<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>antique</genre><author><first-name>Frei,</first-name><last-name>Max</last-name></author><book-title>Einfache Zauberdinge</book-title><lang>de</lang></title-info><document-info><author><first-name>Frei,</first-name><last-name>Max</last-name></author><program-used>calibre 2.15.0, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date>7.2.2015</date><id>e428a281-a41f-4e55-9db5-7623a1694207</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><year>2013</year></publish-info></description><body><section><p><image l:href="#0"/></p></section><section><empty-line/><p>Max Frei</p><empty-line/><empty-line/><p><strong>Einfache Zauberdinge</strong></p><empty-line/><p><strong/></p><p><strong>Das Echo-Labyrinth 5</strong></p><p><strong/></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>Aus dem Englischen�von�</strong></p><p><strong>Anna Serafin</strong></p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><strong>blanvalet</strong></p></section><section><p>
      Die amerikanische Originalausgabe erschien</p><p>
      bei Amphora, St. Petersburg.</p><p>
      Verlagsgruppe Random House</p><empty-line/><p>
      1. Auflage</p><p>
      Deutsche Erstausgabe Juli 2009</p><p>
      Copyright � der Originalausgabe 2002 by Max Frei</p><p>
      Copyright � der deutschsprachigen Ausgabe</p><p>
      by Blanvalet in der Verlagsgruppe</p><p>
      Random House GmbH, M�nchen</p><p>
      Umschlaggestaltung: HildenDesign M�nchen</p><p>
      Umschlagfoto: � HildenDesign unter Verwendung</p><p>
      von Motiven</p><p>
      von � Topal/Shutterstock (Koffer]</p><p>
      und � Getty Images (Mann)</p><p>
      Redaktion: Andreas Heckmann</p><p>
      HK o Herstellung: rf</p><p>
      Satz: deutsch-t�rkischer fotosatz, Berlin</p><p>
      Druck und Einband: GGP Media GmbH, P��neck</p><empty-line/><p>
      Printed in Germany</p><empty-line/><p>
      ISBN: 978-3-442-26565-7</p><empty-line/><empty-line/></section><section><p><strong>Das Buch</strong></p><p>Beinahe h�tte Max' letztes St�ndlein geschlagen, als sein Kollege Sir Sch�rf ihn unvermittelt zu t�ten versucht. Was, wie sich herausstellt, auf einen Fall von Besessenheit zur�ckzuf�hren ist. Um den zugrundeliegenden Sachverhalt zu kl�ren, ist ein Besuch im Irrenhaus vonn�ten. Dort entdecken Max und Sir Juffin (der Leiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps|, dass der m�chtige Magister Gugimagon bereits viele Patienten get�tet und deren weltenwandlerische Seelenenergie akkumuliert hat, so dass er sich aus Echo heraus und in Max' Traumwelt hinein hat stehlen k�nnen - was eine weitere Reise an einen Ort, wie er skurriler kaum sein k�nnte, nach sich zieht ...</p><p>Verglichen mit den weitreichenden Pl�nen von Magister Gugimagon erscheint das Problem von Max' altem Freund Ande Pu weit weniger dringlich - bis Max erf�hrt, dass der Koffer, der dem Dichter gestohlen wurde, Einfache Zauberdinge enth�lt, die ihren Besitzern beispielsweise Charisma oder Unsichtbarkeit verleihen, also eigentlich ungemein n�tzlich sind. Nur sind sie inzwischen leider auch verboten, weil unerlaubte Magie in ihnen steckt - was einen weiteren Einsatz des Kleinen Geheimen Suchtrupps notwendig macht ...</p></section><section><p><strong>Der Autor</strong></p><p>Max Frei ist das Pseudonym des russischen Autoren-Paares Svet-lana Martynchik und Igor Stepin.</p><p>Martynchik, die den Helden Max Frei erfunden und entwickelt hat, wurde 1965 in Odessa geboren, studierte in Moskau und lebt derzeit in Vilnius/Litauen.</p><p>Max Frei ist als Autor und Held der Fantastik-Abenteuer im Echo-Labyrinth �u�erst popul�r bei russischen Lesern aller Altersklassen. Daneben ist Max Frei in Russland bekannt als Autor popul�rer Werke zur modernen Kunst und als Pionier der russischen Internet-Literatur.</p><p><emphasis>Von Max Frei bei Blanvalet bereits erschienen:</emphasis></p><p>
    Das Echo-Labyrinth:</p><empty-line/><p>
    1. Der Fremdling (24413)</p><p>
    2. Die Reise nach Kettari (24465)</p><p>
    3. Die F�chse von Mahagon (24457)</p><p>
    4. Volont�re der Ewigkeit (24485)</p><p>
    5. Einfache Zauberdinge (26565)</p></section><section><p>Der Schatten von Gugimagon</p><p>Zugegeben - das Wetter war nicht unbedingt geeignet, um mit einem Boot unterwegs zu sein. Ich meine ein Wasser-A-Mobil, das den anderen A-Mobilen von Echo recht �hnlich sieht.</p><empty-line/><p>Ein kalter Wind, der f�r den Herbst in Echo eisig war, tobte w�tend �ber den Churon, und meine erste Fahrt auf dem h�bschesten Fluss des Vereinigten K�nigreichs �hnelte eher dem Ritt auf einem K�nguru. Ich wurde so durchgesch�ttelt, dass Kinn und Knie sich immer wieder ber�hrten, und der Sturm lie� mich die Augen zukneifen. Auf meinen Wangen mischten sich Tr�nen, Regen und die Gischt des aufgepeitschten Flusses. Kein vern�nftiger Mensch h�tte diese Folter freiwillig auf sich genommen -dazu war schon ein Idiot wie ich vonn�ten. Und das auch noch am ersten meiner beiden Sorgenfreien Tage.</p><p>Aber ehrlich gesagt: Ich war v�llig begeistert!</p><p>L�ngst hatte ich einmal mit einem Boot unterwegs sein wollen. Meine tollk�hnen A-Mobil-Fahrten waren in Echo schon legend�r. Das war mir immer unverdient erschienen, denn jeder, der wie ich von der Erde stammt und an eine alte Klapperkiste mit Viertaktmotor gew�hnt ist, h�tte ebenso rasch zu Ruhm gelangen k�nnen.</p><p>Boote dagegen hatte ich in meinem fr�heren Leben eigentlich nie benutzt. Dennoch hatte ich mir ein Herz gefasst und einige Unterrichtsstunden bei dem alten Kimpa genommen, dem treuen Diener von Sir Juffin Halli. Ich wollte meine Autorit�t bei den j�ngeren Mitarbeitern des Hauses an der Br�cke nicht verlieren, und der Haushofmeister meines Chefs hatte mich schon zu einer Zeit kennen gelernt, als ich in Echo sogar noch Probleme mit dem Besteck hatte.</p><p>So jagte ich nun �ber den dunklen Churon - einsam und durchn�sst, aber �bergl�cklich und mit einem nagelneuen Boot. Dass ich f�r meine Abenteuer den einzigen kalten Tag dieses bisher so sonnigen Herbstes gew�hlt hatte, verst�rkte meine Begeisterung nur, denn die Umst�nde machten aus dem �blichen Spaziergang auf dem Wasser ein fast apokalyptisches Abenteuer - und genau das brauchte ich.</p><p>In letzter Zeit hatte ich immer st�rker das Bed�rfnis, mehr Pep in mein Leben zu bringen. Die Vorbereitungen zu meiner Thronbesteigung als K�nig von Fangachra liefen noch immer. Die ehemalige Universit�tsbibliothek, die man mir als Residenz zur Verf�gung gestellt hatte, wandelte sich langsam aus einem so heruntergekommenen wie geheimnisvollen Geb�ude in ein pr�chtiges, luxuri�s gestaltetes Anwesen. Sogar der kleine Turm auf dem Dach bekam seltsame Teppiche, was mir gar nicht recht war.</p><p>Ab und an musste ich meine neue Residenz besichtigen, denn meine treuen Untertanen setzten alles daran, dass mir die Zimmer gefielen, und gaben viel Geld daf�r aus. Bei diesen Besuchen erschien mir die Realit�t, an die ich mich allm�hlich gew�hnt hatte, wieder wie ein seltsamer Traum - wie ein Alptraum allerdings sicher nicht. Nur die Worte von K�nig Gurig VIII. tr�steten mich. Er hatte mir mehrfach versichert, ich m�sse meine neue Residenz nur bei Empf�ngen f�r meine Untertanen aufsuchen, also nur wenige Male im Jahr. Niemand k�nne mich zwingen, dort auch sonst zu wohnen. Und den Worten des K�nigs soll man vertrauen.</p><p>Aber solange ich mit den ungem�tlichen Wellen des Churon k�mpfte, existierten all diese Probleme f�r mich nicht. Ich machte auch keine Zukunftspl�ne. Es gab nur das Hier und Jetzt, das allerdings ziemlich kalt und nass war.</p><p>�Max, bist du sehr besch�ftigt?�, fragte Sir Sch�rf Lonely-Lokley h�flich.</p><p>Seine Stumme Rede erreichte mich so unerwartet, dass ich abrupt bremste und mein Boot fast zum Kentern gebracht h�tte.</p><p>�Eigentlich nicht. Was ist passiert?�, gab ich zur�ck.</p><p>�Bis jetzt nichts. Ich w�rde gern etwas eher Privates mit dir besprechen.�</p><p>�Prima, aber ich muss mich erst umziehen und mich etwas aufw�rmen. Geh schon zu Techi, ich komme nach.�</p><p>�Entschuldige, Max - zwar verbringe ich meine Zeit gern im Armstrong und Ella, doch meine pers�nlichen Probleme m�chte ich nicht in Gegenwart von Lady Techi besprechen. So was behandelt man vertraulich. W�rde es dir etwas ausmachen, dich an einem anderen Ort mit mir zu treffen?�</p><p>�Mein Freund, du wei�t, wie sehr ich Geheimnisse liebe. Komm also in meine Wohnung in der Stra�e der gelben Steine. Solltest du fr�her da sein als ich, geh einfach rein -die T�r ist offen. Und bestell bitte im Gefr��igen Truthahn ein Tablett voll hei�er Speisen und Getr�nke.�</p><p>Ich vert�ute mein neues Spielzeug rasch im Bootshafen Makuri, wo ich seit dem Vortag einen Liegeplatz gemietet hatte. Ein phlegmatischer alter Mann mit Bart, der finster und unzufrieden dreinblickte, kam aus seinem Verschlag, um mir beim Festmachen des Bootes zu helfen. Er sah mich entgeistert an - allerdings nicht, weil er in mir den respektheischenden Sir Max erkannte, denn ich hatte meinen Todesmantel nicht dabei. Offenbar geh�rte f�r ihn jeder, der bei diesem Wetter eine Lustpartie auf dem Fluss machte, in die n�chste Nervenheilanstalt.</p><p>Ich gab ihm eine Krone, was ihn in seinem Urteil �ber mich offenbar nur best�tigte, denn das war viel zu viel Geld f�r so eine Kleinigkeit. Trotzdem murmelte er ein paar kaum verst�ndliche Dankesworte, die man schon als kleines Kind lernt, und verschwand rasch in seinem Schuppen, wo ihn sicher eine hei�e Tasse Kamra erwartete.</p><p>Ich sah ihm neidisch nach. Mir stand noch eine kurze, aber unangenehme Fahrt in die Neustadt bevor, und mein eisiger Lochimantel klebte mir wie ein nasses Laken am R�cken.</p><p>Ich warf mich ins A-Mobil und fuhr so st�rmisch los, als w�rde mich eine Schar blutd�rstiger Vampire verfolgen. Zwei Minuten sp�ter betrat ich im Laufschritt meine Wohnung in der Stra�e der gelben Steine.</p><p>Lonely-Lokley war schon da. Reglos sa� er mitten im Zimmer. Gut m�glich, dass er den Mittelpunkt des Raums zuvor eigens errechnet hatte.</p><p>Begeistert musterte ich meinen Freund. Sein schneewei�er Lochimantel schimmerte im Halbdunkel der Wohnung, und seine t�dlichen H�nde, die wie �blich in Schutzhandschuhen steckten, lagen friedlich in seinem Scho�. Das war kein Mensch, sondern ein Todesengel.</p><p>�Du warst ja schneller als ich!�, rief ich begeistert.</p><p>�Das ist kein Kunstst�ck - schlie�lich habe ich mich von der Stra�e der vergessenen Tr�ume bei dir gemeldet. Ich wollte dich im Armstrong und Ella erwischen und hatte nicht erwartet, dass du bei diesem Wetter drau�en sein w�rdest.�</p><p>�Tja, ich bin eben geheimnisvoll und unberechenbar!�, rief ich lachend. �Hab bitte noch ein wenig Geduld. Wenn ich mich nicht sofort umziehe, bekomme ich sicher eine Erk�ltung - und das, obwohl ich fast schon vergessen habe, was Krankheit bedeutet.�</p><p>�Nat�rlich, Max, zieh dich um. Ich an deiner Stelle w�rde auch noch hei� duschen.�</p><p>�Genau das habe ich vor. Aber keine Sorge - ich spute mich. Du wei�t ja, wie schnell ich alles erledige.�</p><p>�Das wei� ich�, best�tigte Sch�rf nickend. �Ich bestelle im Gefr��igen Truthahn ein hochprozentiges Getr�nk, das dich durchw�rmen wird.�</p><p>�Nicht n�tig�, sagte ich und lief dabei in den Keller. �Es geht mir gut. Ich brauche keinen Alkohol.�</p><p>�Langj�hrige Erfahrung hat mich gelehrt, dass ein Rausch schneller vorbeigeht als eine Erk�ltung�, widersprach Sch�rf.</p><p>Nach wenigen Minuten kehrte ich bester Laune ins Wohnzimmer zur�ck. Mir war nicht mehr kalt, ich trug meinen w�rmsten Hausmantel, und mein Magen knurrte.</p><p>Auf dem Tisch tummelten sich Teller und Tassen. Als Aperitif schenkte ich mir eine gro�e Tasse Kamra ein.</p><p>�Jetzt f�hle ich mich wieder lebendig!�, rief ich nach den ersten Schlucken.</p><p>�Gut zu wissen�, meinte Lonely-Lokley.</p><p>Ich versuchte, die Spur eines L�chelns in seinem Gesicht zu entdecken, aber was das anging, war ich bei Sch�rf fast immer auf verlorenem Posten.</p><p>�Bei mir zu Hause kannst du deine Handschuhe ruhig ablegen�, sagte ich und setzte mich in den Sessel neben ihm. �Wenn ich anfange, auf deine Kosten dumme Witze zu rei�en, kannst du sie ja wieder anziehen. Allerdings gibt es Ger�chte, nach denen ich selbst nach meinem Tod nicht schweigen werde. Mich umzubringen, w�re also keine gute L�sung.�</p><p>�Was hast du blo� f�r seltsame Ideen! Dein Leben ist zu wertvoll, um es wegen kleinlicher Streitigkeiten zu beenden. Ich behalte meine Handschuhe aus anderen Gr�nden an.�</p><p>�Sp�rst du etwa Gefahr?�, fragte ich, h�rte auf zu essen und versuchte, ein kluges Gesicht zu machen. Wenn Lonely-Lokley sich bedroht f�hlte, war die Lage ernst.</p><p>�Aber nein, Max, ich sp�re keine Gefahr, jedenfalls nicht hier und jetzt. Ich ziehe meine Handschuhe nicht aus, weil das Etui, in dem ich sie aufbewahre, in meinem B�ro im Haus an der Br�cke liegt. Du glaubst doch wohl nicht, dass ich sie einfach irgendwohin legen kann.�</p><p>�Was deine Handschuhe angeht, fehlen mir Kenntnisse in puncto Sicherheitstechnik�, sagte ich l�chelnd. �Aber zu den Magistern mit deinen Pfoten. Erz�hl mir endlich von deinen Geheimnissen. Ich sterbe vor Neugier.�</p><p>�Es ist nichts Besonderes passiert�, sagte Sch�rf nachdenklich. �Es gibt nichts Beunruhigendes. Trotzdem sp�re ich etwas Seltsames. Max, erinnerst du dich daran, dass du mich einmal in einen deiner Tr�ume mitgenommen hast?�</p><p>�Nat�rlich. Das war auf unserer Reise nach Kettari. Wir haben in einem engen Bett geschlafen, und du hast mir erlaubt, deinen Traum zu betreten, wie du das so sch�n genannt hast.�</p><p>�Ja�, sagte Sch�rf nickend. �Aber in Wirklichkeit war es umgekehrt. Die seltsamen Orte, durch die wir kamen, stammten allesamt aus deinen Tr�umen. Von Anfang an wusste ich, dass deine Tr�ume besondere Aufmerksamkeit verdienen. Doch darum geht es nicht. Erinnerst du dich an die gro�en Sandstr�nde am Ufer eines ruhigen Meeres? Das sah zwar alles nicht gerade freundlich aus, aber in deiner Gesellschaft habe ich es sehr genossen.�</p><p>�Nat�rlich erinnere ich mich daran. Warum willst du ausgerechnet dar�ber reden?�</p><p>�Weil es leider n�tig ist�, meinte Sch�rf achselzuckend. �Ich tr�ume in letzter Zeit oft von diesem Ort - nat�rlich ohne deine Begleitung. Der Strand erscheint mir �berhaupt nicht freundlich, und ich habe keine Lust, ihn zu besuchen - weder im Traum noch in der Wirklichkeit.�</p><p>�Vielleicht konnte ich dich damals begleiten, weil wir das gleiche Kissen benutzten�, �berlegte ich.</p><p>�Theoretisch hat der Abstand zwischen den K�pfen zweier Schlafender tats�chlich einen Einfluss - besonders, wenn es sich um jemanden handelt, der in diesem Bereich so unerfahren ist wie ich. Und wie ich deine F�higkeiten einsch�tze, hast du das Zeug dazu, mich in deine Tr�ume mitzunehmen - auch wenn wir weit voneinander entfernt schlafen. Aber darum geht es nicht, dessen bin ich mir sicher. Wenn ich durch dich an diesen Traum geraten w�re, h�tte ich deine Anwesenheit gesp�rt. Aber dort gibt es dich nicht - das ist gewiss. Irgendwer, den ich nicht sehen kann und dessen Anwesenheit mir ganz und gar nicht gef�llt, h�lt sich offenbar dort auf. Und ich glaube, ich kenne diese Person nicht.�</p><p>�Wahnsinn!�, rief ich. �Merkw�rdige Gestalten tingeln durch meinen Lieblingstraum, und ich wei� nichts davon! Jedenfalls konnte ich dich nur in meinen Traum mitnehmen, weil du die Voraussetzungen daf�r mitbrachtest und den Willen dazu hattest, dich auf diese Reise zu begeben. Ich habe �brigens schon l�ngere Zeit nicht mehr von diesem Strand getr�umt. Seit meinem letzten Besuch auf dem Familiensitz von Sir Melifaro, um genau zu sein. Ich hatte diesen Traum fast vergessen - und das, obwohl ich wichtige Dinge viel schneller vergesse als Tr�ume.�</p><p>�Es gibt nichts Wichtigeres als bestimmte Tr�ume, Max. Seltsam, dass ich das ausgerechnet einem Menschen sagen muss, der seine Kraft aus Tr�umen sch�pft!�, entgegnete Sch�rf und sch�ttelte erstaunt den Kopf.</p><p>�Das ist wohl so�, sagte ich nachdenklich. �In letzter Zeit allerdings ist die Wirklichkeit viel traumhafter als meine Tr�ume.�</p><p>�Eigentlich wollte ich dich fragen, ob du k�rzlich mal wieder einen Traum mit einem anderen Menschen geteilt hast, aber das ist offenbar nicht der Fall gewesen�, sagte Sch�rf ruhig. �Hast du fr�her, als du noch von dem Strand tr�umtest, dort nie jemanden getroffen? Hast du dort nie etwas Seltsames gesp�rt?�</p><p>�Nein. Ich sch�tze diesen Strand sehr und war mir immer sicher, er geh�re mir allein. Wei�t du, manchmal ist man von Dingen seltsam �berzeugt, bei denen es sich eigentlich nur um pers�nliche Einsch�tzungen handelt.�</p><p>�Dieses Gef�hl kenne ich�, pflichtete Lonely-Lokley mir bei. �Und ich glaube, man darf ihm durchaus vertrauen. Aber wie ich nun sehe, kannst du mir bei meinem Problem kaum weiterhelfen.�</p><p>�Warum sollte ich dir nicht helfen k�nnen?�, fragte ich aufgebracht. �Schlie�lich hab ich dich mal an diesen Strand verschleppt. Ich wusste zwar nicht, was ich da tat, aber das bedeutet nicht, dass ich keine Verantwortung trage. Es ist schlie�lich mein Traum: Wer k�nnte sich darin besser auskennen als ich?�</p><p>�Und wie willst du einen Traum verstehen, den du schon lange nicht mehr gehabt hast?�</p><p>�Lass mich kurz �berlegen�, sagte ich und stellte den leeren Teller ab. Ich musste laut niesen, denn eine b�sartige Erk�ltung trat gerade auf meine Spur.</p><p>�Du solltest kurz aufh�ren, an deine Unverletzlichkeit zu glauben, und ein Glas Gl�hwein trinken. Das ist ein altes, aber durchaus bew�hrtes Mittel�, sagte Lonely-Lokley im Ton eines Oberlehrers. �Viele medizinische Lehrb�cher best�tigen, dass dieses Getr�nk wahre Wunder gegen Erk�ltung wirkt.�</p><p>Er wartete keine Antwort ab, sondern stellte einen Topf mit Wein auf die hei�e Herdplatte.</p><p>�Wenn ich schon Gl�hwein trinken muss, dann wenigstens aus deiner l�chrigen Tasse. Die hast du doch hoffentlich dabei? Vielleicht sch�tzt mich ihre magische Kraft nicht nur vor Schnupfen, sondern bringt mich auch auf kluge Gedanken.�</p><p>�Warum eigentlich nicht?�, meinte Sir Sch�rf und griff in die Jackentasche. �Diese Tasse wirkt auf dich offenbar genauso stark wie auf die Mitglieder meines Ordens. Und schaden kann es dir nicht, daraus zu trinken.�</p><p>�Schlimmer kann es ohnehin nicht werden�, sagte ich, denn ich sp�rte allm�hlich, dass ich eine verstopfte Nase bekam.</p><p>�Halt mal�, meinte Lonely-Lokley und streckte mir die Tasse entgegen. Sein Handschuh war mit gro�en Runen bestickt. Dann schenkte er mir ein wenig Gl�hwein ein. �Das reicht.�</p><p>Ich f�rchtete kurz, diesmal werde es mit der l�chrigen Tasse nicht klappen und ich h�tte wegen des Schnupfens den Glauben an meine magischen Kr�fte eingeb��t. Doch alles lief reibungslos: Der Gl�hwein blieb trotz der L�cher in der Tasse, als h�tte ich das halbe Leben in Lonely-Lokleys ehrw�rdigem Orden verbracht.</p><p>Ich trank den Wein in einem Zug und f�hlte mich gleich viel besser. Zwar hatte ich noch immer Schnupfen, doch er lie� schon nach, und mir war klar, dass er sich meiner diesmal nicht bem�chtigen w�rde. Ich f�hlte mich so leicht, frei und ausgeglichen, dass selbst viel schlimmere Ereignisse meine Stimmung nicht w�rden verschlechtern k�nnen.</p><p>Ich gab Lonely-Lokley die Tasse zur�ck und lauschte auf die Signale meines K�rpers. Zuerst verschwand der Schnupfen. Der leichte Halsschmerz leistete kurz Widerstand, aber auch er war rasch verschwunden, und ich musste mich nur ein wenig r�uspern. Anscheinend hatte ich die Erk�ltung bereits im Ansatz erstickt und mir so ein paar Tage Krankheit erspart.</p><p>�Sch�n, Sch�rf�, rief ich, als ich wieder reden konnte. �Deine Tasse arbeitet wie immer. Jetzt k�nnen wir endlich dar�ber sprechen, weshalb du eigentlich zu mir gekommen bist.�</p><p>�Willst du dich wirklich in meine Tr�ume einmischen? �, fragte Lonely-Lokley. �Das ist sehr gro�z�gig von dir, aber ich glaube, du bist vor allem neugierig.�</p><p>�Das ist doch eine gute Basis f�r ein neues Abenteuer�, sagte ich leicht verlegen.</p><p>�Und was m�chtest du unternehmen, Max? Eigentlich wollte ich dir vorschlagen, uns wieder einen Traum zu teilen - so wie damals auf der Reise nach Kettari. Aber dadurch k�nnten wir viel Zeit verlieren, denn ich tr�ume l�ngst nicht jeden Tag von diesem Strand. Das war zwar gestern der Fall, aber wer wei�, wann es wieder passiert. In drei Tagen? In einer Woche? Au�erdem arbeitest du nachts, was unser Vorhaben erschweren d�rfte.�</p><p>�Eigentlich arbeite ich vierundzwanzig Stunden am Tag. Das hat mir Sir Juffin eingebrockt, aber ich will nicht klagen - immerhin f�hre ich ein interessantes Leben. Wei�t du, Sch�rf, ich glaube, ich sollte zun�chst den Familiensitz der Melifaros besuchen. Im Schlafzimmer seines Gro�vaters hatte ich die sch�nsten Tr�ume meines Lebens. Ich mache mich heute noch auf den Weg. Ich wei� zwar nicht, ob meine Reise etwas n�tzen wird, aber angenehm wird sie gewiss.�</p><p>�Glaubst du denn, dass mein Problem so eilige Ma�nahmen verlangt?�, fragte Sch�rf interessiert.</p><p>�Das nicht, aber mich treibt die Abenteuerlust. Nicht umsonst hat Juffin mir gerade zwei Sorgenfreie Tage gegeben. Er behauptet, ich h�tte kein Talent, mich zu erholen, und ich f�rchte, er hat Recht. Schon vor Sonnenuntergang habe ich eine nette Nebenbesch�ftigung an Land gezogen. Da wir schon bei unserem Chef sind: Warum erz�hlst du ihm eigentlich nicht von deinen seltsamen Tr�umen?</p><p>Schlie�lich ist er ein alter, erfahrener Mann, der fast alles �ber die dunklen Sph�ren des Lebens wei�. Meine Erfahrung dagegen reicht nur, um zu sagen, dass mir ab und zu Tr�ume widerfahren.�</p><p>�Eine lustige Formulierung�, bemerkte Sch�rf.</p><p>Das war typisch - nie wusste ich, welche Bemerkungen er �bergehen und welche Wendung ihm gefallen w�rde.</p><p>�Was Sir Juffin anlangt�, begann mein Freund, als er das Heft, in das er meine Formulierung notiert hatte, wieder in die Jackentasche schob, und setzte dann neu an: �Es handelt sich hier um deine, nicht um meine Tr�ume, und nur du kannst anderen davon erz�hlen, denn jeder hat ein Recht auf Geheimnisse. Das steht sogar im Chrember-Gesetzbuch.�</p><p>�Dort stehen auch andere Dinge, an die sich kaum jemand h�lt�, sagte ich l�chelnd. �Und ich glaube, Juffin kennt meine Geheimnisse besser als ich. Na sch�n, lassen wir unseren Chef zun�chst aus dem Spiel. Ich versuche lieber, den Strandtraum zu tr�umen. Ich glaube, Melifaro wird begeistert sein, wenn ich ihm vorschlage, mit ihm zu seinen Eltern zu fahren. Irgendeinen Nutzen muss unsere Freundschaft ja haben.�</p><p>�Deine Entschiedenheit gef�llt mir�, sagte Lonely-Lokley, stellte seine leere Tasse ab und erhob sich. �Vielen Dank. Ich hoffe, du nimmst mir nicht �bel, dass ich noch einiges zu tun habe.�</p><p>�Ich habe zwar oft geh�rt, Hoffnung sei ein tr�gerisches Gef�hl, aber die beleidigte Leberwurst zu spielen, ist einfach nur dumm. Wenn du noch einige Minuten wartest, ziehe ich mich um und fahre dich ins Haus an der Br�cke. So viel Zeit hast du doch noch, oder?�</p><p>�Vielen Dank, aber dorthin muss ich nicht�, sagte Lonely-Lokley und sch�ttelte h�flich den Kopf. �Manchmal benutzt du wirklich seltsame Ausdr�cke. Sch�nen Abend noch. Und halte mich auf dem Laufenden.�</p><p>Er ging zur T�r, und ich sah seiner gro�en Gestalt beeindruckt nach. Hoch gewachsene Menschen gehen oft gebeugt, aber Sir Lonely-Lokley verweigerte sich auch dieser Regel.</p><p>�Danke, dass du mir deine Geheimnisse anvertraut hast�, rief ich ihm nach. �Angesichts meiner baldigen Thronbesteigung ist das eine nette Abwechslung.�</p><p>Sch�rf drehte sich auf der Schwelle um. �Ich hoffe, dieses Abenteuer wird nicht zu turbulent f�r dich. Wie Alotho Aliroch zu sagen pflegt: �Auf der Welt gibt es viele Menschen, deren W�nsche keine gro�e Rolle spielen.� Und dieser Admiral aus Arwaroch ist ein scharfer Beobachter, findest du nicht?�</p><p>Lonely-Lokley wartete nicht auf meine Antwort, sondern ging auf die Stra�e. Nun war ich nur noch in Gesellschaft des Steins, der mir bei seiner Erz�hlung aufs Herz gefallen war. Schweigend schob ich ihn weg, h�llte mich in den erstbesten Lochimantel und ging ins Armstrong und Ella.</p><p>Unterwegs meldete ich mich per Stummer Rede bei Melifaro.</p><p>�Meine Pl�ne f�r heute Abend d�rften dir gefallen.�</p><p>�Wieso? Hast du einen Harem er�ffnet?�, fragte er belustigt. �Das wurde auch Zeit!�</p><p>Nachdem meine Kollegen sich die Caligula-DVD mit Malcolm McLaren angesehen und sich nur m�hsam von diesem Kulturschock erholt hatten, lie�en sie mich nich mehr in Ruhe. Vermutlich glaubten sie, ich w�rde mich als K�nig von Fangachra binnen k�rzester Zeit zu einem blutigen Tyrannen von Caligula-Format entwickeln. Allm�hlich �bertrieben sie es allerdings mit ihren Andeutungen, und ich hatte ihnen bereits gedroht, meine DVD-Sammlung dorthin zur�ckzubringen, woher ich sie geholt hatte. Aber das hatte niemand ernst genommen.</p><p>�Eigentlich wollte ich etwas Zeit bei deinen wunderbaren Eltern verbringen�, sagte ich zu ihm. �H�ttest du keine Lust, dich mir anzuschlie�en? Das w�rde dir sicher gefallen.�</p><p>�So eine bodenlose k�nigliche Frechheit!�, rief Melifaro entz�ckt. �Welche Missachtung der Lebensgewohnheiten einfacher B�rger h�re ich da heraus! Will unser kleiner K�nig jetzt sogar meinen Eltern seine inhumanen Herrschermethoden zeigen? Ein gro�er Regent bist du, gro�er K�nig von Fangachra!�</p><p>�H�r auf mit dem Unsinn. Ich habe Besseres zu tun, als mich mit dir per Stummer Rede herumzuzanken. Wenn du so weitermachst, schwillt mir der Kamm, und meine Krone passt nicht mehr. Komm lieber zu Techi. Ich fahre dich dann in dein Elternhaus, und morgen fr�h gehst du wie �blich wieder ins Haus an der Br�cke. Und denk daran: F�r all meine M�hen kn�pfe ich dir nicht eine Krone ab. Wer w�rde dir ein besseres Angebot machen?�</p><p>�Da kann ich wirklich nicht Nein sagen�, pflichtete Melifaro mir bei. �Aber gib doch zu, dass es dir nur darum geht, eine Nacht im Schlafzimmer meines legend�ren Gro�vaters zu verbringen. Gut, ich komme zu Techi. Du ahnst ja nicht, wie teuer dich all meine Freundschaftsdienste kommen werden.�</p><p>�Ende�, murmelte ich. �Wenn du nicht binnen einer halben Stunde dort auftauchst, wirst du es bereuen.�</p><p>Es war h�chste Zeit, unsere stumme Unterhaltung abzubrechen, denn gerade betrat ich das Armstrong und Ella.</p><p>�Max, das kann doch nicht wahr sein! Du h�ttest nass und ungl�cklich hier auftauchen sollen, bist aber trocken und strahlst - wenn das nicht verd�chtig ist!�</p><p>Techi versuchte, ein ernstes Gesicht zu machen, doch wenn jemand in diesem Gasthaus strahlte, dann sie.</p><p>�Warum staunst du? Ich bin schlie�lich ein m�chtiger Zauberer. Ich kann violette Magie bis zum 3872. Grad anwenden, und in solchen H�hen wird jeder durchn�sste und schlecht gelaunte Mensch im Handumdrehen trocken und gl�cklich.�</p><p>�Und warum ausgerechnet violette Magie?�, fragte Techi.</p><p>�Keine Ahnung. Vielleicht, weil mir die Farbe gef�llt. Man soll sich nicht sein Leben lang auf wei�e und schwarze Magie beschr�nken - das ist sehr konservativ.�</p><p>�Sir Sch�rf war heute hier�, sagte Techi. �Ich habe ihm erz�hlt, dass du mit deinem Boot auf dem Churon unterwegs bist. Er hat das wohl f�r einen Scherz gehalten und zu l�cheln versucht - fast w�re ihm das sogar gelungen.�</p><p>�Da hattest du Gl�ck, denn so was kommt selten vor. In letzter Zeit allerdings hat Lonely-Lokley sich etwas ge�ndert. Auch in meiner Gesellschaft hat er schon l�cheln wollen. Ich habe ihn bereits getroffen. Au�erdem habe ich geschafft zu duschen, mich umzuziehen, zu fr�hst�cken, mich zu erk�lten und wieder zu gesunden und so verr�ckt zu sein, Melifaro einen abendlichen Besuch bei seinen Eltern vorzuschlagen. Und das Beste daran: Er hat eingewilligt. Findest du nicht, dass ich ein ereignisreiches Leben f�hre?�</p><p>�Und wie!�, seufzte Techi begeistert. �Hast du wirklich vor, mit Melifaro zu verreisen?�</p><p>�Durchaus. Und du solltest dich nicht so unverbl�mt dar�ber freuen, dass ich weg bin. Bisher hatte ich n�mlich geglaubt, meine Abwesenheit mache dich ungl�cklich.�</p><p>�Na ja, wenn du bleiben w�rdest, m�sste ich dir wieder erkl�ren, dass ich bei diesem Wetter keine gro�e Lust habe, in der Stadt spazieren zu gehen. Au�erdem hat Juffin mir heute gesagt, er habe in deiner Sammlung einen sehr interessanten Film gefunden.� Techi senkte schuldbewusst den Kopf. �Er hat mir versichert, er werde mir sehr gefallen, obwohl es darin ziemlich viele unanst�ndige Szenen gebe.�</p><p>�Und wie hei�t der Film?�, fragte ich interessiert.</p><p>Ich wollte wissen, was mein b�sartiger Chef meiner Freundin empfahl. Bei ihm musste man mit allem rechnen.</p><p>�Er hat einen seltsamen Titel: Der z�gernde L�ufer.�</p><p>Beinahe h�tte ich mich mit hei�er Kamra bekleckert, denn eine so seltsame Interpretation des Titels Der Lauf auf der Rasierklinge hatte ich noch nie geh�rt.</p><p>�Juffin hat Recht - dieser Film gef�llt wirklich nicht jedem�, pflichtete ich ihr bei. �Aber ich habe nichts dagegen, mir den Film mit dir anzusehen.�</p><p>Ich hatte nicht mitbekommen, wann der heimt�ckische Melifaro hinter meinem R�cken erschienen war. Immerhin war er �berraschend p�nktlich - f�r seine Verh�ltnisse jedenfalls.</p><p>�Du bist ein seltsamer Kerl�, sagte er und begann wieder mit seiner alten Leier. �Du willst mich mitten in der Nacht irgendwohin schleppen - und das gerade an dem Abend, an dem ich mir mit deiner Freundin einen Film auf DVD ansehen m�chte. Stimmt's, Techi?�</p><p>�Du hast Recht. Wir wollten uns den Film ansehen, und nebenbei sollte Juffin zu Gruselzwecken die Eckz�hne blecken. Das hat er bestimmt aus einem Film. Ich jedenfalls war tief erschrocken, als er das erste Mal einen Vampir gespielt hat.�</p><p>�Ach, er will dich nur �rgern�, meinte Melifaro. �Aber die Lage ist kritisch, denn wenn Sir Juffin dabei ist, k�nnen wir uns nicht k�ssen. Er ist ein schlechter Mensch, doch im Vergleich zum k�nftigen K�nig von Fangachra ist er beinahe ein Engel�, sagte er und verbeugte sich �bertrieben tief vor mir.</p><p>Nachdem die beiden mit mir und Juffin Halli fertig waren, redeten sie �ber andere Bekannte. Man konnte den Eindruck gewinnen, in Echo wohnten vor allem b�se und grausame Menschen und nur Melifaro sei ein wahrer Engel. Techi nat�rlich auch, denn sie war schlie�lich die Tochter von Lojso Pondochwa. Na ja, bei diesem Gedanken war Vorsicht geboten.</p><p>�Es reicht, lass uns gehen�, sagte ich nach einer halben Stunde, als ich merkte, dass die beiden unendlich h�tten weiterplaudern k�nnen. �Techi, wie ich dich verstanden habe, bist du heute Abend bereits verabredet. Also lohnt es sich nicht, vor dir auf die Knie zu fallen und dich mit Tr�nen in den Augen anzuflehen, deine Pl�ne zu �ndern, denn du w�rdest uns sowieso nicht begleiten.�</p><p>�Dass dir meinetwegen Tr�nen in die Augen treten k�nnten, klingt sehr schmeichelhaft�, sagte Techi l�chelnd. �Trotzdem m�ssen wir unseren gemeinsamen Abend verschieben. Aber wenn du bis �bermorgen nicht zur�ck bist, mache ich mir sicher Sorgen. Sei also bitte so lieb und halte mich auf dem Laufenden.�</p><p>�Keine Angst�, meinte ich. �Morgen fr�h muss ich meinen bezaubernden Begleiter wieder hier abliefern. Also benimm dich anst�ndig, denn deine Freiheit ist nur von kurzer Dauer.�</p><p>�In Ordnung�, sagte Techi und umarmte mich zum Abschied. �Ich werde mich damit begn�gen, ein paar wildfremde M�nner abzuschleppen. Hoffentlich bist auch du damit zufrieden.�</p><p>�Aber ja!�</p><p>�S�ndige Magister - wie wenig manche Leute doch brauchen, um gl�cklich zu sein�, mischte sich Melifaro ein.</p><p>�Tja, ich war schon immer ein Asket�, stellte ich fest.</p><p>Die Fahrt zu Melifaros Elternhaus verlief sehr angenehm. Fast h�tte ich den Zweck des Ausflugs vergessen und war schon drauf und dran, Melifaro zu fragen, warum er mich eingeladen habe, konnte mich aber noch rechtzeitig bremsen.</p><p>Im ger�umigen Wohnzimmer der Melifaros sahen wir uns einer Idylle gegen�ber. Der zufrieden wirkende Sir Manga sa� bequem in einem Sessel, und seine wunderbare Gemahlin flocht ihm den roten Zopf. Als wir eintraten, hatte sie noch ziemlich viel Arbeit vor sich.</p><p>�S�ndige Magister, was f�r eine �berraschung!�, rief Lady Melifaro.</p><p>�Das ist keine �berraschung - das sind unser Sohn und Sir Max�, bemerkte Sir Manga phlegmatisch. �Die beiden werden noch viel Entsetzlicheres sehen m�ssen als uns zwei - lass dich also nicht ablenken.�</p><p>�Du h�ttest diese undankbare Arbeit wirklich jemand anderen erledigen lassen sollen�, bemerkte seine Gattin. �Ich jedenfalls h�tte jetzt gern die H�nde frei, statt mich mit deiner M�hne zu qu�len.�</p><p>�Verehrteste, du hattest hundertf�nfzig Jahre Zeit, dir f�r meine Haare eine andere L�sung einfallen zu lassen. Jetzt musst du die Suppe ausl�ffeln, die du dir eingebrockt hast. Jungs, habt ihr etwas dagegen, dass wir uns die Umarmungen sparen?�</p><p>�Wenn du dich mit ausgestreckten Armen auf mich st�rzen w�rdest, w�rde ich schreiend fliehen und dich in die n�chste Heilanstalt einliefern lassen�, sagte Melifaro.</p><p>�Du langweilst dich wohl?�, fragte sein Vater. �Iss am besten etwas, damit wir Ruhe vor dir haben. Au�erdem ist es mir vor Sir Max ziemlich peinlich, wie du dich auff�hrst.�</p><p>�Das verstehe ich�, sagte ich und wies mit dem Finger auf meinen Kollegen. �Wenn ich Ihren Spr�ssling sehe, staune ich immer wieder, dass Sie einen so missratenen Sohn haben.�</p><p>�Ich war lange auf Reisen. Mit solchen Fragen wenden Sie sich bitte an meine wunderbare Frau�, erkl�rte Sir Manga und sah sie vorwurfsvoll an. �Was sagst du dazu, meine Liebe?�</p><p>�Mama, nimm diesen b�sen Menschen nicht ernst!�, rief Melifaro. �Du hast einen pr�chtigen Sohn. Ich jedenfalls bin sehr mit mir zufrieden.�</p><p>�Wie sch�n, dass wenigstens einer zufrieden ist�, sagte Lady Melifaro schwerm�tig. �Aber der Vorschlag deines Vaters war sehr gut, mein Junge. Also nimm dir was zu essen.�</p><p>�Wie sieht es eigentlich mit meinen Haaren aus?�, fragte Sir Manga.</p><p>�Wenn ich endlich fertig bin, wirst du mein erleichtertes Seufzen besser verstehen.�</p><p>Ich genoss die Unterhaltungen im Hause Melifaro. Je mehr Familienmitglieder sich daran beteiligten, desto vergn�glicher wurden sie.</p><p>�Wo treibt sich mein Bruder Bachba �berhaupt herum?�, fragte der j�ngste Sohn des Hauses und setzte sich zu Tisch.</p><p>�Das m�gen die Magister wissen�, gab Sir Manga achselzuckend zur�ck. �Heute Morgen hat er von einer Reise nach Landland gesprochen, um auf dem Jahrmarkt in Numban etwas f�r den Haushalt zu kaufen. Genaueres wei� ich nicht.�</p><p>Ich versuchte mir vorzustellen, wie der h�nenhafte Bachba eine Kleinigkeit f�r den Haushalt erstand, und konnte das Lachen kaum unterdr�cken. Man sollte eine Serie mit dem Titel Die Melifaios drehen und sie rund um die Uhr ausstrahlen. Schade, dass keiner der vielen m�chtigen Magister, die Echo seit Gr�ndung des Vereinigten K�nigreichs besucht hatten, auf die Idee gekommen war, das Fernsehen zu erfinden.</p><p>An diesem Abend machte mein unersch�tterlicher Kollege als Erster schlapp, murmelte etwas �ber den Dienst, den er am n�chsten Morgen anzutreten habe, und ging schlafen.</p><p>�Erstaunlich - noch vor hundert Jahren hat der Kleine geschworen, nie schlafen zu gehen, wenn er erst erwachsen sei�, machte seine Mutter sich �ber ihn lustig.</p><p>�Da hat er wohl einen Meineid geleistet�, sagte ich.</p><p>�In unserer Familie machen das alle�, stellte Sir Manga stolz fest. �Aber ich muss sagen, dass sein Bruder Antschifa der Gipfel meiner erzieherischen Leistungen ist. Er ist der erste echte Pirat in unserer Familie, und das will etwas hei�en.�</p><p>�Antschifa ist mal wieder unterwegs, oder?�, fragte ich.</p><p>�Nat�rlich. Er bleibt nie l�nger als eine Woche bei uns.�</p><p>�Der hat's gut�, meinte ich vertr�umt. �Vielleicht sollte auch ich alles hinschmei�en und den Beruf wechseln.�</p><p>�Das w�rde ich Ihnen nicht empfehlen. Das Leben auf See ist nicht leicht. Das Schiff ist ein einfacher ukumbrischer Segler, auf dem man keine Magie anwenden darf und auf dem alle viel zu tun haben, selbst der Kapit�n. Es gibt sogar Ger�chte, wonach die Passagiere mit anpacken m�ssen. Aber mein Sohn will von anderen Berufen ganz und gar nichts wissen, sondern trotzt unserer Familientradition. Au�erdem besagt eine ukumbrische Tradition, nur wer mindestens sechzig Jahre auf einer Schika verbringe, sei ein echter Kapit�n.�</p><p>�Ich vermute, die Schika ist ein besonderer Schiffstyp?�, erkundigte ich mich vorsichtig.</p><p>�Es ist das schnellste und wendigste Schiff �berhaupt und eignet sich nicht f�r Lustpartien. Einmal bin sogar ich auf so einem Schiff gelandet, habe es von der ersten Sekunde an verflucht und war heilfroh, als ich endlich auf ein weniger schnelles Boot umsteigen konnte. W�re ich auf der Schika geblieben - wer wei�, ob die Welt sich nicht mit vier B�nden meiner Enzyklop�die h�tte zufriedengeben m�ssen.�</p><p>�Verstehe. Also werde ich dort wohl doch nicht anheuern�, sagte ich. �Danke, dass Sie mich gewarnt haben. Jetzt gehe ich besser schlafen - das ist die bequemste und beste Methode des Reisens.�</p><p>�Was das Bett meines wunderbaren Vaters Philo angeht, bin ich ganz Ihrer Meinung. F�r andere Betten kann ich allerdings keine Garantie �bernehmen. Finden Sie den Weg dorthin, oder soll ich Sie begleiten?�</p><p>�Glauben Sie, ich k�nnte mich im Labyrinth Ihres Hauses zurechtfinden? Sir Manga, Sie schmeicheln mir.�</p><p>�Und Sie �bertreiben - wie immer�, erkl�rte der gro�e Enzyklop�dist und g�hnte herzhaft. �Na sch�n, gehen wir, damit Sie sofort die richtige T�r finden.�</p><p>Wir irrten einige Zeit durch die Flure des riesigen Hauses. Sir Manga setzte ab und an eine erschrockene Kindermiene auf, und ich versuchte, es ihm gleichzutun.</p><p>Schlie�lich blieb ich allein in dem kleinen dunklen Zimmer, das ich so mochte. Ich hatte das Gef�hl, Philo Melifaro - der ber�hmte Gro�vater meines Kollegen und einer der m�chtigsten Magister des Ordens vom geheimen Kraut - habe ausgerechnet an mich gedacht, als er dieses Zimmer einrichtete. Er musste schon damals gewusst haben, dass er es nicht nur seiner Familie hinterlassen w�rde. So ein m�chtiger Zauberer konnte seine Zukunft bestimmt erahnen und wissen, dass beispielsweise ich eines Tages in seinen Tr�umen auftauchen w�rde.</p><p>Aber all das hatte jetzt keine Bedeutung, sondern war nur einer dieser Gedanken, die man kurz vor dem Einschlafen hat, wenn man die Balken an der Decke beobachtet.</p><p>Diesmal wechselte ich so schnell von der Wirklichkeit in den Traum, dass ich meinen Weg mit kleinen wei�en Steinen h�tte kennzeichnen sollen, wie H�nsel und Gretel es taten.</p><p>Zuerst glitt ich durch verschiedene angenehme Tr�ume, ohne zu wissen, wie ich in sie hineingeraten war und was ich eigentlich darin trieb. Schlie�lich landete ich an einem leeren Strand - dem eigentlichen Ziel meiner Reise - und versuchte, mir meine Situation zu vergegenw�rtigen. Das war zwar nicht einfach, gelang mir aber manchmal bei Tr�umen, die sich seit meiner Kindheit wiederholten.</p><p>Ich kam langsam zu mir und versuchte, mir wie ein schwer Betrunkener ins Ged�chtnis zu rufen, was ich getan hatte. Ich erinnerte mich an den Abend mit Familie Melifaro, an unsere Fahrt aus der Stadt aufs Land hinaus, an das Treffen mit Techi im Armstrong und Ella und an das wichtige Gespr�ch mit Sir Sch�rf. Dann sah ich genauer hin und bemerkte die Spuren im Sand. Hier war jemand mit Schuhen aus Uguland unterwegs gewesen. Ich wusste auf Anhieb, dass diese Spuren von Lonely-Lokleys Schuhen stammten. Das sagte mir eines meiner beiden Herzen, und ich vertraute ihm blind. Etwas �hnliches war mir mit meinen Kollegen schon mehrmals passiert. Zwischen uns war eine tiefe Verbindung entstanden, die ich nicht n�her beschreiben konnte. Kurz bevor ein Mitglied des Geheimen Suchtrupps auftauchte, hatte ich eine Art Duft in der Nase, der mir verriet, mit welchem meiner Kollegen ich zu rechnen hatte. �hnlich war es, wenn ich einen Raum betrat, in dem sich noch vor kurzem jemand vom Suchtrupp aufgehalten hatte. Mit meinen Kollegen ergeht es mir wie einem Hund mit seinem Herrchen oder Frauchen, �berlegte ich - nur dass ich sie eigentlich nicht rieche, sondern sie eher mit einer Art sechstem Sinn sp�re.</p><p>Aber ich hatte keine Zeit, �ber solche Spitzfindigkeiten nachzudenken, denn ich hatte gerade eine wichtige Information bekommen und erfahren, dass ich im Traum die Spuren eines Menschen erblickte, der den gleichen Traum hatte wie ich. Es sah jetzt so aus, als w�rden wir beide am Meeresstrand durch den nassen Sand spazieren.</p><p>Ich w�nschte mir aufzuwachen, denn das Ganze wurde mir langsam zu viel.</p><p>�Sei still!�, ermahnte ich mich. �Schlie�lich bist du genau deshalb hergekommen. Deine hysterischen Anf�lle kannst du dir f�r sp�ter sparen.� Die seltsame Gewohnheit, mit mir selbst zu reden, erwies sich in diesem Fall als n�tzlich, denn ich beruhigte mich und wusste, dass ich tapfer bleiben w�rde. Gro�e Auftritte konnte ich mir f�r ein Gespr�ch mit meinem Chef aufheben, denn der hatte daf�r sicher manche Erkl�rung.</p><p>Ich sammelte meine Kr�fte, um weiterzutr�umen, spazierte noch einige Zeit am leeren Strand entlang und suchte nach dem seltsamen Unbekannten, von dem Sir Sch�rf gesprochen hatte. Aber ich fand niemanden, sondern wurde so m�de, dass mich jeder Schritt enorm anstrengte.</p><p>Schlie�lich war ich so kraftlos, dass ich tats�chlich aufwachte. In dem sch�nen Schlafzimmer, das Sir Philo mit eigenen H�nden getischlert hatte, war es herrlich ruhig. Drau�en war es dunkel und still. Offenbar waren die V�gel noch nicht wach. Die Runenzeichen an der Decke brauchten nur ein paar Sekunden, um meine erschrockenen Herzen zu beruhigen, und schon Minuten sp�ter wiegten sie mich wieder sanft in den Schlaf. Diesmal meinten es die Engel, die f�r meine Tr�ume zust�ndig waren, gut mit mir und gaben mir einen so kitschigen wie unsinnigen Traum. Das war wirklich eine Erholung.</p><p>Bei Sonnenaufgang erwachte ich gl�cklich und entspannt. Keine dunklen Geheimnisse tr�bten meine Laune. Ich dachte nur daran, dass es tats�chlich so herrliche Str�nde gab und ich vielleicht einmal das Gl�ck h�tte, dorthin zu gelangen. Etwas �hnliches war mir schon in der N�he von Kettari passiert. Als ich dort in den Bergen unterwegs gewesen war, hatte ich ein kleines Dorf aus den Tr�umen meiner Kindheit gefunden.</p><p>�Sir Philo�, sagte ich leise und blickte zur Decke. �Ich verg�ttere Sie und wei� nicht, was ich ohne Sie getan h�tte. Am liebsten w�rde ich mich auf die Liste Ihrer Ehrenenkel setzen lassen.�</p><p>Die Decke schwieg, wie nicht anders zu erwarten war, doch meine Stimmung wurde noch besser. Beinahe w�re ich die Treppe heruntergeschwebt.</p><p>Kurz darauf landete ich im Wohnzimmer. Endlich hatte ich Gelegenheit, einmal allein zu fr�hst�cken und meinen Kollegen und Gastgeber Melifaro mit sadistischer Freude zu wecken. Er verlie� das Bett morgens so wenig begeistert wie ich zu Schulzeiten. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass ihn kein Tohuwabohu, sondern ein angenehmer Tag im Haus an der Br�cke erwartete.</p><p>Doch mein Kollege war ausnahmsweise von allein wach geworden und bester Laune.</p><p>�Na, Hoheit - zufrieden?�, fragte er.</p><p>�Dieses Jahr werde ich dich noch verschonen, aber f�r das n�chste Jahr will ich mich nicht festlegen.�</p><p>�An deiner Stelle w�re ich vorsichtig. Schlie�lich bin ich - den Magistern sei Dank! - nicht dein Untertan.�</p><p>�Du wirst deine Ansicht schon noch �ndern, wenn meine Nomaden erst die Stra�en von Echo unsicher machen. Unter uns gesagt: Ich habe einen Geheimplan, der die Verschmelzung des Vereinigten K�nigreichs und der Leeren L�nder vorsieht. Ich will n�mlich K�nig beider Gebiete werden.�</p><p>�Das klingt angenehm schrecklich�, rief Melifaro entz�ckt und schob sich eine gewaltige Scheibe Brot in den Rachen, ohne mit der Wimper zu zucken. �Aber ich werde dich denunzieren. So was hab ich zwar noch nie gemacht, aber irgendwann muss man ja mal damit anfangen.�</p><p>�Vielleicht �nderst du deine Meinung, wenn ich dir das Amt des Premierministers anbiete?�</p><p>�Das klingt sehr verlockend. Fahr mich doch mit deinem A-Mobil nach Echo zur�ck. Dann sehen wir weiter.�</p><p>�Du bist aber rasch zufrieden zu stellen. Einverstanden.�</p><p>�Dich als Privatchauffeur zu haben, ist einer meiner gr��ten Tr�ume.�</p><p>�Ich wei� leider, was man damit verdienen kann�, seufzte ich. �Ich war mal arm, musst du wissen - und das hat mir nicht besonders gefallen.�</p><p>��Ich habe gar nicht bemerkt, dass deine materielle Lage sich so rasant gebessert hat. Aber lass uns jetzt fahren - ich muss wirklich dringend ins Haus an der Br�cke.�</p><p>Der R�ckweg nach Echo f�hrte durch eine sehr sch�ne Landschaft. Melifaro, den ich bisher als Sonnenanbeter gekannt hatte, lie� den Kopf h�ngen. Er erwartete offenbar, dass ich ihn unterhielt, doch ich konzentrierte mich ganz auf den Weg. Irgendwann schlief er ein.</p><p>Ich hingegen widmete all meine Aufmerksamkeit dem herrlichen Morgen. �ber uns stand eine kleine Wolke, aus der es ein wenig regnete, und jeder Tropfen auf meiner Haut war ein Erlebnis. Erst kurz zuvor war mir aufgefallen, wie sehr sich der Regen in Echo von dem Regen der Welt unterscheidet, aus der ich stamme. Wie hatte ich mich nur die ersten drei�ig Jahre meines Lebens mit tristem Nass zufriedengeben k�nnen? Das Wasser war zwar gleich, roch in Echo aber herrlich nach Blumen und war leicht violett gef�rbt.</p><p>Mit Vergn�gen vergegenw�rtigte ich mir, in dieser Welt noch immer neu zu sein. Und ich wollte nicht, dass sich dieser Zustand bald �nderte. Es gab noch so vieles zu entdecken, doch es gab auch noch sehr viele M�glichkeiten, sich zu blamieren. Und noch tausenderlei Kleinigkeiten, �ber die ich mich w�rde wundern k�nnen. Auch an diesem Morgen tat ich nichts anderes.</p><p>Ich lieferte das Tagesantlitz des Ehrw�rdigen Leiters des Kleinen Geheimen Suchtrupps p�nktlich im Haus an der Br�cke ab. Auch mir konnte es nicht schaden, im B�ro vorbeizuschauen, um Sir Juffin kurz die Geschichte meines seltsamen Traums zu erz�hlen.</p><p>Doch mein Chef war noch nicht da. Ich vermutete ihn in der Stra�e der alten M�nzen, da ich wusste, dass seine Filmleidenschaft noch immer nicht erloschen war, lie� ihn aber in Ruhe, denn die Probleme von Sch�rf und mir konnten bis zum Abend warten - anders als meine Freundin Techi, die sicher ungeduldig im Bett lag und sich von einer Seite auf die andere w�lzte. Am Vorabend hatte sie mich schon gebeten, sie auf dem Laufenden zu halten, und ich konnte die wunderbare Lady unm�glich entt�uschen. Es gibt im Leben einfach Regeln, gegen die man nicht versto�en sollte.</p><p>Eine Stunde vor Sonnenuntergang kam ich ins Haus an der Br�cke und ging gleich in mein B�ro, das ich mit Sir Juffin teilte. Auf der Lehne meines Stuhls sa� Kurusch. Sonst war niemand da.</p><p>�Wo treibt sich unser Chef herum, mein Lieber?� , fragte ich den Buriwuch.</p><p>�Das wei� ich nicht�, gab der kluge Vogel schwerm�tig zur�ck. �Irgendwann ist er gekommen und irgendwann gegangen. Die Menschen zeichnen sich durch eine gewisse Unrast aus.�</p><p>�Da hast du Recht�, pflichtete ich ihm bei, seufzte und meldete mich per Stummer Rede bei Juffin. �Ich bin schon zum zweiten Mal ins Haus an der Br�cke gekommen, und Sie sind noch immer nicht da!�</p><p>�Selber schuld! Wenn du dich mit mir treffen willst, solltest du dir endlich angew�hnen, dort aufzutauchen, wo ich bin. Was machst du eigentlich im B�ro? Soviel ich wei�, hast du zwei Sorgenfreie Tage bekommen. Ist dein Leben etwa so langweilig, dass du es ohne Arbeit nicht aush�ltst?�</p><p>�Aber nein. Ich bin ganz zufrieden mit meinem Leben, doch Sie wissen ja, dass ich manchmal etwas kopflos bin. Ich h�tte schw�ren k�nnen, die zwei Tage seien schon um.</p><p>Aber Spa� beiseite - ich habe ein paar Fragen, die nur Sie mir beantworten k�nnen.�</p><p>�Ich habe eine bessere Idee: Verschieben wir die Sache doch auf morgen. Sollte es allerdings wirklich dringend sein, besuch mich heute Abend in der Stra�e der alten M�nzen. Dort triffst du mich garantiert.�</p><p>�Abgemacht.�</p><p>�Und jetzt verschwinde aus meinem B�ro. Ich kenn dich doch - du trinkst dort eine Tasse Kamra nach der anderen und behauptest dann, du h�ttest �berstunden gemacht.�</p><p>�Immerhin ist es auch mein B�ro�, gab ich etwas gereizt zur�ck. �Aber gut, ich geh ja schon.�</p><p>�Das glaube ich nicht.�</p><p>Als ich merkte, dass mein Chef sich nicht so leicht �berlisten lie�, seufzte ich tief, erhob mich von dem Stuhl, auf dem ich es mir gerade bequem gemacht hatte, und begab mich in den Saal der allgemeinen Arbeit, doch auch Sir Sch�rf, den ich dort anzutreffen gehofft hatte, war nirgendwo zu sehen. Also beschloss ich, ihn in seinem B�ro aufzusuchen.</p><p>Schurfs gro�es Zimmer war penibel aufger�umt, doch er war ausgeflogen. Aber ich sp�rte, dass er bald auftauchen w�rde, und weil ich meine Vorahnungen ernst nehme, meldete ich mich nicht per Stummer Rede bei ihm, sondern zog ein Buch aus dem Regal und hockte mich in die Ecke, um mir lesend die Zeit zu vertreiben.</p><p>Ich hatte ausgerechnet Das Pendel der Ewigkeit erwischt, ein Buch, das ich schon mal bei Sch�rf gesehen hatte. Aber ich hatte keine Zeit f�r literarische Gen�sse, denn schon Sekunden sp�ter �ffnete sich die T�r mit einem leisen Quietschen.</p><p>�Du kommst fr�her als erwartet�, sagte ich und stand auf, um Sch�rf zu begr��en.</p><p>Dann stellte ich das Buch ins Regal zur�ck, um den Ordnungssinn meines Freundes nicht zu beleidigen.</p><p>�Ich freue mich, dich zu sehen, Max�, sagte Sir Lonely-Lokley, und ein Anflug von Freundlichkeit belebte sein sonst so versteinertes Gesicht. �Aber bitte stell das Buch an seinen Platz zur�ck.�</p><p>�Das hab ich doch gerade getan!�</p><p>�Von wegen - du hast das Buch zwar ins Regal gestellt, aber nicht an seinen Platz. Es ist das dritte von rechts, steht jetzt aber ganz au�en. Wei�t du, Max - ich bin nicht per se gegen Ver�nderung, aber Willk�r kann ich nicht ausstehen.�</p><p>Reum�tig stellte ich das Buch an seinen Platz zur�ck. Dann hielt ich es nicht mehr aus und musste lachen. �Das ist gro�artig, Sch�rf. Manchmal habe ich den Eindruck, du tr�gst die ganze Welt auf den Schultern.�</p><p>�Das kann wohl sein�, stellte er unger�hrt fest. �Hast du Neuigkeiten f�r mich, oder bist du einfach so vorbeigekommen?�</p><p>�Beides. Aber meine Neuigkeiten passen nicht in diese dienstliche und sterile Atmosph�re. Ein Abendessen bei Kerzenschein w�re schon passender. Hast du Zeit?�</p><p>�Warum denn ausgerechnet Kerzen?�, fragte Lonely-Lokley pedantisch. �In Echo gibt es kaum Wirtsh�user, in denen noch Kerzen in Gebrauch sind. Schlie�lich gibt es viel effizientere Lichtquellen.�</p><p>�Auf Kerzen kann ich verzichten�, versetzte ich im Ton eines Menschen, der es gew�hnt ist, nachzugeben. �Eigentlich k�nnen wir sogar auf das Abendessen verzichten, denn so viele Neuigkeiten habe ich auch nicht. Ich verbinde nur gern das Angenehme mit dem N�tzlichen.�</p><p>�Genau wie ich�, sagte Sir Sch�rf und l�chelte pl�tzlich. �Wenn es Kerzen sein sollen, k�nnen wir ins Nachtmahl des Vampirs gehen. Die K�che dort ist nicht �bel, und das Lokal ist selten bis auf den letzten Tisch besetzt.�</p><p>�Das Nachtmahl des Vampirs ist ein ber�chtigtes Lokal - ich h�tte nicht gedacht, Sch�rf, dass du dort verkehrst.�</p><p>�Fr�her geh�rte es zu meinen Lieblingswirtsh�usern, und noch immer f�hle ich mich dort sehr wohl. Zeitweise habe ich jeden Abend dort get�felt.�</p><p>�Wann war denn das? In deiner st�rmischen Jugend, als du noch der Verr�ckte Fischer warst?�, fragte ich sp�ttisch.</p><p>�Etwas sp�ter. �brigens bin ich dort meiner Frau begegnet. Mich faszinierte, dass sie stets bestellte, was ich f�r vollkommen unessbar hielt, und ich dachte, sie kennen zu lernen, werde mir Zugang zu mir unbekannten Seiten der menschlichen Existenz verschaffen, zur Welt derer, die Wein aus Kuankulech sch�tzen - oder Haty auf lochrische Art.�</p><p>Erstaunt sch�ttelte ich den Kopf. Sch�rf hatte mal wieder geschafft, mich in Verlegenheit zu setzen. Manchmal hatte ich das Gef�hl, er tue das unabsichtlich und ohne Hintergedanken. Mitunter dagegen argw�hnte ich, er trage alles, was mich schockiert hatte, in ein Notizbuch ein, ziehe alsdann seine Handschuhe aus und lache sich in sein t�dliches F�ustchen.</p><p>Die Einrichtung im Nachtmahl des Vampirs machte dem Namen des Lokals alle Ehre. Kerzen leuchteten im Halbdunkel, auf den Tischen stand eine rote Fl�ssigkeit, die an Blut denken lie�, und auch das Makeup des untersetzten Kellners, der gutgelaunt und unterbesch�ftigt an der Theke stand, passte hierher. Sein Gesicht war bleich, seine Augen waren dramatisch geschminkt, und sein roter Mund lie� mich vermuten, er habe das Blut unschuldiger Kinder gleich literweise getrunken.</p><p>Erstaunt sch�ttelte ich den Kopf. Mein erster Besuch hier hatte sicher nicht zu den sch�nsten Erlebnissen meines Lebens geh�rt, meine Stimmung aber deutlich verbessert. Und heute war ich ohnehin gut gelaunt.</p><p>Wir waren die einzigen G�ste und nahmen an einem langen Tisch Platz. Der Kellner war �ber unser Auftauchen sehr erfreut und brachte uns rasch die Speisekarte. Trotz seiner Furcht erregenden Schminke wirkte er freundlich. Offenbar verwirrten ihn weder Lonely-Lokleys Schutzhandschuhe noch mein Todesmantel. Im Gegenteil - wir passten sehr gut hierher.</p><p>�Ich hab hier mal den Atem des B�sen probiert�, erinnerte ich mich. �Ausgezeichnet, Sch�rf. Den kann ich nur empfehlen.�</p><p>�Seltsam. So ein Gericht ist mir hier nie begegnet.�</p><p>�Du warst eben kurz nach der Verabschiedung des Chrember-Gesetzbuchs zum letzten Mal hier. Ich dagegen habe das Lokal erst k�rzlich entdeckt, gleich nach dem Erlass n�mlich, der es den K�chen erlaubt, bei der Zubereitung ihrer Gerichte Magie achtzehnten Grades anzuwenden.�</p><p>�Richtig! Das ist ja ein Gericht der alten K�che! Aber du �bertreibst wie immer. Ich war vor vier Jahren das letzte Mal hier - und nicht vor 118 Jahren, wie du mir unterstellst. Doch ich probiere gern, was du mir empfohlen hast.�</p><p>Schurfs Miene war so ernst, als spr�chen wir dar�ber, welche Waffe uns das Leben retten konnte.</p><p>Wir bekamen unsere Bestellung serviert. Die kleinen Piroggen wuchsen binnen Sekunden wie Popcorn, und Sch�rf lobte meine Empfehlung sehr. Nun war die Zeit reif, ohne Umschweife zur Sache zu kommen.</p><p>�Ich bin heute Nacht dort gewesen�, sagte ich.</p><p>Sch�rf hob fragend die Brauen.</p><p>�Ich war in unserem gemeinsamen Traum�, erkl�rte ich. �Letzte Nacht habe ich im alten Zimmer von Sir Philo Melifaro geschlafen und im Traum den seltsamen Strand besucht, doch er war menschenleer. Das Einzige, worauf ich stie�, waren deine Spuren im Sand.�</p><p>�Wie kommst du darauf, dass es ausgerechnet meine Spuren waren?�, fragte Sir Sch�rf k�hl.</p><p>�Das wei� ich nicht, aber ich bin mir da absolut sicher. �brigens waren es keine Fu�-, sondern Sohlenspuren. Tr�gst du deine Schuhe etwa auch im Schlaf?�</p><p>�Red keinen Unsinn. Ich hab im Bett nicht mal Str�mpfe an, trage im Traum allerdings immer Schuhe. Du willst doch nicht behaupten, dass du in deinen Tr�umen barfu� unterwegs bist?�</p><p>�Eigentlich nicht�, pflichtete ich ihm bei. �Aber dieser Traum ... Dieser Strand ist kein Traum. Er ist echt. Davon hab ich mich letzte Nacht endg�ltig �berzeugt. Ich w�sste gern, in welcher Welt er sich befindet. Jedenfalls glaube ich, dass es dort keine anderen Menschen gibt. Wei�t du, schon fr�her hab ich von menschenleeren Gegenden getr�umt, mich dort aber nie unwohl gef�hlt, weil mir klar war, dass es irgendwo Menschen gibt. Eigentlich war ich in solchen Tr�umen immer sehr gl�cklich. Und bis jetzt hab ich gedacht, der Strand meiner Tr�ume z�hle zu diesen angenehm menschenleeren Pl�tzen.�</p><p>�Und diesen Eindruck hast du jetzt nicht mehr?�, fragte Lonely-Lokley unger�hrt.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Ich hab dir doch gerade gesagt, dass es den Strand tats�chlich gibt. Das ist keiner von den Tr�umen, die man beim Z�hneputzen vergessen hat. Au�erdem ist der Strand wirklich leer. Fr�her hab ich ihn gemocht, aber inzwischen ... Wei�t du, ich bin nicht so seltsam gestrickt, nur das zu lieben, was f�r mich gef�hrlich ist. Ich m�chte nicht, dass du dich dort herumtreibst, Sch�rf, aber ich glaube, das liegt nicht in deinem Ermessen.�</p><p>�Stimmt. Ich f�rchte, das hab ich nicht unter Kontrolle�, pflichtete er mir bei. �Und was hast du jetzt vor? Wenn ich dich richtig verstanden habe, willst du die Sache nicht auf sich beruhen lassen.�</p><p>�Ich w�rde gern alles so lassen wie es ist�, seufzte ich. �Aber ich kann es nicht.�</p><p>�Also habe ich Gl�ck�, sagte Sch�rf leicht belustigt. �Du willst alles mit Sir Juffin besprechen, oder?�</p><p>�Richtig - sofern du nichts dagegen hast. Und selbst wenn: Irgendwie haben all meine Probleme mit Juffin zu tun. Das ist wohl ein Naturgesetz. Und in der gegenw�rtigen Lage bleibt mir nichts anderes �brig, als mit meinem Problem zu ihm zu gehen. Vielleicht wei� er eine L�sung f�r uns.�</p><p>Sch�rf griff nach seiner winzigen Tasse Kamra, nahm einen Schluck und stellte sie vorsichtig wieder ab. Wie ihm solche Feinarbeit trotz seiner dicken Handschuhe gelang, w�rde ich wohl nie begreifen.</p><p>�Vielleicht hat er eine L�sung - vielleicht auch nicht. Wie kommst du eigentlich darauf, ich h�tte etwas dagegen, Sir Juffin einzuschalten?�, fragte Sch�rf trocken.</p><p>�Das war nur so ein Gedanke. Schlie�lich hast du ein Recht auf Privatsph�re. Und weil ich die verletzen muss, bitte ich dich wenigstens darum, mir diesen Eingriff zu erlauben.�</p><p>Sch�rf sah mich aufmerksam an. In seinen blauen Augen, die sonst eine enorme Ruhe ausstrahlten, funkelte eine Wut, die mir den Atem stocken lie�.</p><p>�Ich bin kein gew�hnlicher Mensch! Ich bin der Schnitter des Lebensfadens! Der Tod im k�niglichen Dienst, wie du gern sagst! Und darum habe ich kein Recht auf Privatsph�re. Dieses Recht n�mlich w�rde meinen Arbeitgeber - einen Geheimdienst immerhin! - teuer zu stehen kommen.�</p><p>Mein Freund sah zu Boden und fuhr nach kurzer Pause sehr viel beherrschter fort: �Ich sage dir das, weil du in der gleichen Lage bist wie ich. Wir d�rfen keine Privatsph�re haben. Das ist keine Trag�die, sondern geh�rt zu unserem Berufsbild. Das wird sich irgendwann �ndern, doch bis dahin m�ssen wir uns an die Regeln der Agentent�tigkeit halten, die im Kleinen Geheimen Suchtrupp gelten. Nat�rlich darfst du Sir Juffin unsere Geschichte erz�hlen.�</p><p>�Was ist los, Sch�rf? Ist dir das Gespr�ch unangenehm? Ich h�re dich zum ersten Mal solche Dinge sagen. Selbst der Verr�ckte Fischer, als den ich dich in Kettari kennen gelernt habe, hat keine so erschreckenden Reden geschwungen.�</p><p>�Irgendwas ist passiert�, meinte Lonely-Lokley und nickte gedankenverloren. �Und je schneller wir herausfinden, was, desto besser. Dieses Gespr�ch ist mir tats�chlich unangenehm, weil etwas in mir nicht will, dass du mit Sir Juffin sprichst. Eigentlich habe ich also nicht dich angefaucht, sondern mich. Es w�re mir sehr unangenehm, wenn ich dich beleidigt h�tte.�</p><p>�S�ndige Magister! So leicht bin ich nicht beleidigt. Du hast mich nur beunruhigt, Sch�rf. Aber das hat einen Vorteil: Ich werde jetzt alles unternehmen, um diese Sache so schnell wie m�glich aufzukl�ren.�</p><p>�Gut. Ich habe das Gef�hl, auf deine Hilfe angewiesen zu sein. Das ist neu f�r mich und nicht besonders angenehm, aber vermutlich geht es nicht anders.�</p><p>�Man soll sich nicht scheuen, neue Erfahrungen zu machen - das hast du selber gesagt�, meinte ich l�chelnd. �Und jetzt lass uns noch ein Glas vom Blut unschuldiger Kinder trinken, ehe wir uns auf den Weg machen. Du wirst bestimmt zu Hause erwartet, und ich werde versuchen, das Leben meines Chefs um Berichte aus der Welt meiner Tr�ume zu bereichern.�</p><p>�Von welchem Blut und welchen unschuldigen Kindern redest du da eigentlich? Davon steht gar nichts in der Karte. Ist das etwa eine Spezialit�t des Hauses?�</p><p>�Nein�, sagte ich l�chelnd. �Aber jedes Mal, wenn wir zusammen essen gehen, erinnern mich unsere Getr�nke irgendwie an das Blut unschuldiger Kinder. Dich etwa nicht?�</p><p>�Entschuldige, aber das finde ich nicht witzig�, sagte der staunenswerte Lonely-Lokley streng.</p><p>�Da bist du nicht der Einzige�, pflichtete ich ihm bei. �Das war eher ein Witz nach dem Geschmack von Sir Melifaro. Der treibt sich �brigens in der Weltgeschichte herum, statt seinen Aufgaben als Tagesantlitz unseres Ehrw�rdigen Leiters nachzukommen und sich um meine Probleme zu k�mmern.�</p><p>Ich bestellte noch eine Tasse Kamra, die in diesem Lokal leider nicht �berw�ltigend war. Immerhin konnte ich mich damit tr�sten, dass es sich wohl nicht um die letzte Kamra meines Lebens handelte. Sch�rf starrte einen Moment ins Leere und bestellte dann ein Glas Rotwein.</p><p>�Warum gibst du den Wein nicht in deine l�chrige Tasse?�, fragte ich etwas entt�uscht, als Sch�rf sein Glas hob. �Dann w�rde ich n�mlich gern ein Schl�ckchen von dir nehmen.�</p><p>�Im Moment habe ich eigentlich nicht das Bed�rfnis, auf die Kraft meiner l�chrigen Tasse zur�ckzugreifen. Der heutige Tag war nicht sehr anstrengend. Au�erdem merke ich, wie sehr mich deine �berzeugung beunruhigt, dass der Strand tats�chlich existiert.�</p><p>�Das w�rde mich vermutlich auch beunruhigen. Aber ich habe mich mit meiner Entdeckung abgefunden und versucht, mich mit etwas anderem zu besch�ftigen. Wei�t du, das ist ein Trick von mir: Wenn ich die Kontrolle �ber eine Situation verliere, besch�ftige ich mich mit etwas anderem. Das setzt erstaunliche Kr�fte frei, doch es ist wichtig, sich voll auf diese neue Sache zu konzentrieren. Du musst eine Besch�ftigung finden, egal welche - Hauptsache, sie lenkt dich von deinem unl�sbaren Problem ab. Denn wenn du dich mit etwas besch�ftigst, das zu schwer f�r dich ist, l�st sich deine Welt in Einzelteile auf.�</p><p>�Das ist eine der seltsamsten Theorien, die ich je geh�rt habe�, sagte Lonely-Lokley so skeptisch wie fasziniert. �Und ich glaube, dieser seltsame Rat n�tzt niemandem au�er dir.�</p><p>�Da hast du Recht�, sagte ich l�chelnd. �Aber auch ich kann mitunter einen guten Rat gebrauchen. Und jetzt gib mir endlich deine Tasse. Irgendwie sp�re ich, dass ich aus diesem seltsamen Gef�� trinken sollte.�</p><p>�Wirklich?�, fragte Sch�rf und sch�ttelte erstaunt den Kopf. �Du f�hrst dich langsam auf wie die ehemaligen Magister unseres Ordens. Warum besorgst du dir eigentlich nicht selber eine l�chrige Tasse?�</p><p>�Wieso denn? Ich kenne eure Rituale doch gar nicht.�</p><p>�Du hast wirklich seltsame Vorstellungen von Magie�, sagte Sch�rf erstaunt. �Welche Rituale denn? Entweder hat man die Kraft, eine Fl�ssigkeit in einem Gef�� mit l�chrigem Boden zu halten, oder man hat sie nicht. Unsere Rituale jedenfalls dienen nur dazu, Neulinge einzusch�chtern. Besser gesagt: Wir erschaffen und �ndern unsere Rituale nach Lust und Laune.�</p><p>�Ich bin nun mal Neuling und m�chte nicht eingesch�chtert werden. Was ich vor allem brauche, ist gute Laune.�</p><p>�Auf die Rituale kannst du getrost verzichten�, meinte Sch�rf, griff in seine Manteltasche, zog die l�chrige Tasse heraus und hielt sie mir hin. �Und was willst du trinken?�</p><p>�Kamra zum Beispiel�, antwortete ich, goss meine Portion in seine l�chrige Tasse und trank sie auf einen Zug leer.</p><p>�Na, was hast du gesp�rt?�, fragte er. �Bei l�chrigen Tassen f�hrt Kamra leider nicht zu den besten Resultaten.�</p><p>�Wirklich nicht? Ich habe das Gef�hl, ich fliege gleich.�</p><p>�Das allein ist zu wenig. Man sollte die Kraft, die man durch das Trinken aus einer l�chrigen Tasse gewinnt, dazu verwenden, wirklich etwas zu tun und sich nicht mit Illusionen abspeisen zu lassen. Bei passender Gelegenheit erz�hle ich dir N�heres �ber den Orden der l�chrigen Tasse, aber da Neugier zu deinen St�rken geh�rt, fragst du mich sicher bald danach. Doch jetzt m�ssen wir los. Es ist schon recht sp�t, und ich wohne in der Neustadt. Kannst du mich vielleicht nach Hause fahren? Du bist ja viel schneller als unsere Chauffeure.�</p><p>�F�r dich mach ich das doch gern.�</p><p>�Vielen Dank. Meine Frau verbringt ihre Abende n�mlich am liebsten in meiner Gesellschaft. Das finde ich erstaunlich, denn ich halte mich eigentlich f�r langweilig.�</p><p>�Ich verstehe deine Frau gut. Wenn man mit dir zusammen ist, glaubt man, es gebe keine Gefahren auf der Welt.�</p><p>�Du redest schon wieder seltsames Zeug�, brummte Lonely-Lokley finster. �Na sch�n. Lass uns fahren.�</p><p>Wir bezahlten bei dem sympathischen, auf grausam geschminkten Wirt und verlie�en das Lokal. Das orangefarbene Licht der Stra�enlaternen vertrieb die Dunkelheit. Der Mond hatte in dieser Nacht keine Chance, seinen Anteil an der Beleuchtung zu �bernehmen, denn der Himmel war voller Wolken.</p><p>Ich setzte mich ans Steuer meines A-Mobils, Sch�rf nahm neben mir Platz, und ich raste fr�hlich los. Kann sein, dass Kamra nicht sehr geeignet ist, um aus l�chrigen Tassen getrunken zu werden, aber die seltsame Leichtigkeit, die mich erf�llte, gefiel mir au�erordentlich. Ich f�hlte mich wie perlender Champagner, der sch�umend aus dem Glas steigt.</p><p>�H�r mal, Sch�rf, ich hab noch eine Frage�, begann ich.</p><p>Die Frage fand ich eigentlich nicht so wichtig, doch ich hatte Lust, mit ihm zu plaudern.</p><p>�Es geht um unseren gemeinsamen Traum. Wie sp�rst du eigentlich die Anwesenheit des bedrohlichen Dritten, von dem du erz�hlt hast? Du hast ihn doch nie zu Gesicht bekommen.�</p><p>�Wei�t du, Max, es f�llt mir wirklich schwer, n�her zu beschreiben, was in dem Traum geschieht, den wir miteinander teilen. Ich erinnere mich nur an den Strand und an das Gef�hl der Bedrohung. Mehr wei� ich nicht.�</p><p>�Verstehe. Manchmal, wenn ich nachts aufwache, kann ich mich auch nicht an Einzelheiten meines Traums erinnern. Ich schlie�e dann die Augen und versuche einzud�sen, also mich erneut an die Grenze von Traum und Wirklichkeit heranzutasten. Aber ich f�rchte, in deinem Fall hilft diese Methode nicht mehr, denn sie funktioniert nur direkt nach dem Aufwachen.�</p><p>�Du willst unbedingt, dass ich mich an die Einzelheiten meines Traums erinnere, stimmt's?�</p><p>Schurfs geh�ssiger Unterton �berraschte mich. Dabei war er schon den ganzen Abend recht gereizt gewesen - jedenfalls f�r seine Verh�ltnisse, f�r einen Menschen also, der an sich die Ruhe und Ausgeglichenheit in Person war. Im �brigen musste ich mich auf die Stra�e konzentrieren,</p><p>denn ich jagte mit H�chstgeschwindigkeit durch die Gassen der Altstadt.</p><p>�Es w�rde uns weiterbringen, wenn es dir gel�nge, dich an alle Details deines Strandtraums zu erinnern�, sagte ich l�chelnd und wandte mich Sch�rf dabei unwillk�rlich so weit zu, wie die Schicklichkeit und das Bed�rfnis, die Kontrolle �ber den Wagen zu behalten, es erlaubten. Dabei bemerkte ich zu meiner �berraschung, dass er den linken Schutzhandschuh auszog und die t�dliche Hand des Magisters Kiba Azoch zum Vorschein brachte, die in der Dunkelheit heller leuchtete als die Stra�enlaternen.</p><p>H�tte ich mir Gedanken �ber das gemacht, was ich da sah, oder w�re ich gar in Panik geraten, dann w�re ich sicher gestorben. Doch ich versuchte gar nicht erst zu begreifen, was los war, denn das w�re ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen. Sir Sch�rf, mein treuster Freund, auf dessen Schultern nach meiner naiven Vorstellung die ganze Welt ruhte, wollte mich umbringen, ohne auch nur ein Wort �ber sein seltsames Vorhaben zu verlieren.</p><p>Ich bremste so stark wie nie. Meine rechte Hand, die das Lenkrad hielt, knackte gef�hrlich, doch zum Gl�ck schlug mein Gesicht nicht gegen die Frontscheibe. Mein Begleiter dagegen, der nicht mit einer Vollbremsung gerechnet hatte, streckte sch�tzend die gef�hrliche Linke aus, und die Frontscheibe zersprang prompt in tausend St�cke. Intuitiv nahm ich den Schutzhandschuh, zog ihn Sch�rf �ber die gef�hrliche Hand und hielt seine Pranke fest. Das Ganze dauerte nur Sekunden.</p><p>�Na, hast du jetzt Angst vor mir?�, fl�sterte das Wesen, das von Sch�rf Besitz ergriffen haben musste. Denn was geschehen war, konnte unm�glich dem freien Willen meines Freundes entsprungen sein.</p><p>Das Gesch�pf, das da neben mir sa�, hatte sich offenbar bereits von seinem Schock erholt und setzte erneut zum Angriff an. Gut, dass ich ihm den Handschuh �bergezogen hatte! Zum Nachdenken freilich blieb mir keine Zeit.</p><p>Unwillk�rlich schnippte ich mit den Fingern der linken Hand, und der t�dliche Kugelblitz erschien wie bestellt. Seltsam - ausgerechnet diesen Trick hatte mir kein anderer als Sch�rf beigebracht. Wer h�tte gedacht, dass gerade er es war, gegen den ich mich damit zur Wehr setzen musste!</p><p>�Unsinn! Das ist Unsinn, was du da machst! All deine Zaubertricks sind Unsinn! Du bist ein furchtbarer St�mper!�, rief mein Kollege am�siert und streckte die Rechte aus. Das gr�ne Licht meines Kugelblitzes flimmerte und verschwand. Im selben Moment befreite Sch�rf seine Linke ohne gro�e Anstrengungen. Ich war nicht besonders stark, und wie h�tte ich mich gegen ein Kraftpaket wie ihn durchsetzen sollen?</p><p>Ich musste zugeben, dass er Recht hatte: Ich war wirklich kein gro�er Zauberk�nstler und hatte nichts in der Hand, um dem Schnitter des Lebensfadens - dem bekannten Killer Sch�rf Lonely-Lokley, der schon viele alte Magister auf dem Gewissen hatte - Paroli zu bieten. Vielleicht sollte ich diesen Verr�ckten einfach in meiner linken Hand verschwinden lassen?</p><p>Aber im Hinterkopf wusste ich, dass mein liebster Zaubertrick in diesem Fall einem Selbstmord gleichk�me. Egal, wie klein Sir Sch�rf war: Nichts w�rde ihn davon abhalten, seine t�dliche Hand gegen mich zum Einsatz zu bringen. Und das w�re mein Ende.</p><p>Zum Gl�ck war dieses Ende noch lange nicht in Sicht.</p><p>Spuck ihn an!, empfahl mir die Vernunft, doch ich h�rte nicht auf sie, da ich keine Zeit mit Experimenten verlieren wollte, deren Resultat vorhersehbar war.</p><p>Ich hatte mir �berlegt, dass Sir Sch�rf als mein Kollege, der mich auf den gef�hrlichsten Abenteuern begleitet und mir viele, bestens funktionierende Zaubertricks beigebracht hatte, genau wusste, womit er bei mir rechnen musste und was er von mir erwarten konnte. Er war also auf alles gefasst - auch darauf, dass meine Spucke giftig war. Um am Leben zu bleiben, sollte ich also auf all die Zaubertricks verzichten, die er schon kannte, und mir etwas Neues einfallen lassen, das ihn �berraschen w�rde.</p><p>Ich hatte nichts mehr zu verlieren, und der Tod stand mir vor Augen. Sir Sch�rf zog erneut den linken Handschuh aus, lie� sich dabei zum Gl�ck aber so viel Zeit wie sonst. Doch egal, wie langsam er den Handschuh abstreifte: Ich hatte keine Hoffnung mehr.</p><p>Mir blieb nichts anderes �brig, als heiter und mit Stil zu sterben. Und warum auch nicht? Meine sp�rlichen, aber traurigen Erfahrungen mit dem Leben nach dem Tod sagten mir, dass es nach dem Sterben nichts mehr gab.</p><p>Ich lachte wie ein Verr�ckter, sprang unvermittelt auf, ohne zu wissen, warum, und stellte fest, dass ich keinen Boden unter den F��en hatte: Die seltsame Leichtigkeit, die nach dem Trinken aus der l�chrigen Tasse von mir Besitz ergriffen hatte, sorgte daf�r, dass ich in der Luft blieb. Im n�chsten Moment stellte ich staunend fest, dass ich von oben auf die engen Stra�en der Altstadt blickte. Das Leuchten der orangefarbenen Stra�enlaternen war nur noch schwach zu erkennen, und ich flog weiter gen Himmel.</p><p>Die ganze Zeit lachte ich wie verr�ckt. Nein, ich war verr�ckt. Wie anders h�tte es einem Menschen gehen sollen, den sein bester Freund umbringen wollte? Das seltsame Gef�hl, �ber dem n�chtlichen Echo zu schweben wie Puh der B�r mit seinem Luftballon, war nur ein Glied mehr in der Kette von Seltsamkeiten, die mir an diesem Abend widerfuhren.</p><p>Ein greller Blitz vom Erdboden her lie� mich wieder zu mir kommen. Ich hatte keine Ahnung, wie weit ich mich von Sir Schurfs t�dlicher Hand entfernt hatte, war aber �berzeugt, die Gefahr sei vorbei.</p><p>Trotzdem fand ich es beruhigend, weit von Sch�rf weg zu sein. Der Blitz erleuchtete die D�cher der Altstadt nur kurz und verschwand dann wieder. Ich dagegen schwebte offenbar viel h�her und war f�r seine t�dliche Hand unerreichbar.</p><p>Ich muss mich unbedingt mit Sir Juffin treffen, dachte ich. Ich geh�re dringend unter seine Fittiche. Allein werde ich mit der Situation nicht fertig.</p><p>An diesem Gedanken hielt ich mich fest wie ein Ertrinkender an einem Rettungsring. Ich lie� die Geschehnisse des Abends kurz Revue passieren, versuchte, mir die Reaktion meines Chefs vorzustellen, und bat den Himmel, mich ohne Blessuren auf die Erde zur�ckkehren zu lassen. Dann sah ich nach unten und stellte fest, dass der Boden wesentlich n�her war als kurz zuvor. Beunruhigend fand ich nur die Aussicht, wieder in die N�he von Sir Sch�rf zu geraten.</p><p>Dann aber stellte ich fest, dass weder er noch sein A-Mobil irgendwo zu sehen waren. Ich schwebte �ber einer Stra�e in der N�he des Hauses an der Br�cke und wollte nur eines: endlich wieder festen Boden unter den F��en haben.</p><p>Im n�chsten Moment war es so weit. Ich sp�rte, wie meine F��e den Gehsteig ber�hrten, und versuchte gar nicht erst zu verstehen, warum ich wieder der Schwerkraft unterlag, sondern eilte nur zum Haus an der Br�cke.</p><p>Ich glaube, an diesem Abend habe ich alle Sprintrekorde gebrochen. Mein �berlastetes erstes Herz w�re mir beinahe aus der Brust gesprungen, doch mein geheimnisvolles zweites Herz blieb die ganze Zeit v�llig ruhig.</p><p>In der Stra�e der Kupferm�nzen fiel mir ein, dass der Arbeitstag meines Chefs schon beendet war. Also rannte ich nicht weiter zum Haus an der Br�cke, sondern sprang ans Steuer des n�chsten Dienst-A-Mobils. So brauchte ich - den Magistern sei Dank! - keinem Chauffeur etwas zu erkl�ren. Das w�re mir, da ich v�llig au�er Atem war, auch schwer gefallen.</p><p>Ich klammerte mich ans Steuer und fuhr in die Stra�e der alten M�nzen. Juffin hatte mir gesagt, dort sei er am Abend anzutreffen. Na hoffentlich! Ich �berlegte, mich per Stummer Rede bei ihm zu melden, nahm aber davon Abstand, da ich ebenso gut h�tte versuchen k�nnen, unter Vollnarkose zu telefonieren.</p><p>Quietschend brachte ich das A-Mobil vor meiner alten Wohnung zum Stehen. Dieses Man�ver hatte mir kurz zuvor das Leben gerettet.</p><p>Diesmal musste ich die Frontscheibe zum Gl�ck nicht ruinieren, denn Sir Juffin wartete bereits an der Haust�r auf mich. Als ich ihn sah, w�re ich vor Erleichterung beinahe gestorben. Ich stie� Laute aus, die zwischen Hysterie und Verzweiflung oszillierten, gewann aber rasch die Beherrschung zur�ck.</p><p>Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, sagte ich mir. Im Gegenteil - sie hat gerade erst begonnen.</p><p>�Man hat versucht, dich umzubringen�, konstatierte Sir Juffin.</p><p>Ich nickte schweigend, denn zum Reden war ich noch zu sehr au�er Atem. Den Magistern sei Dank, dass ich auf die Atem�bungen zur�ckgreifen konnte, die ausgerechnet Sch�rf mir beigebracht hatte.</p><p>Juffin beobachtete mich so gelassen wie neugierig und stellte fest, dass ich alles Erdenkliche unternahm, um mich zu beruhigen. Dann nickte er wohlwollend und setzte sich zu mir ins A-Mobil.</p><p>�Max, lass uns zum Haus an der Br�cke fahren. Das ist der beste Platz, um Probleme zu besprechen und zu l�sen. Daf�r ist unsere Beh�rde schlie�lich da.�</p><p>Ich nickte wieder, und wir fuhren los, diesmal allerdings in normalem Tempo. Die Gegenwart von Sir Juffin und die Atem�bungen wirkten auf mich ausgesprochen beruhigend.</p><p>Die Fahrt �ber schwieg mein Chef gedankenverloren. Erst im Flur des Hauses an der Br�cke fragte er mich: �Wer hat blo� versucht, dich umzubringen?�</p><p>�Das war Sch�rf�, antwortete ich h�lzern. Eine h�lzerne Stimme ist besser als gar keine Stimme, dachte ich dabei.</p><p>�Bist du dir da wirklich sicher?�</p><p>�Jedenfalls wei� ich, dass ich mit ihm das Nachtmahl des Vampirs verlassen habe und er im A-Mobil die ganze Zeit neben mir gesessen hat. Und der, der die ganze Zeit neben mir sa�, hat versucht, mich umzubringen. Der gesunde Menschenverstand sagt mir also, dass es Sch�rf gewesen ist. Aber diese Logik akzeptiere ich nicht�, fuhr ich entschieden fort und setzte mich auf meinen Schreibtischstuhl.</p><p>�Ich auch nicht. Das ist zwar eine logische, aber recht primitive Erkl�rung. Ich f�rchte, unser Sch�rf steckt noch mehr in der Klemme als du - wenn das �berhaupt m�glich ist.�</p><p>�Kann sein�, murmelte ich finster und �berlegte, was meinem Freund widerfahren sein mochte. �Schlie�lich bin ich noch am Leben und sitze neben Ihnen. Und ich w�nschte, dass k�nnte auch Sch�rf von sich sagen.�</p><p>Juffin nickte nachdenklich und sah durch mich hindurch.</p><p>�Ich habe eine gute Nachricht�, sagte er dann. �Sch�rf lebt. Er hat sich eben per Stummer Rede gemeldet und taucht gleich hier auf.�</p><p>Meine Muskeln spannten sich, und gleich kehrte das Gef�hl unnat�rlicher Leichtigkeit zur�ck. Ich musste mich anstrengen, nicht erneut den Bodenkontakt zu verlieren. Mich bremste nur die Sorge, mir den Kopf an der Decke zu sto�en.</p><p>Juffin beobachtete meinen inneren Kampf belustigt.</p><p>�Keine Sorge, Max. Ich erwarte wirklich Sir Lonely-Lokley und kein w�tendes Medium. Au�erdem kannst du dir sicher sein, dass dir in meiner Gegenwart nichts B�ses widerf�hrt.�</p><p>�Das bin ich auch. Es war nur heute Abend etwas zu viel f�r mich.�</p><p>�Fang nur nicht an zu jammern! Es war zu viel f�r Sch�rf] Der arme Kerl! Wenn du w�sstest, wie viele �berraschungen du ertragen kannst, ohne mit der Wimper zu zucken!�</p><p>�Meinen Sie wirklich?�, fragte ich h�flich. �Spendieren Sie mir doch eine gro�e Tasse Kamra, und f�hren Sie eine psychoanalytische Sitzung mit mir durch. Danach k�nnen Sie mir dann einen goldenen L�ffel reichen.�</p><p>�Was f�r einen goldenen L�ffel denn, Max?�</p><p>Offenbar nahm Juffin alles w�rtlich. Vielleicht dachte er ja, meine instabile Psyche stehe vor dem Zusammenbruch.</p><p>�Sie glauben doch hoffentlich nicht, dass ich all Ihre Befunde mit den Fingern esse? So bin ich nicht erzogen!�</p><p>Dieser Witz war nicht eben gelungen. Juffin jedenfalls hat sich nicht dar�ber totgelacht. Aber offenbar war er froh, dass ich wieder genug bei Sinnen war, um flapsige Bemerkungen zu machen. Mir ging es nicht anders.</p><p>Der Mann mit der Kamra kam auf Sammetpfoten in unser B�ro und stellte das Getr�nk auf den Schreibtisch. Juffin schob mir f�rsorglich eine gro�e Tasse davon unter die Nase.</p><p>�Sei bitte so lieb und erz�hle mir, was vorgefallen ist. In allen Einzelheiten und von Anfang an. Schaffst du das?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>Ich begann mit dem Traum, den ich mit Sch�rf teilte, und machte bald eine erstaunliche Entdeckung - die interessanteste Entdeckung des Abends sogar: Wenn ich wirklich in der Klemme steckte, konnte ich mich bemerkenswert kurz fassen. Die Tasse jedenfalls war noch nicht kalt, als ich mit meiner Erz�hlung fertig war.</p><p>�Was f�r eine Geschichte�, seufzte Juffin. �Vor allem der Schluss. Wie in alten Zeiten! Doch selbst in der Ordensepoche w�re das starker Tobak gewesen.�</p><p>Die T�r quietschte, und ich fuhr zusammen. Juffin dagegen sagte strahlend: �Kommen Sie rein, Sch�rf. Ich brenne auf Ihre Version der Ereignisse und f�rchte, irgendein Lump will auf Ihrem R�cken das Chumgat durchqueren.�</p><p>�Das f�rchte ich auch. Und ich frage mich, warum ich nicht darauf gekommen bin, was mit mir los war�, pflichtete Lonely-Lokley ihm bei. �Bedenken Sie aber bitte, dass ich nicht von allein in diese Klemme geraten bin. Ich wurde im Schlaf beeinflusst, als ich mir den Traum von Sir Max ansah, der an einem Ort angesiedelt sein soll, den es wirklich gibt. Mein Reiter h�tte von vornherein an diesem Ort landen sollen.�</p><p>Sch�rf blieb neben meinem Stuhl stehen und stellte behutsam eine mit Runen verzierte Schatulle auf den Tisch. Dann legte er mir vorsichtig die Hand auf die Schulter. Ich sp�rte sofort, dass er keine Handschuhe anhatte.</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, dass du es schaffen w�rdest, mir zu entkommen, Max, und kann mir gut vorstellen, wie sehr dir dieses Gesch�pf auf die Nerven gegangen ist - vor allem, weil es so furchtbar stark von sich �berzeugt war.�</p><p>�Wenn ich dieses Gesch�pf w�re, w�re ich von meinem Erfolg auch �berzeugt�, sagte Juffin und l�chelte traurig.</p><p>�Ich glaube, wir sollten meine Handschuhe untersuchen, je schneller, desto besser. Sie sind hier in der Schatulle. Das Gespenst, das sich bei mir eingenistet hat, kann jeden Moment wieder auftauchen. Sie wissen so gut wie ich, dass Reiter, die das Chumgat zu durchqueren versuchen, nicht so rasch von denen ablassen, die sie sich als Reittiere erkoren haben.�</p><p>�Um welche Reiter geht es �berhaupt? Was ist das Chumgat? Und was soll da durchquert werden? All diese merkw�rdigen Ausdr�cke verstehe ich ganz und gar nicht�, rief ich.</p><p>�Das ist einfach�, sagte Juffin achselzuckend. �Chumgat ist der alte Name f�r das Tor zwischen den Welten. Ich mag ihn nicht, denn er riecht mir zu sehr nach alter Mystik. Es ist besser, die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn vom �Tor zwischen den Welten� die Rede ist, wissen alle, worum es geht.�</p><p>�Da haben Sie wieder mal Recht�, best�tigte ich. �Zwar kenne ich mich mit diesem Tor gut aus, doch mein theoretisches Wissen dar�ber ist l�ckenhaft.�</p><p>�In diesem Bereich brauchst du so viel Theorie wie bei der F�hrerscheinpr�fung f�r das A-Mobil�, sagte Juffin. �Und das nur, um festzustellen, ob du das Tor durchqueren kannst oder nicht. Viele Menschen - selbst m�chtige Magier - schaffen es nicht. Andere dagegen - Maba Kaloch zum Beispiel, Sir Lojso Pondochwa und noch ein paar bekannte Leute, darunter du und ich - haben damit kein Problem. Entweder bist du von Geburt an f�hig, dich mit Unsichtbarer Magie zu besch�ftigen, mit Magie also, die uns bekanntlich durch das Tor zwischen den Welten f�hrt, oder du bist nicht dazu f�hig, und damit ist die Sache erledigt. Das ist wie eine Gabe: Entweder kannst du im Kopf vierstellige Zahlen addieren oder nicht.�</p><p>�Man kann doch ein Blatt Papier oder einen Taschenrechner zur Hilfe nehmen.�</p><p>�Einen Taschenrechner? Was soll das denn sein?�, fragte Lonely-Lokley naser�mpfend.</p><p>�Ach, Sch�rf, es gibt sehr viel mehr seltsame Dinge auf der Welt, als du dir tr�umen l�sst.�</p><p>Nun erst vermochte ich ihn anzusehen und war erleichtert: Das war tats�chlich mein guter Freund Sch�rf. Wie immer war er ruhig und unersch�ttert, und wie immer lie� er keine Gelegenheit aus, sein ohnehin enzyklop�disches Wissen zu erweitern. Also war das Leben wieder wie fr�her. Obendrein hatte ich gelernt, nie wieder einen anderen das Himmelsgew�lbe tragen zu lassen. Man kann jedem vertrauen, aber glauben darf man nur an sich allein. Jeder von uns ist sein eigener Globus und Atlas zugleich. Und wer au�er mir konnte schuld daran sein, dass ich schon mehr als drei�ig Jahre auf der Welt war und nun erst ihre Regeln zu verstehen begann?</p><p>Sir Juffin unterbrach meine �berlegungen. �Wei�t du, Max, mit dem Taschenrechner hast du ein sehr gutes Bild gefunden. Wenn ein Magier erkennt, dass er das Tor zwischen den Welten nicht allein durchqueren kann, nennt er sich Reiter. Na ja, das ist nur ein Name. Tats�chlich aber sucht er sich einen Menschen, der zu dieser Reise f�hig ist, und ergreift von seiner Seele Besitz. F�r jemanden, der Offenkundige Magie beherrscht, ist das ein Kinderspiel. Am leichtesten l�sst sich die Seele von Dummk�pfen lenken, denn sie sind oft begabt, haben aber h�ufig keine Ahnung von ihrem Potential. Au�erdem geh�rt die Seele niemandem.�</p><p>Mein Chef legte eine kurze Pause ein, musterte Lonely-Lokley und setzte seine Ausf�hrungen zufrieden fort. �Aber ein wirklich guter Magier kann auch den K�rper eines Fremden beherrschen. Und wenn er sich sehr anstrengt, dringt er sogar in das Bewusstsein seines Reittiers ein. Wenn es dann stirbt, gehen all seine Talente und F�higkeiten auf den Reiter �ber. Menschen wie du und ich sind daf�r unbrauchbar und f�r diese Wesen sogar gef�hrlich, denn wir wissen, was wir tun, und k�nnen uns verteidigen.�</p><p>Juffin machte erneut eine Pause und musterte diesmal mich. �Wei�t du, eigentlich wollte ich es dir nicht erz�hlen, um dich nicht zu erschrecken, doch auch dich hat so ein Lump beherrschen wollen, als du das Tor zwischen den Welten benutzt hast. Das ist ihm aber misslungen, und gn�digerweise hast du keine Erinnerungen an diese Attacke. Wie gef�llt dir das?�</p><p>Schockiert sah ich meinen Chef an, gewann aber bald die Beherrschung zur�ck. Langsam konnte mich nichts mehr in Erstaunen versetzen.</p><p>�Ach, deshalb kann ich mich an meine Anf�nge in Echo nicht erinnern! Und ich dachte schon, sie seien nur ein Traum gewesen. Aber warum haben Sie mir das verschwiegen, Sir Juffin? Es ist doch besser, so etwas von sich zu wissen.�</p><p>�Wenn ich dir gesagt h�tte, wie es war, h�ttest du dich erschrocken und jede Reise zwischen den Welten abgelehnt. Ich wollte deinen seltsamen Begleiter eigentlich ausfindig machen, aber weil du nie in echter Lebensgefahr warst, habe ich es gelassen.�</p><p>�Schon gut. Zu den Magistern mit Ihnen�, seufzte ich. �Und mit diesen seltsamen Trittbrettfahrern�, f�gte ich hinzu und wandte mich dann an Lonely-Lokley. �Du hast also auch die seltene Gabe, zwischen den Welten zu reisen? �</p><p>�Noch nicht, aber irgendwann schaffe ich es bestimmt. Ich muss nur den richtigen Zeitpunkt abwarten. In meinem Leben geht alles sehr langsam - das ist nun mal mein Schicksal.�</p><p>�Sie m�ssen sich wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass Ihre Zeit inzwischen gekommen ist�, meinte Juffin l�chelnd. �Es war anders gedacht, Sch�rf, aber dieser rastlose Junge�, fuhr mein Chef fort und wies auf mich, �hat Sie fr�her als geplant auf die Reise in eine andere Welt mitgenommen.�</p><p>�Ich habe niemanden mitgenommen�, rief ich beleidigt. �Wann h�ren Sie endlich auf, in R�tseln zu sprechen?�</p><p>�Jedenfalls habe ich es satt, L�sungen zu verk�nden. Und von R�tseln kann gar keine Rede sein�, entgegnete Juffin. �Na sch�n, ich erkl�re es dir. Max, du hast Sch�rf aus Versehen - man k�nnte auch sagen: aus Dummheit - in einen deiner Tr�ume mitgenommen. Ich hoffe, ihr wisst, wovon ich rede. Dann seid ihr zusammen vor den Toren von Kettari spazieren gegangen, und all das hat dazu gef�hrt, dass Sir Sch�rf in eine gef�hrliche, besser gesagt in eine doppelb�dige Situation geraten ist. Einerseits kann er das Tor zwischen den Welten schon allein benutzen, andererseits kennt er sich mit seiner Gabe noch nicht richtig aus. Er befindet sich in der gleichen Lage wie so mancher Bewohner unserer Irrenanstalten ... Leute, jetzt hab ich's! Wir sollten ein paar Geisteskranke besuchen. Bis jetzt hab ich nicht gewusst, wo wir geeignete Reittiere finden k�nnen, aber einige seiner Opfer sitzen bestimmt in der Irrenanstalt. Jedenfalls waren Sie nicht sein erstes Opfer, Sch�rf. Auf Ihrem R�cken durch das Chumgat zu reiten, war aber sogar f�r diesen Routinier mindestens eine Nummer zu gro�. Dennoch f�rchte ich, dass wir es mit einem sehr gef�hrlichen Reiter zu tun haben.�</p><p>�Das f�rchte ich auch�, sagte Sir Sch�rf. �Wie �rgerlich, dass ich nicht an der Suche teilnehmen kann. Das alles liegt zeitlich nicht gerade g�nstig.�</p><p>�Stimmt�, meinte Juffin. �Bleiben Sie hier? Das w�re mir sehr recht, obwohl Sie im Cholomi-Gef�ngnis viel mehr Komfort h�tten.�</p><p>�Nat�rlich bleibe ich. Komfort ist jetzt wirklich nicht das Wichtigste. Das kleine Zimmer neben Ihrem B�ro, in dem Sie fr�her Verh�re durchgef�hrt haben, ist von der Au�enwelt so isoliert wie die Zellen in Cholomi. Au�erdem bin ich dann w�hrend der Ermittlungen in Ihrer N�he. Und wer wei� - vielleicht ist es ganz gut, dass ich den Raum nicht verlasse.�</p><p>Ich sah die beiden verst�ndnislos an. Sch�rf bemerkte meine Verwirrung und l�chelte mild. �Dieser gef�hrliche Reiter kann mich �berall aufs Neue erwischen. Ich habe Juffin meine t�dlichen Handschuhe gegeben, doch auch ohne sie kann ich viel Unheil anrichten. Ich f�rchte, dieser Reiter versp�rt dir gegen�ber besonderen Hass. Immerhin habe ich seine Gef�hle miterlebt. Daher kann ich sicher sagen, dass sein Vorhaben, dich umzubringen, nicht allein aus praktischen Erw�gungen r�hrt. Wenn dieser Lump wirklich bef�rchtet h�tte, dass du Sir Juffin von meinen Problemen erz�hlst, h�tte er mich sofort zum Schweigen gebracht. M�chtig genug dazu ist er ja. Wenn er zu mir kommt, kann ich keinen Widerstand leisten. Das ist ein furchtbares Gef�hl der Ohnmacht. Darum ist es wohl am besten, eine Zeit lang in der Zelle neben eurem B�ro einzusitzen. Jedenfalls, solange ihr in dieser Sache ermittelt. Du bist nicht der Einzige, der bei diesem Abenteuer an die Grenzen seiner M�glichkeiten geraten ist. Ich begreife noch immer nicht, warum du so gro�z�gig warst und mich nicht mit deinem Gift bespuckt hast. Diese Waffe wendest du doch so oft an.�</p><p>�Das war keine Gro�z�gigkeit. Um gro�z�gig sein zu k�nnen, h�tte ich nachdenken m�ssen, doch dazu hatte ich keine Zeit. Irgendwie wusste ich, dass mir nur die Flucht blieb, dass ich also etwas tun musste, womit du ganz und gar nicht gerechnet hast. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir nicht erkl�ren kann, warum genau ich mich so verhalten habe. Vielleicht habe ich rein intuitiv gehandelt.�</p><p>�Ich kann dir nur versichern, dass ich mich gegen dein Gift nicht h�tte wehren k�nnen. Nur mein Handschuh h�tte mich zu sch�tzen vermocht. Dem Lump, der von mir Besitz ergriffen hatte, war mein Leben ganz egal. W�re ich gestorben, h�tte er sich eben jemand anderen f�r sein Vorhaben gesucht. Du hattest jedenfalls die besten Aussichten, mich umzubringen.�</p><p>�Du h�ttest stattdessen auch mich umbringen k�nnen. Oder es w�re etwas noch Schlimmeres passiert.�</p><p>�Es gibt nichts Schlimmeres als den Tod�, belehrte mich Sch�rf. �Andere Ereignisse k�nnen deine Welt besch�digen, aber vernichtet wird sie nur durch den Tod.�</p><p>�Sch�n, meine Herren, genug philosophiert!�, rief Juffin. �Sch�rf, Sie bleiben brav in Ihrer freiwilligen Haft. Ich glaube kaum, dass Ihr Reiter Sie hier wird besuchen wollen. Bei guter F�hrung d�rfen Sie von Zeit zu Zeit einen Spaziergang machen. Nur schlafen d�rfen Sie nicht.�</p><p>�Das denke ich auch�, pflichtete Lonely-Lokley ihm bei. �Wenn es Ihnen gelingt, meinen Reiter binnen vier Tagen unsch�dlich zu machen, komme ich mit dem Schlafmangel allein klar. Wenn Sie aber l�nger brauchen, werde ich ein wenig gegen das Chrember-Gesetzbuch versto�en m�ssen.�</p><p>�Darauf sollten Sie besser nicht spekulieren�, meinte Sir Juffin und l�chelte freundlich. �Das kann ich Ihnen fl�stern.�</p><p>�Ach, das war nur so dahergesagt. Ich habe ohnehin keinen Zweifel an Ihren F�higkeiten�, entgegnete Sch�rf h�flich. �Und keine Dornen ohne Rose, wenn ich so sagen darf, denn in meinem B�ro liegen noch einige B�cher, die ich dringend lesen will.�</p><p>�Sch�n, verstehen Sie das Ganze also als Sonderurlaub. Max und ich fahren derweil in die Irrenanstalt.�</p><p>�Ist die Lage wirklich so dramatisch?�, fragte ich und l�chelte unsicher.</p><p>�Ich glaube schon�, antwortete Juffin ernst. �Helfen kann uns jedenfalls niemand. Aber wir bleiben dort nicht lange, sondern befragen nur ein paar Insassen nach ihren Tr�umen und dergleichen. Jetzt sei bitte so lieb, Max, und bring Sch�rf seine B�cher. Ich m�chte keinen Boten damit besch�ftigen.�</p><p>�Sie h�tten wirklich einen besseren Vorwand finden k�nnen, mich aus dem Zimmer zu schicken�, sagte ich. �Wenn Sie mit Sir Sch�rf Geheimnisse austauschen wollen, tun Sie das doch per Stummer Rede!�</p><p>�Welch scharfsinnige Bemerkung�, brummte mein Chef.</p><p>�Aber wir haben Besseres zu tun, als Geheimnisse auszutauschen. Ich schicke dich einfach weg, damit du dich nicht als gro�er Held oder ungl�ckliches Opfer f�hlst.�</p><p>Ich sch�ttelte ungl�ubig den Kopf und verlie� das B�ro.</p><p>Egal, was mein Chef sagte: Mein zweites Herz war fest �berzeugt, dass die beiden ein vertrauliches Gespr�ch f�hren w�rden, denn Juffin roch geradezu nach Geheimnistuerei. Um den beiden meine Gro�z�gigkeit zu zeigen, verzichtete ich darauf, sie l�nger zu st�ren. Und es w�re taktlos gewesen, �ber den Flur zu hetzen, um schon nach wenigen Minuten mit den B�chern zur�ck zu sein. Sollten sie ruhig so lange fl�stern, wie sie es f�r n�tig hielten.</p><p>Also durchquerte ich den Saal der allgemeinen Arbeit so langsam wie m�glich, ging den anschlie�enden Korridor entlang und trat schlie�lich in Lonely-Lokleys gro�es B�ro.</p><p>Ich nahm einige B�cher aus dem Regal und vom Schreibtisch und l�chelte dar�ber, wie Sch�rf mich zurechtgewiesen hatte, als ich Das Pendel der Ewigkeit an den falschen Platz stellen wollte. Dieser eigenartige Kerl war einer meiner besten Freunde hier, mit dem ich sogar schon den einen oder anderen Traum geteilt hatte. Seltsamerweise dachte ich dar�ber erst jetzt nach, also nachdem er versucht hatte, mich umzubringen.</p><p>Schweigend kehrte ich aus Lonely-Lokleys B�ro zur�ck und legte ihm seine B�cher vor die Nase. Er besah sie gedankenverloren.</p><p>�F�r kurze Zeit reicht das�, sagte er dann, �aber nicht f�r lange. Darf ich jetzt schon um Nachschub bitten?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, versicherte Juffin. ��brigens hat der frisch erkorene Monarch k�rzlich seine Residenz bezogen - eine ehemalige Bibliothek.�</p><p>�Stimmt!�, rief ich. �Am besten gibst du mir eine Literaturliste, und morgen schau ich mal, was ich f�r dich besorgen kann.�</p><p>�Morgen hast du dazu keine Zeit�, meinte Juffin l�chelnd. �Da triffst du dich mit deinen wunderbaren Untertanen, um ihren Thron zu besteigen. Hast du das etwa vergessen?�</p><p>�Eigentlich ja. Aber das ist halb so schlimm, denn nach der Zeremonie habe ich bestimmt noch Zeit, meine Buchbest�nde zu sichten. Gut, Sch�rf, dass du mich darum gebeten hast. So begebe ich mich morgen nicht ganz umsonst in meine Residenz.�</p><p>�Der klopft Spr�che, was?�, rief Juffin entz�ckt. �Nicht ganz umsonst�, wiederholte er dann belustigt. �Jeder andere w�rde vor Freude platzen.�</p><p>�Sie kennen eben meine Vorlieben nicht�, antwortete ich l�chelnd. �Mir reichen eine Jurte am Rand der Leeren L�nder und ein Platz an unserem Stammtisch im Armstrong und Ella. Und wenn es sein muss, ein Stuhl in diesem B�ro. Prunk beleidigt meinen Intellekt.�</p><p>�Dann wird dir eine bescheidene Zelle in der Irrenanstalt sicher gefallen. Sch�rf, Sie treten Ihre freiwillige Haft an, und wenn sich Ihr Reiter meldet, folgen Sie meinem Rat.�</p><p>�Ich habe allen Grund anzunehmen, dass es mir gelingen wird, diese Aufgabe zu meistern�, erkl�rte Lonely-Lokley w�rdevoll.</p><p>Dann ging er zu der Geheimt�r, hinter der sich Juffins Verh�rzelle befand. Dort war es wie im Cholomi-Gef�ngnis: Man konnte keine Magie anwenden und sich nicht per Stummer Rede verst�ndigen. Daf�r war man vor fremden Zauberk�nsten sicher. Diesen Raum hatte Juffin schon zu Beginn der Epoche des Gesetzbuchs einrichten lassen, weil es nicht m�glich gewesen w�re, die Magister der diversen Orden in einem normalen Zimmer gefangen zu halten, und weil es damals f�r die Mitarbeiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps gang und g�be war, sich mit solchen Magistern zu besch�ftigen.</p><p>Zu meiner Zeit dagegen stand der Raum meist leer. Nur einmal hatten wir ihn gebraucht - f�r den toten, aber �beraus flinken Dschifa Savancha aus dem Wald von Mahagon. �rgerlich nur, dass er uns einfach entkommen war.</p><p>�Das sehe ich genauso�, sagte Juffin erleichtert. �Sie schaffen das bestimmt.�</p><p>�Lonely-Lokley ist in Haft. Also k�nnen wir endlich in die Irrenanstalt fahren�, sagte ich augenzwinkernd zu meinem Chef. �Es ist wirklich unterhaltsam, mit Ihnen zu arbeiten.�</p><p>�Mit dir auch, Max�, gab Sir Juffin h�flich zur�ck. �Und jetzt lass uns fahren.�</p><p>�Wo soll's hingehen?�, fragte ich und setzte mich ans Steuer des Dienst-A-Mobils.</p><p>�In die Neustadt, durchs Tor der drei Br�cken und dann immer am Churon entlang. Wenn wir am Stadtrand sind, gebe ich dir weitere Instruktionen.�</p><p>�Das ist ziemlich weit�, seufzte ich.</p><p>�F�r einen Chauffeur wie dich spielen Entfernungen doch praktisch keine Rolle.�</p><p>Als Juffin merkte, dass er mir ein Kompliment gemacht hatte, gab er einen Schuss Wermut in den s��en Wein seines Lobs. �Bitte bau keinen t�dlichen Unfall, damit Sir Sch�rf nicht bis an sein Lebensende in meiner Verh�rzelle bleibt.�</p><p>�Das w�re wirklich keine reizvolle Aussicht. Aber statt den Teufel an die Wand zu malen, erz�hlen Sie mir lieber, was uns in der Irrenanstalt erwartet.�</p><p>�Wir werden wiederholen, was ich dir beigebracht habe. Du hast hoffentlich nicht vergessen, wie man die Vergangenheit von Gegenst�nden erf�hrt.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich bin ein gro�artiger Sch�ler. Wie k�nnte ich Ihre Lehren je vergessen? Vielleicht glauben Sie mir nicht, aber ich stelle regelm��ig dem einen oder anderen Gegenstand zu �bungszwecken Fragen nach seiner Vorgeschichte.�</p><p>�Schon gut. Ich dachte nur, du h�ttest in letzter Zeit keine Gelegenheit dazu gehabt�, sagte mein Chef. �Umso besser f�r uns. Wom�glich bin ich auf deine Hilfe angewiesen.�</p><p>�Werden Sie die M�bel befragen?�</p><p>�Die vielleicht auch, doch das wei� ich noch nicht. In unserer letzten Unterrichtsstunde zu diesem wunderbaren Thema hast du erfahren, dass man Dinge genauso verh�ren kann wie Menschen, aber es gibt einen Unterschied: Gegenst�nde erz�hlen nur die Begebenheiten, deren Zeuge sie waren, w�hrend der Mensch am liebsten von sich oder �ber Dinge erz�hlt, von denen er keine Ahnung hat. Nat�rlich ist es viel schwieriger, mit Menschen zu arbeiten. Am besten befragt man sie deshalb im Schlaf, und zum Gl�ck werden viele unserer Gespr�chspartner schlafen.�</p><p>�Ach, deshalb hab ich nach jedem gef�hrlichen Abenteuer bei Ihnen �bernachten m�ssen!�, rief ich und l�chelte in mich hinein.</p><p>�Ich muss gestehen, dass du mir im Schlaf dein gesamtes Wissen auf herrlichste Weise offenbart hast.�</p><p>�Wie ich sehe�, sagte ich seufzend, �sind Sie ein wahrer Seelenforscher.�</p><p>�Das kann man wohl sagen. Und jetzt bieg rechts ab. Wir sind fast da.�</p><p>Zwei Minuten sp�ter hielten wir vor einem niedrigen Zaun.</p><p>Bisher hatte ich geglaubt, jede Irrenanstalt sei so gut gesichert wie das ber�hmte Zuchthaus Nunda in Gugland. Was ich nun vorfand, widersprach meinen Erwartungen ganz und gar: Nicht einmal der Eingang der Anstalt war geschlossen, und der Zaun lie� sich spielend leicht �berwinden.</p><p>Wir gingen durch einen sch�nen, angenehm verwahrlosten Park und landeten vor einem Geb�ude, an dessen Vorderseite zwei gro�e Fenster leuchteten.</p><p>�Ah, wir werden erwartet�, meinte Juffin und hielt eifrig auf das Haus zu wie ein Nachtfalter, den es zum Licht dr�ngt.</p><p>�Warum gibt es hier keine Schutzmauer? Kennt man so was in Echo nicht?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte mein Chef und hob erstaunt die Brauen. �Warum auch? Wer sollte diese armen Menschen �berfallen?�</p><p>�Aber sie k�nnten weglaufen!�, rief ich.</p><p>�Warum sollten sie? Schlie�lich geht es ihnen hier sehr gut. Die Heiler helfen ihnen, und manche Kranke k�nnen sogar ins normale Leben zur�ckkehren. Ist es in deiner alten Heimat etwa �blich, die Verr�ckten wegzusperren?�</p><p>�Nat�rlich. Sie schauen sich doch regelm��ig meine DVDs an - sind Sie da nie an Einer flog �ber das Kuckucksnest geraten? Diesen Film kann ich Ihnen sehr empfehlen, er wird Ihren Horizont erweitern. Nicht mal der legend�re Verbrecher Lojso Pondochwa h�tte sich so etwas ausdenken k�nnen.�</p><p>Jetzt erst merkte ich, dass ich vor ohnm�chtiger Wut zitterte, als h�tte ich schon in so einer Anstalt gesessen. So stark kann gro�e Filmkunst auf den Menschen wirken!</p><p>�Nimm das alles nicht so ernst�, riet mir mein Chef. �Schlie�lich gehen wir jetzt zu einem Heiler. Dieser kluge Mann braucht dich nur anzusehen, um bei dir etwas Verd�chtiges festzustellen. Dann bekommst du ein paar Sorgenfreie Tage, und meine Probleme werden noch gr��er. Also rei� dich zusammen.�</p><p>Ich unterdr�ckte meinen Zorn, seufzte tief und sagte dann ruhig: �Psychisch Kranke einzusperren, ist mitunter notwendig. Sicher erinnern Sie sich noch an meinen verr�ckten Landsmann, der Frauen die Kehle durchgebissen hat. Was h�tte man mit so einem Kerl tun sollen? Ihn mit Pillen beruhigen? Oder ihn in diesem Park spazieren gehen lassen?�</p><p>�Auch mit diesem Fall w�ren unsere Heiler rasch fertig geworden�, sagte Juffin leichthin. �Man h�tte ihm Kristalle der Demut verabreicht. Die beruhigen.�</p><p>�So einfach ist das hier?�</p><p>�Einfacher geht's kaum, was?�</p><p>Da die Fenster im ersten Stock so einladend leuchteten, gingen wir die breite Treppe hinauf, deren weicher Teppich eventuelle Sturzgel�ste der Insassen sanft abfangen sollte.</p><p>�Guten Abend, Sir Juffin. Sie sind es wirklich, Sir Max! Wie sch�n, dass Sie unsere Irrenanstalt besuchen und ich mich Ihnen vorstellen darf: Slobat Katschak, Oberster Besch�tzer des Seelenfriedens. Sollte Ihnen dieser Titel zu pomp�s sein, k�nnen Sie mich gern Obernachtheiler nennen�, sagte der zart wirkende J�ngling im t�rkisfarbenen Lochimantel.</p><p>�Slobat ist au�erdem ehemaliger Magister des Ordens der Stachelbeere�, erg�nzte Juffin. �Und er ist ein Nachtmensch wie du, Max.�</p><p>Der kleine Heiler war ungemein gastfreundlich. �Machen Sie es sich bequem, meine Herren. Wenn Sie meine bescheidene Bewirtung ablehnen, bricht mir das Herz.�</p><p>�Seit wann lassen wir vom Kleinen Geheimen Suchtrupp uns nicht mehr zum Essen und Trinken einladen? Das w�re ganz was Neues�, sagte Juffin. �Keine Sorge, Slobat: Max und ich werden nicht einen Kr�mel dessen verschm�hen, was Sie uns servieren.�</p><p>Sofort zeigte sich, dass Slobat stark untertrieben hatte, denn auf uns warteten zahlreiche Tabletts. Trotz Juffins gefr��ig klingender Ank�ndigung dauerte unser Mahl nur eine Viertelstunde. Mein Chef wollte offenbar zur Sache kommen.</p><p>�Slobat - Sir Max und ich m�ssen die Zimmer Ihrer Patienten sehen, und wom�glich brauchen wir Ihre Hilfe. Darum m�chte ich Sie bitten, sich im Korridor in Bereitschaft zu halten. Das ist zwar keine angenehme Art, die Nacht zu verbringen, aber Sie haben heute leider kein Gl�ck.�</p><p>�Es gibt Schlimmeres�, meinte der Heiler stoisch. �Wo wollen Sie Ihren Rundgang beginnen?�</p><p>�Bei den hoffnungslosen F�llen, deren Seele durchs All treibt wie eine Nussschale im Sturm der Traurigen Zeit�, sagte mein Chef.</p><p>�S�ndige Magister, Juffin, ich wusste gar nicht, dass Sie auch Dichter sind!�, erkl�rte ich respektvoll und erhob mich.</p><p>�Unsinn, Junge. Es ist nur das Haus, das mich in diese Stimmung versetzt.�</p><p>Wir verlie�en das Geb�ude, gingen durch den Park und landeten vor einem Flachbau.</p><p>�Hier leben die hoffnungslosen F�lle, bei denen das Licht der Vernunft endg�ltig erloschen ist�, sagte unser Cicerone. �Schauen Sie sich ruhig um. Ich warte derweil.�</p><p>Wir betraten einen dunklen Flur. Ich hatte l�ngst gelernt, mich auch im Finsteren leidlich zu orientieren, und Sir Juffin war als Kind des Vereinigten K�nigreichs ohnehin in der Lage, sich sogar in tiefster Nacht zurechtzufinden.</p><p>�Was soll ich tun? Welche Rolle haben Sie mir bei dieser Untersuchung zugedacht?�, fl�sterte ich.</p><p>�Achte zuerst nur darauf, was ich tue. Vielleicht findest du allein heraus, wie so eine Befragung funktioniert. �brigens kann es sein, dass wir hier nichts zu tun bekommen. Immerhin gibt es keine Garantie, dass wir ausgerechnet hier den finden, den wir suchen. Zum Gl�ck brauche ich die Zimmer nur zu betreten, um zu wissen, ob der jeweilige Bewohner f�r uns von Interesse ist oder nicht.�</p><p>�Warum sind wir eigentlich ausgerechnet in diese Anstalt gefahren? Ist sie anders als die �brigen?�</p><p>�Nat�rlich. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in Echo. Die anderen liegen weit drau�en in der Provinz. Und auch diese Anstalt wird wom�glich bald geschlossen, denn manche einflussreichen Heiler behaupten, der Aufenthalt in Echo sei der Seelenheilung abtr�glich. Au�erdem braucht jeder, der das Tor zwischen den Welten durchqueren will, die Kraft der Hauptstadt. Sollte sich unser Reiter also die Seele eines Verr�ckten gesucht haben, dann hier und nicht in Uriuland.�</p><p>Wir betraten das erste Zimmer. Der Teppich war so weich, dass er auch als Bett diente. An der gegen�berliegenden Wand atmete jemand laut unter einer dicken Bettdecke.</p><p>�Diese Lady ist f�r uns nicht interessant�, sagte Juffin schnell. �Ihre wahnsinnige Seele irrlichtert zwar durchs Weltall, hat aber nicht genug Kraft, das Tor zwischen den Welten zu durchqueren. Lass uns weitergehen.�</p><p>�War das wirklich eine Lady?�, fragte ich �berrascht und schloss die T�r hinter mir.</p><p>�Sogar eine wundersch�ne Lady. Warum erstaunt dich das? Nett, dass du Frauen f�r anbetungsw�rdig h�ltst, aber auch sie werden mitunter verr�ckt.�</p><p>�Das wei� ich l�ngst�, fl�sterte ich aufgebracht. �Sind wir etwa in die Frauenabteilung geraten?�</p><p>�Was redest du da schon wieder? Wir sind hier doch nicht im Stadtteil Rendezvous! Oder trennt man in deiner alten Heimat die verr�ckten M�nner von den verr�ckten Frauen?�</p><p>�Allerdings�, best�tigte ich.</p><p>�Warum hat man dort blo� solche Angst vor Verr�ckten?�, fragte mein Chef erstaunt. �Je mehr ich �ber deine Heimat erfahre, desto mehr f�rchte ich, dass auch du irgendwann in so einer streng abgeschirmten Anstalt gelandet w�rst.�</p><p>�Vielleicht�, antwortete ich l�chelnd. �Allerdings habe ich ziemlich �berzeugend den Normalen gespielt.�</p><p>�Na sch�n, wir finden sicher einmal Zeit, deine verlorene Jugend n�her zu besprechen. Jetzt haben wir leider Wichtigeres zu tun.�</p><p>Wir sahen uns weitere Zimmer an.</p><p>�Das bringt nichts�, murmelte mein Chef, doch wir machten weiter. Als wir gut die H�lfte der R�ume inspiziert hatten, empfand ich an einer T�r ein Unbehagen.</p><p>Irgendwie sp�rte ich, dass der Mensch in diesem Zimmer sich unfassbar einsam und von aller Welt verlassen f�hlte. Auch mich �berkam ein Gef�hl absoluter, eisiger Isolation, einer Einsamkeit, die keine Chance bot zu begreifen, was einem widerfuhr - und keine M�glichkeit, je wieder ins normale Leben zur�ckzukehren. Etwas �hnliches hatte ich gesp�rt, als ich in meinem Dienstwagen im Wald von Mahagon eingenickt war und kurz das Tor zwischen den Welten ge�ffnet hatte. Wie sehr hatte ich mich damals erschrocken!</p><p>�Wenn man sonst kein Instrument zur Verf�gung hat, kann man sich an deiner Mimik orientieren�, sagte mein Chef. �Du wirkst sehr beunruhigt. Ich glaube, wir haben gefunden, was wir suchen. Es sei denn, die Seele dieses armen Menschen hat das Tor zwischen den Welten bereits durchquert.�</p><p>�Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie je solche Worte verwendet haben�, meinte ich l�chelnd.</p><p>�Stimmt, aber wie gesagt: Die Atmosph�re dieser Anstalt beeinflusst mich�, antwortete Juffin und setzte sich auf den Boden. �Lass dich nicht irritieren, und lenke vor allem mich nicht von der Arbeit ab. Ich werde jetzt diesen armen Menschen bitten, seine Geschichte zu erz�hlen, und du setzt dich neben ihn und versuchst, Mitgef�hl zu zeigen. Stell dir dabei aber bitte vor, du h�ttest es nicht mit einem Menschen, sondern mit einem Gegenstand zu tun, einer Schachtel oder einem Besen zum Beispiel. Es ist schwerer, die Vergangenheit eines Menschen zu erfahren als die eines Gegenstands, denn Menschen sind viel verschlossener.�</p><p>Ich setzte mich neben Juffin und lehnte mich an die Wand. Auch sie war weich und angenehm und �hnelte den Gummizellen in meiner Heimat.</p><p>Dann starrte ich auf eine kleine Erh�hung unter der Bettdecke. Der Bewohner, den wir zuletzt besucht hatten, war �u�erst schwach gewesen, hatte aber immerhin Kraft genug besessen, sich die Decke �ber den Kopf zu ziehen. Das hatte ihm allerdings nichts genutzt, da mein Blick wie ein R�ntgenstrahl durch das Federbett gegangen war.</p><p>Eine Zeit lang sp�rte ich nicht das Geringste. Ich sa� auf dem Boden und starrte den Schlafenden an. H�tte ich ihn um seine Bettdecke gebeten, w�re ich wom�glich an wichtige Informationen gekommen. Pl�tzlich schlug mir das Herz im Hals, und ich sp�rte h�chste Gefahr.</p><p>Im n�chsten Moment zog ein Kaleidoskop verworrener Erscheinungen an meinem inneren Auge vorbei. Diese Bilder waren aber nichts im Vergleich zu der ungeheuren Einsamkeit, die der Kranke sp�ren musste. Er steckte offenbar im Tor zwischen den Welten fest. Dieser Gedanke lie� mich fr�steln.</p><p>Juffin r�ttelte mich an der Schulter. �Max, wach auf. Wir m�ssen uns beeilen. Ich habe alles erfahren, was ich wissen muss. Dir geht es nicht besonders, stimmt's?�</p><p>�Stimmt�, sagte ich kopfsch�ttelnd. Ein Teil von mir schien durch die Irrenanstalt zu geistern, ein gro�er Teil von mir sogar, und ich glaubte, ohne diesen Teil viel angenehmer leben zu k�nnen. Da das Kopfsch�tteln nicht half, wieder zu Kr�ften zu kommen, gab ich mir zwei heftige Ohrfeigen.</p><p>�Soll ich weitermachen?�, fragte mein Chef belustigt.</p><p>�Danke, das schaff ich schon allein. Au�erdem brauche ich jetzt unbedingt Wasser.�</p><p>�Nichts leichter als das. Die kleine T�r dort f�hrt ins Bad. Aber beeil dich bitte. Wir m�ssen wirklich los.�</p><p>Ich ging ins Bad, setzte meinen Turban ab und hielt den Kopf unter den Hahn. Die Wassertemperatur war ideal. Flugs wusch ich die j�ngsten Ereignisse von mir ab. Juffin stand in der T�r und beobachtete neugierig jede meiner Bewegungen.</p><p>�Ich habe ersch�tternde Dinge erfahren, Max - genau wie du. Aber ich glaube, dir mangelt es noch an Erfahrung, um das Geschehene in eine verst�ndliche Sprache zu �bersetzen.�</p><p>�Gut m�glich�, antwortete ich matt.</p><p>�In dieser Anstalt d�rften wir noch weitere Opfer unseres geheimnisvollen Reiters finden - wesentlich mehr, als ich vermutet hatte. Aber wir werden damit keine Zeit verlieren, denn das Zentrum der Unheil stiftenden Kraft befindet sich zweifellos in diesem Zimmer. Der Mann beispielsweise, den wir eben untersucht haben, ist schon seit �ber achtzig Jahren von einer fremden Kraft besessen, also die ganze Zeit �ber, die er hier verbracht hat. Man muss allerdings zugeben, dass er sich perfekt getarnt hat. Wer h�tte gedacht, dass der m�chtigste Magister des Ordens vom Stab im Sand hier einsitzt? Ich jedenfalls w�re nie auf diese Idee gekommen.�</p><p>�Kennen Sie diesen Mann etwa?�, fragte ich meinen Chef.</p><p>�Aber ja! Magister Gugimagon und ich waren gute Freunde. Seinerzeit hat er versucht, �ber mich an alle Geheimnisse der Unsichtbaren Magie zu gelangen. Doch in seinem Gesicht stand geschrieben, dass er dieses Wissens nicht w�rdig war - und zwar mit so gro�en Buchstaben�, sagte Juffin und breitete die H�nde aus wie ein Angler, der einen kapitalen Hecht gefangen haben will.</p><p>�Sie hatten wirklich interessante Freunde. Hat der Alte hier Ihnen vielleicht verraten, wo wir den gesuchten Reiter finden?�</p><p>�Das wei� er nicht. Er ist ihm nur im Traum begegnet. Oder denkst du, dass Gugimagon seinen Verfolger zu einer Tasse Kamra eingeladen h�tte?�</p><p>�Woher soll ich wissen, welche Sitten bei b�sartigen Magiern herrschen?�</p><p>�Gehen wir, du gutartiger Magier�, sp�ttelte mein Chef. �Und h�r auf zu simulieren - es geht dir doch l�ngst wieder bestens. Auf uns warten wichtige Aufgaben, ein Abschiedsessen bei Slobat Katschak zum Beispiel.�</p><p>Er gab mir einen leichten Tritt in den Hintern, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.</p><p>Wir traten auf den Flur, wo der Heiler uns schon sehns�chtig erwartete.</p><p>�Haben Sie erfahren, was Sie wissen wollten?**, fragte er.</p><p>�Jedenfalls einiges�, antwortete Juffin allgemein. �Nun allerdings brauchen wir Ihre Hilfe.�</p><p>�Aber gern!�, rief Slobat so begeistert, als h�tte mein Chef ihm eine T�te Drops angeboten.</p><p>�Sie m�ssen m�glichst rasch einen Patienten enttarnen�, sagte Juffin und hielt inne, um die richtigen Worte zu finden. �Er ist nicht krank, sondern ein begnadeter Simulant und sitzt seit mindestens achtzig Jahren in der Anstalt. Er muss gleich zu Beginn der Epoche des Gesetzbuchs eingeliefert worden sein. Jedenfalls habe ich ihn seitdem nicht mehr gesehen. Er hat immer etwas �lter gewirkt als ich und ist gro� und muskul�s, aber nicht dick. Wom�glich hat er sein Aussehen ver�ndert, aber gro� ist er nach wie vor. Au�erdem ist er auf dem linken Auge blind.�</p><p>�Das ist der alte Koto Chalis!�, rief Slobat aufgeregt. �Aber der ist harmlos. Sie ahnen ja nicht, wie verr�ckt er ist! Man kann ihm so viele Kristalle der Demut verabreichen, wie man will - der Erfolg ist gleich null.�</p><p>�Das hab ich mir gedacht. In bewusstem Zustand kann er ohnehin nichts unternehmen. F�hren Sie uns sofort zu ihm.�</p><p>�Aber nat�rlich.� Slobat Katschak wandte sich zum Gehen. Er wirkte verunsichert. �Sein Zimmer liegt im Nachbargeb�ude. Dort sind �hnlich hoffnungslose F�lle untergebracht wie hier.�</p><p>Eine Minute sp�ter waren wir im Nachbargeb�ude. Sir Juffin entwickelte solches Tempo, dass er Slobat und mich abh�ngte. Offenbar wollte er unbedingt seinen alten Freund umarmen.</p><p>Diesmal f�hrte Sir Slobat uns direkt ins hinterste Zimmer rechts. Juffin riss die T�r auf, erstarrte aber schon auf der Schwelle, so dass ich gegen seinen R�cken prallte.</p><p>�Na ja�, sagte er finster. �Damit war wohl zu rechnen.�</p><p>�Was ist denn?�, fragte ich, begriff aber im gleichen Moment, was geschehen war. Das Bett war leer, doch eine Delle in der Matratze zeigte, dass bis vor kurzem jemand darin gelegen, sich dann aber in Luft aufgel�st hatte - w�re er n�mlich aufgestanden, h�tte das andere Spuren hinterlassen. Der Stoff, aus dem in Echo die Bettw�sche ist, passt sich schnell dem Umriss des Schlafenden an und kehrt erst nach Stunden wieder zu seiner neutralen Form zur�ck.</p><p>�Er hat es also doch geschafft!�, rief Juffin. �Er hat das Chumgat durchquert! F�r jemanden in seiner Lage ist das kein Kinderspiel. Slobat, mein Freund, ich habe schlechte Nachrichten. Sie m�ssen pr�fen, wie viele Leichen sich in Ihrer Anstalt finden. Es d�rften mindestens zw�lf sein. Gugimagon ist f�r seine letzte Reise aufs Ganze gegangen. Ich staune, dass ihm das gelungen ist.�</p><p>�Das d�rfte eine unangenehme Arbeit werden�, meinte Slobat ergeben. �Kommen Sie denn ohne mich klar?�</p><p>�Nat�rlich, wir wollten sowieso los. Vielen Dank f�r Ihre Hilfe. Und sollte jemand versuchen, Ihnen f�r das, was w�hrend Ihrer Schicht geschehen ist, die Schuld in die Schuhe zu schieben, dann melden Sie sich bitte sofort per Stummer Rede bei mir. Ich bin jederzeit bereit, Ihren Vorgesetzten zu versichern, dass Sie keine Verantwortung f�r die Geschehnisse tragen. Schlie�lich hat Gugimagon nicht Ihnen, sondern einem Ihrer Vorg�nger den B�ren aufgebunden, verr�ckt zu sein. Aber ich glaube kaum, dass Sie meine Hilfe brauchen werden.�</p><p>�Zu den Magistern mit meinen Vorgesetzten und meiner Reputation!�, seufzte Sir Slobat. �Was w�rde ich darum geben, diese Nacht in meinen vier W�nden verbracht zu haben! Es ist schrecklich, dass w�hrend meiner Schicht so viele Menschen gestorben sind. N�chte wie diese lassen mich an meinem Beruf zweifeln.�</p><p>Wir gingen durch den Park zum Ausgang.</p><p>�Meinen Sie wirklich, Ihr Freund hat jeden umgebracht, der ihm als Reittier dienen sollte, um das Tor zwischen den Welten zu durchqueren?�, fragte ich beunruhigt. �Was mag dann mit Sir Sch�rf geschehen sein? Wir k�nnen uns nicht mal per Stummer Rede bei ihm melden, weil er in der Isolationszelle sitzt.�</p><p>�Bei Sch�rf ist alles in Ordnung, keine Sorge. Er wollte nicht schlafen, und ich hab ihn hellwach bleiben lassen. Dagegen kann selbst Gugimagon nichts unternehmen. Au�erdem hab ich Lonely-Lokley eine ausgezeichnete Waffe besorgt.�</p><p>�Was denn f�r eine Waffe?�, fragte ich pochenden Herzens. �Oder ist das ein Geheimnis?�</p><p>�Allerdings. �ber Waffen soll man erst reden, wenn sie ihre Aufgabe erf�llt haben. Manchmal n�mlich schw�chen Worte ihre Kraft. Gedulde dich noch etwas. Ich erz�hle dir alles, wenn ich mir erst sicher bin, dass Sch�rf keinen Schutz mehr n�tig hat.�</p><p>�Also deshalb haben Sie mich zum B�cherholen geschickt?�</p><p>�Nicht doch. Ich f�rchte nur, dass du der Redaktion der K�niglichen Stimme fr�her oder sp�ter all meine Geheimnisse verr�tst. Besonders, da du dich nun so gut mit Chefredakteur Rogro Schill verstehst.�</p><p>�Ach, daher weht der Wind! Aber ich trenne das Dienstliche immer strikt vom Privaten.�</p><p>�Das �ndert sich bestimmt noch�, tr�stete mich mein Chef und schwang sich auf den Beifahrersitz.</p><p>Ich setzte mich ans Lenkrad und stellte die entscheidende Frage: �Und jetzt?�</p><p>�Jetzt, lieber Max, m�ssen wir zum Tor zwischen den Welten fahren und meinen alten Freund auf sp�ren.�</p><p>�Er ist bestimmt an den Ort gegangen, von dem Sir Sch�rf und ich unabh�ngig voneinander getr�umt haben.�</p><p>�Wie kommst du darauf?�, wunderte sich mein Chef.</p><p>�Ich wei� es nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es so ist.�</p><p>�Umso besser�, sagte Juffin. �Morgen gehen wir ihn dort gemeinsam suchen.�</p><p>�Warum nicht sofort?�</p><p>�Warum so ungeduldig?�, fragte mein Chef und sch�ttelte den Kopf. �Wir sollten uns besser mit Sir Kofa treffen und uns die neusten Ger�chte erz�hlen lassen, die in Echo in Umlauf sind. Au�erdem bekommst du morgen von deinen Untertanen deine Krone aufgesetzt - schon vergessen? Es w�re doch schade, wenn das Tor zwischen den Welten dich in weite Fernen f�hren w�rde und du deine Kr�nung vers�umtest, oder?�</p><p>�Ich f�nde das ganz und gar nicht schade�, brummte ich.</p><p>�Du nicht, aber Seine Hoheit K�nig Gurig VIII. sieht das sicher v�llig anders. Er hat alles vorbereitet und aus allen Provinzen des Vereinigten K�nigreichs wichtige Personen nach Echo eingeladen. Sollten wir uns der Kr�nungsfeier entziehen, w�rde er das sicher nicht verstehen - trotz seines Respekts f�r unsere geheimdienstliche Arbeit. Nach der Feier dagegen k�nnten wir wom�glich jahrelang verschwinden, ohne dass er unsere Abwesenheit bemerken w�rde.�</p><p>�Glauben Sie wirklich, Seine Majest�t w�rde uns nicht bald vermissen?�</p><p>�Nicht unbedingt, denn im Tor zwischen den Welten vergeht die Zeit viel schneller als in Echo. Aber wir sollten die Kr�nungszeremonie wirklich abwarten - vor allem, weil ich dir nicht versprechen kann, dass wir unbeschadet aus dem Tor zur�ckkehren. Und wer sich auf ein riskantes Abenteuer einl�sst, sollte seine Angelegenheiten geregelt haben. Es ist n�mlich so, Max: Wer mehrere Lochim�ntel �bereinander tr�gt, bekommt irgendwann Probleme mit dem Gehen und st�rzt. Deshalb sollte man Ballast abwerfen, verstanden?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Nett, dass du mitunter so verst�ndig bist. Ich bin heute n�mlich nicht aufgelegt, den geduldigen Lehrer zu spielen.�</p><p>Trotz meines grenzenlosen Vertrauens in Juffin Halli, der mir mehrmals versichert hatte, mit Lonely-Lokley sei alles in Ordnung, wollte ich mich mit eigenen Augen davon �berzeugen. Mein Chef war so nett, die T�r zur Verh�rzelle zu �ffnen. Sch�rf sa� kerzengerade und mit gekreuzten Beinen auf dem Boden und las im Pendel der Ewigkeit. Unser Erscheinen l�ste bei ihm anfangs wenig Begeisterung aus, doch dann taute er auf und fand sich sogar dazu bereit, eine Tasse Kamra mit uns zu trinken.</p><p>Dann kehrte er in seinen Elfenbeinturm zur�ck, und Kimpa - der Haushofmeister von Sir Juffin - tauchte auf, um seinen Herrn abzuholen. Etwas sp�ter teilte Sir Kofa mir per Stummer Rede mit, er komme in wenigen Minuten ins Haus an der Br�cke.</p><p>Zwar h�tte ich nicht auf Kofa warten m�ssen, sondern nach Hause gehen k�nnen, doch diese Aussicht begeisterte mich wenig, da meine Freundin Techi mir per Stummer Rede mitgeteilt hatte, sie sei todm�de und wolle fr�h ins Bett. Ich dagegen war putzmunter.</p><p>Mein Kampf mit Lonely-Lokley hatte mich offenbar viel st�rker aufgeputscht als zun�chst vermutet. Wie gro� war daher meine Erleichterung gewesen, nach diesem Kampf in das beruhigende Gesicht meines Chefs blicken zu k�nnen.</p><p>Zudem musste ich mir eingestehen, mich auch deshalb so stark f�r die Suche nach Gugimagon zu engagieren, um mich von meinen Problemen abzulenken.</p><p>�Guten Abend�, begr��te Sir Kofa mich freundlich.</p><p>Er betrat mein B�ro und lie� dabei seine neueste Tarnung - ein Gesicht mit buschigen Augenbrauen - verschwinden.</p><p>�Was machst du hier, mein Junge? Und was suchst du in deiner leeren Tasse?�</p><p>�In meine Tasse geh�rt eine neue Portion Kamra, aber das bekomme ich schon hin. Setz dich und greif zu. Wenn nichts mehr da ist, geben wir unserem Schatzmeister Dondi Melichais Bescheid, der sicher so freundlich ist, unsere Zeche bei Madame Zizinda zu begleichen.�</p><p>�Ich wusste ja, dass du gro�artige Arbeitsmethoden hast�, stellte Sir Kofa respektvoll fest.</p><p>�Die habe ich von dir. Du hast mir beigebracht, dass man am besten arbeitet, wenn man in der Dienstzeit von Wirtshaus zu Wirtshaus zieht, und zwar auf Kosten seines Arbeitgebers. Aber ich war heute ziemlich viel unterwegs und m�chte deshalb lieber hierbleiben und dir die M�glichkeit geben, die Fr�chte deiner p�dagogischen Bem�hungen in meinem B�ro zu genie�en.�</p><p>Wir machten nur eine kleine Bestellung im Fressfass, denn besonders ich musste auf das Fassungsverm�gen meines Magens R�cksicht nehmen, den ich seit Sonnenaufgang unausgesetzt mit Essen vollgestopft hatte. Nur w�hrend des Kampfs mit Lonely-Lokley und dem Flug �ber Echo hatte es eine Pause gegeben.</p><p>Nun erst erkannte ich die komische Seite meiner Abenteuer und musste so herzlich wie erleichtert lachen. Sir Kofa h�rte sich die ganze Geschichte an und war sichtlich am�siert.</p><p>�Tja�, seufzte ich dann, �der Abend ist zu Ende, und ich hoffe, dass ich morgen wie neugeboren meiner Arbeit nachgehen kann.�</p><p>�Von wegen! Morgen erwartet dich ein Abenteuer anderer Art. Hast du das vergessen? Wahrscheinlich nicht - schlie�lich bist du ein Freund der Abwechslung.�</p><p>�Manchmal schon�, best�tigte ich vorsichtig. �Allerdings verstehe ich unter Abwechslung vor allem, den Abend nicht immer im gleichen Wirtshaus ausklingen zu lassen.�</p><p>�Die morgige Veranstaltung ist bestimmt nach deinem Geschmack�, versicherte mir Sir Kofa. �Schon die G�steliste ist ein Genuss.�</p><p>�Meinst du meine Untertanen? Ich musste sie etwas zivilisieren, aber nun ist ein recht angenehmes V�lkchen aus ihnen geworden.�</p><p>�Dazu kann ich mich nicht �u�ern. Ich meinte eher die eingeladenen Provinzf�rsten. Die werden dir sicher gefallen.�</p><p>�Sind sie so am�sant?�, fragte ich erfreut.</p><p>�Mehr als das - und jeder auf eigene Weise. Au�erdem hat K�nig Gurig alle W�rdentr�ger selbst fernster Provinzen eingeladen, die sich gegenw�rtig in Echo aufhalten.�</p><p>�Gegenw�rtig? Gibt es etwa keine st�ndigen diplomatischen Vertretungen?�</p><p>�Wozu denn?�, fragte Kofa zur�ck. �Max, es ist doch viel besser, dass sie nur dann nach Echo kommen, wenn sie etwas von uns wollen. Allerdings wollen sie fast immer etwas von uns.�</p><p>�Kofa, erz�hl mir von diesen Provinzf�rsten. Nach dem heutigen Tag kann ich sowieso nicht schlafen und brauche ein wenig Unterhaltung.�</p><p>�Es gen�gt nicht, von diesen Leuten zu erz�hlen - man muss sie erlebt haben. Morgen kannst du deine Neugier stillen. Hast du schon von deinem Landsmann geh�rt?�</p><p>�Meinst du Graf Gatschilo Wuk, auch Sir Dunkler Sack genannt? Nat�rlich habe ich schon von ihm geh�rt. Aber nichts N�heres, um ehrlich zu sein. Er soll sich in seinem Schloss schrecklich langweilen und froh sein, dass ich sein Nachbar werde. Ich f�rchte allerdings, seine Hoffnungen werden sich nicht erf�llen. Au�erdem soll er sehr streitlustig sein.�</p><p>�Der alte Graf Gatschilo hat sogar den friedliebenden Gro�vater unseres K�nigs noch in die Kriegskunst eingef�hrt. Darum glaube ich, das hundertj�hrige Durcheinander, das erst mit der Verabschiedung des Chrember-Gesetzbuchs zu Ende ging, war gewiss zur H�lfte dem Wirken des Dunklen Sacks zu danken. Egal, was der Gro�e Magister Nuflin Moni Mach dazu sagen mag.�</p><p>�Warum nennt man den Grafen eigentlich Dunkler Sack?�</p><p>�Das ist eine andere Geschichte. Graf Gatschilo hat zwei Prinzipien: Erstens reist er mit m�glichst wenig Gep�ck, und zweitens widerspricht es seiner Vorstellung von Menschenw�rde, auf Reisen materielle Bed�rfnisse zu sp�ren. Und weil der alte Gatschilo ein recht passabler Zauberer ist - f�r jemanden aus der N�he von Uguland zaubert er sogar sehr gut -, hat er eine einfache Methode gefunden, sich von diesen Bed�rfnissen zu befreien: Er hat einfach seine alte Reisetasche verzaubert. Seither kommt er auf seinem Klepper in die Hauptstadt geritten und hat nur diese Tasche dabei, seinen dunklen Sack n�mlich. Kaum braucht er etwas, greift er hinein und zieht es raus - egal, ob es sich um ein Festgewand oder um eine Armee handelt. Deshalb nennt man ihn den Dunklen Sack. Er soll von diesem Spitznamen ganz begeistert sein.�</p><p>�Dieser Mann ist ja ein Genie!�, rief ich. �Den muss ich kennenlernen und bei ihm in die Lehre gehen. Ich teile seine Prinzipien v�llig. Was k�nnte praktischer sein, als alles nur Erforderliche in einem einzigen Sack zu transportieren!�</p><p>�Siehst du, so nette Menschen leben in der Grafschaft Wuk! Und vor kurzem hast du dich noch gestr�ubt, K�nig der Leeren L�nder zu werden.�</p><p>�Vielleicht sollte besser Graf Gatschilo dort K�nig sein�, murmelte ich. �Das w�re sicher die ideale Besch�ftigung f�r ihn.�</p><p>�Ich f�rchte, du untersch�tzt dein Volk, Max�, sagte Sir Kofa ernst. �Es ist eher bereit zu sterben, als sich von einem Barbaren regieren zu lassen. Und ein Barbar ist f�r diese Menschen jeder, der nicht in den endlosen Steppen zur Welt gekommen ist. Graf Gatschilo w�rde deinen Untertanen das Sterben sicher leichtmachen - man m�sste ihm nur ein Schwert in die Hand dr�cken.�</p><p>Ich nickte gedankenverloren und musste dann so pl�tzlich g�hnen, dass selbst ich dar�ber staunte.</p><p>�Sehnst du dich nach einem weichen Kissen?�, fragte Kofa einf�hlsam. �Das ist verst�ndlich, denn du hast einen harten Tag vor dir.�</p><p>�Hart wird nur der Abend�, sagte ich. �Die Zeremonie soll kurz vor Sonnenuntergang steigen. Aber ich geh�re wirklich ins Bett. Vielen Dank, Kofa - du hast mir den Abend vers��t.�</p><p>�Ich f�rchte eher, deine Geduld mit meinen Geschichten �ber Geb�hr strapaziert zu haben.�</p><p>Ich winkte nur ab, g�hnte erneut und stand auf. �Sollte morgen jemand ein Dienst-A-Mobil vermissen: Ich nehme eins mit nach Hause, weil Lonely-Lokley meinen Wagen ruiniert hat. Gute Nacht, Kofa.�</p><p>�Gute Nacht, Max�, antwortete der Meister des Verh�rs.</p><p>Ich hoffte inst�ndig, sein Wunsch m�ge in Erf�llung gehen.</p><p>Und tats�chlich: Kaum im Schlafzimmer, h�rte ich Techi leise atmen, kroch unter die Decke und schlummerte sofort ein. Meine Tr�ume f�hrten mich in geradezu paradiesische Gefilde, und ich schlief bis zum Mittagessen durch - wann ist man schon mal im Garten Eden zu Gast?</p><p>Auch das Erwachen war sehr angenehm, denn Techi stellte mir eine Tasse Kamra ans Kopfende des Bettes. Sie blieb lange warm, weil sie auf einer Heizplatte stand. Meine Freundin allerdings war ausgeflogen. Wahrscheinlich sa� sie gerade in ihrem Gasthaus und bl�tterte in der neuesten Ausgabe der K�niglichen Stimme. Ich meldete mich per Stummer Rede bei ihr, um mich zu bedanken.</p><p>�Keine Ursache, mein Lieber�, antwortete sie. �Ich versuche mich bereits an meiner neuen Rolle als M�tresse.�</p><p>�Kommst du zu mir?�</p><p>�Das geht leider nicht. Es sind G�ste da, und ich habe dem Personal freigegeben. Du musst also allein klarkommen.�</p><p>Ich seufzte nur, schlenderte ins Bad und legte mich in alle neun Wannen. Dann zog ich den schwarzgoldenen Todesmantel an und machte mich auf den Weg ins Armstrong und Ella.</p><p>Im Zwielicht des Lokals sa�en einige G�ste, deren zerknitterte Mienen mich langweilten. Dann aber stellte ich erstaunt fest, dass mein Freund Ande Pu, dem ich noch immer keine Fahrkarte nach Tascher spendiert hatte, an der Theke hockte. Noch mehr �berraschte mich, dass er Kamra trank, obwohl er alkoholischen Getr�nken immer entschieden den Vorzug gegeben hatte.</p><p>Techi begr��te mich mit ihrem sch�nsten L�cheln, und mir fiel auf, dass sie eigentlich immer wundersch�n l�chelte.</p><p>�Zu den Magistern mit meinem Thron�, seufzte ich. �Es ist hier so nett, aber gleich muss ich los und mich mit Innenpolitik herumschlagen.�</p><p>Ande Pu schrak hoch und drehte sich zu mir um. �Max, was redest du da? K�nig zu sein, ist das Beste, was es gibt. Alle werden vor Neid erblassen. Ich an deiner Stelle ...�</p><p>�Ja, du an meiner Stelle�, unterbrach ich ihn belustigt. �Das w�re wirklich gro�artig. Ich w�rde viel daf�r geben, das erleben zu d�rfen. Aber wie geht es dir, mein Freund? Du bist verd�chtig n�chtern, und dein Aufzug ist bedenklich elegant. Was f�hrst du im Schilde? Willst du zu meiner Kr�nung kommen?�</p><p>�Sir Rogro meint, nur ich sei f�hig und w�rdig, die Zeremonie zu verfolgen und von ihr zu berichten�, antwortete Ande stolz.</p><p>�Verstehe. Du m�chtest bei der Feier als bester Freund des neuen K�nigs erscheinen. Ich nehme an, du versprichst dir davon etwas f�r deine Karriere als Journalist.�</p><p>�So ein Unsinn�, meinte Ande traurig. �Manchmal bist du unglaublich zynisch. Das macht mich richtig fertig.�</p><p>Ich lachte auf, um meine Verwirrung zu kaschieren. Was war nur in mich gefahren? Ein angehender Dichter wie er war offenbar leicht zu verletzen.</p><p>Ande sank f�rmlich in sich zusammen, und es tat weh, ihn anzuschauen.</p><p>�Mach dir nichts aus meinem Gerede�, sagte ich und zwinkerte ihm zu. �Hauptsache, du kommst zu meiner Kr�nung, du zuk�nftiger Rogro Schill.�</p><p>�Ich hab dir schon mehrmals gesagt, du sollst mich nicht beim Namen anderer nennen�, sagte Ande und verzog das Gesicht. �Mein Name ist schlie�lich das Einzige, was mich hier h�lt.�</p><p>�Warum brauchst du �berhaupt einen Halt?�, fragte ich leichthin. �Versuch doch mal, etwas unbeschwert zu sein. Das tut wirklich gut.�</p><p>Techi sah zu uns r�ber, sch�ttelte den Kopf und l�chelte mich an. Aber Ande ging nicht auf meinen Vorschlag ein, sondern sagte: �Das ist mir egal. Jedenfalls will ich nicht, dass du meinen Namen �nderst.�</p><p>Die N�chternheit, zu der ihn sein Schreibauftrag zwang, hatte seine Laune offenbar noch schlechter werden lassen als sonst. Meine Prophezeiung, ein gutes Gehalt und eine steile Karriere w�rden ihm die Schwermut schon austreiben, hatte sich als falsch erwiesen.</p><p>Ich winkte ab und trank meine ausgezeichnete Kamra. Manchmal hatte ich den Eindruck, die verbrecherische Energie von Lojso Pondochwa �u�ere sich bei seiner Tochter unter umgekehrtem Vorzeichen, als die F�higkeit n�mlich, die herrlichsten Getr�nke zu zaubern. Ich sah aus dem Fenster und merkte, dass ich allm�hlich gehen musste.</p><p>�Heute sehen wir uns leider nicht mehr�, sagte ich zu Techi. �Erst kommt die Kr�nung, und dann muss ich einen Fall l�sen - wei� der Teufel, wie lange das dauern wird.�</p><p>�Dieser Teufel, von dem du so oft redest - kennt er sich in deinen Angelegenheiten wirklich so gut aus?�, fragte sie mich interessiert. �In deiner DVD-Sammlung taucht das Wort auch erstaunlich h�ufig auf.�</p><p>Ich schwieg ratlos und sah mich um. Ande sa� neben uns, war aber so tief in Gedanken versunken, dass er nichts von unserem Gespr�ch mitbekommen hatte. Das war auch gut so, denn h�tte er von meiner DVD-Sammlung erfahren, dann h�tte davon in k�rzester Zeit die ganze Stadt gewusst.</p><p>�Na sch�n, mein Lieber. Viel Spa� heute Abend - und hab meinetwegen kein schlechtes Gewissen! Du wei�t ja, wie sehr ich mein unspektakul�res Leben liebe.�</p><p>Da es inzwischen h�chste Zeit f�r mich war, sprang ich vom Hocker und r�ttelte Ande aus seinen Tagtr�umen. Er folgte mir gehorsam zum Ausgang.</p><p>�Einen netten Spaziergang durchs Chumgat w�nsche ich dir�, meldete Techi sich per Stummer Rede. �Und denk daran: Immer k�hlen Kopf bewahren!�</p><p>Dass sie von meinem neuen Fall wusste, schockierte mich, doch ich lie� mir nichts anmerken, sondern drehte mich auf der Schwelle um und fl�sterte: �Vielen Dank f�r deinen Rat.�</p><p>Sie l�chelte so freundlich wie unschuldig und winkte mir zu.</p><p>Schweigend fuhren Ande Pu und ich zum Haus an der Br�cke.</p><p>W�hrend der Fahrt machte ich mir Gedanken. Zum Beispiel dar�ber, woher Techi von dem gef�hrlichen Abenteuer wissen mochte, das ich gerade mit Juffin durchstand. Nicht, dass ich unseren Einsatz f�r ein besonders streng zu h�tendes Geheimnis hielt, aber wir hatten bisher keine Zeit gefunden, �ber ihn zu reden. Als ich am Vortag nach Hause gekommen war, hatte Techi schon geschlafen, und als ich am Morgen aufwachte, war sie schon fort. In ihrem Lokal hatten wir nur beil�ufig �ber allerlei Kleinigkeiten gesprochen.</p><p>Entweder rede ich st�ndig im Schlaf, dachte ich, oder ich muss mir wirklich Gedanken machen, um wen es sich bei meiner Freundin eigentlich handelt. Als Tochter von Lojso Pondochwa ist sie bestimmt zu vielem f�hig.</p><p>Ich hielt vor dem Seiteneingang des Hauses an der Br�cke und seufzte. Nichts wusste ich �ber meine Freundin, absolut nichts!</p><p>�Warte, ich bin gleich zur�ck�, sagte ich zu Ande Pu.</p><p>Seltsamerweise verlor mein Begleiter sogar dann seine Seelenruhe, wenn er auf harmlose Polizisten traf. Und das, obwohl ihn mein Todesmantel kein bisschen �ngstigte. Manche Leute sind eben merkw�rdig.</p><p>�Ich warte gern auf dich. Kein Problem. Du hast da drin sicher etwas Wichtiges zu erledigen�, sagte Ande Pu beflissen.</p><p>Das Treppenhaus, das den Trakt der Stadtpolizei vom Trakt des Kleinen Geheimen Suchtrupps trennt, war menschenleer. Auch im Saal der allgemeinen Arbeit war niemand, doch das war nicht erstaunlich, denn alle Mitarbeiter meiner Beh�rde waren in Juffins B�ro versammelt. Sogar Sir Lonely-Lokley hatte die Isolation seiner Verh�rzelle verlassen, f�tterte Kurusch mit s��en Piroggen aus dem Fressfass und sprach mit Lady Melamori �ber die neuesten Erwerbungen der Stadtbibliothek. Offenbar ging es ihm bestens. Ich hatte also eine Sorge weniger.</p><p>�Ihr habt's gut!�, rief ich von der T�r. �Ihr k�nnt zu Abend essen, und ich muss in den Palast. Wie schade!�</p><p>�So schlimm ist das gar nicht�, tr�stete mich Sir Juffin. �Schlie�lich bist du nicht irgendwer, sondern ein zuk�nftiger K�nig. Also kannst du dich ruhig etwas versp�ten. W�rde Gurig VIII. an der Zeremonie teilnehmen, m�sstest du nat�rlich p�nktlich sein. Aber da seine innenpolitischen Prinzipien ihm die Teilnahme an deiner Kr�nung verbieten, kannst du es dir sicher herausnehmen, mit uns etwas zu trinken und mindestens eine kleine Pirogge zu essen.�</p><p>�Und h�chstens drei davon�, sagte ich l�chelnd. �Das ist eine der besten Nachrichten der letzten Zeit. Was feiert ihr hier eigentlich so eifrig, Herrschaften?�</p><p>�Na, was wohl? Deine Kr�nung nat�rlich!�, rief Melifaro und brachte das Piroggentablett vor meinen hungrigen H�nden in Sicherheit. �Nicht so gierig! Bekommst du in deiner Residenz etwa nichts zu futtern?�</p><p>�Ein Wort noch, und ich erkl�re dir im Namen meines K�nigreichs den Krieg�, drohte ich ihm und st�tzte mich auf die Lehne von Melamoris Stuhl. Sofort legte meine Kollegin mir eine kalte Hand auf die gut durchblutete Rechte.</p><p>�Guten Abend�, sagte sie, und mir fiel auf, dass sie so verzweifelt blickte, als verzehrte sie sich vor Sehnsucht.</p><p>�Wenn du willst, baue ich dir ein Flo� und reise mit dir nach Arwaroch. Sag mir einfach Bescheid�, versicherte ich ihr per Stummer Rede, denn schlie�lich gibt es Dinge, die kein anderer h�ren soll.</p><p>�Darauf komme ich gern zur�ck�, sagte sie. �Keine Sorge, Max, ich bin eigentlich immer traurig gestimmt, und bei schlechtem Wetter ist es noch schlimmer.�</p><p>�Dann sollte man das Wetter �ndern.�</p><p>�Die Meteorologen sagen, es bessert sich bald. Aber jetzt sprich wieder laut - dein langes Schweigen ist verd�chtig.�</p><p>Ich tat, wie mir gehei�en, und wandte mich an die Kollegen. �Wollt ihr mir nicht Gesellschaft leisten, Freunde? Ohne euch wird die Kr�nung sicher furchtbar f�r mich.�</p><p>�Ich lasse dich nicht im Stich�, beruhigte mich mein Chef. �Anders als unser K�nig bin ich verpflichtet, an der Zeremonie teilzunehmen.�</p><p>�Danke, Juffin. Nun geht es mir schon viel besser�, versicherte ich ihm. �Gibt es noch andere Freiwillige?�</p><p>�Ich w�rde deine Einladung gern annehmen, aber du siehst sicher ein, dass ...�, begann Sir Sch�rf und breitete ratlos die Arme aus.</p><p>�Nat�rlich�, seufzte ich.</p><p>�Unser Max ist in die Klemme geraten und versucht, auch den anderen den Abend zu verderben�, sagte Kofa l�chelnd. �Oh nein, ich bleibe. Einer muss schlie�lich Bereitschaftsdienst schieben.�</p><p>�Wei�t du, auch ich muss dich im Stich lassen�, fl�sterte Melamori mir zu. �Ich habe mir schon lange vorgenommen, mir heute Abend ein paar deiner DVDs anzusehen.�</p><p>�Das hab ich mir schon gedacht. Ich kenne noch eine nette Lady, die den heutigen Abend gl�hend erwartet, und kann mir durchaus vorstellen, dass du auch ihr eine Flasche Wein aus dem Keller deines Gro�vaters Kima versprochen hast.�</p><p>�Es ist wirklich gef�hrlich, mit dir zu tun zu haben, denn du wei�t alles, und zwar �ber jeden von uns.�</p><p>�Nicht alles - nur das Wichtigste�, sagte ich l�chelnd und wandte mich an Melifaro. �Und du, mein Augenstern? Willst du die wunderbare Gelegenheit, mir Gesellschaft zu leisten, einfach verstreichen lassen?�</p><p>�Keine Sorge, das tu ich schon nicht�, antwortete er wie ein Gentleman, der in den Heiratsantrag der Witwe seines Opfers einwilligt. �Erstens darf man so ein Ereignis nicht verpassen, und zweitens m�chte ich unbedingt meinen guten alten Freund Wiedersehen.�</p><p>�Von wem sprichst du?�</p><p>�Von Prinz Ajoncha Rotri Schimaro, dem �lteren Herrn der Grafschaft Schimara. Das ist ein wunderbarer Mann, der dir sicher gefallen wird. Sein j�ngerer Bruder ist auch nett, f�r meinen Geschmack aber ein wenig streng. Prinz Ajoncha ist eine Seele von Mensch - und obendrein mein Schuldner.�</p><p>�Kaum hatte unser Kollege Melifaro seine Laufbahn beim Kleinen Geheimen Suchtrupp begonnen, befreite er den �lteren Prinzen Schimaro aus einer recht unangenehmen Lage�, erkl�rte Juffin. �Einer der Freunde des Prinzen neigte dazu, Morde vermittels unerlaubter Magie zu begehen, um Rache f�r seine Verwandten zu nehmen, die bei den K�mpfen um die Einf�hrung des Chrember-Gesetzbuchs ums Leben gekommen waren. Dieser Freund war kein schlechter Magier, und es gelang ihm, dem armen Ajoncha die Schuld an diesen Taten in die Schuhe zu schieben. Kaum war unser Prinz in Echo, landete er schon im Cholomi-Gef�ngnis. Daraus entwickelte sich ein Skandal, und sein Bruder Dschifa wandte sich an mich. Er ist zwar zwei Jahre j�nger als Ajoncha, sieht aber bedeutend �lter aus und war seit Kindertagen gew�hnt, seinen Bruder in Schutz zu nehmen. Prinz Dschifa kam im Inkognito eines Kaufmanns nach Echo, um mich um Hilfe zu bitten. Damals war ich noch neu hier und so �berlastet, dass ich ihn zu Sir Melifaro schickte, ohne allerdings daran zu glauben, es werde ihm gelingen, den Fall erfolgreich abzuschlie�en. Unser inzwischen so erfahrener Kollege klimperte damals nur ratlos mit den Wimpern und wusste nicht, wie er den Fall angehen sollte. Als er mir dann am �bern�chsten Morgen den wirklichen M�rder pr�sentierte, wollte ich das zun�chst nicht glauben.�</p><p>�Damals schon wurde Ihnen klar, welchen Gl�cksfall ich f�r Ihre Abteilung bedeute�, sagte Melifaro so zufrieden wie selbstbewusst.</p><p>�Ich schlage vor, die Erinnerungen an deine Gro�taten bei meiner Kr�nung fortzusetzen�, sagte ich und stellte meine leere Tasse auf den Tisch. �Gehen wir, Leute. Meine Untertanen warten schon seit einer halben Stunde auf mich.�</p><p>�Du bist blo� neidisch, weil mal ein anderer gelobt wird als du�, meinte Melifaro lachend. �Stimmt's?�</p><p>�L�sst sich das, was ich gerade erz�hlt habe, wirklich als Lob verstehen?�, fragte Sir Juffin listig.</p><p>Nat�rlich brauchten wir noch mal zehn Minuten, ehe wir alle auf der Stra�e waren. Ande Pu wartete noch immer in meinem A-Mobil und wirkte ungemein gelangweilt. Der hat f�r seine Geduld wirklich ein Denkmal verdient, dachte ich.</p><p>�Wie ich sehe, hast du dir bereits die Unterst�tzung der Presse gesichert�, meinte Juffin kichernd.</p><p>�Schlie�lich ist meine Ruhmsucht allgemein bekannt.</p><p>Ohne meinen k�nftigen Hofberichterstatter tue ich keinen Schritt�, sagte ich und f�gte per Stummer Rede hinzu: �Keine Sorge, ich habe ihn nicht eingeladen, unsere Ermittlungen zu begleiten.�</p><p>�Das k�nnte aber recht lustig werden�, gab mein Chef lautlos zur�ck, l�chelte geheimnisvoll und setzte sich auf den Beifahrersitz meines A-Mobils.</p></section><section><p>�Rutsch ein wenig zur Seite, Sir K�nigliche Stimme - du bist n�mlich ziemlich volumin�s�, verlangte Melifaro, um nicht eingequetscht auf der R�ckbank zu sitzen.</p><p>�Ich finde, unsere Abteilung �hnelt einer Irrenanstalt�, rief ich belustigt und setzte mich ans Steuer. Der weitere Verlauf des Abends sollte die Richtigkeit dieser Einsch�tzung beweisen.</p><p>So fuhren wir endlich zu meiner Residenz. Der Gedanke, leibhaftig K�nig zu werden, lie� mich immer aufs Neue staunen.</p><p>�H�ren Sie, Juffin�, begann ich finster. �Was soll ich bei dieser Feier eigentlich tun? Gibt es Regeln, die ich einhalten sollte?�</p><p>�Ich habe einen klugen Rat f�r dich: Folge dem Beispiel von Caligula�, mischte Melifaro sich belustigt ein.</p><p>�Vielen Dank f�r den guten Rat. Meine erste Amtshandlung als K�nig wird es sein, f�r schlechte Witze die Todesstrafe einzuf�hren�, murmelte ich. �Also, Juffin, kl�ren Sie mich bitte auf.�</p><p>�Sollte es tats�chlich Regeln geben, d�rften nur die �ltesten Vertreter deines Volkes sie kennen. Leider geh�re ich nicht zu dieser illustren Gesellschaft. Aber vermutlich kannst du ohnehin tun, was du willst, denn die geladenen G�ste aus dem Ausland und den Provinzen d�rften denken, dein Benehmen sei typisch f�r die Leeren L�nder, w�hrend deine Untertanen glauben, du seiest in Echo unter schlechten Einfluss geraten.�</p><p>�Dann hab ich ja noch mal Gl�ck�, seufzte ich. �Und nat�rlich werde ich improvisieren.�</p><p>Nach einigem Suchen fand ich endlich einen Parkplatz in der N�he meiner Residenz. Meine Untertanen hatten rund um den Palast ihre Elchk�he angebunden, auf denen sie aus den Leeren L�ndern nach Echo geritten waren, und alle Gehsteige standen voller A-Mobile.</p><p>�Was ist denn hier los? Erwarten die G�ste etwa, dass wir zu Fu� zum Palast kommen?�, brummte Juffin beim Aussteigen in sich hinein.</p><p>Auch Ande Pu kam mit, doch von seinem strotzenden Selbstbewusstsein war nichts mehr zu sp�ren. Er trippelte neben mir her, war sichtlich um meine Aufmerksamkeit bem�ht und schien kurz davor, mich am Todesmantel zu zupfen.</p><p>�Bleib an meiner Seite, Freund�, sagte ich ihm. �Gleich bin ich K�nig und habe ein Recht auf Hofberichterstattung.�</p><p>�Du steigst wirklich professionell in deine Amtsgesch�fte ein�, stellte Juffin bewundernd fest.</p><p>Dazu sagte ich nichts, sondern �ffnete die T�r und winkte meine G�ste mit gro�er Geste in meine Residenz.</p><p>Auf meinem Gesicht erschien ein breites, aber ratloses L�cheln - als h�tte ich Halluzinationen. Meine Vernunft weigerte sich, das Geschehen ringsum als wirklich zu akzeptieren.</p><p>Ich stand auf der Schwelle zum gro�en Audienzsaal,</p><p>dem ehemaligen Lesesaal. Dort war es sehr voll, und ich suchte nach einem bekannten Gesicht, entdeckte aber nur Fremde, die sich allerdings zu gleichen schienen wie ein Haar dem anderen.</p><p>Auch Ande Pu, der sich noch immer neben mir hielt, schien gesellschaftliche Ereignisse dieses Kalibers nicht gewohnt zu sein. Wenigstens begleitete er mich durch dieses Jammertal.</p><p>�Siehst du meine Kollegen vielleicht irgendwo?�, fragte ich meinen Hofberichterstatter fl�sternd.</p><p>Er nickte nur.</p><p>�Dann geh bitte zu ihnen. Bei Sir Melifaro langweilst du dich sicher nicht.�</p><p>�Selbst hier klopfst du Spr�che�, stellte Ande sichtlich erfreut fest und verschwand in der Menge.</p><p>Ich sah ihm nach, konnte aber weder Juffin noch Melifaro entdecken. Was war blo� mit mir los?</p><p>Ich blickte mich vorsichtig um, entdeckte aber nichts, was nach einem Thron ausgesehen h�tte. Umso besser, denn ein Monarch, der unf�hig war, in seiner eigenen Residenz den Thron zu finden, war ganz nach meinem Geschmack. Ich lachte befreit auf und nahm mir vor, mich hinzusetzen, wohin es mir gefiel - und sei es auf die T�rschwelle. Schlie�lich war ich hier der Wichtigste.</p><p>Ich hob die H�nde wie ein selbst ernannter Prophet, der die Menschheit mit seiner Deutung des g�ttlichen Willens begl�cken will.</p><p>�Kein Mensch vermag sich vorzustellen, wie sehr mich die Begegnung mit euch allen freut�, begann ich doppeldeutig und lie� mich nach dieser Begr��ung mit w�rdevoll gekreuzten Beinen auf der T�rschwelle nieder. Ein erstauntes Fl�stern lief durch die Menge, und ich f�hlte mich verpflichtet, mein exzentrisches Verhalten zu erkl�ren.</p><p>�Mein Platz wird f�r immer hier auf der T�rschwelle sein. Der Herrscher n�mlich soll zwischen Himmel und Erde stehen, um beide Sph�ren zu trennen, aber auch zu sch�tzen.�</p><p>Ich hatte das Gef�hl, mein erster �ffentlicher Auftritt als K�nig sei bisher recht erfolgreich verlaufen. Nur das h�fische Zeremoniell schien die Besucher davon abzuhalten, in Beifallsst�rme auszubrechen. Immerhin hielten sie den Atem an!</p><p>Eine Zeit lang passierte gar nichts. Schon wollte ich mich �ber die Tr�gheit meiner Untertanen �rgern, begriff dann aber, dass sie auf meine Befehle warteten.</p><p>�Ihr d�rft ruhig zu mir kommen und tun, was ihr euch vorgenommen habt�, sagte ich.</p><p>In einer fernen Ecke des Saals war heftige Bewegung zu sehen. Ich wartete geduldig. Vielleicht hatte mein Volk ja ausgerechnet dort einen Thron aufgebaut. Wom�glich hatten sich dort zudem alle wichtigen Teilnehmer der Kr�nungszeremonie versammelt und mussten sich nun auf die neuen Verh�ltnisse einstellen.</p><p>Schlie�lich kamen meine Untertanen ehrf�rchtig zu mir. Das war zwar kein allzu erhabener oder majest�tischer, doch ein angenehmer Anblick. Seit ich meinen Nomaden beigebracht hatte, ihre Kopft�cher wie Piraten zu binden, sahen sie ziemlich gut aus. Dutzende junger M�nner in breiten Hosen und weichen Hemden kamen durch den Saal auf mich zu.</p><p>Als sie vor mir standen, verbeugten sie sich tief, fielen aber - den Magistern sei Dank! - nicht vor mir auf die Knie. Offenbar erinnerten sie sich noch daran, dass ich das verboten hatte.</p><p>Ein Mann mittleren Alters f�hrte die Abordnung an. Er war beinahe so muskul�s wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Tagen, wirkte aber erheblich �sthetischer, und ich zweifelte nicht daran, dass er jeden Bodybuilding-Wettbewerb h�tte gewinnen k�nnen.</p><p>�Erlaubt Ihr, dass ich mich vorstelle, Fangachra?�, fragte er mit vor Aufregung zitternder Stimme.</p><p>Ich war �bergl�cklich, denn noch nie hatte mich ein derart respekteinfl��ender Mensch so ehrf�rchtig angeredet.</p><p>�Ich erlaube es�, antwortete ich mit der Stimme eines Menschen, der Entscheidungen zu treffen gewohnt ist.</p><p>�Mein Name ist Barcha Batschoj. Seit drei Jahren bin ich der Anf�hrer der Soldaten des Stammes Chencha�, sagte er.</p><p>Chencha also hie� der Stamm, der all diese Sch�nlinge hervorgebracht hatte. Es war mir unangenehm, mich bisher so ganz und gar nicht f�r die Verh�ltnisse meines Landes und meiner Untertanen interessiert zu haben. Was war ich doch f�r ein Rabenk�nig!</p><p>Barcha fuhr derweil fort: �Bis zum heutigen Tage habe ich die Verantwortung f�r dein Volk getragen, oh Fangachra! Nun aber hat der Himmel mein Flehen endlich erh�rt. Befreie mich nun also von dieser unertr�glichen B�rde.�</p><p>�Ausgezeichnet�, meinte ich nickend. �Abgemacht. Ab heute wird alles anders. Ich bin bereit, vor dem Himmel f�r mein Volk die Verantwortung zu �bernehmen, und du wirst ab heute mir gegen�ber die Verantwortung f�r mein Volk tragen. Ich kann dir versprechen, dass ich - anders als der Himmel - ab und an auf deinen Rat h�ren werde.�</p><p>Barcha Batschoj leuchtete buchst�blich von innen. Er war begeistert, verbeugte sich dankbar vor mir und murmelte vor lauter R�hrung etwas Unverst�ndliches in sich hinein. Er hatte offenbar nicht begriffen, dass sich f�r ihn nichts ge�ndert hatte. Wenigstens hatte ich ihn davon befreit, vergebliche Kontaktversuche mit dem Himmel aufnehmen zu m�ssen.</p><p>Schlie�lich zog sich mein neuer Bekannter, den ich in Gedanken �General� getauft hatte, zur�ck und machte einem etwas �lteren, nicht eben gro�en und ziemlich schlanken Mann Platz, dessen H�nde ebenso kr�ftig und muskul�s wirkten wie die des Generals. �berhaupt war dieser �ltere Mann eine recht auff�llige Erscheinung. Etwas an ihm lie� mich an m�chtige Magister l�ngst verbotener Orden denken. Mein zweites Herz erkannte sofort, dass aus diesem Mann ein sehr gef�hrliches Wesen geworden w�re, wenn sein Leben anders verlaufen w�re.</p><p>�Sei gegr��t, Fangachra!�, sagte der Alte. �Mein Name ist Fajriba, und manchmal besitze ich die Gabe der Klugheit. Ich bin gekommen, um dich bei deinem Wirklichen Namen zu nennen. Wenn dich der Klang dieses Namens erreicht, verschwindet der Fluch, der dein Volk verfolgt, seit wir dich verloren haben. Ich hoffe, deine G�ste werden es mir nicht ver�beln, wenn ich dir deinen Namen gebe, ohne den Mund zu �ffnen. Den Namen eines K�nigs darf man nicht laut �u�ern - das w�re ein Versto� gegen die Gesetze des Himmels.�</p><p>�Ich wusste gar nicht, dass auch mein Volk die Stumme Rede beherrscht.�</p><p>�Dein Volk hat mit dieser gef�hrlichen Magie nichts zu tun�, beruhigte mich der strenge Alte. �Aber ich verf�ge �ber Kraft genug, dir per Stummer Rede deinen Namen zu sagen.�</p><p>Daran zweifelte ich nicht - im Gegenteil: Ich war mir sicher, dass die Magie des Alten noch viel gr��ere Dinge zuwege bringen konnte.</p><p>Der Mann schn�rte seine gro�e Reisetasche auf und sch�ttete mir ihren Inhalt vor die F��e. Zu meinem Erstaunen handelte es sich um ganz normale Erde, und ich fragte mich, ob er in meinem Audienzsaal ein Beet anlegen wollte. Kaum hat man ein neues Zuhause, schon kommen Fremde und richten Chaos an, dachte ich.</p><p>�Gem�� unserer Sitte muss der K�nig der Chencha auf dem Boden seines Landes stehen, wenn er seinen Wirklichen Namen vernimmt�, erkl�rte Fajriba. �Der m�chtige K�nig Gurig, dem gegen�ber Ihr Verpflichtungen habt, erlaubt Euch nicht, in Eure Heimat zur�ckzukehren. Ich m�chte nicht wissen, warum Ihr ihm verpflichtet seid, denn Eure Geheimnisse haben Eurem Volk heilig zu sein. Deshalb habe ich Euch die Erde Eurer Steppe mitgebracht und bitte Euch, sie zu betreten, Fangachra.�</p><p>Gehorsam stand ich auf. Fajribas Vorschlag kam mir zupass, denn meine Beine drohten einzuschlafen. Ich f�rchtete zwar, die Schuhe ausziehen zu m�ssen, aber gl�cklicherweise verlangte das niemand von mir.</p><p>Der Alte zog ein S�ckchen aus der Innentasche seiner Jacke. Darin befand sich eine Schatulle, aus der er eine winzige Flasche nahm. Irgendwie erwartete ich, Fajriba w�rde einen uralten Geist aus dieser Flasche lassen, doch das geschah nicht.</p><p>�Gebt mir Eure Hand, Fangachra�, befahl mir der Alte.</p><p>Unwillk�rlich streckte ich die Linke aus - vielleicht, weil ich sie f�r die meisten Zaubertricks gebraucht hatte, die mir beigebracht worden waren.</p><p>�Das ist ein Zeichen des Himmels, Fangachra�, fl�sterte der Alte mit zitternder Stimme. �Fast alle K�nige haben den Schwur mit der Rechten geleistet, doch in grauer Vorzeit lebte ein Regent namens Drochmor Modilach, der seinem Schamanen die linke Hand gab. Er eroberte viele Gebiete, verschwand aber pl�tzlich. Auch Ihr werdet ein gro�er K�nig sein, Fangachra.�</p><p>�Das kann ich mir vorstellen�, seufzte ich.</p><p>Ich vermutete gleich, der gute Fajriba werde mit mir eine b�se Entt�uschung erleben. Ich hatte n�mlich vor, schon in wenigen Jahren abzudanken und die Geschicke meines K�nigreichs in die H�nde unseres sympathischen Herrschers Gurig zu legen. Einfach zu verschwinden, w�re allerdings keine passable L�sung gewesen. Aber wer wei� -vielleicht w�rde genau das bei meinem Volk gro�en Jubel ausl�sen.</p><p>Der alte Mann �ffnete die Flasche und goss mir ein paar Tropfen einer farblosen Fl�ssigkeit auf die Handfl�che.</p><p>�Dieses Wasser stammt aus der heiligen Quelle deiner L�nder, Fangachra�, erkl�rte er mir.</p><p>Dann entnahm er der Schatulle eine spielkartengro�e gr�nliche Platte aus einem mir unbekannten Material und legte sie vorsichtig auf meine vom heiligen Wasser noch nasse Hand. Da ich f�rchtete, die Platte k�nne herunterfallen, machte ich reflexartig eine Faust.</p><p>Zu meinem Erstaunen war die Platte eiskalt. Als ich die Hand wieder �ffnete, stellte ich fest, dass sie verschwunden war - und mit ihr meine Handlinien! Noch auf der Erde hatte ich ein paar Brosch�ren �ber Chiromantie gelesen und war �ber diesen Verlust entsprechend ersch�ttert.</p><p>Dann erschien auf meiner makellosen Handfl�che eine Zeichenfolge, wie ich sie noch nie gesehen hatte. In meinem Kopf vernahm ich ihre lautliche Umsetzung: �Ajot Mo Limli Nichor - der Herrscher von Fangachra.�</p><p>Der alte Fajriba hatte es geschafft, mir per Stummer Rede meinen vollen K�nigsnamen mitzuteilen, doch ich sp�rte, wie sehr ihn das angestrengt hatte. Auch mich hatte die Stumme Rede fr�her ungemein erm�det, obwohl ich in Juffin Halli einen wunderbaren Lehrer gehabt und der Aufenthalt in Echo mir magische Kr�fte verliehen hatte.</p><p>Mein Wirklicher Name kam mir ziemlich lang vor, und ich zweifelte, ob ich mich an ihn w�rde erinnern k�nnen. Auch die Zeichenfolge in meiner Handfl�che konnte mir da wenig helfen. Doch um die Gef�hle meiner Untertanen nicht zu verletzen, versagte ich es mir, Fajriba um Wiederholung zu bitten.</p><p>�Es ist vollbracht!�, rief der Alte.</p><p>�Es ist vollbracht!�, fl�sterten seine Begleiter einander begeistert zu.</p><p>�Nat�rlich ist es vollbracht�, erkl�rte ich freundlich und lie� mich wieder im Schneidersitz auf der Schwelle nieder. �Und ich hoffe, auch der Fluch, von dem ihr mir vorhin erz�hlt habt, ist damit von euch genommen.�</p><p>Meine nomadischen Untertanen schwiegen, doch ihre Augen leuchteten, und ihre strengen Gesichter hatten einen so begeisterten Ausdruck bekommen, dass ich wohl darauf z�hlen durfte. Das war seltsam, da ich doch gar nicht Fangachra war - egal, welche mystischen Zeichen sich auf meiner Handfl�che zeigen mochten.</p><p>Die Zeremonie stockte kurz, denn die Anwesenden erwarteten meine Befehle, und ich wusste nicht, was ich ihnen auftragen sollte. Zuerst wollte ich jedenfalls das Verh�ltnis zu meinem Volk kl�ren. �Wie ihr wisst, bin ich in Echo unabk�mmlich und daher gl�cklich dar�ber, dass Fajriba und Barcha euch in die Leeren L�nder zur�ckbegleiten.�</p><p>Aufmerksam betrachtete ich meine beiden Vertreter, die ihrerseits das Kinn hoben, den Atem anhielten und wirkten, als seien sie einige Zentimeter gewachsen. Auch andere Mitglieder meines Volkes wirkten erleichtert: Dass der neue K�nig den Status seiner alten Vertreter best�tigt hatte, stimmte alle zufrieden. Sch�n - ich war offenbar ein kluger Herrscher.</p><p>�Ich w�nsche mir, dass ihr mein Volk gl�cklich macht�, sagte ich zu den beiden Auserw�hlten. �Ihr m�sst mir von nun an alles berichten, was euch zust��t. Und weil ihr der Stummen Rede nicht wirklich m�chtig seid, m�sst ihr mir regelm��ig Boten schicken. Ich verspreche euch, sofort zu antworten. Wie lange braucht ein guter Reiter eigentlich von den Leeren L�ndern bis nach Echo?�</p><p>�Vierzig Tage, wenn ihm kein Ungl�ck widerf�hrt�, antwortete Barcha Batschoj.</p><p>�Das ist ja gar nicht lange�, log ich froh. Zwar war es leichtfertig, meine Gef�hle so offen zu zeigen, aber ich war wirklich gl�cklich, meinen k�niglichen Pflichten nur selten nachkommen zu m�ssen.</p><p>�Wir haben Euch Geschenke mitgebracht, Fangachra�, sagte der alte Fajriba. �Unsere Sitten verlangen, dass sie unter vier Augen �bergeben werden m�ssen. Aber wenn Ihr die Freude mit Euren G�sten teilen wollt, habe ich nichts dagegen.�</p><p>�Warum sollten wir gegen die alten Sitten versto�en? Es ist sogar besser, Geschenke unter vier Augen zu �bergeben. Aber jetzt muss ich den �brigen G�sten etwas Aufmerksamkeit widmen. Bringt eure Geschenke darum besser ins B�chermagazin, also in das gro�e Zimmer auf der rechten Seite des Flurs. Die Diener sollen euch den Weg zeigen. Ich komme gleich nach.�</p><p>Die Nomaden nahmen ihre Reisetaschen und zogen ab. Mindestens zehn Diener schienen sich um sie zu k�mmern. Die Gro�z�gigkeit von K�nig Gurig war grenzenlos, doch seine Vorstellungen von meinen Bed�rfnissen entsprachen ganz und gar nicht der Realit�t.</p><p>Ich war sehr angetan von der Idee, meine exaltierten Untertanen in einen anderen Raum zu lotsen, um sie von der �brigen Festgesellschaft zu trennen, denn ich glaubte nicht, dass sie eine gemeinsame Sprache mit anderen Provinzf�rsten des Vereinigten K�nigreichs oder mit Vertretern aus dem Ausland finden w�rden.</p><p>Zwar hatte auch ich meine Zweifel, ob es mir gel�nge, mich mit all diesen Besuchern zu unterhalten, doch ich konnte mich der Situation ohnehin nicht entziehen.</p><p>Als das letzte Piratenkopftuch durch die T�r verschwunden war, stand ich auf und sah mich nach meinen Kollegen um. Sir Juffin kam zu mir und rief begeistert: �Das hast du bravour�s gel�st! K�nig Gurig sollte bei dir Nachhilfe in h�fischer Etikette nehmen. Gerade weil er sich f�r einen Demokraten h�lt, sollte er dich auf der T�rschwelle sitzen sehen - auch wenn es nicht demokratische �berzeugung, sondern Bescheidenheit gewesen sein d�rfte, die dich dazu gebracht hat, dich dort hinzusetzen.�</p><p>�Ich freue mich, dass mein Auftritt Ihnen gefallen hat. Aber haben Sie gesehen, was mit meiner Hand geschehen ist?�, fragte ich und zeigte sie Juffin.</p><p>�Da steht doch nur dein neuer Name�, meinte er nickend. �Und das sogar in alter Schreibweise, also auf Chon-Chonisch. Diese Buchstaben waren zu alter Zeit in Gebrauch, als alle noch nomadisch lebten. Beim Volk der Chencha hat sich dieses alte Wissen offenbar gehalten. Das ist interessant.�</p><p>�Ach so�, seufzte ich. �Und diese Buchstaben - bleiben sie f�r immer auf meiner Handfl�che?�</p><p>�Ja, aber das ist auch besser f�r dich. Es gibt kein st�rkeres Amulett als den Wirklichen Namen, noch dazu in fast vergessener Schrift. Du hast mal wieder viel Gl�ck gehabt.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es sich um meinen Wirklichen Namen handelt. Er hat sicher dem jungen Thronfolger geh�rt, den meine Untertanen vor langer Zeit in der Steppe verloren haben. Ich habe mit dieser ganzen Sache nichts zu tun.�</p><p>�Wenn das nicht dein Wirklicher Name w�re�, meinte Sir Juffin und tippte mir auf die Handfl�che, �dann w�rde er jetzt nicht da stehen. Woher willst du �berhaupt wissen, dass du kein echter Thronfolger bist? Langsam komme ich zu der �berzeugung, es w�rde zu dir passen, in der Steppe vergessen worden zu sein�, sagte mein Chef und l�chelte listig.</p><p>�Was Sie nicht sagen! Dabei wissen Sie doch am besten, woher ich stamme. Wenn ich von einer Sache wirklich �berzeugt bin, dann davon, nie in der Steppe herumgetobt zu haben.�</p><p>�An deiner Stelle w�rde ich von gar nichts mehr voll und ganz �berzeugt sein�, meinte Juffin augenzwinkernd. �Mit einer Ausnahme allerdings: Dein Wirklicher Name klingt genauso, wie der alte Mann ihn ausgesprochen hat.�</p><p>�Das ist ja furchtbar�, sagte ich und musste lachen. �Ajot Mao ... oder Moa - das kann sich doch niemand merken!�</p><p>�Das brauchst du dir auch nicht zu merken. Und laut aussprechen sollst du deinen Namen auch nicht - schlie�lich handelt es sich dabei um ein schreckliches Geheimnis. In fr�heren Zeiten h�ttest du den alten Mann t�ten m�ssen, damit dein Wirklicher Name einzig und allein dir bekannt gewesen w�re, doch in letzter Zeit pflegt man einen etwas laxen Umgang mit Geheimnissen. Wenn aber Ewigkeit mit dir reden m�chte, wirst du ihr zu Diensten stehen. Ewigkeit, musst du wissen, ist eine hervorragend ausgebildete Lady, deren Steckenpferd vergessene Sprachen sind. Da kennt sie sich fantastisch aus. Und nur f�r diesen Fall brauchst du deinen Wirklichen Namen.�</p><p>�Das wird ja immer schlimmer�, murmelte ich. �Mit der Ewigkeit Bekanntschaft zu machen, hat mir gerade noch gefehlt. Ich w�rde mich lieber darauf beschr�nken, den Vertretern des Auslands die Hand zu sch�tteln. Was meinen Sie - wie w�rden diese Leute reagieren, wenn ich kein Wort mit ihnen reden, sondern ihnen nur die mystischen Zeichen in meiner Hand zeigen w�rde?�</p><p>�Das w�rden sie schon ertragen. Hauptsache, du entl�sst sie nicht zu sp�t nach Hause�, versicherte mir Juffin. �Bei offiziellen Anl�ssen wie diesem ist es n�mlich nicht �blich, ein B�fett aufzubauen, und es gibt kaum jemanden, der freiwillig bis Mitternacht mit leerem Bauch schwadroniert.�</p><p>�Warum auch?�, fragte ich erstaunt. �Ich w�rde schlie�lich auch gern eine Kleinigkeit essen.�</p><p>�Das darfst du. Schlie�lich bist du hier zu Hause. Aber wenn ich dir einen guten Rat geben darf: Mach dich rasch mit den G�sten bekannt. Sie sind nur hier, um sich dem neuen K�nig vorzustellen. Kaum haben sie dir ihren unvergesslichen Namen genannt, ist ihre Mission erf�llt. Ich w�rde auch gern eine Kleinigkeit essen, aber dazu m�sstest du Melifaro und mich erst einladen.�</p><p>�Ihr wollt euch auf meine Kosten den Bauch vollschlagen? Kommt nicht in Frage!�, sagte ich und setzte die Miene eines verwirrten Geizhalses auf.</p><p>�Manchmal bist du dem Gro�en Magister Nuflin wirklich zum Verwechseln �hnlich�, kicherte mein Chef. �Jetzt verstehe ich: Du bist nicht K�nig von Fangachra, sondern Enkel von Moni Mach. Wei�t du eigentlich, dass K�nig Gurig f�r alle Kosten aufkommt, die in deiner Residenz anfallen?�</p><p>�Wirklich? Das �ndert alles�, sagte ich und l�chelte gastfreundlich. �Ich bin erfreut, mein bescheidenes Abendessen mit euch beiden teilen zu d�rfen.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Juffin zufrieden. �Und jetzt geh und frag all deine Besucher nach ihrem Namen. Ich mach mich unterdessen �ber das versteckte B�fett her, denn mein Magen ist so leer wie das Tor zwischen den Welten.�</p><p>Hinter mir stand ein Mann, der einen halben Kopf kleiner war als ich. Sein Aufzug war ein Kompromiss zwischen der eleganten Hauptstadtmode und der Kleidung meiner Landsleute. Unterm klassischen schwarzen Lochimantel trug er Kniehose und Kettenhemd, und um den Kopf hatte er einen Schal gewickelt, dessen Enden beinahe den Boden ber�hrten.</p><p>�Sie sind es wirklich! Wie sch�n, mich Ihnen vorstellen zu d�rfen. Mein Name ist Rich-Chiri Gatschilo, Graf von Wuk. Schade, dass wir nicht Nachbarn werden. Ich h�rte, mit Ihnen langweile man sich bestimmt nicht�, erkl�rte der kleine Mann.</p><p>�Das habe ich von Ihnen auch geh�rt�, gab ich zur�ck und musterte ihn interessiert. Ich hatte nicht bedacht, dass der Graf, den man auch Dunkler Sack nannte, Lehrer des friedfertigen K�nigs Gurig VII. gewesen war, und staunte nun dar�ber, dass eine der seltsamsten Personen des Vereinigten K�nigreichs so klein war.</p><p>�Ganz zu Recht�, sagte der Graf. �Aber ich will Ihnen nicht Ihre kostbare Zeit rauben. Wom�glich k�nnen wir uns irgendwann l�nger sehen. Ihre Untertanen sind �brigens sehr unzuverl�ssig. An denen werden Sie noch viel Freude haben. Ich muss zugeben, mich auf diesem Empfang gelangweilt zu haben. Es gibt hier schrecklich viele Menschen, aber nichts zu trinken. Und jetzt gute Nacht!�</p><p>�Gute Nacht!�, gab ich zur�ck und konnte den Blick kaum von dieser seltsamen Person abwenden.</p><p>Graf Gatschilo verbeugte sich, drehte sich um und ging zur T�r. Ich bewunderte seine kerzengerade Haltung, die ihm alles Zwergenhafte nahm und die Leute um ihn herum eigenartig verwachsen wirken lie�.</p><p>Im n�chsten Moment war ich von einer bunten Gesellschaft umringt. Zwei M�nner stellten sich mir vor: Sir Rep Kibat und Graf Kajga Atalo Wulch, die beiden Abgesandten aus Iraschi, einer der vielen St�dte mit eigener Sprache. Im Wirtshaus Gerb Iraschi, wo ich fr�her regelm��ig verkehrte, hatte ich einige Brocken davon aufgeschnappt und konnte die zwei nun mit einem �Chokota!� �berraschen, der traditionellen Begr��ung dort.</p><p>Dann l�chelte mir Sir Toi Gojochwi zu, der sympathische Abgesandte aus Tulan, einer weit entfernten Gegend, �ber die Sir Manga Melifaro mir interessante Dinge erz�hlt hatte. Kurz darauf stie� Werlago Gabajochi dazu, der Prinz von Gor. Er war fast wie meine Untertanen gekleidet, wirkte aber so ernst wie eine Professorenwitwe. Er war Abgesandter der Grafschaft Chota, deren Anschluss ans Vereinigte K�nigreich bevorstand. Danach lernte ich den extravagant gekleideten Marquis Niro Uwilguk van Baunba aus Lochri kennen, der trotz des sch�nen Wetters einen sehr warm wirkenden Mantel trug. Alsdann trat Burik Pepezzo aus Tarun vor mich, der m�chtige Vorsteher der Malerzunft dieses fernen Landes, dessen Bewohner sich fast alle der Malerei widmen. Wenn ich recht verstanden hatte, war er eigentlich nur nach Echo gekommen, um bei den vielen hier lebenden Kollegen seiner Zunft, die uns Hauptst�dtern mit dem Pinsel das Leben vers��ten, eine Malsteuer einzutreiben. Am auff�lligsten aber fand ich Maniwa Umonary, den Abgesandten des Kalifats Kuman, der zuf�llig in Echo weilte und sich auf einem Teppich in meine Residenz tragen lie�. Wollte er seinen Platz wechseln, hoben zehn Diener den Teppich und trugen ihn weiter. Dieser Mann strahlte etwas viel Majest�tischeres aus als ich, und ihn umgab das Flair von Tausendundeiner Nacht.</p><p>Mein n�chster Besucher hatte ein echtes Piratengesicht. Es handelte sich um den Abgesandten von Ukumbi, Sir Tschekimba Geblasenes Horn. Unaufgefordert erkl�rte er mir, Geblasenes Horn sei der Name seines Schiffes, den in Verbindung mit seinem Familiennamen zu tragen in dem kleinen Piratenstaat, aus dem er stamme, Privileg der �ltesten und einflussreichsten Sippen sei.</p><p>Dann belagerten mich die Honoratioren des Vereinigten Tascher, n�mlich Zunaki Tschuga Tlach und Tschumotschi Droch Wiwi. Angesichts der vielen neuen Gesichter und Namen war mir schon ganz flau, doch ich erinnerte mich daran, dass mein Freund Ande Pu davon tr�umte, nach Tascher auszuwandern, und machte die beiden Herrn mit dem Journalisten bekannt.</p><p>Die n�chsten drei Besucher kamen mir bekannt vor. Sie stammten aus der sch�nen Stadt Isamon und trugen kurze Jacken und �bergro�e Wollm�tzen. Es handelte sich um die Herren Cicerinek, Machlasufis und Michusiris, die Melifaro neulich erst aus dem Fenster seines Wohnzimmers hatte werfen m�ssen. Stolz nannten sie mir ihre Titel. Cicerinek war Vorsitzender des Stadtrats von Isamon, Machlasufis sein Privatlehrer, Michusiris Spezialist f�r alle kulturellen Fragen, die das Vereinigte K�nigreich betrafen. Ich wusste zwar nicht, was diese drei vornehmen Herren bei meiner Kr�nung zu suchen hatten, tat diese Frage aber als belanglos ab und erfreute mich stattdessen an ihrer seltsamen Kleidung aus Elchleder.</p><p>Dann sah ich mich nach Melifaro um, denn es w�re lustig gewesen, die vier wieder aufeinandertreffen zu lassen. Ich entdeckte meinen Kollegen ganz in der N�he. Er unterhielt sich mit zwei �beraus sympathischen Gentlemen, die auf den ersten Blick ganz und gar nicht exotisch wirkten. Als einer von ihnen die Kapuze abstreifte - es gibt n�mlich V�lker, die unsere Turbane f�r einen h�chst fragw�rdigen Kopfschmuck halten -, war ich erneut �berrascht. Die bunte, geschickt aufget�rmte Frisur meines Besuchers war ein echtes Kunstwerk, das mein Staunen vollauf verdient hatte.</p><p>Dann erfuhr ich, dass eine solche Pracht mit Eigenhaar allein nicht zustande zu bringen war, sondern dass man dazu auch auf das Fell von Haus- und Wildtieren sowie auf Federn zur�ckgreifen musste. Dar�ber hinaus waren ein paar starke Zauberspr�che n�tig, damit sich die aus so unterschiedlichen Materialien zusammengesetzte Pracht auf dem Kopf hielt.</p><p>Ich ging zu den exotischen G�sten und l�chelte meinem Tagesantlitz zu.</p><p>�Das sind Sir Ajoncha und Sir Dschifa, die M�rchenprinzen aus der unglaublichen Grafschaft Schimara, deren Herrscher ich vor zwanzig Jahren h�tte werden k�nnen, wenn ich mich nicht so dumm angestellt h�tte�, sagte Melifaro rasch. �Stimmt's, meine Herren?�</p><p>�Kein Grund zur Eile�, rief einer der beiden Prinzen. �Es ist noch nicht zu sp�t. �berlegen Sie sich ruhig noch mal, ob Sie das Angebot annehmen wollen.�</p><p>Der zweite Prinz zuckte nur gleichg�ltig die Achseln. Er war offenbar zu erwachsen und zu ernst, um das Gespr�ch mit Melifaro l�ngere Zeit genie�en zu k�nnen.</p><p>Ich reicherte mein offizielles L�cheln mit m�glichst viel Charme an und verbeugte mich sehr f�rmlich vor den Vertretern der Grafschaft Schimara.</p><p>�Eigentlich bin ich gekommen, um dich mit alten Bekannten zusammenzubringen�, sagte ich zu Melifaro. �Mit deinem Besuch aus Isamon, genauer gesagt. Du hast die drei erst k�rzlich durchs Fenster aus deiner Wohnung geworfen.�</p><p>�Ach, die sind hier?�, fragte Melifaro erstaunt. �Na ja, heute m�chte ich ihnen dieses Vergn�gen ersparen. Einmal reicht f�rs Erste.�</p><p>�Da hast du Recht�, pflichtete ich ihm gro�m�tig bei. �Wei�t du eigentlich, dass K�nig Gurig und ich dich zum Essen einladen wollen?�, fuhr ich fort und wandte mich dann an die beiden Grafen von Schimara. �Sollten Sie unseren Spa�vogel Melifaro noch l�nger ertragen k�nnen, m�chte ich auch Sie gerne zu uns an den Tisch bitten.�</p><p>Prinz Ajoncha kicherte, und Prinz Dschifa musterte mich mit kaum verhohlenem Erstaunen. Er hatte offenbar andere Vorstellungen davon, wie sich ein Monarch zu benehmen hatte. Aber ich konnte mich unm�glich anders verhalten, denn ich stand neben Melifaro. H�tte ich mich wie eine Majest�t geb�rdet, h�tte er mich jahrelang mit seinem Spott verfolgt.</p><p>Die n�chste halbe Stunde verbrachte ich damit, die Bekanntschaft diverser Adliger des Vereinigten K�nigreichs zu machen. Mir wurden folgende Pers�nlichkeiten vorgestellt: Waliba Walibal, der Ehrw�rdige Leiter von Gugland; Eki Banba Uriuch, der Lord von Uriuland; Jorich Maliwonis, der Ehrw�rdige Leiter von Uguland; schlie�lich die beiden B�rgermeister der Hafenstadt Gazin, Sir Balda Kunyk und Sir Zebi Chipilosis. Gazin war eine sehr reiche Stadt, der ein B�rgermeister offenbar nicht gen�gte. Soweit ich verstanden hatte, war der fr�hliche rothaarige Balda Kunyk der Vertreter der reichen, durchweg adligen Reeder, w�hrend der muntere, mit einer leuchtenden Glatze geschlagene Zebi Chipilosis die Interessen der b�rgerlichen Kaufleute vertrat. Vielleicht war es auch umgekehrt, aber ich kann mir nicht alles merken.</p><p>Danach unterhielt ich mich mit Joka Jochtochop, dem Polizeichef der Insel Murimach. Juffin hatte mir mal erz�hlt, Sir Joka verf�ge �ber das absolute Ged�chtnis und erkenne die Dinge, wie sie wirklich sind - genau wie unser Lukfi Penz. Doch anders als der Freund der Buriwuche wirkte der Sheriff von Murimach eher wie ein �bertrieben pflichtbewusster Soldat, den auch sein lustiger Dialekt nicht zu einem angenehmen Zeitgenossen machen konnte.</p><p>Am Ende des Empfangs kam Sir Togi Rachwa zu mir, der Ehrw�rdige Leiter von Landland, der bei vielen den Spitznamen �Goldenes Auge� trug. Eins seiner Augen war tats�chlich so bernsteinfarben wie die der Buriwuche, w�hrend das zweite die in Echo allgemein �bliche Farbe aufwies, also grau war.</p><p>Sir Togi hatte als Leiter von Landland hervorragende Arbeit geleistet und die Provinz binnen weniger Jahre zu einem der reichsten Gebiete des Vereinigten K�nigreichs gemacht. Die j�hrlich stattfindende Messe in Numbana zum Beispiel war ein wirtschaftliches Gro�ereignis. Man sagte ihm nach, er sei zwar kein �konomisches Genie, doch sein bernsteinfarbener Blick lasse Obst, Gem�se und Getreide dieses kargen Landes so �ppig gedeihen, dass mehrmals im Jahr geerntet werden k�nne.</p><p>Der offizielle Teil des Empfangs n�herte sich dem Ende, und meine ehrw�rdigen G�ste verlie�en nacheinander die Residenz. Offenbar zogen sie es vor, anderswo zu Abend zu essen. Auch ich sp�rte m�chtigen Hunger, musste mich aber zun�chst noch mit meinen Untertanen treffen, um ihre Geschenke in Empfang zu nehmen. Wie herrlich w�re es gewesen, wenn sie ein paar s��e Piroggen f�r mich vorbereitet h�tten, aber das war reines Wunschdenken. Genauso vergeblich h�tte ich hoffen k�nnen, dass es Edelsteine hagelt.</p><p>Ich ging zu Sir Juffin, der mit dem Empfang sichtlich zufrieden war.</p><p>�Es w�re sch�n, wenn Sie die Regie des restlichen Abends �bernehmen w�rden�, sagte ich. �Sie k�nnen das sicher viel besser. Ich sto�e erst sp�ter zu Ihnen, denn ich habe noch einen Termin mit meinen Untertanen. Vielleicht bekomme ich die kostbaren Reste ihres Throns �berreicht.�</p><p>�Geschenke sind heilig�, sagte mein Chef. �Und merke dir: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.�</p><p>�Wom�glich verehren sie mir obendrein noch einen Kanten trocknes Brot. Mein Leben lang habe ich erfahren wollen, was K�nige essen, und endlich ist die Gelegenheit da.�</p><p>�Trocknes Brot kann auch ich dir schenken. Aber wie ich dich kenne, wirst du diese Kleinigkeit m�chtig aufbauschen und jungen naiven M�dchen von deinem k�niglichen Leben erz�hlen.�</p><p>Leider konnte ich das wunderbare Gespr�ch mit meinem Chef nicht fortf�hren, sondern musste ins ehemalige B�chermagazin. Dort sa�en die Abgesandten des ber�hmten Volkes der Chencha friedlich auf dem Boden und verzehrten ihre Piroggen. Die Nomaden waren von Kopf bis Fu� mit s��er Creme bekleckert wie sonst nur Kurusch, der gro�e Freund s��en Geb�cks.</p><p>Als sie mich sahen, sprangen sie panisch auf.</p><p>�Esst nur in Ruhe zu Ende�, sagte ich mit der Stimme einer g�tigen Gro�mutter. �Ich freue mich, wenn sich meine Untertanen gut ern�hren.�</p><p>Daraufhin nahm jeder meiner Besucher zwei Piroggen in die H�nde und m�mmelte geruhsam weiter. Offenbar hatten sie meine H�flichkeitsfloskel als Befehl aufgefasst. Der blinde Gehorsam dieser Nomaden ersch�tterte mich.</p><p>�Barcha und Fajriba, kommt bitte zu mir�, sagte ich. �Wir m�ssen �ber die Zukunft reden. Ihr k�nnt nat�rlich gern bis zu eurer Abreise hier im Palast bleiben. Ich �bernachte derweil woanders. Wann wollt ihr eigentlich nach Hause zur�ck?�</p><p>�Wann immer Ihr es uns befehlt, Herr�, antwortete Barcha Batschoj und sah mich erstaunt an. In seinen Augen stand blankes Unverst�ndnis �ber meine Frage.</p><p>�Dann macht euch morgen auf die Heimreise�, erkl�rte ich. �Schlie�lich habt ihr all meinen Landsleuten gute Nachrichten zu �berbringen. Und nun gebt mir bitte eure Geschenke�, f�gte ich hinzu und nahm mir eine Pirogge. Eigentlich mag ich keine rosige F�llung mit Honiggeschmack, aber Not kennt kein Gebot. Kaum war ich K�nig geworden, musste ich mit Leckerbissen vorliebnehmen, denen ich sonst weitr�umig ausgewichen w�re.</p><p>�Darf ich zuvor mit Euch sprechen, Herrscher von Fangachra?�, fragte mich der alte Fajriba leise und traurig.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich nickend. �Es ist leicht, sich mit mir zu unterhalten.�</p><p>�Genauso leicht, wie mit dem Tod ein Gespr�ch zu f�hren�, sagte der Alte streng. �Jahrhundertelang sagen wir zu ihm: �Hol mich bitte noch nicht heute�, und er l�sst uns brav in Ruhe, doch eines Tages erf�llt er seine Pflicht, und zwar endg�ltig. Aber eigentlich wollte ich mit Euch �ber etwas anderes reden. Wir haben Euch etliche Geschenke mitgebracht, ohne Eure Vorlieben zu kennen. Au�erdem wissen wir nicht mal, ob Ihr all diese Sachen braucht. Aber es entspricht eben der �berlieferung, dem neuen K�nig Geschenke zu �berreichen. Ich m�chte Euch also bitten, sie anzunehmen - auch wenn sie Euch nicht alle gefallen sollten. Wenn der Herrscher die Geschenke seines Volkes ablehnt, f�llt �ber seine Untertanen ein Fluch. Ich glaube nicht, dass Ihr uns etwas B�ses w�nscht, aber Ihr seid unter Barbaren aufgewachsen und kennt offenbar l�ngst nicht alle Gesetze Eures Landes. Wir haben lange genug unter einem Fluch gestanden, Herr - lasst uns das bitte nicht schon wieder erleben.�</p><p>Er wandte sich an seine Landsleute, die noch immer pflichtbewusst an ihren Piroggen kauten.</p><p>�Holt eure Geschenke heraus. Der Herrscher ist bereit, sie zu empfangen.�</p><p>Zuerst bekam ich einige K�rbe voll exotischer Frucht-und Gem�sesorten. Besonders erfreut war ich �ber einen riesigen K�rbis, den ich eifrig beschnupperte. Ich hatte zwar gute Erfahrungen mit der K�che des Vereinigten K�nigreichs gemacht, aber noch nirgendwo K�rbisse gesichtet.</p><p>�Toll�, rief ich begeistert. �Wenn ihr w�sstet, wie sehr ich K�rbis mag!�</p><p>�K�rbis? Das ist eine Steppenhimbeere! Habt Ihr das etwa vergessen?�, fragte der alte Mann, sch�ttelte erstaunt den Kopf und sah aus wie ein strenger Biologielehrer, der gerade den schw�chsten Sch�ler der Klasse pr�ft.</p><p>Ich wollte den Korb mit der Steppenhimbeere anheben, doch der erste Versuch misslang, und auf einen zweiten verzichtete ich weise.</p><p>Nat�rlich beschr�nkten sich die Geschenke nicht auf Gartenfr�chte. So wurde ich stolzer Besitzer handgeflochtener K�rbe, bunter T�cher, kurzer Hosen und anderer exotisch anmutender Kleidung. Manches sah neu, manches aber verd�chtig getragen aus. Offenbar hatten die Mitglieder der offiziellen Gesandtschaft einige meiner Untertanen splitternackt ausgezogen. Innerlich zuckte ich zusammen, sagte aber kein Wort. Schlie�lich hatte ich dem alten Fajriba versprochen, alle Geschenke anzunehmen.</p><p>Mein Durchhalteverm�gen wurde belohnt. Einer der Nomaden verehrte mir einen riesigen Hund mit zotteligem Fell. Er sah aus wie ein schneewei�er Bobtail, war aber fast so gro� wie ein ausgewachsenes Nilpferd. Das gutm�tig wirkende Monstrum hechelte mit seiner enormen Zunge.</p><p>�S�ndige Magister, ist der sch�n!�, rief ich begeistert. �Ich habe immer davon getr�umt, einen Hund zu haben, mir aber nie einen zugelegt. Offenbar habe ich geahnt, eines Tages so ein herrliches Exemplar geschenkt zu bekommen.�</p><p>�Das ist der sch�nste Sch�ferhund�, sagte Barcha Batschoj stolz. �Diese Hunde leben seit eh und je am K�nigshof. Da Ihr hier keines Schutzes bed�rftig seid, Exzellenz, haben wir Euch nur eins dieser Tiere mitgebracht, um der Tradition wenigstens symbolisch Gen�ge zu tun. Normalerweise hat ein K�nig hunderte davon.�</p><p>�Das habt ihr gut gemacht. Hundert Hunde dieses Kalibers - das w�re wirklich etwas viel.�</p><p>Ich kauerte mich neben den Hund und legte ihm behutsam die Hand auf die M�hne. Er sah mich unterw�rfig an, drehte sich auf den R�cken und streckte alle viere in die Luft.</p><p>�Ihr wisst noch, wie man diese Tiere z�hmen muss!�, rief Fajriba begeistert. �Nun ist er bereit, f�r Euch zu sterben.�</p><p>�Dazu kommt es hoffentlich nicht. Lebendig ist er mir entschieden lieber.�</p><p>�Wir freuen uns, Eure W�nsche erraten zu haben, und hoffen, dass Euch auch unser letztes Geschenk gef�llt, Exzellenz.�</p><p>Ich hob den Blick und sah drei f�llige M�dchen, die einander genau glichen. Sie wirkten t�dlich erschrocken, hatten riesige Augen, eine sch�ne, lange Nase und kurz geschnittenes, dunkles Haar. Sp�ter erfuhr ich, dass die Frauen in den Leeren L�ndern diesen Haarschnitt bevorzugen, da sie es f�r unter ihrer W�rde halten, sich mit ihrer Frisur zu besch�ftigen. Pl�tzlich fiel mir auf, dass vor mir nicht nur drei gleich aussehende M�dchen standen, sondern dass die drei fast perfekte Kopien von Liza Minelli waren. So ein Anblick kann jeden Menschen um den Verstand bringen.</p><p>Ich lie� mich neben meinem vierbeinigen Freund nieder, der mir prompt den Kopf unter die Hand schob. Ich streichelte ihn unwillk�rlich, und der Hund war begeistert.</p><p>�Was sind das f�r junge Ladys?�, fragte ich endlich.</p><p>�Eure Frauen, Exzellenz�, gab Fajriba lakonisch zur�ck.</p><p>�Meine Frauen?�, wiederholte ich erschrocken. �Ich habe schon Kummer genug!�</p><p>So ein Gl�ck konnte wirklich nur ich haben. Eigentlich wollte ich meinen Untertanen mit wenigen Worten sagen, dass es sinnlos war, das Gef�hlsleben ihres K�nigs beeinflussen zu wollen, doch als ich Fajribas flehenden Blick sah, hielt ich den Mund. Sch�n, versuche ich also, die Audienz ohne Skandal zu beenden, dachte ich. Diese drei jungen Dinger sind sicher nicht vorwitzig genug, mein Schlafzimmer zu betreten, aber ich sollte mich informieren, was es mit ihnen auf sich hat.</p><p>�Ist es in meinem Volk �blich, dass die M�nner mehrere Frauen haben?�, fragte ich.</p><p>�Das kann schon mal passieren�, sagte der alte Fajriba zur�ckhaltend. �Sofern die Frauen das notwendig finden.�</p><p>�Ach so�, meinte ich, da ich ganz und gar nicht verstand, was er mir sagen wollte. �Halten diese Grazien es also f�r notwendig, mich zu heiraten?�</p><p>Die drei Wiederg�ngerinnen von Liza Minelli schwiegen wie junge Partisaninnen, die in Feindeshand geraten waren, und es stand zu bef�rchten, dass sie gleich in Ohnmacht fielen. Ich hatte mich nicht f�r so furchteinfl��end gehalten.</p><p>�Das ist auch eine Tradition�, erkl�rte der alte Mann. �Diese Frauen sind die T�chter von Isnouri.�</p><p>�Das �ndert nat�rlich alles�, entgegnete ich sarkastisch.</p><p>Nun stellte der alte Fajriba endlich die Frage, die ihm offenbar seit langem auf der Zunge lag: �Exzellenz, Ihr wollt diese Damen doch nicht wegschicken, oder? �</p><p>�Das w�re vermutlich keine so schlechte Idee�, meinte ich entnervt. �Doch ich m�chte euch keinen neuen Fluch auf den Hals schicken. Aber bitte keine Frauen mehr! Was ihr mir heute mitgebracht habt, reicht sicher bis an mein Lebensende. Und nun sei bitte so nett und erz�hl mir von dieser Isnouri. Ich w�sste gern etwas �ber meine k�nftige Schwiegermutter.�</p><p>Das faltige Gesicht des Alten strahlte vor Erleichterung. �Isnouri ist eine uralte Frau aus unserem Volk. Sie z�hlt mindestens dreitausend Lenze, aber keiner kennt ihr genaues Alter, da sie ganz einsam lebt. Sie soll sogar auf dem R�cken ihres Menkals schlafen.�</p><p>�Ihres Menkals? Was ist das denn?�</p><p>�So hei�en unsere Reittiere. Das habt Ihr offenbar auch vergessen, Exzellenz.�</p><p>�Leider�, pflichtete ich ihm gutm�tig bei und stellte mal wieder fest, dass man nichts leichter vergisst als das, was man nie gewusst hat.</p><p>�Ab und zu besucht Isnouri andere Menschen und �berl�sst ihnen eine ihrer T�chter. Vermutlich braucht sie nicht mal einen Mann, um Nachwuchs zu bekommen. Vor siebzig Jahren hat sie uns diese Drillinge �berlassen, nachdem sie zuvor stets einzelne Kinder geboren hatte. Damals konnten wir noch nicht ahnen, Euch eines Tages zu finden. Die T�chter von Isnouri n�mlich nehmen nur K�nige zum Mann.�</p><p>�Sie w�hlen sich einen Mann und nicht umgekehrt?�, fragte ich �berrascht.</p><p>�Der Mann entscheidet gar nichts�, sagte Fajriba streng.</p><p>�Manche M�nner bilden sich ein, sie k�nnten w�hlen, aber glaubt mir: Auch bei all Euren Vorg�ngern haben die T�chter von Isnouri sich f�r den K�nig entschieden - nicht umgekehrt.�</p><p>�Schon gut. Damenwahl ist Damenwahl�, erkl�rte ich und wandte mich den drei erschrockenen Grazien zu. �Ihr habt mich also gew�hlt? Meinen Gl�ckwunsch zur besten Entscheidung eures Lebens! Nun sagt mir bitte eure Namen. Schlie�lich kann ich nicht drei mir unbekannte Frauen auf einmal heiraten.�</p><p>�Wir hei�en Helach, Hellwi und Kenlech�, fl�sterte das Trio erschrocken.</p><p>�Wie sch�n. Ihr m�sst euch allerdings an den Gedanken gew�hnen, dass ich euch st�ndig verwechseln werde ... Na ja, das war nur ein Scherz. Ihr lebt also k�nftig hier im Palast. Da rufe ich euch gleich ein paar Diener, damit sie euch das Haus zeigen. Ihr k�nnt alle Zimmer in Beschlag nehmen, die euch gefallen, und verlangen, was immer ihr wollt. Schlie�lich seid ihr die Frauen des K�nigs.�</p><p>Ich bebte innerlich vor Nervosit�t, beherrschte mich aber und fuhr fort: �Richtet euch sch�n ein. Ich �berlege mir unterdessen, was ich mit euch anstellen soll. In einigen Tagen komme ich wieder. Dann besprechen wir alles. Ich w�rde mich freuen, wenn ich dann mehr von euch erfahren w�rde als blo� eure Namen.�</p><p>Ich sah den alten Fajriba an. �Ich hoffe, das war's.�</p><p>�Ja, Exzellenz�, sagte er nickend.</p><p>�Sch�n. Ich werde meine Diener anweisen, sich um euch alle zu k�mmern. Und morgen werdet ihr euch auf die R�ckreise machen. Du und Barcha Batschoj, ihr wisst sicher genau, wie man mein Volk gl�cklich macht. Ihr k�nnt mir im Winter einen Boten schicken. Sollte etwas Au�ergew�hnliches vorfallen, kann es auch eher sein. Jetzt muss ich aber wirklich gehen.�</p><p>�Wir machen alles, wie Ihr es Euch w�nscht�, antworteten meine frisch erkorenen Premierminister wie aus einem Munde.</p><p>�Daran zweifle ich nicht�, sagte ich und meldete mich per Stummer Rede bei einem meiner Diener.</p><p>Gleich erschienen meine Bediensteten fast vollz�hlig, und ich gab ihnen Befehle, die meine Untertanen und meine Frauen betrafen. Noch vor kurzem h�tte ich nicht im Traum daran gedacht, je solche Anweisungen zu erteilen.</p><p>Sofort brach das bei solchen Anl�ssen typische Wirrwarr aus, und ich beschloss, mich diskret zur�ckzuziehen.</p><p>�Gehen wir, mein Freund�, sagte ich und strich meinem Hund durchs Fell.</p><p>Gehorsam stand er auf und begleitete mich. Ich glaubte, der K�rbis werde sich nach den Anstrengungen des Tages vorz�glich zum Abendessen eignen, und zog ihn aus dem Korb. Mein zweiter Versuch, ihn hochzuheben, klappte schon besser. Ich merkte, dass ich ihn nicht lange unterm Arm w�rde tragen k�nnen, wollte aber keine Diener rufen, um ihre Hilfe nicht in Anspruch nehmen zu m�ssen. Also legte ich ihn auf den Boden und trat ihn mit dem Fu� vor mir her. Er kullerte in die richtige Richtung. Das war offenbar eine neue, speziell f�r hungrige K�nige entwickelte Art Fu�ball. Da ich die H�nde nun frei hatte, beschloss ich, den Obstkorb mitzunehmen und meine G�ste zu verw�hnen.</p><p>Der Hund blieb neben mir und half mir sogar, den K�rbis voranzutreiben. Was f�r ein kluges Tier!</p><p>�Ich m�chte dich Drupi nennen�, sagte ich zu meinem neuen vierbeinigen Freund, �denn als Hund eines Mitarbeiters des Kleinen Geheimen Suchtrupps verdienst du einen anst�ndigen Namen. Dich den Hund von Baskerville zu nennen, k�nnte einen schlechten Einfluss auf deinen Charakter haben. Also taufe ich dich Drupi. Einverstanden?�</p><p>Das Tier erhob keinen Widerspruch. Anders als die Hunde meiner Heimat wedelte es nicht mit dem Schwanz, sondern schlackerte mit den Ohren, um seine Freude zu zeigen.</p><p>Schlie�lich landeten Drupi und ich im Esszimmer, wo mein neuer vierbeiniger Freund standesgem�� begr��t wurde, mit verz�cktem Auf st�hnen n�mlich. Auch meine schwungvolle Art, das geschenkte Obst und Gem�se auf dem Tisch zu drapieren, stie� auf Wohlwollen. Der K�rbis allerdings gefiel nur mir.</p><p>�Dieses Zeug hat doch einen seltsamen Geschmack�, brummte Juffin. �Bist du sicher, dass du dich mit der Steppenhimbeere nicht vergiftest? Wenn du heute Nacht Magenschmerzen hast, wei�t du jedenfalls, woher sie kommen.�</p><p>Nach dieser Bemerkung wollte nicht einmal Melifaro noch den K�rbis probieren. Auch die mit ihm befreundeten Prinzen nahmen nur aus H�flichkeit ein kleines St�ck davon und schoben es ganz an den Rand ihres Tellers.</p><p>�Das stimmt doch gar nicht, Juffin�, erkl�rte ich und schnitt mir ein gro�es St�ck K�rbis ab. Er schmeckte noch besser als erwartet - gro�artig!</p><p>�Wie gef�llt dir dein neues Amt?�, fragte mich Melifaro.</p><p>"Macht es Spa�, Barbarenk�nig zu sein? Das hab ich schon immer von einem Fachmann wissen wollen.�</p><p>�Das Leben eines Barbarenk�nigs bietet manchen Vorzug. Hast du den Hund gesehen? Auch den haben mir meine Untertanen geschenkt. Wie langweilig w�re das Leben ohne sie! Au�erdem haben sie mir weitere n�tzliche Dinge mitgebracht, einen Harem zum Beispiel.�</p><p>�Von so was tr�umst du? Wozu brauchst du einen Harem? Was willst du mit all den Frauen anstellen?�</p><p>�Das wei� ich noch nicht. Aber wenn ich Erfahrungen gesammelt habe, beantworte ich deine Frage gern.�</p><p>�Was? Stimmt das mit dem Harem wirklich?�, fragte mein Kollege sichtlich erstaunt.</p><p>�Ja�, meinte ich und breitete bedauernd die Arme aus. �Ich habe drei M�dchen geschenkt bekommen. Wahrscheinlich muss ich den Dienst beim Kleinen Geheimen Suchtrupp quittieren, denn ich habe jetzt jede Menge andere Dinge zu tun. Ich werde den Damen Eis kaufen und ihnen beim An- und Auskleiden helfen m�ssen. Wer wei�, vielleicht h�pfen wir sogar zusammen Seil.�</p><p>Melifaro sch�ttelte irritiert den Kopf, blinzelte nerv�s und wollte offenbar wissen, warum ich solche Witze riss.</p><p>�Das ist die lautere Wahrheit, mein Freund. Ich habe mir absolut nichts davon ausgedacht.�</p><p>�Komisch�, sagte Juffin kopfsch�ttelnd. �Dann hast du jetzt tats�chlich drei Frauen? Schade, dass du keine K�nigin bist - dann h�ttest du nun drei M�nner. Aber es ist doch gut, dass deine Untertanen sie dir verehrt haben. Schlie�lich soll deine Residenz nicht leer stehen, oder?�</p><p>�Das hab ich mir auch gedacht�, sagte ich nickend. �Darum hab ich den dreien befohlen, bei mir zu bleiben.�</p><p>�Donnerwetter!�, rief Melifaro, der endlich begriffen hatte, dass es sich bei den drei Frauen nicht um einen Witz handelte. Er wirkte sichtlich ersch�ttert. �Manche Leute haben wirklich Gl�ck. Warum ist die Welt nur so ungerecht eingerichtet? Einer bekommt alles, und die anderen gehen leer aus - egal, wie anst�ndig sie sind!�</p><p>�Du willst ein anst�ndiger Mensch sein?�, fragte ich frappiert. �Na gut, nicht weinen, Kollege. Wenn du willst, bitte ich meine Untertanen, auch dir ein paar Frauen zu bringen. Mir macht das nichts aus.�</p><p>�Tu das!�</p><p>�Ihr solltet Euch daran gew�hnen, lieber Sir Max, Untertanen Befehle zu geben und sie nicht um etwas zu bitten�, mischte sich Prinz Dschifa ein.</p><p>Das klang so �berzeugend, dass ich mich ertappt f�hlte.</p><p>�Nat�rlich�, pflichtete ich ihm eilig bei. �Vielen Dank f�r Ihre Belehrung. Unser Melifaro hat demn�chst den gr��ten Harem im Vereinigten K�nigreich�, setzte ich hinzu und wandte mich wieder an meinen Kollegen. �Also sei nicht traurig, mein Freund.�</p><p>�So ein Harem passt gar nicht zu ihm�, sagte Juffin mit listigem L�cheln. �Du, Max, bist nicht irgendwer, sondern ein ausl�ndischer K�nig. Aber der da�, fuhr er fort und zeigte auf Melifaro, �ist ein ganz normaler B�rger unserer Stadt - auch wenn er sich gro�e Verdienste um Echo erworben hat. Man darf an euch beide nicht den gleichen Ma�stab anlegen.�</p><p>�Ach so�, sagte ich bedr�ckt zu Melifaro. �Du bist nur ein ganz normaler Stadtbewohner. Dann wird aus dem Harem nat�rlich nichts.�</p><p>�Jetzt reicht's mir aber! Ajoncha, ich akzeptiere deinen Vorschlag und �bernehme ein Amt in deiner Provinz. Hier n�mlich wei� man mich offensichtlich nicht zu sch�tzen.�</p><p>�Na endlich!�, rief der Prinz erfreut. �Wir werden ein Gesetz verabschieden, demzufolge allerorten munter Harems eingerichtet werden k�nnen. Und wir werden lange und gl�cklich leben! Dschifa, hast du eine Idee, was wir sonst noch bei uns �ndern sollten?�</p><p>�Das erz�hle ich dir sp�ter�, antwortete der Angeredete gelassen und musterte seinen �lteren Bruder und Melifaro mit jenem Wohlwollen, das man netten, aber recht albernen Kindern entgegenbringt.</p><p>In etwas gespannter Atmosph�re a�en wir zu Abend.</p><p>Schlie�lich gab ich Drupi in die Obhut der Diener und befahl ihm, sich nicht nach mir zu sehnen. Dann gingen Juffin und ich zum Haus an der Br�cke, w�hrend Melifaro und die beiden Prinzen sich in der Stadt austoben wollten. Dschifas gesetzte Miene allerdings lie� kaum bef�rchten, dass die drei in dieser Nacht zu einer Gefahr f�r die �ffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt werden w�rden.</p><p>�Die Feier war rasch vorbei - viel schneller als erwartet�, sagte Juffin zufrieden und setzte sich ins A-Mobil. �Das hast du gut hingekriegt, Max.�</p><p>�Ich nicht, sondern der Unbekannte, der entschieden hat, den G�sten kein B�fett anzubieten, sondern im kleinen Kreis zu feiern. Sonst w�rden all die offiziellen Vertreter und Gesandten sicher bis morgen fr�h in meiner Residenz tafeln.�</p><p>�Stimmt�, stellte mein Chef fest. �Darum gibt es bei offiziellen Anl�ssen nur selten Essen und Trinken.�</p><p>�Nur darum?�, fragte ich erstaunt. �Das ist wirklich menschenfreundlich - jedenfalls, was uns arme K�nige anlangt.�</p><p>�Nat�rlich nicht nur darum. In Echo h�lt man es f�r unter seiner W�rde, alle eingeladenen G�ste zu bewirten. Wir setzen uns mit unsereinem zu Tisch - oder mit denen, die wir sch�tzen und deren Anwesenheit uns Freude bereitet. Jeder Gastgeber - auch seine Majest�t Gurig VIII.</p><p>- hat das Recht, nur seine Freunde zu bewirten. Deshalb haben wir beide mehrmals am Hof zu essen bekommen. Alle G�ste zu f�ttern, ist Unsinn, denn der Hof ist kein Wirtshaus. Sollte jemand darauf erpicht sein, auf Kosten des K�nigs zu essen, kann er in ein beliebiges Gasthaus gehen und es auf Rechnung des Hofes tun. Laut Gesetz ist der K�nig ja verpflichtet, f�r all seine Untertanen zu sorgen.�</p><p>�Und wenn jemand unbedingt auf meine Kosten essen m�chte? Soll er dann in die Leeren L�nder fahren und dort auf meine Rechnung ein mit K�rbis gef�lltes Menkal essen?�, fragte ich. �Das w�re eine ausgezeichnete Idee.�</p><p>�Menkal mit K�rbis - was ist das eigentlich?�</p><p>�Das Menkal ist ein geh�rntes Pferd, das in den Leeren L�ndern als Last- und Reittier benutzt wird. Und den K�rbis kennt man in Echo als Steppenhimbeere.�</p><p>�Sei vorsichtig - dieser K�rbis ist wirklich gef�hrlich. Aber da du so begeistert von ihm bist, glaube ich fast, du wurdest tats�chlich in den Leeren L�ndern geboren.�</p><p>�Ich kenne den K�rbis aus meiner alten Heimat und habe dort etliche gegessen, ohne je Probleme bekommen zu haben.�</p><p>Wir mussten unser bezauberndes Gespr�ch unterbrechen, da wir das Haus an der Br�cke erreichten. Juffin sprang aus dem A-Mobil und verschwand im Geb�ude. Ich dagegen schlug mir ver�rgert mit der flachen Hand an die Stirn, weil ich nicht an die B�cher f�r Sir Sch�rf gedacht hatte.</p><p>�Wo bleibst du, Junge?�, meldete sich Juffin ungeduldig per Stummer Rede bei mir.</p><p>�Ich habe den Lesestoff f�r Sch�rf vergessen. Wenn er mir jetzt den Hals umdreht, kann ich ihm das nicht verdenken. Ich f�rchte, ich muss noch mal in meine Residenz zur�ck.�</p><p>�Wie du meinst. Aber dann musst du auf mindestens eine Tasse Kamra verzichten.�</p><p>�Wie schade. Aber ich bin gleich wieder da.�</p><p>Im selben Moment kam mir eine Idee. Ich schob die Hand unter meinen Sitz, um durch die Ritze zwischen den Welten zu greifen. Ab und zu sollte man das trainieren -sonst kommt man aus der �bung.</p><p>Ich vergegenw�rtigte mir, wie ich spa�eshalber Zigarren f�r General Bubuta gefischt hatte. Damals hatte ich mir die Gesichter derer vorgestellt, denen ich etwas wegnehmen wollte, die Kaffeetassen auf dem Tisch und die Kiste mit den Zigarren.</p><p>Jetzt wandte ich die gleiche Methode an und stellte mir meine Bibliothek vor. Dabei kam mir Stephen Kings Kurzroman Der Bibliothekspolizist in den Sinn, bei dem s�umige Benutzer der B�cherei es mit einem Ordnungsh�ter zu tun bekommen, der keinen Spa� versteht. In so eine Bibliothek zu geraten, w�re kein Vergn�gen, mein Freund, sagte ich mir. Diese �berlegung beeintr�chtigte meine Konzentration, doch nach einigen Minuten hielt ich ein Buch in der Hand. Es handelte sich um den Roman Unsere Zeit ist vorbei von Ingvar Steffson. Titel und Verfasser waren mir unbekannt, aber was bedeutete das schon? Auf Erden war ich zwar ein leidenschaftlicher Leser gewesen, aber ich konnte schlie�lich nicht alles lesen, was andere geschrieben hatten.</p><p>Mit meiner Beute unterm Arm ging ich ins Haus an der Br�cke. In unserem B�ro traf ich auf den Boten aus dem Fressfass, denn Juffin hatte beschlossen, den Gefangenen zu f�ttern. Der kurzzeitig aus seinem Arrest befreite Lonely-Lokley hielt gedankenverloren seine Tasse in H�nden.</p><p>�Und ich dachte, du w�rst in deine Residenz gefahren, um B�cher zu holen�, sagte mein Chef. �Und nat�rlich, um deinen Harem zu beaufsichtigen�, f�gte er lachend hinzu.</p><p>�Finden Sie nicht, dass es reicht, wenn Melifaro mich in dieser Angelegenheit mit Anspielungen �bersch�ttet?�, fragte ich leicht gereizt. �Ich bin mir sicher, dass er mich morgen, �bermorgen und die n�chsten zehn Jahre lang mit solchen Bemerkungen verfolgen wird.�</p><p>Dann wandte ich mich an Sch�rf. �Dieser Band ist f�r dich, mein Freund. Zwar hab ich dir nur ein Buch mitgebracht, aber daf�r stammt es aus der anderen Welt. Wer au�er mir kann dir schon so ein Buch besorgen?�</p><p>�Stimmt�, sagte er, und in seiner sonst so versteinerten Miene hielt ein leichtes Erstaunen Einzug. �Ein Buch aus der anderen Welt ist sicher besser als alles, was sich in der ehemaligen Bibliothek finden l�sst.�</p><p>�Nicht unbedingt. Ich habe es nicht gelesen und den Namen des Autors nie geh�rt. Ich kann also f�r nichts garantieren.�</p><p>�Deine Garantie brauche ich auch nicht. Ich habe noch nie ein Buch aus der anderen Welt gelesen. Also ist es f�r mich zwangsl�ufig viel mehr als ein x-beliebiger Band.�</p><p>Darauf konnte ich nur nicken. Zugleich versuchte ich mir vorzustellen, wie ich reagiert h�tte, wenn mir vor f�nf, sechs Jahren, als ich noch nicht Sir Max war, sondern brav auf der Erde gelebt hatte, ein Buch aus Echo in die H�nde gefallen w�re. H�tte ich �berhaupt an die Existenz anderer Welten geglaubt? H�tte mich der literarische Wert des Bandes interessiert, oder w�re es f�r mich weit mehr als nur ein Buch gewesen? Wahrscheinlich h�tte ich so reagiert wie Sch�rf.</p><p>�Ist das tats�chlich ein Buch aus deiner Welt?�, fragte mich Juffin erstaunt. �Habt ihr denn Zeit, binnen eurer kurzen siebzig Jahre B�cher zu verfassen?�</p><p>�Wir sind sehr flei�ig�, erkl�rte ich. �Das sehen Sie doch an mir.�</p><p>�Allerdings. Bist du nun bereit, eine Reise durch das Chumgat zu machen?�</p><p>�Lassen Sie uns doch beim �blichen Begriff bleiben�, schlug ich vor. �Das Wort Chumgat riecht mir zu sehr nach alter Mystik. Das haben Sie auch schon gesagt. Ich bin aber gern bereit, einen Spaziergang durch das Tor zwischen den Welten zu machen.�</p><p>�Gut, brechen wir auf. Offenbar bist du k�mpferisch gestimmt. Genau das ist jetzt vonn�ten.�</p><p>�Wo soll's denn hingehen? Ich dachte, Sie k�nnten �berall die Welten wechseln.�</p><p>�Ich schon, wenn auch nur fast �berall. Aber heute m�ssen wir dein Tor nehmen, und das liegt bekanntlich im Schlafzimmer deiner alten Wohnung.�</p><p>�Ist es wirklich wichtig, wessen Tor zwischen den Welten wir benutzen? Ich dachte ...�</p><p>�Lass das besser. Wenn zwei Menschen eine Reise durch das Tor zwischen den Welten unternehmen, muss der eine den anderen f�hren. Und wir m�ssen in die Welt deiner Tr�ume reisen. Also bist du es, der uns den Weg weist. Deshalb gehen wir jetzt in die Stra�e der alten M�nzen.�</p><p>�Dort m�ssen wir allerdings zwei Ladys vertreiben, und das d�rften sie uns kaum verzeihen.�</p><p>�Das bekommen wir schon hin. Also los, mein Held. Sir Sch�rf, leider muss ich Sie zuvor wieder mit ihrem mystischen St�ck Literatur in die Verh�rzelle sperren.�</p><p>Lonely-Lokley leistete keinen Widerstand, sondern seufzte nur pflichtbewusst.</p><p>Das bevorstehende Abenteuer beunruhigte mich nicht. Ich war zwar nie ein gro�er Held gewesen, aber in Gesellschaft von Sir Juffin h�tte ich mich sogar in die H�lle getraut. Seine Anwesenheit wirkte einfach ungemein beruhigend auf mich. Deshalb schob ich meine Bef�rchtungen beiseite und unterhielt mich mit meinem Chef sorglos �ber unwichtige Dinge.</p><p>�Warum sind zu meinem gestrigen Empfang eigentlich keine Frauen erschienen?�, wollte ich wissen, weil mich diese Frage seit dem Vortag besch�ftigt hatte. �Gibt es unter all den Provinzf�rsten nicht eine Frau? D�rfen sie im Vereinigten K�nigreich etwa keine politischen �mter bekleiden?�</p><p>�Kannst du eigentlich noch an etwas anderes denken als an Frauen? Ich verstehe deine Obsession ja - schlie�lich bist du frischgebackener Besitzer eines Harems. Und teilweise hast du sogar Recht. �berall in den Provinzen regieren M�nner, und auch am K�nigshof sind Frauen deutlich unterrepr�sentiert. Aber nichts und niemand verbietet es ihnen, solche Funktionen zu �bernehmen. Sie wollen es allerdings nicht. Wei�t du, so ein Amt verlangt, st�ndig in der �ffentlichkeit zu stehen. Kluge Frauen m�gen das nicht, und Dummk�pfe - ob m�nnlichen oder weiblichen Geschlechts - sind in F�hrungspositionen nicht zu gebrauchen. Es hat allerdings ein paar Frauen gegeben, die sich in solche Bereiche vorgewagt und so manchen k�niglichen Empfang besucht haben. Wei�t du, die Frauen von Echo sind viel radikaler als wir M�nner. Sie wollen alles oder nichts. Du hast mich mal gefragt, warum in keinem Orden eine Frau das Amt des Gro�en Magisters bekleidet. Wenn eine Frau in einen Orden eintritt, hat sie kein Interesse an Nebens�chlichkeiten wie dem ewigen Hickhack mit den lieben Kollegen. Und wenn sie eine politische Karriere einschl�gt, ernennt man sie bald zur geheimen Ministerin.�</p><p>�Alles klar�, sagte ich l�chelnd. �Dort, wo ich geboren wurde, glaubt man, Frauen seien nicht klug genug, um Karriere zu machen, und hier sind sie zu klug daf�r. Beides l�uft auf dasselbe hinaus.�</p><p>�Denk nicht voreilig, du h�ttest alles verstanden�, seufzte Juffin. �Es l�uft ganz und gar nicht auf dasselbe hinaus, doch das merkt man nicht so schnell. Einmal hat mich Magister Nuflin Moni Mach nur deshalb zu sich gerufen, weil Lady Sotowa es so wollte. Er selbst h�tte meine Anwesenheit h�chstens als Haupt auf einem Silbertablett goutiert. Das ist nur ein Beispiel daf�r, wie m�chtig Frauen sein k�nnen.�</p><p>�Steht also hinter jedem bedeutenden Mann in diesem Lande eine Frau?�</p><p>�Beinahe, doch es gibt Ausnahmen. Ich zum Beispiel lebe allein, und das ist auch besser so. Aber jetzt Schluss mit dem Thema Frauen. Denk lieber dar�ber nach, was du deinen beiden Freundinnen sagst, um sie von ihren DVDs zu trennen. Wir sind n�mlich schon fast da.�</p><p>Ich hatte Recht gehabt: Im Schlafzimmer meiner alten Wohnung sa�en Melamori und Techi vor dem Fernseher und kicherten wie Gymnasiastinnen. Sie sahen sich einen Film an, der fast nur unter sp�rlich bekleideten Athleten spielte. Zudem redeten die Schauspieler in einer seltsamen, mir unbekannten Sprache. Was manche Leute sich f�r ein Zeug zusammenfilmen!, dachte ich erstaunt.</p><p>Die DVD war offenbar zuf�llig in meine Sammlung geraten und d�rfte meiner Ex-Freundin geh�rt haben. Tja, da glaubt man, jemanden zu kennen, und erlebt dann so eine �berraschung.</p><p>Kaum hatten die beiden Ladys uns bemerkt, wurden sie verlegen und err�teten sogar.</p><p>�Oh weh, sie haben uns auf frischer Tat ertappt!�, rief Techi und lehnte sich an Melamoris Schulter. Sofort kicherten die beiden wieder los.</p><p>�Kein Wunder - schlie�lich sind wir beim Kleinen Geheimen Suchtrupp�, brummte ich. �Was seht ihr euch da eigentlich an?�</p><p>�Ach das?�, meinte Melamori und machte eine abf�llige Handbewegung Richtung Fernsehger�t. �Ich hab in meinem Leben noch nichts Unanst�ndigeres gesehen als diese schnaufenden, halbnackten Kraftpakete. Gilt so was in deiner Heimat als Unterhaltung, Max? Bist du etwa selbst so unterwegs gewesen?�</p><p>�Wie du siehst, fehlt mir dazu die Statur. Au�erdem ist das keine Unterhaltung, sondern eine Methode herauszufinden, wer der St�rkste ist - eine recht unsinnige Methode, wie man sieht, aber Juffin verfolgte schweigend, wie ein Mann in himbeer-rotem Trikot versuchte, zweihundertvierzig Kilo zu stemmen.</p><p>�Wie ekelhaft�, sagte er dann. �Ladys, gef�llt Ihnen das wirklich?�</p><p>�Und wie!�, rief Techi. �Wir sehen uns das schon zum dritten Mal an.�</p><p>�Stellen Sie das bitte sofort aus, gehen Sie nach unten, und kochen Sie sich eine Tasse Kamra. In einer halben Stunde k�nnen Sie wieder so viele DVDs schauen, wie Sie m�gen.�</p><p>�Ihr wollt noch woandershin, stimmt's?�, fragte mich Melamori.</p><p>�Nein, wir wollen uns diese M�nner selber ansehen, sch�men uns aber in eurer Gegenwart unserer niederen Triebe.�</p><p>Techi stand schon in der T�r und l�chelte mich an. Es war ein spezielles L�cheln, das mir Mut machen sollte, die Reise durch das Tor zwischen den Welten anzutreten.</p><p>�Einen sch�nen Abend noch, Ladys�, w�nschte Juffin und verbeugte sich galant vor den beiden. �Und bleiben Sie besser nicht bis Sonnenaufgang, damit wir Sie nicht erneut beim Filmschauen st�ren.�</p><p>Techi sah mich etwas ver�rgert an und verschwand mit ihrer Freundin ins Erdgeschoss.</p><p>�Erstaunlich, dass die beiden sich so eng befreundet haben-, meinte ich kopfsch�ttelnd. �Immerhin stammen sie aus Familien, die seit langem miteinander verfeindet sind ...�</p><p>�Ich finde das ganz und gar nicht erstaunlich. Melamori w�re gern nicht nur mit der Tochter von Lojso Pondochwa, sondern auch mit ihm selbst befreundet. Aber leider ist der Vater von Lady Techi schon tot. Um ihrem eigenen Vater Korwa zu trotzen, tut Melamori alles, denn sie ist mit ihm in einen dauernden Wettbewerb verstrickt, bei dem es darum geht, wer wem die schlimmeren Wunden schl�gt. Ich f�rchte, Lady Melamori hat einen soliden Vorsprung.�</p><p>�Tja, das alles hat damit begonnen, dass Korwa sich einen Sohn gew�nscht und eine Tochter bekommen hat�, sagte ich.</p><p>�Da wir gerade beim Thema Frauen sind: Ist dir schon aufgefallen, dass ihr euch sehr �hnlich seid, du und deine Freundin? Nat�rlich nicht im Gesicht, aber hinsichtlich eurer Worte und Gesten.�</p><p>�Das ist mir gleich aufgefallen�, best�tigte ich nickend. �Wie jeder selbstverliebte Mensch habe ich gedacht, das sei ideal, und sehe das eigentlich auch heute noch so.�</p><p>�Sie ist dein Spiegel�, erkl�rte Juffin. �Wie die �brigen Kinder Lojso Pondochwas wirft auch Lady Techi das Bild ihres Begleiters zur�ck. Niemand freilich hat das so perfekt gekonnt wie ihr gro�artiger Vater, der es meisterhaft verstand, von einer Rolle in die andere zu schl�pfen. Nur wenn deine Freundin erschrocken, betr�bt oder allein ist,</p><p>kommt die echte Techi zum Vorschein. Und das passiert bekanntlich selten. Als du auf der langen Reise in deine Heimat warst, habe ich sie oft in ihrem Wirtshaus besucht, und wir haben uns gut �ber die verschiedensten Dinge unterhalten. Da Techi inzwischen viel Zeit mit Melamori verbringt, wird sie nun ihr immer �hnlicher. Ein lebendes Spiegelbild zu haben, ist schmeichelhaft, was?�</p><p>�Allerdings�, sagte ich und nickte verlegen. �Denken Sie wirklich, Techi habe die Neigung, zu jedermanns Spiegelbild zu werden? Ich w�re nie darauf gekommen.�</p><p>�Und doch ist es so.�</p><p>�Ich dachte, sie w�rde allein mir �hneln�, meinte ich betr�bt. �Und wie sich jetzt herausstellt, wei� ich gar nicht, wer sie wirklich ist.�</p><p>�Nat�rlich wei�t du einiges von ihr. Als Lady Scheck dich versehentlich beinahe vergiftet h�tte, hattest du mit Techis wahrem Selbst zu tun, denn da war sie erschrocken. Soweit ich mich erinnere, fandest du sie damals bezaubernd�, sagte Juffin und l�chelte freundlich. �Seither �hnelt deine Freundin dir wirklich sehr, wenn du mit ihr zusammen bist. Das ist keine billige Schauspielerei, sondern Magie, mein Freund. Und was geht dich ihr Verhalten an, wenn sie nicht bei dir ist?�</p><p>�Nichts�, r�umte ich finster ein �Eigentlich kennt man niemanden wirklich, auch nicht sich selbst. Warum sollte Techi eine Ausnahme sein?�, fuhr Juffin fort.</p><p>�Auch da haben Sie Recht. Und warum unterhalten Sie sich ausgerechnet jetzt �ber dieses Thema?�</p><p>�Einmal muss man dar�ber reden. Es gibt viele einfache Dinge, auf die man von allein erst tausend Jahre zu sp�t kommt. Und da wir uns zuf�llig dar�ber unterhalten haben ...�</p><p>�In letzter Zeit verliere ich oft den Boden unter den F��en. Das ist wie ein kleiner Tod. Wenn der Boden aber wieder da ist, stelle ich fest, dass die Welt sch�ner geworden ist.�</p><p>�Das hast du sehr h�bsch gesagt�, meinte Juffin erfreut. �Und jetzt lass uns wieder an die Arbeit gehen. Wir haben die Ladys schlie�lich nicht vertrieben, um hier die ganze Zeit zu plaudern. Als w�re dein ehemaliges Schlafzimmer der einzige Ort im Vereinigten K�nigreich, an dem man sich �ber alles problemlos unterhalten kann.�</p><p>�Manchmal habe ich allerdings wirklich den Eindruck, dass man nirgendwo so gut miteinander reden kann wie in diesen vier W�nden�, wandte ich l�chelnd ein. �Und was machen wir nun?�</p><p>�Du legst dich in deine Lieblingsecke und schl�fst ein, wie du es immer tust, wenn du das Tor zwischen den Welten durchquerst. Es ist zwar ziemlich fr�h, und du bist noch nicht m�de, aber ich helfe dir. Und wenn du im Tor bist, �ffne einfach die T�r zu dem Strand, von dem du mit Sch�rf getr�umt hast. Ich folge dir. Hab keine Angst - ich bin ein erfahrener Reisender und nicht auf deine Hilfe angewiesen. Jetzt leg dich endlich hin. Wir haben keine Zeit zu verlieren.�</p><p>Ich legte mich ins weiche Bett und betrachtete den Fernseher, den DVD-Player und meine Filme, deren Anblick so beruhigend auf mich wirkte wie die Gegenwart von Sir Juffin. Nun war ich wirklich zu allem bereit.</p><p>�Das hier ist die beste Methode gegen Schlaflosigkeit�, sagte mein Chef und zog einen Vorschlaghammer aus dem Mantel. �Leiste aber keinen Widerstand - sonst funktioniert es nicht.�</p><p>Ich war baff und wusste nichts zu antworten. Schlie�lich passierte mir so etwas nicht jeden Tag. Der schreiend rosa lackierte Hammer n�herte sich langsam meinem Kopf.</p><p>Nat�rlich sp�rte ich keinen Schlag, aber auch sonst nichts. Nur mein Schlafbed�rfnis war �berw�ltigend. Mit Narkose hatte das nichts zu tun, eher mit v�lliger Ersch�pfung - als h�tte ich seit Tagen kein Auge zugetan. Ich glaubte noch kurz, mich von diesem Bed�rfnis befreien zu k�nnen, erkannte aber sofort, dass es sich dabei um eine Illusion handelte.</p><p>Dann schlief ich ein. Was blieb mir auch �brig, nachdem Sir Juffin mir pers�nlich ein Wiegenlied gesungen hatte?</p><p>Erneut landete ich an einem Ort, an dem es nichts gab, nicht einmal mich selbst. Es ist schwer zu erkl�ren, was das Tor zwischen den Welten ist. Auch pers�nliche Erfahrungen helfen da nicht viel, im Gegenteil: Je �fter man dort landet, desto deutlicher wird einem, dass es keine Worte gibt, um von diesem Ort zu erz�hlen.</p><p>Auch diesmal staunte ich, wie gut sich ein Teil von mir in diesem metaphysischen Raum orientierte. Wieder wusste dieser Teil, wohin ich mich wenden musste, um feinen wei�en Strand unter meine Schuhe aus Uguland zu bekommen.</p><p>Ich setzte mich auf einen warmen, rotgrauen Stein und sah mich um.</p><p>Etwas stimmte nicht mit dieser so fremden, mir aber dennoch bekannten Welt. Au�er mir befanden sich dort n�mlich noch andere Menschen. Sie waren zwar weit entfernt am Ufer, aber ich konnte sie trotzdem erkennen. Dabei war diese Welt bisher menschenleer gewesen. Das war wom�glich eine ihrer wichtigsten, unverwechselbaren Eigenschaften gewesen. Genauso ist es bei einem geliebten Menschen: Seine Gesichtsz�ge, seine Stimme, seine Ausdrucksweise oder seine Reaktionen - all das macht ihn einzigartig und dadurch geliebt. Wenn sich nur eine dieser Eigenschaften �ndert, ist die Harmonie gest�rt, und wir haben es nicht mehr mit dem alten Freund zu tun, sondern mit einem Unbekannten, den wir nur ungern in unser Leben lassen.</p><p>In letzter Zeit hatte ich solche Ver�nderungen immer wieder hinnehmen m�ssen. Den Kampf, die Dinge um mich herum zu erhalten, wie sie waren, hatte ich l�ngst aufgegeben, weil er meine Kr�fte �berstieg. Ja, ich redete mir obendrein ein, die st�ndigen Ver�nderungen w�rden mir gefallen, und allm�hlich glaubte ich sogar daran.</p><p>Aber die Ver�nderungen, die an dem von mir so geliebten Strand passierten, erschreckten mich zutiefst. Zuerst lehnte ich nur intuitiv ab, was dort geschah, dann aber bekam ich seltsame Ahnungen.</p><p>Ich erhob mich von meinem warmen Stein, ohne zu bedenken, dass ich eigentlich auf Juffin h�tte warten sollen, und ging zu den Badenden. Diese Leute geh�rten einfach nicht hierher!</p><p>Eine nicht eben gro�e, aber bunt gemischte Menschengruppe kam mir entgegen. Ich sah Frauen mittleren Alters in farbigen R�cken und golden schimmernden Kopft�chern. Eine hielt ein Kleinkind auf dem Arm. Schon aus der Ferne begannen sie zu jammern. Nat�rlich brauchten sie Geld, und zwar - wie sie behaupteten - f�r ihre Kinder. Eine Frau wollte mich k�dern, indem sie mir anbot, aus meiner Hand zu lesen.</p><p>�Sch�ner Mann, ich verrate dir deine Zukunft. Lass uns sehen, ob du ein langes Leben hast und reich wirst.�</p><p>Die Handleserin n�herte sich blitzschnell. Wie kann man so rasch �ber den Sand laufen?, fragte ich mich, tr�stete mich aber damit, dass es vieles gab, was ich nicht f�r m�glich gehalten h�tte.</p><p>Dann verlor ich den Verstand.</p><p>Damals wusste ich nicht, warum ausgerechnet diese Frauen mit ihren Kindern mich so aus der Fassung brachten. Wer das Gef�hl hat, angegriffen zu werden, sollte sich beherrschen k�nnen. Mich dagegen �berkam blinde Raserei.</p><p>Das Erstaunlichste war, dass mir meine Wut gefiel. Ich ritt auf der Welle meines Zorns und sp�rte dabei ein intensives Gef�hl der Befriedigung. Jede Zelle meines K�rpers zitterte in wonniger Erwartung des Sturms. Genauso s�� zitterte die Luft ringsum, und ich wusste nicht, wo mein K�rper aufh�rte und die Au�enwelt begann. Auch wenn es seltsam klingen mag: Ich hatte mich noch nie so gro�artig gef�hlt.</p><p>Die Frauen belagerten mich, als sp�rten sie die Wut nicht, die sich in mir zusammengebraut hatte. Dabei murmelten sie etwas �ber mein Geschick und den Hunger ihrer Kinder.</p><p>�Du willst Wahrsagerin sein, meine Liebe?�, fragte ich die lauteste von ihnen und staunte, wie unangenehm meine Stimme klang. �Obwohl du den eigenen Tod nicht vorhersiehst?�</p><p>Ich hatte nicht vor, die Frauen anzuspucken, obwohl mein Gift sie sicher umgebracht h�tte. In dieser Lage aber wollte ich nicht auf eine so primitive Art des T�tens zur�ckgreifen. Wohlig streckte ich ihnen die Arme entgegen, als w�rde ich mich nach einem herrlichen Schl�fchen gen�sslich r�keln. Auf meinen Unterarmen waren scharfe Stacheln zu sehen, und mir war klar, dass jeder von ihnen so t�dlich wie meine Spucke war.</p><p>Die Frau fiel leblos zu Boden und l�ste sich auf. Nur ihre farbenfrohe Kleidung blieb auf dem Strand zur�ck. Das waren gar keine Menschen, sondern D�monen! Darauf h�tte ich wirklich fr�her kommen k�nnen.</p><p>Die lauten Freundinnen meines Opfers z�gerten, und ich nutzte die Gelegenheit, ihrem erneuten Angriff zuvorzukommen. Die linke H�lfte meines Mundes l�chelte woll�stig, w�hrend die rechte H�lfte teilnahmslos blieb, als h�tte ich dort ein Bet�ubungsmittel gespritzt bekommen. Den Magistern sei Dank, dass mir in diesem Moment niemand einen Spiegel vors Gesicht hielt! Dem sympathischen Sir Max aus Echo h�tte sein Anblick sicher gar nicht gefallen.</p><p>Nach ein paar Sekunden war alles vorbei. Nur ein Haufen bunter Lumpen war am Strand zur�ckgeblieben. Ich zuckte die Achseln und ging weiter, um mir die n�chsten D�monen vorzunehmen, die sich im flachen Wasser tummelten. Um ehrlich zu sein, h�tte ich es auch echten Menschen nicht verziehen, wenn sie sich hierher verirrt h�tten.</p><p>Das Erstaunlichste bei meinem privaten Feldzug war, dass die Luft um meine H�nde herum h�rbar vibrierte. Das gefiel mir, erm�dete mich aber zugleich. Die seltsamen Stacheln an meinen Armen verschwanden pl�tzlich, doch ich wusste, dass sie unversehens wieder auftauchen w�rden, wenn ich auf ein neues Opfer tr�fe.</p><p>Ich ahnte, welcher Anblick mich am Wasser erwarten w�rde. Als ich nah genug gekommen war, um alle Details zu erkennen, stockte mir der Atem. Das ist zu viel f�r mich, dachte ich. Am Strand war alles versammelt, worauf ich je ohnm�chtigen, mitunter nur fl�chtigen und unerkl�rlichen, stets aber erm�denden Hass versp�rt hatte. Ich sah unfassbar dicke Matronen in grellen Badeanz�gen, die sich sonnten und dabei aus Plastikbeh�ltern Essen in sich hineinschaufelten. Ihre d�nnbeinigen Begleiter tranken mit finsterer Miene warmes Flaschenbier. Ich sah krebsrote M�dchen in schlabbernden Bikinis, die sich Bl�tter auf die Nase gelegt hatten, um einen drohenden Sonnenbrand zu verhindern, und ihre x-beinigen Begleiter in zu engen Badehosen. Ich sah betrunkene Teenies, finster dreinblickende �ltere M�nner in Jogginghose und draufg�ngerische Rentnerinnen.</p><p>Pl�tzlich erinnerte ich mich an einen Strandurlaub mit meinen Eltern. Ich war damals h�chstens f�nf. Das ist ein schreckliches Alter, denn man beginnt die absurde Abh�ngigkeit von den Erwachsenen zu erkennen, hat dagegen aber noch keine Partisanenstrategie. Tags�ber geschah nichts Besonderes. Am Abend kehrten wir in unser Ferienhaus zur�ck, und ich lief in die Vorratskammer und h�llte mich in einen nach Mottenpulver riechenden Mantel. �Ich will nicht erwachsen werden! Bringt mich sofort weg von hier!�, rief ich immer wieder unter Tr�nen. Ich wusste nicht, an wen ich mich wandte, aber mich ekelte der Gedanke, durch das Zusammensein mit den Erwachsenen zu werden wie sie. Ich w�rde einen Bauch und Falten bekommen und irgendwann sterben - was sonst? Damals wusste ich noch nichts von Magie und Lojso Pondochwa.</p><p>�Das ist ja ausgezeichnet�, sagte ich leise zu mir. �Ich wei� zwar nicht, wer sich entschlossen hat, meine wunderbare Welt mit diesem Abschaum zu verm�llen, aber nun habe ich die Gelegenheit, die ganze Sippschaft auf einen Sitz zu t�ten.�</p><p>Dann roch ich die mir bekannte Mischung von Strandd�ften - Schwei�, Sonnencreme, warmes Bier und gekochte Eier - und verlor alles Menschliche. Das ist keine blo�e Redewendung, sondern eine k�hle Feststellung der Tatsachen. Wie h�tte das Wesen, das nun �ber den Strand tobte, noch ein Mensch sein k�nnen? Es vernichtete alles, was ihm in die H�nde geriet, und fand gr��ten Gefallen daran.</p><p>�Das ist meine Welt, ist das klar?�, rief ich. �Hier hat alles zu sein, wie ich es w�nsche. Ich will euch nicht sehen. Verschwindet, ihr Missgeburten! In die H�lle, nach Antalya oder an die Costa Brava!�</p><p>Als ich wieder zur Besinnung kam, war alles vorbei, und ich sa� allein im nassen Sand. Tr�ge Wellen leckten an meinen Schuhen. Ich war ganz ruhig und f�hlte mich sehr einsam. Was passiert war, erschien mir wie ein wirrer, aber durchaus angenehmer Traum, der mich nicht weiter besch�ftigte.</p><p>�Du kannst ganz sch�n aggressiv werden�, h�rte ich Sir Juffin hinter meinem R�cken belustigt sagen. �Schade nur, dass unser Schatzmeister Dondi Melichais dich nicht gesehen hat. Sonst w�rde er dein Gehalt bestimmt verdreifachen. Du bist doch sonst so ein netter Junge, Max -</p><p>wie konntest du dich so verwandeln? Sch�mst du dich gar nicht?�</p><p>�Sollte ich das?�, fragte ich gleichg�ltig.</p><p>�Eigentlich nicht�, sagte mein Chef l�chelnd und setzte sich neben mich. �Was du gerade getan hast, war f�r dich offenbar nur eine Kleinigkeit. Also kommst du selbst mit D�monen zurecht. Es war geradezu eine Augenweide, dir dabei zuzusehen. Jetzt musst du nur noch lernen, die zu besiegen, die hinter den D�monen stehen.�</p><p>�Fangen wir doch sofort damit an�, meinte ich unger�hrt.</p><p>�Sofort? Du bist ja eine richtige Kampfmaschine geworden. Ich hoffe, du bist nach dieser Benefizvorstellung nicht v�llig ausgepumpt. Was du eben erlebt hast, hast du �brigens unserem Freund Gugimagon zu verdanken.�</p><p>�Ach, war das sein Werk?�, fragte ich teilnahmslos und staunte selbst, wie kalt mich diese Nachricht lie�. In diesem Moment h�tte ich selbst Lonely-Lokley ein Vorbild sein k�nnen.</p><p>�Ich jedenfalls habe dir diese Leute nicht auf den Hals geschickt�, sagte Juffin, nahm seinen Turban ab und zog mit dem listigen L�cheln eines Zauberers aus der Provinz einen Tonkrug daraus hervor. Genau solche Kr�ge gab es im Fressfass.</p><p>�Ein Schl�ckchen Kamra d�rfte dir nicht schaden. Sag aber bitte nicht, du br�uchtest zum Trinken eine Tasse. Ich kann n�mlich kein Geschirr f�r dich herbeizaubern. Warum starrst du mich so an, Max? Hast du wirklich gedacht, au�er dir und dem wunderbaren Maba Kaloch beherrscht niemand im Vereinigten K�nigreich den Trick mit der Ritze zwischen den Welten?�</p><p>�Aber nein�, sagte ich l�chelnd. �Ich bin mir sicher, dass Sie zu allem f�hig sind. Ich fand es nur erstaunlich, dass Sie den Krug ausgerechnet aus dem Turban gezogen haben. Stammt die Kamra wirklich aus dem Fressfass�</p><p>�Woher sonst? Ich kann dir doch nichts vorsetzen, was aus einer x-beliebigen Kneipe stammt.�</p><p>Juffin nahm mir den Krug ab und trank ein paar Z�ge. Ich kramte derweil in meinem Todesmantel nach Zigaretten. Ohne zu �berlegen, schnippte ich dabei mit den Fingern. Zwar war ich das Zaubern inzwischen gewohnt, doch dass ich es nun sogar unwillk�rlich betrieb, erschreckte mich ein wenig.</p><p>�Worauf warten wir noch?�, fragte ich. �Oder wollen Sie mir eine Erholungspause verordnen?�</p><p>�Das auch. Wir bleiben hier, bis ich mir sicher bin, dass du wieder zu Kr�ften gekommen bist. Dann rufen wir Gugimagon. �</p><p>�Bin ich denn noch nicht wieder topfit?�</p><p>�Vor einer halben Stunde warst du betr�chtlich besser in Form.�</p><p>�Wo sind Sie eigentlich gewesen, als ich mit den D�monen gek�mpft habe?�</p><p>�Ich bin auf der Schwelle zu dieser Welt geblieben, um deinen k�hnen Kampf zu beobachten. Ich habe viel Vergn�gen daran gehabt und mich entschieden, mich nicht einzumischen, um es nicht mit deinen F�usten zu tun zu bekommen.�</p><p>Juffin lachte gutm�tig, als w�re ich ein Komiker und das Massaker an den Badenden nur Teil meiner B�hnenshow.</p><p>�Waren das wirklich alles D�monen?�, wollte ich wissen.</p><p>�Nat�rlich. Wei�t du, ich habe Gugimagon reingelegt. Er hat die ganze Zeit geglaubt, du kommst allein, und ich bleibe bei Sir Sch�rf.�</p><p>�Warum h�tte er das annehmen sollen?�</p><p>�Gestern Abend habe ich Sch�rf ein wenig von meinem Blut gegeben und ihn gebeten, es zu trinken, wenn er seinen Reiter in der N�he sp�rt. In solchen Dingen nicht gerade bewanderte Magier glauben dann n�mlich den, dessen Blut getrunken wird, auch in der N�he. Darauf habe ich bei Gugimagon spekuliert. Au�erdem dachte ich mir, dass er sicher furchtbare Angst vor mir hat.�</p><p>�War dieses Blut Schurfs besonderer Schutz, von dem Sie mir gestern nichts erz�hlen wollten?�</p><p>�Ja. Und der Trick hat prima funktioniert, denn Gugimagon dachte, er bekommt es allein mit dir zu tun. Er hatte etwas Besonderes f�r dich vorbereitet und gehofft, dein Wutanfall werde dir alle Kr�fte rauben. Das ist �brigens auch geschehen. Wei�t du, Max, er hat auch vor dir Angst, wenn auch weniger als vor mir. Au�erdem hasst er dich wirklich - das hat Sch�rf ganz richtig erkannt.�</p><p>Ich sah meinen Chef fragend an, doch er zuckte nur die Achseln und breitete bedauernd die Arme aus. Ich sollte die Dinge vermutlich nehmen, wie sie waren.</p><p>�Gugimagon hat dir all die geschickt, die du verabscheust und auch in deiner alten Heimat nie und nimmer h�ttest treffen m�gen. Um wie viel schlimmer muss es f�r dich gewesen sein, ihnen in der Welt deines Traums zu begegnen, die doch allein dir geh�rt.�</p><p>�Zugegeben, ich habe schon lange von dieser Welt getr�umt und f�hle mich hier sehr wohl, aber deshalb geh�rt sie mir doch noch nicht!�</p><p>�Nat�rlich geh�rt sie dir, denn ohne dich g�be es sie nicht. Zuerst hast du diesen Strand nur getr�umt, doch dann hat er sich materialisiert. Das ist eines der geheimnisvollen Ereignisse, die man wirklich ein Wunder nennen muss. Und diesen Strand wird es auch nach deinem Tod noch geben. Die meisten von Menschen erschaffenen Welten sind so unvollkommen wie ihre Sch�pfer. Du hingegen hast das seltene Talent, so herrlich zu fantasieren, dass deine Kopfgeburten �ber deinen Tod hinaus bestehen bleiben werden. Ich erinnere mich an das h�bsche kleine St�dtchen in den Bergen bei Kettari, das du samt Park erschaffen hast. Und nun hast du die Welt mit diesem herrlichen Strand beschenkt. Interessant, dass auch Gugimagon sich f�r diesen Ort begeistert hat. Vielleicht, weil es so leicht ist, in eine gerade erst erschaffene Welt zu gelangen.�</p><p>Ich sah meinen Chef erstaunt an. Was redete er blo� f�r metaphysisches Zeug? Hoffentlich machte er sich nicht �ber mich lustig. Aber selbst das w�re eigentlich nicht schlimm. Ich war es schlie�lich, der mit all den von mir erschaffenen Welten leben musste. Ich f�hlte mich wie jemand, der aus einem Rausch erwacht und feststellt, dass um ihn herum nichts ist und die Welt nur in seiner Vorstellung existiert hat.</p><p>Erneut verlor ich den Boden unter den F��en - wie schon so oft in diesem Herbst.</p><p>�Und Sie machen sich wirklich nicht �ber mich lustig?�, fragte ich ohne gro�e Hoffnung.</p><p>�Warum sollte ich? Dass du Welten erschaffen kannst, scheint dir wirklich neu zu sein. Interessant, wie du dich mitunter davor dr�ckst, den Tatsachen ins Auge zu sehen.�</p><p>�Das ist wirklich lustig�, pflichtete ich ihm sarkastisch bei. �Nach allem, was mir widerfahren ist, kann ich mir wohl den Luxus erlauben, die wundersamen Geschichten, die Sie mir da auftischen, zu ignorieren.�</p><p>�So einer bist du? Dabei solltest du vor Begeisterung h�pfen! Freut es dich nicht zu erfahren, wie m�chtig du bist?�</p><p>Ich �berlegte, was ich heute erlebt und empfunden hatte, und sch�ttelte den Kopf. �Ganz und gar nicht - Schweinerei, was? �ber den Rest Kamra in Ihrem Krug dagegen w�rde ich mich freuen. Ich bin ziemlich schlicht gestrickt, oder?�</p><p>�Da, nimm, du schlichtes Wesen�, brummte Juffin und hielt mir den Krug hin. �Leider ist sie schon fast kalt.�</p><p>Ich trank die lauwarme Kamra aus und sp�rte, dass ich ein wenig Ablenkung brauchte.</p><p>�Eigentlich bin ich schon wieder bei Kr�ften. K�nnten Sie Gugimagon nicht rufen, damit wir die Angelegenheit rasch beenden und wieder nach Echo zur�ckkehren k�nnen?�</p><p>�Warte besser ab. Wieder bei Kr�ften bist du vielleicht in einer Woche. Es geht ja nicht um deine Selbsteinsch�tzung, sondern darum, ob du deine Heldentaten wiederholen kannst. Mit Gugimagon werde ich schon fertig -das ist ein Kinderspiel. Das Problem ist, dass ich dir dadurch unabsichtlich schaden kann. Du bist n�mlich noch ziemlich schwach. Am liebsten w�rde ich dich nach Hause schicken, weil es hier zu gef�hrlich f�r dich ist, aber ohne mich w�rdest du nicht zur�ckfinden.�</p><p>�Ist die Lage so ernst?�, fragte ich erschrocken.</p><p>�Ernst? Es ist alles gut, ja bestens. Du kannst dich auf den Beinen halten und durch blo�es Fingerschnippen Kugelblitze erzeugen. Wir k�nnten hier ein paar Tage Urlaub machen, bis du wieder richtig fit bist. Das klingt recht verlockend, wie ich finde. Aber derweil k�nnte Freund Gugimagon sich aus dem Staub machen. Das jedenfalls w�rde ich an seiner Stelle tun. Ich habe deshalb einen anderen Vorschlag: Ich grabe dich hier im Sand ein und rufe Gugimagon zum Showdown.�</p><p>�Mich eingraben? Wie meinen Sie das?�</p><p>�Der Boden deiner pers�nlichen Welt ist der beste Schutz gegen jedes �bel. Jetzt mach kein so erschrockenes Gesicht, Max - den Kopf brauchst du ja nicht in den Sand zu stecken. Den Kampf der Titanen kannst du also in aller Ruhe beobachten. Ich arbeite gern vor Publikum.�</p><p>�Und was ist mit meinen H�nden? Wenn Sie die eingraben, kann ich Sie nicht beklatschen!�</p><p>�Ich komme auch ohne deinen Applaus zurecht. Du hast l�ngst bewiesen, wie wichtig deine H�nde sind - also m�ssen wir sie vor Gugimagon sch�tzen.�</p><p>�Machen Sie mit mir, was Sie wollen, Juffin�, sagte ich tr�ge und r�kelte mich auf dem hei�en Strand. �Meine einzige Sorge ist, dass ich einschlafen k�nnte.�</p><p>�Das darfst du auf keinen Fall. Solange Gugimagon am Leben ist, kannst du dir keinen Schlaf leisten�, sagte Juffin und zog ein Fl�schchen Kachar-Balsam aus seinem Lochimantel. �Du trinkst st�ndig von diesem Zeug, vergisst aber jedes Mal, es mitzunehmen�, f�gte er vorwurfsvoll hinzu.</p><p>Ich nickte schuldbewusst und nahm einen gro�en Zug vom besten Getr�nk aller Welten.</p><p>�Verschluck dich nicht vor Gier!�, murmelte Juffin.</p><p>Er stand auf, ging zum Wasser, �berlegte kurz, nickte gedankenverloren, nahm ein Steinchen, drehte es in den Fingern und schleuderte es energisch vor sich auf den Boden. Eine Staubfont�ne stieg leuchtend auf und zerstob in tausend glitzernde Funken. Das sah wie eine kleine Explosion aus, ging aber v�llig ger�uschlos vor sich.</p><p>�Deine Grube im Sand wartet auf dich, Max. Es ist h�chste Zeit, dass du dich darin versteckst. Sonst schl�gst du noch Krawall.�</p><p>�Haben Sie mich je nach dem Genuss von Kachar-Balsam randalieren sehen?�, fragte ich erstaunt.</p><p>�Noch nicht, den Magistern sei Dank! Und ich bete jeden Tag zu ihnen, dass ich das nie erleben muss�, meinte Juffin kichernd. �Deine heutigen Taten haben mich beeindruckt. Man k�nnte meinen, Lojso Pondochwa sei auferstanden. Vermutlich w�re er dein Lieblingslehrer gewesen, denn heute hast du seinen Stil an den Tag gelegt. Nur er n�mlich beherrschte den Trick mit den stachligen Unterarmen. �</p><p>�Sie machen mir zwar h�bsche Komplimente, doch ich f�hle mich dabei nicht wohl�, sagte ich seufzend. �St�ndig tischen Sie mir Erinnerungen an Ihren alten Bekannten auf, der obendrein der Vater meiner Freundin war. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie ihn get�tet haben? In letzter Zeit habe ich immer wieder die Ahnung, ihn bald zu treffen.�</p><p>�Um ehrlich zu sein: Ich habe ihn versehentlich get�tet�, sagte mein Chef gedankenverloren. �Ich habe ihn an einen Ort geschickt, der kurz nach seiner Ankunft verschwunden ist und ihn mitgenommen hat. Au�erdem kannst du ihn sowieso nie wieder treffen, denn ich habe das nur f�r ihn bestimmte Tor zwischen den Welten geschlossen. Und glaub mir: Es ist wirklich f�r alle Zeiten versperrt. Lojso kannte sich ausgezeichnet mit Offenkundiger Magie aus, doch was das Reisen zwischen den Welten betrifft, war er so unerfahren wie du. Am schwierigsten war es, ihn in das Tor zwischen den Welten zu locken - der Rest war eine Frage der Technik. �</p><p>�W�rden Sie mir das genauer erkl�ren?�</p><p>�Irgendwann ja, aber gerade bin ich - wie du vielleicht schon bemerkt hast - ziemlich besch�ftigt. Und jetzt komm in deine Grube, Max, ehe es Gugimagon gelingt, auch diese Welt zu verlassen. Dazu braucht er zwar neue Opfer, denn die Menschen, die ihn hierhergebracht haben, sind inzwischen tot, und an Sch�rf kommt er nicht mehr heran, doch wir sollten unseren Feind nicht untersch�tzen. Es w�rde mich nicht wundern, wenn er noch andere Helfer h�tte. Schlie�lich hat er sich �ber hundert Jahre lang auf diese Reise vorbereitet.�</p><p>W�hrend er redete, schob Juffin vorsichtig Sand zu mir in die Grube. Langsam f�hlte ich mich wie ein riesiges Wurzelgem�se - um nicht zu sagen: wie eine Karotte. Das war ein recht lustiges Gef�hl, und ich lachte wie verr�ckt, weil ich noch unter der Wirkung des Kachar-Balsams stand.</p><p>�Wunderbar!�, rief mein Chef. �Die Zusammenarbeit mit dir ist wirklich das reinste Vergn�gen, mein Junge. Ich habe dich bis ans Ende der Welt getrieben und versuche nun, dich vor dem b�sen Gugimagon zu sch�tzen, und du lachst wie ein betrunkenes Pferd.�</p><p>�Wieso wie ein betrunkenes Pferd?�, prustete ich und w�re vor Lachen beinahe gestorben.</p><p>�Weil n�chterne Pferde viel ernster sind. Na gut, das reicht. Jetzt brauche ich Unterhaltung.�</p><p>Juffin entfernte sich vom Wasser, blieb aber auf dem Strand. Nach etwa drei�ig Metern hielt er an und rief: �Gugimagon, du Missgeburt! Komm sofort her!�</p><p>Sein Schrei verhallte nicht wie ein normaler Ruf. Jedes Wort materialisierte sich und schwebte riesig in der Luft -wie im Comic. Unvermittelt wurden die Buchstaben noch gr��er, blichen dabei aber aus. Sekunden sp�ter bedeckten sie schon den ganzen Himmel. Nun streckte Juffin die Rechte aus und sog die Worte wie ein Staubsauger ein. Als er seine Hand kr�ftig sch�ttelte, merkte ich, dass die Worte sich in einen d�nnen Stock verwandelt hatten.</p><p>�Komm sofort her!�, wiederholte er und stie� den Stock in den Sand.</p><p>Das sah gro�artig aus. W�re ich nicht gefangen gewesen, h�tte ich mich sofort zu ihm auf den Weg gemacht. Dann entspannte sich mein Chef, nickte zufrieden und sah mich an.</p><p>�Er kommt gleich�, sagte er und zwinkerte mir zu. �Ich hab ihn schon festgenagelt. Er kann sich nirgendwo anders mehr herum treiben. In h�chstens einer halben Stunde taucht er auf - zu l�ngerer Abwesenheit fehlt ihm die Kraft.�</p><p>�Das haben Sie toll hinbekommen�, seufzte ich neidisch.</p><p>�Deinetwegen habe ich mir auch richtig M�he gegeben. Eigentlich h�tte ich auf die groben Effekte verzichten k�nnen, aber deine Filme haben mir Lust gemacht, in die Trickkiste zu greifen. Und wei�t du was? Ich habe Freude daran! Schlie�lich sollte man sich auch f�r Routineaufgaben begeistern k�nnen.�</p><p>�Das nennen Sie Routine?�, fragte ich und pfiff durch die Z�hne.</p><p>�Wie denn sonst? Wir haben das Tor zwischen den Welten durchquert und suchen Gugimagon, einen ber�chtigten Freund gef�hrlicher Abenteuer.�</p><p>�Und ich dachte, die Lage w�re ernst.�</p><p>�Das ist sie auch - jedenfalls von deiner Warte aus. Wirklich gef�hrlich war es f�r dich allerdings nur, als Sch�rf dich angegriffen hat. Inzwischen ist es recht langweilig geworden, denn ich habe die Lage im Griff. Wei�t du, Max, ich habe den Eindruck, Gugimagon belauscht unser Gespr�ch. Er ist ver�rgert und will mir beweisen, dass er sich nicht so einfach von mir erjagen l�sst.�</p><p>Ich sah aufs Meer und staunte. Wider jedes Naturgesetz stieg das Wasser wie eine Wand und drohte, als gewaltige Welle auf uns einzubranden.</p><p>Juffin seufzte, winkte l�ssig mit der Hand und rief: �Zur�ck, marsch, marsch!�</p><p>So mag ein verschlafenes Herrchen seinen Hund beruhigen, der um drei Uhr nachts Gassi gehen will. Aus Erfahrung wusste ich, dass dieser Trick nicht funktionierte, doch ich t�uschte mich: Die Wasserwand sackte augenblicklich und spurlos in sich zusammen, und der Horizont lag so flach da wie zuvor.</p><p>�Das war ein D�mon, Max�, sagte mein Chef. �F�r wen h�lt dieser Gugimagon mich blo�? Glaubt er wirklich, ich leide an Altersschw�che?�</p><p>Offenbar gefiel ihm diese Idee, denn pl�tzlich spielte er einen Greis.</p><p>�Komm sofort her!�, rief er schrill und st�tzte sich tatterig auf seinen Stock. �Jetzt!�</p><p>Juffin keifte so laut, dass meine Nerven blank lagen. Besonders der letzte, markersch�tternde Schrei hatte nichts Menschliches mehr, und ich h�tte am liebsten den Kopf in den Sand gesteckt.</p><p>Die Gestalt, die pl�tzlich vor Juffin auftauchte, hatte die Statur eines Schwergewichtlers und kam mir riesig vor. Im n�chsten Moment zeigte sich auch hinter meinem Chef ein Monstrum �hnlichen Kalibers. Im Vergleich zu den beiden wirkte der schlanke Juffin erschreckend harmlos, doch zum Gl�ck handelte es sich nicht um eine Meisterschaft im Gewichtheben oder Hammerwerfen.</p><p>�Sir Gugimagon ist endlich gekommen - und seinen Schatten hat er auch dabei!�, rief Juffin mit zuckers��er Stimme und richtete sich kerzengerade auf.</p><p>Er packte sein monstr�ses Gegen�ber bei den Oberschenkeln und riss es mit leichter Hand entzwei, als handele es sich nur um Papier. Dann kicherte er und schnappte sich die Beine des zweiten Gegners.</p><p>�Wie schade, Sir Gugimagon hat seinen Schatten verloren�, zwitscherte er.</p><p>Ohne sich anstrengen zu m�ssen, hob er den Riesen in die Luft und rammte ihn mit dem Kopf zuerst in den Sand, wie Tom es mit Jerry zu tun pflegt. Ich war sicher, dass die Disney-Begeisterung meinen Chef zu dieser L�sung inspiriert hatte.</p><p>�Na, Max, hat dir das gefallen?�, fragte Juffin, schenkte mir sein zauberhaftestes L�cheln und stie� l�ssig gegen Gugimagons aus dem Sand ragende Beine.</p><p>Schweigend nickte ich, konnte aber keinen Ton herausbringen.</p><p>�S�ndige Magister, hat es dir die Sprache verschlagen?�, fragte Juffin erstaunt, kam auf mich zu und zog den riesigen Gugimagon an den F��en hinter sich her.</p><p>�Warum bringen Sie ihn nicht um?�, rief ich schlie�lich.</p><p>�Du bist ja blutd�rstig�, meinte mein Chef l�chelnd. �Wenn es nach dir ginge, w�ren alle Welten menschenleer. Der Mann, den ich hier mitschleife, ist ohnehin so gut wie tot. Kein Mensch �berlebt den Tod seines Schattens, jedenfalls nicht l�nger als ein oder zwei Stunden. Aber das reicht, damit wir uns ein wenig unterhalten k�nnen. Schlie�lich habe ich ein Recht darauf, mit meinem alten Freund zu reden.�</p><p>�Das haben Sie�, seufzte ich. �Befreien Sie mich jetzt aus meinem Sandgef�ngnis?�</p><p>�Auf keinen Fall. Du bist schutzlos und hast nichts auf einem Strand zu suchen, auf dem sich eben zwei ernsthafte Menschen mit Magie 228. Grades bek�mpft haben.�</p><p>�Da sind Sie ja an die Grenze des Machbaren gegangen!�</p><p>�Stimmt. In neu erschaffenen Welten ist es recht einfach, hohe Grade von Magie anzuwenden. Auch das macht diese Gegenden so interessant. Jetzt verstehe ich auch, warum du die Schlacht mit den Badeg�sten so souver�n gewonnen hast. In Echo h�tte das nicht geklappt, hier dagegen war es kinderleicht.�</p><p>�Und ich dachte, die Wut habe mir Fl�gel verliehen!�</p><p>�Wart's ab. Von echter Wut bist du noch ein gutes St�ck entfernt�, erkl�rte Juffin und setzte sich neben mich. Genauer gesagt: Er lie� sich neben meinem Haupt nieder, denn ich glaubte, nur noch Kopf zu sein. Mein K�rper schien mit dem Sand verschmolzen, aber das war gar nicht so unangenehm.</p><p>Juffin sch�ttelte Gugimagon wie einen Lappen. Auch sein riesiges Opfer setzte sich nun in den Sand und lehnte den Kopf an die Schulter seines Peinigers.</p><p>�Gerade sitzen!�, befahl Juffin ihm streng.</p><p>Ich staunte, doch Gugimagon setzte sich trotz seiner Teilnahmslosigkeit gehorsam auf. Endlich konnte ich mir sein Gesicht genauer ansehen. Es war nicht eben h�bsch, wirkte aber seltsam sympathisch und erinnerte mich an die selbstbewussten Mienen von Gandhi und seinen Mitstreitern, wie ich sie aus Dokumentationen �ber die indische Unabh�ngigkeitsbewegung kannte. Sein rechtes Auge war geschlossen, w�hrend das linke mir einen starren, lastenden Blick zuwarf. Ich erinnerte mich an das Gespr�ch zwischen Juffin und dem Heiler aus der Irrenanstalt, und mir wurde klar, dass Gugimagon auf dem linken Auge blind war.</p><p>Dann fiel mir ein, dass ich dieses blinde Auge schon gesehen hatte: an dem Tag n�mlich, an dem ich mich entschieden hatte, nach Hause zur�ckzukehren.</p><p>Selbst die Erinnerung daran lie� mich zittern. Von Anfang an hatte in dieser Reise der Wurm gesteckt. Ich hatte weder das Tor zwischen den Welten noch die richtige T�r in meine alte Welt finden k�nnen, sondern war in meinem alten Schlafzimmer in der Stra�e der alten M�nzen eingeschlafen und in einer kleinen Kammer unter einer unangenehm kratzigen Decke in der �berzeugung erwacht, die herrlichen Jahre in Echo seien nur ein Traum gewesen.</p><p>Aber ich hatte mich aus dieser unangenehmen Lage befreit, war nach Echo zur�ckgekehrt und hatte dort weitergelebt, als w�re nichts gewesen. Ich hatte keine Erinnerungen zugelassen und sogar aufgeh�rt, im Schlaf zu schreien. Als ich nun aber das blinde Auge von Gugimagon sah, wusste ich, was an jener Reise so schlimm gewesen war.</p><p>Kaum war ich damals in der alten Wohnung eingeschlafen, war ich ins Tor zwischen den Welten geraten, wo mir der ein�ugige Gugimagon begegnet war. Ich hatte nicht verstanden, was er von mir wollte, aber sofort begriffen, dass von ihm eine t�dliche Bedrohung ausging.</p><p>�Du erinnerst dich an ihn, stimmt's?�, fragte Juffin mich behutsam. �Er macht Jagd auf dich, seit du diesen Strand zum ersten Mal besucht hast, und seither �ngstigst du dich vor ihm. Aber du bist nicht der Einzige, denn Gugimagon ist ein ziemlich grausames Gesch�pf�, setzte mein Chef hinzu und wandte sich wieder an ihn. �H�r mal, Freundchen, ich hab noch eine Frage. Du hast dich �bernommen und viele Unschuldige mitgerissen, doch ich an deiner Stelle h�tte das Gleiche getan. Wie hast du die Menschen eigentlich gefunden, die sich f�r den Ritt durch das Tor zwischen den Welten eignen?�</p><p>�Du wei�t genau wie ich, dass der da kein Mensch ist�, sagte Gugimagon und zeigte mit dem Finger auf mich. �Au�erdem brauchte ich deinen anderen Mitarbeiter unbedingt, denn ohne ihn h�tte ich das Tor zwischen den Welten nicht erreicht.�</p><p>�Ich hab geh�rt, wer lange auf Verr�ckte angewiesen ist, wird selbst verr�ckt. Das stimmt offenbar. Gut, Gugimagon, damit ist alles gekl�rt. Jetzt ruf die anderen, damit diese Geschichte endlich zu Ende geht.�</p><p>�Welche anderen?�, fragte der Riese teilnahmslos.</p><p>�Ich wei�, dass du f�r diese Reise weitere Menschen benutzt hast, und kann mir vorstellen, wie es ihnen geht: Sie haben ihren Schatten verloren und wissen nicht, wie und warum. Ich k�nnte sie selber rufen, aber ich m�chte ihnen keine zus�tzlichen Schmerzen zuf�gen. Ihre Lage ist schlimm genug. Vielleicht wei�t du, mein Freund, dass ich dein Sterben bis zum Weltuntergang hinausz�gern kann. Dazu brauche ich nur Wei�e Magie 230. Grades. Hast du wirklich Lust, so langsam zu sterben? Schlie�lich d�rfte dir klar sein, dass diese wunderbare Welt noch recht lange existieren d�rfte, was, Max?�</p><p>Ich nickte eifrig, ohne zu wissen, worum es ging, denn ich hatte dem Gespr�ch der beiden erfahrenen Magier nicht mehr folgen k�nnen. Mich interessierte nur eines: Warum bestritt Gugimagon so hartn�ckig, dass ich ein Mensch war? Nicht, dass mir seine Meinung besonders wichtig gewesen w�re, aber seine Sturheit verunsicherte mich.</p><p>�Seit wann nimmst du Unsinn ernst?�, fragte Juffin mich listig. �Wenn ich gewusst h�tte, dass du so leicht zu beeinflussen bist, h�tte ich auch deinen Kopf im Sand verschwinden lassen�, f�gte er hinzu und wandte sich wieder an Gugimagon. �Tu, was ich dir gesagt habe.�</p><p>�Ich habe keine Lust, deinen Launen nachzugeben, Juffin. Mach, was du willst, aber diese Missgeburt bleibt hier�, erkl�rte er kategorisch und wies einmal mehr auf mich. �Ihr alle seid stur, undankbar und dumm. Von Geburt an ist euch ein bestimmtes Leben verhei�en, aber ihr erkennt eure Bestimmung einfach nicht. Au�erdem hat mich diese Reise viel Energie gekostet. Deshalb will ich, dass alles bleibt, wie es ist.�</p><p>�Du hast keinerlei Energie in diese Reise investiert!�, rief Juffin aufgebracht. �Das haben andere f�r dich getan. Du hast sie alle ausgenutzt, und das emp�rt mich ungemein. Jetzt ruf endlich deine Opfer her, und zwar sofort! Du kennst mich lange genug, um zu wissen, dass ich alles bekomme, was ich mir vorgenommen habe.�</p><p>Gugimagon aber schwieg und sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Wie du willst�, sagte Juffin, hob ihn in die Luft und warf ihn mit voller Wucht auf den Strand. Wieder lagen zwei K�rper im Sand, und wie zuvor zerriss Juffin einen davon.</p><p>�Der Schatten ersteht schnell auf, stirbt aber noch schneller. Ich kann dieses Spielchen noch oft wiederholen. Besser, du tust endlich, was ich verlange.�</p><p>�Lass mich in Ruhe! Du hast deine Mitarbeiter doch zur�ckbekommen - was willst du noch?�</p><p>�Die beiden vom Kleinen Geheimen Suchtrupp hast du wirklich verabscheut, was? Jetzt ruf endlich deine Opfer her.�</p><p>�Na gut. Aber vorher habe ich eine letzte Bitte. Ich m�chte im Tor zwischen den Welten sterben, nicht hier. Kannst du das f�r mich einrichten?�</p><p>�Warum nicht?�, sagte Juffin unerwartet kulant. �Mit dieser Bitte h�ttest du unser Gespr�ch beginnen sollen. Jetzt ruf die Leute her.�</p><p>Der ein�ugige Alte sah nun beinahe gl�cklich aus. Wohin waren sein Hass und seine Hartn�ckigkeit verschwunden?</p><p>Er ist wirklich verr�ckt, dachte ich. Was bedeutet es schon, wo man stirbt? Tot ist tot.</p><p>Pl�tzlich zog Juffin mich am Ohr. Er l�chelte zwar, doch seine Augen blickten ernst und sogar ein wenig traurig.</p><p>�Max, die armen Opfer von Gugimagon sind schon da. Merkst du das?�</p><p>�Meinen Sie die durchsichtigen Gespenster am Wasser? �</p><p>�Durchsichtige Gespenster? Offenbar haben wir das Geschehen verschieden erlebt und nehmen Gugimagons Opfer darum unterschiedlich wahr. Wie viele Gespenster siehst du denn?�</p><p>�Lassen Sie mich nachz�hlen ... siebzehn.�</p><p>�Siebzehn? So viele hatte ich vermutet. Zwar kann ich sie nicht sehen, aber ich sp�re sie. F�r die ersten zehn finde ich gewiss einen R�ckweg nach Echo. Bei den anderen sieben bin ich mir nicht so sicher. Gugimagon, du hast in der Irrenanstalt einen Ged�chtniskristall bekommen - gib ihn mir bitte, denn er d�rfte mir jetzt n�tzlich sein.�</p><p>�Da�, sagte der ein�ugige Alte und reichte Juffin einen anthrazitfarbenen, dunkel leuchtenden Kristall. �Seit wann bist du so f�rsorglich? Was k�mmert es dich, was aus meinen Opfern wird? Schlie�lich sind das nicht deine Mitarbeiter.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Von all deinen Opfern stammt keines aus Echo und nur eins aus Tulan, einer Stadt im Vereinigten K�nigreich. Alle �brigen sind Fremde. Aber das tut nichts zur Sache. Wir m�ssen diesen Kristall in siebzehn Teile zerlegen�, sagte Juffin und drehte ihn vorsichtig in den H�nden, bis er in siebzehn St�cke zerfiel. �Na bitte�, meinte er zufrieden. �Alle k�nnen sich jetzt einen Teil nehmen.�</p><p>Erstaunt beobachtete ich, wie all die fast durchsichtigen Schemen sich einen Kristallsplitter nahmen.</p><p>�Leute, erinnert euch bitte an eure Biografie. Das wird euch im Tor zwischen den Welten helfen. Ich �ffne jetzt die T�r dorthin�, sagte Juffin und zeichnete ein gro�es Rechteck in die Luft.</p><p>Siebzehn durchsichtige Gespenster gingen nacheinander auf Juffin zu und verschwanden binnen einer Minute durch die unsichtbare T�r. Mein Chef setzte sich neben Gugimagon in den Sand. Dem Alten ging es inzwischen sehr schlecht, aber Juffin k�mmerte sich nicht darum, sondern wandte sich zu mir, l�chelte freundlich und sagte: �Vor vielen, vielen Jahren, als ich fast noch ein Junge war, ist mir das Gleiche widerfahren wie den siebzehn armen Gespenstern. Ein schrecklicher Kerl wie der hier�, fuhr er fort und wies auf Gugimagon, �hatte sich meiner Seele bem�chtigt, genauer gesagt - und zum Gl�ck! - nur eines Teils davon. Nat�rlich verstand ich damals nicht, was mit mir los war. Ich blieb ein unauff�lliger Mensch, und niemand w�re auf die Idee gekommen, mich ins Irrenhaus zu sperren, doch etwas fehlte mir. Aber was? Ich war sehr jung und wusste nicht, ob mein Verlustgef�hl nur eine jugendliche Grille war oder auf einen tats�chlichen Mangel hindeutete. Allm�hlich aber vermutete ich, die Leere in mir sei ganz normal, und jeder empfinde das Leben als dumm und freudlos. Nichts interessierte mich wirklich, und mein Dasein war eine Abfolge inhaltsleerer Tage, die einander auf �de Weise glichen. Mein Schlaf war traumlos, und immer sp�rte ich unendliche M�digkeit. Ich trieb mich herum, begegnete aber immer nur meinem Ebenbild, das mir aus vielen Spiegeln traurig entgegenkam. Das ist eine Metapher, Max, denn es gibt keine Worte, meinen damaligen Zustand auszudr�cken. Am schlimmsten war das dumpfe, aber unfassbar schmerzende Wissen, mein Leben k�nnte ganz anders aussehen. Dann bot mir der alte Machi Ainti eine Stelle als sein Hilfssheriff an. Heute wei� ich, dass er erst zum Tor zwischen den Welten gereist war, um den verlorengegangenen Teil meiner Seele zur�ckzuerobern und mich dadurch aus der Gefangenschaft zu befreien. Seitdem wei� ich, wie das echte Leben riecht.�</p><p>Juffin legte sich auf den R�cken, streckte die Beine aus,</p><p>verschr�nkte die H�nde hinterm Kopf, seufzte ein wenig und fuhr fort: �Damals schob ich Wache im Haus am Weg und sa� gerade meine zweite oder dritte Nachtschicht ab. Ich war am Schreibtisch eingeschlafen, schrak aber pl�tzlich hoch, als eine B�e das Fenster aufstie�. Pl�tzlich bemerkte ich die Sch�nheit des Regens und den Duft des Schotbaums, dessen herrlicher Geruch der Pracht eines lilafarbenen Sonnenaufgangs gleicht. Ich spazierte durch die Stadt, �berquerte alle Br�cken - und du wei�t, Max, wie viele es davon in Kettari gibt -, kehrte in einem Wirtshaus ein und staunte dar�ber, wie intensiv ich alles wahrnahm. Ich betastete die Dinge, um mich von ihrer Echtheit zu �berzeugen und mich so meiner Existenz zu versichern. In dieser Nacht wurde auch ich endlich echt und w�re beinahe verr�ckt geworden - so sehr best�rmten mich die Eindr�cke von allen Seiten. Bis heute begeistert mich das Dasein, und ich erfreue mich an jedem Zeichen des Lebens, denn zu genau erinnere ich mich der Zeit, da ich nicht wirklich lebte und noch nicht alles sp�rte. Dann sammelte ich mich und ging wieder zum Dienst, und Machi beschimpfte mich drei Stunden lang, weil ich meinen Arbeitsplatz drei Stunden unentschuldigt verlassen hatte. Heute wei� ich, dass er mich vor mir selbst gesch�tzt hat, aber ich bin mir nicht sicher, ob er das effektivste Mittel daf�r w�hlte.�</p><p>Juffin l�chelte so vertr�umt, als sei die Standpauke, die ihm der Sheriff von Kettari gehalten hatte, das angenehmste Ereignis seines Lebens gewesen, und vielleicht war es ja so.</p><p>�Und jetzt haben Sie Ihre Schuld beglichen?�, fragte ich.</p><p>�Das hast du gut erkannt�, meinte Juffin erfreut. �Besser l�sst es sich nicht sagen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich freue, dass diese armen Menschen wieder eine intakte Seele haben. Vielleicht wird manch einer von ihnen sogar verr�ckt, weil er das Leben wieder intensiv wahrnimmt.�</p><p>�Das kann ich gut verstehen�, sagte ich wehm�tig. �Auch ich hatte mich auf der Spur des Doperst verloren und musste mich m�hsam und Schritt f�r Schritt wiederfinden.�</p><p>�Ja�, sagte Juffin nickend, �die Geschichten dar�ber, wie man zu sich zur�ckfindet, unterscheiden sich nur im Detail. Doch du wei�t, wovon ich rede�, setzte er hinzu, wandte sich an Gugimagon und legte ihm die Hand auf den Kopf. �Hoffentlich hast du unserem Gespr�ch aufmerksam zugeh�rt. Diese Geschichte h�tte ich meinem Kollegen auch sp�ter erz�hlen k�nnen, aber jetzt wei�t du, was du anderen angetan hast.�</p><p>Gugimagon reagierte nicht auf die Worte meines Chefs. Ich wusste nicht einmal, ob er sie geh�rt hatte. Juffin sch�ttelte den Kopf und wandte sich an mich. �Sch�n, dieses Abenteuer geht nun zu Ende, und wir reisen zur�ck nach Hause.�</p><p>�Dazu m�ssen Sie mich aber aus diesem Grab befreien.�</p><p>�Mach die Augen zu und entspann dich. Das erleichtert es mir, die T�r zu �ffnen, und schont deine Nerven.�</p><p>Ich tat, wie mir gehei�en, doch trotz der geschlossenen Lider sah ich ein Rechteck. Bestimmt �ffnete Juffin gerade die T�r zum Tor zwischen den Welten.</p><p>Ich landete in der k�hlen Leere des Tores zwischen den Welten. Kurz darauf aber sah ich einen leuchtenden Punkt.</p><p>Das musste die T�r sein, die in mein Schlafzimmer in der Stra�e der alten M�nzen f�hrte.</p><p>�Max, versuch bitte, ein wenig l�nger hierzubleiben.�</p><p>Diese Worte kamen zweifellos von Sir Juffin, der mich per Stummer Rede angesprochen hatte. Ich staunte nicht schlecht, denn ich wusste, dass diese Art der Verst�ndigung im Tor zwischen den Welten eigentlich nicht funktioniert. Ich wollte antworten, doch es klappte nicht.</p><p>�Du brauchst nicht zu antworten. Au�erdem wei�t du gar nicht, wie das geht�, beruhigte mich mein Chef. �Bleib so lange hier, bis du mich sehen kannst. Sollte dir das nicht gelingen, ist es auch nicht schlimm. Ich m�chte nur nicht, dass du mitbekommst, wie man im Tor zwischen den Welten stirbt. Das zeige ich dir ein andermal.�</p><p>Ich wusste nicht, wie ich meinen Aufenthalt im Tor verl�ngern sollte. Die T�r nach Echo �ffnete sich schon, um mich in mein Schlafzimmer zu entlassen, denn die Welten erlauben es den Reisenden eigentlich nicht, im Tor zwischen ihnen zu verweilen.</p><p>�Darf ich hier auf Juffin warten?�, fragte ich laut.</p><p>Noch nie hatte ich im Tor zwischen den Welten etwas gesagt und staunte dar�ber, wie meine Stimme hier klang und wie lange das Echo nachhallte. Doch ich war seltsam �berzeugt, dieses Selbstgespr�ch sei der einzige Weg, meinen Aufenthalt in der Weltenschleuse zu verl�ngern. Dann sammelte ich meine Kr�fte und f�gte hinzu: �Ich muss hierbleiben. Unbedingt.�</p><p>Erstaunlicherweise funktionierte das. Die T�r nach Echo blieb sichtbar, verlor aber ihre Anziehungskraft.</p><p>�Danke�, sagte ich, denn sicher ist sicher. Au�erdem soll man immer h�flich bleiben.</p><p>Dann erblickte ich Juffin. Er war neben mir, obwohl Worte wie links, rechts, oben, unten, nah oder fern im Tor zwischen den Welten keinerlei Bedeutung haben. Ich hatte das Gef�hl, ihn ber�hren zu k�nnen, wenn ich nur die Hand ausstreckte, sp�rte aber meinen K�rper nicht. Also blieb mir nichts anderes �brig als ihn anzusehen.</p><p>Juffin erschien mir riesig und eigenartig leuchtend, und je l�nger ich ihn ansah, desto riesiger wurde er. In seiner N�he glitzerte ein kleines, seltsam konturloses Kl�mpchen, bei dem es sich um Gugimagon, den hiesigen Freddy Krueger, handeln musste. Ich wusste, dass er tot war, denn nur ein Toter konnte im Tor zwischen den Welten so klein wirken wie er.</p><p>Dann nahm Juffin das Kl�mpchen in die Hand und sch�ttelte es. Als er die Faust wieder �ffnete, sah ich viele winzige Teile in alle Richtungen davonfliegen. Obwohl sie binnen Sekunden verschwunden waren, wusste ich, dass sie im Tor zwischen den Welten weiterleben w�rden.</p><p>Pl�tzlich war Juffin dicht neben mir, legte mir die Hand auf die Brust und warf mich neben meiner DVD-Sammlung aufs Bett.</p><p>�Entschuldige, Junge, das wollte ich nicht. Aber du hast dich nicht verletzt, oder?�, fragte mein Chef gut gelaunt.</p><p>Er sa� mit stolzgeschwellter Brust auf der Fensterbank. Hinter seinem Raubtierprofil ging die Sonne auf. So ein Bild l�sst sich auf M�nzen schlagen.</p><p>�War es das schon?�, fragte ich und l�chelte unsicher. �Sind wir wieder in Echo? Ist etwa alles vorbei?�</p><p>�Noch nicht ganz - den Magistern sei Dank�, sagte Juffin l�chelnd. �Wir werden noch lange leben. Aber ich f�rchte,</p><p>wir m�ssen jetzt ins Haus an der Br�cke, um Sir Sch�rf aus seiner Zelle zu befreien. Wenn ich richtig rechne, hat er schon ziemlich lange nicht mehr geschlafen. Au�erdem hat er sich vermutlich sehr gelangweilt.�</p><p>�Dann lassen Sie uns fahren. Doch halt, ich muss mich noch umziehen. Ich habe Sand in allen Taschen und Ritzen.�</p><p>�Das kannst du sp�ter machen�, meinte Juffin mit einer ungeduldigen Handbewegung. �Sonst willst du dich auch noch baden, und ich fange an, mir Filme anzusehen. Was soll da aus dem armen Lonely-Lokley werden?�</p><p>�Wie Sie wollen�, sagte ich ergeben, spurtete meinem Chef nach und sprang hastig die Treppe hinunter.</p><p>�Wie hast du es eigentlich geschafft, dich so lange im Tor zwischen den Welten aufzuhalten?�, fragte er mich, als wir auf der Stra�e waren. �Nach all den Anstrengungen, die du durchgemacht hast, hatte ich nicht damit gerechnet, dass dir das gelingen w�rde.�</p><p>�Es war ganz einfach: Ich habe darum gebeten.�</p><p>�Wen denn?�, fragte Juffin erstaunt.</p><p>�Keine Ahnung. Ich habe laut darum gebeten und mich anschlie�end brav bedankt.�</p><p>�Dann kann ich dir schon wieder zu einer Entdeckung gratulieren, denn bisher ist niemand auf die Idee gekommen, dort etwas zu sagen. Demn�chst versuche ich das auch mal.�</p><p>Juffin musterte mich sichtlich erstaunt. Ich f�rchtete schon, gr��enwahnsinnig zu werden, blieb aber - wie stets - auf dem Teppich.</p><p>Im Haus an der Br�cke war es still wie Gerstenbrei. So ruhig ist es dort nur in der Morgend�mmerung.</p><p>Unser B�ro war leer. Nur auf dem Schreibtisch stand eine Kochplatte, auf der ein Krug Kamra warm gehalten wurde. Der wunderbare Juffin hatte sich offenbar rechtzeitig im Fressfass gemeldet, und seine Bestellung war eher eingetroffen als wir. Solche Voraussicht kann manchmal Leben retten oder doch - wie in diesem Fall - die Lebensgeister wecken.</p><p>Ich lie� mich auf meinen Stuhl fallen und schenkte mir eine Tasse Kamra ein. Mein Chef k�mpfte derweil heroisch mit dem Schloss der Verh�rzelle.</p><p>�Willkommen in der Freiheit, Sch�rf!�, rief mein Chef dann. �Ich habe allerdings eine schlechte Nachricht f�r dich: Unser lieber Freund Gugimagon ist tot.�</p><p>�Den Magistern sei Dank! Ihr wart ziemlich lange unterwegs�, entgegnete Lonely-Lokley und klappte sein Buch zu. �Die letzte Nacht war alles andere als leicht f�r mich, denn der Reiter hat mich bedr�ngt. Zum Gl�ck habe ich ein Amulett.�</p><p>�Dieser Gugimagon hat offenbar bis zur letzten Sekunde gek�mpft�, sagte Juffin und sch�ttelte erstaunt den Kopf. �Den habe ich wirklich untersch�tzt. Sch�rf, willst du noch ein wenig bei uns bleiben oder sofort nach Hause?�</p><p>�Ein paar Minuten bleibe ich gern�, sagte Lonely-Lokley und setzte sich zu mir. �Max, vorgestern hast du versprochen, mich nach Hause zu fahren, und bei deinem Fahrtempo kann ich nur staunen, dass du dein Versprechen nicht erf�llen willst.�</p><p>Ich war verbl�fft. Dass jetzt sogar Sch�rf zur Ironie griff, machte mich sprachlos. Dann aber raffte ich mich auf und sagte: �Versprich mir, mich nicht wieder zu attackieren.�</p><p>�Ich hab deinen Kram noch hier irgendwo, Sch�rf�,</p><p>sagte Juffin und w�hlte in seinem Schreibtisch herum. Nach langem, von zahllosen Fl�chen begleitetem St�bern zog er eine gro�e Schachtel hervor, in der Lonely-Lokley seine t�dlichen Handschuhe aufbewahrte. �Nimm deinen Schatz wieder mit, und lass mich dich aufs Neue im k�niglichen Dienst willkommen hei�en. Ich freue mich, dass du nur kurz pausieren musstest. �</p><p>�Und sei bitte so lieb und zieh deine Handschuhe nicht gleich wieder an�, erg�nzte ich mit listigem L�cheln.</p><p>�Na, wenn dich das beruhigt�, sagte Sch�rf achselzuckend, blickte unschuldig drein und inspizierte dann aufmerksam den Inhalt seiner Schachtel.</p><p>�Was suchst du denn da?�, fragte Juffin belustigt.</p><p>�Hier ist �berall Sand drin�, erkl�rte Sch�rf trocken.</p><p>�Papperlapapp, wie sollte der denn in meinen Schreibtisch gekommen sein?�, entgegnete mein Chef kategorisch.</p><p>Lonely-Lokley sagte nichts dazu, sondern wischte mit den Sch��en meines Todesmantels unger�hrt seine Schachtel aus. Ich wusste nicht, was ich zu dieser Unversch�mtheit sagen sollte, und klappte den Mund nur auf und zu wie ein Fisch.</p><p>�Deine Kleidung ist schmutzig - ganz anders als meine Sachen�, erkl�rte der Frechdachs ruhig.</p><p>Juffin kicherte nur, und bald war auch ich bereit, �ber die ganze Situation zu lachen. Besser sp�t als nie.</p><p>�Ihr zwei solltet im Theater auftreten. Dort w�rdet ihr sicher gro�en Erfolg haben. Und jetzt geht ihr sofort schlafen - genau wie ich�, sagte er und verlie� als Erster das B�ro.</p><p>Lonely-Lokley nahm neben mir Platz. Ich musste mit einem Dienstwagen vorliebnehmen, weil mein A-Mobil bei unserer letzten gemeinsamen Fahrt zu Bruch gegangen war.</p><p>�Wie hat dir das Buch gefallen?�, fragte ich ihn und fuhr los.</p><p>�Unglaublich gut. Es ist eine Legende oder ein M�rchen - sicher bin ich mir da nicht - und handelt vom Weltuntergang.�</p><p>�Eine Antiutopie also�, meinte ich verst�ndnisvoll und g�hnte. �Gut, dass du keinen Frauenroman bekommen hast. Erz�hl mir doch, worum es geht. Du wei�t ja, dass ich von dem Buch noch nie geh�rt habe und mir nicht einmal der Name des Autors etwas sagt.�</p><p>�Hoffentlich interessiert es dich wirklich�, brummte Sir Sch�rf. �Es geht um die Bewohner deiner Welt, die pl�tzlich aussterben, da die Luft sich nicht mehr atmen l�sst. Nur ein paar hundert Menschen bleiben am Leben. Zun�chst irren sie vereinzelt herum, finden dann aber zueinander, entwickeln die Atemtechnik, die ich dir beigebracht habe, und k�nnen so �berleben. Erst warten sie noch �ngstlich auf den Tod, dann aber merken sie, dass au�er ihnen auch manche Tiere und Pflanzen weiterleben und es Hoffnung gibt. Also entscheiden sie sich, gemeinsam in einer bestimmten Gegend zu siedeln, und w�hlen daf�r einen Ort, der fr�her nur zu Erholungszwecken diente, dessen Namen ich allerdings vergessen habe.�</p><p>�Du meinst sicher einen Kurort�, bemerkte ich nickend. �Und wie geht das Buch aus?�</p><p>�Das wei� ich noch nicht, aber den handelnden Personen geht es schon deutlich besser. Sie altern nicht mehr, und ein Mann hat die Gegend mit einem fliegenden A-Mobil inspiziert. Leider habe ich nicht genau verstanden,</p><p>wie. Jedenfalls hat sich herausgestellt, dass in den fr�her von Menschen bewohnten Siedlungen V�gel nisten. Diese Tauben sind inzwischen so klug, dass sie alles benutzen k�nnen, was fr�her die Menschen in Gebrauch hatten. Unser Entdecker setzt seine Flugreise fort, kommt auf eine Insel, auf der riesige Schildkr�ten leben, und findet heraus, dass sie sich per Stummer Rede verst�ndigen. Rasch erf�hrt er, dass die Schildkr�ten viele Generationen zuvor erlebt haben, was auch die Menschen j�ngst erlebten: Auch sie waren vom Aussterben bedroht und mussten sich ein neues Pl�tzchen zum Leben suchen. Die Schildkr�ten erz�hlen ihm, fr�her sei die ganze Welt von Mammutb�umen regiert worden und davor von Drachen. Weiter bin ich noch nicht gekommen. Jedenfalls ist das ein sehr seltsames Buch. Ich habe noch nie etwas �hnliches gelesen.�</p><p>�Ich auch nicht, offen gesagt. Aber jetzt verrate mir bitte, wie ich zu deiner Wohnung komme.�</p><p>�Immer geradeaus. Ich sag Bescheid, wenn du abbiegen musst. Kannst du mir vielleicht noch andere B�cher aus deiner Welt besorgen? Sie scheinen ziemlich interessant zu sein - jedenfalls interessanter als deine DVDs.�</p><p>�Sag das besser nicht in Juffins Anwesenheit�, warnte ich ihn l�chelnd. �Gut, ich versuche, etwas f�r dich zu besorgen, Sch�rf, aber ich kann dir nichts versprechen. Manchmal habe ich Gl�ck, aber vielleicht ziehe ich demn�chst ein Mathebuch f�r die zweite Grundschulklasse aus der Ritze zwischen den Welten. Doch wer wei� - wom�glich gef�llt dir sogar das. Ich probiere es auf alle F�lle, aber erst mal brauche ich etwas Zeit, um mich von meinem j�ngsten Abenteuer zu erholen.�</p><p>�Danke, Max. Jetzt bitte links - mein Haus steht am Ufer des Churon. Seltsam, dass du mich noch nie besucht hast. Ich h�tte dir l�ngst meine Gastfreundschaft erweisen sollen.�</p><p>�Alle Wege f�hren zum Haus an der Br�cke�, seufzte ich. �Das ist ja das Problem.�</p><p>Ich verabschiedete mich von Sch�rf und beschloss, direkt zu meiner Freundin zu fahren, um sie nicht l�nger warten zu lassen. Eigentlich h�tte ich zu mir in die Stra�e der gelben Steine fahren und dort drei Tage und drei N�chte wie ein Toter schlafen sollen, doch stattdessen fuhr ich zu meiner Freundin Techi in die Stra�e der vergessenen Tr�ume.</p><p>Als ich aber zu ihr kam, lag sie schlafend im Bett und hatte einen so strengen Gesichtsausdruck, dass ich sie nicht wecken wollte. Also legte ich mich neben sie und sank sofort in Tiefschlaf.</p><p>F�r diese k�hne Tat freilich musste ich b��en. Zwar nicht sofort, aber nach vielen Stunden erholsamen Schlafs.</p><p>�Ich frage mich schon die ganze Zeit, ob ich dich umbringen soll. Mein Schlafzimmer ist voller Sand. Hast du in der Nacht einen Sack davon verstreut?�</p><p>Techi zog mich an der Nase und hielt das offenbar f�r einen guten Witz. Ich sah das anders.</p><p>�Man darf mich nicht t�ten. Schlie�lich bin ich K�nig! Was w�rde mein Harem ohne mich machen? Au�erdem brauche ich dringend Schlaf. Ich hab gerade erst die Augen zugemacht.�</p><p>�Bist du dir sicher? Immerhin ist es schon Abend.�</p><p>Erschrocken sah ich mich um. Tats�chlich: Vor dem Fenster war es dunkel, und in der Ecke leuchtete eine Lampe.</p><p>"Ich h�tte dich nicht geweckt, aber Sir Juffin hat sich per Stummer Rede bei mir gemeldet und mich gebeten, dich aus dem Schlaf zu rei�en. Er hat gesagt, du solltest l�ngst wieder im B�ro sein.�</p><p>�Was ich nicht alles soll!�, brummte ich. �Ist denn etwas passiert?�</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte Techi l�chelnd. �Aber Kofa und dein Chef wollen sich einen Film ansehen, und irgendwer muss ja Dienst tun.�</p><p>�Verstehe�, seufzte ich. �Einen Film wollen die beiden sich ansehen. Das ist nat�rlich ein zwingender Grund, mich an tanzen zu lassen.�</p><p>Endlich schaffte ich es mal ins Badezimmer. Als ich in der Wanne lag, wurde mir bewusst, was f�r ein wunderbares Leben ich f�hrte und wie sehr ich mich darauf freute, meinen Chef im Haus an der Br�cke zu treffen. Besser, man begreift solche Dinge sp�t als nie.</p><p>Im Armstrong und Ella waren noch keine G�ste. Die Besucher hier kamen und gingen wie die Gezeiten, und an diesem Abend war offenbar Ebbe.</p><p>�Erz�hl mir endlich, was du die ganze Zeit gemacht hast�, sagte Techi und stellte mir eine Tasse Kamra vor die Nase. �Irgendeinen Vorteil muss unsere Romanze schlie�lich f�r mich haben.�</p><p>�Na gut, aber wenn Juffin mich ruft, muss ich gehen. Ich hoffe ja, meine Geschichte ist spannender als der Auftritt der Athleten, den du dir gestern mit Lady Melamori angesehen hast. Es ist unglaublich viel passiert. Womit soll ich anfangen?�</p><p>�Mit deinem Harem nat�rlich�, antwortete Techi ein wenig ver�chtlich. �Gestern Abend war Melifaro hier und wollte mich nach Einzelheiten deines k�niglichen Liebeslebens aushorchen. Ich bin aus allen Wolken gefallen, kann ich dir sagen.�</p><p>Ich l�chelte brav und berichtete von der Kr�nungsfeier und den seltsamen Drillingen, die ich geschenkt bekommen hatte. Techi h�rte gespannt zu und hielt sich mit Kommentaren zur�ck. Das beunruhigte mich, denn normalerweise unterbrach sie mich oft.</p><p>�Seltsam�, sagte sie nach der Kr�nungsgeschichte. Ich griff derweil zu dem Geb�ck, das sie mir hingestellt hatte.</p><p>�Seltsam, allerdings�, pflichtete ich ihr mit vollem Mund bei. �Ich habe das Gef�hl, pl�tzlich Kopf einer gro�en Familie zu sein. Meine sogenannten Gemahlinnen sind sehr jung, und ich kann ihnen viel beibringen - zum Beispiel, wie man einen Lochimantel wickelt oder Besteck benutzt. All das habe ich kurz nach meiner Ankunft in Echo von Kimpa gelernt, Sir Juffins altem Diener. Ich k�nnte meine Ehefrauen allerdings auch vernachl�ssigen, aber das w�re nicht fair.�</p><p>�Ich kann dir ja bei ihrer Erziehung helfen. Sag mir nur, was du brauchst. Deine Gemahlinnen sind sicher lernf�hig. Ihre Mutter, die legend�re Isnouri, ist im Vereinigten K�nigreich eine Ber�hmtheit. Ich habe schon einige Geschichten �ber sie geh�rt. Du hast Gl�ck, dass ausgerechnet ihre T�chter in deine Obhut geraten sind.�</p><p>�Es ehrt mich, drei Ehefrauen zu haben, aber das Beispiel meiner Katzen zeigt, dass ich nicht gerade f�rsorglich bin. Und drei junge M�dchen brauchen erheblich mehr Aufmerksamkeit als zwei Katzen.�</p><p>�Nur keine �bereilten Schlussfolgerungen!�, rief Techi lachend. �Menschen oder Katzen ... du wei�t doch gar nicht, wer diese Schwestern sind und was sie brauchen.�</p><p>Kaum hatte sie sich beruhigt, wies sie mir entschieden die T�r.</p><p>�Fahr endlich ins Haus an der Br�cke, damit dein ver�rgerter Chef nicht herkommt. Gegen Ende der Traurigen Zeit hat er versucht, mich umzubringen, und davon selbst dann nicht abgelassen, als Nuflin Moni Mach ihn dazu mahnte. Wenn er dich hier antrifft, k�nnte es f�r mich wieder gef�hrlich werden.�</p><p>�Wenn Juffin drei Abende hintereinander keinen Film zu sehen bekommt, kann er wirklich gef�hrlich sein�, seufzte ich. �Aber auch ich brauche mitunter ein wenig Privatleben.�</p><p>�Mit deinem Privatleben besch�ftige ich mich jetzt. Ich fahre zu deiner Residenz und sehe mich dort ein wenig um. Ich habe schon immer davon getr�umt, einen Diener zu haben, und dort gibt es gleich zw�lf. Aber melde dich bitte per Stummer Rede in deiner Residenz und sag Bescheid, wer ich bin.�</p><p>�Das klingt fantastisch!�, rief ich erfreut. �Ich glaube, meine Untertanen h�tten dich auf den Thron setzen sollen.�</p><p>�Abgemacht! Ich bin als N�chste dran.�</p><p>�Na endlich�, sagte Juffin und fiel mir beinahe um den Hals. �Wir warten schon seit mindestens drei Stunden auf dich. Was hast du blo� die ganze Zeit gemacht?�</p><p>�Stellen Sie sich vor, ich war besch�ftigt�, erkl�rte ich w�rdevoll.</p><p>�Mit all deinen Frauen, was? Du warst in deinem Harem - gib's zu!�, h�rte ich Melifaro hinter meinem R�cken, hob aber nicht einmal die Brauen, sondern setzte mich, g�hnte demonstrativ und zog ein m�glichst gelangweiltes Gesicht.</p><p>�Ich war mit meinen Frauen, den Frauen meiner Minister und Diener und mit allen Frauen, die mir �ber den Weg gelaufen sind, des Langen und Breiten besch�ftigt�, best�tigte ich und zwinkerte Juffin zu. �Leider aber habe ich etwas zu oft erw�hnt, dass ich zu Hause noch eine Freundin habe - da war die Sache gegessen.�</p><p>Doch mein Chef war unerbittlich. �Du hast doch wohl nicht auf ein paar Sorgenfreie Tage spekuliert? Ich jedenfalls habe letzte Nacht, wie du wei�t, vorbildlich durchgearbeitet. �</p><p>�Sie sind eben von ganz anderem Kaliber. F�r Sie ist so was eine Kleinigkeit�, sagte ich und warf Melifaro, der unserem Gespr�ch verwirrt folgte, einen diskreten Blick zu.</p><p>�Gut, Leute, ich gehe jetzt�, sagte mein Chef von der T�r her. �Ich habe Wichtigeres zu tun, als mir die bohrenden Fragen dieses Opfers der Einsamkeit anzuh�ren�, f�gte er hinzu und konnte damit nur Melifaro meinen. �Und du, lieber Max, denkst bitte daran, dass ich dich in den rosaroten Panther verwandle, wenn du es wagen solltest, mich bei meinem DVD-Abend zu unterbrechen.�</p><p>�Wieso ausgerechnet in den rosaroten Panther?�</p><p>�Nicht auf alle Fragen muss es eine Erkl�rung geben�, sagte Juffin und verschwand.</p><p>Melifaro und ich blieben allein zur�ck. Mein Kollege sah mich so neugierig an, dass er mir kaum mehr wie ein Mensch, eher wie ein gro�es Fragezeichen vorkam.</p><p>�Damit ich rede, muss man mich f�ttern�, erkl�rte ich ihm vorsorglich.</p><p>�Verstehe�, nickte er konspirativ. �Und wer bleibt hier? Kurusch?�</p><p>�Wenn es nach ihm gegangen w�re, h�tten wir uns ohnehin nicht hier getroffen�, sagte ich und strich dem Buriwuch �bers Gefieder. �Aber da wir schon hier sind, k�nnen wir auch bleiben. Lassen wir das Essen doch einfach kommen.�</p><p>�Logisch.�</p><p>F�r seine Verh�ltnisse war Melifaro verbl�ffend einsilbig, meldete sich aber immerhin per Stummer Rede im Fressfass, und nach ein paar Minuten standen einige Tabletts auf meinem Schreibtisch.</p><p>�Wie sieht eigentlich das Leben mit einem Harem aus?�, fragte er gespannt.</p><p>�Nicht schlecht�, antwortete ich mit vollem Mund. �So eine abenteuerliche Nacht hatte ich noch nie. Ich habe einen Ausflug zum Tor zwischen den Welten gemacht, bin durch fremde Gegenden getobt und habe auch sonst allerlei erlebt.�</p><p>�Entschuldige, Max, aber warum redest du jetzt vom Tor zwischen den Welten?�, fragte Melifaro entt�uscht.</p><p>�Vergiss den Unsinn mit dem Harem. Techi hat dir einen gewaltigen B�ren aufgebunden.�</p><p>�Dabei hat sie alles so plastisch beschrieben�, rief er. �Ihr habt wirklich einen seltsamen Humor.�</p><p>Nach einer Stunde war ich wieder allein, denn als ich die Wahrheit �ber Gugimagon erz�hlte, langweilte Melifaro sich so sehr, dass er mir leidtat.</p><p>Ich f�hrte ihn zum A-Mobil, kehrte in mein B�ro zur�ck, legte die Beine auf den Tisch und merkte, dass mein Leben langsam wieder auf seine alten Bahnen geriet.</p><p>Die Tage wehten an mir vorbei wie welkes Laub, und schon waren zwei Wochen vergangen.</p><p>�Max, schau doch mal in deiner Residenz vorbei, um meine Anstrengungen zu w�rdigen�, sagte Techi eines Morgens zu mir. �Und keine Ausfl�chte! Geschlafen hast du schlie�lich schon die ganze Nacht am Schreibtisch!�</p><p>�Du wei�t wirklich alles �ber mich�, seufzte ich ergeben.</p><p>Ich sprang aus dem Bett, wusch mich rasch, zog mich an und schaffte es sogar, mich zu rasieren. Techi hatte sich in den Kopf gesetzt, mich in die Residenz zu fahren, und nat�rlich bekam sie ihren Willen.</p><p>Ich staunte, denn die ehemalige Bibliothek erschien mir inzwischen ungeheuer lebendig. Meine Freundin hat einfach ein Talent, jedem Raum Atmosph�re zu geben. Sogar Drupi - der gro�e Bobtail, den meine Landsleute mir geschenkt hatten - kam mir in gro�en Spr�ngen entgegen, obwohl ich mich nicht ein einziges Mal um ihn gek�mmert hatte.</p><p>�Wie konnte ich dich blo� vergessen? Ich sch�me mich wirklich daf�r�, sagte ich und umarmte das gro�e, gl�ckliche Tier. Dann wandte ich mich an Techi. �Siehst du, was f�r ein Unmensch ich bin? Warum hat er mich blo� so gern?�</p><p>�Weil er noch dumm ist. Er ist ja erst ein Welpe.�</p><p>�Ein Welpe?�, fragte ich erstaunt. �Bei der Gr��e?�</p><p>�Die Bobtails aus den Leeren L�ndern sind die gr��ten Hunde der Welt. Wusstest du das nicht?�</p><p>�Nein�, sagte ich erschrocken und wandte mich an Drupi. �Na, mein Lieber, mit dir streite ich mich besser nicht.�</p><p>Als ich den gutm�tigen Blick meines Hundes sah, war mir klar, dass ich mich selbst beim besten Willen nicht mit ihm w�rde streiten k�nnen.</p><p>�Guten Tag, Sir Max�, sagten die bezaubernden Drillinge wie aus einem Munde.</p><p>Meine Frauen hatten sich in den letzten Wochen ungemein ver�ndert. Sie trugen elegante Lochim�ntel, kurze Hosen und taillierte Westen und sahen hinrei�end aus. Nur ihren erschrockenen Blick hatten sie noch nicht abgelegt.</p><p>�Ausgezeichnet!�, rief ich. �Sir Max ist genau die richtige Anrede und klingt viel besser als �Herrscher von Fangachra�. Wenn ihr jetzt noch auf den &gt;Sir&lt; verzichtet, ist die Sache perfekt.�</p><p>Ich war etwas verlegen, wusste aber nicht, warum. Techi erkannte das sofort. �Vielleicht sollten wir zu f�nft ein wenig spazieren fahren�, schlug sie vor.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Lady�, sagte ich und verbeugte mich vor ihr. �Ich bin nur ein kleiner Barbarenk�nig, der gern �ber sich entscheiden l�sst.�</p><p>�Wie du meinst. Also ab ins A-Mobil�, sagte Techi.</p><p>Meine �brigen drei Frauen musterten uns in schockiertem Schweigen.</p><p>�So muss man mit mir reden�, meinte ich nur, um sie komplett aus der Fassung zu bringen. �Ihr habt Gl�ck, meine Lieben, denn ihr habt einen K�nig geheiratet, der ganz und gar nicht herrisch ist.�</p><p>Die drei Schwestern sahen mich weiter schweigend an. Nur eine kicherte kurz, legte aber sofort die Hand vor den Mund.</p><p>�Das war Hellwi�, sagte Techi zu mir. �Helach und Kenlech sind ernster.�</p><p>�Irgendwer muss ja ernst sein. Wohin sollen wir fahren?�</p><p>�Vielleicht m�gen die M�dchen sich die Altstadt ansehen?�</p><p>Ich lie� die Gesellschaft in mein nagelneues A-Mobil steigen und rollte besch�mend langsam am rechten Ufer dahin. Ich fuhr h�chstens drei�ig Meilen pro Stunde - f�r ein h�heres Tempo waren meine Frauen einfach noch nicht reif.</p><p>Techi bewies einmal mehr, welch blendende P�dagogin sie war. Die M�dchen lauschten ihr mit offenem Mund, und ich musste an Juffins Bemerkung denken, wonach Techi sich jedem ihrer Gespr�chspartner fast magisch anverwandeln konnte.</p><p>�Bist du sehr besch�ftigt?�, fragte Melifaro mich per Stummer Rede, als ich gerade mit dem grenzenlosen Stoizismus eines Schulbusfahrers durch die Gegend gondelte.</p><p>�Ja, ganz unglaublich�, seufzte ich. �Aber wenn du einen Vorschlag f�r ein gemeinsames Mittagessen hast ...�</p><p>�Du bist ein Hellseher!�, rief er. �Komm doch zu mir. Ich wei� allerdings noch nicht, wohin wir gehen sollen.�</p><p>�Vielleicht schauen wir mal wieder bei Mochi vorbei�, schlug ich vor. �Ich war schon ewig nicht mehr bei ihm, und tags�ber ist es dort ziemlich leer.�</p><p>�Sollen wir uns also in Juffins Dutzend treffen? Prima Idee. Bis gleich.�</p><p>�Das war's. Der Ausflug ist beendet�, erkl�rte ich meinen Damen. �Techi, lass mein Ohr los - ich bin noch nicht fertig. Wir gehen essen.�</p><p>Mochi Fa begr��te uns mit grimmiger Miene. Er musterte erst meine Begleiterinnen, dann mich mit strengem Blick und knallte uns eine abgegriffene Speisekarte auf den Tisch, in die wir zu f�nft sehen mussten.</p><p>Kurz darauf erschien Melifaro. Als er die Damen sah, fiel ihm beinahe die Kinnlade herunter. F�r solche Momente lohnt es sich zu leben, dachte ich verz�ckt.</p><p>Die n�chsten Minuten war Melifaro verd�chtig schweigsam. Erst im Laufe des Essens taute er auf und �bte sich in h�flicher Konversation.</p><p>Auch die Drillinge wirkten sehr sch�chtern, denn sie a�en zum ersten Mal in aller �ffentlichkeit mit Besteck. Techi betrachtete die drei M�dchen recht zufrieden. Zwar err�teten sie mitunter oder wurden leichenblass, bestanden die Pr�fung aber im Gro�en und Ganzen mit Bravour.</p><p>Der Wirt bestritt den Hauptteil des Gespr�chs und erz�hlte uns ausgiebig von den diversen K�chen, die wir bei unserem Besuch zu probieren gewagt hatten.</p><p>�Noch nie ist ein Kunde mit so vielen Frauen zu mir gekommen�, sagte Mochi streng, als er mir die Rechnung gab. �Ich gratuliere Ihnen zu diesem Rekord. Kommen Sie doch bald wieder vorbei.�</p><p>Er sagte das alles zwar in einem Ton, als sollte ich es nie wieder wagen, bei ihm zu erscheinen, aber auch das machte ihn - den Landsmann meines Chefs - zu einem der besten Wirte von Echo. Wo konnte man f�r so wenig Geld sonst noch so gut essen?</p><p>Melifaro hatte offenbar vergessen, dass er noch zum Dienst musste. Schweigend setzte er sich zu den Drillingen auf den R�cksitz und blickte so verwirrt drein, dass es einen Heidenspa� machte, ihn zu beobachten.</p><p>Wir fuhren die drei Schwestern nach Hause und blieben zu dritt im A-Mobil. Als Techi Melifaro ansah, musste sie lachen, und mir blieb nichts anderes �brig, als einzustimmen.</p><p>�Was gackert ihr denn so?�, fragte er ernst. �Max, hast du etwas dagegen, wenn ich eine deiner Frauen erobere?�</p><p>�Welche denn?�</p><p>�Das wei� ich nicht. Gibt es zwischen ihnen �berhaupt Unterschiede?�</p><p>�Allerdings�, erkl�rte Techi. �Aber zuerst, mein Lieber, musst du herausfinden, welche dir am besten gef�llt.�</p><p>�Kein Problem. Vielleicht setze ich ein wenig Magie ein, um diese Frage zu kl�ren. Ich hoffe, unser Chef hat demn�chst keine neue Mission f�r mich - in Cholomi zum Beispiel.�</p><p>�Keine Sorge, niemand will dich ins Gef�ngnis bringen. Aber verzichte bitte auf Verbotene Magie.�</p><p>�Sagst du das in deiner Funktion als Gesetzesh�ter?�</p><p>�Aber nein. Mach, was du willst. Schlie�lich bin ich nur ein ganz normaler Barbarenk�nig.�</p><p>�Deine Bescheidenheit erstaunt mich immer wieder�, sagte Melifaro.</p><p>�Jeder K�nig hat so seine Macken!�, rief Techi.</p><p>Ich hatte den beiden nicht richtig zugeh�rt, denn ich probierte gerade, ob sich auch mit geschlossenen Augen A-Mobil fahren lie�.</p><p>Es stellte sich heraus, dass das problemlos klappte. �Alles wird immer interessanter�, h�rte ich Alice in meinem Kopf sagen. Nat�rlich nicht irgendeine Alice, sondern die aus dem Wunderland. Besser h�tte man es kaum ausdr�cken k�nnen.</p></section><section><p>Einfache Zauberdinge</p><p>Komm mit und hab keine Angst�, sagte ich gn�dig zu Drupi, meinem Hund.</p><empty-line/><p>Das gro�e, flauschig behaarte Wesen schmiegte sich an meine Beine. Es war fast so gro�, dass es die feuchte Nase unter meine Achsel h�tte schieben k�nnen, ohne sich auf die Hinterpfoten zu stellen. Trotzdem zitterte dieser Riese vor Angst, denn ich hatte beschlossen, ihn aus der sch�tzenden Umgebung meiner k�niglichen Residenz zu rei�en und erstmals mit ihm durch Echo zu spazieren. Der Anblick der nachmitt�glichen Altstadt ersch�tterte ihn tief.</p><p>�So was bist du aus den Leeren L�ndern nicht gew�hnt, was?�, fragte ich mitf�hlend. �Aber das ist halb so wild. Du kannst dir nicht vorstellen, welches Gl�ck du hast, dass ich mit dir nicht auf der Fifth Avenue durch Manhattan bummle.�</p><p>Der arme Drupi war nicht gebildet genug, um sein Gl�ck zu fassen, und antwortete auf meine tr�stenden Worte mit Gebell. Nichtsdestotrotz hatten wir den entscheidenden Schritt ins gro�st�dtische Treiben getan.</p><p>Kaum �ffnete ich die T�r meines Wagens, um den Hund hineinzulassen, wurde alles besser. Sichtlich erleichtert warf Drupi sich auf den weichen Sitz, als sei er nach langer Abwesenheit nach Hause zur�ckgekehrt.</p><p>-Ich verstehe dich gut�, meinte ich belustigt. �Offenbar bist auch du ein Freund des A-Mobils. Wer h�tte das gedacht!�</p><p>Ich fuhr zum Haus an der Br�cke, denn ich wollte meinen unglaublichen Hund unbedingt den Kollegen zeigen. Und wo sind die tags�ber meist anzutreffen? Nat�rlich am Arbeitsplatz!</p><p>Das Haus an der Br�cke gefiel meinem h�bschen Tier auf Anhieb. Offenbar teilten wir auch diese Vorliebe. Allerdings lief der Hund gleich in die Geb�udeh�lfte der Stadtpolizei. Ich rannte ihm nach und machte mir schon Sorgen �ber die m�glichen Folgen dieses Ausflugs.</p><p>Zum Gl�ck geriet Drupi an den sympathischen Hauptmann Apur Blaki, der f�r ein erstes Treffen mit dieser Institution sicher am besten geeignet war. Als ich meinen Hund endlich erwischte, beschnupperten die beiden einander schon.</p><p>�Hat er Sie erschreckt?�, fragte ich schuldbewusst.</p><p>�Aber, Sir Max - wie k�nnte mich ein so sch�nes Tier erschrecken? Au�erdem ist er der freundlichste Hund der Welt.�</p><p>�Das sehe ich genauso. Aber wenn mich pl�tzlich so ein riesiges Tier anspr�nge, w�rde mir das Herz in die Hose sacken - und nicht nur das Herz! Zum Gl�ck ist ihm General Bubuta nicht �ber den Weg gelaufen. Der h�tte sicher furchtbar gebr�llt.�</p><p>�Stimmt�, pflichtete mir der Hauptmann bei. �Aber ich mag Hunde. Woher haben Sie ihn? So ein Tier habe ich nie gesehen.�</p><p>�Sie verbringen Ihren Urlaub offenbar nicht in den Leeren L�ndern�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Stammt der Hund also aus Ihrer Heimat?�</p><p>�Ja. Eigentlich h�tte ich mindestens Hundert dieser Tiere bekommen sollen - zum Schutz. Meine Untertanen waren aber so freundlich, mir nur ein Exemplar zu schenken.�</p><p>�In Echo gibt es sicher viele Menschen, die viel Geld ausgeben w�rden, um so einen Hund zu besitzen.�</p><p>�Daran hab ich Dummkopf noch gar nicht gedacht. Ich k�nnte in meiner Freizeit einen Hundehandel betreiben! Oder sogar w�hrend der Arbeitszeit, um nicht so lange in meiner Residenz bleiben zu m�ssen.�</p><p>Der Hauptmann l�chelte nur leicht.</p><p>�Wenn Sie m�chten, bitte ich meine Untertanen, Ihnen auch so einen Hund mitzubringen�, schlug ich vor. �Sie freuen sich n�mlich, wenn ich sie um etwas bitte, und bisher habe ich sie stets angefleht, auf weitere Geschenke zu verzichten. Wissen Sie eigentlich, dass diese Verr�ckten mir drei fast gleich aussehende Ehefrauen mitgebracht haben?�</p><p>�Lady Kekki Tuotli hat mir davon erz�hlt. Zusammen mit Sir Kofa hat sie die drei durch Echos Wirtsh�user gef�hrt.�</p><p>�Ja�, sagte ich l�chelnd. �Sir Kofa liebt solche Ausfl�ge mit Neulingen. Es ist prima, dass er sich f�r die M�dchen einsetzt. Ich kann mir vorstellen, was bei so einer Schulung binnen eines Jahres aus ihnen werden kann. Sch�n, ich freue mich, dass Drupi Ihnen gef�llt, aber ich muss das nette Tierchen jetzt in unsere Geb�udeh�lfte entf�hren.�</p><p>�Nat�rlich�, nickte Hauptmann Blaki. �Wissen Sie, Sir Max, wenn Ihre Untertanen Ihnen noch eins von diesen Tieren mitbringen, w�rde ich mich gern darum k�mmern.�</p><p>�Das machen sie bestimmt�, versicherte ich ihm. �Aber erinnern Sie mich bitte ab und zu daran, denn mein Ged�chtnis ist etwas l�chrig. Das wird mein erster richtiger Befehl an mein Volk - schlie�lich muss ich beizeiten daf�r sorgen, dass meine Untertanen mir Respekt entgegenbringen.�</p><p>Ich griff Drupi in den flauschigen Nacken, und wir gingen w�rdevoll in den Trakt des Hauses an der Br�cke, in dem der Kleine Geheime Suchtrupp residiert.</p><p>Meine Kollegen waren im Saal der allgemeinen Arbeit bei Kamra und Geb�ck versammelt. Sogar Lukfi Penz hatte aus diesem Anlass das Gro�e Archiv verlassen. Nur Sir Kofa Joch fehlte. Bestimmt zog er durch verschiedene Wirtsh�user und sperrte, wie es seine Pflicht war, die Ohren auf.</p><p>�Hier habt ihr euch also versteckt, um euch heimlich �ber Leckereien herzumachen�, rief ich in gespieltem Zorn. �Ihr dachtet wohl, hier w�rde ich euch nicht finden? Pustekuchen - ich habe euch sogar einen zus�tzlichen Esser mitgebracht.�</p><p>�Du liebst deine Arbeit wirklich �ber alles�, sagte Sir Juffin erstaunt. �Soweit ich wei�, beginnt deine Schicht erst in ein paar Stunden.�</p><p>�Richtig, aber ich wollte nicht, dass alles ohne mich verputzt wird. Deshalb habe ich mich etwas beeilt.�</p><p>�S�ndige Magister - wen hast du da denn mitgebracht?�, fragte Melamori und streichelte Drupi begeistert. �Wo gibt es denn so gro�e Hunde?�</p><p>�Man sagte mir, das sei ein Welpe. Der wird noch kr�ftig wachsen�, antwortete ich betr�bt.</p><p>�Ist der sch�n!�, rief Melamori sichtlich begeistert und dr�ckte Drupi so energisch, als wollte sie etwas f�r ihre Muskeln tun. Die �brigen waren deutlich weniger hingerissen: Juffin und Melifaro hatten das Naturwunder schon gesehen, Lonely-Lokley behielt sein unersch�tterliches Gesicht - sein Markenzeichen immerhin - unersch�tterlich bei, und Sir Lukfi Penz hatte Drupi noch immer nicht bemerkt, sondern drehte gedankenverloren ein St�ck Geb�ck in den H�nden.</p><p>�Jetzt bist du nicht mehr die Einzige, die mit einem flauschigen Wesen durch die Welt spaziert�, sagte ich und zwinkerte Lady Melamori zu. �Wo ist dein Haustier eigentlich?�</p><p>�Es schl�ft in Melifaros B�ro. Diese Wichtigtuer haben beschlossen, dass mein Chub nicht am Tisch sitzen darf.�</p><p>�Ihr seid wirklich keine Naturfreunde�, konstatierte ich und sah meine Kollegen vorwurfsvoll an.</p><p>�Umgekehrt, die Natur ist unsere Freundin nicht�, brummte Melifaro. �Gestern wollte die Spinne aus Arwaroch mich bei�en.�</p><p>�Unsinn!�, rief Lady Melamori emp�rt. �Erstens ist das keine Spinne, sondern ein Chub, und zweitens hat Leleo keine Z�hne, sondern nur einen Schnauzbart.�</p><p>�Er hat keine Z�hne? Dann w�sste ich gern, womit er mich gestern bei�en wollte�, rief Melifaro trotzig.</p><p>�Ich wei� nicht, wie es passiert ist, aber inzwischen bin ich Zoodirektor�, seufzte Juffin. �Findet ihr das nicht entw�rdigend, Herrschaften?�</p><p>�Tja�, meinte ich nachdenklich und setzte mich. �Bisher waren Sie Leiter einer Irrenanstalt - der kleinsten im Vereinigten K�nigreich zwar, aber daf�r auch der lustigsten.�</p><p>�Nett von dir, die Dinge beim Namen zu nennen�, seufzte mein Chef. �Manche Leute beharren auf dem Namen �Kleiner Geheimer Suchtrupp� - Unsinn!�</p><p>Nach einer Stunde beschloss Sir Juffin, endlich arbeiten zu m�ssen, und stellte fest, meine Anwesenheit erlaube ihm nicht, sich in die richtige Stimmung zu versetzen.</p><p>�Lady, ich habe eine Aufgabe f�r Sie�, wandte er sich sehr f�rmlich an Melamori. �Es ist die schwierigste Aufgabe, die Sie je von mir bekommen haben, und ich bin mir nicht sicher, ob Sie sie bew�ltigen k�nnen.�</p><p>Auf Melamoris sch�nem Gesicht breitete sich ratloses Staunen aus. �Was ist passiert?�, fl�sterte sie dramatisch.</p><p>�Der Kleine Geheime Suchtrupp kann nicht ungest�rt arbeiten, weil er Besuch von einem fremden K�nig und seinem Haustier hat. Darum m�chte ich Sie bitten, ihn hinauszuf�hren und ihn mir zwei, drei Stunden vom Hals zu halten.�</p><p>�Ich darf also mit Max spazieren gehen?�, fragte Melamori �berrascht. �Einfach so? Sir Juffin, Sie sind ein Wunder!�</p><p>�Manchmal staune ich selbst �ber mich�, sagte mein Chef l�chelnd.</p><p>�Das gelingt ihr nie und nimmer�, meldete sich Melifaro neidisch. �Solche Aufgaben sind wie geschaffen f�r mich. Ich w�rde diesen K�nig mindestens ein halbes Jahr au�er Gefecht setzen, nicht nur l�cherliche zwei, drei Stunden.�</p><p>�So weit brauchen wir wirklich nicht zu gehen�, erwiderte Juffin und zog eine Grimasse. �Du bist f�r mich unersetzlich, Max, und ich m�chte mich um nichts in der Welt von dir trennen. Uns erwartet noch ein langweiliger Besuch beim Zoll. Sir Sch�rf - das betrifft auch Sie.�</p><p>�Ich wollte gerade fragen, ob Sie diesen l�stigen Termin ausfallen lassen�, sagte Lonely-Lokley phlegmatisch, stand auf und r�ckte seinen schneewei�en Lochimantel penibel zurecht. �Kann ich auf deinen Besuch im Armstrong und Ella z�hlen, Max, wenn ich mit allem fertig bin? Oder soll ich dich woanders treffen?�</p><p>�Wenn du ins Armstrong und Ella m�chtest, stimme ich meine Pl�ne selbstverst�ndlich darauf ab. Ich will auf jeden Fall eine Stunde vor Sonnenuntergang bei Techi sein.�</p><p>�Ich dagegen warte hier auf dich�, sagte Melifaro finster. �In letzter Zeit hat mein Chef einen Narren an mir gefressen, und ich f�rchte, er l�sst mich nicht so bald wieder aus seinen Klauen.�</p><p>�Du bist ein Hellseher, mein Lieber�, rief Juffin. �Max, bist du immer noch da? Weg mit dir, sonst verpass ich dir eine Aufgabe, unter der du wochenlang st�hnen wirst.�</p><p>�Ein nackter Hintern erschreckt keinen Igel�, entgegnete ich �berm�tig, wandte mich aber gehorsam zur T�r. In der einen Hand hielt ich ein Schlappohr meines Hundes, in der anderen den spitzen Ellbogen von Lady Melamori. Ich war so gut gelaunt, dass ich die ganze Welt h�tte umarmen k�nnen.</p><p>�Geh�rt dieser Hund etwa Ihnen, Sir Max?�, fragte endlich auch Sir Lukfi Penz, beugte sich interessiert zu Drupi herunter und wischte dabei eine leere Tasse vom Tisch. Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, dass unser Archivleiter mein neues Haustier bemerken w�rde.</p><p>�Wem sonst?�, rief ich stolz und verschwand mit Melamori im Flur.</p><p>�Wir waren schon ewig nicht mehr zusammen spazieren�, sagte ich, als ich Lady Melamori die Wagent�r �ffnete. �Seit wir den guten Mochi aus den Klauen eines Kannibalen befreit haben, um genau zu sein - falls man so einen Einsatz �berhaupt Spaziergang nennen darf.�</p><p>�Warum sollte man das nicht d�rfen? Damals sind wir auch bei Vollmond durch die Stadt spaziert, wenn ich mich recht entsinne.�</p><p>�Stimmt. Wohin gehen wir jetzt eigentlich? Immerhin steht uns die Welt offen, oder?�</p><p>�Lass uns in die ehemalige Residenz des Ordens vom Geheimen Kraut fahren, Max. Dort gibt es einen sch�nen Biergarten mit gro�er Getr�nkeauswahl. Heute ist es nicht besonders kalt - da k�nnen wir uns gut nach drau�en setzen. Damals hat es dir dort gefallen, wei�t du noch?�</p><p>�Und wie!�, rief ich begeistert.</p><p>Dann merkte ich, dass traurige Erinnerungen meine gute Laune d�mpften. Dieser Besuch war sehr lange her, und seitdem hatte sich mein Verh�ltnis zu Lady Melamori stark ver�ndert. Immerhin hatten wir es geschafft, Freunde zu bleiben. So ist das Leben mitunter.</p><p>�Max, so geht das nicht�, sagte Melamori erschrocken. �Es reicht, wenn ich Tr�bsal blase. Wer au�er dir k�nnte mir den Stein der Schwermut vom Herzen w�lzen?�</p><p>�Drupi k�nnte das. Er ist daf�r wie geschaffen. Woher wei�t du eigentlich, dass auch ich traurig bin?�</p><p>�Was deine Mimik angeht, bist du noch meilenweit von Schurfs Unersch�tterlichkeit entfernt�, sagte sie l�chelnd. �Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Und jetzt lass uns fahren.�</p><p>Wir erreichten die Neustadt, stellten unser A-Mobil ab und gingen in den gro�en Garten.</p><p>Als Melamori mich zwei Jahre zuvor dorthin gef�hrt hatte, brannten dort viele Kerzen, was die Augen der Besucher hatte gl�nzen lassen. Jetzt war es hell, doch ansonsten hatte sich nichts ge�ndert. Die Luft war nach wie vor erstaunlich k�hl und klar, und Blumen und B�sche dufteten nur dezent. Ideale Voraussetzungen also, um sich wieder mit der traurigen Vergangenheit zu besch�ftigen.</p><p>Wir setzten uns auf die Bank zwischen den Kachar-Str�uchern. Drupi verschwand, kehrte kurz darauf mit einem Ast zur�ck und legte ihn mir auf den Scho�. Die Hunde aller Welten haben die gleichen Vorstellungen davon, wie sie ihr Herrchen oder Frauchen gl�cklich machen k�nnen, doch ich tat, als w�rde ich seinen Bem�hungen keine Aufmerksamkeit schenken.</p><p>�Nun sitzen wir in der Klemme�, sagte ich und l�chelte traurig. �Bisher lief alles wunderbar, aber jetzt bin ich wieder der gleiche Junge wie vor zwei Jahren und sitze erneut mit dir hier. Fragt sich blo�, was du mit dem Max, der ich vor zwei Jahren gewesen bin, jetzt anf�ngst.�</p><p>�Nichts�, sagte Melamori achselzuckend. �In einer halben Stunde verschwinden wir wieder, und die Sache ist vorbei. So lange kann ich es mit jedem Max der Welt aushalten.�</p><p>�Ja, das ist machbar�, pflichtete ich ihr bei. �Eine halbe Stunde d�rften wir es miteinander aushalten.�</p><p>�Bestell mir bitte etwas St�rkeres. Ich schlage vor, wir treffen uns k�nftig alle zwei Jahre hier, und ich betrinke mich bis zum Filmriss. Das d�rfte eine interessante Tradition werden, auf die du eines Tages stolz sein kannst.�</p><p>�Warum nicht? Man kann auf alles M�gliche stolz sein�, pflichtete ich ihr etwas zerstreut bei.</p><p>Drupi hatte offenbar beschlossen, mehr Aufmerksamkeit einzufordern, legte mir zu diesem Zweck die Vorderpfoten auf die Schultern und schleckte mir das Gesicht ab. Dabei verlor ich das Gleichgewicht und fiel ins Gras, wo ich wie ein K�fer auf dem R�cken liegen blieb und ratlos mit den Beinen strampelte, w�hrend Drupi mich fast erdr�ckte. Dann aber lie� er erschrocken von mir ab, sprang auf und legte sich brav neben mir auf den Boden. Offenbar geh�rte das Erdr�cken des Herrchens auch in den Leeren L�ndern nicht zu den Aktivit�ten, die Hunden Streicheleinheiten eintrugen.</p><p>Melamori lachte laut. �Max, du schaffst es wirklich immer wieder, mich aufzuheitern. Daf�r spendiere dir was zu trinken. So ein Genuss ist schlie�lich einiges wert.�</p><p>�Ich nehme dich beim Wort�, sagte ich und versuchte erfolglos, auf die Beine zu kommen. �Aber bitte hilf mir, denn so werde ich zum Gesp�tt aller Anwesenden.�</p><p>Melamori streckte mir die Hand entgegen und zog mich hoch. Die kleine Lady hatte wirklich erstaunliche Kr�fte.</p><p>Sie hielt Wort und bestellte mir ein exotisches Getr�nk. Ich hatte nie einen Menschen getroffen, dessen Geschmack sich so von meinem unterschied. W�hrend ich mein Glas austrank, musste ich mich ungeheuer bem�hen, auch nur einen Hauch von Genuss auf mein Gesicht zu zaubern. In Gesellschaft einer so wunderbaren Lady kann man unm�glich nach jedem Schluck eine Grimasse ziehen - jedenfalls nicht, wenn sie einem das Getr�nk ausgegeben hat.</p><p>Ich f�hlte mich langsam besser. Mit jedem Schluck verringerte sich das l�hmende Gef�hl, der alte Max zu sein.</p><p>Ich war wieder der heutige Max: stolzer Tr�ger des Todesmantels, ausgebuffter Zauberer des Kleinen Geheimen Suchtrupps und erfahrener Reisender in andere Welten. Der verr�ckte, ungl�cklich verliebte Max, der ich vor zwei Jahren gewesen war, verschwand, und das war gut.</p><p>Ich freute mich so �ber das Verschwinden des alten Max, dass Drupi sehr viele Streicheleinheiten bekam. Zufrieden sch�ttelte er den Kopf und schlackerte mit den gro�en Ohren. Offenbar wusste er nicht, dass man bei solchen Anl�ssen auch mit dem Schwanz wedeln konnte.</p><p>�Mir geht es wieder gut�, sagte ich l�chelnd zu Melamori. �Das war ein kurzer R�ckfall, aber er ist schon �berstanden. Stehen mir diese unfassbar gl�cklich gl�nzenden Augen? Welche Farbe haben sie eigentlich? Blau vielleicht?�</p><p>Melamori nahm meine Frage ernst und sah mir einige Zeit tief in die Augen.</p><p>�Jetzt sind sie gelb wie die von Kurusch - nur etwas dunkler.�</p><p>�Das ist mir neu. Du �brigens hast als Erste bemerkt, dass meine Augen st�ndig die Farbe wechseln. Und du hast sie als Erste in Bann geschlagen.�</p><p>�Daran erinnere ich mich gut. Ich habe viele Vermutungen, wer du eigentlich bist. Ich sch�me mich fast, es zu sagen, aber ich habe sogar mal gedacht, in dir habe sich ein altes Versprechen von Lojso Pondochwa erf�llt, wonach er aus der H�lle auferstehen und wieder unter den Lebenden wandeln werde. Damit ist nicht zu spa�en, denn ich bin mit vielen Geschichten �ber die Auferstehung alter Magister aufgewachsen. In der Bibliothek meiner Eltern gab es jede Menge B�cher zu diesem Thema. Eigentlich h�ttest du mir gleich sagen sollen, dass du aus einer anderen Welt gekommen bist. Dann w�re die Sache klar gewesen.�</p><p>�Wohl kaum�, entgegnete ich leichthin. �Dass ich aus einer anderen Welt gekommen bin, sagst du jetzt. Fr�her warst du nicht so tapfer - damals, als Juffin mir noch nicht erlaubt hatte, die ganze Wahrheit zu sagen, und ich mich immer wieder fragte, warum er so ein Geheimnis daraus machte.�</p><p>�Das sollte eine Art Pr�fung sein�, seufzte Melamori. �Nicht f�r dich nat�rlich, sondern f�r uns. Wir Mitarbeiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps sollten dieses R�tsel selber l�sen. Ich habe daf�r offenbar am l�ngsten gebraucht und wei� auch, warum: Pers�nliche Interessen schaden in solchen Dingen immer. Kofa und Sch�rf haben dich rasch durchschaut, w�hrend Lukfi Penz noch immer v�llig ahnungslos ist, doch alles andere w�re auch erstaunlich.�</p><p>�Du warst immerhin schneller als Melifaro - als ob das kein Erfolg w�re!�</p><p>�Du machst wohl Witze?�, fragte sie erstaunt. �Melifaro wusste seit eurem ersten Treffen Bescheid. Er musste dich nur einmal ansehen, um zu durchschauen, was es mit dir auf sich hat. Das ist typisch f�r ihn, doch er zeigt sein Wissen nur ungern. Das h�tte dir wirklich auffallen k�nnen.�</p><p>�Offenbar geh�ren wir zwei zu den langsamen R�tsell�sern. Der Titel des d�mmsten Mitarbeiters des Kleinen Geheimen Suchtrupps geb�hrt allerdings mir, denn ich dachte die ganze Zeit, Melifaro glaube als Einziger an die Legende von den Leeren L�ndern.�</p><p>�Vielleicht stimmt das sogar, denn er macht sich so oft �ber dich lustig, dass er manchmal nicht wei�, welche die echte Version deiner Biografie ist.�</p><p>Ich wedelte mit der Linken, in deren Handfl�che mein so genannter Wirklicher Name in unsichtbaren Buchstaben stand, vor Melamoris Nase herum. �Statt dieses Unsinns hier sollte ich besser den Hinweis mit mir herumtragen, die Menschen seien nicht unbedingt die, als die sie erscheinen. Und ich sollte mir diesen Hinweis jeden Morgen einpr�gen. Eines sch�nen Tages kann ich die Weisheit dieses Satzes dann vielleicht im Alltag anwenden. Das wird mich �berw�ltigen.�</p><p>�Was redest du da blo�? W�re es wirklich so einfach, dich zu �berw�ltigen, w�rden wir in einer gl�cklichen Welt leben�, sagte Melamori seufzend. �Au�erdem berge ich f�r dich keine �berraschungen. Ich bin so, wie ich erscheine. Vielleicht ein bisschen d�mmer und �ngstlicher.�</p><p>�Woher kommt diese Selbstkritik, Lady?�</p><p>�Ich wei� es nicht. In letzter Zeit habe ich ein recht gespaltenes Verh�ltnis zu mir. Ich habe nicht mal die Kraft, an die Konsequenzen meiner Dummheit oder Schw�che zu denken.�</p><p>�Bereust du etwa, nicht mit Alotho nach Arwaroch gegangen zu sein?�, fragte ich, denn mir war klar, woher der Wind wehte. �Tr�ste dich: Bald kannst du das wiedergutmachen, denn n�chstes Jahr kommt Alotho frei.�</p><p>�Sogar fr�her�, entgegnete Melamori finster. �Ich konnte Kamschi n�mlich einreden, Alothos in zwei Reihen auf ihren Herrn wartende Untertanen w�rden das Stadtbild wunderbar beleben. Dieses Argument allein w�re zwar zu schwach gewesen, doch zum Gl�ck wei� ich, dass der verbissene Karrierist Kamschi einen kleinen Versto� gegen die Dienstordnung auf dem Kerbholz hat. Ja, Max, ich habe sogar einen st�dtischen Beamten erpresst, und ich bin froh dar�ber. Ich bin eine recht geschickte Intrigantin. Meine Familie aus dem Orden des Siebenzackigen Blattes kann stolz auf mich sein. Nat�rlich habe ich auch Alotho diese Nachricht zukommen lassen, und sie hat ihn sehr gl�cklich gemacht. Ohne mich w�rde es diesem sch�nen Mann nicht gerade gut gehen, und vom Gr�sslichen Mudlach tr�umt er jede Nacht. Ein Schiff mit seinen Soldaten ist bereits hierher unterwegs. Zu Fr�hlingsanfang, also in einem Monat, wird es Echo voraussichtlich erreichen. Was kann diesen gro� gewachsenen Seeleuten schon geschehen?�, sagte Melamori mit so malizi�sem wie angespanntem L�cheln.</p><p>Ich wollte meinen Ohren nicht trauen. �Jetzt verstehe ich gar nicht mehr, warum du jeden Tag so finster dreinschaust.�</p><p>Die ganze Zeit war ich fest davon �berzeugt gewesen, die Trennung von Alotho habe Melamori in ihre Schwermut gest�rzt. Nun aber zeigte sich, dass sie schon lange von dem bald bevorstehenden Wiedersehen wusste. Was war nur los mit ihr?</p><p>Melamori schlug mit der Faust auf den Tisch, und ich beobachtete fasziniert, wie unsere Gl�ser zitterten.</p><p>�Du meinst, du verstehst alles�, sagte sie w�tend. Pl�tzlich �nderte sich ihre Stimme, und sie fuhr traurig fort: �Nein, Max, du verstehst gar nichts. Verzeih, dass ich mich so habe gehen lassen. Mit Alotho und mir, das wird nicht klappen - genauso wenig wie damals mit dir. Ich werde wieder ein riesiges Durcheinander anrichten und mir irgendwann sagen, ich sollte mich mit dem zufriedengeben, was ich habe, statt nach etwas Besserem zu suchen. Meine Eltern w�ren sicher stolz, wenn sie erf�hren, wie gro�artig sie mich erzogen haben. Fr�her hielt ich mich f�r die tapferste, unabh�ngigste und tollste Frau weit und breit. Aber das denke ich nicht mehr. Das Gerede meiner Mutter und ihr Lieblingssatz Eine Lady darf sich nicht allein an unbekannten Orten aufhalten - all das hat f�r mich keine Bedeutung mehr, wenn ich ans Ausgehen denke. Aber ich habe diesen Satz st�ndig im Ohr, wenn ich �berlege, alles hinzuwerfen und nach Arwaroch auszuwandern. Kaum stelle ich mir vor, am anderen Ende des Meeres das Schiff zu verlassen, h�re ich den vertrauten Satz Eine Lady darf sich nicht allein an unbekannten Orten aufhalten.�</p><p>�Das verstehe ich gut�, sagte ich und nickte mitf�hlend. �Ich h�tte sicher nicht den Mut, dorthin auszuwandern. Man muss ein Held sein, um all die pomp�sen Riten auszuhalten.�</p><p>�Du h�ttest nicht den Mut?�, fragte Melamori erstaunt. �Du hast sogar die Welten gewechselt, um hierherzukommen!�</p><p>�Ob du es glaubst oder nicht: Das war sehr leicht. Ich hatte wirklich Gl�ck, denn dort, woher ich stamme, hatte ich nichts zu verlieren, gar nichts. Meine Lage dort war ziemlich schlimm, aber ideal f�r jemanden, der in eine andere Welt will. Du aber hast hier etwas zu verlieren. Deshalb verstehe ich deine Unentschiedenheit sehr gut.�</p><p>�Nat�rlich habe ich hier etwas zu verlieren�, pflichtete sie mir bei, �berlegte kurz und sch�ttelte den Kopf. �Aber das war nur eine Illusion, Max. Selbstverst�ndlich mag ich Echo und meine Arbeit, und ich kenne hier viele Leute, mit denen ich gern zu tun habe. Aber eigentlich spielt das keine Rolle. Als ich mich damals weigerte, mit Alotho nach Arwaroch zu gehen, ging es mir nicht so sehr um all das, was ich hier h�tte aufgeben m�ssen: Die Vorsicht hie� mich abwarten - die panische Angst vor dem Unbekannten.�</p><p>�Kurusch w�rde sagen, die Angst vor dem Unbekannten sei f�r den Menschen typisch, und damit h�tte er sicher Recht�, seufzte ich. �Diese Angst ist vielleicht das wichtigste Charakteristikum unserer Gattung.�</p><p>�Trotzdem sitze ich neben jemandem, der mutig genug war, die Welten zu wechseln�, sagte Melamori und r�ckte n�her, als k�nnte ich das Heilmittel all ihrer Probleme sein. �Es kann also keine Rede davon sein, dass Angst f�r alle Menschen typisch ist. Und in meinem Fall handelt es sich blo� um eine Reise auf einen anderen Kontinent.�</p><p>�Das alles ist vermutlich viel einfacher, als du denkst�, sagte ich und versuchte, entschieden zu wirken. �Wenn du mit Alotho nach Arwaroch gehen willst, dann tust du das - und wenn nicht, dann bleibst du. Ist das nicht die Frage, um die es eigentlich geht?�</p><p>�Ach, Max, du bist lustig�, sagte Melamori und l�chelte pl�tzlich. �Warum redest du blo� st�ndig von Alotho?�</p><p>Ich sah sie erstaunt an. �Immerhin hattest du eine Aff�re mit ihm, die deine Familie und einige Mitarbeiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps ersch�ttert hat.�</p><p>�Es ist unwichtig, was ich mit ihm hatte, und in Zukunft wird ohnehin nicht viel zwischen uns passieren�, sagte sie und winkte ungeduldig ab. �Alotho ist ein seltsamer Kerl. Er hat mir den Kopf verdreht, und alles, was du gesagt hast, stimmt. Aber das war nur Leidenschaft, Max, und wir wissen doch, dass Leidenschaft allein nicht reicht. Du denkst doch wohl nicht, dass ich mich seinetwegen die ganze Zeit so qu�le?�</p><p>�Verzeih�, sagte ich schuldbewusst, �aber bisher habe ich das tats�chlich gedacht. Dumm von mir, was?�</p><p>�Nicht unbedingt dumm - eher romantisch.�</p><p>�berrascht bemerkte ich, dass sich Melamoris Stimmung deutlich gebessert hatte.</p><p>�Ich w�nschte, du h�ttest Recht�, fuhr sie fort. �Ich w�nschte, es w�re die gro�e Liebe mit gebrochenen Herzen und Happy-End. Tats�chlich aber habe ich ein ganz anderes Problem, dessen Tragweite ich erst erkannte, als ich mich weigerte, nach Arwaroch zu gehen. Zuerst hatte ich den Eindruck, vor mir l�ge eine wunderbare, romantische Reise, wie sie meinem Geschmack entspricht. Ich freute mich riesig und h�tte beinahe zugesagt, schrak dann aber davor zur�ck und konnte nicht schlafen und kaum mehr atmen. Schon als ich zum ersten Mal in deinen seltsamen Tr�umen erschien, h�tte ich mich eigentlich fragen sollen, wovor ich mich so sehr �ngstigte. Aber damals hatte ich noch nicht gelernt, �ber die Konsequenzen meines Handelns nachzudenken.�</p><p>Sie trank ihr Glas leer, stellte es auf den Tisch und st�tzte den Kopf in die H�nde. Ihre Stimme klang nun so tief, als w�re meine Freundin in einer H�hle gefangen. Die wirkliche Melamori schien ein unbekanntes Wesen zu sein, mit dem ich bisher kaum zu tun gehabt hatte.</p><p>�Zweifellos regieren mich meine �ngste, und ich h�nge am gewohnten Gang der Dinge. Daran stirbt man nicht. Menschen wie ich leben lange und gl�cklich, gr�nden Familien und ziehen Kinder gro�, die am Ende genauso �ngstliche Gewohnheitstiere sind wie sie. Und auch ich bin gl�cklich und durchaus zufrieden mit mir. Aber im Hinterkopf versp�re ich stets eine gewisse Verachtung mir selbst gegen�ber. Meine Mutter hat oft gesagt, eine Lady aus guter Familie solle auch wie eine Lady aus guter Familie leben. Sie soll ein gutes Leben haben, Max, verstehst du? Und ich habe kein gutes Leben!�</p><p>Eigentlich h�tte sie schon l�ngst schluchzen m�ssen, aber sie schaute vor sich hin, und ihre Augen waren trocken.</p><p>�Hast du dich entschieden, all das mit mir zu besprechen, weil ich ein gro�er Fachmann bin, wenn es darum geht, sein Leben zu �ndern?�, fragte ich. �Einerseits sprichst du mit dem Richtigen, andererseits aber h�tte ich nie gedacht, du w�rdest �berlegen, Echo zu verlassen. Bei der Vorstellung, ich k�nnte eines Tages ins Haus an der Br�cke kommen, und du bist nicht mehr da, f�hle ich mich gar nicht wohl.�</p><p>�Das wird nie geschehen�, sagte Melamori mit bitterem L�cheln. �Da kann ich dich beruhigen.�</p><p>�Viel Gr��eres kann geschehen, wenn man sich entscheidet, sein Leben zu �ndern�, wandte ich ein. �Wei�t du, mit achtzehn begriff ich, nicht mehr bei meinen Eltern wohnen zu wollen, doch es dauerte anderthalb Jahre, bis ich mich entschied, auszuziehen, denn ich bin ein Gewohnheitsmensch wie du. Ich war fest davon �berzeugt, ich w�rde es allein nicht schaffen, sondern untergehen, doch ich lebe noch, wie du siehst. Das war eine schwere Zeit f�r mich. Bis heute denke ich, es war die heldenhafteste Tat meines Lebens. Alle anderen Entscheidungen habe ich seltsam tr�ge getroffen. Wei�t du, es gibt zwei Dinge, die dir in so einer Lage wirklich helfen k�nnen.�</p><p>�Welche denn?�, fragte Melamori gebannt. Mein Freimut erstaunte sie offenbar.</p><p>�Erstens hilft Eigensinn. Egal, was du tust: Du tust es aus Trotz. Und du bist viel eigensinniger als ich - da bin ich mir sicher.�</p><p>�Kann sein�, rief Melamori erfreut. �Und zweitens?�</p><p>�Zweitens kommt es auf das Schicksal an�, sagte ich achselzuckend. �Das klingt etwas hochtrabend, ich wei�, aber wenn das Schicksal gewisse Pl�ne mit uns hat, findet es Mittel und Wege, uns nach diesen Pl�nen handeln zu lassen. Wenn es f�r dich wirklich gut w�re, nach Arwaroch zu segeln, dann h�tte das Schicksal dir schon tausendmal die M�glichkeit gegeben, das zu tun. Und das Schicksal hat auch die wunderbare Macht, Wolken anzuziehen, wenn wir gegen unsere Bestimmung handeln. Du hast dich ein einziges Mal geweigert, deiner Bestimmung gem�� zu handeln, und gleich wurde dein Leben weniger angenehm. Daran sieht man, dass das Schicksal auf sehr eindringliche Weise �berzeugungsarbeit leisten kann. Und in den seltenen F�llen, in denen das misslingt, t�tet es die Unfolgsamen. In meiner Heimat sagt man, das Schicksal leite den, der es bejaht, und zerre den, der sich ihm widersetzt. So ist es wirklich. Das Schicksal zerrt die Dummen, denen der Atem stockt, weil sie vor ihrer einzigen Chance Angst haben.�</p><p>�Max! S�ndige Magister, was ist los mit dir?�, fragte Melamori und schien mich zum ersten Mal zu sehen. �Ich h�tte nie gedacht, dass du dich so ausdr�cken kannst.�</p><p>�Ich kann so einiges. Und das ist kein Wunder, Lady, denn immerhin war ich fr�her auch Dichter - nicht der beste zwar, aber mitunter meldet sich mein Talent wie ein nerv�ser Tick.�</p><p>�Du warst sicher ein sehr guter Dichter�, sagte Melamori l�chelnd. �Deine flammende Rede �ber das Schicksal war gro�artig. Du hast mich beruhigt und doch aufgestachelt - das war genau richtig.�</p><p>�Habe ich das wirklich getan?�, fragte ich erstaunt. �Na ja, du wirst das besser wissen als ich.�</p><p>�Wir m�ssen gehen�, sagte Melamori und stand entschieden auf. �Sch�rf kommt bald ins Armstrong und Ella. Und �berhaupt - das Leben geht weiter.�</p><p>�Nat�rlich geht es weiter�, pflichtete ich ihr bei und erhob mich. �Aber eines hast du noch vergessen. Einmal habe ich dich als Lady Marilyn besucht.�</p><p>�Daran erinnere ich mich gut�, sagte Melamori l�chelnd. �Du warst ein tolles M�dchen und hast sogar Melifaro den Kopf verdreht. Erst nachdem du ihm deine wahre Identit�t verraten hattest, mochte er glauben, dass Lady Marilyn eine Kunstfigur war. Das ist meine liebste Geschichte �ber dich.�</p><p>�Freut mich, dass ich diesen bescheidenen Ruhm bei dir genie�e�, antwortete ich. �Aber eigentlich wollte ich �ber etwas anderes sprechen. Du hast doch sicher noch Wein aus dem Vorrat deines Gro�vaters. Er hei�t Schicksalstropfen oder so �hnlich, und als wir ihn zusammen tranken, erschienen �ber uns romantische kleine Funken. Damals sagtest du, das sei ein gutes Zeichen, denn diese Funken erscheinen nur, wenn ihn zwei Menschen trinken, die sich gut verstehen. Und wie es aussieht, verstehen wir beide uns wunderbar, und es gibt keinen Anlass, Tr�bsal zu blasen. Die Erinnerung an dieses Ereignis hat mich in schweren Stunden stets aufgeheitert.�</p><p>�Aber diese Funken waren lediglich ein Zeichen.�</p><p>�Stimmt, aber ein sehr gutes Zeichen�, pflichtete ich ihr bei. �Und ein gutes Zeichen ist viel wert.�</p><p>�Das merke ich mir.� Melamori nickte erstaunlich ernst. Dann streichelte sie Drupi am Ohr, und die beiden schmusten ein wenig.</p><p>Unser vertrauliches Gespr�ch war beendet, ohne dass ich gewusst h�tte, mit welchem Ergebnis, aber das spielte auch keine Rolle.</p><p>Ich brachte Melamori wieder zur Arbeit und fuhr ins Armstrong und Ella. Zwar war dieses Lokal nicht mein Zuhause, doch ich war �berzeugt, nach Hause zu fahren. Wohin sonst? Drupi nahm ich mit, denn er hatte sich lange genug in meiner k�niglichen Residenz langweilen m�ssen. Demn�chst wollte ich ihn sogar zur Arbeit mitbringen, wusste aber nicht recht, wie Sir Juffin darauf reagieren w�rde.</p><p>�Max, langsam reicht's aber�, sagte Techi erschrocken. �Zuerst hast du mir die Katzen angeschleppt, dann musste ich die Erziehung deiner Gattinnen �bernehmen, und jetzt soll ich mich noch um dieses Riesenvieh k�mmern?�</p><p>Zwei flauschige Katzen, Armstrong und Ella n�mlich, musterten besagtes Riesenvieh von ihren Hockern aus. Offenbar hatten sie es nicht eilig, Drupis Bekanntschaft zu machen. Das konnte ich ihnen nicht ver�beln.</p><p>�Aber nein�, sagte ich und schwang mich auf einen Hocker. �Noch habe ich nicht vor, mich von ihm zu trennen�, setzte ich beruhigend hinzu und k�sste sie auf die Nasenspitze.</p><p>�Noch!�, seufzte sie. �In ein paar Tagen wirst du deine Meinung bestimmt �ndern oder auf eine Audienz gehen m�ssen, bei der keine Hunde erlaubt sind. Ein paar Tage darauf wirst du mir sagen, Drupi passe fantastisch zu meiner Einrichtung und niemand k�nne sich besser um ihn k�mmern als ich. Und irgendwann l�sst du nebenbei fallen, der Hund k�nne eigentlich hier bleiben. Wenn ich dann Widerstand leiste, k�sst du mich, damit Drupi mich auch f�r sein neues Frauchen h�lt. Max, ich kenne dich zu gut. Darum setze ich mich jetzt schon zur Wehr.�</p><p>�Oh nein, bitte! F�r heute habe ich wirklich genug von Ladies, die finster in die nahe Zukunft blicken�, sagte ich, glitt vom Hocker und setzte mich auf meinen Lieblingsplatz. �Glaub mir, auf dieses sch�ne Tier warten ein eigenes Schlafzimmer und einige Diener, die jeden Befehl beflissen erf�llen. Und was meine drei Frauen anlangt, bist du einfach die ideale Erzieherin. Wom�glich kannst du sie sogar anlernen, damit sie dir im Lokal helfen. In Echo gibt es meines Wissens bis jetzt noch kein Wirtshaus, in dem drei gleich aussehende Frauen hinter der Theke stehen. F�r diesen Anblick sind sicher viele Menschen bereit, tief in die Tasche zu greifen.�</p><p>�Das ist eine grandiose Gesch�ftsidee, aber angesichts der gesellschaftlichen Stellung deiner Frauen riecht sie nach internationalem Skandal�, sagte Techi l�chelnd. �Au�erdem sind sie viel zu seri�s, um Trunkenbolden die Gl�ser zu f�llen.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob sie wirklich so seri�s sind�, wandte ich ein. �Ich habe sie erst dreimal im Leben gesehen.�</p><p>�Selber schuld. Wer h�tte dich gehindert, es �fter zu tun? Wen hast du eigentlich gemeint, als du von den Ladies gesprochen hast, die finster in die Zukunft blicken?�</p><p>�Dreimal darfst du raten.�</p><p>�Ach so�, sagte Techi, l�chelte gedankenverloren, verlie� die Theke und setzte sich zu mir. �Du hattest das Vergn�gen, den dramatischen Monolog von Lady Melamori zu h�ren. Es ging also um das weit entfernte, ach so sch�ne Arwaroch und um die Angst, die sie sich vor diesem Land einredet.�</p><p>�Vor allem um die Angst�, seufzte ich. �Ich habe versucht, ihr zu erkl�ren, dass die Bewohner aller bekannten und unbekannten Welten solche Probleme haben, und ich habe ihr auch gesagt, dass nur wenige ihre Angst �berwinden k�nnen.�</p><p>�Schau an - mitunter redest du ganz kluge Sachen�, meinte Techi und schmiegte sich an meine Schulter. �Weggehen oder bleiben - solche Probleme m�chte ich haben�, sagte sie leise.</p><p>�Wieso denn?�, fragte ich erstaunt. �Langweilst du dich etwa?�</p><p>�Nein, Max, aber ich habe diese Wahl nicht und werde sie auch nie haben. Wei�t du, ich darf nicht einmal Uguland verlassen, wenn ich nicht als Gespenst enden will.�</p><p>�Wie meinst du das?�, fragte ich frappiert.</p><p>�Ich darf mich nicht weit vom Zentrum dieser Welt entfernen, sonst sterbe ich. Das liegt in meiner Natur, und ich kann nichts dagegen tun. Ich bin die Tochter von Lojso Pondochwa und kein gew�hnlicher Mensch.�</p><p>�Ja und? Ich verstehe nicht recht, was du da sagst.�</p><p>�Das ist gar nicht so schwer. Meine Br�der und ich sind Beispiele f�r die seltsame Magie meines Vaters und f�r seinen eigenartigen Humor. Das hat Vorteile, denn wir sind unsterblich. Deshalb existieren meine Br�der, die in der Traurigen Zeit gestorben sind, weiter. Andererseits aber sind wir keine gew�hnlichen Menschen, denn wir k�nnen nicht in andere Welten reisen, noch nicht mal nach Arwaroch. Am besten w�re es f�r mich, immer in Echo zu bleiben. Mein echtes, intensives Leben �brigens soll erst nach meinem Tod beginnen. Max, hab ich dich schockiert? H�ttest du dieses Gespr�ch blo� nicht angefangen! Was ist nur in mich gefahren?�</p><p>�Aber nein - das zu erz�hlen, war sehr tapfer von dir. Es ist nur etwas schade, denn ich hatte gehofft, dir eines Tages ein kleines St�dtchen bei Kettari zeigen zu k�nnen, einen meiner liebsten Orte. Dass das nun nicht klappt, ist nicht so schlimm. Ich muss mich halt an den Gedanken gew�hnen, nicht mit dir verreisen zu k�nnen.�</p><p>�Das muss nicht so bleiben - alles kann sich irgendwann �ndern. Ich wei� zwar nicht, wie, aber ausschlie�en kann ich es nicht. Wer wei�, wohin wir irgendwann reisen werden�, sagte sie und l�chelte mich an.</p><p>Darauf hatte ich keine Antwort parat. Also k�sste ich sie ungescheut, denn das Wirtshaus war noch leer. Das war auf jeden Fall angenehmer, als �ber das nachzudenken, was sie mir gerade gesagt hatte.</p><p>Ich sp�rte einen intensiven Blick auf meinem Hinterkopf und drehte mich um: Von der T�rschwelle beobachtete uns Sir Lonely-Lokley. Es h�tte mich sehr gewundert, wenn es uns gelungen w�re, diesen herrlichen Menschen mit so gew�hnlichen T�tigkeiten wie dem K�ssen zu schockieren. Auch wenn wir bereits zu anderen Aktivit�ten �bergegangen w�ren, h�tte Sch�rf uns wohl nur gleichg�ltig von einem Barhocker aus im Blick behalten und sich auf sein Buch konzentriert.</p><p>Techi jedoch kannte Lonely-Lokley nicht so gut wie ich, lie� sofort von mir ab und lief hinter die Theke. Dort seufzte sie so erleichtert auf, als w�rde ihr alles, was sie gerade auf der anderen Seite des Tresens getrieben hatte, bereits unwirklich erscheinen.</p><p>Auch Drupi erkannte unseren Gast wieder, beschr�nkte seine Begr��ung aber auf ein freundliches Ohrenschlackern. Der schlaue Hund unterschied offenbar treffsicher, welchen meiner Freunde gegen�ber er sich eine herzliche Begr��ung erlauben konnte und bei welchen er Distanz zu wahren hatte.</p><p>�Sch�rf, ich freue mich, dich hier begr��en zu d�rfen�, rief ich mit etwas k�nstlich anmutender Begeisterung. �Komm her! Steh nicht auf der Schwelle herum!�</p><p>�Ich steh nicht auf der Schwelle herum, sondern versuche, die T�r zu schlie�en�, erkl�rte Sch�rf. �Es ist kalt drau�en, und der Wind weht vom Churon herauf. Ich habe zwar schon viel davon gelesen, wie vorteilhaft es sein soll, sich abzuh�rten, aber ich denke nicht, dass auch Durchzug diese Vorteile hat. Lady Techi, ich glaube, Sie m�ssen Ihre T�rklinke reparieren lassen. Ohne eine anst�ndige Portion Magie d�rfte sie nie und nimmer funktionieren.�</p><p>�Da haben Sie Recht, Sir Sch�rf�, sagte Techi betr�bt. �Ich habe schon oft gedacht, ich sollte einen Spezialisten rufen, mir aber immer wieder gesagt, ein guter Zauberspruch werde viel schneller helfen. Schauen Sie mich nicht so finster an. Schwarze Magie zweiten Grades reicht v�llig, um meine T�r zu schlie�en. Ich unternehme also nichts, was gegen das Chrember-Gesetzbuch oder gegen die Empfehlungen von Magister Nuflin Moni Mach versto�en w�rde.�</p><p>Lonely-Lokley nickte verst�ndnisvoll und setzte sich neben mich.</p><p>�Ich komme mit einer Bitte zu dir, Max�, begann er und nippte gen�sslich an einer der besten Kamras von Echo.</p><p>Ich sah ihn neugierig an. �Verlang, was du willst.�</p><p>�Du hast mal gesagt, du k�nntest mir noch ein Buch aus deiner Welt besorgen�, begann Sch�rf vorsichtig.</p><p>�Das habe ich ganz vergessen�, seufzte ich schuldbewusst. �Aber ich versuche es einfach hier und jetzt.�</p><p>�Jetzt und hier?�, fragte Lonely-Lokley erstaunt.</p><p>�Warum nicht? Sonst vergesse ich es wieder, und du wartest noch mal tagelang vergeblich darauf.�</p><p>�Manchmal bist du ein ungemein pragmatischer Mensch�, sagte er, und ich hatte den Eindruck, ein leises L�cheln umspiele seine Mundwinkel.</p><p>�Zuerst muss ich einen geeigneten Ort finden, denn hier gibt es nichts, in das ich die Hand schieben k�nnte.�</p><p>Ich ging hinter die Theke, wo ich nichts zu suchen hatte, erst recht nicht in der Hocke. Immerhin protestierte Techi nicht gegen mein Auftauchen, sondern hielt mich offenbar f�r einen Hund und strich mir kurz �ber den Kopf.</p><p>Ich brauchte eine Ritze, aus der ich das Buch ziehen konnte. Auch die gr��ten Zauberer dieser Welt kommen nicht ohne so einen Schlitz aus. Schlie�lich entdeckte ich eine abgewetzte Matte, unter die ich die Hand schieben konnte.</p><p>Sofort war es, als h�tte ich einen fallenden Gegenstand aufgefangen. Zun�chst wurde ich stolzer Besitzer eines kleinen Damenschirms, gelb und mit bunten Bl�mchen geschm�ckt. Schirme fand ich in der Ritze zwischen den Welten st�ndig. Offenbar gingen sie �fter verloren als andere Gegenst�nde. Aber da ich kein Schirmsammler war, schob ich die Hand erneut unter den Teppich und versuchte, mir eine Bibliothek mit vielen Regalen vorzustellen.</p><p>In den ersten Minuten wollte mir das nicht gelingen. Stattdessen dachte ich an meine noch nicht ausgetrunkene Kamra und versp�rte danach Lust, eine Zigarette zu rauchen. Au�erdem tauchte immer wieder Techi auf, die dem, was ich auf dem Boden trieb, gl�cklicherweise keine Beachtung schenkte. M�hsam sammelte ich mich und dachte intensiv an eine Bibliothek.</p><p>Erneut sp�rte ich etwas in der Hand. Mit aller Kraft stellte ich mir vor, mit einer Leiter an ein Regal zu gehen, um an ein Buch zu kommen, das ganz oben lag. Dann zog ich unter dem Teppich einen Band hervor, der in einem herrlichen Schutzumschlag steckte. Hoffentlich w�rde diese sch�ne Ausgabe Lonely-Lokley gefallen. Mein Fang hatte den Titel Die gro�e Erde im kleinen Weltall. Verfasser war ein gewisser Steve Harris. Autor und Titel waren mir unbekannt.</p><p>�Was ist blo� los?�, rief ich erstaunt. �Warum erwische ich nie ein Buch, das ich kenne und mag? Immerhin habe ich auf der Erde viele B�cher verschlungen.�</p><p>�Bist du mit dem, was du ergattert hast, unzufrieden?�, fragte Lonely-Lokley beunruhigt.</p><p>�Na ja, ich habe schon wieder ein mir unbekanntes Buch erwischt. Es ist offenbar unser Schicksal, Sch�rf, dass ich dir keins meiner Lieblingsb�cher besorgen kann. Ich f�rchte, du musst mir den Inhalt wieder erz�hlen, damit ich nicht vor Neugier sterbe.�</p><p>Ich gab ihm das Buch und setzte mich neben ihn. Techi k�mmerte sich keinen Pfifferling um das, was hinter ihrer Theke geschehen war, sondern war in die neueste Ausgabe des Trubel von Echo vertieft. Offenbar interessierte sie sich viel mehr f�r diese Boulevardzeitung als f�r unsere Probleme.</p><p>�Warum staunst du so dar�ber, wieder ein unbekanntes Buch aus der Ritze zwischen den Welten gezogen zu haben? Du hast doch wohl nicht alle B�cher gelesen, die es gibt, oder?�, wollte Lonely-Lokley wissen.</p><p>�Alle sicher nicht�, sagte ich l�chelnd, �doch du w�rdest staunen, wenn du w�sstest, wie viele ich geschafft habe. Es gab Zeiten, in denen ich wie ein Besessener las - das waren nicht die schlechtesten Jahre.�</p><p>�Ich habe den Eindruck, inzwischen liest du nicht mehr so viel�, bemerkte Sch�rf vorsichtig.</p><p>�Ich lese schrecklich wenig, eigentlich gar nicht mehr�, pflichtete ich ihm bei. �Aber nichts bleibt, wie es war - besonders, wenn man ein neues Leben beginnt.�</p><p>�Da hast du wohl Recht. Und wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, ist dein Leben inzwischen auch ohne B�cher sehr bewegt.�</p><p>�Bewegt? Das d�rfte etwas untertrieben sein�, stellte ich leicht blasiert fest.</p><p>Die T�r quietschte im Wind.</p><p>�Max, du bist heute hei� begehrt�, sagte Techi und l�chelte den Neuank�mmling freundlich an. Ich schaute auf und sch�ttelte den Kopf, als ich Ande Pu sah. Er war beinahe n�chtern, blickte aber sehr finster drein.</p><p>Drupi hob den Kopf und bellte nur einmal, aber Achtung gebietend. Ande z�gerte, trat einen Schritt zur�ck, als wollte er fliehen, beherrschte sich aber und blieb.</p><p>�Den darfst du nicht anbellen�, sagte ich streng zu meinem Hund. �Das ist mein Freund, du Dummkopf.�</p><p>�Vielen Dank, Max. Dieser Drupi hat ja Manieren wie ein Dorfk�ter. Ich verstehe nicht, warum du einen Hund dabeihast. Solche Tiere sind auf dem Land viel besser aufgehoben als in der Stadt�, r�sonierte Ande Pu. Er lispelte st�rker als sonst - offenbar aus Angst.</p><p>Ich verkniff es mir, Drupis Qualit�ten aufzuz�hlen, und versuchte stattdessen, m�glichst mitf�hlend zu wirken.</p><p>Auf der Schulter sp�rte ich die schwere Hand von Lonely-Lokley. Erst zuckte ich zusammen, musste dann aber erleichtert lachen. Sch�rf hatte nat�rlich seine Schutzhandschuhe an. Wenn er sie vergessen h�tte, h�tte ich ohnehin keine Gelegenheit mehr gehabt, in Panik zu geraten.</p><p>Sch�rf sch�ttelte entt�uscht den Kopf, und ich rechnete schon mit einem Vortrag �ber die Vorteile der Atemgymnastik, die man jeden Tag und nicht nur alle zwei Wochen treiben solle. Damit w�re ich v�llig einverstanden gewesen, doch er schwieg gutm�tig, denn mein Gesicht war die Reue selbst.</p><p>�Vielen Dank f�r dein Buch, Max�, sagte er sanft. �Ich hoffe, du nimmst es mir nicht �bel, wenn ich jetzt nach Hause fahre. Ich habe gro�e Pl�ne f�r heute Abend.� Er schwenkte mein Geschenk bedeutungsschwer hin und her.</p><p>�Hast du mich je beleidigt erlebt?�, fragte ich l�chelnd.</p><p>�Eigentlich nicht�, r�umte Sch�rf ein, verbeugte sich h�flich vor Techi und wandte sich an Ande. �Kommen Sie morgen in den Geh�rnten Mond?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte der Journalist und nickte eifrig.</p><p>�Dann sehen wir uns dort, falls sich meine Pl�ne nicht �ndern�, sagte Lonely-Lokley und verlie� das Lokal.</p><p>Ich starrte Ande verst�ndnislos an. �Was hast du denn mit Sch�rf vor, Freundchen? Von welchem Geh�rnten Mond war da die Rede? Und warum wei� ich nichts davon? �</p><p>�Es handelt sich um das Zentrum der Poesie im Vereinigten K�nigreich�, antwortete Ande etwas hochn�sig. �Um den einzigen Ort in diesem schrecklichen Land, an dem man die Dichter schon zu Lebzeiten zu sch�tzen wei�.�</p><p>�Ist das ein echter Dichterklub?�, fragte ich begeistert. �Warum hast du mir nie davon erz�hlt?�</p><p>�Woher h�tte ich wissen sollen, dass du dich f�r so was interessierst? Ich dachte immer, dir seien die Dichter - ob tot oder lebendig - herzlich egal. Aber dein Kollege Lonely-Lokley wei� erlesene Wortkunst zu sch�tzen. Oder habe ich dich aus einem falschen Fenster betrachtet?�</p><p>�Aus einem falschen Fenster?�, fragte ich und verstand gar nichts mehr.</p><p>Techi lie� vor Lachen die Zeitung fallen. �Das ist nur so ein Ausdruck, Max. Ande will damit sagen, dass seine Meinung von dir offenbar nicht der Wirklichkeit entspricht.�</p><p>�Das gef�llt mir�, rief ich. �Du w�rdest staunen, mein Freund, wenn du w�sstest, aus wie vielen Fenstern man mich betrachten kann.�</p><p>�Dann hab ich wohl wieder alles richtig erfasst. Ich kann dich gern mal in den Geh�rnten Mond mitnehmen, wenn du magst.�</p><p>�Ich finde eigentlich nichts v�llig uninteressant, und was Poeten treffen angeht Bei diesen Worten verstummte ich, denn meine dichterische Vergangenheit zweimal an einem Tag zu offenbaren, w�re zu viel des Guten gewesen.</p><p>�Sei ehrlich: Du hattest bef�rchtet, deine Freunde w�rden in ein interessantes Wirtshaus gehen und dir nichts davon sagen. Und jetzt wei�t du nicht, wie du dich verhalten sollst. Armer Max!�, sagte Techi mit nachsichtigem Spott.</p><p>Ich lachte, nickte energisch und wandte mich an Ande. �Ob du willst oder nicht - morgen r�cke ich dir auf die Pelle.�</p><p>�Diesmal bin ich es, der dich nicht verstanden hat�, sagte er unsicher.</p><p>Ich musste lachen, denn Ande brachte mich immer wieder dazu, meinen l�ngst vergessen geglaubten Schatz an bildlichen Redewendungen zu pl�ndern. Auch Techi hob erstaunt die Brauen.</p><p>�Jemandem auf die Pelle zu r�cken, bedeutet, ihn zu besuchen - ob er will oder nicht�, kl�rte ich die beiden auf.</p><p>Sie nickten - Techi vorsichtig, Ande belustigt.</p><p>�Wei�t du, Max, eigentlich bin ich mit einem Problem zu dir gekommen.�</p><p>Bisher hatte ich nie den Eindruck gehabt, Ande sei mir gegen�ber scheu. Allerdings war ich ihm meist begegnet, nachdem er bereits einige Gl�ser des hiesigen Feuerwassers zu sich genommen hatte.</p><p>�Dein Problem ist mein Problem. Hast du dich wieder mit Sir Rogro gestritten?�</p><p>�Der verh�lt sich tadellos�, lobte Ande.</p><p>Ich musste l�cheln. Das h�tte sein Chef h�ren sollen! Allerdings hatte Rogro Schill sich in seiner Jugend intensiv mit Astrologie besch�ftigt. Daher fiel es ihm leicht, selbst die dunkelsten Seelenwinkel seiner Mitarbeiter auszuleuchten.</p><p>�Na sch�n, darf ich jetzt endlich erfahren, was dich zu mir f�hrt? Deine Kollegen? Oder etwas ganz anderes?�</p><p>�Ach, es geht nicht um all die Schreiberlinge, mit denen ich Zusammenarbeiten muss�, rief Ande pathetisch und wandte uns mit gro�er Geste sein edles Profil mit der Adlernase zu. �Wei�t du, Max, man hat mich vor acht Tagen bestohlen.�</p><p>�Das ist unangenehm, aber die Aufkl�rung von Diebst�hlen geh�rt nicht zu meinen Aufgaben. Du wei�t doch, dass sich die Kollegen in der anderen H�lfte des Hauses an der Br�cke damit besch�ftigen. Aber soweit ich wei�, sind Polizisten dir massiv unsympathisch. Bist du also �berhaupt schon dort gewesen?�</p><p>�Nat�rlich�, rief Ande. �Zuerst war ich in eurer H�lfte des Geb�udes, aber Lady Melamori sagte, solange keiner die Badelatschen von K�nig Gurig stibitze, seien Diebst�hle ein Fall f�r die Stadtpolizei. Dann brachte sie mich zu einer Kollegin dort. Ich wei� nicht mehr, wie sie hei�t, aber sie war sehr auff�llig�, meinte Ande und deutete mit beiden H�nden eine ausladende Oberweite an.</p><p>Sofort war mir klar, dass er mit Lady Kekki Tuotli zu tun gehabt hatte.</p><p>�Das hat Melamori gut gemacht�, sagte ich. �Und was geschah dann?�</p><p>�Ich habe ihr alles erz�hlt, und sie hat versprochen, dem Diebstahl nachzugehen, aber bisher hat sich offenbar nichts ergeben�, meinte Ande betr�bt. �Wei�t du, Max, ich glaube, die Polizei bem�ht sich gar nicht richtig. Wer sollte sich auch f�r einen alten Koffer mit den Sachen meines Gro�vaters interessieren?�</p><p>�Warte�, unterbrach ich ihn. �Soll das hei�en, man hat dir einen alten Koffer gestohlen? Sir Kofa hat erz�hlt, unter den gro�st�dtischen Dieben gebe es immer ein paar Verr�ckte, und ich habe das nie glauben wollen. Was war denn im Koffer? Alte Klamotten von deinem Gro�vater?�</p><p>�Du bist wirklich gut informiert�, sagte Ande frappiert.</p><p>�Das sollte ein Scherz sein. Hatte ich etwa Recht?�</p><p>�Du hast genau ins Schwarze getroffen! Im Koffer war alte Kleidung meines Gro�vaters. Vielleicht auch noch einige andere Sachen. Das wei� ich nicht mehr genau. Der Koffer stand im Keller meines Hauses in der Stra�e der Spitzd�cher. Vor meiner Aufnahmepr�fung f�r die Hochschule habe ich zum letzten Mal in diesem Koffer gew�hlt und wei� l�ngst nicht mehr, was er enthielt.�</p><p>�Und wie hast du den Diebstahl bemerkt?�, fragte ich, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Traumt�nzer wie er wusste, was wo in seinem Keller stand.</p><p>�Ich habe ihn nicht bemerkt. Du wei�t doch, dass ich die H�lfte meines Hauses an eine furchtbare Familie namens Pella vermietet habe. Ich war dazu gezwungen, als ich mal knapp bei Kasse war. Wir verstehen uns nicht besonders, und ich f�hle mich zu Hause eher als Gast. Diese Plebejer machen unglaublich viel L�rm und sind st�ndig am Kochen, Braten und Backen.�</p><p>�Das ist ja ein Alptraum�, sagte Techi mitf�hlend. In ihr hatte Ande eine Seelenverwandte, denn sie ertrug K�chend�nste so schlecht, dass es in ihrem Wirtshaus nichts zu essen gab. Das Armstrong und Ella war das einzige Lokal von Echo, in dem nur Kamra und alkoholische Getr�nke serviert wurden. Immer wieder kamen G�ste hereingeschneit, die nicht glauben wollten, ein Lokal k�nne sich ohne K�che �ber Wasser halten.</p><p>�Ihr habt ja keine Ahnung - es ist so nett, zu zweit zu kochen�, sagte ich vertr�umt.</p><p>Techi und Ande schauten mich an, als w�re ich ihr gr��ter Feind, und der Journalist setzte seine Erz�hlung fort.</p><p>�Vor acht Tagen haben die Kinder meiner Mieter im Keller gespielt. Sie haben schrecklich viele Kinder - ich habe l�ngst die �bersicht verloren. Und all diese Kinder spielen die ganze Zeit und schreien dabei wie am Spie߫, st�hnte Ande mit wahrer Leidensmiene. �Die Magister m�gen wissen, was sie gespielt haben, Verstecken vermutlich�, schimpfte er weiter. �Pl�tzlich sahen sie zwei unauff�llig gekleidete M�nner in den Keller kommen. Sie erschraken und beobachteten mucksm�uschenstill, wie die beiden den Koffer nahmen und wieder verschwanden.�</p><p>�Sie haben bestimmt die Dunkle T�r genommen�, meinte ich.</p><p>�Bestimmt. Leider bin ich erst nach Ende der Ordensepoche auf eine h�here Schule gekommen und wei� darum nicht, wovon du redest. Aber �dunkle T�r� klingt gut. Tatsache ist, dass die M�nner den Koffer mitgenommen haben und ich mir nun den Kopf dar�ber zerbreche, welche Sch�tze sich darin befinden m�gen�, sagte Ande, und seine Mandelaugen blickten vertr�umt.</p><p>�Jedenfalls sind Menschen, die die Dunkle T�r benutzen, selten allzu dumm�, gab ich seufzend zu bedenken. �Langsam beginnt mich dieser Diebstahl zu interessieren. Was erwartest du eigentlich von mir? Doch wohl nicht, dass ich all meine Verpflichtungen fahren lasse und die T�ter suche? Au�erdem ist Lady Kekki Tuotli eine kluge Polizistin, die selber wei�, was sie zu tun hat.�</p><p>�Ich w�rde mich freuen, wenn du ihr die Geschichte mit dem Koffer noch mal ins Ged�chtnis rufen w�rdest�, sagte Ande betr�bt. �Vielleicht hat sie sie schon vergessen. An ihrer Stelle w�rde ich auch nicht jedem als vermisst gemeldeten Koffer nachforschen. Vermutlich findet sie, ich sollte mich freuen, dass jemand meinen Keller aufger�umt hat.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass es so schlimm ist. Aber ich werde auf alle F�lle mit ihr reden, denn diese Geschichte klingt wirklich seltsam. Ein vergessener Koffer, der m�glicherweise unbekannte Sch�tze aus der Piratenvergangenheit deines Gro�vaters enth�lt ... und obendrein Diebe, die die Dunkle T�r benutzen ... Versprich mir bitte, dass auch ich in dem Koffer w�hlen darf, falls er wieder auftauchen sollte. Mein Leben lang habe ich davon getr�umt, in einem geheimnisvollen Koffer st�bern zu d�rfen.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte Ande froh. �Die Polizisten stellen sicher die ganze Stadt auf den Kopf, wenn du sie darum bittest. Und das ist sehr wichtig f�r mich.�</p><p>�Nett, dass du mir so viel Einfluss zutraust�, sagte ich l�chelnd. �Aber du w�rdest dir meine Gunst viel wirksamer sichern, wenn du mich morgen in den Geh�rnten Mond einladen w�rdest.�</p><p>�Kannst du deine Arbeit denn einfach ausfallen lassen? Immerhin treffen wir uns erst um neun und bleiben sicher ein paar Stunden dort.�</p><p>�Mal sehen, was sich mit Kurusch arrangieren l�sst. Melde dich auf alle F�lle per Stummer Rede und beschreib mir, wie ich dorthin komme.�</p><p>�Max, ich bin gleich sehr gemein�, warnte mich Techi.</p><p>�Willst du mir etwa sagen, ich versp�te mich furchtbar zum Dienst, wenn ich noch lange bleibe?�</p><p>Meine Freundin nickte nur.</p><p>�Dann mach ich dir den hier zum Geschenk�*, meinte ich und wies mit dem Kopf auf Ande. �Als kleine Rache, denn niemand darf mich aus einem Wirtshaus verbannen.**</p><p>�Das ist keine Rache, sondern ein guter Kunde�, sagte Techi l�chelnd. �Sir Pu, nehmen Sie ihm das nicht �bel -er macht sich nur �ber Leute lustig, die er mag.�</p><p>Ich sprang vom Barhocker und gab dem schlafenden Drupi einen Stups.</p><p>�Vergiss meinen Koffer nicht�, mahnte mich der Journalist erneut.</p><p>�Keine Sorge. Und du denkst daran, mir per Stummer Rede den Weg zum Gasthaus zu beschreiben. Sonst werde ich sauer und behalte den geheimnisvollen Koffer von Captain Kid f�r mich.�</p><p>�Was f�r ein Captain Kid? Mein Gro�vater hie� Sochma Pu.�</p><p>Im Haus an der Br�cke war nicht mehr so viel Betrieb wie tags�ber, doch die Stimmung war blendend. Schon im Korridor h�rte ich General Bubuta Boch eine Schimpftirade ablassen.</p><p>Dass seine Stimme allerdings aus unserer H�lfte des Geb�udes drang, erstaunte mich.</p><p>Wenn ich in Juffins B�ro komme, sitzt Bubuta bestimmt am Schreibtisch und h�lt sich f�r den Leiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps, dachte ich d�ster. Da lebt man stillvergn�gt vor sich hin, und pl�tzlich bricht der existentielle Surrealismus aus.</p><p>Aber Spa� beiseite. Als ich in den Saal der allgemeinen Arbeit kam, h�tte ich am liebsten �Geronimo!� gerufen -wie die amerikanischen Fallschirmspringer, wenn sie sich aus der Maschine st�rzen -, denn auch ich hatte das Gef�hl, ins Unbekannte zu hechten.</p><p>Im Saal allerdings herrschte eine irritierende Harmonie zwischen der Stadtpolizei und unserem Suchtrupp. Sir Melifaro, der diesmal einen t�rkisfarbenen Lochimantel trug, �bergab Bubuta sechs erschrockene Verbrecher, deren exotische Gew�nder auf eine ausl�ndische Herkunft deuteten. Der General machte ein finsteres Gesicht, damit die Verbrecher Respekt vor der Stadtpolizei bekamen. Die T�r zu Juffins B�ro war einen Spalt weit ge�ffnet. Offenbar beobachtete unser Chef die ganze Szene diskret von seinem Schreibtisch aus.</p><p>Leider verdarb ich ihm den Spa�, denn als Bubuta mich erblickte, hustete er zun�chst und versuchte dann, eine m�glichst intelligente Miene zu machen. Das war sehenswert. Er h�tte l�ngst wissen m�ssen, dass ich nicht immer Gift spucke, wenn man sich nicht ganz richtig ausdr�ckt, aber wer von uns ist nicht Sklave seiner Gewohnheiten?</p><p>�Guten Abend, Sir Max�, sagte der General fast fl�sternd.</p><p>Ich wollte schon den Mund �ffnen, um seine Begr��ung zu erwidern, da mischte sich Drupi mit lautem Kl�ffen ein. Der erschrockene Bubuta w�re fast an die Decke gesprungen, die Verhafteten zuckten zusammen, und Melifaro lie� sich theatralisch auf seinen Stuhl fallen, ohne auch nur zu versuchen, sein Lachen zu unterdr�cken.</p><p>�Sei still, mein Lieber, hier arbeiten ernsthafte Leute�, belehrte ich meinen Hund.</p><p>�Ernsthaft sollen wir sein?�, rief Melifaro sp�ttisch.</p><p>�Sehr sogar�, bekr�ftigte ich mit versteinerter Miene.</p><p>Eine Minute sp�ter waren wir allein. General Bubuta hatte es wie immer vorgezogen, aus der Ferne mit mir Umgang zu pflegen, um seine Nerven zu schonen. Melifaro l�chelte nun nicht mehr, sondern g�hnte herzhaft.</p><p>�Den ganzen Tag �ber haben wir f�r andere die Arbeit gemacht�, sagte er. �Stundenlang mussten wir uns mit diesen Sch�nlingen herumschlagen, die der Zoll erwischt hat. Es hat sich erwiesen, dass es sich um ganz normale Diebe handelt, die allerdings nicht von hier sind. Leider haben wir die Freude dar�ber erst vor kurzem mit unseren Nachbarn teilen k�nnen.�</p><p>�Und was haben die sechs Sch�nlinge ausgefressen?�, wollte ich wissen.</p><p>�Nichts Besonderes, Max, glaub mir�, sagte Melifaro.</p><p>Endlich kam unser Chef aus seinem B�ro, setzte sich neben Melifaro und begann wie mein Kollege, demonstrativ zu g�hnen. Die beiden waren wirklich ein entz�ckendes Duo. Ich f�rchtete schon, dieser Arbeitstag werde als einer der interessantesten in die Annalen des Kleinen Geheimen Suchtrupps eingehen.</p><p>�Diese Leute sind aus Kirwaori gekommen�, berichtete mein Chef. �Ihre extravaganten Sitten erinnern ein wenig an einen uralten Orden hier. Deshalb dachte ich zuerst, ich sollte ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken, h�tte aber besser daran getan, weniger auf den alten Schw�tzer Nuflin Moni Mach zu h�ren. Ich glaube, ich gehe jetzt schlafen. Nichts erm�det mehr, als die Arbeit eines anderen zu erledigen.�</p><p>�Schlaf ist etwas Wunderbares�, pflichtete ich ihm bei.</p><p>�Das ist mir l�ngst klar�, gab Juffin bissig zur�ck. �Willst du dein nettes kleines Haustier eigentlich �berallhin mitnehmen? Reicht dir Kurusch nicht? Er ist es schlie�lich gew�hnt, das einzige Tier im Haus an der Br�cke zu sein.�</p><p>�Ich habe es einfach nicht geschafft, den Hund in meine Residenz zu fahren, denn mein Tag war ziemlich turbulent. M�chten Sie mir nicht auch Ihre Probleme anvertrauen?�</p><p>�Nein, das habe ich nicht vor. Ich bitte nur darum, mich bis morgen Mittag schlafen zu lassen - egal, was passiert.�</p><p>�Kein Problem. Sollte etwas wirklich Wichtiges vorfallen, wachen Sie sicher von selber auf.�</p><p>�Wie du wei�t, habe ich einen tiefen Schlaf�, bemerkte Juffin, g�hnte und verlie� das Zimmer.</p><p>�Ich kann deinen Hund nach Hause fahren�, schlug Melifaro vor. �Deine Residenz liegt beinahe auf meinem Heimweg.�</p><p>�Beinahe, aber nicht ganz. Gib doch zu, dass du nur einen Vorwand suchst, meine Residenz in Augenschein zu nehmen!�</p><p>�Eigentlich nicht�, meinte Melifaro, �denn sie unterliegt keiner hohen Geheimhaltungsstufe.�</p><p>�Eben! Man kann mich problemlos besuchen. Warum strapazierst du also dein Gehirn, um einen glaubw�rdigen Vorwand zu finden, dort herumzuschn�ffeln?�</p><p>�Weil ich eine kleine Intrige spinnen will. Seit einiger Zeit plane ich, eine deiner Gattinnen zu entf�hren, doch nun bist du dabei, diesem Abenteuer allen Pfiff zu rauben�, sagte Melifaro und setzte sich auf die Fensterbank. �Deine drei Frauen sollten endlich erfahren, dass du die Rolle des Gatten nicht �bernehmen willst. Du hast zwar schon halb Echo erz�hlt, dass du nicht daran denkst, dich deines Harems zu bedienen, doch auch Kenlech, Helach und Hellwi haben ein Recht, das zu wissen. Schlie�lich betrifft es vor allem sie.�</p><p>�Daran hatte ich noch gar nicht gedacht�, stellte ich betr�bt fest.</p><p>�Wirklich nicht?�, fragte mich Melifaro augenzwinkernd.</p><p>�Lassen wir das, und fahren wir in meine Residenz. Ein Mann allein kann einen so gro�en Hund schlie�lich nicht kutschieren.�</p><p>�Dir ist wirklich jeder Vorwand recht, um dich vor deinen dienstlichen Pflichten zu dr�cken. Passt auf, Hoheit, dass Ihr den Bogen nicht �berspannt�, meinte Melifaro l�chelnd.</p><p>�Meine innere Stimme sagt mir, dass ich diesen gro�en Hund nicht im Haus an der Br�cke lassen darf, und diese Stimme ist sehr ordnungsliebend, musst du wissen. Wie du siehst, bediene ich mich also keines Vorwands, sondern befolge nur die in diesem Hause geltenden Vorschriften.�</p><p>�Und wann willst du deinem Harem deine wahren Absichten offenbaren?�, fragte Melifaro.</p><p>�Je schneller, desto besser - und am liebsten in deiner Gesellschaft, damit du mich endlich in Ruhe l�sst. Au�erdem kannst du mich auch vor meinen Frauen sch�tzen, denn ich habe eine gewisse Angst vor ihnen.�</p><p>�Gro�er Scherz!�, rief Melifaro lachend.</p><p>�Wo ist dein ber�hmter Scharfsinn geblieben?�, fragte ich sp�ttisch. �Das Geheimnis meiner Herkunft hast du blitzschnell geknackt, und jetzt merkst du nicht, dass ich in Gesellschaft dieser merkw�rdigen M�dchen nicht wei�, wie ich mich verhalten soll.�</p><p>Melifaro hob erstaunt die Brauen, winkte dann aber ab. �Meist ist es schwierig, mich zu betr�gen, doch manchmal habe selbst ich meine schwachen Momente. Als Lady Marilyn warst du so �berzeugend, dass ich nie auf die Idee gekommen w�re, dich hinter dieser Gestalt zu vermuten.�</p><p>�Tja, das h�tte b�se f�r mich enden k�nnen�, seufzte ich und warf einen Blick in mein B�ro, wo Kurusch - der kl�gste Vogel dieser Welt - auf seiner Lehne sa�.</p><p>�Mein Lieber, ich muss ganz kurz aus dem Haus�, sagte ich zu ihm. �Meine ganze Hoffnung ruht also auf dir.�</p><p>�Ganz kurz? Dann tauchst du sicher erst zum Fr�hst�ck wieder auf�, meinte der Buriwuch.</p><p>�Auf keinen Fall. In h�chstens drei Stunden bin ich zur�ck. Und ich bringe dir ein paar s��e Piroggen mit.�</p><p>�Pass nur auf, dass du dein Versprechen auch h�ltst�, sagte Kurusch schl�frig.</p><p>Den Magistern sei Dank - der kluge, aber verfressene Vogel hatte sich auch heute wieder von mir bestechen lassen!</p><p>Ich pfiff Drupi herbei, und wir verlie�en das Haus an der Br�cke. Ich verg�ttere diese Institution, und die Arbeit im Kleinen Geheimen Suchtrupp ist f�r mich oft ein Fest, aber nichts ist sch�ner, als sich ab und an vom Arbeitsplatz zu stehlen. Vermutlich entspricht das meiner naiven Vorstellung von Freiheit.</p><p>Mein Haus sah von au�en sehr interessant aus, denn es war bis unters Dach bewachsen. Ich �berlegte, meine Residenz zu meinem Wohnsitz zu machen, wenn ich eines nicht mehr fernen Tages nicht mehr K�nig der Nomaden w�re. Als Erstes w�rde ich dann die Geschenke meines Volkes aus dem Fenster werfen und meine vielen Diener in die W�ste schicken.</p><p>�Gehe ich recht in der Annahme, dass du extrem selten hier auftauchst?�, fragte mich Melifaro. �Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ein Barbar wie du eine so sch�ne Residenz bekommen hat.�</p><p>�Im Gegenteil: Ich habe die Sch�nheit des Hauses sofort zu sch�tzen gewusst und erkannt, dass es zu mir passt. Nur brauche ich etwas Zeit, um mich einzuleben. In meinem Haus an der Stra�e der gelben Steine bin ich auch noch nicht richtig eingezogen, obwohl ich dort nur zwei Stockwerke und sechs Zimmer habe.�</p><p>�Wann bist du eigentlich das letzte Mal in deiner Wohnung gewesen?�, fragte mich Melifaro mit unschuldig interessierter Stimme.</p><p>Ich runzelte die Stirn und versuchte, mich zu erinnern.</p><p>�Du brauchst mir nicht zu antworten. Zwar hast du diverse Adressen, doch du ziehst es vor, die Barhocker der Wirtsh�user zu polieren�, sagte Melifaro beim Aussteigen.</p><p>Auch Drupi sprang aus dem Wagen auf den Gehsteig und bellte laut. Offenbar war das seine neue Leidenschaft, und anders als ich f�hlte er sich in meiner Residenz wie zu Hause.</p><p>Im Foyer hatte ich den Eindruck, Melifaro und ich seien wieder im Haus an der Br�cke, denn aus einem Zimmer kamen uns Sir Kofa Joch und Lady Kekki Tuotli entgegen.</p><p>�Hat das Haus an der Br�cke meine Residenz etwa als Au�enstelle �bernommen?�, wollte ich wissen. �Wo soll dann mein Hund schlafen? Schlie�lich ist er ein k�nigliches Tier.�</p><p>�Ich habe mich schon daran gew�hnt, hier st�ndig auf Melifaro zu treffen�, brummte Kofa Joch, �und ich bin mir ziemlich sicher, den Grund seiner h�ufigen Besuche zu kennen. Aber was treibt dich hierher, Max?�</p><p>�Theoretisch wohne ich hier.�</p><p>�Das ist mir klar, aber um diese Zeit solltest du im B�ro von Sir Juffin sein und die Beine auf den Tisch legen.�</p><p>�Ich bin f�r kurze Zeit geflohen, aber wenn wir schon pingelig sein wollen, solltest du jetzt im Wirtshaus sitzen und beruflich die L�ffel spitzen, stimmt's?�</p><p>�Da hast du leider Recht, und ich geh auch gleich. In letzter Zeit habe ich allerdings festgestellt, dass es unter meiner W�rde ist, Wirtsh�user in Gesellschaft von nur einer Dame zu betreten. Deshalb habe ich beschlossen, mir alle deine drei Damen auf einmal auszuleihen.�</p><p>�Und sie sind schon seit �ber einer halben Stunde dabei, sich anzuziehen�, seufzte Lady Kekki. �Das sind wirklich waschechte K�niginnen.�</p><p>�Dann habe ich ja Gl�ck�, h�rte ich Melifaro hinter mir sagen. �Ob es euch passt oder nicht - ich komme mit. Dich hat man �brigens schon lange nicht mehr im Haus an der Br�cke gesehen�, sagte er giftig zu mir und zog eine f�rchterliche Fratze. �Es ist l�ngst dunkel, und du hast noch niemanden umgebracht. Unerh�rt!�</p><p>�Meine unschuldigen Opfer m�ssen sich eben noch ein wenig gedulden�, sagte ich. �Au�erdem muss ich irgendwo etwas zum Abendessen bekommen.�</p><p>�Du h�ttest dich wenigstens umziehen k�nnen�, maulte Kofa. �Dein Todesmantel wird uns alle kompromittieren.�</p><p>�Was soll ich denn anziehen? Ich habe hier keine pers�nlichen Sachen.�</p><p>�Dann m�ssen wir dir helfen, dich herzurichten�, sagte Melifaro wie eine gutm�tige Tante. �Schlie�lich wird uns dein Todesmantel die Verdauung ohnehin nicht erleichtern.�</p><p>Er zog einen kleinen Gegenstand aus der Hosentasche, rieb ihn in den H�nden und warf ihn mit Schwung vor seine F��e. Ich staunte nicht schlecht, als gleich darauf ein k�nigsblauer Lochimantel mit gemustertem Saum auf dem Boden lag.</p><p>�Deine Lieblingsfarben versetzen mir immer wieder einen Kulturschock. Wenigstens hast du mir nichts Himbeerrotes verpasst�, sagte ich und zog den Mantel an.</p><p>�Vorw�rfe bekomm ich zu h�ren, aber kein Wort des Dankes. Schn�de Welt!�, rief Melifaro mit gek�nstelter Trauer. �Noch so eine Bemerkung, und ich nehme dir den Mantel wieder weg. Dann kannst du dich in einen Residenzteppich wickeln.�</p><p>�Schon gut. Mach mir bitte keine Angst. Schleppst du eigentlich immer Klamotten mit dir herum?�</p><p>�Nat�rlich - schlie�lich muss ich f�r den Fall ger�stet sein, dass du in Dienstkleidung mit uns zu Abend essen willst. Wie du siehst, k�mmere ich mich aufopfernd um dich.�</p><p>�Warum machst du das eigentlich?�</p><p>�Was f�r eine Frage!�, meinte Melifaro achselzuckend. �In unserem Beruf kommt es nicht zuletzt darauf an, durch die Kleidung einen bestimmten Eindruck zu erwecken. Wir k�nnen es uns nicht erlauben, einfach irgendwas anzuziehen. Darum ist es gut, einen Klamottenvorrat dabeizuhaben. Habe ich mich Euch verst�ndlich machen k�nnen, Hoheit?�</p><p>Die Hoheit nickte und staunte �ber Melifaros Umsicht.</p><p>Drei gleich aussehende Schwestern erschienen im Foyer. Als sie mich erblickten, zuckten sie ein wenig zusammen, kamen dann aber rasch auf uns zu.</p><p>Eigentlich sahen sie einander gar nicht mehr so �hnlich. Einige Spazierg�nge durch die Stadt und ein paar Eink�ufe in den beliebtesten Boutiquen hatten dazu gef�hrt, dass jede ihren eigenen Geschmack entwickelt hatte. Die eine Schwester bevorzugte puristisches Schwarzwei�; die andere trug begeistert Gr�n; die Dritte hatte einen kornblumenblauen Lochimantel und eine dazu passende Skaba erstanden. Das ist bestimmt Melifaros Auserw�hlte, dachte ich resignierend. Die beiden d�rften atemberaubend gut zusammenpassen.</p><p>Wir verlie�en das Haus. Die drei Schwestern unternahmen einen letzten Versuch, sich als Einheit zu pr�sentieren, indem sie sich an den H�nden hielten oder eingehakt die Stra�e entlanggingen. Allerdings wehte es auch recht kalt. Zum Gl�ck gibt es in Echo aber eigentlich nie Frost.</p><p>�Wir passen nicht alle in ein A-Mobil, und ich habe keine Lust, mit dir ein Rennen zu machen�, sagte Kofa l�chelnd. �Also gehen wir ins n�chste Wirtshaus, ins Ges�ttigte Skelett. Das ist keine schlechte Idee, oder?�</p><p>�Und wieder wandern ein paar Kronen in die Tasche von Gopa Talabun, dem Besitzer aller Skelette von Echo�, bemerkte ich nickend.</p><p>Abends hatte ich stets gewaltigen Hunger. Daher verbrachte ich im Wirtshaus eine halbe Stunde mit rhythmischem Kauen und nahm nicht am Gespr�ch teil, sondern beobachtete nur. Mir fiel auf, dass die Schwestern Sir Kofa f�r eine Art Vater hielten, den sie ja - wie die Legende der Chencha berichtete - nie gehabt hatten. Auch Lady Kekki Tuotli genoss das volle Vertrauen meiner drei Gattinnen. Ich h�tte gern gewusst, wie oft die f�nf schon zum Abendessen hier gewesen waren. Es entging mir nicht, dass die Schwestern Melifaro sehr sch�chtern ansahen.</p><p>Nachdem ich endlich ges�ttigt war, konnte ich mich von meinem Teller trennen und am Gespr�ch beteiligen. �Vielen Dank, Kofa, dass du dich so aufopfernd um meine merkw�rdige Familie gek�mmert hast, w�hrend ich durch die Weltgeschichte getigert bin.�</p><p>�Weltgeschichte? Jetzt �bertreibst du aber, Max. Ich wei� schlie�lich, wo du dich in letzter Zeit herumgetrieben hast�, sagte er l�chelnd. �Aber das ist nicht der Rede wert. Solltest du in deiner Eigenschaft als K�nig weitere Frauen angetragen bekommen, werde ich auch sie in meine Obhut nehmen.�</p><p>Lady Kekki l�chelte in sich hinein. Offenbar h�tte auch sie nichts gegen Frauennachschub.</p><p>�Ich muss mit dir reden�, sagte ich zu Kofas Freundin. �Heute hat sich ein Bekannter von mir dar�ber beklagt, dass du dich zu wenig um den Koffer k�mmerst, der aus dem Nachlass seines Gro�vaters gestohlen wurde.�</p><p>Kekki sah mich einen Moment verst�ndnislos an. �Hat dich dieser lustige junge Mann also zu fassen bekommen?�</p><p>�Ab und zu erlaube ich ihm, sich ein wenig an meiner Brust zu laben. Aber sag mir bitte, ob du diesem Diebstahl wirklich nachgehst oder nicht.�</p><p>�Eigentlich�, begann Kekki und seufzte schuldbewusst, �h�tte ich mich damit besch�ftigen sollen, doch aus Zeitmangel habe ich das nicht geschafft. Du wei�t doch, wie es bei der Stadtpolizei l�uft: Wir haben jede Menge ungel�ste F�lle und viele Idioten, die beim Bearbeiten dieser F�lle nur im Weg sind. Und mein Privatleben beansprucht mich im Moment so sehr, dass ich keine �berstunden machen kann.�</p><p>Sir Kofa sah uns beide mit sanftem L�cheln an. Bei meinem ersten und einzigen Auftritt als Kuppler hatte ich mich wohl als erfolgreich erwiesen. Wie gut die zwei zusammenpassten! Vielleicht h�tte ich den Dienst quittieren und eine Partnervermittlung gr�nden sollen.</p><p>�Als mein Bekannter mir von dem Diebstahl erz�hlte, war er �berzeugt, nichts werde dich intensiver besch�ftigen als sein Koffer�, sagte ich nachdenklich. �Und nun muss ich seine Bitte erf�llen�, fuhr ich fort, faltete die H�nde dem�tig vor der Brust und rief: �Kekki, bitte finde diesen Koffer. Er bedeutet meinem Bekannten wirklich viel.�</p><p>�Um welchen Koffer geht es da eigentlich?�, fragte Sir Kofa neugierig.</p><p>�Wenn ich das w�sste!�, meinte ich achselzuckend. �Ande Pu behauptet, er enthalte Piratensch�tze seines Gro�vaters. Vielleicht ist das nur das Hirngespinst eines fantasievollen Menschen, denn unser Ande ist ein Dichter. Vielleicht aber sind die Sachen tats�chlich etwas wert. Interessant ist allerdings, dass die Diebe bei ihrem Fischzug die Dunkle T�r benutzten, wie unsere einzigen Zeugen -ein paar erschrockene Kinder - berichtet haben.�</p><p>�Na so was!�, stie� Kekki gepresst hervor.</p><p>Es schien ihr unangenehm, dass ein Fall, den sie f�r unwichtig gehalten und vergessen hatte, so interessante Z�ge aufwies.</p><p>�Man sollte die Aussage von Kindern nicht von vornherein f�r unglaubw�rdig halten�, sagte Sir Kofa. �Schlie�lich haben sie Augen wie andere auch.�</p><p>�Manche Kinder sind sogar bessere Beobachter als Erwachsene�, erg�nzte ich und wunderte mich, dass Lady Kekki diese bittere Pille einfach so schluckte.</p><p>�Sollten die R�uber tats�chlich die Dunkle T�r genommen haben, kann daraus eine ausgesprochen interessante Geschichte werden�, gab Sir Kofa fachm�nnisch zum Besten. �Zwar erlaubt das Chrember-Gesetzbuch allen B�rgern unseres K�nigreichs, die Dunkle T�r zu nehmen, denn dazu braucht man keine Offenkundige Magie, aber dennoch d�rften ehemalige Magister hinter dem Diebstahl stecken, sehr raffinierte Magister zudem�, sagte Sir Kofa und sah mich aufmerksam an. �Dein Bekannter h�tte sich besser gleich an uns gewandt.�</p><p>�Das hat er getan, doch Lady Melamori hat ihn zu Kekki geschickt. Kein Wunder - die Geschichten von Ande Pu erwecken auf den ersten Blick einfach kein Interesse.�</p><p>�Verstehe, aber jetzt w�sste ich gerne die Details. Fang du an, Max.�</p><p>Ich berichtete in kurzen Worten alles, was ich �ber den Jahrhundertdiebstahl wusste.</p><p>�Ich glaube, Kekki wei� viel besser Bescheid. Bei mir hat Ande Pu nur sein Herz ausgesch�ttet.�</p><p>�Da ist der arme Mann bei dir an den Richtigen geraten�, mischte sich Melifaro ein. �Wem sein Leben nicht mehr gef�llt, der tut gut daran, sich bei dir auszujammern,</p><p>denn du hilfst ihm bestimmt, seine traurige Existenz loszuwerden.�</p><p>�Da bist du schief gewickelt. Ande Pu ist nach wie vor am Leben�, versetzte ich k�hl.</p><p>�Hast du etwa eine Formkrise?�, fragte Melifaro honigs��.</p><p>�Ihr zwitschert zwar allerliebst, meine T�ubchen, aber ich w�sste gern, was Kekki dazu zu sagen hat�, bemerkte Sir Kofa bissig.</p><p>�Ande Pu hat mir und Max genau das Gleiche erz�hlt�, berichtete Kekki. �Das Einzige, was ich zus�tzlich beisteuern kann, ist eine genaue Beschreibung des Koffers. Er ist aus Holz, sehr alt und dunkelrot gef�ttert, und das Schloss funktioniert nicht, weil Ande es als Kind kaputt gemacht hat. Auf dem Koffer steht Der Apfelbatzen der Welt - so hei�t das Schiff, auf dem sein Gro�vater seine sch�nsten Erfolge als Pirat gehabt hat. Ande Pu wei� zwar nicht mehr, was im Koffer war, vermutet aber, es habe sich um alte Kleidung gehandelt. Allerdings kann er nicht ausschlie�en, dass noch andere Dinge drin gewesen sind. Das war's schon. Kein Wunder, dass ich mich um diese Anzeige nicht weiter gek�mmert habe.�</p><p>�Genau das hat Ande Pu bef�rchtet�, rief ich. �Schon gut, Kekki, vergiss das Ganze. Ich schaue mich selber in seinem Keller um. Die alten Sachen m�gen nicht besonders interessant sein, aber der Einsatz der Dunklen T�r gibt mir zu denken.�</p><p>�Tja, wenn Diebe in der Stadt aufgetaucht sind, die sich der Dunklen T�r zu bedienen wissen, d�rfte das unangenehm werden�, murmelte Kekki.</p><p>�Halb so schlimm, meine Liebe�, meinte ich l�chelnd.</p><p>�Kofa, vielleicht sollten wir Lady Kekki zum Kleinen Geheimen Suchtrupp abwerben, denn die Arbeit bei der Stadtpolizei droht sie zur Pessimistin zu machen.�</p><p>�Vielleicht sollten wir das wirklich eines Tages tun�, sagte Kofa nachdenklich. �Was den Koffer angeht, interessieren mich im Moment aber ganz andere Dinge�, fuhr er fort und sah vor sich hin.</p><p>�Was? Ich dachte, du w�rdest dich ganz und gar nicht f�r den Koffer interessieren! Na gut, mein Bauch ist voll, und wir haben lange genug �ber diese Sache geredet. Ich ziehe mich wieder an den Schreibtisch zur�ck. Dort kann ich wenigstens ein bisschen schlafen.�</p><p>Melifaro warf mir einen so bohrenden Blick zu, dass ich fast vom Stuhl gekippt w�re. Er hatte Recht: Ich t�te besser daran, noch ein wenig zu bleiben, denn ich hatte das Haus an der Br�cke mit dem Vorsatz verlassen, meine Frauen �ber ihre Freiheitsrechte aufzukl�ren. Na gut, also w�rde ich auch das noch erledigen. Vielleicht w�rde dieser Abend ja mit einer flammenden Unabh�ngigkeitserkl�rung der Drillinge enden.</p><p>�Noch eine Tasse Kamra in so netter Gesellschaft d�rfte mir wohl nicht schaden�, meinte ich und zwinkerte Melifaro verschw�rerisch zu.</p><p>Er sah mich interessiert an, denn er war neugierig, was ich den M�dchen zu sagen hatte. Auch ich war gespannt, wie sich das Gespr�ch entwickeln w�rde, blickte angestrengt in meine Tasse und �berlegte mir rasch eine kleine Rede.</p><p>�Welcher Magister ist in dich gefahren, Max?�, wollte Sir Kofa wissen. �Besch�ftigt Gopa Talabun etwa einen schlechten Koch? Du blickst drein, als h�ttest du gerade ein Kilo Holz herunterw�rgen m�ssen.�</p><p>�Ich bin zwar ein recht primitives Wesen, aber ein Holzwurm bin ich nicht�, versetzte ich ein wenig beleidigt.</p><p>�Ach so�, nickte Kofa verst�ndnisvoll. �Der arme Junge denkt nach. Wor�ber denn?�</p><p>��ber diese sch�nen Frauen�, sagte ich und wies mit dem Kopf auf die Schwestern.</p><p>Drei gro�e, tiefschwarze Augenpaare musterten mich erschrocken.</p><p>�Keine schlechte Idee, sich �ber die drei den Kopf zu zerbrechen�, bemerkte Kofa mit Kennermiene. �Und was ist dabei herausgekommen, wenn ich fragen darf?�</p><p>�So mancherlei.�</p><p>Ich merkte, dass es besser f�r mich war, mich in dieser Sache an Sir Kofa und nicht an die Drillinge zu wenden, holte tief Luft und begann: �Stell dir vor, Kofa - diese drei Frauen sind in den Leeren L�ndern aufgewachsen und haben die dortige Kultur und Natur kennengelernt. Eines Tages setzen die kl�gsten M�nner ihres Volkes sie auf Menkale, bringen sie in eine unbekannte Stadt, konfrontieren sie mit einem ihnen ganz fremden Menschen und sagen, das sei ihr neuer K�nig und sie seien seine Gattinnen. Dann kehren die Weisen in ihre Heimat zur�ck, und die wundersch�nen Helach, Kenlech und Hellwi bleiben in einem riesigen, ihnen v�llig fremden Haus. Zuerst wissen sie nicht, was tun. Der seltsame Mann, der nun ihr Gatte ist, hat versprochen, sich mit ihnen zu besch�ftigen, sein Versprechen aber nicht eingel�st. Stattdessen kommen andere Menschen zu ihnen und bezeichnen sich als beste Freunde ihres Gatten. Das ist zwar alles wunderbar und nett, aber es passt nicht zu den Vorstellungen, die die drei vom Eheleben haben�, sagte ich und schaffte es endlich,</p><p>die Schwestern anzusehen. �Nun, habe ich die Situation richtig beschrieben?*&lt;</p><p>Sie l�chelten zaghaft, fast unmerklich, daf�r aber im Chor. Welch ein Triumph!</p><p>�Sch�n, dass ihr l�chelt. Das ist der k�rzeste Weg zu meinem Herzen�, sagte ich. �Wir sind in eine seltsame Sache geraten, die man mit etwas Abstand betrachten sollte. Die Ehe an sich ist schon eine merkw�rdige Angelegenheit, aber unsere Ehe ist besonders eigenartig.�</p><p>�Du brauchst uns nicht mehr, stimmt's?�, fragte die Schwester, deren knalliger Lochimantel mich an ihrem Geschmack hatte zweifeln lassen. �Als Fajriba uns herbrachte, warnte er uns, das k�nne passieren, da du ganz anders als die bisherigen K�nige von Fangachra bist. Wir sind auf alles gefasst.�</p><p>�Jetzt �bertreibt ihr aber�, brummte ich. �Nachdem ihr schon in meinem Leben erschienen seid, brauche ich euch sehr wohl. Das Schicksal ist gar nicht so blind, sondern wei� recht genau, was es mit einem vorhat. Ich habe zwar nie eine Frau gebraucht - und erst recht keine drei -, aber in die W�ste will ich euch deshalb noch lange nicht schicken. Ich m�chte, dass ihr weiter in meiner Residenz lebt und euch mit all dem besch�ftigt, was euch Spa� macht. Ich m�chte euch nur um eines bitten: Vergesst alles, was mit der Ehe zu tun hat. Sagen wir einfach, ihr seid meine G�ste. Obwohl... G�ste kommen und gehen, und ihr sollt ja bleiben ... aber egal. Echo ist wundersch�n, und ihr habt viel Gl�ck, in die Hauptstadt des Vereinigten K�nigreichs geraten zu sein. Ich bin nach wie vor begeistert von Echo, obwohl ich mich l�ngst an die Stadt h�tte gew�hnen sollen. Ihr seid also meine Verwandten - gef�llt euch dieses Wort?�</p><p>Eine der Schwestern l�chelte und nickte energisch. Die beiden anderen sahen erst sie, dann mich erstaunt an.</p><p>�Ich glaube, das Wort �Verwandte* l�sst sich irgendwann durch das Wort �Freunde� ersetzen�, sagte ich sanft, �aber dieser Prozess l�sst sich nicht steuern.�</p><p>�Wenn ich alles richtig verstanden habe, wird sich unser Leben nach diesem Gespr�ch �ndern, stimmt's?�, fragte die Schwester im kornblumenblauen Mantel.</p><p>Trotz ihrer Vorliebe f�r schreiende Kleidung erwies sie sich als die ernsthafteste der drei.</p><p>�Ja�, sagte ich, �und zwar gr�ndlich. Als Erstes h�rt endlich auf, zusammenzuzucken, wenn ich auftauche. Ich bin wirklich niemand, vor dem ihr euch f�rchten solltet. Nehmt euch ein Beispiel an Sir Kofa und unterhaltet euch k�nftig mit mir wie er. Das d�rfte euch anfangs schwer fallen, aber ihr solltet es dennoch versuchen. Fr�her oder sp�ter wird euch das schon gelingen. Und jetzt das Wichtigste: Macht euch bewusst, dass ihr frei seid. Ihr k�nnt das Haus verlassen, wann immer ihr wollt, zur�ckkehren, wenn ihr es f�r richtig haltet, und alle einladen, die ihr m�gt. An mich solltet ihr euch nur wenden, wenn ihr Hilfe, Ratschl�ge oder Geld braucht. Wenn mir etwas nicht gef�llt, sage ich es euch. Und sollte euch jemand etwas B�ses tun, dann bedenkt bitte, dass es sich um euer Leben handelt und ich mich nur einmische, wenn ihr mich ausdr�cklich darum bittet.�</p><p>Ich strich mir den Schwei� von der Stirn und warf Sir Kofa einen pr�fenden Blick zu. �Na, war ich �berzeugend?�</p><p>�Und wie! Ich h�tte nie gedacht, dass du so flammende Reden halten kannst - noch dazu mit so ernster Miene. Ich habe richtiggehend Angst vor dir bekommen.�</p><p>�Ich auch�, meldete sich Melifaro zu Wort. �Ich zittere schon die ganze Zeit.�</p><p>�Gewisse Dunkelm�nner sollten besser schweigen�, grollte ich.</p><p>�Verzeih, aber ich sehe keine Dunkelm�nner�, gab Melifaro zur�ck.</p><p>Die drei Schwestern musterten mich erneut, wirkten dabei aber schon ein wenig entspannter als zuvor.</p><p>Das h�ttest du viel fr�her sagen sollen, Max, dachte ich. Du solltest endlich aufh�ren, auf morgen zu verschieben, was du letztes Jahr h�ttest besorgen k�nnen.</p><p>�Wir m�ssen uns dringend besser kennen lernen�, schlug ich vor. �Vielleicht gelingt es mir sogar irgendwann, euch auseinanderzuhalten.�</p><p>�Ich bin Helach�, sagte die Besitzerin des knalligen Lochimantels. �Das ist Hellwi�, fuhr sie fort und wies mit dem Kopf auf das M�dchen, das auf das Wort Verwandte mit einem L�cheln reagiert hatte. Dann legte sie der dritten Schwester die Hand auf die Schulter und sagte: �Und das ist Kenlech.�</p><p>Die dritte, schwarzwei� gekleidete Schwester warf mir einen Blick zu, der mir Schauer �ber den R�cken jagte. Ich hatte sie f�r ein Mauerbl�mchen gehalten, war mir nun aber nicht mehr sicher. Vielleicht war meine Menschenkenntnis schlechter als vermutet.</p><p>�Sch�n, ich hoffe, dass ich euch n�chstes Mal nicht erschrecke. Jetzt muss ich aber wirklich los. Kurusch wird mich wegen dieser Versp�tung mit Verachtung strafen -leider zu Recht.� Ich trank meine Kamra aus und erhob mich. �Ich w�nsche euch noch einen sch�nen Abend.�</p><p>�Pass auf dich auf, Max�, sagte Melifaro, �und halte dich von Unsinn fern, solange du meinen Lochimantel tr�gst.�</p><p>In bester Laune betrat ich das Haus an der Br�cke. Wie herrlich, eine l�ngst �berf�llige Aufgabe hinter sich gebracht zu haben! Kurusch bekam s��e Piroggen, sensationellerweise gleich zw�lf St�ck. Nat�rlich musste er sie nicht auf einmal essen, aber in einer Hinsicht waren wir zwei uns einig: besser zu viel als zu wenig.</p><p>Offenbar war ich gar nicht lange weggeblieben, denn statt des erwarteten Donnerwetters verk�ndete der Buriwuch lediglich eine seiner Weisheiten: �Die Menschen haben die Neigung, sich f�r einen Moment zu verabschieden und erst nach Stunden zur�ckzukehren.�</p><p>W�hrend meiner Abwesenheit war offenbar nichts Besonderes vorgefallen - kein Wunder, denn in dieser sch�nen Welt pflegen die schrecklichen Dinge in meiner Gegenwart zu geschehen. Die n�chste halbe Stunde faulenzte ich mit Kurusch und bl�tterte in der K�niglichen Stimme vom Vortag, w�hrend der Buriwuch eine Pirogge nach der anderen verspeiste. Danach musste ich seinen Schnabel - wie so oft - von der klebrigen F�llung reinigen. Kaum hatte ich das erledigt, plusterte sich der kluge Vogel auf und schlief zufrieden ein. Erst um Mitternacht klopfte es an meine B�rot�r.</p><p>�Sie haben Besuch, Sir Max.�</p><p>�Einen kleinen, dicken und ziemlich aufdringlichen Kerl?�</p><p>Ich war fest davon �berzeugt, es handele sich um Ande Pu, der sich noch immer nicht mit dem Verlust des Koffers abfinden konnte. Der Arme malte sich bestimmt aus, das Gep�ckst�ck habe zahllose Sch�tze enthalten, die ihm ein sorgenfreies Leben und vielleicht sogar die ersehnte Reise nach Tascher h�tten erm�glichen k�nnen. Aber ich hatte mich get�uscht.</p><p>�Im Gegenteil, Sir Max, es handelt sich um einen gro� gewachsenen, schlanken und sehr h�flichen Herrn. Er ist gro�st�dtisch gekleidet, aber sein Bart ist sehr lang, und die Haare hat er zum Zopf geflochten. Au�erdem hat er den Akzent der Bewohner von Tascher�, sagte der Bote und verschwand.</p><p>Kurz darauf erschien ein Mann in dunklem Lochimantel.</p><p>�Kapit�n Gjata!�, rief ich erstaunt. �Ich h�tte wirklich darauf kommen k�nnen, dass Sie es sind, der mich besucht.�</p><p>Dieser Kapit�n aus Tascher trieb sich schon l�ngere Zeit in Echo herum, und daran war ich schuld. Ich hatte ihm einst das Leben gerettet, ohne zu wissen, was ich tat, und er hatte sich in den Kopf gesetzt, mir seine Dankbarkeit durch eine vergleichbare Tat zu beweisen. Ich hatte allerdings keine passende Aufgabe f�r ihn gefunden, woraufhin er nach Echo �bergesiedelt war und sich gewisserma�en bereithielt, um mir eines ersehnten Tages das Leben retten zu k�nnen.</p><p>Ich hatte meinen ewigen Schuldner schon vergessen, denn es geschah einfach zu viel, und f�r die Probleme, die mitunter auftauchten, brauchte ich Spezialisten ganz anderen Kalibers.</p><p>�St�re ich, Sir?�, fragte der Mann aus Tascher h�flich.</p><p>�Aber ganz und gar nicht. Ist etwas passiert?�</p><p>�Wenn Sie mit etwas Unangenehmem rechnen sollten,</p><p>dann nicht�, sagte Kapit�n Gjata und lie� sich vorsichtig auf einem Stuhl nieder. �Ich m�chte mich von Ihnen verabschieden.�</p><p>�Das ist ja gro�artig�, rief ich erfreut. �Ich habe Ihnen ja schon mehrfach gesagt, dass ich nichts von Ihnen erwarte, und bestimmt sehnt sich Ihre Familie schon lange nach Ihnen.�</p><p>�Sie haben mich missverstanden, Sir Max�, entgegnete der Kapit�n. �Ich hoffe nach wie vor, mich eines Tages bei Ihnen daf�r revanchieren zu k�nnen, dass Sie mir das Leben gerettet haben. Und ich reise nicht nach Hause - ich fahre zur See.�</p><p>�Das ist auch eine gute Idee�, sagte ich. �Wohin denn?�</p><p>�Das wei� ich noch nicht. Der Kapit�n des Schiffes, auf dem ich angeheuert habe, hat der Besatzung das Ziel der Fahrt noch nicht verraten, aber gesagt, die Reise werde nicht l�nger als ein Jahr dauern. Und ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, dass Sie in einem Jahr wieder mit mir rechnen k�nnen.�</p><p>�Ich f�rchte, ich habe Sie schon wieder nicht verstanden. Von welchem Kapit�n reden Sie? Und wo haben Sie angeheuert? Sie sind doch selber Kapit�n und haben ein eigenes Schiff! Alle Mitarbeiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps waren im Hafen, um es sich anzusehen. Was ist denn passiert?�</p><p>�Mit der Alten Jungfer ist zum Gl�ck alles in Ordnung�, sagte der Mann aus Tascher, doch sein Blick wirkte zerstreut.</p><p>�Ohne eine Tasse Kamra getrunken zu haben, k�nnen wir uns unm�glich voneinander verabschieden�, meinte ich l�chelnd. �Oder m�chten Sie etwas St�rkeres?�</p><p>�Etwas St�rkeres�, sagte der Kapit�n schwerm�tig.</p><p>Ich nickte und meldete mich per Stummer Rede im Fressfass. Das hatte ich sowieso vorgehabt.</p><p>�Eines habe ich noch immer nicht verstanden�, sagte ich zu Kapit�n Gjata, als der Tisch voller Tabletts stand. �Statt mit Ihrem Schiff loszusegeln, heuern Sie bei einem Kapit�n an, der es nicht einmal n�tig hat, Ihnen sein Reiseziel mitzuteilen. Ist das ein alter Freund von Ihnen?�</p><p>�Nein�, sagte der Mann aus Tascher und sah zur Decke, als st�nde dort die L�sung all seiner Probleme. �Bis heute Morgen habe ich nicht einmal von seiner Existenz gewusst.�</p><p>�Warum haben Sie es dann getan? Werden Sie wenigstens gut daf�r bezahlt?�</p><p>�Das wei� ich nicht. �ber Geld haben wir noch nicht gesprochen.�</p><p>Kapit�n Gjata wirkte, als w�rde er langsam aus einer Trance erwachen.</p><p>�Nicht schlecht�, sagte ich und sch�ttelte erstaunt den Kopf. �Allm�hlich verstehe ich, welcher b�se Wind Sie in Ihr letztes Abenteuer getrieben hat, das so b�se f�r Sie endete. Sagen Sie mir doch, ob Sie immer auf so ungew�hnliche Weise zu Ihren Auftr�gen kommen.�</p><p>�Ganz und gar nicht. Wahrscheinlich werden Sie es mir nicht glauben, aber ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch�, sagte Gjata betr�bt. �Ich kann mir vorstellen, dass Sie einen anderen Eindruck von mir haben, doch als ich damals an den betr�gerischen Kaufmann geriet, �berlegte ich mir seinen Vorschlag einige Tage lang und wollte ihm dann absagen, denn ich dachte, er verberge mir etwas. Genau darum hat er mir ja den furchtbaren Zauberg�rtel umgelegt. �</p><p>�Ich w�rde Ihnen gern glauben�, sagte ich l�chelnd, �aber Ihr jetziges Abenteuer �berschreitet all meine Vorstellungen von menschlichem Leichtsinn, wenn Sie mir diese Bemerkung gestatten. Ich hoffe, Ihr neuer Bekannter hat Ihnen nicht auch einen G�rtel verpasst.�</p><p>�Aber nein! Nach den damaligen Ereignissen habe ich mir geschworen, nie mehr Geschenke von Fremden anzunehmen, und auch bei Bekannten bin ich auf der Hut. Inzwischen allerdings begreife ich selbst nicht mehr, was in mich gefahren ist, dort anzuheuern. Wissen Sie, eigentlich habe ich gar keine Arbeit gesucht. Ich verdiene beim Zoll recht gut, denn es geh�rt zu meinen Pflichten, die Verhafteten in Gef�ngnisse au�erhalb der Stadt zu transportieren. Meine Alte Jungfer ist daf�r sehr geeignet, denn sie bietet viel Platz und ist wendig. Ich habe so viele Auftr�ge, dass ich sogar Helfer einstellen musste, denen ich Vertr�ge bis zum Jahresende gegeben habe. Wenn ich jetzt verschwinde, bringen sie mich sicher vor Gericht. Was habe ich nur getan!�</p><p>Kapit�n Gjata st�rzte seinen Dschubatinischen S�ufer in einem Zug herunter und seufzte. Er sah aus wie jemand, der nach einem Alptraum in einem unbekannten Zimmer erwacht ist.</p><p>�Offenbar haben Sie sich nicht �berlegt, ob Sie sich auf die Fahrt �berhaupt einlassen wollen�, sagte ich. �Auch ich habe ja die Neigung, mich kopf�ber in Abenteuer zu st�rzen, aber ich f�rchte, Sie haben mich um L�ngen geschlagen.�</p><p>�Gut, dass ich mich von Ihnen verabschiedet und Ihnen bei dieser Gelegenheit meine neue Reise gebeichtet habe�, sagte der Kapit�n nachdenklich, musterte sein leeres Glas und sch�ttelte den Kopf. �Welcher b�se Geist hat mich da blo� geritten? Ich habe diesen Kapit�n von einer gro�en Reise sprechen h�ren, war sofort kindlich entz�ckt und habe alles andere vergessen. Jetzt ist mir klar, dass ich notfalls sogar als Leichtmatrose bei ihm angeheuert h�tte.�</p><p>�Was Sie nicht sagen!�, rief ich erstaunt. �Hat der Mann wirklich so ein Charisma?�</p><p>�Ein was?�, fragte der Mann aus Tascher und kniff die Augen zusammen.</p><p>�Ach, ich rede mitunter Bl�dsinn. Ich meine nur, dass von ihm eine Kraft auszugehen scheint, die einen in Bann schl�gt.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Kapit�n Gjata und wischte sich den Schwei� vom Gesicht. �Sie glauben gar nicht, wie peinlich es mir pl�tzlich ist, mich auf diese Reise eingelassen zu haben. Am besten gehe ich nach Hause, schlafe mich aus und warte, bis die Tobindona den Hafen verlassen hat.�</p><p>�Die Tobindona'1. Ist das ein Frauenname?�</p><p>�Nein - eine exotische Pflanze hei�t so.�</p><p>�Na sch�n, zu den Magistern mit dieser Pflanze und dem Schiff. Vielleicht sind Sie einfach an einen Menschen von ungew�hnlicher �berzeugungskraft geraten. Inzwischen haben Sie erkannt, dass Sie sich von ihm haben einwickeln lassen, und weil Sie Ihren Fehler eingesehen haben, wird alles gut. Aber ich muss mich davon �berzeugen, dass Sie nicht Opfer eines b�sen Geistes geworden sind, denn solche Geister aufzusp�ren, ist meine Pflicht. Vielleicht sollte ich mich mit diesem eigenartigen Kapit�n bekannt machen. Wann will er auslaufen?�</p><p>�Er hat uns befohlen, morgen bei Sonnenuntergang im Hafen zu sein, und ich glaube, eine Stunde sp�ter soll es losgehen.�</p><p>�Uns? Gibt es noch weitere neue Besatzungsmitglieder? �</p><p>�Nat�rlich. Viele Leute haben ihm zugeh�rt, und alle haben beschlossen, mitzukommen.�</p><p>�Alle? Das klingt interessant. Wie haben Sie diesen Mann eigentlich kennen gelernt?�</p><p>�Im Hafenviertel gibt es einen kleinen Platz. Dorthin gehen die Seeleute, die anheuern wollen, und die Kapit�ne, die Matrosen suchen. Auch alte Seeb�ren, die mit j�ngeren Kollegen plaudern m�chten, treffen sich dort. Ich ging auf den Platz, um einen weiteren Helfer einzustellen. In letzter Zeit hatte ich viel zu tun und suchte eine erfahrene, vertrauensw�rdige Person. Als ich sah, dass sich eine Traube von Matrosen um einen Mann versammelt hatte, wollte ich wissen, worum es da ging. Wie die Sache endete, wissen Sie�, sagte Kapit�n Gjata und hob ratlos die Arme.</p><p>�Zerbrechen Sie sich dar�ber nicht weiter den Kopf�, sagte ich l�chelnd. �Schlimm w�re es, wenn Sie erst jenseits der Insel Tjuto zur Besinnung gekommen w�ren. Wie hei�t dieser begnadete Redner �berhaupt?�</p><p>�Wenn ich das w�sste! Aber ich bin nicht einmal auf die Idee gekommen, ihn danach zu fragen.�</p><p>Kapit�n Gjata staunte nicht mehr �ber seinen Leichtsinn, sondern z�rnte allm�hlich mit sich.</p><p>�Gehen Sie schlafen�, riet ich ihm. �Ende gut, alles gut. Und wissen Sie was? Am besten, Sie setzen morgen keinen Fu� vor die T�r. Vielleicht war das wirklich ein b�ser Geist, und wenn die Tobindona erst abgesegelt ist, k�nnen Sie machen, was Sie wollen. Wohin hat der Kapit�n Sie eigentlich bestellt? Der Hafen ist schlie�lich ziemlich gro�.�</p><p>�Ans Ende des rechten Hauptanlegers. Dort hat die Tobindona festgemacht.�</p><p>�Das finde ich bestimmt. Gute Nacht, Gjata. Und sollten Sie Ihre Pl�ne �ndern, melden Sie sich bitte per Stummer Rede bei mir. Es gibt nichts Schlimmeres, als allein mit b�sen Geistern zu ringen - das wei� ich aus Erfahrung.�</p><p>Der Kapit�n verlie� mein B�ro, und ich versank in Gedanken. Zuerst schien mir, ich sollte die Tobindona sofort inspizieren, doch ich verwarf diesen Gedanken rasch, da ich f�rchtete, mich im Hafen zu verlaufen. Mit Schiffen und der Seefahrt kenne ich mich nicht aus.</p><p>F�r einen erfolgreichen Besuch im Hafen brauchte ich die Unterst�tzung von Kofa oder Melifaro. Vielleicht sollte ich das Ganze auch mit meinem Chef besprechen, der mich allerdings gebeten hatte, ihn bis zum Mittag nicht zu st�ren. Aber ich hatte ja Zeit bis zum Sonnenuntergang des n�chsten Tages.</p><p>Ich lie� einen jungen Diener meinen Schreibtisch abr�umen und staunte, wie schnell er das erledigte. Dann schob ich einen zweiten Stuhl heran, legte die Beine hoch und d�ste behaglich ein. Melifaros Lochimantel, den ich noch immer nicht gegen meinen Todesmantel gewechselt hatte, erwies sich trotz seiner schreienden Farbe als wunderbare Decke.</p><p>Als Sir Kofa mich weckte, war es noch dunkel.</p><p>�Wenn du schlafen willst, tu das in aller Ruhe zu Hause�,</p><p>brummte er. �Ich muss mir vieles durch den Kopf gehen lassen. Also verzieh dich.�</p><p>Nat�rlich blieb keine Zeit, ihm von Kapit�n Gjata zu erz�hlen. Ich war so m�de, dass ich nur m�hsam einen Dank hervorbrachte. Dann schlich ich zur Fahrbereitschaft. Der Chauffeur staunte, denn schon lange hatte ich seine Dienste nicht mehr genutzt, doch in meiner Verfassung konnte ich mich unm�glich ans Steuer setzen.</p><p>Leider fuhr er mich an die falsche Adresse, setzte mich also nicht bei Techi, sondern vor meiner Wohnung ab, was mir allerdings erst auffiel, als er schon um die Ecke gebogen war.</p><p>Achselzuckend ergab ich mich in mein Schicksal und stolperte zum Armstrong und Ella, das zum Gl�ck nicht weit entfernt lag - auch wenn ich im Gehen einzuschlafen drohte und mir der Weg eine Ewigkeit zu dauern schien.</p><p>Ich bin wirklich kindisch, dachte ich, als ich Techis Schlafzimmer betrat. Es ist doch egal, wo man schl�ft. Doch als ich mich in ihre warme Bettdecke wickelte, merkte ich den Unterschied.</p><p>Obwohl ich todm�de war, fand ich keinen Schlaf, sondern dachte die ganze Zeit an das Gespr�ch, das ich k�rzlich mit ihr gef�hrt hatte. Zu erfahren, dass sie Echo nicht verlassen darf, war keine angenehme Neuigkeit gewesen. Ich hatte seit l�ngerem vor, Juffin um ein paar Sorgenfreie Tage zu bitten, damit wir nach Kettari reisen konnten. Ich wollte unbedingt mit ihr durch die Stadt gehen, ihr die vielen Br�cken und G�rten zeigen und an dem Ufer flanieren, an dem es mir so gut gefallen hatte. Auch hoffte ich, mit ihr in die kleine Stadt in den Bergen zu fahren, die ich aus meinen Tr�umen kannte und die inzwischen Wirklichkeit geworden war. Wenn ich Machi Ainti - dem ehemaligen Sheriff von Kettari - glauben durfte, hatte ich diese Stadt sogar selbst erschaffen.</p><p>Bisher hatte ich gedacht, ich k�nnte Techi dorthin einladen. Vielleicht w�rde es mir aber stattdessen gelingen, meinen Traum von dieser Stadt mit ihr zu teilen. Etwas �hnliches hatte ich immerhin schon mit Sch�rf erlebt, als wir den Kopf aufs gleiche Kissen gelegt hatten. Damals hatte Sir Juffin mit ein wenig Magie nachgeholfen, aber inzwischen hatte ich wom�glich genug Gro�taten vollbracht, um mir eine solche gemeinsame Traumreise ohne seine Hilfe zuzutrauen. Das w�re auch eine originelle Methode, meine Freundin auf einen Spaziergang einzuladen.</p><p>Ich bettete den Kopf auf ihr Kissen. Eine ihrer Silberlocken kitzelte mich, und ich schob sie beiseite. G�hnend schloss ich die Augen und schlief im Honigduft ihres Haars ein. Manchmal ist der Einstieg in ein Abenteuer erstaunlich leicht.</p><p>Ich tr�umte, einen H�gel zu ersteigen. Es war hei�, f�r meinen Geschmack zu hei�. Unter den F��en knisterte sonnenverbranntes Gras, und das Gehen fiel mir schwer. Schon nach wenigen Schritten begann ich zu ahnen, dass der H�gel nicht ann�hernd so klein war, wie ich angenommen hatte. Trotzdem ging ich weiter, ohne zu wissen, warum.</p><p>Irgendwann erreichte ich die Anh�he, wischte mir den Schwei� von der Stirn und blickte mich um. Ringsum erstreckte sich eine h�gelige, seltsam abweisend wirkende Landschaft. Das Gras raschelte leise im hei�en Wind. Nirgendwo waren B�ume, B�sche oder Wasserl�ufe zu entdecken. Ich stand inmitten eines erstarrten Ozeans aus Gras, und �ber mir w�lbte sich ein erdr�ckend blauer Himmel.</p><p>�Hier gef�llt es dir, was, Max?�, fragte eine freundliche Stimme hinter meinem R�cken.</p><p>Wenn ich nicht getr�umt h�tte, w�re ich schreiend davongelaufen, doch wenn mir solche Ereignisse im Schlaf widerfahren, bleibe ich erstaunlicherweise v�llig gelassen. Ich drehte mich nicht mal um, denn ich wollte den Blick nicht von der herrlichen Landschaft wenden.</p><p>�Das wei� ich noch nicht, denn das ist nicht mein Traum�, sagte ich, ohne zu wissen, mit wem ich sprach.</p><p>�Nat�rlich ist das nicht dein Traum�, pflichtete mir mein unbekannter Gespr�chspartner bei. �Und meiner auch nicht. Das ist nur die Fantasie einer dir wohlbekannten Tr�umerin, aber hier l�sst es sich ganz gut leben. In letzter Zeit habe ich viel Zeit auf diesem H�gel verbracht und kann das sicher sagen. Warum drehst du dich nicht um? Ich bin nicht das schlimmste Wesen im Weltall -auch wenn Magister Nuflin Moni Mach das anders sehen mag.�</p><p>�Ich bitte um Verzeihung, aber ich bin hier ungemein tr�ge�, sagte ich schuldbewusst. �Schon von Natur aus bin ich ziemlich faul, aber in diesem Fall bin ich nicht mal auf die Idee gekommen, mich umzudrehen.�</p><p>W�hrend ich sprach, gelang es mir endlich, den Blick von der Landschaft loszurei�en und mich meinem Gespr�chspartner zuzuwenden.</p><p>Er sa� auf einem flachen Stein, der in allen Honigfarben schillerte. Vielleicht handelte es sich wirklich um echten Bernstein. Der Mann war von schwer zu sch�tzender K�rpergr��e und trug eine einfache wei�e Hose und ein entsprechendes Hemd. Au�erdem hatte er ugul�ndische Schuhe aus rotem Leder an. Trotz seiner mageren, mit hervortretenden Adern gespickten Arme hatte er kr�ftig wirkende H�nde. Irgendwie fand ich ihn lustig. Er war kein durchgestylter Strandurlauber, aber auch kein aufgeputzter Dandy. Sein Gesicht war hinter langen d�nnen Haaren verborgen, aber all das spielte keine Rolle, denn ich wusste sofort, mit wem ich es zu tun hatte.</p><p>�Sie sind Sir Lojso Pondochwa!�, rief ich. �Der Gro�e Magister des Ordens der Wasserkr�he. K�nnen Sie mir vielleicht erkl�ren, warum Ihr Orden so einen seltsamen Namen hat? Bisher konnte mir das niemand sagen, aber ich wusste, dass ich Sie irgendwann treffen und diese Frage mit Ihnen kl�ren w�rde.�</p><p>�Wirklich? Warum warst du dir dessen so sicher?�, wollte der Unbekannte erstaunt wissen.</p><p>�T�glich erw�hnt jemand aus meiner Umgebung Ihren Namen�, erkl�rte ich.</p><p>�Na und? Menschen erinnern sich an vieles.�</p><p>Zwar wollte ich ihm alles erkl�ren, aber das war wirklich schwer. �Ich habe stets unangemessen reagiert, wenn Ihr Name gefallen ist�, begann ich. �Entweder habe ich wie verr�ckt gekichert, oder meine Laune hat sich gewaltig verschlechtert. H�tte ich nicht geahnt, Ihnen einmal zu begegnen, dann h�tte nicht schon die Erw�hnung Ihres Namens solche Reaktionen bei mir ausgel�st.�</p><p>Ich staunte nicht schlecht, wie gut es mir gelungen war, all das in Worte zu fassen.</p><p>�Wie interessant�, sagte Lojso Pondochwa. �Ich hatte noch nie eine Vorahnung. Deshalb kann ich kaum nachvollziehen, um was f�r ein Gef�hl es sich da handeln mag.�</p><p>Endlich schob er seine Haare zur Seite und sah mich mit hellen Augen an. Sein Gesicht kam mir bekannt vor, und nach einigen Sekunden wusste ich, warum: Es war mein eigenes. Na ja, beinahe, denn Sir Lojso sah aus, wie ich in jungen Jahren gern ausgesehen h�tte. Damals hatte ich geglaubt, eine kleine Nasenkorrektur, ein energischeres Kinn und eine etwas andere Augenfarbe k�nnten mir ein neues, viel aufregenderes Leben bescheren.</p><p>Diese Entdeckung schockierte mich, doch dann erinnerte ich mich an ein Gespr�ch mit Juffin. Erst vor kurzem hatte er mir ausf�hrlich von diesem seltsamen Mann berichtet. Zun�chst hatten wir uns �ber Techi unterhalten, denn laut Juffin waren alle Kinder von Lojso Pondochwa Spiegel, Wesen also, die sich ihrem Gespr�chspartner cham�leongleich anpassten. Er hatte damals gesagt, wenn er Techi im Gespr�ch mit mir sehe, glaube er an Pers�nlichkeitsspaltung. Dann hatte er hinzugef�gt, der beste Spiegel sei Lojso Pondochwa gewesen. Noch nie war ich mit meinem Chef so sehr einer Meinung wie heute.</p><p>Aber ich verschwieg Lojso, dass ich seinen Trick durchschaut hatte. Au�erdem hatte ich keine Lust, ein Gespr�ch �ber sein und damit auch mein Gesicht zu f�hren, sondern wollte die Gelegenheit nutzen, ihm tausend seltsame Fragen zu stellen.</p><p>�Leben Sie tats�chlich noch, oder sind Sie gestorben und melden sich nun aus Ihrer pers�nlichen H�lle zur�ck?�, wollte ich wissen und setzte mich zu ihm ins Gras.</p><p>�Darauf l�sst sich vieles antworten. Interessiert es dich wirklich?�</p><p>�Und wie! Ich habe nicht jeden Tag Gelegenheit, an Geheimwissen zu kommen. Au�erdem kann ich so endlich kl�ren, in welchem Traum ich gelandet bin.�</p><p>�Du bist ein erstaunlich leichtsinniges Wesen�, sagte Lojso l�chelnd. �Ich kann mir vorstellen, was dir der Mann aus Kettari schon alles �ber mich erz�hlt hat. Oder habe ich zu wenig Fantasie, um mir das auszumalen? Und dennoch setzt du dich neben mich und beginnst ein ganz normales Gespr�ch. Ist das K�hnheit, oder hat sich in letzter Zeit in der Hauptstadt des Vereinigten K�nigreichs eine neue Art von Dummheit breitgemacht?�</p><p>�Eher Letzteres ... obwohl - was soll's? Von Ihnen geht keine Gefahr aus. Im Moment jedenfalls nicht.�</p><p>�Schau an! Im Moment sp�rst du keine Gefahr, aber dem l�sst sich abhelfen.�</p><p>Ich musste l�cheln, denn Lojso Pondochwa kopierte meine Sprachmelodie und meine Gesten - genau wie seine Tochter. Was das anging, hatte mein Chef wirklich Recht gehabt. In meiner Beziehung mit Techi war das nur ein interessantes Detail, aber der strenge Blick, mit dem ihr Vater seine Mimikry begleitete, lie� mir den Atem stocken.</p><p>Die Lage entspannte sich aus einem einfachen Grund: Es wurde mit jeder Minute hei�er. Die Temperatur best�tigte meine Vermutung, dass Lojso nur einen kurzen Ausflug aus der H�lle gemacht hatte.</p><p>�Sch�n und gut, aber ich w�rde jetzt gern aufwachen�, sagte ich und wischte mir erneut den Schwei� vom Gesicht. �Mir ist n�mlich hei�, und wenn ich l�nger hierbleiben soll, muss ich mir einen Ventilator oder wenigstens ein Eis aus der Ritze zwischen den Welten angeln.�</p><p>�Es ist allenfalls warm, aber du bist noch nicht lange genug hier, um den Unterschied zu merken. Wenn du aufwachen willst, musst du einfach die Anh�he verlassen. Es ist sehr leicht, Max, von mir wegzugehen�, sagte er sanft. �Ob du es glaubst oder nicht: Ich will mich ganz und gar nicht mit dir streiten. Du bist der Erste, der mich besucht, seit der schlaue Fuchs aus Kettari mich hierhergelockt hat.�</p><p>�Er hat mir erz�hlt, er habe Sie in eine verschwindende Welt gelockt, damit Sie mit dieser Welt vergehen. Offenbar ist das misslungen.�</p><p>�Wie du siehst, verschwindet niemand f�r immer aus Echo. Auch wir zwei befinden uns in einer vom Verschwinden bedrohten Welt, die aus den Jugendtr�umen einer Frau besteht - einer schrecklichen Ziege, unter uns gesagt. Im All gibt es viele Welten, die so entstanden sind. Sie existieren, solange ihre Sch�pfer leben. Als mich Juffin hierherlockte, hatte sich diese Frau zu sterben entschlossen, und dazu war es auch h�chste Zeit. Aber ich bin nicht mit dieser Welt verschwunden, denn Juffin hatte nicht damit gerechnet, dass ich Kraft genug hatte, das Sterben dieser Frau und ihrer Welt hinauszuz�gern. Ich wei� zwar nicht, wie lange ich diesen Schwebezustand noch aufrechterhalten kann, aber ich werde sicher l�nger leben als jeder andere Mensch. Die Erben dieser Frau tun mir ein wenig leid, aber was kann ich daf�r?�</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, dass ich Juffin mal erz�hlen w�rde, mit Ihnen gesprochen zu haben. Wissen Sie, Lojso, ich habe die Angewohnheit, meinem Chef alles zu berichten - das ist wie ein nerv�ser Tick.�</p><p>�Nat�rlich erz�hlst du ihm das alles�, sagte er l�chelnd. �Immerhin habe ich dich nicht ohne Hintergedanken hergelockt. Ich habe mich hier ganz gut eingelebt und hatte auch viel Zeit daf�r. Juffin hat daf�r gesorgt, dass ich diese Welt nicht verlassen kann, und ich habe mich bem�ht, dass niemand ohne meine Einladung hier erscheint. Erz�hl ihm also, was du willst. Du kannst gern �bertreiben. Dein Chef ist wirklich ein Sonderling. Wei�t du, wie man ihn fr�her nannte?�</p><p>Ich sah ihn nur fragend an.</p><p>�Tschifa�, sagte er achselzuckend. �Nat�rlich wei�t du nicht, was das bedeutet. Tschifas sind kleine Silberf�chse in den Bergen der Grafschaft Schimara. Sie sind sehr schlau, und es ist kaum m�glich, sie zu fangen. Doch sie sind neugierig, und wer sich ihre Neugier zunutze macht, kann sie erwischen. Ihr J�ger muss etwas Au�ergew�hnliches beherrschen, Kopfstand zum Beispiel oder Jonglieren. Dann besteht die Chance, dass ein Tschifa seinen Bau verl�sst ... Aber solche Tricks k�nnen nur sehr junge Tiere begeistern. Unter den J�gern von Schimara gab es viele gute Zauberer, die sich einiges einfallen lie�en. Ich glaube also nicht, dass Juffin von deinen Neuigkeiten sehr beeindruckt sein wird. In der Tiefe seiner Seele hofft er ohnehin auf ein Zeichen von mir. Er will nur kurz seinen Bau verlassen, mich beobachten und wieder verschwinden. Auch mir gef�llt diese Einstellung.�</p><p>�Mir auch�, sagte ich l�chelnd. �Das interessiert mich sehr, aber das hiesige Klima bekommt mir nicht. Ich f�rchte, ich werde Ihrem Rat folgen und die Anh�he verlassen. Ich kann mir gut vorstellen, in welchem Zustand ich aufwachen werde.�</p><p>�Geh, geh, nat�rlich�, pflichtete er mir bei. �Wir sehen uns noch.�</p><p>�Ist das eine Einladung oder eine Warnung?�</p><p>Ich war innerlich gespalten, und nur meine Z�higkeit lie� mich aufstehen. Fast h�tte ich Lojso Pondochwa gebeten, mich vom H�gel zu tragen. Er gefiel mir, und ich wollte mich von der besten Seite zeigen.</p><p>�Meine Worte kannst du so oder so verstehen�, sagte er. �Aber ich wei� schon, dass ich mich nicht sonderlich bem�hen muss, dich wieder hierherzulocken. Du bist noch neugieriger als dein Mentor und au�erdem ein junger Tschifa.�</p><p>�Wenn Sie es sagen�, antwortete ich. �F�r unser n�chstes Wiedersehen m�chte ich Ihnen empfehlen, sich im Fundus meiner jugendlichen Tr�umereien ein besonders schrilles Bild meiner selbst auszusuchen. Wenn Sie in meinem Ged�chtnis st�bern, werden Sie sicher f�ndig. Vielleicht werden Sie mir dadurch noch sympathischer.�</p><p>Allm�hlich wurde ich frech, aber das zeigte nur, wie schlecht es mir ging.</p><p>�Es lohnt nicht, in deinem Ged�chtnis zu st�bern�, meinte Lojso Pondochwa. �Du liebst dich �ber alles auf der Welt.�</p><p>�Was bin ich nur f�r ein egoistischer Unmensch!�, rief ich theatralisch und machte den ersten Schritt bergab. �Aber ich kann ja nichts daf�r, dass ich so ein h�bsches Gesicht hatte.�</p><p>In meinem Kopf rauschte es, und ich torkelte wie ein Betrunkener. Dennoch ging ich weiter, bis ich umfiel und im trockenen Gras abw�rtsrollte.</p><p>Erleichtert atmete ich endlich wieder normale Luft ein. Den Magistern sei Dank: Ich lag in Techis halbdunklem Schlafzimmer unter einer Decke. Meine Freundin atmete neben mir, und das war wunderbar.</p><p>Als ich aus dem Fenster sah, ging gerade die Sonne auf. Offenbar hatte ich nur eine Stunde geschlafen. Wer h�tte das gedacht! Dann betrachtete ich meine H�nde und stellte fest, dass sie voller Kratzer waren, die ich mir offenbar im Traum bei dem Versuch zugezogen hatte, nicht weiter durchs trockne Gras zu kugeln.</p><p>Was hatte ich denn erwartet? Dass es sich bei meinem Treffen mit Lojso Pondochwa um einen harmlosen Traum gehandelt hatte, den ich meinem Psychoanalytiker gen�sslich auf der Couch erz�hlen konnte? Ich schob die l�dierten H�nde unter die Decke und legte den Kopf zur�ck auf mein Kissen. Nach dem kurzen, aber intensiven Ausflug in die pers�nliche H�lle des Gro�en Magisters Lojso Pondochwa f�hlte ich mich so zerschlagen, als k�me ich von einer anstrengenden Nachtschicht zur�ck.</p><p>Es gelang mir, erneut einzuschlafen. Diesmal hatte ich keine Tr�ume, und das war auch besser. Bald aber weckte mich Techis sanfte Hand. Ich f�hlte mich wunderbar erfrischt und hielt es f�r besser, ihr nichts von meinem Treffen mit ihrem unglaublichen Vater zu erz�hlen. Sie durfte auch nicht erfahren, dass ich ihr Kissen benutzt hatte, um in ihre Tr�ume zu dringen. Sie musste ohnehin ihr Leben lang f�r ihren Vater b��en, und ich wollte ihr keine weiteren Probleme bereiten. Meine Geschichte war allein f�r Juffins Ohren bestimmt.</p><p>Aufmerksam blickte ich in Techis sanfte, etwas schl�frige Augen und lauschte auf meine zwei Herzen, die ganz gleichm��ig schlugen. Offenbar ahnte meine Freundin nicht, dass ich ihren Vater getroffen hatte.</p><p>Ich hielt mich an mein Versprechen, Juffin erst mittags zu wecken - egal, was passiert sein sollte.</p><p>Als ich mich per Stummer Rede bei ihm meldete, best�rmte ich ihn: �Ich muss dringend mit Ihnen zu Mittag essen, Sir.�</p><p>�Wirklich? Manchmal habe ich den Eindruck, du m�chtest auf meine Kosten ein wenig sparen.�</p><p>�Nein, Sir, ich habe Ihnen einiges zu erz�hlen, und es ist wichtig.�</p><p>�Das habe ich mir schon gedacht - sonst h�ttest du dich sicher nicht mit Stummer Rede gequ�lt. Ich bin seit ein paar Minuten im Fressfass. Komm dorthin.�</p><p>�Auch wenn es Ihnen merkw�rdig vorkommt: Ich m�chte Sie unter Ausschluss der �ffentlichkeit sprechen. Ich habe so gro�e Neuigkeiten, dass wir uns am besten im B�ro treffen.�</p><p>�Unsinn, Max. Glaub mir, wir k�nnen uns auch im Fressfass problemlos �ber die gr��ten Geheimnisse unterhalten.�</p><p>�Ich muss gehen�, sagte ich zu Techi. �Und ich f�rchte, der Tag wird anstrengend. Vielleicht siehst du mich in ein paar Stunden wieder, vielleicht aber kehre ich erst in einem Jahr mit langem Bart zur�ck.�</p><p>Ich zog eine Grimasse, denn mir war Kapit�n Gjata eingefallen. Auch seine Geschichte musste ich verfolgen.</p><p>�Das geht nicht so schnell�, sagte Techi. �Wenn du dich mit einer Haarpracht schm�cken willst, die dir bis zur Taille reicht, musst du sehr viel l�nger verschwinden. Aber so einen Rauschebart w�rde ich dir nicht empfehlen.�</p><p>�Das will ich auch hoffen!�</p><p>Nachdem der von einem Geist besessene Lonely-Lokley meinen Wagen zerst�rt hatte, war ich in einem A-Mobil-</p><p>Gesch�ft gewesen, um mir ein neues Gef�hrt zu kaufen. Dort hatte mich die Auswahl so begeistert, dass ich mehrere Modelle erstanden und sie an verschiedenen Orten von Echo geparkt hatte. So war es f�r mich nun kein Problem, rasch an einen eigenen Wagen zu kommen, obwohl ich mich am Vortag mit dem Dienst-A-Mobil nach Hause hatte bringen lassen.</p><p>Zwar hatte ich mich daran gew�hnt, ein m�chtiger Zauberer zu sein, aber mein Reichtum �berraschte mich noch immer.</p><p>Im Fressfass wartete Sir Juffin an unserem Lieblingstisch auf mich.</p><p>�Du bist schnell wie immer�, sagte er unbeeindruckt mit auf die vor ihm stehende Tasse gerichtetem Blick. Dann sah er auf und l�chelte listig. �Anscheinend willst du mir etwas Unglaubliches mitteilen. Ist Lojso Pondochwa auferstanden?�</p><p>�Sie wissen es also?�, fragte ich baff.</p><p>�Eigentlich sollte das ein Witz sein�, meinte Sir Juffin achselzuckend. �Und ich hoffe, dabei bleibt es auch.�</p><p>Ich erz�hlte ihm alles von dem Moment an, da ich mich entschieden hatte, das Kissen mit Techi zu teilen. Und als Kr�nung pr�sentierte ich ihm die Kratzwunden an den H�nden.</p><p>�Warum hast du das Gras �berhaupt angefasst?�, fragte mein Chef. �Um Beweise f�r mich zu haben?�</p><p>�F�r so klug halten Sie mich sicher nicht�, entgegnete ich. �Im Traum h�tte ich fast einen Hitzschlag erlitten und habe unwillk�rlich nach dem Gras gegriffen, um nicht immer schneller den H�gel hinabzurollen. Wenn Sie w�ssten, was dort f�r Temperaturen herrschen!�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Juffin ruhig. �Ich war schon dort. Aber eigentlich freue ich mich, dass es Lojso Pondochwa gutgeht, denn ohne ihn w�re die Welt sehr langweilig. Was hast du f�r einen Eindruck von ihm?�</p><p>�Er hat mir gefallen�, sagte ich nachdenklich. �Nat�rlich wei� ich, dass es den echten Lojso nicht gibt und er seinen Gespr�chspartnern stets in der Gestalt erscheint, in der sie sich am liebsten sehen. Und Sie haben Recht: Er wei� sich hervorragend an die W�nsche seines Gegen�bers anzupassen. Aber wie ist er wirklich? Hatten Sie stets nur mit einer Kopie Ihrer selbst zu tun, oder hat er Ihnen sein wahres Gesicht gezeigt?�</p><p>�Manchmal. Wir hatten viele gemeinsame Bekannte. Und auch Maba Kaloch war eng mit ihm befreundet. Lojso war launisch und oft aggressiv - nicht b�se eigentlich, eben aggressiv. Wenn man mit dem echten Lojso zu tun hatte, wusste man nicht, ob er alles ringsum zu Kleinholz schlagen oder selbst explodieren w�rde. Er war oft charmant, konnte aber schnell unertr�glich werden. Seine alten Freunde aus der H�heren Zauberschule erz�hlten mir, er sei zwar verg�ttert worden, doch alle h�tten Distanz zu ihm gehalten. Er war einfach eine zu starke Pers�nlichkeit, als dass sich andere in seiner Gegenwart wohlgef�hlt h�tten. Aber auch Lojso sehnte sich nicht nach Gesellschaft, sondern war der geborene Einzelg�nger.�</p><p>�Sie sind anscheinend geradezu begeistert von Ihrem alten Feind�, sagte ich und l�chelte vorsichtig.</p><p>�Irgendwie schon�, pflichtete mein Chef mir bei. �Ich mag seltsame Menschen, und Lojso Pondochwa war nicht nur ein exzentrischer Psychopath, sondern auch ein genialer Zauberer. Es hei�t, er habe fr�her zaubern als laufen gelernt, und das glaube ich sogar. Zum Gl�ck hatte ich einen ziemlichen Vorsprung, was das Erlernen der Reinen Magie anlangt. �brigens haben wir uns den lustigsten Kampf in der Geschichte der Traurigen Zeit geliefert. Wir waren befreundete Magier, die sich nicht gegenseitig umbringen wollten, den Kampf aber beenden mussten und gleicherma�en neugierig darauf waren, wie er ausginge.�</p><p>�Warum haben Sie sich �berhaupt diesen Titanenkampf mit Lojso geliefert?�, bohrte ich nach. �Schlie�lich haben Sie ihn gemocht - und er Sie.�</p><p>�Das war mein Auftrag und geh�rte zu meinen Pflichten�, sagte Juffin achselzuckend. �Lojso h�tte diese Welt vernichten k�nnen und hatte sogar schon erste Schritte dazu unternommen. Au�erdem glaube ich nicht, dass wir je wahre Freunde geworden w�ren, denn das Schicksal hat uns stets gegens�tzliche Rollen zugewiesen.�</p><p>�Verstehe�, sagte ich seufzend. �Aber was soll ich jetzt tun, Juffin? Wie soll es mit mir, Lojso, meinen Tr�umen und Techi weitergehen?�</p><p>�Selbst auf die Gefahr hin, dass du vom Stuhl f�llst: Ich wei� es nicht. Auf alle F�lle solltest du ein eigenes Kissen benutzen. Anscheinend kann Lojso nur �ber seine Tochter mit dir kommunizieren, denn als sein letztes lebendes Kind ist sie sein Fenster in unsere Welt. Ich hatte von Anfang an den Eindruck, deine Beziehung zu Techi sei eine Falle, die Lojso dir gestellt hat.�</p><p>�Aber sie hat doch nicht die leiseste Ahnung von alldem�, wiederholte ich.</p><p>�Das ist ja das Problem. W�rde sie die Lage durchschauen, w�rde ich mich viel sicherer f�hlen. Techi ist sehr nett; eine bessere Frau findest du nicht. Und du hast dir umsonst Sorgen gemacht, Max: Ich verlange nicht, dass du sie verl�sst. Aber leg deinen Kopf in Zukunft nicht mehr auf ihr Kissen.�</p><p>�Das wird mir schwer fallen, aber ich verspreche es�, sagte ich und sp�rte meine gute Laune zur�ckkehren.</p><p>�Vielleicht wird dir alles noch viel schwerer fallen als du glaubst�, sagte Juffin nachdenklich. �Du wei�t ja nicht, was dein K�rper tut, wenn du in die Tr�ume anderer schl�pfst. Jedenfalls kannst du leicht wieder mit dem Kopf auf Techis Kissen geraten. Daf�r reicht es ja schon, dich mit Schwung auf die Seite zu drehen.�</p><p>�Das passiert nur selten�, sagte ich betr�bt. �Techi und ich schlafen zu verschiedenen Zeiten und meist in getrennten Betten. Die letzte Nacht war eine Ausnahme.�</p><p>�Warten wir's ab�, meinte Juffin skeptisch. �Jedenfalls bin ich �berzeugt, dass die Bekanntschaft mit Lojso dir noch Probleme bereiten wird. Er ist m�chtig genug, einen Weg zu finden, dich auch ohne den Umweg �ber seine Tochter zu erreichen. Und weil er es auf dich abgesehen hat, wird es auch keine Rolle spielen, auf welchem Kissen dein Kopf liegt. Lojso ist zwar gef�hrlich, aber du bist auch kein Waisenknabe. Und ich glaube, du bist gespannt darauf, dich mit ihm zu messen.�</p><p>�Sehr gespannt sogar�, sagte ich l�chelnd. �So sehr, dass mir bei diesem Gedanken schwindelt. Lojso hatte Recht, als er vom kleinen Silberfuchs Tschifa erz�hlte. Ich glaube, wir zwei sind uns sehr �hnlich.�</p><p>�Aber du bist noch neugieriger als ich.�</p><p>�Ich habe noch nicht viel Erfahrung, und man kann mich mit einem einfachen Zaubertrick locken. Genau das macht der alte Lojso offenbar gerade.�</p><p>Wir schwiegen nachdenklich. Dann unterbrach ich die Stille. �Wissen Sie, Juffin, ich bin �berzeugt, dass Lojso Pondochwa mir wenig anhaben kann. Sonst h�tte sich eines meiner Herzen gemeldet. Sorge bereitet mir nur, dass ich ihn eines Tages besuchen und nicht mehr zur�ckkehren k�nnte.�</p><p>�Das Leben ist eine Reise ohne R�ckfahrkarte�, sagte mein Chef br�sk. �Wer etwas anderes sagt, der l�gt. Und damit soll es f�r heute genug sein mit Lojso Pondochwa. Behandle das, was heute Nacht geschehen ist, streng vertraulich. Niemand darf etwas davon erfahren, auch Techi nicht. Es betrifft zwar auch sie, doch sie k�nnte versuchen, dich k�nftig von ihrem Vater fernzuhalten.�</p><p>�Was k�nnte sie denn unternehmen?�</p><p>�Da gibt es M�glichkeiten genug. Sie hat ein gespaltenes Verh�ltnis zu ihm, und die Gefahr, dass sie sich einmischt, ist gro�. Die Tochter von Lojso Pondochwa f�hlt sich nicht wohl in ihrer Haut. Dabei kenne ich viele Menschen, die gern an ihrer Stelle w�ren.�</p><p>�Nur wenige f�hlen sich wohl in ihrer Haut. Die Haut der anderen hat eine fast magische Anziehungskraft.�</p><p>�Du klopfst ja heute schlaue Spr�che! Ich mache mir Sorgen um dich�, sagte mein Chef und l�chelte listig.</p><p>Ich war beruhigt, denn solange Juffin sich Spott erlaubte, drohte der Welt keine Katastrophe - was auch immer Lojso Pondochwa unternehmen mochte.</p><p>�Jetzt haben wir aber genug �ber meine Klugheit geredet! Gestern Nacht ist noch etwas Seltsames geschehen�, sagte ich und wollte meinem Chef die Geschichte von Kapit�n Gjata erz�hlen, doch er sch�ttelte energisch den Kopf. �Damit kannst du zu Kofa gehen.�</p><p>�Woher wissen Sie, was ich Ihnen habe berichten wollen?�, fragte ich erstaunt.</p><p>�Ich habe keine Ahnung, worum es geht, doch mein Herz sagt mir, dass Kofa der ideale Ansprechpartner ist. Dachtest du etwa, nur dein Herz k�nne kluge Ratschl�ge erteilen?�</p><p>�Schon gut. Dann kann ich Ihnen beim Essen aber leider keine Gesellschaft leisten. Wer bei Kofa etwas erreichen will, muss Speis und Trank mit ihm teilen.�</p><p>�Willst du etwa behaupten, du k�nntest keine zwei Essen nacheinander verputzen?�, fragte mein Chef l�chelnd. �Was hat dieser Lojso blo� heute Nacht mit dir angestellt?�</p><p>Ich kicherte und meldete mich per Stummer Rede bei Kofa: �Ich sterbe vor Hunger. Au�erdem habe ich ein Geheimnis, das nur f�r deine Ohren bestimmt ist.�</p><p>�Denk dir, auch ich habe eine interessante Neuigkeit. Ich wei� nur noch nicht, ob sie eher f�r dich oder f�r Melifaro geeignet ist. Wo treibst du dich rum?�</p><p>�Ich sitze im Fressfass und betrachte den leergegessenen Teller von Juffin�, antwortete ich.</p><p>�Gut, lass auch noch Melifaro kommen, und bestellt euch was. Ich bin gleich da�, sagte Kofa.</p><p>Kaum hatte ich die Stumme Rede beendet, stand mein Chef auf. �Gut, Max, bis bald. Ich nehme an, du bleibst hier, um dich mit deinen Kollegen zu treffen.�</p><p>�Vielen Dank, dass Sie mich hinsichtlich Lojso Pondochwa beruhigt haben.�</p><p>�Das war doch selbstverst�ndlich�, sagte Juffin, winkte mir vom Ausgang her zu und verschwand.</p><p>Nach kaum einer Minute �ffnete sich die T�r zum Fressfass, und Melifaro kam herein. Diesmal trug er einen nagelneuen, grellroten Lochimantel. Fast w�re ich ohnm�chtig geworden, doch mein Kollege f�hlte sich in seiner Neuanschaffung offenbar sehr wohl.</p><p>�Habe ich Juffin verjagt?�, fragte er. �Das w�re ganz was Neues. Ist etwas Wichtiges passiert? Dann muss ich doppelt so viel essen, denn vielleicht komme ich lange nicht mehr dazu.�</p><p>�Wenn Kofa uns seine Neuigkeiten erz�hlt, sage ich auch etwas dazu. Du solltest sicherheitshalber eine ordentliche Portion bestellen.�</p><p>�Ein gro�artiger Rat! Was w�rde ich ohne dich nur tun?�</p><p>�Ohne mich w�rdest du nur Dummheiten anstellen, aber das wei�t du ja�, sagte ich und lieferte ihm damit beil�ufig die Pointe, auf die er es abgesehen hatte.</p><p>Melifaro nickte nur und musterte mich. Ich merkte, dass er bester Laune war.</p><p>�Bei dir l�uft's gut, was?�, fragte ich neugierig.</p><p>�Ich kann nicht klagen�, gab Melifaro zur�ck und widmete sich dann ausschlie�lich dem Essen.</p><p>Schau dir diesen Sch�nling an, sagte ich mir. Und mach dir klar, dass auch dein Gesicht, wenn du frisch verliebt bist, diesen idiotischen, �bergl�cklichen Ausdruck hat. Vielleicht sieht es sogar noch schlimmer aus, denn du neigst zu �bertreibungen, Max.</p><p>�Was gibt's da zu glotzen?�, fragte Melifaro.</p><p>�Ach, nichts Besonderes, mein Freund. Ich mache mir nur Gedanken �ber mich. Du kommst zwar auch darin vor, aber ganz am Rande.�</p><p>�Jedem Tierchen sein Pl�sierchen. Betrogene Ehem�nner k�nnen sich solche Sp��e erlauben.�</p><p>�Bin ich so schnell zum Hahnrei geworden?�</p><p>�Was noch nicht ist, kann sehr bald werden�, erkl�rte Melifaro nachdr�cklich. �Nach deinem gestrigen Auftritt kann es jeden Moment so weit sein. Die drei M�dchen wirkten nach deiner Freiheitsrede so erleichtert, dass ich nur Mitleid mit dir haben kann�, sagte er und wandte sich zur T�r. �Ah, da kommt ja unser Meister des Verh�rs! Hallo, Kofa.�</p><p>�Hallo�, gab Kofa Joch zur�ck und setzte sich zu uns. �Heute ist gar kein schlechter Tag f�r mich, muss ich sagen. Warum esst ihr nicht?�</p><p>�Wir waren zu besch�ftigt�, sagte Melifaro. �Wir haben uns �ber Frauen unterhalten.�</p><p>�Zu diesem interessanten Thema kann ich leider nichts beitragen, doch es gibt noch andere spannende Dinge, zum Beispiel die Arbeit. Max, sind deine Neuigkeiten f�r mich wirklich so wichtig?�</p><p>�Das wei� ich noch nicht. Fang du am besten an.�</p><p>Kofa lie� den Blick �ber den �ppig gedeckten Tisch wandern, kniff die Augen zu und lehnte sich zur�ck. �Seit wir uns mit Kekki ausf�hrlich �ber den Koffer von Ande Pu unterhalten haben, muss ich st�ndig an dieses Gep�ckst�ck denken. In solchen F�llen tragen meine Beine mich unbewusst dorthin, wo ich Genaueres dar�ber erfahren kann. Das ist eines meiner n�tzlichsten Talente. Als ich noch bei der Polizei gearbeitet habe, habe ich diese F�higkeit jeden Tag unter Beweis gestellt. Doch auch heute kann ich mich nicht beklagen, denn in Echo gibt es viele Wirtsh�user, und ich gerate immer in das richtige. Was w�re ein Mann in meiner Funktion ohne dieses Talent schon wert? �</p><p>�Donnerwetter!�, bemerkte ich und pfiff durch die Z�hne. �Deine Arbeit hab ich mir ganz anders vorgestellt.�</p><p>�Daher diese Erkl�rung. Au�erdem wollte ich dir zeigen, dass meine Neuigkeiten etwas mit deiner Koffergeschichte zu tun haben d�rften.�</p><p>Kofa machte eine Pause, denn er bekam das bestellte Essen gebracht. Nachdem er sein Gericht gemustert hatte, fuhr er fort: �Gestern Abend habe ich deine drei Frauen nach Hause gefahren. Danach bin ich noch spazieren gegangen und habe mir weiter �ber die Geschichte mit dem Koffer den Kopf zerbrochen. Meine Beine taten ihren Dienst, und ich landete im Wirtshaus Trunkener Regen.�</p><p>�Dort ist es sehr nett�, mischte sich unser Experte Melifaro ein.</p><p>�Sch�ne Freunde seid ihr! Da kennt ihr seit Jahren ein nettes Lokal und sagt mir kein Sterbensw�rtchen davon�, beklagte ich mich.</p><p>�Da kommst du schon noch hin. Aber jetzt unterbrich mich nicht weiter�, sagte Sir Kofa mit ungeduldiger Handbewegung. �Im Trunkenen Regen war es ziemlich leer. Es herrschten also ideale Bedingungen, um einen alten Bekannten anzusprechen - Secha Modorok n�mlich, der einst beim Orden der Gr�nen Monde besch�ftigt war.�</p><p>�F�r diesen Orden haben auch Vater und Gro�vater meines lieben Freundes Ande Pu gearbeitet, und zwar als K�che - nachdem sie die Piraterie an den Nagel geh�ngt und sich in Echo angesiedelt hatten�, stellte ich fest. �Beide starben, als die Armee von K�nig Gurig VII. die Residenz des Ordens in Flammen aufgehen lie�.�</p><p>�Nur Ordensmitglieder, die sich nicht in der Residenz aufhielten, �berlebten den Brand�, berichtete Kofa. �Einige davon - durchweg j�ngere Magister - verlie�en das Vereinigte K�nigreich sofort und in gro�er Eile. Die �brigen �berlebenden - Dienstpersonal des Ordens - blieben erstaunlicherweise unbehelligt. Zu ihnen geh�rte Secha Modorok. Schon in der Traurigen Zeit war er ein Dieb, und auch nach Verabschiedung des Chrember-Gesetzbuchs konnte er nicht von seinen Fischz�gen lassen. In den ersten Jahren der neuen Epoche gab es auff�llig viele Diebst�hle, bei denen Unerlaubte Magie zum Einsatz kam. Das gefiel der Stadtpolizei nat�rlich gar nicht, denn am Anfang seiner dortigen Karriere war General Bubuta Boch noch unbedarfter als heute und hatte keine so ausgezeichneten Helfer wie Hauptmann Apur Blaki oder den verstorbenen Schichola. Mein Gespr�ch mit Secha lief so wunderbar, dass ich beschloss, den netten jungen Mann zu �berlisten. Er ist �brigens wirklich nett - ihr solltet mal seine ratlosen blauen Augen und seine Stupsnase sehen. Seit seiner Jugend hat er sich kaum ver�ndert. Selbst als er wegen zweifachen Mordes ins Cholomi-Gef�ngnis eingeliefert wurde, sah er noch aus wie die Unschuld selbst.�</p><p>�Wurde er k�rzlich aus dem Gef�ngnis entlassen?�, wollte Melifaro wissen. �Wann hast du ihn erwischt?�</p><p>�Im 26. Jahr des Chrember-Gesetzbuchs. Erst vor wenigen Monaten wurde er entlassen. Ich muss gestehen, dass ich ihn ganz vergessen hatte, aber im Wirtshaus habe ich ihn sofort erkannt. Er hat noch immer dieses sch�chterne L�cheln, als wolle er nach der Uhrzeit fragen. Ich dachte gleich daran, dass Secha die Verwandten deines Freundes Ande Pu kennengelernt haben mochte, als er mit ihnen vor vielen fahren f�r den Orden des Gr�nen Mondes arbeitete. Sofort war mir klar, dass Secha etwas mit dem Diebstahl zu tun haben k�nnte. Er hatte mich beim Eintreten nicht erkannt, denn nat�rlich hatte ich mein Aussehen ge�ndert. Als ich aber an seinen Tisch trat, zeigte ich ihm mein wahres Gesicht. Secha schrak zusammen, doch ich blieb freundlich. Wenn du einen nicht gerade klugen Menschen zum Reden bringen willst, brauchst du ihm nur zu verstehen zu geben, er sei nicht der Beschuldigte, sondern blo� ein Zeuge. Dann wird er sich vor Erleichterung sicher schnell verplappern. Das ist eines meiner Berufsgeheimnisse - und soeben habe ich es euch kostenlos verraten.�</p><p>�Herzlichen Gl�ckwunsch zum Jubil�um, Kofa�, bemerkte Melifaro l�chelnd. �Dieses Berufsgeheimnis habe ich von dir nun zum 666. Mal erfahren.�</p><p>�Vielleicht solltest du meine Ratschl�ge nicht z�hlen, sondern befolgen.�</p><p>�Sch�n und gut, aber woher soll ich die beschr�nkten Menschen nehmen, auf die dein Ratschlag immer wieder zielt? Ich habe leider fast ausschlie�lich mit hochintelligenten Verbrechern zu tun.�</p><p>�Lass mich trotzdem weitererz�hlen�, sagte Melifaro und seufzte tief. �Ich habe Secha auf seinen alten Bekannten Soma Pu angesprochen. Er hat nur das Gesicht verzogen und getan, als k�nne er sich nicht an ihn erinnern. Das war ein Fehler, denn die K�che ist in jedem Orden der behaglichste Ort, und es ist ausgesprochen unglaubw�rdig zu behaupten, man k�nne sich nicht an den Namen des Kochs erinnern. Dann sagte ich Secha, dieser Koch habe ein furchtbares Geheimnis. Nat�rlich hatte ich nicht vor, ihn direkt auf den Koffer anzusprechen. Also bat ich ihn,</p><p>mir �ber den Orden alles, woran er sich erinnern k�nne, zu erz�hlen. Ich versprach ihm sogar eine kleine Belohnung, nat�rlich rein hypothetisch. Prompt wusste Secha, worauf ich hinauswollte. Er erz�hlte mir viele Einzelheiten aus seiner Jugend und war so gut gelaunt, dass er uns Drachenfeuer bestellte, die Spezialit�t des Lokals. Pl�tzlich merkte ich, dass er sich in einen ungemein ramponierten Lochimantel gewickelt hatte. Das entsprach nicht dem Bild, das ich von ihm hatte, denn er stammte nicht nur aus recht wohlhabendem Hause, sondern seine Eltern hatten ihm auch jeden Diebstahl verziehen und ihn immer wieder in die Familie aufgenommen. Als ich ihn aber nach seiner finanziellen Lage fragen wollte, erkl�rte er pl�tzlich, er sitze im Durchzug, stand auf und ging zur T�r. Dann geschah etwas Unfassbares.�</p><p>�Ist dir etwa der Appetit vergangen?�, fragte Melifaro atemlos.</p><p>�Schlimmer noch - mir ist die Person abhandengekommen, die ich den ganzen Tag beobachtet hatte! Und das in einem geschlossenen Raum! Fragt sich nur, wie. Mein Magieanzeiger jedenfalls hat nicht ausgeschlagen.�</p><p>�Hat der Verd�chtige etwa die Dunkle T�r genommen�, fragte ich interessiert.</p><p>�Eben nicht. Das h�tte ich sofort bemerkt.�</p><p>�Moment mal�, sagte Melifaro. �Ich hab hier etwas nicht verstanden. Willst du ernstlich behaupten, Secha Modorok sei vor deinen Augen verschwunden?�</p><p>�Nicht ganz, denn f�r einen Moment hatte ich ihn nicht beobachten k�nnen. Das klingt sicher etwas seltsam, aber ein paar Sekunden lang war ich abgelenkt. Danach konnte ich mich wieder auf den Tisch konzentrieren, an dem der Mann eben noch gesessen hatte, und musste feststellen, dass er nun nicht mehr im Lokal war. Ich bin sofort auf die Stra�e gelaufen, aber er war nirgendwo zu sehen.�</p><p>�Soll ich mir deine Geschichte zu Ende anh�ren oder mich gleich auf die Suche nach dieser seltsamen Gestalt machen?�, fragte Melifaro k�hl.</p><p>�Du brauchst ihn nicht zu suchen�, sagte Kofa seufzend. �Und gleich wirst du verstehen, warum. So was ist mir wirklich noch nie passiert. Ich war w�tend auf mich, schwor mir aber, das Vereinigte K�nigreich so lange zu durchk�mmen, bis ich den Mann gefunden h�tte. Ich kehrte an meinen Tisch zur�ck, um mich auf die Suche nach Secha zu konzentrieren. Aber auch das half mir nicht. Also versuchte ich daran zu denken, welches Unheil er schon angerichtet hatte, und nach wenigen Minuten trugen meine F��e mich auf das Linke Ufer, genauer gesagt zur Villa des alten Sir Tschafa Ranwara. Ich war �berzeugt, Secha habe etwas mit diesem Haus zu tun. Da es schon sp�t war und ich weder den Hausbesitzer noch seine Diener st�ren wollte, meldete ich mich per Stummer Rede bei Kekki, die mir erz�hlte, dort sei vor vier Tagen ein Diebstahl geschehen. Verschwunden waren Geld und einige seltsame Gegenst�nde, erstaunlicherweise aus einem Zimmer, das mit einem Spezialschloss gesichert war, dessen Schl�ssel allein der Hausherr besa�. Es gab auch keine Einbruchsspuren, und obwohl sehr viel Personal im Haus besch�ftigt war, hatte keiner etwas bemerkt. Ich fragte Kekki, ob in letzter Zeit etwas �hnliches vorgekommen sei, und siehe da: K�rzlich ist etwas Geld aus dem Kronschatz verschwunden.�</p><p>�Nicht schlecht�, meinte Melifaro und pfiff durch die Z�hne. �Warum wei� der Kleine Geheime Suchtrupp nichts davon?�</p><p>�Die Summe war zu klein, als dass die Stadtpolizei sich an uns h�tte wenden m�ssen. Na sch�n, nachdem ich das alles erfahren hatte, ging ich zu Lady Modorok, der Mutter von Lady Techi, um ihr alles zu erz�hlen und sie zu fragen, ob sie wom�glich wisse, wo sich ihr Spr�ssling herumtreibe. Aber das war vergebliche Liebesm�h. Unter uns gesagt: Manchmal werden Nachkommen den Eltern zum Verh�ngnis. Das einzig Interessante bei dem Besuch war, dass ich in Sechas Schlafzimmer auf eine kleine T�r stie�, hinter der sich Sachen befanden, die er Tschafa Ranwara gestohlen hatte. Dort lag auch das aus dem Kronschatz gestohlene Geld. Ich befahl den Polizisten, es dem Eigent�mer zur�ckzubringen, und blieb im Hause Modorok, um auf Secha zu warten. Offenbar liebte er die Hauptstadt und seine Mutter �ber alles und hielt sich obendrein f�r jemanden, der nicht zu fangen war. Er war dumm genug zu glauben, er k�nne seinen Verfolgern immer wieder ein Schnippchen schlagen. Ich wartete einige Stunden im Sessel auf ihn, schlief dann aber ein. Pl�tzlich wachte ich auf und trat mit dem sicheren Gef�hl, Secha sehr bald zu erwischen, auf die Stra�e. Ich ging zum Haus an der Br�cke, stieg in mein A-Mobil und fuhr los. Pl�tzlich h�rte ich einen Schrei, den ich nie vergessen werde. Ich sprang aus dem Wagen und sah Secha Modorok auf der Stra�e liegen. Er war tot. Eine magische Kraft musste ihn und mein A-Mobil zusammengef�hrt haben. Dann lie� ich Sir Skalduar van Dufunbuch kommen, um die Todesursache feststellen zu lassen. Ich begriff, dass der arme Secha allein nicht die Kraft gehabt h�tte, all diese Diebst�hle zu begehen.</p><p>W�hrend Skalduar den Toten untersuchte, nahm ich mir seine Kleidung vor - und seht mal, was f�r einen Schatz ich gefunden habe�, sagte Kofa, zog einen verschlissenen Lochimantel hervor und legte ihn sich um, doch nichts geschah.</p><p>�Gut, Jungs, hier am Tisch funktioniert der Trick nicht, aber ich werde jetzt tun, als wollte ich gehen, und ihr schaut mir dabei zu.�</p><p>Das taten wir gern. Ich beobachtete seinen R�cken, merkte aber pl�tzlich, dass mir etwas ins Auge geraten war, und konnte mich nicht mehr auf Kofa konzentrieren.</p><p>�Max, ich glaube, ich spinne. Wo ist er? Siehst du ihn?�, fragte Melifaro verwirrt.</p><p>�Nein, ich sehe ihn auch nicht.�</p><p>Es stellte sich heraus, dass Kofa die ganze Zeit neben unserem Tisch stehen geblieben war.</p><p>�So einen Schatz hab ich gefunden�, rief er begeistert. �Er ist genau das, was ich f�r meine Arbeit dringend brauche, und viel bequemer, als st�ndig das Gesicht zu ver�ndern. Gegenst�nde wie diesen nennt man Einfache Zauberdinge, wie ich vom klugen Vogel Kurusch erfahren habe. Dieser Mantel wurde weit von Uguland entfernt als Talisman hergestellt, doch erst in unserer Hauptstadt entfaltet er seine Wirkung. Wenn man ihn sich umlegt, wird man unsichtbar, und alle Magieanzeiger schweigen - ein famoses Kleidungsst�ck ist das.�</p><p>�Stimmt�, meinte Melifaro und bef�hlte das verschossene Gewebe. �Die Bettler am Hafen d�rften dich darum beneiden.�</p><p>�Gut, Jungs, nun m�ssen wir nur noch den Koffer finden. Und denkt daran: Laut Zeugenaussagen haben ihn zwei M�nner gestohlen.�</p><p>�Jetzt k�nnt ihr euch vielleicht auch meine Geschichte anh�ren�, begann ich sch�chtern. �Sie ist jedenfalls k�rzer.�</p><p>Ich erz�hlte von meinem seltsamen Gespr�ch mit Kapit�n Gjata und hatte das Gef�hl, es liege schon Monate zur�ck. Offenbar war mein Zeitgef�hl durcheinandergeraten.</p><p>�Max, ich kann es nicht fassen - du bist wirklich ein Gl�ckspilz!�, rief Sir Kofa zu meiner gr��ten �berraschung. �Ich war heute Vormittag nicht faul und habe mein Wissen hinsichtlich der magischen Praktiken am Ukumbrischen Meer vertieft. �brigens�, fuhr Sir Kofa fort und wandte sich an Melifaro, �wird mich dein Vater bestimmt verfluchen, denn ich habe ihn heute Morgen dreimal per Stummer Rede bel�stigt.�</p><p>�Aber nein�, sagte der Sohn des gro�en Enzyklop�disten strahlend. �Mein Vater plaudert gern - am liebsten �ber Themen, bei denen er sein profundes Wissen ausbreiten kann.�</p><p>�Das verstehe ich gut�, sagte Sir Kofa. �Aber zur�ck zu den Ukumbrischen Piraten. Als Talismane sch�tzt man dort vor allem Dinge, die ihrem Besitzer besondere �berzeugungskraft verleihen. Oft passiert es, dass diese Gegenst�nde erst in Echo ihre eigent�mliche Kraft entfalten.�</p><p>�Willst du damit sagen, mein geheimnisvoller Kapit�n habe so einen Talisman besessen?�, fragte Melifaro finster.</p><p>�Lasst uns zum Hafen gehen�, schlug ich vor. �Wir m�ssen uns die Tobindona anschauen - je schneller, desto besser!�</p><p>Melifaro sprang sofort auf.</p><p>�Wartet noch kurz�, sagte Sir Kofa. �Wir sollten vorher noch etwas kl�ren. Offenbar sehen wir den zweiten Dieb nicht, der auch so einen Lochimantel besitzt. �brigens ist dieses Kleidungsst�ck der beste Schutz gegen die flammenden Reden, die der Kapit�n im Hafen schwingt.�</p><p>Ich musste an ein Abenteuer des Odysseus denken. Um den s��en Gesang der Sirenen zwar zu h�ren, ihm aber nicht zu verfallen, lie� der griechische Held sich an den Mast seines Schiffes fesseln und befahl seinen M�nnern, sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen und die Meerenge, an der die Sirenen arglose Schiffer mit ihrem Gesang bet�rten, zu durchrudern,� so bewahrte er sich und seine Leute vor dem Untergang, konnte zugleich aber dem verf�hrerischen Gesang der Sirenen lauschen.</p><p>�Ich hab's�, rief ich. �Sir Kofa geht zum Hafen und h�rt sich die Reden des Kapit�ns mit verstopften Ohren an, und wir zwei wickeln uns in den Mantel, der uns nicht nur unsichtbar, sondern auch immun gegen seine verf�hrerischen Worte macht.�</p><p>�Vielleicht gelingt es dem Kapit�n, uns trotz Talisman und Unsichtbarkeit zu verf�hren�, sagte Melifaro. �Mein Vater w�rde sich bestimmt freuen, wenn unser braves Familienleben etwas durcheinandergeriete. Aber jetzt lass uns aufbrechen. Die Zeit ist knapp.�</p><p>Auf der Fahrt zum Hafen versuchte Sir Kofa, sich aus allen erdenklichen Materialien Ohrenst�psel zu basteln.</p><p>�Schrecklich�, rief er. �Egal, was ich mir in die Ohren stopfe - ich bekomme einfach alles mit.�</p><p>�Am besten nimmst du Wachs�, riet ich ihm. �Gibt es hier irgendwo einen Laden, der Kerzen verkauft?�</p><p>Ich hielt mich an die klassische Methode. Was gut f�r Odysseus gewesen war, konnte f�r Sir Kofa nicht schlecht sein.</p><p>�Woher wei�t du das alles eigentlich?�, fragte Melifaro erstaunt.</p><p>�Ich bin einfach nur sehr klug�, meinte ich bescheiden.</p><p>�Um die Ecke ist ein Gesch�ft, in dem man alle m�glichen Haushaltswaren kaufen kann, auch Kerzen�, sagte Kofa.</p><p>Ich hielt in der n�chsten Seitenstra�e, und er stieg aus. Nach wenigen Minuten kam er in bester Laune zur�ck.</p><p>�Das kann doch nicht wahr sein!�, rief Melifaro. �Max hat ausnahmsweise Recht gehabt.�</p><p>�Ich wei� nicht, wovon ihr redet. Ich h�re euch nicht�, schrie Kofa wie ein Schwerh�riger.</p><p>Zu meiner gro�en Freude hatte sich meine Belesenheit einmal mehr als vorteilhaft erwiesen.</p><p>Der Hafen von Echo war f�r mich nach wie vor ein Labyrinth, in dem sich nur zurechtfand, wer schon lange darin arbeitete. Dar�ber hinaus wussten sich auch Orientierungsgenies wie Sir Kofa sicher darin zu bewegen. Kofa aber stieg aus, kaum dass wir das Hafengel�nde erreicht hatten, warf sich den alten Piratenmantel um die Schultern und wurde unsichtbar, so dass ich seine Gegenwart nur erahnen konnte. Doch zum Gl�ck kannte sich auch Melifaro sehr gut im Hafen aus, und ich beobachtete neidisch, wie sicher er sich durch die Stra�en bewegte.</p><p>�Wo soll dieses Schiff liegen?�, fragte er mich.</p><p>�Am Ende des rechten Anlegers.�</p><p>�Warum hast du das nicht fr�her gesagt? Wir h�tten mit dem A-Mobil viel n�her heranfahren k�nnen. Kofa, du h�ttest auch mal was sagen k�nnen - schlie�lich kennt Max sich im Hafen nicht aus.�</p><p>Bei diesen Worten sah er zum Himmel, als w�rde er beten.</p><p>�Melifaro, jetzt reicht's mir aber. Wir brauchen nur f�nf Minuten zu gehen. Bist du wirklich so faul?�, meldete sich Sir Kofa von links.</p><p>�Du h�rst ja doch etwas!�, rief ich erstaunt, bekam aber keine Antwort.</p><p>�Er hat einfach gesehen, wie aufgebracht ich bin�, meinte Melifaro.</p><p>Die n�chsten Minuten gingen wir zwischen Stapeln von Kisten und mit Teer verschmierten Taurollen hindurch. Ringsum waren verschwitzte, breitschultrige Hafenarbeiter zu sehen. Melifaro am�sierte sich �ber meine erschrockene Miene und sprang anmutig �ber die vielen Bretter, die im Weg lagen.</p><p>�Keine Angst, Max. Wir sind fast da. Dort vorn liegt die Tobindona�, sagte er gener�s und wies mit dem Kopf auf das Schiff vor uns.</p><p>�Wie sch�n!�, rief ich.</p><p>�So ein Unsinn, Max. F�r dich ist offenbar jedes Schiff sch�n, das sich �ber Wasser h�lt�, pflaumte mich Melifaro an. �Das ist ein ganz normaler Seelenverk�ufer, von denen viel zu viele �ber die Meere fahren.�</p><p>�Du bist einfach ein Snob!�</p><p>�Ich bin kein Snob, sondern Spezialist. Wenn du einen Verwandten wie Sir Antschifa h�ttest, w�rst du das auch.�</p><p>�Ich kann mir schon vorstellen, dass dein kleiner Piratenbruder dich mitunter auf sein Schiff eingeladen und kurz ans Steuer gelassen hat, aber das ist sicher �ber hundert Jahre her. Inzwischen l�sst er solche Experimente nicht mehr zu, denn du bedeutest l�ngst eine viel zu gro�e Gefahr f�r sein Schiff.�</p><p>�Du bist wirklich ein Hellseher. Der Zwischenfall, der uns entzweit hat, liegt allerdings erst achtzig Jahre zur�ck. Seitdem darf ich seine Philo nicht mehr betreten.�</p><p>�Dein Bruder ist offenbar ein kluger Mensch�, stellte ich fest. �Wir sind da. Und nun? Hast du dir schon was �berlegt?�</p><p>�Nat�rlich. Wir gehen an Bord und verhalten uns dort, wie es die Lage erfordert�, sagte Melifaro mit einem L�cheln.</p><p>Mit einer anderen Antwort hatte ich bei meinem Kollegen nicht gerechnet.</p><p>Ohne eine Einladung abzuwarten, betraten wir das Schiff, einen wundersch�nen Zweimaster - auch wenn Melifaro das anders sehen mochte.</p><p>�Hallo, Herr Kapit�n�, rief er. �Kommen Sie bitte zu uns, egal, wo Sie sind. Wir m�ssen miteinander reden.�</p><p>�Sie brauchen nicht so zu schreien, Sir. Hier bin ich.�</p><p>Wir erblickten einen gro�en, aber gebeugten Mann. Er trug einen d�nnen schwarzen Ledermantel und ein Piratentuch und sah ganz und gar nicht wie ein Seemann aus, sondern so, als habe Paganini sich in den Hafen verirrt.</p><p>�Ich hei�e Kao Anloch�, sagte der nicht eben bildh�bsche Kapit�n h�flich, �und stehe zu Ihren Diensten. Sie brauchen sich mir nicht vorzustellen, denn ich ziehe es vor, die Leute, mit denen ich zu tun habe, nicht namentlich zu kennen.�</p><p>Ich h�tte am liebsten losgekichert, denn dieser Seemann trat auf wie ein hinterw�ldlerischer Gelehrter. Auch Melifaro war offenbar hingerissen, lie� sich das aber nicht anmerken.</p><p>�Wir sind vom Kleinen Geheimen Suchtrupp der Stadt Echo, Herr Anloch. Wissen Sie bereits, worum es geht, oder ben�tigen Sie noch eine Erkl�rung?�</p><p>�Nat�rlich wei� ich Bescheid�, sagte er strahlend. �Sie kommen sicher wegen des Koffers zu mir, der dem alten Sochma Pu geh�rte. Bestimmt hat mein leichtsinniger Freund Secha Modorok ein paar Tricks angewandt und ist dabei aufgeflogen. Aber das ist sein Problem. Was den Koffer anlangt, haben Secha und ich nur genommen, was uns zustand.�</p><p>�Interessant�, sagte Melifaro und wiegte skeptisch den Kopf. �Soll das hei�en, der Inhalt des Koffers geh�rt Ihnen?�</p><p>�Genau das soll es hei�en. Der urspr�ngliche Besitzer Sochma Pu und ich waren gute Freunde. Deshalb wollte er mir ein paar Sachen schenken. Wissen Sie, als Secha und ich dem Orden der Gr�nen Monde beitraten, mussten wir - wie es die Ordensregeln verlangten - ein paar Jahre lang niedere Arbeiten verrichten. Wir landeten in der K�che und lernten dort den alten Sochma kennen, der auch nur Helfer seines Sohnes war. Sochma hatte kurz zuvor all seine Ersparnisse verloren und musste auf seine alten Tage wieder arbeiten gehen - und zwar in der K�che, die sein Sohn leitete. Er war mit seiner Lage nicht gerade zufrieden und sprach kaum mit seinem Spr�ssling Tschorko, umso lieber aber mit uns. Er war zun�chst sehr reserviert, doch wir befreundeten uns schnell. Er hat uns viel von seinen Piratenabenteuern und seinem reiselustigen Vorleben erz�hlt. Zur selben Zeit entschied sich mein Freund Secha aus romantischen Gr�nden, die Diebeslaufbahn einzuschlagen. Ich dagegen war so von den Reiseberichten des Kochs begeistert, dass mich eher die Seemannskarriere reizte, und ich versuchte mich mehrmals, aber stets erfolglos auf See. Doch jetzt ist endlich die stolze Tobindona in mein Leben getreten.�</p><p>�Sch�n und gut, aber Sie wollten uns doch etwas �ber den Koffer erz�hlen�, dr�ngte Melifaro.</p><p>�Ach ja, nat�rlich. Sochma hat uns seine alten Talismane versprochen, die sich in einem Koffer im Keller seines Hauses in der Stra�e der Spitzd�cher befanden. Er hat uns sehr viel davon erz�hlt. Ich hatte den Eindruck, dass es ihm vor allem darum ging, mit seinen Geschichten seinen Sohn zu �rgern, aber Sir Tschorko war es ohnehin egal, was sein Vater mit dem alten Krempel machen wollte. Wie auch immer - Secha und ich hielten die Talismane schon f�r unser Eigentum. Im Jahre 3183 der Ordensepoche sagte Sochma, er wolle uns am letzten Tag des Jahres ein Geschenk machen. Wie ungeduldig harrten wir diesem Tag entgegen! Wir dachten, die Talismane w�rden unser Leben �ndern. Das w�re auch so gekommen, wenn die Residenz des Ordens der Gr�nen Monde am Jahresende nicht bereits verbrannt gewesen w�re, was fast alle Mitglieder und Mitarbeiter des Ordens das Leben gekostet hatte. Secha und ich �berlebten nur durch einen Zufall: Am Vorabend des Angriffs auf die Residenz waren wir auf dem Markt Lebensmittel einkaufen und versackten danach im Wirtshaus, denn damals konnten wir uns kaum frei bewegen. Als wir zur�ckkehrten, war die Residenz nur noch ein rauchender Tr�mmerhaufen. Dann f�hrte das Leben Secha und mich auseinander. Erst vor einem Monat habe ich ihn zuf�llig im Trunkenen Regen sitzen sehen. Wir haben uns gleich erkannt, uns pr�chtig unterhalten und rasch gemerkt, dass wir nichts zu prahlen hatten, aber meine Lage war immerhin besser als seine, denn ich hatte nicht im Gef�ngnis gesessen. Da kann man schon zufrieden mit sich sein, stimmt's?�</p><p>Ich nickte energisch. Wo er Recht hat, hat er Recht, dachte ich. �berhaupt gefiel mir der etwas chaotische Kao Anloch immer besser. Langsam begriff ich, warum Kapit�n Gjata beschlossen hatte, seine Verpflichtungen fahren zu lassen und mit ihm bis ans Ende der Welt zu reisen. Die Augen des Schiffseigent�mers gl�nzten wie die eines begeisterten Kindes. Er hatte allerdings viele Talismane, um seinen Charme zu verst�rken, und das durfte ich nicht vergessen. Aber als er weiterredete, spielten all diese Einfachen Zauberdinge f�r mich keine gro�e Rolle.</p><p>�Secha und ich haben die ganze Nacht im Trunkenen Regen verbracht. Wir haben uns nat�rlich auch �ber den alten Sochma Pu und die gemeinsame Arbeit in der Ordensk�che unterhalten. Das war die sch�nste Zeit unseres Lebens, denn wir waren jung und glaubten, uns erwarte eine fantastische Zukunft. Wie sich zeigte, hatten wir uns get�uscht. Zwar geht es vielen Menschen so, aber das ist kein Trost.�</p><p>Der Kapit�n seufzte tief und wirkte sehr betr�bt, riss sich dann aber zusammen. �Nat�rlich haben wir uns �ber die geheimnisvollen Talismane der Piraten unterhalten, die uns der alte Koch versprochen hatte. Es mag seltsam klingen, doch wir beschlossen, sie uns endlich zu besorgen. Wer wei�, was aus unserem Leben geworden w�re, wenn wir sie schon fr�her bekommen h�tten. Auch diesmal machten wir uns keine gro�en Hoffnungen und waren so gut wie sicher, der Koffer sei nicht mehr da. Trotzdem wollten wir danach suchen, denn Probieren geht �ber Studieren. Am n�chsten Tag nahmen Secha und ich die Dunkle T�r, wie wir das beim Orden gelernt hatten. Ich kann Ihnen kaum beschreiben, wie erstaunt ich war, den Koffer im Keller zu entdecken. Seine dicke Staubschicht zeigte uns sofort, dass sich seit Jahren niemand f�r das gute St�ck interessiert hatte. Also lie�en wir ihn mitgehen, verschwanden durch die Dunkle T�r und landeten wieder in Sechas Zimmer. Dort nahm sich jeder den Talisman, den er seit Jahren f�r sein Eigentum gehalten hatte. Erst danach wurde uns klar, dass das Schicksal uns nur wieder zusammengef�hrt hatte, um den Koffer zu holen. Als wir ihn hatten, verloren wir das Interesse aneinander, und unsere Wege trennten sich erneut.�</p><p>�Und was haben Sie nach der Trennung von Secha gemacht?�, fragte Melifaro.</p><p>�Ich ging zu meinem Chef, k�ndigte und marschierte in den Alten Dom, um sechs Teller Rekreationssuppe zu verdr�cken. Den armen Tschemparkaroke h�tte fast der Schlag getroffen, so erstaunt war er �ber meinen Appetit. Am n�chsten Tag erwachte ich als neuer Mensch und war mutig genug, in den Hafen zu gehen und die Tobindona zu chartern. Nun musste ich mir nur noch eine Mannschaft suchen und war erstaunt, wie viele Leute sich f�r eine Reise um die Welt interessieren. Zum Gl�ck hat mich keiner nach seiner Heuer gefragt, denn die Charterkosten haben all meine Ersparnisse verschlungen. Ich habe viel zu viele Matrosen angeheuert, doch ich wollte keinen entt�uschen. Heute Abend muss ich aber wohl die schlechte Nachricht verk�nden, nicht alle mitnehmen zu k�nnen, und die M�nner w�rfeln oder Streichh�lzer ziehen lassen. Wissen Sie, meine Herren, manchmal glaube ich, der Talisman des alten Sochma Pu hilft mir tats�chlich. Seit ich ihn habe, l�uft bei mir alles besser.�</p><p>�Sind Sie also nicht �berzeugt, all Ihre Erfolge dem Talisman zu schulden?�, fragte ich verbl�fft.</p><p>�Na ja, als ich jung war, habe ich mir von Sochmas Koffer alles M�gliche versprochen, doch heute sind meine Erwartungen so gering, dass ich den Talisman vor allem aus Sentimentalit�t an mich genommen habe. Inzwischen aber bin ich sicher, dass die Piraten aus Ukumbrien und die Familie Pu sich wirklich auskennen, was Magie angeht.�</p><p>�Haben Sie Ihren Talisman dabei?�, fragte Melifaro.</p><p>�Nat�rlich. Hier oben�, sagte Kao Anloch und zeigte auf sein Piratentuch.</p><p>�Nehmen Sie es bitte ab�, sagte Melifaro sanft. �Wir m�ssen es uns ansehen.�</p><p>�Gern�, sagte der Kapit�n und tat, wie ihm gehei�en. �Bekomme ich es zur�ck? Es mag dumm klingen, aber ich f�rchte, ohne diesen Talisman mein frisch gewonnenes Selbstbewusstsein zu verlieren, und heute Abend laufen wir aus. Aber vielleicht wird aus der Reise nichts, weil Sie mich wegen Diebstahls verhaften. Schlie�lich habe ich keinen Beweis daf�r, dass Sochma Pu uns den Koffer versprochen hat.�</p><p>�Warten Sie's ab�, sagte Melifaro und wedelte mit dem Piratentuch, um Kofa, der unser Gespr�ch nicht verfolgen konnte, auf das gute St�ck aufmerksam zu machen.</p><p>�Ich hab schon verstanden�, fl�sterte Sir Kofa hinter meinem R�cken.</p><p>Er trat zu uns und zog dabei rasch den Mantel aus, der ihn unsichtbar gemacht hatte. Dann nahm er die Wachsst�psel aus den Ohren.</p><p>�Kannst du mir das Piratentuch geben? Ich w�rde es mir gern ansehen�, sagte er zu Melifaro.</p><p>�Oh, Sie habe ich gar nicht bemerkt�, rief Kao Anloch erstaunt. �Wann sind Sie an Bord gekommen?�</p><p>�Gerade eben�, erkl�rte Kofa kurz und b�ndig. Er nahm das Tuch, hielt es an seine Pfeife, in die ein Magieanzeiger montiert war, und nickte zufrieden. �Ich glaube, wir sollten miteinander eine Tasse Kamra trinken, Herr Kapit�n. Wir m�ssen alles gr�ndlich besprechen, denn ich wei� wirklich nicht, was ich mit Ihnen machen soll.�</p><p>�Vielleicht muss man gar nichts mit mir machen�, sagte Kao Anloch. �Schlie�lich habe ich niemandem schaden, sondern nur eine Weltreise machen wollen. Vielleicht w�re es mir dabei sogar gelungen, die Enzyklop�die von Sir Manga Melifaro um einen neunten Band zu bereichern.�</p><p>�Der neunte Band ist schon geschrieben und steht vor Ihnen�, rief ich und wies auf Melifaro, der h�flich nickte.</p><p>�Mein Vater d�rfte sich dar�ber freuen, wie sehr die Fr�chte seiner Kopfarbeit andere besch�ftigen.�</p><p>�Sind Sie wirklich der Sohn von Sir Manga?�</p><p>�Ja, ich bin sein J�ngster�, sagte Melifaro.</p><p>Der Kapit�n dachte nicht mehr an die drohende Verhaftung, sondern sah ihn verz�ckt an, als sei mein Kollege ein Popstar, den er um ein Autogramm bitten wollte.</p><p>�Wenn Sie uns nicht sofort zu einer Tasse Kamra einladen, verhafte ich Sie�, sagte Sir Kofa l�chelnd. �Das ist Ihre einzige Chance, uns zu bestechen, Kapit�n.�</p><p>�Verzeihung�, sagte Kao Anloch err�tend. �Einen Sohn des gro�en Sir Manga kennen zu lernen, hat mich ganz durcheinandergebracht. �</p><p>Er f�hrte uns in seine Kaj�te, die einem M�dchenzimmer glich, und wir nahmen am Tisch Platz. Der Kapit�n brummte eine Entschuldigung und verschwand, um Kamra zu kochen.</p><p>�Was machen wir mit diesem Mann?�, fragte Kofa.</p><p>�Auf keinen Fall verhaften wir ihn�, antwortete Melifaro. �Mein Vater w�rde es mir nie verzeihen, wenn ich einen seiner gr��ten Verehrer festnehme, der zudem eine Weltreise plant.�</p><p>�Ich halte es auch f�r richtig, Sir Kao auf freiem Fu� zu lassen. Wenn einer der beiden am Diebstahl Beteiligten schon eine harte Strafe bekommen hat, muss man beim zweiten Dieb nicht mehr so streng sein. Arithmetisch gesehen verb��en beide dann eine mittelschwere Strafe.�</p><p>�Kao Anloch wirkt auf euch offenbar sehr �berzeugend�, sagte Kofa l�chelnd. �Das liegt an seinem Talisman.�</p><p>�Du bist aber auch sehr angetan von ihm�, entgegnete ich. �Das sehe ich dir doch an. Warum hat uns dieser sympathische Kapit�n blo� nicht gebeten, die Sache einfach zu vergessen und wieder ins Haus an der Br�cke zur�ckzukehren? Das w�re eigentlich auch eine faire L�sung gewesen.�</p><p>�Sicher�, sagte Melifaro nickend. �Er hat nicht mal versucht, uns von seiner Unschuld zu �berzeugen. Und es war sehr schwer f�r mich, ihm Fragen zu stellen. Dieser Mann hat wirklich einen enormen Charme.�</p><p>�Er wei� offenbar nicht, was ihm da in die H�nde gefallen ist�, sagte Kofa. �Das ist mir auch schon klar.�</p><p>�Ja�, pflichtete ihm Melifaro bei. �Er hat das Kopftuch nur als Talisman mitgenommen und beginnt erst zu ahnen, wie n�tzlich es wirklich f�r ihn ist.�</p><p>�Der arme Mann glaubt tats�chlich, es w�re ihm auch ohne sein Kopftuch gelungen, all diese Seeleute anzuheuern, ohne dass sie nach der Heuer fragen�, meinte ich. �Nun nimmt er an, ganz Echo sei voller Menschen, die von einer Reise um die Welt tr�umen. Soll man �ber so viel Naivit�t weinen oder lachen?�</p><p>�Zu weinen w�re sicher unangemessen�, bemerkte Kofa.</p><p>�Ich glaube, ich habe eine gute Kamra f�r Sie gekocht�, meinte Kao Anloch leise und stellte Krug und Tassen auf den Tisch.</p><p>�Die riecht wirklich verhei�ungsvoll�, sagte Kofa mit fachm�nnischer Miene. Auf diesem Gebiet war er ein Kenner.</p><p>Eine Zeit lang tranken wir schweigend. Ich war sogar so frech, mir eine Zigarette anzuz�nden. Allem Anschein nach war der Kapit�n ein genauso zerstreuter Mensch wie Lukfi Penz. Ich hatte Lust, ihm die Zigarette unter die Nase zu halten und auf seine Reaktion zu warten.</p><p>�Gut, Kapit�n, ich habe meine Entscheidung getroffen�, sagte Sir Kofa schlie�lich. �Einerseits haben Sie Gl�ck, denn weder ich noch meine Kollegen wollen Sie verhaften, obwohl Sie es sicher verdient h�tten. Ich wei� zwar nicht, was Sochma Pu Ihnen vor langer Zeit alles versprochen hat, aber das ist kein Grund, in den Keller seiner Familie einzubrechen und einen Koffer mitgehen zu lassen - so unn�tz er gewesen sein mag. Wo ist der Koffer eigentlich?�</p><p>�Verstehe�, sagte Kao Anloch traurig. �Meine Worte haben Sie nicht �berzeugt. Aber ich habe keine anderen Beweise, denn Secha war der Meinung, wir sollten alles vernichten, um keine Spuren zu hinterlassen. Und ich dachte, er habe Recht - immerhin ist er ein Profi.�</p><p>�Ach so�, sagte Kofa l�chelnd.</p><p>�Unser Kapit�n ist eine ehrliche Haut�, meinte Melifaro. �Heute Abend hat er noch kein einziges Mal gelogen. Ich hatte selten mit einem so aufrichtigen Menschen zu tun. Haben Sie vielleicht noch etwas St�rkeres, Kapit�n? Sie haben mich heute ziemlich durcheinandergebracht, und ich muss unbedingt etwas trinken.�</p><p>�Tut mir leid, aber ich habe nichts anderes da�, sagte der Kapit�n verlegen. �Ich habe nicht daran gedacht, dass man auf See etwas St�rkeres braucht.�</p><p>�Skandal!�, rief Melifaro theatralisch. �Wie wollen Sie in n�chternem Zustand eine Reise um die Welt bewerkstelligen? Ihre Mannschaft jedenfalls wird das sicher nicht begreifen.�</p><p>Der Kapit�n seufzte schuldbewusst und blickte verlegen zu Boden.</p><p>�Wie auch immer - ich m�chte Ihnen nochmals versichern, dass ich Sie nicht verhaften werde�, meldete sich Sir Kofa wieder zu Wort. �Aber ich habe eine Nachricht, die Sie traurig stimmen d�rfte: Ich muss Ihren Talisman einbehalten�, sagte er und wedelte einmal mehr mit dem Piratentuch herum. �Und zwar nicht, weil es im Kleinen Geheimen Suchtrupp Leute g�be, die Ihnen Ihr Gl�ck nicht g�nnen, sondern weil es sich bei diesem Tuch um ein Exemplar von solch magischer Kraft handelt, dass kein Bewohner des Vereinigten K�nigreichs es zu Hause aufbewahren d�rfte - nicht einmal der Erbe von Sochma Pu.�</p><p>�Verstehe�, sagte der Kapit�n, und seine Stimme zitterte. �Es wird keine Reise um die Welt geben. Wie sollte sie mir auch bei meinem schon sprichw�rtlichen Ungl�ck gelingen?�</p><p>�Sie wissen gar nicht, welches Gl�ck Sie haben, dass wir Ihnen das Tuch wegnehmen�, sagte Kofa. �Den Menschen, die bei Ihnen anheuern wollen, geht es nicht um romantische Abenteuer - sie k�nnen sich nur nicht der magischen Kraft Ihres Talismans entziehen. Aber wenn Sie Echo verlassen, verliert er an Kraft, und irgendwann befinden Sie sich inmitten zorniger Seeb�ren, die nicht umsonst f�r Sie arbeiten wollen.�</p><p>�Aber der alte Sochma hat doch gesagt, das Piratentuch helfe nur, als angenehmer und interessanter Gespr�chspartner zu erscheinen�, wandte Kao Anloch ein und sch�ttelte ratlos den Kopf.</p><p>�Auch Sochma hat offenbar nicht gewusst, welchen Einfluss es in Echo tats�chlich hat. Sonst h�tte er das Tuch sicher getragen - auch wenn es ganz und gar nicht zur Mode unserer Hauptstadt passt. Aber Ihr Schulkamerad Secha Modorok wusste, welche Wirkung die Einfachen Zauberdinge hier haben.�</p><p>�Meine langj�hrige Arbeit in der Beh�rde, die sich des Kummers der Welt angenommen hat, hat mir sicher geschadet�, sagte Kao Anloch zerknirscht. �Als mittlerer Beamter teilte ich fraglos die allgemeine Ansicht, man k�nne Ausl�ndern kein besonderes Wissen und keine Zauberk�nste Zutrauen. Mir fiel zwar auf, wie vorsichtig Secha mit den Talismanen umging, doch ich hielt das f�r ein Zeichen von Aberglauben. Ich h�tte nicht gedacht, der Talisman einer unwichtigen Person - und einen alten Ordenskoch kann man wohl als unwichtig bezeichnen - k�nne einem Gl�ck bringen, doch nun sehe ich ein, dass das ein Irrtum war.�</p><p>�Mittlere Beamte sind eben in jeder Beh�rde gleich�, brummte Kofa. �Nun ja, Herr Kapit�n - Ende gut, alles gut. Wollen Sie noch einen n�tzlichen Rat von mir? Kaufen Sie etwas St�rkeres f�r all die Seeleute, die Sie heute Abend erwarten, und erkl�ren Sie ihnen ehrlich, was mit Ihnen los war. Manche werden Sie auslachen, andere beschimpfen, aber keiner wird nachtragend sein, denn Matrosen sind ein sympathisches V�lkchen.�</p><p>�Sie m�ssen viele hochprozentige Getr�nke kaufen�, erg�nzte Melifaro, �denn Matrosen sind auch enorm trinkfest.�</p><p>�Nat�rlich, das mach ich.�</p><p>�Und sagen Sie am Ende Ihrer Erkl�rung unbedingt noch etwas �ber das berauschende Abenteuer, zu dem Sie aufbrechen wollen. Vielleicht f�hrt das dazu, dass einige Ihrer G�ste sich bereitfinden, auch ohne Heuer an Bord zu gehen.� Ich wusste nicht, was mich zu dieser �u�erung gebracht hatte, konnte sie aber ohnehin nicht ungeschehen machen. Meine Kollegen sahen mich erstaunt an, schwiegen aber.</p><p>�Vielen Dank f�r Ihren Rat, doch ich f�rchte, er wird nichts helfen�, sagte Kao Anloch betr�bt. �Mit dem Kopftuch von Sochma h�tte ich eine Mannschaft zusammenbekommen, aber ohne dieses Tuch bin ich aufgeschmissen.</p><p>Das Gl�ck hat mich schon bei viel einfacheren Dingen verlassen.�</p><p>�Also gut, dann habe ich noch etwas f�r Sie�, sagte ich und zog einen kleinen Dolch aus der Tasche. Ich hatte ihn nur wegen des Magieanzeigers dabei, war nun aber froh, ihn endlich seiner eigentlichen Bestimmung gem�� verwenden zu k�nnen, schnitt aus meinem Todesmantel gro�z�gig ein Dreieck heraus und �berreichte dem Kapit�n den schwarzgoldenen Fetzen.</p><p>�Nehmen Sie das�, sagte ich. �In dieser Welt glauben viele, ich sei ein riesiger Gl�ckspilz. Da kann ich Ihnen doch ein wenig von meinem Gl�ck abgeben, finden Sie nicht?�</p><p>Ohne zu �berlegen, griff Kao Anloch nach dem Stoff und besah ihn sich verdutzt. Auch meine Kollegen wirkten erstaunt.</p><p>�Wie ich sehe, ist Sir Max zu den besten Traditionen der Ordensepoche zur�ckgekehrt�, unterbrach Sir Kofa endlich die Stille. �Fr�her waren nur Gro�e Magister edel genug, ihr Gl�ck mit anderen zu teilen, und zwar l�ngst nicht alle. Kapit�n, Sie haben heute wirklich Gl�ck. Binden Sie sich dieses St�ck Stoff wie ein Piratentuch auf den Kopf. Wer wei�, vielleicht ersetzt ein Talisman den anderen. Gut - wir haben alles pflichtgem�� erledigt und gehen jetzt, Herrschaften.�</p><p>�Mir kommen gleich die Tr�nen. Ich �berschwemme dieses Schiff mit meinen Z�hren und bringe es zum Sinken, ehe es das Meer Ukli erreicht�, sagte Melifaro und stand auf.</p><p>Wir verabschiedeten uns von Kao Anloch, der baff in seiner Kaj�te sitzen blieb. Beim Rausgehen sah ich, dass er wirklich versuchte, sich den Fetzen Stoff wie ein Piratentuch um den Kopf zu binden. Das stand ihm ausnehmend gut.</p><p>�Es ist unfair von dir, dein kostbares Gl�ck mit Fremden zu teilen�, maulte Melifaro, w�hrend wir �ber die Gangway an Land gingen. �Ich w�rde auch gern so einen kostbaren Fetzen aus deinem Lochimantel bekommen.�</p><p>�Was k�nntest du damit schon anfangen?�, fragte Kofa erstaunt.</p><p>�Ich h�tte ihn einfach nur gern�, entgegnete Melifaro. �Ich bin nun mal gierig - wie alle Bauernkinder.�</p><p>�Wollt ihr wissen, warum ich Kao Anloch ein St�ck meines Mantels �berlassen habe?�, fragte ich.</p><p>Meine Kollegen nickten interessiert.</p><p>�Damit ich nach Hause fahren und mich umziehen muss, denn mit diesem Loch kann ich unm�glich rumlaufen. Und das ist ein guter Vorwand, um ein, zwei Stunden im Armstrong und Ella zu verbringen.�</p><p>�Was bist du nur f�r ein kluger Kopf! Es ist wirklich zum Verr�cktwerden!�, rief Melifaro.</p><p>�Bist du neidisch?�, fragte ich stolz und w�re fast �ber ein Brett gestolpert. �Wann kommen wir eigentlich aus diesem Chaos hier raus?�</p><p>�Das ist kein Chaos, sondern der Hafen der Hauptstadt des Vereinigten K�nigreichs�, erkl�rte Kofa mit patriotischer Inbrunst. �Offenbar warst du noch nie im Hafen der freien Stadt Gazin. �brigens haben wir es schon geschafft. Da vorn steht dein A-Mobil.�</p><p>�Begleitet mich doch bitte noch in Techis Wirtshaus�, schlug ich vor.</p><p>�Herzlich gern, denn die Kamra deiner Freundin ist ein schlagender Beweis deines unfassbaren Gl�cks�, erkl�rte Kofa.</p><p>�Ich sch�tze eure Gesellschaft sehr, m�chte aber trotzdem lieber ins Haus an der Br�cke. Wer wei�, was dort seit meiner Abwesenheit so alles passiert ist�, sagte Melifaro.</p><p>�Bist du dir wirklich sicher, dass es dich dorthin und nicht in meine Residenz zieht?�, fragte ich unschuldig.</p><p>�Du verflixter Hellseher - irgendwann muss es mir doch gelingen, dich in einen geh�rnten Ehemann zu verwandeln.�</p><p>�Deine Verf�hrungsversuche zu vereiteln, bereitet mir ein diebisches Vergn�gen. Aber ich habe einen besseren Vorschlag f�r dich: Komm mit uns, trink ein wenig Kamra, nimm eines meiner vielen A-Mobile, die in der N�he des Wirtshauses stehen, und fahr damit, wohin du willst.�</p><p>Ich parkte vor dem Armstrong und Ella. Die T�r quietschte wieder im Wind. Offenbar hatte Techi die Handwerker noch immer nicht gerufen. In dieser Hinsicht waren wir uns �hnlich - auch ich w�rde ein Jahr daf�r brauchen.</p><p>�Du hast behauptet, du h�ttest rings um das Lokal jede Menge A-Mobile stehen, doch ich habe nur zwei gesehen�, sagte Melifaro. �Wo soll ich eins davon sp�ter abstellen?�</p><p>�Am Haus an der Br�cke steht schon eins, aber ich brauche einen Wagen in der N�he meiner Residenz. Meine vielen A-Mobile sollten gleichm��ig �ber die Stadt verteilt sein.�</p><p>Techi begr��te Kofa und mich mit freudigem L�cheln. �Ich hab euch schon erwartet und sogar Kamra gekocht�, begann sie. �So eine gute Nase hab ich selten gehabt.�</p><p>�Das liegt in der Familie. Die Intuition war auch der Schwachpunkt deines gro�artigen Vaters�, sagte ich und biss mir auf die Zunge, da ich mich in eine gef�hrliche Richtung bewegte. �Irgendwer hat mir davon erz�hlt�, f�gte ich hinzu.</p><p>�Offenbar gibt es in Echo viele Geschichtsfreunde, die die Biografie meines Vaters auswendig kennen�, rief Techi ver�rgert. �Schade, dass er davon nie erfahren wird. Nachruhm ist eigentlich etwas Ungerechtes, findet ihr nicht?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Kofa nickend. �Man k�mpft und rackert sich ab, und wenn man stirbt, streichen andere die Fr�chte der Arbeit ein. Was ich schon immer von dir wissen wollte, Techi: Hat dir dein Vater beigebracht, wie man Kamra kocht? Bei dir schmeckt sie n�mlich verd�chtig gut.�</p><p>�Ich das ein Verh�r?�, fragte sie l�chelnd. �Befasst sich der Kleine Geheime Suchtrupp nun auch mit mir? Was redest du da nur, Kofa? Kannst du dir Lojso Pondochwa etwa inmitten von Kocht�pfen vorstellen?�</p><p>�Warum nicht? Ich kann mir jeden in der K�che vorstellen - sogar deinen Freund Max. Nun ja, bei ihm erlaubt meine Vorstellungskraft zugegebenerma�en nur den Gedanken, dass er sich eine Dosensuppe aus dem Schrank nimmt und sie aufw�rmt. Beim Schneiden von Gem�se oder beim Kochen von Kartoffeln kann ich ihn mir jedenfalls nicht denken.�</p><p>Wir plauderten noch eine halbe Stunde, bis ein Dienst-A-Mobil vor dem Armstrong und Ella hielt. Kofa stand auf. �Ich fahre jetzt zu Sir Juffin und berichte ihm, wie die Sache mit den Einfachen Zauberdingen ausgegangen ist.</p><p>Du, Max, brauchst dich nicht zu beeilen, denn du wirst erst in zwei Stunden im B�ro erwartet.�</p><p>�In drei Stunden�, berichtigte ich ihn.</p><p>�Umso besser. Dann hast du mehr Zeit, dich umzuziehen. So jedenfalls hast du es vorhin formuliert.�</p><p>�Wie hat Kofa das denn gemeint?�, fragte mich Techi, nachdem mein Kollege das Lokal verlassen hatte.</p><p>�Ich glaube, er hatte etwas h�chst Unanst�ndiges im Sinn�, meinte ich l�chelnd. �Was kann ein Mann in Gegenwart einer so sch�nen Freundin, wie du es bist, schon wollen?�</p><p>�Etwas zu essen?�</p><p>�Deine Intuition hat sich trotz ihrer famili�r bedingten Schw�che pr�chtig entwickelt�, meinte ich kichernd.</p><p>Ich kam rechtzeitig ins B�ro. Nur Sir Juffin schien sich im Haus an der Br�cke aufzuhalten.</p><p>�Wo ist dein Hund?�, fragte er mich.</p><p>�Drupi weigert sich, mit mir zum Dienst zu kommen, denn er wird nicht daf�r bezahlt. Und ich kann diesen k�niglichen Hund unm�glich dazu zwingen, sich hier aufzuhalten.�</p><p>�Das stimmt�, pflichtete Juffin mir bei. �Na sch�n, setz dich in meinen Sessel und mach, was du willst. Ich gehe mir mal wieder ein paar DVDs ansehen. Du bist hoffentlich nicht eifers�chtig auf mich?�</p><p>�Keine Sorge. Au�erdem habe ich f�r heute Abend eine andere Unterhaltung geplant.�</p><p>�Willst du Lojso Pondochwa mal wieder im Traum begegnen?�</p><p>�Aber nein. Ich will ein paar Stunden meinen Arbeitsplatz verlassen und dem Geh�rnten Mond einen Besuch abstatten.�</p><p>�Bist du etwa auch ein Verehrer der Poesie?�, fragte Sir Juffin. �Bei Lonely-Lokley kann ich das ja noch verstehen. Schlie�lich hat er eine st�rmische Jugend hinter sich und einen Haufen leerer Aquarien, viele tote Magister und ein paar eiskalte H�ndchen auf dem Gewissen. Ihm w�rde ich noch ganz andere Sachen Zutrauen, aber dir?�</p><p>�Ich will nur sehen, ob die Dichter meinen Kollegen nicht vielleicht beleidigen�, stellte ich klar.</p><p>�Wenn sie es wagten, Sir Sch�rf zu nahe zu treten, w�rde das in einem Get�mmel enden, das ein gefundenes Fressen f�r unseren gro�en Schlachtenmaler Galsa Ilana w�re. Leider ist er schon vor f�nfzig Jahren gestorben.�</p><p>Juffins Bemerkung lie� mich an sein Portr�t Bubuta Bochs denken, in dessen Hintergrund eine furchtbare Schlacht tobte.</p><p>Mein Chef verlie� das B�ro, denn die n�chste DVD wartete schon und duldete keinen Aufschub. Ich machte es mir in seinem Sessel bequem und studierte in aller Ruhe die Zeitungen der letzten Tage, denn ein bleischweres Gef�hl von Langeweile war jetzt genau das Richtige, um meinem Leben den besonderen Kick zu geben.</p><p>Drei Stunden vor Mitternacht meldete sich Ande Pu endlich bei mir. Ich sagte Kurusch, er m�sse eine Zeit lang die Stellung halten, tauschte den Todesmantel gegen einen dunkel violetten Umhang, den ich extra mitgebracht hatte, und verlie� das Haus an der Br�cke.</p><p>Ande Pu trippelte aufgeregt vor meinem A-Mobil herum.</p><p>�Nett, dass du mich nicht vergessen hast�, sagte ich und setzte mich ans Steuer. �Zeig mir bitte den Weg.�</p><p>�Da gibt es nichts zu zeigen�, meinte Ande achselzuckend. �Das Wirtshaus liegt am Platz der Theater und Am�sierlokale.�</p><p>�Das ist ja nur einen Katzensprung von meiner Residenz entfernt! Seltsam, dass ich nie etwas von diesem Lokal geh�rt habe.�</p><p>�Der Geh�rnte Mond liegt etwas versteckt. Man muss sich in der Gegend gut auskennen�, sagte Ande so gravit�tisch, als sei er ein Gro�er Magister der Altertumskunde und w�rde mich gerade in ein bedeutendes Geheimnis einweihen.</p><p>��brigens haben wir die Diebe �berf�hrt, die den Koffer deines Gro�vaters gestohlen haben.�</p><p>Ich fand, Ande habe ein Recht darauf, alle Einzelheiten des Falls zu erfahren. Schlie�lich war er Eigent�mer all der Einfachen Zauberdinge, die in dem Koffer gewesen waren - auch wenn die Beh�rden des Vereinigten K�nigreichs diese Sch�tze inzwischen in Gewahrsam genommen hatten. Ich musste mich kurz fassen, denn die Fahrt zum Platz der Theater und Am�sierlokale dauerte selbst im Feierabendverkehr, der mich langsam zu fahren zwang, h�chstens zehn Minuten.</p><p>�Tut mir wirklich leid, Ande, aber wir d�rfen dir diese Sachen nicht zur�ckgeben�, schloss ich meinen Bericht mit schuldbewusster Stimme. �Es ist streng verboten, so starke Talismane zu besitzen, und du hast sicher kein Interesse an Unannehmlichkeiten. In einigen Tagen bekommst du eine Entsch�digung f�r den Inhalt des Koffers, die gewiss gro�z�gig ausf�llt.�</p><p>�Gut�, sagte Ande. �Was h�tte ich mit den Talismanen schon anfangen k�nnen? Vielleicht reicht die Entsch�digung ja, um eine Fahrkarte nach Tascher zu ergattern.�</p><p>�Du kannst diese Stadt im S�den einfach nicht vergessen, was? Dort wirst du dich bestimmt langweilen und dich bald nach Echo zur�cksehnen.�</p><p>�Glaubst du wirklich? W�rde ich freiwillig aus Tascher zur�ckkehren, dann w�rde ich in Echo leben, weil ich dort leben will. Jetzt dagegen wohne ich hier blo�, weil ich zuf�lligerweise in der Hauptstadt geboren wurde.�</p><p>�Das sind wirklich zwei verschiedene Paar Schuhe�, pflichtete ich ihm bei. �Gut, jetzt sind wir an Ort und Stelle. Wie soll es weitergehen?�</p><p>Ande zeigte mir, wo ich mein A-Mobil abstellen sollte, und verschwand in einem Gang zwischen zwei H�usern. Ich folgte ihm erstaunt, denn ich h�tte nicht gedacht, dass sich an einem so abgelegenen Ort ein Wirtshaus befand. Pl�tzlich landeten wir in einem kleinen, von Fensterlicht erhellten Hof.</p><p>�Das ist der Geh�rnte Mond-, erkl�rte Ande und wies auf ein Schild, das eine Mondsichel mit Ziegenh�rnern zeigte.</p><p>Der Geh�rnte Mond war eines der vielen angenehmen und doch g�nstigen Wirtsh�user von Echo. Es gab eine lange Theke mit Barhockern, aber auch Tische mit gem�tlichen St�hlen und eine traditionsgem�� bunte Mischung von G�sten. Mit einem Wort: Es schien wie �berall zu sein.</p><p>Nach kurzer Beobachtung stellte ich allerdings fest, wie ungew�hnlich das hier versammelte V�lkchen war. Alle warfen ab und an gespannte Blicke auf eine quadratische B�hne in der Mitte des Lokals. Ich war daran gew�hnt, in Wirtsh�usern stets von den zufriedenen Mienen ges�ttigter Hauptstadtbewohner umgeben zu sein. Allenfalls in Juffins Dutzend sah es etwas anders aus, aber das war ohnehin ein Sonderfall.</p><p>�S�ndige Magister, Max, was hat dich hierher verschlagen?�</p><p>Erstmals sah ich Lonely-Lokleys so unersch�tterliches Gesicht hellauf erstaunt.</p><p>�Wei�t du, Sch�rf, du hast mich schon so oft �berrascht, dass ich mich revanchieren wollte�, sagte ich l�chelnd. �Und es sieht so aus, als w�re mir das gelungen.�</p><p>Lonely-Lokley nickte nur und setzte wieder seine unger�hrte Miene auf. H�tte ich ihn nicht so gut gekannt, dann h�tte ich sein Erstaunen f�r eine Halluzination gehalten.</p><p>�Es ist nett hier�, meinte ich gener�s. �Besonders die G�ste gefallen mir. Sag mal, Ande, sind das alles Dichter? �</p><p>�Beinahe. Und es sind viele hervorragende Autoren dabei, nicht blo� Anf�nger. Aber es gibt hier auch Verehrer der Dichtkunst, zum Beispiel Sir Lonely-Lokley.�</p><p>�Und so ein interessantes Publikum trifft man hier jeden Tag?�</p><p>�Normalerweise ist es nicht so voll, aber heute Abend gibt es einen Lesewettbewerb - wie traditionsgem�� in jeder Neumondnacht.�</p><p>�Und wie sieht dieser Wettbewerb aus?�</p><p>�Zun�chst liest jeder, der mag, seine neuen Gedichte vor. Der Wettbewerb beginnt erst, wenn alle betrunken sind und aufeinander einschlagen. Und das ist auch verst�ndlich, denn ab einem bestimmten Rauschpegel k�nnen sich talentierte Menschen schwer miteinander verst�ndigen�, erkl�rte Sch�rf mit der sonoren Stimme eines altgedienten Fremdenf�hrers.</p><p>Ratlos sch�ttelte ich den Kopf. Lonely-Lokley schien sich verd�chtig gut auszukennen. In diesem Moment betrat einer der Dichter die B�hne und begann, seine Verse vorzutragen. Ich konnte bei dem Krach ringsum kein Wort verstehen.</p><p>�Vielleicht sollten wir uns n�her an die B�hne setzen�, schlug ich vor. �Hier hinten h�re ich nichts - ihr etwa?�</p><p>�Ach, das lohnt nicht�, sagte Ande und verzog leidend das Gesicht. �Am Anfang treten immer furchtbar normale Leute auf, die sich am Vorabend von allen Musen gek�sst glaubten und daraufhin ersch�tternde Verse zu Papier brachten. Wenn ein echter Meister auftritt, ist es sofort mucksm�uschenstill.�</p><p>�S�ndige Magister, da dr�ben sehe ich noch ein bekanntes Gesicht!�, rief ich erstaunt.</p><p>Im Eingang des Geh�rnten Mondes war Sir Skalduar van Dufunbuch, unser Pathologe, aufgetaucht.</p><p>�Ach, Sir Skalduar geh�rt zu den Stammg�sten�, bemerkte Ande mit dem Gehabe des gelangweilten Kenners. �Als ich vor dreizehn Jahren zum ersten Mal hier war, hatte er schon seinen eigenen Tisch. Er schreibt zwar nicht, ist aber ein fantastischer Zuh�rer und ein gro�er Kenner der Poesie. Woher kennst du ihn, Max?�</p><p>�Er arbeitet im Haus an der Br�cke.�</p><p>�Willst du damit sagen, er ist ein Bulle?�, fragte Ande erschrocken.</p><p>�Keine Sorge�, beruhigte ich ihn v�terlich. �Sir Skalduar ist kein normaler Polizist, sondern unser Pathologe.�</p><p>�Er schneidet also die Leichen auf, die ihm die Bullen auf den Seziertisch legen?�, wollte Ande wissen.</p><p>�Befrei dich endlich von den Traumata deiner Jugend�, seufzte ich entnervt. �Wie oft hab ich dir schon erkl�rt, dass es auch unter Polizisten anst�ndige Menschen gibt?�</p><p>In diesem Moment marschierte Sir Skalduar van Dufunbuch w�rdig durch den vollen Saal, setzte sich an den Nachbartisch und gr��te uns freundlich.</p><p>�Wie ich sehe, ist Ande Pu nicht nur einer der besten zeitgen�ssischen Dichter, sondern r�hrt auch die Werbetrommel, damit das Lokal aus allen. N�hten platzt. Demn�chst versammelt sich der Kleine Geheime Suchtrupp hier wahrscheinlich fast vollz�hlig - nur Sir Juffin wird im Fressfass hocken bleiben.�</p><p>�Aber nicht allein - daf�r wird er durch entsprechende Dienstpl�ne schon sorgen.�</p><p>Dass Sir Skalduar meinen Freund f�r einen der besten zeitgen�ssischen Dichter hielt, lie� mich aus allen Wolken fallen, denn ich hatte Ande Pu nie im Verdacht gehabt, literarisch talentiert zu sein. Wenn er zu rezitieren begann, hatte ich regelm��ig weggeh�rt - nicht zuletzt, weil er beim Vortrag seiner Gedichte meist schon schwer berauscht war. Ich f�rchte, ich war insgeheim �berzeugt, ein echter Dichter m�sse gro� gewachsen und bildsch�n sein und flammende Blicke werfen, aus denen sein inneres Feuer loderte. Auch sollte ihn eine Aura von Geheimnis umgeben. Und betrunken sollte er sicher nicht sein.</p><p>Pl�tzlich wurde es still. Ein sch�chterner, aber sympathisch wirkender Mann mit grauem Bart betrat die B�hne.</p><p>Seine Gestalt entsprach immerhin teilweise meiner Vor-</p><p>Stellung von einem Dichter, denn er war gro�, und ihn umgab die Aura des Genies. Nur sein Blick war alles andere als flammend, doch das lag wom�glich an seiner Brille. Seine Gedichte waren hinrei�end. Ich hatte nicht erwartet, in diesem so nah am Platz der Theater und Am�sierlokale gelegenen Wirtshaus etwas so Gutes zu h�ren.</p><p>Noch ein paarmal im Laufe des Abends war es vollkommen still, doch die Gedichte der anderen Meister bewegten mich nicht mehr so sehr. Vielleicht hatte ich meinen lyrischen �berschwang bereits beim Durchleben der ersten Gedichte verbraucht.</p><p>�Max, seit einer halben Stunde siehst du furchtbar aus�, sagte Lonely-Lokley. �Geht's dir nicht gut?�</p><p>�Es ist etwas Schreckliches passiert. Ich habe gute Gedichte geh�rt, und sie haben mich ersch�ttert. Die n�chsten Stunden werde ich nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden k�nnen. So ein Zustand �berkommt mich selten, doch wenn er mich packt, dann intensiv. Wie hei�t eigentlich der B�rtige mit der Brille?�</p><p>�Wen meinst du genau? Hier tragen fast alle einen Bart.�</p><p>�Ich meine den Dichter, bei dessen Auftritt es zum ersten Mal ganz still war.�</p><p>�Ach, das war Sir Kiba Kimar�, sagte Ande Pu. �Haben dir seine Verse wirklich gefallen, Max?�</p><p>�Warum fragst du?�, gab ich betr�bt zur�ck, denn in seiner Stimme hatte etwas Ungl�ubiges gelegen.</p><p>�Na ja, es hei�t, nur echte Kenner k�nnten seine Gedichte verstehen. Selbst ich finde manchmal keinen Zugang zu ihnen. Am st�rksten ber�hrt mich seine Poesie, wenn ich davor im Alten Dom get�felt habe.�</p><p>�Auch ich glaube, dass Kiba Kimar zu den besten Dichtern geh�rt�, lie� Sch�rf sich vernehmen. �Er schreibt nur �ber Dinge, die wirklich Bedeutung haben, und seine Verse regen zum Nachdenken an. Es ist �brigens unm�glich, seine Gedichte auswendig zu lernen - das habe ich schon mehrmals feststellen m�ssen. Darin �hneln sie uralten Zauberspr�chen.�</p><p>Gebannt lauschte ich Lonely-Lokley und enthielt mich jeglichen Kommentars. Man verzeihe mir die abgegriffene Formulierung, aber die Dichtung hatte mich so verzaubert, dass ich mein Schweigen genoss.</p><p>Kurz vor Mitternacht traute sich Ande Pu auf die B�hne, und ich schwor mir, ihm aufmerksam zuzuh�ren.</p><p>Seine Gedichte w�ren gut gewesen, wenn hinter ihren gesuchten, k�hn gedrechselten und meist schwer verst�ndlichen Formulierungen etwas wirklich Interessantes gesteckt h�tte. Doch unter der d�nnen Schicht kunstvoll zusammengef�gter Worte verbarg sich nur eine unendliche Einsamkeit und die stets gleiche Klage: Warum liebt ihr mich nicht, obwohl ich so wunderbar bin? Als ich noch auf der Erde lebte, hatte auch ich eine Zeit lang solche Verse verfasst.</p><p>�Es macht Spa�, dir beim Zuh�ren zuzusehen�, sagte Lonely-Lokley zu mir. �Du hast so ein geniertes Gesicht. Man k�nnte glauben, Ande tr�ge deine lyrischen Jugends�nden vor.�</p><p>�Gefallen dir seine Verse etwa?�, fragte ich schroff.</p><p>�Nat�rlich. Ande ist offensichtlich ein hochtalentierter Poet�, sagte Sch�rf mit einer Stimme, die keinen Widerstand duldete.</p><p>�Ja�, seufzte ich ergeben. �Nat�rlich.�</p><p>Ich wollte nicht mit ihm streiten, denn mit Lonely-Lokley zu diskutieren, w�re pure Zeitverschwendung gewesen.</p><p>Wie dem auch sei: Ande Pu beendete seinen Auftritt in v�lliger Stille, hatte sich also einmal mehr den h�chsten Respekt seiner Zuh�rer erlesen. Als er an unseren Tisch trat, strahlte er wie ein Honigkuchenpferd und bestellte gleich eine Flasche ukumbrischen Schnaps namens Bomboroki. Offenbar hatte der kleine dicke Mann das Piratenblut seiner Vorfahren in den Adern.</p><p>�Hat's dir gefallen, Max?�, fragte er �berraschend sch�chtern.</p><p>Staunend stellte ich fest, dass er sich nicht aus H�flichkeit an mich gewandt hatte, sondern auf meine Antwort wirklich gespannt war.</p><p>�Schwer zu sagen�, antwortete ich ehrlich. �Du wirst staunen, doch auch ich habe mal Gedichte verfasst, und sie haben sich sehr �hnlich angeh�rt. Deshalb f�llt es mir nicht leicht, mich zu deinen Versen zu �u�ern.�</p><p>�Hast du wirklich �hnliche Dinge zu Papier gebracht?�, fragte Ande erstaunt. �Warum hast du mir nie etwas davon gezeigt? Dachtest du etwa, ich w�rde es nicht verstehen?�</p><p>�Aber nein�, sagte ich l�chelnd. �Ich war blo� in letzter Zeit nie betrunken genug, um meine Gedichte zu rezitieren. Ich pflege sie nur im Vollrausch vorzutragen und nach dem letzten Vers mit dem Kopf in der Salatsch�ssel einzuschlafen. In n�chternerem Zustand bin ich zu solchen Heldentaten nicht f�hig.�</p><p>�Offenbar kann Max nicht nur Gedichte schreiben -</p><empty-line/><empty-line/></section></body><binary id="0" 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