<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christie</first-name><last-name>Golden</last-name></author><book-title>Der Lord der Clans</book-title><annotation><p>In den dunstverhangenen Nebeln der Vergangenheit war die Welt Azeroth von wundersamen Wesen aller Art erf�llt. Geheimnisvolle Elfen und k�hne Zwerge wandelten unter den Menschen � bis die Ankunft der d�monischen Armee, die man die Brennende Legion nannte, den Frieden f�r immer aus der Welt verbannte. Jetzt k�mpfen Orks, Drachen, Kobolde und Trolle um die Herrschaft �ber die zerschmetterten K�nigreiche; und ein unheilvoller Plan bestimmt das Schicksal der Welt von <strong>WARCRAFT</strong>.</p><p>Sklave. Gladiator. Schamane. Kriegsh�uptling. All dies hat man den geheimnisvollen Ork namens Thrall genannt. Von grausamen menschlichen Herren aufgezogen, die ihn zu ihrem perfekten Werkzeug schmieden wollten, trieben die Wildheit seines Herzens und sein ruheloser Geist Thrall dazu an, einem Schicksal zu folgen, das er gerade erst zu verstehen begann. Er wollte seine Ketten zerrei�en und die uralten Traditionen seines Volkes wieder entdecken. Jetzt kann die st�rmische Geschichte seines Lebens � eine Saga der Ehre, des Hasses und der Hoffnung � endlich erz�hlt werden �</p></annotation><date>2005</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Claudia</first-name><last-name>Kern</last-name></translator></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Christie</first-name><last-name>Golden</last-name></author><book-title>Lord of the Clans</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><id>9F0C6834-D3B6-4BD1-843E-42B90BB96B37</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Christie Golden</p><p>Der Lord der Clans</p></title><epigraph><p>Dieses Buch ist der �Heiligen Dreifaltigkeit� gewidmet:</p><p>Lucienne Diver</p><p>Jessica McGivney</p><p>und</p><p>Chris Metzen</p><p>Ich danke ihnen f�r ihre enthusiastische Unterst�tzung und ihren Glauben an meine Arbeit.</p></epigraph><section><title><p>Prolog</p></title><p>Sie kamen, als Gul�dan sie rief, die, die ihre Seelen willig � nein, begierig � der Dunkelheit verkauft hatten. Einst waren sie wie Gul�dan tief spirituelle Wesen. Einst hatten sie die nat�rliche Welt studiert und den Platz, den die Orks darin einnahmen. Sie hatten von den Herren des Waldes und der Felder gelernt, von den V�geln in der Luft und von den Fischen in den Fl�ssen und Ozeanen. Und sie waren Teil dieses Kreislaufs, nicht mehr und nicht weniger.</p><p>Doch das war Vergangenheit. Diese ehemaligen Schamanen, diese neuen Zauberer, hatten nur f�r kurze Zeit die Macht geschmeckt und empfanden sie als unwiderstehlich s�� � wie einen Tropfen Honig auf der Zunge. So wurde ihre Begierde mit immer gr��erer Macht belohnt. Gul�dan selbst hatte von seinem Meister Ner�zhul gelernt, bis der Sch�ler schlie�lich den Lehrer �berfl�gelte. Ner�zhul hatte daf�r gesorgt, dass die Horde zu jener wilden, unaufhaltsamen Woge von Gewalt wurde, die sie heute darstellte, aber Ner�zhul hatte auch der Mut gefehlt noch weiter zu gehen. Er hatte eine Schw�che f�r die angeborene W�rde seines Volkes. Gul�dan war aus anderem Holze geschnitzt.</p><p>Die Horde hatte alles get�tet, was es in dieser Welt zu t�ten gab. Sie war verloren ohne ein Ventil f�r ihre Blutgier. In einem verzweifelten Versuch die brutalen Sehns�chte in ihren Herzen zu stillen, fielen die St�mme �bereinander her. Es war Gul�dan, der ein neues Ziel f�r die brennende, m�rderische Gier der Horde fand. Schon bald w�rden sie in eine neue Welt aufbrechen, die voll war mit einfacher, ahnungsloser Beute. Ihre Blutgier w�rde einen neuen H�hepunkt erreichen und so ben�tigte die wilde Horde einen Rat, um sie anzuleiten. Gul�dan sollte diesen Rat f�hren.</p><p>Er nickte ihnen zu, als sie eintraten, und seinen kleinen, funkelnden Augen entging nichts. Einer nach dem anderen kamen sie, wurden wie zahme Tiere zu ihrem Herrn gerufen. Zu ihm.</p><p>Sie versammelten sich um einen Tisch, die gef�rchtetsten, verehrtesten und verhasstesten Mitglieder aller Ork-St�mme. Einige sahen schrecklich aus, hatten f�r ihr dunkles Wissen mit mehr als nur ihrer Seele bezahlt. Bei anderen bemerkte man nichts; ihre K�rper waren unversehrt und stark, mit glatter gr�ner Haut, die sich �ber dicke Muskeln spannte. Darum hatten sie bei ihrem dunklen Handel gebeten. Alle waren skrupellos, listig und schreckten vor nichts zur�ck, um ihre Macht zu mehren.</p><p>Aber keiner von ihnen war auch nur vergleichbar skrupellos wie Gul�dan.</p><p>�Wir, die hier versammelt sind�, begann Gul�dan mit seiner heiseren Stimme, �sind die St�rksten unserer Clans. Wir kennen die Macht. Wir wissen, wie man sie bekommt, wie man sie einsetzt und wie man mehr davon erh�lt. Andere beginnen sich gegen den einen oder anderen auszusprechen. Ein Clan will zu seinen Wurzeln zur�ckkehren, ein anderer hat keine Lust mehr, hilflose S�uglinge zu t�ten.� Seine dicken gr�nen Lippen verzogen sich zu einem herablassenden L�cheln. �Das passiert, wenn Orks weich werden.�</p><p>�Aber, gro�er Herr�, sagte einer der Zauberer, �wir haben Draenei get�tet. Was k�nnten wir in dieser Welt noch ermorden?�</p><p>Gul�dan l�chelte und schob seine dicken Lippen �ber die langen, scharfen Z�hne. �Nichts�, sagte er. �Aber andere Welten warten.�</p><p>Er breitete seinen Plan vor ihnen aus und genoss die Machtgier, die er in ihren roten Augen las. Ja, es w�rde gut werden. Es w�rde die m�chtigste Ork-Horde sein, die es je gegeben hatte, und an der Spitze dieser Horde w�rde er stehen, Gul�dan.</p><p>�Und wir werden der Rat sein, nach dessen Pfeife die Horde tanzt�, sagte er schlie�lich. �Jeder von uns ist eine m�chtige Stimme. Doch der Stolz der Orks ist so gro�, dass sie nicht erfahren d�rfen, wer sie wirklich lenkt. Lasst jedem seinen Glauben, dass er seine Streitaxt schwingt, weil er es w�nscht, nicht, weil wir es ihm befehlen. Wir werden im Geheimen wirken. Wir sind die Wanderer in den Schatten, eine Macht, die durch ihre Ulisichtbarkeit noch an Gr��e gewinnt. Wir sind der Schattenrat, und niemand soll je von unserer Existenz erfahren.�</p><p>Doch eines Tages sollten so manche es doch herausfinden �</p></section><section><title><p>1</p></title><p>Sogar den Tieren war kalt in einer solchen Nacht, dachte Durotan. Abwesend ber�hrte er seinen w�lfischen Begleiter und kraulte Sharptooth hinter einem der wei�en Ohren. Das Tier war zufrieden und schmiegte sich an ihn. Gemeinsam starrten der Wolf und der Ork-H�uptling auf den lautlos fallenden Schnee, der von dem schroffen Halbkreis des Eingangs zu Durotans H�hle umrahmt wurde.</p><p>Einst hatte Durotan, der F�hrer des Eiswolf-Clans in einem angenehmeren Klima gelebt. Er hatte seine Axt im Sonnenlicht geschwungen und die Augen zusammenkneifen m�ssen, wenn das Licht sich im Metall brach und ihm rotes Menschenblut entgegenspritzte. Einst hatte er sich mit seinem gesamten Volk verbunden gef�hlt, nicht nur mit seinem Clan. Seite an Seite hatten sie gestanden, eine gr�ne Welle des Todes, die �ber die H�gel hinwegschwappte und die Menschen verschlang. Sie hatten gemeinsam an den Feuern gegessen, dunkel und schallend gelacht und sich Geschichten �ber blutige Eroberungen erz�hlt, w�hrend ihre Kinder neben der ersterbenden Glut d�sten und von den Massakern tr�umten.</p><p>Aber nun fror die Handvoll Orks, aus denen der Eiswolf-Clan noch bestand, allein in ihrem Exil in den Alterac-Bergen dieser fremden Welt. Ihre einzigen Freunde waren die gro�en wei�en W�lfe. Sie unterschieden sich stark von den riesigen schwarzen W�lfen, die Durotans Volk einst geritten hatte, aber ein Wolf war ein Wolf, unabh�ngig von der Farbe seines Fells. Mit entschlossener Geduld und Drek�Thars Kr�ften hatten sie die Tiere auf ihre Seite gebracht. Jetzt jagten Ork und Wolf gemeinsam und hielten sich in den langen schneereichen N�chten gegenseitig warm.</p><p>Durotan drehte sich um, als ein leiser schluchzender Laut aus dem Inneren der H�hle ert�nte. Sein hartes, ausgezehrtes Gesicht, in das die Jahre der Sorge und des Zorns tiefe Linien gegraben hatten, wurde beim Klang dieses Ger�usches weicher. Sein kleiner Sohn, der noch bis zum erkl�rten Namenstag dieses Zyklus ohne Namen war, hatte geweint, w�hrend er gef�ttert wurde.</p><p>Durotan �berlie� Sharptooth der Betrachtung des Schnees, stand auf und ging zur�ck in die innere Kammer. Draka hatte eine Brust entbl��t, damit das Kind daran saugen konnte, und den S�ugling gerade davon entfernt. Deshalb hatte er wohl auch angefangen zu weinen. W�hrend Durotan zusah, streckte Draka ihren Zeigefinger aus. Einen schwarzen Nagel, den sie so scharf wie eine Rasierklinge gefeilt hatte, stie� sie tief in den Nippel, bevor sie den kleinen Kopf des S�uglings wieder an ihre Brust lie�. Auf ihrem sch�nen Gesicht mit dem starken Kinn gab es kein Anzeichen von Schmerz. Nun nahm das Kind nicht nur die nahrhafte Muttermilch beim Saugen auf, sondern auch das Blut seiner Mutter. Dies war die rechte Nahrung f�r einen aufstrebenden jungen Krieger, f�r den Sohn von Durotan und den n�chsten H�uptling des Eiswolf-Clans.</p><p>Sein Herz war erf�llt mit Liebe f�r seine Gef�hrtin � eine Kriegerin, die ihm an Mut und List in nichts nachstand � und f�r den wundervollen, perfekten Sohn, den sie ihm geboren hatte.</p><p>Erst dann breitete sich das Wissen, was er zu tun hatte, wie eine Decke �ber seine Schultern. Er setzte sich und seufzte schwer.</p><p>Draka sah zu ihm auf, und ihre braunen Augen verengten sich. Sie kannte ihn nur zu gut. Er wollte ihr nichts von seiner pl�tzlichen Entscheidung erz�hlen, auch wenn er in seinem Herzen wusste, dass sie richtig war. Und doch musste er es tun.</p><p>�Wir haben jetzt ein Kind�, sagte Durotan. Seine Stimme drang dunkel aus der breiten Brust.</p><p>�Ja�, antwortete Draka voller Stolz. �Ein guter, starker Sohn, der den Eiswolf-Clan f�hren wird, wenn sein Vater glorreich in der Schlacht gefallen ist. Dereinst, in vielen Jahren�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Ich trage die Verantwortung f�r seine Zukunft�, fuhr Durotan fort.</p><p>Er hatte jetzt Drakas volle Aufmerksamkeit. In diesem Moment wirkte sie au�ergew�hnlich sch�n, und er versuchte ihren Anblick in seinen Geist einzubrennen. Der Feuerschein spiegelte sich in ihrer gr�nen Haut, betonte das Spiel ihrer m�chtigen Muskeln und lie� ihre Sto�z�hne gl�nzen. Sie unterbrach ihn nicht, sondern wartete darauf, dass er fortfuhr.</p><p>�H�tte ich mich nicht gegen Gul�dan gewandt, w�rde unser Sohn mit mehr Spielkameraden aufwachsen�, fuhr Durotan fort. �H�tte ich mich nicht gegen Gul�dan gewandt, w�ren wir auch weiterhin gesch�tzte Mitglieder der Horde.�</p><p>Draka zischte, �ffnete ihre kr�ftigen Kiefer und zeigte ihrem Gef�hrten die Z�hne, um ihr Missfallen auszudr�cken. �Dann w�rest du nicht der Gef�hrte, mit dem ich mich verbunden habe�, sagte sie. Der S�ugling l�ste sich erschrocken von der n�hrenden Brust, hob den Kopf und blickte in das Gesicht seiner Mutter. Wei�e Milch und rotes Blut tropften �ber sein bereits vorstehendes Kinn. �Durotan vom Eiswolf-Clan w�rde niemals stumm bleiben und einfach nur zusehen, wie unser Volk zur Schlachtbank gef�hrt wird, so wie die Schafe der Menschen. Nach allem, was du erfahren hattest, musstest du dich erheben, mein Gef�hrte. H�ttest du das nicht getan, w�rest du nicht der H�uptling, der du sein solltest.�</p><p>Durotan stimmte ihren wahren Worten mit einem Kopfnicken zu. �Zu wissen, dass Gul�dan unser Volk niemals liebte, dass es f�r ihn nur ein Weg war, um seine eigene Macht zu mehren ��</p><p>Er brach ab und erinnerte sich an den Schock, den Schrecken und die Wut, die ihn �bermannt hatte, als er vom Schattenrat und Gul�dans Verrat erfahren hatte. Er hatte versucht, die anderen von der Gefahr zu �berzeugen, in der sie alle schwebten. Man hatte sie wie Spielfiguren benutzt, um die Draenei zu vernichten, und allm�hlich gewann Durotan die �berzeugung, dass dieses Volk die Ausrottung nicht verdient hatte. Und auch die zweite Reise durch das Dunkle Portal, das sie zu einer nichtsahnenden Welt brachte, war nicht die Entscheidung der Orks gewesen, sondern die des Schattenrats. Alles f�r Gul�dan, alles f�r Gul�dan und dessen Machtgier � Wie viele Orks waren gefallen, weil sie f�r etwas so Leeres gek�mpft hatten?</p><p>Er suchte nach Worten, um seine Entscheidung gegen�ber seiner Gef�hrtin auszudr�cken. �Ich sprach gegen ihn, und man verbannte uns ins Exil. Alle, die mir folgten. Das ist eine gro�e Schande.�</p><p>�Nur Gul�dans Schande�, erwiderte Draka fest. Der S�ugling hatte seine pl�tzliche Angst vergessen und trank wieder. �Dein Volk ist lebendig und frei, Durotan. Dies ist ein harter Ort, aber wir haben die Eisw�lfe als Gef�hrten gefunden. Selbst im tiefsten Winter haben wir ausreichend Frischfleisch. Wie halten die alten Traditionen so gut wie m�glich am Leben, und die Geschichten an den Feuern sind Teil des Erbes, das wir an unsere Kinder weitergeben.�</p><p>�Sie verdienen mehr�, sagte Durotan. Mit dem scharfen Nagel seines Fingers zeigte er auf seinen Sohn. �Er verdient mehr. Unsere in die Irre geleiteten Br�der verdienen mehr. Und ich werde es ihnen geben.�</p><p>Er richtete sich zu seiner vollen imponierenden Gr��e auf. Sein gewaltiger Schatten fiel �ber Frau und Kind. Drakas ersch�tterter Gesichtsausdruck verriet ihm, dass sie bereits wusste, was er sagen wollte, aber die Worte mussten trotzdem ausgesprochen werden. Nur so wurden sie wirklich und wahr � wurden zu einem Schwur, der nicht gebrochen werden durfte.</p><p>�Es gab einige, die auf mich h�rten, auch wenn sie immer noch zweifelten. Ich werde zur�ckkehren und diese wenigen H�uptlinge suchen. Ich werde sie von der Wahrheit meiner Behauptungen �berzeugen, und sie werden ihr Volk in den Kampf f�hren. Wir werden nicht l�nger die Sklaven Gul�dans sein. Wir werden nicht verloren sein oder vergessen werden in Schlachten, die nur ihm dienen. Dies schw�re ich � ich, Durotan, H�uptling des Eiswolf-Clans!�</p><p>Er legte den Kopf zur�ck und �ffnete seinen Mund, der voller Z�hne war, beinahe unm�glich weit. Dabei rollte er mit den Augen und stie� einen lauten, tiefen und wutentbrannten Schrei aus.</p><p>Das Baby begann zu weinen, und selbst Draka zuckte zusammen. Es war der Schrei des Schwurs, und er wusste, dass trotz des tiefen Schnees, der der Schall d�mpfte, jeder seines Clans ihn in dieser Nacht h�ren w�rde. Schon bald w�rden sie sich vor seiner H�hle versammeln, um den Grund f�r den Schrei zu erfahren, und dann w�rden sie selbst schreien.</p><p>�Du wirst nicht allein gehen, mein Gef�hrte�, sagte Draka. Ihre leise Stimme stand in scharfem Gegensatz zu dem ohrenbet�ubenden L�rm von Durotans Schrei des Schwurs. �Wir werden mit dir kommen.�</p><p>�Ich verbiete es.�</p><p>Mit einer Geschwindigkeit, die selbst Durotan �berraschte, sprang Draka auf. Das weinende Kind rutschte von ihrem Scho�, als sie ihre F�uste ballte und wild sch�ttelte. Nur einen Herzschlag sp�ter blinzelte Durotan, als ihn ein Schmerz durchfuhr und Blut �ber sein Gesicht lief. Sie hatte die L�nge der H�hle �berwunden und mit ihren N�geln seine Wange aufgerissen.</p><p>�Ich bin Draka, Tochter von Kelkar, Sohn von Rhakish! Niemand verbietet mir, meinem Gef�hrten zu folgen, noch nicht einmal Durotan selbst. Ich komme mit dir. Ich bleibe bei dir. Ich werde sterben, wenn es sein muss. Pah!� Sie spuckte ihn an.</p><p>Als er die Mischung aus Blut und Spucke aus seinem Gesicht wischte, quoll sein Herz fast �ber vor Liebe f�r dieses Weib. Er hatte richtig gehandelt, als er sie zur Gef�hrtin und Mutter seiner S�hne w�hlte. Hatte es in der gesamten Ork-Geschichte jemals einen so gl�cklichen Mann wie ihn gegeben? Er konnte es sich nicht vorstellen.</p><empty-line/><p>Obwohl Orgrim Doomhammer und sein Clan im Exil gelandet w�ren, h�tte Gul�dan davon erfahren, hie� der gro�e Kriegsherr Durotan und dessen Familie in seinem Feldlager willkommen. Den Wolf betrachtete er jedoch mit Misstrauen. Ebenso wie der Wolf ihn. Niedere Orks wurden aus dem provisorischen Zelt gescheucht, das Doomhammer als Behausung diente, danach durften Durotan und Draka mit ihrem noch namenlosen Kind eintreten.</p><p>Die Nacht erschien Doomhammer selbst ein wenig k�hl, und so reagierte er am�siert, als seine geehrten G�ste einen Gro�teil ihrer Kleidung auszogen und sich �ber die Hitze beschwerten. Eisw�lfe, so dachte er, waren solch �warme Temperaturen� offenbar nicht gew�hnt.</p><p>Drau�en hielt sich seine pers�nliche Wache bereit. Durch die �ffnung in der Zeltplane, die als T�r diente, beobachtete Doomhammer, wie die Besucher drinnen um das Feuer hockten und riesige gr�ne H�nde nach den tanzenden Flammen ausstreckten. Abgesehen vom blinkenden Licht der Sterne war die Nacht dunkel. Durotan hatte sich einen guten Zeitpunkt f�r seinen heimlichen Besuch ausgesucht. Es war unwahrscheinlich, dass er, Frau und Kind bemerkt und als diejenigen erkannt worden waren, die sie wirklich waren.</p><p>�Es tut mir Leid, dass ich deinen Clan in Gefahr bringe�, waren Durotans erste Worte.</p><p>Doomhammer winkte ab. �Wenn der Tod zu uns kommen soll, werden wir ihn ehrenvoll empfangen.�</p><p>Er bat sie sich zu setzen und reichte seinem alten Freund mit eigener Hand die tropfende Keule eines frisch geschlachteten Tiers. Sie war noch warm. Durotan nickte dankbar, biss in das saftige Fleisch und riss ein gro�es St�ck heraus. Draka tat das Gleiche und streckte dann ihre blutigen Finger dem Baby entgegen. Das Kind saugte die klebrige Fl�ssigkeit gierig in sich auf.</p><p>�Ein guter starker Junge�, sagte Doomhammer.</p><p>Durotan nickte. �Er wird ein guter Anf�hrer meines Clans werden. Doch wir sind nicht den langen Weg gekommen, damit du meinen Sohn bewundern kannst.�</p><p>�Vor vielen Jahren hast du manches nicht so offen ausgesprochen�, sagte Doomhammer.</p><p>�Ich wollte meinen Clan sch�tzen, und ich war nicht sicher, ob meine Verd�chtigungen stimmten � bis Gul�dan das Exil befahl�, erkl�rte Durotan. �Seine schnelle Bestrafung machte deutlich, dass ich Recht hatte. H�r zu, alter Freund, und f�lle dann dein eigenes Urteil.�</p><p>Leise, damit die Wachen, die nur wenige Meter entfernt am Feuer sa�en, sie nicht belauschen konnten, begann Durotan zu sprechen. Er erz�hlte Doomhammer alles, was er wusste � vom Handel mit dem D�monenlord � von der obsz�nen Quelle von Gul�dans Macht � vom Verrat der Clans durch den Schattenrat � und dem ehrlosen Sterben der Orks, die man d�monischen Streitkr�ften als K�der vorwerfen w�rde.</p><p>Doomhammer h�rte mit unbewegtem Gesicht zu. Doch in seiner breiten Brust h�mmerte sein Herz so stark wie sein ber�hmter Kriegshammer auf menschliches Fleisch einzuschlagen pflegte.</p><p>Konnte es wahr sein? Es klang wie die Geschichte eines von der Schlacht verwirrten Narrs. D�monen, dunkle Pakte � und doch war es Durotan, der sie erz�hlte. Durotan, der einer der weisesten, h�rtesten und edelsten H�uptlinge war. Aus jedem anderen Mund h�tte Doomhammer die Geschichte f�r eine L�ge oder f�r puren Bl�dsinn gehalten. Aber Durotan war f�r seine Worte ins Exil gegangen, und das verlieh ihnen Gewicht. Au�erdem hatte Doomhammer dem anderen H�uptling schon oft sein Leben anvertraut. Es gab nur eine Schlussfolgerung: Durotan sagte die Wahrheit.</p><p>Als sein alter Freund seine Rede beendet hatte, griff Doomhammer nach dem Fleisch und biss hinein. Er kaute langsam, w�hrend sich seine Gedanken jagten und er versuchte, all das, was gesagt worden war, auch zu verstehen. Schlie�lich schluckte er den Bissen hinunter und sprach.</p><p>�Ich glaube dir, alter Freund. Und lass mich dir versichern, dass ich Gul�dans Pl�ne f�r unser Volk nicht billige. Wir werden uns mit dir gemeinsam gegen die Dunkelheit stellen.�</p><p>Offensichtlich ger�hrt streckte Durotan seine Hand aus. Doomhammer ergriff sie.</p><p>�Du kannst nicht lange in diesen Lager bleiben, auch wenn es eine Ehre f�r mich w�re�, sagte Doomhammer im Aufstehen. �Eine meiner pers�nlichen Wachen wird dich an einen sicheren Ort bringen. Es gibt dort einen Bach und viel Wild in den W�ldern zu dieser Jahreszeit. Du wirst also nicht hungern. Ich werde f�r dich tun, was ich kann, und wenn die Zeit gekommen ist, werden du und ich Seite an Seite stehen und den Gro�en Verr�ter Gul�dan gemeinsam vernichten.� Die Wache sagte nichts, w�hrend sie sie aus dem Lager und einige Meilen tief in die umliegenden W�lder f�hrte. Die Lichtung, zu der er sie brachte, lag tats�chlich abgelegen und war begr�nt. Durotan konnte das Pl�tschern des Wassers h�ren. Er wandte sich an Draka.</p><p>�Ich wusste, dass wir meinem alten Freund trauen k�nnen�, sagte er. �Es wird nicht lange dauern, bis ��</p><p>Und dann erstarrte Durotan. Er hatte ein anderes Ger�usch �ber das Pl�tschern des nahegelegenen Baches geh�rt � das Knacken eines Astes unter einem schweren Fu� �</p><p>Er br�llte seinen Kriegsschrei und griff nach seiner Axt. Doch noch bevor er den Griff umfassen konnte, waren die Angreifer auch schon �ber ihm. Durotan h�rte Drakas schrillen Wutschrei, hatte aber keine Zeit, ihr zu helfen.</p><p>Aus den Augenwinkeln sah er, wie Sharptooth einen der Angreifer ansprang und zu Fall brachte.</p><p>Sie hatten sich ohne Stolz herangeschlichen, ohne Ehre, die f�r einen Ork so wichtig war. Es waren Attent�ter, die Niedrigsten der Niederen, Gew�rm, Ungeziefer! Allerdings waren diese W�rmer �berall, und w�hrend ihre M�nder in unnat�rlichem Schweigen verschlossen blieben, sprachen ihre Waffen mit machtvoller Zunge.</p><p>Eine Axt grub sich tief in Durotans linken Oberschenkel und lie� ihn st�rzen. Warmes Blut lief an seinem Bein entlang, als er sich drehte und die blo�en H�nde verzweifelt ausstreckte, um seinen Gegner zu erw�rgen. Er blickte in ein Gesicht, das verst�rend in seiner Emotionslosigkeit war und keine gute, keine ehrlich empfundene Ork-Wut widerspiegelte. Sein Angreifer hob erneut die Axt. Mit letzter Kraft schlossen sich Durotans H�nde um die Kehle des Orks. Nun zeigte der Wurm doch noch Gef�hle. In seiner Not lie� er die Axt fallen und versuchte Durotans dicke, starke Finger von seinem Hals zu l�sen.</p><p>Ein kurzes scharfes Aufheulen � dann j�he Stille. Sharptooth war gefallen. Durotan erkannte es, ohne hinzusehen. Und noch immer h�rte er, wie seine Gef�hrtin dem Ork, der sie � das war klar � t�ten w�rde, Obsz�nit�ten entgegenschleuderte.</p><p>Schlie�lich ein Laut, der die Luft zerteilte und ihn vor Furcht erzittern lie�: der Angstschrei seines kleinen Sohnes.</p><p><emphasis>Sie werden meinen Sohn nicht t�ten!</emphasis> Der Gedanke gab Durotan neue Kraft. Obwohl sein Blut aus der durchtrennten Arterie seines Beines sprudelte, sprang er mit einem Schrei auf und begrub seinen Gegner unter seinem massigen K�rper. Der Angreifer wand sich in Panik. Durotan dr�ckte mit beiden H�nden zu und sp�rte zufrieden, wie das Genick unter seinen H�nden brach.</p><p>�Nein!� Die Stimme geh�rte der verr�terischen. Wache, dem Ork, der ihn betrogen hatte. Sie war hoch und klang irgendwie <emphasis>menschlich </emphasis> in ihrer Angst. �Nein, ich geh�re zu dir, sie sind das Zie ��</p><p>Durotan sah in dem Moment auf, als einer der riesigen Attent�ter seine Klinge, die fast gr��er als er selbst war, in einem pr�zisen Bogen schwang. Doomhammers pers�nliche Wache hatte keine Chance. Das Schwert durchtrennte sauber den Hals des Verr�ters und als der abgeschlagene blutige Kopf an ihm vorbeiflog, konnte Durotan immer noch den Schock und die Verbl�ffung auf dem Gesicht des Toten erkennen.</p><p>Er wandte sich ab, um seiner Gef�hrtin beizustehen, kam jedoch zu sp�t. Durotan br�llte vor Wut und Trauer, als er Drakas reglosen, beinahe in St�cke geschlagenen K�rper entdeckte, der in einer gr��er werdenden Blutlache auf dem Waldboden lag. Ihr M�rder stand �ber ihr und wandte seine Aufmerksamkeit Durotan zu.</p><p>In einem fairen Kampf w�re Durotan ein w�rdiger Gegner f�r einen der drei gewesen. Doch er war schwer verwundet und besa� keine Waffe mehr au�er seinen H�nden. Er wusste, dass er sterben w�rde. Er versuchte gar nicht erst, sich zu verteidigen, sondern griff instinktiv nach dem kleinen B�ndel, in dem sich sein Kind verbarg �</p><p>� und starrte verwirrt auf die Blutfont�ne, die aus seiner Schulter spr�hte. Seine Reflexe waren durch den Blutverlust verlangsamt, und bevor er reagieren konnte, lag sein rechter Arm bereits zuckend neben dem linken auf dem Boden. Die W�rmer lie�en nicht zu, dass er seinen Sohn noch einmal an sich schmiegte.</p><p>Das verletzte Bein st�tzte ihn nicht l�nger. Durotan kippte nach vorne. Sein Gesicht war nur Zentimeter von dem seines Sohns entfernt. Das Herz des m�chtigen Kriegers brach, als er den Ausdruck darauf sah, den Ausdruck v�lliger Verwirrung und Panik.</p><p>�Nimm � das Kind�, kr�chzte er und war �berrascht, dass er noch sprechen konnte.</p><p>Der Angreifer beugte sich vor, sodass Durotan ihn sehen konnte. Er spuckte in Durotans Auge, und f�r einen Moment bef�rchtete Durotan, er w�rde sein Kind gleich hier, an Ort und Stelle, aufspie�en.</p><p>�Wir �berlassen das Kind den Tieren des Walds�, zischte der Angreifer. �Vielleicht kannst du ja noch zusehen, wenn sie es in St�cke rei�en.�</p><p>Und dann verschwanden sie auch schon so schattenhaft, wie sie gekommen waren. Durotan blinzelte desorientiert und benommen, w�hrend das Blut seinen K�rper in Str�men verlie�. Er versuchte sich erneut zu bewegen, doch nichts passierte. Er konnte nur mit schw�cher werdendem Augenlicht seinen Sohn betrachten. Dessen kleine Brust hob und senkte sich im Rhythmus seiner Schreie. Seine kleinen F�uste waren geballt und fuchtelten panisch.</p><p><emphasis>Draka � meine Geliebte � mein kleiner Sohn � es tut mir so Leid, dass ich dies �ber uns gebracht habe �</emphasis></p><p>Die R�nder seines Gesichtsfelds begannen sich grau zu f�rben. Der Anblick seines Kindes verblasste. Der einzige Trost, den Durotan, H�uptling des Eiswolf-Clans hatte, als sein Leben langsam aus ihm wich, war das Wissen, dass er sterben w�rde, bevor er mit ansehen musste, wie sein Sohn von den gierigen Bestien des Walds zerfleischt wurde.</p><empty-line/><p>�Beim Licht! Was f�r ein L�rm!� Der 22-j�hrige Tammis Foxton r�mpfte die Nase, w�hrend er den Ger�uschen lauschte, die aus dem Wald drangen. �Wir k�nnen ebenso gut umdrehen, Leutnant. Dieser Krach d�rfte s�mtliches Wild vertrieben haben.�</p><p>Leutnant Aedelas Blackmoore grinste seinen pers�nlichen Diener an.</p><p>�Hast du nichts von dem verstanden, was ich dir beigebracht habe, Tammis?�, fragte er. �Es geht nicht nur darum, das Abendessen mitzubringen, sondern vor allem darum, die verdammte Festung verlassen zu k�nnen.� Er griff hinter sich zur Satteltasche. Die Flasche, die er zu fassen bekam, f�hlte sich kalt und glatt an.</p><p>�Jagdbecher, Sir?� Tammis war ungeachtet Blackmoores Kommentar bestens ausgebildet. Er reichte ihm einen kleinen Becher in der Form eines Drachenkopfs, der in einer Halterung an seinem Sattel befestigt gewesen war. Jagdbecher ben�tigten keine Unterlage. Blackmoore dachte kurz dar�ber nach, winkte dann jedoch ab.</p><p>�Wozu dieser Umstand?� Mit den Z�hnen zog er den Korken heraus, nahm ihn zwischen die Finger und hob die Flasche an die Lippen.</p><p>Ah, der Trank war purer Nektar. Er brannte sich seinen Weg durch Rachen und Eingeweide. Blackmoore wischte sich den Mund ab und verschloss die Flasche wieder sorgsam, bevor er sie in die Satteltasche zur�cklegte. Absichtlich ignorierte er Tammis� kurzen besorgten Blick. Was ging es einen Diener an, wie viel sein Herr trank?</p><p>Aedelas Blackthorne war rasch im Rang aufgestiegen, weil er die schon fast wundersame F�higkeit besa�, auf dem Schlachtfeld eine Schneise in jede angreifende Ork-Horde zu schlagen. Seine Vorgesetzten glaubten, das l�ge an seinem K�nnen und seinem Mut. Blackmoore h�tte ihnen sagen k�nnen, dass sein Mut einen fl�ssigen Helfer hatte, aber darin sah er keinen Sinn.</p><p>Sein Ruf schadete seinen Chancen bei den Frauen ebenso wenig wie sein gutes Aussehen. Er war gro� und attraktiv. Sein schwarzes Haar fiel bis auf seine Schultern, er hatte stahlblaue Augen und einen kleinen, sorgsam gestutzten Kinnbart. Kurzum: er war die perfekte Mischung aus K�mpfer und Held. Es interessierte ihn nicht, wenn Frauen sein Bett ein wenig trauriger und weiser verlie�en und manchmal auch mit ein paar blauen Flecken, schlie�lich gab es noch viele andere.</p><p>Der ohrenbet�ubende L�rm begann ihn zu st�ren. �Das h�rt einfach nicht auf�, knurrte Blackmoore.</p><p>�Vielleicht ist es ein verletztes Tier, Sir, das nicht mehr wegkriechen kann�, sagte Tammis.</p><p>�Dann lass es uns finden und von seinen Leiden erl�sen�, antwortete Blackmoore. Er trat Nightsong, einen schlanken Hengst, der so schwarz war wie sein Name es erahnen lie�, kr�ftiger als n�tig in die Flanken und galoppierte in die Richtung, aus der der H�llenl�rm kam.</p><p>Nightsong stoppte so pl�tzlich, dass Blackmoore, sonst ein hervorragender Reiter, beinahe �ber den Kopf des Pferdes geflogen w�re. Er fluchte und schlug dem Tier gegen den Hals, beruhigte sich dann aber, als er sah, warum Nightsong so abrupt stehen geblieben war.</p><p>�Beim gesegneten Licht�, stammelte Tammis, der ihm auf seinem kleinen grauen Pony gefolgt war. �Was f�r ein Anblick ��</p><p>Drei Orks und ein gro�er wei�er Wolf lagen auf dem Waldboden. Blackmoore nahm an, dass sie vor kurzem gestorben waren. Es gab noch keinen Verwesungsgeruch, obwohl das Blut bereits geronnen war. Zwei M�nner, eine Frau � wen interessierte es, welchen Geschlechts der Wolf war. Verdammte Orks. Es h�tte Menschen wie ihm viel M�he erspart, wenn die Bestien �fter �bereinander hergefallen w�ren.</p><p>Etwas bewegte sich und Blackmoore sah, dass es sich um das Wesen handelte, das die ganze Zeit schon laut geschrien hatte. Es war das h�sslichste Ding, das er je gesehen hatte � ein Ork-S�ugling, eingeh�llt in etwas, das bei den Kreaturen wohl f�r ein Wickeltuch gehalten wurde. Er stieg ab und ging darauf zu.</p><p>�Vorsicht, Sir!�, rief Tammis. �Vielleicht bei�t es.�</p><p>�Ich habe noch nie einen Welpen gesehen�, erwiderte Blackmoore. Er stie� leicht mit dem Stiefel dagegen. Der S�ugling rollte aus seinem blauwei�en Tuch, verzerrte sein h�ssliches gr�nes Gesicht noch mehr und schrie dabei ohne Unterlass.</p><p>Obwohl er bereits die erste Flasche Met geleert hatte und die zweite auch schon deutlich leichter wurde, waren Blackmoores Gedanken immer noch klar. Eine Idee begann sich in seinem Kopf zu formen. Er ignorierte Tammis� besorgte Warnungen, beugte sich vor und hob das kleine Ungeheuer auf. Sorgf�ltig h�llte er es in das blauwei�e Wickeltuch. Das Kind h�rte fast augenblicklich auf zu schreien. Blaugraue Augen sahen ihn an.</p><p>�Interessant�, sagte Blackmoore. �Ihre Kinder haben blaue Augen � wie Menschen.� Schon bald w�rden diese Augen schwarz oder rot werden und alle Menschen mit m�rderischem Hass anstarren.</p><p>Au�er �</p><p>Seit Jahren arbeitete Blackthorne doppelt so hart, erntete jedoch nur halb soviel Anerkennung wie andere M�nner von gleicher Geburt und Rang. Er litt unter dem Stigma des Verrats, den sein Vater begangen hatte, und tat alles, um Macht und Ruhm zu ernten. Trotzdem wurde er von vielen mit Skepsis betrachtet. �Blut des Verr�ters�, murmelte man h�ufig in seiner N�he, wenn man glaubte, er w�rde es nicht h�ren. Aber vielleicht war jetzt der Tag nah, ab dem er diese verletzenden Kommentare nie mehr h�ren musste.</p><p>�Tammis�, sagte er nachdenklich und starrte in die unschuldig wirkenden blauen Augen des Ork-S�uglings. �Ist dir bewusst, dass du die Ehre hast, einem brillanten Mann zu dienen?�</p><p>�Nat�rlich wei� ich das, Sir�, antwortete Tammis ganz so, wie es von ihm erwartet wurde. �Darf ich fragen, warum dies ausgerechnet jetzt so wichtig ist?�</p><p>Blackmoore betrachtete seinen im Sattel sitzenden Diener und grinste. �Weil Leutnant Aedelas Blackmoore <emphasis>jetzt</emphasis> etwas in H�nden h�lt, das ihn ber�hmt, reich und vor allem m�chtig machen wird.�</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Tammis Foxton war in heller Aufregung, ausgel�st durch den Umstand, dass sein Herr h�chst ungehalten � w�tend! � war. Als sie das Ork-Kind nach Hause gebracht hatten, war Blackmoore so wachsam, interessiert und konzentriert wie auf dem Schlachtfeld gewesen.</p><p>Mit jedem verstreichenden Tag sank die Herausforderung durch die Orks, und M�nner, die die Anspannung fast t�glicher K�mpfe gewohnt waren, litten zunehmend unter Langeweile. Zwar gab es die Turniere, die allgemein beliebt waren, als Ventil f�r �bersch�ssige Energien � zudem sorgten sie ganz nebenbei auch daf�r, dass ein wenig Geld den Besitzer wechselte �, aber ein echter Ersatz waren sie nicht, dachte Tammis.</p><p>Dieser Ork nun, den sie gefunden hatten, w�rde unter menschlicher Aufsicht aufwachsen. Mit der Geschwindigkeit und der Kraft der Orks, aber ausgestattet mit dem Wissen seines Lehrmeisters Blackmoore, w�rde er in jeder Schlacht fast unschlagbar sein.</p><p>Allerdings wollte das h�ssliche kleine Ding nicht fressen und war in den letzten Tagen blass und still geworden. Niemand sprach es aus, aber alle wussten, dass die Bestie im Sterben lag.</p><p><emphasis>Das</emphasis> machte Blackmoore w�tend. Einmal hatte er sich sogar das kleine Ungeheuer gegriffen und versucht, ihm kleingehacktes Fleisch in den Mund zu stopfen. Doch damit h�tte er den Ork, den er �Thral� taufte, nur um ein Haar erstickt. Als Thrall das Fleisch wieder ausspie, hatte er ihn einfach auf das Stroh fallen lassen und war fluchend aus dem Stall gest�rmt, der dem Ork als Schlafst�tte diente.</p><p>Jetzt bewegte sich Tammis mit gr��ter Vorsicht um seinen Herrn und w�hlte seine Worte noch sorgf�ltiger als sonst. Immer �fter endete eine Begegnung mit Leutnant Blackmoore jedoch mit einer Flasche � manchmal leer, manchmal voll �, die Tammis entgegenflog. Verglichen mit Blackmoore war der dicke laute Koch, der in der K�che regierte, geradezu sanftm�tig.</p><p>Sein Weib Clannia, eine blonde Frau mit rosigen Wangen, die in der K�che arbeitete, stellte einen Teller mit kaltem Essen vor ihn auf den Holztisch und begann, nachdem er sich gesetzt hatte, seinen verspannten Nacken zu massieren.</p><p>�Gibt es Neuigkeiten?�, fragte Clannia hoffnungsvoll. Sie setzte sich vorsichtig neben ihn an den groben Holztisch. Erst vor ein paar Wochen hatte sie ein Kind zur Welt gebracht und bewegte sich immer noch verhalten. Sie und ihre �lteste Tochter Taretha hatten bereits gegessen.</p><p>Unbemerkt von den Eltern war das kleine M�dchen, das mit ihrem neugeborenen Bruder in einem Bett neben dem Ofen schlief, bei der Ankunft ihres Vaters aufgewacht. Jetzt setzte es sich auf. Seine blonden Locken ragten unter einer Schlafm�tze hervor. Es beobachtete die Erwachsenen und h�rte ihrer Unterhaltung zu.</p><p>�Ja und keine guten�, sagte Tammis schwer, w�hrend er kalte Kartoffelsuppe in den Mund schaufelte. Er schluckte hinunter und fuhr fort: �Der Ork stirbt. Er nimmt nichts an, womit Blackmoore ihn f�ttert.�</p><p>Clannia seufzte und griff nach ihrem Stoff. Die Nadel bewegte sich vor und zur�ck, n�hte ein neues Kleid f�r Taretha. �Das ist nur richtig�, sagte sie leise. �Blackmoore h�tte so etwas nie nach Durnholde bringen d�rfen. Schlimm genug, dass die Gro�en den ganzen Tag br�llen. Ich kann es kaum erwarten, dass die Internierungslager fertig werden und sie nicht mehr Durnholdes Problem sind.� Sie sch�ttelte sich.</p><p>Taretha sah ruhig zu. Die Augen der Kleinen waren weit ge�ffnet. Sie hatte Ger�chte �ber einen Ork-S�ugling aufgeschnappt, aber jetzt h�rte sie zum ersten Mal ihre Eltern dar�ber sprechen. Ihr junges Gehirn arbeitete angestrengt. Orks waren unheimlich gro� und angsteinfl��end mit ihren scharfen Z�hnen, ihrer gr�ner Haut und ihren tiefen Stimmen. Sie hatte nur Blicke auf sie erhascht, aber viele Geschichten geh�rt. Ein Baby konnte aber nicht gro� und unheimlich sein. Sie warf einen Blick auf ihren kleinen Bruder. Im gleichen Moment zuckte Faralyn, �ffnete seinen kleinen Mund und posaunte mit schrillem Gepl�rre seinen Hunger hinaus.</p><p>Clannia erhob sich mit einer eleganten Bewegung, legte ihre N�harbeit zur Seite, nahm ihren Sohn auf, entbl��te eine ihrer Br�ste und lie� ihn saugen �Taretha�, schimpfte sie dann, �du solltest schlafen.�</p><p>�Das habe ich.� Taretha stand auf und lief zu ihrem Vater. �Ich habe Pa kommen h�ren.�</p><p>Tammis l�chelte m�de und erlaubte es Taretha, auf seinen Scho� zu klettern. �Sie kann ohnehin erst schlafen, wenn Faralyn fertig ist�, wandte er sich an Clannia. �Lass mich sie eine Weile halten. Ich sehe sie so selten, und sie w�chst schnell wie eine Weide.� Er kniff sie sanft in die Wange, und sie kicherte.</p><p>�Wenn der Ork stirbt, werden wir das alle bereuen�, fuhr er dann fort.</p><p>Taretha z�gerte. Zu offensichtlich schien ihr die L�sung. Doch schlie�lich sagte sie: �Pa, wenn es ein Baby ist, warum wollt ihr es dann mit Fleisch futtern?�</p><p>Beide Erwachsene sahen sie �berrascht an. �Was hast du da gesagt, Kleines?�, fragte Tammis sp�rbar nerv�s.</p><p>Taretha wies auf ihren trinkenden Bruder. �Babys wollen Milch � so wie Faralyn. Wenn die Mutter des Ork-Babys tot ist, kann es ihre Milch nicht trinken.�</p><p>Tammis starrte sie weiterhin an, dabei huschte ein leichtes L�cheln �ber sein m�des Gesicht. �Aus dem Mund eines Kindes�, fl�sterte er und umarmte seine Tochter so kr�ftig, dass sie sich herauszuwinden versuchte.</p><p>�Tammis �� Clannias Stimme wai angespannt.</p><p>�Meine Liebste �� Er hielt Taretha in einem Arm und streckte den anderen �ber den Tisch nach seiner Frau aus. �Tari hat Recht. Auch wenn die Orks Barbaren sind, so s�ugen sie doch ihre Jungen, genau wie wir es tun. Wahrscheinlich ist der junge Ork erst wenige Monate alt. Kein Wunder, dass er kein Fleisch essen kann. Er hat ja noch keine Z�hne.� Er z�gerte, aber Clannias Gesicht wurde bleich, als ahnte sie bereits, was er sagen wollte.</p><p>�Du kannst mich � du bittest mich nicht wirklich �?�</p><p>�Denk daran, was das f�r unsere Familie bedeutet!�, rief Tammis aus. �Ich diene Blackmoore seit zehn Jahren. Ich habe ihn noch nie so unleidlich erlebt. Wenn dieser Ork dank uns �berlebt, wird es uns nie wieder an etwas mangeln.�</p><p>�Ich � ich kann das nicht!�, stotterte Clannia.</p><p>�Kann was nicht?�, fragte Taretha, was aber beide ignorierten.</p><p>�Bitte�, bat Tammis. �Es muss nicht f�r lange sein.�</p><p>�Es sind <emphasis>Monster</emphasis>, Tarn!�, schrie Clannia. �Monster und du � du willst mich �� Sie bedeckte ihr Gesicht mit einer Hand und begann zu schluchzen. Das Baby trank unger�hrt weiter.</p><p>�Pa, wieso weint Ma?�, fragte Taretha besorgt.</p><p>�Ich weine nicht�, sagte Clannia mit belegter Stimme. Sie wischte sich ihr feuchtes Gesicht ab und zwang sich zu einem L�cheln. �Siehst du, Liebling? Alles ist gut.� Sie sah Tammis an und schluckte. �Dein Pa hat da nur etwas, das ich wohl tun muss, mehr nicht.�</p><empty-line/><p>Als Blackmoore erfuhr, dass die Frau seines Leibdieners beschlossen hatte, das sterbende Ork-Baby zu s�ugen, �bersch�ttete er die Foxton-Familie mit Geschenken. Teure Stoffe, frisches Obst, das beste Fleisch und feine Bienenwachskerzen � all das tauchte regelm��ig an der T�r des kleinen Zimmers auf, das der Familie als Heim diente. Schon bald tauschten sie das Zimmer gegen ein anderes und dann gegen noch gr��ere Quartiere. Tammis Foxton erhielt sein eigenes Pferd, eine sch�ne Stute, die er Ladyfire nannte. Clannia, die jetzt Mistress Foxton hie�, musste nicht l�nger in der K�che arbeiten, sondern verbrachte ihre gesamte Zeit mit ihren Kindern und achtete auf die Bed�rfnisse von dem, den Blackmoore als sein �Spezialprojekt� bezeichnete. Taretha trug feine Kleidung und bekam sogar einen Tutor, einen nerv�sen, freundlichen Mann namens Jaramin Skisson. Er brachte ihr Lesen und Schreiben bei wie einer Lady.</p><p>Aber sie durfte nie �ber das kleine Wesen sprechen, das f�r das n�chste Jahr bei ihnen lebte und das, nachdem Faralyn an einem Fieber gestorben war, zum einzigen Baby im Foxton-Haushalt wurde. Als Thrall dann gelernt hatte, eine widerliche Mischung aus Blut, Kuhmilch und Porridge mit seinen eigenen kleinen H�nden zu essen, tauchten drei bewaffnete Wachen auf und entrissen ihn Tarethas Armen. Sie weinte und protestierte, bekam jedoch nur einen brutalen Schlag als Antwort auf ihr Flehen.</p><p>Ihr Vater hielt sie fest und beruhigte sie. Er k�sste ihre bleiche Wange, auf der sich der rote Abdruck einer Hand abzeichnete. Nach einer Weile wurde sie still, und wie es von einem artigen Kind erwartet wurde, stimmte sie zu, Thrall nur noch beil�ufig zu erw�hnen.</p><p>Aber sie schwor, dieses seltsame Wesen, das beinahe wie ein Bruder f�r sie gewesen war, niemals zu vergessen.</p><p>Niemals.</p><p>�Nein, nein, <emphasis>so</emphasis>!� Jaramin Skisson trat neben seinen Sch�ler. �Halte ihn so, mit deinen Fingern hier � und hier. Ah, so ist es besser. Nun mache eine Bewegung � wie eine Schlange.�</p><p>�Was ist eine Schlange?�, fragte Thrall. Er war erst sechs Jahre alt, aber schon fast so gro� wie sein Lehrer. Seinen dicken, ungeschickten Fingern fiel es nicht leicht, den d�nnen Griffel zu halten, und die Tontafel rutschte ihm immer wieder aus den H�nden. Trotzdem war er entschlossen, den Buchstaben zu meistern, den Jaramin �S� nannte.</p><p>Jaramin blinzelte hinter seiner gro�en Brille. �Oh, nat�rlich�, sagte er mehr zu sich selbst als zu Thrall. �Eine Schlange ist ein Reptil ohne Beine. Sie sieht wie dieser Buchstabe aus.�</p><p>Thralls Gesicht erhellte sich. �Wie ein Wurm�, sagte er. Er naschte h�ufig diese kleinen Tierchen, wenn sie den Weg in seine Zelle fanden.</p><p>�Ja, sie erinnert an einen Wurm. Versuch es noch einmal, aber jetzt allein.� Thrall streckte seine Zunge heraus, um sich besser konzentrieren zu k�nnen. Ein zittriger Umriss erschien auf der Tontafel, aber er wusste, dass man ein �S� erkennen konnte. Stolz reichte er Jaramin die Tafel.</p><p>�Sehr gut, Thrall! Ich glaube, wir sollten jetzt mit den Zahlen beginnen�, sagte der Lehrer.</p><p>�Aber zuerst sollten wir das K�mpfen lernen, richtig, Thrall?� Thrall sah auf und entdeckte seinen schlanken Herrn, Leutnant Blackmoore, im T�rrahmen. Er trat ein. Thrall h�rte, wie das Schloss auf der anderen Seite der T�r einrastete. Er hatte nie versucht zu fliehen, aber die Wachen schienen das von ihm zu erwarten.</p><p>Sofort kniete Thrall nieder, so wie Blackmoore es ihm beigebracht hatte. Eine freundliche Ber�hrung seines Kopfes sagte ihm, dass er sich wieder erheben durfte. Er kam auf die Beine und f�hlte sich pl�tzlich noch gr��er und ungeschickter als sonst. Er betrachtete Blackmoores Stiefelspitzen und erwartete die Anweisungen seines Herrn.</p><p>�Wie macht er sich im Unterricht?�, wandte sich Blackmoore an Jaramin, als sei Thrall nicht anwesend.</p><p>�Sehr gut, ich hatte nicht erwartet, dass Orks so intelligent sind, aber ��</p><p>�Er ist nicht intelligent, weil er ein Ork ist�, unterbrach ihn Blackmoore. Seine Stimme klang so scharf, dass Thrall zusammenzuckte. �Er ist intelligent, weil ihn Menschen gelehrt haben. Vergiss das nie, Jaramin. Und du �� Die Stiefel spitzen drehten sich in Thralls Richtung. �� du vergisst das auch niemals.�</p><p>Thrall sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>�Sieh mich an, Thrall.�</p><p>Thrall z�gerte, dann gehorchte er. Blackmoores Augen starrten ihn an. �Wei�t du, was dein Name bedeutet?�</p><p>�Nein, Sir.� Seine Stimme klang im Vergleich zum musikalischen Singsang menschlicher Stimmen rau und tief.</p><p>�Er bedeutet �Sklave�. Das hei�t, dass du mir geh�rst.� Blackmoore trat vor und stie� einen ausgestreckten Zeigefinger gegen die Brust des Orks. �Das bedeutet, dass <emphasis>ich dich besitze</emphasis>. Verstehst du das?�</p><p>F�r einen Moment war Thrall so schockiert, dass er nicht antwortete. Sein Name bedeutete <emphasis>Sklave</emphasis>? Er klang so angenehm, wenn Menschen ihn aussprachen, dass er gedacht hatte, es sei ein guter und wertvoller Name.</p><p>Blackmoores behandschuhte Hand kam hoch und schlug in Thralls Gesicht. Obwohl der Leutnant weit ausgeholt hatte, sp�rte Thrall den Schlag kaum, so dick war seine Haut. Und trotzdem verletzte ihn der Schlag. Sein Herr hatte ihn geschlagen! Er ber�hrte mit seiner gro�en Hand die Wange. Seine schwarzen Fingern�gel waren kurz.</p><p>�Antworte, wenn man dich anspricht�, rief Blackmoore w�tend. �Verstehst du, was ich gerade gesagt habe?�</p><p>�Ja, Lord Blackmoore�, antwortete Thrall. Seine tiefe Stimme war nur ein Fl�stern.</p><p>�Exzellent.� Der �rger in Blackmoores Gesicht wandelte sich zu einem freundlichen L�cheln. Seine Z�hne waren wei� gegen das Schwarz seines Barts. So schnell war alles wieder gut. Thrall sp�rte Erleichterung. Seine Lippen formten sich, um Blackmoores L�cheln nachzubilden.</p><p>�Tu das nicht, Thrall�; sagte Blackmoore. �Es macht dich h�sslicher, als du ohnehin schon bist.�</p><p>Abrupt verschwand das L�cheln.</p><p>�Leutnant�, sagte Jaramin sanft. �Er versucht nur Euer L�cheln nachzuahmen, das ist alles.�</p><p>�Das sollte er nicht. Menschen l�cheln, Orks nicht. Ihr sagtet, er kann dem Unterricht folgen? Hei�t das, er kann lesen und schreiben?�</p><p>�Er liest schon sehr gut, und er versteht, wie man schreibt. Seinen dicken Fingern f�llt es jedoch schwer, Buchstaben zu bilden.�</p><p>�Exzellent�, wiederholte Blackmoore. �Dann haben wir keine Verwendung mehr f�r Eure Dienste.�</p><p>Thrall atmete tief ein und sah Jaramin an. Der �ltere Mann schien �ber diese Ank�ndigung ebenso �berrascht zu sein wie er.</p><p>�Es gibt noch so viel, das er nicht wei�, Sir�, wandte Jaramin ein. �Er kennt nur wenige Zahlen, wei� nichts �ber Geschichte, �ber Kunst ��</p><p>�Er muss keine Ahnung von Geschichte haben, und was er �ber Zahlen wissen sollte, kann ich ihm selbst beibringen. Und was muss ein Sklave �ber Kunst wissen, hm? Du glaubst doch bestimmt, das sei reine Zeitverschwendung, richtig, Thrall?�</p><p>Thrall dachte kurz an den Tag, an dem Jaramin ihm eine kleine Statue gezeigt und ihm erkl�rt hatte, wie sie geschnitzt worden war. Sie hatten auch dar�ber gesprochen, wie sein blauwei�es Wickeltuch gewebt worden war. Das hatte Jaramin als �Kunst� bezeichnet, und Thrall h�tte gerne mehr �ber die Herstellung solch sch�ner Sachen erfahren.</p><p>�Der Wunsch meines Herrn ist Thralls Wunsch�, log er gehorsam und verbarg seine wahren Gef�hle in seinem Herzen.</p><p>�Das ist richtig. Du musst diese Dinge nicht wissen, Thrall. Du musst nur wissen, wie man k�mpft.� Mit untypischer Zuneigung streckte Blackmoore eine Hand aus und legte sie auf Thralls breite Schulter. Thrall zuckte zusammen und sah seinen Herrn an.</p><p>�Ich lie� dich Lesen und Schreiben lernen, weil es dir eines Tages vielleicht einen Vorteil �ber deinen Gegner verschaffen k�nnte. Ich werde daf�r sorgen, dass du jede Waffe beherrschst, die ich jemals gesehen habe. Ich werde dir Strategien und Tricks beibringen. Du wirst im Gladiatorenring ber�hmt werden. Tausende werden deinen Namen rufen, wenn du auftrittst. Wie h�rt sich das an?�</p><p>Thrall sah, wie sich Jaramin umdrehte und seine Sachen aufsammelte. Er versp�rte einen seltsamen Schmerz, als der Griffel und die Tontafel zum letzten Mal in Jaramins Tasche verschwanden. Nach einem kurzen Blick zur�ck ging Jaramin zur T�r und klopfte. Sie �ffnete sich f�r ihn. Er trat hinaus und die T�r wurde wieder verschlossen.</p><p>Blackmoore wartete auf Thralls Antwort. Thrall lernte schnell und wollte nicht wieder geschlagen werden, weil er mit seiner Antwort z�gerte. Er zwang sich dazu so zu klingen, als glaube er es und antwortete seinem Herrn. �Das klingt aufregend. Ich bin froh, dass mein Herr diesen Weg f�r mich gew�hlt hat.�</p><empty-line/><p>Thrall verlie� seine Zelle, so weit er zur�ckdenken konnte, zum ersten Mal. Zwei Wachen gingen vor dem jungen Ork, zwei weitere und Blackmoore dicht hinter ihm, w�hrend er voller Staunen die gewundenen Steinkorridore durchschritt. Sie stiegen eine Treppe hinauf, dann durch einen Gang und �ber eine Wendeltreppe hinab, die fast zu schmal f�r Thrall war.</p><p>Vor ihm lag eine Helligkeit, ihn blinzeln lie�. Sie n�herten sich der Quelle des Lichts, und die Furcht vor dem Unbekannten erwachte. Als die beiden W�chter vor ihm in den hellen Bereich traten, stoppte Thrall. Der Boden vor ihm war gelb und braun, hatte nicht das vertraute Grau von Stein. Schwarze Dinge, die den W�chtern �hnelten, lagen auf dem Boden und folgten jeder ihrer Bewegungen.</p><p>�Was soll das?�, fauchte Blackmoore. �Geh raus! Andere hier drin w�rden ihren rechten Arm daf�r geben, um ins Sonnenlicht treten zu d�rfen!�</p><p>Thrall kannte das Wort. <emphasis>Sonnenlicht</emphasis> war das, was durch schmale Spalte in seine Zelle drang. Aber hier gab es so viel Sonnenlicht! Und dann waren da die seltsamen schwarzen Dinge. Was verbarg sich dahinter?</p><p>Thrall zeigte auf die schwarzen, menschlich geformten Schemen am Boden. Er sch�mte sich, als die Wachen zu lachen begannen. Einer von ihnen wischte sich sogar Tr�nen aus den Augen. Blackmoores Gesicht wurde rot.</p><p>�Du Idiot!�, sagte er. �Das sind doch nur � Beim Licht! Habe ich mir einen Ork angeschafft, der Angst vor seinem eigenen Schatten hat?� Er machte eine Geste, und einer der W�chter stach die Spitze seines Speers tief in Thralls R�cken. Obwohl seine dicke Haut ihn sch�tzte, schmerzte der Stich, und Thrall stolperte vorw�rts.</p><p>Seine Augen brannten, und er hob seine H�nde, um sie zu bedecken. Trotzdem f�hlte sich die pl�tzliche W�rme des � Sonnenlichts � auf seinem Kopf und R�cken gut an. Langsam senkte er seine Arme und blinzelte, damit sich seine Augen an die Helligkeit gew�hnen konnten.</p><p>Etwas Gro�es, Gr�nes ragte vor ihm auf.</p><p>Instinktiv richtete er sich zu voller Gr��e auf und br�llte es an. Die Wachen lachten erneut, aber dieses Mal kommentierte Blackmoore Thralls Reaktion mit beif�lligem Nicken.</p><p>�Das ist eine K�mpfer-Attrappe�, sagte er. �Sie besteht nur aus Sackleinen, Stroh und Farbe, Thrall. Sie stellt einen Troll dar.�</p><p>Thrall f�hlte erneut Scham in sich aufsteigen. Nun, da er etwas n�her herangekommen war, sah auch er, dass die Figur nicht lebte. Das Haar des k�nstlichen K�mpfers bestand aus Stroh, und er konnte sehen, wo er zusammen gen�ht worden war.</p><p>�Sieht ein Troll wirklich so aus?�, fragte er.</p><p>Blackmoore l�chelte. �Ein wenig. Er soll nicht realistisch sein, nur der �bung dienen. Sieh her.�</p><p>Er streckte einen behandschuhten Arm aus, und einer der W�chter reichte ihm etwas. �Dies ist ein h�lzernes Schwert�, erkl�rte Blackmoore. �Ein Schwert ist eine Waffe, und wir benutzen Holz zur �bung. Wenn du damit ausreichend ge�bt hast, bekommst du ein echtes.�</p><p>Blackmoore hielt das Schwert mit beiden H�nden. Er fand seine Balance und st�rmte auf den �bungstroll zu. Er traf ihn dreimal, zuerst in den Kopf, dann in den K�rper und schlie�lich in den Arm, der eine Stoffwaffe hielt � ohne seinen Rhythmus zu verlieren. Er atmete nur ein wenig schneller, als er sich umdrehte und zur�ckging.</p><p>�Und jetzt du�, sagte er.</p><p>Thrall streckte seine Hand nach der Waffe aus. Seine dicken Finger schlossen sich um den Schaft. Er passte viel besser in seine Handfl�che als der Griffel. Er f�hlte sich auch besser an, beinahe schon vertraut. Der Ork korrigierte seinen Griff und versuchte nachzuahmen, was er bei seinem Herrn gesehen hatte.</p><p>�Sehr gut�, lobte Blackmoore. An einen seiner W�chter gewandt sagte er: �Sieh ihn dir an, er ist ein Naturtalent, so wie ich geahnt habe. Los, Thrall � greif an!�</p><p>Thrall fuhr herum. Zum ersten Mal in seinem Leben schien sein K�rper das tun zu wollen, was von ihm verlangt wurde. Er hob das Schwert, und zu seiner �berraschung drang aus seiner Kehle ein Schrei. Seine Beine trugen ihn fast schon instinktiv auf den �bungstroll zu � rasend schnell. Er hob das Schwert � es war so <emphasis>leicht</emphasis> � und f�hrte es in einem eleganten Halbbogen gegen den K�rper des Trolls.</p><p>Etwas krachte ohrenbet�ubend, und der Troll flog durch die Luft. Thrall f�rchtete, etwas schrecklich falsch gemacht zu haben. Seine Eleganz verwandelte sich in Ungeschicklichkeit, und er stolperte �ber seine eigenen F��e, schlug schwer auf dem Boden auf und sp�rte, wie das h�lzerne Schwert unter ihm zerbrach.</p><p>Thrall raffte sich auf und bereitete sich auf die Strafe vor, die ihm zweifellos bevorstand. Er hatte den �bungstroll und auch das Holzschwert zerst�rt. Er war so gro� und so � ungeschickt!</p><p>Laute Rufe erf�llten die Luft. Abgesehen von Jaramin, den schweigsamen Wachen und Blackmoores gelegentlichen Besuchen, hatte Thrall kaum Kontakt zu Menschen. Daher konnte er die feinen Unterschiede bei unartikulierten Lauten nur schwer unterscheiden, dennoch hatte er den irritierenden Verdacht, dass es sich nicht um Kundgebungen von �rger handelte. Neugierig blickte er auf.</p><p>Blackmoore zeigte ein breites Grinsen auf seinem Gesicht, ebenso die W�chter. Einer von ihnen schlug die Handfl�chen zusammen, wodurch ein lautes Ger�usch entstand. Blackmoores L�cheln wurde noch breiter, als er Thrall ansah.</p><p>�Sagte ich nicht, er w�rde alle Erwartungen �bertreffen?�, rief Blackmoore. �Gut gemacht, Thrall, <emphasis>sehr gut</emphasis>!�</p><p>Thrall blinzelte unsicher. �Ich � hab nichts falsch gemacht?�, fragte er. �Der Troll und das Schwert � hab sie zerbrochen.�</p><p>�Verdammt richtig hast du es gemacht! Du schwingst zum ersten Mal ein Schwert, und schon fliegt der Troll �ber den Hof!� Blackmoores Heiterkeit ebbte etwas ab. Er legte den Arm freundlich um den jungen Ork. Thrall verspannte sich kurz, wurde aber gleich wieder lockerer.</p><p>�Stell dir vor, du w�rst im Gladiatorenring�, sagte Blackmoore. �Stell dir vor, der Troll w�re echt und dein Schwert ebenfalls. Und stell dir vor, bei deinem ersten Angriff triffst du ihn mit solcher Wucht, dass er so weit fliegt. Kannst du nicht verstehen, dass das gut ist, Thrall?�</p><p>Der Ork nahm an, das er das konnte. Seine gro�en Lippen wollten sich zu einem L�cheln �ber die Z�hne ziehen, aber er widerstand dem Impuls. Blackmoore war noch nie so gut, so nett zu ihm gewesen, und er wollte diesen Moment nicht in Gefahr bringen.</p><p>Blackmoore dr�ckte Thralls Schulter und kehrte zu seinen M�nnern zur�ck. �Du!�, rief er einem W�chter zu. �Setz den Troll wieder auf die Stange und sieh zu, dass er gut genug befestigt ist, um den m�chtigen Schl�gen meines Thralls zu widerstehen. Du, hol mir ein neues �bungsschwert. Verdammt, bring gleich f�nf. Thrall wird sie vermutlich alle zerbrechen!�</p><p>Aus den Augenwinkeln bemerkte Thrall eine Bewegung. Er drehte sich um und sah einen gro�en schlanken Mann mit lockigem Haar. Seine Kleidung zeigte die Farben Rot, Schwarz und Gold und identifizierte ihn als einen von Blackmoores Dienern. Bei ihm war ein kleines Menschlein mit hellgelbem Haar. Es sah den Wachen, die Thrall kannte, �berhaupt nicht �hnlich. Es sah weicher aus, und seine Kleidung bestand nicht aus Hose und Hemd wie die des anderen, sondern aus einem langen flie�enden Stoff, der bis auf die staubige Erde reichte. War dies vielleicht ein menschliches Kind?</p><p>Sein Blick trafen die blauen Augen des Kindes. Es schien �berhaupt keine Angst vor seinem h�sslichen Aussehen zu haben. Im Gegenteil, es hielt seinem Blick stand, und w�hrend er es beobachtete, l�chelte das M�dchen freundlich und winkte ihm zu, als sei es froh, ihn zu sehen.</p><p>Wie konnte das sein?</p><p>W�hrend Thrall es ansah und versuchte sich eine angemessene Erwiderung einfallen zu lassen, legte der Mann, der das M�dchen begleitete, eine Hand auf dessen Schulter und f�hrte es weg.</p><p>Thrall fragte sich, was gerade passiert war, drehte sich zur�ck zu den jubelnden M�nnern und schloss seine gro�e gr�ne Hand um ein weiteres �bungsschwert.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Schon bald entstand eine Routine, der Thrall die n�chsten Jahre folgte. Er wurde bei Sonnenaufgang gef�ttert. Die Ketten an seinen H�nden und F��en erlaubten es ihm, hinaus auf den Innenhof von Durnholde zu schlurfen, wo er seine �bungen begann. Zuerst fungierte Blackmoore selbst als sein Ausbilder, zeigte ihm die Grundtechniken und lobte ihn oft geradezu �berschw�nglich. Manchmal war seine Stimmung allerdings auch schlecht, und dann konnte Thrall nichts richtig machen. An diesen Tagen sprach der Adlige etwas undeutlich, seine Bewegungen waren unkontrolliert, und er beschimpfte den Ork, ohne dass Thrall einen Grund daf�r erkennen konnte. Thrall akzeptierte schlie�lich, dass er einfach unw�rdig war. Wenn Blackmoore ihn beschimpfte, lag es daran, dass er es verdiente. Jedes Lob entsprang nur der Freundlichkeit seines Herrn.</p><p>Nach einigen Monaten kam jedoch ein anderer Mann hinzu, und Thrall sah Blackmoore nur noch selten. Dieser Mann, den Thrall nur als <emphasis>Sergeant</emphasis> kannte, war nach menschlichen Ma�st�ben riesig � weit �ber sechs Fu� gro�, mit einer breiten Brust, die von krausem rotem Haar bedeckt war. Das zerzauste Haar auf dem Kopf war ebenfalls feuerrot und passte zum langen Bart. Er trug einen schwarzen Schal, der um den Hals geknotet war, und in einem Ohr steckte ein gro�er Ohrring. Am ersten Tag, als er sich Thrall und den anderen K�mpfern, die neben ihm ausgebildet wurden, vorstellte, sah er alle mit hartem, unbeugsamem Blick an und erkl�rte ihnen die Herausforderung, die er f�r sie bereithielt.</p><p>�Seht ihr das?� Er zeigte mit seinem kr�ftigen Zeigefinger auf den gl�nzenden Ring in seinem Ohr. �Ich habe ihn seit dreizehn Jahren nicht herausgenommen. Ich habe Tausende von Rekruten wie euch ausgebildet. Und jeder Gruppe biete ich die gleiche Herausforderung: Rei�t den Ohrring aus meinem Ohr, und ihr k�nnt mich zu Brei schlagen!� Er grinste und zeigte einige Zahnl�cken. �Ihr glaubt mir das jetzt vielleicht noch nicht, aber wenn ich mit euch fertig bin, w�rdet ihr eure eigene Mutter verkaufen, um mir eine verpassen zu k�nnen. Sollte ich jedoch jemals so langsam sein, dass ich einen Angriff von euch Damen nicht abwehren kann, dann habe ich es verdient, dass mein Ohr abgerissen wird und ich auch die mir noch verbliebenen Z�hne schlucken muss.�</p><p>Er schritt entlang der Reihe, in der sich die Auszubildenden aufgestellt hatten, und stoppte abrupt vor Thrall. �Das gilt besonders f�r dich, du �bergro�er Kobold�, schnarrte <emphasis>Sergeant</emphasis>.</p><p>Thrall senkte verwirrt den Blick. Man hatte ihm beigebracht, niemals seine Hand gegen Menschen zu erheben. Und jetzt sah es so aus, als solle er gegen einen von ihnen k�mpfen. Aber er w�rde niemals versuchen, den Ohrring aus Sergeants Ohrl�ppchen zu rei�en.</p><p>Eine gro�e Hand legte sich unter Thralls Kinn und hob es hoch. �Du siehst mich an, wenn ich mit dir rede, verstanden?�</p><p>Thrall nickte. Er war nun vollends verwirrt. Blackmoore wollte nicht, dass er ihn ansah, doch dieser Mann hatte ihm gerade befohlen, genau das zu tun. Wie sollte er sich verhalten?</p><p>Sergeant teilte sie in Paare auf. Sie bildeten eine ungerade Zahl, und Thrall stand schlie�lich allein. Sergeant trat vor ihn und warf ihm ein Holzschwert zu. Thrall fing es in einem Reflex auf. Sergeant nickte zufrieden.</p><p>�Gute Auge-Hand-Koordination�, sagte er. Wie die anderen M�nner trug er einen Schild und eine schwere, gut gepolsterte R�stung, die K�rper und Kopf sch�tzte. Thrall besa� nichts dergleichen. Seine Haut war so dick, dass er die Schl�ge ohnehin kaum sp�rte, und er wuchs so schnell, dass jede Kleidung oder R�stung, die man ihm anpasste, bald wieder zu klein wurde.</p><p>�Dann wollen wir mal sehen, wie du dich verteidigst.� Ohne weitere Warnung griff Sergeant Thrall an.</p><p>F�r eine Sekunde zuckte Thrall zur�ck, doch dann schien in seinem Inneren etwas an den rechten Platz zu r�cken. Er bewegte sich nicht mehr �ngstlich und verwirrt, sondern mit Selbstvertrauen. Er stand gerade, richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf und realisierte erst in diesem Augenblick, <emphasis>wie</emphasis> schnell er eigentlich wuchs � er �berragte bereits seinen Gegner.</p><p>Er hob den linken Arm, von dem er wusste, dass er eines Tages einen Schild halten w�rde, der schwerer als ein Mensch war, verteidigte sich damit gegen das Holzschwert und bewegte seine eigene �bungswaffe in einem eleganten Halbbogen.</p><p>Wenn Sergeant nicht mit verbl�ffender Schnelligkeit reagiert h�tte, w�re Thralls Schwert gegen seinen Helm geprallt. Trotz dieses Schutzes aber war die Kraft, die hinter dem Schlag steckte, so gro�, dass der Ork Sergeant vermutlich get�tet h�tte. Aber Sergeant war unglaublich beh�nde, und sein Schild blockte Thralls sonst t�dlich gef�hrten Hieb ab. Thrall grunzte �berrascht, als Sergeant ihn mit dem selbst gef�hrten Streich am nackten Bauch traf. Er stolperte und verlor kurz das Gleichgewicht.</p><p>Sergeant nutzte die Gelegenheit und stie� vor. Seine drei kurzen Schl�ge h�tten einen ungesch�tzten Mann get�tet. Thrall gewann sein Gleichgewicht zur�ck und sp�rte, wie ihn ein seltsames hei�es Gef�hl durchfuhr. Pl�tzlich verengte sich seine Welt, bis er nur noch den Mann vor sich sah. All seine Frustration und Hilflosigkeit verschwand und wurde ersetzt von einem scharf fokussierten Wunsch: <emphasis>T�te Sergeant!</emphasis></p><p>Er schrie laut auf � die Macht seiner eigenen Stimme �berraschte ihn dabei selbst � und griff an. Er hob die Waffe und schlug zu, hob und schlug, deckte den H�nen von einem Menschen mit Schl�gen ein.</p><p>Sergeant versuchte sich zur�ckzuziehen, rutschte jedoch auf einem Steinboden aus und fiel nach hinten. Thrall schrie erneut, als der innige Wunsch, Sergeants Kopf zu zermalmen, wie eine hei�e Flut in ihm aufstieg. Sergeant gelang es, sein Schwert vor sich zu bringen und die meisten Schl�ge abzuwehren, aber nun lag er eingezw�ngt unter Thralls s�ulenartigen Beinen. Thrall warf sein Schwert zur Seite und streckte seine gro�en Pranken aus. Wenn er sie nur um Blackmoores Hals h�tte legen k�nnen �</p><p>Thrall erstarrte, war entsetzt �ber das Bild, das vor seinem geistigen Auge stand. Seine Finger befanden sich nur Zentimeter von Sergeants Kehle entfernt. Sie war zwar durch eine Halsberge gesch�tzt, aber Thralls Finger waren <emphasis>stark</emphasis>. Wenn er zugedr�ckt h�tte �</p><p>Und dann waren mehrere M�nner �ber ihm, br�llten ihn an und zerrten ihn vom reglosen K�rper des Ausbilders weg. Thrall lag pl�tzlich auf dem R�cken und musste die Arme heben, um die Schl�ge mehrerer Schwertattrappen abzuwehren. Er h�rte ein seltsames Ger�usch, ein <emphasis>Singen</emphasis>, und sah etwas Metallisches in der Sonne aufblitzen.</p><p>�Halt!�, schrie Sergeant. Seine Stimme war so laut und gebieterisch, als sei er nicht gerade noch Zentimeter vom Tod entfernt gewesen. �Verdammt noch mal, halt! Oder ich schneide deinen verfluchten Arm ab! Steck dein Schwert sofort weg, Maridan!�</p><p>Thrall h�rte ein Klicken. Dann wurde er gepackt und auf die Beine gestellt. Er blickte Sergeant an.</p><p>Zu seiner v�lligen �berraschung begann Sergeant zu lachen. Er schlug dem Ork auf die Schulter. �Gut gemacht, Junge. Ich war noch nie so dicht davor, meinen Ohrring zu verlieren � und das schon beim ersten Kampf. Du bist der geborene Krieger, aber du hast wohl das Ziel aus den Augen verloren, oder?� Er zeigte auf den goldenen Ohrring. �Das war das Ziel, nicht das Leben aus mir herauszupressen.�</p><p>Thrall versuchte zu sprechen. �Es tut mir Leid, Sergeant. Ich wei� nicht, was mit mir passiert ist. Ihr habt angegriffen, und dann �� Das Bild, das kurz in Zusammenhang mit Blackmoore in ihm aufgestiegen war, lie� er unerw�hnt. Es war schlimm genug, dass er den Kopf verloren hatte.</p><p>�Bei manchen Feinden h�ttest du richtig gehandelt�, sagte Sergeant �berraschend. �Gute Taktik. Aber bei anderen Gegnern, so wie bei allen Menschen, die dir entgegentreten, reicht es, sie zu Boden zu werfen und es zu beenden. H�r an diesem Punkt auf. In einem echten Kampf kann die Blutgier vielleicht deine Haut retten, aber bei Gladiatorenk�mpfen musst du hiermit �� Er tippte sich gegen die Stirn. �� arbeiten und nicht hiermit.� Er ber�hrte seinen Bauch. �Ich m�chte, dass du ein paar B�cher �ber Strategie liest. Du kannst doch lesen, oder?�</p><p>�Ein wenig�, brachte Thrall hervor.</p><p>�Du musst dir die Gesetzm��igkeiten einer Schlacht verinnerlichen. Diese Anf�nger kennen sie alle.� Er zeigte auf die anderen Rekruten. �Eine Zeitlang wird das ihr Vorteil sein.� Er drehte sich um und blickte sie streng an. �Aber nicht lange, meine Herren. Der hier hat Mut und St�rke, dabei ist er noch ein Kind ��</p><p>Die M�nner warfen Thrall feindselige Blicke zu. Thrall sp�rte eine pl�tzliche W�rme, ein Gl�cksgef�hl, das er noch nie erlebt hatte. Er hatte beinahe einen Mann get�tet, war daf�r aber nicht bestraft worden. Stattdessen hatte man ihm gesagt, dass er lernen m�sse, um sich weiter zu verbessern und um zu verstehen, wann er den Tod des Gegners suchen musste und wann er �<emphasis>was</emphasis> zeigen sollte? Wie nannte man es, wenn man das Leben eines Gegners verschonte?</p><p>�Sergeant?�, fragte er und hoffte, er w�rde f�r diese Frage nicht bestraft werden. �Manchmal � nun, Ihr sagtet, manchmal solle man nicht t�ten � Warum nicht?�</p><p>Sergeant sah ihn an. �Man nennt es Gnade, Thrall�, antwortete er ruhig. �Und auch das wirst du lernen.�</p><p><emphasis>Gnade.</emphasis> Lautlos wiederholte Thrall das Wort und lie� es �ber seine Zunge rollen. Es war ein sch�nes Wort, es gefiel ihm.</p><empty-line/><p>�Du hast ihn das mit dir machen lassen?� Obwohl Tammis dieser speziellen Unterhaltung zwischen seinem Herrn und dem Mann, den er angeheuert hatte, um Thrall auszubilden, nicht unmittelbar beiwohnen durfte, drang Blackmoores schrille Stimme bis zu ihm vor. Tammis h�rte auf, den Lehm von Blackmoores Stiefeln zu wischen und beugte sich vor, um angestrengter zu lauschen. Obwohl � er sah es nicht als Lauschen an, sondern als einen wichtigen Beitrag, um das Wohlergehen seiner Familie zu sch�tzen.</p><p>�Es war eine gute Kampftaktik.� Sergeant <emphasis>Irgendwie</emphasis> klang nicht, als w�rde er sich rechtfertigen. �Also ging ich damit um, wie mit dem Angriff jedes anderen Mannes.�</p><p>�Aber Thrall ist kein Mann, er ist ein Ork! Oder ist dir das nicht aufgefallen?�</p><p>�Doch, das ist es�, erwiderte der Sergeant. Tammis bewegte sich, bis er durch die halb geschlossene T�r sp�hen konnte. Sergeant passte nicht so recht in Blackmoores �ppig dekoriertes Empfangszimmer. �Und mir steht die Frage nicht zu, weshalb Ihr ihn so umfassend ausbilden lasst.�</p><p>�Da hast du Recht.�</p><p>�Aber Ihr <emphasis>wollt</emphasis>, dass er umfassend ausgebildet wird�, sagte der Sergeant, �und genau das tue ich.�</p><p>�Indem du dich fast von ihm umbringen l�sst?�</p><p>�Indem ich eine gute Taktik lobe, und indem ich ihm beibringe, wann seine Blutgier gut ist, und wann er einen k�hlen Kopf bewahren muss�, grollte der Sergeant.</p><p>Tammis unterdr�ckte ein L�cheln. Scheinbar fiel es dem Sergeant schwer, seinen eigenen Rat zu befolgen und Ruhe im passenden Augenblick zu bewahren.</p><p>�Aber deshalb komme ich nicht zu Euch. Man hat mir gesagt, Ihr h�ttet ihm das Lesen beigebracht. Ich m�chte, dass er sich ein paar B�cher ansieht.�</p><p>Tammis starrte ihn an.</p><p>�Was?�, schrie Blackmoore.</p><p>Tammis hatte seine Arbeit v�llig vergessen. Er linste durch den T�rspalt, eine B�rste in der einen, einen dreckigen Stiefel in der anderen Hand und lauschte konzentriert. Als jemand ihm leicht auf die Schulter tippte, schrie er beinahe auf.</p><p>Mit klopfendem Herzen fuhr er herum und sah Taretha. Sie grinste ihn schr�g an. Der Blick ihrer blauen Augen glitt von ihrem Vater zur T�r. Sie wusste offensichtlich genau, was er tat.</p><p>Tammis war es peinlich. Aber dieses Gef�hl wurde von dem Verlangen �bertroffen zu erfahren, was als n�chstes geschehen w�rde. Er legte einen Finger auf die Lippen, und Taretha nickte verstehend.</p><p>�Nun, warum bringt Ihr einem Ork das Lesen bei, wenn er nicht lesen soll?�</p><p>Blackmoore murmelte etwas Unverst�ndliches.</p><p>�Er hat ein Gehirn, was auch immer Ihr sonst von ihm denken m�gt. Wenn ich ihn so ausbilden soll, wie Ihr es erwartet, muss er Kampftaktiken lernen, Karten studieren, Strategien, Belagerungstechniken ��</p><p>Der Sergeant z�hlte die Dinge ruhig an seinen Fingern ab.</p><p>�Also gut!�, explodierte Blackmoore. �Ich werde das vermutlich irgendwann bereuen �� Er ging zu einer B�cherwand und suchte rasch einige Folianten heraus. �Taretha!�, br�llte er dann.</p><p>Der �ltere Foxton-Diener und die j�ngere Dienerin zuckten gemeinschaftlich zusammen. Taretha gl�ttete ihr Haar, machte ein freundliches Gesicht und betrat den Raum.</p><p>Sie machte einen Knicks. �Ja, Sir?�</p><p>�Hier.� Er reichte ihr die B�cher. Sie waren gro� und lagen schwer auf ihren Armen. Sie sah ihn �ber den Rand des obersten Bandes an, konnte gerade noch dar�ber hinweg blicken. �Gib das Thralls W�chter, damit er es an ihn �bergibt.�</p><p>�Ja, Sir�, antwortete Taretha, als w�rde ihr so etwas jeden Tag befohlen. Dabei war es einer der schockierendsten Befehle, die Tammis seinen Herrn je hatte aussprechen h�ren. �Sie sind etwas schwer, Sir � darf ich in mein Quartier gehen, um einen Sack zu holen? Darin kann ich sie leichter tragen.�</p><p>Sie wirkte ganz wie ein gehorsames Dienstm�dchen. Nur Tammis und Clannia wussten, welch scharfer Verstand � und welch scharfe Zunge � sich hinter dem verf�hrerisch h�bschen Antlitz verbarg. Blackmoore wurde etwas freundlicher und strich �ber ihr helles Haar.</p><p>�Nat�rlich, Kind. Aber bringe sie ihm direkt, verstanden?�</p><p>�Aber ja, Sir. Danke, Sir.� Sie schien einen Knicks versuchen zu wollen, �berlegte es sich jedoch anders und ging.</p><p>Tammis schloss die T�r hinter ihr. Taretha drehte sich mit gro�en leuchtenden Augen zu ihm um. �Oh, Pa!�, stie� sie mit leiser, kaum h�rbarer Stimme hervor. �Ich werde ihn <emphasis>sehen</emphasis>!�</p><p>Tammis� Stimmung sank. Er hatte gehofft, dass sie ihr verst�rendes Interesse an dem Ork verloren hatte. �Nein, Taretha. Du gibst die B�cher nur den W�chtern, das ist alles.�</p><p>Sie senkte den Kopf und wandte sich traurig ab. �Es ist nur � seit Faralyns Tod � ist er der einzige kleine Bruder, den ich noch habe.�</p><p>�Er ist nicht dein Bruder, er ist ein Ork. Ein Tier, das nur f�r Kerker oder Gladiatorenk�mpfe taugt. Vergiss das nicht.�</p><p>Tammis hasste es, seine Tochter zu entt�uschen, aber es geschah nur zu ihrem Besten. Niemand durfte erfahren, dass sie sich f�r Thrall interessierte. Wenn Blackmoore es jemals herausfand, w�rde es nichts Gutes nach sich ziehen.</p><p>Thrall schlief fest. Er war ersch�pft von den aufregenden �bungen des Tages, als die T�r zu seiner Zelle aufgesto�en wurde. Er blinzelte verschlafen und stand auf. Einer der W�chter trat mit einem gro�en Sack in den H�nden ein.</p><p>�Der Leutnant sagt, die sind f�r dich. Er will, dass du sie liest und dich dann mit ihm dar�ber unterh�ltst�, sagte der W�chter. Da war ein Ansatz von Verachtung in seiner Stimme, aber Thrall beachtete es nicht. Die Wachen sprachen immer mit Verachtung zu ihm.</p><p>Die T�r wurde zugezogen und verschlossen. Thrall betrachtete den Sack. Mit einer Vorsicht, die nicht zu seiner riesenhaften Gr��e passte, �ffnete der den Knoten und sah hinein. Seine Finger schlossen sich um etwas Rechteckiges und Hartes, das leicht nachgab.</p><p>Das konnte nicht sein. Er erinnerte sich an das Gef�hl �</p><p>Er wagte kaum zu hoffen, als er es aus dem Sack ins Halbdunkel seiner Zelle zog und anstarrte.</p><p>Es war tats�chlich ein Buch.</p><p>Er las den Titel laut vor: <emphasis>�Die Geschichte der Allianz von Lor-Lordaeron.�</emphasis> Enthusiastisch griff er nach einem zweiten Buch, dann nach einem dritten. Es waren alles Werke �ber das Kriegshandwerk. Als er eines der B�cher aufschlug, fiel etwas auf den strohbedeckten Zellenboden. Es war ein kleines, mehrfach zusammengefaltetes Blatt Papier.</p><p>Neugierig � und wegen seiner gro�en Finger langsam � faltete er es auseinander. Es war ein Brief. Seine Lippen bewegten sich, aber er las nicht laut.</p><cite><p>Lieber Thrall,</p><p>unser Lord B. hat befohlen, dass du diese B�cher haben sollst. Ich freue mich so f�r dich. Ich wusste nicht, dass du lesen lernen durftest. Er hat es mich lernen lassen, und ich lese sehr gerne. Ich vermisse dich und hoffe, dass es dir gut geht. Was sie mit dir im Hof machen, sieht aus, als w�rde es weh tun, aber ich hoffe, du bist in Ordnung. Ich w�rde gerne weiter mit dir reden. Willst du das auch? Wenn ja, schreibe eine Notiz auf die R�ckseite dieses Blatts und lege es wieder gefaltet ins Buch zur�ck. Ich werde versuchen dich zu besuchen. Wenn das nicht klappt, suche du nach mir. Ich bin das kleine M�dchen, das dir einmal zugewunken hat. Ich hoffe, du schreibst zur�ck!!!!</p><p>In Liebe,</p><text-author>Taretha</text-author></cite><cite><p>P.S.: Sage niemandem etwas �ber diesen Brief, oder wir kriegen GROSSE SCHWIERIGKEITEN!!!</p></cite><p>Thrall setzte sich schwer hin. Er konnte kaum glauben, was er gerade gelesen hatte. Er erinnerte sich an das kleine M�dchen, hatte sich damals gefragt, weshalb es ihm gewunken hatte. Es kannte ihn offensichtlich � und <emphasis>mochte</emphasis> ihn. Wie konnte das sein? Wer war dieses Menschenkind?</p><p>Er streckte einen Zeigefinger aus und betrachtete den stumpfen, geschnittenen Nagel. Der musste reichen. An seinem linken Arm entstand ein Kratzer, der bald wieder verheilt sein w�rde. Thrall stie� den Finger so tief wie m�glich hinein und zog ihn wieder heraus. Ein d�nner Blutfaden war seine Belohnung. Er benutzte den Nagel wie einen Griffel und schrieb konzentriert ein einziges Wort auf die R�ckseite der Notiz: JA.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Thrall war zw�lf Jahre alt, als er seinen ersten Ork sah. Er trainierte au�erhalb der Festung. Seit er seinen ersten Kampf im zarten Alter von acht Jahren gewonnen hatte, war Blackmoore mit Sergeants Plan einverstanden und gestattete dem Ork gr��ere Freiheiten � zumindest w�hrend des Trainings. Thrall trug immer noch eine Kette an einem Fu�, die mit einem riesigen Felsbrocken verbunden war. Selbst ein Ork von Thralls St�rke h�tte mit diesem Ballast am Bein nicht zu fliehen vermocht. Die Kette war breit und fest, es war unwahrscheinlich, dass sie brach. Thrall hatte sich rasch an sie gew�hnt. Die Kette war lang und lie� ihm viel Spielraum. Und der Gedanke an Flucht war ihm nie gekommen. Er war Thrall, der Sklave. Blackmoore war sein Herr, Sergeant sein Ausbilder, Taretha seine geheime Freundin. Alles war so, wie es sein sollte.</p><p>Thrall bedauerte, dass er mit keinem der M�nner, mit denen zusammen er ausgebildet wurde, Freundschaft geschlossen hatte. Jedes Jahr kam eine neue Gruppe, und sie waren alle aus dem gleichen Holz geschnitzt: jung, ehrgeizig, arrogant und etwas eingesch�chtert von dem riesigen gr�nen Wesen, mit dem sie zu �ben hatten. Nur Sergeant lobte ihn, nur Sergeant griff ein, wenn sich die anderen gegen ihn verb�ndeten. Obwohl diese M�nner Thrall f�r ihren Feind hielten, wusste er, dass sie nicht seine Feinde waren. Es w�re falsch gewesen, sie zu t�ten oder auch nur schwer zu verletzen.</p><p>Thrall hatte gute Ohren und achtete immer auf die Unterhaltungen der M�nner. Da sie ihn f�r eine gehirnloses Tier hielten, sahen sie keine Veranlassung, in seiner Gegenwart ihre Zungen zu h�ten. Wer achtet schon auf seine Worte, wenn der einzige Zeuge ein stumpfsinniges Tier ist?</p><p>Auf diese Weise erfuhr Thrall, dass die Orks, die einst furchtbare Gegner dargestellt hatten, schw�cher wurden. Immer mehr wurden gefangen und in etwas gebracht, das man �Internierungslager� nannte. Durnholde war das Hauptquartier, und die Kommandanten jener Lager lebten dort, w�hrend Untergebene die t�glich anfallenden Routinearbeiten in den Lagern verrichteten. Blackmoore war der oberste Vorgesetzte von allen Kommandanten. Ab und zu gab es noch ein paar K�mpfe, aber diese wurden zunehmend seltener. Einige der M�nner, die an der Ausbildung teilnahmen, hatten vor Thrall noch nie einen Ork k�mpfen sehen.</p><p>In den letzten Jahren hatte Sergeant ihm die Finessen des Nahkampfs beigebracht. Thrall beherrschte jede Waffe, die dabei zum Einsatz kam: Schwert, Breitschwert, Speer, Morgenstern, Netz, Axt, Keule und Hellebarde. Er selbst erhielt dabei nur die d�rftigste R�stung. Die Zuschauermenge fand es spannender, wenn die K�mpfer so gut wie ungesch�tzt waren.</p><p>Nun stand er in der Mitte der Ausbildungsgruppe. Das war ihm nicht fremd und eine �bung, die eher den anderen Rekruten galt als ihm selbst. Sergeant nannte dieses Szenario ��berw�ltigung�. Die �benden waren � nat�rlich � Menschen, die so taten, als w�ren sie einem der letzten rebellischen Orks begegnet, der sich ihnen nicht kampflos ergeben wollte. Thrall war � nat�rlich � der uneinsichtige Ork. Ihre Aufgabe war es, drei verschiedene M�glichkeiten zu finden, um den �rebellischen Ork� gefangen zu nehmen oder zu t�ten.</p><p>Thrall mochte diese �bung nicht sonderlich. Es gefiel ihm nicht, das Ziel von bis zu zw�lf M�nnern zu sein. Er bevorzugte den Kampf Mann gegen Mann. Vor allem st�rte ihn das Leuchten in den ke. Er war nicht einmal in der Mitte angelangt und wollte jetzt schon verzagen? Ein magisches Bauwerk, das so au�ergew�hnlich und phantastisch war, mu�te noch weitere phantastische �berraschungen in sich bergen! Die Illusion des Kampfes von Licht und Finsternis �ber der Inselwelt konnte nicht alles sein.</p><p>Es mu�te noch mehr kommen!</p><p>Schritt f�r Schritt ging er langsam weiter. Jetzt erst begann er sich zu fragen, wer jene Gestalt gewesen war, die er gesehen hatte. Lebte sie wirklrUnd jetzt, nachdem er diese �bung bereits einige Jahre kannte, wurde Thrall augenblicklich nach Beginn zu einem knurrenden, w�tenden Tier. Die ersten paar Male war es ihm schwer gefallen, Phantasie von Realit�t zu unterscheiden, aber das �nderte sich bald. Er verlor in diesem Szenario nie die Kontrolle �ber sich, und wenn es zu Zwischenf�llen kam, vertraute er Sergeant, der rechtzeitig einschritt.</p><p>Sie kamen auf ihn zu.</p><p>Wie Thrall erwartet hatte, w�hlten sie den einfachen Angriff als die erste ihrer drei M�glichkeiten. Zwei von ihnen trugen Schwerter, vier Speere und der Rest �xte. Einer von ihnen sprang vor.</p><p>Thrall parierte den Schlag mit Leichtigkeit. Sein Holzschwert wirbelte mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Er hob sein m�chtiges Bein, trat zu und traf den Angreifer mit voller Wucht gegen die Brust. Der junge Mann wurde zur�ckgeschleudert, die �berraschung stand deutlich in seinem Gesicht. Er schlug auf dem Boden auf und japste nach Luft.</p><p>Thrall fuhr herum und erwartete den Angriff der anderen. Mit dem Schwert schlug er einen von ihnen zur Seite, als w�re der Mensch nur ein l�stiges Insekt. Mit seiner freien Hand � er trug ja keinen Schild � griff er nach dem Speer des anderen Mannes, entriss ihn dessen Hand und drehte ihn, sodass sich die Spitze auf den Mann richtete, der den Speer eben noch gehalten hatte.</p><p>In einem richtigen Kampf h�tte Thrall den Speer in den K�rper des Mannes gesto�en. Aber dies war nur eine �bung, und Thrall wahrte die Kontrolle. Er hob den Speer und wollte ihn gerade zur Seite werfen, als ein furchtbares Ger�usch alle erstarren lie�.</p><p>Thrall drehte sich um und sah einen kleinen Wagen, der sich der Festung �ber die enge gewundene Stra�e n�herte. Dies geschah h�ufig, und die Reisenden waren stets gleich: Bauern, H�ndler, neue Rekruten oder Beamte auf der Durchreise.</p><p>Nicht so dieses Mal.</p><p>Dieses Mal zogen die wiehernden Pferde einen Wagen voller monstr�ser gr�ner Bestien hinter sich her. Sie standen gebeugt in einem Metallk�fig, und Thrall sah, dass sie am Boden des Wagens festgekettet waren. Ihr groteskes Aussehen erf�llte ihn mit Schrecken. Sie waren gewaltig, deformiert, hatten riesige Hauer anstelle von Z�hnen, kleine, w�tende Augen �</p><p>Und dann begriff er die Wahrheit. Das waren Orks. Sein so genanntes Volk. Genau so sahen auch ihn die Menschen.</p><p>Das �bungsschwert entglitt seinen pl�tzlich tauben Fingern. <emphasis>Ich bin h�sslich und, angsteinfl��end, ich bin ein Monster. Kein Wunder, dass sie mich so hassen.</emphasis></p><p>Eine der Bestien drehte sich und sah Thrall direkt in die Augen. Er wollte wegsehen, konnte es aber nicht. Er starrte zur�ck und hielt den Atem an. Im gleichen Moment gelang es dem Ork sich irgendwie zu befreien. Der Schrei, mit dem er sich gegen den K�fig warf, hallte wie Donner in Thralls Ohren. Mit Pranken, die sich an den Ketten blutig gescheuert hatten, griff der Ork nach den K�figstangen und bog sie zu Thralls Entsetzen weit genug auseinander, um seinen gro�en K�rper hindurchzw�ngen zu k�nnen. Der Wagen bewegte sich, die panikerf�llten Pferde liefen so schnell sie nur konnten. Der Ork landete schwer auf dem Boden, �berschlug sich, stand jedoch einen Herzschlag sp�ter wieder auf den klobigen Beinen und rannte mit einer Geschwindigkeit auf Thrall und die anderen zu, die man seinem ungeschlachten K�rper nicht zugetraut h�tte.</p><p>Er �ffnete sein schreckliches Maul und br�llte etwas, das wie Worte klang: <emphasis>�Kagh! Bin mog g�thazag cha!�</emphasis></p><p>�Greift an, ihr Narren!�, schrie Sergeant. Obwohl er keine R�stung trug, griff er nach einem Schwert und lief dem Ork entgegen. Die M�nner gerieten in Bewegung und versuchten, ihm beizustehen.</p><p>Der Ork machte sich noch nicht einmal die M�he, dem Sergeant ins Gesicht zu schauen. Er holte mit der Kette in seiner Linken aus, traf die Brust von Sergeant und schleuderte ihn zur�ck. Dabei lief er unaufhaltsam weiter. Seine Blicke waren auf Thrall gerichtet, und erneut rief er die Worte: �<emphasis>Kagh! Bin mog g 'thazag cha!</emphasis>�</p><p>Endlich �berwand Thrall seine Angst, wusste jedoch nicht, was er tun sollte. Er hob sein �bungsschwert und nahm eine Verteidigungshaltung ein, statt anzugreifen. Dieses furchtbar h�ssliche Wesen lief auf ihn zu. Es war mit Sicherheit feindlich. Aber es geh�rte seinem eigenen Volk an, seinem Fleisch und Blut. Ein Ork wie Thrall, war nun einmal ein Ork, und Thrall brachte es nicht �ber sich, ihn zu attackieren.</p><p>W�hrend Thrall noch dar�ber nachdachte, warfen sich die M�nner auf den Ork, und dessen gro�er gr�ner K�rper ging unter den Schl�gen der Schwerter und �xte zu Boden. Blut floss zwischen den Stiefeln der M�nner hindurch, und als es schlie�lich vorbei war, traten sie zur�ck und betrachteten den Berg aus gr�nem und rotem Fleisch, der einst ein lebendes Wesen gewesen war.</p><p>Sergeant st�tzte sich auf einen Ellbogen. �Thrall!�, rief er. �Bringt ihn <emphasis>sofort</emphasis> in die Zelle zur�ck!�</p><p>�Was im Namen von allem, das heilig ist, hast du getan?�, br�llte Blackmoore und starrte auf den Sergeant, der ihm so empfohlen worden war, der mittlerweile jedoch der Mensch war, den er mehr als alle anderen hasste. �Er sollte nie einen anderen Ork zu Gesicht bekommen, zumindest nicht bis �� Er verstummte kurz, ehe er fortfuhr: �Aber jetzt wei� er es, verdammt noch mal! Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?�</p><p>Der Sergeant richtete sich unter dem verbalen Angriff auf. �Nun, ich dachte, Sir, dass Ihr es mir wohl <emphasis>sagen</emphasis> w�rdet, wenn Ihr verhindern wollt, dass Thrall einen anderen Ork zu Gesicht bekommt. Ich dachte, Sir, dass Ihr vielleicht eine Zeit f�r die Ankunft eines Wagens voller Ork ausmachen w�rdet, zu der sich Thrall in seiner Zelle aufh�lt, da Ihr ja nicht wollt, dass er Orks sieht. Ich dachte, Sir, dass ��</p><p>�Es reicht!�, br�llte Blackmoore. Er holte tief Luft und sammelte sich. �Der Schaden ist angerichtet. Wir m�ssen dar�ber nachdenken, wie wir ihn reparieren.�</p><p>Sein ruhiger Tonfall entspannte auch den Sergeant. Deutlich weniger erregt fragte er: �Das hei�t also, Thrall wusste nicht, wie er aussieht?�</p><p>�Nein. Keine Spiegel, keine stillen Wasserfl�chen. Er hat gelernt, dass Orks Abschaum sind, was nat�rlich stimmt, und dass er nur weiterleben darf, weil er mir Geld bringt.�</p><p>Es wurde still, w�hrend beide M�nner nachdachten. Der Sergeant kratzte sich an seinem roten Bart und sagte: �Jetzt wei� er es also, na und? Nur weil er als Ork geboren wurde, hei�t das nicht, dass er selbst eine gehirnlose Bestie bleiben muss. Das ist er �brigens auch nicht. Wenn Ihr ihm erlauben w�rdet, sich menschlicher ��</p><p>Der Vorschlag des Sergeants ver�rgerte Blackmoore. �Er ist kein Mensch!�, brach es aus ihm hervor. �Er ist eine Bestie. Ich will nicht, dass er sich f�r einen gro�en gr�nh�utigen Menschen h�lt!�</p><p>�Dann sagt mir, Sir�, erwiderte der Sergeant, nachdem er kurz die Z�hne zusammengebissen hatte, �f�r was <emphasis>soll</emphasis> er sich denn halten?�</p><p>Blackmoore hatte keine Antwort. Er wusste es nicht. Er hatte nie dar�ber nachgedacht. Alles war ihm so einfach erschienen, als er den Ork-S�ugling gefunden hatte. Ziehe ihn als Sklaven auf, bringe ihm bei zu k�mpfen, gib ihm ein wenig Menschlichkeit und setze ihn an die Spitze einer Armee aus ergebenen Orks, mit der er die Allianz angreift. Mit Thrall an der Spitze einer erstarkten Ork-Armee konnte Blackmoore eine Macht erlangen, die noch �ber seine wildesten Vorstellungen hinausging.</p><p>Aber es w�rde nicht funktionieren. Tief im Inneren wusste er, dass der Sergeant Recht hatte: Thrall musste verstehen, wie Menschen dachten und handelten, wenn er mit diesem Wissen �ber die bestialischen Orks herrschen sollte. Aber wenn er das verstand, w�rde er dann nicht rebellieren? Thrall musste stets seinen Platz kennen und an seine niedere Geburt erinnert werden. Es ging nicht anders. Beim Licht, was sollte er tun? Wie sollte er diese Kreatur behandeln, um aus ihr den perfekten Kriegsherrn zu formen � w�hrend alle anderen nur den Gladiatorenk�mpfer in ihm sehen durften?</p><p>Er holte tief Luft. Er durfte vor diesem Diener nicht das Gesicht verlieren. �Thrall muss angeleitet werden, und zwar von uns�, sagte er bemerkenswert ruhig. �Er hat lange genug mit den Rekruten trainiert. Ich glaube, wir sollten ihn ganz auf den Kampf beschr�nken.�</p><p>�Sir, er ist sehr n�tzlich in der Ausbildung�, setzte der Sergeant an.</p><p>�Wir haben die Orks fast vernichtet�, sagte Blackmoore und dachte an die Orks, die zu Tausenden in die Lager gebracht wurden. �Ihr Anf�hrer Doomhammer ist geflohen, und sie sind ein versprengtes Volk. Wir werden bald Frieden haben. Wir m�ssen den Rekruten nicht mehr beibringen, wie man gegen die Orks k�mpft. Sie werden nur noch an Schlachten gegen andere <emphasis>Menschen</emphasis> teilnehmen, nicht mehr gegen Monster!�</p><p>Er fluchte innerlich, hatte er doch beinahe schon zu viel verraten. Der Sergeant wirkte, als habe er dies ebenfalls bemerkt, reagierte jedoch nicht darauf.</p><p>�M�nner, die in Frieden leben, ben�tigen ein Ventil f�r ihre Blutgier�, sagte Blackmoore. �Thrall soll sich fortan auf Gladiatorenk�mpfe beschr�nken. Er wird unsere Taschen f�llen und uns Ehre einbringen.� Er grinste. �Ich bin noch keinem Mann begegnet, der einen Ork besiegen konnte.�</p><empty-line/><p>Thralls Aufstieg in den Reihen der Gladiatoren konnte man nur als ph�nomenal bezeichnen. Er erreichte seine vollst�ndige Gr��e, als er noch sehr jung war, und �ber die Jahre f�llte sich sein langer K�rper aus. Jetzt war er der gr��te Ork, den viele je gesehen oder von dem sie je geh�rt hatten. Er war der Herr des Rings, und jeder wusste es.</p><p>Wenn er nicht gerade k�mpfte, lebte er allein in seiner Zelle, die ihm mit jedem Tag kleiner erschien, obwohl Blackmoore ihm eine neue zur Verf�gung gestellt hatte. Thrall verf�gte jetzt �ber einen kleinen, abgetrennten Schlafbereich und einen wesentlich gr��eren Raum, in dem er trainieren konnte. Der eingelassene Ring wurde von einem Gitter bedeckt und enthielt eine ganze Reihe �bungswaffen sowie Thralls alten �Freund�, die stark mitgenommene Troll-Attrappe, an der er �ben konnte. In manchen N�chten, wenn Thrall nicht schlafen konnte, stand er auf und reagierte seine Unruhe an der Puppe ab.</p><p>Die einsamen, d�steren Stunden wurden nur durch die B�cher erhellt, die Taretha ihm schickte, durch ihre liebgewonnenen Botschaften und die Tafel mit dem Griffel. Mindestens einmal die Woche unterhielten sie sich heimlich auf diese Weise, und Thrall stellte sich die Welt vor, so wie Taretha ihm davon erz�hlte. Es war eine Welt der Kunst, der Sch�nheit und der Freundschaft. Eine Welt, in der Essen nicht aus verdorbenem Fleisch und Brackwasser bestand. Eine Welt, in der auch er einen Platz hatte.</p><p>Ab und zu fiel sein Blick auf das immer st�rker zerschlissene Wickeltuch mit dem Symbol des wei�en Wolfskopfs auf blauem Grund. Dann sah er schnell weg, weil er meinte, dass seine Gedanken diesen Pfad nicht betreten sollten. Was h�tte es gebracht? Er hatte genug B�cher gelesen (einige, die Tari ihm heimlich geschickt hatte und von denen Blackmoore nichts ahnte), um zu wissen, dass die Orks in kleinen Gruppen lebten, von denen jede �ber ein eigenes Symbol verf�gte. Was also h�tte er denn tun sollen? Blackmoore sagen, er wolle jetzt kein Sklave mehr sein � d�rfe er also bitte gehen, um seine Angeh�rigen zu suchen �?</p><p>Trotzdem er absurd war, lie� ihn der Gedanke nicht mehr los. Sein eigenes Volk �</p><p>Tari hatte ihr eigenes Volk, ihre Familie, die aus Tammis und Clannia Foxton bestand. Man sch�tzte und liebte sie. Er war froh, dass sie so liebevoll aufwuchs, denn nur dank dieser Sicherheit hatte sie selbst die Herzensw�rme entwickeln k�nnen, mit der sie ihm begegnete.</p><p>Manchmal fragte er sich, was die anderen Foxtons von ihm hielten. Tari erw�hnte sie kaum noch. Sie hatte ihm erz�hlt, dass ihre Mutter Clannia ihn an ihrer Brust ges�ugt hatte, um sein Leben zu retten. Zuerst hatte dies Thrall ber�hrt, doch als er �lter wurde und mehr lernte, verstand er, dass Clannia es nicht aus Liebe zu ihm getan hatte, sondern nur um ihre Position bei Blackmoore zu verbessern.</p><p>Blackmoore. Alle Pfade seiner Gedanken endeten bei ihm. Wenn er Tari schrieb oder ihre Briefe las, oder wenn er in den Zuschauerr�ngen w�hrend der Gladiatorenk�mpfe nach ihrem goldenen Haar suchte, konnte er vergessen, dass er jemandem geh�rte. Er konnte sich auch in den aufregenden Momenten verlieren, die Sergeant �Blutgier� nannte, aber diese Augenblicke waren nur kurz. Selbst wenn Blackmoore Thrall besuchte, um �ber eine milit�rische Strategie zu sprechen, die Thrall studiert hatte, oder um eine Runde Falken und Hasen zu spielen, gab es keine Zuneigung, kein Gef�hl von Familie, das ihn mit diesem Mann verband. Wenn Blackmoore in jovialer Stimmung war, sprach er mit ihm wie mit einem Kind. Und wenn er ver�rgert war und voll dunkler Wut, was h�ufiger vorkam, f�hlte sich Thrall hilflos wie ein Neugeborenes. Blackmoore konnte befehlen, dass man ihn schlug oder aushungerte oder verbrannte oder ankettete, oder � das w�re die schlimmste aller Strafen gewesen, die Blackmoore aber zum Gl�ck noch nicht eingefallen war � er konnte ihm seine B�cher verbieten.</p><p>Thrall wusste, dass Tari kein privilegiertes Leben f�hrte, nicht verglichen mit dem Blackmoores. Sie war eine Dienerin und damit beinahe eine Sklavin, auch wenn man nur den Ork Sklave nannte. Aber sie hatte Freunde, sie wurde nicht angespuckt, sie hatte einen Platz gefunden.</p><p>Langsam, ohne dass er es selbst wollte, bewegte sich seine Hand und griff nach dem blauen Wickeltuch. In diesem Moment h�rte er, wie die T�r aufgeschlossen und ge�ffnet wurde. Er lie� das Tuch fallen, als sei es etwas Schmutziges.</p><p>�Komm schon�, sagte einer der schlecht gelaunten W�chter und reichte ihm die Ketten. �Zeit zu k�mpfen. Ich habe geh�rt, sie haben heute einen ziemlich guten Gegner f�r dich.� Er grinste humorlos und entbl��te seine fleckigen Z�hne. �Und Lord Blackmoore wird dir das Fell �ber die Ohren ziehen, wenn du nicht gewinnst.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Mehr als zehn Jahre waren vergangen, seit Leutnant Blackmoore auf einen Schlag einen elternlosen Ork und die M�glichkeit zur Erf�llung all seiner Tr�ume gefunden hatte.</p><p>F�r Thralls Herrn und die Menschheit im allgemeinen waren es gute und fruchtbare Jahre gewesen. Aedelas Blackmoore, einst Leutnant, nun <emphasis>Generalleutnant</emphasis>, hatte mit Spott leben m�ssen, als er seinen �Haus-Ork� zum ersten Mal nach Durnholde brachte. Das lag vor allem daran, dass niemand glaubte, das ungl�ckliche kleine Ding k�nne �berleben. Zum Gl�ck hatte es Mistress Foxton und ihre prallen Br�ste gegeben. Blackmoore konnte nicht verstehen, wie eine menschliche Frau es �ber sich brachte, einen Ork zu s�ugen. Dieses Angebot hatte seine Verachtung f�r seinen Diener und dessen Familie noch verst�rkt, gleichzeitig jedoch Blackmoores Hintern gerettet. Deshalb hatte er ihnen Spielzeug, Essen und Bildung f�r ihr Kind geschenkt, obwohl es nur ein M�dchen war.</p><p>Es war ein sch�ner Tag, warm, aber nicht hei�. Das perfekte Kampfwetter. Der Baldachin mit seinen rot-goldenen Farben sorgte f�r angenehmen Schatten. Bunte Banner tanzten in einer leichten Brise, Musik und Gel�chter umspielten Blackmoores Ohren. Der Geruch von reifen Fr�chten, frischem Brot und gegrilltem Wild lockte seine Nase. Jeder hier war bester Stimmung. Nach den K�mpfen w�rden einige nicht mehr so gut gelaunt sein, aber noch waren alle zufrieden und voller Erwartung.</p><p>Neben ihm lag, ausgestreckt auf einem gepolsterten M�bel, sein junger Protege Lord Karramyn Langston. Langston hatte dichtes braunes Haar, das zu seinen dunklen Augen passte, einen gest�hlten K�rper und ein gewinnendes L�cheln. Au�erdem verehrte er Blackmoore und war der einzige Mensch, dem dieser von seinem eigentlichen Plan erz�hlt hatte. Obwohl Langston wesentlich j�nger als er war, teilte er viele von Blackmoores Idealen und seine Skrupellosigkeit. Sie passten gut zusammen. Langston war im warmen Sonnenschein eingeschlafen und schnarchte leise.</p><p>Blackmoore griff nach einem St�ck gegrilltem Fasan und einem Kelch Rotwein, der so rot war wie das Blut, das bald in der Arena vergossen werden w�rde. Das Leben war wunderbar, und mit jeder Herausforderung, die Thrall meisterte, wurde es besser.</p><p>Blackmoore verlie� die Arena nach den K�mpfen stets mit prall gef�llter B�rse. Sein �Haus-Ork�, einst die Schande der Festung, war jetzt sein ganzer Stolz.</p><p>Nat�rlich waren die meisten Gegner Thralls Menschen � zwar einige der st�rksten, gemeinsten und hinterh�ltigsten Menschen, aber doch letztendlich nur Menschen. Die anderen Gladiatoren waren brutale, abgebr�hte Str�flinge, die versuchten, dem Kerker zu entrinnen, indem sie ihren Herren Geld und Ruhm verschafften. Einigen gelang dies, und sie erhielten ihre Freiheit. Die meisten aber tauschten ihr Gef�ngnis nur gegen ein anderes mit Teppichen an den W�nden und Frauen in ihren Betten, das trotz allem ein Gef�ngnis blieb. Die wenigsten Lords lie�en ihre Gewinngaranten als freie M�nner herumlaufen.</p><p>Aber einige von Thralls Gegnern waren nicht menschlich, und wenn er auf diese traf, wurde es interessant.</p><p>Es ber�hrte Blackmoores Ehrgeiz nicht, dass die Orks geschlagen und am Boden waren und l�ngst nicht mehr die furchteinfl��ende Streitmacht darstellten wie einst. Der Krieg war vorbei, und die Menschen hatten die Entscheidungsschlacht gewonnen. Jetzt lie� sich der Feind in spezielle Lager f�hren, beinahe so wie man Vieh nach einem Tag auf der Weide in den Stall bringt. Lager, dachte Blackmoore gutgelaunt, die allein er leitete.</p><p>Sein urspr�nglicher Plan war gewesen, einen Ork zu einem guterzogenen loyalen Sklaven und einem furchtlosen Krieger zu erziehen. Er hatte Thrall aussenden wollen, um sein eigenes Volk zu besiegen � falls �Volk� ein passendes Wort f�r die hirnlosen gr�nen Raufbolde war. Nach ihrer Vernichtung hatte Blackmoore die zerst�rten Clans in seinem Sinne einsetzen wollen.</p><p>Aber die Horde war von der Allianz besiegt worden, bevor Thrall seine erste Schlacht erleben durfte. Zuerst war Blackmoore dar�ber ver�rgert gewesen. Doch dann war ihm ein anderer Gedanke gekommen, wie er seinen Haus-Ork doch noch einsetzen k�nnte. Es setzte jedoch Geduld voraus, und davon hatte Blackmoore nur sehr wenig. Die Belohnung f�r die Geduld w�rde jedoch gr��er sein, als er es sich je erhofft hatte. Die inneren Streitigkeiten drohten, die Allianz zu zerrei�en. Elfen verachteten Menschen, Menschen beleidigten Zwerge, und Zwerge misstrauten Elfen. Ein h�bsches Geflecht aus Vorurteilen und gegenseitigen Verd�chtigungen �</p><p>Er erhob sich von seinem Stuhl und beobachtete, wie Thrall einen der gr��ten und gef�hrlichsten M�nner besiegte, die Blackmoore je gesehen hatte. Der menschliche Gegner hatte keine Chance gegen die unbez�hmbare gr�ne Bestie. Die Menge jubelte, und Blackmoore l�chelte. Er winkte Tammis Foxton heran, und der Diener eilte gehorsam zu ihm.</p><p>�Herr?�</p><p>�Wie viele sind es heute?� Blackmoore wusste, dass er lallte, aber das st�rte ihn nicht. Tammis hatte ihn schon betrunkener erlebt. Tammis hatte ihn sogar schon betrunken <emphasis>zu Bett</emphasis> gebracht.</p><p>Tammis� langes �ngstliches Gesicht wirkte noch besorgter als sonst. Sein Blick zuckte zu den Flaschen und dann zur�ck zu Blackmoore.</p><p>Pl�tzliche Wut stieg in Blackmoore empor. Er packte Tammis� am Kragen und zog ihn zu sich herab, bis er nur Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war.</p><p>�Z�hlst du die Flaschen, du erb�rmlicher kleiner Wicht?�, zischte er mit leiser Stimme. Tammis f�rchtete kaum etwas so sehr wie �ffentliche Erniedrigung, aber so betrunken Blackmoore auch war, diese besondere Karte wollte er noch nicht spielen. Er drohte lediglich gerne damit, so wie jetzt auch. Mit leicht verschwommenem Blick sah er, wie Tammis erbleichte. �Du bringst deine eigene Frau dazu, einen Ork zu s�ugen und wagst es anzudeuten, dass ich Schw�chen habe?�</p><p>Das wei�e Gesicht des Mannes widerte ihn an. Er stie� ihn beiseite. �Ich wollte wissen, wie viele Runden Thrall gewonnen hat!�</p><p>�Oh, nat�rlich, Sir. Ein halbes Dutzend hintereinander �� Tammis stockte. Er sah erb�rmlich aus. �Bei allem Respekt, Sir, die letzte Runde ist ihm schwer gefallen. Seid Ihr sicher, dass Ihr ihn noch drei weitere K�mpfe bestehen lassen wollt?�</p><p>Narren. Blackmoore war nur von Narren umgeben. Als der Sergeant am Morgen die Kampfreihenfolge gelesen hatte, hatte er Blackmoore ebenfalls gebeten, dem Ork wenigstens ein paar Minuten Ruhe zu g�nnen und vielleicht die K�mpferliste zu �ndern, damit die arme verw�hnte Kreatur sich zwischendurch erholen konnte.</p><p>�Oh nein. Die Wettquoten gegen Thrall steigen mit jedem Kampf. Er hat noch nie verloren, kein einziges Mal. Klar, dass ich jetzt aufh�ren und all den netten Leuten ihr Geld zur�ckgeben will�, spottete er und winkte Tammis angewidert davon. Thrall konnte einfach nicht besiegt werden. Weshalb sollte er diesen Vorteil nicht ausnutzen, wenn er die Gelegenheit dazu erhielt?</p><p>Thrall gewann den n�chsten Kampf, doch selbst Blackmoore bemerkte, dass es ihm schwer fiel. Er r�ckte seinen Stuhl zurecht, um eine bessere Sicht zu bekommen. Langston tat es ihm gleich. Bei dem Kampf, der darauf folgte, dem achten von neun, die der Ork bestehen sollte, geschah etwas, das weder Blackmoore noch die Menge je erlebt hatte.</p><p>Der m�chtige Ork war ersch�pft. Die Gegner in dieser Runde waren zwei Bergkatzen, die man Wochen zuvor gefangen hatte. Bis zu diesem Morgen hatte man sie eingesperrt, gequ�lt und kaum gef�ttert. Als sich nun die T�ren zur Arena �ffneten, schossen sie auf den Ork zu, als h�tte man sie aus einer Kanone gefeuert. Ihr beigefarbenes Fell verschwamm vor den Blicken, als sich beide gleichzeitig bewegten, ihn ansprangen und Thrall unter ihren Klauen und Z�hnen zu Boden ging.</p><p>Die Menge schrie entsetzt auf. Blackmoore sprang auf und musste sich am Stuhl festhalten, um nicht zu st�rzen. Das ganze Geld �</p><p>Und dann kam Thrall wieder empor! Er br�llte w�tend und schleuderte die gro�en Tiere von sich, als w�ren sie nicht mehr als Eichh�rnchen. Die beiden Schwerter, die in diesem Kampf die ihm zugeteilten Waffen waren, setzte er mit gro�em Geschick ein. Thrall k�mpfte beidh�ndig, und die Klingen blitzten in der Sonne, als sie wirbelten und schnitten. Eine Katze war bereits tot, ihr K�rper von einem einzigen Schlag beinahe in der Mitte geteilt worden. Das zweite Tier war durch den Tod des ersten noch aggressiver geworden und griff mit erh�hter Wut an. Dieses Mal lie� Thrall ihm keine Chance. Als die Katze in einem Wirbel aus Fell, Klauen und Z�hnen sprang, war Thrall bereit. Sein Schwert fauchte nach links, nach rechts und wieder nach links. Die Katze fiel in vier blutigen St�cken zu Boden.</p><p>�Seht Euch das an!�, rief Langston fr�hlich.</p><p>Die Menge jubelte begeistert. Nur Thrall, der normalerweise den Jubel mit erhobenen F�usten begr��te und mit den F��en aufstampfte, bis die Erde zu erbeben schien, stand mit h�ngenden Schultern da. Er atmete schwer, und Blackmoore sah, dass die Katzen ihre Spuren in Form einiger tiefer blutender Kratzer und Bisse hinterlassen hatten. W�hrend Blackmoore seinen unersetzlichen Sklaven betrachtete, drehte Thrall langsam den h�sslichen Kopf und starrte seinen Herrn an. In den Augen bemerkte Blackmoore Schmerz und Ersch�pfung � und ein unausgesprochenes Flehen.</p><p>Dann sank der m�chtige Krieger Thrall auf die Knie, und sofort reagierte die Menge erneut mit Zurufen. Blackmoore glaubte sogar Mitgef�hl aus ihrem Geschrei herauszuh�ren. Langston sagte nichts, aber seine braunen Augen musterten Blackmoore durchdringend.</p><p>Verdammter Thrall! Er war ein Ork, der seit seinem sechsten Lebensjahr im Umgang mit Waffen und Gegnern geschult wurde. Die meisten K�mpfe hatte er an diesem Tag nur gegen Menschen bestritten, m�chtige Krieger zwar, aber keine echten Herausforderungen f�r Thralls brutale St�rke. Es konnte nur ein Trick sein, mit dem er der letzten Runde entgehen wollte, von der Thrall wusste, dass es die schwerste von allen werden w�rde.</p><p>Selbsts�chtiger, dummer Sklave. Er wollte wohl nur zur�ck in seine <emphasis>gem�tliche</emphasis> Zelle, etwas essen und ein paar B�cher lesen. Blackmoore w�rde ihm schon die n�tigen Lektionen beibringen.</p><p>In diesem Moment trat der Sergeant in die Runde. �Lord Blackmoore!�, rief er, die H�nde zum Trichter vor seinem b�rtigen Mund geformt. �Werdet Ihr auf den letzten Kampf verzichten?�</p><p>Hitze stieg in Blackmoores Wangen. Wie konnte der Sergeant das in aller �ffentlichkeit wagen? Blackmoore, der immer noch schwankte, griff mit der Linken nach der Stuhllehne. Langston kam unauff�llig n�her, um ihm seine Hilfe anzubieten, sollte es n�tig werden. Blackmoore streckte seine rechte Hand aus und f�hrte sie zu seiner linken Schulter.</p><p><emphasis>Nein.</emphasis></p><p>Der Sergeant blickte ihn f�r einen Moment durchdringend an, als k�nne er nicht glauben, was er sah. Dann aber nickte er und gab das Kommando f�r den n�chsten Kampf.</p><p>Thrall kam auf die Beine. Er sah aus, als tr�ge er tonnenschwere Steine auf seinem R�cken. Mehrere M�nner liefen in die Arena, um die toten Bergkatzen und liegengelassenen Waffen zu entfernen. Sie gaben Thrall die Waffe, die er in diesem Kampf verwenden sollte: den Morgenstern � eine mit Dornen versehene Metallkugel, die mit einer Kette an einem massiven Stock befestigt war. Thrall nahm die Waffe und versuchte eine drohende Haltung einzunehmen. Selbst aus der Entfernung sah Blackmoore, dass der Ork zitterte. Normalerweise stampfte Thrall vor jedem Kampf mit dem Fu� auf. Dieser Rhythmus brachte die Menge in Rage und schien ihm zu helfen, sich f�r den bevorstehenden Kampf zu sammeln. Heute jedoch bereitete es ihm schon M�he, auf den Beinen zu bleiben.</p><p>Nur noch ein Kampf. Die Bestie w�rde das schon schaffen.</p><p>Die Tore �ffneten sich, sonst geschah f�r einen langen Moment nichts.</p><p>Das �nderte sich, als <emphasis>er</emphasis> aus dem Halbdunkel hervortrat. Seine beiden K�pfe schrien unverst�ndliche Provokationen, sein bleicher K�rper �berragte Thrall in gleichem Ma�e, wie er die Menschen �berragte. So wie Thrall trug er nur eine einzige Waffe, aber es war die Bessere f�r einen Kampf wie diesen � ein langer, t�dlich drohender Speer. Durch die L�nge seiner Arme und die L�nge des Speers hatte der Oger eine wesentlich gr��ere Reichweite als der Ork. Thrall musste versuchen, nahe heranzukommen, um einen Treffer zu landen und den Sieg herbeizuf�hren.</p><p>Das war so ungerecht!</p><p>�Wer hat dem Oger diesen Speer gegeben?�, br�llte Blackmoore Langston an. �Er sollte eine Waffe haben, die mit der von Thrall vergleichbar ist!� Blackmoore dachte nicht an die vielen Male, bei denen Thrall mit einem Breitschwert oder einem Speer ausger�stet war, w�hrend seine menschlichen Gegner nur ein Kurzschwert oder eine Axt f�hrten.</p><p>Der Oger marschierte in die runde Arena und sah dabei einer Kriegsmaschine �hnlicher als einem lebenden Wesen. Er hielt den Speer nach vorn gerichtet. Ein Kopf begutachtete die Menge, der andere Thrall.</p><p>Thrall hatte noch nie ein solches Wesen gesehen und starrte es einen Augenblick lang einfach nur an. Dann riss er sich zusammen, richtete sich zur vollen Gr��e auf und begann den Morgenstern zu schwingen. Er warf den Kopf zur�ck, sein langes schwarzes Haar kitzelte den R�cken, und stie� einen Schrei aus, der ebenso dr�hnend wie die Laute des Ogers war.</p><p>Der Oger griff an und stie� mit dem Speer zu. Seinen Bewegungen wohnte keine Eleganz inne, nur animalische St�rke. Thrall wich dem schwerf�lligen Angriff mit Leichtigkeit aus, unterlief die Verteidigung des Ogers und schwang den Morgenstern. Der Oger schrie auf und wurde langsamer, als die schwere Dornenkugel seine K�rpermitte traf. Thrall sprang an ihm vorbei und fuhr herum.</p><p>Bevor der Oger sich drehen konnte, traf Thrall ihn zwischen den Schulterbl�ttern. Der Oger fiel auf die Knie, lie� den Speer fallen und griff nach seinem R�cken.</p><p>Blackmoore l�chelte. Das musste der widerlichen Kreatur doch das R�ckgrat gebrochen haben. Diese K�mpfe f�hrten nicht zwangsweise zum Tod � es ziemte sich im Gegenteil nicht, einen Gegner zu t�ten, weil damit die Anzahl guter K�mpfer reduziert wurde �, aber jeder wusste, dass es eine gewisse Wahrscheinlichkeit gab, im Ring zu sterben. Die Heiler konnten mit ihren Salben nicht alles richten. Und Blackmoore konnte kein Mitgef�hl f�r den Oger aufbringen.</p><p>Seine Freude war zudem von kurzer Dauer. Denn noch w�hrend Thrall mit dem Morgenstern ausholte, sprang der Oger auf und griff nach seinem Speer. Thrall zielte mit dem Morgenstern auf den Kopf des Wesens. Zur �berraschung der Menge und offensichtlich auch zu Thralls Verbl�ffung, streckte der Oger einfach nur eine seiner gro�en H�nde aus und wischte die Kugel damit beiseite. Gleichzeitig stie� er den Speer nach vorne.</p><p>Der Morgenstern entfiel Thralls Pranke. Er wurde zur Seite gesto�en und verlor das Gleichgewicht. Verzweifelt versuchte er auszuweichen, aber der Speer traf ihn in die Brust, nur wenige Zentimeter unterhalb seiner linken Schulter. Er schrie vor Schmerz. Der Oger stie� im N�herr�cken nach und schob den Speer auf diese Weise vollst�ndig durch Thralls K�rper, so dass er hinten zu Boden fiel. Dann warf sich der Oger auf den Ork, pr�gelte wie ein Wahnsinniger auf den Hilflosen ein und stie� dabei furchtbare Grunzlaute und Schreie aus.</p><p>Blackmoore starrte entsetzt auf das Spektakel. Der Ork wurde geschlagen, war so hilflos wie ein Kind, das Gewalt von einem Erwachsenen erfuhr. Der Gladiatorenring, ein Ort, an dem die besten Krieger des K�nigreichs ihre St�rke, Schnelligkeit und List ma�en, war jetzt nicht mehr als ein Platz, auf dem ein Monster von einem sehr viel St�rkeren zu Brei geschlagen wurde.</p><p>Wie konnte Thrall das zulassen?</p><p>M�nner hasteten in den Ring. Mit spitzen St�cken versuchten sie, den Oger dazu zu bringen, von seiner Beute abzulassen. Die Bestie reagierte auf die Versuche, lie� von dem blutenden Thrall ab und hetzte hinter den M�nnern her. Drei andere warfen ein magisches Netz, das sofort schrumpfte und die Gliedma�en des w�tenden Ogers an dessen K�rper pressten. Wie ein Fisch zappelte er jetzt, und die M�nner warfen ihn ohne gro�e R�cksicht auf einen Karren und bef�rderten ihn aus dem Ring.</p><p>Thrall wurde ebenfalls hinausgetragen, allerdings wesentlich sanfter. Blackmoores Status sorgte daf�r, w�hrend diesem d�mmerte, dass er auf Grund eines einzigen Kampfes jeden Penny verloren hatte, der von ihm heute auf Thrall gesetzt worden war. Viele seiner Begleiter teilten dieses Schicksal, und er sp�rte ihre w�tenden Blicke im R�cken, als sie nach ihren Geldb�rsen griffen, um ihre Schulden zu begleichen.</p><p>Thrall. Thrall. <emphasis>Thrall �</emphasis></p><empty-line/><p>Thrall lag st�hnend auf dem Stroh, das ihm als Lager diente. Er hatte noch nie solche Schmerzen erlebt oder solche Ersch�pfung. Er w�nschte sich, ohnm�chtig zu werden. Das h�tte vieles erleichtert.</p><p>Trotzdem lie� er nicht zu, dass die Schw�rze ihn �bermannte. Die Heiler w�rden bald eintreffen. Blackmoore schickte sie stets, wenn Thrall in einem Kampf verletzt worden war. Blackmoore kam auch immer pers�nlich vorbei, und Thrall freute sich auf die tr�stenden Worte seines Herrn. Es stimmte, dass er zum ersten Mal einen Kampf verloren hatte, aber sicherlich w�rde Blackmoore ihn loben, weil er davor ganze neun K�mpfe in Folge durchgestanden hatte. Das hatte noch niemand, das wusste Thrall. Er wusste auch, dass er den Oger h�tte besiegen k�nnen, wenn er ihm im ersten, dritten oder sogar sechsten Kampf begegnet w�re. Aber niemand konnte erwarten, dass er nach einer rekordverd�chtigen Siegfolge auch jetzt gewann.</p><p>Er schloss die Augen, als Schmerz durch seinen K�rper schoss. Das hei�e Brennen in seiner Brust war beinahe unertr�glich. Wo blieben die Heiler? Sie sollten l�ngst eingetroffen sein. Er wusste, dass er dieses Mal schwer verletzt worden war. Er sch�tzte, dass er sich einige Rippen und ein Bein gebrochen hatte. Hinzu kamen die Schwertwunden und nat�rlich das schreckliche Loch in seiner Schulter, wo der Speer ihn aufgespie�t hatte. Sie mussten bald kommen, wenn Thrall am n�chsten Tag wieder die Arena betreten sollte.</p><p>Thrall h�rte, wie eine T�r ge�ffnet wurde, konnte jedoch den Kopf nicht heben, um zu sehen, wer die Zelle betrat.</p><p>�Die Heiler werden kommen�, sagte Blackmoore. Thrall spannte sich an. Die Stimme, die er h�rte, lallte und war voller Verachtung. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Bitte nicht dieses Mal � nicht ausgerechnet jetzt �</p><p>�Aber sie werden nicht bald kommen. Ich will dich leiden sehen, du feiger Hurensohn!�</p><p>Thrall st�hnte vor Qual, als ihn Blackmoores Stiefel in den Magen traf. Der Schmerz war f�rchterlich, aber bei weitem nicht so schlimm wie das Entsetzen �ber den Verrat, das ihn durchpulste. Wieso schlug Blackmoore ihn, wo er doch schwer verletzt war? War ihm denn nicht klar, wie meisterhaft Thrall gek�mpft hatte?</p><p>Obwohl der Schmerz ihn beinahe das Bewusstsein kostete, hob Thrall den Kopf und sah Blackmoore verschwommenen Blickes an. Das Gesicht des Mannes war vor Wut verzerrt, und als er Thralls Starren bemerkte, schlug er ihm mit eisenbewehrter Faust ins Gesicht. Alles wurde schwarz, und als Thrall wieder h�ren konnte, schrie Blackmoore ihn immer noch an.</p><p>�� Tausende verloren, h�rst du das? <emphasis>Tausende!</emphasis> Was ist nur los mit dir? Es war ein erb�rmlicher, w�rdeloser Kampf!�</p><p>Er schlug immer noch auf Thrall ein, und dieser sackte langsam weg. Sein K�rper schien kaum noch zu ihm zu geh�ren, und Blackmoores Tritte f�hlten sich nur noch wie Schl�ge gegen einen Teppich an. Thrall f�hlte klebriges Blut auf seinem Gesicht.</p><p>Blackmoore hatte ihn gesehen, hatte gewusst, wie ersch�pft Thrall gewesen war, hatte zugesehen, w�hrend er immer und immer wieder angriff und acht von neun Malen gewann. Niemand hatte erwarten k�nnen, dass er diesen letzten Kampf ebenfalls siegreich beendete. Thrall hatte mit allem gek�mpft, was er aufzubieten vermochte, und er hatte fair und ehrenhaft verloren.</p><p>Und trotzdem war das nicht genug f�r Blackmoore.</p><p>Schlie�lich h�rten die Tritte auf. Thrall h�rte, wie Blackmoore die Zelle verlie� und einen einzigen Satz hervorstie�: �Jetzt sind die anderen dran.�</p><p>Die T�r wurde nicht geschlossen. Thrall h�rte weitere Schritte. Er versuchte seinen Kopf zu heben, aber es gelang ihm nicht. Mehrere Stiefelpaare erschienen vor ihm, und Thrall begriff, was Blackmoore angeordnet hatte. Ein Stiefel holte aus und trat Thrall ins Gesicht.</p><p>Seine Welt wurde wei�, dann schwarz, und er sp�rte nichts mehr.</p><empty-line/><p>Als Thrall erwachte, sp�rte er W�rme und die furchtbaren Schmerzen, die ihn schon eine Ewigkeit zu begleiten schienen. Drei Heiler behandelten ihn und benutzten ihre Salben, um seine Wunden zu versorgen. Das Atmen fiel ihm leichter, und er vermutete, dass seine Rippen bereits wieder zusammengewachsen waren. Die Heiler massierten die s��lich riechende Schmiere gerade in seine Schulter, wo sich offenbar die schwerste Verletzung befand.</p><p>Obwohl ihre Ber�hrungen sanft waren und ihre Mittel wirkten, sp�rte er bei den M�nnern kein Mitgef�hl. Sie unterst�tzten seine Gesundung, weil Blackmoore sie daf�r bezahlte, nicht weil sie sein Leiden mindern wollten. Einst war er naiver gewesen und hatte ihnen f�r ihre M�hen gedankt. Einer von ihnen hatte ihn �berrascht angesehen, und ein ver�chtliches L�cheln war auf seinen Lippen erschienen. �Mach dir nichts vor, Monster. Wenn die M�nzen nicht mehr klimpern, gibt es auch keine Salbe mehr. Du solltest besser nicht verlieren.�</p><p>Damals hatten ihn die unfreundlichen Worte schockiert, nun st�rten sie ihn l�ngst nicht mehr. Thrall hatte begriffen. Er verstand viele Dinge. Es war, als sei sein Blick voller Nebel gewesen und erst jetzt klar geworden. Er lag ruhig da, bis sie fertig waren, aufstanden und gingen.</p><p>Thrall setzte sich auf und war �berrascht, als er Sergeant vor sich stehen sah. Er hatte seine haarigen Arme �ber der breiten Brust verschr�nkt. Thrall sprach nicht, fragte sich nur, welche neuen Leiden ihm jetzt bevorstanden.</p><p>�Ich habe dich von ihnen befreit�, sagte Sergeant ruhig. �Aber nicht bevor sie ihren Spa� hatten. Blackmoore wollte mit mir �ber � Gesch�fte reden. Das tut mir Leid, Junge, wirklich Leid. Du warst heute unglaublich im Ring. Blackmoore sollte stolz auf dich sein. Stattdessen �� Seine raue Stimme brach ab. �Na ja, ich wollte, dass du wei�t, dass du nicht verdient hast, was er dir angetan hat. Was <emphasis>sie</emphasis> dir angetan haben. Du warst gut, Junge, wirklich gut. Und jetzt schlaf etwas.�</p><p>Er schien noch mehr sagen zu wollen, nickte dann jedoch nur und ging. Thrall lehnte sich zur�ck und bemerkte gedankenverloren, dass jemand das Stroh gewechselt hatte. Es war nicht mehr voll mit seinem Blut.</p><p>Er war dankbar f�r das, was Sergeant getan hatte und glaubte dem Mann. Doch es war zu wenig und kam zu sp�t.</p><p>Er w�rde sich nicht mehr so behandeln lassen. Fr�her h�tte er den Kopf eingezogen und geschworen, k�nftig alles besser zu machen, damit er die Liebe und den Respekt erhielt, den er verzweifelt suchte. Jetzt wusste er, dass er beides hier nicht finden w�rde, nicht so lange er Blackmoore geh�rte.</p><p>Er wollte nicht schlafen. Er wollte diese Zeit zum Planen nutzen. Er griff nach der Tafel und dem Griffel, die er im Sack aufbewahrte, und schrieb eine Notiz an die einzige Person, der er vertrauen konnte. Tari.</p><p><emphasis>In den n�chsten dunklen Monden werde ich entkommen.</emphasis></p></section><section><title><p>6</p></title><p>Durch das Gitter �ber seinem Kopf konnte Thrall das Mondlicht sehen. Er achtete sorgsam darauf, weder den Rekruten, die ihn getreten hatten, noch Sergeant und vor allem nicht Blackmoore � der ihn behandelte, als sei nichts geschehen � irgendeinen Hinweis �ber seine tiefe Erkenntnis zu geben. Er war so unterw�rfig wie immer und bemerkte zum ersten Mal, dass er sich f�r dieses Benehmen hasste. Er hielt den Blick gesenkt, obwohl er wusste, dass er jedem Menschen mindestens ebenb�rtig war. Er trug gehorsam seine Ketten, obwohl er die vier W�rter in blutige Fetzen h�tte rei�en k�nnen, wenn sie versucht h�tten, ihn gegen seinen Willen zu �berw�ltigen. Er �nderte sein Verhalten in keiner Weise, weder in der Zelle noch drau�en, weder im Ring noch auf dem Trainingsplatz.</p><p>In den ersten beiden Tagen bemerkte Thrall, dass Sergeant ihn scharf beobachtete, als versuchte er die Ver�nderungen zu erkennen, die Thrall so angestrengt verbarg. Er sprach jedoch nicht mit Thrall, und Thrall achtete weiter darauf, keinen Verdacht zu erregen. Sie sollten glauben, dass sie ihn gebrochen hatten. Er bedauerte nur, dass er Blackmoores Gesichtsausdruck nicht sehen w�rde, wenn er entdeckte, dass sein �Haus-Ork� ausgeflogen war.</p><p>Zum ersten Mal in seinem Leben gab es etwas, auf das Thrall sich freuen konnte. Das erweckte einen Hunger in ihm, den er vorher nicht gekannt hatte. Er hatte sich immer so stark darauf konzentriert, den Pr�geln zu entgehen und Lob einzuheimsen, dass er nie dar�ber nachdachte, was Freiheit wirklich bedeutete. Ohne Ketten durch das Sonnenlicht zu streifen, unter Sternen zu schlafen � In seinem ganzen Leben war er noch nie nachts drau�en gewesen. Wie w�rde das wohl sein?</p><p>Seine Phantasie, durch B�cher und Taris Briefe gest�rkt, konnte jetzt endlich abheben. Er lag schlaflos auf seinem Strohbett und fragte sich, wie es wohl sein w�rde, jemanden aus seinem eigenen Volk zu treffen. Er hatte nat�rlich all die Berichte gelesen, die Menschen �ber die �schrecklichen gr�nen Ungeheuer aus den tiefsten D�monenh�hlen� sammelten. Und er erinnerte sich an den verst�renden Zwischenfall, als der gefangene Ork sich befreit und Thrall angegriffen hatte. Wenn er nur verstanden h�tte, was der Ork ihm zugerufen hatte. Sein Orkisch hatte nicht daf�r gereicht � bei weitem nicht.</p><p>Eines Tages w�rde er herausfinden, was der Ork ihm hatte sagen wollen. Und er w�rde sein Volk finden. Thrall war unter Menschen aufgewachsen, aber diese hatten nur selten versucht, seine Loyalit�t und Zuneigung zu gewinnen. Er war Sergeant und Tari dankbar, dass sie ihm Konzepte wie Ehre und Freundlichkeit vermittelt hatten. Durch ihre Lehren hatte Thrall gelernt, Blackmoore besser zu verstehen und erkannt, dass der Leutnant keine dieser Charakterz�ge besa�. Und so lange Thrall ihm geh�rte, w�rde er auch in seinem eigenen Ork-Leben dergleichen nie erfahren.</p><p>Die Monde, einer gro� und silbern, der andere klein und blaugr�n, waren in dieser Nacht dunkel. Tari hatte auf seine Ank�ndigung mit einem Hilfsangebot reagiert, so wie er es tief in seinem Herzen erwartet hatte. Gemeinsam hatten sie einen Plan erdacht, der h�chstwahrscheinlich funktionieren w�rde. Thrall wusste jedoch nicht, wann der Plan beginnen sollte, und so hoffte er auf ein Signal. Und wartete.</p><p>Er war in einen unruhigen Schlaf gefallen, als ihn das L�uten einer Glocke wieder aufweckte. Augenblicklich sprang er hoch und begab sich zur R�ckwand seiner Zelle. �ber die Jahre hatte Thrall m�hsam einen einzigen Stein freigelegt und die Erde dahinter ausgeh�hlt. Hier bewahrte er die Dinge auf, die ihm am wichtigsten waren: Taris Briefe. Jetzt zog er den Stein heraus, nahm die Briefe und wickelte sie in den einzigen anderen Gegenstand ein, der ihm etwas bedeutete: das Tuch mit dem wei�en Wolf auf blauem Feld. F�r einen kurzen Augenblick dr�ckte er das so entstandene B�ndel gegen seine Brust. Dann drehte er sich um und wartete auf seine Chance.</p><p>Die Glocke schlug weiter, und jetzt waren auch Rufe und Schreie zu vernehmen. Thralls Nase, die viel empfindlicher als die eines Menschen war, witterte Rauch. Mit jedem Herzschlag wurde der Geruch st�rker, und dann konnte der Ork sogar den r�tlichen und gelben Widerschein in der Dunkelheit seiner Zelle sehen.</p><p>�Feuer!�, h�rte er die Rufe. �Feuer!�</p><p>Ohne zu wissen, warum, warf sich Thrall auf sein Bett aus Stroh. Er schloss die Augen, zwang seinen fliehenden Atem zur Ruhe und t�uschte vor zu schlafen.</p><p>�Der geht nirgendwo hin�, sagte eine der Wachen. Thrall wusste, dass er beobachtet wurde. Er t�uschte weiter tiefen Schlaf vor. �Das verdammte Monster wird auch von gar nichts wach. Komm, wir helfen den anderen.�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte die zweite Wache.</p><p>In die Alarmrufe mischten sich jetzt helle Kinderschreie und hohe Frauenstimmen.</p><p>�Es breitet sich aus�, sagte die erste Wache. <emphasis>�Komm schon!�</emphasis></p><p>Thrall h�rte, wie schwere Stiefelsohlen auf Stein aufschlugen. Das Ger�usch wurde schw�cher. Er war allein.</p><p>Er erhob sich und stellte sich vor die schwere Holzt�r. Nat�rlich war sie verschlossen, aber es gab niemanden, der sehen konnte, was Thrall als n�chstes tun w�rde.</p><p>Er atmete tief ein und warf sich mit der linken Schulter voran gegen das Hindernis. Die T�r gab leicht nach, sprang jedoch nicht auf. Wieder und wieder warf er sich wuchtig dagegen. F�nf Mal musste er seinen m�chtigen K�rper gegen das Holz rammen, bevor die alte T�r mit lautem Krachen aufflog. Der Schwung trug Thrall nach vorne, und er landete auf dem harten Boden. Der Moment des Schmerzes war jedoch nichts gegen die Erregung, die ihn durchstr�mte.</p><p>Er kannte diese G�nge und konnte im durch die wenigen Fackeln an den W�nden entstehenden Halbdunkel problemlos sehen. Einen Gang hinunter, eine Treppe hinauf, und dann �</p><p>Wie schon zuvor in der Zelle erwachte pl�tzlich sein tiefverwurzelter Instinkt. Er presste sich gegen die Wand und verbarg seinen klobigen K�rper so gut es ging in den Schatten. Aus einem anderen Eingang kamen Wachen und st�rmten an ihm vorbei. Sie sahen ihn nicht, worauf Thrall erleichtert aufatmete.</p><p>Die Wachen lie�en die T�r <emphasis>zum</emphasis> Festungshof weit offen stehen. Vorsichtig n�herte sich Thrall und sp�hte nach drau�en.</p><p>Es herrschte Chaos. Die St�lle waren von Flammen eingeh�llt, und die Pferde, Ziegen und Esel galoppierten voller Panik �ber den Platz. Das war gut, denn so war es unwahrscheinlich, dass ihn in diesem Tumult jemand bemerken w�rde. Man hatte eine Eimerkette gebildet, und w�hrend Thrall zusah, liefen weitere M�nner darauf zu und versch�tteten in ihrer Hast wertvolles Wasser.</p><p>Thrall blickte zur rechten Seite des Hofeingangs. Verborgen in einer dunklen Ecke fand er den Gegenstand, den er gesucht hatte: einen gro�en schwarzen Umhang. Trotz der Gr��e konnte der Umhang ihn nicht ganz bedecken. Also verh�llte Thrall wenigstens sein Haupt und die breite Brust. Dann b�ckte er sich, sodass der kurze Saum �ber seine Beine fiel, und trat vor.</p><p>Der Weg �ber den Platz bis hin zu den Haupttoren dauerte nur wenige Momente, aber Thrall kamen sie wie eine Ewigkeit vor. Er versuchte seinen Kopf gesenkt zu halten, musste jedoch immer wieder aufsehen, um ver�ngstigten Pferden, schreienden Kindern und Karren auszuweichen, die mit Regenwasser gef�llte Bottiche transportierten.</p><p>Klopfenden Herzens bahnte er sich einen Weg durch das Durcheinander. Er f�hlte die Hitze, und das Feuer erhellte den Platz beinahe so stark wie Tageslicht. Thrall konzentrierte sich darauf, einen Fu� vor den anderen zu setzen, sich so klein wie m�glich zu machen und auf das Tor zuzugehen.</p><p>Schlie�lich schaffte er es. Das Tor war weit offen. Weitere Karren mit Regenwasser rollten hindurch. Den Fahrern fiel es schwer, die ver�ngstigten Pferde unter Kontrolle zu halten. Niemand bemerkte die gro�e Gestalt, die in der Dunkelheit verschwand.</p><p>Als die Festung hinter ihm lag, begann Thrall zu rennen. Er lief direkt auf die bewaldeten H�gel zu und verlie� die Stra�e so schnell er konnte. Seine Sinne schienen besser zu funktionieren als je zuvor. Unbekannte Ger�chte erf�llten seine aufgebl�hten Nasenfl�gel, und er glaubte jeden Stein und jeden Grashalm unter seinen hastenden F��en zu sp�ren.</p><p>Dann fand er die Felsformation, die Taretha ihm beschrieben hatte. Sie hatte gesagt, sie s�he aus wie ein Drachen, der �ber den Wald wachte. Es war sehr dunkel, aber mit Hilfe seiner exzellenten, auch bei Nacht sehenden Augen entdeckte Thrall einen Felsen, der mit ein wenig Phantasie tats�chlich wie der Hals eines Reptils aussah. Taretha hatte gesagt, darunter bef�nde sich eine H�hle, in der er sicher sein w�rde.</p><p>F�r einen kurzen Moment fragte sich Thrall, ob Taretha ihn vielleicht in eine Falle lockte. Aber sofort verdr�ngte er den absurden Gedanken. Er war �rgerlich und besch�mt, weil er �berhaupt an so etwas hatte denken k�nnen. Taretha war in ihren Briefen stets freundlich gewesen. Wieso sollte sie ihn jetzt verraten? Und warum h�tte sie einen so komplizierten Plan ausf�hren sollen, wenn sie Blackmoore nur die Briefe h�tte zeigen m�ssen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen?</p><p>Er fand den dunkel g�hnenden Halbkreis in der grauen Felswand. Thrall war noch nicht einmal au�er Atem, als er sich seiner Zuflucht n�herte.</p><p>Sie lehnte drinnen an der Wand und wartete auf ihn. F�r einen Moment blieb er stehen und war sich bewusst, dass seine Sehkraft der ihren �berlegen war. Obwohl sie drinnen und er drau�en stand, konnte sie ihn nicht ausmachen.</p><p>Thrall wusste nur, nach welchen Ma�st�ben die Menschen Sch�nheit definierten � und demnach war Taretha Foxton sch�n. Ihr langes helles Haar � es war zu dunkel, um die genaue Farbe zu erkennen, aber er hatte sie ab und zu in der Zuschauermenge bei den K�mpfen gesehen � fiel lang �ber ihren R�cken. Sie trug nur ihre Schlafkleidung und einen Umhang, den sie um ihren schlanken K�rper gelegt hatte. Neben ihr stand ein gro�er Sack.</p><p>Nach kurzem Z�gern ging er auf sie zu. �Taretha�, sagte er mit rauer Stimme.</p><p>Sie zuckte zusammen und sah zu ihm auf. Er dachte, sie habe Angst, aber dann lachte sie. �Du hast mich erschreckt. Ich wusste nicht, dass du dich so leise bewegen kannst.� Ihr Lachen lie� nach, wurde zu einem L�cheln. Sie trat vor und streckte beide H�nde nach ihm aus.</p><p>Langsam schloss Thrall seine eigenen darum. Die kleinen wei�en H�nde verschwanden in seinen riesigen gr�nen Pranken, die fast dreimal so gro� waren. Taretha reichte gerade bis zu seinem Ellenbogen, trotzdem bemerkte er keine Angst in ihrem Gesicht, nur Freude.</p><p>�Ich k�nnte dich mit Leichtigkeit t�ten�, sagte er und fragte sich, welches abseitige Gef�hl ihn diese Worte sprechen lie�. �Es g�be keine Zeugen.�</p><p>Ihr L�cheln wurde breiter. �Das k�nntest du, aber das wirst du nicht�, sagte sie mit warmer melodi�ser Stimme.</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Weil ich <emphasis>dich</emphasis> kenne.�</p><p>Er �ffnete seine H�nde und entlie� sie aus seinem Griff.</p><p>�Hattest du irgendwelche Schwierigkeiten?�, fragte sie.</p><p>�Keine�, sagte er. �Der Plan hat gl�nzend funktioniert. Es gab so viel Chaos, dass ein ganzes Ork-Dorf h�tte entkommen k�nnen. Ich habe bemerkt, dass du die Tiere vor dem Anz�nden des Stalls freigelassen hast.�</p><p>Sie grinste erneut. Mit ihrer keck nach oben gerichteten Nasenspitze sah sie noch j�nger aus, als sie wahrscheinlich war � Wie alt mochte sie wohl sein? Zwanzig, f�nfundzwanzig Jahre?</p><p>�Nat�rlich, sie k�nnen ja nichts daf�r. Ich wollte nie, dass ihnen etwas geschieht. Jetzt sollten wir uns aber beeilen.� Sie sah zur�ck nach Durnholde, wo noch immer Rauch und Flammen in den Nachthimmel emporstiegen. �Sie haben es bald unter Kontrolle. Dann werden sie dein Verschwinden bemerken.� Ein Gef�hl, das Thrall nicht einzuordnen vermochte, verfinsterte kurz ihr Gesicht. �Und meines.� Sie nahm den Sack und �ffnete ihn. �Setz dich hin, ich will dir etwas zeigen.�</p><p>Er gehorchte. Tari w�hlte in dem Sack herum und zog eine Schriftrolle hervor. Sie entrollte sie, hielt eine Seite fest und bedeutete ihm, das Gleiche mit der anderen zu tun.</p><p>�Das ist eine Karte�, sagte Thrall.</p><p>�Ja, und zwar die genaueste, die ich finden konnte. Hier ist Durnholde�, sagte Taretha und zeigte auf die Umrisse eines kleinen burg�hnlichen Gebildes. �Wir befinden uns s�dwestlich davon, also hier. Die Lager liegen alle in einem Radius von zwanzig Meilen rund um Durnholde � hier, hier, hier, hier und hier.� Sie zeigte auf Zeichnungen, die so klein waren, dass Thrall sie in dem schlechten Licht kaum erkennen konnte. �Wenn du sicher sein willst, solltest du in diese Wildnis hier gehen. Ich habe geh�rt, dass sich manche aus deinem Volk noch dort verstecken. Blackmoores M�nner finden immer nur Spuren von ihnen, nie sie selbst.� Sie sah zu ihm auf. �Du musst sie irgendwie finden, Thrall. Du brauchst ihre Hilfe.�</p><p><emphasis>Dein Volk?</emphasis> So hatte Taretha es ausgedr�ckt. Nicht <emphasis>die Orks, dieses Vieh</emphasis> oder <emphasis>diese Ungeheuer</emphasis>. Die Dankbarkeit, die in ihm aufstieg, war so �berw�ltigend, dass er f�r einen Moment nicht sprechen konnte. Schlie�lich brachte er hervor: �Wieso tust du das? Wieso willst du mir helfen?�</p><p>Sie sah ihn ruhig an, zuckte nicht vor seinem Anblick zur�ck. �Weil ich dich als Baby kannte. Du warst wie ein kleiner Bruder f�r mich. Und als � als Faralyn kurz darauf starb, warst du <emphasis>der einzige </emphasis> kleine Bruder, den ich noch hatte. Ich habe gesehen, was sie dir antaten, und ich hasste es. Ich wollte dir helfen, deine Freundin sein.� Jetzt sah sie doch weg. �Und ich mag unseren Herrn ebenso wenig wie du.�</p><p>�Hat er dich verletzt?� Die Wut, die er sp�rte, �berraschte Thrall.</p><p>�Nein, nicht wirklich.� Eine Hand griff nach ihrem Handgelenk und massierte es sanft. Unter dem �rmel sah Thrall den dunklen Schatten einer verheilenden Prellung. �Nicht k�rperlich. Es ist komplizierter.�</p><p>�Sag es mir.�</p><p>�Thrall, die Zeit ist ��</p><p>�Sag es mir!�, br�llte er. �Du bist meine Freundin, Taretha. Zehn Jahre lang hast du mir geschrieben und mich zum L�cheln gebracht. Ich wusste, dass jemand wei�, wer ich wirklich bin, nicht nur � irgendein Ungeheuer im Gladiatorenring. Du warst mein Licht in der Dunkelheit.� Mit all der Z�rtlichkeit, die er aufbringen konnte, legte er seine Hand vorsichtig auf ihre Schulter. �Sag es mir�, dr�ngte er erneut mit sanfter Stimme.</p><p>Ihre Augen schimmerten feucht. Erstaunt sah er zu, als eine Fl�ssigkeit daraus �ber ihre Wangen lief.</p><p>�Ich sch�me mich so,� fl�sterte sie.</p><p>�Was passiert mit deinen Augen?�, fragte Thrall. �Und was soll �sch�men� bedeuten?�</p><p>�O Thrall�, sagte sie mit belegter Stimme und wischte sich �ber die Augen. �Das nennt man Tr�nen. Sie kommen, wenn wir traurig sind, wenn unsere Seele krank ist. Es ist, als sei unser Herz so voller Schmerz, dass er nirgendwo anders hin kann.� Taretha atmete zitternd ein. �Und Scham � das ist, wenn du etwas getan hast, das gegen alles steht, was du je zu sein glaubtest, und wenn du dir w�nschst, niemand w�rde je davon erfahren. Aber da es jeder wei�, sollst auch du es erfahren. Ich bin Blackmoores M�tresse.�</p><p>�Was bedeutet das?�</p><p>Sie sah ihn traurig an. �Du bist so unschuldig, Thrall, so rein. Aber eines Tages wirst du es verstehen.�</p><p>Pl�tzlich erinnerte sich Thrall an prahlerische Unterhaltungen, die er auf dem �bungsplatz mit angeh�rt hatte und verstand, was Taretha meinte. Aber er sch�mte sich nicht f�r sie, sondern f�hlte nur Wut dar�ber, dass Blackmoore noch tiefer gesunken war, als selbst er es geglaubt h�tte. Er wusste, wie hilflos man gegen�ber Blackmoore war, und Taretha war so klein und so zierlich, dass sie noch nicht einmal k�mpfen konnte.</p><p>�Komm mit mir�, dr�ngte er.</p><p>�Ich kann nicht. Was w�rde nach meiner Flucht mit meiner Familie geschehen und � nein.� Impulsiv ergriff sie Thralls H�nde. �Aber du kannst es. Bitte geh jetzt. Ich werde mich besser f�hlen, wenn ich wei�, dass wenigstens du ihm entkommen bist. Sei frei f�r uns beide.�</p><p>Er nickte, war unf�hig zu sprechen. Er hatte gewusst, dass er sie vermissen w�rde, aber nach ihrem ersten wirklichen Gespr�ch ber�hrte ihn ihr Verlust noch viel schmerzlicher.</p><p>Sie wischte noch einmal �ber ihr Gesicht und sprach mit festerer Stimme. �Der Sack ist voller Essen und einigen Wasserschl�uchen. Ich habe ein Messer f�r dich stehlen k�nnen. Ich habe es nicht gewagt, etwas zu stehlen, das man vielleicht bemerken w�rde. Und zuletzt habe ich dies f�r dich.� Sie neigte ihren Kopf und entfernte eine schmale silberne Kette von ihrem schlanken Hals. Daran hing eine Mondsichel. �Nicht weit von hier entfernt befindet sich ein alter Baum, den der Blitz gespalten hat. Blackmoore l�sst mich dort spazieren gehen, wenn ich es w�nsche. Zumindest daf�r bin ich dankbar. Wenn du in der N�he bist und Hilfe brauchst, lege diese Halskette in den Stamm des alten Baums und ich werde dich in dieser H�hle treffen, um dir zu helfen.�</p><p>�Tari �� Thrall sah sie gepeinigt an.</p><p>�Beeil dich.� Sie warf einen �ngstlichen Blick zur�ck nach Durnholde. �Ich habe eine Ausrede f�r meine Abwesenheit, aber sie ist glaubw�rdiger, wenn ich so schnell wie m�glich zur�ckkehre.�</p><p>Sie erhoben sich und sahen einander unsicher an. Bevor Thrall begriff, was geschah, legte Tari ihre Arme so weit es ging um seinen massigen Oberk�rper und presste ihr Gesicht gegen seinen Bauch. Thrall spannte sich an. Eine solche Bewegung kannte er sonst nur als Versuch eines Angriffs, aber obwohl er noch nie so ber�hrt worden war, begriff er es in diesem Augenblick als Zeichen tiefer Zuneigung. Er folgte seinen Instinkten und strich vorsichtig �ber ihren Kopf.</p><p>�Sie nennen dich ein Ungeheuer�, sagte sie, �aber <emphasis>sie</emphasis> sind die Ungeheuer, nicht du. Leb wohl, Thrall.�</p><p>Taretha drehte sich um, hob ihren Rock leicht an und rannte nach Durnholde zur�ck. Thrall sah ihr nach, bis sie in der Dunkelheit verschwunden war. Dann legte er die silberne Halskette vorsichtig in sein B�ndel und verstaute es im Sack.</p><p>Dann hob er das schwere B�ndel � es musste fast �ber Taris Kr�fte gegangen sein, es so weit zu schleppen � auf und warf es �ber seine Schulter. Und wenig sp�ter marschierte der ehemalige Sklave mutig seinem ungewissen Schicksal entgegen.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Thrall wusste, dass Taretha ihm die Standorte der Lager verraten hatte, damit er sie meiden konnte. Sie wollte, dass er nach den freien Orks suchte. Er wusste jedoch nicht, ob diese �freien Orks� �berhaupt noch lebten oder nur der Wunschphantasie irgendeines alten Kriegers entsprangen. Er hatte unter Jaramins Anleitung Karten studiert, also wusste er, wie man die las, die Tari ihm gegeben hatte.</p><p>Und er machte sich auf den direkten Weg zu einem der Lager auf.</p><p>Er suchte nicht das aus, das Durnholde am n�chsten gelegen war. Wahrscheinlich hatte Blackmoore Alarm ausgerufen, nachdem Thralls Verschwinden entdeckt worden war. Laut Karte gab es eines, das einige Meilen von der Festung entfernt lag, in der Thrall aufgewachsen war, und dieses wollte er besuchen.</p><p>Er wusste nur wenig �ber die Lager und diese sp�rlichen Informationen stammten von Menschen, die sein Volk hassten. W�hrend er ausdauernd und unerm�dlich auf sein Ziel zuging, �berschlugen sich seine Gedanken. Wie w�rde es sein, so viele Orks an einem Ort zu sehen? W�rden sie seine Sprache verstehen? Oder war sie durch seinen menschlichen Akzent so unkenntlich geworden, dass er nicht in der Lage sein w�rde, auch nur die einfachste Unterhaltung zu f�hren? W�rden sie ihn herausfordern? Er wollte nicht gegen sie k�mpfen, aber alles deutete darauf hin, dass die Orks harte, stolze und unbeugsame Krieger waren. Er war ein ausgebildeter K�mpfer, aber w�rde das ausreichen, um gegen diese legend�ren Wesen zu bestehen? Konnte er sich lange genug gegen sie behaupten, um sie davon zu �berzeugen, dass er nicht ihr Feind war?</p><p>Meile um Meile legte er zur�ck. Ab und zu sah er zu den Sternen empor, um seine Position zu bestimmen. Er hatte die Navigation nie gelernt, aber eines der geheimen B�cher, die Tari ihm schickte, hatte sich mit den Sternen und deren Koordinaten besch�ftigt. Thrall hatte es eingehend studiert und jede Information in sich aufgenommen, die es enthielt.</p><p>Vielleicht w�rde er dem Clan begegnen, der das Emblem des wei�en Wolfs auf blauem Grund trug. Vielleicht w�rde er seine Familie finden. Blackmoore hatte ihm erz�hlt, er sei nicht weit von Durnholde gefunden worden, also war es nicht unwahrscheinlich, dass Thrall Angeh�rige seines Clans finden w�rde.</p><p>Aufregung durchflutete ihn. Es f�hlte sich gut an.</p><p>Er lief die ganze Nacht und ruhte sich erst aus, als die Sonne aufging. So wie er Blackmoore kannte, suchten die M�nner des Generalleutnants bereits nach ihm. Eventuell setzten sie sogar eine ihrer ber�chtigten Flugmaschinen ein. Thrall hatte nie eine gesehen und insgeheim ihre Existenz bezweifelt. Aber wenn es sie gab, w�rde Blackmoore sie verwenden, um seinen geflohenen Champion wiederzufinden.</p><p>Thrall dachte an Tari und hoffte verzweifelt, dass niemand entdeckte, welche Rolle sie bei seiner Flucht gespielt hatte.</p><empty-line/><p>Blackmoore glaubte, dass er in seinem ganzen Leben noch nie so zornig gewesen war, und das sagte eine Menge aus. Das Glockengel�ut hatte ihn geweckt. Er schlief allein in dieser Nacht, weil Taretha behauptete, krank zu sein. Entsetzt hatte er vor seinem Fenster w�tend rote Flammen gesehen und Rauch �ber dem Festungshof. Er warf sich Kleidung �ber und mischte sich unter die �brige Bev�lkerung von Durnholde, die verzweifelt versuchte, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Es dauerte einige Stunden, und als die erste zaghafte Morgenr�te den Himmel zu erhellen begann, war nichts mehr �brig au�er ru�geschw�rzten Ruinen.</p><p>�Es ist ein Wunder, dass niemand verletzt wurde�, sagte Langston und wischte sich �ber seine Stirn. Sein bleiches Gesicht war schmutzig von Asche und Rauch. Blackmoore nahm an, dass er selbst nicht besser aussah. Alle Anwesenden waren dreckig und verschwitzt. Die Diener w�rden einiges an W�sche aufzuarbeiten haben.</p><p>�Sogar die Tiere sind unverletzt�, sagte Tammis und trat neben sie. �Sie d�rften unm�glich allein entkommen sein. Wir k�nnen nicht sicher sein, Mylord, aber es sieht so aus, als habe jemand das Feuer absichtlich gelegt.�</p><p>�Beim Licht!�, stie� Langston hervor. �Glaubst du das wirklich? Wer w�rde so etwas tun?�</p><p>�Ich w�rde meine Feinde an den Fingern abz�hlen, wenn ich so viele Finger h�tte�, grollte Blackmoore. �Und Zehen. Es gibt gen�gend Bastarde, die eifers�chtig auf meinen Rang und auf meinen � <emphasis>Lothars Geist!</emphasis>� Der Fluch rann ihm �ber die Lippen. Ihm wurde pl�tzlich kalt, und er ahnte, dass sein Gesicht wei� unter dem Ru� geworden war. Langston und Tammis starrten ihn an.</p><p>Er nahm sich nicht die Zeit, um seine Sorge in erkl�rende Worte zu fassen. Er sprang von den Steinstufen auf, auf denen er gesessen hatte, und lief zur�ck zur Festung. Freund und Diener folgten ihm, lauthals rufend: �Blackmoore, wartet!� und �Mylord, was ist in Euch gefahren?�</p><p>Blackmoore ignorierte beide. Er hastete durch Korridore und Treppen hinauf, bis er vor dem zerbrochenen Gebilde stehen blieb, das einmal die T�r von Thralls Zelle gewesen war. Seine schlimmste Bef�rchtung hatte sich bewahrheitet.</p><p>�Sie sollen verdammt sein!�, schrie er. �Jemand hat meinen Ork gestohlen! Tammis! Ich will M�nner, ich will Pferde, ich will Flugmaschinen � ich will Thrall unter allen Umst�nden wieder zur�ck!�</p><empty-line/><p>Thrall war �berrascht �ber die Tiefe seines Schlafs und die Lebendigkeit seiner Tr�ume. Er erwachte, als es Nacht wurde und blieb f�r einen Moment einfach liegen. Er f�hlte das weiche Gras unter seinem K�rper und genoss die Brise auf seinem Gesicht. Dies war die Freiheit, und sie schmeckte unendlich s��. Wertvoll. Er verstand jetzt, warum manche eher sterben wollten als in Gefangenschaft zu leben.</p><p>Ein Speer stie� gegen seinen Nacken, und die Gesichter von sechs M�nnern � Menschen � starrten auf ihn herab.</p><p>�Du�, sagte einer von ihnen, �steh auf!� Thrall grollte sich selbst, w�hrend er hinter einem Pferd hergezogen wurde und jeweils zwei M�nner rechts und links von ihm eine Eskorte bildeten. Wie hatte er nur so dumm sein k�nnen? Er hatte sich die Lager ansehen wollen � aber aus sicherer Entfernung und aus dem Verborgenen heraus. Er hatte nur vorgehabt zu beobachten, nicht, ebenfalls eingepfercht zu werden.</p><p>Er versuchte zu fliehen, aber vier hatten Pferde und ritten ihn sofort nieder. Sie verf�gten �ber Netze, Speere und Schwerter, und Thrall sch�mte sich, als sie ihn so schnell und m�helos �berw�ltigten. Zun�chst wollte er sich wehren, aber dann entschied er sich dagegen. Er wusste, dass diese M�nner nicht f�r seine anschlie�ende Behandlung zahlen w�rden und wollte sich seine Unversehrtheit bewahren. Au�erdem gab es wohl keine bessere M�glichkeit, Orks zu treffen, als sich mit ihnen zusammen einsperren zu lassen. Die Krieger waren so wild, dass sie jede Gelegenheit zu fliehen beim Schopf packen w�rden. Und Thrall wusste genug, um sie bei diesem Vorhaben zu unterst�tzen.</p><p>Deshalb <emphasis>mimte</emphasis> er den Geschlagenen � auch wenn er sich zutraute, mit allen vieren fertig werden zu k�nnen. Er bereute seine Entscheidung jedoch, als die Kerle in dem Sack herumzuw�hlen begannen.</p><p>�Genug zu essen�, brummte einer. �Sogar gute Sachen. Wir werden uns das Zeug heute Abend schmecken lassen, Jungs.�</p><p>�Major Remka wird sich das Essen schmecken lassen�, sagte ein anderer.</p><p>�Wie sollte sie davon erfahren, wenn wir ihr nichts sagen?�, fragte ein Dritter. Thrall sah zu, als der, der als Erster gesprochen hatte, gierig in ein St�ck Fleischpastete biss, das Taretha eingepackt hatte.</p><p>�Sieh mal an�, sagte der Erste. �Ein Messer.� Er erhob sich und ging zu Thrall, der hilflos in seinem Netz gefangen war. �Hast alles geklaut, was?� Er hielt das Messer vor Thralls Gesicht. Thrall blinzelte nicht einmal.</p><p>�Lass ihn, Hult�, sagte der zweite Mann. Er war der Kleinste und Aufgeregteste von den Sechsen. Die anderen hatten ihre Pferde an �ste gebunden und teilten die Beute untereinander auf. Sie packten alles in ihre Satteltaschen und hatten anscheinend entschieden, der mysteri�sen Remka, wer immer sie auch war, nichts davon zu erz�hlen.</p><p>�Das behalte ich!�, sagte Hult.</p><p>�Du kannst das Essen haben, aber du wei�t, dass wir alles andere abgeben m�ssen�, sagte der zweite Mann. Er schien Respekt vor Hult zu haben und war entschlossen, seine Befehle zu befolgen.</p><p>�Und wenn ich�s nicht tue?�, fragte Hult. Thrall mochte ihn nicht. Er sah gemein und w�tend aus � so wie Blackmoore. �Was wirst du dann tun?�</p><p>�Du solltest dir lieber Gedanken dar�ber machen, was <emphasis>ich</emphasis> dann tue�, sagte eine neue Stimme. Dieser Mann war gro� und schlank. Er wirkte k�rperlich nicht imposant, aber Thrall hatte gegen gen�gend gute Krieger gek�mpft, um zu wissen, dass Technik manchmal mehr wog als Gr��e. Wenn man von Hults Reaktion ausging, wurde der Mann respektiert.</p><p>�Es gibt diese Regeln, damit wir die Orks im Auge behalten k�nnen. Das ist der Erste seit Jahren, der eine menschliche Waffe bei sich tr�gt. Das m�ssen wir berichten. Was die angeht ��</p><p>Thrall sah entsetzt zu, wie der Mann Tarethas Briefe betrachtete und sich dann mit zusammengekniffenen Augen an ihn wandte. �Du kannst wohl nicht zuf�llig lesen, was?�</p><p>Die anderen M�nner lachten so schallend, dass Brotkrumen aus ihren M�ndern flogen, doch der Mann, der die Frage gestellt hatte, blieb ernst. Thrall wollte antworten, �berlegte es sich jedoch anders. Es war besser so zu tun, als w�rde er die menschliche Sprache nicht beherrschen.</p><p>Der gro�e Mann kam zu ihm. Thrall spannte sich an, erwartete einen Schlag, aber der Mann ging vor ihm in die Hocke und sah Thrall direkt in die Augen. Thrall sah weg.</p><p>�Du. Lesen?� Der Mann zeigte mit einem behandschuhten Finger auf die Briefe. Thrall starrte sie an und kam zu dem Schluss, dass selbst ein Ork, der die menschliche Zunge nicht beherrschte, den Zusammenhang erkennen m�sste. Deshalb sch�ttelte er heftig den Kopf. Der Mann sah ihn sch�rfer an und stand auf. Thrall war sich nicht sicher, ob ihm Glauben geschenkt wurde.</p><p>�Er kommt mir bekannt vor�, sagte der Mann. Thrall sp�rte immer eisigere K�lte in sich aufsteigen.</p><p>�F�r mich sehen die alle gleich aus�, sagte Hult. �Gro�, gr�n und h�sslich.�</p><p>�Schade, dass keiner von uns lesen kann�, sagte der Mann. �Ich wette, diese Papiere w�rden uns einiges erkl�ren.�</p><p>�Du willst immer mehr, als deinem Stand zusteht, Waryk�, sagte Hult mit einem Hauch von Abneigung in der Stimme.</p><p>Waryk steckte die Briefe zur�ck in den Sack, nahm Hult trotz halbherziger Proteste das Messer ab und schwang den jetzt fast leeren Sack �ber den Sattel seines Pferdes. �Leg das Essen weg, bevor ich meine Meinung �ndere. Wir bringen ihn zum Lager.�</p><empty-line/><p>Thrall hatte angenommen, sie w�rden ihn auf einen Karren oder einen der Wagen binden, an die er sich erinnerte. Doch sie brachten ihm noch nicht einmal diese winzige Spur von Menschlichkeit entgegen. Stattdessen banden sie einfach einen Strick an dem Netz fest, in das er eingewickelt lag und zogen ihn hinter einem der Pferde her. Nach vielen Jahren im Gladiatorenring hatte sich Thrall eine dicke Haut angeeignet � noch sehr viel dicker als Ork-Haut ohnehin schon war. Was ihn weit mehr verletzte, war der Verlust von Tarethas Briefen. Es war sein Gl�ck, dass keiner der M�nner lesen konnte, und er war dankbar, dass sie nicht die Halskette gefunden hatten. In der letzten Nacht hatte er sie angeschaut, und es war ihm gelungen, sie in seine schwarze Hose zu stecken, bevor sie von jemand bemerkt wurde. Dieses St�ck von Taretha war ihm also wenigstens geblieben.</p><p>Die Reise schien ewig zu dauern. Die Sonne kroch nur langsam �ber den Himmel. Schlie�lich erreichten sie eine hohe Steinmauer. Waryk bat um Durchlass, und Thrall h�rte, wie ein schweres Gittertor ge�ffnet wurde. Man drehte ihn auf seinen R�cken, sodass er die Dicke der Mauer bewundern konnte, als sie die Pforte passierten. Gelangweilte Wachen warfen dem Neuank�mmling einen kurzen Blick zu, bevor sie sich wieder ihren unterbrochenen Angelegenheiten widmeten.</p><p>Das erste, was Thrall bemerkte, war der Gestank. Er erinnerte ihn an die St�lle von Durnholde, war jedoch sehr viel st�rker. Er r�mpfte die Nase. Hult bemerkte es und lachte.</p><p>�Bist wohl schon zu lange von deiner Art getrennt gewesen, Gr�ner�, sagte er. �Hast vergessen, wie sehr ihr stinkt.� Er kniff sich die Nase zu und rollte mit den Augen.</p><p>�Hult!�, warnte ihn Waryk. Er griff nach dem magischen Netz und sprach eine Formel. Thrall sp�rte, wie sich seine Fesseln l�sten und kam auf die Beine.</p><p>Er sah sich entsetzt um. �berall hockten Dutzende � vielleicht sogar Hunderte � Orks. Einige sa�en in ihren eigenen Exkrementen. Ihre Blicke waren starr, ihre Kiefer mit den Sto�z�hnen hingen herab. Einige gingen auf und ab und murmelten unzusammenh�ngende Worte. Andere schliefen zusammengerollt auf der Erde und schienen noch nicht einmal zu bemerken, wenn jemand auf sie trat. Es gab gelegentlichen Streit, doch der endete stets so rasch, wie er begonnen hatte, als h�tten die Beteiligten nicht gen�gend Kraft, ihn bis zu einer Entscheidung auszufechten.</p><p>Was ging hier vor? Wurde Thralls Volk unter Drogen gehalten? Ja, das musste die Erkl�rung sein. Thrall wusste, was Orks waren, wie wild und grausam sie sein konnten. Er hatte erwartet � nun, er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber sicherlich nicht diese unnat�rliche Lethargie.</p><p>�Na, komm�, sagte Waryk und schob ihn sanft auf eine Gruppe von Orks zu. �Essen gibt es einmal am Tag, Wasser ist in den Tr�gen.�</p><p>Thrall richtete sich auf und versuchte ein tapferes Gesicht zu machen, als er auf eine Gruppe von f�nf Orks zuging, die neben einem Wassertrog sa�en. Er f�hlte, wie Waryks Blicke auf seinem geschundenen R�cken ruhten und h�rte den Mann sagen: �Ich k�nnte schw�ren, ihn schon mal gesehen zu haben!� Dann gingen die M�nner weg.</p><p>Nur ein Ork sah auf, als Thrall n�her kam. Thrall war noch nie einem Angeh�rigen seines Volkes so nahe gewesen � und jetzt waren da sogar <emphasis>f�nf</emphasis>.</p><p>�Ich gr��e euch�, sagte er auf Orkisch.</p><p>Sie starrten ihn an. Einer sah zu Boden und grub einen kleinen Stein aus, der im Sand steckte.</p><p>Thrall versuchte es noch einmal. �Ich gr��e euch!� Er breitete seine Arme in einer Geste aus, von der die B�cher behaupteten, dass so ein Krieger dem anderen Respekt entbot.</p><p>�Wo haben sie dich gefangen?�, fragte einer von ihnen schlie�lich in der Menschensprache. Auf Thralls verwirrten Blick hin, fuhr er fort: �Du beherrschst Orkisch nicht seit der Geburt. Das h�rt man.�</p><p>�Du hast Recht. Ich wurde von Menschen aufgezogen. Sie brachten mir nur wenig Orkisch bei. Ich hatte gehofft, ihr k�nntet es mich besser lehren.�</p><p>Die Orks sahen sich an und begannen zu lachen. �Von Menschen aufgezogen, aha. Hey, Krakis � komm mal r�ber. Wir haben hier einen guten Geschichtenerz�hler! In Ordnung, Schamane, erz�hl uns noch eine!�</p><p>Thrall sp�rte, wie seine Hoffnung auf einen Kontakt mit seinem Volk schwand. �Bitte, ich wollte niemanden beleidigen. Ich bin jetzt ein Gefangener wie ihr. Ich habe noch nie andere Orks getroffen. Ich wollte nur ��</p><p>Der eine, der weggesehen hatte, drehte sich zur�ck, und Thrall brach ab. Die Augen dieses Orks waren feuerrot und schienen zu gl�hen, als w�rden sie von innen beleuchtet. �Du wolltest also dein Volk treffen? Nun, du hast uns getroffen. Jetzt lass uns in Ruhe.� Er widmete sich wieder seinem Stein.</p><p>�Deine Augen ��, murmelte Thrall. Das rote Gl�hen �berraschte ihn so sehr, dass er die Beleidigung nicht erkannte.</p><p>Der Ork zuckte, hob eine Hand, um sein Gesicht vor Thralls Blicken zu sch�tzen und rutschte noch weiter weg.</p><p>Thrall drehte sich um, um eine Frage zu stellen und entdeckte, dass er allein war. Die anderen Orks waren weggeschlurft und bedachten ihn mit misstrauischen Blicken.</p><p>Der Himmel war den ganzen Tag bew�lkt gewesen, und es war stetig k�lter geworden. Jetzt, da Thrall allein auf dem Platz stand, umgeben von den �berresten seines Volkes, �ffnete der graue Himmel seine Schleusen und sch�ttete Eisregen und Schnee �ber ihm aus.</p><p>Thrall bemerkte das schlechte Wetter kaum, so tief sa� seine Entt�uschung. Hatte er deshalb alles aufgegeben, was er je an Bindungen besessen hatte? Sollte er sein Leben als Gefangener in einer Gemeinschaft geistloser, antriebsloser Wesen verbringen? In seinen Tr�umen hatte er mit ihnen die Tyrannei der Menschen zerschlagen � <emphasis>nur</emphasis> in seinen Tr�umen.</p><p>Was war schlimmer, fragte er sich, im Ring f�r Blackmoore zu k�mpfen, trocken und sicher zu schlafen und Briefe von Tari zu lesen, oder hier allein zu stehen, abgelehnt von seinem eigenen Blut?</p><p>Die Antwort war einfach: <emphasis>beides</emphasis> war unertr�glich.</p><p>M�glichst unauff�llig begann Thrall nach einer Fluchtm�glichkeit zu forschen. Es konnte nicht so schwer sein. Es gab nur wenige Wachen, und bei Nacht sahen sie betr�chtlich schlechter als Thrall. Au�erdem wirkten sie gelangweilt und desinteressiert, und wenn man die Antriebslosigkeit und Lethargie der Orks bedachte, bezweifelte Thrall, dass einer von diesen den Mut finden w�rde, die erstaunlich niedrigen Mauern zu �berklettern.</p><p>Er f�hlte, wie der Regen die Hose, die er trug, aufweichte. Ein grauer dunkler Tag f�r eine graue dunkle Lektion. Die Orks waren keine ehrenvollen wilden Krieger. Er konnte sich nicht erkl�ren, wie diese Kreaturen den Menschen jemals solchen Widerstand geleistet haben sollten.</p><p>�Wir waren nicht immer so, wie du uns jetzt siehst�, sagte eine weiche Stimme neben seinem Ellbogen. �berrascht drehte Thrall sich um und sah den rot�ugigen Ork, der ihn mit seinem verst�renden Blick musterte. �Seelenlos, �ngstlich, besch�mt. Das haben <emphasis>sie </emphasis> uns angetan.� Er zeigte auf seine Augen. �Und wenn wir das loswerden k�nnten, k�men unsere Herzen und unsere Kr�fte vielleicht zur�ck.�</p><p>Thrall hockte sich neben ihn in den Schlamm. �Rede weiter�, dr�ngte er. �Ich h�re zu.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Fast zwei Tage waren seit dem Feuer und Thralls Flucht vergangen, und Blackmoore hatte einen Gro�teil dieser Zeit br�tend und in schlechter Laune zugebracht. Tammis dr�ngte ihn schlie�lich dazu, mit dem Falken auszureiten, und selbst er musste zugeben, dass dies eine ausgezeichnete Idee seines Dieners gewesen war.</p><p>Der Tag war in bleiernes Licht getaucht, aber er und Taretha waren f�r alle Eventualit�ten des Wetters gekleidet, und der schnelle Galopp brachte ihr Blut in Wallung. Er hatte jagen wollen, aber seine weichherzige M�tresse hatte ihn �berzeugt, dass der Ausritt allein schon gen�gen w�rde, um ihnen die Zeit zu vertreiben. Er sah zu, wie sie auf dem grauen Pferd, das er ihr zwei Jahre zuvor geschenkt hatte, an ihm vorbeiritt und w�nschte sich mehr Sonne, denn es gab viele andere M�glichkeiten, sich die Zeit mit Taretha lohnend zu vertreiben.</p><p>Zu welch unerwartet reizvollen Frucht Foxtons Tochter herangewachsen war! Sie war ein liebenswertes, gehorsames Kind gewesen und nun zu einer liebenswerten, gehorsamen jungen Frau gereift. Wer h�tte gedacht, dass diese leuchtend blauen Augen ihn einmal so in ihren Bann ziehen w�rden, dass er nichts lieber wollte, als sein Gesicht im flie�enden Gold ihrer Haare zu verbergen. Er, Blackmoore, jedenfalls nicht. Aber seit er sie vor Jahren zu sich genommen hatte, war sie stets unterhaltsam gewesen � was, �ber die Dauer gesehen, eine bemerkenswerte Leistung darstellte.</p><p>Langston hatte einmal gefragt, wann Blackmoore Taretha aufgeben und gegen eine Ehefrau eintauschen wolle. Blackmoore hatte geantwortet, er w�rde Taretha niemals aufgeben, selbst <emphasis>wenn</emphasis> er eine Frau zur Gemahlin nehmen sollte. Au�erdem w�rde er noch gen�gend Zeit f�r solche Dinge haben, sobald sein gro�er Plan endlich in die Tat umgesetzt worden war. Wenn es ihm gelang, die Allianz in die Knie zu zwingen, w�rde es ihm leichter fallen, eine politisch vorteilhafte Ehe zu schlie�en.</p><p>Es gab wirklich keinen Grund zur Eile. Er hatte genug Zeit, um Taretha zu genie�en � wo und wann er wollte. Und je mehr Zeit er mit dem M�dchen verbrachte, desto weniger wollte er nur seine Gel�ste stillen und desto mehr genoss er ihre pure Gegenwart. Mehr als einmal lag er nachts wach und beobachtete, wie sie schlief und das Mondlicht silbern durch die Fenster auf sie schien. Dann fragte er sich, ob er sich in sie verliebt hatte.</p><p>Er hatte Nightsong gesattelt, der zwar �lter wurde, aber immer noch einen guten Galopp sch�tzte, und sah jetzt zu, wie sie Gray Lady spielerisch um ihn herumf�hrte. Auf seinen Befehl hin hatte sie ihr Haar nicht bedeckt oder zusammengebunden, sodass es wie reines Gold �ber ihre Schultern fiel. Taretha lachte, und f�r einen Moment trafen sich ihre Blicke.</p><p>Zum Teufel mit dem Wetter. Sie w�rden es einfach ignorieren.</p><p>Er wollte ihr gerade befehlen abzusteigen und zu einem toten Baum in der N�he zu gehen � ihre Umh�nge w�rden ihnen W�rme spenden �, als er hinter sich Hufschlag h�rte. Es �rgerte ihn, Langston zu sehen. Sein Pferd war schwei�bedeckt und dampfte an diesem kalten Nachmittag.</p><p>�Mylord!�, stie� er hervor. �Ich glaube, wir haben Neuigkeiten, was Thrall angeht!�</p><empty-line/><p>Major Lorin Remka war keine Person, mit der man Scherze trieb. Obwohl sie nur knapp �ber f�nf Fu� gro� war, wirkte sie stark und kraftvoll und konnte sich mehr als ausreichend im Kampf verteidigen. Vor vielen Jahren war sie als Mann verkleidet zur Armee gegangen, weil sie in sich die Sehnsucht versp�rte, die gr�nh�utigen Bestien zu t�ten, die ihr Dorf angegriffen hatten. Als man ihren Betrug aufdeckte, hatte ihr kommandierender Offizier sie einfach wieder zur�ck an die Front beordert. Sp�ter erfuhr sie, dass ihr Kommandant gehofft hatte, sie k�me ums Leben und w�rde ihm die Schmach einer Meldung ersparen. Aber Lorin Remka hatte stur �berlebt und sich ebenso gut wie die M�nner ihrer Einheit geschlagen � und manchmal sogar noch besser.</p><p>Sie fand eine ungeheure Genugtuung im T�ten ihrer Feinde. Mehr als einmal rieb sie sich nach dem Sieg �ber einen Ork dessen r�tlichschwarzes Blut in ihr Gesicht, um ihren Triumph zu demonstrieren. Die M�nner waren ihr stets aus dem Weg gegangen.</p><p>In diesen Friedenszeiten bereitete es Major Remka fast ebenso gro�es Vergn�gen die verwahrlosten Gestalten herumzukommandieren, die einst ihre verhassten Feinde gewesen waren. Dieses Vergn�gen schwand jedoch zusehends, seit die Bastarde sich kaum mehr wehrten. Sp�t am Abend, wenn sie mit ihren M�nnern Karten spielte und ein Bier trank � manchmal auch mehr �, unterhielten sie sich oft dar�ber, weshalb die Orks wie L�mmer geworden waren und sich l�ngst nicht mehr wie unz�hmbare Ungeheuer verhielten.</p><p>Die gr��te Genugtuung zog sie aus der Tatsache, dass es ihr gelungen war, aus den ehemals furchteinfl��enden M�rdern gehorsame und arbeitsame Diener zu machen. Sie hatte bemerkt, dass die mit den merkw�rdig roten Augen am Harmlosesten waren. Sie schienen sich nach Anleitung und Lob zu sehnen, sogar, wenn die Befehle von Major Remka kamen. Ein Ork-Weib lie� ihr gerade in ihrem Quartier ein Bad ein.</p><p>�Achte darauf, dass es hei� ist, Greekik�, rief sie. �Und vergiss dieses Mal die Kr�uter nicht.�</p><p>�Ja, Herrin�, antwortete die Frau mit unterw�rfigem Tonfall. Nur kurze Zeit sp�ter roch Remka den klaren Duft der getrockneten Kr�uter und Blumen. Seit sie sich hier aufhielt, hatte sie den Eindruck immerfort zu stinken. Aus ihrer Kleidung wurde sie den Gestank nicht los, aber zumindest konnte sie ihren K�rper in dem dampfenden, parf�mierten Wasser aufweichen und den Geruch von ihrer Haut und aus dem langen schwarzen Haar schrubben.</p><p>Remka trug M�nnerkleidung, die wesentlich praktischer als die der Frauen war. Nach den langen Jahren auf dem Schlachtfeld war sie daran gew�hnt, sich selbst anzukleiden und zog es sogar vor. Jetzt zog sie ihre Stiefel mit einem Seufzer aus. Sie stellte sie ordentlich zur Seite, damit Greekik sie sp�ter polieren konnte, als jemand hektisch an ihre T�r klopfte.</p><p>�Das sollte besser wichtig sein�, sagte sie und �ffnete die T�r. �Was ist los, Waryk?�</p><p>�Wir haben gestern einen Ork gefasst ��, begann er.</p><p>�Ja, mir wurde davon berichtet. Aber das Wasser in meiner Wanne wird kalt, w�hrend wir uns unterhalten und ��</p><p>�Er kam mir gleich so bekannt vor�, unterbrach er sie.</p><p>�Beim Licht, Waryk, sie sehen alle gleich aus!�</p><p>�Nein. Dieser sah anders aus. Und ich wei� jetzt auch, warum.� Er trat zur Seite, und eine gro�e einsch�chternde Gestalt f�llte den T�rrahmen aus. Major Remka stand sofort stramm und w�nschte verzweifelt, sie h�tte ihre Stiefel noch nicht ausgezogen.</p><p>�Generalleutnant Blackmoore�, sagte sie. �Wie k�nnen wir Euch dienen?�</p><p>�Wie, Major Remka?� Aedelas Blackmoores wei�e Z�hne schimmerten durch den sorgf�ltig gestutzten Bart. �Nun, ich glaube, man hat endlich meinen vermissten Haus-Ork gefunden.�</p><empty-line/><p>Thrall h�rte fasziniert zu, w�hrend der rot�ugige Ork mit leiser Stimme Geschichten von Ehre und St�rke erz�hlte. Er berichtete von Angriffen gegen weit �berlegene Gegner, von heroischen Taten und von Menschen, die von der gr�nen Flut vereinter Orks hinweggesp�lt wurden. Melancholisch schwelgte er auch in den Schilderungen eines spirituellen Volks, von dem Thrall noch nie etwas geh�rt hatte.</p><p>�Oh ja�, sagte Kelgar traurig. �Einst, bevor wir die stolze kampfhungrige Horde wurden, bestanden wir aus einzelnen Clans. Und in diesen Clans gab es welche, die die Magie von Wind und Wasser, von Wasser und Land, von all den wilden Geistern kannten und in Harmonie mit diesen M�chten lebten. Wir nannten sie �Schamanen�, und bis zur Entstehung der Hexer waren ihre F�higkeiten alles, was wir �ber <emphasis>Macht</emphasis> wussten.�</p><p>Das Wort schien Kelgar zu ver�rgern. Er spie es f�rmlich aus und fauchte mit einem ersten erkennbaren Anzeichen von Leidenschaft. �<emphasis>Macht!</emphasis> N�hrt sie unser Volk, erzieht sie unsere Kinder? Unsere Anf�hrer behielten sie f�r sich und gaben nur ein paar Tropfen davon an uns andere weiter. Sie taten � etwas, Thrall. Ich wei� nicht, was. Aber nachdem wir geschlagen waren, floss der Wille zum Kampf aus uns heraus wie Blut aus einer offenen Wunde.� Er senkte den Kopf, legte die Arme auf die Knie und schloss seine roten Augen.</p><p>�Habt ihr alle den Kampfeswillen verloren?�, fragte Thrall.</p><p>�Alle, die hier sind. Wer k�mpfte, wurde nicht gefasst, und wenn man sie doch einfing, wurden sie get�tet, weil sie sich wehrten.� Kelgar hielt seine Augen geschlossen.</p><p>Thrall respektierte, dass der andere Ork schweigen wollte. Entt�uschung erf�llte ihn. Kelgars Geschichte klang wahr, und wenn Thrall Beweise daf�r wollte, brauchte er sich nur umzusehen. Was war nur Merkw�rdiges geschehen? Wie konnte ein ganzes Volk so ver�ndert werden, dass es geschlagen endete, schon bevor man seine Angeh�rigen fasste und in dieses H�llenloch einsperrte?</p><p>�Aber der Wille zum Kampf ist in <emphasis>dir</emphasis> noch stark, Thrall, auch wenn dein Name das Gegenteil vermuten lie�e.� Seine Augen waren wieder ge�ffnet und schienen Thrall verbrennen zu wollen. �Vielleicht blieb dir dies erspart, weil du bei Menschen aufgewachsen bist. Es gibt da drau�en noch andere wie dich. Die Mauern sind so niedrig, dass du sie erklimmen kannst, wenn du das willst.�</p><p>�Ich will es�, sagte Thrall sofort. �Sag mir, wo ich andere wie mich finden kann.�</p><p>�Der einzige, �ber den ich hie und da h�re, ist Grom Hellscream�, sagte Kelgar. �Er ist noch immer ungeschlagen. Sein Volk, der Warsong-Clan, kam aus dem Westen dieses Landes. Mehr kann ich dir nicht sagen. Grom hat Augen wie ich, dennoch widerstand sein Geist.� Kelgar senkte den Kopf. �Wenn ich nur auch so stark gewesen w�re.�</p><p>�Du kannst so stark sein�, sagte Thrall. �Komm mit mir, Kelgar. Ich bin jung, ich kann dich leicht �ber die Mauer heben, wenn ��</p><p>Kelgar sch�ttelte den Kopf. �Es ist nicht die St�rke, die vergangen ist, Thrall. Ich k�nnte die Wachen in einem Atemzug t�ten. Jeder hier k�nnte das. Es ist der <emphasis>Wille</emphasis>. Ich m�chte die Mauern nicht erklimmen, ich m�chte hier bleiben. Ich kann es nicht erkl�ren, und ich sch�me mich, aber es ist so. Du musst f�r uns alle das Feuer und die Leidenschaft aufbringen.�</p><p>Thrall nickte zustimmend, obwohl er es nicht verstand. Wer wollte nicht frei sein? Wer wollte nicht k�mpfen, um all das zu gewinnen, was verloren war, um die eigens�chtigen Menschen f�r das zu bestrafen, was sie den Orks angetan hatten? Aber trotzdem war es klar: Von allen seiner Art hier war er der Einzige, der die Rebellion noch wagen w�rde.</p><p>Er wollte bis zur Nacht warten. Kelgar hatte gesagt, es g�be nur wenige Wachen, die sich zudem h�ufig bis zur v�lligen Besinnungslosigkeit betranken. Wenn Thrall also weiterhin vorgab, wie die anderen zu sein, w�rde sich bald eine Gelegenheit ergeben.</p><p>In diesem Moment n�herte sich ihnen ein weiblicher Ork. Sie bewegte sich zielgerichtet, was man nur selten hier sah, und Thrall erhob sich, als klar wurde, dass sie zu ihm wollte.</p><p>�Bist du der gerade erst gefangene Ork?�, fragte sie in der Menschensprache.</p><p>Thrall nickte. �Mein Name ist Thrall.�</p><p>�Dann, Thrall, solltest du besser wissen, dass der Kommandant der Lager dich hier sucht.�</p><p>�Wie ist sein Name?� Thrall sp�rte Taubheit in sich aufsteigen. Er bef�rchtete das Schlimmste.</p><p>�Ich wei� es nicht, aber er tr�gt die Farben Rot und Gold mit einem schwarzen Falken auf ��</p><p>�Blackmoore!�, zischte Thrall. �Ich h�tte wissen m�ssen, dass er mich findet!�</p><p>Ein schepperndes Ger�usch ert�nte, und alle Orks drehten sich zum h�chsten Turm hin. �Wir sollen uns aufstellen�, sagte die Frau, �obwohl wir um diese Zeit sonst nie gez�hlt werden.�</p><p>�Sie wollen dich, Thrall�, sagte Kelgar. �Aber sie werden dich nicht finden. Du musst jetzt gehen. Die Wachen werden durch die Angst vor dem Kommandanten abgelenkt sein. Ich werde sie noch dar�ber hinaus etwas ablenken. Der Bereich am Ende des Lagers wird am schw�chsten bewacht. Wir folgen alle dem Klang der Glocke wie das Vieh, das wir sind�, sagte er, und der Hass auf sich selbst war deutlich in seiner Stimme und seiner Mimik zu lesen. �Geh jetzt.�</p><p>Thrall ben�tigte keine weitere Aufforderung. Er drehte sich um und bahnte sich seinen Weg durch die Orks, die in die entgegengesetzte Richtung gingen. Als er sich m�hsam an ihnen vorbeiquetschte, h�rte er pl�tzlich einen schmerzerf�llten Schrei. Die Frau stie� ihn aus. Er wagte nicht, stehen zu bleiben und zur�ckzublicken, aber als er Kelgar brutal klingende Worte auf Orkisch br�llen h�rte, verstand er. Kelgar war es wohl irgendwie gelungen, in seinem tiefsten Inneren einen Schatten seines alten Kampfgeists zu finden und zu mobilisieren. Er hatte begonnen gegen das Ork-Weib zu k�mpfen. Die Reaktionen der Wachen lie�en darauf schlie�en, dass das sehr ungew�hnlich war. Sie stiegen herab, um die streitenden Orks voneinander zu trennen. Thrall sah sie zur Quelle des L�rms eilen.</p><p>Sie w�rden Kelgar und die unschuldige Frau brutal schlagen, f�rchtete Thrall. Er bedauerte es zutiefst. Aber, so tr�stete er sich, durch ihre Taten bin ich frei und kann vielleicht daf�r sorgen, dass kein Mensch jemals wieder einen Ork schl�gt.</p><p>Da er in einer streng bewachten Zelle aufgewachsen war, wo keine seiner Bewegungen verborgen blieb, konnte er es kaum fassen, wie leicht es war, �ber die Mauer zu steigen und in die Freiheit zu entkommen.</p><p>Vor ihm lag ein dichter Wald. Er rannte schneller, als er jemals gerannt war, denn er wusste, dass jede Minute, die er auf freiem Feld zubrachte, gef�hrlich war. Aber niemand br�llte einen Alarm, und niemand verfolgte ihn.</p><p>Er lief mehrere Stunden lang, schlug Haken und tat auch sonst alles, um den sp�teren Suchmannschaften seine Verfolgung so schwer wie m�glich zu machen. Schlie�lich wurde er langsamer und schnappte nach Luft. Er kletterte einen m�chtigen Baum hinauf, und als er seinen Kopf durch das Gezweig und Blattwerk hindurchschob, sah er zun�chst nichts au�er einer Fl�che aus gr�nem Laub.</p><p>Blinzelnd fand er die Sonne, die ihre sp�tnachmitt�gliche Reise zum Horizont begonnen hatte. Der Westen � Kelgar hatte gesagt, dass Grom Hellscreams Clan aus dem Westen gekommen sei.</p><p>Thrall w�rde diesen Hellscream finden und zusammen mit ihm ihre eingekerkerten Br�der und Schwestern befreien.</p><empty-line/><p>Mit hinter dem R�cken verschr�nkten Armen schritt Lagerkommandant Aedelas Blackmoore langsam die Reihe der Orks entlang. Alle zuckten vor ihm zur�ck und starrten auf ihre schlammverkrusteten F��e. Blackmoore gestand sich ein, dass sie unterhaltsamer gewesen w�ren, wenn sie noch ein wenig Kampfgeist besessen h�tten.</p><p>Der Gestank lie� ihn das Gesicht verziehen, und er hielt sich ein parf�miertes Taschentuch unter die Nase. Major Remka folgte ihm und erwartete seinen Befehl wie ein Hund. Er hatte Gutes �ber sie geh�rt; angeblich war sie effizienter als die meisten M�nner.</p><p>Aber wenn sie seinen Thrall tats�chlich unter ihrer Kontrolle gehabt hatte und er ihr daraus entkommen sein sollte, w�rde er keine Gnade kennen.</p><p>�Wo ist also der, den du f�r Thrall h�ltst?�, wandte er sich an den Wachmann namens Waryk. Der junge Mann bewies mehr R�ckgrat als seine Vorgesetzte, aber auch in seinen Augen war ein erster Anflug von Panik zu erkennen.</p><p>�Ich habe ihn bei den Gladiatorenk�mpfen gesehen, und blaue Augen sind so �beraus selten ��, setzte Waryk stotternd zu einer Antwort an.</p><p>�<emphasis>Siehst</emphasis> du ihn hier?�</p><p>�N-nein, Generalleutnant, ich sehe ihn nicht.�</p><p>�Dann war es vielleicht gar nicht Thrall.�</p><p>�Wir haben einige Dinge gefunden, die er gestohlen hat�, sagte Waryk pl�tzlich. Er schnippte mit den Fingern, und einer seiner M�nner lief los und kehrte Minuten sp�ter mit einem gro�en Sack zur�ck.</p><p>�Erkennt Ihr das?� Er reichte Blackmoore einen einfachen Dolch und hielt ihn dabei mit dem Griff nach vorne, wie es der Anstand verlangte.</p><p>Blackmoore hielt den Atem an. Er hatte sich schon gefragt, wohin er diesen Dolch verlegt haben mochte. Er war nicht wertvoll, aber sein Verschwinden war ihm aufgefallen � Mit dem behandschuhten Daumen strich er �ber sein Wappen, den schwarzen Falken.</p><p>�Er geh�rt mir. Noch etwas?�</p><p>�Einige Papiere � Major Remka hatte noch keine Zeit, sie sich anzusehen, aber �� Waryk sprach nicht weiter, aber Blackmoore verstand. Der Idiot konnte nicht lesen. Was f�r Papiere sollte Thrall bei sich gef�hrt haben? Seiten aus einem seiner B�cher vermutlich. Blackmoore nahm den Sack und w�hlte darin. Schlie�lich zog er ein Blatt hervor und hielt es ins Licht.</p><cite><p>� w�nschte ich k�nnte selbst mit dir sprechen, anstatt dir nur diese Briefe zu senden. Ich sehe dich im Ring, und mein Herz bricht, wenn ich sehe, was sie dir �</p></cite><p>Briefe! Wer schickte �? Bebend griff er nach einem anderen Papier.</p><cite><p>� schwerer und schwerer, die Zeit zum Schreiben zu finden. Unser Herr verlangt so viel von uns beiden. Ich habe geh�rt, dass er dich geschlagen hat. Das tut mir so Leid, mein lieber Freund. Du verdienst nicht �</p></cite><p>Taretha.</p><p>Ein Schmerz, gr��er als jeder, den er bisher gekannt hatte, griff nach seinem Herz. Er zog weitere Briefe hervor � beim Licht, es mussten <emphasis>Dutzende</emphasis> sein � vielleicht <emphasis>Hunderte</emphasis>. Wie lange hatten sich beide gegen ihn schon verschworen? Aus irgendeinem Grund brannten ihm die Augen, und das Atmen fiel ihm schwer. <emphasis>Tari � Tari, wie konntest du? Ich habe dir immer alles gegeben �</emphasis></p><p>�Mylord?� Remkas besorgte Stimme riss Blackmoore aus seinem so schmerzlichen Schock. Er atmete tief ein und blinzelte die verr�terischen Tr�nen hinfort. �Geht es Euch gut?�</p><p>�Nein, Major Remka.� Seine Stimme war so k�hl und gefasst wie immer, wof�r er dankbar war. �Es geht mir nicht gut. Sie hatten meinen Ork Thrall, einen der besten Gladiatoren, die je in den Ring gestiegen sind. �ber die Jahre habe ich viel Geld mit ihm verdient und wollte noch viel mehr mit ihm gewinnen. Es gibt keinen Zweifel, dass er von Ihrem Wachmann gefangen wurde. Und doch erblicke ich ihn nirgends in dieser Reihe.�</p><p>Es gefiel ihm zu sehen, wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich. �Vielleicht versteckt er sich im Lager�, bot sie ihm eine Erkl�rung an.</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Blackmoore und formte mit seinen Lippen die Karikatur eines L�chelns. �Das sollten wir f�r Ihr weiteres Wohlbefinden hoffen, Major Remka. Durchsuchen Sie das Lager! <emphasis>Jetzt!</emphasis>�</p><p>Eilig kam sie seinem Befehl nach und schrie Kommandos. Thrall w�re nie so dumm gewesen, sich in die Reihe zu stellen � wie ein Hund, der auf einen Pfiff reagiert. Deshalb war er tats�chlich m�glicherweise noch hier, auch wenn Blackmoore irgendwie sp�rte, dass er <emphasis>fort</emphasis> war. Er war bereits ganz woanders und tat �? Was? Welchen Plan hatten er und diese Hure Taretha ausgebr�tet?</p><p>Es zeigte sich, dass Blackmoores Ahnung den Tatsachen entsprach. Auch eine ausf�hrliche Suche ergab nichts. Keiner der Orks � verflucht sollten sie sein � gab zu, Thrall gesehen zu haben. Blackmoore degradierte Remka, setzte Waryk auf ihren Posten und ritt langsam nach Hause. Langston traf ihn auf halbem Weg und sprach mit ihm, doch selbst sein fr�hliches hirnloses Gerede konnte Blackmoore nicht aufheitern. In einer einzigen Feuernacht hatte er die beiden Dinge verloren, die ihm am Wertvollsten waren: Thrall und Taretha.</p><p>Er stieg die Treppe zu seinem Quartier empor, �ffnete leise die T�r und betrat sein Schlafzimmer. Licht fiel auf das Gesicht der Schlafenden. Vorsichtig, um Taretha nicht zu wecken, setzte er sich auf das Bett. Er zog seine Handschuhe aus und ber�hrte ihre zarte Wange. Sie war so sch�n. Ihre Ber�hrungen hatten ihn stets erregt, ihr Lachen bewegt. Aber nun nicht mehr.</p><p>�Schlaf gut, sch�ne Verr�terin�, fl�sterte er. Er beugte sich vor, k�sste sie und unterdr�ckte den brutalen Schmerz in seinem Herzen. �Schlaf gut, bis ich dich brauche.�</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Thrall war in seinem ganzen Leben noch nie so ersch�pft und ausgehungert gewesen. Aber die Freiheit schmeckte s��er als das Fleisch, mit dem sie ihn gef�ttert hatten, und er schlief besser darauf, als auf dem Stroh, auf dem er als Blackmoores Gefangener in Durnholde gen�chtigt hatte. Es gelang ihm nicht, die Hasen und Eichh�rnchen zu fangen, die durch den Wald liefen, und er w�nschte sich au�er Kriegsgeschichte und dem Wesen der Kunst auch �berlebensf�higkeiten erlernt zu haben. Da es Herbst war, gab es reife Fr�chte auf den B�umen, und bald wusste er, wie er W�rmer und Insekten finden konnte. Das half nur wenig gegen den riesigen Hunger, der in seinen Eingeweiden w�hlte, aber wenigstens hatte er frisches Wasser in H�lle und F�lle � zahlreiche B�che und kleine Rinnsale wanden sich durch den Wald.</p><p>Nach einigen Tagen, als Thrall gerade durch Dickicht lief, drehte sich der Wind und trug den s��en Geruch von gebratenem Fleisch zu ihm. Er atmete tief ein, als k�nne er allein durch den Geruch die Nahrung in sich aufnehmen. Hungrig folgte er der Spur.</p><p>Obwohl sein K�rper nach Nahrung schrie, lie� Thrall nicht zu, dass der Hunger seine Vorsicht beeintr�chtigte. Das war auch gut so, denn als er den Rand des Waldes erreichte, sah er Dutzende von Menschen.</p><p>Der Tag war sch�n und warm, einer der letzten dieser sonnigen Herbsttage, und die Menschen bereiteten fr�hlich ein Fest vor, das Thrall den Mund w�ssrig machte. Es gab gebackenes Brot, Bottiche voll mit frischem Obst und Gem�se, F�sser mit Marmelade und Butter, K�ser�der, Flaschen voller � wie er annahm � Wein und Met, und in der Mitte der Lichtung drehten zwei Schweine langsam auf Spie�en.</p><p>Thralls Knie gaben nach, und er sank langsam auf den Waldboden, wo er fasziniert auf die Essensberge starrte, die ihn zu verh�hnen schienen. Auf der Lichtung spielten Kinder mit Reifen und Fahnen und anderem Spielzeug, das Thrall nicht kannte. M�tter s�ugten ihre Babys, und M�dchen tanzten sch�chtern mit jungen M�nnern. Es war ein Anblick der Zufriedenheit und des Gl�cks, und Thrall w�nschte sich nicht nur wegen des Essens, er k�nnte dazu geh�ren.</p><p>Aber das tat er nicht. Er war ein Ork, ein Monster, ein Gr�nh�utiger, ein Schwarzbl�tiger und was es an solchen Schreckensworten noch gab. Also sa� er da und sah zu, w�hrend die Dorfbewohner feierten und tanzten, bis sich die Nacht �ber sie senkte.</p><p>Die Monde stiegen auf, einer hell und wei�, der andere k�hl und blaugr�n, als die letzten M�belst�cke, Essensreste und Teller wegger�umt wurden. Thrall beobachtete, wie die Dorfbewohner einem gewundenen Pfad durch die Felder folgten und sah schmale Kerzen in kleinen Fenstern auftauchen. Noch immer wartete er und sah zu, wie die Monde langsam �ber den Himmel zogen. Stunden nachdem die letzte Kerze in den Fenstern verloschen war, erhob sich Thrall und bewegte sich mit ge�bter Lautlosigkeit auf das Dorf zu.</p><p>Sein Geruchssinn war schon immer stark ausgepr�gt gewesen und steigerte sich jetzt noch, w�hrend er das Essen roch. Er folgte den Ger�chen und griff durch ge�ffnete Fenster nach ganzen Brotlaiben, die er sofort verschlang. Er fand einen Korb voll mit �pfeln neben einer T�r und kaute gierig auf den kleinen s��en Fr�chten.</p><p>Saft lief s�� und klebrig �ber seine nackte Brust. Abwesend wischte er ihn mit seiner gro�en gr�nen Hand weg. Langsam wich der Hunger. In jedem Haus nahm Thrall etwas an sich, aber nie zu viel.</p><p>Durch ein Fenster sah Thrall Gestalten, die neben dem ersterbenden Herdfeuer schliefen. Er wich sofort zur�ck, wartete einen Moment und blickte erneut hinein. Es waren Kinder, die auf Strohmatratzen schliefen. Sie waren zu dritt, und ein viertes schlief in einer Wiege. Zwei waren Jungen, das dritte war ein kleines M�dchen mit blondem Haar. Thrall sah zu, wie es sich im Schlaf umdrehte.</p><p>Ein scharfer Schmerz durchfuhr ihn. Es war, als sei keine Zeit vergangen, seit dem Tag, an dem er Taretha zum ersten Mal gesehen hatte. Sie hatte gel�chelt und ihm zugewunken. Dieses M�dchen sah ihr so �hnlich mit ihren runden Wangen und dem goldenen Haar �</p><p>Ein lautes Ger�usch lie� ihn zusammenschrecken. Thrall fuhr herum und sah etwas Vierbeiniges und Dunkles auf sich zufliegen. Z�hne schnappten neben seinem Ohr zusammen. Thrall reagierte instinktiv, griff nach dem Tier und legte ihm seine H�nde um den Hals. War dies ein Wolf, eines dieser Wesen, mit denen sein Volk manchmal Freundschaft schloss?</p><p>Das Tier hatte hochstehende spitze Ohren, eine lange Schnauze und spitze wei�e Z�hne. Es passte zu den Holzstichen von W�lfen, die er in B�chern gesehen hatte, nur Farbe und Kopfform stimmten nicht v�llig �berein.</p><p>Die Menschen im Haus erwachten, und er h�rte die ersten Warnrufe. Er dr�ckte zu, und das Tier erschlaffte. Thrall lie� den K�rper fallen, sp�hte wieder ins Haus und entdeckte das kleine M�dchen, das ihn aus angstgeweiteten Augen anstarrte. Es zeigte auf ihn und schrie: �Monster! Da � Monster!�</p><p>Die verhassten Worte, die �ber ihre Lippen kamen, verletzten Thrall. Er drehte sich, um zu fliehen, bemerkte jedoch, dass sich ein Halbkreis von ver�ngstigten Dorfbewohnern um ihn gebildet hatte. Einige hielten Heugabeln und Sensen, wahrscheinlich die einzigen �Waffen�, die sie besa�en.</p><p>�Ich will euch nichts tun�, begann Thrall.</p><p>�Es spricht! Ein D�mon!�, schrie jemand, und die kleine Gruppe griff an.</p><p>Thrall reagierte instinktiv. Als einer der M�nner mit einer Heugabel nach ihm stie�, entriss Thrall sie ihm und benutzte sie, um den anderen Bauern die Gabeln und Sensen aus den ungeschickten H�nden zu schlagen. Er stie� seinen Kampfschrei aus. Die Blutgier durchstr�mte ihn, und er schwang die eigene Gabel seinen Angreifern entgegen.</p><p>Er stoppte, bevor er einen zu Boden gegangenen Mann, der ihn aus geweiteten Augen anstarrte, aufspie�en konnte.</p><p>Diese M�nner waren nicht seine Feinde, obwohl sie ihn f�rchteten und hassten. Sie waren nur Bauern, die von ihren Ernten lebten und von den Tieren, die sie z�chteten. Sie hatten Kinder. Sie hatten Angst vor ihm, das war alles. Nein, hier gab es keinen Feind. Der Feind schlief zufrieden in seinem Federbett in Dumholde.</p><p>Mit einem Schrei des Selbsthasses schleuderte Thrall die Gabel von sich, nutzte die L�cke, die im Kreis der Angreifer entstanden war, und floh zur�ck in den Wald.</p><p>Die M�nner verfolgten ihn nicht. Thrall hatte es auch nicht erwartet. Sie wollten nur ihre Ruhe. W�hrend er durch den Wald lief und die aufputschenden Gef�hle, die in der Konfrontation entstanden waren, zu seinem Vorteil umsetzte, versuchte er erfolglos, das Bild des kleinen M�dchens aus seinem Kopf zu verbannen. So sehr er sich auch anstrengte, er konnte nicht vergessen, wie es vor Angst geschrien und ihn �Monster� genannt hatte.</p><empty-line/><p>Thrall lief den ganzen n�chsten Tag und bis in die Nacht hinein. Erst dann brach er vor Ersch�pfung zusammen und schlief einen totengleichen Schlaf, in dem ihn keine Tr�ume plagten. Etwas weckte ihn kurz vor Tagesanbruch, und er blinzelte benommen.</p><p>Ein heftiger Sto� in die Magengrube weckte ihn vollends � und er blickte in acht �rgerliche Ork-Gesichter.</p><p>Er versuchte aufzustehen, aber sie fielen �ber ihn her und fesselten ihn, noch bevor er reagieren konnte. Einer von ihnen streckte Thrall sein gro�es, m�rrisches Gesicht entgegen. Er hatte gelbe Hauer und bellte etwas v�llig Unverst�ndliches. Thrall sch�ttelte den Kopf.</p><p>Der Ork wirkte entsetzlich w�tend, als er Thrall an einem seiner Ohren packte und weitere Laute �ber ihm aussch�ttete.</p><p>Thrall ahnte, was der andere ihm sagen wollte und antwortete in der Menschensprache: �Nein, ich bin nicht taub.�</p><p>Alle zischten w�tend. �Mensch!�, schnappte der gro�e Ork, der ihr Anf�hrer zu sein schien. �Du nicht sprichst Orkisch?�</p><p>�Ein wenig�, erwiderte Thrall in dieser Sprache. �Mein Name ist Thrall.�</p><p>Der Ork starrte ihn an, �ffnete den Mund und lachte pl�tzlich schallend. Seine Freunde machten es ihm nach. �Mensch, der wie ein Ork aussieht�, sagte er und richtete einen Finger mit breitem schwarzem Nagel auf ihn. �T�tet ihn!�</p><p>�Nein!�, schrie Thrall auf Orkisch. Nur ein Aspekt dieser bedrohlichen Begegnung gab ihm �berhaupt noch etwas Hoffnung: Diese Orks waren K�mpfer. Sie lungerten nicht in m�der Verzweiflung irgendwo herum, und sie gaben gewiss nicht vor einer leicht zu �berwindenden Mauer auf. �Will finden Grom Hellscream!�</p><p>Der gro�e Ork stutzte. In gebrochener Menschensprache fragte er: �Wieso finden? Du geschickt, um zu t�ten? Von Menschen?�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf. �Nein. Lager � schlecht. Orks ��</p><p>Ihm fehlten die Worte in dieser fremden Sprache, also seufzte er tief, lie� seinen Kopf h�ngen und versuchte so auszusehen, wie die bemitleidenswerten Wesen, die er im Lager gesehen hatte. �Ich will Orks �� Er hob seine gefesselten H�nde und br�llte: �Grom hilft! Keine Lager mehr! Keine Orks wie �� Erneut versuchte er, lethargisch und hoffnungslos dreinzuschauen.</p><p>Er riskierte einen Blick nach oben und fragte sich, ob sein gebrochenes Orkisch ihnen vermittelt hatte, was er wollte. Zumindest versuchten sie nicht l�nger, ihn zu t�ten. Ein anderer Ork, der etwas kleiner war, aber ebenso gef�hrlich wie der Erste wirkte, sprach mit rauer Stimme. Der Anf�hrer antwortete gereizt. Sie stritten, und schlie�lich schien der Gro�e nachzugeben.</p><p>�Tragg sagt, vielleicht. Vielleicht du siehst Hellscream. Wenn du wert bist. Komm.� Sie stellten ihn auf die Beine und marschierten los. Ein Speersto� in den R�cken brachte Thrall dazu, schneller zu gehen. Obwohl er gefesselt und von feindlichen Orks umgeben war, erlebte Thrall Momente des Gl�cks.</p><p>Er w�rde Grom Hellscream sehen, den Ork, der ungeschlagen war. Gemeinsam w�rde es ihnen vielleicht gelingen, die gefangenen Orks zu befreien, sie zum Handeln zu ermutigen und an ihre Herkunft zu erinnern.</p><p>Obwohl es Thrall schwer fiel, die richtigen Worte in der Ork-Sprache zu finden, verstand er doch wesentlich mehr als er selbst zu sagen vermochte. Also blieb er stumm und h�rte zu.</p><p>Die Orks, die ihn zu Hellscream bringen wollten, waren �berrascht �ber die Energie, die er ausstrahlte. Thrall bemerkte, dass viele von ihnen braune oder schwarze Augen hatten, nicht das merkw�rdige Rot der meisten Orks aus dem Lager. Kelgar hatte vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem �Feuerblick� und der seltsamen Lethargie gab, unter der die Orks litten. Thrall wusste nicht, ob es stimmte und hoffte, durch Zuh�ren mehr zu erfahren.</p><p>Die Orks erw�hnten zwar nicht die rotgl�henden Augen, sprachen aber �ber das Ph�nomen der Lethargie. Viele der Worte, die Thrall nicht verstand, erkl�rten sich durch den verachtenden Tonfall, in dem sie ausgesprochen wurden. Nicht nur Thrall war abgesto�en und angewidert von den einst legend�ren K�mpfern, die sich jetzt schlimmer als Vieh behandeln lie�en. Ein Stier griff wenigstens an, wenn man ihn zu sehr reizte �</p><p>�ber ihren Kriegsherrn sprachen sie lobend und voller Achtung. Sie erw�hnten auch Thrall und fragten sich, ob er vielleicht ein neuer Spion sei, der Groms Lager ausfindig machen und die Menschen in einen feigen Angriff f�hren sollte. Thrall hoffte verzweifelt, dass er einen Weg finden w�rde, um sie von seiner Ehrenhaftigkeit zu �berzeugen. Er w�rde alles tun, um sich ihnen zu beweisen.</p><p>Schlie�lich kam die Gruppe zum Stehen. Der Anf�hrer, der den Namen Rekshak trug, knotete eine Sch�rpe auf, die er um seine breite Brust trug. Er hielt sie in beiden H�nden und ging auf Thrall zu. �Du wirst ��</p><p>Er sagte etwas auf Orkisch, das Thrall nicht verstand. Trotzdem wusste er, was Rekshak wollte. Thrall �berragte die anderen Orks, deshalb senkte er gehorsam den Kopf und lie� sich die Augen verbinden. Die Sch�rpe roch nach Schwei� und Blut.</p><p>Sie h�tten ihn jetzt leicht t�ten oder einfach gefesselt und mit verbundenen Augen seinem Schicksal �berlassen k�nnen. Thrall akzeptierte diese M�glichkeit und zog sie einem weiteren Tag im Gladiatorenring vor. Dort h�tte er nur f�r den Ruhm eines brutalen Bastards gek�mpft, der es ihm mit Pr�geln lohnte.</p><p>Er stolperte mit unsicheren Schritten vorw�rts. Irgendwann traten zwei Orks lautlos neben ihn und packten seine Arme. Er vertraute ihnen, ihm blieb keine andere Wahl.</p><p>Er hatte keine M�glichkeit die verstreichende Zeit zu sch�tzen, und der Marsch schien ewig zu dauern. Irgendwann endete der weiche, warme Waldboden unter seinen F��en und wurde von kaltem Fels abgel�st. Auch die Luft wurde k�hler. Thrall nahm die Klangver�nderung in den Stimmen der anderen Orks wahr und begriff, dass sie sich unter der Erde befanden.</p><p>Schlie�lich stoppten sie. Thrall neigte seinen Kopf, und die Sch�rpe wurde entfernt. Sogar das geringe Licht, das die Fackeln spendeten, lie� ihn blinzeln, w�hrend seine Augen sich nach der Dunkelheit unter dem Tuch daran gew�hnten.</p><p>Er befand sich in einer weitl�ufigen H�hle. Spitze Steine ragten aus dem felsigen Boden und der Decke. Thrall h�rte Wasser in einiger Entfernung zu Boden tropfen. Es gab mehrere kleine H�hlen, die von der gro�en abzweigten. Viele der Eing�nge waren mit Fellen zugeh�ngt. Die R�stungen hatten schon bessere Zeiten gesehen, und Waffen, die abgenutzt, aber gut gepflegt aussahen, lagen �berall herum. Ein kleines Feuer brannte in der Mitte, sein Rauch stieg zur Decke empor.</p><p>Das also war der Ort, an den sich der legend�re Grom Hellscream und die �berreste seines einst gef�rchteten Warsong-Clans zur�ckgezogen hatten.</p><p>Aber wo war der ber�hmte H�uptling selbst? Thrall sah sich um. Zwar waren mehrere Orks aus den H�hlen getreten, aber keiner hatte die Haltung oder die Kleidung eines wahren F�hrers.</p><p>Er wandte sich an Rekshak. �Du sagtest, du w�rdest mich zu Hellscream bringen. Aber ich sehe ihn hier nicht.�</p><p>�Du siehst ihn nicht, aber er ist anwesend. Er sieht <emphasis>dich</emphasis>�, sagte ein anderer Ork, der ein Fell zur Seite schob und in die H�hle trat. Er war fast so gro� wie Thrall, aber nicht so kr�ftig. Er sah �lter aus und sehr m�de. Die Knochen verschiedener Tiere und vielleicht auch Menschen hingen an einer Kette um seinen d�nnen Hals. Er hatte eine K�rperhaltung, die Respekt gebot, und Thrall war gewillt, ihn zu bezeugen. Wer auch immer dieser Ork war, er hatte eine wichtige Stellung innerhalb des Clans inne. Und er beherrschte die menschliche Sprache fast so flie�end wie Thrall.</p><p>Thrall neigte den Kopf. �Das mag sein, aber ich m�chte mit ihm sprechen, nicht nur seine unsichtbare Gegenwart genie�en.�</p><p>Der Ork l�chelte. �Du hast Mut und Feuer�, sagte er. �Das ist gut. Ich bin Iskar, Berater des gro�en H�uptlings Hellscream.�</p><p>�Mein Name ist ��</p><p>�Du bist kein Unbekannter, Thrall von Durnholde.� Thrall sah Iskar �berrascht an und dieser fuhr fort: �Viele haben von Generalleutnant Blackmoores Haus-Ork geh�rt ��</p><p>Thrall knurrte tief in seiner Kehle, beherrschte sich jedoch. Er hatte den Begriff schon �fter geh�rt, aber es verletzte ihn, das Wort aus dem Mund eines anderen Orks zu h�ren.</p><p>�Wir haben dich nat�rlich noch nie k�mpfen sehen�, sagte Iskar. Er verschr�nkte die H�nde auf dem R�cken und begann um Thrall herumzugehen und ihn dabei von oben bis unten zu mustern. �Orks d�rfen die Gladiatorenk�mpfe nicht besuchen. W�hrend du Ruhm im Ring fandest, wurden deine Br�der geschlagen und missbraucht.�</p><p>Thrall konnte sich nicht mehr beherrschen. �Ich fand keinen Ruhm! Ich war ein Sklave, der Blackmoore geh�rte, und wenn du nicht glaubst, dass ich ihn hasse, dann sieh dir das an!� Er drehte sich um, sodass sie seinen R�cken betrachten konnten. Sie blickten darauf und begannen zu seinem �rger zu lachen.</p><p>�Dort gibt es nichts zu sehen, Thrall von Durnholde�, sagte Iskar. Thrall begriff, dass die Magie der Heilsalbe ihre Arbeit <emphasis>zu</emphasis> gut gemacht hatte. Von den furchtbaren Schl�gen Blackmoores und seiner M�nner war keine Spur zur�ckgeblieben. �Du willst unser Mitgef�hl, erscheinst uns jedoch heil und gesund.�</p><p>Thrall fuhr herum. Zorn wallte in ihm auf. Er versuchte ihn herunterzuschlucken, aber es gelang ihm nicht. �Ich war ein Ding, ein St�ck Besitz. Glaubst du, ich bekam etwas f�r das Blut, das ich im Ring verlor? Blackmoore erhielt das Gold, w�hrend ich in einer Zelle gehalten und nur zu seiner Unterhaltung herausgef�hrt wurde. Die Narben auf meinem K�rper sind vielleicht unsichtbar, das begreife ich jetzt. Doch ich wurde nur geheilt, damit ich zur�ck in den Ring steigen konnte, um meinem Herrn noch mehr Reichtum einzubringen. Die Narben, die du nicht sehen kannst, liegen viel tiefer. Ich entkam, wurde in ein Lager geworfen, und dann kam ich hierher, um Hellscream zu finden. Allerdings bezweifele ich allm�hlich, dass er �berhaupt existiert. Ich darf wohl nicht darauf hoffen, einen Ork zu finden, der f�r all das steht, was ich von unserem Volk erwarte.�</p><p>�Und was erwartest du von unserem Volk, du, der den Namen eines Sklaven tr�gt?�, provozierte ihn Iskar unverdrossen weiter.</p><p>Thralls Atem beschleunigte sich, aber er behielt die Kontrolle, so wie Sergeant es ihn gelehrt hatte. �Orks sind stark, listig, m�chtig. Sie sind schreckliche Gegner im Kampf. Sie haben einen Kampfgeist, der nicht gebrochen werden kann. Lass mich mit Hellscream sprechen, und er wird erkennen, dass ich w�rdig bin.�</p><p>�Wir werden sehen�, sagte Iskar. Er hob die Hand, und drei Orks betraten die H�hle. Sie legten ihre R�stungen an und griffen nach ihren Waffen. �Diese drei sind unsere besten K�mpfer. Sie sind, wie du sagtest, stark, listig und m�chtig. Sie k�mpfen, um zu t�ten oder um zu sterben, aber nicht wie du im Gladiatorenring. Deine Spiele werden dir hier nichts n�tzen. Nur K�nnen wird dich retten. Wenn du �berlebst, wird Hellscream dir vielleicht Audienz gew�hren � vielleicht auch nicht.�</p><p>Thrall sah Iskar an. �Er <emphasis>wird</emphasis> mich zu sich lassen�, sagte er zuversichtlich.</p><p>�Hoffe darauf. Und jetzt fangt an!�</p><p>Ohne weitere Warnung st�rmten die drei Orks dem waffenlosen, ungesch�tzten Thrall entgegen.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>F�r einen kurzen Moment war Thrall unvorbereitet. Dann �bernahmen Jahre des Trainings die Kontrolle. Obwohl er nicht gegen sein eigenes Volk k�mpfen wollte, konnte er sie rasch als Gegner im Ring betrachten und sich entsprechend verhalten. Als einer von ihnen angriff, duckte sich Thrall elegant, griff nach oben und riss dem Ork das gro�e Kriegsbeil aus den H�nden. In der gleichen Bewegung schlug er zu. Der Schlag sa� tief, aber die R�stung nahm viel von der Wucht. Der Ork schrie auf und stolperte, eine Hand auf seinem R�cken. Er w�rde �berleben, aber so rasch war das Kr�fteverh�ltnis nur noch auf zwei zu eins gesunken �</p><p>Thrall fuhr knurrend herum. Die s��e, vertraute Blutgier umnebelte ihn erneut. Einem Kampfschrei aussto�end griff der zweite Ork mit einem gewaltigen Breitschwert an, das seine geringe Arml�nge mehr als nur ausglich. Thrall drehte sich zur Seite und entging einem t�dlichen Stich. Trotzdem f�hlte er hei�en Schmerz, als die Klinge in seine Seite stie�.</p><p>Der Ork setzte nach, w�hrend der Dritte gleichzeitig von hinten angriff. Thrall hatte jetzt jedoch eine Waffe. Er ignorierte das Blut, das ihm aus der Seite str�mte und den Steinboden rutschig und gef�hrlich machte. Weit ausholend schwang er das Beil seinem ersten Angreifer entgegen und nutzte den Schwung, um auch den zweiten zu treffen.</p><p>Sie blockierten den Angriff mit ihren gro�en Schilden. Thrall trug weder R�stung noch Schild, aber ihm waren solche K�mpfe vertraut. Seine Gegner waren schlau, aber das waren die menschlichen K�mpfer auch gewesen. Sie waren stark und muskul�s, aber das hatte auch f�r die Trolls gegolten, die Thrall besiegt hatte. Er bewegte sich mit ruhiger Sicherheit, sich duckend, br�llend und um sich schlagend. Einst w�ren sie vielleicht eine Gefahr f�r ihn gewesen. Nun aber, selbst wenn sie zu zweit gegen ihn standen, w�rde er triumphieren, so lange er diszipliniert seiner Strategie und nicht dem Lockruf der Blutgier folgte.</p><p>Sein Arm bewegte sich wie von selbst und schlug immer wieder zu. Selbst als seine F��e wegrutschten und er st�rzte, konnte er dies zu seinem Vorteil nutzen. Er drehte seinen K�rper, sodass er einen Angreifer traf und streckte gleichzeitig den Arm aus, um den zweiten mit einem Schlag von den Beinen zu holen. Sorgsam achtete er darauf, ihn mit dem stumpfen Ende des Beils und nicht mit der Klinge zu treffen. Er wollte diese Orks nicht t�ten, er wollte nur den Kampf gewinnen.</p><p>Beide schlugen hart auf. Der Ork, den Thrall mit dem Beil erwischt hatte, hielt seine Beine umklammert und heulte frustriert, weil sie beide gebrochen schienen. Der andere Ork kam taumelnd hoch und versuchte Thrall mit dem Breitschwert zu durchbohren.</p><p>Thrall traf seine Entscheidung. Er bereitete sich auf den Schmerz vor, ergriff die Klinge mit beiden H�nden und riss daran. Der Ork verlor das Gleichgewicht und fiel Thrall entgegen. Thrall drehte sich und begann den Ork zu w�rgen.</p><p><emphasis>Dr�ck zu!</emphasis>, schrie sein Instinkt. <emphasis>Dr�ck zu! T�te Blackmoore f�r das, was er dir angetan hat!</emphasis></p><p><emphasis>Nein!</emphasis>, dachte er. Das hier war nicht Blackmoore. Das hier war ein Angeh�riger seines Volkes, des Volkes, das er so verzweifelt gesucht hatte. Er erhob sich und streckte dem unterlegenen Ork seine Hand entgegen, um ihm aufzuhelfen.</p><p>Der Ork starrte die Hand an. �Wir t�ten�, sagte Iskar. Seine Stimme war so ruhig wie zuvor. �T�te deinen Gegner, Thrall. Das w�rde ein richtiger Ork tun.�</p><p>Thrall sch�ttelte langsam den Kopf, ergriff den Arm seines Gegners und zog den geschlagenen Feind auf die Beine. �Im Krieg, ja. Ich w�rde meinen Feind in der Schlacht t�ten, sodass er sich nicht ein weiteres Mal gegen mich erheben kann. Aber ihr seid mein Volk, ob ihr mich nun annehmt oder nicht. Wir sind so wenige, dass ich ihn nicht t�ten sollte.�</p><p>Iskar sah ihn mit merkw�rdigem Gesichtsausdruck an. Er schien auf etwas zu warten. Schlie�lich sagte er: �Deine Erkl�rung ist nachvollziehbar. Du hast unsere drei besten K�mpfer ehrenvoll besiegt. Du hast den ersten Test bestanden.�</p><p><emphasis>Ersten?</emphasis>, dachte Thrall und legte eine Hand auf seine blutende Seite. Er bef�rchtete pl�tzlich, dass es egal sein k�nnte, wie viele �Tests� er bestand, denn sie w�rden ihn nie zu Hellscream fuhren. Vielleicht war Hellscream gar nicht hier.</p><p>Vielleicht <emphasis>lebte</emphasis> Hellscream gar nicht mehr.</p><p>Aber Thrall wusste in seinem Herzen, dass er lieber hier sterben w�rde, als noch einmal in sein altes Leben unter Blackmoores Knute zur�ckzukehren.</p><p>�Was ist die n�chste Herausforderung?�, fragte er leise. Seine ruhige Art schien die anderen Orks zu beeindrucken.</p><p>�Eine Pr�fung des Willens�, sagte Iskar. Ein leicht abf�lliges L�cheln lag auf seinem breiten Gesicht. Er machte eine Geste, und aus einer der H�hlen trat ein Ork hervor. Er trug etwas auf dem R�cken, was auf den ersten Blick wie ein schwerer Sack aussah. Aber als er den �Sack� einfach auf den Steinboden warf, erkannte Thrall, dass es sich um einen kleinen Menschenjungen handelte, der an H�nden und F��en gefesselt und dessen Mund geknebelt war. Das schwarze Haar des Jungen war verfilzt. Er war schmutzig, und wo der Dreck seine wei�e Haut nicht bedeckte, sah Thrall blaue und gr�ne Prellungen. Er hatte die gleiche Augenfarbe wie Thrall, aber seine Pupillen waren angstgeweitet.</p><p>�Du wei�t, was das ist�, sagte Iskar.</p><p>�Ein Kind, ein menschliches Kind�, antwortete Thrall irritiert. Sicherlich wollten sie nicht, dass er gegen den Jungen k�mpfte.</p><p>�Ein m�nnliches Kind. Es wird aufwachsen und zum Ork-M�rder werden. Es ist unser nat�rlicher Feind. Wenn du tats�chlich unter der Peitsche und dem Kn�ppel gelitten hast und Rache an denen nehmen willst, die dich versklavten und dir sogar einen Namen gaben, der deinen niederen Rang im Leben beschreibt, dann nimm diese Rache <emphasis>jetzt</emphasis>. T�te den Jungen, bevor er erwachsen wird und dich t�tet.�</p><p>Die Augen des Jungen weiteten sich noch mehr, denn Iskar hatte in der Menschensprache gesprochen. Er wand sich verzweifelt und stie� dumpfe Laute aus. Der Ork, der ihn getragen hatte, trat ihm desinteressiert in den Bauch. Der Junge rollte sich zusammen und st�hnte durch den Knebel.</p><p>Thrall starrte ihn an. Das konnten sie nicht ernst meinen. Er sah zu Iskar, der ihn ohne zu blinzeln beobachtete.</p><p>�Das ist kein Krieger�, sagte Thrall. �Und dies ist kein ehrenhafter Kampf. Ich dachte, den Orks ist ihre Ehre wichtig.�</p><p>�Das ist sie�, stimmte Iskar zu, �aber vor dir liegt eine zuk�nftige Bedrohung. Verteidige dein Volk.�</p><p>�Er ist ein Kind!�, rief Thrall aus. �Er ist jetzt keine Bedrohung, und wer kann schon sagen, was aus ihm wird? Ich erkenne die Kleidung, die er tr�gt und wei�, aus welchem Dorf er stammt. Die Leute dort sind Bauern und Viehz�chter. Sie leben von dem, was sie anbauen und z�chten. Mit ihren Waffen jagen sie Hasen und Rehe, keine Orks.�</p><p>�Aber es ist wahrscheinlich, dass dieser Junge im n�chsten Krieg in der ersten Reihe stehen wird und dass ihm mit einem Speer in der Hand nach unserem Blut giert�, antwortete Iskar. �Willst du Hellscream sehen oder nicht? Wenn du das Kind nicht t�test, kannst du sicher sein, dass du diese H�hle nicht lebend verl�sst.�</p><p>Der Junge weinte jetzt lautlos. Thrall dachte an seinen Abschied von Taretha und an ihre Erkl�rung f�r das Weinen. Ihr Bild f�llte seinen Geist aus. Er dachte an sie und an Sergeant. Er dachte daran, wie traurig er gewesen war, als sein Anblick das kleine M�dchen in dem Dorf ge�ngstigt hatte.</p><p>Und dann dachte er an Blackmoores gutaussehendes, widerw�rtiges Gesicht, an all die M�nner, die ihn angespuckt, ihn �Monster�, �Gr�nhaut� und Schlimmeres geschimpft hatten.</p><p>Aber diese Erinnerungen rechtfertigten keinen kaltbl�tigen Mord. Thrall traf seine Entscheidung. Er lie� das blutige Kriegsbeil zu Boden fallen.</p><p>�Wenn dieser Junge irgendwann die Waffen gegen mich erhebt�, sagte er und w�hlte seine Worte mit Bedacht, �dann werde ich ihn auf dem Schlachtfeld t�ten. Und ich werde ein gewisses Vergn�gen dabei empfinden, weil ich wei�, dass ich f�r die Rechte meines Volkes k�mpfe. Aber ich werde kein gefesseltes Kind t�ten, das hilflos vor mir liegt, auch wenn es ein Mensch ist. Wenn das bedeutet, dass ich Hellscream nicht sehen werde, dann soll es so sein. Wenn es bedeutet, dass ich euch alle bek�mpfen und schlie�lich fallen muss, dann sage ich erneut, dass es so sein soll. Ich w�rde eher sterben, als eine solch ehrlose Grausamkeit zu begehen.�</p><p>Er spannte sich an, streckte die Arme aus und wartete auf den Angriff, der nun folgen musste. Iskar seufzte.</p><p>�Schade�, sagte er, �aber du hast dein eigenes Schicksal gew�hlt.� Er hob seine Hand.</p><p>Im gleichen Moment ersch�tterte ein furchtbarer Schrei die ruhige k�hle Luft. Der Laut vibrierte und raste durch die H�hle, schmerzte in Thralls Ohren und traf ihn bis ins Mark.</p><p>Das Fell vor einer der H�hlen wurde herunter gerissen, und ein gro�er, rot�ugiger Ork trat ein. Thrall hatte sich an den Anblick seines Volkes gew�hnt, doch dieser Ork sah anders aus als die, die er bisher gesehen hatte.</p><p>Langes schwarzes Haar lag struppig auf seinem R�cken. Jedes Ohr war mehrfach durchstochen, was Thrall irgendwie an Sergeant erinnerte. Rund ein Dutzend Ohrringe blitzten im Licht des Feuers. Rotschwarze Lederkleidung bildete einen starken Kontrast zur gr�nen Haut, und die Ketten, die von Teilen des K�rpers hingen, schwangen bei jeder Bewegung hin und her. Die Kiefer schienen schwarz angemalt zu sein, und in diesem Moment waren sie weiter ge�ffnet, als Thrall es f�r m�glich gehalten h�tte. Die dahinterliegende Kehle machte diesen entsetzlichen L�rm, und Thrall begriff, dass dieser Ork den Namen Grom Hellscream aus gutem Grund trug.</p><p>Der Schrei verging, und Grom sprach. �Ich h�tte nie gedacht, das zu sehen!� Er ging auf Thrall zu und starrte ihn an. Seine Augen hatten die Farbe des Feuers, und an Stelle der Pupillen schien etwas Dunkles und Angsteinfl��endes in ihrer Mitte zu tanzen. Thrall vermutete, dass die Bemerkung abf�llig gemeint war, wollte sich aber nicht einsch�chtern lassen. Er richtete sich zu seiner ganzen beeindruckenden Gr��e auf, um dem Tod mit erhobenem Haupt entgegenzutreten. Er �ffnete seinen Mund, wollte Grom antworten, doch der Ork-H�uptling fuhr bereits fort.</p><p>�Wieso wei�t du, was Gnade bedeutet, Thrall von Durnholde? Wieso wei�t du, wann und aus welchen Gr�nden man sie anbietet?�</p><p>Die Orks murmelten untereinander verwirrt. Iskar verneigte sich.</p><p>�Edler Hellscream�, begann er, �wir dachten, dass die Gefangennahme dieses Kinds Euch gefallen w�rde. Wir erwarteten ��</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> w�rde erwarten, dass seine Eltern ihm bis zu unserem Lager folgen, du Narr!�, schrie Grom. �Wir sind gef�rchtete und stolze Krieger. Zumindest waren wir das einmal.� Er zitterte wie im Fieber, und f�r einen Moment erschien er Thrall m�de und blass. Aber dieser Eindruck verschwand so schnell, wie er gekommen war. �Wir schlachten keine Kinder ab. Ich hoffe, wer auch immer das Kind geschnappt hat, war so klug, ihm die Augen zu verbinden.�</p><p>�Nat�rlich, Herr�, sagte Rekshak. Er wirkte beleidigt.</p><p>�Dann bring ihn genau so wieder dahin, wo du ihn gefunden hast.� Hellscream ging zu dem Kind und entfernte seinen Knebel. Der Junge hatte solche Angst, dass er nicht schrie. �H�r zu, kleiner Mensch. Sage deinen Leuten, dass die Orks dich hatten und beschlossen, dir nichts zu tun. Sag ihnen�, er sah zu Thrall, �dass sie <emphasis>Gnade</emphasis> zeigten. Sag ihnen auch, dass sie uns nicht finden werden, weil wir schon bald weiterziehen. Verstehst du?�</p><p>Der Junge nickte. �Gut.� An Rekshak gewandt sagte er: �Bring ihn zur�ck, und zwar sofort! Und das n�chste Mal l�sst du die Menschenkinder in Ruhe.�</p><p>Rekshak nickte. Brutal packte er den Jungen am Arm und riss ihn auf die F��e.</p><p>�Rekshak�, sagte Grom mit deutlicher Warnung in der Stimme. �Wenn du mir nicht gehorchst und dem Jungen etwas passiert, werde ich es erfahren. Und ich werde es nicht vergeben.�</p><p>Rekshak wandte sich in hilfloser Wut ab. �Wie mein Herr befiehlt�, keuchte er und zog den Jungen grob auf einen der gewundenen Steing�nge zu, die zur Oberfl�che f�hrten.</p><p>Iskar wirkte irritiert. �Herr�, begann er, �das ist Blackmoores Haustier! Er stinkt nach Menschen, er gibt damit an, dass er Angst zu t�ten hat ��</p><p>�Ich habe keine Angst davor, die zu t�ten, die es verdienen�, knurrte Thrall. �Ich t�te nur nicht die, die es nicht verdienen.�</p><p>Hellscream legte eine Hand auf Iskars Schulter und die andere auf die von Thrall. �Iskar, mein alter Freund�, sagte er mit rauer, ruhiger Stimme. �Du hast mich gesehen, wenn mich die Blutgier �berfiel. Du hast gesehen, wie ich bis zu den Knien im Blut watete. Ich habe auch die Kinder der Menschen get�tet. Auf diese Art haben wir alles im Kampf gegeben � und was hat es uns eingebracht? Orks schlurfen geschlagen und v�llig am Ende durch die Lager, versuchen weder sich selbst zu befreien, noch f�r andere zu k�mpfen. Diese Art des Kampfes, der Kriegsf�hrung, hat uns soweit gebracht. Ich habe lange geglaubt, dass die Vorfahren mir neue Wege aufzeigen w�rden, damit wir zur�ckerobern k�nnen, was verloren ist. Aber nur ein Narr wiederholt die gleiche Handlung und erwartet ein anderes Ergebnis, und ich bin kein Narr. Thrall war stark genug, um unsere besten Krieger zu besiegen. Er hat das Leben der Menschen kennen gelernt und es abgelehnt, weil er seine Freiheit finden wollte. Er ist aus den Lagern entkommen und hat gegen alle Vernunft nach uns gesucht. Ich stimme seinen Entscheidungen zu, die er hier getroffen hat. Eines Tages, alter Freund, wirst auch du die Weisheit darin erkennen.�</p><p>Er schlug Iskar freundschaftlich auf die Schulter. �Lasst uns jetzt allein. Ihr alle.�</p><p>Langsam, z�gernd und nicht ohne feindselige Blicke in Thralls Richtung, zogen sich die Orks auf die verschiedenen Bereiche der H�hle zur�ck. Thrall wartete.</p><p>�Wir sind allein�, sagte Hellscream. �Hast du Hunger, Thrall von Durnholde?�</p><p>�Ja, das habe ich�, sagte Thrall, �aber ich m�chte Euch bitten, mich nicht Thrall von Durnholde zu nennen. Ich bin von dort entkommen und hasse den Gedanken daran.�</p><p>Hellscream ging zu einer anderen H�hle, zog das Fell beiseite und holte einen gro�en Brocken rohes Fleisch heraus. Thrall nahm es entgegen, nickte dankbar und biss gierig hinein. Es war seine erste richtige Mahlzeit als freier Ork. Rehfleisch hatte nie besser geschmeckt.</p><p>�Willst du deinen Namen �ndern? Es ist der Name eines Sklaven�, sagte Hellscream. Er hockte sich hin und beobachtete Thrall aus roten Augen. �Er war als Zeichen der Schande gedacht.�</p><p>Thrall dachte kauend nach und schluckte. �Nein. Blackmoore gab mir den Namen, weil ich nie vergessen sollte, dass ich ihm geh�re.� Seine Augen verengten sich. �Das werde ich auch nicht. Ich werde den Namen behalten, und eines Tages, wenn ich ihn wiedersehe, wird er derjenige sein, der sich daran erinnert, was er mir angetan hat und es aus tiefstem Herzen bereuen.�</p><p>Hellscream beobachtete ihn sorgf�ltig. �Du w�rdest ihn also t�ten?�</p><p>Thrall antwortete nicht sofort. Er dachte an den Tag, an dem er beinahe Sergeant get�tet h�tte, weil er meinte, Blackmoores Gesicht vor sich zu sehen. Darauf waren viele Momente gefolgt, in denen er sich Blackmoores verh�hnende Fratze vorgestellt hatte, w�hrend er im Ring k�mpfen musste. Er dachte an Blackmoores lallende Sprache und die Schmerzen, die ihm dessen Tritte und Schl�ge gebracht hatten. Er dachte an die Furcht auf Tarethas Gesicht, wenn sie vom Herrn �ber Durnholde sprach.</p><p>�Ja�, sagte er mit fester, tiefer Stimme. �Ich w�rde es tun. Wenn es ein Wesen gibt, das den Tod verdient, dann ist es Aedelas Blackmoore.�</p><p>Hellscream lachte. Es klang seltsam und wild. �Gut. Zumindest w�rdest du also jemanden t�ten. Ich hatte mich schon gefragt, ob ich die richtige Wahl getroffen habe.� Er zeigte auf den Stoff-Fetzen, der in Thralls G�rtel steckte. �Das sieht nicht aus, als sei es von Menschen gemacht.�</p><p>Thrall zog das Wickeltuch hervor. �Das ist es auch nicht. In diesem Tuch fand mich Blackmoore als S�ugling.� Er reichte es Hellscream. �Mehr wei� ich nicht.�</p><p>�Ich kenne dieses Muster�, sagte Hellscream. Er breitete das Tuch aus und betrachtete das Symbol des wei�en Wolfskopfes auf blauem Grund. �Das ist das Zeichen des Eiswolf-Clans. Wo hat Blackmoore dich gefunden?�</p><p>�Er hat mir erz�hlt, es sei nicht weit von Durnholde gewesen�, sagte Thrall.</p><p>�Dann war deine Familie weit weg von ihrer Heimat. Ich frage mich, wieso.�</p><p>Thrall sp�rte Hoffnung. �Habt Ihr sie gekannt? Wisst Ihr, wer meine Eltern waren? Es gibt so viel, was ich erfahren will.�</p><p>�Ich wei� nur, dass dies das Symbol des Eiswolf-Clans ist, und dass sie weit entfernt irgendwo in den Bergen leben. Sie wurden von Gul�dan ins Exil geschickt. Ich habe nie erfahren, weshalb. Durotan und seine Leute wirkten auf mich loyal. Es hei�t, sie h�tten sich mit den wilden wei�en W�lfen verb�ndet, aber man sollte nicht alles glauben, was man h�rt.�</p><p>Aus Hoffnung wurde Entt�uschung, aber Thrall wusste dennoch jetzt mehr als zuvor. Er strich mit seiner gro�en Hand �ber das Tuch und war erstaunt, dass er jemals klein genug gewesen war, um hineinzupassen.</p><p>�Ich habe eine weitere Frage, die Ihr vielleicht beantworten k�nnt�, sagte er. �Als ich j�nger war, trainierte ich drau�en, und ein Wagen, in dem sich mehrere �� Er stockte. Was war der richtige Ausdruck? Insassen? Sklaven? �� Orks auf dem Weg in die Lager befanden, kam an. Einer der Orks befreite sich und griff mich an. Er schrie einen Satz immer wieder. Ich habe nie erfahren, was er bedeutete, doch ich habe mir geschworen, die Worte nie zu vergessen. Vielleicht k�nnt Ihr sie mir �bersetzen.�</p><p>�Sprich, und wir werden es erfahren.�</p><p><emphasis>�Kagh! Bin mog g�thazag cha!�</emphasis>, sagte Thrall.</p><p>�Das war kein Angriff, mein junger Freund�, sagte Hellscream. �Die Worte bedeuten, Lauf! Ich werde dich besch�tzen!'�</p><p>Thrall starrte ihn an. Er hatte immer geglaubt, man habe ihn angegriffen, und jetzt �</p><p>�Nat�rlich, die anderen K�mpfer ��, sagte er. �Wir waren in einer Kampf�bung. Ich trug weder R�stung noch Schild und stand in einem Kreis von M�nnern � Er starb, Hellscream. Sie schlugen ihn in St�cke. Er dachte, sie w�rden mich angreifen, und dass ich gegen zw�lf Gegner gleichzeitig k�mpfen m�sse. Er starb, um mich zu <emphasis>besch�tzen</emphasis>.�</p><p>Hellscream sagte nichts. Er a� ruhig weiter, w�hrend er Thrall beobachtete. Obwohl er ausgehungert war, lie� Thrall den guten Fleischsaft achtlos zu Boden tropfen. Jemand hatte sein Leben gegeben, um einen ihm unbekannten jungen Ork zu besch�tzen �</p><p>Langsam und ohne die Freude, die er gerade noch empfunden hatte, biss er in das Fleisch und kaute. Eines Tages w�rde er den Eiswolf-Clan suchen und herausfinden, wer er wirklich war.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Noch nie in seinem Leben hatte Thrall solche Freude kennen gelernt. W�hrend der n�chsten Tage feierte er mit dem Warsong-Clan, sang dessen wilde Schlachtlieder und lernte, w�hrend er zu Hellscreams F��en sa�.</p><p>Thrall erfuhr, dass die Orks nicht die geistlosen Mordmaschinen waren, als die die B�cher sie darstellten. Sie waren ein edles Volk. Ja, sie waren Meister des Schlachtfelds und genossen die Gischt des Blutes und das Krachen zerberstender Knochen, aber ihre Kultur war reich und vielschichtig. Hellscream erz�hlte von einer Zeit, als jeder Clan eine separate Einheit bildete, mit eigenen Symbole und Sitten und sogar einer eigenen Sprache. Es gab spirituelle F�hrer, die man Schamanen nannte und die mit der Magie der Natur arbeiteten und nicht mit der b�sen Magie d�monischer, �bernat�rlicher M�chte.</p><p>�Ist Magie denn nicht Magie?�, wollte Thrall wissen, der wenig Erfahrung mit Zauberei in welcher Form auch immer hatte.</p><p>�Ja und nein�, sagte Grom. �Manchmal ist die Wirkung die Gleiche. Wenn zum Beispiel ein Schamane den Blitz anruft, um seine Feinde niederzustrecken, dann werden sie bei lebendigem Leibe verbrannt. Wenn ein Hexer die Flammen der H�lle gegen einen Feind heraufbeschw�rt, dann wird auch dieser verbrannt.�</p><p>�Also ist Magie Magie�, meinte Thrall.</p><p>�Aber der Blitz ist ein nat�rliches Ph�nomen, das man anruft, indem man darum bittet. Mit dem Feuer der H�lle geht man einen Pakt ein. Du musst mit einem Teil deiner Selbst daf�r bezahlen.�</p><p>�Aber Ihr habt gesagt, dass die Schamanen verschwunden seien. Hei�t das nicht, dass der Weg der Hexer besser war?�</p><p>�Der Weg der Hexer war schneller�, antwortete Grom. �Wirkungsvoller. So jedenfalls schien es. Aber es kommt die Zeit, da man einen Preis zu zahlen hat, und manchmal ist dieser Preis sehr hoch.�</p><p>Thrall erfuhr, dass er nicht der Einzige war, den die eigenartige Lethargie der Orks entsetzte, von denen die meisten jetzt teilnahmslos in den Lagern verk�mmerten.</p><p>�Niemand kann diesen Zustand erkl�ren�, sagte Hellscream, �aber er hat fast jeden von uns ergriffen, einen nach dem anderen. Zuerst dachten wir, es w�re eine Art Krankheit. Aber man stirbt nicht daran, und ab einem bestimmten Punkt wird es auch nicht mehr schlimmer.�</p><p>�Einer der Orks im Lager dachte, es h�tte etwas zu tun mit �� Thrall brach ab, denn er wollte sein Gegen�ber nicht beleidigen.</p><p>�Sprich!�, verlangte Grom ver�rgert. �Womit soll es etwas zu tun haben?�</p><p>�Mit der R�te der Augen�, sagte Thrall.</p><p>�Ah�, sagte Grom, und Thrall glaubte, eine Spur von Traurigkeit in seiner Stimme zu erkennen. �Vielleicht stimmt das. Es gibt etwas, mit dem wir k�mpfen, das du, blau�ugiger Junge, nicht verstehen kannst. Und ich hoffe, du wirst es nie verstehen.� Zum zweiten Mal, seit Thrall ihn kennen gelernt hatte, erschien ihm Hellscream klein und gebrechlich. Er war mager, erkannte Thrall. Es waren seine Wildheit und sein Schlachtruf, die ihn so bedrohlich und stark erscheinen lie�en. K�rperlich verfiel der charismatische F�hrer der Warsongs zusehends. Obwohl er Hellscream kaum kannte, ber�hrte Thrall diese Erkenntnis. Es schien, als sei der Wille des Ork-H�uptlings das Einzige, das ihn noch am Leben erhielt. Nur ein hauchd�nner Faden band Knochen und Blut und Sehnen noch zusammen.</p><p>Er sprach seine Wahrnehmung nicht aus, aber Grom Hellscream wusste es. Ihre Augen trafen sich. Hellscream nickte und wechselte dann das Thema.</p><p>�Sie haben nichts mehr, auf das sie hoffen, nichts, wof�r sie k�mpfen k�nnen�, sagte Hellscream. �Du hast erz�hlt, ein Ork habe die Kraft in sich gefunden, mit einem anderen Ork zu k�mpfen und die Wachen abzulenken, damit du entkommen konntest. Das gibt mir Hoffnung. Wenn unsere Br�der und Schwestern wieder glauben k�nnten, dass sie einen Wert besitzen, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen k�nnen � ich denke, dann w�rden sie aus ihrem schrecklichen Schlaf erwachen. Keiner von uns ist jemals in einem dieser verfluchten Lager gewesen. Erz�hl uns alles, was du wei�t, Thrall.�</p><p>Und Thrall erz�hlte. Es war froh, dass er ein wenig helfen konnte. So detailliert er nur konnte, beschrieb er das Lager, die Orks, die Wachen und die Sicherheitsma�nahmen. Hellscream h�rte aufmerksam zu, unterbrach ihn nur hin und wieder mit eine Frage oder bat ihn etwas mehr ins Detail zu gehen. Als Thrall endete, schwieg Hellscream f�r einen Moment.</p><p>�Es ist gut�, sagte er schlie�lich. �Die Menschen wiegen sich durch unseren besch�menden Mangel an Ehre in Sicherheit. Das k�nnen wir zu unserem Vorteil nutzen. Ich tr�ume schon lange davon, diese elenden Orte zu st�rmen und die Orks zu befreien, die dort gefangen gehalten werden. Doch ich habe eine Angst, Thrall. Was, wenn das Tor gefallen ist, und sie verhalten sich weiter wie das Vieh, zu dem sie geworden sind, und entfliehen nicht in die Freiheit ��</p><p>�Ich teile diese Angst mit Euch�, sagte Thrall.</p><p>Ein bunter Schwall von Fl�chen verlie� Groms Mund. �Es ist an uns, sie aus ihren seltsamen Tr�umen aus Hoffnungslosigkeit und Niederlage zu wecken. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass du gerade jetzt zu uns gekommen bist, Thrall. Gul�dan ist nicht mehr, und seine Hexer sind vertrieben. Es ist an der Zeit, dass wir wieder die werden, die wir einst waren.� Seine roten Augen glitzerten. �Und du bist ein Teil dieses Wandels.�</p><empty-line/><p>Die Entt�uschung war zu Blackmoores st�ndigem Begleiter geworden.</p><p>Mit jedem Tag, der vor�ber kroch, wurde die Chance, Thrall zu finden, geringer und geringer. Im Lager war er ihnen wahrscheinlich nur um Haaresbreite entwischt, und dieser Misserfolg hatte einen bitteren Nachgeschmack bei Blackmoore hinterlassen, und er versuchte ihn mit Bier, Met und Wein wegzusp�len.</p><p>Seitdem: nichts. Thrall war offenbar verschwunden, was ziemlich schwierig f�r etwas so Gro�es und H�ssliches wie einen Ork war. Manchmal, wenn die leeren Flaschen neben ihm zu Bergen anwuchsen, war Blackmoore �berzeugt, dass alle sich verschworen hatten, Thrall von ihm fern zu halten. Diese Theorie erlangte durch den Umstand eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine Person, die ihm sehr nahe stand, ihn mit absoluter Sicherheit verraten hatte. Er umarmte sie in der Nacht, damit sie nicht ahnte, dass er sie durchschaut hatte, genoss ihren K�rper � vielleicht etwas brutaler als �blich � und sprach freundlich zu ihr. Doch manchmal, wenn sie schlief, waren der Schmerz und die Wut so unertr�glich, dass er aus dem Bett stieg, das sie miteinander teilten, und sich bis zu Bewusstlosigkeit betrank.</p><p>Und nat�rlich hatte sich nun, da Thrall verschwunden war, jede Hoffnung, eine Ork-Armee gegen die Allianz zu f�hren, aufgel�st wie Morgennebel unter greller Sonne. Was sollte jetzt aus Aedelas Blackmoore werden? War es nicht schlimm genug, dass er gegen den Makel, den sein Vater �ber seinen Namen gebracht hatte, ank�mpfen und sich immer und immer wieder beweisen musste, w�hrend geringere M�nner von allen akzeptiert wurden? Sie hatten ihm nat�rlich erkl�rt, seine gegenw�rtige Position sei eine Ehre, die er sich redlich verdient habe. Aber er fristete sein Dasein weit vom Sitz der Macht entfernt, und aus den Augen bedeutete aus dem Sinn. Wer, der wirkliche Macht besa�, dachte an Blackmoore? Niemand! Und das machte ihn krank.</p><p>Auf den zerw�hlten, schwei�getr�nkten Laken seines Bettes liegend, nahm er einen weiteren langen und durstigen Schluck, als jemand vorsichtig an seine T�r klopfte.</p><p>�Verschwinde�, knurrte er.</p><p>�Mylord?� Die zaghafte Stimme des Schw�chlings, der die verr�terische Hure gezeugt hatte. �Es gibt Neuigkeiten. Lord Langston ist hier, um Euch zu sehen.�</p><p>Eine vage Hoffnung stieg in Blackmoore auf, und er k�mpfte sich aus dem Bett. Es war Nachmittag, und Taretha tat was auch immer es war, das sie tat, wenn sie ihm nicht diente. Er schwang seine F��e auf den Boden und sa� f�r einen Augenblick auf der Bettkante, w�hrend sich die Welt um ihn herum drehte. �Schick ihn rein, Tammis� befahl er.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Langston trat ein. �Wundervolle Neuigkeiten, Mylord!� rief er. �Man hat Thrall gesehen.�</p><p>Blackmoore r�mpfte die Nase. �Sichtungen� von Thrall waren ziemlich allt�glich geworden, seit er eine erhebliche Belohnung f�r solche Beobachtungen ausgesetzt hatte. Aber Langston w�re nicht mit unbest�tigten Ger�chten zu ihm gerannt. �Wer hat ihn gesehen? Wo?�</p><p>�Mehrere Meilen vom Lager entfernt. Er bewegt sich scheinbar nach Westen�, sagte Langston. �Ein paar D�rfler wurden geweckt, als ein Ork versuchte, in ihre H�user einzubrechen. Scheint, er hatte Hunger. Als sie ihn umzingelten, redete er in menschlicher Sprache. Sie griffen ihn an, aber er wehrte sich und �berw�ltigte sie.�</p><p>�Ist jemand get�tet worden?� Blackmoore hoffte nicht. Er w�rde das Dorf entsch�digen m�ssen, wenn sein Haustier jemanden umgebracht hatte.</p><p>�Nein. Sie erz�hlen sogar, der Ork habe sich offenbar vom T�ten zur�ckgehalten. Ein paar Tage sp�ter wurde der Sohn eines Bauern von einer Bande Orks entf�hrt. Sie brachten ihn in eine unterirdische H�hle und befahlen einem gro�en Ork, ihn zu t�ten. Der Ork weigerte sich, und der H�uptling nahm diese Entscheidung an. Der Junge wurde freigelassen und erz�hlte sofort seine Geschichte. Und, Mylord, in der H�hle sprachen die Orks alle in der menschlichen Sprache, weil der gro�e Ork die Sprache seiner Artgenossen nicht verstehen konnte.�</p><p>Blackmoore nickte. Das klang alles wahr, und es passte zu dem Thrall, den er kannte � im Gegensatz zu dem Thrall, den sich die Leute vorstellten. Au�erdem w�re ein kleiner Junge wahrscheinlich nicht so schlau, um von allein auf die Idee zu kommen, dass Thrall nicht viel Orkisch sprach.</p><p>Beim Licht, vielleicht w�rden sie ihn wirklich finden! Es hatte ein neues Ger�cht �ber Thralls Aufenthaltsort gegeben, und wieder hatte Blackmoore Durnholde verlassen, um dem nachzugehen. In Tarethas Geist standen zwei leidenschaftliche Gedanken miteinander in Konflikt. Zum einen hoffte sie verzweifelt, dass das Ger�cht unwahr sei, dass sich Thrall Meilen entfernt von dem Ort befand, an dem man ihn angeblich gesehen hatte � zum anderen f�hlte sie eine �berw�ltigende Erleichterung, die sie �berkam, wann immer Blackmoore fort war.</p><p>Sie machte ihren t�glichen Spaziergang au�erhalb der Festung. Die Gegend war in diesen Tagen sicher. Wegelagerer lauerten im Allgemeinen nur an den Hauptstra�en und in den W�ldern, die sie inzwischen aber so gut kannte, dass ihr nichts geschehen w�rde.</p><p>Sie �ffnete ihr Haar, lie� es die Schultern herabfallen und genoss die Freiheit. Es war unziemlich f�r eine Frau, ihr Haar offen zu tragen, aber Taretha fuhr begeistert mit den Fingern durch die dichte, goldene Masse und sch�ttelte trotzig den Kopf.</p><p>Ihr Blick fiel auf die Striemen an ihren Handgelenken. Instinktiv streckte sie eine Hand aus, um die andere zu bedecken.</p><p>Nein. Sie w�rde ihre eigene Schande nicht verstecken. Taretha zwang sich, die Druckstellen nicht zu verh�llen. Um ihrer Familie willen musste sie sich Blackmoore unterwerfen. Aber sie w�rde nichts tun, um die Verbrechen zu verbergen, die er beging.</p><p>Taretha atmete tief ein. Selbst hierher folgte ihr Blackmoores Schatten. Sie entschloss sich, ihn aus ihren Gedanken zu verbannen, und wandte ihr Gesicht der Sonne zu.</p><p>Sie wanderte zu der H�hle hinauf, in der sie sich von Thrall verabschiedet hatte, und hockte dort eine Weile mit an die Brust gezogenen Beinen. Es gab keinerlei Anzeichen daf�r, dass irgendjemand au�er den Tieren des Waldes hier gewesen war. Dann erhob sie sich und schlenderte zu dem hohlen Baum, in dem Thrall die Halskette verstecken sollte, die sie ihm geschenkt hatte. Als sie in seine schwarzen Tiefen hinab blickte, sah sie dort kein Silber glitzern. Sie war gleichzeitig erleichtert und auch traurig. Taretha vermisste es schrecklich, Thrall Briefe zu schreiben und seine freundlichen, weisen Antworten zu lesen.</p><p>Wenn nur die anderen ihres Volkes genauso gef�hlt h�tten. Sahen sie nicht, dass die Orks keine Bedrohung mehr darstellten? Mit der richtigen Erziehung und ein wenig Respekt konnten die alten Feinde zu wertvollen Verb�ndete werden. Sie dachte an all das Geld, das in die Lager gesteckt wurde, an die ganze Dummheit und Engstirnigkeit.</p><p>Wenn sie doch mit Thrall h�tte davonlaufen k�nnen �</p><p>Als Taretha langsam zur Festung zur�ckschlenderte, h�rte sie ein Hornsignal. Der Herr von Durnholde war zur�ckgekehrt. Die Leichtigkeit und die Freiheit, die sie gerade noch gesp�rt hatte, verlie�en sie wie Blut, das aus einer tiefen Wunde flie�t.</p><p><emphasis>Was auch immer geschieht, wenigstens ist Thrall frei</emphasis>, dachte sie. <emphasis>Meine Tage als Sklavin aber liegen noch ohne Ende vor mir.</emphasis></p><empty-line/><p>Thrall k�mpfte und a� Gerichte, die auf die traditionelle Weise zubereitet waren. Und er lernte. Bald sprach er flie�end Orkisch, wenn auch mit einem starken Akzent. Er nahm an den Jagden Teil und war inzwischen mehr Hilfe denn Behinderung, wenn es darum ging, einen Hirsch zu erlegen. Finger, die trotz ihrer Dicke einen Griffel gemeistert hatten, lernten nun Fallen f�r Hasen und andere kleinere Tier zu bauen. Jeden Tag wurde er mehr vom Warsong-Clan akzeptiert. Zum ersten Mal in seinem Leben f�hlte Thrall, dass er irgendwo hingeh�rte.</p><p>Aber dann kamen die Nachrichten der Sp�her. Rekshak kehrte eines Abends zur�ck und blickte noch w�tender und griesgr�miger drein als sonst. �Ein Wort, Mylord�, sagte er zu Hellscream.</p><p>�Du kannst vor uns allen sprechen�, sagte Hellscream. Sie waren an der Oberfl�che und genossen einen frischen Sp�therbstabend, w�hrend sie sich die Beute schmecken lie�en, die Thrall eigenh�ndig erjagt hatte.</p><p>Rekshak warf einen unfrohen Blick in Thralls Richtung, dann grunzte er. �Wie Ihr w�nscht. Menschen beginnen die W�lder zu durchk�mmen. Sie tragen rot-goldene Livree und f�hren einen schwarzen Falken in ihrem Banner.�</p><p>�Blackmoore!�, keuchte Thrall. W�rde dieser Mann denn niemals Ruhe geben? W�rde man ihn, Thrall, bis ans Ende der Welt jagen und schlie�lich in Ketten zur�ckschleppen, damit Blackmoore sich wieder an ihm erg�tzen konnte?</p><p>Nein. Eher w�rde er sich mit eigener Hand das Leben nehmen, als dass er in die Sklaverei zur�ckkehrte. Es brannte in ihm zu sprechen, doch die H�flichkeit gebot es, dass Hellscream seinem Mann selbst antwortete.</p><p>�Wie ich es vermutet hatte�, sagte Hellscream ruhiger, als Thrall es erwartet hatte.</p><p>Offensichtlich war auch Rekshak �berrascht. �Mylord�, sagte er, �der Fremde Thrall bringt uns alle in Gefahr. Wenn sie unsere H�hlen finden, sind wir ihnen ausgeliefert. Sie werden uns entweder t�ten oder wie Schafe zusammentreiben, um uns in ihre Lager zu stecken!�</p><p>�Nichts von beidem wird geschehen�, erkl�rte Hellscream. �Und Thrall hat uns nicht in Gefahr gebracht. Es war meine Entscheidung, ihn bei uns aufzunehmen. Willst du dies in Frage stellen?�</p><p>Rekshak senkte den Kopf. �Nein, mein H�uptling.�</p><p>�Thrall wird bleiben�, erkl�rte Hellscream.</p><p>�Ich danke Euch, gro�er H�uptling�, sagte Thrall, �aber Rekshak hat Recht. Ich muss gehen. Ich kann den Warsong-Clan nicht l�nger gef�hrden. Ich werde euch verlassen und den Menschen eine falsche F�hrte legen, die sie von euch fort, zugleich aber auch nicht zu mir f�hren wird.�</p><p>Hellscream lehnte sich n�her zu Thrall hin, der zu seiner Rechten sa�. �Aber wir brauchen dich, Thrall�, sagte er. Seine Augen leuchteten in der Finsternis. �<emphasis>Ich</emphasis> brauche dich. Also werden wir schnell handeln, um unsere Br�der in den Lagern zu befreien.�</p><p>Doch Thrall sch�ttelte weiterhin den Kopf. �Der Winter kommt. Es wird schwer sein, eine Armee zu ern�hren. Und � es gibt etwas, das ich tun muss, bevor ich bereit bin, an Eurer Seite zu stehen und unsere Br�der zu befreien. Ihr sagtet mir, dass Ihr meinen Clan gekannt habt, die Eisw�lfe. Ich muss sie finden und mehr dar�ber erfahren, wer ich bin und wo ich herkomme, bevor ich an Eurer Seite stehen kann. Ich hatte gehofft, im Fr�hling zu ihnen reisen zu k�nnen, doch es scheint, dass ich nicht l�nger warten darf.�</p><p>Hellscream blickte Thrall lange Zeit an. Der gr��ere Ork wich diesen schrecklichen roten Augen nicht aus. Schlie�lich nickte Hellscream traurig.</p><p>�Obwohl in mir der Wunsch nach Rache brennt, erkenne ich in dir den weiseren Verstand. Unsere Br�der leiden in der Gefangenschaft, aber ihre Tr�gheit lindert vielleicht auch ihren Schmerz. Wenn die Sonne ihr Gesicht heller zeigt, ist immer noch genug Zeit, sie zu befreien. Ich kann dir nicht genau sagen, wo die Eisw�lfe leben, doch tief in meinem Kern wei� ich, dass du sie finden wirst, wenn dir dies bestimmt ist.�</p><p>�Ich werde euch im Morgengrauen verlassen�, sagte Thrall, dem das Herz schwer in der Brust wurde. Er sah, wie auf der anderen Seite der flackernden Feuers Rekshak, der ihn nie gemocht hatte, zustimmend nickte.</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen nahm Thrall traurig Abschied vom Warsong-Clan und von Grom Hellscream.</p><p>�Ich m�chte dir dies schenken�, sagte Hellscream und nahm eine Knochen-Halskette von seinem viel zu d�nn gewordenen Hals. �Dies sind die Reste meiner ersten Beute. Ich habe meine Symbole in sie eingraviert. Jeder Ork-H�uptling wird sie erkennen.�</p><p>Thrall wollte widersprechen, aber Hellscream zog seine Lippen von den scharfen, gelben Z�hnen zur�ck und knurrte. Da er nicht den Wunsch hatte, den H�uptling zu ver�rgern, der so gut zu ihm gewesen war � und auch den ohrenbet�ubenden Schrei kein weiteres Mal h�ren wollte �, senkte Thrall den Kopf, damit Grom ihm die Kette um seinen dicken Hals legen konnte.</p><p>�Ich werde die Menschen von euch weg f�hren�, wiederholte Thrall.</p><p>�Wenn dir dies nicht gelingt, ist es auch nicht wichtig�, sagte Hellscream. �Wir werden sie alle niedermachen.� Er lachte wild, und Thrall schloss sich ihm dabei an. Noch immer lachend begab er sich auf den Weg in die kalten Nordlande, von wo er stammte.</p><p>Nach ein paar Stunden machte er einen Umweg und kehrte zu dem kleinen Dorf zur�ck, in dem er Essen gestohlen und den Menschen Angst eingejagt hatte. Er ging nicht zu nahe heran, denn seine scharfen Ohren hatten bereits die Stimmen der Soldaten geh�rt. Aber er lie� ein Zeichen zur�ck, das Blackmoores M�nner finden sollten.</p><p>Obwohl es ihm fast das Herz brach, nahm er das Wickeltuch, das das Symbol der Eisw�lfe trug, und riss einen gro�en Streifen davon ab. Er befestigte ihn s�dlich des Dorfes an einem gezackten Baumstumpf. Er wollte, dass man ihn leicht fand, aber es sollte nicht zu offensichtlich sein. Er sorgte au�erdem daf�r, dass er mehrere gro�e, leicht zu erkennende Fu�spuren in der weichen, schlammigen Erde hinterlie�.</p><p>Mit ein wenig Gl�ck w�rden Blackmoores M�nner auf den Fetzen des verr�terischen Stoffes sto�en, die Fu�spuren finden und annehmen, dass Thrall auf dem Weg nach S�den sei. Er ging vorsichtig in seinen eigenen Fu�spuren zur�ck � eine Taktik, von der er in einem seiner B�cher gelesen hatte � und w�hlte f�r seinen weiteren Weg felsigen oder anderen geeigneten Untergrund.</p><p>Er blickte in Richtung der Alterac-Berge. Grom hatte ihm erz�hlt, dass sich ihre Gipfel selbst mitten im Sommer wei� gegen den blauen Himmel abhoben. Thrall w�rde sich in ihr Herz begeben, ohne genau zu wissen, worauf er sich einlie�, w�hrend das Wetter dabei war, sich zu wenden. Es hatte bereits ein oder zwei Mal leicht geschneit. Bald w�rde der Schnee dick und schwer fallen, und am heftigsten in den Bergen.</p><p>Der Warsong-Clan hatte ihm reichlich Vorr�te mitgegeben. Er hatte mehrere Streifen getrockneten Fleisches, einen Wasserschlauch, in dem er Schnee sammeln und schmelzen konnte, einen dicken Umgang, der ihn vor den scharfen Z�hnen des Winters sch�tzte, und ein paar Hasenfallen, damit er das Trockenfleisch erg�nzen konnte.</p><p>Das Schicksal und das Gl�ck � sowie die Freundlichkeit Fremder und eines Menschenm�dchens � hatten ihn bis hierher gebracht. Grom hatte angedeutet, Thrall w�rde noch eine Bestimmung zu erf�llen haben. Wenn dies tats�chlich der Fall war, dann musste er darauf vertrauen, dass er zu diesem Schicksal ebenso gef�hrt werden w�rde, wie er bis hierher geleitet worden war.</p><p>Er hievte den Sack auf seinen R�cken, und ohne auch nur einen einzigen Blick zur�ck zu werfen, begann Thrall auf die lockenden Berge zuzustapfen, in deren zerkl�fteten Spitzen oder versteckten T�lern irgendwo der Eiswolf-Clan zuhause war.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Die Tage wurden zu Wochen, und Thrall begann, das Vergehen der Zeit nicht mehr an den Sonnenaufg�ngen zu messen, sondern an den Schneef�llen. Bald war das Trockenfleisch, das der Warsong-Clan ihm mitgegeben hatte, verbraucht, obwohl er es sehr sparsam rationierte. Die Fallen hatten nur gelegentlich Erfolg, und je h�her er kam, desto weniger Tiere fing er darin.</p><p>Wenigstens Wasser war kein Problem. �berall gab es eisige B�che und sp�ter dann dicke, wei�e Schneewehen. Mehr als einmal wurde er von einem pl�tzlichen Sturm �berrascht und vergrub sich im Schnee, bis das Unwetter vor�ber war. Jedes Mal hoffte er verzweifelt, dass es ihm gelingen w�rde, sich sp�ter wieder aus dem t�ckischen Wei� herauszugraben.</p><p>Die winterliche Bergwelt begann ihren grimmigen Tribut zu fordern. Thralls Bewegungen wurden langsamer und langsamer, und mehr als einmal legte er sich zur Ruhe und w�re beinahe nicht wieder aufgestanden. Die Nahrung ging ihm aus, und weder Hasen noch Murmeltiere waren so unvorsichtig, sich in seinen Fallen zu verfangen. Dass es hier �berhaupt tierisches Leben gab, wusste er nur, weil er gelegentlich Spuren im Schnee fand und nachts das unheimliche Heulen ferner W�lfe h�rte. Er begann, Bl�tter und Baumrinde zu essen, um seinen rumorenden Magen zu beruhigen.</p><p>Der Schnee kam und ging. Blauer Himmel erschien, verdunkelte sich und bew�lkte sich wieder, bevor neuer Schnee fiel. Thrall begann zu verzweifeln. Er wusste nicht einmal, ob er in die richtige Richtung unterwegs war, um auf die Eisw�lfe zu treffen. Er setzte stetig einen Fu� vor den anderen, stur entschlossen, sein Volk zu finden oder in diesen unwirtlichen Bergen zu sterben.</p><p>Sein Geist begann, ihm �ble Dinge vorzugaukeln. Von Zeit zu Zeit erhob sich beispielsweise Aedelas Blackmoore aus einer Schneewehe, beschimpfte ihn und schwang ein Breitschwert. Thrall konnte sogar den Wein im Atem der Erscheinung riechen. Sie k�mpften. Thrall fiel. In seiner Ersch�pfung war er unf�hig, Blackmoores letzten Hieb abzuwehren. Erst dann verschwand der Schatten, und aus dem verabscheuten Bild wurde der harmlose Umriss eines Felsens oder eines knorrigen Baumes.</p><p>Andere Bilder waren angenehmer. Manchmal kam Hellscream, um ihn zu retten, und bot ihm ein warmes Feuer an, das verschwand, sobald Thrall seine H�nde danach ausstreckte. Manchmal war sein Retter Sergeant, der sich dar�ber beklagte, dass er verlorene K�mpfer aufsp�ren m�sse, und der ihm einen dicken, warmen Mantel anbot. Seine s��esten und zugleich bittersten Halluzinationen aber waren jene, in denen Tari erschien, Mitgef�hl in ihren gro�en, blauen Augen und tr�stende Worte auf ihren Lippen. Manchmal konnte er sie fast ber�hren, bevor sie vor seinem sehnenden Blick verschwand.</p><p>Weiter und weiter k�mpfte er sich, bis er eines Tages einfach nicht mehr konnte. Er tat einen Schritt und hatte die feste Absicht, den n�chsten zu tun und auch den danach � als sein K�rper ihn im Stich lie� und er nach vorne fiel. Sein Geist befahl seinem ersch�pften, halb erfrorenen Leib, sich zu erheben, aber das Fleisch verweigerte den Gehorsam. Der Schnee f�hlte sich jetzt gar nicht mehr kalt an. Er war � warm � und weich. Seufzend schloss Thrall die Augen.</p><p>Ein Ger�usch brachte ihn dazu, sie wieder zu �ffnen, aber er blickte diese neue Schim�re seine Geistes ohne gro�es Interesse an. Dieses Mal handelte es sich um ein Rudel von W�lfen, die fast so wei� waren, wie der Schnee, der ihn umgab. Sie hatten einen Ring um ihn gebildet und warteten schweigend. Thrall fragte sich beil�ufig, wie dieses Schauspiel ausgehen w�rde. W�rden sie ihn angreifen, nur um wieder zu verschwinden? Oder w�rden sie ausharren, bis die Bewusstlosigkeit ihn �bermannte?</p><p>Drei dunkle Gestalten ragten hinter den Wolfserscheinungen auf. Sie geh�rten nicht zu den Personen, die ihn schon zuvor heimgesucht hatten. Von Kopf bis Fu� in dichte Felle geh�llt, sahen sie warm aus, aber nicht so warm, wie Thrall sich f�hlte. Ihre Gesichter lagen im Schatten fellbesetzter Kapuzen, aber er sah breite Kiefer. Das und ihre Gr��e gab sie als Orks zu erkennen.</p><p>Diesmal war er w�tend auf seinen Geist. Er hatte sich an die anderen Halluzinationen gew�hnt. Jetzt aber f�rchtete er, er w�rde sterben, bevor er herausfinden konnte, was diese Fantasiegebilde mit ihm vorhatten.</p><p>Er schloss die Augen und wusste nichts mehr.</p><empty-line/><p>�Ich glaube, er ist wach.� Die Stimme war sanft und hoch. Thrall regte sich und �ffnete die schweren Augenlider.</p><p>Er blickte in das Gesicht eines Ork-Kindes, das ihn mit offener Neugierde musterte. Thralls Augen �ffneten sich weiter, um den kleinen Jungen genauer zu betrachten. Im Warsong-Clan hatte es keine Kinder gegeben. F�rchterliche Schlachten und Krankheiten hatten sie nach und nach dezimiert, und Grom hatte erz�hlt, dass die Kinder als erste von ihnen gegangen waren.</p><p>�Hallo�, sagte Thrall auf Orkisch. Das Wort kam nur als ein raues Kr�chzen heraus, und der Junge sprang zur�ck. Dann lachte er.</p><p>�Er ist wirklich wach�, rief er und huschte davon. Ein weiterer Ork trat in Thralls Blickfeld. Zum zweiten Mal in ebenso vielen Minuten sah Thrall eine neue Art von Ork, erst jenen sehr jungen und jetzt einen, der offensichtlich schon viele, viele Winter gesehen hatte.</p><p>Fasziniert studierte Thrall das Gesicht des Greises. Die Kinnbacken hingen herab, die Z�hne waren noch gelber als Thralls eigene; viele von ihnen fehlten oder waren abgebrochen. Die Augen hatten eine seltsam milchige Farbe, und Thrall konnte keine Pupillen in ihnen erkennen. Der R�cken des Orks war gebeugt, was ihn fast so klein machte wie das Kind, aber Thrall schreckte instinktiv vor der machtvollen Ausstrahlung dieses alten Mannes zur�ck.</p><p>�Hmpf�, machte der alte Ork. �Dachte schon, du w�rdest sterben, junger Mann.�</p><p>�Tut mir leid, dich entt�uscht zu haben�, antwortete Thrall leicht ver�rgert.</p><p>�Unser Ehrenkodex befiehlt uns, jenen zu helfen, die unsere Hilfe brauchen�, fuhr der Ork fort, �aber es ist einfacher, wenn sich unsere Hilfe als fruchtlos erweist. Ein Maul weniger zu stopfen.�</p><p>Thrall war erstaunt �ber die harten Worte, aber er entschied sich, nichts darauf zu erwidern.</p><p>�Mein Name ist Drek�Thar. Ich bin der Schamane der Eisw�lfe und ihr Besch�tzer. Wer bist du?�</p><p>Ein leises Lachen klang in Thralls Geist auf, als er sich vorstellte, dieser runzlige Alte solle der Besch�tzer der Eisw�lfe sein. Er versuchte sich aufzusetzen und erschrak, als er brutal aufs Bett zur�ckgeworfen wurde. Es war als h�tten ihn unsichtbare H�nde niedergesto�en. Er blickte zu Drek�Thar und sah, dass der alte Mann die Haltung seiner Finger leicht ver�ndert hatte.</p><p>�Ich habe dir nicht erlaubt aufzustehen�, sagte Drek�Thar mit ruhiger Stimme. �Beantworte meine Frage, Fremder, wenn du nicht willst, dass ich unsere Gastfreundschaft noch einmal �berdenke.�</p><p>Thrall blickte den Alten mit neuem Respekt an und erkl�rte: �Mein Name ist Thrall.�</p><p>Drek�Thar spuckte aus. �Thrall! Ein Menschenwort und au�erdem ein Wort, das Unterwerfung bedeutet.�</p><p>�Ja�, sagte Thrall, �ein Wort, das in ihrer Zunge �Sklave� bedeutet. Aber ich bin nicht l�nger ein Sklave, obwohl ich den Namen behalte, damit er mich meiner Pflichten gemahnt. Ich bin meinen Ketten entkommen und will meine wahre Geschichte erfahren.� Ohne nachzudenken, versuchte Thrall ein weiteres Mal aufzustehen und wurde wieder niedergesto�en. Dieses Mal sah er, wie die knorrigen alten H�nde leicht zuckten.</p><p>Vor ihm stand ein m�chtiger Schamane.</p><p>�Unsere Wolfsfreunde haben dich im Schneesturm gefunden. Wie bist du hierher gekommen?�, verlangte Drek�Thar zu wissen. Er blickte dabei von Thrall fort, und dieser erkannte, dass der Alte blind war.</p><p>�Das ist eine lange Geschichte.�</p><p>�Ich habe Zeit.�</p><p>Thrall musste lachen. Er mochte diesen griesgr�migen, alten Kerl. Er h�rte auf, sich gegen die unerbittliche Kraft zu wehren, die ihn flach auf dem R�cken hielt, und erz�hlte seine Geschichte. Wie Blackmoore ihn als Baby gefunden hatte, wie er ihn aufgezogen und ihm K�mpfen und Lesen beigebracht hatte. Er erz�hlte dem Schamanen von Taris Freundlichkeit, von der Tr�gheit der Orks in den Lagern, schlie�lich von seiner Begegnung mit Hellscream, der ihn den Weg des Kriegers und die Sprache seines Volkes gelehrt hatte.</p><p>�Hellscream war es, der mir sagte, die Eisw�lfe seien mein Clan�, schloss er. �Er erkannte es an einem kleinen St�ck Stoff, in das ich als Kind gewickelt war. Ich kann es dir zeigen �� Dann brach er besch�mt ab. Nat�rlich konnte er Drek�Thar �berhaupt nichts �zeigen�.</p><p>Er erwartete, dass der Schamane �ber diese Bemerkung in Wut ausbrechen w�rde, doch stattdessen streckte Drek�Thar die Hand aus. �Gib es mir.�</p><p>Der Druck auf seine Brust lie� nach, und Thrall konnte sich aufsetzen. Er griff in sein B�ndel neben der Eiswolf-Decke und reichte das zerfetzte Tuch wortlos dem Schamanen.</p><p>Drek�Thar nahm es in beide H�nde und presste es an seine Brust. Er murmelte leise Worte, die Thrall nicht verstehen konnte. Dann nickte er.</p><p>�Es ist, wie ich es mir gedacht hatte�, sagte er und seufzte schwer. Er gab Thrall das Tuch zur�ck. �Der Stoff besitzt tats�chlich das Muster der Eisw�lfe, und er wurde von der Hand deiner Mutter gewoben. Wir dachten, du seiest tot.�</p><p>�Wie konntest du erkennen, dass �� Und dann verstand Thrall pl�tzlich, was Drek�Thar gesagt hatte. Hoffnung ergriff ihn. �Du kennst meine Mutter? Meinen Vater? Du wei�t, wer ich <emphasis>bin</emphasis>?�</p><p>Drek�Thar hob seinen Kopf und blickte Thrall mit blinden Augen an. �Du bist das einzige Kind Durotans, unseres fr�heren H�uptlings, und seiner tapferen Gef�hrtin Draka.� Bei einem herzhaften Eintopf aus Fleisch und Wurzeln erz�hlte Drek�Thar Thrall den Rest seiner Geschichte, zumindest so viel, wie er selbst wusste. Er hatte den jungen Ork in seine H�hle genommen, und am hell brennenden Feuer in dicke Fellm�ntel geh�llt, sa�en der alte Schamane und der junge Krieger warm und bequem. Palkar, Drek�Thars kleiner Diener, der so gewissenhaft gewesen war, ihm Bescheid zu geben, als Thrall erwachte, sch�pfte den Eintopf in eine kleine h�lzerne Schale und dr�ckte sie sanft in die H�nde des Alten.</p><p>Der Ork machte eine Pause in seiner Erz�hlung und a�. Palkar sa� still daneben. Die einzigen Ger�usche in der H�hle waren das Knistern des Feuers und das langsame, tiefe Atmen von Wiseear, Drek�Thars Wolfsgef�hrten. Es war eine schwierige Geschichte f�r Drek�Thar, und er hatte nicht geglaubt, sie jemals wieder erz�hlen zu m�ssen.</p><p>�Kein Eiswolf besa� so viel Ehre wie deine Eltern. Sie verlie�en uns vor vielen Wintern auf einer dringenden Mission und kehrten niemals zur�ck. Wir wussten nicht, was mit ihnen geschehen war � bis heute.� Er zeigte in Richtung des Tuchs. �Das Gewebe des Stoffes hat es mir erz�hlt. Sie wurden ermordet, und du hast �berlebt, um von Menschen aufgezogen zu werden.�</p><p>Der Stoff lebte nicht, aber er war aus der Wolle der wei�en Ziegen gemacht, die in den Bergen ihr Dasein fristeten. Da das Tuch einst Teil eines lebenden Wesens gewesen war, besa� es eine Art eigene Seele. Es konnte keine Einzelheiten erz�hlen, aber es sprach von dem Blut, das vergossen worden war und es mit dunklen, roten Tropfen bespritzt hatte. Es erz�hlte Drek�Thar auch ein wenig �ber Thrall und best�tigte, was der junge Ork berichtet hatte.</p><p>Zugleich sp�rte Drek�Thar Thralls Zweifel, dass der Tuchfetzen zu ihm �gesprochen� haben k�nnte.</p><p>�Was war das f�r eine Mission, die meine Eltern das Leben kostete?�, wollte der junge Ork wissen.</p><p>Aber das war ein Wissen, das Drek�Thar noch nicht bereit war, mit ihm zu teilen. �Ich werde es dir sagen, wenn es an der Zeit ist. Vielleicht. Aber jetzt hast du mich in eine schwierige Lage gebracht, Thrall. Du bist im Winter gekommen, der grausamsten aller Jahreszeiten, und als deine Clan-Br�der und -Schwestern m�ssen wir dich aufnehmen. Das bedeutet aber nicht, dass wir dich w�rmen, f�ttern und besch�tzen, ohne dass es dich etwas kostet.�</p><p>�Ich hatte auch nicht erwartet, so behandelt zu werden�, erkl�rte Thrall. �Ich bin stark. Ich kann hart arbeiten, bei der Jagd helfen. Ich kann euch etwas �ber die Wege der Menschen lehren, damit ihr besser darauf vorbereitet seid, gegen sie zu k�mpfen. Ich kann ��</p><p>Drek�Thar hob eine seiner H�nde befehlend und brachte Thralls eifrige Zunge zum Schweigen. Er lauschte. Das Feuer sprach zu ihm. Er lehnte sich n�her an die Flammen heran, um die Worte besser verstehen zu k�nnen.</p><p>Drek�Thar war erstaunt. Das Feuer war das undisziplinierteste aller Elemente. Es lie� sich kaum dazu herab, ihm zu antworten, wenn er es, nachdem er alle Rituale vollzogen hatte, um es zu bes�nftigen, anrief. Und jetzt sprach das Feuer zu ihm � �ber Thrall!</p><p>Er sah in seinem Geist Bilder des tapferen Durotan und der sch�nen und wilden Draka. <emphasis>Ich vermisse euch, meine alten Freunde</emphasis>, dachte er. <emphasis>Und nun kehrt euer Blut zu mir zur�ck, in der Gestalt eures Sohnes. Ein Sohn, von dem der Geist des Feuers gut spricht. Aber ich kann ihm nicht einfach den Mantel der F�hrerschaft um die Schultern legen. Er ist jung, ungepr�ft und � von den Menschen beschmutzt!</emphasis></p><p>�Seit dein Vater uns verlassen hat, bin ich der F�hrer der Eisw�lfe�, sagte Drek�Thar. �Ich nehme dein Angebot an, dem Clan zu helfen, Thrall, Sohn des Durotan. Aber du wirst dir deinen Platz unter uns verdienen m�ssen.�</p><empty-line/><p>Sechs Tage sp�ter, als Thrall sich durch einen Schneesturm k�mpfte, um zum Lager des Clans zur�ckzukehren � er schleppte ein gro�es Tier, das er und die Eisw�lfe erjagt hatten, �ber dem R�cken �, fragte er sich, ob das Leben in Sklaverei nicht doch einfacher gewesen war.</p><p>Sobald ihn dieser Gedanke heimsuchte, verbannte er ihn auch sogleich wieder. Er war jetzt bei seinen eigenen Leuten, obwohl sie ihm mit einer gewissen Feindseligkeit und nur widerwilliger Gastfreundschaft entgegen traten. Stets war er der Letzte, der zu essen bekam. Selbst die W�lfe fra�en ihren Anteil vor Thrall. Er bekam den k�ltesten Platz zum Schlafen, den d�nnsten Mantel, die schlechtesten Waffen, die schwersten Aufgaben. Er nahm diese Behandlung dem�tig hin und erkannte sie als das, was sie war: eine Pr�fung, um sicherzustellen, dass er nicht zu den Eisw�lfen gekommen war, damit sie ihn bedienten wie einen K�nig, wie einen � Blackmoore.</p><p>Also bedeckte er die Abfallgruben, h�utete die Tiere, sammelte Brennholz und tat alles, was man von ihm verlangte, ohne sich zu beklagen. Wenigstens hatte er die wei�en W�lfe, die ihm jetzt im Schneesturm Gesellschaft leisteten.</p><p>Eines Abends hatte er Drek�Thar nach der Verbindung zwischen den W�lfen und den Orks gefragt. Er war nat�rlich mit gez�hmten Tieren vertraut, aber diese Beziehung schien etwas anderes zu sein und tiefer zu gehen.</p><p>�So ist es�, antwortete Drek�Thar. �Die W�lfe sind nicht gez�hmt, nicht so, wie du das Wort verstehst. Sie sind zu unseren Freunden geworden, weil wir sie eingeladen haben. Das geh�rt zu den Aufgaben eines Schamanen. Wir besitzen eine Verbindung zu den Dingen der nat�rlichen Welt und versuchen, stets in Harmonie mit ihnen zu leben. Es hilft uns, wenn die W�lfe unsere Gef�hrten sind, mit uns jagen, uns warm halten, falls die Felle nicht reichen und uns auf Fremde aufmerksam machen, wie sie es bei dir taten. Du w�rst gestorben, wenn unsere Wolfsfreunde dich nicht gefunden h�tten. Und im Gegenzug sorgen wir daf�r, dass sie gut gen�hrt werden, dass ihre Verletzungen heilen, und ihre Jungen m�ssen die m�chtigen Windadler nicht f�rchten, die die Berge in eben den Zeiten heimsuchen, wenn die W�lfe geb�ren.</p><p>Wir sind einen �hnlichen Pakt mit den Ziegen eingegangen, obwohl sie nicht so weise sind wie die W�lfe. Sie geben uns ihre Wolle und ihre Milch, und wenn wir gro�e Not leiden, dann opfert eine von ihnen ihr Leben. Daf�r besch�tzen wir sie. Es steht ihnen frei, den Pakt jederzeit zu brechen, aber in den letzten drei�ig Jahren hat es keine von ihnen getan.�</p><p>Thrall konnte nicht glauben, was er da h�rte. Das war wirklich eine sehr starke Magie. �Aber du gehst auch mit anderem als Tieren Verbindungen ein, nicht wahr?�</p><p>Drek�Thar nickte. �Ich kann den Schnee und den Wind und den Blitz anrufen. Die B�ume beugen sich vor mir, wenn ich sie darum bitte. Die Fl�sse flie�en dort, wohin zu flie�en ich sie bitte.�</p><p>�Wenn deine Macht so gro� ist, warum lebt der Clan dann weiterhin an einem so unwirtlichen Ort?�, fragte Thrall. �Wenn das, was du sagst, stimmt, dann k�nntest du diese unfruchtbaren Berggipfel in einen gr�nen Garten verwandeln. Der Stamm m�sste nie wieder m�hsam nach Nahrung suchen, seine Feinde w�rden ihn niemals finden ��</p><p>�Und ich w�rde das Abkommen mit den Elementen verletzen, und kein Teil der Natur w�rde mir jemals wieder antworten!�, bellte Drek�Thar. Thrall w�nschte sich, er h�tte seine Worte zur�cknehmen k�nnen, aber es war zu sp�t. Er hatte den Schamanen offenbar sehr ver�rgert. �Versteht du gar nichts? Haben die Menschen ihre gierigen Klauen so tief in deinen Geist versenkt, dass du nicht sehen kannst, was im Herzen der Macht eines Schamanen liegt? Ich erhalte diese Dinge, weil ich darum bitte, mit Respekt im Herzen, und ich bin bereit, im Gegenzug etwas daf�r anzubieten. Ich bitte nur um das Allern�tigste f�r mich und mein Volk. Manchmal bitte ich um gro�e Dinge, aber nur, wenn es um eine gute und gerechte Sache geht. Im Gegenzug danke ich diesen M�chten, denn ich wei�, dass ihre Gaben nur geliehen sind, niemals gekauft. Sie kommen zu mir, weil sie sich daf�r entschieden haben, nicht weil ich es verlange! Sie sind keine Sklaven, Thrall. Sie sind m�chtige Wesenheiten, die aus ihrem eigenen freien Willen zu mir kommen. Sie sind die Gef�hrten meiner Magie, nicht meine Diener. Ach!� Er knurrte und wandte sich von Thrall ab. �Du wirst es nie verstehen.�</p><p>Viele Tage lang sprach er nicht mit Thrall. Thrall tat weiterhin die geringeren Arbeiten, aber es schien ihm, als entferne er sich langsam immer mehr von den Eisw�lfen, statt ihnen n�her zu kommen. Eines Abends bedeckte er die Abfallgruben, als einer der j�ngeren M�nner ihm zurief: �Sklave!�</p><p>�Mein Name ist Thrall�, entgegnete Thrall finster.</p><p>Der andere Ork zuckte die Schultern. �Thrall, Sklave. Das bedeutet das Gleiche. Mein Wolf ist krank und hat sein Lager schmutzig gemacht. Mach es sauber!�</p><p>Thrall knurrte tief in der Kehle. �Mach es selbst sauber. Ich bin nicht dein Diener. Ich bin ein Gast der Eisw�lfe�, erwiderte er.</p><p>�Ach wirklich? Mit einem Namen, der Sklave bedeutet? Hier, Menschenjunge, fang auf!� Er warf ihm eine Decke zu, und sie lag auf Thrall, bevor er reagieren konnte. Kalte Feuchtigkeit klebte an seinem Gesicht, und es stank nach Urin.</p><p>Etwas in ihm brach heraus. Rote Wut ergriff Besitz von ihm, und er br�llte vor Emp�rung. Er riss die schmutzige Decke von seinem Leib und ballte seine F�uste. Er begann mit den F��en zu stampfen, rhythmisch, w�tend, wie er es vor so langer Zeit im Ring getan hatte. Nur dass ihm hier keine Menge applaudierte. Stattdessen umstand ihn ein kleiner Kreis von pl�tzlich sehr still gewordenen Orks, die ihn anstarrten.</p><p>Der junge Ork reckte stur sein Kinn vor. �Ich sagte, mach es sauber, Sklave!�</p><p>Thrall br�llte und sprang. Der junge Mann ging zu Boden, aber nicht, ohne sich zu wehren. Thrall f�hlte nicht, wie sich sein Fleisch unter scharfen, schwarzen N�geln teilte. Er f�hlte nur die Wut, die Emp�rung. Er war niemandes Sklave.</p><p>Dann zogen die anderen ihn von dem jungen Ork fort und warfen ihn in eine Schneebank. Die pl�tzliche kalte N�sse brachte ihn wieder zu Sinnen, und er erkannte, dass er sich jede Chance verdorben hatte, von diesen Leuten angenommen zu werden. Der Gedanke schmetterte ihn nieder. Er sa� h�fttief im Schnee und starrte zu Boden. Er hatte versagt. Es gab keinen Ort, an den er geh�rte.</p><p>�Ich hatte mich schon gefragt, wie lange du brauchen w�rdest�, sagte Drek�Thar. Thrall blickte matt auf und sah den blinden Schamanen vor sich stehen. �Es hat mich wirklich �berrascht, dass du so lange durchgehalten hast.�</p><p>Langsam stand Thrall auf. �Ich habe mich gegen meine Gastgeber gewandt�, sagte er mit schwerer Stimme. �Ich werde gehen.�</p><p>�Das wirst du nicht�, sagte Drek�Thar. Thrall starrte ihn an. �Meine erste Pr�fung wollte herausfinden, ob du zu arrogant bist, um darum zu bitten, einer von uns zu werden. Wenn du gekommen w�rst und die H�uptlingsw�rde als dein Erbe verlangt h�ttest, h�tten wir dich fort geschickt � und dir unsere W�lfe hinterher gejagt, um sicherzustellen, dass du nicht zur�ck kommst. Du musstest erst dem�tig sein, bevor wir dich bei uns aufnehmen konnten.</p><p>Aber wir k�nnen niemanden akzeptieren, der zu lange unterw�rfig bleibt. Wenn du Uthuls Beleidigungen ertragen h�ttest, w�rst du kein wahrer Ork gewesen. Es freut mich zu sehen, dass du sowohl dem�tig als auch stolz bist, Thrall.�</p><p>Sanft legte Drek�Thar eine knotige Hand auf Thralls muskul�sen Arm. �Beide Eigenschaften sind notwendig f�r einen, der dem Weg des Schamanen folgen will.�</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Obwohl der Rest des Winters hart und bitterkalt war, hielt sich Thrall an der W�rme fest, die er in seinem Inneren sp�rte, und so empfand er den Frost als ertr�glich. Er war jetzt ein Mitglied des Clans, und selbst die Warsongs hatten ihm nicht ein solches Gef�hl seines eigenen Wertes vermittelt. Tags�ber jagte er mit den anderen, die jetzt seine Familie waren, und h�rte Drek�Thar zu. Die N�chte verbrachte er als Teil einer lauten, gl�cklichen Versammlung, die um das Feuer herumsa�, Lieder sang und sich Geschichten aus vergangenen Tagen voller Ruhm erz�hlte.</p><p>Obwohl Drek�Thar ihn oft mit Erz�hlungen �ber seinen mutigen Vater Durotan beschenkte, sp�rte Thrali, dass der greise Ork etwas zur�ckhielt. Er sprach ihn jedoch nicht darauf an. Thrall hatte jetzt vollkommenes Vertrauen in Drek�Thar und wusste, dass der Schamane ihm sagen w�rde, was er wissen musste, <emphasis>sobald</emphasis> er es wissen musste.</p><p>Er fand auch eine besondere Freundschaft. Eines Abends, als der Clan und die Wolfgef�hrten sich um das Feuer eingefunden hatten, wie es ihre Gewohnheit war, l�ste sich ein junger Wolf aus dem Rudel, das normalerweise am Rande des Feuerscheins schlief, und n�herte sich Thrall. Die Clan-Mitglieder wurden still.</p><p>�Die W�lfin wird w�hlen�, sprach Drek�Thar ruhig. Thrall hatte l�ngst aufgeh�rt, sich dar�ber zu wundern, wie Drek�Thar Dinge wie das Geschlecht eines Wolfes und seine � ihre � Bereitschaft zu <emphasis>w�hlen</emphasis> erkannte � was auch immer dieses Wort bedeuten mochte. Nicht ohne M�he und Schmerzen erhob sich Drek�Thar und streckte seine Arme in Richtung der W�lfin aus.</p><p>�Sch�nheit, du w�nschst, eine Verbindung mit einem Mitglied unseres Clans einzugehen�, sagte er. �Tritt n�her und erw�hle denjenigen, mit dem du f�r den Rest deines Lebens verbunden sein wirst.�</p><p>Die W�lfin sprang nicht sofort vor. Sie nahm sich Zeit, ihre Ohren zuckten, ihre dunklen Augen studierten jeden der anwesenden Orks. Die meisten von ihnen hatten bereits Gef�hrten, aber viele waren noch allein, vor allem die J�ngeren. Uthul, der Thralls guter Freund geworden war, nachdem dieser gegen seine grausame Behandlung rebelliert hatte, spannte sich an. Thrall konnte seinen Wunsch erkennen, dass dieses sch�ne, geschmeidige Tier ihn erw�hlen m�ge.</p><p>Die Augen der W�lfin trafen Thralls Augen, und es war, als liefe ein Zittern durch seinen K�rper.</p><p>Die W�lfin sprang auf Thrall zu und legte sich an seine Seite. Ihre Augen bohrten sich in die seinen. Thrall f�hlte einen warmen Strom der Verwandtschaft mit diesem Wesen, obwohl sie zwei unterschiedlichen Arten entstammten. Er wusste, ohne genau zu verstehen, wie er dies wissen konnte, dass sie an seiner Seite verweilen w�rde, bis einer von ihnen beiden dieses Leben einst verlie�.</p><p>Vorsichtig streckte Thrall die Hand aus, um Snowsongs sch�n geformten Kopf zu ber�hren. Das Fell war weich und dicht. Eine warme Welle von Freude sp�lte �ber Thrall hinweg.</p><p>Die Gruppe grunzte Laute der Zustimmung, und der schwer entt�uschte Uthul war der Erste, der Thrall anerkennend auf den R�cken klopfte.</p><p>�Sag uns ihren Namen�, bat Drek�Thar.</p><p>�Ihr Name ist Snowsong�, antwortete Thrall, und wieder wusste er nicht, warum er sich dessen sicher war. Die W�lfin blickte ihn aus halb geschlossenen Augen an, und er sp�rte ihre Zufriedenheit.</p><empty-line/><p>Drek�Thar enth�llte den Grund f�r Durotans Tod schlie�lich an einem Abend gegen Ende des Winters. Wenn die Sonne schien, h�rten sie mehr und mehr die Ger�usche des schmelzenden Schnees. Thrall stand an diesem Nachmittag bei Drek�Thar und sah respektvoll zu, wie der alte Schamane ein Ritual zur Schneeschmelze vollzog und sie bat, ihren Kurs nur so weit zu �ndern, dass sie nicht das Lager der Eisw�lfe �berflutete. Wie es jetzt immer war, stand Snowsong an Thralls Seite, ein wei�er, stiller, treuer Schatten.</p><p>Thrall sp�rte, wie sich etwas in ihm r�hrte. Dann vernahm er eine Stimme: <emphasis>Wir h�ren die Bitte Drek�Thars und finden sie nicht unziemlich. Wir werden nicht dort flie�en, wo du und die deinen wohnen, Schamane.</emphasis></p><p>Drek�Thar verbeugte sich und schloss die Zeremonie, wie es das Ritual verlangte. �Ich habe es geh�rt!�, sagte Thrall. �Ich habe geh�rt, wie der Schnee dir geantwortet hat!�</p><p>Drek�Thar wandte seinen blinden Augen Thrall zu. �Ich wei�, dass du es geh�rt hast�, sagte er. �Es ist ein Zeichen, dass du bereit bist, dass du alles gelernt hast, das ich dich lehren konnte. Morgen wirst du dich deiner Initiation unterziehen. Aber heute Abend komm in meine H�hle. Ich habe dir Dinge zu erz�hlen, die du h�ren musst.�</p><p>Als die Finsternis sich herabsenkte, erschien Thrall in der H�hle. Wiseear winselte freudig. Drek�Thar winkte Thrall zu sich herein.</p><p>�Setz dich�, befahl er. Thrall gehorchte. Snowsong ging zu Wiseear, und sie ber�hrten sich mit den Schnauzen, bevor sie sich zusammenrollten und bald einschliefen. �Du hast viele Fragen �ber deinen Vater und sein Schicksal. Ich habe es bisher unterlassen, sie zu beantworten, aber die Zeit ist gekommen, dass du alles wissen musst. Doch zuerst schw�re bei allem, das dir heilig ist, dass du niemals jemandem erz�hlen wirst, was ich dir jetzt sage � bis du ein Zeichen erh�ltst, dass es gesagt werden muss.�</p><p>�Ich schw�re es�, erkl�rte Thrall feierlich. Sein Herz schlug schnell. Nach so vielen Jahren w�rde er endlich die Wahrheit erfahren �</p><p>�Du hast geh�rt, dass wir von Gul�dan ins Exil verbannt wurden�, begann Drek�Thar. �Aber du hast nicht geh�rt, warum dies geschah. Niemand kannte die Gr�nde bis auf deine Eltern und bis auf mich selbst, und genau so w�nschte es Durotan. Je weniger Leute wussten, was er wusste, desto sicherer war der Clan.�</p><p>Thrall sagte nichts, sondern lauschte aufmerksam auf jedes Wort, das �ber Drek�Thars Lippen kam.</p><p>�Wir wissen jetzt, dass Gul�dan b�se war und mit seinem Herzen nicht die besten Interessen des Ork-Volkes verfolgte. Doch die Wenigsten wissen, wie umfassend er uns verraten hat und welch schrecklichen Preis wir nun f�r alles zahlen, was er uns angetan hat. Durotan erfuhr es, und wegen dieses Wissens wurde er verbannt. Er und Draka � und du, junger Thrall � kehrten in die S�dlande zur�ck, um dem m�chtigen Ork-H�uptling Orgrim Doomhammer von Gul�dans Verrat zu berichten. Wir wissen nicht, ob deine Eltern Doomhammer erreicht haben, aber wir wissen, dass sie wegen ihres Wissens get�tet wurden.�</p><p>Thrall hielt die ungeduldige Frage �Welches Wissen?� nur m�hsam zur�ck. Drek�Thar machte eine lange Pause, dann fuhr er fort.</p><p>�Gul�dan suchte stets nur Macht f�r sich selbst, und er verkaufte uns in eine Form der Sklaverei, um diese Macht zu erlangen. Er gr�ndete den Schattenrat, und diese Gruppe, die aus ihm selbst und vielen b�sen Ork-Hexern bestand, diktierte alles, was die Orks taten. Der Rat verb�ndete sich mit D�monen, die ihm ihre abscheulichen Kr�fte zur Verf�gung stellten, und fl��te der Horde eine solche Liebe zum T�ten und zur Schlacht ein, dass die Orks die alten Wege verga�en, die Wege der Natur und des Schamanen. Es verlangte sie nur noch nach Tod. Du hast das rote Feuer in den Augen jener Orks in den Lagern gesehen, Thrall. An diesem Zeichen erkennst du, dass sie von d�monischen Kr�ften regiert wurden.�</p><p>Thrall schnappte nach Luft. Er dachte sofort an Hellscreams helle scharlachrote Augen � und daran, wie ausgemergelt sein Leib war. Doch Hellscreams Geist geh�rte ihm selbst. Er hatte Gnade gew�hrt, hatte sich weder der wahnsinnigen Blutlust noch der schrecklichen Lethargie ergeben. Grom Hellscream musste sich jeden Tag den D�monen gestellt haben und widerstand ihnen noch heute. Thralls Bewunderung f�r den H�uptling wuchs noch, als er erkannte, wie stark Hellscreams Willen sein musste.</p><p>�Ich glaube, die Tr�gheit, die du in den Lagern gesehen hast, ist die Leere, die einen Ork �berf�llt, sobald ihm die d�monische Energie entzogen wird. Ohne diese Macht von au�en f�hlen die Betroffenen sich schwach und beraubt. Sie wissen vielleicht nicht einmal, warum sie so f�hlen, und sind selbst zu tr�ge, um dar�ber nachzudenken. Sie sind wie leere Becher, Thrall, die einst mit Gift gef�llt waren und die nun danach schreien, wieder mit etwas Gesundem gef�llt zu werden. Das, wonach sie sich sehnen, sind die alten Wege. Der Schamanismus, eine neue Verbindung mit den einfachen und reinen Kr�ften der nat�rlichen M�chte, wird sie wieder f�llen und diesen schrecklichen Hunger stillen. Dies � und nur dies � wird sie aus ihrem dunklen Schlaf erwecken und sie zu dem stolzen Erbe zur�ckf�hren, das ihnen allen und uns geh�rt.�</p><p>Thrall lauschte weiterhin gespannt und klebte an Drek�Thars Lippen.</p><p>�Deine Eltern wussten von diesem dunklen Pakt. Sie wussten, dass diese blutdurstige Horde so unnat�rlich war wie nur irgendetwas, das man sich vorstellen kann. Gul�dan und die D�monen hatten den nat�rlichen Mut unseres Volkes genommen und ihn f�r ihre Zwecke pervertiert. Durotan wusste das, und wegen dieses Wissens wurde sein Clan verbannt. Er akzeptierte es, aber als du geboren wurdest, konnte er nicht l�nger schweigen. Er wollte eine bessere Welt f�r dich, Thrall. Du warst sein Sohn und Erbe. Du w�rst der n�chste H�uptling geworden. Er und Draka brachen, wie ich dir erz�hlt habe, in die S�dlande auf, um ihren alten Freund Orgrim Doomhammer zu finden.�</p><p>�Ich kenne diesen Namen�, sagte Thrall. �Er war ein m�chtiger Kriegsh�uptling, der die vereinten Clans gegen die Menschen f�hrte.�</p><p>Drek�Thar nickte. �Er war weise und tapfer, ein guter F�hrer unseres Volkes. Die Menschen siegten schlie�lich, Gul�dans Verrat � zumindest ein blasser Schatten seiner wahren Abgr�nde � wurde entdeckt, und die D�monen zogen sich zur�ck. Der Rest ist dir bekannt.�</p><p>�Wurde Doomhammer get�tet?�</p><p>�Wir glauben nicht, aber seitdem hat man nichts mehr von ihm geh�rt. Dann und wann erreichen uns Ger�chte, er sei ein Eremit geworden, er lebe versteckt oder sei gefangen genommen worden. Viele halten ihn f�r eine Legende, die zur�ckkehren wird, um uns zu befreien, wenn die Zeit reif ist.�</p><p>Thrall sah seinen Lehrer eindringlich an. �Und was glaubst du, Drek�Thar?�</p><p>Der alte Ork lachte leise. �Ich glaube�, sagte er, �dass ich dir genug erz�hlt habe und dass es f�r dich Zeit ist, schlafen zu gehen. Der Morgen wird deine Initiation bringen, wenn es denn sein soll. Du solltest darauf vorbereitet sein.�</p><p>Thrall erhob sich und verbeugte sich respektvoll. Selbst wenn der Schamane die Geste nicht sehen konnte, machte er sie f�r sich selbst. �Komm, Snowsong�, rief er, und die wei�e W�lfin trottete gehorsam mit dem Gef�hrten ihres Lebens in die Nacht hinaus.</p><empty-line/><p>Drek�Thar h�rte genau hin, und als er sich sicher war, dass Thrall und Snowsong verschwunden waren, rief er Wiseear zu sich. �Ich habe eine Aufgabe f�r dich, mein Freund. Du wei�t, was du zu tun hast.�</p><empty-line/><p>Obwohl er versuchte, so viel erholsame Ruhe wie m�glich zu bekommen, fiel es Thrall schwer einzuschlafen. Er war zu aufgeregt, zu nerv�s. Was w�rde seine Initiation ihm bringen? Drek�Thar hatte ihm nichts weiter verraten, und er w�nschte sich verzweifelt, er h�tte irgendeine Ahnung von dem gehabt, was ihn erwartete.</p><p>Als der graue Morgen seine H�hle mit schwachem Licht f�llte, war er hellwach. Er stand auf und begab sich nach drau�en, und zu seiner �berraschung waren bereits alle anderen Stammesmitglieder wach und hatten sich schweigend vor seiner H�hle versammelt.</p><p>Thrall �ffnete den Mund, um zu sprechen, aber Drek�Thar hob befehlend die Hand. �Du darfst erst wieder sprechen, wenn ich dir die Erlaubnis dazu erteile�, erkl�rte er.</p><p>�Du wirst jetzt gehen und dich allein in die Berge begeben. Snowsong muss hier bleiben. Du darfst nichts essen oder trinken, doch denke gut nach �ber den Weg, auf den du dich jetzt begibst. Wenn die Sonne untergeht, kehrst du zu mir zur�ck, und das Ritual wird beginnen.�</p><p>Gehorsam wandte sich Thrall um und ging. Snowsong, die wusste, was man von ihr erwartete, folgte ihm nicht. Sie warf den Kopf zur�ck und begann zu heulen. Die anderen W�lfe schlossen sich ihr an, und der wilde, bet�rende Chor begleitete Thrall, w�hrend er allein loszog, um zu meditieren.</p><p>Der Tag ging schneller vor�ber, als er es erwartet hatte. Sein Geist war von Fragen erf�llt, und er war �berrascht, als das Licht sich ver�nderte, und die Sonne, die sich orange am Winterhimmel abzeichnete, zum Horizont herab zu sinken begann. Er kehrte zur�ck, als ihre letzten Strahlen das Lager �bergossen.</p><p>Drek�Thar wartete auf ihn. Thrall bemerkte, dass Wiseear nirgendwo zu sehen war. Das war ungew�hnlich, aber er nahm an, dass es zum Ritual geh�rte. Snowsong war ebenfalls nicht anwesend. Er n�herte sich Drek�Thar und wartete. Der greise Ork gab Thrall mit Gesten zu verstehen, er m�ge ihm folgen.</p><p>Er f�hrte Thrall �ber einen schneebedeckten Grat an einen Platz, den Thrall noch nie zuvor gesehen hatte. Als Antwort auf seine unausgesprochene Frage erkl�rte Drek�Thar: �Dieser Ort ist stets hier gewesen, aber er will nicht gesehen werden. Deshalb hat er sich dir erst jetzt, da er dich willkommen hei�t, erkennbar gemacht.�</p><p>Thrall f�hlte, wie er immer nerv�ser wurde, aber er wagte es nicht zu sprechen. Drek�Thar gestikulierte mit den H�nden. Der Schnee schmolz vor Thralls Augen und enth�llte eine gro�e, runde Felsplattform. �Stell dich ins Zentrum, Thrall, Sohn des Durotan�, befahl Drek�Thar. Seine Stimme war nicht l�nger kr�chzend und zittrig, sondern von einer Kraft und Autorit�t erf�llt, die Thrall noch nie an ihm bemerkt hatte. Er gehorchte.</p><p>�Bereite dich darauf vor, den Geistern der nat�rlichen Welt zu begegnen�, erkl�rte Drek�Thar.</p><p>Nichts passierte. Thrall wartete, aber noch immer geschah nichts. Er verlagerte unruhig sein Gewicht von einem Fu� auf den anderen. Die Sonne war jetzt vollst�ndig untergegangen, und die ersten Sterne erschienen am Himmel. Er wurde ungeduldig und w�tend, als pl�tzlich eine Stimme sehr laut in seinem Kopf sprach: <emphasis>Geduld ist die erste Pr�fung.</emphasis></p><p>Thrall zog schnell den Atem ein. Die Stimme sprach ein weiteres Mal.</p><p><emphasis>Ich bin der Geist der Erde, Thrall, Sohn des Durotan. Ich bin der Boden, der die Frucht gebiert, und die Gr�ser, die die Tiere n�hren. Ich bin der Fels, das Gebein der Welt. Ich bin alles, was w�chst und in meinem Scho�e lebt, sei es der Wurm oder der Baum oder die Blume. Frage mich.</emphasis></p><p><emphasis>Was soll ich dich fragen?</emphasis>, dachte Thrall.</p><p>Es gab einen seltsamen Gef�hlsausbruch, fast wie ein leises, warmes Lachen. <emphasis>Die Frage zu kennen ist Teil deiner Pr�fung.</emphasis></p><p>Thrall f�hlte Panik in sich aufsteigen, dann beruhigte er sich, wie Drek�Thar es ihn gelehrt hatte. Eine Frage erschien ruhig in seinem Geist.</p><p><emphasis>Wirst du mir deine Macht leihen, wenn ich sie ben�tige, zum Wohle des Clans und jener, denen er helfen will?</emphasis></p><p><emphasis>Bitte darum</emphasis>, kam die Antwort.</p><p>Thrall begann mit den F��en zu stampfen. Er f�hlte die Kraft in sich aufsteigen, wie sie es immer tat, aber zum ersten Mal war sie nicht von Blutgier begleitet. Sie war warm und stark, und Thrall f�hlte sich so hart wie die Gebeine der Erde selbst. Er nahm kaum wahr, dass der Boden unter ihm erbebte, und erst als ein s��er Geruch seine Nase erf�llte, �ffnete er die Augen.</p><p>Die Erde war in gewaltigen Rissen aufgebrochen, und auf jedem Zoll des Felsens bl�hten Blumen. Thrall klappte der Mund auf.</p><p><emphasis>Ich habe mich bereit erkl�rt, dir meine Hilfe zu leihen, zum Wohle des Clans und jener, denen er helfen will. Ehre mich, und du wirst mein Geschenk stets erhalten.</emphasis></p><p>Thrall f�hlte, wie die Kraft sich zur�ckzog, und er zitterte vor Schreck �ber das, was er gerufen und kontrolliert hatte. Aber ihm blieb nur ein Augenblick zum Staunen, denn jetzt meldete sich eine andere Stimme in seinem Kopf.</p><p><emphasis>Ich bin der Geist der Luft, Thrall, Sohn des Durotan. Ich bin die Winde, die die Erde w�rmen oder k�hlen. Ich f�lle deine Lungen und erhalte dich am Leben. Ich trage die V�gel und die Insekten und die Drachen, und alle Dinge, die den Mut haben, in meine H�hen aufzubrechen. Frage mich.</emphasis></p><p>Nun wusste Thrall, was er zu tun hatte, und stellte die gleiche Frage. Die Kraft, die ihn erf�llte, war dieses Mal anders, leichter, freier. Obwohl es ihm verboten war zu sprechen, konnte er nichts gegen die Freude tun, die aus seiner Seele hervorsprudelte. Er f�hlte, wie ihn warme Winde streichelten und alle Arten k�stlicher Ger�che an seine Nase trugen, und als er die Augen �ffnete, schwebte er hoch �ber dem Boden. Drek�Thar war so tief unter ihm, dass er aussah wie die Stoffpuppe eines Kindes. Aber Thrall hatte keine Angst. Der Geist der Luft w�rde ihn halten. Er hatte ihn gefragt, und er hatte geantwortet.</p><p>Sanft schwebte er wieder hinab, bis er den festen Boden unter seinen F��en f�hlte. Der Geist der Luft streichelte ihn mit sanften Fingern, dann verschwand er.</p><p>Wieder wurde Thrall von Kraft erf�llt, aber dieses Mal war sie beinahe schmerzhaft. Hitze w�tete in seinem Bauch, und der Schwei� brach aus seiner gr�nen Haut. Er f�hlte einen beinahe �berw�ltigenden Drang, in eine nahegelegene Schneebank zu springen. Der Geist des Feuers war da, und Thrall fragte ihn um Hilfe. Er erhielt Antwort.</p><p>Es gab ein lautes Knistern �ber seinem Kopf, und Thrall blickte erschrocken auf. Die Blitze tanzten ihren gef�hrlichen Reigen am Nachthimmel. Thrall wusste, dass er ihnen gebieten konnte. Die Blumen, die aus dem Boden hervor gebl�ht waren, gingen in Flammen auf, kr�mmten sich und verbrannten innerhalb weniger Herzschl�ge zu Asche. Dies war ein gef�hrliches Element, aber Thrall dachte an die guten Feuer, die seinen Clan am Leben erhielten. Sofort erloschen die Flammen und bildeten sich in einem kleinen, begrenzten Bereich neu, der ihm angenehme W�rme spendete.</p><p>Thrall dankte dem Geist des Feuers und sp�rte, wie dessen Pr�senz ihn verlie�. Er f�hlte sich ausgelaugt von all diesen seltsamen Energien, die nacheinander seinen K�rper heimgesucht und wieder verlassen hatten, und war dankbar, dass es nur noch ein Element gab, dem er zu begegnen hatte.</p><p>Der Geist des Wasser floss in ihn. Er beruhigte und k�hlte den Brand, den das Feuer zur�ckgelassen hatte, und Thrall hatte eine Vision des Ozeans, obwohl er noch nie zuvor das Meer gesehen hatte. Er griff mit seinem Geist hinaus, um die dunklen Tiefen der See zu erforschen. Etwas Kaltes ber�hrte seine Haut. Er �ffnete die Augen und sah, dass dichter Schnee zu fallen begonnen hatte. Mit einem Gedanken verwandelte er ihn in Regen und lie� ihn dann ganz aufh�ren. Der Trost des Geistes des Wassers in seinem Inneren beruhigte und st�rkte Thrall, und er lie� ihn mit tiefem, von ganzem Herzen kommendem Dank gehen.</p><p>Er blickte zu Drek�Thar hin�ber, aber der Schamane sch�ttelte den Kopf. �Deine Pr�fung ist noch nicht beendet�, sagte er.</p><p>Und dann wurde Thrall pl�tzlich von Kopf bis Fu� von einer solchen Woge der Kraft ersch�ttert, dass er laut aufkeuchte. Nat�rlich. Das f�nfte Element.</p><p>Der Geist der Wildnis.</p><p><emphasis>Wir sind der Geist der Wildnis, die Essenz und die Seelen aller Dinge, die leben. Wir sind die M�chtigsten von allen, m�chtiger als das Beben der Erde, die Winde der Luft, die Flammen des Feuers und die Fluten des Wassers. Sprich, Thrall, und sag uns, warum du glaubst, dass du unsere Hilfe verdient hast.</emphasis></p><p>Thrall konnte nicht atmen. Er wurde von der Kraft �berw�ltigt, die in ihm br�llte. Er zwang seine Augen offen zu bleiben und erblickte bleiche Gestalten, die ihn umwirbelten. Eine Gestalt war ein Wolf, eine andere eine Ziege, wieder eine andere ein Ork und ein Mensch und ein Hirsch. Er erkannte, dass alle lebenden Wesen Geister hatten, und er f�hlte, wie die Verzweiflung in ihm aufstieg, als er daran dachte, dass er sie alle w�rde ersp�ren und kontrollieren m�ssen.</p><p>Aber schneller, als er es sich h�tte vorstellen k�nnen, f�llten ihn die einzelnen Geister und verlie�en ihn dann nacheinander, um dem n�chsten Geist Platz zu machen. Thrall f�hlte sich einer Ohnmacht nahe, aber er versuchte, sich zur Konzentration zu zwingen und jeden einzelnen Geist mit Respekt anzusprechen. Es wurde unm�glich, und er sank auf die Knie.</p><p>Ein weiches Ger�usch erf�llte die Luft, und Thrall k�mpfte darum, seinen Kopf zu heben, der sich schwer wie ein Stein anf�hlte.</p><p>Sie schwebten nun ruhig um ihn herum, und er wusste, dass man ihn gepr�ft und f�r w�rdig befunden hatte. Ein geisterhafter Hirsch t�nzelte um ihn herum, und Thrall wusste, dass er nie wieder in eine Hirschkeule w�rde bei�en k�nnen, ohne ihren Geist zu f�hlen und ihm f�r die Nahrung zu danken, die er ihm schenkte. Er f�hlte eine Verwandtschaft mit jedem Ork, der jemals geboren worden war, und selbst der menschliche Geist war mehr von Tarethas s��er Pr�senz erf�llt als von Blackmoores dunkler Grausamkeit. Alles war hell, selbst wenn es sich manchmal mit der Finsternis verband. Alles Leben war miteinander verbunden, und jeder Schamane, der in das Geflecht eingriff, ohne Vorsicht und Sorge und den gr��ten Respekt f�r seinen Geist zu zeigen, war dazu verdammt zu scheitern.</p><p>Dann waren die Geister verschwunden. Thrall fiel vollkommen ersch�pft nach vorne. Er f�hlte Drek�Thars Hand auf seiner Schulter. Sie sch�ttelte ihn. Der alte Schamane half Thrall sich aufzusetzen. Die junge Ork hatte sich noch nie in seinem Leben so schwach gef�hlt.</p><p>�Gut gemacht, mein Kind�, sagte Drek�Thar, und seine Stimme zitterte vor Bewegtheit. �Ich hatte gehofft, sie w�rden dich annehmen � Thrall, du musst wissen, dass es Jahre her ist � nein, Jahrzehnte! � , seit die Geister einen neuen Schamanen angenommen haben. Sie waren w�tend wegen des dunklen Pakts unserer Hexer, ihrer Entartung der Magie. Es gibt jetzt nur noch sehr wenige Schamanen, und alle sind so alt wie ich. Die Geister haben auf jemanden gewartet, der w�rdig ist, ihre Geschenke zu erhalten. Du bist der Erste seit langer, langer Zeit, der in dieser Weise geehrt wurde. Ich hatte bef�rchtet, sie w�rden sich auf immer weigern und nie wieder mit uns zusammenwirken, aber � Thrall, ich habe in meinem Leben noch nie einen so starken Schamanen gesehen. Und du stehst erst am Anfang.�</p><p>�Ich � ich dachte, ich w�rde mich so stark f�hlen�, stammelte Thrall mit schwacher Stimme. �Aber stattdessen � ich bin so gedem�tigt ��</p><p>�Und das ist es, was dich so w�rdig macht.� Er streichelte Thralls Wange. �Durotan und Draka w�ren stolz auf dich.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Mit den Geistern der Erde, der Luft, des Feuers, des Wassers und der Wildnis als seinen Gef�hrten f�hlte sich Thrall st�rker als jemals zuvor in seinem Leben. Er lernte von Drek�Thar ihre besonderen �Rufe�, wie der alte Ork es nannte. �Hexer w�rden sie Zauberspr�che nennen�, erkl�rte er Thrall, �doch wir � die Schamanen � nennen sie nur �Rufe�. Wir fragen, und die M�chte antworten. Oder auch nicht, wie sie es wollen.�</p><p>�Haben sie jemals nicht geantwortet?�, fragte Thrall.</p><p>Drek�Thar schwieg. �Ja�, antwortete er dann langsam. Sie sa�en sp�t in der Nacht in Drek�Thars H�hle. Diese Gespr�che waren f�r Thrall sehr kostbar, und stets brachten sie neues Licht in seinen Geist.</p><p>�Wann? Warum?� wollte Thrall wissen und f�gte sofort hinzu: �Es sei denn, du m�chtest nicht dar�ber sprechen.�</p><p>�Du bist jetzt ein Schamane, auch wenn du erst am Anfang stehst,� sagte Drek�Thar. �Es ist nur richtig, dass du unsere Grenzen kennen lernst. Ich sch�me mich zuzugeben, dass ich mehr als einmal um unzul�ssige Dinge gebeten habe. Das erste Mal bat ich um eine Flut, die ein Lager der Menschen vernichten sollte. Ich war w�tend und verbittert, denn sie hatten viele von unserem Clan get�tet. Aber es gab Verwundete an diesem Ort und sogar Frauen und Kinder. Der Geist des Wassers weigerte sich.�</p><p>�Aber es kommt doch st�ndig zu Fluten�, sagte Thrall. �Viele Unschuldige sterben sinnlos.�</p><p>�Der Geist des Wassers und der Geist der Wildnis kennen den Sinn�, antwortete Drek�Thar. �Ich kenne ihre Bed�rfnisse und Pl�ne nicht. Sie erz�hlen mir nicht davon. Dieses Mal diente es nicht den Zielen des Geistes, der dem Wasser innewohnt, und er wollte keine Flut schaffen und Hunderte von Menschen ertr�nken, die er als unschuldig betrachtete. Sp�ter, als meine Wut mich verlassen hatte, verstand ich, dass der Geist Recht gehabt hatte.�</p><p>�Wann noch?�</p><p>Drek�Thar z�gerte. �Du nimmst wahrscheinlich an, dass ich schon immer alt und der geistige F�hrer des Clans war.�</p><p>Thrall kicherte. �Niemand ist alt geboren, weiser Mann.�</p><p>�Manchmal w�nschte ich mir, bei mir w�re es so gewesen. Aber ich war einst jung, genau wie du, und das Blut floss hei� in meinen Adern. Ich hatte eine Gef�hrtin und ein Kind. Sie starben.�</p><p>�Im Kampf gegen die Menschen?�</p><p>�Nichts so Edles. Sie wurden einfach krank, und all meine Bitten an die Elemente halfen nichts. Ich w�tete in meinem Schmerz.� Selbst jetzt war seine Stimme schwer von Trauer. �Ich verlangte von den Geistern, dass sie die Leben zur�ckbringen sollten, die sie genommen hatten. Sie wurden w�tend, und viele Jahre weigerten sie sich, auf meinen Ruf zu antworten. Wegen meiner arroganten Forderung, meine Familie zur�ck ins Leben zu bringen, mussten viele Mitglieder unseres Clans leiden, da ich nicht mehr die Geister rufen konnte. Als ich meine Dummheit erkannte, bat ich die Geister, mir zu verzeihen. Sie taten es.�</p><p>�Aber � es ist doch nur nat�rlich, wenn man will, dass die, die man liebt, am Leben sind�, sagte Thrall. �Das m�ssen die Geister doch verstehen.�</p><p>�Oh, sie verstanden es. Meine erste Bitte war dem�tig, und die Elemente lauschten mit Mitgef�hl, bevor sie sich weigerten. Meine n�chste Bitte war eine w�tende Forderung, und der Geist der Wildnis war emp�rt, dass ich die Beziehung zwischen dem Schamanen und den Elementen so ausnutzen wollte.�</p><p>Drek�Thar streckte eine Hand aus und legte sie auf Thralls Schulter. �Es ist mehr als wahrscheinlich, dass auch du diesen Schmerz erfahren und jemanden, den du liebst, verlieren wirst, Thrall. Du musst wissen, dass der Geist der Wildnis Gr�nde hat f�r das, was er tut, und du musst diese Gr�nde respektieren.�</p><p>Thrall nickte, aber insgeheim hatte er vollkommenes Verst�ndnis f�r Drek�Thars W�nsche und machte dem alten Ork keinerlei Vorw�rfe, dass er die Geister in seinem Schmerz w�tend gemacht hatte.</p><p>�Wo ist Wiseear?�, fragte er, um das Thema zu wechseln.</p><p>�Ich wei� es nicht.� Drek�Thars Antwort klang au�erordentlich unbek�mmert. �Er ist mein Gef�hrte, nicht mein Sklave. Er geht, wann er will, und kehrt zur�ck, wann er will.�</p><p>Wie um ihn zu beruhigen, dass sie nirgendwo anders hingehen wolle, legte Snowsong ihren Kopf auf Thralls Knie. Er streichelte sie, w�nschte seinem Lehrer eine gute Nacht und ging in seine eigene H�hle, um zu schlafen.</p><empty-line/><p>Die Tage vergingen in geordneter Regelm��igkeit. Thrall verbrachte jetzt den gr��ten Teil seiner Zeit damit, von Drek�Thar zu lernen, doch manchmal ging er auch mit einer kleine Gruppe jagen. Er benutzte seine neu gefundene Beziehung zu den Elementen, um seinem Clan zu helfen. Er fragte den Geist der Erde, wo die Herden waren und bat den Geist der Luft, die Richtung des Windes zu �ndern, damit der Geruch der Orks nicht an die wachsamen Tiere herangetragen wurde. Nur einmal bat er den Geist der Wildnis um Hilfe, als die Vorr�te gef�hrlich zur Neige gingen und das Jagdgl�ck des Clans sich zum Schlechten gewendet hatte.</p><p>Sie wussten, dass Hirsche und Rehe in der Gegend waren, denn sie hatten angeknabberte Baumrinden und frischen Kot gefunden. Aber die schlauen Tiere entzogen sich ihnen. Die B�uche der Orks waren leer, und es war einfach kein Essen mehr vorhanden. Die Kinder wurden gef�hrlich d�nn.</p><p>Thrall schloss die Augen und rief. <emphasis>Geist der Wildnis, der allem das Leben einhaucht, ich bitte dich um einen Gefallen. Wir werden nicht mehr nehmen, als wir ben�tigen, um die Hungrigen unseres Clans zu speisen. Ich bitte dich, Geist des Hirsches, opfere dich f�r uns. Wir werden keines deiner Geschenke vergeuden, und wir werden dich ehren. Viele Leben h�ngen davon ab, dass ein Leben gegeben wird.</emphasis></p><p>Er hoffte, dass es die richtigen Worte waren. Sie waren mit respektvollem Herzen gesprochen, aber Thrall hatte dies noch nie zuvor versucht. Als er die Augen �ffnete, stand keine zwei Arml�ngen vor ihm ein wei�er Hirsch. Thralls Gef�hrten schienen nichts zu sehen. Die Augen des Hirsches trafen Thralls Augen, und das Tier neigte den Kopf. Es sprang fort, und Thrall sah, dass es keine Spur im Schnee hinterlie�.</p><p>�Folgt mir�, sagte er. Seine Eiswolf-Gef�hrten gehorchten sofort, und sie legten eine gr��ere Entfernung zur�ck, bis sie einen stattlichen, gesunden Hirsch im Schnee liegen sahen. Eines seiner Beine stand in einem unnat�rlichen Winkel ab, und seine weichen, braunen Augen rollten vor Angst. Der Schnee um ihn herum war aufgew�hlt, und offensichtlich konnte er nicht mehr aufstehen.</p><p>Thrall n�herte sich dem Tier und sandte instinktiv eine Botschaft der Beruhigung. <emphasis>Hab keine Angst</emphasis>, sagte er. <emphasis>Dein Schmerz wird bald vor�ber sein, und dein Leben wird weiter Sinn haben. Ich danke dir, Bruder, f�r dein Opfer.</emphasis></p><p>Der Hirsch entspannte sich und senkte den Kopf. Thrall ber�hrte ihn sanft am Hals. Schnell, um ihm keinen Schmerz zuzuf�gen, brach er das Genick des Tieres. Er blickte auf und sah die anderen, die ihn von Ehrfurcht erf�llt anstarrten. Aber er wusste, es war nicht sein Wille gewesen, sondern der des Hirsches, dass seine Leute heute etwas zu essen bekommen w�rden.</p><p>�Wir werden dieses Tier nehmen und sein Fleisch verzehren. Wir werden aus seinen Knochen Werkzeuge herstellen und Kleidung aus seiner Haut. Und w�hrend wir dies tun, werden wir nicht vergessen, dass es uns mit seinem Geschenk geehrt hat.�</p><empty-line/><p>Thrall arbeitete Seite an Seite mit Drek�Thar. Sie sandten Energie an die Samen unter der Erde, damit sie erstarkten und im bald kommenden Fr�hling bl�hen w�rden, und an die ungeborenen Tiere, seien es Hirsche oder Ziegen oder W�lfe, die in den B�uchen ihrer M�tter heranwuchsen. Zusammen baten sie den Geist des Wassers, das Dorf vor der Schneeschmelze und den st�ndig drohenden Lawinen zu bewahren. Thrall wurde immer st�rker und geschickter, und er war so vertieft in den neuen, lebensspr�henden Pfad, auf dem er wandelte, dass er vollkommen �berrascht war, als er die ersten gelben und violetten Fr�hlingsblumen erblickte, die ihre Bl�tenk�pfe durch den schmelzenden Schnee streckten.</p><p>Als er von einem Spaziergang zur�ckkehrte, bei dem er die heiligen Kr�uter gesammelt hatte, die dem Schamanen bei der Kontaktaufnahme mit den Elementen halfen, musste er �berrascht feststellen, dass die Eisw�lfe einen neuen Gast hatten.</p><p>Der Ork war breit, aber Thrall konnte nicht sagen, ob es Fett oder Muskeln waren, denn ein unf�rmiger Mantel war um den K�rper des Fremden geschlungen. Er hockte in der N�he des Feuers und schien die Fr�hlingsw�rme nicht zu f�hlen.</p><p>Snowsong rannte vor, um Wiseear zu begr��en, der endlich zur�ckgekehrt war. Thrall wandte sich an Drek�Thar.</p><p>�Wer ist der Fremde?�, fragte er leise.</p><p>�Ein wandernder Eremit�, antwortete Drek�Thar. �Wir kennen ihn nicht. Er sagt, er habe sich in den Bergen verirrt. Wiseear habe ihn gefunden und zu uns gef�hrt.�</p><p>Thrall blickte auf die Schale mit Eintopf, die der Fremde in seiner gro�en Hand hielt, und nahm die F�rsorge zur Kenntnis, die ihm vom Rest des Clans bezeugt wurde. �Ihr empfangt ihn mit mehr Freundlichkeit, als ihr mir entgegengebracht habt�, sagte er, doch es �rgerte ihn nicht im Geringsten.</p><p>Drek�Thar lachte. �Er bittet nur um ein paar Tage Zuflucht, bevor er weiterzieht. Er ist nicht mit einem zerrissenen Eiswolf-Wickeltuch angekommen und hat den Clan gebeten, ihn zu adoptieren. Und er kommt im Fr�hling, wenn es genug Gaben gibt, um sie zu teilen, und nicht mit Einbruch des Winters.�</p><p>Thrall musste dem Schamanen zustimmen. Bem�ht, sich richtig zu verhalten, setzte er sich zu dem Neuank�mmling. �Ich gr��e dich, Fremder. Wie lange wanderst du schon?�</p><p>Der Ork sah ihn aus den Schatten seiner Kapuze heraus an. Seine grauen Augen blickten scharf, doch seine Antwort war h�flich, ja respektvoll.</p><p>�L�nger, als ich mich erinnern m�chte, junger Ork. Ich stehe in eurer Schuld. Ich hatte die verbannten Eisw�lfe stets f�r eine Legende gehalten, von der Gul�dans Kumpane erz�hlten, um den anderen Orks Angst einzujagen.�</p><p>Die Treue zu seinem Clan erwachte in Thrall. �Wir wurden zu Unrecht verbannt und haben unseren Wert bewiesen, indem wir unser Leben an einem solch harten Ort meistern�, antwortete er.</p><p>�Ich meine, geh�rt zu haben, dass du vor gar nicht so langer Zeit ebenso ein Fremder in diesem Clan warst wie ich es bin�, sagte der Fremde. �Sie haben von dir gesprochen, junger Thrall.�</p><p>�Ich hoffe, sie haben gut von mir gesprochen�, antwortete Thrall. Er war unsicher, was die richtige Entgegnung war.</p><p>�Gut genug�, antwortete der Fremde r�tselhaft und wandte sich wieder seinem Eintopf zu. Thrall sah, dass seine H�nde sehr muskul�s waren.</p><p>�Wie hei�t dein Clan, Freund?�</p><p>Die Hand stockte mit dem L�ffel auf halbem Wege zum Mund. �Ich habe keinen Clan mehr. Ich wandere allein.�</p><p>�Wurden deine Leute get�tet?�</p><p>�Sie wurden get�tet oder gefangen genommen oder sind dort gestorben, wo es z�hlt � in der Seele�, antwortete der Ork mit Schmerz in der Stimme. �Lass uns nicht mehr davon sprechen.�</p><p>Thrall neigte den Kopf. Er f�hlte sich unbehaglich in Gegenwart dieses Fremden, und er war auch misstrauisch. Etwas stimmte nicht mit ihm. Thrall erhob sich, nickte dem Gast zu und ging zu Drek�Thar.</p><p>�Wir sollten ihn beobachten�, sagte er seinem Lehrer. �An diesem wandernden Eremiten ist etwas, das mir nicht gef�llt.�</p><p>Drek�Thar warf den Kopf zur�ck und lachte. �Wir hatten Unrecht mit unserem Misstrauen dir gegen�ber, als du zu uns kamst, und jetzt bist du der Einzige, der diesem hungrigen Fremden misstraut. Oh, Thrall, du hast noch so viel zu lernen.�</p><p>W�hrend der Clan an diesem Abend a�, beobachtete Thrall den Fremden weiter und versuchte dabei, nicht zu offensichtlichen Argwohn zu zeigen. Der Mann hatte ein gro�es B�ndel, an das er niemanden heran lie�, und legte niemals seinen unf�rmigen Umhang ab. Er beantwortete Fragen h�flich, aber knapp und verriet nur sehr wenig �ber sich selbst. Thrall wusste lediglich, dass er seit zwanzig Jahren als Eremit lebte, den Kontakt zu anderen mied und von den alten Tagen tr�umte, ohne dass er etwas zu tun schien, um sie tats�chlich zur�ckzuholen.</p><p>Einmal fragte Uthul: �Hast du je die Lager gesehen? Thrall sagt, die Orks, die sie dort gefangen halten, h�tten ihren eigenen Willen verloren.�</p><p>�Ja, und das �berrascht mich nicht�, antwortete der Fremde. �Es gibt wenig, f�r das es sich noch zu k�mpfen lohnte.�</p><p>�Es gibt viel, f�r das es sich zu k�mpfen lohnt!�, mischte sich Thrall ein, dessen Wut schnell entflammte. �Die Freiheit. Einen Ort, der uns geh�rt. Die Erinnerung an unseren Ursprung.�</p><p>�Und doch versteckt ihr Eisw�lfe euch hier in den Bergen�, entgegnete der Fremde.</p><p>�Wie ihr euch in den S�dlanden versteckt!�, knurrte Thrall.</p><p>�Ich behaupte auch nicht, die Orks anstacheln zu wollen, ihre Ketten abzuwerfen und gegen ihre Herren zu revoltieren�, antwortete der Fremde mit ruhiger Stimme und lie� sich nicht provozieren.</p><p>�Ich werde nicht mehr lange hier sein�, erkl�rte Thrall. �Wenn der Fr�hling kommt, schlie�e ich mich dem unbesiegten Ork-H�uptling Grom Hellscream an und helfe seinem edlen Warsong-Clan, die Lager zu st�rmen. Wir werden unsere Br�der und Schwestern inspirieren, sich gegen die Menschen zu erheben, die nicht ihre Herren sind, sondern nur Tyrannen, die sie gegen ihren Willen festhalten!� Thrall stand jetzt. Die Wut brannte hei� in ihm angesichts der Beleidigung, die dieser Fremde zu �u�ern gewagt hatte. Er hatte damit gerechnet, dass Drek�Thar ihn zurechtweisen w�rde, aber der alte Ork sagte nichts. Er streichelte nur seinen Wolfsgef�hrten und h�rte zu. Die anderen Eisw�lfe schienen fasziniert von dem Streit zwischen Thrall und dem Gast und unterbrachen sie nicht.</p><p>�Grom Hellscream�, sagte der Fremde mit sp�ttischem Grinsen und winkte ver�chtlich mit der Hand ab. �Ein von D�monen heimgesuchter Tr�umer. Nein, nein, ihr Eisw�lfe macht es schon richtig, genau wie ich. Ich habe gesehen, was die Menschen tun k�nnen, und es ist am Besten, ihnen aus dem Weg zu gehen und an den versteckten Orten zu leben, wo sie nicht hinkommen.�</p><p>�Ich wurde von Menschen aufgezogen, und glaube mir, sie sind nicht unfehlbar!�, schrie Thrall. �Und ich glaube du auch nicht, Feigling!�</p><p>�Thrall ��, begann Drek�Thar und mischte sich endlich ein.</p><p>�Nein, Meister Drek�Thar, ich werde nicht schweigen. Dieser � dieser � er kommt und sucht unsere Hilfe, isst an unserem Feuer und wagt es, den Mut unseres Clans und seines ganzen Volkes zu beleidigen. Das lasse ich nicht zu. Ich bin nicht der H�uptling, und ich nehme diese Position auch nicht f�r mich in Anspruch, obwohl ich f�r sie geboren wurde. Aber ich bestehe auf meinem pers�nlichen Recht, gegen diesen Fremden zu k�mpfen, damit er seine Worte zur�cknimmt, nachdem ich seine Frechheiten mit meinem Schwert zerhackt habe!�</p><p>Er erwartete, der feige Eremit w�rde kuschen und ihn um Verzeihung bitten. Stattdessen lachte der Fremde herzhaft und erhob sich. Er war fast so gro� wie Thrall, und jetzt konnte der junge Ork endlich sehen, was er unter seinem Mantel versteckt hielt. Zu seinem Erstaunen trug der arrogante Fremde eine schwarze R�stung, die mit Messing besetzt war. Einst musste diese R�stung imposant gewesen sein, doch obwohl sie noch immer beeindruckend wirkte, hatten die Platten bessere Tage gesehen, und die Messingverzierungen mussten unbedingt poliert werden.</p><p>Mit einem wilden Schrei �ffnete der Fremde das B�ndel, das er getragen hatte, und zog den gr��ten Kriegshammer heraus, den Thrall jemals gesehen hatte. Ein h�hnisches Grinsen auf den Lippen, hielt er ihn mit scheinbarer Leichtigkeit. Dann schwang er ihn gegen Thrall.</p><p>�Wollen wir doch mal sehen, ob du�s mit mir aufnehmen kannst, Welpe!�, br�llte er.</p><p>Zu Thralls Schrecken, schrien auch die anderen Orks laut und begeistert. Anstatt ihrem Clansmann beizustehen und ihn zu verteidigen, wichen die Eisw�lfe zur�ck. Manche fielen sogar auf die Knie. Nur Snowsong blieb bei Thrall und stellte sich zwischen ihren Gef�hrten und den Fremden, die Nackenhaare aufgestellt, die wei�en F�nge entbl��t.</p><p>Was passierte hier? Thrall blickte zu Drek�Thar hin�ber, der entspannt und ausdruckslos schien.</p><p>So sei es denn. Wer auch immer der Fremde war, er hatte Thrall und die Eisw�lfe beleidigt, und der junge Schamane war bereit, seine Ehre und die seines Clans mit seinem Leben zu verteidigen.</p><p>Er hatte keine Waffe, aber Uthul dr�ckte Thrall einen langen, scharfen Speer in die ausgestreckte Hand. Thralls Finger schlossen sich um den Schaft, und er begann mit den F��en zu stampfen.</p><p>Er f�hlte, wie der Geist der Erde fragend reagierte. So h�flich er konnte, denn er hatte nicht die Absicht, das Element zu ver�rgern, lehnte er das Hilfsangebot ab. Dies war kein Kampf f�r die Elemente; hier gab es keine gro�e Not � nur Thralls Wunsch, diesem �berheblichen Fremden eine dringend n�tige Lektion zu erteilen.</p><p>Trotzdem f�hlte er wie die Erde unter seinen stampfenden F��en erzitterte. Der Fremde blickte erschreckt, dann seltsam befriedigt. Bevor sich Thrall richtig vorbereiten konnte, begann sein schwer ger�stetes Gegen�ber seinen Angriff.</p><p>Thrall hob den Speer, um sich zu verteidigen, doch seine Waffe war niemals dazu gedacht gewesen, den Schlag eines riesigen Kriegshammers abzuschmettern. Wie ein d�rrer Zweig brach der Speer entzwei. Thrall blickte sich um, aber es gab keine andere Waffe. Er bereitete sich auf den n�chsten Schlag seines Gegners vor und entschloss sich, die Strategie anzuwenden, die ihm in der Vergangenheit so gut gedient hatte, wenn er waffenlos gegen einen bewaffneten Gegner hatte antreten m�ssen.</p><p>Wieder schwang der Fremde seinen Hammer. Thrall wich aus und wirbelte geschickt herum, um die Waffe zu packen, die er ihrem Besitzer entrei�en wollte. Als er seine H�nde um den Stiel schloss, zerrte der Fremde sie zu seinem Erstaunen mit einem schnellen Ruck zur�ck. Thrall fiel nach vorne, und der Fremde setzte sich auf seinen gefallenen K�rper.</p><p>Thrall zappelte wie ein Fisch, und es gelang ihm, sich auf die Seite zu werfen, w�hrend er eines der Beine seines Feindes fest zwischen seinen eigenen Kn�cheln packte. Der Fremde verlor die Balance. Jetzt waren sie beide am Boden. Thrall h�mmerte seine geballte Faust auf das Handgelenk hinunter, das den Kriegshammer hielt. Der Fremde grunzte und lie� reflexartig los. Thrall ergriff die Gelegenheit, packte den Kriegshammer und sprang auf die F��e, wobei er die Waffe hoch �ber seinen Kopf schwang.</p><p>Er fing sich gerade noch rechtzeitig. Er stand kurz davor, mit der gewaltigen Steinwaffe den Sch�del seines Gegners zu zerschmettern. Aber dies war ein Ork wie er selbst, nicht ein Mensch, dem er sich auf dem Schlachtfeld stellte. Dies war ein Gast seines Lagers und ein Krieger, neben dem zu dienen er stolz w�re, wenn er und Hellscream erst die Lager st�rmten, um ihre gefangenen Br�der und Schwestern zu befreien.</p><p>Sein Z�gern und das schiere Gewicht der Waffe brachten ihn ins Stolpern. Das war alles, was der Fremde brauchte. Knurrend setzte er den gleichen Trick ein, den Thrall zuvor gegen ihn angewendet hatte und trat Thralls F��e unter ihm weg. Noch immer den Kriegshammer haltend, st�rzte Thrall. Bevor ihm �berhaupt klar wurde, was geschah, war der andere Ork �ber ihm und schloss seine H�nde um seinen Hals.</p><p>Thralls Welt wurde rot. Der Instinkt �bernahm die Kontrolle, und er wand sich. Dieser Ork war beinahe so gro� wie er selbst und trug zudem eine R�stung, aber Thralls wilder Wunsch nach Sieg und seine gr��ere Masse schenkten ihm den Vorteil, den er brauchte, um seinen K�rper herum zu biegen und den anderen Krieger unter sich einzuklemmen.</p><p>H�nde packten ihn und zogen ihn fort. Er br�llte, die hei�e Blutlust in ihm verlangte Befriedigung, und er wehrte sich. Es bedurfte acht seiner Eiswolf-Gef�hrten, um ihn lange genug am Boden zu halten, dass sich der rote Nebel kl�ren und sein Atem sich normalisieren konnte. Als er nickte und bedeutete, dass er wieder in Ordnung sei, erhoben sie sich und lie�en ihn allein aufstehen.</p><p>Vor ihm stand der Fremde. Thrall begegnete seinen Augen ruhig, w�hrend er noch von der Anstrengung keuchte. Der Fremde erhob sich zu seiner vollen Gr��e und gab ein gewaltiges bellendes Lachen von sich.</p><p>�Es ist lange her, seit irgendjemand mich auch nur <emphasis>herausfordern </emphasis> konnte!�, br�llte er fr�hlich, und es schien ihn nicht im Geringsten zu k�mmern, dass es Thrall beinahe gelungen w�re, seine Eingeweide in die Erde zu stampfen. �Und es ist noch l�nger her, dass irgendjemand mich schlagen konnte, und sei es auch nur in einer harmlosen Balgerei. Nur deinem Vater ist das jemals gelungen, junger Thrall. M�ge sein Geist in Frieden wandeln. Es scheint, Hellscream hat nicht gelogen. Ich glaube, ich habe meinen Stellvertretenden Kommandeur gefunden.�</p><p>Er reichte Thrall die Hand. Thrall starrte sie an und fauchte: �Stellvertretender Kommandeur? Ich habe dich mit deiner eigenen Waffe geschlagen, Fremder. Ich wei� nicht, nach welchem Regelwerk der Sieger der Zweite w�re!�</p><p>�Thrall!� Drek�Thars Stimme krachte wie ein einschlagender Blitz.</p><p>�Er versteht noch nicht�, kicherte der Fremde. �Thrall, Sohn des Durotan, ich bin einen weiten Weg gekommen, um dich zu finden, um zu sehen, ob die Ger�chte wahr sind � dass es einen w�rdigen Stellvertretenden Kommandeur gibt, den ich unter meine Fittiche nehmen und dem ich vertrauen kann, wenn ich die Lager befreie.�</p><p>Er machte eine Pause, und in seinen Augen funkelte das Lachen.</p><p>�Mein Name, Sohn des Durotan, ist Orgrim Doomhammer.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Zun�chst brachte Thrall vor Schreck kein Wort heraus. Er hatte Orgrim Doomhammer beleidigt, den Kriegsh�uptling der Horde, den besten Freund seines Vaters, jenen einen Ork, der f�r ihn w�hrend all der Zeit eine solche Inspiration gewesen war. Die R�stung und der Kriegshammer h�tten es ihm sofort verraten m�ssen. Was f�r ein Narr er gewesen war!</p><p>Er sank auf die Knie. �Edelster Doomhammer, ich bitte Euch um Vergebung. Ich wusste nicht �� Er warf Drek�Thar einen grimmigen Blick zu. �Mein Lehrer h�tte mich warnen sollen ��</p><p>�� und das h�tte alles verdorben�, antwortete Doomhammer, der noch immer ein wenig lachte. �Ich wollte dich herausfordern, sehen, ob du tats�chlich die Leidenschaft und den Stolz besitzt, von denen Grom Hellscream mit solcher Begeisterung sprach. Ich bekam mehr, als ich erwartet hatte � ich wurde geschlagen!� Er lachte laut, als sei es die am�santeste Sache, die ihm seit Jahren widerfahren war. Thrall begann sich zu entspannen. Doomhammer h�rte auf zu lachen und legte sanft eine Hand auf die Schulter des jungen Orks.</p><p>�Komm und setz dich zu mir, Thrall, Sohn des Durotan�, sagte er. �Wir werden zu Ende essen. Du erz�hlst mir deine Geschichte, und ich erz�hle dir Geschichten von deinem Vater, die du noch niemals geh�rt hast.�</p><p>Freude �berflutete Thrall. Instinktiv griff er nach der Hand, die auf seiner Schulter lag. Doomhammer war pl�tzlich ernst, blickte Thrall in die Augen und nickte.</p><p>Jetzt, da alle wussten, wer der geheimnisvolle Fremde war � Drek�Thar gab zu, dass er es die ganze Zeit gewusst und tats�chlich sogar Wiseear ausgesandt hatte, um Doomhammer f�r genau diese Konfrontation zu suchen �, konnten die Eisw�lfe ihren hochverehrten Gast mit dem Respekt behandeln, der ihm geb�hrte. Sie holten mehrere Hasen, die sie eigentlich f�r sp�ter hatten trocknen wollen, bestrichen sie mit wertvollen �len und Kr�utern und begannen, sie �ber dem Feuer zu r�sten. Weitere Kr�uter wurden den Flammen hinzugegeben, und ihr w�rziges Aroma erhob sich mit dem Rauch. Es war beinahe berauschend. Trommeln und Fl�ten wurden hervorgeholt, und bald verbanden sich Musik und Gesang mit dem anregenden Rauch. Sie sandten eine Botschaft der Verehrung und der Freude an die Geisterwelt.</p><p>Thrall war zun�chst gehemmt, aber Doomhammer entlockte ihm seine Geschichte, indem er gezielt Fragen stellte. Als Thrall fertig war, sprach er nicht sofort.</p><p>�Dieser Blackmoore�, sagte er dann, �er klingt wie Gul�dan. Einer, dem nicht das Wohl seines Volkes am Herzen liegt, sondern nur sein eigener Profit, sein pers�nliches Vergn�gen.�</p><p>Thrall nickte. �Ich war nicht der Einzige, der seine Grausamkeit und Unberechenbarkeit zu sp�ren bekam. Ich bin mir sicher, er hasst uns Orks, aber er besitzt auch nur wenig Liebe f�r sein eigenes Volk.�</p><p>�Und diese Taretha und jener Sergeant � Ich h�tte nicht gedacht, dass Menschen zu Freundlichkeit und Ehre f�hig sind.�</p><p>�Ich h�tte niemals Ehre und das Gew�hren von Gnade gelernt, wenn nicht Sergeant gewesen w�re�, sagte Thrall. Ein Kichern sch�ttelte ihn. �Noch h�tte ich den ersten Trick gekannt, den ich gegen Euch eingesetzt habe. Er hat mir in vielen K�mpfen den Sieg gebracht.�</p><p>Doomhammer lachte leise mit ihm, dann wurde er wieder ernst. �Es ist meine Erfahrung, dass die M�nner unser Volk hassen und die Frauen und Kinder uns f�rchten. Doch dieses M�dchen hat sich aus eigenem freien Willen mit dir angefreundet.�</p><p>�Sie hat ein gro�es Herz�, sagte Thrall. �Ich kann ihr kein gr��eres Kompliment machen als zu erkl�ren, dass ich stolz w�re, sie in meinen Clan aufzunehmen. Sie hat den Geist eines Orks, gemildert durch Mitgef�hl.�</p><p>Doomhammer schwieg wieder f�r eine Weile. Schlie�lich sagte er: �All diese Jahre bin ich allein gewandert, seit unserer letzten, schmachvollen Niederlage. Ich wei�, was sie �ber mich erz�hlen. Ich sei ein Eremit, ein Feigling, h�tte Angst, mein Gesicht zu zeigen. Wei�t du, warum ich bis heute Nacht die Gesellschaft anderer gemieden habe, Thrall?�</p><p>Thrall sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Weil ich allein sein musste, um zu verstehen, was geschehen ist. Um nachzudenken. Um mich daran zu erinnern, wer ich bin, wer wir als Volk sind. Von Zeit zu Zeit tat ich, was ich heute tat. Ich n�herte mich den Lagerfeuern, nahm ihre Gastfreundschaft an, lauschte ihren Erz�hlungen. Und lernte.� Er machte eine Pause. �Ich kenne die Gef�ngnisse der Menschen, genau wie du. Ich wurde gefangen genommen, und K�nig Terenas von Lordaeron hielt mich eine Zeit lang als Kuriosit�t fest. Ich entkam aus seinem Palast, wie du aus Durnholde entkommen bist. Ich war sogar in einem Lager. Ich wei� wie es ist, so gebrochen zu sein, so verzweifelt. Beinahe w�re ich einer von ihnen geworden.�</p><p>W�hrend er sprach, hatte er ins Feuer gestarrt. Jetzt wandte er seinen Blick Thrall zu. Obwohl seine grauen Augen klar waren und in ihnen nicht die b�se Flamme brannte, die Hellscreams Augen versengte, schienen durch ein Spiel des Feuers seine Augen nun ebenso rot zu leuchten wie jene von Grom.</p><p>�Aber ich wurde es nicht. Ich entkam, genau wie du. Ich fand es einfach, genau wie du. Und doch bleibt es schwer f�r jene, die im Schlamm der Lager kauern. Wir k�nnen von au�en so wenig f�r sie tun. Wenn ein Schwein seinen Stall liebt, dann bedeutet ihm die offene T�r nichts. So ist es mit den Orks in den Lagern. Sie m�ssen durch die T�r gehen <emphasis>wollen</emphasis>, wenn wir sie ihnen �ffnen.�</p><p>Thrall begann zu verstehen, was Doomhammer sagen wollte. �Wenn wir die Mauern niederrei�en, bedeutet das noch lange nicht, dass unser Volk frei ist�, sagte er.</p><p>Doomhammer nickte. �Wir m�ssen sie zum Weg des Schamanen zur�ckf�hren. Wir m�ssen ihren vergifteten Geist von den L�gen reinigen, die die D�monen ihnen eingefl�stert haben, und ihnen ihren wahren Geist als Krieger zur�ckgeben. Du hast die Bewunderung des Warsong-Clans und seines tapferen F�hrers gewonnen, Thrall. Jetzt hast du die Eisw�lfe, den unabh�ngigsten und stolzesten Clan, den ich jemals gekannt habe, und er ist bereit, dir in die Schlacht zu folgen. Wenn es irgendeinen Ork gibt, der unsere gebrochenen Br�der lehren kann, sich zu erinnern, wer sie sind, so bist du es.�</p><p>Thrall dachte an das Lager, an die trostlose, t�dliche Tr�gheit. Er dachte auch daran, wie knapp er Blackmoores Schergen entkommen war.</p><p>�Obwohl ich diesen Ort hasse, werde ich gerne dorthin zur�ckkehren, wenn ich hoffen kann, mein Volk wieder zu erwecken�, erkl�rte er. �Aber Ihr m�sst wissen, dass Blackmoore alles versuchen wird, um mich einzufangen. Zweimal bin ich ihm nur knapp entkommen. Ich hatte gehofft, einen Angriff gegen ihn anzuf�hren, aber ��</p><p>�� aber ohne Truppen w�rdest du scheitern�, sagte Doomhammer. �Ich wei�, wovon du sprichst, Thrall. Obwohl ich einsam wanderte, habe ich verfolgt, was im Land geschieht. Mach dir keine Sorgen. Wir werden Blackmoore und seine M�nner auf eine falsche F�hrte locken.�</p><p>�Die Kommandanten der Lager wissen, dass sie nach mir Ausschau halten sollen�, sagte Thrall.</p><p>�Sie erwarten einen gro�en, starken, stolzen, intelligenten Thrall�, entgegnete Doomhammer. �Einen weiteren besiegten, dreckigen, gebrochenen Ork werden sie nicht beachten. Kannst du diesen sturen Stolz verstecken, mein Freund? Kannst du ihn begraben und so tun, als h�ttest du keinen Mut, keinen eigenen Willen mehr?�</p><p>�Das wird schwierig sein�, gab Thrall zu, �aber ich werde es tun, wenn es meinem Volk dient.�</p><p>�Gesprochen wie der wahre Sohn des Durotan�, sagte Doomhammer, und seine Stimme klang seltsam schwer und traurig.</p><p>Thrall z�gerte, aber er musste so viel erfahren, wie er nur konnte. �Drek�Thar sagte mir, Durotan und Draka seien gegangen, um Euch aufzusuchen, um Euch zu �berzeugen, dass Gul�dan b�se war und die Orks nur benutzte, um seine eigene Machtgier zu befriedigen. Das Tuch, in das ich gewickelt war, erz�hlte Drek�Thar, dass sie ein gewaltsames Ende fanden, und ich wei�, dass ich allein mit den Leichen zweier Orks und eines wei�en Wolfs war, als Blackmoore mich fand. Bitte � k�nnt Ihr mir sagen � hat mein Vater Euch gefunden?�</p><p>�Er fand mich�, sagte Doomhammer mit schwerer Stimme. �Und es ist mir eine Quelle gro�er Scham und Trauer, dass ich nicht besser auf ihn und seine Gef�hrtin aufgepasst habe. Ich dachte, ich t�te das Beste f�r meine eigenen Krieger und f�r Durotan. Sie kamen und hatten dich dabei, junger Thrall, und sie erz�hlten mir von Gul�dans Verrat. Ich glaubte ihnen. Ich kannte einen Ort, an dem sie sicher sein w�rden. Das glaubte ich zumindest. Sp�ter erfuhr ich, dass einige meiner Krieger Spione Gul�dans waren. Obwohl ich es nicht sicher wei�, bin ich �berzeugt, dass jene Wache, der ich auftrug, Durotan in Sicherheit zu bringen, M�rder rief, um ihn zu t�ten.� Doomhammer seufzte tief, und einen Augenblick lang erschien es Thrall, als laste das Gewicht der ganzen Welt auf diesen breiten, starken Schultern.</p><p>�Durotan war mein Freund. Ich h�tte jederzeit mein Leben f�r ihn und seine Familie gegeben. Doch ich habe in meiner Dummheit seinen Tod herbeigef�hrt. Ich kann nur hoffen, dass ich dieses Versagen wiedergutmachen kann, indem ich alles in meiner Macht Stehende f�r das Kind tue, das Durotan zur�cklie�. Thrall, trotz des Namens, den zu behalten du dich entschieden hast, stammst du aus einer stolzen und edlen Familie. Lass uns diese Familie gemeinsam ehren.�</p><empty-line/><p>Ein paar Wochen sp�ter, als der Fr�hling in voller Bl�te stand, fiel es Thrall sehr leicht, in ein Dorf zu trotten, die Bauern anzubr�llen und sich gefangen nehmen zu lassen. Sobald sich das Fangnetz um ihn geschlossen hatte, gab er nach und wimmerte, um die Menschen glauben zu machen, sie h�tten seinen Geist gebrochen.</p><p>Als sie ihn ins Lager brachten, spielte er seine j�mmerliche Rolle weiter. Doch sobald die Wachen sich an den Neuen gew�hnt hatten, begann Thrall leise zu jenen zu sprechen, die bereit waren, ihm zuzuh�ren. Er w�hlte die wenigen aus, die noch immer etwas Geist und Willen zu besitzen schienen. Nachts, wenn die menschlichen Wachen auf ihren Posten schliefen, erz�hlte Thrall diesen Orks von ihren Urspr�ngen. Er sprach von der Macht der Schamanen, von seinen eigenen F�higkeiten. Mehr als einmal verlangten seine Zuh�rer Beweise. Thrall lie� nicht die Erde beben, noch rief er den Donner und den Blitz an. Stattdessen nahm er eine Handvoll Schlamm auf und suchte nach den Resten von Leben in ihm. Vor den gro�en Augen der Gefangenen lie� er aus der braunen Erde Gras und sogar Blumen sprie�en.</p><p>�Selbst das, was tot und h�sslich scheint, besitzt Macht und Sch�nheit�, erkl�rte Thrall seinem staunenden Publikum. Sie wandten sich ihm zu, und sein Herz sprang vor Freude, wenn er einen schwachen Schimmer von Hoffnung in ihren Gesichtern aufglimmen sah.</p><p>W�hrend Thrall sich freiwillig der Gefangenschaft unterwarf, um die geschlagenen, gefangenen Orks in den Lagern zu wecken, hatten die Eisw�lfe und die Warsongs sich unter Doomhammer vereint. Sie beobachteten das Lager, in dem Thrall wirkte, und warteten auf sein Signal.</p><p>Es dauerte l�nger, als Thrall erwartet hatte, die unterdr�ckten Orks so weit zu bringen, auch nur an Rebellion zu denken, aber schlie�lich entschied er, dass die Zeit gekommen sei. In den dunklen Stunden nach Mitternacht, als nur das leise Schnarchen einzelner Wachen die Stille st�rte, kniete sich Thrall auf den guten, festen Boden. Er hob seine H�nde und bat die Geister des Wassers und des Feuers zu kommen und ihm bei der Befreiung seiner Leute zu helfen.</p><p>Sie kamen.</p><p>Ein leichter Regen begann zu fallen. Pl�tzlich wurde der Himmel von drei Blitzen aufgespalten. Eine Pause. Dann wiederholte sich das Schauspiel. W�tender Donner begleitete jeden Blitz und lie� die Erde schwach erzittern. Das war das Signal, auf das sie sich geeinigt hatten.</p><p>Die Orks im Lager warteten, �ngstlich, aber bereit. Sie umklammerten ihre behelfsm��igen Waffen aus Steinen und St�cken und anderen Dingen, die man im Lager finden konnte. Sie warteten darauf, dass Thrall ihnen sagte, was sie zu tun hatten.</p><p>Ein entsetzlicher Schrei gellte durch die Nacht, durchdringender noch als der Donner, und Thrall l�chelte breit. Er h�tte diesen Schrei �berall erkannt � es war Grom Hellscream. Der L�rm erschreckte die Orks, aber Thrall schrie �ber ihn hinweg: �Das sind unsere Verb�ndeten jenseits der Mauern! Sie sind gekommen, um uns zu befreien!�</p><p>Die Wachen waren vom Donner geweckt worden. Jetzt rannten sie auf ihre Posten, w�hrend Hellscreams Schrei bereits verklang, aber sie kamen zu sp�t. Thrall bat ein weiteres Mal um den Blitz. Und er kam.</p><p>Ein gezackter Strahl traf die Hauptmauer, wo die meisten Wachen sich versammelt hatten. In das Get�se des zusammenst�rzenden Steins mischte sich das Grollen des Donners und das Geschrei der Wachen. Thrall blinzelte in der pl�tzlichen Finsternis, aber Feuer brannten noch immer hier und dort, und er konnte sehen, dass die Mauer vollkommen durchbrochen war.</p><p>Durch diese Bresche brach eine Woge geschmeidiger, gr�ner K�rper. Sie griff die Wachen an und �berw�ltigte sie mit geradezu beil�ufiger Leichtigkeit. Die gefangenen Orks gafften erstaunt.</p><p>�F�hlt ihr, wie es sich in euch r�hrt?�, schrie Thrall. �F�hlt ihr, wie euer Geist sich danach sehnt, zu k�mpfen, zu t�ten, frei zu sein? Kommt, meine Br�der und Schwestern!� Ohne sich umzuwenden, um sich zu vergewissern, dass sie ihm folgten, st�rmte Thrall auf die �ffnung zu.</p><p>Er h�rte ihre z�gerlichen Stimmen hinter sich, die mit jedem Schritt, den sie auf die Freiheit zu taten, lauter wurden. Pl�tzlich grunzte Thrall vor Schmerz auf, als etwas seinen Arm durchbohrte. Ein Pfeil war beinahe ganz in ihn eingesunken. Er ignorierte den Schmerz. Darum konnte er sich k�mmern, wenn alle frei waren.</p><p>Um Thrall herum wurde gek�mpft. Er h�rte den Stahl, der auf das Schwert traf, die Axt, die in Fleisch biss. Einige der Wachen, die Kl�geren unter ihnen, hatten erkannt, was hier geschah und eilten herbei, um den Ausgang mit ihren eigenen K�rpern zu blockieren. F�r einen Augenblick f�hlte Thrall Trauer �ber die Sinnlosigkeit ihres Todes, dann st�rmte er vor.</p><p>Er schnappte sich die Waffe eines gefallenen Orks und schlug eine unerfahrene Wache mit Leichtigkeit zur�ck. �Geht, geht!�, schrie er und winkte mit der linken Hand. Die gefangenen Orks erstarrten zun�chst und dr�ngten sich eng aneinander, dann schrie einer von ihnen und st�rmte ebenfalls vorw�rts. Der Rest folgte. Thrall hob seine Waffe, lie� sie nieder sausen, und die tote Wache fiel in den blutigen Schlamm.</p><p>Vor Anstrengung keuchend blickte sich Thrall um. Er sah nur noch die Krieger der Warsongs und der Eisw�lfe im Kampf mit den Wachen. Die Gefangenen waren aus dem Lager verschwunden.</p><p>�R�ckzug!�, schrie er und machte sich auf den Weg �ber die noch immer hei�er Steine, die einmal Gef�ngnismauern gewesen waren, in die s��e Finsternis der Nacht. Die Clansleute folgten. Ein oder zwei Wachen folgten ihnen, aber die Orks waren schneller und hatten sie bald abgesch�ttelt.</p><p>Der Treffpunkt, den sie ausgemacht hatten, war ein alter Ring stehender Steine. Die Nacht war dunkel, aber Ork-Augen sahen auch ohne das Licht des Mondes. Als Thrall am Treffpunkt anlangte, standen Dutzende von Orks bei den acht aufragenden Steinen.</p><p>�Gegl�ckt!�, schrie eine Stimme zu Thralls Rechten. Er wandte sich um und sah Doomhammer, dessen schwarze R�stung mit einer solchen leuchtenden N�sse �berzogen war, dass es nur vergossenes menschliches Blut sein konnte. �Gegl�ckt! Ihr seid frei, meine Br�der! Ihr seid frei!�</p><p>Und der Ruf, der in der mondlosen Nacht anschwoll, erf�llte Thralls Herz mit Freude. �Wenn du mir die Nachrichten bringst, von denen ich glaube, dass du sie mir bringst, dann f�hle ich mich geneigt, deinen h�bschen Kopf von den Schultern zu trennen�, knurrte Blackmoore den ungl�ckseligen Boten an, der ein Bandelier trug, das ihn als einen Reiter aus einem der Lager auswies.</p><p>Der Bote sah aus, als w�rde ihm �bel. �Vielleicht sollte ich dann nicht sprechen�, entgegnete er.</p><p>Eine Flasche stand zu Blackmoores Rechten und schien nach ihm zu rufen. Er ignorierte ihre Bitten trotz seiner schwei�nassen Handfl�chen.</p><p>�Lass mich raten. Es hat wieder einen Aufstand in einem der Lager gegeben. Alle Orks sind entkommen. Niemand wei�, wohin sie sind.�</p><p>�Lord Blackmoore�, schluckte der junge Bote, �werdet Ihr mir den Kopf abschlagen, wenn ich Eure Worte best�tige?�</p><p>Die Wut explodierte in Blackmoore mit solcher Gewalt, dass sie fast einem k�rperlichen Schmerz gleichkam � und wurde sofort durch ein tiefes Gef�hl schwarzer Verzweiflung abgel�st. Was ging hier vor? Wie hatten diese Schafe in Ork-Gestalt sich dazu aufraffen k�nnen, ihre W�rter zu �berw�ltigen? Wer waren diese Orks, die aus dem Nichts erschienen waren, bis an die Z�hne bewaffnet und von einer Wut erf�llt, die man seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte? Es gab Ger�chte, dass Doomhammer � verflucht sollte seine verrottete Seele sein! � aus seinem Versteck gekrochen sei und die Aufst�nde anf�hre. Eine Wache hatte geschworen, sie habe die ber�hmte schwarze R�stung des Bastards gesehen.</p><p>�Du darfst deinen Kopf behalten�, erkl�rte Blackmoore und versuchte, die Flasche zu ignorieren, die in Reichweite seines Armes lockte. �Aber nur, damit du eine Nachricht an deinen Kommandanten �berbringen kannst.�</p><p>�Sir�, sagte der Bote elend, �es gibt noch mehr.�</p><p>Blackmoore blickte aus blutunterlaufenen Augen zu ihm auf. �Wie viel mehr kann es noch geben?�</p><p>�Dieses Mal wurde der Anstifter der Orks erkannt. Es ist ��</p><p>�Doomhammer, ja. Ich habe die Ger�chte geh�rt.�</p><p>�Nein, Mylord.� Der Bote schluckte. Blackmoore konnte sehen, wie auf der Stirn des jungen Mannes der Schwei� ausbrach. �Der Anf�hrer dieser Aufst�nde ist � es ist Thrall, Mylord.�</p><p>Blackmoore f�hlte, wie das Blut aus seinem Gesicht wich. �Du bist ein verdammter L�gner�, sagte er leise. �Oder zumindest solltest du mir besser sagen, dass du ein verdammter L�gner bist.�</p><p>�Nein, Mylord, obwohl ich mir w�nschte, es w�re so. Mein Herr sagte, er sei ihm im Kampf begegnet. Er erinnerte sich an Thrall von den Gladiatorenk�mpfen.�</p><p>�Ich werde deinem Herrn die Zunge herausschneiden, die solche L�gen verbreitet!�, br�llte Blackmoore.</p><p>�Leider, Sir, m�sst Ihr sechs Fu� tief graben, um seine Zunge zu bekommen�, erkl�rte der Bote. �Er starb nur eine Stunde nach der Schlacht.�</p><p>Best�rzt �ber die Neuigkeit sank Blackmoore in seinen Sessel zur�ck und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Ein schneller Schluck w�rde helfen, aber er wusste, dass er zu viel vor den Augen anderer Leute trank. Er h�rte sie bereits fl�stern. <emphasis>Betrunkener Narr � der hier den Befehl hat �</emphasis></p><p>Nein. Er leckte sich die Lippen. <emphasis>Ich bin Aedelas Blackmoore, Lord von Durnholde, Herr der Lager � Ich habe diese gr�nh�utige, schwarzbl�tige Missgeburt aufgezogen und ausgebildet, ich sollte in der Lage sein, sie auszutricksen � Beim Licht! Nur einen Schluck, damit diese Hand wieder ruhig wird �</emphasis></p><p><emphasis>Ein seltsames Gef�hl des Stolzes �berkam ihn. Er hatte Recht behalten mit Thralls Potenzial. Er hatte immer gewusst, dass der Junge etwas Besonderes war, mehr als ein normaler Ork. H�tte Thrall doch nur nicht die Chancen ausgeschlagen, die Blackmoore ihm geboten hatte! Sie k�nnten in diesem Augenblick den Angriff gegen die Allianz anf�hren, mit Blackmoore an der Spitze einer loyalen Ork-Armee, die jedem seiner Befehle gehorchte. Dummer, dummer Thrall. F�r einen kurzen Augenblick musste Blackmoore an jene letzten Pr�gel denken, die er Thrall verabreicht hatte. Vielleicht war er doch ein wenig zu weit gegangen �</emphasis></p><p>Aber er w�rde jetzt keine Schuldgef�hle entwickeln, nicht wegen eines ungehorsamen Sklaven. Thrall hatte alles aufgegeben, um sich mit diesen grunzenden, stinkenden, wertlosen Bestien zu verb�nden. Sollte er dort verrotten, wo er fallen w�rde.</p><p>Seine Aufmerksamkeit wandte sich wieder dem zitternden Boten zu, und Blackmoore zwang sich zu einem L�cheln. Der Mann entspannte sich und l�chelte zaghaft zur�ck. Mit unsicherer Hand griff Blackmoore nach einer Feder, tauchte sie in Tinte und schrieb eine Botschaft. Er puderte sie, um die �bersch�ssige Tinte aufzusaugen, und gab ihr ein paar Sekunden zum Trocknen. Dann faltete er das Schreiben, lie� hei�es Wachs auf das Papier tropfen und setzte ihm sein Siegel auf.</p><p>Er reichte den Brief dem Boten und sagte: �Bring dies zu deinem Herrn. Und pass gut auf deinen Hals auf, junger Mann.�</p><p>Der Bote konnte sein Gl�ck offenbar kaum fassen, verbeugte sich tief und huschte schnell hinaus. Wahrscheinlich wollte er nicht das Risiko eingehen, dass Blackmoore seinen Entschluss �nderte.</p><p>Als er wieder allein war, griff Blackmoore nach der Flasche, entkorkte sie und genehmigte sich mehrere lange, tiefe Schlucke. Als er die Flasche von den Lippen nahm, tropfte etwas Wein auf sein schwarzes Wams. Er wischte den Fleck gleichg�ltig ab. Daf�r hatte er schlie�lich Diener.</p><p>�Tammis!�, schrie er. Sofort �ffnete sich die T�r, und der Diener streckte seinen Kopf herein.</p><p>�Ja, Sir?�</p><p>�Geh und finde mir Langston.� Blackmoore l�chelte. �Ich habe eine Aufgabe f�r ihn.�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Es war Thrall gelungen, sich in drei Lager zu schmuggeln und diese zu befreien. Nach der ersten Revolte waren die Sicherheitsma�nahmen nat�rlich versch�rft worden, doch sie waren weiterhin j�mmerlich nachl�ssig, und die M�nner, die Thrall �gefangen nahmen� schienen niemals zu erwarten, dass er �rger sch�ren w�rde.</p><p>Doch w�hrend der Schlacht im dritten Lager hatte man ihn erkannt. Das �berraschungselement war dahin, und nachdem er mit Hellscream und Doomhammer gesprochen hatte, war man zu dem Schluss gekommen, dass es zu riskant w�re, wenn sich Thrall weiterhin als einfacher Geknechteter ausgab.</p><p>�Es ist dein Mut, der uns geweckt hat. Du kannst dich nicht weiter in solche Gefahr begeben�, sagte Hellscream. In seinen Augen lag das Leuchten, von dem Thrall jetzt wusste, dass es d�monisches H�llenfeuer war.</p><p>�Ich kann nicht in Sicherheit hinter den Linien sitzen, w�hrend sich andere der Gefahr stellen�, antwortete Thrall.</p><p>�Das wollen wir auch nicht vorschlagen�, sagte Doomhammer, �aber die Taktik, die wir bisher benutzt haben, ist jetzt zu gef�hrlich geworden.�</p><p>�Die Menschen reden�, sagte Thrall und erinnerte sich an all die Ger�chte und Geschichten, die er w�hrend seiner Ausbildungszeit geh�rt hatte. Die menschlichen Rekruten hatten gedacht, er sei zu dumm, um sie zu verstehen, und sie hatten sich in seiner Gegenwart frei unterhalten. Diese herablassende Behandlung wurmte ihn noch immer, aber das so erhaltene Wissen war ihm willkommen gewesen. �Die Orks in den Lagern werden davon erfahren, wie die anderen Lager befreit wurden. Selbst wenn sie gar nicht wirklich hinh�ren, werden sie wissen, dass etwas im Gange ist. Zwar kann ich nicht k�rperlich bei ihnen sein, um ihnen vom Weg des Schamanen zu erz�hlen, aber wir d�rfen hoffen, dass unsere Botschaft irgendwie zu ihnen durchgedrungen ist. Sobald der Weg frei ist, lasst uns hoffen, dass sie ihren eigenen Pfad in die Freiheit finden.�</p><p>Und so war es geschehen. Das vierte Lager hatte vor bewaffneten Wachen gestrotzt, aber die Elemente kamen Thrall weiterhin zu Hilfe, wenn er sie darum bat. Dies �berzeugte ihn noch mehr davon, dass seine Sache richtig und gerecht war, denn anderenfalls h�tten die Geister gewiss ihre Hilfe verweigert. Es wurde schwerer, die Mauern zu zerst�ren und gegen die Wachen zu k�mpfen, und viele von Doomhammers besten Kriegern lie�en ihr Leben. Doch die gefangenen Orks reagierten eifrig und st�rmten durch die entstandene Bresche, fast bevor Doomhammer und seine Krieger f�r sie bereit waren.</p><p>Die neue Horde wuchs beinahe t�glich. Die Jagd war zu dieser Jahreszeit einfach, und Doomhammers Gefolgsleute mussten nicht hungern. Als Thrall von einer kleinen Gruppe h�rte, die ein abgelegenes Dorf angegriffen hatte, war er w�tend. Besonders als er h�rte, dass viele unbewaffnete Menschen get�tet worden waren.</p><p>Er erfuhr, wer der Anf�hrer dieses �berfalls war, und noch am selben Abend marschierte er in das Lager der Gruppe, ergriff den erschrockenen Ork und schlug ihn hart zu Boden.</p><p>�Wir sind nicht die Schl�chter von Menschen!�, br�llte Thrall. �Wir k�mpfen, um unsere gefangenen Br�der zu befreien, und unsere Gegner sind bewaffnete Soldaten, nicht Frauen und Kinder!�</p><p>Der Ork wollte protestieren, aber Thrall schlug ihn brutal mit der R�ckhand. Blut spritzte aus dem Mund des Orks.</p><p>�Die W�lder wimmeln von Hirschen und Hasen! Jedes Lager, das wir befreien, gibt uns neue Nahrung! Es ist nicht n�tig, nur zu unserem pers�nlichen Vergn�gen Menschen zu terrorisieren, die uns nichts getan haben. Ihr k�mpft, wo ich euch befehle zu k�mpfen und gegen wen ich euch befehle zu k�mpfen, und wenn irgendein Ork je wieder einen unbewaffneten Menschen verletzt, werde ich ihm nicht vergeben. Habe ich mich klar ausgedr�ckt?�</p><p>Der Ork nickte. Die anderen Orks, die um das Lagerfeuer hockten, starrten Thrall mit gro�en Augen an und nickten ebenfalls.</p><p>Thrall sprach nun etwas weicher. �Dies ist das Verhalten der alten Horde, die von dunklen Hexern angef�hrt wurde, die keine Liebe f�r unser Volk empfanden. Dieser Weg hat uns in die Lager gef�hrt und in die Tr�gheit, als uns die d�monische Energie entzogen wurde, von der wir uns so gierig gen�hrt haben. Ich m�chte nicht, dass wir irgendjemand anderem verpflichtet sind als uns selbst. Dieser Weg hat uns beinahe vernichtet. Wir werden frei sein. Zweifelt nicht daran. Aber wir werden frei sein, um das Volk zu sein, das wir in Wirklichkeit sind, und was wir in Wirklichkeit sind, ist viel, viel mehr als ein Volk von Menschenm�rdern. Die alten Wege gibt es nicht mehr. Wir k�mpfen jetzt als stolze Krieger, nicht als grausame Schl�chter. Es liegt kein Stolz darin, Kinder zu t�ten.�</p><p>Thrall wandte sich um und ging. Bet�ubtes Schweigen folgte ihm. Er h�rte ein grollendes Lachen in der Dunkelheit, und pl�tzlich erschien Doomhammer neben ihm. �Du machst es dir unn�tig schwer�, sagte der gro�e Kriegsh�uptling. �Es liegt ihnen im Blut zu t�ten.�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Thrall. �Ich glaube, dass man uns manipulierte und aus edlen Kriegern M�rder formte, Marionetten, deren F�den von D�monen gezogen wurden � und von jenen aus unserem eigenen Volk, die uns verraten haben.�</p><p>�Es � es ist ein f�rchterlicher Tanz�, erklang Hellscreams Stimme, so leise und schwach, dass Thrall sie beinahe nicht erkannte. �So missbraucht zu werden. Die Macht, die sie uns gaben � sie war wie der s��este Honig, das saftigste Fleisch. Du hast Gl�ck, Thrall, dass du niemals von diesem Brunnen getrunken hast. Und dann auf ihn verzichten zu m�ssen � Es ist beinahe � unertr�glich.� Er schauderte.</p><p>Thrall legte eine Hand auf Hellscreams Schulter. �Und doch hast du es ertragen, tapferer Ork�, sagte er. �Dein Mut l�sst den meinen so gering erscheinen.�</p><p>Hellscreams rote Augen leuchteten in der Dunkelheit, und in ihrem h�llischen blutigen Licht konnte Thrall sehen, dass er l�chelte. Es war in den fr�hen, finsteren Morgenstunden, als die neue Horde das f�nfte Lager umzingelte.</p><p>Die Kundschafter kehrten zur�ck. �Die Soldaten sind wachsam�, berichteten sie Doomhammer. �Sie haben doppelt so viele M�nner wie �blich auf den Mauern postiert, und sie haben viele Feuer entz�ndet, damit ihre schwachen Augen sehen k�nnen.�</p><p>�Und sie haben das Licht der vollen Monde�, sagte Doomhammer. Er blickte zu den silbern und blau-gr�n leuchtenden Scheiben hinauf. �Die wei�e Dame und das blaue Kind sind heute Nacht nicht unsere Freunde.�</p><p>�Wir k�nnen nicht zwei Wochen warten�, sagte Hellscream. �Die Horde d�rstet nach einer gerechten Schlacht, und wir m�ssen zuschlagen, so lange unsere Leute noch stark genug sind, um der d�monischen Tr�gheit zu widerstehen.�</p><p>Doomhammer nickte, doch er blickte weiterhin besorgt. Die Kundschafter fragte er: �Irgendwelche Anzeichen, dass sie einen Angriff erwarten?�</p><p>Eines Tages, das wusste Thrall, w�rde das Gl�ck sie im Stich lassen. Sie hatten darauf geachtet, die Lager nicht nach einem bestimmten System auszusuchen, um es den Menschen unm�glich zu machen, zu erraten, wo sie als n�chstes zuschlagen w�rden. So konnten sie nicht auf der Lauer liegen. Aber Thrall kannte Blackmoore und wusste, dass er ihm irgendwann, an irgendeinem Ort begegnen w�rde.</p><p>Und so sehr er sich w�nschte, Blackmoore endlich im fairen Kampf gegen�berzustehen, wusste er doch, was das f�r die Truppen bedeuten w�rde. Um ihretwillen hoffte er, dass heute Nacht nicht bereits dieser Fall eintreten w�rde.</p><p>Die Kundschafter sch�ttelten die K�pfe.</p><p>�Dann lasst uns angreifen�, sagte Doomhammer, und schweigend flutete die gr�ne Woge den H�gel hinab und auf das Lager zu.</p><p>Sie hatten es fast erreicht, als die Tore aufflogen und Dutzende bewaffneter M�nner auf Pferden herausst�rmten. Thrall erkannte den schwarzen Falken auf der rot-goldenen Standarte und wusste, dass der Tag, den er gleichzeitig gef�rchtet und erhofft hatte, gekommen war.</p><p>Hellscreams Schlachtruf durchschnitt die Nacht und ertr�nkte beinahe die Schreie der Menschen und das Donnern der Hufe. Die Horde schien sich von der St�rke des Feindes nicht entmutigen zu lassen. Tats�chlich wirkte sie von neuem Leben erf�llt und bereit, sich der Herausforderung zu stellen.</p><p>Thrall warf den Kopf zur�ck und br�llte seinen eigenen Schlachtruf. Das Gedr�nge war zu gro�, als dass er solch gro�e M�chte wie den Blitz und das Erdbeben h�tte anrufen k�nnen, aber es gab andere, die er um Hilfe bitten konnte. Trotz eines geradezu �berw�ltigenden Drangs, sich in die Schlacht zu st�rzen und Mann gegen Mann zu k�mpfen, hielt er sich zur�ck. Daf�r war noch Zeit genug, nachdem er alles in seiner Macht Stehende getan hatte, um den Orks einen Vorteil zu verschaffen.</p><p>Er schloss die Augen, stemmte seine F��e fest ins Gras und rief den Geist der Wildnis. Ihm erschien ein gro�es, wei�es Pferd, der Geist aller Pferde, und Thrall sprach seine Bitte aus.</p><p><emphasis>Die Menschen benutzen deine Kinder, um uns zu t�ten. Auch sie sind in Gefahr. Wenn die Pferde ihre Reiter abwerfen, sind sie frei und k�nnen sich in Sicherheit bringen. Kannst du sie bitten, dies zu tun?</emphasis></p><p>Das gro�e Pferd dachte nach. <emphasis>Diese Kinder sind trainiert f�r den Kampf. Sie haben keine Angst vor Schwertern und Speeren.</emphasis></p><p><emphasis>Aber es ist nicht n�tig, dass sie heute sterben</emphasis>, entgegnete Thrall. <emphasis>Wir wollen nur unsere Leute befreien. Es ist eine gerechte Sache, und deine Kinder sollten nicht im Kampf gegen uns sterben.</emphasis></p><p>Wieder dachte der gro�e Pferdegeist �ber Thralls Worte nach. Schlie�lich nickte er mit dem riesigen wei�en Kopf.</p><p>Pl�tzlich geriet das Schlachtfeld in noch gr��ere Unordnung, als jedes Pferd entweder kehrt machte und mit einem erschreckten und w�tenden Menschen davon galoppierte oder sich auf die Hinterbeine erhob und seinen Reiter abwarf. Die Menschen k�mpften darum, sich auf ihren Pferden zu halten, aber es war unm�glich.</p><p>Jetzt war es an der Zeit, den Geist der Erde um Hilfe zu bitten. Thrall stellte sich vor, wie die Wurzeln jenes Waldes, der das Lager umgab, ausgriffen, wuchsen und aus der Erde hervorbrachen. <emphasis>B�ume, die ihr uns Zuflucht gew�hrt habt � werdet ihr uns auch jetzt helfen?</emphasis></p><p><emphasis>Ja</emphasis>, kam die Antwort in seinem Geist. Thrall �ffnete die Augen und bem�hte sich zu sehen. Selbst mit seiner hervorragenden Nachtsicht war es schwierig auszumachen, was geschah. Aber er konnte es schwach erkennen.</p><p>Wurzeln stie�en aus der harten Erde vor den Lagermauern hervor. Sie schossen aus dem Boden und packten die M�nner, die von ihren Pferden gefallen waren. Sie wanden ihre bleichen Tentakel um die Menschen wie Netze, die sich um gefangene Orks schlossen. Zu Thralls Freude t�teten die Orks die gefallenen Wachen nicht, als sie hilflos am Boden lagen. Stattdessen wandten sie sich anderen Zielen zu, drangen in das Lager ein und suchten nach ihren gefangenen Br�dern und Schwestern.</p><p>Eine weitere Feindeswelle st�rmte heraus, Menschen zu Fu�. Die B�ume sandten ihre Wurzeln nicht ein zweites Mal aus; sie hatten alle Hilfe gegeben, die sie zu geben bereit waren. Trotz seiner Entt�uschung dankte Thrall ihnen und zermarterte sich das Gehirn, was er als n�chstes tun sollte.</p><p>Er entschied, dass er alles getan hatte, was er als Schamane zu bewirken vermochte. Jetzt war es an der Zeit als Krieger zu handeln. Thrall packte das riesige Breitschwert, das ihm Hellscream geschenkt hatte, und st�rmte den H�gel hinab, um seinen Br�dern zu helfen.</p><p>Noch nie in seinem Leben hatte Lord Karramyn Langston solche Angst empfunden.</p><p>Er war zu jung, um an den Schlachten im letzten Krieg zwischen Menschen und Orks Teil genommen zu haben, und hatte stets an jedem Wort gehangen, das sein Idol Lord Blackmoore von diesen K�mpfen erz�hlt hatte. Wenn Blackmoore von den Schlachten sprach, klang es so leicht wie die Jagd in den W�ldern um Durnholde, nur viel aufregender. Blackmoore hatte nichts von den Schreien und dem St�hnen der M�nner erz�hlt, dem Gestank von Blut und F�kalien � und Orks! Tausende verschiedene Bilder griffen seine Augen gleichzeitig an. Nein, der Kampf gegen die Orks hatte wie ein herzerfrischender Spa� geklungen, nach dem man sich badete, einen Wein genoss und der Bewunderung durch die Frauen widmete.</p><p>Sie hatten das �berraschungsmoment auf ihrer Seite gehabt. Sie waren auf die gr�nen Monster vorbereitet gewesen. Was war passiert? Warum waren die Pferde, jedes von ihnen ein gut trainiertes Tier, geflohen oder hatten ihre Reiter abgeworfen? Was f�r ein b�ser Zauber hatte die Erde dazu gebracht, ihre bleichen Arme auszustrecken und jene zu fesseln, die das Ungl�ck hatten zu fallen? Woher kamen die schrecklichen wei�en W�lfe? Und wie wussten sie, wen sie anzugreifen hatten?</p><p>Langston erhielt auf keine seiner Fragen eine Antwort. Er hatte den Befehl �ber die Truppe, aber jedes Gef�hl, sie zu kontrollieren, war geschwunden, kaum dass diese schrecklichen Tentakel aus der Erde hervorgebrochen waren. Jetzt gab es nur noch reine Panik, die Ger�usche von Schwert auf Schild oder Fleisch und die Schreie der Sterbenden.</p><p>Langston wusste nicht, gegen wen er gerade k�mpfte. Es war zu dunkel, um etwas zu erkennen, und er schwang sein Schwert blind, schreiend und schluchzend bei jedem wilden Schlag. Manchmal biss Langstons Schwert in Fleisch, doch meist h�rte er nur, wie es die Luft durchschnitt. Er wurde allein von seinem Entsetzen angetrieben, und eine leise Stimme in seinem Kopf fragte sich, wie lange er das Schwert noch w�rde schwingen k�nnen.</p><p>Ein gewaltiger Schlag auf seinen Schild ersch�tterte seinen Arm bis hinauf zu den Z�hnen. Irgendwie gelang es ihm, den Schutz hochzuhalten, w�hrend eine gigantische Kreatur von enormer St�rke darauf einh�mmerte. F�r einen kurzen Moment trafen Langstons Augen die seines Angreifers, und vor Schrecken klappte ihm der Mund auf.</p><p>�Thrall!�, schrie er.</p><p>Die Augen des Orks weiteten sich, als er ihn erkannte, und verengten sich dann in t�dlicher Wut. Langston sah, wie sich eine riesige gr�ne Faust hob.</p><p>Dann wusste er nichts mehr.</p><empty-line/><p>Das Leben von Langstons M�nnern war Thrall egal. Sie standen zwischen ihm und der Befreiung der gefangenen Orks. Sie hatten sich in einen ehrlichen Kampf begeben, und wenn sie darin starben, so war es ihr Schicksal. Aber Langston wollte er lebend.</p><p>Er erinnerte sich an Blackmoores kleinen Schatten. Langston sagte niemals viel, blickte Blackmoore nur mit einem begeisterten Gesichtsausdruck an und Thrall mit einer Grimasse, die Ekel und Verachtung ausdr�ckte. Aber Thrall wusste, dass niemand seinem Feind n�her stand als dieser j�mmerliche Mann mit dem schwachen Willen, und obwohl er es nicht verdiente, w�rde Thrall daf�r sorgen, dass Langston die Schlacht �berlebte.</p><p>Er warf sich den bewusstlosen Captain �ber die Schulter und k�mpfte sich zur�ck durch die dunkle Flut der fortdauernden Schlacht. Er eilte in den Schutz des Waldes und warf Langston am Fu� einer alten Eiche zu Boden wie einen Sack Kartoffeln. Er fesselte die H�nde des Mannes mit dessen eigenem Bandelier. <emphasis>Bewache ihn gut, bis ich zur�ckkehre</emphasis>, bat er die alte Eiche. Als Antwort hoben sich die riesigen Wurzeln und schlossen sich unsanft um Langstons reglose Gestalt.</p><p>Thrall st�rmte wieder zur�ck in die Schlacht. Sonst gelangen die Befreiungen mit erstaunlicher Schnelligkeit, aber nicht dieses Mal. Die K�mpfe dauerten noch immer an, als Thrall wieder zu seinen Kameraden stie�, und sie schienen endlos weiterzugehen. Aber die gefangenen Orks taten, was sie konnten, um der Freiheit entgegenzulaufen.</p><p>Es gelang Thrall, sich an den Menschen vorbei zu k�mpfen, und er durchsuchte das Lager. Er fand mehrere Orks, die noch in Ecken kauerten. Zuerst wichen sie vor ihm zur�ck, und noch immer mit dem Feuer der Schlacht in seinem Blut, fiel es Thrall schwer, sanft zu ihnen zu sprechen. Trotzdem gelang es ihm, sie zu �berreden, mit ihm zu kommen und den verzweifelten Ausbruch in die Freiheit an den k�mpfenden Kriegern vorbei zu wagen.</p><p>Schlie�lich, als er sich sicher war, dass alle Insassen hatten fliehen k�nnen, kehrte er selbst in die Schlacht zur�ck. Er blickte sich um. Da war Hellscream, der mit all der Kraft und Leidenschaft eines D�mons k�mpfte. Aber wo war Doomhammer? Normalerweise h�tte der charismatische Kriegsh�uptling inzwischen l�ngst den R�ckzug befohlen, damit sich die Orks neu formieren, die Verwundeten versorgen und den n�chsten Angriff planen konnten.</p><p>Es war eine blutige Schlacht, und zu viele seiner Waffenbr�der waren bereits gefallen oder lagen im Sterben. Thrall nahm es als Stellvertretender Kommandeur auf seine Verantwortung zu schreien: �R�ckzug! R�ckzug!�</p><p>Verloren in ihrer Blutlust h�rten ihn viele nicht. Thrall rannte von Krieger zu Krieger, wehrte Angriffe ab und schrie das Wort, das die Orks niemals gerne h�rten, das aber so notwendig, so entscheidend lebenswichtig f�r ihre weitere Existenz war: �R�ckzug! <emphasis>R�ckzug!</emphasis>�</p><p>Seine Schreie durchdrangen schlie�lich den Nebel der Blutlust, und nach ein paar letzten Schwerthieben wandten sich die Orks ab und verlie�en entschlossen das Lager. Viele der menschlichen Ritter � denn es war klar, dass sie Ritter waren � eilten ihnen hinterher. Thrall wartete drau�en und rief: �Los! Los!�</p><p>Die Orks waren gr��er, st�rker und schneller als die Menschen, und als auch der letzte Krieger den H�gel hinauf in den Wald hetzte, wirbelte Thrall herum, stemmte seine F��e in dem stinkenden Schlamm aus Erde und Blut und rief schlie�lich den Geist des Bodens.</p><p>Die Erde antwortete. Der Grund unter dem Lager begann zu beben, und vor Thralls Augen brach die Erde auf und hob sich. Die m�chtige Steinmauer, die das Lager umgab, brach in sich zusammen. Schreie drangen an Thralls Ohren, nicht Kampfschreie oder Beschimpfungen, sondern Schreie purer Angst. Er wappnete sich gegen eine pl�tzliche Anwandlung von Mitleid. Diese Ritter k�mpften unter Blackmoores Befehl. Es war mehr als wahrscheinlich, dass man sie angewiesen hatte, so viele Orks wie m�glich zu t�ten, alle gefangen zu nehmen, die sie nicht t�teten, und Thrall dingfest zu machen, um ihn wieder der Sklaverei zuzuf�hren. Sie hatten sich entschieden, diesen Befehlen zu gehorchen, und daf�r w�rden sie mit dem Leben bezahlen.</p><p>Die Erde bebte. Die Schreie erstarben unter dem schrecklichen Tumult einst�rzender Geb�ude und zerberstenden Steins. Und dann � beinahe so schnell, wie er gekommen war � erstarb der L�rm.</p><p>Thrall stand da und betrachtete die Ruine, die einst ein Lager gewesen war, in dem man sein Volk wie Tiere gehalten hatte. Leise h�rte er unter den Tr�mmern M�nner st�hnen, aber Thrall verh�rtete sein Herz. Seine eigenen Leute waren verwundet, st�hnten. Er w�rde sich um sie k�mmern.</p><p>Er nahm sich einen Moment Zeit, um die Augen zu schlie�en und der Erde seine Dankbarkeit auszudr�cken. Dann wandte er sich um und eilte zum Sammelpunkt seiner Leute.</p><p>Die Zeit nach der Schlacht war stets chaotisch, aber dieses Mal hatte Thrall das Gef�hl, dass der Tumult sogar noch unorganisierter war als �blich. W�hrend er den H�gel hinaufrannte, kam ihm Hellscream entgegen.</p><p>�Es ist Doomhammer�, kr�chzte Hellscream. �Du musst dich beeilen.�</p><p>Thralls Herz setzte einen Schlag aus. Nicht Doomhammer. Sicher konnte er nicht in Gefahr sein � Er folgte Hellscream, der ihm den Weg durch eine dichte Traube schwatzender Orks wies, und stand pl�tzlich vor Orgrim Doomhammer, der seitlich gegen den Stamm eines Baumes gelehnt lag.</p><p>Thrall keuchte entsetzt auf. Mindestens zwei Fu� einer gebrochenen Lanze ragten aus Doomhammers breitem R�cken hervor. W�hrend Thrall von dem Anblick f�r einen Moment wie gel�hmt war, versuchten die beiden pers�nlichen Diener Doomhammers die runde Brustplatte zu l�sen. Jetzt konnte Thrall sehen, wie aus dem schwarzen Gambeson, der die schwere R�stung auspolsterte, die rote, glitzernde Spitze der Lanze hervorragte. Sie war mit solcher Macht in Doomhammer eingedrungen, dass sie die schwarze R�ckenplatte vollkommen durchbohrt, den K�rper des Orks glatt durchfahren und die Brustplatte von innen ausgedellt hatte.</p><p>Drek�Thar kniete neben Doomhammer und wandte Thrall die blinden Augen zu. Er sch�ttelte leicht den Kopf, dann erhob er sich und trat zur�ck.</p><p>Das Blut rauschte in Thralls Ohren, und er h�rte nur undeutlich, wie der m�chtige Krieger seinen Namen sprach. Stolpernd n�herte sich Thrall und kniete neben Doomhammer nieder.</p><p>�Die Hand eines Feiglings hat das getan�, kr�chzte Doomhammer. Blut tr�pfelte aus seinem Mund. �Ich wurde von hinten angegriffen.�</p><p>�Mylord�, sagte Thrall elend. Doomhammer winkte ihm zu schweigen.</p><p>�Ich brauche deine Hilfe, Thrall. In zwei Dingen. Du musst die Mission weiterf�hren, die wir begonnen haben. Einst habe ich die Horde angef�hrt. Es ist nicht mein Schicksal, dies wieder zu tun.� Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Er erzitterte, dann fuhr er fort: �Dein ist der Titel des Kriegsh�uptlings, Thrall, Sohn des Durotan. Du wirst meine R�stung tragen und meinen Hammer f�hren.�</p><p>Doomhammer streckte eine Hand nach Thrall aus, und Thrall ergriff sie. �Du wei�t, was du zu tun hast. Ihr Schicksal ruht jetzt in deinen H�nden. Ich h�tte mir � keinen besseren Erben w�nschen k�nnen. Dein Vater w�re so stolz gewesen � Hilf mir ��</p><p>Mit zitternden H�nden half Thrall den beiden j�ngeren Orks, St�ck f�r St�ck die R�stung zu entfernen, die stets auch ein Symbol f�r Orgrim Doomhammer gewesen war. Aber die Lanze, die noch immer aus Orgrims R�cken hervor ragte, verhinderte, dass sie die R�stung vollst�ndig abnehmen konnten.</p><p>�Das ist die zweite Sache�, knurrte Doomhammer. Eine kleine Menge hatte sich um den gefallenen Helden versammelt, und mit jeder Sekunde wurden es mehr Orks. �Es ist Schande genug, dass ich durch den Angriff eines Feiglings sterbe�, sagte er, �aber ich werde nicht aus dem Leben gehen, w�hrend noch dieses St�ck menschlichen Verrats in meinem K�rper steckt.� Eine Hand n�herte sich der Spitze der Lanze. Die Finger zuckten schwach. Die Hand fiel nieder. �Ich habe versucht, sie selbst herauszuziehen, doch mir fehlt die Kraft � Schnell, Thrall. Tu dies f�r mich.�</p><p>Thrall f�hlte sich, als w�rde sein Brustkorb von einer unsichtbaren Hand zusammengedr�ckt. Er nickte. Er wappnete sich gegen den Schmerz, den er seinem Freund und Mentor zuf�gen musste, schloss die Finger um die Spitze der Lanze, dr�ckte gegen Doomhammers Fleisch �</p><p>Und Doomhammer schrie. Vor Wut ebenso sehr wie vor Schmerz. �Zieh!�, schrie er.</p><p>Thrall schloss die Augen und zog. Der blutgetr�nkte Schaft kam ein paar Zoll heraus. Das St�hnen, das �ber Doomhammers Lippen drang, wollte Thrall das Herz brechen.</p><p>�Noch mal!�, schrie der m�chtige Krieger. Thrall atmete tief ein und zog mit dem festen Willen, dieses Mal den ganzen Schaft herauszuziehen, und dieser kam mit solcher Pl�tzlichkeit frei, dass Thrall r�ckw�rts taumelte.</p><p>Schwarzrotes Blut schoss wie ein Strom aus dem t�dlichen Loch in Doomhammers Bauch. Hellscream stand neben Thrall und fl�sterte: �Ich sah, wie es passierte. Es war, bevor du die Pferde dazu brachtest, ihre Herren im Stich zu lassen. Er k�mpfte allein gegen acht von ihnen, alle beritten. Es war der tapferste Kampf, den ich jemals gesehen habe.�</p><p>Thrall nickte wie bet�ubt. Dann kniete er wieder an Doomhammers Seite. �Gro�er Anf�hrer�, fl�sterte Thrall, so dass nur Doomhammer es h�ren konnte, �ich habe Angst. Ich bin nicht w�rdig, Eure R�stung zu tragen und Eure Waffe zu f�hren.�</p><p>�Niemand atmet, der w�rdiger w�re�, erkl�rte Doomhammer mit leiser, schwacher Stimme. �Du wirst sie f�hren � in den Sieg � und du wirst sie � in den Frieden fuhren ��</p><p>Die Augen des gro�en Orks schlossen sich, und Doomhammer fiel nach vorne auf Thrall. Thrall fing ihn auf und dr�ckte ihn lange an sich. Er f�hlte eine Hand auf seiner Schulter. Es war Drek�Thar. Der alte Schamane griff Thrall unter den Arm und half ihm auf.</p><p>�Sie haben alles gesehen�, sagte Drek�Thar zu Thrall und sprach dabei sehr leise. �Sie d�rfen jetzt nicht den Mut verlieren. Du musst sofort die R�stung anlegen und ihnen zeigen, dass sie einen neuen H�uptling haben.�</p><p>�Herr�, sagte einer der Orks, der Drek�Thars Worte mitbekommen hatte, �die R�stung �� Er schluckte. �Die Platte, die durchsto�en wurde � wir werden sie ersetzen m�ssen.�</p><p>�Nein�, erkl�rte Thrall bestimmt, �das werden wir nicht tun. Vor der n�chsten Schlacht werdet ihr sie wieder in Form h�mmern, aber ich werde die Platte behalten. Zu Ehren von Orgrim Doomhammer, der sein Leben gab, um sein Volk zu befreien.�</p><p>Er richtete sich zu voller Gr��e auf und lie� sich die R�stung anlegen. W�hrend er in seinem Herzen trauerte, zeigte er den anderen ein tapferes Gesicht. Schweigend und ehrf�rchtig sah die versammelte Menge zu. Drek�Thars Rat war weise gewesen. Dies war jetzt das Richtige zu tun. Er beugte sich herab, nahm den riesigen Hammer auf und schwang ihn �ber seinem Kopf.</p><p>�Orgrim Doomhammer hat mich zum Kriegsh�uptling ernannt�, rief er. �Es ist ein Titel, den ich nicht gesucht habe, aber ich habe keine Wahl. Ich wurde ernannt, und ich werde gehorchen. Wer wird mir folgen und unser Volk mit mir in die Freiheit f�hren?�</p><p>Ein Schrei erhob sich aus vielen Kehlen, rau und voller Trauer um den Tod ihres F�hrers. Doch es war auch ein Schrei der Hoffnung, und w�hrend Thrall dastand und die ber�hmte Waffe Doomhammers empor hob, wusste er in seinem Herzen, dass trotz aller Widrigkeiten der Sieg tats�chlich ihnen geh�ren w�rde.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Thrall f�hlte sich wie ausgeh�hlt vor Schmerz und Wut, als er zu der Eiche marschierte, die Langston mit ihren unerbittlichen Wurzeln umklammert hielt. Der Captain versuchte ebenso verzweifelt wie erfolglos, sich aufzusetzen.</p><p>Er schreckte auf, als Thrall pl�tzlich in der d�steren schwarzen R�stung �ber ihm aufragte. Seine Augen weiteten sich voller Furcht.</p><p>�Ich sollte dich t�ten�, erkl�rte Thrall mit dunkler Stimme. Das Bild Doomhammers, vor seinen Augen sterbend, war noch frisch in seinem Geist.</p><p>Langston leckte seine roten, vollen Lippen. �Gnade, Lord Thrall!�, bettelte er.</p><p>Thrall lie� sich auf ein Knie nieder und schob sein Gesicht direkt vor das von Langston. �Und wann hast du <emphasis>mir</emphasis> jemals Gnade gezeigt?�, br�llte er. Langston zuckte vor der donnernden Stimme zur�ck. �Wann hast du eingegriffen und gesagt: �Blackmoore, vielleicht hast du ihn genug geschlagen� oder �Blackmoore, er hat sein Bestes gegeben� �? Wann sind solche Worte jemals �ber deine Lippen gekommen?�</p><p>�Ich wollte es�, sagte Langston.</p><p>�Im Augenblick glaubst du diese Worte wohl selbst�, sagte Thrall, w�hrend er sich wieder zu seiner vollen Gr��e aufrichtete und auf seinen Gefangen hinab starrte. �Aber ich bezweifle, dass du jemals wirklich so gef�hlt hast. Lassen wir die L�gen. Dein Leben ist f�r mich von Wert � im Augenblick. Wenn du mir sagst, was ich wissen will, dann lasse ich dich und die anderen Gefangenen frei, und ihr k�nnt zu dem Hund zur�ckkehren, den ihr euren Herrn nennt.� In Langstons Blick lag Zweifel. �Du hast mein Wort�, f�gte Thrall hinzu.</p><p>�Und was ist das Wort eines Orks wert?�, sagte Langston in einem Anflug von Aufbegehren.</p><p>�Nun, es ist dein j�mmerliches Leben wert, Langston. Nichts von wahrem Wert, das gebe ich zu. Und jetzt sag mir: Woher wusstet ihr, welches Lager wir angreifen w�rden? Gibt es einen Spion in unserer Mitte?�</p><p>Langston weigerte sich zu antworten und sah dabei aus wie ein trotziges Kind. Thrall bildete einen Gedanken, und die Baumwurzeln schlangen sich enger um Langstons K�rper. Der Mensch schnappte nach Luft und starrte Thrall entsetzt an.</p><p>�Ja�, sagte Thrall ruhig, �die B�ume gehorchen meinem Willen. Ebenso wie die anderen Elemente.� Langston brauchte nichts �ber die komplizierte Beziehung von Geben und Nehmen zu wissen, die ein Schamane mit den Geistern teilte. Sollte er nur annehmen, dass Thrall die vollkommene Kontrolle besa�. �Beantworte meine Frage.�</p><p>�Kein Spion�, grunzte Langston. Er hatte Atemschwierigkeiten, weil die Wurzeln sich eng um seine Brust zogen. Thrall bat die Eiche, sie etwas zu lockern, und der Baum tat es. �Blackmoore hat Ritter in allen �brig gebliebenen Lagern stationiert.�</p><p>�Also egal, wo wir zugeschlagen h�tten, wir w�ren auf seine M�nner getroffen.�</p><p>Langston nickte.</p><p>�Nicht gerade ein optimaler Einsatz von vorhandenen Mitteln, aber f�r dieses Mal scheint es funktioniert zu haben. Was kannst du mir sonst noch sagen? Wie versucht Blackmoore meine Gefangennahme zu erreichen? Wie viele Truppen hat er? Oder soll diese Wurzel zu deinem Hals hinauf kriechen?�</p><p>Die erw�hnte Wurzel streichelte sanft Langstons Kinn, und der Widerstand des Captains brach wie ein Glaskelch, der auf einen Steinboden schmettert. Tr�nen traten in seine Augen, und er begann zu schluchzen. Thrall f�hlte Ekel, aber trotzdem lauschte er genau auf jedes Wort, das aus Langstons Mund drang. Der Ritter platzte mit Zahlen heraus, Daten und Pl�nen, verriet sogar, dass Blackmoores Trunksucht begann, dessen Entscheidungen zu beeintr�chtigen.</p><p>�Er will dich unbedingt zur�ck haben, Thrall�, schnaufte Langston und blickte aus rotunterlaufenen Augen zu dem Ork hinauf. �Du bist der Schl�ssel zu allem.�</p><p>Der Schl�ssel? Wovon sprach der Ritter? Misstrauisch verlangte Thrall: �Erkl�r das.�</p><p>W�hrend die Wurzelfesseln von seinem K�rper abfielen, schien Langston ermutigt und sogar noch eifriger bem�ht, alles zu verraten, was er wusste.</p><p>�Der Schl�ssel zu allem�, erkl�rte er. �Als er dich fand, wusste er, dass er dich benutzen konnte. Zun�chst als Gladiator, aber er plante mehr.� Langston wischte sich das nasse Gesicht ab und versuchte, so viel von seiner verlorenen W�rde zur�ckzugewinnen, wie er nur konnte. �Hast du dich nie gefragt, warum er dir das Lesen beibringen lie�, dir Karten gab und Strategie beibrachte?�</p><p>Thrall nickte, gespannt und erwartungsvoll.</p><p>�Er wollte, dass du schlie�lich eine Armee anf�hrst, eine Armee von Orks.�</p><p>Wut �berkam Thrall. �Du l�gst! Warum sollte Blackmoore gewollt haben, dass ich seine Gegner anf�hre?�</p><p>�Aber sie � du � ihr w�rt keine Gegner gewesen�, sagte Langston. �Du solltest eine Armee von Orks <emphasis>gegen die Allianz</emphasis> f�hren.�</p><p>Thrall klappte der Mund auf. Er konnte nicht glauben, was er da h�rte. Er hatte gewusst, dass Blackmoore grausam und r�cksichtslos war, aber das � das war Verrat auf einer schwindelerregenden Ebene.</p><p>Gegen sein eigenes Volk!</p><p>Es konnte nicht stimmen. Doch Langston schien in seiner Not die reine Wahrheit zu sprechen, und sobald das Entsetzen abgeklungen war, erkannte Thrall, dass dieser Plan f�r Blackmoore sehr viel Sinn ergeben w�rde.</p><p>�Du vereinst die besten Qualit�ten beider V�lker�, fuhr Langston fort, �die St�rke und die Blutlust eines Orks, verbunden mit der Intelligenz und dem strategischen Wissen eines Menschen. Du w�rdest Orks befehligen, und sie w�ren unschlagbar.�</p><p>�Und Aedelas Blackmoore w�re nicht l�nger Generalleutnant, sondern � was? K�nig? Absoluter Herrscher? Herr �ber das ganze Land?�</p><p>Langston nickte heftig. �Du kannst dir nicht vorstellen, wie er geworden ist, seit du entkommen bist. Er behandelt uns alle so schlecht.�</p><p>�Schlecht?�, grollte Thrall. �Ich wurde geschlagen und getreten, und man lie� mich denken, ich sei ein Nichts! Ich musste mich t�glich in der Arena dem Tod stellen. Ich und mein Volk, wir k�mpfen um unser Leben. Wir k�mpfen um die Freiheit. <emphasis>Das</emphasis>, Langston, ist schlecht. Sprich mir nicht von Schmerzen und Schwierigkeiten, denn du erleidest ziemlich wenig von beidem.�</p><p>Langston schwieg, und Thrall dachte �ber das nach, was er gerade erfahren hatte. Es war eine k�hne und verwegene Strategie, doch, welche Fehler Aedelas Blackmoore auch immer besitzen mochte, er war ein k�hner und verwegener Mann. Thrall hatte die Leute hier und da �ber die Schande von Blackmoores Familie reden h�ren. Aedelas war stets bem�ht gewesen, diesen Schandfleck von seinem Namen zu wischen, aber vielleicht sa� der Makel sehr tief. Vielleicht hatte er sich bis zu seinen Knochen durchgefressen � oder gar bis zu seinem Herzen.</p><p>Warum aber, wenn es Blackmoores Ziel gewesen war, am Ende Thralls vollkommene Treue zu gewinnen, hatte er ihn nicht besser behandelt? Erinnerungen erschienen in Thralls Geist, an die er seit Monaten nicht mehr gedacht hatte: ein lachender Blackmoore, der zufrieden mit ihm war; ein Teller voller S��igkeiten nach einem besonders guten Kampf; eine liebevolle Hand, die sich auf eine gro�e Schulter legte, wenn Thrall ein schwieriges strategisches Problem gel�st hatte �</p><p>Blackmoore hatte stets sehr widerstreitende Gef�hle in Thrall geweckt. Furcht, Bewunderung, Hass, Verachtung. Aber zum ersten Mal erkannte Thrall, dass Blackmoore in vielerlei Hinsicht sein Mitleid verdiente. Fr�her hatte Thrall nicht gewusst, warum Blackmoore einmal offen und herzlich war, seine Stimme klar und gebildet, und ein anderes Mal brutal und b�sartig, w�hrend er undeutlich und viel zu laut sprach. Jetzt verstand er. Die Flasche hatte ihre Klauen so tief in Blackmoores Herz versenkt wie ein Adler seine Krallen in einen Hasen. Blackmoore war ein Mann, der nicht wusste, ob er sein Erbe des Verrats annehmen oder �berwinden sollte, ein brillanter Stratege und K�mpfer und ein feiger, grausamer Tyrann. Blackmoore hatte Thrall wahrscheinlich so gut behandelt, wie es ihm �berhaupt m�glich gewesen war.</p><p>Der Zorn verlie� Thrall. Blackmoore tat ihm schrecklich Leid, aber dieses Gef�hl �nderte nichts. Er war weiterhin entschlossen, die Lager zu befreien und den Orks zu helfen, ihr Erbe wiederzuentdecken. Und Blackmoore stand ihm dabei im Weg, ein Hindernis, das er w�rde beseitigen m�ssen.</p><p>Er blickte wieder zu Langston hinab, der die Ver�nderung in Thrall sp�rte und ihm ein L�cheln bot, das eher an eine Grimasse erinnerte.</p><p>�Ich halte mein Wort�, sagte Thrall. �Du und deine M�nner, ihr seid frei. Ihr werdet sofort gehen. Ohne Waffen, ohne Proviant, ohne Pferde. Man wird euch folgen, aber ihr werdet nicht sehen, wer euch folgt. Wenn ihr auch nur von einem Hinterhalt <emphasis>sprecht</emphasis> oder irgendeine Art von Angriff versucht, werdet ihr sterben. Hast du verstanden?�</p><p>Langston nickte. Mit einem kurzen Wink gab ihm Thrall zu verstehen, dass er gehen konnte. Langston brauchte keine weitere Aufforderung. Hastig kam er auf die F��e und rannte los. Thrall sah zu, wie er und die anderen entwaffneten Ritter in die Dunkelheit flohen. Er blickte in die B�ume hinauf und sah die Eule, deren leuchtenden Augen er auf sich gesp�rt hatte.</p><p><emphasis>Folge ihnen, mein Freund, wenn du willst. Berichte mir sofort, wenn sie etwas gegen uns planen.</emphasis></p><p>Mit raschelnden Fl�geln sprang die Eule von ihrem Zweig und begann den fliehenden M�nnern zu folgen. Thrall seufzte tief. Nun, da die fiebrige Energie, die ihn w�hrend dieser langen, blutigen Nacht aufrecht gehalten hatte, langsam verschwand, erkannte er, dass auch er selbst Verletzungen davongetragen hatte und ersch�pft war. Aber um diese Dinge konnte er sich sp�ter k�mmern. Es war noch eine wichtige Pflicht zu erf�llen. Sie brauchten den Rest der Nacht, um alle Leichen einzusammeln und vorzubereiten, und am Morgen kr�uselte sich fetter schwarzer Rauch in den blauen Himmel. Thrall und Drek�Thar hatten den Geist des Feuers gebeten, schneller zu brennen als sonst, damit es nicht so lange dauerte, bis die K�rper zu Asche verbrannt waren und diese Asche dem Geist der Luft �bergeben werden konnte, der sie verteilte, wie es ihm gefiel.</p><p>Der gr��te und am reichsten geschm�ckte Scheiterhaufen war f�r den Edelsten von allen gedacht. Thrall und Hellscream ben�tigten zwei weitere M�nner, um Orgrim Doomhammers riesigen K�rper auf den Scheiterhaufen zu heben. Ehrf�rchtig salbte Drek�Thar Doomhammers fast nackten Leib mit �len und murmelte dazu Worte, die Thrall nicht h�ren konnte. S��e Ger�che stiegen von dem K�rper auf. Drek�Thar bedeutete Thrall, sich ihm anzuschlie�en, und gemeinsam arrangierten sie die Leiche in einer Pose des Trotzes. Tote Finger wurden gefaltet und dezent um ein zerschmettertes Schwert gebunden. Zu Doomhammers F��en legte man die Leichen anderer tapferer Krieger, die in der Schlacht gefallen waren � die wilden, treuen wei�en W�lfe, die nicht schnell genug gewesen waren, um den Waffen der Menschen auszuweichen. Einer lag zu Doomhammers F��en, zwei weitere an jeder Seite, und �ber seiner Brust. An einem Ort besonderer Ehre lag der tapfere Wiseear. Drek�Thar streichelte seinen alten Gef�hrten ein letztes Mal, dann traten er und Thrall zur�ck.</p><p>Thrall erwartete, dass Drek�Thar nun irgendwelche geeigneten Worte sprechen w�rde, doch stattdessen stie� Hellscream Thrall an. Unsicher wandte sich Thrall an die Menge, die sich schweigend um die Leiche ihres H�uptlings versammelt hatte.</p><p>�Ich habe noch nicht viel Zeit in der Gemeinschaft meines eigenen Volkes verbracht�, begann Thrall. �Ich kenne unsere Traditionen des Jenseits nicht. Aber eines wei� ich: Doomhammer starb so tapfer, wie nur irgendein Ork sterben kann. Er k�mpfte in der Schlacht und versuchte seine gefangenen Br�der und Schwestern zu befreien. Sicher wird er uns mit Wohlwollen betrachten, wenn wir ihn jetzt im Tode ehren, wie wir ihn stets im Leben geehrt haben.� Er blickte hin�ber zum dem toten Ork. �Orgrim Doomhammer, Ihr wart der beste Freund meines Vaters. Ich konnte nicht hoffen, einem edleren Ork zu begegnen. Ich w�nsche Euch eine schnelle Reise an einen freudigen Ort.�</p><p>Mit diesen Worten schloss er die Augen und bat den Geist des Feuers, den Helden zu nehmen. Sofort brannte das Feuer schneller und mit gr��erer Hitze, als Thrall es jemals erlebt hatte. Die Leiche w�rde bald verschlungen sein, und die H�lle, die den gl�henden Geist, den diese Welt Orgrim Doomhammer nannte, beherbergt hatte, w�rde nicht mehr sein.</p><p>Aber das, wof�r er gestanden hatte, das, wof�r er gestorben war, w�rde nicht vergessen werden.</p><p>Thrall warf den Kopf zur�ck und br�llte einen tiefen Schrei. Einer nach dem anderen schloss sich ihm an, und bald schrien alle Orks ihren Schmerz und ihre Leidenschaft hinaus. Wenn es tats�chlich Geister der Vorfahren gab, dann mussten selbst sie von der Lautst�rke dieses Klagens beeindruckt sein, das sich um Orgrim Doomhammer erhob.</p><p>Nachdem das Ritual vor�ber war, setzte sich Thrall schwer neben Drek�Thar und Hellscream. Auch Hellscream hatte Verletzungen erlitten, die er wie Thrall f�r den Augenblick stoisch ertrug. Drek�Thar war es ausdr�cklich verboten worden, sich auch nur in die N�he der K�mpfe zu begeben, doch er diente treu und gut, indem er die Verwundeten versorgte. Wenn Thrall irgendetwas geschah, dann war Drek�Thar der einzige Schamane der Horde, ein viel zu wertvoller Schatz, als dass man riskieren durfte, ihn zu verlieren. Doch er war noch nicht so alt, dass dieser Befehl ihn nicht ge�rgert h�tte.</p><p>�Welches Lager ist als n�chstes an der Reihe, mein Kriegsh�uptling?�, fragte Hellscream respektvoll. Thrall zuckte bei dem Titel zusammen. Er hatte sich noch immer nicht ganz an die Tatsache gew�hnt, dass Doomhammer fort war, dass er jetzt den Befehl �ber Hunderte von Orks hatte.</p><p>�Keine Lager mehr�, sagte er. �Unsere Streitmacht ist f�r den Augenblick stark genug.�</p><p>Drek�Thar runzelte die Stirn. �Sie leiden�, sagte er.</p><p>�Das tun sie�, stimmte Thrall ihm zu, �aber ich habe einen Plan, der sie alle auf einen Schlag befreien kann. Um das Monster zu t�ten, musst du ihm den Kopf abschneiden, nicht nur seine H�nde und F��e. Es ist an der Zeit, dass wir den Lagern den Kopf abschneiden.�</p><p>Seine Augen glitzerten im Licht des Feuers. �Wir werden Durnholde st�rmen.�</p><empty-line/><p>Als er seinen Truppen am n�chsten Morgen den Plan verk�ndete, begr��te ihn gro�er Jubel. Sie waren jetzt bereit, den Sitz der Macht anzugreifen. Thrall und Drek�Thar standen die Elemente zur Seite, die bereit waren, ihnen zu helfen. Die Orks f�hlten sich durch die Schlacht der letzten Nacht wiederbelebt. Nur wenige waren gefallen, wenn auch einer von ihnen der gr��te Krieger von allen gewesen war, und viele Feinde lagen jetzt tot um die verfluchten Ruinen des Lagers verstreut. Die Raben, die in der Luft kreisten, waren dankbar f�r das Festmahl.</p><p>Sie waren noch mehrere Tagesm�rsche von der Festung des Feindes entfernt, aber die Vorr�te waren reichlich, und die Stimmung war gut. Als die Sonne ganz am Himmel aufgegangen war, bewegte sich die Ork-Horde unter ihrem neuen F�hrer Thrall festen Schrittes und entschlossen auf Durnholde zu.</p><empty-line/><p>�Nat�rlich habe ich ihm nichts verraten�, erkl�rte Langston und nippte an Blackmoores Wein. �Er nahm mich gefangen und folterte mich, aber ich habe den Mund gehalten, das kann ich Euch sagen. Aus Bewunderung lie� er mich und meine M�nner ziehen.�</p><p>Insgeheim bezweifelte Blackmoore diese Geschichte, aber er sagte nichts. �Erz�hl mir mehr von diesen Wundern, die er vollbringt�, bat er.</p><p>Gl�cklich, die Gunst seines Mentors zur�ckgewonnen zu haben, spann Langston eine fantastische Geschichte �ber Wurzeln, die seinen K�rper fesselten, Blitze, die auf Kommando einschlugen, gut trainierte Pferde, die ihre Reiter im Stich lie�en, und die Erde selbst, die eine Mauer zerschmetterte. H�tte Blackmoore nicht bereits �hnliche Geschichten von den wenigen M�nnern, die zur�ckgekehrt waren, geh�rt, er h�tte wahrscheinlich angenommen, dass Langston der Flasche sogar noch st�rker zusprach als er selbst.</p><p>�Ich war auf dem richtigen Weg, als ich Thrall an mich nahm�, sinnierte Blackmoore und nahm einen weiteren Schluck Wein. �Du siehst, was er ist, was er aus diesem j�mmerlichen Haufen gebrochener, mutloser Gr�nh�ute gemacht hat.�</p><p>Es bereitete ihm geradezu k�rperliche Pein, wenn er daran dachte, wie nahe er daran gewesen war, diese offensichtlich m�chtige neue Horde zu kontrollieren. Direkt darauf folgte ein Bild in seinem Geist von Taretha und den Briefen der Freundschaft, die sie an seinen Sklaven geschrieben hatte. Wie stets stieg in ihm bei diesem Gedanken eine Wut auf, die mit einem seltsamen scharfen Schmerz gemischt war. Er hatte sie in Ruhe gelassen, hatte sie nie wissen lassen, dass er die Briefe gefunden hatte. Er erz�hlte nicht einmal Langston davon und war jetzt zutiefst dankbar f�r seine eigene Weisheit bei dieser Entscheidung. Er glaubte, dass Langston Thrall wahrscheinlich alles berichtet hatte, was er wusste. Und das machte eine �nderung des Plans erforderlich.</p><p>�Ich f�rchte, dass andere angesichts der Folter der Orks nicht so standhaft waren wie du, mein Freund�, sagte er und versuchte, den Sarkasmus aus seiner Stimme zu verbannen, doch es gelang ihm nicht v�llig. Gl�cklicherweise hatte Langston bereits so viel getrunken, dass er es nicht zu bemerken schien. �Wir m�ssen annehmen, dass die Orks alles wissen, was wir wissen, und dementsprechend handeln. Wir m�ssen versuchen zu denken wie Thrall. Was w�rde er als n�chstes tun? Was ist sein Endziel?�</p><p><emphasis>Und wie bei allen H�llen, die es gibt, kann ich einen Weg finden, ihn zur�ckzugewinnen?</emphasis></p><p>Obwohl er eine Armee von fast zweitausend Leuten anf�hrte und man sie mit hoher Wahrscheinlichkeit entdecken w�rde, tat Thrall alles in seiner Macht Stehende, um den Marsch der Horde zu verbergen. Er bat die Erde, ihre Abdr�cke zu bedecken, und die Luft, ihren Geruch von jedem Tier fortzutragen, das sie wittern und Alarm schlagen k�nnte. Es war wenig, aber jedes Qu�ntchen half.</p><p>Er schlug das Lager mehrere Meilen s�dlich von Durnholde auf, in einem wilden und allgemein gemiedenen Wald. Zusammen mit zwei Kundschaftern begab er sich zu einem bestimmten Waldst�ck direkt vor der Festung. Hellscream und Drek�Thar hatten versucht, ihm dies auszureden, aber er bestand darauf.</p><p>�Ich habe eine Plan�, sagte er, �einen, der uns in die Lage versetzen k�nnte, unsere Ziele zu erreichen, ohne dass auf beiden Seiten unn�tig Blut vergossen wird.�</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Selbst in den k�ltesten Tagen des Winters � bis auf den schweren Schneesturm, der jeden davon abgehalten hatte, Durnholde zu verlassen � hatte Taretha immer wieder den vom Blitz gef�llten Baum besucht. Und jedes Mal, wenn sie in die schwarzen Tiefen des Baumes blickte, war dort nichts gewesen.</p><p>Sie genoss die R�ckkehr des w�rmeren Wetters, obwohl die vom geschmolzenen Schnee durchweichte Erde an ihren Stiefeln saugte und es dem Schlamm mitunter gelang, Taretha einen von ihnen auszuziehen. Aber den Stiefel befreien und ihn wieder �ber ihren Fu� streifen zu m�ssen, war ein geringer Preis f�r die frischen Ger�che des erwachenden Waldes, die Sch�chte hellen Sonnenlichts, die die Schatten aufbrachen, und das erstaunliche Farbenmeer, das die Wiesen und den Waldboden sprenkelte.</p><p>Auf Durnholde redeten alle von Thralls Taten. Das brachte Blackmoore dazu, nur noch mehr zu trinken. Was manchmal nicht schlecht war. Mehr als einmal war Taretha leise ins Schlafzimmer getreten und hatte den Herrn von Durnholde schlafend auf dem Boden, im Sessel oder im Bett vorgefunden. Stets lag eine Flasche in der N�he. In diesen N�chten atmete Taretha Foxton erleichtert auf, schloss die T�r und schlief allein in ihrer eigenen kleinen Kammer.</p><p>Vor ein paar Tagen war der junge Lord Langston zur�ckgekehrt und hatte Geschichten erz�hlt, die zu fantastisch klangen, um auch nur ein kleines Kind zu erschrecken. Und doch � Hatte sie nicht von den Kr�ften gelesen, die die Orks einst besessen haben sollten? Kr�fte, die in Harmonie mit der Natur standen? Vor langer, langer Zeit? Sie wusste, wie intelligent Thrall war, und es h�tte sie in keinster Weise �berrascht, sollte er diese alten K�nste erlernt haben.</p><p>Jetzt n�herte Taretha sich dem alten Baum und blickte in seine Tiefen, wie sie es schon so oft vergeblich getan hatte.</p><p>Und rang nach Luft. Ihre H�nde flogen an ihren Mund, und ihr Herz begann so wild zu schlagen, dass sie f�rchtete, sie m�sse ohnm�chtig werden. Dort, in ein braunschwarzes Loch gebettet, lag ihre Halskette. Sie fing das Sonnenlicht ein und leuchtete wie ein silberner Leitstern. Taretha streckte ihre zitternden Finger nach dem Schmuckst�ck aus, ergriff es � und lie� es wieder fallen.</p><p>�Wie ungeschickt!�, zischte sie und nahm die Kette wieder mit etwas ruhigerer Hand auf.</p><p>Es konnte ein Trick sein. Vielleicht hatte man Thrall gefangen und ihm die Halskette abgenommen. Vielleicht hatte man sie sogar als die ihre erkannt. Doch � es sei denn Thrall hatte jemandem von ihrer Abmachung erz�hlt � wer sollte wissen, dass er sie hier abzulegen hatte? Und einer Sache war sie sich sicher: Niemand konnte Thrall brechen.</p><p>Tr�nen der Freude f�llten ihre Augen und liefen an ihren Wangen hinab. Sie wischte sie mit der Linken ab, w�hrend ihre Rechte z�rtlich den halbmondf�rmigen Anh�nger hielt.</p><p>Thrall war hier in den W�ldern, versteckte sich wahrscheinlich in der H�hle des Drachenfelsens. Er wartete auf ihre Hilfe. Vielleicht war er verletzt. Ihre H�nde schlossen sich um die Halskette, und sie stopfte sie in ihr Kleid. Es war am Besten, wenn niemand ihren �verlorenen� Schmuck sah.</p><p>So gl�cklich war sie nicht mehr gewesen, seit sie den Ork das letzte Mal gesehen hatte, und doch machte sie sich Sorgen um seine Sicherheit, w�hrend sie zur�ck nach Durnholde ging.</p><empty-line/><p>Der Tag schien kein Ende nehmen zu wollen. Taretha war dankbar, dass es heute Abend Fisch gab; mehr als einmal war ihr von falsch zubereitetem Fisch schlecht geworden. Der Koch von Durnholde hatte Blackmoore vor �ber zwanzig Jahren in der Schlacht gedient. Er war als Belohnung f�r seine Dienste eingestellt worden, nicht seiner Kochkunst wegen.</p><p>Nat�rlich a� sie nicht mit Blackmoore am Tisch in der gro�en Halle. Der Lord w�re nicht im Traum darauf gekommen, vor seinen edlen Freunden eine Dienstmagd neben sich sitzen zu haben. Sie war ihm gerade gut genug f�rs Bett, und das kam Taretha heute Abend sehr entgegen.</p><p>�Du scheinst mit deinen Gedanken ganz woanders zu sein, Liebes�, sagte Tammis zu seiner Tochter, als sie an dem kleinen Tisch in seinem Quartier sa�en. �Geht es dir � gut?�</p><p>Der besorgte Ton seiner Stimme und der �ngstliche Blick, den ihre Mutter bei der Frage auf Taretha richtete, brachten sie beinahe zum Grinsen. Ihre Eltern machten sich Sorgen, sie k�nnte schwanger sein. Nun, das w�rde ihr bei ihrer List helfen.</p><p>�Sehr gut, Pa�, antwortete sie. �Aber dieser Fisch � findest du nicht auch, dass er seltsam schmeckt?�</p><p>Clannia stocherte mit ihrer zweizinkigen Gabel in ihrem eigenen Fisch. �Er schmeckt ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass Randrel ihn zubereitet hat.�</p><p>Tats�chlich war der Fisch heute sehr lecker. Trotzdem nahm Taretha einen weiteren Bissen, kaute, schluckte und verzog das Gesicht. Sie �bertrieb ein wenig, als sie den Teller von sich fort schob. W�hrend ihr Vater eine Orange sch�lte, schloss Taretha die Augen und wimmerte.</p><p>�Es tut mir Leid �� Sie rannte aus dem Raum und machte dabei Ger�usche, als w�rde sie sich gleich �bergeben m�ssen. Sie erreichte ihr Quartier, das im gleichen Stockwerk lag wie das ihrer Eltern, und beugte sich kniend mit un�berh�rbaren Brechlauten �ber den Nachttopf. Sie musste l�cheln. Die Situation w�re wirklich sehr komisch gewesen, h�tte nicht so viel auf dem Spiel gestanden.</p><p>Jemand klopfte eindringlich gegen die T�r. �Liebling, ich bin�s�, h�rte sie Clannias Stimme. Ihre Mutter �ffnete die T�r. Taretha schob den leeren Nachttopf au�er Sicht. �Meine Arme. Du bist bleich wie Milch.�</p><p>Das zumindest musste Taretha nicht vort�uschen. �Bitte � kann Pa mit dem Lord sprechen? Ich glaube nicht ��</p><p>Clannia lief rot an. Obwohl jeder wusste, dass Taretha Blackmoores Geliebte war, sprach man nicht dar�ber. �Nat�rlich, meine Kleine, nat�rlich. M�chtest du heute Nacht bei uns schlafen?�</p><p>�Nein�, sagte sie schnell. �Nein, es ist nicht so schlimm. Ich m�chte nur ein wenig allein sein.� Sie hob ihre Hand wieder zum Mund, und Clannia nickte.</p><p>�Wie du w�nschst, Tari-Liebling. Gute Nacht. Lass uns wissen, wenn du etwas brauchst.�</p><p>Clannia schloss die T�r hinter sich, und Taretha lie� einen langen, tiefen Seufzer der Erleichterung heraus. Jetzt musste sie nur noch warten, bis sie unbemerkt gehen konnte. Ihre Kammer lag ganz in der N�he der K�chen, in denen noch bis sp�t in die Nacht gearbeitet wurde. Doch als alles still war, stahl sie sich heraus. Zuerst ging sie in die K�chen und packte so viel Essen, wie sie in die Finger bekommen konnte, in einen Sack. Sie hatte bereits ein paar alte Kleider zerrissen, um Verbandszeug zur Verf�gung haben, sollte Thrall es ben�tigen.</p><p>Blackmoores Gewohnheiten waren so vorhersagbar wie der Aufgang und der Untergang der Sonne. Wenn er schon beim Abendessen trank, was er meist tat, dann war er bereit, sie gleich nach dem Abendessen in seinem Schlafzimmer zu unterhalten. Danach fiel er in einen tiefen Schlaf, aus dem nichts ihn vor Sonnenaufgang aufzuwecken vermochte.</p><p>Sie hatte den Bediensteten in der gro�en Halle gelauscht und wusste, dass er wie �blich getrunken hatte. Sie war diese Nacht nicht bei ihm, und das w�rde ihm die Laune verhagelt haben. Inzwischen aber w�rde er mit Sicherheit l�ngst schlafen.</p><p>Vorsichtig �ffnete Taretha die T�r zu Blackmoores Quartier. Sie schl�pfte hinein und schloss die T�r wieder so leise wie m�glich. Lautes Schnarchen empfing sie. Beruhigt schlich sie zu ihrem Schl�ssel zur Freiheit.</p><p>Blackmoore hatte vor vielen Monaten damit geprahlt, als er wieder einmal selbst f�r seine Verh�ltnisse stark betrunken war. Er hatte vergessen, dass er ihr davon erz�hlt hatte, aber Taretha erinnerte sich genau. Jetzt ging sie zu dem kleinen Schreibtisch und �ffnete eine Schublade. Sie dr�ckte vorsichtig. Der falsche Boden lockerte sich in ihrer Hand und enth�llte ein kleines K�stchen.</p><p>Taretha nahm den Schl�ssel heraus, stellte das K�stchen zur�ck in die Schublade und setzte den falschen Boden wieder ein. Dann wandte sie sich dem Bett zu.</p><p>Zur Rechten hing ein Wandteppich, der einen edlen Ritter zeigte. Er k�mpfte mit einem wilden, schwarzen Drachen, der einen gro�en Schatz verteidigte. Taretha schob den Wandteppich zur Seite und fand den wahren Schatz des Raumes � eine versteckte T�r. So leise sie konnte, f�hrte sie den Schl�ssel ins Schloss ein, drehte ihn und �ffnete die Geheimt�r.</p><p>Steinstufen f�hrten hinab in die Dunkelheit. K�hle Luft schlug ihr entgegen und f�hrte den Geruch von nassem Stein mit. Sie schluckte und stellte sich ihrer Furcht. Sie wagte es nicht, eine Kerze anzuz�nden. Blackmoore schlief tief, aber das Risiko war zu gro�. H�tte er gewusst, was sie tat, h�tte er sie bis auf die Knochen auspeitschen lassen.</p><p><emphasis>Denk an Thrall</emphasis>, dachte sie. <emphasis>Denk an die Dinge, denen sich Thrall stellen musste.</emphasis> Sicher konnte sie ihre Furcht vor der Dunkelheit f�r ihn �berwinden.</p><p>Sie schloss die T�r hinter sich und stand pl�tzlich in einer Finsternis, die so absolut war, dass sie sie beinahe ber�hren konnte. Die Panik eines gefangenen Vogels stieg in ihr auf, aber sie k�mpfte sie nieder. Es bestand keine Gefahr, sich hier zu verirren. Es gab nur einen Tunnel. Sie nahm ein paar tiefe Atemz�ge und setzte sich in Bewegung.</p><p>Vorsichtig stieg sie die Stufen hinunter, streckte jedes Mal ihren rechten Fu� aus, um nach der n�chsten zu tasten, und zog dann behutsam den linken nach. Schlie�lich ber�hrten ihre F��e Erde. Von hier aus neigte sich der Tunnel leicht nach unten. Sie erinnerte sich an das, was Blackmoore ihr erz�hlt hatte. <emphasis>Die Lords m�ssen sicher sein, meine Liebe</emphasis>, hatte er genuschelt und sich zu ihr hin�ber gelehnt, so dass sie seinen weinseligen Atem riechen konnte. <emphasis>Und wenn es zu einer Belagerung kommt, nun, dann gibt es einen Weg, wie wir uns in Sicherheit bringen k�nnen, du und ich.</emphasis></p><p>Der Tunnel kam ihr endlos vor. Furcht nagte an ihrem Herzen. <emphasis>Was, wenn der Tunnel zusammenbricht? Was, wenn er nach all den Jahren blockiert ist? Was, wenn ich hier in der Dunkelheit stolpere und mir ein Bein breche?</emphasis></p><p><emphasis>W�tend brachte Taretha die Stimmen der Angst zum Schweigen. Ihre Augen versuchten, sich an die Dunkelheit zu gew�hnen, doch da es keinerlei Licht gab, war ihre M�he umsonst.</emphasis></p><p>Sie zitterte. Es war so kalt hier unten �</p><p>Nach einer Ewigkeit begann der Boden langsam wieder anzusteigen. Taretha widerstand dem Drang, loszurennen. Sie durfte jetzt nicht die Kontrolle verlieren und stolpern. Sie versuchte, ruhig und langsam zu gehen, aber sie konnte nichts dagegen tun, dass sich ihre Schritte beschleunigten.</p><p>War es nur ihre Einbildung, oder wurde die schreckliche Finsternis tats�chlich etwas heller? Nein, sie bildete es sich nicht nur ein. Vor ihr, schr�g oben, war die Schw�rze weniger dicht. Pl�tzlich stie� ihr Fu� gegen etwas, und sie stolperte nach vorn, schlug mit den Knien und den ausgestreckten H�nden gegen etwas. Es waren verschiedene Schichten von Stein � Stufen! Sie streckte eine Hand aus und bewegte sich langsam die Treppe aufw�rts, bis ihre suchenden Finger Holz ber�hrten.</p><p>Eine T�r. �ber ihrem Kopf befand sich eine T�r. Ein neuer schrecklicher Gedanke ergriff Besitz von ihr. Was, wenn sie von au�en verriegelt war? W�rde das nicht Sinn ergeben? Wenn jemand auf diesem Wege von Durnholde entkommen konnte, dann konnte auch jemand anderes mit feindlichen Absichten auf dem gleichen Weg eindringen. Sie war sicher verschlossen �</p><p>Aber sie war es nicht. Taretha stemmte sich gegen die T�r, dr�ckte mit ihrer ganzen Kraft. Alte Scharniere kreischten, aber die T�r schwang nach oben und fiel mit einem lauten Krachen flach auf den Boden. Taretha erschreckte. Erst als sie den Kopf vorsichtig durch die kleine, quadratische �ffnung schob und die Nacht so hell wie der Tages schien, seufzte sie erleichtert auf und erlaubte sich zu glauben, dass sie es geschafft hatte.</p><p>Die vertrauten Ger�che von Pferden, Leder und Heu stiegen in ihre Nase. Sie befand sich in einem kleinen Stall. Sie kletterte ganz aus dem Tunnel heraus und fl�sterte den Pferden, die ihr mit milder Neugierde die K�pfe zuwandten, leise und beruhigend zu. Es waren vier; ihr Sattel- und Zaumzeug hing an der Wand. Taretha wusste sofort, wo sie sein musste. In der N�he der Stra�e, doch ziemlich weit von Durnholde entfernt, gab es eine Kurierstation, wo Reiter, deren Gesch�fte keine Versp�tung duldeten, ersch�pfte Pferde gegen frische tauschten. Licht drang durch Spalte in den W�nden. Taretha schloss vorsichtig die Luke im Boden, durch die sie gekommen war, und verbarg sie unter ein wenig Heu. Sie ging zur Stallt�r und �ffnete sie. Das blauwei�e Licht der beiden Monde blendete sie fast.</p><p>Wie sie es vermutet hatte, befand sie sich am Rand des kleinen Dorfes, das Durnholde umgab und von Leuten bewohnt wurde, die ihren Lebensunterhalt damit verdienten, sich um die Bed�rfnisse der Festungsbewohner zu k�mmern. Taretha nahm sich einen Augenblick Zeit, um sich zurechtzufinden. Dort war die Felswand, die wie ein Drache aussah.</p><p>Thrall w�rde in der H�hle auf sie warten, hungrig und vielleicht verletzt. Beschwingt von ihrem Sieg �ber den dunklen Stollen rannte Taretha darauf zu.</p><empty-line/><p>Als Thrall sah, wie Tari �ber den Kamm des kleinen H�gels rannte, ihre schlanke Gestalt in Mondlicht gebadet, fiel es ihm schwer, einen Freudenschrei zu unterdr�cken. Er begn�gte sich damit, ihr entgegen zu laufen.</p><p>Taretha z�gerte einen Augenblick, als sie ihn sah, dann hob sie ihren Rocksaum an und rannte auch auf ihn zu. Ihre H�nde trafen sich, und als die Kapuze von ihrem kleinen Gesicht fiel, waren Tarethas Lippen zu einem breiten L�cheln ge�ffnet.</p><p>�Thrall!�, rief sie. �Es ist so sch�n, dich zu sehen, mein lieber Freund!� Sie dr�ckte so fest sie konnte die beiden Finger des riesigen Orks, die ihre eigenen kleinen H�nde gerade noch halten konnten und w�re vor Freude beinahe in die Luft gesprungen.</p><p>�Taretha�, brummte Thrall liebevoll. �Geht es dir gut?�</p><p>Ihr L�cheln verschwand, kehrte aber sogleich zur�ck. �Gut genug. Und du? Wir haben nat�rlich von deinen Taten geh�rt! Es ist niemals besonders angenehm, wenn Lord Blackmoore in schlechter Stimmung ist, aber da das zugleich hei�t, dass du in Freiheit bist, freue ich mich inzwischen auf seine Wut. Oh �� Mit einem letzten Druck lie� sie Thralls Hand fallen und griff nach dem Sack, den sie getragen hatte. �Ich wusste nicht, ob du verwundet oder hungrig bist. Ich konnte nicht viel besorgen, aber ich habe gebracht, was ich fand. Ich habe etwas zu essen f�r dich und ein paar R�cke, die ich f�r Verb�nde zerrissen habe. Es ist gut zu sehen, dass du das nicht brauch ��</p><p>�Tari�, sagte Thrall sanft. �Ich bin nicht alleine gekommen.�</p><p>Er gab seinen Kundschaftern, die in der H�hle gewartet hatten, das Signal und sie traten heraus. Ihre Gesichter waren zu Grimassen der Missbilligung und Feindseligkeit verzerrt. Sie richteten sich zu ihrer vollen Gr��e auf, verschr�nkten muskul�se Arme vor riesigen Brustk�rben und starrten finster. Thrall beobachtete Taris Reaktion genau. Sie war �berrascht, und f�r einen kurzen Augenblick flackerte Angst �ber ihr Gesicht. Er konnte es ihr nicht verdenken. Die beiden Kundschafter taten alles in ihrer Macht Stehende, um bedrohlich zu erscheinen. Doch schlie�lich l�chelte sie und ging zu den Orks hin�ber.</p><p>�Wenn ihr Freunde von Thrall seid, dann seid ihr auch meine Freunde�, sagte sie und streckte ihre H�nde aus.</p><p>Einer der Orks schnaubte vor Verachtung und schlug ihre Hand fort, nicht so hart, dass er sie verletzt h�tte, aber doch hart genug, um sie fast aus dem Gleichgewicht zu bringen. �Kriegsh�uptling, Ihr verlangt zu viel von uns!�, fauchte ein anderer auf Orkisch. �Wir werden die Frauen und Kinder schonen, wenn Ihr es befehlt, aber wir werden nicht ��</p><p>�Doch, ihr werdet!�, erkl�rte Thrall und benutzte dabei ebenfalls die Sprache seines Volkes. �Dies ist die Frau, die ihr Leben riskierte, um mich aus den H�nden jenes Mannes zu befreien, dem wir beide geh�rten. Und jetzt riskiert sie ihr Leben wieder, um uns zu Hilfe zu kommen. Ihr k�nnt Taretha vertrauen. Sie ist anders.� Er wandte sich ihr zu und betrachtete sie liebevoll. �Sie ist etwas Besonderes.�</p><p>Die Kundschafter schauten weiter finster drein, aber sie schienen sich ihres Vorurteils weniger sicher zu sein. Sie tauschten Blicke und gaben Taretha schlie�lich nacheinander die Hand.</p><p>�Wir sind dankbar f�r das, was du gebracht hast� sagte Thrall und wechselte wieder in die Sprache der Menschen. �Sei versichert, wir werden es essen und die Verb�nde behalten. Ich zweifle nicht daran, dass wir sie noch ben�tigen werden.�</p><p>Das L�cheln wich aus Taris Gesicht. �Du hast vor, Durnholde anzugreifen�, sagte sie.</p><p>�Nicht, wenn ich es vermeiden kann, aber du kennst Blackmoore ebenso gut wie ich. Morgen wird meine Armee auf Durnholde marschieren. Wir sind bereit anzugreifen, wenn wir gezwungen sind. Aber erst werde ich Blackmoore die Gelegenheit geben, mit uns zu sprechen. Durnholde ist das Zentrum, das die Lager kontrolliert. Wenn wir Durnholde nehmen k�nnen, werden auch die Lager zusammenbrechen. Aber wenn Blackmoore bereit ist zu verhandeln, werden wir kein Blut vergie�en. Wenn unsere Leute befreit werden, lassen wir die Menschen in Ruhe.�</p><p>Ihr helles Haar sah im Mondlicht silbern aus. Sie sch�ttelte traurig den Kopf. �Er wird niemals zustimmen�, sagte sie. �Er ist zu stolz, um an das Wohl der Menschen zu denken, �ber die er befielt.�</p><p>�Dann bleib hier bei uns�, sagte Thrall. �Meine Leute haben Befehl, die Frauen und Kinder zu schonen, aber in der Hitze der Schlacht kann ich nicht f�r ihre Sicherheit garantieren. Du bist in Gefahr, wenn du zur�ckkehrst.�</p><p>�Wenn man entdeckt, dass ich nicht da bin�, antwortete Tari, �dann wird irgendjemand erkennen, dass etwas nicht stimmt. Sie k�nnten dich zuerst finden und angreifen. Und meine Eltern sind noch dort. Blackmoore w�rde seine Wut an ihnen auslassen, da bin ich mir sicher. Nein, Thrall.</p><p>Mein Platz ist auf Durnholde. Er ist es immer gewesen, selbst jetzt.�</p><p>Thrall blickte sie ungl�cklich an. Er kannte, was sie nicht kennen konnte: das Chaos der Schlacht, das Blut, den Tod und die Panik. Er h�tte sie lieber in Sicherheit gewusst, wenn es ihm m�glich gewesen w�re, aber er musste ihren Willen akzeptieren.</p><p>�Du hast Mut�, sprach unerwartet einer der Kundschafter. �Du riskierst dein eigenes Leben, um uns die M�glichkeit zu geben, unser Volk zu befreien. Unser Kriegsh�uptling hat nicht gelogen. Manche Menschen, so scheint es, verstehen, was Ehre hei�t.� Und der Ork verbeugte sich.</p><p>Taretha schien das zu gefallen. Sie wandte sich wieder Thrall zu. �Ich wei�, es klingt dumm, aber sei vorsichtig. Ich m�chte dich morgen Abend treffen, um deinen Sieg mit dir zu feiern.� Sie z�gerte. Dann sagte sie: �Ich habe Ger�chte �ber deine Kr�fte geh�rt, Thrall. Stimmen Sie?�</p><p>�Ich wei� nicht, was du geh�rt hast, aber ich habe die Wege der Schamanen erlernt. Ich kann die Elemente kontrollieren. Ja.�</p><p>Ihr Gesicht schien zu leuchten. �Dann hat Blackmoore keine Chance gegen dich. Zeige Gnade in deinem Sieg, Thrall. Du wei�t, wir sind nicht alle wie er. Hier. Ich m�chte, dass du mein Kette hast. Ich habe sie so lange nicht gehabt, dass es sich falsch anf�hlt, wenn ich sie behalte.�</p><p>Sie neigte den Kopf und nahm die silberne Kette mit dem halbmondf�rmigen Anh�nger ab. Sie lie� sie in Thralls H�nde fallen und faltete seine Finger dar�ber. �Behalte sie.</p><p>Gib sie deinem Sohn, wenn du einen hast, und vielleicht werde ich ihn eines Tages besuchen.�</p><p>Wie vor so vielen Monaten schon einmal trat Taretha vor und umarmte Thrall so gut sie es vermochte. Dieses Mal war er nicht �berrascht �ber die Geste, sondern hie� sie willkommen und erwiderte sie. Er streichelte ihr seidiges Haar und hoffte verzweifelt, dass sie beide den kommenden Kampf �berleben w�rden.</p><p>Sie trat einen Schritt zur�ck, streckte eine Hand aus, um sein Gesicht mit dem starken Kiefer zu streicheln, drehte sich zu den anderen um und nickte ihnen zu. Dann wandte sie sich ab und schritt entschlossen den Weg zur�ck, den sie gekommen war. W�hrend er ihr nachblickte, hielt Thrall die Halskette fest in der Hand und sp�rte ein seltsames Gef�hl in seinem Herzen. <emphasis>Pass auf dich auf Tari. Pass auf dich auf.</emphasis></p><empty-line/><p>Erst als sie einige Distanz zwischen sich und die Orks gebracht hatte, erlaubte sich Tari Tr�nen. Sie hatte solche Angst, solch schreckliche Angst. Trotz ihrer tapferen Worte wollte sie ebenso wenig sterben wie irgendjemand sonst. Sie hoffte, dass es Thrall gelingen w�rde, seine Leute unter Kontrolle zu halten, denn sie wusste, dass er einzigartig war. Nicht alle Orks teilten seine Nachsicht mit den Menschen. Wenn man nur Blackmoore �berreden k�nnte, zur Einsicht zu gelangen! Aber da w�re es wahrscheinlicher gewesen, dass ihr pl�tzlich Fl�gel wuchsen und sie all dem hier h�tte davonfliegen k�nnen. Obwohl sie ein Mensch war, w�nschte sie sich einen Sieg der Orks � einen Sieg f�r Thrall! Wenn er �berlebte, w�rden die Menschen mit Mitgef�hl behandelt werden. Das wusste sie. Wenn er fiel, konnte sie sich dessen nicht sicher sein. Und wenn Blackmoore gewann � Was Thrall als Sklave durchmachen musste, w�rde nichts gegen die Folter sein, die er dann von Blackmoore zu erwarten hatte.</p><p>Sie kehrte in den kleinen Stall zur�ck, �ffnete die Luke im Boden und stieg in den Stollen hinab. Ihre Gedanken waren so sehr bei Thrall und dem bevorstehenden Kampf, dass ihr die Finsternis dieses Mal kaum zusetzte.</p><p>Taretha war noch immer tief in Gedanken versunken, als sie die Stufen zu Blackmoores Raum hinaufstieg und die T�r behutsam �ffnete.</p><p>Pl�tzlich wurden die verdunkelten Laternen entbl��t und tauchten Taretha in helles Licht. Sie keuchte auf. In einem Sessel direkt gegen�ber der geheimen T�r sa� Blackmoore. Langston und zwei brutal aussehende Wachleute umstanden ihn.</p><p>Blackmoore war stockn�chtern, und seine dunklen Augen glitzerten im Kerzenlicht. Sein Bart teilte sich zu einem L�cheln, das ihn wie ein hungriges Raubtier aussehen lie�.</p><p>�Sch�n, dich zu sehen, kleine Verr�terin�, sagte er mit einer Stimme wie Samt. �Wir haben auf dich gewartet.�</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Nebelig brach der Morgen an. Thrall roch den Regen, der in der Luft lag. Er h�tte einen sonnigen Tag vorgezogen, um den Feind besser erkennen zu k�nnen, aber der Regen w�rde seine Krieger besonnener und ma�voller vorgehen lassen. Au�erdem konnte Thrall den Regen kontrollieren, wenn es n�tig werden sollte. F�r den Augenblick lie� er das Wetter tun, was es wollte.</p><p>Er, Hellscream und eine kleine Gruppe von Eisw�lfen w�rden vorausgehen. Die Armee w�rde ihnen folgen. Thrall w�re lieber in der Deckung der B�ume geblieben, aber eine Armee von beinahe zweitausend Kriegern ben�tigte die Stra�e. Wenn Blackmoore Sp�her postiert hielt, w�rde er gewarnt werden. Thrall konnte sich von seiner eigenen Zeit auf Durnholde nicht an solche Posten erinnern, aber die Dinge hatten sich inzwischen ver�ndert.</p><p>Die von ihm angef�hrte Vorhut bewegte sich stetig auf der Stra�e nach Durnholde voran. Thrall rief einen kleinen Singvogel und bat ihn, sich f�r ihn umzusehen. Der Vogel kam nach kurzer Zeit zur�ck, und in seinem Geist h�rte Thrall: <emphasis>Sie haben euch gesehen. Sie rennen zur�ck zur Festung. Andere sind unterwegs, um euch den R�ckzug abzuschneiden.</emphasis></p><p><emphasis>Thrall runzelte die Stirn. Das war eine ziemlich gute Organisation f�r Blackmoores Verh�ltnisse. Trotzdem � seine Armee war den M�nnern auf Durnholde zahlenm��ig vierfach �berlegen.</emphasis></p><p>Der Vogel mit dem gelbschwarzen K�rper und dem hellblauen Kopf hatte sich auf Thralls riesigem Zeigefinger niedergelassen und wartete. <emphasis>Flieg zur�ck zu meiner Armee und finde den alten, blinden Schamanen. Erz�hle ihm, was du mir erz�hlt hast.</emphasis></p><p>Der Vogel neigte den blauen Kopf und flatterte davon, um Thralls Bitte zu erf�llen. Drek�Thar war nicht nur ein Schamane, sondern auch ein erfahrener Krieger. Er w�rde wissen, wie er auf die Warnung des Vogels zu reagieren hatte.</p><p>Thrall und seine Gruppe bewegten sich ruhig und ohne Z�gern vorw�rts. Die Stra�e machte eine Biegung, und dann ragte Durnholde in seiner stolzen, steinernen Herrlichkeit vor ihnen auf. Thrall sp�rte eine Ver�nderung unter seinen Begleitern.</p><p>�Hebt die Parlament�rsflagge�, sagte er. �Wir werden uns an die Regeln halten. Das h�lt sie vielleicht davon ab, zu fr�h das Feuer zu er�ffnen. Fr�her haben wir die Lager leicht erst�rmt�, gab er zu. �Jetzt stehen wir vor einer schwierigeren Aufgabe. Durnholde ist eine Festung, und sie wird nicht leicht einzunehmen sein. Aber glaubt mir, wenn die Verhandlungen scheitern sollten, <emphasis>wird</emphasis> Durnholde fallen.�</p><p>Er hoffte, dass es nicht dazu kommen musste, aber er rechnete mit dem Schlimmsten. Es war unwahrscheinlich, dass Blackmoore Vernunft beweisen w�rde.</p><p>W�hrend er sich mit seinen Gef�hrten n�herte, konnte Thrall Bewegung auf den Zinnen ausmachen. Als er genau hinsah, erkannte er die M�ndungen von Kanonen, die auf sie gerichtet waren. Bogensch�tzen nahmen ihre Positionen ein, und mehrere Dutzend Ritter zu Pferd kamen um die Seiten der Festung galoppiert, um sich vor ihr zu formieren. Sie trugen Lanzen und Speere und stoppten ihre Pferde. Sie warteten.</p><p>Thrall marschierte unbeeindruckt weiter. Es entstand mehr Bewegung auf den Mauern, dort, direkt �ber dem gro�en, h�lzernen Tor, und sein Herz begann ein wenig schneller zu schlagen. Es war Aedelas Blackmoore. Thrall blieb stehen. Sie waren jetzt nahe genug, um sich durch Rufe zu verst�ndigen. Er w�rde sich nicht weiter n�hern.</p><p>�Das ist ja sch�n�, erklang eine schwerz�ngige Stimme, an die sich Thrall nur zu gut erinnerte. �Wenn das nicht mein kleiner Haus-Ork ist. Scheint inzwischen ausgewachsen zu sein.�</p><p>Thrall lie� sich nicht provozieren. �Ich gr��e Euch, Generalleutnant�, sagte er. �Aber ich komme nicht als Euer Haustier, sondern als Anf�hrer einer Armee, die Eure M�nner schon in der Vergangenheit vernichtend geschlagen hat. Doch ich werde heute nicht angreifen, es sei denn, ihr zwingt mich dazu.�</p><p>Langston stand neben seinem Herrn an der Brustwehr. Er konnte es einfach nicht glauben. Blackmoore war stockbetrunken. Langston, der Tammis h�ufiger geholfen hatte, seinen Herrn ins Bett zu bringen, als er zugeben wollte, hatte Blackmoore noch nie so sturzbetrunken und dabei doch noch f�hig zu stehen gesehen. Was hatte er sich dabei gedacht?</p><p>Blackmoore hatte das M�dchen nat�rlich verfolgen lassen. Ein Kundschafter mit scharfen Augen, der sich meisterhaft verbergen konnte, hatte die T�r im Kurierstall entriegelt, damit sie aus dem geheimen Stollen hatte steigen k�nnen. Er hatte sie beobachtet, wie sie Thrall und ein paar andere Orks traf. Und er hatte gesehen, wie sie ihm einen Sack mit Essen �bergab, wie sie das Monster <emphasis>umarmte</emphasis> � beim Licht! � und dann durch den nicht l�nger geheimen Tunnel zur�ckgekehrt war. Blackmoore t�uschte gestern Nacht seine Trunkenheit nur vor und war vollkommen n�chtern, als das ahnungslose M�dchen in seinem Schlafzimmer erschien, um von Blackmoore, Langston und den anderen in Empfang genommen zu werden.</p><p>Taretha wollte zuerst nicht sprechen, aber sobald sie erfuhr, dass man ihr gefolgt war, versicherte sie Blackmoore eilig, dass Thrall gekommen sei, um �ber den Frieden zu verhandeln. Allein den Gedanken empfand Blackmoore als eine tiefe Beleidigung. Er entlie� Langston und die anderen Wachen. Langston ging noch lange vor der T�r auf und ab und h�rte Blackmoore fluchen. Manchmal lie� sich das Ger�usch einer Hand vernehmen, die auf Fleisch schl�gt.</p><p>Er hatte Blackmoore bis zum jetzigen Moment nicht wiedergesehen, aber Tammis hatte ihm berichtet. Blackmoore hatte seine schnellsten Reiter ausgesandt, um Verst�rkung zu rufen, aber die befand sich immer noch mindestens vier Stunden entfernt. Die logische Vorgehensweise w�re es gewesen, den Parlament�r � Thrall! � in Gespr�che zu verwickeln, bis Hilfe eintraf. Die Etikette verlangte es, dass Blackmoore eine kleine Schar seiner eigenen Leute aussandte, um mit den Orks zu sprechen. Sicher w�rde Blackmoore jeden Augenblick den Befehl dazu geben. Das war einfach nur logisch. Wenn die Z�hlungen stimmten � und davon war Langston �berzeugt �, befehligte Thrall eine zweitausendk�pfige Armee.</p><p>Es gab f�nfhundertvierzig Mann in Durnholde, von denen weniger als vierhundert ausgebildete Krieger mit Kampferfahrung waren.</p><p>W�hrend er die Lage mit steigender Nervosit�t �berdachte, erkannte Langston Bewegung am Horizont. Sie waren zu weit entfernt, als dass er Einzelheiten h�tte ausmachen k�nnen, aber er konnte klar erkennen, wie sich ein gewaltiges gr�nes Meer langsam �ber die Anh�he schob, begleitet vom steten, zerm�rbende Schlagen der Trommeln.</p><p>Thralls Armee.</p><p>Obwohl es ein k�hler Morgen war, f�hlte Langston wie ihm der Schwei� ausbrach.</p><empty-line/><p>�Dassis nett, Thrall�, lallte Blackmoore. Thrall beobachtete angewidert wie der fr�here Kriegsheld schwankte und sich an der Mauer festhalten musste. �Was m�ches du?�</p><p>Wieder k�mpfte das Mitleid in seinem Herzen mit dem Hass. �Wir wollen nicht l�nger gegen die Menschen k�mpfen, es sei denn, man zwingt uns dazu, uns zu verteidigen. Aber Ihr haltet in Euren abscheulichen Lagern viele hundert Orks gefangen, Blackmoore, und sie werden auf die eine oder andere Art befreit werden. Wir k�nnen es ohne weiteres Blutvergie�en tun. Wenn Ihr alle Orks, die in den Lagern gefangen gehalten werden, frei lasst, kehren wir in die Wildnis zur�ck und lassen die Menschen in Frieden.�</p><p>Blackmoore warf den Kopf zur�ck und lachte. �Oh!�, keuchte er und wischte sich Tr�nen der Heiterkeit aus den Augen. �Oh, du bisst besser als � als der Hofnarr des K�nigs, Thrall. Sklave. Ich schw�r�s, du bist noch unterhaltsamer geworrn als damals im Gladiatorenring. H�r dich an! Sprichst ganze S�tze, beim Licht! Glaubst, du verst�ndest es, Gnade walten zu lassen, wie?� Langston f�hlte, wie ihn jemand am �rmel zupfte. Er schrak zusammen, und als er sich umwandte, sah er den Sergeant. �Ich empfinde keine gro�e Liebe f�r Euch, Langston�, knurrte der Mann mit den harten Augen, �aber wenigsten seid Ihr n�chtern. Ihr m�sst Blackmoore zum Schweigen bringen! Holt ihn da runter! Ihr habt gesehen, wie stark die Orks sind!�</p><p>�Wir k�nnen auf gar keinen Fall kapitulieren�, erkl�rte Langston, obwohl er es in seinem tiefsten Herzen wollte.</p><p>�Nein�, sagte der Sergeant, �aber wir sollten wenigstens M�nner ausschicken, um mit ihnen zu sprechen, und uns etwas Zeit erkaufen, bis die Verst�rkung eintrifft. Er <emphasis>hat</emphasis> nach Verst�rkung geschickt, nicht wahr?�</p><p>�Nat�rlich hat er das�, zischte Langston. Ihr Gespr�ch war bemerkt worden, und Blackmoore wandte sich ihnen mit blutunterlaufenen Augen zu. Ein kleiner Sack lag zu seinen F��en, und er stolperte fast dar�ber.</p><p>�Ah, der Sergeant!�, dr�hnte er und torkelte auf ihn zu. �Thrall! Hier iss ein alter Freund!�</p><p>Thrall seufzte. Langston fand, dass der Ork von ihnen allen am gefasstesten wirkte. �Es tut mir Leid, dass Ihr noch immer hier seid, Sergeant.�</p><p>�Mir auch�, h�rte Langston den Offizier murmeln. Lauter sagte er: �Du bist lange fort gewesen, Thrall.�</p><p>��berzeugt Blackmoore, die Orks frei zu lassen, und ich schw�re bei der Ehre, die Ihr mich gelehrt habt, dass keine dieser Mauern vernichtet wird.�</p><p>�Mylord�, sagte Langston nerv�s, �Ihr erinnert euch, welche Kr�fte er in der letzten Schlacht bewiesen hat. Thrall hatte mich, und er lie� mich gehen. Er hielt sein Wort. Ich wei�, er ist nur ein Ork, aber ��</p><p>�H�rssu das, Thrall?� br�llte Blackmoore. �Du bist nur ein Ork! Sogar der Idiot Langston sagt das! Was f�rn Mensch ergibt sich 'nem Ork?� Er lehnte sich �ber die Mauer.</p><p>�Warum hast du das getan, Thrall?� schrie er hinab. �Ich hab dir alles gegeb�n! Du und ich, wir h�tt�n deine Gr�nh�ute gegen die verdammte Allianz gef�hrt. Wir h�tt�n mehr Reichtum und Macht besessen, als wir�s uns jemals h�tt�n ertr�umen k�nn�!�</p><p>Langston starrte ihn entsetzt an. Blackmoore schrie seinen Verrat heraus, und alle konnten es h�ren. Zumindest hatte er Langston nicht belastet � noch nicht. Langston w�nschte sich, er h�tte den Mut besessen, Blackmoore einfach �ber die Mauer zu sto�en und Thrall die Festung ohne weiteres Z�gern zu �bergeben.</p><empty-line/><p>Thrall griff die Gelegenheit beim Schopf. �H�rt ihr das, M�nner von Durnholde?�, br�llte er. �Euer Lord wollte euch alle verraten! Erhebt euch gegen ihn! Schafft ihn fort und ergebt euch uns, und am Ende dieses Tages habt ihr immer noch euer Leben und eure Festung!�</p><p>Aber es gab keine pl�tzlich Rebellion, und Thrall konnte es sogar verstehen. �Ich frage Euch ein weiteres Mal, Blackmoore. Wollt Ihr verhandeln � oder sterben?�</p><p>Blackmoore richtete sich zu voller Gr��e auf. Thrall sah jetzt, dass er etwas in der rechten Hand hielt. Es war ein Sack.</p><p>�Hier iss meine Antwort, Thrall!�</p><p>Er griff in den Sack und zog etwas heraus. Thrall konnte nicht sehen, was es war, aber er erkannte, dass Sergeant und Langston entsetzt zur�ckfuhren. Dann schleuderte Blackmoore das Ding zu ihm hinab. Es fiel auf den Boden und rollte Thrall vor die F��e.</p><p>Tarethas blaue Augen starrten blicklos aus ihrem abgeschlagenen Kopf zu ihm empor.</p><p>�So bestraf ich Verr�ter!� schrie Blackmoore und tanzte wild an der Brustwehr. �Das macht man mit Menschen, die man liebt und die einen verraten � die alles nehmen und nichts geben � die ihr Herz dreifach verfluchten <emphasis>Orks</emphasis> schenken!�</p><p>Das Lallen verschwand fast aus seiner Stimme.</p><p>Aber Thrall h�rte ihn nicht. Donner grollte in seinen Ohren. Seine Knie gaben nach, und er fiel auf die Erde. Ihm wurde �bel, und sein Blick verschwamm.</p><p>Das durfte nicht sein. Nicht Tari! Selbst Blackmoore war nicht f�hig, einer Unschuldigen eine solche Abscheulichkeit anzutun!</p><p>Fast w�nschte er sich, von Bewusstlosigkeit �bermannt zu werden. Aber er blieb unerbittlich wach, starrte auf Taris langes blondes Haar, ihre blauen Augen und ihren blutigen, abgetrennten Hals. Dann verschwamm das schreckliche Bild. N�sse lief �ber sein Gesicht. Schmerz fra� sich in seine Brust, und Thrall erinnerte sich an die Worte, die Tari vor so langer Zeit zu ihm gesprochen hatte: <emphasis>Das nennt man Tr�nen. Sie kommen, wenn wir traurig sind, wenn unsere Seele krank ist. Es ist, als sei unser Herz so voller Schmerz, dass er nirgendwo anders mehr hin kann.</emphasis></p><p><emphasis>Aber es gab einen Ort, an den der Schmerz gehen konnte: in die Tat</emphasis>, in die <emphasis>Rache</emphasis>. Rote Wut vernebelte Thrall den Blick, und er warf seinen Kopf zur�ck und schrie mit einer Rage, wie er sie noch nie zuvor empfunden hatte. Der rohe Zorn verbrannte ihm schier die Kehle.</p><p>Der Himmel kochte. Dutzende von Blitzen spalteten die Wolken und blendeten f�r einen Moment die Augen. Das aufgebrachte Rollen des krachenden Donners, das folgte, machte die Ohren der M�nner in der Festung sekundenlang taub. Viele lie�en ihre Waffen fallen und sanken auf die Knie, von fassungslosem Entsetzen erfasst angesichts des Schauspiels elementarer Emp�rung, das so offensichtlich die Qualen des Ork-F�hrers widerspiegelte.</p><p>Blackmoore lachte und verwechselte Thralls Wut offenbar mit hilflosem Schmerz. Als das letzte Grollen des Donners erstarb, br�llte er: �Sie hab�n gesagt, man k�nne dich nich brechen! Aber schau, ich hab dich gebrochen, Thrall. <emphasis>Ich hab dich gebrochen!</emphasis>�</p><p>Thralls Schrei erstarb pl�tzlich, und er starrte Blackmoore an. Selbst auf die Entfernung konnte Thrall erkennen, wie das Blut aus Blackmoores Gesicht wich und sein Feind endlich zu verstehen begann, was er mit diesem grausamen Mord geweckt hatte.</p><p>Thrall war mit der Hoffnung gekommen, den Konflikt friedlich beenden zu k�nnen, aber Blackmoore hatte diese Chance vollkommen zerst�rt. Der Generalleutnant w�rde keinen weiteren Sonnenaufgang mehr erleben, und seine Burg w�rde wie Glas unter der Faust der Orks zerspringen.</p><p>�Thrall �� Es war Hellscream, der sich nicht sicher war, in welchem Zustand sich der junge Ork befand. Thrall, dessen Brust noch immer vor Kummer schmerzte und dem Tr�nen �ber das breite, gr�ne Gesicht rannen, spie�te ihn mit einem wilden Blick auf. Zustimmung gemischt mit Verst�ndnis zeigte sich auf Hellscreams Gesicht.</p><p>Thrall nutzte seine starke F�higkeit zur Selbstkontrolle und hob langsam den gewaltigen Kriegshammer. Er begann mit den F��en aufzustampfen, langsam, aber stetig, in einem machtvollen, regelm��igen Rhythmus. Die anderen Orks schlossen sich ihm an, und zaghaft begann die Erde zu beben.</p><p>Langston starrte angeekelt und entsetzt auf das Haupt des M�dchens, das auf der Erde drei�ig Fu� unter ihnen lag. Er kannte Blackmoores Grausamkeit, aber er hatte sich niemals vorstellen k�nnen �</p><p>�Was habt Ihr getan?� Die Worte explodierten aus dem Mund des Sergeants, der Blackmoore packte und ihn herumwirbelte, damit er ihm direkt ins Gesicht sehen konnte.</p><p>Blackmoore begann hysterisch zu lachen.</p><p>In den Eingeweiden des Sergeants wurde es kalt, als er die Schreie der Orks h�rte und dann sp�rte, wie der Untergrund leicht zu beben begann. �Mylord, er bringt die Erde zum Aufb�umen � Wir m�ssen feuern!�</p><p>�Wenn zweitausend Orks mit�n F��en aufstampfen, bebt <emphasis>nat�rlich </emphasis> der Boden!�, knurrte Blackmoore starrsinnig. Er wandte sich zur�ck zur Mauer und hatte offenbar vor, den Ork weiter mit Worten zu martern.</p><p><emphasis>Wir sind verloren</emphasis>, dachte Langston. Jetzt war es zu sp�t, um sich zu ergeben. Thrall w�rde seine d�monische Magie herbeirufen und die Festung und jeden Einzelnen darin vernichten. Er wollte Rache f�r das M�dchen. Langstons Mund bewegte sich, aber er brachte keine Worte heraus. Er sp�rte, wie der Sergeant ihn anstarrte.</p><p>�Ich verfluche euch, ihr hochgeborenen, herzlosen Bastarde�, zischte er, bevor er br�llte: �<emphasis>Feuer!</emphasis>�</p><empty-line/><p>Thrall zuckte nicht einmal, als die Kanonen ihre t�dliche Ladung ausspien. Hinter sich h�rte er Schmerzensschreie, aber er blieb unber�hrt. Er rief den Geist der Erde, sch�ttete seine Verzweiflung aus, und die Erde antwortete. In einer pr�zisen Linie warf sich die Erde auf und lief unmittelbar von Thralls F��en aus zu dem riesigen Tor hin � wie der Schacht eines gigantischen Maulwurfs. Das Tor wurde ersch�ttert. Die Mauer, die es umgab, zitterte, und ein paar kleine Steine fielen herab, aber die Festung war besser gebaut als die Lager, und die Mauer hielt stand.</p><empty-line/><p>Blackmoore kreischte. Sein Blick erkannte auf einmal sehr scharf, was um ihn herum vorging, und zum ersten Mal, seit er sich genug Mut angetrunken hatte, um die Hinrichtung von Taretha Foxton zu befehlen, dachte er wieder klar.</p><p>Langston hatte nicht �bertrieben. Thralls Kr�fte waren gewaltig, und seine Taktik, den Ork zu brechen, war gescheitert. Tats�chlich hatte er ihn zu noch gr��erer Wut angestachelt, und w�hrend Blackmoore in Panik und mit einem Gef�hl von �belkeit in der Kehle zusah, flossen Hunderte � nein, <emphasis>Tausende</emphasis> riesiger, gr�ner Gestalten in einem t�dlichen Strom die Stra�e hinunter.</p><p>Er musste hier weg. Thrall w�rde ihn t�ten. Er wusste es. Irgendwie w�rde Thrall ihn finden und t�ten f�r das, was er mit Taretha gemacht hatte �</p><p><emphasis>Tari, Tari, ich liebte dich. Warum hast du mir das angetan?</emphasis></p><p>Jemand schrie. Langston kl�ffte Blackmoore ins Ohr, das h�bsche Gesicht ger�tet, die Augen vor Furcht hervorgetreten. Die Stimme des Sergeants war an seinem anderen Ohr und spie sinnlosen L�rm. Blackmoore starrte die beiden hilflos an. Der Sergeant bl�kte weitere Worte, dann wandte er sich den M�nnern zu. Sie fuhren fort, die Kanonen zu laden und abzufeuern, und unter Blackmoore st�rmten die Ritter gegen die Reihen der Orks. Er h�rte Schlachtrufe und das Krachen von Stahl. Die schwarzen R�stungen seiner M�nner verschmolzen scheinbar mit der h�sslichen, gr�nen Haut der Orks, und hier und da gab es ein Aufblitzen wei�en Fells, als � Beim Licht! War es Thrall wirklich gelungen, wei�e W�lfe in seine Armee aufzunehmen?</p><p>�Zu viele�, fl�sterte er. �Es sind zu viele. So viele von ihnen ��</p><p>Wieder zitterten die Mauern der Festung. Angst, wie Blackmoore sie noch nie gekannt hatte, ergriff Besitz von ihm, und er fiel auf die Knie. In dieser Haltung kroch er wie ein Hund die Stufen hinab in den Hof.</p><p>Die Ritter waren alle drau�en. Sie k�mpften und, davon war Blackmoore �berzeugt, starben. Im Inneren der Festung schrien die M�nner, die noch �brig waren, und packten, was sie finden konnten, um sich zu verteidigen � Sensen, Mistgabeln, sogar die h�lzernen �bungswaffen, mit denen ein viel j�ngerer Thrall einst seine Kampfk�nste trainiert hatte. Ein eigenartiger, jedoch vertrauter Geruch stieg in Blackmoores Nase. Furcht, ja, das war es. Er kannte den Gestank aus vergangenen Schlachten, hatte ihn noch an den Leichen der Gefallenen gerochen. Er hatte vergessen gehabt, wie er ihm stets den Magen umdrehte.</p><p>So h�tte es nicht sein sollen. Die Orks auf der anderen Seite des zitternden Tores h�tten <emphasis>seine</emphasis> Armee sein m�ssen. Ihr F�hrer, der da drau�en wieder und wieder Blackmoores Namen schrie, war eigentlich sein unterw�rfiger, gehorsamer Sklave. Und Tari sollte hier sein � wo war sie denn �? Und dann erinnerte er sich. Er erinnerte sich wie seine eigenen Lippen den Befehl bildeten, der ihr das Leben raubte, und ihm wurde vor den Augen seiner eigenen M�nner abgrundtief schlecht. �Er hat die Kontrolle verloren!�, br�llte Langston, nur wenige Zoll vom Ohr des Sergeants entfernt. Er br�llte, damit der andere ihn im L�rm der Kanonen, der auf Schilde prallenden Schwerter und der Schmerzenschreie h�ren konnte. Wieder erzitterten die Mauern.</p><p>�Er hat die Kontrolle schon vor langer Zeit verloren!� gab der Sergeant zur�ck. �Ihr habt jetzt das Kommando, Lord Langston! Was sollen wir tun?�</p><p>�Kapitulation!�, kreischte Langston ohne zu z�gern. Der Sergeant, die Augen auf die Schlacht gerichtet, die drei�ig Fu� unter ihnen w�tete, sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Dazu ist es zu sp�t! Blackmoore hat uns alle dem Tod geweiht. Wir m�ssen um unser Leben k�mpfen, bis Thrall wieder �ber Frieden sprechen will � falls er das jemals wieder vorhat. Was sollen wir also tun?�, verlangte der Sergeant ein weiteres Mal zu wissen.</p><p>�Ich � ich �� Alles, was auch nur im Entferntesten an einen logischen Gedanken erinnerte, war aus Langstons Hirn gewichen. Diese Sache namens Schlacht, er war nicht daf�r geschaffen � schon zwei Mal war er in ihrem Angesicht zusammengebrochen. Er wusste, dass er ein Feigling war, und er verachtete sich daf�r. Aber das �nderte nichts an der Tatsache.</p><p>�Wollt Ihr, dass ich das Kommando �ber die Verteidigung von Durnholde �bernehme, Sir?� fragte der Sergeant.</p><p>Langston richtete nasse, dankbare Augen auf den �lteren Mann und nickte.</p><p>�In Ordnung dann�, sagte der Sergeant, wandte sich den M�nnern im Hof zu und begann, Befehle zu schreien.</p><p>In diesem Moment gab das Tor krachend nach, und eine Welle von Orks brandete in den Hof einer der am st�rksten gebauten Festungen des Landes.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Der Himmel �ffnete seine Schleusen, und schwerer Regen str�mte herab wie ein wilder Fluss. Blackmoores schwarzes Haar klebte an seinem Sch�del, und er rutschte im glitschigen Schlamm des Hofes aus. Er landete mit dem Gesicht auf dem Boden, aber er zwang sich, wieder auf die Beine zu kommen und torkelte weiter. Es gab nur einen Weg aus dieser blutigen, l�rmenden H�lle.</p><p>Er erreichte sein Quartier und rannte zu seinem Schreibtisch. Mit zitternden Fingern suchte er nach dem Schl�ssel. Er lie� ihn zweimal fallen, bevor es ihm gelang, zu dem Wandteppich neben seinem Bett zu stolpern, das Gewebe herunterzurei�en und den Schl�ssel ins Schloss zu stecken.</p><p>Blackmoore st�rmte in die Dunkelheit, verga� die Stufen und fiel sie hinunter. Doch die Trunkenheit hatte seinen K�rper schlaff wie eine Stoffpuppe werden lassen, und er erlitt nur ein paar blaue Flecke. Das Licht, das durch die T�r schien, reichte wenige Meter weit, und vor ihm wartete absolute Finsternis. Er h�tte eine Lampe mitnehmen sollen, aber daf�r war es jetzt zu sp�t. Es war f�r viele Dinge zu sp�t �</p><p>Er lief so schnell ihn seine Beine trugen. Die T�r auf der anderen Seite w�rde noch immer entriegelt sein. Er w�rde entkommen, in den Wald fliehen, und wenn das T�ten vorbei war, w�rde er zur�ckkehren und vorgeben � er wusste es nicht. <emphasis>Irgendetwas.</emphasis></p><p>Die Erde bebte wieder, und Blackmoore wurde zu Boden geworfen. Er f�hlte, wie kleine Steinbrocken und Erdklumpen auf ihn herabregneten, und als die Ersch�tterung nachlie�, erhob er sich wieder und lief mit vorgestreckten Armen weiter. Staub hing dicht in der Luft. Er musste husten.</p><p>Dann stie�en seine Finger gegen einen gro�en Steinhaufen. Der Tunnel vor ihm war eingest�rzt! Ein paar wilde Sekunden lang versuchte Blackmoore sich einen Weg nach drau�en zu graben. Dann sank er schluchzend zu Boden. Was jetzt? Was sollte jetzt aus Aedelas Blackmoore werden?</p><p>Wieder erzitterte die Erde. Blackmoore kam auf die Beine und rannte den Weg zur�ck, den er gekommen war. Die Angst vor dem, was ihn dort erwarten mochte, war stark. Aber der �berlebensinstinkt war st�rker. Ein schrecklicher L�rm zerriss die Luft, und Blackmoore erkannte, dass der Tunnel nur wenige Schritte hinter ihm ebenfalls einst�rzte. Der Schock spornte ihn an, und er rannte wie von Furien gehetzt in Richtung auf sein Quartier. Die Decke des Stollens gab nun unabl�ssig hinter ihm nach und verfehlte ihn jedes Mal Haaresbreite. Es war, als galoppiere der Tod hinter ihm her und versuche ihn einzuholen.</p><p>Blackmoore stolperte die Stufen hinauf und warf sich nach vorn, w�hrend in seinem Nacken der Rest des Tunnels mit einem ohrenbet�ubenden Bersten zusammenbrach. Blackmoore griff nach den Binsenmatten auf dem Boden als k�nnten sie ihm einen Halt in dieser pl�tzlich wahnsinnig gewordenen Welt bieten. Das schreckliche Zittern der Erde schien kein Ende nehmen zu wollen.</p><p>Schlie�lich h�rte es auf. Er bewegte sich nicht, lag nur mit dem Gesicht auf dem Boden und keuchte schweratmend.</p><p>Ein Schwert erschien aus dem Nichts und klirrte ein paar Zoll vor seiner Nase gegen Stein. Mit einem Schrei zuckte Blackmoore zur�ck. Er blickte auf und sah Thrall vor sich stehen, das Schwert in der Hand.</p><p>Blackmoore hatte vergessen, wie <emphasis>gro�</emphasis> Thrall war. In schwarzer R�stung und mit einem riesigen Schwert ragte er vor dem am Boden liegenden Blackmoore wie Berg auf. Hatte sein h�ssliches Kinn schon immer eine solche Entschlossenheit ausgedr�ckt, eine solche � Pr�senz?</p><p>�Thrall�, begann Blackmoore mit zittriger Stimme. �Ich kann es erkl�ren ��</p><p>�Nein�, sagte Thrall mit einer Ruhe, die Blackmoore mehr Angst einfl��te, als es jede Wut es vermocht h�tte. �Du kannst es nicht erkl�ren. Es gibt keine Erkl�rung. Es gibt nur einen Kampf, der schon immer unausweichlich war, ein Duell auf Leben und Tod. Nimm das Schwert.�</p><p>Blackmoore zog sich m�hsam auf die Beine. �Ich � ich ��</p><p>�Nimm das Schwert�, wiederholte Thrall mit grollender Stimme, �oder ich durchbohre dich hier, wo du gerade kauerst.�</p><p>Blackmoore streckte eine zitternde Hand aus und schloss sie um den Griff des Schwertes.</p><empty-line/><p><emphasis>Gut</emphasis>, dachte Thrall. Zumindest w�rde ihm Blackmoore die Genugtuung eines Kampfes geben.</p><p>Die erste Person, auf die der Ork sich gest�rzt hatte, war Langston. Es war nicht schwer gewesen, den jungen Lord einzusch�chtern und ihn dazu zu bringen, von dem unterirdischen Fluchttunnel zu erz�hlen. Frischer Schmerz schnitt in Thralls Herz, als ihm klar wurde, dass dies der Weg gewesen sein musste, auf dem Taretha nach drau�en geschlichen war, um sich mit ihm zu treffen.</p><p>Er rief die Erdbeben, um den Tunnel zu versiegeln und Blackmoore zu zwingen zur�ckzukehren. W�hrend er wartete, schob er w�tend die M�bel aus dem Weg, um Platz zu schaffen f�r ihren letzten Kampf.</p><p>Dann war ein ver�ngstigter Blackmoore aus dem Tunnel gestolpert �</p><p>Thrall starrte den Generalleutnant an, als dieser sich schwankend erhob. War das wirklich derselbe Mann, den er als Kind gleichzeitig bewundert und gef�rchtet hatte? Es war schwer zu glauben. Dieser Mann war ein k�rperliches und seelisches Wrack. Der vage Schatten des Mitleids suchte Thrall wieder heim, aber er lie� nicht zu, dass er die Gr�ueltaten verga�, die Blackmoore begangen hatte.</p><p>�Greif mich an�, knurrte Thrall.</p><p>Blackmoore sprang vor. Er war schneller und konzentrierter als Thrall angesichts des betrunkenen Zustands erwartet h�tte, und der Ork musste tats�chlich schnell reagieren, um nicht getroffen zu werden. Er parierte den Hieb und wartete darauf, dass Blackmoore erneut zuschlug.</p><p>Der Konflikt schien den Lord von Durnholde wiederzubeleben. Ein Schatten von Wut und Entschlossenheit erschien auf seinem Gesicht, und seine Bewegungen wurden sicherer. Er t�uschte links einen Angriff vor und schlug dann rechts hart zu. Es gelang Thrall, den Hieb abzublocken.</p><p>Nun griff er selbst an, �berrascht und irgendwie erfreut dar�ber, dass Blackmoore sich verteidigen konnte und nur eine leichte Sch�rfwunde auf seiner ungesch�tzten linken Seite davongetragen hatte. Blackmoore erkannte seine Schw�che und sah sich nach etwas um, das ihm als Schild dienen konnte.</p><p>Mit einem Grunzen riss Thrall die T�r aus ihren Angeln und warf sie Blackmoore vor die F��e. �Versteck dich hinter der T�r eines Feiglings!�, schrie er.</p><p>Die T�r, die einen guten Schild f�r einen Ork abgegeben h�tte, war nat�rlich viel zu gro� f�r Blackmoore. Er stie� sie w�tend beiseite.</p><p>�Es ist noch immer nicht zu sp�t, Thrall�, sagte er und brachte den Ork aus der Fassung. �Du kannst dich mir anschlie�en. Wir k�nnen immer noch zusammenarbeiten. Nat�rlich werde ich die anderen Orks befreien, wenn du mir versprichst, mit mir unter meinem Banner zu k�mpfen � wie du es ohnehin tun wirst!�</p><p>Thrall war so w�tend, dass er sich nicht konzentriert genug verteidigte, als Blackmoore unerwartet vorsprang. Er brachte das Schwert zu sp�t hoch, und Blackmoores Klinge klirrte von der R�stung ab. Es war ein sauberer Hieb gewesen, und nur die Panzerung hatte Thrall vor einer Verletzung bewahrt.</p><p>�Du bist immer noch betrunken, Blackmoore, wenn du auch nur einen Augenblick lang glaubst, ich k�nnte den Anblick von ��</p><p>Wieder wurde Thralls Welt rot. Die Erinnerung an Tarethas blaue Augen, die ihn blicklos anstarrten, war mehr, als er ertragen konnte. Bisher hatte er sich zur�ckgehalten und versucht, Blackmoore zumindest eine faire Chance einzur�umen, aber jetzt schlug er alle R�cksicht in den Wind. Mit der Unaufhaltsamkeit einer Flutwelle, die auf eine K�stenstadt zurast, griff Thrall Blackmoore an. Jeder Schlag, jeder Wutschrei brachte Erinnerungen an seine Jugend zur�ck, an die Grausamkeit dieses Mannes. Als Blackmoore das Schwert aus den Fingern flog, sah Thrall Tarethas Gesicht, das freundliche L�cheln, das keinen Unterschied zwischen Mensch und Ork machte.</p><p>Und als er Blackmoore in eine Ecke trieb und diese Ruine eines Mannes einen Dolch aus seinem Stiefel zog und damit nach Thralls Gesicht stach � dabei nur knapp ein Auge verfehlend �, da <emphasis>br�llte </emphasis> die Rache in Thrall, und er f�hrte sein Schwert mit aller Kraft auf den Mann herab.</p><p>Blackmoore starb nicht sofort. Er kniete keuchend am Boden, w�hrend seine Finger hilflos die Seite hielten, aus der das Blut in einem erstaunlichen roten Strom gepumpt wurde. Er starrte mit glasigen Augen zu Thrall empor. Blut rann ihm auch aus dem Mund, und zu Thralls Erstaunen l�chelte er dazu.</p><p>�Du bist � was ich aus dir gemacht habe � Ich bin so stolz �� Mit diesen letzten Worten fiel er gegen die Wand.</p><empty-line/><p>Thrall trat in den Festungshof. Str�mend prasselte der Regen auf ihn nieder. Hellscream kam durch die Pf�tzen auf ihn zu gerannt. �Berichtet�, verlangte Thrall, w�hrend seine Augen bereits die Szene �berblickten.</p><p>�Wir haben Durnholde erobert, mein Kriegsh�uptling�, sagte Hellscream. Er war von Blut bedeckt und sah begeistert aus. Seine roten Augen leuchteten hell. �Die Verst�rkung der Menschen ist immer noch Meilen entfernt. Die meisten von denen, die Widerstand geleistet haben, sind �berw�ltigt. Wir sind fast damit fertig, die Burg zu durchsuchen und jene zu entfernen, die nicht in den Kampf eingriffen. Die Frauen und Kinder sind unverletzt, wie du es verlangt hast.�</p><p>Thrall sah Ork-Krieger, die Gruppen menschlicher M�nner umstanden. Die Menschen hockten im Schlamm und starrten finster auf ihre Gegner, von denen sie besiegt worden waren. Dann und wann wehrte sich einer, aber er wurde schnell wieder in seine Schranken verwiesen. Thrall bemerkte, dass die Orks sehr darauf brannten, ihre Gefangenen zu verletzen, aber sie hielten sich zur�ck.</p><p>�Findet mir Langston.�</p><p>Hellscream eilte fort, um Thralls Gehei� zu erf�llen, und Thrall ging von Gruppe zu Gruppe. Die Menschen waren entweder ver�ngstigt oder kampflustig, aber es war klar, wer jetzt die Kontrolle �ber Durnholde hatte. Er wandte sich um, als Hellscream zur�ckkehrte und Langston mit gut gezieltem Ansporn seines Schwertes vor sich hertrieb.</p><p>Sofort fiel Langston vor Thrall auf die Knie. Mit einem Gef�hl vager Abscheu befahl ihm Thrall aufzustehen. �Du hast jetzt das Kommando, nehme ich an?�</p><p>�Nun, der Sergeant � Ja. Ja, ich habe das Kommando.�</p><p>�Ich habe eine Aufgabe f�r dich, Langston.� Thrall beugte sich hinunter, um ihm auf gleicher H�he in die Augen zu blicken. �Du und ich, wir wissen, welchen Verrat Blackmoore geplant hatte. Ihr wolltet eure Allianz angreifen. Ich biete dir eine Chance, deine Schuld wiedergutzumachen, wenn du sie annimmst.�</p><p>Langstons Augen musterten Thrall, und ein wenig von seiner Furcht verlie� das Gesicht des jungen Mannes. �Was soll ich tun?�</p><p>�Bring eine Botschaft zu den Herren deiner Allianz. Erz�hl ihnen, was heute hier geschehen ist. Sag ihnen, wenn sie den Weg des Friedens w�hlen, dann werden sie uns bereit finden zum Handel und zur Zusammenarbeit, vorausgesetzt, sie befreien den Rest meines Volkes und geben uns Land � gutes Land � f�r unsere Bed�rfnisse. Wenn sie den Weg des Krieges w�hlen, werden sie auf einen Feind treffen, wie sie ihn noch nie zuvor erlebt haben. Ihr dachtet, wir seien vor f�nfzehn Jahren stark gewesen � aber das war nichts gegen den Feind, der euch heute auf dem Schlachtfeld gegen�bertreten w�rde. Du hast das Gl�ck gehabt, zwei Schlachten gegen meine Armee zu �berleben. Du bist, da bin ich mir sicher, in der Lage, das ganze Ausma� der Bedrohung, die wir f�r die Allianz darstellen w�rden, zu vermitteln.�</p><p>Langston war unter dem Schlamm und dem Blut auf seinem Gesicht blass geworden. Aber er blickte Thrall weiter ruhig in die Augen.</p><p>�Gebt ihm ein Pferd und Proviant�, sagte Thrall, der �berzeugt war, dass der Mann seine Botschaft verstanden hatte. �Langston soll ungehindert zu seinen Herren reiten. Ich hoffe, um deines Volkes Willen, dass sie auf dich h�ren werden. Jetzt geh.�</p><p>Hellscream packte Langston am Arm und f�hrte ihn zu den St�llen. Thrall sah, dass entsprechend seinen Anweisungen alle Orks, die nicht damit besch�ftigt waren, die Menschen zu bewachen, eifrig Vorr�te aus der Burg schafften. Pferde, Vieh, Schafe, Korns�cke, Bettzeug f�r Verb�nde � all die Dinge, die eine Armee ben�tigte, w�rden der neuen Horde bald zur Verf�gung stehen.</p><p>Es gab einen weiteren Mann, mit dem er sprechen musste, und nach einer Weile fand er ihn. Sergeants Gruppe hatte ihre Waffen nicht herausgegeben, aber sie benutzten sie auch nicht. Orks und Menschen standen sich bewaffnet gegen�ber, doch keiner schien einen offenen Kampf zu wollen.</p><p>Sergeants Augen verengten sich vorsichtig zu Schlitzen, als er sah, dass Thrall sich n�herte. Der Kreis der Orks teilte sich, um den Kriegsh�uptling durchzulassen. Eine lange Zeit blickten sich Sergeant und Thrall nur schweigend an. Dann, schneller als selbst Sergeant es ihm zugetraut h�tte, war Thralls Hand an Sergeants Ohrl�ppchen und packte den goldenen Ring fest zwischen seinen dicken, gr�nen Fingern. Dann lie� Thrall ihn ebenso schnell wieder los. Der Ohrring blieb, wo er war.</p><p>�Ihr habt mich gut geschult, Sergeant�, erkl�rte Thrall.</p><p>�Du warst ein guter Sch�ler, Thrall�, antwortete Sergeant vorsichtig.</p><p>�Blackmoore ist tot�, sagte Thrall. �Meine Leute bringen die Menschen aus der Festung und pl�ndern die Vorr�te, w�hrend wir sprechen. Durnholde steht nur noch, weil ich will, dass Durnholde steht.� Um seinen Satz zu unterstreichen, stampfte er einmal auf den Boden, und die Erde bebte hart.</p><p>�Ihr habt mich gelehrt, Gnade zu gew�hren. In diesem Augenblick solltet Ihr froh sein �ber diese Lektion. Ich werde Durnholde in wenigen Minuten dem Erdboden gleichmachen. Eure Verst�rkung wird nicht rechtzeitig eintreffen, um Euch noch irgendeine Hilfe zu sein. Wenn Eure M�nner bereit sind, sich zu ergeben, d�rfen sie und ihre Familien gehen. Wir werden daf�r sorgen, dass sie Essen und Wasser, sogar Waffen, bekommen. Wer sich nicht ergibt, wird in den Tr�mmern von Durnholde sterben. Ohne diese Festung und ihre Ritter, die die Lager bewacht haben, wird es uns leicht fallen, den Rest unseres Volkes zu befreien. Das ist stets mein einziges Ziel gewesen.�</p><p>�Wirklich?�, fragte Sergeant. Und Thrall wusste, dass er an Blackmoore dachte.</p><p>�Gerechtigkeit war mein Ziel�, sagte Thrall. �Und ihr wurde Gen�ge getan � und wird Gen�ge getan werden!�</p><p>�Habe ich dein Wort, das niemandem ein Leid geschieht?�</p><p>�Ihr habt es�, sagte Thrall und hob den Kopf, um seine Leute anzublicken. �Wenn Eure M�nner keinen Widerstand leisten, werden sie diesen Ort als freie Menschen verlassen.�</p><p>Als Antwort warf Sergeant seine Waffe auf die schlammige Erde. Es folgte Schweigen, dann machten die anderen Bewaffneten es ihm nach. Der Kampf war vorbei.</p><empty-line/><p>Als alle, Menschen und Orks, die Festung sicher verlassen hatten, rief Thrall den Geist der Erde an.</p><p><emphasis>Dieser Ort diente keinen guten Zielen. Er beherbergte Gefangene, die nichts B�ses getan hatten, und lie� das B�se zu einer schrecklichen Macht aufsteigen. Lass ihn fallen. Lass ihn fallen.</emphasis></p><p>Thrall breitete die Arme aus und begann rhythmisch auf die Erde zu stampfen. Er schloss die Augen und erinnerte sich an seine kleine Zelle, Blackmoores Folter sowie an den Hass und die Verachtung in den Augen der M�nner, mit denen er trainiert hatte. Die Erinnerungen waren erschreckend schmerzhaft, als er sie durchwanderte, und f�r einen Augenblick noch einmal durchlebte. Dann lie� er sie los.</p><p><emphasis>Lass ihn fallen. Lass ihn fallen.</emphasis></p><p>Die Erde grollte zum letzten Mal in dieser Schlacht. Der L�rm war ohrenbet�ubend, als die m�chtigen Steingeb�ude zermalmt wurden. Die Erde wallte auf, und es war, als verschlinge sie die Festung. Durnholde fiel und damit alles, gegen das Thrall gek�mpft hatte. Als die Erde wieder still wurde, war von der m�chtigen Festung nur noch ein Haufen Ger�ll und zerbrochenes Geh�lz �brig. Lauter Beifall erhob sich aus der Menge der Orks. Die Menschen, hager und verst�rt, starrten nur.</p><p>Irgendwo in diesem Haufen lag die Leiche von Aedelas Blackmoore. �Es wird lange dauern, bis er auch in deinem Herzen begraben sein wird�, erklang eine Stimme an seiner Seite. Thrall wandte sich Drek�Thar zu.</p><p>�Du bist weise, Drek�Thar�, sagte Thrall. �Vielleicht zu weise.�</p><p>�War es gut, ihn zu t�ten?�</p><p>Thrall dachte nach, bevor er antwortete. �Es musste getan werden�, sagte er. �Blackmoore war Gift, nicht nur f�r mich, sondern auch f�r so viele andere.� Er z�gerte. �Bevor ich ihn t�tete, sagte er � er sagte, er sei stolz auf mich. Ich sei, was er aus mir gemacht habe. Drek�Thar, dieser Gedanke entsetzt mich.�</p><p>�Nat�rlich bist du, was Blackmoore aus dir gemacht hat�, entgegnete Drek�Thar und �berraschte Thrall f�r einen Augenblick mit dieser grausamen Antwort. Sanft ber�hrte er dann Thralls mit Eisenplatten bewehrten Arm. �Und du bist, was Taretha aus dir gemacht hat. Und Sergeant und Hellscream und Doomhammer und ich und Snowsong. Du bist, was jede Schlacht aus dir gemacht hat, und du bist, was du selbst aus dir gemacht hast � der Herr der Clans.� Er verbeugte sich vor Thrall, dann drehte er sich um und schritt, von seinem kleinen Diener Palkar gef�hrt, davon. Thrall sah ihm nach. Er hoffte, er w�rde eines Tages so weise sein wie Drek�Thar.</p><p>Hellscream n�herte sich. �Die Menschen haben Proviant und Wasser erhalten, mein Kriegsh�uptling. Unsere Kundschafter melden, dass die menschliche Verst�rkung bald ankommen wird. Wir sollten verschwinden.�</p><p>�Einen Augenblick noch. Es gibt noch etwas, das Ihr f�r mich tun m�sst.� Er streckte Hellscream eine geschlossene Faust entgegen, dann �ffnete er sie. Eine silberne Halskette mit einem Anh�nger in Form einer Mondsichel fiel in Hellscreams ausgestreckte Hand. �Findet die Menschen, die sich die Foxtons nennen. Es ist wahrscheinlich, dass sie erst jetzt von dem Mord an ihrer Tochter erfahren haben. Gebt ihnen dies und sagt ihnen � sagt ihnen, dass ich mit ihnen trauere.�</p><p>Hellscream verbeugte sich und ging, um Thralls Wunsch zu erf�llen. Thrall atmete tief ein. Hinter ihm lag seine Vergangenheit, die Ruine, die einst Durnholde gewesen war. Vor ihm lag die Zukunft, eine gr�ne See. Sein Volk wartete hoffnungsvoll.</p><p>�Heute�, rief er und hob seine Stimme, damit alle ihn h�ren konnten, �heute hat unser Volk einen gro�en Sieg errungen. Wir haben die m�chtige Festung Durnholde zu Fall gebracht und ihren Griff um die Lager gebrochen. Aber wir k�nnen noch nicht ruhen. Wir k�nnen noch nicht behaupten, dass wir diesen Krieg gewonnen haben. Noch leiden viele unserer Br�der und Schwestern in Gef�ngnissen, doch wir wissen, dass sie bald frei sein werden. Sie werden wie ihr erfahren, was es bedeutet, ein Ork zu sein, die Leidenschaft und die Kraft unseres stolzen Volkes zu besitzen.</p><p>Wir sind unbesiegbar. Wir werden triumphieren, denn unsere Sache ist gerecht. Lasst uns gehen und die Lager finden und ihre Mauern zerschmettern und unser Volk befreien!�</p><p>Gro�er Beifall erhob sich, und Thrall blickte in Tausende stolzer, sch�ner Ork-Gesichter. Ihre M�nder waren aufgerissen, ihre F�uste winkten, und jeder Muskel ihrer m�chtigen K�rper k�ndete von Freude und Begeisterung. Er erinnerte sich an die tr�gen Kreaturen in den Lagern und f�hlte einen Stich fast schmerzhafter Freude, als er sich erlaubte zu erkennen, dass er es war, der sie zu diesen neuen H�hen gef�hrt hatte. Der Gedanke machte ihn dem�tig.</p><p>Ein tiefer Frieden ergriff ihn, als er zusah, wie seine Leute seinen Namen riefen. Nach so vielen Jahren der Suche wusste er endlich, wo sein wahres Schicksal lag, wusste tief in seinem Herzen, wer er war:</p><p>Thrall, Sohn des Durotan � Kriegsh�uptling der Horde.</p><p>Er war nach Hause gekommen.</p></section><section><title><p>�ber die Autorin</p></title><p>Die preisgekr�nte Autorin Christie Golden hat achtzehn Romane und sechzehn Kurzgeschichten in den Bereichen Science Fiction, Fantasy und Horror geschrieben. Sie begann die TSR <emphasis>Ravenloft</emphasis>-Reihe 1991 mit ihrem ersten Roman, dem �beraus erfolgreichen <emphasis>Vampire of the Mists</emphasis> [<emphasis>Schloss der Vampire</emphasis>], der den Vampirelfen Jander Sonnenstern einf�hrte. Golden setzte <emphasis>Vampire</emphasis> mit <emphasis>Dance of the Dead</emphasis> [<emphasis>Reigen der Toten</emphasis>] und <emphasis>The Enemy Within</emphasis> fort.</p><p>Golden hat sechs Romane zu der Serie Star Trek: Voyager geschrieben, darunter die beliebte Dark Matters-Trilogie und war an drei weiteren Star Trek-Projekten beteiligt. Ihre letzte Trek-Geschichte war ein spezieller Nachtrag zu der Romanadaption der letzten Voyager-Episode Endgame [Endspiel], in der sie die Charaktere in neue Richtungen f�hrt. Golden wird weiterhin Voyager-Romane schreiben, obwohl die TV-Serie inzwischen eingestellt wurde, und sie freut sich, die kreative Freiheit zu erforschen, die ihr diese neue Situation bietet. Obwohl sie am ehesten durch ihre Arbeiten f�r verschiedene Serien bekannt ist, hat Golden auch zwei eigenst�ndige Fantasy-Romane geschrieben, <emphasis>Kings Man &amp; Thief und Instrument of Fate</emphasis>, der es 1996 in die Vorausscheidung des Nebula-Awards schaffte. Unter dem Pseudonym Jadrien Bell schrieb sie einen historischen Fantasy-Thriller namens <emphasis>A. D. 999</emphasis>, der 1999 den <emphasis>Colorado Author�s League Top Hand Award</emphasis> f�r den besten Genre-Roman gewann. Golden lebt in Denver, Colorado, mit ihrem Ehemann, einem Portr�tmaler, zwei Katzen und einem Sch�ferhund. </p><p>Interessierte Leser sollten ihre Website <a l:href="http://www.christiegolden.com">www.christiegolden.com</a> besuchen.</p></section></body><binary id="cover" 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