<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_space</genre><author><first-name>Jack</first-name><last-name>Campbell</last-name></author><book-title>Fluchtpunkt Ixion</book-title><annotation><p>Seit �ber 100 Jahren f�hrt die Allianz schon Krieg gegen die Syndik-Welten�� mit wenig Aussicht auf den Sieg. Jetzt muss Captain John �Black Jack� Geary daf�r sorgen, dass die Allianz dem gnadenlosen Feind immer einen Schritt voraus ist.</p></annotation><date>2011</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Ralph</first-name><last-name>Sander</last-name></translator><sequence name="Die verschollene Flotte" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf_space</genre><author><first-name>Jack</first-name><last-name>Campbell</last-name></author><book-title>Courageous</book-title><date value="2008-01-01">2008</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>Fiction Book Designer, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2015-03-02">02.03.2015</date><id>FBD-23B9D1-7138-0C42-DFA6-043C-507D-45AF9F</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Die verschollene Flotte: Fluchtpunkt Ixion</book-name><publisher>Bastei L�bbe</publisher><city>K�ln</city><year>2010</year><isbn>978-3-8387-0242-1</isbn></publish-info></description><body><title><p>Jack Campbell</p><p>Die verschollene Flotte 3</p><p>Fluchtpunkt Ixion</p></title><section><p><emphasis>F�r David Sherman, der die Treue gehalten hat. Semper Fi</emphasis></p><p><emphasis>Und wie immer f�r S.</emphasis></p><empty-line/></section><section><title><p>Eins</p></title><p>F�r den Captain des Handelsschiffs der Syndikatwelten, das sich dem aus dem Baldur-System f�hrenden Sprungpunkt n�herte, mochte es ein guter Tag gewesen sein�� bis zu dem Moment, da mehrere Zerst�rergeschwader der Allianz-Flotte aus eben jenem Sprungpunkt kommend auftauchten. M�glicherweise waren ihm ein paar Minuten geblieben, um zu �berlegen, ob er wohl um die Zerst�rer herumfliegen sollte, um aus dem System und damit in Sicherheit zu springen, doch dann waren weitere Zerst�rer gefolgt, hinter denen wiederum ganze Geschwader aus leichten Kreuzern materialisierten. Ganz sicher waren er und seine Crew zu der einzigen Rettungskapsel gerannt, als dann auch noch Divisionen aus schweren Kreuzern, Schlachtkreuzern und Schlachtschiffen den Sprungpunkt verlie�en.</p><p>Die Beh�rden der Syndikatwelten auf der einen bewohnbaren Welt im Orbit um Baldur sollten die Zerst�rung des Handelsschiffs in sechs Stunden zu sehen und dann auch die Hilferufe der Besatzung zu h�ren bekommen. Fast zur gleichen Zeit w�rde das Licht vom Sprungpunkt ihre Welt erreichen, und dann konnten sie auch die Allianz-Flotte sehen, die in ihrem abgeschiedenen Sternensystem aufgetaucht war.</p><p>Sp�testens dann w�rde es f�r sie auch kein guter Tag mehr sein.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p><emphasis>�Rapier</emphasis> und <emphasis>Bulawa</emphasis> melden die Vernichtung des Syndik-Handelsschiffs. Eine Rettungskapsel hat das Handelsschiff verlassen. Die <emphasis>Singhauta</emphasis> meldet die Zerst�rung der automatischen Verkehrsleitboje, die den Sprungpunkt �berwacht.� Die Stimme des Wachhabenden schallte ruhig und deutlich �ber die Br�cke des Schlachtkreuzers <emphasis>Dauntless.</emphasis> �Es wurden keine Minenfelder festgestellt und keine verd�chtigen Anomalien gesichtet.�</p><p>Captain John �Black Jack� Geary nickte best�tigend, seine Aufmerksamkeit war auf das schwebende Display vor seinem Kommandosessel gerichtet. Auf dem Display h�tte er sich jede Einzelheit der Informationen heraussuchen k�nnen, die ihm der Wachhabende soeben gemeldet hatte, doch aus Erfahrung wusste er, dass der menschliche Verstand immer noch der beste Filter war, um wichtige von unwichtigen Daten zu unterscheiden. Wenn das von einem anderen Menschen erledigt wurde, konnte sich Geary auf das Gesamtbild konzentrieren. �Welches unserer Schiffe hat die beste Position, um die Rettungskapsel zu bergen?�</p><p>�Einen Moment, Sir. Die <emphasis>Battleaxe,</emphasis> Sir.�</p><p>Geary tippte ohne lange suchen zu m�ssen auf die entsprechende Komm-Kontrolle, und nahm mit Erleichterung zur Kenntnis, dass er sich allm�hlich an die fremdartig anmutenden Instrumente der Zukunft gew�hnte. �<emphasis>Battleaxe,</emphasis> hier spricht Captain Geary. Nehmen Sie bitte die Syndik-Rettungskapsel an Bord. Ich m�chte die Handelscrew befragen.�</p><p>Zwangsl�ufig dauerte es gut eine Minute, bis die Antwort eintraf. Der Zerst�rer <emphasis>Battleaxe</emphasis> war rund zwanzig Lichtsekunden von der <emphasis>Dauntless</emphasis> entfernt, also vergingen zwanzig Sekunden, bis die Anfrage dort eintraf, und weitere zwanzig Sekunden, bis die Antwort empfangen werden konnte. �Jawohl, Sir. An wen sollen wir die Crew �berstellen?�</p><p>�An die <emphasis>Dauntless�,</emphasis> lie� Geary ihn wissen.</p><p>Er wartete noch auf die Best�tigung durch die <emphasis>Battleaxe,</emphasis> da meldete sich hinter ihm eine k�hle Stimme zu Wort. �Was hoffen Sie von der Besatzung eines Handelsschiffs zu erfahren, Captain Geary? Die Syndik-F�hrung wird diesen Leuten keine Geheiminformationen anvertraut haben.�</p><p>Geary warf einen Blick �ber die Schulter und sah, wie Victoria (keine Rechtschreibvorschl�ge)�� Co-Pr�sidentin der Callas-Republik und Senatorin der Allianz�� ihm einen neugierigen Blick zuwarf. �Dieses Schiff wollte das System verlassen, was bedeuten d�rfte, dass es sich nicht um ein Schiff handelt, das ausschlie�lich innerhalb des Systems unterwegs ist. Das wiederum l�sst den Schluss zu, dass das Schiff erst innerhalb der letzten Wochen in dieses System gekommen ist und daher �ber Neuigkeiten aus anderen Syndik-Systemen verf�gen d�rfte. Ich will wissen, was man ihnen �ber diese Flotte gesagt hat und was sie �ber den Krieg im Allgemeinen wissen. Au�erdem m�chte ich herausfinden, ob ihnen auf ihren Reisen irgendwelche Ger�chte zu Ohren gekommen sind.�</p><p>�Denken Sie, diese Informationen werden f�r uns von Nutzen sein?�, bohrte Rione nach.</p><p>�Ich habe keine Ahnung, aber solange ich diese Informationen nicht kenne, kann ich das nicht beurteilen, nicht wahr?�</p><p>Sie nickte nur, lie� aber nicht erkennen, was ihr durch den Kopf ging. Allerdings war das f�r Geary nichts Ungewohntes. Er und Rione waren ein paar Wochen lang ein Liebespaar gewesen, doch kurz vor Verlassen des Ilion-Systems war sie mit einem Mal auf Abstand zu ihm gegangen. Der Grund daf�r war ihm bislang ein R�tsel. �Dann sollten die Gefangenen vielleicht besser an die <emphasis>Vengeance</emphasis> ausgeliefert werden�, schlug sie schlie�lich vor. �Wie ich geh�rt habe, soll dieses Schiff �ber die besten Verh�reinrichtungen der Flotte verf�gen.�</p><p>Captain Tanya Desjani, die neben Geary sa�, drehte abrupt den Kopf herum und konterte frostig: �Die <emphasis>Dauntless</emphasis> besitzt hervorragende Verh�reinrichtungen und kann Captain Geary mit allem dienen, was er ben�tigt.� Desjani wollte gar nicht erst den Gedanken zulassen, irgendein Schiff der Flotte k�nnte <emphasis>ihrem</emphasis> Schiff �berlegen sein.</p><p>Einen Moment lang musterte Rione regungslos die Befehlshaberin der <emphasis>Dauntless,</emphasis> dann deutete sie ein fl�chtiges Nicken an. �Ich wollte nicht unterstellen, die <emphasis>Dauntless</emphasis> k�nnte dieser Aufgabe nicht gewachsen sein.�</p><p>�Danke�, erwiderte Desjani genauso unterk�hlt wie zuvor.</p><p>Geary versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Seit Ilion standen Desjani und Rione andauernd dicht davor, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, doch der Grund daf�r war ihm ebenfalls ein R�tsel. Es war schon schlimm genug, dass er sich wegen der Syndik-Flotte den Kopf zerbrechen musste, da h�tte er gern darauf verzichtet zu gr�beln, wieso es auf einmal b�ses Blut zwischen den beiden besten Beraterinnen gab, die er in der Flotte hatte. Er konzentrierte sich wieder auf das Display, auf dem die Flottensensoren alle H�nde voll damit zu tun hatten, s�mtliche aktuellen Informationen zu verarbeiten. Auf einmal fluchte er.</p><p>�Was ist los, Sir?�, fragte Desjani und lie� ihren Blick bereits �ber das eigene Display wandern. �O verdammt!�</p><p>�Ganz meine Meinung�, stimmte Geary ihr zu. Er wusste, Rione h�rte ihnen zu und fragte sich, was wohl los war. �Da ist ein zweites Handelsschiff der Syndiks unterwegs, das fast den Sprungpunkt auf der anderen Seite des Systems erreicht hat. Es wird noch genug Zeit haben, um unsere Ankunft zu sehen, bevor es den Sprung unternimmt, und diese Information wird es den Syndik-Beh�rden im n�chsten System �berbringen.�</p><p>�Schon gut, dass wir uns hier nicht l�nger aufhalten wollen�, meinte Desjani. �In Baldur gibt es nichts, was wir ben�tigen. Es ist nur ein zweitrangiges Sternensystem.�</p><p>Geary nickte, w�hrend seine Gedanken ein Jahrhundert zur�ckwanderten. In die Zeit vor dem Krieg, in die Zeit, bevor er sich einen verzweifelten Kampf mit den Syndiks lieferte, als die ihren ersten �berraschungsangriff starteten. In die Zeit, bevor er es nur mit M�he in eine besch�digte Rettungskapsel schaffte, in der er hundert Jahre im K�lteschlaf verbrachte, ehe er mit einem Mal zum Befehlshaber einer ganzen Flotte geworden war, deren �berleben auf seinen Schultern lastete. In eine Zeit, als er nur John Geary war, ein ganz normaler Flottenoffizier, nicht der mythische Held Black Jack Geary, von dem die Menschen dieser Zeit glaubten, er k�nne alles schaffen, was er sich vornahm. �Vor dem Krieg sind die Leute nach Baldur gereist�, sagte er in einem fast gedankenverlorenen Tonfall. �Touristen. Sogar aus der Allianz.�</p><p>Desjani betrachtete ihn ungl�ubig. �Touristen?� Nach einem Jahrhundert erbitterter Kriegf�hrung musste der Gedanke f�r sie v�llig absurd sein, eine Vergn�gungsreise in ein Territorium zu unternehmen, das sie ihr Leben lang nur als Feindgebiet gekannt hatte.</p><p>�Ja.� Gearys Blick wanderte zu der Darstellung der einzigen bewohnten Welt. �Da unten gibt es ein paar spektakul�re Landschaften zu sehen. Auch wenn die Menschheit bereits so viele Welten besiedelt hatte, fand sich da unten etwas absolut Einzigartiges. Etwas, das man gesehen haben musste, um seine Bedeutung zu verstehen. Jedenfalls erz�hlte man sich das fr�her.�</p><p>�Etwas Einzigartiges?� Desjani musterte ihn zweifelnd.</p><p>�Ja�, wiederholte Geary. �Ich habe einmal ein Interview mit jemandem gesehen, der dort gewesen war. Er sprach davon, dass es etwas Ehrfurcht einfl��endes war, als w�rden die eigenen Vorfahren neben einem stehen, wenn man sich dort umschaute. Aber vielleicht ist ja irgendetwas vorgefallen, immerhin hat Baldur kein Hypernet-Portal erhalten.� Sein Blick wanderte zu Desjani, die nach wie vor verbl�fft dreinschaute, aber so wie immer jedes Wort aus seinem Mund akzeptierte, war sie doch davon �berzeugt, dass die lebenden Sterne ihn geschickt hatten, damit er die Allianz rettete.</p><p>Sie deutete auf ihr Display. �Dann m�chten Sie vermeiden, dass der Planet bombardiert wird?�</p><p>Geary h�tte sich fast verschluckt. Nachdem ein Jahrhundert lang Feindseligkeiten mit den Syndiks ausgetauscht worden waren, konnten sich sogar Offiziere der Allianz auffallend kaltbl�tig verhalten. �Ja�, brachte er heraus. �Wenn sich das irgendwie einrichten l�sst.�</p><p>�Aber sicher�, erkl�rte Desjani. �Die milit�rischen Einrichtungen befinden sich vorrangig im Orbit. Wenn wir sie unsch�dlich machen m�ssen, erfordert das kein Bombardement der Planetenoberfl�che.�</p><p>�Wie praktisch�, konterte er ironisch. Er lehnte sich zur�ck und versuchte, seine Nerven zu beruhigen, die sich seit der Ankunft im Baldur-System in h�chster Alarmbereitschaft befanden.</p><p>�Syndik-Kampfschiffe im Orbit um den dritten Planeten�, meldete der Gefechtssystem-Wachhabende der <emphasis>Dauntless</emphasis> wie auf ein Stichwort hin. �Ein viertes Schiff befindet sich in dem Raumdock, das um den vierten Planeten kreist.�</p><p>Geary hoffte, dass er bei dieser Meldung nicht zu auff�llig zusammengezuckt war, und zoomte den Ausschnitt seines Displays heran, in dem die feindlichen Schiffe zu finden waren. Alles, was bis gerade eben nicht entdeckt worden war, musste ziemlich klein sein. Und das traf auch zu. �Drei veraltete Korvetten und ein noch �lterer leichter Kreuzer.� Der Kreuzer war sogar noch �lter als er selbst, ging ihm durch den Kopf. <emphasis>Und trotzdem k�mpfen wir beide in einem Krieg, der weit l�nger dauert als die Zeit, die uns eigentlich zugestanden worden war. Aber wenigstens bin ich in k�rperlich besserer Verfassung als dieser uralte Kreuzer.</emphasis></p><p>�Entfernung f�nfeinhalb Lichtstunden�, best�tigte Desjani. �Sie bewegen sich in einem Orbit zwischen dem dritten und vierten Planeten. In ungef�hr f�nf Stunden werden sie uns bemerken.� Sie begann zu l�cheln. �Offenbar haben sie nicht mit uns gerechnet.�</p><p>Geary erwiderte erleichtert das L�cheln. Jedes Mal, wenn die Flotte den Sprungraum verlie�, war er voller Sorge, sie k�nnten in einen Hinterhalt der Syndiks geraten. Vermeiden lie� sich das nur, indem er die Syndik-F�hrung im Unklaren dar�ber lie�, wohin die Flotte als N�chstes springen w�rde. Dass nicht einmal ein paar Schiffe am Sprungpunkt in Position gegangen waren, um sie unter Beschuss zu nehmen, zeigte ihm, dass die Syndiks keine Ahnung hatten, wohin die Allianz-Flotte reisen w�rde. Zumindest war es ihnen nicht schnell genug klar geworden, um ein Kurierschiff in dieses Sternensystem zu schicken, das vor ihrer Ankunft warnen sollte. �Die Chancen stehen gut, dass sie die Flucht ergreifen. Falls sie das nicht machen, will ich eine Analyse dessen, was sie m�glicherweise zu besch�tzen versuchen.�</p><p>�Jawohl, Sir�, best�tigte Desjani und gab einem ihrer Wachhabenden ein Zeichen. �Sonst noch etwas, Sir?�</p><p>�Was?� Ihm wurde bewusst, dass er verkrampft das Display anstarrte, und er zwang sich dazu, wieder ruhig durchzuatmen. �Nein.�</p><p>Desjani hatte aber l�ngst durchschaut, was ihm Sorge bereitete. �Die Flotte scheint die Formation zu halten.�</p><p>�Ja.� <emphasis>So scheint es.</emphasis> Wenn eines der Schiffe ganz am Rand der Formation auf die Idee kam, auf die Syndik-Kriegsschiffe zuzufliegen, dann w�rde das auf der <emphasis>Dauntless</emphasis> erst mit einer Verz�gerung von fast einer halben Minute festzustellen sein. Doch bislang sah es tats�chlich so aus, als verharre jedes Schiff an der ihm zugewiesenen Position. �Vielleicht leuchtet ja mittlerweile jedem Offizier ein, was ich ihnen �ber die Gefechtsdisziplin beizubringen versuche.� Das war ein aufmunternder Gedanke.</p><p>Rione lie� ihn sogleich in die Realit�t zur�ckkehren, als h�tte sie ihm einen Eimer mit eiskaltem Wasser �ber den Kopf gekippt. �Oder sie bleiben in Formation, weil die Syndik-Schiffe f�nfeinhalb Lichtstunden entfernt sind. Selbst bei voller Beschleunigung w�rde jeder Versuch, sich ihnen zu n�hern, eine ganze Weile dauern.�</p><p>Desjani warf Rione einen weiteren k�hlen Blick zu, w�hrend sie vom Navigationssystem die Berechnung durchf�hren lie�. �Wenn die Syndiks auf ihrem Kurs bleiben und nicht die Flucht ergreifen, w�rde ein Abfangkurs bei maximaler Beschleunigung und Verz�gerung rund f�nfundzwanzig Stunden in Anspruch nehmen�, best�tigte sie unwillig. �Aber ich kann Ihnen versichern, Madam Co-Pr�sidentin, w�re Captain Geary nicht der Befehlshaber dieser Flotte, h�tten sich trotzdem l�ngst Schiffe auf den Weg gemacht, um dem Feind entgegenzufliegen.�</p><p>Rione l�chelte fl�chtig und nickte. �Ich habe keinen Grund, Ihre Einsch�tzung anzuzweifeln, Captain Desjani.�</p><p>�Vielen Dank, Madam Co-Pr�sidentin.�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> habe zu danken, Captain.�</p><p>Geary seinerseits war dankbar daf�r, dass seine Offiziere keine zeremoniellen Schwerter trugen. Nach Desjanis Blick zu urteilen, h�tte Rione daf�r ebenfalls dankbar sein m�ssen. �Also gut�, sagte er laut genug, um die Aufmerksamkeit beider Frauen auf sich zu lenken. �Allem Anschein ist in diesem Sternensystem niemand auf unsere Ankunft vorbereitet. Somit sollte sich f�r uns die M�glichkeit ergeben, die Syndiks von vornherein einzusch�chtern, damit sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen.� Desjani nickte sofort zustimmend, Rione tat es ihr einige Sekunden sp�ter nach. �Captain Desjani, senden Sie bitte an alle Syndik-Einrichtungen in diesem System, dass jeder Versuch, diese Flotte zu behindern oder anzugreifen, mit �berm�chtiger Gewaltanwendung beantwortet wird.�</p><p>�Jawohl, Sir. Soll ich mit Ihrem Namen schlie�en?�</p><p>�Ja, machen Sie das.� Es war nie sein Bestreben gewesen, mit seinem Namen anderen Leuten Angst einzujagen, aber wie es schien, glaubten auch zahlreiche Syndiks an den legend�ren Allianz-Helden Black Jack.</p><p>Wieder meldete sich Victoria Rione zu Wort: �Ihre Mitteilungen sind f�r gew�hnlich l�nger.�</p><p>Geary zuckte mit den Schultern. �Ich will mal etwas anderes versuchen. Die haben keine Ahnung, was wir wollen, also werden sie gr�beln und besorgt sein. Vielleicht besorgt genug, um nur still dazusitzen und uns in Ruhe zu lassen.� <emphasis>Auch wenn ich in Wahrheit gar nichts anderes will, als den n�chsten Sprungpunkt zu erreichen.</emphasis> Er betrachtete sein Display, auf dem der Kurs zum Sprungpunkt nach Wendaya als lang gestreckter Bogen gekennzeichnet war, der die gesamte Ebene des Baldur-Sternensystems �berspannte. Die Flotte musste sich keiner Syndik-Einrichtung n�hern, und die Syndiks besa�en nichts in diesem System, mit dem sie die Flotte h�tten verfolgen k�nnen.</p><p>Das Ganze sah so perfekt aus, dass Geary unwillk�rlich begann, alles zu �berpr�fen, da er nicht bereit war, darauf zu vertrauen, dass tats�chlich von keiner Seite Gefahr lauern sollte.</p><p>Aber da war nichts, das irgendwie verd�chtig aussah. Schlie�lich entspannte er sich wieder, dachte �ber die aktuelle Formation seiner Flotte nach, dann rief er die Statusanzeigen der einzelnen Schiffe auf. Im Sprungraum konnten nur wenige Informationen ausgetauscht werden, doch seit die Flotte das System erreicht hatte, gingen auf der <emphasis>Dauntless</emphasis> automatische Berichte von allen Schiffen der Flotte ein. Wenn es f�r ihn von Bedeutung gewesen w�re, h�tte er in Erfahrung bringen k�nnen, wie viele Matrosen auf einem bestimmten Schiff gerade erk�ltet waren. Er hatte Befehlshaber gekannt, f�r die waren solche Dinge so interessant, dass sie dar�ber ganz verga�en, sich um die F�hrung der Flotte zu k�mmern; so als w�re das eine Sache, die sich von selbst erledigte, w�hrend sie sich immer tiefer in trivialste Kleinigkeiten verstrickten.</p><p>Was er jedoch feststellte, war alles andere als trivial. Unwillk�rlich schnappte er erschrocken nach Luft, als er sich die Statusmeldungen ansah. Die anderen auf der Br�cke drehten sich unweigerlich zu ihm um. �Logistik�, sagte er kurz und knapp zu Desjani.</p><p>Sie nickte. �Die Brennstoffzellen der <emphasis>Dauntless</emphasis> unterschreiten auch bald den empfohlenen Wert.�</p><p>�Das wusste ich, aber mir war nicht klar, wie viele andere Schiffe der Flotte ebenfalls diesen Wert erreicht oder sogar unterschritten haben.� Geary sch�ttelte den Kopf, als er den n�chsten Bericht las. �Und bei der Munition sieht es auch nicht viel besser aus. Bei Sancere und Ilion haben wir viele Minen verbraucht, und der Bestand an Phantom-Raketen ist auf den meisten Schiffen sehr niedrig.� Er lehnte sich zur�ck und atmete tief durch, um sich zu entspannen. �Den lebenden Sternen sei Dank, dass wir die Hilfsschiffe haben. Wenn sie nicht f�r uns neue Brennstoffzellen und Waffen produzieren k�nnten, w�re diese Flotte schon vor ein paar Systemen gestrandet.�</p><p>Dadurch wurde sein Plan automatisch noch klarer umrissen, das Baldur-System zu durchfliegen. Die Flotte blieb dicht zusammen, damit der Treibstoffverbrauch auf ein Minimum beschr�nkt wurde, man mied den Einsatz von Waffen, und die Hilfsschiffe hatten Zeit genug, um die Best�nde der Schiffe wieder aufzuf�llen.</p><p>Gearys momentane Zufriedenheit schwand in dem Augenblick, als er den Status der vier Schnellen Hilfsschiffe �berpr�fte, die keineswegs schnell waren, auch wenn deren Namensgeber wohl diesen Eindruck gehabt haben mussten. Tats�chlich waren sie extrem langsam und damit schwierig zu besch�tzen, doch diese fliegenden Fabriken waren unverzichtbar, wenn die Flotte nach Hause gelangen wollte. Zumindest solange sie die Flotte mit Nachschub versorgen konnten. �Warum sind die Best�nde auf den Hilfsschiffen im kritischen Bereich?�, �berlegte Geary laut. �Wir haben alle Rohstoffe gepl�ndert, die Sancere zu bieten hatte. Die Lager der Hilfsschiffe m�ssten bis zum Rand gef�llt sein.�</p><p>Desjani stutzte und rief die Zahlen selbst auf. �Laut diesen Berichten m�ssen die Hilfsschiffe in K�rze ihre Produktion einstellen, da es an den entscheidenden Rohstoffen fehlt. Das ergibt keinen Sinn. Die Schiffe haben bei Sancere Berge von <emphasis>irgendwelchem</emphasis> Material an Bord genommen.�</p><p>Die Situation war tats�chlich zu sch�n gewesen, um wahr zu sein. Nach einem gemurmelten Fluch setzte sich Geary mit dem Flaggschiff der Hilfsschiffdivision in Verbindung. Die <emphasis>Witch</emphasis> war volle f�nfzehn Lichtsekunden entfernt, was eine �rgerliche Verz�gerung bei der Kommunikation bedeutete, da die Fragen mit Lichtgeschwindigkeit zum anderen Schiff krochen und die Antworten f�r den R�ckweg noch einmal so lange ben�tigten. Nur in den ungeheuren Weiten des Alls bekam man das Gef�hl, dass das Licht sich nur ausgesprochen langsam von der Stelle bewegte.</p><p>Schlie�lich nahm das Bild von Captain Tyrosian Gestalt an, ihr Gesicht war das einer Frau, die schlechte Neuigkeiten �berbrachte. Aber ihre einzige Erwiderung lautet: �Ja, Sir?�</p><p>Wenigstens hatte die Zeitverz�gerung Geary Gelegenheit gegeben, sich eine diplomatische Frage zurechtzulegen. �Captain Tyrosian, ich sehe mir gerade die Statusberichte Ihrer Schiffe an und muss feststellen, dass bei allen der Bestand der wichtigen Rohstoffe unter die kritische Marke gesunken ist.�</p><p>Wieder musste er warten, dann nickte Tyrosian betr�bt. �Ja, Sir, das ist korrekt.�</p><p>Geary verkniff sich, den Mund zu verziehen, als klar wurde, dass ihre Antwort keine neuen Erkenntnisse brachte. �Wie kann das sein? Ich dachte, die Hilfsschiffe h�tten bei Sancere die Rohstoffvorr�te aufgestockt. Wie ist es m�glich, dass so schnell so viel verbraucht worden ist?�</p><p>Die Sekunden schlichen dahin, viel zu langsam, um die Verz�gerung zu ignorieren, und viel zu schnell, als dass er die Zeit f�r etwas anderes h�tte nutzen k�nnen. Tyrosian wirkte noch betr�bter, als sie abermals nickte. �Die Berichte treffen zu, Captain Geary. Ich versuche, der Ursache des Problems auf den Grund zu gehen. Meine Vermutung ist, dass es an den Bestellungen liegt, die von den automatischen Logistiksystemen �bermittelt werden.�</p><p>Erneut eine Pause. Geary musste sich zur�ckhalten, um nicht frustriert mit der Faust auf die Armlehne zu schlagen. �Wie konnte den Logistiksystemen eine so gravierende Fehleinsch�tzung unterlaufen? Haben Ihre Schiffe nicht die Empfehlungen der Systeme befolgt?�</p><p>Die Wartezeit bis zur Antwort verbrachte er damit, sich auszumalen, was er alles mit Captain Tyrosian machen w�rde, nachdem sie sich einen solchen Schnitzer geleistet hatte. Seine Wut wurde auch nicht durch die alte Weisheit gelindert, dass Ingenieure keine Meister der Kommunikation waren, die von Tyrosian best�tigt wurde, da sie bei ihren Antworten entscheidende Informationen auslie�, als gehe sie davon aus, dass er �ber alles Bescheid wusste, was sie tat.</p><p>Als Tyrosians Antwort einging, da h�rte sie sich so an, wie Ingenieure es seit eh und je taten, wenn sie ihre fachliche Meinung zum Besten gaben. �Wir haben die Systemempfehlungen befolgt, Captain Geary. Die Systeme haben uns die falschen Empfehlungen gegeben.�</p><p>Trotz seiner wachsenden Ver�rgerung z�gerte Geary, da ihn die Erwiderung stutzig machte. �Erkl�ren Sie mir das. Warum sollten die Systeme falsche Empfehlungen geben? Soll das bedeuten, die Systeme wurden von jemandem manipuliert, damit sie nicht die richtigen Informationen liefern?� Wenn das der Fall war, dann hatten sie es mit gravierenden Problemen zu tun. Wenn diese automatisierten Systeme pl�tzlich unzuverl�ssig geworden waren oder wenn jemand sie manipuliert hatte, konnte das die Flotte genauso handlungsunf�hig machen, als w�ren ihr der Treibstoff oder die Waffen ausgegangen.</p><p>Aber als die Antwort von Tyrosian endlich einging, da sch�ttelte sie den Kopf. �Nein, Sir, es gab und gibt keinen Fehler in den Logistiksystemen. Sie arbeiten exakt so, wie sie es sollen. Das Problem sind die Annahmen, von denen das System ausgegangen ist, um den Bedarf der Flotte zu errechnen.� Sie schluckte, da sie sich sichtlich unbehaglich f�hlte, fuhr dann jedoch fort: �Die Logistiksysteme ermitteln den zuk�nftigen Bedarf anhand des voraussichtlichen Verbrauchs und auf der Basis der zu erwartenden Verluste. Diese Berechnungen wiederum werden aus historischen Mustern abgeleitet.� Sie verzog den Mund. �Der Verbrauch an Munition und die Verluste unter Ihrem Kommando stehen in Widerspruch zu diesen historischen Mustern. Als Folge davon haben die Logistiksysteme angenommen, dass wir viel weniger Schiffe haben m�ssten und dass weniger Munition und weniger Brennstoffzellen n�tig w�ren.�</p><p>Geary ben�tigte ein paar Sekunden, um zu begreifen, was sie gesagt hatte. �Hei�t das, ich h�tte bei jedem Gefecht mehr Schiffe verlieren m�ssen? Und ich h�tte nicht so viel Munition einsetzen und so viele Man�ver anordnen sollen?�</p><p>Die Zeit schleppte sich dahin, dann nickte Tyrosian abermals. �Im Prinzip ja. Wir haben �fter gek�mpft und dabei weniger Schiffe verloren, als die Logistiksysteme angenommen hatten. Die Gefechte waren komplexer und machten mehr Brennstoffzellen erforderlich. Mehr Langstreckenwaffen als �blich kamen zum Einsatz. Niemandem von uns war klar, dass das Auswirkungen auf die Bedarfsberechnung haben k�nnte. Als Folge davon sind die Logistiksysteme von der Annahme ausgegangen, dass mehr Gefechtssch�den repariert werden m�ssen und weniger Nachschub f�r die �berlebenden Schiffe erforderlich wird. Wir haben genug Material, um die L�cher in der <emphasis>Warrior,</emphasis> der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> zu flicken, aber einige wichtige Rohstoffe sind knapp geworden, von denen kleine Mengen f�r Brennstoffzellen und Phantome ben�tigt werden.�</p><p><emphasis>Gro�artig. Einfach gro�artig.</emphasis> So sehr er sich auch an die perverse Art des Universums gew�hnt hatte, musste er dennoch mit Erstaunen feststellen, dass er mit Schwierigkeiten konfrontiert wurde, weil er sich im Gefecht zu gut geschlagen hatte. Geary sah zu Desjani. �Wir haben Probleme, weil die Flotte im Gefecht nicht gen�gend Schiffe verloren hat!�</p><p>Zu seiner Verwunderung ben�tigte sie nur einen Moment, um zu verstehen. �Dann m�ssen wir das System an Sie anpassen, Sir. Darauf h�tte ich eigentlich auch sofort kommen sollen.�</p><p>Geary l�chelte sie d�ster an. Es war wieder typisch f�r Desjani, dass sie sofort ein gewisses Ma� an Verantwortung auf sich nahm, ohne R�cksicht darauf, ob sie damit irgendetwas zu tun hatte oder nicht. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu Captain Tyrosian, die nicht zu wissen schien, was sie tun sollte, und nur auf Gearys Befehle wartete, anstatt selbst Vorschl�ge zu unterbreiten. �Tanya�, sagte er und benutzte Desjanis Vornamen, um zu betonen, wie sehr er ihr vertraute. �Was w�rden Sie empfehlen?�</p><p>�Alle Hilfsschiffe verf�gen �ber zu wenig Rohstoffe?� Sie �berpr�fte noch einmal die Statusmeldungen und verdrehte die Augen. Wie sie �ber Ingenieure dachte, die Schiffe befehligen, war nicht zu �bersehen, und vermutlich w�rde so gut wie jeder auf Gearys Schiff diese Meinung teilen. �Die Vorr�te der <emphasis>Jinn</emphasis> sind etwas gr��er als die der <emphasis>Witch�,</emphasis> �berlegte sie laut. �Auf der <emphasis>Goblin</emphasis> sieht es etwas schlechter aus, und die <emphasis>Titan</emphasis> ist ungef�hr auf dem gleichen Stand wie die <emphasis>Witch.� </emphasis>Geary versuchte, nicht dar�ber nachzudenken, welche Materialien sie bei Sancere an Bord genommen hatten und wie leicht es gewesen w�re, sich auch bei all diesen entscheidenden Rohstoffen zu bedienen. �Wir ben�tigen mehr�, folgerte Desjani.</p><p>�Das sehe ich auch so�, gab Geary zur�ck und musste sich zusammenrei�en, damit er ihr wegen dieser offensichtlichen und damit nutzlosen Feststellung nicht ins Gesicht sprang. �Wo bekommen wir das her?�</p><p>Sie deutete auf das Display, auf dem das System dargestellt wurde. �Nat�rlich haben die Syndiks in diesem Sternensystem Minen. Dort werden wir finden, was wir ben�tigen.�</p><p>Geary grinste erleichtert. Mit meinen Gedanken war ich immer noch in Sancere. Den Vorfahren sei gedankt, dass Desjani mit ihren Gedanken hier in Baldur ist. �Madam Co-Pr�sidentin�, begann er.</p><p>Sie verzog das Gesicht und kam seiner Frage zuvor. �Wir haben schon Sabotageakte durch die Syndiks erlebt, Captain Geary. Wenn wir sie um die ben�tigten Rohstoffe bitten, ja, wenn wir sie nur wissen lassen, dass wir sie ben�tigen, k�nnte das ein schwerer Fehler sein. Ich w�sste nicht, wie die Diplomatie in diesem Fall von Nutzen sein sollte.�</p><p>Gegen ihren Willen musste Desjani zustimmend nicken. �Das ist fast mit Sicherheit korrekt, Sir.�</p><p>Geary dachte dar�ber nach, dann wandte er sich Tyrosian zu. Die Ingenieurin war sichtlich nerv�s und schien auf eine Standpauke gefasst zu sein, vielleicht sogar auf Schlimmeres. Ihr Anblick gen�gte, um Gearys Wut verrauchen zu lassen. Vielleicht war Tyrosian nicht die hellste oder die f�higste Offizierin der Flotte, aber sie kannte sich mit ihrer Arbeit aus und �berzeugte durch solide Leistungen. Das Problem hatte sie nicht kommen sehen, aber automatisierte Systeme f�rderten fast immer Unselbstst�ndigkeit bei ihren Benutzern. Jeder wusste das.</p><p>Also zwang sich Geary zu einem vertrauensvollen Blick, als h�tte er niemals an Tyrosians F�higkeit gezweifelt, sich diesem Problem zu widmen. �Okay, fassen wir also zusammen. Auf allen vier Hilfsschiffen mangelt es an wichtigen Rohstoffen. Wenn wir diese Best�nde nicht umgehend aufstocken, werden unentbehrliche Komponenten f�r unsere Schiffe nicht mehr hergestellt werden k�nnen. Stehen diese Rohstoffe in diesem System zur Verf�gung?� Da er noch rechtzeitig an die nervenaufreibende Zeitverz�gerung bis zum Eintreffen der Antwort dachte, f�gte er rasch eine weitere Frage an: �Sind die Rohstoffe an bestimmten Stellen der von uns entdeckten Minen zu finden?�</p><p>Gut drei�ig Sekunden sp�ter sah er, wie Tyrosians Miene sich aufhellte. �Jawohl, Sir. Die Bergbauaktivit�ten auf den Asteroiden und in der N�he der Gasriesen wurden von den Flottensensoren bereits festgestellt und analysiert. Die wahrscheinlichste Stelle, wo wir finden, was wir brauchen, d�rfte� �hm� hier auf dem vierten Mond nahe dem zweiten Gasriesen sein.� Ein zweites Fenster �ffnete sich vor ihm in der Luft und zeigte die von Tyrosian erw�hnte Stelle.</p><p>�Wie ratsam w�re es Ihrer Meinung nach, die Syndiks aufzufordern, uns diese Stoffe auszuh�ndigen?�</p><p>Tyrosians Beunruhigung war nicht zu �bersehen. �Das w�re �berhaupt nicht ratsam, Sir. Sie w�ssten sofort, warum wir speziell diese Materialien ben�tigen. Das sind alles Spurenelemente, die man in kleinen Mengen findet und die auch nur in geringen Dosen verarbeitet werden. Die Syndiks k�nnten ihre Vorr�te kontaminieren oder zerst�ren, da es sich nur um geringe Mengen handelt.�</p><p>Es wurde einfach immer besser! Geary schaute wieder auf sein Display. Er musste die Syndiks mit einem �berfall auf ihre Minen �berraschen, was jetzt nicht mehr so einfach war, nachdem die nun in der Lage waren, jedes seiner Schiffe �ber einen Zeitraum von Tagen hinweg zu beobachten, bevor sie endlich ihr Ziel erreichten. �Muss ich sonst noch etwas wissen, Captain Tyrosian? Brauchen die Hilfsschiffe noch irgendetwas anderes? Irgendetwas, das sie daran hindern k�nnte, diese Flotte mit Brennstoffzellen und Munition zu versorgen?� Eigentlich wollte er nicht noch mehr schlechte Nachrichten h�ren, aber schlechte Nachrichten wurden nicht dadurch besser, dass man sie sich nicht anh�rte. F�r gew�hnlich wurden sie dann sogar nur noch schlechter.</p><p>Wieder sch�ttelte Tyrosian den Kopf. �Nein, Sir. Nicht, dass ich w�sste. Zur Sicherheit werde ich aber jede Abteilung auf jedem Hilfsschiff anweisen, den schlimmsten Fall durchzuspielen.�</p><p>�Gut.� Und was sollte er jetzt mit Tyrosian machen? Sie hatte einen kapitalen Bock geschossen und dann abgewartet, bis Geary es herausfand, anstatt es ihm von sich aus zu sagen. Durch ihren Fehler hatte sie die gesamte Flotte einem gr��eren Risiko ausgesetzt, und da diese Flotte sich tief in Syndik-Territorium befand und auf der Flucht war, bedeutete dieses Risiko eine echte Bedrohung.</p><p>Bislang hatte sie gute Arbeit geleistet. Zumindest brauchbare Arbeit. Und wer sollte ihren Posten �bernehmen, wenn er sie versetzte? Der Captain der <emphasis>Titan</emphasis> sch�umte vor Enthusiasmus �ber, aber er war jung und unerfahren. In einer Flotte, die so sehr auf Ehre und Erfahrung ausgerichtet war, w�rde er eine Menge Arger heraufbeschw�ren, wenn er ihn zum Commander �ber die Hilfsschiffdivision bef�rderte. Abgesehen davon gab es nicht mal eine Garantie, dass er einer solchen Verantwortung bereits gewachsen war. Der Captain der <emphasis>Goblin</emphasis> wiederum zeichnete sich einzig durch seine Mittelm��igkeit aus, und der Befehlshaber der <emphasis>Jinn</emphasis> war erst kurz zuvor auf den Kommandostuhl nachger�ckt, nachdem Geary den Vorg�nger seines Postens enthoben hatte. Dieser Vorg�nger war Captain Gundel, ein Mann, der so wenig daran interessiert gewesen war, sich um den Bedarf der Kriegsschiffe zu k�mmern, dass er auch gleich offen den Feind h�tte unterst�tzen k�nnen. Gundel sa� mittlerweile in einem kleinen B�ro an Bord der <emphasis>Titan,</emphasis> wo er sich der Aufgabe widmete, den exakten Bedarf der Flotte umfassend zu ermitteln. Diese Aufgabe diente einzig als Besch�ftigungstherapie, damit er Geary nicht l�nger im Weg war. Die Bedarfsermittlung war derart komplex, dass die Flotte notfalls auch jahrelang unterwegs sein konnte, ohne dass Gundel zu einem Abschluss k�me.</p><p>Die Erinnerung an Gundel machte es Geary leichter, sich zu entscheiden. Tyrosian war vielleicht nicht vollkommen, doch alle Alternativen w�ren um L�ngen schlechter. <emphasis>Verdammt noch mal. Soweit ich das beurteilen kann, hat sie wirklich ihr Bestes versucht.</emphasis> �Captain Tyrosian, es gef�llt mir nicht, dass es zu dieser Situation kommen musste. Ich w�nschte, Sie h�tten mich fr�hzeitig informiert. Aber Sie haben die Ursache des Problems herausgefunden, und ich gehe davon aus, dass Sie entsprechende Ma�nahmen in die Wege leiten, damit sich das nicht wiederholt.� Zumindest ging er davon aus, dass sie solche Ma�nahmen ergreifen w�rde, wenn sie ihn davon reden h�rte. �Ich ben�tige von Ihnen eine Einsch�tzung, was wir brauchen, und ich m�chte, dass sich ein Team aus Ingenieuren bereith�lt, um eine der Syndik-Minen aufzusuchen und sich einen Eindruck von den Best�nden zu verschaffen. Sorgen Sie daf�r, dass beides erledigt wird.�</p><p>Tyrosian zwinkerte, als sei sie �berrascht. �Jawohl, Sir.� War ihr klar gewesen, dass sie dicht davorgestanden hatte, ihr Kommando zu verlieren? Vermutlich ja. Sie war nicht gerade seine beste Offizierin, aber sie war gut genug, um das Konzept der Verantwortlichkeit zu begreifen. Ganz im Gegensatz zu seinen schlechtesten Offizieren. W�ren doch blo� die wahren Idioten unter seinen Captains bereit gewesen, von ihren Posten zur�ckzutreten, wenn sie sich gravierende Fehler geleistet hatten. Aber dazu kam es nat�rlich nicht, selbst wenn ihnen klar war, was sie verbrochen hatten. Das war einer der Hauptgr�nde, weshalb er sie f�r Idioten hielt.</p><p>Geary warf Tyrosian einen ermutigenden Blick zu. �Ich ben�tige au�erdem einen Plan, wie die Schiffe der Flotte mit dem versorgt werden k�nnen, was die Hilfsschiffe auf dem Weg hierher produzieren konnten. Priorit�t haben die Schiffe mit dem geringsten Treibstoffvorrat und der wenigsten Munition.�</p><p>�Jawohl, Sir. Das ist kein Problem. Kann die Flottenformation angepasst werden?�</p><p>�Ja. Ich m�chte, dass die Verteilung so schnell und effizient wie m�glich durchgef�hrt wird.�</p><p>�Das wird erledigt werden�, versprach Tyrosian, z�gerte kurz und f�gte dann an: �Es tut mir leid, Sir.�</p><p>Auch Geary hielt inne. Diesmal war er sich sicher, eine ehrliche Miene zu machen, als er Tyrosian zunickte. �Danke, Captain. Das wusste ich bereits. Darum haben Sie auch nach wie vor das Kommando �ber die <emphasis>Witch</emphasis> sowie �ber die Hilfsschiffdivision. Und darum bin ich auch davon �berzeugt, dass Sie beide Positionen bestens ausf�llen werden.�</p><p>Nachdem Tyrosians Bild verschwunden war, schloss er einen Moment lang die Augen und hoffte, richtig gehandelt zu haben. Er gr�belte dar�ber, ob er seine Worte an sie ernst gemeint hatte oder ob das nur politisches Taktieren gewesen war. Wenn man dem Feind gegen�ber eine falsche Miene aufsetzte, dann konnte das einen Sieg genauso herbeif�hren, als w�rde man mehrere Divisionen Schlachtschiffe gegen ihn auffahren. Damit hatte Geary auch keine Schwierigkeiten. Aber manchmal musste er sich seinen eigenen Offizieren gegen�ber genauso verhalten, und das hatte ihm noch nie behagt. Glaubte er tats�chlich an Tyrosian, oder war sie f�r ihn nur das kleinste von mehreren �beln? <emphasis>Doch selbst wenn ich dieser Meinung bin, was w�rde es bringen, ihr das zu sagen?</emphasis></p><p><emphasis>Du hast Arbeit zu erledigen. H�r auf zu gr�beln.</emphasis> Geary schlug die Augen auf und betrachtete wieder die Darstellung des Baldur-Systems. Er war sich nicht sicher, wie es ihnen gelingen sollte, den Syndiks die Rohstoffe zu entrei�en, aber er wusste, wem er diese Aufgabe �bertragen musste. Geary tippte auf die Kontrollen, um ein anderes Fenster zu �ffnen. Einen Augenblick sp�ter tauchte das Gesicht der Befehlshaberin �ber seine Marines auf. �Colonel Carabali, wir haben einen Auftrag f�r Ihre Truppen.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p><emphasis>Da w�ren wir mal wieder.</emphasis> Geary wappnete sich gegen das Unvermeidliche, dann betrat er das Abteil, in dem er seine Besprechungen mit den Captains seiner Flotte abhielt. Es war kein gro�er Raum, und an dem Tisch konnten in Wahrheit nur gut ein Dutzend Personen bequem sitzen, doch die Konferenz-Software erzeugte einen virtuellen Raum und Tisch, die beide gro� genug schienen, um jedem seiner Captains einen Platz zu bieten. Er war sich noch immer unschl�ssig, ob diese Einrichtung Segen oder Fluch war.</p><p>Er nahm seinen Platz am Kopfende des Tischs ein und schaute in die Gesichter zu beiden Seiten. Scheinbar ganz vorne sa�en die dienst�ltesten Offiziere, w�hrend diejenigen, die erst seit kurzer Zeit Captain waren, am hinteren Ende platziert waren. Nur eine Person hielt sich tats�chlich mit ihm in diesem Raum auf, n�mlich Captain Desjani, die dem Treffen mit genauso wenig Begeisterung beiwohnte wie er. Allerdings hoffte Geary, dass er seine Lustlosigkeit besser verbergen konnte.</p><p>Dass Captain Numos und Captain Faresa, die normalerweise einen Platz in seiner N�he innehatten, nicht anwesend waren, stellte f�r ihn keinen gro�en Trost dar. Die Befehlshaber der <emphasis>Orion</emphasis> beziehungsweise der <emphasis>Majestic</emphasis> standen beide unter Arrest, aber selbst ihre Abwesenheit sorgte f�r Missstimmung unter den Anwesenden. Geary musste sich nur am Tisch umsehen, und schon schaute er in Augen, die ihn entweder voller Skepsis betrachteten oder gar nicht erst ihre wahren Gef�hlsregungen zu erkennen gaben. Gl�cklicherweise gab es jedoch auch etliche Offiziere, die einen fast ehrf�rchtigen (wenn auch beunruhigenden) Glauben an Black Jack Geary zur Schau stellten, sowie solche, die weniger an die Legende von Black Jack, als vielmehr an den Mann glaubten, der momentan den Befehl �ber ihre Flotte hatte. Unwillk�rlich fragte er sich, wie lange es wohl noch dauern w�rde, bis ihm ein so grober Fehler unterlief, dass ihr Glaube an ihn durch seine eigene menschliche Fehlbarkeit zerst�rt wurde.</p><p>�Willkommen in Baldur�, begann Geary. W�hrend er diese Worte sprach, erinnerte er sich daran, dass dies vor �ber hundert Jahren der Titel einer sehr beliebten Dokumentation gewesen war. Keiner der Anwesenden lie� eine Reaktion erkennen, also war er wohl der Einzige in der Flotte, der um diese Parallele wusste. Aber daran war nat�rlich auch nichts ungew�hnlich. �Eigentlich hatte ich geplant, dass wir �ber die Ebene dieses Systems hinweg zum n�chsten Sprungpunkt fliegen, aber wie �blich gibt es eine Plan�nderung.�</p><p>Interessierte Blicke schlugen ihm entgegen, w�hrend er ein Display aktivierte. In dessen Mitte schwebte der gelbe Stern Baldur, ringsum waren mehrere markante Planeten angeordnet, und �ber das System verteilt fanden sich Symbole, die Aktivit�ten oder Einrichtungen der Syndiks kennzeichneten. �Wir m�ssen der Bergbauanlage auf dem vierten Mond des zweiten Gasriesen einen Besuch abstatten.� Das Symbol leuchtete heller auf. �Die Hilfsschiffe m�ssen ihren Vorrat an bestimmten Materialien aufstocken, die wir uns dort beschaffen werden. Oder besser gesagt: die unsere Marines f�r uns beschaffen werden.� Geary deutete mit einem Nicken auf Colonel Carabali.</p><p>Carabali war so wie Geary zu ihrem Kommando gekommen, als ihr Vorgesetzter aus einem Hinterhalt der Syndiks w�hrend einer Unterhandlung ermordet wurde. Als eine Marine lie� sie sich nicht davon einsch�chtern, dass sie seitdem diejenige war, die unmittelbar mit den Flottenoffizieren zu tun hatte. Jetzt sprach sie im n�chternen, klaren Tonfall eines F�hrungsoffiziers: �Es gibt Grund zu der Annahme, die Syndiks k�nnten die Vorr�te vernichten oder kontaminieren.�</p><p>�Warum das?�, wurde sie j�h unterbrochen.</p><p>Geary richtete seinen Blick auf die Sprecherin. Commander Yin, die verantwortliche Befehlshaberin der <emphasis>Orion</emphasis> und zweifellos ein Sch�tzling von Captain Numos. Yin wirkte etwas nerv�s, aber aufbrausend, vermutlich der unbewusste Versuch, Numos' Verhalten zu imitieren. �Wenn Sie Colonel Carabali alle Fakten pr�sentieren lassen, werden Sie die Antwort auf Ihre Frage schon noch bekommen�, gab Geary zur�ck und bemerkte, dass sein Tonfall schroffer war als eigentlich beabsichtigt.</p><p>Carabali sah sich um, dann fuhr sie fort: �Die fraglichen Materialien sind Spurenelemente. Die Flotte war in der Lage, die Existenz dieser Vorr�te in dieser Einrichtung zu best�tigen, und zwar zum einen durch die Analyse der �bermittelten Nachrichten im System, zum anderen durch das, was wir aus der Ferne von der Anlage sehen k�nnen. Da die relativ winzigen Vorratsmengen eine Zerst�rung oder Kontaminierung leicht machen, hat mich Captain Geary gebeten, einen Plan zu entwickeln, damit wir jeden �berraschen, der sich in der Einrichtung aufh�lt oder sie m�glicherweise sogar verteidigen soll.�</p><p>Carabali machte eine Pause, woraufhin Captain Tulev vom Schlachtkreuzer <emphasis>Leviathan</emphasis> ihr einen fragenden, aber nicht feindseligen Blick zuwarf. �Wie sollen wir es anstellen, sie zu �berraschen?�</p><p>Geary lieferte darauf die Antwort. �Wir m�ssen die Syndiks in die Irre f�hren und sie glauben lassen, dass wir etwas ganz anderes beabsichtigen. Sie werden uns kommen sehen, aber wir m�ssen es so aussehen lassen, als w�rden wir den Schlenker nur machen, um die Anlage zu zerst�ren, nicht jedoch, um irgendetwas von dort mitzunehmen.� Er tippte auf verschiedene Tasten, woraufhin sich mehrere geschwungene Linien durch das Baldur-System zogen, die von einem Punkt zum n�chsten sprangen und Planeten genauso betrafen wie Asteroiden. �Wir beginnen am Rand des Systems und arbeiten uns langsam nach innen vor. Wir fliegen dicht an Syndik-Einrichtungen vorbei und zerst�ren sie durch Beschuss mit H�llenspeeren.�</p><p>Diesmal meldete sich ein skeptischer Captain Casia vom Schlachtschiff <emphasis>Conqueror</emphasis> zu Wort. �Das ergibt doch keinen Sinn. Nicht mal die Syndiks werden uns abnehmen, dass wir uns Zeit lassen, station�re Ziele im Vorbeiflug zu zerst�ren, wenn wir sie von hier aus mit kinetischen Salven ausl�schen k�nnen.�</p><p>Geary �berpr�fte, ob er mit seiner Vermutung richtig lag, und tats�chlich geh�rte die <emphasis>Conqueror</emphasis> zur Dritten Schlachtschiffdivision, so wie auch die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic.</emphasis> Captain Casia war bei fr�heren Besprechungen nicht in Erscheinung getreten, wom�glich weil er bis dahin im Schatten von Numos oder Faresa gestanden hatte. Geary konnte sich aber an nichts erinnern, das ihn h�tte veranlassen m�ssen, ihn in die gleiche Schublade wie jene beiden Unruhestifter zu stecken, also antwortete er ohne jede Feindseligkeit: �Man kann durchaus annehmen, dass unser Bestand an kinetischen Projektilen geschrumpft ist, was in Wahrheit sogar der Fall <emphasis>ist,</emphasis> da wir so viele von ihnen bei Sancere abgefeuert haben. Au�erdem existiert in diesem System keine ernsthafte Gefahr f�r uns. Aus diesem Grund ist es durchaus sinnvoll, wenn wir unseren Bestand an kinetischen Waffen schonen und stattdessen H�llenspeere zum Einsatz bringen. So werden die Syndiks glauben, wir h�tten sogar noch viel weniger kinetische Waffen zur Verf�gung als es tats�chlich der Fall ist. Das k�nnte uns sp�ter noch von Nutzen sein.�</p><p>Casia biss sich auf die Lippe, w�hrend sein Stirnrunzeln fast nicht wahrnehmbar war. Das Bild von Captain Duellos vom Schlachtkreuzer <emphasis>Courageous</emphasis> lie� Geary aufmerksam werden, und er sah, wie er Casia einen abf�lligen Blick zuwarf und ihn wortlos zurechtwies. Nach ein paar Sekunden, die m�glicherweise nur auf die Entfernung zwischen der <emphasis>Dauntless</emphasis> und der <emphasis>Courageous</emphasis> zur�ckzuf�hren waren, sch�ttelte Casia den Kopf. �Wir haben nur noch wenige kinetische Waffen? Was haben denn die Hilfsschiffe die ganze Zeit gemacht?�</p><p>�Brennstoffzellen hergestellt, Captain Casia�, sagte Duellos in einem Tonfall, der das Gesicht des anderen rot anlaufen lie�. �Ich nehme doch an, dass es Ihnen lieber ist, wenn Sie Ihr Schiff man�vrieren k�nnen, anstatt mit einem vollen kinetischen Waffenarsenal hilflos durchs All zu treiben, oder?�</p><p>Geary konnte m�helos erkennen, welchen Status Casia in der Flotte besa�, da die Reaktionen der anderen Offiziere eine deutliche Sprache sprachen. Viele grinsten �ber Duellos Zurechtweisung, andere dagegen schienen sich mehr �ber Duellos als �ber Casia zu �rgern. Das war eigenartig, denn Geary konnte sich nicht daran erinnern, dass der Mann ihm zuvor schon einmal Arger gemacht hatte. Warum waren sich die Unzufriedenen pl�tzlich einig, sich auf ihn zu st�rzen?</p><p>Er schlug mit der Faust auf den Tisch, um weiteren Kommentaren vorzubeugen. �Vielen Dank, Captain Duellos. Haben Sie noch weitere Fragen, Captain Casia?�</p><p>�Ja. Ja, die habe ich.� Casia stand auf, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. �Wie ich h�re, ben�tigen wir diese Materialien, weil die Hilfsschiffe bei Sancere ihre Vorr�te nicht ordentlich aufgestockt haben. Die gesamte Flotte ist damit in Gefahr geraten, aber die Verantwortlichen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen.�</p><p>Er machte eine Pause, w�hrend Geary zu Captain Tyrosian sah und bemerkte, wie die sich versteifte. �Ist das eine Feststellung oder eine Frage?�, wollte Geary wissen.</p><p>�Es ist� beides.�</p><p>�Dann kann ich Ihnen versichern�, erkl�rte er ruhig, �dass ich die Angelegenheit mit Captain Tyrosian besprochen habe und sie weiterhin mein Vertrauen als Befehlshaberin �ber die Hilfsschiffdivision genie�t.�</p><p>�Was haben Sie zu ihr gesagt?�, gab Casia fordernd zur�ck.</p><p>Geary konnte nicht anders, als die Stirn zu runzeln. Ihm wurde bewusst, was sich hier entwickelte: jene Art von Diskussion, die seinerzeit in der Flotte undenkbar gewesen w�re. Hier wurde nicht blo� �ber die richtige Vorgehensweise gestritten, sondern ganz gezielt der Commander der Flotte herausgefordert und dabei versucht, den R�ckhalt zu beeinflussen, auf den er z�hlen konnte. Jeden Augenblick w�rde Casia vermutlich eine Abstimmung fordern, damit Geary Tyrosian von ihren Aufgaben entband.</p><p>Solange er das Kommando hatte, w�rde es dazu nicht kommen. �Captain Casia�, sprach er so frostig, wie es nur ging. �Es geh�rt nicht zu meinen Gepflogenheiten, das in die �ffentlichkeit zu tragen, was ich mit meinen Offizieren unter vier Augen bespreche. Was ich zu Captain Tyrosian gesagt habe, geht nur sie und mich etwas an�� so wie ich auch �ber alles schweigen werde, was ich mit Ihnen zu besprechen habe.�</p><p>�Wir haben ein Recht zu erfahren, dass Sie geeignete Ma�nahmen ergriffen haben, um��, begann Casia.</p><p>�Wollen Sie meine Autorit�t als Befehlshaber dieser Flotte infrage stellen, Captain Casia?�, fuhr er den Mann mit dr�hnender Stimme an.</p><p>Einen Moment lang herrschte Schweigen, dann schien Captain Tulev mit sich selbst zu reden, allerdings laut genug, um von allen geh�rt zu werden. �Die Syndiks haben bei Kaliban, Sancere und Ilion lernen m�ssen, dass Captain Geary ein sehr f�higer Commander ist.�</p><p>Commander Yins Stimme zitterte leicht, als sie sich wieder in die Besprechung einmischte. �Die Traditionen der Flotte verlangen nach einer offenen Debatte und nach Einstimmigkeit bei den Ansichten der Captains. Was ist verkehrt daran, diese Tradition fortzusetzen? Warum will Captain Geary nicht jene Traditionen wahren, die diese Flotte in die Lage versetzt haben, den Kampf fortzusetzen?�</p><p>Captain Desjani hatte bislang geschwiegen, doch diese deutliche Attacke auf Geary lie� sie w�tend herausplatzen: �Captain Geary glaubt sehr wohl an unsere Traditionen! Er hat uns an jene Traditionen erinnert, die wir l�ngst vergessen hatten!�</p><p>�Captain Geary hat diese Traditionen vor einhundert Jahren eingef�hrt!�, meldete sich eine weitere Stimme zu Wort. Zu Gearys �berraschung war es Commander Gaes von der <emphasis>Lorica.</emphasis> �Er k�mpft! Und wichtiger noch: Er wei�, <emphasis>wie</emphasis> man k�mpft! Er hat diese Flotte nicht in eine einzige Syndik-Falle geraten lassen!�</p><p>Der deutliche Verweis auf das Desaster bei Vidha lie� die Diskussion einen Moment lang ins Stocken geraten. Sowohl Casia als auch Yin warfen Commander Gaes vorwurfsvolle Blicke zu, doch sie schien sich daraus nichts zu machen. Nachdem Gaes sich entschieden hatte, dem rebellischen Captain Falco zu folgen, als der sich mit mehreren Schiffen von der Flotte abspaltete, hatte sie mitansehen m�ssen, wie diese kleine Streitmacht bei Vidha fast vollst�ndig aufgerieben wurde. Offenbar brachte sie seitdem keine Toleranz mehr f�r jemanden auf, der sich auf eine Weise gegen Gearys Befehlsgewalt aussprach, die nur ins Verderben f�hren konnte.</p><p>Schlie�lich sch�ttelte Casia den Kopf. �Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Die Flotte kann es sich nicht leisten, denjenigen ausgeliefert zu sein, die sich zu G�nstlingen des Flottenbefehlshabers aufgeschwungen haben, ganz gleich, ob sie die n�tige Kompetenz besitzen oder nicht.�</p><p>�Das reicht!� Geary bemerkte, dass sich alle zu ihm umgedreht hatten, und ihm wurde klar, dass er derjenige sein musste, von dem diese energischen Worte stammten. Es kostete ihn M�he, seinen Tonfall anzupassen, um wieder wie ein Commander und nicht wie ein erz�rnter Gott zu klingen. Und nicht wie Black Jack.</p><p>�Captain Casia, diese Flotte hat zu viele schlechte Erfahrungen mit Offizieren machen m�ssen, die nicht in der Lage waren, ihren Aufgaben nachzukommen. Ich werde so etwas von niemandem dulden, der sich in der Position eines Commanders befindet. Ist das klar?� Casias Gesicht lief rot an, aber er schwieg. �M�chten Sie jetzt noch irgendeinem der hier anwesenden Offiziere vorwerfen, dass er unf�hig ist, sein Schiff zu befehligen?� Geary wusste, dass er den Mann drangsalierte, damit der vor allen anderen klein beigab. Eigentlich sollte er seine Autorit�t nicht so missbrauchen, schlie�lich musste er seine Offiziere anf�hren und sie nicht vor sich her treiben. Aber im Augenblick hatte er einfach die Nase voll von Offizieren, die nur ihren Kopf durchsetzen wollten und damit das �berleben der Flotte gef�hrdeten. �M�chten Sie das?�, hakte er nach.</p><p>Casias Stimme klang rau, als er mit �Nein� antwortete.</p><p>�Ich bin der Commander dieser Flotte und Ihr vorgesetzter Offizier, Captain Casia.�</p><p>�Nein� Sir.�</p><p>�Danke.� Suspendier ihn doch einfach. Jetzt sofort. Und sperr ihn zusammen mit Numos, Faresa, Captain Kerestes und dem verr�ckten Captain Falco ein. Und wirf Commander Yin gleich noch hinterher. Warum muss ich all diese Idioten dulden? Dieser Flotte w�re mehr damit gedient, wenn sie sich nicht st�ndig in alles einmischen k�nnten. Wenn sie nur aufh�rten, jede meiner Entscheidungen�</p><p>Geary atmete langsam und tief durch. Verdammt, mein Temperament geht mit mir durch. Wo w�rde es enden, wenn ich erst einmal damit anfinge? Wie viele Offiziere m�sste ich suspendieren, bis ich Gewissheit habe, dass nur noch diejenigen ein Kommando innehaben, die mir gegen�ber loyal eingestellt sind? Und wenn ich den Punkt erreicht h�tte, w�rde der Rest es nicht mehr wagen, den Mund aufzumachen, um mich zu warnen, wenn ich mich irre. Das w�re das Ende dieser Flotte, denn meine Vorfahren wissen, wie oft ich Fehler begehe und wie oft ich mich irre. �Colonel Carabali, fahren Sie bitte fort.�</p><p>Die Marine nickte, als sei gar nichts vorgefallen, und setzte ihre Ausf�hrungen fort. Es war nichts Verspieltes, nichts Komplexes. Die Flotte sollte auf dem Weg ins System an einigen Syndik-Einrichtungen vorbeifliegen und sie mit H�llenspeeren aus den Partikelkanonen in Schutt und Asche legen. Erst wenn sich die Flotte dem vierten Mond des zweiten Gasriesen n�herte, sollte sie abbremsen, und Shuttles w�rden starten, um die Marines an ihren Einsatzort zu bringen. Bei einem zeitlich gut abgestimmten Man�ver w�ren die Shuttles weniger als eine halbe Stunde unterwegs sein und w�rden dann die Marines absetzen k�nnen. �Selbst wenn die Syndiks durchschauen, warum die Allianz-Flotte ausgerechnet diese Einrichtung besetzen will, bleibt ihnen hoffentlich nicht genug Zeit, um eine wirkungsvolle Verteidigung auf die Beine zu stellen oder um die Vorr�te zu zerst�ren, die wir ben�tigen�, schloss sie ihre Ausf�hrungen.</p><p>�Die Schlachtschiffdivision der Scouts wird sich f�r den Fall in der N�he aufhalten, dass die Marines sie ben�tigen�, erg�nzte Geary. �Die <emphasis>Exemplar</emphasis> und die <emphasis>Braveheart</emphasis> haben bewiesen, dass sie diese Aufgaben beherrschen.� Bei ihnen handelte es sich zwar auch um die letzten beiden noch verbliebenen Schiffe ihrer Art, doch das sprach niemand an.</p><p>Er deutete auf den bogenf�rmigen Kurs, dem die Flotte folgen w�rde. Jeder Abschnitt auf dem Weg durch das Baldur-System hatte eine der Syndik-Einrichtungen zum Ziel. �Das wird zwar mehr Zeit in Anspruch nehmen, als wenn wir auf direktem Weg unsere Ziele anfliegen, aber auf diese Weise bremsen wir gleichzeitig auf 0,5 Licht ab, was es der Flotte einfacher macht, Vorr�te an Bord zu nehmen. Innerhalb der n�chsten Stunde erhalten Sie alle Ihre Flug- und Einsatzpl�ne.�</p><p>�Wir k�nnten mehr Schaden anrichten, wenn die Flotte in verschiedene Unterformationen aufgeteilt w�re�, gab Captain Cresida vom Schlachtkreuzer <emphasis>Furious</emphasis> zu bedenken. W�hrend der Diskussion hatte sie es irgendwie geschafft, den Mund zu halten, doch jetzt musste sie sich einfach melden, da die M�glichkeit eines gr��eren Gefechts bestand, als Geary es vorschwebte.</p><p>Geary nickte, um ihr zu verstehen zu geben, dass er ihr Argument nachvollziehen konnte. Neben Tulev und Duellos war Cresida eine der besten Befehlshaberinnen, die er hatte. �Das ist richtig. Allerdings m�chte ich die Beanspruchung der Brennstoffzellen auf ein absolutes Minimum beschr�nken, bis wir diese Vorr�te an Spurenelementen in unseren Besitz gebracht haben. Au�erdem m�chte ich sie nicht auf Geschwader und Divisionen aufteilen, sondern gew�hrleisten, dass die Best�nde eines jeden Schiffs im gleichen Ma� aufgestockt werden.�</p><p>�Und was ist mit den Schiffen der Syndiks?�, fragte Commander Neeson vom Schlachtkreuzer <emphasis>Implacable,</emphasis> der nicht so ganz seine Entt�uschung dar�ber verbergen konnte, dass er diesmal nicht zur schnellen Eingreiftruppe geh�ren sollte.</p><p>Captain Desjani zeigte auf das Display. �Die haben sich aufgeteilt. Zwei Korvetten steuern den Sprungpunkt an, den wir m�glicherweise auch benutzen werden, die dritte Korvette und der Leichte Kreuzer fliegen auf den anderen Sprungpunkt zu.�</p><p>Captain Duellos nickte. �Ein Schiff wird vermutlich zum Sprung ansetzen, um unsere Anwesenheit im Baldur-System zu melden, und das andere bleibt zur�ck, um dann zu melden, welchen Sprungpunkt wir denn nun tats�chlich genommen haben.�</p><p>Den Anwesenden war die Entt�uschung deutlich anzusehen, aber es war schlichtweg nicht m�glich, sich mit diesen Syndik-Kriegsschiffen ein Gefecht zu liefern. Auch wenn die Korvetten langsamer waren als jedes Schiff der Allianz-Flotte, hatten sie doch einen viel zu gro�en Vorsprung. �Wir werden den Syndik-Einrichtungen in diesem System erhebliche Sch�den zuf�gen�, machte Geary ihnen klar. �Und einmal mehr werden es die Syndiks sein, die uns die Rohstoffe geben, die wir zum Weiterflug ben�tigen.�</p><p>Es fiel ihm nicht schwer, das Fehlen jeglicher Begeisterung zu bemerken. Selbst seine engsten Verb�ndeten lie�en keine Vorfreude erkennen. Aber worauf sollte man sich hier auch freuen? Baldur war nur ein Zwischenstopp auf einem langen Heimweg. Nach Baldur w�rden sie sich durch Wendeya k�mpfen, dann durch das n�chste Sternensystem, dann durch ein weiteres�</p><p>Mit dem Sprung zur�ck ins Territorium der Syndikatwelten hatten sie die Syndiks �berrascht, aber wie lange konnten sie ihren Gegner noch davon abhalten, ihr n�chstes Ziel richtig zu erraten und dort eine �berw�ltigende Streitmacht aufzustellen?</p></section><section><title><p>Zwei</p></title><p>Batterien von H�llenspeeren feuerten ihre geladenen Partikelgeschosse auf die Milit�rbasis und die kleine Werft der Syndiks ab, die jahrhundertelang um diesen �u�eren Gasriesen im Baldur-System gekreist waren. Die meisten Einrichtungen wirkten so, als h�tte man sie schon vor Jahrzehnten eingemottet, und nur eine Hand voll Syndiks war zur�ckgeblieben, um die wenigen Systeme funktionst�chtig zu halten. In diesem Moment waren eben diese Syndiks in Rettungskapseln auf der Flucht vor der Allianz-Flotte, w�hrend hinter ihnen die aktiven sowie die stillgelegten Teile der Basis und der Werft aus n�chster N�he durch den Beschuss mit H�llenspeeren in St�cke gerissen wurden.</p><p>Geary hatte beschlossen, alle Teile seiner Flotte in den Genuss kommen zu lassen, auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel Syndik-Einrichtungen zu zerst�ren. In diesem Fall lag die Ehre bei der Achten Schlachtschiffdivision. Die Schiffe <emphasis>Relentless, Reprisal, Superb</emphasis> und <emphasis>Splendid</emphasis> flogen �ber die Basis hinweg, ihre geballte Feuerkraft zerst�rte Ausr�stung, Vorr�te und Ersatzteile sowie die Werften, die ihren �beralterten Korvetten vielleicht noch manches Mal zu Diensten gewesen waren.</p><p>Das n�chste Ziel sollte die Bergbau-Anlage sein, die sie unversehrt einnehmen wollten. Angesichts des unabl�ssigen Strebens der Menschen, Dinge zu errichten und zu erhalten, empfand Geary es als ausgesprochen ironisch, dass es in den Kriegen der Menschheit schon immer leichter gewesen war, etwas zu zerst�ren, anstatt es komplett unversehrt einzunehmen.</p><p>�Haben Sie Ihren Spa�?�</p><p>Geary schaute �ber das Display hinweg, das zeigte, wie die Syndik-Einrichtung in Tr�mmer geschossen wurde, und sah, dass Victoria Rione unangek�ndigt sein Quartier betreten hatte. Sie war dazu in der Lage, da er die Sicherheitseinstellung des Raums so angepasst hatte, dass ihr der Zugang zu seinem Quartier erlaubt war. Es war ein �berbleibsel aus jenen Tagen, als sie sein Bett geteilt hatte. Ihm war der Gedanke gekommen, die Einstellungen angesichts ihrer distanzierten Haltung wieder zu �ndern, doch bislang hatte er diesen Schritt gemieden.</p><p>Jetzt reagierte er auf ihre Frage mit einem Schulterzucken. �Es ist eine Notwendigkeit.�</p><p>Sie warf ihm einen r�tselhaften Blick zu und setzte sich ihm gegen�ber hin, womit sie weiter auf Abstand zu ihm blieb, wie sie es seit Ilion machte. �Eine �Notwendigkeit� ist immer die Folge einer Entscheidung, John Geary. Es gibt keine klare, unverr�ckbare Linie, die das, was getan werden muss, von dem trennt, wof�r wir uns entscheiden.�</p><p>Irgendwie kam es ihm so vor, als beziehe sich Rione damit auf etwas anderes, etwas Unausgesprochenes. Wenn er nur dahinterk�me, was es war. �Dessen bin ich mir bewusst.�</p><p>�Ich glaube, das ist bei Ihnen �blicherweise der Fall�, gestand Rione ihm zu, was f�r ihre Verh�ltnisse einen ungew�hnlichen Schritt darstellte. Einen Moment lang musterte sie ihn, schlie�lich fuhr sie fort: ��blicherweise. Die Commander der Schiffe, die zur Callas-Republik und zur Rift-F�deration geh�ren, haben mit mir �ber Ihre j�ngste Flottenbesprechung gesprochen.�</p><p>Geary musste eine aufflackernde Ver�rgerung herunterschlucken. �Sie m�ssen mich nicht immer wieder daran erinnern, dass diese Schiffe Ihren Empfehlungen folgen werden, weil Sie die Co-Pr�sidentin der Callas-Republik sind.�</p><p>�Nein�, erwiderte sie energisch. �Ich kann mir vorstellen, dass es Black Jack nicht gef�llt, wenn seine Autorit�t herausgefordert wird. Wie ich h�rte, ist genau das der Fall gewesen, und Sie haben entsprechend hart reagiert.�</p><p>�Ich muss die Kontrolle �ber diese Flotte wahren, Madam Co-Pr�sidentin! Ich h�tte noch viel h�rter reagieren k�nnen, und das wissen Sie.�</p><p>Anstatt mit der gleichen Ver�rgerung zu reagieren, verzog Rione den Mund und lehnte sich nach hinten. �Ja, das h�tten Sie. Wichtig ist dabei aber nicht, dass ich das wei�, sondern dass Sie das wissen. Sie denken dar�ber nach, was Sie tun k�nnten, womit Sie als Black Jack durchkommen k�nnen. So ist es doch, nicht wahr?�</p><p>Geary z�gerte. Er wollte das nicht zugeben, aber Rione war vermutlich die Einzige, der er die Wahrheit anvertrauen konnte. �Ja, diese M�glichkeit ist mir durch den Kopf gegangen.�</p><p>�Das war bislang nicht so, oder?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wie lange k�nnen Sie ihn noch zur�ckhalten, John Geary? Black Jack kann tun und lassen, was er will, weil er ein legend�rer Held ist. Weil er als Befehlshaber �ber diese Flotte gewaltige Siege errungen hat.�</p><p>Geary warf ihr einen ver�rgerten Blick zu. �Wenn ich keine Siege erringe, dann stirbt diese Flotte.�</p><p>Sie nickte. �Und wenn Sie es tun, wird Ihr Ruf umso legend�rer. Und Sie werden m�chtiger. Jeder neue Sieg birgt eine Gefahr in sich, weil es f�r Black Jack so viel einfacher w�re. Er m�sste nicht erst andere von dem �berzeugen, was er m�chte. Er kann es ihnen befehlen, und er kann diejenigen bestrafen, die ihm widersprechen. Regeln und Ehre m�ssten ihn nicht k�mmern, er k�nnte seine eigenen Regeln aufstellen.�</p><p>Er lie� sich nach hinten sinken und schloss die Augen. �Was schlagen Sie vor, Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich w�nschte, ich w�sste es. Ich habe Angst um Sie. Niemand von uns hat sich so sehr unter Kontrolle, wie wir es uns gern einreden.�</p><p>Abrupt schlug er die Augen auf, als er dieses Eingest�ndnis von Schw�che vernahm. Rione schaute zur Seite, ihre Miene hatte etwas Verzagtes an sich. Dann aber sammelte sie sich und riss sich zusammen, was ihn an ein Kriegsschiff erinnerte, das seine Schilde verst�rkte. Sie sah ihn mit k�hlem Gesichtsausdruck an. �Was werden Sie tun, wenn es in diesen Minen nicht die Materialien gibt, die unsere Flotte ben�tigt?�</p><p>Er gestikulierte �berzogen. �Dann begeben wir uns zur n�chsten Mine. Wir brauchen dieses Zeugs. Es gef�llt mir nicht, dass wir deswegen l�nger in diesem System bleiben m�ssen, aber wir k�nnen nicht zum n�chsten Sprung ansetzen, ohne zuvor die Best�nde der Hilfsschiffe aufzustocken. Selbst wenn alle bis heute produzierten Brennstoffzellen verteilt sind, werden alle Schiffe dennoch im Durchschnitt nur �ber gut siebzig Prozent Reserve verf�gen, und das ist zu wenig f�r eine Flotte, die noch einen so langen Heimweg vor sich hat.�</p><p>�Ist das alles, was Ihnen zu schaffen macht?�</p><p>�Sie meinen, au�er Ihnen?�, fragte er ohne Umschweife.</p><p>Sie hielt seinem Blick stand. �Ja.�</p><p>Aus jedem Syndik-Gefangenen w�rde er mehr herausholen als aus Victoria Rione, wenn die �ber ein Thema kein Wort verlieren wollte. Aus einem unerfindlichen Grund verzog sich sein Mund wie von selbst zu einem ironischen L�cheln. �Nein, es gibt noch etwas anderes.� Sein Blick kehrte zur�ck zu dem anderen Display, mit dem er sich besch�ftigt hatte, bevor sie sein Quartier betrat.</p><p>�Und was?� Victoria Rione stand auf, kam herum und stellte sich neben ihn, dann beugte sie sich ein wenig nach vorn, um auf das gleiche Display sehen zu k�nnen. Ihr Kopf befand sich dicht neben seinem, ihr angenehmer Duft weckte Erinnerungen an die Stunden, die er in ihren Armen zugebracht hatte. Es war nicht die Art von Ablenkung, die ihm besonders behagte, nachdem sie sich wochenlang ohne irgendeine Erkl�rung von ihm ferngehalten hatte. Den Grund daf�r war sie ihm bis jetzt schuldig geblieben. Nat�rlich hatten sie sich gegenseitig nichts versprochen, also hatte sie auch kein Versprechen gebrochen, dennoch kam es ihm genau so vor.</p><p>Er legte die Stirn in Falten und war auf Rione so w�tend wie auf sich selbst. �Der Zustand meiner Schiffe bereitet mir Sorgen.�</p><p>Sie sah ihn lange an. �Es sind eigentlich die Verluste, die Ihnen vor allem zu schaffen machen�, erwiderte sie in sachlichem Tonfall. Sie wusste genauso wie Captain Desjani und ein paar andere, wie wenig Geary an den Verlust von Schiffen und ihren Besatzungen gew�hnt war. Vor hundert Jahren hatte man den Verlust eines einzelnen Schiffs als eine Trag�die betrachtet. In den Blutb�dern, zu denen Schlachten seitdem verkommen waren, stellte der Verlust eines einzelnen Schiffs nichts Weltbewegendes mehr dar. Es war nur ein weiterer Name, der wieder zum Leben erwachte, wenn ein Ersatzschiff in aller Eile in Dienst gestellt wurde. Gearys Gef�hle f�r diese Leute waren dagegen noch die gleichen wie vor hundert Jahren�� einer Zeit, die f�r ihn durch den K�lteschlaf bedingt nur ein paar Monate her war.</p><p>�Nat�rlich machen mir die Verluste zu schaffen�, gab Geary knapp zur�ck und versuchte sein Temperament zu z�geln.</p><p>�Das spricht f�r Sie.� Rione setzte sich hin, das Gesicht der Liste mit den Schiffen zugewandt. �Ich f�rchte mich nach wie vor vor dem Tag, an dem Black Jack solche Verluste einfach hinnimmt.�</p><p>�Black Jack f�hrt diese Flotte nicht an, sondern immer noch ich.� Geary reagierte mit einem finsteren Blick, da es ihm missfiel, dass sie dieses Thema abermals zur Sprache brachte. �Black Jack hat keine Macht �ber mich. Ich kann nicht leugnen, dass er mich in Versuchung f�hren m�chte. Es w�re alles viel einfacher, wenn ich mich einfach f�r diesen gottgleichen Helden halte, dessen Handeln immer gerechtfertigt ist, weil die lebenden Sterne es so wollen und weil unsere Vorfahren es absegnen. Aber das ist v�lliger Bl�dsinn, und das wei� ich auch.�</p><p>�Gut. Dann sollten Sie auch wissen, dass wir unter einem anderen Befehlshaber viel gr��ere Verluste erlitten haben. Wollen Sie das aus meinem Mund h�ren? Seit Sancere habe ich nicht ein einziges Mal Ihre Kommandof�higkeiten infrage gestellt.�</p><p>Es war ihm nicht klar gewesen, doch es stimmte. �Danke. Ich w�nschte, das w�rde etwas �ndern.�</p><p>�Das sollte es, John Geary.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Weil es auch viel schlimmer sein k�nnte? Sch�n. Mein Verstand kann so etwas akzeptieren, auch wenn mir das von den Gef�hlen her nicht m�glich ist. Aber darum geht es gar nicht. Wir k�nnen diese Verluste nicht auf Dauer durchhalten.� Geary zeigte auf die Anzeige seiner Schiffe und ihres jeweiligen Status. �Sehen Sie hier. Die Schlachtkreuzer, die dem Hinterhalt im Heimatsystem der Syndiks entkommen sind, wurden in sechs Divisionen umverteilt. Normalerweise sollte eine Division �ber sechs Schiffe verf�gen. In diesen Divisionen gibt es jedoch nur je vier Schlachtkreuzer, bei der Siebten Division sind es sogar nur drei. Dreiundzwanzig Schlachtkreuzer haben den Hinterhalt �berlebt. Die <emphasis>Repulse</emphasis> verloren wir, als wir aus dem Heimatsystem der Syndiks flohen.�</p><p>Er musste eine Pause einlegen. Verloren. Ein ganz einfaches Wort. Die Grabinschrift f�r ein Schiff, seine Crew und deren Commander, Gearys Gro�neffen. Ein Mann, der �lter gewesen war als Geary selbst. Er schluckte, wusste, dass Rione ihn beobachtete, und fuhr fort: �Die <emphasis>Polaris</emphasis> und die <emphasis>Vanguard</emphasis> verloren wir bei Vidha, dann bei Ilion die <emphasis>Invincible</emphasis> und die <emphasis>Terrible.</emphasis> F�nf von dreiundzwanzig Schiffen, und wir sind noch immer weit von zu Hause entfernt. Und dabei sind noch nicht die schweren Sch�den ber�cksichtigt, die die Schiffe von Tulevs Zweiter Schlachtkreuzerdivision bei Sancere erlitten haben und die zum Teil bis jetzt noch nicht repariert sind.�</p><p>Rione nickte. �Ich verstehe, was Sie meinen. Vor allem mit Blick auf die <emphasis>Dauntless.</emphasis> F�r die Anstrengungen der Allianz in diesem Krieg ist es unverzichtbar, dass der Hypernet-Schl�ssel in ihren Besitz gelangt.� Sie hielt kurz inne. �Wie viele Leute in dieser Flotte wissen, dass sich der Schl�ssel auf der <emphasis>Dauntless</emphasis> befindet?�</p><p>�Ich wei� es nicht, aber wahrscheinlich zu viele.� Ein angeblicher Syndik-�berl�ufer hatte ihnen den Schl�ssel geliefert, damit die Allianz-Flotte einen �berraschungsschlag gegen das Syndik-Heimatsystem f�hren konnte, um den Krieg mit einem einzigen Schachzug zu gewinnen. F�r die unerbittlich aggressiven F�hrer der Allianz-Flotte war das einfach ein zu verlockendes Angebot gewesen. Die Syndiks wussten, sie w�rden den K�der schlucken, und erwarteten die Allianz-Flotte bereits mit einer �berm�chtigen eigenen Streitmacht. Desaster war noch ein zu harmloses Wort, um das Gemetzel zu beschreiben, doch wenigstens hatte dieser Rest der Flotte die Flucht antreten und bis jetzt �berleben k�nnen. Die Syndiks mussten von Angst und Schrecken erf�llt sein, dass sich der Hypernet-Schl�ssel auf einem der entkommenden Allianz-Schiffe befand. �Ich habe mich gefragt, warum die Syndiks s�mtliche rangh�chsten Offiziere dieser Flotte ermordet haben, als die zu den Unterhandlungen erschienen. Es w�re verst�ndlicher gewesen, wenn sie ein paar von ihnen am Leben gelassen h�tten, um sie zu verh�ren.�</p><p>�Vielleicht haben sie das ja�, �berlegte sie. �Videobilder lassen sich f�lschen. Ich zweifle nicht daran, dass die meisten Offiziere, deren Ermordung wir mit ansahen, auch tats�chlich gestorben sind, was Sie zum rangh�chsten Offizier der Flotte machte. Aber es w�rde mich nicht �berraschen, wenn man ein oder zwei von ihnen mit genau dieser Absicht �berleben lie�.�</p><p>Womit die Syndiks vermutlich wussten, dass sich der Schl�ssel an Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> befand und dieses Schiff um jeden Preis zerst�rt werden musste. �Das wird ja immer besser�, murmelte Geary sarkastisch.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Oh, nichts. Ich f�hre nur gerade Selbstgespr�che.�</p><p>Rione sah ihn ver�rgert an. �Wir sollten miteinander sprechen, nicht jeder mit sich selbst. Die Verluste der Schlachtkreuzer sind beunruhigend und tragisch. Allerdings haben wir kaum Schlachtschiffe verloren.�</p><p>�Stimmt.� Geary �berflog die Namen. �Die <emphasis>Triumph</emphasis> bei Vidha, die <emphasis>Arrogant</emphasis> bei Kaliban.� Genau genommen war die <emphasis>Arrogant</emphasis> eines von drei Scout-Schlachtschiffen der Flotte gewesen, ein Mittelding zwischen einem Schweren Kreuzer und einem Schlachtschiff. Geary hatte eine Weile gebraucht, ehe er aufh�rte, diesen Schiffstyp als Kreuzer anzusehen. Er fragte sich, welche kuriose b�rokratische Laune seine Entstehung ausgel�st hatte, war ein solches Schiff doch zu klein, um als Schlachtschiff eingesetzt zu werden, w�hrend es f�r einen Schweren Kreuzer viel zu gro� war. �Die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> sind so erheblich besch�digt worden, dass es lange dauern wird, bis sie wieder voll einsatzf�hig sind. Sofern wir das �berhaupt allein bewerkstelligen k�nnen und sie nicht l�ngst ein Fall f�r eine Schiffswerft sind.� Er musste nicht noch betonen, dass die n�chste gro�e Werft erst im Territorium der Allianz zu finden war. Die Flotte war auf jedes vorhandene Schlachtschiff angewiesen, um sicher nach Hause zu gelangen, aber es war nicht davon auszugehen, dass sie vor der Heimkehr die Schiffe wieder in einen voll funktionst�chtigen Zustand versetzen konnten.</p><p>Wieder nickte Rione. �Wie ich h�rte, wurde die <emphasis>Warrior</emphasis> bei Vidha fast genauso schwer besch�digt wie die <emphasis>Invincible.</emphasis> W�re es nicht kl�ger, die <emphasis>Warrior</emphasis> einfach aufzugeben und zu zerst�ren, so wie Sie es mit der <emphasis>Invincible</emphasis> gemacht haben?�</p><p>Riones Spione in der Flotte hatten sie offenbar auf dem Laufenden gehalten. Erneut verzog Geary das Gesicht. �Das Antriebssystem der <emphasis>Warrior</emphasis> wurde nicht so in Mitleidenschaft gezogen, wie das bei der <emphasis>Invincible</emphasis> der Fall gewesen war. Sie kann mit der Flotte mithalten, und so schnell gebe ich das Schiff nicht auf. Ich kann den Grund nicht erkl�ren, aber es schadet der Moral mehr, wenn man ein Schiff selbst zerst�rt, als wenn das dem Feind im Gefecht gelingt. Au�erdem behalte ich die Reparaturarbeiten st�ndig im Auge. Die Crew der <emphasis>Warrior</emphasis> arbeitet sich krumm und buckelig, um ihr Schiff wieder in Form zu bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, dann w�rde ich nach dem momentanen Stand der Dinge eher die <emphasis>Majestic</emphasis> ausschlachten, um die <emphasis>Warrior</emphasis> und die <emphasis>Orion</emphasis> wieder auf Vordermann zu bringen. Die <emphasis>Orion</emphasis> macht Fortschritte, w�hrend sich die Reparaturen bei der <emphasis>Majestic</emphasis> in die L�nge ziehen. Keines dieser Schiffe wird in naher Zukunft an vorderster Front k�mpfen k�nnen. Alle drei Schiffe werden sich in der N�he der Hilfsschiffe aufhalten m�ssen, was ihrem Stolz nicht zugute kommt.�</p><p>�Sie haben wenig Grund, auf sich stolz zu sein.� Riones Stimme hatte einen schroffen Tonfall angenommen. �Erst lassen sie diese Flotte im Stich, dann lassen sie ihre Kameraden bei Vidha im Stich��</p><p>�Das ist mir bekannt�, unterbrach Geary sie, dessen eigene Stimme vor Wut ebenfalls rau klang. �Aber ich kann diese Schiffe und ihre Besatzungen nicht einfach abschreiben! Ich muss nicht nur die Schiffe, sondern auch die Besatzungen wieder aufbauen, doch dazu m�ssen diese Leute an sich glauben. Und daf�r brauchen sie ihren Stolz.�</p><p>Rione sa� schweigend da und lief im Gesicht rot an.</p><p>�Tut mir leid.�</p><p>�Ich habe es verdient�, gab sie zur�ck und schien vor allem auf sich selbst w�tend zu sein. �Ich bin Politikerin, ich sollte wissen, wie wichtig es ist, was die Leute glauben.� Sie atmete tief und gleichm��ig durch, um sich zu beruhigen. �Mir ist bewusst, wie schmerzhaft es ist, ein Schiff von der Gr��e eines Schlachtkreuzers zu verlieren�� oder auch jedes andere Schiff. Aber es sollte Sie doch tr�sten, dass Sie nicht in gleicher Zahl Kriegsschiffe verlieren.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nein. Wenn ich weiterhin Schlachtkreuzer verliere, werden die Verluste bei den Schlachtschiffen gr��er werden.�</p><p>Diesmal konnte Rione ihn nur verst�ndnislos ansehen. �Wieso?�</p><p>�Weil die Schlachtkreuzer gewisse Aufgaben �bernehmen�, erl�uterte Geary. �Ein Schlachtkreuzer besitzt die Feuerkraft eines Schlachtschiffs, kann aber wie ein Schwerer Kreuzer beschleunigen, man�vrieren und verz�gern. Schilde und Panzerung reichen jedoch <emphasis>nicht</emphasis> an die von Kriegsschiffen heran, daf�r sind sie schneller und wendiger. Dadurch eignen sich Schlachtkreuzer f�r bestimmte Aufgaben, bei denen Schnelligkeit und Feuerkraft gefragt sind. Aber wenn ich zu viele Schlachtkreuzer verliere, m�ssen Schlachtschiffe diese Aufgaben �bernehmen, f�r die sie allerdings zu schwerf�llig sind. Sie werden den Schlachtkreuzern der Syndiks zum Opfer fallen. Ein Schlachtschiff kann sich zwar gegen einen, aber nicht gegen vier oder mehr Schlachtkreuzer zur Wehr setzen, die von leichteren Schiffen unterst�tzt werden. Oder ich setze Schwere Kreuzer ein, die dann noch schwerere Verluste hinnehmen m�ssen. Wenn sie erst einmal alle zerst�rt sind, bleibt mir nichts anderes �brig, als doch auf die Schlachtschiffe zur�ckzugreifen.�</p><p>Rione zog die Stirn in Falten, als sie endlich verstand. �Wenn wir Kriegsschiffe f�r Aufgaben einsetzen, f�r die sie nicht vorgesehen sind, werden unsere Verluste noch weiter zunehmen.�</p><p>�Richtig.� Geary deutete auf das Display. �Und wenn sich die Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer v�llig zur�ckhalten, werden die Leichten Kreuzer und Zerst�rer vom Feind in St�cke geschossen. Es ist alles miteinander verflochten. F�r verlorene Einheiten bekomme ich keinen Ersatz, also muss ich vermeiden, etwas von dem zu opfern, was ich habe.� Er stierte auf die Namen der Schiffe, w�hrend vor seinem geistigen Auge das Bild der �berreste der <emphasis>Terrible</emphasis> entstand, nachdem sie bei Ilion mit einem Schlachtkreuzer der Syndiks kollidiert war. Oder besser gesagt, ein Bild von dem Lichtblitz, der von beiden Schiffen �brig blieb, als sie mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit aufeinandertrafen. Nicht nur das Schiff, auch seine gesamte Besatzung war innerhalb eines einzigen Augenblicks ausgel�scht worden. �Die Vorfahren m�gen mir beistehen�, fl�sterte er.</p><p>Geary sp�rte Riones Hand f�r einen langen Moment Trost spendend auf seiner Schulter ruhen, doch dann entzog sie sie ihm wieder. �Es tut mir leid.�</p><p>�Victoria��</p><p>�Nein.� Sie stand abrupt auf. �Victoria ist nicht hier. Co-Pr�sidentin Rione spricht ihr Beileid aus und bietet ihre Unterst�tzung an. Es tut mir leid, Captain Geary.� Bevor er etwas sagen konnte, war sie bereits aus seinem Quartier gest�rmt.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Was haben Sie erfahren?�, fragte Geary, w�hrend er durch die nur von einer Seite transparente Scheibe in den Verh�rraum schaute, wo der Captain des von ihnen zerst�rten Syndik-Handelsschiffs sa�. Obwohl es in dem Abteil recht k�hl war, schwitzte der Mann vor Angst. Anzeigen und Displays rings um das Fenster gaben Auskunft �ber die k�rperliche Verfassung des Syndiks und �ber die Denkmuster in seinem Gehirn. Sollte der Syndik l�gen, w�rde das bei den Hirnscans sofort deutlich erkennbar werden. Wenn man jemanden mit dieser Tatsache konfrontierte, konnte das gen�gen, um ihn zum Reden zu bringen.</p><p>Der Geheimdienstoffizier Lieutenant Iger verzog den Mund. �Nicht viel. Die Syndiks weihen ihre Zivilbev�lkerung nicht in die Details ihrer Milit�roperationen oder in ihre Verluste ein.�</p><p>�H�rt sich irgendwie nach der Allianz an, wie?�, gab Geary ironisch zur�ck.</p><p>�Nun� das stimmt, Sir�, r�umte der Lieutenant ein. �Aber es ist eigentlich viel schlimmer, denn die Syndiks gestatten keine unabh�ngige Berichterstattung und keine �ffentlichen Diskussionen. Daher ist es f�r ihre B�rger schwieriger herauszufinden, was tats�chlich los ist. Was die Handelscrew uns sagen kann, sind die Dinge, die die Syndik-Propaganda ihnen eingetrichtert hat. Der Sieg steht kurz bevor, die Verluste der Syndiks sind nur gering, und unsere Flotte wurde komplett zerst�rt.�</p><p>�Dass Letzteres nicht stimmt, wei� er jetzt schon mal�, stellte Geary fest. �Woher kam sein Schiff?�</p><p>�Von Tikana. Einem weiteren System, das vom Hypernet �bergangen worden ist. Sein Schiff erledigte kleinere Auftr�ge f�r ein Syndik-Unternehmen, das von den wirtschaftlichen �berresten lebt, mit denen sich die gro�en Konzerne gar nicht erst abgeben.�</p><p>�Also keine aktuellen Neuigkeiten oder Beobachtungen?�</p><p>�Nein, Sir.� Lieutenant Iger deutete auf den Captain des Handelsschiffs. �Er ist zu Tode erschrocken, aber er scheint trotzdem nicht in der Lage zu sein, uns irgendetwas Brauchbares zu erz�hlen.�</p><p>�Dann darf ich annehmen, dass ihm auch keine Ger�chte �ber unsere Flotte zu Ohren gekommen sind.�</p><p>�Richtig, Sir�, antwortete der Geheimdienstoffizier. �Er sagt die Wahrheit, wenn er leugnet, irgendetwas in der Richtung geh�rt zu haben. Als wir ihm die Namen von Systemen wie Corvus oder Sancere nannten, in denen wir uns aufgehalten haben, waren ihm diese Namen zwar ein Begriff, doch weiter ergab sich daraus nichts.�</p><p>Geary �berlegte einen Moment lang, ob er sich wirklich mit diesem Syndik unterhalten sollte, entschied sich dann aber daf�r. �Ich gehe rein. Wie hei�t er?�</p><p>�Reynad Ybarra, Sir. Seine Heimatwelt ist Meddak.�</p><p>�Danke.� Geary durchschritt die drei Schleusen, die in den Verh�rraum f�hrten. Als er eintrat, sah er, wie der Syndik-Captain ihn anstarrte. Der Mann schien zu viel Angst zu haben, um sich von der Stelle zu r�hren, aber selbst wenn er einen Angriff h�tte versuchen wollen, waren doch so viele Bet�ubungswaffen auf ihn gerichtet, dass es ihm nicht einmal m�glich gewesen w�re, sich Geary auch nur einen Schritt zu n�hern. �Ich begr��e Sie im Namen der Allianz, Captain Ybarra�, erkl�rte Geary f�rmlich.</p><p>Der Syndik schwieg und zeigte keine andere Regung als die, dass er Geary nerv�s ansah.</p><p>�Wie l�uft der Krieg?�, fragte Geary.</p><p>Diesmal kam eine Reaktion, und der Captain begann etwas zu zitieren, was er schon so oft geh�rt haben musste, dass er die Worte auswendig kannte: �Die Streitm�chte der Syndikatwelten erringen einen Sieg nach dem anderen. Unser Sieg �ber die Aggressoren der Allianz ist eine Gewissheit.�</p><p>Geary setzte sich ihm gegen�ber hin. �Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, wieso Sie den Krieg noch immer nicht gewonnen haben, wenn Ihre Streitm�chte seit hundert Jahren einen Sieg nach dem anderen erringen?� Der Mann schluckte, sagte aber nichts. �Die Allianz war nicht der Aggressor, m�ssen Sie wissen. Ich wei� es, weil ich dabei war.� Der Syndik riss ungl�ubig und �ngstlich zugleich die Augen auf. �Sicherlich hat man Ihnen bereits gesagt, dass ich Captain John Geary bin.� Er wurde noch etwas �ngstlicher. �M�chten Sie, dass dieser Krieg ein Ende nimmt?� Noch gr��ere Angst. Dies Thema war dem Mann gar nicht geheuer. Zweifellos konnte man einem Syndik-B�rger Verrat vorwerfen, wenn er nur �ber den Frieden redete.</p><p>Wie konnte er den Mann dazu bringen, den Mund aufzumachen? Geary griff zu einem erprobten Trick. �Haben Sie noch Familie auf Meddak?�</p><p>Der Syndik z�gerte, als �berlege er, ob er die Frage bedenkenlos beantworten konnte. Schlie�lich nickte er.</p><p>�Alle wohlauf?�</p><p>Das brachte ihn endlich zum Reden. �Nur meine Eltern. Meine Schwester starb, als Ikoni bombardiert wurde�, brachte der Syndik heraus. �Und mein Bruder starb vor f�nf Jahren, als sein Schiff in einem Gefecht zerst�rt wurde.�</p><p>Geary verzog den Mund. Ein Bruder und eine Schwester im Krieg gefallen. Ein viel zu h�ufiges Schicksal in einem Krieg, der von blutigen Schlachten und von Bombardements ziviler Ziele gepr�gt war. �Das tut mir leid. M�gen sie in den Armen ihrer Vorfahren Ruhe finden.� Der Syndik reagierte mit Ratlosigkeit auf diese Beileidsbekundung. �Ich werde Ihnen etwas erz�hlen, und danach werden wir Sie und Ihre Crew wahrscheinlich freilassen. Ich will mir nicht die Arbeit machen, Ihnen zu erkl�ren, dass Ihre Anf�hrer Sie belogen haben, denn das belegt schon die Tatsache, dass Sie sich momentan auf einem Schiff befinden, das angeblich l�ngst zerst�rt wurde. Nein, ich m�chte Ihnen stattdessen zu verstehen geben, dass wir diesem Krieg auch ein Ende setzen wollen. Er hat schon zu viele Leben gefordert, ohne dass diese Opfer irgendetwas bewirken. Ihre Heimat ist vor der mir unterstellten Flotte sicher. Reisen Sie in ein beliebiges System, das wir auf unserem Flug hinter uns zur�ckgelassen haben, und Sie werden sehen, dass nur milit�rische Ziele oder solche Ziele zerst�rt wurden, die mit dem Milit�r zu tun haben. Die Allianz wird so lange und so erbittert k�mpfen, wie es n�tig ist, um die Sicherheit unserer eigenen Welten zu gew�hrleisten. Aber wir werden ehrbar k�mpfen. Wenn Sie wollen, k�nnen Sie das jedem erz�hlen, dem Sie begegnen.�</p><p>Dann stand Geary auf und verlie� den Raum, w�hrend der Syndik ihm nachblickte. Zur�ck im Beobachtungsraum fand er den Offizier vor, wie der sich bereits mit den Anzeigen besch�ftigte. �Und?�</p><p>�Er glaubt Ihnen nicht�, sagte der Lieutenant.</p><p>�Das hatte ich auch nicht anders erwartet. Glauben Sie, wir k�nnen aus einem von ihnen noch irgendetwas N�tzliches herausholen?�</p><p>�Nein, Sir.�</p><p>�Dann setzen Sie sie wieder in ihre Rettungskapsel und schicken Sie sie irgendwohin, wo sie in Sicherheit sind.�</p><p>�Jawohl, Sir.� Lieutenant Iger z�gerte. �Captain Geary, das Personal, das sich die Rettungskapsel angesehen hat, meldet, dass billige Materialien und nachl�ssige Wartung f�r einige gravierende Systemausf�lle gesorgt haben.�</p><p>�Das haben Sie �berpr�ft?�, fragte er beeindruckt.</p><p>Der Lieutenant grinste. �Ja, Sir. Dieses Schiff rangierte wirtschaftlich ziemlich tief unten, aber sein Zustand verr�t uns etwas �ber die Wirtschaftslage der Syndiks insgesamt.�</p><p>Geary nickte. �Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Rettungskapseln des Syndik-Milit�rs in einem �hnlich schlechten Zustand waren.�</p><p>�Stimmt, Sir�, best�tigte der Lieutenant. �Das Milit�r hat in jeglicher Hinsicht Priorit�t. Nur die F�hrungsebene wird noch einmal bevorzugter behandelt, wenn sie etwas will.�</p><p>�Das sollte mich eigentlich nicht �berraschen. K�nnen wir die defekten Systeme dieser Rettungskapsel reparieren?�</p><p>�Ich glaube schon, Sir.�</p><p>�Dann m�chte ich, dass das erledigt wird, bevor die Kapsel wieder startet�, ordnete Geary an. �Die sollen wissen, dass sie allein durch unsere Hilfe in Sicherheit gelangen konnten.�</p><p>Der Geheimdienstoffizier salutierte und demonstrierte dabei, wie gut er die respektvolle Geste beherrschte, die Geary in der Flotte wieder eingef�hrt hatte. �Aye, aye, Sir. Aber diese Handelscrew besteht nur aus ein paar Leuten. Selbst wenn die Ihnen dankbar sind, wird uns das nicht weiterhelfen.�</p><p>�Vielleicht nicht.� Geary wandte sich zum Gehen, blieb dann jedoch noch mal stehen und drehte sich zu dem Mann um. �Aber wenn viele kleine Gruppen einsehen, dass wir nicht die B�sen sind, kann das durchaus etwas in Gang setzen. M�glicherweise k�nnen wir die Syndik-F�hrung ja ein wenig aus dem Gleichgewicht bringen. Au�erdem gef�llt es den Vorfahren manchmal, dass wir etwas f�r andere tun, ohne davon einen Nutzen f�r uns selbst zu erwarten. Meinen Sie nicht auch?�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Geary war zur�ck auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> und betrachtete die Bilder der Syndik-Mine, w�hrend seine Flotte sich mit 0,2 Licht ihrem Ziel n�herte. Sie w�rden das Tempo der Flotte noch weiter reduzieren m�ssen, damit die Shuttles auf Landegeschwindigkeit verz�gern konnten und nicht �ber ihr Ziel hinausschossen. Gleich neben diesem Bild zeigte ein virtuelles Fenster Colonel Carabali, die mit ernster Miene dreinschaute. �Der Landetrupp ist bereit, Sir.�</p><p>�Danke, Colonel.� Geary musterte Carabali eingehend. �Wollen Sie Ihre Leute begleiten?�</p><p>Carabali z�gerte, da sein Angebot allzu verlockend war. �Ich sollte auf dem Schiff bleiben, Sir, um den Kampf vom Kontrollzentrum aus zu koordinieren.�</p><p>Schon eigenartig, dachte Geary. Wenn ein Flottenoffizier bef�rdert wurde, �nderte das wenig an den Risiken, denen er im Gefecht ausgesetzt war. Selbst der rangh�chste Admiral war genauso in Gefahr wie der einfachste Matrose, wenn das Schiff vom Feind beschossen wurde. Bei den Marines war es dagegen ganz anders. Wenn eine Eingreiftruppe auf einem Planeten oder einem anderen Schiff zum Einsatz kam, mussten die rangh�chsten Befehlshaber die n�tige Disziplin besitzen, nicht pers�nlich ins Gefecht zu ziehen, sondern den Verlauf des Kampfs zu �berwachen. Es war merkw�rdig, dass im Fall eines Marine-Commanders mehr Disziplin und in gewisser Weise auch mehr Mut erforderlich waren, um nicht in die Schlacht zu ziehen. Sich dem Tod zu stellen, konnte leichter sein, als seine Truppen sterben zu sehen, w�hrend man selbst aus sicherer Entfernung zuschaute.</p><p>Dennoch entgegnete er nur: �Also gut, Colonel. Soll ich mich noch an Ihre Leute wenden, bevor die sich auf den Weg machen?�</p><p>Wieder z�gerte Carabali, diesmal aber aus einem anderen Grund. �Sie stehen kurz vor dem Start, Sir. Jede Ablenkung w�re zu diesem Zeitpunkt m�glicherweise unklug.�</p><p>Fast h�tte Geary gelacht. Eine Ablenkung. Wenn das das Schlimmste war, was er an Problemen verursachen konnte. �Also gut, Colonel. Falls Sie irgendetwas ben�tigen, lassen Sie es mich sofort wissen. Ansonsten werde ich Sie in Ruhe lassen, damit Sie sich Ihrem Gefecht widmen k�nnen.�</p><p>�Danke, Sir�, erwiderte Carabali grinsend und salutierte pr�zise. Anders als der Rest der Flotte hatten die Marines den Salut nie aufgegeben, also musste auch keiner von ihnen die Geste erst erlernen. �Ich lasse es Sie wissen, wenn die Einrichtung in unserer Hand ist, Captain Geary.�</p><p>Das Bild des Colonels verschwand, und Geary lehnte sich seufzend in seinem Sessel nach hinten. In Augenblicken wie diesen f�hlte er sich ausgesprochen hilflos. Die Schiffe waren mit der richtigen Geschwindigkeit auf Kurs, die Marines warteten einsatzbereit auf das Startsignal, und nun konnte er nur noch dasitzen, abwarten und darauf hoffen, dass nichts schiefging. Commander einer ganzen Flotte, und trotzdem bin ich den Gesetzen von Zeit und Raum nach wie vor unterworfen. Zu meiner Zeit kannte ich einige Befehlshaber, die glaubten, �ber diesen Dingen zu stehen, aber ich sch�tze, die haben in diesem Krieg nicht lange �berlebt. Ich dagegen trieb im K�lteschlaf durchs All und wurde von der Allianz zu einer mythologischen Gestalt gemacht. Ich frage mich, wer von uns sich als der Gl�cklichere bezeichnen kann.</p><p>�Niemand verl�sst die Mine�, stellte Captain Desjani fest.</p><p>Geary richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf das Display und nickte. �Keine Rettungskapseln. Und sogar der alte Kahn dort r�hrt sich nicht von der Stelle. Ganz gleich, wer sich da aufh�lt, er will offenbar lieber bleiben, anstatt die Anlage zu evakuieren.�</p><p>�Vermutlich f�rchten sie, dass wir auf alles feuern, was zu entkommen versucht�, warf Desjani in einem Tonfall ein, der Geary verriet, dass ein solches Gebaren an der Tagesordnung gewesen war, bevor er das Kommando �bernommen hatte.</p><p>Er verkniff sich die Frage, was daran ehrbar sein sollte, wenn man auf wehrlose Rettungskapseln feuerte. Praktiken, die Geary als schlichtweg abscheulich empfand, waren in einem Jahrhundert Krieg an der Tagesordnung gewesen, da die Syndiks zu immer schlimmeren Grausamkeiten gegriffen hatten, auf die die Allianz dann entsprechend reagierte. Mit der Zeit war vieles in Vergessenheit geraten, da die Nachfahren an die Stelle jener Offiziere und Matrosen r�ckten, die Geary noch gekannt hatte. Erst als der angebetete Black Jack Geary erwachte, wurden die Menschen der Gegenwart mit den Dingen wieder vertraut gemacht, an die die Menschen der Vergangenheit geglaubt hatten. Desjani war mit als Erster bewusst geworden, was der Allianz abhandengekommen war, als sie versuchte, sich so unmenschlich zu geben wie die Syndiks. Daher w�re es �berfl�ssig gewesen, sie abermals darauf hinzuweisen. Stattdessen nickte er nur wieder. �Oder sie haben unser Bremsman�ver bemerkt und erkannt, dass wir diese Einrichtung nicht zerst�ren, sondern einnehmen wollen. Allerdings werden sie wohl nicht ernsthaft glauben, unseren Angriff abwehren zu k�nnen.�</p><p>�Das bestimmt nicht�, pflichtete Desjani ihm bei. �Aber sie k�nnten uns Verluste zuf�gen und uns dazu bringen, dass wir langsamer vorankommen. Die Syndik-F�hrer w�rden die Minenarbeiter daf�r opfern.�</p><p>�O ja, das w�rden sie.� Beispiele daf�r hatten sie in fast jedem System beobachten k�nnen, durch das sie geflogen waren. Die Syndiks setzten sogar ganze Welten aufs Spiel, nur um eine Gelegenheit zu bekommen, der fliehenden Allianz-Flotte Verluste zuzuf�gen. Wieder sah er sich das Bild der Einrichtung an. �Da verlaufen Maglev-Schienen f�r den Erztransport.�</p><p>Desjani nickte. �Wenn wir die aus dieser Entfernung zerschie�en, riskieren wir, die Vorr�te zu treffen.�</p><p>�Wie stehen die Chancen, dass die Syndiks daraus Waffen machen, die sie gegen uns richten k�nnen?�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Versuchen k�nnten sie das. Aber wir w�rden es sehen, wenn sie die Schienen ausrichten, um unsere Schiffe oder Shuttles anzuvisieren.�</p><p>Geary nickte und sah nach seinen beiden verbliebenen Scout-Schlachtschiffen <emphasis>Exemplar</emphasis> und <emphasis>Braveheart,</emphasis> die soeben verz�gerten, um �ber der Einrichtung in Position zu gehen. Dabei passten sie ihren Kurs und ihre Geschwindigkeit exakt an die Anlage an, damit sie aus n�chster N�he mit H�llenspeeren das Feuer er�ffnen konnten. Rein theoretisch konnte ein kleines kinetisches Geschoss so zielgenau abgefeuert werden, dass es in einem station�ren Orbit auch ein kleines Ziel traf, doch Geary wollte seinen Vorrat an jenen Projektilen schonen. Au�erdem hielt er lieber an der alten Theorie fest, dass man ein Ziel umso genauer traf, je n�her man ihm war. Und es gab auch gar keinen Grund, zu viele Waffen f�r dieses Ziel zu vergeuden. H�llenspeere w�rden genau das richtige Mittel sein.</p><p>Er hatte herausfinden m�ssen, dass die neue Theorie nach einem Jahrhundert Krieg in erster Linie darin bestand, gro�e kinetische Projektile einzusetzen und nicht nur das eigentliche Ziel, sondern auch noch einen Gro�teil der Umgebung zu zerst�ren�� ohne R�cksicht darauf, ob sich dort Schulen, Krankenh�user oder Wohnh�user befanden. Schlie�lich geh�rte das alles ja dem Feind. Allerdings hatte Geary nicht die Absicht, sich jemals dieser Logik anzuschlie�en.</p><p>Keines der Scout-Schlachtschiffe hatte bislang das Feuer er�ffnet, und auch das Ziel verhielt sich immer noch ruhig. Aber sie w�rden dicht �ber der Oberfl�che sein, sobald die Shuttles mit den Marines an Bord zur Landung ansetzten.</p><p>�Eingreiftruppe startet�, meldete ein Wachhabender.</p><p>Ein Dutzend Shuttles l�ste sich von ihren Schiffen und nahm direkten Kurs auf die Bergbau-Einrichtung.</p><p>�Warum nur ein Dutzend?�, wollte Co-Pr�sidentin Rione wissen, die auf ihrem Platz hinter Geary sa�. �Es ist untypisch f�r Colonel Carabali, dass sie nicht eine m�glichst gro�e Streitmacht einsetzt.�</p><p>Wollte sie damit andeuten, Geary k�nnte Carabali Vorschriften gemacht haben, wie viele Leute sie einsetzen durfte? Er wandte sich zu ihr um. �Das ist eine kleine Einrichtung, Madam Co-Pr�sidentin. Der Platz reicht nicht aus, um mehr Shuttles dort landen zu lassen.�</p><p>Als er sich wieder nach vorn drehte, bemerkte er Captain Desjanis finstere Miene. Offenbar hatte sie sich �ber Riones Frage ge�rgert, doch als sie etwas sagte, klang ihre Stimme ruhig. �Bewegungen rund um die Maglevs.�</p><p>Geary konzentrierte sich auf die Schienen der Magnetschwebebahn, mit der Erz, Loren und anderes Material innerhalb der Einrichtung transportiert wurden. Die das gesamte Spektrum umfassenden optischen Sensoren der Allianz-Schiffe waren so empfindlich, dass sich mit ihnen sogar kleine Ziele am anderen Ende eines Sonnensystems verfolgen lie�en. Aus dieser geringen Entfernung h�tte man notfalls einzelne Staubk�rner z�hlen k�nnen. Ein Ziel von der Gr��e eines Menschen war umso m�heloser auszumachen.</p><p>Tats�chlich hatte sich eine Gruppe Personen am Ende einer der Schienen versammelt und hob sie an, um sie auf die <emphasis>Braveheart</emphasis> und die <emphasis>Exemplar</emphasis> dicht �ber ihnen zu richten. �Idioten�, murmelte Geary unwillk�rlich.</p><p>Desjani nickte. �Die <emphasis>Exemplar</emphasis> feuert H�llenspeere ab.�</p><p>F�r ein Feuerleitsystem, das innerhalb von Sekundenbruchteilen Ziele treffen konnte, die Tausende Kilometer entfernt waren, stellte es keine gro�e Herausforderung dar, einen exakten Treffer zu landen, wenn das Ziel zum Greifen nah war und sich in Relation zum Schiff fast in Ruheposition befand. Auf der visuellen Darstellung konnte Geary nicht den geladenen Partikelstrahl sehen, der sich durch das Maglev-Segment fra�, aber er sah die Folgen des Treffers. Der Abschnitt der Schienenbahn wurde zerschmettert, und die Wucht der ihnen entgegengeschleuderten Tr�mmerst�cke warf die Arbeiter zu Boden. In der Oberfl�che des Mondes klaffte ein kreisrundes Loch, das von dem H�llenspeer geschaffen worden war, dem das unbedeutende Hindernis kaum etwas von seiner Durchschlagkraft hatte nehmen k�nnen.</p><p>Dann wurde ein weiterer Abschnitt der Maglev-Strecke zerst�rt, schlie�lich ein dritter. Fluchend schlug Geary auf seine Komm-Kontrollen. �<emphasis>Exemplar, Braveheart,</emphasis> hier spricht Captain Geary. Feuern Sie nur auf festgestellte Bedrohungen.�</p><p>�Sir, die wollen die Maglevs als Waffen nutzen�, wandte die <emphasis>Exemplar</emphasis> ein.</p><p>Ehe er etwas erwiderte, �berzeugte sich Geary davon, ob das Bombardement eingestellt worden war. Erleichtert stellte er fest, dass sie damit aufgeh�rt hatten. �Die haben es versucht, und Sie hervorragende Arbeit geleistet, sie zu stoppen. Aber unsere Leute k�nnten den Rest dieser Linie noch ben�tigen.� Er lie� eine kurze Pause folgen. ��brigens gut gemacht. Ihre Waffen sind �u�erst pr�zise.�</p><p>�Danke, Sir. Habe verstanden. Die <emphasis>Exemplar</emphasis> wird den Beschuss auf Bedrohungen konzentrieren.�</p><p>Gut so. Geary rief den Flottenstatus auf, um Informationen �ber den Befehlshaber der <emphasis>Exemplar</emphasis> zu erhalten. Commander Vendig. Sehr gute Beurteilungen. Empfohlen als Commander eines Schlachtkreuzers. <emphasis>Wieso nicht ein Schlachtschiff?</emphasis> Geary stutzte, als ihm zum ersten Mal bewusst wurde, dass seine besten Commander allesamt Captain eines Schlachtkreuzers waren. Umgekehrt waren es vor allem die Schlachtschiff-Befehlshaber, die ihm den meisten Arger bereiteten, darunter solche St�renfriede wie Captain Faresa und Captain Numos und neuerdings auch Captain Casia. <emphasis>Mir war dieses Verhaltensmuster gar nicht aufgefallen, aber vielleicht ist f�r die Offiziere der heutigen Flotte offensichtlich, was dahintersteckte. Zu meiner Zeit hatte es nicht so viele Schlachtschiffe gegeben, und das Kommando �ber eines war immer das gewesen, was jeder gute und ehrgeizige Offizier anstrebte. Etwas muss in den letzten hundert Jahren passiert sein, was diese Ver�nderung ausgel�st hat. Ich sollte besser zusehen, das herauszufinden.</emphasis></p><p>Die Shuttles n�herten sich jetzt der Bergbaueinrichtung und schossen wie Greifv�gel auf ihre Ziele herab. Die Maschinen arbeiteten auf Hochtouren, um ihre Geschwindigkeit so schnell wie m�glich an die der Einrichtung anzupassen. Geary wechselte immer wieder zwischen dem Display, das die gesamte, �ber mehrere Lichtsekunden verteilte Flotte zeigte, der Ausschnittvergr��erung rund um die Anlage und der taktischen Anzeige hin und her, die die Marines benutzen w�rden. Symbole f�r die feindlichen Streitkr�fte leuchteten auf dem taktischen Display auf, sobald einzelne Verteidiger entdeckt wurden, die sich zwischen der Ausr�stung und den Geb�uden versteckt hielten.</p><p>Geary markierte eines der Gefahrensymbole, ein Standbild wurde eingeblendet, begleitet von einem erl�uternden Text. <emphasis>Nahezu idiotensicher,</emphasis> dachte Geary und staunte, wie simpel dieses System doch war. Dann aber stutzte er, da sich weitere Fenster �ffneten, so schnell, dass er ihnen nicht mehr folgen konnte. Jedes von ihnen �bersch�ttete ihn mit einer F�lle von Informationen und Details zur gesch�tzten feindlichen Bewaffnung, zum Energieverbrauch und zu Energiesystemen, Panzerung und Dutzenden anderen Punkten, f�r die ein Flottencommander keinerlei Verwendung hatte. Aber irgendjemand hatte die Einstellungen so vorgenommen, dass er jetzt mit nutzlosen Daten �bersch�ttet wurde. <emphasis>Es gibt immer Idioten, die einen Weg finden, wie sie doch noch was verbocken k�nnen.</emphasis></p><p>Fluchend machte sich Geary daran, ein Fenster nach dem anderen zu schlie�en, bis er endlich wieder das Bild betrachten und eine Hand voll wichtiger Daten lesen konnte. Er sah sich die Aufnahme genauer an, die etwas zeigte, das nach einem Schutzanzug, aber nicht nach einem Panzeranzug aussah. Der begleitende Text best�tigte das und f�hrte zudem aus, das Erscheinungsbild entspreche dem eines seit Langem �berholten Standardschutzanzugs der Syndiks. Bei der Waffe handelte es sich dem Text zufolge um eine Art Impulsgewehr, das zu leistungsschwach war, um einem Marine in Gefechtspanzerung gef�hrlich zu werden. Vermutlich, so die Erl�uterungen, handele es sich um eine Waffe f�r internes Sicherheitspersonal. <emphasis>Internes Sicherheitspersonal? In einer so kleinen Einrichtung? Ach ja, sie ben�tigten solche Leute sicher, um die Syndik-B�rger auf dieser Anlage in Schach zu halten. Angesichts der Maglev-Schienen w�re es nicht ratsam, irgendwelchen Rebellen zu erlauben, eine Einrichtung in ihre Gewalt zu bringen, mit der man Felsbrocken auf den bewohnten Planeten in diesem System abfeuern konnte.</emphasis></p><p>Er �berpr�fte die �brigen Gefahrensymbole und stellte fest, dass sie alle vor den gleichen Bedrohungen warnten. �Keine richtigen Soldaten. Internes Sicherheitspersonal und Mitarbeiter der Einrichtung, denen man eine Waffe in die Hand gedr�ckt und die man dann in den Kampf geschickt hat. Welchen Sinn soll das denn ergeben?�</p><p>Desjani br�tete �ber dem Bild, das auch auf ihrem Display zu sehen war. �Sie k�nnen nur hoffen, dass es ihnen gelingt, unser Vorr�cken allm�hlich zu verz�gern. Das muss ihre Mission sein, sofern ihr Commander nicht v�llig gr��enwahnsinnig geworden ist.�</p><p><emphasis>Unser Vorr�cken verlangsamen.</emphasis> Wieder schaute Geary auf die taktische Darstellung und fragte sich, was er da h�tte sehen sollen, was er aber nicht sah. Dann wurde es ihm auf einmal bewusst. �Die sabotieren �berhaupt nichts. Warum wurde nichts in die Luft gejagt? Nicht mal die Maschinen schalten sich ab, was zwangsl�ufig der Fall w�re, wenn sie ihre Betriebssysteme l�schten.�</p><p>�Eine Falle?�, �berlegte Desjani.</p><p>�Das w�re nicht das erste Mal.� Geary tippte auf seinen Schirm, um Carabali zu rufen. �Colonel, das sieht nach einer Falle aus.�</p><p>Carabali nickte besorgt. �Ja, Sir. Es sieht ganz danach aus. Meine Leute haben den Befehl, nach allem zu suchen, was uns zum Verh�ngnis werden k�nnte. Es sollte auch viele kleine Sch�den geben, selbst wenn diese Anlage laut meiner Experten nicht �ber die Mittel verf�gen d�rfte, um eine gro�e Explosion herbeizuf�hren. Erst recht in der kurzen Vorwarnzeit, die ihnen nur geblieben ist.�</p><p>�Das scheint Sie allerdings nicht sehr zu beruhigen, Colonel.�</p><p>Sie l�chelte fl�chtig und v�llig humorlos. �Nein, Sir. Wenn Sie nichts dagegen haben, Sir, m�chte ich mich wieder meinen Leuten widmen.�</p><p>�Ja, nat�rlich, Colonel. Verzeihen Sie.� Geary versuchte sich zu entspannen, war aber w�tend auf sich selbst, weil er gegen eine seiner wichtigsten Regeln versto�en hatte, indem er einen Offizier aufhielt, der eigentlich alle H�nde voll zu tun hatte, die von Geary erteilten Befehle auszuf�hren.</p><p>�Admiral Bloch hatte den Commander der Marines immer auf seinem Display�, lie� Desjani ihn mit ged�mpfter Stimme wissen. �Der Admiral gab gern Kommentare und Vorschl�ge zum Besten, und nat�rlich wollte er jede Frage sofort beantwortet haben.�</p><p>�Sie machen Scherze.�</p><p>Desjani sch�ttelte den Kopf.</p><p>Geary lachte kurz auf. �Wenigstens bin ich nicht ganz so schlimm.�</p><p>�Ich fand, Sie sollten wissen, dass sich Colonel Carabali vermutlich gar nicht so sehr �ber die Art �rgert, wie Sie das Kommando handhaben, Sir.�</p><p>Was Captain Desjani anging, konnte er ohnehin gar nichts verkehrt machen. Dennoch schauderte ihm selbst bei dem Gedanken, unter einem Commander zu dienen, der einen w�hrend eines Einsatzes st�ndig beobachtete und der beachtet werden wollte, obwohl es n�tig war, sich voll und ganz auf das Gefecht zu konzentrieren.</p><p>Die Shuttles glitten in den Landeanflug, die Hangart�ren �ffneten sich, und die Marines in ihrer Gefechtsausr�stung rollten sich nach drau�en. Die Shuttles flogen w�hrenddessen langsam weiter, damit die Bodentruppen verteilt wurden und keine Ansammlung bildeten, die ein leichtes Ziel bot. Zw�lf Shuttles setzten zw�lf Reihen Marines ab, dann beschleunigten sie und gewannen wieder an H�he. �Das ist ja bestens gelaufen�, meinte Geary. �Waren die Flugbahnen automatisch gesteuert?�</p><p>Desjani legte die Stirn in Falten und gab einem Wachhabenden ein Zeichen, dann wartete sie auf die Antwort. �Nein, Sir. Die Shuttle-Piloten benutzen lieber die pers�nliche Kontrolle. Die Marines haben mit ihnen eine Abmachung getroffen: Solange die Shuttle-Piloten gute Arbeit leisten, lassen die Marines sie ihre V�gel selbst fliegen.�</p><p>�Eine vern�nftige Vereinbarung. Und wenn ein Pilot versagt, dann verlangen die Marines von ihm, beim n�chsten Mal den Landeanflug von den automatischen Kontrollen durchf�hren zu lassen?�</p><p>�Ahm� ja, Sir�, best�tigte der Wachhabende. �Nachdem jeder Marine, der den fehlgeschlagenen Landeanflug �berlebt hat, sich den Piloten vorgekn�pft und ihn gr�n und blau geschlagen hat. Nicht, dass jemals einer von ihnen dabei erwischt worden w�re.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, stimmte Geary ihm zu und musste sich ein L�cheln verkneifen. Die Marines r�ckten in die Anlage vor. Sie liefen geduckt von einer Deckung zur n�chsten und bewegten sich in Gruppen, um sich gegenseitig Feuerschutz zu geben.</p><p>Keine dieser Vorsichtsma�nahmen schien erforderlich zu sein. Geary beobachtete mit wachsendem Unbehagen das Display, auf dem zu sehen war, dass die Feinde sich schneller zur�ckzogen, als die Marines vorr�ckten. Die ersten Verteidiger setzten sich bereits in Minensch�chte ab, von denen die Mondoberfl�che �bers�t war. �Was gibt denn das?�</p><p>Im n�chsten Moment meldete sich Colonel Carabali. �Captain Geary, die Verteidiger versuchen gar nicht erst, ihre Positionen zu halten. Sie ziehen sich in Minensch�chte zur�ck.�</p><p>�Das ist mir auch gerade aufgefallen. Irgendeine Ahnung, warum sie nicht k�mpfen?�</p><p>�Sir, ich w�rde sagen, sie wollen die Einrichtung evakuieren, bevor etwas passiert. Wir hatten ja bereits �berlegt, dass es sich um eine Falle handeln k�nnte.�</p><p>Die Verteidiger ziehen sich aus dem Sprenggebiet zur�ck? �Wozu w�rden Sie raten, Colonel?�</p><p>�Sir, so ungern ich das auch tun m�chte, glaube ich, wir m�ssen den R�ckzug antreten und diesen Steinbrocken Atom f�r Atom scannen, bis wir finden, was die Syndiks hier f�r uns vorbereitet haben.�</p><p>Geary z�gerte. Wie sollten sie ihren Weiterflug so lange unterbrechen, bis das erledigt war? Die Flotte w�rde noch langsamer werden m�ssen, was noch mehr Treibstoffreserven kostete. Aber er konnte die Marines nicht in eine Situation schicken, die mit jeder Sekunde mehr nach einer t�dlichen Falle aussah. �Colonel��</p><p>Pl�tzlich ert�nte hinter Geary eine energische Stimme. �Das ist ein Bluff.� Er drehte sich zu Co-Pr�sidentin Rione um, die auf ihrem Platz nach vorn gebeugt sa�. �Pokert denn keiner von Ihnen? Die Syndiks haben eine Situation geschaffen, die nach einer Falle aussieht. Aber sie haben bislang keinen einzigen Beweis erbracht, dass sie in der Lage sind, die gesamte Anlage zu sprengen. Ganz im Gegenteil, sie lassen alles v�llig unversehrt zur�ck. Wenn wir die Flucht ergreifen, dann haben die ihre Einrichtung gerettet, und wir haben nicht bekommen, wof�r wir hier sind. Wenn wir bleiben und alles gr�ndlich durchsuchen, verbringen wir unn�tig viel Zeit in diesem System. In jedem Fall holen die Syndiks einen Vorsprung heraus.�</p><p>Colonel Carabali wirkte unentschlossen. �Co-Pr�sidentin Riones Einsch�tzung klingt logisch, aber��</p><p>�Colonel�, unterbrach Rione sie. �Legen die Syndiks �blicherweise gro�en Wert auf das Wohl von niederem Personal wie beispielsweise Minenarbeitern?�</p><p>�Nein, Madam Co-Pr�sidentin, das tun sie nicht.�</p><p>�Warum haben die Minenarbeiter dann nicht den Befehl erhalten, ihr Leben zu opfern, um die Besetzung der Einrichtung hinauszuz�gern und dabei auch noch weitere Marines in die angebliche Falle zu locken? Warum ziehen sie sich in die Minensch�chte zur�ck, wo sie uns nicht mehr st�ren und wo sie zudem in der Falle sitzen, wenn wir auf die Idee kommen, blindlings in die Sch�chte zu feuern?�</p><p>Mit gro�er Beherrschung warf Captain Desjani ein: �Bei allem Respekt, aber Sie sind nicht da unten bei den Marines, Madam Co-Pr�sidentin.�</p><p>Mit zusammengekniffenen Augen sah Rione sie an. �Falls Sie denken, ich nehme das Ganze auf die leichte Schulter, m�chte ich Sie daran erinnern, dass einige der Marines dort unten Angeh�rige der Callas-Republik sind. Ich w�rde sie keinem Risiko aussetzen, wenn ich der Ansicht w�re, dass dort eine Gefahr lauert.�</p><p>Carabali gr�belte �ber ihre Worte nach, Desjani ebenfalls. Beide sahen sie Geary an. Schon klar. Rione glaubt an das, was sie sagt. Aber kann ich mich dem anschlie�en? Immerhin geh�rt sie nicht dem Milit�r an. Und sie hat auch nicht das Kommando �ber die Flotte, weshalb ja auch alle mich so erwartungsvoll ansehen. Ich muss entscheiden. Ich m�chte glauben, dass Rione recht hat, weil dann alles so laufen kann, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber ist es �berhastet von mir, ihr zu glauben? Was, wenn sie sich irrt und das Ganze ist gar kein Bluff?</p><p>Dann verlieren wir etliche Marines und alles, wof�r wir hergekommen sind.</p><p>Aber warum sollen die Syndiks pl�tzlich so gro�en Wert auf das Wohl einfacher Arbeiter legen und sie dann in eine hoffnungslose Situation bringen?</p><p>Ich muss die Entscheidung treffen. Wenn ich mich irre, sehe ich wom�glich etliche Marines sterben. Oder aber ich zwinge die Flotte v�llig unn�tig dazu, noch mehr Zeit in diesem System zu vertr�deln, w�hrend die Syndiks ihre Streitkr�fte in den umliegenden Sternensystemen aufstocken.</p><p>Vorfahren, gebt mir bitte ein Zeichen.</p><p>Falls sie ihn erh�rt hatten, konnte Geary das Zeichen weder sehen noch sp�ren. Er schaute zu Desjani und entdeckte in ihrem Gesicht das unersch�tterliche Vertrauen, dass er schon richtig entscheiden w�rde. Wie auch immer die richtige Entscheidung aussah. Rione musterte ihn mit ernster Miene, als wollte sie ihn fast herausfordern, damit er ihr glaubte. Colonel Carabali wartete einfach nur ab, ihre Gesichtsz�ge waren so starr wie eine Maske, hinter der sie jegliche Gef�hlsregung verbarg. Je l�nger er z�gerte, umso wahrscheinlicher wurde es, dass die Ereignisse ihm die Entscheidung abnehmen w�rden. Er hatte gegen�ber diesen Marines die Pflicht und die Verantwortung, sich zu �u�ern, um deutlich zu machen, wer zur Rechenschaft gezogen wurde, wenn der schlimmste Fall eintreten sollte. Eigenartig daran war, dass Rione f�r gew�hnlich diejenige war, die ihn vor dem Schlimmsten warnte�</p><p>Rione war eine Politikerin, und sie hatte es noch nie gemocht, wenn ein Teil der Flotte ein hohes Risiko einging. Und doch dr�ngte sie ihn zu einer Vorgehensweise, die die Befehlshaberin der Marines und eine seiner treuesten Anh�ngerinnen dazu veranlasste, zur Vorsicht zu mahnen. Entweder war Rione verr�ckt geworden� oder seine Vorfahren hatten ihm ein Zeichen geschickt. Durch Rione.</p><p>Geary schickte ein Sto�gebet zum Himmel. �Ich glaube, Co-Pr�sidentin Rione liegt mit ihrer Vermutung richtig. Lassen Sie die Marines da unten und geben Sie ihnen den Befehl, die gesamte Anlage zu besetzen.�</p><p>Mit starrer Miene salutierte Carabali. �Jawohl, Sir.� Ihr Schirm verblasste, w�hrend sie die Befehle weitergab.</p><p>Er senkte den Blick und hoffte, dass er sich nicht zur Eile hatte antreiben lassen und dar�ber seinen gesunden Menschenverstand verga�. Als er sich wieder das taktische Display ansah, konnte er mitverfolgen, wie die Marines tiefer in die Anlage vorr�ckten und ein Bereich nach dem anderen gr�n aufleuchtete, sobald er von ihnen besetzt worden war.</p><p>Nichts war bislang in die Luft gegangen.</p><p>Da er der Versuchung nicht widerstehen konnte, rief er das Bild auf, das von der Kamera eines der Marines gesendet wurde. Vor ihm schwebte ein Fenster in der Luft, das ihm zeigte, was der Junioroffizier in diesem Moment sah. Dieser Teil der Anlage befand sich unter freiem Himmel, also bewegten sich die Marines durch einen Bereich ohne Atmosph�re. Ein gelegentlicher Lichtschein erfasste einen Teil eines Ausr�stungsgegenstands, an dem die Marines soeben vorbeigingen, und die exakten Lichtkegel konzentrierten sich nur auf das, was angestrahlt wurde, da sich die Helligkeit ohne Luft nicht ausbreiten konnte. Die Schatten waren im Gegenzug dementsprechend scharf abgegrenzt und tiefschwarz.</p><p>Verlassene Anlagen hatten stets etwas Unheimliches an sich und vermittelten das Gef�hl, die Vorbesitzer seien eigentlich doch nicht fortgegangen, sondern lauerten irgendwo, wo man sie nicht entdecken konnte, um von dort die Eindringlinge zu beobachten. Da sich im luftleeren Raum so wenig �nderte, konnte ein Ort, der erst vor Minuten aufgegeben worden war, dennoch so unheimlich wirken, als sei er bereits seit Jahrhunderten verlassen. War jemand vor einer Stunde noch hier gewesen? Vor einem Tag? Vor hundert Jahren? Obwohl er selbst gesehen hatte, wie sich die Verteidiger noch kurz zuvor durch dieses Gebiet bewegt hatten, wirkte die Anlage hier unter freiem Himmel, als sei sie seit einer Ewigkeit ausgestorben.</p><p>Eine luftdicht verschlossene Schleuse tauchte vor dem Offizier auf. Geary verfolgte mit, wie zwei Unteroffiziere eine Vorrichtung an dem Schlie�mechanismus befestigten, um das codierte Zugangssystem zu �berwinden. Waffen wurden auf die Schleuse gerichtet, als die sich langsam �ffnete. Ein Marine warf ein kleines Objekt in die �ffnung, dann duckten sich alle, w�hrend die magnetische Impulsladung detonierte, um die Schaltkreise von Waffen, Schutzanz�gen und Z�ndern von Sprengfallen durchschmoren zu lassen.</p><p>Dann waren die Marines auch schon vorger�ckt, bewegten sich durch leere Korridore, traten T�ren ein oder sprengten sie auf und hielten die ganze Zeit �ber Ausschau nach irgendetwas Ungew�hnlichem, das auch nur ann�hernd nach einer Bombe aussah.</p><p>Geary schlug sich an den Kopf, als ihm einfiel, dass er etwas wirklich Wichtiges und wom�glich Hilfreiches vergessen hatte. Hastig tippte er auf die Komm-Taste. �Captain Tyrosian. Ihre Schiffe erhalten jetzt Zugriff auf die Bilder, die die Marines aus der Bergbaueinrichtung senden. Ich nehme an, die Ingenieure kennen sich mit der Art von Ger�ten aus, die wir hier vor uns haben, und sie m�ssten wohl auch in der Lage sein, Objekte zu identifizieren, die da nichts zu suchen haben. Sorgen Sie daf�r, dass sich ein paar von ihnen schnellstens die Bilder ansehen.�</p><p>Tyrosians Antwort brauchte etwas l�nger, als es der Fall h�tte sein sollen. Immerhin befanden sich die Hilfsschiffe jetzt mitten in der Formation der Allianz-Flotte. �Sir�, erwiderte sie z�gerlich. �Meine Leute spielen normalerweise keine aktive Rolle bei irgendwelchen Operationen.�</p><p>Er musste sich zusammenrei�en, damit er Tyrosian nicht anschnauzte. �Diesmal tun sie es aber. Ich will, dass qualifizierte Leute sich sofort die Bilder ansehen, die von da unten �bertragen werden. Und wenn sie irgendetwas Verd�chtiges entdecken, sollen sie das sofort melden.�</p><p>Bevor Tyrosians Erwiderung ihn erreichen konnte, �ffnete sich ein Fenster und Colonel Carabali meldete sich zu Wort: �Jemand leitet die �bertragungen meiner Leute an die Ingenieure auf den Hilfsschiffen weiter.�</p><p>�Dieser Jemand bin ich, Colonel.�</p><p>�Dagegen muss ich protestieren, Sir. Bei ihnen handelt es sich nicht um k�mpfendes Personal, und sie haben keine Verwendung f�r Echtzeitbilder, die von meinen Leuten gesendet werden.�</p><p>Geary bem�hte sich, seine Ver�rgerung nicht durchscheinen zu lassen. �Die sind harmlos.�</p><p>�Bei allem Respekt, Sir�, gab Carabali f�rmlich zur�ck. �Wenn Ingenieure nicht beaufsichtigt werden, k�nnen sie in der realen Welt das gr��te Chaos anrichten. Ich habe aber keine Zeit, um f�r sie Kinderm�dchen zu spielen.�</p><p>Kaum hatte Carabali ausgesprochen, ging Captain Tyrosians Antwort ein: �Captain Geary, wir haben keine Liste, die spezifiziert, wonach wir Ausschau halten sollen.�</p><p>Seine Anspannung wich st�rker werdenden Kopfschmerzen, und Geary presste heraus: �Warten Sie, Colonel. Captain, Ihre Ingenieure sollen nach allem Ausschau halten, was in einer Mine nichts zu suchen hat.� Tyrosian nickte, aber ihr Blick verriet ihre Ratlosigkeit. �Bomben, Sprengfallen, Dinge, die in die Luft gejagt werden k�nnen.�</p><p>Tyrosian reagierte darauf nur noch verst�ndnisloser. �Ein Gro�teil an Ausr�stungsgegenst�nden kann bei unsachgem��er Handhabung verheerende��</p><p>�Captain Geary�, verk�ndete Carabali, deren Haltung und Tonfall ihre Missbilligung erkennen lie�en. �Ich muss entschieden davon abraten, dass��</p><p>�Meine Leute m�ssen unmittelbar mit den Offizieren vor Ort �ber das reden k�nnen, was sie sehen�, schlug Tyrosian widerstrebend vor. �Ohne detaillierte F�hrung��</p><p>�Schon gut�, fiel Geary ihnen beiden ins Wort. <emphasis>Das war keine gute Idee. Ich kann ihnen befehlen, es einfach zu machen, oder ich kann die Sache abblasen. Ich bin w�tend genug, um zu sagen: �Tun Sie's gef�lligst!� Aber das verr�t mir, ich sollte es wohl besser nicht machen. Das geschieht mir ganz recht, wenn ich improvisiere und versuche, zwei so verschiedene Denkweisen unter einen Hut zu bringen.</emphasis> �Vergessen Sie meinen letzten Befehl. Die Bilder der Marines werden an die Ingenieure �bertragen, doch sie werden sie nur empfangen. Wenn sie etwas sehen, was sie f�r verd�chtig halten, dann nehmen Sie sofort mit mir Kontakt auf, Captain Tyrosian. Colonel Carabali, Sie machen weiter wie gehabt, und ich entschuldige mich f�r die Ablenkung.�</p><p>Beide Offiziere schauten drein, als h�tten sie einen anderen Ausgang dieser Situation erwartet. Dann salutierte Carabali hastig, ehe sich ihr Fenster wieder schloss. Tyrosian nickte. �Jawohl, Sir. Die� �hm� Shuttles mit dem Erkundungsteam und der Ausr�stung sind gestartet.�</p><p>�Gut. Machen Sie jedem Teammitglied klar, dass sie alle der Befehlsgewalt des Commanders der Eingreiftruppe unterstellt sind.�</p><p>Als sich auch das andere Komm-Fenster schloss, lie� sich Geary in seinen Sessel sinken und rieb sich die Stirn in der Hoffnung, so etwas gegen die mittlerweile rasenden Kopfschmerzen zu unternehmen. Desjani, die seine privaten Unterhaltungen nicht mitangeh�rt haben konnte, warf ihm einen mitf�hlenden Blick zu. �Ingenieure?�</p><p>�Und Marines�, erwiderte er m�rrisch. �Warum kommt es mir nur so vor, dass ich mehr Zeit damit verbringe, gegen meine eigenen Offiziere als gegen den Feind zu k�mpfen?� Er schaute wieder auf das Display, das den Fortgang des Angriffs auf die Bergbaueinrichtung darstellte. Die Marines r�ckten immer weiter vor und hatten mittlerweile fast die gesamte Anlage besetzt. Posten wurden aufgestellt, um die Sch�chte zu bewachen, in die sich die Syndik-Verteidiger zur�ckgezogen hatten. Vom Himmel �ber dem Mond n�herten sich die Shuttles mit den Ingenieursteams, die direkt auf der zentralen Landeplattform abgesetzt werden sollten.</p><p>Falls doch noch irgendetwas explodieren w�rde, dann wahrscheinlich in den n�chsten Sekunden.</p></section><section><title><p>Drei</p></title><p>Die Marines drangen in den Hauptkontrollraum der Bergbau-Anlage vor und schw�rmten aus, wobei sie mit tragbaren Ger�ten nach Sprengfallen suchten. An etlichen Pulten leuchteten reihenweise gr�ne L�mpchen, die anzeigten, dass die Maschinen allesamt einsatzbereit waren. Der Marine-Offizier, auf dessen Kamera sich Geary geschaltet hatte, trat vor ein Pult mit diversen roten Lichtern. �Maglev-Schienen�, meldete der Marine seinem Vorgesetzten, was Geary mith�ren konnte. �Das ist die einzige Ausr�stung, von der eine Fehlermeldung kommt. Alles andere ist voll funktionst�chtig.� Anstatt sich dar�ber zu freuen, klang der Marine vielmehr besorgt.</p><p>Vor Geary tauchte ein Fenster auf, das Captain Tyrosian zeigte. �Die haben ihre Maschinen nicht abgestellt�, sagte sie nachdenklich.</p><p>�Richtig�, best�tigte er.</p><p>�Das wird zu gro�en Verz�gerungen f�hren�, beklagte sie sich.</p><p>�Ich dachte, es w�rde mehr Zeit in Anspruch nehmen, abgeschaltete Anlagen hochzufahren.�</p><p>Seine Bemerkung schien sie zu �berraschen. �Nun� ja. W�re alles abgeschaltet worden, dann m�ssten wir nach und nach alles wieder hochfahren und sicherstellen, dass weder die Maschinen noch die Software sabotiert wurden. Sie wissen schon, W�rmer und was sonst noch so in ein Betriebssystem eingebettet werden kann. Aber die Maschinen laufen bereits.�</p><p>Was bedeutete, dass W�rmer und andere sch�dliche Programme ebenfalls aktiviert worden waren. Geschenken aus den H�nden der Syndiks durfte man niemals �ber den Weg trauen. �Verstehe.�</p><p>Pl�tzlich tauchte Colonel Carabalis Gesicht wieder vor ihm auf, sie schaute genauso betr�bt drein wie Tyrosian. �Sir, wir werden alles kontrolliert abschalten m�ssen, um uns in die Lage zu versetzen, die Systeme zu s�ubern. Erst dann k�nnen wir sie nach und nach wieder hochfahren.�</p><p>Geary atmete frustriert aus und wunderte sich, warum seine Marines und seine Ingenieure ausgerechnet in diesem Punkt einer Meinung sein mussten. �Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn wir die Maschinen nicht abschalten, sondern sie sofort einsetzen?�</p><p>�Ausfall aller Systeme, Totalsch�den an den Maschinen, m�glicherweise Verletzte und Tote. Ein Abbau der Rohstoffe w�re dann nicht mehr machbar�, erwiderte Tyrosian.</p><p>�Dann tut sich hier gar nichts mehr�, erg�nzte Carabali.</p><p>Geary nickte. Okay, so was konnte passieren. �Wie lange dauert es, alles abzuschalten, zu �berpr�fen und wieder hochzufahren?�</p><p>�Das l�sst sich nur schwer einsch�tzen, weil etliche Faktoren zu ber�cksichtigen sind, die��, begann Tyrosian.</p><p>�Diese Flotte kann sich nicht endlos lange an dieser Einrichtung aufhalten, Captain Tyrosian�, fiel er ihr ins Wort.</p><p>�Wie viel von dem Zeug brauchen wir?�, fragte Carabali. �Wir m�ssen schlie�lich die Best�nde an ben�tigten Elementen feststellen, die Steine analysieren und umladen.�</p><p>Tyrosian reagierte mit einer ungehaltenen Geste. �Sie ben�tigen die Untersysteme der Anlage. Die Hauptsysteme m�ssen den Untersystemen die entsprechenden Befehle geben. Wenn die Sicherheitssysteme nicht aktiviert sind und die Haupt- und Untersysteme nicht �berwacht werden, verhindern die Sicherheitssperren, dass �berhaupt irgendetwas geschieht.�</p><p>�Dann ist also so gut wie alles betroffen�, merkte Geary an.</p><p>Tyrosian nickte.</p><p>�Wir k�nnen nicht�� Er hielt inne, als der Eingang einer Nachricht von hoher Priorit�t angezeigt wurde. Jemand wollte sich seiner Konferenz mit Carabali und der Ingenieurin anschlie�en, und dieser Jemand meldete sich von der <emphasis>Titan.</emphasis> Nachrichten von der <emphasis>Titan</emphasis> hatten f�r gew�hnlich nichts Gutes zu bedeuten. Aus Frust �ber die anhaltende Verz�gerung h�tte er die Anfrage fast schon abgelehnt. <emphasis>Ich brauche niemanden, der die Situation nur noch komplizierter macht. Verflucht, wie viel komplizierter kann es eigentlich noch werden? Was ich ben�tige, das sind bessere Optionen, und vielleicht hat derjenige ja die eine oder andere Idee.</emphasis> Geary sa� da, z�hlte ruhig bis f�nf, dann tippte er auf �Annehmen�.</p><p>Commander Lommands Gesicht nahm vor ihm Gestalt an. Der Captain der <emphasis>Titan.</emphasis> Eigentlich recht jung f�r diesen Posten, aber Geary wusste inzwischen, dass Lommand mangelnde Erfahrung durch Initiative und Enthusiasmus wettzumachen verstand. Jetzt machte der Mann eine bedauernde Miene. �Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche, Captain Geary, aber man sagte mir, Captain Tyrosian sei im Gespr�ch mit Ihnen, und ich dachte mir, sie m�chte umgehend dar�ber informiert werden, dass die beiden Mobilen Bergbaueinheiten der <emphasis>Titan</emphasis> auf Lastenshuttles geladen worden sind und zum Abflug bereitstehen.�</p><p>Geary sah zu Tyrosian, die vergeblich versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie von dieser Nachricht �berrascht worden war. �Mobile Bergbau-Einheiten?�, fragte Geary. �K�nnen die uns weiterhelfen?�</p><p>�Ja, falls wir die Syndik-Ausr�stung in der Mine nicht benutzen k�nnen�, erkl�rte Lommand unbefangen. �Es schien mir eine gute Idee zu sein, die beiden Einheiten bereitzuhalten, falls etwas nicht nach Plan funktioniert.�</p><p>�Ja�, warf Tyrosian in einem Tonfall ein, als h�tte sie Lommand in weiser Voraussicht diesen Befehl gegeben. �Ihr Einsatz ist allerdings mit einem gewissen Risiko verbunden, weil die zwei Einheiten auf der <emphasis>Titan</emphasis> die letzten in der gesamten Flotte sind. Aber die MBEs k�nnen die ben�tigten Vorr�te an Spurenelementen ausfindig machen, analysieren und aufladen.�</p><p>�Wie lange ist die Flugdauer?�, wollte Geary wissen, w�hrend er seine Kontrollen �berflog und nach denen suchte, die ihm die Antwort geben konnten.</p><p>�Einunddrei�ig Minuten, wenn wir die Shuttles jetzt starten�, erwiderte Commander Lommand sofort.</p><p>Colonel Carabali �berpr�fte selbst auch irgendetwas. �Wir k�nnen keine unverzichtbare Ausr�stung runterbringen, w�hrend die Systeme der Syndiks noch aktiv sind und als trojanische Pferde agieren k�nnen. Eine sichere Abschaltung aller Anlagen dauert ungef�hr� zwanzig Minuten.�</p><p>Geary nickte. �Was ist mit allem anderen, das erforderlich ist, um die Ausr�stung der Syndiks zu nutzen? Sollen wir stattdessen diese� MBEs einsetzen?�</p><p>�Sir, es w�rde mindestens einige Stunden in Anspruch nehmen, um die Syndik-Systeme zu durchsuchen und zu s�ubern. Danach w�re noch einmal ein halber Tag oder mehr n�tig, um sie kontrolliert hochzufahren��</p><p>�Wie schnell k�nnen die MBEs ihre Arbeit aufnehmen, wenn sie auf der Oberfl�che abgesetzt wurden?�</p><p>�Sofort�, antwortete Lommand. �Der Start erfolgt noch an Bord der Shuttles, und sobald die gelandet sind, wird die Rampe ausgefahren und die MBEs nehmen ihre Arbeit auf.�</p><p>Das h�rte sich gut an. Fast wollte er Lommand den Befehl geben, die Shuttles zu starten, da riss er sich im letzten Moment zusammen und sah zu Captain Tyrosian, der unmittelbaren Vorgesetzten des Commanders. Der hatte erneut die Befehlskette �bersprungen, diesmal jedoch auf eine Weise, die den Anschein erweckte, dass er Tyrosian lediglich auf den aktuellen Stand der Dinge bringen wollte. �Captain Tyrosian, die <emphasis>Titan</emphasis> soll diese Shuttles starten, damit sie sich zu der Mine begeben k�nnen. Die Einheiten sollen einsatzbereit sein, sobald die Shuttles landen. Commander Lommand, vielen Dank f�r den Statusbericht. Colonel Carabali, Ihre Systemspezialisten sollen alles abschalten, was die Syndiks haben laufen lassen. Wenn die Shuttles von der <emphasis>Titan</emphasis> eintreffen, soll da unten nichts mehr in Betrieb sein.�</p><p>�Jawohl, Sir�, erwiderte Carabali und l�chelte fl�chtig. �Sollen wir die Systeme weiter nach m�glichen Sabotageakten durchsuchen?�</p><p>�Nur, wenn es f�r die Sicherheit Ihrer Truppen von Bedeutung ist. Solange wir da unten sind, habe ich nicht vor, diese Systeme hochzufahren. Und sobald wir von hier verschwinden, werden wir die Anlage ohnehin in Grund und Boden schie�en.�</p><p>Carabali begann breiter zu l�cheln. �Ja, Sir.�</p><p>Nachdem das Bild der Marine verschwunden war, warf Captain Tyrosian Geary einen sehr selbstbewussten Blick zu, als sei das alles von vornherein so von ihr geplant worden. �Ich habe der <emphasis>Titan</emphasis> befohlen, die Shuttles zu starten, Sir.�</p><p>�Danke.� Zumindest hatte Tyrosian geistesgegenw�rtig reagiert, als sich Lommand in ihre Konferenzschaltung einmischte. �Gute Arbeit. Dann wollen wir mal diese Steine rausholen, und danach nichts wie weg hier.�</p><p>Die Fenster schlossen sich nacheinander, zur�ck blieb nur das Display unmittelbar vor Geary, das das System anzeigte. Er verfolgte mit, wie die seine Flotte kennzeichnenden Symbole am Mond vorbeirasten und ihre Bahn um den Gasriesen zogen, um von dort zum Mond zur�ckzukehren. Hastig f�hrte er einige Berechnungen durch, weil er wissen wollte, ob die Flotte wegen der Verz�gerungen auf der Oberfl�che ihr Tempo weiter drosseln musste.</p><p>F�r den Augenblick sah es ganz gut aus. Nicht gerade gro�artig, au�erdem mit einer viel zu kleinen Fehlermarge behaftet, aber wenn die MBEs ihre Arbeit schnell erledigten, w�rden die Brennstoffzellen nicht f�r ein weiteres Bremsman�ver beansprucht werden m�ssen.</p><p>Geary lehnte sich zur�ck und bemerkte, wie sehr sich Captain Desjani M�he gab, nicht neugierig zu erscheinen. �Die Syndiks haben die Anlagen in der Mine nicht abgeschaltet�, lie� er sie wissen.</p><p>�Diese Mistkerle�, erwiderte sie m�rrisch. �Sie wussten, dass wir annehmen werden, dass sie die Anlagen sabotiert haben.�</p><p>�Richtig. Aber die <emphasis>Titan</emphasis> hat zwei mobile Einheiten an Bord, die nach unten geschickt werden, damit sie sich um die Vorr�te k�mmern.� Geary drehte sich in die andere Richtung, um Rione in die Unterhaltung einzubeziehen. �Die Marines schalten die Syndik-Anlagen ab.�</p><p>Rione sch�ttelte den Kopf. �Vermutlich hatten die Syndiks keine Zeit mehr f�r irgendwelche komplexen Fallen, und trotzdem m�ssen wir so vorgehen, als w�ren da Fallen.�</p><p>�Die Syndiks haben uns �berall Fallen gestellt, wo wir ihnen begegnet sind.� Geary sah den beiden Shuttles von der <emphasis>Titan</emphasis> nach, die in einem weiten Bogen zum Mond flogen. Er w�nschte, die Syndiks w�ren nicht ganz so verschlagen, und seine Flotte w�re nicht in so gro�er Gefahr.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Die Stimme des Chief Petty Officers, der die Mobilen Bergbau-Einheiten der <emphasis>Titan</emphasis> �berwachte, klang erschrocken und tief beeindruckt, nachdem Geary sich bei ihm gemeldet hatte. �Sir. Es ist eine Ehre, mit Ihnen zu reden, Sir.�</p><p>Geary versuchte, sich seine Missbilligung dieser Heldenverehrung nicht anmerken zu lassen. Mehr noch als die Offiziere mussten die einfachen Matrosen glauben, er sei von den lebenden Sternen geschickt worden, um die Allianz und insbesondere diese Flotte zu retten. Sie waren zweifellos auch eher bereit, Geary f�r den mythischen Helden aus der Vergangenheit zu halten. Aber er schuldete ihnen seinen Respekt f�r das Vertrauen, das sie ihm entgegenbrachten, auch wenn er sich alle M�he gab, selbst nicht daran zu glauben. �H�tten Sie einen Moment Zeit, Chief, um �ber Ihre Ausr�stung zu reden?� Eigentlich gab es f�r ihn nichts zu tun, dennoch hatte Geary das Gef�hl, auf der Br�cke bleiben zu m�ssen, bis diese Sache ausgestanden war. Au�erdem war er neugierig, was es mit diesen MBEs auf sich hatte. Die Aussicht vom Helm des Chiefs zeigte eine Seite der Syndik-Einrichtung. Gro�e Tore, hinter denen abgebaute und raffinierte Materialien lagerten, waren von den Marines aus den Angeln gesprengt worden, da sie es kaum abwarten konnten, die ganze Anlage zu demolieren. Die massigen MBEs waren �ber die Oberfl�che des Mondes gekrochen, hatten Syndik-Barrieren zur Seite geschoben oder plattgewalzt, und nun kauerten sie vor den Zug�ngen.</p><p>�Ja, Sir. Die Besatzungen der MBEs operieren eigenst�ndig, ich bin nur hier, falls sie mich brauchen.�</p><p>�Ich bin mit Ihrer Ausr�stung nicht vertraut, Chief. Was k�nnen Sie mir dar�ber erz�hlen?� Er hatte bereits versucht, sich in der Onlinebibliothek der <emphasis>Dauntless</emphasis> zu informieren, doch dabei war er mit einer Flut von Daten und Fakten �berschwemmt worden. Eine kurze Beschreibung, was eine MBE zu leisten in der Lage war, lie� sich nirgends finden. Nach dem erfolglosen Bem�hen, die komplexen Datenberge irgendwie zu ordnen, hatte sich Geary entschieden, es so zu machen, wie er es als Junioroffizier gelernt hatte: Wenn man etwas wissen wollte, musste man nur einen Chief Petty Officer fragen.</p><p>Dieser spezielle Chief schien wohl nicht glauben zu k�nnen, dass man dem gro�artigen Black Jack Geary tats�chlich irgendetwas erkl�ren musste. �Die Technologie hat sich nicht sehr ver�ndert seit� �hm� seit��</p><p>�Seit dem letzten Jahrhundert?�, fragte Geary ironisch. �Zu der Zeit wusste ich auch nicht mehr �ber diese Fahrzeuge als heute, Chief. Damals gab es f�r mich keinen Grund, mich damit zu besch�ftigen.�</p><p>�Oh� ach so� �hm� ja, Sir. Nun, wie gesagt, technisch hat sich nicht viel ge�ndert. Eine MBE ist einfach und robust. Alles, was man als Nachfolger einf�hren wollte, war komplizierter, teurer und empfindlicher� na ja, Sie wissen, was ich meine.�</p><p>�O ja, das wei� ich, Chief�, best�tigte Geary und musste an die vielen �Verbesserungen�, bei manchen Schiffssystemen denken, die ihm schon vor hundert Jahren ein Graus gewesen waren, weil sie nur f�r Probleme mit der Ausr�stung sorgten, die bis dahin tadellos funktioniert hatte. �Ich bin froh, dass man Sie mit etwas arbeiten l�sst, das gut funktioniert. Was machen die MBEs im Moment? Warten sie auf die Freigabe, um die Anlage betreten zu k�nnen?�</p><p>�Nein, Sir, weiter werden sie gar nicht gehen m�ssen. Sie schicken jetzt die W�rmer los, Sir. Sobald die dann��</p><p>�W�rmer?�</p><p>�Ah� ja, Sir.� Die Ansicht vom Helm des Chiefs aus ver�nderte sich und zoomte die Frontpartie der MBEs heran, wo ein Gewirr aus sehr feinen Dr�hten zum Vorschein kam, die in die Lager hineinreichten. �Sehen Sie diese Leinen? Jede davon ist mit einem Wurm verbunden. Wir nennen sie so, weil sie ungef�hr so gro� wie ein Wurm sind und genauso funktionieren. Sie essen Dreck. Oder Felsen.�</p><p>�Wie arbeiten die sich denn durch das Gestein?�, wollte Geary wissen.</p><p>�An der Spitze befindet sich eine winzige Schockwellenkanone. Der Wurm analysiert die Felsstruktur und sendet Schwingungen aus, die das Gestein unmittelbar davor zerschmettern. In diesem Fall ist das Zeug bereits abgebaut worden, also arbeiten sie sich durch Best�nde aus massivem Metall. Die W�rmer essen den Staub und bewegen sich weiter, wobei sie unabl�ssig das Gleiche machen. W�hrend der Staub durch das Innere des Wurms wandert, analysieren Sensoren auf Molekularebene die Zusammensetzung. Dann wird er hinten wieder ausgesto�en. Genau wie bei einem Wurm, wie ich schon sagte, Sir.�</p><p>�Welchem Zweck dienen die Dr�hte?�</p><p>�Zur Steuerung und Energieversorgung. Ein Bergbauwurm muss sich viel schneller fortbewegen als ein echter Wurm, und daf�r ben�tigt er mehr Energie, als sich in einem Objekt von dieser Gr��e speichern lie�e. Au�erdem wollen wir in einer Bergbauumgebung keine Strahlung abgeben�� Sie wissen schon, wegen explosiver Gase und Sprengz�ndern und so weiter. Und wir wollen auch nicht, dass unsere Verbindung durch Metalle oder andere Stoffe gest�rt wird. Darum verl�uft die gesamte Kommunikation �ber diese Leitung.� Der Blickwinkel des Chiefs ver�nderte sich, und ins Bild kam die Stelle, an der die Dr�hte im Geb�ude verschwanden. �Bei einem normalen Bergbau-Einsatz ziehen die W�rmer los, buddeln sich unter die Oberfl�che und sto�en auf das Erz und andere Materialien, die man gewinnen will. In diesem Fall wissen wir, wo die Vorr�te liegen, und die W�rmer m�ssen sich nur durch Berge w�hlen, um festzustellen, was was ist. Au�erdem suchen sie nach m�glichen Verunreinigungen und nach Nano-K�fern.�</p><p>Nano-K�fer. Dar�ber wusste Geary Bescheid. Winzige Objekte, die bei Ausr�stungsgegenst�nden f�r Probleme sorgen sollten, sobald sie erst einmal durch Hitze oder Druck aktiviert worden waren. �Ich dachte, Nano-K�fer h�tte man ge�chtet, weil es so schwierig ist, sie unter Kontrolle zu halten.�</p><p>Er sah die Bewegung, die der Chief durch sein Schulterzucken verursachte. �Ja, Sir, aber eine Menge Dinge sind ge�chtet, wenn Sie verstehen, was ich meine, Sir.�</p><p>�Ja, Chief, schon verstanden.� Nur weil etwas ge�chtet war, bedeutete das noch lange nicht, dass es auch nicht mehr zum Einsatz kam. Das galt bei den Syndiks, und wie er mit Schrecken hatte feststellen m�ssen, war auch die Allianz nicht besser. Jahrhundertelange Kriege f�hrten viel zu leicht dazu, dass das Leben ebenso verachtet wurde wie ein Gesetz. �Sind bislang irgendwelche Probleme aufgetreten?�</p><p>�Nein, Sir. Wir lassen den W�rmern gen�gend Zeit, um eine anst�ndige Analyse der Proben vorzunehmen. Danach schicken wir die Maulw�rfe los.�</p><p>�Die Maulw�rfe?�</p><p>�Ja, Sir. Die Maulw�rfe ziehen los und graben nach dem Zeug, laden es ein und bringen es zur MBE. Die MBEs verf�gen �ber gro�e und kleine Maulw�rfe, abh�ngig davon, welche Mengen geborgen werden sollen. Notfalls k�nnen wir an eine MBE auch einen Monster-Maulwurf anh�ngen, aber von der Sorte besitzt die <emphasis>Titan</emphasis> nur ein Exemplar. Der gr�bt ein riesiges Loch und schafft das Zeug durch einen Schlauch an seinem Hintern weg.� Einen Moment lang schwieg der Chief, dann fuhr er mit leicht erstickter Stimme fort: �Entschuldigen Sie, Sir. Das Material wird durch eine r�ckw�rtige �ffnung abtransportiert.�</p><p>�Ja, so in etwa hatte ich das auch verstanden.� Geary hielt inne, um sich durch den Kopf gehen zu lassen, was er soeben geh�rt hatte, w�hrend er zusah, wie sich Konturen von den MBEs fortbewegten und ins Lager der Syndiks vordrangen. Jede der Konturen zog ein eigenes Kabel hinter sich her. �Dann sieht also alles gut aus?�</p><p>�Ja, Sir. Das ist eine Mischung aus kleinen und gro�en Maulw�rfen, weil wir den Befehl haben, die MBEs so schnell wie m�glich zu beladen, damit die zu den Shuttles zur�ckkehren k�nnen.�</p><p>�Ganz genau. Danke, Chief, das war sehr interessant.� Geary unterbrach die Verbindung und musste blinzeln, um sich wieder auf das Display zu konzentrieren, das seine Flotte zeigte. So weit, so gut. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass er das Gef�hl hatte, das sagen zu k�nnen.</p><p>Desjani g�hnte. �Oh, entschuldigen Sie, Sir.�</p><p>�Mir geht's nicht anders. Aber wenigstens habe ich jetzt etwas �ber die W�rmer und die Maulw�rfe erfahren, die die MBEs beladen.�</p><p>�W�rmer?�, wiederholte sie verdutzt.</p><p>�Ja. W�rmer und Maulw�rfe.�</p><p>Sie grinste. �Sind Sie sich ganz sicher, dass Sie sich nicht mit einem der K�che �ber das unterhalten haben, was die der Flotte vorsetzen?�</p><p>Essen. Wie lange war er jetzt eigentlich schon auf der Br�cke? Sein Magen begann zu knurren.</p><p>L�chelnd w�hlte Desjani in einer Tasche und hielt ihm einen Verpflegungsriegel hin. �Davon habe ich immer ein paar dabei.�</p><p>�Danke. Wenn Ihre n�chste Beurteilung ansteht, dann erinnern Sie mich bitte daran, dass ich darin vermerke, wie vorausschauend Sie handeln.� Er nahm den Riegel an, �berlegte, ob er das Etikett lesen oder lieber raten sollte, was er enthielt, und kam zu dem Schluss, dass er es lieber gar nicht wissen wollte. Das war so eine Sache, die sich in den letzten hundert Jahren nicht ge�ndert hatte. In dem fehlgeleiteten Bestreben, die individuellen Geschm�cker zu treffen und zugleich die breite Vielfalt der Mitgliedswelten der Allianz widerzuspiegeln, waren die Verpflegungsriegel angeblich so zusammengesetzt, dass sie zu den unterschiedlichsten Welten mit ihrer ganz eigenen K�che passten. In Wahrheit jedoch hatte die Flotte Geschmacksrichtungen entwickelt, die es irgendwie schafften, von jedem als widerw�rtig empfunden zu werden, woher er auch kam.</p><p>Geary riss die Verpackung auf, biss einmal ab, sch�ttelte sich und las dann doch noch das Etikett. �Forshuyken Solos? Was zum Teufel soll denn das sein?� Er las das Kleingedruckte. ��Ein beliebtes Gericht im Hokaiden-Sternensystem�. Ja, ganz bestimmt.�</p><p>�Meiden Sie nach M�glichkeit die Geschmacksrichtung Danaka Yoruk�, riet Desjani ihm.</p><p>�Was denn? Die werden immer noch hergestellt? Als die rauskamen, wollten wir sie den Syndiks aufschwatzen, aber�� Aber wir hatten Angst, die Syndiks k�nnten uns daraufhin den Krieg erkl�ren. Der Witz war viel lustiger, als die Syndiks noch nicht gegen uns Krieg f�hrten.</p><p>Desjani war klug genug, ihn nicht zu fragen, wie dieser Satz weitergehen sollte. �Ich glaube, die Produktion haben sie schon vor langer Zeit eingestellt, aber sie versuchen immer noch, die Reste loszuwerden.� Sie lachte, und die Linien in ihrem Gesicht, die ein endloser Krieg hinterlassen hatte, wurden geringf�gig sanfter, was sie etwas j�nger als sonst aussehen lie�.</p><p>Geary reagierte mit einem Grinsen und war froh dar�ber, dass er sogar mit jemandem, der ihn f�r einen mythischen Helden hielt, �ber die Flottenverpflegung herziehen konnte. Es gab ihm das Gef�hl, nicht mehr ganz so fehl am Platz zu sein, nicht ganz so fernab von den Menschen und Orten, die er gekannt hatte.</p><p>Die von den Hilfsschiffen ben�tigten Spurenelemente str�mten unterdes in die MBEs der <emphasis>Titan.</emphasis> Geary beobachtete auf dem Display, wie sich seine Flotte durchs All bewegte, und wieder regten sich bei ihm Kopfschmerzen, als er sah, wie wenig Zeit nur noch blieb. Schon die kleinste Verz�gerung w�rde zur Folge haben, dass ein Bremsman�ver noch mehr Zeit kostete und die Brennstoffzellen noch st�rker beansprucht wurden.</p><p>Wie auf ein geheimes Zeichen hin blinkte ein Alarmsignal auf dem Display auf, das die Situation auf der Mondoberfl�che im Auge behielt. Noch w�hrend Geary sich auf die Anzeige konzentrierte, tauchte vor ihm wieder Colonel Carabalis Gesicht auf. �Die Syndiks in den Minensch�chten versuchen nach drau�en zu kommen. Sie liefern sich Schusswechsel mit den Marines, die die Schachtausg�nge bewachen.�</p><p>Ein Gefecht am Boden war das Letzte, was er gebrauchen konnte. Vielleicht hatten die Syndiks genau das erkannt, und waren nun bereit, ein paar von ihren Leuten zu opfern, damit die Allianz-Flotte noch etwas mehr Zeit verlor. Geary atmete tief durch und lehnte sich zur�ck, um in Ruhe nachzudenken, wobei sein Blick auf das Flottendisplay gerichtet war. Oh, verdammt. Wenigstens ist das eine Leichtigkeit. �Colonel Carabali, machen Sie sich bereit, Ihre Marines zu den Shuttles zur�ckzuschicken. Stellen Sie sicher, dass die MBEs der <emphasis>Titan</emphasis> besch�tzt werden, bis sie beladen sind und sie an Bord ihrer Shuttles abheben.�</p><p>�Die MBEs?�, fragte die Marine verst�ndnislos.</p><p>�Die Mobilen Bergbau-Einheiten.�</p><p>�Oh, ach so. Ja, Sir. Allerdings werden die Syndiks aus ihren L�chern kommen, sobald ich meine Leute abziehe.�</p><p>�Das glaube ich nicht, Colonel. Nicht wenn die <emphasis>Exemplar</emphasis> und die <emphasis>Braveheart</emphasis> sie mit H�llenspeeren unter Beschuss nehmen. Wie gro� muss der Abstand zu dem Gebiet sein, das von der Flotte bombardiert wird, damit Sie sich nicht unbehaglich f�hlen?�</p><p>Carabalis legte die Stirn in tiefe Falten. �Bei allem Respekt, Sir, aber wir w�ren gern so weit wie m�glich entfernt, wenn die Flotte ein Gebiet bombardiert.�</p><p>Das war wohl verst�ndlich, half ihm jedoch nicht weiter. Er sah zu Desjani. �Wie zielgenau sollte der Beschuss mit H�llenspeeren sein, wenn die <emphasis>Exemplar</emphasis> und die <emphasis>Braveheart</emphasis> erneut das Feuer auf die Syndiks auf der Planetenoberfl�che er�ffnen?�</p><p>Desjani schnaubte. �Wenn die Schiffe so dicht an ihrem Ziel sind, das sich relativ zu ihnen praktisch nicht bewegt? Unter diesen Umst�nden kann ein H�llenspeer sein Ziel nur minimal verfehlen, womit in diesem Fall eine Abweichung von weniger als einem Zentimeter gemeint ist. Diese Marines k�nnten zehn Meter von einem Ziel entfernt stehen, und ihnen w�rde nichts geschehen.�</p><p>Geary fand, dass er selbst wohl nicht bereit sein w�rde, zehn Meter von der Einschlagstelle eines H�llenspeers entfernt zu stehen, aber das wollte er nicht laut aussprechen. �Colonel, wie w�re es mit einem Abstand von zweihundert Metern zum Kampfgebiet?�</p><p>�K�nnten Sie das auf dreihundert Meter ausweiten, Sir?�</p><p><emphasis>Ach, verd� Andererseits habe ich diese Marines in die Anlage geschickt, obwohl es eine Falle h�tte sein k�nnen. Die haben was bei mir gut.</emphasis> �Einverstanden, dreihundert Meter. Sobald Ihr letzter Marine dreihundert Meter von den Sch�chten entfernt ist, in denen sich die Syndiks aufhalten, werden die <emphasis>Exemplar</emphasis> und die <emphasis>Braveheart</emphasis> das Feuer auf sie er�ffnen.�</p><p>Ihr Gesicht hellte sich auf. �K�nnten Sie daraus eine Feuerwalze machen, Sir? W�hrend sich meine Leute zur�ckziehen, k�nnten die Schiffe nach und nach die Anlage bombardieren, um mit ihrer Zerst�rung zu beginnen und gleichzeitig die Syndiks davon abzuhalten, die Verfolgung aufzunehmen.�</p><p>�Hervorragender Vorschlag, Colonel. Ich werde den Befehl an die <emphasis>Exemplar</emphasis> und die <emphasis>Braveheart</emphasis> weitergeben.� Eine weitere Nachricht tauchte vor ihm auf. �Die MBEs sind beladen und machen sich auf den Weg zu den Shuttles.�</p><p>�Ich werde meinen Marines befehlen, den R�ckzug anzutreten.� Carabali salutierte, dann verschwand ihr Bild.</p><p>Geary rief die beiden Scout-Schlachtschiffe und stellte sicher, dass die Kommandanten seine Befehle auch tats�chlich richtig verstanden hatten. Dann f�gte er noch die ausdr�ckliche Anordnung hinzu, einige R�ume und die damit verbundenen Lebenserhaltungssysteme unversehrt zu lassen. Das Leben w�rde f�r die zur�ckgelassenen Syndiks nicht einfach sein, bis von der bewohnten Welt in diesem System Schiffe entsandt wurden, um sie abzuholen; aber da die Allianz-Flotte genauso gut alle Syndiks h�tte abschlachten k�nnen, fand Geary, dass die �berlebenden eigentlich keinen Grund hatten, sich zu beklagen.</p><p>Endlich waren wieder Bewegungen zu erkennen, wenngleich die Symbole der Marines und der MBEs, die zu ihren jeweiligen Shuttles zur�ckkehrten, sich nur im Schneckentempo �ber das Display bewegten. Geary, der so wie alle anderen daran gew�hnt war, Geschwindigkeit in Zehntelbruchteilen des Lichts zu messen, wunderte sich dar�ber, wie lange ein Mensch auf einer Planetenoberfl�che ben�tigte, um ein paar hundert Meter zur�ckzulegen.</p><p>Die Syndiks brauchten nicht lange f�r die Erkenntnis, dass die Marines sich zur�ckzogen, denn schon bald str�mten sie aus den Eing�ngen der Sch�chte. Die am weitesten zur�ckliegenden Marines der Allianz waren noch keine dreihundert Meter von ihnen entfernt. Geary dr�ckte beide Daumen, aber die Scout-Schlachtschiffe feuerten noch nicht, und die Syndiks eilten den langsam sich entfernenden Marines hinterher.</p><p>In diesem Tempo w�rden sie nie einen Abstand von dreihundert Metern zum Feind zustande bringen.</p><p>Doch vielleicht war das auch gar nicht n�tig. Die <emphasis>Exemplar</emphasis> und die <emphasis>Braveheart</emphasis> er�ffneten nacheinander das Feuer, ihre H�llenspeere tanzten �ber das Gebiet rund um die Ausg�nge der Minensch�chte. Die geladenen Partikelgeschosse schnitten sich durch Metall, Fels und menschliche K�rper. Geary sah mit an, wie in rascher Folge die Symbole verschwanden, die Syndiks markierten, da die H�llenspeere direkte Treffer in den feindlichen Reihen landeten und die Menschen zusammen mit ihrer unmittelbaren Umgebung verdampften.</p><p>Der Abstand der Syndiks, die den Marines am n�chsten waren, betrug noch immer weniger als dreihundert Meter, doch sie blieben instinktiv stehen und drehten sich um, als sie h�rten, was sich hinter ihnen abspielte. Es war eine ganz nat�rliche Reaktion, zu ihrem Ungl�ck aber genau die falsche. Denn die Marines zogen sich weiter zur�ck, und auf einmal waren sie dreihundert Meter von ihren Verfolgern entfernt, die daraufhin von den H�llenspeeren in ihre Atome zerschossen wurden.</p><p>Die Sensoren der Flotte konnten schlie�lich keine feindlichen Personen mehr ausmachen. Es war m�glich, dass einige Verfolger �berlebt hatten, indem sie sich unter den �berresten der Anlage versteckten, die von der <emphasis>Exemplar</emphasis> und der <emphasis>Braveheart</emphasis> mit gro�er Begeisterung in Tr�mmer geschossen wurde. Aber das war nicht weiter wichtig, denn in dem unter Beschuss genommenen Bereich waren die einzigen Bewegungen die der umherwirbelnden Tr�mmer derjenigen Geb�ude, die von den Treffern in St�cke gerissen wurden.</p><p>In sicherer Entfernung von diesen Verw�stungen starteten die Shuttles mit den MBEs an Bord, um zur <emphasis>Titan</emphasis> zur�ckzukehren. Gleichzeitig zogen sich ringsum die Marines zu ihren eigenen Shuttles zur�ck. Geary sah zu, wie deren Fahrzeuge den Lastenshuttles folgten, um die Ladung Spurenelemente zu eskortieren, damit die von der <emphasis>Titan</emphasis> auch an die anderen Hilfsschiffe weiterverteilt werden konnten.</p><p>Zwei Minuten l�nger, und Geary h�tte die Flotte abbremsen lassen m�ssen, damit die Shuttles sie noch einholen konnten. So aber war es ihnen gerade noch m�glich, auf einen Abfangkurs zur Flotte zu gehen.</p><p>Er atmete erleichtert aus. Eine weitere Krise war �berwunden worden.</p><p>Ich frage mich, was uns als N�chstes erwartet.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Mein Gl�ckwunsch an alle, die mitgeholfen haben, die j�ngste Operation erfolgreich abzuschlie�en.� Geary nickte Colonel Carabali, Captain Tyrosian und Commander Lommand zu, au�erdem den Kommandanten der <emphasis>Exemplar</emphasis> und der <emphasis>Braveheart.</emphasis> �Captain Tyrosian hat mir soeben mitgeteilt, dass die ben�tigten Spurenelemente in diesen Minuten auf unsere vier Hilfsschiffe verteilt werden. Waffen und Brennstoffzellen, die von den Hilfsschiffen bereits hergestellt worden sind, wurden mittlerweile an die Kriegsschiffe ausgeliefert. Sobald die letzten Lieferungen abgeschlossen und die Shuttles an Bord geholt worden sind, machen wir uns daran, Baldur zu verlassen.�</p><p>Nicht alle schienen Gearys Lob f�r Tyrosian und Lommand zu teilen. Captain Casia von der <emphasis>Conqueror</emphasis> und Commander Yin von der <emphasis>Orion</emphasis> l�chelten den Befehlshabern der Scout-Sp�hschiffe zu, f�r die beiden Ingenieursoffiziere hatten sie dagegen nur finstere Blicke �brig. Geary nahm sich einen Moment Zeit, um sich an dem langen virtuellen Tisch umzusehen und festzustellen, wer von den Kommandanten dem Beispiel von Casia und Yin folgte. Viele schienen es nicht zu sein, aber so leicht lie� sich das nicht sagen. Er vermutete, dass seine gef�hrlichsten Widersacher innerhalb der Flotte ihre Feindseligkeit nicht so offen zur Schau stellten wie diese beiden.</p><p>Dennoch war es �rgerlich und wichtig zugleich zu wissen, dass diejenigen, die gegen Geary als Flottenkommandant waren, nun versuchten, die Ingenieure als Keil zu benutzen, den sie zwischen ihn und die anderen Befehlshaber treiben konnten.</p><p>�Captain Geary�, meldete sich eine ungewohnte Stimme zu Wort. Geary ben�tigte einen Moment, ehe er erkannte, wer da gesprochen hatte. Dank der Software, die diese Besprechungen unterst�tzte, wurde der Name eines Mannes hervorgehoben, der nicht weit von seinem eigenen Platz am Kopfende entfernt war. Captain Badaya von der <emphasis>Illustrious.</emphasis> Er war au�erdem Kommandant der Reste der Sechsten Schlachtkreuzerdivision, die inzwischen nur noch aus der <emphasis>Illustrious</emphasis> und der <emphasis>Incredible</emphasis> bestand. �Captain Geary�, wiederholte er langsam, als lege er sich noch seine Worte zurecht. �Bevor wir �ber andere Dinge diskutieren� Es gibt da eine Sache, die ich gern ansprechen m�chte. Wir stehen vor immensen Schwierigkeiten, um ins Gebiet der Allianz zur�ckzukehren, und wir haben nicht gen�gend Zeit, uns Methoden zu �berlegen, wie wir den Syndiks einen wirklich schmerzhaften Schlag zuf�gen k�nnten. Etwas in der Art, was wir bei Sancere gemacht haben. Ich habe mir Gedanken dar�ber gemacht, was bei Sancere passiert ist.�</p><p>Das konnte eine Menge bedeuten, und Badaya schien nicht Gearys Autorit�t infrage zu stellen, daher nickte er nur und wartete ab.</p><p>�Das Hypernet-Portal bei Sancere�, fuhr Badaya fort. �Als es zusammenbrach, da entstand ein Energieimpuls, der die Schiffe unserer Flotte stark belastete. Wie ich h�rte, wurde durch das Eingreifen von <emphasis>Dauntless, Daring</emphasis> und <emphasis>Diamond</emphasis> verhindert, dass der Impuls noch viel heftiger ausfiel.� Er machte eine Pause.</p><p>Badaya begab sich genau auf jenes Terrain, um das Geary lieber einen Bogen machen wollte, doch ihm fiel nichts ein, womit er den Offizier zum Schweigen bringen konnte, ohne noch mehr Interesse auf dieses Thema zu lenken. Ausnahmsweise war Geary froh dar�ber, dass Victoria Rione nicht an dieser Besprechung teilnahm. Ansonsten h�tte er wohl einen fl�chtigen Blick in ihre Richtung nicht vermeiden k�nnen, wodurch f�r die anderen zu erkennen gewesen w�re, dass sie beide Informationen teilten, die sie den anderen Anwesenden verschwiegen hatten. �Das ist richtig�, erwiderte er ruhig.</p><p>�K�nnten wir uns das zunutze machen?�, �berlegte Badaya laut. �Es k�nnte eine Methode sein, um feindlichen Sternensystemen schwere Sch�den zuzuf�gen, w�hrend wir weiter in Richtung Heimat reisen. Und es w�rde nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch nehmen, die konventionelle Methoden ben�tigen.�</p><p>Das war durchaus m�glich. Und m�glicherweise w�rde damit auch der V�lkermord beginnen, den Geary f�rchtete. Er suchte nach einer passenden Antwort und wusste nur zu gut, dass ein einziges falsches Wort verheerende Folgen nach sich ziehen konnte. Pl�tzlich meldete sich Captain Cresida zu Wort und erkl�rte in bedauerndem Tonfall: �Captain Geary hatte mich das auch schon gefragt. Und ich konnte ihm nur antworten, dass der Energieaussto� v�llig unberechenbar zu sein scheint. Es k�nnte deutlich weniger dabei herauskommen als das, was wir erlebt haben, und vielleicht w�rde sogar �berhaupt nichts geschehen.�</p><p>Captain Tulev nickte entschieden. �Und wir hoffen, ein solches Portal zu benutzen, damit wir nach Hause zur�ckkehren k�nnen.� Niemand widersprach ihm. Anstatt von Stern zu Stern reisen und dabei den alten Sprungantrieb benutzen zu m�ssen, w�rde das Hypernet sie nicht nur direkt in ein Syndik-Sternensystem bringen, das an das Gebiet der Allianz grenzte, sondern die Reisezeit an sich w�re auch erheblich k�rzer als durch den Sprungraum. �Wenn wir es stattdessen zerst�ren, k�nnen wir es nicht mehr benutzen.�</p><p>�Ein verlorener Vorteil f�r uns, dazu die Gefahr, im betreffenden Syndik-System keinerlei Sch�den anzurichten�, stellte Captain Duellos fest. �Ein interessanter Vorschlag, Captain Badaya, aber er d�rfte f�r uns nicht von Nutzen sein.�</p><p>Badaya runzelte die Stirn, nickte dabei jedoch. �Das stimmt. Ich sch�tze, im Moment ist das keine brauchbare Option. Trotzdem sollten wir das im Ged�chtnis behalten.�</p><p>Geary versuchte nachdenklich dreinzuschauen. �Vielen Dank, Captain. Das ist eine interessante M�glichkeit. Ich danke Ihnen, dass Sie sie zur Sprache gebracht haben.�</p><p>Von wegen! Ich w�nschte, du h�ttest die Klappe gehalten! Vergebt mir meine L�ge, Vorfahren, aber sie dient nicht mir, sondern sie soll nach M�glichkeit unz�hlige Menschenleben retten.</p><p>Er schaute einen Augenblick lang nach unten und dachte dar�ber nach, wie sich Cresida und Tulev eingemischt hatten, um die Idee abzuschmettern, die Hypernet-Portale als Waffen zu benutzen. Cresida wusste davon, weil jene Algorithmen von ihr entwickelt worden waren, die das Hypernet-Portal von Sancere davon abgehalten hatten, eine Explosion von der St�rke einer Nova herbeizuf�hren. Aber Tulev wusste davon nichts. Oder etwa doch? Gab es eine Gruppe von Offizieren, denen bekannt war, dass man die Portale dazu benutzen konnte, die gesamte menschliche Rasse auszul�schen? Waren sie entschlossen, Geary dabei zu helfen, dieses Wissen so lange wie m�glich totzuschweigen?</p><p>Was w�rden sie auf lange Sicht mit diesem Wissen anfangen, wenn sie zu der Ansicht gelangten, dass Geary sie nicht angemessen nutzte?</p><p>Er musste weitermachen und ein anderes Thema anschneiden, um die anwesenden Offiziere abzulenken. Zum Gl�ck hatte er eines zur Hand, das sie alle garantiert auf andere Gedanken brachte. �Ich habe nachgedacht, wie unsere n�chsten Schritte aussehen sollen. Wie Sie alle wissen, hatte ich vorgehabt, die Flotte nach Wendaya zu bringen. Das habe ich mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen.�</p><p>Am virtuellen Tisch entstand eine gewisse Unruhe und als Geary in die Gesichter seiner untergebenen Offiziere blickte, da gefiel ihm nicht, was er zu sehen bekam. Niemand lie� auch nur einen Hauch von Begeisterung erkennen, nicht einmal diejenigen, die er zu seinen engsten Bef�rwortern z�hlte. Lediglich Captain Casia meldete sich zu Wort: �Wir sind dem Allianz-Gebiet kaum n�her als an dem Tag, als wir aus dem Heimatsystem der Syndiks flohen.�</p><p>�Ich habe diese Flotte nicht ins Syndik-Heimatsystem gef�hrt�, betonte Geary. �Der Weg nach Hause ist lang, daran kann ich auch nichts �ndern.� Er hielt inne und versuchte wieder, die Reaktionen der anderen einzusch�tzen. Zu viele Offiziere betrachteten mit resignierter oder besorgter Miene das Sternendisplay. �Aber wir werden etwas anderes versuchen m�ssen. Bislang haben wir es vermieden, auf geradem Weg nach Hause zu fliegen, um einen Bogen um m�gliche Fallen der Syndiks zu machen. Allerdings werden die Syndiks diese Taktik allm�hlich durchschauen.�</p><p>Jetzt war ihm die Aufmerksamkeit aller Offiziere gewiss, doch Casia machte eine Handbewegung auf das Display zu und sagte: �Wir werden sicher nicht <emphasis>schon wieder</emphasis> den R�ckzug antreten, oder etwa doch?�</p><p>Die Frage war so perfekt formuliert, dass Geary �berlegte, ob Casia sie sich ausgedacht hatte oder ob sie ihm von einem f�higeren Offizier in den Mund gelegt worden war. Es war exakt die Art von Formulierung, die jedem von Geary vorgeschlagenen Plan den Boden unter den F��en wegziehen sollte.</p><p>Aber wie es schien, hatte er seine Widersacher innerhalb der Flotte einmal mehr �berlisten k�nnen. �Nein�, antwortete er und warf Casia einen eisigen Blick zu. �Ich beabsichtige, einen Vorsto� in Richtung Allianz-Gebiet zu machen und zu sehen, wie weit wir kommen k�nnen, bis die Syndiks unsere Absicht durchschauen und wieder versuchen, die Schlinge um unseren Hals zuzuziehen. Ausgehend von der Annahme, dass die Syndiks genau das nicht von uns erwarten, sollten wir uns unserer Heimat ein deutliches St�ck n�hern.�</p><p>Die Mienen zahlreicher Anwesender hellten sich bei diesen Worten auf, doch Geary entging nicht, dass Duellos, Tulev und Cresida ihn mit Skepsis betrachteten, als seien sie besorgt, er k�nnte vor Casia kapituliert haben. Offenbar konnte er es einfach nicht jedem seiner Offiziere recht machen.</p><p>Andererseits geh�rte es auch nicht zu seinen Aufgaben, es allen recht zu machen.</p><p>Geary zeigte auf das Display. �Anstatt nach Wendaya zu springen, begeben wir uns nach Sendai, danach geradewegs weiter nach Daiquon, und wenn dann alles ordentlich aussieht, ist Ixion unser n�chstes Ziel.� Helle Linien tauchten im Display auf und bildeten zusammen eine leicht gekr�mmte Linie, die in Richtung Allianz-Gebiet f�hrte.</p><p>�Das bringt uns fast ein Drittel auf unserem restlichen Heimweg voran!�, stellte Commander Neeson fest.</p><p>�Ganz sicher werden die Syndiks unseren Kurs durchschaut haben, noch bevor wir Ixion erreichen�, wandte Captain Mosko vom Schlachtschiff <emphasis>Defiant</emphasis> besorgt ein.</p><p>�Das glaube ich auch�, stimmte Captain Tulev ihm zu. �Captain Geary, verstehe ich das richtig, dass wir in jedem Sternensystem erst einmal die Situation neu bewerten, bevor wir ins n�chste System springen?�</p><p>�Das ist richtig�, best�tigte Geary. �Ich gehe davon aus, dass die Syndiks merken werden, dass wir zu einer anderen Taktik gegriffen haben, um nach Hause zu kommen. Wenn das geschieht, werden sie in der Lage sein, mit Hilfe des Hypernet-Systems ihre Streitkr�fte schneller zu verlegen, als wir uns von der Stelle bewegen k�nnen, sodass es ihnen m�glich sein wird, Blockaden zu errichten. Aber ich glaube, unsere Chancen stehen gut, Daiquon zu erreichen, ohne dabei auf nennenswerten Widerstand zu sto�en. Und wir k�nnten eine passable Chance haben, es nach Ixion zu schaffen.�</p><p>Er schien ihr Interesse geweckt zu haben. F�r einen Moment versp�rte er Wut, dass er diese Leute von seinen Pl�nen erst �berzeugen musste, anstatt ihnen einfach sagen zu k�nnen, was sie zu tun hatten. Es war schlie�lich nicht so, als h�tte er sich einen Fehler nach dem anderen geleistet, seit er gegen seinen Willen das Kommando �ber diese Flotte �bernommen hatte. Doch wie es schien, musste er den Zweiflern jeden Tag aufs Neue belegen, dass er wusste, was er tat. �Wir nutzen die Zeiten im Sprungraum, um die Hilfsschiffe mehr Brennstoffzellen und Munition produzieren zu lassen, und wenn wir Sendai und Daiquon durchqueren, k�nnen die an die anderen Schiffe verteilt werden. Wenn wir es bis Ixion schaffen, m�chte ich, dass wir auf alles gefasst sind.�</p><p>Captain Casia machte unver�ndert eine skeptische Miene. �Und nach Ixion? Werden wir dann weiter in Richtung Allianz fliegen?�</p><p>Geary musste sich gegen den dringenden Wunsch zur Wehr setzen, Casia den Hals umzudrehen. Zum Gl�ck brachte ihn schon das geistige Bild zur Ruhe, das ihm zeigte, wie Casias Gesicht rot anlief, w�hrend er ihm die Kehle zudr�ckte, sodass er schlie�lich in ruhigem Tonfall erwiderte: �Der Kurs dieser Flotte f�hrt letztlich in jedem Fall in Richtung Allianz. Aber ich plane nicht vier Sternensysteme im Voraus. Wenn wir Ixion erreichen, werden wir auf jeden Fall in Erw�gung ziehen m�ssen, wie die Syndiks bis dahin reagiert haben.�</p><p>�Wenn wir weiterhin die Initiative in unserer Hand behalten��</p><p>�Die Syndiks k�nnen sich schneller von A nach B begeben als wir, Captain Casia. Sie verf�gen anders als wir �ber den Vorteil, das Hypernet nutzen zu k�nnen.� Warum musste er etwas so Selbstverst�ndliches �berhaupt noch erkl�ren?</p><p>Commander Yin meldete sich wieder zu Wort, als sei sie durch irgendetwas dazu ermuntert worden, das Geary entgangen war. �Die R�ckkehr dieser Flotte ins Allianz-Territorium ist von entscheidender Bedeutung f�r diesen Krieg�, verk�ndete sie, als gebe sie eine Erkenntnis von ungeheurer Tragweite zum Besten.</p><p>�Wenn diese Flotte nicht lebend das Allianz-Territorium erreicht�, meinte Captain Duellos gedehnt, �dann ist sie f�r den Krieg von keinerlei Bedeutung mehr.�</p><p>�Wir k�mpfen auf dem Heimflug�, f�gte Captain Desjani hinzu und sah Yin zornig an. �Wo wir auf unserem Weg auch auftauchen, f�gen wir den Syndiks Schaden und Verluste zu.�</p><p>Anstatt etwas darauf zu entgegnen, zog Commander Yin nur einen Mundwinkel hoch und sah Desjani an, als habe die etwas Lustiges erw�hnt. Desjani hatte diesen Gesichtsausdruck ebenfalls gesehen, woraufhin sich ihre Miene verh�rtete. Bevor sie jedoch noch etwas sagen konnte, meldete sich Captain Tulev zu Wort: �Au�erdem sorgen wir daf�r, dass der gr��te Teil der Syndik-Flotte mit der Suche nach uns besch�ftigt ist. Unsere Abwesenheit k�nnen sie nicht nutzen, um die Allianz anzugreifen, da sie fast ihre s�mtlichen Ressourcen darauf ausgerichtet haben, uns zu jagen.�</p><p>Commander Yin schaute sich um, schien nicht zu entdecken, wonach sie suchte, und begn�gte sich damit, eine finstere Miene aufzusetzen.</p><p>Es war offenbar erforderlich, die versammelten Commander daran zu erinnern, dass sie alle Teil der gleichen Flotte waren. �Die Allianz ben�tigt uns zu Hause�, erkl�rte Geary so leise, dass alle Offiziere gezwungen waren, den Mund zu halten, damit sie ihn h�ren konnten. �Die Allianz-Schiffe, die diese Flotte nicht begleitet haben und jetzt die Syndiks abwehren m�ssen, z�hlen ganz sicher darauf, dass wir zur�ckkehren. Die Syndiks andererseits wollen mit allen Mitteln unsere R�ckkehr verhindern. Jeder Tag, an dem diese Flotte weiter hinter den feindlichen Linien operiert, ist ein Sieg f�r die Allianz und eine Niederlage f�r die Syndiks. Wenn wir heimkehren, dann werden wir das mit hoch erhobenem Kopf tun k�nnen, und dann wird die Syndik-Flotte deutlich kleiner sein als zuvor, was wir den bereits errungenen Siegen ebenso zu verdanken haben wie denen, die noch vor uns liegen.� Er machte eine Pause. Alle schauten ihn erwartungsvoll an, doch es kam ihm nicht so vor, als m�sse er noch irgendetwas erg�nzen. �Ich danke Ihnen. Innerhalb der n�chsten Stunde erhalten Sie alle Ihre Befehle f�r den Sprung nach Sendai.�</p><p>Die Bilder der Schiffskommandanten l�sten sich auf wie Seifenblasen, die von einer heftigen B�e erfasst wurden. Captain Desjani blickte noch immer w�tend auf die Stelle, an der sich die virtuelle Commander Yin befunden hatte. Schlie�lich stand sie auf, murmelte ein: �Wenn Sie mich entschuldigen w�rden, Sir� und verlie� dann eilig den Raum.</p><p>Damit blieb nur noch ein Bild �brig, ein Mann, der sich nach hinten gelehnt und die F��e auf den Tisch gelegt hatte. W�re Geary nicht bewusst gewesen, dass es sich lediglich um eine Projektion handelte, die zeigte, wie sich der Mann auf seinem eigenen Schiff bewegte, dann h�tte er schw�ren k�nnen, sich mit ihm im gleichen Raum zu befinden. �Captain Duellos�, sagte Geary zu ihm. �Danke, dass Sie noch bleiben.�</p><p>Der virtuelle Duellos l�chelte. �Es kostet mich nicht so viel �berwindung, das zu tun.�</p><p>�Dennoch bin ich Ihnen dankbar.� Seufzend setzte sich Geary wieder hin. �Es gibt da ein paar Dinge, die ich Sie fragen wollte.�</p><p>�Stimmt etwas nicht? Oder sollte ich besser sagen: Stimmt <emphasis>noch irgendetwas anderes</emphasis> nicht?�</p><p>Geary verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen, dann nickte er verstehend. �Nichts, was nicht auch gerade eben angesprochen wurde, w�rde ich meinen.�</p><p>�Die �blichen unterschwelligen Anspielungen und die kontraproduktiven Diskussionen�, stellte Duellos sachlich fest und betrachtete interessiert seine Fingern�gel.</p><p>�Ja, genau.� Das routinem��ige Verhalten einiger Offiziere, das sich am Rande der Respektlosigkeit oder Meuterei bewegte. �Es gibt da etwas, das meine Neugier geweckt hat.�</p><p>Duellos stand auf und setzte sich auf einen Platz gegen�ber Geary. �Taktisches? Personalfragen?�</p><p>�Von beidem etwas. Zun�chst w�rde ich gern wissen, was Sie mir �ber Captain Casia sagen k�nnen.�</p><p>Der Name veranlasste Duellos, ver�chtlich den Mund zu verziehen. �Ein Offizier mit bescheidenen Talenten. So bescheiden, dass er sogar noch von Captain Numos �bertroffen wurde. Ich nehme an, Sie fragen sich, warum er bei den letzten zwei Besprechungen die Klappe so weit aufgerissen hat.�</p><p>�Ja, richtig.�</p><p>�Weil Numos und Captain Faresa derzeit in der Arrestzelle sitzen. Dadurch ist in der Dritten Schlachtschiffdivision ein Machtmissbrauchsvakuum entstanden�, machte Duellos ihm klar. �Wie Sie vielleicht schon gemerkt haben, war diese Division eine Art Abstellgleis f�r schwierige Commander.�</p><p>Geary lie� sich das einen Moment lang durch den Kopf gehen. Zu seiner Zeit hatten so wenige gro�e Schiffe existiert, dass es undenkbar gewesen w�re, eine Division zu bilden, in die alle problematischen Offiziere abgeschoben wurden. �Wie ernst muss man Casia nehmen?�</p><p>�Schwer zu sagen�, r�umte Duellos ein. �Auf sich allein gestellt, wird er am ehesten Schaden anrichten, wenn ihm als Befehlshaber seines Schiffs ein kapitaler Fehler unterl�uft. Aber wenn er als Anlaufstelle f�r diejenigen benutzt wird, die Ihnen Ihr Kommando streitig machen wollen, dann k�nnte er eine gef�hrliche Galionsfigur sein, hinter der sich f�higere Offiziere verstecken, die ihre wahren Motive nicht zu erkennen geben wollen.�</p><p>Bedauerlicherweise entsprach diese Einsch�tzung Gearys schlimmsten Bef�rchtungen. �W�re es Ihnen recht, dar�ber zu spekulieren, wer diese f�higeren Offiziere sein k�nnten?�</p><p>�Lieber nicht, Sir. Wenn ich Beweise h�tte oder es sicher w�sste, w�re das eine Sache. Aber es behagt mir nicht, Anschuldigungen auszusprechen, die auf reinen Spekulationen basieren.�</p><p>�Das kann ich verstehen. Und um ehrlich zu sein, ich m�chte nicht der Typ Commander sein, der Untergebene ausspioniert, weil er sie f�r St�renfriede h�lt.� Er h�tte sich auch nie vorstellen k�nnen, ein solcher Befehlshaber zu sein, denn hundert Jahre zuvor w�re ein derartiges Verhalten in der Flotte niemals geduldet worden.</p><p>�Es w�re aber nichts v�llig Neues�, lie� Duellos ihn wissen. �Sie werden inzwischen sicher herausgefunden haben, dass Sie mit den Gewohnheiten eines Flottenkommandanten brechen, weil Sie eben nicht ihren Untergebenen nachspionieren, um herauszufinden, wem Sie vertrauen k�nnen und wem nicht.�</p><p>Aus einem unerkl�rlichen Grund entlockte ihm das ein ironisches L�cheln. �Vor einem Jahrhundert erwartete man von einem Flottenkommandanten, dass er qualifiziert genug war, um das selbst beurteilen zu k�nnen, ohne Spionage betreiben zu m�ssen.�</p><p>�Das war auch eine einfachere Zeit. Wie so viele Dinge wird auch diese Praxis damit gerechtfertigt, dass wir einen Krieg um unser �berleben f�hren.�</p><p>�Eine tolle Ausrede, nicht wahr? Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass sie von unseren Vorfahren gutgehei�en wird.� Geary sch�ttelte den Kopf. �Ich weigere mich, eine Hexenjagd auf meine Offiziere zu veranstalten.�</p><p>Duellos musterte ihn eine Weile. �Und wenn der Preis f�r Ihre unversehrte Ehre der ist, dass diese Flotte untergeht und die Allianz den Krieg verliert?�</p><p>�Wollen Sie mich davon �berzeugen, dass ich gegen meine eigene �berzeugung handele und meine Offiziere auf der Grundlage von Verd�chtigungen verfolge?�, fragte Geary. �Ich bin �berrascht.�</p><p>�Und entt�uscht?� Duellos machte eine wegwerfende Geste. �Ich glaube, wenn diese Flotte es zur�ck nach Hause schafft, dann nur, weil wir daran gedacht haben, unsere Vorfahren zu ehren.� Sein Blick wanderte zu dem Sternenfeld an einem der Schotte. �Eigentlich scheint das alles so offensichtlich zu sein. Verabscheuungsw�rdige Praktiken, die wir uns in den letzten hundert Jahren angeeignet haben, wurden immer wieder f�r zwar unsch�n, jedoch notwendig erkl�rt, weil nur so der Krieg zu gewinnen sei. Seltsamerweise haben wir den Krieg bislang noch immer nicht gewonnen. Man sollte meinen, dass irgendjemand nachfragt, warum denn diese unsch�nen, aber notwendigen Praktiken noch immer nicht zum zugesicherten Resultat gef�hrt haben. Das geschah erst, als Sie auftauchten und uns dazu brachten, �ber diese Dinge nachzudenken, anstatt sie einfach hinzunehmen.� Duellos seufzte. �Nein, ich spiele nur den Advocatus diaboli, Captain Geary. Jeder Commander braucht jemanden von dieser Art, nicht wahr?�</p><p>�Mindestens einen�, pflichtete Geary ihm bei.</p><p>�Und Sie haben daf�r nicht nur mich, sondern auch noch Co-Pr�sidentin Rione.� Duellos studierte ihn eindringlich. �Wie l�uft es eigentlich zwischen Ihnen? Vorausgesetzt nat�rlich, ich darf Sie das fragen.�</p><p>�In dem Punkt sind Sie genauso schlau wie ich.�</p><p>�Sie ist eine starke Frau, und sie ist unerbittlich. In der Flotte genie�t sie das h�chste Ansehen, das einem Politiker zuteil werden kann.�</p><p>�Ich habe genug Erfahrung, was die ersten beiden Punkte angeht, und an Letzterem habe ich nicht den geringsten Zweifel.� Er zuckte mit den Schultern. �Seit Ilion ist sie auf Distanz zu mir gegangen. Warum, wei� ich nicht. Sie will es mir auch nicht verraten.�</p><p>�Die Commander der Schiffe, die zur Rift-F�deration und zur Callas-Republik geh�ren, haben mir anvertraut, dass Co-Pr�sidentin Rione in der letzten Zeit untypisch zur�ckhaltend auftritt. Sie scheint auch zu ihren Leuten auf Abstand gegangen zu sein.�</p><p>�Das ist eigenartig.� Ich nahm an, ich h�tte ihr irgendetwas getan. Aber warum sollte sie sich dann den Schiffen ihrer eigenen Republik gegen�ber auch so distanziert verhalten? Bislang hatte ich immer den Eindruck, Rione sei sehr am Schicksal dieser Schiffe und ihrer Besatzung interessiert. �Ich werde sehen, was ich herausfinden kann. Dass ausgerechnet jemand wie Rione sich so verh�lt, ist auf jeden Fall r�tselhaft.�</p><p>Duellos nickte zustimmend.</p><p>�Apropos R�tsel. Mir ist da etwas aufgefallen, das ich nicht verstehe. Mein neuester Qu�lgeist, Captain Casia, ist Commander eines Schlachtschiffs�, f�hrte Geary aus.</p><p>�Richtig�, best�tigte Duellos, der erkennbar keine Ahnung hatte, warum Geary das erw�hnte.</p><p>�Und das gilt, beziehungsweise galt, auch f�r Leute wie Numos, Faresa und Kerestes. Auf der anderen Seite habe ich Commander wie Sie, Desjani, Tulev und Cresida, die allesamt exzellente Offiziere sind und die alle einen Schlachtkreuzer befehligen.� Duellos breitete die H�nde aus, um seine Ahnungslosigkeit zu unterstreichen. �Wieso?�</p><p>�Wieso was?�, gab Duellos verst�ndnislos zur�ck.</p><p>�Wieso sind meine Schlachtschiff-Commander von schlechterem Charakter als meine Schlachtkreuzer-Commander?�, fragte er geradeheraus.</p><p>Duellos sah ihn an wie ein Mann, den man soeben gefragt hatte, warum das Weltall schwarz sei. �So l�uft das eben in der Flotte ab. Die vielversprechendsten Offiziere bekommen einen Schlachtkreuzer, w�hrend diejenigen, die daf�r nicht als gut genug beurteilt werden, einem Schlachtschiff zugeteilt werden.�</p><p>Geary wartete ein paar Sekunden, aber Duellos schien der Meinung zu sein, er habe alles Wissenswerte dargelegt. �Okay, so l�uft es ab. Doch mich interessiert das Warum. Zu meiner Zeit galten Schlachtschiffe als das h�chste und angesehenste Kommando. Schlachtkreuzer waren auch wichtig, aber sie rangierten unter den Schlachtschiffen.�</p><p>Es war wom�glich das erste Mal, dass er Duellos richtiggehend erschrecken konnte. �Ist das Ihr Ernst? Schlachtschiffe sind langsam und tr�ge. Sie besitzen zwar enorme Zerst�rungskraft, aber sie f�hren die Flotte nicht ins Gefecht.�</p><p>�Und Schlachtkreuzer tun das?�, fragte Geary z�gerlich.</p><p>�Ja!� Duellos beschrieb eine ausholende Geste. �Schlachtkreuzer sind schnell. Sie f�hren den Angriff an, sie kommen als Erste mit dem Feind in Ber�hrung��</p><p>�Sie sterben schneller und h�ufiger, weil sie nicht so gut gepanzert sind wie Schlachtschiffe�, wandte Geary ein.</p><p>�Das ist richtig!�, stimmte Duellos ihm zu, lie� aber nach wie vor Verwirrung erkennen. �Wir ziehen nicht in die Schlacht, um uns hinter unserer Panzerung zu verstecken. Wir tun es, um zu k�mpfen, und die Schlachtkreuzer befinden sich in diesem Kampf an vorderster Front.�</p><p>Mit einem Mal ergab das alles einen Sinn. Eine Flottenkultur, in der der Kampf �ber allem anderen stand. Eine Kultur, die es als h�chste Tugend ansah, die Konfrontation mit dem Feind zu suchen. Die alles mit Verachtung strafte, was man als defensives Verhalten bezeichnen konnte. Nat�rlich w�rden die besten Offiziere danach streben, die offensivsten Schiffe zu befehligen, w�hrend man die Offiziere mit dem geringsten Ansehen den schwerf�lligen Schiffen zuteilte.</p><p>Diese Denkweise besa� nur ein gravierendes Problem, und Geary fragte sich, ob er endlich auf einen der Punkte gesto�en war, die dazu beigetragen hatten, das F�hrungsprinzip innerhalb der Flotte auszuh�hlen. �Captain Duellos, denken Sie doch mal dar�ber nach, was diese Flotte macht. Sie teilt ihre besten Offiziere den Schiffen zu, die in einer Schlacht am wahrscheinlichsten sterben werden, w�hrend die schlechtesten Offiziere die am besten gepanzerten Schiffe erhalten. Erscheint Ihnen das auf lange Sicht nicht als ziemlich widersinnig?�</p><p>Duellos machte eine nachdenkliche Miene. �Von der Seite hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Aber die Flotte braucht die besten Leute in den schnellsten und leichtesten Schiffen. Ein weniger qualifizierter Offizier kann in einem Schlachtschiff �berleben, weil die schwerer kleinzukriegen sind.�</p><p>Unwillk�rlich musste Geary lachen. �Das System dient dem Zweck, die weniger qualifizierten Offiziere zu besch�tzen?�</p><p>Diesmal musste Duellos noch l�nger gr�beln. �So hat das noch nie jemand formuliert. Die �bliche Denkweise ist die, dass die Panzerung und Bewaffnung eines Schlachtschiffs alle Unzul�nglichkeiten seines Kommandanten wettmachen k�nnen.�</p><p>Auf eine verdrehte Art und Weise ergab das tats�chlich einen Sinn. �Machen die Syndiks das auch so?�</p><p>�Ich wei� nicht�, musste Duellos zugeben. �Ich nehme es aber an.�</p><p>Falls ja, hatten zumindest beide Seiten sich gleicherma�en M�he gegeben, die besten Offiziere so schnell wie m�glich im Gefecht sterben zu lassen. Einmal mehr fragte sich Geary, warum eine intelligente fremde Spezies Ma�nahmen zur Ausl�schung der Menschheit ergriff, wenn die menschliche Rasse doch mit gro�em Eifer und Erfindungsreichtum alles unternahm, um sich selbst zu vernichten. �Jetzt ist mir wenigstens eine wichtige Sache klar�, sprach er. �Unter uns gesagt, halte ich das f�r eine v�llig verr�ckte Vorgehensweise, aber im Moment werde ich daran nichts �ndern k�nnen.�</p><p>Wenn er weiter Schlachtkreuzer verlor, dann verlor er damit auch seine besten Senioroffiziere. Doch er wusste keinen Weg, wie er die Schlachtkreuzer aus einem Gefecht heraushalten sollte, wenn die Flotte wieder auf die Syndiks traf. Selbst seine besten Offiziere w�rden einen solchen Befehl nicht befolgen, weil er allem widersprach, was sie gelernt hatten. <emphasis>Allerdings sollte ich mir besser etwas �berlegen, wie ich die Schlachtkreuzer besch�tze, sonst ist diese Flotte dem Untergang geweiht.</emphasis> �Sollte ich sonst noch irgendetwas wissen, was mir bislang nicht klar ist?�</p><p>Duellos schien zu z�gern. �Ihnen ist bewusst, dass Ihre Widersacher in der Flotte nach wie vor Ger�chte verbreiten, um Ihre Position zu schw�chen.�</p><p>�Ja, ich wei�. Gibt es etwa neue Ger�chte �ber mich?�</p><p>Duellos' Miene verfinsterte sich noch etwas mehr. �Ich ringe mit mir, ob ich es Ihnen sagen soll oder nicht, Captain Geary. Aber Ihnen ist sicher aufgefallen, wie sich Captain Desjani und Commander Yin gegen Ende der Besprechung verhalten haben.�</p><p>�Ja. Was sollte das?�</p><p>Sp�rbar widerwillig fuhr Duellos fort: �Ich bezweifle, dass Captain Desjani davon geh�rt hat, es sei denn, jemand hat es ihr erz�hlt, der von sich behauptet, ein guter Freund zu sein. Aber Sie sollten vielleicht wissen, dass einige Ger�chte behaupten, zwischen Ihnen und Captain Desjani w�rde eine enge Beziehung bestehen.�</p><p>Jetzt machte Geary die finstere Miene. �Ich darf davon ausgehen, dass Sie damit keine dienstliche Beziehung meinen.�</p><p>Duellos nickte. Sein Gesicht verriet, mit welcher Missbilligung er dieses Thema angeschnitten hatte.</p><p>�Beinhalten diese Ger�chte etwa auch die Behauptung, ich w�rde Rione betr�gen? Immerhin schien doch die ganze Flotte dar�ber Bescheid zu wissen.�</p><p>�Offenbar sind Sie in der Lage, zwei Frauen gl�cklich zu machen�, erwiderte Duellos und l�chelte ironisch. �Ein Mann, der angeblich f�hig ist, Frauen wie Rione und Desjani gl�cklich zu machen� Also wenn das nicht Ihrem Ruf Aufschwung verleiht.�</p><p>�Das ist nicht gerade witzig�, konterte Geary.</p><p>�Nein. Es geht nicht nur gegen Ihre Ehre, sondern auch gegen die von Captain Desjani und Co-Pr�sidentin Rione.� Er zuckte mit den Schultern. �Jeder, der als Ihr Verb�ndeter angesehen wird, ist automatisch eine Zielscheibe f�r Ihre Kontrahenten.�</p><p>�Sie auch?�</p><p>Duellos nickte stumm.</p><p>�Eigentlich sollte mich das gar nicht wundern. Aber ich werde bei Desjani ganz besonders aufpassen, damit niemand uns irgendetwas nachsagen kann.�</p><p>�Diese Leute sind �u�erst fantasievoll�, machte Duellos ihm klar. �W�ren Sie auf meinem Schiff, w�rde man vermutlich die gleichen Ger�chte �ber Sie und mich verbreiten.�</p><p>�Nehmen Sie's bitte nicht pers�nlich, Captain Duellos, aber Sie sind nicht mein Typ.�</p><p>�Ich nehme es ganz sicher nicht pers�nlich�, meinte Duellos grinsend. �Au�erdem w�rde meine Frau bei einer solchen Beziehung auch noch ein W�rtchen mitreden wollen.�</p><p>�So sind Frauen nun mal�, stimmte Geary ihm zu und erinnerte sich daran, dass die Familie des Captains im Allianz-Gebiet lebte. Pl�tzlich musste er zynisch l�cheln. �F�r einen Mann, der angeblich sogar zwei Frauen hat, komme ich nicht allzu oft zum Zug.�</p><p>�Sehen Sie's positiv. W�rden Sie tats�chlich Rione mit Desjani oder umgekehrt betr�gen, dann w�rde eine der Frauen Sie beide t�ten und boshaft lachen, w�hrend sie Ihnen beiden beim Sterben zusieht. So sind Frauen nun mal.�</p><p>�Ja, richtig. Vor allem Frauen wie Rione und Desjani. Danke f�r die Warnung, was diese Ger�chte angeht. Ich m�chte nicht, dass jemand in seiner Ehre gekr�nkt wird, nur weil man <emphasis>mir</emphasis> schaden will.� Geary z�gerte, was eine weitere Frage betraf, die ihm soeben eingefallen war, nachdem die Rede auf Rione gekommen war. �Was Captain Badaya angesprochen hat, die Sache mit den Hypernet-Portalen��</p><p>Duellos nickte gelassen. �Das konnten wir ja schnell genug abbiegen.�</p><p>�Wie viel <emphasis>wissen</emphasis> Sie dar�ber?�</p><p>�Die Ausl�schung einer ganzen Spezies.� Der Captain lehnte sich nach hinten. �Supernovae oder Novae, die in jedem Sternensystem hochgehen, in dem sich ein Hypernet-Portal befindet. Commander� oh, Entschuldigung� Captain Cresida hat eine kleine Gruppe von uns eingeweiht, was diese potenzielle Bedrohung angeht. Sie hatte erwartet, dass Sie bei diesem Thema Unterst�tzung gebrauchen k�nnten.� Er schlug die Augen auf und sah Geary ernst an. �Ich hoffe, Sie nehmen ihr das nicht �bel. Ich glaube, es war klug von Cresida, es ein paar von uns zu erz�hlen. Das d�rften Sie bei der Besprechung selbst auch gemerkt haben.�</p><p>�Das habe ich gemerkt�, gab Geary zu. �Sie haben recht, das war klug von ihr. Ehrlich gesagt, macht es mir Angst, dass �berhaupt jemand davon wei�, aber wenn wir das Schlimmste verhindern wollen, m�ssen ein paar Leute eingeweiht sein.�</p><p>�Wem haben Sie davon erz�hlt?�</p><p>�Nur Co-Pr�sidentin Rione.�</p><p>�Ah, einer Senatorin der Allianz.� Duellos verzog den Mund. �Der Senat w�rde daf�r stimmen, die Portale zu benutzen und diejenigen zu sprengen, die im Syndik-Gebiet gelegen sind. Das ist Ihnen doch klar, oder?�</p><p>�Das entspricht Riones Einsch�tzung der Lage. Und die Syndiks h�tten Zeit genug dahinterzukommen, was wir vorhaben, und sie w�rden das Gleiche mit uns machen.�</p><p>Als Duellos diesmal nickte, wirkte er mit einem Mal um Jahre gealtert. �Wenn Sie diese Flotte nach Hause bringen, dann bringen Sie auch das Wissen mit, wie die gesamte menschliche Rasse ausgel�scht werden kann.�</p><p>�Richtig.� Geary sank in sich zusammen und rieb sich �ber die Stirn. �Wollen Sie das Kommando �bernehmen?�</p><p>�Nicht mal �ber Ihre Leiche.� Duellos' Blick wanderte zu dem Display, das die umliegenden Sterne zeigte. �Vielleicht haben die lebenden Sterne ja entschieden, dass die Menschheit ein hoffnungsloser Fall ist.�</p><p>�Die lebenden Sterne haben nicht die Hypernet-Portale erschaffen�, erwiderte Geary mit rauer Stimme.</p><p>�Wenn sie uns gef�hrt haben, kommt es aufs selbe raus��</p><p>�Jemand� etwas hat uns diese Technologie �berlassen, davon bin ich fest �berzeugt.�</p><p>Eine Weile dachte Duellos �ber diese Worte nach, dann entgegnete er: �Etwas? Etwas Nichtmenschliches?�</p><p>�Das ist meine Vermutung. Rione teilt diese Ansicht. Wir glauben, sie befinden sich am anderen Ende des Syndik-Raums.�</p><p>�Interessanter Gedanke.� Wieder folgte eine lange Pause. �Die haben Gift in Bonbons verpackt und uns geschenkt, und jetzt warten sie nur darauf, dass wir die Bonbons in den Mund stecken?�</p><p>�K�nnte sein.� Geary deutete auf das Display. �Was ihre Motive angeht, k�nnen wir nur spekulieren. Auf jeden Fall liegen sie damit richtig, dass die Menschheit dumm genug ist, ihr Geschenk anzunehmen und sich selbst auszul�schen. Allerdings haben sie dabei eine Sache vergessen.�</p><p>Duellos zog r�tselnd eine Augenbraue hoch. �Und zwar?�</p><p>�Wir lassen uns nicht gern etwas vorschreiben. Au�erdem sind wir v�llig unberechenbar.�</p><p>Der andere Offizier l�chelte. �Das stimmt. Darf ich mit anderen dar�ber reden?�</p><p>�Ja.� Geary �berlegte kurz. �Sagen Sie es den Leuten, die auch wegen der Portale Bescheid wissen. Ich habe mich so davor gef�rchtet, die falschen Leute k�nnten davon erfahren, dass ich v�llig vergessen habe, die richtigen Leute einzuweihen. Allein schon f�r den Fall, dass mir etwas zust��t.�</p><p>�So verkommen unsere Moral auch ist, war ein Meuchelmord noch nie der richtige Weg, um es in der Allianz-Flotte zu etwas zu bringen.�</p><p>Unwillk�rlich musste Geary lachen. �Tut mir leid. So hatte ich das nicht gemeint. Aber Sie wissen ja, wir befinden uns im Krieg, und da kann schon mal was passieren.�</p><p>�Ja, ich wei�.� Gem�chlich stand Duellos auf und machte eine nachdenkliche Miene. �Die Risiken werden gr��er, und die Verantwortung ruht letztlich allein auf Ihren Schultern. Wie f�hlen Sie sich?�</p><p>�Mies.�</p><p>Duellos nickte. �Wenn es hart auf hart kommt und Sie im Gefecht fallen, dann werde ich in jeder Hinsicht mein Bestes leisten. Bei der Ehre meiner Vorfahren gebe ich Ihnen darauf mein Wort.�</p><p>Geary erhob sich ebenfalls und wollte eine Hand auf die Schulter seines Gegen�bers legen, da fiel ihm eben noch ein, dass er nur eine Projektion vor sich hatte, woraufhin er die Geste nur andeutete. �Daran habe ich nie gezweifelt. Ich danke Ihnen, mein Freund.�</p><p>Duellos salutierte, Geary erwiderte die Geste, dann verschwand das Bild und Geary blieb allein zur�ck.</p></section><section><title><p>Vier</p></title><p>Ganz gleich, wie schlimm es kam, ganz gleich, wie einsam er sich als Befehlshaber der Flotte f�hlte, seine Vorfahren lie�en ihn nie im Stich.</p><p>Als die Flotte schlie�lich den richtigen Punkt im Baldur-System fand und mit Ziel Sendai in den Sprungraum �berwechselte, sa� Geary da und betrachtete das externe Display, das vom unendlichen, mit Sternen �bers�ten Schwarz zum endlosen matten Grau wechselte, durch das hin und wieder vielfarbige Lichter zuckten, die auftauchten und dann wieder verschwanden. Zu Gearys Zeit hatte niemand gewusst, was diese Lichter bedeuteten, und mit der Ankunft des Hypernets war schlie�lich das Interesse am Sprungraum verblasst. Vielleicht war auch die Forschung zur Ergr�ndung dieser Lichter zur�ckgestellt worden, weil der Krieg in wissenschaftlicher, technischer und finanzieller Hinsicht mit allen Mitteln unterst�tzt werden musste.</p><p>Captain Desjani ertappte Geary dabei, wie er auf diese Lichter stierte, und als sie erkannte, dass Geary das bemerkt hatte, schaute sie rasch weg. Kurz nachdem er das Kommando �ber die Flotte �bernommen hatte, war ihm von ihr berichtet worden, viele Matrosen glaubten, Geary sei eines dieser Lichter gewesen. Sie glaubten, sein Geist habe in der ansonsten unver�nderlichen Weite des Sprungraums geruht, bis die Allianz ihn so dringend ben�tigte, dass der legend�re Black Jack Geary zu seinem Volk zur�ckgeholt wurde. Ob sie das jetzt immer noch glaubten? Obwohl sie erfahren hatten, dass Geary in Wahrheit in einer besch�digten Rettungskapsel im K�lteschlaf gelegen hatte, die um einen Stern namens Grendel am Rande des Allianz-Territoriums kreiste, deren Funksignal ausgefallen war und deren Ausr�stung ihn nur mit M�he am Leben erhalten hatte, bis diese Flotte auf ihn gesto�en war?</p><p>Ob er Grendel wohl jemals wiedersehen w�rde? Er sehnte sich nicht allzu sehr danach zur�ck, denn Grendel war ein ziemlich nutzloser Stern, einer von der Sorte, an dem Schiffe und Konvois vorbeigeflogen waren, um wichtigere Ziele zu erreichen. Man hatte ihm erz�hlt, das System sei aufgegeben worden, weil es zu dicht an der Grenze zu den Syndikatwelten lag und weil es dort nichts gab, was zu verteidigen sich gelohnt h�tte. Da fanden sich nur die �berreste von Dutzenden Schlachten, die als einziger Beleg f�r die einstige Anwesenheit von Menschen in diesem System um den Stern kreisten. Ein Teil dieser Tr�mmer hatte zu seinem alten Schiff geh�rt, jenem Schiff, das zerst�rt worden war, als es dem Rest eines auf dem R�ckzug befindlichen Konvois Deckung gab. Viele Angeh�rige seiner Crew waren bei Grendel ums Leben gekommen; er schuldete ihnen zumindest einen Besuch jenes Orts, an dem sie unter seinem Kommando gek�mpft hatten und gefallen waren.</p><p>Bedauerlicherweise waren unter seinem neuen Kommando noch viel mehr Menschen umgekommen, darunter fast sicher sein Gro�neffe, dessen Schiff <emphasis>Repulse</emphasis> zerst�rt worden war, als es der aus dem Syndik-Heimatsystem fliehenden Allianz-Flotte R�ckendeckung gegeben hatte. Vermutlich war Michael Geary jetzt bei den Vorfahren, denen er selbst schon viel zu lange nicht mehr seinen Respekt erwiesen hatte. �Captain Desjani, stellen Sie in der n�chsten Stunde ausschlie�lich Notrufe an mich durch.�</p><p>Sie nickte. Ihr Gesicht verriet die M�digkeit, darin eingegraben von den vielen Stunden, die sie bislang auf der Br�cke verbracht hatte. �Solange wir im Sprung sind, gibt es kaum eine Chance, dass ein Notfall eintritt. Der Sprungraum ist langweilig, aber im Moment klingt das sogar sehr verlockend.�</p><p>Geary wandte sich ab, um die Br�cke der Dauntless zu verlassen, da fiel sein Blick auf den leeren Beobachterplatz. Co-Pr�sidentin Rione sa� �blicherweise in diesem Sessel, selbst wenn sie nur im Sprungraum unterwegs waren. Ich muss herausfinden, was mit ihr los ist. Das h�tte ich schon l�ngst machen sollen, aber solange wir uns im Baldur-System aufgehalten haben, gab es immer eine Ausrede, mit der ich mich davor dr�cken konnte.</p><p>Er verlie� die Br�cke, begab sich jedoch nicht zu seinem Quartier, sondern drang tiefer ins Innere des Schiffs vor. Sein Ziel war eine Reihe von Abteilen, die vor feindlichem Beschuss und Unf�llen sicher waren, da sie so weit von der Au�enh�lle entfernt lagen. Da sich seit Gearys Zeit fast alles ver�ndert hatte, empfand er es als gro�e Erleichterung, dass diese R�umlichkeiten noch immer auf Raumschiffen zu finden waren.</p><p>Matrosen und Offiziere gaben sich besonders viel M�he, ihm zu salutieren, sobald sie ihm in den G�ngen entgegenkamen. Dabei l�chelten sie ihn an und betrachteten ihn mit un�bersehbarer Heldenverehrung. Er erwiderte ihr L�cheln, auch wenn er sie h�tte packen und sch�tteln wollen, um sie dann zu fragen, warum sie einfach nicht einsehen wollten, dass er ein Mensch wie sie und damit genauso fehlbar wie sie war. Er erwiderte auch jeden Salut, bis sein Arm erlahmte und er sich die Frage stellte, ob es tats�chlich eine so gute Idee gewesen war, diese Tradition wiederaufleben zu lassen.</p><p>Ein paar Matrosen hielten sich in der N�he der Gedenkst�tte auf, machten aber sofort Platz, als Geary sich ihnen n�herte. Nachdem er an ihnen vorbeigegangen war, h�rte er die Leute tuscheln. Es gefiel der Crew zu wissen, dass er mit den Vorfahren redete, dass er ihren Rat und ihren Trost so suchte wie auch jeder andere an Bord.</p><p>Geary betrat einen kleinen Raum und zog die T�r hinter sich zu, dann nahm er auf einer Holzbank Platz. Vor ihm befand sich ein Brett, auf dem eine Kerze stand, die er anz�ndete. Dann sa� er eine Weile da und entspannte seinen Geist, w�hrend er darauf wartete, dass die Geister der Vorfahren sich einfanden.</p><p>Schlie�lich begann er zu reden. �Ich danke euch, meine Vorfahren, dass ihr diese Flotte durch ein weiteres feindliches Sternensystem gef�hrt habt. Danke, dass ihr mich bei meinen Entscheidungen unterst�tzt und daf�r gesorgt habt, dass wir bei Baldur keine Verluste erleiden mussten.� Er hielt inne und lie� seine Gedanken an Orte vordringen, die er schon seit einer Weile nicht mehr aufgesucht hatte. �Ich hoffe, Baldur hat sich nicht ver�ndert. Ich m�chte eines Tages diese Welt besuchen, um herauszufinden, ob sie wirklich so ist, wie alle stets behauptet haben. Aber au�er mir gibt es in der Flotte niemanden, der sich daran noch erinnert. F�r alle in dieser Flotte ist Baldur nur ein weiteres feindliches Sternensystem.�</p><p>Wieder machte er eine Pause, damit seine Gedanken weitertreiben konnten. �Ich hoffe, es ist die richtige Entscheidung, den Weg nach Sendai einzuschlagen. Wenn ich mich irre, dann findet bitte einen Weg, es mich rechtzeitig wissen zu lassen. Diese Menschen vertrauen mir� jedenfalls die meisten von ihnen. Ein paar von ihnen glauben� Ach, verdammt, ich habe nicht mal eine Ahnung, was sie glauben. Es ist ja nicht so, als h�tte ich mich um diesen Job gerissen.�</p><p>Er betrachtete das Schott hinter der Kerze und sah vor seinem geistigen Auge die Leere jenseits der Au�enh�lle der <emphasis>Dauntless.</emphasis> �Die Versuchung ist gro�. Ihr wisst, was mir zugefl�stert wird: Sei einfach Black Jack Geary und tu das, was du f�r richtig h�ltst. Es w�re viel einfacher. Ich m�sste niemanden von meinen Pl�nen �berzeugen, ich m�sste ihnen nur sagen, was sie zu tun haben. Ich muss mir immer wieder vor Augen halten, dass ich nicht derjenige bin, der ihrer Meinung nach Black Jack sein muss. Dass ich kein vollkommener Held bin. Wenn ich anfange, mich wie jemand zu verhalten, der ich gar nicht bin, dann k�nnte das nicht nur f�r die Allianz, sondern f�r die gesamte Menschheit in einer Katastrophe enden.�</p><p>Nach einer kurzen Pause fragte er von Zweifeln erf�llt: �Ist das so richtig? Ich kann es gar nicht glauben, dass ich das �berhaupt frage. Aber ist es richtig, wenn ich die Syndiks als Menschen sehe? Ihre Anf�hrer sind grausam, und ihre Kriegsschiffe und ihre anderen bewaffneten Streitkr�fte m�ssen gestoppt werden. Aber wenn ich anfange, alle Syndiks als Ungeheuer zu betrachten, deren Tod ohne Bedeutung ist, w�re das nicht verkehrt von mir? Wenn es auf der anderen Seite des Syndik-Gebiets tats�chlich eine nichtmenschliche intelligente Spezies gibt, die die Menschheit hereingelegt hat, damit sie aus eigenem Antrieb in jedem wichtigen, von Menschen bewohnten Sternensystem eine Bombe von ungeheurer Zerst�rungskraft platziert, m�ssen wir uns dann nicht die guten Dinge vor Augen f�hren, die die Menschheit zusammenhalten? Wom�glich haben wir jetzt einen gemeinsamen Gegner.�</p><p><emphasis>Wom�glich.</emphasis> Dieses Wort hing einen Moment lang in der Luft. �Ich w�nschte, ich w�sste es. Ich kann ja nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob es diese Fremden �berhaupt gibt. Was wollen sie von uns? Welchen Plan verfolgen sie? Kann ich diese Flotte sicher nach Hause bringen, ohne einen Kampf zwischen der Allianz und den Syndikatwelten auszul�sen, der beide Seiten ausl�schen wird?�</p><p>Eine Weile sa� er da und versuchte, an gar nichts zu denken, sondern seinen Geist schweifen zu lassen, um offen zu sein f�r Nachrichten, die f�r ihn bestimmt waren. Doch nichts geschah. Er seufzte und wollte eben aufstehen, da fiel ihm noch etwas ein. �Ich wei� nicht, was mit Victoria los ist. Aber irgendetwas stimmt mit ihr nicht, etwas, wor�ber sie weder mit mir noch mit sonst jemandem reden will. Ich wei�, sie geh�rt nicht zur Familie, doch wenn ich etwas f�r sie tun kann, dann zeigt es mir, falls es euch gestattet ist. Ich wei� wirklich nicht mehr, wie ich zu dieser Frau stehe, aber sie hat anderen Menschen viel gegeben.�</p><p>Er streckte den Arm aus, um die Kerze zu l�schen. Dabei zitierte er die uralten Worte: �Gebt mir Frieden, gebt mir F�hrung, gebt mir Weisheit.�</p><p>Als er den kleinen Raum verlie�, f�hlte er sich deutlich besser.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Bei den Aufzeichnungen, die die Marines in der Bergbaueinrichtung bei Baldur bergen konnten, findet sich einiges interessante Material.�</p><p>Diese Nachricht von Lieutenant Iger aus der geheimdienstlichen Abteilung war nicht sehr aufschlussreich, aber Geheimdienstler machten sich immer einen Spa� daraus, unverst�ndlich und r�tselhaft zu klingen, als w�ssten sie immer etwas mehr als das, was sie einem tats�chlich sagen wollten. In diesem Fall hatte die Methode Erfolg, da sich Geary prompt auf den Weg in die Abteilung machte. �Was haben Sie denn entdeckt?�</p><p>Lieutenant Iger und einer von seinen Petty Officers hielten Geary einen tragbaren Reader hin. �Es ist da drauf, Sir�, erkl�rte Iger.</p><p>Er nahm sich das erste Dokument vor. �Liebe Asira�� Das war ein privater Brief. Er �berflog den Text, dann auf einmal wurde er langsamer. �Wir bekommen nicht die Ersatzteile, die wir brauchen, um alles am Laufen zu halten. Wir m�ssen einen Teil der Ausr�stung ausschlachten, damit der Rest weiterhin funktionst�chtig bleibt� Letzte Woche wurden die Rationen wieder knapp� Es gibt Ger�chte �ber eine neue Welle von Einberufungsbescheiden. Sag mir bitte, dass diese Ger�chte nicht wahr sind� Wann wird dieser Krieg zu Ende sein?�</p><p>Er hob den Kopf. �Stammt das aus den Unterlagen der Sicherheitspolizei dieser Einrichtung? Ich nehme an, der Verfasser dieser Zeilen stand unter Arrest.�</p><p>Iger sch�ttelte den Kopf. �Diese Datei war zum Senden vorgesehen, Sir. Die Sicherheitsleute hatten sie bereits weitergeleitet.�</p><p>�Sie machen Scherze.� Geary betrachtete wieder den Brief. �Ich nehme nicht an, dass Sie mich zu sich gerufen haben, weil Sie mir sagen wollen, dass es auf den Syndikatwelten viel freier zugeht, als man mich hat glauben lassen.�</p><p>Der Lieutenant und der Petty Officer grinsten beide. �Nein, Sir�, antwortete Iger. �Das ist nach wie vor ein Polizeistaat. Aber das ist nur einer von vielen Briefen, die wir alle aus dem Sendespeicher der Syndiks geholt haben, und die meisten von ihnen enthalten ganz �hnliche Aussagen. Wir haben die Namen der Briefeschreiber mit den Dateien verglichen, die die Marines aus der Sicherheitsabteilung geholt haben, und von routinem��igen Eintr�gen abgesehen, liegt gegen diese Leute nichts vor.�</p><p>�Wieso nicht?� Geary hielt den Reader hoch. �Sind das nicht genau die �u�erungen, f�r die man auf den Syndikatwelten ins Arbeitslager geschickt wird?�</p><p>�Richtig, Sir.� Iger war nun wieder ernst. �Zumindest sollte das der Fall sein. Aber allem Anschein nach wurden in dieser Einrichtung offene Klagen geduldet. Entweder waren die Sicherheitskr�fte extrem nachl�ssig, oder die Unzufriedenheit �ber die allgemeine Lage hat ein solches Ausma� angenommen, dass derartige �u�erungen viel zu h�ufig vorkommen, um sie noch zu unterdr�cken.� Er deutete auf den Reader. �Die Dateien aus dieser Einrichtung enthalten auch Briefe von der bewohnten Welt an die Minenarbeiter, die noch nicht zugestellt worden waren. Viele von denen enthalten ganz �hnliche Klagen. Es fehlt an allem, und man macht sich Sorgen, dass mehr Menschen und Ressourcen abgezogen werden, weil der Krieg das erforderlich macht.�</p><p>�Wird die Regierung in diesen Briefen offen kritisiert?� Die wenigen Syndiks, denen Geary seit der �bernahme des Kommandos begegnet war, hatten sich alle davor gef�rchtet, ein falsches Wort zu sagen oder Kritik an ihrer F�hrung zu �ben.</p><p>�Nur in einem, Sir. Die anderen meiden jedes kritische Wort �ber die F�hrung der Syndikatwelten.� Iger tippte ein paar Befehle in den Reader ein. �Hier ist diese eine Ausnahme.�</p><p>Geary las die Zeilen sorgf�ltig. �Was denken sich unsere F�hrer nur? Jemandem m�ssen gravierende Fehler unterlaufen sein. Aber niemand zahlt daf�r, nur du und ich. So kann das nicht weitergehen.� �War der vom Sicherheitsdienst der Anlage markiert worden? Das muss doch der Fall gewesen sein.�</p><p>�Nein, Sir.� Iger konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. �Dieser Brief stammt sogar vom Chef der Sicherheit.�</p><p>�Das ist ein Witz, oder?� Geary sah sich wieder die Zeilen an. �Ist das nicht vielleicht eine F�lschung? Ein Trick, um uns in die Irre zu f�hren?�</p><p>�Soweit wir das beurteilen k�nnen, ist der Brief authentisch, Sir.�</p><p>�Ich habe mich mit den Syndiks unterhalten, die von uns gefangen genommen wurden. Sie haben diese Leute ebenfalls verh�rt. Keiner von denen hat irgendetwas in dieser Art ge�u�ert.�</p><p>�Nicht uns gegen�ber, Sir�, stimmte Iger ihm zu. �Es ist eine Sache, �ber so etwas untereinander zu reden. Aber wenn ein Syndik uns gegen�ber so etwas erw�hnte, dann k�nnte er nach der Heimkehr auch gleich sein eigenes Todesurteil unterschreiben. �Haben Sie der Allianz irgendetwas verraten?� �Was haben Sie zu diesen Leuten gesagt?� Solche Fragen m�ssten sie �ber sich ergehen lassen, und da man vermuten w�rde, dass sie nicht die Wahrheit sagen, w�rde man sie� nun� brutalen Verh�rmethoden unterwerfen. Und anschlie�end h�tten sie eine Anklage wegen Verrats am Hals.�</p><p>Das klang durchaus �berzeugend. �Was halten Sie von der Tatsache, dass die Syndiks untereinander offen �ber die Missst�nde sprechen, Lieutenant?�</p><p>Iger schwieg einen Moment lang und wurde wieder ernst. �Wir haben das durch unsere Sozialanalyse-Systeme laufen lassen und die besagen: Wenn diese Mitteilungen echt sind und zutreffend die �ffentliche Stimmung im Baldur-System wiedergeben, ohne dass sie Bestrafungen oder Festnahmen zur Folge haben, dann steht die politische F�hrung der Syndiks auf t�nernen F��en. Die Belastungen durch den Krieg m�ssen es immer schwieriger machen, die herrschende Unzufriedenheit mit der F�hrungsebene totzuschweigen. In einigen Briefen werden offizielle Verlautbarungen zu Siegen der Syndiks �ber die Allianz diskutiert, und das fast immer in abf�lligem Tonfall. Zugegeben, wir haben es hier mit einem einzelnen, vom Hypernet �bergangenen Sternensystem zu tun. Anderswo kann die Stimmung durchaus abweichen, was die Zahl der F�lle und die Ausdrucksweise angeht, aber es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass es sich bei Baldur um einen Einzelfall handelt.�</p><p>�Bei Sancere haben wir nichts in dieser Art gefunden�, wandte Geary ein.</p><p>�Richtig, Sir. Aber Sancere ist�� oder besser gesagt: <emphasis>war��</emphasis> ein wohlhabendes System mit etlichen milit�rischen Schiffswerften, bevor wir das alles in St�cke geschossen haben. Viele Regierungsauftr�ge, gute Jobs, Ressourcen in rauen Mengen, Anschluss ans Hypernet. Und die meisten Menschen haben in der R�stungsindustrie gearbeitet, sodass sie keine Einberufung zum Milit�rdienst f�rchten mussten. Da hatte kaum jemand einen Grund, sich zu beklagen.� Lieutenant Igers Miene nahm einen entschuldigenden Ausdruck an. �Ich komme aus einem ganz �hnlichen Sternensystem der Allianz. Marduk. Das Leben in einem solchen System ist richtig gut. Und mit Blick auf diesen Krieg ist es da auf jeden Fall besser als anderswo.�</p><p>Geary musterte den Lieutenant. �Trotzdem haben Sie sich der Flotte angeschlossen, anstatt einen dieser krisensicheren Jobs anzunehmen, die Sie vor einer Einberufung sch�tzen?�</p><p>�Ahm� ja, Sir.� Iger warf dem Petty Officer einen fl�chtigen Blick zu, der schon wieder einen Anlass zum Grinsen hatte. �Die Leute rei�en gern Witze, ich sei deswegen auch zum <emphasis>Geheimdienst</emphasis> gegangen, damit niemand etwas von meiner dummen Entscheidung erf�hrt.�</p><p>Diesen Witz h�tte Iger auch vor hundert Jahren rei�en k�nnen, es h�tte keinen Unterschied gemacht. Geary konzentrierte sich wieder auf die Briefe von Baldur. �Was schreiben sie �ber die Allianz?� Sekundenlang herrschte Schweigen, bis Geary die beiden M�nner ansah. �Schreiben sie �berhaupt irgendetwas �ber die Allianz?�</p><p>Iger nickte betr�bt. �In erster Linie wiederholen sie die Syndik-Propaganda, Sir. Einer der letzten Briefe im Speicher wurde verfasst, nachdem unsere Flotte gesichtet worden war, und er ist fast so etwas wie ein Verm�chtnis. Es gibt noch einige Nachrichten mehr, die noch nicht vollst�ndig geschrieben und daher nicht gesendet worden waren. Alle Schreiber gehen davon aus, dass wir alles im Baldur-System ausl�schen werden, dass wir nicht zwischen zivilen und milit�rischen Zielen unterscheiden werden. Sie dr�cken die Sorge um die Sicherheit ihrer Familien aus. Ein Schreiber berichtete von einem Verwandten, der von uns gefangen genommen worden war, und schrieb, er sei von uns ganz bestimmt umgebracht worden. Alles solche Dinge.�</p><p>�Propaganda?�, wiederholte Geary. �Lieutenant, ich wei�, dass Allianz-Streitkr�fte seit einiger Zeit zivile Ziele bombardieren und dass Gefangene hingerichtet werden.�</p><p>Der Offizier schien geschockt zu sein. �Aber das war situationsbedingt, Sir! Es war eine Notwendigkeit. Das war noch nie Allianz-Politik�� ganz im Gegensatz zur Syndik-Politik.�</p><p>�Der Bev�lkerung scheint dieser feine Unterschied nicht deutlich zu sein, Lieutenant.� Geary zeigte auf den Reader. �Diese Leute sind unzufrieden mit ihren F�hrern, aber vor uns haben sie Angst. Ist das eine zutreffende Einsch�tzung?�</p><p>�Ich� Ja, Sir, das ist m�glich.�</p><p>�Was folglich bedeutet, dass die Syndik-Bev�lkerung ihren F�hrern weiterhin den R�cken st�rkt und den Krieg ertr�gt, weil sie vor der Allianz Angst hat. Angst, die wir durch unser eigenes Handeln geschaffen haben.�</p><p>Schlie�lich meldete sich der Petty Officer zu Wort: �Aber, Sir, wir haben diese Dinge nur getan, weil wir es mussten.�</p><p>Geary versuchte, einen Seufzer zu unterdr�cken. �Angenommen, das stimmt zu hundert Prozent, und ich habe keinen Zweifel, dass das Allianz-Personal davon felsenfest �berzeugt ist� Wissen die Syndiks das auch? Oder beurteilen die Bewohner der Syndik-Welten uns nach unserem Handeln, aber nicht nach unseren Rechtfertigungen f�r unser Handeln?�</p><p>�Sir�, sagte Lieutenant Iger, der Geary anstarrte. �Sie haben aufgeh�rt, zivile Ziele zu bombardieren und Gefangene zu t�ten, kaum dass Sie das Kommando �bernommen hatten. In jedem Syndik-Sternensystem, das wir durchquert haben, wei� man jetzt, dass die Flotte mit Ihnen als Befehlshaber keine Bedrohung mehr f�r Heim und Familie darstellt. Woher wussten Sie, wie die Leute denken? Woher wussten Sie, was Sie zu tun hatten?�</p><p>Denk dran, dass der Lieutenant, der Petty Officer, dass jeder Mann und jede Frau in dieser Flotte sein Leben lang nichts anders gekannt hat als den Krieg gegen die Syndiks. Denk dran, dass es ihren Eltern ganz genauso ergangen ist. Denk an die Grausamkeiten, die Vergeltungsschl�ge, die endlosen Provokationen und Racheakte. Denk dran, dass du das nicht durchmachen musstest und dass du kein Recht hast, sie zu verurteilen, nur weil sie anders dar�ber denken. �Was ich getan habe, tat ich, weil es das Richtige war. Mir wurde beigebracht, dass dies das Richtige ist. Es ist das, was unsere Vorfahren von uns verlangen, was unsere Ehre von uns verlangt. Ich wei�, was Sie durchstehen mussten und was die Allianz im Verlauf dieses Krieges erduldet hat. Unter solchem Druck kann man leicht vergessen, warum man eigentlich k�mpft.�</p><p>Der Petty Officer nickte betreten. �So wie Sie es uns bei Corvus gesagt haben, Sir. So wie Sie uns das vor Augen gef�hrt haben. Unsere Vorfahren mussten uns wissen lassen, dass wir den verkehrten Weg eingeschlagen hatten, und deshalb haben sie Sie zu uns geschickt, weil sie wussten, wir w�rden auf Sie h�ren.�</p><p>Na, gro�artig. Er konnte ihnen nicht mal sagen, was sie einmal gewesen waren, ohne gleich zum Gesandten der Vorfahren erkl�rt zu werden.</p><p>Aber in gewisser Weise war er das sogar geworden, indem er ihnen vermittelte, was er vor hundert Jahren von den Vorfahren gelernt hatte.</p><p>Und weil er selbst einer ihrer Vorfahren war. Er dachte nicht gern daran, weil es ihn daran erinnerte, dass seine Welt in der Vergangenheit verschwunden war. Aber es stimmte.</p><p>Lieutenant Iger legte eine Faust auf den Tisch und starrte sie an. �Wir m�ssen die Syndiks davon �berzeugen, dass sich die Zeiten ge�ndert haben. Dass wir nicht l�nger eine gr��ere Bedrohung f�r sie darstellen als ihre eigenen F�hrer. Wir k�nnen sie davon �berzeugen, indem wir es weiter unter Beweis stellen. Richtig, Sir?�</p><p>�Richtig�, best�tigte Geary.</p><p>�Und wenn ihre Moral zu schwinden beginnt und sie einsehen, dass sie sich nicht vor uns, sondern vor ihren eigenen Anf�hrern f�rchten sollten, dann k�nnte das den Zusammenbruch der Syndikatwelten einleiten.�</p><p>�Das ist das Ergebnis, auf das wir nur hoffen k�nnen.� Geary spielte mit dem Reader, den er in den H�nden hielt. �Halten wir die Augen offen, ob wir noch mehr von dieser Sorte finden, und falls Ihre Systeme irgendeine Idee haben, wie wir Nutzen aus der Unzufriedenheit der Syndiks ziehen k�nnen, dann will ich die sofort h�ren.�</p><p>Vielleicht gab es ja tats�chlich einen Silberstreif am Horizont. Die Allianz brauchte nicht darauf zu hoffen, die Syndikatwelten zu besiegen, solange die Syndik-Anf�hrer jederzeit auf die Ressourcen aller angeschlossenen Welten zugreifen konnten. Aber wenn nur ein gewisser Prozentsatz an Welten rebellierte und sich weigerte, Menschen und Ressourcen zur Verf�gung zu stellen, dann w�rde das der Allianz den Vorteil verschaffen, den sie ein Jahrhundert lang vergebens angestrebt hatte.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>W�hrend der sechs Tage, die der Flug nach Sendai in Anspruch nahm, gelang es Victoria Rione, einen gro�en Bogen um Geary zu machen. Der verbrachte die Zeit damit, verschiedene Gefechtsszenarios durchzuspielen, um herauszufinden, wie er den Verlust seiner Schlachtkreuzer vermeiden konnte�� jedes Mal ohne Erfolg. Es gab einfach kein glaubw�rdiges Argument, mit dem sich diese Schiffe aus einem Kampf heraushalten lie�en.</p><p>Er war wieder zur�ck auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless,</emphasis> als die Flotte den Sprungraum verlie�. Die Chancen, dass die Syndiks das Gebiet um den Sprungpunkt vermint hatten oder �berhaupt ahnten, die Allianz-Flotte k�nnte Sendai zum Ziel haben, waren �u�erst gering. Dennoch wollte Geary bereit sein zu reagieren, immerhin war es m�glich, dass die Syndik-F�hrer ins Blaue hinein geraten und dabei einen Gl�ckstreffer gelandet hatten.</p><p>Sein Magen verkrampfte sich, als der Wechsel zur�ck in den Normalraum vollzogen wurde. Das matte Grau des Sprungraums verschwand, und die unendlich vielen Sterne tauchten wieder auf.</p><p>Geary konnte keine Zeit damit vergeuden, die Aussicht zu genie�en, stattdessen erfassten seine Augen das Display und warteten darauf, dass die Sensoren Schiffe oder Minen registrierten.</p><p>�Sieht v�llig leer aus�, stellte Desjani fest. �Nicht mal ein Ein-Mann-Empfangskomitee. Sie hatten recht, Sir. Die Syndiks haben nicht geahnt, dass wir Kurs auf Sendai nehmen w�rden.� Sie warf ihm ein bewunderndes L�cheln zu.</p><p>�Danke�, murmelte Geary voller Unbehagen. �Gibt es nicht mal Satelliten, die das System �berwachen?�</p><p>�Nein, Sir�, meldete ein Wachhabender. �Aus gutem Grund.� Er zeigte auf die Mitte des Displays und machte einen nerv�sen Eindruck.</p><p>Normalerweise war das Display so ausgerichtet, dass sich der jeweilige Stern in der Mitte befand, da er dasjenige Objekt war, das genug Masse besa�, um den Raum ringsum zu verzerren und die Bedingungen zu schaffen, die f�r Sprungpunkte unverzichtbar waren. Sendai war auch einmal ein solcher Stern gewesen. Ein sehr gro�er Stern. Vor vielen Millionen Jahren hatten ihn zweifellos zahlreiche Planeten umkreist.</p><p>Bis er explodierte und zu einer Supernova wurde, die die Planeten ringsum in verkohlte Tr�mmerst�cke verwandelt hatte, ehe sie in sich zusammenfiel und alle Materie, aus der Sendai bestand, immer fester zusammenpresste, bis die Masse einer riesigen Sonne zu einem Materieklumpen von der Gr��e eines kleinen Planeten verdichtet worden war. Dessen Schwerkraft war so gewaltig, dass nicht einmal das Licht ihm entkommen konnte.</p><p>Captain Desjani nickte, dann schluckte sie ebenfalls nerv�s. �Das Schwarze Loch.�</p><p>Dort, wo die �berreste von Sendai weiterhin existierten, war mit dem blo�en Auge nichts zu erkennen. Auf den Displays dagegen waren deutlich zwei eng geb�ndelte Strahlen zu sehen, die aus dem Nord- und dem S�dpol des toten Sterns austraten und ungeheure Strahlung ins All abgaben�� die Todesschreie der Materie, die mit unvorstellbarer Geschwindigkeit in das Schwarze Loch gezogen wurde.</p><p>Geary schaute sich um und stellte fest, dass die gesamte Br�ckencrew gleicherma�en beunruhigt auf ihre Displays starrte. Sie alle hatten unz�hlige Schlachten hinter sich, doch beim Anblick eines Schwarzen Lochs schienen sie Angst zu bekommen. �Fliegen �berhaupt noch Schiffe zu Schwarzen L�chern?�</p><p>Desjani sch�ttelte den Kopf. �Warum sollten sie?�</p><p>Gute Frage. Solange der Sprungantrieb die einzige Fortbewegungsmethode gewesen war, mussten Schiffe jeden Stern anfliegen, der auf dem Weg zu ihrem Zielstern lag. Doch durch das Hypernet war es m�glich geworden, von einem Portal zu einem beliebigen anderen Portal zu fliegen. Sternensysteme mit Schwarzen L�chern�� die genau genommen keine Sternensysteme mehr waren, weil die Schwarzen L�cher gierig alle Materie verschlangen, die zuvor um sie gekreist war�� hatten Schiffen nichts mehr zu bieten und stellten eigentlich nur noch eine Gefahrenquelle dar, da sie unabl�ssig Strahlung ins All abgaben. Selbst Schutzschilde neueren Typs konnten einem derartigen Strahlungsbeschuss nicht lange standhalten.</p><p>Aber trotzdem war es nur ein Schwarzes Loch. Sie w�rden hier nicht verweilen, sondern rasch zum n�chsten Sprungpunkt weiterfliegen und dabei einen gro�en Bogen um die Strahlung an den Polen des Schwarzen Lochs machen. Geary beugte sich zu Desjani hin�ber. �Was ist los?�</p><p>Sie senkte den Blick und erwiderte z�gerlich: �Es� ist unnat�rlich.�</p><p>�Nein, das ist es nicht. Ein Schwarzes Loch ist etwas v�llig Nat�rliches.�</p><p>�So meine ich das nicht.� Desjani atmete tief durch. �Man sagt, wenn man zu lange in ein Schwarzes Loch schaut, dann� dann �berkommt einen das Verlangen, mit dem Schiff zum Ereignishorizont zu fliegen und nachzusehen, was sich auf der anderen Seite befindet. Das, was fr�her der Stern war, ruft einen zu sich, weil es die Schiffe der Menschen genauso verschlingen will wie alle andere Materie.�</p><p>Solche Geschichten hatte er noch nie geh�rt, und dabei waren ihm von den Matrosen, mit denen er seinerzeit als Junioroffizier diente, alle m�glichen Geschichten von mysteri�sen Gefahren erz�hlt worden, die in den eisigen Weiten des Alls Schiffe mitsamt ihren Besatzungen verschlangen. Hundert Jahre waren allerdings eine lange Zeit, um neue Geschichten entstehen zu lassen. �Ich habe nicht viele, aber einige Schwarze L�cher gesehen, doch dieses Verlangen habe ich nie versp�rt.�</p><p>�Ich m�chte wetten, dass in dieser ganzen Flotte niemand au�er Ihnen je ein Schwarzes Loch gesehen hat�, gab sie zur�ck.</p><p>Das Unbekannte. Immer noch der fruchtbarste Boden, um menschliche �ngste gedeihen zu lassen. Als Geary sich umsah und nun wusste, was alle anderen glaubten, da kam es ihm so vor, als k�nnte er ein Ziehen sp�ren, das von der unsichtbaren Masse im Herzen von Sendai ausging. Es war etwas anderes als nur die Schwerkraft, die so ungeheuerlich war, das ihr nicht einmal das Licht entkommen konnte.</p><p>�Darum sind die Syndiks nicht hier�, lie� Desjani pl�tzlich verlauten. �Sie wussten, wenn sie hier versuchen sollten, ein Schiff zu postieren, dann w�rde die Crew eher eine Revolte anzetteln, als sich l�ngere Zeit unmittelbar neben einem Schwarzen Loch aufzuhalten.�</p><p>�Gut m�glich�, sagte Geary und fuhr lauter fort. �Ich habe schon fr�her Schwarze L�cher zu sehen bekommen.� Er merkte, dass alle auf der Br�cke ihm zuh�rten. �Das ist nicht gef�hrlich, solange wir nicht zu nahe kommen. Und das werden wir auch nicht. Bringen wir die Flotte zum n�chsten Sprungpunkt.�</p><p>Dieser Befehl, den Sprung raus aus Sendai zu unternehmen, w�rde wahrscheinlich die einzige Anweisung sein, die sogar seine �rgsten Feinde bedingungslos befolgten.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Verdammt!� Soeben waren drei weitere Schlachtkreuzer der Allianz explodiert.</p><p>Geary schaltete die Simulation ab, indem er gereizt auf die Tasten tippte. Die Taktik, die er diesmal versucht hatte, war ihm von Anfang an ein wenig verr�ckt erschienen, und offenbar war das auch tats�chlich der Fall. Zumindest hatte sie nicht funktioniert. Anstatt das Risiko f�r die Schlachtkreuzer zu verringern, waren die zwischen zwei Fronten aus �berlegenen Syndik-Schiffen geraten und in St�cke geschossen worden. Zugegeben, in der Simulation waren die Syndik-Commander vielleicht kl�ger als die, denen die Allianz-Flotte tats�chlich begegnen w�rde. Aber von Offizieren, die Geary vor hundert Jahren gekannt und respektiert hatte, war er gewarnt worden, bei einem Plan niemals von der Annahme auszugehen, einen dummen Gegner vor sich zu haben. Eine Falle f�r einen schlauen Feind funktionierte weitaus besser als eine f�r einen Feind, der zu dumm war, um das Offensichtliche zu sehen. <emphasis>Jetzt brauche ich nur noch eine solche Falle.</emphasis></p><p>Die T�rglocke wurde bet�tigt und k�ndigte einen Besucher in Gearys Quartier an. Es war Captain Desjani, die eintrat und salutierte. �Wir sind zwei Stunden vom Sprungpunkt nach Daiquon entfernt, Sir. Sie wollten dar�ber informiert werden.�</p><p>�Das ist richtig, trotzdem h�tten Sie daf�r nicht extra herkommen m�ssen.�</p><p>Desjani zuckte mit den Schultern. Ihr war ein gewisses Unbehagen anzumerken. �Sie� Sie wecken Zuversicht, Sir. Sicherlich haben Sie bemerkt, wie sehr es der Besatzung gef�llt, Sie zu sehen, wie Sie so dicht an einem Schwarzen Loch die Ruhe bewahren. Ich kann Ihnen versichern, das hat sich auf jedem Schiff der Flotte herumgesprochen und dazu beigetragen, das Unbehagen der Crewmitglieder zu lindern.�</p><p>�Hm.� Es kam ihm etwas eigenartig vor, daf�r gelobt zu werden, dass er beim Anblick eines Schwarzen Lochs keine Angst bekommen hatte. Tats�chlich war durch den Aberglauben der anderen seinerseits ein wachsender Widerwillen entstanden, das Ding zu betrachten. �Danke, aber ich mache auch keinen Hehl daraus, dass ich mich nicht nach diesem System zur�cksehnen werde, wenn wir es erst einmal hinter uns gelassen haben.�</p><p>�Da geht es Ihnen so wie jedem in dieser Flotte�, erwiderte Desjani und l�chelte fl�chtig. �Tut mir leid, wenn ich Sie gest�rt habe, Sir.�</p><p>�Sie haben mich nicht gest�rt. Ich habe nur eine Simulation laufen lassen, die nicht funktionieren wollte.� Seufzend lehnte er sich in seinem Sessel nach hinten. �Setzen Sie sich. Ich freue mich �ber jede Gelegenheit, mal �ber etwas anderes zu reden als �ber Taktiken, Strategien, Syndiks und den Krieg.�</p><p>Desjani z�gerte kurz, dann kam sie n�her und nahm gegen�ber von Geary Platz, wobei sie eine Habtachthaltung einnahm, wie sie es fast immer machte, wenn sie sich in seinem Quartier aufhielt. �Diese Themen beherrschen das Leben in der Allianz schon l�nger, als ich auf der Welt bin�, r�umte sie ein. �Ich w�sste gar nicht, wor�ber ich reden sollte, wenn wir diese Themen nicht h�tten.�</p><p>�Es gibt andere Themen. Themen, die uns weitermachen lassen, wenn der Krieg das Einzige zu sein scheint, was das Universum zu bieten hat.� Gearys Blick ruhte auf den immer noch fernen Sternen des Allianz-Gebiets. �Was werden Sie unternehmen, wenn Sie nach Kosatka zur�ckkommen, Tanya?�</p><p>Die Frage schien sie zu erschrecken, ihr Blick wanderte ebenfalls zu der Sternenlandschaft. �Meine Heimatwelt�, murmelte sie. �Ich war schon lange nicht mehr dort. Und es gibt keine Garantie, dass ich sie besuchen kann, falls wir� wenn wir zur�ckgekehrt sind.�</p><p>�Ich verstehe. Der Krieg wird nicht aufh�ren, nur weil wir es zur�ck nach Hause schaffen.� Einen Moment lang sa� Geary schweigend da. �Sind Ihre Eltern noch dort?� <emphasis>Leben Ihre Eltern noch?,</emphasis> hatte er eigentlich wissen wollen, doch so unverbl�mt konnte er seine Frage nicht formulieren.</p><p>Sie wusste, was er meinte, und nickte best�tigend. �Sie sind noch beide dort. Mein Vater arbeitet in einer Fabrik, die die Orbitalwerften beliefert. Mutter ist Teil der planetaren Verteidigungsstreitmacht.�</p><p>R�stungsindustrie, sogar auf einem Planeten wie Kosatka, der so weit von der Front entfernt lag. Aber was sollte man nach einem Jahrhundert Krieg auch anderes erwarten? �Was sagen Ihre Eltern dazu, dass Sie Captain eines Schlachtkreuzers sind?�</p><p>Captain Tanya Desjani, die durch Dutzende von Raumschlachten abgeh�rtet worden war, err�tete bei seiner Frage tats�chlich und schaute rasch zur Seite. �Sie� sie sind stolz. Sehr stolz.� Ihr Gesichtsausdruck ver�nderte sich. �Sie kannten die Risiken, die man als Offizier der Flotte in Kauf nimmt. Ich bin mir sicher, sie rechnen schon seit meinem ersten Schiff t�glich damit, eine Benachrichtigung zu erhalten, dass ich im Gefecht gefallen bin. Bislang habe ich dem Tod ein Schnippchen schlagen und sie vor dieser Nachricht bewahren k�nnen. Aber es kann gut sein, dass sie mich jetzt f�r tot halten� so wie den Rest der Flotte.�</p><p>Das veranlasste Geary dazu, das Gesicht zu verziehen. �Das wird die Allianz-Regierung der Bev�lkerung doch bestimmt nicht gesagt haben. Es ist zwar nicht so, als h�tten die Menschen kein Recht, die Wahrheit zu erfahren, aber Regierungen neigen doch zu der Ansicht, dass es ihr gutes Recht ist, anstelle der Wahrheit L�gen zu erz�hlen.� Kurz nachdem er das Kommando �ber die Flotte �bernommen hatte, war er auf die Idee gekommen, sich die offizielle Geschichte des Krieges zu Gem�te zu f�hren. Dabei war deutlich geworden, dass diese Chronik ein gnadenlos positives Bild zeichnete und von den angeblichen Siegen der Allianz �ber die Syndiks berichtete. Unbeantwortet blieb bei alledem die Frage, wieso diese vielen Siege nicht l�ngst dazu gef�hrt hatten, dass die Allianz den Krieg gewann. Das Ganze war dem Unsinn erschreckend �hnlich gewesen, den er zuletzt von dem gefangen genommenen Captain des Handelsschiffs zu h�ren bekommen hatte. Eine Regierung, die die Geschichte so zurechtbog, wie sie ihr am geeignetsten erschien, w�rde nicht so schnell eingestehen, dass ihre Hauptflotte hinter den feindlichen Linien verschwunden und sehr wahrscheinlich komplett ausgel�scht worden war.</p><p>�Sicher�, stimmte Desjani ihm zu. �Aber die Propagandasender der Syndiks h�tten diese Meldung l�ngst verbreitet. Sie lassen vollautomatische Sendereinheiten in angrenzende Sternensysteme springen, damit sie dort ihre L�gen so lange verbreiten, bis sie von unseren Verteidigungseinheiten zerst�rt werden.�</p><p>Geary nickte und konnte sich gut vorstellen, dass die Allianz umgekehrt genau die gleiche Taktik anwandte, um die Syndiks ihrerseits mit Propaganda zu beschallen.</p><p>�Offiziell�, fuhr Desjani fort, �soll niemand wiederholen, was er von den Syndiks zu h�ren bekommt. Aber es spricht sich dennoch herum. Im Gegensatz zu den Syndiks k�nnen die B�rger der Allianz immer noch frei ihre Meinung �u�ern, und sie glauben auch nicht alles, was Politiker erz�hlen.� Sie zuckte mit den Schultern und machte eine d�stere Miene. �Meine Eltern haben bestimmt geh�rt, dass die Syndiks behaupten, unsere Flotte sei tief in ihrem Territorium aufgerieben worden. Den Syndiks werden sie nicht glauben, aber offizielle Dementis der Allianz-Regierung werden f�r sie auch kein Trost sein. Sie sind zweifellos besorgt um mich.�</p><p>�Das tut mir leid.� Die Worte waren eigentlich zu wenig f�r das, was Geary ausdr�cken wollte, doch in diesem Moment wollte ihm einfach nichts Angemesseneres einfallen. �Dann werden sie sicher umso erfreuter sein, wenn Sie nach Hause kommen.�</p><p>Desjani grinste breit. �Oh ja, das werden sie.� Dann warf sie ihm einen fast sch�chternen Blick zu. �Und wenn sich auf meiner Heimatwelt herumspricht, dass Black Jack Geary an Bord meines Schiffs war, dass er die Flotte von meiner Br�cke aus befehligt hatte, w�hrend er uns gegen jede Chance nach Hause f�hrte, dann werden sie die ber�hmtesten Menschen auf ganz Kosatka sein. Davon bin ich �berzeugt.�</p><p>Geary lachte, um seine Verlegenheit zu �berspielen. �Ich habe mit dem Gedanken gespielt, nach unserer R�ckkehr nach Kosatka zu reisen.� Ihm fiel ein, was Victoria Rione einmal zu ihm gesagt hatte: <emphasis>Kosatka ist nicht Ihre Bestimmung, Captain Geary.</emphasis> �Um diese Welt zu besuchen�, schob er erkl�rend nach.</p><p>�Tats�chlich?� Desjani war beeindruckt.</p><p>�Ich sagte Ihnen ja, dass ich mal dort gewesen bin. Vor langer Zeit.� Geary hielt sich davon ab, sich mit der flachen Hand gegen die Stirn zu schlagen, weil er solchen Unsinn redete. In seinem Leben gab es kaum etwas, das nicht unter die Rubrik �Vor langer Zeit� fiel. �Ich h�tte nichts dagegen, dort noch einmal hinzureisen.�</p><p>�Seit damals d�rfte sich viel ver�ndert haben, Sir.�</p><p>�Ja, ich sch�tze, ich werde einen Fremdenf�hrer ben�tigen.�</p><p>Desjani z�gerte. �Wir k�nnten� Ich meine� Wenn Sie mitkommen wollen, wenn ich� Also ich meine��</p><p>�Das klingt gut�, gab er zur�ck. �Vielleicht werde ich darauf zur�ckkommen.� Ein vertrautes Gesicht an seiner Seite zu haben, w�re sicher nicht verkehrt. Und er hatte bereits �berlegt, wie er sich wohl f�hlen w�rde, wenn er diese Flotte nach Hause gebracht und sie verlassen hatte, nachdem er seiner Pflicht und noch einigem mehr nachgekommen war. Denn das, was zun�chst eine Ansammlung seltsamer Schiffe und fremder Menschen war, wandelte sich zusehends zu etwas, das er als <emphasis>seine</emphasis> Flotte bezeichnen konnte. Bev�lkert wurde sie von Menschen, die er inzwischen kannte und in einigen F�llen mochte und bewunderte. Nachdem er gesehen hatte, wie die Crews der <emphasis>Dauntless, Daring</emphasis> und <emphasis>Diamond</emphasis> nicht von der Stelle wichen, als das Hypernet-Portal bei Sancere kollabierte, da hatten der Mut und die Hingabe dieser Matrosen bei Geary Stolz und Bewunderung erwachen lassen. Wollte er das tats�chlich eintauschen gegen ein Leben auf einer zivilen Welt, wo er noch schwieriger der Anbetung entkommen w�rde, die Black Jack Geary bei den Menschen ausl�ste?</p><p>Sollte er sich �berhaupt solche Fragen stellen? Nach der R�ckkehr ins Allianzgebiet w�rde er das Kommando �ber diese Flotte nicht behalten k�nnen. Da war nicht nur das Problem, dass er sich den Anforderungen an diese Position nicht gewachsen f�hlte. Er f�rchtete auch, Victoria Rione k�nnte recht behalten, was die Versuchungen anging, mit denen er sich dann konfrontiert sehen w�rde. Black Jack Geary, der mythische Held, auferstanden von den Toten, um die Allianz zu retten, die Flotte unter seinem Kommando. Ganz gleich, was er haben wollte, er w�rde es bekommen. Er musste nur die Hand ausstrecken und zugreifen.</p><p>�Sir?�, fragte Desjani und betrachtete ihn r�tselnd. �Habe ich etwas Verkehrtes gesagt?�</p><p>�Was? Oh, nein. Das tut mir leid. Ich musste nur gerade an etwas denken.� Er l�chelte sie aufmunternd an. �Kommen Sie, wir gehen auf die Br�cke und bereiten uns darauf vor, von Sendai Abschied zu nehmen.�</p><p>Jeder auf der Br�cke vermied es ganz bewusst, auf das Display zu sehen, auf dem das Schwarze Loch alles dominierte. Als Geary dazukam, fiel ihm auf, dass von allen Seiten Blicke auf ihn gerichtet waren, in denen sich Hoffnung und Vertrauen vermischten. So wie Desjani, hielten auch sie ihn offenbar f�r eine Art Talisman, der sie vor dem D�mon im Inneren des Schwarzen Lochs besch�tzen konnte.</p><p>Zu schade, dass <emphasis>er</emphasis> keinen Talisman hatte.</p><p>Noch eineinhalb Stunden, bis die Flotte den Sprungpunkt erreichte. Geary nahm sich einen Moment Zeit, um seine Gedanken zu ordnen, dann tippte er auf die Kontrollen, damit er sich an die ganze Flotte wenden konnte. Sobald sie sich im Sprungraum befanden, w�rde die Kommunikation von Schiff zu Schiff nur noch eingeschr�nkt m�glich sein, da Nachrichten dann lediglich ein paar Worte umfassen konnten. Aber es waren mehr als nur ein paar Worte, die Geary an die Flotte richten wollte, also musste er das tun, solange sie sich noch im Normalraum befanden�� sofern man den Raum in der unmittelbaren N�he eines Schwarzen Lochs als normal bezeichnen konnte.</p><p>�An alle Schiffe der Allianz-Flotte, hier spricht Captain Geary�, begann er in bewusst ruhigem Tonfall. �Wir wissen nicht, was uns in Daiquon erwartet. Die Syndiks haben nicht damit gerechnet, dass wir nach Sendai kommen w�rden, aber mittlerweile d�rften sie wissen, dass wir keines der anderen Systeme angeflogen haben, die von Baldur aus erreicht werden konnten. Es kann also sein, dass sie rechtzeitig Daiquon als unser wahrscheinlichstes n�chstes Ziel ausgemacht haben, sodass ihnen Zeit genug geblieben sein k�nnte, um ihre Streitkr�fte �ber das Hypernet dort in Stellung zu bringen. Ich will, dass alle Schiffe gefechtsbereit sind, wenn wir bei Daiquon den Sprungraum verlassen. Es kann sein, dass wir dort sofort in K�mpfe verwickelt werden, und falls man uns erwartet, will ich, dass die Syndik-Kriegsschiffe von uns mit solcher Geschwindigkeit in die Sonne von Daiquon getreten werden, dass sie nicht mal Zeit haben zu �berlegen, was gerade passiert ist.� Er machte eine kurze Pause und �berlegte, wie er seine �bertragung am besten beenden sollte. �Auf die Ehre unserer Vorfahren.�</p><p>Danach waren sie alle zum Warten verdammt. Geary vertrieb sich die Zeit, indem er einmal mehr den Flottenstatus �berpr�fte. Die Hilfsschiffe hatten im Eiltempo neue Brennstoffzellen und Munition produziert, als wollten die Ingenieure die Fehler ausb�geln, die zur Knappheit an Spurenelementen gef�hrt hatten. Aber auch ohne diesen Nachschub befanden sich die Kriegsschiffe der Flotte in einem guten Zustand, um in ein Gefecht zu ziehen, falls die Syndiks bei Daiquon warteten. Ausnahmen waren nat�rlich die <emphasis>Orion,</emphasis> die <emphasis>Majestic</emphasis> und die <emphasis>Warrior.</emphasis> Der gr��te Teil der bei Sancere erlittenen Sch�den war jedoch inzwischen repariert worden, und die <emphasis>Leviathan, Steadfast, Dragon</emphasis> und <emphasis>Valiant</emphasis> waren wieder voll einsatzf�hig.</p><p>Falls die Syndiks bei Daiquon auf sie warteten, war diese Flotte gewappnet.</p><p>�Captain Geary�, unterbrach Desjani seine �berlegungen, �die Flotte hat den Sprungpunkt nach Daiquon erreicht.�</p><p>�Gut, dann nichts wie weg von hier.� Wieder tippte er auf die Kommunikationstasten. �An alle Schiffe der Allianz-Flotte, wir springen jetzt nach Daiquon.�</p><p>Als die Flotte in den Sprungraum �berwechselte und das Schwarze Loch namens Sendai von den Displays verschwand, war die Erleichterung an Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> so �berw�ltigend, dass es Geary fast so vorkam, als h�tte das Schiff selbst beruhigt aufgeatmet.</p><p>Vier Tage und ein paar Stunden bis Daiquon. Victoria Rione schaffte es, Geary die ganze Zeit �ber aus dem Weg zu gehen. Also arbeitete er weiter an Simulationen, die ihn aber nur frustrierten, da seine Schlachtkreuzer ein ums andere Mal explodierten.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Die Syndiks waren in Daiquon.</p><p>Genau vor dem Sprungpunkt.</p><p>Beim Anblick der Symbole f�r die feindlichen Schiffe, die urpl�tzlich auf dem Display des Sternensystems auftauchten, konzentrierte sich Geary zuerst auf zwei Schlachtschiffe und zwei Schlachtkreuzer, die offenbar vor dem Sprungpunkt ihre Kreise zogen.</p><p>�Die legen Minen!�, warnte Desjani.</p><p>Und die Flugbahn der Allianz-Flotte f�hrte zum Teil in den Bereich, der bereits vermint war. Geary errechnete das Ausweichman�ver im Kopf. �Alle Einheiten der Allianz-Flotte: Man�ver sofort ausf�hren. Drehen Sie nach Steuerbord vier null Grad, nach oben zwei null Grad.� Er drehte sich zu den Wachhabenden auf der Br�cke um. �Zeigen Sie eine Markierung des Minenfelds auf dem Kurs an, dem diese Syndik-Schiffe gefolgt sein m�ssen!�</p><p>Vier gro�e Kriegsschiffe. Gearys Augen huschten �ber das Display, um den Rest der Syndik-Streitmacht zu erfassen. Drei Schwere und f�nf Leichte Kreuzer, ein Dutzend Syndik-J�ger. Vermutlich hatte man sie hergeschickt, damit sie die Sprungpunkte verminten, danach w�ren dann einige leichte Einheiten zur�ckgeblieben, um eine Meldung abzusetzen, falls die Allianz-Flotte in dieses System geflogen kam. Aber die Syndiks waren zu langsam gewesen, weshalb das Minenfeld erst teilweise ausgelegt worden war. Die Kriegsschiffe stellten an sich keine Bedrohung f�r die Allianz-Flotte dar, wenn Geary genug Zeit gehabt h�tte, einen Angriffsplan auszuarbeiten. Doch so befand sich die feindliche Flotte unmittelbar vor ihnen, und beide Formationen schoben sich zu einem Wirrwarr ineinander, ohne dass Zeit blieb, sich die beste Vorgehensweise zu �berlegen. �An alle Schiffe: Er�ffnen Sie das Feuer auf die Syndik-Kriegsschiffe in Ihrer unmittelbaren N�he!�</p><p>Ein Zerst�rergeschwader war soeben aus dem Sprungpunkt gekommen und praktisch auf dem Scho� der zwei Kriegsschiffe gelandet. Die Zerst�rer drehten hektisch bei und feuerten ihre wenigen Waffen ab, die wirkungslos an den massiven Schilden der feindlichen Kriegsschiffe verpufften. Die Syndiks erwiderten das Feuer, ihre Geschosse fra�en sich m�helos durch die vergleichsweise schwachen Schilde und bohrten sich durch die d�nne Panzerung der Zerst�rer. Die <emphasis>Kheten</emphasis> verging unter dem Sperrfeuer in einer Explosion, die <emphasis>Epee</emphasis> wurde in St�cke gerissen, die in verschiedene Richtungen davontrieben.</p><p>Die restlichen Zerst�rer entgingen nur dadurch ihrer Vernichtung, dass ein Allianz-Geschwader aus Leichten Kreuzern aus dem Sprungraum kam und den Syndik-Kriegsschiffen geradewegs in die Arme flog. Die feindlichen Schiffe verlagerten ihr Feuer gierig auf die neuen Ziele, sodass die <emphasis>Glacis</emphasis> in Fetzen geschossen wurde und die <emphasis>Aegis</emphasis> sowie die <emphasis>Hauberk</emphasis> schwere Treffer einstecken mussten.</p><p>Mittlerweile waren aber die Schweren Kreuzer und die Schlachtkreuzer der Allianz in Reichweite gekommen, deren Schilde stark genug waren, feindlichem Beschuss standzuhalten, und deren Feuerkraft ausreichte, das Kr�fteverh�ltnis augenblicklich zum Nachteil der Syndiks zu kippen.</p><p>Sechs Syndik-Zerst�rer hatten die Schlachtschiffe eskortiert, aber gleich f�nf von ihnen wurden ausgel�scht, als ein Schwarm Allianz-Zerst�rer um die schweren Schiffe herumgeschossen kamen und die leichteren feindlichen Zerst�rer ins Visier nahmen. Der letzte feindliche Zerst�rer bem�hte sich noch, die Flucht anzutreten, doch die Zeit reichte nicht zur Beschleunigung, bevor die Treffer ihn zerfetzten. Zwei Leichte Kreuzer versuchten, sich hinter den Schlachtschiffen zu verstecken, gerieten dabei aber zwischen drei Divisionen von Schweren Kreuzern der Allianz, die ihnen ein schnelles Ende bereiteten. Der einzelne Schwere Kreuzer der Syndiks wurde mit Tulevs kompletter Division aus Schlachtkreuzern konfrontiert und durch eine einzige Salve der riesigen Allianz-Schiffe zerst�rt.</p><p>�Erste, Zweite und Vierte Schlachtkreuzerdivision�, meldete sich Geary zu Wort. �Ignorieren Sie die Syndik-Schlachtschiffe und greifen Sie stattdessen die feindlichen Schlachtkreuzer und ihre Eskorten an.� Er betrachtete das Display und �berlegte, wen er noch wohin beordern sollte. �Zweite, F�nfte und Siebte Schlachtschiffdivision, Sie nehmen sich die Syndik-Schlachtschiffe vor. Alle Schweren Kreuzer versuchen, die verbliebenen Eskorten rings um die gegnerischen Schlachtkreuzer zu attackieren. Alle leichteren Allianz-Einheiten: Sie feuern auf jedes Ziel, das sich Ihnen bietet.� Hier ging es weniger um Taktik als vielmehr darum, die feindliche Streitmacht so schnell wie m�glich zu �berrennen. In diesem Moment erschien ihm das als die beste Vorgehensweise.</p><p>Au�erdem musste er verhindern, dass die Syndiks einen Verzweiflungsschlag gegen sie unternahmen. �Achte und Zehnte Schlachtschiffdivision, Sie bewachen die Hilfsschiffe. Sorgen Sie daf�r, dass der Feind nicht bis zu ihnen vordringt.� Er wusste nicht, ob all diese Schiffe im Eifer des Gefechts seine Befehle befolgen w�rden, aber selbst wenn nur ein paar entsprechend reagierten, w�rde das schon f�r gen�gend Schutz sorgen.</p><p>Elf Allianz-Schlachtkreuzer drehten bei und nahmen Kurs auf die beiden Syndik-Schlachtkreuzer, gefolgt von einem Gewirr aus Schweren Kreuzern sowie Leichten Kreuzern und Zerst�rern. �Beschleunigen auf 0,1 Licht�, befahl Captain Desjani. �Nach oben null f�nf Grad, backbord null vier Grad. Alle Waffen auf die vorderen Syndik-Schlachtkreuzer ausrichten. Bereit machen zum Abfeuern der Phantome.�</p><p>Zur gleichen Zeit steuerten die elf Schlachtschiffe der Zweiten, F�nften und Siebten Division auf die Syndik-Schlachtschiffe zu. Geary sah, wie die beiden �berlebenden und gefechtsbereiten Schlachtschiffe der Vierten Division ebenfalls Kurs auf den Feind nahmen, aber er unternahm nicht den Versuch, ihnen dieses Vorhaben zu verbieten. Die <emphasis>Vengeance</emphasis> und die <emphasis>Revenge</emphasis> hatten mit den Syndiks noch eine Rechnung offen, da sie bei Vidha die <emphasis>Triumph</emphasis> zerst�rt und die <emphasis>Warrior</emphasis> schwer besch�digt hatten.</p><p>Dreizehn Schlachtschiffe jagten den Syndiks entgegen, aber die Entfernung war zu gering, um die Phantome einsetzen zu k�nnen. Stattdessen feuerten die vordersten Allianz-Schiffe Kart�tschen ab. Die Metallkugeln schlugen in die feindlichen Schilde ein, dann er�ffneten die Schlachtschiffe der Allianz von drei Seiten gleichzeitig das Feuer und lie�en H�llenspeere auf den Feind niederprasseln. Die geschw�chten Schilde der Syndik-Schlachtschiffe flammten bei jedem Treffer grell auf und brachen fast augenblicklich zusammen, sodass sich die H�llenspeere durch die Panzerung ins Innere der Schiffe fressen konnten. L�cher wurden in die Au�enh�lle gebohrt, und w�hrend die Kriegsschiffe unter den Treffern erzitterten, entwich die Atmosph�re explosionsartig ins All.</p><p>Die <emphasis>Vengeance</emphasis> und die <emphasis>Revenge</emphasis> flogen in geringer Entfernung vorbei und feuerten ihre Null-Feld-Projektoren ab. Die gl�henden Kugeln dieser Null-Felder ber�hrten die H�llen der Syndik-Schiffe und l�sten die Molekularstruktur aller Materie auf. Ganze Abschnitte der feindlichen Schiffe schienen f�rmlich zu verschwinden, sodass klaffende L�cher im Rumpf entstanden.</p><p>Die beiden Syndik-Schlachtkreuzer h�tten wohl noch die Flucht antreten k�nnen, doch ihre Commander z�gerten offensichtlich und verurteilten damit die Schiffe zum Untergang. �Phantome Feuer frei�, befahl Desjani. Als die <emphasis>Dauntless</emphasis> eine Raketensalve abfeuerte, folgten die anderen Schlachtkreuzer diesem Beispiel und jagten einen Schwarm selbstlenkender Geschosse los, die auf die feindlichen Schiffe zuhielten und beschleunigten.</p><p>Die Syndiks erwiderten das Feuer, w�hrend die �berlebenden J�ger und Leichten sowie Schweren Kreuzer sich sch�tzend zwischen die Allianz-Geschosse und die Syndik-Schlachtkreuzer schoben. Trotz der Ausweichman�ver und der hohen Geschwindigkeit flammten zahlreiche Phantome auf und starben kurz vor ihrem Ziel. Doch indem sie ihr ganzes Feuer auf die Phantome konzentrierten, lie�en die Syndiks es zu, dass die leichteren Allianz-Schiffe beinahe in Feuerreichweite gelangten.</p><p>J�ger wurden unter dem Beschuss durch Zerst�rer und Leichte Kreuzer der Allianz in Feuerb�lle verwandelt, w�hrend die drei Leichten Kreuzer der Syndiks vom Feuer der Schweren Kreuzer eingeh�llt wurden.</p><p>Dann waren die Allianz-Schlachtkreuzer nahe genug, um ihre H�llenspeere einzusetzen. Der vorderste Syndik-Kreuzer schien zu gl�hen, da die Schilde einen Treffer nach dem anderen einstecken mussten. Schlie�lich brachen die Schilde zusammen, und die H�llenspeere zerschossen das Schiff selbst.</p><p>Geary hielt gebannt den Atem an und versuchte, sich nicht seine Sorge anmerken zu lassen, w�hrend Desjani die Dauntless, die Daring und die Victorious dicht an dem getroffenen Syndik-Schlachtkreuzer vorbeifliegen lie�, um ihn mit Null-Feldern zu beschie�en. Da mache ich mir erst Gedanken, wie ich meine Schlachtkreuzer sch�tzen kann, und jetzt schicke ich sie mitten ins schlimmste Gew�hl, angef�hrt von dem einen Schiff, das ich unter keinen Umst�nden verlieren darf. Wenn die Dauntless zerst�rt wird, dann verlieren wir damit auch den Hypernet-Schl�ssel, der sich an Bord befindet. F�r dieses Problem muss ich mir irgendeine L�sung einfallen lassen.</p><p>Nat�rlich stellte der f�hrende Syndik-Schlachtkreuzer keine Bedrohung mehr dar. Die Null-Felder in Verbindung mit dem Trommelfeuer aus H�llenspeeren hatten das Schiff l�ngst in ein treibendes Wrack verwandelt, aus dem in Sch�ben Rettungskapseln ausgesto�en wurden, als die �berlebenden Crewmitglieder bem�ht waren, irgendwie in Sicherheit zu gelangen.</p><p>Geary suchte nach dem zweiten feindlichen Schlachtkreuzer und musste zu seinem Schrecken feststellen, dass dessen Commander Kurs auf die Hilfsschiffe genommen hatte.</p><p>�Er hat keine Chance�, versicherte Desjani ihm.</p><p>Als sich der Kreuzer seinen Weg durch die Allianz-Formation bahnte, musste er Treffer um Treffer einstecken. Jeder einzelne dieser Treffer f�gte ihm nur geringe Sch�den zu, aber die summierten sich, w�hrend er weiter in dem Bem�hen beschleunigte, die Zielerfassungssysteme seiner Gegner zu verwirren. Doch da Zeit und Entfernung nicht gen�gten, um eine ausreichend hohe Geschwindigkeit zu erreichen, fanden mehr und mehr Geschosse ins Ziel. Der Schlachtkreuzer glitt an der <emphasis>Illustrious</emphasis> und der <emphasis>Incredible</emphasis> vorbei und geriet ins Trudeln, als die beiden Schiffe seine Backbordseite unter Dauerbeschuss nahmen.</p><p>Der Schlachtkreuzer flog scheinbar unbeirrt weiter, w�hrend eine Salve nach der anderen auf ihn niederprasselte.</p><p>Als er schlie�lich die Schiffe der Zehnten Schlachtschiffdivision einholte, hatte er bereits so viele Treffer einstecken m�ssen, dass er vermutlich nur noch blindlings drauflos flog und aufgrund zerst�rter Sensoren ebenso blindlings um sich feuerte, ohne noch einen Treffer zu landen. Nur der Hauptantrieb am Heck war einigerma�en unversehrt geblieben, sodass das fliegende Wrack es tats�chlich noch schaffte, auf �ber 0,1 Licht zu beschleunigen.</p><p>Die <emphasis>Amazon</emphasis> und die <emphasis>Guardian,</emphasis> die der Flugbahn des Kreuzers am n�chsten waren, feuerten Kart�tschensalven ab, die durch ihr eigenes Tempo mit einer kombinierten Geschwindigkeit von fast 0,2 Licht in den Rumpf einschlugen.</p><p>Die vordere H�lfte des Schlachtkreuzers wurde f�rmlich zermahlen, der Rest sch�ttelte sich, als er �ber die eigenen Wrackteile flog. Dann zerbrach er in ein breit gestreutes Feld aus Tr�mmerst�cken, von denen ein paar wirkungslos von den Schilden der <emphasis>Amazon</emphasis> und der <emphasis>Guardian</emphasis> abprallten.</p><p>Desjani seufzte. �Die gesamte Besatzung des Kreuzers muss umgekommen sein.�</p><p>�So etwas kann niemand �berlebt haben�, stimmte Geary ihr zu.</p><p>�Zu schade.� Sie drehte sich zu ihm um. �Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich wirklich einem Syndik gegen�bertreten. Und zwar dem Commander dieses Schiffs, der so tapfer gek�mpft hat.� Nichts erinnerte mehr an die Desjani, die Geary bei ihrer ersten Begegnung kennengelernt hatte, eine Frau, f�r die ein Syndik ein unmenschlicher Feind war, dem man nur Verachtung entgegenbringen konnte. �Aber nat�rlich ist es besser, dass er tot ist�, erg�nzte sie wie selbstverst�ndlich. �Es w�rde mir nicht gefallen, einen solchen Syndik am Leben zu lassen.�</p><p>�Sie wollen einen Syndik-Offizier, den Sie respektieren, nicht leben lassen?�, fragte Geary erstaunt.</p><p>Sie zog die Augenbrauen zusammen. �Den ich respektiere? Ich k�nnte doch keinen Syndik respektieren, Sir. Wie k�nnte irgendjemand dazu f�hig sein? Allerdings ist dieser Syndik ehrenvoll gestorben. Ich h�tte nur gern gewusst, wie ein solcher Syndik ist.�</p><p>Geary zuckte mit den Schultern. �Im Moment ist er so wie die anderen tot. In kleine St�cke gerissen, ganz so wie seine Kameraden und ihr Schiff.�</p><p>�Ja, Sir.� Desjani l�chelte ihn an.</p><p>Vielleicht hatte sie sich doch nicht ganz so sehr ver�ndert. Andererseits war Desjani auch das Kind einer Zeit, die hundert Jahre Krieg erlebt hatte, hundert Jahre Austausch von Grausamkeiten. Der Feind war ihr so fremd wie die unbekannte Intelligenz, von der Geary vermutete, dass sie hinter dem Syndik-Gebiet zu Hause war. �Dann wollen wir diese Flotte mal wieder sortieren. An alle Einheiten: Sie haben gut gek�mpft.�</p><p>Sein Blick wanderte zum Display, wo in einer Ecke in roter Schrift die Verluste aufgef�hrt wurden: zwei Zerst�rer und drei Leichte Kreuzer. Viele Schiffe mehr waren in diesem Gefecht besch�digt worden, manche Zerst�rer so schwer, dass eine Reparatur vielleicht nicht m�glich war und sie hier zur�ckgelassen werden mussten. Au�erdem hatte mindestens ein Schwerer Kreuzer massive Sch�den davongetragen. �Formation Delta-Eins einnehmen, ausgenommen die Schiffe, die mit der Bergung von Rettungskapseln der Allianz besch�ftigt sind.� Er musste wissen, welche Kriegsschiffe so schwer besch�digt waren, dass sie sich zur�ckfallen lassen mussten, damit die Hilfsschiffe leichter die notwendigen Reparaturen ausf�hren konnten. Zusammen mit den Schlachtschiffen <emphasis>Orion, Majestic</emphasis> und <emphasis>Warrior</emphasis> konnten sie dann eine Formation der Kriegsversehrten bilden.</p><p>Geary schaltete auf interne Kommunikation um und rief die Geheimdienstabteilung. �Finden Sie heraus, ob in irgendeiner Syndik-Rettungskapsel hochrangige Offiziere unterwegs sind.� Er musste erfahren, was die Syndiks vorhatten und wie der Krieg entlang der Grenze zur Allianz verlief. Angesichts der Tatsache, dass die Syndiks davon besessen waren, so viel wie m�glich geheimzuhalten und ihre eigenen Offiziere an der kurzen Leine zu f�hren, musste Geary davon ausgehen, dass er keine Antworten auf seine Fragen erhalten w�rde, selbst wenn sie auf den Commander der gesamten Streitmacht sto�en sollten. Aber je l�nger Geary blindlings entscheiden musste, umso mehr machten ihm diese Unklarheiten zu schaffen. Wie lange konnte er noch einem Feind aus dem Weg gehen, wenn er so gut wie nichts dar�ber wusste, wo der sich gerade aufhielt?</p><p>W�re die Allianz-Flotte einen halben Tag sp�ter nach Daiquon gekommen, dann w�re sie geradewegs in ein fertiggestelltes Minenfeld gleich vor dem Sprungpunkt gerast, und die Syndik-Schiffe h�tten entkommen k�nnen, um ihrem Oberkommando zu melden, welchen Weg die Allianz-Schiffe genommen hatten.</p><p>Jeder Ansatz von Freude �ber den errungenen Sieg war wie weggeblasen, als Geary auf die Namen der toten Schiffe und auf die Liste der verletzten oder gefallenen Crewmitglieder an Bord der anderen Schiffe schaute. Es war ein kleiner Sieg, den sie sich teuer erkauft hatten.</p></section><section><title><p>F�nf</p></title><p>Eigentlich hatte die Durchquerung des Daiquon-Systems zum Sprungpunkt nach Ixion f�nfeinhalb Tage in Anspruch nehmen sollen. Bei den f�nf nennenswerten Objekten im Orbit um den Stern Daiquon handelte es sich um vier Felsbl�cke, die kaum die Gr��e von Planeten erreichten, sowie einen Superriesen, dem es nur knapp an der n�tigen Masse fehlte, um selbst das Kernfusionsfeuer eines Sternes gez�ndet zu haben. Die kleine Syndik-Einrichtung, die sich auf einem der Felsbrocken fand, war komplett kalt und wahrscheinlich vor langer Zeit eingemottet worden. Es gab also keinen Grund, l�nger als unbedingt n�tig hier zu verharren.</p><p>Allerdings war der Schwere Kreuzer <emphasis>Brilliant</emphasis> so stark besch�digt worden, dass Geary die gesamte Formation langsamer weiterfliegen lie�, w�hrend der Hauptantrieb des Schiffs in aller Eile repariert wurde. Die einzige Alternative h�tte darin bestanden, die <emphasis>Brilliant</emphasis> zur�ckzulassen, doch dazu war Geary nicht bereit.</p><p>Keine andere Wahl blieb ihm dagegen bei den Zerst�rern <emphasis>Sword-Breaker</emphasis> und <emphasis>Machete.</emphasis> Beide waren so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass man sie nur in einer gro�en Werft h�tte reparieren k�nnen. Geary hatte die Besatzungen auf andere Schiffe umverteilt, und der Antrieb der Zerst�rer war auf �berhitzung eingestellt worden, sodass die Schiffe sich in langsam ausbreitende Tr�mmerfelder verwandelten. Die Offiziere und Matrosen wurden anderswo dringend gebraucht, dennoch versetzte es der Moral einen Stich, dass sie zwei Schiffe aufgeben mussten.</p><p>Einige Zerst�rer, drei Leichte Kreuzer und ein Schwerer Kreuzer hatten sich den drei Schlachtschiffen anschlie�en m�ssen, die ihre eigene Division aus schwer besch�digten Kriegsschiffen bildeten. Geary versuchte, den Stolz der Besatzung zu wahren, indem er sie offiziell zur Eskorte der Hilfsschiffe erkl�rte, dennoch f�rchtete er, dass die Unzufriedenheit dar�ber, so weit von der Frontlinie entfernt zu sein, auf lange Sicht zu weiteren Problemen f�hren w�rde. <emphasis>Sie werden ver�rgert sein, auch wenn es die einzig sinnvolle Entscheidung ist. Aber was ist bei einem Krieg schon als sinnvoll zu bezeichnen?</emphasis></p><p>Geary schloss die Augen und versuchte, die Bilder von sterbenden Raumschiffen, die ihre Besatzungen mit in den Tod rissen, aus seinem Kopf zu verdr�ngen. In seiner Kabine war alles ruhig, nur leise Ger�usche aus der Ferne verrieten, dass die <emphasis>Dauntless</emphasis> ein lebendiges Schiff war, und spendeten ihm auf ihre Weise Trost. L�ftungssysteme summten, w�hrend sie gek�hlte Luft im Schiff verteilten, Fl�ssigkeiten wurden nach hier und dort gepumpt, leise, kaum wahrnehmbare Stimmen kamen n�her und entfernten sich wieder, manchmal begleitet vom Poltern einer Transportkarre. Seit wie vielen Jahrhunderten h�rten Matrosen schon solche Ger�uschkulissen? Fr�her waren es knarrende Holzbalken gewesen und das Knattern der Segel, mit deren Hilfe man sich �ber Ozeane bewegt hatte. Auf keinem Schiff war es jemals richtig ruhig, zumindest nicht auf lebenden Schiffen.</p><p>�Captain Geary? Hier ist Lieutenant Iger vom Geheimdienst.�</p><p>Er bet�tigte die Komm-Taste, um den Anruf anzunehmen. �Geary hier. Was haben Sie?�</p><p>�Wir haben die Kommunikation zwischen den Rettungskapseln der Syndiks analysiert, und so weit wir das einsch�tzen k�nnen, sind alle Senioroffiziere auf ihren Schiffen umgekommen. In keiner der Kapseln scheint jemand zu sitzen, der seine Autorit�t durchsetzen will oder der versucht, irgendetwas zu koordinieren.�</p><p>Es war nutzlos, eines seiner Schiffe loszuschicken, damit es eine Rettungskapsel an Bord holte, wenn deren Insassen doch nichts N�tzliches berichten konnten. �Sind sie immer noch auf Kurs zu der stillgelegten Einrichtung im System?�</p><p>�Ja, Sir�, best�tigte Iger. �Woanders k�nnen sie auch nicht hin.�</p><p>�Wie lange k�nnen sie mit dem �berleben, was sie an Bord haben und was sich in der Einrichtung befindet?� Bislang war die Allianz-Flotte in jeder eingemotteten Einrichtung der Syndiks auf Notrationen gesto�en.</p><p>�Die Kapseln enthalten genug Rationen f�r einen Zeitraum von mehreren Wochen, vorausgesetzt, sie sind �berhaupt alle voll besetzt. Das kann man nat�rlich noch eine Weile strecken. Selbst wenn die meisten Schiffe hier warten sollten, ob wir in diesem System auftauchen, geh�rt es zu den Routinevorg�ngen der Syndiks, dass sie ein Kurierschiff losschicken, das den erfolgreichen Abschluss der Mission meldet. In diesem Fall bestand die Mission darin, die Minen zu deponieren. Wenn die gegnerischen F�hrer nichts von den Kriegsschiffen bei Daiquon h�ren, werden sie jemanden herschicken, damit der sich hier umsieht. Es k�nnte sogar bereits ein Schiff hierher unterwegs sein.�</p><p>�Okay, danke.� Es w�re sinnlos gewesen, Kapseln an Bord zu holen, die mit Syndik-Matrosen besetzt waren. Er konnte aber sicherstellen, dass diese Flotte eine Nachricht an die Syndik-Beh�rden auf der bewohnten Welt im Ixion-Sternensystem �bermittelte, damit die von den Leuten erfuhren, die hier auf Rettung warteten.</p><p>Geary versuchte in seinen Tagtraum zur�ckzukehren, da wurde die T�rglocke zu seinem Quartier bet�tigt. �Herein�, rief er resigniert, ohne die Augen zu �ffnen.</p><p>Nach einer kurzen Pause h�rte er eine ironische Stimme sagen: �Meinen Gl�ckwunsch zu einem weiteren Sieg.�</p><p>Er schlug die Augen auf und sah Victoria Rione in der T�r�ffnung stehen. Als sie seinen Blick bemerkte, trat sie ein, woraufhin sich die Luke hinter ihr schloss. Sie nahm ihm gegen�ber Platz. Anders als Desjani lehnte Rione sich entspannt zur�ck, wirkte dabei jedoch so angespannt wie eine Katze, die jeden Moment wieder aufspringen konnte. �Was verschafft mir diese Ehre?�</p><p>�Wie ich schon sagte: Ich bin gekommen, um meinen Gl�ckwunsch auszusprechen.�</p><p>�Von wegen�, gab Geary m�rrisch zur�ck. �Sie sind mir wochenlang aus dem Weg gegangen. Warum beschlie�en Sie auf einmal, sich wieder blicken zu lassen?�</p><p>Rione wich seinem Blick aus. �Ich habe meine Gr�nde. In dem j�ngsten Gefecht haben wir ein Schiff der Callas-Republik verloren.�</p><p>�Die <emphasis>Glacis,</emphasis> ich wei�. Tut mir leid. Wir konnten noch etwa die H�lfte der Besatzung retten, die auf die �brigen Schiffe der Callas-Republik verteilt wurden.�</p><p>�Danke�, brachte sie verbissen heraus. �Ich h�tte mich darum k�mmern sollen. Schlie�lich ist das meine Zust�ndigkeit.�</p><p>�Nein, es ist meine, weil ich der Flottenbefehlshaber bin. Aber ich w�re Ihnen dankbar gewesen, wenn Sie mich dabei unterst�tzt h�tten. Und offen gesagt, Madam Co-Pr�sidentin, die Schiffe der Callas-Republik fragen sich, wieso Sie nicht in engerem Kontakt mit ihnen gestanden haben.�</p><p>�Ich habe meine Gr�nde�, wiederholte Rione nach l�ngerem Schweigen.</p><p>�Die k�nnten Sie mit jemandem teilen�, wandte Geary ein. �Waren Sie es nicht, die mir vor einer Weile empfahl, ich solle �ber meine Probleme reden?�</p><p>�Habe ich das gesagt? Waren Sie einsam?�, f�gte Sie urpl�tzlich hinzu.</p><p>�Sie haben mir gefehlt.�</p><p>�Ich bin nicht die einzige Frau auf diesem Schiff, Captain Geary.�</p><p>�Sie sind die Einzige, die ich ber�hren kann�, betonte Geary energisch. �Das wissen Sie so gut wie ich. Alle anderen sind meine Untergebenen.�</p><p>Sie musterte ihn und lie� auf diese Weise, wie �blich, ihre Gef�hle nicht erkennen. �Sie hatten niemanden, mit dem Sie reden konnten?�</p><p>�Ein paar Mal hatte ich jemanden. Mal Captain Duellos, mal Captain Desjani.�</p><p>�Ach?� Nach wie vor war es unm�glich zu sagen, was ihr durch den Kopf ging. �Captain Desjani? Haben Sie mit ihr dar�ber diskutiert, wie man am besten Syndiks abschlachtet?�</p><p>Das klang fast wieder wie Riones fr�herer, bei�ender Spott. Geary dachte gr�ndlich �ber seine Erwiderung nach, beschloss dann jedoch, einfach mit offenen Karten zu spielen. �Vorwiegend waren es taktische und organisatorische Dinge. Aber wir sprachen auch einmal �ber Kosatka. Ich sagte ihr, wenn wir zur�ckgekehrt sind, w�rde ich den Planeten gern besuchen.�</p><p>Rione zog eine Augenbraue hoch.</p><p>�Wieso nicht? Es ist eine sch�ne Welt. Vielleicht k�nnte ich da nicht auf Dauer bleiben, aber ich w�rde gern noch einmal hin.�</p><p>�Diese Welt hat sich ver�ndert, Captain Geary.�</p><p>�Das hat Desjani auch schon gesagt.� Er zuckte mit den Schultern. �Vielleicht will ich ja sehen, wie sie sich ver�ndert hat. Vielleicht hilft es mir, die Tatsache zu begreifen, dass seit meinem letzten Besuch hundert Jahre vergangen sind.�</p><p>�Man w�rde Ihnen wohl kaum erlauben, sich da einfach so umzusehen�, wandte sie ein und verzog die Mundwinkel. �Black Jack w�rde von allen Seiten best�rmt werden.�</p><p>�Ich wei�. Desjani hat mir angeboten, mir den Planeten zu zeigen. Vielleicht k�nnte sie mir ja auch helfen, den Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Ihre Eltern leben noch, und ich kann mir vorstellen, dass sie uns helfen werden, damit wir nicht auffallen.�</p><p>Einen Moment lang r�hrte sich Victoria �berhaupt nicht, dann entgegnete sie: �Sieh einer an. Tanya Desjani hat Sie zu sich nach Hause eingeladen, um Sie ihren Eltern vorzustellen.�</p><p>Es war ihm gar nicht bewusst gewesen, dass man Desjanis Angebot so deuten konnte. �Was ist los? Sind Sie eifers�chtig?�</p><p>Diesmal zog Rione ruckartig beide Augenbrauen hoch. �Wohl kaum.�</p><p>�Gut. Denn das Letzte, was ich will, ist, dass irgendjemand glaubt, ich sei an ihr oder sie sei an mir interessiert.� Hatte Rione die aus der Luft gegriffenen Ger�chte �ber ihn und Desjani geh�rt, auf die Duellos zu sprechen gekommen war?</p><p>Diesmal l�chelte sie fl�chtig. �Oh, ganz sicher nicht, John Geary. Denken Sie mal dar�ber nach, welche Vorteile damit verbunden sind, eine Frau zu haben, die glaubt, dass die lebenden Sterne Sie geschickt haben, um uns alle zu retten. Viele M�nner beten f�r eine Frau, die sie anbetet. Eine von diesen Frauen wartet nur auf Sie.�</p><p>Geary stand auf, da sich Wut in ihm regte. �Ich finde das �berhaupt nicht witzig. Tanya Desjani ist eine gute Offizierin. Ich will nicht, dass irgendjemand denkt, sie k�nnte zu unprofessionellem Verhalten neigen. Meine Gegner in der Flotte versuchen bereits, Unruhe zu stiften und meine Autorit�t zu unterh�hlen, indem sie andeuten, Desjani und ich h�tten eine Aff�re. Ich will nicht noch mehr Ger�chte von dieser Art h�ren. Ich werde ihr das nicht antun.�</p><p>Rione wurde ernst, und einen Moment lang senkte sie den Blick. Als sie ihn wieder ansah, wirkte sie gefasst. �Es tut mir leid. Sie haben recht.�</p><p>�Nicht zu fassen�, rutschte ihm heraus. �Ich habe eine Frau, die gerade zugegeben hat, dass ich recht habe. Daf�r beten auch viele M�nner.�</p><p>�Nur weil ich mich wie ein Mistst�ck auff�hre, m�ssen Sie nicht gleich den Bastard spielen.�</p><p>Jetzt war es an Geary, den Blick abzuwenden und betreten zu nicken. �Das stimmt.�</p><p>�Au�erdem�, fuhr sie fort, �kann ich das viel besser als Sie.� Sie lie� sich wieder in ihren Sessel sinken, ihre Gesichtsz�ge verrieten Ersch�pfung und Unzufriedenheit.</p><p>Geary beugte sich vor. �Was zum Teufel ist mit Ihnen los, Victoria? Ich wei�, irgendetwas macht Ihnen zu schaffen, aber ich glaube, es betrifft nicht mich. Ich versuche, eine Erkl�rung daf�r zu finden, wieso Sie Ihren Pflichten gegen�ber der Allianz und der Callas-Republik nicht nachkommen, und ich kann nur sagen, dass ich ratlos bin.� Sie sa� schweigend da und lie� sich nicht anmerken, was in ihr vorging. �Hat es etwas mit mir zu tun? Sie haben mich seit Ilion nicht mehr angefasst. Ich wei�, wir haben uns nichts versprochen, aber ich verstehe beim besten Willen nicht, was passiert ist, dass sich alles so radikal ver�ndert hat.�</p><p>Rione zuckte mit den Schultern und drehte den Kopf zur Seite. �Ich bin ein Mistst�ck, und das wussten Sie von vornherein. Au�erdem war es nur etwas K�rperliches.�</p><p>�Nein, das war es nicht.� Rione sah ihn weiterhin nicht an, w�hrend er fortfuhr: �Ich habe es damals gesagt, und ich sage es jetzt auch wieder: Ich unterhalte mich gern mit Ihnen, und ich habe Sie gern um mich.�</p><p>�Mir f�llt auf, dass Sie mir nicht widersprechen, was die Sache mit dem Mistst�ck angeht.�</p><p>�Und Sie versuchen, das Thema zu wechseln.� Er bemerkte ihr Stirnrunzeln. �Hat es was damit zu tun, dass Sie und Captain Desjani sich jedes Mal am liebsten an die Gurgel gehen w�rden, wenn Sie beide sich im gleichen Raum aufhalten?�</p><p>Sie lachte sp�ttisch. �Was f�r ein aufmerksamer Mann Sie doch sind. W�ren Desjani und ich zwei Formationen aus Syndik-Kriegsschiffen, dann h�tten Sie uns schon l�ngst durchschaut.�</p><p>Geary weigerte sich, den K�der zu schlucken. �Ich sch�tze Sie beide, und ich mag Sie beide, wenn auch auf unterschiedliche Art. Und ich respektiere Ihre und Desjanis Denkweise. Darum macht es mich ja auch so rasend, dass ich nicht wei�, warum Sie beide sich seit Ilion zu hassen scheinen.�</p><p>Rione sah eine Zeit lang zur Seite, ehe sie antwortete: �Captain Tanya Desjani hat Angst, dass ich dem Mann wehtue, den sie verehrt.�</p><p>�Verdammt, Victoria��</p><p>�Ich scherze nicht, John Geary.� Sie seufzte schwer und sah ihn schlie�lich an. �Strengen Sie Ihren Kopf an!�, forderte sie ihn schroff auf. �Was haben wir bei Sancere an Bord genommen?�</p><p>�Eine Menge Dinge.�</p><p>�Darunter auch eine �berholte, aber umfangreiche Liste der Kriegsgefangenen, die zur Allianz geh�ren.� Geary erschrak, als er sah, dass Rione leicht zu zittern schien, als sie redete. �Sie wissen, die Syndiks haben schon vor langer Zeit aufgeh�rt, mit uns Listen der Kriegsgefangenen auszutauschen. Sie wissen auch, dass viele, die auf dieser Liste stehen, in der Allianz f�r tot gehalten wurden. Ihnen sollte klar gewesen sein, dass auf dieser Liste auch Namen von Menschen stehen, deren Tod als sicher angenommen wurde!� Die letzten Worte schrie sie ihm f�rmlich ins Gesicht.</p><p>Dann endlich begriff er. �Ihr Ehemann. Sein Name steht auf der Liste?�</p><p>Sie hatte die F�uste geballt und zitterte un�bersehbar. �Ja.�</p><p>�Aber Sie sagten, er ist tot.�</p><p>�Die, die von dem Schiff entkommen konnten, sagten mir, er sei gestorben!�, br�llte sie, doch Geary wusste, es war nicht gegen ihn gerichtet. Indem sie mehrere Male tief durchatmete, kam sie wieder zur Ruhe. �Aber auf der Liste stehen sein Name und seine Identit�tsnummer. Es ist vermerkt, dass er zwar mit schweren Verletzungen, jedoch lebend gefangen genommen wurde.�</p><p>Er wartete einen Moment lang, doch sie sagte weiter nichts. �Das ist alles?�</p><p>�Ja, das ist alles, John Geary. Ich wei�, die Syndiks haben ihn lebend gefasst, und er war schwer verletzt. Ich wei� nicht, ob er am n�chsten Tag noch gelebt hat, und ich wei� nicht, ob die medizinische Behandlung durch die Syndiks ihm das Leben gerettet hat. Ich wei� nicht, ob man ihn in ein Arbeitslager schickte. Ich wei� nicht, ob er danach gestorben ist.� Sie hielt kurz inne. �Ich wei� es einfach nicht.�</p><p>Victoria Rione, die sich sonst so gut im Griff hatte, strahlte nun Schmerz aus. Geary ging zu ihr und dr�ckte sie an sich, wobei er ihr Zittern deutlich sp�ren konnte. �Es tut mir leid. Verdammt, es tut mir leid.�</p><p>Ihre Stimme klang jetzt ein wenig erstickt. �Ich wei� nicht, ob er noch lebt oder ob er tot ist. Wenn er irgendwie �berlebt und man ihn irgendwo in ein Arbeitslager gesteckt hat, dann sind meine Chancen, ihn jemals wiederzusehen, so verschwindend gering, dass sie praktisch gar nicht existieren. Aber er k�nnte noch leben. Mein Ehemann� der Mann, den ich immer noch liebe.�</p><p>Und erfahren hatte sie das wenige Wochen, nachdem sie zum ersten Mal das Bett mit ihm geteilt hatte. Die geh�ssige Ironie, die dahintersteckte, lie� Geary dar�ber nachdenken, warum die lebenden Sterne Rione so etwas angetan hatten. �Okay, Sie m�ssen nicht weiterreden.�</p><p>�Doch, das muss ich. Nachdem ich seinem Andenken zehn Jahre lang treu geblieben war, gebe ich mich Ihnen hin, und dann muss ich erfahren, dass er vielleicht doch noch lebt.� Sie schob Geary von sich weg und schaute zur Seite. �Das Schicksal kann schon grausam sein, nicht wahr? Ich dachte, ich h�tte mich richtig verhalten, John Geary. Ich dachte, ich h�tte meinen toten Ehemann geehrt und das getan, was er von mir erwarten w�rde. Und jetzt muss ich feststellen, dass ich ihn wom�glich entehrt habe. Ich mich selbst auch, aber vor allem ihn.�</p><p>�Nein�, antwortete er ohne nachzudenken, weshalb er innehalten musste, um erst das zu ordnen, was er sagen wollte. �Sie haben niemanden entehrt. Antworten Sie ehrlich: Wenn wir ihn im n�chsten Sternensystem in einem Arbeitslager entdecken sollten, werden Sie sich dann wieder f�r ihn entscheiden, oder werden Sie bei mir bleiben?�</p><p>�Ich w�rde mich f�r ihn entscheiden�, gab sie ohne zu z�gern zu. �Es tut mir leid, John Geary, aber das ist die Wahrheit, und daran wird sich auch nie etwas �ndern. Ich habe Ihnen gesagt, wem mein Herz immer geh�ren wird.� Rione atmete wieder tief durch, um ihre Gef�hle in den Griff zu bekommen. �Desjani wei� es auch. Sie entdeckte den Namen meines Mannes auf der Liste und kam zu mir, weil ihr Pflichtgef�hl von ihr verlangte, es mir zu sagen. Ihre Captain Desjani ist ein sehr pflichtbewusster Mensch. Sie f�hlte auch mit mir, obwohl ich ihr das zu dem Zeitpunkt nicht abnehmen wollte. Und sie war schockiert, als ich erwiderte, dass ich seinen Namen ebenfalls gesehen, aber Ihnen noch nichts davon gesagt hatte.� Sie sah ihm in die Augen. �Sie fand, ich sollte es Ihnen nicht verschweigen. Sie wollte nicht, dass Ihnen wehgetan w�rde, wenn Sie es herausf�nden.�</p><p>Es gab keinen Grund, Riones Worte anzuzweifeln. Es h�rte sich exakt nach dem an, was Desjani tun w�rde. �Und als Sie sich weigerten, es mir zu sagen��</p><p>�Sie wollte mein Geheimnis nicht verraten. Nicht die ehrbare Captain Desjani.� Rione verzog kopfsch�ttelnd den Mund. �Sie verdient es nicht, dass ich so von ihr rede. Sie hat nur versucht, Sie zu besch�tzen. Tanya Desjani ist eine ehrbare Frau. Wenn es eine Frau gibt, die Sie verdient hat, dann sie.�</p><p>�Was?� Die Unterhaltung hatte deutlich zu schnell eine andere Richtung eingeschlagen. �Die mich verdient hat? Sie ist eine von meinen Untergebenen. Sie hat noch nie auch nur die leiseste Andeutung gemacht, dass��</p><p>�Und das wird sie auch nicht�, unterbrach Rione ihn. �Wie ich sagte: Sie ist ehrbar. Selbst wenn sie ihre eigene Ehre aufs Spiel setzen m�sste, w�rde sie Ihre Ehre niemals in Gefahr bringen. Ich dagegen bin eine Politikerin. Ich benutze Leute. Ich habe Sie auch benutzt.�</p><p>�Sie haben mir keine Versprechen gegeben�, wiederholte Geary ihre Worte. �Verdammt, Victoria, soll ich mich jetzt betrogen f�hlen? Sie sind doch diejenige, die von ihren Gef�hlen zerrissen wird.�</p><p>�Sie wurden von mir dazu verleitet, das Bett mit einer Frau zu teilen, deren Ehemann vielleicht noch lebt!�, fuhr Rione ihn an und verlor abermals die Beherrschung. �Ich habe Ihre Ehre besudelt und Sie f�r Ihre Feinde angreifbar gemacht! Warum k�nnen Sie sich dar�ber nicht aufregen?�</p><p>�Wer wei� noch davon?�, fragte er erschrocken.</p><p>�Ich�� Rione machte mit einer Hand eine w�tende Geste. �Sie, ich, die ehrbare Captain Desjani. Das ist jedenfalls sicher. Andere k�nnten auf die gleiche Information gesto�en sein und warten jetzt darauf, sie dann �ffentlich zu machen, wenn sie Ihnen am meisten schaden wird. Davon m�ssen Sie ausgehen. Und Sie m�ssen damit rechnen, dass fr�her oder sp�ter Ihre Ehre meinetwegen infrage gestellt werden wird.�</p><p>�Ich glaube mich daran erinnern zu k�nnen, wie Sie mir sagten, Sie k�nnten selbst auf Ihre Ehre aufpassen. Ich kann das auch.�</p><p>�Meinen Sie?� Rione atmete tief durch. �Wenn ich daf�r als Beispiel dienen soll, dann geben Sie kein sehr �berzeugendes Bild ab. Warum versuchen Sie, mich zu verteidigen?�</p><p>�Weil kein Mann, der etwas taugt, Ihnen diesen Fehler vorhalten wird��</p><p>�Kein Mann? Sprechen Sie jetzt auch f�r meinen Ehemann, John Geary?� Rione sah ihn finster an. �Was sollte ich ihm sagen? Was soll ich meinen Vorfahren sagen? Seit ich davon erfuhr, habe ich nicht mehr mit ihnen gesprochen. Wie k�nnte ich das auch?�</p><p>Sekundenlang sah Geary sie schweigend an. �Wollen Sie, dass ich ganz ehrlich bin?�</p><p>�Ja, warum auch nicht? Wenigstens einer von uns sollte ehrlich sein�, antwortete Rione verbittert.</p><p>�Dann werde ich Ihnen ein paar Dinge erz�hlen.� Er sprach mit fester Stimme, so als w�rde er auf der Br�cke einen Befehl erteilen. �Erstens ist meine Ehre nicht besudelt worden. Und das gilt auch f�r Ihre Ehre. So etwas w�re nur m�glich, wenn wir <emphasis>wissentlich</emphasis> etwas Unehrenhaftes getan h�tten.�</p><p>�Das ist nicht��</p><p>�Mir ist egal, wie die Leute das heutzutage sehen! Vor hundert Jahren haben die Menschen das verstanden! Ist das Leben nach hundert Jahren Krieg nicht schon schwer genug? M�ssen Sie es sich noch schwerer machen, indem Sie Ma�st�be anlegen, die kein Mensch erreichen kann?� Rione starrte ihn an. �Ich habe kein Recht, Ihnen zu sagen, wie Sie empfinden sollen, aber ich sage Ihnen, dass <emphasis>ich</emphasis> so empfinde. Zweitens�, fuhr er fort, �helfen Sie niemandem, wenn Sie sich selbst gei�eln. In einem vollkommenen Universum k�nnten Sie so unglaublich loyal sein, wie Sie es von sich erwarten. Aber nicht in diesem Universum.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Das wird weder meinen Mann noch meine Vorfahren tr�sten.�</p><p>�Und wenn die Rollen vertauscht w�ren?�, fragte Geary. �Angenommen, Sie w�ren schwer verletzt worden, man w�rde Sie f�r tot halten, und Sie w�rden f�r immer von Ihrem Mann getrennt sein. Was w�rden Sie sich dann w�nschen?�</p><p>Rione hielt lange Zeit den Blick gesenkt und schwieg. Schlie�lich schaute sie ihn wieder an. �Ich w�rde mir w�nschen, dass er gl�cklich ist.�</p><p>�Selbst wenn das bedeuten w�rde, dass er sich eine neue Partnerin nimmt, wenn er davon �berzeugt ist, dass Sie tot sind?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wenn er dann erfahren sollte, dass Sie doch noch leben, Sie sich dennoch vielleicht nie wiedersehen werden?�</p><p>�Spielen Sie mich nicht gegen meinen Mann aus, John Geary�, warf sie ihm an den Kopf. �Dazu haben Sie kein Recht!�</p><p>Er wich zur�ck und nickte, w�hrend er sich bem�hte, die Ruhe zu bewahren. �Das stimmt. Aber warum reden Sie nicht mit Ihren Vorfahren? Vielleicht bekommen Sie ja ein Zeichen von ihnen, das Ihnen zeigt, was sie von Ihnen halten.�</p><p>�Indem sie mir beispielsweise das Wort <emphasis>Ehebrecherin</emphasis> auf die Stirn schreiben?�, gab Rione immer noch w�tend zur�ck.</p><p>�Warum nicht? Sie scheinen ja sowieso zu glauben, dass es l�ngst da geschrieben steht�, konterte Geary. �Aber vielleicht werden sie Sie ja gar nicht verdammen. Sie sind Ihre Vorfahren. Sie waren auch menschlich und haben ganz sicher kein perfektes Leben gef�hrt. Darum reden wir mit ihnen, denn sie k�nnen sich erinnern und uns verstehen. Und vielleicht k�nnen sie uns etwas von ihrer Weisheit zeigen, die wir selbst noch nicht erlangt haben.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und schaute wieder zur Seite. �Ich kann nicht.�</p><p>�Selbst wer ganz ohne Ehre ist, kann zu seinen Vorfahren sprechen! Niemand kann Ihnen das streitig machen.�</p><p>�Das habe ich damit nicht gemeint.� Ihr Blick erfasste stur das gegen�berliegende Schott.</p><p>Geary betrachtete ihr Profil, das entschlossen vorgeschobene Kinn, und allm�hlich begann er zu verstehen. �Sie haben Angst davor, mit ihnen zu reden? Angst davor, wie sie vielleicht reagieren werden?�</p><p>��berrascht Sie das, John Geary? Nat�rlich habe ich Angst davor. Ich habe einige Dinge getan, auf die ich nicht sonderlich stolz bin. Aber nie zuvor habe ich etwas getan, das meine Vorfahren besch�men k�nnte.�</p><p>Eine Zeit lang dachte Geary nach. �Sie m�ssen sich ihnen nicht zwangsl�ufig allein stellen. Es gibt��</p><p>�Ich werde meine Schmach mit keinem anderen teilen!�</p><p>�Sie haben sie bereits mit Desjani und nun mit mir geteilt!�, herrschte er sie an.</p><p>�Und dabei bleibt es auch�, murmelte sie starrsinnig.</p><p>�Ich k�nnte��</p><p>�Nein!� Sie versuchte, ihre Beherrschung zur�ckzuerlangen. �Das w�re die Rolle, die mein Ehemann �bernehmen m�sste. Ich werde mich nicht mit Ihnen an meiner Seite meinen Vorfahren stellen.�</p><p>Damit blieb nur noch eine M�glichkeit offen. �Und Desjani? K�nnen Sie sie fragen, ob sie Sie begleitet?�</p><p>Rione starrte ihn sichtlich schockiert an.</p><p>�Sie wei� es schlie�lich schon.�</p><p>�Und Sie verabscheut mich.�</p><p>�Weil Sie es mir nicht sagen wollten. Jetzt haben Sie das aber gemacht.� Riones Blick wurde unsicherer, w�hrend Geary fortfuhr: �Sie haben selbst erkl�rt, wie ehrbar Desjani ist. Gegen sie k�nnen Ihre Vorfahren nichts einzuwenden haben.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und wich wieder seinem Blick aus. �Warum sollte sie so etwas f�r mich tun?�</p><p>�Ich k�nnte sie f�r Sie fragen.� Das war die verkehrte Erwiderung, wie er Riones gl�henden Augen ansehen konnte. �Oder Sie fragen sie selbst. Glauben Sie, Desjani w�rde sich weigern?�</p><p>Schlie�lich seufzte sie. �Oh nein. Nicht die ehrbare Captain Desjani. Sie w�rde sich sogar hinter einen Politiker stellen, wenn der sie n�tig hat, nicht wahr? Vor allem wenn sie glaubt, dass der gro�e Captain Geary es von ihr erwartet.�</p><p>�Ich glaube schon, aber Sie k�nnen den Bl�dsinn vom �gro�en Captain Geary� bleiben lassen. Ich versuche, Ihnen zu helfen, und Captain Desjani wird Ihnen helfen, wenn Sie sie darum bitten. Sie k�nnen sich Ihre verbalen Attacken also sparen.�</p><p>Rione stand auf und betrachtete Geary mit einem suchenden Ausdruck in den Augen. �Sie werden nicht f�r alle Ewigkeit das Kommando �ber diese Flotte haben. Eines Tages werden Sie sie nach Hause bringen. Die lebenden Sterne allein wissen, wie Sie das anstellen wollen, aber irgendwie werden Sie es schaffen. Wenn Sie dann wollen, k�nnen Sie gleich am n�chsten Tag in den Ruhestand gehen. Niemand in der Allianz w�rde Ihnen das verwehren. Wenn der Tag gekommen ist, an dem nicht l�nger die Verantwortung des Kommandos auf Ihnen lastet, wenn Vorschriften und Ehre Sie nicht mehr von einer pers�nlichen Beziehung zu einem Besatzungsmitglied abhalten k�nnen, m�chten Sie dann lieber an jemanden wie mich gebunden sein, oder m�chten Sie die Freiheit haben, mehr �ber eine Frau wie Tanya Desjani herauszufinden?�</p><p>�Ich habe nie��</p><p>�Nein, und das werden Sie auch nicht. Zum Teufel mit Ihnen.� Rione drehte sich auf dem Absatz um und st�rmte aus Gearys Kabine.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Geary schreckte aus dem Schlaf hoch, als die T�r zu seiner Kabine aufging und sich dann wieder schloss. Er dr�ckte auf den Lichtschalter, die schwache Nachtbeleuchtung schaltete sich ein, und dann sah er Victoria Rione, wie sie dastand und ihn stumm betrachtete.</p><p>�Hallo, John Geary.� Sie kam mit etwas unsicheren Schritten auf ihn zu, setzte sich am Fu�ende auf sein Bett und stierte ihn an. �Willst du mich nicht fragen?�</p><p>Er konnte deutlich riechen, dass ihr Atem nach Wein roch, obwohl sie so weit von ihm entfernt sa�. �Was soll ich dich fragen?�</p><p>�Wie es gelaufen ist.� Sie machte eine ausholende Geste. �Mit mir, mit meinen Vorfahren, mit Captain Desjani. Das wirst du doch sicher wissen wollen.�</p><p>�Victoria��</p><p>�Nichts.� Sie sch�ttelte tr�ge den Kopf, ihre Stimme klang belegt. �Ich habe ihnen erkl�rt, was passiert ist. Ich habe ihnen gesagt, wie sehr ich alles bedauere. Ich habe sie um Rat gebeten. Nichts. Ich habe nichts gesp�rt. Sie haben mir keine Antwort geschickt. Meine Vorfahren wollen mich nicht mal mehr zur Kenntnis nehmen, John Geary.�</p><p>Schlie�lich setzte er sich auf. �Das kann nicht sein.�</p><p>�Frag die ehrbare Captain Desjani! Zum Teufel mit ihr und zum Teufel mit dir.� Schwerf�llig stand sie auf und begann sich auszuziehen.</p><p>Geary stand ebenfalls auf. �Was machst du da?�</p><p>�Ich gebe mich so, wie ich bin.� Sie lie� das letzte Kleidungsst�ck fallen, dann sank sie zur�ck aufs Bett und sah ihn an. �Mach schon, worauf wartest du?�</p><p>�Du musst verr�ckt sein, wenn du glaubst, dass ich deine momentane Situation ausnutze.�</p><p>�Weil du zu ehrbar bist? Mach dir nichts vor. Sei einfach f�r eine Weile Black Jack. Tu, was dir Spa� macht.�</p><p>Er starrte sie an und versuchte, die Worte f�r eine passende Erwiderung zu finden.</p><p>Rione redete weiter und schaute dabei an Geary vorbei, als sehe sie etwas anderes. �Du wei�t, ich werde ihn umbringen, wenn es sein muss. Wenn Black Jack versucht, der Allianz zu schaden, und wenn es keinen anderen Weg gibt, um ihn zu stoppen, dann werde ich ihn umbringen. Zu viele andere sind schon gestorben, und ihr Opfer darf nicht vergebens gewesen sein. Vielleicht habe ich an dem Punkt meine Ehre verloren, als ich mir schwor, alles zu tun, um Black Jack aufzuhalten.� Mit M�he kehrte ihr Blick zu ihm zur�ck. �Wirklich alles.�</p><p>Es kam ihm nicht m�helos �ber die Lippen, doch er musste den Gedanken aussprechen, der ihm durch den Kopf ging. �Hast du deshalb angefangen, mit mir zu schlafen?�</p><p>Sie bewegte die Lippen, sch�ttelte dann aber schwach den Kopf. �Nein�, fl�sterte sie. �Ich glaube, nicht mal ich w�rde das tun.�</p><p>�Nicht mal du? Du hast mal von Dingen gesprochen, die nicht mal ich tun w�rde, und jetzt gehst du mit dir genauso hart ins Gericht. Vielleicht sogar noch h�rter. Ich glaube, deine Vorfahren k�nnen dir gar nicht vergeben, solange du dich weigerst, dir selbst zu vergeben.�</p><p>Lange Zeit herrschte Stille, dann stellte er fest, dass Rione eingeschlafen war. Sogar im Schlaf war ihr Gesicht von Sorgenfalten durchzogen.</p><p>Als man Geary auf die <emphasis>Dauntless</emphasis> gebracht und ihn aufgeweckt hatte, da war er zu benommen gewesen, um von den Leuten in der Flotte richtig Notiz zu nehmen, von den Nachfahren jener Menschen, die er noch gekannt hatte. Als er dann das Kommando �ber die Flotte �bernahm, da wurden ihm schnell die Ver�nderungen deutlich, die im Lauf von hundert Jahren eingetreten waren; hundert Jahre, die zudem von einem ebenso langen Krieg gepr�gt worden waren. Er hatte unter dem Eindruck gestanden, von Fremden umgeben zu sein, von denen keiner so f�hlte oder dachte wie er. Die Wochen vergingen, und er brachte mehr �ber diese Menschen in Erfahrung, und schlie�lich gelangte er zu der Ansicht, dass er zu hart �ber diese Leute geurteilt hatte und in Wahrheit grundlegende Dinge mit ihnen teilte.</p><p>Jetzt jedoch kamen ihm erneut Zweifel. Die Ehre konnte eine Last und ein Schwert sein. Sie lie� sich allzu leicht missbrauchen. Und wie es schien, benutzten die Menschen in dieser Gegenwart�� die hundert Jahre von seiner eigenen entfernt war�� die Ehre als eine Waffe, die sie gegen sich selbst richten konnten. Ehre war f�r sie so unerbittlich und unbeugsam, dass sie ihnen genauso schaden konnte wie ihre Feinde.</p><p>Geary seufzte und zog sich leise an. An der T�r blieb er stehen und sah zu Rione hin�ber. Ich habe so viele Schmerzen erlitten, weil ich wusste, dass jeder tot war, den ich einmal gekannt und geliebt hatte. Aber wie vielen Menschen in der Allianz ergeht es so wie Victoria Rione? Wie viele von ihnen wissen nicht, ob geliebte Menschen noch leben oder schon tot sind? Wie viele von ihnen sind von dieser Ungewissheit innerlich zerrissen? Zum ersten Mal wurde ihm deutlich, dass die grausame Gewissheit, mit der er sich hatte abfinden m�ssen, zumindest einen Vorteil hatte: Er musste nicht zweifeln, er musste nicht hoffen. Er wusste, alle waren tot.</p><p>Er streifte durch die ruhigen G�nge und Abteile der <emphasis>Dauntless,</emphasis> gr��te die Besatzungsmitglieder, die in der tiefen Schiffsnacht ihren Wachdienst verrichteten, und versuchte, Trost in den Ritualen seines Kommandos zu finden.</p><p>Als er um eine Ecke bog, musste er feststellen, dass Captain Desjani genau das Gleiche machte wie er.</p><p>�Captain Geary?� Sie machte keinen Hehl aus ihrer Verwunderung. �Ist alles in Ordnung?�</p><p>�Ja, mir geht es gut.�</p><p>Sein Tonfall und sein Gesichtsausdruck mussten etwas anderes �ber ihn aussagen, da Desjani den Mund verzog. �Haben Sie mit Co-Pr�sidentin Rione gesprochen?�</p><p>Er nickte nur.</p><p>�Ich hatte gedacht�� Desjani hielt inne und fing noch einmal von vorn an. �Ich war sehr w�tend auf sie, was Sie ja auch gemerkt haben. Ich dachte, sie wollte es Ihnen nicht sagen, weil es ihr an Ehre mangelt. Ich wusste nicht, dass sie in Wahrheit von ihrer Ehre innerlich zerrissen wurde.�</p><p>�Wie ist es wirklich gelaufen? Haben ihre Vorfahren sie tats�chlich versto�en?�</p><p>Desjani lie� den Kopf sinken und dachte nach. �Ich habe etwas gesp�rt. Ich wei� nicht, was es war. Aber sie waren dort. Doch ich glaube, sie wollte das nicht akzeptieren.�</p><p>�Ja, den Eindruck hatte ich auch.�</p><p>�Sie� �hm�� Desjani wirkte verlegen und ver�rgert zugleich. �Vor Kurzem sah ich sie wieder. Sie hatte getrunken, und sie sagte ein paar Dinge.�</p><p>�Ja, ich wei�.�</p><p>�Sir, ich hoffe, ich habe nichts getan oder gesagt, das Sie auf den Gedanken bringen k�nnte, ich w�rde��</p><p>Er hob eine Hand, um ihren Redefluss zu unterbrechen. �Sie haben sich absolut professionell verhalten. Ich k�nnte mir keinen besseren Offizier vorstellen.�</p><p>Dennoch wirkte Desjani beunruhigt. �Selbst wenn Sie keine wichtige Mission zu erf�llen h�tten, selbst wenn die lebenden Sterne Sie nicht in der Stunde unserer gr��ten Not zu uns geschickt h�tten, w�re es dennoch verkehrt von mir, wenn ich��</p><p>�Captain, bitte.� Geary hoffte, dass er sich nicht so aufgew�hlt anh�rte wie sie. �Ich verstehe das schon. Wir m�ssen das nicht wieder diskutieren.�</p><p>�Es kursieren Ger�chte, Captain Geary�, presste sie heraus. �Ger�chte, die Sie und mich betreffen. Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden.�</p><p>�Ger�chte, die jeglicher Grundlage entbehren, Captain Desjani. In die Welt gesetzt von Offizieren, denen das Prinzip der Ehre fremd ist. Ich werde mich in Ihrer Gegenwart so professionell verhalten, wie ich nur kann, und ich bin davon �berzeugt, Sie werden es ganz genauso machen.�</p><p>�Ja, Sir. Vielen Dank, Sir. Ich wusste, Sie w�rden das verstehen.� Sie nickte erleichtert, salutierte und ging dann weiter. Geary sah ihr nach und wusste, das Thema w�rde immer �ber ihnen schweben, ob sie nun dar�ber redeten oder nicht.</p><p>Schlie�lich f�hrte ihn sein Spaziergang zur�ck zu seiner Kabine. Rione lag noch immer im Tiefschlaf, also setzte er sich an seinen Schreibtisch und rief wieder die Simulationen auf. Drei Tage lang w�rden sie sich noch im Daiquon-Sternensystem aufhalten, dann nahm die Allianz-Flotte Kurs auf Ixion.</p><p>Sollten sie wirklich nach Ixion fliegen? Die Syndiks hatten immerhin seinen n�chsten Zug so gut vorausgeahnt, dass sie in letzter Minute begonnen hatten, in diesem System Minen zu legen. Was erwartete sie bei Ixion?</p><p>Doch die Alternativen waren nicht sonderlich verlockend. Au�erdem hatten sie die Syndiks damit �berraschen k�nnen, dass sie so fr�h in Daiquon eintrafen. Wenn die Allianz-Flotte schneller vorankam, als die Syndiks reagieren konnten, w�rde es sogar m�glich sein, dass sie Ixion passiert hatten, bevor der Gegner eine Blockade errichten konnte.</p><p>Oder auch nicht. Laut der neuesten Syndik-Daten, die sie bei Sancere in ihren Besitz gebracht hatten, wartete Ixion mit einer bewohnten Welt und mehreren im System verteilten Kolonien und Einrichtungen auf, die alle noch aktiv sein konnten. Sicher war, dass es sich nicht um ein ungenutztes oder verlassenes System handelte.</p><p>Wenn sie Ixion erreichten, musste er seine Flotte einsatzbereit haben. Es war davon auszugehen, dass der Sprungpunkt vermint war und dass die Syndiks nur darauf lauerten, sie anzugreifen. Also musste seine Flotte in der Lage sein sein, einer solchen Gefahr begegnen zu k�nnen.</p><p>In der Theorie klang das nach einer Selbstverst�ndlichkeit, doch er w�nschte, er w�sste, wie er das in die Tat umsetzen sollte.</p><p>Schlie�lich schlief Geary in seinem Sessel ein. W�re Rione blo� aus ihrem Rausch aufgewacht, dann h�tte sie ihm einen Ratschlag geben k�nnen.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Als er aufwachte, schmerzte sein ganzer K�rper, da er im Sessel geschlafen hatte. Rione lag noch in seinem Bett, sie war wach und starrte an die Decke. Wortlos stand er auf, ging zum Waschbecken und brachte ihr ein paar Kopfschmerztabletten und ein Glas Wasser.</p><p>Sie nahm beides an, mied es jedoch, ihn anzusehen. Erst als Geary sich wieder hingesetzt hatte, sagte sie: �Ich erinnere mich nicht an alles, was ich letzte Nacht gesagt habe.�</p><p>�Das ist vermutlich auch besser so�, meinte er in neutralem Tonfall.</p><p>�Und ich erinnere mich auch nicht an alles, was ich letzte Nacht getan habe.�</p><p>�Wir beide haben nichts getan, wenn Sie darauf anspielen.�</p><p>Rione nickte seufzend und verzog dann die Mundwinkel, da die Bewegung offenbar Stiche in ihrem Kopf verursachte. �Danke. Wenn Sie jetzt bitte so freundlich w�ren, sich wegzudrehen. Ich werde meine Kleider und meinen letzten Rest W�rde zusammenklauben, damit Sie nicht l�nger mit meiner Anwesenheit behelligt werden.�</p><p>�Und wenn ich mich nicht wegdrehen will?�</p><p>�Zeigen Sie so viel Anstand, John Geary. Au�er nat�rlich, Sie wollen sich an meiner Nacktheit erfreuen. Ich habe kein Recht, Ihnen dieses kleine Vergn�gen zu verweigern.� Sie sah so niedergeschlagen aus, wie sie sich anh�rte.</p><p>Geary sp�rte, wie in ihm Wut auf sie aufstieg, die er zu unterdr�cken versuchte, bis ihm klar wurde, dass er mit Mitgef�hl bislang gar nichts erreicht hatte. �Okay, Madam Co-Pr�sidentin, vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedr�ckt.� Rione stutzte, als sie seine schroffe Stimme h�rte. �Mir ist egal, wie Sie im Moment �ber sich denken. Ich f�r meinen Teil bin entt�uscht, dass jemand von Ihrer Intelligenz und Ihren F�higkeiten sich in Selbstmitleid ergeht, wenn ich dringend einen guten Ratschlag gebrauchen kann, damit diese Flotte �berlebt und damit ich einen klaren Kopf bewahre. In weniger als drei Tagen springen wir nach Ixion, und ich habe keine Ahnung, was uns dort erwartet. Sind Sie zu der Ansicht gelangt, dass Black Jack Ihre Hilfe nicht l�nger ben�tigt, damit er die richtigen Entscheidungen trifft?�</p><p>Rione zog die Augenbrauen zusammen, aber Geary konnte auch einen Hauch Angst erkennen. �berlegte sie, was genau sie letzte Nacht gesagt hatte? Fragte sie sich, ob sie ihm erkl�rt hatte, wie weit sie gehen w�rde, um die Allianz vor Black Jack zu besch�tzen?</p><p>Geary sprach unver�ndert harsch weiter: �Sie haben mir mehr als einmal gesagt, wie wichtig Ihnen die Allianz ist. Die Allianz ist auf die R�ckkehr dieser Flotte angewiesen. Wenn ich die Flotte nach Hause bringen soll, dann brauche ich Sie, damit ich vern�nftig bleibe. Es behagt mir immer mehr, das Kommando zu haben, und es f�llt mir schwerer und schwerer, nicht einfach irgendetwas zu tun, nur weil ich dazu in der Lage bin. Dem legend�ren Black Jack Geary w�rde man eine Menge durchgehen lassen, das John Geary weder f�r klug noch f�r ehrbar h�lt. Was ist Ihnen wichtiger, Madam Co-Pr�sidentin? Ihr eigenes Elend oder das Wohl der Allianz, von dem Sie behaupten, es liege Ihnen so sehr am Herzen?�</p><p>Rione setzte sich auf, das Bettlaken rutschte runter, doch davon schien sie nichts mitzubekommen, w�hrend sie ihn mit ger�teten Augen w�tend ansah. �So viel zum Thema mitf�hlender Flottenkommandant.�</p><p>�Wenn Sie etwas gegen Depressionen einnehmen wollen, dann greifen Sie zu etwas Wirkungsvollerem als Alkohol�, fuhr Geary fort, woraufhin Riones Augen zornig aufblitzten. �Sie wollen sich offenbar selbst nicht vergeben, und es soll Ihnen wohl auch niemand sonst vergeben. Ich kann daran nichts �ndern. Aber ich kann darauf bestehen, dass Sie mir die bestm�gliche Unterst�tzung geben, zu der Sie f�hig sind. Und ich kann von Ihnen verlangen, kein Verhalten an den Tag zu legen, das der Allianz als Ganzem oder der Callas-Republik schaden k�nnte. Ich erwarte von Ihnen ein Auftreten, das Ihrer Position als Senatorin der Allianz und als Co-Pr�sidentin angemessen ist.�</p><p>Sie hatte eine Faust geballt und machte den Eindruck, als wolle sie ihm an den Kragen gehen. �W�re das dann alles, Captain Geary?�, knurrte sie ihn an.</p><p>�Nein.� Er hielt inne und bemerkte erst jetzt, dass sie halb nackt dasa� und ihn w�tend anstarrte. Ihr Anblick erinnerte ihn an eine G�ttin, die kurz davor stand, auf einen Ungl�ubigen Blitze herabzuschleudern. Trotz seiner Ver�rgerung �ber ihr Verhalten, hatte sie nie verf�hrerischer ausgesehen als in diesem Moment. �Wenn es Ihnen lieber ist, hat es die letzte Nacht nicht gegeben. Und wenn Sie wollen, war auch nie etwas zwischen uns. Hauptsache, Sie bekommen sich wieder in den Griff.�</p><p>Sie stand auf und stellte ihren K�rper zur Schau, auch wenn sie nach wie vor Zorn ausstrahlte. �Bedeute ich Ihnen so wenig? Wollen Sie das damit sagen?�</p><p>�Nein.� Er erhob sich ebenfalls und musste sich zwingen, auf Abstand zu bleiben, da er sie sonst an sich gedr�ckt h�tte und mit ihr aufs Bett gesunken w�re. �Damit will ich sagen, dass Sie mir <emphasis>so viel</emphasis> bedeuten.�</p><p>Da er nicht wusste, wie lange er sich noch w�rde beherrschen k�nnen, machte Geary auf dem Absatz kehrt und verlie� sein Quartier.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Ein ganzer Schlachtkreuzer stand ihm zur Verf�gung�� eine ganze Flotte aus Schlachtkreuzern und Schlachtschiffen��, und doch gab es keinen Platz, an dem er sich unbeobachtet aufhalten konnte, ohne dass jemand bei seinem Anblick dar�ber gr�beln w�rde, ob er die letzte Nacht wohl in einem Sessel geschlafen hatte. Dann fiel ihm doch noch der Konferenzraum als m�gliche Zuflucht ein. Er machte sich auf den Weg dorthin, schloss die Luke hinter sich und lie� sich in den Sessel am Kopfende des Konferenztischs sinken.</p><p>Es war ein seltsames Gef�hl, sich ganz allein hier aufzuhalten. Keiner der anderen Pl�tze war besetzt, und der Raum selbst wies nur seine wahren Dimensionen auf, anstatt sich scheinbar in die Unendlichkeit zu erstrecken, damit alle Commander der Flotte dort sitzen konnten. Geary rief das Display auf, lie� dann die Flottenformation einblenden und musterte seine Schiffe. <emphasis>Ja. Meine Schiffe. Ich bin f�r sie alle verantwortlich. Und ich wei�, dass die Syndiks bei Ixion auf uns warten. Aber es ist egal, wohin wir von hier aus springen, sie haben f�r uns �berall etwas vorbereitet.</emphasis></p><p>Nicht zu wissen, wie er seine Flotte arrangieren sollte, war ihm schlicht zuwider. Wie soll ich das machen, wenn ich nicht wei�, was uns bei Ixion erwartet? Ich bin daran gew�hnt, die feindlichen Streitkr�fte mindestens etliche Stunden oder sogar Tage bis Wochen im Voraus sehen zu k�nnen, damit ich meine Flotte so anordnen kann, wie ich sie dem Feind gegen�berstellen will. Ich kann mir so etwas wie bei der Ankunft hier in Daiquon nicht noch einmal leisten.</p><p>Es war so wie die Tatsache, dass er nicht wusste, wo sich Rione im Moment aufhielt. M�glicherweise befand sie sich noch in seinem Quartier, aber vielleicht w�rde er ihr auch in die Arme laufen, wenn er in irgendeinem Korridor um die n�chste Ecke bog. Und dann? Er w�rde vom Schlimmsten ausgehen und die Initiative ergreifen m�ssen, damit Rione keine Gelegenheit bekam, ihm nach seiner kleinen Predigt den Hals umzudrehen.</p><p>Die Initiative ergreifen. Verdammt. Das klingt so einfach. Ich bin zu sehr an normale Raumschlachten gew�hnt, wo man Zeit genug hat, um das Aufeinandertreffen zu planen. Ich muss einfach davon ausgehen, dass die Syndiks mit einer gro�en Streitmacht auf uns warten. Und mit einem Minenfeld gleich vor dem Sprungpunkt. Sie wollen uns in einen Hinterhalt locken, das ist mir klar. Und mir bleibt keine andere Wahl, als in diese Falle zu fliegen. Also muss die Flotte in dem Moment man�vrieren und k�mpfen, da sie den Sprung verl�sst.</p><p>Warum nicht? Die alte Flotte h�tte das zu Gearys Zeiten nicht bewerkstelligen k�nnen. Und zwar nicht, weil es �ber ihre F�higkeiten hinausging, sondern weil es sich zu sehr von dem unterschied, wof�r sie geschult worden waren. Alles war zu der Zeit geordnet und geplant verlaufen, f�r chaotische Gemetzel hatte es keinen Platz gegeben. Aber diese Flotte, deren Offiziere nichts lieber mochten, als wild auf den Feind loszust�rmen, konnte einen solchen Plan nicht nur in die Tat umsetzen, sie wollte es auch. Sie brauchten nur einen guten Plan, der zu ihrer Bereitschaft passte, alles Notwendige zu unternehmen, um die Syndiks zu t�ten.</p><p>Okay, wie wird der Hinterhalt bei Ixion aussehen? Geh vom Schlimmsten aus. Wenn es weniger als das Schlimmste wird, kann ich darauf immer noch reagieren. Also im �rgsten Fall Minen direkt vor dem Sprungpunkt. Gleich dahinter eine gro�e Syndik-Streitmacht, die das Feuer er�ffnen wird, sobald unsere Schiffe ins Minenfeld geraten sind. Sie werden das versuchen, was wir mit ihnen bei Ilion gemacht haben, nur werden sie alles noch dichter an den Sprungpunkt verlegen als wir. Wenn sie aufgepasst haben, wie ich vorgehe, warten ihre Schiffe auch noch �ber und unter dem Sprungpunkt sowie links und rechts davon. So k�nnen sie uns von allen Seiten ins Visier nehmen, w�hrend wir dem Hauptpulk ihrer Flotte in die Arme fliegen. Vielleicht auch nicht. Daf�r ben�tigt man eine gro�e Anzahl Schiffe. Ich muss ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, indem ich diese Schiffe so agieren lasse, wie sie es normalerweise nicht tun w�rden. Auf eine Weise, wie diese Flotte sonst nicht vorgeht.</p><p>Er ver�nderte das Display und testete verschiedene Formationen und Flottenbewegungen, bis er zufrieden in sein Quartier zur�ckkehrte. Auf dem Weg dorthin war er sich unschl�ssig, ob er ihr dort begegnen wollte oder nicht.</p><p>Seine Kabine war jedoch verlassen. Gleich hinter der T�r blieb er stehen und dachte an Victoria Riones Gesichtsausdruck, als er sie zuvor hier allein zur�ckgelassen hatte. Einen Moment lang �berlegte er ernsthaft, ob er das Quartier nach Sprengfallen absuchen sollte. Nur seine Vorfahren konnten wissen, zu welcher Art von Vergeltungsschlag jemand wie Rione f�hig war.</p><p><emphasis>Jetzt unterstell</emphasis> ihr <emphasis>nicht auch noch etwas. Es ist schon schlimm genug, dass du nicht wei�t, welchen Kommandanten deiner Flotte du vertrauen kannst und welchen nicht,</emphasis> ermahnte er sich. Er versandte eine Nachricht an die befehlshabenden Offiziere, sich in einer halben Stunde im Konferenzraum einzufinden, dann machte er sich frisch, damit er wieder vorzeigbar war. Auf dem R�ckweg zum Besprechungsraum fragte er sich, ob Ger�chte �ber seine Auseinandersetzung mit Rione bereits in der Flotte die Runde machten und ob jemand das Thema zur Sprache bringen w�rde.</p><p>Captain Desjani hatte bereits ihren Platz eingenommen und sprang respektvoll auf, als Geary eintrat. �Gibt es etwas Wichtiges, Sir?�</p><p>�In gewisser Weise. Nichts Bedrohliches, nur eine Sache, die jeder wissen muss, bevor wir den Sprung nach Ixion unternehmen.�</p><p>Gemeinsam warteten sie, und als die genannte Zeit n�her r�ckte, begannen rings um den Tisch die ersten Commander aufzutauchen. Je gr��er ihre Zahl wurde, umso weiter erstreckten sich der Tisch und der Raum in die L�nge, um ihnen allen Platz zu bieten.</p><p>Als die Besprechung beginnen sollte, stand Geary auf, aber bevor er ein Wort sagen konnte, warf Captain Midea von der <emphasis>Paladin</emphasis> ein: �Haben Sie beschlossen, doch nicht nach Ixion zu fliegen? Werden wir uns nun doch wieder vom Gebiet der Allianz entfernen?�</p><p>Alle Anwesenden schienen gebannt den Atem anzuhalten, w�hrend sie auf Gearys Reaktion warteten. Er versp�rte einen pl�tzlich aufwallenden Zorn, den er nur schwer b�ndigen konnte. Er konnte sich N�chte um die Ohren schlagen, um einen Weg zu finden, wie er den Syndiks ein Schnippchen schlug und die Schiffe und Besatzungsmitglieder der Allianz-Flotte rettete, und doch machten ihm immer wieder Senioroffiziere das Leben schwer, die eigentlich dankbar sein sollten, dass sie nicht l�ngst in einem Syndik-Arbeitslager mit gerade eben noch atembarer Atmosph�re gro�e Steine zu kleinen Steinen zerschlagen mussten. Es wirkte seiner Wut nicht entgegen, dass Captain Midea�� die bislang bei den Konferenzen im Hintergrund geblieben war�� jetzt so ernst dreinblickte und ihre Uniform so tadellos trug, dass sie ihn unwillk�rlich an jene Leitenden Offiziere der Syndiks erinnerte, die Geary zu sehen bekommen hatte.</p><p>W�hrend er ihr eindringlich in die Augen sah, erinnerten die ihrem Bild mitgelieferten Daten ihn daran, dass die <emphasis>Paladin</emphasis> Teil dieser immer unertr�glicher werdenden Dritten Schlachtschiffdivision war, zu der auch Captain Casia und Commander Yin geh�rten�� ebenso wie Captain Faresa und Captain Numos, die beide unter Arrest standen.</p><p>Die Kombination aus respektlosem Betragen, seiner eigenen M�digkeit nach einer schlechten Nacht, den Problemen mit Victoria Rione und der Ver�rgerung �ber diese unm�gliche Schlachtschiffdivision h�tten Geary beinahe dazu gebracht, dieser Frau f�rmlich ins Gesicht zu springen. Zum Gl�ck fiel ihm dann ein, warum er die Besprechung einberufen hatte, und ihm wurde klar, dass entweder das Gl�ck oder aber seine Vorfahren ihn mit der perfekten Erwiderung auf Captain Mideas Vorwurf ausgestattet hatten.</p><p>Anstatt also vor Wut zu explodieren, l�chelte Geary sie finster an. �Wir reisen nach Ixion, Captain. Wir reisen nach Ixion, und wir werden in Gefechtsformation den Sprungpunkt verlassen, weil ich fest davon ausgehe, dass die Syndiks uns dort in eine Falle laufen lassen wollen. Ich habe diese Besprechung einberufen, damit Sie alle wissen, wie wir in dieses Gefecht ziehen werden.�</p><p>Geary sah ihr an, dass diese Antwort sie aus dem Konzept brachte. Sie hatte sich darauf eingestellt, mit ihm �ber seine allzu vorsichtige Vorgehensweise zu diskutieren. Keiner seiner Widersacher w�rde es wagen, gegen seinen unerwarteten Plan Einw�nde zu erheben. Captain Casia blieb so nichts anderes �brig, als den Mund zuzumachen und sich in seinem Sessel nach hinten zu lehnen.</p><p>Geary griff nach unten und tippte eine Reihe von Befehlen ein. �ber dem Tisch erwachte das Display zum Leben und zeigte die Formation, die er am Morgen ausgearbeitet hatte. �Wir bringen die Flotte vor dem Sprung in die Formation Kilo One. Diese Gefechtsformation ist in etliche Unterformationen aufgeteilt, von denen jede um einen Schlachtkreuzer oder ein Schlachtschiff herum angeordnet ist. Diese Formationen wiederum sind so angeordnet, dass jede von ihnen der Nachbarformation Feuerschutz geben kann.� Er drehte die Darstellung des Displays, damit deutlich wurde, dass die Formation aus insgesamt zw�lf Bl�cken bestand, die zusammen die grobe Form eines Quaders ergaben.</p><p>Captain Desjani sah sich so wie die �brigen Offiziere die Formation an und meldete sich als Erste zu Wort. �F�r den Fall, dass wir in eine �hnliche Situation wie hier in Daiquon geraten?�</p><p>�Ganz genau. Sie k�nnen erkennen, dass jede dieser Unterformationen eigenst�ndig ist. Keine leichtere Einheit ist weit von der Unterst�tzung durch schwerere Schiffe entfernt, und die schweren Schiffe sind alle von leichten Einheiten umgeben, die ihnen wiederum R�ckhalt geben. Ganz gleich, worauf wir auch treffen, diese Unterformationen werden in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen, und gemeinsam k�nnen wir jede beliebige Syndik-Formation aus mehreren Winkeln gleichzeitig attackieren. Es ist keine perfekte Gefechtsformation, weil wir nicht wissen, wie die Syndiks ihre Schiffe anordnen werden. Aber in jedem Fall k�nnen wir so alle Syndik-Schiffe in der N�he des Sprungpunkts aus dem Weg r�umen und gleichzeitig unsere eigene Flotte bestm�glich sch�tzen, bis wir das erste Kampfgebiet hinter uns gelassen haben. Danach k�nnen wir unsere Formation umstellen, um erneut zuzuschlagen.�</p><p>�Dann gehen Sie davon aus, dass es gleich am Sprungpunkt zu einer gro�en Auseinandersetzung kommen wird?�, fragte Captain Tulev. �Hier bei Daiquon war das ein Zufall, aber so sind wir noch nie vorgegangen.�</p><p>�Jetzt werden wir es machen.� Er l�chelte Tulev zu, dann sah er sich am Tisch um. �Wenn wir den Sprungraum verlassen, werden wir in Gefechtsbereitschaft sein, um es mit einer gro�en Streitmacht aufzunehmen. Wir werden sie unter Beschuss nehmen und ihnen wehtun, noch bevor sie begreifen, dass wir eingetroffen sind.� Er sah, wie sich die Mienen der Offiziere aufhellten. Diese Flotte liebte es, sich ins Gefecht zu st�rzen. Seit er das Kommando �bernommen hatte, war er in erster Linie damit besch�ftigt gewesen, diesen M�nnern und Frauen behutsam beizubringen, mit dem gleichen Eifer ihren Kopf zu gebrauchen, mit dem sie auch in den Kampf zogen. F�r gew�hnlich bedeutete das, eben nicht draufloszust�rmen, was viele von ihnen nur mit M�he hatten akzeptieren k�nnen. Nun bot er ihnen genau das, was sie am liebsten machten, und die Aussicht auf ein richtiges Gemetzel lie� sie alle vor Freude strahlen.</p><p>�Alle Einheiten werden bei Zeit drei null Formation Kilo One einnehmen�, fuhr Geary fort. �Die jeweiligen Positionen innerhalb der Formation werden an Ihre Schiffe �bermittelt, sobald diese Besprechung beendet ist. Au�erdem erhalten Sie Man�verbefehle, die wirksam werden, sobald Ihre Schiffe Ixion erreichen. Wir werden den Sprungpunkt mit nur 0,05 Licht verlassen. In dem Moment, da jedes Schiff mit seiner Unterformation den Sprungraum verlassen hat, wird es seinen Kurs um sechs null Grad nach oben �ndern.</p><p>�Minen?�, fragte Captain Cresida.</p><p>�Richtig. Eine so drastische Kurs�nderung sollte uns an den Minen vorbeif�hren. Die Syndiks waren damit besch�ftigt, den Sprungpunkt hier bei Daiquon zu verminen, folglich m�ssen wir davon ausgehen, dass sie das auch in allen anderen Systemen machen, in die wir ihrer Meinung nach gelangen k�nnen. Sobald wir das Minenfeld hinter uns gelassen haben, �ndern wir abermals und beschleunigen in dem Ma�, das n�tig ist, um den Feind in einen Kampf zu verwickeln.�</p><p>�Das d�rften eine Menge Minen sein�, stellte Captain Duellos fest. �Die Syndiks m�ssen viele Ressourcen opfern.�</p><p>�Und sie st�ren damit den Handel mit Systemen, die nicht ans Hypernet angeschlossen sind�, erg�nzte Geary.</p><p>�Allm�hlich d�rften sie verzweifeln�, folgerte Cresida. �Immer versuchen sie, uns aufzuhalten, aber nichts davon zeigt Wirkung, und wir kommen der Allianz best�ndig n�her.�</p><p>Diese Aussage wurde durch gen�gend Belege gest�tzt, sodass niemand etwas dagegen einwenden konnte, auch wenn einige Commander eine nachdenkliche Miene aufgesetzt hatten.</p><p>�Gibt es noch Fragen?�, wollte Geary wissen.</p><p>�Wohin werden wir von Ixion aus weiterfliegen?� Captain Casia hatte sich von dem Schock gen�gend erholt, um wieder Fragen zu stellen.</p><p><emphasis>Steck ihn doch endlich in die Arrestzelle,</emphasis> dr�ngte Black Jack ihn, doch er atmete tief durch und antwortete ruhig, aber nachdr�cklich: �Das habe ich noch nicht entschieden. Es h�ngt davon ab, was wir bei Ixion vorfinden. Von dort k�nnen wir zu vier weiteren Sternensystemen gelangen, f�nf, wenn man Daiquon mitz�hlt, auch wenn ich nicht die Absicht habe, hierher zur�ckzukehren. Weitere Fragen?�</p><p>Commander Yin meldete sich zu Wort. �Warum nimmt Co-Pr�sidentin Rione nicht mehr an diesen Besprechungen teil?�</p><p>Die Ger�chte hatten sich so schnell verbreitet wie von Geary vermutet. Er fragte sich allerdings, wer darauf achtete, wer seine Kabine betrat und verlie�, und wie derjenige das anstellte. �Das m�ssen Sie schon Co-Pr�sidentin Rione selbst fragen. Sie wei�, sie ist hier willkommen, aber ich habe auch allen Grund zu der Annahme, dass die Schiffe der Callas-Republik und der Rift-F�deration sie �ber alles auf dem Laufenden halten.� Die Befehlshaber dieser Schiffe nickten best�tigend, wenngleich zum Teil auch z�gerlich.</p><p>�Warum �u�ert sie nicht mehr ihre Meinung?�, fragte Captain Midea. �Hier bei den Besprechungen, meine ich. Wir wissen, dass sie Ihnen gegen�ber unter vier Augen nicht damit zur�ckh�lt.�</p><p>Seine Widersacher hatten schon einmal versucht, durch Unterstellungen f�r Unruhe zu sorgen, weil eine zivile Politikerin ihrer Ansicht nach viel zu gro�en Einfluss auf diese Flotte besa�. So wie es aussah, sollte das jetzt abermals zum Thema gemacht werden. Anstatt seiner Wut dar�ber freien Lauf zu lassen, beschloss er, das Ganze mit Humor zu nehmen. �Captain Midea, wenn Sie Co-Pr�sidentin Rione kennen, dann wissen Sie, dass nichts und niemand in der Lage ist, sie davon abzuhalten, ihre Meinung kundzutun, wann und wo immer sie das tun m�chte.� Viele Anwesende begannen daraufhin zu grinsen. �Co-Pr�sidentin Rione l�sst mich ihre Ansichten wissen, und sie hat wertvolle Beitr�ge geleistet, von denen die ganze Flotte profitieren konnte.�</p><p>Captain Desjani nickte best�tigend, w�hrend sie eine neutrale Miene aufsetzte. �Co-Pr�sidentin Rione befindet sich f�r gew�hnlich auf der Br�cke, wenn wir eine Operation durchf�hren.�</p><p>�Co-Pr�sidentin Rione hat beim Bodeneinsatz auf Baldur offen ihre Vorschl�ge unterbreitet�, stimmte Colonel Carabali ein. �Niemand hat versucht, ihre Beteiligung zu verschleiern.�</p><p>�Aber warum ist sie nicht hier?�, beharrte Commander Yin, deren Tonfall andeutete, etwas w�rde ihnen allen verschwiegen.</p><p>�Ich wei� es nicht�, gab Geary k�hl zur�ck. �Als Mitglied des Allianz-Senats ist sie nicht meiner Befehlsgewalt unterstellt. Als B�rgerin der Allianz ist es Ihr gutes Recht, jederzeit mit einem Senator Kontakt aufzunehmen und ihm die Fragen zu stellen, die Sie interessieren. Also, warum fragen Sie sie nicht selbst?�</p><p>�Eine Politikerin, f�r die der Flottenkommandant st�ndig zu sprechen ist�, sagte der Captain der <emphasis>Resolution</emphasis> verhalten. �Sie werden doch sicherlich verstehen, warum wir in Sorge sind, Captain Geary.�</p><p>Er versuchte, darauf ruhig zu antworten, auch wenn ihm diesmal gar nicht gefiel, in welche Richtung sich diese Diskussion bewegte. �Co-Pr�sidentin Rione ist eine Politikerin der Allianz, nicht der Syndiks. Sie steht auf unserer Seite.�</p><p>�Politiker denken nur an ihren eigenen Vorteil�, warf der Captain der <emphasis>Fearless</emphasis> ein. �Das Milit�r bringt Opfer f�r die Allianz, w�hrend die Politiker Fehlentscheidungen treffen und das gro�e Geld einstreichen.�</p><p>�Zu einer solchen Diskussion geh�ren auch politische Einstellungen�, gab Geary zu bedenken. �Wir sind nicht hier, �ber das F�r und Wider der politischen F�hrung der Allianz zu debattieren. Ich erkl�re nochmals, dass Co-Pr�sidentin Rione keine Entscheidungen �ber die Vorgehensweise dieser Flotte getroffen hat und sie auch zuk�nftig nicht treffen wird. Aber sie hat das Recht und die Verantwortung, mir jederzeit ihre Meinung und ihre Empfehlungen mitzuteilen. Schlie�lich arbeiten wir f�r sie, weil sie letztlich f�r die B�rger der Allianz arbeitet.� War das jetzt zu dick aufgetragen? Er war sich nicht sicher. Allerdings h�tte er auch nie erwartet, Offiziere der Allianz an solch grundlegende Dinge erinnern zu m�ssen.</p><p>Einen Moment lang herrschte Schweigen, dann fragte Captain Duellos fast beil�ufig: �Glauben Sie, dass die Autorit�t der Zivilregierung �ber Sie absolut ist, Captain Geary?�</p><p>F�r ihn stellte es kein Problem dar, auf diese Frage zu antworten, allerdings �berlegte er, warum sie �berhaupt gestellt worden war. �Das ist richtig. Ich befolge die Befehle der Regierung, oder ich trete von meinem Posten zur�ck. So l�uft das in der Flotte.� Weniger Anwesende als Geary sich erhofft hatte nickten zustimmend. Neben allem anderen, was in diesem schier unendlichen Krieg auf der Strecke geblieben war, hatten viele Offiziere der Flotte offenbar das Vertrauen in die F�hrung der Allianz verloren. Aus Gearys eigener Erfahrung mit Captain Falco wusste er, dass ein Teil der Flotte zu der Ansicht neigte, dass die milit�rische Pflicht der Flotte es rechtfertigen konnte, gegen die eigene Zivilregierung vorzugehen. Vielleicht konnte Black Jacks Ruf ja dazu beitragen, diesen sch�dlichen Gedanken aus der Welt zu schaffen, bevor er noch mehr Schaden anrichten konnte. �Das macht uns zur Allianz. Wir sind der Regierung zur Rechenschaft verpflichtet, die Regierung ist das wiederum ihren B�rgern gegen�ber. Wenn einer von Ihnen an diesem System zweifelt, dann rate ich Ihnen, sich unsere Feinde etwas genauer anzusehen. Die Syndikatwelten sind das Resultat, wenn m�chtige Leute nur das machen, was sie wollen.�</p><p>Seine Worte kamen einer Ohrfeige ins Gesicht derjenigen gleich, die Geary zu seinen Gegnern rechnete, und er sah, dass sie bei einigen von ihnen Wirkung zeigten. �Vielen Dank. Ich gehe davon aus, dass wir die n�chste Besprechung bei Ixion halten werden.�</p><p>Die Teilnehmer l�sten sich z�gig in Luft auf, doch diesmal war es Captain Badaya, der im Konferenzraum zur�ckblieb. Er warf Desjani einen auffordernden Blick zu, sie betrachtete ihn absch�tzend, dann zog sie sich zur�ck.</p><p>Nachdem sie gegangen war, wandte sich Badaya an Geary und sagte leise: �Captain Geary, ich habe zu denjenigen geh�rt, die ihre Zweifel hatten, was Sie anging. So wie alle in dieser Flotte war ich in dem Glauben aufgewachsen, Black Jack Geary sei das Idealbild des Allianz-Offiziers, ein mit keinem anderen Menschen vergleichbares Individuum, das die Allianz gerettet hatte und eines Tages zur�ckkehren w�rde, um sie erneut zu retten.�</p><p>Es missfiel ihm, so etwas h�ren zu m�ssen. �Captain Badaya��</p><p>Der hielt eine Hand hoch, um ihn zu unterbrechen. �Lassen Sie mich ausreden. Als die Flotte Sie entdeckte, da geh�rte ich <emphasis>nicht</emphasis> zu denjenigen, die bereit waren, Ihnen vorbehaltlos zu vertrauen. Ich war nicht gegen Sie eingestellt, aber ich war auch kein Bef�rworter. Nach so vielen Jahren Krieg fiel es mir schwer, an einen Wunderretter zu glauben.�</p><p>Geary l�chelte schwach. �Ich kann Ihnen versichern, ich bin kein Wunderretter, Captain Badaya.�</p><p>�Stimmt�, pflichtete Badaya ihm bei. �Daf�r sind Sie n�mlich menschlich genug. Was mich dazu gebracht hat, mich denjenigen anzuschlie�en, die von ganzem Herzen an Sie glauben. Ich teile nicht deren abstraktes Vertrauen in Sie, aber ich kann sagen, dass Sie bewiesen haben, dass Sie ein au�ergew�hnlich guter Kommandant sind. Kein anderer Offizier, den ich kenne, h�tte diese Flotte so weit bringen und dabei auch noch diese Siege erringen k�nnen. Aber das ist genau das, wor�ber ich mit Ihnen reden muss. Sollten wir ins Allianz-Gebiet zur�ckkehren, dann nur, weil Sie die Flotte dorthin gef�hrt haben. Sie haben etwas geschafft, was niemand sonst konnte.�</p><p>Pl�tzlich wurde Geary klar, wohin dieses Gespr�ch f�hren w�rde, und er konnte nur inst�ndig hoffen, er m�ge sich irren.</p><p>�Wie dumm w�re es, wenn jemand mit Ihrem Talent�� jemand, der diesen Krieg letztlich gewinnen k�nnte�� sich der Kontrolle durch die Dummk�pfe im Gro�en Rat und im Senat unterw�rfe, die beide ihren Beitrag dazu geleistet haben, diesen Krieg immer weiter in die L�nge zu ziehen?�, fragte Badaya. �Sie besitzen den Idealismus der Vergangenheit, mit dem wir gut gefahren sind, aber Sie m�ssen sehen, was in den letzten hundert Jahren zu Hause geschehen ist. Ja, die Politiker sollten den Menschen der Allianz Rechenschaft ablegen, aber seit Langem k�mmern sie sich nur noch um ihre eigenen Interessen. Sie haben mit dem Schicksal der Allianz ebenso gespielt wie mit dem Schicksal des Milit�rs, das die Allianz verteidigt. Wie viele Zivilisten und Soldaten sind in diesem Krieg schon gestorben, der kein Ende nimmt? Nur weil gedankenlose Politiker sich in die Entscheidungen eingemischt haben, die rechtm��ig von denjenigen getroffen werden sollten, die an der Front ihr Leben riskieren.�</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf. �Captain Badaya��</p><p>�H�ren Sie mir bitte erst zu. Sie k�nnen etwas bewirken. Sie k�nnen die Allianz vor Politikern retten, denen die Menschen der Allianz nicht mehr vertrauen und nicht mehr glauben. Wenn wir zur�ck in der Allianz sind, dann k�nnen Sie f�r sich die Autorit�t in Anspruch nehmen, die man ben�tigt, wenn man diesem Krieg mit seinem endlosen Blutvergie�en ein Ende bereiten will. Die Menschen werden Black Jack Geary folgen, wenn er sie ruft.� Badaya nickte ernst, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. �Es gibt viele Commander in der Flotte, die so denken wie ich. Mich hat man gebeten, f�r sie zu sprechen und Ihnen zu versichern, dass unser Glaube an Sie nicht allein auf den Legenden basiert, die Sie umgeben. Und nat�rlich gibt es einige, die sich immer gegen Sie aussprechen werden, egal was Sie tun. Dieser Offiziere k�nnen wir uns annehmen, damit ein f�r alle Mal Ruhe herrscht.�</p><p>So deutlich war Geary noch nicht das Angebot unterbreitet worden, sich zum Diktator aufzuschwingen. Badayas Ausf�hrungen gen�gten, um ihn des Verrats anzuklagen, doch Geary ben�tigte Offiziere wie ihn, wenn er die Flotte nach Hause bringen wollte. �Ich� wei� Ihre Worte zu sch�tzen, und ich� ich bin Ihnen dankbar daf�r, wie Sie �ber mich denken. Aber ich kann nicht guten Gewissens in Erw�gung ziehen, was Sie mir anbieten. Es widerspricht allem, woran ich als Offizier der Allianz glaube.�</p><p>Wieder nickte Badaya. �Ich hatte auch nicht erwartet, dass Sie das Angebot auf der Stelle annehmen w�rden. Sie sind viel zu umsichtig, um auf einen solchen Vorschlag einzugehen, solange Sie nicht gr�ndlich dar�ber nachgedacht haben. Wir m�chten Ihnen lediglich deutlich machen, was Sie tun k�nnten und welchen R�ckhalt Sie in unseren Reihen genie�en, damit Sie vor unserer R�ckkehr ins Allianz-Gebiet in Ruhe nachdenken k�nnen. Wenn Sie erst einmal aus erster Hand erlebt haben, wie die Politiker im Rat und im Senat sich verhalten, werden Sie Ihre Einstellung schon noch �ndern.�</p><p>�Captain Badaya, �hnliche �berlegungen wurden bereits von Captain Falco ge�u�ert, allerdings mit dem Unterschied, dass er sich selbst als denjenigen sah, der die Macht ergreifen sollte.�</p><p>Badaya verzog den Mund. �Captain Falco hatte noch nie ein Problem damit, seine Selbsteinsch�tzung kundzutun. Das hat mir nie gefallen. Sie unterscheiden sich von ihm. So wie sich der gro�e Sieg, den Sie bei Ilion errungen haben, von der verheerenden Niederlage unterscheidet, die Falco bei Vidha angerichtet hat.�</p><p><emphasis>Sag es. Sprich es klar und deutlich aus.</emphasis> Er konnte nicht zulassen, dass irgendwer glaubte, er w�rde ernsthaft �ber dieses Angebot nachdenken wollen. �Captain Badaya. Ich bin <emphasis>nicht</emphasis> Captain Falco, und ich kann mir keine Situation vorstellen, in der ich mich bereit erkl�ren w�rde, die Herrschaft �ber die Allianz an mich zu rei�en.�</p><p>Es schien Badaya nicht zu st�ren. Vielmehr nickte er erneut. �Wir haben diese Antwort erwartet, immerhin sind Sie Black Jack Geary. Aber Black Jack Geary f�hlt sich dem Wohl der Allianz verpflichtet, nicht wahr? Wir bitten Sie nur, dar�ber nachzudenken, wie viel Gutes Sie damit tun k�nnten. Die Menschen der Allianz brauchen Sie, Captain Geary, weil Sie sie genauso retten k�nnen, wie Sie es mit dieser Flotte tun. Als wir Sie aus der Rettungskapsel bargen, da habe ich das nicht f�r m�glich gehalten, aber Sie haben mich dazu gebracht, dass ich daran glaube. Erwarten Sie keine Dankbarkeit von den Politikern, wenn Sie die Flotte nach Hause gebracht haben. Die werden Sie als einen Rivalen ansehen und alles tun, um Sie zu vernichten. Doch ich kann Ihnen versichern, es wird niemanden geben, der deren Befehl ausf�hrt, Sie zu inhaftieren. Die Mehrheit der Flotte steht hinter ihnen. Ich danke Ihnen f�r Ihre Zeit, Sir.� Badaya salutierte und wartete, bis Geary die Geste erwiderte, erst dann l�ste er sich auf.</p><p>Geary lie� sich in seinen Sessel fallen und dr�ckte die Handfl�chen gegen sein Gesicht. Verdammt. ��berlegen Sie mal, wie viel Gutes Sie damit tun k�nnten.� Vorfahren, bewahrt mich vor denen, die mich hassen, und vor denen, die mich bewundern.</p><p>Als ich herausfand, dass die Syndik-B�rger auf Baldur mit ihren F�hrern unzufrieden sind, da hielt ich das f�r eine gro�artige Neuigkeit. Vielleicht w�rden sich die Syndiks endlich gegen ihre Regierung erheben. Und nun muss ich h�ren, dass viele Offiziere der Allianz mit ihrer eigenen Regierung genauso unzufrieden sind.</p><p>W�re es nicht eine unglaubliche Ironie, wenn beide Regierungen zusammenbr�chen, weil ihre B�rger genug haben von diesem endlosen Krieg? Aber was sollte an ihre Stelle r�cken? Viele kleine, untereinander zerstrittene M�chte, die jeweils aus ein paar Sternsystemen bestehen?</p><p>Was soll ich tun, wenn ich vor die Wahl gestellt werde, entweder diese Entwicklung zuzulassen oder mich zu dem Diktator aufzuschwingen, den Badaya und seine Freunde aus mir machen wollen?</p></section><section><title><p>Sechs</p></title><p>�Ich <emphasis>muss</emphasis> mit Ihnen reden.� Gearys Stimme h�rte sich spr�de an, als er ins Komm sprach. Er wusste das, aber er konnte nichts daran �ndern.</p><p>Rione reagierte nicht.</p><p>�Verdammt noch mal, Madam Co-Pr�sidentin, es geht hier um die Allianz. Es geht um Black Jack.�</p><p>Ihre Stimme schnitt sich wie eine stumpfe Klinge durch sein Herz. �Ich werde dar�ber nachdenken, und jetzt lassen Sie mich in Ruhe.�</p><p>Geary beendete die Verbindung und starrte finster auf das gegen�berliegende Schott. Ein Teil seiner Flotte war im Begriff, gegen ihn zu rebellieren, ein anderer Teil wollte, dass er Verrat an der Allianz �bte, und wieder andere akzeptierten ihn so, wie er war, und betrachteten ihn als anst�ndigen, brauchbaren Kommandanten. Unwillk�rlich gr�belte er dar�ber, was die letzte Gruppe wohl tun w�rde, sollte Geary der Versuchung erliegen, die die zweite ihm schmackhaft zu machen versuchte. W�rde sich seine Flotte in drei Lager spalten und sich untereinander bek�mpfen?</p><p>Die Lage w�re eine v�llig andere, wenn er nichts �ber die Hypernet-Portale w�sste und damit �ber die allzu reale M�glichkeit, dass die Allianz-Regierung vom zerst�rerischen Potenzial der Portale erfuhr und sich entschied, dieses Potenzial gegen die Syndiks einzusetzen. Hier ging es nicht blo� um die Rettung der Allianz, sondern m�glicherweise um das �berleben der gesamten menschlichen Rasse.</p><p>Er wusste nicht, ob er die Kraft besa�, sich der Versuchung zu widersetzen, vor allem wenn er nicht zu sagen vermochte, welches der richtige Weg war, wenn die Existenz der Menschheit auf dem Spiel stand.</p><p>Einen Moment lang �berlegte er, Captain Desjani zu rufen, um sie zu diesen Dingen zu befragen. Aber Desjani w�rde wom�glich Badayas Einstellung bef�rworten, und Geary wollte sich lieber nicht der Tatsache stellen, dass sie solch grenzenloses Vertrauen in ihn setzte. Sie hatte zu keiner Zeit besonderen Respekt vor Politikern erkennen lassen, wenn man einmal von Co-Pr�sidentin Rione absah. Nat�rlich gab sie sich nach au�en hin respektvoll, doch ihr war deutlich anzumerken, dass sie der politischen F�hrung der Allianz nicht vertraute. Und jetzt hatte sich auch noch herausgestellt, dass sie mit ihrer Meinung keineswegs allein war.</p><p>Vorfahren, was ist geschehen? Ich war der Ansicht, dass ich wei�, wie die Menschen in dieser Flotte denken, und mir klar ist, was sich durch ein Jahrhundert Krieg ver�ndert hat. Aber jetzt muss ich eingestehen, dass ich vieles dabei gar nicht ber�cksichtigt habe und dass die Lage eigentlich viel ernster ist.</p><p>Irgendwann schlief er ein, ohne Antworten auf die Fragen gefunden zu haben, die ihm zu schaffen machten.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Etwas holte Geary aus dem Schlaf, ohne dass er wusste, was es war. Jemand sa� in der N�he. Er blinzelte, um in der Dunkelheit Konturen zu erkennen. �Madam Co-Pr�sidentin?�</p><p>�Das ist richtig.� Sie sprach in einem gelassenen Tonfall, was ihn ganz erheblich beruhigte. �Mich wundert, dass Sie die Sicherheitseinstellungen nicht angepasst haben, um mir den Zugang zu Ihrem Quartier zu verwehren.�</p><p>Er setzte sich auf und vertrieb den letzten Schlaf aus seinem Kopf. �Ich dachte, es w�re nicht schlecht, wenn Sie wissen, dass Sie weiter Zugang haben.�</p><p>�Ich wei� einiges von dem, was ich an dem Abend sagte, als ich betrunken war, John Geary. Ich wei�, was ich zu Ihnen gesagt habe.�</p><p>�Dass Sie alles in Ihrer Macht Stehende tun werden, um Black Jack aufzuhalten. Ja, ich wei�.�</p><p>�Ich habe mehr als nur das gesagt�, beharrte sie.</p><p>�Dass Sie mich t�ten werden, wenn es sein muss�, erwiderte er. �Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, dass diese Drohung �ber mir schwebt.�</p><p>�Sie sind entweder sehr vertrauensvoll oder sehr naiv oder sehr dumm�, konterte sie aufgebracht.</p><p>�Versuchen Sie's mal mit �sehr ver�ngstigt��, schlug er ihr vor.</p><p>�Angst vor sich selbst?�, fragte sie und redete gleich weiter, ohne seine Antwort abzuwarten. �Wie ich h�rte, hat man Ihnen ein Angebot gemacht.�</p><p>Er w�nschte, er k�nnte ihr Mienenspiel sehen. Er hatte sich schon gefragt, ob Riones Spione in der Flotte davon irgendwie Wind bekommen w�rden. �Was haben Sie denn sonst noch so geh�rt?�</p><p>�Dass Sie geantwortet haben, Sie w�rden dar�ber nachdenken.�</p><p>�Nein, meine Antwort lautete, dass es dazu nicht kommen wird, und das habe ich klar und deutlich zu verstehen gegeben.�</p><p>Daraufhin begann sie zu lachen. �Ach, John Geary. Sie wissen nichts �ber die erste Lektion, die jeder Politiker lernt. Was Sie sagen, interessiert nicht. Es z�hlt nur, was die Leute h�ren wollen. Jemand, der Ihnen die Kontrolle �ber die Allianz anbietet, will von Ihnen kein Nein h�ren.� Sie lie� eine kurze Pause folgen. �Sie sagten, Sie wollten mit mir reden. Ich nehme an, Sie f�hlen sich versucht, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, gab er unumwunden zu. �Wegen der Hypernet-Portale.�</p><p>�Sie vertrauen den Politikern nicht, was das Wissen �ber diese Waffe angeht, richtig? Ich kann es Ihnen nicht ver�beln. Aber Sie trauen sich selbst nicht �ber den Weg, oder? Das war doch der Grund, warum Sie <emphasis>mir</emphasis> das Programm f�r die Energieberechnung gegeben haben, die beim Zusammenbruch eines Hypernet-Portals freigesetzt wird.�</p><p>�Vielleicht sollten Sie der Diktator sein.�</p><p>�Ich glaube, ich habe Ihnen gen�gend Beweise f�r meine eigenen Unzul�nglichkeiten geliefert, John Geary.� Sie hielt inne und seufzte. �Sie haben mir die ungeschminkte Wahrheit gesagt, und ich habe sie als solche erkannt. Sie k�nnen jetzt gern wieder einen Witz dar�ber rei�en, dass eine Frau Ihnen recht gegeben hat.�</p><p>�Nein, danke.�</p><p>�Bei meinen Vorfahren, Sie haben tats�chlich etwas �ber Frauen gelernt, nicht wahr? Warum ist diese Flotte nach Ixion unterwegs?�</p><p>Sie wechselte so abrupt das Thema, dass er sich fast �berrumpelt vorkam. �Weil es die beste von vielen schlechten M�glichkeiten ist.�</p><p>�Sie gehen davon aus, dass die Syndiks uns dort mit einer Streitmacht erwarten.�</p><p>�Ich gehe davon aus, dass sie uns in jedem Sternensystem erwarten, das wir von hier aus erreichen k�nnen.� Er schlug die Bettdecke zur Seite und drehte sich zu Rione um. �Ich kann nicht unentwegt Gl�ck haben. Daiquon war �u�erst knapp. W�re das Minenfeld fertig gewesen, dann h�tten wir genauso viele Schiffe verlieren k�nnen, ohne dabei dem Gegner irgendeinen Verlust beizubringen. Was haben Ihre Spione sonst noch berichtet? Ich muss wirklich wissen, was Ihnen zugetragen wird.�</p><p>�Casia und Midea sind nicht die R�delsf�hrer, die gegen Ihr anhaltendes Kommando �ber die Flotte Stimmung machen. Bislang konnte ich nicht herausfinden, wer der eigentliche Drahtzieher ist. Ich wei� nur, dass die beiden im Auftrag eines anderen handeln. Auch wenn Numos und Faresa von den Marines festgenommen und bewacht werden, ist es ihnen irgendwie gelungen, mit jenen Offizieren in Kontakt zu bleiben, die nach wie vor an sie glauben.�</p><p>Das war keine gro�e �berraschung. �Aber Numos und Faresa sind nicht diejenigen, die meine Gegner anf�hren, oder?�</p><p>�Nein.� Pl�tzlich �nderte sich Riones Tonfall und klang gek�nstelt. �Und Sie sollten wissen, dass sich hartn�ckig Ger�chte halten, wonach ich von Eifersucht auf Ihr Verh�ltnis mit Captain Desjani f�rmlich aufgefressen werde.�</p><p>Geary schlug sich mit der Faust auf den Oberschenkel. �Meine <emphasis>angebliche</emphasis> Beziehung?�</p><p>Sie lie� sich einen Moment Zeit, ehe sie antwortete: �Diesen Ger�chten begegne ich wohl am besten, indem ich aufh�re, einen Bogen um Sie zu machen, und indem ich mich gegen�ber Desjani wieder normal benehme. Au�erdem bin ich meinen Pflichten nicht nachgekommen, wie Sie mir ganz richtig vorgehalten haben. Wenn Sie mir gegen�ber ehrlich waren, dann waren meine Ratschl�ge f�r Sie von Nutzen. Sie k�nnen darauf z�hlen, dass Sie mich wieder um Rat fragen d�rfen.�</p><p>�Danke.� Geary z�gerte, da er sich nicht sicher war, wie er die offensichtlichen n�chsten Fragen formulieren sollte.</p><p>�Was geschehen ist, ist geschehen�, erkl�rte sie sanft. �Was ich zuerst gesagt habe, trifft unver�ndert zu: Mein Herz wird immer einem anderen geh�ren. Aber davon abgesehen hat sich eigentlich nichts ge�ndert. Selbst wenn mein Ehemann noch lebt, ist er f�r mich so verloren, wie ich es f�r ihn bin, als h�tte der Tod ihn geholt. Verpflichtet f�hle ich mich unver�ndert der Allianz. Ich wei�, Sie braucht mich.�</p><p>Das klang nicht richtig. �Madam Co-Pr�sidentin��</p><p>�Victoria.�</p><p>Es war schon eine Weile her, seit sie f�r ihn Victoria gewesen war. �Victoria, ich brauche deinen Rat, und ich sch�tze deine Gesellschaft. Mehr als das kann ich von dir nicht verlangen.�</p><p>�Meine Ehre wurde bereits infrage gestellt, John Geary. Ich muss das tun, was ich von nun an f�r das Beste halte. Und du hast mir gefehlt. Das hat nicht ausschlie�lich mit meiner Pflicht zu tun.�</p><p>�Das h�re ich gern.�</p><p>�Ich wollte es nicht so unpers�nlich klingen lassen. Willst du mich? Ich bin nicht betrunken. Ich� ich brauche dich.�</p><p>Er betrachtete sie in der D�sternis seiner Kabine und konnte kaum die Umrisse ihres Gesichts erkennen. Sie klang so, als w�rde sie es ernst meinen. Doch wenn es Riones oberste Priorit�t war, die Allianz vor Black Jack zu besch�tzen, dann war es f�r sie von Vorteil, wenn er wieder im gleichen Bett schlief wie sie. Sie wusste, ihm war das Angebot unterbreitet worden, das sie ihm vorausgesagt hatte. Und sie wusste, dass er sich davon in Versuchung gef�hrt f�hlte. War es ein Zufall, dass sie am Abend des Tages in sein Bett zur�ckkehrte, an dem Captain Badaya ihm den Posten eines Diktators angeboten hatte, der angeblich bei der Mehrheit der Flotte R�ckhalt fand?</p><p>Wollte sie ihn wirklich? Oder ging es ihr nur darum, alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen, damit sie eingreifen konnte, wenn der Zeitpunkt gekommen war, ihn zu stoppen? Oder wollte sie letztlich nur an seiner Macht teilhaben? Eine unmoralische Politikerin, die sich mit dem m�glichen zuk�nftigen Herrscher �ber die Allianz gut stellen wollte?</p><p>Victoria Rione stand auf und streifte ihre Kleidung ab, die um ihre F��e herum auf dem Boden landete. Dann kam sie zu ihm ins Bett und schmiegte sich an seinen K�rper. Als sich ihre Lippen ber�hrten, wurde Geary klar, dass ihm die Antworten auf seine Fragen gar nicht so wichtig waren, solange sie wieder das Bett mit ihm teilte. Als sie ihn auf das Bett dr�ckte und sich rittlings auf ihn setzte, wurde ihm klar, dass es ihn in diesem Moment nicht mal k�mmerte, ob sie in einer Hand wom�glich ein Messer hielt.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Alle Schiffe zum Sprung bereit machen.� Mit dem blo�en Auge war der Stern Daiquon nur noch als heller Punkt wahrzunehmen. Die Flotte hatte bereits vor Tagen die Formation Kilo One eingenommen, um auf alles gefasst zu sein, wenn sie Ixion erreichte. Zumindest hoffte er das.</p><p>Victoria Rione sa� wieder auf ihrem Beobachterplatz auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> und verfolgte das Geschehen, als h�tte es nie die Phase gegeben, in der sie diesen Platz gemieden hatte. Desjani hatte Rione h�flich begr��t, jedoch war es Geary so vorgekommen, als sei aus ihren Worten eine gewisse Besorgnis herauszuh�ren gewesen. Was Rione anging, so glaubte er ein triumphierendes Funkeln in ihren Augen gesehen zu haben, als sie von Desjani willkommen gehei�en wurde. Aber das hatte er sich sicher alles nur eingebildet, weil seine Sorge um das, was sie m�glicherweise in Ixion erwartete, ihn in den Fieberwahn trieb.</p><p>�Alle Einheiten der Allianz-Flotte! Beim Eintreffen bei Ixion f�hren Sie augenblicklich die befohlenen Man�ver aus und feuern auf alle feindlichen Kriegsschiffe in Reichweite. Wir springen jetzt nach Ixion.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Nicht ganz vier Tage im Sprungraum, um Ixion zu erreichen. Es h�tte keine gro�e Sache sein sollen, und doch f�hlte sich Geary in zunehmendem Ma�e unbehaglich, als sie wieder im Sprungraum unterwegs waren. Angesichts der Risiken, die sie eingehen mussten, w�nschte er, Ixion befinde sich n�her dem Allianz-Territorium, als es tats�chlich der Fall war. Obwohl der Sprungraum eine Chance bot, sich ausruhen und nachdenken zu k�nnen, ohne st�ndig von den Syndiks bedr�ngt zu werden, empfand er es als vertane Zeit, da die Stunden und Tage sich hinzogen, ohne dass sich au�erhalb des Schiffs jemals irgendetwas �nderte. Nat�rlich war das im Sprungraum nie der Fall, doch jetzt st�rte es ihn auf einmal. Er wollte etwas unternehmen, zur Tat schreiten, sich den Syndiks stellen, sie in einer Entscheidungsschlacht schlagen, herausfinden, was es mit dieser fremden Intelligenz auf sich hatte, die er und Rione auf der anderen Seite des Syndik-Territoriums vermuteten. Und er wollte diesen elenden Krieg beenden.</p><p>Dass er auch im Normalraum eigentlich gar keine Chance hatte, diese Dinge in die Tat umzusetzen, �nderte nichts daran, dass er sich im Sprungraum ma�los frustriert f�hlte. Hinzu kam die Erkenntnis, dass er w�hrend der Phasen im Sprungraum h�ufiger von der Vergangenheit tr�umte, von den Menschen, die er damals kannte und die heute seit Langem tot waren. Es war nicht sehr angenehm, aus der Unterhaltung mit einem alten Freund aufzuwachen und erkennen zu m�ssen, dass er sich mit diesem niemals wieder w�rde unterhalten k�nnen. Zumindest nicht in diesem Leben.</p><p>Sein einziger Trost war, dass er diesmal nicht �ber drei Ecken versuchte musste, etwas dar�ber in Erfahrung zu bringen, wie es Victoria Rione ging. Sie kam jeden Abend in sein Quartier und verbrachte die Nacht mit ihm. Und wenn sie sich liebten, schienen bei ihr Leidenschaft und Verzweiflung Hand in Hand zu gehen. Wenn sie aber nicht das Bett mit ihm teilte, verbarg sie weiter ihr Innerstes und lie� weder Leidenschaft noch Verzweiflung noch irgendeine andere Gef�hlsregung erkennen.</p><p>Er vertrieb sich die Zeit damit, Simulationen zu programmieren und mit dem Versuch, einzusch�tzen, was bei Ixion wohl auf sie wartete und wie die Flotte dort w�rde reagieren m�ssen. Doch er konnte das so lange machen, wie er wollte, es waren dennoch alles nur Vermutungen, denn allein die Ankunft in Ixion w�rde ihnen zeigen, was sie dort tats�chlich erwartete.</p><p>Geary versuchte sich auf das Display zu konzentrieren, als der Moment n�her r�ckte, an dem die Flotte den Sprungraum verlassen w�rde. Derzeit zeigte es nur an, was die veralteten Syndik-Aufzeichnungen hergaben, die sie in bislang durchflogenen Sternensystemen zusammengetragen hatten. Die zum Teil jahrzehntealten Daten zeigten ein relativ gut entwickeltes System mit einem fast idealen Planeten, der �ber eine beachtlich gro�e Bev�lkerung verf�gte, sowie diverse Aktivit�ten und Einrichtungen abseits des Planeten. Die f�r Handelsschiffe bestimmten Daten enthielten keinerlei Angaben �ber milit�rische Einrichtungen, es tauchten lediglich immer wieder Warnungen auf, wonach man unbedingt den jeweiligen Aufforderungen Folge zu leisten hatte, wenn Milit�rbeh�rden mit einem Schiff Kontakt aufnahmen.</p><p>�Stimmt etwas nicht, Sir?�, fragte Captain Desjani.</p><p>�Oh, ich �berlege nur, was uns da wohl erwartet�, erwiderte er. �Und ich frage mich, warum ein so gutsituiertes Sternensystem nicht mit einem Hypernet-Portal ausgestattet worden ist.�</p><p>Victoria Rione meldete sich von ihrem Platz auf der Br�cke zu Wort, den sie mittlerweile wieder eingenommen hatte. �Das kann politische Gr�nde haben�, erl�uterte sie. �In der Allianz wollten viel mehr Planeten ein Hypernet-Portal haben, als es finanzielle Mittel zu ihrem Bau gab. Und ab einem gewissen Punkt begannen sich die praktischen Erw�gungen zwischen verschiedenen Welten so sehr zu gleichen, dass die Entscheidung dadurch bestimmt wurde, welcher Politiker welchen Rivalen geschickter ins Abseits dr�ngen konnte.�</p><p>Desjani, die ihr Gesicht so abgewandt hielt, dass nur Geary, aber nicht Rione sie sehen konnte, verdrehte die Augen, um ihre Meinung �ber Politiker kundzutun. Geary hielt sich gl�cklicherweise ernst und nickte Rione in einer Weise zu, die von Desjani hoffentlich nicht als Zustimmung gedeutet wurde.</p><p>�Bereithalten zum Sprung in den Normalraum�, rief ein Wachhabender. �F�nf� vier� drei� zwei� eins� Sprung.�</p><p>Das Grau wich dem schwarzen All mit seinen wei�en Sternen, die Stille wich augenblicklich den pulsierenden Alarmsirenen, da die Sensoren der <emphasis>Dauntless</emphasis> die ersten feindlichen Kriegsschiffe in der N�he registrierten. Gleichzeitig sp�rte Geary, wie er in seinen Sessel gedr�ckt wurde, als die Steuersysteme des Schlachtkreuzers zum vorbereiteten Ausweichman�ver ansetzten, um einem m�glichen Minenfeld aus dem Weg zu gehen. Der Bug wurde dabei so abrupt nach oben gedr�ckt, dass die Tr�gheitsd�mpfer die Auswirkungen auf Schiff und Crew nicht vollst�ndig ausgleichen konnten.</p><p>N�chstes Mal w�rden die Syndiks vermutlich ihr Minenfeld auf den Bereich oberhalb des Sprungpunkts ausweiten, diesmal jedoch konnte Geary zufrieden grinsen, als er sah, wie seine gesamte Flotte einer Aufw�rtskurve folgte, die so eng war, wie es die physikalischen Gesetze zulie�en. Die Sensoren nahmen w�hrenddessen umfassende Spektralscans des Systems vor, registrierten kleine Anomalien rings um die Flotte, hinter denen sich getarnte Minen verbargen, und kennzeichneten die Positionen jener Minen, die sich entlang der Flugbahn befanden, der die Allianz-Schiffe folgen w�rden. Geary kalkulierte im Kopf die Zahlen und kam zu dem Schluss, dass die Flotte bei einer h�heren Geschwindigkeit beim Eintritt ins System dem Minenfeld nicht fr�h genug h�tte ausweichen k�nnen.</p><p>Ohne sich um den Rest des Systems zu k�mmern, galt seine ganze Aufmerksamkeit dem Gebiet, das nur wenige Lichtminuten vom Sprungpunkt entfernt lag. Er ben�tigte einen Moment, ehe er begriff, was er da eigentlich sah. Die Minen w�ren gar nicht das Schlimmste gewesen, auch wenn er sogar diesen Fall einkalkuliert hatte. Viel gef�hrlicher waren n�mlich die Syndik-Kriegsschiffe, die hinter dem Minenfeld lauerten. Vier Schlachtschiffe und sechs Schlachtkreuzer, dazu acht Schwere Kreuzer sowie lediglich drei Leichte Kreuzer und ein knappes Dutzend J�ger hatten dort in Form einer konkaven Scheibe ihre Position eingenommen. Alles, was es durch das Minenfeld geschafft h�tte, w�re genau auf diese Schiffe zugeflogen, w�hrend die Schilde noch geschw�cht waren und es noch keinen �berblick �ber die erlittenen Sch�den gab. Aber�</p><p>�Die sind nur eine Lichtminute entfernt und stehen genau vor dem Sprungpunkt�, stellte Desjani verbl�fft fest.</p><p>�Die haben gesehen, wie Captain Geary sich �ber die Spielregeln hinwegsetzt�, f�gte Rione ironisch an.</p><p>Desjani sah kurz zu ihr, dann nickte sie. �Das Oberkommando der Syndiks hat zwar gesehen, dass wir neue Taktiken anwenden, aber deren Sinn hat es noch nicht begriffen. So wie wir es auch nicht verstanden h�tten, wenn die Syndiks pl�tzlich von einem Befehlshaber angef�hrt w�rden, der auf alte Gefechtstaktiken zur�ckgreift. Die Syndiks glauben jetzt, dass sie uns schlagen k�nnen, indem sie uns nachahmen und es noch ein St�ck weit �bertreiben.�</p><p>�Glauben Sie, dass das hier gerade passiert?�, fragte Geary.</p><p>�Ich wei� es�, behauptete Desjani. �Wir h�tten es genauso gemacht, davon bin ich �berzeugt. Aber wenn sie zum Extrem greifen, haben sie den Zweck der �bung nicht verstanden. Es ist zwar nicht verkehrt, sich in der N�he eines Sprungpunkts aufzuhalten, damit man das Feuer auf den Feind er�ffnen kann, wenn der den Sprungraum verl�sst. Doch es ergibt keinen Sinn, wenn man sich so dicht davor befindet, dass man nicht reagieren kann. Wenn man dann auch noch vor dem Sprungpunkt stillsteht, fehlt jeglicher Vorteil einer relativen Geschwindigkeit.�</p><p>�M-hm�, stimmte Geary ihr zu. Es freute ihn, dass Desjani nicht nur die Vorgehensweise der Syndiks analysiert hatte, sondern sich auch der Schw�chen bewusst war, die die Allianz-Flotte unter gleichen Umst�nden demonstriert h�tte. �Unsere Flotte hat schon jetzt einen Geschwindigkeitsvorteil. Der ist zwar nicht gro�, aber da die beiden Streitm�chte so dicht beieinander sind, hat niemand Zeit, um allzu sehr zu beschleunigen, bevor die Kriegsschiffe in Gefechtsreichweite gelangen.�</p><p>Die f�hrenden Kastenformationen der Allianz-Flotte flogen soeben �ber den oberen Rand des Minenfelds hinweg. Geary konnte beobachten, wie die Syndiks zu beschleunigen begannen, um ihre Formation so zu drehen, dass sie die vorderen Einheiten der Flotte unter Beschuss nehmen konnte. Sofort gab er entsprechende Befehle aus, um den Gegner zu irritieren. �Alle Einheiten der Allianz-Flotte, beschleunigen Sie auf 0,1 Licht und �ndern Sie den Kurs um zwei null Grad nach oben. Sofort ausf�hren.�</p><p>Die Allianz-Flotte folgte einem noch steileren Kurs, sodass sie sich fast vertikal zur Ebene des Ixion-Sternensystems bewegte. Die am weitesten zur�ckliegenden Schiffe traten gerade erst in den Normalraum ein und vollzogen ihr erstes Aufw�rtsman�ver. Sie waren nicht in der Lage, die erneute Kurskorrektur sofort zu vollziehen, was sie ein wenig von ihrer gew�nschten Position abbringen w�rde, doch das war jetzt nicht weiter wichtig.</p><p>Die konkave Syndik-Scheibe wurde zusehends flacher, da die gro�en Kriegsschiffe in der Mitte ihrer Formation schneller beschleunigten als die kleineren Schiffe ringsum. �Die h�tten die Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer am Rand positionieren sollen, nicht in der Mitte�, merkte Geary an.</p><p>�Aber sie sind davon ausgegangen, dass wir genau ins Zentrum ihrer Formation fliegen w�rden�, wandte Desjani ein. �Die schweren Schiffe h�tten sich niemals mit einem Platz am Rand der Formation zufriedengegeben, weil dann den kleineren Schiffen in der Mitte die Ehre zuteil geworden w�re, von uns beschossen zu werden.�</p><p>Aha, dann folgte also Desjani auch immer noch den aktuellen Denkstrukturen, wonach es wichtiger war, die Ehre einzelner Commander zu befriedigen, anstatt eine Schlacht zu gewinnen. <emphasis>Dank sei den lebenden Sternen, dass die Syndiks sich mit Blick auf Gefechtstaktiken genauso dumm anstellen wie die Allianz.</emphasis></p><p>Die Syndiks sahen Gearys Man�ver und drehten ihre Formation abermals, um auf das Gebiet zu zielen, auf das sich die untere Ecke der Allianz-Formation zubewegte. Sie versuchten, die auf sich gestellten Einheiten unter Beschuss zu nehmen, wie Captain Cresida es mit seiner Eingreiftruppe Furious bei Sancere gemacht hatte�� allerdings ohne die hohe relative Geschwindigkeit, die Cresida f�r seine Attacke genutzt hatte. Wie Desjani ganz richtig erkannt hatte, war die Taktik der Syndiks nichts weiter als eine Kopie von Gearys Vorgehensweise, ohne dass sie allerdings das Konzept erfasst hatten, das n�tig war, um irgendeinen Erfolg zu erzielen. Da die Syndiks mit einer viel geringeren relativen Geschwindigkeit flogen, machten sie sich nur selbst zur Zielscheibe.</p><p>Und Geary war entschlossen, diesen Fehler gnadenlos auszunutzen. Geary wartete, bis die letzten Einheiten seiner Flotte den oberen Rand des Minenfelds hinter sich gelassen hatten. �Alle Einheiten, drehen Sie die Formation bei Zeit eins sieben um eins eins null Grad nach unten. Andern Sie bei Zeit eins acht den Kurs um eins eins null Grad nach unten und zwei null Grad nach Backbord.�</p><p>Die Syndiks richteten sich noch immer auf die Position aus, die ein Teil der Allianz-Formation in K�rze erreichen w�rde. Dabei bewegten sie sich nach wie vor nur halb so schnell wie die Allianz-Schiffe. Dann war die Zeit eins sieben erreicht, und alle Schiffe der Allianz drehten den Bug nach unten, um auf die Position zu zielen, auf die die Syndiks ihrerseits zusteuerten. Als die Allianz-Schiffe auf den neuen Kurs gingen, steuerte die breite Seite der Kastenformation auf einen Punkt zu, der sich genau in der Mitte der erwarteten Position des Gegners befand.</p><p>Der Befehlshaber der Syndik-Flotte mochte ein Dummkopf sein, aber so oder so blieben ihm nicht viele M�glichkeiten, um zu reagieren�� und keine von ihnen war sehr erfreulich. �Meinen Sie, er wird noch ein Man�ver versuchen?�, fragte Desjani gut gelaunt, w�hrend die Zielerfassungssysteme der <emphasis>Dauntless</emphasis> sich auf einen n�her kommenden Syndik-Schlachtkreuzer einstellten. Durch die Neuausrichtung der Formation befand sich der Block Schiffe mit der <emphasis>Dauntless</emphasis> in der Mitte nun in der N�he jenes Punkts, an dem die Syndik-Formation die der Allianz durchfliegen w�rde.</p><p>�Wenn er versucht, sich durch unsere Formation hindurchzuschl�ngeln, k�nnte er unsere Zielerfassung gen�gend irritieren, um�� Geary brach mitten im Satz ab. �Was ist denn das?�</p><p>Die Syndik-Formation begann sich abermals um ihre Achse zu drehen, doch ein Schwerer Kreuzer und ein Schlachtkreuzer achteten nicht aufeinander und waren zu hektischen Flugbewegungen gezwungen, um einen Zusammensto� zu vermeiden. Durch diese Aktion veranlasste der Schwere Kreuzer einen weiteren Schlachtkreuzer zu einer wilden seitlichen Drehung und geriet dann genau in die Flugbahn eines Syndik-Schlachtschiffs.</p><p>Eigentlich h�tte die Zeit sogar f�r das schwerste Schlachtschiff gereicht, um eine Kollision zu verhindern, aber das Ausweichman�ver erfolgte zu sp�t und fiel zu gering aus. Das Schlachtschiff erwischte den Schweren Kreuzer mit recht niedriger Geschwindigkeit, die aber immer noch einige hundert Kilometer in der Sekunde betrug, und verwandelte das kleinere Schiff in einen Tr�mmerhaufen. Die Schilde des Schlachtschiffs wiederum brachen zusammen und lie�en das schwerere Raumfahrzeug seitlich davontrudeln, da dessen Backbordseite weggerissen worden war. Ein Leichter Kreuzer, der ihm mit allen Mitteln auszuweichen versuchte, rammte daraufhin einen J�ger, wodurch beide Schiffe zerst�rt wurden.</p><p>Innerhalb weniger Minuten hatte die Syndik-Formation drei Schiffe verloren, ein weiteres schwer besch�digt und sich in einen chaotischen Haufen verwandelt, der immer noch beschleunigte, um die Allianz-Flotte zu erreichen.</p><p>�Wei� denn von denen keiner, wie man ein Schiff steuert?�, fragte Geary verwundert und betrachtete mit Entsetzen die angerichteten Verw�stungen, auch wenn die sich in den feindlichen Reihen abgespielt hatten.</p><p>�Nein�, erwiderte Desjani strahlend. �Die sind kaum ausreichend ausgebildet. Wir haben den Syndiks so hohe Verluste zugef�gt, dass sie neue Einheiten viel zu �berhastet ins Gefecht schicken m�ssen. Meinen Gl�ckwunsch, Sir.�</p><p>Gl�ckwunsch? Das erschien ihm nicht das richtige Wort f�r eine Schlacht, die ohnehin sehr einseitig ausgefallen w�re, die jetzt aber zum Gemetzel werden sollte. Die Syndik-Kriegsschiffe bem�hten sich gar nicht erst, ihre Formation wieder einzunehmen, sondern versuchten einfach, irgendwie davonzukommen. W�ren sie von den Allianz-Schiffen weit genug entfernt gewesen, oder h�tten sie zumindest eine ausreichende Geschwindigkeit gehabt, dann w�re es ihnen wom�glich gelungen.</p><p>So aber waren sie dicht vor ihrem Gegner und gerade mal halb so schnell. �Alle Einheiten, erfassen Sie Ziele in Ihrer N�he. Er�ffnen Sie das Feuer, sobald der Gegner in Reichweite ist, und gehen Sie mit Ihrer Munition sparsam um.�</p><p>Die Kastenformation der Allianz glitt �ber das verstreute Durcheinander an Syndik-Schiffen hinweg. Ein paar Salven Phantom-Geschosse wurden von den Allianz-Schiffen abgefeuert und bewegten sich auf Ziele in den feindlichen Reihen zu. Der von der <emphasis>Dauntless</emphasis> erfasste Schlachtkreuzer versuchte zu beschleunigen, um sich seinen Weg durch die Allianz-Formation zu bahnen, ohne auch nur den Versuch eines Ausweichman�vers zu unternehmen. F�r die Kart�tschen der <emphasis>Dauntless,</emphasis> der <emphasis>Daring</emphasis> und der <emphasis>Victorious</emphasis> gab er damit ein perfektes Ziel ab, das man nicht verfehlen konnte.</p><p>Der Aufprall der Geschosse auf den Bugschilden des Syndik-Schlachtkreuzers sorgte f�r eine Serie von grellen Lichtblitzen, als die metallenen Kugeln beim Kontakt mit den Schilden verdampften. Die Schilde wiederum brachen unter der F�lle der Treffer zusammen, sodass die letzte, von der <emphasis>Victorious</emphasis> kommende Salve in der Bugpanzerung des Schiffs einschlug und das Metall in einem Inferno aus glei�endem Licht und Hitze in Gas verwandelt wurde. Die nachfolgenden Salven aus H�llenspeeren von allen drei Schiffen schnitten sich der L�nge nach durch den Rumpf, lie�en jedes System zusammenbrechen und t�teten vermutlich den gr��ten Teil der Crew.</p><p>Ohne es zu bemerken, hatte Geary gebannt den Atem angehalten, dann fluchte er, da ihm bewusst wurde, dass er ganz auf dieses eine Gefecht konzentriert gewesen war, anstatt sich um die Schlacht als Ganzes zu k�mmern.</p><p>Die meisten Syndik-Kriegsschiffe waren von seiner Flotte bereits kampfunf�hig geschossen worden. Drei �berlebende J�ger versuchten, der Kastenformation der Allianz zu entkommen und wichen hektisch dem Beschuss aus, der von allen Seiten gleichzeitig kam. Zwei Schlachtschiffe hatten es irgendwie fast durch die ganze Allianz-Formation geschafft, doch ihre Schilde waren schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, und etliche Treffer hatten L�cher in die Panzerung gerissen. W�hrend Geary zusah, wurde eines der Schiffe von zwei Phantomen am Heck getroffen, woraufhin der Antrieb komplett ausfiel.</p><p>Die restlichen gegnerischen Schiffe konnte er nicht au�er Gefecht setzen, wenn er gleichzeitig die Formation seiner Flotte beibehalten wollte. Geary bet�tigte eine Taste und wandte sich an den Gegner: �An alle Syndik-Einheiten. Schalten Sie die Schilde ab und deaktivieren Sie die Waffen, sonst werden wir Sie vernichten.� Er schaltete auf einen anderen Kanal um: �An alle Einheiten der Allianz-Flotte mit Ausnahme der Unterformation Kilo One Nine und Kilo One Ten: Nehmen Sie die Verfolgung auf. Formation aufl�sen und nach eigenem Ermessen den Gegner stellen.�</p><p>Den besch�digten Schiffen und den Hilfsschiffen in Unterformation Kilo One Nine sowie den Schlachtschiffen in Unterformation Kilo One Ten w�rde das gar nicht gefallen, das war Geary auch klar, und es dauerte nicht lange, da meldete sich die <emphasis>Indomitable:</emphasis> �Sir, wieso d�rfen wir nicht die Verfolgung aufnehmen?�</p><p>�Weil ich Sie f�r den Fall brauche, dass einer der Syndiks versucht, die besch�digten Schiffe in Kilo One Nine zu rammen. Auf Ihrer Position sollen Sie diese Schiffe bewachen. Ihre Kameraden z�hlen darauf, dass Sie das auch tun.� Die Hilfsschiffe z�hlten erst recht darauf, aber Geary wusste, die Schlachtschiffe w�rden diese Rolle eher akzeptieren, wenn sie damit etwas f�r Ihresgleichen tun konnten.</p><p>�Die <emphasis>Orion,</emphasis> die <emphasis>Majestic</emphasis> und die <emphasis>Warrior</emphasis> k�nnen alles aufhalten, was von den Syndiks noch �brig ist�, hielt der Captain der <emphasis>Indomitable</emphasis> dagegen.</p><p>Er hatte wirklich keine Lust auf eine solche Diskussion, zumal die Zweite Schlachtschiffdivision sechs Lichtsekunden entfernt war und die Unterhaltung sich durch das st�ndige Hin und Her immer mehr in die L�nge zog, w�hrend er die Schlacht im Auge behalten musste. Wie brachte er die Beschwerden am besten zum Verstummen? �Es ist eine gr��ere Ehre, einen verletzten Kameraden zu besch�tzen, als selbst nach Ruhm zu streben, Captain�, erkl�rte er. �Ich glaube, die <emphasis>Indomitable</emphasis> und die anderen Schlachtschiffe der Zweiten Division sind dieser Ehre w�rdig, und ich glaube, man kann ihnen zutrauen, diese Aufgabe mit unersch�tterlichem Mut zu bew�ltigen.�</p><p>Der Captain der <emphasis>Indomitable</emphasis> zwinkerte, als h�tte diese Antwort ihn �berrumpelt. �Ich��</p><p>�Vielen Dank, Captain�, redete Geary sofort weiter. �Ich versichere Ihnen, die Zweite Schlachtschiffdivision wird bei der n�chsten Gelegenheit wieder an vorderster Front ins Gefecht ziehen. F�r den Moment danke ich Ihnen, dass Sie diese wichtige Aufgabe �bernehmen.�</p><p>Das Syndik-Schlachtschiff, dessen Antrieb ausgefallen war, k�mpfte immer noch und feuerte aus ein paar Batterien H�llenspeere ab, w�hrend Allianz-Schiffe es im Vorbeiflug wiederholt beschossen und es allm�hlich auf einen Klumpen Schrott reduzierten. Das zweite Schiff, das sich in seiner N�he befunden hatte, stie� einen Schwall Rettungskapseln aus und explodierte schlie�lich.</p><p>Geary wurde pl�tzlich zur Seite gedr�ckt, da Captain Desjani die <emphasis>Dauntless</emphasis> hart beidrehen lie�, um eines der �berlebenden Syndik-Schlachtschiffe zu verfolgen. F�r ein Schiff, das mit 0,1 Licht flog, bedeutete das zwar immer noch einen weiten Bogen, dennoch veranlasste das Man�ver die Tr�gheitskompensatoren, mit maximaler Leistung zu arbeiten.</p><p>Zwei der drei fliehenden J�ger waren tot, der dritte war durch einen direkten Raketentreffer ins Trudeln gekommen, und in diesem Moment wurden auch seine Rettungskapseln ausgesto�en.</p><p>Geary riss sich vom Anblick des Schlachtschiffs los, das von der <emphasis>Dauntless</emphasis> verfolgt wurde, stattdessen widmete er sich seinem Display und �berlegte, von welchem Syndik-Schiff noch eine Gefahr f�r seine Flotte ausgehen mochte. Die Syndiks waren l�ngst deutlich in der Unterzahl und konnten bereits seit dem Zerfall der Formation nicht mehr auf eine Flucht oder einen ernst zu nehmenden Gegenschlag hoffen. Lediglich ein einzelner Leichter Kreuzer schien noch eine Chance zu haben, den Allianz-Schiffen zu entkommen, doch Geary musste zweimal hinsehen, um sich zu vergewissern, dass er die Anzeige richtig gelesen hatte. <emphasis>Die lassen ihre Antriebseinheiten mit voller Kraft arbeiten. Was glauben die eigentlich, wie lange der Antrieb und die Tr�gheitskompensatoren das mitmachen werden?</emphasis></p><p>Nicht allzu lange, denn noch w�hrend die <emphasis>Dauntless</emphasis> dem Schlachtschiff hinterherflog, konnte Geary beobachten, wie der Leichte Kreuzer sich in seine Einzelteile aufl�ste, da die Tr�gheitskompensatoren vor �berlastung ausfielen und das Schiff durch die eigene Beschleunigung f�rmlich zerrissen wurde. Er wollte lieber nicht dar�ber nachdenken, was in diesen Sekunden mit der Besatzung geschah.</p><p>Captain Desjani war ganz auf das Syndik-Schlachtschiff konzentriert, das soeben eine Salve von der <emphasis>Furious</emphasis> abbekommen hatte und seine �berlebenden Waffensysteme einsetzte, um den Beschuss durch Zerst�rer und Leichte Kreuzer abzuwehren, indem es ein oder zwei H�llenspeere bei jedem Vorbeiflug abfeuerte. �Zielen Sie vor allem auf die noch funktionst�chtigen Waffenbatterien�, wies Desjani an. �Feuern, sobald wir in Reichweite sind.�</p><p>Die <emphasis>Dauntless</emphasis> zuckte im Bruchteil einer Sekunde am SyndikSchlachtschiff vorbei, die automatischen Zielerfassungssysteme beider Schiffe jagten H�llenspeere los, doch die Syndiks konnten nur einen Treffer verbuchen, der jedoch an den Schilden der <emphasis>Dauntless</emphasis> wirkungslos verpuffte.</p><p>Die Geschosse der <emphasis>Dauntless</emphasis> dagegen waren alle ins Ziel gegangen, sodass dem Syndik-Schlachtschiff nur noch eine Batterie verblieb, um H�llenspeere abzufeuern. W�hrend sich die <emphasis>Dauntless</emphasis> entfernte, n�herte sich die <emphasis>Paladin</emphasis> und pumpte den Feind mit mehreren Salven voll, bis auch die letzte Gesch�tzbatterie verstummt war und das Schiff man�vrierunf�hig im Raum trieb. <emphasis>Ergib dich endlich,</emphasis> flehte Geary den gegnerischen Kommandanten stumm an, doch obwohl bereits die ersten Rettungskapseln gestartet wurden, kam vom Syndik-Schiff keine Meldung, dass man kapituliere.</p><p>Obwohl das Syndik-Schlachtschiff praktisch tot im All trieb, richtete die <emphasis>Paladin</emphasis> ihren Null-Feld-Projektor auf das feindliche Schiff, als es sich in dessen unmittelbarer N�he befand. Die gl�hende Kugel schnitt ein tiefes Loch in das wehrlose Schlachtschiff.</p><p>Hinter der <emphasis>Paladin</emphasis> n�herte sich das Schlachtschiff <emphasis>Conqueror</emphasis> und jagte weitere H�llenspeere in das langsam trudelnde Wrack, w�hrend die Rettungskapseln hektisch das Weite suchten. Geary beobachtete das Geschehen und versp�rte wachsende Wut auf diese sinnlose Bestrafung eines Gegners, der sich l�ngst nicht mehr zur Wehr setzen konnte. Selbst Desjani schien diese Aktion f�r geschmacklos zu halten. Nachdem die <emphasis>Conqueror</emphasis> auch noch ein Null-Feld zum Einsatz gebracht hatte, jagte sie im Wegdrehen zus�tzlich zwei Phantome in den Gegner.</p><p>Das war f�r Geary der ben�tigte Anlass, um sich zu melden. �<emphasis>Conqueror,</emphasis> sparen Sie Ihre Munition f�r Schiffe, die f�r uns noch eine Gefahr darstellen�, herrschte er den Kommandanten an.</p><p>In der Waffenreichweite der Allianz-Flotte existierte kein gegnerisches Schiff mehr, von dem noch eine Gefahr h�tte ausgehen k�nnen. Ein kurzer Blick auf das Display best�tigte das. Geary ver�nderte den Ma�stab, um wieder das ganze Ixion-System betrachten zu k�nnen, und auf einmal regte sich Ver�rgerung in ihm. �Jetzt wird mir klar, warum diese Schiffe nur von so wenigen J�gern begleitet wurden.�</p><p>Desjani schaute ebenfalls auf das Display. �Neun weitere Schiffe, in Gruppen zu je drei, die vor den anderen Sprungpunkten warten, die von Ixion wegf�hren.�</p><p>Geary �berpr�fte ihre Position. �Die Gruppe, die uns am n�chsten ist, befindet sich in einer Entfernung von immerhin noch drei Lichtstunden. Die wissen nicht mal, dass wir schon hier sind.�</p><p>�Die werden sich nicht freuen, wenn das Licht der Schlacht sie erreicht�, meinte Desjani grinsend.</p><p>�Ich wei� gar nicht, ob man das �berhaupt als Schlacht bezeichnen darf. Okay, die n�chste Bedrohung ist drei Lichtstunden entfernt. Stellen wir erst mal die Formation wieder her, sofern ich die Dritte Schlachtschiffdivision dazu bringen kann, nicht l�nger auf tote Schiffe einzupr�geln.�</p><p>�Geben Sie ihnen den Auftrag, Teams loszuschicken, damit die Wracks gesprengt werden�, schlug sie vor. �Das ist eine langwierige Besch�ftigung.�</p><p>�Warum sollte ich die Crews dieser Schiffe bestrafen?�, gab Geary zur�ck. Allerdings musste irgendwer daf�r sorgen, dass sich an Bord der aufgegebenen Syndik-Schiffe nichts mehr befand, was zu bergen sich lohnte. �Andererseits sind Casia und Midea dann f�r eine Weile besch�ftigt.� Er bereitete den Befehl vor, dann unterbrach er, um einen Blick auf die Schadensmeldungen zu werfen. Es war nichts Nennenswertes zu vermelden, da mit dem Zusammenbruch der Syndik-Formation die Schlacht sehr einseitig verlaufen war. Aber� �Verdammt. Wie konnte die <emphasis>Titan</emphasis> besch�digt werden?� Es waren so wenige Schiffe in Mitleidenschaft gezogen worden, warum dann ausgerechnet die <emphasis>Titan?</emphasis></p><p>�Minentreffer�, antwortete Desjani. �Sie konnte keine so enge Kurve fliegen, dass sie an den Minen vorbeigekommen w�re.�</p><p>�Captain Tyrosian hatte mich gewarnt, dass die <emphasis>Titan</emphasis> so schwer zu man�vrieren ist wie ein Elefant, wenn sie mit Rohstoffen vollgeladen ist.� Geary seufzte, hielt gebannt den Atem an und sah sich die Schadensliste an. �Ganz so schlimm ist es nicht, aber die Flotte muss das Tempo reduzieren, damit die <emphasis>Titan</emphasis> alle notwendigen Reparaturen erledigen kann.� Es war an der Zeit, wieder einen Anschein von Ordnung in die Flotte zu bringen. �Alle Einheiten, stellen Sie das Feuer ein, sofern Sie nicht beschossen werden, und nehmen Sie Formation Delta Two rings um Flaggschiff <emphasis>Dauntless</emphasis> ein.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Geary sa� auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> und sah zu, wie die Formation seiner Flotte wieder Gestalt annahm, w�hrend er dar�ber gr�belte, was genau es war, das ihm nicht behagte. Mit den verbliebenen Syndik-Schiffen hatte es nichts zu tun, denn so �rgerlich es auch war, dass neun J�ger �berlebt hatten, lie� sich daran nichts �ndern. Ihre Aufgabe war es zweifellos, die Bewegungen der Allianz-Flotte zu beobachten, und sie w�rden eher das System verlassen, anstatt sich in einen aussichtslosen Kampf zu st�rzen. Zwei Gruppen J�ger waren so weit entfernt, dass sie bis jetzt noch nichts von der Ankunft der Allianz-Flotte wussten. Es waren auch keine anderen Schiffe im System unterwegs, die Grund zur Sorge darstellten. Die Handelsschiffe stellten keine Bedrohung dar, und sobald sich das Licht von der Ankunft der Flotte im System verbreitete, w�rden sich die zivilen Schiffe ohnehin schnellstens irgendwohin in Sicherheit begeben.</p><p>Die Flotte war in einer Entfernung von sechs Lichtstunden zum Stern Ixion ins System gekommen. Von vereinzelten Bergbau- und Fabrikationsanlagen abgesehen konzentrierte sich die Pr�senz der Syndiks auf die einzige bewohnbare Welt, die nur neun Lichtminuten von ihrem Stern entfernt ihre Bahn zog. Wie nicht anders zu erwarten, hatte Ixion darunter gelitten, dass es hier kein Hypernet-Portal gab, wenn auch nicht so dramatisch, wie Geary es in anderen Systemen gesehen hatte. Die Wirtschaft schien noch recht gut zu funktionieren, und nach der Analyse von Atmosph�re und Oberfl�che des Planeten verf�gte er nach wie vor �ber eine hohe Bev�lkerungsdichte und ausreichende Industrieanlagen.</p><p>Um diesen Planeten kreiste eine Orbitaleinrichtung, die von den Sensoren der Flotte als wahrscheinlich milit�risch eingestuft wurde, aber keine Gefahr darstellte. Geary hatte bereits eine Nachricht an alle Syndiks im Ixion-Sternensystem abgesetzt, um sie zu warnen, den Vorbeiflug der Flotte nicht zu st�ren, und um sie davon in Kenntnis zu setzen, dass bei Daiquon �berlebende darauf warteten, von ihnen gerettet zu werden.</p><p>Was war also das Problem? Die einzige nennenswerte Milit�rpr�senz der Syndiks im System war problemlos �berrannt worden. Zu problemlos. Ja, genau. Das war's. �Die Besatzungen dieser Syndik-Schiffe waren im Kampf v�llig unerfahren.�</p><p>Captain Desjani sah ihn an und nickte zustimmend. �Das ist ja auch kein Wunder.�</p><p>�Und trotzdem hat man am Sprungpunkt Position einnehmen lassen, als sei es v�llig klar, dass wir Kurs auf Ixion nehmen.�</p><p>�Ja, Sir.� Nun runzelte Desjani die Stirn. �Das ist widerspr�chlich, nicht wahr? Wenn sie geglaubt haben, dass Sie die Flotte herbringen, warum lassen sie dann den Sprungpunkt von Einheiten bewachen, die eindeutig keinerlei Erfahrung haben?�</p><p>�Gute Frage. Und man hat nicht nur ein paar Gr�nschn�bel geopfert, sondern auch Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer. Warum werfen sie uns diese Schiffe praktisch zum Fra� vor?� Geary drehte sich um. �Madam Co-Pr�sidentin? Was meinen Sie dazu?�</p><p>�Ich glaube, ich muss mir da erst mal etwas erkl�ren lassen�, erwiderte Rione. �Sie erkennen anhand ihres Verhaltens, dass diese Besatzungen unerfahren waren. Ich erinnere mich an etwas �hnliches bei Sancere. Einige Kriegsschiffe der Syndikatwelten konnten nur mit M�he eine Kollision verhindern. Aber hier war das erheblich schlimmer.�</p><p>�Die Formation bei Sancere bestand aus neuen Schiffen mit kaum geschulten Besatzungen�, machte Desjani deutlich. ��hnlich wie die, der wir hier begegnet sind, allerdings etwas besser ausgebildet.�</p><p>�Und?�, hakte Rione nach. �Was macht das aus? Wie beeinflusst die Besatzung das Verhalten eines Schiffs, wenn ein Steuerbefehl gegeben wird? Werden die Schiffsbewegungen nicht von automatisierten Systemen kontrolliert?�</p><p>Geary nickte und musste zugeben, dass das eine v�llig berechtigte Frage war. �Stimmt. Bei den Geschwindigkeiten, mit denen Kriegsschiffe unterwegs sind, w�re es fast Selbstmord, das manuell zu erledigen.�</p><p>�Welchen Unterschied macht es dann, wie gut ausgebildet und wie erfahren eine Crew ist?�</p><p>Desjani antwortete wie eine Lehrerin, die von Riones offensichtlich ver�rgertem Tonfall keine Notiz nahm: �Man unterteilt drei Phasen der Ausbildung und Erfahrung mit der Steuerung von Kriegsschiffen. Diejenigen mit der geringsten Erfahrung trauen den automatischen Steuersystemen einfach nicht �ber den Weg, schlie�lich wissen wir, dass alles Automatisierte unter Fehlfunktionen leiden kann. Das gr��te Problem sind dabei die relativistischen Verzerrungen, die den menschlichen Instinkt schlicht �berfordern. Wir glauben, die Steuersysteme reagieren verkehrt, da unsere Erfahrung in einer viel langsameren Umgebung nicht zu dem passt, was wir zu sehen und zu f�hlen scheinen, wenn wir mit einem Zehntel Lichtgeschwindigkeit reisen. Eine Besatzung in dieser Phase reagiert am ehesten mit Panik, kommt zu dem Schluss, dass das System einen schweren Fehler macht, und versucht manuell zu man�vrieren.� Desjani deutete auf das Display. �Sie haben gesehen, was dabei herauskommt. Man ben�tigt eine Weile, bis man akzeptieren kann, dass die Steuersysteme wissen, was sie tun, und bis man versteht, was passieren wird, wenn man eingreift. Das ist die zweite Phase der Ausbildung und Erfahrung. Diejenigen, die lange genug �berleben, gelangen zu der Erkenntnis, dass auch automatischen Steuersystemen schon mal eine Fehlberechnung unterlaufen kann, und in seltenen F�llen wird es tats�chlich n�tig, manuell einzugreifen. Dann muss man wissen, wann man das macht und was dann zu tun ist, womit wir bei der dritten Phase w�ren.�</p><p>Desjani l�chelte Geary an. �Korrekt, Sir?�</p><p>�So war es zu meiner Zeit auch. Man muss lange Zeit bei 0,1 Licht und bei bis zu 0,2 Licht reisen, um den Instinkt zu entwickeln, wann man an einem automatischen System zweifeln sollte.� Auch er zeigte auf das Display. �Ich rede ganz bewusst von Instinkt, weil sich das Ganze auf einer unterbewussten Ebene abspielen muss. Es bleibt nicht genug Zeit, um das Gehirn einzubeziehen. Und selbst dann w�rde nur ein Trottel eingreifen, wenn zwei Formationen einander durchfliegen. Wenn man n�mlich dabei sieht, dass sich eine Kollision ereignen wird, hat man den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht und ist l�ngst nur noch Teil eines Plasmaballs.�</p><p>�Vielen Dank�, erwiderte Rione tonlos. �Dann ist die Antwort auf Ihre Frage offensichtlich. Man zog in Erw�gung, Sie k�nnten in dieses System kommen, aber es war nicht die wahrscheinlichste Route. Man hat eine Streitmacht f�r alle F�lle hier zur�ckzulassen, allerdings hat niemand damit gerechnet, dass die Flotte tats�chlich hier auftaucht.�</p><p>Geary sah zu Desjani, die ihm zunickte. �Das klingt plausibel. Nur warum soll das hier unser unwahrscheinlichstes Ziel gewesen sein?�</p><p>Rione machte eine ausholende Geste und sprach mit �bertriebener Betonung: �Weil der gro�e Black Jack Geary wiederholt demonstriert hat, dass er nicht auf dem schnellsten Weg zur Allianz zur�ckzukehren gedenkt. Er bewegt sich vorsichtig und macht einen Bogen um die offensichtliche Route, um stattdessen eine zu w�hlen, die von den Syndiks als unwahrscheinlich angesehen wird.�</p><p>Das h�rte sich nach einem logischen Argument an. �Sie versuchen, mich anhand meines bisherigen Verhaltens einzusch�tzen, aber in diesem Fall bin ich v�llig uncharakteristisch vorgegangen.�</p><p>�So kann man es auch nennen�, stimmte Rione ihm sarkastisch zu.</p><p>�Auf jeden Fall hat es funktioniert�, merkte Desjani in spitzem Tonfall an, da sie Geary sofort wieder zu besch�tzen versuchte.</p><p>�Aber darauf k�nnen wir uns ein zweites Mal nicht verlassen�, gab Rione im gleichen Ton zur�ck. �Sie sehen, dass der erste Syndik-J�ger bereits den Sprungpunkt ansteuert. Er wird �berall die Nachricht verbreiten, wo sich die Allianz-Flotte aufh�lt, und dann werden die Syndiks das neue Verhaltensmuster sehen.�</p><p>�Ja�, ging Geary dazwischen, um einem Streit vorzubeugen. �Sie haben beide recht.� Gl�cklich schien das keine der Frauen zu machen. �Ich muss �ber unser n�chstes Ziel nachdenken. Danke f�r Ihre Ausf�hrungen, Captain Desjani, Madam Co-Pr�sidentin.� Er stand auf und f�hlte sich steif, da er seit der Ankunft in Ixion seinen Platz nicht mehr verlassen hatte.</p><p>Rione stand ebenfalls auf und folgte Geary von der Br�cke. Als ihnen im Gang niemand mehr entgegenkam, sagte sie zu ihm: �Das funktioniert nicht noch mal.�</p><p>�Ich habe gesagt, ich muss dar�ber nachdenken�, antwortete er etwas schroffer als beabsichtigt.</p><p>�Da gibt es nicht viel nachzudenken. Ich wei�, der n�chste Stern auf direktem Weg zum Allianz-Territorium ist T'negu. Wenn wir dorthinfliegen, erwartet uns eine viel t�dlichere Falle, als die, die uns diese armen Narren zu stellen versucht haben.�</p><p>�Damit k�nntest du recht haben.�</p><p>�Damit habe ich recht! Auch wenn mir nicht all die kleinen Details �ber die Abl�ufe in einer Flotte bekannt sind, die du so gern mit Captain Tanya Desjani teilst.�</p><p>Abrupt blieb er stehen und sah Rione finster an. �Hat das mit deiner Frage nach der Erfahrung zu tun? Du hast gefragt, wir haben dir geantwortet. Und das, wo du dir M�he geben willst, um die Ger�chte zu entkr�ften, dass du auf Captain Desjani eifers�chtig bist!�</p><p>�Eifers�chtig?� Rione sch�ttelte l�chelnd, aber v�llig humorlos den Kopf. �Wohl eher nicht. Ich will dir nur vor Augen halten, dass Captain Desjani den Boden k�sst, den du betrittst. Das beeinflusst, welchen Ratschlag sie dir gibt. Sie glaubt nicht daran, dass du scheitern k�nntest.�</p><p>�Das ist ja�� Geary zwang sich, sein Temperament zu z�geln. �Also gut. Ich gebe zu, es ist wichtig, mir das vor Augen zu f�hren. Ich habe es auch nicht vergessen. Und jetzt erkl�re ich dir noch mal, dass ich mich bislang nicht entschieden habe, wohin wir als N�chstes fliegen werden. Warte bitte, bis ich mich entschlossen habe, dann kannst du mir immer noch sagen, wie verkehrt ich damit liege.�</p><p>�Bis dahin werde ich gerne warten.� Rione seufzte und fuhr sich durchs Haar. �Ich will dich damit nicht �rgern, aber ich bin besorgt. Dieser Sprung in Richtung Allianz ist viel glatter gelaufen, als jeder von uns es erwartet h�tte. Du bist doch auch �berrascht, oder nicht? Danke, dass du das zugibst. Es verl�uft ein schmaler Grat zwischen dem Selbstvertrauen, das n�tig ist, um diese Flotte zu f�hren, und jener Selbst�bersch�tzung, die ihr den Untergang bringen wird.�</p><p>Aus ihrer Stimme waren weder Spott noch Wut herauszuh�ren, also antwortete er genauso ernst: �Ich wei�, und deshalb brauche ich jemanden, dem ich vertrauen kann, dass er meine Entscheidungen hinterfragt.�</p><p>�Jemand, der wei�, dass du in Wahrheit auch nur menschlich bist�, betonte Rione.</p><p>�Ich wei�, dass ich nicht der bin, den die Leute f�r Black Jack halten.�</p><p>�Mir ist das klar. Aber�� Diesmal zog Rione gr�belnd die Augenbrauen zusammen. �Bist du eifers�chtig auf ihn?�</p><p>Diese Frage traf ihn v�llig unvorbereitet. �Was?�</p><p>�Bist du eifers�chtig auf Black Jack? Auf den gro�en Helden, der jede Schlacht gewinnen kann? Willst du beweisen, dass du genauso gut sein kannst wie er?�</p><p>�Nein! Das ist l�cherlich!�</p><p>�Wirklich?� Sekundenlang betrachtete sie ihn eindringlich. �Viele deiner Anh�nger, darunter auch gewisse Captains verehren Black Jack, aber nicht zwangsl�ufig auch dich. Jeden Menschen w�rde so etwas frustrieren.�</p><p>�Gewisse Captains wissen mittlerweile, wer ich bin.� Dennoch geriet Geary ins Gr�beln. Er reagierte w�tend, wenn die Rede auf Black Jack kam, fast so, als w�re der Mythos ein Rivale f�r den eigentlichen Mann dahinter. �Ich glaube nicht, dass ich versuche, irgendetwas zu beweisen.�</p><p>�Danke, dass du das so ausdr�ckst. Ich kann dich nur bitten, dir vor Augen zu halten, dass Neid auf Black Jack dein Denken beeinflussen k�nnte.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich finde immer noch, dass dieser Vorsto� in Richtung Allianz ein gef�hrlicher Zug war. Bislang hat es ganz gut funktioniert, aber jetzt sind wir in Ixion, und die Syndiks kommen uns wieder n�her. Und ich frage mich unwillk�rlich, ob du das vielleicht nur gemacht hast, weil Black Jack es auch getan h�tte.�</p><p>Vielleicht ja. Immerhin waren die Captains seiner Flotte wieder unruhig geworden und wollten ein Vorankommen sehen, sie wollten einen mutigen, keinen bed�chtigen Zug sehen. Er hatte es gewusst, und er hatte ihnen gegeben, was sie wollten. �Ich kann nicht ignorieren, was die Offiziere dieser Flotte erwarten und sehen wollen. Das wei�t du.�</p><p>�Ja, ich wei�. Aber was diese Offiziere brauchen, ist ein umsichtiger, kluger Captain John Geary, kein heroischer Black Jack.� Sie machte einen Schritt nach hinten. �Lass dir das mal durch den Kopf gehen. So, ich muss mich jetzt um die Schiffe der Callas-Republik k�mmern. Wir sehen uns heute Abend, wenn sich nichts Unvorhergesehenes ereignet.�</p><p>�Okay.� Er sah ihr nach, dann machte er sich auf den Weg zu seinem eigenen Quartier. Habe ich versucht, Black Jack zu �bertreffen oder es ihm zumindest gleichzutun? Nein. So nervenaufreibend es auch ist, diese Legende am Hals zu haben, sie verleiht mir doch auch den Einfluss, den ich ben�tige, um diese Flotte zu f�hren. Es geht nicht darum, dass ich versuche, kl�ger als Black Jack zu sein. Nein, ich versuche, kl�ger als die Syndiks zu sein, seit mir dieses Kommando aufs Auge gedr�ckt wurde. Jetzt haben die Syndiks genug von mir erlebt, und jetzt k�nnen sie versuchen mich zu �berlisten, w�hrend ich sie zu �berlisten versuche. Aber wie �berliste ich mich und die Syndiks gleichzeitig?</p><p>Ich muss mit jemandem reden. Aber mit wem? Duellos, Tulev, Cresida�� sie k�nnen alle gute Ratschl�ge geben, dennoch denken sie alle in Strukturen, mit denen die Syndiks vertraut sind. Rione ist eine sehr scharfsinnige Politikerin, aber wenn es um Entscheidungen �ber die Flotte geht, dann st��t sie an ihre Grenzen. Desjani� Rione hat recht. Tanya Desjani h�lt es nicht f�r m�glich, dass ich eine falsche Entscheidung treffen k�nnte.</p><p>Wer ist da noch? Ich kann nicht meine Widersacher in der Flotte fragen, weil ich wei�, wie sie denken. Midea, Casia, Numos, Faresa.</p><p>Und Falco.</p><p>Falco.</p><p>Rione w�rde einen Tobsuchtsanfall bekommen.</p><p>Trotzdem frage ich mich, was Falco sagen w�rde. Der Mann ist ein Narr und er ist verr�ckt, aber� aber wenn ich eine Meinung h�ren will, die sich v�llig von dem unterscheidet, was ich normalerweise mache�</p></section><section><title><p>Sieben</p></title><p>�Wie geht es Captain Falco?�, fragte Geary in einem dienstlich forschen Ton, in den sich eine Spur von Sorge um einen Offizier der eigenen Flotte mischte. Schlie�lich sollte niemand behaupten k�nnen, er habe sich �ber Falco lustig gemacht.</p><p>Der Flottenarzt auf dem Bildschirm zog leicht die Augenbrauen zusammen. �Er ist gl�cklich.�</p><p>Was nur bedeuten konnte, dass Falco weiter in seinen Wahnvorstellungen lebte. H�tte er gewusst, dass er unter Arrest stand, aber nicht das Kommando �ber die Flotte innehatte, w�re es vermutlich zu einem Tobsuchtsanfall gekommen. �Wird er behandelt?�</p><p>�Er wird in einer stabilen Verfassung gehalten�, erwiderte der Arzt. �So lauten unsere Befehle, und das ist auch die �bliche Vorgehensweise, wenn kein Verwandter verf�gbar ist, der �ber die weitere Behandlung entscheiden kann. Wir sorgen daf�r, dass sich sein Zustand nicht verschlechtert, und wir achten darauf, dass er nicht gewaltt�tig wird oder sich sogar selbst Verletzungen zuf�gt. Die meiste Zeit verbringt er damit, Feldz�ge zu planen und sich um organisatorische Bed�rfnisse einer virtuellen Flotte zu k�mmern, auf die er zugreifen kann.�</p><p>�Als ich mich das letzte Mal erkundigt hatte, f�hrten die Arzte bei ihm noch immer Tests durch, um seinen Zustand zu beurteilen. K�nnen Sie mir sagen, ob eine Heilung m�glich ist?�, fragte Geary, auch wenn er sich gar nicht sicher war, ob er die Antwort darauf tats�chlich h�ren wollte.</p><p>�Warten Sie, ich muss seine Unterlagen aufrufen.� Das Bild des Doktors verschwand, an seine Stelle r�ckte ein Platzhaltermotiv, das Flotten�rzte bei der Arbeit zeigte. Geary versuchte, sich nicht �ber das Benehmen des Mannes zu �rgern, das die gleiche Art von Arroganz gegen�ber medizinischen Laien erkennen lie�, wie es schon in seiner Zeit hundert Jahre zuvor an der Tagesordnung gewesen war�� und wohl auch schon in den Jahrtausenden davor.</p><p>Schlie�lich tauchte der Doktor wieder auf dem Schirm auf. �Eine Heilung ist m�glich. Sogar wahrscheinlich, w�rde ich sagen. Aber nur f�r einen Teil der Symptome�, erkl�rte er dann. �Wir k�nnten die Wahnvorstellungen deutlich reduzieren. Ich habe mich mit Captain Falcos Unterlagen und Vorgeschichte besch�ftigt, und bei ihm besteht eine lange Vorerkrankungszeit. Sein Verhalten ist f�r ihn zur Gewohnheit geworden, und eine grundlegende Behandlung w�rde jetzt auch nichts mehr an Captain Falcos Denkstrukturen �ndern.�</p><p>�Eine lange Vorerkrankung? Sie meinen, Captain Falco hat dieses Verhalten entwickelt, als er sich in der Gefangenschaft der Syndiks befand?�</p><p>�Nein, nein�, widersprach der Arzt in diesem leicht gereizten Tonfall, der bei seinem Berufsstand weit verbreitet war und immer dann zum Vorschein kam, wenn er mit einem Nicht-Mediziner sprach, der die Geheimnisse der Medizin zu begreifen versuchte. �Viel l�nger als das. Lange vor seiner Gefangennahme zeigte Captain Falco bereits diese Symptome, da er glaubte, er allein sei dazu qualifiziert und f�hig, die Allianz-Flotte zu befehligen und den Krieg f�r die Allianz zu gewinnen. Das kommt viel h�ufiger vor, als Sie sich vorstellen k�nnen�, f�hrte der Arzt aus, der offenbar bereits vergessen hatte, dass er mit dem Befehlshaber der Flotte sprach.</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�O ja. Vor einigen Jahrzehnten trat das so geh�uft auf, dass man dem Verhalten einen Namen gab.�</p><p>�Einen Namen?�</p><p>�Aber selbstverst�ndlich. Man nennt das einen Geary-Komplex.� Der Doktor stutzte, dann sah er Geary an und kniff die Augen ein wenig zusammen. �Das sind Sie, nicht wahr?�</p><p>�Soweit ich wei�, ja�, entgegnete Geary und fragte sich, wie viele Offiziere wohl in den letzten hundert Jahren unter dem Geary-Komplex gelitten haben mochten.</p><p>Der Arzt nickte nachdenklich und musterte Geary eindringlich, als erwarte er jeden Moment, dass er einen Wutanfall bekam. �Na, dann d�rften Sie ja wissen, wovon ich rede.�</p><p>Geary begann zu lachen, dann geriet er aber ins Stocken. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, was Victoria Rione dazu sagen w�rde, und zum Teil h�tte sie damit sogar recht. Er glaubte tats�chlich, dass er am besten geeignet war, um diese Flotte zu befehligen. Doch das lag daran, dass er seine Legende nutzen konnte, um die Flotte zusammenzuhalten, und dass er durch Ausbildung dasjenige Wissen aus der Vergangenheit besa�, das ihm hier half, Siege zu erringen. Er hatte keine �berzogenen Vorstellungen von seinen F�higkeiten, er glaubte auch nicht, dass nur er allein die Flotte zum Sieg f�hren konnte, und er wollte sich auch nicht mit der Legende von Black Jack messen.</p><p>Ich bin nicht wie Falco, und ich will auch nicht so sein wie er. Die Unterschiede zwischen uns sind der Grund, wieso ich mit ihm reden m�chte.</p><p>Letztlich belie� er es bei einem Schulterzucken. �Mag sein, Doktor. Aber ich wollte das Kommando �ber diese Flotte eigentlich nie haben. Mir blieb keine andere Wahl. Ich bin der dienst�lteste Offizier und ich habe meine Pflicht zu erf�llen.�</p><p>Der Arzt nickte auf eine Weise, als stimme er einem Patienten allein aus dem Grund zu, selbst seine Ruhe zu haben. �Ja, nat�rlich. So oder �hnlich formulieren sie es alle. Die Pflicht, die Verantwortung, um die Allianz zu retten, und so weiter.�</p><p>Geary seufzte, da ihm die Richtung nicht gefiel, in die sich diese Unterhaltung entwickelte. �Ich habe die Verantwortung, Leben zu retten, Doktor, und wenn Sie die Datenbank der Flotte aufrufen, werden Sie sehen, dass ich der bei Weitem dienst�lteste Captain der Flotte bin.� Vor hundert Jahren hatte man ihn zum Captain bef�rdert, posthum, weil man glaubte, er sei bei Grendel ums Leben gekommen, doch das war f�r die Regularien der Flotte unerheblich. Als er lebend aufgefunden wurde, z�hlte nur noch, seit wann er Captain war. �Kann ich f�r Captain Falco eine Behandlung anordnen? Damit er in die Realit�t zur�ckkehrt?�</p><p>�Wenn Sie der Flottenkommandant sind, k�nnen Sie das anordnen. Nat�rlich werden sich die Allianz-Beh�rden sp�ter damit befassen.�</p><p>Die Entscheidung h�tte ihm eigentlich leichtfallen m�ssen. Warum sollte ein Mann dem Wahnsinn �berlassen bleiben, wenn es auch anders ging? Aber Falco stand unter Arrest und hatte sich einer Reihe von Verst��en gegen Flottenbestimmungen und Gesetze der Allianz schuldig gemacht, die die Todesstrafe nach sich ziehen w�rden. Wenn er ein Heilmittel bekam, fand er sich in einer Realit�t wieder, die deutlich unerfreulicher war als die Wahnvorstellungen, in deren Bann er sich befand. Aber wer hatte das Recht zu entscheiden, einem anderen die Heilung seiner Krankheit zu verweigern, wenn es in seiner Macht stand? �Keine leichte Entscheidung�, befand er schlie�lich.</p><p>�Ich w�rde davon abraten�, lie� der Doktor ihn wissen. �Wenn man alle Umst�nde bedenkt, k�nnte Captain Falco in tiefe Depressionen versinken und einen Suizid versuchen, sobald er wieder in der Lage ist, die Realit�t wahrzunehmen. Mit den Fakten sollte er besser erst konfrontiert werden, wenn er in einer entsprechenden Einrichtung untergebracht ist, die �ber angemessen ausgebildetes Personal verf�gt.�</p><p>Das war die Ausrede, auf die Geary gehofft hatte. So musste er nicht selbst die Entscheidung treffen. �Ich sehe keinen Grund, mich �ber Ihre Empfehlung hinwegzusetzen. Informieren Sie mich bitte umgehend, wenn es einen Grund f�r Sie gibt, Ihre Meinung zu �ndern, oder wenn sich Captain Falcos Zustand �ndert oder deutlich verschlechtert.�</p><p>�Ich denke, das kann ich machen. Ja, Sie sind der Flottenkommandant, und damit sind Sie auch autorisiert, diese Informationen einzusehen.�</p><p>�Danke. Ich w�rde Captain Falco gern im virtuellen Modus besuchen.�</p><p>�Ihn besuchen?�, wiederholte der Arzt verdutzt.</p><p>�Bekommt Captain Falco keinen Besuch?�</p><p>�Er steht unter Arrest. Wussten Sie das nicht?�</p><p>�Doch�, erkl�rte Geary geduldig. �Ich bin derjenige, der den Arrest angeordnet hat.�</p><p>�Oh. Ja. Aber wollen Sie ihn jetzt sehen?�</p><p>�Sehen und mit ihm reden.�</p><p>Der Doktor machte eine nachdenkliche Miene, dann nickte er. �Aus der Sicht von Captain Falcos Zustand spricht nichts dagegen. Und da Sie nicht k�rperlich anwesend sein werden, besteht f�r keinen von Ihnen Verletzungsgefahr. Ich w�rde Ihnen allerdings raten, ihn nicht nachdr�cklich auf seinen wahren Zustand anzusprechen.�</p><p>�Das hatte ich auch nicht vor. Ich nehme doch an, die Software im Konferenzraum erlaubt einen virtuellen Besuch in Falcos Quartier. Daf�r ben�tige ich von Ihnen den Link und alle notwendigen Zugriffscodes.�</p><p>Es folgten weiteres Stirnrunzeln sowie erg�nzende Warnungen und Hinweise auf medizinische Abl�ufe und Wahrung der Privatsph�re, aber letztlich gab der Arzt die erforderlichen Daten heraus. Erleichtert machte sich Geary auf den Weg zum Konferenzraum, wobei er ein ungutes Gef�hl abzuwehren versuchte.</p><p>Er wollte nicht dar�ber nachdenken, was mit Falco geschehen war. Eigentlich wollte er den Mann daf�r hassen, dass er den sinnlosen Tod so vieler Schiffe und Besatzungsmitglieder auf dem Gewissen hatte. In gewisser Weise tat ihm der Mann aber sogar leid, zugleich f�rchtete er sich jedoch davor, was Falco noch alles anrichten w�rde, wenn er in die Realit�t zur�ckgeholt wurde�� oder zumindest in seine Version der Realit�t, wie er sie sich vor langer Zeit zurechtgelegt hatte.</p><p>Geary achtete darauf, den Zugang zum Konferenzraum mit seinem eigenen Zugangscode zu versiegeln, dann aktivierte er die Konferenzsoftware auf der h�chsten Sicherheitsstufe und gab die Daten ein, um sich an Falco wenden zu k�nnen.</p><p>Einen Moment sp�ter stand das Bild des Captains vor ihm, makellos in seine Uniform gekleidet, und machte den Eindruck, als sei er gerade mit etwas Wichtigem besch�ftigt gewesen. Er sah sich um und entdeckte Geary. �Ja?� Es dauerte wohl nicht mal eine Sekunde, da wich sein ver�rgerter Gesichtsausdruck jenem einstudierten, kameradschaftlichen L�cheln, das Geary von ihm in Erinnerung hatte.</p><p>�Captain Falco, ich wollte Sie fragen, ob Sie wohl Zeit h�tten, um ein paar Dinge mit mir zu besprechen�, begann Geary behutsam.</p><p>�Zeit? Sie wissen, ein Flottenkommandant wie ich tr�gt eine immense Verantwortung�, machte Falco ihm klar und l�chelte erneut. �Aber f�r einen Offizier der Flotte kann ich immer ein paar Minuten er�brigen. Ich habe die Ehrengarde der Marines vor meinem Quartier angewiesen, jeden Offizier passieren zu lassen, der mich sprechen m�chte.�</p><p>Wie der Arzt gesagt hatte, glaubte Falco tats�chlich, er habe das Kommando �ber die Flotte. Selbst f�r die Wachen vor seiner T�r hatte er eine Erkl�rung, die sich in seine Wahrnehmung der Realit�t einf�gte. Ob er ihn �berhaupt wiedererkannte? �Es geht um ein taktisches Anliegen, das die Bewegung der Flotte betrifft.�</p><p>�Ja, selbstverst�ndlich. Ich habe mich mit der Situation besch�ftigt, aber ich bin noch zu keiner Entscheidung gekommen, welches System wir als N�chstes ansteuern sollen.�</p><p>Das klang so sehr nach der Antwort, die Geary Rione gegeben hatte, dass er sich zusammenrei�en musste, um nicht vor Schreck zusammenzuzucken. �Darf ich?�, fragte er Falco und aktivierte das Sternendisplay, das die aktuelle Umgebung anzeigte. Falco betrachtete die Darstellung, als kenne er sie bereits in- und auswendig. �Die Flotte befindet sich bei Ixion.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Die j�ngste Offensive verl�uft bestens�, erkl�rte Falco.</p><p>�Ahm� ja. Aber wir haben jetzt Kurs auf das Allianz-System genommen.�</p><p>�Hmmm.� Falco studierte das Display, und einen Moment lang wirkte er verwirrt. �Hypernet. Das Hypernet der Syndiks.�</p><p>�Wir k�nnen es benutzen�, entgegnete Geary. �Doch die Syndiks werden versuchen, jedes Portal zu zerst�ren, bevor wir es erreicht haben.�</p><p>�Richtig�, stimmte Falco ihm zu. �Der direkte Weg in Richtung Allianz f�hrt �ber T'negu. Aber das wird nicht unser Ziel sein.�</p><p>�Nicht?� Geary hatte erwartet, Falco w�rde T'negu als ihre einzige Alternative bezeichnen.</p><p>�Nat�rlich nicht!� Falco l�chelte noch eine Spur gef�lliger. �Das ist eine Falle! Ganz offensichtlich sogar. Ist das nicht deutlich?� Geary nickte, auch wenn ihm in Wahrheit gar nichts deutlich war. �Minen! Das System wird mit Minen �bers�t sein.� Falcos Miene fiel f�rmlich in sich zusammen, und er murmelte: �Minen.� Geary fragte sich, ob der Mann daran zur�ckdachte, welche Verheerungen das Minenfeld der Syndiks bei Vidha angerichtet hatte.</p><p>Bislang hatte Geary nicht die M�glichkeit in Betracht gezogen, die Syndiks k�nnten bei T'negu einen regelrechten Minenteppich ausrollen, aber der Gedanke war gar nicht so verkehrt. Die N�he zur Allianz lockte dort, und wenn sie sich dem heimischen Gebiet weiter n�hern wollten, dann war das nur in diese Richtung m�glich. Das System T'negu verf�gte �ber keinerlei bewohnbare Planeten, und nur auf einer Welt, die zu weit von der Sonne entfernt war, daher nicht gen�gend W�rme abbekam, und deren Atmosph�re zu d�nn war, existierte eine kleine Syndik-Pr�senz in unterirdischen St�dten. Nicht nur jeder Sprungpunkt in diesem System, sondern das ganze System an sich konnte gro�fl�chig vermint werden. Wie gro�fl�chig, das hing einzig davon ab, wie viele Minen die Syndiks zur Verf�gung hatten.</p><p>Falco starrte noch immer auf das Sternendisplay und schwieg.</p><p>�Wohin sollten wir stattdessen reisen?�, fragte Geary.</p><p>�Wohin?� Falco blinzelte, sah zu Geary und wandte sich dann wieder dem Display zu. �Lakota.�</p><p>�Lakota? Da gibt es ein Hypernet-Portal. Die Syndiks k�nnen m�helos mehr Streitkr�fte in dieses System verlegen.�</p><p>�Eben. Den Syndiks ist bekannt, dass wir das wissen! Und das bedeutet, sie m�ssen keine Verst�rkung schicken. Schlie�lich glauben sie, wir haben Angst, uns dorthin zu begeben.� Falco grinste triumphierend. �Wir werden sie �berraschen.�</p><p>Geary versuchte, Falcos Argumentation zu folgen, und musste einsehen, dass es durchaus �berzeugend klang. Zudem war es etwas, das Geary eigentlich nicht in Erw�gung gezogen h�tte. Lag Falco richtig? Die Syndiks mussten die Verluste zu sp�ren bekommen haben, die die Allianz-Flotte ihnen in den letzten Monaten zugef�gt hatte. Sie hatten zahlreiche Schiffe verloren. Aber w�rden sie es wagen, keine Verst�rkung nach Lakota zu schicken, nur weil sie glaubten, die Allianz-Flotte w�rde den Sprung in dieses System gar nicht erst wagen?</p><p>Falco wusste nichts von der Zerst�rung des Hypernet-Portals bei Sancere, und ihm war damit auch nicht bekannt, dass die Syndiks lieber ein Portal zerst�rten, anstatt der Allianz-Flotte Gelegenheit zu geben, durch das Portal zu entkommen. Aber die Syndiks wussten, dass die Allianz-Flotte dar�ber informiert war.</p><p>�Es wird eine Syndik-Streitmacht anwesend sein, um das Hypernet-Portal zu bewachen�, machte Geary ihm klar. �Die k�nnen es sich nicht leisten, auf eine gro�e Flotte im System zu verzichten.�</p><p>�Sicher�, stimmte Falco ihm zu und winkte ab. �Aber damit kommen wir klar. Wir werden die Verteidiger ausradieren, die bewohnte Welt in Schutt und Asche legen, und dann verlassen wir das System, wenn wir es wollen.�</p><p>Das mochte so sein, doch Geary hatte nicht die Absicht, zivile Ziele zu bombardieren. Das Material von Baldur, das Lieutenant Iger ihm gezeigt hatte, war nur eine Best�tigung seiner eigenen Ansicht gewesen, dass die Strategie der Allianz, einen bedingungslosen Krieg zu f�hren, ganz massiv nach hinten losgegangen war. Die B�rger einer durchschnittlichen Syndikatwelt f�rchteten sich vor der Allianz und hatten Angst, ihre Heimatwelten k�nnten verw�stet werden, und aus diesem Grund setzten sie sich umso energischer gegen die Allianz zur Wehr. Aber was war mit dem grunds�tzlichen Argument, Lakota zum Ziel zu nehmen? War Falco einfach nur v�llig verr�ckt?</p><p>Geary betrachtete das Display. F�r eine Weiterreise mit Sprungantrieb ging es von Lakota aus zu drei weiteren Sternen.</p><p>Es k�nnte funktionieren.</p><p>�Danke, Captain Falco. Und entschuldigen Sie die St�rung.� Als Falco ihn wieder anl�chelte, versp�rte Geary Schuldgef�hle, da er einen geisteskranken Mann get�uscht hatte. �Geht es Ihnen gut?�</p><p>Falco �berlegte kurz. �Ob es mir gut geht? Ja, nat�rlich. Wenn man einmal von dem Stress absieht, den ein solches Kommando mit sich bringt. Aber Sie wissen ja selbst, wie das ist. Dennoch, es ist mir eine Ehre, der Allianz in jeder denkbaren Hinsicht zu dienen. Das ist meine Pflicht.� Dann l�chelte er wieder.</p><p>�Ben�tigen Sie irgendetwas?�</p><p>�Ja, wir sollten in K�rze eine Flottenkonferenz anberaumen. Bereiten Sie bitte alles vor, Captain�?�</p><p>�Geary.�</p><p>�Tats�chlich? Sind Sie verwandt mit dem gro�en Helden?�</p><p>Geary nickte. �Ja, entfernt verwandt.�</p><p>�Gro�artig. Gut, wenn Sie mich dann entschuldigen w�rden�� die Pflicht ruft.� Pl�tzlich sah sich Falco unsicher um.</p><p>Er unterbrach die Verbindung, das Bild des Captains verschwand. <emphasis>Verdammt, verdammt, verdammt!</emphasis></p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Lakota?�, fragte Victoria Rione so laut, dass sie fast schrie. �Wie kommst du denn auf diese Idee?� Dann riss sie entsetzt die Augen auf. �Du hast heute Nachmittag mit Captain Falco gesprochen! War das seine Idee? Hast du auf ihn geh�rt?�</p><p>�Ich�� Pl�tzlich stutzte Geary. �Du wei�t, dass ich mit Falco gesprochen habe? Diese Unterhaltung unterlag der h�chsten Geheimhaltungsstufe.�</p><p>�Ich wei� nicht, <emphasis>was</emphasis> du mit ihm besprochen hast, wenn dich das beruhigt.� Kopfsch�ttelnd drehte sie sich weg. �Sag mir bitte, dass du ihn nicht um Rat gefragt hast.�</p><p>�So w�rde ich das nicht ausdr�cken.� Geary f�hlte sich in die Defensive gedr�ngt, zumal er wusste, dass Rione allen Grund hatte, sich zu entr�sten. �Ich wollte nur wissen, was er tun w�rde.�</p><p>�Irgendetwas Bl�dsinniges! Das h�tte ich dir auch so sagen k�nnen!�</p><p>�Er wollte nicht nach T'negu.�</p><p>Rione wirbelte herum und sah Geary mit zusammengekniffenen Augen an.</p><p>�Falco meint, in T'negu lauert eine Falle auf uns.�</p><p>Sie fuchtelte wild mit den H�nden. �Und jetzt muss ich auch noch feststellen, dass ich mit Captain Falco einer Meinung bin. Ich h�tte nicht gedacht, dass ich den Tag erleben werde.�</p><p>Geary warf einen pr�fenden Blick zur Luke, ob die auch tats�chlich geschlossen war. Er wollte nicht, dass irgendjemand diese Unterhaltung belauschte. �Sieh mal, ich pers�nlich w�rde nicht nach Lakota fliegen.�</p><p>�Dann tu es auch nicht.�</p><p>�Naja, aber die Syndiks werden vermutlich wissen, dass ich das nicht machen w�rde�, erkl�rte Geary mit aller Geduld, die er aufbringen konnte. �Sie wissen, wohin ich die Flotte wahrscheinlich schicken werde, n�mlich zu einem der anderen Sterne, die von Ixion aus zu erreichen sind. Und sie wissen, welcher Stern unser Ziel ist, wenn wir weiter in Richtung Allianz-Territorium vordringen wollen. Lakota f�llt in keine dieser Kategorien.�</p><p>�Weil es <emphasis>Irrsinn</emphasis> ist, nach Lakota zu fliegen!�</p><p>�Die Syndiks wissen, dass es Irrsinn ist, und wir wissen das ebenfalls, und genau deshalb halten sie es vielleicht f�r am unwahrscheinlichsten, dass wir dorthin fliegen.�</p><p>Rione sah ihn starr an. �Das ist dein Ernst, nicht wahr?�</p><p>�Ja.� Geary ging in seinem Quartier auf und ab, dann blieb er stehen und warf einen Blick auf das Sternendisplay, in dessen Mitte sich Ixion befand. �T'negu ist ein zu offensichtliches n�chstes Ziel. Wenn wir dorthin fliegen, m�ssen wir davon ausgehen, dass jeder Sprungpunkt mit mehr Minen best�ckt ist als hier. Kehren wir nach Daiquon um, dann versetzen wir der Moral dieser Flotte einen Tiefschlag, und wir laufen Gefahr, einer Syndik-Streitmacht zu begegnen, die uns m�glicherweise von System zu System verfolgt. Vosta f�hrt uns wieder tiefer ins Syndik-Territorium hinein, und mit dem Sprungantrieb k�nnen wir von da nur zwei Sterne erreichen. Kopara f�hrt seitlich von hier weg, dort entlang n�hern wir uns der Allianz nicht, aber wir verlieren auch nicht an Boden. Von da gibt es allerdings nur einen einzigen Stern, den wir per Sprung erreichen k�nnen, n�mlich Dansik. Nach den Aufzeichnungen, die wir in unseren Besitz gebracht haben, handelt es sich dabei um ein regionales Milit�rhauptquartier, das auf jeden Fall �ber erhebliche Verteidigungsanlagen verf�gen wird. Damit bleibt nur Lakota.�</p><p>Riones Blick wanderte vom Display zu Geary und zur�ck, wobei ihre Miene nichts verriet. �Wohin w�rde Captain Geary reisen?�</p><p>�Nach Vosta. Um m�gliche Verfolger abzusch�tteln.�</p><p>�Die Syndiks haben doch schon mehr als einmal erlebt, dass du einen solchen Haken schl�gst.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�W�rden sie glauben, dass du dich f�r Kopara entscheidest?�</p><p>�Eher nicht. Sie m�ssten nur in zwei Sternensystemen je eine gro�e Streitmacht postieren, und schon s��en wir in der Falle. Es w�re sch�n, wenn sie mich f�r so dumm hielten, aber darauf kann ich nicht bauen.�</p><p>Ihre Gesichtsz�ge verh�rteten sich. �Du hast es geschafft, uns nach Ixion zu bringen, und hier gef�llt dir keine der Optionen, die dir zur Auswahl stehen.�</p><p>Fast h�tte er sie angefaucht, doch dann wurde ihm klar, wie recht sie hatte. �Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass wir es bis Ixion schaffen w�rden. Ich dachte, die Syndiks reagieren schneller und wir m�ssten schon bei Daiquon unseren Vorsto� in Richtung Allianz abbrechen.�</p><p>�Und jetzt basiert dein Plan auf der Hoffnung, dass die Syndiks dich nicht f�r dumm halten? Sieh dich doch nur an! Du l�sst dir von Falco Ratschl�ge geben! Falco war schon immer ein Idiot, und jetzt ist er auch noch ein geisteskranker Idiot!� Rione ging um das Display herum und vergrub das Gesicht in ihren H�nden. �John, tu das nicht. Schick diese Flotte nicht nach Lakota.�</p><p>Nie zuvor hatte sie ihn nur mit seinem Vornamen angesprochen. �Die anderen Alternativen sind nicht so gut. Falls Lakota funktioniert��</p><p>Rione warf ihm einen zornigen Blick zu. �Falls! Und falls nicht? Welche M�glichkeiten stehen dir dann noch offen?�</p><p>�Wir k�nnen einem Gefecht aus dem Weg gehen, das System durchqueren und ein anderes Ziel anfliegen.�</p><p>Sie lie� best�rzt den Kopf sinken. �Glaubst du wirklich, diese Flotte wird es zulassen, dass du ihr eine Schlacht verweigerst? Ja, nach den verheerenden Verlusten im Heimatsystem der Syndiks hat das geklappt, weil jeder so schockiert war, dass der �berlebensinstinkt den Kampfgeist vor�bergehend gel�hmt hatte. Aber wenn du bei Lakota einem Kampf aus dem Weg gehen willst, werden einige Schiffe ausscheren und auf eigene Faust den Kampf suchen. Und was soll dann sein?�</p><p>Diese M�glichkeit hatte Geary bislang nicht ber�cksichtigt. Nachdenklich sah er an Rione vorbei. �Du glaubst wirklich, einige von ihnen w�rden das wagen? Diejenigen, die wie Casia gegen mich arbeiten, machen auf mich nicht den Eindruck, als w�ren sie heldenhaft genug, um in ein aussichtsloses Gefecht zu ziehen.�</p><p>�Um die musst du dir keine Sorgen machen! Wof�r haben die lebenden Sterne dir eigentlich ein Gehirn gegeben, John Geary?� Sie kam n�her und packte ihn an den Armen. �Die gr��te Gefahr stellen diejenigen dar, die so sehr an dich glauben, dass sie dich zum Diktator machen wollen, die aber nicht gen�gend an dich glauben, um ihre Denkweise umzukrempeln! Frag die Offiziere, denen du am meisten vertraust. Roberto Duellos. Er wird es dir sagen. Sogar Tanya Desjani wird es dir sagen. Wenn du mir nicht glaubst, dann frag sie!�</p><p>Das alles klang durchaus �berzeugend. �Ich sch�tze, es hat manchmal seine Vorteile, wenn man wie ein Politiker denkt.�</p><p>�Danke f�r das Kompliment�� falls es eins war�, warf Rione ihm an den Kopf, entfernte sich aufgebracht ein paar Schritte von ihm und deutete auf das Display. �Wenn von denen keiner geglaubt hat, dass du dich f�r Kopara entscheidest��</p><p>�Nein! Wenn wir in Kopara in eine Falle laufen, gibt es f�r uns keinen Ausweg mehr! Lakota l�sst uns M�glichkeiten offen!� Er betrachtete das Display, dann schaute er wieder Rione an. �Warum hast du's nicht gesagt?�</p><p>�Was gesagt?�</p><p>�Warum hast du mir nicht damit gedroht, dass du den Schiffen der Callas-Republik und der Rift-F�deration sagst, sie sollen nicht l�nger meine Befehle ausf�hren?�</p><p>�Weil ich keine Drohungen ausspreche, von denen ich nicht sicher wei�, dass ich sie auch in die Tat umsetzen kann�, antwortete sie w�tend. �Tu nicht so, als w�sstest du nicht, dass die Loyalit�t meiner eigenen Kommandanten gespalten ist. Egal was ich sage, viele von ihnen w�rden dir trotzdem folgen.�</p><p>�Tats�chlich?� Sein Erstaunen musste ihm anzusehen sein. �Ich habe nicht versucht, deren Loyalit�t zu unterwandern und��</p><p>Rione stie� einen gellenden Wutschrei aus, kam auf Geary zu und stie� ihm die Faust gegen die Brust. �H�r auf, den Dummkopf zu spielen! Diese Leute glauben an dich, John Geary! Weil du die Flotte so weit vorangebracht hast und unterwegs einige bemerkenswerte Siege errungen hast! Sie glauben, du bist Black Jack und wirst sie und die Allianz retten. Sie halten dich nicht f�r einen Politiker, und in dem Punkt haben sie v�llig recht. Aber du hast dir ihr Vertrauen verdient.� Mit dem Zeigefinger deutete sie w�tend auf das Display. �Verspiel dieses Vertrauen nicht, indem du sie nach Lakota bringst!�</p><p>�Verflucht!� Er lie� sich in einen Sessel fallen und f�hlte sich mit einem Mal m�de und ersch�pft. �Meinst du, ich verbringe nicht jede Minute des Tages damit, mir zu �berlegen, was das Beste f�r all diese Menschen sein k�nnte, die mir ihr Vertrauen schenken?�</p><p>Ihr Zorn ebbte sichtlich ab, und schlie�lich betrachtete sie ihn mit erkennbarer Hilflosigkeit. �Und was wirst du machen?�</p><p>�Eine Konferenz einberufen und sehen, wie die anderen auf Lakota reagieren.�</p><p>�Die werden davon begeistert sein. Das ist genau der k�hne Schachzug, den sie alle von Black Jack Geary erwarten.� Sie lie� sich ebenfalls in einen Sessel plumpsen.</p><p>Nachdem sie beide gut eine Minute lang geschwiegen hatten, fragte er pl�tzlich: �Hast du schon mal was von einem Geary-Komplex geh�rt?�</p><p>Rione hob den Kopf und zog eine Braue hoch. �Ja. Davon habe ich vor Jahren zum ersten Mal geh�rt, als ein Senator mit mir �ber Captain Falco sprach. Ist das jetzt auch bis zu dir vorgedrungen?�</p><p>�Mich wundert, dass du mir nie vorgehalten hast, ich w�rde an diesem Komplex leiden.�</p><p>�Man kann dir wohl nicht ernsthaft vorwerfen, dass du dir einbildest, Captain John Geary zu sein.�</p><p>�Ich vermute, mindestens ein Flottenarzt ist aber dieser Ansicht�, erwiderte er ironisch. �Ich begreife das nicht. Diesmal bist du anders.�</p><p>�Vielen Dank�, presste sie heraus. �Und wie soll ich das verstehen?�</p><p>�Nun, unter anderem hast du mich nicht vor den Gefahren gewarnt, die von Black Jack ausgehen. Und auch nicht davor, was passieren k�nnte, wenn ich tats�chlich anfange, mich f�r ihn zu halten.�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern. �Davor habe ich dich schon wiederholt gewarnt, und du scheinst um diese Gefahren zu wissen. Wenn ich sie jetzt wieder ausspreche, f�hrt das zu nichts.�</p><p>�Das hat dich bislang auch nicht davon abgehalten.�</p><p>�Vielleicht ist es an der Zeit, dich vor deinem deplatzierten Sinn f�r Humor zu warnen�, gab Rione in einem bedrohlichen Unterton zur�ck. �Willst du auf irgendetwas Bestimmtes hinaus?�</p><p>�Ja.� Er musterte sie wachsam. �Du sprichst dich vehement gegen Lakota als unser n�chstes Ziel aus. Du glaubst, ich irre mich. Du glaubst, ich will wom�glich nur dem Ruf von Black Jack gerecht werden. Aber du bist nicht vor Wut explodiert. Und du bist nicht aus meinem Quartier gest�rmt, um mir dabei kaum verh�llte Drohungen an den Kopf zu werfen, was mir alles zusto�en wird, wenn ich anfange, mich wie Black Jack zu verhalten. Warum hast du das jetzt noch nicht gemacht?�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern und sah zur Seite. �Vielleicht versuche ich ja, unberechenbar zu sein. Du denkst, ich tue etwas so, und weil ich wei�, dass du das denkst, mache ich stattdessen etwas anderes. Nur ist es in meinem Fall so, dass ich keine Dummheit begehe.�</p><p>�Du hast ja auch Sinn f�r Humor.� Dann fuhr er frei jeglicher Ironie fort: �Mal ernsthaft. Was ist vorgefallen?�</p><p>Es dauerte eine Weile, ehe sie die richtigen Worte f�r eine Erwiderung gefunden hatte. �Geradeheraus gesagt: Ich habe dich immer wieder nachdr�cklich vor den von dir beabsichtigten Entscheidungen gewarnt, weil ich jedes Mal fest davon �berzeugt war, im Recht zu sein. Aber genauso hat sich jedes Mal herausgestellt, dass ich mich geirrt habe und du recht hattest. Sancere ist meine bislang gravierendste Fehleinsch�tzung. Niemand vermag zu sagen, wo diese Flotte heute w�re, h�ttest du auf mich geh�rt. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sie dann in einer besseren Verfassung w�re oder dass unser Feind gr��ere Verluste erlitten h�tte.�</p><p>�Das hei�t, du vertraust mir?�</p><p>Sie l�chelte ihn schief an. �Ich f�rchte, das tue ich. Ich halte Lakota f�r einen Fehler, ich habe es dir gesagt, und ich habe meine Gr�nde genannt. Du hast mir zugeh�rt. Ja, ich habe dir angemerkt, dass du mir zugeh�rt hast. Mit Blick auf die Vergangenheit finde ich, dass ich kein Recht habe, gegen deinen Instinkt zu handeln. Der hat bislang zu oft richtig gelegen.� Sie hielt inne und sah ihm in die Augen. �Ja, ich wei�, du fragst dich, ob du dich auf deinen Instinkt verlassen kannst, was <emphasis>mich</emphasis> angeht. Du wei�t nicht so recht, wieso ich zu dir zur�ckgekommen bin, wieso ich �berhaupt mit dir ins Bett gegangen bin.�</p><p>Er nickte. �Ja, das stimmt.�</p><p>�Und du wirst mich auch nicht danach fragen, weil du nicht wei�t, ob du glauben kannst, was ich dir antworten werde. Du musst es gar nicht leugnen, ich merke dir dein Z�gern an. Ich habe das so auch verdient.�</p><p>�Ich habe nicht gesagt��</p><p>�Das musst du auch gar nicht. Erwartest du von mir, dass ich sage, ich liebe dich? Das werde ich nicht machen. Du wei�t, wem mein Herz geh�rt.�</p><p>�Und warum dann?�, wollte Geary wissen. �Warum schl�fst du dann mit mir?�</p><p>�Weil Frauen dich unwiderstehlich finden. Wusstest du das nicht?� Rione lachte. �Du h�ttest gerade dein Gesicht sehen m�ssen.�</p><p>Er l�chelte sie an, w�hrend ihm klar wurde, dass sie nie die Frage beantworten, sondern nur immer noch mehr reden w�rde, um eine Ernsthaftigkeit zu demonstrieren, f�r die er keinen Beweis finden konnte. �Ich werde dar�ber nachdenken.�</p><p>��ber Lakota? Wirst du das machen?� Ihr Lachen verstummte, und sie nickte. �Vielleicht bin ich deswegen hergekommen, John Geary. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich heute Abend wieder herkommen werde.�</p><p>�Und was wird sein, wenn wir zur�ck in der Allianz sind? Angenommen, wir schaffen es. Wirst du dann Arm in Arm mit mir dieses Schiff verlassen? Wirst du dann weiter die N�chte mit mir verbringen?�</p><p>Schweigend betrachtete sie ihn. �Du fragst eine Politikerin, was sie irgendwann viel sp�ter einmal tun wird? Ja. Glaubst du mir?�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Gut so. Ich werde dir noch das ein oder andere �ber Politiker beibringen. Dinge, die du wissen solltest, wenn du nach Hause kommst.� Sie stand auf und gab ihm die Hand. �Komm, lass uns was zu essen holen. Gemeinsam, damit uns alle sehen. Damit alle in der Flotte wissen, dass ihr Held gl�cklich ist.�</p><p>Er stand ebenfalls auf, f�hlte sich aber noch so m�de wie zuvor. �Ich sch�tze, f�r ein paar Stunden kann ich so tun, als w�re ich gl�cklich.�</p><p>�Du kriegst das schon hin.� Wieder l�chelte sie, diesmal jedoch auf eine andere Art. �Und dann kommen wir hierher zur�ck und werden uns f�r eine Weile gegenseitig richtig gl�cklich machen.�</p><p>Auch wenn ihr Versprechen Vorfreude bei ihm erwachen lie�, h�tte Geary doch zu gern gewusst, was ihr in diesem Moment in Wahrheit durch den Kopf ging.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Es ist mir nicht leichtgefallen, unseren n�chsten Schritt zu entscheiden�, gab Geary bekannt, w�hrend sein Blick �ber die im Konferenzraum versammelten Hologramme der Captains wanderte. Die Stimmung war so angespannt wie vor einer Schlacht. Offensichtliche Widersacher, wie Captain Casia, Captain Midea und Commander Yin, befanden sich in Lauerstellung, um sich auf alles zu st�rzen, was ihrer Meinung nach nicht aggressiv genug klang.</p><p>Seine Verb�ndeten, wie Captain Duellos, Captain Tulev und Captain Cresida, waren gleicherma�en besorgt, dass Geary etwas vorschlagen k�nnte, womit er die Flotte beschwichtigen wollte�� was diese Flotte gleichfalls in Gefahr bringen konnte. Er hatte vor dieser Konferenz mit jedem von ihnen unter vier Augen gesprochen, um ihnen zu versichern, dass er sich das Ganze gr�ndlich durch den Kopf hatte gehen lassen. Er konnte nur hoffen, dass er �berzeugend gewirkt hatte.</p><p>In seiner N�he wartete die real anwesende Captain Desjani, die so auf Gearys Widersacher fixiert war, als sei sie seine pers�nliche Leibw�chterin. Etwas weiter entfernt, dort wo die Kommandanten der Schiffe der Callas-Republik gemeinsam sa�en, fand sich auch die virtuelle Pr�senz von Co-Pr�sidentin Rione, die diesen Weg einem pers�nlichen Erscheinen vorgezogen hatte, damit die Schiffe ihrer Republik das Gef�hl hatten, dass sie nach wie vor f�r sie da war. Dennoch fragte sich Geary, wie viel Rione in ihrer vorangegangenen Unterhaltung f�r sich behalten hatte. W�rde sie seinem Vorschlag zustimmen oder schweigen oder sich gegen seinen Plan aussprechen, sobald die Diskussion im Gang war?</p><p>Das Sternendisplay erwachte zum Leben. �Jedem von Ihnen sind sicherlich die Optionen bekannt, aus denen wir ausw�hlen k�nnen. T'negu sieht sehr verlockend aus, aber da erwartet uns mit Sicherheit eine Falle.�</p><p>�Aber wir sind doch bislang auf unserem Weg in Richtung Allianz-Territorium gut vorangekommen�, wandte Captain Casia ein.</p><p>�Und damit haben wir ein Bewegungsmuster geschaffen, das die Syndiks sogar mit geschlossenen Augen erkennen k�nnen�, gab Duellos zur�ck. �T'negu ist wie geschaffen f�r ausgedehnte Minenfelder.�</p><p>�So sehe ich das auch�, stimmte Geary ihm zu und warf Casia einen zornigen Blick zu. �Die anderen Sterne, die wir von hier aus erreichen k�nnen, weisen unterschiedliche M�ngel auf, und von ihnen gehen verschiedene Bedrohungen aus. Nach langem �berlegen und Beratschlagen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Lakota unsere beste Wahl ist.�</p><p>Captain Midea wollte zu einer Bemerkung ansetzen, verstummte aber gleich wieder, als sie begriff, was er da gerade eben gesagt hatte. �Lakota?�, fragte sie schlie�lich.</p><p>�Ja.� Ob er die Syndiks damit �berraschen w�rde, das blieb noch abzuwarten, doch auf jeden Fall hatte er Midea damit �berrascht. Das war ermutigend, weil es hie�, dass es den Spitzeln seiner Gegner nicht gelungen war, seine Pl�ne noch vor dieser Konferenz in Erfahrung zu bringen. �Dort wird sich nat�rlich eine Syndik-Flotte aufhalten, um das Hypernet-Portal im System zu bewachen, aber die Syndiks d�rften unser Auftauchen bei Lakota f�r so unwahrscheinlich halten, dass die Flotte zu schwach sein wird, um uns etwas entgegenzusetzen.�</p><p>�K�nnen wir selbst das Portal benutzen?�, hauchte jemand.</p><p>�Es w�re m�glich�, erwiderte Geary in ruhigem Tonfall, weil er es sich nicht erlauben konnte, den Leuten irgendwelche Illusionen zu machen. �Aber wir wissen, dass die Syndiks lieber ihre eigenen Portale zerst�ren, bevor sie zulassen, dass wir sie benutzen. Die Flotte bei Lakota wird diesen Befehl ganz sicher erhalten haben. Wenn wir sehr viel Gl�ck haben, gelingt es uns vielleicht, diese Flotte zu �berrumpeln und das Portal vor den Syndiks zu erreichen. Doch da m�ssten wir wirklich vom Gl�ck verw�hnt werden. Wenn die Syndiks tats�chlich damit beginnen sollten, das Portal zu zerst�ren��</p><p>�Wir k�nnten das Portal anfliegen und versuchen, die Syndiks zu stoppen�, hielt Commander Yin dagegen.</p><p>�Um ehrlich zu sein�, warf der Captain der <emphasis>Daring</emphasis> ein, �ich m�chte mich nicht noch mal in der N�he eines kollabierenden Portals aufhalten.�</p><p>�Ich auch nicht�, erg�nzte der Captain der <emphasis>Diamond.</emphasis> �Wenn die <emphasis>Orion</emphasis> das erledigen m�chte, dann nur zu. Sie darf gern den Befehl ausf�hren.�</p><p>Commander Yin sah die beiden Kommandanten missgelaunt an, war aber offenbar klug genug, um zu erkennen, dass sie sich nur weiterem Spott aussetzen w�rde, wenn sie noch l�nger auf dem Thema herumritt.</p><p>�Wie viele Syndiks k�nnten bei Lakota auf uns warten?�, fragte der Captain der <emphasis>Warspite.</emphasis> �In den letzten Gefechten haben wir ihnen doch erhebliche Verluste zugef�gt, au�erdem haben wir ihre im Bau befindlichen Schiffe bei Sancere zusammen mit den Werften zerst�rt. Wenn der Haufen, der uns hier bei Ixion empfangen hat, als Ma�stab gelten kann, dann sind die Syndiks wohl verzweifelt auf der Suche nach Schiffen, um eine Flotte zusammenzukratzen.�</p><p>Captain Tulev antwortete in ernstem Tonfall: �Vergessen Sie nicht den Hinterhalt im Syndik-Heimatsystem. Jeder Verlust, den wir den Syndiks seitdem zugef�gt haben, dient nur dazu, allm�hlich das Gleichgewicht wiederherzustellen, dass durch die Vernichtung eines gro�en Teils unserer Flotte gest�rt worden ist.�</p><p>Betretenes Schweigen machte sich am Konferenztisch breit, da niemand Tulevs Aussage widersprechen wollte.</p><p>�Aber die Besatzungen dieser Schiffe hier waren doch blutige Anf�nger�, hielt Commander Neeson von der <emphasis>Implacable</emphasis> dagegen. �Die h�tte man noch gar nicht ins Gefecht schicken d�rfen.�</p><p>�Das stimmt�, pflichtete Captain Duellos bei. �Captain Geary und ich haben dar�ber schon gesprochen, und wir glauben, die Syndiks hielten unser Auftauchen bei Ixion f�r so unwahrscheinlich, dass sie die erfahreneren Schiffe in andere Systeme geschickt haben.�</p><p>�Aber das bedeutet, dass sie zu wenig Schiffe haben�, beharrte Neeson.</p><p>�Zu wenige auf jeden Fall, um in mehr als einem System eine �berm�chtige Flotte in Position zu bringen, da sie nicht wissen, wo genau wir auftauchen werden�, betonte Duellos. �Sie haben mit Sicherheit zunehmend Schwierigkeiten, alle M�glichkeiten abzudecken.�</p><p>�Und mit etwas Gl�ck�, fuhr Geary fort, �wird das auch Auswirkungen auf die Streitmacht haben, die bei Lakota wartet.�</p><p>�Haben Sie diese Angelegenheit mit Senatorin Rione besprochen?�, wollte pl�tzlich Captain Midea wissen.</p><p>Geary sah sie ohne jede Gef�hlsregung an und fand, dass sie von Mal zu Mal mehr wie ein CEO der Syndiks aussah. �Ihr korrekter Titel lautet Co-Pr�sidentin Rione der Callas-Republik, Captain Midea, auch wenn sie ein Mitglied des Allianz-Senats ist. Ja, ich habe das mit ihr besprochen.�</p><p>�Dann ist es ihre Entscheidung, dass wir Lakota anfliegen?�</p><p>Als Geary sah, wie sich einige der Anwesenden reflexartig gerader hinsetzten, wusste er, wie er diese Reaktion zu deuten hatte. Und ihm war auch klar, wenn Rione sich im Rahmen der Konferenz gegen seinen Plan aussprechen wollte, dann war ihr soeben der perfekte Anlass geliefert worden. �Wie ich bereits bei fr�heren Gelegenheiten erw�hnt habe, trifft Co-Pr�sidentin Rione keine Entscheidungen �ber den Kurs, dem diese Flotte folgt�, erwiderte er nachdr�cklich.</p><p>Rione selbst meldete sich zu Wort und erg�nzte ohne Gef�hlsregung in ihrer Stimme: �Als Mitglied des Allianz-Senats besitze ich keine Befehlsgewalt �ber die Flotte, Captain Midea. War Ihnen das nicht bekannt?�</p><p>Mideas Gesicht lief rot an. �Wenn Co-Pr�sidentin Rione gro�en Einfluss auf Entscheidungen des Flottenkommandanten nimmt, dann kommt das aufs Gleiche raus.�</p><p>�Ich habe kein Problem damit�, gab Rione k�hl l�chelnd zur�ck, �bei der Ehre meiner Vorfahren zu schw�ren, dass Captain Geary so gut wie nie auf meinen Ratschlag geh�rt hat, was den Kurs dieser Flotte angeht.�</p><p>�Politikerehre�, murmelte jemand.</p><p>Einige, aber nicht alle, befehlshabende Offiziere der Schiffe der Callas-Republik verzogen das Gesicht, ein paar andere Offiziere am Tisch reagierten mit fl�chtigem L�cheln auf die Beleidigung. Die meisten jedoch lie�en keine Regung erkennen.</p><p>Geary wusste, dass ihm seine Reaktion nur zu deutlich anzusehen war. �Stellt meine Ehre diejenigen zufrieden, die an Co-Pr�sidentin Riones Worten zweifeln?�, forderte er die versammelten Offiziere heraus. Rione hatte die Gelegenheit nicht genutzt, seiner Entscheidung zu widersprechen, was f�r ihn Grund zur Erleichterung und zur Dankbarkeit war.</p><p>Nur Schweigen schlug ihm entgegen, bis Captain Mosko z�gerlich zu einer Antwort ansetzte: �Man erwartet von Ihnen, dass Sie sie verteidigen, Captain Geary, wenn man die Beziehung zwischen Ihnen beiden bedenkt. So handelt auch ein ehrbarer Offizier.�</p><p>�Co-Pr�sidentin Rione erteilt Captain Geary keine Befehle. Und wenn sie es versuchen sollte, w�rde er nicht darauf achten�, widersprach Captain Desjani mit klarer Stimme, die frei von Gef�hlsregungen war. �Das ist mein Urteil aus direkten Beobachtungen von Captain Gearys Verhalten auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless.</emphasis> Ich sage das bei meiner Ehre, und ich sch�tze, niemand glaubt, zwischen Co-Pr�sidentin Rione und mir k�nnte eine Beziehung bestehen, durch die ich mich verpflichtet f�hlen k�nnte, sie zu verteidigen.�</p><p>�Sie f�hlen sich offenbar verpflichtet, Captain Geary zu verteidigen�, erwiderte Captain Midea mit einem Unterton, der unterstellte, dass Desjanis Verpflichtung, ihn zu verteidigen, nicht allein dienstliche Gr�nde hatte.</p><p>Desjani warf der anderen Frau einen vernichtenden Blick zu. �Captain Midea, ich werde jeden Offizier verteidigen, der in der Lage ist, unseren Feind zu schlagen. Ganz besonders sogar, wenn er es so effizient erledigt wie Captain Geary. Er ist mein Flottenkommandant, und er ist ein Mann von Ehre. <emphasis>Meine</emphasis> Feinde sind die Syndiks und <emphasis>jeder,</emphasis> der sie unterst�tzt.�</p><p>Das nachfolgende Schweigen war noch angespannter als zuvor. Etwas widerwillig mischte sich Captain Casia ein, um Midea den R�cken zu st�rken. �Diskussionen und Debatten zwischen den befehlshabenden Offizieren sind ein in der Flotte akzeptiertes Verhalten. Sie sind kein Anlass, um jemanden des Verrats zu bezichtigen.�</p><p>�Habe ich denn jemanden des Verrats bezichtigt?�, wollte Desjani wissen.</p><p>Geary setzte dem sich anschlie�enden betretenen Schweigen ein j�hes Ende. �Offene Diskussionen und Debatten werden akzeptiert, aber nicht mehr, nachdem bereits �ber eine Vorgehensweise entschieden worden ist. Ich wei�, es gibt einige Offiziere in dieser Flotte, die hinter vorgehaltener Hand Dinge sagen, die sie �ffentlich nicht wiederholen wollen. Ich habe es schon zuvor gesagt, und ich werde es jederzeit wiederholen, dass ich f�r Vorschl�ge und konstruktive Kommentare immer empf�nglich bin, trotzdem mache ich auch noch einmal deutlich, dass ich der Befehlshaber dieser Flotte bin und es meine Pflicht und Verantwortung ist, Entscheidungen zu treffen und Befehle zu erteilen.�</p><p>Captain Badaya nickte. �Genau das erwarten wir auch von Ihnen�, merkte er an und warf Casia einen ver�chtlichen Blick zu. �Wenn wir das Hypernet-Portal bei Lakota nicht benutzen k�nnen, was wird dann unser n�chstes Ziel sein?�</p><p>Dankbar daf�r, dass er auf das eigentliche Thema zur�ckkommen konnte, anstatt �ber reale oder eingebildete Beziehungen zu reden, deutete Geary auf das Display. �Uns stehen dann einige gute M�glichkeiten offen. Wohin wir weiterfliegen werden, h�ngt zum Teil davon ab, was wir bei Lakota vorfinden und wie sehr wir dadurch in K�mpfe verwickelt werden.� Er sah zu Captain Tyrosian und den anderen Kommandanten der Hilfsschiffe. �Dank der herausragenden Anstrengungen unserer Hilfsschiffe sind wir in der Lage gewesen, den Vorrat an Brennstoffzellen und Munition auf ein gutes Niveau zu bringen, auch wenn wir im Durchschnitt noch nicht wieder hundert Prozent erreicht haben. Daf�r wurde aber auch ein Gro�teil der Rohstoffe aufgebraucht, die wir bislang an Bord geholt haben. Wir m�ssen auf jeden Fall wieder unsere Vorr�te aufstocken. Wie dringend das zu erfolgen hat, h�ngt davon ab, wie viele Brennstoffzellen wir bei Lakota verbrauchen und wie viele Waffen wir abfeuern werden.�</p><p>�Es scheint so, als w�rden wir sehr viel Zeit damit verbringen, die Hilfsschiffe zu bewachen oder deren Vorr�te aufzustocken�, brummte der befehlshabende Offizier der <emphasis>Intrepid.</emphasis></p><p>�W�rden wir das nicht machen�, gab Captain Duellos gut gelaunt zur�ck, �dann s��en Sie jetzt schon l�ngst in einem Syndik-Arbeitslager. Ohne Waffen und ohne Brennstoffzellen l�sst sich n�mlich nur schwer k�mpfen.�</p><p>Der Kommandant der <emphasis>Bracer</emphasis> nickte. �Mein Schiff ist bei Daiquon schwer besch�digt worden. Die Ingenieure haben bis zur Ersch�pfung gearbeitet, um uns bei den Reparaturen zu helfen. F�r meine Crew und mich ist es eine Freude, diese Schiffe zu begleiten, bis wir wieder voll einsatzf�hig sind.�</p><p>Mehrere Offiziere schauten zu Commander Yin und den Befehlshabern der <emphasis>Majestic</emphasis> und der <emphasis>Warrior.</emphasis> Alle drei Schlachtschiffe mussten sich umfangreichen Reparaturen unterziehen, aber keiner dieser Offiziere hatte bislang ein gutes Wort �ber die Hilfsschiffe verloren. �Wir sind auch dankbar�, meldete sich hastig Commander Suram von der <emphasis>Warrior</emphasis> zu Wort. �Mit etwas Gl�ck sind wir bis Lakota wieder einsatzbereit.�</p><p>�Die Vierte Division w�re ohne Sie nicht die Gleiche�, meinte der Captain der <emphasis>Revenge</emphasis> l�chelnd, wurde dann jedoch ernst. �Wir m�ssen noch immer die <emphasis>Triumph</emphasis> r�chen, aber wir freuen uns schon darauf, die <emphasis>Warrior</emphasis> bald wieder bei uns zu haben.�</p><p>Sch�den. Geary machte eine nachdenkliche Miene und versuchte, sich die Details der am schwersten besch�digten Schiffe ins Ged�chtnis zu holen. Der von der Mine verursachte Schaden an der <emphasis>Titan</emphasis> selbst war inzwischen behoben worden. Die <emphasis>Warrior</emphasis> machte gute Fortschritte, die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> dagegen waren nach wie vor kaum einsatzf�hig, und an einigen leichteren Einheiten wurde noch intensiv gearbeitet, um sie wieder in Form zu bringen. H�tte er doch zwei Monate zur Verf�gung, in denen er nicht vor den Syndiks davonlaufen musste und die er in einem an Ressourcen reichen Sternensystem verbringen k�nnte, am besten mit einer Werft� einer richtig gro�en Werft� <emphasis>Da kann ich mir ja auch gleich ein unbewachtes Hypernet-Portal w�nschen. So etwas werde ich auch nie zu sehen bekommen.</emphasis> �Wir werden weiterhin Vergeltung f�r unsere Verluste �ben�, f�gte er laut an. �Die Flotte wird den Kurs anpeilen, um zum Sprungpunkt nach Lakota zu fliegen. Wir wechseln mit etwas niedrigerer Geschwindigkeit in den Sprungraum �ber, als wir es auf dem Weg nach hier gemacht haben. Au�erdem werden wir diesmal nach dem Verlassen des Sprungraums eine zuvor genau festgelegte Kehre nach Backbord beschreiben, um Minenfeldern der Syndiks aus dem Weg zu gehen. Wenn wir Lakota erreichen, werden wir gefechtsbereit sein, auch wenn ich nicht damit rechne, dass man uns dort genauso empfangen wird wie hier bei Ixion.�</p><p>�Wenn die Syndik-Beh�rden hier in Ixion erst mal melden, wie rasant wir die Streitmacht am Sprungpunkt ausgel�scht haben, wird deren Oberkommando diese Taktik so schnell nicht wiederholen�, urteilte Tulev.</p><p>�Wiederholen werden sie die nur, wenn wir gro�es Gl�ck haben�, gab Geary zur�ck und l�ste damit am�sierte Reaktionen aus. �Noch irgendwelche Fragen? Gut, dann sehen wir uns in Lakota wieder.�</p><p>Diesmal l�ste sich die Versammlung schnell auf, zur�ck blieben au�er Geary vier Personen: nat�rlich Captain Desjani, aber auch die Captains Badaya, Duellos und Tyrosian.</p><p>Tyrosian stutzte, als sie Badaya und Duellos sah, dann erkl�rte sie hastig: �Ich wollte mich nur bei Ihnen bedanken, Captain Geary, dass Sie die Rolle gew�rdigt haben, die wir in der Flotte spielen. Ich habe unter verschiedenen Kommandanten gedient, die immer nur die Schwierigkeiten gesehen haben, die Hilfsschiffe einer Flotte bereiten. Es tut gut, wenn unser Beitrag zur Flotte auch mal gew�rdigt wird.�</p><p>�Ich bin dankbar daf�r, dass ich die <emphasis>Witch, Titan, Jinn</emphasis> und <emphasis>Goblin</emphasis> in dieser Flotte habe�, versicherte Geary ihr. �Ihre Anwesenheit ist unbezahlbar, und die Anstrengungen ihrer Besatzungen sind wirklich au�erordentlich. Geben Sie das bitte an alle Schiffe weiter.�</p><p>Tyrosian nickte, salutierte schnell und verschwand dann.</p><p>Captain Badaya wandte sich stirnrunzelnd an Desjani: �Sie sollten sich ein solches Verhalten von Midea nicht gefallen lassen. Vor drei Jahren w�re sie fast vors Kriegsgericht gekommen, weil sie ein Verh�ltnis mit ihrem XO hatte, und jetzt besitzt sie die Dreistigkeit, Ihnen das Gleiche zu unterstellen.</p><p>Desjani verzog das Gesicht. �Bei Leuten wie ihr st�re ich mich nicht daran, was sie reden.�</p><p>�Der Flotte w�re damit gedient, wenn man ihr das Kommando abnehmen w�rde�, fand Badaya. �Wenn sie nicht mit energischer Hand gef�hrt wird, neigt sie zu impulsivem Verhalten, anstatt erst mal nachzudenken. Es w�rde nicht viel Widerspruch ausl�sen, wenn Sie sie ihres Postens entheben, Captain Geary. Sie genie�t keinen guten Ruf, und das gilt auch f�r Captain Casia.�</p><p>�Captain Numos auch nicht�, betonte Duellos. �Und doch haben viele auf ihn geh�rt.�</p><p>�Das ist richtig�, r�umte Badaya ein. �Aber die Zahl solcher Offiziere nimmt nicht mehr zu. Ich bin nicht der Flottenkommandant, und ich ma�e mir auch nicht an, ihm zu sagen, was er tun oder lassen sollte. Ich will ihn nur wissen lassen, dass er Mideas sinnloses Gerede nicht hinnehmen muss. Und ich wollte mein Bedauern gegen�ber Captain Desjani ausdr�cken, auch wenn ich glaube, dass es schlimmere Schicksale gibt, als f�r jemanden gehalten zu werden, der die Gunst von Captain Geary genie�t.�</p><p>Desjani err�tete. Dieser letzte Kommentar missfiel ihr auf das �u�erste, doch Badaya schien davon keine Notiz zu nehmen. �Vielen Dank, Captain Badaya�, gab sie k�hl zur�ck.</p><p>Der salutierte zackig und l�chelnd, dann verschwand auch sein Bild.</p><p>Kopfsch�ttelnd erkl�rte Desjani an Geary gewandt: �Ich denke, ich sollte nicht allein mit Ihnen hierbleiben, Sir. Deshalb werde ich mich jetzt zur�ckziehen, solange Captain Duellos noch hier ist.�</p><p>Duellos trat vor. �Tanya, wer Sie kennt, der nimmt von diesen Ger�chten keine Notiz.�</p><p>�Danke�, sagte sie und nickte. �Aber mir ist auch wichtig, was diejenigen denken, die mich nicht kennen.� Mit diesen Worten salutierte sie hastig, dann verlie� sie den Raum.</p><p>Geary sah ihr ernst nach. �So was hat sie nicht verdient.�</p><p>�Nein�, stimmte Duellos ihm zum. �Doch entgegen Captain Badayas Meinung w�rde sich nichts �ndern, wenn Captain Midea ihren Platz r�umt. Ich halte es sogar f�r wahrscheinlicher, dass ein solcher Akt Ger�chte nach sich ziehen wird, Sie h�tten versucht, sie zum Schweigen zu bringen.�</p><p>�Damit k�nnten Sie recht haben. Was Badaya dazu gesagt hat, dass sie mit fester Hand gef�hrt werden muss� Sehen Sie das auch so?�</p><p>Duellos nickte. �Schon ironisch, nicht wahr? Captain Numos wird nur von wenigen Leuten f�r einen f�higen Offizier gehalten, aber er hatte Midea so gut im Griff, dass ihre gedankenlose Art nie zum Tragen kam, solange er diese Schlachtschiffdivision befehligte.�</p><p>�Das ist wirklich ironisch. Ich h�tte nicht gedacht, dass ich jemals glauben w�rde, Numos k�nnte irgendwelche F�hrungsqualit�ten besitzen.� Geary atmete seufzend aus und schaute auf den Platz, auf dem eben noch Captain Desjani gesessen hatte. �Wie kann ich diesen Ger�chten ein Ende bereiten? Das Einzige, was mir einfallen will, ist, Desjani so zu behandeln wie jeden anderen Offizier auch.�</p><p>�Das sehe ich auch so. Allerdings war es nicht sehr hilfreich, dass Badaya auf eine ziemlich tollpatschige Art dem Gedanken, sie als Ihre Begleiterin zu haben, seinen Segen geben musste. Auch wenn er es nicht ausgesprochen hat, ist es nach Meinung vieler nicht ann�hernd so erstrebenswert, eine Politikerin an seiner Seite zu haben.�</p><p>�Wen ich an meiner Seite habe, geht nur mich etwas an! Jedenfalls, solange ich mich ehrbar verhalte und nicht gegen irgendwelche Vorschriften versto�e�, erg�nzte Geary.</p><p>�Das will ich gar nicht bestreiten. Aber Sie sind kein beliebiger Flottenkommandant, und Politikern kann man nun mal nicht vertrauen, selbst wenn man ihnen wie im Fall von Co-Pr�sidentin Rione nachsagt, dass sie aufrichtig sind. Wer so denkt wie Badaya, der wird es bef�rworten, wenn Sie sie verlassen und sich stattdessen Desjani zuwenden. Zwei Offiziere der Flotte, die gemeinsam �ber die Flotte herrschen.� Nach einer kurzen Pause f�gte Duellos an: �W�rden Sie das machen?�</p><p>�Was?� Geary sah ihn verdutzt an. �Wie k�nnen Sie mich so etwas �berhaupt nur fragen? Ich sagte bereits, dass ich Desjani nicht so behandeln w�rde.�</p><p>Duellos verzog den Mund zu einem sp�ttischen L�cheln. �Entschuldigen Sie. Ihre �u�erung zu Captain Desjani hatte ich bereits akzeptiert. Ich bezog mich auf das Angebot, das Captain Badaya Ihnen vor Kurzem unterbreitet hat.�</p><p>�Oh.� Gearys Wut ebbte gleich wieder ab, und er sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ich habe es nicht angenommen, und das wird auch nicht passieren. Das habe ich ihm deutlich gesagt. Wie viele Leute in der Flotte wissen davon?�</p><p>�Vermutlich jeder befehlshabende Offizier in dieser Flotte.� Duellos sah Geary forschend an. �Ich bin froh, dass Sie das so kategorisch ablehnen. Ich �rgere mich auch manchmal �ber unsere politische F�hrung, aber ich nehme meinen Eid gegen�ber der Allianz ernst. Ich k�nnte Sie bei so etwas nicht unterst�tzen, sondern w�rde mich gegen Sie stellen.�</p><p>Geary nickte nur, er vertraute Duellos, dass er ganz sicher seiner Regierung treu bleiben w�rde. �Hat Badaya recht? W�rde der gr��te Teil der Flotte einen solchen Schritt unterst�tzen? Ich hoffe auf ein Nein.�</p><p>�Das kann ich Ihnen leider nicht geben. H�chstwahrscheinlich w�rden zwei Drittel der Flotte Sie als Diktator akzeptieren, wenn vielleicht auch nicht jeder aus den gleichen Gr�nden.� Duellos sah einen Moment zur Seite. �Und nat�rlich w�rden einige Captains, die sich in dem Fall gegen Sie aussprechen, von ihrer Crew abgesetzt, um jemanden nachr�cken zu lassen, den Sie bestimmen.�</p><p>Mit beiden H�nden rieb Geary �ber seine Stirn, w�hrend er nachzudenken versuchte. �Ich wage es gar nicht, Colonel Carabali zu fragen. Sie wird noch glauben, ich will sie aushorchen und ihren Standpunkt in Erfahrung bringen.�</p><p>�Die Marines?� Duellos zog die Augenbrauen zusammen. �Die w�ren eine unberechenbare Gr��e. Ihnen gegen�ber w�ren sie auf jeden Fall loyal, allerdings hat auch ihre Loyalit�t gegen�ber der Allianz einen legend�ren Ruf.� Er zuckte mit den Schultern. �Es w�rde aber nichts �ndern. Wenn die Besatzungen sich hinter Sie stellen, gibt es nicht genug Marines, um etwas dagegen zu unternehmen.�</p><p>�Ich kann es gar nicht fassen, dass ich �berhaupt �ber so etwas rede.� Geary sch�ttelte den Kopf, ging langsam im Konferenzraum auf und ab, dann kehrte er zu Duellos zur�ck. Er musste sich selbst gegen�ber und nach au�en ein klares Zeichen setzen. �Ich werde Badayas Angebot nicht annehmen.�</p><p>Duellos l�chelte. �Gut. Ich hatte es auch nicht erwartet, aber wenn so viel auf dem Spiel steht, f�hlt es sich gut an, die Antwort direkt von Ihnen zu h�ren. Ich w�rde mich nicht gegen Sie stellen wollen.�</p><p>�Dann k�nnen wir uns ja die Hand reichen�, erwiderte Geary und l�chelte ebenfalls. �Ich glaube, wir werden immer auf der gleichen Seite sein.�</p><p>�Tanya Desjani w�rde Ihnen folgen. Sie w�re zwar innerlich zerrissen, aber sie w�rde loyal zu Ihnen stehen.�</p><p>�Warum erz�hlen Sie mir das?�</p><p>�Weil ich nicht glaube, dass Sie sie jemals darum bitten w�rden, gegen ihren Eid zu versto�en, und unter jeglichen anderen Umst�nden w�rde sie das auch nicht tun� Es sei denn, Sie sind derjenige, der sie dazu auffordert.�</p><p>�Danke.� Er war sich noch immer nicht im Klaren, wieso Duellos ihn das wissen lassen wollte, aber f�r den Augenblick lie� Geary es auf sich beruhen. �Und wie denken Sie jetzt �ber Lakota? Immer noch besorgt?�</p><p>�Sie nicht? Es ist riskant. Doch es ist egal, wohin wir von hier aus weiterreisen, es ist alles riskant. Ich denke, wir k�nnen dieses Risiko eingehen. Wir k�nnen noch so gr�ndlich abw�gen und planen, irgendwann wird unsere Gl�cksstr�hne ein Ende haben, und diese Flotte wird in gro�e Schwierigkeiten geraten. Aber dann k�nnen wir auch wie Krieger sterben, die nach den Sternen gegriffen haben, nicht wie M�use, die sich in einem Loch verkrochen haben.�</p><p>�Selbst wenn uns bei Lakota ein gro�es Syndik-Aufgebot erwartet, hei�t das nicht, dass diese Flotte sterben wird.�</p><p>�Hoffentlich nicht. Aber selbst wenn doch, haben Sie uns geholfen, nach dem Desaster im Syndik-Heimatsystem das Gleichgewicht der Kr�fte wieder auszugleichen. Wenn wir gen�gend Syndiks mit in den Untergang rei�en, wird die Allianz immer noch eine Chance haben.� Duellos salutierte. �Wir sehen uns in Lakota.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Wir bekommen Gesellschaft, Sir.�</p><p>Desjanis Stimme riss ihn in seinem Quartier aus dem Schlaf, und er klatschte seine Hand auf das Komm-Panel, um die eingehende Nachricht anzunehmen. �Wie viele?�</p><p>�Acht gro�e Syndik-Schiffe sind durch den Sprungpunkt von Dansik nach Ixion gekommen. Vier Schlachtschiffe, vier Schlachtkreuzer, begleitet von sechs Schweren Kreuzern und der �blichen Mischung aus Leichten Kreuzern und J�gern. Sie sind ungef�hr zwei Lichtstunden an Steuerbord von uns entfernt. Vor zwei Stunden waren sie mit 0,1 Licht unterwegs.�</p><p>�Inzwischen werden sie Kurs auf uns genommen haben.�</p><p>�Ja, Sir. Es passiert in diesem Moment. Sie drehen bei, aber ich glaube nicht, dass sie versuchen werden, auf Abfangkurs zu gehen. Wir sind vier Stunden und zehn Minuten vom Sprungpunkt nach Lakota entfernt.�</p><p>�Nein, ganz sicher kein Abfangkurs�, stimmte er ihr zu. Bei 0,1 Licht ben�tigten sie f�r eine Strecke von zwei Lichtstunden zwanzig Stunden. Da sich die Syndiks zudem noch in einem Winkel n�herten, w�rde die zur�ckzulegende Strecke sogar noch etwas l�nger ausfallen. �Die verfolgen uns zum Sprungpunkt und fliegen uns einfach hinterher.� Der Feind war gesichtet worden, aber sie konnten schlichtweg nichts dagegen unternehmen. Kehrtzumachen und die Syndiks abzufangen, w�re ein sinnloses Unterfangen, da diese Flotte einfach jeder Konfrontation aus dem Weg gehen und auf weitere Verst�rkung warten konnte. �Danke f�r die Information. Bleiben Sie auf Kurs zum Sprungpunkt nach Lakota.�</p><p>�Jawohl, Sir�, erwiderte Desjani.</p><p>Er legte sich wieder hin und wurde prompt von Schuldgef�hlen heimgesucht. Desjani sa� auf der Br�cke, behielt die Situation im Auge und beobachtete den Feind, w�hrend er in seinem Quartier im Bett lag. Nat�rlich h�tte er sich auf der Br�cke in keiner Weise n�tzlich machen k�nnen, dennoch kam es ihm verkehrt vor, dass er nicht dort war.</p><p>Riones Hand schob sich �ber seine Brust. �Werden die uns nach Lakota folgen?�, murmelte sie ihm ins Ohr.</p><p>�Ja. Tut mir leid, dass du aufgewacht bist.�</p><p>�Nicht so schlimm. Du wirst jetzt sicher Probleme haben, wieder einzuschlafen.� Ihre Hand wanderte weiter nach unten. �Es w�re doch unsinnig, wenn wir beide einfach nur wach im Bett liegen, nicht wahr?�</p><p>Dass ihnen Syndik-Schiffe in dieses System gefolgt waren, schien Rione gar nicht zu st�ren. Oder sie versuchte, ihn von seinen Sorgen abzulenken. Oder sie war insgeheim dar�ber beunruhigt, was sie wom�glich bei Lakota erwartete, dass sie keine Gelegenheit verpassen wollte, Zeit mit ihm zu verbringen.</p><p>Nach einigen Augenblicken h�rte er auf zu gr�beln, welche Motive sie f�r ihr Handeln haben mochte.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Geary sa� auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> und musterte das Display, das seine Flotte darstellte. Er hatte seine Schiffe eine alte, als Echo Five bekannte Formation einnehmen lassen, die aus f�nf Unterformationen in der Form von M�nzen bestand. Jede dieser Scheiben wies ein wenig Tiefe auf und war vertikal nach vorn ausgerichtet. Angef�hrt wurde die Flotte von Echo Five One, die sich aus �berresten von Captain Cresidas F�nfter Schlachtkreuzerdivision und der dezimierten Siebten Schlachtkreuzerdivision zusammensetzte. Zwei Schlachtkreuzerdivisionen, die aus gerade mal f�nf Schiffen bestanden. Das war deprimierend, und er dachte lieber gar nicht erst dar�ber nach. Dank der Schweren und Leichten Kreuzer sowie der Zerst�rer, die dieser Einheit zugeteilt worden waren, besa� die Vorhut zumindest eine passable Kampfst�rke.</p><p>Zu beiden Seiten der Hauptformation fanden sich Echo Five Two und Five Three. Zu Five Two geh�rten die acht Schlachtkreuzer der Ersten und Zweiten Division, au�erdem einige leichtere Schiffe, w�hrend Five Three aus den acht Schlachtschiffen der Zweiten und F�nften Division sowie aus leichteren Einheiten bestand. Die Nachhut bildete Echo Five Five, zu der die vier Hilfsschiffe, besch�digte Kriegsschiffe wie die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> sowie die <emphasis>Indefatigable,</emphasis> die <emphasis>Defiant</emphasis> und die <emphasis>Audacious</emphasis> der Siebten Schlachtschiffdivision geh�rten.</p><p>Die restlichen f�nf Schlachtkreuzer�� darunter die <emphasis>Dauntless</emphasis>��, die dreizehn �brigen Schlachtschiffe und die beiden Scout-Schlachtschiffe bildeten den Kern der Unterformation Echo Five Four, der von den �brigen Schweren und Leichten Kreuzern sowie den Zerst�rern begleitet wurde. Insgesamt betrachtet sollte die Allianz-Flotte mit allem zurechtkommen k�nnen, was sich ihnen wom�glich in den Weg stellte, sobald sie den Sprungpunkt bei Lakota verlie�en.</p><p>�Alle Einheiten haben ihre Geschwindigkeit auf 0,04 Licht reduziert�, meldete Captain Desjani. �Alle Einheiten melden, dass sie zum Sprung bereit sind.�</p><p>Geary nickte bed�chtig und hoffte inst�ndig, dass ihm jetzt nicht jener Fehler unterlief, vor dem er schon seit dem Tag Angst hatte, an dem ihm das Kommando �ber diese Flotte �bertragen worden war. �An alle Einheiten: Gehen Sie in Gefechtsbereitschaft, wenn Sie bei Lakota den Sprungraum verlassen. Alle Einheiten: Springen Sie jetzt.�</p></section><section><title><p>Acht</p></title><p>F�nfeinhalb Tage bis Lakota. Weitere f�nfeinhalb Tage, in denen es nichts anderes zu sehen gab als das endlose graue Nichts des Sprungraums.</p><p>�Wie f�hlst du dich?�, fragte Rione ihn.</p><p>�Besorgt�, erwiderte Geary, ohne den Blick vom Display zu nehmen.</p><p>Sie setzte sich neben ihn und schaute ebenfalls auf die Darstellung der Umgebung. �Erz�hl mir doch mal, wie das Leben im Sprungraum so war.�</p><p>�Sehr witzig.�</p><p>�Oh, ganz so witzig ist das gar nicht gemeint.� Sie atmete tief durch. �Erinnerst du dich an irgendetwas?�</p><p>Er sah sie an. �Du meinst den K�lteschlaf.�</p><p>�Ja. Hundert Jahre. Es gibt nicht viele Menschen, die das so lange Zeit �berlebt haben. Genau genommen kenne ich nur einen.�</p><p>�Ich Gl�ckspilz.� Er dachte �ber ihre Frage nach. �Ich wei� es nicht. Manchmal glaube ich, dass ich mich an Tr�ume erinnere, aber das k�nnen auch Erinnerungen an Tr�ume vor der Schlacht bei Grendel sein. Ich sprang in die Rettungskapsel, als mein Schiff kurz vor der Explosion stand, ohne dass mir noch Zeit blieb, an die Schlacht zu denken. Und als die Flotten�rzte mich aufweckten, da hatte ich das Gef�hl, nur ein paar Minuten geschlafen zu haben. Zuerst habe ich ihnen kein Wort geglaubt. Ich hielt das f�r irgendeinen Syndik-Trick. Ich konnte nicht fassen, dass jeder, den ich mal gekannt hatte, tot war. Alles, was ich gekannt hatte, lag hundert Jahre hinter mir.�</p><p>�Und dann musstest du erfahren, dass aus dir Black Jack Geary geworden war, der mythische Held der Allianz�, f�gte Rione mit sanfter Stimme an.</p><p>�Ja. Das Einzige, was mich gerettet hat, war dieses Kommando, das ich �bernehmen musste. Dadurch war ich gezwungen, aus dem Schneckenhaus hervorzukommen, in das ich mich zum Schutz vor allem zur�ckgezogen hatte.� Er erinnerte sich an das Eis, das anfangs in ihm existiert hatte, an die K�lte, die versucht hatte, einen Wall zu errichten, damit die Welt um ihn herum nicht bis zu ihm vordringen konnte. �W�re das nicht gewesen�� Geary sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Gl�ck f�r uns, und Gl�ck f�r dich.�</p><p>�Und bist du gl�cklich?�, fragte er sie.</p><p>�Ich?� Rione seufzte leise. �Ich frage mich immer, ob mein Ehemann eines dieser Lichter ist. Ich frage mich, wie meine Vorfahren �ber mich denken. Ich frage mich, was uns bei Lakota erwartet und was aus der Allianz werden wird. Kann man von Gl�ck reden, wenn man in solchen Zeiten lebt und mit solchen Fragen konfrontiert wird?�</p><p>�Da w�rde ich eher von Ungl�ck reden.�</p><p>�Ja, das sehe ich auch so.�</p><p>Wenigstens gab es Papierkram zu erledigen, mit dem er sich die Zeit vertreiben und sich von seinen st�ndigen �berlegungen ablenken konnte, was sie wohl erwartete, wenn sie Lakota erreichten. Das Eigenartige daran war, dass von allem Papierkram kaum etwas auf Papier ausgedruckt wurde, weshalb er sich zwangsl�ufig die Frage stellte, woher dieser Begriff eigentlich kam. Geary stutzte, als er eine Nachricht von der <emphasis>Furious</emphasis> entdeckte. Routinem��ige Versetzungen von Personal sollten ihn eigentlich nicht mal als Kopien zur Information erreichen. Wenn das auch anfing, w�rde er in Papierkram untergehen.</p><p>Dann aber las er den Namen auf der Versetzungsliste und nahm mit Captain Desjani Kontakt auf. �Ich habe hier einen Versetzungsbefehl von der <emphasis>Furious</emphasis> und��</p><p>�Jawohl, Sir, ich komme sofort runter, um mit Ihnen dar�ber zu reden, Sir.�</p><p>Geary wartete und gr�belte bis zu Captain Desjanis Eintreffen, was nun wieder los war. Er bedeutete ihr, Platz zu nehmen, und sie setzte sich wie �blich in Habachthaltung hin. Seit die Ger�chte �ber sie beide zu kursieren begonnen hatten, bat er sie l�ngst nicht mehr, sich zu entspannen. Er fragte sich, ob diese Versetzung in einem Zusammenhang mit den Ger�chten stand. �Mir liegt hier der Befehl vor, dass Lieutenant Casell Riva von der <emphasis>Furious</emphasis> auf die <emphasis>Vambrace</emphasis> versetzt werden soll.�</p><p>Desjani verzog keine Miene, w�hrend sie nickte. �Ein Schwerer Kreuzer mag ihm lieber sein, aber die Bed�rfnisse der Flotte haben in jedem Fall Priorit�t.�</p><p>�Ich verstehe.� Nein, eigentlich nicht. �Wussten Sie dar�ber Bescheid?�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Captain Cresida hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass sie beabsichtigte, Lieutenant Riva zu versetzen, Sir.�</p><p>�Und das ist f�r Sie in Ordnung?�</p><p>�Sir, ich kann mich nicht mit dem Schicksal jedes Junioroffiziers auf anderen Schiffen der Flotte befassen.�</p><p>Geary gab sich M�he, sich seine Verwunderung nicht anmerken zu lassen. �Normalerweise haben Sie damit sicher recht. Mich sollte es auch nicht k�mmern, wenn ich in diesem speziellen Fall nicht w�sste, dass Sie gehofft hatten, mit Lieutenant Riva wieder eine pers�nliche Beziehung aufzubauen.� Wie lange war das eigentlich her, dass er mit ihr dar�ber gesprochen hatte? Er konnte es nicht sagen. So viel Zeit galt seiner eigenen Beziehung zu Rione, hinzu kamen die Ger�chte �ber sein angebliches Verh�ltnis mit Desjani. Es war eindeutig zu lange her, dass er irgendwelches Interesse daran gezeigt hatte, was sich eigentlich in ihrem Privatleben abspielte.</p><p>Desjani zuckte mit den Schultern. �Co-Pr�sidentin Rione und ich haben gewisse Dinge gemeinsam, Sir.�</p><p>Das �berraschte ihn nun wirklich.</p><p>Sie musste es seinem Gesichtsausdruck angesehen haben, da sie behutsam erkl�rte: �Geister aus unserer Vergangenheit, die alte Emotionen aufr�hren und in ihrem Kielwasser Tr�mmer hinterlassen.�</p><p>�Ich verstehe nicht. Ich dachte, Sie und Lieutenant Riva��</p><p>�Lieutenant Riva entwickelte gro�es Interesse an einer Offizierin an Bord der <emphasis>Furious,</emphasis> und er beschloss, im Sinne dieses Interesses zu handeln.�</p><p>�Aber das ist��</p><p>�Jawohl, Sir. Captain Cresida musste energisch durchgreifen, weil er die Ordnung und Disziplin an Bord nachhaltig gest�rt hatte. Deshalb habe ich auch nur davon erfahren. Lieutenant Riva hielt es nicht f�r n�tig, mich von seinen neuen Interessen in Kenntnis zu setzen.�</p><p>Lieutenant Casell Riva war offenbar f�r Desjani nicht l�nger �Casell�, doch das konnte Geary ihr auch nicht ver�beln. <emphasis>Verdammt! Und ich habe ihr auch noch vorgeschlagen, dass sie Riva auf ein Schiff wie die</emphasis> Furious <emphasis>schicken soll.</emphasis> �Das tut mir leid.�</p><p>Sie zuckte mit den Schultern, als sei sie davon gar nicht pers�nlich betroffen. �Er ist hier der Verlierer, Sir.�</p><p>�Da haben Sie recht.�</p><p>�Eigenartig ist es dennoch�, redete Desjani weiter und starrte an Geary vorbei ins Leere. �In der Zeit, in der er sich in Gefangenschaft befand, kam es mir manchmal so vor, als w�rde er im K�lteschlaf liegen. Er ist derselbe geblieben, seine Karriere und sein Leben befanden sich in einer Warteschleife. Alles verharrte in dem Stadium, in dem es sich befunden hatte, als er in Syndik-Gefangenschaft geriet. Von seinem Alter abgesehen war er so, wie ich ihn in Erinnerung hatte.� Gr�belnd hielt sie einen Moment lang inne. �Nachdem er den Schock der Rettung �berwunden hatte und wusste, dass ich noch lebte, hat er sich meiner Meinung nach daran gest�rt, dass ich mich in der Zwischenzeit ver�ndert hatte. Ich war nicht mehr der Lieutenant, nicht mehr die Frau, die er vor seiner Gefangennahme gekannt und in Erinnerung behalten hatte.�</p><p>�Wenn er im Arbeitslager so oft an Sie gedacht hat, dann wundert es mich, dass er Ihnen untreu geworden ist, kaum dass er in Freiheit war.�</p><p>Desjani verzog den Mund zu einem humorlosen Grinsen. �Ich habe nicht gesagt, dass er mir in dieser Zeit treu war, Sir. Im Arbeitslager gab es zahlreiche Frauen. Lieutenant Riva hatte einige kurzlebige Beziehungen. Er gestand mir das ein, und ich konnte es ihm nicht mal verdenken. Allerdings h�tte ich mich schon fragen m�ssen, wieso diese Beziehungen alle so kurzlebig waren.�</p><p>�Glauben Sie, er ist eifers�chtig?�, fragte Geary. �Darauf, dass Sie inzwischen Captain sind und Ihr eigenes Schiff haben?�</p><p>�Das ist mir auch aufgefallen. Es macht Lieutenant Riva zu schaffen, dass er von so vielen Offizieren umgeben ist, die alle j�nger sind als er, aber einen h�heren Dienstgrad innehaben. Ich habe ihm gesagt, dass er sehr bald mit einer Bef�rderung rechnen kann, doch er scheint der Ansicht zu sein, man m�sse ihn bevorzugt behandeln, bis er wieder Anschluss an die Welt gefunden hat, die sich ohne ihn weiterentwickelt hat.� Sie verzog den Mundwinkel. �Diese Frau an Bord der <emphasis>Furious</emphasis> war ein Ensign� und nur gut halb so alt wie er.�</p><p>�Das ist eigentlich keine gute Idee, um seinem Ego Auftrieb zu geben�, meinte Geary dazu. �Naja, leid tut es mir trotzdem.�</p><p>Diesmal pr�sentierte Desjani ein ehrliches L�cheln. �Ich finde, ich verdiene etwas Besseres als ihn, Sir.�</p><p>�Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Danke, Tanya. Tut mir leid, dass ich Sie damit behelligt habe.�</p><p>�Ich wei� Ihre F�rsorge zu sch�tzen, Sir.� Ihre Miene nahm einen wehm�tigen Ausdruck an. �Ich h�tte wissen sollen, dass in meinem Leben kein Platz ist f�r eine Beziehung. Schlie�lich habe ich schon eine Vollzeitbeziehung zu einer Lady namens <emphasis>Dauntless,</emphasis> die meine komplette Aufmerksamkeit erfordert.�</p><p>�Mit dem Gef�hl bin ich vertraut�, stimmte Geary ihr zu. �Einem befehlshabenden Offizier bleibt wenig Zeit f�r ein Privatleben. Aber Sie sind ein guter Captain.�</p><p>�Vielen Dank, Sir.� Sie stand auf und wollte sich wegdrehen, sah dann jedoch wieder Geary an. �Sir, darf ich Ihnen eine pers�nliche Frage stellen?�</p><p>�Das Recht haben Sie sich allemal verdient�, erkl�rte Geary. �Wir haben uns schlie�lich die ganze Zeit �ber Ihr Privatleben unterhalten. Also, was m�chten Sie wissen?�</p><p>�Wie l�uft es zwischen Ihnen und Co-Pr�sidentin Rione?�</p><p>Geary war sich nicht sicher, wie er seine Antwort formulieren sollte. Schlie�lich l�chelte er, zog aber gleichzeitig auch die Stirn in Falten. �Ich glaube, es l�uft ganz gut.�</p><p>�Es� es hat mich gewundert, Sir. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie zu Ihnen zur�ckkehren w�rde.�</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte er und nickte bekr�ftigend.</p><p>Desjani z�gerte einen Moment lang. �Ist es Ihnen ernst, Sir?�</p><p>�Ich glaube schon�, gab er zur�ck und lachte kurz auf. �Verdammt, ich wei� es nicht. Aber ich glaube schon.�</p><p>�Und ist es ihr auch ernst?�</p><p>�Da bin ich mir nicht sicher.� Wenn es jemanden gab, mit dem er offen dar�ber reden konnte, dann war es Desjani. �Ich wei� nicht. Sie zeigt ihre Gef�hle nicht allzu deutlich.�</p><p>�Einmal hat sie es gemacht, Sir�, sagte sie leise. �Was sie momentan f�hlt, kann ich Ihnen nicht sagen, aber ich glaube, die Entdeckung, dass ihr Mann wom�glich noch lebt, h�tte sie nicht so tief getroffen, wenn sie nichts f�r Sie empfinden w�rde. Allerdings ist das nat�rlich nur meine pers�nliche Meinung.�</p><p>Dieser Gedanke war Geary auch schon gekommen. �Danke, dass Sie das erw�hnt haben. Ich wei� nicht immer, ob� na ja��</p><p>�Sie wissen nicht immer, ob sie die Wahrheit sagt?�, f�hrte sie versuchsweise seinen Satz zu Ende.</p><p>Geary l�chelte sie an. �Ja. Rione ist Politikerin, aber das wusste ich von Anfang an.�</p><p>�Manche Politiker sind schlimmer als andere, was bedeuten muss, dass manche besser sind als andere. Und so schlimm Politiker auch sein m�gen, es gibt immer noch schlimmere Berufe.�</p><p>�Tats�chlich? Ach ja, stimmt. Zum Beispiel Anw�lte.�</p><p>�Ja, Sir�, best�tigte Desjani. �Oder Literaturagenten. Das h�tte ich werden k�nnen.�</p><p>�Ist das wahr?� Geary betrachtete sie und versuchte sich vorzustellen, wie sie nicht auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless,</emphasis> sondern auf irgendeinem Planeten hinter ihrem Schreibtisch sa� und Abenteuergeschichten las und verkaufte, anstatt diese Abenteuer selbst zu leben.</p><p>�Bevor ich zur Flotte ging, bot mein Onkel mir einen Job in seiner Agentur an�, erz�hlte sie. �Aber von allen anderen Faktoren einmal abgesehen, h�tte dieser Job f�r mich bedeutet, mit Autoren zusammenarbeiten zu m�ssen, und Sie wissen sicher, wie diese Leute sind.�</p><p>�Ich hab so einiges dar�ber geh�rt.� Geary konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. �Stimmt das, was Sie mir da gerade erz�hlt haben?�</p><p>Desjani erwiderte sein Grinsen. �Kann schon sein, Sir.�</p><p>Lange, nachdem sie sein Quartier verlassen hatte, sah Geary immer noch auf die Luke, die sich hinter ihr geschlossen hatte. Es tat gut, mit Desjani einfach mal �ber etwas anderes zu reden. Sie teilte ihre Erfahrungen mit ihm, die zum Teil aus ganz verschiedenen Karrieren in der Flotte herr�hrten, und trotz eines Jahrhunderts Zeitunterschied doch Parallelen aufwiesen, mit denen sich wohl jeder Offizier und jeder Matrose der Menschheitsgeschichte auf die eine oder andere Weise identifizieren konnte. Anderes wiederum stammte aus ihrer gemeinsamen Zeit auf diesem Schiff und drehte sich um die Last des Kommandos und die gemeinsamen K�mpfe gegen den Feind. Ihm fiel auf, dass es ihm erstaunlich leichtfiel, sich mit Desjani zu unterhalten.</p><p>Ich frage mich, was wohl geschehen w�re, wenn ich nicht Desjanis Vorgesetzter geworden w�re und ich mich trotzdem auf diesem Schiff befinden w�rde. Wenn nicht Ehre und Pflichtgef�hl unser Verhalten bestimmen w�rden�</p><p>Nein, fang gar nicht erst damit an. Denk nicht �ber so was nach. So ist es nicht gelaufen, und so wird es auch nie laufen�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Als er wach wurde, wusste er, dass Mitternacht jenes k�nstlichen Tagesablaufs auf dem Schiff, der dem menschlichen Biorhythmus m�glichst gerecht zu werden versuchte, noch nicht lange verstrichen war. Im Idealfall w�rde die Flotte Lakota zu einer humanen Uhrzeit erreichen, wenn jeder von ihnen ausgeschlafen war und gefr�hst�ckt hatte. Vorausgesetzt, irgendjemand konnte �berhaupt gut schlafen, wenn er doch wusste, dass auf ihn ein feindliches System mit einer unbekannten Anzahl gegnerischer Schiffe wartete. Nicht viel besser sah es da mit dem Fr�hst�ck aus, denn die Aussicht auf eine drohende Schlacht schlug manchem schnell auf den Magen. Aber es w�re einfach sch�n gewesen, diese Gelegenheit zu bekommen.</p><p>Doch auch wenn die Menschheit einen Weg gefunden hatte, um unter bestimmten Umst�nden manche Regeln des Universums zu �berlisten, und so zum Beispiel in der Lage war, mit dem Sprungantrieb schneller als das Licht zu reisen, folgte das �berlisten der Regeln wiederum bestimmten Regeln. Die Reise durch den Sprungraum von Ixion nach Lakota dauerte nun einmal eine bestimmte Zeit. Damit war klar, dass die Allianz-Flotte den Sprungraum etwa gegen 04.00 Uhr am Morgen verlassen w�rde.</p><p>Vier Stunden waren eine lange Zeit, um neben Victoria Rione wach im Bett zu liegen, die fest und friedlich zu schlafen schien. Das allein war schon so au�ergew�hnlich, dass Geary sie auf keinen Fall aufwecken wollte. Was immer sie auch denken und f�hlen mochte, kam nachts zum Vorschein, wenn sie sich wie sonst �blich im Bett hin und her w�lzte.</p><p>Vorsichtig stand er auf und zog sich an. Als er an der Luke stand, warf er ihr noch einen Blick zu, und im n�chsten Moment h�rte er sie rufen: �Wir sehen uns auf der Br�cke.�</p><p>�Okay.� Verdammt. Er wusste nicht mal, wann sie wirklich schlief�� oder warum sie sich schlafend stellte, um ihn erst in der allerletzten Sekunde wissen zu lassen, dass sie ihn an der Nase herumgef�hrt hatte.</p><p>Dass Captain Desjani wach war, daran gab es wenigstens keinen Zweifel. Sie sa� in ihrem Kommandosessel und �berwachte die Gefechtsvorbereitungen ihres Schiffs. Voller Selbstvertrauen l�chelte sie ihn an, als er die Br�cke betrat. �Sie sind etwas zu fr�h dran, Sir.�</p><p>�Ich kann nicht schlafen.� Er verbrachte ein paar Minuten damit, sich die Anzeigen anzusehen, mit denen er sich schon seit Tagen besch�ftigte, dann stand er wieder auf. �Ich werde eine Weile durchs Schiff spazieren.�</p><p>Wie erwartet, war fast die gesamte Crew bereits auf den Beinen. Sogar diejenigen, die erst um Mitternacht ihre Schicht beendet hatten, waren wach geblieben und hielten sich in den Messen oder weiterhin an ihren Stationen auf. Geary setzte eine hoffentlich ruhige und zuversichtliche Miene auf, gr��te Besatzungsmitglieder und unterhielt sich mit dem einen oder anderen, um jeden wissen zu lassen, dass sie die Syndiks auch im Lakota-System schlagen w�rden. Sobald in einem Gespr�ch die Frage aufkam, wann denn die Flotte wohl zu Hause ankommen werde, versuchte Geary so ehrlich wie m�glich zu sein. Er wusste nicht, wie lange es noch dauern w�rde, aber er tat alles in seiner Macht Stehende, um dieses Ziel zu erreichen.</p><p>Und die Leute vertrauten ihm, wenn er ihnen das sagte. Sie vertrauten ihm mit ihrem Leben, und auf eine sehr reale Weise vertrauten sie ihm, dass er die Allianz retten w�rde, auch wenn darunter nicht jeder das Gleiche verstand.</p><p>Dabei achtete er besonders darauf, wie die Besatzungsmitglieder der <emphasis>Dauntless</emphasis> �ber ihr Zuhause und �ber die Allianz sprachen, weil er herausfinden wollte, ob sie auch so unzufrieden mit den Politikern waren und ob sie auch glaubten, dass die Schuld am verfahrenen Zustand dieses Kriegs bei ihnen zu suchen war. Vielleicht war er blo� mit einem Mal f�r dieses Thema sensibilisiert, doch Geary glaubte, mehr in dieser Richtung zu h�ren, als ihm bislang bewusst gewesen war. Es ist ganz so, wie Rione mir gesagt hat. Was man sagt, ist nicht wichtig. Es z�hlt nur, was die Leute h�ren wollen. Ich habe diese Dinge nicht geh�rt.</p><p>Kein Wunder, dass sie sich so sehr �ber die �wundersame� R�ckkehr von Black Jack Geary gefreut haben. Sie warteten nicht auf einen neuen milit�rischen F�hrer, sondern auf jemanden, der die Allianz insgesamt f�hrt. Vorfahren, steht mir bei!</p><p>Gut eine Stunde vor Verlassen des Sprungraums kehrte er auf die Br�cke zur�ck und traf dort auf Rione, die ihren Beobachterposten eingenommen hatte. Sie und Desjani gingen zumindest rein �u�erlich zivil und h�flich miteinander um.</p><p>Die einzige noch verbliebene Option, wie sich Zeit totschlagen lie�, bestand darin, die lokalen Sternensysteme auf dem Display darstellen zu lassen, damit er sich Gedanken dar�ber machen konnte, wohin die Flotte weiterfliegen sollte, wenn es ihr nicht m�glich war, das Hypernet-Portal bei Lakota zu benutzen�� wovon er vorsichtshalber ausging. Wie �blich war der Mangel an aktuellen Daten �ber die umgebenden Sternensysteme �u�erst �rgerlich. Branwyn schien relativ sicher zu sein, aber er wusste nicht, ob man die dortigen Siedlungen und die angeschlossenen Bergbaueinrichtungen mittlerweile aufgegeben hatte, waren doch die verf�gbaren Angaben mehrere Jahrzehnte alt. Vielleicht hielten sich dort auch Syndiks auf, was es seiner Flotte nur unn�tig erschweren w�rde, mehr Rohstoffe f�r die Hilfsschiffe zu pl�ndern. Au�erdem lag Branwyn in Richtung Grenze zur Allianz, was die Frage aufwarf, ob man die Sprungpunkte inzwischen vielleicht schon vermint hatte oder ob sogar Syndik-Streitm�chte dort bereits in Stellung gegangen waren.</p><p>Blieben die anderen M�glichkeiten: T'negu war von Lakota genauso zu erreichen wie von Ixion. W�rde dieser Sprungpunkt frei von Minen und feindlichen Schiffen sein, weil die Syndiks davon ausgingen, dass Gearys Flotte durch den Sprungpunkt eintraf, der von Ixion aus in das System f�hrte? Seruta, als weitere M�glichkeit, schien ein durchschnittliches System zu sein, das vom Hypernet �bergangen worden war und das �ber eine einzelne raue, aber bewohnbare Welt verf�gte, auf der zig Millionen Menschen lebten. Von dieser Welt und den Anlagen abseits des Planeten ging keine Gefahr f�r die Flotte aus, doch der Weg nach Seruta f�hrte wieder fort vom Allianz-Gebiet. Und dann war da nat�rlich noch Ixion, allerdings kamen sie da ja gerade erst her.</p><p>Keine dieser M�glichkeiten sagte ihm so richtig zu, aber sie waren immer noch besser als alles, was ihm in den anderen Systemen zur Auswahl gestanden h�tte.</p><p>�F�nf Minuten bis zum Verlassen des Sprungraums�, meldete ein Wachhabender und holte Geary aus seinen Gedanken.</p><p>Captain Desjani tippte auf eine schiffsinterne Komm-Taste. �Alle Mann bereithalten, um sofort nach dem Wiedereintritt in den Normalraum zum Gefecht �berzugehen. Denken Sie daran, dass Captain Geary uns beobachtet.�</p><p>Er versuchte, keine Reaktion zu zeigen, doch etwas veranlasste ihn, zu Rione zu schauen. Die musterte ihn mit einem reglosen Gesichtsausdruck, aber die Augen verrieten ihre Nervosit�t.</p><p>�Noch eine Minute.�</p><p>Indem er sich auf das Display konzentrierte, das das Lakota-Sternensystem zeigte, versuchte Geary, sich zur Ruhe zu zwingen. Das war nicht so leicht, wusste er doch, dass die Darstellung auf alten Aufzeichnungen beruhte. In wenigen Sekunden w�rde eine hektische Aktualisierung dieser Daten erfolgen, denn sobald die Flotte zur�ck im Normalraum war, konnten die Schiffssensoren alles erfassen, was bislang nicht bekannt war.</p><p>�Bereithalten. Wiedereintritt.�</p><p>Das Grau wich dem vertrauten Schwarz, und im n�chsten Augenblick wurde Geary zur Seite gedr�ckt, da die <emphasis>Dauntless</emphasis> eine scharfe seitliche Kehre beschrieb, die so in die Steuersysteme einprogrammiert worden war. Auch die Schiffe rings um die <emphasis>Dauntless</emphasis> flogen dieses Man�ver. Die Vorhut war dem Kurs bereits ein St�ck weit gefolgt, und auch die Formationen an beiden Flanken drehten sich mit dem Pulk zur Seite. Augenblicke sp�ter tauchte die Nachhut auf und folgte dem voraus fliegenden Teil der Flotte.</p><p>�Wo sind die Minen?�, wollte Desjani wissen und begann finster zu l�cheln, als auf den Displays auf einmal die ersten Warnungen aufflammten. Ein dichtes Minenfeld trieb vor dem Sprungpunkt, und w�ren sie wie allgemein �blich auf einer schnurgeraden Flugbahn aus dem Sprungraum gekommen, dann h�tten die Minen genau den gew�nschten verheerenden Effekt gehabt. Die Allianz-Flotte hatte sich aber in sich gedreht und die Schiffe flogen in ihren M�nzenformationen seitw�rts, als ob f�nf M�nzen aufrecht im Raum st�nden und sich auf der Kante rollend �ber eine glatte Fl�che bewegten. Auf der Steuerbordseite der Allianz-Flotte trieb das Minenfeld im All, ohne Schaden anzurichten.</p><p>Geary wandte den Blick von der Darstellung der Minen ab und hielt Ausschau nach feindlichen Kriegsschiffen. Vor dem Sprungpunkt war nichts zu entdecken, und auch in der unmittelbaren Umgebung wurde nichts angezeigt. Er wollte seinen Augen kaum trauen, da er nirgends ein feindliches Schiff ausmachen konnte, bis der Bildschirm schlie�lich beim Hypernet-Portal angekommen war.</p><p>Dort hielt sich die erwartete Syndik-Flotte auf und flog gem�chlich am Portal vorbei, als befinde sie sich auf einem routinem��igen Patrouillenflug. �Die Syndik-Flotte Alpha besteht aus sechs Schlachtschiffen, neun schweren Kreuzern, dreizehn leichten Kreuzern und zwanzig J�gern�, meldete der Wachhabende der Gefechtssysteme in dem gleichen Moment, als die Displays diese Informationen ebenfalls anzeigten.</p><p>�Jetzt haben wir sie�, freute sich Desjani. �Mit dieser Streitmacht k�nnen wir es m�helos aufnehmen.� Sie drehte sich zu Geary um und grinste wie jemand, der soeben entdeckt hatte, dass der Gegenseite ein gravierender Fehler unterlaufen war und der Sieg so gut wie sicher schien.</p><p>Geary versuchte, die Ruhe zu bewahren, und suchte das Display gr�ndlich nach weiteren Syndik-Kriegsschiffen im Lakota-System ab. Doch von ein paar Syndik-J�gern in der N�he der bewohnten Welt abgesehen, die von der gegenw�rtigen Position der Flotte f�nf Stunden entfernt war, schien sich kein weiteres gegnerisches Schiff im System zu befinden.</p><p>�Das ist mehr als genug Feuerkraft f�r die Syndiks, um das Portal zu zerst�ren, bevor wir es erreichen k�nnen�, merkte Rione an.</p><p>�Ja�, stimmte Geary ihr zu. Doch eine solche potenzielle Gelegenheit sollte man nicht ungenutzt lassen. Man <emphasis>durfte</emphasis> sie gar nicht ungenutzt lassen. Desjani war ganz sicher nicht die Einzige in der Flotte, die davon �berzeugt wurde, dass die Syndiks in diesem System eine leichte Beute darstellten. �Wenn wir geradewegs auf das Portal zusteuern, dann bleiben die Syndiks einfach dort und zerst�ren es, bevor wir eintreffen. Wir m�ssen sie von ihrer Position weglocken und dann zum Portal gelangen, ehe sie dorthin zur�ckkehren k�nnen.�</p><p>�Wenn wir sie vernichten��, begann Desjani.</p><p>�Ich wei�. Aber unsere oberste Priorit�t ist es, das Portal zu erreichen, solange es noch intakt ist.�</p><p>Desjani nickte widerwillig.</p><p>�Wie wollen Sie sie weglocken?�, fragte Rione.</p><p>�Was w�rden Sie vorschlagen?�, gab er zur�ck.</p><p>Sie �berlegte einen Moment lang. �Dass wir ihnen etwas bieten. Ein Ziel, dem sie nicht widerstehen k�nnen.�</p><p>�Ganz genau�, stimmte Desjani ihr zu. �Wir m�ssen sie glauben machen, dass wir am Portal nicht interessiert sind, und ihnen ein Ziel pr�sentieren, das sie einfach ins Visier nehmen m�ssen.�</p><p>Bedauerlicherweise gab es innerhalb der Flotte nur ein Ziel, das diese Wirkung erzielen w�rde. �Formation Echo Five Five. Die Hilfsschiffe und die besch�digten Kriegsschiffe.� Sie waren wie kranke, schwache Tiere, die der Herde hinterherliefen. Aber er wollte keines dieser Schiffe verlieren. Die Hilfsschiffe spielten eine entscheidende Rolle f�r das �berleben der Flotte, und die besch�digten Kriegsschiffe besa�en zum einen immer noch eine gewisse Kampfkraft, zum anderen waren sie der Beweis f�r Gearys Aussage, dass er kein Schiff und keine Crew aufgeben und zur�cklassen w�rde. Diese Schiffe nun als K�der zu benutzen, w�rde dem Gedanken zweifellos abtr�glich sein.</p><p>Wieder betrachtete er das Gesamtbild, das sich ihm bot. Nach den sp�rlich bev�lkerten Systemen, die die Allianz-Flotte zuletzt aufgesucht hatte, wirkte das Lakota-System vergleichsweise wohlhabend. Der vorrangig bewohnte Planet, der sich momentan neun Lichtstunden jenseits des Sterns befand, lie� alle Anzeichen f�r eine wachsende, dynamische Welt erkennen. Gr��ere Kolonien waren auf mehreren anderen Planeten auszumachen, und etliche Einrichtungen kreisten in festgelegtem Orbit um die diversen Himmelsk�rper. Dazwischen wimmelte es von zivilem Raumschiffverkehr, Handelsschiffe durchquerten das System, verlie�en es oder trafen von anderen Sternen kommend hier ein. Gro�e Erzfrachter transportierten Rohstoffe von den Minen auf den Asteroiden und den unbewohnbaren Planeten. Antiorbital-Verteidigungsanlagen kreisten um ein paar Einrichtungen, doch denen schenkte Geary wenig Beachtung. Sie und die milit�rischen Stationen im Orbit um die bewohnte Welt sa�en f�r eine Langstreckenbombardierung durch seine Flotte auf dem Pr�sentierteller.</p><p>Wenn sie blo� bleiben k�nnten, um einen Teil der Fracht von diesen Erzfrachtern auf ihre Hilfsschiffe umzuladen!</p><p>Die Steuersysteme hatten keine Probleme damit, die Man�ver auszuf�hren, die Geary von ihnen sehen wollte. �Zweites und Siebtes Zerst�rergeschwader, Sie l�sen sich von der Formation und fangen die Syndik-Erzfrachter ab, die sich in der N�he des Gasriesen 1,2 Lichtstunden von Ihrer Steuerbordseite entfernt aufhalten. Nehmen Sie die Frachter in Gewahrsam und eskortieren Sie sie zur Flotte, damit wir ihre Fracht auf die Hilfsschiffe umladen k�nnen.�</p><p>Er hielt inne und �berlegte, ob das f�r den Augenblick alle notwendigen Befehle waren, dann beschloss er, seine Probleme in diesem System auf ein Minimum zu reduzieren. Geary teilte den Gefechtssystemen der <emphasis>Dauntless</emphasis> mit, was zerst�rt werden sollte, indem er die Ziele markierte und die entsprechenden Waffensysteme benannte. Nachdem die Systeme f�r den Bruchteil einer Sekunde �ber die Anforderungen nachgedacht hatten, pr�sentierten sie ihm ihren Vorschlag, wie das am besten zu erledigen war. Geary sah sich den Plan in Ruhe an, dann leitete er ihn an die <emphasis>Reprisal</emphasis> weiter. �Achtes Schlachtschiffgeschwader, f�hren Sie das kinetische Bombardement der Milit�reinrichtungen der Syndiks durch, wie es im angeh�ngten Plan vorgeschlagen wird.�</p><p>W�hrend Geary sich bereits den n�chsten Berechnungen widmete, spien die vier Kriegsschiffe die massiven Metallprojektile aus, die auf dem Weg zu ihrem Ziel noch deutlich an Energie zulegen w�rden. Durch die Geschwindigkeit, mit der sie schlie�lich auf ihr jeweiliges Ziel trafen, w�rden nicht nur die Projektile und ihre Ziele, sondern auch die Umgebung verdampft werden. Schiffe konnten solchen Geschossen m�helos ausweichen, da nur eine winzige Kurskorrektur erforderlich war, um sich aus ihrer Flugbahn zu begeben, w�hrend sie noch etliche Millionen Kilometer entfernt waren. Aber Einrichtungen und Anlagen auf Objekten in einem festen Orbit waren in ihren Bewegungen berechenbar, was sie zu leichten Zielen machte, seit die Menschheit ihre Waffen auch im All einsetzte.</p><p>�Alle Einheiten�, befahl Geary. �Drehen Sie bei Zeit eins sechs um sieben zwei Grad nach Steuerbord und null drei Grad nach unten.� Dieser Befehl hatte zur Folge, dass jedes Schiff sich auf seinem Platz in der Formation drehte, die dadurch in ihrem Aufbau unver�ndert blieb, daf�r aber in eine andere Richtung unterwegs war, sodass nun wieder die Breitseite der M�nzen nach vorn wies.</p><p>Desjani brauchte nur einen Moment, um den Befehl zu analysieren. �Damit steuern wir genau auf die Mitte zwischen den Sprungpunkten nach Branwyn und T'negu zu.�</p><p>�Die Syndiks sollen erst mal eine Weile dar�ber gr�beln, was wir vorhaben.� Geary erhob sich von seinem Platz. �Bereit f�r eine weitere Flottenkonferenz?�</p><p>�Wenn Sie sich den anderen stellen k�nnen, dann kann ich es auch�, erwiderte sie.</p><p>Desjani folgte Geary von der Br�cke, doch als er an Rione vorbeiging, stand die abrupt auf und stellte sich zwischen die beiden. �Sie wollen bei der Konferenz pers�nlich anwesend sein?�, fragte er �berrascht, da sie ihn aus seinen Gedanken geholt hatte.</p><p>�Vielleicht�, antwortete Rione mit einem frostigen Unterton. �Ich w�rde gern im Voraus wissen, was Sie sagen werden, au�er das soll ein Geheimnis bleiben.�</p><p>�Meinetwegen.�</p><p>Sie ging neben ihm her in Richtung Konferenzraum. Desjani folgte den beiden schweigend.</p><p>�Ich werde ihnen sagen, dass ich beabsichtige, die Syndiks vom Hypernet-Portal wegzulocken. Unser momentaner Kurs l�sst sie im Unklaren, welches Ziel wir tats�chlich ansteuern, und sie werden glauben, dass wir dieses System nur durchqueren und so schnell wie m�glich wieder verlassen wollen.�</p><p>�Ist das nicht auch das, was Sie in Wahrheit beabsichtigen?�, hakte Rione nach.</p><p>�Das ja, aber wenn es uns gelingt, die Syndiks weit genug von ihrer Position wegzulocken, dann k�nnen wir es vielleicht zum Portal schaffen. Diese M�glichkeit will ich mir auf jeden Fall offenhalten.�</p><p>�Glauben Sie ernsthaft, die werden es riskieren, sich vom Portal zu entfernen?� Rione machte keinen Hehl aus ihrer Skepsis.</p><p>�M�glicherweise. Und falls nicht, nehmen wir Kurs auf Branwyn.�</p><p>Der Konferenzraum war durch die Software bereits erweitert worden und der gr��te Teil der Captains hatte sich eingefunden. Ein kleiner Warnhinweis schwebte vor Geary in der Luft, als er sich setzte, und machte ihn darauf aufmerksam, dass die Flotte im Moment relativ breit gef�chert unterwegs war und es bei den Antworten von weiter entfernten Schiffen zu deutlichen Verz�gerungen kommen konnte.</p><p>�Willkommen in Lakota�, sagte Geary in die Runde und bemerkte dabei, dass er sich bei Gelegenheit eine andere Er�ffnung einfallen lassen sollte. �Wie es aussieht, waren wir den Syndiks wieder mal einen Schritt voraus.�</p><p>�Warum nehmen wir nicht Kurs auf das Hypernet-Portal?�, wollte Captain Casia prompt wissen.</p><p>Er war es wirklich leid, immer wieder von Casia unterbrochen zu werden, also sah er den Mann so lange und so eindringlich an, bis der sichtlich unruhig wurde. �Ich w�re Ihnen dankbar�, erkl�rte Geary in einem Tonfall, der so emotionslos wie irgend m�glich war, �wenn Sie in Zukunft abwarten, bis ich meine Ausf�hrungen beendet habe, bevor Sie meine Pl�ne kommentieren. Habe ich mich klar ausgedr�ckt, Captain Casia?�</p><p>�Ich wollte nur��</p><p>�Habe ich mich klar ausgedr�ckt, Captain Casia? Haben Sie verstanden, was ich soeben gesagt habe?� O ja, Black Jack kam mit so was durch. Und es f�hlte sich gut an. Er musste nur aufpassen, dass er es nicht �bertrieb und es immer noch zu John Geary passte.</p><p>�Ich habe verstanden.� Als Geary ihn weiter mit versteinerter Miene musterte, f�gte er schlie�lich noch ein �Sir� hinzu.</p><p>�Danke.� Er lie� seinen Blick �ber den Tisch schweifen und musste einen Moment lang �berlegen, wo er unterbrochen worden war. �In diesem System h�lt sich nur eine kleine Syndik-Flotte auf. Aber die ist dennoch schlagkr�ftig genug, um das Hypernet-Portal zu zerst�ren, wenn wir versuchen sollten, darauf Kurs zu nehmen. Solange die Flotte ihre Position nicht verl�sst, k�nnen wir nicht darauf hoffen, das Portal zu nutzen.�</p><p>Er deutete auf das Display, auf dem die Allianz-Formation dargestellt war. Eine lange Linie zog sich durch das Lakota-System bis zu einem Punkt, der sich genau in der Mitte zwischen den beiden Sprungpunkten auf der anderen Seite des Sterns befand. �Wenn wir die Syndiks nicht vom Portal weglocken k�nnen, m�ssen wir weiter den Sprungraum benutzen. Falls das erforderlich wird, ist Branwyn unser n�chstes Ziel.� Das l�ste allgemeines L�cheln aus, da Branwyn sie der Allianz ein St�ck n�her brachte. �Aber wir k�nnen die Syndiks bis zum letzten Moment im Unklaren dar�ber lassen, ob wir nicht vielleicht doch nach T'negu springen wollen.�</p><p>�Die werden das Portal nicht unbewacht zur�cklassen�, lie� Captain Tulev verlauten. �Die haben zweifellos den Befehl, uns daran zu hindern, das Portal zu nutzen.�</p><p>�Vermutlich ja�, stimmte Geary ihm zu. �Aber es gibt eine Chance, dass sie sich doch dazu verleiten lassen, wenn sie davon �berzeugt sind, dass wir auf dem Weg zum Sprungpunkt sind und sich ihnen die Gelegenheit bietet, uns einen schweren Schlag zuzuf�gen.�</p><p>Ein St�ck weiter den Tisch entlang verzog Captain Tyrosian den Mund. Als Geary das letzte Mal einen K�der ben�tigt hatte, war daf�r eines der Hilfsschiffe benutzt worden. Es w�rde ihr noch weniger gefallen, wenn sie erfuhr, dass er diesmal alle vier Hilfsschiffe als Lockvogel einsetzen wollte.</p><p>Geary ver�nderte die Darstellung des Displays und zoomte die Allianz-Formation heran. �Die Syndiks k�nnen erkennen, dass Echo Five Five in erster Linie aus unseren vier Hilfsschiffen und den am schwersten besch�digten Schiffen besteht. Ich habe die Flotte bereits so angeordnet, dass Echo Five Five hinter allen anderen Schiffen hinterherfliegt. W�hrend wir das System durchqueren, wird Echo Five Five nach und nach den Anschluss verlieren, so als sei die Formation nicht in der Lage, mit der Flotte mitzuhalten.�</p><p>�Wie weit soll die Formation den Anschluss verlieren?�, wollte Captain Midea wissen, die sich diesmal sp�rbar anders verhielt. In Ermangelung einer unmittelbaren Bedrohung war sie zuvor extrem unangenehm aufgetreten, aber im Angesicht einer Syndik-Streitmacht schien sie sich mehr darauf zu konzentrieren, wie mit dem Feind umzugehen war, als Geary das Leben schwer machen zu wollen.</p><p>�Echo Five Five wird in Reichweite der Flotte bleiben�, versicherte er ihr.</p><p>�Wenn das der Fall ist, werden die Syndiks den K�der nicht schlucken�, wandte Midea ein. �Wir m�ssen schon eine ganze Strecke weiter sein, um den Eindruck zu erwecken, der Rest der Flotte sei zu weit entfernt, um uns beizustehen.�</p><p>Duellos warf Midea einen kritischen Blick zu, w�hrend Casia die Stirn runzelte und Captain Cresida zustimmend nickte. �Sie hat v�llig recht, Sir.�</p><p>Energisch sch�ttelte Geary den Kopf. �Ich kann nicht riskieren, dass��</p><p>�Die <emphasis>Paladin</emphasis> kann k�mpfen�, beharrte Midea. �Verlegen Sie sie zur <emphasis>Orion, Majestic</emphasis> und <emphasis>Warrior,</emphasis> nehmen Sie die Schiffe der Siebten Schlachtschiffdivision dazu, und dann haben wir in dieser Formation sieben Schlachtschiffe. Das gen�gt, um es mit den Syndik-Kriegsschiffen aufzunehmen.�</p><p>Commander Yin von der <emphasis>Orion</emphasis> sah Midea voller Entsetzen an, w�hrend die Befehlshaberin der <emphasis>Majestic</emphasis> bedauernd den Kopf sch�ttelte. �Ein Fronteinsatz �bersteigt unsere M�glichkeiten. Und das gilt auch f�r die <emphasis>Warrior.�</emphasis></p><p>�Die <emphasis>Warrior</emphasis> ist bereit, ins Gefecht zu ziehen�, widersprach Commander Suram entschieden.</p><p>Geary schaute Suram an und lie� ganz bewusst erkennen, wie beeindruckt er von dessen Einstellung war.</p><p>�Seit wann muss die Allianz-Flotte zahlenm��ig �berlegen sein, um sich dem Feind zu stellen?�, wollte Midea wissen. �Die <emphasis>Warrior</emphasis> ist bereit zum Kampf, und selbst wenn die <emphasis>Majestic</emphasis> und die <emphasis>Orion</emphasis> nicht eingesetzt werden k�nnen, haben wir immer noch halb so viele schwere Schiffe wie die Syndiks. Ein Allianz-Schiff kann es m�helos mit zwei gegnerischen Schiffen aufnehmen.� Sie warf Geary einen vorwurfsvollen Blick zu. �Black Jack Geary hat sogar eine zehnfache �bermacht geschlagen.�</p><p>Hatte er bei Grendel tats�chlich einer zehnfachen �bermacht gegen�bergestanden? Eigenartig, dass er sich an solche generellen Dinge nicht erinnern konnte, sondern nur an viele kleine Details dieser Schlacht.</p><p>Mit einem Mal wurde Geary bewusst, dass Captain Midea das Potenzial besa�, jeden Flottenkommandanten verr�ckt zu machen. Wenn sie nicht mit einer unmittelbaren Bedrohung durch den Feind konfrontiert wurde, verhielt sie sich schwierig und aufs�ssig, und wenn der Feind in Reichweite war, wollte sie am liebsten geradewegs auf ihn losst�rmen. An ihrem Mut war nichts auszusetzen, aber gedankenloses Vorpreschen unter allen Umst�nden war nichts, was einen guten Offizier auszeichnete. Er fragte sich, wie Numos es wohl geschafft hatte, diese Frau zu b�ndigen.</p><p>War die Chance, das Hypernet-Portal zu erreichen, es wert, eines oder mehrere seiner Hilfsschiffe aufs Spiel zu setzen? Wenn die Flotte durch das Portal nach Hause zur�ckkehren konnte, w�re sie auf die Versorgung durch die Hilfsschiffe nicht l�nger angewiesen.</p><p>Ach verdammt! Wenn er es tats�chlich f�r eine so gute Idee hielt, Schiffe zu opfern, warum sollte er sich �berhaupt noch die M�he machen, drei gut erhaltene Schlachtschiffe der Siebten Division zu riskieren? Dann konnte er doch auch gleich die Hilfsschiffe und die besch�digten Kriegsschiffe sich selbst �berlassen, damit die Syndiks sie zerst�rten, w�hrend Geary mit dem gr��ten Teil der Flotte heimkehrte!</p><p>Er sch�ttelte energisch den Kopf. �Ich will die Syndiks anlocken, aber ich kann nicht die Hilfsschiffe und die besch�digten Schiffe der Formation Echo Five Five sich selbst �berlassen. Wir m�ssen sicherstellen, dass sie angemessen besch�tzt werden.�</p><p>�Die Matrosen der Allianz sind bereit, f�r ihre Heimatwelten zu sterben�, beharrte Captain Midea, was ihr etliche Blicke der anderen Offiziere einbrachte, die damit zu verstehen gaben, dass wohl nicht alle Matrosen so sehr darauf brannten, f�r ihre Heimatwelten zu sterben.</p><p>�Mein Ziel ist es sicherzustellen�, betonte Geary, �dass allen Syndiks, die zum Sterben bereit sind, dieser Wunsch erf�llt wird.� Von allen Seiten erntete er L�cheln und auch einige erleichterte Blicke. Er fragte sich, was er wohl tat und wie er sich verhielt, dass diese erleichtert dreinblickenden Offiziere geglaubt haben mussten, er w�rde die Schiffe tats�chlich sich selbst �berlassen. �Ich werde einige Simulationen durchf�hren, um zu sehen, welche M�glichkeiten wir haben. F�r den Augenblick will ich aber auf keinen Fall, dass Echo Five Five weiter als drei Lichtminuten zur�ckf�llt. Haben Sie verstanden?�</p><p>�Darf sich die <emphasis>Paladin</emphasis> dieser Formation anschlie�en?�, wollte Captain Midea wissen. �Zwei Schiffe aus meiner Division befinden sich ja bereits dort.�</p><p>Geary sah zu Captain Casia. �Sie befehligen die Division, zu der die <emphasis>Paladin</emphasis> geh�rt. Was sagen Sie dazu?�</p><p>Casia warf Midea einen finsteren Blick zu. �Aber sicher. Die <emphasis>Paladin</emphasis> kann sich der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> anschlie�en.�</p><p>�Captain Mosko?�, fragte Geary weiter. �Sie haben das Kommando �ber Echo Five Five. Ben�tigen Sie</p><p>die Paladin?�</p><p>Mosko zuckte mit den Schultern. �Wir ben�tigen sie nicht. Aber die <emphasis>Indefatigable,</emphasis> die <emphasis>Audacious</emphasis> und die <emphasis>Defiant</emphasis> hei�en ein Schwesterschiff in ihren Reihen stets willkommen. Nat�rlich unter meinem Kommando�, f�gte er in einem Tonfall an, der Midea dazu veranlasste, Mosko argw�hnisch zu betrachten. Einen Kommentar verkniff sie sich allerdings.</p><p>�Was ist mit der <emphasis>Conqueror?�,</emphasis> warf Captain Duellos mit Unschuldsmiene ein. �Wenn sie sich ebenfalls Echo Five Five anschlie�t, dann w�re die gesamte Dritte Schlachtschiffdivision wieder zusammen.�</p><p>H�tte Casias Blick t�ten k�nnen, dann w�re Duellos in diesem Moment tot umgefallen. �Die <emphasis>Conqueror</emphasis> sollte in einer Position bleiben, in der sie� in der sie mit dem Flottenkommandanten eng zusammenarbeiten kann.�</p><p>Nachdenklich betrachtete Geary den Mann und �berlegte, ob es eine gute Idee war, so viele Unruhestifter in die Dritte Schlachtschiffdivision zu stecken, oder ob damit nicht Arger vorprogrammiert war. Einerseits fragte er sich, ob es mit Casia in dieser Formation nicht noch mehr Probleme geben w�rde, andererseits hatte Duellos durchaus recht: Es war tats�chlich nicht sehr sinnvoll, die <emphasis>Paladin</emphasis> nach Echo Five Five zu schicken und die <emphasis>Conqueror</emphasis> in Echo Five Four zur�ckzulassen.</p><p>Nein. Wenn ich Casia auch noch r�berschicke, muss ich ihn unentwegt im Auge behalten, und eine solche Ablenkung kann ich mir nicht leisten.</p><p>Captain Mosko zog die Brauen zusammen. �Wenn Captain Casia auch noch in die Formation kommt, k�nnte das bei Five Five zu Unklarheiten in der Kommandostruktur f�hren.�</p><p>Geary nickte bed�chtig und war insgeheim dankbar f�r einen Grund, um Duellos' schlitzohrigen Vorschlag abzulehnen. �Ja, das stimmt. Au�erdem kann Echo Five Five nicht zu gut verteidigt sein, sonst werden sie nicht darauf anspringen. Die <emphasis>Paladin</emphasis> wird daf�r sorgen, dass die Formation zahlenm��ig nicht zu unterlegen dasteht. Noch irgendwelche Fragen?�</p><p>�Was ist mit den Syndiks, die wir bei Ixion hinter uns gelassen haben?�, wollte Commander Neeson von der <emphasis>Implacable</emphasis> wissen, der in dieser Runde zur Abwechslung mal eine Frage stellte, die nicht mit Rangordnung und Befehlsgewalt zu tun hatte, sondern die einen wirklich wichtigen Punkt betraf. �Vier Schlachtschiffe und vier Schlachtkreuzer. Bislang sind sie noch nicht eingetroffen, aber das d�rfte nur eine Frage der Zeit sein.�</p><p>�Die warten ab�, entgegnete Captain Tulev. Alle sahen ihn an und wunderten sich erkennbar, wie er eine solche Aussage mit solcher �berzeugung von sich geben konnte. Schlie�lich fuhr er schulterzuckend fort: �Es sprach ja eigentlich nichts daf�r, dass wir als N�chstes Kurs auf Lakota nehmen w�rden, richtig? Also denken sie wom�glich, dass wir nur zum Schein in dieses System springen und gleich wieder nach Ixion zur�ckkehren, um die Syndiks zu verwirren.�</p><p>Duellos nickte. �Also warten sie.�</p><p>�Ja�, bekr�ftigte Tulev. �Der Sprung hierher dauert f�nfeinhalb Tage, der R�ckweg ebenfalls. Wenn sie insgesamt ungef�hr zw�lf Tage warten, dann sehen sie ja, ob wir wieder in Ixion auftauchen. Falls nicht, folgen sie uns eben dann hierher.�</p><p>�Bis dahin k�nnten wir Lakota l�ngst wieder verlassen haben�, hielt Captain Cresida dagegen.</p><p>�Na und? Am Hypernet-Portal wartet eine Syndik-Flotte. Es gibt hier Einrichtungen und Anlagen der Syndiks, au�erdem eine bewohnte Welt. Wenn wir das System nur durchqueren und zu einem neuen Ziel springen, erfahren sie, wohin wir unterwegs sind. Und wenn wir eine Weile hier bleiben, um ihnen Probleme zu bereiten, holen sie uns ein.�</p><p>�Sie k�nnten bei Ixion auch auf Verst�rkung warten, die sich ihnen dort anschlie�en soll�, gab Captain Badaya zu bedenken.</p><p>Tulev dachte kurz nach und nickte dann. �Stimmt. In jedem Fall werden sie fr�her oder sp�ter hier auftauchen, nur eben nicht gleich in unserem Kielwasser.�</p><p>�Das h�rt sich nach einer guten Einsch�tzung der Situation an�, urteilte Geary. �Wir d�rfen diese Streitmacht nicht vergessen, allerdings wissen wir nicht, wann sie hier eintreffen wird. Wenn der Moment gekommen ist, sollten wir auf jeden Fall so weit wie m�glich vom Sprungpunkt entfernt sein. Sonst noch was?�</p><p>Captain Tyrosian meldete sich un�bersehbar verhalten zu Wort, als wollte sie nicht die Aufmerksamkeit auf sich und den Zustand der Hilfsschiffe lenken. �Der Vorrat an Rohstoffen ist deutlich gesunken, aber f�r die Kriegsschiffe stehen neue Brennstoffzellen und Munition bereit.�</p><p>�K�nnen wir deren Transfer zu den anderen Schiffen wagen, wenn die Syndiks in der N�he sind?�, wollte Tulev wissen.</p><p>Geary tippte auf ein paar Tasten und lie� sich den Zustand seiner Kriegsschiffe anzeigen. �berragend war der zwar nicht, aber immer noch ganz passabel. �Verteilen Sie Brennstoffzellen und Munition an die Schiffe in Ihrer Formation�, wies er Tyrosian an. �Diese Aktivit�t wird erkl�ren, warum Sie den Anschluss an den Rest der Flotte verlieren, und es l�sst Sie etwas verwundbarer aussehen. Captain Tyrosian, nicht weit von unserem Kurs sind derzeit zwei Zerst�rergeschwader unterwegs, um ein paar Erzfrachter der Syndiks abzufangen. Ich hoffe, das gelingt uns, und dann k�nnen Sie sich bei deren Ladung bedienen, um Ihre Vorr�te aufzustocken.�</p><p>Er hatte gedacht, damit sei alles gesagt, doch dann meldete sich noch einmal Midea zu Wort. �Captain Geary, wenn Sie den Syndiks einen interessanten K�der hinwerfen wollen, sollten Sie von der <emphasis>Dauntless</emphasis> auf eines der Schiffe in Echo Five Five �berwechseln, und zwar in einer Weise, dass die das auch mitbekommen. Die Chance, Black Jack Geary t�ten zu k�nnen, d�rfte auf die Syndiks einen unwiderstehlichen Reiz aus�ben.�</p><p>Grunds�tzlich war das eine berechtigte �berlegung, zumal er von einigen seiner Matrosen schlie�lich auch erwartete, dass sie K�der spielten und damit ihr Leben riskierten. <emphasis>Aber an Bord der</emphasis> Dauntless <emphasis>befindet sich der Hypernet-Schl�ssel. Das ist vielen nicht bekannt, mir dagegen schon. Und deshalb muss ich auf diesem Schiff bleiben.</emphasis> In gewisser Weise war er dankbar, dass dieser Schl�ssel f�r ihn ein stichhaltiger Grund war, nicht auf ein anderes Schiff zu wechseln. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> war nicht zwangsl�ufig sicherer als eines der Schiffe in der r�ckw�rtigen Formation, aber dieser Schlachtkreuzer und seine Crew waren ihm vertraut. Sie waren das einzig Vertraute in diesem Universum, das sich ohne Geary hundert Jahre weiterentwickelt hatte. Vermutlich war es ein Zeichen von Schw�che, doch er wollte sich einfach nicht an eine andere Umgebung und an andere Leute gew�hnen m�ssen, erst recht nicht, wenn das n�chste Gefecht bevorstand und es so viele andere Dinge gab, um die er sich k�mmern musste�� zwei wesentliche Gr�nde, um auf der <emphasis>Dauntless</emphasis> zu bleiben, die er beide nicht in dieser Runde diskutieren wollte. �Ich danke Ihnen f�r diesen Vorschlag, Captain Midea, aber ich bin der Ansicht, dass ich der Flotte am besten diene, indem ich auf der <emphasis>Dauntless</emphasis> bleibe, die weiterhin Teil der Hauptformation sein wird.�</p><p>Zu Gearys Verwunderung strahlte Midea einen Moment lang, als h�tte er genau das Richtige geantwortet. Ihre n�chste Bemerkung erkl�rte dann auch sofort diese Reaktion. �Ist der Flotte wirklich mit einem Kommandanten am besten gedient, der seine Entscheidungen aus den falschen Gr�nden trifft?�</p><p>Desjani warf Midea einen vernichtenden Blick zu.</p><p>�Erkl�ren Sie, was Sie damit meinen, Captain Midea�, forderte Geary sie auf.</p><p>Sie zuckte fl�chtig mit den Schultern. �Uns ist klar, dass Sie gewichtige Gr�nde daf�r haben, an Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> bleiben zu wollen.� Dabei betonte sie den Schiffsnamen mit so offensichtlicher Ironie, als stehe der in Wahrheit f�r etwas anderes.</p><p>Desjani lief vor Wut rot an, und Geary verstand genau, was gemeint war. Aber um auf Mideas geschickte Anspielung zu reagieren, m�ssten Desjani oder Geary auf jene Ger�chte zu sprechen kommen, wonach ihnen beiden ein Verh�ltnis nachgesagt wurde.</p><p>�Ich werde nicht��, begann Desjani, weiter kam sie jedoch nicht.</p><p>Victoria Rione meldete sich mit frostiger Stimme zu Wort. �Captain Midea, wissen Sie irgendwas, was ich nicht wei�? Oder beziehen Sie sich mit Ihrer Bemerkung auf mich?�</p><p>In ihrer Uniform und mit ihrer Haltung mochte Midea an eine Syndik-CEO erinnern, aber Co-Pr�sidentin Rione trug dagegen die k�hle Autorit�t und Arroganz zur Schau, mit der Geary bei seinen ersten Begegnungen mit ihr auch Bekanntschaft gemacht hatte. <emphasis>Einsch�chternd</emphasis> war dabei ein Begriff, der Riones Auftreten nicht ann�hernd gerecht wurde.</p><p>Captain Midea erging es offenbar nicht anders, da sie krampfhaft nach einem Weg suchte, das nicht aussprechen zu m�ssen, was sie soeben verschleiert angedeutet hatte. Casia warf Midea unterdessen einen Blick von der Art zu, auf die ein Vorgesetzter reagierte, wenn einer seiner Untergebenen mit beiden F��en gleichzeitig ins Fettn�pfchen getreten war. Zu Gearys gro�er Ver�rgerung sa�en seine engsten Verb�ndeten, wie beispielsweise Duellos, Tulev und Cresida, nur schweigend da und weideten sich mit kaum verhohlener Freude an Mideas Verlegenheit. Keiner von ihnen wechselte das Thema, obwohl sich die allgemeine Verstimmung so nur noch verschlechtern w�rde.</p><p>Gl�cklicherweise mischte sich Captain Badaya ein und sprach wie ein Lehrer, der seinen Sch�lern eine Lektion erteilte, die jeder von ihnen l�ngst wissen sollte. �Jeder Offizier dieser Flotte wei�, dass Captain Geary eine gute dienstliche Beziehung zum befehlshabenden Offizier seines Flaggschiffs entwickelt hat. So etwas ist wichtig und n�tzlich. Von daher ist es nur allzu verst�ndlich, dass Captain Geary an dieser Situation nichts �ndern m�chte. Andernfalls w�re er gezwungen, zun�chst einmal eine �hnlich gute Beziehung zum Kommandanten seines neuen Flaggschiffs aufzubauen, und das in einem Augenblick, da sich die Flotte in einem feindlichen Sternensystem befindet und m�glicherweise ins Gefecht ziehen wird.�</p><p>Badayas Worte hatten den Vorteil, dass sie voll und ganz der Wahrheit entsprachen und es keinen Ansatzpunkt f�r irgendeine Form von Widerspruch gab. Und sie gaben Midea die Gelegenheit zu einer Ausflucht, die sie auch prompt nutzte. �Nat�rlich stimmt das. Ich wollte nur meine Meinung zum Ausdruck bringen, dass der Flottenkommandant davon profitieren k�nnte, wenn die derzeitige Situation auf den Kopf gestellt wird. Aber wie Sie ganz richtig sagten, ist dies daf�r nicht der geeignete Zeitpunkt.�</p><p>Daraufhin entspannte sich die Atmosph�re im Konferenzsaal ganz betr�chtlich, doch als Geary eben dachte, die Angelegenheit sei nun erledigt, sah er den frostigen Blick, den Rione Midea zuwarf. Es gelang ihm, Riones Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und ihr mit seiner Mimik zu verstehen zu geben, sie solle die Sache bitte auf sich beruhen lassen. Ihr Blick lie� ihn selbst ebenfalls fr�steln, doch sie lenkte ein.</p><p>�Das w�re alles�, merkte Geary rasch an. �Wir sind nicht mehr ganz sieben Tage vom Sprungpunkt nach Branwyn entfernt. F�r den Fall, dass die Syndiks auf unseren ausgeworfenen K�der reagieren, werden wir sehen, was passiert und wie wir darauf reagieren k�nnen. Vielen Dank.�</p><p>Innerhalb weniger Augenblicke verschwanden die virtuellen Teilnehmer der Konferenz, lediglich Badaya blieb noch lange genug zur�ck, um Geary zuzuzwinkern. Er hoffte, dass Desjani nichts davon mitbekommen hatte. �Tut mir leid, was da gerade passiert ist, Captain Desjani.�</p><p>�Das ist nicht Ihre Schuld, Sir�, gab sie entschieden zur�ck. �Wenn Sie mich entschuldigen w�rden, ich muss zur�ck auf die Br�cke.� Dann eilte sie aus dem Raum. Als sie dabei an Rione vorbeiging, dr�ckte sie den R�cken durch und straffte die Schultern.</p><p>Damit blieben nur Rione und der virtuelle Captain Duellos bei ihm zur�ck. Duellos verneigte sich respektvoll vor Rione und wandte sich an Geary. �Tut mir leid. Mein harmloser Spa� hat die Dinge f�r Sie etwas schwieriger gemacht.�</p><p>�Das ist mir nicht entgangen. Aber denken Sie an Folgendes: Wenn ich sterbe und Sie mich als Kommandant der Flotte beerben, wird mein Geist �ber Sie wachen und sich k�stlich am�sieren, wenn Sie versuchen, mit diesen Leuten klarzukommen.�</p><p>Duellos l�chelte fl�chtig. �Ich werde es mir merken. Die Tatsache, dass Ihr Geist dann �ber mich wacht, wird ein Trost sein, auch wenn der sich in erster Linie auf meine Kosten am�sieren will.� Er wurde wieder ernst. �Kommt es Ihnen eigentlich nicht viel zu ruhig vor?�</p><p>�Jetzt, da Sie's erw�hnen�, stimmte Geary ihm zu. �Ich frage mich, ob es uns nur so vorkommt, weil wir mit viel mehr Arger gerechnet haben, der sich dann nicht eingestellt hat.�</p><p>�Jedenfalls bis jetzt nicht�, warnte Duellos ihn. �Ich habe so eine Vorahnung, dass sich unser Arger in diesem System nicht allein auf die Flottenbesprechungen beschr�nken wird.�</p><p>�Wir sollten eigentlich in der Lage sein, uns gegen alles zu behaupten, was uns jetzt noch vorgesetzt wird�, meinte Geary. �Aber etwas besorgt bin ich auch. Apropos Captain Midea. Haben Sie irgendeine Idee, wie man sie dazu bringt, den Mund zu halten, ohne ihr gleich das Kommando entziehen zu m�ssen?�</p><p>�Dar�ber hatte ich auch schon nachgedacht�, r�umte Duellos ein. �Sie war Numos' XO, bevor sie zum Captain bef�rdert wurde und das Kommando �ber die <emphasis>Paladin</emphasis> erhielt. Wie wir schon bei Ixion gesagt haben, muss er gewusst haben, wie man ihr den Mund verbietet. Wir k�nnten Numos fragen.�</p><p>�Nein, danke. Ich glaube nicht, dass ich ihm auch nur ein Wort abnehmen w�rde. Er k�nnte ihr Nachrichten zukommen lassen!�</p><p>�Durchaus m�glich�, �berlegte Duellos. �Numos stachelt sie wom�glich dazu an, sich so aufzuf�hren. Wollen wir hoffen, dass er sie nicht zu mehr antreibt als ein paar un�berlegten Worten.�</p><p>�Ja, das ist wirklich etwas, das Anlass zur Sorge gibt. Allerdings w�sste ich nicht, was ich dagegen unternehmen sollte.� Geary sah Duellos frustriert an. ��brigens, was das Anstacheln anderer Offiziere angeht, m�chte ich Sie bitten, beim n�chsten Mal nicht noch einmal Ihre Widersacher aufzuziehen, okay?�</p><p>Duellos grinste, salutierte und verschwand.</p><p>Rione sa� noch immer an ihrem Platz, und nun drehte sie sich zu Geary um. �Du solltest mir Leute wie diese Midea �berlassen. Ich bin kein Offizier dieser Flotte, und ich kann bei diesen Treffen nicht dabei mitreden, welches Schiff wo platziert sein soll. Aber sie treibt politische Spielchen, und auf dem Gebiet ist sie mir hoffnungslos unterlegen.�</p><p>Er dachte kurz dar�ber nach und nickte dann zustimmend.</p><p>�Und es sollte dir mehr Sorgen bereiten, wenn du diese Frau so weit au�erhalb deiner Kontrolle einsetzt�, f�gte sie warnend an. �Wie Captain Duellos bereits gesagt hat, geht sie entweder mehr und mehr aus sich heraus, weil Numos sie nicht mehr unter seiner Fuchtel hat, oder sie wird zu diesem Verhalten angestachelt. Tatsache ist, dass sie seit Numos' Verhaftung mit jeder Konferenz aggressiver und streits�chtiger geworden ist.�</p><p>�Du meinst, auf ihrem Schiff f�hrt sie sich genauso auf?�</p><p>�Ganz sicher sogar. Du h�ttest sie nicht zu dieser anderen Formation wechseln lassen d�rfen. Sie wird sich da �ber deine Befehle hinwegsetzen, davon bin ich �berzeugt. Und wenn das passiert, k�nnte sie andere Schiffe mit sich rei�en.�</p><p>Damit ver�nderte sich Riones Beurteilung der Lage von �rgerlich hin zu besorgniserregend. �Verdammt, du k�nntest recht haben. Ich w�nschte�� Es gelang ihm noch eben, den Rest seines Satzes hinunterzuschlucken.</p><p>Doch Rione wusste l�ngst, was er hatte sagen wollen. �Dass ich diese Bedenken w�hrend der Besprechung ge�u�ert h�tte? Bei der Besprechung, bei der du mich unmissverst�ndlich aufgefordert hast, ich solle die Klappe halten?�</p><p>�Das habe ich nicht zu dir gesagt!�</p><p>�Du hast mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich das Reden einstellen sollte�, antwortete sie k�hl. �Ich kann es dir nicht ver�beln. Ich h�tte dich damit in die Zwickm�hle gebracht.�</p><p>�Wieso?�, fragte er.</p><p>�Nun, wenn ich mich gegen Mideas Wechsel in die andere Formation ausgesprochen h�tte und du w�rst damit einverstanden gewesen, dann w�re das f�r jeden die Best�tigung gewesen, dass ich, die unnahbare Politikerin, zu viel Einfluss auf dich aus�be.� Rione machte eine w�tende Geste. �Aber wenn ich nichts sage, so wie beispielsweise gerade jetzt, dann entgeht dir eine Sichtweise der Dinge, die dir von Nutzen sein k�nnte. Du kannst nicht auf eine Meinung reagieren, wenn ich sie nicht ausspreche.�</p><p>Nachdenklich setzte er sich hin. �Das ist genau das, was meine Widersacher innerhalb der Flotte wollen, nicht wahr? Sie treiben einen Keil zwischen mich und die Leute, deren R�ckhalt und Ratschlag ich ben�tige. Du bist daf�r ein Musterbeispiel, sogar <emphasis>das</emphasis> Musterbeispiel.� Rione deutete eine sp�ttische Verbeugung an. �Und dann diese Ger�chte �ber Desjani und mich, die uns davon abhalten, vern�nftig zusammenzuarbeiten. Wie soll ich damit umgehen?�</p><p>�Meinst du das mit Bezug auf mich oder Desjani?� Ihr Tonfall war wieder reserviert geworden.</p><p>�Ich meine euch beide damit. Sie ist Captain meines Flaggschiffs, und du bist meine Beraterin und� und� �hm��</p><p>�Liebhaberin. Das ist die h�fliche Formulierung. Wenn du auf die Idee kommst, mich als deine Geliebte zu bezeichnen, dann wird dir das noch leid tun.�</p><p>�Ich werd's mir merken. Also, was schl�gst du vor?�</p><p>�Du musst sicherstellen, dass du dich Captain Desjani gegen�ber so tadellos verh�ltst, dass es keinerlei Nahrung f�r irgendwelche Ger�chte gibt, die ein vern�nftiger Mensch glauben w�rde. Ich nehme an, es gibt ja zumindest ein paar vern�nftige Offiziere unter den Befehlshabern deiner Flotte. Was mich angeht, zeig in der �ffentlichkeit ganz deutlich, dass du von mir unabh�ngig bist. Ich kann dir versichern, nicht nur ich habe deinen Befehl bemerkt, dass ich den Mund halten soll.�</p><p>�Ich habe nicht��</p><p>�Und ich bin mir sicher, die meisten, die es mitbekommen haben, werden es so deuten, wie ich es beschrieben habe.� Sie zog einen Mundwinkel hoch. �Der Beweis, dass du mich dominierst, wird die besorgten Gem�ter beruhigen, die der Ansicht sind, ich h�tte dich unter meiner Fuchtel.�</p><p>�Ich soll dich dominieren?� Geary musste unwillk�rlich lachen. �Auf den Gedanken bin ich wirklich noch nie gekommen.�</p><p>Rione zog fragend eine Augenbraue hoch.</p><p>�Du bist nicht der Typ, der sich dominieren l�sst�, lie� er sie wissen.</p><p>�Na, wenigstens ist dir das schon deutlich geworden�, kommentierte sie ironisch.</p><p>�Mir wurden ja auch ein paar Lektionen erteilt.� Er stand wieder auf. �Ich glaube, ich gehe jetzt zur�ck zur Br�cke, besch�ftige mich mit den Statusmeldungen der Flotte und lasse noch ein paar Simulationen laufen.�</p><p>�Warum auf der Br�cke? Das kannst du auch in deinem Quartier erledigen.�</p><p>�Das stimmt.� Er musterte sie und fragte sich, warum sie diese Alternative betonte. �Bist du auch in die Richtung unterwegs?�</p><p>�Sp�ter�, erwiderte sie schulterzuckend. �Erst muss ich noch ein paar Dinge erledigen.�</p><p>�Falls Captain Midea tot mit einem Messer im Leib gefunden wird, werde ich die Tatwaffe nach deinen Fingerabdr�cken und deinen DNS-Spuren untersuchen lassen�, merkte Geary an, um die Atmosph�re aufzulockern, die pl�tzlich wieder aus unerfindlichen Gr�nden gereizt war.</p><p>Sie l�chelte ihn an und entgegnete halb im Scherz, halb im Ernst: �W�re ich die T�terin, w�rdest du auf dem Messer keine Fingerabdr�cke und keine DNS-Spuren finden, John Geary.�</p></section><section><title><p>Neun</p></title><p>�ber drei Tage waren inzwischen vergangen, und die Syndiks hatten sich nach wie vor nicht von der Stelle ger�hrt. W�hrend die Flotte das Lakota-System durchquerte, nahm die Entfernung zum Portal allm�hlich ab, und in ein paar Stunden w�rde der Moment erreicht sein, an dem sie dem Hypernet-Portal am n�chsten w�ren�� auch wenn das ein sehr relativer Begriff war, betrug die Distanz doch immer noch dreieinhalb Lichtstunden.</p><p>Geary hatte die Syndik-Flotte und seine Formation Echo Five Five nicht aus den Augen gelassen, aber seit Captain Midea mit der <emphasis>Paladin</emphasis> in diese Formation �bergewechselt war, hatte sie sich ruhig verhalten und ihre Position nahe der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> beibehalten.</p><p>Die einzige Abwechslung in dieser Zeit hatten die kinetischen Geschosse geboten, die ihrem Weg unbeirrt folgten. Sobald jedes dieser Geschosse sein Ziel erreichte, lieferten die Sensoren gestochen scharfe Bilder vom jeweiligen Einschlag, bei dem Verteidigungsanlagen der Syndiks und fest installierte Waffensysteme in einer Explosion aus Plasma und Tr�mmern vergingen.</p><p>�Wenigstens haben wir irgendetwas in diesem System leisten k�nnen�, brummte Desjani, w�hrend sie zusahen, wie eine weitere Syndik-Anlage in einen von Schutt umgebenen Krater verwandelt wurde. Dann schaute sie verlegen zu Geary. �Ich wollte damit nicht��</p><p>�Schon gut. Ich bin auch frustriert.�</p><p>Von einer Seite n�herten sich langsam die gekaperten Erzfrachter; sie wurden von den Allianz-Zerst�rern bewacht wie ein paar Schafe von einer Hundemeute. Um mit der Flotte zusammenzutreffen, brauchten die Syndik-Schiffe fast ihre gesamte Antriebsenergie auf, doch das war nicht weiter von Bedeutung, da die Allianz sie nicht mehr ben�tigte, wenn sie erst mal das Erz an Bord geholt hatten.</p><p>�Sieben Stunden, bis Echo Five Five mit diesen Erzfrachtern zusammentrifft�, meldete Desjani.</p><p>�Ja. Warum unternehmen die Syndiks nichts? Sie haben sich noch nie so passiv verhalten, wenn wir in ein System gekommen sind.�</p><p>Bedauerlicherweise konnte ihm auch der Geheimdienst nicht weiterhelfen. Lieutenant Igers einziger Vorschlag lautete, dichter an der bewohnten Welt vorbeizufliegen, weil das wahrscheinlich einen regeren Funkverkehr mit den Syndiks ausl�sen w�rde, der dann ausgewertet werden konnte. Jedoch wollte Geary nicht unn�tig Brennstoffzellen verbrauchen, nur um einen Schlenker hin zu dem Planeten zu machen, und er hatte auch nicht die Absicht, seine Schiffe zu nahe an die Syndik-Verteidigungsanlagen auf dieser Welt heranzuf�hren, weshalb er sich letztlich gegen den Vorschlag aussprach.</p><p>Die Allianz-Flotte hatte den Punkt, an dem sie dem Hypernet-Portal am n�chsten war, seit fast einer Stunde hinter sich gelassen und Geary �berlegte ernsthaft, ob er die Hilfsschiffe irgendwie zu einem einladenderen Ziel machen konnte, doch dann auf einmal tat sich etwas� unerfreulicherweise nichts Gutes.</p><p>�Captain Geary, eine Syndik-Flotte verl�sst den Sprungpunkt von T'negu.�</p><p>Als Geary auf die Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> kam, hatten die Flottensensoren die Analyse der eintreffenden Streitmacht abgeschlossen. Captain Desjani deutete auf das Display. �Wir haben uns die Zahlen angesehen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um die Blockade-Flotte handelt, die bei T'negu auf uns gewartet hat. Einer der J�ger, die uns bei Ixion beobachtet haben, wird nach T'negu gesprungen sein, sobald klar war, dass wir Lakota zum Ziel haben. Wenn unsere Informationen zutreffen, was die Sprungzeiten von Ixion nach T'negu und von dort hierher in dieses System angeht, dann hat die Zeit gerade gereicht, dass ein J�ger nach T'negu springt, die dortigen Syndiks �ber unser wahres Ziel informiert und dann mit ihnen herspringt.�</p><p>�Damit h�tten wir rechnen sollen�, fluchte Geary, der auf sich selbst w�tend war. W�hrend ihrer Reise durch das Syndik-Territorium war die Allianz-Flotte nur selten in einem System gewesen, das �ber eine solche Weltraumgeometrie verf�gte, doch das war keine Rechtfertigung f�r eine solche Nachl�ssigkeit.</p><p>�Normalerweise reagieren die Syndiks gar nicht so schnell�, machte Desjani klar. �Es h�tte viel l�nger dauern sollen, ehe sie die Erlaubnis erhielten, T'negu zu verlassen.�</p><p>Geary ging auf diese Bemerkung gar nicht ein, sondern betrachtete mit finsterer Miene die Zahlen zur neuen Syndik-Flotte. �Achtzehn Schlachtschiffe, vierzehn Schlachtkreuzer, dreiundzwanzig Schwere Kreuzer.� Dazu noch etliche Leichte Kreuzer und J�ger. Die Syndik-Flotte vor dem Hypernet-Portal und diese Streitmacht ergaben zusammen eine Kampfst�rke, die in etwa der der Allianz-Flotte entsprach. �Das Gleichgewicht der Kr�fte ist soeben wiederhergestellt worden.�</p><p>�Jede Streitmacht f�r sich genommen ist uns zahlenm��ig unterlegen�, hielt Desjani dagegen.</p><p>�Ja, sofern wir eine von beiden in ein Gefecht verwickeln k�nnen, ohne dass die andere eingreift. Aber diese Streitmacht ist gro� genug, um uns in Schwierigkeiten zu bringen.� Unwillk�rlich dachte er dar�ber nach, was wohl geschehen w�re, h�tten sie sich f�r den Weg nach T'negu entschieden. Dann w�ren sie am Sprungpunkt nicht nur von einem Minenfeld empfangen worden, sondern auch von dieser Streitmacht. Es h�tte also alles deutlich schlimmer kommen k�nnen. Wieder musterte er das Display. �Die m�ssen uns in dem Moment gesehen haben, als sie ins System gekommen sind. Warum sind die noch immer nicht auf Abfangkurs gegangen?�</p><p>Desjani sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht, Sir. Wir sind auf kleinere Flotten getroffen, die sich aggressiver verhalten haben.� Sie sah ihn an. �Vielleicht haben sie Angst vor Ihnen.�</p><p>Fast h�tte er dar�ber gelacht, doch Desjani schien das v�llig ernst zu meinen. �Das w�re zu sch�n, um wahr zu sein�, erwiderte er schlie�lich. �Aber��</p><p>�Sie drehen bei!�, rief in dem Moment ein Wachhabender. �Syndik-Flotte Bravo �ndert Kurs und Geschwindigkeit.�</p><p>Gearys Blick kehrte zur�ck zum Display. Die Syndik-Streitmacht war noch gut drei Lichtstunden entfernt, also hatten die Syndiks sie vor drei Stunden gesehen, bevor der Allianz-Flotte deren Auftauchen �berhaupt auffallen konnte. Gen�gend Zeit also, um einen Plan zu entwickeln oder um Befehle von den Syndik-Beh�rden in diesem System zu erhalten. Doch erst jetzt schien die neue Flotte auf die Anwesenheit der Allianz-Flotte zu reagieren.</p><p>�Die sind bereits �ber den Abfangkurs hinausgeflogen�, stellte Desjani verdutzt fest. �Wohin wollen die?� Leider wurde die Antwort darauf sehr schnell offensichtlich. �Sie haben Kurs auf den Sprungpunkt nach Branwyn genommen.�</p><p>�Springen wollen sie dahin ganz sicher nicht�, erg�nzte Geary. Die Syndik-Streitm�chte, denen sie bislang begegnet waren, hatten selbst dann aggressiv agiert, wenn das v�llig sinnlos war. Diese Flotte lie� ein solches Verhalten dagegen nicht erkennen. �Wollen die nur den Sprungpunkt blockieren? So wie die anderen das Portal besetzt halten? Ist das ihre neue Taktik? Abwarten, bis wir es leid sind und eine Dummheit begehen?�</p><p>Desjani legte die Stirn in Falten. �Vermutlich haben sie bei T'negu den Sprungpunkt vermint.�</p><p>�Genau.� Ihm wurde auch klar, was das zu bedeuten hatte. �Die werden den Sprungpunkt nach Branwyn verminen, nicht wahr?�</p><p>�Ich glaube schon, Sir. Da wir versuchen, dieses Sternensystem zu verlassen, k�nnen sie den Sprungpunkt vollst�ndig verminen, damit wir das Minenfeld auf jeden Fall zum Teil durchfliegen m�ssen, um ihn zu erreichen.�</p><p>�Wenn wir nicht zu viele Schiffe verlieren wollen, m�ssen wir m�glichst langsam fliegen, und damit sind wir f�r Hochgeschwindigkeitsattacken dieser Flotte empf�nglich.� Die Zahl der brauchbaren Alternativen nahm rapide ab. �Meinen Sie, wir k�nnten sie vom Sprungpunkt nach Branwyn weglocken, indem wir vorgeben, mit der Flotte Kurs auf das Hypernet-Portal zu nehmen?�</p><p>Desjani dachte angestrengt nach. �Sie k�nnen es sich nicht leisten, uns das Portal erreichen zu lassen, wenn wir ihnen so �berlegen sind. Und der Kommandant dieser zweiten Flotte wird seines Lebens nicht mehr froh, wenn die erste Flotte das Portal zerst�ren muss, weil er uns nicht verfolgt hat. Aber die Flotte am Portal kann es aus eigenem Antrieb zerst�ren, wenn sie das will. Und wenn wir jetzt das Portal zu bedrohen versuchen, w�rden wir der neuen Syndik-Streitmacht den R�cken zudrehen. Das w�rde nicht �berzeugend aussehen.�</p><p>�Ich will diese neue Flotte von ihrer Position locken, damit wir sie angreifen k�nnen�, machte Geary klar.</p><p>�Das ist richtig�, stimmte Desjani ihm zu.</p><p>�Die werden nicht �berhastet angreifen�, lie� Rione verlauten.</p><p>Geary drehte sich zu ihr um. Bis zu diesem Moment hatte er gar nicht bemerkt, dass sie auf die Br�cke gekommen war. �Wieso nicht?�</p><p>�Weil sogar die Syndiks lernf�hig sind, wenn sie gen�gend Verluste einstecken mussten.� Sie schaute Geary an. �Wie viele Syndik-Kriegsschiffe hat diese Flotte unter Ihrem Kommando zerst�rt? Wie viele Schlachten haben Sie gewonnen? Und nicht blo� gewonnen, sondern praktisch einseitig entschieden? Das ist Ihnen wieder und wieder gelungen.� Sie deutete auf die Darstellung der Syndik-Flotte Bravo auf dem Display. �Die Syndiks haben gelernt. Zweifellos haben sie den Befehl erhalten, nur dann einen Kampf zu beginnen, wenn die Gegebenheiten f�r sie g�nstig sind und wir uns in einer schlechten Position befinden. Die Syndiks k�nnen abwarten, aber den Luxus haben wir nicht.�</p><p>�Sie haben Angst vor Captain Geary!�, wiederholte Desjani triumphierend. �Aber sie k�nnen diese Flotte nur davon abhalten, den Sprungpunkt nach Branwyn zu benutzen, indem sie eine Schlacht gegen uns anzetteln.�</p><p>Geary studierte aufmerksam die Situation. Alles Wichtige befand sich derzeit ziemlich genau auf der Ebene des Sternensystems, nichts lag deutlich dar�ber oder darunter. Die Allianz-Flotte, die einem bogenf�rmigen Kurs durch das System folgte, hatte mehr als die halbe Strecke bis zum anvisierten Sprungpunkt zur�ckgelegt und war nun auf dem Weg zum Rand des Systems. Das Hypernet-Portal mit seinen Syndik-Bewachern war nur gerade drei Lichtstunden nach Backbord entfernt. Die bewohnte Welt war unterwegs zur abgewandten Seite des Sterns und fast eine Lichtstunde entfernt, sodass ihr als Bedrohung f�r die Allianz-Flotte keine Bedeutung mehr zukam. Die zweite Syndik-Flotte war durch den Sprungpunkt von T'negu kommend ins System eingetreten, und nach ihrer Kurs�nderung war sie nun unterwegs zum Sprungpunkt nach Branwyn. Damit w�rde sie bei gleichbleibender Geschwindigkeit und unver�ndertem Kurs die momentane Flugbahn der Allianz-Schiffe kreuzen und dabei gut eine halbe Lichtstunde entfernt sein. Aber die Allianz-Flotte musste ihrerseits den Kurs �ndern, wenn sie nicht einfach in den leeren Raum weiterfliegen wollte. Die Frage war nur, auf welches Ziel dieser Kurs ge�ndert werden sollte.</p><p>Sollten sie einen Schlenker zu der bewohnten Welt unternehmen und sehen, ob die Syndiks ihnen folgten, um zu verhindern, dass sie sie bombardierten? Nein, er hatte in den vorangegangenen Sternensystemen genug gesehen, um zu wissen, dass die Syndik-F�hrer kein Interesse am Schicksal ihrer Zivilisten oder gar an den Industrieanlagen einer Welt hatten. Bei mehr als einer Gelegenheit hatten die Syndik-F�hrer sogar versucht, ihn genau dazu zu provozieren, wohl in der Hoffnung, dass ihre Leute weiterhin die Allianz f�rchteten.</p><p>Sollten sie einen Vorsto� zum Hypernet-Portal wagen und darauf hoffen, von der zweiten Flotte verfolgt zu werden? Wie Desjani bereits gesagt hatte, gab es keine Garantie, dass die Syndiks darauf reagierten. Weiterflug zum Sprungpunkt? Auch wenn klar war, dass die Flotte dort Minen verteilen und warten w�rde, um sich auf Gearys Schiffe zu st�rzen, sobald sie eintrafen? Er musste gar nicht erst Desjani ansehen, um zu wissen, dass sie von Geary erwartete, dass der auf jede noch so gro�e feindliche Streitmacht losging. Und die meisten anderen Kommandanten der Flotte dachten ganz genauso wie sie. Wenn er kehrtmachte, lief er Gefahr, dass einige Schiffe einfach in Richtung Sprungpunkt weiterflogen, nur weil sie unbedingt ein Gefecht vom Zaun brechen wollten.</p><p>Geary warf einen Blick auf die Statusanzeigen seiner Schiffe, insbesondere auf den Stand der einzelnen Brennstoffzellen. Ich habe gar nicht genug Reserven, um in diesem System hin und her zu fliegen. Die Syndiks m�ssen erst reagieren, wenn wir uns tats�chlich dem Hypernet-Portal n�hern. Und dann zerst�ren sie es, und die Flotte ist nicht l�nger in der richtigen Position, um einen der Sprungpunkte zu erreichen, durch die sie das Lakota-System verlassen k�nnte. Und wenn das Portal so zusammenbricht, dass die Energieentladung auf einem h�heren Niveau stattfindet, dann wird vielleicht das gesamte Sternensystem vernichtet, zusammen mit allem, was sich darin befindet�� auch diese Flotte.</p><p><emphasis>Ich brauche eine simple L�sung, die die Brennstoffzellen schont, damit ich auf sie zur�ckgreifen kann, wenn ich sie brauche. Eine andere Wahl bleibt mir nicht.</emphasis> �Captain Desjani, wir werden die Syndik-Flotte abfangen, die den Sprungpunkt nach Branwyn ansteuert.� Nicht nur sie grinste daraufhin, auch die Wachhabenden auf der Br�cke schien dieser Befehl zu freuen. �K�nnen Sie mir einen Abfangkurs empfehlen?�</p><p>�Eins drei Grad nach Steuerbord, null vier Grad nach oben�, antwortete sie prompt. �Gleichzeitig m�ssen wir aber die Geschwindigkeit auf 0,07 Licht erh�hen, damit wir die Syndik-Flotte einholen, sobald die den Sprungpunkt nach Branwyn erreicht. Zeit bis dahin einundvierzig Stunden, zw�lf Minuten.�</p><p>�Danke, Captain.� Desjani musste den Abfangkurs schon lange vor seiner Anforderung berechnet haben. Auch wenn die Allianz-Schiffe so ausgerichtet waren, dass sie sich eigentlich nach backbord drehten, orientierten sich Steuerbefehle am umgebenden Sternensystem. Ansonsten h�tte ein Schiff im All nie wissen k�nnen, wo f�r das andere links und rechts oder oben und unten war, da es in jede beliebige Richtung unterwegs sein konnte. Die Regel lautete, dass in einem Sternensystem Backbord die von der Sonne abgewandte und Steuerbord die entgegengesetzte Seite war, w�hrend sich oben und unten nach der Ebene des Sternensystems richtete. Da der Abfangkurs erforderte, dass die Flotte ein wenig in Richtung der Sonne fliegen musste, bedeutete das eine Kurskorrektur nach Steuerbord.</p><p>Rione hielt eine Hand gegen ihre Stirn gepresst, ihr Gesicht war von einem frustrierten Ausdruck gepr�gt. �Auf dem Weg in die Schlacht, Captain Geary?�, fragte sie.</p><p>�Das wird sich noch zeigen.� Er aktivierte die flottenweite Komm-Verbindung. �An alle Schiffe, �ndern Sie bei Zeit drei zwei den Kurs um eins drei Grad nach Steuerbord und vier Grad nach oben, und gehen Sie auf 0,07 Licht.� Es missfiel ihm, diesen n�chsten Befehl erteilen zu m�ssen, doch nach der Ankunft der zweiten Syndik-Flotte blieb ihm keine andere Wahl. �Zweites und Siebtes Zerst�rergeschwader, stellen Sie die Antriebseinheiten der Erzfrachter auf Selbstzerst�rung und schlie�en Sie sich so schnell wie m�glich wieder der Flotte an. Sorgen Sie daf�r, dass alle gefangen genommenen Syndiks sich mit den Rettungskapseln der Frachter in Sicherheit bringen k�nnen. Ich will nicht, dass Sie sich mit denen auch noch w�hrend des Gefechts herumschlagen m�ssen.�</p><p>War da noch etwas? O ja, der K�der, auf den die Syndiks nicht reagiert hatten. �Captain Tyrosian, sorgen Sie daf�r, dass die Aufstockung Ihrer Vorr�te und die R�ckkehr aller Shuttles so bald wie m�glich, sp�testens jedoch in vierundzwanzig Stunden abgeschlossen sind. Captain Mosko, gehen Sie mit Formation Echo Five Five notfalls auf h�here Geschwindigkeit, damit Sie wieder Ihre alte Position in Relation zur Flotte einnehmen.�</p><p>�Noch drei Tage m�ssen wir warten, ehe wir die Syndiks eingeholt haben.� Desjani verzog das Gesicht und w�nschte sich offensichtlich, schon jetzt in Waffenreichweite zu sein. �Ich hasse diese Warterei.�</p><empty-line/><subtitle><strong>* * *</strong></subtitle><empty-line/><p>�Hast du vor, mit der Flotte aus diesem System zu springen, oder willst du dir eine Schlacht mit den Syndiks liefern?�, wollte Rione wissen. Auf dem Weg zu seinem Quartier hatte sie diszipliniert geschwiegen, doch gleich nach dem Schlie�en der Luke warf sie ihm diese Frage an den Kopf.</p><p>�Das kommt drauf an.� Geary lie� sich in seinen Sessel fallen und aktivierte das Display, das die Situation im Lakota-System zeigte. �Was machen die Syndiks? Wie werden sie reagieren? Mit dieser Flotte <emphasis>kann</emphasis> ich sie nicht jagen, daf�r kann ich die Brennstoffzellen nicht vergeuden.�</p><p>�Die Hilfsschiffe haben weitere Brennstoffzellen hergestellt. Wenn du��</p><p>�Das gen�gt nicht!� Er verzog das Gesicht. �Entschuldigung, ich wollte dir nicht das Wort abschneiden.� Rione wurde etwas ruhiger, nachdem ihre Augen schon entr�stet aufgeflackert hatten. �Selbst wenn ich jede Brennstoffzelle von den Hilfsschiffen innerhalb der Flotte verteile, verf�gen die Schiffe nur noch ungef�hr �ber sechzig Prozent Energiereserven, wenn wir den Sprungpunkt nach Branwyn erreicht haben�� vorausgesetzt, wir fliegen keine weiteren Man�ver. Das ist schon keine ausreichende Sicherheitsmarge f�r einen routinem��igen Gefechtseinsatz. F�r eine Flotte, die hinter den feindlichen Linien in der Falle sitzt, ist das ein erschreckender Wert.�</p><p>�Du hast doch gesagt, die Flotte muss die Geschwindigkeit drosseln, um die Minen passieren zu k�nnen, die die Syndiks dort verteilen. Das bedeutet aber auch, dass die Brennstoffzellen noch st�rker beansprucht werden, nicht wahr?�</p><p>�Das habe ich gesagt, und du hast v�llig recht. Siehst du jetzt, wie schlecht es um uns steht?�</p><p>Sie musterte ihn einen Moment lang, dann l�chelte sie. �Ich habe dich schon wieder untersch�tzt.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Ja, John Geary.� Sie begann zu lachen. �Ein begrenzter Vorrat an Brennstoffzellen, der verhindert, dass du die Flotte durch das ganze System und zur�ck schicken kannst. Und Untergebene, die f�r Unruhe sorgen k�nnten, wenn sie glauben, du w�rdest vor dem Feind davonlaufen. Also gibst du vor, auf direktem Weg in die Schlacht zu ziehen, weil du wei�t, dass die Syndiks sich sehr wahrscheinlich im letzten Moment zur�ckziehen werden, woraufhin die Flotte dieses System verlassen wird. Gut gemacht! Vielleicht wird aus dir ja doch noch mal ein Politiker.�</p><p>Er reagierte mit einem schiefen L�cheln. �Ich f�rchte, ich bin nicht halb so schlau, wie du annimmst. Ich glaube, die Syndiks <emphasis>werden</emphasis> am Sprungpunkt den Kampf suchen. Sie wissen, dass wir den Sprungpunkt benutzen m�ssen. Sie werden uns nicht ungeschoren davonkommen lassen.�</p><p>Rione sah ihn ernst an. �Und was hast du dann vor?�</p><p>�Wie ich sagte, das kommt ganz drauf an. Wird die neue Syndik-Flotte versuchen, uns mit aller Macht zu attackieren? Oder wird sie einem Konflikt auf breiter Front aus dem Weg gehen und sich stattdessen auf unsere Schwachstellen konzentrieren? Wenn sie das wollen, k�nnen sie uns durch den Sprungraum folgen und uns unter Beschuss nehmen, sobald wir Branwyn erreicht haben.�</p><p>Minutenlang lie� sie sich seine Worte durch den Kopf gehen, schlie�lich fragte sie: �Bist du dir sicher, dass du nach Branwyn reisen willst?�</p><p>�Welche andere Wahl habe ich denn? Es ist schlie�lich nicht so, als w�re T'negu eine gute Alternative.�</p><p>�Du begibst dich in eine Situation, in der du gegen diese Syndik-Streitmacht k�mpfen musst.�</p><p>�Ich wei�.� Er setzte sich gerader hin und rief etwas auf dem Display �ber dem Tisch auf, was er sich bislang nur sehr selten angesehen hatte. �Erkennst du das wieder?�</p><p>Mit finsterer Miene betrachtete Rione das Display. �Das Heimatsystem der Syndiks. Das werde ich wohl niemals vergessen.�</p><p>�Die Allianz-Flotte musste verheerende Verluste hinnehmen, als sie dort in einen Hinterhalt geriet.� Geary deutete auf eine lange Liste von Schiffsnamen, die rot unterlegt waren. �Die f�hrenden Elemente dieser Flotte wurden vollst�ndig ausgel�scht, den Rest schoss man brutal zusammen.�</p><p>�Daran musst du mich nicht erinnern!� Mit bleichem Gesicht sah sie zur Seite. �Allein der Gedanke daran ist schlimm genug.�</p><p>Geary nickte. �Tut mir leid. Aber du hast auf der Br�cke davon gesprochen, wie viele Gefechte wir schon einseitig gewonnen haben. In keiner einzigen Schlacht k�nnten wir ann�hernd mit dem gleichziehen, was die Syndiks uns dort angetan haben. Wenn wir allerdings alles zusammenrechnen, dann konnten wir ihnen insgesamt sehr schwere Verluste zuf�gen.�</p><p>Aufmerksam sah sich Rione wieder das Display an. �Und wenn du diese Syndik-Streitmacht auf die gleiche Weise vernichtest, dann hast du nahezu mit ihnen gleichgezogen. Geht es dir darum? Um Rache? Ich hatte etwas Besseres von dir erwartet, John Geary, auch wenn ich zugeben muss, dass der Gedanke, es den Syndiks heimzuzahlen, etwas Verlockendes hat.�</p><p>�Es geht mir nicht nur um Rache. Ach, verdammt, das hat mit Rache eigentlich gar nichts zu tun. Wir mussten wie verr�ckt davonlaufen, weil die Syndiks nach dem �berfall in ihrem System der Allianz zahlenm��ig weit �berlegen waren.�</p><p>Ihr Gesichtsausdruck ver�nderte sich wieder. �Du willst ihnen diese momentane �bermacht nehmen.�</p><p>�Richtig. Wir haben das in weiten Teilen auch schon geschafft, sonst w�ren die Syndiks bei Ixion nicht gezwungen gewesen, brandneue Schiffe mit v�llig unerfahrenen Crews auf uns anzusetzen. Wenn ich die Syndik-Streitmacht ausl�sche, die nach uns in dieses System gekommen ist, dann werden sie Schwierigkeiten bekommen, uns in irgendeinem anderen Sternensystem eine Flotte entgegenzusetzen, die unserer gewachsen ist. Sie m�ssen ihre verbliebenen Schiffe weit verteilen, um in jedem System auf uns zu warten, in das wir fliegen k�nnten. Also werden wir �berall zahlenm��ig �berlegen sein, was uns wiederum Zeit verschaffen wird, die Vorr�te der Hilfsschiffe aufzustocken und alle Schiffe mit Brennstoffzellen, Phantomen und Kart�tschen zu best�cken.�</p><p>Nachdem Rione eine Weile dar�ber nachgedacht hatte, sah sie Geary fragend an. �Und wenn es uns genauso schwer erwischt wie die Syndik-Streitmacht?�</p><p>�Dann stecken wir in Schwierigkeiten.�</p><p>�Das ist ein gro�es Risiko.�</p><p>�Ja, aber wir stecken schon in Schwierigkeiten. So geht das bereits, seit uns die Syndiks in ihrem Heimatsystem in die Mangel genommen haben. Jetzt kann sich das Risiko richtig f�r uns auszahlen. Ich kann sehr leicht verlieren, wenn ich auf Nummer sicher gehe, doch ich kann gar nicht erst gewinnen, wenn ich nicht etwas riskiere.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Den ganzen kommenden Tag kam es Geary so vor, als starre er auf die Drehscheibe eines Roulettes, die sich unendlich drehte, sodass die Kugel einfach nicht fallen konnte. Dann verstrich der n�chste Tag, und seine Nerven lagen so blank, dass er Rione bei der ersten ungl�cklichen Bemerkung anherrschte, woraufhin sie ihn im Gegenzug zurechtwies. Eine halbe Stunde lang stritten beide sich so lautstark, dass Geary fast �berzeugt war, man m�sse sie sogar auf den anderen Raumschiffen geh�rt haben. Schlie�lich verlie� er sein Quartier und strich ziellos durch die Korridore der <emphasis>Dauntless,</emphasis> w�hrend er versuchte, gegen�ber den Matrosen und den Junioroffizieren eine zuversichtliche Miene aufzusetzen. Auch wenn er der Flottenkommandant war, handelte es sich bei der <emphasis>Dauntless</emphasis> um Black Jacks Flaggschiff, und das machte das Schiff und seine Crew in ihren Augen zu etwas ganz Besonderem.</p><p>Sein Weg f�hrte ihn schlie�lich in den Konferenzraum, wo er von finsteren Gedanken erf�llt verschiedene Gefechtssimulationen ablaufen lie�. Doch es gab zu viele unbekannte Faktoren�� der wichtigste war die Frage, wie die Syndiks �berhaupt reagieren w�rden��, die die Simulationen zu einem sinnlosen Unterfangen machten.</p><p>Schlie�lich kehrte er in sein Quartier zur�ck, fest entschlossen sich nicht von Victoria Rione aus seinen eigenen vier W�nden an Bord dieses Schiffs vertreiben zu lassen. Sie wartete auf ihn und zog ihn wortlos ins Bett, als er hereinkam.</p><p>Es half, die Zeit zu vertreiben, doch ihr Verhalten verbl�ffte ihn einmal mehr.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Am dritten Tag sa� Geary auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> und starrte auf das Display. Die Syndiks verhielten sich noch immer so, als w�rde die Allianz-Flotte gar nicht existieren. �Irgendeine Ahnung, wie wir die Syndiks in diesem System dazu bringen, von uns Notiz zu nehmen?�, fragte er schlie�lich Captain Desjani.</p><p>�Nein, Sir�, antwortete sie bedauernd und deutete auf den bewohnten Planeten. �Jede Syndik-Milit�reinrichtung hat von der F�hrung im System zweifellos genaue Befehle erhalten, und Syndiks befolgen Befehle auf den Buchstaben genau.� Sie sagte es in einem ver�chtlichen Tonfall, und zweifellos war das gegenw�rtig einer der wesentlichen Unterschiede zwischen der Allianz-Flotte und den Syndiks. Geary hatte einen Gro�teil seiner Zeit damit verbringen m�ssen, die Schiffskommandanten davon zu �berzeugen, dass es von Vorteil sein konnte, wenn man einen Befehl ausf�hrte. Die Ironie bestand darin, dass beide Methoden�� die strikte Kontrolle und Beherrschung der Syndiks und das wilde Drauflosst�rmen der Allianz�� letztlich zu dem gleichen Ergebnis f�hrten, dass n�mlich beide Seiten sich gegenseitig die K�pfe einrannten und die Schlacht durch gegenseitiges Zerm�rben entschieden wurde.</p><p>�Ich f�rchte, Co-Pr�sidentin Rione wird diesmal recht behalten�, entgegnete Geary. �Diesmal werden sie erst angreifen, wenn sie bereit sind.�</p><p>�Wahrscheinlich ja�, stimmte sie ihm zu. Ihr Gesicht war von einem abf�lligen Ausdruck gepr�gt, der dieser intellektuellen Herangehensweise an eine Schlacht galt. Im n�chsten Moment rief sie sich aber in Erinnerung, dass Geary der Flotte ja beizubringen versuchte, so zu denken und zu handeln. �Sie fangen an zu lernen, nicht wahr? Sie beginnen nachzudenken.�</p><p>�Sieht so aus. Oder ihnen ist ihr Selbstbewusstsein in einem gef�hrlichen Ma� abhandengekommen.� In jedem Fall bedeutete es f�r die Allianz-Flotte nichts Gutes.</p><p>�Die werden am Sprungpunkt nach Branwyn den Kampf mit uns suchen m�ssen.�</p><p>Falls keine von beiden Seiten irgendein Man�ver vollzog, w�rden sie die Syndik-Flotte Bravo in zw�lf Stunden abfangen. Die gegnerischen Schiffe befanden sich nach wie vor in einer Kastenformation, und sie lie�en keine Anzeichen erkennen, dass sie daran irgendetwas �ndern w�rden. Aber zw�lf Stunden vor dem Kontakt war es noch viel zu fr�h, um die Formation der Allianz-Flotte umzustellen.</p><p>Wieder widmete er sich den Statusanzeigen und lie� berechnen, wie viele Brennstoffzellen mit den vorhandenen Vorr�ten noch hergestellt und verteilt werden konnten. Er kam zu dem leider vertrauten Ergebnis, dass es vorne und hinten nicht reichte.</p><p>Der Bestand an Minen war geschrumpft, die Schiffe verf�gten mal �ber geringe, mal �ber bescheidene Vorr�te an Phantomen. Wenigstens waren Kart�tschen in gro�em Umfang vorhanden, was aber auch kein Wunder war, lie�en sich Geschosse in Form gro�er Metallkugeln doch schnell und leicht produzieren.</p><p>Die Lebensmittelvorr�te stellten noch kein Problem dar, aber lange w�rde auch das nicht mehr gut gehen, wenn nicht bald Nachschub an Bord gebracht wurde. Die aus der Allianz mitgebrachten Vorr�te waren l�ngst aufgebraucht. Die Flotte ern�hrte sich inzwischen von den Rationen, die sie von den eingemotteten Syndik-Einrichtungen und aus den Lagern auf Sancere mitgenommen hatten. Das Essen von Sancere war f�r Syndik-Verh�ltnisse gar nicht mal so schlecht, doch danach standen ihnen nur noch die Rationen zur Verf�gung, die die Syndiks gar nicht erst hatten mitnehmen wollen, als sie ihre Anlagen und Einrichtungen schlossen. Er hatte davon gegessen, und selbst jemand wie er, der mit der eher zweifelhaften Qualit�t von Milit�rverpflegung vertraut war, hatte seine liebe M�he, dieses Zeugs zu schlucken. Es hielt einen Menschen am Leben, aber das war auch schon das einzig Gute.</p><p>�Gesch�tzte zw�lf Stunden bis zum Gefecht. Sorgen Sie bitte daf�r, dass Ihre Leute sich bis dahin so gut wie m�glich ausruhen�, befahl er allen Captains seiner Flotte, dann verlie� er die Br�cke, um den Anschein zu erwecken, als w�rde er sich auch ausruhen.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>F�nf Stunden bis zum Abfangpunkt.</p><p>�Sie legen einen Sprint ein, Sir�, meldete eine betr�bte Desjani, �damit sie vor uns am Sprungpunkt ankommen. Vor einer Stunde haben sie beschleunigt, aber wir haben es eben erst bemerkt. Wir k�nnen ein paar Schlachtkreuzer vorausschicken, um vor den Syndiks anzukommen. Die ganze Flotte kann allerdings nicht schnell genug beschleunigen, um mit ihnen mitzuhalten.�</p><p>Schlachtkreuzer ganz ohne Unterst�tzung sollten sich der Syndik-Formation in den Weg stellen? Selbst wenn er noch ein paar Leichte Kreuzer und Zerst�rer mitschickte, w�ren sie dem Gegner deutlich unterlegen. �Nein, wir k�nnen die Schlachtkreuzer nicht auf diese Weise aufs Spiel setzen.�</p><p>Desjani versteifte sich, sie f�hlte sich offenbar in ihrem Stolz getroffen. �Sir, Schlachtkreuzer r�hmen sich f�r ihre Rolle als schnelle Eingreiftruppe der Flotte. Wir k�nnen den Feind schnell und wiederholt unter Beschuss nehmen, w�hrend der Rest unserer Flotte folgt.�</p><p><emphasis>Wir.</emphasis> Ja, nat�rlich. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> war schlie�lich auch ein Schlachtkreuzer. �Ich wei� den Gedanken zu sch�tzen, Captain Desjani, aber wir m�ssten schon die Syndik-Flotte von ihrem gegenw�rtigen Kurs abbringen k�nnen, dann h�tte es einen Sinn, unsere Schlachtkreuzer vorausfliegen zu lassen. Aber so haben wir schlichtweg nicht genug Feuerkraft gegen eine so gro�e Streitmacht aufzubieten.� Er beugte sich vor und f�gte sehr leise an: �Sie wissen, ich k�nnte die <emphasis>Dauntless</emphasis> ohnehin nicht mit einer solchen Eingreiftruppe losschicken. Sie ist das Flaggschiff dieser Flotte, und es befindet sich etwas �u�erst Wichtiges an Bord.� Damit meinte er den Hypernet-Schl�ssel, der dem Krieg wom�glich die entscheidende Wende bringen w�rde, wenn er ins Allianz-Gebiet zur�ckgebracht werden konnte. Jedes seiner Schiffe war wichtig, doch einige waren etwas wichtiger als andere. Und dieser Schl�ssel machte die <emphasis>Dauntless</emphasis> zum wichtigsten Schiff von allen.</p><p>Desjani wusste das und konnte nichts dagegen einwenden. Also nickte sie zustimmend, auch wenn das an ihrer betr�bten Miene nichts �nderte.</p><p>Nun blieb Geary nichts anderes zu tun, als dazusitzen und zuzusehen, wie die Syndik-Flotte vor ihnen den Sprungpunkt erreichte. Sie hatten ihren Schachzug so berechnet, dass den Allianz-Schiffen nicht mehr genug Zeit blieb, um noch darauf zu reagieren. Allerdings w�rde Geary ihnen beim Zusammentreffen noch das eine oder andere zum Thema gutes Timing beibringen.</p><p>Bei 0,1 Licht legte die feindliche Flotte drei�igtausend Kilometer in der Sekunde zur�ck. Auf einer Planetenoberfl�che w�re eine solche Geschwindigkeit undenkbar gewesen. Mit Blick auf die Gr��e eines durchschnittlichen Sternensystems wie Lakota, wo der �u�erste Planet von seiner Sonne gut zehn Lichtstunden oder rund elf Milliarden Kilometer entfernt war, schienen die Schiffe f�rmlich durch die Schw�rze des Alls zu kriechen. Manchmal musste Geary sich fragen, wie die Menschen es blo� bei ihren ersten Schritten ins All ertragen hatten, nicht einmal ann�hernd ein Zehntel Lichtgeschwindigkeit erreichen zu k�nnen, sodass es Wochen, Monate oder sogar Jahre gedauert hatte, um Planeten oder Monde zu erreichen, die nicht einmal au�erhalb des eigenen Sonnensystems lagen. Andererseits musste es f�r die heutige Planetenbev�lkerung auch schwer zu begreifen sein, dass man fr�her Wochen, Monate oder Jahre ben�tigt hatte, nur um einen Kontinent zu durchqueren.</p><p>�Egal, wie schnell wir sind, es ist nie schnell genug�, murmelte Geary.</p><p>Zu seiner Verwunderung schien Desjani seine Worte mit Ver�rgerung zur Kenntnis zu nehmen. �Sir, wenn die Flotte mehr leisten k�nnte��</p><p>�Tut mir leid, aber ich habe die Flotte gar nicht gemeint. Die funktioniert wie �blich ganz hervorragend. Nein, nein, ich musste nur gerade �ber die Menschheit im Allgemeinen nachdenken.�</p><p>�Verstehe, Sir.� Nein, sie verstand offensichtlich nicht. Aber da die Ehre ihres Schiffs und die der Flotte nicht auf dem Spiel stand, und da es au�erdem galt, den Feind zu beobachten, lie� sie die Sache auf sich beruhen.</p><p>Geary lie� den Feind ebenfalls nicht aus den Augen, der sich dem Sprungpunkt nach Branwyn n�herte, und hoffte, die Syndiks w�rden dort nicht das machen, was er von ihnen erwartete.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Doch es kam genau so.</p><p>�Die nehmen Kurs auf uns�, meldete Desjani. �Sie haben stark verz�gert, als sie sich vor dem Sprungpunkt befanden, und nun beschleunigen sie und kommen uns entgegen.�</p><p>Geary atmete frustriert aus und w�nschte, irgendetwas w�rde endlich einmal richtig laufen. Einerseits versp�rte er Erleichterung, weil schlie�lich eingetreten war, was die ganze Zeit �ber ihm geschwebt hatte, andererseits war er genau deswegen nat�rlich angespannt. �Ich ben�tige so schnell wie m�glich eine Best�tigung: Haben sie im Vorbeiflug vor dem Sprungpunkt Minen abgesetzt?� Das war f�r ihn die einzige Erkl�rung f�r das Bremsman�ver, denn nur so war es m�glich, die Minen m�glichst dicht zu verteilen. Aber es konnte ebenso gut nur ein Bluff gewesen sein.</p><p>�Ja, Sir�, meldete ein Wachhabender. �Unsere Sensoren versuchen derzeit noch die Dichte und die Ausma�e des Minenfelds zu berechnen, jedoch registrieren wir auch so bereits eine F�lle an visuellen Anomalien. Es sieht so aus, als h�tten sie die Minen unmittelbar vor dem Sprungpunkt abgesetzt.�</p><p>Desjani stutzte. �So dicht? Sehen Sie sich das an, Sir. Die Minen liegen so nah dran, dass der Sprungpunkt sie dazu bringt, relativ schnell wegzutreiben.�</p><p>�Relativ schnell hei�t was genau?�, fragte Geary, der einen Hoffnungsschimmer sah.</p><p>�Ein paar Wochen�, erwiderte sie. �Die physikalischen Bedingungen spielen in der N�he eines Sprungpunkts immer ein wenig verr�ckt, aber wir k�nnen eine Analyse durchf�hren, um den Zeitraum genauer zu sch�tzen.�</p><p>�Wenn die Sch�tzung nicht gleich ein paar Wochen unter Ihrer ersten liegt, dann hilft sie uns auch nicht weiter.� Er widmete sich weiter dem Display, w�hrend die Sensoren der Flotte gr�ndlich nach den winzigen Anomalien suchten, die selbst noch so gut getarnte Minen ans Licht brachten. Jede entdeckte Mine wurde als Lichtpunkt dargestellt. Sie waren genau vor dem Sprungpunkt verteilt worden, wie Desjani auch gesagt hatte.</p><p>Vielleicht w�rden sie im Verlauf einiger Wochen von ihrer Position wegtreiben, doch bis dahin konnte die Flotte nur an ihnen vorbeikommen, wenn sie praktisch anhielt, um dann eine m�glichst enge Kurve zu fliegen. Das w�rde aber bedeuten, dass sie bei einem Hochgeschwindigkeitsangriff der Syndiks auf dem Pr�sentierteller sa�.</p><p>�Mir gefiel es besser, als die Syndiks mich noch untersch�tzt haben�, lie� er Desjani leise wissen.</p><p>�Wenn wir erst mal die Syndik-Flotte zerst�rt haben, k�nnen wir in aller Ruhe um die Minen herumfliegen, oder wir warten, bis sie weggetrieben sind�, schlug sie vor.</p><p>�Mal sehen.� Er sollte ein paar Wochen lang in Lakota warten? Das klang gar nicht erfreulich, denn so wie es aussah, wurde es umso schlimmer, je l�nger sie hier blieben.</p><p>�Die Syndik-Flotte Bravo ist weiter auf einem Abfangkurs zu uns�, meldete der Steuer-Wachhabende. �Sie beschleunigen immer noch und sind jetzt bei 0,05 Licht.�</p><p>�Bis zum Zusammentreffen mit uns werden sie wieder bei 0,1 Licht sein�, sagte Desjani voraus. �Das ist ihre �bliche Vorgehensweise.�</p><p>�Unsere auch�, hielt Geary ihr vor Augen. �Aber ich werde unsere Schiffe vorl�ufig noch nicht auf 0,1 Licht gehen lassen.�</p><p>�Wenn die Syndiks 0,1 Licht erreichen und beibehalten�, lie� Desjani ihn nach einigen Berechnungen wissen, �und wenn wir 0,07 Licht beibehalten, k�nnen wir in gut eineinhalb Stunden einen Kontakt erwarten.�</p><p>�Okay.� Geary �berlegte kurz, dann rief er alle Schiffe seiner Flotte. �An alle Einheiten der Allianz-Flotte: In etwa einer Stunde m�ssen wir mit Kampfhandlungen rechnen. Behalten Sie Ihren Platz in der Formation bei, und ich garantiere Ihnen, wir werden diesen Syndiks die gleichen Dinge beibringen, die schon die anderen Syndik-Flotten vor ihnen lernen mussten.�</p><p>Er rechnete nicht mit einer R�ckmeldung, doch dann ging tats�chlich eine ein. �Geben Sie bitte an, wann vor dem Kampf wir auf 0,1 Licht beschleunigen sollen.�</p><p>Er �berpr�fte die Identifikation der �bertragung und fand seinen Verdacht best�tigt. Es hatte sich nach Captain Midea von der <emphasis>Paladin</emphasis> angeh�rt, und sie war es auch gewesen. �Wir werden zeitig vor dem Kontakt mit den Syndiks beschleunigen. Den Befehl dazu sowie jeden Befehl zur Ver�nderung der Formation werden Sie zu gegebener Zeit erhalten.�</p><p>�Und gleich fragt sie, wann die gegebene Zeit sein wird�, murmelte Desjani.</p><p>�Hier spricht die <emphasis>Paladin�,</emphasis> kam prompt die Meldung hinterher. �Pr�zisieren Sie bitte, was die gegebene Zeit ist.�</p><p>Geary verkniff sich eine giftige Retourkutsche. �Die gegebene Zeit ist dann gekommen, wenn ich den Befehl erteile, <emphasis>Paladin.� </emphasis>Kopfsch�ttelnd wandte er sich an Desjani. �Midea ist doch nicht so dumm, oder etwa?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Dann wird sie wissen, dass mein Verhalten davon abh�ngt, was der Feind macht. Erst, wenn der Kontakt kurz bevorsteht und ich ihre Formation sehe, wenn ich wei�, wie schnell sie sind und welche Man�ver sie noch in letzter Minute vornehmen, erst dann kann ich etwas unternehmen.�</p><p>�Das ist richtig, Sir, aber das wei� ich auch nur, weil Sie es mir beigebracht haben�, hielt sie dagegen. �Bevor Sie das Kommando �bernommen haben, sahen unsere Taktiken viel einfacher aus.�</p><p>Das war sogar noch untertrieben, wenn man es genau nahm. Da ausgebildete und erfahrene Offiziere bei Schlachten, die zunehmend an Gemetzel erinnerten, gleich reihenweise gefallen waren, war das Wissen um wirkungsvolle Man�ver mit ihnen gestorben. Nach hundert Jahren beschr�nkten sich die Taktiken darauf, wieder und wieder auf den Gegner loszust�rmen, bis sich eine von beiden Seiten eine so blutige Nase geholt hatte, dass sie sich zur�ckzog oder ausgel�scht wurde. �Ich hoffe, Sie sind nicht die Einzige, die von mir lernt�, merkte er an.</p><p>�Oh, nat�rlich nicht.�</p><p>Geary schaute wieder auf das Display, wo die Syndik-Flotte Bravo sich weiter der Allianz-Flotte n�herte. Hoffentlich hatten die nicht auch aus dem Studium seiner Kampftaktiken gelernt.</p><p>W�hrend allm�hlich die Zeit verging, wurde deutlich, dass die Syndiks zwar ein paar kleinere Dinge begriffen hatten, ihnen der Blick f�r das Gesamtbild aber nach wie vor fehlte. Sie n�herten sich in der Kastenformation, in der sie seit ihrer Ankunft in Lakota unterwegs waren, nur dass dieser Kasten jetzt mit einer Breitseite zur Allianz-Flotte hin ausgerichtet war.</p><p>Er nickte zufrieden, bis er auf einmal bemerkte, dass Desjani und einige der Wachhabenden ihn l�chelnd ansahen. Erst da wurde ihm bewusst, dass er selbst auch l�chelte. �Wir behalten unsere Formation bei. Nein, ich werde eine �nderung vornehmen.�</p><p>Seine Flotte war in der Anordnung der f�nf m�nzenf�rmigen Unterformationen geblieben, in der sie bereits in Lakota eingetroffen waren. Derzeit waren die M�nzen mit der flachen Seite nach vorn ausgerichtet und steuerten auf den Gegner zu, w�hrend Echo Five Five sich nach vor im Schutz von Echo Five Four hielt. Geary spielte mit den Man�versystemen, bis er die richtige Anordnung gefunden hatte, dann sendete er sie. �Alle Einheiten in Echo Five Five, erh�hen Sie Ihre Geschwindigkeit, um mit Echo Five Four zu verschmelzen, und nehmen Sie die angegebenen Positionen ein.�</p><p>Desjani sah fasziniert auf das Display und spielte den Befehl durch. �Sie klemmen praktisch die alte Five Five an die Unterkante von Five Four.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Und die Siebte Schlachtschiffdivision h�lt sich unter dem Rand der alten Five Four?� Wieder musste sie l�cheln. �Ich kann es kaum erwarten.�</p><p>Bis zum Kontakt verblieb noch �ber eine Stunde, da die Flotten noch rund zehn Lichtminuten voneinander entfernt waren. Auf dem Display war zu beobachten, wie die Schiffe von Echo Five Five langsam ihre Kameraden �berholten und ihre neuen Positionen einnahmen. Er wusste, dass die Syndiks dieses Man�ver in zehn Minuten sehen konnten, sich aber vermutlich keine Gedanken dar�ber machen w�rden, da sich der gr��te Teil beider Flotten weiterhin auf Kollisionskurs befand.</p><p>Als der Kontakt nur noch eine halbe Stunde entfernt war, erteilte Geary weitere Befehle. �Formationen Echo Five Two und Echo Five Three��� die beiden M�nzen links und rechts des Hauptpulks��, �drehen Sie bei Zeit f�nf null Ihre Formation um neun null Grad entlang der Vertikalachse. Drehen Sie Ihre Formation gleichzeitig so um vier f�nf Grad entlang der Horizontalachse, dass der vordere Rand Ihrer Formation Richtung Echo Five Four geneigt ist.� Einen solchen Befehl h�tte er nicht erteilen k�nnen, wenn die Ver�nderungen von Menschenhand h�tten ausgef�hrt werden sollen. Es w�re schlicht zu komplex gewesen, so viele Schiffe gleichzeitig in vertikale und horizontale Richtung zu lenken, um die neue Position einzunehmen, auch wenn die Steuersysteme ein klares Bild davon zeigten, wohin sich jedes Schiff begeben sollte.</p><p>�Formationen Echo Five One und Echo Five Four�, fuhr er fort, �drehen Sie bei Zeit f�nf null Ihre Formation um neun null Grad auf der horizontalen Achse nach vorn.�</p><p>Die Man�ver entpuppten sich als ein unglaublich komplizierter Tanz in drei Dimensionen, da sich die M�nzformationen so verschoben, dass der vordere d�nne Rand der Vorhut und der der Hauptformation nun auf die herannahenden Syndiks zeigten, w�hrend die beiden Flanken schr�g zu beiden Seiten herunterhingen, deren flache Seite ebenfalls nach vorn wies. Ein so komplexes Ballett zu beobachten, war schon etwas Au�ergew�hnliches.</p><p>F�nfzehn Minuten vor dem Kontakt waren s�mtliche Man�verbewegungen abgeschlossen. �Die Syndiks werden sehen, dass wir unsere Formation ver�ndert haben�, bemerkte Desjani.</p><p>�Stimmt.� Gearys Blick war weiter auf das Display gerichtet, da er auf den Moment wartete, um den n�chsten Zug zu unternehmen. Die Syndiks konnten jede seiner Ma�nahmen in immer k�rzeren Abst�nden mitverfolgen, daher musste er seinen n�chsten Zug so planen, dass die Syndiks im richtigen Moment und auf die falsche Weise reagierten. Sie w�rden seine erste Bewegung sehen und keinen Grund erkennen, an ihrem Kurs oder ihrer Formation etwas zu �ndern. Aber nicht mehr lange.</p><p>Die Syndiks waren jetzt nur noch zwei Lichtminuten entfernt, also noch etwas mehr als zw�lf Minuten bis zum Kontakt, der sich bei einer kombinierten Geschwindigkeit von 0,17 Licht ereignen w�rde. �Alle Einheiten, erh�hen Sie bei Zeit eins f�nf die Geschwindigkeit auf 0,1 Licht. Alle Formationen, �ndern Sie bei Zeit eins f�nf den Kurs um null f�nf Grad nach oben.�</p><p>Die Allianz-Flotte beschleunigte und flog nach oben, w�hrend Desjani h�misch grinste. �Jetzt verstehe ich. Aber deren Commander wird das fr�h genug sehen, um noch reagieren zu k�nnen.�</p><p>�Darauf z�hle ich ja.� Geary hielt inne, z�hlte die Sekunden und verlie� sich zum Teil auf seinen Instinkt, was den exakten Zeitpunkt f�r den n�chsten Zug anging. �Alle Formationen, �ndern Sie bei Zeit eins neun den Kurs um eins null Grad nach oben und null eins Grad nach Steuerbord.�</p><p>Eine Minute sp�ter sah er, wie die Syndiks auf seine vorangegangenen Man�ver reagierten und ihre Kastenformation nach oben lenkten, damit die Schiffe beider Flotten mit einer kombinierten Geschwindigkeit von knapp unter 0,2 Licht dicht aneinander vorbeiflogen. Eine h�here Geschwindigkeit h�tte relativistische St�rungen zur Folge gehabt, sodass es �u�erst schwierig geworden w�re, die tats�chliche Position der feindlichen Schiffe zu bestimmen. Doch bei unter 0,2 Licht sollten die Gefechtssysteme noch in der Lage sein, jene Geschwindigkeiten zu kompensieren, bei denen sich tats�chlich das Bild des Universums um einen herum zu ver�ndern begann.</p><p>Zu dumm nur, dass Gearys zweite Kurs�nderung den Winkel abermals ver�nderte, in dem sich die Flotten begegnen w�rden. Dieser Zug erfolgte so kurz vor dem Kontakt, dass der Syndik-Kommandant keine Zeit mehr hatte, entsprechend zu reagieren. �Alle Einheiten, setzen Sie Kart�tschen und H�llenspeere ein und er�ffnen Sie geschwader- und divisionsweise das Feuer, sobald der Feind in Feuerreichweite gelangt.� Auf diese Weise war gew�hrleistet, dass jedes Geschwader und jede Division auf ein einzelnes feindliches Schiff feuerte, wodurch die Chancen deutlich gr��er wurden, dass sie in dem kurzen Moment Treffer landen konnten, in dem beide Flotten nahe genug waren, um sich gegenseitig zu beschie�en.</p><p>�Feindliche Raketen und Kart�tschen fliegen unter uns vorbei�, meldete der Gefechtssystem-Wachhabende strahlend, als das Sperrfeuer der Syndiks dort ins Leere traf, wo sich eigentlich die Flotte h�tte befinden sollen.</p><p>Dann kam der Moment des Kontakts und war auch gleich schon wieder vorbei. H�tte das menschliche Auge schnell genug reagieren k�nnen, um die Begegnung wahrzunehmen, dann w�re zu sehen gewesen, wie die Vorhut und die Hauptformation der Allianz-Flotte sich mit dem flachen Rand der M�nzenform �ber die Vorderkante der Kastenformation der Syndiks schoben. Dadurch wurde es m�glich, den Beschuss auf die relativ wenigen feindlichen Schiffe nahe dem Rand zu konzentrieren, w�hrend die Syndiks nur mit eben diesen Schiffen das Feuer erwidern konnten. Die flankierenden M�nzen glitten �ber die oberen Ecken des Kastens und konnten ihren Beschuss sogar noch st�rker konzentrieren.</p><p>Geary blinzelte und fragte sich, ob er in dem Sekundenbruchteil, den die automatischen Gefechtssysteme ben�tigten, um schneller als jeder Mensch zu zielen und zu feuern, tats�chlich die Lichtblitze der abgefeuerten Waffen und die Detonationen der Treffer gesehen hatte. W�hrend sich die Schiffe beider Seiten wieder voneinander entfernten, riefen Wachhabende Schadensmeldungen von den Allianz-Schiffen �ber die Br�cke.</p><p>�Wir haben sie erwischt!�, rief Desjani.</p><p>Auf dem Display verloren zwei Syndik-Schlachtkreuzer den Anschluss an die Flotte, zu ihnen gesellten sich die Wracks von einem Schlachtschiff, f�nf Schweren Kreuzern und mehreren Leichten Kreuzern und J�gern. Die Begleitformation am oberen Rand der Syndik-Formation war praktisch ausgel�scht worden. Weitere Syndik-Schiffe waren getroffen worden, doch keines von ihnen so schwer, dass es als verloren h�tte gelten k�nnen.</p><p>Auf der Seite der Allianz waren die Schilde unter Druck geraten, und einige leichtere Einheiten hatten Treffer abbekommen, doch zum Gl�ck konnten sie weiter mit der Flotte mithalten.</p><p>Geary nickte und erteilte die Befehle, die er sich lange zuvor schon zurechtgelegt hatte. �Alle Formationen, �ndern Sie bei Zeit zwei vier den Kurs um eins zwei null Grad nach oben.� Nicht ganz eine Minute sp�ter stiegen die Allianz-Formationen nach oben, beschrieben eine C-Kurve und kehrten in die Richtung um, aus der sie soeben gekommen waren.</p><p>Wie Geary erwartet hatte, waren die Syndiks inzwischen ebenfalls umgekehrt und flogen das Spiegelbild der Kurve, der die Allianz-Schiffe folgten. Einmal mehr wurden die Allianz-Formationen in die Lage versetzt, �ber eine einzelne Seite der gegnerischen Kastenformation hinwegzufliegen, diesmal �ber die untere Vorderkante. Zum Leidwesen der Syndiks war das zuvor noch die obere Vorderkante gewesen, die bereits dem Beschuss der Allianz ausgesetzt worden war.</p><p>Erneut fra� sich die Allianz-Formation in die Vorderkante, und die Syndiks mussten weitaus mehr einstecken, als sie austeilen konnten.</p><p>�Zwei weitere Schlachtschiffe!�, jubelte Desjani. �Und ein weiterer Schlachtkreuzer!�</p><p>�Diesmal haben wir mehr Treffer einstecken m�ssen.� Zwei Zerst�rer, die <emphasis>Arsegai</emphasis> und die <emphasis>Rapier,</emphasis> hatten ihre Waffensysteme verloren, konnten aber weiter man�vrieren. Mehrere Leichte und ein Schwerer Kreuzer hatten etliche Treffer abbekommen, und ein paar Sch�sse waren sogar bis zu einigen der Schlachtkreuzer durchgedrungen. Noch w�hrend Geary seinen n�chsten Befehl erteilte, waren seine Augen auf einen dieser Schlachtkreuzer gerichtet. �Alle Formationen, �ndern Sie bei Zeit drei f�nf den Kurs um neun null Grad nach unten.� Die Allianz-Flotte setzte zu einer S-Kurve an, w�hrend die Syndiks wieder Kurs auf sie nahmen.</p><p>Doch ein Schlachtkreuzer der Allianz folgte nicht dem Man�ver, sondern flog auf einer leicht gewundenen Bahn weiter, die ihn in die Flugbahn der Syndiks bringen w�rde. �Was ist mit der <emphasis>Renown?�,</emphasis> wollte Geary wissen.</p><p>Ein Wachhabender rief umgehend eine Wiederholung der letzten Begegnung mit dem Feind auf und spielte sie so langsam ab, dass das menschliche Auge den Ereignissen folgen konnte. Die Syndiks hatten diesmal genau gewusst, wo entlang ihr Gegner fliegen w�rde, und dadurch waren sie in die Lage versetzt worden, ihr Sperrfeuer aus Kart�tschen genau richtig zu platzieren. Die <emphasis>Renown,</emphasis> die auf ihrer Seite der Formation dem Feind am n�chsten gewesen war, hatte mehrere Salven abbekommen, unter denen die Bugschilde zusammengebrochen waren. Als die Gefechtssysteme automatisch Energie von den Heck- und Seitenschilden umleiteten, waren Syndik-Raketen bis zu dem Schiff durchgedrungen und hatten die Heckpartie getroffen. Die ersten drei Geschosse lie�en die geschw�chten Schilde zusammenbrechen, die n�chsten drei bescherten dem Antrieb einen Totalausfall.</p><p>Unter der Wucht der Syndik-Treffer fiel die <emphasis>Renown</emphasis> zur�ck und trudelte aus der Formation, da sie ohne Antrieb nicht l�nger folgen konnte.</p><p>Ein einzelner Schlachtkreuzer, der seine Schnelligkeit nicht mehr nutzen konnte, um die schw�cheren Schilde und die schw�chere Panzerung wettzumachen, und der nicht von seinen Kameraden gesch�tzt werden konnte.</p><p>�Die <emphasis>Renown</emphasis> sch�tzt, dass der Hauptantrieb in eingeschr�nktem Umfang in drei null Minuten wieder zur Verf�gung steht�, meldete der Gefechtssystem-Wachhabende.</p><p>Niemand musste die Sch�tzungen der Steuersysteme h�ren, um zu wissen, dass der <emphasis>Renown</emphasis> keine drei�ig Minuten blieben. In gerade mal zehn Minuten w�rde die Syndik-Formation das Schiff erreicht haben.</p><p>Geary schickte ein Sto�gebet zum Himmel. Er musste die Flotte wenden lassen, er musste seine Schiffe kehrtmachen lassen. Doch er konnte es nicht. Die physikalischen Gesetze wollten es ihm nicht erlauben.</p><p>�Was macht denn die <emphasis>Paladin?�,</emphasis> meldete sich pl�tzlich Desjani zu Wort.</p><p>Sein Blick zuckte �ber das Display. Als hinterstes Schiff der Formation hatte die <emphasis>Paladin</emphasis> sehen k�nnen, wie die <emphasis>Renown</emphasis> getroffen wurde, und deshalb war ihr die Zeit geblieben zu reagieren. In diesem Augenblick beschrieb das Schlachtschiff eine so enge Kurve, dass die Tr�gheitsd�mpfer aus Protest laut schreien mussten.</p><p>Er konnte nicht seine ganze Formation eine derartige Kurve fliegen lassen. Die am Rand befindlichen Einheiten hatten f�r eine Kehrtwendung einen viel weiteren Weg zur�ckzulegen als jene in der Mitte, da sich die Drehung an der zentralen Achse der Formation orientierte. Sie alle k�nnten der <emphasis>Paladin</emphasis> nur folgen, wenn die Formation aufgel�st w�rde, doch angesichts der Tatsache, dass die Syndiks weiter in Formation flogen, w�rde dies zwangsl�ufig zu einem Desaster f�hren.</p><p><emphasis>�Paladin�,</emphasis> befahl Geary in barschem Ton. �Kehren Sie sofort auf Ihre Position in der Formation zur�ck!� In dem Moment musste er den Kurs seiner eigenen Flotte korrigieren, um sie an eine leichte Neigung auf einer Seite der Syndiks anzugleichen. �Alle Formationen, bei Zeit vier null um null zwei Grad nach rechts fliegen.�</p><p>�Was k�nnen wir tun?�, fragte Rione hinter ihm, diesmal nicht in einem fordernden, sondern in einem besorgten Tonfall.</p><p>Dass sie damit die <emphasis>Renown</emphasis> meinte, war gar keine Frage. �Nichts�, erwiderte er fl�sternd. �Wenn ich diese Formation zerfallen lasse, werden wir trotzdem nicht rechtzeitig die <emphasis>Renown</emphasis> erreichen, um sie zu retten, und wir werden mehr als nur dieses eine Schiff verlieren.�</p><p>�Die <emphasis>Renown</emphasis> meldet, dass der Befehl an alles entbehrliche Personal gegeben wurde, die Rettungskapseln aufzusuchen�, lie� der Gefechtssystem-Wachhabende der <emphasis>Dauntless</emphasis> sie wissen.</p><p>Geary nickte nur, da er nicht wusste, ob er einen Ton herausbekam. Vor hundert Jahren, die ihm wie ein paar Monate vorkamen, hatte er bei Grendel genau den gleichen Befehl gegeben.</p><p>Desjani sah ihn gequ�lt an, sagte aber nichts.</p><p>Die <emphasis>Paladin</emphasis> flog nun deutlich erkennbar auf die <emphasis>Renown</emphasis> zu, w�hrend der Rest der Flotte dem Wendeman�ver folgte, um zum Feind zur�ckzukehren.</p><p><emphasis>�Paladin!�,</emphasis> br�llte Geary, den es nicht k�mmerte, ob er mitten im Gefecht unprofessionell w�tend r�berkam. �Kehren Sie sofort zur Formation zur�ck! Captain Midea wird mit sofortiger Wirkung das Kommando entzogen! XO, �bernehmen Sie das Kommando und bringen Sie die <emphasis>Paladin</emphasis> zur�ck zur Formation!�</p><p>Vermutlich war es bereits zu sp�t. Nein, es war sogar ganz sicher zu sp�t. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Schiffe unterwegs waren, hatte sich die <emphasis>Paladin</emphasis> l�ngst viel zu weit von der Flotte entfernt. Die Syndiks n�herten sich wieder und w�rden unter dem Pulk der Allianz-Flotte hindurchfliegen, dabei aber geradewegs auf die <emphasis>Renown</emphasis> und die <emphasis>Paladin</emphasis> zuhalten.</p><p>Die <emphasis>Renown</emphasis> stie� in mehreren Wellen Rettungskapseln aus und feuerte alle noch verbliebenen Phantome auf die Syndik-Flotte ab. Auch die letzten Kart�tschen folgten noch, die sich beim Aufprall auf die Schilde der Syndik-Schiffe in grelle Blitze verwandelten. Zwei J�ger wurden von den Waffen der <emphasis>Renown</emphasis> durchbohrt, ein Leichter Kreuzer trudelte zur Seite weg, die Schilde eines Schlachtkreuzers flackerten und fielen stellenweise aus, sodass ein paar H�llenspeere der <emphasis>Renown</emphasis> beim gegnerischen Kriegsschiff Treffer landen konnten.</p><p>Doch im Gegenzug ging eine wahre Lawine an Geschossen auf das Allianz-Schiff nieder. Die Schilde versagten, die d�nne Panzerung wurde an hundert Stellen durchbohrt und die Batterien der H�llenspeere verstummten, als der Schlachtkreuzer von jedem weiteren Treffer umhergeschleudert wurde.</p><p>�Keine aktiven Systeme auf der <emphasis>Renown</emphasis> mehr feststellbar�, meldete ein Wachhabender mit leiser, aber bebender Stimme. �Das Notsignal der <emphasis>Renown</emphasis> ist erloschen, die �berlebende Crew verl�sst das Schiff.�</p><p>Geary hatte das am eigenen Leib erfahren. In der Hoffnung, noch eine funktionst�chtige Rettungskapsel zu finden, war er durch die einst so vertrauten Korridore gerannt, die durch die immensen Sch�den pl�tzlich fremd gewirkt hatten, w�hrend die Waffen der Feinde sich weiter in das t�dlich verwundete Schiff fra�en.</p><p>�Der Antrieb ist auf �berhitzung eingestellt worden. Kein Kontakt mehr zur <emphasis>Renown.�</emphasis></p><p>Auf dem Display war zu sehen, wie das Wrack, das noch vor wenigen Minuten ein vollwertiger Schlachtkreuzer gewesen war, langsam zur Seite rollte, um jeden Moment gesprengt zu werden, damit der Feind nichts ausschlachten konnte. Unterdessen mischten sich die Rettungskapseln mit den �berlebenden unter die, die den zerst�rten Syndik-Kriegsschiffen entkommen waren.</p><p>Die <emphasis>Renown</emphasis> war l�ngst nicht mehr zu retten, als die <emphasis>Paladin</emphasis> am Schauplatz eintraf und an dem zerschmetterten Kreuzer vorbeiflog. Das Schlachtschiff jagte H�llenspeer-Salven hinter den Syndik-J�gern her, die die Flucht anzutreten versuchten. Zwei J�ger explodierten sofort, ein dritter folgte nur Augenblicke darauf.</p><p>Und dann befand sich das Allianz-Schlachtschiff allein unter Leichten Kreuzern der Syndiks. Seine leistungsf�higen H�llenspeer-Batterien lie�en die Schilde von zwei gegnerischen Schiffe zusammenbrechen; eines wurde einen Moment darauf komplett zerst�rt, das andere kampfunf�hig geschossen.</p><p>Nur eine Sekunde sp�ter begannen die Schilde der <emphasis>Paladin</emphasis> zu gl�hen, so unabl�ssig wurde sie vom Feind unter Beschuss genommen. Ihre Waffen schlitzten einen Schweren Kreuzer auf, w�hrend sie weiter auf eine Division Schlachtschiffe zuhielt.</p><p>�Captain Midea ist verr�ckt, dennoch stirbt sie ehrenvoll�, kommentierte Desjani.</p><p>�Aber muss sie daf�r ihr Schiff und ihre Crew mit in den Tod nehmen?�, fl�sterte Geary. Es war zu sp�t. Zu sp�t, um Midea das Kommando zu entziehen. Zu sp�t, um herauszufinden, wie man einen gedankenlos handelnden Offizier b�ndigt, in dessen H�nden das Schicksal eines ganzen Raumschiffs liegt.</p><p>�Die Schilde der <emphasis>Paladin</emphasis> versagen�, meldete der Wachhabende.</p><p>Auf seinem eigenen Display konnte Geary das ebenfalls sehen. Die <emphasis>Paladin</emphasis> war mittlerweile weit genug vom Rest der Flotte entfernt, dass das Licht des Kampfs mehrere Sekunden ben�tigte, ehe es die <emphasis>Dauntless</emphasis> erreichte. In diesen Sekunden konnte eine ganze Menge passieren.</p><p>So viel Zeit ben�tigte die <emphasis>Paladin</emphasis> nicht, um geradewegs auf die Schlachtschiffdivision zuzufliegen, die sie sich zum Ziel genommen hatte. Sie erzitterte unter den Treffern, die ihr von allen Seiten zugef�gt wurden, konzentrierte aber ihr eigenes Feuer auf ein einzelnes Schlachtschiff, noch w�hrend die Waffenbatterien unter dem Dauerbeschuss der Syndiks nach und nach ausfielen. Die <emphasis>Paladin</emphasis> und das Syndik-Schlachtschiff flogen aneinander vorbei, woraufhin die <emphasis>Paladin</emphasis> ihr Null-Feld aktivierte, das tief in den Bug des Gegners eindrang und einen riesigen Krater entstehen lie�.</p><p>Das Syndik-Schiff wurde durch diesen schweren Treffer aus der Formation getragen, unterdessen flog die <emphasis>Paladin</emphasis> immer weiter und weiter. Sie feuerte, was ihre Waffen noch hergaben, dabei steckte sie selbst einen Treffer nach dem anderen ein, die die Systeme ausfallen lie�en und St�cke aus der Schiffsh�lle rissen.</p><p>Als Gearys Flotte die Kehrtwendung vollendete und auf Kurs ging, um erneut die Syndiks zu beschie�en, trudelten die �berreste der <emphasis>Paladin</emphasis> hinter der feindlichen Flotte davon. Das einzige Anzeichen daf�r, dass es in dem Tr�mmerhaufen noch Leben gab, waren die wenigen Rettungskapseln, die ausgesto�en wurden.</p><p>�Wir werden sie r�chen�, erkl�rte Geary, als die Allianz-Flotte sich f�r den n�chsten Vorbeiflug bereit machte. Doch diesmal hatte er sich ein wenig verkalkuliert, m�glicherweise weil er durch den Verlust der beiden Schiffe aufgew�hlt war, und so bewegten sich die beiden Flotten nur gerade eben in Reichweite der H�llenspeere aneinander vorbei, was auf keiner Seite zu nennenswerten Sch�den f�hrte.</p><p>�Beim n�chsten Vorbeiflug kn�pfen wir uns die Syndiks richtig vor�, versprach Desjani mit finsterer Miene.</p><p>�Ja.� Geary atmete tief durch, dann gab er die n�chsten Befehle: �Alle Formationen, �ndern Sie den Kurs bei Zeit f�nf sieben um eins eins null Grad nach oben und null eins Grad nach Backbord.� Die Flotte setzte zum Wenden an, und dann n�herten sich beide Streitm�chte wieder auf ineinander verschr�nkten S-Kurven. Der Syndik-Kommandant sollte eigentlich erkennen, dass er auf diese Weise keine gute Feuerposition erlangen w�rde, wenn er nicht endlich von seinem immer gleichen Angriffsmuster abwich. Doch die Syndiks w�rden sich nicht die Gelegenheit nehmen lassen, wieder einen Kontakt herbeizuf�hren, bei dem sie eine Chance witterten, dem Gegner ein paar Treffer zuzuf�gen. So war es schon immer gewesen. Die Syndiks klammerten sich ans K�mpfen, weil sie ihre Tapferkeit und ihre Entschlossenheit demonstrieren wollten. Bei dieser Konfrontation hatten die Syndiks schon jetzt deutlich mehr bluten m�ssen als die Allianz, selbst wenn man die <emphasis>Renown</emphasis> und die <emphasis>Paladin</emphasis> mitrechnete. Wenn sie irgendwann den Entschluss fassten, doch noch zu fliehen, w�rde die Allianz ihre Flotte so zusammengeschossen haben, dass kein gro�es Kriegsschiff mehr entkommen konnte.</p><p>�Sir, Aktivit�t am Hypernet-Portal!�</p><p>Alarmsignale flammten auf Gearys Display auf. Sein Blick zuckte zur Darstellung des Portals, w�hrend der Wachhabende fast atemlos die eingehenden Informationen herunterrasselte. �Syndik-Streitkr�fte verlassen das Portal. Zwanzig J�ger. Aktualisierung: achtundzwanzig J�ger, zw�lf Leichte Kreuzer. Aktualisierung: zweiundvierzig J�ger, sechsundzwanzig Leichte Kreuzer, acht Schwere Kreuzer. Aktualisierung: neunundsechzig J�ger, einunddrei�ig Leichte Kreuzer, neunzehn Schwere Kreuzer.�</p><p>Geary verfolgte, wie die Symbole f�r die feindlichen Schiffe immer zahlreicher wurden, w�hrend er versuchte, sich seine Best�rzung nicht anmerken zu lassen.</p><p>�Das ist eine gro�e Anzahl an Begleitschiffen�, sprach Desjani in einem Tonfall, der in Gearys Ohren bemerkenswert gefasst klang.</p><p>Eine gro�e Anzahl Begleitschiffe, die eine betr�chtliche Anzahl schwerer Schiffe bedeutete.</p><p>Das Display und der Wachhabende best�tigten im n�chsten Moment diese Schlussfolgerungen. �Sechzehn Schlachtkreuzer. Aktualisierung: zwanzig Schlachtkreuzer, zw�lf Schlachtschiffe. Aktualisierung: dreiundzwanzig Schlachtschiffe.�</p><p>Pl�tzlich wurde Geary bewusst, dass er die ganze Zeit �ber den Atem angehalten hatte. Wenigstens flammten nicht immer neue Warnsymbole auf. Er nahm sich ein paar Sekunden Zeit, um sich die endg�ltigen Zahlen der soeben eingetroffenen Syndik-Streitmacht vor Augen zu halten. Dreiundzwanzig Schlachtschiffe, zwanzig Schlachtkreuzer, neunzehn Schwere Kreuzer, einunddrei�ig Leichte Kreuzer, hundertzw�lf J�ger.</p><p>Ihre �berlebenschancen in diesem System hatten sich soeben von �passabel� nach �miserabel� ver�ndert. Die Allianz-Flotte verf�gte noch �ber f�nfundzwanzig Schlachtschiffe und siebzehn Schlachtkreuzer. Im Verlauf der Schlacht hatten sie bislang drei Syndik-Schlachtschiffe und vier Syndik-Schlachtkreuzer vernichten k�nnen. Aber selbst nach diesen Verlusten verf�gte ihr Gegner nun �ber vierundvierzig Schlachtschiffe und vierunddrei�ig Schlachtkreuzer, die meisten davon mit vermutlich ausgeruhten Besatzungen und wahrscheinlich randvoll mit Munition, w�hrend die Allianz-Schiffe fast alle Geschosse und Kart�tschen aufgebraucht hatten. Sie standen einer fast zwanzigfachen �bermacht gegen�ber. Auch wenn der eine oder andere in der Flotte davon �berzeugt sein mochte, so glaubte Geary nicht, dass ein �berlegener Kampfgeist diese Unterlegenheit in Sachen Feuerkraft irgendwie wettmachen konnte.</p></section><section><title><p>Zehn</p></title><p>�Das muss die Hauptflotte der Syndiks sein�, meinte Desjani, die verkrampft in ihrem Sessel sa�. �Ihre Hauptstreitmacht. Die Syndiks in diesem System k�nnen keine solche Verst�rkung angefordert haben. Eine so gro�e Flotte kann nicht so schnell hergeschickt worden sein, also m�ssen diese Schiffe aus einem anderen Grund hergekommen sein.�</p><p>�Da k�nnen wir uns ja gl�cklich sch�tzen�, murmelte Geary. Das Hypernet-Portal war jetzt fast f�nf Lichtstunden entfernt, womit sie etwas beobachteten, was sich bereits vor f�nf Stunden abgespielt hatte. Die Syndik-Streitmacht hatte dagegen die Allianz-Flotte unmittelbar nach ihrer Ankunft sehen k�nnen, sodass sie inzwischen f�nf Stunden lang hatten planen k�nnen, was sie unternehmen w�rden. �Wir m�ssen die Flotte erledigen, mit der wir uns momentan herumschlagen. Dann k�nnen wir��</p><p>�Syndik-Schiffe drehen ab�, rief ein Wachhabender mit nicht zu �berh�render Entt�uschung.</p><p>�Verdammt noch mal!� Es war kein Zweifel m�glich. Anstatt zum n�chsten Vorbeiflug anzusetzen, machte die Syndik-Flotte einen Schlenker und beschleunigte auf �ber 0,1 Licht, um den Abstand zu den Allianz-Schiffen schnell zu vergr��ern. �Sie brechen den Angriff ab.�</p><p>Mit der Ankunft der Flotte aus dem Hypernet-Portal waren offenbar auch neue Befehle �bermittelt worden. Davon war Geary �berzeugt, w�hrend er mit ansah, wie die gegnerischen Schiffe immer schneller davonflogen.</p><p>�Feiglinge�, knurrte Desjani und sch�ttelte dann den Kopf. �Nein. Sie haben den Befehl erhalten zu warten, bis diese gro�e Flotte nahe genug ist, um uns anzugreifen.�</p><p>�Genau.� Er warf einen Blick auf die Geometrie der Allianz-Flotte und der Syndik-Streitmacht, dann widmete er sich dem Zustand der Brennstoffzellen. �Wir verf�gen nicht �ber genug neue Brennstoffzellen, um sie einzuholen, ohne dass ihre Ladung auf einen kritischen Pegel sinkt.�</p><p>�Springen Sie nach Branwyn!�, rief Rione pl�tzlich, als k�nne sie nicht begreifen, dass das noch niemand gesagt hatte. �Fliegen Sie zum Sprungpunkt und springen Sie nach Branwyn! Wir haben den Syndiks mehr Verluste zugef�gt als umkehrt, also hat es nichts Unehrenhaftes, wenn wir jetzt das Schlachtfeld verlassen.�</p><p>Wieder sch�ttelte Desjani den Kopf.</p><p>Geary drehte sich zu Rione um. �Das k�nnen wir nicht. Die Syndiks, die sich momentan zur�ckziehen, werden uns weiterhin beobachten, und sie sind nahe genug, um uns einzuholen, wenn wir den Sprungpunkt anfliegen. Wir m�ssen erheblich abbremsen, damit wir um das Minenfeld herum in den Sprungraum gelangen k�nnen, und den Augenblick werden sie nutzen, um das Feuer auf uns zu er�ffnen.�</p><p>�Wir w�rden dort ein narrensicheres Ziel abgeben�, f�gte Desjani angespannt hinzu.</p><p>�K�nnen wir sie nicht irgendwie austricksen?�, wollte Rione wissen.</p><p>Diesmal war es Geary, der eine verneinende Geste machte. �Die haben keine Hilfsschiffe in ihrer Flotte, die sie zu einem langsameren Tempo zwingen. Und sie k�nnen ihre besch�digten Schiffe einfach vor�bergehend zur�cklassen, wenn sie uns attackieren, weil sie wissen, dass wir ihnen nicht folgen k�nnen, wenn sie sich zur�ckziehen. Selbst ohne die Hilfsschiffe w�ren uns die H�nde gebunden, weil wir unsere besch�digten Schiffe nicht im Stich lassen k�nnen.� Er deutete auf das Display. �Die Syndiks, gegen die wir vorhin gek�mpft haben, werden uns davon abhalten, den Sprungpunkt nach Branwyn zu nutzen. Falls wir es doch versuchen sollten, werden sie uns verdammt wehtun. In der Zwischenzeit wird sich die gro�e neue Flotte auf den Weg zu uns machen, und da wir nicht entkommen k�nnen, wird sie sich mit der kleineren Flotte zusammenschlie�en und gemeinsam gegen uns vorgehen.�</p><p>Desjani nickte und machte eine finstere Miene.</p><p>�Und jetzt warten wir darauf, dass genau das passiert?�, fragte Rione ungl�ubig.</p><p>�Nicht, wenn ich etwas dagegen unternehmen kann.� Er lehnte sich zur�ck und versuchte nachzudenken. Eines war offensichtlich: Er musste seine Flotte auf einen neuen Kurs schicken. �Alle Schiffe, bei Zeit vier drei �ndern Sie den Kurs um zwei null Grad nach oben und eins null Grad nach Steuerbord.�</p><p>Und nun? Der Feind war ihm zahlenm��ig um ein Vielfaches �berlegen, und das verbesserte seine Situation nun wirklich nicht. Wenn es ihm gelang, etwas absolut Geniales zu vollbringen, dann k�nnte er als Sieger dieses System verlassen. Aber es gab keine M�glichkeit, irgendetwas ann�hernd Geniales zu leisten, ohne dabei den gr��ten Teil der eigenen Flotte zu verlieren. Die Allianz-Schiffe, die so etwas �berleben w�rden, h�tten keinerlei Chance auf eine Heimkehr, und damit w�ren sie genauso verloren. Ein Sieg lie� sich hier nur erringen, wenn er seine Flotte opferte, und das w�rde nur zu einer erneuten Pattsituation in diesem Krieg f�hren. Syndiks und Allianz w�ren f�r eine Weile gezwungen, die Kampfhandlungen zu unterbrechen, damit beide Seiten ihre Flotten wieder aufr�sten k�nnten, und dann w�rde der Krieg wie gehabt bis in alle Ewigkeit weitergehen. Aber vielleicht w�rden ja auch die Regierungen beider Seiten zusammenbrechen, was einer Anarchie T�r und Tor �ffnete.</p><p>Selbst wenn es mir gelingen sollte, gegen eine solch gewaltige �bermacht einen Sieg zu erringen, k�nnten auch meine gr��ten Anstrengungen das Unvermeidliche nur f�r eine Weile hinausz�gern. Letztlich w�rden die Syndiks doch diese Flotte vernichten und dabei gen�gend Schlagkraft bewahren, um gegen die geschw�chten Streitm�chte vorzugehen, die das Territorium der Allianz verteidigen sollen.</p><p>Desjani biss sich auf die Unterlippe, ihre Miene hatte einen entschlossenen Ausdruck. Sie w�rde tun, was Geary befahl, da sie davon �berzeugt war, dass seine Entscheidung zum Sieg f�hren musste. Er schaute sich auf der Br�cke um und konnte bei den Wachhabenden in unterschiedlichen Variationen die gleiche Angst beobachten, die sich mit einem Mut paarte, der es diesen Offizieren und Matrosen erlauben w�rde, aller Furcht zum Trotz ins Gefecht zu ziehen. Diese Matrosen w�ren bereit, auf der Stelle ihr Leben zu opfern, wenn Geary es befahl. Es bestand kein Zweifel daran, dass sie alle ihr �u�erstes geben w�rden, um einen Sieg zu erringen, auch wenn die Chancen noch so schlecht standen.</p><p>Aber er hatte bereits erleben m�ssen, wohin eine solche Einstellung f�hren konnte. Die Crew der <emphasis>Paladin</emphasis> war von der gleichen Bereitschaft erf�llt gewesen, zu k�mpfen und zu sterben, und am Ende hatte f�r sie alle der Tod gestanden. Er konnte von diesen Matrosen nicht verlangen, ihr Leben zu geben, nur weil sie bereit waren, jeden seiner Befehle auszuf�hren. Es musste schon eine begr�ndete Hoffnung bestehen, dass durch ein solches Opfer auch etwas erreicht wurde.</p><p>Also gut. Welche M�glichkeiten standen zur Wahl? Die Vernichtung dieser Syndik-Formation, bevor die zuletzt eingetroffene Flotte sie erreichte, und anschlie�end die Flucht nach Branwyn? Nein, das konnte nur funktionieren, wenn der Kommandant der Syndik-Streitmacht ein v�lliger Idiot war, doch genau das schien er nicht zu sein. Au�erdem war ihnen offensichtlich der Befehl erteilt worden, sich von der Allianz-Flotte fernzuhalten, solange die nicht versuchte, das System zu verlassen.</p><p>Sollte er sich die zuletzt eingetroffene Streitmacht vornehmen und darauf hoffen, dass geschicktes Taktieren die feindliche �berlegenheit schon wettmachen w�rde? Das war ein sehr d�rrer Strohhalm, an den er sich da klammern m�sste, zumal die Bravo-Formation ihnen sofort folgen w�rde, sollten sie einen solchen Angriff unternehmen. Und wie er bereits zu Rione gesagt hatte, war diese Formation m�helos in der Lage, sie zu �berholen, sodass sie letztlich doch wieder der versammelten Flotte gegen�berst�nden. Dieser geballten Macht w�rde es ohne Probleme gelingen, seine Hilfsschiffe zu vernichten, selbst wenn es Geary irgendwie gelingen sollte, den Rest seiner Flotte �berleben zu lassen.</p><p>Sollte er die Flucht ergreifen? Und wenn ja, wohin? Abgesehen von der Tatsache, dass viele seiner Captains selbst unter den gegenw�rtigen Umst�nden murren w�rden, wenn er den R�ckzug befahl, stand er immer noch vor dem Problem, dass er nicht schneller beschleunigen konnte als die Syndik-Schiffe. Au�erdem f�hrte der Sprungpunkt nach T'negu seine Flotte in ein Gewirr aus Minen, w�hrend ihm der Feind sofort im Nacken sitzen w�rde. Einfach in den leeren Raum zu steuern, mochte die Syndiks von einer Verfolgung abhalten, doch das war nichts weiter als ein Selbstmord auf Raten, da die Schiffe innerhalb k�rzester Zeit fernab irgendeines Sterns mit leeren Brennstoffzellen festsitzen w�rden.</p><p>Ihm stand immer noch der Sprung zur�ck nach Ixion offen, aber die Syndik-Streitmacht, die von dort kommend unterwegs war, konnte jeden Moment auftauchen und�</p><p>Okay, das ist eine M�glichkeit. Vielleicht nicht gerade der Weg, den Black Jack gehen w�rde, aber ich bin auch nicht Black Jack.</p><p>Jetzt brauchte er nur noch einen Plan, wie er sich dem einzigen sicheren Fluchtweg aus diesem Sternensystem n�hern konnte, ohne es f�r alle Beteiligten offensichtlich zu machen, was er beabsichtigte. Dank der zu erwartenden Ankunft einer weiteren feindlichen Streitmacht er�ffnete sich ihm ein Weg, wie er seine Flotte in die N�he des Sprungpunkts bringen und dabei sowohl dem Feind als auch seinen eigenen Leuten seine wahren Absichten solange wie m�glich verheimlichen konnte.</p><p>�Wir m�ssen Zeit gewinnen, und wir m�ssen uns eine Streitmacht nach der anderen vornehmen�, erkl�rte er, wobei ihm bewusst wurde, wie ruhig es pl�tzlich auf der Br�cke geworden war, da alle darauf warteten, was er ihnen zu sagen hatte. �Das k�nnen wir nur erreichen, indem wir die Bravo-Flotte dazu verleiten, uns zu verfolgen. Es gibt einen Weg, wie wir das schaffen und dabei auch noch die n�chste Syndik-Streitmacht geb�hrend empfangen k�nnen, die in K�rze dieses System erreichen wird.� Er deutete auf das Display. �Wir kehren zur�ck� zum Sprungpunkt nach Ixion. Es ist jeden Moment damit zu rechnen, dass die Syndik-Flotte hier eintrifft, die uns bei Ixion zum Sprungpunkt in dieses System gefolgt ist. Wenn wir nahe genug am Sprungpunkt sind, k�nnen wir sie �berw�ltigen, sobald sie hier auftaucht.� Diese Streitmacht hatte nur aus vier Schlachtschiffen und vier Schlachtkreuzern bestanden. �Die Flotte, mit der wir uns eben noch ein Gefecht geliefert haben, wird den Schiffen zu Hilfe eilen m�ssen, und dann bekommen wir die Gelegenheit, sie wieder unter Beschuss zu nehmen.�</p><p>�Die gr��te Syndik-Flotte ist damit aber immer noch ein Problem�, wandte Rione ein.</p><p>�Das ist richtig. Wir werden abwarten, wie diese Flotte reagiert, und dann entscheiden, was wir tun k�nnen.� <emphasis>Bel�g sie nicht. Schaff dir eine Grundlage, um aus diesem Sternensystem fliehen zu k�nnen.</emphasis> �Wir k�nnen uns nicht mit allen Formationen gleichzeitig auseinandersetzen. Wir m�ssen sie uns einzeln vornehmen.�</p><p>Captain Desjani studierte die Anzeige auf dem Display und l�chelte zufrieden. �Wir ziehen uns nicht zur�ck.�</p><p>�Nein, Captain�, beteuerte Geary so �berzeugend, wie er es nur vort�uschen konnte. �Wir �ndern die Ausrichtung unseres Angriffs.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Er wiederholte diesen Satz zehn Minuten sp�ter vor einer hastig einberufenen Konferenz, w�hrend die Schiffe der Allianz-Flotte bereits Kurs auf den Sprungpunkt nach Ixion nahmen. �Wir �ndern die Ausrichtung unseres Angriffs.�</p><p>Ausgiebiges Schweigen folgte, zum Teil weil seine befehlshabenden Offiziere diese Neuigkeit erst einmal verarbeiten mussten, zum Teil weil das Licht erst einmal die Information zwischen den unterschiedlich weit entfernten Schiffen der Flotte hin und her transportieren musste. �Wir <emphasis>wissen</emphasis> nicht, ob die andere Syndik-Streitmacht durch diesen Sprungpunkt kommen wird�, hielt Captain Cresida dagegen. So loyal sie auch zu ihm stand, wollte sie doch gegen die Syndiks k�mpfen.</p><p>�Erstens hoffe ich darauf, und zweitens glaube ich, wir haben guten Grund zu der Annahme, dass diese Flotte hier eintreffen wird.� Zumindest ein plausibler Grund, der dieses Man�ver rechtfertigte. �Wir m�ssen die Syndik-Flotte Bravo dazu zwingen, von sich aus wieder den Kampf mit uns zu suchen, weil wir sie mit Blick auf den Zustand unserer Brennstoffzellen nicht verfolgen und stellen k�nnen.� Mehrere Offiziere wandten sich den Kommandanten der Hilfsschiffe zu und warfen ihnen finstere Blicke zu, als ob einer von ihnen daran die Schuld trug. �Wenn wir die von Ixion kommende Streitmacht in ein Gefecht zwingen, werden wir sie schnell dezimieren k�nnen, und gleich danach k�nnen wir uns der Bravo-Flotte zuwenden, die herbeigeeilt kommt, um ihren Kameraden zu helfen.� Er zwang sich zu einem selbstsicheren L�cheln.</p><p>Tulev nickte noch gleichg�ltiger als �blich. �Wir m�ssen diese Syndik-Flotten eine nach der anderen besiegen. Wenn sie Gelegenheit bekommen, sich zusammenzuschlie�en oder ihre Angriffe zu koordinieren, dann geraten wir in eine sehr schwierige Situation.�</p><p>�Das ist jetzt nicht der Zeitpunkt f�r Zur�ckhaltung�, wandte Captain Casia ein. �Wenn wir kehrtmachen und die Flotte jagen, gegen die wir zuletzt gek�mpft haben, k�nnen wir sie erledigen und uns anschlie�end den Rest vornehmen.�</p><p>�Bei dieser Jagd werden wir den letzten Rest unserer Brennstoffzellen aufbrauchen, und anschlie�end treiben wir im All und k�nnen uns von den Syndiks abschie�en lassen�, konterte Duellos w�tend. �So etwas nennt man Physik. Rechnen Sie die Zahlen doch mal selbst durch. Sie haben gerade ein Schlachtschiff verloren, weil Ihre Offizierin geglaubt hat, man k�nne tapfer mit intelligent gleichsetzen. Haben Sie aus dem Verlust der <emphasis>Paladin</emphasis> denn gar nichts gelernt?�</p><p>�Diese Flotte k�mpft!�, beharrte ein anderer Offizier. �Wir laufen nicht vor dem Feind davon!�</p><p>�Eine taktische Neuordnung hat nichts mit Davonlaufen zu tun!�, erkl�rte Commander Gaes energisch. �Wir sind in Lakota, und wir haben ein Syndik-System angegriffen. Wie k�nnen Sie da behaupten, wir w�rden davonlaufen?�</p><p>�Wir sollten diesen Angriff noch einmal �berdenken�, meldete sich pl�tzlich Commander Yin zu Wort.</p><p>Geary warf Yin einen fragenden Blick zu, da es ihn �berraschte, dass sie auf einmal wieder etwas zur Konferenz beitrug, nachdem sie die letzten Male lieber geschwiegen hatte. Allerdings war da die Fraktion der Geary-Gegner auch von Captain Midea angef�hrt worden, die sich immer weiter in diese Rolle hineingesteigert hatte. W�re ihm doch blo� deutlich geworden, worauf ihr Verhalten hinauslaufen sollte, dann h�tte er sicher einen Grund gefunden, Midea vor der letzten Schlacht das Kommando zu entziehen. Aber er h�tte das nicht tun k�nnen, wenn es als Versuch angesehen worden w�re, jemanden zum Schweigen zu bringen, der Dinge sagte, die Geary nicht h�ren wollte. Jetzt wandte er sich mit ruhiger, fester Stimme an Yin: �Erkl�ren Sie das bitte.�</p><p>Yin sah sich nerv�s um. �Es ist doch offensichtlich, dass die Flotte durch einige Schiffe am Weiterkommen gehindert wird. Manche Schiffe k�nnen nicht so schnell fliegen wie der Rest.� Das stimmte grunds�tzlich, dennoch wartete Geary ab, da ihm Commander Yin noch viel zu angespannt vorkam. �Einige Schiffe sind durch die Bauart bedingt langsamer, andere sind aufgrund der erlittenen Sch�den vor�bergehend nicht so schnell, beispielsweise auch meine <emphasis>Orion.�</emphasis></p><p>Zahlreiche Offiziere musterten Yin argw�hnisch, da sie sich fragten, worauf das hinauslaufen sollte. Sie musste schlucken, redete dann aber hastig weiter: �Es ist doch offensichtlich. Wir m�ssen die langsameren Schiffe an einem sicheren Ort unterbringen, damit der Rest der Flotte ungehindert k�mpfen kann.�</p><p>�Ein sicherer Ort?�, fragte Duellos.</p><p>�Ixion. Wir sind ohnehin in diese Richtung unterwegs. Fliegen Sie dicht an den Sprungpunkt heran, lassen Sie eine Formation mit den Hilfsschiffen und den besch�digten Schiffen nach Ixion zur�ckkehren, dann kann die Flotte leichter man�vrieren und besser k�mpfen.� Yin atmete auffallend schnell, ihr Blick war auf ihre H�nde gerichtet, die sie immer wieder ballte.</p><p>Es w�re kein so unsinniger Vorschlag gewesen, wenn irgendjemand Commander Yin h�tte trauen k�nnen. Ihr Verhalten lie� erkennen, dass sie besorgt war, wie die anderen Offiziere auf ihre Ausf�hrungen reagierten. Nach langem, feindseligem Schweigen meldete sich Duellos wieder zu Wort und sprach in einem tr�gerisch unbeschwerten Tonfall: �Wirklich interessant. Das h�rte sich doch tats�chlich so an, als w�rde Captain Numos reden. Es war zwar Commander Yins Stimme, aber der Vorschlag an sich und die Wortwahl, das klang genau wie Captain Numos. Eigenartig, nicht wahr?�</p><p>Yin wurde rot im Gesicht. �Captain Numos ist ein erfahrener Offizier, der viele Schlachten gef�hrt hat.�</p><p>�Die er �berlebt hat, weil er immer davongelaufen ist�, fauchte Captain Cresida. �Genau das hatte er im Syndik-Heimatsystem auch machen wollen! Jeder sollte f�r sich selbst k�mpfen!�</p><p>Von beiden Seiten regte sich heftiger Widerspruch, die einen beschimpften Yin, die anderen Cresida. Geary �berflog seine Kontrollen und dr�ckte auf die Taste, die alle Anwesenden sofort verstummen lie�. Diese Stumm-Taste war so ziemlich das Einzige, was ihm an seinem Posten als Flottenbefehlshaber richtig gut gefiel. �Sie h�ren jetzt alle zu! Diese Diskussion f�hrt zu nichts. Unsere Feinde sind die Syndiks. Captain Cresida, es trifft zu, dass Captain Numos zur Last gelegt wird, seine Pflichten im Angesicht des Feindes vers�umt zu haben. Aber ein Urteil ist noch nicht gef�llt worden.�</p><p>M�rrisch nickte Cresida. �Ich entschuldige mich f�r meinen Kommentar, Sir.�</p><p>�Danke. Und nun zu Ihnen, Commander Yin. Captain Numos ist nur so viel Kontakt mit anderen gestattet, wie die humane Behandlung eines Gefangenen erfordert. Es ist ihm nicht erlaubt, Ratschl�ge zu erteilen, wie Sie Ihr Schiff f�hren oder wie ich diese Flotte befehligen soll. Haben Sie sich mit ihm in dieser Angelegenheit beraten?�</p><p>Yin wich beharrlich seinem Blick aus. �Nein, nein, Sir.�</p><p>Wenn er nur ein Argument w�sste, wie er Commander Yin in den Verh�rraum der Geheimdienstabteilung an Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> bringen konnte, um die dortigen Sensoren den Wahrheitsgehalt ihrer Antworten �berpr�fen zu lassen. Aber Geary war sich auch so l�ngst sicher, dass Yin ihn anlog. Duellos hatte v�llig recht: Die Wortwahl und der Vorschlag klangen sehr nach Captain Numos. Nur h�tte der das Ganze mit einem �berheblichen L�cheln vorgetragen, nicht so nerv�s und �ngstlich wie Commander Yin. Allerdings besa� Numos wohl auch viel mehr Erfahrung darin, L�gen zu erz�hlen, um sich selbst zu sch�tzen.</p><p>F�r Geary war dies Beweis genug, dass Numos weiterhin gegen ihn arbeitete, obwohl ihm das Kommando �ber die <emphasis>Orion</emphasis> entzogen worden war.</p><p>Mit professionell distanziertem Tonfall erkl�rte Duellos: �Ich spreche mich gegen Commander Yins Vorschlag aus. Woher wissen wir, dass wir in der Lage sein werden, wieder mit den besch�digten Schiffen und den Hilfsschiffen zusammenzukommen? Diese Gruppe w�re mit den Hilfsschiffen gut versorgt und sogar in der Lage, mit deren vorhandenen Vorr�ten bis ins Allianz-Gebiet vorzudringen; wobei ich betonen m�chte, dass es sich dabei um rein theoretische �berlegungen handelt. Schlie�lich wei� ich, dass <emphasis>Commander Yin</emphasis> niemals auf die Idee k�me, den Rest der Flotte im Stich zu lassen. Aber man muss nat�rlich auch bedenken, dass unser Teil der Flotte hier auf Leben und Tod k�mpfen w�rde, w�hrend wahrscheinlich nicht allzu viele Syndik-Schiffe losgeschickt werden k�nnten, um diese eine Formation nach Ixion zu verfolgen. Aber wie ich bereits sagte, ist das eine rein theoretische Erw�gung, die ich keinem Offizier dieser Flotte unterstellen w�rde.�</p><p>Eine leichenblasse Yin sah Duellos starr an. Die Art, wie er ihren Namen betont hatte, lie� keinen Zweifel daran, welchem anderen Offizier er ein solches Verhalten zutraute. Numos befand sich an Bord der <emphasis>Orion</emphasis> in einer Arrestzelle, doch wie lange w�rde er dort wohl bleiben, wenn die <emphasis>Orion</emphasis> sich erst einmal vom Rest der Flotte gel�st hatte?</p><p>Auch wenn er von Cresida eine Entschuldigung gefordert hatte, wusste Geary verdammt gut, dass Numos sofort die Flucht antreten w�rde, sobald er das Kommando �ber diesen Teil der Flotte und die Hilfsschiffe an sich gerissen hatte.</p><p>Niemand sprach ein Wort. Rione sah Geary ungeduldig an und nickte ihm zu, als wolle sie ihn daran erinnern, dass hier eine Flottenkonferenz im Gange war.</p><p>Geary betrachtete die Mienen der Anwesenden und stellte erleichtert fest, dass Commander Yins Vorschlag offenbar nur auf wenig Gegenliebe stie�. �Danke, Commander�, sagte er schlie�lich. �Ich halte es nicht f�r ratsam, Ihren Vorschlag in die Tat umzusetzen. Diese Flotte bleibt zusammen und kehrt auch zusammen ins Allianz-Territorium zur�ck.� Sofort war den anderen anzusehen, dass er das Richtige gesagt hatte. �Ich wei�, das Opfer der <emphasis>Renown</emphasis> und der <emphasis>Paladin</emphasis> hat auf Sie alle inspirierend gewirkt. Zerst�ren wir im Namen dieser beiden tapferen Schiffe m�glichst viele gegnerische Schiffe.� Er kam sich wie ein Heuchler vor, dass er die <emphasis>Paladin</emphasis> so lobte, doch ihre Crew war tapfer in den Tod geflogen, und ihr sollte eine angemessene Wertsch�tzung nicht verwehrt bleiben, nur weil ihr Captain versagt hatte. �Aber wir sollten auch aus dem Beispiel der <emphasis>Paladin</emphasis> lernen. Wenn wir zusammenhalten, k�nnen wir die Syndiks vernichten. Wenn jeder von uns auf eigene Faust handelt, dann werden wir ihnen unterliegen.�</p><p>Niemand schien ihm widersprechen zu wollen, zu frisch war noch das Bild der sterbenden <emphasis>Paladin</emphasis> vor dem geistigen Auge eines jeden Anwesenden. Allerdings betrachtete Captain Armus vom Schlachtschiff <emphasis>Colossus</emphasis> nachdenklich das Display. �Captain Geary, diese neue Syndik-Streitmacht, die uns zahlenm��ig �berlegen ist, kann uns abfangen, bevor wir den Sprungpunkt nach Ixion erreicht haben.�</p><p>�Das ist richtig, vorausgesetzt, wir behalten Kurs und Geschwindigkeit bei. Wir werden versuchen, jeden derartigen Versuch ins Leere laufen zu lassen.� Er zeigte auf das Display. �Sie sind momentan f�nf Lichtstunden von uns entfernt, also werden sie auch erst in f�nf Stunden sehen, dass wir Kurs auf den Sprungpunkt genommen haben. Auf dem Weg dorthin werden wir immer wieder kleine Korrekturen vornehmen, die ausreichen sollten, um die Syndiks zu verwirren, wenn sie erst Stunden sp�ter darauf reagieren k�nnen.�</p><p>Armus nickte unschl�ssig. �Und was machen wir, wenn die gro�e neue Flotte uns doch abf�ngt? Vor allem dann, wenn die Bravo-Flotte bis dahin keine weiteren Verluste erlitten hat und sich ebenfalls in einer Position befindet, um uns anzugreifen?�</p><p>Alle sahen Geary an und warteten auf seine Antwort f�r den Fall, dass tats�chlich die schlimmste anzunehmende Situation eintrat. Eine pr�zise Erwiderung konnte er nicht liefern. Er wusste weder welche Position die Syndik-Schiffe dann eingenommen haben w�rden, noch mit welcher Formation er zu rechnen hatte, oder welche hundert anderen gro�en und kleinen Faktoren zu ber�cksichtigen sein mochten, die seine Entscheidung beeinflussen konnten. Aber ihm wurde klar, dass es doch eines gab, was er dazu sagen konnte. �Was wir dann machen? Dann werden wir k�mpfen wie der Teufel in Person, Captain, damit es ihnen leidtut, dass sie uns herausgefordert haben.�</p><p>Niemand sonst sagte etwas, also nickte Geary h�flich in die Runde. �Das w�re alles. Captain Casia, Captain Duellos, Sie bleiben bitte noch hier.� Die Bilder der anderen Offiziere l�sten sich z�gig auf, bis nur noch Casia und Duellos �brig waren, die sich gegenseitig feindselig anschauten. Desjani war ebenfalls noch da, zog sich aber aus dem Erfassungsbereich der Konferenzsoftware zur�ck, damit Geary ungest�rt mit den beiden Offizieren reden konnte. Rione sa� nur weiter da und sah zu. �Captain Casia�, begann Geary f�rmlich, �mein Beileid zum Verlust der <emphasis>Paladin</emphasis> aus Ihrer Division.� Casia erweckte den Eindruck, als wollte er Geary vorwerfen, den Einsatz der <emphasis>Paladin</emphasis> nicht begriffen zu haben. Dann jedoch nickte er nur. �Das w�re alles.�</p><p>Nachdem Casia verschwunden war, seufzte Duellos. �Vermutlich �berlegt er noch, ob der Verlust der <emphasis>Paladin</emphasis> es wert war, dass er sich jetzt nicht mehr mit Midea herumschlagen muss.�</p><p>�Ja, vermutlich. Mein Beileid zum Verlust der <emphasis>Renown.�</emphasis></p><p>�Danke.� Der Captain sch�ttelte den Kopf. �Oft ist es nur eine Frage von Gl�ck oder Pech. Ich mochte die <emphasis>Renown,</emphasis> ich mochte den befehlshabenden Offizier und ebenso die Crew. Es wird lange dauern, bis ich mich daran gew�hnt haben werde, dass sie nicht mehr Teil meiner Formation ist.� Wieder seufzte er. �Aber der gr��te Teil der Crew konnte sich wenigstens retten, und das ist ja auch schon was.� Duellos salutierte. �Hoffen wir, es wird nicht noch schlimmer.�</p><p>�Daf�r bete ich.� Geary erwiderte den Salut und Duellos verschwand.</p><p>Desjani kehrte an den Tisch zur�ck und warf Rione einen leicht reum�tigen Blick zu, w�hrend die andere Frau sitzenblieb und sie beobachtete. �Sir, ich wollte sagen� Ich habe verstehen k�nnen, wie schwer es f�r Sie gewesen sein muss, die <emphasis>Renown</emphasis> zu beobachten� nach Grendel.�</p><p>Geary nickte. Nat�rlich hatte sie es verstehen k�nnen. �Ja, das hat einige unsch�ne Erinnerungen geweckt.� Er hielt inne und dachte zur�ck an diese Schlacht, die f�r ihn nur ein paar Monate zur�cklag, w�hrend sie f�r Desjani, Rione und f�r jeden anderen in der Flotte hundert Jahre in der Vergangenheit lag. �Ich musste den gleichen Befehl geben, alles entbehrliche Personal solle sich zu den Rettungskapseln begeben. Das ist ein brutaler Befehl. Meine XO wollte nicht gehen. Sie sagte, sie sei unentbehrlich.�</p><p>Er konnte sie so klar und deutlich vor sich sehen. Lieutenant Commander Decala. Eine gute Offizierin, die ihren Posten nicht verlassen wollte. �Ich sagte ihr, sie solle gehen. Ich gab ihr den direkten Befehl, doch sie wollte nicht auf mich h�ren.� Er atmete tief durch und f�hlte mit einem Mal wieder all das, was damals auf ihn eingest�rmt war. �Ich sagte ihr, sie w�rde gebraucht. Ich sagte, dass die Allianz gute Offiziere braucht, um sich gegen die Syndiks zur Wehr zu setzen und Vergeltung zu �ben f�r diesen �berraschungsangriff. Ich machte ihr klar, dass ihre Ehre von ihr verlangte, das Schiff zu verlassen. Dann endlich ging sie.�</p><p>Desjani nickte betr�bt. �Wissen Sie, was aus ihr geworden ist?�</p><p>�Ja. Vor einem Monat konnte ich mich endlich dazu durchringen, die offiziellen Aufzeichnungen der Gefallenen durchzusehen.� Schon eigenartig, welche �berwindung es ihn gekostet hatte, ihren Namen einzutippen und herauszufinden, was aus Lieutenant Commander Decala und all den anderen Besatzungsmitgliedern geworden war. �Sie starb f�nf Jahre nach Grendel, als ihr Schiff beim Angriff auf ein Syndik-Sternensystem zerst�rt wurde.� Vor f�nfundneunzig Jahren, als Geary im K�lteschlaf gelegen hatte.</p><p>Desjani lie� den Kopf sinken. �Mein Beileid, Sir. Seit damals ruht sie sicher in Ehren im Kreise ihrer Vorfahren.�</p><p>�Das sage ich mir auch.� Er riss sich zusammen. �Danke, dass Sie gefragt haben, Tanya. Das geh�rte mit zu den Dingen, denen ich mich fr�her oder sp�ter werde stellen m�ssen.�</p><p>Sie nickte, salutierte und verlie� den Raum.</p><p>Schlie�lich stand Rione auf und kam zu ihm. Sie wirkte ungewohnt niedergeschlagen. �Es gibt Dinge, die werde ich nie in dem Ma� verstehen, das eigentlich erforderlich ist.�</p><p>�Es gibt Erinnerungen, die sollte kein Mensch haben�, erwiderte Geary. �Aber so ist nun mal der Krieg.�</p><p>Einen Moment lang schloss sie die Augen. �Ich habe jetzt ein paar mehr von diesen Erinnerungen, darum wei� ich genau, was du meinst. Sag mir die Wahrheit, John Geary. Glaubst du, unsere Flotte schafft es noch, dieses System zu verlassen?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Bei meiner Ehre, Victoria, ich wei� es einfach nicht. Ich wei� nur, wir m�ssen es versuchen.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Ungef�hr sieben Tage hatte es gedauert, von dem Sprungpunkt, der von Ixion ins System f�hrte, zum Sprungpunkt nach Branwyn zu gelangen. Nun waren sie auf dem R�ckweg und flogen wieder einen Bogen durch das Lakota-System. Geary hatte die Flotte zun�chst eine Stunde lang in Richtung Sprungpunkt nach Seruta fliegen lassen, um die gr��te Syndik-Flotte dorthin zu locken. Dann befahl er eine Kurs�nderung, um seine Schiffe in die N�he des Sprungpunkts nach Ixion zu bringen.</p><p>Wie bef�rchtet hatte die Syndik-Formation Bravo mit gut zwanzig Lichtminuten Abstand begonnen, der Allianz-Flotte zu folgen. Damit waren die Syndiks nahe genug, um alles zu beobachten und notfalls einen Satz nach vorn zu machen. Gleichzeitig blieben sie so weit entfernt, dass sie sofort den R�ckzug antreten konnten, sollte Geary auf die Idee kommen, eine Attacke zu befehlen.</p><p>Das einzig Gute an der momentanen Situation war, dass seine Flotte wieder ein wenig an Kampfst�rke zulegen konnte, da die Reparaturen an der <emphasis>Warrior,</emphasis> der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> so weit abgeschlossen waren, dass sie als Begleitung f�r die unersetzlichen Hilfsschiffe zum Einsatz kommen konnten. Deren Schicksal in die H�nde von Schiffen zu legen, die sich in der Schlacht nicht bew�hrt hatten, bedeutete zwar einen immensen Vertrauensvorschuss, aber die Moral der Crews musste genauso wiederaufgebaut werden wie die Kampfkraft ihrer Schiffe.</p><p>Am Ende des ersten Tages wurde deutlich, dass die Syndik-Flotte Delta, die durch das Hypernet-Portal gekommen war, mit der Verfolgung der Allianz-Flotte begonnen hatte, und das mit Nachdruck. �0,15 Licht�, las Desjani ab. �Sie n�hern sich 0,2 Licht.�</p><p>Normalerweise hatte eine so schlechte Nachricht auch ihre gute Seite. Bei dieser Geschwindigkeit erzeugten die relativistischen Verzerrungen kleine Wahrnehmungsfehler der Umgebung der Schiffssensoren. Auf die gro�e Entfernung hochgerechnet, die die Syndik-Flotte Delta zur�cklegen musste, konnten selbst winzige Fehler zu gro�en Ungenauigkeiten f�hren. Doch in diesem Fall befand sich die Bravo-Flotte unmittelbar hinter den Allianz-Schiffen, und wenn die ihre Geschwindigkeit auf 0,1 Licht anpasste, war die Delta-Flotte in der Lage, akkurate Daten zu empfangen.</p><p>�Sie werden uns definitiv eingeholt haben, bevor wir den Sprungpunkt nach Ixion erreichen�, fuhr Desjani fort. �Es ist eine weite Strecke, aber sie sind sehr schnell, und diese Bravo-Flotte wird sie mit gen�gend Vorlauf wissen lassen, wenn wir irgendwelche Tricks versuchen.�</p><p>�Sie werden uns ein paar Stunden vor dem Sprungpunkt abfangen�, merkte Geary an, sprach aber nicht aus, was sie beide wussten: dass dies ein paar sehr lange Stunden werden konnten.</p><p>�Und das gilt nur, solange alle stur dem gleichen Kurs folgen. Wenn die Syndiks aus dem Sprungpunkt von Ixion auftauchen und uns in ein Gefecht verwickeln, dann sind alle Berechnungen hinf�llig.� Sie lehnte sich zur�ck und schloss einen Moment lang die Augen. �Sir, vielleicht ist es nicht ratsam, die Delta-Flotte anzugreifen, auch wenn es derzeit gar nicht danach aussieht, als w�rde sich die Gelegenheit dazu �berhaupt ergeben.�</p><p>Das war ja mal etwas ganz Neues, dass ausgerechnet Desjani zur Vorsicht riet. �Meinen Sie?�, fragte er und gr�belte �ber ihre Beweggr�nde nach.</p><p>�Wir befinden uns nicht in der besten Position, um uns eine Schlacht mit einer so gro�en Streitmacht zu liefern�, erkl�rte sie. �Ich kann mir denken, dass Ihnen das l�ngst klar ist, aber ich habe etwas l�nger gebraucht, um es zu erkennen. Wenn wir die von der Bravo-Flotte ausgehende Bedrohung ausr�umen k�nnten, bevor die Delta-Flotte uns abf�ngt, dann w�rde das einen gro�en Unterschied ausmachen. Aber sofern nicht die Flotte von Ixion genau im richtigen Moment eintrifft, sieht es f�r mich nicht danach aus.�</p><p>�Der gleiche Gedanke kam mir auch.�</p><p>�Ich wusste es.� Sie nickte entschieden, schlug die Augen auf und sah ihn an. �Wir m�ssen zu unseren Bedingungen gegen die Syndiks k�mpfen. Das haben Sie mehr als einmal gesagt. Als ich die <emphasis>Paladin</emphasis> sterben sah� Nun, auf einmal sah ich, wie ganze Flotten von Allianz-Kriegsschiffen �ber Jahrzehnte hinweg genau das Gleiche taten und damit sich und ihre Besatzungen den Syndiks zum Fra� vorgeworfen haben. Sicher, es ist ehrenhaft und mutig, aber erreicht haben wir damit nicht viel, nicht wahr?�</p><p>�Nein.� Geary verzog den Mund. �Manchmal zeugt es von mehr Mut, wenn man einem Kampf aus dem Weg geht.�</p><p>�Weil andere einem vorwerfen werden, dass man Angst hat?� Desjanis Miene war wie versteinert. �Mir hat man in der letzten Zeit Schlimmeres als das vorgeworfen. Wir werden nach Ixion springen, sobald wir k�nnen, richtig, Sir?�</p><p>�Ja. Wenn das gelingt, ohne dass wir uns einen Kampf mit der Delta-Flotte liefern m�ssen, dann werden wir das machen.�</p><p>�Gut.� Nachdem sie Geary dadurch geschockt hatte, dass sie sich f�r Vorsicht im Gefecht aussprach, grinste Desjani ihn nun breit an. �Wir werden mehr von ihnen t�ten, wenn wir mit ihnen k�mpfen wann und wo wir es wollen.�</p><p>Das war eine Aussage, wie sie wahrer und schlichter nicht h�tte ausfallen k�nnen. �Richtig.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>�Was ist mit Seruta?�, wollte Rione wissen, w�hrend sie das Display in Gearys Kabine betrachtete. �Wenn wir in diese Richtung ausweichen��</p><p>Geary sch�ttelte den Kopf, woraufhin sie schwieg. �Das gr��te Problem besteht darin, dass der Sprungpunkt nach Seruta n�her zur Syndik-Flotte Delta liegt. Sie w�rden uns fr�her abfangen, und wir m�ssten l�nger gegen sie k�mpfen, ehe wir den Sprungpunkt erreicht haben.� Er betrachtete den Stern. �Die etwas kleineren Probleme k�nnen auch nicht au�er Acht gelassen werden. Wir wissen nicht, was die Syndiks bei Seruta haben. Unsere erbeuteten Daten besagen, dass es sich um ein sehr altes und sehr armes System handelt. Keinerlei Planeten, nur ein paar d�nne Asteroidenwolken, die um einen sterbenden roten Stern ziehen. Gute Metalle haben die Asteroiden nicht zu bieten. Es gab dort mal eine Notfallstation der Syndiks, aber die wurde vor langer Zeit stillgelegt. Die Syndiks k�nnten uns ein paar b�se �berraschungen hinterlassen haben, und wir wissen schon jetzt, dass wir keine Ressourcen finden k�nnen, die wir wirklich ben�tigen.�</p><p>Rione lie� sich nachdenklich nach hinten sinken. �Dann fliegen wir weiter in Richtung des Sprungpunkts nach Ixion? Obwohl wir wissen, dass die Syndiks uns lange davor einholen werden.�</p><p>�Ich werde ein paar Man�ver versuchen, mit denen wir sie vielleicht auf Abstand halten k�nnen.�</p><p>�Versuchen?�, wiederholte sie. �Das klingt nach einer sehr, sehr schwachen Hoffnung, John Geary. Wie konnten wir in diese Situation geraten?�</p><p>�Au�erordentliches Pech ist ein Faktor. W�re die Delta-Flotte nicht aufgetaucht, dann h�tten wir die Bravo-Flotte vernichten und Kurs auf Branwyn nehmen k�nnen.� Er starrte auf das Sternendisplay. �Und eine Fehlentscheidung. Meine Fehlentscheidung. Ich habe beschlossen, dass wir nach Lakota reisen, und das war eine sehr schlechte Entscheidung.�</p><p>�Tats�chlich? Weil du nicht wusstest, dass du hier au�erordentliches Pech haben w�rdest?� Sie stand auf, setzte sich zu ihm und lehnte sich gegen seine Schulter. �Du kannst dir nicht die Schuld daran geben. Ich muss das wissen, schlie�lich bin ich die Expertin daf�r, mir selbst die Verantwortung aufzuerlegen.�</p><p>�Es passt irgendwie nicht, dass du mir nicht die Meinung sagst, weil ich zu aggressiv vorgegangen bin�, merkte Geary an.</p><p>�Ich habe dir doch gesagt, ich m�chte nicht zu berechenbar sein.� Sie setzte sich gerade hin und gab einen aufgebrachten Laut von sich. �Vielleicht sollen wir ja nicht nach Hause zur�ckkehren. Vielleicht sind wir in den Besitz von zu gef�hrlichem Wissen gelangt.�</p><p>�Das werde ich nicht akzeptieren.�</p><p>�Gut.� Sie stand auf. �Ich muss mit jemandem Frieden schlie�en, wenn es mir gelingt. Vielleicht bleiben mir nicht mehr sehr viele Tage, um es zu versuchen.�</p><p><emphasis>Desjani'?</emphasis> �Mit wem?�</p><p>�Mit meinen Vorfahren. Ich bin bald zur�ck.�</p><p>�Hast du was dagegen, wenn ich dich begleite?�</p><p>Sie sah ihn abweisend an. �Du bist nicht mein Ehemann. Du geh�rst nicht zu mir in diesen Raum.�</p><p>�Ich wei�. Bis dahin wollte ich dich auch nicht begleiten. Ich will auch mit meinen Vorfahren reden.�</p><p>Ihre Miene hellte sich auf. �Vielleicht wissen sie ja einen guten Ratschlag.�</p><p>�Falls nicht, kann ich mich immer noch an dich wenden.�</p><p>Rione verdrehte die Augen. �Ratschl�ge kann ich genug erteilen. Gute Ratschl�ge sind dagegen ein ganz anderes Thema.�</p><p>�Du hast mir gesagt, ich m�sse wohl dumm oder wahnsinnig sein, wenn ich mit dieser Flotte nach Lakota fliege�, machte Geary ihr klar. �Wie es aussieht, hast du da durchaus richtig gelegen.�</p><p>Aus irgendeinem Grund schien sie das ein wenig zu am�sieren. �Ich glaube, ich sagte, du bist dumm und Falco ist wahnsinnig. Okay, du kannst mich begleiten. Soll die Crew sehen, dass ihr Held und seine Liebhaberin fromm und anst�ndig sein k�nnen. Und wenn ich nicht von meinen vor Scham im Erdboden versunkenen Vorfahren zu Asche verbrannt werde, dann k�nnen wir uns ja anschlie�end hier treffen und vergleichen, welche Inspirationen oder Warnungen wir gesp�rt haben.�</p><p>Geary stand auf und lachte stumm. �Das ist eine verdammt tolle Grundlage f�r eine milit�rische Planung, nicht wahr? Zeichen und Wunder. So als w�ren wir unsere eigenen Vorfahren, die zum Himmel sehen, die Sterne betrachten und sich fragen, was das wohl f�r Lichtpunkte sein m�gen.�</p><p>Auf dem Weg zur Luke blieb Rione stehen und sah Geary ernst an. �Die Vorfahren glaubten, die Sterne seien die G�tter, John Geary. Und das denken wir auch, wenngleich auf eine v�llig andere Weise. Aber wir unterscheiden uns gar nicht so sehr von den Vorfahren, die aus dem Blickwinkel des Universums nur einen Moment lang existierten, die aber ihr ganzes Dasein mit dem Versuch verbrachten, zu verstehen, warum sie auf dieser Welt sind und was sie mit der Gabe ihres Lebens tun sollen. Ich versuche, mir das immer vor Augen zu halten.�</p><p>Er nickte und wunderte sich einmal mehr �ber die Frau, die in Victoria Rione steckte.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Auf halber Strecke zum Ixion-Sprungpunkt hing die Syndik-Flotte Bravo ihnen noch immer im Genick, w�hrend die Syndik-Flotte Delta eine Kurve durch das System flog, die sie zwei Stunden vor dem Sprungpunkt die Flugbahn der Allianz-Flotte kreuzen lassen w�rde. Die Syndik-Flotte Alpha zog nach wie vor in aller Ruhe vor dem Hypernet-Portal ihre Bahnen, um einen verzweifelten und zunehmend unm�glicher werdenden Sturm der Allianz-Schiffe auf das Portal zu verhindern. Noch immer war nichts von der kleineren Flotte zu sehen, die von Ixion herkommen musste.</p><p>Da seine Vorfahren ihm kein Omen und keinerlei Inspiration geschickt hatten, sa� Geary da und beobachtete, wie sich die Formationen langsam durch das Lakota-Sternensystem bewegten. Alle historischen Beispiele f�r Streitm�chte, die sich in einer �hnlichen Situation wie die Allianz-Flotte befanden, hatten ein �hnliches Ende genommen�� und es war kein gutes Ende f�r die Allianz-Schiffe.</p><p>Er versuchte, einen Kopfschmerz zu ignorieren, der sich zwischen seinen Augen festsetzte und aus Stress geboren war. Wie hatte es zu dieser Lage kommen k�nnen? W�re er blo� nicht immer wieder von neu eintreffenden Syndik-Flotten �berrumpelt und gezwungen worden, seine Pl�ne zu �ndern. Anstatt selbst das Heft in der Hand zu halten, hatte er nur auf die Schachz�ge des Feindes reagieren k�nnen.</p><p>Ja, genau. Er hatte auf jeden Zug des Feindes reagieren m�ssen.</p><p>Der Feind war schneller. Die Bravo- und die Delta-Formation konnten beide schneller beschleunigen als Gearys Flotte, und sie waren in der Lage, h�here Geschwindigkeiten beizubehalten. Das war eindeutig ein Vorteil, aber ein langsameres Schiff konnte eine engere Kehre fliegen, auch wenn der Radius bei 0,05 Licht nicht so viel kleiner ausfiel. Trotzdem� er hatte die ganze Zeit �ber nur reagieren k�nnen. Wenn er eine M�glichkeit fand, die Syndiks zu �berrumpeln und zu einer eigenen Reaktion zu zwingen�</p><p>Es war kein genialer Plan, doch es <emphasis>war</emphasis> immerhin ein Plan.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Das Gesicht von Commander Suram, dem befehlshabenden Offizier der <emphasis>Warrior,</emphasis> blickte Geary skeptisch an und rechnete zweifellos mit schlechten Neuigkeiten. Suram war zuvor Captain Kerestes' XO gewesen, aber was f�r ein Typ war er wirklich? Niemand wusste eine Antwort auf diese Frage, doch Geary musste dem Mann jetzt eine Chance geben. �Commander Suram, die Crew der <emphasis>Warrior</emphasis> hat mit der Reparatur der Gefechtssch�den erstklassige Arbeit geleistet. Ihre Schilde sind wieder voll einsatzf�hig, und die H�lfte der H�llenspeer-Batterien ist wieder funktionst�chtig.�</p><p>Suram nickte. �Ja, Sir. Wir haben es allerdings nicht geschafft, alle besch�digten Panzerplatten zu reparieren. Und der Antrieb leistet derzeit nur f�nfundsiebzig Prozent.�</p><p>�Das gen�gt, um mit den Hilfsschiffen mithalten zu k�nnen. Ich habe einen speziellen Auftrag f�r die <emphasis>Warrior,</emphasis> Commander Suram. Ich �bertrage Ihnen zus�tzlich das Kommando �ber die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic.�</emphasis></p><p>�Sir?�, kam Surams verdutzte Reaktion.</p><p>�Diese Hilfsschiffe m�ssen unbedingt besch�tzt werden, Commander Suram�, erkl�rte Geary ernst. �Wenn wir sie verlieren, ist diese Flotte tot. Das wissen Sie so gut wie ich. Wenn wir es wieder mit den Syndiks aufnehmen, dann werden deren Flotten aus verschiedenen Richtungen auf uns zukommen. Es w�re sehr schwierig f�r mich, die <emphasis>Titan, Witch, Jinn</emphasis> und <emphasis>Goblin</emphasis> unentwegt im Auge zu behalten, damit sie nicht besch�digt oder vernichtet werden. Ich will, dass die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> so dicht bei den Hilfsschiffen bleiben, als w�ren sie aneinandergekettet. Ich will, dass Sie notfalls jeden Beschuss mit Ihren Schiffen blockieren und jedes Syndik-Schiff zerst�ren, das sich den Hilfsschiffen zu n�hern versucht. K�nnen Sie das leisten, Commander Suram?�</p><p>Suram schob den Unterkiefer vor. �Jawohl, Sir.�</p><p>�Ihnen muss klar sein, dass ich Ihnen damit die wichtigste Aufgabe der gesamten Flotte �bertrage. Ich kann kein einzelnes gro�es Kriegsschiff er�brigen, und auch kein kleines. Ich muss von Ihnen wissen, dass Sie alles Erforderliche tun werden, um bei diesen Hilfsschiffen zu bleiben und sie zu sch�tzen.�</p><p>�Eher wird die <emphasis>Warrior</emphasis> zerst�rt werden, als dass den Hilfsschiffen etwas passiert�, erwiderte Suram. �Ich wei�, wir haben etwas zu beweisen�, f�gte er mit rauer Stimme an. �Ich selbst und die Crew der <emphasis>Warrior.</emphasis> Bei Vidha haben wir die <emphasis>Polaris</emphasis> und die <emphasis>Vanguard</emphasis> zur�ckgelassen, aber diese Hilfsschiffe werden wir nicht aus den Augen lassen. Das schw�re ich bei der Ehre meiner Vorfahren.�</p><p>Geary wusste, jeder w�rde ihm sagen, dass es verr�ckt war, der <emphasis>Warrior</emphasis> zu vertrauen, von der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> ganz zu schweigen. Aber sein Instinkt sagte ihm, dass kein anderes Schiff so viel zu beweisen hatte. Nat�rlich hie� das nicht, dass er Commander Yin diese Mission ebenso �bertragen h�tte. Das w�re nun wirklich verr�ckt gewesen. �W�rde ich nicht glauben, dass Sie diese Mission ausf�hren k�nnen, h�tte ich Sie Ihnen auch nicht �bertragen, Commander Suram. Sagen Sie das Ihrer Crew. Ich wei�, die <emphasis>Warrior</emphasis> wird bis zuletzt k�mpfen.�</p><p>Wieder nickte Suram, dann salutierte er. �Danke, Sir. Wir werden unsere Ehre zur�ckerlangen oder bei dem Versuch unser Leben opfern.�</p><p>Geary l�chelte. �Tun Sie uns beiden einen Gefallen und erlangen Sie lieber Ihre Ehre zur�ck, anstatt zu sterben. Ich will die <emphasis>Warrior</emphasis> im Gefecht wieder an vorderster Front sehen. Kommen Sie mit den Kommandanten der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> klar? Werden die Ihre Befehle befolgen?�</p><p>�Jeder Offizier und jeder Matrose der <emphasis>Orion</emphasis> und der <emphasis>Majestic</emphasis> wird seine Mission kennen und wissen, welche Gelegenheit sich ihnen allen hier bietet, Sir�, versicherte Suram ihm. �Nochmals vielen Dank, Sir. Unser Schiff wird Ihr Vertrauen in uns nicht entt�uschen.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Noch ein Tag bis zum Sprungpunkt. Er verbrachte Stunden damit, den Simulator anzustarren, der eine Darstellung der momentanen Situation anzeigte. Die riesige Syndik-Flotte Delta hatte wieder ihre traditionelle Kastenformation eingenommen, auch wenn die diesmal recht flach ausfiel und der vordere obere Rand wie eine dicke Mauer weit �ber die Unterkante hinausragte.</p><p>Auch die Bravo-Formation hatte sich umgeordnet und glich jetzt dem Delta-Vorbild, wenngleich sie deutlich kleiner war. Auch wenn Bravo durch die Allianz-Flotte an dem Sprungpunkt nach Branwyn schwere Verluste zugef�gt worden waren, so verf�gten die Syndiks immer noch �ber f�nfzehn Schlachtschiffe und zehn Schlachtkreuzer. Sie hatten auch etliche leichtere Schiffe verloren, doch kleiner wirkte sie nur im direkten Vergleich mit den dreiundzwanzig Schlachtschiffen und zwanzig Schlachtkreuzern der Delta-Formation.</p><p>Geary wunderte sich, dass die Bravo-Flotte keinen Sprung nach vorn gemacht hatte, um den Allianz-Matrosen einen Schreck einzujagen oder um den Vorsprung schrumpfen zu lassen, indem die Flotte Ausweichman�ver flog. <emphasis>Sie sind wieder sehr selbstbewusst. Sie glauben, wir sitzen in der Falle und das Ende steht bereits fest.</emphasis></p><p>Wir werden ja sehen.</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Noch eine Stunde, bis der Kurs der Delta-Formation den der Allianz-Flotte kreuzen w�rde. Geary nahm in seinem Sessel auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> Platz und nickte Desjani zum Gru� zu. Rione sa� auf ihrem �blichen Platz und schien die Ruhe selbst zu sein, aber die Augen verrieten ihre Anspannung.</p><p>�Syndik-Flotte Bravo beschleunigt�, meldete der Steuer-Wachhabende.</p><p>�Sie wollen uns zur gleichen Zeit einholen wie die Delta-Flotte�, stellte Desjani fest und h�rte sich an, als w�rde sie �ber eine Simulation reden, nicht �ber einen taktischen Zug einer erdr�ckend gro�en Syndik-�bermacht.</p><p>�Zweifellos�, stimmte Geary ihr zu. �Dann wollen wir ihnen mal in die Suppe spucken.� Er bet�tigte die Komm-Kontrollen. �An alle Einheiten der Allianz-Flotte, nehmen Sie Formation Omicron ein, sobald Sie diesen Befehl erhalten haben. Die Aufgabenverteilung geht Ihnen jetzt zu.�</p><p>�Formation Omicron?�, fragte Desjani und schaute auf das Display. Als Flaggschiff stellte die <emphasis>Dauntless</emphasis> f�r alle anderen Schiffe einen festen Bezugspunkt dar und w�rde die eigene Position nicht ver�ndern. �Sir? Ein Zylinder?�</p><p>�Ja, richtig.� Er konnte ihre Verwunderung verstehen. �Das verschafft uns zwei Vorteile. Als die kleinere Streitmacht machen wir es den Syndiks auf diese Weise schwerer, jedes unserer Schiffe gleichzeitig zu attackieren. Ihre Kastenformation kann sich nicht schnell genug anpassen, um darauf zu reagieren.� Zumindest hoffe ich das. �Und da wir langsamer sind, k�nnen wir unsere Formation schneller wenden.�</p><p>Die Schiffe der Allianz-Flotte wechselten in die Formation Omicron, die ganz auf Unterformationen verzichtete. Auch waren die Kriegsschiffe nicht mehr weitr�umig verteilt, sondern bewegten sich mit minimalem Sicherheitsabstand. Der Zylinder wirkte nur dann klein und kompakt, wenn man ihn mit den Syndik-Formationen verglich, aber der gr��te Teil der von der Delta-Formation gebildeten Mauer w�rde nicht in der Lage sein, in das Geschehen einzugreifen, selbst wenn die beiden Streitm�chte durch einander hindurchfliegen sollten.</p><p>Geary hatte auch auf die standardm��ige Vorgehensweise verzichtet, leichtere Begleitschiffe zwischen den Kriegsschiffen und dem Feind zu platzieren. Normalerweise h�tte das der Fall sein m�ssen, doch er beabsichtigte ja auch nicht, einen normalen Kampf zu f�hren. Die Au�enseite des Zylinders setzte sich vorne und hinten aus Schlachtschiffen zusammen, die Schlachtkreuzer bildeten in der Mitte eine Art G�rtel. Im Inneren des Zylinders waren die Zerst�rer und die Leichten Kreuzer untergebracht, die Schweren Kreuzer stellten die flachen Enden dar, wobei ein Ende durch zwei Scout-Schlachtschiffe verst�rkt wurde. Ebenfalls im Inneren folgten die Hilfsschiffe <emphasis>Warrior, Orion</emphasis> und <emphasis>Majestic</emphasis> dicht an dicht, die auf diese Weise maximal gesch�tzt waren.</p><p>�Drei�ig Minuten bis zum Kontakt mit Syndik-Flotte Delta�, meldete der Gefechtssystem-Wachhabende. �Achtundzwanzig Minuten bis zum Kontakt mit Syndik-Flotte Bravo.�</p><p>Das letzte Allianz-Kriegsschiff nahm seinen Platz in der Formation ein, und der Zylinder flog weiter auf den Sprungpunkt nach Ixion zu.</p><p>�Der Delta-Commander wird uns zuerst von der Bravo-Formation weichklopfen lassen, die ihrerseits den gr��ten Teil unserer Gegenwehr einstecken muss. Erst dann greift er ein, um uns zu erledigen und um das ganze Lob allein zu kassieren�, sagte Desjani. �Ich konnte noch nie Kommandanten leiden, die sich so verhalten.�</p><p>�Auf den hier wartet allerdings eine Entt�uschung.� <emphasis>Hoffe ich jedenfalls.</emphasis> Geary wartete und versuchte, den richtigen Moment abzupassen. �An alle Einheiten, verringern Sie die Geschwindigkeit auf 0,07 Licht.�</p><p>Die Syndik-Schiffe waren nun nahe genug, um den Formationswechsel der Allianz-Flotte mit nur wenigen Minuten Versp�tung sehen zu k�nnen, doch sie w�rden abwarten m�ssen, bis die neue Formation abgeschlossen war, bevor sie sich Gegenma�nahmen seitens der eigenen Formation �berlegen konnten. Nun konnte Geary beobachten, wie die Delta-Formation allm�hlich komprimiert wurde, damit die Mauer k�rzer und dicker wurde, um mehr Syndik-Schiffen zu erm�glichen, das Feuer auf die Allianz-Flotte zu er�ffnen. Durch Gearys Befehl, die Geschwindigkeit zu reduzieren, kamen die Syndiks allerdings viel schneller in Reichweite, als sie es erwartet hatten.</p><p>�Zehn Minuten bis zum Kontakt mit Bravo, zw�lf Minuten bis zum Kontakt mit Delta.�</p><p>Das war nah genug. Die Bravo-Flotte, die von hinten auf sie zuraste, schloss allm�hlich auf, w�hrend sich die Delta-Flotte von der Seite her n�herte und immer noch mit 0,2 Licht herangeschossen kam. Er wird jetzt abbremsen m�ssen. �An alle Einheiten der Allianz-Flotte, drehen Sie bei Zeit drei eins die Formation um neun null Grad nach unten und um sieben null Grad nach Steuerbord.� Ein weiteres komplexes Man�ver, bei dem die Schiffe gleichzeitig den Zylinder nach unten drehten und ihn auf einen neuen Kurs brachten.</p><p>�Delta bremst ab�, meldete Desjani, kaum dass Geary seinen Befehl ausgesprochen hatte und die <emphasis>Dauntless</emphasis> zusammen mit den anderen Schiffen auf einen neuen Kurs ging.</p><p>Bei der hohen Geschwindigkeit hatte die Delta-Flotte M�he, die Allianz-Formation im Auge zu behalten. Da sie zugleich massiv verz�gerten, konnten sie ohnehin nichts dagegen unternehmen.</p><p>Die Bravo-Formation hinter ihnen versuchte den Kurvenflug nachzuvollziehen, doch wegen der h�heren Geschwindigkeit fiel deren Kurve weiter aus.</p><p>Ein Hagel aus Raketen und Kart�tschen, der von der Delta-Flotte abgefeuert worden war, jagte dort durch den leeren Raum, wo sich nach den Berechnungen der Gefechtssysteme eigentlich die Allianz-Formation h�tte befinden sollen.</p><p>Die dicke Delta-Kastenformation raste an der Stelle vorbei, wo die Allianz-Flotte eigentlich h�tte sein m�ssen, doch der nunmehr vertikal angeordnete Zylinder flog am �u�ersten Rand der Reichweite der gegnerischen H�llenspeere entlang.</p><p>�Sch�n�, sagte Desjani zustimmend, nahm den Blick aber nicht vom Display, da sie wusste, das war nur der erste Zug gewesen.</p><p>Auch Gearys Augen waren auf die Anzeige gerichtet. Die Syndiks w�rden ihnen folgen. Bravo wird die Kurve vollenden und einen Satz auf uns zu machen, sobald wir auf dem neuen Kurs sind. Delta wird nach oben oder unten ausweichen, damit der n�chste gemeinsame Angriff leichter koordiniert werden kann. Das hei�t, ich muss mit meiner Flotte� dorthin. �An alle Einheiten, �ndern Sie bei Zeit vier vier den Kurs um eins neun null Grad nach Steuerbord.�</p><p>Delta flog nach oben, w�hrend Bravo es wiederum vers�umte, die Kurve der Allianz-Flotte nachzuvollziehen, und sich dabei noch weiter von ihr entfernte. �An alle Einheiten, �ndern Sie bei Zeit vier neun den Kurs um zwei null Grad nach unten und drehen Sie bei Zeit f�nf zwei die Formation um sieben null Grad nach oben.�</p><p>Diesmal erreichte der Zylinder fast eine horizontale Lage relativ zur Systemebene und raste in dem Moment unter Delta hindurch, als Bravo stark abbremste, um langsam genug zu werden, damit sie den gleichen engen Wendekreis vollziehen konnte wie die deutlich langsameren Allianz-Schiffe. Geary wartete, bis er sah, dass auch Delta ein weiteres Bremsman�ver einleitete. �An alle Einheiten, �ndern Sie bei Zeit zwei null den Kurs um neun f�nf Grad nach Steuerbord und beschleunigen Sie auf 0,1 Licht.�</p><p>W�hrend die Syndik-Formationen abbremsten und aufeinander zuflogen�� Delta von oben kommend, Bravo von der Seite��, um die Allianz-Flotte in die Zange zu nehmen, jagte die bereits in Richtung Ixion-Sprungpunkt davon.</p><p>�Das ist das seltsamste Gefecht, das ich je miterlebt habe�, erkl�rte Desjani verwundert.</p><p>�Es ist noch nicht vorbei�, erwiderte Geary. �Die werden sich neu ordnen, wieder beschleunigen und uns weiter verfolgen.�</p><p>�Sie werden beide genau hinter uns sein.� Desjani rechnete die Steuerl�sung durch. �Aber sie werden uns trotzdem vor dem Sprungpunkt einholen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wird das Man�ver noch einmal funktionieren?�, fragte Rione.</p><p>�Das Abtauchen?� Er sch�ttelte den Kopf. �Fr�her haben wir das oft zum Spa� gemacht und es damit gerechtfertigt, dass wir so lernten, die Bewegungen einer anderen Formation vorauszuahnen. Vielleicht war das ja auch so. Aber beim n�chsten Mal wird es nicht klappen. Die Syndiks erwarten jetzt von uns, dass wir ausweichen, und sie haben gen�gend Schiffe, um ihre Formation breit zu f�chern, damit wir n�chstes Mal dem Kontakt nicht wieder entgehen k�nnen.�</p><p>Rione machte eine betr�bte Miene, doch Desjani verstand, was er meinte, und setzte ein diebisches Grinsen auf. �Eine breit gef�cherte Formation bedeutet, dass die Syndiks ihre Feuerkraft nicht so sehr konzentrieren k�nnen.�</p><p>�Richtig, und das werden wir zu unserem Vorteil nutzen.� Er deutete auf das Display, das zeigte, wie die Syndiks erneut zu beschleunigen begannen. �Sieht so aus, als w�rden sie Bravo und Delta verschmelzen lassen. Ich brauche eine Sch�tzung, wo sich das Flaggschiff befindet.�</p><p>�Es sollte genau im Zentrum der vordersten Linie sein�, antwortete Desjani.</p><p>Geary nickte. Der Ehrenplatz. Der Platz, der von einem blindlings drauflos st�rmenden Feind am st�rksten unter Beschuss genommen werden w�rde. Es war beileibe keine kluge Taktik, aber so wie die Syndiks war er auch immer noch an die g�ngige Vorgehensweise gebunden, da jeder in dieser Flotte entsetzt w�re, wenn sich das Flaggschiff nicht im Mittelpunkt des Angriffs bef�nde.</p><p>Hinter der Allianz-Flotte breitete sich die zusammengeschlossene Syndik-Formation immer weiter aus und streckte sich dabei gleichzeitig so weit nach oben und unten, dass kein Ausweichman�ver mehr an diesen Schiffen vorbeif�hren konnte. <emphasis>Ihr wollt uns fangen? Na sch�n, dann werdet ihr gleich erfahren, was es bedeutet, seine Hand um eine Hornisse zu schlie�en.</emphasis></p></section><section><title><p>Elf</p></title><p>Erneut war es eine Frage des richtigen Timings. Geary wartete und beobachtete, wie die Syndiks die Allianz-Flotte jagten. Bei einer Geschwindigkeit von 0,14 Licht schlossen sie die L�cke kontinuierlich. Der Sprungpunkt nach Ixion war noch etwas mehr als eine Stunde entfernt, aber die Verfolger w�rden sie deutlich eher einholen und in Feuerreichweite gelangen. <emphasis>Wann werden sie Raketen und Kart�tschen abfeuern? Ich muss noch ein bisschen warten. Wir geraten allm�hlich in den �u�ersten Randbereich, den ihre Waffen erreichen k�nnen. Ein wenig werden sie noch warten, um eine Fehlermarge einzukalkulieren, falls wir in letzter Minute doch noch beschleunigen sollten. Noch nicht� jetzt!</emphasis> �An alle Einheiten, �ndern Sie bei Zeit vier sieben die Formationsausrichtung um eins acht null Grad, �ndern Sie den Kurs um eins vier Grad nach oben, und bremsen Sie ab auf 0,05 Licht. Alle Schiffe er�ffnen das Feuer, sobald der Gegner in Waffenreichweite kommt.�</p><p>W�hrend die Allianz-Schiffe den Bug herumdrehten, damit der auf die Syndiks gerichtet war, und den Hauptantrieb herunterfuhren, um die Fluggeschwindigkeit zu reduzieren, kam die feindliche Streitmacht immer schneller n�her. Die Allianz-Schiffe flogen jetzt mit 0,05 Licht r�ckw�rts, die Syndiks rasten mit viel h�herer Geschwindigkeit auf sie zu.</p><p>Abermals wurden die Syndiks von einem Man�ver �berrumpelt, das ihnen kaum Zeit zum Reagieren lie�. Sie stie�en ein Sperrfeuer aus Raketen und Kart�tschen aus, doch nur das, was von den Schiffen abgefeuert wurde, die dem Punkt am n�chsten waren, auf den die Allianz-Flotte zusteuerte, hatte eine Chance, einen Treffer zu landen. Die vorderen R�nder des Zylinders blitzten dann auch auf, als die Geschosse auf die Schilde trafen.</p><p>Die Allianz-Schiffe nahmen ihren Gegner ebenfalls unter Beschuss, sie zielten auf einen relativ kleinen Punkt in der riesigen Syndik-Mauer. Die Schilde der Syndik-Kriegsschiffe flammten an der Stelle ann�hernd in Kreisform auf, auf den die Allianz-Formation zusteuerte. Nicht weit von der Mitte dieses Kreises entfernt befand sich das Syndik-Flaggschiff. Bei einer relativen Geschwindigkeit von nicht ganz drei�igtausend Kilometern in der Sekunde war die feindliche Formation eben noch weit entfernt, und im n�chsten Moment befand sie sich bereits hinter ihnen, da sich der Allianz-Zylinder durch die Syndik-Mauer gebohrt hatte wie eine Kugel durch ein Holzbrett.</p><p>Der Kontakt war nur einen Wimpernschlag sp�ter bereits Vergangenheit. Geary atmete erleichtert aus, obwohl ihm gar nicht bewusst gewesen war, dass er den Atem angehalten hatte. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> erzitterte unter den Treffern, die die Syndiks in jenem Sekundenbruchteil hatten landen k�nnen, als die beiden Streitm�chte sich so nahe gekommen waren, dass sie sich innerhalb der gegenseitigen Reichweite all ihrer Waffen befanden. �Schilde leicht geschw�cht, punktuell ausgefallen, kleinere Treffer, keine Systemausf�lle�, meldeten die Wachhabenden auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> sofort.</p><p>�An alle Einheiten, �ndern Sie bei Zeit f�nf neun die Formationsausrichtung um eins acht null Grad, beschleunigen Sie auf 0,1 Licht.�</p><p>�Wir fliegen ihnen noch mal entgegen?�, fragte Rione entsetzt.</p><p>�Das ist meine Absicht. Wenn sie abbremsen, um sich an unsere Geschwindigkeit anzupassen, dann stecken wir in gro�en Schwierigkeiten. Aber ich hoffe, sie nehmen an, dass wir vor ihnen davonfliegen und beschleunigen wieder.� Gearys Blick ruhte auf dem Display, wo die Schadensanzeigen beider Flotten aufgelistet wurden, als die Sensoren die Folgen des kurzzeitigen Kontakts analysierten.</p><p>�Zwei Schlachtschiffe�, stellte Desjani zufrieden fest. �Und drei Schlachtkreuzer au�er Gefecht gesetzt. Einer davon war vermutlich das Flaggschiff.�</p><p>�Wollen wir's hoffen.�</p><p>Nur noch zehn bis zwanzig derart erfolgreiche Vorbeifl�ge, und sie w�rden in diesem Sternensystem das Machtgleichgewicht wieder hergestellt haben. Es war nicht gerade ein Grund, hochn�sig zu werden. �Viel Schaden haben wir nicht angerichtet, aber beim n�chsten Mal wird es schlimmer werden.�</p><p>Die Allianz-Schiffe hatten den Bug wieder komplett in die entgegengesetzte Richtung gedreht und waren nun erneut zum Sprungpunkt nach Ixion hin ausgerichtet�� und damit auf die Syndik-Formation. Geary beobachtete deren Bewegungen und hoffte, sie w�rden kehrtmachen, um die Flotte weiter zu verfolgen.</p><p>Das taten sie auch, allerdings nicht schnell genug.</p><p>�Sie kommen uns wieder entgegen, aber wir werden sie mit einer relativen Geschwindigkeit von nur 0,02 Licht passieren�, meldete Desjani.</p><p>Das bedeutete, sie blieben l�nger in der Reichweite der gegnerischen Waffen und stellten ein leichteres Ziel f�r Raketen und Kart�tschen dar, von denen der Feind viel mehr besa� als die Allianz-Flotte.</p><p>Nach all diesen Man�vern wollte er sich lieber gar nicht ansehen, in welchem Zustand sich die Brennstoffzellen seiner Schiffe befanden. Aber es war letztlich auch nicht weiter wichtig. Sie mussten diese Man�ver fliegen, sonst w�rde diese Flotte nicht lange genug �berleben, um sich je wieder Gedanken �ber Brennstoffzellen zu machen.</p><p>Die Syndik-Formation faltete sich in sich selbst zusammen, um sich dort zu verdichten, wo die Allianz-Flotte sie durchfliegen w�rde. Doch zum Gl�ck blieb ihnen nicht viel Zeit f�r dieses Man�ver.</p><p>Die Mauer aus Syndik-Schiffen zog �ber sie hinweg, und die Schilde der <emphasis>Dauntless</emphasis> gl�hten vor feindlichen Treffern.</p><p>�Punktuelle Ausf�lle am Bug und an den seitlichen Schilden, geringe Sch�den durch Kart�tschen-Einschl�ge. Mehrere Treffer mittschiffs durch H�llenspeere. H�llenspeer-Batterien 3A und 5B ausgefallen, gesch�tzte Reparaturzeit unbekannt, Zahl der Opfer unbekannt�, meldete der Wachhabende der <emphasis>Dauntless.</emphasis></p><p>Geary musterte den Zustand seiner Flotte. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> war im Vergleich zu den anderen Schlachtkreuzern noch glimpflich davongekommen. Duellos' <emphasis>Courageous</emphasis> hatte es schwer getroffen, die <emphasis>Daring</emphasis> hatte die H�lfte ihrer Gesch�tze verloren, die <emphasis>Leviathan</emphasis> und die <emphasis>Dragon</emphasis> wiesen Treffer am Antrieb auf, hielten aber fest entschlossen mit der Flotte mit. Die <emphasis>Formidable</emphasis> und die <emphasis>Incredible</emphasis> waren mittschiffs aufgeschlitzt worden. Sogar die Schlachtschiffe hatten Treffer hinnehmen m�ssen, auch wenn es keines von ihnen so schwer erwischt hatte wie die Schlachtkreuzer. Das Scout-Schlachtschiff <emphasis>Exemplar</emphasis> war mehrfach getroffen worden, aber wie durch ein Wunder waren keine wichtigen Systeme ausgefallen. Die Schweren Kreuzer <emphasis>Basinet</emphasis> und <emphasis>Sallet</emphasis> waren vernichtet worden, der eine war in einem Hagel aus Syndik-Geschossen explodiert, den anderen hatte es so schwer erwischt, dass er steuer- und antriebslos durchs All trudelte, w�hrend die Besatzung in Rettungskapseln die Flucht ergriff.</p><p>Die Leichten Kreuzer <emphasis>Spur, Damascene</emphasis> und <emphasis>Swept-Guard</emphasis> waren zerst�rt oder flugunf�hig, und trotz ihrer gesch�tzten Position inmitten des Zylinders waren auch die Zerst�rer <emphasis>War-Hammer, Prasa, Talwar</emphasis> und <emphasis>Xiphos</emphasis> besch�digt worden.</p><p>Die <emphasis>Titan</emphasis> war wieder getroffen worden. Das Hilfsschiff schien Munition wie ein Magnet anzuziehen, doch wenigstens waren es keine bedenklichen Sch�den. Trotz des Schmerzes, den ihm all diese Verluste bereiteten, versp�rte Geary Zufriedenheit, als er den Zustandsbericht der <emphasis>Warrior, Orion</emphasis> und <emphasis>Majestic</emphasis> las. Die geschw�chten Schilde und die neuen Sch�den verrieten ihm, dass die drei Schlachtschiffe tats�chlich alles gegeben hatten, um die Hilfsschiffe zu besch�tzen.</p><p>Die Syndiks waren beim letzten Vorbeiflug nicht ungeschoren davongekommen, was der lokalen �berlegenheit der Feuerkraft der Allianz zu verdanken war. Ein weiteres ihrer Schlachtschiffe trieb steuerlos durchs All, drei Schlachtkreuzer waren entweder zerst�rt oder unrettbar besch�digt worden. Mehr als ein Dutzend Schwere Kreuzer waren au�er Gefecht gesetzt oder komplett vernichtet worden, und die Wracks zahlreicher Leichter Kreuzer und Zerst�rer �bers�ten den Weltraum.</p><p>�Noch ein Vorbeiflug?�, fragte Desjani mit ged�mpfter Stimme, w�hrend sie die Sch�den an ihrem Schiff verarbeitete.</p><p>�Nein. Dann m�ssten wir auch noch einmal aus der anderen Richtung attackieren, und dann w�rden sie uns in St�cke schie�en. Wir sind weniger als eine Stunde vom Sprungpunkt entfernt. Wir nehmen Kurs auf ihn.�</p><p>Die Mauerformation der Syndiks, die durch zwei Begegnungen mit den Allianz-Schiffen und die Wendeman�ver verformt und verdreht war, machte abermals kehrt und beschleunigte, um den Abstand zum Feind wieder zu verringern.</p><p>Sollte er trotzdem versuchen, die Syndiks noch einmal zu treffen? Versuchen, sie ein weiteres Mal zu �berrumpeln? Geary sah sich aufmerksam den Status der Schilde seiner Schiffe an und �berpr�fte, wie wenige Phantome und Kart�tschen noch vorhanden waren. Au�erdem f�hrte er eine �berschl�gige Bestandsaufnahme der Sch�den an seinen Schiffen durch und kam zu dem Urteil, dass seine vorangegangene Einsch�tzung zutreffend gewesen war. Zwei weitere Vorbeifl�ge an den Syndiks k�men einem Selbstmord gleich. Er besa� nicht den Vorteil der Geschwindigkeit oder der Entfernung, der notwendig gewesen w�re, um eine Flanke der Syndik-Formation zu treffen, die nicht mehr so hoch und so breit, daf�r jetzt dicker war und den Raum hinter der Allianz-Flotte f�r sich in Anspruch nahm.</p><p>F�nfundvierzig Minuten bis zum Sprungpunkt, und die Allianz-Flotte w�rde auch noch abbremsen m�ssen, um das Minenfeld vor dem Sprungpunkt zu umfliegen.</p><p>Die Syndiks waren zu nah, und sie kamen schnell noch n�her. Es w�rde nicht gen�gen. Er hatte alles versucht, was in seiner Macht stand, und doch gen�gte es nicht.</p><p>Er sah sich an, wie die Steuersysteme das Ergebnis der gegenw�rtigen Geschwindigkeit und der Richtungsvektoren vorausberechneten, und er konnte dabei miterleben, wie die Syndiks den hinteren Bereich der Allianz-Flotte �berholten. Allem Anschein nach blieb ihm nur die Wahl, die Schiffe ganz am Ende seiner Formation aufzugeben oder die Geschwindigkeit der Flotte insgesamt zu reduzieren, damit sie wieder den Anschluss fanden, und damit den Untergang f�r all seine Schiffe zu besiegeln. Also die Wahl zwischen mindestens einem Drittel seiner Flotte und der gesamten Flotte. Aber selbst wenn sie die Flucht antraten und so viele Schiffe ihrem Schicksal �berlie�en, waren sie damit noch nicht in Sicherheit, denn sobald die �berlebenden Ixion erreichten, w�rde die Streitmacht der Syndiks kurz darauf dort eintreffen und sie weiter jagen.</p><p>�Captain Geary.� Ein kleines Fenster �ffnete sich und zeigte Captain Mosko, der auf eine merkw�rdig benommene Art v�llig ruhig wirkte. �Meine Division ist von der Formation am weitesten entfernt und den Syndiks am n�chsten.�</p><p>�Ja, ich wei�.� Die Siebte Schlachtschiffdivision hatte auf dem ersten Flug durch die Syndik-Formation die schwersten Treffer durch feindliche Raketen und Kart�tschen einstecken m�ssen, w�hrend ihr das beim zweiten Vorbeiflug erspart geblieben war, als die Kriegsschiffe an der Vorderseite des Zylinders dem Feind begegneten. Nun w�rden die Syndiks sie aber erneut unter Beschuss nehmen, sobald sie die Allianz-Flotte eingeholt hatten. Und es gab nichts, was Geary dagegen h�tte unternehmen k�nnen.</p><p>�Wir m�ssen die Syndiks daran hindern, den Rest der Flotte zu �berholen, bevor der Sprungpunkt erreicht ist�, fuhr Mosko fort. �Wir� das hei�t� meine Division. Ich w�rde das gern der <emphasis>Defiant</emphasis> �bertragen, aber die kann das allein nicht bewerkstelligen. Gemeinsam mit der <emphasis>Audacious</emphasis> und der <emphasis>Indefatigable</emphasis> werden wir in der Lage sein, sie aufzuhalten.�</p><p>Pl�tzlich wurde ihm klar, was Mosko damit meinte. �Den Befehl kann ich Ihnen nicht geben.�</p><p>�Doch, das k�nnen Sie�, erwiderte der Captain. �Aber ich wei�, wie schwer Ihnen das fallen w�rde. Und es ist ja nicht so, als h�tten Sie selbst nicht auch schon so etwas gemacht. Wir sind alle mit den Geschichten �ber Grendel aufgewachsen, und wir haben uns geschworen, ganz genauso zu handeln, wenn es jemals dazu kommen sollte. Das geh�rt zu den Dingen, die ein Schlachtschiff macht, Captain Geary.� Er klang jetzt fast reum�tig. �Wenn es erforderlich ist, setzen wir unsere Feuerkraft, unsere Schilde und unsere Panzerung ein, um andere Schiffe zu besch�tzen. Sie verstehen schon. Ein Himmelfahrtskommando. Meine Schiffe und meine Leute melden sich freiwillig, weil das eine der Missionen ist, die wir ausf�hren sollen, wenn die Umst�nde es erfordern. Sie m�ssen den Befehl nicht erteilen, Sir. Wir melden uns freiwillig, und wir tun es im Sinne und nach dem Vorbild von Black Jack Geary.�</p><p>Geary war mit dem Begriff <emphasis>Himmelfahrtskommando</emphasis> nur vertraut, weil er ihn im Rahmen der Beschreibung seiner eigenen verzweifelten Verteidigungsma�nahmen gelesen hatte. Eine Nachhut, von der man nicht erwartete, dass sie �berlebte. Die wusste, sie w�rde geopfert werden, um den Rest der Streitmacht zu retten. Eine Nachhut, die das im Sinne und nach dem Vorbild von Black Jack Geary tat.</p><p>Das Schlimmste daran war, dass er selbst genauso gehandelt hatte, wie Mosko es jetzt beabsichtigte, und daher konnte er es ihm nicht verbieten. Er ben�tigte tats�chlich diese drei Schlachtschiffe, um die Syndiks davon abzuhalten, die Flotte einzuholen und hier bei Lakota zu vernichten.</p><p>Etwas kam ihm in den Sinn, ein alter Text, den er zuvor nur selten geh�rt hatte. �Captain Mosko, auf Sie und Ihre Schiffe und deren Besatzungen� M�gen die lebenden Sterne Sie willkommen hei�en und in Ihrem Mut erstrahlen. M�gen Ihre Vorfahren bereitstehen, um Sie in ihre Arme zu schlie�en. M�ge die Erinnerung an Ihre Namen und Taten im Geiste all jener leuchten, die nach Ihnen kommen. Sie sind nicht verloren und vergessen, denn man wird immer Ihre Ehre und Ihre Tapferkeit in Erinnerung behalten.�</p><p>Mosko setzte sich etwas gerader hin, als Geary den alten Segen sprach, der einer offenbar aussichtslosen Schlacht vorausging. �M�gen unsere Taten unserer Vorfahren w�rdig sein�, gab er zur�ck. �Captain Geary, wenn Sie den letzten Syndik geschlagen haben, und ich glaube bei den lebenden Sternen, dass Ihnen das gelingen wird, dann sorgen Sie daf�r, dass alle �berlebenden dieser Schiffe befreit werden und dass man sich ihrer so annimmt, wie sie es verdient haben. Ich werde Sie eines Tages auf der anderen Seite wiedersehen. Irgendwelche Nachrichten, die ich �berbringen kann?�</p><p>�Ja. Wenn Ihnen der Geist von Captain Michael Geary begegnen sollte, dann lassen Sie ihn wissen, dass ich mein Bestes gebe.� Sein Gro�neffe, der fast sicher mit seinem Schiff <emphasis>Repulse</emphasis> im Syndik-Heimatsystem ums Leben gekommen war.</p><p>�Selbstverst�ndlich. Und wenn Sie mit der Flotte zu Hause ankommen, berichten Sie bitte meiner Familie von mir.� Mosko salutierte. �Auf die Ehre unserer Vorfahren.�</p><p>Der Fenster schloss sich, und mit ihm verschwand Captain Mosko.</p><p>�Captain?�, fragte Desjani, die nichts von der Unterhaltung mitbekommen hatte.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf, atmete tief durch und zeigte auf das Display, wo die <emphasis>Audacious,</emphasis> die <emphasis>Defiant</emphasis> und die <emphasis>Indefatigable</emphasis> soeben drehten, um ihren Antrieb als Bremse zu benutzen. �Die Siebte Schlachtschiffdivision wird sich zur�ckfallen lassen, um als Nachhut zu dienen�, brachte er heraus. �Sie haben sich freiwillig gemeldet.�</p><p>Desjani nickte ernst. �Ja, nat�rlich.� In diesem Moment wusste Geary, wenn die <emphasis>Dauntless</emphasis> in eine solche Situation geraten sollte, dann w�rde Desjani genauso handeln. Nicht mit Begeisterung, und auch nicht als eine Gelegenheit f�r eine heldenhafte Erl�sung, sondern weil sie wusste, andere w�rden auf sie z�hlen. Letztlich war es nur das, worauf es ankam. Man tat, was man f�r die tun musste, die auf einen z�hlten, weil man sie sonst nur entt�uschen konnte. �Ich gehe davon aus�, redete Desjani weiter, �dass Captain Mosko seine Schiffe drei Lichtminuten weit zur�ckfallen lassen wird, um dann diese Position zu halten.�</p><p>�Drei Lichtminuten�, wiederholte Geary.</p><p>Rione hatte sich zu ihm gestellt und beugte sich vor. �Muss das sein?�, fragte sie leise.</p><p>�Ja.�</p><p>Sie musterte ihn, und zur Abwechslung hatte sie diesmal offenbar keine Schwierigkeiten ihm anzusehen, wie sehr er diese Entscheidung bereute. �Wird es etwas bewirken?�</p><p>�Wenn es etwas gibt, das diese Flotte retten kann, dann wird es deren Opfer sein.�</p><p>F�r sich betrachtet verf�gte ein einzelnes Schlachtschiff �ber betr�chtliche Feuerkraft, dazu gesellten sich schwere Schilde und eine massive Panzerung. Drei Schlachtschiffe zusammen waren eine Streitmacht, die es in sich hatte und die nicht mal von der Zahl an Syndik-Kriegsschiffen untersch�tzt werden durfte.</p><p>Captain Mosko n�herte sich mit der <emphasis>Audacious,</emphasis> der <emphasis>Defiant</emphasis> und der <emphasis>Indefatigable</emphasis> den heranst�rmenden Syndiks und brachte die drei Schiffe in ein vertikales Dreieck, bei dem die <emphasis>Defiant</emphasis> die Spitze bildete. Alle Schlachtschiffe blieben dabei dicht genug beieinander, um sich gegenseitig zu decken und Feuerschutz zu geben. Nachdem sie weit genug zur�ckgefallen waren, lie� er die drei wieder beschleunigen, damit ihre Geschwindigkeit der der Syndiks entsprach. Die konnten damit die kleine Allianz-Formation nur mit geringer relativer Geschwindigkeit �berholen und boten ein viel leichteres Ziel.</p><p>Allerdings bedeutete das umgekehrt, dass die drei Schlachtschiffe f�r die Syndiks ebenfalls ein leichtes Ziel darstellten.</p><p>Die verbliebenen Phantome und Kart�tschen wurden von den drei Schiffen ausgesto�en, als die vordersten Leichten Kreuzer und die J�ger der Syndiks in Feuerreichweite gelangten. Etliche der leichteren feindlichen Schiffe flogen Ausweichman�ver nach links und rechts oder nach oben und unten, um dem Beschuss aus dem Weg zu gehen. Dabei mussten sie so stark verz�gern, dass es ihnen nicht mehr gelingen w�rde, die Allianz-Flotte noch einzuholen.</p><p>Ungef�hr zwanzig J�ger und ein halbes Dutzend Leichte Kreuzer versuchten, an der Siebten Schlachtschiffdivision vorbeizukommen, aber als die J�ger in Feuerreichweite der H�llenspeere gerieten, schossen die geladenen Partikelspeere durch das All und bohrten sich von verschiedenen Seiten in die leichten Raumfahrzeuge.</p><p>Das Weltall wurde von grellen Lichtern erhellt, da Schilde aufflammten und aufflackerten, dann rissen die n�chsten Treffer L�cher in die Schiffe und t�teten Besatzungsmitglieder. J�ger und Leichte Kreuzer vergingen in leuchtenden Kugeln aus Tr�mmern und Gas, die �berreste wirbelten durch das All, w�hrend andere Schiffe einfach nur verstummten, da alle Systeme ausfielen, und anschlie�end von der Wucht der folgenden Treffer hin und her geschleudert wurden.</p><p>Keine der leichten Syndik-Einheiten kam durch, aber dahinter befanden sich die Schweren Kreuzer und die Schlachtkreuzer. F�r sich betrachtet, konnte keines von ihnen ein Schlachtschiff in die Knie zwingen. Doch diese Kriegsschiffe r�ckten als erdr�ckende �bermacht vor.</p><p>Geary ballte die F�uste und sah hilflos mit an, wie sich der Pulk der Syndik-Flotte Moskos Schiffen n�herte.</p><p>�Phantome�, sagte Desjani pl�tzlich.</p><p>Sie hatte recht. Er konnte helfen. Die Gefechtssysteme best�tigten, dass die Nachhut sich in �u�erster Reichweite der Phantome befand, �ber die die Allianz-Flotte noch verf�gte. �An alle Schiffe, feuern Sie s�mtliche verbliebenen Phantome auf die Syndik-Kriegsschiffe rings um die Allianz-Schiffe <emphasis>Audacious, Defiant</emphasis> und <emphasis>Indefatigable</emphasis> ab. Ich wiederhole: s�mtliche verbliebenen Phantome!�</p><p>Die Raketen wurden gestartet, w�hlten eigenst�ndig ihr Ziel aus und beschleunigten, um den Allianz-Schlachtschiffen zu helfen, die von den Syndiks unerbittlich beschossen wurden. Es waren nicht ann�hernd genug Phantome, sie reichten allenfalls aus, um die verfolgenden Syndiks ein wenig abzulenken und einen Teil des Sperrfeuers von den Allianz-Schiffen auf sich zu ziehen. Dennoch waren sie besser als gar nichts, da sie unter anderem gen�gend Treffer bei einem Schweren Kreuzer der Syndiks landen konnten, um ihn au�er Gefecht zu setzen. Au�erdem besch�digten sie ein paar Schlachtkreuzer, deren Schilde durch den Beschuss mit H�llenspeeren von der <emphasis>Audacious,</emphasis> der <emphasis>Defiant</emphasis> und der <emphasis>Indefatigable</emphasis> geschw�cht worden waren. Aber von weiter hinten r�ckten immer mehr Schwere Kreuzer und Schlachtkreuzer vor, und sogar die Syndik-Schlachtschiffe kamen allm�hlich in Feuerreichweite.</p><p>Die <emphasis>Defiant</emphasis> musste am meisten einstecken, ihre Schilde gl�hten unter der Wucht der gegnerischen Treffer. Die <emphasis>Audacious</emphasis> schaltete einen weiteren Schweren Kreuzer aus, dann feuerte sie ihre H�llenspeere auf einen Schlachtkreuzer ab, w�hrend die <emphasis>Indefatigable</emphasis> von einer ganzen Division Schlachtkreuzer unter Beschuss genommen wurde. Mit ihrem Null-Feld konnte sie einen soliden Treffer landen, als ein Schlachtkreuzer versuchte, sich zu dicht an ihr vorbeizuschieben.</p><p>Es bereitete k�rperliche Schmerzen, den drei Schlachtschiffen zuzusehen, wie sie von einer immer erdr�ckender werdenden �bermacht von Syndik-Schlachtkreuzern gepr�gelt wurden, doch sie erf�llten ihre selbst gew�hlte Mission. Die vorderen Reihen der Syndik-Flotte wurden am Vorr�cken gehindert, sie wurden beschossen, und sie versuchten auszuweichen. Die Allianz-Flotte dagegen war inzwischen in Reichweite des Sprungpunkts vorgedrungen.</p><p>Die Allianz-Formation n�herte sich dem Sprungpunkt schr�g von oben, um das Minenfeld der Syndiks zu umgehen. �Alle Einheiten, Geschwindigkeit auf 0,04 Licht reduzieren, und dann folgen Sie den Flugbewegungen der <emphasis>Dauntless�,</emphasis> befahl Geary. Da es jetzt auf jede Sekunde ankam, wollte er sich nicht mit detaillierten Kursvorgaben besch�ftigen, und ebenso wenig stand ihm der Sinn danach, sich den Kopf dar�ber zu zerbrechen, ob jede Einheit minuti�s ihre vorgegebene Position einhielt.</p><p>Die <emphasis>Dauntless</emphasis> hatte sich gedreht, ihr Bug zeigte nun in Richtung Feind, w�hrend der Antrieb sich einschaltete, um das Tempo zu drosseln. Ringsum folgten die anderen Schiffe unterschiedlich schnell ihrem Vorbild, da nicht jeder Antrieb gleicherma�en leistungsf�hig war.</p><p>Die Displays aktualisierten st�ndig die Daten, um die n�her kommenden Syndiks anzuzeigen, die sich ihren Weg um die trudelnden Schiffe der Siebten Schlachtschiffdivision herum zu bahnen bem�hten. Sie kamen nun wieder schneller hinter ihnen her, nachdem die Allianz-Flotte mit ihrem Bremsman�ver begonnen hatte.</p><p>Desjani wandte den Blick nicht von ihrem Display ab, als die <emphasis>Dauntless</emphasis> an einer Seite des Sprungpunkts den gesch�tzten Rand des Minenfelds �berwand. �Kurs �ndern um eins acht null Grad nach unten und null f�nf Grad nach Backbord. Jetzt!�, befahl sie.</p><p>Die <emphasis>Dauntless</emphasis> drehte sich und sank nach unten, als w�rde sie in den Sprungpunkt eintauchen, der Rest der Allianz-Kriegsschiffe folgte wie eine Welle.</p><p>Die Syndik-Streitmacht mit vier Schlachtschiffen und vier Schlachtkreuzern, die sie zuletzt bei Ixion gesehen hatte, entschied sich genau f�r diesen Augenblick, um aus dem Sprungpunkt zum Vorschein zu kommen und nach oben zu fliegen, sodass die eintreffenden Syndiks und die fliehende Allianz-Streitmacht genau aufeinander zuflogen.</p><p>Das Einzige, was eine Katastrophe in letzter Minute verhinderte, war die Tatsache, dass die Syndiks nicht damit gerechnet hatten, in exakt der Sekunde auf eine feindliche Streitmacht zu treffen, in der sie den Sprungraum verlie�en. W�hrend der wenigen Augenblicke, die die Syndik-Crews ben�tigten, um �berhaupt zu begreifen, wie ihnen eigentlich geschah, um dann zu reagieren und das Feuer zu er�ffnen, entfesselten die sie umgebenden Allianz-Kriegsschiffe einen wahren Orkan aus H�llenspeeren, der die leichteren Einheiten sofort ausl�schte und drei der vier Schlachtkreuzer aufriss.</p><p>Die vier Schlachtschiffe jedoch flogen weiter. Ihre Schilde wurden unter dem Beschuss durch die Allianz-Flotte regelrecht zerfetzt, aber die feindlichen Schiffe erwiderten nun das Feuer und flogen geradewegs auf die vier Hilfsschiffe zu. Da der Kontakt in wenigen Sekunden erfolgen w�rde, blieb der <emphasis>Titan,</emphasis> der <emphasis>Witch,</emphasis> der <emphasis>Jinn</emphasis> und der <emphasis>Goblin</emphasis> keine Zeit mehr f�r ein Ausweichman�ver.</p><p>Aber die <emphasis>Warrior,</emphasis> die <emphasis>Orion</emphasis> und die <emphasis>Majestic</emphasis> waren noch immer da, um sie zu sch�tzen. Die <emphasis>Orion</emphasis> schien in den Momenten vor dem Kontakt zur�ckzuschrecken, die <emphasis>Majestic</emphasis> bewegte sich ein wenig seitlich des Geschehens, doch die <emphasis>Warrior</emphasis> befand sich genau zwischen den Hilfsschiffen und den</p><p>Syndik-Schlachtschiffen. Sie wich nicht aus, sondern feuerte aus allen verf�gbaren Batterien H�llenspeere ab, w�hrend die vier gegnerischen Schiffe das einzelne Schiff unter massiven Beschuss nahmen.</p><p>H�tte das Gefecht l�nger als nur ein paar Sekunden gedauert, w�re dies das Ende der <emphasis>Majestic</emphasis> gewesen. Doch die Syndiks ergriffen pl�tzlich wie in Panik die Flucht, und das, wo zwei der Schiffe von Treffern der Allianz durchl�chert und kaum noch funktionst�chtig waren. Die <emphasis>Warrior,</emphasis> die erneut von Syndik-Feuer ersch�ttert worden war, hielt tapfer durch, w�hrend die Hilfsschiffe mit dem Rest der Flotte Kurs auf den Sprungpunkt nahm.</p><p>Innerhalb weniger Momente nach ihrem Auftauchen war die Syndik-Streitmacht von der Allianz-Flotte dezimiert worden, die im Weiterflug zus�tzliche Zerst�rungen anrichtete und schockierte Syndik-�berlebende zur�cklie�.</p><p>Von der Siebten Schlachtschiffdivision war inzwischen nicht mehr viel �brig. Die Syndiks hatten sie eingeholt und schossen nun systematisch die <emphasis>Audacious,</emphasis> die <emphasis>Defiant</emphasis> und die <emphasis>Indefatigable</emphasis> in St�cke. Die <emphasis>Indefatigable</emphasis> verf�gte nur noch �ber eine einzige H�llenspeer-Batterie, aber sie feuerte auf den Feind, so gut sie konnte. Von der <emphasis>Audacious</emphasis> war nur noch ein stummes Wrack �brig, das langsam zur Seite wegfiel, w�hrend die <emphasis>Defiant</emphasis> mehrere Breitseiten fast gleichzeitig einstecken musste und von zwei schweren Explosionen mittschiffs und nahe dem Heck zerrissen wurde.</p><p>�Captain Geary? Captain Geary! Die Flotte hat den Sprungpunkt erreicht!�</p><p>Er wandte seinen Blick von den letzten Momenten im Leben der <emphasis>Defiant</emphasis> ab und versuchte, nichts von dem Tr�mmerfeld wahrzunehmen, das das Universum zu �berziehen schien, ebenso von den Syndik-Raketen, die sich nach hinterher eilenden Allianz-Schiffen streckten, von den besch�digten Kriegsschiffen, die sich bem�hten, mit der Flotte mitzuhalten, von den Wracks der Syndik-Streitmacht, mit der sie fast kollidiert w�ren. �Alle Einheiten: Springen Sie jetzt!�</p><p>Die Sterne verschwanden, das Schwarz zwischen den Sternen zuckte davon, und dann war vom letzten Aufb�umen der <emphasis>Audacious,</emphasis> der <emphasis>Defiant</emphasis> und der <emphasis>Indefatigable</emphasis> nichts mehr zu sehen. Das galt auch f�r das ferne, verlassene Wrack der <emphasis>Paladin</emphasis> und die im All treibenden �berreste der <emphasis>Renown.</emphasis> Auch das Hypernet-Portal war fort und mit ihm alle Syndik-Flotten. Wo eben noch eine verbissene Schlacht getobt hatte und wo Wracks durch das Vakuum schlingerten, herrschten jetzt nur noch das endlose graue Nichts, die Stille und die wandernden Lichter des Sprungraums.</p><p>Er war noch nie direkt aus einer Schlacht in den Sprungraum �bergewechselt, und er hatte auch nie erwartet, praktisch auf der T�rschwelle eines Sprungpunkts in ein Gefecht verwickelt zu werden. Geary sp�rte, wie sein Herz raste. Sein Atem h�rte sich ohrenbet�ubend laut an in der Stille, die sich abrupt �ber die Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> gelegt hatte, w�hrend alle anderen genauso fassungslos dasa�en und den j�hen Wechsel von hektischem Trubel zu absoluter Ruhe zu begreifen versuchten. Er schloss die Augen und versuchte zu erfassen, was soeben geschehen war. Drei weitere Schlachtschiffe verloren. Insgesamt vier Schlachtschiffe und ein Schlachtkreuzer. Zwei Schwere Kreuzer. Leichte Kreuzer und Zerst�rer. Dutzende Schiffe in der Flotte in unterschiedlichem Ma� besch�digt. Den gr��ten Teil der verbliebenen Syndik-Streitmacht, die ihnen zahlenm��ig nach wie vor weit �berlegen war, im Nacken. Die Syndiks w�rden eine Weile ben�tigen, um die <emphasis>Audacious,</emphasis> die <emphasis>Defiant</emphasis> und die <emphasis>Indefatigable</emphasis> vollst�ndig zu erledigen. Dann w�rden sie sich neu ordnen und ihnen durch Sprungpunkt nach Ixion folgen. Im Sprungraum konnten sie die Allianz-Schiffe nicht attackieren, sie waren f�r sie hier ja nicht mal zu sehen, da jede Gruppe von Schiffen sich in ihrer eigenen trostlosen Realit�t zu bewegen schien.</p><p>Aber bei Ixion w�rde die Allianz-Flotte in den Normalraum zur�ckkehren, und die Syndiks w�rden dann nicht lange auf sich warten lassen.</p><p>Geary stand auf, da er das Gef�hl hatte, tagelang ohne Unterbrechung in seinem Kommandosessel zugebracht zu haben. Er blickte zu Captain Desjani, die ihn ernst anschaute. Das war wohl der Moment, um etwas zu sagen. �Danke, Captain. Die <emphasis>Dauntless</emphasis> hat sich gut geschlagen. Widmen Sie sich bitte den Schadensberichten und Ihrer Crew.�</p><p>Als er sich aufrichtete, merkte er, dass die Wachhabenden auf der Br�cke ihn ansahen, als w�re er ein Rettungsring, der sie vor dem Ertrinken bewahren konnte. Was sollte er zu ihnen sagen? �Gut gemacht.�</p><p>Er wollte zur Luke gehen, da rief ihm ein junger Lieutenant voller Verzweiflung nach: �Was werden wir machen, Sir? Wenn wir Ixion erreicht haben?�</p><p>Wenn er das blo� w�sste! �Ich werde mich mit unseren M�glichkeiten besch�ftigen.� Er zwang sich, eine zuversichtliche Miene zu zeigen. �Wir liegen nicht am Boden.� F�r den Augenblick war das eine korrekte Aussage. F�r den Augenblick.</p><p>Sie nickten und schienen neuen Mut zu fassen, w�hrend Geary von einer schweigsamen Rione begleitet die Br�cke verlie�.</p><p>Das Grau des Sprungraums schien auf seine Seele �bergesprungen zu sein. Geary sa� im Sessel zusammengesunken in seinem Quartier, w�hrend sich seine Gedanken st�ndig nur im Kreis drehten und seine Erinnerung wieder und wieder zeigte, wie ein Schiff nach dem anderen zerst�rt wurde.</p><p>�Es war ein anstrengender Tag�, sagte Rione schroff. Sie sa� ein St�ck weit von ihm entfernt, ihr Gesicht wirkte, als sei sie an diesem einen Tag um ein paar Jahrzehnte gealtert. �Rei� dich zusammen, wir m�ssen uns auf Ixion vorbereiten.�</p><p>�Ixion?� Geary machte sich nicht die M�he, ver�chtlich zu lachen. �Was soll ich denn in Ixion machen?�</p><p>�Ich wei� nicht. Ich bin nicht der Befehlshaber dieser Flotte. Und wenn du gar nichts tust, wirst du diesen Posten auch nicht mehr lange innehaben.�</p><p>�Wenn das ein dezenter Hinweis darauf sein soll, dass die Vernichtung dieser Flotte bei Ixion unausweichlich zu sein scheint��</p><p>�Nein!� Sie gestikulierte heftig. �Das ist es nicht. Es ist ein gro�es Problem, bei dem ich dir nicht behilflich sein kann, weil ich nicht wei�, wie man eine Flotte befehligt. Aber es sind nicht nur die Syndiks, �ber die du dir Gedanken machen musst�, erkl�rte sie. �Dein Schicksal und deine Position sind eng mit dem Schicksal und dem Zustand dieser Flotte verbunden. Momentan ist diese Flotte verwundet, und damit bist du auch verwundet. Was geschieht mit einem verwundeten Hirsch, John Geary?�</p><p>Das Bild, das sie heraufbeschwor, behagte ihm nicht, doch ihm war klar, wie recht sie hatte. �Er wird zu einem verlockenden Ziel f�r W�lfe, die sich zusammenrotten, ihn angreifen und zu Boden ringen.�</p><p>�Du kennst einige W�lfe in dieser Flotte, aber nicht alle. Seit du das Kommando �bernommen hast, stellen sie dich immer wieder auf die Probe, um nach Schw�chen zu suchen und um dich zu Fall zu bringen. Trotzdem hast du jedes Mal gewonnen und richtig gelegen, sodass sie nicht genug Anh�nger auf ihre Seite ziehen konnten. Jetzt haben sie Blut geleckt, und bei der n�chstbesten Gelegenheit werden sie sich auf dich st�rzen. Sobald diese Flotte Ixion erreicht, werden sie auf ihre Chance lauern und gegen dich vorgehen. Nach allem, was bei Lakota geschehen ist, wirst du von desillusionierten und ver�ngstigten Offizieren keinen R�ckhalt bekommen.�</p><p>Es gelang ihm, gen�gend Zugang zu seinen Gef�hlen zu finden, um Rione einen w�tenden Blick zuzuwerfen. �Wenn du mich mit deiner kleinen Ansprache motivieren willst, damit ich wieder die Initiative ergreife, dann muss ich dir leider sagen, dass bei dir auf dem Gebiet noch gro�er Nachholbedarf besteht.�</p><p>Sie konterte mit einem ebenso giftigen Blick. �Meinst du, nur du bist hier die Zielscheibe? Jeder wei�, ich bin deine Verb�ndete und deine Liebhaberin. Zumindest ein paar deiner Widersacher in dieser Flotte haben herausgefunden, dass mein Mann bei seiner Gefangennahme noch lebte. Ja, da bin ich mir ganz sicher. Sie warten darauf, diese Information dann einzusetzen, wenn sie den gr��ten Schaden anrichten wird. Das wird bei Ixion der Fall sein. Dort wird man deine Liebhaberin als eine Opportunistin entlarven, die keinen Funken Ehre besitzt. Auf dich wird das abf�rben, weil du mich verteidigst, oder aber du wirst wie ein Schw�chling dastehen, weil du zul�sst, dass andere mich schneiden. Nicht jede Waffe, die auf dich gerichtet wird, muss auch zwangsl�ufig dich treffen.�</p><p>Ihm kam nichts Vern�nftiges in den Sinn, was er dazu sagen sollte, abgesehen von einem schwachen, hilflosen: �Es tut mir leid.�</p><p>�Soll ich dir daf�r etwa dankbar sein?�, fuhr Rione ihn an, stand auf und ging in seinem Quartier w�tend auf und ab. �Du musst mich nicht verteidigen. Ich kam aus freien St�cken zu dir, und wenn ich Schande �ber mich bringe, dann ist das ganz allein meine Schuld.�</p><p>�Ich werde dich verteidigen.�</p><p>�Erspar mir deine Ritterlichkeit!� Mit einem Zeigefinger fuchtelte sie zornig vor seinem Gesicht hin und her. �Verteidige lieber diese Flotte! Die braucht dich! Ich kann sie nicht retten. Ich kann den M�nnern und Frauen der Flotte sagen, wie sehr ich sie bewundere und respektiere. Ich kann ihnen sagen, wie sehr die Allianz ihren Dienst und ihre Aufopferung zu sch�tzen wei�. Aber ich kann ihnen keine Befehle erteilen. Ich wei� gar nicht, wie das geht. Und das gilt f�r jeden deiner Verb�ndeten. Ich wei�, du erwartest von Captain Duellos, dass er deine Nachfolge antritt. Aber er wird noch viel mehr Widerstand begegnen als du, und er wird scheitern.�</p><p>Jetzt wurde er auch allm�hlich w�tend. �Willst du damit vielleicht sagen, ich sei nicht zu ersetzen? Niemand au�er mir k�nne diese Flotte befehligen? Seit wir uns das erste Mal unterhalten haben, bekomme ich von dir zu h�ren, ich solle es blo� nicht wagen, so etwas jemals zu glauben! Und wenn doch, dann w�rde ich damit den Untergang dieser Flotte besiegeln und auch den Untergang der Allianz. Und ob du es mir glaubst oder nicht, Victoria Rione, aber ich h�re dir zu und lasse mir deine Worte gr�ndlich durch den Kopf gehen. Ich bin nicht Black Jack.�</p><p>�Doch, der bist du.� Rione kam n�her und legte beide H�nde an seinen Kopf, um ihm in die Augen zu sehen. �Du bist Black Jack. Der bist du wirklich. Kein Mythos, sondern der einzige Mensch, der diese Flotte und die Allianz retten kann. Lange Zeit habe ich das nicht geglaubt. Ich habe nicht an diesen Mythos geglaubt. Vielleicht bist du ja auch gar nicht dieser Mythos,� aber die Legende gibt dir die F�higkeit, andere zu inspirieren und zu f�hren. Diese F�higkeit hast du nicht missbraucht. Und genauso wichtig ist, dass du das Wissen mitgebracht hast, wie man k�mpft. Ein Wissen, das diese Flotte schon einige Male gerettet und den Syndiks schwere Verluste zugef�gt hat. Und das kannst du wieder machen, weil so viele dich f�r Black Jack halten und weil du die Dinge vollbracht hast, die man nur von Black Jack erwarten konnte.�</p><p>�Ich kann nicht��</p><p>�Du <emphasis>musst!� </emphasis>Sie wich wieder ein paar Schritt zur�ck. �Ich sage nicht die richtigen Dinge. Wir haben das Bett geteilt und kennen uns k�rperlich, w�hrend unsere Seelen voreinander verborgen geblieben sind. Du brauchst jemanden, an dessen Worte du glaubst, jemanden, der zu dir in der Form sprechen kann, die dir als Befehlshaber der Flotte vertraut ist.�</p><p>Der Zorn war verflogen, M�digkeit machte sich wieder breit. �Worte werden nichts �ndern, ganz egal, wer sie spricht.� Worte konnten nichts am Zustand der Flotte �ndern, sie machten die Verluste nicht ungeschehen. Und sie �nderten auch nichts an der Gr��e der Syndik-Streitmacht, von der sie nach Ixion verfolgt wurden.</p><p>�Das werden wir ja sehen.� Rione verlie� sein Quartier, und lediglich die Automatik verhinderte, dass sie die Luke hinter sich zuschlug.</p><p>Irgendwann sp�ter wurde die T�rglocke bet�tigt, was ihm verriet, dass es nicht Rione war, die sich an einer weiteren Motivationsrede versuchen wollte, denn sie h�tte einfach hereinkommen k�nnen. �Ja, herein?�</p><p>�Captain Geary, Sir?� Captain Desjani stand in der T�r und sah ihn unsicher an.</p><p>Geary bem�hte sich, gerade in seinem Sessel zu sitzen, und zog seine Uniform zurecht. �Entschuldigung, Captain Desjani.� Er sollte noch etwas sagen. �Was f�hrt Sie zu mir?�</p><p>�Ich� Darf ich mich setzen, Sir?�</p><p>Darum hatte sie ihn noch nie gebeten, folglich war das kein routinem��iger Besuch�� aber darauf h�tte er auch so kommen m�ssen. �Nat�rlich. Entspannen Sie sich.� <emphasis>Frag sie nach ihrem Schiff, du Idiot.</emphasis> �Was macht die <emphasis>Dauntless?�</emphasis></p><p>Sie setzte sich, aber nat�rlich entspannte sie sich nicht. �Unsere H�llenspeer-Batterien arbeiten alle wieder. Im Munitionsdepot befindet sich nur noch eine Teilsalve Kart�tschen, Phantome �berhaupt keine mehr. Der Schaden an der H�lle wird bei der Ankunft im Ixion-System noch nicht vollst�ndig behoben sein, aber wir werden alles so flicken, dass wir wieder k�mpfen k�nnen.� Sie hielt inne. �Wir haben siebzehn Besatzungsmitglieder verloren, sechsundzwanzig sind so schwer verletzt, dass sie vorl�ufig ihren Dienst nicht verrichten k�nnen.�</p><p>Siebzehn Tote. Er fragte sich, wie viele er von ihnen wohl wiedererkannt h�tte. Vermutlich die meisten. �Ich werde an der Totenfeier teilnehmen. Lassen Sie mich wissen, wann sie stattfindet.� Die Beerdigungen konnten erst nach der Ankunft bei Ixion vorgenommen werden. Niemals wurden irgendwelche sterblichen �berreste dem Sprungraum �berantwortet.</p><p>�Selbstverst�ndlich, Sir.� Desjani wandte den Blick f�r einen Moment ab, dann sprach sie hastig weiter: �Sir, Co-Pr�sidentin Rione hat mich gebeten, mit Ihnen zu sprechen. Sie sagt, unsere Verluste bei Lakota h�tten Sie schwer getroffen, und sie meint, ich sei wom�glich in der Lage, mit Ihnen dar�ber zu reden.�</p><p>Na, gro�artig! Als ob es n�tig war, dass Desjani ihn deprimiert erlebte! Warum konnte Rione nie etwas auf sich beruhen lassen? �Danke, aber das halte ich nicht f�r erforderlich.�</p><p>Sie sah ihn an, musterte sein Gesicht und seine Uniform, dann sagte sie: �Sir, bei allem Respekt, doch danach sieht es nicht aus.�</p><p>Er konnte Desjani eine w�tende Bemerkung an den Kopf werfen, aber das w�re ungerecht gewesen, und es h�tte auch zu viel M�he gekostet. �Schon verstanden. Okay.�</p><p>Wieder schwieg sie, als warte sie ab, ob er tats�chlich einverstanden war, dann erkl�rte sie eindringlich: �Ich wusste, Ihnen w�rden die Verluste zu schaffen machen, Sir. Das ist Ihre Art. Es geh�rt mit zu den Dingen, die Sie zu einem so gro�artigen Befehlshaber machen. Aber Sie sind auch jemand, der versteht, warum der Kampf weitergehen muss. Das konnte ich so oft beobachten. Sie m�ssen sich eigentlich weder von mir noch von irgendwem anders gut zureden lassen. Sie bekommen sich wieder in den Griff, und dann denken Sie sich aus, was getan werden muss. Und dann werden wir die Syndiks wieder schlagen.�</p><p>�Diesmal haben wir sie nicht geschlagen.� So ungern er das auch sagte, doch diese Wahrheit musste ausgesprochen werden.</p><p>Desjani dachte kurz nach und sch�ttelte den Kopf. �Das stimmt nicht, Sir. Die Syndiks wollten uns in eine Falle locken und vernichten. Es ist ihnen nicht gelungen. Wir wollten Lakota verlassen, und genau das haben wir geschafft.�</p><p>Das machte ihn stutzig, denn genau genommen hatte Desjani v�llig recht. Wenn man es so betrachtete, dann hatten die Syndiks verloren, und die Allianz-Flotte hatte gesiegt, da es ihr gelungen war, zu �berleben und zu entkommen. Dennoch� �Danke, Tanya. Aber� wir haben viele Schiffe verloren. Ein Schlachtkreuzer, vier Schlachtschiffe��</p><p>�Ja, Sir, ich wei߫, unterbrach sie ihn. �Ich w�nschte, dieser Sieg w�re so wie die anderen verlaufen, bei denen die Verluste vernachl�ssigt werden konnten. Aber nicht jedes Gefecht kann so glimpflich ablaufen, erst recht nicht, wenn wir mit einer solchen �bermacht konfrontiert werden.�</p><p>Eigentlich sollte sie ihm diese Dinge gar nicht erst noch sagen m�ssen. F�r einen Moment lie� er sich seine Trauer und seine Wut anmerken und sah, dass Desjani darauf reagierte. �Diese Leute haben mir vertraut, dass ich sie nach Hause bringen werde. Sie werden jetzt nicht mehr nach Hause kommen.�</p><p>�Sir.� Sie beugte sich vor, ihr Gesicht lie� ihre Gef�hle erkennen. �Nicht jeder kehrt aus einer Schlacht zur�ck. Das lernt jeder von uns sehr fr�h. Wir alle haben Freunde und Kameraden verloren, so wie es unseren M�ttern und V�tern vor uns ergangen ist, und so wie es deren M�ttern und V�tern vor ihnen ergangen ist. Aber Sie wurden geschickt, um uns zu retten. Ich wei� das, und die meisten Offiziere und fast alle Matrosen in dieser Flotte wissen das. Sie sind auf einer Mission der lebenden Sterne unterwegs, und diese Mission lautet, die Flotte nach Hause zu bringen und die Allianz zu retten. Das bedeutet, Sie <emphasis>k�nnen</emphasis> gar nicht scheitern. Wir alle wissen das, und schon bald werden Sie sich auch wieder daran erinnern und sich �berlegen, was als N�chstes geschehen muss.�</p><p>Ihr Glaube an ihn hatte etwas fast Be�ngstigendes an sich, denn er wusste, wie fehlbar er war, und er konnte einfach nicht glauben, dass jemand wie er von irgendeiner h�heren Macht auf eine Mission geschickt werden k�nnte. �Ich bin so sehr ein Mensch wie Sie, Tanya.�</p><p>�Nat�rlich sind Sie das! Die lebenden Sterne und unsere Vorfahren wirken durch die Lebenden! Das wei� doch jeder!�</p><p>�Diese Flotte braucht mich nicht. Die Allianz braucht mich nicht. Ich bin kein��</p><p>�Sir, selbstverst�ndlich brauchen wir Sie!�, unterbrach Desjani ihn in einem fast flehenden Tonfall. �Ich wei� nicht, was ich� was diese Flotte ohne Sie machen sollte und was ohne Sie aus der Allianz werden sollte. Sie kamen aus einem bestimmten <emphasis>Grund</emphasis> zu uns. W�ren Sie nicht bei uns im Syndik-Heimatsystem gewesen, dann h�tte dies das Ende der Flotte bedeutet, und die Allianz w�re verloren gewesen. Wir sind Ihnen gefolgt, weil wir Ihnen vertrauen, und Sie haben durch Ihre Taten und Worte wieder und wieder bewiesen, dass Sie dieses Vertrauen verdienen.�</p><p>Wieder wollte Geary protestieren, doch dann begriff er auf einmal, als h�tte einer seiner Vorfahren es ihm zugefl�stert. Er hatte die Crews jener Schiffe entt�uscht, die bei Lakota vernichtet worden waren. Das war schlimm, daran gab es keinen Zweifel, aber viel schlimmer w�re es, die Besatzungen der �berlebenden Schiffe zu entt�uschen, ihnen den Glauben an ihn zu nehmen, wenn das das Einzige war, was sie nach vorn schauen lie�. Sie vertrauten auf ihn, und er wusste es. So wie die Besatzungen der <emphasis>Audacious,</emphasis> der <emphasis>Defiant</emphasis> und der <emphasis>Indefatigable</emphasis> gewusst hatten, dass der Rest der Flotte auf sie z�hlte. Er musste sich in den Griff bekommen, und Desjani und Rione hatten beide recht, wenn sie sagten, dass er derjenige sein musste, der sie anf�hrte.</p><p>Denn der Glaube, den andere in ihn setzten, bedeutete, dass nur er eine halbwegs brauchbare Chance hatte, diese Flotte zusammenzuhalten. Das w�rde genauso schwierig sein wie seine Bem�hungen, ihre Zerst�rung zu verhindern, und doch musste er es versuchen. Und das hie�, er musste sich seinen n�chsten Zug �berlegen.</p><p>Also setzte er sich etwas gerader hin, nickte und sprach mit festerer Stimme: �Ich trage eine Verantwortung.� <emphasis>Ob sie mir gef�llt oder nicht, ist nicht wichtig, auch wenn ich wei�, sie gef�llt mir kein bisschen.</emphasis> �Danke, dass Sie mir die Augen ge�ffnet haben.�</p><p>Sie lehnte sich zur�ck und l�chelte erleichtert. �Daf�r haben Sie mich nicht gebraucht.�</p><p>�Doch, das habe ich.� Er setzte zu einem gezwungenen L�cheln an, bis er pl�tzlich merkte, dass daraus ein ehrliches L�cheln wurde. �Vielen Dank, Tanya. Ich bin sehr froh, dass ich auf Ihrem Schiff bin.�</p><p>Sie l�chelte weiter, dann schluckte sie, sah ihn unsicher an und stand schlie�lich auf. �Danke, Sir. Ich sollte jetzt besser auf die Br�cke zur�ckkehren.�</p><p>�Nat�rlich. Wenn Sie Co-Pr�sidentin Rione begegnen, richten Sie ihr bitte aus, dass es mir gut geht.�</p><p>�Das werde ich machen, Sir.� Sie salutierte rasch, dann eilte sie nach drau�en.</p><p>Geary sa� eine Weile da und dachte nach. Schlie�lich bewegte sich seine Hand zu den Kontrollen des Displays. Das Bild des Ixion-Sternensystems nahm dort Gestalt an, die Allianz-Flotte wurde in der wirren Anordnung dargestellt, in der sie Lakota verlassen hatte und in der sie Ixion erreichen w�rde. <emphasis>Ich muss mir etwas einfallen lassen. Nur was?</emphasis></p></section><section><title><p>Zw�lf</p></title><p>�Sir, hier ist Lieutenant Iger aus der Geheimdienstabteilung. Wir haben hier etwas Wichtiges entdeckt, das Sie wissen sollten.�</p><p>Geary wurde langsam wieder von Depressionen heimgesucht, da ihm die guten Ideen ausgingen, wie es von Ixion aus weitergehen sollte, und einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, auf die Mitteilung gar nicht zu reagieren. Doch dann siegte sein Pflichtgef�hl, und er meldete sich. �Was genau verstehen Sie unter etwas Wichtigem?�, fragte er.</p><p>�Ich� das l�sst sich schwer sagen, Sir. Es ist etwas v�llig Unerwartetes, und was es zu bedeuten hat, wissen wir nicht. Dennoch k�nnte es von gr��ter Wichtigkeit sein.�</p><p>Die Leute vom Geheimdienst arbeiteten gern mit Begriffen wie diesem �k�nnte�, allerdings war es �u�erst ungew�hnlich, dass sie offen zugaben, von einer Sache keine Ahnung zu haben.</p><p>�Wir haben alles vorbereitet, um es Ihnen hier unten zu zeigen, aber ich kann damit auch zu Ihnen kommen, Sir�, fuhr Iger fort. �Was Ihnen am liebsten ist.�</p><p>Er schaute sich um. Sich der Crew der <emphasis>Dauntless</emphasis> zu stellen, hatte nach wie vor etwas Be�ngstigendes an sich. Doch in seinem Quartier f�hlte er sich zunehmend wie in einer Gef�ngniszelle, in die er sich auch noch selbst gesperrt hatte. Es war l�ngst an der Zeit, diesen Raum zu verlassen und zu versuchen, wieder wie der Befehlshaber einer Flotte aufzutreten. �Ich komme zu Ihnen runter. W�re es Ihnen jetzt gleich recht?�</p><p>�Ja, Sir. Ich warte hier auf Sie, Sir.�</p><p>Nach kurzem Z�gern stand Geary auf, betrachtete missmutig sein Erscheinungsbild und zog eine frische Uniform an. Ganz gleich, was bei Lakota geschehen war, er durfte nicht den Eindruck erwecken, dass er sich davon hatte unterkriegen lassen.</p><p>Die Besatzungsmitglieder der <emphasis>Dauntless,</emphasis> denen er auf dem Weg begegnete, machten durchweg eine besorgte Miene, die aber sogleich Hoffnung erkennen lie�, sobald sie Geary sahen. Trotz seiner d�steren Stimmung bem�hte er sich, Zuversicht auszustrahlen, was die meisten ihm auch ohne zu z�gern abnahmen. Als junger Offizier hatte er im Umgang mit seinen Vorgesetzten gelernt, wenn er sich so verhielt, als wisse er ganz genau, was er tue, dann nahm automatisch jeder andere an, dass das tats�chlich der Fall war.</p><p>�Was werden wir machen, wenn wir Ixion erreichen?�, platzte ein Matrose heraus. �Sir?�</p><p>�Ich habe mich noch nicht entschieden�, erwiderte er, als stehe er vor einer gro�en Auswahl voll exzellenter Optionen. Der Matrose jedenfalls l�chelte hoffnungsvoll und salutierte zackig.</p><p>Als er die hinter einer Reihe von Hochsicherheitsluken von ihrer Umgebung abgeschottete Geheimdienstabteilung erreichte, wurde Geary bewusst, dass es dem Geheimdienstoffizier gelungen war, ihn aus seinem Quartier zu locken. Das hatten bis dahin weder Captain Desjani noch die Politikerin Rione geschafft, was dem Ganzen etwas sehr Ironisches verlieh.</p><p>Lieutenant Iger erwartete ihn bereits und machte einen nerv�sen Eindruck, als Geary sich setzte. �Sir, wir haben die Nachrichten analysiert, die zwischen den Schiffen der Syndik-Flotte ausgetauscht wurden, die durch das Hypernet-Portal ins Lakota-Sternensystem kamen.�</p><p>�Wie viel davon konnten Sie abfangen und entschl�sseln?�, wollte er wissen.</p><p>�Nicht viel, aber ein paar Signale verirren sich immer, und wenn wir lange genug in einem Sternensystem bleiben, bis sie uns erreichen, dann k�nnen wir sie auch aufzeichnen und versuchen, den Verschl�sselungscode zu knacken�, erl�uterte Iger. �Es ist nicht einmal ann�hernd eine Quelle f�r Geheimdienstinformationen. Sollten wir je eine feindliche Nachricht rechtzeitig entschl�sseln, um Einfluss auf einen laufenden Kampf nehmen zu k�nnen, dann werden wir Sie das nat�rlich wissen lassen.�</p><p>�Ich darf doch davon ausgehen, dass Sie mir die Entscheidung �berlassen, was Einfluss nehmen k�nnte und was nicht, oder?� Geary wusste, dass die Jungs vom Geheimdienst solche Dinge wahrscheinlich sehr wohl gern selbst in die Hand nahmen.</p><p>�Ahm� ja, Sir�, versicherte Lieutenant Iger ihm und nahm sich zweifellos vor, das ab sofort so zu handhaben.</p><p>�Ich darf annehmen, dass es mit dem Signal etwas Besonderes auf sich hat, wenn Sie mich daf�r herholen.�</p><p>�Jawohl, Sir. Etwas Ungew�hnliches, etwas sehr Ungew�hnliches.� Er hielt kurz inne, fuhr mit der Zunge �ber die Lippen und redete dann hastig weiter: �Sir, wir sind zu der Einsch�tzung gekommen, dass die Syndiks von ihrem Auftauchen im Lakota-System genauso �berrascht waren wie wir.�</p><p>Geary �berlegte, ob er das richtig verstanden hatte. �Sie reden von den Syndiks, die sich bereits im System befanden, richtig? Die waren �berrascht, dass die Verst�rkung eintraf?� Warum sollte das einen Geheimdienstoffizier aufhorchen lassen?</p><p>�Nein, Sir. Die einzige Auslegung, die zu den von uns entschl�sselten Meldungen passt, l�uft darauf hinaus, dass die durch das Hypernet-Portal kommenden Syndik-Schiffe v�llig verwundert waren, sich in Lakota zu befinden. Sie hatten eigentlich das Andvari-System anfliegen wollen.�</p><p>Geary brauchte ein paar Sekunden, ehe ihm klar wurde, dass er den Lieutenant anstarrte. �Wie oft kommt so etwas bei Hypernet-Reisen vor?� Niemand hatte ihm bislang davon berichtet, dass man sich im Hypernet verfliegen konnte.</p><p>�Es kommt nicht vor, Sir�, betonte Lieutenant Iger. �Die Bedienung eines Schl�ssels ist so problemlos, dass es nicht noch einfacher sein k�nnte. Auf dem Kontrollschirm w�hlt man den Namen des Sternensystems aus, in das man reisen m�chte. Sobald Sie im Hypernet unterwegs sind, zeigt der Schirm weiterhin das Zielsystem an. Man m�sste schon extrem dumm oder vergesslich sein, um nicht zu wissen, zu welchem Stern man fliegt. In all unseren�� �u�erst detaillierten�� Unterlagen wird nicht ein einziger Fall erw�hnt, in dem ein Schiff im Hypernet in ein anderes als das ausgew�hlte System gelangt ist. Das Prinzip ist so einfach, dass nicht einmal ein v�lliger Idiot etwas verkehrt machen k�nnte.�</p><p>�Untersch�tzen Sie nicht, wozu Idioten in der Lage sind, Lieutenant. K�nnte der Hypernet-Schl�ssel defekt gewesen sein?�</p><p>Iger zuckte frustriert mit den Schultern. �Soweit uns bekannt ist, d�rfte ein Schl�ssel, der einen solchen Fehler nach sich zieht, gar nicht erst funktionieren.�</p><p>Geary lehnte sich zur�ck und dachte nach, w�hrend Lieutenant Iger eine ungl�ckliche Miene machte und wartete. <emphasis>Vermutlich rechnet er damit, dass ich ihn mitsamt seiner Analyse in der Luft zerrei�e. Aber warum sollte er mir das alles darlegen, wenn er es nicht f�r wahr h�lt?</emphasis> �Angenommen, Ihre Analyse trifft zu�, begann Geary und erntete prompt einen erleichterten Blick. �Wie kann es dann sein, dass diese Schiffe ein anderes Ziel als das vorgesehene erreichten?�</p><p>Iger sch�ttelte den Kopf. �Laut unserer Experten ist das nicht m�glich.�</p><p>�Haben Sie schon mit Captain Cresida gesprochen?�</p><p>Diesmal konnte Iger seine Verwunderung nicht verbergen, dass Geary wusste, dass Cresida eine der Expertinnen der Flotte in Sachen Hypernet-System war. �Nein, Sir, wir k�nnen im Sprungraum keine so umfangreiche und komplexe Nachricht an sie senden. Aber wir haben eine Lernsimulation gestartet, die auf den Lehren f�hrender Hypernet-Experten der Allianz basiert, und wir haben ihr die Beobachtung als ein theoretisches Problem zur Bewertung vorgelegt. Die Avatare der Experten dieser Simulation sind der einhelligen Meinung, dass das nicht vorkommen kann.�</p><p>�Es ist nicht m�glich, w�hrend des Flugs das Ziel zu �ndern? Auf keinen Fall?�</p><p>�Auf keinen Fall, Sir�, beharrte Iger. �Es gibt nur eine Alternative, was stattdessen passiert sein k�nnte: Es w�re m�glich, dass die Syndiks versucht haben uns zu t�uschen und absichtlich irref�hrende Nachrichten gesendet haben, weil sie wussten, wir w�rden das eine oder andere abfangen und die Verschl�sselung irgendwann knacken.�</p><p>�Und warum glauben Sie nicht, dass sie das tats�chlich gemacht haben?�</p><p>Iger verzog den Mund. �In erster Linie wegen Ockhams Rasiermesser, Sir. Eine absichtliche T�uschung in diesem Fall w�re eine sehr komplexe und sehr ungewisse Operation. Die einfachste Erkl�rung ist die beste, n�mlich die, dass die Nachrichten echt sind. Und die �bermittlungen <emphasis>f�hlen</emphasis> sich auch echt an. Nichts daran erweckt den Eindruck eines T�uschungsman�vers. Alles an ihnen entspricht unseren Erfahrungen mit authentischer Syndik-Kommunikation. Au�erdem k�nnen wir uns keine Erkl�rung vorstellen, warum die Syndiks versuchen sollten, uns in diesem Punkt in die Irre zu f�hren.�</p><p>�Vielleicht, weil sie uns davon abhalten wollen, das Hypernet zu benutzen. Sie k�nnten doch Zweifel s�en wollen, dass es gar nicht so zuverl�ssig ist, wie wir glauben.�</p><p>�Aber sie konnten nicht wissen, dass wir ausgerechnet <emphasis>diese</emphasis> �bertragungen abfangen w�rden, Sir. Einige davon kursierten gleich nach der Ankunft im Lakota-System, also noch bevor sie �berhaupt die Tatsache erfasst haben konnten, dass unsere Flotte sich im System befindet.�</p><p>Geary nickte bed�chtig. �Wie �berzeugt sind Sie von Ihrer Einsch�tzung, dass diese Syndik-Flotte gar nicht nach Lakota hatte fliegen wollen?�</p><p>�Es ist die einzige Einsch�tzung, die zu den gesendeten Nachrichten passt, Sir�, lie� Iger ihn kleinlaut wissen. �Wir h�tten gern eine andere Erkl�rung gefunden, aber nichts sonst ergibt einen Sinn.�</p><p>�Okay.� Geary stand auf. �Gute Arbeit, und gut von Ihnen, dass Sie mir die Wahrheit so geschildert haben, wie Sie sie sehen. Allerdings haben Sie da etwas �bersehen.�</p><p>�Und das w�re, Sir?�, fragte Iger noch eine Spur besorgter.</p><p>�Sie sagten, dass es nicht m�glich ist, das Ziel eines Schiffs zu �ndern, wenn es sich erst einmal im Hypernet befindet. Wenn die Daten zutreffen, die Sie zusammengetragen haben�� und daran zweifle ich nicht��, dann muss es aber m�glich sein. Wir wissen blo� nicht, wie es geht.�</p><p>Iger zuckte zusammen, dann nickte er und begann zu gr�beln. �Doch wenn die Syndiks wissen, wie es geht, warum waren sie so erstaunt, dass sie in einem anderen System eingetroffen sind?�</p><p>�Vielleicht wissen die Syndiks es ja selbst nicht, Lieutenant.� Geary schwieg einen Moment lang, um Iger Zeit zu lassen, diese �berlegung zu verinnerlichen. �Haben Sie hier noch irgendwelche Daten, auf die ich keinen Zugriff habe? Irgendeine Information, die zu heikel ist, um sie mir zu zeigen?�</p><p>�Nein, Sir�, antwortete Iger sofort. �Als Flottenbefehlshaber k�nnen Sie auf alles zugreifen. Ich kann nat�rlich nicht f�r Informationen sprechen, die sich auf anderen Schiffen befinden. Aber was sich an Bord der <emphasis>Dauntless</emphasis> befindet, steht Ihnen in vollem Umfang zur Verf�gung, ganz gleich, welcher Geheimhaltungsstufe es unterliegt.�</p><p>In der N�he eines Schotts trieb ein Sternendisplay in der Luft. Geary ging hin und betrachtete die Darstellung. �Lieutenant, sind Ihnen irgendwelche Informationen bekannt, die auf eine intelligente Spezies hindeutet, die jenseits des Syndik-Territoriums existiert?�</p><p>Als er sich umdrehte, sah Iger ihn verdutzt an. �Nein, Sir. Etwas in dieser Art habe ich noch nie zu sehen bekommen.�</p><p>Wieder nickte Geary. �Sie k�nnen mir einen Gefallen tun, Lieutenant. Suchen Sie alle Daten zusammen, die wir von den Syndiks erbeutet haben und die sich mit der anderen Seite des Syndik-Territoriums befassen. Beziehen Sie bewohnte und aufgegebene Sternensysteme mit ein, au�erdem die Positionen der Hypernet-Portale. Und wenn Sie damit fertig sind, w�rde ich gern Ihre Meinung h�ren.�</p><p>Igers Blick ruhte auf dem Sternendisplay. �Haben Sie das schon gemacht, Sir?�</p><p>�Ja, das habe ich. Ich m�chte wissen, ob Sie zu den gleichen Schlussfolgerungen kommen wie ich.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Rione hielt sich in seinem Quartier auf, als Geary zur�ckkam. Sie stand auf und betrachtete ihn forschend. �Es f�hlte sich hier so anders an, wenn man nicht sieht, wie du in deinem Sessel versunken dasitzt und d�stere Stimmung verbreitest. Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Ganz gut, w�rde ich sagen.�</p><p>�Dann konnte Captain Desjani dir etwas geben, wozu ich nicht in der Lage war?�</p><p>�Das ist� sie hat mir geholfen. Ihr beide habt mir geholfen.�</p><p>�M-hm.� Sie setzte sich wieder hin und wirkte m�de und ersch�pft. �Gut, gut. Was immer dir geholfen hat. Ich bin kurz davor gewesen, dich zu ohrfeigen, bis du dich endlich r�hrst.�</p><p>�Vielleicht h�tte es mir ja gefallen�, erwiderte Geary.</p><p>�Ein Witz? Eben noch sitzt du reglos da, und jetzt kannst du Witze machen?�</p><p>�Eigentlich nicht.� Er setzte sich zu ihr und machte eine vage Geste. �Ich verstehe selbst nicht, was funktioniert hat. Aber manchmal kann Verantwortung einen erdr�cken, und dann wieder kann sie einen zum Handeln antreiben. Und manchmal beides gleichzeitig. Ob das einen Sinn ergibt, wei� ich nicht.�</p><p>�Doch, es ergibt einen Sinn�, antwortete sie in untypisch sanftem Tonfall. �Wo warst du?�</p><p>�Ich komme gerade von der Geheimdienstabteilung zur�ck.� Er aktivierte das Sternendisplay und berichtete ihr, was er von Iger erfahren hatte. Rione h�rte ihm zu, lie� aber nicht erkennen, was sie davon hielt. �Was glaubst du, wie diese riesige Syndik-Flotte �ber das Hypernet gerade im richtigen Moment nach Lakota kam, um uns beinahe zu vernichten?�, fragte er schlie�lich.</p><p>Sekundenlang sa� sie schweigend da und betrachtete das Display. �Dann hatten wir nicht blo� unsagbares Pech, sondern unsere unbekannten Aliens haben sich entschlossen, sich auf die Seite der Syndiks zu stellen. Ich habe dich ja gewarnt, dass sie dich nicht siegen lassen w�rden.�</p><p>�Ich komme einem Sieg doch gar nicht n�her! Ich konzentriere mich nach wie vor darauf, das �berleben dieser Flotte zu gew�hrleisten, und dabei bin ich mir nicht mal sicher, wie lange mir das noch gelingen wird.�</p><p>�Hast du dir durch den Kopf gehen lassen, was das bedeuten k�nnte?�</p><p>�Nat�rlich habe ich das!� Er warf ihr einen ver�rgerten Blick zu, dann hielt er inne. �Was meinst du damit?�</p><p>Sie deutete auf das Display. �Woher wusste unsere gar nicht mehr so hypothetische fremde Macht, dass unsere Flotte auf dem Weg nach Lakota war, damit sie die Syndik-Flotte noch rechtzeitig dorthin umleiten konnte?�</p><p>Geary sp�rte, wie sich sein Magen verkrampfte. �Entweder sind sie in der Lage, Flottenbewegungen �ber gro�e interstellare Entfernungen hinweg weitestgehend in Echtzeit mitzuverfolgen. Oder sie haben einen Spion in dieser Flotte. Glaubst du, sie sehen menschlich genug aus, um nicht aufzufallen?�</p><p>�Falls sie nicht sowieso menschlich sind. Oder vielleicht haben sie einen Spion angeheuert. Oder wir haben es gar nicht mit einem lebenden Wesen zu tun, sondern mit einem Wurm, der in die Flottensysteme eingeschleust worden ist, um von dort �ber unsere Aktivit�ten zu berichten.�</p><p>�Das sind auch denkbare M�glichkeiten, die ich ehrlich gesagt f�r glaubw�rdiger halte als die F�higkeit, ohne Zeitverz�gerung etwas zu sehen, was sich viele Lichtjahre entfernt abspielt. Wenn diese� was immer sie auch sind� wenn sie so etwas k�nnen, dann ist die Menschheit in Sachen Technologie bedenklich weit abgeschlagen. So unangenehm der Gedanke auch ist, glaube ich dann doch lieber an einen Spion, der sie mit Informationen versorgt.� Nachdenklich hielt er inne. �Offenbar haben deine Spione in der Flotte nie einen Hinweis auf nichtmenschliche Spione entdeckt, sonst h�ttest du das sicherlich gesagt.�</p><p>Rione seufzte aufgebracht. �Meine Spione wissen von vielen verschiedenen Spionen, die f�r viele verschiedene Leute arbeiten. Aber viele andere Informanten fallen sicher gar nicht auf, und �ber die Identit�t der meisten Auftraggeber k�nnen wir bestenfalls Vermutungen anstellen. Kommen wir zur n�chsten �berlegung. Wie hat dieser Spion die Information schnell genug an die Aliens weiterleiten k�nnen, damit die noch Zeit zum Handeln hatten?�</p><p>Geary musterte Rione. �Daran h�tte ich denken m�ssen. Machbar ist das nur, wenn diese Wesen eine M�glichkeit besitzen, mit �berlichtgeschwindigkeit zu kommunizieren, ohne dass ein Schiff diese Nachrichten �bermittelt.�</p><p>�Wir hatten �berlegt, ob die Hypernet-Portale eine solche M�glichkeit bieten.�</p><p>�Richtig. Aber im Ixion-System gab es kein Portal, und dabei entschieden wir erst dort, dass wir nach Lakota weiterfliegen w�rden. Seit Sancere haben wir uns nicht mehr in einem System mit Hypernet-Portal aufgehalten, und selbst das bei Sancere wurde zerst�rt, bevor wir von dort abgereist sind.�</p><p>�Stimmt.� Rione verzog das Gesicht. �Ein �berlicht-Transmitter auf einem unserer Schiffe, der so klein ist, dass er nicht entdeckt werden kann. Wie weit ist uns diese fremde Intelligenz technologisch voraus?�</p><p>Geary stierte auf das Display, als ihm auf einmal noch etwas klar wurde. �Verdammt!�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Das folgenschwerste Problem �berhaupt. Wir haben darauf gehofft, ein nur schwach verteidigtes Hypernet-Portal zu finden, das wir benutzen k�nnen, um ins Territorium der Allianz zur�ckzukehren.�</p><p>Rione nickte zustimmend.</p><p>�Aber das k�nnen wir jetzt nicht mehr machen, selbst wenn wir ein Portal finden sollten, das �berhaupt nicht bewacht wird.�</p><p>In dem Moment verstand sie. �Wenn wir ins Hypernet fliegen, und diese Fremden k�nnen jedes Schiff hinschicken, wohin sie wollen��</p><p>�Dann k�nnten wir wer wei� wo landen. Vielleicht im Gebiet jenseits des Allianz-Territoriums. Oder in einem System, in dem sich die komplette Syndik-Flotte versammelt hat und nur auf uns wartet.�</p><p>�Oder irgendwo au�erhalb des Hypernets�, f�gte sie an. �Das soll zwar gar nicht m�glich sein, aber wie es scheint, ereignen sich ja schon jetzt einige eigentlich unm�gliche Dinge.�</p><p>Geary lie� sich in seinen Sessel sinken und lehnte sich nach hinten, w�hrend er all die Erkenntnisse zu erfassen versuchte, die offenbar wahr sein mussten. �Ich begreife das nicht. Angenommen, sie besitzen diese F�higkeiten�� und zumindest irgendetwas davon muss f�r sie machbar sein�� warum lassen sie uns gegen�ber dann erkennen, wozu sie in der Lage sind?�</p><p>�Vielleicht weil die h�chste F�hrungsebene der Syndiks l�ngst von ihrer Existenz wei� und weil ihr bekannt ist, wer ihre Flotte nach Lakota statt nach Andvari geschickt hat.� Rione sch�ttelte den Kopf. �Und was uns angeht, erwarten die Aliens nicht, dass wir das Ganze �berhaupt �berleben oder dass wir auch nur in der Lage sind zu erahnen, was sich in Wahrheit abspielt. Aber mich �berrascht immer noch, dass sie uns das Wissen �ber solche F�higkeiten zukommen lie�en.�</p><p>�M�glicherweise wissen sie, dass wir damit nichts anfangen k�nnen. Wir sitzen nach wie vor hier fest.� Wut regte sich in ihm. Bei allen Problemen, mit denen er sich konfrontiert sah, war es einfach nicht fair, dass sich jetzt auch noch Aliens einmischten und das Ganze umso komplizierter machten. Es war ein alberner Grund, sich zu �rgern, doch es war nun einmal unfair, und das reizte ihn nur noch mehr. �Diese Flotte muss auf die harte Tour nach Hause kommen, oder sie kommt gar nicht nach Hause. Aber ich sage dir, ich bringe sie heim.�</p><p>Rione sah ihn ungl�ubig an, dann begann sie zu l�cheln. �Von der tiefsten Verzweiflung zur entschiedenen Entschlossenheit. Was dich angeht, war das heute ein guter Tag f�r Stimmungsschwankungen.� Dann wurde sie wieder ernst. �Es gibt da noch eine M�glichkeit, die wir bislang nicht in Erw�gung gezogen haben.�</p><p>�Und zwar?�</p><p>�Vielleicht haben die Aliens uns absichtlich wissen lassen, welche F�higkeit sie mit Blick auf das Hypernet-System besitzen. Vielleicht sind sie davon ausgegangen, dass dir die Flucht aus diesem System gelingen w�rde, so wie du es zuvor auch schon geschafft hast. M�glicherweise helfen sie den Syndiks gar nicht, sondern versuchen uns etwas mitzuteilen.�</p><p>Den Blick wieder auf das Display gerichtet, lie� er sich diese �berlegung durch den Kopf gehen. �Ich habe schon genug Menschen, die glauben, ich k�nnte das Unm�gliche vollbringen. Ich brauche nicht noch Aliens, die das ebenfalls meinen. Warum sollten sie das tun?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, erkl�rte Rione unverhohlen frustriert. �Wir kennen die Absichten dieser mysteri�sen Wesen nicht. Wir wissen nicht, wie sie denken, wenn sie nichtmenschlich sind. Und von Letzterem ist auszugehen. Was wollen sie? Die Menschheit in einen unendlichen Krieg verstricken? Warten sie, bis eine ausreichend gro�e Anzahl Hypernet-Portale existiert, um sie dann zusammenbrechen zu lassen, damit die Menschheit in allen von ihr kolonisierten Systemen auf einen Schlag ausgel�scht werden kann? Oder sind die Portale eine R�ckversicherung f�r den Fall, dass wir sie jemals bedrohen k�nnten? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter, etwas f�r uns so v�llig Fremdartiges, dass wir es nicht einmal bezeichnen k�nnen?�</p><p>�Willst du damit sagen, sie sind wom�glich gar nicht feindselig? Obwohl sie die Syndik-Flotte nach Lakota umgeleitet haben, was fast unser Ende bedeutet h�tte?�</p><p>�Ja, genau das will ich damit sagen. Wenn wir morgen auf eine Alien-Flotte sto�en w�rden, was w�rdest du dann machen?�</p><p>�Ich wei� nicht so genau. Wenn sie das Feuer auf uns er�ffnen, w�re die Antwort klar. Aber wenn sie einfach auftauchen w�rden� Ich sch�tze, das Beste w�re, mit ihnen zu reden, um zu erfahren, was sie wollen.�</p><p>�Und dann abw�gen�, f�gte Rione entschieden an, �ob die Menschheit mit dem leben kann, was sie wollen.�</p><p>�Wer immer die sein m�gen und was sie auch von uns wollen, sie schulden uns noch etwas f�r den Verlust der <emphasis>Audacious,</emphasis> der <emphasis>Indefatigable</emphasis> und der <emphasis>Defiant�,</emphasis> gab Geary mit rauer Stimme zur�ck. �Daf�r m�ssten sie uns schon einen <emphasis>verdammt</emphasis> guten Grund liefern.�</p><empty-line/><subtitle>* * *</subtitle><empty-line/><p>Drei weitere Tage, um in Ruhe nachzudenken. Drei weitere Tage, die keine Antworten brachten. Als die Flotte bei Ixion in den Normalraum zur�ckkehrte, nahm Geary einen bitteren Geschmack im Mund wahr. Diesmal wurden sie nicht von einem Minenfeld empfangen, und so konnte Geary in Ruhe zusehen, wie ein Allianz-Schiff nach dem anderen neben der <emphasis>Dauntless</emphasis> auftauchte. Sein Blick ruhte auf den Statusanzeigen der verschiedenen Schiffe, die nach und nach aktualisiert wurden und Sch�den ebenso meldeten wie bereits vorgenommene Reparaturen. Die Angaben zu den Reserven der Brennstoffzellen waren genauso erschreckend wie die Zahlen �ber die Munitionsvorr�te. Das gr��te Problem bestand aber darin, dass einige Schiffe noch immer darum bem�ht waren, ihren Antrieb wieder in Gang zu bekommen. Solange das nicht der Fall war, konnte die Flotte nicht einmal die Flucht antreten, ohne dabei diese Schiffe zur�cklassen zu m�ssen.</p><p>Und dann w�rden sie in die F�nge der Syndik-W�lfe gelangen, die in K�rze aus dem Sprungraum in das System folgten. Es fiel Geary nicht schwer, sich das vorzustellen, immerhin hatte er bereits entsprechende Simulationen durchspielen lassen: die Allianz-Flotte auf der Flucht zum n�chsten Sprungpunkt, die schnelleren Syndiks hinter ihnen, Schw�rme aus Leichten Kreuzern und J�gern, die sich jene Allianz-Schiffe vornahmen, die zu schwer besch�digt waren, um mit der Flotte mitzuhalten. Und dann lie�e sich die Flotte von hinten aufrollen und ein Antrieb nach dem anderen zerst�ren, sodass die getroffenen Schiffe zur�ckfielen und von der Syndik-Flotte geschluckt werden konnten.</p><p>Er simulierte, was geschehen w�rde, wenn er seine Flotte hier neu aufstellte, um die �berlegene Syndik-Streitmacht in Empfang zu nehmen, die Ixion fr�her oder sp�ter nach Ixion erreichen musste. Angesichts der zahlreichen besch�digten Schiffe, des geringen Ladestands der Brennstoffzellen und der niedrigen Munitionsvorr�te lief die Simulation jedes Mal auf eine vollst�ndige Vernichtung der Allianz-Flotte hinaus.</p><p>Vorausgesetzt, nach der anstehenden Flottenkonferenz war er �berhaupt noch der Befehlshaber der Flotte. Jetzt, da die Bedrohung von au�en so ernst war, wusste er, dass ihm aus den eigenen Reihen noch gr��ere Gefahr drohte.</p><p>Sie konnten keine Sekunde l�nger in Ixion bleiben als unbedingt n�tig, und sie w�rden diesem System nicht entfliehen k�nnen, ohne weitere Schiffe zu verlieren. Falls die Allianz-Flotte �berhaupt noch aus Ixion herauskam, gab es diesmal keine Chance, die Syndik-Verfolger abzusch�tteln. Und es gab keine M�glichkeit, die schweren Verluste bei Lakota zu rechtfertigen. Ringsum auf der Br�cke der <emphasis>Dauntless</emphasis> sah er, wie die Wachhabenden sich hilflos und ver�ngstigt ansahen, w�hrend sie sich ihr eigenes Bild vom Zustand der Flotte machten.</p><p>Sie konnten nicht bleiben, und sie konnten nicht fliehen.</p><p>Genau in diesem Moment erkannte Geary, was die Allianz-Flotte zu tun hatte. Zum Teufel mit der Flottenkonferenz! Ich habe mich entschieden, und sie alle werden meine Befehle befolgen.</p><p>Er holte tief Luft, warf einen letzten Blick auf die lange Liste besch�digter Schiffe seiner Flotte und dr�ckte dann in aller Ruhe auf die Komm-Taste. �An alle Schiffe der Allianz-Flotte, hier spricht Captain Geary. Gehen Sie mit sofortiger Wirkung auf Gegenkurs. Ich wiederhole: Alle Schiffe gehen sofort auf Gegenkurs.�</p><p>Captain Desjani gab den Befehl fast reflexartig an ihre Crew weiter, erst dann stutzte sie und sah Geary verwundert an. Er musste au�er ihr niemanden ansehen, um zu wissen, dass alle anderen genauso reagierten. �Sir?�, fragte sie. �Kursumkehr? Wenn wir die Minen verteilen wollen, �ber die wir noch verf�gen��</p><p>�Wir werden keine Minen verteilen�, erkl�rte er. �Wir haben gar nicht mehr genug Minen, um damit noch irgendetwas zu erreichen.�</p><p>�Captain Geary�, ging ein Ruf ein. �Hier ist Captain Duellos von der <emphasis>Courageous.</emphasis> Best�tigen Sie bitte Ihren letzten Befehl.�</p><p>�Befehl best�tigt. Sofort auf Gegenkurs gehen. Also los.�</p><p>Insgeheim fragte er sich, ob wohl irgendwelche Schiffe einfach weiter ins Sternensystem hineinfliegen w�rden, doch es gab hier kein Versteck, keinen Unterschlupf, nur die weitl�ufige Leere rund um Ixion. Wie es schien, wollte wohl niemand riskieren, in dieser Leere allein zur�ckzubleiben, indem er den Befehl ignorierte. Er konnte beobachten, wie seine Schiffe zum Wendeman�ver ansetzten. Von einer Formation war ihnen momentan nicht viel anzumerken, dennoch blieb ihm keine Zeit, daran etwas zu �ndern. Trotz der relativ niedrigen Geschwindigkeit, mit der die Flotte den Sprungpunkt verlassen hatte, dauerte alles viel l�nger, als es Geary recht war, schlie�lich jedoch waren alle Schiffe wieder auf den Sprungpunkt ausgerichtet.</p><p>�Hier ist die <emphasis>Colossus.</emphasis> Was haben Sie vor, Captain Geary? Sollten wir nicht erst eine Flottenkonferenz abhalten? Es gibt wichtige Dinge zu besprechen.�</p><p>�Hier ist die <emphasis>Conqueror,</emphasis> ich schlie�e mich der Meinung der <emphasis>Colossus</emphasis> an.�</p><p>�Danke f�r Ihre Meldung�, gab Geary zur�ck. �Aber es bleibt keine Zeit f�r eine Konferenz. Wir verlassen dieses System.� Er hielt nur lange genug inne, damit jeder die Worte h�ren und dar�ber gr�beln konnte, was er damit wohl meinte. �An alle Schiffe der Allianz-Flotte, hier spricht Captain Geary. Wir werden uns nicht mal einen Kilometer weiter zur�ckziehen. Diese Flotte hat in Lakota noch eine Rechnung offen. Wir kehren nach Lakota zur�ck und gehen auf jede Syndik-Flotte los, die sich dort noch aufh�lt. Und dann werden wir sehen, wie viele Crewmitglieder der <emphasis>Audacious, Indefatigable, Defiant, Paladin</emphasis> und <emphasis>Renown</emphasis> und der anderen Schiffe, die wir dort zur�cklassen mussten, wir noch bergen k�nnen. Danach wird diese Flotte ihren Weg in Richtung Allianz-Territorium fortsetzen, ohne R�cksicht darauf, was die Syndiks uns alles zwischen die Beine zu werfen versuchen.�</p><p>Wieder atmete er tief durch und fragte sich, was die anderen jetzt wohl dachten. �Wir gehen so, wie wir sind, in den Sprung �ber, damit wir die Syndiks �berraschen k�nnen. Bei der Ankunft in Lakota werden alle Schiffe sofort den Kurs um acht null Grad nach Steuerbord �ndern und gefechtsbereit sein. Wir werden Lakota erst verlassen, wenn wir den Syndiks eine Lektion erteilt haben, was es hei�t, gegen die Allianz zu k�mpfen.� Und vielleicht w�rde daraus auch eine Lektion werden, die Aliens sehen zu lassen, wie schwierig es sein konnte, die Menschheit zu besiegen. Auch wenn es in der Flotte von deren Spionen wimmelte, blieb denen nicht viel Zeit, ihre Auftraggeber vorzuwarnen, wenn die Schiffe gleich wieder in den Sprungraum zur�ckkehrten.</p><p>�Jawohl, Sir!� Desjani grinste breit und streckte die geballte Faust in die H�he. Die Wachhabenden, die Geary von seinem Platz aus sehen konnte, jubelten und klopften sich gegenseitig auf die Schultern. Er konnte ein tiefes Grollen h�ren, und erst nach und nach begriff er, dass das der kollektive Jubel der Crew der <emphasis>Dauntless</emphasis> war.</p><p>Er schaute �ber die Schulter zu Victoria Rione, die das Treiben auf der Br�cke mit einem Gesichtsausdruck verfolgte, als sei sie in einem Irrenhaus gelandet. �Captain Geary�, protestierte sie mit erstickter Stimme. �Ihre Flotte verf�gt kaum noch �ber Munition, die Brennstoffzellen sind fast aufgebraucht, und zahlreiche Schiffe sind besch�digt. Und Sie fliegen mit dieser Flotte zur�ck nach Lakota?�</p><p>�Das ist richtig�, best�tigte er. �Wir k�nnen nicht hier bleiben und k�mpfen. Wir k�nnen auch nicht entkommen. Also werden wir angreifen.�</p><p>Rione sah von Geary zu den feiernden Besatzungsmitgliedern. �Aber das ist doch Wahnsinn! Was soll denn sein, wenn die Syndiks in erdr�ckender �berzahl bei Lakota auf unsere R�ckkehr warten?�</p><p>�Ich w�rde sagen, dann haben sie schlechte Karten�, entgegnete er. Er wusste, jede seiner Bemerkungen machte auf die eine oder andere Weise in der Flotte die Runde. Das war nicht der richtige Moment, um zu zweifeln oder um jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. <emphasis>Ich muss diese Flotte</emphasis> f�hren. <emphasis>M�gen die lebenden Sterne daf�r sorgen, dass ich sie nicht in den Untergang f�hre. Aber falls doch, dann werden wir im Kampf untergehen, nicht auf der Flucht.</emphasis> Desjani l�chelte ihn stolz an, w�hrend die Schiffe der Allianz-Flotte wieder den Sprungpunkt erreichten. Als Offizier der Flotte verstand sie etwas, das Rione vermutlich nie w�rde nachvollziehen k�nnen. �An alle Schiffe�, sendete Geary. �Springen Sie jetzt. Wir sehen uns in Lakota.�</p><empty-line/><subtitle>ENDE</subtitle></section><section><title><p>Die Allianz-Flotte</p></title><p>Captain John Geary</p><p>Verantwortlicher Befehlshaber</p><empty-line/><p>Neustrukturiert nach den Verlusten, die die Flotte vor der �bernahme des Kommandos durch Captain Geary im Syndik-Heimatsystem erlitten hat.</p><p>Fettgedruckte Schiffsnamen kennzeichnen im Gefecht verlorene Schiffe, in Klammern wird das Sternensystem genannt, in dem das Schiff verloren wurde.</p><empty-line/><p><strong>Zweite Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Gallant</emphasis></p><p><emphasis>Indomitable</emphasis></p><p><emphasis>Glorious</emphasis></p><p><emphasis>Magnificent</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Dritte Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Paladin</emphasis></p><p><emphasis>Orion</emphasis></p><p><emphasis>Majestic</emphasis></p><p><emphasis>Conqueror</emphasis></p><empty-line/></section><section><p><strong>Vierte Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Warrior</emphasis></p><p><emphasis><strong>Triumph</strong></emphasis> (Vidha)</p><p><emphasis>Vengeance</emphasis></p><p><emphasis>Revenge</emphasis></p><empty-line/><p><strong>F�nfte Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Fearless</emphasis></p><p><emphasis>Resolution</emphasis></p><p><emphasis>Redoubtable</emphasis></p><p><emphasis>Warspite</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Siebte Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Indefatigable</emphasis></p><p><emphasis>Audacious</emphasis></p><p><emphasis>Defiant</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Achte Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Relentless</emphasis></p><p><emphasis>Reprisal</emphasis></p><p><emphasis>Superb</emphasis></p><p><emphasis>Splendid</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Zehnte Schlachtschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Colossus</emphasis></p><p><emphasis>Amazon</emphasis></p><p><emphasis>Spartan</emphasis></p><p><emphasis>Guardian</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Erste Scout-Schlachtschiffdivision</strong></p><p><strong><emphasis>Arrogant</emphasis></strong> (Kaliban)</p><p><emphasis>Exemplar</emphasis></p><p><emphasis>Braveheart</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Erste Schlachtkreuzerdivision</strong></p><p><emphasis>Courageous</emphasis></p><p><emphasis>Formidable</emphasis></p><p><emphasis>Intrepid</emphasis></p><p><emphasis>Renown</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Zweite Schlachtkreuzerdivision</strong></p><p><emphasis>Leviathan</emphasis></p><p><emphasis>Dragon</emphasis></p><p><emphasis>Steadfast</emphasis></p><p><emphasis>Valiant</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Vierte Schlachtkreuzerdivision</strong></p><p><emphasis>Dauntless</emphasis> (Flaggschiff)</p><p><emphasis>Daring</emphasis></p><p><emphasis>Terrible</emphasis></p><p><emphasis>Victorious</emphasis></p><empty-line/><p><strong>F�nfte Schlachtkreuzerdivision</strong></p><p><strong><emphasis>Invincible</emphasis></strong> (Ilion)</p><p><strong><emphasis>Repulse</emphasis></strong> (Syndik-Heimatsystem)</p><p><emphasis>Furious</emphasis></p><p><emphasis>Implacable</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Sechste Schlachtkreuzerdivision</strong></p><p><strong><emphasis>Polaris</emphasis></strong> (Vidha)</p><p><strong><emphasis>Vanguard</emphasis></strong> (Vidha)</p><p><emphasis>Illustrious</emphasis></p><p><emphasis>Incredible</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Siebte Schlachtkreuzerdivision</strong></p><p><emphasis>Opportune</emphasis></p><p><emphasis>Brilliant</emphasis></p><p><emphasis>Inspire</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Dritte Schnelle Hilfsschiffdivision</strong></p><p><emphasis>Titan</emphasis></p><p><emphasis>Witch</emphasis></p><p><emphasis>Jinn</emphasis></p><p><emphasis>Goblin</emphasis></p><empty-line/><p><strong>Siebenunddrei�ig �berlebende Schwere Kreuzer in sieben Divisionen</strong></p><p><emphasis>Erste Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><p><emphasis>Dritte Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><p><emphasis>Vierte Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><p><emphasis>F�nfte Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><p><emphasis>Siebte Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><p><emphasis>Achte Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><p><emphasis>Zehnte Schwere Kreuzerdivision</emphasis></p><empty-line/><p>abz�glich</p><p><strong><emphasis>Invidious</emphasis></strong> (Kaliban)</p><p><strong><emphasis>Cuirass</emphasis></strong> (Sutrah)</p><p><strong><emphasis>Crest, War-Coat, Ram</emphasis></strong> und <strong><emphasis>Citadel</emphasis></strong> (Vidha)</p><empty-line/><p><strong>Zweiundsechzig �berlebende Leichte Kreuzer in zehn Geschwadern</strong></p><p><emphasis>Erstes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zweites Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Drittes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>F�nftes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Sechstes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Achtes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Neuntes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zehntes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Elftes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Vierzehntes Leichte Kreuzergeschwader</emphasis></p><empty-line/><p>abz�glich</p><p><strong><emphasis>Swift</emphasis></strong> (Kaliban)</p><p><strong><emphasis>Pommel, Sling, Bolo</emphasis></strong> und <strong><emphasis>Staff</emphasis></strong> (Vidha)</p><empty-line/><p><strong>Hundertdreiundachtzig �berlebende Zerst�rer in zwanzig Geschwadern</strong></p><p><emphasis>Erstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zweites Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Drittes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Viertes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Sechstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Siebtes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Neuntes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zehntes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zw�lftes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Vierzehntes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Sechzehntes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Siebzehntes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zwanzigstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Einundzwanzigstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Dreiundzwanzigstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>F�nfundzwanzigstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Siebenundzwanzigstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Achtundzwanzigstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Drei�igstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><p><emphasis>Zweiunddrei�igstes Zerst�rergeschwader</emphasis></p><empty-line/><p>abz�glich</p><p><strong><emphasis>Dagger</emphasis></strong> und <strong><emphasis>Venom</emphasis></strong> (Kaliban)</p><p><strong><emphasis>Anelace, Baseland</emphasis></strong> und <strong><emphasis>Mace</emphasis></strong> (Vidha)</p><p><strong><emphasis>Celt, Akku, Sickle, Leaf, Bolt, Sabot, Flint, Needle, Dart, Sting, Limpet</emphasis></strong> und <strong><emphasis>Cudgel</emphasis></strong> (Vidha)</p><p><strong><emphasis>Falcata</emphasis></strong> (Ilion)</p><empty-line/><p><strong>Marines-Streitmacht der zweiten Flotte</strong></p><p>Colonel Carabali</p><p>Verantwortliche Befehlshaberin</p><p>1560 Marines in mehrere Abteilungen verteilt auf die Schlachtkreuzer und Schlachtschiffe</p></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Mein besonderer Dank gilt meinem Agenten Joshua Bilmes f�r seine Unterst�tzung und meiner Redakteurin Anne Sowards f�r ihren Einsatz. Ein Dankesch�n geht auch an Catherine Asaro, Robert Chase, J. G. �Huck� Huckenpohler, Simcha Kuritzky, Michael LaViolette, Aly Parsons, Bud Sparhawk und Constance A. Warner f�r ihre Vorschl�ge, Kommentare und Empfehlungen. Und ich danke Charles Petit f�r seine Vorschl�ge zu den Raumschlachten.</p></section><section><p>L�bbe Digital</p><empty-line/><p>Vollst�ndige eBook-Ausgabe des in der Bastei L�bbe GmbH &amp; Co. KG erschienenen Werkes</p><empty-line/><p>L�bbe Digital und Gustav L�bbe Verlag in der Bastei L�bbe GmbH &amp; Co. KG</p><empty-line/><p>Deutsche Erstausgabe</p><empty-line/><p>F�r die Originalausgabe: Copyright � 2008 by John G. Hemry writing as Jack Campbell</p><empty-line/><p>Titel der amerikanischen Originalausgabe: �The Lost Fleet�� Courageous�</p><empty-line/><p>Originalverlag: The Berkley Publishing Group, Published by The Penguin Group USA Inc.</p><empty-line/><p>F�r die deutschsprachige Ausgabe: Copyright � 2010 by BASTEI L�BBE GmbH &amp; Co. KG, K�ln</p><empty-line/><p>Textredaktion: Frank Weinreich</p><empty-line/><p>Lektorat: Ruggero Le�</p><empty-line/><p>Datenkonvertierung eBook: Urban SatzKonzept, D�sseldorf</p><empty-line/><p>ISBN 978-3-8387-0242-1</p><empty-line/><p>Sie finden uns im Internet unter www.luebbe.de</p><empty-line/><p>Bitte beachten Sie auch: www.lesejury.de</p></section></body><binary id="cover" 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