurde.</p><p>An die Weitr�umigkeit der Steppe hatten sich die beiden Forschungsreisenden bereits gew�hnt. Vier Monate lang hatten sie an den Ausgrabungen der alten H�gelgr�ber in den gluthei�en Steppen der Vorberge des Altai teilgenommen. Die Altertumsforscher hatten sich gleichsam in die Zeiten zur�ckversetzt, da ausschlie�lich vereinzelte Abteilungen berittener Krieger die s�dlichen Steppen durchquerten.</p><p>Weda drehte sich um und wies stumm nach vorn. Dort schwebte in der hitzeflirrenden Luft, scheinbar losgel�st vom Boden, eine dunkle Insel. Als sie n�her kamen, erwies sich diese Insel als ein niedriger H�gel � wahrscheinlich war es die Kippe einer fr�heren Erzgrube. Von den Schachtanlagen war nichts mehr �briggeblieben.</p><p>Pl�tzlich neigte sich die fliegende Plattform stark zur Seite.</p><p>Instinktiv fa�te Dar Weter Weda um die Taille und verlagerte sein Gewicht auf den Teil der Plattform, der sich gehoben hatte. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte der Flugschrauber seine alte Lage wieder eingenommen, prallte jedoch im n�chsten Augenblick auf den H�gel auf. Durch den R�cksto� der Sto�d�mpfer wurden Weda und Dar Weter auf den Abhang geschleudert, mitten hinein in das dichte Gestr�pp. Nach kurzem Schweigen zerri� Wedas dunkles Lachen die Stille der Steppe. Dar Weter stellte sich sein verbl�fftes und zerkratztes Gesicht vor und versicherte Weda voll unbewu�ter Freude immer wieder, da� sie unverletzt und der Unfall glimpflich abgelaufen sei.</p><p>�Jetzt ist mir klar, warum man mit den Flugschraubern nicht h�her als acht Meter fliegen darf�, meinte Weda Kong, ein wenig au�er Atem vor Lachen.</p><p>�Bei einer Panne st�rzt die Maschine sofort ab, und dann kann man nur noch auf die Sto�d�mpfer hoffen. Doch bei dem leichten Gewicht und der geringen Gr��e m�ssen wir das nun mal in Kauf nehmen. Kann sein, da� wir noch nachtr�glich f�r alle gl�cklich verlaufenen Fl�ge zahlen m�ssen�, sagte Dar Weter mit schlecht gespieltem Gleichmut.</p><p>�Und wie?� fragte Weda, ernst geworden.</p><p>�Die Stabilisatoren haben sehr lange einwandfrei gearbeitet; das l��t darauf schlie�en, da� sie �u�erst kompliziert konstruiert sind. Ich f�rchte, es wird sehr lange dauern, bis ich mit ihnen zurechtkomme. Wahrscheinlich werden wir von hier nur fortkommen wie einst unsere armen Urahnen.�</p><p>Verschmitzt l�chelnd hielt Weda Dar Weter die Hand hin, und er zog sie mit Leichtigkeit hoch. Sie kletterten zu dem abgest�rzten Flugschrauber hinab, rieben ihre Kratzwunden mit einer wirksamen Heiltinktur ein und klebten ihre zerrissene Kleidung wieder zusammen. Dar Weter forderte Weda auf, sich in den Schatten eines Strauches zu legen, und er ging daran, nach den Ursachen f�r die Havarie zu suchen. Wie bereits vermutet, war der automatische Kompensator defekt, und seine Blockierungsvorrichtung hatte den Motor ausgeschaltet. Kaum hatte Dar Weter das Geh�use ge�ffnet, war ihm klar, da� eine Reparatur aussichtslos war � es w�rde zu lange dauern, bis er das Schema dieser h�chst komplizierten Elektronik herausgefunden hatte. Er seufzte �rgerlich, richtete sich auf und schaute zu dem Strauch hin�ber, unter dem Weda Kong lang. So weit das Auge reichte, war die hei�e Steppe menschenleer. Langsam kreisten zwei gro�e Raubv�gel �ber wogendem bl�ulichem Dunst.</p><p>Die gehorsame Maschine lag als tote Scheibe am Boden. Ein ungewohntes Gef�hl der Einsamkeit und Verlorenheit beschlich Dar Weter. Doch Angst versp�rte er nicht. Mochte nur die Nacht kommen � dann w�rde die Sichtigkeit besser werden und sie w�rden bestimmt ein Feuer entdecken. Sie waren ohne jedes Gep�ck losgeflogen, hatten weder ein Sprechfunkger�t noch Taschenlampen noch Lebensmittel mitgenommen.</p><p>Fr�her mu�ten die Menschen in der Steppe verhungern und verdursten, wenn sie nicht gen�gend Lebensmittel und Wasser mitgenommen hatten, dachte Dar Weter und kniff die Augen vor dem grellen Licht zusammen. Er ging zu Weda hin�ber und streckte sich unbek�mmert neben ihr aus, wobei ihn die trockenen Grashalme durch die leichte Kleidung hindurch stachen. Die Hitze und das leise Rauschen des Grases versetzten ihn in eine Art D�mmerzustand, in dem sich die Gedanken nur langsam formten. In geruhsamer Folge zogen Bilder aus l�ngst vergangenen Zeiten an seinem geistigen Auge vor�ber.</p><p>�Dar!� h�rte er im Halbschlaf die vertraute Stimme rufen, �ffnete die Augen und richtete sich auf.</p><p>Der rote Sonnenball ber�hrte schon die dunkle Linie des Horizonts. Kein L�ftchen regte sich mehr.</p><p>�Dar Weter, mein Gebieter!� sagte Weda, verschmitzt l�chelnd, und verneigte sich vor ihm wie einst die Frauen Asiens vor ihren M�nnern, �Geruhe aufzuwachen und dich meiner zu erinnern!�</p><p>Nach einigen gymnastischen �bungen war Dar Weter wieder hellwach. Weda stimmte seinem Vorschlag zu, die Nacht abzuwarten. Sie waren so vertieft in ihre Unterhaltung �ber die Ausgrabungen, da� sie den Eintritt der D�mmerung gar nicht wahrgenommen hatten. Pl�tzlich bemerkte Dar Weter, da� Weda fr�stelte und ganz kalte H�nde hatte. Ihre leichte Kleidung bot kaum Schutz gegen die n�chtliche K�lte dieser n�rdlichen Breiten.</p><p>Auf dem sechzigsten Breitengrad wurde es im Sommer nachts nie recht dunkel, so da� sie ohne Schwierigkeiten einen gro�en Haufen Reisig zusammensuchen konnten.</p><p>Mit lautem Knall sprang der Funke �ber, als Dar Weter den starken Akkumulator des Flugschraubers kurzschlo�, und ein wenig sp�ter spendete ein helles Feuer den beiden wohltuende W�rme und lie� die D�mmerung ringsum dunkler erscheinen.</p><p>Weda h�rte bald auf zu fr�steln. Beide hingen ihren Gedanken nach. Tief im Innern des Menschen hat sich �ber Jahrtausende hinweg das Gef�hl bewahrt, am Feuer geborgen zu sein, wenn einen K�lte und Dunkelheit umgeben.</p><p>�Was bedr�ckt Sie, Weda?� brach Dar Weter das Schweigen.</p><p>�Mir ist die Frau mit dem Tuch wieder eingefallen�, erwiderte Weda leise, ohne den Blick von dem rotgolden vergl�henden Reisig zu wenden.</p><p>Dar Weter wu�te sofort, wovon sie sprach. Kurz vor ihrem Abflug hatten sie in den Steppen am Fu�e des Altai ein gro�es H�gelgrab der Skythen ge�ffnet. In einem noch gut erhaltenen Holzschrein lag das Skelett eines greisen Heerf�hrers, ringsherum verstreut, halb versch�ttet, Gebeine von Pferden und Sklaven. Zu F��en des mit Panzer, Schwert und Schild bestatteten Heerf�hrers fand sich das zusammengekr�mmte Skelett einer noch jungen Frau. Ihren Sch�del umschlo� ein seidenes Tuch, das sich wohl einst straff um das Gesicht gespannt hatte. Trotz aller Kunstgriffe lie� sich das Tuch nicht konservieren, doch bevor es zu feinem Staub zerfiel, konnte man die Umrisse des sch�nen Gesichtes genau rekonstruieren, das Jahrtausende zuvor seinen Abdruck auf dem Gewebe hinterlassen hatte. Aber noch etwas anderes lie� das Tuch in schrecklicher Genauigkeit erkennen: den Abdruck der hervorgequollenen Augen der Frau, die zweifellos mit diesem Tuch erdrosselt und in das Grab ihres Gatten geworfen worden war, um ihn ins Jenseits zu begleiten. Sie mochte nicht �lter als neunzehn Jahre gewesen sein, er dagegen mindestens siebzig, f�r jene Zeiten ein hohes Alter.</p><p>Dar Weter mu�te an die Diskussion denken, die nach dem Fund unter den jungen Expeditionsmitgliedern entbrannt war. War die junge Frau ihrem Gatten freiwillig in den Tod gefolgt, oder war sie gezwungen worden? Warum? Was hatte sie dazu veranla�t? Wenn es grenzenlose Liebe gewesen war, wie hatte man sie da t�ten k�nnen, statt sie als sch�nste Verk�rperung dieses Gef�hls den Lebenden zur�ckzulassen?</p><p>Da griff Weda Kong in die Diskussion ein. Lange hatte sie mit brennenden Augen auf den dunklen H�gel gestarrt, als wollte sie tief in die Vergangenheit eindringen.</p><p>�Versucht doch einmal jene Menschen zu verstehen. F�r sie war die Steppe grenzenlos, denn die einzigen Verkehrsmittel, die sie kannten, waren Pferde, Kamele und Rinder. Und in diesen ungeheuer weiten Ausdehnungen lebten einzelne Gruppen viehz�chtender Nomaden, die nicht nur keine Verbindung miteinander hatten, sondern sogar in erbitterter Feindschaft lebten. Ha� und Groll wuchsen von Generation zu Generation; jeder Fremde war ein Feind, jeder Stamm eine potentielle Beute, die Vieh und Sklaven versprach, das hei�t Menschen, die wie Vieh unter der Knute arbeiteten. Diese Gesellschaftsordnung brachte f�r den einzelnen Menschen eine uns v�llig unbekannte Freiheit seiner kleinen Leidenschaften und W�nsche mit sich, aber auch geistige Enge und eine unglaubliche Verschlossenheit menschlicher Beziehungen. Eine kleine V�lkerschaft oder eine Stammesgemeinschaft, die sich von der Jagd und vom Fr�chtesammeln ern�hrte, f�hrte ein freies Nomadenleben, hatte aber st�ndig �berf�lle und Versklavung oder Ausrottung durch ihre kriegerischen Nachbarn zu f�rchten. War jedoch das Land durch nat�rliche Grenzen gesch�tzt und von vielen Menschen bev�lkert, so da� eine starke Milit�rmacht entstehen konnte, dann mu�ten die Menschen f�r den Schutz vor �berf�llen ebenfalls mit ihrer Freiheit bezahlen, denn in solchen starken Staaten entwickelten sich stets Despotie und Tyrannei. So zum Beispiel im alten �gypten, in Assyrien und Babylonien.</p><p>Die Frauen, besonders die sch�nen, waren im Altertum Beute und Spielzeug des Starken. Ohne den machtvollen Schutz eines Mannes konnten sie nicht existieren.</p><p>Die W�nsche der Frau bedeuteten so wenig, so unsagbar wenig, da� angesichts dieses Lebens� Wer wei߅ Vielleicht schien ihnen der Tod das leichtere Los��</p><p>Laut knackte ein brennender Zweig und rief Dar Weter in die Wirklichkeit zur�ck. Gleichsam als Antwort auf seine Gedanken r�ckte Weda n�her, stocherte im Feuer und beobachtete dabei die bl�ulichen Fl�mmchen, die am verkohlten Holz entlangz�ngelten.</p><p>�Wieviel Geduld und Tapferkeit brauchten die Menschen damals, damit sie Menschen bleiben konnten, nicht mutlos wurden, sondern im Leben etwas erreichten!� sagte Weda leise.</p><p>�Ich glaube�, wandte Dar Weter ein, �wir stellen uns das Leben im Altertum �bertrieben schwer vor. Man war an das Leben gew�hnt, und es war in seiner Ungeordnetheit voll abwechslungsreicher Zuf�lligkeiten. Wille und St�rke des Menschen entlockten diesem Leben eine F�lle romantischer Freuden, so wie man Funken aus einem Feuerstein schl�gt.�</p><p>�Mir ist unbegreiflich�, sagte Weda, �warum unsere Vorfahren so sp�t die einfache Gesetzm��igkeit erkannten, da� nur sie das Schicksal der Gesellschaft bestimmen, da� die Gesellschaftsordnung dem moralisch-ideologischen Entwicklungsstand ihrer Mitglieder entspricht, der wieder von den �konomischen Bedingungen abh�ngigist.�</p><p>�Dabei ist es doch so leicht zu verstehen, da� der wissenschaftliche Aufbau der Gesellschaft in seiner vollendeten Form nicht einfach eine quantitative Anh�ufung von Produktivkr�ften ist, sondern eine qualitativ h�here Stufe�, erg�nzte Dar Weter. �Und ebenso leicht zu verstehen ist die dialektische Wechselbeziehung, da� neue gesellschaftliche Verh�ltnisse ohne neue Menschen genauso undenkbar sind wie neue Menschen ohne diese neue �konomie. Als man dies begriff, wurde die Erziehung, die k�rperliche und geistige Entwicklung des Menschen zur Hauptaufgabe der Gesellschaft. Wissen Sie noch, wann das damals war?�</p><p>�In der �ra der Partikularistischen Welt, am Ende des Zeitalters der Spaltung, bald nach der ZGR, der Zweiten Gro�en Revolution.�</p><p>�Gut, da� es nicht sp�ter war! Die verheerenden Kriegswaffen��</p><p>Dar Weter verstummte. Ganz in der N�he waren schweres Stampfen und lautes Keuchen zu h�ren. Die beiden Forscher sprangen auf.</p><p>Ein m�chtiger schwarzer Stier stand pl�tzlich, wie aus dem Boden gewachsen, vor dem Feuer. In seinen b�se glotzenden Augen flackerte der blutigrote Widerschein der Flammen. Schnaufend setzte das riesige Tier zum Angriff an. In dem schwachen Lichtschein wirkte der Stier riesig; der gesenkte Kopf glich einem Granitblock, steil ragte der hohe muskelstrotzende Widerrist auf. Noch nie hatte Weda oder Dar Weter so nah einem Tier von grimmiger, todbringender Kraft gegen�bergestanden, dem mit Vernunft nicht beizukommen war.</p><p>Die H�nde an die Brust gepre�t, stand Weda regungslos da, wie hypnotisiert von der Erscheinung, die urpl�tzlich aus dem Dunkel aufgetaucht war, instinktiv sprang Dar Weter vor, um Weda mit seinem K�rper zu sch�tzen, so wie es bei seinen fernen Vorfahren Brauch war. Aber der Mensch der neuen �ra war unbewaffnet.</p><p>�Nach rechts, Weda!� konnte er gerade noch hervorsto�en, als das Tier auf sie losst�rzte.</p><p>Doch die gut trainierten K�rper der beiden Forscher konnten sich an Schnelligkeit mit der Behendigkeit des Stiers durchaus messen. Der Riese st�rmte an ihnen vorbei und raste krachend in das Geb�sch. Weda und Dar Weter rannten in die Dunkelheit zum Flugschrauber. Weiter entfernt vom Feuer war die Nacht gar nicht mehr so dunkel, und Wedas Kleid war zweifellos weithin zu sehen. W�hrend sich der Stier aus dem Geb�sch herausk�mpfte, fa�te Dar Weter seine Gef�hrtin und hob sie auf die Plattform des Flugschraubers. Schon galoppierte das Tier heran, als sich Dar Weter neben Weda auf die Maschine schwang. Fl�chtig kreuzten sich ihre Blicke, und Dar Weter las in den Augen des M�dchens unverhohlene Begeisterung. Die Motorhaube war offengeblieben, als Dar Weter am Tage versucht hatte, hinter das ausgekl�gelte Konstruktionsschema zu kommen. Jetzt bot er alle Kraft auf und ri� das Kabel des Ausgleichfeldes vom Gel�nder der Plattform los. Das blanke Ende klemmte er am Hauptanschlu� des Transformators fest und schob Weda vorsichtshalber beiseite. Da brachte ein kr�ftiger Ruck den Flugschrauber zum Schwanken, der Stier hatte sich mit einem Horn im Gel�nder verfangen. Dar Weter stie� dem Tier das andere Kabelende in die N�ster. Ein kurzes Aufblitzen, und der rasende Stier schlug schwer und dumpf zu Boden.</p><p>�Sie haben ihn get�tet!� rief Weda vorwurfsvoll.</p><p>�Wohl kaum, die Erde ist ja trocken�, versetzte Dar Weter mit einem schlauen L�cheln.</p><p>Und schon knurrte der Stier schwach, erhob sich und rannte, ohne sich umzusehen, auf unsicheren Beinen davon. Die beiden Forscher kehrten zum Feuer zur�ck und brachten mit einem Armvoll Reisig die fast erloschenen Flammen wieder zum Auflodern.</p><p>�Mir ist nicht mehr kalt�, sagte Weda. �Gehen wir auf den H�gel!�</p><p>Das Feuer wurde von der Spitze des H�gels verdeckt, die blassen Sterne des n�rdlichen Sommerhimmels verschwammen am Horizont zu kleinen Kugeln.</p><p>Im Westen war �berhaupt nichts zu sehen, im Norden, auf den Abh�ngen der Berge, schimmerte eine Kette von Feuern; im S�den, weit entfernt, leuchtete der Stern eines Beobachtungsturms der Viehz�chter.</p><p>�Das ist sinnlos, wir m��ten die ganze Nacht hindurch laufen�, murmelte Dar Weter.</p><p>�Nein, nein, schauen Sie doch mal!� Und Weda zeigte nach Osten, wo pl�tzlich vier Lichter aufleuchteten, wie Eckpunkte eines Quadrats. Bis dorthin waren es nur ein paar Kilometer. Sie pr�gten sich die Richtung nach den Sternen ein und gingen wieder zum Feuer hinunter. Weda blieb vor den schwach z�ngelnden Flammen stehen, als wolle sie sich an etwas erinnern. �Leb wohl, mein Haus!� sagte sie nachdenklich. �Wahrscheinlich haben die Nomaden immer solche Unterk�nfte gehabt � behelfsm��ig und vor�bergehend. Ich kam mir heute wie eine Frau aus jener Zeit vor.�</p><p>Sie drehte sich zu Dar Weter um und legte ihm vertraulich den Arm um die Schulter.</p><p>�Ich brauche heute Schutz. Nicht da� ich Angst gehabt h�tte, nein, aber so etwas wie eine verf�hrerische Ergebenheit vor der Macht des Schicksals scheint mir��</p><p>Weda verschr�nkte die H�nde im Nacken und dehnte ihren geschmeidigen K�rper. Dann sah sie Dar Weter �berm�tig an.</p><p>�Also los, �bernehmen Sie die F�hrung� mein Held!� Ihre tiefe Stimme klang geheimnisvoll und z�rtlich.</p><p>Die vom Duft der Gr�ser geschw�ngerte, d�mmrige Nacht war erf�llt vom Geraschel der wilden Tiere und vom Schreien der Nachtv�gel. Weda und Dar Weter schritten vorsichtig aus, um nicht in ein Loch oder eine Erdspalte zu geraten. Die rispenf�rmigen Halme des Steppengrases streiften ihre Kn�chel. Sobald dunkles Strauchwerk auftauchte, blieb Dar Weter stehen und hielt sorgf�ltig Umschau.</p><p>Weda lachte leise.</p><p>�Vielleicht h�tten wir den Akku und das Kabel mitnehmen sollen?�</p><p>�Sie sind ja leichtsinnig, Weda�, sagte Dar Weter gutm�tig. �Das h�tte ich von Ihnen nicht gedacht.�</p><p>Die junge Frau wurde pl�tzlich ernst.</p><p>�Ich f�hlte mich heute so ganz in Ihrem Schutz.�</p><p>Und dann sprach Weda �ber die n�chsten Aufgaben ihrer Expedition. Die erste Etappe der Ausgrabungen in der Steppe war beendet, Wedas Mitarbeiter kehrten zu ihrer fr�heren Besch�ftigung zur�ck oder suchten sich eine neue. Dar Weter aber hatte sich noch f�r keine neue Arbeit entschieden. Noch war er frei und konnte w�hlen. Nach allem, was sie geh�rt hatten, war Mwen Mass durchaus erfolgreich. Auch wenn das nicht der Fall gewesen w�re, w�rde der Rat Dar Weter nicht so schnell wieder jenen Posten �bertragen. Im Zeitalter des Gro�en Rings hielt man es nicht f�r nutzbringend, wenn jemand lange Zeit ein und dieselbe Arbeit tat. Das Wertvollste, die sch�pferische Eingebung, w�rde nachlassen. Erst nach einer l�ngeren Unterbrechung konnte man wieder an seinen alten Arbeitsplatz zur�ckkehren.</p><p>�Kam Ihnen unsere Arbeit nicht nebens�chlich und eint�nig vor, nachdem Sie doch nun sechs Jahre an den Kosmos gew�hnt waren?� Weda sah forschend in sein Gesicht.</p><p>�Ihre Arbeit ist durchaus nicht nebens�chlich und eint�nig�, entgegnete Dar Weter, �doch gibt sie mir nicht die Spannung, die ich gewohnt bin. Daf�r f�hle ich mich in bester Laune und bin so ausgeglichen, als w�rde ich mit hellblauen Tr�umen behandelt.�</p><p>�Mit hellblauen?� fragte Weda zur�ck, und ihr stockender Atem sagte Dar Weter mehr, als es die im Dunkeln unsichtbare R�te ihrer Wangen getan h�tte. �Als n�chstes untersuche ich eine alte H�hle�, fuhr sie rasch fort, �aber nicht eher, als bis sich wieder ein Freiwilligentrupp mit Arch�ologen zusammengefunden hat. In der Zwischenzeit nehme ich an Ausgrabungen im Meer teil � Kollegen haben mich dazu eingeladen.�</p><p>Dar Weter hatte sie verstanden, und sein Herz klopfte vor freudiger Erregung. Doch er beherrschte sich und fragte ruhig: �Sie meinen die Ausgrabungen der versunkenen Stadt s�dlich von Sizilien? Im Atlantis-Palast habe ich phantastische Dinge von dort gesehen.�</p><p>�Nein. Zur Zeit graben wir an den K�sten des �stlichen Mittelmeers, des Roten Meers und Indiens. Wir suchen nach erhalten gebliebenen Kultursch�tzen, angefangen bei der kretisch-indischen Kultur bis zum Beginn des Dunklen Zeitalters.�</p><p>�Ach, nach dem, was man versteckte oder h�ufiger einfach ins Meer warf, als die Inseln der Zivilisation unter dem Ansturm der ungest�men frischen Kr�fte der Barbaren untergingen. Ich verstehe�, sagte nachdenklich Dar Weter, w�hrend seine Augen weiterhin aufmerksam die d�mmerige Ebene absuchten. �Ich verstehe auch die Zerst�rung der alten Kultur, als die antiken Staaten, einst stark durch ihre Naturn�he, nicht imstande waren, die Welt zu ver�ndern und mit der abscheulichen Sklaverei und ihrer parasit�ren Oberschicht fertig zu werden.�</p><p>�Und dann wurde die antike Sklaverei durch den Feudalismus und die religi�se Finsternis des Mittelalters abgel�st�, setzte Weda fort. �Aber was ist Ihnen noch unklar?�</p><p>�Ich kann mir unter dem Begriff kretisch-indische Kultur kaum etwas vorstellen.�</p><p>�Sie kennen also die neuesten Forschungsergebnisse noch nicht! Spuren dieser Kultur wurden in dem ausgedehnten Gebiet von Amerika �ber Kreta, das s�dliche Zentralasien und Nordindien bis nach Westchina gefunden.�</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, da� es in so alter Zeit bereits Verstecke f�r Kunstsch�tze gab, wie wir sie von Karthago, Griechenland oder Rom kennen.�</p><p>�Fahren Sie mit mir, und Sie werden es sehen�, sagte Weda leise.</p><p>Dar Weter ging eine Weile stumm neben ihr her. Sie kletterten auf einen sanft ansteigenden H�gel. Auf der Spitze blieb Dar Weter pl�tzlich stehen.</p><p>�Ich danke f�r die Einladung. Ich fahre mit.�</p><p>Weda sah ihn ein wenig ungl�ubig an, doch in der n�chtlichen D�mmerung waren die Augen ihres Begleiters schwarz und undurchdringlich.</p><p>Auf dem H�gel stellten sie fest, da� sie den Lichtern schon sehr nahe waren. Die Lampen in den polarisierenden Glocken zerstreuten das Licht nicht und schienen deshalb weiter entfernt. Die konzentrische Beleuchtung lie� erkennen, da� hier nachts gearbeitet wurde. Immer st�rker wurde das Heulen der Hochspannung. Die Konturen eines Zauns schimmerten silbrig im bl�ulichen Licht der hochh�ngenden Lampen. Sirenengeheul veranla�te die beiden stehenzubleiben � der automatische W�chter war in T�tigkeit getreten.</p><p>�Vorsicht! Links halten! Kommen Sie den Pf�hlen nicht zu nahe!� br�llte ein unsichtbarer Lautsprecher. Gehorsam schritten sie auf die fahrbaren wei�en H�uschen zu.</p><p>�Blicken Sie nicht zu dem Feld hin�ber!� fuhr der f�rsorgliche Automat fort.</p><p>In zwei der H�uschen gingen gleichzeitig die T�ren auf, zwei Lichtkegel kreuzten sich auf dem dunklen Weg. Freudig begr��ten mehrere M�nner und Frauen die Forscher und zeigten sich �ber ihre � zumal bei Nacht � unvollkommene Art der Fortbewegung h�chst verwundert.</p><p>In engen Kabinen erfrischten sich die beiden Reisenden unter einer Dusche von aromatischem Wasser, das mit Kohlens�ure und Elektrizit�t angereichert war, und lie�en sich anschlie�end mit punktf�rmigen elektrischen Entladungen massieren.</p><p>Zum Essen trafen sie sich dann wieder.</p><p>�Stellen Sie sich vor, Dar, wir sind bei Kollegen zu Gast!�</p><p>Weda go� ein goldgelbes Getr�nk in schmale Gl�ser, die sofort beschlugen.</p><p>�Hier l��t sich�s leben!� sagte Dar Weter fr�hlich und langte nach seinem Glas.</p><p>�Bezwinger des Stiers, Sie sind in der Steppe verwildert�, protestierte Weda. �Ich erz�hle Ihnen eine interessante Neuigkeit, Sie aber denken nur an Essen und Trinken.�</p><p>�Hier Ausgrabungen?� meinte Dar Weter zweifelnd.</p><p>�Ja, aber keine arch�ologischen, sondern pal�ontologische. Sie untersuchen die fossile Fauna des Perms � zweihundert Millionen Jahre sind seitdem vergangen. Dagegen komme ich mir mit unseren wenigen Jahrtausenden erb�rmlich vor.�</p><p>�Sie untersuchen, ohne erst zu graben? Wie ist denn das m�glich?�</p><p>�Ja. Aber wie sie das machen, habe ich noch nicht erfahren k�nnen.�</p><p>Ein hagerer gelbh�utiger Mann, der mit ihnen am Tisch sa�, mischte sich ins Gespr�ch: �Unsere Gruppe l�st jetzt eine andere ab. Die Vorbereitungsarbeiten sind abgeschlossen, und wir beginnen jetzt mit der Durchleuchtung.�</p><p>�Mit elektromagnetischer Strahlung?� fragte Dar Weter.</p><p>�Ja. Wenn Sie nicht zu m�de sind, sehen Sie sich das an. Morgen werden wir schon wieder an einem anderen Ort arbeiten, aber dort ist es wenig interessant.�</p><p>Weda und Dar Weter stimmten erfreut zu. Ihre freundlichen Gastgeber standen vom Tisch auf und f�hrten sie in das Haus nebenan. Dort hingen mehrere Schutzanz�ge, jeweils in Nischen mit einem Geigerz�hler dar�ber.</p><p>�Die Ionisation unserer gro�en R�hren ist sehr stark�, sagte, leicht entschuldigend, eine etwas gebeugte Frau, die Weda in den dichtgewebten Anzug und den durchsichtigen Helm half und die Taschen mit den Batterien auf ihrem R�cken befestigte.</p><p>In dem polarisierten Licht zeichnete sich jede kleine Erhebung in dem h�geligen Steppengel�nde unnat�rlich deutlich ab. Hinter dem d�nnen Zaun, der um ein quadratisches Feld gezogen war, ert�nte dumpfer L�rm. Die Erde hob sich und ri� auf zu einem Trichter, aus dem ein spitz zulaufender gl�nzender Zylinder auftauchte. Um seine polierte Wandung ringelte sich ein Spiralkamm, und an seinem Vorderende drehte sich eine komplizierte Elektrofr�se aus bl�ulichem Metall. Der Zylinder schl�ngelte sich �ber den Trichterrand hinweg und grub sich wenige Meter entfernt mit der blanken Spitze fast senkrecht wieder in den Boden, wobei die Schaufeln an seinem hinteren Ende nur kurze Zeit sichtbar waren.</p><p>Der Zylinder zog zwei Kabel hinter sich her, ein isoliertes und ein blankes. Weda ber�hrte Dar Weters Arm und zeigte auf einen Punkt jenseits des Magnesiumzauns. Dort wand sich ein zweiter, ebensolcher Zylinder aus dem Erdreich, schl�ngelte sich nach links und tauchte nach wenigen Metern wieder in den Boden wie in Wasser.</p><p>Ihr gelbh�utiger Begleiter forderte sie durch ein Zeichen zur Eile auf.</p><p>�Jetzt wei� ich, wer das ist�, fl�sterte Weda, w�hrend sie der vorausgegangenen Gruppe nacheilten. �Das ist Ljau Lan, der Pal�ontologe. Er hat das R�tsel um die Besiedlung des asiatischen Festlandes im Pal�ozoikum gel�st.�</p><p>�Er ist chinesischer Abstammung?� fragte Dar Weter und dachte an den dunklen Blick der schr�ggestellten Augen des Wissenschaftlers. �Ich mu� zu meiner Schande gestehen, da� ich seine Arbeiten nicht kenne.�</p><p>�Ich sehe schon, Sie haben wenig Ahnung von der Pal�ontologie unseres Planeten�, entgegnete Weda. �In der Pal�ontologie anderer Welten kennen Sie sich wahrscheinlich besser aus.�</p><p>In Gedanken zogen an Dar Weter unz�hlige Formen des Lebens vor�ber: Millionen eigenartiger Skelette in den Gesteinsschichten der verschiedenen Planeten � Zeugnisse vergangener Zeiten, die in den Ablagerungen jedes bewohnten Planeten verborgen sind. Zeugnisse, von der Natur selbst geschaffen und so lange von ihr versteckt gehalten, bis ein denkendes Wesen sich ihrer erinnert und aus ihnen Vergessenes rekonstruierte.</p><p>Sie stiegen auf eine kleine Plattform, die sich an einen stark gew�lbten Bogen anschlo�. In der Mitte der Fl�che befand sich eine gro�e Mattscheibe. Alle acht setzten sich in stummer Erwartung auf die niedrigen B�nke vor dem Bildschirm.</p><p>�Gleich sind die �Maulw�rfe� mit ihrem Werk fertig�, erkl�rte Ljau Lan. �Wie Sie sicherlich schon erraten haben, ziehen sie das blanke Kabel durch die Gesteinsschichten und weben ein metallenes Netz. In vierzehn Meter Tiefe lagern die Skelette der ausgestorbenen Tiere in por�sem Sandstein. Drei Meter darunter, also in siebzehn Meter Tiefe, ist die gesamte Fl�che von dem Metallnetz durchzogen, das an starke Induktoren angeschlossen ist. So entsteht ein reflektierendes Feld, das R�ntgenstrahlen auf die Mattscheibe wirft. Auf ihr werden dann die versteinerten Knochen sichtbar.�</p><p>Zwei gro�e Metallkugeln drehten sich auf massiven Sockeln. Scheinwerfer flammten auf, und Sirenengeheul warnte vor der Gefahr. Gleichstrom mit einer Spannung von einer Million Volt lie� alle Anschl�sse, Isolatoren und Freileitungen bl�ulich aufleuchten.</p><p>Scheinbar achtlos bediente Ljau Lan die Schalter und Hebel an der Schalttafel. Die gro�e Mattscheibe wurde immer heller. Verschwommene Konturen zogen langsam auf ihr vor�ber. Pl�tzlich stockte die Bewegung, ein gro�er verschwimmender Fleck nahm fast die ganze Mattscheibe ein, doch dann wurden seine Umrisse zusehends sch�rfer.</p><p>Noch einige Handgriffe an der Schalttafel, und den Zuschauern zeigte sich matt beleuchtet das Skelett eines unbekannten Tieres. Breite Tatzen mit Krallen kr�mmten sich unter dem Rumpf, der in einem langen gebogenen Schwanz endete. Besonders augenf�llig waren die dicken, massiven Knochen. Die kr�ftigen Vorderz�hne in dem geschlossenen Rachen lagen frei. Der Sch�del wirkte von oben wie ein einziger m�chtiger Knochen mit ungleichm��iger, zerfurchter Oberfl�che. Ljau Lan schaltete auf Vergr��erung um, und nun f�llte der Kopf des vorsintflutlichen Reptils die ganze Mattscheibe aus. Vor ungef�hr zweihundert Millionen Jahren hatte es hier an einem Flu� gelebt. Die Sch�deldecke war mindestens zwanzig Zentimeter dick. �ber den Augenh�hlen, ragten Knochenw�lste vor. Ebensolche Vorspr�nge sch�tzten von oben die Schl�fengruben und die W�lbungen der Sch�delb�gen. Auf dem hinteren Teil des Sch�dels war ein gro�er Kegel zu sehen, offensichtlich ein riesiges Scheitelauge. Ljau Lan seufzte tief auf vor Begeisterung.</p><p>Dar Weter wandte kein Auge von dem plumpen, schweren Skelett. Die zunehmende Muskelkraft hatte eine Verst�rkung der Knochen bewirkt, die einer gro�en Belastung ausgesetzt waren, und das wiederum erforderte eine erneute Verst�rkung der Muskeln. So f�hrte die direkte Abh�ngigkeit in den urzeitlichen Organismen die Entwicklung der meisten Tiere in eine Sackgasse, so lange, bis wichtige physiologische Vervollkommnungen einen Ausweg geschaffen hatten und eine neue Evolutionsstufe erreichbar wurde. Da� sich solche Wesen unter den Vorfahren des Menschen mit seinem sch�nen und erstaunlich beweglichen K�rper befanden, mutete ganz unwahrscheinlich an.</p><p>Die Abbildung auf der Mattscheibe war bereits durch eine andere abgel�st worden. Der breite parabolische Sch�del eines Lurchs war zu erkennen, eines urweltlichen Salamanders, der einst im Permsumpf auf der Lauer gelegen hatte, bis etwas Fre�bares in erreichbare N�he kam. Dieser weitere Beweis f�r eine endlos lange und unerbittliche Entwicklung des Lebens bedr�ckte Dar Weter und machte ihn gleichzeitig gereizt. Ungeduldig richtete er sich auf, und Ljau Lan, der ihm seine Gem�tsverfassung ansah, schlug vor, zur�ckzukehren und sich ein wenig auszuruhen. Nur mit gro�em Bedauern trennte sich die wi�begierige Weda vom Bildschirm, als sie sah, da� die Wissenschaftler die Ger�te f�r Elektronenfotografie und synchrone Tonaufzeichnung einschalteten, um die gewaltige elektrische Energie nicht ungenutzt verstr�men zu lassen.</p><p>Kurze Zeit darauf lag Weda schon im G�stezimmer auf einer breiten Couch. Dar Weter ging noch eine Weile auf dem glattgewalzten Platz vor dem Haus auf und ab, um die Eindr�cke auf sich wirken zu lassen.</p><p>Der morgendliche Tau hatte das staubige Gras reingewaschen. Als Ljau Lan von der Nachtarbeit zur�ckkehrte, schlug er vor, die G�ste mit einer �Elfe�, einem kleinen akkumulatorbetriebenen Auto, zum n�chsten Flughafen f�r springende D�senflugzeuge zu bringen, knapp hundert Kilometer entfernt am Unterlauf des Trom-Jugan-Flusses. Weda bat, eine Verbindung zu ihrer Expedition herzustellen, aber die Pal�ontologengruppe verf�gte �ber keinen Sender mit gen�gend gro�er Leistung. Seitdem die Menschen wu�ten, wie sch�dlich die elektromagnetische Strahlung ist, und ein strenges Regime eingef�hrt hatten, waren f�r Sendungen mit gelenkter Strahlung �ber gro�e Entfernungen komplizierte technische Anlagen notwendig geworden. Au�erdem gab es weit weniger Sendestationen. Ljau Lan wollte dem n�chstgelegenen Beobachtungsturm der Viehz�chter eine Sendung durchgeben. Diese T�rme standen durch Richtfunk miteinander in Verbindung und konnten der Zentralstation ihres Bezirks alles Gew�nschte mitteilen. Die junge Praktikantin, die die G�ste begleiten sollte, um die �Elfe� wieder zur�ckzubringen, schlug vor, unterwegs einen dieser T�rme aufzusuchen. Dann k�nnten die G�ste selbst �ber Televisiofon ein Gespr�ch f�hren. Dar Weter und Weda stimmten erfreut zu. Die drei fanden kaum Platz in dem schmalen Dreisitzer; neben dem breiten Dar Weter sa�en die beiden Frauen ziemlich eingezw�ngt. In der Ferne zeichnete sich undeutlich die schmale Silhouette eines Beobachtungsturms gegen den klaren blauen Himmel ab. Nach kurzer Zeit hielt die �Elfe� dicht neben dem Turm. Die weit auseinandergestellten Metallstreben trugen ein Schutzdach aus Plast, unter dem ebenfalls eine �Elfe� stand. Durch das Schutzdach gingen die Gleitschienen eines Aufzugs nach oben. Die winzige Kabine trug die drei nacheinander an der Wohnetage vorbei zur Turmspitze hinauf, wo sie ein braungebrannter junger Mann mit freiem Oberk�rper begr��te. Aus der pl�tzlichen Verlegenheit ihrer sonst keineswegs sch�chternen Begleiterin schlo� Weda, da� die Findigkeit der Pal�ontologin besondere Ursachen hatte.</p><p>Der runde Raum mit seiner kristallenen Wand schwankte merklich, und der leichte Turm summte eint�nig wie eine straffgespannte Saite. Fu�boden und Decke des Raumes waren in dunklen Farben gehalten. L�ngs der Wand standen schmale Tische mit Ferngl�sern, Rechenmaschinen und Notizheften. Aus neunzig Meter H�he war ein riesiges Gebiet �berschaubar, bis hin zur Sichtgrenze der Nachbart�rme. Von hier wurden die Herden st�ndig �berwacht, hier wurde Buch �ber die Futtervorr�te gef�hrt. Gleich konzentrischen gr�nen Ringen lagen in der Steppe die Melklabyrinthe, durch die zweimal t�glich die K�he getrieben wurden; Ihre Milch kondensierte und gefror man an Ort und Stelle in unterirdischen K�hlr�umen, so da� sie sich sehr lange hielt. Weitergetrieben wurden die Herden mit Hilfe der �Elfen�, �ber die jeder Turm verf�gte. Die Beobachter konnten sich w�hrend der Dienstzeit weiterbilden; die meisten von ihnen waren Studenten, deren Ausbildung noch nicht abgeschlossen war.</p><p>Der junge Mann f�hrte Weda und Dar Weter �ber eine Wendeltreppe hinunter in die Wohnetage. Die R�ume hatten schallisolierende W�nde, so da� die Reisenden von v�lliger Stille umgeben waren. Nur das unaufh�rliche Schwanken erinnerte daran, da� sie sich in luftiger H�he befanden.</p><p>Ein anderer junger Mann arbeitete gerade im Senderaum. Die Frisur und das auffallende Kleid seiner Gespr�chspartnerin auf dem Bildschirm lie�en erkennen, da� er mit der Zentralstation Verbindung aufgenommen hatte. Das M�dchen auf dem Bildschirm schaltete zu einer anderen Station um, und bald darauf erschien im Televisiofon die kleine Gestalt Miiko Eygoros, der Oberassistentin Weda Kongs. Ihre schr�ggestellten dunklen Augen verrieten freudiges Erstaunen, und der kleine Mund war vor �berraschung halb ge�ffnet. Doch gleich darauf blickte Weda und Dar Weter wieder ein leidenschaftsloses Gesicht an, das nichts weiter ausdr�ckte als sachliche Aufmerksamkeit. Dar Weter ging nach oben. Die junge Pal�ontologin und der braungebrannte Student waren in eine lebhafte Unterhaltung vertieft. Dar Weter trat auf den Balkon hinaus, der sich rings um den gl�sernen Raum zog. Die feuchte Frische des Morgens war l�ngst der Hitze des Mittags gewichen. Grenzenlos weit dehnte sich die Steppe unter dem strahlenden, klaren Himmel. Wieder wurde Dar Weter von unbestimmter Sehnsucht nach der rauhen n�rdlichen Heimat seiner Vorfahren gepackt. Auf die Balkonbr�stung gest�tzt, wurde ihm mit aller Deutlichkeit bewu�t, in welchem Ma�e sich die Tr�ume seiner Ahnen verwirklicht hatten. Der Mensch hatte es zuwege gebracht, die rauhe Klimazone weit nach Norden zur�ckzudr�ngen, und die belebende W�rme des S�dens str�mte in die Ebenen, die einst von kalten Wolken bedeckt waren.</p><p>Weda Kong betrat das Kristallzimmer und erz�hlte, da� der Funker sie weiterbef�rdern werde. Die Pal�ontologin sah sie dankbar an. Hinter der durchsichtigen Wand war der breite R�cken Dar Weters zu sehen.</p><p>�Sie denken nach?� erklang es hinter ihm. �Doch nicht etwa �ber mich?�</p><p>�Nein, Weda. Ich habe �ber eine Behauptung der altindischen Philosophie nachgedacht. Da hei�t es, die Welt sei nicht f�r den Menschen geschaffen worden, und der Mensch sei nur dann gro�, wenn er den Wert und die Sch�nheit des anderen Lebens, des Lebens der Natur, begreift.�</p><p>�Sie haben nicht zu Ende gesprochen, und ich verstehe das nicht.�</p><p>�Schon m�glich, da� ich nicht alles gesagt habe. Ich w�rde von mir aus noch hinzuf�gen, da� es einzig und allein dem Menschen gegeben ist, die Sch�nheit wahrzunehmen, aber auch die schwierigen und dunklen Seiten des Lebens zu begreifen. Ebenso wie allein der Mensch die Gabe besitzt, von einem besseren Leben zu tr�umen und diesen Traum zu verwirklichen.�</p><p>�Das habe ich verstanden�, sagte Weda leise und f�gte nach kurzem Schweigen hinzu: �Sie haben sich ver�ndert, Dar.�</p><p>�Nat�rlich habe ich mich ver�ndert. Wo ich doch vier Monate lang mit einem einfachen Spaten aus euren H�gelgr�bern schwere Steine und halbvermoderte Balken herausgeholt habe. Da sieht man das Leben unwillk�rlich mit anderen Augen an, die kleinsten Freuden gewinnen an Wert.�</p><p>�Machen Sie sich nicht �ber mich lustig, Dar�, sagte Weda schmollend. �Ich meine es ernst. Als ich Sie damals kennenlernte in Ihrem Observatorium, als Sie �ber die gesamte Energie der Erde herrschten und mit fernen Welten sprachen, konnte man Sie f�r ein �bernat�rliches Wesen unserer Ahnen halten, f�r einen Gott, wie sie es nannten. Hier aber bei unserer einfachen Arbeit, als einer unter vielen, sind Sie�� Weda verstummte.</p><p>�Was bin ich?� fragte Dar Weter neugierig. �Habe ich meine Gr��e eingeb��t? Was h�tten Sie wohl gesagt, wenn Sie mich vor meiner T�tigkeit im Institut f�r Astrophysik kennengelernt h�tten, damals als Maschinist der Spiralstra�e? Besitzt der etwa weniger Gr��e? Oder als Mechaniker f�r Obsterntemaschinen in den Tropen?�</p><p>Weda lachte hell auf.</p><p>�Ich mu� Ihnen ein Geheimnis aus meiner Jungm�dchenzeit verraten. In der Schule des dritten Zyklus war ich in einen Maschinisten der Spiralstra�e verliebt � ich konnte mir nichts Imposanteres vorstellen. Da kommt �brigens der Funker. Fahren wir, Dar!�</p><p>Bevor der Pilot Weda und Dar Weter einsteigen lie�, vergewisserte er sich noch einmal, ob die beiden die gro�e Beschleunigung des springenden Flugzeugs ertragen k�nnten. Er achtete streng auf Einhaltung der Vorschriften. Erst nachdem er eine zufriedenstellende Antwort erhalten hatte, bat er die beiden, in den tiefen Sesseln des Flugzeuges Platz zu nehmen, das einem riesigen Regentropfen glich. Ein Signalgong ert�nte, das Flugzeug wurde fast senkrecht in die Luft katapultiert, und die K�rper der beiden versanken langsam tief im Sessel wie in einer z�hen Fl�ssigkeit. Unter gro�er Anstrengung drehte Dar Weter den Kopf zur Seite, um Weda aufmunternd zuzul�cheln. Der Pilot schaltete den Motor ein. Ein Aufheulen, lastende Schwere im ganzen K�rper, und das tropfenf�rmige Flugzeug scho� in einem riesigen Bogen davon, dessen Gipfelh�he dreiundzwanzig Kilometer betrug. Nur wenige Augenblicke schienen vergangen zu sein, als die Reisenden mit zitternden Knien vor ihren H�uschen in der Steppe am Fu�e des Altai wieder ausstiegen. Der Pilot machte ihnen Zeichen, sich etwas weiter vom Flugzeug zu entfernen. Dar Weter begriff, da� der Motor schon auf der Erde eingeschaltet werden mu�te, da hier kein Katapult zur Verf�gung stand wie auf dem St�tzpunkt. Rasch zog er Weda mit sich fort und lief geradewegs auf die ihnen entgegeneilende Miiko Eygoro zu. Die Frauen umarmten sich wie nach einer langen Trennung.</p></section><section><title><p>Das Pferd auf dem Meeresgrund</p></title><p>Sanft wiegte sich das leuchtend blaugr�ne warme Meer. Dar Weter ging langsam hinein und breitete dabei die Arme aus, um auf dem abfallenden Grund nicht den Halt zu verlieren. W�hrend er �ber die Wellen hinweg in die glitzernde Ferne blickte, f�hlte er sich eins mit dem Meer, wurde er zu einem Teil des grenzenlosen Elements. Hierher, ans Meer, hatte ihn ein lang bet�ubter Schmerz getrieben, der Schmerz um die Trennung vom Kosmos, von dem unerme�lichen Reichtum an Wissen und Denken. Sein Leben hatte sich ver�ndert. Seine wachsende Liebe zu Weda versch�nte die ungewohnte Arbeit und erf�llte die �berlegungen seines vortrefflichen Gehirns, denen er sich jetzt in wehm�tiger Mu�e �berlassen konnte. Mit gro�er Begeisterung vertiefte er sich in historische Forschungen. Die Zeit half ihm, mit den Ver�nderungen in seinem Leben fertig zu werden. Er war Weda Kong dankbar, da� sie die Flugschrauberreise in ein Land arrangiert hatte, das durch Menschenhand umgestaltet worden war. Angesichts der Gro�artigkeit dieser landschaftlichen Umgestaltung und der Unerme�lichkeit des Meeres erschienen einem die eigenen K�mmernisse nichtig. Dar Weter fand sich mit dem Unab�nderlichen ab, auch wenn es ihm nicht leichtfiel.</p><p>Eine leise kindliche Stimme rief ihn an. Es war Miiko. Er winkte und legte sich auf den R�cken, um auf das zierliche M�dchen zu warten, das sich ungest�m in die Fluten, st�rzte. Von ihrem storren pechschwarzen Haar perlten gro�e Tropfen, und ihr gelblichbrauner K�rper sah im Wasser gr�n aus. Nebeneinander schwammen sie der Sonne entgegen, auf eine einsame, unbewohnte Insel zu, die sich einen Kilometer vom Ufer entfernt dunkel abzeichnete. In der �ra des Gro�en Rings konnten alle Menschen gut schwimmen, Dar Weter aber war ein Meister darin. Zun�chst schwamm er langsam, damit Miiko nicht so schnell erm�dete, aber das M�dchen glitt leicht und gewandt neben ihm durchs Wasser, Dar Weter legte an Tempo zu. Aber selbst als er alles aus sich herausholte, blieb Miiko nicht zur�ck; ihrem l�chelnden Gesicht war keinerlei Anstrengung anzusehen. Vom Ufer der Insel klang undeutlich das Anschlagen der Wellen her�ber. Dar Weter drehte sich auf den R�cken. Das M�dchen, das ihn �berholt hatte, kehrte im Bogen zu ihm zur�ck.</p><p>�Sie schwimmen prachtvoll, Miiko!� rief Dar Weter begeistert. Er pumpte die Lungen voll Luft und lie� sich treiben.</p><p>�Tauchen kann ich noch besser�, erwiderte das M�dchen. Dar Weter blickte sie verwundert an. �Meine Vorfahren waren Japaner�, fuhr Miiko fort. �Damals gab es einen ganzen Volksstamm, dessen Frauen alle Taucherinnen waren. Sie fischten Perlen und sammelten e�bare Algen. Dieser Beruf ging von einer Generation auf die andere �ber, und im Laufe eines Jahrtausends erwarben die Frauen gro�e Fertigkeit im Tauchen. Zuf�llig bin auch ich so eine gute Taucherin.�</p><p>�Ich h�tte nie vermutet��</p><p>�Da� eine Ururenkelin dieser Frauen Historikerin wird? In unserer Familie erz�hlt man sich eine Legende. Vor mehr als tausend Jahren lebte ein japanischer Maler namens Yanagichara Eygoro.�</p><p>�Eygoro? Das ist doch auch Ihr Name!�</p><p>�Es ist heutzutage sehr selten, da� man sich bei der Wahl des Vornamens allein vom Klang leiten l��t. Im allgemeinen w�hlt man doch Lautverbindungen oder W�rter aus der Sprache des Volkes, von dem man abstammt. Ihre Namen sind, wenn mich nicht alles t�uscht, aus dem Russischen abgeleitet?�</p><p>�Ganz recht! Es sind regelrechte russische W�rter. Das eine bedeutet �Geschenk�, das andere �Wind�.�</p><p>�Was mein Name bedeutet, wei� ich nicht. Aber den Maler hat es gegeben. Mein Urgro�vater fand eines seiner Bilder, ein riesiges Gem�lde. Sie k�nnen es sich bei mir ansehen. F�r den Historiker ist es recht interessant. Es zeigt deutlich, wie hart das Dasein des Volkes war, wie arm und anspruchslos, wie tapfer aber auch die Menschen lebten. Schwimmen wir weiter?�</p><p>�Einen Augenblick, Miiko! Was hat es mit den Taucherinnen auf sich?�</p><p>�Der Maler fand gro�en Gefallen am Tauchen und siedelte sich f�r immer bei dem Volksstamm an. Seine T�chter wurden ebenfalls Taucherinnen und verdienten sich ein Leben lang ihr Brot im Meer.�� Sehen Sie doch nur, was f�r eine merkw�rdige Insel das ist: ein runder Kanister oder ein niedriger Turm, wie zur Zuckergewinnung.�</p><p>�Zucker!� Dar Weter mu�te unwillk�rlich lachen. �Als kleinen Jungen haben mich abgelegene Inseln immer sehr angezogen. Einsam, liegen sie mitten im Meer, und zwischen den Felsen oder im Dickicht sind dunkle Geheimnisse verborgen. Alles, was man sonst nur im Traum erlebt, kann einem hier widerfahren.�</p><p>Miiko lachte hell auf. Das sonst schweigsame und immer etwas traurige M�dchen war jetzt wie verwandelt. Fr�hlich und unerschrocken schwamm sie gegen die tr�ge heranrollenden Wellen an. Trotz ihrer Ausgelassenheit blieb sie Dar Weter r�tselhaft. Sie war so ganz anders als die unkomplizierte Weda, deren Furchtlosigkeit eher �bergro�er Vertrauensseligkeit entsprang als wirklicher Beharrlichkeit.</p><p>Unmittelbar am Ufer zogen sich zwischen den gro�en Felsen unter Wasser sonnendurchflutete Korridore entlang. Von dunklen Schwammanh�ufungen hin und wieder bedeckt, eingerahmt vom Fransengewirr des Tangs, f�hrten diese G�nge zur Ostseite der Insel, wo die unbekannte dunkle Tiefe begann. Dar Weter bedauerte, da� er sich bei Weda keine Karte vom Ufer ausgeliehen hatte.</p><p>Weniger als f�nfhundert Meter von der westlichen Landzunge entfernt leuchteten die Fl��e der Meeresexpedition in der Sonne. Nicht weit davon lag der sanft ansteigende Sandstrand, auf dem sich zur Zeit die gesamte Expedition sonnte, da an diesem Tage in den Maschinen die Akkumulatoren ausgewechselt wurden.</p><p>Drohend hingen die steil aufragenden Andesitfelsen �ber den Schwimmern. Hier und da schimmerten frische Bruchstellen, ein Erdbeben hatte j�ngst den m�rbe gewordenen Teil des Ufers losgebrochen. Lange mu�ten Miiko und Dar Weter durch das dunkle Wasser am Ostufer schwimmen, bis sie einen ebenen Felsvorsprung fanden, Dar Weter half dem M�dchen hinauf.</p><p>Die aufgest�rten M�wen segelten hin und her, die Brandung hallte in dem Andesitgestein wider. Keine Spuren von Mensch oder Tier. Nichts als nackter Fels und hartes Gestr�pp.</p><p>Die beiden Schwimmer kletterten auf den h�chstgelegenen Punkt der Insel, sahen eine Weile dem Spiel der Wellen zu und kehrten zu dem Felsvorsprung zur�ck. Die Str�ucher zwischen den Gesteinsspalten str�mten einen herben Geruch aus. Dar Weter streckte sich der L�nge nach auf dem sonnendurchgl�hten Felsen aus und starrte tr�ge ins Wasser.</p><p>Miiko kauerte sich unmittelbar am Rand des Vorsprungs nieder und versuchte in der Tiefe etwas zu erkennen. Sandb�nke oder Ger�ll gab es in der N�he des Ufers nicht. Steil ragte die Felswand aus dem Wasser. Blendend leuchtete die Sonne �ber dem Felsgrat hervor. Ihre Strahlen brachen sich an der Felswand, und der sandige Meeresgrund schimmerte schwach herauf.</p><p>�Was gibt�s da zu sehen, Miiko?�</p><p>Das M�dchen war in Gedanken versunken. Erst nach einer Weile drehte sie sich um.</p><p>�Nichts. Sie werden von unbewohnten Inseln angezogen, und mich lockt eben der Meeresgrund. Auch dort kann man, scheint mir, interessante Dinge finden und Entdeckungen machen.�</p><p>�Warum arbeiten Sie dann in der Steppe?�</p><p>�Ja, sehen Sie, f�r mich ist das Meer etwas so Herrliches, da� ich nicht fortw�hrend in seiner N�he sein kann. Man kann auch nicht ununterbrochen seine Lieblingsmelodie h�ren. Daf�r freue ich mich immer wieder �ber ein Wiedersehen mit dem Meer.�</p><p>Dar Weter nickte verst�ndnisvoll.</p><p>�Also tauchen wir?� Er zeigte auf den hellschimmernden Fleck in der Tiefe.</p><p>Miiko zog ihre von Natur aus gew�lbten Augenbraunen noch mehr in die H�he.</p><p>�K�nnen Sie das denn? Das Wasser ist hier mindestens f�nfundzwanzig Meter tief � nur erfahrene Taucher kommen da hinunter.�</p><p>�Ich werde es versuchen. Und Sie?�</p><p>Statt einer Antwort stand Miiko auf, sah sich suchend um, fand schlie�lich einen gro�en Stein, den sie zum Rand des Felsvorsprungs schleppte.</p><p>�Lassen Sie es mich erst einmal probieren, mit einem Stein. Das ist zwar gegen meine Grunds�tze, aber wie mir scheint, hat das Wasser hier keine Str�mung. Der Grund ist so klar.�</p><p>Das M�dchen hob die Arme, beugte den Rumpf und richtete sich wieder auf, wobei sich sich weit nach hinten bog. Aufmerksam verfolgte Dar Weter diese Atem�bungen, um sie sich einzupr�gen. Miiko sprach kein Wort mehr. Nach mehrmaligem Beugen und Aufrichten nahm sie den Stein und st�rzte sich in die dunkle Tiefe.</p><p>Nachdem �ber eine Minute vergangen war und das mutige M�dchen nicht wieder auftauchte, versp�rte Dar Weter bange Unruhe. Er suchte sich ebenfalls einen Stein als Ballast, meinte jedoch, einen gr��eren als Miiko zu brauchen. Gerade hatte er einen riesigen Andesitklumpen gefunden, als Miiko an der Oberfl�che erschien. Das M�dchen atmete schwer und machte einen ersch�pften Eindruck.</p><p>�Da� Da unten� ist ein� Pferd�, brachte sie m�hsam hervor.</p><p>�Was f�r ein Pferd?�</p><p>���Eine gro�e Pferdestatue� da unten, in einer richtigen Nische. Ich tauche gleich noch mal hinab.�</p><p>�Aber das schaffen Sie doch nicht, Miiko! Lassen Sie uns zur�ckschwimmen und Tauchger�te und ein Boot holen.�</p><p>�Nein! Ich will es ganz allein schaffen, und zwar jetzt gleich, ohne Ger�te. Sp�ter k�nnen wir die anderen holen.�</p><p>�Dann komme ich mit!� Dar Weter wollte seinen Stein aufheben. Miiko l�chelte.</p><p>�Nehmen Sie den kleineren dort. Und wie steht�s mit der Atmung?�</p><p>Gehorsam machte Dar Weter ein paar Atem�bungen und sprang dann mit dem Stein kopf�ber ins Meer. Das Wasser klatschte ihm ins Gesicht, drehte ihn mit dem R�cken zu Miiko, pre�te ihm die Brust zusammen und verursachte in den Ohren einen dumpfen Schmerz. Er bi� die Z�hne zusammen. Das kalte graue Halbdunkel wurde immer dichter, das Tageslicht verbla�te rasch. Die kalte, feindselige Macht der Tiefe bekam Gewalt �ber ihn, ihm schwindelte, die Augen schmerzten. Pl�tzlich legte sich Miikos feste Hand auf seine Schulter, und seine F��e ber�hrten den silbern schimmernden festen Sandboden. Als er m�hsam den Kopf in die von Miiko gewiesene Richtung drehte, wich er vor �berraschung zur�ck und lie� den Stein fallen � sofort wurde er nach oben gedr�ckt. Er wu�te nicht, wie er an die Oberfl�che gelangt war. Vor seinen Augen wogte ein roter Nebel. Krampfhaft schnappte er nach Luft.</p><p>Erst nach einer geraumen Zeit hatte er sich von dem starken Wasserdruck erholt und erinnerte sich, was er gesehen hatte. Nur ein Augenblick war es gewesen, aber wie viele Einzelheiten hatte das Auge wahrgenommen und das Gehirn sich eingepr�gt!</p><p>Die dunklen Felsen unter Wasser bildeten einen gigantischen Spitzbogen, unter dem eine riesige Pferdestatue stand. Keine einzige Alge oder Muschel haftete an der glattpolierten Oberfl�che der Statue. Der unbekannte Bildhauer hatte vor allem die Kraft des Tieres zum Ausdruck bringen wollen. Der vordere Teil des Rumpfes war stark vergr��ert, die Brust �berm��ig verbreitert und der vorgereckte Hals langgezogen. Das linke Vorderbein war angehoben, sein m�chtiger Huf drohend auf die Brust des Betrachters gerichtet. Die M�hne war durch eine gezackte Kurve angedeutet, der Kopf bohrte sich fast in den Bug, die Augen unter der gesenkten Stirn hatten etwas Unheimliches, und auch die angelegten kleinen Ohren unterstrichen den b�sartigen Ausdruck des steinernen Ungeheuers.</p><p>Nachdem Miiko nach Dar Weter gesehen hatte, der ausgestreckt auf dem flachen Felsvorsprung lag, tauchte sie nochmals. Schlie�lich war das M�dchen vom tiefen Tauchen ersch�pft und hatte sich an ihrem Fund satt gesehen. Sie setzte sich neben Dar Weter und schwieg lange, bis sie wieder normal atmen konnte.</p><p>�Ich m�chte wissen, wie alt diese Statue ist�, sagte Miiko nachdenklich.</p><p>Dar Weter zuckte mit den Achseln. Er erinnerte sich, was ihn am meisten verwundert hatte.</p><p>�Warum war an der Statue keine einzige Alge oder Muschel zu sehen?�</p><p>Ruckartig wandte sich ihm Miiko zu.</p><p>�Das ist nichts Neues. So etwas habe ich schon �fter gesehen. Die Fundst�cke waren mit einer besonderen Schutzschicht �berzogen; sie verhindert, da� Lebewesen anhaften. Danach zu urteilen, stammt diese Statue aus dem letzten Jahrhundert der �ra der Partikularistischen Welt.�</p><p>Im Meer tauchte ein Schwimmer auf. Er kam rasch n�her, richtete sich etwas aus dem Wasser auf und winkte den beiden gr��end zu. Dar Weter erkannte die breiten Schultern und die gl�nzende dunkle Haut Mwen Mass�. Bald darauf zog er sich an dem Felsvorsprung hoch, auf seinem nassen Gesicht lag ein gutm�tiges L�cheln. Er verbeugte sich knapp vor der zierlichen Miiko und begr��te Dar Weter herzlich und unbefangen.</p><p>�Ich bin mit Ren Boos auf einen Tag hergekommen, um Ihren Rat zu erbitten.�</p><p>�Mit Ren Boos?�</p><p>�Dem Physiker von der �Akademie der Grenzen des Wissens�.�</p><p>�Ich kenne ihn fl�chtig. Er arbeitet �ber die Probleme der Wechselbeziehungen zwischen Raum und Feld. Wo haben Sie ihn gelassen?�</p><p>�Am Ufer. Er schwimmt nicht so gut wie��</p><p>Ein leises Aufklatschen unterbrach Mwen Mass.</p><p>�Ich schwimme ans Ufer zur�ck, zu Weda!� rief ihnen Miiko aus dem Wasser zu.</p><p>Dar Weter sah dem M�dchen l�chelnd nach.</p><p>�Sie hat eine Entdeckung gemacht�, erkl�rte er Mwen Mass und erz�hlte ihm von dem Unterwasserfund.</p><p>Der Afrikaner h�rte ohne Interesse zu. Mit seinen langen Fingern strich er sich �bers Kinn. In seinen Augen las Dar Weter Unruhe und Hoffnung.</p><p>�Sie haben doch etwas auf dem Herzen? Also, heraus mit der Sprache!�</p><p>Nur zu gern kam Mwen Mass der Aufforderung nach. Er hatte sich am Rand des Felsvorsprungs niedergelassen und sprach von seinen qu�lenden Gedanken. Sein Zusammentreffen mit Ren Boos war nicht zuf�llig. Die Vision von der herrlichen Welt des Sterns Epsilon Tucanae hatte ihn nicht wieder losgelassen. Seit jener Nacht tr�umte er davon, dieser Welt n�her zu kommen, den unerme�lichen Raum zu �berwinden, ganz gleich wie, damit zwischen Sendung und Empfang der Botschaft, des Signals oder des Bildes nicht mehr sechshundert Jahre lagen, die f�r ein Menschenleben un�berbr�ckbar waren. Mwen Mass hatte, sich ganz darauf konzentriert, die ungel�sten Fragen und die noch unvollendeten Versuche kennenzulernen, die bereits seit einem Jahrtausend zur Erforschung des Raumes als Funktion der Materie angestellt wurden.</p><p>In der �Akademie der Grenzen des Wissens� leitete Ren Boos, ein junger Mathematiker und Physiker, gleichgerichtete Forschungen. Seine Begegnung mit Mwen Mass und ihre beginnende Freundschaft resultierten aus ihrem gemeinsamen Ziel.</p><p>Nunmehr hielt Ren Boos das Problem f�r so weit gel�st, da� ein Experiment durchgef�hrt werden k�nnte. Wie alle Experimente mit kosmischer Ausdehnung konnte auch dieses nicht im Laboratorium vorgenommen werden. Ren Boos wollte den Versuch �ber die Au�enstationen unter Verwendung der gesamten Erdenergie ausf�hren, einschlie�lich der Reservestation der Q-Energie in der Antarktis.</p><p>Dar Weter ahnte dunkel die drohende Gefahr, als er Mwen Mass� funkelnde Augen und bebende Nasenfl�gel sah.</p><p>�Sie wollen wissen, wie ich in diesem Falle handeln w�rde?� fragte er ruhig.</p><p>Mwen Mass nickte und fuhr sich mit der Zunge �ber die trockenen Lippen.</p><p>�Ich w�rde das Experiment nicht wagen�, sagte Dar Weter klar und deutlich. Die Entt�uschung, die sich f�r einen Moment auf dem Gesicht des Afrikaners widerspiegelte und einem weniger aufmerksamen Beobachter entgangen w�re, �bersah Dar Weter.</p><p>�Das habe ich erwartet!� brachte Mwen Mass m�hsam hervor.</p><p>�Warum haben Sie mich dann um Rat gefragt?�</p><p>�Ich glaubte, wir k�nnten Sie �berzeugen.�</p><p>�Na sch�n, versuchen Sie es mal! Schwimmen wir zur�ck. Unsere Freunde bereiten sicherlich schon die Tauchger�te vor, um sich das Pferd anzusehen.�</p><p>Am Ufer sang Weda, begleitet von zwei Frauenstimmen, die Dar Weter nicht kannte. Als sie die Schwimmenden sah, rief sie sie winkend herbei. Das Lied verstummte. In einer der Frauen erkannte Dar Weter Ewda Nal. Zum erstenmal sah er sie ohne den wei�en Arztkittel. Ihre hochgewachsene, geschmeidige Gestalt hob sich von den anderen beiden durch ihre noch ungebr�unte Haut ab. Augenscheinlich war die ber�hmte Nerven�rztin in letzter Zeit sehr besch�ftigt gewesen. Das in der Mitte gescheitelte blauschwarze Haar trug sie an den Schl�fen hochgesteckt. Die hervortretenden Backenknochen �ber den etwas eingefallenen Wangen unterstrichen noch den schr�gen Schnitt der schwarzen Augen. Das Gesicht erinnerte an die ber�hmte �gyptische Sphinx, die einst am Rande einer W�ste stand. Heute, ein Jahrtausend sp�ter, waren an Stelle der W�ste bl�hende Haine getreten, und die Sphinx wurde von einer Glashaube gesch�tzt, die die Spr�nge ihres von der Zeit zerfurchten Antlitzes nicht verbarg.</p><p>Dar Weter erinnerte sich, da� Ewda Nals Vorfahren Peruaner oder Chilenen waren. Er begr��te sie nach der Sitte der alten s�damerikanischen Sonnenanbeter.</p><p>�Ich sehe, Ihre Arbeit bei den Historikern war von Nutzen�, sagte Ewda. �Sie sollten Weda dankbar sein.�</p><p>Dar Weter sah sich suchend nach der vertrauten Gestalt um, und Weda nahm ihn bei der Hand und stellte ihn der unbekannten Frau vor.</p><p>�Das ist Tschara Nandi. Wir alle hier sind eigentlich zu Gast bei ihr und dem Maler Kart San, denn sie leben schon einen Monat an dieser K�ste. Ihr transportables Atelier steht am Ende der Bucht.�</p><p>Dar Weter streckte der jungen Frau, die ihn aus gro�en blauen Augen ansah, die Hand entgegen. F�r einen Augenblick stockte ihm der Atem � diese Frau hatte etwas an sich, was sie von allen anderen unterschied. Sie stand zwischen Weda Kong und Ewda Nal, aber die durchgeistigte und strenge Sch�nheit der beiden Forscherinnen verbla�te vor der ungew�hnlichen Faszination der Unbekannten.</p><p>�Ihr Name hat eine gewisse �hnlichkeit mit meinem�, sagte Dar Weter.</p><p>Die Mundwinkel der Unbekannten zuckten vor verhaltenem Spott.</p><p>�Ebenso wie Sie selbst eine gewisse �hnlichkeit mit mir haben.�</p><p>Dar Weter blickte �ber den dichten, gl�nzenden Schopf ihres schwach gekr�uselten schwarzen Haares hinweg und l�chelte Weda zu.</p><p>�Dar, Sie verstehen es nicht, den Frauen Komplimente zu machen�, sagte Weda, den Kopf leicht zur Seite geneigt.</p><p>�Ist das denn heutzutage noch n�tig, da wir uns gegenseitig nichts mehr vorzut�uschen brauchen?�</p><p>�Auch heute noch�, mischte sich Ewda Nal ein. �Und es wird immer n�tig sein.�</p><p>�Ich w�rde mich freuen, wenn man mir das erkl�rte.� Dar Weters Gesicht hatte sich ein wenig verfinstert.</p><p>�In einem Monat halte ich an der �Akademie des Leides und der Freude� meine Herbstvorlesung�, entgegnete Ewda. �Darin wird viel von der Bedeutung der unmittelbaren Emotionen die Rede sein.� Sie nickte dem herangekommenen Mwen Mass zu.</p><p>Der Afrikaner ging wie immer gemessen und lautlos. Dar Weter bemerkte, wie sich Tscharas braune Wangen mit flammender R�te �berzogen. Mwen Mass verbeugte sich gleichm�tig.</p><p>�Ich habe Ren Boos mitgebracht. Er sitzt dort auf dem Stein.�</p><p>�Gehen wir zu ihm�, schlug Weda vor. �Wir begegnen dann sicherlich auch Miiko. Sie holt die Tauchger�te. Kommen Sie mit, Tschara?�</p><p>Das M�dchen sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich warte auf den Meister. Die Sonne steht schon tief, und bald beginnt unsere Arbeit.�</p><p>�Es ist doch bestimmt nicht leicht, Modell zu stehen, nicht wahr?� erkundigte sich Weda. �Ich bewundere Sie. Ich k�nnte es nicht.�</p><p>�Das habe ich auch immer geglaubt. Aber wenn den K�nstler eine Idee gepackt hat, dann wird man von ihr mitgerissen. Man sucht selbst nach der idealen Verk�rperung seiner Vorstellungen. Jede Bewegung, jede Linie besitzt Tausende von Nuancen. Man mu� sie erhaschen wie fl�chtige T�ne.�</p><p>�Sie sind f�r den Maler einfach eine gro�artige Entdeckung, Tschara!�</p><p>�Ja, das ist sie!� unterbrach Weda eine laute Ba�stimme. �Und was meinen Sie, wie ich sie entdeckt habe! Es h�rt sich sehr unwahrscheinlich an.� Kart San, der Maler, sch�ttelte die hocherhobene Faust. Sein helles Haar flatterte im Wind, sein wettergegerbtes Gesicht war ger�tet.</p><p>�Begleiten Sie uns, wenn Sie Zeit haben, und erz�hlen Sie es�, bat Weda.</p><p>�Ich bin zwar ein schlechter Erz�hler, aber es ist an sich schon interessant. Ich besch�ftigte mich damals mit der Rekonstruktion der verschiedenen Rassentypen, die es einst, bis zur �ra der Partikularistischen Welt, gab. Nach dem Erfolg, den mein Bild �Die Tochter Gondwanas� hatte, wollte ich unbedingt den Typ einer anderen Rasse rekonstruieren. Ich wollte ein Bild malen �Die Tochter der Thetis�, des Mittelmeeres. Mich beeindruckte, da� in den Sagen des alten Griechenlands, Kretas, des Zweistromlandes, Amerikas und Polynesiens die G�tter dem Meer entstammten. Was gibt es Wunderbareres als die altgriechische Sage von Aphrodite, der G�ttin der Liebe und der Sch�nheit! Allein schon der Name: Aphrodite Anadiomene � die Schaumgeborene. Eine G�ttin, hervorgegangen aus Schaum und dem Licht der Sterne �ber n�chtlichem Meer. Welch Volk hat je etwas Poetischeres ersonnen!�</p><p>�Aus Sternenlicht und Meeresschaum�, h�rte Weda Kong Tschara fl�stern und blickte das M�dchen verstohlen an.</p><p>Das strenge, wie aus Holz geschnitzte Profil Tscharas rief die Erinnerung an l�ngst vergangene Zeiten wach. Die kleine, gerade, ein wenig abgerundete Nase, die leicht fliehende breite Stirn, das energische Kinn und vor allem der gro�e Abstand zwischen Nase und Ohren � all das waren typische Z�ge der V�lker des antiken Mittelmeergebiets.</p><p>Weda musterte sie unauff�llig von Kopf bis Fu� und fand, da� alles an ihr ein wenig �bers rechte Ma� hinausging. Die Haut war zu glatt, die Taille zu schmal, und die H�ften waren zu breit. Da sie sich betont gerade hielt, wirkte ihre straffe Brust zu �ppig. Aber vielleicht brauchte der Maler gerade diese stark ausgepr�gten Formen.</p><p>Als der Weg von einem Steinwall gekreuzt wurde, war Weda erstaunt, wie leichtf��ig Tschara Nandi von Stein zu Stein sprang.</p><p>Sie hat zweifellos indisches Blut in den Adern, schlu�folgerte Weda. Bei Gelegenheit werde ich sie danach fragen.</p><p>�Um �Die Tochter der Thetis� malen zu k�nnen�, fuhr der Maler fort, �mu�te ich das Meer kennenlernen, es ganz in mich aufnehmen, sollte doch meine Kreterin wie Aphrodite aus dem Meer steigen, und jeder sollte dieses Bild verstehen. Bevor ich �Die Tochter Gondwanas� malte, arbeitete ich drei Jahre in einem Forstbetrieb in �quatorialafrika. Nachdem das Bild fertig war, ging ich als Mechaniker auf ein Postgleitboot und fuhr zwei Jahre lang auf dem Atlantischen Ozean die Post aus � wissen Sie, f�r all die Fischfang-, Eiwei�- und Salzfabriken, die dort auf gigantischen Metallfl��en herumschwimmen.</p><p>Eines Abends befand ich mich mit meinem Boot im mittleren Atlantik, westlich der Azoren, wo zwei Str�mungen aufeinandertreffen. Dort herrscht stets starker Wellengang. Bald wurde das Boot hoch emporgehoben, den tiefh�ngenden Wolken entgegen, bald scho� es ungest�m in ein Wellental. Die Luftschraube heulte. Ich stand neben dem Steuermann auf der hohen Br�cke. Und pl�tzlich � ich werde es nie vergessen. Stellen Sie sich vor, da w�lzt sich uns eine Welle entgegen, h�her als alle anderen. Auf dem Kamm dieser riesigen Welle, dicht unter den niedrigen, zusammengeballten, perlmuttfarbenen Wolken, steht ein junges M�dchen, bronzefarben ihre Haut. Lautlos n�hert sich die Welle. Das M�dchen scheint zu fliegen, sie wirkt unvorstellbar stolz in ihrer Einsamkeit inmitten des Ozeans. Unser Gleitboot wird emporgerissen und schie�t an dem M�dchen vorbei, das uns freundlich zuwinkt. Da sah ich, da� sie auf einem Brett stand, wissen Sie, auf so einer Tafel mit Elektromotor und Akku, die man mit den F��en steuert.�</p><p>�Ich weiߓ, warf Dar Weter ein, �wie man sie zum Wellenreiten benutzt.�</p><p>�Am meisten beeindruckte mich, da� sie mutterseelenallein war inmitten der Wolken, der unerme�lichen Weite des Ozeans und in dem Licht des sp�ten Tages. Dieses M�dchen war��</p><p>�Tschara Nandi!� fiel ihm Ewda Nal ins Wort. �Soviel ist klar, aber woher kam sie?�</p><p>�Keineswegs aus Schaum und Sternenlicht!� Tschara brach in ein unerwartet helles Lachen aus. �Lediglich von dem Flo� einer Eiwei�fabrik. Wir lagen damals in unmittelbarer N�he des Sargassomeeres, wo wir Chlorellaalgen z�chteten. Ich arbeitete dort als Biologin.�</p><p>�Mag sein�, r�umte Kart San ein. �Aber von dem Augenblick an waren Sie f�r mich eine Tochter des Mittelmeers, die Schaumgeborene, die ich als Modell f�r mein k�nftiges Bild gewinnen mu�te. Ich wartete ein ganzes Jahr.�</p><p>�Kann man es sich mal ansehen?� fragte Weda Kong.</p><p>�Bitte sehr. Aber nur nicht, w�hrend ich male. Am besten abends. Ich arbeite sehr langsam und vertrage es nicht, wenn mir jemand dabei zusieht.�</p><p>�Malen Sie mit �lfarben?�</p><p>�Unsere Arbeitsweise hat sich im Laufe der Jahrtausende kaum ver�ndert. Die optischen Gesetze und das Auge des Menschen sind dieselben geblieben. Versch�rft hat sich die Wahrnehmung einiger Schattierungen, neue chromkatoptrische Farben mit Reflexen innerhalb der Farbschicht und verschiedene Methoden der Farbenharmonisierung wurden erfunden. Aber im gro�en und ganzen hat der Maler im grauen Altertum genauso gearbeitet wie ich heute. Und in gewisser Beziehung noch besser. Glaube und Ausdauer � wir sind zu ungeduldig geworden und nicht mehr von unserer Rechtlichkeit �berzeugt. Doch der Kunst tut Naivit�t manchmal ganz gut. Aber ich schweife schon wieder ab! F�r mich, f�r uns wird�s Zeit. Gehen wir, Tschara.�</p><p>Alle blieben stehen und blickten dem Maler und seinem Modell nach.</p><p>�Jetzt wei� ich genau, wer er ist�, sagte Weda. �Ich habe �Die Tochter Gondwanas� gesehen.�</p><p>�Ich auch�, sagten Ewda Nal und Mwen Mass wie aus einem Munde.</p><p>�Gondwana � ist damit das Land der Gonds in Indien gemeint?� fragte Dar Weter.</p><p>�Nein. Es ist eine Sammelbezeichnung f�r die L�nder der s�dlichen Halbkugel. insbesondere f�r das Land der fr�heren schwarzen Rasse.�</p><p>�Und wie sieht die Tochter der Schwarzen aus?�</p><p>�Das Bild ist sehr schlicht. Vor einem Steppenplateau am Rande eines tropischen Waldes steht im grellen Sonnenlicht ein schwarzh�utiges junges M�dchen. Die eine H�lfte ihres Gesichts und ihres plastischen, wie aus Metall gegossenen K�rpers liegt in glei�endem Licht, die andere im Halbschatten. Um den schlanken Hals tr�gt sie eine Kette aus wei�en Raubtierz�hnen, das Haar ist �ber dem Scheitel zusammengebunden und von einem Kranz feuerroter Bl�ten bedeckt. Mit der rechten Hand schiebt sie den Zweig eines Baums vor ihrem Gesicht beiseite, mit der linken einen Dornenzweig vor ihren Knien. In der gespannten Haltung ihres K�rpers und dem kraftvollen Schwung ihrer H�nde liegt etwas von der Unbek�mmertheit der Jugend, die sich eins f�hlt mit der sich ewig ver�ndernden Natur. Dieses Einssein ist gleichbedeutend mit Wissen, mit intuitivem Erfassen der Welt. In den dunklen Augen, die �ber das bl�uliche Gras hinweg in die Ferne, auf die kaum erkennbaren Konturen der Berge blicken, ist deutlich Unruhe zu lesen, die Erwartung der gro�en Pr�fungen in der neuen, eben erst erschlossenen Welt.�</p><p>Ewda Nal verstummte.</p><p>�Aber wie konnte Kart San diesen Ausdruck erreichen?� fragte Weda Kong. �Vielleicht durch die zusammengezogenen schmalen Augenbrauen, den ein wenig vorgeneigten Hals und den unbedeckten Nacken. Ganz erstaunlich sind die Augen, erf�llt von der dunklen Weisheit der uralten Natur. Und das Merkw�rdigste ist die Harmonie zwischen der unbek�mmerten grazi�sen Kraft und dem beunruhigenden Wissen.�</p><p>�Schade, da� ich es nicht gesehen habe!� sagte Dar Weter. �Ich mu� wirklich einmal in den Palast der Geschichte gehen. Die Farben des Bildes sehe ich deutlich vor mir, aber die Haltung des M�dchens kann ich mir nicht vorstellen.�</p><p>�Die Haltung?� Ewda Nal blieb stehen. �Hier haben Sie die �Tochter Gondwanas�.� Sie nahm das Handtuch von den Schultern, hob den angewinkelten rechten Arm hoch und beugte sich, Dar Weter halb zugewandt, ein wenig zur�ck. Eines ihrer langen Beine stellte sie einen Schritt vor und blieb bewegungslos stehen.</p><p>Alle schauten sie voller Bewunderung an.</p><p>�Das habe ich Ihnen gar nicht zugetraut, Ewda!� rief Dar Weter aus. �Sie sind ja gef�hrlich wie ein halb gez�ckter Dolch!�</p><p>�Schon wieder ein mi�gl�cktes Kompliment, Dar!� sagte Weda lachend. �Warum nur �halb� und nicht �ganz�?�</p><p>�Er hat v�llig recht�, meinte l�chelnd Ewda Nal, die wieder sie selbst war. �Eben doch nicht ganz. Unsere neue Bekannte, die bezaubernde Tschara Nandi, gleicht einem gez�ckten, blitzenden Dolch, um mit den poetischen Worten Dar Weters zu sprechen.�</p><p>�Ich kann nicht glauben, da� Ihnen jemand vergleichbar ist�, ert�nte hinter einem Felsen eine etwas heisere Stimme.</p><p>Ewda Nal entdeckte als erste das kurzgeschnittene rotblonde Haar und die bla�blauen Augen, die mit einem solchen Entz�cken auf sie blickten, wie sie es noch bei keinem anderen wahrgenommen hatte.</p><p>�Ich bin Ren Boos�, sagte der Rotblonde verlegen und trat hinter dem gro�en Felsen hervor. Er war von kleiner, zierlicher Statur.</p><p>�Wir haben Sie gesucht.� Weda nahm den Physiker bei der Hand. �Hier, das ist Dar Weter.�</p><p>Ren Boos err�tete, wodurch seine Sommersprossen sichtbar wurden, die sein Gesicht und sogar seinen Hals �ber und �ber bedeckten.</p><p>�Ich habe mich da oben zu lange aufgehalten.� Ren Boos zeigte auf einen steinigen Abhang. �Bei dem alten Grabh�gel.�</p><p>�Ein ber�hmter Dichter aus uralter Zeit liegt da begraben�, erkl�rte Weda.</p><p>�Ich fand eine Inschrift. Hier ist sie.� Der Physiker zog eine Metallfolie hervor, fuhr mit einem kleinen Lineal dar�ber, und auf der matten Oberfl�che traten vier Reihen blauer, Zeichen hervor.</p><p>�Oh, europ�ische Buchstaben! Diese Schriftzeichen waren vor Einf�hrung des linearen Weltalphabets in Gebrauch. Sie wirken plump und sind aus den noch �lteren Piktogrammen entstanden. Ich kann diese Sprache.�</p><p>�Bitte, Weda, lesen Sie es uns vor!�</p><p>�Einen Augenblick Ruhe!� forderte sie, und alle lie�en sich gehorsam auf den Felsen nieder.</p><p>Dann las Weda vor.</p><poem><stanza><v>�Im Raume verl�schen, versinken in Zeiten</v><v>Gedanken, Taten, Tr�ume und Schiffe.</v><v>Ich aber trage wandernd in Weiten</v><v>der Erde sch�nste Lockung mit sicherem Griffe.�</v></stanza></poem><p>�Das ist gro�artig!� Ewda Nal richtete, sich kniend auf. �Ein Dichter von heute k�nnte die Gr��e der Zeit nicht treffender besingen. Ich m�chte wissen, welche Lockung der Welt er f�r die sch�nste hielt und mit auf die Reise nahm.�</p><p>In der Ferne tauchte ein Boot aus durchsichtigem Kunststoff auf, in dem zwei Personen sa�en.</p><p>�Das ist Miiko mit Scherlis, einem der hiesigen Mechaniker. Ach nein�, berichtigte sich Weda, �das ist ja Frit Don, der Expeditionschef selbst! Bis heute abend sind Sie drei sich selbst �berlassen. Ewda nehme ich mit.�</p><p>Die beiden Frauen liefen in die langsam heranrollenden Wellen und schwammen auf die Insel zu. Das Boot nahm Kurs auf sie, doch Weda bedeutete ihm durch Zeichen, vorauszufahren. Ren Boos stand regungslos am Ufer und starrte den Schwimmerinnen nach.</p><p>�Wachen Sie auf, Ren! Ans Werk!� rief ihm Mwen Mass zu. Der Physiker l�chelte verlegen, sich gleichsam entschuldigend.</p><empty-line/><p>Die feste Sandfl�che am Meeresufer verwandelte sich in ein wissenschaftliches Auditorium. Ren Boos, mit einer Muschelschale bewaffnet, zeichnete und schrieb fieberhaft, warf sich in der Aufregung auf den Boden, um das Geschriebene mit dem K�rper wieder auszul�schen, und begann eine neue Zeichnung. Mit abgerissenen Rufen stimmte Mwen Mass dem Physiker zu oder ermunterte ihn. Die Ellbogen auf die Knie gest�tzt, h�rte Dar Weter zu, wobei er sich hin und wieder den Schwei� von der Stirn wischte, der ihm vor Anstrengung, das Zwiegespr�ch zu verstehen, ausbrach. Schlie�lich hielt der Physiker inne und setzte sich, schwer atmend, in den Sand.</p><p>�Ja, Ren Boos�, begann Dar Weter nach l�ngerem Schweigen. �Sie haben eine hervorragende Entdeckung gemacht!�</p><p>�Etwa ich allein? Vor langer, langer Zeit entdeckte der Physiker Heisenberg die Unsch�rferelation, wonach es unm�glich ist, bei Elementarteilchen die Werte f�r Impuls und Ort gleichzeitig zu bestimmen. In Wirklichkeit ist das Unm�gliche m�glich, mit dem Kennen der wechselseitigen �berg�nge durch die Repagularrechnung. Etwa zur gleichen Zeit, da man das feststellte, wurden auch die Mesonenringwolke des Atomkerns und der �bergangszustand zwischen dem Nukleon und diesem Ring entdeckt, das hei�t, man war der Antigravitation schon dicht auf der Spur.�</p><p>�Mag sein. Ich bin kein Kenner der bipolaren Mathematik, noch dazu auf solch einem Gebiet wie der Untersuchung der �bergangshindernisse. Aber das, was Sie in den Schattenfunktionen geschaffen haben, ist etwas prinzipiell Neues, auch wenn wir gew�hnlichen Menschen ohne mathematisches Spezialwissen es noch schlecht begreifen. Die Bedeutung der Entdeckung jedoch vermag ich zu erfassen. Eins nur�� Dar Weter geriet ins Stocken.</p><p>�Und das w�re?� fragte Mwen Mass aufmerksam.</p><p>�Wie soll das in ein Experiment umgesetzt werden? Mir scheint, wir verf�gen �ber keine M�glichkeit, ein elektromagnetisches Feld solcher Spannung zu erzeugen��</p><p>�Um das Gravitationsfeld auszugleichen und einen �bergangszustand zu erreichen?� fragte Ren Boos.</p><p>�Ebendas. Denn dann bleibt der Raum au�erhalb unseres Systems wie bisher auch au�erhalb unseres Einflusses.�</p><p>�Richtig. Doch wie immer in der Dialektik, mu� man den Ausweg im Entgegengesetzten suchen. Wenn man den Antigravitationsschatten nicht skalar, sondern vektoriell erh�lt��</p><p>�Oho! Aber wie?�</p><p>Ren Boos zeichnete schnell drei gerade Linien, einen schmalen Sektor und schnitt alles mit einem Teil eines Bogens von gro�em Radius.</p><p>�Das war schon vor der bipolaren Mathematik bekannt. Vor einigen Jahrhunderten nannte man dies das Problem der vier Dimensionen. Damals waren noch die Vorstellungen �ber die Mehrdimensionalit�t des Raumes verbreitet � man kannte nicht die Schatteneigenschaften der Gravitation, man versuchte zu den elektromagnetischen Feldern Analogien herzustellen und dachte, da� singul�re Punkte entweder das Verschwinden der Materie oder ihre Verwandlung in etwas Unerkl�rliches bedeuten. Aber wie sollte man sich auch den Raum bei einer derartigen Kenntnis von der Natur der Erscheinungen vorstellen?�</p><p>�Dennoch kamen unsere Vorfahren auf die richtigen Gedanken. Sehen Sie, sie begriffen, da�, wenn die Entfernung, sagen wir vom Stern A bis zum Erdmittelpunkt � die Linie OA � zwanzig Quintillionen Kilometer betr�gt, die Entfernung zum selben Stern auf dem Vektor OB gleich Null ist. Genaugenommen nicht gleich Null, sondern ann�hernd Null. Ferner sagten sie, die Zeit werde gleich Null, wenn die Bewegungsgeschwindigkeit die Lichtgeschwindigkeit erreiche. Aber auch die Kochlearrechnung ist noch gar nicht so lange bekannt.�</p><p>�Die Spiralbewegung kannte man bereits vor tausend Jahren�, warf Mwen Mass vorsichtig ein.</p><p>Ren Boos winkte geringsch�tzig ab. �Die Bewegung, aber nicht ihre Gesetze! Also, wenn das Gravitationsfeld und das elektromagnetische Feld zwei Seiten ein und derselben Eigenschaft der Materie sind, wenn der Raum eine Funktion der Gravitation ist, dann ist die Funktion des elektromagnetischen Feldes der Antiraum, und der �bergang zwischen beiden ergibt die vektorielle Schattenfunktion des Nullraumes, der umgangssprachlich Lichtgeschwindigkeit genannt wird. Und ich halte es f�r m�glich, den Nullraum in jeder Richtung zu erzeugen� Mwen Mass m�chte zum Epsilon Tucanae; mir ist das gleich, wenn nur der Versuch durchgef�hrt wird. Wenn nur der Versuch unternommen wird!� wiederholte der Physiker und schlo� abgespannt die Augen.</p><p>�F�r den Versuch brauchen Sie nicht allein die Au�enstationen und die Erdenergie, sondern auch eine Anlage. Die wird wohl kaum so einfach und schnell zu beschaffen sein.�</p><p>�In der Beziehung haben wir Gl�ck. Man kann die Kor-Yull-Anlage in unmittelbarer N�he des tibetanischen Observatoriums verwenden. Dort wurden vor hundertsiebzig Jahren die Versuche zur Untersuchung des Raumes durchgef�hrt. Nur ein geringf�giger Umbau ist notwendig. Freiwillige Helfer daf�r kann ich jederzeit f�nf-, zehn- und auch zwanzigtausend bekommen. Ich brauche sie nur zu bestellen.�</p><p>�Sie haben wirklich an alles gedacht. Doch eins bleibt noch, das Wichtigste: die Gef�hrlichkeit des Versuchs. Es k�nnten sich unerwartete Resultate ergeben. Ein Probeversuch vorher aber ist unm�glich. Man mu� sofort in einer au�erirdischen Ausdehnung experimentieren.�</p><p>�Welcher Wissenschaftler schreckt vor dem Risiko zur�ck?� Ren Boos zuckte mit den Schultern.</p><p>�Ich meine nicht das pers�nliche Risiko. Ich wei�, da� sich Tausende zur Verf�gung stellen, wenn es das unbekannte gef�hrliche Unternehmen fordert. Doch in den Versuch werden die Au�enstationen des Observatoriums eingeschaltet � all die Apparaturen, die der Menschheit gigantische Arbeit gekostet haben. Apparaturen, die das Geheimnis des Kosmos entr�tselt, die der Menschheit Zugang zu anderen besiedelten Welten vermittelt haben. Das ist wohl die gr��te menschliche Errungenschaft, und haben Sie, ich, irgendeine Gruppe von Menschen das Recht, sie aufs Spiel zu setzen, und sei es auch nur zeitweilig?�</p><p>�Ich habe es�, Mwen Mass stand auf, �und es ist begr�ndet. Sie waren bei den Ausgrabungen. Waren die Milliarden unbekannter Gebeine in unbekannten Gr�bern nicht Mahnung f�r Sie? Ich sehe vor mir Milliarden Menschen, deren Jugend, Sch�nheit und Lebensfreude im Nu zerronnen war wie Sand zwischen den Fingern. Sie fordern, das gro�e R�tsel �Zeit� zu l�sen, den Kampf aufzunehmen. Ein Sieg �ber den Raum ist auch ein Sieg �ber die Zeit � deshalb bin ich von der Richtigkeit und der Bedeutung des geplanten Experiments �berzeugt!�</p><p>�Mich bewegt etwas anderes�, begann Ren Boos. �Eigentlich nur eine andere Seite ein und derselben Sache. Wie fr�her ist der Raum im Kosmos unbezwingbar. Er trennt die Welten, trennt uns von Planeten, die, weil sie bev�lkert, uns nahestehen, mit denen wir uns aber noch nicht zu einer gro�en Familie vereinen k�nnen. Das w�re die gr��te Umw�lzung nach der �ra der Wiedervereinigten Welt. Damals hat die Menschheit der Erde mit dem unsinnigen Separatismus ihrer V�lker endlich Schlu� gemacht, und sie haben sich vereinigt; sie hat eine h�here Stufe der Macht �ber die Natur erreicht. Seitdem ist jeder Schritt auf diesem neuen Weg wichtiger als alles andere, als alle Untersuchungen und Erkenntnisse.�</p><p>Kaum war Ren Boos verstummt, da begann Mwen Mass wieder zu sprechen.</p><p>�Da ist noch etwas anderes, ein pers�nliches Erlebnis. In jungen Jahren ist mir einmal ein historischer Roman in die H�nde gefallen. Von Ihren Vorfahren war darin die Rede, Dar Weter, von einem m�chtigen Eroberer, der in ein fremdes Land einfiel. Der Roman erz�hlte von einem k�hnen J�ngling, der ein junges M�dchen �ber alle Ma�en liebte. Das M�dchen geriet in Gefangenschaft und wurde fortgeschleppt. Niemand wu�te wohin. Der junge Held machte sich auf die Suche nach seinem Traum und wanderte jahrelang auf gef�hrlichen Wegen und halsbrecherischen Bergpfaden durch ganz Asien. Die Empfindungen des J�nglings sind schwer wiederzugeben, aber ich glaube, auch ich k�nnte heute trotz aller Hindernisse des Kosmos meinem gro�en Ziel zustreben.�</p><p>Dar Weter l�chelte matt.</p><p>�Ich verstehe Ihre Gef�hle, aber ich sehe keinen logischen Zusammenhang zwischen dem russischen Roman und Ihren kosmischen Pl�nen. Da sind mir Ren Boos� Gedankeng�nge verst�ndlicher. Doch wie Sie schon sagten, es handelt sich ja um ein rein pers�nliches Erlebnis.�</p><p>Dar Weter verstummte. Er schwieg so lange, da� Mwen Mass unruhig wurde.</p><p>�Jetzt verstehe ich auch�, fuhr Dar Weter endlich fort, �warum die Menschen fr�her bei Unsicherheit, Sorgen und Einsamkeit zu Nikotin, Alkohol und anderen Narkotika griffen. Sie wollten sich aufmuntern. Auch ich bin unsicher geworden.�� Was soll ich Ihnen sagen? Wer bin ich schon, da� ich Ihnen diesen gro�artigen Versuch verbieten oder erlauben k�nnte? Sie m�ssen sich an den Rat wenden, dann��</p><p>�Nein, so nicht.� Mwen Mass stand vor Dar Weter, sein h�nenhafter K�rper zitterte vor Anspannung. �Antworten Sie uns: W�rden Sie dieses Experiment durchf�hren? Als Leiter der Au�enstation!�</p><p>�Nein!� antwortete Dar Weter fest. �Ich w�rde noch warten.�</p><p>�Worauf?�</p><p>�Bis eine Versuchsanlage auf dem Mond gebaut ist.�</p><p>�Und die Energie?�</p><p>�Das Gravitationsfeld des Mondes ist kleiner. Man k�nnte mit einigen Q-Stationen auskommen.�</p><p>�Ein Jahrhundert w�rde dabei vergehen, und ich w�rde den Versuch niemals erleben.�</p><p>�Sie nicht. Doch f�r die Menschheit ist es nicht so wichtig, ob jetzt oder eine Generation sp�ter!�</p><p>�Aber f�r mich w�re es das Ende! Das Ende meines Traumes. Und f�r Ren��</p><p>�Ich h�tte keine M�glichkeit, durch einen Versuch alles zu �berpr�fen, folglich k�nnte ich auch nicht die Arbeit korrigieren und fortsetzen!�</p><p>�Ich sagte Ihnen schon: Wenden Sie sich an den Rat!�</p><p>�Der Rat hat bereits entschieden � durch Ihre �berlegungen und Worte. Wir haben von ihm nichts anderes zu erwarten�, erwiderte Mwen Mass leise.</p><p>�Sie haben recht. Der Rat wird auch ablehnen.�</p><p>�Ich will Sie nicht weiter fragen. Ich f�hle mich schuldig: Ren Boos und ich haben Ihnen die schwere B�rde einer Entscheidung auferlegt.�</p><p>�Da ich die gr��ere Erfahrung habe, ist es meine Pflicht, zu helfen. Es ist nicht unsere Schuld, wenn sich das Problem als zu kompliziert erwiesen hat.�</p><p>Ren Boos schlug als erster vor, in die provisorische Siedlung der Expedition zur�ckzukehren. Niedergeschlagen stapften die drei durch den Sand; jeder empfand auf seine Weise, wie bitter es war, auf das grandiose Experiment verzichten zu m�ssen.</p></section><section><title><p>Die Legende von der blauen Sonne</p></title><p>Aus der Krankenkabine kamen die �rztin Luma Laswi und der Biologe Eon Tal. Erg Noor st�rzte auf sie zu.</p><p>�Was ist mit Nisa?�</p><p>�Sie lebt, aber��</p><p>�Wird sie sterben?�</p><p>�Vorl�ufig nicht. Ihr ganzer K�rper ist gel�hmt. Alle R�ckenmarkst�mme, das parasympathische System, die Assoziations- und die Sinneszentren sind in Mitleidenschaft gezogen. Die Atmung ist au�erordentlich verlangsamt. Das Herz arbeitet, in hundert Sekunden ein Pulsschlag. Ein v�lliger Kollaps, der unbestimmte Zeit dauern kann.�</p><p>�Bewu�tsein und Schmerzempfindung sind ausgeschaltet?�</p><p>�Ja.�</p><p>Erg Noor blickte fragend zum Biologen. Der nickte best�tigend.</p><p>�Was gedenken Sie zu tun?�</p><p>�In gleichbleibender Temperatur und absoluter Ruhe halten. Falls der Kollaps sich nicht ausdehnt, mu� � einerlei wie � der Schlafzustand bis zur Erde aufrechterhalten werden. Dort k�nnte das �Institut f�r Nervenstr�me� Rettung bringen. Die Verletzung wurde durch eine Art Strom hervorgerufen; der Skaphander war an drei Stellen durchschlagen. Nur gut, da� sie kaum geatmet hat!�</p><p>�Ich habe die L�cher bemerkt und mit meinem Pflaster zugeklebt�, sagte der Biologe.</p><p>Erg Noor dr�ckte ihm dankbar den Arm.</p><p>�Allerdings w�re es wegen der �berm��igen Schwerkraft besser�, sagte Luma, �so schnell wie m�glich von hier wegzukommen. Dabei wird nicht sosehr die Startbeschleunigung als vielmehr der �bergang zur normalen Schwerkraft gef�hrlich sein.�</p><p>�Ich verstehe: Sie bef�rchten, da� sich der Puls noch mehr verlangsamt. Aber er ist doch kein Pendel, der seine Bewegungen in einem st�rkeren Gravitationsfeld beschleunigt!�</p><p>�Die Impulse des Organismus haben den gleichen gesetzm��igen Rhythmus. Wenn der Herzschlag sich um die H�lfte verlangsamt � also ein Schlag in zweihundert Sekunden �, dann wird das Gehirn nicht mehr gen�gend mit Blut versorgt und��</p><p>Erg Noor war v�llig in Gedanken versunken und verga� die Umstehenden. Seine Mitarbeiter warteten geduldig. Endlich schien er sich wieder besonnen zu haben, er seufzte tief.</p><p>�Sollte man nicht den Organismus einem erh�hten Druck in einer mit Sauerstoff angereicherten Atmosph�re aussetzen?� fragte er zaghaft und erkannt sogleich im L�cheln seiner beiden Mitarbeiter, da� sein Gedanke richtig war.</p><p>�Eine ausgezeichnete Idee, das Blut bei gro�em partiellem Druck mit Sauerstoff zu s�ttigen! Nat�rlich werden wir alles tun, um eine Thrombose zu verhindern; dann macht es auch nichts aus, wenn sich der Herzschlag verlangsamt.�</p><p>Eon Tal l�chelte, und sein strenges Gesicht wirkte auf einmal jung und �berm�tig.</p><p>�Zwar wird das Bewu�tsein nicht zur�ckkehren, aber die Funktionen des Organismus bleiben erhalten�, meinte Luma erleichtert. �Wollen wir jetzt die Druckkammer vorbereiten? Ich m�chte die gro�e Silikollglocke benutzen, die wir f�r die Sirda mitgenommen haben! Dort hinein stellen wir einen hydraulischen Sessel, der w�hrend des Starts als Lager dient. Nach der Aufhebung der Beschleunigung legen wir Nisa auf ein Bett.�</p><p>�Benachrichtigen Sie mich, sobald Sie alles hergerichtet haben. Ich bin in der Zentrale zu finden. Wir werden hier keinen Augenblick l�nger als n�tig bleiben, wohl alle haben genug von der Finsternis und Bedr�ckung dieser schwarzen Welt!�</p><p>Die Expeditionsmitglieder eilten in die verschiedenen Kabinen. Startsignale hallten durch die R�ume. Noch nie hatten sich die Raumfahrer so erleichtert gef�hlt wie jetzt, da sie in die weichen hydraulischen Sessel sanken. Der Start des Schiffes auf solch einem schweren Planeten war schwierig und gef�hrlich. Die riesige Beschleunigung lag an der Grenze der menschlichen Widerstandsf�higkeit, und der geringste Fehler des Piloten konnte allen zum Verh�ngnis werden.</p><p>Erg Noor steuerte das Sternschiff meisterhaft auf der Tangente in den Raum hinaus.</p><p>Die hydraulischen Sessel wurden unter der zunehmenden Schwere immer tiefer hinabgedr�ckt. Bald w�rden sie nicht mehr nachgeben k�nnen, und die zerbrechlichen menschlichen Knochen m��ten unter dem unvorstellbaren Druck der Beschleunigung zersplittern. Die H�nde des Expeditionsleiters auf den Ger�tekn�pfen wurden so schwer, da� er sie nicht mehr von der Stelle zu r�hren vermochte. Nur die kr�ftigen Finger arbeiteten, und die �Tantra� stieg in einem gigantischen flachen Bogen immer h�her in die schwarze Unendlichkeit. Erg Noor schaute unverwandt auf die rote S�ule des Horizontalausgleichers, die in labilem Gleichgewicht pendelte und anzeigte, da� das Schiff jederzeit wieder fallen konnte. Der schwere Planet entlie� die �Tantra� noch immer nicht aus seiner Gefangenschaft. Erg Noor beschlo�, die Anamesontriebwerke einzuschalten, die das Sternschiff von jedem beliebigen Planeten fortzutragen imstande waren. Das Schiff begann heftig zu vibrieren. Die rote S�ule stieg um einen Zehntel Millimeter �ber den Nullstrich. Noch ein wenig�</p><p>Durch das Periskop des oberen Sehfeldes sah der Expeditionsleiter, wie die �Tantra� von einer d�nnen Schicht bl�ulicher Flammen bedeckt war, die zum Schiffsheck hin langsam abflo�. Die Atmosph�re war durchsto�en! In der Leere des Raumes flossen die restlichen Str�me nach dem Gesetz der Supraleitf�higkeit gerade am Schiffsk�rper entlang.</p><p>Wieder schienen die Sterne Nadeln gleich, die �Tantra� entfernte sich immer weiter von dem schrecklichen Planeten. Mit jeder Sekunde verringerte sich die Schwerkraft. Immer leichter wurde der K�rper. Das Ger�t f�r k�nstliche Gravitation begann zu summen, und die normale irdische Anziehungskraft kam der Besatzung nach dem anhaltenden Druck des schwarzen Planeten unbeschreiblich gering vor. Alle sprangen aus den Sesseln. Ingrid, Luma und Eon vollf�hrten einen Freundentanz. Doch bald trat die unvermeidliche Reaktion ein, und fast alle versanken in einen kurzen Schlaf. Nur Erg Noor, Pel Lin, Pur Hiss und Luma Laswi blieben wach. Der vorl�ufige Kurs des Sternschiffs mu�te berechnet werden, damit man auf einer gigantischen Kurve senkrecht zur Rotationsebene des gesamten Systems des T-Sterns dem Eis- und Meteoriteng�rtel dieses Systems ausweichen konnte. Erst dann durfte das Schiff auf ann�hernde Lichtgeschwindigkeit gebracht werden, erst dann konnte man beginnen, in langwieriger Arbeit den endg�ltigen Kurs zu bestimmen.</p><p>Die �rztin beobachtete Nisas Zustand beim Start und nach dem �bergang zur normalen Schwerkraft. Bald konnte sie alle mit der Mitteilung beruhigen, da� die Pulsschl�ge zwar langsamer geworden, aber konstant geblieben waren � ein Schlag in hundertzehn Sekunden. Bei Erh�hung der Sauerstoffzufuhr bedeutete das keinesfalls den Tod. Luma schlug vor, Thyratron und organische Stimulatoren zu Hilfe zu nehmen.</p><p>F�nfundf�nfzig Stunden lang vibrierten die Schiffsw�nde unter dem Donnern der Anamesontriebwerke, bis die Zeiger endlich eine Geschwindigkeit von neunhundertsiebzig Millionen Kilometern in der Stunde anzeigten, das war nahe an der Gefahrengrenze. Der Abstand vom Eisenstern vergr��erte sich innerhalb von vierundzwanzig Erdenstunden auf mehr als zwanzig Milliarden Kilometer. Es l��t sich mit Worten kaum beschreiben, wie erleichtert die dreizehn Weltraumfahrer nach den schweren Pr�fungen auf dem toten Planeten waren. Doch ihre Freude �ber die Befreiung war getr�bt; das vierzehnte Besatzungsmitglied, die junge Nisa Krit, lag hinter der T�r der Krankenkabine bewegungslos zwischen Schlaf und Tod.</p><p>Alle f�nf Frauen � Ingrid, Luma, die Elektroneningenieurin, die Geologin und die Lehrerin f�r rhythmische Gymnastik, Irne Mar, hatten sich bei der Kranken versammelt. �ber eine Luftmatratze breiteten sie einen Teppich aus weichen Mittelmeerschw�mmen, legten Nisa darauf und st�lpten die Glocke aus rosa Silikoll �ber sie. Exakte Ger�te konnten jahrelang die erforderliche Temperatur, den Druck und die Zusammensetzung der Luft in der Druckkammer konstant halten. Weiche Schaumgummikissen hielten Nisa in einer Lage, die die �rztin nur einmal im Monat �nderte. Allerdings konnte die absolute Bewegungslosigkeit abgestorbene oder wund gelegene Stellen zur Folge haben. Deshalb wollte die �rztin Nisa nicht ohne Aufsicht lassen und lehnte es ab, sich die ersten ein bis zwei Jahre der bevorstehenden Flugzeit in Schlaf versenken zu lassen.</p><p>Der kataleptische Zustand Nisas hielt an. Das einzige, was die �rztin zu erreichen vermochte, war die Beschleunigung des Pulses auf einen Schlag in sechzig Sekunden. Wie gering auch der Erfolg war, er machte es m�glich, die f�r die Lunge auf die Dauer sch�dliche �bers�ttigung mit Sauerstoff aufzuheben.</p><p>Vier Monate waren vergangen. Das Sternschiff flog sicher auf dem exakt errechneten Kurs, der in gro�em Bogen um das Gebiet der Meteoritenschw�rme herumf�hrte. Die von den Abenteuern und der kr�ftezehrenden Arbeit erm�dete Besatzung wurde in einen siebenmonatigen Schlaf versenkt. Den Dienst versahen diesmal nicht drei, sondern vier Personen. Zu Erg Noor und Pur Hiss hatten sich noch die �rztin Luma Laswi und der Biologe Eon Tal gesellt.</p><p>Der Leiter der Expedition, der aus der �u�erst schwierigen Lage als Sieger hervorgegangen war, f�hlte sich einsam. Die ersten vier Jahre der Reise zur Erde erschienen ihm endlos. Er gab sich keiner Selbstt�uschung hin: nur auf der Erde konnte er Rettung f�r Nisa erhoffen.</p><p>Lange hatte er aufgeschoben, was er am Tag nach dem Start h�tte tun sollen � die Durchsicht der Elektronen-Stereofilme von der �Parus�. Doch gemeinsam mit Nisa hatte er die erste Nachricht von einer fremden Welt empfangen wollen, von dem Planeten des blauen Sterns am n�rdlichen Himmel der Erde. Sie hatte teilnehmen sollen an der Entdeckung neuer Sternenwelten, der k�nftigen fernen Inseln der Menschheit.</p><p>Die Filme, die vor achtzig Jahren in acht Parsek Entfernung von der Sonne aufgenommen worden waren und im offenen Schiff auf dem Eisenstern gelegen hatten, waren ausgezeichnet erhalten. Der hemisph�rische Stereobildschirm trug die vier Zuschauer von der �Tantra� dorthin, wo hoch �ber ihnen die blaue Wega leuchtete.</p><p>Schnell wechselten die kurzen Szenen � der blendendblaue Himmelsk�rper glitt vor�ber, dann folgten einige Aufnahmen �ber das Leben an Bord des Sternschiffes. An der Rechenmaschine arbeitete ger�uschlos der achtundzwanzigj�hrige Expeditionsleiter, noch j�ngere Astronomen f�hrten die Beobachtungen durch. Aufnahmen vom obligatorischen t�glichen Sport und Tanz schlossen sich an, die Besatzungsmitglieder hatten es bis zu akrobatischer Meisterschaft darin gebracht.</p><p>Es mutete seltsam an, diese klaren, durchaus realen Bilder, die nichts von ihren Farben eingeb��t hatten, auf dem Hemisph�renbildschirm zu sehen. Man verga�, da� diese fr�hlichen, energischen jungen Astronauten schon vor langer Zeit von den schrecklichen Ungeheuern des Eisensterns verschlungen worden waren.</p><p>Die kurze Chronik des Lebens an Bord war schnell vor�bergezogen. Nun lenkte nichts mehr von der Wega und ihren Planeten ab. Der blaue Stern strahlte so hell, da� selbst die blasse Reflexion auf dem Bildschirm die Menschen zwang, Schutzbrillen aufzusetzen. Die Wega, in ihrem Durchmesser und ihrer Masse fast dreimal so gro� wie die Sonne, rotierte mit einer �quatorialgeschwindigkeit von dreihundert Kilometern in der Sekunde � eine Kugel au�erordentlich hellgl�henden Gases mit einer Oberfl�chentemperatur von elftausend Grad. In dem glei�enden Licht verbarg sich der dem blauen Stern n�chstgelegene Planet. Doch dorthin, in diesen Feuerozean, vermochte kein Schiff der Erde oder ihrer Nachbarn vom Gro�en Ring vorzusto�en.</p><p>Die Aufnahmen wurden von einem Bericht �ber Beobachtungen abgel�st, und auf dem Bildschirm waren fast gespensterhafte Linien stereometrischer Zeichnungen zu sehen, die die Stellung des ersten und zweiten Planeten der Wega kenntlich machten. Die �Parus� hatte sich nicht einmal dem zweiten Planeten, der hundert Millionen Kilometer von der Wega entfernt lag, n�hern k�nnen.</p><p>Aus den Tiefen des violetten Flammenozeans schossen gewaltige Protuberanzen hervor, reckten ihre allesverbrennenden Arme in den Raum. Die Strahlungsenergie der Wega war so gro�, da� sie st�rkste Quanten aussandte � Licht des ultravioletten, unsichtbaren Spektralteils. Dadurch entstand das seltsame Empfinden von etwas Gespenstischem, von einem nahezu unsichtbaren, aber t�dlichen Phantom. Ringsum tobten Photonenwirbel, die die Anziehungskraft des Sternes �berwunden hatten. Ihr ferner Nachhall lie� die �Parus� gef�hrlich schwanken. Die Z�hler f�r kosmische und andere Arten harter Strahlungen versagten. Selbst im Innern des zuverl�ssig gesch�tzten Schiffes verst�rkte sich die gef�hrliche Ionisierung, sie lie� die Kraft der ungeb�ndigten Strahlenenergie ahnen, die als gewaltiger Strom in den Raum entwich.</p><p>Der Leiter der �Parus� steuerte das Sternschiff vorsichtig zu einem dritten gro�en Planeten, der aber nur von einer d�nnen Atmosph�re umgeben war. Offensichtlich blies der Feuerodem des blauen Sterns die H�lle leichter Gase auf die Schattenseite des Planeten, wo sie einen langen, schwach leuchtenden Schweif bildeten. Fluord�mpfe, Kohlenoxid: t�dliche Gase � in einer solchen Atmosph�re konnte nichts Irdisches auch nur eine Sekunde existieren.</p><p>Auf der Oberfl�che des Planeten ragten scharfe Zacken, K�mme und zerkl�ftete Steinw�nde empor, bald rot wie frische Wunden, bald schwarz wie die Nacht. Auf den Hochebenen aus vulkanischer Lava, wo mit unheimlicher Gewalt Wirbelwinde tobten, sah man Spalten und Schluchten, die gl�hendes Magma ausspien.</p><p>Dichte Aschewolken stiegen hoch, blendend blau auf der beleuchteten Seite, undurchdringlich schwarz auf der Schattenseite. Blitze von Tausenden Kilometer L�nge zuckten nach allen Richtungen und zeugten von der S�ttigung der toten Atmosph�re mit elektrischer Energie.</p><p>Mit teilnahmsloser Exaktheit hatten die Stereoteleskope diese Bilder aufgefangen und die Elektronenfilme sie festgehalten. Doch bei all dem sp�rte man die �berlegenheit der Weltraumfahrer, den Protest der Vernunft gegen die sinnlose Zerst�rung, die Erkenntnis, welche Feindseligkeit in dieser Welt tobenden kosmischen Feuers zusammengeballt ist. Die vier Zuschauer, noch ganz benommen von dem faszinierenden Schauspiel, wechselten zustimmende Blicke, als eine Stimme mitteilte, die �Parus� steuere den vierten Planeten an.</p><p>Wenige Augenblicke danach r�ckte der letzte, �u�erste Planet der Wega, der ungef�hr die Ausma�e der Erde hatte, ins Blickfeld des Bodenteleskops. Die �Parus� ging immer tiefer. Offensichtlich wollten die Weltreisenden diesen Planeten erforschen, der die letzte Hoffnung bot f�r die Entdeckung einer wenn auch nicht sch�nen, so doch wenigstens f�r das Leben geeigneten Welt.</p><p>Wenigstens � in diesen drei Silben lag der Abschied von dem wunderverhei�enden Stern, von einem alten Traum, um dessentwillen die Menschen der Erde freiwillig f�nfundzwanzig Jahre Abgeschlossenheit im Sternschiff auf sich genommen hatten.</p><p>Aber Erg Noor, v�llig von dem Bild gefesselt, dachte nicht sogleich daran. Der Hemisph�renbildschirm trug ihn jetzt �ber die Oberfl�che des Planeten. Zum Leid der Weltraumfahrer � der toten und der lebenden � stellte sich heraus, da� der Planet dem schon seit langem bekannten Nachbarn im Sonnensystem, dem Mars, �hnlich war. Die gleiche d�nne Gash�lle mit dem stets wolkenlosen dunkelgr�nen Himmel, die gleiche ebene Fl�che �der Kontinente, bedeckt von verwitterten Gebirgsreliefs. Auf dem Mars herrschte schneidende K�lte, die Tagestemperaturen waren einem schroffen Wechsel unterworfen; fast ausgetrocknete S�mpfe bedeckten seine Oberfl�che, selten fiel sp�rlicher Regen oder Schnee, in den absterbenden Pflanzen war kaum noch Leben, und eigenartige tr�ge Tiere fristeten in der Bodenrinde ihr Dasein.</p><p>Das feuergleiche Licht des blauen Sterns dagegen erhitzte den Planeten derart, da� er die Glut sengender W�sten ausstrahlte. Wasserd�mpfe stiegen hin und wieder in die oberen Schichten der Lufth�lle, und die weiten Ebenen wurden von warmen Wirbelwinden verdunkelt, die ununterbrochen die Atmosph�re in Wallung brachten. Der Planet rotierte schnell, wie auch die anderen. Durch die n�chtliche Abk�hlung war das Felsgestein in Sand zerfallen. Orangefarbene, violette, gr�nliche, bl�uliche oder blendendwei�e Sandfl�chen bedeckten den Planeten. Aus der Ferne hielt man sie f�r Meere oder Dickichte phantastischer Pflanzen. Verwitterte Gebirgsketten, h�her als die des Mars, aber ebenfalls tot, waren von einer gl�nzenden schwarzen oder br�unlichen Schicht �berzogen. Die t�dliche blaue Sonne mit ihrer starken ultravioletten Strahlung zerst�rte die Minerale.</p><p>Erg Noor entsann sich, da� in fr�heren Zeiten, als die Zahl der Wissenschaftler noch gering war, Schriftsteller und K�nstler glaubten, auf anderen Planeten lebten Menschen, die sich den h�heren Temperaturen angepa�t hatten. Das hatte den Glauben an die Allmacht der menschlichen Natur gest�rkt. Einen starken Eindruck auf viele, und auch auf Erg Noor, hatte ein Gem�lde im Museum der s�dlichen Wohnzone gemacht: eine Ebene flammendroten Sandes, die am Horizont verschwamm, ein leuchtender grauer Himmel und darunter Menschen in Hitzeskaphandern, die scharfe schwarzblaue Schatten warfen. Sie verharrten bewundernd vor einer Metallkonstruktion, die fast bis zur Wei�glut erhitzt war. Daneben stand eine Frau mit gel�stem rotem Haar. Ihre helle Haut strahlte in dem blendenden Licht, und lilar�tliche Schatten betonten jede Linie der hohen, schlanken Figur. Ein k�hner Traum, der jedoch allen Gesetzen der biologischen Entwicklung widersprach, die heute, in der Epoche des Gro�en Rings, schon gr�ndlicher erforscht waren.</p><p>Erg Noor zuckte zusammen, als ihm auf dem Bildschirm die Oberfl�che des Planeten entgegenst�rzte. Der unbekannte Pilot lie� die �Parus� tiefer gehen. Ganz nahe glitten Sandkegel, schwarze Felsen und im Licht der Wega gr�n funkelnde Kristallfelder vor�ber. Das Sternschiff zog seine Spiralen um den Planeten von einem Pol zum anderen. Keinerlei Anzeichen von Wasser oder von pflanzlichem Leben.</p><p>Ein banges Gef�hl der Einsamkeit und Verlorenheit des Sternschiffes in den �den Weiten, im Machtbereich des blauen Flammensterns stellte sich ein. Erg Noor konnte die Hoffnung derjenigen nachempfinden, die den Film aufgenommen und den Planeten nach Spuren von Leben abgesucht hatten. Jeder, der einmal zu toten Planeten geflogen war, kannte dieses angespannte Suchen nach Ruinen, nach �berresten von St�dten und Bauwerken, die man immer wieder in Felseinschnitten oder Schluchten zu entdecken glaubt. Schnell jagt die verbrannte, von Wirbelst�rmen aufgew�hlte, schattenlose Oberfl�che �ber den Bildschirm.</p><p>�Unsere Mitmenschen auf der Erde werden entt�uscht sein�, sagte der Biologe zum Expeditionsleiter. �Viele Jahrtausende blicken Millionen Menschen voll Hoffnung zur Wega. Bereits vor tausend Jahren wu�ten die Menschen verh�ltnism��ig viel �ber die Sterne. Doch sie ahnten nicht, da� fast jeder langsam rotierende Stern mit starkem Magnetfeld Planeten hat, wie auch fast jeder Planet in unserem Sternensystem Trabanten hat. Sie kannten dieses Gesetz nicht, aber sie tr�umten von Br�dern auf anderen Sternen, vor allem auf der Wega. Ich habe verschiedene alte Gedichte �ber die Menschen dieses blauen Sterns gelesen.�</p><p>�Nach dem letzten Funkspruch der �Parus� war auch mein Traum die Wega�, sagte Erg Noor, zu Eon Tal gewandt. �Jetzt ist klar, da� eine Wunschvorstellung mir und vielen anderen den Blick vernebelt hat.�</p><p>�Und wie entschl�sseln Sie heute den Funkspruch der �Parus�?�</p><p>�Ganz einfach: �Die vier Planeten der Wega sind v�llig tot. Es gibt nichts Herrlicheres als unsere Erde. Welch ein Gl�ck zur�ckzukehren!��</p><p>�Sie haben recht!� rief der Biologe. �Wieso kam bisher keiner darauf?�</p><p>�Vielleicht ist es jemand eingefallen, nur uns nicht, den Astronauten, und auch nicht dem Rat. Doch eigentlich gereicht uns das zur Ehre, denn k�hne Tr�ume und nicht Skepsis siegen im Leben!�</p><p>Auf dem Bildschirm war der Flug um den Planeten beendet. Aufzeichnungen der automatischen Station schlossen sich an, die zur Analyse der Oberfl�chenverh�ltnisse des Planeten hinuntergeschickt worden war. Dann erfolgte eine heftige Explosion. Die �Parus� hatte eine geologische Bombe abgesetzt, und eine riesige Wolke von Mineralteilchen stieg hinauf bis zum Sternschiff. Pumpen heulten auf, sie sogen Staubteilchen in die Filter der Ansaugkan�le. Einige Proben feinsten Mineralpulvers aus den W�sten und Bergen den verbrannten Planeten f�llten die Silikoll-Reagenzgl�schen, Luft der oberen atmosph�rischen Schichten wurde in Quarzballons aufbewahrt. Die �Parus� trat den R�ckflug an, den sie jedoch nie vollenden sollte. Nun brachten die Forscher der �Tantra� alles, was die toten Astronauten mit gro�er M�he, Geduld und Tapferkeit erringen konnten, zur Erde.</p><p>Die restlichen Aufzeichnungen � sechs Spulen Beobachtungen � w�rden von den besten Astronomen der Erde ausgewertet werden. Das Wichtigste davon w�rde allen �ber den Gro�en Ring zug�nglich gemacht werden.</p><p>Keiner wollte sich die Filme �ber das weitere Schicksal der �Parus�, �ber den schweren Kampf gegen die Havarie und den T-Stern, ansehen, keiner sich die tragische letzte Tonspule anh�ren � jene wertvolle Warnung. Zu stark waren noch die eigenen Erlebnisse. Man wollte damit warten, bis die gesamte Besatzung wach war. Von den Eindr�cken �berw�ltigt, begaben sich die Diensthabenden zur Ruhe, nur Erg Noor blieb in der Zentrale.</p><p>Er dachte nicht mehr daran, da� seine Tr�ume zerst�rt waren. Er �berlegte, was nun an auch noch so geringem Wissen f�r die Menschheit auf Kosten zweier opfervoller Expeditionen gewonnen worden war.</p><p>Erg Noor dachte an seine heimatliche Erde, an seine Mitmenschen, deren Leben frei war von schweren Sorgen, von den Gefahren der Natur oder der Primitivgesellschaft. Nat�rlich gab es auch jetzt noch in der Epoche des Rings Mi�erfolge, Irrt�mer und Entt�uschungen, doch jetzt entstanden sie in den sch�pferischen Prozessen der Wissenschaft, der Kunst und des Aufbaus. Allein das Wissen und die sch�pferische Arbeit befreiten die Erde von den Unbilden des Hungers, der �berv�lkerung, von Seuchen und sch�dlichen Tieren, bewahrte sie vor Mangel an Brennstoff, an n�tzlichen chemischen Elementen, vor fr�hzeitigem Tod und Siechtum der Menschen. Und dieses Wissen, jene winzigen Erkenntnisse, die die �Tantra� mitbrachte, werden in die m�chtige Bewegung des Denkens eingehen, die mit jedem Jahrzehnt einen Schritt nach vorn beim Aufbau der Gesellschaft und bei der Erkenntnis der Natur machte.</p><p>Erg Noor �ffnete den kleinen Safe f�r das Bordjournal der �Tantra� und nahm die Schachtel heraus, in der das Metallst�ck vom Tellerschiff auf dem schwarzen Planeten lag. Der Splitter wog ungew�hnlich schwer in seiner Hand.</p><p>Erg Noor wu�te, da� es solch ein Metall weder auf dem heimatlichen Planeten und den Nachbarplaneten im Sonnensystem noch auf den n�chstgelegenen Sternen gab. Au�er der Nachricht vom Untergang des Lebens auf der Sirda war das vielleicht die wichtigste Information, die sie der Erde und dem Ring bringen w�rden. Der Eisenstern war der Erde sehr nah, ein Besuch des schwarzen Planeten durch eine speziell ausger�stete Expedition w�rde jetzt nach den Erfahrungen der �Parus� und der �Tantra� nicht mehr so gef�hrlich sein, ganz gleich, welche schwarzen Kreuze und Medusen in dieser ewigen Finsternis auch existierten. Sie hatten an einer ungeeigneten Stelle das Tellerschiff zu �ffnen versucht. H�tten sie Zeit gehabt, das Vorhaben gut zu durchdenken, w�ren sie vielleicht schon an Ort und Stelle darauf gekommen, da� die Riesenspirale zum Antriebssystem des fremden Sternschiffes geh�rte.</p><p>Wieder tauchten in der Erinnerung des Expeditionsleiters die Ereignisse des letzten unheilvollen Tages auf, wieder sah er in Gedanken Nisa vor sich, wie sie sich sch�tzend �ber ihn warf, als er hilflos vor dem Ungeheuer lag. Seit kurzem erst war in ihr jenes Gef�hl erwacht, das in sich den heroischen Opferwillen der Frauen des Altertums mit der Aufgeschlossenheit und dem besonnenen Mut der modernen Zeit vereinte.</p><p>Lautlos erschien Pur Hiss hinter dem Leiter, um ihn abzul�sen. Erg Noor ging aber nicht zu den Schlafr�umen, sondern �ffnete die schwere T�r zur Krankenkabine.</p><p>Das diffuse k�nstliche Tageslicht spiegelte sich in den Silikollschr�nken mit Arzneien und Instrumenten, in dem Metall des R�ntgenapparats und der Ger�te f�r k�nstliche Blutzirkulation und Atmung. Vorsichtig schob der Expeditionsleiter den bis zur Decke reichenden dichten Vorhang beiseite und trat in das Halbdunkel. Das matte Licht bekam durch das rosa Kristall des Silikolls einen warmen Ton. Zwei Stimulatoren, die f�r den Fall eines pl�tzlichen Kollapses eingeschaltet waren, klickten hin und wieder ganz leise; sie erhielten k�nstlich das gel�hmte Herz am Schlagen. Nisa lag regungslos unter der Glocke und schien in einen ruhigen, gl�cklichen Schlaf versunken zu sein. Die gesunde, reine Lebensf�hrung der Menschen viele Generationen hindurch hatte den weiblichen K�rper � die herrlichste Sch�pfung des reichen Erdenlebens � zu h�chster �sthetischer Vollkommenheit gebracht. Die Menschen wu�ten l�ngst, da� ihr Schicksal vom Wasserreichtum ihres Planeten abhing. Das Wasser hatte eine �ppige Vegetation beg�nstigt, und die Pflanzenwelt wiederum hatte gro�e Vorr�te an freiem Sauerstoff erzeugt. Das tierische Leben hatte sich mehr und mehr ausgebreitet und sich im Laufe von hundert Millionen Jahren immer h�her entwickelt, bis zum denkenden Wesen, dem Menschen. Die historische Erfahrung bei der Entwicklung des Lebens auf Planeten zahlloser Welten lehrte, da� die Menschen in ihrem �u�eren um so vollkommener wurden, da� sie sich den Umweltbedingungen und den Erfordernissen des Lebens um so besser anpa�ten, je komplizierter und langwieriger der Weg der blinden Evolution und Auslese war.</p><p>Alles Bestehende bewegt und entwickelt sich spiralf�rmig. Erg Noor stellte sich diese gewaltige Spirale des allgemeinen Aufstiegs, angewandt auf das Leben und die menschliche Gesellschaft, bildhaft vor. Zum erstenmal wurde ihm deutlich: Je schwieriger die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Organismen als biologische Maschinen sind und je komplizierter der Entwicklungsweg der Gesellschaft ist, um so straffer ist diese Spirale gewunden, um so enger liegen ihre einzelnen �Windungen� beieinander, folglich verl�uft dieser Proze� um so langsamer und genormter, die entstehenden Formen sind einander um so �hnlicher.</p><p>Er hatte sich geirrt bei seiner Jagd nach den Planeten der blauen Sonne, hatte Nisa nicht richtig unterwiesen. Zweck eines Fluges zu neuen Welten durfte nicht die Suche nach irgendwelchen unbesiedelten, sich willk�rlich formenden Planeten sein, sondern das wohl�berlegte, schrittweise Vorr�cken der Menschheit �ber den ganzen Spiralarm der Milchstra�e, ein Siegeszug des Wissens.</p><p>Von pl�tzlicher Sehnsucht �berw�ltigt, lie� sich Erg Noor vor der Silikollglocke auf die Knie nieder. Der Atem des M�dchens war nicht wahrzunehmen; die Wimpern warfen unter den geschlossenen Lidern violette Schatten. Auf der linken Schulter, am Ellenbogen und am Halsansatz schimmerten bla�blaue Flecke � das waren die Stellen, wo sie der Strom getroffen hatte.</p><p>Angesichts der regungslosen Gestalt pre�te sich Erg Noor das Herz zusammen; sein Atem stockte, seine Kehle war wie zugeschn�rt.</p><p>Die �rztin Luma Laswi betrat leise die Krankenkabine. Als sie vorsichtig den Vorhang zur�ckschlug, sah sie den knienden Erg Noor. Nicht zum erstenmal traf sie ihn hier, und sie empfand tiefes Mitleid mit ihm. Als er sich erhob, trat Luma schnell auf ihn zu und sagte fl�sternd: �Ich mu� mit Ihnen sprechen.�</p><p>Erg Noor nickte und folgte ihr in den vorderen Teil der Krankenkabine. Luma bot ihm einen Stuhl an, aber er blieb stehen und lehnte sich an den R�ntgenapparat. Die kleine Luma Laswi reckte sich vor ihm in die H�he, um f�r das bevorstehende Gespr�ch gr��er und imposanter zu wirken. Der Blick des Expeditionsleiters lie� ihr keine Zeit, sich die Worte zurechtzulegen.</p><p>�Sie wissen�, begann sie unsicher, �da� die moderne Neurologie den Entstehungsproze� der Emotion in der bewu�ten und der unterbewu�ten Sph�re der Psyche gr�ndlich erforscht hat. Das Unterbewu�tsein l��t sich durch hemmende Medikamente beeinflussen, und zwar �ber die Zentren des Gehirns, die den Organismus, darunter auch das Nervensystem und speziell die h�here Nervent�tigkeit, chemisch regulieren.�</p><p>Erg Noor zog die Augenbrauen hoch. Luma Laswi sp�rte, da� sie zu ausf�hrlich und langatmig sprach.</p><p>�Ich will damit sagen, da� die Medizin jene Gehirnzentren zu beeinflussen vermag, die die starken Gef�hls�u�erungen lenken. Ich k�nnte��</p><p>In Erg Noors Augen trat ein Ausdruck des Verstehens, er l�chelte fl�chtig.</p><p>�Sie wollen auf meine Liebe einwirken�, fragte er schnell, �um mich dadurch von meinem Leiden zu befreien?�</p><p>Die �rztin blickte zu Boden.</p><p>Erg Noor sch�ttelte den Kopf. �Ich gebe meine Gef�hle nicht her, wie sehr ich auch darunter leiden mag. Leid f�hrt, wenn es nicht �ber die Kr�fte geht, zum Verstehen, Verstehen zur Liebe � so schlie�t sich der Kreis. Ihre Besorgnis, Luma, ist v�llig unn�tig.� Er reichte ihr dankbar die Hand und verlie� eilig die Kabine.</p><empty-line/><p>Zum erstenmal nach dreizehn Jahren stellten die beiden Elektroneningenieure in der Steuerzentrale und in der Bibliothek wieder die Bildschirme f�r Erdensendungen auf. Das Sternschiff hatte die Zone erreicht, wo die Wellen der Erde � wenn auch mit St�rungen � empfangen werden konnten. Die Stimmen, T�ne, Formen und Farben des Heimatplaneten gaben den Weltraumreisenden neuen Mut und l�sten gleichzeitig Ungeduld aus. Die ausgedehnte Reise im Kosmos wurde immer unertr�glicher.</p><p>Das Sternschiff rief den k�nstlichen Satelliten 57 auf der �blichen Welle f�r kosmische Fernfl�ge und wartete st�ndlich auf Antwort von dieser starken Sendestation der Erde f�r den Kosmos.</p><p>Endlich erreichte das Rufzeichen des Sternschiffes die Erde.</p><p>Alle Mitglieder der Besatzung blieben wie gefesselt an den Empfangsger�ten. Nach dreizehn irdischen beziehungsweise neun abh�ngigen Jahren der Trennung von der Heimat lauschten die Menschen begierig den Nachrichten der Erde und nahmen teil an den Diskussionen neuer wichtiger Fragen, die wie �blich �ber das Weltnetz f�r alle Interessenten ausgestrahlt wurden.</p><p>So gab der zuf�llig aufgefangene Vorschlag von Heb Ur Anla� zu einer sechsw�chigen Diskussion und zu komplizierten Berechnungen.</p><p>�Beratet den Vorschlag Heb Urs!� ert�nte die Stimme von der Erde. �Jeder, der sich schon einmal damit besch�ftigt oder auf diesem Gebiet gearbeitet hat, jeder, der den Vorschlag bejaht oder ihn ablehnt, m�ge sich �u�ern!�</p><p>Die Weltraumfahrer beteiligten sich nur zu gern an dieser ihnen so vertrauten Form der Diskussion. Heb Ur hatte im Rat f�r Astronautik den Vorschlag eingebracht, die erreichbaren Planeten blauer und gr�ner Sterne systematisch zu untersuchen. Seiner Meinung nach waren das Welten mit gewaltiger energetischer Ausstrahlung, die bestimmte mineralische Zusammensetzungen chemisch zum Leben bringen k�nnten. In den hohen Temperaturen und in der gewaltigen Ausstrahlung der Sterne der h�chsten Spektralklassen m��ten aus Mineralien, die schwerer waren als Gase, besondere Formen des Lebens entstehen. Heb Ur hielt es f�r einen Mi�erfolg, da� die Sirius-Expedition auf dem Stern keinerlei Spuren von Leben entdeckt hatte, obwohl es sich bei ihm um einen schnell rotierenden Doppelstern ohne starkes Magnetfeld handelte. Niemand bestritt, da� Doppelsterne ebenfalls Planetensysteme bilden k�nnen. Trotzdem stie� Heb Urs Vorschlag bei der Besatzung der �Tantra� auf lebhaften Widerspruch. Erg Noor und seine Mitarbeiter stellten einen Bericht �ber die Wega zusammen, die sie als erste von allen Menschen auf den Filmstreifen gesehen hatten.</p><p>Und die Menschen der Erde lauschten begeistert der Stimme vom Sternschiff.</p><p>�Die �Tantra� spricht sich gegen die Entsendung einer Expedition aus. Die blauen Sterne strahlen tats�chlich eine so starke Energie auf ihre Planeten aus, da� Leben aus schwereren Verbindungen undenkbar w�re. Jeder lebende Organismus ist ein Filter und ein Damm von Energie, der dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik oder der Entropie dadurch entgegenwirkt, da� er Strukturen schafft und die einfachen Mineral- und Gasmolek�le weitgehend kompliziert. Das kann nur in einem au�erordentlich langwierigen historischen Proze� geschehen, erfordert also auch konstante physikalische Bedingungen. Und gerade die best�ndigen Bedingungen fehlen auf den Planeten der hei�en Sterne, und kompliziertere Verbindungen werden in den St��en und Wirbeln der m�chtigen Strahlungen schnell wieder zerst�rt. Dort gibt es nichts lange Bestehendes und kann es auch nicht geben, ungeachtet dessen, da� die Stoffe dort die stabilste Kristallstruktur mit kubischen Translationsgittern annehmen.</p><p>Nach Meinung der �Tantra� wiederholt Heb Ur die einseitigen �berlegungen der Astronomen des Altertums, die die Entwicklungsdynamik der Planeten nicht kannten. Jeder Planet verliert seine leichten Elemente, sie werden in den Raum hinausgetragen und zerfallen. Unter der starken Erhitzung und dem Strahlendruck der blauen Sonne ist der Verlust an leichten Elementen besonders hoch.�</p><p>Die �Tantra� f�hrte viele Beispiele an und schlo� mit der Feststellung, da� die Bedingungen auf den Planeten der blauen Sterne keine Form von Leben zulassen.</p><p>Der Satellit 57 leitete die Einw�nde der Tantra-Expedition direkt an das Observatorium des Rates weiter.</p><p>Endlich war der Augenblick gekommen, den alle Expeditionsmitglieder mit so viel Ungeduld erwartet hatten. Die �Tantra� begann die Fast-Lichtgeschwindigkeit des Fluges zu bremsen, als die den Eisg�rtel des Sonnensystems passierte; sie n�herte sich der Sternschiffstation auf dem Triton, einem Trabanten des Neptuns. Da sie mit einer Geschwindigkeit von neunhundert Millionen Kilometern in der Stunde flog, w�rde sie von hier aus die Erde in weniger als f�nf Stunden erreichen.</p><p>Um jedoch den Verbrauch des wertvollen Anamesons einzuschr�nken, verkehrten innerhalb des Sonnensystems Ionen- und Photonen-Planetenschiffe. Ihre Geschwindigkeit lag bei achthunderttausend Kilometern in der Stunde f�r die inneren Planeten und bei zweieinhalb Millionen f�r die �u�eren. So dauerte der Weg vom Neptun zur Erde zweieinhalb bis drei Monate.</p><p>Der Triton ist ein Trabant gro�en Ausma�es, der dicht hinter dem dritten und dem vierten Satelliten des Jupiters � Ganymed und Kallisto � und dem Planeten Merkur rangiert. Deshalb besitzt er eine d�nne Atmosph�re, die sich haupts�chlich aus Stickstoff und Kohlens�ure zusammensetzt.</p><p>Erg Noor setzte das Schiff auf dem angewiesenen Platz zur Landung auf, am Pol des Satelliten, ein wenig entfernt von den breiten Kuppeln des Stationsgeb�udes. Am Rande einer Hochebene funkelten die Fenster des Quarant�ne-Sanatoriums. Hier mu�ten die Weltraumfahrer f�nf Wochen in Quarant�ne leben. Erfahrene �rzte untersuchten die Heimgekehrten sorgf�ltig, ob sich auch ja keine infekti�sen Bakterien in ihre K�rper eingenistet hatten. Die Gefahr war zu gro�, als da� man leichtfertig daran vor�bergehen konnte. Das galt f�r alle Menschen, die auf anderen Planeten gelandet waren, auch auf unbesiedelten, und war v�llig unabh�ngig davon, wie lange ihr Aufenthalt im Sternschiff gedauert hatte. Auch das Schiff wurde von den Wissenschaftlern des Sanatoriums untersucht, bevor die Station die Flugerlaubnis zur Erde erteilte.</p><p>Die Isolierung im Sanatorium war viel leichter zu ertragen als die Abgeschlossenheit im Sternschiff. Laboratorien standen zur Verf�gung, es gab Konzerts�le, kombinierte B�der mit Elektrizit�t, Musik, Wasser und Wellenschwingungen, t�gliche Spazierg�nge in leichten Skaphandern zu den Bergen und in der Umgebung des Sanatoriums. Aber vor allem hatte man eine schnelle Verbindung zum Heimatplaneten, zwar nicht st�ndig, doch war es tr�stlich, zu wissen, da� eine Mitteilungzur Erde nur f�nf Stunden brauchte.</p><p>Die Silikolldruckkammer Nisas wurde mit allen Vorsichtsma�nahmen ins Sanatorium �bergef�hrt.</p><p>Erg Noor und der Biologe Eon Tal verlie�en die �Tantra� als letzte. Sie bewegten sich vorsichtig, um nicht unversehens wegen der geringen Schwerkraft auf dem Satelliten ins Springen zu geraten.</p><p>Die starken Scheinwerfer, die die Landebahn von allen Seiten beleuchtet hatten, erloschen. Der Triton erreichte die von der Sonne beleuchtete Seite des Neptuns, der nur dreihundertf�nfzigtausend Kilometer von ihm entfernt ist. Wie tr�be und grau das vom Neptun reflektierte Sonnenlicht auch war, es durchbrach die Finsternis und bewirkte auf dem Satelliten eine helle D�mmerung, �hnlich der Fr�hjahrsd�mmerung in den hohen Breitengraden der Erde.</p><p>Fast gleichzeitig erblickten Erg Noor und Eon Tal ein kleines Schiff, das weit entfernt am Rande eines Plateaus stand. Es war keines von den Sternschiffen mit der stark vergr��erten hinteren H�lfte und den hohen Stabilisationsflossen. Dem spitz zulaufenden Bug und dem schmalen Rumpf nach zu urteilen, mu�te es ein Planetenschiff sein. Es unterschied sich jedoch von den �blichen Konturen dieser Schiffe durch einen dicken Ring am Heck und einen langen spindelf�rmigen Aufbau.</p><p>�Noch ein Schiff in der Quarant�ne?� meinte Eon. �Hat etwa der Rat seine Gewohnheit ge�ndert?�</p><p>�Sollte er eine neue Sternenexpedition vor R�ckkehr der alten entsandt haben?� �berlegte Erg Noor. �Wir haben zwar unsere Termine eingehalten, aber die Nachricht, die wir von der Sirda senden sollten, hat sich um zwei Jahre versp�tet.�</p><p>�Vielleicht ist es eine Expedition zum Neptun?� mutma�te der Biologe. Sie legten schnell den zwei Kilometer langen Weg bis zum Sanatorium zur�ck und stiegen dann die breite Terrasse hinauf, die nach S�den ging. Am schwarzen Himmel leuchtete heller als alle Sterne die winzige Scheibe der Sonne. Die 170 Grad Frost waren durch die heizbaren Skaphander nicht st�rker zu sp�ren als die normalen K�ltegrade eines irdischen Polarwinters. Gro�e Flocken Ammoniak- oder Kohlens�ureschnees fielen in der windstillen Atmosph�re auf sie nieder.</p><p>Wie hypnotisiert starrten Erg Noor und Eon Tal auf den Schnee. Wie einst f�r ihre in den gem��igten Breiten lebenden Vorfahren der erste Schnee stets das Ende der Landarbeit bedeutete, k�ndigte dieser ungew�hnliche Schnee auch f�r sie ein Ende an � das Ende ihrer Reise und ihrer Strapazen.</p><p>Einer instinktiven Regung folgend, reichte Eon Tal dem Expeditionsleiter die Hand.</p><p>�Unsere Abenteuer sind zu Ende, und Ihnen haben wir es zu verdanken, da� wir unversehrt geblieben sind.�</p><p>Erg Noor wehrte schroff ab.</p><p>�Sind etwa alle unversehrt? Und wem habe ich es zu verdanken?�</p><p>Unbeirrt fuhr Eon Tal fort: �Ich bin �berzeugt, Nisa wird gerettet werden! Die hiesigen �rzte wollen die Kur unverz�glich beginnen. Sie haben schon bei Grim Schar, dem Leiter des Forschungsinstituts f�r allgemeine L�hmungserscheinungen, Instruktionen eingeholt.�</p><p>�Wei� man wenigstens, was es ist?�</p><p>�Vorl�ufig noch nicht. Nisa wurde durch eine Art Strom verletzt, der die Reaktionsf�higkeit der Ganglien des vegetativen Nervensystems ver�ndert. Wenn man dahinterkommt, wie man die lang anhaltende Wirkung aufheben kann, ist das M�dchen geheilt. Haben wir nicht auch den komplizierten Mechanismus der chronischen Paralysen entdeckt, die so viele Jahrhunderte lang als unheilbar galten. Hier ist es etwas �hnliches, lediglich durch einen �u�eren Erreger hervorgerufen. Wenn man Versuche mit den gefangenen Scheusalen durchf�hren wird, ganz gleich, ob sie leben oder nicht, dann� werde ich auch meine Hand wieder gebrauchen k�nnen!�</p><p>Besch�mt runzelte der Expeditionsleiter die Stirn. �ber seinem Kummer hatte er vergessen, wieviel der Biologe f�r ihn getan hatte. Er ergriff Eon Tals Hand, und beide bekr�ftigten ihre gegenseitige Sympathie durch einen m�nnlichen H�ndedruck.</p><p>�Sie glauben, da� die m�rderischen Organe bei den schwarzen Medusen und bei diesem� kreuzf�rmigen Untier von der gleichen Art sind?� fragte Erg Noor.</p><p>�Ich zweifle nicht daran. Ein Beispiel daf�r ist meine Hand. In der Anh�ufung und Umwandlung elektrischer Energie kam die Umweltangleichung der schwarzen Wesen zum Ausdruck. Sie sind die reinsten Raubtiere, aber wer ihre Opfer sind, wissen wir vorl�ufig noch nicht.�</p><p>�Erinnern Sie sich, was mit uns allen geschah, als Nisa��</p><p>�Das ist etwas anderes. Ich habe lange dar�ber nachgedacht. Mit dem Erscheinen des kreuzf�rmigen Untiers wurden Ultraschallwellen von unglaublicher St�rke ausgesandt, die unser Bewu�tsein ausschalteten. In dieser schwarzen Welt sind auch die T�ne �schwarz�, unh�rbar. Die Wirkung des Ultraschalls auf das Bewu�tsein kommt der einer Hypnose gleich. Das h�tte uns fast das Leben gekostet, wenn nicht Nisa��</p><p>Der Expeditionsleiter schaute zur fernen Sonne, der schon immer die Hoffnung des Menschen galt, auch als er noch in der pr�historischen Periode inmitten der schonungslosen Natur dahinvegetierte. Die Sonne verk�rperte auch jetzt noch die helle Kraft der Vernunft, die die Finsternis und die Alptr�ume der Nacht verjagt. Und auch bei Erg Noor entz�ndete das Gestirn einen Funken freudiger Hoffnung.</p><p>Der Stationsleiter des Triton besuchte Erg Noor im Sanatorium. Sein Erscheinen in den Quarant�ner�umen bedeutete das Ende der Isolierung. Nach der Unterredung erkl�rte Erg Noor seinen Gef�hrten: �Wir fliegen noch heute ab. Man hat mich gebeten, sechs Personen von dem Planetenschiff �Amat� mitzunehmen, das zur Erschlie�ung neuer Erzvorkommen auf dem Pluto vorerst hierbleibt. Wir nehmen die Expedition und ihr Material vom Pluto mit. Diese sechs haben ein gew�hnliches Planetenschiff umgebaut und eine unwahrscheinlich k�hne Tat vollbracht. Sie sind bis auf den Grund der H�lle vorgedrungen, durch die dichte Neon-Methan-Atmosph�re des Pluto. Sie haben den Planeten in Ammoniakschneest�rmen umflogen, st�ndig der Gefahr ausgesetzt, in der Finsternis an dem stahlharten Eis zu zerschellen. Das R�tsel des Pluto ist endlich gel�st: Er geh�rt nicht zu unserem Sonnensystem. Die Sonne hat ihn auf ihrer Bewegung durch das Milchstra�ensystem eingefangen. Deshalb ist seine Dichte auch weit gr��er als die der anderen fernen Planeten. Die Forscher haben eigenartige Mineralien aus einer ganz fremden Welt vorgefunden und vor allem auf einem der Berge Spuren fast restlos zerst�rter Bauten entdeckt, die Zeugnis von einer unvorstellbar alten Zivilisation ablegen. Alle Angaben m�ssen nat�rlich noch �berpr�ft werden, und selbstverst�ndlich m�ssen erst Beweise f�r eine vernunftgem��e Bearbeitung des Baumaterials erbracht werden. Dennoch bleibt es eine erstaunliche Tat. Ich bin stolz darauf, da� wir die Helden zur Erde bringen d�rfen, und ich brenne vor Ungeduld zu h�ren, was sie zu erz�hlen haben. Ihre Quarant�nezeit ist vor drei Tagen abgelaufen.�</p><p>�Aber da besteht doch ein ernsthafter Widerspruch!� rief Pur Hiss.</p><p>�Der Widerspruch ist die Mutter der Wahrheit!� antwortete Erg Noor gelassen mit einem alten Sprichwort. �Es ist Zeit, das Planetenschiff startklar zu machen.�</p><p>Bald l�ste sich das Schiff vom Triton und jagte auf einem gigantischen Bogen, senkrecht zur Ebene der Ekliptik, dahin. Ein direkter Flug zur Erde war unm�glich. Jedes Raumschiff w�rde zugrunde gehen in dem breiten G�rtel von Meteoriten und Asteroiden, den Bruchst�cken des Planeten Phaeton, der sich einst zwischen Mars und Jupiter befand, durch die Anziehungskraft dieses Giganten des Sonnensystems jedoch auseinandergerissen worden war.</p><p>Erg Noor beschleunigte die Geschwindigkeit: Er wollte die Helden nicht in den festgelegten 72 Tagen zur Erde bringen, sondern beschlo�, unter Ausnutzung aller technischen M�glichkeiten die Strecke in k�rzerer Zeit zu schaffen.</p><p>Durch den Kosmos drang eine Sendung von der Erde zum Planetenschiff; man begl�ckw�nschte die Weltraumfahrer zu ihrem Sieg �ber den Eisenstern und �ber das Dunkel des eisigen Pluto. Zu Ehren der �Tantra� und der �Amat� erklangen Sinfonien und Lieder.</p><p>�37. Sternenexpedition�, meldete sich schlie�lich die Stimme von der Zentrale des Rates, �Landung frei auf El Homra!�</p><p>Das zentrale Kosmodrom befand sich dort, wo einst die W�ste in Nordafrika war. Dorthin flog das Planetenschiff durch die lichtdurchflutete Erdatmosph�re.</p></section><section><title><p>Die Sinfonie in f-Moll Farbtonart 4,750 &#x3BC;</p></title><p>Durchsichtige Kunststoffplatten bildeten die W�nde der breiten Veranda, die nach S�den zum Meer hin lag. Die matte Deckenbeleuchtung kontrastierte nicht mit dem hellen Mondlicht, sondern zeichnete die scharfen Schatten weicher. Auf der Veranda war fast die gesamte Meeresexpedition versammelt. Nur die j�ngsten Mitarbeiter badeten im mondbeschienenen Meer. Kart San, der Maler, hatte sich mit seinem sch�nen Modell eingefunden. Frit Don, der Expeditionsleiter, erz�hlte von der Untersuchung des von Miiko entdeckten Pferdes. Als man, um das Gewicht zu berechnen, das Material bestimmen wollte, hatte man eine �berraschende Entdeckung gemacht: Unter einer d�nnen Schicht, die aus einer einfachen Legierung bestand, befand sich pures Gold. Wenn die Statue massiv war, betrug ihr Gewicht, nach Abzug des verdr�ngten Wassers, vierhundert Tonnen. Zur Bergung dieses Monstrums wurden Schiffe mit Spezialausr�stungen erwartet.</p><p>Als man auf die unsinnige Verwendung des wertvollen Metalls zu sprechen kam, erinnerte sich eines der �ltesten Expeditionsmitglieder einer Sage, die er im Geschichtsarchiv gelesen hatte. Ihr zufolge war einst der gesamte Goldschatz eines Landes verschwunden. (Damals hatte Gold noch als �quivalent der Arbeit gedient.) Die verbrecherischen Herrscher waren nach jahrelanger Unterdr�ckung des Volkes geflohen, weit �ber die Grenzen des Landes, die es dereinst noch gab. Zuvor lie�en sie jedoch in aller Stille die gesamten Goldvorr�te des Landes zusammentragen und daraus eine Statue gie�en, die auf dem belebtesten Platz der Hauptstadt aufgestellt wurde. Das Gold konnte also niemand finden. Der Historiker �u�erte die Vermutung, da� niemand geahnt habe, welches Metall unter der billigen Legierung verborgen sei.</p><p>Diese Geschichte fand gr��te Aufmerksamkeit. Der Fund dieser riesigen Goldmenge bedeutete f�r die Menschheit ein gro�artiges Geschenk. Obzwar das schwere gelbe Metall schon l�ngst nicht mehr als Wertsymbol diente, wurde es nach wie vor f�r elektrische Ger�te, medizinische Pr�parate und vor allem f�r die Anamesonherstellung ben�tigt.</p><p>In einer Ecke der Veranda hatten sich Weda Kong, Dar Weter, der Maler, Tschara Nandi und Ewda Nal zusammengefunden. Ganz in der N�he hatte der bescheidene Ren Boos Platz genommen. Nur Mwen Mass fehlte.</p><p>�Sie hatten recht mit ihrer Behauptung�, sagte Dar Weter, zu dem Maler gewandt. �Der K�nstler oder, besser gesagt, die Kunst bleibt stets hinter der beschleunigten Entwicklung von Wisschenschaft und Technik zur�ck.�</p><p>�Sie haben mich mi�verstanden�, entgegnete Kart San. �Diese Fehler wurden bereits korrigiert, und man hat die Verpflichtung der Kunst gegen�ber der Menschheit erkannt. Nicht mehr erdr�ckende Monumentalwerke werden geschaffen, nicht mehr prunkvolle, aber hohle Fassaden. Die Kunst soll vor allem auf den emotionalen Bereich des Menschen einwirken. Nur die Kunst kann die menschliche Psyche beeinflussen und sie f�r die Wahrnehmung der kompliziertesten Eindr�cke aufnahmebereit machen. Wer von uns wei� nicht, wie zauberhaft leicht man etwas versteht, in das man sich vorher durch Musik, Farbe oder Bild einf�hlen konnte? Und wie verschlie�t sich die menschliche Seele, wenn man in sie grob und unvorbereitet eindringt! Sie als Historiker wissen besser als jeder andere, wieviel Leid die Menschheit im Kampf um Entwicklung und Erziehung der emotionalen Seite der Psyche erfahren hat.�</p><p>�Vor sehr langer Zeit strebte die Kunst nach abstrakten Formen�, bemerkte Weda Kong.</p><p>�Die Kunst versuchte, in Nachahmung des Verstandes zu abstrahieren, er hat allem anderen gegen�ber den Vorzug erhalten. Keine Kunst kann sich abstrakt ausdr�cken, au�er der Musik, die eine Sonderstellung einnimmt und auf ihre Art gleichfalls v�llig konkret ist. Es war ein Irrweg.�</p><p>�Welchen Weg halten Sie f�r den richtigen?�</p><p>�Die Kunst ist meiner Meinung nach Widerspiegelung des Kampfes und der Schrecken der Welt in den Gef�hlen der Menschen und bisweilen eine Illustration des Lebens, jedoch stets mit der allgemeinen Zweckm��igkeit als Richtschnur. Diese Zweckm��igkeit ist eben das Sch�ne, ohne das es kein Gl�ck gibt und das Leben keinen Sinn hat. Andernfalls f�hrt die Kunst leicht zu grotesken Einf�llen, vor allem bei ungen�gender Kenntnis des Lebens und der Geschichte.�</p><p>�Ich habe mir immer gew�nscht, die Kunst m�ge die Welt nicht nur nachgestalten, sondern sie bezwingen und ver�ndern�, warf Dar Weter ein.</p><p>�Einverstanden!� rief Kart San aus. �Jedoch nicht nur die �u�ere Welt, sondern � vor allem die innere Welt des Menschen, seine Emotionen. Ihre Erziehung� mit dem Verst�ndnis f�r alle Widerspr�che��</p><p>Ewda Nal legte ihre feste, warme Hand auf Dar Weters Arm.</p><p>�Von welchem Traum haben Sie sich heute getrennt?�</p><p>�Von einem sehr sch�nen.�</p><p>�Jeder von uns�, fuhr der Maler fort, �der Werke der Massenkunst des Altertums � Filme, Aufzeichnungen von Theaterauff�hrungen und Gem�ldeausstellungen � gesehen hat, wei�, wie geschliffen, geschmackvoll und frei von allem �berfl�ssigen dagegen unsere modernen Schauspiele, T�nze und Bilder sind. Ganz zu schweigen von den Zeiten der Dekadenz.�</p><p>�Er ist klug, aber geschw�tzig�, fl�sterte Weda Kong.</p><p>�F�r einen Maler ist es schwer, die h�chst komplizierten Erscheinungen, die er sieht und aus seiner Umwelt ausw�hlt, mit Worten oder Formeln auszudr�cken�, schaltete sich Tschara Nandi ein, und Ewda Nal nickte zustimmend.</p><p>�Mir schwebt folgendes vor�, fuhr Kart San fort. �Ich m�chte eine Gestalt malen, in der die edelsten Gef�hle und typische Farben und Formen vereint sind. Ich m�chte Gestalten reproduzieren, die die vollkommene Sch�nheit der verschiedenen Rassen aus ferner Vergangenheit repr�sentieren, der Menschen, aus deren Vermischung wir hervorgegangen sind. �Die Tochter Gondwanas� zum Beispiel verk�rpert das Einssein mit der Natur, das unbewu�te Wissen um den Zusammenhang zwischen Dingen und Erscheinungen; Gef�hle und Empfindungen, die noch ganz vom Instinkt beherrscht werden.</p><p>�Die Tochter der Thetis� � des Mittelmeers � dagegen verk�rpert weit h�her entwickelte Gef�hle, eine viel breitere Skala. Das ist bereits ein anderes Einssein mit der Natur: durch Emotionen statt durch Instinkte. Die alten Mittelmeerkulturen sind Zeugnis daf�r: Im Lebensraum der Kreter, Etrusker, Hellenen, Inder entstand das Bild des Menschen, der diese emotional bestimmte Kultur schaffen konnte. Welch ein Gl�ck, da� ich Tschara gefunden habe! In ihr sind Z�ge der Griechen und Kreter mit denen der sp�teren V�lker Zentralindiens vereint.�</p><p>Weda l�chelte, weil sie mit ihrer Vermutung recht behalten hatte, und Dar Weter fl�sterte ihr zu, ein besseres Modell sei schwerlich zu finden.</p><p>�Wenn mir �Die Tochter der Thetis� gelingt, folgt als dritter Teil der Konzeption unweigerlich eine blonde Frau des Nordens mit ruhigem, klarem Blick, hochgewachsen, gemessen in ihren Bewegungen, wie es einst die Russinnen waren, die Frauen aus Skandinavien oder England. Erst wenn mir das gelungen ist, werde ich zur Synthese kommen und das Abbild der heutigen Frau malen, in das das Beste von diesen drei Stamm�ttern eingeht.�</p><p>�Warum eigentlich nur �T�chter� und nicht auch �S�hne�?� erkundigte sich Weda l�chelnd.</p><p>�Mu� ich Ihnen etwa erkl�ren, da� das Sch�ne nach den Gesetzen der Physiologie bei der Frau vollendeter und ausgefeilter ist?� erwiderte der Maler unwillig.</p><p>�Wenn Sie Ihr drittes Bild in Angriff nehmen, pr�fen Sie, ob Weda Kong nicht daf�r in Frage kommt�, schlug Ewda Nal vor. �Es gibt kaum��</p><p>Schnell stand der Maler auf.</p><p>�Sie meinen wohl, ich sehe das nicht! Ich mu� mich zusammennehmen, da� diese Gestalt nicht jetzt schon die andere verdr�ngt, die mich noch besch�ftigt. Aber Weda��</p><p>�Sehnt sich nach Musik�, vollendete diese, leicht err�tend. �Schade, da� hier nur ein Sonnenfl�gel vorhanden ist, der nachts nicht spielt!�</p><p>�Handelt es sich um ein Halbleitersystem, das mit Sonnenlicht betrieben wird?� erkundigte sich Ren Boos, �ber die Sessellehne gebeugt. �Dann k�nnte ich den Fl�gel auf Empf�ngerstrom umschalten.�</p><p>�Dauert das lange?� fragte Weda freudig.</p><p>�Eine Stunde etwa.�</p><p>�Das hat keinen Zweck. In einer Stunde kommen die Nachrichten �ber das Weltnetz. Wir waren von der Arbeit so in Anspruch genommen, da� wir den Empf�nger zwei Abende lang nicht eingeschaltet haben.�</p><p>�Aber Sie k�nnten uns doch etwas vorsingen, Weda�, bat Dar Weter. �Kart San hat noch ein guterhaltenes Saiteninstrument aus dem Dunklen Zeitalter der Feudalgesellschaft.�</p><p>�Eine Gitarre�, sagte Tschara Nandi.</p><p>�Wer spielt?�� Ich werde es selbst versuchen. Vielleicht komme ich damit zurecht.�</p><p>�Ich spiele!� Tschara erbot sich, zum Atelier zu laufen und die Gitarre zu holen.</p><p>�Ich komme mit�, schlug Frit Don vor.</p><p>Herausfordernd warf Tschara den Kopf in den Nacken. Durch einen Knopfdruck von Scherlis �ffnete sich eine Wand der Veranda, und man konnte das �stliche Ufer der Bucht v�llig �berschauen. Mit riesigen S�tzen jagte Frit Don davon. Tschara folgte ihm mit zur�ckgebogenem Kopf. Anfangs blieb sie zur�ck, aber das Atelier erreichten beide gleichzeitig. Sie verschwanden in dem dunklen, unbeleuchteten Eingang. Kurz darauf liefen sie schon wieder im Mondlicht am Ufer entlang, schnellf��ig und verbissen. Als erster erreichte Frit Don die Veranda, doch Tschara sprang durch ein offenes Seitenfenster und war somit vor ihm im Raum.</p><p>Weda klatschte begeistert in die H�nde.</p><p>�Dabei war Frit Don im Fr�hjahr Sieger im Zehnkampf!�</p><p>�Und Tschara Nandi war auf der Tanzhochschule. Beide F�cher hat sie absolviert: klassische und moderne T�nze�, bemerkte Karl San im gleichen Ton wie Weda.</p><p>�Weda und ich haben auch tanzen gelernt, allerdings nur an einer einfachen Schule�, sagte seufzend Ewda Nal.</p><p>�Die wird ja jetzt von allen besucht�, spottete der Maler.</p><p>Tscharas Finger glitten langsam �ber die Saiten. Das junge M�dchen hob den Kopf und stimmte mit hellem Sopran ein wehm�tiges Lied von einem unerf�llten Traum an. Das Lied war neu und stammte aus der S�dzone. Weda fiel mit ihrer Altstimme ein und �bernahm die F�hrung der Melodie. Das Duett machte einen starken Eindruck auf die Zuh�rer; so verschiedenartig die beiden S�ngerinnen auch waren, so gut erg�nzten sie einander, Dar Weter blickte von einer zur anderen und wu�te nicht, welche der Gesang anziehender machte: Weda, mit dem Ellbogen auf das Schaltpult des Empf�ngers gest�tzt, den Kopf unter dem Gewicht der aschblonden Z�pfe gesenkt, die im Mondlicht silbern schimmerten, oder Tschara mit der Gitarre auf dem nackten runden Knie, den Oberk�rper leicht vorgebeugt. Ihr Gesicht war so tiefbraun, da� sich die Z�hne und das Wei�e in den Augen grell davon abhoben.</p><p>Das Lied verstummte. Unschl�ssig griff Tschara einige Akkorde. Dar Weter ging es durch Mark und Bein: Das war doch das Lied, das ihn einst Weda entfremdet hatte und das auch sie jetzt schmerzlich ber�hren mu�te!</p><p>Immer neue Akkorde jagten einander und erstarben, ohne miteinander zu verschmelzen. Eine abgerissene Melodie, wie Gischt, der ans Ufer st�rzt, auf dem Sand auseinanderflutet und ins bodenlose dunkle Meer zur�ckflie�t. Tschara sang selbstvergessen, mit klangvoller Stimme Worte von der Liebe, die durch die eisigen Tiefen des Weltraums von Stern zu Stern fliegt, um ihn, der den Kosmos erforscht, zu finden. Vielleicht kehrt er nicht mehr zur�ck. Ach, wenn sie doch wenigstens erfahren k�nnte, wie es ihm geht, ihm helfen, ihn gr��en k�nnte!</p><p>Weda blieb stumm. Tschara sp�rte, da� das Lied unangebracht war, brach ihren Gesang ab, sprang auf, warf dem Maler die Gitarre zu und eilte zu der Historikerin, die mit gesenktem Kopf unbeweglich dastand.</p><p>Weda l�chelte.</p><p>�Tanzen Sie uns doch etwas vor, Tschara!�</p><p>Das junge M�dchen nickte, doch da mischte sich Frit Don ein: �Mit dem Tanzen wollen wir noch etwas warten � jetzt beginnt die Sendung.�</p><p>Auf dem Dach des Hauses wurde ein Teleskoprohr mit einem Metallkreuz ausgefahren, das von acht Halbkugeln auf einem Metallring gekr�nt war. Machtvolle Kl�nge erf�llten das Zimmer.</p><p>Zu Beginn der Sendung wurde eine der neuen Spiralst�dte des n�rdlichen Wohng�rtels gezeigt. Unter den Architekten gab es zwei Richtungen: Die einen waren Verfechter der Pyramidenstadt, und die anderen gaben dem spiralf�rmigen Typ den Vorzug. Die St�dte wurden dort gebaut, wo besonders g�nstige Lebensbedingungen vorhanden waren, immer nahe am Meer oder an einem gro�en See. Automatische Fabriken im Wechsel mit Wald- und Wieseng�rteln umgaben ringf�rmig die Stadt.</p><p>Die St�dte wurden terrassenf�rmig an Abh�ngen angelegt, so da� stets eine Hausfassade der Sonne zugekehrt war. Im Innern der Geb�ude befanden sich die Maschinen-, Lager- und Verteilungsr�ume, die Werkst�tten und K�chen, die mitunter tief in die H�nge hineingebaut waren. Die Verfechter der Pyramidenst�dte priesen als Vorzug deren verh�ltnism��ig geringe H�he bei bedeutendem Fassungsverm�gen, w�hrend die Spiralst�dte oft �ber tausend Meter hoch aufragten. Die Mitglieder der Meeresexpedition sahen auf dem Bildschirm eine steil in die H�he steigende Spirale; auf ihr leuchteten opalisierende Kunststoffw�nde in der Sonne, Porzellanrippen, die sich vom Schmelzgestein der Fassaden abhoben, und blitzende Metallbefestigungen. Die einzelnen Windungen stiegen allm�hlich von der Peripherie zum Mittelpunkt hin an. Die Geb�udekomplexe waren durch tiefe vertikale Nischen unterteilt. In schwindelnder H�he hingen leichte Br�cken, Balkons und Gartenterrassen. Riesige, von blinkenden Gel�ndern eingefa�te Treppen f�hrten zu den Parkterrassen, die sich strahlenf�rmig bis zu dem ersten dichten Waldg�rtel hin erstreckten. Die Stra�en folgten der Kr�mmung der Spirale, waren entweder freitragend oder eingebaut und liefen unter einer gl�sernen �berdachung entlang. An Stelle von Fahrzeugen bef�rderten B�nder Personen und Lasten.</p><p>Lebhafte, lachende und ernste Menschen eilten durch die Stra�en, gingen unter Arkaden spazieren oder zogen sich an stille Orte, unter die Kolonnaden an den Treppen�berg�ngen oder in die h�ngenden G�rten auf den Terrassend�chern zur�ck.</p><p>Die Bildreportage von der gro�en Stadt dauerte nicht lange. Dann folgten die Nachrichten.</p><p>�Die Er�rterung des von der �Akademie f�r gelenkte Strahlungen� eingebrachten Projekts �ber die v�llige Ersetzung der Schrift durch elektronische Aufzeichnungen wird fortgesetzt�, begann der Mann auf dem Bildschirm. �Das Projekt findet keine allseitige Unterst�tzung. Der Haupteinwand ist die Kompliziertheit der Leseapparate. Das Buch w�rde aufh�ren, dem Menschen ein Freund zu sein, der ihn �berallhin begleitet. Wahrscheinlich wird das Projekt trotz aller m�glichen Vorteile abgelehnt werden!�</p><p>�Da haben sie lange diskutiert!� bemerkte Dar Weter. �Einerseits die verlockend einfache M�glichkeit der Bandaufnahme, andererseits die Schwierigkeit beim Lesen��</p><p>Der Sprecher auf dem Bildschirm fuhr fort: �Die gestrige Nachricht wird best�tigt, die 37. Sternenexpedition hat sich gemeldet. Sie kehrt� � Dar Weter erstarrte. Er sah Weda Kong an. Seinem feinen Ohr entging nicht ihr stockender Atem � �aus der Richtung des Quadrats 401 zur�ck; soeben hat das Schiff das Minusfeld in einem Hundertstel Parsek Entfernung von der Bahn des Neptuns verlassen. Die Versp�tung der Expedition ist auf das Zusammentreffen mit einer schwarzen Sonne zur�ckzuf�hren. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Geschwindigkeit des Schiffes�, sagte abschlie�end der Sprecher, �betr�gt f�nf Sechstel der Lichtgeschwindigkeit. Die Expedition wird in elf Tagen auf der Station Triton eintreffen. Informationen �ber hervorragende Entdeckungen sind zu erwarten.�</p><p>Weitere Nachrichten folgten, doch niemand h�rte mehr zu. Alle umringten Weda und begl�ckw�nschten sie. Weda l�chelte. Auch Dar Weter trat zu ihr. Sie f�hlte den festen Druck der ihr so vertraut gewordenen Hand und begegnete seinem offenen Blick. Schon lange hatte er sie nicht mehr so angesehen. Sie wu�te, da� sich hinter seiner Ungezwungenheit ihr gegen�ber ein geheimer Kummer verbarg. Und sie wu�te auch, da� er jetzt in ihrem Gesicht nicht nur Freude las.</p><p>Dar Weter lie� ihre Hand los, l�chelte und trat beiseite. Lebhaft er�rterten die anderen Expeditionsteilnehmer die Meldung.</p><p>Weda blieb im Kreise der anderen, beobachtete aber heimlich Dar Weter. Sie sah, wie Ewda Nal zu ihm trat und sich eine Minute sp�ter auch Ren Boos dazugesellte.</p><p>�Wir m�ssen Mwen Mass suchen, er wei� ja noch von nichts!� rief Dar Weter, als w�re ihm das pl�tzlich eingefallen. �Kommen Sie mit, Ewda. Sie auch. Ren.�</p><p>�Ich komme auch, wenn es recht ist�, sagte Tschara Nandi, die zu den dreien getreten war.</p><p>Sie gingen auf das leise Pl�tschern der Wellen zu. Dar Weter blieb stehen, wandte das Gesicht dem k�hlen Wind zu und seufzte tief. Als er sich umdrehte, traf er Ewda Nals Blick.</p><p>�Ich fahre gleich von hier aus weg�, antwortete er auf ihre stumme Frage.</p><p>Ewda fa�te ihn unter. Eine Zeitlang schritten alle vier schweigend weiter.</p><p>�Ich habe mir eben �berlegt, ob es sein muߓ, fl�sterte Ewda. �Aber wahrscheinlich mu� es das, und Sie haben recht. Wenn Weda��</p><p>Ewda verstummte, doch Dar Weter dr�ckte verstehend ihre Hand. Hinter ihnen ging Ren Boos, �ngstlich auf eine geh�rige Entfernung zu der neben ihm gehenden Tschara bedacht. Mit gro�en Augen blickte sie ihn wiederholt von der Seite an und konnte nur mit M�he ein sp�ttisches L�cheln unterdr�cken. Ewda lachte leise auf und reichte dem Physiker pl�tzlich die freie Hand. Ren Boos ergriff sie hastig, was bei diesem sch�chternen Mann komisch wirkte.</p><p>�Wo ist denn ihr Freund?� Tschara blieb am Wasser stehen.</p><p>Dar Weter blickte sich suchend um und bemerkte im hellen Mondlicht deutlich Fu�spuren auf dem nassen Sand.</p><p>�Dorthin ist er gegangen.� Dar Weter zeigte in Richtung der gro�en Felsen.</p><p>�Ja, das sind seine Fu�tapfen�, best�tigte Ewda.</p><p>�Wie wollen Sie das so genau wissen?� fragte Tschara zweifelnd.</p><p>�Sehen Sie, wie regelm��ig die Schritte sind? Solch einen Gang hatten die J�ger in der Urgesellschaft. Mir scheint, Mwen Mass ist bei all seiner Gelehrtheit naturverbundener als jeder von uns. Wie Sie sind, Tschara, wei� ich allerdings nicht.�</p><p>�Ich? O nein!� Das junge M�dchen zeigte pl�tzlich nach vorn und rief: �Da ist er ja!�</p><p>Auf einem der zun�chst liegenden Felsbrocken war die riesige Gestalt des Afrikaners aufgetaucht. Wie polierter schwarzer Marmor gl�nzte seine Haut im Mondlicht.</p><p>Mwen Mass bemerkte die N�herkommenden, sprang vom Felsen und kam kurz darauf angekleidet zum Vorschein. Mit wenigen Worten erz�hlte ihm Dar Weter, was sich ereignet hatte, und Mwen Mass �u�erte den Wunsch, unverz�glich Weda Kong zu sehen.</p><p>�Gehen Sie mit, Tschara�, meinte Ewda, �wir bleiben noch ein wenig hier.�</p><p>Dar Weter winkte zum Abschied, und �ber Mwen Mass� Gesicht glitt ein Ausdruck des Verstehens. Er murmelte halb vergessene Abschiedsworte. Bewegt und nachdenklich ging Dar Weter in Begleitung der schweigsam gewordenen Ewda weiter. Ren Boos blieb unschl�ssig stehen, bis er sich Mwen Mass und Tschara Nandi anschlo�.</p><p>Dar Weter und Ewda wanderten bis zu dem Kap, das die Bucht vom offenen Meer trennte. Von hier aus waren die Lichter, die die riesigen tellerf�rmigen Fl��e der Meeresexpedition s�umten, deutlich sichtbar.</p><p>Dar Weter schob das durchsichtige Boot ins Wasser und trat dicht vor Ewda hin. Ewda hob sich auf die Zehenspitzen und k��te den Freund.</p><p>�Ich bleibe mit Weda zusammen, Dar�, sagte sie, seine Gedanken erratend. �Wir werden gemeinsam an unseren Wohnort zur�ckkehren und dort die Ankunft der Expedition abwarten. Geben Sie Bescheid, wenn Sie sich eingerichtet haben. Ich helfe Ihnen immer von Herzen gern.�</p><p>Noch lange blickte Ewda dem Boot nach,</p><p>Dar Weter fuhr zum zweiten Flo�, wo die Mechaniker noch mit dem Montieren der Akkumulatoren besch�ftigt waren. Auf Dar Weters Bitte entz�ndeten sie drei gr�ne Feuer, im Dreieck angeordnet.</p><p>Bereits anderthalb Stunden sp�ter hing ein Flugschiff, das gerade dieses Gebiet �berflog, �ber dem Flo�. Dar Weter setzte sich in den herabgelassenen Aufzug, war noch f�r wenige Sekunden unter dem beleuchteten Rumpf des Flugschiffes zu sehen und verschwand dann in der Bodenluke. Am n�chsten Morgen betrat er seine Wohnung unweit vom Observatorium des Rates, die er noch nicht getauscht hatte. Er �ffnete in beiden Zimmern die Gebl�seh�hne. Wenige Minuten sp�ter war aller Staub verschwunden. Dar Weter zog das Wandbett heraus, stellte das Zimmer auf den Geruch und das Pl�tschern des Meeres ein, an das er sich in der letzten Zeit so gew�hnt hatte, und war bald in tiefen Schlaf versunken.</p><p>Er erwachte mit dem Empfinden, die Welt habe f�r ihn ihren Reiz verloren. Weda war fern und w�rde fern bleiben, bis� Dabei sollte er ihr helfen, statt die Situation noch zu komplizieren!</p><p>Er erfrischte sich im Badezimmer unter dem angenehm k�hlen, elektrisierten Wasser. Dann trat er ans Televisiofon, �ffnete die Spiegelt�ren und rief die n�chst gelegene Stelle f�r Arbeitsverteilung an. Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht eines jungen Mannes. Er begr��te Dar Weter mit einem leichten Anflug von Ehrerbietung, einem Zeichen ausgesuchter H�flichkeit.</p><p>�Ich suche eine komplizierte, langfristige T�tigkeit, verbunden mit k�rperlicher Arbeit�, begann Dar Weter. �Zum Beispiel in den antarktischen Gruben.�</p><p>�Dort ist nichts frei!� sagte der Sprecher bedauernd. �Auch in den Bergwerken der Venus, des Mars, ja sogar des Merkurs ist alles besetzt! Sie wissen ja, je schwieriger die Arbeit ist, desto lieber geht die Jugend dorthin.�</p><p>�Dazu kann ich mich nicht mehr z�hlen. Aber wo ist denn gegenw�rtig noch etwas frei?�</p><p>�Auf den Diamantenfeldern in Mittelsibirien�, begann der junge Mann langsam, den Blick auf eine f�r Dar Weter unsichtbare Tabelle gerichtet, �falls Sie Bergarbeit w�nschen. Au�erdem gibt es freie Stellen in den ozeanischen Lebensmittelfabriken, am Sonnenpumpwerk in Tibet� Aber das geh�rt schon zur leichten Arbeit, ebenso wie die anderen Stellen.�</p><p>Dar Weter dankte dem Informator und bat, ihm kurze Bedenkzeit zu lassen, vorl�ufig die Arbeit auf den Diamantenfeldern aber nicht zu vergeben.</p><p>Er schaltete die Verteilungsstation aus und lie� sich mit dem Haus Sibiriens, einem geographischen Informationszentrum, verbinden. Man schaltete seinen Apparat in die dortige Ged�chtnismaschine mit den neuesten Aufzeichnungen ein, und vor Dar Weter zogen langsam unendliche W�lder vor�ber. Dort, wo einst die Taiga mit sp�rlichem Baumbestand und st�ndig gefrorenem Erdboden war, wuchsen jetzt m�chtige Baumriesen: sibirische Zedern und amerikanische Mammutb�ume, die bereits am Aussterben gewesen waren. Riesige rote St�mme umgaben wie eine gro�e Ringsperre die mit Betonkappen bedeckten H�gel. Zehn Meter dicke Stahlrohre wanden sich aus den Betonkappen heraus, verliefen �ber die Wasserscheiden zu den n�chst gelegenen Fl�ssen und sogen das Wasser in ihre trichterf�rmigen Schl�nde ein. Leise summten die elektrischen Pumpen. Hunderttausende Kubikmeter Wasser st�rzten in die Tiefen der edelsteinhaltigen vulkanischen Sch�chte, untersp�lten das Gestein und ergossen sich wieder nach au�en, wobei sie in den Sieben der Waschkammern riesige Mengen von Diamanten zur�cklie�en. In langen, licht�berfluteten R�umen �berwachten Menschen die Skalen der Sortiermaschinen. In einem ununterbrochenen Strom rieselten die glitzernden kleinen Steine durch die kalibrierten �ffnungen in die Beh�lter. Fortw�hrend beobachteten die Operateure der Pumpstationen die Zeiger der Rechenmaschine, die den st�ndig sich �ndernden Widerstand des Gesteins, den Druck und den Wasserverbrauch, den Streckenvortrieb und die ausgeworfene Menge fester Teilchen berechneten. Dar Weter kam zu dem Schlu�, da� die freundliche Landschaft der sonnenbeschienenen W�lder jetzt nicht das Richtige f�r ihn sei, und schaltete das Haus Sibiriens ab. Im gleichen Augenblick ert�nte das Rufsignal, und auf dem Bildschirm tauchte das Gesicht des Informators der Verteilungsstation auf.</p><p>�Soeben habe ich eine Anforderung erhalten: In den Unterwassertitangruben an der Westk�ste S�damerikas ist eine Stelle frei geworden. Das ist die schwierigste Arbeit, die es heutzutage gibt. Aber Sie m�ssen sofort beginnen.�</p><p>�Dann kann ich mich ja nicht mehr dem psychophysischen Test an einem Institut der �Akademie f�r Psychophysiologie der Arbeit� unterziehen!� meinte Dar Weter besorgt.</p><p>�Da Sie an Ihrem fr�heren Arbeitsplatz j�hrlich getestet wurden, ist er in diesem Falle nicht n�tig.�</p><p>�Bitte schicken Sie eine Information dorthin, und geben Sie mir die Koordinaten durch�, antwortete Dar Weter unverz�glich.</p><p>�Westzweig der Spiralstra�e, siebzehnte s�dliche Abzweigung, Station 6 L, Punkt KM 40. Ich gebe Bescheid.�</p><p>Der Bildschirm erlosch. Dar Weter packte seine geringe pers�nliche Habe zusammen und legte die B�nder mit den Bildern und Stimmen von Bekannten und den wichtigsten Aufzeichnungen seiner Gedanken in eine Schatulle. Von der Wand nahm er eine Chromreflexreproduktion eines alten russischen Gem�ldes und vom Tisch eine Bronzestatuette der Weda Kong �hnlich sehenden Schauspielerin Bello Gal. Das alles und die wenigen Kleidungsst�cke pa�ten in einen Aluminiumbeh�lter, auf dessen Deckel ein komplizierter Satz von Zahlen und Linearzeichen angebracht war. Dar Weter stellte die Koordinaten ein, �ffnete eine Luke in der Wand und schob den Beh�lter hinein. Die Kiste verschwand auf einem F�rderband im Dunkeln. Danach sah er sich pr�fend seine Zimmer an. In der Epoche des Gro�en Rings gab es keine Bediensteten mehr. Das war nur m�glich, weil jeder ein H�chstma� an Ordnung und Disziplin aufbrachte und Wohnh�user sowie �ffentliche Geb�ude �u�erst praktisch eingerichtet und mit Reinigungs- und L�ftungsautomaten versehen waren. Nach der Kontrolle dr�ckte er den Hebel vor der T�r nach unten, das Zeichen, da� die von ihm bisher belegten Zimmer frei waren, und ging. Die mit Milchglas verkleidete Galerie war von der Sonne erw�rmt, doch auf dem flachen Dach blies wie immer der k�hle Meereswind. Die leichten Fu�g�ngerbr�cken zwischen den Geb�uden schienen in der Luft zu schweben und lockten zu einem Spaziergang, doch Dar Weter hatte keine Zeit. �ber eine Rolltreppe gelangte er in das unterirdische elektromagnetische Postamt, von wo ihn ein kleines Fahrzeug zur n�chsten Station der Spiralstra�e brachte. Dar Weter wollte nicht den Umweg �ber die Beringstra�e machen, �ber die der Verbindungsbogen des Westzweiges ging. Auf diesem Wege dauerte die Fahrt nach S�damerika, zumal sie so weit nach S�den � bis zur siebzehnten Abzweigung � f�hrte, etwa vierzehn Tage. L�ngs der Breitengrade der n�rdlichen und s�dlichen Wohnzone verkehrten schwere Transport-Flugschiffe und verbanden die einzelnen Zweige der Spiralstra�e auf k�rzestem Wege miteinander, �ber die Ozeane hinweg. Dar Weter hatte vor, auf dem Zentralzweig bis zur s�dlichen Wohnzone zu fahren, und hoffte, den Leiter des Lufttransportwesens zu �berreden, ihn als Eilfracht zu bef�rdern. Abgesehen davon, da� sich die Reisezeit auf drei�ig Stunden verk�rzte, konnte Dar Weter auch noch den Sohn Grom Orms, des Vorsitzenden des Rates f�r Astronautik, besuchen. Grom Orm hatte ihn zum Lehrer und Mentor seines Sohnes gew�hlt.</p><p>Der Junge war herangewachsen und sollte im n�chsten Jahr zw�lf Herkulestaten vollbringen; bis dahin arbeitete er im Wachdienst in den S�mpfen Westafrikas.</p><p>Wen von den Jungen zog es nicht zu dieser T�tigkeit! Sie mu�ten das Auftreten von Haien im Ozean, von sch�dlichen Insekten, Vampiren und Reptilien in den tropischen S�mpfen, von krankheitserregenden Mikroben in den Wohnzonen, von Viehseuchen oder Waldbr�nden in der Steppen- und Waldzone beobachten. Die sch�dlichen Parasiten aus der Vergangenheit der Erde, die immer wieder aus den abgelegenen Winkeln des Planeten hervorkrochen, mu�ten aufgesp�rt und vernichtet werden. Der Kampf gegen die verderbenbringenden Formen des Lebens fand nie ein Ende. Auf neue Vernichtungsmittel reagierten die Mikroorganismen, Insekten und Pilze mit der Herausbildung neuer Formen. Erst in der �ra der Wiedervereinigten Welten hatte man gelernt, die starken Antibiotika richtig zu nutzen, ohne gef�hrliche Folgen bef�rchten zu m�ssen.</p><p>Wenn Dis Ken zur Sumpfwache eingesetzt ist, �berlegte Dar Weter, dann wird aus ihm schon in jungen Jahren ein ernsthafter Arbeiter.</p><p>Grom Orms Sohn war � wie alle Kinder der �ra des Rings � in einem Internat an der Meeresk�ste in der Nordzone erzogen werden. Dort hatte er auch die ersten Testpr�fungen im psychologischen Institut der �Akademie f�r Psychophysiologie der Arbeit� bestanden.</p><p>Der Jugend wurden stets Arbeiten �bertragen, die ihre psychischen Besonderheiten ber�cksichtigten: ihr Fernweh, ihr erh�htes Verantwortungsgef�hl und ihre Egozentrik.</p><p>Lautlos und ruhig jagte das Fahrzeug dahin. Dar Weter ging in den oberen Stock, der von einem durchsichtigen Verdeck �berdacht war. Weit unten, zu beiden Seiten der Stra�e, huschten Geb�ude, Kan�le, W�lder und Berggipfel vor�ber. An der Grenze zwischen der Landwirtschafts- und der Waldzone funkelten die durchsichtigen Kuppeln automatisierter Betriebe im Sonnenlicht. Durch die kristallenen W�nde der Geb�ude schimmerten die Konturen der gro�en Maschinen.</p><p>Das Denkmal Shin Kads sauste vor�ber; er war der Entdecker eines billigen Verfahrens zur Herstellung von k�nstlichem Zucker. Dann f�hrte die Stra�e durch die W�lder der tropischen Landwirtschaftszone. Un�bersehbar war dieses Gebiet, dicht bewachsen mit verschieden hohen B�umen, deren Laub und Rinde in den unterschiedlichsten Farbt�nen leuchteten. Auf den schmalen, glatten Wegen, die die einzelnen Fl�chen voneinander trennten, krochen Ernte-, Best�ubungs- und Registriermaschinen dahin, blitzte ein Gewirr von Leitungen. Einst war das reife Getreidefeld Sinnbild des �berflusses gewesen. Doch bereits in der �ra der Wiedervereinigten Welt hatte man erkannt, wie un�konomisch einj�hrige Kulturen sind. Nachdem man die Landwirtschaft ausschlie�lich in die tropische Zone verlegt hatte, wurden die arbeitsaufwendigen Gr�ser- und Strauchkulturen von mehrj�hrigen B�umen abgel�st, die dem Boden weniger N�hrstoffe entzogen und gegen klimatische Unbilden best�ndig waren. Bereits Jahrhunderte vor der �ra des Gro�en Rings waren sie zu den Hauptkulturpflanzen geworden.</p><p>Getreide-, Beeren- und Nu�b�ume mit vielen tausend Sorten eiwei�reicher Fr�chte lieferten je Stamm bis zu einer Dezitonne Nahrung. Zwei G�rtel nahrungspendender B�ume mit einer Fl�che von vielen hundert Millionen Hektar zogen sich um die Planeten. Zwischen beiden lag die �quatoriale Waldzone, riesige tropische W�lder, die den Planeten mit Nutzholz versorgten, mit wei�em, schwarzem, violettem, rosafarbenem, goldgelbem und grauem, das wie Seide schillerte, mit eisenhartem und solchem, das weich war wie ein Apfel, mit Holz, das im Wasser unterging wie ein Stein, und anderem, das leicht war wie Kork. Dutzende von Harzsorten wurden hier gewonnen; sie waren billiger als die synthetischen und besa�en gleichzeitig wertvolle technische oder heilkr�ftige Eigenschaften.</p><p>Die Wipfel der Waldriesen reichten bis zum Stra�endamm herauf. In dem dichten Bl�tterwald verborgen, lagen inmitten freundlicher Waldwiesen H�user und m�chtige spinnenf�rmige Maschinen, die aus achtzig Meter langen St�mmen von gewaltiger St�rke und Festigkeit Balken und Bretter herstellten.</p><p>Links sah man jetzt die Kuppen der bekannten Berge des �quators. Auf einem von ihnen, dem Kenia, befand sich die Verbindungsstation des Gro�en Rings. Das Waldmeer trat auf der linken Seite hinter einem steinigen Hochplateau zur�ck, auf dem blaue w�rfelf�rmige Bauten standen.</p><p>Der Zug hielt, und Dar Weter betrat einen gro�en, mit gr�nem Glas ausgelegten Platz � die Station �quator. Neben der Fu�g�ngerbr�cke, die �ber den flachen Kronen der Atlaszedern zu schweben schien, strebte eine Pyramide aus wei�em Aplith vom Lualaba-Flu� empor. Die Skulptur eines Menschen in Arbeitskleidung aus der �ra der Partikularistischen Welt kr�nte ihre stumpfe Spitze. In der rechten Hand hielt der Mann einen Hammer, und mit der linken hob er eine blitzende Kugel mit vier ausgefahrenen Sendeantennen zum bla�blauen �quatorhimmel empor. Es war das Denkmal f�r die Sch�pfer der ersten k�nstlichen Erdsatelliten. Begeisterung und Anspannung dr�ckte der K�rper dieses Menschen aus, der zur�ckgebeugt eine Kugel in den Himmelsraum zu sto�en schien. Die kraftvolle Spannung schien ihm von den sonderbar gekleideten Figuren zuzustr�men, die rings um den Sockel des Denkmals standen.</p><p>Dar Weter betrachtete die Gesichter dieser Skulpturen stets mit besonderer Anteilnahme. Er wu�te, da� die Menschen, die die ersten k�nstlichen Satelliten konstruiert und das Tor zum Weltraum aufgesto�en hatten, Russen waren, Angeh�rige jenes Volkes, von dem er abstammte.</p><p>Auch jetzt wieder sah Dar Weter zu dem Denkmal hin�ber, um erneut festzustellen, was die alten Helden und die modernen Menschen Gemeinsames hatten und worin sie sich unterschieden. Am Ende der Br�cke tauchten zwei schlanke Gestalten auf, blieben stehen, und dann st�rzte einer der jungen Leute schnell auf Dar Weter zu. Er schlang seinen Arm um Dar Weters breite Schultern und musterte verstohlen die ihm vertrauten Gesichtsz�ge.</p><p>Mit Wohlgefallen betrachtete Dar Weter den Sohn des ber�hmten Erbauers der Station auf dem Planeten des Centaurus und Vorsitzenden des Rates f�r Astronautik, der er nun schon f�nfzehn Jahre hintereinander war. Grom Orm mu�te mindestens hundertdrei�ig Jahre alt sein, also dreimal so alt wie Dar Weter.</p><p>Dis Ken rief seinen Begleiter herbei, einen dunkelhaarigen jungen Mann.</p><p>�Das ist Tor An, mein bester Freund; der Komponist Sig Sor ist sein Vater. Wir arbeiten beide in den S�mpfen�, fuhr Dis fort, �wollen gemeinsam unsere Herkulestaten vollbringen und auch weiter zusammenarbeiten.�</p><p>�Befa�t du dich immer noch mit der Vererbungskybernetik?� fragte Dar Weter.</p><p>�Nat�rlich! Tor hat mich noch mehr daf�r begeistert, er ist Musiker wie sein Vater. Er und seine Freundin tr�umen davon, zu erforschen, wie die Musik die Entwicklung des menschlichen Organismus leichter begreifen l��t, sie wollen in einer Sinfonie die Struktur des Organismus darstellen.�</p><p>�Du dr�ckst dich etwas unklar aus�, meinte Dar Weter vorwurfsvoll.</p><p>�Ich verstehe es noch nicht besser�, erwiderte Dis verwirrt, �vielleicht kann es Tor richtig formulieren.�</p><p>Der junge Mann wurde rot, hielt aber dem pr�fenden Blick stand.</p><p>�Dis wollte vom Rhythmus der Vererbung sprechen. Wenn sich der menschliche Organismus aus der Mutterzelle entwickelt, baut er sich in Akkorden aus Molek�len auf. Die urspr�ngliche paarige Spirale entwickelt sich aus dem Modell einer Sinfonie. Mit anderen Worten, die Entwicklung des menschlichen Organismus wird durch das gleiche Programm wie Musik gelenkt.�</p><p>�So?� rief Dar Weter �bertrieben erstaunt. �Dann wollen Sie wohl auch die gesamte Evolution der organischen und anorganischen Materie auf eine gro�e Sinfonie zur�ckzuf�hren?�</p><p>�Deren Aufbau und Rhythmik von den physikalischen Grundgesetzen bestimmt werden. Es mu� nur erkannt werden, wie das Programm beschaffen ist und woher die Information f�r diesen musikalisch-kybernetischen Mechanismus stammt�, erkl�rte Tor An mit der festen �berzeugtheit der Jugend.</p><p>�Und von wem stammt diese Idee?�</p><p>�Von meinem Vater. Er hat k�rzlich seine dreizehnte kosmische Sinfonie in f-Moll und der Farbtonart 4,750 &#x3BC; komponiert.�</p><p>�Ich werde sie mir unbedingt einmal anh�ren. Ich liebe Blau.�� Aber nun zu euren Herkulestaten. Wi�t ihr schon, was f�r euch vorgesehen ist?�</p><p>�Nur die ersten sechs stehen bis jetzt fest.�</p><p>�Ach nat�rlich! Die restlichen sechs werden ja erst festgelegt, wenn die erste H�lfte vollbracht ist�, erinnerte sich Dar Weter.</p><p>�Wir sollen den unteren Teil der H�hle Kon-i-Gut in Mittelasien s�ubern und bewohnbar machen�, begann Tor An.</p><p>�Durch einen schroffen Gebirgskamm eine Stra�e zum Mental-See bauen�, setzte Dis Ken die Aufz�hlung fort, �eine Fl�che in Argentinien neu mit Getreideb�umen bepflanzen, im Gebiet bei Trinidad, wo sich k�rzlich der Meeresboden gehoben hat, die Ursachen f�r das Auftauchen der gro�en Oktopoden kl�ren��</p><p>�Und die Tiere vernichten.�</p><p>�Das sind f�nf Aufgaben. Und welche ist die sechste?�</p><p>Die beiden jungen Leute drucksten eine Weile herum.</p><p>�Bei uns beiden hat man Bef�higung f�r die Musik festgestellt�, sagte err�tend Dis Ken. �Und nun sollen wir Material �ber die alten T�nze auf der Insel Bali sammeln und sie musikalisch und choreographisch rekonstruieren.�</p><p>�Mit anderen Worten, T�nzerinnen suchen und ein Ensemble zusammenstellen�, meinte lachend Dar Weter.</p><p>�Ja�, best�tigte mit niedergeschlagenen Augen Tor An.</p><p>�Ein interessanter Auftrag! Aber das ist doch eine Kollektivaufgabe, ebenso wie der Stra�enbau zum See.�</p><p>�Oh, wir sind ein gutes Kollektiv! Die anderen wollen Sie ebenfalls bitten, ihr Mentor zu sein. Das w�re eine feine Sache!�</p><p>Dar Weter gab zu bedenken, da� er f�r die sechste Tat nicht der geeignete Mentor sei. Aber freudestrahlend versicherten ihm die beiden jungen Leute, Sig Sor selbst habe versprochen, sie bei der sechsten Tat anzuleiten.</p><p>�In einem Jahr und vier Monaten suche ich mir in Mittelasien eine Besch�ftigung�, sagte Dar Weter.</p><p>�Gut, da� Sie jetzt nicht mehr die Au�enstationen leiten!� rief Dis Ken, �Ich hatte nicht zu hoffen gewagt, da� ich solch einen Mentor bekomme.� Pl�tzlich wurde der junge Mann puterrot, seine Stirn bedeckte sich mit kleinen Schwei�perlen. Tor An sah ihn vorwurfsvoll an.</p><p>Dar Weter beeilte sich, Grom Orms Sohn aus der Verlegenheit zu helfen.</p><p>�Habt ihr viel Zeit?�</p><p>�Leider nicht! Drei Stunden hat man uns beurlaubt. Wir haben einen Fieberkranken von unserer Sumpfstation hierhergebracht.�</p><p>�Sieh mal an! Das Fieber existiert also immer noch. Und ich dachte��</p><p>�Ganz selten tritt es auf, nur noch in den Sumpfgebieten�, warf Dis hastig ein. �Deshalb sind wir ja auch da.�</p><p>�Bleiben uns also noch zwei Stunden. Fahren wir in die Stadt � ihr m�chtet euch doch bestimmt gern das Haus des Neuen ansehen?�</p><p>�Nein! Wir m�chten lieber, da� Sie uns Fragen beantworten. Wir haben uns schon welche zurechtgelegt. Das ist auch wichtig f�r unsere Zukunft.�</p><p>Dar Weter war einverstanden, und so gingen die drei in eines der k�hlen Zimmer des G�stesaals.</p><p>Zwei Stunden sp�ter bef�rderte ein anderes Fahrzeug Dar Weter weiter, der, m�de geworden, auf einer weichen Bank des Wagens eingeschlafen war. Er erwachte auf der Station der Chemikerstadt. �ber einem gro�en Kohlevorkommen erhob sich ein gigantisches Bauwerk in Form eines Sterns mit zehn gl�sernen Zacken. Die Kohle wurde hier zu Arzneimitteln, Vitaminen, Hormonen, Kunstseide und synthetischem Pelz verarbeitet. Die Abfallprodukte dienten der Zuckerherstellung. In einem der Zacken wurden aus der Kohle seltene Metalle wie Germanium und Vanadium gewonnen. Was war nicht alles in dem wertvollen schwarzen Gestein enthalten!</p><p>Ein alter Freund Dar Weters, der hier als Chemiker arbeitete, kam zur Station. Mit einem dritten hatten sie einst als junge Mechaniker auf einer indonesischen Station f�r Erntemaschinen im Tropeng�rtel gearbeitet. Jetzt war der eine Chemiker und Leiter eines gro�en Laboratoriums, der zweite war sozusagen bei der Landwirtschaft geblieben � er hatte eine neue Best�ubungsmethode entwickelt � und der dritte, Dar Weter, kehrte nun wieder zur Erde zur�ck. Das Wiedersehen der beiden Freunde dauerte nicht l�nger als zehn Minuten, war aber viel sch�ner als auf den Bildschirmen der Televisiofone.</p><p>Die Weiterreise ging rasch vonstatten. Der Direktor der Breitengrad-Luftverkehrslinie erf�llte Dar Weters Bitte mit dem freundlichen Entgegenkommen eines Menschen aus der �ra des Gro�en Rings. Dar Weter durfte sofort �ber den Ozean fliegen und befand sich nun auf dem Westzweig der Spiralstra�e s�dlich der siebzehnten Abzweigung, die an der K�ste endete. Dort stieg er in ein Gleitboot um.</p><p>Hohe Berge traten bis dicht ans Ufer. An den sanft ansteigenden H�ngen waren Terrassen aus wei�em Gestein angelegt, die den aufgesch�tteten Boden zur�ckhielten. Auf den Terrassen standen ziemlich weit voneinander entfernt orangerot und kanariengelb gestrichene H�uschen mit blaugrauen D�chern.</p><p>Weit ins Meer hinaus ragte eine k�nstliche Sandbank. An ihrer Spitze stand ein Turm, umbrandet von den Wellen. Er stand am Rande des Festlandmassivs, das einen Kilometer tief steil in den Ozean abfiel. Vom Turm aus f�hrte ein gewaltiger Schacht in Form eines dicken Betonrohres schr�g nach unten und m�ndete im Gipfel eines unterseeischen Berges, der aus fast reinem Titanoxid bestand. Alle Prozesse der Erzverarbeitung gingen unter Wasser vor sich. An die Oberfl�che gelangten nur die gro�en Barren reinen Titans und Mineralabf�lle, die das Meer im weiten Umkreis um den Turm tr�bten. Auf diesen gelben Wogen schaukelte das Gleitboot vor der Anlegestelle an die S�dseite des Turms. Dar Weter pa�te einen g�nstigen Augenblick ab, sprang auf die nasse Plattform und stieg zu der Balustrade hinauf. Dort hatten sich einige dienstfreie Mitarbeiter eingefunden, um den neuen Genossen zu empfangen. Die Mitarbeiter dieses scheinbar so einsamen Bergwerkes waren durchaus keine finsteren Einsiedler, wie sie Dar Weter seiner eigenen Stimmung entsprechend hier anzutreffen erwartet hatte. Sie begr��ten ihn fr�hlich, ein wenig abgespannt von der harten Arbeit. Von den acht Anwesenden waren drei Frauen.</p><p>Es vergingen zehn Tage, bis sich Dar Weter endg�ltig mit der neuen Arbeit vertraut gemacht hatte.</p><p>Komplizierte Maschinen bewegten sich in dem steinernen Bauch des unterseeischen Berges und fra�en sich immer weiter in das spr�de rotbraune Mineral hinein. Am schwierigsten war die Arbeit im unteren Teil des Maschinenkomplexes, wo das Gestein automatisch abgebaut und zerkleinert wurde. Die Maschinen wurden von der Zentrale gesteuert, wo die Beobachtungen vom Lauf der Schneid- und Zerkleinerungsanlagen, der wechselnden Festigkeit und Z�higkeit des Minerals sowie die Informationen aus der Aufbereitungsabteilung zusammentrafen. Je nach Metallgehalt, der st�ndig wechselte, erh�hte oder verringerte sich die Geschwindigkeit des Abbau- und Zerkleinerungsaggregats. Wegen des begrenzten wassergesch�tzten Raums konnte den kybernetischen Maschinen nicht der gesamte Arbeitskomplex �berlassen werden.</p><p>Dar Weter wurde Mechaniker f�r Beobachtung, Pr�fung und Schaltung des unteren Aggregats. Er versah seinen t�glichen Dienst in einem halbdunklen Raum, dessen W�nde von Schalttafeln bedeckt waren. Trotz der Ventilation herrschte hier dr�ckende Hitze, die durch den erh�hten Druck noch verst�rkt wurde. Der m�de K�rper verlangte Ruhe, doch das Gehirn nahm gierig die Eindr�cke der neuen Welt auf.</p><p>Wenn Dar Weter und sein junger Gehilfe dann wieder nach oben kamen, standen sie lange auf der Balustrade und sogen die frische Luft ein. Dann gingen sie baden, nahmen ihre Mahlzeit ein und zogen sich in eines der auf den Terrassen gelegenen H�uschen zur�ck. Dar Weter war bem�ht, sich wieder in das neue Gebiet der Mathematik � die Kochlearrechnung � zu vertiefen. Ihm schien, er habe seine fr�here Verbindung zum Kosmos schon v�llig verloren. Wie alle Mitarbeiter der Titanerzgrube blickte er jedem Flo�, das mit sorgf�ltig gestapelten Titanbarren davonfuhr, befriedigt nach. Nach der Reduzierung der Polargebiete waren die St�rme auf der Erde seltener geworden, und viele �berseeische G�tertransporte erfolgten auf Fl��en mit Eigenantrieb oder im Schlepp. Als die Belegschaft der Grube wechselte, blieb Dar Weter zusammen mit zwei anderen Bergbau-Enthusiasten.</p><p>Doch bald mu�te in der Grube die Arbeit unterbrochen werden, die Abbau- und Zerkleinerungsmaschinen wurden �berholt.</p><p>Der s�dliche Herbst mit seinen ruhigen, hei�en Tagen war ins Land gezogen. Dar Weter stieg hinauf in die Berge. In majest�tischer Gr��e ragten hier die jahrtausendealten Felsen empor. Das trockene Gras raschelte, und von tief unten drang leise das Rauschen der Brandung herauf.</p><p>Der ehemalige Leiter der Au�enstationen atmete tief den Geruch der sonnendurchgl�hten Felsen und des trockenen Grases ein. Er war �berzeugt, da� ihm noch viel Gutes bevorsteht � und zwar um so mehr, je besser und st�rker er selbst sein w�rde.</p><p>Wer ein Verhalten s�t,</p><p>wird eine Gewohnheit ernten.</p><p>Wer eine Gewohnheit s�t,</p><p>wird einen Charakter ernten.</p><p>Wer einen Charakter s�t,</p><p>wird ein Schicksal ernten.</p><p>Dieser alte Spruch ging ihm durch den Sinn. Ja, den h�rtesten Kampf hat der Mensch mit dem Egoismus auszufechten! Da helfen keine sentimentalen Grunds�tze und keine sch�ne, aber ohnm�chtige Moral, sondern nur die dialektische Erkenntnis, da� Egoismus nicht Ausgeburt b�ser Kr�fte ist, sondern ein nat�rlicher Instinkt des Urmenschen, der in der Primitivgesellschaft eine gro�e Rolle spielte und der Selbsterhaltung diente. Deshalb ist oft bei stark ausgepr�gter Individualit�t auch der Egoismus stark entwickelt und schwerer zu bek�mpfen. Aber er mu� �berwunden werden, da� ist wohl die wichtigste Aufgabe in der modernen Gesellschaft. Aus diesem Grunde wird soviel M�he und Zeit auf die Erziehung verwendet und die Erbstruktur jedes einzelnen sorgf�ltig untersucht. Mitunter tauchen unerwartet Charaktereigenschaften ferner Vorfahren auf. Es kommt zu erstaunlichen Entartungen der Psyche, wie man sie aus den gro�en Katastrophen im Zeitalter der Partikularistischen Welt kennt, als die Menschen bei ihren Versuchen mit Kernenergie nicht gen�gend Vorsicht walten lie�en und die Erbmasse vieler ihrer Zeitgenossen sch�digten.</p><p>Auch Dar Weter besa� einen weit zur�ckreichenden Stammbaum, der jetzt jedoch nicht mehr gebraucht wurde. Das Studium der Vorfahren war durch eine direkte Strukturanalyse des Vererbungsmechanismus ersetzt worden. Diese Analyse hatte bei der l�ngeren Lebensdauer noch an Bedeutung gewonnen. Seit der �ra der Gemeinschaftlichen Arbeit konnten die Menschen bis zu einhundertundsiebzig Jahre alt werden; vor kurzem hatte sich jedoch herausgestellt, da� auch dreihundert Jahre noch nicht die �u�erste Grenze waren�</p><p>Knirschende Schritte schreckten Dar Weter aus seinen Gedanken. Zwei Gestalten n�herten sich. Er erkannte die Ingenieurin von der Elektroschmelzsektion, eine sch�chterne und schweigsame Frau, und den kleinen, lebhaften Ingenieur vom Au�endienst. Die beiden, vom schnellen Gehen erhitzt, gr��ten Dar Weter und wollten an ihm vor�bergehen, doch er hielt sie an.</p><p>�Ich wollte Sie schon lange bitten�, sagte er, zur Ingenieurin gewandt, �f�r mich einmal die kosmische Sinfonie Nummer dreizehn in f-Moll blau zu spielen. Sie haben uns schon viel vorgespielt, aber das nicht.�</p><p>�Sie meinen die kosmische Sinfonie von Sig Sor?� fragte die Frau. Als Dar Weter ihre Frage mit einem Kopfnicken beantwortete, lachte sie. �Es gibt wenige Menschen auf der Erde, die sie vortragen k�nnen� und wenn, dann nur auf einem Sonnenfl�gel mit dreifacher Klaviatur. Weshalb rufen Sie nicht das �Haus f�r h�here Musik� an, um sich das Band vorspielen zu lassen? Unser Empf�nger ist stark genug.�</p><p>�Ich wei� nicht, wie das gemacht wird�, murmelte Dar Weter, �ich habe fr�her nie��</p><p>�Ich werde die Sinfonie f�r heute abend bestellen!� versprach die Ingenieurin reichte ihrem Gespr�chspartner die Hand und setzte ihren Weg fort.</p><p>F�r den Rest des Tages wurde Dar Weter das Gef�hl nicht los, da� sich etwas Wichtiges ereignen werde. Mit seltsamer Ungeduld erwartete er die elfte Stunde � die vom �Haus f�r h�here Musik� festgesetzte Zeit f�r die Sendung der Sinfonie.</p><p>Die Ingenieurin �bernahm die Rolle des Ordners. Sie bat Dar Weter und die anderen Musikfreunde, im Saal gegen�ber dem silbernen Gitter des Tonger�ts und dem Hemisph�renbildschirm Platz zu nehmen. Sie schaltete das Licht aus und erkl�rte, es sei sonst schwierig, den Farbteil der Sinfonie zu verfolgen, die nur in einem besonders ausgestatteten Saal aufgef�hrt werden k�nne und der hier notgedrungen durch den inneren Raum des Bildschirms Grenzen gesetzt seien.</p><p>Im Dunkel schimmerte schwach der Bildschirm, das Rauschen des Meeres war kaum zu h�ren. In weiter Ferne entstand ein tiefer und voller Ton, von dem eine sp�rbare Kraft auszugehen schien. Er wurde st�rker, lie� das Zimmer und die Herzen der Zuh�rer erbeben. Sich immer h�her schwingend, zerstob und zerfiel er pl�tzlich in Millionen kristallene Splitter. In der dunklen Luft spr�hten winzige orangefarbene F�nkchen auf. Es war wie der Einschlag jenes pr�historischen Blitzes, dessen Entladung vor Millionen Jahrhunderten zum erstenmal auf der Erde einfache Kohlenstoffverbindungen zu komplizierteren Molek�len vereinigt hatte, die die Grundlage f�r die organische Materie und das Leben bildeten.</p><p>Eine Mauer beunruhigender und disharmonischer T�ne w�lzte sich heran, ein tausendstimmiger Chor der Sehnsucht und Verzweiflung, zu dem matte Schatten von Purpur und Rot hin und her huschten und erloschen.</p><p>In der Bewegung der kurzen und scharfen vibrierenden T�ne wurde eine ringf�rmige Ordnung bemerkbar, und in der H�he begann eine verschwommene Spirale grauen Lichts zu kreisen. Pl�tzlich durchschnitten lang anhaltende, erhabene und klingende T�ne voll ungest�mer Kraft den wirbelnden Chor. Die klaren Linien blauer, feuriger Pfeile durchdrangen die weichen Lichtkonturen des Raumes bis in die bodenlose Finsternis hinter der Spirale und versanken im Dunkel des Grauens und Schweigens.</p><p>So endete der erste Satz. Die Zuh�rer vermochten kein Wort hervorzubringen; sie waren noch ganz benommen, als die Musik wieder einsetzte. Breite Kaskaden machtvoller T�ne, von vielfarbigen blendenden Modulationen begleitet, sanken und wurden schw�cher, die strahlenden Lichter verbla�ten im melancholischen Rhythmus einer wehm�tigen Melodie. Da klang in den fallenden Kaskaden etwas Zusammengeballtes und St�rmisches auf, und erneut begannen die blauen Lichter ihren rhythmischen, tanzenden Aufstieg.</p><p>Ergriffen sp�rte Dar Weter in den blauen T�nen das Streben nach schwierigen Rhythmen und Formen; der Urkampf des Lebens mit der Entropie h�tte nicht besser widergespiegelt werden k�nnen � Stufen, D�mme, Filter, die die abfallende Energie aufhielten. So, genau so waren sie, diese ersten Regungen einer �u�erst komplizierten Organisation der Materie!</p><p>Die blauen Pfeile bildeten eine Kette von geometrischen Figuren, Kristallformen und. Gittern, die entsprechend den Verbindungen der Moll-Dreikl�nge komplizierter wurden, zerfielen und sich wieder vereinigten und pl�tzlich erloschen.</p><p>Der dritte Satz der Sinfonie begann mit einem Moderato von Ba�noten, zu denen im Takt blaue Lichter aufflammten und gleich darauf in der Tiefe der Unendlichkeit und Zeit verschwanden. Die drohend schwingenden B�sse wurden st�rker, ihr Rhythmus beschleunigte sich und ging in eine st�rmische und unheilschwangere Melodie �ber. Die blauen Lichter wirkten wie Blumen, die auf d�nnen Feuerstengeln verwelkten. Traurig lie�en sie unter dem Ansturm der tiefen, dr�hnenden T�ne die K�pfe h�ngen und erloschen. Doch die Lichter flammten immer h�ufiger auf, verdichteten sich zu zwei hellen Streifen einer in das unerme�liche Dunkel f�hrenden Stra�e und liefen in die Unendlichkeit des Alls � goldene klingende Stimmen des Lebens, die die finstere Gleichg�ltigkeit der sich bewegenden Materie mit W�rme erf�llten. Die dunkle Stra�e wurde zum Flu�, zum gigantischen Strom einer blauen Flamme, zu einem verworrenen Ornament, in dem der Widerschein bunter Lichter funkelte.</p><p>Ungest�m wuchs die klangvolle Melodie an und entfaltete sich im rhythmischen Tempo des tiefen Grollens der Zeiten. Dar Weter schwirrte der Kopf, er war nicht mehr in der Lage, allen Nuancen der Musik und des Lichts zu folgen, und nahm nur die allgemeinen Umrisse dieser gigantischen Komposition auf. Der Ozean hoher kristallreiner T�ne rauschte in einer strahlenden, ungew�hnlich kr�ftigen leuchtend blauen Farbe. Der Ton wurde immer h�her, und die Melodie selbst wurde zu einer ungest�m wirbelnden Spirale, bis sie pl�tzlich in einem blendendhellen Auflodern des Lichts abbrach.</p><p>Die Sinfonie war zu Ende, und Dar Weter begriff, was ihm all die Monate gefehlt hatte. Er sehnte sich nach einer Arbeit, die mit dem Kosmos verbunden war, mit der sich unaufh�rlich entfaltenden Spirale des menschlichen Strebens in die Zukunft. Direkt vom Musiksaal aus begab er sich in das Fernsprechzimmer und rief die Zentralstation f�r Arbeitsverteilung in der n�rdlichen Wohnzone an. Der junge Informator, der Dar Weter die Arbeit in der Grube vermittelt hatte, erkannte ihn und sagte erfreut: �Heute morgen hat man Sie vom Rat f�r Astronautik angerufen, ich konnte aber keinen Anschlu� bekommen. Ich werde sofort die Verbindung herstellen.�</p><p>Der Bildschirm wurde dunkel und leuchtete kurz danach wieder auf; jetzt sah man das Gesicht Mir Oms, des ersten der vier Sekret�re des Rates.</p><p>�Ein gro�es Ungl�ck hat sich ereignet! Der Satellit 57 ist untergegangen. Der Rat beruft Sie zur �bernahme einer sehr schwierigen Arbeit. Ich schicke Ihnen ein Planetenschiff. Halten Sie sich bereit!�</p><p>Dar Weter blieb noch lange voller Best�rzung vor dem erloschenen Bildschirm sitzen.</p></section><section><title><p>Die roten Wellen</p></title><p>�ber den breiten Balkon des Observatoriums wehte der Wind. Er trug den Duft bl�hender Pflanzen herauf, der dunkle, beunruhigende W�nsche weckte. Mwen Mass konnte sich nicht in den Zustand klaren, sicheren �berlegens versetzen, wie es vor einem gef�hrlichen und verantwortungsvollen Experiment notwendig war. Ren Boos hatte aus Tibet mitgeteilt, da� die Kor-Yull-Anlage umgebaut worden sei und f�r den neuen Zweck verwendet werden k�nne. Die vier Beobachter des Satelliten 57 hatten sich sofort bereit erkl�rt, ihr Leben zu wagen, nur um bei dem Experiment zu helfen. Etwas Derartiges war schon seit langem nicht mehr durchgef�hrt worden.</p><p>Doch das Experiment sollte ohne Wissen des Rates und ohne vorhergehende gr�ndliche Er�rterung aller M�glichkeiten begonnen werden, und das gab dem Ganzen einen Beigeschmack feiger Geheimhaltung, die f�r die modernen Menschen so gar nicht charakteristisch war.</p><p>Das gro�e Ziel schien zwar alle diese Ma�nahmen zu rechtfertigen, doch� Es entstand der uralte menschliche Konflikt zwischen dem Ziel und den Mitteln. Die Erfahrungen Tausender von Generationen lehrten, da� man den kritischen Punkt � die Grenze des �bergangszustandes � genau bestimmen mu�te, wie man es mit Hilfe der Repagularrechnung bei den abstrakten Problemen der Mathematik tat. Doch wie konnte man solche Berechnungen anstellen, wenn es sich um Moral und Intuition handelte?</p><p>Mwen Mass kam immer wieder das Schicksal Bet Lons, eines ber�hmten Mathematikers, in den Sinn. Jener hatte vor zweiunddrei�ig Jahren die These aufgestellt, verschiedene Anzeichen einer Verschiebung in der Wechselwirkung starker Kraftfelder lie�en sich durch das Vorhandensein parallellaufender Dimensionen erkl�ren. Er f�hrte interessante Versuche durch, bei denen Gegenst�nde einfach verschwanden. Die �Akademie der Grenzen des Wissens� entdeckte den Fehler in seinen Theorien und gab eine v�llig andere Erkl�rung f�r die beobachteten Erscheinungen. Bet Lon war �u�erst intelligent, daf�r aber hatte er wenig moralischen Halt und war nicht Herr seiner selbst. Eigenwillig und egoistisch, wie er war, beschlo� er, die Versuche unver�ndert fortzusetzen. Um wirksame Beweise zu erhalten, warb er mutige junge Freiwillige, die im Dienste der Wissenschaft zu allem entschlossen waren. Doch sie verschwanden ebenso spurlos wie die Gegenst�nde. Keiner von ihnen gab je Nachricht von �der anderen Seite�, der anderen Dimension, wie der hartn�ckige Mathematiker erwartet hatte. Nachdem Bet Lon die zw�lf Freiwilligen ins �Nichtsein� bef�rdert oder, richtiger gesagt, vernichtet hatte, wurde er vor Gericht gestellt. Da er nachweisen konnte, er habe nur mit Einwilligung seiner Opfer gehandelt und er sei �berzeugt gewesen, die jungen Leute bewegten sich quicklebendig durch die andere Dimension, wurde er lediglich zur Verbannung verurteilt, verbrachte zehn Jahre auf dem Merkur und zog sich dann auf die Insel des Vergessens zur�ck. Mwen Mass sah in der Geschichte Bet Lons gro�e �hnlichkeit mit der seinen. Auch dort war der heimliche Versuch verboten gewesen, denn er hatte sich auf Argumente gest�tzt, die von der Wissenschaft verworfen worden waren. Diese �hnlichkeit behagte Mwen Mass ganz und gar nicht.</p><p>�bermorgen w�rde die n�chste Sendung �ber den Ring erfolgen, und dann standen ihm volle acht Tage f�r das Experiment zur Verf�gung. Mwen Mass blickte empor zum Himmel. Die Sterne d�nkten ihm heute besonders klar und nahe. Viele kannte er wie alte Freunde bei ihren alten Bezeichnungen. Ja, waren sie nicht eigentlich auch uralte Freunde des Menschen, die ihm die Wege wiesen, seine Gedanken befl�gelten, seine Tr�ume anregten?</p><p>Das matte Sternchen, das sich zum n�rdlichen Horizont neigte, war der Polarstern, Gamma Cephei. Im Altertum lag der Polarstern, wie durch Dokumente genau nachgewiesen ist, im Sternbild des Kleinen B�ren, doch die Drehung des Randteiles der Galaxis zusammen mit dem Sonnensystem f�hrte ihn in Richtung des Cepheus. Der in der Milchstra�e langgestreckte Cygnus, der Schwan, neigte sich bereits mit seinem langen Hals zum S�den. Dort lag der herrliche Doppelstern, den die alten Araber Albireo nannten. In Wirklichkeit sind es aber drei Sterne: Albireo I, der Doppelstern, und Albireo II, ein riesiger blauer Stern mit einem gro�en Planetensystem. Er war fast ebensoweit von der Erde entfernt wie der gigantische Himmelsk�rper am Schwanz des Schwans, der Deneb, ein gelbwei�er Stern mit der 4800fachen Leuchtkraft unserer Sonne. In der letzten Sendung hatte der zuverl�ssige Freund Schwan 61 eine Information von Albireo II aufgefangen, eine Warnung, empfangen vierhundert Jahre nach der Sendung, jedoch noch au�erordentlich interessant. Ein ber�hmter Kosmosforscher des Albireo II, dessen Name durch die Erdzeichen als Vlihh os Dhis wiedergegeben wurde, war im Grenzbereich des Sternbildes der Leier auf die bedrohlichste Gefahr des Kosmos, auf den Stern Ookr, gesto�en und ums Leben gekommen. Die Wissenschaftler der Erde z�hlten diesen Stern zur Klasse E, so genannt zu Ehren des gr��ten Physikers des Altertums, Einstein, der als erster die Existenz solcher Sterne vorausgesagt hatte. In der Folgezeit wurde das allerdings lange bestritten, und man hatte sogar eine Massengrenze f�r Sterne errechnet, die unter dem Namen Chandrasekhar-Grenze bekannt wurde. Der bekannte Astrophysiker der Vorzeit hatte seinen Berechnungen jedoch nur die elementare Mechanik der Massenanziehung und die allgemeine Thermodynamik zugrunde gelegt und die komplizierte elektromagnetische Struktur der Riesen und �berriesen v�llig au�er acht gelassen. Aber gerade die elektromagnetischen Kr�fte sind Voraussetzung f�r die Existenz der E-Sterne, die in ihren Ausma�en mit den roten Riesen der Klasse M, wie zum Beispiel Antares oder Beteigeuze, wetteifern, sich jedoch durch eine gr��ere Dichte auszeichnen, die etwa der unserer Sonne gleichkommt. Die ungeheure Schwerkraft eines solchen Sterns verhindert jede Ausstrahlung, so da� das Licht den Stern nicht verlassen und in den Weltraum, dringen kann. Diese unvorstellbar gro�en verborgenen Massen, die alles verschlucken, was in den Bereich ihrer Anziehungskraft ger�t, existieren unendlich lange im Weltraum.</p><p>Auf die v�llig dunklen E-Sterne wird man im Raum lediglich durch ihre Gravitation aufmerksam, und ein Sternschiff, das sich ihnen unvorsichtig n�hert, ist zum Untergang verurteilt. Auch die unsichtbaren infraroten Sterne der Spektralklasse T bilden f�r Sternschiffe eine Gefahr, ebenso die aus gro�en Teilchen bestehenden Dunkelnebel oder die v�llig erkalteten K�rper der Klasse TT.</p><p>Mwen Mass dachte dar�ber nach, da� die Schaffung des Gro�en Rings, der die von denkenden Wesen besiedelten Welten verband, f�r die Erde und folglich f�r jeden bewohnten Planeten das gr��te Ereignis gewesen war. Vor allem bedeutet es einen Sieg �ber die Zeit, die es weder den Menschen noch den anderen denkenden Wesen erm�glicht, in die fernen Tiefen des Raumes vorzudringen. Eine Sendung �ber den Ring ist eine Sendung in eine beliebig ferne Zukunft, denn auf diese Weise kann der Gedanke des Menschen den Raum immer weiter bis in die entferntesten Gebiete durchdringen. Die M�glichkeit, sehr ferne Sterne zu erforschen, wird real, es ist nur eine Frage der Zeit. Erst k�rzlich hatte die Erde eine Mitteilung von dem riesigen, aber sehr fernen Stern Gamma Cygni erreicht. Bis zu ihm sind es 2800 Parsek, und die Mitteilung brauchte �ber 9000 Jahre bis zur Erde; sie war aber nur den Menschen verst�ndlich und konnte auch nur von Mitgliedern des Rings entziffert werden, die in ihrem Denken den Erdbewohnern nahestanden. Anders ist es allerdings, wenn eine Mitteilung von Kugelsternsystemen oder � haufen ausgeht, die bedeutend �lter sind als die flachen Sternsysteme.</p><p>Dasselbe gilt f�r das Zentrum unserer Galaxis. Rings um ihre Achsenanh�ufung existiert eine breite Zone des Lebens auf erkalteten, dunklen K�rpern, die durch die Strahlung des Galaxiszentrums erw�rmt werden. Von dort erhalten wir seit langem unverst�ndliche Mitteilungen � Bilder komplizierter Strukturen, die mit unseren Begriffen nicht auszudr�cken sind. Die �Akademie der Grenzen des Wissens� bem�ht sich schon seit vierhundert Jahren vergeblich um ihre Entzifferung. Aber vielleicht� dem Afrikaner stockte der Atem. Von den nahen Planetensystemen, von den Mitgliedern des Gro�en Rings, kommen Berichte �ber das innerplanetarische Leben, �ber ihre Wissenschaft und Technik, ihre Kunstwerke. Die fernen, alten Welten der Milchstra�e dagegen zeigen vielleicht die au�erplanetarische, die kosmische Entwicklung ihrer Wissenschaft und ihres Lebens? Wie sie die Planetensysteme nach eigenem Ermessen umgestalten, den Raum �rein fegen� von den gef�hrlichen Meteoriten, sie gleichzeitig mit den f�r das Leben ungeeigneten kalten Au�enplaneten in das Zentralgestirn bef�rdern, um dessen Strahlungsdauer zu verl�ngern oder die Erw�rmungstemperatur ihrer Sonnen bewu�t zu erh�hen. Vielleicht werden die benachbarten Planetensysteme umgestaltet und die g�nstigsten Voraussetzungen f�r eine Zivilisation geschaffen.</p><p>Mwen Mass setzte sich mit dem Archiv f�r Ged�chtnisaufzeichnungen des Gro�en Rings in Verbindung und w�hlte die Signatur einer fernen Mitteilung. Langsam zogen auf dem Bildschirm eigenartige Bilder vor�ber, die von dem Kugelsternhaufen Omega Centauri zur Erde gelangt waren. Er liegt unserem Sonnensystem am zweitn�chsten, 6800 Parsek von ihm entfernt, und das Licht seiner hellen Sterne braucht 22000 Jahre, um die Erde zu erreichen.</p><p>Dichter blauer Nebel breitete sich in gleichm��igen Schwaden aus. Sie waren von senkrechten schwarzen Zylindern durchbohrt, die sich ziemlich schnell drehten. Von Zeit zu Zeit zogen sich die Zylinder kaum merklich zusammen und glichen dann niedrigen Kegeln, die mit den Grundfl�chen aneinandergesetzt waren. Pl�tzlich rissen die blauen Nebelschwaden auseinander, und Feuersicheln drehten sich wie rasend um die Kegelachsen. Die Dunkelheit flog nach oben, blendendwei�e Riesens�ulen wuchsen empor, aus denen gr�ne Blitze zuckten.</p><p>Mwen Mass rieb sich die Stirn vor Anstrengung; wenn doch wenigstens etwas eine Deutung zulie�e.</p><p>Auf dem Bildschirm wanden sich die Blitze spiralf�rmig um die wei�en S�ulen und fielen pl�tzlich in einer Flut metallisch gl�nzender Kugeln hinunter. Daraus entstand ein ringf�rmiger G�rtel, der immer mehr in die Breite und H�he wuchs.</p><p>L�chelnd schaltete Mwen Mass die Aufzeichnung wieder ab und hing seinen �berlegungen nach.</p><p>Weil es entweder in den hohen Breiten der Galaxis keine besiedelten Welten gibt oder weil es uns nicht m�glich ist, mit ihnen in Verbindung zu treten, k�nnen wir Menschen der Erde noch nicht aus unserem von interstellarem Staub verdunkelten �quatorialg�rtel der Galaxis hinausgelangen. Wir k�nnen nicht das Dunkel �berwinden, in das unser Stern, die Sonne, und seine Nachbarn getaucht sind. Deshalb ist es f�r uns schwieriger, das Weltall kennenzulernen, als f�r die andern.</p><p>Mwen Mass blickte zum Horizont, dorthin, wo unterhalb des Gro�en B�ren, unter dem Jagdhund, das Sternbild Haar der Berenike lag. Das ist der Nordpol der Milchstra�e. In dieser Richtung erstreckt sich die Weite des au�ergalaktischen Raumes, ebenso wie auf der entgegengesetzten Seite des Himmels, im Sternbild Sculptor, unweit des bekannten Sterns Fomalhaut, am S�dpol der Milchstra�e. Im Randgebiet, wo sich unsere Sonne befindet, hat die Spiralscheibe der Galaxis nur eine Dicke von rund 600 Parsek, und man brauchte von der Erde 300 bis 400 Parsek, um sich �ber dieses gigantische Sternenrad zu erheben. Dieser weite Weg, f�r Sternschiffe un�berwindbar, bot keine Hindernisse f�r die Sendungen des Rings. Doch bis jetzt hatte sich noch kein Planet aus den in diesen Gebieten gelegenen Sternen in den Ring eingeschaltet.</p><p>Die ewigen R�tsel und schwierigen Aufgaben werden im Nu gel�st sein, wenn es gelingt, die gr��te wissenschaftliche Revolution zu vollbringen � endg�ltig die Zeit auszuschalten und zu lernen, jede Entfernung in jedem beliebigen Zeitraum zur�ckzulegen. Dann werden nicht nur die Sterne unserer Galaxis, sondern auch die entferntesten Sterneninseln von uns nicht weiter entfernt sein als die kleinen Inseln des Mittelmeeres. Darin lag die Rechtfertigung f�r den tollk�hnen Versuch, den Ren Boos ersonnen hatte und den er, Mwen Mass, der Leiter der Au�enstationen der Erde, verwirklichen sollte. Wenn sie doch die Durchf�hrung des Versuchs besser begr�nden k�nnten, um die Erlaubnis des Rates zu erhalten!</p><p>Die Lichter der Spiralstra�e wechselten ihre Farbe von Orange in Wei�: zwei Uhr nachts, die Zeit der Transportverst�rkung. Mwen Mass erinnerte sich, da� morgen das Fest der Flammenschalen war, zu dem ihn Tschara Nandi eingeladen hatte. Der Leiter der Au�enstationen konnte das bronzefarbene M�dchen mit den geschmeidigen Bewegungen nicht vergessen.</p><p>Er kehrte in sein Arbeitszimmer zur�ck, rief das �Institut f�r Metagalaxis� an, das stets nachts arbeitete, und bat, ihm f�r die n�chste Nacht die Stereofilme einiger Galaxien zu schicken. Dann stieg er aufs Dach, wo sein Weitsprungger�t stand. Mwen Mass liebte diesen Sport und hatte es darin zu gro�er Meisterschaft gebracht. Er schnallte sich die Gurte des Ger�ts um und schwang sich mit einem federnden Sprung in die Luft, wobei er f�r einen Augenblick den Propeller einschaltete, der von einem leichten Akku betrieben wurde. Mwen Mass beschrieb in der Luft einen Bogen von ungef�hr 600 Meter L�nge und landete auf einem Vorbau des �Hauses f�r Ern�hrung�. Mit weiteren f�nf Spr�ngen gelangte er zu einem kleinen Garten unter der Steilwand eines Kreideberges, schnallte das Ger�t ab und legte sich auf sein Bett, das unter einer riesigen Platane stand. Bald darauf sank er in tiefen Schlaf.</p><p>Das Fest der Flammenschalen war nach einem bekannten Gedicht des Historikers und Dichters San Sen benannt worden. Es erz�hlte von der altindischen Sitte, nach der den Helden, die zu gro�en Taten auszogen, Schlachtschwerter und Schalen mit brennendem aromatischem Harz von den sch�nsten Frauen �berreicht wurden. Die Schwerter gab es l�ngst nicht mehr, sie galten jedoch noch als Symbol der Heldentat.</p><p>Das Fest der Flammenschalen war zum Fr�hlingsfest der Frauen geworden. Jedes Jahr, im vierten Monat nach der Wintersonnenwende � nach dem alten Kalender im April �, f�hrten die anmutigsten Frauen der Erde T�nze und Gymnastik�bungen vor. Die feinen Nuancen der Sch�nheit der verschiedenen Rassen, die in der Mischbev�lkerung des Planeten zum Ausdruck kamen, strahlten hier in unersch�pflicher Vielfalt und waren f�r die Zuschauer ein erfreulicher Anblick.</p><p>Nicht weniger sch�n war das Fest des Herkules f�r die M�nner, das im neunten Monat nach Wintersonnenwende gefeiert wurde. Urspr�nglich legten die Jungen, die die Reife erlangt hatten, dann Rechenschaft �ber ihre Herkulestaten ab. Sp�ter veranstaltete man in diesen Tagen eine Volksschau hervorragender Leistungen des letzten Jahres. Daraus wurde schlie�lich ein Fest f�r M�nner und Frauen, aufgeteilt in die Tage der N�tzlichkeit, der h�heren Kunst und der wissenschaftlichen K�hnheit und Phantasie. Auch Mwen Mass war einmal Held des ersten und des dritten Tages gewesen.</p><p>Als Mwen Mass im Sonnensaal des Tyrrhenischen Stadions eintraf, trug Weda Kong gerade einige Lieder vor. Bald fand er den neunten Sektor des vierten Radius, wo Ewda Nal und Tschara Nandi sa�en. Er stellte sich in den Schatten des Bogenganges und lauschte Wedas Stimme. Ganz in Wei�, das Gesicht den oberen Galerien zugewandt, sang sie ein Lied an die Freude und erschien dabei Mwen Mass wie die Verk�rperung des Fr�hlings.</p><p>Am Schlu� der Darbietung dr�ckte jeder der Zuschauer auf einen der vor ihm angebrachten vier Kn�pfe. An der Decke des Saales flammten goldene, blaue, gr�ne oder rote Lichter auf und zeigten den Grad des Beifalls f�r den K�nstler an. So wurde das l�rmende Klatschen fr�herer Zeiten vermieden.</p><p>Ein Gefunkel von goldenen und blauen Lichtern, zwischen denen sich einige gr�ne verloren, zeichnete Weda aus. Gl�hend vor Erregung trat sie zu ihren Freundinnen. Da kam auch Mwen Mass n�her und wurde freundlich begr��t.</p><p>Der junge Mann schaute sich um; er suchte seinen Lehrer und Vorg�nger, doch Dar Weter war nirgends zu sehen.</p><p>�Wo haben Sie Dar Weter versteckt?� wandte sich Mwen Mass scherzhaft an die drei Freundinnen.</p><p>�Und wo haben Sie Ren Boos gelassen?� antwortete Ewda Nal mit einer Gegenfrage. Mwen Mass wich ihrem durchdringenden Blick aus.</p><p>�Weter gr�bt unter S�damerika herum, er gewinnt Titan�, sagte Weda Kong; in ihrem Gesicht zuckte es leicht.</p><p>Tschara Nandi legte wie sch�tzend einen Arm um die h�bsche Historikerin.</p><p>Dann warf sie einen Blick auf die Uhr in der Kuppel des Saales und erhob sich.</p><p>Die Kleidung Tscharas verbl�ffte Mwen Mass. Auf den braunen Schultern des M�dchens lag eine Platinkette, die den Hals frei lie�. Der Anh�nger war ein leuchtend roter Turmalin.</p><p>Die feste Brust war fast unbedeckt. Von dem Anh�nger bis zum G�rtel zog sich ein Streifen dunkelvioletten Stoffs. Ebensolche Streifen verliefen mitten �ber jede Brust. Der R�cken war tief ausgeschnitten. Die schmale Taille umgab ein wei�er G�rtel mit schwarzen Sternen und einer Platinschnalle in Halbmondform. Auf dem R�cken war an dem G�rtel ein langer �berwurf aus schwerer wei�er Seide befestigt, der ebenfalls mit schwarzen Sternen verziert war. Bis auf die Kette und die blitzenden Schnallen an den schwarzen Schuhen trug die T�nzerin keinen Schmuck.</p><p>�Gleich bin ich an der Reihe�, sagte Tschara ruhig und ging zum Durchgang. Sie warf noch einen Blick auf Mwen Mass und verschwand, von tausend Blicken begleitet.</p><p>Auf der B�hne erschien eine Turnerin, ein anmutiges junges M�dchen von h�chstens achtzehn Jahren. Von goldenem Licht �berflutet, vollf�hrte sie eine wirbelnde Kaskade von Spr�ngen, Drehungen und Radschl�gen, wobei sie beim Rhythmuswechsel der Musik in ausgefeiltem Gleichgewicht verharrte. Die Zuschauer billigten die Darbietungen durch eine Unzahl goldener Lichter, und Mwen Mass �berlegte, da� es f�r Tschara Nandi nicht leicht war, gleich nach der erfolgreichen Turnerin aufzutreten. Ein wenig beunruhigt lie� er seine Blicke durch den gef�llten Saal schweifen und bemerkte pl�tzlich im dritten Sektor den K�nstler Kart San. Der begr��te ihn mit fr�hlichem Kopfnicken.</p><p>Dann erlosch das Licht. Der durchsichtige Boden aus organischem Glas erstrahlte in Karmesinrot. Von der Rampe ergo� sich purpurnes Licht, flutete hin und her im Einklang mit dem Rhythmus der Musik, den hellen T�nen der Geigen und dem tiefen Klang der Ba�saiten. Von der Dynamik und dem Tempo der Musik ein wenig benommen, bemerkte Mwen Mass nicht sofort, da� in der Mitte der B�hne Tschara stand.</p><p>Sie begann den Tanz mit einer solchen Schnelligkeit, da� die Zuschauer den Atem anhielten. Nicht nur Beine und Arme bewegten sich, der ganze K�rper des M�dchens schien von der feurigen Musik erfa�t. In den Lichtreflexen der B�hne nahm Tscharas r�tliche Hautt�nung eine kupferne Schattierung an. Mwen Mass� Herz schlug schneller. Diese Hautfarbe erinnerte ihn an die Menschen auf dem m�rchenhaften Planeten des Epsilon Tucanae. Damals hatte er erfahren, da� es eine Vergeistigung des K�rpers gibt, der durch Bewegungen die feinsten Nuancen des Gef�hls und der Phantasie, der Leidenschaft und der Suche nach Gl�ck zum Ausdruck bringen kann.</p><p>Mwen Mass erkannte, da� bei der irdischen Menschheit ebenfalls vielf�ltige Formen, reich an Sch�nheit, existieren, die den in seinem Innersten bewahrten Erscheinungen auf dem fernen Planeten glichen. Doch sein Traum konnte nicht so einfach ausgel�scht werden. Tschara, die das Antlitz der roth�utigen Tochter des Planeten des Epsilonsterns annahm, best�rkte den Leiter der Au�enstationen in seinem fr�heren Entschlu�.</p><p>Ewda Nal und Weda Kong, beide selbst ausgezeichnete T�nzerinnen, sahen zum erstenmal Tschara tanzen und waren begeistert. Weda, in der die Anthropologin und Historikerin erwacht war, stellte die These auf, in ferner Vergangenheit habe es in Gondwana, in den s�dlichen L�ndern, stets mehr Frauen gegeben als M�nner. Im Kampf mit den vielen Raubtieren wurden die M�nner dezimiert. Sp�ter, als sich in diesen L�ndern die altorientalischen Despotien herausbildeten, fanden viele der M�nner den Tod in grausamen Kriegen, deren Ursache oft religi�ser Fanatismus oder die Laune eines Gewaltherrschers war. Die T�chter des S�dens f�hrten ein schweres Leben, wodurch sie immer gr��ere Vollkommenheit erreichten. Der Norden mit seiner geringen Bev�lkerung und seiner kargen Natur kannte den Despotismus des Dunklen Zeitalters nicht. Dort blieben mehr M�nner am Leben, war die Frau geachteter und gesch�tzter.</p><p>Weda verfolgte jede Geste Tscharas und stellte in den Bewegungen eine erstaunliche Zwiesp�ltigkeit fest: Sanftheit und Gier zugleich. Sanft waren die gleitenden Bewegungen und die Biegsamkeit ihres K�rpers, die Gier hingegen dr�ckte sich in den schroffen �berg�ngen aus, in den Wendungen, die mit raubtierhafter Schnelligkeit erfolgten. Das war die Geschmeidigkeit, die die dunkelh�utigen T�chter Gondwanas in ihrem Jahrtausende w�hrenden Existenzkampf erworben hatten. Wie gut pa�te sie zu Tscharas feinen, aber markanten kretisch-griechischen Gesichtsz�gen!</p><p>Die Wellen des roten Lichts �berfluteten Tscharas kupferfarbenen K�rper, verloren sich in den dunklen Falten des gl�nzenden Stoffes, f�rbten die wei�e Seide rosa.</p><p>Pl�tzlich, ohne jedes Finale, brachen die st�rmischen Kl�nge ab, erlosch das rote Licht. An der hohen Kuppel des Saals flammte die Beleuchtung auf. Das ermattete M�dchen neigte den Kopf, ihr dichtes Haar fiel �ber ihr Gesicht. Den Tausenden goldenen Lichtern folgte ein dumpfer L�rm: Die Besucher erwiesen Tschara die h�chste Ehre � sie dankten ihr, indem sie sich erhoben und die gefalteten H�nde zur B�hne streckten. Tschara wurde verwirrt, strich die Haare zur�ck und lief, den Blick auf die oberen Galerien gerichtet, von der B�hne.</p><p>Die Festordner gaben eine Pause bekannt. Mwen Mass versuchte, Tschara in der Menge zu finden. Weda Kong und Ewda Nal indessen traten auf die riesige, einen Kilometer breite Freitreppe aus taubenblauem Glas hinaus, die vom Stadion direkt ins Meer f�hrte. Der klare und k�hle Abend lockte die beiden Frauen zum Baden.</p><p>�Nicht umsonst ist mir Tschara Nandi sogleich aufgefallen�, begann Ewda Nal. �Sie ist eine hervorragende K�nstlerin. Heute hat sie uns einen Tanz der Lebenskraft gezeigt. Genau das scheint mir Ausdruck f�r den Eros der Alten zu sein.�</p><p>�Jetzt verstehe ich die Worte Kart Sans, da� die Sch�nheit wichtiger sei, als wir glaubten. Er hat das damals gut formuliert: �Sie ist das Gl�ck und der Sinn des Lebens!� Auch Ihre Formulierung ist zutreffend�, sagte Weda zustimmend. Sie zog die Schuhe aus und tauchte die F��e in das laue Wasser, das an die unteren Stufen klatschte.</p><p>Ewda Nal warf die Kleider ab und st�rzte sich in die Wellen. Weda hatte sie bald eingeholt, und beide schwammen der gro�en Insel zu, die anderthalb Kilometer von der Uferstra�e des Stadions entfernt glitzerte. Die flache, nur wenig �ber den Wasserspiegel ragende Insel s�umten mehrere Reihen von muschelf�rmigen Gebilden aus perlmuttfarbenem Kunststoff, gro� genug, drei oder vier Personen vor Sonne und Wind zu sch�tzen und gegen die Nachbarn abzuschirmen.</p><p>Die beiden Frauen legten sich auf den weichen, federnden Boden einer solchen Muschel und genossen den frischen Geruch des Meeres.</p><p>�Sie sind sch�n braun geworden, seit wir uns das letztemal getroffen haben�, sagte Weda zu der Freundin. �Waren Sie viel am Strand, oder haben Sie Pigmenttabletten eingenommen?�</p><p>�Tabletten�, bekannte Ewda. �Ich habe nur gestern und heute in der Sonne gelegen.�</p><p>�Wissen Sie wirklich nicht, wo Ren Boos ist?� fragte Weda.</p><p>�Ich ahne es, und das gen�gt, um beunruhigt zu sein�, antwortete Ewda Nal leise.</p><p>�Wollen Sie etwa�� Weda verstummte, ohne ihren Gedanken auszusprechen. Doch Ewda schaute sie mit offenem Blick an.</p><p>�F�r mich ist Ren Boos ein� hilfloser, noch unreifer Junge�, fuhr Weda z�gernd fort. �Sie dagegen sind so zielsicher und willensstark.�</p><p>�Dasselbe hat mir auch Ren Boos gesagt, aber Sie haben genausowenig recht wie Ren. Er ist ein Mensch mit ausgepr�gtem Intellekt, erf�llt von gro�er Schaffenskraft. Sogar in unserer Zeit findet man nur wenige Menschen, die ihm gleichkommen. Sie haben mit Recht Ren einen Jungen genannt, aber gleichzeitig ist er im wahrsten Sinne des Wortes ein Held. Nehmen Sie Dar Weter. Auch in ihm steckt etwas Jungenhaftes, nur entspringt es bei ihm einem �berma� an physischer Kraft, w�hrend es sich bei Ren aus deren Fehlen ergibt.�</p><p>�Wie beurteilen Sie Mwen Mass?� fragte Weda interessiert. �Sie haben ihn doch jetzt besser kennengelernt.�</p><p>�In Mwen Mass sind kalter Verstand und das archaische Gef�hl z�gellosen Verlangens wunderbar kombiniert.�</p><p>Weda Kong lachte auf.</p><p>�Wenn ich doch Ihre Exaktheit in der Charakterisierung erlernen k�nnte!�</p><p>�Es ist nun mal mein Fachgebiet, die Psychologie.� Ewda zuckte mit den Schultern. �Aber darf ich Sie jetzt etwas fragen: Sie wissen, da� Dar Weter ein Mensch ist, der mich au�erordentlich fesselt��</p><p>�Sie bef�rchten halbe Entscheidungen?� sagte Weda err�tend. �Nein, hier wird es weder Halbheiten noch Unaufrichtigkeiten geben.�</p><p>Unter dem pr�fenden Blick der �rztin fuhr Weda ruhig fort: �Erg Noor� Unsere Wege haben sich seit langem getrennt. Doch konnte ich mich nicht ganz und gar von Erg entfernen, solange er im Kosmos war, und dadurch die Hoffnung und den Glauben an seine R�ckkehr schw�chen.�</p><p>Ewda Nal legte ihre schmale Hand auf Wedas Schulter.</p><p>�Das hei�t also � Dar Weter?�</p><p>�Ja!� antwortete Weda fest.</p><p>�Wei� er es?�</p><p>�Nein. Er wird es sp�ter erfahren, wenn die Expedition zur�ck ist. Wollen wir jetzt nicht zur�ckschwimmen?� fragte Weda.</p><p>�F�r mich wird es Zeit, das Fest zu verlassen�, sagte Ewda Nal, �mein Urlaub geht zu Ende. Vor mir liegt eine gro�e neue Arbeit in der � Akademie des Leides und der Freude�, aber vorher will ich noch meine Tochter besuchen.�</p><p>�Ist sie schon gro�?�</p><p>�Sie ist siebzehn. Mein Sohn ist schon bedeutend �lter. Ich habe die Pflicht jeder normal entwickelten Frau, mindestens zwei Kinder zur Welt zu bringen, erf�llt. Und jetzt m�chte ich ein drittes haben � aber ein erwachsenes!� Ewda l�chelte, ihr Gesicht dr�ckte z�rtliche Liebe aus.</p><p>�Ich habe, mir immer einen h�bschen kleinen Jungen mit gro�en Augen und einem niedlichen, staunenden Mund gew�nscht. Aber mit Sommersprossen und Stupsnase�, sagte Weda, verschmitzt l�chelnd.</p><p>�Haben Sie noch keine neue Arbeit?� erkundigte sich Ewda Nal nach kurzem Schweigen.</p><p>�Nein. Ich warte auf die �Tantra�. Dann folgt eine lange Expedition.�</p><p>�Kommen Sie doch mit zu meiner Tochter�, schlug Ewda vor, und Weda willigte gern ein.</p><empty-line/><p>�ber die ganze Wand des Observatoriums erstreckte sich der hemisph�rische Siebenmeterbildschirm zur Vorf�hrung von Bildern und Filmen, die mit starken Teleskopen aufgenommen worden waren. Mwen Mass schaltete die �bersichtsaufnahme des Himmelsabschnitts in der N�he des Nordpols der Milchstra�e ein � den Meridianstreifen der Sternbilder vom Gro�en B�ren bis zum Raben und Centaurus. Dort, in den Jagdhunden, dem Haar der Berenike und der Jungfrau, befanden sich zahlreiche Galaxien � Sterneninseln des Weltalls in Form flacher R�der oder Scheiben. Besonders viele wurden im Haar der Berenike entdeckt: regelm��ige und unregelm��ige, mit unterschiedlicher Rotation und Projektion, solche, die unvorstellbar weit, oft Milliarden Parsek, entfernt waren, und solche, die ganze �Wolken� aus Zehntausenden von Galaxien bildeten. Die gr��ten erreichten einen Durchmesser von 20000 bis 50000 Parsek wie die Galaxis NN 89105 + SB 23, im Altertum auch als M 31 oder Andromedanebel bekannt. Von der Erde aus war sie als schwach leuchtende Sternwolke mit blo�em Auge zu erkennen. Schon vor langer Zeit waren die Menschen hinter das Geheimnis dieses Nebelflecks gekommen. Er erwies sich als ein riesiges spiralf�rmiges Sternsystem, das anderthalbmal so gro� ist wie das Milchstra�ensystem. Trotz der Entfernung von achthundertdrei�igtausend Parsek f�hrte die Erforschung des Andromedanebels zu wichtigen Erkenntnissen �ber unsere eigene Galaxis.</p><p>Aus seiner Kindheit erinnerte sich Mwen Mass an die gro�artigen Fotografien verschiedener Galaxien, die mit Hilfe der Elektroneninversion optischer Bilder oder von Radioteleskopen gemacht wurden. Diese Art Teleskope drangen noch weiter in den Kosmos als zum Beispiel die beiden Riesenteleskope im Pamir und in Patagonien, von denen jedes einen Durchmesser von vierhundert Kilometern hatte. Die Galaxien hatten schon immer in ihm den Wunsch wachgerufen, die Gesetze ihres Aufbaus, ihre Entstehungsgeschichte und ihr weiteres Schicksal zu erfahren. Vor allem aber wollte er wissen � und das bewegte jetzt jeden Bewohner der Erde �, ob auf den zahllosen Planetensystemen dieser Sterneninseln Leben existierte, ob es in dem fernen Raum eine Zivilisation g�be. Der Bildschirm zeigte drei Sterne, die bei den alten Arabern Sirrah, Mirach und Alamak genannt wurden � Alpha, Beta und Gamma Andromedae � und in einer aufsteigenden Geraden lagen. Auf beiden Seiten dieser Linie waren zwei nahe Sternsysteme gelegen � der Andromedanebel und die Spirale M 33 im Sternbild Dreieck. Mwen Mass kannte die Aufnahmen zur Gen�ge und nahm einen anderen Film.</p><p>Er zeigte den seit langem bekannten Spiralnebel mit der alten Bezeichnung NGK 5194 oder M 51 im Sternbild Jagdhunde, Millionen von Parsek entfernt. Das war eine der wenigen Sterneninseln, die von der Erde aus als Scheiben, das hei�t senkrecht zu ihrem �quator, zu sehen sind. Ein hell leuchtender dichter Kern aus Millionen Sternen, von dem zwei Spiralarme ausgehen. Nach au�en zu werden die Arme immer schw�cher und nebelhafter, bis sie im Dunkel des Raumes verschwinden. Zwischen den Armen oder Hauptzweigen erstrecken sich, von schwarzen �L�chern� � Wolken aus dunkler Materie � unterbrochen, kleinere Sternhaufen und Wolken leuchtenden Gases, haargenau gekr�mmt wie Turbinenschaufeln.</p><p>Dann betrachtete Mwen Mass den kolossalen Spiralnebel NGK 4565 im Sternbild Haar der Berenike. Aus einer Entfernung von sieben Millionen Parsek zeigte er sich dem Betrachter auf eine Seite geneigt wie ein schwebender Vogel. Der gl�hende Kern. einer stark abgeplatteten Kugel �hnelnd, schien eine dichte, leuchtende Masse zu sein. Es war deutlich zu erkennen, wie flach die Sterneninseln waren; die Galaxis konnte man mit dem R�dchen eines Uhrwerks vergleichen. Der Rand des R�dchens ist unscharf, als l�ste er sich in der bodenlosen Finsternis des Raumes auf. An solch einem Rand unserer Galaxis befand sich die Sonne mit dem winzigen Staubk�rnchen � der Erde, die durch die Kraft des Wissens mit vielen bewohnten Welten verbunden war.</p><p>Mwen Mass schaltete auf den ihn am meisten interessierenden Spiralnebel um, auf NGK 4594 im Sternbild der Jungfrau. Auch er war schr�g geneigt mit seinem �quator sichtbar. Diese r�tselhafte Sterneninsel in einer Entfernung von zehn Millionen Parsek �hnelte einer dicken gl�henden Linse, die von einer Schicht leuchtenden Gases umgeben ist. Am �quator wurde die Linse von einem breiten schwarzen Streifen durchschnitten � einer Anh�ufung dunkler Materie. Dieser Spiralnebel wirkte wie eine geheimnisvolle Laterne, die aus unvorstellbarer Ferne leuchtet.</p><p>Welche Welten mochten sich in seinen Strahlen, die heller sind als die der anderen Spiralnebel und im Durchschnitt die Spektralklasse F erreichen, verbergen? Sind seine riesigen Planeten bewohnt, m�ht sich dort ebenso wie bei uns der Geist um die Erkenntnis der Naturgeheimnisse?</p><p>Das Schweigen der Sterneninseln rief in Mwen Mass ohnm�chtigen Zorn hervor. Bis zu dieser Galaxis brauchte das Licht zweiunddrei�ig Millionen Jahre! F�r den Austausch von Informationen sind also vierundsechzig Millionen Jahre erforderlich.</p><p>Mwen Mass sah die Filmspulen durch. Bald darauf war auf dem Bildschirm inmitten vereinzelter mattschimmernder Sterne ein gro�er, runder heller Lichtfleck zu sehen. Ein ungleichm��iger schwarzer Streifen verlief mitten durch den Fleck und lie� die grell leuchtenden Partien zu beiden Seiten noch st�rker hervortreten. Der Streifen wurde zu den Enden hin breiter und verdeckte den weiten Hof gl�henden Gases, der den hellen Fleck ringf�rmig umgab. Hier hatte man mit technischer Raffinesse zusammentreffende Galaxien im Sternbild Schwan aufgenommen. Dieses Zusammenprallen gigantischer Sternsysteme von der Gr��enordnung unserer Milchstra�e oder des Andromedanebels war schon seit langem als Quelle einer Radiofrequenzstrahlung bekannt, wohl der st�rksten in dem uns zug�nglichen Teil des Weltalls. Die sich schnell bewegenden Gasstr�me erzeugten Magnetfelder von unvorstellbarer St�rke, die in alle Richtungen des Kosmos Nachricht von der gigantischen Katastrophe sandten. Die Materie selbst strahlte dieses Notsignal aus � eine Funkstation mit der Leistung von einer Quintilliarde oder tausend Quintillionen Kilowatt. Aber die Entfernung bis zu den Galaxien war so gro�, da� die Aufnahme auf dem Bildschirm den Zustand vor vielen hundert Millionen Jahren zeigte. Wie die einander durchdringenden Sternsysteme jetzt aussahen, w�rde man auf der Erde erst zu einer Zeit wissen, in der die Menschheit vielleicht gar nicht mehr existierte.</p><p>Mwen Mass sprang auf und pre�te die H�nde um die Tischkante, da� die Gelenke knackten.</p><p>Millionen Jahre w�rden vergehen, Zehntausende von Generationen hinwegsterben, bis diese Signale die Erde erreichten. Das bedeutete selbst f�r die fernsten Nachkommen �niemals�. Die gewaltige Zeitspanne aber lie� sich zusammendr�ngen dank Ren Boos� Entdeckung, die sie beide experimentell erproben wollten.</p><p>Die Astronomen der Vorzeit glaubten, die Spiralnebel strebten nach verschiedenen Seiten auseinander. Das Licht, das von den fernen Sterneninseln in die irdischen Teleskope drang, war aber tr�gerisch: Die Lichtschwingungen verl�ngerten sich und verwandelten sich in rote Wellen. Diese Rotverschiebung im Spektrum schien ein Beweis daf�r, da� sich die Spiralnebel vom Beobachter entfernten. Die Menschen der Vergangenheit waren gewohnt, die Erscheinungen einseitig und geradlinig zu deuten. So stellten sie die Theorie vom auseinanderstrebenden oder explodierenden Weltall auf, sie hatten noch nicht begriffen, da� das nur eine Seite des gewaltigen Prozesses des Werdens und Vergehens war. Eben nur eine Seite � die der Aufl�sung und Zerst�rung �, das hei�t der �bergang der Energie in niedere Formen nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, wurde mit den menschlichen Sinnen und den zu ihrer Verst�rkung konstruierten Ger�ten erfa�t. Die andere Seite aber � die des Werdens, der Integration und der Sch�pfung � wurde von den Menschen nicht wahrgenommen, weil das Leben seine Kraft aus der Sonnenenergie sch�pft und sich das Wahrnehmungsverm�gen entsprechend herausbildet. Der menschliche Verstand erforschte jedoch auch die lange Zeit verborgen gebliebenen Vorg�nge bei der Entstehung der Welten. In jenen weit zur�ckliegenden Zeiten aber glaubte man, da� sich die Sterneninseln um so schneller von der Erde fortbewegten, je weiter sie von ihr entfernt waren. Man errechnete sogar Geschwindigkeiten der Spiralnebel, die der des Lichts nahekamen, und einige Wissenschaftler erkl�rten jenen Abstand zur Grenze des sichtbaren Weltalls, in dem die Spiralnebel Lichtgeschwindigkeit erreicht zu haben schienen. Tats�chlich h�tte man dann von ihnen kein Licht empfangen und sie nie sehen k�nnen. Jetzt aber kennen wir die Ursache f�r die Rotverschiebung ihres Lichts. Und es gibt nicht nur eine daf�r. Von den fernen Sterneninseln dringt nur das von den hellen Zentren ausgestrahlte Licht zur Erde. Diese riesigen Materieanh�ufungen sind von ringf�rmigen Gravitationsfeldern umgeben, die die Lichtstrahlen durch ihre St�rke und durch ihre Ausdehnung stark beeinflussen. Die Lichtschwingungen werden allm�hlich verlangsamt, werden zu l�ngeren, roten Wellen. Schon lange wissen die Astronomen, da� das Licht sehr dichter Sterne rot erscheint, da� sich die Linien ihres Spektrums nach Rot hin verschieben und der betreffende Stern sich zu entfernen scheint, wie zum Beispiel der zweite Stern des Sirius � der wei�e Zwerg Sirius B. Je weiter ein Sternsystem entfernt ist, um so konzentrischer ist die Strahlung, um so st�rker ist die Rotverschiebung seines Spektrums.</p><p>Andererseits werden die Lichtwellen bei einem sehr langen Weg durch den Weltraum �unstet�, und die Lichtquanten verlieren einen Teil ihrer Energie. Heutzutage ist diese Erscheinung gekl�rt: Bei den roten Wellen kann es sich auch um �gealterte� Wellen gew�hnlichen Lichts handeln. Selbst die Lichtwellen k�nnen �altern�, wenn sie unerme�liche Entfernungen zur�cklegen. Welche Hoffnung blieb dem Menschen, Raum und Zeit zu �berwinden, wenn er nicht die Schwerkraft selbst durch ihre Gegens�tzlichkeit angriff, wie in den Berechnungen von Ren Boos?</p><p>Warum also Skrupel! Er hatte das Recht, diesen gewagten Versuch durchzuf�hren.</p><p>Mwen Mass trat auf den Balkon des Observatoriums hinaus und ging hastig auf und ab. Vor seinen erm�deten Augen schimmerten noch die fernen Galaxien, die ihre roten Lichtwellen zur Erde sandten als Hilferufe, mit denen sie an den menschlichen Verstand appellierten. Mwen Mass lachte leise und selbstsicher. Diese roten Wellen w�rden dem Menschen ebenso vertraut werden wie jene, die Tschara Nandi beim Fest der Flammenschalen umflutet hatten � jenes M�dchen, das ihn so stark an die kupferfarbene Tochter des Sterns Epsilon Tucanae erinnerte.</p><p>Nicht nur um eine fremde sch�ne Welt zu entdecken, wollte er Ren Boos� Vektor auf Epsilon Tucanae richten, sondern auch der irdischen Repr�sentantin dieses Sterns zu Ehren.</p></section><section><title><p>Die Schule des dritten Zyklus</p></title><p>Die 410. Schule des dritten Zyklus befand sich in S�dirland. Ausgedehnte Felder, Weinberge und kleine Eichenw�lder zogen sich �ber die H�nge bis zum Meer hin. Weda Kong und Ewda Nal waren w�hrend des Unterrichts gekommen und gingen nun langsam den Korridor entlang, der die Unterrichtsr�ume ringf�rmig umgab. Der Tag war tr�be, leichter Regen fiel, und der Unterricht fand nicht wie sonst auf den Waldwiesen unter den B�umen statt, sondern in den Klassenzimmern.</p><p>Weda Kong kam sich wie ein Schulm�dchen vor. Sie ging auf Zehenspitzen zu den Eing�ngen und lauschte. Wie in den meisten Schulen, hatten auch hier die Klassenzimmer keine T�ren, sondern vorgebaute W�nde, die wie Kulissen ineinander verschachtelt waren. Ewda Nal machte das Spiel mit. Die Frauen sp�hten vorsichtig in die Klassenr�ume, um Ewdas Tochter zu finden.</p><p>Im ersten Raum sahen sie einen mit blauer Kreide gezeichneten Vektor, der �ber die Fl�che einer Wand ging. Um ihn ringelte sich eine Spirale. Zwei Spiralabschnitte waren von querliegenden Ellipsen umgeben, in die ein rechtwinkliges Koordinatensystem eingetragen war.</p><p>�Bipolare Mathematik!� rief Weda leise mit gespieltem Entsetzen.</p><p>�Das ist noch nicht alles! Einen Augenblick noch�, entgegnete Ewda.</p><p>�Nachdem wir nun die Schattenfunktionen der Kochlearrechnung kennengelernt haben�, erkl�rte ein bejahrter Lehrer mit tiefliegenden, funkelnden Augen, �kommen wir zu dem Begriff �Repagularrechnung�. Der Name ist von einem alten lateinischen Wort abgeleitet, das �Schranke� oder �Barriere� bedeutet, genauer gesagt, wechselseitiger �bergang von einer Qualit�t in die andere.� Der Lehrer zeigte auf eine der Ellipsen quer zur Spirale. �Auf die Mathematik angewandt, die Erforschung wechselseitig ineinander �bergehender Erscheinungen.�</p><p>Weda Kong zog die Freundin mit sich fort, und sie verbargen sich hinter einem Vorsprung.</p><p>�Das ist ja ganz neu! Das geh�rt doch zu dem Gebiet, �ber das Ihr Ren Boos am Meeresufer gesprochen hat.�</p><p>�Die Schule vermittelt den Sch�lern immer das Neueste, das Alte wird st�ndig verworfen. Wenn sich die junge Generation veraltete Kenntnisse aneignete, wo bliebe da unsere rasche Entwicklung? Der Zeitaufwand f�r die Wissensvermittlung ist ohnehin noch viel zu gro�. Jahrzehnte dauert es, bis ein Mensch den Bildungsstand erreicht hat, der ihn zur Erf�llung seiner gigantischen Aufgaben bef�higt.</p><p>Dieser rhythmische Wechsel der Generationen, wo auf einen Schritt nach vorn neun Zehntel Schritt zur�ck folgt, wenn n�mlich die abl�sende Generation heranw�chst und ausgebildet werden mu�, ist des Menschen h�rtestes Gesetz, das Gesetz des Todes und der Geburt. Vieles von dem, was wir in der Mathematik, der Physik und der Biologie gelernt haben, ist veraltet. Anders verh�lt es sich mit Ihrer Geschichtswissenschaft. Sie veraltet langsamer, da sie selbst sehr alt ist.�</p><p>Sie schauten in einen anderen Raum. Hier sa�en Jungen und M�dchen von ungef�hr siebzehn Jahren. Ihre ger�teten Wangen zeigten, wie sehr sie vom Unterricht gepackt waren.</p><p>�Die Menschheit hat die h�rtesten Belastungsproben bestanden.� Die Stimme der Lehrerin klang erregt. �Und bis heute gilt als Wichtigstes im Geschichtsunterricht, die historischen Fehler der Menschheit mit all ihren Folgen zu studieren. Unser Leben und die lebensnotwendigen Gegenst�nde wurden immer komplizierter, so da� eine Vereinfachung unumg�nglich war. Je komplizierter die Lebensbedingungen wurden, um so mehr verflachte die geistige Kultur. Es durfte nichts �berfl�ssiges mehr geben, das den Menschen unn�tig belastete. Mit allem, was einer Erleichterung des t�glichen Lebens dient, befassen sich die besten K�pfe unserer Zeit genauso ernsthaft wie mit wichtigen wissenschaftlichen Problemen. Vorbild war f�r uns der allgemeine Entwicklungsweg der Tierwelt, der darauf gerichtet war, durch Automatisierung der Bewegungen und Herausbildung der Reflexe die Aufmerksamkeit zu entlasten. Die Automatisierung der Produktivkr�fte schuf ein analoges reflektorisches Steuerungssystem in der Produktion und erlaubte den meisten Menschen, sich mit dem zu besch�ftigen, was das Grundanliegen des Menschen ist: mit wissenschaftlicher Forschung. Das Gehirn, das uns die Natur gegeben hat, ist zur Forschung bestimmt, wenn es auch urspr�nglich nur der Nahrungssuche und der Ermittlung der E�barkeit gedient hat.�</p><p>�Gut!� fl�sterte Ewda Nal. Da entdeckte sie ihre Tochter.</p><p>Versonnen blickte das nichtsahnende M�dchen auf das undurchsichtige Fensterglas.</p><p>Neugierig verglich Weda Kong das M�dchen mit seiner Mutter: das gleiche lange, glatte schwarze Haar, bei der Tochter allerdings mit einem blauen Band durchflochten und von zwei gro�en Schleifen zusammengehalten. Das gleiche ovale Gesicht, dem die zu breite Stirn einen kindlichen Ausdruck verlieh, die gleichen hervortretenden Backenknochen. Eine schneewei�e Bluse aus synthetischer Wolle unterstrich die matte Bl�sse ihrer Haut und das tiefe Schwarz der Augen, der Brauen und Wimpern. Die rote Korallenkette pa�te gut zu dem reizvollen jungen M�dchen.</p><p>Wie alle in der Klasse trug Ewda Nals Tochter kurze Hosen, nur waren sie an den Seitenn�hten mit roten Fransen besetzt.</p><p>�Ein Indianerschmuck�, fl�sterte Ewda Nal, als sie den fragenden Blick der Freundin sah.</p><p>Die beiden Frauen zogen sich schnell in den Korridor zur�ck, denn die Lehrerin hatte ihren Vortrag beendet und trat aus dem Klassenraum. Einige Sch�ler, unter ihnen auch Ewda Nals Tochter, eilten ihr nach. Das M�dchen blieb unvermittelt stehen, sie hatte die Mutter bemerkt, ihre gro�es Vorbild und ihren ganzen Stolz. Ewda wu�te noch nicht, da� es in der Schule eine Arbeitsgemeinschaft gab, deren Mitglieder sich f�r den gleichen Lebensweg wie ihr, Idol, die ber�hmte Ewda Nal, entschieden hatten.</p><p>�Mama!� fl�sterte das M�dchen und schmiegte sich mit einem verlegenen Blick auf Weda Kong an die Mutter.</p><p>Die Lehrerin kam heran.</p><p>�Ich werde den Rat der Schule gleich informieren, da� Sie hier sind�, sagte sie. Ewdas abwehrende Geste vermochte sie nicht davon abzubringen. �Wir m�ssen doch wenigstens etwas von Ihrem Kommen profitieren.�</p><p>�Profitieren Sie lieber von ihr�, sagte Ewda und stellte Weda Kong vor.</p><p>Die Geschichtslehrerin wurde rot bis zu den Haarwurzeln und sah pl�tzlich sehr jung aus.</p><p>�Ausgezeichnet!� rief sie, bem�ht, den sachlichen Ton beizubehalten. �Die �lteren Gruppen stehen kurz vor ihrer Entlassung. Eine Abschiedsrede von Ewda Nal in Verbindung mit einer Betrachtung �ber alte Kulturen und Rassen von Weda Kong � das w�re ein Abschlu� f�r unsere Jugend! Hab ich nicht recht, Rea?�</p><p>Ewdas Tochter klatschte begeistert in die H�nde. Mit dem elastischen Gang einer Sportlerin eilte die Lehrerin zu den Dienstr�umen, die sich in einem langgestreckten Anbau befanden.</p><p>�Rea, du nimmst dir von der Produktionsarbeit frei, und wir gehen im Garten spazieren�, schlug Ewda ihrer Tochter vor. �Ich kann nicht noch einmal kommen, bevor du dich f�r deine Herkulestaten entscheidest. Das letztemal hatten wir uns ja noch nicht endg�ltig geeinigt.�</p><p>Wortlos hakte Rea die Mutter unter. In jedem Schulzyklus wechselten theoretischer Unterricht und Produktionsarbeit miteinander ab. Die n�chste war eine von Reas Lieblingsstunden: das Schleifen optischer Gl�ser. Aber was war wichtiger als der Besuch der Mutter!</p><p>Weda lie� Mutter und Tochter allein und ging zu dem kleinen astronomischen Observatorium hin�ber.</p><p>�Wo ist denn dein kleiner Kai?� erkundigte sich Ewda. Das M�dchen blickte die Mutter traurig an. Kai war ihr Patensch�ler gewesen. Es war �blich, da� die �lteren Sch�ler die Patenschaft �ber Sch�ler nahe gelegener Schulen des ersten oder zweiten Zyklus �bernahmen. Bei der Sorgfalt, die f�r die Erziehung aufgewandt wurde, war diese Hilfe f�r die Lehrer unerl��lich.</p><p>�Kai ist in den zweiten Zyklus gekommen und weit weggefahren. Mir tut es sehr leid. Warum schickt man uns nur alle vier Jahre an einen anderen Ort, in einen anderen Zyklus?�</p><p>�Aber Kind, du wei�t doch, da� die Psyche unter gleichf�rmigen und eint�nigen Eindr�cken erm�det und abstumpft.�</p><p>�Ich verstehe nur nicht, warum man den ersten der vier dreij�hrigen Zyklen mit Null bezeichnet. Da beginnen doch schon Erziehung und Ausbildung der Kleinen von ein bis vier Jahren.�</p><p>�Die Bezeichnung ist veraltet und v�llig unzutreffend. Doch ohne zwingende Notwendigkeit �ndern wir nicht solche eingeb�rgerten Ausdr�cke, dadurch wird nur menschliche Energie vergeudet. Und das zu verhindern, ist jeder einzelne verpflichtet.�</p><p>�Aber bedeutet dann die Organisation der Zyklen nicht auch einen gro�en Kr�fteverschlei�? Die Sch�ler lernen und leben f�r sich, und dauernd versetzt man sie an einen anderen Ort.�</p><p>�Dieser Kr�fteverschlei� wird reichlich durch die Zunahme der Aufnahmef�higkeit und somit des Nutzeffektes der Ausbildung wettgemacht, die beide unvermeidlich von Jahr zu Jahr nachlassen w�rden. Ihr jungen Leute entwickelt euch je nach Alter und Erziehung zu ganz unterschiedlichen Wesen. Wenn Jugendliche verschiedenen Alters zusammen leben, st�rt das die Erziehung ganz erheblich und schadet auch den Sch�lern selbst. Durch die Einteilung in vier Altersgruppen sind die Altersunterschiede recht zusammengeschrumpft, aber eine endg�ltige L�sung ist das auch noch nicht. Doch unterhalten wir uns erst einmal �ber deine W�nsche und Absichten. Ich mu� sicher eine Vorlesung vor euch allen halten � vielleicht kl�ren sich deine Fragen dann ganz von selbst.�</p><p>Rea vertraute der Mutter ihre geheimsten Gedanken mit dem offenherzigen Vertrauen eines Kindes an, das in der �ra des Gro�en Rings gro� geworden ist und nie kr�nkenden Spott oder Unverst�ndnis kennengelernt hat. Mit dem siebzehnten Lebensjahr war f�r sie die Schulzeit beendet. Dann schlo� sich die dreij�hrige Periode der Herkulestaten an, in der sie bereits im Kreise Erwachsener arbeitete. Erst danach wurde endg�ltig �ber Neigungen und F�higkeiten entschieden. Mit der zweij�hrigen Hochschulausbildung erwarb sie dann das Recht, selbst�ndig auf dem gew�hlten Fachgebiet zu arbeiten. W�hrend seines langen Lebens fand der Mensch gen�gend Zeit, sich Hochschulbildung f�r f�nf, sechs Fachgebiete anzueignen, denn er wechselte ja mehrmals seine Arbeit. Von der Wahl der ersten schwierigen T�tigkeit aber � der Herkulestaten � hing sehr viel ab. Deshalb wurden sie erst nach gr�ndlicher �berlegung ausgew�hlt und nie, ohne einen Erwachsenen zu konsultieren.</p><p>�Habt ihr schon die psychologischen Abschlu�tests hinter euch?� fragte Ewda.</p><p>�Ja. Zwanzig bis vierundzwanzig habe ich in den ersten acht Gruppen, achtzehn und neunzehn in der zehnten und dreizehnten Gruppe und siebzehn sogar in der siebzehnten Gruppe!� verk�ndete Rea stolz.</p><p>�Das ist ja prachtvoll!� rief Ewda erfreut. �Da stehen dir ja alle T�ren offen. Hast du dir das mit deiner ersten Herkulestat auch nicht noch anders �berlegt?�</p><p>�Nein. Ich werde bestimmt Krankenschwester auf der Insel des Vergessens. Anschlie�end will unsere ganze Arbeitsgemeinschaft, deren Vorbild du bist, in einer psychologischen Klinik auf J�tland arbeiten.�</p><p>Ewda machte ein paar scherzhafte Bemerkungen �ber die eifrigen Psychologen, doch Rea bat die Mutter, Mentor aller Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zu werden; sie alle standen ebenfalls vor der Wahl ihrer Herkulestaten.</p><p>�Ich sehe schon, ich werde meinen ganzen Urlaub hier verbringen m�ssen�, sagte Ewda lachend. �Was aber soll Weda Kong machen?�</p><p>Rea hatte die Begleiterin ihrer Mutter schon ganz vergessen. �Sie ist sehr nett�, sagte sie ernst, �und fast so h�bsch wie du!�</p><p>�Viel h�bscher!�</p><p>�Nein, ich wei� es besser�, beharrte Rea. �Und ich sage es nicht etwa, weil du meine Mutter bist.�</p><p>�Jetzt aber Schlu� mit den Schmeicheleien, mein Kind! Die Zeit dr�ngt.�</p><empty-line/><p>Weda Kong wanderte die Allee entlang, immer tiefer in den kleinen Ahornwald hinein. Die feuchten, breiten Bl�tter rauschten leise. �ber die nahe gelegene Wiese zogen schemenhaft abendliche Nebelschwaden. Weda Kong geno� die bewegte Stille der Natur und dachte, wie g�nstig die Schulen doch immer gelegen seien. Bei der Erziehung war eines der wichtigsten Dinge, den Kindern die Natur nahezubringen, Achtung und Liebe ihr gegen�ber zu wecken. Hatte der Mensch keinen Blick mehr f�r die Natur, war das gleichzusetzen mit einem Stillstand in seiner Entwicklung; denn nicht mehr beobachten hei�t nicht mehr verallgemeinern k�nnen. Weda dachte an die Kunst zu lehren, diese �beraus wertvolle F�higkeit in einer Epoche, in der man endlich begriffen hatte, da� die Bildung auch Erziehung sein mu�, wenn sie ein Kind auf seinen schweren Lebensweg vorbereiten soll. Gewi�, die angeborenen Eigenschaften bilden die Grundlage, aber ohne die behutsame Formung des menschlichen Charakters durch einen Lehrer k�nnen sie nutzlos bleiben.</p><p>Die Historikerin dachte an die Zeit, da sie selbst ein junges M�dchen der dritten Altersgruppe voller innerer Widerspr�che war. Sie hatte von Selbstaufopferung getr�umt und gleichzeitig alles nur von ihrem Standpunkt aus, mit der gesunden Egozentrik der Jugend, beurteilt. Was hatten ihre Lehrer damals geleistet!</p><p>In den H�nden des Lehrers liegt die Zukunft des Sch�lers; dank seinen Bem�hungen wird der Jugendliche bef�higt, die schwierigste Aufgabe zu meistern: sich selbst zu �berwinden, seinen Egoismus und seine z�gellosen W�nsche zu bezwingen.</p><p>Ganz in der N�he h�rte Weda Stimmen. Sie ging ihnen nach, kam bald zu einem kleinen, von Kiefern eingeschlossenen See, wo etwa zehn Jungen, mit Kunststoffsch�rzen angetan, sich mit Beilen an einem langen Eichenstamm zu schaffen machten. Die jungen Baumeister begr��ten die Historikerin ehrerbietig und erkl�rten ihr, da� sie nach geschichtlichem Vorbild ein Schiff bauen, ohne automatische S�gen und Maschinen. Mit dem Schiff wollten sie w�hrend der Ferien zu den Ruinen von Karthago fahren, gemeinsam mit ihren Lehrern f�r Geschichte, Geographie und Produktionsarbeit.</p><p>Weda w�nschte den Schiffbauern viel Erfolg und wollte weitergehen. Da trat ihr ein gro�er, schlanker Bursche mit semmelblondem Haar in den Weg.</p><p>�Sie sind zusammen mit Ewda Nal gekommen? Darf ich Sie etwas fragen?�</p><p>Weda nickte.</p><p>�Ewda Nal arbeitet in der �Akademie des Leides und der Freude�. Wir haben bereits die gesellschaftliche Struktur unseres und einiger anderer Planeten durchgenommen, doch �ber die Rolle dieser Akademie hat man uns noch nichts erz�hlt.�</p><p>Weda erz�hlte von den statistischen Erhebungen, die die Akademie im Leben der Gesellschaft durchf�hrte: von den Berechnungen des Leides und des Gl�cks im Leben des einzelnen, von der Erforschung des Leides nach Altersgruppen. Dann analysierte die Akademie die Ver�nderungen des Leides und der Freude in den einzelnen Entwicklungsetappen der Menschheit. Wie grundverschieden auch die Erlebnisse waren, so wurden doch aus den Massenergebnissen, die mit Hilfe statistischer Methoden erarbeitet wurden, wichtige Gesetzm��igkeiten abgeleitet. Die R�te, die die Weiterentwicklung der Gesellschaft lenkten, waren stets um die besten Kennziffern bem�ht. Nur wenn die Freude das Leid �berwog oder ihm, wenigstens die Waage hielt, konnte der Entwicklungsstand der Gesellschaft als g�nstig bezeichnet werden.</p><p>�Die �Akademie des Leides und der Freude� spielt also eine f�hrende Rolle?� fragte ein Junge mit blitzenden Augen.</p><p>Die anderen lachten, und Wedas erster Gespr�chspartner erl�uterte: �Ol hat es mit der f�hrenden Rolle. Dauernd phantasiert er von den gro�en Pers�nlichkeiten der Vergangenheit.�</p><p>�Das ist gef�hrlich�, sagte Weda l�chelnd. �Als Historikerin kann ich euch verraten, da� diese gro�en F�hrerpers�nlichkeiten die abh�ngigsten Menschen waren.�</p><p>�Abh�ngig von der Bedingtheit ihrer Handlungen?� fragte der semmelblonde Junge.</p><p>�So ist es. Aber das geh�rt Gesellschaftsordnungen der �ra der Partikularistischen Welt an und den noch fr�heren. Heutzutage gibt es die f�hrende Rolle eines einzelnen nicht mehr; die Ma�nahmen eines Rates ohne Zustimmung der �brigen sind undenkbar.�</p><p>�Und der Wirtschaftsrat? Ohne seine Zustimmung kann niemand etwas Wichtiges unternehmen�, wandte Ol ein.</p><p>�Das stimmt, denn die �konomie ist die einzige reale Grundlage unserer Existenz. Aber mir scheint, ihr habt eine nicht ganz richtige Vorstellung von der F�hrungst�tigkeit. Habt ihr schon die Zytoarchitektonik des menschlichen Gehirns durchgenommen?�</p><p>Die Jungen bejahten.</p><p>Weda bat um einen Stock und zeichnete Kreise in den Sand.</p><p>�Hier in der Mitte ist der Wirtschaftsrat. Von ihm f�hren direkte Verbindungen zu seinen beratenden Organen: der ALF � der �Akademie des Leides und der Freude�, der APK � der �Akademie der Produktivkr�fte�, der ASVZ der �Akademie f�r Stochastik und Vorhersage der Zukunft�, und der APA � der �Akademie f�r Psychophysiologie der Arbeit�. Eine Zweigverbindung besteht zu dem selbst�ndig arbeitenden Rat f�r Astronautik. Er wiederum hat direkte Verbindungen zur �Akademie f�r gelenkte Strahlung� und zu den Au�enstationen des Gro�en Rings. Weiter��</p><p>Weda zeichnete ein kompliziertes Schema in den Sand und fuhr fort: �Erinnert euch das nicht an das menschliche Gehirn? Die Forschungs- und die Registrierungszentren, das sind die Zentren der Sinne. Die R�te sind die Assoziationszentren. Ihr wi�t, da� das ganze Leben aus dem Wechsel von Akkumulation und Entladung besteht, aus Reiz und Hemmung. Das Hauptzentrum der Hemmung ist der Wirtschaftsrat, der alles den realen M�glichkeiten des gesellschaftlichen Organismus und seiner objektiven Gesetze anpa�t. Diese Wechselwirkung gegens�tzlicher Kr�fte, die in harmonische Arbeit umgesetzt wird, das eben ist unser Gehirn und unsere Gesellschaft � beide entwickeln sich unaufhaltsam vorw�rts. Vor langer Zeit einmal vermochte die Kybernetik die kompliziertesten Wechselwirkungen und Ver�nderungen auf relativ einfache Operationen von Maschinen zur�ckzuf�hren. Doch je mehr unser Wissen zunahm, um so komplizierter erwiesen sich die Erscheinungen und Gesetze der Thermodynamik, Biologie und �konomie, und die vereinfachten Vorstellungen von der Natur und der gesellschaftlichen Entwicklung verschwanden f�r immer.�</p><p>Die Jungen lauschten regungslos.</p><p>�Wem kommt nun die entscheidende Rolle in diesem Gesellschaftsgef�ge zu?� wandte sich Weda an den Verehrer gro�er Pers�nlichkeiten. Der schwieg verlegen, doch der semmelblonde Junge kam ihm zu Hilfe.</p><p>�Der Weiterentwicklung!� erkl�rte er k�hn, und Weda war begeistert.</p><p>�Einen Preis f�r die ausgezeichnete Antwort!� rief sie lachend und l�ste von ihrer linken Schulter eine Emaillespange, auf der ein wei�er Albatros �ber blauem Meer abgebildet war. Sie reichte die Brosche dem Jungen. Als sie sein Z�gern bemerkte, sagte sie nachdr�cklich: �Zur Erinnerung an unser heutiges Gespr�ch und an die Weiterentwicklung!�</p><p>Da nahm der Junge den Albatros.</p><p>Die Spange war ein Geschenk Erg Noors gewesen. In dem pl�tzlichen Bed�rfnis, sie weiterzuschenken, kam vieles zum Ausdruck, unter anderem der Wunsch, alles Fr�here, das bereits Vergangenheit war, abzustreifen.</p><empty-line/><p>Alle Einwohner des Schulst�dtchens hatten sich in dem runden Saal im Zentrum des Geb�udes versammelt. Ewda Nal, im schwarzen Kleid, stieg auf das von oben angestrahlte Podium und lie� ihren Blick ruhig �ber die Reihen des Amphitheaters gleiten.</p><p>Die Versammelten verstummten, um der leisen klaren Stimme zu lauschen. Lautsprecher wurden nur noch bei Sicherheitsanlagen verwendet. Seitdem man Televisiofone hatte, wurden auch keine gro�en Auditorien mehr ben�tigt.</p><p>�Siebzehn Jahre � damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt! Bald werdet ihr in der Versammlung des irischen Bezirks die traditionellen Worte sprechen: Ihr, die �lteren, deren Ruf zur Arbeit ich folge, nehmt mein K�nnen und Wollen, nehmt meine Arbeit und lehrt mich Tag und Nacht. Reicht mir eure helfende Hand, denn der Weg ist schwer. Ich werde euch folgen.�� In dieser alten Formel wird so manches zwischen den Zeilen gesagt, wovon ich heute zu euch sprechen m�chte.</p><p>Von Kindheit an lehrt man euch die Dialektik, die in den B�chern der Antike �Geheimnis des Gegens�tzlichen� genannt wurde. Nur �Eingeweihte�, geistig und moralisch hochstehende Menschen � so glaubte man �, k�nnten sie beherrschen. Heute lernt ihr von fr�hester Jugend an die Welt durch die Gesetze der Dialektik begreifen. Ihr wurdet in einer wohlorganisierten Gesellschaftsordnung geboren, die von vielen Generationen, von Milliarden unbekannter arbeitsamer Menschen geschaffen wurde.</p><p>Die Erziehung des neuen Menschen aber ist eine komplizierte Arbeit, sie erfordert individuelle Untersuchungen und Fingerspitzengef�hl. Die Gesellschaft gibt sich nicht mehr mit Menschen zufrieden, deren Erziehung mehr oder weniger dem Zufall �berlassen war, und deren Charakterschw�chen mit der naturgegebenen Erbmasse entschuldigt wurden. Jeder schlecht erzogene Mensch ist eine Schande f�r die ganze Gesellschaft, ein Beweis f�r Fehler des Kollektivs.</p><p>Ihr aber, die ihr euch noch nicht von der Egozentrik der Jugend befreit habt, sollt stets bedenken, wieviel von euch selbst abh�ngt. Es gibt viele Wege, die ihr w�hlen k�nnt, doch da ihr frei entscheidet, tragt ihr auch die Verantwortung f�r eure Entscheidung. Der Traum des unzivilisierten Menschen von der R�ckkehr zur Natur, von der Freiheit der Urgesellschaft ist l�ngst verflogen. Die Menschheit stand vor der Wahl zwischen gesellschaftlicher Disziplin, lang w�hrender Erziehung und Bildung oder Untergang. Die bedauernswerten Philosophen, die die R�ckkehr zur Natur predigten, verstanden und liebten die Natur nicht wirklich, sonst h�tten sie gewu�t, wie grausam und unerbittlich sie ist und da� sie alles vernichtet, was sich ihren Gesetzen nicht beugt.</p><p>Der Mensch der neuen Gesellschaft erkannte die Notwendigkeit, sein W�nschen, Wollen und Denken einer Disziplin zu unterwerfen. Die Erziehung des Geistes und des Willens ist f�r jeden von uns ebenso obligatorisch wie die Erziehung des K�rpers. Das Studium der Gesetzm��igkeiten in Natur und Gesellschaft sowie in der �konomie l�ste die individuelle zielstrebige Wissensaneignung ab. Wenn wir sagen �Ich will�, so meinen wir damit �Ich wei�, da� es m�glich ist�.</p><p>Bereits vor Jahrtausenden sagten die Griechen: �Metron ariston�, das hei�t: Das Ma� ist das H�chste. Und wir f�gen heute hinzu: Grundlage der Kultur ist, in allem das rechte Ma� zu kennen.</p><p>In dem Grad, wie das kulturelle Niveau stieg, verringerte sich das Streben nach dem kleinlichen Gl�ck des Eigentums, das schnell abstumpft und Unzufriedenheit hervorruft. Wir lehren euch das weit gr��ere Gl�ck des Verzichts, das Gl�ck, anderen helfen zu k�nnen, das Gl�ck wahrer Freude an der Arbeit.</p><p>Die Sorge um die k�rperliche Erziehung, das saubere, anst�ndige Leben vieler Generationen hat euch vor dem dritten gro�en Feind der menschlichen Psyche bewahrt: der Gleichg�ltigkeit. Energiegeladen, ausgeglichen, psychisch gesund, reiht ihr euch in die Welt der Arbeit ein. Je vollkommener ihr seid, um so vollkommener ist die Gesellschaft, denn hier besteht eine wechselseitige Abh�ngigkeit. Ihr werdet euch ein hohes geistiges Milieu in der Gesellschaft schaffen, zu der ihr geh�rt, und sie wiederum wird euch erh�hen. Die gesellschaftliche Umwelt ist der wichtigste Faktor der Erziehung und Bildung des Menschen. Sein ganzes Leben �ber wird der Mensch erzogen und geformt.�</p><p>Ewda Nal machte eine Pause, strich sich mit einer fl�chtigen Handbewegung �bers Haar und fuhr dann fort: �Tr�umerei nannten einst die Menschen das Bestreben, die Wirklichkeit zu erkennen. So aber werdet ihr euer Leben lang tr�umen und freudig Erkenntnisse sammeln, euch weiterentwickeln, k�mpfen und arbeiten. La�t euch durch pl�tzliche R�ckschl�ge nicht beirren � das sind gesetzm��ig wiederkehrende Windungen in der Entwicklungsspirale. Die Wirklichkeit der Freiheit ist hart, doch durch die Disziplin eurer Ausbildung und Erziehung seid ihr darauf vorbereitet. Deshalb ist euch, die ihr eure Verantwortung kennt, jederzeit eine Ver�nderung eurer T�tigkeit gestattet, wenn ihr pers�nlich Freude daran habt. Die Tr�ume von paradiesischer Unt�tigkeit sind durch die Geschichte ad absurdum gef�hrt; sie widersprechen der k�mpferischen Natur des Menschen. Jede Epoche hat ihre Schwierigkeiten, doch die rasche und unaufhaltsame Entwicklung der Kenntnisse und Gef�hle der Wissenschaft und der Kunst bedeutet f�r die gesamte Menschheit gr��tes Gl�ck.�</p><p>Nachdem Ewda Nal ihren Vortrag beendet hatte, begab sie sich zu den vorderen Sitzreihen, wo Weda Kong sie empfing, wie sie auf dem Fest Tschara empfangen hatte. Alle Anwesenden erhoben sich mit der Geste, mit der man einem noch nie erlebten Kunstgenu� Beifall zollt.</p></section><section><title><p>Der tibetanische Versuch</p></title><p>Die Kor-Yull-Anlage befand sich auf dem Gipfel eines Tafelberges, der nur einen Kilometer vom tibetanischen Observatorium des Rates f�r Astronautik entfernt lag. Hier, in viertausend Meter H�he wuchsen keine Pflanzen mehr, au�er den vom Mars eingef�hrten schwarzgr�nen, blattlosen B�umen mit den zum Wipfel hin gebogenen Zweigen. Der Schnee an den H�ngen und in den Gesteinsspalten gl�nzte in dem strahlenden Wei�, das der reine Bergschnee unter einem funkelnden Himmel annimmt.</p><p>Hinter den Mauerresten eines alten Klosters ragte ein r�hrenf�rmiger Stahlturm empor, der von zwei durchbrochenen B�gen gekr�nt war. Auf ihnen wand sich eine riesige Spirale aus Berylliumbronze, bedeckt von wei�en Rheniumkontakten, dem Himmel entgegen. Dicht an die erste Spirale schlo� sich eine zweite an, die mit der offenen Seite zum Boden gerichtet war. Auf ihr verteilt waren acht gro�e Kegel aus einer gr�nlichen Borlegierung, von denen Rohre mit einem sechs Meter dicken Durchmesser abgingen. Zu ihnen f�hren Masten mit Leitringen � eine provisorische Abzweigung von der Observatoriumshauptleitung, die w�hrend einer Sendung die gesamte Energie aller Kraftwerke der Erde aufnahm. Befriedigt betrachtete Ren Boos die Ver�nderungen, die Freiwillige in unwahrscheinlich kurzer Zeit bewerkstelligt hatten. Am schwierigsten war es gewesen, die tiefen Gr�ben in dem unnachgiebigen Berggestein auszuheben. Doch jetzt war auch das geschafft. Die Freiwilligen, die nat�rlich als Belohnung das gro�e Experiment miterleben durften, hatten f�r ihr Zeltlager einen flachen Berghang hinter dem Observatoriumsgel�nde gew�hlt. Mwen Mass, in dessen H�nden alle Verbindungen mit dem Kosmos lagen, sa� fr�stelnd auf einem Stein Ren Boos gegen�ber und erz�hlte ihm ausf�hrlich die Neuigkeiten des Rings. Der Satellit 57 wurde in der letzten Zeit zur Aufrechterhaltung der Verbindung mit den Stern- und Planetenschiffen verwendet und arbeitete nicht f�r den Ring. Mwen Mass berichtete vom Tod Vlih os Dhis� auf dem E-Stern, und der Physiker sagte lebhaft: �Eine so gro�e Schwerkraft in einem E-Stern f�hrt bei einer weiteren Evolution des Sterns zu einem starken Ergl�hen. Es entsteht ein violetter �berriese von erstaunlicher Energie, die die kolossale Gravitation �berwindet. Er besitzt bereits keinen roten Spektralteil mehr; ungeachtet der riesigen Kraft des Gravitationsfeldes werden die Lichtwellen nicht verl�ngert, sondern sie verk�rzen sich.�</p><p>�Die Lichtwellen werden violett und ultraviolett�, erg�nzte Mwen Mass.</p><p>�Nicht allein das. Der Proze� geht weiter. Die Quanten werden immer m�chtiger, es entstehen ein Antigravitationsfeld und der Bereich eines Antiraums � die zweite Bewegungsform der Materie, die uns auf der Erde wegen der Winzigkeit unserer Ma�st�be unbekannt ist. Wir k�nnten hier nichts �hnliches erreichen, selbst wenn wir den gesamten Wasserstoff aus allen Ozeanen des Planeten verbrennen w�rden.�</p><p>Mwen Mass rechnete im Kopf blitzschnell aus: �F�nfzehntausend Trillionen Tonnen Wasser m��ten in Energie des Wasserstoffzyklus umgesetzt werden; nach dem Relativit�tsprinzip sind das rund eine Trillion Tonnen Energie. Die Sonne liefert in einer Minute zweihundertvierzig Millionen Tonnen � w�re das also die gesamte Strahlung der Sonne im Laufe von zehn Jahren!�</p><p>Ren Boos lachte zufrieden.</p><p>�Und wieviel wird der blaue �berriese liefern?�</p><p>�Ich wage nicht nachzurechnen. Aber urteilen Sie selbst: In der gro�en Magellan-Wolke gibt es den Sternhaufen NGK 1910 nahe dem Tarantelnebel� Entschuldigen Sie bitte, ich bin gewohnt, mit den alten Bezeichnungen der Sterne zu operieren.�</p><p>�Das ist v�llig unwichtig.�</p><p>�Der Tarantelnebel ist �brigens so hell, da� er an Leuchtkraft mit dem Vollmond wetteifern k�nnte, bef�nde er sich an der Stelle des bekannten Orionnebels. Im Sternhaufen 1910, der einen Durchmesser von nur siebzig Parsek hat, gibt es nicht weniger als einhundert �berriesen. Dort liegt auch der blaue �berriese ES Doradus mit den hellen Wasserstofflinien im Spektrum und den dunklen am violetten Rand. Sein Umfang ist gr��er als die Umlaufbahn der Erde � ein Doppelstern mit f�nfhunderttausendfacher Sonnenleuchtkraft! Hatten Sie einen solchen Stern im Auge? In dem Sternhaufen gibt es auch noch gr��ere, mit einem Umfang gleich der Umlaufbahn des Jupiters, aber sie befinden sich noch im Stadium der Erw�rmung nach dem E-Zustand.�</p><p>�Lassen wir die �berriesen in Ruhe. Die Menschen schauten jahrtausendelang zu den Ringnebeln im Wassermann, im Gro�en B�ren und in der Leier hinauf und wu�ten nicht, da� sie neutrale Felder der Null-Gravitation vor sich hatten, den �bergang zwischen Gravitation und Antigravitation. Dort lag auch das R�tsel des Nullraumes versteckt.�</p><p>Ren Boos sprang von der Schwelle des Steuerungsbunkers auf, der aus gro�en gegossenen Silikatbl�cken zusammengef�gt war.</p><p>�Ich habe mich ausgeruht. Wir k�nnen beginnen!�</p><p>Mwen Mass� Herz begann heftig zu schlagen, die Erregung schn�rte ihm die Kehle zu. Ren Boos blieb ruhig, nur der fiebrige Glanz seiner Augen verriet seine starke Konzentration. Mwen Mass reichte ihm die Hand. Ein Kopfnicken � und kurze Zeit sp�ter war die hohe Gestalt des Leiters der Au�enstationen bereits am Berghang zu sehen, auf dem Wege zum Observatorium. Unheildrohend heulte ein kalter Wind; er wehte her�ber von den vereisten Bergriesen, die das Observatorium im Tal umgaben. Mwen Mass fr�stelte und beschleunigte unwillk�rlich seine Schritte, obgleich kein Grund zur Eile vorhanden war. Das Experiment sollte erst nach Sonnenuntergang beginnen.</p><p>Mwen Mass nahm �ber den Mondwellenbereich mit dem Satelliten 57 Verbindung auf. Die Reflektoren und Richtger�te des Satelliten 57 w�rden den Epsilon Tucanae in den wenigen Minuten fixieren, da er sich vom dreiunddrei�igsten Grad n�rdlicher Breite zum S�dpol bewegte und auf seiner Umlaufbahn sichtbar wurde.</p><p>Mwen Mass nahm Platz am Pult im unterirdischen Zimmer, das dem im Mittelmeer-Observatorium au�erordentlich glich. Zum tausendstenmal sah er die Angaben �ber den Planeten des Epsilon Tucanae durch und �berpr�fte Punkt f�r Punkt die errechnete Planetenbahn. Erneut sprach er mit dem Satelliten 57. Er legte fest, da�, sobald das Feld eingeschaltet sei, die Beobachter des Satelliten vorsichtig und langsam die Richtung auf einem Bogen, der viermal so gro� war wie die Sternenparallaxe, ver�ndern sollten.</p><p>Die Zeit kroch dahin. Mwen Mass wurde den Gedanken an Bet Lon, den verbrecherischen Mathematiker, nicht los. Doch da tauchte auf dem Bildschirm, des Televisiofons Ren Boos am Steuerpult der Versuchsanlage auf.</p><p>Die Dispatcher der Energiestationen teilten ihre Bereitschaft mit. Mwen Mass griff nach den Hebeln am Pult, doch eine Bewegung Ren Boos� auf dem Bildschirm lie� ihn einhalten.</p><p>�Man m��te die Reserve-Q-Station in der Antarktis benachrichtigen; die vorhandene Energie reicht nicht aus.�</p><p>�Das habe ich getan, sie ist bereit.�</p><p>Der Physiker dachte einen Augenblick nach.</p><p>�Auf der Tschuktschenhalbinsel und auf Labrador sind Stationen f�r F-Energie gebaut. Wenn man mit ihnen vereinbaren k�nnte, im Moment der Inversion ihre Felder einzuschalten; ich f�rchte��</p><p>�Ist bereits geschehen.�</p><p>Ren Boos strahlte und gab ein Zeichen.</p><p>Eine riesige Energies�ule erreichte den Satelliten 57. Auf dem Hemisph�renbildschirm des Observatoriums zeigten sich die erregten Gesichter der jungen Beobachter.</p><p>Mwen Mass begr��te die jungen Menschen und �berpr�fte, ob die Energies�ule genau auf den Satelliten eingestellt war und ihm folgte. Dann schaltete er die gesamte Leistung auf die Anlage von Ren Boos um. Der Kopf des Physikers verschwand vom Bildschirm.</p><p>Der Zeiger der Leistungsindikatoren bewegten sich nach rechts; sie zeigten damit die ununterbrochene Zunahme der Energiemenge an. Die Signale leuchteten heller, ihr Licht wurde immer wei�er. Aber sobald Ren Boos neue Feldstrahler einschaltete, schnellten die Zeiger sprunghaft zum Nullstrich zur�ck. Ein alarmierendes Klingeln der Versuchsanlage. Mwen Mass zuckte zusammen. Doch er wu�te, was zu tun war. Ein Hebelgriff � und die Energie der Q-Station lie� die Zeiger wieder nach rechts ausschlagen. Kaum hatte Ren Boos auf volle Inversion geschaltet, sprangen die Zeiger wieder auf Null zur�ck. Augenblicklich, fast instinktiv, setzte Mwen Mass beide F-Stationen zugleich ein.</p><p>Ihm war, als seien alle Ger�te erloschen, ein seltsam fahles Licht erf�llte den Raum. Alle Ger�usche verstummten. Noch eine Sekunde � und durch sein Bewu�tsein w�rde der Schatten des Todes ziehen. Die H�nde um das Pult gekrallt, st�hnend vor Anstrengung und furchtbaren Schmerzen im R�ckgrat, k�mpfte er gegen das �belkeit erregende Schwindelgef�hl an. Das fahle Licht wurde heller, doch woher es kam, vermochte Mwen Mass nicht zu bestimmen. Vielleicht vom Bildschirm, vielleicht aber auch von der Anlage Ren Boos�.</p><p>Pl�tzlich war ihm, als rei�e ein Nebelschleier auf; deutlich nahm er ein Pl�tschern und einen unbestimmbaren Geruch wahr. Zu seiner Linken sah er schemenhaft hoch aufragende Kupferberge, ums�umt von t�rkisblauen B�umen. Die Wellen eines violetten Meeres pl�tscherten zu Mwen Mass� F��en. Der Schleier wich immer weiter zur�ck, und er erblickte seinen Traum � das roth�utige M�dchen; sie sa� auf dem Absatz einer breiten Treppe. Ihr Blick war in die Ferne, aufs Meer gerichtet. Pl�tzlich sah sie Mwen Mass an; Verwunderung und Entz�cken war in ihren Augen zu lesen. Sie erhob sich und streckte Mwen Mass die Hand entgegen.</p><p>�Offa, alli kor�, erklang z�rtlich ihre melodische und doch kr�ftige Stimme. Mwen Mass wollte antworten, aber dort, wo eben noch das M�dchen gestanden hatte, zuckte eine gr�ne Flamme auf, und ein entsetzliches Pfeifen erf�llte den Raum. W�hrend ihm die Sinne schwanden, f�hlte Mwen Mass noch, wie er von einer ungeheuren Kraft zusammengepre�t und herumgewirbelt und schlie�lich gegen etwas Hartes geschleudert wurde. Sein letzter Gedanke galt dem Schicksal des Satelliten 57, der Station und Ren Boos.</p><empty-line/><p>Die Mitarbeiter des Observatoriums, die etwas weiter entfernt am Hang standen, und die Erbauer der Anlage sahen nur sehr wenig. Hoch am tibetanischen Himmel blitzte etwas auf, was das Leuchten der Sterne f�r einen Augenblick verfinsterte. Dann st�rzte etwas Unsichtbares mit riesiger Kraft auf die Versuchsanlage herab, zog sich zu einem gewaltigen Luftwirbel zusammen und ri� Felsbl�cke auseinander. Wie von einer gigantischen Kanone abgefeuert, scho� ein schwarzer Trichter mit einem Durchmesser von ungef�hr einem Kilometer auf das Oberservatorium zu, hob sich in die H�he, fiel wieder zur�ck und zertr�mmerte die Anlage mit solcher Wucht da� die Bruchst�cke weit durch die Luft flogen. Danach herrschte Grabesstille. In der staubgeschw�ngerten Luft lag der Geruch von Qualm und verbranntem Gestein, dem noch etwas Seltsames beigemengt war, was stark an den Geruch bl�hender Gew�sser in den Tropen erinnerte.</p><p>Als die Menschen zur Ungl�cksstelle gerannt kamen, sahen sie, da� zwischen dem Berg und dem Observatorium eine breite Furche aufgerissen und der dem Tal zugekehrte Berghang weggerissen war. Das Observatorium selbst war verschont geblieben. Die Furche erstreckte sich bis zur S�dostwand und verlief durch die zerst�rte Verteilergalerie f�r die Ged�chtnismaschinen bis hin zur Kuppel der unterirdischen Kammer, die von einer vier Meter dicken Basaltschicht bedeckt war. Der Basalt war wie von einer riesigen Maschine abgeschliffen. Ein Teil der Schicht hatte jedoch standgehalten und so Mwen Mass und den unterirdischen Raum vor der v�lligen Vernichtung bewahrt.</p><p>Ein Rinnsal fl�ssigen Silbers glitzerte in einer Bodenvertiefung � die geschmolzenen Armaturen der Energieaufnahmestation.</p><p>Bald waren die Kabel der Notbeleuchtung wieder instand gesetzt. Im Licht des Scheinwerfers auf dem Leuchtturm der Anfahrtstra�e bot sich den Menschen ein ersch�tterndes Bild: Das Metall der technischen Anlagen bedeckte in einer d�nnen Schicht die breite Furche, so da� sie wie verchromt gl�nzte. Dort, wo einst der Berghang gewesen war, ragte ein St�ck der Bronzespirale aus dem Felsen. Das Gestein war glasig zerlaufen, wie Lack unter einem hei�en Siegel. Die darin versunkenen roten Metallwindungen mit den wei�en Zacken der Rheniumkontakte funkelten im elektrischen Licht wie eine Blume aus Emaille. Ein Blick auf diese Juwelierarbeit von 200 Meter Durchmesser lie� Furcht aufkommen vor der unbekannten Gewalt, die hier gehaust hatte.</p><p>Als der von Tr�mmern versch�ttete Eingang zu der unterirdischen Kammer freigelegt war, fanden sie Mwen Mass kniend, den Kopf auf das kalte Gestein der unteren Treppenstufe gelegt. Offensichtlich hatte der Leiter der Au�enstationen in einem Augenblick klaren Bewu�tseins versucht, sich herauszuarbeiten. Unter den Freiwilligen fanden sich schnell einige �rzte. Der kr�ftige Organismus Mwen Mass� �berwand bald mit Hilfe starker Arzneien die Folgen der Versch�ttung. Schwerf�llig erhob er sich, von beiden Seiten gest�tzt.</p><p>�Was ist mit Ren Boos?�</p><p>Die Gesichter der Umstehenden verfinsterten sich. Der Leiter des Observatoriums antwortete heiser: �Ren Boos ist grausam verst�mmelt. Er wird nicht mehr lange leben.�</p><p>�Wo ist er?�</p><p>�Man hat ihn am Osthang gefunden. Er mu� aus dem Versuchsraum herausgeschleudert worden sein. Auf dem Gipfel des Berges existiert nichts mehr. Selbst die Tr�mmer sind restlos weggefegt.�</p><p>�Und Ren Boos liegt noch dort?�</p><p>�Er ist nicht transportf�hig. Die Knochen sind zerschlagen, die Rippen gebrochen��</p><p>�Noch mehr?�</p><p>�� und sein Leib ist aufgerissen.�</p><p>Mwen Mass� Beine versagten; krampfhaft klammerte er sich an die beiden, die ihn f�hrten. Doch Wille und Verstand waren v�llig intakt.</p><p>�Ren Boos mu� um jeden Preis gerettet werden! Er ist ein hervorragender Wissenschaftler.�</p><p>�Das wissen wir. F�nf �rzte m�hen sich bereits um ihn. Man hat �ber ihm ein steriles Operationszelt errichtet. Zwei freiwillige Blutspender liegen neben ihm. Das k�nstliche Herz und die k�nstliche Leber arbeiten bereits.�</p><p>�F�hren Sie mich zur Fernzentrale. Jemand soll mich mit dem Weltnetz verbinden und das Informationszentrum des Nordg�rtels rufen. Was ist mit dem Satelliten 57?�</p><p>�Wir haben ihn gerufen. Er schweigt.�</p><p>�Suchen Sie den Satelliten mit dem Teleskop und beobachten Sie ihn unter starker Vergr��erung im Elektroneninvertor.�</p><p>�Die Maschinen sind stark besch�digt, auch der Indikator arbeitet nicht mehr.�</p><p>�Alles zum Teufel�, fl�sterte Mwen Mass, und sein Kopf sank auf die Brust.</p><p>Der Diensthabende des n�rdlichen Informationszentrums sah auf dem Bildschirm ein von Staub und Blut verschmiertes Gesicht mit fiebergl�nzenden Augen. Er begriff nicht gleich, da� er den Leiter der Au�enstationen � eine bekannte Pers�nlichkeit auf dem Planeten � vor sich hatte.</p><p>�Ich brauche den Vorsitzenden des Rates f�r Astronautik, Grom Orm, und die Nerven�rztin Ewda Nal.�</p><p>Der Diensthabende nickte und machte sich an der Ged�chtnismaschine zu schaffen. Eine Minute sp�ter war die Antwort da.</p><p>�Grom Orm bereitet Materialien vor und ist deshalb ins Wohnheim des Rates gezogen. Soll ich den Rat rufen?�</p><p>�Ja. Und Ewda Nal?�</p><p>�Die befindet sich zur Zeit in Irland, in der 410. Schule. Wenn es dringend ist, versuche ich, sie�� � der Diensthabende schaute auf ein Schaltschema � �� zur Sprechstelle 5664 SP holen zu lassen.�</p><p>�Es ist sehr dringend! Es geht um Leben und Tod!�</p><p>Der Diensthabende blickte ruckartig von seinem Schema auf.</p><p>�Ist ein Ungl�ck geschehen?�</p><p>�Ein gro�es Ungl�ck!�</p><p>�Ich �bergebe den Dienst meinem Assistenten und werde mich ausschlie�lich Ihrer Angelegenheit widmen. Warten Sie!�</p><p>Mwen Mass sank in einen Sessel; er mu�te in Ruhe nachdenken und Kr�fte sammeln. Der Leiter des Observatoriums st�rzte ins Zimmer.</p><p>�Wir haben eben die Stellung des Satelliten 57 fixiert. Er ist nicht mehr da!�</p><p>Mwen Mass sprang auf, als h�tte er keinerlei Verletzungen erlitten.</p><p>�Nur das Kosmodrom ist �briggeblieben�, setzte der Leiter die Hiobsbotschaft fort, �es fliegt auf der gleichen Flugbahn. Wahrscheinlich gibt es noch viele kleine St�cke.�</p><p>�Die Beobachter sind also��</p><p>�Zweifelsohne ums Leben gekommen!�</p><p>Mwen Mass pre�te seine geballten F�uste an die Schl�fen.</p><p>Einige Minuten qualvollen Schweigens vergingen.</p><p>Endlich leuchtete der Bildschirm wieder auf.</p><p>�Grom Orm ist am Apparat im Haus der R�te�, sagte der Diensthabende und bet�tigte einen Hebel.</p><p>Auf dem Bildschirm war ein gro�er, mattbeleuchteter Saal zu sehen, und wenige Sekunden sp�ter tauchte der allen bekannte chrakteristische Kopf des Vorsitzenden des Rates f�r Astronautik auf. Ein scharfgeschnittenes, schmales Gesicht mit gro�er Adlernase, tiefliegenden Augen unter skeptisch hochgezogenen Brauen, energisch zusammengepre�ten Lippen.</p><p>Unter Grom Orms Blick senkte Mwen Mass schuldbewu�t den Kopf.</p><p>�Soeben wurde der Satellit 57 zerst�rt!� Verzweifelt schleuderte der Afrikaner das Bekenntnis heraus.</p><p>Grom Orm zuckte zusammen, und sein Gesicht wirkte noch kantiger.</p><p>�Wie konnte das geschehen?�</p><p>Knapp und exakt erz�hlte Mwen Mass alles, ohne das Verbot des Experiments zu verheimlichen. Die Brauen des Ratsvorsitzenden zogen sich zusammen, um den Mund kerbten sich tiefe Falten ein, doch der Blick blieb ruhig.</p><p>�Warten Sie, ich k�mmere mich um Hilfe f�r Ren Boos! Glauben Sie, Aph Nut k�nnte��</p><p>�Ja, wenn Aph Nut�!�</p><p>Der Bildschirm wurde dunkel. Das Warten war qualvoll. Unter gr��ter Anstrengung zwang sich Mwen Mass zur Ruhe. Gewi�, bald w�rde� Da war auch Grom Orm wieder.</p><p>�Ich habe Aph Nut aufgesp�rt und ihm ein Planetenschiff geschickt. Mindestens eine Stunde braucht er, um seine Assistenten und die Apparatur vorzubereiten. In zwei Stunden wird er bei Ihnen im Observatorium sein. Doch nun zu Ihnen. Ist der Versuch gelungen?�</p><p>Die Frage traf Mwen Mass unerwartet. Zweifellos hatte er den Planeten des Epsilon Tucanae gesehen. Doch war das ein wirkliches Zusammentreffen mit der unglaublich fernen Welt gewesen? War nicht nur aus der schweren seelischen Belastung des Versuchs und dem brennenden Wunsch, den Epsilonstern zu sehen, eine Halluzination entstanden? Konnte er der Welt erkl�ren, das Experiment sei gelungen, neue Anstrengungen, Opfer und Ausgaben seien f�r eine Wiederholung notwendig? Durfte er behaupten, die von Ren Boos entwickelten theoretischen Grundlagen seien erfolgversprechender als die seiner Vorg�nger? Im Vertrauen auf die Ged�chtnismaschinen hatten sie das Experiment nur zu zweit durchgef�hrt. Was hatte Ren gesehen, was w�rde er berichten k�nnen? Ja, wenn er �berhaupt etwas gesehen hatte!</p><p>Mwen Mass richtete sich auf.</p><p>�Beweise, da� der Versuch gelungen ist, besitze ich nicht. Was Ren Boos beobachtet hat, wei� ich nicht��</p><p>�Was schlagen Sie vor?�</p><p>Aus Grom Orms Blick sprach aufrichtiges Bedauern, doch gleich darauf nahm sein Gesicht einen strengen Ausdruck an.</p><p>�Ich bitte um die Erlaubnis, die Station unverz�glich Yuni Ant �bergeben zu d�rfen. Ich bin nicht w�rdig, die Leitung noch l�nger innezuhaben. Dann werde ich bei Ren Boos bis zum Schlu߅�, Mwen Mass stockte und fuhr fort, �� bis zum Schlu� der Operation bleiben. Danach� danach werde ich auf der Insel des Vergessens die Gerichtsverhandlung abwarten. Ich selbst habe bereits das Urteil �ber mich gef�llt.�</p><p>�Vielleicht haben Sie recht. Aber mir ist noch vieles unklar, deshalb m�chte ich mich mit meiner Schlu�folgerung noch zur�ckhalten. Ihre Handlungsweise wird auf der n�chsten Sitzung des Rates untersucht werden. Wer ist, Ihrer Meinung nach, der geeignetste Vertreter f�r Sie, vor allem beim Wiederaufbau der Satellitenstation?�</p><p>�Ich kenne keinen besseren als Dar Weter.�</p><p>Der Ratsvorsitzende nickte zustimmend. Nachdenklich sah er den Afrikaner an, als habe er ihm noch etwas zu sagen, winkte dann aber nur zum Abschied. Der Schirm erlosch, gerade im rechten Augenblick, denn pl�tzlich verschwamm alles vor den Augen des ungl�cklichen Experimentators.</p><p>�Bitte, informieren Sie Ewda Nal�, konnte er noch mit M�he dem Leiter des Observatoriums zufl�stern und st�rzte zu Boden.</p><empty-line/><p>Hauptperson im Observatorium von Tibet war ein zierlicher gelbh�utiger Mann mit strahlendem L�cheln und gebieterischen Gesten. Seine Assistenten f�gten sich ihm mit freudiger Ehrerbietung. Doch die Autorit�t des Lehrers begrenzte keineswegs ihre eigenen Ideen und Unternehmungen. Dieses aufeinander eingespielte Team t�chtiger M�nner war w�rdig, den schlimmsten und un�berwindlichen Feind des Menschen, den Tod, zu bek�mpfen.</p><p>Als Aph Nut h�rte, da� Ren Boos� Abstammungskarte noch nicht eingetroffen war, brauste er auf. Doch als er erfuhr, Ewda Nal selbst werde sie zusammenstellen und mitbringen, beruhigte er sich ebenso schnell wieder.</p><p>Der Leiter des Observatoriums fragte vorsichtig, wozu die Karte gebraucht werde und was Ren Boos seine fernen Vorfahren noch n�tzen k�nnten.</p><p>�Wir m�ssen die Erbstruktur eines jeden genau kennen, um seine psychische Konstitution entschl�sseln und Prognosen stellen zu k�nnen�, erkl�rte Aph Nut. �Nicht weniger wichtig sind die Angaben �ber die neurophysiologischen Besonderheiten, die Widerstandsf�higkeit des Organismus, die Immunit�t, die spezifische Empfindlichkeit f�r Traumata und die Allergie gegen Arzneimittel. Die Behandlungsmethode kann nicht pr�zise sein, wenn wir nicht die Erbstruktur und die Bedingungen kennen, unter denen die Vorfahren lebten.�</p><p>Der Leiter wollte noch etwas fragen, doch Aph Nut schnitt ihm das Wort ab: �Denken Sie �ber meine Antwort nach. Ich habe jetzt keine Zeit mehr!�</p><p>Der Astronom murmelte eine Entschuldigung, die der Chirurg nicht mehr h�rte.</p><p>Auf einem kleinen Platz am Fu� des Berges war ein transportables Operationsgeb�ude entstanden und mit Wasser-, Elektrizit�ts- und Pre�luftanschl�ssen versehen worden. Viele Hilfskr�fte hatten sich zur Verf�gung gestellt, innerhalb von drei Stunden war alles fertig. Unter den �rzten, die ebenfalls bei dem Bau geholfen hatten, w�hlten Aph Nuts Assistenten f�nfzehn M�nner f�r den Dienst in dieser chirurgischen Klinik aus. Ren Boos wurde unter eine absolut sterile durchsichtige Plasthaube gelegt und durch Spezialfilter mit steriler Luft versorgt. Aph Nut und vier seiner Assistenten verbrachten mehrere Stunden in einem Vorraum des Operationssaals, wo bakterient�tende Schwingungen und mit sterilisierendem Gas ges�ttigte Luft auf sie einwirkten, bis sogar ihr Atem keimfrei war. W�hrenddessen wurde Ren Boos� K�rper stark unterk�hlt. Dann begannen die �rzte schnell und sicher ihre Arbeit.</p><p>Die zerschmetterten Knochen und die auseinandergerissenen Gef��e des Physikers wurden mit Klammern und Haken aus Tantal wieder zusammengef�gt. Aph Nut untersuchte die Verletzungen der inneren Organe. Die aufgerissenen D�rme und der Magen wurden, nachdem die abgestorbenen Zellen entfernt wurden, zusammengen�ht und in ein Gef�� mit der schnell heilenden Fl�ssigkeit B 314 gelegt, die den somatischen Besonderheiten des Organismus entsprach. Dann wandte sich Aph Nut dem Schwierigsten zu. Unterhalb der Rippen l�ste er die schwarz gewordene, von Rippensplittern durchbohrte Leber und zog mit erstaunlicher Sicherheit die d�nnen F�den der autonomen Nerven des sympathischen und parasympathischen Systems heraus. Die kleinste Verletzung des feinsten Nervenstranges konnte zu schweren, unheilbaren St�rungen f�hren. Blitzschnell schnitt der Chirurg die Pfortader durch und schlo� an ihre beiden Enden k�nstliche Blutgef��e an. Nachdem Aph Nut mit den Arterien das gleiche getan hatte, legte er die Leber, die nur noch durch die Nerven mit dem K�rper verbunden war, in ein besonderes Gef�� mit der Fl�ssigkeit B 3. Nach f�nfst�ndiger Operation pumpten das Herz des Verletzten und ein k�nstliches Herz durch die Gef��e k�nstliches Blut. Jetzt konnte man in Ruhe abwarten, bis die herausgel�sten Organe geheilt waren. Aph Nut durfte die verletzte Leber nicht ohne weiteres durch eine andere aus dem chirurgischen Fonds des Planeten ersetzen, denn das Anwachsen der Nerven h�tte zus�tzliche Beobachtungen erfordert. Bei dem Zustand des Kranken aber mu�te mit jeder Minute gerechnet werden. Einer der Chirurgen wartete neben dem starren, zerschnittenen K�rper, bis die abl�sende Gruppe die Desinfektion durchlaufen hatte.</p><p>Die T�ren der Schutzwand um den Operationsraum �ffneten sich ger�uschvoll. Blinzelnd vor M�digkeit und sich dehnend wie ein eben erwachtes Raubtier, erschien Aph Nut in Begleitung seiner blutbesudelten Assistenten. �beranstrengt und bla� trat ihm Ewda Nal entgegen und �berreichte ihm die Abstammungskarte. Hastig griff Aph Nut danach, warf einen Blick hinein und atmete auf.</p><p>�Es scheint alles gut verlaufen zu sein, Gehen wir uns ausruhen!�</p><p>�Aber� wenn er nun aufwacht?�</p><p>�Keine Sorge! Er kann nicht aufwachen; Sehen wir so aus, als h�tten wir nicht daran gedacht?�</p><p>�Wie lange m�ssen wir warten?�</p><p>�Vier, f�nf Tage. Wenn die biologischen Bestimmungen pr�zise und die Berechnungen richtig sind, k�nnen wir nochmal operieren, um die Organe wieder in den K�rper einzusetzen. Und dann das Bewu�tsein��</p><p>�Wie lange k�nnen Sie hierbleiben?�</p><p>�Zehn Tage etwa. Die Katastrophe fiel gl�cklicherweise gerade in meine Freizeit. Ich werde die Gelegenheit benutzen, mir Tibet anzusehen � ich war noch nie hier. Meist mu� ich mich ja dort aufhalten, wo die meisten Menschen leben: im Wohng�rtel!�</p><p>Begeistert blickte Ewda Nal den Chirurgen an. Aph Nut verzog sp�ttisch das Gesicht.</p><p>�Sie sehen mich an, wie man fr�her ein G�tzenbild angeschaut hat. Das pa�t nicht zu meiner intelligentesten Sch�lerin!�</p><p>�Ich sehe Sie tats�chlich jetzt mit ganz anderen Augen. Zum erstenmal liegt das Leben eines mir teuren Menschen in den H�nden eines Chirurgen. Ich verstehe nur zu gut die Begeisterung all derer, die mit Ihrer Kunst in Ber�hrung gekommen sind. Bei Ihnen vereinen sich Kenntnisse mit einmaliger Meisterschaft!�</p><p>�Schon gut! Schw�rmen Sie nur, wenn es Ihnen Spa� macht. Ich werde Ihren Physiker nicht nur ein zweitesmal, sondern auch ein drittesmal operieren.�</p><p>Ewda Nal horchte auf.</p><p>�Wieso ein drittesmal?�</p><p>Doch Aph Nut zwinkerte ihr verschmitzt zu und wies auf den Pfad, der vom Observatorium aus aufw�rts f�hrte. Gesenkten Hauptes kam Mwen Mass angehumpelt.</p><p>�Da kommt noch ein Verehrer meiner Kunst. Ein unfreiwilliger. Unterhalten Sie sich mit ihm, wenn Sie nicht das Bed�rfnis haben, sich auszuruhen.�</p><p>Der Chirurg verschwand hinter dem H�gel, wo das provisorische Haus f�r die �rzte stand. Schon von ferne bemerkte Ewda Nal, wie eingefallen und gealtert der Leiter der Au�enstationen aussah. Sie berichtete dem Afrikaner von ihrem Gespr�ch mit Aph Nut; er atmete erleichtert auf.</p><p>�Dann reise auch ich in zehn Tagen ab!�</p><p>�Ob Sie richtig handeln, Mwen? Ich stehe noch zu sehr unter dem Eindruck des Geschehens, um mir ein klares Bild von dem Vorgefallenen machen zu k�nnen. Mir scheint aber, Ihre Schuld ist nicht so gro�, da� Sie so entschieden zu verurteilen w�ren.�</p><p>Mwen Mass verzog schmerzlich das Gesicht.</p><p>�Ich hatte mich in die Theorie von Ren Boos regelrecht verliebt. Das gab mir aber nicht das Recht, gleich beim ersten Versuch die gesamte Energie der Erde aufzubieten.�</p><p>�Ren Boos hat aber doch bewiesen, da� mit einem geringeren Energieaufwand das Experiment zwecklos gewesen w�re�, wandte Ewda ein.</p><p>�Sicher, aber wir h�tten erst einmal indirekte Experimente durchf�hren m�ssen. Ich war jedoch ungeduldig und wollte kein Jahr l�nger warten. Sparen Sie sich Ihre gutgemeinten Worte � der Rat wird meinen Entschlu� best�tigen, und die Ehren- und Rechtskontrolle wird ihn nicht aufheben.�</p><p>�Ich bin selbst Mitglied der Ehren- und Rechtskontrolle!�</p><p>�Au�er Ihnen gibt es noch zehn Mitglieder. Und da mein Fall gesamtplanetar ist, m�ssen die vereinigten Kontrollen des S�dens und des Nordens dar�ber entscheiden � also insgesamt einundzwanzig Leute au�er Ihnen.�</p><p>Ewda Nal legte dem Afrikaner die Hand auf die Schulter.</p><p>�Setzen wir uns, Mwen, Sie sind noch schwach. Wissen Sie, da� die ersten �rzte, die Ren untersucht hatten, das Todeskonsilium einberufen wollten?�</p><p>�Ich wei�. Aber zwei allein sind dazu nicht befugt. Die �rzte sind konservativ, und nach den alten noch bestehenden Vorschriften k�nnen nur zweiundzwanzig Menschen den leichten Tod eines Kranken beschlie�en.�</p><p>�Vor nicht allzulanger Zeit bestand das Todeskonsilium noch aus sechzig �rzten!�</p><p>�Ja, weil die Angst vor Mi�brauch fortlebte, aus der die �rzte im Altertum die Kranken zu langen, unn�tigen Qualen verdammten und deren Angeh�rige schweren moralischen Konflikten aussetzten, wenn es keine Rettung mehr gab und das Ende leicht und schnell sein konnte. Aber wie Sie sehen, hat manchmal auch Konservatismus sein Gutes: Die beiden �rzte allein waren nicht berechtigt, dar�ber zu entscheiden, und so konnte ich Aph Nut rufen� dank Grom Orm.�</p><p>�Gerade daran wollte ich Sie erinnern. Ihr Konsilium des gesellschaftlichen Todes besteht einstweilen nur aus einem Menschen!�</p><p>Mwen Mass ergriff Ewdas Hand und f�hrte sie an seine Lippen. Sie gestattete ihm diesen intimen Ausdruck gro�er Freundschaft. Wenn jetzt Tschara Nandi statt ihrer hier st�nde! Nein, um Tschara gegen�berzutreten, bedurfte es f�r den Afrikaner eines seelischen Aufschwungs, doch dazu fehlte es ihm noch an Kraft. Mochte bis zu Ren Boos� Genesung und bis zur Sitzung des Rates f�r Astronautik das Schicksal seinen Lauf nehmen!</p><p>�Wissen Sie vielleicht, was f�r eine dritte Operation Ren bevorsteht?� Ewda gab dem Gespr�ch eine Wendung.</p><p>Mwen Mass �berlegte eine Weile, um sich an die Unterhaltung mit dem Chirurgen zu erinnern.</p><p>�Aph Nut will sich zunutze machen, da� der K�rper Ren Boos� ge�ffnet ist, und den Organismus von der angesammelten Entropie befreien. Was die physiochemische Therapie nur langsam und mit Schwierigkeiten zustande bringt, kann bei solch einer Operation schneller und gr�ndlicher erreicht werden.�</p><p>Ewda Nal rief sich alles ins Ged�chtnis zur�ck, was sie �ber die Voraussetzung f�r ein hohes Lebensalter wu�te � die S�uberung des Organismus von der Entropie. Die fisch- und lurchartigen Vorfahren hinterlie�en im menschlichen Organismus Schichtungen gegens�tzlicher physiologischer Strukturen, von denen jede ihre Besonderheiten bei der Bildung entropischer R�ckst�nde der Lebenst�tigkeit hatte. Diese alten, jahrtausendelang studierten Strukturen, einst Quelle des Alterns und vieler Krankheiten, lie�en sich neuerdings energisch reinigen: durch chemische S�uberung, Bestrahlung und Wellenbehandlung des alternden Organismus.</p><p>In der Natur wirkt der zunehmenden Entropie entgegen, da� die Lebewesen aus der Paarung verschiedener Individuen hervorgehen, die aus verschiedenen Gegenden stammen und damit unterschiedlicher genealogischer Herkunft sind. Diese Mischung der Erbanlagen als Mittel im Kampf gegen die Entropie und das Sch�pfen neuer Kr�fte aus verschiedenem Milieu gaben der Wissenschaft das gr��te R�tsel auf, an dessen L�sung Biologen, Physiker, Pal�ontologen und Mathematiker seit Jahrtausenden arbeiteten. Doch es hatte sich gelohnt: Die maximale Lebenserwartung hatte fast zweihundert Jahre erreicht, und was die Hauptsache war, man hatte die zerm�rbende Gebrechlichkeit im Alter beseitigt.</p><p>Mwen Mass erriet die Gedanken seiner Begleiterin.</p><p>�Ich habe �ber den neuen gro�en Widerspruch in unserem Leben nachgedacht� sagte er bed�chtig. �Einerseits die hochentwickelte biologische Medizin, die dem Organismus neue Kr�fte verleiht, andererseits die st�ndig zunehmende sch�pferische Arbeit des Gehirns, die den Menschen rasch verbraucht. Wie kompliziert sind doch die Gesetze unserer Welt!�</p><p>�Das stimmt, und deshalb z�gern wir die Entwicklung des dritten Signalsystems des Menschen einstweilen auch noch hinaus�, pflichtete Ewda Nal ihm bei. �Das Gedankenlesen erleichtert zwar die Verst�ndigung der Individuen untereinander, bringt jedoch einen gro�en Kr�fteverschlei� mit sich und schw�cht die Hemmungszentren. Letzteres ist au�erordentlich gef�hrlich.�</p><p>�Die Mehrzahl der Menschen arbeitet unerm�dlich und lebt wegen der au�erordentlichen Nervenanspannung nur halb so lange, wie sie leben k�nnte. Soviel ich davon verstehe, kann die Medizin nichts dagegen tun, es sei denn, sie verbietet die Arbeit. Aber wer wird schon die Arbeit um zus�tzlicher Lebensjahre willen aufgeben?�</p><p>�Niemand, denn der Tod ist nur dann furchtbar, nur dann klammert man sich an das Leben, wenn man es unt�tig verbracht hat�, sagte Ewda Nal nachdenklich. Sie fragte sich unwillk�rlich, ob die Menschen auf der Insel des Vergessens l�nger lebten.</p><p>Mwen Mass schlug vor, zum Observatorium zur�ckzukehren und sich auszuruhen, und Ewda war einverstanden.</p><empty-line/><p>Zwei Monate sp�ter traf Ewda Nal Tschara Nandi im Saal des Informationspalastes, der mit seinen hohen Pfeilern einer gotischen Kirche glich. Die schr�g einfallenden Sonnenstrahlen beleuchteten nur den oberen Teil, der untere war in D�mmerung geh�llt.</p><p>Das M�dchen stand an eine S�ule gelehnt, die H�nde auf dem R�cken verschr�nkt, die Beine gekreuzt. Wie immer erregte ihre schlichte Kleidung Ewda Nals Bewunderung. Sie trug ein weit ausgeschnittenes kurzes graublaues Kleid.</p><p>Als sie Ewda erblickte, kam Leben in ihre traurigen Augen.</p><p>�Was machen Sie denn hier, Tschara? Ich dachte, Sie wollten uns bald wieder mit neuen T�nzen �berraschen, und nun zieht es Sie zur Geographie!�</p><p>�Die Zeit der T�nze ist vorbei�, sagte Tschara ernst. �Ich suche eine mir vertraute Arbeit. In einem Werk f�r k�nstliche Ledererzeugung in den Binnenseen von Celebes und bei einer Station f�r die Z�chtung lang bl�hender Pflanzen in der fr�heren W�ste Atacama sind Stellen frei. Die Arbeit im Atlantischen Ozean hat mir Spa� gemacht. So hell und klar war alles; ich habe mich damals so froh gef�hlt.�</p><p>�Ich werde auch immer ganz melancholisch, wenn ich an meine Arbeit im psychologischen Sanatorium auf Neuseeland zur�ckdenke, wo ich als blutjunge Krankenschwester angefangen habe. Selbst Ren Boos sagt jetzt nach seiner furchtbaren Verletzung, als Regulierer von Flugschraubern sei er viel gl�cklicher gewesen. Das ist einfach ein Schw�chezustand, Tschara, Erm�dung durch gro�e Anspannung, um sich auf jener sch�pferischen H�he zu halten, wie Sie sie als wirkliche K�nstlerin erreicht haben. Und die Erm�dung wird noch zunehmen, wenn Ihr K�rper nicht mehr so elastisch und energiegeladen ist wie heute. Doch bis dahin sollten Sie uns durch Ihre Kunst und Sch�nheit Freude bereiten.�</p><p>�Sie wissen gar nicht, Ewda, wie mir zumute ist. Jede Einstudierung eines Tanzes ist ein freudiges Suchen. Ich m�chte den Menschen etwas Sch�nes bieten, was ihnen Freude macht und an ihr Gef�hl r�hrt. Daf�r lebe ich. Dann kommt der Augenblick, da die Idee in die Wirklichkeit umgesetzt wird, und ich gebe mich ganz meiner Leidenschaft hin. Das �bertr�gt sich sicherlich auf die Zuschauer, wenn mein Tanz eine so starke Wirkung auf sie aus�bt. Ich m�chte euch allen mein Letztes geben.�</p><p>�Ja, und da wollen Sie so pl�tzlich aufh�ren?�</p><p>�Aber ich schaffe doch nichts Bleibendes!�</p><p>�Was Sie den Menschen geben, ist weit mehr!�</p><p>�Das ist sehr wenig handgreiflich und kurzlebig � ich denke an mich selbst.�</p><p>�Haben Sie noch nie geliebt, Tschara?�</p><p>Das M�dchen senkte den Blick.</p><p>�Ist es �hnlich?� antwortete sie mit einer Frage.</p><p>Ewda Nal sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich meine jenes starke Gef�hl, zu dem wohl Sie f�hig sind, aber bei weitem nicht alle.�</p><p>�Ich verstehe: Bei der Begrenztheit meines Intellekts bleibt mir der Reichtum des Gef�hlslebens.�</p><p>�Sie haben nicht ganz unrecht, doch w�rde ich es anders ausdr�cken. Sie sind so reich an Emotionen, da� sich das auf die intellektuelle Sph�re �bertr�gt, wenngleich sie auch nach dem Gesetz der Widerspr�che schw�cher entwickelt ist. Aber wir theoretisieren hier, und dabei mu� ich mit Ihnen dringend �ber etwas sprechen, was mit unserem Gespr�ch unmittelbar zusammenh�ngt. Mwen Mass��</p><p>Das M�dchen zuckte zusammen.</p><p>Ewda Nal hakte Tschara unter und f�hrte sie in eine der gro�en Nischen des Saals.</p><p>�Mwen Mass� Sie wissen, wie es ihm ergangen ist?�</p><p>�Nat�rlich. Der ganze Planet verurteilt ja sein mi�lungenes Experiment!�</p><p>�Und was meinen Sie dazu?�</p><p>�Da� er im Recht ist!�</p><p>�Ich auch. Deshalb mu� man ihn von der Insel des Vergessens zur�ckholen. In einem Monat findet die Jahresversammlung des Rates f�r Astronautik statt. Dort wird �ber seine Schuld befunden. Das Ergebnis der Untersuchung wird an die Ehren- und Rechtskontrolle weitergeleitet, die dem Schicksal eines jeden nachgeht. Ich glaube sicher, da� das Urteil g�nstig ausf�llt, aber dazu m��te Mwen Mass hier sein. Au�erdem ist es nicht gut f�r einen so gef�hlsbetonten Menschen wie Sie, lange auf der Insel zu bleiben, schon gar nicht in der Einsamkeit!�</p><p>�Glauben Sie, ich sei so altmodisch, da� ich mich den Interessen eines Mannes unterordne? Selbst wenn ich ihn sehr liebe, kann ich das nicht.�</p><p>�Mein liebes Kind, so d�rfen Sie nicht reden. Ich habe Sie zusammen gesehen und wei�, da� Sie beide f�reinander wie geschaffen sind. Verurteilen Sie ihn nicht, weil er Sie nicht aufgesucht hat, sich vor Ihnen versteckt hat. Begreifen Sie doch: Wie kann ein Mensch, der Ihnen �hnlich ist, als bedauernswerter, geschlagener Mann, dem Gericht und Verbannung drohen, vor Sie, die geliebte Frau, hintreten?�</p><p>�Das ist es nicht, Ewda. Ob er mich jetzt �berhaupt braucht? Ich f�rchte, er bringt nicht mehr gen�gend Kraft auf f�r eine Liebe, zu der wir beide meiner Meinung nach f�hig w�ren. Er k�nnte ein zweitesmal den Glauben an sich selbst verlieren, und das w�rde er nicht mehr �berstehen. Darum dachte ich, es sei besser, ich gehe in die W�ste Atacama.�</p><p>�Gewi�, Sie haben recht, Tschara, aber nur teilweise. Bedenken Sie die Einsamkeit und die qu�lerischen Selbstvorw�rfe eines starken, leidenschaftlichen Menschen, der pl�tzlich jeden Halt verloren hat, da er au�erhalb unserer Gemeinschaft lebt. Ich w�rde selbst hinfahren, aber ich mu� mich in erster Linie um den noch immer sehr kranken Ren Boos k�mmern. Man hat Dar Weter dazu bestimmt, einen neuen Satelliten aufzubauen, auch das bedeutet Hilfe f�r Mwen Mass. Doch ich rate Ihnen mit allem Nachdruck: Fahren Sie zu ihm, fordern Sie nichts von ihm � keine Zukunftspl�ne, keine Liebe. Zerstreuen Sie seine Zweifel, und kehren Sie dann beide in unsere Welt zur�ck. Sie haben die Kraft dazu, Tschara! Fahren Sie?�</p><p>Das M�dchen sah Ewda Nal kindlich vertrauensvoll an.</p><p>�Noch heute!� sagte sie ohne Z�gern.</p><p>Die �rztin k��te sie auf die Wange.</p><p>�Je eher, desto besser. Bis Kleinasien fahren wir zusammen auf der Spiralstrecke, denn Ren Boos liegt in einem chirurgischen Sanatorium auf Rhodos. Sie schicke ich dann nach Dejr es Sor, zu dem St�tzpunkt f�r Flugschiffe des medizinisch-technischen Dienstes, die die Routen nach Australien und Neuseeland befliegen. Dem Piloten wird es ein Vergn�gen sein, die T�nzerin Tschara an jeden gew�nschten Ort zu bringen.�</p><empty-line/><p>Der Zugf�hrer lud Ewda Nal und ihre Begleiterin in die Steuerzentrale ein. �ber die riesigen Wagen hinweg f�hrte ein silikoll�berdachter Gang, durch den die Diensthabenden ungehindert von einem Ende des Zuges zum anderen gelangen konnten, um die Ger�te zu �berwachen. Die beiden Frauen stiegen eine Wendeltreppe hinauf, gingen durch den oberen Gang und traten in eine gro�e Kabine �ber dem stromlinienf�rmigen ersten Wagen. In dieser Kabine sa�en, sieben Meter �ber dem Bahndamm, zwei Maschinisten, zwischen ihnen befand sich die hohe Pyramide der elektronischen Steuerungsautomatik. Mit Hilfe der parabolischen Bildschirme konnten sie alles sehen, was sich neben und hinter dem Zug ereignete. Die Antennenf�hler der Warnanlage auf dem Dach zeigten eine Gefahrenquelle bereits f�nfzig Kilometer vorher an.</p><p>Ewda und Tschara setzten sich auf die weiche Bank an der R�ckwand der Kabine. Die gigantische Strecke f�hrte durch Gebirge, �ber m�chtige D�mme, durch Niederungen, �ber Meerengen und Meeresbuchten. Bei der Geschwindigkeit von zweihundert Kilometern in der Stunde glich der Wald an den Abh�ngen und zu beiden Seiten der D�mme einem dichten r�tlichen, malachitfarbenen oder dunkelgr�nen Teppich.</p><p>Die beiden Frauen hingen ihren Gedanken nach. So vergingen vier Stunden. Die restlichen vier Stunden verbrachten sie in den weichen Sesseln des Salons der zweiten Etage. Auf einer Station unweit der Westk�ste Kleinasiens trennten sie sich. Ewda stieg in einen Elektrobus um, der sie zum n�chsten Hafen brachte, Tschara fuhr weiter bis zur Station Ost-Taurus auf dem ersten Meridian-Zweig. Noch zwei Stunden Fahrt, und Tschara befand sich in dem trockenen, hei�en Flachland. Hier, am Rande der fr�heren Syrischen W�ste, lag Dejr es Sor, Start- und Landeplatz der Flugschiffe.</p><p>F�r immer pr�gten sich Tschara Nandi die qualvollen Stunden ein, in denen sie in Dejr es Sor auf das n�chste Flugschiff wartete. Unentwegt �berlegte das M�dchen, wie sie sich Mwen Mass gegen�ber verhalten sollte, versuchte, sich das Wiedersehen mit ihm auszumalen, und schmiedete Pl�ne f�r die Nachforschungen auf der Insel des Vergessens, wo alles im ewigen Gleichlauf der Tage unterging.</p><p>Endlich zeigten sich am Boden die endlosen Felder der Thermoelemente in den W�sten Nefud und Rub-el-Chali. Diese gewaltigen Kraftwerke wandelten Sonnenw�rme in Elektroenergie um. Durch Vorh�nge gegen Nachtfeuchtigkeit und Staub gesch�tzt, standen sie in regem��igen Reihen auf den befestigten, geebneten Wanderd�nen. Seitdem die Menschen die Kernenergien P, Q und F nutzen gelernt hatten, war die Zeit strenger Bewirtschaftung vor�ber. L�ngs der S�dk�ste der arabischen Halbinsel standen viele Windkraftmaschinen still; auch sie bildeten eine Reserve des n�rdlichen Wohng�rtels. Im Nu hatte das Flugschiff den kaum sichtbaren Uferstreifen �berflogen und jagte �ber dem Indischen Ozean dahin. F�nftausend Kilometer waren f�r diese schnelle Maschine eine geringe Entfernung. Bald schon kletterte Tschara Nandi � noch etwas unsicher auf den Beinen � aus dem Flugschiff; zum Abschied w�nschte man ihr eine schnelle R�ckkehr.</p><p>Der Leiter des Landeplatzes beauftragte seine Tochter, Tschara mit einem kleinen Lat, einem flachen Gleitboot, zur Insel des Vergessens �berzusetzen. Die beiden M�dchen genossen die schnelle Fahrt auf dem bewegten offenen Meer. Der Lat steuerte auf eine gro�e Bucht am Ostufer der Insel des Vergessens zu, wo sich eine der medizinischen Stationen der Gro�en Welt befand.</p><p>Kokospalmen s�umten das Ufer, ihre gefiederten Bl�tter ber�hrten fast die Wasserfl�che. Die Station war menschenleer. Alle Mitarbeiter hatten sich aufgemacht, um die Zecken vernichten zu helfen, die man bei den Nagetieren des Waldes gefunden hatte.</p><p>Neben der Station befanden sich Pferdest�lle. Pferde wurden noch �berall dort gehalten, wo Flugschrauber wegen ihres L�rms st�rten und Elektrofahrzeuge nicht benutzt werden konnten, weil es keine Wege gab. Nachdem Tschara sich ausgeruht hatte, zog sie sich um und ging in den Stall, um sich die seltenen sch�nen Tiere anzusehen. Dort traf sie eine Frau, die die automatischen F�tterungs- und S�uberungsanlagen bediente. Tschara bot ihre Hilfe an und kam mit ihr ins Gespr�ch. Sie erkundigte sich, wie man auf der Insel jemand schnell finden k�nne, und erhielt den Rat, sich einem der Sch�dlingsbek�mpfungstrupps anzuschlie�en. Da sie die ganze Insel durchk�mmten, kannten sie sich besser aus als die Einheimischen.</p></section><section><title><p>Die Insel des Vergessens</p></title><p>Das Gleitboot �berquerte die Palkstra�e bei starkem Gegenwind. Vor knapp tausend Jahren hatte hier noch eine Kette von Sandb�nken und Korallenriffen zum Festland gef�hrt, die Adamsbr�cke genannt wurde. In j�ngster Zeit war durch geologische Ver�nderungen eine tiefe Rinne entstanden. Dunkel lag das Wasser �ber diesem Abgrund, der die rastlose Menschheit von den Ruhesuchenden trennte.</p><p>Mit gespreizten Beinen stand Mwen Mass an der Reling und schaute unverwandt auf die sich am Horizont abzeichnende Insel des Vergessens. Sie war ein Naturparadies mitten in dem warmen Ozean, ein Zufluchtsort f�r diejenigen, die die angepannte Aktivit�t der Gro�en Welt nicht mehr in ihren Bann zog, die nicht mehr so wie alle anderen arbeiten wollten.</p><p>Hier verbrachten sie ruhige Jahre bei der einfachen monotonen Arbeit fr�herer Zeiten: bei Ackerbau, Fischfang und Viehzucht.</p><p>Obgleich die Menschheit ihren schwachen Br�dern ein gro�es St�ck fruchtbarer Erde �berlassen hatte, konnte die primitive Wirtschaftsweise der Insel die Ern�hrung nicht vollauf sichern, schon gar nicht, wenn eine Mi�ernte eintrat. Deshalb gab die Gro�e Welt st�ndig einen Teil ihrer Vorr�te an die Insel des Vergessens ab.</p><p>In die drei H�fen, im Norden, im S�den und Osten der Insel, wurden konservierte Lebensmittel, Medikamente, biologische Abwehrmittel und andere lebensnotwendige Dinge gebracht. Die drei Verwalter der Insel lebten ebenfalls im Norden, im Osten und im S�den und nannten sich Leiter f�r Viehzucht, Ackerbau und Fischfang.</p><p>Beim Anblick der blauen Berge in der Ferne �berkam Mwen Mass pl�tzlich das bittere Gef�hl, er geh�re vielleicht zur Kategorie der �Stiere�, zu den Menschen, die aller Welt immer nur Schwierigkeiten bereiteten. Ein �Stier� ist ein starker und energischer, aber egoistischer Mensch, dem das Leid und die Gef�hle anderer gleichg�ltig sind. Solche Menschen haben in ferner Vergangenheit Leid und Ungl�ck �ber die Menschheit gebracht, weil sie ihre Ansichten als alleinige Wahrheit proklamierten und sich berechtigt f�hlten, alle anderen Meinungen zu unterdr�cken, jede andere Denk- und Lebensweise auszurotten. Seitdem beugt die Menschheit solchen Totalit�tsanspr�chen schon beim geringsten Anzeichen vor und begegnet den �Stieren� mit besonderem Mi�trauen. Diese Egoisten denken nicht an die unverletzlichen �konomischen Gesetze, nicht an die Zukunft, sie leben nur dem Augenblick.</p><p>Auch er, Leiter der Au�enstationen, hatte, nach knapp zwei Jahren verantwortungsvoller T�tigkeit, einen k�nstlichen Satelliten vernichtet, der durch die Anstrengungen Tausender Menschen und mit Hilfe gr��ter technischer Raffinessen gebaut worden war. Vier bef�higte Wissenschaftler waren umgekommen, von denen jeder ein Physiker wie Ren Boos h�tte werden k�nnen. Ren Boos selbst war nur mit M�he gerettet worden. In Gedanken sah der Afrikaner Bet Lon, der sich irgendwo auf der Insel des Vergessens verkrochen hatte. Vor der Abreise hatte er sich Aufnahmen von dem Mathematiker angesehen. Das energische Gesicht mit den kr�ftigen Kiefern und den dicht beieinanderliegenden, stechenden Augen hatte sich ihm nachhaltig eingepr�gt.</p><empty-line/><p>Der Maschinist des Gleitbootes trat zu dem Afrikaner. �Die Brandung ist heute zu stark, wir werden kaum ans Ufer kommen; die Wellen schlagen hoch �ber die Mole. Es bleibt nichts anderes �brig, als den S�dhafen anzusteuern.�</p><p>�Aber warum denn! Haben Sie ein kleines Rettungsflo� an Bord? Darauf verstaue ich meine Sachen und schwimme an Land.�</p><p>Steuermann und Maschinist sahen Mwen Mass voller Hochachtung an. Tr�be, wei�liche Wellen schlugen mit voller Wucht auf eine Sandbank auf und fielen tosend in sich zusammen. In Ufern�he w�hlte die Brandung den Meeresgrund auf, Sand und Schaum quirlten wild durcheinander, weit rollte das Wasser �ber den flachen Strand hin. Tief hingen die Wolken �ber dem Meer, ein leichter Spr�hregen fiel, schr�g abgetrieben vom Wind. Durch den Regenschleier konnte man verschwommen am Ufer graue Gestalten wahrnehmen.</p><p>Maschinist und Steuermann sahen sich bedeutungsvoll an, w�hrend Mwen Mass sich auszog und die Kleider verstaute. Diejenigen, die sich auf die Insel des Vergessens zur�ckzogen, konnten nicht mehr mit der sch�tzenden Besorgtheit der Gesellschaft rechnen. Der Steuermann f�hlte sich verpflichtet, Mwen Mass zu warnen. Doch der Afrikaner winkte unbek�mmert ab. Der Maschinist brachte ihm ein hermetisch abgeschlossenes P�ckchen.</p><p>�Hier, nehmen Sie wenigstens diese konzentrierte Nahrung. Sie reicht ungef�hr f�r einen Monat.�</p><p>Zusammen mit der Kleidung verstaute Mwen Mass das kleine Paket in einer wasserdichten Kammer des Flo�es. Sorgf�ltig schlo� er das Ventil und kletterte �ber die Reling, das Flo� hinter sich herziehend.</p><p>�Wenden!� rief er.</p><p>Hart legte sich das Gleitboot auf die Seite. Mwen Mass wurde hinuntergeschleudert und k�mpfte verbissen mit den Wellen. Er wurde emporgehoben, st�rzte in die Tiefe und tauchte etwas weiter entfernt wieder auf.</p><p>�Er schafft es!� sagte der Maschinist erleichtert. �Doch wir m�ssen sehen, da� wir wegkommen, der Wind treibt uns ab.�</p><p>Die Schiffsschraube heulte auf, und das Schiff scho�, von einer riesigen Welle hochgehoben, mit einem Sprung vorw�rts. Mwen Mass� Gestalt war jetzt in voller Gr��e am Ufer zu sehen und verschwand in den Regenschleiern.</p><p>�ber den festen feuchten Sand n�herten sich langsam einige Menschen, die nur mit Lendenschurzen bekleidet waren. Triumphierend schleppten sie einen sich heftig windenden gro�en Fisch. Als sie Mwen Mass erblickten, blieben sie stehen und begr��ten ihn freundschaftlich.</p><p>�Ein Neuer aus der anderen Welt!� sagte l�chelnd einer der Fischer. �Und wie gut er schwimmt! Komm zu uns!�</p><p>Mwen Mass sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich k�nnte hier an der K�ste nicht leben. Das Meer w�rde in mir st�ndig Sehnsucht nach meiner verlorenen sch�nen Welt wecken.�</p><p>Einer der Fischer legte dem Ank�mmling die Hand auf die Schulter. Er hatte einen stark ergrauten Bart, was hier offensichtlich als Attribut der M�nnlichkeit galt.</p><p>�Hat man dich etwa hierher verbannt?�</p><p>Mwen Mass l�chelte traurig und versuchte zu erkl�ren, was ihn hierhergef�hrt hatte.</p><p>Schmerzlich und mitf�hlend betrachtete der Fischer den Afrikaner.</p><p>�Wir w�rden einander nicht verstehen. Geh dorthin!� Der Fischer wies nach S�dosten, wo durch die aufgerissenen Wolken einzelne Bergkuppen schwach zu erkennen waren. �Der Weg ist weit, aber bei uns gibt es keine anderen Verkehrsmittel als die hier.� Der Inselbewohner klopfte sich auf die kr�ftigen Beinmuskeln.</p><p>Mwen Mass war froh, weitergehen zu k�nnen, und stieg mit gro�en Schritten leichtf��ig den sanft ansteigenden Bergpfad hinauf.</p><p>Der Weg bis ins Innere der Insel betrug etwa zweihundert Kilometer, aber Mwen Mass hatte es nicht eilig. Warum auch? Ohne eine nutzbringende T�tigkeit schlichen die Tage doch nur dahin. Anfangs, als er sich von der Katastrophe noch nicht v�llig erholt hatte, sehnte er sich nach der Ruhe ausstrahlenden Natur. W�rde ihn nicht st�ndig die ungeheure Vergeudung bedr�cken, k�nnte er sich jetzt dem Genu� der Stille einsamer Hochebenen, der hei�en, dunklen Tropenn�chte hingeben.</p><p>Ein Tag nach dem anderen verging. Der Afrikaner durchstreifte die Insel auf der Suche nach einer seinem Geschmack entsprechenden Arbeit. Seine Sehnsucht nach der Gro�en Welt wurde immer st�rker. Der Anblick friedlicher T�ler mit manuell bearbeiteten Obstplantagen erfreute ihn nicht. Das gleichf�rmige Pl�tschern der klaren Bergb�che, an denen er um die hei�e Mittagszeit oder in hellen Mondn�chten ungez�hlte Stunden sitzen konnte, beruhigte ihn nicht.</p><p>Ja, ungez�hlte Stunden. Und warum sollte man auch etwas z�hlen, was es hier im �berflu� gab: Zeit? Zeit soviel man wollte. Wie unbedeutend war dagegen die Lebensdauer eines einzelnen. Ein schnell vergessener Augenblick!</p><p>Jetzt erst verstand Mwen Mass den eigentlichen Sinn der Bezeichnung: Insel des Vergessens � das war die dumpfe Anonymit�t des alten Lebens, der egoistischen Handlungen und Gef�hle, die vergessen wurden von den Nachfahren, weil sie nur pers�nlichen Zwecken dienten, nicht aber das Leben der Gesellschaft erleichterten und versch�nten.</p><p>Gro�e Taten verschwanden spurlos im Nichts.</p><empty-line/><p>Der Afrikaner war in die Gemeinschaft der Viehz�chter aufgenommen worden und h�tete bereits zwei Monate eine gro�e Gaurherde am Fu�e eines Berges.</p><p>L�ngere Zeit schon ern�hrte er sich von einem dunklen Brei, den er sich selbst in einem verru�ten Tontopf �ber einem Kohlenfeuer zubereitete. Noch vor einem Monat hatte er sich Fr�chte und N�sse im Wald suchen m�ssen und war dabei den gefr��igen Affen ins Gehege gekommen, die ihn mit Abf�llen bewarfen. Er hatte n�mlich seine Ration einem alten kranken Mann gegeben, der in einem abgelegenen Tal wohnte. Noch immer war er gewohnt, nach der Devise der Gro�en Welt zu handeln: den anderen Menschen Freude bereiten. Doch dann war ihm klargeworden, was Nahrungssuche in einer �den Gegend bedeutet.</p><p>Mwen Mass stand von seinem Stein auf und hielt Umschau. Einen halben Tagesmarsch von hier entfernt lagen die jahrtausendealten, mit dichtem Strauchwerk bewachsenen Ruinen der einstigen Inselhauptstadt. Es gab noch andere St�dte auf der Insel, gr��ere und besser erhaltene, die jedoch ebenfalls verlassen waren. Aber dorthin war Mwen Mass noch nicht gekommen.</p><p>Der Afrikaner schichtete das Reisig auf, das er gesammelt hatte. Ein Gegenstand war ihm unentbehrlich � das kleine Feuerzeug. Vielleicht w�rde auch er bald wie manche der Einheimischen Rauschgift rauchen, um die �de Langeweile zu vertreiben.</p><p>Die Flammen z�ngelten empor und erhellten die Finsternis. In der N�he grunzten friedlich die Gaure. Nachdenklich starrte Mwen Mass ins Feuer.</p><p>War der helle Planet f�r ihn nicht ein finsteres Asyl geworden?</p><p>Nein, seine stolze Selbstverleugnung war im Grunde �berheblichkeit aus Unkenntnis, der Unkenntnis seiner selbst, war Untersch�tzung seines sch�pferisch erf�llten Lebens; auch begriff er nicht, wie stark seine Liebe zu Tschara war. Lieber wollte er sein Leben hingeben, um nur eine Stunde der gro�en Sache zu dienen, als hier noch ein Jahrhundert zu leben!</p><p>Auf der Insel des Vergessens gab es etwa zweihundert medizinische Stationen, wo �rzte aus der Gro�en Welt freiwillig Dienst taten. Auch Jugendliche aus der Gro�en Welt arbeiteten bei den Vernichtungstrupps, damit die Insel nicht zur Brutst�tte von Krankheitserregern oder sch�dlichen Tieren wurde. Mwen Mass vermied eine Begegnung mit diesen Menschen, um sich nicht als Ausgesto�ener aus der Welt der Sch�nheit und des Wissens zu f�hlen.</p><p>Bei Sonnenaufgang wurde Mwen Mass von einem anderen Hirten abgel�st. Der Afrikaner machte sich f�r zwei Tage frei, um sich aus einer nahe gelegenen kleinen Stadt einen Umhang zu holen, denn die N�chte in den Bergen wurden zunehmend k�hler.</p><p>Hei� und still war es, als Mwen Mass in die weite Ebene kam. Ein Meer von bla�lila und goldgelben Blumen wogte um ihn herum, bunte Insekten flogen dar�ber hin. Sanft ber�hrten die Bl�ten seine Knie. Mwen Mass blieb stehen, bezaubert von der Sch�nheit und dem bet�ubenden Duft dieses wildwachsenden Gartens. Versonnen b�ckte er sich und strich mit den H�nden �ber die Bl�ten.</p><p>Pl�tzlich drang ged�mpft ein Ger�usch an sein Ohr. Als er den Kopf hob, sah er ein M�dchen durch die Blumen eilen. Wenige Meter vor ihm bog sie zur Seite ab. Mwen Mass betrachtete versonnen ihre schlanke Gestalt. Schmerz durchzuckte ihn � wenn dieses M�dchen Tschara w�re, wenn�</p><p>Das geschulte Auge des Wissenschaftlers nahm wahr, da� das M�dchen Angst hatte. Sie sah sich des �fteren um und beschleunigte ihre Schritte, als liefe sie vor etwas davon. Mwen Mass richtete sich auf und eilte auf das M�dchen zu.</p><p>Die Unbekannte blieb stehen. Ein buntes Tuch war �ber Kreuz um ihren Oberk�rper gewickelt, der rote Rock endete eine Handbreit unter dem Knie. Die d�nnen Armreifen an ihren nackten Armen klirrten laut, wenn sie sich das windzerzauste dunkle Haar aus dem Gesicht strich. Die kurzen Locken hingen unordentlich in die Stirn. Traurig schaute sie Mwen Mass an; ihr Atem ging sto�weise. Auf ihrem h�bschen dunkelh�utigen Gesicht standen kleine Schwei�tropfen. Unsicheren Schritts ging sie auf den Afrikaner zu.</p><p>�Wer sind Sie, und wohin wollen Sie so eilig?� erkundigte sich Mwen Mass. �Brauchen Sie vielleicht Hilfe?�</p><p>Das M�dchen musterte ihn aufmerksam und sagte, noch ganz au�er Atem: �Ich bin Onar aus der f�nften Siedlung. Nein, ich brauche keine Hilfe.�</p><p>�Das kann ich Ihnen nicht glauben, Sie sehen so ersch�pft aus. Wovor haben Sie Angst? Warum lehnen Sie meine Hilfe ab?�</p><p>Das unbekannte M�dchen schaute ihn forschend an.</p><p>�Ich wei�, wer Sie sind. Ein gro�er Mann, von dort�, sie zeigte in die Richtung, in der man Afrika vermuten konnte. �Sie sind gut, und zu Ihnen kann man Vertrauen haben.�</p><p>�Warum haben Sie es dann nicht? Sie werden von jemand verfolgt?�</p><p>�Ja!� stie� sie verzweifelt hervor. �Er ist hinter mir her.�</p><p>�Wer? Wie kann es jemand wagen, Sie zu verfolgen und Ihnen Angst einzufl��en?�</p><p>Das M�dchen wurde rot und schlug die Augen nieder.</p><p>�Ein Mann. Er will, da� ich seine��</p><p>�Aber Sie k�nnen doch frei w�hlen und selbst bestimmen, ob Sie ihn wollen oder nicht! Wie kann man jemand zur Liebe zwingen? Wenn er hierherkommt, werde ich ihm sagen��</p><p>�Nein, bitte nicht! Er ist ebenfalls aus der Gro�en Welt gekommen, aber schon vor langer Zeit. Auch er ist m�chtig, doch nicht so wie Sie. Er kann furchtbar sein!�</p><p>Mwen Mass lachte unbek�mmert.</p><p>�Wohin wollen Sie?�</p><p>�In die f�nfte Siedlung. Ich war in der Stadt, und auf dem R�ckweg begegnete mir��</p><p>Mwen Mass nickte und nahm das M�dchen bei der Hand. Sie schlugen einen Seitenpfad ein, der zur Siedlung f�hrte.</p><p>Hin und wieder sah, sich Onar �ngstlich um und erz�hlte Mwen Mass, da� ihr der Mann �berall nachstelle.</p><p>Der Afrikaner war emp�rt �ber diese Einsch�chterungsversuche.</p><p>�Warum unternehmen Ihre Leute nichts dagegen?� fragte er. �Wei� die Ehren- und Rechtskontrolle davon? Lehrt man denn an Ihren Schulen nicht Geschichte, ist nicht bekannt, wohin Gewaltt�tigkeit f�hren kann?�</p><p>�Doch, man lehrt es. Und wir wissen es auch�, antwortete Onar, vor sich hin starrend.</p><p>Der Pfad machte eine scharfe Biegung und verlor sich im Gestr�pp. Hinter der Biegung tauchte ein gro�er, finsterer Mann auf. Er war nackt bis zum G�rtel, graues Haar bedeckte seine athletische Brust. Das M�dchen ri� sich von Mwen Mass� Hand los und fl�sterte: �Ich habe Angst um Sie. Gehen Sie fort, Mann aus der Gro�en Welt!�</p><p>�Halt, stehenbleiben!� dr�hnte eine gebieterische Stimme.</p><p>In einem so rauhen Ton sprach niemand mehr in der Epoche des Gro�en Rings. Instinktiv stellte sich Mwen Mass sch�tzend vor das M�dchen.</p><p>Der Fremde kam n�her und versuchte, ihn wegzusto�en, doch Mwen Mass blieb stehen, ohne zu wanken.</p><p>Da traf ihn ein Fausthieb ins Gesicht. Mwen Mass taumelte. Noch nie in seinem Leben hatte er einen so harten Schlag hinnehmen m�ssen, der nicht nur Schmerz hervorrief, sondern auch dem�tigte.</p><p>Benommen h�rte Mwen Mass Onar aufschreien. Er st�rzte sich auf den Gegner, doch zwei bet�ubende Faustschl�ge streckten ihn zu Boden. Onar warf sich �ber ihn, um ihn mit ihrem K�rper zu decken, aber der Fremde packte sie und drehte ihr die Arme auf den R�cken, da� sie vor Schmerz und Zorn in Tr�nen ausbrach.</p><p>Mwen Mass war wieder zu sich gekommen. In der Jugend, bei seinen Herkulestaten, hatte er weit schwierigere K�mpfe zu bestehen gehabt, und ihm fielen pl�tzlich alle Einzelheiten wieder ein, die man ihn f�r den Nahkampf mit Raubtieren gelehrt hatte.</p><p>Langsam erhob er sich und fixierte das wutverzerrte Gesicht des Gegners, um den Zielpunkt f�r den vernichtenden Schlag auszumachen. Pl�tzlich wich er zur�ck. Dieses energische Gesicht hatte ihn die ganze Zeit �ber verfolgt, als er vor dem Experiment st�ndig von Zweifeln gequ�lt wurde.</p><p>�Bet Lon!�</p><p>Der andere lie� das M�dchen los und starrte den dunkelh�utigen Mann an, der jetzt alles andere als gutm�tig aussah.</p><p>�Bet Lon, oft habe ich an eine Begegnung mit Ihnen gedacht, da ich Sie f�r einen Gef�hrten im Ungl�ck hielt�, rief Mwen Mass, �doch so habe ich Sie mir nie vorgestellt!�</p><p>�Wie denn?� fragte Bet Lon herausfordernd.</p><p>Der Afrikaner winkte ungeduldig ab.</p><p>�Wozu die leeren Worte? In der Gro�en Welt haben Sie gehandelt, statt zu reden, vielleicht verbrecherisch, jedoch um einer gro�en Idee willen. Wer aber gibt Ihnen hier das Recht?�</p><p>�Ich allein, ich nehme es mir!� zischte Bet Lon ver�chtlich. �Mein Leben lang habe ich gen�gend R�cksicht auf andere, auf das allgemeine Wohl genommen. Jetzt habe ich begriffen, da� der Mensch das nicht braucht.�</p><p>�Sie haben nie an andere gedacht, Bet Lon�, fiel ihm der Afrikaner ins Wort. �In allem haben Sie sich nachgegeben, bis Sie zu dem wurden, was Sie heute sind, ein Gewaltmensch, ja fast ein Tier!�</p><p>Es schien, als wollte sich der Mathematiker auf Mwen Mass st�rzen, doch er beherrschte sich.</p><p>�Genug jetzt, Sie reden mir zuviel!�</p><p>�Ich sehe, da� Sie viel verloren haben, und will��</p><p>�Aber ich will nicht! Gehen Sie mir aus dem Weg!�</p><p>Mwen Mass r�hrte sich nicht. Drohend stand er vor Bet Lon. Zitternd dr�ngte sich das M�dchen an ihn. Und dieses Zittern erbitterte ihn weit mehr als Bet Lons Fausthiebe.</p><p>Unbeweglich sah der Mathematiker in die zornfunkelnden Augen des Afrikaners.</p><p>�Gehen Sie!� sagte er und gab den Weg frei.</p><p>Mwen Mass nahm Onar an die Hand und f�hrte sie zwischen den Str�uchern hindurch. Er f�hlte Bet Lons ha�erf�llten Blick. An der Wegbiegung blieb er so ruckartig stehen, da� Onar gegen ihn prallte.</p><p>�Bet Lon, lassen Sie uns gemeinsam in die Gro�e Welt zur�ckkehren!�</p><p>Der Mathematiker lachte h�hnisch, doch Mwen Mass� feines Ohr vernahm die Bitterkeit in diesem Lachen.</p><p>�Wer sind Sie, da� Sie mir so etwas vorschlagen? Wissen Sie, was Sie sind?�</p><p>�Ich habe ebenfalls einen verbotenen Versuch durchgef�hrt und Menschen, die mir anvertraut waren, umgebracht. In der Forschung bin ich �hnliche Wege gegangen wie Sie. Sie, ich und die anderen sind dem Sieg bereits nahe! Die Menschen brauchen Sie!�</p><p>Den Blick zu Boden gerichtet, ging der Mathematiker auf Mwen Mass zu, doch pl�tzlich drehte er sich um und entfernte sich, unfl�tig schimpfend. Mwen Mass und das M�dchen gingen wortlos weiter.</p><p>Bis zur f�nften Siedlung waren es noch ungef�hr zehn Kilometer. Als der Afrikaner h�rte, das M�dchen lebe allein, riet er ihr, in eine der Ufersiedlungen an der Ostk�ste umzuziehen, damit sie dem grausamen, groben Mann nicht mehr begegne. Der einst bekannte Gelehrte war zum Schrecken der abgeschiedenen kleinen Bergsiedlung geworden. Um weiteren Zwischenf�llen vorzubeugen, wollte Mwen Mass sofort in die Siedlung gehen und bitten, diesen Mann zu beobachten. Kurz vor der Siedlung verabschiedete sich Mwen Mass von Onar. Das M�dchen warnte ihren Begleiter; unl�ngst seien in den W�ldern des kuppelf�rmigen Berges Tiger aufgetaucht. Man wisse nicht, ob sie aus dem Naturschutzgebiet ausgebrochen seien oder sich bis jetzt in dem undurchdringlichen Dickicht versteckt gehalten h�tten. Sie bat ihn, vorsichtig zu sein und unter keinen Umst�nden nachts �ber den Berg zur�ckzugeben. Zum Abschied dr�ckte sie ihm herzlich die Hand. Mwen Mass trat den R�ckweg an.</p><p>Hinter der Bergkuppe f�rbte die untergehende Sonne den Wolkenschleier rosa. Von des Tages Hitze ersch�pft, badete Mwen Mass in dem klaren Wasser eines Gebirgsfl��chens.</p><p>Dann setzte er sich auf einen flachen Stein am Rande des Baches, um sich trocknen zu lassen und sich ein wenig auszuruhen. Vor Einbruch der Dunkelheit w�rde er die Stadt nicht mehr erreichen, und so beschlo� er, bei Mondaufgang den k�rzeren Weg �ber den Berg zu nehmen. Nachdenklich starrte er in das quirlende Wasser. Pl�tzlich war ihm, als beobachte ihn jemand, doch er konnte keinen Menschen weit und breit entdecken. Das unheimliche Gef�hl, von einem Unsichtbaren mit Blicken verfolgt zu werden, verlie� ihn auch nicht, als er den Aufstieg begann.</p><p>Der Weg zu dem tausendachthundert Meter hohen Plateau f�hrte durch dichten Wald und war von Fuhrwerken festgefahren. Die schmale Sichel des zunehmenden Mondes w�rde den Weg h�chstens anderthalb Stunden erhellen. In der Finsternis war der steil ansteigende Weg nur schwer zu bew�ltigen. Mwen Mass schritt schneller aus. Die vereinzelten niedrigen B�ume warfen Schatten, die wie schwarze Streifen auf dem mondhellen, trockenen Waldboden lagen. Der Afrikaner mu�te sich ganz auf den Weg konzentrieren, um nicht �ber die zahllosen Wurzeln zu stolpern.</p><p>Pl�tzlich h�rte er ein drohendes Knurren. Es schien von rechts, aus dem tiefen Dunkel des Waldes zu kommen.</p><p>Ein furchteinfl��endes Br�llen gab Antwort von der anderen Seite. Diese urgewaltigen Laute gingen durch Mark und Bein und riefen das l�ngst vergessene Gef�hl der Angst wieder wach, das Opfer eines unbezwingbaren Raubtieres zu werden. Doch dieses Gef�hl aus einer l�ngst vergangenen Zeit rief die gleiche Reaktion wie fr�her hervor: Kampfeswut. Sie war das Erbe unz�hliger Generationen namenloser Helden, die das Recht des Menschengeschlechts auf ein Leben unter Mammuten, L�wen, B�ren, Stieren und Wolfsrudeln hartn�ckig behauptet hatten.</p><p>Mwen Mass blieb stehen und lauschte mit angehaltenem Atem. Nichts regte sich in der n�chtlichen Stille, doch schon nach wenigen Schritten merkte er, da� er verfolgt wurde. Tiger? Sollte Onar recht gehabt haben?</p><p>Mwen Mass begann zu laufen und �berlegte fieberhaft, wie er sich der Raubtiere erwehren k�nnte.</p><p>Sich auf einen der niedrigen B�ume zu fl�chten war sinnlos. Ein Tiger konnte besser klettern als ein Mensch. Den Kampf aufnehmen? Aber womit? Nicht einmal ein Ast lie� sich von den knorrigen B�umen brechen. Als Mwen Mass das Br�llen ganz nah hinter sich h�rte, f�rchtete er, da� es um ihn geschehen sei. Mit einigen riesigen S�tzen st�rzte er auf eine Lichtung zu. Dort sah er einen gro�en Haufen Steine liegen. Er wuchtete einen schweren, scharfkantigen Brocken hoch und drehte sich dem Wald zu. Auf den schwarzen Schatten zweier B�ume schlichen wie auf dunklen Pfaden zwei riesige Katzen auf Mwen Mass zu. Er sp�rte das Nahen des Todes, �hnlich wie damals in der unterirdischen Kammer des tibetanischen Observatoriums. Die gr�nen Flammen in den phosphoreszierenden Augen der Raubtiere k�ndigten es an. Tief atmete Mwen Mass die k�hle Nachtluft ein und hob den Stein hoch �ber den Kopf.</p><p>�Ich helf dir, Freund!�</p><p>Eine gro�e dunkle Gestalt st�rmte auf die Lichtung, einen knorrigen Ast drohend zum Schlag erhoben. Mwen Mass erkannte den Mathematiker und war so verbl�fft, da� er f�r einen Augenblick die Tiger verga�. V�llig au�er Atem, stellte sich Bet Lon sch�tzend neben Mwen Mass. Die Riesenkatzen schlichen unerbittlich n�her. Die eine war schon auf drei�ig Schritt herangekommen und setzte zum Sprung an, da�</p><p>�Schnell!� t�nte ein gellender Schrei �ber die Lichtung.</p><p>Hinter Mwen Mass, der vor �berraschung den Felsbrocken fallen lie�, flammten die M�ndungsfeuer von drei Granatwerfern auf. Der zun�chst stehende Tiger b�umte sich auf, als die l�hmenden Granaten kurz nacheinander explodierten, und fiel ausgestreckt auf den Boden. Der andere jagte mit riesigen S�tzen dem Wald zu. Da tauchten die Umrisse dreier Berittener auf. Eine Glasgranate mit einer starken elektrischen Ladung zerschellte am Kopf des Tigers; er sackte in sich zusammen und blieb bewegungslos am Boden liegen.</p><p>�Ich habe gef�hlt, da� Sie in Gefahr sind, Mwen Mass!�</p><p>Diese hohe, besorgt klingende Stimme kannte er doch! Tschara Nandi!</p><p>Vor �berraschung brachte er kein Wort hervor. Regungslos blieb er stehen, bis das M�dchen absa� und auf ihn zueilte. F�nf Berittene folgten ihr. Mwen Mass konnte ihre Gesichter nicht erkennen, da die Mondsichel bereits hinter dem Wald verschwunden war und die Dunkelheit der Nacht Wald und Lichtung einh�llte. Tschara ber�hrte Mwen Mass� Arm. Er nahm die schmale Hand des M�dchens und legte sie auf sein Herz.</p><p>�Tschara, das hier ist Bet Lon, ein neuer Freund� �</p><p>Doch der Mathematiker war bereits verschwunden. Mit lauter Stimme rief der Afrikaner in die Dunkelheit: �Bet Lon! Gehen Sie nicht fort!�</p><p>�Sie werden mich wiedersehen!� ert�nte es aus der Ferne.</p><p>Einer von Tscharas Begleitern, anscheinend der Leiter der Abteilung, l�ste eine Signallampe vom Sattel. Ihren schwachen Lichtstrahl, kombiniert mit unsichtbaren Funkwellen, richtete er gen Himmel, Mwen Mass begriff, da� die Ank�mmlinge auf einen Flugschrauber warteten. Alle f�nf waren Jugendliche, Mitglieder eines Sch�dlingsbek�mpfungstrupps, bei dem sie eine ihrer Herkulestaten ablegten. Tschara Nandi hatte sich auf der Suche nach Mwen Mass dem Trupp angeschlossen.</p><p>�Sie irren sich, wenn Sie uns f�r so scharfsinnig halten�, sagte der Leiter der Abteilung, als alle um die Lampe sa�en und Mwen Mass Frage auf Frage stellte. �Das M�dchen mit dem altgriechischen Namen hat uns geholfen.�</p><p>�Onar!� rief Mwen Mass.</p><p>�Ja, Onar. Als unsere Abteilung sich der f�nften Siedlung n�herte, kam ein v�llig ersch�pftes M�dchen angelaufen. Wir waren auf der Suche nach Tigern, die dieser Gegend aufgetaucht sein sollten. Das M�dchen best�tigte die Ger�chte und �berredete uns, Ihnen unverz�glich nachzugehen. Sie bef�rchtete, die Tiger k�nnten Sie auf dem R�ckweg anfallen. Da sind wir gerade noch zur rechten Zeit gekommen. Jeden Augenblick mu� ein Flugschrauber eintreffen, mit dem schicken wir Ihre vor�bergehend gel�hmten Feinde ins Naturschutzgebiet. Wenn sie sich tats�chlich als unbez�hmbar erweisen, werden sie erschossen. Doch ohne den Versuch darf eine so gro�e Rarit�t nicht get�tet werden.�</p><p>�Was f�r einen Versuch?�</p><p>Der Junge zog die Brauen hoch.</p><p>�Das liegt nicht in unserer Kompetenz. Wahrscheinlich wird man sie vor allem beruhigen � sie bekommen eine Infusion, die zeitweilig ihre Lebensaktivit�t herabsetzt. W�hrend der Zeit lernt der Tiger vielerlei.�</p><p>Ein lautes, vibrierendes Ger�usch unterbrach den jungen Mann. Ein dunkles Etwas senkte sich herab. Blendendes Licht �berflutete die Lichtung. Die Raubtiere wurden in weichen Beh�ltern f�r empfindliche Lasten untergebracht, und der Flugschrauber stieg wieder auf. Das Pferd des einen Jungen, der mit den Tigern weggeflogen war, gab man dem Afrikaner.</p><p>Tscharas und Mwen Mass� Pferde gingen nebeneinander. Der Weg f�hrte in das Tal des Flusses Galle, an dessen M�ndung, nahe dem Meeresufer, sich eine medizinische Station und der St�tzpunkt der Vernichtungstrupps befanden.</p><p>�Zum erstenmal, seitdem ich hier bin, sehe ich heute das Meer wieder�, brach Mwen Mass das Schweigen. �Bis jetzt glaubte ich, das Meer sei eine Absperrung, die f�r immer meine Welt begrenzt.�</p><p>�Die Insel war also eine Art Schule f�r Sie?� stellte Tschara erfreut fest.</p><p>�Ja. In der kurzen Zeit habe ich viel erlebt und �ber vieles nachgedacht. All diese Gedanken haben mich schon lange bewegt.�</p><p>Mwen Mass erz�hlte, da� er fr�her bef�rchtet hatte, die Menschheit entwickle sich zu rational-technisch und wiederhole, freilich bei weitem nicht mehr so absto�end, die Fehler der Vergangenheit. Er habe geglaubt, da� sich auf dem Planeten des Epsilon Tucanae eine der unseren sehr �hnliche Menschheit stark mit der Vervollkommnung der emotionalen Seite der Psyche besch�ftigt.</p><p>�Die Harmonie mit dem Leben schien mir stets unvollkommen, und das bedr�ckte mich�, antwortete das M�dchen nach kurzem �berlegen. �Mich zog das Vergangene mehr an als das, was uns t�glich umgibt. Ich tr�umte von einer Epoche unverbrauchter Gef�hle und Kr�fte. Immer wollte ich das Gef�hl in meinen Zuschauern ansprechen. Wohl nur Ewda Nal hat mich v�llig verstanden.�</p><p>�Und Mwen Mass�, f�gte der Afrikaner ernst hinzu. Und er erz�hlte Tschara, wie sie ihm eines Tages als kupferh�utige Tochter des Tukan erschienen war.</p><p>�Unsere Vorfahren stellten uns in ihren Zukunftsromanen als halbe Rachitiker mit �berentwickeltem Sch�del dar. Trotz Millionen sezierter und zu Tode gequ�lter Tiere begriffen sie lange Zeit nicht den Gehirnmechanismus des Menschen, denn sie drangen dort mit dem Messer ein, wo die feinsten Me�ger�te molekularen und atomaren Ma�stabes am Platze gewesen w�ren. Heute wissen wir, da� eine intensive Verstandest�tigkeit einen kr�ftigen K�rper voller Lebensenergie voraussetzt, aber solch ein K�rper bringt auch starke Emotionen hervor.�</p><p>�Wir aber sind nach wie vor durch den Verstand gefesselt�, warf Tschara ein.</p><p>�Zwar wurde schon viel erreicht, doch die emotionale Seite ist hinter der intellektuellen zur�ckgeblieben. Man mu� aufpassen, da� sie nicht g�nzlich dem Verstand unterworfen wird, dagegen w�re es nicht schlimm, wenn der Verstand ihr zuweilen unterliegt. Mir erscheint diese Wechselbeziehung so wichtig, da� ich ein Buch dar�ber schreiben werde.�</p><p>�Gro�artig!� rief Tschara temperamentvoll und fuhr dann verlegen fort: �Nur wenige gro�e Wissenschaftler haben bisher die Gesetze des Sch�nen und der Vollkommenheit der Gef�hle erforscht. Ich spreche in dem Fall nicht von den Psychologen.�</p><p>�Ich verstehe, was Sie meinen!� antwortete der Afrikaner und betrachtete das M�dchen mit Wohlgefallen.</p><p>Leicht und ungezwungen sa� Tschara auf dem hochbeinigen Rappen, der mit Mwen Mass� Fuchs im gleichen Schritt ging.</p><p>�Wir sind zur�ckgeblieben!� rief das M�dchen, lie� die Z�gel locker, und sofort sprengte ihr Pferd davon.</p><p>Der Afrikaner holte sie schnell ein. Nachdem sie wieder Anschlu� an ihre jungen Freunde gefunden hatten, z�gelten sie die Pferde, und Tschara fragte Mwen Mass: �Und dieses M�dchen, Onar?�</p><p>�Sie mu� in die Gro�e Welt. Sie haben selbst gesagt, da� sie nur aus Anh�nglichkeit an ihre k�rzlich verstorbene Mutter auf der Insel geblieben ist. Onar k�nnte doch gut bei Weda arbeiten � bei den Ausgrabungen werden feinf�hlige Frauenh�nde gebraucht. Und es gibt noch tausend andere Dinge, wo sie notwendig sind. Und Bet Lon, der in die Gro�e Welt zur�ckkehrt, wird zu ihr auf ganz neue Weise finden!�</p><p>Tschara zog die Brauen zusammen und sah Mwen Mass aufmerksam an.</p><p>�Und Sie wollen nicht von Ihren Sternen lassen?�</p><p>�Wie auch immer der Beschlu� des Rates ausfallen mag, ich werde beim Kosmos bleiben. Doch zuerst schreibe ich �ber��</p><p>�� die Sterne der menschlichen Seele?�</p><p>�Ganz recht, Tschara! Sind Sie damit nicht einverstanden?�</p><p>�Nat�rlich bin ich einverstanden! Ich mu�te nur an Ihr Experiment denken. Eine leidenschaftliche Ungeduld hat Sie dazu getrieben; Sie wollten den Menschen die Welt vollst�ndig schenken. In dem Fall sind auch Sie ein K�nstler und kein Wissenschaftler.�</p><p>�Und Ren Boos?�</p><p>�F�r ihn ist ein Versuch jeweils die n�chste Etappe seiner Forschungen.�</p><p>�Sie rechtfertigen mein Verhalten, Tschara?�</p><p>�V�llig! Und ich bin �berzeugt, au�er mir noch viele andere.�</p><p>Mwen Mass nahm die Z�gel in die linke Hand und streckte die rechte Tschara hin. Sie hatten die kleine Siedlung der Station erreicht.</p><empty-line/><p>Gleichm��ig schlug die Brandung des Indischen Ozeans gegen das Steilufer. Aus dem Tosen glaubte Mwen Mass das rhythmische Andante von Sig Sors Sinfonie �ber die h�chste organisierte Form der Materie im Kosmos herauszuh�ren. Der machtvolle Ton, der Grundton der irdischen Natur, das blaue f, schwoll an �ber dem Meer und zwang den Menschen, Antwort zu geben, eins zu werden mit der Natur, die ihn hervorgebracht hatte.</p><p>Das Erstaunlichste in der Menschheitsgeschichte ist der unausl�schliche Ha� gegen Wissen und Sch�nheit, den alle Ungebildeten in sich tragen. Mi�trauen, Furcht und Ha� finden sich in allen Gesellschaftsordnungen, angefangen bei der Angst vor Zauberern und Hexen in der Urgesellschaft bis zu der Vernichtung der ihrer Zeit vorauseilenden Denker in der �ra der Partikularistischen Welt. Nicht anders war es auf den Planeten mit hochentwickelten Zivilisationen, wo die Willk�r kleinerer Gruppen nicht ausgeschaltet werden konnte, wo Oligarchien unterschiedlichster Formen entstanden. Mwen Mass erinnerte sich an eine Meldung des Gro�en Rings von bewohnten Welten. Dort wurden die Errungenschaften der Wissenschaft mi�braucht zur Einsch�chterung und Folterung, zum Gedankenlesen und zur Verwandlung der Menschen in gef�gige Automaten, die selbst die ungeheuerlichsten Befehle ausf�hrten. Der Hilferuf solch eines Planeten hatte den Gro�en Ring erreicht, viele hundert. Jahre nachdem die Unterdr�ckten, die ihn aussandten, und ihre grausamen Beherrscher gestorben waren.</p><p>Die Erde hat bereits ein solches Entwicklungsstadium erreicht, da� derartige Grausamkeiten f�r alle Zeiten unm�glich sind.</p><p>Trotzdem ist der geistige Entwicklungsstand des Menschen, um den Pers�nlichkeiten wie Ewda Nal unerm�dlich besorgt sind, immer noch ungen�gend.</p><p>�Kart San hat gesagt, Weisheit sei eine Mischung aus Wissen und Gef�hl. Werden wir weise!� ert�nte hinter Mwen Mass die Stimme Tscharas.</p><p>Und an dem Afrikaner vorbei sprang sie hinab in die tosende Tiefe. Sie machte in der Luft einen Salto, breitete die Arme aus und tauchte in die Wellen. Die Jungen des Sch�dlingsbek�mpfungstrupps, die im Meer badeten, starrten wie gebannt auf das M�dchen. Schreck und Begeisterung jagten Mwen Mass einen K�lteschauer �ber den R�cken. Noch nie war er aus so gro�er H�he gesprungen, doch furchtlos trat er an den Rand des Steilufers und warf seine Kleidung ab.</p><p>Das M�dchen rief ihm etwas zu, aber Mwen Mass st�rzte bereits in die Tiefe und h�rte nichts mehr. Der Flug erschien ihm herrlich und unendlich. Er tauchte vorbildlich ins Wasser ein, scho� nach wenigen Sekunden wieder an die Oberfl�che, legte sich auf den R�cken und lie� sich von den Wellen treiben. W�hrend er sich noch von dem Sprung erholte, sah er Tschara Nandi heranschwimmen. Angst hatte die leuchtende Bronzefarbe ihrer Haut in Bl�sse verwandelt; Vorwurf und Bewunderung sprachen aus ihrem Blick.</p><p>�Warum haben Sie das getan?� fl�sterte sie.</p><p>�Weil Sie es auch getan haben. Ich folge Ihnen �berallhin.�</p><p>�Sie kehren also auch mit mir in die Gro�e Welt zur�ck?�</p><p>�Ja!�</p><p>Mit einer j�hen Wendung schwamm Mwen Maas auf Tschara zu, fl�sterte z�rtlich ihren Namen. Ein leidenschaftlicher Blick gab ihm Antwort, und ihre Lippen fanden sich.</p></section><section><title><p>Der Rat f�r Astronautik</p></title><p>Ebenso wie der Wirtschaftsrat, das Gehirn des Planeten, besa� auch der Rat f�r Astronautik ein besonderes Geb�ude f�r wissenschaftliche Konferenzen. Die R�ume waren so eingerichtet und ausgestaltet, da� sie es den Versammelten erleichterten, von irdischen auf kosmische Probleme umzuschalten.</p><p>Tschara Nandi war noch nie im Hauptsaal gewesen. Aufgeregt betrat sie mit Ewda Nal diesen seltsamen ovalen Raum mit der gew�lbten Decke und den ellipsenf�rmig angeordneten Sitzreihen. Der ganze Raum war in rosigviolettes Licht getaucht, das von einem anderen Stern zu stammen schien. Alle Linien der W�nde, der Decke und der Sitzreihen liefen in einem Punkt am Ende des Saales zusammen und bildeten gleichsam den Scheitelpunkt. Dort befanden sich etwas erh�ht die Bildschirme, die Trib�ne und die Pl�tze f�r die Mitglieder des Rates, die abwechselnd die Versammlung leiteten.</p><p>Die mattgoldene T�felung der W�nde wurde von Reliefkarten unterbrochen. Auf der einen Seite stellten sie Planeten des irdischen Sonnensystems dar, auf der anderen Seite bereits erforschte der n�chst gelegenen Sterne. Unterhalb der hellblauen Decke zog sich eine zweite Reihe entlang, auf der in leuchtenden Farben Schemata bewohnter Sternsysteme abgebildet waren, die der Rat von den Nachbarn im Gro�en Ring erhalten hatte.</p><p>Ein altert�mliches, vergilbtes und offensichtlich des �fteren restauriertes Gem�lde �ber der Trib�ne fesselte Tscharas Aufmerksamkeit. Ein schwarzvioletter Himmel nahm den ganzen oberen Teil des Bildes ein. Die kleine Sichel eines fremden Mondes warf ein fahles Licht auf das gespenstisch aufragende Heck eines alten Sternschiffes. Reihen h��licher blauer Pflanzen, so trocken und hart, als w�ren sie aus Metall, verloren sich in der Ferne. �ber den Sand schleppte sich ein Mann in leichtem Schutzanzug. Er blickte auf das zerschellte Schiff und auf seine toten Gef�hrten am Boden. In dem Glas seines Schutzhelms spiegelte sich der letzte Schein der Abendr�te. Hervorragend war es dem K�nstler gelungen, Verzweiflung und Einsamkeit in einer fremden Welt darzustellen. Auf einem niedrigen H�gel zur Rechten kroch etwas Unf�rmiges, Widerw�rtiges durch den Sand. Die Bildunterschrift �Allein �briggeblieben� war kurz und pr�gnant.</p><p>Von dem Bild ganz gefesselt, bemerkte das M�dchen nicht sofort die kunstvolle architektonische Gestaltung des Saales: Die Anordnung der Sitze war f�cherf�rmig, in parallelen ansteigenden Reihen, so da� von verdeckten Zwischenreihen zu jedem einzelnen Platz Zugang war. Jede Reihe war isoliert von der benachbarten, der oberen oder der unteren. Nachdem Tschara neben Ewda Platz genommen hatte, betrachtete sie die altert�mlichen Verzierungen an den Sesseln, Pulten und Barrieren, die aus echtem perlmuttgrauem afrikanischem Holz gefertigt waren. Heutzutage w�rde niemand mehr soviel Arbeit aufwenden f�r etwas, was innerhalb von wenigen Minuten gegossen und poliert werden konnte. Doch Tschara erschien das Holz w�rmer und lebendiger als der Kunststoff � vielleicht aus Ehrfurcht vor dem Alten, die jedem Menschen eigen ist. Sie strich mit der Hand �ber die geschwungene Sessellehne, w�hrend sie ihre Augen durch den Saal schweifen lie�.</p><p>Wie immer waren viele Menschen versammelt, obgleich starke Fernsehsender die Sitzung auf dem ganzen Planeten ausstrahlten. Mir Om, der Sekret�r des Rates, gab wie �blich einen kurzen Bericht �ber die Mitteilungen, die seit der letzten Ratssitzung eingegangen waren. Von den vielen hundert Menschen im Saal war nicht ein einziger unaufmerksam. Doch Tschara verpa�te die erste Mitteilung, denn sie war damit besch�ftigt, die Ausspr�che ber�hmter Wissenschaftler unter den Planetenkarten zu lesen. Besonders gefiel ihr der Aufruf unter der Jupiterkarte: �Habt einen Blick f�r die unverst�ndlichen Dinge, die uns umgeben. Sie dr�ngen sich Auge und Ohr geradezu auf, wir aber h�ren und sehen nicht, welche gro�en Entdeckungen hinter ihren verschwommenen Konturen verborgen sind.� An einer anderen Stelle hie� es: �Es ist nicht einfach, den Vorhang vor dem Unbekannten zu l�ften � erst nach unendlichen M�hen, Abweichungen und Irrwegen beginnen wir, den wahren Sinn zu erkennen, und neue, ungeahnte Perspektiven er�ffnen sich uns. Weicht niemals Dingen aus, die zu Anfang nutzlos und unerkl�rlich erscheinen.�</p><p>Eine Bewegung auf der Trib�ne, und im Saal erlosch das Licht. Die ruhige, kr�ftige Stimme des Sekret�rs zitterte vor Erregung.</p><p>�Jetzt werden Sie etwas sehen, was noch unl�ngst v�llig unm�glich erschien: eine Aufnahme unseres Milchstra�ensystems von der Seite. Vor �ber 150000 Jahren oder anderthalb galaktischen Minuten haben sich die Bewohner des Planetensystems�� � es folgten mehrere Zahlen, die Tschara nicht behielt, da sie ihr nichts sagten � �� im Sternbild Centaurus an Bewohner der Gro�en Magellanschen Wolke gewandt. Sie ist das einzige extragalaktische Sternsystem in unserer N�he, auf dem es unseres Wissens denkende Wesen gibt, die imstande sind, sich �ber den Gro�en Ring mit unserer Galaxis in Verbindung zu setzen. Noch haben wir nicht exakt bestimmen k�nnen, wo dieses Magellansche Planetensystem liegt, seine Sendung aber � eine Aufnahme von unserer Galaxis � haben wir empfangen. Hier ist sie!�</p><p>Auf dem riesigen Bildschirm leuchtete, in silbriges Licht geh�llt, ein l�nglicher Sternhaufen, der sich zu den Enden hin verj�ngte. Rund um das Planetensystem war nachtschwarze Finsternis. Die gleiche schwarze Leere g�hnte zwischen den Spiralarmen. Ein bleiches Leuchten lag �ber dem Ring der Kugelsternhaufen. Flache Sternfelder wechselten mit Wolken und Streifen erkalteter schwarzer Materie. Die Aufnahme unseres Milchstra�ensystems war von einem ung�nstigen Standort aus gemacht worden: Sein zentraler Kern ragte als gew�lbte leuchtende Masse nur wenig �ber die schmale Linse. Um eine richtige Vorstellung von unserem Sternsystem zu erhalten, h�tte man es von entfernteren Galaxien aufnehmen m�ssen, die auf einer h�heren galaktischen Breite lagen. Aber seit Bestehen des Gro�en Rings gab es keine Anzeichen, da� noch auf einer anderen Galaxis vernunftbegabte Wesen lebten.</p><p>Wie gebannt starrten die Menschen auf den Bildschirm, zum erstenmal konnten sie ihre Sternenwelt als Au�enstehende, gleichsam aus dem Weltraum, betrachten.</p><p>�Damit sind die Nachrichten beendet, die unser Observatorium �ber den Gro�en Ring erhielt. Sie wurden dem Weltinformationsdienst noch nicht zugeleitet.� Der Sekret�r hatte wieder das Wort ergriffen. �Und nun kommen wir zu den Projekten, die auf breiter Basis er�rtert werden sollen.</p><p>Juta Gai hatte vorgeschlagen, auf dem Mars eine k�nstliche, zur Atmung geeignete Atmosph�re zu schaffen, indem man leichte Gase aus Tiefengesteinen ausscheidet. Sein Projekt wurde als erfolgversprechend anerkannt, da es auf genauen Berechnungen basiert. Die Menschen unserer Marssiedlungen werden dadurch ausreichend mit Luft zur Atmung und W�rmeisolierung versorgt sein, so da� sie die Treibhausanlagen verlassen k�nnen. Vor vielen Jahren, nach der Entdeckung von Erd�lozeanen und Bergen aus festen Kohlenwasserstoffen auf der Venus, wurde automatisch eine k�nstliche Atmosph�re unter gigantischen Glocken aus durchsichtigen Plasten geschaffen. So konnte man dort Pflanzen z�chten und Fabriken errichten, die die Menschheit mit allen m�glichen Erzeugnissen der organischen Chemie in gewaltigen Mengen versorgen.�</p><p>Der Sekret�r legte eine Metallfolie zur Seite und l�chelte freundlich. An den Sitzreihen nahe der Trib�ne erschien Mwen Mass in dunkelroter Kleidung, gesammelt, feierlich, ruhig. Er hob die gefalteten H�nde �ber den Kopf als Zeichen seiner Hochachtung vor den Versammelten und setzte sich.</p><p>Der Sekret�r verlie� die Trib�ne. Eine junge Frau mit kurzem goldblondem Haar und staunenden gr�nen Augen nahm seinen Platz ein. Grom Orm, der Vorsitzende des Rates, trat neben sie.</p><p>�F�r gew�hnlich geben wir neue Vorschl�ge bekannt. In diesem Fall aber handelt es sich um eine fast abgeschlossene Untersuchung. Die Verfasserin, Iwa Dshan, wird Ihnen selbst das Material zu einer gr�ndlichen Pr�fung unterbreiten.�</p><p>Die junge Frau begann ihre Ausf�hrungen mit leiser, gepre�ter Stimme. Ihr Ausgangspunkt war die allgemein bekannte Tatsache, da� sich die Pflanzenwelt der s�dlichen Kontinente durch einen bl�ulichen Farbton der Bl�tter auszeichnete, wie er f�r die archaischen Formen der irdischen Flora charakteristisch war. Die Untersuchung der Pflanzenwelt anderer Planeten hatte ergeben, da� bl�uliches Blattlaub in lichtdurchl�ssigeren Atmosph�ren oder bei h�rterer ultravioletter Strahlung der betreffenden Sonne wuchs.</p><p>�W�hrend die rote Strahlung unserer Sonne konstant geblieben ist, ist ihre blaue und ultraviolette Strahlung instabil, und vor etwa zwei Millionen Jahren hat sich ihre violette Strahlung stark und anhaltend ver�ndert.</p><p>Damals entwickelten sich bl�uliche Pflanzen; V�gel und andere Tiere, die unter freiem Himmel lebten, nahmen eine schwarze F�rbung an; V�gel, die an schattenlosen Stellen nisteten, legten schwarze Eier. Zu dieser Zeit wurde die Achse unseres Planeten infolge einer �nderung der elektromagnetischen Verh�ltnisse unseres Sonnensystems instabil. Schon vor l�ngerer Zeit wollte man Meere in die Senken des Festlandes leiten, um das bestehende Gleichgewicht zu st�ren und die Lage der Erdachse zu ver�ndern. Damals st�tzten sich die Astronomen lediglich auf die elementare Mechanik der Gravitation und lie�en das elektromagnetische Gleichgewicht des Systems v�llig au�er acht, wo es doch weit gr��eren Schwankungen unterworfen war als die Gravitation. Und nur von dieser Seite aus m�ssen wir an die L�sung des Problems herangehen. Es ist einfacher, billiger und f�hrt schneller zum Ziel. Erinnern wir uns: Zu Beginn der Raumfahrt mu�te man riesige Energiemengen aufwenden, wollte man k�nstliche Schwerkraft erzeugen. Praktisch war das also unm�glich. Heute, nach der Entdeckung des Mesonenzerfalls, sind unsere Raumschiffe mit einfachen und zuverl�ssigen Aggregaten zur Erzeugung k�nstlicher Gravitation ausgestattet. So bedeutet auch Ren Boos� Experiment einen Umweg zur wirksamen und raschen Ver�nderung der Erdrotation.�</p><p>Iwa Dshan verstummte. Eine Gruppe von sechs M�nnern, die Helden der Pluto-Expedition, gr��ten sie von der Mitte des Saales, indem sie ihr die gefalteten H�nde entgegenstreckten. Die Wangen der jungen Frau r�teten sich. Auf dem Bildschirm waren die Konturen stereometrischer Zeichnungen zu sehen.</p><p>�Man kann sogar noch weiter gehen und die Umlaufbahnen der Planeten ver�ndern, insbesondere den Pluto n�her an die Sonne heranbringen, um auf diesem einst bewohnten Planeten wieder Leben ansiedeln zu k�nnen. Doch vorerst denke ich nur an eine Verschiebung der Erdachse, um die klimatischen Bedingungen der kontinentalen Hemisph�re zu verbessern.</p><p>Ren Boos� Experiment hat gezeigt, da� eine Inversion des Gravitationsfeldes in seinen zweiten Aspekt, das Magnetfeld, mit anschlie�ender vektorieller Polarisation in folgenden Richtungen m�glich ist��</p><p>Die Figuren auf dem Bildschirm zogen sich in die L�nge und drehten sich. Iwa Dshan fuhr fort: �Daraufhin verliert die Erddrehung ihre Stabilit�t, und unser Planet kann in jede gew�nschte Lage gebracht werden, die die g�nstigste und l�ngste Sonnenbestrahlung gew�hrleistet.�</p><p>Auf einer langen Glasscheibe unterhalb des Bildschirms waren maschinell berechnete Parameter aneinandergereiht. Jeder, der diese Symbole verstand, konnte sich davon �berzeugen, da� Iwa Dshans Projekt theoretisch fundiert war.</p><p>Iwa Dshan schaltete die Zeichnungen und Symbole aus und verlie� mit gesenktem Blick die Trib�ne. Die Zuh�rer fl�sterten lebhaft miteinander. Der junge Leiter der Pluto-Expedition schritt zur Trib�ne, nachdem er sich durch Gesten mit Grom Orm verst�ndigt hatte.</p><p>�Zweifellos f�hrt Ren Boos� Experiment zu einer Kettenreaktion � einer Folge wichtiger Entdeckungen. Meiner Meinung nach wird es der Wissenschaft ungeahnte Perspektiven er�ffnen. Genauso war es mit der Quantentheorie, dem ersten Schritt auf dem Wege zum Verst�ndnis des Repagulums, und der anschlie�enden Entdeckung der Antiteilchen und der Antifelder. Dann folgte die Repagularrechnung, die ein Sieg �ber die Unsch�rferelation in der klassischen Physik Heisenbergs war. Und schlie�lich hat Ren Boos den n�chsten Schritt zur Analyse des Raum-Feld-Systems getan, wobei er hinter das Geheimnis der Antigravitation und des Antiraums oder, nach dem Gesetz des Repagulums, des Nullraums kam. Auch alle nicht anerkannten Theorien haben letzten Endes am Fundament der Wissenschaft mitgebaut!</p><p>Ich bin von der Pluto-Forschergruppe beauftragt, das Problem durch den Welt-Informationsdienst zur Diskussion zu stellen. Eine Verschiebung der Erdachse w�rde den Energieaufwand f�r die Erw�rmung der Polargebiete verringern, die Polarfronten noch mehr abschw�chen und den Wasserhaushalt der Kontinente verbessern.�</p><p>�Ist die Frage so weit klar, da� wir zur Abstimmung kommen k�nnen?� fragte Grom Orm.</p><p>Als Antwort flammten unz�hlige gr�ne L�mpchen auf.</p><p>�Also stimmen wir ab!� sagte der Vorsitzende und fuhr mit der Hand unter das Pult.</p><p>Er dr�ckte auf einen der drei Signalkn�pfe, die an die Rechenmaschine �Ja�, �Nein� oder �Stimmenthaltung� weitergaben. Ihm gleich taten es alle Ratsmitglieder in geheimer Abstimmung. So auch Ewda Nal und Tschara. Eine zweite Maschine registrierte die Meinungen der �brigen Zuh�rer; gleichsam die Kontrolle f�r die Richtigkeit des Ratsbeschlusses.</p><p>Wenige Augenblicke sp�ter leuchteten auf den Vorf�hrbildschirmen gro�e Zeichen auf: Das Problem war zur Diskussion angenommen.</p><p>Nun betrat Grom Orm die Trib�ne.</p><p>�Aus einem Grunde, den zu verschweigen mir bis zum Abschlu� der Angelegenheit; erlaubt sei, mu� erst die Handlungsweise des ehemaligen Leiters der Au�enstationen, Mwen Mass, untersucht und danach die Frage nach der achtunddrei�igsten Sternenexpedition entschieden werden. Ist der Rat einverstanden?�</p><p>Gr�ne Lichter waren die einm�tige Antwort.</p><p>�Sind allen die Vorf�lle im einzelnen bekannt?�</p><p>Wieder eine Flut von gr�nen Lichtern.</p><p>�Das beschleunigt die Sache! Ich bitte Mwen Mass, die Motive seiner Handlungsweise, die solche furchtbaren Folgen hatte darzulegen. Da sich der Physiker Ren Boos noch nicht von seinen Verletzungen erholt hat, konnte er nicht als Zeuge geladen werden. Er unterliegt keiner Verantwortung.�</p><p>Grom Orm sah das rote Licht an Ewda Nals Platz.</p><p>�Dem Rat zur Kenntnisnahme! Ewda Nal m�chte der Mitteilung �ber Ren Boos etwas hinzuf�gen.�</p><p>�Nur, da� ich statt seiner zu sprechen w�nsche.�</p><p>�Aus welchen Motiven?�</p><p>�Ich liebe ihn!�</p><p>�Sie k�nnen sich nach Mwen Mass �u�ern.�</p><p>Mwen Mass ging auf die Trib�ne.</p><p>Ruhig, ohne etwas zu besch�nigen, berichtete er �ber die unerwarteten Resultate des Experiments und �ber die frappierende Begebenheit, deren Realit�t er nicht beweisen konnte. Da sie den Versuch heimlich durchf�hren wollten und daher zu gro�er Hast gezwungen waren, hatten sie keine Spezialger�te zur Aufzeichnung konstruieren k�nnen und sich auf die normalen Ged�chtnismaschinen verlassen m�ssen, deren Empf�nger dann restlos zerst�rt wurden. Falsch war es auch, den Versuch auf dem Satelliten durchzuf�hren. Man h�tte an den Satelliten 57 ein altes Planetenschiff h�ngen und dort die Ger�te zur Orientierung des Vektors unterbringen m�ssen. An allem sei allein er, Mwen Mass, schuld. Ren Boos habe sich nur mit der Anlage befa�t, die Durchf�hrung des Versuches im Kosmos lag ausschlie�lich in der Kompetenz des Leiters der Au�enstationen.</p><p>Tschara pre�te die H�nde zusammen. Schwerwiegend waren die Argumente gegen Mwen Mass.</p><p>�Wu�ten die Beobachter des explodierten Satelliten, da� das Experiment m�glicherweise zu einer Katastrophe f�hren konnte?� fragte Grom Orm.</p><p>�Ja, sie wurden darauf aufmerksam gemacht und hatten keinerlei Einw�nde.�</p><p>�Das wundert mich nicht�, warf Grom Orm finster ein. �Tausende junger Menschen nehmen allj�hrlich an gef�hrlichen Versuchen auf unserem Planeten teil, bisweilen unter Einsatz ihres Lebens. Und wieder andere treten mit unvermindertem Mut den Kampf gegen das Unbekannte an. Da Sie die jungen Menschen warnten, bef�rchteten Sie selbst einen derartigen Ausgang, trotzdem aber haben Sie den Versuch durchgef�hrt.�</p><p>Mwen Mass senkte schweigend den Kopf. Tschara seufzte tief auf.</p><p>�Legen Sie Ihre Gr�nde dar, die Sie das Risiko eingehen lie�en�, sagte der Vorsitzende des Rates nach einer Pause.</p><p>Und wieder ergriff Mwen Mass das Wort, doch diesmal sprach er leidenschaftlich und erregt. Er erz�hlte, da� ihn von Kindheit an die Millionen Namenloser qu�lten, die von der unerbittlichen Zeit besiegt worden waren; wie brennend, es ihn danach verlangte, zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit Raum und Zeit zu �berwinden, den ersten Schritt auf einem Weg zu gehen, den unverz�glich Hunderttausende beschreiten w�rden. Er hielt sich nicht f�r berechtigt, den Versuch vielleicht f�r ein Jahrhundert hinauszuschieben, nur um nicht einige Menschen dem Risiko und sich der Verantwortung auszusetzen.</p><p>W�hrend Mwen Mass sprach, schlug Tscharas Herz schneller vor Stolz auf ihren Geliebten. Seine Schuld schien ihr nicht mehr so gro�. Mwen Mass kehrte an seinen Platz zur�ck und wartete auf die Entscheidung.</p><p>Ewda Nal �bergab das Magnetofonband mit Ren Boos� Erkl�rung. Seine schwache, keuchende Stimme war durch die Verst�rker im ganzen Saal deutlich zu h�ren.</p><p>Der Physiker rechtfertigte Mwen Mass� Verhalten. Da dem Leiter der Au�enstationen nicht die volle Tragweite des Problems bekannt war, mu�te er sich v�llig auf ihn � Ren Boos � verlassen, und er seinerseits habe ihn vom unbedingten Erfolg zu �berzeugen gewu�t. Doch auch in seinem Verhalten sah der Physiker keine Schuld. Es werden, sagte er, j�hrlich weniger wichtige Versuche durchgef�hrt, die nicht selten tragisch enden. Die Wissenschaft � der Kampf um das Gl�ck der Menschheit � fordere ebenso Opfer wie jeder andere Kampf. Menschen, die nichts wagen, kennen nicht die F�lle und Freude des Lebens. Solche Wissenschaftler werden nie Erfolg haben.</p><p>Ren Boos schlo� mit einer kurzen Einsch�tzung des Versuches und der Fehler, war jedoch von einem k�nftigen Erfolg fest �berzeugt.</p><p>�Ren Boos hat nichts �ber seine Beobachtungen w�hrend des Versuches gesagt.� Grom Orm sah Ewda Nal fragend an. �Sie wollten f�r ihn sprechen.�</p><p>�Ja, ich habe diese Frage vorausgesehen und deshalb ums Wort gebeten�, antwortete Ewda. �Wenige Sekunden nach dem Einschalten der F-Stationen hat Ren Boos das Bewu�tsein verloren und nichts weiter gesehen. Vorher aber hatte er die Stellung der Ger�tezeiger gesehen und im Ged�chtnis behalten; sie l��t eindeutig auf den Nullraum schlie�en. Hier sind seine Aufzeichnungen nach dem Ged�chtnis.�</p><p>Auf dem Bildschirm erschienen einige Zahlen, die von den meisten sofort abgeschrieben wurden.</p><p>�Gestatten Sie mir, noch etwas von der �Akademie des Leides und der Freude� hinzuzuf�gen�, fuhr Ewda fort. �Die Auswertung von Meinungs�u�erungen zur Katastrophe ergibt folgendes��</p><p>Auf dem, Schirm reihten sich achtstellige Zahlen aneinander, unterteilt in die Spalten: Verurteilung, Rechtfertigung, Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Durchf�hrung, Vorwurf der �bereilung. Doch das Ergebnis fiel ohne Zweifel zugunsten von Mwen Mass und Ren Boos aus.</p><p>Auf der anderen Seite des Saals flammte ein rotes Signal auf, und Grom Orm erteilte dem Astronomen der siebenunddrei�igsten Sternenexpedition, Pur Hiss, das Wort. Der sprach laut und temperamentvoll mit weit ausholenden Gesten seiner langen Arme. Sein Adamsapfel bewegte sich dabei schnell auf und ab.</p><p>�Die Gruppe der Astronomen verurteilt Mwen Mass. Seine Handlungsweise � die Durchf�hrung des Versuches ohne Wissen des Rates � war feige und erweckt den Verdacht, da� Mwen Mass nicht so uneigenn�tzige Ziele verfolgt hat, wie es die Diskussionsredner hier darzulegen versuchten!�</p><p>Tschara wurde flammendrot vor Emp�rung, lediglich der kalte Blick Ewda Nals hielt sie an ihrem Platz.</p><p>�Ihre Beschuldigungen sind schwerwiegend, aber nicht exakt formuliert�, erwiderte Mwen Mass mit Erlaubnis des Vorsitzenden. �Was verstehen Sie unter Feigheit und was � unter Eigennutz?�</p><p>�Unsterblicher Ruhm, wenn der Versuch gelingt � eigenn�tziges Bestreben also. Und Ihre Feigheit � Sie haben bef�rchtet, man erlaube Ihnen den Versuch nicht, deshalb haben Sie ihn heimlich und �bereilt durchgef�hrt!�</p><p>Mwen Mass l�chelte, winkte ab und, setzte sich schweigend. Triumphierender Ha� funkelte in Pur Hiss� Augen.</p><p>Die ber�hmte Nerven�rztin meldete sich noch einmal zu Wort.</p><p>�Ich halte die Verd�chtigungen von Pur Hiss f�r unbegr�ndet. Seine �u�erung ist �bereilt gewesen und f�r die L�sung dieser ernsthaften Frage zu geh�ssig vorgetragen. Wahrscheinlich hatte Hiss eine mangelhafte Erziehung, seine Ansichten �ber hinterh�ltige Motive f�hren uns in das finstere Zeitalter zur�ck. Nur Menschen der fernen Vergangenheit konnten so �ber unsterblichen Ruhm sprechen. Da sie keine Freude und Erf�llung im Leben fanden, da sie sich nicht als Teil der gesamten sch�pferischen Menschheit f�hlten, hatten sie Angst vor der Unvermeidlichkeit des Todes und klammerten sich an die geringste Hoffnung auf ein ewiges Weiterleben. Der Astronom Pur Hiss begreift nicht, da� nur die im Ged�chtnis der Menschen weiterleben, deren Denken und Wollen und deren Erfolge fortwirken. Eine so primitive Auffassung �ber Unsterblichkeit und Ruhm habe ich schon lange nicht mehr geh�rt; mich wundert, da� sie ein Kosmonaut vertritt.�</p><p>Hochaufgerichtet blickte Ewda Nal zu Pur Hiss hin�ber. Der Astronom kroch in dem Sessel in sich zusammen.</p><p>�Aber vergeuden wir nicht l�nger unsere Zeit mit diesem Unsinn�, fuhr Ewda fort, �untersuchen wir die Handlungsweise von Mwen Mass und Ren Boos, wobei Hauptkriterium das Gl�ck der Menschheit sein soll. Fr�her waren die Menschen oft nicht imstande, den Vorzug einer Handlung ihrer negativen Auswirkung gegen�berzustellen, die nun mal jede Ma�nahme mit sich bringt. Dar�ber sind wir l�ngst hinaus, wir k�nnen die eigentliche Bedeutung einer Handlung erkennen.</p><p>Wie eh und je tastet der einzelne nach neuen Wegen; denn nur nach langer Ausbildung und bei besonderer Disponiertheit des Gehirns l��t sich in den widerspr�chlichen Tatsachen Neues aufsp�ren. Im Gegensatz zu fr�her aber folgen heute Zehntausende dem neuentdeckten Weg und erforschen ihn, so da� eine Lawine von Erfindungen ausgel�st wird. Ren Boos und Mwen Mass sind den schwersten Weg gegangen. Ich verf�ge zwar nicht �ber gen�gend Kenntnisse, aber auch mir ist klar, da� sie ihr Experiment zu fr�h unternommen haben. Darin besteht die Schuld der beiden, und sie tragen die Verantwortung f�r den gewaltigen materiellen Schaden und vier Menschenleben. Nach den Gesetzen der Erde liegt ein Verbrechen vor, das aber nicht zu eigenn�tzigen Zwecken begangen wurde und demnach auch nicht der schwersten Bestrafung unterliegt.�</p><p>Ewda Nal kehrte langsam an ihren Platz zur�ck. Niemand meldete sich mehr zu Wort. Die Ratsmitglieder verlangten von Grom Orm den abschlie�enden Vorschlag.</p><p>�Der Sachverhalt f�r das abschlie�ende Urteil ist einfach. Ren Boos spreche ich von jeder Verantwortung frei. Welcher wirkliche Wissenschaftler nutzt nicht die ihm gebotene M�glichkeit, besonders wenn er vom Erfolg �berzeugt ist! Der vernichtende Mi�erfolg des Versuchs m�ge als Lehre dienen. Doch auch der Nutzen des Versuchs steht au�er Zweifel. Er kompensiert zum Teil den materiellen Schaden, da jetzt das Experiment zur L�sung vieler Fragen beitragen wird, �ber die man in der �Akademie der Grenzen des Wissens� eben erst nachzudenken begonnen hat. Die Klugheit eines verantwortungsbewu�ten Leiters jedoch besteht darin, da� er das f�r den gegenw�rtigen Zeitpunkt Erreichbare zur rechten Zeit erkennt, einh�lt und abwartet oder einen anderen Weg einschl�gt. Solch ein Leiter kann Mwen Mass an h�chst verantwortlicher Stelle nicht sein. Die Wahl des Rates hat sich als falsch erwiesen. Der Rat tr�gt die gleiche Verantwortung wie der von ihm Erw�hlte, und in erster Linie trage ich sie, denn ich habe die Initiative zweier Ratsmitglieder, Mwen Mass zu berufen, unterst�tzt.</p><p>Ich schlage dem Rat vor, Mwen Mass von der Beschuldigung, nach pers�nlichen Motiven gehandelt zu haben, freizusprechen, ihm jedoch keinen leitenden Posten in verantwortungsvollen Organisationen des Planeten zu �bertragen. Auch mich sollte man von meiner Funktion entbinden und zum Bau des Satelliten schicken.�</p><p>Grom Orm las auf vielen Gesichtern Mitgef�hl und aufrichtiges Bedauern. Doch in der Epoche des Rings unterlie�en die Menschen jeden �berredungsversuch, da sie die Entscheidung des anderen achteten und von deren Richtigkeit �berzeugt waren.</p><p>Mir Om beriet sich mit den Ratsmitgliedern, und die Rechenmaschine teilte das Abstimmungsergebnis des Rates mit. Grom Orms Vorschlag war einstimmig angenommen worden, jedoch mit der Einschr�nkung, da� er erst nach Abschlu� der Sitzung seinen Posten niederlege.</p><p>Er verneigte sich mit unbeweglichem Gesicht.</p><p>�Jetzt bin ich Ihnen noch eine Erkl�rung schuldig�, fuhr der Vorsitzende ruhig fort. �Ich hatte gebeten, die Sternenexpedition als zweiten Tagesordnungspunkt zu behandeln, denn da� das Urteil f�r Mwen Mass g�nstig ausfallen w�rde, war vorauszusehen. Ich nehme an, da� auch die Ehren- und Rechtskontrolle mit uns einer Meinung sein wird. Jetzt darf ich Mwen Mass bitten, seinen Platz im Rat einzunehmen. Bei dieser au�erordentlich wichtigen Entscheidung k�nnen wir auf seine Kenntnisse keinesfalls verzichten, zumal das Ratsmitglied Erg Noor an der heutigen Beratung nicht teilnehmen kann.�</p><p>Mwen Mass ging zu den Sesseln der Ratsmitglieder. Ger�uschlos r�ckten an die Stelle der Planetenkarten schwarze Tafeln mit den verschiedenfarbigen Lichtern der Sterne. Der Vorsitzende des Rates war wie umgewandelt. Die k�hle Zur�ckhaltung war verschwunden. Rasch bestieg er die Trib�ne.</p><p>�Jede Sternenexpedition ist die Verwirklichung eines lang gehegten Traumes, sie stellt eine neue Sprosse dar auf der Leiter des gro�en Aufstiegs. Andererseits konnte sie nur durch die Arbeit von Millionen m�glich werden, so da� sie nicht ohne Erfolg, ohne wissenschaftlichen oder �konomischen Nutzen bleiben darf, sollen nicht unsere Entwicklung und die weitere Bezwingung der Natur zum Stillstand kommen. Darum diskutieren, �berlegen und rechnen wir so sorgf�ltig, bevor wir ein neues Sternschiff in den Kosmos schicken.</p><p>Wir waren dem Gro�en Ring verpflichtet, die siebenunddrei�igste Expedition f�r seine Interessen einzusetzen. Um so sorgf�ltiger haben wir die Vorbereitung f�r die achtunddrei�igste Expedition er�rtert. Verschiedene Ereignisse des letzten Jahres haben jedoch die Lage ver�ndert und verpflichten, Wege und Aufgaben der Expeditionen zu �berpr�fen, die von den fr�heren R�ten und durch weltweite Diskussionen festgelegt wurden. Inzwischen hat man Verfahren entdeckt, mit deren Hilfe man Legierungen unter hohem Druck bei absoluter Nulltemperatur herstellen kann, die die Rumpffestigkeit der Sternschiffe verbessern. Die vervollkommneten und rationeller arbeitenden Anameson-Triebwerke erm�glichen es, die Flugweite eines Schiffes zu vergr��ern. Die f�r die achtunddrei�igste Expedition vorgesehenen Sternschiffe �Aella� und �Tintaschel� sind im Vergleich zu der eben fertiggestellten �Lebed� veraltet. Wir sind zu ausgedehnteren Fl�gen in der Lage.</p><p>Erg Noor, der mit der �Tantra� von der siebenunddrei�igsten Expedition zur�ckgekehrt ist, berichtete von der Entdeckung eines schwarzen Sterns der T-Klasse, auf dessen Planeten ein Sternschiff unbekannter Konstruktion aufgefunden wurde. Ein Versuch, in das Innere des Schiffes zu gelangen, h�tte beinahe allen, die in der N�he waren, den Tod gebracht. Durch Zufall gelang es, ein St�ck Metall vom Schiffsk�rper mitzubringen. Es ist ein bei uns nicht bekanntes Material, obgleich es dem vierzehnten Silberisotop �hnlich ist, das auf den Planeten eines au�erordentlich hei�en Sterns der 08-Klasse, dem Zeta Puppis, bekannt ist. Die Form des Sternschiffs � eine bikonvexe Scheibe mit einem riesigen Spiralrohr � wurde in der �Akademie der Grenzen des Wissens� bereits er�rtert.</p><p>Yuni Ant hat die Informationsb�nder des Rings von vierhundert Jahren, seit wir dem Ring angeh�ren, gepr�ft. Dieser Konstruktionstyp von Sternschiffen ist bei der Ausrichtung unserer Wissenschaft und bei unserem Wissensniveau undenkbar. Er ist auf allen Planeten der Galaxis, mit denen wir Informationen ausgetauscht haben, unbekannt. Ein Schiff von so kolossalen Ausma�en stammt zweifellos von einem unvorstellbar fernen Planeten, vielleicht aus dem Zentrum der Galaxis, vielleicht auch von extragalaktischen Welten. M�glicherweise flog es Millionen Jahre durch den Raum und landete schlie�lich auf dem Planeten des Eisensterns am Rande der Galaxis.</p><p>Wie wichtig die Erforschung dieses Schiffes durch eine Sonderexpedition ist, brauche ich wohl nicht zu erl�utern.�</p><p>Grom Orm schaltete den Hemisph�renbildschirm ein, der Saal wurde dunkel. Vor den Zuschauern zogen langsam die Aufzeichnungen der Ged�chtnismaschine vor�ber.</p><p>�Diese Information traf vor kurzem vom Planeten ZR 519 ein � der K�rze halber lasse ich die genauen Koordinaten weg. Es sind Aufnahmen von der Expedition des Planeten zum System des Sterns Achernar!�</p><p>Die Anordnung der Sterne wirkte seltsam: Flecke eines matt leuchtenden Gases, dunkle Wolken und schlie�lich gro�e erkaltete Planeten, die das Licht eines erstaunlich hellen Sternes reflektierten. Der Achernar, mit einem Durchmesser dreieinhalbmal so gro� wie die Sonne und mit deren zweihundertundachtzigfacher Leuchtkraft, war also ein unbeschreiblich heller blauer Stern der Spektralklasse B 5. Das Weltraumschiff, von dem aus die Aufnahmen gemacht worden waren, flog seitw�rts davon. Wahrscheinlich waren Jahrzehnte seitdem vergangen. Auf dem Bildschirm tauchte ein anderer Himmelsk�rper auf: ein heller gr�ner Stern der S-Klasse. Er nahm an Gr��e und Helligkeit immer mehr zu, je n�her das Sternschiff der fremden Welt kam. Durch eine Atmosph�re hindurch m��te die gr�nliche F�rbung noch viel sch�ner aussehen, dachte Mwen Mass. Und schon tauchte auf dem Bildschirm die Oberfl�che eines neuen Planeten auf. Vor den Augen der Zuschauer zog ein Land hoher Berge vor�ber, in alle denkbaren Schattierungen gr�nen Lichts getaucht. Schwarzgr�ne Schatten in den tiefen Schluchten und an den steilen H�ngen, blaugr�ne Felsen und T�ler, meergr�ner Schnee auf den Gipfeln und Hochebenen, gelblichgr�ne Landstriche, versengt von der Hitze des Gestirns. Malachitfarbene B�che st�rzten bergab zu unsichtbaren Seen und Meeren.</p><p>Eine h�gelige Ebene erstreckte sich bis ans Ufer des Meeres, das aus der Ferne wie gl�nzendes gr�nes Blech wirkte. Die blauen B�ume waren dicht belaubt, auf den Waldwiesen schimmerten Flecken unbekannter purpurroter Str�ucher und Gr�ser. Die Menschen der Erde blickten gebannt auf dieses gespenstische Bild. Mwen Mass durchforschte sein Ged�chtnis, um die Lage des gr�nen Sterns genau zu bestimmen.</p><p>Achernar � Alpha Eridani, hoch am s�dlichen Himmel, ganz nahe dem Tukan. Entfernung: einundzwanzig Parsek. R�ckkehr des Sternschiffes mit derselben Besatzung unm�glich, ging es ihm durch den Kopf.</p><p>Der Bildschirm erlosch.</p><p>�Dieser gr�ne Stern�, fuhr der Vorsitzende fort, �mit �berm��ig viel Zirkonium in den Spektrallinien, ist etwas gr��er als unsere Sonne.� Grom Orm nannte die Koordinaten des Zirkoniumsterns. �In seinem System liegen zwei Planeten, Zwillinge, die in solch einer Entfernung um den Stern kreisen, da� sie ebensoviel Energie von ihm erhalten wie die Erde von der Sonne.</p><p>Die Dichte der Atmosph�re, ihre Zusammensetzung und die Wassermenge gleichen den Bedingungen auf der Erde. Das sind die vorl�ufigen Angaben der Expedition. Von h�heren Formen des Lebens auf den Zwillingsplaneten ist in der Information nichts gesagt. Vernunftbegabte Wesen h�tten die Natur so umgestaltet, da� man es selbst bei oberfl�chlicher Betrachtung vom fliegenden Sternschiff aus wahrnehmen k�nnte. Man mu� annehmen, da� sich eine h�here Form des Lebens noch nicht entwickeln konnte oder sich noch nicht entwickelt hat. Wenn sie bereits existierte, w�re uns die Welt des gr�nen Sterns verschlossen. Schon im Jahre zweiundsiebzig der Epoche des Ringes, vor drei Jahrhunderten also, wurde bei uns die Besiedlung anderer Planeten mit h�her entwickeltem, denkendem Leben, auch wenn es noch nicht den Stand unserer Zivilisation erreicht hat, er�rtert. Damals entschied man, da� jedes Eindringen in solche Planeten zu unvermeidlicher Gewaltanwendung f�hren w�rde.</p><p>Wir wissen jetzt, wie gro� die Vielfalt der Welten in unserer Galaxis ist. Es gibt blaue, gelbe, gr�ne, wei�e, rote, orangefarbene Sterne, sie alle sind Wasserstoff-Helium-Sterne, nur nach den verschiedenen Zusammensetzungen ihrer Oberfl�che und ihres Kerns werden sie Kohlenstoff-, Zyan-, Titan-, Zirkoniumsterne genannt, mit verschiedenem Strahlungscharakter, mit hohen und niedrigen Temperaturen, mit verschiedener Zusammensetzung ihrer Atmosph�ren und Kerne. Wir kennen sehr unterschiedliche gro�e Planeten, die sich in ihrer Dichte, in der Zusammensetzung und Dichte ihrer Atmosph�re und Hydrosph�re, in der Entfernung von ihrer Sonne und in ihren Rotationsbedingungen stark voneinander unterscheiden. Unser Planet stellt einen selten g�nstigen N�hrboden f�r pflanzliches und tierisches Leben dar, reich an Biomasse und an ununterbrochenen mannigfaltigen Ver�nderungen, denn seine Oberfl�che ist zu siebzig Prozent von Wasser bedeckt, und durch seine verh�ltnism��ig geringe Entfernung zur Sonne wird er mit einem gewaltigen Energiestrom versorgt.</p><p>Deshalb hat sich das Leben bei uns schneller entwickelt als auf anderen Planeten, wo es durch Mangel an Wasser oder Sonnenenergie in seiner Entfaltung gehemmt war. Und auch schneller als auf Planeten, auf denen zuviel Wasser vorhanden ist. In Sendungen �ber den Gro�en Ring konnten wir die Entwicklung des Lebens auf stark �berfluteten Planeten beobachten, eines Lebens, das sich verzweifelt an den Stengeln der Wasserpflanzen emporwand.</p><p>Auch unser wasserreicher Planet besitzt verh�ltnism��ig wenig Festland, auf dem mit Hilfe von Nutzpflanzen f�r Ern�hrungszwecke oder einfach durch thermoelektrische Anlagen Sonnenenergie aufgefangen werden kann.</p><p>In den �ltesten Perioden der Erdgeschichte entwickelte sich das Leben in den Sumpfgebieten der flachen Kontinente des Pal�ozoikums langsamer als auf den hohen Festlandfl�chen des K�nozoikums, wo der Kampf nicht nur um Nahrung, sondern auch um Wasser ging.</p><p>Wir wissen, da� f�r die �ppige Entfaltung des Lebens ein bestimmtes Verh�ltnis zwischen Wasser und Land notwendig ist. Unser Planet kommt diesem optimalen Koeffizienten nahe. Es gibt wenige solcher Planeten im Kosmos, und jeder ist als Siedlungs- und Entwicklungsgebiet f�r die Menschheit von unsch�tzbarem Wert.</p><p>Schon l�ngst f�rchtet die Menschheit nicht mehr eine �berv�lkerung, das einstige Schreckgespenst unserer fernen Vorfahren. Dennoch streben wir unaufhaltsam in den Kosmos, um das Siedlungsgebiet der Menschen immer weiter auszudehnen. Auch das ist Vorw�rtsbewegung, ist ein unausweichliches Entwicklungsgesetz. Es war sehr schwierig, neue Planeten zu erschlie�en, denn sie unterschieden sich in ihren physikalischen Bedingungen weitgehend von der Erde. So befa�te man sich bereits vor langer Zeit mit dem Projekt, Menschen auf speziell gebauten gigantischen Stationen �hnlich den k�nstlichen Satelliten im Kosmos anzusiedeln. Wie Sie wissen, entstand solch eine Weltrauminsel kurz vor der Epoche des Gro�en Rings � ich spreche vom �Nadir�, der achtzehn Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Dort leben noch heute einige Menschen. Doch der Mi�erfolg dieser k�nstlichen Raumstationen, die die Entfaltung des menschlichen Lebens hemmten, war so offensichtlich, da� man sich �ber unsere Vorfahren nur wundern kann, ungeachtet der K�hnheit ihrer Idee.</p><p>Die Zwillingsplaneten des gr�nen Zirkoniumsterns sind unserem Planetentyp sehr �hnlich. Sie sind f�r die zartgliedrigen Bewohner des Planeten ZR 5 19, die Entdecker, kaum geeignet, deshalb gaben sie unverz�glich diese Informationen an uns weiter, wie auch wir ihnen sofort unsere Entdeckungen mitteilen.</p><p>Der gr�ne Stern befindet sich so weit entfernt von uns, wie bisher noch keines unserer Sternschiffe geflogen ist. Wenn wir seine Planeten erreichen, sind wir weit in den Kosmos vorgedrungen. Nicht die kleine Welt eines k�nstlichen Satelliten haben wir erschlossen, sondern eine starke Basis auf gro�en Planeten, die Raum genug f�r ein angenehmes Leben und eine starke Technik bieten.</p><p>Deshalb habe ich Ihre Aufmerksamkeit so lange f�r die Planeten des gr�nen Sterns in Anspruch genommen � ich halte es f�r au�erordentlich wichtig, sie zu erforschen. Die Entfernung von siebzig Lichtjahren kann heutzutage ein Sternschiff vom Typ �Lebed� ohne weiteres zur�cklegen. Des halb sollten wir die achtunddrei�igste Sternenexpedition vielleicht zum Achernar schicken!�</p><p>Grom Orm bet�tigte einen kleinen Hebel am Rednerpult und kehrte an seinen Platz zur�ck.</p><p>Dort, wo eben noch der Ratsvorsitzende gestanden hatte, tauchte ein kleiner Bildschirm aus der Versenkung auf, und die Zuschauer sahen die kr�ftige Gestalt Dar Weters. Der ehemalige Leiter der Au�enstationen l�chelte, lautlos begr��ten ihn die vielen gr�nen L�mpchen.</p><p>�Dar Weter befindet sich gegenw�rtig in der radioaktiven W�ste von Arizona; von dort aus werden die Raketenserien f�r den Bau des neuen Satelliten 750000 Kilometer hochgeschossen�, erkl�rte Grom Orm. �Er m�chte Ihnen seine Meinung als Ratsmitglied darlegen.�</p><p>�Ich schlage die einfachste L�sung vor�, begann Dar Weter mit fr�hlicher Stimme, �nicht eine, sondern drei Expeditionen zu entsenden!�</p><p>Die Mitglieder des Rates und die �brigen Versammelten waren starr vor �berraschung.</p><p>�Der urspr�ngliche Plan, zwei Sternschiffe als achtunddrei�igste Expedition zu dem dreifachen Stern JE 7725 zu entsenden��</p><p>Mwen Mass stellte sich diesen Dreierstern vor, dessen alte Bezeichnung Omikron 2 Eridani war. Dieses mindestens f�nf Parsek von der Sonne entfernte Sternsystem, bestehend aus einem gelben, einem blauen und einem roten Stern, besa� zwei v�llig unbewohnte Planeten. Doch das Interesse der Forschung galt nicht ihnen. Der blaue Stern in diesem System, ein wei�er Zwerg, hatte zwar die Ausma�e eines gro�en Planeten, seine Masse aber war nur etwa halb so gro� wie die der Sonne. Das mittlere spezifische Gewicht der Materie dieses Sterns betrug das Zweitausendf�nfhundertfache der Dichte des schwersten irdischen Metalls, des Iridiums. Die Erforschung seiner Gravitation, seiner elektromagnetischen Felder und der Entstehungsprozesse schwerer chemischer Elemente aus m�glichst geringer Entfernung war von gro�em Interesse, um so mehr, als die zehnte Sternenexpedition zum Sirius zugrunde gegangen war. Noch kurz vor ihrem Untergang hatte sie vor der Gefahr warnen k�nnen. Der unweit der Sonne gelegene blaue Doppelstern Sirius verf�gte gleichfalls �ber einen wei�en Zwerg mit niedrigerer Temperatur und gr��eren Ausma�en als Omikron Eridani sowie einer f�nfundzwanzigtausendmal gr��eren Dichte als Wasser. Es hatte sich jedoch als unm�glich erwiesen, diesen nahe gelegenen Stern zu erreichen, denn rings um ihn kreuzten ausgedehnte Meteoritenstr�me die Flugbahn. Damals, vor dreihundertundf�nfzehn Jahren, hatte man schon einmal eine Expedition nach Omikron 2 Eridani erwogen.</p><p>�� ist jetzt� � Dar Weter hatte inzwischen weitergesprochen � �nach dem Versuch von Mwen Mass und Ren Boos von so eminenter Bedeutung, da� wir ihn nicht aufgeben k�nnen. Andererseits k�nnte uns die Erforschung des fremden Sternschiffes, das von der siebenunddrei�igsten Expedition gefunden wurde, zu Erkenntnissen verhelfen, welche die Entdeckung der ersten Untersuchung weit �bertreffen. Wir sollten uns �ber die fr�heren Sicherheitsregeln hinwegsetzen und es wagen, die Sternschiffe aufzuteilen. Die �Aella� wird zum Omikron 2 Eridani geschickt und die �Tintaschel� zum T-Stern. Beide sind Sternschiffe erster Klasse, wie die �Tantra�, die allein mit ungeheuren Schwierigkeiten fertig wurde��</p><p>�Romantik!� rief Pur Hiss laut und ver�chtlich dazwischen, duckte sich aber sofort, als er die allgemeine Mi�billigung bemerkte.</p><p>�Ja, nat�rlich, wirkliche Romantik!� gab Dar Weter belustigt zur�ck. �Romantik ist notwendig in einer wohlgeordneten Gesellschaft. Bei einem �berschu� an physischen und psychischen Kr�ften entsteht im Menschen schneller der Drang nach Neuem, nach Ver�nderungen. Daraus resultiert eine besondere Einstellung zu den Erscheinungen des Lebens � das Bestreben, mehr als nur die gleichm��ige Allt�glichkeit zu fordern, vom Leben ein h�heres Ma� an Pr�fungen und Eindr�cken zu erwarten.�</p><p>�Ich sehe Ewda Nal im Saal�, fuhr Dar Weter fort. �Sie wird Ihnen best�tigen, da� Romantik nicht nur etwas mit Psychologie zu tun hat, sondern auch mit Physiologie! Ich schlage vor, das neue Sternschiff �Lebed� zu dem gr�nen Stern Achernar zu schicken, denn erst nach einhundertundsiebzig Jahren wird man auf unserem Planeten das Resultat erfahren. Grom Orm hat v�llig recht: Wir sind den Nachkommen gegen�ber verpflichtet, unserer Erde �hnliche Planeten zu erforschen und die Basis f�r ein weiteres Vordringen in den Kosmos zu schaffen.�</p><p>�Der Anamesonvorrat reicht nur f�r zwei Sternschiffe�, wandte der Sekret�r Mir Om ein. �Wenn wir nicht der Wirtschaft ernsthaft Schaden zuf�gen wollen, kann erst in zehn Jahren ein weiteres Schiff startklar sein. Ich erinnere, da� der Wiederaufbau des Satelliten gegenw�rtig viele Produktivkr�fte in Anspruch nimmt.�</p><p>�Das habe ich vorausgesehen�, erwiderte Dar Weter.</p><p>�Wenden wir uns doch an die Bev�lkerung unseres Planeten, wenn der Wirtschaftsrat nichts dagegen hat. Soll ein jeder seine Vergn�gungsfahrten und Reisen um ein Jahr verschieben, soll man die Fernsehkameras unserer Aquarien in den Tiefen des Ozeans ausschalten undvorl�ufig keine Edelsteine und seltenen Gew�chse von Mars und Venus holen, soll man die Bekleidungs- und Schmuckindustrie vor�bergehend stillegen. Der Wirtschaftsrat wird besser wissen als ich, was zu tun ist, um Energie f�r die Herstellung von Anameson einzusparen. Wer von uns wird nicht gern seine Bed�rfnisse ein einziges Jahr lang einschr�nken, damit er seinen Kindern ein gro�es Geschenk darbringen kann: zwei neue Planeten unter den belebenden Strahlen einer gr�nen Sonne!�</p><p>Dar Weter streckte die Arme aus und wandte sich mit dieser Geste an die ganze Welt, denn er wu�te, da� ihm Milliarden an den Fernsehger�ten zuschauten. Er nickte noch einmal und verschwand vom Bildschirm. Im Saal standen alle Anwesenden auf und hoben die linke Hand zum Zeichen, da� sie mit dem Vorschlag einverstanden waren.</p><p>Noch einmal ergriff Grom Orm das Wort.</p><p>�Die Entscheidung des Rates ist gefallen. Wir werden also die Menschheit bitten, ihre Bed�rfnisse f�r das Jahr vierhundertundneun der �ra des Gro�en Rings einzuschr�nken. Dar Weter hat nicht erw�hnt, da� Historiker ein goldenes Pferd aus der �ra der Partikularistischen Welt entdeckt haben. Diese Hunderte Tonnen reinen Goldes k�nnen wir f�r die Anamesonherstellung zus�tzlich verwenden. Erstmalig in der Geschichte der Erde werden wir zu drei Sternsystemen gleichzeitig Expeditionen entsenden und versuchen, Welten zu erreichen, die siebzig Lichtjahre entfernt sind!�</p><p>Der Vorsitzende schlo� die Versammlung, und bat die Mitglieder des Rates, noch zu bleiben. Die Forderungen an den Wirtschaftsrat und die Anfragen an die �Akademie f�r Stochastik und Vorhersage der Zukunft� wegen m�glicher Zwischenf�lle auf dem weiten Weg zum Achernar mu�ten sofort zusammengestellt werden.</p><p>M�de ging Tschara hinter Ewda her und wunderte sich, da� die �rztin noch so frisch aussah. Sie wollte so schnell wie m�glich allein sein, um in aller Stille �ber Mwen Mass� Rechtfertigung nachzudenken. Heute war ein denkw�rdiger Tag! Freilich, zum Helden war Mwen Mass nicht erkl�rt worden, wie Tschara insgeheim gehofft hatte. F�r lange, wenn nicht f�r immer, war er von der wichtigen Arbeit ausgeschlossen. Aber hatte man ihn nicht in der Gesellschaft belassen! War ihm nicht der breite, wenn auch beschwerliche Weg der Forschung, Arbeit und Liebe offen!</p><p>Ewda Nal �berredete das M�dchen, in das n�chste Haus f�r Ern�hrung mitzukommen. Tschara starrte jedoch so lange auf die Auswahltafel, da� Ewda f�r beide w�hlte und die Chiffren der gew�nschten Gerichte sowie die Tischnummer in den Bestelltrichter des Automaten hineinrief. Kaum hatten sie an einem kleinen ovalen Tisch Platz genommen, als sich in der Platte eine Klappe �ffnete und ein kleiner Beh�lter mit dem Bestellten zum Vorschein kam. Ewda Nal reichte Tschara einen Becher mit dem schillernden Erfrischungsgetr�nk �Lio�, sie selbst trank mit Behagen ein Glas k�hles Wasser und begn�gte sich mit einem Auflauf aus Kastanien, N�ssen, Bananen und Schlagsahne. Tschara a� ein Gericht aus geriebenem Raptenfleisch � einem Gefl�gel, das man in j�ngster Zeit Huhn und Wild vorzog. Dann war sie entlassen. Ewda Nal blickte ihr nach, als sie mit einer Grazie, die sogar im Zeitalter des Gro�en Rings auffiel, zwischen schwarzen Metallstatuen und bizarr geformten Kandelabern die Treppe hinuntereilte.</p></section><section><title><p>Boten des Himmels</p></title><p>Mit angehaltenem Atem verfolgte Erg Noor die Handgriffe der geschickten Laboranten. Die zahlreichen Instrumente erinnerten an die Steuerzentrale eines Sternschiffes, doch die Gr��e des Raumes und die breiten blauschimmernden Fenster hoben den Eindruck wieder auf.</p><p>Auf einem Metalltisch in der Mitte des Zimmers stand eine Kammer aus dicken Rupholuzitplatten, einem Material, das infrarote und sichtbare Lichtstrahlen durchlie�. Ein Gewirr von Rohren und Leitungen wand sich um die braune Emaille des Sternschiff-Wassertanks, der die beiden schwarzen Medusen vom Planeten des Eisensterns enthielt.</p><p>Eon Tal, der seinen Arm nach wie vor in der Binde tragen mu�te, blickte aus einiger Entfernung angespannt auf die sich langsam drehende Trommel des Registrierger�tes. Dem Biologen standen Schwei�tropfen auf der Stirn.</p><p>Erg Noor fuhr sich mit der Zunge �ber die trockenen Lippen.</p><p>�Nichts. Nach den f�nf Jahren Flug ist nur noch Staub �briggeblieben�, sagte der Astronaut, heiser vor Erregung.</p><p>�Wenn das stimmt, welch Ungl�ck� f�r Nisa und f�r mich!� meinte der Biologe. �Jahrelang wird man eventuell experimentieren m�ssen, um die Art der Verletzung festzustellen.�</p><p>�Sie glauben nach wie vor, da� die Organe, mit denen die Beute get�tet wird, bei den Medusen und dem Kreuz gleich sind?�</p><p>�Nicht nur ich. Auch Grim Schar und die anderen sind zu dieser �berzeugung gelangt. Anfangs allerdings gab es die verschiedensten Mutma�ungen. Ich dachte, das schwarze Kreuz habe mit dem Planeten �berhaupt nichts zu tun.�</p><p>�Das war auch meine �berlegung, wie Sie sich sicherlich erinnern k�nnen. Ich nahm an, dieses Wesen geh�re zum Tellerschiff und bewache es. Aber wenn man bedenkt: Welchen Sinn sollte es haben, diese un�berwindliche Festung zu bewachen? Schon der Versuch, die Spiralscheibe zu �ffnen, hat die Unsinnigkeit solcher Mutma�ungen bewiesen.�</p><p>�Ich hielt das Kreuz f�r gar kein Lebewesen�, erwiderte Eon Tal.</p><p>�F�r einen Roboter, der zum Schutz des Raumschiffes aufgestellt war?�</p><p>�Ja. Jetzt bin ich nat�rlich anderer Meinung. Das schwarze Kreuz ist ein Lebewesen, eine Ausgeburt jener Welt der Finsternis. Wahrscheinlich hausen diese Kreaturen unten, in der Ebene. Die Medusen hingegen, leichter und beweglicher, leben auf dem Hochplateau, dort, wo wir gelandet sind. Die Verbindung zwischen dem schwarzen Kreuz und der Spiralscheibe ist rein zuf�llig � unsere Schutzvorrichtungen wirkten einfach nicht bis zu jenem entfernten Winkel der Ebene, der hinter der gigantischen Scheibe immer im Dunkeln blieb.�</p><p>�Sie halten also die todbringenden Organe von Kreuz und Medusen f�r gleich?�</p><p>�Ja. Bei diesen Tieren, die unter den gleichen Bedingungen leben, mu�ten sich auch gleiche Organe entwickeln. Der Eisenstern ist eine warme elektrische Sonne. Die dichte Atmosph�re des Planeten ist stark mit Elektrizit�t geladen. Grim Schar meint, da� die Tiere der Atmosph�re Energie entnehmen und sie komprimieren, so da� etwas �hnliches wie unser Kugelblitz entsteht. Denken Sie nur an das blitzartige Auftauchen der br�unlichen Sternchen auf den F�hlern der Medusen.�</p><p>�Auch das Kreuz hatte F�hler, aber��</p><p>�Das hat in der Aufregung keiner bemerkt. In einem aber sind wir uns einig � die Art der Verletzung der Nervenstr�nge verbunden mit einer L�hmung des entsprechenden Nervenzentrums ist bei Nisa und mir die gleiche! Das ist der eindeutige Beweis und auch unsere ganze Hoffnung!�</p><p>�Hoffnung?� Erg Noor horchte auf.</p><p>�Selbstverst�ndlich! Schauen Sie her�, der Biologe wies auf die gerade Linie des Diagramms. �Die empfindlichen Elektroden, die wir in die Medusenfalle versenkt haben, zeigen nichts an. Als die Tiere hineinkrochen, hatten sie aber noch ihre volle Energieladung; sie konnte nicht mehr entweichen, nachdem der Tank verschlossen war. Die Isolationsschicht der kosmischen Lebensmittelbeh�lter ist wohl kaum durchl�ssig, anders hingegen unsere leichten biologischen Raumanz�ge. �berlegen Sie einmal: Das Kreuz, das Nisa zum Verderben wurde, hat Ihnen keinerlei Schaden zugef�gt. Sein Ultraschall ist zwar auch durch Ihren Sicherheitsschutzanzug gedrungen und hat Ihren Willen gel�hmt, aber die gef�hrlichen Entladungen erwiesen sich als machtlos. Sie durchschlugen nur Nisas Raumanzug, wie die Energieladung der Medusen meinen durchschlug.�</p><p>�Folglich mu� sich die Ladung der Kugelblitze, oder was es sonst sein mag, noch in dem Tank befinden. Die Instrumente zeigen aber nichts an.�</p><p>�Eben darauf beruht unsere Hoffnung. Denn es bedeutet, da� die Medusen nicht zu Staub zerfallen, sind. Sie��</p><p>�Ich verstehe. Sie haben sich eingekapselt, sich mit einer Art Kokon umgeben.�</p><p>�Ja. Diese Form der Anpassung ist unter den Organismen, die f�r ihre Lebensweise ung�nstige Perioden �berdauern m�ssen, weit verbreitet. Die langen eisigen N�chte des schwarzen Planeten, seine schrecklichen Orkane bei �Sonnenaufgang und � untergang� � das sind solche Zeitr�ume. Da sie aber verh�ltnism��ig schnell vor�bergehen, bin ich �berzeugt, da� sich die Medusen ebensoschnell den ver�nderten Gegebenheiten anpassen. Wenn meine �berlegung richtig ist, werden wir die schwarzen Medusen wieder zu neuem todbringendem Leben erwecken k�nnen.�</p><p>�Indem wir hier die Temperatur, die Atmosph�re, die Lichtverh�ltnisse und die sonstigen Bedingungen des schwarzem Planeten reproduzieren?�</p><p>�Ja. Alles ist berechnet und vorbereitet. Grim Schar wird bald hier sein. Dann blasen wir ein Neon-Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch bei einem Druck von drei Atmosph�ren in den Tank. Zuvor aber wollen wir uns �berzeugen.�</p><p>Eine Weile beriet sich Eon Tal mit den beiden Assistenten. Langsam wurde ein Aggregat an den braunen Tank herangeschoben, die vordere Rupholuzitplatte r�ckte zur Seite und gab den Zugang zu der gef�hrlichen Falle frei.</p><p>Die Elektroden im Tank wurden durch Mikrospiegel mit zylindrischen Leuchten ersetzt. Einer der Assistenten trat an das Fernsehsteuerpult, und auf dem Bildschirm erschien eine gew�lbte Oberfl�che, die mit einem k�rnigen Belag bedeckt war und die Lichtstrahlen matt zur�ckwarf � die Wandung des Tanks. Der Spiegel wanderte weiter.</p><p>�Mit R�ntgenstrahlen kommen wir schlecht durch�, erkl�rte Eon Tal. �Die Isolierung ist zu stark. Da m�ssen wir eben dieses komplizierte Verfahren anwenden.�</p><p>Der kreisende Spiegel zeigte den Boden des Tanks; dort lagen zwei kugelartige wei�e Gebilde mit einer por�sen, faserigen Oberfl�che.</p><p>�Stellen Sie eine Verbindung zu Grim Schars Vektor her!� wandte sich der Biologe aufgeregt an den Assistenten.</p><p>Als der Wissenschaftler seine Mutma�ungen best�tigt fand, kam er sofort ins Laboratorium gelaufen. Die Augen wie immer leicht zusammenkneifend, betrachtete er die vorbereiteten Apparate. Grim Schar hatte nichts von einem ber�hmten Wissenschaftler mit imponierendem �u�eren und herrischem Wesen an sich. Erg Noor f�hlte sich an Ren Boos und sein sch�chternes, jungenhaftes Gebaren erinnert, das so gar nicht der Gr��e seines Geistes entsprach.</p><p>��ffnen Sie die zugeschwei�te Fuge!� wies Grim Schar an.</p><p>Der mechanische Arm durchschnitt die harte Emailleschicht, ohne den schweren Deckel von der Stelle zu r�cken. Die Schl�uche mit dem Gasgemisch wurden an die Ventile angeschlossen. Ein starker Infrarotscheinwerfer ersetzte den Eisenstern.</p><p>�Temperatur�, Schwerkraft�, Druck�, elektrische Ladung��, der Assistent las die Angaben der Ger�te ab.</p><p>Nach einer halben Stunde wandte Grim Schar sich an den Astronauten.</p><p>�Gehen wir in den Ruheraum. Es l��t sich nicht voraussagen, wann sich die Kapseln beleben. Hat Eon Tal recht, wird das bald geschehen. Die Diensthabenden werden uns rechtzeitig informieren.�</p><p>Das Institut f�r Nervenstr�me lag am Rande des Steppenreservats, fernab von der bewohnten Zone. Gegen Ende des Sommers war der Boden ausged�rrt. Mit leichtem Rauschen ging der Wind �ber die Steppe und trug den Duft des sonnengetrockneten Grases in die weit ge�ffneten Fenster.</p><p>Die drei Forscher versanken in den bequemen Sesseln. Schweigend blickten sie durch die Fenster �ber die ausladenden B�ume hinweg auf den Dunstschleier am fernen Horizont. Hin und wieder schlo� einer von ihnen die erm�deten Augen, doch die Erwartung war zu gro�, als da� er h�tte einschlummern k�nnen. Noch keine drei Stunden waren vergangen, als der Bildschirm der Direktverbindung aufflammte. Der diensthabende Assistent war ganz au�er sich.</p><p>�Der Deckel bewegt sich!� Sekunden sp�ter befanden sich alle drei im Laboratorium.</p><p>�Dichten Sie die Rupholuzitkammer ab und pr�fen Sie, ob sie hermetisch abgeschlossen ist!� ordnete Grim Schar an. �Schaffen Sie im Innern Bedingungen wie auf dem Planeten!�</p><p>Ein leises Zischen der starken Pumpen, ein Pfeifen der Druckregler, und in dem Beh�lter herrschte die Atmosph�re des nachtschwarzen Reiches.</p><p>�Erh�hen Sie den Feuchtigkeitsgehalt und die elektrische Spannung�, fuhr Grim Schar fort.</p><p>Ein scharfer Ozongeruch ging durch das Laboratorium.</p><p>Nichts r�hrte sich. Der Wissenschaftler runzelte die Stirn, warf einen Blick auf die Instrumente und �berlegte, was er wohl au�er acht gelassen habe.</p><p>�Die Dunkelheit fehlt!� lie� sich pl�tzlich Erg Noors klare Stimme vernehmen.</p><p>Eon Tal sprang auf.</p><p>�Wie konnte ich das vergessen! Grim Schar, Sie waren nicht auf dem Eisenstern, aber ich!�</p><p>�Die Polarisationsblenden!� sagte der Wissenschaftler statt einer Antwort.</p><p>Das Licht erlosch. Nur die Lichtstreifen der Instrumente blinkten noch im Raum. Die Assistenten zogen Vorh�nge vor das Schaltpult, und alles versank in Finsternis. Schwach glommen die Punkte der selbstleuchtenden Indikatoren.</p><p>Ein Hauch von dem schwarzen Planeten zog durch den Raum und weckte in den Astronauten Erinnerung an die schrecklichen, aber auch faszinierenden Tage ihres harten Kampfes.</p><p>Einige Minuten vergingen. Das tiefe Schweigen wurde nur von den vorsichtigen Bewegungen Eon Tals unterbrochen, der den Bildschirm f�r Infrarotstrahlung mit einem Polarisator versah, um eine Abstrahlung des Lichts zu verhindern.</p><p>Erst ein schwaches Ger�usch, dann ein schwerer Schlag � der Deckel des Wassertanks war in die Rupholuzitkammer gest�rzt. Wohlbekannte br�unliche Funken blitzten auf � die F�hler des einen schwarzen Scheusals erschienen am oberen Rand des Tanks. Mit einem pl�tzlichen Sprung flog es empor, dehnte sich im Schutz der Dunkelheit aus, bis es den ganzen Raum der Rupholuzitkammer einnahm und an die durchsichtige Decke stie�. Tausende br�unlicher Sternchen rieselten �ber den K�rper der Meduse; er bl�hte sich zu einer Kuppel und stemmte sich mit den B�ndeln der F�hler gegen den Boden der Kammer. Das zweite Scheusal kroch aus dem Tank und fl��te mit seinen schnellen und lautlosen Bewegungen unwillk�rlich Furcht ein. Aber hier, hinter, den stabilen W�nden der Versuchskammer und umgeben von ferngesteuerten Instrumenten, waren die schrecklichen Gesch�pfe machtlos.</p><p>Die Instrumente ma�en, fotografierten, berechneten, zeichneten komplizierte Kurven und analysierten die Struktur dieser Wesen nach den verschiedensten physikalischen, chemischen und biologischen Gesichtspunkten. Der menschliche Verstand fa�te die Resultate zusammen, erforschte die Struktur der Ungeheuer und unterwarf sie sich.</p><p>Wie im Fluge vergingen die Stunden, und Erg Noor war immer mehr vom Sieg �berzeugt.</p><p>Immer froher wurde Eon Tal, immer mehr Leben kam in Grim Schar und seine jungen Assistenten.</p><p>Schlie�lich trat der Wissenschaftler auf Erg Noor zu. �Sie k�nnen ruhig nach Hause gehen. Wir wollen noch das Ende der Untersuchung abwarten. Ich m�chte noch nicht das sichtbare Licht einschalten, denn hier k�nnen ihm die schwarzen Medusen nicht ausweichen wie auf ihrem Planeten. Erst m�ssen sie uns alles verraten, was wir wissen wollen.�</p><p>�Und Sie werden es erfahren?�</p><p>�In drei, vier Tagen werden wir alles wissen, was beim gegenw�rtigen Stand unserer Kenntnisse m�glich ist. Aber schon jetzt kann man sich ungef�hr vorstellen, wie der L�hmungsmechanismus funktioniert.�</p><p>�Und Nisa wird geheilt?�</p><p>�Ja.�</p><p>Erst jetzt sp�rte Erg Noor, wie schwer ihm jener schwarze Tag � jene Nacht � auf der Seele gelegen hatte. Was galt nun alles andere? Wilde Freude �berkam den sonst so zur�ckhaltenden Astronauten, am liebsten h�tte er Grim Schar in die Luft geworfen, den kleinen Wissenschaftler gesch�ttelt und umarmt. Erg Noor war �ber sich selbst verwundert. Doch er nahm sich zusammen, und kaum eine Minute sp�ter war er so konzentriert wie immer.</p><p>�Bei einer k�nftigen Expedition werden Ihre Untersuchungsergebnisse von unsch�tzbarem Wert im Kampf gegen Medusen und Kreuze sein!�</p><p>�Nat�rlich, denn jetzt kennen wir den Feind. Aber wird denn nochmals eine Expedition in diese Welt der Finsternis statt finden?�</p><p>�Ich zweifle nicht daran.�</p><empty-line/><p>Ein warmer n�rdlicher Herbsttag d�mmerte herauf.</p><p>Erg Noor ging ohne die gewohnte Eile mit nackten F��en �ber das weiche, feuchte Gras. Vor ihm, am Rand des Waldes, stand eine dichte gr�ne Mauer von Zirbelkiefern, hin und wieder durchsetzt von entlaubten Ahornb�umen. Hier im Naturschutzgebiet griff der Mensch nicht in die Natur ein.</p><p>Erg Noor ging durch den harzduftenden d�mmrigen Wald und stieg einen H�gel hinan. Der Ring des Naturschutzparkes um die Nervenklinik war nicht breit, und Erg Noor hatte bald den Hauptweg erreicht. Ganz nahe vor sich sah er einige Bassins aus Milchglas. Zwischen Blumenbeeten hindurch kamen einige M�nner und Frauen gerannt. Lachend und scherzend ermutigten sie einander und st�rzten sich in das herbstlich k�hle Wasser. Irgendwo in einer nahe gelegenen Fabrik oder Farm war Mittagspause. Erg Noor mu�te unwillk�rlich l�cheln. Noch nie war ihm, der einen Gro�teil seines Lebens in engen Sternschiffen verbracht hatten, der heimatliche Planet so herrlich erschienen. Den Menschen, der Natur, allem, was zu Nisas Rettung beigetragen hatte, f�hlte er sich zu Dank verpflichtet. Heute war ihm das M�dchen im Garten der Klinik zum erstenmal entgegengekommen.</p><p>Nach einer Beratung mit den �rzten hatten sie sich entschlossen, gemeinsam in ein Neurosanatorium im Polargebiet zu fahren. Es war gelungen, die paralytische Kette zu sprengen, die st�ndige Hemmung also zu beseitigen, die sich in der Gehirnrinde durch eine Entladung des schwarzen Kreuzes entwickelt hatte. Nun war Nisa wieder v�llig gesund. Sie mu�te nur ihre einstige Energie wiedergewinnen nach diesem langen kataleptischen Schlaf.</p><p>Aus einem Seitenweg sah Erg Noor eine Frauengestalt schnell auf sich zukommen. Unter Tausenden h�tte er sie erkannt! Es war Weda Kong. Weda, die ihn fr�her so stark besch�ftigt hatte, bis sich herausstellte, wie verschieden ihre Wege waren.</p><p>Erg Noor fiel pl�tzlich auf, wie sehr sich Nisa und Weda �hnelten. Das gleiche schmale Gesicht mit den weit auseinanderstehenden Augen und der hohen Stirn, mit den geschwungenen Brauen, mit dem z�rtlich-sp�ttischen Ausdruck in den Mundwinkeln. Nur blickte Weda immer beherrscht und nachdenklich, w�hrend Nisa den eigenwilligen Kopf des �fteren in jugendlichem Ungest�m zur�ckwarf oder ihn stirnrunzelnd senkte.</p><p>�Warum sehen Sie mich so forschend an?� fragte Weda erstaunt.</p><p>Sie reichte Erg Noor beide H�nde. Er ergriff sie und zog sie an seine Wangen. Weda fuhr zusammen und machte sich frei. Der Astronaut l�chelte schwach.</p><p>�Ich wollte diesen H�nden, die Nisa gerettet haben, danken� Ich wei� alles! St�ndig mu�te jemand bei ihr wachen und� Sie haben auf eine interessante Expedition verzichtet. Zwei Monate��</p><p>�Ich habe nicht verzichtet, sondern auf die �Tantra� gewartet. Und dann war es sowieso zu sp�t. Au�erdem ist sie ein pr�chtiges M�dchen. Wir sind einander �u�erlich zwar sehr �hnlich, doch ist sie dem Bezwinger des Kosmos und der Eisensterne die wirkliche Gef�hrtin.�</p><p>�Weda!�</p><p>�Ich scherze nicht, Erg. Noch ist keine Zeit zum Scherzen. Erst mu� alles klar sein.�</p><p>Sie gingen nebeneinanderher auf dem einsamen Weg und schwiegen, bis Erg Noor wieder begann: �Und wer ist der Richtige?�</p><p>�Dar Weter.�</p><p>�Der fr�here Leiter der Au�enstationen! Ich kann mir Dar Weter nur bei seiner Arbeit vorstellen und hielt auch ihn f�r einen Tr�umer des Kosmos.�</p><p>�Das stimmt. Doch seine Tr�ume von den Sternen sind verbunden mit der Liebe zur Erde. Ein kluger Mensch mit den kr�ftigen H�nden eines geschickten Meisters.�</p><p>Erg Noor sah unwillk�rlich auf seine schmale Hand mit den langen festen Fingern.</p><p>�Wenn Sie w��ten, Weda, wie sehr ich jetzt an der Erde h�nge!�</p><p>�Nach der Welt der Finsternis und der langen Reise mit der todkranken Nisa. Nat�rlich! Aber��</p><p>�Gibt mir das nicht eine neue Lebensgrundlage?�</p><p>�Kaum. Sie sind ein echter Held und d�rsten darum nach Heldentaten. Sie werden Ihre ganze �berstr�mende Liebe ausschlie�lich dem Kosmos opfern. Aber Sie tun es einzig und allein f�r die Erde.�</p><p>�Weda, im Dunklen Zeitalter h�tte man Sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.�</p><p>�Das habe ich schon �fter geh�rt.�� Da ist ja schon die Gabelung! Wo haben Sie Ihre Schuhe, Erg?�</p><p>�Im Garten. Ich mu� jetzt wohl umkehren.�</p><p>�Auf Wiedersehen, Erg! Meine Aufgabe hier ist beendet, jetzt beginnt Ihre. Wo werden wir uns wiedersehen? Etwa erst beim Start des neuen Sternschiffs?�</p><p>�Aber nein, Weda! Ich fahre jetzt mit Nisa f�r drei Monate in ein Polarsanatorium. Besuchen Sie uns und bringen Sie Dar Weter mit.�</p><p>�In welches Sanatorium? Ins �Steinerne Herz� an der Nordk�ste Sibiriens? Oder nach Island ins Herbstlaub?�</p><p>�F�r den n�rdlichen Polarkreis ist es schon zu sp�t. Man schickt uns auf die s�dliche Halbkugel, wo bald der Sommer beginnt, ins Sanatorium �Wei�er Morgen� auf Graham-Land.�</p><p>�Gut, Erg. Vorausgesetzt, da� Dar Weter nicht sofort zum Bau des neuen Satelliten 57 abreist. Wahrscheinlich mu� erst noch das Material bereitgestellt werden.�</p><p>�Ein sch�ner Erdenmensch! Bringt fast ein Jahr am Himmel zu!�</p><p>�Bitte keine Ironie! Immerhin ist diese Entfernung gar nichts im Vergleich zu der, die uns beide getrennt hat.�</p><p>�Bedauern Sie es, Weda?�</p><p>�Warum fragen Sie, Erg? Jeder von uns hat zwei Seelen in seiner Brust: Die eine dr�ngt nach dem Neuen, die andere bewahrt das Alte und ist froh, wenn sie zu ihm zur�ckkehren kann. Und doch h�lt eine R�ckkehr nie das, was man sich von ihr verspricht. Sie wissen es so gut wie ich.�</p><p>Leichtf��ig eilte die junge Frau zu dem Weg, wo die Elektrobusse fuhren. Ein automatisch betriebener Wagen hielt vor ihr, und noch l�ngere Zeit sah Erg Noor das rote Kleid hinter der durchsichtigen Wagenwand.</p><p>Auch Weda blickte vom Wagen aus zu Erg Noor zur�ck. Dabei ging ihr der Kehrreim eines Gedichts aus der �ra der Partikularistischen Welt nicht aus dem Sinn. Es war unl�ngst �bersetzt und von dem Komponisten Ark Gir vertont worden. Dar Weter hatte ihr die Worte einmal als Antwort auf einen sanften Vorwurf zitiert:</p><poem><stanza><v>Weder Engel des Himmels noch Geister im Grund,</v><v>uns zu trennen verm�gen sie nie.</v><v>Nicht brechen k�nnen sie meinen Bund</v><v>mit der reizenden Annabell Li!</v></stanza></poem><p>So forderte der Mann von einst die Kr�fte der Natur heraus, die ihm seine Geliebte genommen hatte, der Mann, der sich mit dem Verlust nicht abfinden konnte und der dem Schicksal nicht Tribut zollen wollte.</p><p>Der Elektrobus n�herte sich bereits einer Abzweigung der Spiralstrecke. Weda Kong aber stand noch am Fenster.</p><p>Engel, so hie�en in fr�heren Zeiten die vermeintlichen Himmelsgeister und Verk�nder des g�ttlichen Willens. Das Wort �angelos� bedeutete im Altgriechischen aber auch �Bote�.</p><p>Boten des Himmels, des Kosmos � so k�nnte man Erg Noor, Mwen Mass und Dar Weter nennen. Besonders aber Dar Weter wenn er am nahen Erdenhimmel den Satelliten 57 neu aufbaut.�� Weda mu�te unwillk�rlich l�cheln. �Aber dann sind wir Historiker die Geister im Grund�, sagte sie laut und lachte fr�hlich auf. �Jawohl � Engel des Himmels und Geister im Grund! Nur wird das Dar Weter kaum gefallen.�</p><empty-line/><p>Die niedrigen Zirbelkiefern mit den schwarzen Nadeln � besonders k�ltebest�ndige B�ume, die f�r die Antarktis gez�chtet worden waren � rauschten feierlich unter dem gleichm��igen Wind. Die kalte Luft brachte jene Reinheit und Frische mit sich, wie man sie nur am offenen Meer oder auf hohen Bergen findet.</p><p>Das Geb�ude des Sanatoriums �Wei�er Morgen� reichte bis zum Meer hinab. Durch die stromlinienf�rmig geschweiften gl�sernen W�nde erinnerte das Haus an einen Ozeanriesen der Vergangenheit. Die bla�rosa F�rbung der Fensterrahmen, Treppen und S�ulen stand bei Tag in scharfem Kontrast zu den braun-violetten Andesitfelsen. Jetzt aber, im sp�ten Fr�hjahr, tauchte der Polartag alle Farben in eigenartiges wei�liches Licht und glich sie einander an. Nur f�r eine Stunde verbarg sich die Sonne hinter dem Hochplateau im S�den. Dann dehnte sich in weitem Bogen �ber den ganzen s�dlichen Teil des Himmels ein herrliches Leuchten aus, der Widerschein m�chtiger Gletschermassen des antarktischen Festlandes. Die Menschen hatten sie so eingeschr�nkt, da� nur noch ein Viertel der fr�heren Eisberge �briggeblieben war. Der eisige wei�e Morgen, nach dem auch das Sanatorium benannt war, verwandelte die Umgebung in eine gespenstisch blasse, schattenlose Welt.</p><p>Vier Personen gingen langsam den gewundenen Weg zum Ozean hinunter. Die zwei M�nner blieben einige Schritte hinter den beiden Frauen zur�ck. Ihre Gesichter wirkten wie aus Granit gehauen, die Augen der Frauen schienen tief und r�tselhaft.</p><p>Nisa Krit, das Gesicht an den flauschigen Jackenkragen Weda Kongs geschmiegt, widersprach lebhaft der Historikerin. Weda musterte mit leichter Verwunderung das ihr �u�erlich so �hnliche M�dchen.</p><p>�Mir scheint, das beste Geschenk, das eine Frau ihrem Geliebten machen kann, ist, ihn noch einmal zu schaffen und dadurch seine Existenz zu verl�ngern. Das kommt fast einer Unsterblichkeit gleich!�</p><p>�Was uns betrifft, sind die M�nner da anderer Meinung�, antwortete Weda. �Mir sagte einmal Dar Weter, er m�chte keine Tochter haben, die der Geliebten �hnlich sei � ihm falle der Gedanke schwer, aus der Welt zu gehen und sie allein zu lassen, ohne seine Liebe und Z�rtlichkeit. Das sind Rudimente der Eifersucht und des Besch�tzenwollens!�</p><p>�Auch f�r mich ist der Gedanke an eine Trennung von diesem kleinen Wesen, das mein Fleisch und Blut ist, unertr�glich�, fuhr Nisa unbeirrt fort. �Es fast von der Brust weg zur Erziehung zu geben��</p><p>�Ich verstehe Sie, bin aber nicht Ihrer Meinung�, antwortete Weda finster, als habe das M�dchen eine empfindliche Stelle ber�hrt. �Eine der gr��ten Aufgaben der Menschheit ist der Sieg �ber den blinden m�tterlichen Instinkt. Nur eine kollektive Erziehung der Kinder durch besonders vorgebildete und ausgew�hlte Personen kann den Menschen unserer Gesellschaft formen. In unserer Epoche gibt es nicht mehr die fr�here, beinahe unvern�nftige Mutterliebe. Jede Mutter wei�, da� alle Menschen zu ihrem Kind z�rtlich sind, da� ihm keine Gefahr droht wie fr�her. Die instinktive Liebe, aus der animalischen Angst um das Kind geboren, existiert heute nicht mehr.�</p><p>�Ich begreife das alles�, sagte Nisa; �aber nur verstandesm��ig.�</p><p>�Ich sehe das gr��te Gl�ck darin, einem anderen Wesen Freude zu bereiten. Das ist heute jedem Menschen jeden Alters m�glich, nicht nur den Eltern, Gro�eltern und besonders den M�ttern, wie es in fr�heren Gesellschaftsordnungen war. Weshalb unbedingt bei dem Kleinen sein? Auch das ist ein �berbleibsel jener Zeiten, als die Frauen gezwungenerma�en nicht immer mit dem geliebten Menschen zusammen sein konnten. In unserer �ra werden sie zusammen sein, solange sie einander lieben.�</p><p>�Aber sicherlich h�tte ich oft den Wunsch, das ihm �hnelnde, winzige Wesen neben mir zu haben, die H�nde zusammenzupressen und� Ach, ich wei� gar nichts��</p><p>�Es gibt die Insel der M�tter � Java. Dort leben die, die ihr Kind selbst erziehen wollen.�</p><p>�O nein! Ich k�nnte auch nicht Erzieherin werden wie manche, die besonders kinderlieb sind. Ich f�hle soviel Kraft in mir, und au�erdem war ich schon einmal im Kosmos.�</p><p>Weda wurde weicher gestimmt.</p><p>�Sie sind die personifizierte Jugend, Nisa, nicht nur �u�erlich. Wenn Sie im Leben auf Widerspr�che sto�en, verstehen Sie nicht � wie alle jungen Menschen �, da� eben diese Widerspr�che das wahre Leben ausmachen. Liebe bringt zwangsl�ufig Aufregungen, Kummer und Sorgen mit sich, und zwar um so mehr, je gr��er sie ist. Sie aber meinen, wenn das Leben einmal hart zuschl�gt, sei gleich alles verloren.�</p><p>Bei den letzten Worten kam Weda pl�tzlich ein neuer Gedanke. Nein, Nisas Jugend war nicht der einzige Grund f�r ihre Unruhe.</p><p>Weda hatte wie viele Menschen angenommen, die psychischen Verletzungen heilten gleichzeitig mit den k�rperlichen. Aber weit gefehlt! Noch lange Zeit k�nnen die seelischen Wunden in dem gesunden K�rper unbemerkt fortdauern. Und pl�tzlich, mitunter aus einem ganz unbedeutenden Anla�, brechen sie wieder auf. So war es auch bei Nisa: f�nf Jahre L�hmung, die sie bewu�tlos gemacht, sich aber allen Zellen ihres K�rpers eingepr�gt hatte, ebenso wie das Entsetzen �ber die Begegnung mit dem schrecklichen Kreuz, das Erg Noor fast get�tet h�tte.</p><p>Nisa ahnte Wedas Gedanken und sagte dumpf: �Seit den Ereignissen auf dem Eisenstern werde ich ein eigenartiges Gef�hl nicht mehr los. Ich sp�re in mir eine be�ngstigende Leere. Sie existiert unabh�ngig von meiner selbstbewu�ten Freude und Kraft, schlie�t sie nicht aus, aber weicht auch nicht. Und ich kann diese Leere nur �berwinden, wenn ich mich zusammennehme und mich ihr nicht �berlasse. Jetzt wei� ich, wie einem einsamen Menschen im Kosmos zumute ist, und empfinde noch gr��ere Achtung vor den ersten Helden der Astronautik.�</p><p>�Ich glaube, ich verstehe Sie�, antwortete Weda. �F�r kurze Zeit lebte ich auf einer der winzigen Inseln Polynesiens mitten im Ozean. Da �berf�llt einen in Stunden der Einsamkeit angesichts des Meeres unendliche Melancholie. Und wenn man dann ein Schiff entdeckt, fern am Horizont, erscheint einem die unerme�liche Weite des Ozeans v�llig ver�ndert. Ein paar Kameraden und ein Schiff � das ist bereits eine Welt f�r sich, die erreichbaren und ihr botm��igen Fernen zustrebt. Genauso ist es mit dem Schiff des Kosmos, dem Sternschiff. Dort sind Sie mit starken und k�hnen Kameraden zusammen. Aber das Einsamkeitsgef�hl�� Weda schauderte. �Kaum ein Mensch ist imstande, es zu ertragen.�</p><p>�Wie recht Sie haben, Weda! Darum will ich ja auch alles auf einmal!�</p><p>�Sie, sind mir lieb geworden, Nisa. Jetzt kommt mir Ihr Entschlu� verst�ndlicher vor, erst hielt ich ihn f�r sehr unvern�nftig.�</p><p>Nisa dr�ckte Weda stumm die Hand.</p><p>�Aber werden Sie das auch durchhalten, Nisa? Es ist ja so unvorstellbar schwer.�</p><p>�Was ist denn so schwer, Weda?� fragte Erg Noor, der die letzten Worte geh�rt hatte. �Haben Sie sich mit Dar Weter abgesprochen? Seit einer halben Stunde schon versucht er mich zu �berzeugen, da� ich lieber der Jugend meine Erfahrungen als Astronaut vermitteln und nicht eine Reise antreten soll, von der man nicht zur�ckkehrt.�</p><p>�Hat er Sie �berzeugen k�nnen?�</p><p>�Nein. Meine Erfahrungen in der Astronautik sind jetzt notwendiger, um die �Lebed� zum Ziel zu f�hren, dorthin� � Erg Noor wies zum sternenlosen Himmel, wo sich der Achernar befinden mu�te �, �auf einer Bahn, die noch von keinem anderen Sternschiff beflogen wurde.�</p><p>Die vier hatten den Ozean erreicht. Ein kalter Strom ging von ihm aus. In breiten Wellen w�lzte sich die schwere D�nung auf das sanft ansteigende Ufer. Weda Kong blickte neugierig auf das stahlgraue Wasser, das mit zunehmender Tiefe dunkler wurde und unter den Strahlen der nur wenig �ber dem Horizont aufsteigenden Sonne wie Eis aussah.</p><p>Nisa stand neben ihr in einem hellblauen Pelzmantel und gleichfarbener Kappe, unter der das dichte tizianrote Haar hervorquoll. Dar Weter geno� unwillk�rlich dieses Bild.</p><p>�Gef�llt Ihnen Nisa?� fragte Weda fr�hlich.</p><p>�Wem k�nnte sie nicht gefallen?�</p><p>�Je besser ich Sie kennenlerne�, fl�sterte Weda Nisa zu, �um so mehr bin ich davon �berzeugt, da� sich Erg Noor in seiner Wahl nicht geirrt hat. Sie werden ihn wie keine andere in schweren Stunden aufmuntern, erfreuen, umsorgen k�nnen.�</p><p>Nisas blasse Wangen r�teten sich.</p><p>Beim Fr�hst�ck auf der hohen windumtosten Kristallterrasse begegnete Weda mehrmals dem nachdenklichen und z�rtlichen Blick des M�dchens. Alle vier schwiegen.</p><p>�Es ist bitter, wenn man sich von Menschen gleich wieder trennen mu�, denen man gerade erst begegnet ist�, meinte pl�tzlich Dar Weter.</p><p>�Vielleicht k�nnen Sie��, begann Erg Noor.</p><p>�Mein Urlaub ist zu Ende. Grom Orm erwartet mich.�</p><p>�Auch ich mu� fort�, f�gte Weda hinzu. �Ich werde tief unter die Erdoberfl�che hinuntersteigen � in eine k�rzlich entdeckte H�hle, die in der �ra der Partikularistischen Welt zu einer Art Schatzkammer ausgebaut wurde.�</p><p>�Die �Lebed� wird Mitte n�chsten Jahres fertig sein, in sechs Wochen beginnen wir mit den Vorbereitungen�, sagte Erg Noor leise. �Wer leitet jetzt die Au�enstationen?�</p><p>�Zur Zeit Yuni Ant, doch er will sich nicht f�r immer von seinen Ged�chtnismaschinen trennen. Der Rat hat aber die Kandidatur von Emb Ong, dem Physiker und Ingenieur von der F-Station auf Labrador, noch nicht best�tigt.�</p><p>�Ihn kenne ich nicht.�</p><p>�An der �Akademie der Grenzen des Wissens� besch�ftigt er sich mit Fragen der Megawellenmechanik und ist daher in der �ffentlichkeit wenig bekannt.�</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Das sind die m�chtigen Rhythmen des Kosmos, gigantische Wellen, die sich nur langsam im Weltraum ausbreiten. Sie sind zum Beispiel Ausdruck der bei Lichtgeschwindigkeiten entgegengesetzter Richtung auftretenden Widerspr�che, die relative Werte jenseits der absoluten Einheit ergeben. Aber das ist noch ein weites Feld.�</p><p>�Und Mwen Mass?�</p><p>�Schreibt ein Buch �ber die Emotionen. Auch er hat wenig Zeit f�r seine pers�nlichen Belange � die �Akademie f�r Stochastik und Vorhersage der Zukunft� hat ihn zum Konsultanten f�r den Flug Ihrer �Lebed� ernannt. Sobald das Material beisammen ist, wird er sich erst einmal von seinem Buch trennen m�ssen.�</p><p>�Schade! So ein wichtiges Thema. Es wird Zeit, da� wir die Emotionen in ihrer ganzen Realit�t und Bedeutung erkennen�, meinte Erg Noor.</p><p>�Ob Mwen Mass der Richtige f�r eine n�chterne Analyse ist?� warf Weda ein.</p><p>�Aber bestimmt! W�re er anders, w�rde nichts Gescheites dabei herauskommen�, hielt ihr Dar Weter entgegen und stand auf, um sich zu verabschieden.</p><p>�Auf Wiedersehen! F�hren Sie Ihre Arbeit schnell zu Ende, sonst sehen wir uns nicht mehr!� meinten Nisa und Erg, als sie ihm die Hand reichten.</p><p>�Wir werden uns bestimmt noch einmal sehen!� erwiderte Dar Weter �berzeugt. �Sp�testens in der W�ste El Homra vor dem Start.�</p><p>�Kommen Sie, Bote des Himmels.� Weda schob ihre Hand unter Dar Weters Ellbogen und tat, als bemerke sie die Falte zwischen seinen Brauen nicht. �Sie haben die Erde bestimmt schon satt!�</p><empty-line/><p>Breitbeinig stand Dar Weter auf dem schwankenden Ger�st und blickte nach unten, in die abgrundtiefe Schlucht zwischen der zerrissenen Wolkendecke. Dort lag der Planet, dessen riesenhafte Ausdehnung noch aus einer Entfernung, f�nfmal so gro� wie sein Durchmesser, sp�rbar war. Dar Weter versuchte die ihm seit seiner Kindheit bekannten Umrisse zu erkennen.</p><p>�ber der beleuchteten Seite des Planeten hing ein blauer Wolkenschleier, der das starke Licht der Sonne reflektierte. Jeder, der ohne Dunkelfilter auf die Wolken blickte, w�rde das Augenlicht verlieren, wie auch derjenige, der au�erhalb der sch�tzenden achthundert Kilometer starken Erdatmosph�re in die Sonne schaute. Die harten Ultraviolett- und R�ntgenstrahlen t�teten alles Lebende. Hinzu kamen noch die dichten Schauer kosmischer Teilchen und die intensive Strahlung des Van-Allen-G�rtels. Auch aufflammende Novae schickten t�dliche Strahlungen in den Weltraum. Nur die zuverl�ssigen Schutzanz�ge bewahrten die hier Arbeitenden vor dem Tod.</p><p>Dar Weter warf sein Sicherungsseil, das an einer Rolle des Leitseils befestigt war, auf die andere Seite des G�rtels und schritt vorsichtig auf einem Tr�gerbalken entlang. In voller L�nge des k�nftigen Satelliten war ein �berdimensionales Rohr zusammengeschraubt. An beiden Enden waren spitze Dreiecke befestigt, die die gewaltigen, leicht gew�lbten Scheiben der Magnetfeldausstrahler trugen. Wenn erst die Batterien eingebaut waren, die die blaue Strahlung der Sonne in elektrischen Strom verwandelten, konnte man auf das Halteseil verzichten und sich mit Hilfe der auf Brust und R�cken befestigten Richtlamellen entlang den Magnetkraftlinien bewegen.</p><p>�Wir wollen auch nachts arbeiten�, vernahm Dar Weter pl�tzlich in seinem Kopfh�rer die Stimme des jungen Ingenieurs Kad Lait. �Der Kommandant der �Altai� hat versprochen, Licht zu geben.�</p><p>Dar Weter blickte nach links und nach unten, wo Dutzende Lastraketen wie aneinandergebundene regungslose Fische hingen. Etwas h�her, unter dem flachen Meteoriten- und Sonnenschutzschirm, schwebte die provisorisch zusammengesetzte Plattform, wo die von den Raketen gebrachten Teile gelagert und montiert wurden. Dort wimmelten die dunklen Gestalten der Monteure, die wie Gl�hw�rmchen aufleuchteten, wenn sie in ihren reflektierenden Raumanz�gen aus dem Schatten des Schutzschirms heraustraten. Ein Spinnennetz von Trossen f�hrte zu den schwarz g�hnenden �ffnungen der Raketen, aus denen gro�e Einzelteile ausgeladen wurden. Weiter oben, direkt �ber dem montierten Ger�st, m�hte sich eine Gruppe Menschen mit einer sperrigen Maschine ab. Allein der Ring aus Berylliumbronze mit einem Borason�berzug w�rde auf der Erde gut seine hundert Tonnen wiegen. Hier aber hing die ganze Last neben dem Metallskelett des Satelliten lediglich an einem d�nnen Tau, dessen Aufgabe es war, die Integralgeschwindigkeiten der Erdrotation aller noch nicht montierten Teile auszugleichen.</p><p>Die Menschen arbeiteten geschickt und sicher: Sie hatten sich an die fehlende, besser gesagt, an die geringf�gige Schwerkraft gew�hnt. Doch sie mu�ten nach kurzer Zeit abgel�st werden. Lang andauernde k�rperliche Arbeit ohne Schwerkraft f�hrte zu einer St�rung der normalen Blutzirkulation, die chronisch werden und den Menschen bei der R�ckkehr auf die Erde zum Vollinvaliden machen konnte. Deshalb arbeitete niemand auf dem Satelliten l�nger als einhundertf�nfzig Arbeitsstunden und kehrte erst dann zur Erde zur�ck, wenn er sich auf der Zwischenstation in neunhundert Kilometer H�he �ber dem Planeten wieder an die Schwerkraft gew�hnt hatte.</p><p>Dar Weter, der die Montage leitete, durfte sich keiner physischen Anstrengung aussetzen, wie gern er auch bisweilen diese oder jene Arbeit beschleunigt h�tte. Er mu�te hier, in einer H�he von siebenundf�nfzigtausend Kilometern, mehrere Monate aushalten.</p><p>Wenn er sein Einverst�ndnis zur Nachtarbeit g�be, w�rde die R�ckkehr seiner jungen Freunde zum Heimatplaneten vorverlegt, und die Abl�sung m��te eher als geplant herbeigerufen werden. Das zweite Planetenschiff �Barion�, das die Abl�sung bringen w�rde, befand sich in der Arizonaebene, wo Grom Orm vor den Fernsehbildschirmen und Pulten der Registriermaschinen sa�.</p><p>Wenn sie die ganze eisige kosmische Nacht hindurch arbeiteten, k�nnte die Montagezeit des Satelliten erheblich verk�rzt werden. Diese Chance durfte Dar Weter nicht vergeben. Als sein Einverst�ndnis vorlag, zerstreuten sich die Menschen von der Montageplattform in alle Richtungen und begannen ein noch verwickelteres Netz von Seilen zu ziehen. Das Planetenschiff �Altai�, das den Arbeitern des Baus als Quartier diente und unbeweglich am Ende des Tr�gerbalkens hing, klinkte die Seile aus, die seine Einstiegluke mit dem Ger�st des Satelliten verbanden. Lange grelle Feuerschweife schossen aus seinen Triebwerken, lautlos und schnell drehte sich der riesige Rumpf. Nicht das geringste Ger�usch durchdrang die Leere des interplanetaren Raums. Der erfahrene Kommandant der �Altai� bugsierte mit wenigen Feuerst��en der Triebwerke das Planetenschiff vierzig Meter �ber den Bauplatz, so da� seine Landescheinwerfer die Montageplattform beleuchten konnten. Zwischen dem Schiff und dem Ger�st wurden erneut Leitseile gezogen, und die verschiedenen Gegenst�nde, die im Raum hingen, gewannen wieder eine relative Stabilit�t, ohne da� sie aufh�rten, sich mit einer Geschwindigkeit von rund zehntausend Kilometern in der Stunde um die Erde zu drehen.</p><p>Die Verteilung der Wolkenmassen zeigte Dar Weter, da� der Bauplatz jetzt �ber das antarktische Gebiet des Planeten hinwegflog und folglich bald in den Erdschatten eintreten w�rde. In der eisigen Leere des kosmischen Raumes konnten die Heizk�rper der Skaphander die W�rmestrahlung der Sonne nicht auf lange Zeit ersetzen, und wehe dem Weltraumfahrer, der un�berlegt die Energie seiner Batterien verausgabte. So war vor einem Monat der Montagearchitekt ums Leben gekommen, als er sich vor einem pl�tzlichen Meteoritenregen in den kalten Rumpf einer offenen Rakete gefl�chtet und die Drehung zur Sonnenseite nicht abgewartet hatte. Ein anderer Ingenieur war von einem Meteorit erschlagen worden. Solche Ungl�cksf�lle lie�en sich nicht immer voraussehen und verh�ten. Der Bau von Satelliten forderte stets seine Opfer. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit k�nnte er, Dar Weter, das n�chste sein, denn er befand sich am l�ngsten von allen hier in dieser H�he, die den Zuf�lligkeiten des Kosmos ausgesetzt war. Doch eine innere Stimme sagte Dar Weter, da� ihm nichts geschehen konnte. Wie unsinnig auch diese �berzeugung f�r einen mathematisch denkenden Menschen war, sie verlie� Dar Weter nicht, so da� er seelenruhig auf den Tr�gern und Gittern des ungesch�tzten Ger�stes herumspazierte.</p><p>Auf der Erde wurde die Montage der Konstruktionen von besonderen Maschinen vorgenommen, die Embryotekte genannt wurden, weil sie nach dem Wachstumsprinzip des lebenden Organismus arbeiteten. Die molekulare Struktur der Lebewesen, die durch den kybernetischen Erbmechanismus erzeugt wird, war nat�rlich unvorstellbar kompliziert und nicht nur einem physikalisch-chemischen Ausleseprinzip unterworfen, sondern auch der noch nicht erforschten Wellenrhythmik. Die lebenden Organismen wuchsen jedoch nur in warmen L�sungen ionisierter Molek�le, die Embryotekte hingegen arbeiteten gew�hnlich in polarisierten Str�men, im Licht oder im Magnetfeld. Die Markierungen und Chiffren wurden mit einer winzigen Menge von radioaktivem Strontium 90 auf die f�r die Montage bestimmten Teile aufgetragen. Dadurch konnten die Maschinen die zusammengeh�rigen Teile besser ordnen, und die Montage ging mit einer f�r den Uneingeweihten verbl�ffenden Exaktheit und Schnelligkeit vor sich. Hier in der H�he konnte man solche Maschinen nicht einsetzen. Der Satellit wurde nach altert�mlicher Methode gebaut, mit der H�nde Arbeit Tausender Menschen. Ungeachtet aller Gefahren war die Arbeit derart interessant, da� sie Freiwillige von �berall anzog. Die psychologischen Pr�fstellen vermochten kaum alle zu untersuchen, die dem Rat ihre Bereitschaft mitgeteilt hatten.</p><p>Dar Weter ging zu den Fundamenten der Sonnenmaschinen, die f�cherf�rmig rings um die Riesenbuchse mit dem Apparat f�r k�nstliche Schwerkraft gelagert waren, und schaltete sich in die Pr�fkette ein. In seinem Helmtelefon erklang eine einfache Melodie. Dann schlo� er parallel eine Glasplatte mit einem in feinen goldenen Linien aufgezeichneten Schema an. Die gleiche Melodie erklang. Dar Weter drehte zwei Kn�pfe und brachte beide Weisen in �bereinstimmung. Er �berzeugte sich, da� weder in der Melodie noch in der Tonalit�t der Abstimmung Differenzen vorhanden waren. Ein wichtiger Teil der k�nftigen Maschine war tadellos montiert worden. Man konnte jetzt mit der Anlage der Radiations-Elektromotoren beginnen. Dar Weter reckte sich, denn seine Schultern schmerzten vom langen Tragen des Skaphanders. Er bewegte den Kopf nach links und rechts, bei jeder Bewegung knirschten die Halswirbel. Nur gut, da� er so widerstandsf�hig gegen Psychosen war, wie sie bei vielen auftraten, die au�erhalb der Erdatmosph�re arbeiteten � die Ultraviolett-Schlafkrankheit und die Infrarot-Tollwut �, sonst h�tte er die ehrenvolle Mission nicht zu Ende f�hren k�nnen.</p><p>Bald w�rde die erste Verschalung den Mitarbeitern Schutz bieten und ihnen das Gef�hl der niederdr�ckenden Einsamkeit im freien Raum nehmen.</p><p>Von der �Altai� l�ste sich ein kleines Gescho�, das pfeilschnell an dem Ger�st vorbeisauste. Das war eine Bugsierrakete f�r die neu eingetroffenen automatischen Raketen, die lediglich Fracht heranbrachten und auf einer eingestellten H�he stoppten. Gerade zur rechten Zeit! Die im Weltraum schwebenden Raketen, Menschen, Maschinen und Baumaterialien wechselten auf die Nachtseite der Erde. Das Bugsiergescho� kehrte zur�ck und schleppte hinter sich drei lange blaugl�nzende fischf�rmige Raketen her, von denen auf der Erde jede, ohne Treibstoff, 150 Tonnen wog.</p><p>Die Raketen wurden neben den anderen befestigt, die bereits um die Montageplattform hingen. Dar Weter stie� sich ab und gelangte auf die andere Seite des Ger�stes hin�ber, wo mehrere Techniker das Entladen leiteten. Sie sprachen gerade �ber die Nachtarbeit. Dar Weter war mit dem Vorschlag einverstanden, verlangte jedoch, da� man in allen Skaphandern die Batterien auswechselte. Immerhin hatten sie nicht nur drei�ig Stunden lang W�rme zu spenden, sondern auch noch die Lampen, Luftfilter und Radiotelefone mit Strom zu versorgen.</p><p>Alles versank im n�chtlichen Dunkel. Noch eine Zeitlang beleuchtete das milde aschgraue Zodiakallicht � die von den Gasen der oberen Atmosph�renzone zerstreuten Sonnenstrahlen � das Skelett des k�nftigen Satelliten. 180 Grad Frost � die Supraleitung wirkte sich noch st�render aus als bei Tage. Hatte sich die Isolation der Instrumente, Batterien oder Akkumulatoren nur im geringsten abgenutzt, so �berzogen sich die benachbarten Gegenst�nde sofort mit dem blauen Schein des direkt �ber die Oberfl�che zerflie�enden Stroms, den man nicht lenken konnte.</p><p>Das tiefe Dunkel des Kosmos brach an, und der Frost verst�rkte sich. Die Sterne leuchteten wie strahlendhelle bl�uliche Nadeln. Das unsichtbare und lautlose Flirren der Meteorite wirkte nachts besonders gespenstisch. An der Oberfl�che der dunklen Kugel dort unten, in den Str�mungen der Erdatmosph�re, flackerten verschiedenfarbene Wolken elektrischen Lichtes auf, Funkenentladungen von gigantischem Ausma� oder Streifen zerstreuten Lichts von Tausenden Kilometer L�nge. In den oberen Schichten der Lufth�lle tobten Orkane, st�rker als jeder Sturm auf der Erde.</p><p>Pl�tzlich ver�nderte sich etwas in der kleinen, von Finsternis umgebenen Welt. Dar Weter nahm nicht sogleich wahr, da� die Scheinwerfer des Planetenschiffes eingeschaltet worden waren. Das Dunkel ringsum wirkte tiefer, die strahlenden Sterne verbla�ten, die Plattform und das Ger�st dagegen hoben sich im wei�en Licht scharf ab. Wenige Minuten sp�ter verminderte die �Altai� die Spannung, und das Licht wurde gelblich. Das Planetenschiff ging mit der Energie seiner Akkumulatoren sparsam um. Wie am Tage begannen sich die Quadrate und Ellipsen der Verkleidungsplatten, die Gitter der St�tztr�ger, die Zylinder und Rohre der Reservoire zu bewegen und nahmen allm�hlich ihren Platz an dem Ger�st des Satelliten ein.</p><p>Dar Weter befestigte sein Sicherungsseil an der Rolle eines Leitseils zur �Altai�, stie� sich mit den F��en von einem Querbalken ab und schwebte nach oben. Kurz vor der Luke des Planetenschiffes dr�ckte er auf die in der Rolle eingebaute Bremse und stoppte gerade im rechten Augenblick, sonst w�re er gegen die geschlossene T�r gesto�en.</p><p>In der Luftschleuse unterhielt man keinen normalen Erddruck, um den Luftverlust bei dem st�ndigen Aus-und-ein-Gehen der vielen Mitarbeiter zu verringern. Deshalb ging Dar Weter, ohne den Schutzanzug auszuziehen, in die kleine provisorisch eingerichtete Nebenkammer und legte erst hier Helm und Batterien ab.</p><p>Um den erm�deten K�rper zu entspannen, trat Dar Weter fest auf dem inneren Deck auf. Er geno� das Gef�hl, wieder fast erden�hnliche Schwerkraft zu sp�ren. Die k�nstliche Gravitation des Planetenschiffes arbeitete ohne Unterbrechung. Wie ungemein wohl tat es, wieder fest auf dem Boden zu stehen und nicht wie eine Fliege in schwankender und unsicherer Leere zu torkeln. Das milde Licht, die warme Luft und die bequemen Sessel verlockten dazu, sich auszustrecken und sich voll und ganz der Erholung hinzugeben.</p><p>Doch Dar Weter widerstand der Verlockung. Er mu�te Verbindung mit der Erde herstellen. Die n�chtliche Beleuchtung k�nnte bei den Beobachtern des kalifornischen Observatoriums, das den Bau �berwachte, Unruhe hervorrufen. Au�erdem mu�te er mitteilen, da� eine Abl�sung vor dem festgesetzten Termin notwendig sei.</p><p>Die Verbindung war diesmal ausgezeichnet, und Dar Weter benutzte f�r das Gespr�ch mit Grom Orm nicht verschl�sselte Signale, sondern das Televisiofon. Der fr�here Vorsitzende war einverstanden und k�mmerte sich unverz�glich um die Auswahl der neuen Besatzung und eine verst�rkte Lieferung von Einzelteilen.</p><p>Als Dar Weter die Steuerzentrale der �Altai� verlie�, ging er durch die Bibliothek, die mit Hilfe von zweist�ckigen Betten l�ngs der W�nde in einen Schlafsaal umgebaut worden war. Die Kaj�ten, der Speiseraum, die K�che, die Korridore und der vordere Saal f�r die Triebwerke waren ebenfalls zus�tzlich mit Betten ausgestattet. Das Planetenschiff, in eine station�re Basis verwandelt, war �berf�llt. Dar Weter ging den Korridor entlang, der mit braunen Kunststoffplatten verkleidet war; tr�ge �ffnete und schlo� er die hermetischen T�ren.</p><p>Er dachte an die Astronauten, die Jahrzehnte in einem solchen Schiff verbrachten ohne die geringste Hoffnung, es vor Ende des Fluges verlassen und in die Au�enwelt gelangen zu k�nnen. Er lebte hier erst den f�nften Monat, verlie� jeden Tag die engen R�ume, arbeitete in der Weite des interplanetaren Raumes � und schon sehnte er sich nach der Erde, nach den Steppen, dem Meer und den lebenerf�llten Zentren der Wohnzone. Aber Erg Noor, Nisa und die anderen zwanzig Besatzungsmitglieder der �Lebed� mu�ten im Sternschiff zweiundneunzig abh�ngige Jahre oder hundertvierzig Erdenjahre verbringen. Keiner von ihnen w�rde �berleben! Ihre K�rper w�rden auf den Planeten des gr�nen Zirkoniumsterns verbrannt und beerdigt werden. Vielleicht ging auch ihr Leben schon w�hrend des Fluges zu Ende; dann w�rden sie, in die Totenrakete eingeschlossen, in den Kosmos fliegen. So waren die Totenschiffe der Ahnen mit den toten Kriegern aufs Meer hinausgefahren. Doch solche Helden hatte es in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben! Helden, die eine lebensl�ngliche Einkerkerung auf sich nahmen, ohne jede Hoffnung auf R�ckkehr.</p><p>Nein, so ganz recht hatte er nicht, Weda w�rde ihn tadeln. Wie konnte er die namenlosen K�mpfer f�r W�rde und Freiheit des Menschen vergessen, deren Los weit schlimmer gewesen war � hoffnungslose Einkerkerung in feuchten Kellern, qualvolle Folterungen! Ja, sie hatten sich mehr verdient gemacht als seine Zeitgenossen, die sich auf einen gro�artigen Flug in den Kosmos vorbereiteten.</p><p>Und er, Dar Weter, der den Heimatplaneten noch nie f�r l�ngere Zeit verlassen hatte, war nur ein einfacher und unbedeutender Mensch im Vergleich zu ihnen.</p></section><section><title><p>Die Stahlt�r</p></title><p>Zwanzig Tage lang arbeitete die automatische Streckenvortriebsmaschine im feuchten Dunkel, bis sie die Zehntausende von Tonnen heruntergebrochenen Gesteins beseitigt und die eingest�rzten Gew�lbe neu befestigt hatte. Der Weg in die H�hle war wieder passierbar; es mu�te nur noch �berpr�ft werden, ob er gefahrlos war. Automatische Karren, die sich mit Hilfe von Raupenketten und einer archimedischen Schraube bewegten, glitten lautlos in die Tiefe. Alle hundert Meter gaben Instrumente Luftzusammensetzung, Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt an. Erst als die Karren vierhundert Meter tief eingedrungen waren, betrat Weda Kong mit einer Gruppe von Mitarbeiterinnen die H�hle. Vor neunzig Jahren, als man die unterirdischen Gew�sser erforschte, hatten die Indikatoren mitten in Kalk- und Sandstein pl�tzlich ein gro�es Metallvorkommen angezeigt. Rasch stellte sich heraus, da� in dieser Gegend eine aus uralten Sagen bekannte H�hle liegen mu�, die �Den-Of-Kul�, was in der fr�heren Sprache soviel wie �Zufluchtsort der Kultur� hie�. Als damals ein schrecklicher Krieg drohte, hatten die V�lker, die ihre wissenschaftlichen und kulturellen Errungenschaften f�r die fortgeschrittensten hielten, die Sch�tze ihrer Zivilisation in einer H�hle versteckt. In jenen l�ngst vergangenen Zeiten waren Geheimhaltung und Verbergung noch gang und g�be.</p><p>Weda Kong war ebenso aufgeregt wie die j�ngste ihrer Mitarbeiterinnen, als sie den schr�g abfallenden glitschigen Lehmpfad hinunterstieg.</p><p>In ihrer Phantasie sah sie schon imposante S�le mit gro�en Safes voller Filmarchive, Zeichnungen und Karten, Schr�nke mit Magnetofonaufzeichnungen oder den B�ndern von Ged�chtnismaschinen, Regale mit Proben von chemischen Verbindungen, Legierungen und Medikamenten. Ausgestopfte B�lge l�ngst ausgestorbener Tiere in hermetisch abgeschlossenen Vitrinen, pr�parierte Pflanzen, versteinerte Skelette der Urbev�lkerung des Planeten. Und Silikollplatten mit Darstellungen der ber�hmtesten K�nstler, ganze Galerien von Skulpturen sch�ner menschlicher Gestalten und bedeutender Pers�nlichkeiten der Epoche, meisterhaft dargestellte Tiere, Modelle ber�hmter Bauwerke, Aufzeichnungen denkw�rdiger Ereignisse, verewigt in Stein und Metall�</p><p>W�hrend Weda ihren Tr�umen nachhing, waren sie in eine drei- bis viertausend Quadratmeter gro�e H�hle gekommen. Von der hochgew�lbten Decke, die sich im Dunkel verlor, wuchsen lange Stalaktiten herab. Der Saal war wirklich imposant. In den h�ckrigen, zerkl�fteten Kalksteinw�nden waren Nischen eingelassen, in denen Maschinen und Schr�nke standen. Vor �berraschung einander freudig zurufend, verstreuten sich die Arch�ologinnen in dem unterirdischen Saal. Viele der Konstruktionen, bei denen stellenweise noch ein Rest von Glas und Lack erhalten war, erwiesen sich als Autos, die von den Menschen der fernen Vergangenheit so gesch�tzt wurden und in der �ra der Partikularistischen Welt als der Gipfel technischer Perfektion galten. Damals baute man eine Unmenge dieser Autos, doch nur wenige Menschen hatten in solch einem Transportmittel Platz. Die Wagen sahen zwar elegant aus, hatten ausgekl�gelte Lenkungs- und Fortbewegungsmechanismen, im �brigen aber waren sie eine unsinnige Einrichtung. Zu Hunderttausenden sausten sie �ber die Stra�en der St�dte und �ber Landwege und brachten Tag f�r Tag Menschen zu ihren Arbeitsstellen, die aus unerfindlichen Gr�nden weit entfernt von den Wohnungen lagen. Diese Wagen waren nicht ungef�hrlich; sie verursachten den Tod unz�hliger Menschen. Au�erdem verbrauchten sie Milliarden Tonnen wertvoller organischer Stoffe, die sich in der geologischen Vergangenheit des Planeten angelagert hatten, und vergifteten die Atmosph�re mit Kohlendioxid. Die Arch�ologinnen waren entt�uscht, als sie soviel Raum in der H�hle mit diesen seltsamen, altert�mlichen Vehikeln vollgestellt fanden.</p><p>Auf niedrigen Gestellen standen gro�e Kolben- und Elektromotoren, m�chtige Strahl-, Turbinen- und Atomtriebwerke. In Glasvitrinen lagen, von einer dicken Kalkschicht bedeckt, verschiedene Instrumente und Ger�te � wahrscheinlich Fernsehempf�nger, Fotoapparate und Rechenmaschinen. Wenn auch manche von ihnen bereits zu rostigem Staub zerfallen waren, so stellte doch das Museum der zum gr��ten Teil noch gut erhaltenen Maschinen einen gro�en Wert dar. Es gab Auskunft �ber den Stand der Technik einer Epoche, deren historische Dokumente gr��tenteils in den politischen und kriegerischen Wirren verlorengegangen waren.</p><p>Miiko Eygoro, Wedas treue Mitarbeiterin, bemerkte am Ende des Saals hinter einer dicken S�ule die dunkle �ffnung eines Ganges. Die S�ule erwies sich als das Wrack einer Maschine. Am Boden lag ein H�ufchen Kunststoffstaub � die �berreste eines Gitters, das einst den Gang abgeschlossen hatte. Schritt f�r Schritt drangen die Arch�ologinnen l�ngs der roten Kabel der Erkundungskarren in eine zweite H�hle vor. Sie lag fast auf gleicher H�he mit der ersten und war mit mehreren Reihen hermetisch abgeschlossener Schr�nke aus Glas und Metall, angef�llt. In Gro�buchstaben lief eine Inschrift in englischer Sprache an den stellenweise abgebr�ckelten W�nden entlang. Weda entzifferte sie sogleich.</p><p>Mit der f�r den fr�heren Individualismus typischen Gro�sprecherei taten die Gr�nder dieses unterirdischen Museums ihren Nachfahren kund, sie h�tten die Gipfel des Wissens erreicht und bewahrten hier ihre gro�artigen Errungenschaften f�r die Zukunft auf.</p><p>Miiko zuckte ver�chtlich mit den Schultern. �Wie die Inschrift erkennen l��t, stammt also die H�hle �Zufluchtsort der Kultur� vom Ende der �PW, aus den letzten Jahren der alten Gesellschaftsform. Typisch dieser wahnwitzige Glaube an die ewige Existenz ihrer westlichen Zivilisation, Sprache, Sitten und Moral, an die Gr��e der sogenannten wei�en Rasse. Ich hasse diese Zivilisation!�</p><p>�Sie haben zwar eine klare, aber einseitige Vorstellung von der Vergangenheit, Miiko. Ich sehe hinter den traurigen �berbleibseln des absterbenden Kapitalismus auch diejenigen, die f�r eine bessere Zukunft, f�r unsere Gegenwart, gek�mpft haben; M�nner und Frauen, die trotz ihres armseligen Daseins soviel Edelmut aufbrachten, anderen zu helfen, und, so stark waren, in der moralischen Enge ihrer Umwelt nicht zu ersticken.�</p><p>�Diejenigen, die all das hier versteckt haben, waren nicht Menschen dieser Art�, wandte Miiko ein. �Sehen Sie doch, hier haben sie nur technische Erzeugnisse zusammengetragen. Mit der Technik haben sie sich gebr�stet, aber die zunehmende sittliche und emotionale Verrohung haben sie ignoriert. F�r die Vergangenheit hatten sie nichts als Verachtung �brig, und die Zukunft haben sie nicht gesehen.�</p><p>Miiko hat recht, dachte Weda. Das Leben dieser Menschen w�re leichter gewesen, wenn sie es vermocht h�tten, das Erreichte in das richtige Verh�ltnis zu dem zu setzen, was noch zu tun blieb, um die Welt und die Gesellschaft wirklich umzugestalten.</p><p>Ein enger zweiunddrei�ig Meter langer Schacht f�hrte senkrecht in die Tiefe zu einem dritten Saal. Weda schickte Miiko und zwei Assistentinnen nach dem Gamma-Ger�t, mit dem man die Schr�nke durchleuchten konnte. Sie selbst begann sogleich den Saal zu untersuchen. Die niedrigen rechteckigen Vitrinen aus gegossenem Glas waren von der eingedrungenen Feuchtigkeit beschlagen. Als die Arch�ologinnen ihre Gesichter an die Scheiben pre�ten, sahen sie gediegenen edelsteinverzierten Schmuck aus Gold und Platin.</p><p>Diese altert�mlichen St�cke stammten aus einer Zeit, da die Menschen noch in der auf den Ahnenkult zur�ckgehenden Gewohnheit befangen waren, das Alte f�r kostbarer zu halten als das Neue. Weda �rgerte sich �ber den D�nkel dieser Menschen, die angenommen hatten, ihre Wertbegriffe und Geschmacksvorstellungen w�rden jahrtausendelang unver�ndert bleiben und von den Nachfahren als allgemeing�ltige Norm akzeptiert werden.</p><p>Die H�hle ging in einen hohen, geraden Gang �ber, der schr�g nach unten f�hrte. Die Tiefenmesser der Erkundungskarren zeigten bereits am Anfang des Ganges einen Abstand zur Erdoberfl�che von dreihundertvier Metern an. Breite Risse teilten das �berh�ngende Gew�lbe in einzelne gigantische Kalksteinplatten, von denen jede einzelne vermutlich Tausende Tonnen wog. Weda bekam Bedenken. Sie hatte gen�gend unterirdische H�hlen erforscht, um zu wissen, da� sich die Gesteinsmassen am Fu�es eines Bergr�ckens in labilem Gleichgewicht befanden. F�r eine gew�hnliche arch�ologische Expedition war es unm�glich, diese riesigen Gesteinsmassen zu befestigen. Da h�tte es schon um Ergebnisse gehen m�ssen, die f�r die Wirtschaft des gesamten Planeten von Bedeutung waren.</p><p>Indessen konnten die in einer so tiefen H�hle verborgenen Geheimnisse auch von technischem Wert sein, zum Beispiel, wenn es sich um vergessene, aber f�r die Gegenwart n�tzliche Erfindungen handelte.</p><p>Vorsicht und Klugheit h�tten geboten, auf eine weitere Untersuchung zu verzichten. Doch weshalb sollte Weda bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit jedes Risiko scheuen, wenn Millionen Menschen gef�hrliche Arbeiten und Versuche durchf�hrten, wenn Dar Weter mit seinen Leuten in siebenundf�nfzigtausend Kilometer H�he t�tig war und Erg Noor sich f�r eine Reise ohne R�ckkehr r�stete! Beide w�rden in dieser Situation nicht zur�ckweichen. Nun, sie auch nicht.</p><p>Reservebatterien, eine elektronische Kamera, zwei Sauerstoffger�te. Mit Miiko w�rde sie hinabsteigen. Die anderen k�nnten inzwischen den dritten Saal eingehend untersuchen.</p><p>Weda riet ihren Mitarbeiterinnen, sich erst zu st�rken. Sie a�en ihre tafelf�rmig gepre�te Reiseverpflegung aus leicht verdaulichen Eiwei�en, Zucker und die Erm�dungstoxine vernichtenden Pr�paraten sowie Vitaminen, Hormonen und nervenanregenden Mitteln. Weda selbst mochte nichts zu sich nehmen, sie war zu nerv�s und ungeduldig. Nach vierzig Minuten kam Miiko zur�ck. Sie hatte ihre Neugier nicht bez�hmen k�nnen und einige Schr�nke durchleuchtet, um den Inhalt in aller Eile festzustellen.</p><p>Sie dankte Weda mit einem Blick f�r ihr Verst�ndnis und war im Handumdrehen fertig.</p><p>Die d�nnen roten Kabel liefen in der Mitte des Ganges entlang. Das bla�violette Licht der selbstleuchtenden Gaskronen auf den K�pfen der beiden Frauen vermochte das Dunkel das immer steiler abw�rtsfallenden Tunnels nicht zu durchdringen. Dumpf und gleichm��ig fielen gro�e Tropfen von der Decke. An den Seiten und am Boden pl�tscherte das Sickerwasser in den Spalten. Die feuchtigkeitsgeschw�ngerte Luft stand bleiern in dem dunklen unterirdischen Raum.</p><p>Miiko und Weda unterlagen unwillk�rlich dem hypnotisierenden Einflu� der tiefen H�hle. Sie waren eingeschlossen im schwarzen Scho� der Erde, in den Tiefen der gestorbenen Vergangenheit, der ausgel�schten Zeit, die nur in den Visionen der Phantasie neues Leben gewinnt.</p><p>Der Abstieg ging schnell vonstatten, obgleich der feuchte Lehmboden recht glitschig war. Hin und wieder mu�ten sie sich durch enge Spalten zw�ngen, da losgebrochene Felsbl�cke stellenweise den Weg fast v�llig versperrten. Nach einer halben Stunde, als sie etwa hundertneunzig Meter abw�rts gestiegen waren, stie�en sie auf eine glatte Wand, vor der die beiden Erkundungskarren standen. Auf den ersten Blick entdeckten sie in der Wand eine massive, hermetisch abgeschlossene T�r aus nichtrostendem Stahl. In ihrer Mitte waren zwei Kreise mit Zeichen, vergoldeten Zeigern und Griffen angebracht. Das Schlo� �ffnete sich bei einer bestimmten Kombination. Die beiden Arch�ologinnen kannten derartige Mechanismen aus einer fr�heren Epoche. Nicht selten hatten derartige T�ren bei dem Versuch, sie zu �ffnen, Explosivgeschosse abgefeuert, Giftgase oder blendende Strahlen ausgespien und die nichtsahnenden Forscher get�tet.</p><p>Offensichtlich war auch diese T�r nur mit Spezialger�ten zu �ffnen. So mu�ten sie also kurz vor Entdeckung des gr��ten H�hlengeheimnisses umkehren; denn es stand au�er Zweifel, da� sich hinter dieser T�r das Wichtigste und Wertvollste f�r die Menschen jener fernen Zeit verbarg. Weda und Miiko l�schten die Scheinwerfer und begn�gten sich mit dem Licht ihrer Kronen. Sie setzten sich, um etwas zu essen.</p><p>�Was haben Sie beim Durchleuchten der Schr�nke im zweiten Saal entdeckt?� fragte Weda.</p><p>�Konstruktionszeichnungen und B�cher, aber nicht auf Papier gedruckt, wie es fr�her �blich war, sondern auf Metallfolien. Au�erdem irgendwelche Listen, Land- und Sternkarten und, wie mir schien, Filmrollen.�</p><p>�Im ersten Saal sind die Muster der Maschinen, im zweiten die technischen Unterlagen dazu und im dritten wahrscheinlich die Werte der Epoche, in der noch das Geld existierte. Diese Aufteilung entspr�che der �blichen Anordnung.�</p><p>�Wo aber sind die wirklichen Werte? Zeugnisse der geistigen Entwicklung der Menschheit � der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur?� rief Miiko.</p><p>�Hoffen wir, da� sie hinter dieser T�r sind�, antwortete Weda ruhig. �Aber wundern w�rde es mich nicht, wenn wir dort Waffen f�nden.�</p><p>�Was ist denn das?�</p><p>�Das sind Ausr�stungen, Mittel zur schnellen, massenhaften Vernichtung von Menschen.�</p><p>Die kleine Miiko �berlegte und sagte dann leise: �Ja, das ist logisch, wenn man den Zweck des unterirdischen Verlieses bedenkt. Hier wurden die wesentlichen technischen und materiellen Werte der damaligen westlichen Zivilisation vor einer m�glichen Vernichtung versteckt. Was aber wurde als Hauptsache angesehen, zu einer Zeit, da der einzelne Mensch kein Stimmrecht hatte? Die Notwendigkeit und Wichtigkeit einer Sache legte jeweils die herrschende Clique fest, die oft �berhaupt nichts davon verstand. Deshalb wird nicht das hier versteckt sein, was f�r die Menschheit tats�chlich am wertvollsten war, sondern was diese oder jene Gruppe daf�r erachtete. So war man vor allem darauf bedacht, Maschinen und m�glicherweise sogar Waffen in Sicherheit zu bringen, ohne zu begreifen, da� die Zivilisation im Laufe der Geschichte w�chst, so wie ein lebender Organismus.�</p><p>�Vielleicht irre ich mich auch, und hinter der T�r sind gar keine Waffen�, kehrte Weda zum Ausgangspunkt des Gespr�chs zur�ck, �aber vieles spricht daf�r. Wenn die Erbauer dieses Verstecks in dem Irrtum ihrer Zeit befangen waren und Kultur mit Zivilisation verwechselten, wenn sie die Erziehung und Entwicklung der menschlichen Emotionen nicht wichtig nahmen, waren die Werke der Kunst und der Literatur f�r sie nicht lebensnotwendig, ebensowenig wie eine Wissenschaft, die �ber die Anforderungen des Tages hinausging. Da hier nur das Allerwichtigste versteckt wurde, nehme ich an, da� es Waffen sind, wie naiv und unsinnig uns modernen Menschen das auch erscheinen mag.�</p><p>Weda schwieg und starrte auf die T�r.</p><p>�Vielleicht ist das ein einfaches Kombinationsschlo� und l��t sich durch Abhorchen mit dem Mikrofon �ffnen�, sagte sie pl�tzlich und trat rasch auf die T�r zu.</p><p>�Ob wir es versuchen?�</p><p>Rasch stellte sich Miiko der Freundin in den Weg.</p><p>�Nein, Weda! Wozu dieses unvern�nftige Risiko?�</p><p>�Die H�hle wird nicht mehr lange halten. Wenn wir jetzt zur�ckgehen, kommen wir vielleicht nie wieder her. H�ren Sie?�</p><p>Von Zeit zu Zeit drang ein undeutliches Ger�usch an ihr Ohr. Bald kam es von unten herauf, bald von oben.</p><p>Miiko blieb hart. Mit ausgebreiteten Armen stand sie vor der T�r.</p><p>�Wenn dort wirklich Waffen sind, Weda, sind sie bestimmt nicht ungesch�tzt.�</p><empty-line/><p>Zwei Tage sp�ter standen transportable Apparate in der H�hle. Ein R�ntgenreflexschirm, um den �ffnungsmechanismus zu untersuchen, und ein fokussierbarer Ultrafrequenzstrahler, um die Sperrvorrichtung zu zerst�ren. Doch man kam nicht mehr dazu, die Ger�te einzusetzen.</p><p>Im Innern der H�hle ert�nte pl�tzlich ein sto�weises Grollen. Der Boden unter den F��en schwankte, so da� die Forscherinnen instinktiv zum Ausgang st�rzten � alle befanden sich gerade in der dritten, unteren H�hle.</p><p>Das Grollen verst�rkte sich und ging in ein dumpfes Knirschen �ber. Wahrscheinlich sackte das rissige Gestein l�ngs der Verwerfungslinie am Fu�e des Bergr�ckens ab.</p><p>�Alles umsonst! Wir sind zu sp�t gekommen. Retten Sie sich, nach oben!� schrie Weda verzweifelt, und alles st�rzte zu den Karren.</p><p>An die Kabel der Karren geklammert, kletterten sie den Schacht hinauf. Das Grollen kam immer n�her, die Felsw�nde bebten, und pl�tzlich st�rzte mit einem schrecklichen Krachen die hintere Wand der zweiten H�hle in den Abgrund, dort wo eben noch der schachtartige �bergang zum dritten Saal gewesen war. Von dem Luftdruck wurden die Arch�ologinnen zusammen mit Staub und Gesteinsschutt unter das hohe Gew�lbe des ersten Saales geschleudert. An den Boden gepre�t, erwarteten die Forscherinnen jeden Augenblick ihr Ende.</p><p>Als sich die dichten Staubwolken verzogen hatten, waren die Stalagmiten und Gesteinsvorspr�nge durch den Dunstschleier unver�ndert sichtbar. In dem unterirdischen Gew�lbe herrschte wieder Totenstille.</p><p>Kaum hatte sich Weda von dem Schreck, erholt, sprang sie auf. Zwei ihrer Mitarbeiterinnen wollten sie zur�ckhalten, doch mit einer ungeduldigen Bewegung machte sie sich frei.</p><p>�Wo ist Miiko?�</p><p>Das junge M�dchen stand an einen niedrigen Stalagmiten gelehnt und wischte sich den Staub von Hals, Ohren und Haaren.</p><p>�Alles scheint verloren�, antwortete sie auf die stumme Frage. �Die Stahlt�r liegt unter einer Gesteinsschicht begraben, die mehrere hundert Meter dick ist, die dritte H�hle ist v�llig zerst�rt, und die zweite� die zweite kann vielleicht noch ausgegraben werden. Sie enth�lt jetzt das f�r uns Wertvollste, ebenso wie diese hier.�</p><p>�So ist das nun.� Weda fuhr sich mit der Zunge �ber die ausged�rrten Lippen. �Aber wir sind selber schuld mit unserem Z�gern, unserer Vorsicht. Wir h�tten den Einsturz voraussehen m�ssen.�</p><p>�Eine Vorahnung ohne jede Grundlage. Doch was nutzen jetzt alle Wenn und Aber. H�tten wir vielleicht die Gesteinsmassen wegen jener zweifelhaften Werte hinter der T�r befestigen sollen? Vielleicht h�tten wir wirklich nur Waffen gefunden.�</p><p>�Vielleicht aber auch unsch�tzbare Kunstwerke. Nein, wir h�tten schneller handeln m�ssen!�</p><p>Miiko zuckte mit den Schultern und ging mit der niedergeschlagenen Weda den anderen nach, hinaus an das Tageslicht, wo sie ein erfrischendes Bad und schmerzlindernde elektrische Duschen erwarteten.</p><empty-line/><p>Seiner Gewohnheit gem�� ging Mwen Mass in dem Zimmer auf und ab, das man ihm in der oberen Etage des �Hauses der Geschichte� im indischen Sektor des n�rdlichen Wohng�rtels zugewiesen hatte. Erst zwei Tage zuvor, nach Beendigung seiner T�tigkeit im �Haus der Geschichte� des amerikanischen Sektors, war er hierher �bergesiedelt.</p><p>Das Zimmer � genaugenommen war es eine Veranda, deren Au�enwand aus einer gro�en polarisierenden Glasscheibe bestand � ging auf die Weiten einer welligen Hochebene hinaus. Von Zeit zu Zeit schaltete Mwen Mass die kreuzweise Polarisation ein. Dann herrschte im Zimmer ein mattes Halbdunkel, und auf dem Hemisph�renbildschirm zogen in elektronischer Wiedergabe langsam Bilder, Ausschnitte aus alten Filmstreifen, Skulpturen und Geb�ude vor�ber. Der Afrikaner betrachtete sie eingehend und diktierte dem automatischen Sekret�r Aufzeichnungen f�r sein k�nftiges Buch. Die Maschine tippte und numerierte die Bl�tter, legte sie vorsichtig zusammen, geordnet, nach Thematik oder Schlu�folgerung.</p><p>Ein wenig abgespannt schaltete Mwen Mass die Polarisation aus und trat ans Fenster. Er schaute in die Ferne und dachte �ber die Bilder auf dem Schirm nach.</p><p>Erstaunlich, wieviel von der noch unl�ngst existierenden Kultur bereits wieder dem Vergessen anheimgefallen war. V�llig verschwunden waren die sprachlichen Feinheiten, die f�r die �ra der Wiedervereinigten Welt so charakteristisch waren, die rhetorischen und stilistischen Kunstgriffe, die seinerzeit als Zeichen umfassender Bildung galten. Kein Dichter schrieb mehr um der �Musik des Wortes� willen, was in der �ra der Gemeinsamen Arbeit so weit verbreitet war. Verschwunden war das kunstvolle Jonglieren, das geistreiche Spiel mit Worten. Schon damals bestand nicht mehr die Notwendigkeit, seine Gedanken zu tarnen, was in der �ra der Partikularistischen Welt noch so wichtig gewesen war. Alle Gespr�che waren weitaus einfacher und k�rzer geworden. Vermutlich w�rde die �ra des Gro�en Rings das Zeitalter des dritten Signalsystems des Menschen werden � das Zeitalter der wortlosen Verst�ndigung.</p><p>Hin und wieder wandte sich Mwen Mass mit neuformulierten Gedanken an den unerm�dlichen mechanischen Sekret�r: �Mit dem ersten Jahrhundert der Ring-�ra nimmt auch die von Ljuda Fir begr�ndete Fluktuationspsychologie der Kunst ihren Anfang. Ihr ist es gelungen, den Unterschied zwischen emotionaler Wahrnehmung bei Frauen und M�nnern wissenschaftlich nachzuweisen, indem sie jene Sph�re auslotete, die jahrhundertelang halb mystisch als Unterbewu�tsein bezeichnet wurde. Diese unterschiedliche Auffassung von der Gegenwart nachzuweisen war noch das wenigste. Ljuda Fir gelang Gr��eres: Sie machte die zentralen Bahnen der sinnlichen Wahrnehmung ausfindig, die nunmehr bei beiden Geschlechtern zur �bereinstimmung gebracht werden konnte.�</p><p>Ein Klingelzeichen und das Aufblitzen eines gr�nen L�mpchens riefen den Afrikaner zum Televisiofon. Ein Anruf w�hrend der Arbeitszeit hatte etwas Ernstes zu bedeuten. Mwen Mass schaltete den automatischen Sekret�r aus und lief nach unten in die Ferngespr�chszelle.</p><p>Auf dem Bildschirm begr��te ihn Weda Kong mit abgesch�rften Wangen und tiefen Schatten unter den Augen. Erfreut streckte ihr Mwen Mass seine gro�en H�nde entgegen; ein schwaches L�cheln ging �ber Wedas kummervolles Gesicht.</p><p>�Helfen Sie mir, Mwen. Ich wei�, da� Sie besch�ftigt sind, aber Dar Weter ist nicht auf der Erde und Erg Noor weit weg. Au�er den beiden habe ich nur Sie, an den ich mich mit jeder Bitte wenden kann. Ein Ungl�ck��</p><p>�Was? Dar Weter?�</p><p>�O nein! Ein Einsturz bei den H�hlenausgrabungen.�</p><p>Weda berichtete mit wenigen Worten, was sich in der Den-Of-Kul-H�hle ereignet hatte.</p><p>�Sie sind jetzt der einzige meiner Freunde, der freien Zutritt zum Prophetischen Gehirn hat.�</p><p>�Zu welchem der vier?�</p><p>�Zu dem der Einfachsten Gewi�heit.�</p><p>�Ich verstehe. Sie wollen den geringsten Aufwand an Arbeit und Material berechnet haben, der notwendig ist, um zur Stahlt�r vorzudringen. Und die Angaben?�</p><p>�Sie liegen vor mir.�</p><p>Mwen Mass notierte einige Zahlenreihen.</p><p>�Jetzt kommt es darauf an, wann die Maschine meine Angaben entgegennimmt. Warten Sie, ich setze mich sofort mit dem diensthabenden Ingenieur des Gehirns in Verbindung. Das der Einfachsten Gewi�heit liegt im australischen Sektor der s�dlichen Zone.�</p><p>�Und wo ist das der H�chsten Gewi�heit?�</p><p>�Im indischen Sektor des n�rdlichen Wohng�rtels, da, wo ich jetzt bin. Warten Sie, ich schalte um.�</p><p>Der Bildschirm erlosch, und Weda versuchte, sich das Prophetische Gehirn vorzustellen. In ihrer Phantasie entstand ein gigantisches menschliches Gehirn mit seinen Windungen und Furchen, pulsierend und voller Leben, obgleich sie recht gut wu�te, da� es sich um riesige elektronische Rechenmaschinen der h�chsten Kategorie handelte, die fast jede beliebige Aufgabe aus den erforschten Teilgebieten der Mathematik zu l�sen vermochten. Auf dem Planeten gab es insgesamt vier solcher Maschinen, die auf verschiedene Gebiete spezialisiert waren.</p><p>Weda brauchte nicht lange zu warten. Der Bildschirm flammte wieder auf, und Mwen Mass bat sie, ihn in sechs Tagen nochmals anzurufen.</p><p>Zum verabredeten Zeitpunkt sah Mwen Mass die junge Frau erneut im Televisiofon.</p><p>�Sie brauchen gar nichts zu sagen. Ich sehe Ihnen an, da� die Antwort ung�nstig ausgefallen ist.�</p><p>�Ja. Die Stabilit�t liegt unter der Sicherheitsgrenze.�</p><p>�Da bleibt uns also nur die M�glichkeit, die Safes der zweiten H�hle durch Tunnelgrabungen freizulegen�, sagte Weda betr�bt.</p><p>�Lohnt es sich denn, dar�ber so traurig zu sein?�</p><p>�Verzeihen Sie, Mwen, aber auch Sie haben einmal vor einer T�r gestanden, hinter der ein Geheimnis verborgen war. Ihr Geheimnis ist gro� und von Allgemeinbedeutung, das meine dagegen nur klein. Doch emotional wiegt mein Mi�geschick ebenso schwer wie Ihres.�</p><p>�Wir beide sind Gef�hrten im Ungl�ck. Glauben Sie mir, wir werden noch oft auf Stahlt�ren sto�en.�</p><p>�Eine wird schon aufgehen!�</p><p>�M�glich.�</p><p>�Sie haben doch nicht etwa ganz aufgegeben?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Wir sammeln neue Fakten und die Kennziffern f�r exaktere Kurven. Die Macht des Kosmos ist so gro�, da� es vermessen w�re, mit einem einfachen Sch�reisen drauflosst�rzen. Genauso, als wollten Sie mit blo�en H�nden jene gef�hrliche T�r �ffnen.�</p><p>�Und wenn das ganze Leben mit Warten vergeht?�</p><p>�Was bedeutet schon mein Dasein im Vergleich zu Erkenntnissen von solcher Tragweite!�</p><p>�Mwen, wo ist denn Ihre leidenschaftliche Ungeduld geblieben?�</p><p>�Sie ist nicht verschwunden, wohl aber gez�gelt. Durch Leid.�</p><p>�Und was macht Ren Boos?�</p><p>�Der hat es leichter. Er sucht weiter nach der Pr�zisierung seiner Abstraktion.�</p><p>�Ich verstehe. Einen Moment, Mwen! Etwas Wichtiges.�</p><p>Die Verbindung zu Weda wurde unterbrochen. Als der Bildschirm wieder aufflammte, stand vor Mwen Mass eine andere Weda, jung und unbek�mmert.</p><p>�Dar Weter kehrt zur Erde zur�ck! Der Satellit 57 ist vorfristig fertig geworden.�</p><p>�So schnell? Und vollkommen fertig?�</p><p>�Nein, nur erst die Au�enmontage. Au�erdem sind die energieerzeugenden Maschinen aufgestellt worden. Die Arbeiten im Innern sind einfacher. Man hat Dar abberufen, damit er sich erholt und anschlie�end Yuni Ants Bericht �ber die neue Art der Nachrichten�bermittlung innerhalb des Rings analysiert.�</p><p>�Ich freue mich, Dar Weter wiederzusehen.�</p><p>�Sie werden ihn bestimmt sehen. Aber noch eine Neuigkeit. Dank der Anstrengungen des ganzen Planeten stehen die Anamesonvorr�te f�r das neue Sternschiff, die �Lebed�, schon bereit. Sind Sie beim Start auch dabei?�</p><p>�Ja. Der Planet will der Besatzung zum Abschied das Sch�nste und Beste darbieten. Auch Tscharas Tanz zum Fest der Flammenschalen wird darunter sein. Sie ist also auch in El Homra, auf dem zentralen Kosmodrom. Treffen wir uns alle dort!�</p><p>�Gut, Mwen, alles Gute bis dahin!�</p></section><section><title><p>Der Andromedanebel</p></title><p>In Nordafrika, s�dlich der Gro�en Syrte, erstreckte sich die weite Ebene El Homra. Bis man die Passatwinde abgeschw�cht und das Klima ver�ndert hatte, war hier eine Hammada � eine W�ste, geschmiedet in einen Panzer aus poliertem Kies und dreieckigen, r�tlichen Steinen, die auch der Hammada den Beinamen �Die Rote� gegeben hatten. An Sonnentagen �berflutet von hei�em, glei�endem Licht, durchbraust von kalten Winden in Herbst- und Wintern�chten. Jetzt erinnerte nur noch der Wind an die fr�here Hammada. In Wellen jagte er �ber das silbergraue Gras, das aus den Steppen S�dafrikas hierher verpflanzt worden war.</p><p>Nach jedem Start oder jeder Landung eines Sternschiffes entstand eine verbrannte, vergiftete kreisf�rmige Fl�che von ungef�hr einem Kilometer Durchmesser. Diese Kreise wurden durch ein rotes Metallnetz gekennzeichnet und blieben ein Jahrzehnt lang unber�hrt, also doppelt so lange, wie der Zerfall der Auspuffgase eines Sternschifftriebwerkes dauert. Nach jeder Landung und jedem Start wurde das Kosmodrom an einen anderen Ort verlegt. Ausr�stung und R�umlichkeiten des Kosmodroms hatten dadurch etwas Provisorisches und Kurzlebiges, und das Bodenpersonal erinnerte an die alten Nomaden der Sahara, die hier einige Jahrtausende zuvor auf h�ckerigen Tieren mit gebogenen H�lsen und schwieligen F��en, Kamele genannt, umhergezogen waren.</p><p>Das Planetenschiff �Barion�, auf seiner dreizehnten Fahrt zwischen Erde und Satellitenbau, brachte Dar Weter in die Arizonasteppe, die auch nach der Klimaver�nderung wegen der Radioaktivit�t im Erdboden �dland geblieben war. Als man die Kernenergie gerade erst entdeckt hatte, wurden hier viele Versuche und Proben mit neuen Arten der Technik durchgef�hrt. Die Verseuchung mit radioaktiven Zerfallsprodukten war geblieben. Wenn sie sich auch heute nicht mehr sch�dlich auf den Menschen auswirken konnte, reichte sie doch aus, um das Wachsen von B�umen und Str�uchern zu verhindern.</p><p>Dar Weter erg�tzte sich nicht nur an einer der sch�nsten Darbietungen der Erde � dem blauen Himmel im zarten Schmuck leichter wei�er Wolken �, auch dem staubigen, sp�rlich bewachsenen Boden gewann er Reiz ab.</p><p>Wieder �ber festes Erdreich zu schreiten, unter der goldenen Sonne, das Gesicht dem frischen Wind darbietend! Nur wenn man in der Leere des Kosmos geweilt hatte, konnte man die ganze Sch�nheit der Erde erfassen, die einst von den Ahnen �Jammertal des Leidens und der Tr�nen� genannt wurde.</p><p>Am Tag des Starts traf auch Grom Orm in El Homra ein. Noch in der Luft, vom Planetenschiff aus, hatte Dar Weter auf der matten stahlgrauen Ebene zwei nahe beieinander gelegene Riesenspiegel wahrgenommen. Der rechte fast ein Kreis, der linke eine lange, schmale Ellipse. Diese Spiegel waren Merkmale daf�r, da� k�rzlich die beiden Schiffe der achtunddrei�igsten Sternenexpedition gestartet waren.</p><p>Der Kreis bezeichnete den Startplatz der �Tintaschel�, die den Flug zu dem schrecklichen T-Stern angetreten hatte und gewaltige Apparate f�r die Untersuchung des Tellerschiffes an Bord f�hrte; Die Ellipse war die Spur der gestarteten �Aella�, die eine gro�e Gruppe Wissenschaftler zur Erforschung der Materiever�nderungen auf den wei�en Zwerg im dreifachen Stern Omikron 2 Eridani brachte. An der Stelle des Aufpralls der Triebwerksenergie war der steinige Boden zu Asche verbrannt. Sie war mit einem Bindemittel �bergossen worden, damit sie nicht verweht wurde.</p><p>Auch die �Lebed� war schon bereitgestellt. Eisengrau sah sie aus in ihrem Hitzeschutz, der verbrennt, wenn sie die Atmosph�re durchst��t. Danach wird das Schiff in einer glitzernden, alle Arten von Strahlungen reflektierenden Panzerung weiterfliegen. Doch niemand wird es in seiner Pracht sehen, au�er den astronomischen Robotern, die den Flug verfolgen. Und auch sie werden den Menschen lediglich eine Fotografie dieses leuchtenden Punktes �bermitteln. Auf die Erde zur�ckkehren wird das Schiff mit verbrannter Panzerung, mit Kratzern und Beulen von kleinen Meteoritenteilchen. Und keiner der hier Versammelten wird das stolze Sternschiff je wiedersehen � bis zu seiner R�ckkehr nach hundertzweiundsiebzig Jahren werden sie alle nicht mehr am Leben sein. Davon hundertachtundsechzig Erdenjahre f�r den Flug gerechnet und vier Jahre f�r die Erforschung der Planeten; f�r die Expeditionsmitglieder aber werden nur etwa achtzig Jahre vergehen.</p><p>Er, Dar Weter, wird bei der Art seiner T�tigkeit nicht einmal die Ankunft der �Lebed� auf dem Planeten des gr�nen Sterns miterleben. Wie immer, wenn ihn Zweifel �berkamen, dachte er an die k�hnen Ideen von Ren Boos und Mwen Mass. Wenn ihr Versuch auch mi�lungen war, wenn dieses Problem auch noch weit von einer Kl�rung entfernt war, wenn das Ganze sich auch als eine fixe Idee herausstellen sollte � diese Tollk�pfe waren Giganten des sch�pferischen Denkens. Selbst wenn ihre Theorie widerlegt werden sollte, sie k�nnte der Menschheit zu einem gewaltigen Aufschwung des Wissens verhelfen.</p><p>In Nachdenken versunken, w�re Dar Weter fast gegen das Signal gesto�en, das die Grenze der gefahrfreien Zone kennzeichnete; er wandte sich um und bemerkte am Fu� des beweglichen Fernseh�bertragungsturms eine Gestalt, die ihm bekannt vorkam. Schnell ging er auf sie zu. Die widerspenstigen Haare zerzaust und die Augen zusammengekniffen, eilte ihm Ren Boos entgegen. Ein Netz feiner, kaum wahrnehmbarer Schrammen hatte das Gesicht des Physikers ver�ndert.</p><p>�Ich freue mich, Sie gesund zu sehen, Ren!�</p><p>�Ich brauche Sie dringend!� antwortete Ren Boos und reichte Dar Weter die Hand.</p><p>�Was machen Sie hier, so lange vor dem Start?�</p><p>�Ich habe die �Aella� verabschiedet. F�r mich sind die Angaben �ber die Gravitation eines so schweren Sterns sehr wichtig. Und dann erfuhr ich, da� Sie kommen w�rden.�</p><p>Dar Weter schwieg. Ren Boos fragte hastig: �Sie kehren auf Yuni Ants Bitte in das Observatorium des Rates zur�ck?�</p><p>Dar Weter nickte. �Ant hat in der letzten Zeit eine Reihe nichtentschl�sselter Ringsendungen aufgezeichnet.�</p><p>�Jeden Monat werden Mitteilungen au�erhalb der Informationszeit empfangen, wobei die Zeit des Einschaltens jeweils zwei Erdenstunden vorverlegt wird. In einem Jahr umfa�t die Kontrolle einen ganzen Erdentag, in acht Jahren � ein Hunderttausendstel einer galaktischen Sekunde. Mit anderen Worten � alle L�cken im Empfang des Kosmos werden ausgef�llt. Im letzten Halbjahr des Achtjahrzyklus haben wir Sendungen aufgefangen, die bisher noch unverst�ndlich sind und zweifellos von sehr weit her kommen.�</p><p>�Sie w�rden mich au�erordentlich interessieren.�</p><p>�Ich werde Sie �ber alles, was ich erfahre, umgehend informieren. Oder noch besser: Beteiligen Sie sich doch an der Arbeit!�</p><p>Ren Boos seufzte und fragte dann: �Wird Weda Kong auch hierherkommen?�</p><p>�Ja, ich erwarte sie. Wissen Sie, da� sie bei der Untersuchung einer H�hle beinahe ums Leben gekommen w�re? In diesem Versteck f�r �ltere technische Errungenschaften fand sich unter anderem auch eine verschlossene Stahlt�r.�</p><p>�Davon habe ich nichts geh�rt.�</p><p>�Ja nat�rlich, ich verga�, da� Sie sich nicht so sehr f�r Geschichte interessieren wie Mwen Mass. Alle Welt r�tselt jetzt herum, was wohl hinter der T�r sein k�nnte. Millionen von Freiwilligen haben sich f�r die Ausgrabungen gemeldet, Weda hat sich entschlossen, die Angelegenheit der �Akademie f�r Stochastik und Vorhersage der Zukunft� zu �bergeben. Kommt Ewda Nal auch?�</p><p>�Nein, sie kann nicht.�</p><p>�Das wird vielen leid tun. Weda mag Ewda sehr, und Tschara ist geradezu vernarrt in sie. Erinnern Sie sich noch an Tschara?�</p><p>�Das war doch diese� diese Wildkatze?�</p><p>Dar Weter hob in gespieltem Entsetzen die H�nde.</p><p>�Eine herrliche Charakterisierung! �brigens wiederhole ich immer wieder den Fehler unserer Vorfahren, die noch keine Ahnung von den Gesetzen der Psychophysiologie und der Vererbung hatten: Ich setze unwillk�rlich voraus, die anderen denken und f�hlen genauso wie ich.�</p><p>�Ewda wird wie alle den Start auf dem Bildschirm verfolgen�, sagte Ren Boos, ohne auf das Selbstbekenntnis einzugehen.</p><p>Der Physiker zeigte auf eine Reihe Kameras f�r Wei�licht-, Infrarot- und Ultraviolettaufnahmen, die im Halbkreis um das Sternschiff aufgestellt waren. Die verschiedenen Strahlengruppen des Spektrums wurden bei der Sendung gemischt, so da� das Farbbild auf der Mattscheibe voller W�rme und Leben war; die Obertondiaphragmen beseitigten bei der Stimmwiedergabe jeden metallischen Nachhall.</p><p>Von Norden her n�herten sich vollbesetzte automatische Elektrobusse. Gleich aus dem ersten sprang Weda Kong heraus und eilte auf die beiden M�nner zu. Im vollen Lauf warf sie sich an Dar Weters Brust. Dann begr��te sie den Physiker herzlich.</p><p>�Wo sind denn die Helden des Achernar?� fragte Ren Boos.</p><p>�Dort!� Weda zeigte auf ein gro�es zeltf�rmiges Geb�ude aus milchgr�nen Glasplatten � den Hauptsaal des Kosmodroms.</p><p>�Also � gehen wir!�</p><p>�Wir sind dort �berfl�ssig�, sagte Weda nachdr�cklich, �sie sehen sich den Abschiedsgru� der Erde an. Gehen wir zur �Lebed�.�</p><p>Die M�nner f�gten sich.</p><p>Hunderte von Menschen waren auf dem Weg zum Schiff. Viele l�chelten Weda zu oder winkten ihr; sie wurde bedeutend h�ufiger gegr��t als Dar Weter oder Ren Boos.</p><p>�Sie sind aber popul�r, Weda�, meinte der Physiker. �Woran liegt das, an Ihrer Arbeit als Historikerin oder an Ihrer Sch�nheit?�</p><p>�Weder am einen noch am anderen, sondern an meinem st�ndigen guten Kontakt zu den Menschen durch die Arbeit und die gesellschaftlichen Auftr�ge. Sie und Dar Weter vergraben sich entweder in Laboratorien oder bei anstrengender Nachtarbeit. Ihre Arbeit ist f�r die Menschheit bedeutend wichtiger als meine, aber sie schafft nicht den direkten Kontakt. Doch Tschara Nandi und besonders Ewda Nal sind weit bekannter als ich.�</p><p>�Wieder ein Vorwurf gegen unsere technische Zivilisation?� tadelte Dar Weter belustigt.</p><p>�Durchaus nicht, nur gegen die �berbleibsel der fr�heren verh�ngnisvollen Fehler. Vor Jahrtausenden schon wu�ten unsere Ahnen, da� die Kunst und mit ihr die Entwicklung der Gef�hle des Menschen f�r die Gesellschaft ebenso wichtig sind wie die Wissenschaft.�</p><p>�Die Beziehungen der Menschen untereinander also?� fragte der Physiker interessiert.</p><p>�Ja.�</p><p>�Irgendein Weiser des Altertums sagte einmal ganz richtig, es sei das Schwierigste auf Erden, die Freude zu bewahren!� warf Dar Weter ein. �Schauen Sie, noch ein treuer Verb�ndeter Wedas.�</p><p>Mit weit ausholenden Schritten kam Mwen Mass auf sie zu. Seine hochgewachsene Gestalt fiel allgemein auf.</p><p>�Tscharas Tanz ist zu Ende�, mutma�te Weda. �Gleich wird auch die Besatzung der �Lebed� erscheinen.�</p><p>�An ihrer Stelle w�rde ich zu Fu� und so langsam wie m�glich hierhergehen,� meinte pl�tzlich Dar Weter.</p><p>�Sie sind aufgeregt.� Weda hakte sich bei ihm ein.</p><p>�Nat�rlich. Mich qu�lt der Gedanke, da� sie uns f�r immer verlassen, da� ich dieses Schiff nie mehr wiedersehe. In mir str�ubt sich etwas gegen dieses unvermeidliche Verlorensein, vielleicht weil mir diese Menschen nahestehen!�</p><p>�Wohl nicht deshalb�, warf Mwen Mass ein, der herangekommen war und Dar Weters Worte geh�rt hatte, �es ist der Protest des Menschen gegen die unerbittliche Zeit.�</p><p>�Herbststimmung?� fragte Ren Boos mit einem Anflug von Spott, wobei er seinem Freund zublinzelte.</p><p>�Haben Sie schon bemerkt, da� vor allem lebensfrohe und tief empfindende Menschen den Herbst der gem��igten Breiten mit all seiner Schwermut lieben?� entgegnete Mwen Mass.</p><p>�Sehr gut beobachtet�, rief Weda begeistert.</p><p>�Eine sehr alte��</p><p>�Dar Weter, sind Sie auf dem Feld? Dar Weter, sind Sie auf dem Feld?� erscholl es pl�tzlich. �Yuni Ant ruft Sie in das Telezimmer des Zentralgeb�udes. Yuni Ant ruft Sie!�</p><p>Ren Boos fuhr zusammen.</p><p>�Darf ich mitkommen, Dar Weter?�</p><p>�Gehen Sie statt meiner, Sie haben beim Start nichts zu vers�umen. Noch immer sendet Yuni Ant gern direkt, statt die Aufzeichnung zu �bermitteln � darin ist er genau wie Mwen Mass.�</p><p>Das Kosmodrom verf�gte �ber eine starke Televisiofonanlage und einen Hemisph�renbildschirm. Ren Boos betrat das stille, runde Zimmer. Der diensthabende Operateur wies auf den rechten Seitenschirm, drehte einen Hebel herum, und vor dem Physiker erschien das aufgeregte Gesicht Yuni Ants. Verdutzt sah er Ren Boos an und nickte ihm schlie�lich zu.</p><p>�Gegenw�rtig ist auf au�erprogrammm��igen Empfang umgestellt � die Suche in der fr�heren Richtung, im Bereich 62/77. Nehmen Sie den Trichter f�r die gelenkte Strahlung und richten Sie ihn auf das Observatorium. Ich werde den Leitstrahl �ber das Mittelmeer direkt nach El Homra richten.� Yuni Ant sah zur Seite und f�gte hinzu: �Beeilen Sie sich!�</p><p>Der aufnahmeerfahrene Wissenschaftler erf�llte die Forderung in wenigen Augenblicken. Der Bildschirm zeigte eine gigantische Sterneninsel, in der beide Wissenschaftler einwandfrei den bereits vor Urzeiten entdeckten Andromedanebel oder M 31 erkannten.</p><p>In der dem Zuschauer zun�chst gelegenen �u�eren Windung der Spirale leuchtete ein Licht auf, fast in der Mitte der Galaxis, die in der Verk�rzung wie eine linsenf�rmige Scheibe wirkte. Dort zweigte ein als winziges H�rchen erscheinendes Sternsystem ab � ohne Zweifel aber ein Riesenarm von hundert Parsek L�nge. Der Lichtfleck begann zu wachsen, und gleichzeitig vergr��erte sich das �H�rchen�, w�hrend die Spirale selbst hinter den Grenzen des Sehfeldes verschwand. Ein Strom roter und gelber Sterne erstreckte sich quer �ber den Bildschirm. Das Licht wurde zu einem kleinen Kreis und leuchtete ganz am Ende des Sternenstroms. In dem Strom hob sich ein orangefarbener Stern von der Spektralklasse K ab. Um ihn kreisten als kaum erkennbare Punkte die Planeten. Einer von ihnen wurde von dem Lichtkreis v�llig zugedeckt. Pl�tzlich war nur noch ein Wirbel roter Schlangen und spr�hender Funken zu sehen. Ren Boos schlo� die Augen.</p><p>�Das ist eine Explosion�, erklang Yuni Ants Stimme vom Seitenschirm. �Ich habe Ihnen eine Beobachtung vom vorigen Monat vorgef�hrt. Sie wurde von den Ged�chtnismaschinen aufgezeichnet. Jetzt schalte ich auf direkten Empfang um.�</p><p>Wieder huschten �ber den Bildschirm dunkelrote Funken und Linien.</p><p>�Eine merkw�rdige Erscheinung!� rief der Physiker aus. �Wie erkl�ren Sie sich diese Explosion?�</p><p>�Sp�ter! Gleich beginnt wieder die Sendung. Aber was erscheint Ihnen merkw�rdig?�</p><p>�Die Rotverschiebung im Explosionsspektrum. Das Spektrum des Andromedanebels weist dagegen eine Violettverschiebung auf, er n�hert sich uns also.�</p><p>�Die Explosion hat nichts mit dem Andromedanebel zu tun. Sie ist eine lokale Erscheinung.�</p><p>�Meinen Sie, die haben ihre Startstation zuf�llig bis an den �u�ersten Rand der Galaxis vorgeschoben, in ein Gebiet, das von seinem Zentrum noch weiter entfernt ist als die Sonne von dem unserer Galaxis?�</p><p>Yuni Ant blickte Ren Boos skeptisch an.</p><p>�Jetzt ist keine Zeit zum Diskutieren. Bedenken Sie, da� der Andromedanebel aus einer Entfernung von vierhundertundf�nfzigtausend Parsek sendet.�</p><p>�O ja!� Ren Boos wurde verlegen. �Noch besser klingt: aus einer Entfernung von anderthalb Millionen Lichtjahren. Die Mitteilung wurde vor f�nfzehntausend Jahrhunderten ausgesandt!�</p><p>�Was wir jetzt sehen, wurde lange vor Beginn der Eiszeit und der Entstehung des Erdenmenschen gesendet.� Yuni Ant war sichtlich bewegt.</p><p>Die roten Linien verlangsamten ihr Kreisen, der Bildschirm wurde dunkel und leuchtete pl�tzlich wieder auf. Die d�mmrige flache Ebene war in dem sp�rlichen Licht kaum zu erkennen. Seltsame pilzf�rmige Figuren waren hier und dort verstreut. In dem vorderen Teil des Bildes gl�nzte kalt ein gigantischer bl�ulicher Kreis, seine Oberfl�che war offenbar von Metall. Genau in dem Zentrum des Kreises hingen gro�e bikonvexe Scheiben, eine �ber der anderen. Nein, sie hingen nicht, sondern stiegen langsam immer h�her. Die Ebene verschwand, und auf dem Bildschirm blieb eine der Scheiben zur�ck. Sie war unten st�rker gew�lbt als oben, und aus ihrer Mitte ragte nach beiden Seiten ein riesiges Spiralrohr heraus.</p><p>�Das sind sie, das sind sie!� riefen die Gelehrten einander zu, denn die �bereinstimmung der Abbildung mit den Fotografien und Zeichnungen des Tellerschiffes vom Planeten des Eisensterns war ganz offensichtlich.</p><p>Ein neuer Wirbel roter Linien � und der Bildschirm erlosch. Ren Boos wartete, da er sich keine Sekunde entgehen lassen wollte. Das erste Mal, da� ein Mensch das Leben und Denken einer anderen Sterneninsel geschaut hatte! Doch der Bildschirm leuchtete nicht wieder auf.</p><p>�Die Verbindung wurde unterbrochen�, konstatierte Yuni Ant. �Wir k�nnen nicht l�nger warten und die Erdenergie blockieren. Die ganze Welt wird �ber die Neuigkeit verbl�fft sein. Wir werden den Wirtschaftsrat bitten, den au�erprogramm��igen Empfang zu verst�rken. Aber das wird kaum vor Ablauf eines Jahres m�glich sein, nach dem Energieaufwand f�r den Start der �Lebed�. Jetzt wissen wir, da� das Tellerschiff von dort ist. H�tte Erg es nicht gefunden, wir w��ten mit dem Gesehenen �berhaupt nichts anzufangen.�</p><p>�Ist diese Scheibe wirklich von dort gekommen? Wieviel Jahre ist sie dann geflogen?� fragte der Physiker, noch leicht benommen von dem Erlebnis.</p><p>�Sie flog etwa zwei Millionen Jahre tot durch den Raum, der unsere Galaxis von der anderen Sterneninsel trennt�, erwiderte Yuni Ant mit ernstem Gesicht, �bis sie auf dem Planeten des T-Sterns Zuflucht fand. Offensichtlich sind diese Sternschiffe so gebaut, da� sie automatisch landen, ungeachtet dessen, da� Millionen Jahre kein Lebewesen die Steuerungshebel ber�hrt hat.�</p><p>�Vielleicht leben jene Wesen sehr lange?� meinte Ren Boos.</p><p>�Aber nicht Millionen Jahre, das widerspricht den Gesetzen der Thermodynamik�, antwortete Yuni Ant. �Und trotz der kolossalen Ausma�e konnte das Tellerschiff nicht einen ganzen Planeten voll denkender Wesen mit sich f�hren. Nein, vorl�ufig k�nnen unsere Sterneninseln weder einander erreichen noch Informationen austauschen.�</p><p>�Sie werden es k�nnen!� sagte Ren Boos �berzeugt, verabschiedete sich von Yuni Ant und kehrte zum Startplatz zur�ck.</p><empty-line/><p>Ein wenig abseits von den beiden langen Reihen derer, die zur Verabschiedung gekommen waren, standen Dar Weter, Weda, Mwen Mass und Tschara. Aller Augen waren auf das Zentralgeb�ude gerichtet. Ger�uschlos fuhr eine breite Rampe vor�ber, H�ndewinken und begr��ende Rufe begleiteten sie. Auf der Rampe befanden sich alle zweiundzwanzig Mann der �Lebed�-Besatzung.</p><p>Die Rampe schob sich an das Sternschiff heran. Vor dem hohen Lift warteten Menschen in wei�en Arbeitsanz�gen, die Gesichter grau vor M�digkeit � zwanzig Personen der Startkommission, die sich zum gr��ten Teil aus Ingenieuren, den Mitarbeitern des Kosmosdroms, zusammensetzte. Im Laufe der letzten Tage hatten sie mit Hilfe von Registriermaschinen die gesamte Ausr�stung der Expedition �berpr�ft und noch einmal den Zustand des Schiffes kontrolliert.</p><p>Wie seit Beginn der Weltraumfahrt �blich, erstattete der Kommissionsvorsitzende Erg Noor Bericht. Erg Noor war wiederum einm�tig zum Leiter des Sternschiffes und der Expedition gew�hlt worden. Die anderen Mitglieder der Kommission setzten ihre Chiffren auf eine Bronzetafel mit ihren Portr�ts und Namen, die Erg Noor �berreichte wurde. Nachdem sie sich verabschiedet hatten, traten sie zur Seite. Nun dr�ngten alle zum Schiff. Die Menschen stellten sich vor der Besatzung der �Lebed� auf, nachdem sie die Angeh�rigen der Weltraumreisenden zu dem kleinen frei gebliebenen Platz vor dem Aufzug durchgelassen hatten. Die Kameraleute hielten jede Geste der Astronauten fest � die letzte Erinnerung, die dem Heimatplaneten verblieb.</p><p>Erg Noor sah Weda von fern und ging, das bronzene Zertifikat hinter den breiten G�rtel seiner Pilotenkleidung steckend, mit schnellen Schritten auf sie zu.</p><p>�Wie gut, da� Sie gekommen sind, Weda!�</p><p>�War das nicht selbstverst�ndlich?�</p><p>�Sie sind f�r mich Symbol der Erde und meiner vergangenen Jugend.�</p><p>�Die Jugend Nisas ist mit Ihnen � jetzt f�r immer.�</p><p>�Ich sage nicht, da� ich nichts bedauere � das w�re L�ge. Vor allem tun mir Nisa und meine Kameraden leid. Auch mit mir habe ich Mitleid. Zuviel ist es, was wir verlieren! Bei meiner letzten R�ckkehr habe ich die Erde auf neue Art liebengelernt � fester, einfacher, unbedingter.�</p><p>�Und trotzdem fahren Sie, Erg?�</p><p>�Ich kann nicht anders. H�tte ich abgelehnt, w�re nicht nur der Kosmos, auch die Erde w�re f�r mich verloren gewesen.�</p><p>�Je schwieriger die Heldentat, um so gr��er die Begeisterung.�</p><p>�Sie verstehen mich immer, Weda. Hier ist auch Nisa.�</p><p>Das schmal gewordene, knabenhafte M�dchen senkte den Blick. Weda zog sie an sich.</p><p>�Noch neun Minuten bis zum Schlie�en der Luken�, sagte Erg fast tonlos, ohne Weda aus den Augen zu lassen.</p><p>�Noch so lange!� rief Nisa mit tr�nenerstickter Stimme aus.</p><p>Weda und die anderen, die zum Abschied gekommen waren, fanden keine Worte. Wie sollten sie auch ihren Gef�hlen Ausdruck geben angesichts einer Heldentat, die vollbracht wurde f�r die, die noch gar nicht geboren waren. All dessen waren sich die Scheidenden wie die Abschiednehmenden bewu�t. Was sollten da noch leere Worte?</p><p>Das zweite Signalsystem des Menschen erwies sich als unvollkommen und machte dem dritten Platz. Nur Blicke, in denen sich all das widerspiegelte, was mit Worten nicht auszudr�cken war, trafen sich schweigend und gespannt oder nahmen die karge Natur von El Homra in sich auf.</p><p>�Es ist Zeit!� Die sonst so feste Stimme Erg Noors zitterte. Weda dr�ckte laut aufschluchzend Nisa an sich. Beide Frauen hielten sich einige Sekunden fest umarmt w�hrend die M�nner einen letzten H�ndedruck tauschten. Der Lift brachte bereits acht der Astronauten zur ovalen schwarzen Luke des Sternschiffes hinauf. Erg Noor nahm Nisa beim Arm und fl�sterte ihr etwas zu. Das M�dchen err�tete, ri� sich los und lief zum Sternschiff.</p><p>Erg Noor und Nisa fuhren gleichzeitig nach oben.</p><p>Vor der dunklen Luke an der hell erleuchteten Seite der �Lebed� verharrten f�r einen Augenblick zwei Gestalten � die eines hochgewachsenen Mannes und eines schlanken M�dchens. Sie nahmen die letzten Gr��e der Erde entgegen.</p><p>Weda Kong pre�te die H�nde so fest zusammen, da� Dar Weter ihre Kn�chel knacken h�rte.</p><p>Erg Noor und Nisa verschwanden. Aus dem Dunkel schob sich eine ovale Platte vor die Luke. Sie war von der gleichen grauen Farbe wie der ganze Rumpf. Eine Sekunde sp�ter h�tte selbst ein scharfes Auge nicht mehr die Umrisse der eben noch vorhandenen �ffnung im Leib des Riesenschiffes erkennen k�nnen.</p><p>Drohend heulten Alarmsignale auf. Wie herbeigezaubert erschienen in der N�he des Schiffes breite, schnelle Fahrzeuge, um die Menschen vom Startfeld zu bringen. Auch die Fernsehanlagen und die Scheinwerfer wurden in verschiedenen Richtungen zur�ckgezogen, ohne da� das Schiff jedoch vom Bildschirm verschwand. Der graue Rumpf der �Lebed� verbla�te und schien kleiner zu werden. Am Bug des Schiffes blinkten unheildrohend rote Lichter auf � das Signal der Startbereitschaft. Das Vibrieren der starken Motoren �bertrug sich auf den festen Boden. Das Sternschiff drehte sich auf seinen St�tzen, um die Startrichtung einzunehmen. Die Fahrzeuge mit den Zur�ckbleibenden entfernten sich immer weiter, bis sie die in der Dunkelheit aufleuchtende Sicherheitslinie auf der Windseite erreicht hatten. Dort stiegen die Menschen eilig aus, und die Fahrzeuge rasten zur�ck, um die �brigen zu holen.</p><p>�Sie werden uns und unseren Himmel nie wiedersehen?� fragte Tschara Mwen Mass.</p><p>Er beugte sich zu ihr. �Nein! H�chstens in den Stereoteleskopen.�</p><p>Unter den St�tzen des Sternschiffes leuchteten gr�ne Lichter auf. Der Funkturm f�r interplanetare Fl�ge auf dem Dach des Zentralgeb�udes drehte sich mit rasender Geschwindigkeit � die Warnung vor dem Start des Riesenschiffes wurde in alle Richtungen gesendet.</p><p>�Das Schiff ist klar zum Start!� erklang pl�tzlich eine schrille Stimme mit solcher St�rke, da� Tschara zusammenzuckte und sich an Mwen Mass klammerte. �Befinden sich noch Personen innerhalb des Kreises? Es besteht Lebensgefahr!� schrie die Stimme des Automaten, w�hrend seine Scheinwerfer das Feld abtasteten, auf der Suche nach Menschen, die zuf�llig innerhalb der Gefahrenzone verblieben waren.</p><p>Nachdem sie niemand gefunden hatten, erloschen die Scheinwerfer. Und wieder br�llte der Automat, diesmal noch lauter, wie es Tschara schien: �Sofort nach Ert�nen des Glockensignals dem Schiff den R�cken zukehren und die Augen schlie�en! Bis zum zweiten Glockenzeichen nicht �ffnen! Umdrehen und Augen schlie�en.�</p><p>Dar Weter nahm ruhig die zusammengerollten Halbmasken mit den schwarzen Gl�sern vom G�rtel und setzte sie Weda und sich auf. Kaum hatte er die �se geschlossen, als ein hoher Glockenton erklang.</p><p>Der Ton brach ab, und es wurde so ruhig, da� das Zirpen der Zikaden zu h�ren war.</p><p>Pl�tzlich heulte das Sternschiff furchterregend auf, und seine Lichter erloschen. Viermal jagte das Heulen �ber die dunkle Ebene und brach dann ebenso unerwartet ab, wie es eingesetzt hatte. Rings um das Schiff loderten unvorstellbar helle Flammen empor, die alles andere in der Welt auszul�schen schienen. Die Feuerwand wurde zu einer dicken S�ule, die sich lang nach oben ausdehnte und in eine blendendhelle Linie verwandelte. Die Glocke erklang zum zweitenmal. Die Menschen wandten sich wieder um und erblickten eine leere Ebene, auf der eine riesige Fl�che rotgl�hend leuchtete. Hoch oben sah man einen gro�en Stern � die �Lebed�, die sich immer weiter entfernte.</p><p>Langsam begaben sich die Menschen zu den Elektrobussen, bald zum Himmel schauend, bald auf den Startplatz, der pl�tzlich so �de geworden war.</p><p>Am s�dlichen Himmel strahlten die vertrauten Sterne, und alle Blicke wandten sich dorthin, wo der blaue, helle Achernar lag. Diesen Stern wird die �Lebed� bei einer Geschwindigkeit von neunhundert Millionen Kilometern in der Stunde nach vierundachtzig Jahren erreichen, vierundachtzig f�r die auf der Erde, f�r die in der �Lebed� nur etwa vierzig Jahre. Vielleicht gr�nden sie dort, unter den gr�nen Strahlen des Zirkoniumsterns, eine neue, sch�ne und gl�ckliche Welt.</p><p>Dar Weter und Weda Kong holten Tschara und Mwen Mass ein. Der Afrikaner beantwortete gerade eine Frage des M�dchens: �Nein, nicht Trauer, sondern Stolz erf�llt mich heute, wenn auch ein wenig Wehmut dabei ist. Stolz auf uns, die wir uns immer weiter von unserem Planeten entfernen und uns mit dem Kosmos vereinigen. Und Wehmut, weil unsere gute, alte Erde klein wird. Die Mayas, die roth�utigen Indianer Zentralamerikas, haben eine stolze, aber wehm�tige Inschrift hinterlassen. Ich habe den Text Erg Noor gegeben, er wird die Laborbibliothek der �Lebed� schm�cken.�</p><p>Mwen Mass wandte sich um. Als er bemerkte, da� die n�her gekommenen Freunde ihm zuh�rten, fuhr er lauter fort: �Du, der du sp�ter hier dein Antlitz zeigen wirst! Wenn du Geist genug hast, wirst du fragen � wer sind wir! Wer wir sind? Frage das Morgenrot, frage den Wald, frage die Welle, frage den Sturm, frage die Liebe! Frage die Erde, die Erde des Leidens. Wer wir sind? Wir sind die Erde.�</p><p>�Auch ich bin die Erde�, f�gte Mwen Mass hinzu.</p><p>Keuchend kam ihnen Ren Boos entgegengelaufen. Die Freunde umringten ihn und erfuhren das Unerh�rte: Zum erstenmal war der geistige Kontakt hergestellt zwischen zwei riesigen Sterneninseln.</p><p>�Ich w�re so gern noch vor dem Start hiergewesen, um es Erg Noor zu erz�hlen�, sagte Ren Boos betr�bt. �Schon auf dem dunklen Planeten hat er geahnt, da� das Tellerschiff von einer fernen, uns g�nzlich fremden Welt stammt und bereits sehr lange durch den Kosmos geflogen ist.�</p><p>�Erg Noor wird wohl niemals erfahren, da� dieses Schiff von einer anderen Sterneninsel, vom Andromedanebel kam�, sagte Weda. �Das ist zu schade!�</p><p>�Er wird es erfahren!� versprach Dar Weter fest. �Ich werde den Rat f�r ganz kurze Zeit um die Erdenergie bitten und eine Mitteilung �ber Satellit 36 senden. Noch neunzehn Stunden wird die �Lebed� f�r uns erreichbar sein!�</p></section></body><binary id="cover" 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